kunst:stück Magazin c/o Osnabrück + Münsterland | issue 93

agenturh2

Kunst und Kultur aus der Region Osnabrück + Münsterland für die Monate Januar + Februar 2022

kunst:stück

Magazin für Kunst und Kultur

in der Region Osnabrück

und dem Münsterland

issue 93 | Januar / Februar 2022

Nils Völker, Paddling Pools, Detail, DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst


. grußwort

Kunsthaus

Kloster

Gravenhorst

vvAUS

SCHREI

BUNG 23

Projektstipendium KunstKommunikation

Kunst zum Mitmachen und Mitdenken

Bewerbungsschluss

für 2023: 26.01.2022

bis 30.01. RÜCKBLICK! Kunstprojekte 21 | Finissage 29.01.

»Portraits von Tagen und Orten« Kati Gausmann | »BANG! BOOM!«

Carola Rümper | »Self Service Selfie Box« Janina Schmid

»hard working / soft working« Julia Arztmann

17.02. AUFTAKT! Start der Kunstprojekte 22

»Paste-Up History!« Maria Vill & David Mannstein

»Feedback« Gilbert Geister

»Nähe auf Distanz« Anna van Eck

bis 13.03. Winterlicht – plants and plastics* Nils Völker

DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Klosterstr. 10 | D-48477 Hörstel | T +49 (0) 2551 6942-00

*gefördert durch: Kreissparkasse Steinfurt

TEATIME – Der Film zum Projekt »hard working / soft working« >

#PSKK22

2 kunst:stück

Bewerbungsunterlagen, Newsletter und mehr:

www.da-kunsthaus.de


. grußwort

Thomas Niemeyer, Foto: Städtische Galerie Nordhorn

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob die

Corona-Pandemie sich auch thematisch

in der Kunst niederschlagen könnte. Viele

Künstler*innen, davon bin ich überzeugt,

reagieren früh und mit großer Sensitivität

auf gesellschaftliche Veränderungen. Doch

den vielfach verwendeten Begriff der Zeitenwende

in Bezug auf die Pandemie halte ich

für übertrieben, denn ich sehe keine wirklich

neuen Themen oder fundamentalen Umwälzungen,

welche die Pandemie mit sich

gebracht hätte. Eher hat sie den Blick auf

bereits seit langem drängende Fragen drastisch

geschärft.

Das bekannteste Beispiel ist die enorm

komplizierte Beziehung von Mensch und

Natur, deren ökologische und soziale Auswirkungen

seit Jahrzehnten auf den unterschiedlichsten

Feldern von der Naturwissenschaft

über die Ökonomie bis zur Politik

diskutiert werden. Im Falle des Klimawandels

hat sich daraus noch ein zäher Lernprozess

entwickelt. Dagegen hat die aktuelle

Krise schlagartig und äußerst schmerzhaft

klar gemacht, dass sich solche existenziellen

Probleme niemals ohne solidarisches Denken

und Handeln auf allen Ebenen bewältigen

lassen, angefangen von den kleinsten

Kommunen bis hin zu den Beziehungen zwischen

Staaten.

Der Blick auf das internationale Kunstgeschehen

zeigt nun, wie Künstler*innen in

den vergangenen Jahren schon so viele beispielhafte

experimentelle Formen kooperativen

Denkens und Handelns über alle Grenzen

hinweg entworfen haben. Längst sind

auch in der Ausstellungspraxis und im Diskurs

rund um die Kunst radikale Veränderungsprozesse

im Gang, die sich nicht von

den traditionellen Mechanismen des Kunstmarktes

beeindrucken lassen. Kurz gesagt:

Was Corona uns lehrt, hatte in der Kunst

schon lange vorher begonnen. Insofern dürfen

wir wohl alle mit großer Spannung und

Neugier auf das neue Kunstjahr 2022 blicken.

Dr.Thomas Niemeyer

Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn

staedtische-galerie.nordhorn.de

kunst:stück 3


. inhalt

03 Grußwort

03 - Dr. Thomas Niemeyer, Direktor

Städtische Galerie Nordhorn

04 Inhalt

04- Impressum

06 Osnabrück

18 - Bramsche

20 - Mettingen

24 - Tecklenburg

28 - Rheine

32 - Hörstel

38 - Nordhorn

40 - Herford

44 - Detmold

46 - Paderborn

50 - Borken

48 Münster

DAS TITELBILD

Nils Völker,

Paddling Pools, Detail

Winterlicht

Nils Völker – plants and plastics

bis 13.03.22 | DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Klosterstraße 10, 48477 Hörstel → Seite 32

www.da-kunsthaus.de

Die Reihe „Winterlicht“ hat im DA, Kunsthaus

Kloster Gravenhorst bereits Tradition: seit 2008

sind in den historischen Innenräumen und/oder

auch im Aussenraum des ehemaligen Klostergeländes

Licht- und Videoinstallationen von wechselnden,

international renommierten Lichtkünstlerinnen

und Lichtkünstlern zu erleben.

Sie interpretieren die Räume mit Licht und Farbe

und begeistern in den Wintermonaten mit beeindruckenden

Lichtinstallationen. In dieser Saison

schafft der Künstler Nils Völker unter dem Titel

„plants and plastics“ mit leuchtenden Installationen

neue Sichtweisen.

kunst:stück Magazin

online | 24h / 7day

www.kunststueck-magazine.de

IMPRESSUM

H2 Werbeagentur + Verlag

Klaus Hortenbach (V.i.S.d.P.)

Siemes Tannen 9 · 49565 Bramsche

Tel: 05495 8599900

mail@kunststueck-magazine.de

Redaktionsschluss Osnabrück + das

Münsterland für die Ausgabe

März / April : 15. Februar 2022

4 kunst:stück


. grußwort

© Mounira Al Solh

Museumsquartier Osnabrück | Lotter Straße 2 | 49078 Osnabrück

www.museumsquartier-osnabrueck.de | museum@osnabrueck.de

Telefon: 0541 323-2207 / 323-2237

kunst:stück 5


. osnabrück

Mounira Al Solh

13 April, 13 April, 13 April. Self-Portraits

11. Dezember 2021 bis 13. November 2022

Felix-Nussbaum-Haus | www.museumsquartier-osnabrueck.de

Berichte über Flucht, Vertreibung, Exil begegnen

uns täglich in den Nachrichten. Sie

lassen uns hilflos und erschrocken zurück:

Das Werk von Mounira Al Solh (geb. 1978,

Beirut, Libanon) ist von den politischen Umständen

des Nahen Ostens geprägt. Die

Tochter eines libanesischen Vaters und einer

syrischen Mutter gehört zu der Generation,

die im Chaos des Kriegszustandes und

im inneren Exil zwischen dem Libanon und

Syrien aufgewachsen ist. Mit der Serie „13

April, 13 April, 13 April“ nimmt sich Mounira

Al Solh selbst in den Blick. Das Datum im Titel

der Ausstellung, wie bei einem Klagelied

mehrfach wiederholt, markiert den Beginn

des libanesischen Bürgerkriegs 1975. Ohne

Jahreszahl wird der 13. April Ausdruck

von einem nicht enden wollendem Konflikt

und immer wieder angefachten Traumata.

Al Solh stellt sich in ihren Zeichnungen

der eigenen Verwundbarkeit, den intimen

Wünschen, Hoffnungen, Verletzungen und

Schmerzen. „Das ist intensiv, herausfordernd,

nichtsdestotrotz notwendig und

wichtig“, so die Künstlerin. Mit der Ausstellungsreihe

„Gegenwärtig“ schlägt das

Felix-Nussbaum-Haus im Museumsquartier

Osnabrück eine Brücke zwischen Vergangenheit

und Gegenwart. Existentielle

Themen wie Angst, Gewalt oder Hoffnung

prägen Felix Nussbaums Bilder; seine Themen

wie Diffamierung, Flucht und Vertreibung

haben bittere Aktualität. Wie begegnen

Künstler:innen unserer Zeit diesem

Leben und Werk?

Die Ausstellung der documenta-Teilnehmerin

im Felix-Nussbaum-Haus ist das Ergebnis

der sehr persönlichen Selbst-Befragung,

die – angestoßen von der Auseinandersetzung

mit dem Leben und Werk Nussbaums

– sich mit den dramatischen Ereignissen im

Libanon, wie den Protesten und zuletzt der

apokalyptischen Explosion in Beirut am 4.

August 2020 beschäftigt. Nacktheit in den

Werken ist Ausdruck des Sichtbarmachens

und der Selbstbestimmung.

Das Genre des Selbstporträts hat Mounira

Al Solh dem Maler Felix Nussbaum

entlehnt. In seinem Frühwerk, besonders

intensiv aber zu der Zeit seiner eigenen Isolation

im Versteck nutzt er dieses Medium

6 kunst:stück


. osnabrück

Mounira Al Solh, Selbstportraits, Tinte, Blut, Pastelle, Kohle, Aquarell auf Schulbuchpapier und anderen gefundenen

Papieren, A4 und verschiedene Größen © Mounira Al Solh

der Selbstanalyse. Er zeigt sich einerseits in

Rollen und verschiedenen Emotionen, anderseits

nackt: schutzlos und menschlich.

Beide Künstler:innen ergreifen die Kunst

als Möglichkeit, angesichts der politischgesellschaftlichen

Zustände selbstermächtigt

zu handeln. Der Einblick in die Innenwelt

regt an, darüber nachzudenken und

zu diskutieren, wie Konflikte, Ungerechtigkeit,

Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Wahn und

Vertreibung unsere heutige Welt formen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit

der Felix-Nussbaum-Gesellschaft e.V. Das

Vermittlungsprogramm wird gefördert

durch die VGH-Stiftung.

die unterschiedlichen und schizophrenen

Positionen von Frauen in der arabischen

Welt, um das Erzählen von Geschichten und

Mikrogeschichte, um soziales Engagement

in Zeiten von Katastrophen, um Biografien

und Geschichtsschreibung als Mittel gegen

die aufgezwungene Amnesie, um die Flucht

vor dem Politischen als Überlebensstrategie,

um Sprache gegenüber Immigrant:inen

und Sprache gegenüber Einheimischen.

Museumsquartier Osnabrück

Felix-Nussbaum-Haus

Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück

Mounira Al Solh künstlerische Praxis umfasst

unter anderem Video und Videoinstallationen,

Zeichnung und Malerei, Stickerei

und kollektive Stickerei, performative

Gesten und geheimnisvolle Veröffentlichungen,

und sie initiierte ihr kollaboratives

und fortlaufendes NOA (Not Only

Arabic) Magazin.

In Al Solhs Werk geht es um vergangene

und aktuelle Kriege im Nahen Osten (insbesondere

im Libanon und in Syrien), um

kunst:stück 7


. osnabrück

to an unknown friend!

Live-Performance von Choreograph und Tänzer Gilles Welinski

27. Januar 2022, 20 Uhr

Felix-Nussbaum-Haus | www.museumsquartier-osnabrueck.de

Die Live-Performance im Felix-Nussbaum-

Haus "to an unknown friend!" von Choreograph

und Tänzer Gilles Welinski, musikalisch

begleitet von Severine Ballon,

handelt vor dem Hintergrund der Shoah

vom Verschwinden. Die Choreographie

gleicht einem profanen Gebet, ist wie ein

heidnisches Ritual und sucht nach unseren

gemeinsamen Überzeugungen. Sie hinterfragt

die Abgründe der menschlichen Natur

und lässt uns auf das besinnen, was uns zu

Menschen macht und was uns mit unserer

Geschichte verbindet.

"Wenn der Tod nicht denkbar ist, weder

vorher noch während, noch nachher, wann

können wir ihn denken?" Vladimir Jankelevitch

„Ich denke, dass die Kunst dazu berufen

ist, das Bewusstsein zu schärfen und die

Art und Weise, wie man die Welt sieht, in

Frage zu stellen. Ich stelle mich dieser Aufgabe:

das Unbeschreibliche erzählen, das

Unbeschreibliche beschreiben. Mein Bestreben

ist es, die Grenzen der Zeit und der

Gegenwart zu erreichen. Es geht um die

kompromisslose Suche nach einer Wahrheit,

die uns besser machen würde, nach

einem Mitgefühl, das uns vereint, mit dem

wir uns der Härte der Welt stellen können.“

Gilles Welinski

Gilles Welinski – Choreograph, Tänzer

Geboren 1964, entdeckte er den Tanz erst

spät, während seines Sportstudiums. Er arbeitete

mit Choreographen wie H. Robbe,

M. A. de Mey, P. Bausch, S. Linke oder U.

Dietrich.

Nach einem Masterstudium in Theaterwissenschaften

in Bern wurde er als Schauspieler

für L. Perceval ("Front" und die Oper

"Infinit now") engagiert. Eine Verbindung

wurde zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen

Tanz, Theater, Performance

geknüpft.

Der Körper, der Mensch in seiner Gesamtheit,

ist sein Leitfaden. Bühne, Arbeit und

Begegnungen sind seine Schule gewesen.

www.gilleswelinski.de

Séverine Ballon – Komponistin, Violoncellistin

Séverine Ballon arbeitet mit Glockenklängen

als Echo der Katastrophe, in einer Zeit,

die von so viel Schrecken zerrüttet ist.

Sie studierte Cello an der Hanns Eisler Hochschule

Berlin und Lübeck bei den Professoren

J. Schwabet und T. Svane.

Von 2004 bis 2005 war sie Mitglied des

modernen Ensembles der Stadt Frankfurt

(IEMA).

Séverine arbeitet als Solistin mit vielen zeitgenössischen

Komponisten wie R. Saunders,

C. Czernowin, F. Bedrossian oder M.

Lanza zusammen.

www.severineballon.com

Museumsquartier Osnabrück

Felix-Nussbaum-Haus

Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück

8 kunst:stück


. osnabrück

FAIR

PLAY

כל אדם נחשב

JEDER MENSCH ZÄHLT

كل شخ ص مهم

WOCHE DER BRÜDERLICHKEIT

OSNABRÜCK

www.wdb-osnabrueck.de

kunst:stück 9


. osnabrück

↑ Cassils, Filmstill aus: Fast Twitch/Slow Twitch (Zweikanal-Videoinstallation), 2011–2013

hold on tight till the end of the ride

Nartur Kunstgruppe zeigt Raum und Zeit umfassende

Gesamtinstallation

21. Januar bis 12. Februar 2022

Kunstraum hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst | www.hase29.de

Vier Köpfe, ein Werk: Die Nartur Kunstgruppe

vernetzt für ihre Ausstellung „hold

on tight till the end of the ride“ vom 21. Januar

bis zum 12. Februar einzelne künstlerische

Positionen zu einer gemeinsamen

Arbeit. Ausgehend von der Malerei entsteht

im Kunstraum hase29 eine Gesamtinstallation

aus Bild, Objekt, Licht und Animation.

Das Kollektiv hinterfragt mit dem

hybriden Werk das klassische Verständnis

von Malerei und künstlerischer Position

und entführt die Betrachter*innen

in ein dystopisch anmutendes Szenario

zwischen Cyberworld, Survival Training

und Rummelplatz.

Die Ausstellung ist die erste einer neuen

Reihe “Raum für Kollaborationen”, mit

der hase29 in unregelmäßigen Abständen

Künstler*innen dazu einlädt, kollaborative

Ausstellungskonzepte umzusetzen.

Projektideen können in dem Bewerbungsportal

“Open Call” unter opencall.hase29.

de/de/welcome vorgestellt werden.

Die Nartur Kunstgruppe besteht aus den in

Osnabrück und Berlin lebenden Künstlern

Henning Bischof, Nils Leimkühler, Moritz

Neuhoff und Stefan Wiesnau. Sie stellt ihre

kollektiven Arbeiten bundesweit aus. In

Osnabrück hat die Gruppe bereits mehr-

10 kunst:stück


. osnabrück

↑ Die Nartur Kunstgruppe zeigt unter dem Titel „hold on tight

till the end of the ride“ eine Installation im Kunstraum

hase29 in Osnabrück. Die vier Mitglieder arbeiten im Kollektiv).

Fotos: Doerr Snapshot ↓

fach mit ihren Installationen an ungewöhnlichen

Orten viel Publikum angesprochen,

etwa in einem ehemaligen Blumenladen an

der Martinistraße und im Leisen Speicher

im Kreativquartier Hafen.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 14 bis 18 Uhr, Do

16 bis 20 Uhr, Sa 11 bis 15 Uhr; montags

sowie sonn- und feiertags geschlossen;

Eintritt frei // Es gelten die tagesaktuellen

Corona-Regelungen.

Kunstraum hase29

Hasestraße 29 / 30, 49074 Osnabrück


. osnabrück

Frank Gillich, Formine Block

Tag 17 Blatt 20, Guache auf Papier, 20x20 cm

Frank Gillich

Seismographische Zirkel

7. Januar (Eröffnung: 18 Uhr) bis 26. Februar 2022

skulptur-galerie Osnabrück | www.skulptur-galerie.de

Der Bildhauer und Zeichner Frank Gillich

zeigt in seiner Ausstellung einen Einblick

in sechs plastische wie zeichnerische Werkgruppen

der letzten Jahre, die über Famillienähnlichkeiten

in ihren formalen Ausprägungen

in Verbindung stehen.

Seit 2009 erprobt Gillich die prozessorientierte

Zeichnung, die sich rein aus der

Körperbewegung heraus entwickelt. Diese

Suche nach einer Form des künstlerischen

Ausdrucks, der seinen Ursprung weder in

der Gegenstandswelt noch in der Vorstellungswelt

hat, findet sich auch in den plastischen

Arbeiten wieder, deren Fremdartigkeit

einem gestischen intuitiven Umgang

mit dem Material entspringt.

Als zentrales Charakteristikum vereint alle

gezeigten Werke das Arbeiten in Serien,

das seit vielen Jahren im Interesse

des Künstlers steht. Die Faszination, etwas

wieder und wieder zu wiederholen und die

dabei von selbst geschehenden Veränderungen

zu beobachten, treibt ihn in seinem

künstlerischen Schaffen an.

In den ausgestellten Arbeiten stehen das

Tun ebenso wie das Zeigen von Form im

Fokus. Fragen nach den Möglichkeiten von

Kernplastik und zeichnerischer Spur bilden

das Zentrum eines experimentellen

Prozesses, der Überformungen abstreift

und den Begriff der Freiheit immer wieder

aufs Neue annimmt.

Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr, 11–18 Uhr

Sa, 10–16 Uhr / So, 11–16 Uhr und auf

Anfrage / Änderungen möglich

skulptur-galerie.de

Bierstraße 2, 49074 Osnabrück

12 kunst:stück


Neuen Gedanken

Raum geben.

Ein Projekt von klartext-grafik.de

Im ZEITRAUM-Osnabrück

www.zeitraum-os.de


. osnabrück

Heiner Schmitz, Besetzte Leben, Foto: Heiner Schmitz

Heiner Schmitz

Besetzte Leben, Fotografie

14. Januar (Eröffnung: 19 Uhr) bis 19. Februar 2022

Kunst-Quartier des BBK | www.bbk-osnabrueck.de

Die Ausstellung „Besetzte Leben“ ist eine

16-teilige Arbeit, in der sich Heiner

Schmitz mit den Lebenssituationen der

Beduinen im nördlichen Jordantal befasst.

Das scheinbar romantische Leben der Beduinen

in den Fotografien wird durch die

beiliegenden Interviews konterkariert. Wie

in vielen seiner Arbeiten ist auch hier die

Verbindung von Bild und Text ein wesent-

licher Bestandteil seiner künstlerischen

Ausdrucksweise. Die Auseinandersetzung

mit politischen oder gesellschaftlichen

Themen bestimmen seit vielen Jahren

seine Fotografie und seine Installationen.

Dabei steht bei ihm die Bewusstmachung

von Vorgängen oder Situationen immer im

Vordergrund, manchmal auch die Absicht,

Veränderungen zu bewirken.

Alexander Kapitanowski

europa/the bull/me, Zeichnungen

25. Februar (Eröffnung: 19 Uhr) bis 26. März 2022

Kunst-Quartier des BBK | www.bbk-osnabrueck.de

Ausgehend von dem griechischen Gründungsmythos Europas,

der Entführung der Prinzessin Europa durch den

in einen Stier verwandelten Gott Zeus, werden die Bilder

um Elemente aus der Kunstgeschichte Europas ergänzt.

Das Projekt ist ein Versuch, einen altgriechischen Mythos

zu befragen, neu zu definieren und zu transformieren

– das heutige Europa durch die Antike und seine Kunstgeschichte

zu lesen. Es werden also europäische Politik,

Geschichte und Mythologie miteinander verbunden. So

wie die Deutung des Mythos offenbleibt, so gibt auch die

Bilderfolge keine Antwort auf die Frage, wie die Zukunft

oder Gegenwart Europas aussieht. Die Zeichnungen bleiben

ohne Vollendung, ohne Finale. Sie stellen lediglich

die verschiedenen Interpretations- und Wahrnehmungsmöglichkeiten

der heutigen Situation in Europa dar.

Kunst-Quartier des BBK

Bierstraße 33, 49074 Osnabrück

Europa - die Großäugige", 70 x 50 cm, Pastell und Kohle auf Papier, 2020,

Foto: Alexander Kapitanowski

14 kunst:stück


© Karel Dierickx Estate / Hachmeister Galerie.

02.10.2021 – 28.02.2022

Illusionäre

Landschaften

Malerei, Zeichnungen und Bronzen

aus drei Jahrzehnten

& Kleine Kabinett-Ausstellung der Dauerleihgaben

,Otto Modersohn‘ des Kreises Steinfurt


. osnabrück

Fair Play – jeder Mensch zählt

Woche der Brüderlichkeit 2022

Osnabrück, ganzjähriges Programm: www.wdb-osnabrueck.de

Am 6. März 2022 werden in der Osnabrückhalle

Peter Fischer, Vorsitzender

von Eintracht Frankfurt, und der Sportverein

Makkabi Deutschland für ihr Engagement

gegen Antisemitismus und Rassismus

mit der Buber-Rosenzweig-Medaille

ausgezeichnet. Mit dieser Feierstunde eröffnet

der Deutsche Koordinierungsrat der

Christlich-Jüdischen Gesellschaften die Woche

der Brüderlichkeit 2022 in Osnabrück.

Zugleich wird damit das Anliegen der

mehr als 80 Gesellschaften für Christlich-

Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland

in das allgemeine Bewusstsein gerückt. Die

Gestaltung des Jahres im Sinne eines friedlichen

Zusammenlebens unterschiedlicher

Religionen und Kulturen steht neben der

Gedenkkultur im Zentrum der Arbeit, auch

der Osnabrücker Gesellschaft für Christlich-Jüdische

Zusammenarbeit.

Ein vielseitiges und buntes Begleitprogramm

durch das ganze Jahr, ausgehend

von dem Jahresmotto „Fair Play – Jeder

Mensch zählt“, lädt dazu ein, sich mit Fragen

des gesellschaftlichen Miteinanders

auseinanderzusetzen. Dabei ist das Thema

Antisemitismus am 02.03. mit einem

Vortrag des Antisemitismusbeauftragten

Felix Klein und am 05.04. im Rahmen der

Osnabrücker Friedensgespräche von besonderer

Bedeutung.

Bei einer Fahrradtour zu Stolpersteinen

oder auch bei einem interreligiösen Fußballspiel

werden Geschichte und Gegenwart

lebendig. Mehrere Konzerte und Literaturprojekte

erinnern an die Tage des

Gedenkens an die Shoah und ihre Hinter-

16 kunst:stück


. osnabrück

↑ 17.2.–31.3.2022 Ausstellung Mauthausen

des Fotokünstlers Marko Zink aus Wien, in der Katharinenkirche, Dom und im Felix-Nussbaum-Museum Abb. © Marko Zink

// unten links: Projektwochen beim VFL © Violet Crew // unten rechts: Peter van Pels, Ausstellung Mauthaus

gründe, laden aber auch dazu ein, jüdische

Kultur kennenzulernen.

Der Stolperstein des Osnabrücker Peter

van Pels, bekannt aus dem Tagebuch der

Anne Frank als Peter van Daan, ist Ausgangspunkt

für ein Projekt, das sich mit

Mauthausen, dem Todesort von Peter,

befasst. Die Ausstellung des Fotokünstlers

Marko Zink aus Wien ist vom 17. 2. bis

31.3. 2022 in der Katharinenkirche, im Dom

und im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen und

stellt sich vielen Fragen der Erinnerung an

die historischen Geschehnisse während

der Shoah aus heutiger Sicht. Die musikalische

Umsetzung des Tagebuchs der

Anne Frank „Annelies“ von J. Whitbourn

wird im Dom am 19.02. und in der Katharinenkirche

am 06.03.2022 unter Clemens

Breitschaft zu hören sein.

Die Woche der Brüderlichkeit ist seit 70

Jahren ein Markenzeichen für eine lebendige

interreligiöse und interkulturelle Gegenwartskultur,

die auch in Osnabrück einen

festen Standort hat.

Ausführliche Informationen zu allen Veranstaltungen:

www.wdb-osnabrueck.de

Mehrere Abende mit theologischen und

historischen Themen werden von Universität,

GCJZ und Kirchengemeinden gestaltet.

Dort, aber auch in der langen Nacht

der Religionen bietet sich die Gelegenheit,

die 3 monotheistischen Religionen, Judentum,

Christentum und Islam kennenzulernen,

aber auch zu erfahren, wie Makkabi

Deutschland zu seinem Namen kam.

kunst:stück 17


. bramsche

Abb. v.l.n.r.: Renate Dellenbusch, Cavex, nach einer Anleitung von Anke Wechsung, Foto: Renate Dellenbusch // Annette

Rußwinkel, Vernetzung weltweit, Foto: Annette Rußwinkel // Rebecca Roth, Bauhaus Inspiration, nach Sonja Delaunay,

Foto: Rebecca Roth

Kunst Stoff

Ausstellung der Gruppe quiltARtnet

11. Dezember 2021 bis 13. Februar 2022

Tuchmacher Museum Bramsche | www.tuchmachermuseum.de

Die Gruppe quiltARtnet – Renate Dellenbusch

(Osnabrück), Rebecca Roth

(Schramberg) und Annette Rußwinkel (Osnabrück)

– zeigt in der Ausstellung traditionelle

Patchworkarbeiten und Art-Quilts.

Seit ein paar Jahren präsentieren Renate

Dellenbusch, Annette Rußwinkel

und Rebecca Roth ihre Patchworkarbeiten

gemeinsam in Ausstellungen.

Die Gruppe lässt sich in ihren Art-Quilts

häufig von aktuellen Themen beeinflussen:

So beschäftigt sich Renate

Dellenbusch in ihren Arbeiten mit Fragen

des Klimawandels oder den Auswirkungen

von Umweltkatastrophen, während Annette

Rußwinkel in ihren Werken die Folgen

der Corona-Pandemie reflektiert. Andere

Quilts der Ausstellung zeigen Interpretationen

zu den Themen Vernetzung und

Globalisierung, aber auch Bauhaus, Bewegung,

Mode, Illusion und Mathematik.

„Unsere Arbeiten sind unsere Art, uns textil

auszudrücken, ob politisch, zeitgenössisch,

themenbezogen, bunt und dezent,

modern oder ein wenig traditionell.“ Die

Mitglieder der Gruppe arbeiten fast ausschließlich

frei. Neben überwiegend handgefärbten

und handbedruckten Stoffen

werden auch Materialien wie Organza, Tüll,

Evolon oder Filz verarbeitet. In einigen Arbeiten

finden auch bewusst gebrauchte

textile Materialien, wie alte Wäsche oder

Kleidungsstoffe, Verwendung.

Alle Gruppenmitglieder können auf eine

rege, überregionale Ausstellungstätigkeit

und Wettbewerbserfahrung zurückblicken.

Rebecca Roth gibt zudem seit vielen Jahren

ihr enormes Fachwissen über die

Grundlagentechniken des Patchworks

bis hin zum Handfärben von Stoffen in

Kursen weiter.

Zum Abschluss der Ausstellung besteht

für alle Interessierten die Möglichkeit, an

einem der beiden Workshops von Rebecca

Roth teilzunehmen.

→ Samstag, 12. Februar 2022, 12–16 Uhr

geht es beim Workshop „Lust auf einen

Farbenrausch?“ um experimentelle Färbetechniken.

→ Sonntag, 13. Februar 2022, 10–14 Uhr

widmet sich der Workshop „Durch Stempeldruck

zum eigenen Stoffdesign“ einer

Technik des Stoffdrucks.

Informationen und Anmeldung sind unter

www.tuchmachermuseum.de veröffentlicht.

Kursgebühr: 50 €

Tuchmacher Museum Bramsche

Mühlenort 6, 49565 Bramsche

18 kunst:stück


04.02. _ 27.03.2022

Druckvereinigung Bentlage

WERKSCHAU

der Vereinsmitglieder

Kloster Bentlage | Kreuzgang | Salons

Eröffnung | Fr 04.02.22 | 18 Uhr

kunst:stück

19


. mettingen

Abb.: Daan Roosegaarde, Touch, 202 © Draiflessen Collection/Daan Roosegaarde, Foto: Peter Hübbe

Touch

28. November 2021 bis 27. Februar 2022

Draiflessen Collection | www.draiflessen.com

Was bis vor Kurzem noch völlig alltäglich,

ein selbstverständlicher Akt der menschlichen

Begegnung war, ist dies plötzlich

nicht mehr: die gegenseitige Berührung,

die Umarmung oder der Handschlag zur

Begrüßung. Diesen Moment und die Bedeutung

dieser menschlichen Verbindung

thematisiert der niederländische Künstler

Daan Roosegaarde (*1979) in seiner eigens

für die Draiflessen Collection entwickelten

raumgreifenden Installation.

In dem 4.300 m³ fassenden Ausstellungraum

des Museums hat Roosegaarde

mit TOUCH ein interaktives Kunstwerk

entstehen lassen, das die Besucher*innen

beim Betreten in seinen Bann zieht, Verwunderung

entstehen lässt und ohne

Worte zum Handeln auffordert und inspiriert.

Dass unsere Wahrnehmung und

Handlung gezielt auf diesen besonderen

Akt der Verbindung gelenkt werden,

enträtselt sich genau im Moment der Berührung:

Diese ist der Schlüssel zu einer

imposanten visuellen Explosion, die uns

und unser Gegenüber in ein neues Universum

versetzt.

„Roosegaarde hebt eine Handlung hervor,

die wir nie wieder als selbstverständlich ansehen

dürfen. Er lässt uns einen kulturell

und persönlich wichtigen Akt kontrolliert

ausführen und öffnet uns im selben Moment

die Augen. Statt Angst vor der Zukunft

zu haben, weckt er bewusst die Neugier

auf die unendlichen Möglichkeiten der

Zukunft, lenkt den Blick geschickt nach innen

wie ebenso auf unser Gegenüber und

lässt uns damit Teil eines Universums werden.“

(Museumsdirektorin Dr. Corinna Otto)

Die Installation TOUCH macht fühlbar, dass

selbst die kleinste gemeinsame Interaktion

eine große Wirkung haben und die Welt

um uns herum verändern kann. Sie lässt

uns spüren, wie wichtig es ist, Teil einer Gemeinschaft

zu sein, welche Kräfte dadurch

entstehen können, bewusst zusammenzuarbeiten,

und öffnet die Augen dafür, wie

eine gemeinsame Zukunft gestaltet werden

kann. Licht ist dabei für Daan Roosegaarde

ein wesentliches Gestaltungsmittel.

„Licht ist das Symbol für Neuanfang. Um

eine bessere Welt zu schaffen, müssen wir

20 kunst:stück


Abiturrituale

DAS FORUM | 24.11.2021 – 15.05.2022

Draiflessen Collection

www.draiflessen.com

sie uns erst einmal vorstellen. In TOUCH

reichen wir uns die Hände, um über unsere

gemeinsame Zukunft nachzudenken.“

(Daan Roosegaarde)

Der niederländische Künstler und Designer

Daan Roosegaarde (* 1979) entwickelt seit

2007 Projekte, die Technologie und Kunst

ebenso wie Kunst und Betrachter*innen

miteinander verbinden. Er entwickelt dabei

neue physische und gedankliche Räume,

die den Blick auf eine alternative Welt

eröffnen.

Als Social Design Lab verbinden Roosegaarde

und sein Team Menschen und

Technologie in Projektentwürfen, die das

tägliche Leben im urbanen Bereich verbessern

und gleichzeitig die Fantasie anregen.

Das Studio hat zahlreiche internationale

Designpreise gewonnen. Zu den

international anerkannten Arbeiten gehören

WATERLICHT (eine virtuelle Überschwemmung,

die die Kraft des Wassers

zeigt), SMART HIGHWAY (Straßen, die sich

tagsüber aufladen und nachts leuchten),

SPACE WASTE LAB (Visualisierung und

Upcycling von Weltraummüll) und URBAN

SUN (Reinigung öffentlicher Räume vom

Coronavirus).

www.studioroosegaarde.net

Lila, weiß und grün – das waren die gemeinsamen

Farben sechs junger Männer,

die 1914 an der Oberrealschule in

Münster ihre Reifezeugnisse ausgehändigt

bekamen. Diese Farben zierten ihre

Mützen und die um die Brust geschlungenen

Bänder. Einer dieser jungen Männer

war Arnold Ludger Brenninkmeijer

(1894–1951), dessen Mütze und Schärpe

in der Sammlung der Draiflessen Collection

aufbewahrt werden. Die Form mag

sich seither geändert haben – das Bedürfnis,

sich am Ende der Schulzeit als

Gemeinschaft zu inszenieren und den

Übergang in das Erwachsenenleben zu

feiern, ist geblieben. Was früher Band

und Mütze, sind heute T-Shirt und Baseballcap

mit Abilogo. Wie haben sich diese

Ausdrucksformen von Abschlussklassen

im Laufe des letzten Jahrhunderts

geändert? Wie spiegelt sich der jeweilige

Zeitgeist in den Bräuchen und Ritualen

von Abiturjahrgängen wider?

Die Präsentation in DAS Forum spürt

dem Wandel der Feiern und Rituale rund

um das Abitur in den vergangenen 100

Jahren nach.

Draiflessen Collection

Georgstraße 18, 49497 Mettingen

kunst:stück 21


. mettingen

Lucas van Leyden,

Die Dornenkrönung, 1521

© Draiflessen Collection/

Tuliba Collection,

Foto: Stephan Kube

Passion Kunst

Kabinettausstellung

24. November 2021 bis 15. Mai 2022

Draiflessen Collection | www.draiflessen.com

Lucas van Leyden (ca. 1494–1533) ist eine

der außergewöhnlichsten und herausragendsten

Künstlerpersönlichkeiten der

niederländischen Renaissance. Wie Albrecht

Dürer (1471–1528), mit dem er in regem

Austausch stand, konzentrierte sich

Van Leyden auf die Charakterisierung von

Menschen und deren Verhalten.

Mit viel Fantasie und erzählerischem Talent

sowie ungewöhnlichen Sicht- und

Herangehensweisen schuf er aus allseits

bekannten Themen unkonventionelle grafische

Meisterleistungen. Vor allem strebte

er nach künstlerischen Lösungen und Innovationen.

Kein Wunder, dass er – zeitgenössisch

schon als „Wunderkind“ betitelt

– damit völlig neue Maßstäbe setzte und

vielfach kopiert wurde.

Die Kabinettausstellung im Studiensaal

Liberna widmet sich Lucas van Leydens

14-teiliger Kupferstichserie zur Passion

Christi. Alle Grafiken dieser Serie stammen

aus dem Jahr 1521; feiern also 2021 ihr

500-jähriges Jubiläum! Warum aber galten

die Stiche vor 500 Jahren als innovativ und

inspirierend, warum Lucas van Leyden als

überlegen und unvergleichlich? Ist diese

Relevanz auch heute noch sichtbar? Oder

(wieder) erfahrbar?

Draiflessen Collection

Georgstraße 18, 49497 Mettingen

22 kunst:stück


FRANK GILLICH

SEISMOGRAPHISCHE ZIRKEL

7. JANUAR – 26. FEBRUAR 2022

Mo – Fr 11–18 Uhr

Sa 10–16 Uhr

So 11–16 Uhr

. osnabrück

skulptur galerie · Bierstraße 2 · 49074 Osnabrück · skulptur-galerie.de

© Frank Gillich

WELT UND ZEIT GESTALTEN

Kulturerbe der Prämonstratenser

im Erzbistum Paderborn

noch bis 13.3.2022

dioezesanmuseum-paderborn.de

kunst:stück 23


. tecklenburg

Karel Dierickx

Illusionäre Landschaften

Malerei, Zeichnungen und Bronzen aus drei Jahrzehnten

02. Oktober 2021 bis 28. Februar 2022

Otto Modersohn Museum Tecklenburg | www.ommt.de

Karel Dierickx (1940–2014), im flämischen

Gent geboren, studierte Malerei an der

dortigen Koninklijke Academie voor

Schone Kunsten, wo er auch später als Dozent

lehrte. 1984 vertrat er den belgischen

Pavillon auf der 41. Biennale in Venedig.

Landschaften haben einen großen Stellenwert

in Dierickx’ Œuvre. In Form von

Reisen, etwa nach Südamerika, und auch

bei dem von ihm so geschätzten „Ferien

machen“ in der Bretagne oder auf der

niederländischen Insel Tholen erschloss

er sich immer wieder besondere Gebiets-

Formationen, eigenwillige Vegetation und

spezifische Lichtverhältnisse. Aber ihm

diente das Gesehene nur als Ausgangsmotiv,

er fühlte sich durch die sichtbare

24 kunst:stück


. tecklenburg

Abb. linke Seite: Karel Dierickx, Tholen, 2007, Öl auf Leinwand, 180 x 125 cm // Abb. oben: Karel Dierickx, La mer IV, Gouache

auf Papier, 29,5 x 42 cm // Abb. unten: Karel Dierickx, Der Traum von Hieronymus Bosch, an Goya denkend, 2000, Bronze, 20

x 27 x 21 cm // Alle Abbildungen: © Karel Dierickx Estate / Hachmeister Galerie

Welt inspiriert, und erst dann begann seine

ureigenste Auseinandersetzung damit.

Dierickx äußerte sich im Darlegen innerer

Regungen, seine Malweise war impulsiv,

gestisch, so finden sich auf mehreren seiner

Gemälde taktile Spuren seiner Hände.

Das Malen war für ihn ein (fast) nie

endender Prozess, er fand hier eine Analogie

in seinem Bemühen, etwas von der

Vergänglichkeit festzuhalten. So zerstörte

und überlagerte er die Oberflächen seiner

Werke zigfach aufs Neue, bis eine verblassende

Ahnung vorherrschte. Bei aller

intimen, sehr persönlichen, suggestiven

Kraft, die in seinem Werk vorherrscht,

war Karel Dierickx ein großer Kenner der

flämischen Tradition, setzte sich weitreichend

mit der Kunstgeschichte auseinander.

Er erwähnt immer wieder Breughel,

Ensor, Cézanne, Morandi und Giacometti

als Vorbilder. Das Phänomen der Natur

erwies dem Künstler sein gewünschtes

Spannungsfeld der realitätsbezogenen Figuration

einerseits und der Überführung in

eine gegenstandslose Kunst andererseits.

„Er ist der Maler des Lichts, das sich

versteckt“ (Roland Jooris)

Öffnungszeiten:

# 03. November 2021 – 28. Februar 2022:

Mi & Fr 14.00–18.00 Uhr

Sa & So 11.00–18.00 Uhr

# Führungen nach Anmeldung

Mi 15.00 und 16.30 Uhr

So 11.00 und 12. 30 Uhr

Otto Modersohn Museum Tecklenburg

Markt 9, 49545 Tecklenburg

Die in den Jahren 1996 – 2010 entstandenen

Gemälde, Zeichnungen und Bronzen

zeigen gattungsübergreifend Dierickxs

„Formen der Modellierungen“. Sein Erfassen-Wollen

der Welt, die sich gibt und doch

verweigert – eben illusionär verbleibt.

kunst:stück 25


. osnabrück

making

places

reflecting

you

26 kunst:stück

pro office Büro + Wohnkultur

Sutthauser Str. 287, 49080 Osnabrück

Tel.: 0541.33 50 63 0, Fax: 0541.33 50 63 3

www.prooffice.de


. osnabrück

usm.com

kunst:stück 27


. rheine

Malerei 21

26. November 2021 bis 13. Februar 2022

Kloster Bentlage | www.kloster-bentlage.de

Das Ziel der Ausstellungsreihe „Malerei“,

die 2004 startete, ist es, zu präsentieren,

wie sich das Medium der Malerei immer

wieder selbst infrage stellt und auch erneuert.

Sie zeigt, wie Malerei bei allem technischen

Fortschritt der künstlerischen Medien

einerseits über alle Diskussionen bei

sich bleibt, andererseits an den zeitgenössischen

Entwicklungen teilnimmt und daraus

eine Zukunftsperspektive entwickelt.

Für diese Ausgabe wurden Arbeiten von

Tuğba Durukan, Theresa Heitfeld, Haakon

Neubert und Nette Pieters, durch eine vierköpfige

Jury ausgewählt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe

(LWL) unterstützt die Reihe seit ihrem

Start. Damit fördert er einerseits den

künstlerischen Nachwuchs aus der Region,

zum anderen ist es Aufgabe der allgemeinen

Kulturförderung des LWL, möglichst

viele Menschen an der Kultur in der Region

teilhaben zu lassen. Das Konzept, eine

sorgsam kuratierte Malerei-Ausstellung

mit jungen Positionen an jährlich wechselnden

Orten in Westfalen zu zeigen, passt

ideal zu diesem Auftrag.

Haakon Neubert, Freischärler der Liebe, Acryl auf Leinwand, 2021 // Jean Claude Escoulin, Exode

Jean Claude Escoulin

Von Nahem betrachtet

12. Dezember 2021 bis 16. Januar 2022

Kloster Bentlage | www.kloster-bentlage.de

Wer sind wir? Wer wollen wir sein? Wo

wollen wir hin? Der persönliche Lebenszyklus,

den wir durchlaufen, ist nicht gradlinig.

Beeinflusst von politischen und ökologischen

Veränderungen müssen wir uns

immer neue Standpunkte suchen und unser

Leben danach ausrichten.

Diese Gedanken prägen die Kunst von Jean-Claude

Escoulin. Seine Ausbildung erhielt

der gebürtige Franzose in Paris. Seit

vielen Jahren lebt er als Bildhauer und

Maler in Rheine. In seinen Arbeiten konzentriert

er sich auf die Darstellung von

Emotionen, die geprägt sind von der Dichotomie

von dunkler Seele und bunter

Welt. Die Ausstellungsreihe „Von Nahem

betrachtet“, die seit 2017 Künstler:innen

aus dem geografischen und dem gefühlten

Nahbereich des Klosters präsentiert,

zeigt vor allem seine oft mehrteiligen Holzskulpturen.

Von teilweise monumentalen

Tierdarstellungen hat er sich immer stärker

abstrakten Formen zugewandt, in denen

er auf sehr berührende Art und Weise den

Menschen und die Themen Flucht und Vertreibung

ins Zentrum stellt. Demgegenüber

finden wir aber auch frohe Momente,

wie beispielsweise sein Reigen von im Spiel

versunkenen Kindern.

Kloster Bentlage

Bentlager Weg 130, 48432 Rheine

28 kunst:stück


11. September 2021 bis 16. Januar 2022

Am Kindergarten 2

32052 Herford

Stiftung Ahlers Pro Arte

Freitag bis Sonntag 12 bis 17 Uhr

Führungen jeden Samstag 15 Uhr www.ahlers-proarte.com

Bitte informieren Sie sich auf unserer Internetseite über die aktuellen Zugangsbestimmungen

Jan Henderikse, $-Shirt, 2017, ahlers collection, © Jan Henderikse


. rheine

Werkschau der Mitglieder der Druckvereinigung Bentlage

Werkschau

Mitglieder der Druckvereinigung stellen aus

4. Februar (Eröffnung: 18 Uhr) bis 27. März 2022

Kloster Bentlage | www.kloster-bentlage.de

Seit mehr als 20 Jahren leistet die Druckvereinigung

Bentlage einen wichtigen Beitrag

in Sachen kulturelle Vielfalt in Rheine

und besonders am Kulturort Kloster Bentlage.

Auch wenn die Druckgrafik nicht zu

den Stürmern auf dem Kunstplatz zählt,

und der Medienrummel eher der Malerei

oder publikumswirksamen Installationen

gilt, auf der Reservebank sitzt sie jedenfalls

nicht.

Denn: Expertenwissen, handwerkliches

Können, Materialkunde, Geduld, aber auch

die Lust am Experiment und bei der Suche

nach neuen Techniken machen diese

Kunstform zu einer ganz Besonderen. Betrachter

druckgrafischer Arbeiten stehen

nicht selten fasziniert vor den mit hoher

Präzision erstellten Blätter oder erfreuen

sich einfach nur am satten Schwarz oder

dem zarten Grau einer guten Aquatinta.

Grafikprojekte, oft verbunden mit Arbeitsaufenthalten

interessanter Gastkünstler

von nah und fern, gehören zum Veranstaltungsprogramm

des Vereins. Nun

sind aber die eigenen Mitglieder wieder

gefragt. Nach der Ausstellung „Ausdrücklich“

zum 20-jährigen Vereinsjubiläum sollen

jetzt in einer Werksschau Anfang Februar

wieder Arbeiten aus den eigenen

Reihen Einzug in die Kreuzgänge und Salons

im Kloster halten.

Kloster Bentlage

Bentlager Weg 130, 48432 Rheine

30 kunst:stück


. osnabrück

donnerstags bis samstags 14-17 Uhr

sonntags 11-17 Uhr

und nach Vereinbarung

UNSERE REGIONALE

KULTUR ERLEBEN

Stiftshof 4 · 49593 Bersenbrück · www.museum-im-kloster.de

www.draiflessen.com

DAAN ROOSEGAARDE

TOUCH

28. November 2021–27. Februar 2022

PASSION

KUNST

KABINETAUSSTELLUNG

24.11.2021–15.05.2022

kunst:stück 31


. hörstel

DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

↗ Veranstaltungen | www.da-kunsthaus.de

Di bis Sa 14–18 Uhr / So u. Feiertage 11–18 Uhr || Klosterstraße 10, 48477 Hörstel

→ bis 13.03.22 | Winterlicht – plants and plastics | Nils Völker

*Gefördert durch die Kreissparkasse Steinfurt

Die Reihe „Winterlicht“ hat im DA, Kunsthaus

Kloster Gravenhorst bereits Tradition:

seit 2008 sind in den historischen Innenräumen

und/oder auch im Aussenraum des

ehemaligen Klostergeländes Licht- und Videoinstallationen

von wechselnden, international

renommierten Lichtkünstlerinnen

und Lichtkünstlern zu erleben.

Sie interpretieren die Räume mit Licht und

Farbe und begeistern in den Wintermonaten

mit beeindruckenden Lichtinstallationen.

In dieser Saison schafft der Künstler

Nils Völker unter dem Titel „plants and

plastics“ mit leuchtenden Installationen

neue Sichtweisen.

Planschbecken, Zimmerpflanzen, Mülltüten

… In seinen meist großformatigen Arbeiten

nutzt der in Berlin lebende Künstler

Nils Völker (*1979) die Eigenschaften

der Dinge. Er verwandelt Alltagsgegenstände

und -materialien in kinetische Installationen,

die leuchten, surren oder knistern.

Durch serielle Aneinanderreihung

verortet der Künstler unseren Blick auf die

gewählten Objekte neu und schafft mittels

Elektronik und Programmierung sich

wandelnde, nahezu organisch anmutende

Oberflächen. So beispielsweise in der imposanten

Arbeit paddling pools (2018), deren

Anordnung und Lichtchoreographie

zahlreiche neonfarbene Planschbecken

eindrucksvoll in Szene setzt.

Für die Ausstellungsreihe Winterlicht des

DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst entwickelt

Völker außerdem zwei gänzlich neue

Arbeiten. Im Remter des Klosters treffen

die BesucherInnen auf eine „atmende“

Säule aus blauen Müllsäcken. Das Gewölbe

beherbergt eine Auswahl an typischen

Zimmerpflanzen, deren minimalkinetische

Beleuchtung dem Sonnenstand des jeweiligen

Herkunftsortes folgt. Die Ausstellung

plants and plastics setzt Kunststoffe und

natürliche Materialien in eine spannungsreiche

Beziehung, eröffnet Kontraste und

zeigt zugleich Parallelen auf.

Installationen von Nils Völker sind in öffentlichen

Sammlungen in Deutschland,

China und den Niederlanden vertreten.

Inspiration zur Lichtkunst von Nils Völker

auf www.nilsvoelker.com

32 kunst:stück


. hörstel

Abb.: Werkfotos Winterlicht Nils Völker Fotos: Michael Jezierny

→ bis 30.01.22

RÜCKBLICK! Projektstipendium KunstKommunikation 21 –

Kunst zum Mitmachen und Mitdenken | Präsentation der

Kunstprojekte 21 | Finissage: 29.01.22 ab 18 Uhr

Die Stipendiatinnen präsentieren noch bis zum 30.1.22, ihre Kunstprojekte in den Ateliers

des DA: „hard working / soft working“ von Julia Arztmann, „Portraits von Tagen

und Orten“ von Kati Gausmann, „BANG! BOOM!“ von Carola Rümper und „Self Service

Selfie Box“ von Janina Schmid.

→ bis 30.01.22

AUSBLICK! Projektstipendium KunstKommunikation 22 – Kunst

zum Mitmachen und Mitdenken | Ausstellung der Entwürfe

aus der Ideenwerkstatt

Künstlerinnen und Künstler haben die Chance auf eines der bis zu vier Stipendien. Gefördert

werden Kunstprojekte, die die Besucher zur Partizipation und Interaktion anregen.

Die Entwurfsausstellung zeigt alle Projektentwürfe, die in einem zweistufigen Bewerbungsverfahren

von der Fachjury ausgewählt wurden und die sich für die Endauswahl

des Projektstipendiums 2022 qualifiziert haben. Darunter sind auch die Kunstprojekte

zu sehen, die 2022 umgesetzt werden: Anna van Eck | Nähe auf Distanz

Gilbert Geister | Feedback · Maria Vill & David Mannstein | Paste-Up History!

→ 11.02.22

Ökumenischer Gottesdienst mit Künstlergespräch

in der Lichtkunstausstellung Winterlicht – plants and plastics,

Nils Völker | Beginn: 19.00 Uhr

Zwischen Kunst und Kirche gibt es viele Gemeinsamkeiten. Sie setzen sich mit Lebensfragen

auseinander und bieten die Chance über das Alltägliche hinaus zu blicken. Der

ökumenische Gottesdienst mit anschließendem Künstlergespräch lädt im DA, Kunsthaus

Kloster Gravenhorst zu einem Dialog ein. Inmitten der Lichtkunst von Nils Völker

tauschen sich Kirchenvertreter, Kuratorin und Künstler gemeinsam über die Lichtinstallationen

aus, entwickeln spannende Fragen im Gespräch, zeigen verschiedene Perspektiven

auf und eröffnen dabei die Sicht auf andere, neue Dimensionen.

# Gäste sind herzlich eingeladen, sich von den Gedankenanstößen inspirieren zu lassen

und die Gelegenheit zum persönlichen Austausch wahrzunehmen.

# Gottesdienst: Jens Köning-Upmeyer | Pastoralreferent der kath. Kirche Ibbenbüren,

Pfarrer Prof. Dr. Norbert Ammermann | Kulturbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises

Tecklenburg

# Eine Veranstaltung im Rahmen der Aktion “finde dein Licht“ der “Klosterlandschaft

Westfalen-Lippe"

kunst:stück 33


. hörstel

→ Sa 29.01.22

RÜCKBLICK! Projektstipendium

KunstKommunikation 22 – Finissage

mit Artist-Talk | Beginn: 18.00 Uhr

Lebendig, humorvoll, experimentierfreudig – ein

spannendes Jahr KunstKommunikation geht zu Ende.

Mit ganz unterschiedlichen Themen und Aktionen

ermöglichten Julia Arztmann, Kati Gausmann,

Carola Rümper und Janina Schmid den Gästen des

DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst in Hörstel einen

außergewöhnlichen Blick auf unsere Region. Sie haben

regelmäßig zum Kunstdialog und zum Mitmachen

eingeladen.

Julia Arztmann | hard working / soft working Julia

Arztmann übersetzte fragmentarische Motive der

„harten“ Klosterarchitektur in textile Objekte und

kombinierte diese mit metallenen Haushaltsgeräten.

In ihrer künstlerischen Modellierung entwickelten

die Objekte ein humoristisches Eigenleben und wurden

in Form (un)tragbarer Kostüme und Requisiten

Ausgangspunkt für Performances.

Kati Gausmann | Portraits von Tagen und Orten Kati

Gausmann hielt an ausgewählten Orten Schattenverläufe

von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang zeichnerisch

fest und schuf damit ein situativ und zeitlich

einmaliges Abbild. Die Zeichnungen gehen über eine

Dokumentation des rein Sichtbaren hinaus und

visualisieren das zugrundeliegende Phänomen der

Rotation der Erde.

Janina Schmid | Self Service Selfie Box (SSSB) An

wechselnden Orten im Kreis Steinfurt stand die SSSB

zur Produktion kreativer Selfies bereit. Janina Schmid

entwickelte zusätzlich abstrakte Schaumstoffformen,

die von den Teilnehmenden als Requisiten

zur Verfremdung des Körpers und Gestaltung eigener

Szenerien eingesetzt werden konnten.

Carola Rümper | BANG! BOOM! Im Rahmen von Fotografie-Workshops

mit Menschen mit kognitiver

Beeinträchtigung entstanden zahlreiche Bilder, die

im Sinne der Pop Art experimentell bearbeitet wurden.

Die Ergebnisse sind nun in einem Groß-Memory

festgehalten und geben einen Einblick in den kreativ

eingefangenen Alltag der Projektteilnehmenden.

1,2, Julia Arztmann, Objekte //

3, Kati, Gausmann, Muehlenbrücke Portrait

4, Janina Schmid, Self Service Selfie Box

5,6, Carola Rümpe, BANG! BOOM!

Alle Fotos: Michael Jezierny

Die Finissage der Projekte findet am Samstag, 29. Januar,

um 18 Uhr statt. Bereits um 17 Uhr führt an dem

Tag Annette Hinricher interessierte Besucherinnen

und Besucher durch die Ausstellung „Winterlicht –

plants and plastics“ von Nils Völker.

→ Anmeldung unter: 02551 6942-15

34 kunst:stück


. bremen

29.1. – 1.5.2022

Chéri Samba, J‘aime la coleur, 2003, Acryl auf Leinwand © The Jean Pigozzi Collection of African Art, Genf

KUNSTMUSEUM PABLO PICASSO münster

Picassoplatz 1 | 48143 Münster | T.: 0251 / 414 47-10 | info@picassomuseum.de

www.kunstmuseum-picasso-muenster.de | Dienstag bis Sonntag: 10 – 18 h

kunst:stück 35


. hörstel

→ Do 17.02.22

AUFTAKT! Projektstipendium

KunstKommunikation 22 –

Start des Projektstipendiums

KunstKommunikation 22 – Kunst

zum Mitmachen und Mitdenken

| mit erstem Künstlergespräch

und Eröffnung der Projekträume

| Beginn: 19.00 Uhr

Auch 2022 laden ungewöhnliche Kunstaktionen

dazu ein, mit den Künstlerinnen und

Künstlern vor Ort ins Gespräch zu kommen

und sich an den Kunstprojekten zu beteiligen.

Besucher*innen haben beim AUFTAKT! die

Gelegenheit sich über die neuen Projekte zu

informieren. → Anmeldung unter: 02551 6942-15

Anna van Eck | Nähe auf Distanz Im Mittelpunkt

steht das Ausloten nonverbaler Kommunikation

beim gemeinsamen Essen als soziales

Kunstevent: Mit künstlerisch überformten

und erweiterten Essgeräten wird einerseits

ein körperlicher zwingender Abstand generiert

und zugleich erhalten die Teilnehmenden

die Hilfsmittel zur kreativen Überbrückung

in die Hand.

Gilbert Geister | Feedback Gilbert Geister widmet

sich dem Phänomen der Rückkopplung

und nutzt dieses Prinzip, um Objekte mit signalverstärkender

Wirkung im Kunstkontext

zu erstellen und dadurch partizipatorische

Strategien zu entwickeln. Im Rahmen von

Versuchsaufbauten im Projektraum und einer

raumgreifenden Installation im Westflügel

werden Besuchende zu Mitwirkenden.

Abb. v.o.n.u.: Maria Vill und David Mannstein, Paste-

Up History! Il y a des fleurs, partout, Paste Up, Annecy

2019, Höhe 7 m, Foto: Mannstein+Vill // Gilbert Geister,

Feedback, Zeichnung // Anna van Eck, Nähe auf

Distanz, Zeichnung

Maria Vill und David Mannstein | Paste-Up

History! Im partizipativen Prozess entwickeln

Vill und Mannstein gemeinsam mit Mitmach-

Interessierten aus der lokalen Bevölkerung

haushohe Fotocollagen. Die Paste-ups setzen

sich kreativ mit der Heimat- und Zeitgeschichte

sowie mit Themen von Stadt- und Gesellschaftsentwicklung

auseinander und visualisieren

diese auf poetische Weise.

↗ DA goes on!

Künstlerpost, virtuelle Ausstellungen, Anleitungen zum Mitmachen und Mitdenken,–

die Kunst im DA ist auch über die Sozialen Medien präsent. Hier ist eine spannende

Sammlung von Videos, Downloads, authentischen Fotos und sehr persönlichen Texten

entstanden, die auch weiterhin das künstlerische Schaffen dokumentieren wird.

Lassen Sie sich inspirieren: www.da-kunsthaus.de/DA-goes-on

– – –

www.youtube.com · www.instagram.com/dakunsthaus · www.facebook.com/kunsthausklostergravenhorst

36 kunst:stück


. bremen . hörstel

kunst:stück 37


. nordhorn

spezielle Perspektive der fotografierenden

Person einnimmt, mehr noch, dass Bilder

ganz wesentlich von der jeweiligen wechselseitigen

Beziehung zwischen den fotografierenden

und fotografierten Menschen

geprägt sind. Unter anderem deshalb hatten

die Menschen in Europa und Nordamerika

über viele Jahrzehnte keinen Zweifel

daran, dass Bilder aus allen Erdteilen, die

von Fotografinnen und Fotografen des Westens

übermittelt wurden, ein unverstelltes,

authentisches und allgemein verständliches

Bild globaler Kulturen übermitteln können.

Doch diese Perspektiven blieben zumeist

‘westliche‘, weil in der Regel vom Entstehen

des Bildes vor Ort bis zur Auswahl in

den Bildredaktionen die gesamte Produktionskette

die eigenen ästhetischen Vorstelclose

contact

dokumentarische Fotografie aus Indien

11. Dezember 2021 bis 6. Februar 2022

Städtische Galerie Nordhorn | staedtische-galerie.nordhorn.de

Gemeinsam mit der deutschen Fotografin

Helena Schätzle, die seit längerem auch in

Indien zuhause ist, stellt die Städtische Galerie

Nordhorn Fotograf:innen aus Indien

vor und schafft ein Panorama von aktuellen

Fotografien aus dem Alltag von Menschen,

sowohl in den großen Metropolen

als auch auf dem Land. Diese Bilder zeigen

sehr persönliche Blicke auf Menschen und

ihr Umfeld sowie ihre Geschichten.

Der Begriff »dokumentarisch« verrät bis

heute die ungebrochene Lust, sich beim

Betrachten von Fotos dem fotografischen

Versprechen einer wahrheitstreuen Abbildung

der sichtbaren Welt hinzugeben. Einiges

an Überwindung kostet dagegen der

Gedanke, dass man dabei jeweils die ganz

38 kunst:stück


. nordhorn . bremen

Abb. links: Taniya Sarkar, aus der Serie: Nothing Left to Call Home

rechts oben: Deepti Asthana, aus der Serie: A thousand Thorns

rechts unten: Sharbendu De, aus der Serie: Imagined Homeland

lungen ebenso wie die kulturellen Klischees

bewusst oder unbewusst mit einbrachte.

Mit dieser Ausstellung versuchen wir, den

Blick auf Land und Leute von innen heraus

stärker sichtbar zu machen. Die Präsentation

wird von der Überzeugung bestimmt,

dass die Bildauswahl und Gestaltung auch

in der dokumentarischen Fotografie ganz

wesentlich auf ästhetischen Entscheidungen

beruht. Dadurch bringt die Fotografie

eine sowohl sehr individuelle, auf

die Person bezogene als auch eng mit dem

kulturellen Kontext verknüpfte Bildsprache

hervor. Im Ausstellungspavillon entsteht

daraus ein räumliches Layout, das

sich bewusst einer linearen Erschließung

entzieht und stattdessen zum Flanieren

einlädt, mit Lust auf persönliche Entdeckungen

jenseits einer bloßen Suche nach

kulturellen oder soziologischen Informationen.

Das Ziel ist eine Präsentation, in der

fotografische Bilder mehr als eine Berichterstattung

sind, nämlich vielschichtige ästhetische

Dialoge, die zu einer sensitiven

Wahrnehmung herausfordern – und zur

Bereitschaft, sich auf die Nähe des anderen

Blicks einzulassen.

Fotograf:innen: Taha Ahmad, Deepti Asthana,

Sharbendu De, Anuja Gupta, Indrajit

Khambe, Palani Kumar, Sankar Sarkar, Taniya

Sarkar, Tashi Topgyal, Chinky Shukla

Städtische Galerie Nordhorn

Vechteaue 2, 48529 Nordhorn

kunst:stück

39


. herford

Ausstellungsansicht: Neo I. Matloga, Tee e tala, 2021 © Marta Herford, Foto: Hans Schröder

Singarum J. Moodley und Neo I. Matloga

Ersehnte Nähe

24. Oktober 2021 bis 13. Februar 2022

Marta Herford | www.marta-herford.de | #ErsehnteNähe

Zwei südafrikanische Künstler unterschiedlicher

Generationen zeigen in der Lippold-

Galerie eine vielschichtige Erzählung über

Freiheit und Selbstbestimmung.

Neo Image Matloga wuchs in der Zeit nach

der Apartheid und mit der Hoffnung auf

eine demokratische Zukunft auf. In seinen

collagierten Malereien erschafft er

Szenerien und Charaktere fern konventioneller

Konzepte von Identität und Geschlecht.

Das Fotostudio von Singarum

Jeevaruthnam Moodley war ein Rückzugsort

für die Anti-Apartheid-Bewegung. Anders

als die politische Fotografie des Widerstands

reflektieren seine Porträts aus

den 1970er/80er Jahren eine Sehnsucht,

Stolz, Verspieltheit und Trotz, was in Matlogas

Bildern zwischen Nähe und Zerrissenheit

seine zeitgenössische Fortführung findet.

Der koloniale Blick hat Strukturen der

Unterscheidung hervorgebracht, deren

Künstlichkeit Moodley und Matloga subtil,

aber eindrücklich zur Aufführung bringen.

↓ Auch im Marta Herford zu sehen:

Look! Enthüllungen zu Kunst und Fashion

4.9.2021 – 6.3.2022

Mode war schon immer ein raffiniertes

Spiel zwischen gesellschaftlichen Normen

und individuellem Ausdruckswillen.

Aber welchen Stellenwert besitzt sie heute

angesichts enormer Beschleunigung und

globaler Produktionsstrukturen? Welchen

Einfluss üben die sozialen Medien auf die

Gestaltung der eigenen Identität aus? Und

was sind die Materialien von morgen? Mit

künstlerischen Beiträgen der letzten 20

Jahre entwirft diese Ausstellung ein lebhaftes

Panorama aktueller Phänomene

in der Fashionwelt.

Ergänzend zeigt die Stiftung Ahlers Pro

Arte die Ausstellung „Fetische des Blicks“

(folgende Seiten), die weitere Facetten

dieses vielschichtigen Themas beleuchtet.

Marta Herford

Goebenstraße 2–10, 32052 Herford

40 kunst:stück


. nordhorn . bremen

WWW.MUSEUM-FUER-LACKKUNST.DE

TABLETT

Holz mit Schwarzlack und Einlagen aus

graviertem Perlmutter

Blühender Pflaumenzweig und Mondsichel, China,

14. Jahrhundert (Ende Yuan-/Anfang Ming-Dynastie)

Erworben 1999

Die Winterpflaume gilt im Fernen Osten als der

erste Frühlingsbote und verheißt ein baldiges

Ende des Winters.

MUSEUM FÜR LACKKUNST

Windthorststraße 26

48143 Münster | Deutschland

Telefon: +49.251.41851-0

ÖFFNUNGSZEITEN

dienstags bis sonntags und an

gesetzlichen Feiertagen 12–18 Uhr

(Eintritt frei)

www.facebook.com/Museum.fuer.Lackkunst

kunst:stück

41


. herford

Fetische des Blicks

Mode und Verführung

11. September 2021 bis 16. Januar 2022

Stiftung Ahlers Pro Arte | www.ahlers-proarte.com

Mode geht heute – auch als Folge des gewachsenen

Wohlstands – längst über unsere

rein funktionalen Bedürfnisse hinaus

und ist tief mit unserem Alltag verwoben.

Die Strategien der Verführung in Gestaltung

und Vermarktung werden immer raffinierter

und statten Kleidung und Accessoires

mit einer emotionalen Qualität aus,

wodurch sie viel mehr werden als bloße

Mittel zum Zweck.

Um die komplexe Beziehung zwischen den

Menschen und ihrer Dingkultur zu erfassen,

ist der Begriff „Fetisch“ zu einem

Schlüsselbegriff geworden. Ursprünglich

wurde er um 1750 im religiös-ethnologischen

Kontext entwickelt, um Rituale

in afrikanischen Stammeskulturen zu beschreiben.

Im 19. Jahrhundert wurde er

dann in einen neuen Kontext übertragen

und in dem Gespinst von Wünschen und

Projektionen verortet, das sich

in die Konsumwelt einschrieb,

als die Kaufhäuser zu Kathedralen

der Waren wurden. Bereits

Karl Marx warnte in Das

Kapital (1867) vor ihren verführerischen

Illusionen.

Heute charakterisiert der Begriff

vor allem die Art und Weise,

wie sich Menschen von

mystisch aufladbaren Gegenständen

aus ihrer Lebenswelt

faszinieren lassen. Denn es ist

die Mystifikation und Emotionalisierung,

die den besonderen

Reiz und die „Erlebbarkeit“

von Dingen ausmacht. Die ihnen

zugeschriebene überhöhende

Bedeutung im Sinne von Exklusivität,

Schönheit oder Macht

42 kunst:stück


. herford

Abb. oben v.l.n.r.: Henri de Toulouse-Lautrec, Mademoiselle Marcelle Lender, en buste, 1895, ahlers collection // Römer + Römer,

Fashion addicted, 2010, ahlers collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 // Mario Testino, Madonna, 1996, ahlers collection

© Mario Testino // Abb. unten: Christo, Package, 1963, ahlers collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

hat sich längst zu einem wesentlichen Antrieb

der Konsumgesellschaft entwickelt

und ist seit den 1960er Jahren auch zum

Thema in der bildenden Kunst geworden.

Künstler*innen eignen sich die Dingkultur

der erfüllungsverheißenden Scheinwelt

an und treiben ihren Anbetungscharakter

auf die Spitze, sie entschlüsseln die Strategien

von Vermarktung und Verführung,

erschaffen Sinnbilder oder konfrontieren

ihr Publikum mit dem eigenen Überfluss.

Die Ausstellung, konzipiert und kuratiert

von Wiebke Hahn, thematisiert die Mystifizierung

und kultische Überhöhung als

große Spielwiese der Modewelt. Sie hinterfragt

das Spannungsverhältnis zwischen

der den Dingen zuerkannten Geschichte

und ihren Besitzer*innen, erkundet, wie

Objekte Bedeutung konstituieren, und

macht Mode als ein zentrales Element

unserer theatralen Kultur erfahrbar. Die

Ausstellung fokussiert sich bis auf wenige

Ausnahmen auf Werke aus der ahlers

collection. Anhand von Arbeiten von der

frühen Moderne bis in die Gegenwart ermöglicht

sie eine vielfältige Auseinandersetzung

mit lebenspraktischen Fetischen

aus den Bereichen der Religion, des Aberglaubens,

der Waren- und Geldkultur sowie

der Erotik und Sexualität. Werke der Objektkunst,

der Fotografie, der Zeichnung

und der Malerei geben Denkanstöße im

Hinblick auf die Theatralisierung der Warenwelt

und unsere Verstrickung darin.

Die Schau findet in Kooperation mit dem

Marta Herford statt, das zur gleichen Zeit

mit der Ausstellung „Look! Enthüllungen

zu Kunst und Fashion“ andere Facetten

dieses vielschichtigen Themas beleuchtet.

Öffnungszeiten: Fr – So, 12–17 Uhr

Führungen: jeden Samstag 15 Uhr

Katalog: erhältlich bei der Stiftung

Ahlers Pro Arte

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen

finden Sie zu gegebener Zeit auf

der Internetseite:

↗ www.ahlers-proarte.com

Stiftung Ahlers Pro Arte gGmbH

Am Kindergarten 2, 32052 Herford

Tel.: 05221 9797842

Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Ausstellungsbesuch

auf unserer

Internetseite über die aktuellen

Zugangsbestimmungen.

kunst:stück 43


. detmold

Vom Leben an der Grenze

Sonderausstellung Grenzüberschreitung am Limes,

im Rahmen der Archäologischen Landesausstellung

Nordrhein-Westfalen – Roms fließende Grenzen

24. September 2021 bis 27. Februar 2022

Lippisches Landesmuseum Detmold | www.roemer.nrw | www.lippisches-landesmuseum.de

Archäologische Funde aus ganz Nordrhein-Westfalen in der Ausstellung //

Ausstellung Grenzüberschreitung am Limes, Foto: Lippisches Landesmuseum

Der Niedergermanische Limes ist ein besonderer

Abschnitt des römischen Grenzsystems,

da der Rhein den Grenzverlauf

markiert. Daher wird er auch als „nasse

Grenze“ bezeichnet. Er war eine der wichtigsten

Grenzen des Römischen Reiches

und trennte die römischen Provinzen Germania

inferior, den linksrheinischen Teil

des Rheinlands sowie den Niederlanden,

von Germania magna, das den Römern bekannte,

aber nur zeitweise besetzte Gebiet

links des Rheins und bestand mehr als 400

Jahre. Doch wie entstand diese rund 400

km lange Flussgrenze entlang des Rheins

und wie veränderte sie sich?

War sie eine Grenze nach unserem

heutigen Verständnis,

trennte oder verband sie?

Mit Grenzüberschreitung

am Limes wird im Lippischen

Landesmuseum Detmold die

Entwicklung des Limes und

dessen Auswirkung auf jene

Bevölkerung gezeigt, die

von den Römern als „Germanen“

bezeichnet wurde. Anders

als es heutzutage weit

verbreitet ist, waren diese

Personen jedoch niemals ein

44 kunst:stück


. detmold

Rheinüberquerung, Illustration: Lippisches

Landesmuseum, S. Götze

oben: Einheimische Keramik aus Bad Salzuflen, Foto: Lippisches

Landesmuseum, A. Drewes // unten: Terra Sigillata Schüssel,

Foto: Lippisches Landesmuseum, M. Grunert

zusammenhängendes Volk, sondern organisierten

sich in vielen unabhängigen

Gruppierungen.

In sorgfältiger Arbeit hat das Lippische

Landesmuseum aus ganz Nordrhein-Westfalen

über 400 Exponate ausgewählt, die

in dieser Konstellation noch nie zuvor zu

sehen waren.

Der Grenzfluss trennte zwar die Bevölkerung

östlich und westlich des Rheins, war

jedoch keinesfalls undurchdringbar. Vielmehr

befanden sich Römer und die einheimische

Bevölkerung in einem regen

interkulturellen Austausch und führten

Handelsbeziehungen. Archäologische

Funde innerhalb einheimischer Siedlungen

und westfälische Keramik im römischen

Militärlager zeugen von einem vielschichtigen

Kulturkontakt. Spannende Geschichten

erzählen von den Begegnungen der

Einheimischen mit den Römern, die mal

friedlich, mal kriegerisch aber auch sehr

individuell verliefen.

Viele Mitmach-Stationen lassen den Besuch

der Ausstellung zu einem besonderen

Erlebnis werden. Eindrucksvolle Bilder des

renommierten Illustrators Samson Götze

visualisieren das damalige Leben. Götze

ist besonders für seine Art, Fotorealismus

mit Cartoons zu verschmelzen bekannt

und arbeitete bereits für Geo, den Spiegel

und National Geographic. Ein Chatbot

ermöglicht es den Exponaten sogar selbst

von ihren Erlebnissen zu berichten. Hierfür

benötigt man lediglich ein Smartphone.

Die Ausstellung wird vom Ministerium für

Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung

des Landes Nordrhein-Westfalen, der

Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und

Westfalen-Lippe (LWL), dem Landesverband

Lippe und der Stadt Köln präsentiert. An

fünf Standorten werden, zeitlich versetzt,

unterschiedliche Perspektiven zu den kulturellen

und gesellschaftlichen Auswirkungen

der antiken Grenze gezeigt. Die eindrucksvolle

Ausstellung im Lippischen Landesmuseum

wurde durch zahlreiche Förderer

ermöglicht, wie u.a. die LWL-Kulturförderung.

Hier heißt es: Eintauchen in spektakuläre

Erzählungen von Grenzen und den

Menschen die mit ihnen lebten.

Öffnungszeiten:

Di–Fr 10–18 Uhr, Sa / So, Feiertage 11–18 Uhr

Lippisches Landesmuseum Detmold

Ameide 4, 32756 Detmold

kunst:stück 45


. paderborn

Skulptur des hl. Norbert vom ehem. Lettner der Clarholzer Stiftskirche, Münster, Ende 15. Jahrhundert; Sandstein. Deutsche

Franziskanerprovinz, München, (zukünftig Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz), Foto: Kalle Noltenhans

// Monstranz mit der Darstellung der heiligen Katharina, um 1500; Silber, gegossen, graviert, teilweise vergoldet, Kath.

Kirchengemeinde St. Marien, Hagen

Welt und Zeit gestalten

Kulturerbe der Prämonstratenser im Erzbistum Paderborn

10. Dezember 2021 bis 13. März 2022

Diözesanmuseum Paderborn | www.dioezesanmuseum-paderborn.de

Ausstellungsseite mit Veranstaltungskalender: www.900-jahre-praemonstratenser.de

Im Jahr 1121 – vor genau 900 Jahren – wurde

der Orden der Prämonstratenser durch

den heiligen Norbert von Xanten gegründet.

Im Rahmen der eigens zu diesem Jubiläum

konzipierten Wanderausstellung

an sechs ehemaligen Prämonstratenser-

Standorten im Erzbistum Paderborn setzt

das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn

mit hochrangigen Kunstwerken

zum Thema einen besonderen Akzent:

Bis zum 13. März 2022 können bedeutende

Kunstschätze, kostbare Werke der

Goldschmiedekunst und mittelalterliche

Handschriften aus den einstigen westfälischen

Wirkungsstätten des Ordens bestaunt

werden.

Zwar gibt es derzeit keine aktiven Prämonstratenser

im Erzbistum Paderborn, jedoch

zeugen ihre ehemaligen Niederlassungen

von der Geschichte und Spiritualität des

charismatischen Ordens: Dessen Angehörige

suchen bis heute nicht

nur den Weg zu Gott in der Einsamkeit,

sondern sie verbinden

das kontemplative monastische

Leben mit der nach außen, zur

Welt, gerichteten Seelsorge.

Noch immer kann man im Erzbistum

zehn ehemalige Stifte

und Kirchen entdecken, die mit

der vor neun Jahrhunderten

begründeten Gemeinschaft der

Prämonstratenser bzw. Prämonstratenserinnen

eng verknüpft

sind.

46 kunst:stück


. paderborn

Heiliger Norbert mit Monstranz, Heinrich Strotmann (auch Stratmann), 1626; Öl/Tempera auf Holz, spätere Übermalungen,

Kath. Propsteigemeinde St. Walburga, Werl // Missale für den Prämonstrastenserorden, Verdun 1736, Kath. Propsteigemeinde

St. Walburga, Werl // unten links: Türzieher in Löwenkopfform, Westfalen, Mitte 12. Jahrhundert; Bronze, gegossen,

ziseliert und punziert, Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz // unten rechts: Reliquienkästchen mit Martyrium des

hl. Thomas Becket, Limoges, Anfang 13. Jahrhundert; Kupfer(legierung), z. T. gegossen, graviert, emailliert und vergoldet,

Holzkern, Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz

→ alle Abbildungen: Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto: Ansgar Hoffmann

Im Fokus der Sonderausstellung im Diözesanmuseum

Paderborn steht die Spurensuche

in den heutigen Pfarrkirchen der

einstigen Prämonstratenserorte, die überraschende

Funde aus den früheren Konventen

zu Tage förderte. Wenig bekannte

Schätze aus zum Teil untergegangenen

Orten wie Scheda im Kreis Unna oder aus

dem ehemaligen Katharinenkloster in Dortmund

können erstmals der Öffentlichkeit

vorgestellt werden. Sie veranschaulichen

das Wirken der "Norbertiner" an ihren historischen

Stätten: Cappenberg, Clarholz/

Lette, Scheda, Arnsberg-Wedinghausen,

Rumbeck, Oelinghausen, Dortmund und

Cappel.

Zur Ausstellung im Diözesanmuseum erscheint

eigens ein Katalog der präsentierten

Exponate. Er bietet zudem einen

facettenreichen Essay zur Geschichte des

Ordens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart.

Öffnungszeiten:

Di – So 10.00 bis 18.00 Uhr | Jeden ersten

Mittwoch im Monat bis 20 Uhr

Diözesanmuseum Paderborn

Markt 17, 33098 Paderborn

Ein Charakteristikum des Prämonstratenserordens

ist es, dass auch Frauen

der Zugang gewährt wurde. Sie lebten

in eigens für sie eingerichteten Niederlassungen,

im Erzbistum Paderborn beispielsweise

in Oelinghausen oder Rumbeck.

Nicht nur eindrucksvolle Zeugnisse

aus diesen ehemaligen Stiften sind in der

Ausstellung zu sehen, sondern auch kunstvoll

von Prämonstratenserinnen mit eigener

Hand gearbeitete Textilien und aufwendig

gestaltete Reliquienbilder.

kunst:stück 47


. münster

Chéri Samba, J'aime la coleur, 2003, Acryl auf Leinwand, © The Jean Pigozzi African Art Collection, Genf // Abb. unten: Pablo

Picasso, Trois Figures sous un arbre, 1907, Öl auf Leinwand, Musée Picasso, Paris © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Schwarze Moderne

Afrika und die Avantgarde

29. Januar bis 1. Mai 2022

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster | www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Jazz, Josephine Baker, die zeitgenössische

Werbung, der Film und die Faszination für

ethnologische Museen – die künstlerischen

Avantgardebewegungen des frühen 20.

Jahrhunderts fanden Inspiration in einer

schwarzen Kunst, die als revolutionär gefeiert

wurde. So suchten Pablo Picasso,

Man Ray, Fernand Léger, Hannah Höch

oder Henri Matisse in der Auseinandersetzung

mit der Formensprache afrikanischer

Masken und Skulpturen kreative Impulse.

In der aus über 80 Exponaten bestehenden

Ausstellung treffen die Werke indigener

Künstler verschiedener afrikanischer

Ethnien auf Malerei,

Skulptur, Grafik, Fotografie

und Film der Klassischen

Moderne Europas und der

afrikanischen Gegenwartskunst.

Die Schau macht das

vielfältige Stilrepertoire der

Kunst Afrikas und seiner Rezeption

in Kubismus, Dadaismus

und Surrealismus erfahrbar.

Diese komplexen

Aneignungs- und Umwandlungsprozesse

werden durch

Gegenwartskünstler wie Chéri

Samba, Maître Syms, Gonçalo

Mabunda oder John

Edmonds in ihren Werken

kritisch reflektiert.

48 kunst:stück


. münster

Die Ausstellung verfolgt dabei den Einfluss

der Ideenströme des kulturellen Erbes des

sog. Black Atlantics, der globalen schwarzen

Gemeinschaften, die sich durch die

Schiffsrouten des transatlantischen Sklavenhandels

zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert

in der Diaspora entwickelten.

Abseits von tagesaktuellen

politischen Debatten lädt sie

ihre Besucher:innen dazu ein,

die Faszination afrikanischer

Kunst zu erleben und sie als

Grundlage der Moderne neu

zu erfahren.

Pablo Picasso, Minotaurus, eine schlafende Frau liebkosend, 1934, Suite Vollard © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Picasso

Die Schönen und das Biest

29. Januar bis 1. Mai 2022

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster | www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Parallel zu der Schau „Schwarze Moderne“

zeigt das Picasso-Museum in der kleinen

Studioausstellung „Picasso – Die Schönen

und das Biest“ Werke aus seinem eigenen

Grafikbestand. Im Zentrum der Ausstellung

steht der Mythos des Minotaurus in der

Kunst Pablo Picassos. Die Gestalt aus der

griechischen Mythologie ist ein Wesen mit

menschlichem Körper und Stierkopf und

ging aus der bestialischen Vereinigung zwischen

Pasiphaë, der Frau des Königs Minos

von Kreta, und einem Stier hervor. Minos

sperrte die Bestie in einem von Dädalus

errichteten Labyrinth ein, wo ihr alle neun

Jahre sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen

geopfert wurden.

Seit der Antike ist der Minotaurus ein

beliebtes Motiv der bildenden Kunst. Picasso

interpretiert den Mythos in den

1930er-Jahren in der nach ihrem Verleger

benannte Suite Vollard jedoch völlig neu: Er

macht sich das Ungeheuer zum Alter Ego

und reflektiert in dessen Darstellung sein

Künstlerleben sowie seine romantischen

Beziehungen und sexuellen Erlebnisse. Die

Blätter der Suite Vollard werden damit zu

einem verschlüsselten Tagebuch dieser

Jahre – der, wie Picasso selbst einmal erklärte,

„schlimmsten Zeit meines Lebens“.

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Picassoplatz 1, 48143 Münster

kunst:stück 49


. borken

Samuel Jessurun de Mesquita

Fantasien

11. Dezember 2021 bis 24. April 2022

FARB Forum Altes Rathaus Borken | www.farb.borken.de

Samuel Jessurun de Mesquita (1868 –

1944) ist einer der wichtigsten niederländischen

Künstler der Moderne. Er war ein

ausgezeichneter Grafiker und hinterließ

ein umfangreiches Schaffen. 1944 wurde

sein Amsterdamer Atelier durch die Nationalsozialisten

verwüstet. Er und seine Familie

wurden Opfer der Shoa. Die Ausstellung

widmet sich neben seinen berühmten

Tier- und Pflanzenbildern vor allem seinen

bisher weniger bekannten, satirisch-grotesken

Fantasien.

Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit

mit dem Sammler Christian

Ortwin Wolters (Borken) konzipiert und

realisiert

Über die Niederlande hinaus gerühmt ist

de Mesquita für seine teils großformatigen

Holzschnitte von Tieren und Pflanzen,

von denen bedeutende Exemplare

in der Ausstellung gezeigt werden. Diese

konsequent aus der Fläche, der fließenden

Linie und mit Sinn für die ornamentale Wirkung

entwickelten Bilder bestechen noch

heute in ihrer Virtuosität.

De Mesquita schafft neben diesen grafischen

Einzelblättern sein ganzes Leben

hindurch in großer Zahl teils bizarre und

teils humorvolle Arbeiten, die er selbst

als „Fantasien“ bezeichnet. Diese wenig

beachteten aber umfangreich überlieferten

und teilweise noch unveröffentlichten

Werke stehen im Zentrum der Ausstellung

im FARB in Borken, die aus dem reichhaltigen

Fundus der Sammlung Christian Ortwin

Wolters zusammengestellt wurde. Die

„Fantasien“ zeigen satirisch überzeichnete

Alltagssituationen, Träume oder skurrilfantastische

Personen. Ohne Titel und ohne

festen Plan bis zu seinem Tode täglich

„niedergeschrieben“, sind diese karikaturistisch

anmutenden Bilder menschlicher

Seelenzustände bedeutungsoffen und

zugleich von packender Unmittelbarkeit.

Samuel Jessurun de Mesquita wird in

Amsterdam als 3. Kind sephardisch-jüdischer

Eltern geboren. Er lernt zunächst

in einem Architekturbüro das Zeichnen,

studiert ab 1885 an der Kunsthandwerk-

Fachschule und absolviert ab 1886 eine

Lehrerausbildung. Seine künstlerische Kar-

50 kunst:stück


. borken

linke Seite: Mann, 1915, Lithografie © C. O. Wolters / Zweerts

Abb. oben: Mann mit Zylinder und bärtiger Mann, 1918,

Aquarellierte Zeichnung © C. O. Wolters / Zweerts

riere beginnt er als Maler, Zeichner und Designer.

1893 wechselt er zur Druckgrafik.

Von 1902 bis 1926 und von 1933-1937 ist er

Lehrer für Zeichnen und druckgrafische

Techniken in Haarlem und Amsterdam. Der

Erfolg de Mesquitas beginnt bereits vor

1900, denn die Pariser Galerie „La Maison

du Art Nouveau“, wo auch Felíx Vallotton

und Edward Munch gezeigt werden, stellt

ihn aus. Später gibt der Kunsthändler Johannes

H. de Bois mehrere Grafikmappen

mit seinen Werken heraus. Ab 1940 lebt

de Mesquita zurückgezogen. In der Nacht

vom 31. Januar auf den 1. Februar 1944 werden

er und seine Familie gewaltsam aus

ihrer Amsterdamer Wohnung geholt und

deportiert. Samuel und seine Frau werden

in Ausschwitz ermordet, sein Sohn

Jaap stirbt in Theresienstadt. Freunde

und Schüler de Mesquitas, darunter M.C.

Escher (1898-1972), retten Teile seines

Werkes aus der verwüsteten Wohnung

für die Nachwelt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Der Katalog und die Ausstellung wurden

gefördert von der Sparkassenstiftung für

den Kreis Borken.

FARB Forum Altes Rathaus Borken

Markt 15, 46325 Borken

BEGLEITPROGRAMM

Öffnungszeiten:

Dienstag - Mittwoch, 10–13 Uhr | Donnerstag,

10–19 Uhr | Freitag - Sonntag

sowie an Feiertagen, 10–16 Uhr

Führungen: So 16.1., Do 27.1., So 13.2., Do

24.2., So 13.3. jeweils 16 Uhr

– – –

Sammeln ist Passion. Mit C. O. Wolters

(Sammler), Uta Rosenbaum (Co-Kuratorin),

Britta Kusch-Arnhold (FARB) | Do.

17.2.2022, 18 Uhr, Eintritt frei

– – –

Fantastierisch! Zwei Hochdruck-Workshops

für Kinder ab 6 Jahre | Sa, 12.2. ,

10-13 und 14-17 Uhr, 9 € pro Kind

– – –

Vortrag von Dr. Hans Peterse: Jüdisches

Leben und Kultur in Amsterdam im 19.

Und 20. Jahrhundert | Di, 15.3., 18 Uhr,

Eintritt frei

– – –

Fantastisch oder Grotesk. Ein Kunst-

Workshop für Erwachsene (Collage,

Zeichnen, Drucken) | In Planung

Für alle Veranstaltungen des Begleitprogramms

ist eine Anmeldung erforderlich:

02861 939 252 oder info@farb.

borken.de. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Es gelten die jeweils aktuellen

Corona-Schutzverordnungen.

↗ www.farb.borken.de

kunst:stück 51

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