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Taxi Times Berlin - 3. Quartal 2021

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4. QUARTAL <strong>2021</strong> 3,50 €<br />

www.taxi-times.taxi<br />

BERLIN<br />

TARIFPLÄNE VON LABO UND VERBÄNDEN<br />

FESTPREISZONEN<br />

FÜR FAHRTEN VOM BER<br />

ROT-GRÜN-ROT<br />

Das <strong>Taxi</strong> im neuen<br />

Koalitionsvertrag<br />

MIETWAGENUNFÄLLE<br />

Konkurrenzkampf auf dem<br />

Rücken der Fahrer<br />

LABO TUT WAS<br />

Schlechte Karten für<br />

20-Monats-GmbHs


LONDONER LEGENDE TRIFFT<br />

BERLINER SCHNAUZE<br />

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Toni Ladendorff<br />

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0171-9565849<br />

E-Mail:<br />

toni.ladendorff@koch-ag.de<br />

LEVC TX: Energieverbrauch kombiniert 1 0,9 l Benzin und 23,4 kWh Strom pro 100 km, CO2-Emissionen kombiniert 1 19 g/km, Elektrische Reichweite:<br />

kombiniert 101 km, innerstädtisch 126 km<br />

Werte gemäß WLTP Testzyklus. Verbrauch, CO2-Emissionen und Reichweite eines Fahrzeugs hängen nicht nur von der effizienten Ausnutzung<br />

des Kraftstoffs durch das Fahrzeug ab, sondern werden auch vom Fahrverhalten und anderen nichttechnischen Faktoren beeinflusst.<br />

1<br />

Gewichtete Werte sind Mittelwerte für Kraftstoff- und Stromverbrauch von extern aufladbaren<br />

Hybridelektrofahrzeugen bei durchschnittlichem Nutzungsprofil und täglichem Laden der Batterie.<br />

2<br />

UVP der London EV Company Ltd., informieren Sie sich über die individuellen Angebote<br />

und Endpreise bei Ihrem LEVC Partner, z. B. bei Autohaus Koch.<br />

2 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


TITELGRAFIK: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>; Kartengrundlage: Open Street Map<br />

NEUE KOALITION, ALTE TEILNEHMER<br />

Papier ist geduldig, deshalb spielt sich die tagesaktuelle Berichterstattung<br />

hauptsächlich online ab. So auch auf unserem Portal<br />

www.taxi-times.com mitsamt seinen Unterseiten für <strong>Berlin</strong>, München<br />

und Hamburg. Dort können wir aktuell nicht nur taxirelevante<br />

Aspekte der Corona-Thematik behandeln, sondern uns auch<br />

damit befassen, wann die Bundesregierung und der <strong>Berlin</strong>er Senat<br />

mit welchen Personen ihre Arbeit aufnehmen.<br />

In unserer gedruckten Ausgabe können wir uns tiefgründiger<br />

den langfristig relevanten <strong>Taxi</strong>-Themen widmen. Bei Redaktionsschluss<br />

dieses Heftes hatte die alte Regierung mit Angela Merkel<br />

und Andreas Scheuer die Geschäfte bereits an die neue Regierung<br />

mit Olaf Scholz und Volker Wissing übergeben. In der <strong>Berlin</strong>er<br />

Landespolitik war aber noch der alte Senat mit Michael Müller und<br />

Regine Günther im Amt. Die neuen Senatoren für <strong>Berlin</strong> standen<br />

noch nicht komplett fest, doch hatten die drei alten und neuen<br />

Regierungsfraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke<br />

gerade noch rechtzeitig ihren langwierig ausgehandelten Entwurf<br />

zum Koalitionsvertrag veröffentlicht (Seite 18). Somit konnten<br />

wir sichten, was er verkehrspolitisch beinhaltet und welche Aussagen<br />

zum <strong>Taxi</strong>gewerbe getroffen werden. Im Unterschied zum<br />

Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung kommt das <strong>Taxi</strong> im<br />

<strong>Berlin</strong>er Landesentwurf erfreulich häufig vor (Seite 8).<br />

Bundespolitisch sieht es nach einer Fortsetzung des Kampfes<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe vs. Deregulierung aus, seit der neue Bundesverkehrsminister<br />

Volker Wissing die große Uber-Verehrerin Daniela<br />

Kluckert zur Parlamentarischen Staatssekretärin gemacht<br />

hat. Kluckert scheint bis heute nicht wahrhaben zu wollen, dass<br />

die unseriösen Mietwagenpartner von Uber & Co. nicht nur das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe beschädigen, sondern mit ihm die Daseinsvorsorge,<br />

den Verbraucherschutz und die Solidargemeinschaft, denn viele<br />

Mietwagenfahrer verdienen so schlecht, dass sie sich mit Schwarzarbeit<br />

über Wasser halten und dazu noch aufstocken (müssen) –<br />

und im schlimmsten Fall so viel Zeit im Auto verbringen, dass sie<br />

nicht mehr aufmerksam fahren können und ihnen verhängnisvolle<br />

Fehler unterlaufen. Jeder Kunde von Uber, Bolt, Free Now usw.<br />

geht damit nicht nur ein höheres Risiko ein als im <strong>Taxi</strong>, sondern<br />

liegt zudem der Allgemeinheit indirekt auf der Tasche (Seite 12).<br />

Das LABO kennt die Probleme mit UBER und hat im Rahmen seiner<br />

Möglichkeiten reagiert. Aufgrund der bekannten Personalnot<br />

in der Verwaltung sind diese Möglichkeiten sehr begrenzt, doch<br />

konnte unsere Redaktion sich in einem persönlichen Gespräch<br />

davon überzeugen, dass beim LABO durchaus etwas getan wird<br />

(Seite 10).<br />

Mit dem neuen Verkehrsministerium könnte für das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

– Ironie des Schicksals – ein Wahlspruch der FDP zu neuer<br />

Bedeutung gelangen: „Nie gab es mehr zu tun“ – doch dazu mehr<br />

in unserer deutschlandweiten DACH-Ausgabe, auf die wir auf<br />

Seite 26 hinweisen.<br />

Dieses Heft ist mit <strong>Berlin</strong>er Themen gut gefüllt – und eine hoffentlich<br />

interessante Lektüre.<br />

– die Redaktion –<br />

INHALT<br />

MELDUNGEN<br />

4 News<br />

GEWERBE<br />

5 <strong>Berlin</strong> plannt Festpreise für<br />

Standardfahrten<br />

8 Das <strong>Taxi</strong> im <strong>Berlin</strong>er Koalitionsvertrag<br />

10 LABO – die tun endlich was<br />

WETTBEWERB<br />

12 Mietwagen: Tödlicher Konkurrenzkampf<br />

auf dem Rücken der Fahrer<br />

TAXI BERLIN<br />

14 Hermann Waldner: Für das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

zu kämpfen, zahlt sich aus<br />

16 Rufsäulen digitalisiert<br />

POLITIK<br />

17 Jarasch löst Günther ab<br />

18 Weniger Platz für Autos, mehr Platz für<br />

Fahrrad und ÖPNV<br />

GEWERBEVERTRETUNGEN<br />

20 Neue Vorstände bei Verbänden<br />

E-MOBILITÄT<br />

21 IHK unterstützt E-<strong>Taxi</strong><br />

INKLUSION<br />

22 Ein <strong>Taxi</strong>, drei Umrüstvarianten<br />

23 Erfahrungen mit dem neuen SFD<br />

KRIMINALITÄT<br />

24 Messerstecher nach acht Tagen gefasst<br />

<strong>Taxi</strong>-Nothilfe<br />

25 Die Gustav-Hartmann-Stiftung<br />

AUSBLICK<br />

26 Die aktuelle DACH-Ausgabe<br />

26 Impressum<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

3


MELDUNGEN<br />

NEWSTICKER<br />

ETM KÜNFTIG IN ESSEN<br />

Die Europäische <strong>Taxi</strong>messe, größte Fachmesse<br />

für das <strong>Taxi</strong>- und Mietwagengewerbe,<br />

die bisher in Köln zu Hause war und 2020<br />

Corona-bedingt ausfiel, zieht vom Rhein<br />

an die Ruhr. Am 4. und 5. November 2022<br />

öffnet die Messe Essen ihre Hallen für das<br />

internationale Publikum. Vieles soll auch<br />

am neuen Standort „beim Alten“ bleiben,<br />

auch wenn der Veranstalter, die Fachvereinigung<br />

Personenverkehr Nordrhein, nicht<br />

mehr Mitglied im Bundesverband BVTM ist.<br />

Der neue Vorsitzende der Fachvereinigung,<br />

Markus Gossmann: „Die Fachvereinigung<br />

führt auf der nächsten Messe viele bewährte<br />

Traditionen fort. Dazu gehören die gewerbepolitischen<br />

Veranstaltungen ebenso wie die<br />

weithin bekannte Tombola. Die Ausstellung<br />

und die gewerbepolitischen Veranstaltungen<br />

spiegeln eine Vielzahl neuer Themen,<br />

die aktuell auf die Branche zukommen.<br />

Neben klassischen Limousinen und Kleinbussen<br />

sowie speziellen Fahrzeugen für<br />

die Beförderung behinderter oder kranker<br />

Fahrgäste umfasst das Ausstellerangebot<br />

[...] auch Fahrzeuge mit neuen Antriebskonzepten.<br />

Vielfältig sind auch die Angebote für<br />

Informationstechnologie und Funktechnik<br />

für Zentralen und Fahrzeuge sowie Zahlungssysteme.“<br />

rw<br />

HUB27 EINGEWEIHT<br />

Die neueste und modernste Halle des <strong>Berlin</strong>er Messegeländes,<br />

Hub27, musste nach ihrer Fertigstellung noch<br />

einen Corona-bedingten Dornröschenschlaf halten, doch<br />

Anfang November gaben Halle und Halte beim Energiekongress<br />

TBB21 mit Besuchern aus aller Welt ihren Einstand.<br />

Halle 27, genannt Hub27 (das englische Wort hub steht für Basis,<br />

Zentrum, Mittelpunkt, Angelpunkt), hat eine <strong>Taxi</strong>-Ladeleiste vor<br />

dem Eingang und einen Bedarfs-Nachrückplatz südöstlich angrenzend.<br />

Die Einfahrt an der Jafféstraße befindet sich zwischen der<br />

Haupteinfahrt Messe Süd und der Ampelkreuzung Harbigstraße<br />

und ist für Taxen ausgeschildert. Während größerer Veranstaltungen<br />

ist Personal vor Ort, das die freien Taxen einweist.<br />

Boto Töpfer, Erster Vorsitzender des <strong>Taxi</strong>verbandes <strong>Berlin</strong>, Brandenburg<br />

e. V., der das Verkehrskonzept mit ausgearbeitet hat und<br />

für den <strong>Taxi</strong>-Leitdienst am Messegelände verantwortlich ist, bittet<br />

alle Kollegen vor Ort, die Anweisungen des Ordnungspersonals<br />

zu befolgen.<br />

ar<br />

„INNUNG“ GRÜNDET GMBH<br />

Am 1. Dezember hat der die Innung des<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V. eine GmbH<br />

zur Ersteintragung in das Handelsregister<br />

angemeldet. Die Mitglieder hatten auf<br />

ihrer Versammlung am 20. September dem<br />

Vorstand die Gründung in Auftrag gegeben.<br />

„Als 100-prozentiger Gesellschafter<br />

der GmbH haben die Mitglieder der Innung<br />

des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V. einen wirtschaftlichen<br />

Arm“, wie der Zweite Vorsitzende<br />

Hayrettin Şimşek, besser bekannt<br />

als Simi, erläutert. So können die Abrechnungskosten<br />

für die Mitglieder gesenkt,<br />

Berufsinteressen erweitert und zusätzliche<br />

Einnahmen generiert werden. „Außerdem<br />

gibt eine Rechtsform die Möglichkeit die<br />

Dienstleistung zu erweitern und sich für<br />

Ausschreibungen zu bewerben.“<br />

Geschäftsführer wird der „Innungs“-<br />

Vorsitzende Leszek Nadolski, sobald die<br />

Eintragung in das Handelsregister vollzogen<br />

ist. Bis dahin ist die „Servicegesellschaft<br />

für das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe“, so<br />

der Name, eine Vor-GmbH bzw. GmbH in<br />

Gründung (Gmbh i. G.).<br />

ar<br />

HICO IST JETZT<br />

IN DER RHINSTRASSE<br />

Die Firma Hico Kraftfahrzeug-Kontrollgeräte GmbH, eine<br />

der wichtigsten <strong>Berlin</strong>er Taxameter-Werkstätten, hat<br />

ihre Arbeit am neuen Sitz in Marzahn aufgenommen.<br />

Die Räume in Tempelhof wurden aufgegeben. Der Umzug in die<br />

Rhinstraße 50 a war nötig geworden, nachdem der Vermieter<br />

Eigenbedarf angemeldet hatte. Man habe die neuen Gewerberäume<br />

aber in aller Ruhe auswählen können und konnte auf eine gute<br />

Erreichbarkeit mit dem Auto achten. Die Zufahrtsstraße zweigt<br />

400 Meter nördlich des S-Bahnhofs Friedrichsfelde-Ost, direkt vor<br />

einer Total-Tankstelle, rechts von der Rhinstraße ab.<br />

Zu Hicos Dienstleistungsangebot gehören unter anderem die<br />

Betreuung von Fahrtschreiber-Prüfstellen gemäß § 57b StVZO,<br />

Archivierung der digitalen Daten von Fahrerkarte und Fahrtschreiber-Massenspeicher,<br />

Einbau und Wartung von Hale- und<br />

Semitron-Taxametern sowie die Konformitätsbewertung von<br />

Taxametern.<br />

ar<br />

FOTOS: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>; Hico<br />

4 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


GEWERBE<br />

BERLIN PLANT<br />

FESTPREISE FÜR<br />

STANDARDFAHRTEN<br />

Der Senat will die neue Möglichkeit im PBefG nutzen, <strong>Taxi</strong>-Festpreise<br />

für bestimmte Verbindungen wie z. B. vom Flughafen zum Messegelände<br />

einzuführen. Die <strong>Taxi</strong>verbände setzten gleich noch zwei drauf.<br />

GRAFIK: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>; Kartengrundlage: Open Street Map<br />

Das Schreiben, das Anfang Oktober<br />

aus dem Hause der scheidenden<br />

Verkehrssenatorin in den Briefkästen<br />

der <strong>Berlin</strong>er Gewerbevertretungen<br />

und weiterer Adressaten lag, sorgte zum<br />

Teil für Begeisterung.<br />

Der „Entwurf für eine Elfte Verordnung<br />

zur Änderung der Verordnung über Beförderungsentgelte<br />

im <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>verkehr“<br />

beinhaltet zwar nicht den erhofften komplett<br />

gleichen Tarif für <strong>Berlin</strong>er Taxen und<br />

die aus dem Landkreis Dahme-Spreewald<br />

(LDS), mit dem man Fahrgästen am Flughafen<br />

gleiche Fahrpreise in allen Taxen<br />

garantieren wollte, doch zumindest eine<br />

gemeinsame Tarifstufe exklusiv für Fahrten<br />

vom Flughafen aus.<br />

Das ist auch der Grund, warum die<br />

<strong>Berlin</strong>er Verkehrsverwaltung und das<br />

Landratsamt des LDS den Entwurf für<br />

diese Verordnungsänderungsverordnung<br />

gemeinsam verabschiedet haben. Er sieht<br />

eine Beibehaltung beider Tarife innerhalb<br />

ihres jeweiligen Pflichtfahrgebiets und für<br />

Fahrten zum Flughafen vor. Nur Fahrten,<br />

die am Flughafen beginnen, sollen eine<br />

eigene Tarifstufe haben, deren Kilometerund<br />

Wartezeitpreise und Degressionspunkt<br />

zwischen denen der beiden bestehenden<br />

Tarife liegen (siehe Tabelle).<br />

VOM BER ZUM ALEX<br />

FÜR 50 EURO<br />

Als Pflichtfahrgebiet für alle am Flughafen<br />

beginnenden Fahrten will der Senat<br />

das jetzige Pflichtfahrgebiet für alle am<br />

BER ladeberechtigten Taxen übernehmen.<br />

Es umfasst neben <strong>Berlin</strong> und Potsdam<br />

36 weitere Städte bzw. Gemeinden (siehe<br />

QR-Code).<br />

Die zweite bahnbrechende Neuerung liegt<br />

im Vorschlag der Senatsverwaltung, erstmals<br />

Festpreise für zwei besonders häufig<br />

gefahrene Strecken einzuführen: Vom Flughafen<br />

nach Westend zum Messegelände soll<br />

es künftig pauschal 56 Euro kosten, vom<br />

Flughafen zum Alexanderplatz 50 Euro.<br />

Die zwei Standardstrecken dürften erst<br />

der Anfang sein. Sowohl in der Senatsverwaltung<br />

für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz<br />

(SenUVK) als auch im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

sieht man es als erstrebenswert an, langfristig<br />

viele Festpreise zwischen definierten<br />

Orten oder Zonen einzuführen.<br />

So ließe sich ein weiterer Wettbewerbsnachteil<br />

gegenüber den Anbietern taxiähnlichen<br />

Verkehrs peu à peu abschaffen: Das<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

5


GEWERBE<br />

Beispiel für einen Vorschlag einer Festpreiszone:<br />

Wenn es nach den Verbänden geht,<br />

kosten künftig alle Fahrten vom Flughafen<br />

in die Zone „Alexanderplatz“ den gleichen<br />

Fahrpreis.<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe wirbt zwar mit dem Vorteil der<br />

Tarifpflicht, die dafür sorgt, dass eine Strecke<br />

von A nach B zu jeder Zeit das gleiche<br />

kostet, doch ganz genau steht der Fahrpreis<br />

im <strong>Taxi</strong> eben erst am Ende der Fahrt fest. Bei<br />

Uber & Co. erfährt ihn der Kunde bereits<br />

kurz vor Fahrtantritt.<br />

Das wird von Kundenseite sehr geschätzt,<br />

auch wenn dabei gerne übersehen wird,<br />

dass bei den Plattformanbietern die gleiche<br />

Fahrt morgen drei Euro billiger sein<br />

kann als heute und übermorgen viermal so<br />

teuer. Ein <strong>Taxi</strong>-(Fest-)Preis ist heute, morgen,<br />

übermorgen, bei geringer wie bei hoher<br />

Auslastung und jedem Wetter gleich. Aus<br />

Sicht der <strong>Berlin</strong>er Gewerbevertretungen ist<br />

die Einführung von Festpreisen eine begrüßenswerte<br />

Innovation, die das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

ein Stückweit fit für den Markt der Zukunft<br />

machen kann.<br />

Auf weniger Zustimmung stieß dagegen<br />

ein anderer Aspekt des Senatsentwurfs:<br />

Angesichts steigender Kraftstoffpreise und<br />

bevorstehender Erhöhungen des Mindestlohns<br />

hält man in der Branche nicht nur<br />

den aktuellen <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif für überholt.<br />

Auch der Vorschlag des Senats für die<br />

Flughafen-Tarifstufe wird laut „Innung“<br />

des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes den steigenden<br />

Kosten für die Unternehmen nicht gerecht.<br />

Folglich setzten sich die Verbandschefs<br />

und <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-Geschäftsführer Hermann<br />

Waldner Anfang November zusammen<br />

und erarbeiteten einen eigenen Entwurf,<br />

der erheblich höhere Kilometerpreise und<br />

eine zweite Degressionsstufe beinhaltet.<br />

Am Grundpreis von 3,90 Euro will auch<br />

das Gewerbe nicht rütteln, doch soll der<br />

Kilometerpreis auf den ersten drei Kilometern<br />

von 2,20 auf 2,90 Euro steigen. An<br />

dieser neuen Degressionsmarke sinkt der<br />

Kilometerpreis nach Vorstellung der Verbände<br />

dann auf zunächst 2,45 Euro. An der<br />

zweiten Degressionsmarke bei Kilometer<br />

7 soll der Kilometerpreis dann erneut sinken.<br />

Heute kostet der Kilometer ab dieser<br />

Marke 1,65 Euro, künftig nach Vorstellung<br />

der Verbände 1,85 Euro. Die Wartezeit ab<br />

der zweiten Minute soll statt 0,55 Euro dann<br />

0,65 Euro pro Minute kosten.<br />

WENN SCHON FESTPREISE,<br />

DANN FÜR ZONEN<br />

Den Zuschlag für fünf bis acht Personen<br />

wollen die Verbände auf zehn Euro<br />

verdoppeln, den für Gepäckstücke, die ein<br />

Großraumtaxi erfordern, dagegen abschaffen<br />

– eine zwischen den Verbänden nicht<br />

unumstrittene Forderung.<br />

Einig war man<br />

sich hingegen in<br />

der Zustimmung<br />

zu Festpreisen für<br />

häufig nachgefragte<br />

Strecken. Auch hier<br />

beschloss man im<br />

Sinne einer vorausschauenden<br />

Planung,<br />

noch einen<br />

draufzusetzen,<br />

Pflichtfahrgebiet<br />

für Fahrten<br />

ab dem Flughafen<br />

BER<br />

und sprach sich nicht nur für eine weitaus<br />

höhere Anzahl von Standardstrecken aus,<br />

sondern zudem für eine Lösung mit sogenannten<br />

Zonen.<br />

Da es direkt am Alexanderplatz nur genau<br />

ein Hotel gibt, im Umkreis von einem Kilometer<br />

jedoch Dutzende weitere, erachtete<br />

man es als sinnvoll, die nähere Umgebung<br />

in die Festpreislösung mit einzubeziehen<br />

und eine Zone festzulegen, innerhalb derer<br />

alle Punkte zum gleichen Fahrpreis von<br />

Flughafen aus anzufahren sein sollen. Beim<br />

Messegelände mit seinen mehr als fünf<br />

Zugängen ist eine solche Lösung ohnehin<br />

erforderlich.<br />

Da die SenUVK einen relativ engen<br />

Zeitrahmen für eine Stellungnahme vorgegeben<br />

hatte, beauftragten die Verbände im<br />

Schnellverfahren die Ausarbeitung von Kriterien<br />

für die Definition solcher Zonen und<br />

sofort auch einen Entwurf für insgesamt elf<br />

Festpreiszonen nach ausgeklügelten Kriterien<br />

und mit exakt festgelegten Begrenzungen,<br />

die sie in Text- und Kartenform am 10.<br />

November als Anlage zu ihrem Tarifantrag<br />

an die SenUVK schickten.<br />

VERGLEICH DER AKTUELLEN TAXITARIFE IM LDS UND IN BERLIN MIT DER GEPLANTEN<br />

FLUGHAFEN-TARIFSTUFE UND DEM VON DEN VERBÄNDEN BEANTRAGTEN TARIF<br />

Vergleich<br />

aktueller<br />

LDS-Tarif<br />

Mo - Fr 6-22 h /<br />

Nacht + WE<br />

Senatsvorschlag<br />

Flughafen-<br />

Tarifstufe<br />

Aktueller<br />

<strong>Berlin</strong>er Tarif<br />

Von Verbänden<br />

beantragter<br />

<strong>Berlin</strong>er Tarif<br />

ab 1.2.2022<br />

von Verbänden<br />

angestrebter<br />

<strong>Berlin</strong>er Tarif bei<br />

Mindestlohn 12 €<br />

Grundpreis 3,90 € 3,90 € 3,90 € 3,90 € 3,90 €<br />

Kurzstrecke bis 2 km (nur Winker) - - 6,00 € 6,00 € 6,00 €<br />

km-Preis für Anfahrt 0,70 € - - - -<br />

km-Preis bis 3 km 2,10 € / 2,20 € 2,20 € 2,30 € 2,90 € 3,50 €<br />

km-Preis 3 bis 5 km 1,70 € / 1,80 € 2,20 € 2,30 € 2,45 € 2,85 €<br />

km-Preis 5 bis 7 km 1,70 € / 1,80 € 1,75 € 2,30 € 2,45 € 2,85 €<br />

km-Preis ab 7 km 1,70 € / 1,80 € 1,75 € 1,65 € 1,85 € 2,10 €<br />

Wartezeit ab der 2. min pro min 0,47 € 0,50 € 0,55 € 0,65 € 0,65 €<br />

Zuschlag BER-Schranke 1,50 € 1,50 € - 1,50 € 1,50 €<br />

Zuschlag ab 5 Pers. 5,00 € 5,00 € 5,00 € 10,00 € 10,00 €<br />

Zuschlag f. Gepäck (Kofferraum) 1,00 € - - - -<br />

Zuschlag f. Gepäck (Großraum) - 5,00 € 5,00 € - -<br />

Zuschlag f. Coupon, RF usw. - 1,50 € 1,50 € 1,50 € 1,50 €<br />

Festpreis BER Messe <strong>Berlin</strong> - 56,00 € - 69,00 € -<br />

Festpreis BER Alexanderplatz - 50,00 € - 61,00 € -<br />

GRAFIK: Axel Rühle; Kartengrundlage: Open Street Map<br />

6 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


GEWERBE<br />

VON DEN TAXIVERBÄNDEN VORGESCHLAGENE ZONEN FÜR FESTPREISFAHRTEN VOM FLUGHAFEN BER<br />

Bezeichnung<br />

Ungefähre Begrenzungen (von Norden aus im Uhrzeigersinn)<br />

Festpreis<br />

ab BER<br />

Messegelände Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Ringbahn, Spandauer S-Bahn, Jafféstr., Heerstr. 69,00 €<br />

Zoo<br />

Straße des 17. Juni, Hofjägerallee, Tiergartenstr., Genthiner Str., Kleiststr., Lietzenburger Str.,<br />

Schlüterstr.<br />

65,00 €<br />

Olympiastadion Hempelsteig, Bahntrasse, S-Bahn-Trasse, Waldstück westlich der Waldbühne 74,00 €<br />

Regierungsviertel<br />

mit Hauptbahnhof<br />

Chausseestr., Friedrichstr., Spree, Alt-Moabit, Invalidenstr., <strong>Berlin</strong>-Spandauer Schifffahrtskanal,<br />

Panke<br />

64,00 €<br />

Unter den Linden Spree, Unter den Linden, Scheidemannstr., Kanzleramt 62,00 €<br />

Potsdamer Platz<br />

Behrenstr., Spree, Mühlendamm, Fischerinsel, Wallstr., Axel-Springer-Str., Rudi-Dutschke-<br />

Str., Schöneberger Str., Reichpietschufer, Hiroshimastr., Tiergartenstr., Ebertstr.<br />

61,00 €<br />

Alexanderplatz Weinmeisterstr., Münzstr., Alexanderstr., Spree, Burgstr., Hackescher Markt, Rosenthaler Str. 61,00 €<br />

Kollwitzplatz<br />

Bernauer Str., Danziger Str., Kniprodestr., Am Friedrichshain, Otto-Braun-Str., Alexanderstr.,<br />

Münzstr., Weinmeisterstr., Rosenthaler Str., Brunnenstr.<br />

63,00 €<br />

Warschauer Straße Karl-Marx-Allee, Frankfurter Allee, Gürtelstr., Ringbahn, Spree, Andreasstr. 55,00 €<br />

Urban Tech Rebublic Flughafenzaun, A 111 79,00 €<br />

WISTA Adlershof Bahntrasse am Adlergestell, Ernst-Ruska-Ufer, Hermann-Dorner-Allee, Igo-Etrich-Str. 33,00 €<br />

Kriterien für jede Zone waren unter anderem,<br />

dass die Begrenzungen einer möglichst<br />

klaren Linie folgen und nicht zu schwer zu<br />

erfassen sein sollten, dass die Entfernung<br />

zum Flughafen innerhalb der Zone nicht<br />

zu sehr schwanken sollte und dass möglichst<br />

viele Hotels von den Festpreisen profitieren<br />

sollten. In die Anlage kamen so elf<br />

Vorschläge für Zonen (siehe Tabelle), von<br />

denen einige klar auf die Zukunft ausgerichtet<br />

sind, etwa eine Zone „WISTA Adlershof“<br />

und eine Zone „Urban Tech Republic“, die<br />

den künftigen Technologiestandort auf dem<br />

Gelände des früheren Flughafens Tegel<br />

umfasst. Die „Kernzonen“ sind aber neben<br />

dem Messegelände vor allem innerstädtische<br />

Gebiete etwa um den Alexanderplatz,<br />

den Potsdamer Platz und die Zoogegend.<br />

Der Vollständigkeit halber waren auch<br />

Preisvorschläge Teil der nachgereichten<br />

Anlage zum Tarifentwurf. Dabei wurde für<br />

jede Zone der Mittelwert aus dem am weitesten<br />

und dem am nächsten zum Flughafen<br />

gelegenen Punkt gebildet, der Fahrpreis<br />

nach dem heute gültigen Tarif berechnet,<br />

dem resultierenden Betrag zwölf Prozent<br />

aufgeschlagen und schließlich der künftige<br />

Zuschlag von 1,50 Euro addiert.<br />

Die Verbandsvertreter erwarten nicht,<br />

dass die SenUVK gleich dem kompletten<br />

Antrag zustimmt. Laut Leszek Nadolski, dem<br />

Ersten Vorsitzenden der „Innung“, wünscht<br />

man sich in erster Linie eine Erhöhung der<br />

Fahrpreise, um die wirtschaftliche Not des<br />

Gewerbes zu entschärfen, und um die Festpreiszonen<br />

überhaupt zu etablieren. „Wenn<br />

der Senat fünf oder sechs der vorgeschlagenen<br />

Zonen übernimmt, sind wir schon sehr<br />

froh über den guten Anfang. Langfristig<br />

werden zehn oder elf Zonen nicht alles sein.<br />

Das utopische Ziel ist, für fast alle <strong>Taxi</strong>fahrten<br />

Festpreise anzubieten, um eine perfekte<br />

Preistransparenz zu erzielen.“<br />

Um noch weiter in die Zukunft zu<br />

denken, haben die Verbände bereits die<br />

übernächste Tarifanpassung mit entworfen.<br />

Mit Anhebung des Mindestlohns auf<br />

zwölf Euro werde dies zwangsläufig erforderlich<br />

werden, so ein Vorstandsmitglied<br />

des <strong>Taxi</strong>verbandes <strong>Berlin</strong>/Brandenburg.<br />

Die ersten drei Kilometer sollen dann<br />

jeweils 3,50 Euro kosten, der vierte bis<br />

sechste jeweils 2,85 Euro und alle Kilometer<br />

ab dem siebten jeweils 2,10 Euro.<br />

Dieser für später angedachte Tarif<br />

wurde aber im letzten Moment aus<br />

dem Antrag an den Senat entfernt. Man<br />

müsse den übernächsten Schritt nicht<br />

schon jetzt vorwegnehmen. Man wolle<br />

sich zunächst darauf konzentrieren, die<br />

Einführung der ersten Festpreiszonen<br />

gemeinsam mit dem Senat sorgfältig und<br />

sinnvoll umzusetzen. <br />

ar<br />

UNTERSCHIEDLICHE TARIFE<br />

<strong>Berlin</strong> und der LDS haben <strong>Taxi</strong>tarife, die<br />

zwar für kurze und mittlere Strecken<br />

keine großen Preisunterschiede ergeben,<br />

von der Struktur her aber kaum<br />

unterschiedlicher sein könnten. Der<br />

LDS-Tarif ist auf eine ländliche Region<br />

mit großen Entfernungen und längeren<br />

FOTO: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

Rückfahrten ausgelegt, der <strong>Berlin</strong>er<br />

Tarif auf Großstadtverkehr. Den Grundpreis<br />

und den Zuschlag ab fünf Personen<br />

haben beide Tarife gemeinsam.<br />

Die Preise für Anfahrt, Besetztkilometer,<br />

Wartezeit und Gepäckzuschläge<br />

sind aber unterschiedlich. <strong>Berlin</strong> hat<br />

gegenwärtig noch keinen Flughafenzuschlag<br />

für den BER, dafür einen<br />

Kurzstreckentarif. Der LDS hat werktags<br />

von 6 bis 22 Uhr einen niedrigeren<br />

Tarif als nachts und am Wochenende.<br />

Die Degression erfolgt in <strong>Berlin</strong> nach<br />

dem siebten Kilometer, im LDS bereits<br />

nach dem dritten. In der LDS-Tarifverordnung<br />

findet sich die unpraktikable<br />

Formulierung „Gepäckstück, das nicht<br />

in einen Limousinenkofferraum passt“,<br />

in <strong>Berlin</strong> wurde der Zuschlag für sperrige<br />

Gepäckstücke, den viele Fahrer gar<br />

nicht genau kannten, mit der letzten<br />

Tarifänderung abgeschafft – außer für<br />

„Gegenstände, die ein Großraumtaxi<br />

erfordern“.<br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

7


DAS TAXI<br />

HAT SEINEN PLATZ<br />

IM KOALITIONSVERTRAG<br />

Zukunftsmodell „Jelbi“<br />

Im 150-Seiten-Papier, das die Koalitionäre für <strong>Berlin</strong> vorgelegt haben,<br />

kommt elfmal das <strong>Taxi</strong> als Wort oder Wortteil vor, unter anderem bei<br />

Inklusionsförderung, E-Mobilität, Halteplätzen und beim Flughafen.<br />

Das „<strong>Taxi</strong>wesen“ wird als wichtiger<br />

ÖPNV-Bestandteil bezeichnet. Im<br />

Abschnitt „Mobilität“ ist ein kompletter<br />

Absatz dem <strong>Taxi</strong>verkehr gewidmet.<br />

Darin findet sich die Aussage: „Die<br />

Koalition wird sich in Verhandlungen mit<br />

dem Landkreis Dahme-Spreewald für ein<br />

Laderecht aller <strong>Berlin</strong>er Taxen am Flughafen<br />

BER einsetzen“, was im letzten Jahr<br />

allerdings auch schon geschah.<br />

Die Abkehr vom Verbrennungsmotor will<br />

die Koalition gezielt auch im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

vorantreiben, nicht nur durch eine Fortsetzung<br />

der Förderung. Auch das Laden soll<br />

eines Tages während des Wartens<br />

am Halteplatz möglich sein: „Die<br />

Nutzung im Betrieb CO2-freier<br />

Fahrzeuge wird durch Vorgaben,<br />

Förderung und Ausbau der Ladeinfrastruktur<br />

an Halteplätzen<br />

unterstützt.“<br />

Für den Erhalt der Halteplätze<br />

haben sich die Landesverbände<br />

immer wieder eingesetzt. Dieses<br />

Engagement wird in dem Papier gewürdigt:<br />

„Mit den Bezirken wird ein Moratorium vereinbart,<br />

nach dem bis zur Vorgabe gemeinsam<br />

entwickelter qualitativer Kriterien zur<br />

Bereitstellung von <strong>Taxi</strong>-Halteplätzen keine<br />

weiteren Halteplätze wegfallen. Eine Ausnahme<br />

gilt für Maßnahmen zur Umsetzung<br />

des Mobilitätsgesetzes. Bei der Änderung<br />

oder Reduzierung von Halteplätzen soll das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe einbezogen werden.“<br />

Ein Missstand, mit dem man in der<br />

neuen Legislaturperiode offenbar aufräumen<br />

möchte, sind die mangelnden Aktivitäten<br />

der Kontrollbehörde: „Die Koalition<br />

will das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten<br />

(LABO) stärken und<br />

seine Organisationsstrukturen bis Mitte<br />

des Jahres 2023 im Rahmen eines Organisationsgutachtens<br />

überprüfen.“ Die Stärkung<br />

hat bereits beim Personal begonnen<br />

(siehe Seite 10).<br />

Die Formulierung<br />

„sinnvoll gesteuert“<br />

ist im Sinne<br />

eines fairen Wettbewerbs<br />

höchst bedeutend.<br />

Zudem will der künftige Senat ausgiebig<br />

von den neuen Möglichkeiten der PBefG-<br />

Novelle Gebrauch machen: „Die Koalition<br />

wird den Gestaltungsspielraum der Kommunen<br />

[...] zum Schutz der Beschäftigten<br />

ausschöpfen und klare Regelungen für alle<br />

Verkehrsformen und Geschäftsmodelle im<br />

öffentlichen Verkehr vorgeben. Für Mietwagen-,<br />

gebündelte Bedarfsverkehre und<br />

<strong>Taxi</strong>verkehre wird die Koalition bis Mitte<br />

des Jahres 2022 Vorgaben unter anderem<br />

zu Sozialstandards, Mindest- und Höchstpreisen,<br />

Festpreisen und Anteil barrierefreier<br />

Fahrzeuge, Poolingquoten bei<br />

Bedarfsverkehren sowie räumlichen und<br />

zeitlichen Beschränkungen auf Gebiete mit<br />

unzureichendem ÖPNV machen. Dazu wird<br />

eine Arbeitsgruppe aus Senatsverwaltung,<br />

Koalitionsfraktionen und Verbänden eingerichtet.<br />

Das Förderprogramm Inklusionstaxen<br />

wird fortgeführt und überarbeitet.“<br />

Den Regelungsbedarf hat der künftige<br />

Senat also auf dem Schirm. Doch<br />

wird er ein ausgewogenes Regelwerk<br />

zustande bringen, das nicht nur<br />

Lohndumping bei Fahrern, sondern<br />

auch Preisdumping bei den Anbietern<br />

abschafft? Nachdem die Forderung<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes nach Mindestpreisen<br />

für Mietwagen nicht im PBefG<br />

festgesetzt wurde, sondern lediglich<br />

den Ländern und Kommunen ermöglicht,<br />

sind die Gewerbeverbände weiterhin als<br />

Berater gefragt. Was die Festpreise für das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe betrifft, so ist der erste Schritt<br />

bereits in die Wege geleitet: Das LABO hat<br />

kürzlich Festpreise vom Flughafen zum<br />

Alexanderplatz und zum Messegelände<br />

FOTOS: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

8 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


GEWERBE<br />

NEUE RESSORTS<br />

UND NEUE NAMEN<br />

Künftig sollen keine <strong>Taxi</strong>halteplätze mehr wegfallen. Dann ist auch niemand mehr gezwungen,<br />

sich unerlaubt bereitzuhalten (Beispiel Ostkreuz).<br />

vorgeschlagen, worauf die <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>verbände<br />

mit einem sehr viel weitergehenden<br />

Konzept für Festpreiszonen reagiert haben<br />

(siehe Seite 5).<br />

Die neuen Möglichkeiten der Datenauswertung<br />

will man ausgiebig nutzen: „Die<br />

Koalition schafft die Voraussetzungen, dass<br />

alle Anbieter*innen von Mobilitätsdienstleistungen<br />

an eine digitale, öffentliche<br />

Plattform angebunden werden und anonymisiert<br />

planungs-, buchungs- und auslastungsrelevante<br />

Daten einspeisen müssen.<br />

BINDET DER SENAT DAS TAXI IN<br />

ON-DEMAND-DIENSTE EIN?<br />

Angestrebt wird, dass Standards hinsichtlich<br />

der räumlichen und zeitlichen<br />

Abdeckung, der Beschäftigtenrechte, der<br />

Barrierefreiheit, Einrichtungen zur Erhöhung<br />

der Verkehrssicherheit und klimaschonender<br />

Antriebe verankert werden.<br />

Jelbi wird mit dem Ziel, ein durchgehendes<br />

Ticketing anzubieten, weiterentwickelt,<br />

die Mobilitätshubs sollen weiter ausgebaut<br />

werden.“ Keine Frage: Das, was datenhungrige<br />

Konzerne oft übertreiben, tun öffentliche<br />

Verwaltungen bisher viel zu wenig.<br />

Wer das Kundenverhalten nicht auswertet,<br />

kann auch kein bedarfsgerechtes Angebot<br />

entwickeln. Hier hat <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> durch die<br />

Jelbi-Kooperation mit der BVG bereits eine<br />

wichtige Weiche gestellt.<br />

Ein letztes Mal im Vertragstext taucht<br />

das <strong>Taxi</strong> bei der Elektromobilität auf: „Die<br />

Umstellung des Wirtschafts- und <strong>Taxi</strong>verkehrs<br />

auf elektrische Antriebe wird weiter<br />

gefördert.“<br />

Ein Satz, der auf die Vorbereitung von<br />

On-Demand-Diensten hindeutet, lautet:<br />

„Eine Haltestelle mit attraktiver Taktung<br />

soll zukünftig nicht weiter als 400 Meter<br />

vom Wohnort entfernt sein.“ Wollte man<br />

diese Vorgabe für sämtliche Wohnadressen<br />

<strong>Berlin</strong>s umsetzen, so wären wohl nicht nur<br />

etliche neue Buslinien bzw. Verzweigungen<br />

des bestehenden Netzes nötig. Bei der<br />

Erschließung von Randgebieten kommen<br />

auch kleinere Fahrzeuge ins Spiel. Dazu<br />

heißt es im Vertrag: „In untererschlossenen<br />

Gebieten mit derzeit schwacher Nachfrage<br />

will die Koalition Kleinbusverkehre und<br />

Rufbusse ohne taxiähnliche Verkehrsleistung<br />

zur Anbindung an das ÖPNV-Netz<br />

ausbauen.“<br />

Ein Absatz wenige Seiten weiter dürfte<br />

dann spätestens die Alarmglocken im<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe klingeln lassen: „Sharing-<br />

Angebote können – sinnvoll gesteuert – ein<br />

wichtiger Baustein für die Verkehrswende<br />

sein. Die Koalition wird eine Regulierung<br />

der Sharing-Angebote im Sinne der Verkehrswende<br />

einschließlich qualitativer<br />

Die <strong>Berlin</strong>er Senatsressorts werden<br />

zum Teil neu zugeschnitten. Die<br />

Grünen behalten das Ressort, das<br />

Regine Günther demnächst abgibt,<br />

das um den Bereich Verbraucherschutz<br />

erweitert wird. Am Köllnischen<br />

Park befindet sich dann<br />

voraussichtlich die Senatsverwaltung<br />

für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz<br />

und Verbraucherschutz.<br />

Senatorin wird Bettina Jarasch<br />

(siehe Seite 17).<br />

Von der Linken bekommt die SPD<br />

das Ressort für Stadtentwicklung<br />

zurück, das sie bereits von 1996<br />

bis 2016 innehatte. Als Senator im<br />

Gespräch ist der Stadtplaner und<br />

zeitweise Flughafen-Chef Engelbert<br />

Lütke-Daldrup.<br />

Von den Grünen übernimmt die<br />

SPD die Senatsverwaltung für Wirtschaft,<br />

Energie und Betriebe in der<br />

Martin-Luther-Straße, bis jetzt von<br />

Ramona Pop geleitet.<br />

Als Sensation gilt die Übernahme<br />

des Finanzressorts unter Matthias<br />

Kollatz (SPD) in der Klosterstraße<br />

durch die Grünen.<br />

Die Linke behält die Senatsverwaltung<br />

für Integration, Arbeit<br />

und Soziales, deren Senatorin Elke<br />

Breitenbach voraussichtlich von<br />

Katja Kipping abgelöst wird. Die<br />

SPD behält das Innenressort unter<br />

Andreas Geisel. ar<br />

Standards umsetzen und Sharing-Angebote<br />

konzessionieren. Durch diese soll eine<br />

Ausweitung des Angebots auch außerhalb<br />

des S-Bahn- Rings realisiert werden. Die<br />

Koalition wird zusammen mit den Bezirken<br />

anbieterneutrale Stellplätze auf Parkplätzen<br />

und Fahrbahnen ausweisen, die von<br />

den Nutzern der Sharing-Angebote zu verwenden<br />

sind.“ Wird der Senat hier seinen<br />

Fehler, eine neu aus dem Boden gestampfte<br />

Flotte („Berlkönig“) statt des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

einzusetzen, korrigieren, oder wird das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe weiterhin staatlich finanziert<br />

kannibalisiert werden?<br />

Die Formulierung „sinnvoll gesteuert“ ist<br />

daher im Sinne eines fairen Wettbewerbs<br />

höchst wichtig. Sicherlich lauern Uber, Bolt,<br />

Free Now & Co. bereits auf Möglichkeiten,<br />

auch <strong>Taxi</strong>halteplatz-ähnliche Stellflächen<br />

für ihre Partner einzurichten. Ob man sich<br />

in der Senatsverwaltung dieser Gefahr<br />

bewusst ist? <br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

9


GEWERBE<br />

In das Gebäude der Führerscheinbehörde hatten Mitarbeiter des LABO die <strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Redaktion zum Gespräch eingeladen.<br />

Fotos von Personen wurden auf Wunsch der Mitarbeiter nicht gemacht.<br />

DIE TUN ENDLICH WAS<br />

Wegstreckenzähler, Betriebsprüfung nach sechs Monaten, geplante<br />

Personalaufstockung: Im Gespräch mit der <strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Redaktion<br />

haben Mitarbeiter des LABO über ihre Aktivitäten berichtet.<br />

Die berüchtigten 20-Monats-GmbHs<br />

haben es im Mietwagengewerbe in<br />

<strong>Berlin</strong> nicht mehr leicht. Das liegt<br />

aber erst in zweiter Linie daran, dass die<br />

Unternehmer keine Ausnahmegenehmigungen<br />

mehr hinterhergeworfen bekommen.<br />

Die Wegstreckenzähler liefern gar<br />

keine sonderlich relevanten Daten. Vielmehr<br />

habe man sich seit Anfang <strong>2021</strong> beim<br />

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten<br />

(LABO) vorgenommen,<br />

jeden Betrieb bereits nach sechs Monaten<br />

zu prüfen.<br />

In wie viel Prozent der Fälle ist das bis<br />

jetzt gelungen? „In allen, und ich hoffe, das<br />

können wir weiterhin leisten“, antwortet<br />

in nüchternem Ton Günter Schwarz, der<br />

an einem Vormittag Anfang November am<br />

Besprechungstisch zwischen Ulrike Frey<br />

und Alexandra Bittner sitzt. Schwarz ist<br />

seit einem Jahr Gruppenleiter für Personenbeförderung<br />

beim LABO. Die Statistik<br />

zeigt, dass Schwarz’ Strategie Erfolg hat:<br />

Exakt seit Januar <strong>2021</strong> ist die Zahl der<br />

Mietwagenkonzessionen in <strong>Berlin</strong> nicht<br />

mehr am Explodieren, sondern stagniert.<br />

Es sind keine 5.000 geworden, wie viele<br />

vorausgesagt hatten. Ende Oktober waren<br />

es 4.323, ein Vierteljahr zuvor noch 4.645.<br />

Dass Schwarz im Sommer – gemeinsam<br />

mit Verkehrssenatorin Regine Günther<br />

– eine Strafanzeige erhalten hat, weiß er<br />

bisher nur von einem der fünf Unternehmer,<br />

die ihn angezeigt haben, und aus dem<br />

Interview in der letzten <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> <strong>Berlin</strong>.<br />

Von einer Strafverfolgungsbehörde hat das<br />

LABO diesbezüglich keinerlei Nachricht<br />

erhalten – ein Hinweis darauf, dass bislang<br />

kein Ermittlungsverfahren<br />

eröffnet worden<br />

ist.<br />

Gastgeberin der<br />

Unterredung war<br />

Ulrike Frey, die über<br />

die Strafanzeige und<br />

das Interview stärker<br />

aufgebracht wirkte als<br />

Schwarz selbst, ist sie<br />

doch als Abteilungsleiterin<br />

auch für den<br />

Ruf der Abteilung III<br />

verantwortlich. Frey<br />

erklärt, dass einiges an<br />

negativem Gerede über<br />

das LABO daher rühre, dass viele Dinge<br />

nicht so ablaufen, wie mancher Antragsteller<br />

es sich vorstelle. Da würden auch Erklärungen<br />

über die Abläufe bei einer Behörde<br />

nicht verstanden, und dann einfach negative<br />

Urteile gefällt – und womöglich gleich<br />

über alle möglichen Kanäle verbreitet, auf<br />

denen sich selten jemand die Mühe mache,<br />

etwas zu hinterfragen.<br />

Nichts gegen schwarze Schafe zu tun,<br />

den Schuh wollen alle drei sich nicht<br />

Die Mietwagen haben die Taxen in <strong>Berlin</strong> zahlenmäßig nicht wie<br />

befürchtet überholt.<br />

FOTOS: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

10 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


GEWERBE<br />

anziehen, auch nicht Alexandra Bittner<br />

die zuständige Referatsleiterin für diesen<br />

Bereich. Mit der verfügbaren Personaldecke<br />

arbeite man sehr effektiv. Mit 2.000<br />

Fotos, auf denen lediglich in zweiter Reihe<br />

haltende Mietwagen zu sehen seien,<br />

die aber keinerlei Beweiskraft hätten,<br />

sei beim besten Willen nichts<br />

gegen unseriöse Mietwagenbetriebe<br />

auszurichten. Das binde nur<br />

unnötig Arbeitszeit in der Puttkamerstraße.<br />

Das LABO könne zwar<br />

Ordnungswidrigkeiten ahnden,<br />

aber keine Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.<br />

Dafür sei die<br />

Polizei zuständig, nicht die Genehmigungsbehörde.<br />

Diese könne stattdessen<br />

Betriebsprüfungen vornehmen<br />

und sich Geschäftsunterlagen<br />

vorlegen lassen. Auch dies ergebe<br />

schon gelegentlich einen Grund für<br />

Sanktionen.<br />

Hätte das LABO bestimmte Missstände<br />

nicht schon vor zwei, drei<br />

Jahren angehen können? Schwarz, der<br />

bis vor einem Jahr einen anderen Fachbereich<br />

hatte, lehnt es ab, die Arbeit seiner<br />

Vorgänger zu beurteilen. Ebenso wenig<br />

will er sich zur Praxis der Hamburger<br />

Im Juni 2019 berichtete <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> über die „Wildwest"-<br />

Methoden von Uber & Co. und die Untätigkeit der Behörden,<br />

doch inzwischen tut sich etwas.<br />

Genehmigungsbehörde äußern, zu der<br />

ein kollegiales Verhältnis gepflegt werde.<br />

Auf konkrete Nachfrage erklärt Schwarz,<br />

dass Hamburg und <strong>Berlin</strong> unterschiedliche<br />

Städte mit teils sehr verschiedenen Voraussetzungen<br />

und Zuständigkeiten seien,<br />

und dass es daher keine Behördenwillkür<br />

sei, wenn ein Unternehmer in Hamburg<br />

mit seinen 100 Mietwagen abgelehnt<br />

werde, diese dann aber in <strong>Berlin</strong> auf die<br />

Straße brächte. Man könne nicht bei jedem<br />

<strong>Taxi</strong>- oder Mietwagenunternehmer prognostizieren,<br />

ob dieser mit einer gewissen<br />

Wahrscheinlichkeit künftig Rechtsbrüche<br />

begehen werde.<br />

Das LABO ist zuversichtlich,<br />

durch das Installieren eines<br />

zusätzlichen Sachgebietes mehr<br />

Kontrollen als bisher durchführen<br />

zu können und auch häufiger<br />

Leute in die Betriebe schicken zu<br />

können, um „Dinge in Ordnung<br />

zu bringen, die bisher unter<br />

dem Radar laufen“. Mit diesem<br />

Wunsch nach mehr Personal<br />

rennt er beim <strong>Taxi</strong>gewerbe offene<br />

Türen ein, allerdings seien die<br />

erforderlichen Mittel hierfür noch<br />

nicht gesichert. Doch auch hier<br />

besteht für das LABO noch etwas<br />

Hoffnung. Zwar habe der Senat<br />

den Doppelhaushalt 2022/2023<br />

lange verabschiedet, doch mit<br />

der Bildung eines neuen Senats<br />

mit einer neuen Person auf dem Posten<br />

von Regine Günther ließen sich vielleicht<br />

einige Karten nochmal neu mischen. Man<br />

müsse dann im richtigen Moment den Fuß<br />

in die Tür bekommen.<br />

ar<br />

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TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

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11


WETTBEWERB<br />

TÖDLICHER KONKURRENZKAMPF<br />

AUF DEM RÜCKEN DER FAHRER<br />

Ende Oktober hatten zwei Mietwagenfahrer selbst verschuldete<br />

Kollisionen mit Straßenbahnen. Es ist offenbar kein Zufall, dass beide<br />

Unfälle sich spät nachts, am Ende langer Schichten, ereigneten.<br />

Die beiden Kollisionen haben einige<br />

Parallelen: Im Abstand von 24<br />

Stunden hatten zwei Toyota Prius<br />

Plus, die typischen Mietwagen, deren Besitzer<br />

für Plattformen wie Uber, Free Now<br />

und Bolt arbeiten, jeweils eine Kollision<br />

mit einem Straßenbahnzug. Verschuldet<br />

wurden sie jeweils vom Mietwagenfahrer,<br />

wie aus zahlreichen Medienberichten<br />

hervorgeht.<br />

Beim ersten, sehr viel schwereren Unfall<br />

war ein Fahrer mit drei jungen Fahrgästen<br />

in Alt-Hohenschönhausen auf der Landsberger<br />

Allee stadteinwärts unterwegs.<br />

Neben der nördlichen Fahrbahn verläuft<br />

hier parallel eine Straßenbahntrasse der<br />

Linien M6 und 16. Als er gegen 0:30 Uhr<br />

nach rechts in die Liebenwalder Straße<br />

abbog, missachtete er laut Zeugenaussagen<br />

das rote Lichtsignal der Abbiegeampel. So<br />

kam es zur Kollision mit einem stadtauswärts<br />

fahrenden, also entgegenkommenden<br />

Straßenbahnzug.<br />

Der Pkw wurde so schwer beschädigt,<br />

dass die Feuerwehr Mühe hatte, die vier<br />

Personen aus dem Fahrzeug zu schneiden.<br />

Der Mietwagenfahrer starb noch am<br />

Unfallort, der 25-jährige Fahrgast erlag<br />

nach anfänglicher Reanimation später<br />

im Krankenhaus seinen Verletzungen,<br />

die anderen beiden Fahrgäste überlebten<br />

schwerverletzt. Der Straßenbahnzug, der<br />

den Toyota auf dessen Fahrerseite erfasste<br />

und mitschleifte, entgleiste.<br />

Der Straßenbahnfahrer erlitt einen<br />

Schock, die Fahrgäste kamen mit dem<br />

Schrecken davon. Während die Verletzten<br />

Mietwagen-Fahrgäste von Ersthelfern<br />

versorgt wurden, machten Gaffer Fotos<br />

und Videos mit dem toten Fahrer und den<br />

Schwerverletzten und standen den Rettungskräften<br />

im Weg.<br />

NUR EINEN TAG SPÄTER<br />

DER NÄCHSTE UNFALL<br />

Sehr viel glimpflicher ging 24 Stunden<br />

später der Zusammenstoß in Moabit ab, bei<br />

dem ein 52-jähriger Mietwagenfahrer in<br />

der Clara-Jaschke-Straße die Vorfahrt der<br />

von rechts kommenden Straßenbahn missachtete.<br />

Beim Zusammenstoß wurde der<br />

Fahrer leicht verletzt und beide Fahrzeuge<br />

erheblich beschädigt.<br />

Die beiden Unfälle haben Parallelen. Ein<br />

Fahrer war gerade für Uber unterwegs, der<br />

andere für Bolt, aber das ist unerheblich.<br />

Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die<br />

Fahrer mit Billig-Mietwagen unterwegs<br />

waren, mit denen sie in <strong>Berlin</strong> und vielen<br />

weiteren Großstädten zu Tausenden taxiähnlichen<br />

Verkehr durchführen.<br />

Die Werbestrategen von Uber bezeichnen<br />

ihre Fahrer als „professionell“. Es stellt sich<br />

aber die Frage, ob Fahrer, die für Uber, Free<br />

Now und Bolt unterwegs sind, tatsächlich<br />

dauerhaft so professionell agieren können,<br />

wie man es von jedem Autofahrer, von<br />

gewerblichen Fahrern noch etwas mehr,<br />

erwarten darf. Uhrzeit und Ablauf beider<br />

Unfälle lassen es denkbar erscheinen, dass<br />

die Fahrer ihre Aufmerksamkeitsspanne<br />

lange überschritten hatten – und zudem<br />

unter enormem Stress standen.<br />

Ein Kommentator der entsprechenden<br />

<strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Onlinemeldung mutmaßt, die<br />

Fahrer mit Aufträgen für Uber, Free Now<br />

und Bolt müssten aufgrund ihrer fehlenden<br />

Ortskunde ständig auf ihre Navigationsgeräte<br />

blicken. „Wir alle kennen ja ihre plötzlichen<br />

Spurwechsel über 2 Fahrbahnen“<br />

– da entgehe ein rotes Ampellicht zwischen<br />

vielen grünen schon mal der eingeschränkten<br />

Aufmerksamkeit.<br />

Manche jungen Fahrer mögen die Tätigkeit<br />

für Uber & Co. ausprobieren – des Spaßes<br />

und des vermeintlich schnellen Geldes<br />

wegen. Die beiden Unfallverursacher aber<br />

waren zwischen Mitte 40 und Mitte 50, was<br />

eher eine prekäre Berufsausübung nahelegt<br />

und die Frage nach der Einhaltung<br />

der Lenkzeiten aufwirft. Den Vorwurf der<br />

Umgehung bestehender Rechtsvorschriften<br />

weisen die Plattformvermittler strikt von<br />

FOTO: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

12 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


WETTBEWERB<br />

sich. Sie erklären in diesen Fällen stets,<br />

dass sie ihre angeschlossenen Partner vertraglich<br />

zur Einhaltung sämtlicher Rechtsvorschriften<br />

verpflichten, und dass sie im<br />

Falle eines Verstoßes auch vertragsrechtliche<br />

Konsequenzen ziehen würden – bis<br />

hin zum Ausschluss von der Vermittlung.<br />

Dies steht allerdings im Widerspruch<br />

zum Geschäftsmodell dieser app-basierten<br />

Fahrtenvermittler: Ein Mietwagenanbieter,<br />

der von Uber, Free Now und Bolt vermittelte<br />

Fahrten durchführt, macht bei Einhaltung<br />

der wichtigsten rechtlichen Vorschriften<br />

keinen Gewinn und wäre in kürzester<br />

Zeit pleite. Ohne Mietwagenpartner lassen<br />

sich allerdings keine Fahrten vermitteln.<br />

Ohne Fahrtenvermittlung kann man keine<br />

Kunden bedienen und auch keine Vermittlungsprovisionen<br />

vom Mietwagenpartner<br />

kassieren. Ohne Kunden und ohne Einnahmen<br />

könnten die Plattformen wiederum die<br />

Renditeerwartungen der milliardenschweren<br />

Kapitalgeber nicht erfüllen.<br />

Das System von Uber, Free Now, Bolt &<br />

Co. funktioniert folglich nur, wenn eine<br />

große Masse an Fahrten vermittelt wird.<br />

Das wiederum ist nur möglich, wenn möglichst<br />

viele Mietwagen unterwegs sind.<br />

Wenn Uber & Co. also tatsächlich wie<br />

versprochen ihre Partner aufgrund ihrer<br />

Rechtsverstöße konsequent von der Vermittlung<br />

ausschließen würden, würden sie<br />

permanent an dem Ast sägen, auf dem sie<br />

selbst sitzen.<br />

Erschwerend kommt hinzu, dass innerhalb<br />

des Segments App-basierter Fahrtenvermittler<br />

der Konkurrenzkampf immer<br />

größer wird. Vor einigen Jahren wechselte<br />

mytaxi die Seiten und bietet über<br />

seine Mobilitäts-App „Free Now“ seitdem<br />

ebenfalls Mietwagenfahrten an, immer<br />

darauf bedacht, preislich attraktiver als der<br />

Wettbewerber zu sein. In <strong>Berlin</strong> und Wien<br />

mischt zudem Bolt mit und dreht ebenfalls<br />

an der Dumpingschraube.<br />

Für die Wettbewerber bedeutet das nicht<br />

nur einen Wettkampf um die Kunden,<br />

sondern auch ein Tauziehen um die meist<br />

schlecht bezahlten Mietwagenfahrer, die<br />

sich bei einer „monogamen“ Partnerschaft<br />

oft nur mit Schwarzarbeit und Aufstockung<br />

beim Arbeitsamt über Wasser halten können.<br />

Wer hingegen mit mehreren Apps<br />

arbeitet, hat mehr Auftragsoptionen, wenn<br />

auch weniger Pausen, und kann zudem<br />

seine Verstöße gegen die Rückkehrpflicht<br />

besser verschleiern.<br />

ZUCKERBROT BEI DEN EINEN,<br />

PEITSCHE BEI DEN ANDEREN<br />

Um die Fahrer eng an sich zu binden,<br />

schüchtern die Anbieter sie gerne auch<br />

mal ein. Kurz nach dem Markteintritt von<br />

Bolt kamen erste Gerüchte auf, dass Uber<br />

diejenigen Fahrer sperren würde, die sich<br />

auch bei Bolt angeschlossen hatten. Beide<br />

Firmen werden sich deswegen demnächst<br />

vor Gericht treffen.<br />

Während Uber also die Peitsche ausgepackt<br />

hat, versuchen es Bolt und Free Now<br />

mit dem Zuckerbrot: Sie haben Bonusprogramme<br />

aufgelegt, mit denen sie ihren<br />

Fahrern möglichst keine Zeit lassen wollen,<br />

auch Aufträge der Konkurrenz auszuführen:<br />

Wer innerhalb einer Woche 150<br />

Bolt-Aufträge ausführt, soll eine Prämie<br />

von 300 Euro erhalten. Bei Free Now wiederum<br />

bekommen Fahrer, die zwischen<br />

Freitagabend und Sonntagabend 60 Aufträge<br />

ausführen, angeblich 440 Euro Bonus<br />

– ein Anreiz, dem ein ansonsten schlecht<br />

bezahlter Fahrer sicherlich schwer widerstehen<br />

kann.<br />

Zwischen Freitagabend und Sonntagabend<br />

ist auch der Zeitraum, in dem sich<br />

die erwähnten Unfälle zugetragen haben.<br />

Ist das Zufall?<br />

Man kann versuchen, sich in einen Fahrer<br />

solcher Billig-Mietwagen hineinzuversetzen:<br />

Man hat die ganze Woche oder das<br />

ganze Wochenende Tag und Nacht fleißig<br />

Aufträge ausgeführt und kommt der Prämie<br />

mit jeder Fahrt näher. Doch mit dem<br />

Näherrücken der Deadline wächst auch der<br />

Druck, und der Fahrer muss überlegen, wie<br />

viel Risiko er eingeht: Wo ist es unwahrscheinlich,<br />

geblitzt zu werden, wie verkraftbar<br />

sind ein paar 30-Euro-Bußgelder<br />

wegen Geschwindigkeitsübertretungen im<br />

Vergleich zu 440 Euro Bonus? Wie groß ist<br />

die Wahrscheinlichkeit, für einen Rotlichtverstoß<br />

belangt zu werden, mit dem man<br />

höchstwahrscheinlich niemandem etwas<br />

antut, wenn man ihn nachts in menschenleeren<br />

Straßen begeht?<br />

Womöglich ist das junge, angeheiterte<br />

Partyvolk im Auto sogar begeistert und<br />

johlt angesichts der draufgängerischen<br />

Fahrweise, die der Fahrer nicht als Gefallen<br />

für seine Fahrgäste, sondern aus purer<br />

Bonusjagd an den Tag legt. Und irgendwann<br />

einmal übersieht man doch mal eine<br />

Gefahr – im schlimmsten Fall eine tödliche.<br />

Für die Kunden hat das verlockend günstige<br />

Mietwagenangebot also eine Kehrseite.<br />

Wer sich darauf einlässt, liegt nicht nur der<br />

Allgemeinheit auf der Tasche, sondern riskiert<br />

zudem hohe Sicherheitseinbußen. Den<br />

meisten Kunden dürfte das nicht ansatzweise<br />

bewusst sein.<br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

13


TAXI BERLIN<br />

In den letzten Jahren hat das <strong>Taxi</strong>gwerbe gezeigt, dass es gemeinsam deutlich auf sich<br />

aufmerksam machen kann und Unrecht nicht kampflos hinnimmt. So wurde bei der PBefG-<br />

Novelle Schlimmeres verhindert.<br />

Hermann Waldner, Geschäftsführer von <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Berlin</strong> und Vizepräsident des Bundesverbandes<br />

<strong>Taxi</strong> und Mietwagen e. V. (BVTM)<br />

FÜR DAS TAXIGEWERBE ZU<br />

KÄMPFEN, ZAHLT SICH AUS<br />

Hermann Waldner bezeichnet in einem persönlichen Statement<br />

Erfolge, die das <strong>Taxi</strong>gewerbe gegenüber der Politik und in der Corona-<br />

Krise errungen hat, als ermutigende Schritte, die zum Weiterkämpfen<br />

anspornen müssen.<br />

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,<br />

als der Milliardenkonzern Uber zum<br />

Angriff auf das <strong>Taxi</strong>gewerbe ansetzte,<br />

befürchteten viele, das sei das Todesurteil<br />

für ein mittelständisches Gewerbe,<br />

das weder über große Vermögensrücklagen<br />

verfügt noch über eine<br />

Lobby, geschweige denn<br />

über eine übergeordnete<br />

Entscheidungsinstanz.<br />

Unsere Branche ist eine<br />

Gemeinschaft aus Tausenden<br />

von Einzelkämpfern,<br />

kleinen und mittelgroßen<br />

Betrieben. Sein eigener Chef<br />

zu sein oder zumindest nicht mehrere Hierarchiestufen<br />

über sich zu haben, ist für<br />

viele in unserem Gewerbe ein entscheidendes<br />

Stück Lebensqualität.<br />

Als wir gegen Uber aufstehen mussten,<br />

stand das Gewerbe zusammen, und wir<br />

konnten zeigen, dass auch viele Einzelne<br />

gemeinsam etwas bewegen können, wenn<br />

sie an einem Strang ziehen. Viele im <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

sind Verbänden und Zentralen<br />

angeschlossen, und Zentralen und Verbände<br />

wiederum sind gemeinsam im Bundesverband<br />

sowie in Gemeinschaften wie<br />

taxi.eu oder <strong>Taxi</strong> Deutschland organisiert.<br />

«Es ist provinziell, dass am<br />

Flughafen oft die Fahrgäste<br />

schlangestehen, weil leere Taxen<br />

vorbeifahren müssen<br />

und nicht laden dürfen.»<br />

So kann das Gewerbe in wichtigen Dingen<br />

mit einer Stimme sprechen. Das tat es auf<br />

Bundesebene, als es galt, die Daseinsvorsorge<br />

gegen die Kahlschlagpolitik von Andreas<br />

Scheuer und anderen Uber-Freunden<br />

zu verteidigen. Das tut es häufig auch auf<br />

Landesebene, wenn es zum Beispiel in<br />

<strong>Berlin</strong> mit dem Senat über nötige Änderungen<br />

des <strong>Taxi</strong>tarifs berät.<br />

Auch bei der Flughafen-Problematik<br />

hätte das <strong>Berlin</strong>er Gewerbe sich von der<br />

Verkehrsverwaltung eine bessere Zusammenarbeit<br />

gewünscht, wurde aber mehr als<br />

einmal vor vollendete Tatsachen gestellt.<br />

Auf ein effektives Durchgreifen<br />

gegen illegal arbeitende<br />

Mietwagenfirmen<br />

durch Verkehrs-, Finanzund<br />

Innenverwaltung<br />

mussten wir viel zu lange<br />

warten. Es macht aber Hoffnung,<br />

dass seit diesem Jahr<br />

erste konkretere Maßnahmen<br />

im LABO Wirkung zeigen.<br />

Andere Dinge funktionieren dagegen<br />

von vornherein sehr erfreulich, wie etwa<br />

die Hunderttausenden von Impf-Fahrten<br />

in diesem Jahr, die für viele Unternehmer<br />

und Fahrer mindestens ein Strohhalm<br />

waren. Gerne hätten wir als <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

14 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


TAXI BERLIN<br />

nicht nur Impflinge, sondern auch medizinisches<br />

Personal gefahren, um zur Bewältigung<br />

der Corona-Krise beizutragen. Leider<br />

wird Corona derzeit schon wieder zum<br />

Problem, das andere Themen in den Hintergrund<br />

stellt. Doch auch diesmal werden<br />

wir deutlich darauf aufmerksam machen,<br />

dass wir bereit und in der Lage sind, einen<br />

kostbaren Beitrag zu leisten – wenn man<br />

uns nur lässt. Unsere Branche jedenfalls<br />

ist gewappnet.<br />

Wo man uns<br />

bekanntlich noch<br />

immer nicht lässt:<br />

Am Hauptstadtflughafen.<br />

Er sorgt<br />

schon wieder international<br />

für Negativschlagzeilen<br />

und ruiniert den<br />

Ruf <strong>Berlin</strong>s und<br />

der ganzen Region – aus mehreren Gründen,<br />

vor allem aber wegen der nicht funktionierenden<br />

Bedienung mit Taxen.<br />

Die Situation ist provinziell. Nahezu<br />

jeder hat begriffen, wie wichtig der Klimaschutz<br />

ist, nur am Flughafen <strong>Berlin</strong>/<br />

Brandenburg werden 95 Prozent der Taxen,<br />

die ausladen, leer zurückgeschickt, selbst,<br />

wenn die Kunden schlangestehen. Schwer<br />

vorstellbar, dass irgendjemand das für vernünftig<br />

hält.<br />

Mit 600 Taxen kann die Bedienung nicht<br />

funktionieren. Ich fordere weiterhin, dass<br />

mindestens 2.000 Taxen in Schönefeld<br />

ladeberechtigt werden, noch besser wären<br />

einfach alle aus <strong>Berlin</strong> und dem Landkreis<br />

Dahme-Spreewald, so wie es nun auch als<br />

Ziel im Koalitionsvertrag der künftigen<br />

<strong>Berlin</strong>er Landesregierung formuliert worden<br />

ist. Aber dazu müsste der LDS-Landrat<br />

seine Blockadehaltung aufgeben. Da eine<br />

Bereitschaft dazu bislang nicht zu erkennen<br />

ist, wäre ein Eingreifen des brandenburgischen<br />

Infrastrukturministers wünschenswert.<br />

Auch sollte ein gemeinsamer<br />

Tarif möglich sein. Die vom Senat und vom<br />

Landratsamt geplante gemeinsame Flughafen-Tarifstufe<br />

ist dafür ein guter Anfang.<br />

Der Weisheit letzter Schluss ist sie nicht.<br />

Das Gewerbe muss von Regine Günthers<br />

Nachfolger einfordern, wieder mit in Verhandlungen<br />

einbezogen zu werden. Die<br />

jüngsten Treffen zwischen dem LABO und<br />

den <strong>Berlin</strong>er Verbänden, bei denen über<br />

den künftigen <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>tarif gesprochen<br />

wird, sind ein guter Weg. Der Senat<br />

zeigt damit zudem, dass er die neuen<br />

Möglichkeiten, die das novellierte Personenbeförderungsgesetz<br />

(PBefG) bietet, als<br />

Herausforderung annimmt.<br />

Dieses Angebot muss das Gewerbe dafür<br />

nutzen, sich für Festpreise starkzumachen.<br />

Eine der wichtigsten Neuerungen<br />

«Wir brauchen für<br />

die Zukunft des<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes auch<br />

Festpreise.»<br />

im Personenbeförderungsrecht ist die Möglichkeit<br />

der Genehmigungsbehörden, Tarifkorridore<br />

festzusetzen. Ich halte es in <strong>Berlin</strong><br />

grundsätzlich für machbar, innerhalb<br />

eines solchen Tarifkorridors Festpreise<br />

für alle Fahrten von A nach B festzulegen.<br />

Auch Experten wie der Rechtsanwalt und<br />

Präsident des Bundesverbands <strong>Taxi</strong> und<br />

Mietwagen, Herwig Kollar, sehen das so.<br />

Warum sind Festpreise für das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

wünschenswert? Es gibt drei<br />

Gründe, die ganz<br />

stark dafür sprechen.<br />

Der erste ist<br />

denkbar einfach:<br />

Die Mehrheit der<br />

Fahrgäste wünscht<br />

sich Festpreise,<br />

laut Umfragen<br />

rund 70 Prozent.<br />

Damit hängt der<br />

zweite Grund zusammen: Unsere unseriöse<br />

Konkurrenz, die Mietwagenpartner von<br />

Uber, Bolt, Free Now usw., geben ihre Fahrpreise<br />

im Voraus an. Das ist aus Sicht der<br />

Fahrgäste ein Vorteil. Wer den Fahrpreis<br />

vorher weiß, hat keine böse Überraschung<br />

zu befürchten. Dieser Wettbewerbsnachteil<br />

des <strong>Taxi</strong>gewerbes kann mit Festpreisen<br />

abgeschafft werden.<br />

Das ist auch<br />

wichtig im Zusammenhang<br />

mit<br />

Grund Nummer<br />

drei: Wer auf dem<br />

Verkehrsmarkt der<br />

Zukunft bestehen<br />

will, muss sogenannte<br />

Reiseketten<br />

anbieten, also komplette Wege von A<br />

nach B mit mehreren Verkehrsmitteln, die<br />

exakt aufeinander abgestimmt sind, und<br />

für die ganze Reise wird ein Gesamtpreis<br />

berechnet: Beispiel: Ein Manager aus der<br />

Nähe von Wolfsburg reist von zu Hause zu<br />

einem Geschäftstermin nach Mailand. Dazu<br />

lässt er sich von einem <strong>Taxi</strong> zum Bahnhof<br />

fahren, fährt mit<br />

einem ICE nach<br />

<strong>Berlin</strong>, mit einem<br />

weiteren <strong>Taxi</strong> nach<br />

Schönefeld, fliegt<br />

zum Flughafen<br />

Mailand-Malpensa,<br />

fährt mit einem Zug<br />

50 Kilometer nach<br />

Mailand und nimmt<br />

von dort ein <strong>Taxi</strong><br />

zur Zieladresse.<br />

Weder er noch<br />

seine Firma sind<br />

bereit, sechs Verkehrsmittel<br />

vorab<br />

zu recherchieren,<br />

«Mindestpreise für<br />

Mietwagen sind ein<br />

Schritt in die richtige<br />

Richtung.»<br />

<strong>Taxi</strong>mangel am BER: schlecht für das Image<br />

<strong>Berlin</strong>s<br />

zu buchen und einzeln zu bezahlen. Sie<br />

suchen sich einen Reiseanbieter, der alles<br />

in einem anbietet.<br />

Dieser Reiseanbieter fragt nun bei <strong>Taxi</strong><br />

<strong>Berlin</strong> nach dem Fahrpreis vom <strong>Berlin</strong>er<br />

Hauptbahnhof<br />

zum Flughafen<br />

BER. So lange wir<br />

dem antworten<br />

müssen, dass der<br />

Fahrpreis leider<br />

erst am Ende der<br />

Fahrt auf dem<br />

Taxameter angezeigt<br />

wird und niemand berechtigt ist, diesen<br />

zu über- oder unterschreiten, werden<br />

nicht wir Teil seiner Reiseketten, sondern<br />

andere Anbieter, die ihm Festpreise nennen<br />

können. Wir brauchen also Festpreise, um<br />

für die Zukunft konkurrenzfähig zu sein.<br />

Die Ermöglichung von Tarifkorridoren im<br />

PBefG ist hierfür der Grundstein.<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

15


TAXI BERLIN<br />

Der Bundesverband <strong>Taxi</strong> und Mietwagen<br />

e. V. (BVTM) hatte im Vorfeld der PBefG-<br />

Novelle verbindliche Mindestpreise für<br />

Mietwagen gefordert. Das wären Sozialstandards<br />

gewesen, die nicht zuletzt einen<br />

gewissen Verbraucherschutz sichergestellt<br />

hätten.<br />

Das wurde leider auf Bundesebene nicht<br />

umgesetzt, aber dass auch die Kommunen<br />

aktiv werden können, sehen wir derzeit<br />

in Leipzig: Die Stadt hat vor Kurzem Mindestpreise<br />

für Mietwagen eingeführt. Das<br />

ist sinnvoll, weil Mietwagen häufig so billig<br />

fahren, dass es für die Konzerne ein<br />

Zuschussgeschäft ist. Der erhoffte Nutzen<br />

für Uber, Free Now & Co. besteht in der<br />

angestrebten Verdrängung des <strong>Taxi</strong>gewerbes,<br />

womit man ein Monopol erreichen<br />

möchte. Dann kann man beliebig an der<br />

Preisschraube drehen.<br />

Es ist bewiesen, dass individuelle Personenbeförderung<br />

zu Preisen deutlich<br />

unterhalb denen des <strong>Taxi</strong>gewerbes nicht<br />

wirtschaftlich sein kann, wenn man sich<br />

weitgehend an Recht und Gesetz hält und<br />

die Fahrer auskömmlich bezahlt. Leipzig<br />

hat also einen ersten Schritt in die richtige<br />

Richtung unternommen. Selbst, wenn der<br />

Schritt möglicherweise juristisch angefochten<br />

wird, so hat man doch ein wichtiges<br />

Zeichen gesetzt. Die Städte und Gemeinden<br />

müssen ähnliche Schritte rechtssicher<br />

umsetzen.<br />

Die Kommunen sowie das Land <strong>Berlin</strong><br />

«Wir beraten die<br />

Behörden gerne<br />

zur Anwendung des<br />

PBefG.»<br />

können und müssen also im Rahmen des<br />

neuen Beförderungsrechts einige Weichen<br />

stellen, und der Bundesverband <strong>Taxi</strong> und<br />

Mietwagen steht den Kommunen beratend<br />

zur Verfügung. Mit dem <strong>Berlin</strong>er Senat<br />

sind wir bereits intensiv in Gesprächen<br />

darüber. Die Genehmigungsbehörden und<br />

besonders das LABO in <strong>Berlin</strong> sind bemüht,<br />

rechtlich wasserdichte Regelungen einzuführen,<br />

die nicht angefochten werden.<br />

Sicherlich wird auch die Mietwagenlobby<br />

versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen,<br />

wie sie es bereits in dreister Weise<br />

getan hat. Es gibt aber Anzeichen, und auch<br />

der neue <strong>Berlin</strong>er Koalitionsvertrag deutet<br />

darauf hin, dass viele Entscheidungsträger<br />

sensibilisiert sind und sich nicht mehr so<br />

einfach etwas von den Lobbyisten erzählen<br />

lassen. Das mag nicht für alle gelten, und<br />

gerade mit der FDP an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums<br />

wird uns weiterhin<br />

viel Überzeugungsarbeit bevorstehen.<br />

Wir können als gesamtes <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

stolz sagen, dass unser Engagement<br />

viel Positives bewirkt und Schlimmes<br />

verhindert hat. Jetzt sind wir bereit für den<br />

nächsten Schritt. Wir stehen den Behörden<br />

mit Rat und Tat zur Seite bei der Gestaltung<br />

notwendiger Regelungen.<br />

Auch die wiederkehrende Corona-Problematik<br />

werden wir bewältigen. Heute<br />

wissen wir mehr als vor einem Jahr. Wir<br />

wissen, dass gegen Corona geimpfte Personen<br />

sich zwar weiterhin anstecken können,<br />

aber kaum einen schweren Krankheitsverlauf<br />

fürchten müssen. Die meisten<br />

werden es nicht einmal bemerken, wenn<br />

sie sich infiziert haben. Das birgt aber wiederum<br />

die Gefahr, das Virus unbemerkt<br />

weiter zu verbreiten, etwa an Fahrgäste.<br />

Daraus folgt, dass neben einer Vielzahl<br />

von Sicherheitsvorkehrungen wie Trennscheiben,<br />

häufigem Desinfizieren der<br />

Fahrzeuginnenräume und Schnelltests<br />

eine einfache Verhaltensweise im Kampf<br />

gegen Corona entscheidend ist: Das richtige<br />

Tragen einer Maske, die überall dicht<br />

abschließt. So schützt nicht nur jeder sich<br />

selbst und seine Mitmenschen, sondern<br />

leistet zugleich einen Beitrag im Kampf<br />

für das <strong>Taxi</strong>gewerbe, denn: Wenn wir alle<br />

mitmachen, kann das <strong>Taxi</strong>gewerbe weiterhin<br />

damit werben, eine gute und sichere<br />

Alternative zu Bus und Bahn zu sein.<br />

Dass Sie gesund bleiben, wünschen<br />

Ihnen<br />

Ihr Hermann Waldner und das gesamte<br />

Team aus der Persiusstraße<br />

TAXI BERLIN TZB GMBH<br />

RUFSÄULEN WERDEN DIGITAL<br />

Persiusstraße 7, 10245 <strong>Berlin</strong><br />

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20<br />

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19<br />

E-Mail: info@taxi-berlin.de<br />

www.taxi-berlin.de<br />

Das Kundencenter ist derzeit coronabedingt<br />

geschlossen. Verbrauchsmaterialien<br />

wie Quittungen etc. sind im<br />

Technikcenter Mo-Fr 8-16 Uhr und in<br />

der Außenstelle Ruhleben (Freiheit<br />

22, Mo-Fr 9-18 Uhr) erhältlich.<br />

Fahrer- und Unternehmerbetreuung:<br />

fub@taxi-berlin.de, Tel. 20 20 21-130<br />

Geschäftsführer: Hermann Waldner<br />

Presserechtlich verantwortlich für<br />

die Seiten 14-16: Hermann Waldner<br />

Redaktion: Axel Rühle (ar)<br />

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />

Demnächst werden die ersten <strong>Taxi</strong>rufsäulen<br />

„digital“. Das bedeutet:<br />

An Rufsäulen, die bereits digital<br />

umgestellt sind, muss nicht mehr ausgestiegen<br />

und ans Rufsäulen-Telefon gegangen<br />

werden, sondern die<br />

Aufträge werden an<br />

den zuerst am Halteplatz<br />

angemeldeten<br />

Rufsäulenteilnehmer<br />

direkt über<br />

das Vermittlungsgerät<br />

angezeigt.<br />

Das bringt dem<br />

Anrufer gleich drei<br />

Vorteile: Er muss<br />

kürzer warten, es<br />

geht immer jemand<br />

ans Telefon und er bekommt immer ein<br />

<strong>Taxi</strong>. In der Funkvermittlung wird zu diesem<br />

Zweck ein neues Fahrzeugmerkmal<br />

„Rufsäule“ eingeführt. Nur Aufträge, die<br />

sich nicht zeit- und ortsnah vermitteln<br />

lassen, gehen in die allgemeine Vermittlung.<br />

An den ersten Säulen hat die Telekom<br />

bereits mit der Umstellung begonnen.<br />

Zudem möchte <strong>Taxi</strong>-<strong>Berlin</strong>-Geschäftsführer<br />

Hermann<br />

Waldner die Säulen<br />

gerne als E-<strong>Taxi</strong>-<br />

Ladestationen zur<br />

Verfügung stellen:<br />

„Rufsäulen könnten<br />

in Zukunft bei entsprechender<br />

Förderung<br />

durch zuständige<br />

Behörden und<br />

Organisationen<br />

auch zusätzlich als<br />

Elektroladestationen<br />

für E-<strong>Taxi</strong>s ausgebaut werden.“ Angesichts<br />

des Koalitionsvertrages ist dies ein<br />

Kooperationsangebot, das der neue Senat<br />

sehr begrüßen dürfte. <br />

ar<br />

FOTO: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

16 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


POLITIK<br />

Bettina Jarasch, künftige Verkehrssenatorin<br />

Regine Günther, bisherige Senatorin<br />

JARASCH LÖST GÜNTHER AB<br />

Dem neuen Senat gehört Regine Günther nicht mehr an. Das dürften<br />

im <strong>Taxi</strong>gewerbe nur wenige bedauern. Senatorin für Umwelt, Verkehr,<br />

Klimaschutz und Verbraucherschutz wird Bettina Jarasch.<br />

FOTOS: Bündnis 90/Die Grünen<br />

Regine Günther (Bündnis 90/Grüne)<br />

gab familiäre Gründe dafür an,<br />

dass sie aufhört, doch inzwischen<br />

bestätigt die Presse ursprüngliche<br />

Gerüchte, sie sei von ihrer Partei dazu<br />

gedrängt worden.<br />

Als Nachfolger war zunächst Fraktionschef<br />

Werner Graf im Gespräch. In letzter<br />

Minute entschieden die Grünen sich dann<br />

aber für Bettina Jarasch, die Spitzenkandidatin<br />

bei der Abgeordnetenhauswahl und<br />

frühere Landesvorsitzende.<br />

Nach der Wahl sah es eine Zeitlang nach<br />

einer rot-schwarz-gelben Koalition aus,<br />

zumindest soll SPD-Spitzenkandidatin<br />

Franziska Giffey diese Konstellation favorisiert<br />

haben. Dann hätte CDU-Verkehrsexperte<br />

Oliver Friederici Chancen auf Günthers<br />

Nachfolge gehabt.<br />

Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1<br />

Nachdem sich aber die linken Kräfte<br />

in der SPD mit ihrem Koalitionswunsch<br />

durchsetzen konnten, scheidet diese Option<br />

aus. Würde man das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

abstimmen lassen, so fiele die Wahl nun<br />

vermutlich auf Tino Schopf (SPD), weil<br />

dieser sich seit Jahren für das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

einsetzt – und Günther während<br />

ihrer Amtszeit häufig und konstruktiv<br />

kritisierte.<br />

DAS TAXIGEWERBE STAND<br />

VOR VOLLENDETEN TATSACHEN<br />

Regine Günther dagegen hat für die<br />

<strong>Taxi</strong>branche in den fünf Amtsjahren wenig<br />

Interesse gezeigt. An wichtigen Abstimmungen<br />

und Gesprächen ließ sie die Verbände<br />

im Unterschied zu ihren Vorgängern<br />

nicht teilnehmen, sondern schuf vollendete<br />

Tatsachen, etwa bei den Ladeberechtigungen<br />

für den Flughafen BER.<br />

Gegen die existenzbedrohende Flut von<br />

Mietwagen, die rechtswidrig taxiähnlichen<br />

Verkehr anbieten, tat sie wenig. Als das<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbe, wütend über Günthers Untätigkeit,<br />

vor ihrem Amtssitz Am Köllnischen<br />

Park demonstrierte, glänzte die Senatorin<br />

durch Abwesenheit. Viele nennen Günthers<br />

Verwaltung inzwischen sarkastisch<br />

„SenUnfug“.<br />

Aus all diesen Gründen wird der Rückzug<br />

von Verkehrssenatorin Regine Günther<br />

im <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe sicher wenig<br />

bedauert – vielleicht fast so wenig wie<br />

die Ablösung von Bundesverkehrsminister<br />

Andreas Scheuer. Viel schlimmer kann<br />

es aus <strong>Taxi</strong>sicht kaum werden, denken sich<br />

viele. Hoffentlich behalten sie Recht. ar<br />

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17


WENIGER PLATZ FÜR AUTOS<br />

Voraussichtlich noch <strong>2021</strong> wird die neue Senatsverwaltung für Umwelt,<br />

Verkehr, Klimaschutz und Verbraucherschutz ihre Arbeit aufnehmen.<br />

Welche verkehrspolitischen Projekte stehen der Hauptstadt bevor?<br />

Neue Legislaturperiode, alte Koalitionspartner:<br />

Das Papier „Zukunftshauptstadt<br />

<strong>Berlin</strong>“, das SPD, Bündnis<br />

90/Die Grünen und Die Linke am 29.<br />

November im Abgeordnetenhaus vorgelegt<br />

haben, stellt den Klimaschutz „als Querschnittsthema<br />

in allen Politikbereichen<br />

und zum Ziel der Klimaneutralität <strong>Berlin</strong>s“<br />

in den Fokus. „Die Koalition wird<br />

versuchen, die Klimaneutralität schneller<br />

als gesetzlich vorgegeben zu erreichen“,<br />

heißt es im Kapitel „Klima und Energie“.<br />

Das bedeutet in erster Linie: Ausbau des<br />

Linienverkehrs, Erweiterung des Busspurund<br />

des Radwegenetzes, Verstetigung<br />

von Pop-up-Radwegen, Einführung<br />

von Radschnellwegen und weitere<br />

Erschwernisse für den Autoverkehr.<br />

Im Kapitel „Stadtentwicklung,<br />

Bauen, Mieten“ heißt es: „Für die<br />

Friedrichstraße wird das Konzept<br />

der Verkehrsberuhigung und Aufwertung<br />

des öffentlichen Raums<br />

gemeinsam mit den Anlieger*innen<br />

überprüft und weiterentwickelt, die<br />

Aufenthaltsqualität verbessert und die<br />

kommerzielle Nutzung des öffentlichen<br />

Straßenlandes gesteuert.“ Da die Sperrung<br />

der Friedrichstraße für den Kfz-Verkehr<br />

auf dem Abschnitt Französische Straße –<br />

Leipziger Straße laut Presseberichten zu<br />

Umsatzeinbußen in den betroffenen Läden<br />

geführt hat und auf mehr Ablehnung als<br />

Zustimmung stößt, darf man gespannt auf<br />

das Ergebnis der Überprüfung sein.<br />

Im selben Kapitel ist von einem „schrittweisen<br />

Rückbau der A 103 und A 104“ die<br />

Rede. Die A 103 ist der südlichste der drei<br />

verwirklichten Stummel der Westtangente,<br />

einer seit den 1960er-Jahren geplanten leistungsfähigen<br />

Nord-Süd-Verbindung. Sie<br />

verläuft von der Schloßstraße in Steglitz<br />

nach Schöneberg zum Sachsendamm, wo<br />

seit Inbetriebnahme ein Autobahnkreuz-<br />

Fragment als Anschlussstelle untergenutzt<br />

liegt. Der bislang tote nördliche Stumpf<br />

könnte zumindest noch – drei Nummern<br />

kleiner als vorgesehen – statt als Autobahnfortsetzung<br />

als Zufahrt zum EUREF-<br />

Campus dienen und dorthin zurückgebaut<br />

und fortgesetzt werden, das würde dem<br />

Titel des Papiers nicht widersprechen. Wie<br />

und in welchem Umfang der Rückbau der<br />

A 103 erfolgen soll, wird noch diskutiert.<br />

«Die Koalition wird alle<br />

rechtlichen Möglichkeiten<br />

zur Ausweitung von<br />

Tempo 30 nutzen.»<br />

aus dem Koalitionsvertrag<br />

Die frühere A 104 ist der „Schmargendorfer<br />

Ast“ der A 100, die südliche<br />

Verlängerung der Konstanzer Straße mit<br />

dem „Schlangenbader Tunnel“ und der<br />

Autobahnbrücke Breitenbachplatz bis zur<br />

Schildhornstraße. Diese Autobahn kommt<br />

noch einmal im Mobilitätsabschnitt zur<br />

Sprache: „Die Koalition wird den Rück- und<br />

Umbau überdimensionierter Relikte der<br />

autozentrierten Stadt weiter vorantreiben,<br />

indem für Projekte wie den Rückbau der<br />

Breitenbachplatzbrücke / Tunnel Schlangenbader<br />

Straße mit konkreten Planungen<br />

begonnen wird und weitere Projekte, wie<br />

beispielsweise der Umbau des Bundesplatzes,<br />

identifiziert und zur Umsetzung<br />

gebracht werden.“ Das klingt so, als wären<br />

beide Tunnel, sowohl der unter dem Bundesplatz<br />

als auch die „Schlange“, von Autofahrern<br />

als zeitsparende Verbindungen<br />

geschätzt, demnächst Geschichte.<br />

Die denkmalgeschützte Autobahnüberbauung<br />

an der Schlangenbader Straße<br />

aus den 1970er-Jahren ist ein weltweit<br />

beachtetes und architektonisch einmaliges<br />

Bauwerk. Unter den Fahrbahnen<br />

liegt das Anwohner-Parkhaus, neben und<br />

über den Fahrbahnen sind relativ modern<br />

geschnittene Wohnungen, in denen von der<br />

Autobahn nichts zu hören ist. Einzig<br />

der geplante Abbau der Brücke über<br />

dem Breitenbachplatz hat wegen<br />

ihrer ästhetischen Beeinträchtigung<br />

des Stadtbildes eine relativ hohe<br />

Zustimmung.<br />

Weiterhin schlecht steht es auch<br />

für die A 100. Eine zügige Umsetzung<br />

des 17. Bauabschnitts von Alt-Treptow<br />

nach Lichtenberg könnte höchstens<br />

aus dem Bundesverkehrsministerium<br />

durchgesetzt werden, denn im <strong>Berlin</strong>er<br />

Koalitionsvertrag ist sie weiterhin nicht<br />

vorgesehen. Immerhin wird der im Bau<br />

befindliche Teil bis Alt-Treptow entgegen<br />

grünen Wahlkampfforderungen fertiggestellt.<br />

Damit nehmen die Koalitionspartner<br />

dauerhaftes Verkehrschaos in Alt-Treptow,<br />

das unbestritten zu erwarten ist, in Kauf.<br />

Es sind aber nicht ausschließlich Stillstand<br />

und Rückbauten geplant. So will der<br />

Senat sich dafür einsetzen, dass die jetzige<br />

Halb-Anschlussstelle Bucher Straße an der<br />

A 114 zur Vollanschlussstelle ausgebaut<br />

FOTOS: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

18 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


POLITIK<br />

wird, um die in Pankow geplanten Großsiedlungen<br />

anzuschließen. „Die Tangentialverbindung<br />

Ost (TVO) wird inklusive<br />

Rad- und Schieneninfrastruktur gebaut<br />

und das Planfeststellungsverfahren für die<br />

Straßen-TVO mit begleitendem Radweg im<br />

Jahr 2022 eröffnet.“ Die Straße selbst wird<br />

frühestens Ende der 2020er-Jahre fertig.<br />

Mit diesem seit den 1970er-Jahren geplanten<br />

Lückenschluss zwischen Spindlersfelder<br />

Straße und Märkischer Allee wird der<br />

<strong>Berlin</strong>er Nordosten besser an den Flughafen<br />

angebunden und die Köpenicker Straße<br />

in Biesdorf entlastet.<br />

Weitere Themen im Koalitionsvertrag<br />

betreffen das <strong>Taxi</strong>gewerbe direkt oder<br />

indirekt:<br />

Eine City-Maut, wie die Grünen sie gefordert<br />

hatten, SPD und Linke aber ablehnen,<br />

wird vorerst nicht eingeführt. Zur<br />

Ergänzung der Finanzierung des ÖPNV-<br />

Ausbaus werden unter anderem der Preis<br />

für Anwohner-Parkvignetten auf 120 Euro<br />

im Jahr erhöht und auch die Kurzzeitparkgebühren<br />

erhöht, aber: „Unbürokratische<br />

Ausnahmen für Schichtarbeit und den<br />

Wirtschaftsverkehr werden wir prüfen.“<br />

Bedeutet dies, dass <strong>Taxi</strong>betriebe in der<br />

Innenstadt weiterhin ihre Autos an<br />

der Firma parken können?<br />

Zudem ist die Rede von Parklets,<br />

verkehrsberuhigten Kiezen, fußverkehrsfreundlichen<br />

Nebenstraßen,<br />

Kiezblocks, Klimastraßen, Pocket-<br />

Parks und neuen Gehwegen. Es<br />

sollen Maßnahmen zur Entsiegelung<br />

gefördert, Modellprojekte mit<br />

dem Ziel der Umweltgerechtigkeit<br />

initiiert und temporäre Spielstraßen<br />

weiter gefördert werden. Verbrenner<br />

sollen aus der Innenstadt,<br />

später aus dem ganzen Stadtgebiet<br />

verdrängt werden. Das Wort Diesel kommt<br />

im gesamten Text nur ein einziges Mal vor:<br />

Im Zusammenhang mit Schiffen.<br />

Die Anzahl der festen Blitzer soll stark<br />

erhöht werden. Eine Reihe von Maßnahmen<br />

zur Verbesserung der Verkehrssicherheit<br />

soll umgesetzt werden. Die Polizei soll mehr<br />

Personal erhalten und künftig auch auf dem<br />

Fahrrad stärker präsent sein. Ob die seit<br />

Jahren zugeparkten Busspuren, z. B. in der<br />

Hauptstraße in Schöneberg, künftig wieder<br />

ihrem vorgesehenen Zweck dienen können?<br />

„Die Koalition wird den Vergabe- und Landesmindestlohn<br />

im ersten Halbjahr 2022<br />

Streitthema Friedrichstraße: Durch die Fahrradspuren<br />

sieht mancher die Aufenthaltsqualität nicht<br />

verbessert.<br />

auf 13 Euro anheben und damit an das<br />

Niveau des Landes Brandenburg angleichen.<br />

Die Höhe soll jährlich überprüft und<br />

gegebenenfalls der allgemeinen Lohnentwicklung<br />

angepasst werden und gemeinsam<br />

vom Senat beschlossen werden.“ Das<br />

dürfte bei Förderprojekten wie Inklusion<br />

oder E-Mobilität eine Rolle spielen, bei<br />

denen der Senat die Bewilligung von Prämien<br />

an Bedingungen knüpft, etwa dass<br />

die begünstigten Betriebe ihren Mitarbeitern<br />

nicht nur den bundesweit geltenden,<br />

sondern eben den <strong>Berlin</strong>er Mindestlohn<br />

bezahlen. <br />

ar<br />

Anzeige<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

19


GEWERBEVERTRETUNGEN<br />

Deutschland.<br />

<strong>Berlin</strong> e.V.<br />

Hayrettin Şimşek<br />

Ralf Titzmann<br />

Mike Kehrer<br />

PERSONALWECHSEL<br />

IN DEN VERBÄNDEN<br />

Leszek Nadolski, Chef der „Innung“, arbeitet jetzt mit einem<br />

veränderten Team – mit Hayrettin Şimşek und ohne Carsten Reichert.<br />

Beim TVB gab es einen Personalwechsel bereits vor einem Jahr.<br />

Der Tod von Detlev Freutel vor gut<br />

einem Jahr riss beim <strong>Taxi</strong>verband<br />

<strong>Berlin</strong>, Brandenburg e. V. eine<br />

doppelte Lücke, denn Freutel war nicht<br />

nur Erster Vorsitzender gewesen, sondern<br />

zugleich kommissarischer Schatzmeister.<br />

So trat der Zweite Vorsitzende, Boto Töpfer,<br />

DREI BERLINER TAXI-VERBÄNDE<br />

AN EINER ADRESSE:<br />

Persiusstraße 7,<br />

10245 <strong>Berlin</strong><br />

<strong>Taxi</strong>verband <strong>Berlin</strong>, Brandenburg e. V.<br />

Derzeit eingeschränkte Öffnungszeiten<br />

Tel. +49 30 / 20 20 21 319<br />

E-Mail: info@taxiverband-berlin.de<br />

Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V.<br />

Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr,<br />

Fr 10 bis 14 Uhr<br />

Tel.: + 49 30 / 23 62 72-01, -02<br />

Fax: + 49 30 / 23 62 72 03<br />

E-Mail: info@taxiinnung.org<br />

www.facebook.com/taxiinnung<br />

<strong>Taxi</strong> Deutschland <strong>Berlin</strong> e.V.<br />

Sekretariat: Di und Do 12 bis 16 Uhr<br />

Tel.: +49 30 / 202 02 13 10<br />

Fax: +49 30 / 202 02 13 11<br />

E-Mail: berlin@taxideutschland.eu<br />

www.taxideutschland.eu<br />

www.facebook.com/taxi.deutschland.eu<br />

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de<br />

kommissarisch an Freutels Stelle. Eine zeitnahe<br />

Neuwahl war wegen des Lockdowns<br />

zu dieser Zeit nicht möglich.<br />

Bei der Vorstandswahl im Mai <strong>2021</strong> wurde<br />

Töpfer dann regulär und mit großer Mehrheit<br />

zum Verbandschef gewählt. Der 70-jährige<br />

<strong>Berlin</strong>er ist Mehrwagenunternehmer.<br />

Zweiter Vorsitzender wurde der Einwagenunternehmer<br />

Ralf Titzmann, 61,<br />

der seit mehreren Jahren dem erweiterten<br />

Vorstand angehört und für die<br />

sozialen Medien und das Online-Portal<br />

des TVB zuständig ist, das im Januar<br />

in überarbeiteter Fassung an den Start<br />

gehen soll. Titzmann ist im fränkischen<br />

Wunsiedel geboren, kam 1980 nach<br />

<strong>Berlin</strong> und fährt seit 2002 <strong>Taxi</strong>. Detlev<br />

Freutels Nachfolger als Schatzmeister<br />

wurde der Rüdersdorfer Mike Kehrer,<br />

58, der zugleich Beauftragter für das<br />

Land Brandenburg und IHK-Mitglied ist.<br />

Schriftführer des TVB wurde Farrokh<br />

Aleguilany.<br />

Der erweiterte Vorstand besteht aus<br />

Christian Mach und Hüseyin Yanikoglu.<br />

GENERATIONENWECHSEL<br />

BEI DER „INNUNG“<br />

Auch die Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

e. V. hat einen beliebten Ersten<br />

Vorsitzenden, wie die Vorstandswahl<br />

am 20. September klar bestätigt hat:<br />

Leszek Nadolski (56), seit 2014 im Amt,<br />

ist ohne Gegenkandidat mit weit über 80<br />

Prozent der stimmberechtigten Mitglieder<br />

wieder gewählt worden. Ebenfalls<br />

mit großer Zustimmung und ohne Gegenkandidat<br />

ist der neue Zweite Vorsitzende<br />

ins Amt gewählt worden: Hayrettin Simsek<br />

(44), besser bekannt als Simi, Unternehmer<br />

mit zwei Taxen und freier <strong>Taxi</strong>-<br />

<strong>Times</strong>-Redakteur – der er auch bleibt. Im<br />

„Innungs“-Vorstand löst er Rolf Feja ab,<br />

der aus persönlichen Gründen nicht mehr<br />

kandidiert hatte.<br />

Die große Einigkeit in der „Innung“<br />

zeigt auch das Wahlergebnis des bisherigen<br />

Schatzmeisters Mariusz Kramer (49),<br />

der gänzlich ohne Gegenstimme wiedergewählt<br />

worden war. Auch die beiden Revisoren<br />

Lothar Kubig und Alberto Schmidt<br />

wurden im Amt bestätigt, ergänzt durch<br />

den neu gewählten Goran Djukic.<br />

Bei den Beisitzern wurden Jörg Minow<br />

(62) und Danielo Baltrusch (57) im Amt<br />

bestätigt. Neu dazu gekommen sind<br />

Carola Syckor (61), Mandy Pohl (43), Günnur<br />

Toprak (45), Özgür Bozkaya (36) und<br />

Lutz Schneider (66). Erstmals verfügt die<br />

„Innung“ damit über drei Beisitzerinnen,<br />

ist also insgesamt jünger und weiblicher<br />

geworden.<br />

Der bisherige Beisitzer Carsten Reichert<br />

hatte aus zeitlichen Gründen ebenfalls für<br />

eine weitere Amtszeit nicht mehr kandidiert.<br />

Leszek Nadolski drückte sein Bedauern<br />

über den Rückzug aus und dankte<br />

Reichert für seine Schlüsselposition als<br />

Türöffner bei der Politik. Seine Funktion<br />

im Gewerbeausschuss des Bundesverbandes<br />

<strong>Taxi</strong> und Mietwagen e.V. (BVTM) wird<br />

er aber weiterhin wahrnehmen. ar<br />

FOTOS: TVB (2), Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

20 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


GEWERBEVERTRETUNGEN<br />

Dr. Lutz Kaden, Branchenkoordinator Verkehr im Ressort Wirtschaft<br />

& Politik der IHK <strong>Berlin</strong><br />

Pausengespräch: der neue IHK-Präsident Daniel-Jan Girl, „Innungs“-<br />

Chef Leszek Nadolski, TVB-Chef Boto Töpfer<br />

IHK UNTERSTÜTZT<br />

TAXIGEWERBE AUF DEM<br />

WEG ZUR E-MOBILITÄT<br />

Die <strong>Berlin</strong>er Industrie- und Handelskammer hielt ihren Tag der<br />

Verkehrswirtschaft <strong>2021</strong> ab. Wie kann der Wirtschaftsverkehr<br />

CO2-neutral werden? Das <strong>Taxi</strong>gewerbe bekam eine gute Note.<br />

FOTOS: IHK <strong>Berlin</strong><br />

Die Chefs der „Innung“ des <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes und des <strong>Taxi</strong>verbandes<br />

<strong>Berlin</strong> Brandenburg,<br />

Leszek Nadolski und Boto Töpfer, waren<br />

am 7.Oktober unter den knapp 80 Teilnehmern,<br />

die im Konferenzzentrum der IHK<br />

saßen und den Referenten zuhörten. Traditionell<br />

gemeinsam mit <strong>Berlin</strong>Partner waren<br />

Verkehrsunternehmen, -dienstleister, Verkehrstechniker<br />

und -entwickler eingeladen<br />

zum Diskutieren der nächsten Schritte in<br />

die mobile Zukunft.<br />

Diesmal im Fokus: die Mobilitätswende<br />

als Kernelement der Nachhaltigkeit und die<br />

Frage: Wie kann der <strong>Berlin</strong>er Wirtschaftsverkehr<br />

schnell klimafreundlich werden?<br />

Moderator der nachmittäglichen Veranstaltung<br />

war ein „alter Bekannter“ des<br />

<strong>Taxi</strong>gewerbes: Dr. Lutz Kaden, Branchenkoordinator<br />

Verkehr im Ressort Wirtschaft<br />

& Politik der IHK <strong>Berlin</strong>. Die Begrüßung<br />

teilten sich IHK-Geschäftsführer Jörg Nolte<br />

und sein „Amtskollege“ der <strong>Berlin</strong> Partner<br />

für Wirtschaft und Technologie GmbH, Dr.<br />

Stefan Franzke.<br />

Zunächst referierte Florian Brandau von<br />

der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr<br />

(IAV) zu „Stand und Perspektiven<br />

des emissionsfreien Fahrens im urbanen<br />

Raum, insbesondere des gewerblichen<br />

Verkehrs“. Dr. Kaden bezeichnete die „Botschaften<br />

der führenden Technikentwickler<br />

der IAV GmbH“ als „genauso ermutigend<br />

wie vom Wirtschaftsverkehrsexperten<br />

Prof. Liedtke vom DLR“, womit er sich auf<br />

den zweiten Vortrag bezog: „Wasserstoff<br />

versus Elektro – welche Technologie wofür?<br />

Perspektiven des Umstellungsprozesses“<br />

von Prof. Gernot Liedtke vom Deutschen<br />

Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Als<br />

Vorbild in Sachen Elektromobilität stellte<br />

Pouyan Anvari vom Hermes-Versand die<br />

deutsche Hermes-Elektroflotte als „Beispiel<br />

für bisher erreichten und absehbaren CO2-<br />

neutralen Wirtschaftsverkehr“ vor.<br />

VORTEILE DURCH MOMA<br />

UND WELMO<br />

Höhepunkt aus Sicht des <strong>Taxi</strong>gewerbes<br />

war der Vortrag „Betriebliches Mobilitätsmanagement<br />

(MoMa) und Fördermöglichkeiten<br />

durch WELMO“ (Wirtschaftsnahe<br />

Elektromobilität) durch Projektleiter Frank<br />

Panse von der <strong>Berlin</strong>er Agentur für Elektromobilität<br />

eMO, die für den Senat in Kooperation<br />

mit der Investitionsbank <strong>Berlin</strong> (IBB)<br />

Förderungen vergibt und seit Anfang Juli<br />

auch das <strong>Taxi</strong>-Modul im Programm hat.<br />

Nach der Pause und einem Grußwort von<br />

Thomas Meißner von der <strong>Berlin</strong> Partner<br />

für Wirtschaft und Technologie GmbH<br />

stellte Wolfgang Wüllhorst, Fuhrparkleiter<br />

der <strong>Berlin</strong>er Stadtreinigung, als weiteres<br />

Vorbild, auf neudeutsch „Best-Practice-<br />

Beispiel“, die Spezialfahrzeug-Flotte der<br />

BSR vor.<br />

Auch die abschließende Podiumsdiskussion<br />

„Perspektiven in und für <strong>Berlin</strong>“ mit<br />

Beteiligung der Referenten und Teilnehmer<br />

moderierte Dr. Lutz Kaden.<br />

Sein Fazit des Verkehrstages: „Wenn<br />

genügend grüner Strom geliefert wird,<br />

können bis 2030 sehr große Teile, auch des<br />

Lkw-Verkehrs, klimaneutral sein.<br />

Die Best-Practice-Beispiele aus der<br />

Hermes-Paketlogistik und von der BSR<br />

zeigten zudem, dass man mit postfossilen<br />

Antrieben auch wirtschaftliche Vorteile<br />

erreichen kann, bei kleinen wie bei ganz<br />

großen Fahrzeugen.“<br />

Dass auch das <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbe auf<br />

dem richtigen Weg ist, bestätigte Leszek<br />

Nadolski von der <strong>Taxi</strong>-„Innung“ in der Diskussion<br />

mit Verweis auf die schon lange<br />

eingesetzten hybriden Fahrzeuge und die<br />

jetzt eingeflotteten batterieelektrischen<br />

<strong>Taxi</strong>s.<br />

Töpfer und Nadolski lobten die Vorträge<br />

der Referenten übereinstimmend als kurz,<br />

bündig und präzise. <br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

21


INKLUSION<br />

Die Rollstuhlrampe des VW Caddy 5 Maxi wird nach innen geklappt<br />

und bedeckt so den Heckauschnitt. Dass die Schlaufe jetzt am Rand<br />

hängt, kommt gut an.<br />

MobiTEC baut in den Caddy Maxi extrabreite Rampen ein. Vor dem<br />

Einschieben wird der Rollstuhl an Spanngurten befestigt.<br />

DAS UMRÜSTWUNDER<br />

Bei einer Nutzfahrzeugmesse Anfang Oktober zeigten drei Umrüster<br />

jeweils einen rollstuhltauglichen VW Caddy Maxi. Sie verfolgten dabei<br />

aber sehr unterschiedliche Ansätze.<br />

Für die Rollstuhlbeförderung im <strong>Taxi</strong><br />

oder Mietwagen ist der VW Caddy<br />

beliebt, meist in der Maxi-Variante.<br />

Auf der NUFAM zeigten drei Umrüstfirmen<br />

je einen Caddy 5 Maxi. Dank des<br />

Umbaus mit Heckausschnitt kann darin<br />

ein Rollstuhlfahrer mit bis zu vier weiteren<br />

Fahrgästen befördert werden – oder bis zu<br />

sechs selbst einsteigende Fahrgäste. Um<br />

aus dem Rollstuhl-Caddy ein Großraum-<br />

<strong>Taxi</strong> zu machen, haben die Umrüster in der<br />

dritten Reihe zwei zur Seite wegklappbare<br />

Einzelsitze eingebaut. Die Rampe, die in<br />

diesem Fall nicht benötigt wird, wird dann<br />

nach innen eingeklappt und deckt bis auf<br />

50 Zentimeter den Heckausschnitt ab, so<br />

dass in der Vertiefung zwischen Rampenboden<br />

und Karosserie die Füße der Fahrgäste<br />

Platz haben.<br />

Es gab auch Unterschiede. Die Transform<br />

GmbH aus Nümbrecht nahe Köln hat in den<br />

Heckausschnitt eine tiefergelegte Bodenwanne<br />

eingebaut, die 83 cm breit und 141<br />

cm lang ist. Am vorderen Abschluss hinter<br />

der zweiten Sitzreihe sind Retraktoren als<br />

Rückhaltesystem befestigt. Der Rollstuhl<br />

wird nah an die zweite Reihe geschoben, so<br />

dass Rollstuhlfahrer je nach Rollstuhlgröße<br />

relativ eben sitzen.<br />

In einem von der AMF-Bruns GmbH &<br />

Co. KG umgerüsteten Caddy sitzt der Rollstuhlfahrer<br />

dagegen ganz leicht nach hinten<br />

geneigt. Das Unternehmen aus Apen in<br />

Niedersachsen verkauft weltweit standardisierte<br />

Lösungen mit Typengenehmigung.<br />

Bei der Ausschnittsbreite bietet AMF<br />

standardisierte 81 cm an, Transform 83<br />

Inklusionstaxi<br />

aus Rollifahrer-<br />

Perspektive<br />

cm. Die MobiTEC<br />

GmbH & Co. KG aus<br />

Berkheim im Allgäu<br />

schneidet deutlich<br />

breiter (86,5 cm)<br />

und länger (168 cm)<br />

aus, so dass auch<br />

Pflegerollstühle<br />

verstaut werden<br />

können und sogar<br />

eine Fahrtrage für<br />

den unqualifizierten Krankentransport<br />

denkbar ist.<br />

Zudem können auch schwergewichtige<br />

Fahrgäste in breiten Rollstühlen in<br />

den Caddy eingeschoben werden – wobei<br />

sichergestellt sein muss, dass die Rampe<br />

auch einer Last von 350 Kilogramm standhält,<br />

was häufiger mit der Belastbarkeit der<br />

Rampe zusammengeht als mit der vorgegebenen<br />

Achslast des Autos.<br />

Caddys mit einer Rollstuhlumrüstung<br />

erkennt man von hinten oft – wie bei AMF<br />

– an der im Mittelteil versetzten Stoßstange<br />

(rechtes Foto). Bei MobiTEC und Transform<br />

wird der Stoßstangenausschnitt dagegen<br />

an der Heckklappe montiert, die dadurch<br />

nur geringfügig schwerer wird.<br />

Auch beim Vertrieb agieren die drei Hersteller<br />

unterschiedlich. Bei MobiTEC bringt<br />

der Kunde sein bereits gekauftes <strong>Taxi</strong> mit<br />

nach Berkheim im Allgäu und lässt es<br />

dort umrüsten. Die Wartezeit liegt bei bis<br />

zu acht Wochen, wobei gelegentlich eine<br />

Umrüstung dazwischengeschoben wird.<br />

Dafür hält das Unternehmen Modelle als<br />

Vorführer bereit.<br />

Ähnlich lang dauert es bei AMF in Apen,<br />

wo allerdings auch vereinzelte vorgehaltene<br />

und vorgerüstete Modelle auf dem Hof<br />

stehen. Bei Interesse an diesen Modellen<br />

stellt der Umrüster den Kontakt zum örtlichen<br />

Händler her, der dann den Verkauf<br />

abwickelt. Diese Variante ermöglicht auch<br />

eine kurzfristige Lieferzeit. Transform<br />

tritt als Verkäufer sowohl des Fahrzeugs<br />

als auch der Umrüstung auf. jh<br />

VERLÄNGERT DER SENAT<br />

DIE FÖRDERUNG<br />

FÜR INKLUSIONSTAXEN?<br />

Die langen Lieferzeiten auf Neufahrzeuge<br />

wirken sich auch auf<br />

das <strong>Berlin</strong>er Förderprogramm für<br />

Inklusionstaxis aus. Obwohl der<br />

Fördertopf noch gut gefüllt ist,<br />

laufen einige Anträge ins Leere,<br />

weil das zuständige Landesamt<br />

für Gesundheit und Soziales<br />

(LAGESO) die Gelder nur dann<br />

ausbezahlt, wenn eine Rechnung<br />

für den Umbau bis zum 30.11.<strong>2021</strong><br />

vorliegt. In der Senatsverwaltung<br />

für Integration, Arbeit und Soziales<br />

(SenIAS) bedauert man die „Konsequenzen<br />

aus den haushaltsrechtlichen<br />

Gegebenheiten“, geht aber<br />

davon aus, dass der neue Senat das<br />

Thema umgehend wieder auf die<br />

Tagesordnung setzen wird. jh<br />

FOTOS: <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, AMF<br />

22 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


INKLUSION<br />

SFD-ÜBERNAHME MIT<br />

STARTSCHWIERIGKEITEN<br />

Am 1. Oktober übernahm „Berlkönig“-Betreiber ViaVan den<br />

Sonderfahrdienst für mobilitätseingeschränkte Personen. Eine Kundin<br />

berichtet von ihren ersten Erfahrungen mit dem „BerlMobil“.<br />

FOTO: ViaVan<br />

Gisela Schmidt ist Stammfahrgast<br />

beim Sonderfahrdienst (SFD),<br />

der bis vor Kurzem noch von der<br />

Wirtschaftsgenossenschaft <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>besitzer<br />

(WBT) betrieben wurde. Da sie<br />

nicht auf einen Rollstuhl, sondern nur auf<br />

einen Rollator angewiesen ist, kann Gisela<br />

Schmidt, die ihren echten Namen lieber für<br />

sich behalten möchte, gegebenenfalls auch<br />

auf ein <strong>Taxi</strong> ausweichen. Sie berichtet, dass<br />

dieser Plan B nicht lange ein Plan blieb.<br />

Ihre erste Fahrt mit dem Sonderfahrdienst<br />

buchte die gehbehinderte Frau telefonisch,<br />

wobei ihre Daten aufgenommen<br />

wurden. Die Adressen für Hin- und Rückfahrt<br />

am zweiten Oktoberwochenende wurden<br />

eingegeben. Man verständigte sich für<br />

die Hinfahrt auf das Zeitfenster 9:45 Uhr<br />

bis 10:15 Uhr. Um 8:45 kam dann eine SMS<br />

vom Fahrer: Er werde sie bereits um neun<br />

abholen. Das wäre schon für jeden Kunden<br />

ohne Einschränkungen eine Zumutung,<br />

morgens 45 Minuten vor der vereinbarten<br />

Zeit losfahren zu müssen.<br />

Es sollte nicht die einzige Panne bleiben.<br />

Das Fahrziel lag in einer Straße, deren<br />

Name achtmal in <strong>Berlin</strong> vorkommt. Deshalb<br />

hatte Gisela Schmidt darauf geachtet,<br />

die Postleitzahl exakt anzugeben.<br />

Schnell merkte die routinierte Kundin,<br />

dass der Fahrer in die falsche Richtung<br />

fuhr. Sie sagte ihm sofort Bescheid. Der<br />

Fahrer konnte daraufhin nicht sofort das<br />

gewünschte Fahrziel ansteuern.<br />

Die Fahrer von „BerlMobil“ haben die<br />

Vorgabe, dass sie sich für jede Änderung<br />

ihrer Route die Genehmigung ihrer Zentrale<br />

einholen müssen. Nach einer Wartezeit<br />

von mehreren Minuten erhielt der Fahrer<br />

von der Zentrale die Freigabe, die Fahrt<br />

zum richtigen Fahrtziel fortzusetzen.<br />

Die Rückfahrt begann mit dem nächsten<br />

Problem. Die Fahrzeuge von „BerlMobil“ lassen<br />

sich sowohl mit einem Autoschlüssel als<br />

auch per Smartphone-App öffnen. Da der<br />

Fahrer von der Zentrale noch keinen Autoschlüssel<br />

erhalten hatte, musste er die Autotüren<br />

per App öffnen. Da seine Versuche<br />

erfolglos blieben, musste der Anbieter ihr<br />

nach 45 Minuten ein <strong>Taxi</strong> für die Heimfahrt<br />

schicken.<br />

Für einen Rollstuhlfahrer hätte in diesem<br />

Fall ein Inklusionstaxi kommen müssen –<br />

mit unbestimmter Wartezeit.<br />

NACHFRAGE NACH<br />

INKLUSIONSTAXEN STEIGT<br />

Ihren zweiten Ausflug mit dem neuen<br />

Anbieter vier Wochen später buchte Gisela<br />

Schmidt drei Tage im Voraus per E-Mail,<br />

wobei sie darauf hinwies, dass man ihr<br />

auch jedes <strong>Taxi</strong> schicken könne. Diese<br />

Information schien verloren gegangen zu<br />

sein, als die „BerlMobil“-Zentrale ihr mitteilte,<br />

für die Rückfahrt zum gewünschten<br />

Zeitpunkt keine freien Kapazitäten<br />

zu haben. Man könne ihr leider nur eine<br />

andere Zeit anbieten. Ansonsten könne<br />

sie noch auf ihr <strong>Taxi</strong>fahrtenkontingent<br />

zurückzugreifen und sich privat ein <strong>Taxi</strong><br />

bestellen.<br />

Der „alte“ Sonderfahrdienst der WBT<br />

hatte mobilitätseingeschränkten und<br />

umsetzbaren Personen bei Kapazitätsauslastungen<br />

angeboten, den gebuchten Auftrag<br />

stattdessen mit einem herkömmlichen<br />

<strong>Taxi</strong> auszuführen. Die Kosten dafür gingen<br />

nicht auf das <strong>Taxi</strong>fahrtenkontingent der<br />

Kunden, sondern wurden wie jede Fahrt<br />

mit dem SFD zum Eigenanteil von 2,05 €<br />

berechnet. Es gab sogar <strong>Taxi</strong>unternehmen,<br />

die die Berechtigungskarte erfassen und<br />

die Kosten direkt mit dem Landesamt für<br />

Gesundheit und Soziales (LAGeSo) abrechnen<br />

konnten. Bedingung war, dass die SFD-<br />

Zentrale die Fahrt beauftragt hatte. Jetzt<br />

mit „BerlMobil“ werden bei Engpässen<br />

zwei Alternativen angeboten, wie Schmidt<br />

berichtet: eine andere Fahrzeit zum Eigenanteil<br />

von 2,05 € oder eine selbst zu bestellende<br />

<strong>Taxi</strong>fahrt zum vollen Preis aus dem<br />

<strong>Taxi</strong>fahrtenkontigent.<br />

Ob auch „BerlMobil“ wie der frühere<br />

SFD über die <strong>Taxi</strong>zentrale zusätzliche<br />

Wagen buchen darf, und damit die Fahrt<br />

zum Eigenanteil von 2,05 € abrechenbar<br />

wäre, konnte Frau Schmidt noch niemand<br />

verbindlich sagen. Für nicht umsetzbare<br />

Rollstuhlfahrer wäre aber selbst dies keine<br />

Alternative, da sie auf die breite Verfügbarkeit<br />

von Inklusionstaxis bislang vergeblich<br />

warten. <br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

23


KRIMINALITÄT<br />

Das <strong>Taxi</strong> mit den Blutspuren an der Fahrertür wurde zur Spurensicherung zum Landeskriminalamt nach Tempelhof geschleppt.<br />

TAXIRÄUBER GEFASST<br />

Innerhalb von acht Tagen hat die Polizei einen Räuber festgenommen,<br />

der am Ende einer <strong>Taxi</strong>fahrt dem Fahrer ein Messer in den Hals<br />

gestochen hatte und mit dessen Geldbörse getürmt war.<br />

Die Tat hatte wie ähnliche Fälle für<br />

Aufsehen gesorgt: Ein 44-jähriger<br />

Fahrgast war am 28. Oktober nahe<br />

dem Potsdamer Platz in ein <strong>Taxi</strong> gestiegen<br />

und hatte eine verlassene Ecke in Tegel-<br />

Süd als Fahrziel angegeben. An der Kreuzung<br />

Kamener Weg/Werdohler Weg zog<br />

der Mann ein Messer. Ohne eine Drohung<br />

auszusprechen, stach er sofort zu, verletzte<br />

den Fahrer lebensgefährlich am Hals und<br />

an der rechten Hand, nahm die Geldbörse<br />

des Fahrers an sich und flüchtete. Der<br />

Kamener Weg verlängert sich nach Süden<br />

in einen Waldweg zum Flughafensee. Der<br />

verletzte Fahrer konnte selbst einen Notruf<br />

absetzen und wurde in ein Krankenhaus<br />

gebracht. Sein <strong>Taxi</strong> wurde zur Spurensicherung<br />

von der Polizei sichergestellt.<br />

Der 38-jährige Kollege hatte Glück im<br />

Unglück: Nach einer Notoperation konnten<br />

seine Verletzungen schnell behandelt<br />

werden. Nach nur acht Tagen kam zudem<br />

eine erfreuliche Nachricht: Die Kriminalpolizei<br />

hatte den Täter nahe dem Tatort, in der<br />

Bernauer Straße, fassen können. In seiner<br />

Wohnung wurde Beweismaterial gefunden.<br />

Zudem nahm die <strong>Taxi</strong>-„Innung“ sich des<br />

Falles an und kümmerte sich um ihr Mitglied.<br />

Der neu gewählte Zweite Vorsitzende<br />

Hayrettin Şimşek, besser bekannt als Simi,<br />

besuchte den Kollegen Muhammad A. im<br />

Krankenhaus und veranlasste, dass das<br />

<strong>Taxi</strong>, in dem der Mordversuch sich ereignet<br />

hatte, abgeholt wurde. Die „Innung“<br />

ließ es auf eigene Kosten vom Landeskriminalamt<br />

in Tempelhof zu einer Spezialfirma<br />

nach Blankenburg schleppen, die<br />

die Innenreinigung und Desinfektion des<br />

Autos durchführte.<br />

TAXI-„INNUNG“ HALF<br />

Am 11. November wurde Muhammad<br />

A. aus dem Krankenhaus entlassen und<br />

konnte in Begleitung eines Freundes sein<br />

<strong>Taxi</strong>, das inzwischen mit Fackel im Kofferraum<br />

in die Persiusstraße gebracht worden<br />

war, abholen. Ob und wann er seine Tätigkeit<br />

wieder aufnimmt, konnte er noch nicht<br />

sagen. „Muhammad kam ein paar Tage<br />

später zur Innung, und wir haben über<br />

das weitere Vorgehen und Anträge bei der<br />

Berufsgenossenschaft und Gustav-Hartmann-Stiftung<br />

gesprochen”, sagte Simi<br />

gegenüber <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>. „Die Innung wird<br />

jede Möglichkeit nutzen, um dem Kollegen<br />

zu helfen und ihn nicht alleine zu lassen.<br />

Leider wird es solche Taten immer wieder<br />

geben, und jeder weitere Fall ist einer zu<br />

viel. Jeder Betroffene ist froh über eine<br />

helfende Hand, und wir sind diese Hand.”<br />

Muhammad A. steigt zwei Wochen nach<br />

dem Mordversuch mit gemischten Gefühlen<br />

erstmals wieder in sein <strong>Taxi</strong>.<br />

Das Verbrechen erinnert an zwei Überfälle<br />

im Sommer 2015, als erst im Juni zwei<br />

junge Männer einen Kollegen in <strong>Berlin</strong>-<br />

Tiergarten überfielen und ihm zahlreiche<br />

Messerstiche zufügten, und im Juli ein Pärchen<br />

einen Kollegen in <strong>Berlin</strong>-Neukölln mit<br />

Reizgas attackierte und ebenfalls mehrmals<br />

mit einem Messer auf ihn einstach.<br />

Alle Täter konnten erst viele Monate später<br />

gefasst und vor Gericht gestellt werden.<br />

Solche Fälle bringen stets auch das Thema<br />

Überfallschutzkamera wieder in das öffentliche<br />

Bewusstsein, deren flächendeckender<br />

Einsatz noch immer von Datenschützern<br />

erschwert wird. <br />

ar<br />

FOTOS: Simi/Innung des <strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>gewerbes e. V.<br />

24 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


TAXI-NOTHILFE<br />

Gustav Hartmann wird bei seiner Rückkehr<br />

nach <strong>Berlin</strong> bejubelt<br />

Der „Eiserne Gustav“ aus Eisen gegossen in <strong>Berlin</strong>-Tiergarten<br />

Grab des Ehepaars Hartmann auf dem Alten<br />

Friedhof Wannsee<br />

DIE GUSTAV-HARTMANN-<br />

STIFTUNG IM JAHR <strong>2021</strong><br />

Ein aktueller Fall hat die Gustav-Hartmann-Stiftung wieder in das<br />

Bewusstsein gebracht. Sie geht auf ihren berühmten Namensgeber<br />

zurück und hilft noch heute Opfern von Gewalt und Unfällen.<br />

FOTOS: Axel Rühle/<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, Georg Pahl/Bundesarchiv, Wikipedia<br />

Gustav Hartmann war eines dieser<br />

<strong>Berlin</strong>er Originale, die erst <strong>Berlin</strong>er<br />

wurden. Der aus Magdeburg<br />

stammende Sohn eines Kutschers ging in<br />

jungen Jahren in die Hauptstadt des jungen<br />

Reiches und eröffnete einen Kolonialwarenladen.<br />

Mangels Erfolg zog er mit 26 Jahren<br />

in eine Villenkolonie 15 Kilometer vor den<br />

Toren <strong>Berlin</strong>s, nahe dem Dorf Stolpe am<br />

Großen Wannsee, und gründete seinen<br />

Fuhrbetrieb. Der dortige Bahnanschluss<br />

verhieß gut betuchte Kundschaft.<br />

So stand Hartmann tagein, tagaus, mit<br />

einer seiner Droschken am Bahnhof Wannsee.<br />

1898 wurde aus Stolpe und benachbarten<br />

Villenkolonien die Landgemeinde<br />

Wannsee.<br />

Wieder zum echten <strong>Berlin</strong>er wurde er<br />

mit 61 Jahren, am 1. Oktober 1920, dem<br />

Tag, als Wannsee und 72 weitere Orte und<br />

Städte nach <strong>Berlin</strong> eingemeindet wurden.<br />

Berühmt wurde Hartmann schließlich<br />

1928. Am 2. April brachen er und ein<br />

Zeitungsreporter mit seiner Droschke<br />

nach Paris auf, um ein Zeichen für die<br />

deutsch-französische Freundschaft zu<br />

setzen und nebenbei gegen den Niedergang<br />

des Pferdedroschkenwesens durch<br />

die Ausbreitung von Motordroschken zu<br />

protestieren. In vielen Orten wurde er<br />

mit Jubel empfangen, nur leider nicht in<br />

Paris. Dort stahl ihm am 4. Juni, seinem 69.<br />

Geburtstag, Charles Lindbergh die Schau,<br />

der soeben seinen ersten Flug über den<br />

Atlantik vollbracht hatte.<br />

Drei Monate später, am 1. September,<br />

jubelten ihm aber bei seiner Rückkehr die<br />

<strong>Berlin</strong>er zu.<br />

ZEIT DER KRAFTDROSCHKEN<br />

WAR GEKOMMEN<br />

Durch die Reise zu Geld gekommen,<br />

gründete der „Eiserne Gustav“ eine Stiftung<br />

zur Hilfe für die Hinterbliebenen von<br />

– bei der Ausübung ihres Berufes zu Tode<br />

gekommenen – Droschkenkutschern. Als<br />

Hartmann zehn Jahre nach seiner legendären<br />

Reise starb, war längst die Zeit der<br />

Kraftdroschken gekommen, und so kümmert<br />

die Gustav-Hartmann-Stiftung sich<br />

heute um <strong>Taxi</strong>fahrer. An Hartmanns letztem<br />

Wohnhaus in der Alsenstraße 11 hängt<br />

eine Gedenktafel.<br />

Womöglich wäre der „Eiserne Gustav“<br />

nach dem Zweiten Weltkrieg über die<br />

Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, hätten<br />

nicht die Wirtschaftsgenossenschaft<br />

<strong>Berlin</strong>er <strong>Taxi</strong>besitzer und die <strong>Berlin</strong>er<br />

<strong>Taxi</strong>-„Innung“ sich vehement um sein<br />

Andenken bemüht. Der Gustav-Hartmann-<br />

Denkmalpflegeverein veranlasste sogar<br />

gegen starke Widerstände die Errichtung<br />

eines Denkmals auf dem Mittelstreifen der<br />

Potsdamer Straße in Tiergarten.<br />

Heute hilft die Gustav-Hartmann-Stiftung,<br />

die sich aus Spenden finanziert,<br />

immer wieder einmal, wenn <strong>Taxi</strong>fahrer<br />

zu Schaden kommen, so wie kürzlich<br />

Muhammad A. (siehe linke Seite). An<br />

der Spitze des Stiftungsvorstandes steht<br />

Hermann Waldner, Zweiter Vorsitzender<br />

ist Leszek Nadolski, Dritter im Bunde ist<br />

Lothar Kubik. Ansässig ist die Gustav-Hartmann-Stiftung<br />

am <strong>Taxi</strong>-Zentrum <strong>Berlin</strong> in<br />

der Persiusstraße. <br />

ar<br />

TAXI 4. QUARTAL <strong>2021</strong><br />

25


AUSBLICK<br />

VIERTE WELLE UND<br />

ELEKTROWANDEL<br />

Die deutschlandweite Print-Ausgabe der<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH blickt auf die Folgen der<br />

aktuellen Corona-Situation, berichtet zu<br />

TSE-Einheiten in Taxametern und rückt<br />

Elektro-<strong>Taxi</strong>s in den Fokus.<br />

Der Sommer war trügerisch. Er<br />

weckte die Hoffnungen, dass die<br />

schlimmen Corona-Monate überstanden<br />

sind. Das <strong>Taxi</strong>gewerbe, das in der<br />

Krise jederzeit und verlässlich zur Stelle<br />

war, das innovativ und flexibel die neuen<br />

Herausforderungen meisterte, begann, sich<br />

zu erholen.<br />

Doch dann kam die vierte Welle mit den<br />

altbekannten politischen Reflexen: reduzierte<br />

(Massen-)Veranstaltungen, verkleinerte<br />

Feiern, Rückzug ins Private – und<br />

damit ein reduzierter Bedarf an <strong>Taxi</strong>s.<br />

Für die <strong>Taxi</strong>branche<br />

begann<br />

fast alles wieder<br />

von vorne – versehen<br />

mit zusätzlichen<br />

Aufgaben<br />

wie 3G-Kontrollen<br />

in Betrieben und<br />

eine noch intensivere<br />

Aufklärung<br />

zur Notwendigkeit<br />

einer Impfung. Die<br />

für das <strong>Taxi</strong>gewerbe<br />

zuständige<br />

Berufsgenossenschaft<br />

hat dazu<br />

einen Infoflyer<br />

erstellt, in dem<br />

unter anderem<br />

www.taxi-times.taxi<br />

Taxameter mit TSE ab 2024<br />

LÖSUNGEN<br />

AUS DER BOX<br />

auch mit manchen<br />

Mythen der<br />

Impfgegner aufgeräumt wird. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

berichtet darüber in seiner aktuellen<br />

DACH-Ausgabe und hat die Illustration<br />

der BG Verkehr auch zu seinem Titelcover<br />

gemacht.<br />

Zudem erläutert <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong>, was 3G-Kontrollen<br />

für <strong>Taxi</strong>betriebe bedeuten und wie<br />

die Branche mit denjenigen Fahrgästen<br />

umgehen soll, die nach einem positiven<br />

Corona-Test (mit dem <strong>Taxi</strong>?) in die häusliche<br />

Quarantäne gefahren werden müssen.<br />

Ein weiterer Themenschwerpunkt der<br />

Ausgabe ist der zu erwartende Wandel bei<br />

der künftigen Antriebsart von Verbrennern<br />

auf Elektro-<strong>Taxi</strong>s. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> erklärt, was<br />

hinter dem „Bundesfahrplan E-<strong>Taxi</strong>“ steht,<br />

den der Bundesverband des <strong>Taxi</strong>- und Mietwagengewerbes<br />

(BVTM) der neuen Bundesregierung<br />

präsentiert hat.<br />

Die Auswahl an taxitauglichen Elektrofahrzeugen<br />

nimmt rasant zu. Auch Ford<br />

hätte mit dem Mustang E-Mach eine Alternative.<br />

Die <strong>Taxi</strong>-<strong>Times</strong>-Redaktion hat das<br />

Fahrzeug getestet.<br />

Damit Deutschlands <strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

auf Elektro-<strong>Taxi</strong>s umstellen können, müssen<br />

die Rahmenbedingungen passen. In<br />

Hamburg ist die<br />

4. QUARTAL / DEZEMBER <strong>2021</strong> 6,80 €<br />

Zahl an zugelassenen<br />

E-<strong>Taxi</strong>s in<br />

nur acht Monaten<br />

von fast null auf<br />

über 80 gestiegen.<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> zieht<br />

ein Resumée,<br />

D – A – CH<br />

BG-APPELLE IN DER VIERTEN WELLE<br />

AUFKLÄRUNG GEGEN<br />

DIE IMPFSKEPSIS<br />

40.000 E-<strong>Taxi</strong>s<br />

WANDEL NACH<br />

FAHRPLAN<br />

S. 29 <strong>Taxi</strong>-Partner stellen sich vor<br />

Ampelkoalition mit einem<br />

FDP-Verkehrsminister<br />

FORTSCHRITT MIT TAXI<br />

was das „Projekt<br />

Zukunftstaxi“ so<br />

erfolgreich macht.<br />

Neue <strong>Taxi</strong>s mit<br />

neuen Antrieben<br />

sind nicht die einzigen<br />

Anschaffungen,<br />

bei denen<br />

<strong>Taxi</strong>unternehmer<br />

die gewohnten<br />

Pfade verlassen<br />

müssen. Auch<br />

bei den künftigen<br />

Taxametern muss man genau hinschauen,<br />

denn diese müssen ab 1. Januar 2024 über<br />

eine so genannte Technische Sicherheits-<br />

Einrichtung (TSE) verfügen, um manipulationssicher<br />

zu sein. <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> berichtet<br />

über die potenziellen Optionen, mit denen<br />

die TSE-Aufrüstung bewerkstelligt werden<br />

kann.<br />

Die Printausgabe <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH<br />

erscheint viermal pro Jahr und kostet<br />

im Abonnement 35 Euro brutto<br />

pro Jahr. Die Bestellung ist unter<br />

www.taxi-times.com/abo oder über den<br />

nebenstehenden QR-Code möglich. jh<br />

zur<br />

Heftbestellung<br />

IMPRESSUM<br />

Verlag<br />

taxi-times Verlags GmbH<br />

Persiusstr. 7<br />

10245 <strong>Berlin</strong>, Deutschland<br />

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />

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Internet: www.taxi-times.com<br />

Geschäftsführer und V. i. S. d. P.<br />

Jürgen Hartmann (jh)<br />

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Stadtsparkasse München<br />

IBAN: DE89701500001003173828<br />

BIC: SSKMDEMM<br />

UST-ID: DE293535109<br />

Handelsregister: Amtsgericht München<br />

HRB 209524<br />

Redaktion (tt)<br />

Simon Günnewig (sg), Jürgen Hartmann (jh),<br />

Axel Rühle (ar)<br />

E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />

Remmer Witte (rw)<br />

Grafik & Layout<br />

Stanislav Statsenko, layout@inversi-design.de<br />

Anzeigen und Vertrieb<br />

anzeigen@taxi-times.com<br />

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0<br />

Druck<br />

Silber Druck oHG,<br />

Otto-Hahn-Straße 25<br />

D-34253 Lohfelden<br />

Erscheinungsweise: 4 x pro Jahr<br />

Heftpreis: 3,50 €<br />

(inkl. MwSt und Versand)<br />

ISSN-Nr.: 2367-3842<br />

Weitere Verlagsmagazine:<br />

<strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> DACH, <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong> München<br />

Die <strong>Taxi</strong> <strong>Berlin</strong> TZB GmbH bekommt in <strong>Taxi</strong> <strong>Times</strong><br />

<strong>Berlin</strong> eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten,<br />

für deren Inhalte die Genannte im Sinne des<br />

Presserechtes selbst verantwortlich ist.<br />

26 4. QUARTAL <strong>2021</strong> TAXI


AN ALLE BERLINER: TAXI TIMES GIBT ES AUCH ALS DEUTSCHLAND-AUSGABE<br />

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zuzüglich lokaler Überführungskosten. | 4 Die angegebenen Werte wurden nach<br />

dem vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO₂-Werte“<br />

i. S. v. Art. 2 Nr. 1 Durchführungsverordnung (EU) 2017/115<strong>3.</strong> Die Kraftstoffverbrauchswerte<br />

wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes<br />

Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken<br />

zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Die Werte variieren in Abhängigkeit von den gewählten<br />

Sonderausstattungen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und<br />

zu den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem<br />

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