Sozialräumliche Perspektiven auf ... - Universität Vechta

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Sozialräumliche Perspektiven auf ... - Universität Vechta

Universität Vechta Band 4

Online - Schriftenreihe zur Sozialen Arbeit

Hochschule Ve

Hans-Jochen Steinhagen

Lebensmittelpunkt Straße –

Sozialräumliche Perspektiven auf Straßenszenen und

deren Kontrolle

VVSWF Vechtaer Verlag für Studium, Wissenschaft und Forschung


Universität Vechta Band 4

Online - Schriftenreihe zur Sozialen Arbeit

Hans-Jochen Steinhagen

ist Sozialarbeiter (M.A.) und arbeitet seit 2007 im Bereich der

Wohnungslosenhilfe und der gesetzlichen Betreuung bei dem

SKM Vechta e.V. Während des Studiums an der Universität

Vechta beschäftigte er sich wesentlich mit Raumbildung und

Raumkontrolle, sowie mit der Verdrängung von sozialen

Randgruppen aus urbanem Raum.

Die Onlineveröffentlichung wurde als Abschlussarbeit im

Masterstudiengang Social Work eingereicht.

VVSWF ISBN 978-3-937870-17-2


Lebensmittelpunkt Straße – Sozialräumliche Perspektiven auf

Vechta 2011

Straßenszenen und deren Kontrolle

Hans-Jochen Steinhagen


Die Online - Schriftenreihe zur Sozialen Arbeit wird herausgegeben von:

Prof. Dr. Klaus-Dieter Scheer, war bis März 2011 Universitätsprofessor (Pädagogik und

Sozialpädagogik) am Institut für Erziehungswissenschaft der Hochschule Vechta

Detlev Lindau-Bank, Dipl.-Päd., Dipl.-Sozpäd., wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für

Erziehungswissenschaft der Hochschule Vechta

Autor:

Hans-Jochen Steinhagen, M.A. Social Work, arbeitet seit 2007 im Bereich der Wohnungslosenhilfe

und der gesetzlichen Betreuung bei dem SKM Vechta e.V.

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

Hans-Jochen Steinhagen: Lebensmittelpunkt Straße – Sozialräumliche Perspektiven auf

Straßenszenen und deren Kontrolle

Vechtaer Verlag für Studium, Wissenschaft und Forschung, 2011

ISBN 978–3–937870–17-2

Alle Rechte vorbehalten.

© 2011 by VVSWF – Vechtaer Verlag für Studium, Wissenschaft und Forschung

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den

gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der schriftlichen Einwilligung des Verlages.

Umschlaggestaltung: Lindau-Bank


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Raum, Individuum und Öffentlichkeit 3

2.1 Zum (Sozial-) Raumbegriff 3

2.2 Raum und Orte 9

2.3 Atmosphäre – unsichtbarer Raum 12

2.4 Einfluss sozialer Ungleichheit auf Raum 14

3 Stadträume und Öffentlichkeit 17

3.1 Öffentliche Stadträume – eine Annährung 17

3.2 Raum, Norm und Individualisierung 20

3.3 Neuorientierung der Städte 22

3.4 Standortpolitik und Segregation 25

4 Exklusion, Szenen und die Bedeutung zentraler Orte 27

4.1 Ungleichheit und Exklusion 27

4.2 Szenen, Teilhabe und das Gefühl von Gemeinschaft 29

4.3 Lebensmittelpunkt Straße 31

5 Kriminalitätsfurcht, Überwachung und Kontrolle 34

5.1 Sicherheitsgefühl in urbanen Räumen 34

5.2 Ideologische Legitimierung von Kontrollen und Verboten 36

5.2.1 Das Konstrukt der Kriminalität 36

5.2.2 Gefährliche Gruppen und Personen 38

5.3 Rechtliches zum Aufenthalt in öffentlichem Raum 40

5.4 Rechtliches zum Aufenthalt in und auf Bahnhöfen 41


5.5 Platzverweis – zu Techniken und Strategien der Räumung 43

5.6 Straßenszenen als Störer im öffentlichen Raum 46

6 Umlenkung statt Vertreibung? 47

7 Abschlussbetrachtung 50

8 Literaturangaben 52


1 Einleitung

Raum als eine grundlegende Dimension von Handeln, Verhalten und Normen fand innerhalb

der Sozialwissenschaften über eine lange Zeit nur wenig Berücksichtigung. Vielmehr wurde

‚Raum‘ als das Territorium oder Umgebung - im Sinne der Geographie bzw. auch der stadt-

planerischen Vorstellungen – für das soziale Miteinander betrachtet. Die Vorstellung von

Raum wurde also über andere Kategorien vermittelt. Als Beispiele ließen sich staatliche

Grenzen, Gemeinden oder Städte anführen. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entwi-

ckelte sich die ‚Chicagoer Schule‘, eine Art Vorläufer der heutigen Stadtsoziologie, welcher

die weiteren Forschungen und Ansätze beeinflusste und einen Wandel in der Betrachtung von

Raum auslöste. Die Epoche in der wir heute leben, bezeichnet Foucault bereits 1967 als „(…)

die Epoche des Raumes“ (Foucault, zit. nach Wentz, 65). Da die vorliegende Arbeit sich mit

Straßenszenen, bzw. deren Kontrolle im urbanen Raum beschäftigt, soll daher auch im ersten

Teil der (Sozial-) Raumbegriff nochmals näher erläutert werden, da menschliches Handeln in

diesen Räumen stattfindet. Dabei stellt sich im ersten Teil die Frage, wie sozialer Raum ent-

steht, welche Auswirkungen er auf das Individuum hat, wie er angeeignet werden kann und

wie Stadträume strukturiert und verschoben werden.

Der Hauptteil wird sich jedoch schwerpunktmäßig mit ‚Randgruppen‘ als Nutzern urbaner

sozialer Räume und deren Verdrängung und Kontrolle beschäftigen, da kommunale Sozialpo-

litik auch in Deutschland mittlerweile weniger hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit und Teil-

habe, sondern eher im Sinne von Ordnung und innerer Sicherheit agiert. Seit New York auf

sinkende Kriminalitätsraten verweisen kann, ist es zu einem Beispiel erfolgreicher Kriminali-

tätsbekämpfung und Ordnungseinhaltung geworden. Der Unordnung wurde im Sinne des

‚Broken Windows‘ Ansatzes quasi der Krieg erklärt und somit Randgruppen - welche ihren

Lebensmittelpunkt auf der Straße haben - entfernt. Die Maßnahmen sind recht einfach ge-

strickt: Videoüberwachung, Erlass von Richtlinien und Verboten, verstärkte Kontrollen, eine

‚zero tolerance‘-Haltung, Vertreibung und Verdrängung. Dass dabei anderenorts die Krimi-

nalitätsraten steigen, wird dabei ungern veröffentlicht. New York oder London scheinen in

diesem Sinne eine Vorbildfunktion für den bundesdeutschen Raum zu haben, da auch hier

mehr und mehr Überwachung und Verdrängung zu beobachten ist. Sicherheitsmaßnahmen,

Kontrolle und Überwachung öffentlichen Raumes zur Verhinderung von Kriminalität sind

auch in Deutschland Themen, über welche vermehrt diskutiert wird. Zudem wurden die In-

nenstädte wiederentdeckt und nach und nach zu Konsum- und Erlebniswelten umgestaltet. In

den USA hat diese Wandlung schon früher begonnen und dort ist es auch hinlänglich bekannt,

dass ‚verwahrloste Randgruppen‘ - gerade jene, welche ihren Lebensmittelpunkt im öffentli-

1


chen Raum haben – aus den Innenstadtbereichen vertrieben werden. Auch Privatisierungen

von öffentlichen Bereichen und der Einsatz privater Sicherheitsdienste sind Parallelen, welche

sich in einem Vergleich von Deutschland und den USA finden lassen. Eine direkte Übertra-

gung des repressiven Umganges mit Randgruppen in den USA auf Deutschland ist zwar nicht

möglich, jedoch soll diese Arbeit darstellen, warum und inwiefern Sicherheit und Ordnung

auch in Deutschland zu einem stadt-strukturierenden Merkmal geworden sind, wie sich die

Gestaltung und Nutzung öffentlichen Raums gewandelt hat und wie soziale Probleme auf

diese Art und Weise gewissermaßen entsorgt werden. Diese Arbeit soll einerseits einen Ein-

blick in herrschende Strukturen geben, deren Weiterentwicklung absehbar, der Ausgang aber

nicht entschieden ist, andererseits aber auch Alternativen hervorheben, welche jedoch auch

kritisch hinterfragt werden müssen.

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