Ausstellungskatalog

simoser18

Hochschule Kehl

Begleit-katalog

Foto-Wanderausstellung

zur Situation der Kulturlandschaft Baden-Württembergs während der Corona-Pandemie

im Rahmen des Fachprojektes „Kommunales Kulturmanagement“ (FP 33)

der Hochschule Kehl im WS und SS 2021 / 22


in Kooperation mit

Impressum:


„Ich find es voll blöd, wenn man wegen Corona nicht

mehr weg kann.

Mit meinen Eltern bin ich vorher oft in Museen

und so gegangen. Das war cool.

Meine Kumpels frozeln immer. Ist mir aber egal, Was

zusammen machen - find ich klasse.

Corona geht mir voll auf den Keks.“

Finn, 10 Jahre alt



Editorial

Liebe Kulturfans,

Seit eineinhalb Jahren steht die Welt der Kultur still, also fast. Kein Kino und Theater, keine

Konzerte und kein gemeinsames Erleben. Stattdessen Distanz, Vereinsamung und Onlinestreaming.

Das verändert uns alle. Dabei baut die Kultur Brücken zwischen den Menschen

und bringt sie zusammen. Sowohl Künstler als auch die Menschen leiden darunter.

Der Umsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft sank um 22,4 Milliarden Euro während der

Umsatz der Darstellenden im Jahr 2020 um 85 % abgenommen hat. Um es in den Worten

der Komikerin Carolin Kebekus auszudrücken: „Wenn das so weitergeht, dann wird nach

Corona an Kultur einfach nicht viel übrigbleiben“. Nach langer Durststrecke dürfen die

Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg aktuell zwar langsam wieder öffnen, aber noch

gibt es keine Entwarnung.

Deshalb sind wir im ganzen Land ausgeschwärmt, um die besonderen Momente des

Kulturlebens in Baden-Württemberg in Bildern festzuhalten und die Geschichten jedes

Einzelnen zu erzählen. Diese wollen wir in einer Online Gallery ausstellen und auf unserer

Website „Aha-Pictures“ für jeden und jederzeit zugänglich machen

Wir, das sind 9 Studierende der HS Kehl, die sich mit kommunalem Kulturmanagement

befassen. Wir schauen uns an, was nach eineinhalb Jahren Lockdown und Neustart passiert.

Gibt es neue Lösungen? Wie geht es weiter? Effekte, Veränderungen, Konsequenzen

sind alle hier nachzulesen. Und wenn Interesse daran besteht, machen wir auch eine

Wanderausstellung für kommende Generationen.

Also reinschauen, „aha“ staunen und weitererzählen.

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Ausstellung - Fakten


Inhaltsverzeichnis


Grußwort 1


Grußwort 2


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Kulturzentrum

Ein Raum gefüllt mit tausend Geschichten.

von Anna Strotmann

Hier auf dem Foto sieht man die Bibliothek im weißen

Saal der Allgäuer Genussmanufaktur in Leutkirch im Allgäu

mit etwa 15.000 Büchern. Ein ganz besonderer Raum

der Manufaktur. All diese verschiedenen Bücher und

Zeitschriften wurden von einem einzigen Mann gesammelt,

der für eine Zeit lang einen Teil der alten Brauerei gemietet

hatte. Es gibt noch mindestens 25.000 Exemplare die extern

gelagert werden. Mit den deckenhohen Bücherregalen

bekommt der Raum eine sehr schöne Atmosphäre . Er

wird für verschiedenste Veranstaltungen genutzt, wie zum

Beispiel für Lesungen, oder wie auf dem folgenden Bild zu

sehen, um Musikunterricht stattfinden zu lassen.

Für mich war es zuerst sehr ungewöhnlich die Albhornbläser

in diesem Raum anzutreffen und doch gibt es der

Bibliothek noch einen ganz anderen Touch. Es gibt aber

bei weitem noch viel mehr zu sehen in der ehemaligen

Brauerei, die von einer ehrenamtlichen Genossenschaft

im Rahmen eines Heimat-Projektes komplett saniert

und somit wiederbelebt wurde. Insgesamt beteiligen

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sich über 900 Bürger bei diesem Projekt und kauften

Anteile der Genossenschaft. Für Besucher gibt es hier in

normalen Zeiten eine Menge zu bestaunen, bei etwa 18

Kunsthandwerkern, die einen Einblick in ihre Tätigkeiten

geben und deren Waren man erwerben kann. Die

Nachhaltigkeit und Regionalität der Produkte stehen hier im

Vordergrund.

Doch Corona macht der gerade eröffneten Manufaktur

einen Strich durch die Rechnung, es dürfen eineinhalb Jahre

keine Besucher in die Allgäuer Genussmanufaktur, was

für die Kunst- und Genusshandwerker fatale Folgen hat.

„Nicht alle haben durchgehalten“, wurde mir erzählt. Für

die Handwerker sind die Besucher ausschlaggebend, um

Ihre Tätigkeit fortsetzen zu können. Und genau um diesen

Menschen mit ihrem besonderen Handwerk zu helfen bin

ich im Rahmen dieses Projektes dorthin gefahren und habe

ein paar Impressionen mit der Kamera eingefangen.

Somit folgt eine kleiner Ausschnitt von interessanten

(Kunst)Handwerken, die in der Genussmanufaktur

entdecken werden kann.

Grundsätzlich steht hier alles unter dem Motto

Regionalität und Nachhaltigkeit. Vom Töpfern über eine

Tabackmanufaktur, bis zu handgemachten Wachstüchern,

einem eigenen Cafe und dem selbsgebrautem Bier, kann

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Kulturzentrum

man als Besucher hier ein Stück vom Allgäu auf eine ganz

andere Weise mit allen Sinnen erleben.

Zuerst habe ich bei einer Schmuckhandwerkerin über die

Schultern geschaut, wie sie einen Ring bearbeitete. Ich

frage was durch die Coronasituation anders geworden

ist. Sie meinte: „ Es ist anstrengend die Menschen

andauernd auf die Abstandsregelung hinzuweisen.“Eine

große Veränderung zu der Zeit vor der Coronapandemie

aber ebenso Notwendig in dieser ungewöhnlichen Zeit.

Doch trotz aller „nervigen“ Regelungen ist alles besser

als ein Lockdown, wodurch gar keine Besucher in die

Genussmanufaktur dürfen. Überall sieht man die Zeichen

der Abstandsregelung, Maskenpflicht und maximaler

Personenanzahl, was die Menschen aber zum Glück nicht

daran hindert die Genussmanufaktur aufzusuchen. Doch

aufzuholen sind die fast zwei Jahre der Pandemie nicht

so schell und sicher in zukunft schauen kann man auch

noch nicht. Es ist wichtig das man die Kultur nicht vergisst,

sie ist wichtig für unsere Gesellschaft, bringt Menschen

zusammen, lässt sie neue Dinge erleben und erlernen.

Auf diesem Bild sieht man einen Karton voller

getrockneter Tabackblätter. Das ist auch ein wichtiger Teil

der ehemaligen Brauerei. Auch dort wurde mir erzählt wie

schwer es war während der Coronazeit. Das einzige an

Auftägen kam von größeren Firmen, sodass es eine geringe

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Rate an Waren gab die verkauft werden konnten. Nicht alle

der Kunsthandwerker haben durchgehalten. Diese traurige

Tatsache beschränkt sich nicht nur auf diese Einrichtung.

Überall mussten Menschen aus dieser Szene ihr Handwerk

aufgeben, den ohne Menschen, keine Käufer und auch kein

Umsatz.

Weiter in dem obersten Stockwerk konnte ich zwei Frauen

bei der Herstellung von Wachstüchern zusehen. Das Ziel ist

Platikfolie durch Bienenwachstücher zu ersetzen und dadurch

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Kulturzentrum

eine naturfreundliche Alternative anbieten zu können. Es

ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig umweltfreundliche

Innovationen zu kreieren. Umso schöner ist es zu sehen wie

die Produkte bei den Menschen ankommen. Speziell das

macht einen Besuch in dieser Kultureinrichtung aus, dadurch

bekommt man einen sehr schönen realen Einblick in die

Ausübung des (Kunst) Handwerks. Und kann die Herstellung

meist hautnah miterleben.

Menschen den natürlichen Genuss näher bringen, zum

Denken und Umdenken anregen. Im Vordergrund steht

hier nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Heimat

zu erhalten und stark für die Zukunft zu machen. Es ist

sozusagen ein Projekt von den Bürgern für die Menschen.

Ein großes Ziel der Allgäuer Genussmanufaktur ist es

die Menschen, sowie Einheimische als auch Urlauber

zusammen zu bringen. Man kann gut mit den einzelnen

Kunsthandwerkern selbst oder den anderen Besuchern

ins Gespräch kommen. Ein weiterer sehr wichtiger

Aspekt ist die Nachhaltigkeit und Regionalität mit der

die Produkte gefertigt werden. Es soll den Menschen

den natürlichen Genuss näher bringen, zum Denken und

Umdenken anregen. Im Vordergrund steht hier nicht die

Gewinnmaximierung, sondern die Heimat zu erhalten und

stark für die Zukunft zu machen. Es ist sozusagen ein Projekt

von den Bürgern für die Menschen.

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Stadttheater

Theater berührt uns!

von Carolina Pfeifer

„Spieglein, spieglein an der Wand, wer hat das schönste

Theater im ganzen Land?“. Die Antwort?—Die Stadt Baden-

Baden. Die Kulturstadt Baden-Baden betreibt eines der

ältesten noch bespielbaren Theater Deutschlands und ist

zudem seit Juli 2021 Träger des Weltkulturerbes. Das in die

Innenstadt integrierte Gebäude wurde 1862 erbaut und

bietet mit seinen verschiedenen Räumlichkeiten genug

Platz für diverse Veranstaltungen. So auch das sogenannte

Spiegelfoyer, das sich oben auf dem Hauptbild in seinem

vollen Glanze zeigt.

Dort finden normalerweise 30 Besucher*innen Platz,

um regelmäßig mit Ein- und Zwei-Personen-Stücken

unterhalten zu werden. Doch so voll wird es in der aktuellen

Corona-Pandemie nicht. Der mit Spiegeln geschmückte

Raum ist leider zu klein, um die aktuellen coronabedingten

Vorschriften wie Abstandsgebote und Hygienevorschriften

einhalten zu können. Er wird für Hochzeiten oder andere

Veranstaltungen vermietet. Auch als Meetingraum des

Teams rund ums Theater wird er genutzt, sowie für mein

Interview am 16. November 2021 mit der Dramaturgin

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„Wir sind ein

Theater, das

versucht in der

Stadt und für die

Stadt Programm zu

machen.“

Miriam Fehlker bereitgestellt. Sie arbeitet seit etwa

eineinhalb Jahren am Theater Baden-Baden und hat sich

bereiterklärt, mir ein paar Fragen zum Theater, zu den

Mitarbeitern und den Erfahrungen in der Corona-Pandemie

zu beantworten. Im folgenden habe ich einige der Fragen

zusammengestellt:

1. Was bietet das Theater für wen an?

Ziel des Stadttheaters ist es, mit seinen Angeboten

die gesamte Stadt Baden-Baden zu erreichen. Egal ob

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Stadttheater

Stücke des klassischen Abendspielplans, Kinder- und

Jugendstücke oder Gaststücke, es ist für jeden etwas dabei.

Nicht nur für das Stammpublikum, die Abonnenten, die

sehr kulturinteressiert sind und das Theater tatkräftig

unterstützen, sondern auch für neues Publikum stehen die

Tore offen. Dabei steht ganz im Mittelpunkt die kulturelle

Vermittlungsarbeit und die ständige Auseinandersetzung

mit neuen Themen. Auch in der aktuellen Spielzeit 2021/22

„Berühren!“, die inspiriert wurde durch die von Distanz

geprägte Corona-Pandemie, geht es um das, wonach wir

uns alle sehnen: persönliche Begegnungen und Nähe. Denn

auch das Theater kann einen berühren. Aktuell werden

vor allem die Produktionen nachgeholt, die wegen Corona

nicht gezeigt werden konnten, an denen das Theater aber

gearbeitet haben. Während der Zeit des zweiten Lockdowns

(November 2019 bis April 2021) wurde mit alternativen

Programmformaten experimentiert, die im weiteren Verlauf

dieses Textes vorgestellt werden.

2. Wie hat das Theater die Corona-Pandemie

überstanden?

Durch die plötzlichen Schließungen der Tore konnte

das Publikum vorerst nicht mehr erreicht werden.

Deshalb mussten Überlegungen her, wie man den

Kontakt aufrechterhalten kann. Hierzu war Kreativität

und viel Kraft gefragt. Im zweiten Lockdown wurden

„Theater passiert

live und lebt dadurch,

dass man im selben

Raum ist. Ohne

Zuschauer*innen gibt

es kein Theater!“

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verschiedene Experimente und Projekte durchgeführt,

die das traditionelle Theater sozusagen verlassen haben.

Beispielsweise wurden Vorstellungen gefilmt und mithilfe

neuer Medien über www.spectyou.com gestreamt und

im Anschluss daran Publikumsgespräche über Zoom

geführt. Die Produktion „STADT LAND OOS“ war besonders

wichtig, da dabei viele Leute beteiligt wurden, die in der

Stadt leben und diese porträtiert hat, denn es ging um die

Bewohner*innen der Stadt Baden-Baden. Im Rahmen des

Festivals „Fit für’s Abi“ wurde die „Faust-Werkstatt digital“

entwickelt, bei dem sich zwei Schauspieler des Stückes, die

Faust und Mephisto spielen, virtuell per Videokonferenz

ins Klassenzimmer eingeschaltet, live ein paar Szenen

gespielt haben und mit den Schülern ins Gespräch

gekommen sind. Für die nicht so internetaffinen Leute

wurde das Literatur-Telefon „Bei Anruf Wort“ eingerichtet.

So konnte man Termine vereinbaren, um sich etwas von

den Schauspieler*innen am Telefon vorlesen zu lassen. Des

Weiteren wurden Hörstück-Episoden produziert und auf

die Webseite gestellt und ein virtueller Adventskalender

erstellt, bei dem ganz viele Mitarbeiter*innen aus dem Haus

kleine Videos produziert und sie auf soziale Netzwerkseiten

gestellt haben. Dadurch hat man wenigstens ein virtuelles

Zusammenkommen schaffen können und das Theaterteam

hat durch die Corona-Pandemie Wissen und Kompetenzen

gewinnen können, die ihnen beim Einsatz von Videos in


Stadttheater

sozialen Netzwerken und bei Livestreams auf jeden Fall in

Zukunft helfen werden.

Nichts desto trotz wurden damit lange nicht so viele Leute

erreicht, als man sonst erreichen könnte. Der Grund:

„Leute verbinden Theater mit etwas anderem“. Durch die

Vorstellungen entsteht ein viel direkterer Kontakt mit dem

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Publikum und das ist eigentlich der Kern des Theaters.

Das Stadttheater Baden-Baden hat sich während des

zweiten Lockdowns in anderer Art an das Publikum

gewandt, da sie nur bedingt ihrer regulären Arbeit

nachgehen konnten.

3. Lohnte es sich überhaupt für das Theater, den

Betrieb unter den coronabedingten Einschränkungen

fortzuführen?

„Im Theater geht es

um einen kulturellen

Mehrwert, der sich

finanziell nicht messen

lässt.“

Die Theater-Schließung hatte zwangsläufig

Einnahmeverluste zur Folge. Diese wurden aber durch

unterstützende Maßnahmen des Staates, die Novemberund

Dezemberhilfen, etwas reduziert. Dem Theater erging

es nicht so schlimm wie den Kollegen in der freien bzw.

kommerziellen Veranstaltungsbranche. Die freischaffenden

Künstler, denen Projekte weggebrochen sind, wurden

woanders teilweise nicht anständig entlohnt. Im Theater

wurden Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit geschickt — in

unterschiedlichem Umfang und je nach Aufgabenbereich.

Es wurden Projekte gestoppt, die jetzt in der aktuellen

Spielzeit nachgeholt werden. Dies hat aber die Auswirkung,

dass aktuell durch das Nachholen der Stücke kein Platz

mehr für diejenigen Bühnenbildner/Regisseure etc. ist,

die das Theater momentan nicht anfragen kann und

dementsprechend leer ausgehen.

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Stadttheater

Durch die Vorstellungen wird ein Mehrwert für

Zusammenkunft geschaffen, sodass es sich auch für das

Theater lohnt, wenn nur bspw. drei Leute zuschauen.

Denn in einer Zeit voller Distanz braucht es soziale

Begegnungsräume, in denen man etwas anderes erleben

kann, als das was man in seinem Alltag erlebt. Zudem bietet

das Theater eine gute Möglichkeit, um Freunde zu treffen,

um neue Menschen kennenzulernen und um berührt zu

werden.

4. Welchen sonstigen Herausforderungen musste sich

das Theater stellen?

Hinter den Vorstellungen steckt ein riesiger

Organisationsaufwand. Allein der ganze Vorlauf, d.h. das

Erstellen der Bühnenbilder, Einrichten der Technik, die

Schauspieler*innen müssen sich auf die Stücke vorbereiten,

kostet eine Menge Zeit und Kraft. Denn die Stücke müssen

teilweise an die aktuelle Situation angepasst oder sogar

komplett neu entwickelt werden. Beispielsweise mussten

auch die Abstands- und Hygienevorschriften auf der Bühne

umgesetzt werden, insbesondere die Beachtung der

Personenanzahl und Vorgaben, dass man sich nicht mehr

berühren durfte. Zudem ist es dem Theater nicht möglich,

spontan Werbung und den Vorverkauf zu organisieren.

„Man kann nicht

am gleichen Tag

entscheiden, dass

man abends spielen

möchte.“

Zu Beginn der Spielzeit 21/22 fanden wieder die ersten

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„Schnellere und

konsequentere

politische

Entscheidungen hätten

unserer Planung sehr

geholfen.“

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Vorstellungen im Haus statt. Zu diesem Zeitpunkt wurden

aber noch nicht alle Plätze im Theatersaal in den Vorverkauf

gegeben, um Abstände zwischen den Besucher*innen zu

ermöglichen. Die Premiere des Stückes „Lieber Arthur“ am

12.11.2021 war das erste Mal mit kompletter Saalöffnung.

Doch seit 24.11.2021 sind alle Veranstaltungen nur noch

mit eingeschränkter Sitzplatzkapazität von 50 Prozent

buchbar.

5. Wo erhofft sich das Theater in diesem

Zusammenhang in Zukunft mehr Unterstützung?

Gerade weil es dem Theater so schwer fällt, spontane

Vorstellungen zu spielen, ist es wichtig, dass in Zukunft

schnellere und konsequentere Entscheidungen getroffen

werden in Bezug auf die Corona-Pandemie. Auch scheint

es unfair, dass obwohl die Theater schon sehr früh

Hygienekonzepte entwickelt haben, diejenigen sind, die


Stadttheater

als einer der ersten Veranstaltungsorte schließen mussten.

Dahinter steckt natürlich ein viel größerer Kontext, was

die Zahlen und das Infektionsgeschehen angeht. Natürlich

erhofft sich das Theater, dass es im weiteren Verlauf der

Pandemie keine Sparmaßnahmen im kulturellen Bereich

geben wird.

Vom Publikum wünschen sie sich vor allem, dass sie

kommen und zuschauen mit offenem Geist und offenem

Herzen.

Wir, die Gesellschaft, haben es nötig nach so einer Zeit

der sozialen Distanzierungen und unglaublich großen

Spaltungen in unserer Gesellschaft möglichst vorurteilsfrei

miteinander in Diskussionen zu kommen — und natürlich

berührt zu werden.

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Festival

Kultur für Alle - Ein Lichtblick in der dunklen,

kulturlosen Pandemiezeit

von Elena Holzer

Der Kultursommer in Oberndorf 2021: 3 G, Hygienekonzept,

Testmöglichkeiten- Methoden, mit denen noch vor

Corona niemals gerechnet worden wäre, sind hier die

Voraussetzungen, damit der Kultursommer in diesem Jahr

überhaupt stattfinden konnte. Zahlreiche Vorbereitungen

mussten getroffen werden, ein riesiger organisatorischer

Aufwand, damit die Menschen, müde von der Pandemie,

endlich wieder Kultur erleben und zusammen mit vielen

anderen mal wieder eine Ablenkung vom Alltagsstress

findenkonnten. Denn genau das blieb während der

Pandemie auf der Strecke; das Miteinander, die

Kultur, das ganz normale Leben. Doch während des

Kultursommers war dies wieder möglich, wenn

auch unter besonderen Bedingungen: Hygienekonzepte

mussten erstellt, eine Teststation musste aufgebaut und

Sitzpläne geplant werden. Dafür benötigte es viel Zeit und

Aufwand. Viele Oberndorfer Vereine stellten sich dafür zur

Verfügung und hatten so auch noch die Möglichkeit, ihre

Kassen etwas aufzubessern, denn auch sie hatte Corona

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getroffen. Der Kultursommer war genau das, was viele

nach so langer Zeit ohne jegliche Kultur vermisst hatten,

ein Stückchen Normalität, in dieser sonst so zermürbenden

Zeit. Und das war auch das Ziel; wieder Kultur in die Stadt

bringen und den Menschen die Möglichkeit zu geben,

wieder zusammen Musik zu hören und sich zu treffen, so

die Veranstalter. So entstand auch im Jahr 2020 die Idee,

den Kultursommer ins Leben zu rufen.

Darüber berichtet mir Kai Schulz, einer der Helfer des

Kultursommers. Er ist in der Narrenzunft Aistaig und war

von Anfang an in die Planung involviert. Der Veranstaltungsbranche

ging es schlecht; keine Aufträge, kein Geld

und vor allem Perspektivlosigkeit. Deshalb beschlossen

Firmen aus der Veranstaltungsbranche aus Oberndorf, dass

es an der Zeit war, etwas zu ändern und so entstand die

Idee des Kultursommers. Da dieser aber alleine nicht zu

bewältigen war, bildeten sich Teams, die sich um Catering,

Technik, Künstler und Finanzen kümmerten.

Diese Teams bestanden aus 80 ehrenamtlichen

Mitarbeitern aus Oberndorf und den Ortsteilen,

denn den Teams war es besonders wichtig, dass es ein

gesamtstädtischer Kultursommer wird, an dem die ganze

Stadt beteiligt ist. Ebenso waren viele Oberndorfer Firmen

als Sponsoren eine große Hilfe beim finanziellen Teil.

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Festival

Und so wurde ein Programm aufgestellt, das so viele Genres

wie möglich abdeckte, damit auch für jeden etwas dabei

war, der etwas Kultur erleben wollte.

Doch es gab auch einige Herausforderungen, denn die

Kosten mussten gedeckt, Künstler gewonnen, eine Security

angestellt und auf gutes Wetter gehofft werden.

Und auch die Stadt Oberndorf wurde mit ins Boot

geholt, denn mit ihr hatte man einen starken Partner an

der Seite, der auch mit Unterstützung durch den Platz,

Werkhofleistungen, Strom, Wasser und finanzieller

Unterstützung dienen konnte.

Während sich im Jahr 2020 alles erstmal einfinden musste,

wollte man dieses Jahr noch größer werden und auch

spektakuläre Auftritte bieten. Künstler wie Rea Garvey,

LaBrassBanda, Heinrich el Core und viele mehr kamen nach

Oberndorf und sorgten mit Auftritten vom 20.08.2021 bis

zum 12.09.2021 für eine ganz besondere Stimmung in der

Stadt. Denn vor allem die Künstler hatten es vermisst auf

der Bühne zu stehen, das Publikum zum jubeln, tanzen

und singen zu bringen. Bereits zum Auftakt startete der

Kultursommer mit einem Highlight: Rea Garvey. Ein sogar

international bekannter Künstler brachte die Menge

gleich zu Beginn zum Jubeln. Wie sehr ihm die Bühne

gefehlt hatte, merkte man auch daran, dass er während

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der Pandemie, als

Kulturveranstaltungen noch

nicht möglich waren, ein

Streaming-Format begann.

„Ich wollte die

Menschen damit nicht nur

musikalisch, sondern auch

seelisch erreichen“, erklärte

er. Ein sehr gelungener

Abend, den der Sänger mit

den Worten „Nichts kann

euch zurückhalten, wir

ind nicht kleinzukriegen.

Ihr könnt jedes Hindernis

überwinden.“ beendete und

den Menschen

nochmal Mut machte in

dieser schweren Zeit. Damit

erreichte er auch viele,

denn für jeden ist diese

Pandemie schwer, seien es

Geldsorgen, Krankheit oder

Existenzängste.

Alle sind betroffen und

jeder kann auch mitfühlen,

5


Festival

was vor allem die Kulturszene durch Corona mitgemacht

hat. Viele kleine Künstler sind auf der Strecke geblieben,

wussten nicht, wie sie überhaupt noch Geld verdienen

sollten.

Gerade auch deshalb ist der Kultursommer eine

Bereicherung, denn nicht nur weltbekannte Sänger

wie Rea Garvey, sondern auch kleine Künstler, DJs, Komiker

und Musikkapellen konnten nach so langer Zeit endlich

wieder ihr Können präsentieren. Doch es ging nicht nur ums

Geld, sondern auch darum, dass viele ihrer Leidenschaft

nicht mehr oder nur in sehr begrenztem Rahmen

nachgehen konnten. Und genau das versuchte der

Kultursommer in diesem Jahr zu ändern; Künstlern wieder

eine Bühne zu bieten, egal ob diese das als Hobby oder

Beruf machen, ihnen wieder die Möglichkeit geben vor

Publikum zu spielen, auch wenn es kleiner war als sonst

und vor allem endlich einmal diese Pandemie zu vergessen,

auch wenn es vielleicht nur ein paar Stunden waren. Dazu

hatten die Menschen auch bei zahlreichen verschiedenen

Veranstaltungen die Möglichkeit.

Durch die vielen verschiedenen Genres, die abgedeckt

wurden, konnte jeder etwas für sich finden. Während mit

verschiedenen DJs beim Sun and Soda Festival und der

Afterwork Party eher Jugendliche angesprochen wurden,

mit der Stadtkapelle Oberndorf und der Bauernkapelle

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Trichtingen eher die ältere Generation, waren auch Komiker

vertreten, die für jede Generation etwas bereit hielt.

Genauso wie verschiedene Bands und natürlich den

Highlights Rea Garvey und LaBrassBanda, die auch die

meisten Besucher anlockten. Egal welche Kulturrichtung

man mochte, man wurde nicht enttäuscht. Ob man lachen

wollte, „Party machen“ oder tanzen, es war alles dabei.

Denn genau das wollten die Veranstalter mit dem

Programm auch erreichen; dass jeder wieder die Kultur

nach seinen Belieben erleben konnte. Jedoch gab es

auch einige Herausforderungen: Noch nie zuvor war ein

Hygienekonzept erstellt worden, am Einlass mussten die 3

Gs kontrolliert und auf Abstände geachtet werden. Dies war

5


Festival

aber alles kein Problem, die Anwesenden hielten sogar

selbstständig die Abstände ein und auch mit der Security

lief alles glatt. Sogar das Wetter spielte immer mit, obwohl

der Kultursommer sogar bei viel schlechterem Wetter

trotzdem stattgefunden hätte.

Ein Problem war allerdings die Anzahl der Menschen,

die zum Kultursommer kamen. Wir hatten uns eigentlich

ein bisschen mehr vorgestellt“, sagt Kai Schulz über den

Kartenverkauf und die Anzahl der Menschen, die dann

tatsächlich da waren. Zwar kam trotzdem immer gute

Stimmung auf und jede Veranstaltung war ein Erfolg, aber

laut den Veranstaltern hätten es schon mehr Besucher

sein dürfen. Alleine schon wegen der finanziellen Situation

wären mehr verkaufte Karten eine Erleichterung gewesen,

da es sich beim Kultursommer um ein extrem aufwändiges

Projekt handelt, sowohl finanziell als auch in der

Planung. Daher hätten sich die Verantwortlichen deutlich

mehr Zuhörer gewünscht, aber es lag vermutlich daran,

dass einige Menschen doch noch Respekt vor der Lage

hatten. Die neuartige 3 G-Regelung, auf einmal wieder viele

Menschen auf „einem Haufen“; nach Monaten der Kontaktbeschränkung

war das schon besonders. Während es

die einen vermutlich kaum noch erwarten konnten, waren

andere eher skeptisch, sei es weil man die Menschenmassen

nicht mehr gewohnt war oder einfach im Hinblick

auf die Gesundheit erstmal eher langsam machen wollte.

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Doch trotz der Herausforderungen ist man zuversichtlich, da

es viele positive Dinge gibt, auf die man zurückblicken kann;

das Publikum welches endlich wieder Kultur erleben durfte,

die Künstler die endlich wieder auf der Bühne stehen

konnten, die Veranstalter die so viel positive

Rückmeldung bekamen und nicht zuletzt alle weiteren

Beteiligten und ehrenamtlich Tätigen, die zum Gelingen

beitragen konnten. Und auch wenn beim diesjährigen

Kultursommer mehr Besucher hätten dabei sein dürfen, so

wollen die Veranstalter nicht aufgeben und auch im

nächsten Jahr einen Kultursommer auf die Beine stellen, für

welchen noch mehr Werbung gemacht werden soll, sodass

die Besucherzahlen genauso zufriedenstellend sind wie der

Rest. „Denn der Kultursommer wurde in erster Linie ins

Leben gerufen, um eine „coronafreie Insel“ zu

schaffen und den Leuten etwas zu bieten. Ziel war

es auch, einen Denkpunkt zu setzen, dass es der

Veranstaltungsbranche schlecht geht, man aber auch in

einer schlechten Zeit den Leuten eine Freude bereiten

kann. Deshalb will man die Veranstaltung auch nach Corona

etablieren, da es letztendlich unwahrscheinlich viel Arbeit

war mit vielen hundert Stunden durch die Freiwilligen.“,

erklärt Kai Schulz.

Also soll der Kultursommer weiter fortgeführt werden, am

besten jedes Jahr stattfinden. Und hoffentlich irgendwann

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Festival

nicht mehr von der Pandemie ablenken müssen,

sondern einfach nur Freude bereiten und Menschen

zusammenbringen.

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Freilichtbühne

„Das Wunder von Ötigheim geht weiter! - Frank

Kiefer Bürgermeiser in Ötigheim

von Frederike Kleinkopf

„Dieses war der erste Streich, Doch der zweite folgt

sogleich“ – Wilhelm Busch; Max und Moritz.

Das dachten sich die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) auch,

als ein Lockdown den nächsten jagte.

2020 erschütterte die Corona Pandemie die ganze Welt.

Damit stand auch die Kultur und somit Deutschlands größte

Freilichtbühne vor großen Herausforderungen. Während

2020 der Theatersommer auf 0 heruntergefahren werden

musste, arbeitete man 2021 intensiv an geeigneten

Hygienekonzepten, um wenigstens ein Minimum an

Kulturleben im Land zu ermöglichen.

Die eigentlich vorgesehenen Stücke „Wilhelm Tell“ und „Der

Zauberer von Oz“ waren aufgrund von großen Volkszenen

nicht coronakonform zu inszenieren. Hierbei war besonders

bedauerlich, dass das Jubiläum von „Wilhelm Tell“ entfiel.

Ein neues Programm musste kurzfristig geplant und

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erarbeitet werden, welches die Pandemiebedingungen

erfüllen konnte.

Nach einem Jahr leerer Ränge, war es höchste Zeit die

Bühne wieder mit Leben zu erfüllen, um deren Existenz

nicht zu gefährden.

„Also lautet ein Beschluß: // Daß der Mensch was lernen

muß.“ (Wilhelm Busch; Max und Moritz, Vierter Streich)

„Der kleine Horrorladen“- von Howard Ashman und Alan

Menken sowie die Komödie „Das Haus von Montevideo“

von Curt Goetz und schließlich das Kinderstück „Max und

Moritz“ nach Wilhelm Busch waren die Schlagwörter für

ein Alternativprogramm 2021. Dies war mit abgespeckten

Ensembles und einem wegweisendem Hygienekonzept

auch unter Pandemiebedingungen spielbar.

Endlich konnte es wieder heißen „ein ganzes Dorf spielt

Theater“- auch wenn zunächst die Proben virtuell

nur über Zoom stattfinden konnten. Nach Lockerung

der Pandemieverordnungen waren dann auch wieder

Präsenzproben möglich.

Um den Pandemieanforderungen gerecht zu werden,

arbeiteten die Volksschauspiele mit Experten ein geeignetes

Hygienekonzept aus. Hierbei galten im Zuschauerraum

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Freilichtbühne

Abstandsregelungen von 1,50 Meter. Daher durften nur

rund 30 % der eigentlichen Platzkapazitäten genutzt

werden. Während zu normalen Bedingungen 4.000

Menschen Platz im Zuschauerraum finden, sah der

dreistufige Öffnungsplan der Corona LV für Kultur im Freien

anders aus. Weil die Inzidenz im Sommer stabil unter

100 lag, durften zunächst 250-500 Zuschauer eingelassen

werden.

Umso höher war die Freude, als bei der Premiere dann

doch noch knapp 900 Gäste das Wunder von Ötigheim

bestaunen durften. Die VSÖ waren als eines von 19

Modellprojekten in Baden-Württemberg auserkoren

worden und durften deshalb mehr Zuschauer begrüßen, als

die Landesverordnung grundsätzlich vorgesehen hatte.

Die Verantwortlichen der VSÖ tüftelten akribisch an

Regelungen, um den Besuch so sicher wie möglich zu

gestalten.

Hierzu gehörte, dass ausschließlich getestete, genesene

oder geimpfte Personen Zutritt zu den Veranstaltungen

gewährt wurde. Weiterhin musste eine FFP-2 Maske,

außerhalb des Sitzplatzes getragen werden. Zutritt erlangte

man nur über einen besonderen Einlass. Hier wurde man

als erstes aufgefordert seine Hände zu desinfizieren.

Anschließend wurde der 3- G Nachweis kontrolliert sowie

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die Kontaktverfolgung der Luca-App. Danach hatte man sich

direkt zu seinem Sitzplatz zu begeben. Die Bewirtung der

Gäste erfolgte direkt am Platz.

Zunächst waren die Zuschauer skeptisch, wie der

Theaterbesuch unter diesen Bedingungen ausfällt.

Letztendlich war das Publikum begeistert von dem

einzigartigen Erlebnis. Gerade in der Krise wurde der

Bevölkerung bewusst wie wichtig Kulturveranstaltungen für

das Zusammenleben und das Wohlbefinden sind. Die Kultur

ist farbenfreudig, facettenreich, sie erzählt von Menschen,

von ihren Geschichten und ihren Impulsen. Somit eine

wunderbare Abwechslung vom tristen Corona-Alltag, weg

von den täglichen Problemen.

Um die bedrohliche finanzielle Stagnation, die die

Pandemie mit sich brachte, zu bewältigen, riefen die VSÖ

zu einer Spendenkampagne auf. Der Landkreis Rastatt,

die Gemeinde Ötigheim, zahlreiche Vereine sowie

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Freilichtbühne

insbesondere das Land Baden-Württemberg mit seinem

Corona- Nothilfefonds beteiligten sich finanziell aktiv am

Erhalt dieses einzigartigen Theaters. Alle Mitwirkenden

waren überwältigt wie viel Zuspruch und Unterstützung

sie erhielten. Denn sie sind überwiegend ehrenamtlich

und in ihrer Freizeit im Spielbetrieb tätig. Dies ist mit

außerordentlichem Engagement und viel Herzblut

verbunden. Schließlich können die VSÖ auf eine mehr als

100-jährige Theatertradition voll Stolz zurückblicken.

Auch wenn der nächste Lockdown schon am Horizont

erscheint, könnte die Hilfsbereitschaft in dem

überschaubaren Telldorf nicht größer sein. Allen Beteiligten

liegt der Erhalt dieser dörflichen Gemeinschaft am Herzen.

Es ist an der Zeit das Kulturleben wieder in vollem Umfang

hochzufahren, denn Kultur verbindet die Menschen. Wie

die Fleischfressende Pflanze Audrey II zu Seymour immer

sagte „Hunger, Huunggeeer, Fütter mich Seymour. Gibs

mir“.

Bringt uns die Kultur zurück, denn wir sind hungrig nach

mehr.

TOI TOI TOI für die Kampagne 2022.

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Künstler & Orchester

Dietrich Schöller-Manno & arcademia sinfonica

von Jannis Schwaak

Dietrich Schöller-Manno ist Geigenlehrer und künstlerischer

Leiter der Arcademia-Sinfonica, der Jugendphilharmonie

des Landkreises Ludwigsburg sowie von einigen weiteren

Orchestern in Balingen und in Mössingen.

1996 gründete Dietrich Schöller-Manno das Orchester

„arcademia sinfonica“. Die arcademia sinfonica ist ein

Orchester für jungen Menschen. Er wollte besonders

jungen Instrumentalisten ermöglichen, vielfältige

Orchester- und Konzerterfahrungen zu sammeln. Dietrich

Schöller-Manno hatte mit seinem Orchester in den

letzten beiden Jahrzehnten viele Konzertauftritte, wie

zum Beispiel Begleitung von großen Oratorien, Auftritte

von Solistenensembles, reine Sinfonie-Konzerte bis hin zu

einigen Konzertreisen.

Dietrich Schöller-Manno hatte somit vor Corona ein buntes

Leben als Künstler. Seine Leidenschaft ist es, Orchester auf

verschiedenen Konzerten zu dirigieren.

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Leben während der Corona Krise

Doch dann kam auf einmal Corona. Nun kam ein

unsichtbarer Feind, der auch große Auswirkungen auf die

Kultur, und natürlich auch auf das Leben von Dietrich-

Schöller Manno und seine Orchester hat. Auf einmal

wurden einige Konzerte abgesagt. Dadurch konnte er

sein Beruf gar nicht mehr ausüben. Für Ihn war das wie

ein Berufsverbot. Seine Leidenschaft als Künstler ging

verloren. Genau das, wovon er lebt und was ihm Freude

bereitet. Ein Teil seiner Seele ging verloren. Dadurch, dass

er keine Konzerte hatte, konnte er natürlich auch wenig

Geld verdienen. Er hatte kein Förderprogramm, das ihm

in irgendeiner Weise geholfen hätte. Er ist durch alle

möglichen Raster gefallen. Kaum einer hatte Verständnis für

die Situation von Ihm und weiteren Künstlern. Er hat sich

von der Politik im Stich gelassen gefühlt. Das zog sich durch

die ganze Krise.

Neustart nach dem Lockdown

Der Neustart nach dem Lockdown war sehr schleppend.

Es hat lange gedauert, bis er wieder Konzerte veranstalten

konnte. Mit der arcademia-sinfonica hatte er erst im Juli

2021 sein erstes Konzert. Mit seinen anderen Orchestern

hat es länger gedauert, bis er wieder ein Konzerte auf die

Beine stellen konnte. Aufgrund der Corona Krise haben

einige das Interesse an der Kultur verloren. Dietrich

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Künstler & Orchester

Schöller-Manno fragte sich, wie die Gesellschaft die Kultur

wiederentdecken kann. Wie kann er seinen Teil dazu

beitragen, dass die Gesellschaft die Kultur wiederentdeckt

und Zuschauer zu seinen Konzerten kommen. Es hat lange

gedauert, bis die Gesellschaft erfahren hat, dass Konzerte

wieder stattfinden. Ein weiterer Grund für die geringe

Zuschauerquote bei seinen Konzerten war die Angst,

sich beim Konzert mit dem Corona Virus zu infizieren.

All diese Gründe haben dazu geführt, dass ein Großer

Teil der Gesellschaft die Freude an der Kultur verloren

hat. Die geringe Zuschauerquote führt natürlich auch zu

Mindereinnahmen.

Doch nach dem schleppenden Beginn seiner Arbeit ist er

sehr froh, dass Konzerte wieder stattfinden dürfen. Sein

Berufsverbot wurde endlich aufgehoben. Jetzt kann er sein

Leben wieder in vollem Umfang ausleben. Seine wahre

Seele als Künstler hat er zurückgewonnen. Die Musik der

arcademia sinfonica schenkt ihm große Freude. Seine Seele

schwingt wieder. Nun kann er sich von all dem, worunter er

in der Krise gelitten hat, erholen. Außerdem kann er seine

finanziellen Lücken so allmählich wieder schließen.

Zukunftsaussicht

Trotz seines Emotionalen Höhepunkts ist er verunsichert,

wie es in der Zukunft weitergehen wird. Natürlich fragt er

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sich wie viele weitere Künstler, wie die Corona-Krise weiter

verlaufen wird. Wird es nochmal einen Lockdown geben?

Wie lange können Konzerte stattfinden? Wie entwickelt

sich seine finanzielle Situation? Kann er seine finanziellen

Lücken wieder schließen? Kann er seinen Beruf weiterhin

ausüben? Er merkt, dass für die Kultur eine schwere

Zeit bevorsteht. Die Gefahr ist sehr hoch, dass die Kultur

aufgrund der Coronakrise in der Gesellschaft verloren

geht. Für Ihn und für alle Künstler ist es sehr wichtig, dass

möglichst viele ihren Teil dazu beitragen, dass die Kultur

der Gesellschaft erhalten bleibt. Viele haben vergessen,

warum die Kultur für unser Leben und für die Gesellschaft

wichtig ist und was sie für unser Leben bedeutet. Sie stärkt

unsere Gemeinschaft. Sie stärkt den Gesellschaftlichen

Zusammenhalt. Sie verbindet Interessen. Durch die Kultur

entdecken wir neue Ideen, Talente, Leidenschaft und

Freude in uns selber. Sie bereichert unser ganzes Leben. All

das ist wichtig, um die Kultur am Leben zu halten. Ohne die

Kultur wäre die Gesellschaft Arm. Wenn wir sie verlieren,

wird der Gesellschaftskitt verloren gehen. Ein schöner

Bestandteil unseres Lebens geht verloren.

Dietrich Schöller-Manno wünscht sich, dass die Kultur in der

Gesellschaft und in unserem Leben mehr Raum bekommt.

Durch Corona haben ja viele das Interesse an der Kultur

verloren. Für den Erhalt der Kultur ist es nun wichtig,

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Künstler & Orchester

dass mehr Menschen wieder mit der Kultur in Berührung

kommen und vor allem junge Menschen sollen mit der

Kultur aufwachsen. Sie sollte ein Bestandteil der Bildung

werden. Dadurch können besonders junge Menschen

die Vielfalt der Kultur entdecken und Ihre Begeisterung

darin finden. So können vor allem junge Menschen früh

herausfinden, wie wichtig die Kultur für unsere Gesellschaft

ist.

Außerdem wünscht er sich, dass die Politik sich auch

daran beteiligt, dass die Kultur erhalten bleibt und ebenso

erkennt, dass die Kultur für die Gesellschaft sehr wichtig

ist. Besonders wichtig ist die finanzielle Unterstützung

durch den Staat. In der Corona Krise hatte Dietrich Schöller-

Manno wie viele andere Künstler Finanzielle Probleme. Er

hat wie schon erwähnt keine Unterstützung bekommen.

Somit ist es sehr wichtig, dass vom Staat mehr finanzielle

Zuschüsse für die Kultur kommen. Nicht nur für das

Überleben der Künstler, sondern auch für die Umsetzung

der Kultur.

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Film

Ein Blick hinter die Kulissen eines Filmdrehs

von Juliana Dieterle

Ein nebliger, kalter Tag in Eisenbach wurde zu einem

„feurigen“ Erlebnis

Nach einer Fahrt durch dunkle, nebelverhangene

Schwarzwaldtäler taucht das Ortsschild der Gemeinde

Eisenbach im Landkreis Breisgau – Hochschwarzwald auf.

Direkt an der Durchfahrtstraße des Ortes, neben einer

Bogensporthalle und einem Gasthof, hat die Filmcrew

ihre Zelte, die sogenannte Basis, aufgeschlagen. Mehrere

Lieferwägen und Autos, aber auch Wohnwägen für

die Schauspieler sind zu sehen. Etwas abseits steht ein

Foodtruck. Zwei Crewmitarbeiter werden gerade durch

die geöffnete Klappe des Foodtrucks mit einer warmen

Mahlzeit versorgt.

Dort treffe ich auch auf Location-Manager Oskar, der mich

gleich zum Hygienebeauftragten des Sets schickt, um

einen Corona-Test zu machen. Spätestens jetzt merkt man,

auch beim Filmdreh hat die Corona-Pandemie ihre Spuren

hinterlassen.

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Obwohl der Hygienebeauftragte Denny viel zu tun hat,

erklärt er mir geduldig, wie der Abstrich der Nase für den

Corona-Schnelltest zu erfolgen hat. Während wir auf das

Ergebnis warten, erzählt er mir, dass alle Mitarbeiter der

Filmcrew sich täglich einem Corona-Test unterziehen und

während der Dreharbeiten medizinische Masken tragen

müssen.

Ein Glück, … mein Test ist negativ. Denny dokumentiert

gewissenhaft das Ergebnis und wirft einen prüfenden Blick

auf meine FFP2-Maske. Vorsichtshalber gibt er mir noch

eine neue OP-Maske als Ersatz mit. Sicherheit wird hier

offensichtlich großgeschrieben.

Nachdem ich die obligatorische Prozedur durchlaufen

habe, geht es zum eigentlichen Drehort, der nur wenige

Gehminuten von der Basis entfernt liegt. Gemeinsam mit

Location-Manager Oskar geht es in einem Transporter,

vorbei an mehreren Wohnhäusern einen kleinen Hügel

hinauf. Wir halten in der Nähe eines kleinen, aber sehr

beeindruckenden Häuschen aus den 20er-Jahren des 19.

Jahrhunderts. Man sieht sofort, dass der Besitzer viel Arbeit

und Zeit in die Erhaltung des Hauses gesteckt hat.

Um das Häuschen herrscht ein geschäftiges Treiben.

Mehrere Transporter und zwei Feuerwehrfahrzeuge haben

sich an der Straße in der Nähe des Häuschens versammelt.

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Film

Set-Mitarbeiter mit medizinischen Masken laufen hin und

her, tragen Kabel, Scheinwerfer und Kameraequipment.

Oskar, der noch ein paar Minuten Mittagspause hat,

erzählt mir, dass im Haus gleich eine Innenszene gedreht

werden soll. Aufgrund des Hygienekonzepts dürfen nur

die allernötigsten Set-Mitarbeiter und natürlich die

Schauspieler ins Haus hinein. Im weiteren Verlauf des

Nachmittages ist noch eine Szene im Garten des Hauses

geplant, bei der eine Schauspielerin einen Kleiderhaufen

anzünden soll. Damit dabei nichts schief geht, ist die

örtliche Feuerwehr anwesend.

Ich beobachte, wie riesige Scheinwerfer um das Gebäude

aufgestellt werden. Ihr Lichtschein wird auf die Fenster

gerichtet, um den Innenraum für die nächste Szene zu

erhellen.

Ich möchte von Oskar wissen, wie er zum Film gekommen

ist. Er erzählt mir, dass er seit circa fünf Jahren in diesem

Bereich arbeitet. Alles hat damit begonnen, dass auf dem

Gelände, auf dem Oskar damals gewohnt hat, auch die

Krimi-Serie des ZDFs Soko Stuttgart gedreht wurde. Aus

Interesse hat er sich dort gemeldet und arbeitet seitdem

bei diversen Film- und Serienproduktionen als Set-

Mitarbeiter.

Die Corona-Pandemie hat auch seine Arbeit in einem

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gewissen Maß beeinflusst. Er berichtet, dass während

der ersten Hochphase der Corona-Pandemie zum

Beispiel Außendrehs drastisch reduziert wurden, um

die Ansteckungsgefahr gering zu halten und die daran

beteiligten Personen zu reduzieren. Dafür wurden die

Drehbücher zum Teil auch angepasst und die Serien wurden

zu Kammerspielen umgeschrieben.

Im Großen und Ganzen gab es für Oskar allerdings auch

während der Corona-Pandemie immer Projekte, an denen

er mitgearbeitet hat.

Oskar hört in sein Funkgerät hinein, über das ein Großteil

der Set-Mitarbeiter miteinander verbunden ist. Er teilt mir

mit, dass er gerade die Nachricht bekommen hat, dass es

jetzt mit den Dreharbeiten weitergeht. Oskar geht ins Haus

hinein und schaut, dass dort alles für die nächste Szene

vorbereitet ist. Wenig später kommen die Schauspieler

in Begleitung der Kostüm- und Maskenbildnerinnen und

gehen ebenfalls ins Haus hinein.

Während die Hauptdarsteller ihre Arbeit vor der Kamera

im Haus erledigen, geht es draußen weiter mit den

Vorbereitungen für die nächste Szene im Garten des

Hauses. Zwei Set-Mitarbeiter bereiten eine Konstruktion

für den Kleiderhaufen vor, damit dieser später sicher,

aber doch eindrucksvoll brennen kann. Parallel dazu wird

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Film

Filmequipment, das nicht mehr gebraucht wird, verladen und wieder abtransportiert.

Es vergeht fast eine Stunde, bis die Szene im Haus so abgedreht ist, dass alle zufrieden

sind. Location – Manager Oskar kommt zügigen Schrittes aus dem Haus heraus. Drei junge

Blocker sind in der Zwischenzeit eingetroffen. Ihr Job wird es sein, die kleine Straße für

die Dauer des Außendrehs kurzzeitig zu blockieren, damit kein Autoverkehr die Szene im

Garten stört. Oskar geht auf das Grüppchen zu, begrüßt sie und erklärt ihnen den Ablauf.

(In diesem Moment ist mein Aha-Picture entstanden. Es zeigt den Location-Manager Oskar

in Aktion. Er erklärt den Blockern, wo sie sich an der Straße am besten aufhalten müssen,

um den Autoverkehr kurzfristig für den Dreh zu stoppen.)

Das Kamerateam, der Tonmann, die Feuerwehrleute, die Schauspielerin, die Regisseurin

und der Rest der Filmcrew bringen sich im Garten für die nächste Szene in Stellung. Es wird

noch einmal kurz besprochen, wie die Szene ablaufen soll und die Schauspielerin probt, wie

sie das Streichholz richtig auf den präparierten Kleiderhaufen werfen muss.

Dann geht es los. Die Schauspielerin wirft ein Streichholz auf den Kleiderhaufen und

dieser geht sofort in Flammen auf. Die Feuerwehrmänner löschen das Feuer und der

Kleiderhaufen wird noch mal angezündet, um das Feuer aus allen Blickwinkeln filmen

zu können. Als alle Bilder der Szene im Kasten sind, kann die Feuerwehr das Feuer

endgültig löschen. Alle sind erleichtert, dass die Szene so gut funktioniert hat. Doch

zum Verschnaufen bleibt kaum Zeit. Die Dunkelheit ist bereits über den Ort Eisenbach

hereingebrochen und die Arbeiter hinter der Kamera bereiten schon alles für die nächste

Szene vor.

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WERBUNG

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Film


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Theater

Theater à la Corona

von Kira Filsinger

Heute Abend gehe ich nach Heidelberg ins Theater. Ich

werde mir »Pagliacci (Der Bajazzo)«, eine italiensiche Oper

von Ruggero Leoncavallo anschauen.

17:18 Uhr: Ich steige in den Zug in Richtung Heidelberg.

Selbstverständlich trage ich meine medizinische Maske und

setze mich auf garkeinen Fall in einen der vier Gruppensitze

in dem bereits eine andere Person sitzt. Ich muss ja

schließlichAbstand halten.

17:49 Uhr: In Heidelberg angekommen, mache ich mich

auf den Weg und laufe durch die Fußgängerzone zum

Theater. Mir fällt auf, dass auch viele Passanten hier bereits

ihre Maske tragen, obwohl es in der Innenstadt keine

Verplichtung ist.

18:30 Uhr: Der Einlass beginnt. Aufgrund von Corona öffnet

das Theater bereits eine Stunde bevor die Vorstellung

beginnt. Beim Betreten des Theatergebäudes heißt es

natürlich wieder „Maske aufsetzen und Abstand halten“.

Am Eingangwird zusammen mit meinem Ticket auch mein

Impfnachweis kontrolliert.

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Außerdem werde ich darauf hingewiesen, mich über die

Luca-App einzuloggen. Gäste die kein Handy dabei haben,

werden dazu aufgefordert ein Kontaktformular auszufüllen.

19:30 Uhr: Der Maguerre-Saal füllt sich. Die Vorstellung ist

gut besucht. Fast jeder Platz ist besetzt. Auch während der

Aufführung müssen wir weiterhin unsere Maske tragen.

Aber jetzt psst! Die Vorstellung geht los.

20:50 Uhr: Die Oper ist zu Ende. Sie dauerte ca. eineinhalb

Stunden und fand ohne Pause statt. Normalerweise geht

eine Oper doch viel länger - oder? Mir wird erklärt, dass das

Stück extra für Corona so konzipiert wurde, dass man es

ohne Pause spielen kann, sodass sich die Gäste nicht

zuätzlich noch lange im Foyer tummeln. Alle verlassen den

Saal und das Theatergebäude schnell. Keiner möchte sich

unnötig lange in einer so großen Menschenansammlung

aufhalten. Aber so war es doch nicht immer, oder?!

Durch die Coronapandemie hat sich im Theater Heidelberg

so einiges verändert.

Während der beiden Lockdowns wurde der Vorstellungsbetrieb

von März bis August 2020 und dann ein weiteres

Mal von November bis Mai 2021 eingestellt. Der zweite

Lockdown wurde hierbei sogar noch verlängert, er sollte

ursprünglich nur bis März 2021 andauern. An geplanten

Produktionen wurde zu Beginn noch festgehalten, da

man zunächst von einer kurzen „Zwangspause“ ausging.

Das bedeutete, dass die Werkstätten ihre Arbeiten


Theater

weiterhin durchführten. Als dann aber klar wurde, dass

man den Spielbetrieb nicht so bald wieder aufnehmen

könne, wurden geplante Produktionen pausiert und auf

unbestimmte Zeit verschoben. Während des zweiten

Lockdowns hingegen wurde der Spielbetrieb, und mit ihm

auch der Probenbetrieb, direkt eingestellt.

Für die Mitarbeiter*innen, die hauptsächlich in den Büros

tätig sind, wurde das Arbeiten im Home Office eingerichtet.

Die Theaterkasse musste alle Vorstellungen stornieren,

Kunden umbuchen oder Gutscheine ausstellen. Auch die

Öffentlichkeitsarbeit musste gebuchte Werbemaßnahmen

stornieren oder ebenfalls umbuchen.

Ab Mai 2020 wurde der Probenbetrieb, für einen

coronakonformen Spielplan dann wieder aufgenommen. Es

wurden Produktionen auf den Spielplan genommen, die mit

möglichst kleinen Besetzungen auskamen. Produktionen

mit großen Besetzungen, vor allem das Musiktheater-

Ensemble und Orchester betreffend, wurden aus der

Planung gestrichen oder verschoben.

Die Werkstätten arbeiteten an der Umsetzung der neuen

Produktionen und die meisten Kolleg*innen kehrten zurück

in die Büros. Die Proben laufen seither unter strengen

Regeln ab, die sich immer wieder den neuen Umständen

und Vorgaben des Landes bzw. der Verwaltungsberufsgenossenschaft

anpassen. Sie wurden direkt auf die Bühnen

verlegt um die dortige Ablüftungsanlage nutzen zu können.

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Außerdem konnten nur dort die geforderten Abstände

eingehalten werden: sechs Meter im Musiktheater, drei

Meter bei exzessivem Sprechen und eineinhalb

Meter wenn man voneinander abgewandt sprach. Zum

Einhalten der Abstände wurden die Böden vermessen und

mit Klebeband schachbrettmusterartig markiert. Für das

Musiktheater wurden sogar eigens Masken entwickelt, die

es den Sängern erlaubten mit Maske zu singen und den

geforderten Abstand von sechs Metern auf drei Meter zu

verringern. Alle Probebühnen sind mit CO2-Messgeräten

ausgestattet, um die Konzentration in der Luft zu

beobachten und frühzeitig zu warnen. Um auch das

regelmäßige Reinigen zu erleichtern wurden alle

Probebühnen mit einen PVC-Tanzboden ausgelegt, da

dieser gründlicher und besser zu reinigen ist als die

üblichen Holzböden.

Das Tanzensemble musste sich beim täglichen Training und

auf Choreografien mit maximal vier Personen beschränken,

die in feste Teams eingeteilt wurden. Die Tanzproben

wurden auf 60 Minuten begrenzt und die Böden wurden

zwischen jedem Training gründlich gereinigt, bevor die

nächste Kleingruppe den Raum nutzen konnte.

Der Chor, als großes Kollektiv durfte, um die Abstände

gewährleisten zu können, nur mit höchstens

zwölf Sänger*innen proben und wurde daher nicht für

Produktionen eingeplant. Ebenso konnte das


Theater

Orchester nur in kleineren Besetzungen und mit genügend

Abstand proben.

Seit der kostenfreien Schnelltests, werden alle

Mitarbeiter zwei Mal wöchentlich getestet. Zuerst in

Eigenverantwortung zu Hause, später wurde dann eine

eigene Teststelle im Haus eingerichtet. Heute, da ein großer

Teil geimpft ist, laufen die Proben weitestgehend wieder

normal ab. Es sind zwar immer noch Produktionen auf dem

Spielplan, die für ein verkleinertes Ensemble geschrieben

sind aber beispielsweise der Chor darf wieder in voller

Besetzung proben und in Produktionen mitwirken. Die

Abstände im Orchester haben sich normalisiert, es kann

wieder in größeren Besetzungen geprobt und gespielt

werden. Die Kolleg*innen, die nicht geimpft sind,

müssen jeden zweiten Tag einen PCR-Test durchführen.

Nichtsdestotrotz werden weiterhin gewisse Abstände

eingehalten, außerdem besteht die Pflicht zum Tragen einer

medizinischen Maske Fluren und Gängen.

Der Spielbetrieb konnte, anders als der Probenbetrieb, erst

wieder zum 1. Juni 2021 aufgenommen

werden. Der Neustart war überstürzt, da die Entscheidung,

dass Theater wieder öffnen dürfen, von heute auf

morgen getroffen wurde. Seit der Wiedereröffnung sind

die Hygiene-Konzepte noch immer aktiv, Maskenpflicht

herrscht im ganzen Haus. Die Probebühnen werden nach

jeder Probe und Vorstellung gründlichst gereinigt. Für

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die Mitarbeiter*innen

haben sich auch einige

Veränderungen ergeben:

Home Office hat sich in den

Abteilungen in denen es

geht, mehr verbreitet und

digitale Theaterformate

und sogenannte

„Klassenzimmerstücke“

in den Schulen

haben sich etabliert.

Herausforderungen mit

denen das Theater noch

immer zu kämpfen hat,

sind die Umsetzung der

gesamten Maßnahmen,

sowohl hinter der Bühne als

auch im Zuschauerbereich.

Ebenso ist es sehr schwer

das

Publikum überhaupt wieder

für Theaterbesuche zu

begeistern.

Das Theater und Orchester

Heidelberg wurde 1853

mit einer Aufführung


Theater

von Friedrich Schillers „Die Braut von Messina“ eröffnet. Der derzeitige Indentant Holger

Schultze leitet das Theater beretis seit 2011. Unter seiner Leitung erhielt das Theater

zahlreiche Nennungen und wurde für einige Preise nominiert wie z.B. den Theaterpreis

„Der Faust“ in der Spielzeit 2017/2018. Mit seinen ca. 300 festen Mitarbeitern und ca. 150

regelmäßigen Gästen ist das Theater einer der größten Arbeitgeber der Stadt Heidelberg.

Das Theater ist ein fünf Sparten Haus: Schauspiel, Musiktheater, Konzert, Tanz und Junges

Theater. Das Angebot ist riesig und für jeden ist etwas dabei.

Auch Festivals finden regelmäßig statt. Zum einen gibt es die bekannten „Heidelberger

Schlossfestspiele“. Sie finden in der berühmten Ruine des Heidelberger Schlosses statt.

Dabei werden immer im Sommer die schönsten Spielstätten vom Theater bespielt: der

Schlosshof, der Dicke Turm und der Englische Bau. Im Winter gibt es außerdem den „Winter

in Schwetzingen“. Das Barock-Fest findet immer im Schwetzinger Rokokotheater statt und

hat mittlerweile einen festen Platz in der deutschen Kulturlandschaft gefunden.

Ein weiteres Festival ist der „Heidelberger Stückemarkt“, das internationale Highlight des

Theaters. Seit 1984 spielt jedes Jahr im Frühling ein anderes Gastland die Hauptrolle für

eine Woche. Mexiko, Finnland, Südkorea, die Türkei und viele andere waren schon mit

dabei. Stücke aus den Gastländern werden gespielt, neue Stücke werden gelesen und

herausragende Uraufführungen aus dem deutschsprachigen Raum werden zu Gastspielen

eingeladen. Außerdem findet auch ein Autor*innen- Wettbewerb mit hochdotierten

Preisen als Talentförderung für neue Autor*innen statt.

Das Theater und Orchester Heidelberg ist auf jeden Fall

immer wieder einen Besuch wert!

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Theater

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Freilichtspiele

Freilichtspiele Schwäbisch Hall

von Laura Gäbler

Als Kulturbetrieb stelle ich die Freilichtspiele Schwäbisch

Hall vor und erzähle, wie diese die Zeiten der Corona

Pandemie erlebt haben und was sich verändert hat.

Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall gehören zu den

führenden Freilichtbühnen im deutschsprachigen Raum

und bieten ein ganz besonderes Erlebnis unter freiem

Himmel. Auf der großen Treppe vor der St. Michael

Kirche in Schwäbisch Hall wird ein professionelles Theater

inmitten der Altstadtkulisse mit ca. 1500 Plätzen geboten.

Auf 54 Treppen, einer Höhe von acht Metern und auf

einer Breite von bis zu 48 Metern wird vor allem gespielt,

aber auch getanzt und gesungen - somit wirklich eine

der außergewöhnlichsten Bühnen der Welt. Höhepunkt

des Theaterjahres 2019 und ein Meilenstein in der

Geschichte der Freilichtspiele war die Ergänzung einer

zweiten Spielstätte, die Eröffnung des Neuen Globe

Theaters auf dem Unterwöhrd, mitten im Herzen der

Stadt. Das Neue Globe ist ein dreistöckiges, regendichtes

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und temperierbares Freilichttheater mit zahlreichen

Bespielmöglichkeiten und ausgefallenen Bühnenbildern.

Durch den Rundbau wird auf allen 370 Plätzen eine

große Nähe zwischen dem Publikum und den Darstellern

ermöglicht. Die Architektur des Globes ist inspiriert

vom Rundbau des berühmten Shakesspeare-Theaters in

London, sowie vom griechischen Amphitheater. Aufgrund

des verschließbaren transparenten Daches, welches den

Freilichtcharakter verleiht, kann ganzjährig bei jeder

Wettersituation gespielt werden - egal, ob bei Kälte oder

Regen. Schauspielklassiker und bekannte Musicals, die auf

den Bühnen gespielt werden, reichen von Inszenierungen

von Shakespeares, über „Nathan der Weise“, „Ewig Jung“

bis hin zu „Sister Act“.

2020 und 2021 waren sicherlich keine leichten Jahre für die

Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

Durch die Corona Pandemie befanden sie sich vermehrt in

Lockdows, währenddessen keine Aufführungen stattfinden

konnten, so wie in vielen anderen Theatern auch.

Dennoch konnte das Team der Freilichtspiele überwiegend

weiterarbeiten, da so gut wie jeder Mitarbeiter über

ein eigenes Büro verfügt. Vereinzelt wurde auch von zu

Hause gearbeitet. In dieser Zeit war das Team vor allem

mit den Vorbereitungen der Inszenierungen für den

kommenden Sommer beschäftigt. Die Spielzeit 2021 und

auch ihre Vorbereitung gestaltete sich durchaus einfacher,


Freilichtspiele

da die Erfahrungen aus dem Vorjahr 2020 sich als sehr

nützlich erwiesen. Hinzu kam auch die Erledigung der

alltäglichen Verwaltungsaufgaben. Die Finanzen mussten

weiterhin verwaltet werden, aber auch Verträge mit neuen

Darstellern mussten aufgesetzt und beschlossen werden.

Besonders aufwendig war die Aufgabe, sich um Hilfsgelder

und Zuschüsse zu bemühen, die es im Rahmen der Corona

Krise gab. Glücklicherweise haben die Freilichtspiele

in dieser schwierigen Zeit keine Verluste hinnehmen

müssen, da die Mindereinnahmen durch das Erwerben von

speziellen Fördermitteln für die Krise ausgeglichen werden

konnten. Bestimmte Bereiche, wie die Theatergastronomie,

zeitweise auch das künstlerische Betriebsbüro befanden

sich für mehrere Monate in Kurzarbeit. Je mehr es der

Saison entgegen ging, verschwand diese zum Glück dann

immer mehr bis hin zu vollständig.

Herausforderungen und Probleme für die Freilichtspiele

haben sich vor allem dahingehend gezeigt, dass sich ihr

Team ständig auf neue Regelungen einstellen mussten

und das sehr kurzfristig. Gemeinsam haben sich alle

Mitarbeiter, von der technischen Leitung bis über die

Intendanz, wöchentlich zusammengetroffen, um die neue

Corona Verordnung zu studieren und um Änderungen

schnellstmöglich umzusetzen. Problematisch war auch

der Ticketvorverkauf, von dem ein Theater eben auch

lebt. Die Freilichtspiele nehmen natürlich gerne am

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Weihnachtsgeschäft teil, da Tickets für die nächste Saison

ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk sind. Jedoch

war es sehr schwierig, überhaupt Tickets zu verkaufen,

wenn noch unsicher war, ob, unter welchen Bedingungen

und mit wie vielen Zuschauern die Freilichtspiele

stattfinden können. Ständige Änderungen bedeuteten

auch immer neue Vorrausetzungen für den Spielbetrieb,

aber auch für die Kunden. Zudem war es während des

Lockdowns nicht möglich, zu proben. Als jedoch der

Lockdown endlich Geschichte war, konnte rechtzeitig

mit den Proben kurz vor Saisonbeginn wieder begonnen

werden. Diese konnten dann unter den geltenden

Hygienebedingungen durchgeführt werden. Das Personal

musste sich regelmäßigen Tests unterziehen und die

Sicherheitsabstände beachten. Das gut ausgefeilte und

strenge Hygienekonzept erwies sich als sehr erfolgreich,

denn es gab weder bei den Beschäftigten der Freilichtspiele

noch beim Publikum einen Ansteckungsfall.

Für den Beginn der Spielzeit stellten die Freilichtspiele

einen Antrag auf ein Modelprojekt beim Sozialministerium

Baden-Württemberg, um mit 500 Zuschauen auf dem

Marktplatz spielen zu können. Der Antrag wurde

erfreulicherweise genehmigt. Dadurch sind die

Freilichtspiele zu einem vom Land injizierten Modelprojekt

geworden, währenddessen das Hygienekonzept und die

Planausnutzung wissenschaftlich begleitet wurden. Damit


Freilichtspiele

erhielten die Freilichtspiele sowohl durch das Land als

auch durch die Stadt Hall selbst, große Unterstützung. Mit

der Premiere 2021 konnte dann planmäßig und pünktlich

mit 500 Zuschauern gestartet werden. Dies war zwar eine

wesentlich geringeren Publikumskapazität, aber dennoch

akzeptabel. Veranstaltungen im Neuen Globe wurden bis

Ende Juli vorsichtshalber nach draußen auf die bereits

in 2020 bewährte Parkbühne verlegt, da im Freien mehr

Zuschauer erlaubt waren als in Innenräumen.

Trotz der anstrengenden Spielzeit aufgrund der Corona

Pandemie zogen die Freilichtspiele positive Aspekte aus

dieser Zeit. Das Team, beziehungsweise die einzelnen

Mitglieder, wuchsen durch die außergewöhnlichen

Herausforderungen und Hürden noch viel mehr zusammen.

Wirklich jeder Einzelne konnte sich miteinbringen, wodurch

auch die unterschiedlichsten Ideen entstanden sind.

Besonders war, wie unglaublich flexibel und kreativ das

Team arbeitete, da es sich eben immer sehr kurzfristig

auf die neuen Umstände und Veränderungen einstellen

musste. Diese Kreativität und Flexibilität hat sich jedoch

ausgezeichnet, so konnten zum Beispiel Vorstellungen im

Globe einfach auf die errichtete Parkbühne verlegt werden,

was auch super vom Publikum aufgenommen wurde.

Den Freilichtspielen war eins wichtig - die Kultur muss

nach dieser langen Zeit wieder dringend stattfinden und

vor allem in Schwäbisch Hall, wo sich die Festspiele und

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die Kulturstadt gegenseitig ergänzen. „Kultur für die Stadt,

eine Stadt für die Kultur, für das Theater“ lauteten die

Worte des Intendanten Christan Doll und dem damaligen

Oberbürgermeister Pelgrim. Beide zogen glücklich

Bilanz einer bemerkenswerten und beeindruckenden

Spielzeit. Tatsächlich wurden 45.557 Karten verkauft,

womit die Erwartungen bei weitem übertroffen

wurden. Erfreulicherweise ergab sich ein ausgeglichener

Haushaltsabschluss für den Sommer 2021 – schlussfolgernd

wird kein Defizit den Spielbetrieb im nächsten Jahr

belasten. Daher ist die Bilanz der Spielzeit durchaus

positiv zu sehen, zudem die Freilichtspiele auf einen

umfangreichen Spielplan mit großer Produktion gesetzt

hatten, wie kaum ein anderes Theater.

Dies war allerdings mit einer hohen Risikobereitschaft

verbunden, mitten in der Pandemie einen kompletten

Spielplan mit anspruchsvollen und kostenintensiven

Produktionen im Globe, auf der Außenbühne und auf

der Großen Treppe anzubieten. Möglich war dies nur

mit einem Plan, der immer flexibel auf die Vorgaben

der entsprechenden Corona Verordnungen regieren

konnte in Bezug auf Platzbelegungen und die erlaubte

Zuschaueranzahl. So konnte auch den Kartenkäufern gut

vermittelt werden, dass mit dem flexiblen Konzept zwar

die Anzahl der Plätze angepasst werden kann, dennoch

ihr Sitzplatz aber sicher ist. Der Kartenvorverkauf für


Freilichtspiele

den Sommer 2022 hat

bereits gestartet und ist

in vollem Gange. Für die

nächste Saison wünschen

sich die Freilichtspiele,

eine große Eröffnung mit

„rotem Teppich“ und einer

inhaltlichen Präsentation

der Festspielsaison,

auf die dieses Jahr

pandemiebedingt

verzichtet werden musste.

Hygienekonzept erwies

sich als sehr erfolgreich,

denn es gab weder bei

den Beschäftigten der

Freilichtspiele noch

beim Publikum einen

Ansteckungsfall.

Für den Beginn der

Spielzeit stellten die

Freilichtspiele einen Antrag

auf ein Modelprojekt

beim Sozialministerium

Baden-Württemberg,

um mit 500 Zuschauen

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Interview mit Birgit Busse

Birgit Busse ist

Chefdisponentin und die

Assistenz der Intendanz

bei den Freilichtspielen

Schwäbisch Hall. Seit fast

zwei Jahren arbeitet Sie in

dieser Stellung, angefangen

hat sie kurz bevor die

Corona Pandemie begann.

Als Chefdisponentin ist

Sie hauptsächlich für die

gesamte Planung rund

um die Freilichtspiele

verantwortlich. Mit

der Technik und dem

Intendanten plant Sie

die Vorstellungen, hat

einen Überblick darüber,

wer wann wo probt und

erstellt Tagespläne für

die Darsteller, damit

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diese auch zur richtigen

Zeit am richtigen Ort

sind. Als Assistenz

der Geschäftsführung

unterstützt Sie vor allem

den Intendanten Christian

Doll, steht ihm zur

Seite und versucht ihm

Aufgaben abzunehmen.

Zudem organisiert Sie

die Vorsprechen für neue

Besetzungen, wirkt bei

Vertragsverhandlungen mit

und hält ständigen Kontakt

zu den Darstellern. 2020

war für Sie

relativ extrem – viel

Planung, viel Arbeit, viel

Aufwand. Am Anfang wurde

eine Menge an neuen

Dispositionen erstellt, um

sich viele Möglichkeiten

offen zu halten. Es gab

verschiedenste Varianten

der Spielzeit, wie diese

aussehen könnte. Jedoch

hatte keiner wirklich

eine Ahnung davon, was

tatsächlich alles auf das

Team der Freilichtspiele

zukommen würde.

Mehrfach wurden die

Spielpläne auch über

Bord geworfen, bis sie

sich letztendlich dann für

einen kleineren, flexibleren

Spielplan entschieden

hatten. Die Planungen für

2021 gestalteten sich durch

die Erfahrungen aus dem

Vorjahr deutlich einfacher.

Zudem war auch allen

bewusst, dass Corona nicht

plötzlich verschwinden

wird. Vor allem ist Birgit

Busse aber froh darüber,

so ein tolles Team zu haben

und beeindruckt davon,

wie wahnsinnig flexibel

dieses ist. Sie betonte

ganz klar, dass es ihr,

dem Team, den gesamten

Freilichtspielen auch wichtig

war, Darstellern Zusagen

zu geben, die schon von

anderen Spielstädten

über ein Jahr Absagen

bekommen hatten. Es

musste ja irgendetwas

passieren, dass diese

Menschen auch wieder

Geld verdienen und

arbeiten dürfen. Es sei eben

auch eine psychologische

Frage, ob man seinen

Beruf ausüben darf oder

nicht. Gemeinsam mit den

Freilichtspielen schaut Sie

auf eine trotz der Corona

Krise positive Saison

zurück und hofft auf eine

unbeschwerte Zukunft.


auf dem Marktplatz spielen zu können. Der Antrag

wurde erfreulicherweise genehmigt. Dadurch sind die

Freilichtspiele zu einem vom Land injizierten Modelprojekt

geworden, währenddessen das Hygienekonzept und die

Planausnutzung wissenschaftlich begleitet wurden. Damit

erhielten die Freilichtspiele sowohl durch das Land als

auch durch die Stadt Hall selbst, große Unterstützung. Mit

der Premiere 2021 konnte dann planmäßig und pünktlich

mit 500 Zuschauern gestartet werden. Dies war zwar eine

wesentlich geringeren Publikumskapazität, aber dennoch

akzeptabel. Veranstaltungen im Neuen Globe wurden bis

Ende Juli vorsichtshalber nach draußen auf die bereits

in 2020 bewährte Parkbühne verlegt, da im Freien mehr

Zuschauer erlaubt waren als in Innenräumen.

Trotz der anstrengenden Spielzeit aufgrund der Corona

Pandemie zogen die Freilichtspiele positive Aspekte aus

dieser Zeit. Das Team, beziehungsweise die einzelnen

Mitglieder, wuchsen durch die außergewöhnlichen

Herausforderungen und Hürden noch viel mehr zusammen.

Wirklich jeder Einzelne konnte sich miteinbringen, wodurch

auch die unterschiedlichsten Ideen entstanden sind.

Besonders war, wie unglaublich flexibel und kreativ das

Team arbeitete, da es sich eben immer sehr kurzfristig

auf die neuen Umstände und Veränderungen einstellen

musste. Diese Kreativität und Flexibilität hat sich jedoch

ausgezeichnet, so konnten zum Beispiel Vorstellungen im

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Globe einfach auf die errichtete Parkbühne verlegt werden, was auch super vom Publikum

aufgenommen wurde.

Den Freilichtspielen war eins wichtig - die Kultur muss nach dieser langen Zeit wieder

dringend stattfinden und vor allem in Schwäbisch Hall, wo sich die Festspiele und die

Kulturstadt gegenseitig ergänzen. „Kultur für die Stadt, eine Stadt für die Kultur, für

das Theater“ lauteten die Worte des Intendanten Christan Doll und dem damaligen

Oberbürgermeister Pelgrim. Beide zogen glücklich Bilanz einer bemerkenswerten

und beeindruckenden Spielzeit. Tatsächlich wurden 45.557 Karten verkauft, womit

die Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. Erfreulicherweise ergab sich ein

ausgeglichener Haushaltsabschluss für den Sommer 2021 – schlussfolgernd wird kein

Defizit den Spielbetrieb im nächsten Jahr belasten. Daher ist die Bilanz der Spielzeit

durchaus positiv zu sehen, zudem die Freilichtspiele auf einen umfangreichen Spielplan mit

großer Produktion gesetzt hatten, wie kaum ein anderes Theater.

Dies war allerdings mit einer hohen Risikobereitschaft verbunden, mitten in der Pandemie

einen kompletten Spielplan mit anspruchsvollen und kostenintensiven Produktionen

im Globe, auf der Außenbühne und auf der Großen Treppe anzubieten. Möglich war

dies nur mit einem Plan, der immer flexibel auf die Vorgaben der entsprechenden

Corona Verordnungen regieren konnte in Bezug auf Platzbelegungen und die erlaubte

Zuschaueranzahl. So konnte auch den Kartenkäufern gut vermittelt werden, dass mit dem

flexiblen Konzept zwar die Anzahl der Plätze angepasst werden kann, dennoch ihr Sitzplatz

aber sicher ist. Der Kartenvorverkauf für den Sommer 2022 hat bereits gestartet und ist

in vollem Gange. Für die nächste Saison wünschen sich die Freilichtspiele, eine große

Eröffnung mit „rotem Teppich“ und einer inhaltlichen Präsentation der Festspielsaison, auf

die dieses Jahr pandemiebedingt verzichtet werden musste.

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Folkloretanz

Play!

von Tijana Andjelkovic

Es fühlt sich an als hätte jemand die „Pause-Taste“ gedrückt

und die Musik in unserer aller Leben angehalten. Mit

Corona schien die Welt still zu stehen. Plötzlich konnte

man sich nicht mehr treffen, musste eine Maske tragen

und konnte den Menschen nur noch mit 1,50 m Abstand

begegnen. Corona veränderte alles und uns alle, auch das

Kultur(er)leben. Die Brücken, die die Kultur normalerweise

zwischen den Menschen baut, brachen Stück für Stück

zusammen.

Den Zusammenbruch spürte auch der serbische

Kulturverein SKD Blumberg. Normalerweise ist das

Vereinsheim ein Ort der Begegnung. Wo man gestern noch

Musik, Gesang und Gelächter begegnete, herrschte nun

Stille.

Eine besondere Stille ist das Gefühl kurz bevor es losgeht.

Bevor „Play“ gedrückt wird und die Musik einsetzt. Die

Anspannung, die Konzentration und das Kribbeln in den

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Füßen. Allzu gut kenne ich dieses Gefühl, den besonderen

Moment kurz vor Beginn des Auftritts. Man geht im Kopf

nochmal die Schritte und die Choreographie durch, möchte

Fehler vermeiden und soll dabei sieben Minuten lang

durchgehend lächeln. Bloß nicht aus der Reihe tanzen!

Mache ich einen Fehler, wirkt sich das auch auf alle

anderen aus. Man verschmilzt zu einer Einheit, denn es

geht nicht um die einzelnen Personen, sondern um die

Präsentation der Gruppe. Beim Folkloretanz geht es um

Präzision und Gleichheit, alle sollen sich gleich zur Musik

bewegen, den gleichen Takt halten, mit ihrem Lächeln das

Publikum begeistern und mit auf eine kleine Reise in die

Vergangenheit nehmen.

Bevor es aber zu diesem besonderen Moment kommt,

muss viel trainiert und geübt werden. Die Kinder trainieren

normalerweise jede Woche eineinhalb Stunden in dem 100

qm großen Vereinsheim des Kulturvereins. Es bietet genug

Platz für die Kinder zum Trainieren und Beisammen sitzen.

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Folkloretanz

Das hat sich durch Corona natürlich auch geändert.

Für den Folkloretanz ist es essenziell sich berühren zu

können. Er funktioniert nicht mit Sicherheitsabständen.

Schließlich handelt es sich in der Form des Tanzes um einen

Reigentanz. Die Grundposition ist der Halbkreis, in dem sich

alle an den Händen halten.

Durch die Lockdowns waren zunächst gar keine

Proben mehr möglich. Zwar gab es auch immer wieder

Lockerungen, aber, hatte man das Training gerade wieder

aufgenommen, musste man es auch wieder einschränken.

Im Sommer 2021 war dann alles weitesgehend wieder

möglich, was das Training anging.

Dann kam aber auch schon die jährliche Sommerpause

in den großen Schulferien, sodass man wieder aktiv im

September 2021 angefangen hatte zu trainieren.

Kaum hatte man wieder richtig gestartet, galten wieder

neue Einschränkungen für den Kulturbereich und somit

gilt hier nun 2G+. Die Frage bleibt also wie lange man jetzt

noch die Proben erhalten kann, da die Situation sich ständig

ändert.

Es fällt schwer wieder einen Rhythmus zu finden. Das merkt

man auch an den Leistungen der Kinder, die den Ausfall der

Proben auch wieder aufarbeiten müssen.

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Vor der Ausnahmesituation war viel geplant für die

Tanzgruppe. Neue Choreographien, für die man extra

einen Trainer aus Serbien für ein paar Tage einflog, um mit

den Kindern zu arbeiten. Man wollte eine Exkursion nach

Serbien zu einem Partnerverein machen, um den Austausch

mit den Kindern aus der Heimat zu ermöglichen.

Weggefallen sind auch ganz einfache Dinge wie Filmeabende,

die man früher organisiert hatte, eine Übernachtungsparty

im Vereinsheim oder das Zusammensitzen

bei einer kalten und wohlverdienten Cola nach der

Anstrengung.

Und das Wichtigste waren selbstverständlich die Auftritte,

auf die man eigentlich hinarbeitet und die komplett

entfielen. Auftritte, auf welchen man sein ganzes Können

zeigt und das Publikum für einen kurzen Moment in eine

Zeit nimmt, die bereits Jahrhunderte zurückliegt.

Im Grunde genommen erzählen die Choreografien

Geschichten, welche oft von Liebe und Hochzeiten handeln.

Es geht um Lebensfreude, Frohsinn und das gemeinsame

Feiern und Spaß haben. Eben das soll auch den Zuschauern

vermittelt werden. Alte Tradition und Bräuche werden

aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt und von

Generation zu Generation weiteregegeben.

Wie es damals so war, hat man sich nicht im Internet

kennengelernt, sondern, wie auch sonst, auf einer schönen,

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Folkloretanz

grünen Wiese. Die zwei Mädchen sind gerade zusammen

Blumen pflücken, als ihnen ein gutaussehender, charmanter

und leider auch vergebener Junge über den Weg läuft.

Eines der Mädchen schenkt ihm im Gegenzug zu einem

Kuss ihre Rose, die er schnell versucht zu verstecken. Jedoch

nicht schnell genug, denn schon steht seine Geliebte im

Hintergrund und erwischt ihn auf frischer Tat. Wie es

endet? Natürlich in einem Happy End. Die beiden raufen

sich zusammen und es wird mit versammelter Mannschaft

gefeiert.

Dabei tragen die Kinder ganz besondere Kleidung. Es

handelt sich um handgefertigte Trachten aus der Heimat,

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die in Serbien geschneidert werden und hierher importiert.

Eine einzige komplette Tracht, die jedes Kind trägt, kostet

zwischen 300 und 400 €.

Welche Tracht getragen wird, ist von der Choreographie

abhängig. So wie jede Region in Serbien ihre eigene

charakteristische Musik, eigenen Schrittfolgen und

Tanzbewegungen hat, hat auch jede Region ihre eigene

Tracht.

So kann man an der Kleidung und auch an der Musik

erkennen, wo die Geschichte spielt. Tanzt man mehrere

Choreographien, kommen schnell mehrere Tausend Euro

zusammen, da man unterschiedliche Kleidung braucht.

Bis die Kinder jedoch in voller Montur dastehen, dauert es.

Es kann eine Weile gehen bis alles von Kopf bis Fuß sitzt.

Dabei ist auch häufig die Hilfe der anderen gefragt, was

aber meistes kein Problem darstellt.

Gegenseitige Unterstützung und Hilfe spielt eine wichtige

Rolle im Verein.

Um das Vereinsleben am Leben erhalten zu können, hat der

Verein zum einen Sponsoren zum anderen organisiert der

Verein viel für seine mittlerweile ca. 200 Mitglieder selbst.

Als der Verein 2012 gegründet wurde, wollte man einen

Kulturaustausch ermöglichen und einen eigenen Ort dafür

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Folkloretanz

errichten, in dem alle willkommen sind. So hatte man 2016

angefangen sein eigenes Vereinsheim in Kooperation mit

der örtlichen HD Sports Academy zu bauen.

Es wird nicht nur für das Training der Tanzgruppe und der

HD Sportsacademy genutzt, sondern auch als Treffpunkt.

Neben dem Probenraum gibt es auch einen kleinen

Nebenraum, der als eigene kleine Wirtschaft genutzt

wird. Die Mitglieder verabreden sich, um zusammen

etwas zu trinken oder eine Runde Dart oder Tischkicker zu

spielen. Im Sommer auch beliebt, ist der dazugehörende

Bocciaplatz, der bei den ersten Sonnenstrahlen genutzt

wird.

Normalerweise wird das Gebäude auch für Feiern vermietet

und es finden eigene Partys statt ganz unter dem Motto

Balkan Night, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Sehr beliebt unter allen sind die großen Balkannächte

mit 400 Leuten in der Stadthalle Blumberg, in denen man

sich Folkloreaufführungen anschauen kann, Sänger aus

der Heimat kommen und traditionell Cevapcici gegessen

werden.

Mit Corona stand der Verein nun auch in finanzieller Hinsicht

vor neuen Herausforderungen. Das Gebäude war

eine große finanzielle Belastung uns muss noch abbezahlt

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werden.

Während der gesamten eineinhalb Jahre, die Corona nun

anhält, ist so gut wie alles weggefallen, somit auch die

Einnahmen. Zudem gab es keine Vereinshilfen oder Gelder.

Soweit Corona es zuließ und es Lockerungen gab, hat

der Verein auch wieder kleinere Veranstaltungen im

Vereinsheim organisiert. So gab es im Sommer ein

Bocciaturnier und auch die ein oder andere Feier.

Im Moment ist man jedoch wieder stark eingeschränkt

und niemand weiß, wie es weitergehen wird. Die

Planungssicherheit ist überhaupt nicht gegeben.

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