Otto Zottmaier - Ehrenbürger von Simbach am Inn

vierlinger

Otto Zottmaier - Ehrenbürger von Simbach am Inn

Simbacher

EHRENBÜRGER

Otto Zottmaier reiht sich mit vielen Verdiensten

in die Aufzählung der Simbacher

Ehrenbürger ein. Bevor jedoch über den

Werdegang des namhaften Unternehmers

berichtet wird, muss man sich in Erinnerung

rufen, dass der Name Zottmaier untrennbar

mit dem Namen Aufschläger verbunden ist.

Über den Erfindergeist der Brüder Franz

und Ferdinand Aufschläger wurde im Simbacher

Anzeiger schon mehrmals berichtet,

ebenso wie über das Tiefbohrunternehmen,

für das Ferdinand Aufschläger 1873 den

Grundstein legte. Nachdem sein gleichnamiger

Sohn, mit dem er das Familien-Unternehmen

erfolgreich ausbaute, 1935 im Alter

von nur 52 Jahren verstarb, stand Ferdinand

Aufschläger sen. vor der schwierigen

Entscheidung, wie es weitergehen sollte. In

Person seines Schwiegerenkels Otto Zottmaier

konnte er einen würdigen Nachfolger

finden.

Otto Zottmaier wurde am 18. Oktober

1904 in Tirschenreuth als neuntes und

letztes Kind des Oberpostschaffners Friedrich

Zottmaier und seiner Frau Anna geboren.

Nach Volksschule und mit dem Abschluss

der Mittleren Reife begann er eine

zweieinhalbjährige Lehrzeit in der Preysing

Bank Deggendorf, bevor die Inflation am

30.6.1924 diesem Beruf ein Ende setzte.

Kurz entschlossen wechselte er zur Landespolizei

und trat als Unterwachtmeister

seinen Dienst an. Drei Jahre später konnte

er wieder kaufmännisch bei einem Versicherungsbüro

tätig werden. Er wurde zusätzlich

Geschäftsführer eines Kinos, einer

Apotheke, einer Brauerei in Bad Tölz und

eines Herrenausstatters in Nürnberg.

Wie es des Öfteren der Fall ist, hat die

Liebe Otto Zottmaier nach Simbach verschlagen.

Durch die Studentenverbindung

„Vindelicia Simbach“ lernte er Jeanette

Vom Bankkaufmann zum

Tiefbohr- und Spezialtiefbau-Unternehmen

Teil I

Aufschläger kennen und heiratete

sie am 10. September

1932. Der erste Sohn Otto Ferdinand

wurde 1936 geboren,

1940 sein zweiter Sohn Siegfried.

Wie bereits erwähnt,

starb Schwiegervater Ferdinand

Aufschläger jun. 1935

ebenso wie 1937 die Tochter

Anni, die sich kaufmännisch in

den Betrieb eingebracht hatte.

Auf Bitten des 84-jährigen

„Alten Aufschlägers“ übernahm

Otto Zottmaier die Geschäftsführung

und holte bereits

1935 seinen ersten Auftrag

von der Innwerk Bayerischen

Aluminium AG, um

zwischen Töging und Stammham

64 Bohrungen mit bis zu

50 Metern Tiefe durchzuführen.

Wissen an nächste Generation

weiter gegeben

Kernbohrung beim Kohlebergwerk Hausham bis 800 Meter Tiefe.

Im Vordergrund das Kernkissen für die Geologen

Otto war ein wissbegieriger

und ehrgeiziger Mann und der

Senior hatte seine Freude daran,

ihm sein Wissen weiterzugeben. Als

Ferdinand Aufschläger am 25. Mai 1942 mit

87 Jahren verstarb, baute Zottmaier sein

Erbe weiter technisch aus. Erfahrene Bohrmeister

wie Josef Schreiner und Alois Osel

standen ihm dabei zur Seite und mit Matthias

Bürsch und Ingenieur Lordt manövrierte

die bewährte Mannschaft das Bohrunternehmen

durch die Kriegsjahre. Mit einem

verbesserten Bohrverfahren und besseren

Werkzeugen wurden u. a. schwierige Schiffbohrungen

für die Flusskraftwerke an Inn,

Lech und Enns bewältigt. Das Hauptbüro

und die Wohnung

befanden sich in

dieser Zeit in München.

Vorausschauend

hatte Zottmaier

aber ein Ausweichbüro

in Simbach eingerichtet

und einen

Lagerplatz mit

Gleisanschluss von

der Bahn gepachtet.

Eine richtige Entscheidung,

denn im

September 1944

wurden Wohnung,

Büro und Lagerplatz

in München zerbombt.

Otto Zottmaier

Von Marianne Madl

Beim Einmarsch

der Amerikaner am

1. Mai 1945 in Simbach

wurde das Aufschlägerhaus in der Törringstraße

für einige Zeit beschlagnahmt

und von den Amerikanern genutzt.

War bisher der Schwerpunkt des rund

50-köpfigen Unternehmens, das weiterhin

den Namen „Ferdinand Aufschläger Simbach

– kurz FAS – führte der Brunnenbau,

so sah Otto Zottmaier nach dem Kriegsende

das Potential in Tiefbohrungen und stieg in

diese Sparte ein. Entsprechende, moderne

fahrbare Geräte wurden gekauft, Fachpersonal,

z. B. Bohrmeister eingestellt und die

firmeninterne Ausbildung forciert.

Schon frühzeitig war Zottmaier bei Ämtern

für Geologie und Wasserversorgung,

Bergbauunternehmen, Industrie und Gewerbe

vorstellig geworden und hatte die

Leistungsfähigkeit seiner Firma angepriesen.

Nachdem der Bayerische Staat in den

50er Jahren ein Förderprogramm für die

Aufsuchung von Bodenschätzen ins Leben

gerufen hatte, schlug auch die Stunde von

FAS. Aufträge der Kohlebergwerke Hausham,

Peißenberg, Schwanenkirchen u.a.

gingen an das Simbacher Unternehmen, das

Kohleflöze bis in 800 Metern Tiefe erschloss.

Sogar aus Belgien trafen Aufträge

ein.

Belegschaft identifizierte sich mit der Firma

Aus der 80-Mann-Belegschaft von 1950

wurden in zehn Jahren 150 Mitarbeiter. Dabei

war dem Ehepaar Zottmaier immer wichtig,

dass es der Belegschaft gut ging. Hatte


Die alte Werkstätte in der Törringstraße 1954

man zum 75-jährigen Betriebsjubiläum

1948 mit Rühreiern, Schweinsbraten, fassweise

Bier und Tanz im Simbacher Gasthof

Schätz gefeiert, ein Jahr später zum Volksfest

mit Gewerbeschau geladen, so ging es

1953 für die Belegschaft samt Partnern zum

Münchner Oktoberfest, wo jeder Hendl und

Bier in der Aufschläger-Box verzehren durfte.

Pflicht war allerdings, dass man auf dem

Weg zum Festplatz auch einen Baustellenbesuch

mit einplante. Dennoch waren solche

Extras zur damaligen Zeit selten. Die

Firma Aufschläger war als Arbeitgeber gefragt,

denn es wurden Treueprämien und

Weihnachtsgratifikationen gezahlt und eine

freiwillige Alters- und Invaliditätszusage

erteilt. Somit identifizierten sich die Mitarbeiter

mit ihrer Firma, die auch entsprechende

Aufstiegsmöglichkeiten bot.

250 Beschäftigte zählte man 1959. Es

war die Folge des weiteren Ausbaus zur

Spezialtiefbau-Firma. Das modernste, französische

Pfahlbohrgerät begutachteten

Otto Zottmeier und sein Sohn Siegfried, der

bis dahin ebenfalls schon Interesse am Firmeneinstieg

zeigte, auf der Baustelle des

Bayerischen Rundfunks.

Für die Baugrube

wurde mit

diesem Bohrgerät

eine überschnittene

Pfahlwand erstellt.

Die beiden Männer

waren sofort von

dieser Technik begeistert

und kauften

die sogenannte

„BENOTO“ vom

Fleck weg. Nach

einigen Einführungsund

Überzeugungsproblemen

für die

neue Pfahlbohrtechnik

und deren

vielfältige Anwendungsmöglichkeiten stand

der Anschaffung von zwei weiteren

„BENOTOS“ nichts mehr im Weg.

Nachfrage nach Pfahlbohrungen steigt

Die Nachfrage und die Entwicklung auf

dem Pfahlbohrsektor verlief steil nach oben.

Es wurden Rückverankerungen, sogenannte

Injektionszuganker, entwickelt, die es

möglich machten, sehr tiefe Baugruben mit

freiem Arbeitsraum herzustellen. Der Bauboom

der Nachkriegszeit war voll im Gange.

Allein in den ersten fünf Jahren setzte man

10.000 lfm Einzelpfähle und Pfahlwände.

Beim Autobahnbau Salzburg-Linz stützte

man den Hang bei Mondsee mit den Simbacher

Bohrpfählen ab, ebenso das Dampfkraftwerk

in Timelkamm (OÖ), den Fernsehturm

in Ulm oder ein Parkhochhaus in Hamburg.

FAS war in ganz Deutschland und Österreich

mit seinem Experten-Team unterwegs.

In vielen Straßen und U-Bahn-Schäch ten

steckt die Pfahlbohrtechnik von Aufschläger,

so z. B. in der Münchner U-Bahn. Hier

gab es 1968 eine besonders anspruchsvolle

Aufgabe zu meistern, denn 1972 fand die

Olympiade statt und man baute einen neuen

Tunnel zum Olympiazentrum. Unterhalb der

Leopoldstraße musste eine 18 Meter lange

Wand mit 12 Grad Neigung gebaut werden

– die erste schräge Pfahlwand der Welt. Eine

Herausforderung für die Pfahlbohrexperten,

die sie aber routiniert meisterten und

auch bei weiteren U-Bahn-Schächten und

Schrägwänden umsetzten.

Die erste schräge Pfahlwand weltweit bohrte

FAS beim Münchner U-Bahnbau

Währenddessen expandierte der Betrieb

weiter um eine Großwerkstätte, in der gut

ausgebildete Handwerker eigene Geräte

und Werkzeuge bauten und Reparaturen für

die laufenden Baustellen ausführten.


Simbacher

EHRENBÜRGER

Vom Bankkaufmann zum

Tiefbohr- und Spezialtiefbau-Unternehmen

Teil II

Otto Zottmaier

Von Marianne Madl

Auch der Brunnenbau war weiterhin ein

wichtiges Standbein der Firma und wurde

stetig weiterentwickelt. 1973 wurde sogar

ein Patent für den Großvertikalfilterbrunnen

angemeldet, der von Ing. Karl Meister (FAS)

und Prof. Dr. Kurt Ingerle (Uni Innsbruck)

entwickelt wurde. Bisher war es üblich aufwändige

Horizontalfilterbrunnen zu bauen.

Auf der Theresienwiese in München werden Probebohrungen für

den U-Bahnbau durchgeführt

In Simbach befestigen Aufschläger-Pfähle die Moosecker Straße

Durch die Ergiebigkeit der neuen Technik

konnte die Wassermenge von 20 Liter/Sekunde

auf 130 Liter/Sekunde gesteigert

werden. Der erste Brunnen dieser Bauart

wurde zufällig für die Stadt Simbach erstellt,

wobei der ursprünglich vorgesehene einfache

Bohrbrunnen auf Kosten der FAS zu

einem Sternfilterbrunnen erweitert wurde.

Später folgten München, Salzburg, Linz

und Großindustrie-Betriebe wie Siemens

oder ÖMV Schwechat. Teilweise erreichte

man bis zu 450 Liter/Sekunde in Bohrtiefen

bis zu 46 Metern.

Herausragend war 1973 der Staatsauftrag

für die Forschungsbohrung im Nördlinger

Ries. Vor 15 Millionen Jahren schlug

dort ein Meteorit mit der Wucht von

250.000 Hiroshima-Bomben ein. Zur genaueren

Erforschung bohrte man 1200 Meter

tief und entnahm den Bohrkern zur weiteren

Forschung.

Die Experten mit ihrer Ausrüstung waren

bis in den Nahen Osten gefragt und manch

abenteuerliche Begebenheit ist heute noch

in der Erinnerung von ehemaligen Mitarbeitern.

Unmittelbar vor der Haustür steckt die

Aufschläger-Technik in der Umgehungsstraße,

die 1978/79 gebaut wurde. Auf Höhe

des damaligen Autohauses Benninger

bei der Einschleifung

stützt eine 2000 m²

Pfahlwand die Moosecker

Straße ab. 1978

brachte man beim

Eisenbahn viadukt Pfähle

für die Verbreiterung

und Erhöhung der

Durchfahrt ein, als Vorbereitung

zum Bau einer

neuen Brücke, die allerdings

bis heute nicht errichtet

wurde.

In diese Zeit fällt auch

die Einweihung des

neuen Verwaltungsgebäudes

in der Herklithstraße,

das am 3. Mai

1978 in Betrieb genommen

wurde.

Anfang der 70er Jahre

hatte Otto Zottmaier

seinem Sohn Siegfried

die Führung von Familie

und Betrieb anvertraut.

Als Mehrheitsgesellschafter

war er weiterhin

an allen Entscheidungen

beteiligt.

Ende 1981 nahm

Siegfried Zottmaier Verhandlungen

mit einer

deutschen Großbaufirma

auf, um die Liquidität

zu verbessern. Durch den Neubau von

Werkstatt- und Bürogebäude sowie notwendige

Modernisierungsmaßnahmen waren

die Finanzen stark strapaziert. Die Verhandlungen

mit dem neuen Partner verliefen

sehr positiv und waren abgeschlossen,

als unerwartet 1983 die Nahostkrise ausbrach

und das Partnerunternehmen auf

Grund seines Engagements in Syrien in Gefahr

kam und sich zurückzog. Als Ersatz

wurden im September 1984 zwei Mehrheitsgesellschafter

aufgenommen, die allerdings

nicht in der Lage waren FAS ausreichend

zu stützen. Zusätzlich beschleunigten

sehr hohe Forderungsausfälle den

Gang zum Konkursgericht im März 1986.

Aus der Konkursmasse erstand eine

große deutsche Straßenbaufirma den Firmennamen,

das know how, die Patente und

übernahm einen Teil des Fachpersonals.

Aufschläger entwickelte sich gut, bis das Interesse

an der Spezialtiefbausparte erlosch

und Aufschläger Ende 1990 liquidiert wurde.

117 Jahre Firmengeschichte endeten mit

diesem Termin.

Zahlreiche Auszeichnungen

Doch noch einmal ein Blick zurück auf

das Wirken des lange erfolgreichen und innovativen

Unternehmers. Der gute Ruf von

Aufschläger in Person von Otto Zottmaier

wurde im In- und Ausland gewürdigt. Eine

der höchsten Auszeichnungen war das Bundesverdienstkreuz

1. Klasse, das ihm 1964

für großartige, unternehmerische Leistung

und Erhaltungs- und Aufbauarbeit verliehen

wurde. In Bescheidenheit erklärte er, dass er

diese Ehre für alle seine engagierten, fleißigen

und treuen Mitarbeiter sieht.

Nach dieser Würdigung traf Zottmaier ein

Schicksalsschlag, denn seine Ehefrau Jeanette

erkrankte 1965 schwer und starb am

29. Januar 1967 mit nur 59 Jahren. Sohn

Siegfried, der seit 1964 das Studium als

Dipl-Ing. abgeschlossen hatte, übernahm

als Stellvertreter des 63-jährigen Firmenchefs

ab 7. März 1967 die Firmenleitung,

denn nur langsam fand der Senior wieder

zurück zu seiner benötigten Kraft.

1974 erhielt Otto Zottmaier zu seinem

70. Geburtstag auf Grund seiner unermüdlichen

und erfolgreichen Aufbauarbeit den

Ehrenring der Stadt Simbach von Bürgermeister

Hans Murauer überreicht. Dabei erinnerte

Murauer auch die vielfältige Förderung

der Simbacher Vereine und Einrichtungen.

Darunter die Realschule, den ASC

und den TSV, der für seine Tennisanlage ein

Clubhaus spendiert bekam. Als Gönner erwies

er sich auch beim TC Heraklith, dem

Flugsportclub Kirchdorf-Simbach, der Studentenverbindung

Vindelicia und des Liederkranzes.

Mit dem Namen Zottmaier verbinden die

Mitglieder des Alpenvereins auch den Erwerb

der Simbacher Hütte, den sein Sohn

Otto Ferdinand anstieß. Aufschläger-

Trupps, allen voran Adi Rohrer, brachten die

Hütte auf Vordermann und stellten die Wasserversorgung

sicher.

Die größte Auszeichnung erhielt Otto

Zottmaier schließlich zu seinem 75. Geburtstag

mit der Verleihung der Ehrenbürger-Urkunde.

Stolz und glücklich nahm er

die Urkunde von Bürgermeister Hans Murauer

entgegen, folgte er doch mit dieser Anerkennung

dem „Alten Aufschläger“, der

sein Lehrmeister und Vorbild war.

Nach einigen beschwerlichen Jahren erlitt

Zottmaier am 5. Juli 1983 unerwartet

einen Schlaganfall und verstarb. Beigesetzt

wurde er auf dem Simbacher Friedhof in der

Familienkapelle, die er von Architekt Arnulf

Albinger für seine Frau Jeanette errichten

ließ.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine