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Taxi Times Berlin - 3. Quartal 2021

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4. QUARTAL 2021 3,50 €

www.taxi-times.taxi

BERLIN

TARIFPLÄNE VON LABO UND VERBÄNDEN

FESTPREISZONEN

FÜR FAHRTEN VOM BER

ROT-GRÜN-ROT

Das Taxi im neuen

Koalitionsvertrag

MIETWAGENUNFÄLLE

Konkurrenzkampf auf dem

Rücken der Fahrer

LABO TUT WAS

Schlechte Karten für

20-Monats-GmbHs


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kombiniert 101 km, innerstädtisch 126 km

Werte gemäß WLTP Testzyklus. Verbrauch, CO2-Emissionen und Reichweite eines Fahrzeugs hängen nicht nur von der effizienten Ausnutzung

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2 4. QUARTAL 2021 TAXI


TITELGRAFIK: Taxi Times; Kartengrundlage: Open Street Map

NEUE KOALITION, ALTE TEILNEHMER

Papier ist geduldig, deshalb spielt sich die tagesaktuelle Berichterstattung

hauptsächlich online ab. So auch auf unserem Portal

www.taxi-times.com mitsamt seinen Unterseiten für Berlin, München

und Hamburg. Dort können wir aktuell nicht nur taxirelevante

Aspekte der Corona-Thematik behandeln, sondern uns auch

damit befassen, wann die Bundesregierung und der Berliner Senat

mit welchen Personen ihre Arbeit aufnehmen.

In unserer gedruckten Ausgabe können wir uns tiefgründiger

den langfristig relevanten Taxi-Themen widmen. Bei Redaktionsschluss

dieses Heftes hatte die alte Regierung mit Angela Merkel

und Andreas Scheuer die Geschäfte bereits an die neue Regierung

mit Olaf Scholz und Volker Wissing übergeben. In der Berliner

Landespolitik war aber noch der alte Senat mit Michael Müller und

Regine Günther im Amt. Die neuen Senatoren für Berlin standen

noch nicht komplett fest, doch hatten die drei alten und neuen

Regierungsfraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke

gerade noch rechtzeitig ihren langwierig ausgehandelten Entwurf

zum Koalitionsvertrag veröffentlicht (Seite 18). Somit konnten

wir sichten, was er verkehrspolitisch beinhaltet und welche Aussagen

zum Taxigewerbe getroffen werden. Im Unterschied zum

Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung kommt das Taxi im

Berliner Landesentwurf erfreulich häufig vor (Seite 8).

Bundespolitisch sieht es nach einer Fortsetzung des Kampfes

Taxigewerbe vs. Deregulierung aus, seit der neue Bundesverkehrsminister

Volker Wissing die große Uber-Verehrerin Daniela

Kluckert zur Parlamentarischen Staatssekretärin gemacht

hat. Kluckert scheint bis heute nicht wahrhaben zu wollen, dass

die unseriösen Mietwagenpartner von Uber & Co. nicht nur das

Taxigewerbe beschädigen, sondern mit ihm die Daseinsvorsorge,

den Verbraucherschutz und die Solidargemeinschaft, denn viele

Mietwagenfahrer verdienen so schlecht, dass sie sich mit Schwarzarbeit

über Wasser halten und dazu noch aufstocken (müssen) –

und im schlimmsten Fall so viel Zeit im Auto verbringen, dass sie

nicht mehr aufmerksam fahren können und ihnen verhängnisvolle

Fehler unterlaufen. Jeder Kunde von Uber, Bolt, Free Now usw.

geht damit nicht nur ein höheres Risiko ein als im Taxi, sondern

liegt zudem der Allgemeinheit indirekt auf der Tasche (Seite 12).

Das LABO kennt die Probleme mit UBER und hat im Rahmen seiner

Möglichkeiten reagiert. Aufgrund der bekannten Personalnot

in der Verwaltung sind diese Möglichkeiten sehr begrenzt, doch

konnte unsere Redaktion sich in einem persönlichen Gespräch

davon überzeugen, dass beim LABO durchaus etwas getan wird

(Seite 10).

Mit dem neuen Verkehrsministerium könnte für das Taxigewerbe

– Ironie des Schicksals – ein Wahlspruch der FDP zu neuer

Bedeutung gelangen: „Nie gab es mehr zu tun“ – doch dazu mehr

in unserer deutschlandweiten DACH-Ausgabe, auf die wir auf

Seite 26 hinweisen.

Dieses Heft ist mit Berliner Themen gut gefüllt – und eine hoffentlich

interessante Lektüre.

– die Redaktion –

INHALT

MELDUNGEN

4 News

GEWERBE

5 Berlin plannt Festpreise für

Standardfahrten

8 Das Taxi im Berliner Koalitionsvertrag

10 LABO – die tun endlich was

WETTBEWERB

12 Mietwagen: Tödlicher Konkurrenzkampf

auf dem Rücken der Fahrer

TAXI BERLIN

14 Hermann Waldner: Für das Taxigewerbe

zu kämpfen, zahlt sich aus

16 Rufsäulen digitalisiert

POLITIK

17 Jarasch löst Günther ab

18 Weniger Platz für Autos, mehr Platz für

Fahrrad und ÖPNV

GEWERBEVERTRETUNGEN

20 Neue Vorstände bei Verbänden

E-MOBILITÄT

21 IHK unterstützt E-Taxi

INKLUSION

22 Ein Taxi, drei Umrüstvarianten

23 Erfahrungen mit dem neuen SFD

KRIMINALITÄT

24 Messerstecher nach acht Tagen gefasst

Taxi-Nothilfe

25 Die Gustav-Hartmann-Stiftung

AUSBLICK

26 Die aktuelle DACH-Ausgabe

26 Impressum

TAXI 4. QUARTAL 2021

3


MELDUNGEN

NEWSTICKER

ETM KÜNFTIG IN ESSEN

Die Europäische Taximesse, größte Fachmesse

für das Taxi- und Mietwagengewerbe,

die bisher in Köln zu Hause war und 2020

Corona-bedingt ausfiel, zieht vom Rhein

an die Ruhr. Am 4. und 5. November 2022

öffnet die Messe Essen ihre Hallen für das

internationale Publikum. Vieles soll auch

am neuen Standort „beim Alten“ bleiben,

auch wenn der Veranstalter, die Fachvereinigung

Personenverkehr Nordrhein, nicht

mehr Mitglied im Bundesverband BVTM ist.

Der neue Vorsitzende der Fachvereinigung,

Markus Gossmann: „Die Fachvereinigung

führt auf der nächsten Messe viele bewährte

Traditionen fort. Dazu gehören die gewerbepolitischen

Veranstaltungen ebenso wie die

weithin bekannte Tombola. Die Ausstellung

und die gewerbepolitischen Veranstaltungen

spiegeln eine Vielzahl neuer Themen,

die aktuell auf die Branche zukommen.

Neben klassischen Limousinen und Kleinbussen

sowie speziellen Fahrzeugen für

die Beförderung behinderter oder kranker

Fahrgäste umfasst das Ausstellerangebot

[...] auch Fahrzeuge mit neuen Antriebskonzepten.

Vielfältig sind auch die Angebote für

Informationstechnologie und Funktechnik

für Zentralen und Fahrzeuge sowie Zahlungssysteme.“

rw

HUB27 EINGEWEIHT

Die neueste und modernste Halle des Berliner Messegeländes,

Hub27, musste nach ihrer Fertigstellung noch

einen Corona-bedingten Dornröschenschlaf halten, doch

Anfang November gaben Halle und Halte beim Energiekongress

TBB21 mit Besuchern aus aller Welt ihren Einstand.

Halle 27, genannt Hub27 (das englische Wort hub steht für Basis,

Zentrum, Mittelpunkt, Angelpunkt), hat eine Taxi-Ladeleiste vor

dem Eingang und einen Bedarfs-Nachrückplatz südöstlich angrenzend.

Die Einfahrt an der Jafféstraße befindet sich zwischen der

Haupteinfahrt Messe Süd und der Ampelkreuzung Harbigstraße

und ist für Taxen ausgeschildert. Während größerer Veranstaltungen

ist Personal vor Ort, das die freien Taxen einweist.

Boto Töpfer, Erster Vorsitzender des Taxiverbandes Berlin, Brandenburg

e. V., der das Verkehrskonzept mit ausgearbeitet hat und

für den Taxi-Leitdienst am Messegelände verantwortlich ist, bittet

alle Kollegen vor Ort, die Anweisungen des Ordnungspersonals

zu befolgen.

ar

„INNUNG“ GRÜNDET GMBH

Am 1. Dezember hat der die Innung des

Berliner Taxigewerbes e. V. eine GmbH

zur Ersteintragung in das Handelsregister

angemeldet. Die Mitglieder hatten auf

ihrer Versammlung am 20. September dem

Vorstand die Gründung in Auftrag gegeben.

„Als 100-prozentiger Gesellschafter

der GmbH haben die Mitglieder der Innung

des Berliner Taxigewerbes e. V. einen wirtschaftlichen

Arm“, wie der Zweite Vorsitzende

Hayrettin Şimşek, besser bekannt

als Simi, erläutert. So können die Abrechnungskosten

für die Mitglieder gesenkt,

Berufsinteressen erweitert und zusätzliche

Einnahmen generiert werden. „Außerdem

gibt eine Rechtsform die Möglichkeit die

Dienstleistung zu erweitern und sich für

Ausschreibungen zu bewerben.“

Geschäftsführer wird der „Innungs“-

Vorsitzende Leszek Nadolski, sobald die

Eintragung in das Handelsregister vollzogen

ist. Bis dahin ist die „Servicegesellschaft

für das Berliner Taxigewerbe“, so

der Name, eine Vor-GmbH bzw. GmbH in

Gründung (Gmbh i. G.).

ar

HICO IST JETZT

IN DER RHINSTRASSE

Die Firma Hico Kraftfahrzeug-Kontrollgeräte GmbH, eine

der wichtigsten Berliner Taxameter-Werkstätten, hat

ihre Arbeit am neuen Sitz in Marzahn aufgenommen.

Die Räume in Tempelhof wurden aufgegeben. Der Umzug in die

Rhinstraße 50 a war nötig geworden, nachdem der Vermieter

Eigenbedarf angemeldet hatte. Man habe die neuen Gewerberäume

aber in aller Ruhe auswählen können und konnte auf eine gute

Erreichbarkeit mit dem Auto achten. Die Zufahrtsstraße zweigt

400 Meter nördlich des S-Bahnhofs Friedrichsfelde-Ost, direkt vor

einer Total-Tankstelle, rechts von der Rhinstraße ab.

Zu Hicos Dienstleistungsangebot gehören unter anderem die

Betreuung von Fahrtschreiber-Prüfstellen gemäß § 57b StVZO,

Archivierung der digitalen Daten von Fahrerkarte und Fahrtschreiber-Massenspeicher,

Einbau und Wartung von Hale- und

Semitron-Taxametern sowie die Konformitätsbewertung von

Taxametern.

ar

FOTOS: Axel Rühle/Taxi Times; Hico

4 4. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

BERLIN PLANT

FESTPREISE FÜR

STANDARDFAHRTEN

Der Senat will die neue Möglichkeit im PBefG nutzen, Taxi-Festpreise

für bestimmte Verbindungen wie z. B. vom Flughafen zum Messegelände

einzuführen. Die Taxiverbände setzten gleich noch zwei drauf.

GRAFIK: Taxi Times; Kartengrundlage: Open Street Map

Das Schreiben, das Anfang Oktober

aus dem Hause der scheidenden

Verkehrssenatorin in den Briefkästen

der Berliner Gewerbevertretungen

und weiterer Adressaten lag, sorgte zum

Teil für Begeisterung.

Der „Entwurf für eine Elfte Verordnung

zur Änderung der Verordnung über Beförderungsentgelte

im Berliner Taxiverkehr“

beinhaltet zwar nicht den erhofften komplett

gleichen Tarif für Berliner Taxen und

die aus dem Landkreis Dahme-Spreewald

(LDS), mit dem man Fahrgästen am Flughafen

gleiche Fahrpreise in allen Taxen

garantieren wollte, doch zumindest eine

gemeinsame Tarifstufe exklusiv für Fahrten

vom Flughafen aus.

Das ist auch der Grund, warum die

Berliner Verkehrsverwaltung und das

Landratsamt des LDS den Entwurf für

diese Verordnungsänderungsverordnung

gemeinsam verabschiedet haben. Er sieht

eine Beibehaltung beider Tarife innerhalb

ihres jeweiligen Pflichtfahrgebiets und für

Fahrten zum Flughafen vor. Nur Fahrten,

die am Flughafen beginnen, sollen eine

eigene Tarifstufe haben, deren Kilometerund

Wartezeitpreise und Degressionspunkt

zwischen denen der beiden bestehenden

Tarife liegen (siehe Tabelle).

VOM BER ZUM ALEX

FÜR 50 EURO

Als Pflichtfahrgebiet für alle am Flughafen

beginnenden Fahrten will der Senat

das jetzige Pflichtfahrgebiet für alle am

BER ladeberechtigten Taxen übernehmen.

Es umfasst neben Berlin und Potsdam

36 weitere Städte bzw. Gemeinden (siehe

QR-Code).

Die zweite bahnbrechende Neuerung liegt

im Vorschlag der Senatsverwaltung, erstmals

Festpreise für zwei besonders häufig

gefahrene Strecken einzuführen: Vom Flughafen

nach Westend zum Messegelände soll

es künftig pauschal 56 Euro kosten, vom

Flughafen zum Alexanderplatz 50 Euro.

Die zwei Standardstrecken dürften erst

der Anfang sein. Sowohl in der Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

(SenUVK) als auch im Taxigewerbe

sieht man es als erstrebenswert an, langfristig

viele Festpreise zwischen definierten

Orten oder Zonen einzuführen.

So ließe sich ein weiterer Wettbewerbsnachteil

gegenüber den Anbietern taxiähnlichen

Verkehrs peu à peu abschaffen: Das

TAXI 4. QUARTAL 2021

5


GEWERBE

Beispiel für einen Vorschlag einer Festpreiszone:

Wenn es nach den Verbänden geht,

kosten künftig alle Fahrten vom Flughafen

in die Zone „Alexanderplatz“ den gleichen

Fahrpreis.

Taxigewerbe wirbt zwar mit dem Vorteil der

Tarifpflicht, die dafür sorgt, dass eine Strecke

von A nach B zu jeder Zeit das gleiche

kostet, doch ganz genau steht der Fahrpreis

im Taxi eben erst am Ende der Fahrt fest. Bei

Uber & Co. erfährt ihn der Kunde bereits

kurz vor Fahrtantritt.

Das wird von Kundenseite sehr geschätzt,

auch wenn dabei gerne übersehen wird,

dass bei den Plattformanbietern die gleiche

Fahrt morgen drei Euro billiger sein

kann als heute und übermorgen viermal so

teuer. Ein Taxi-(Fest-)Preis ist heute, morgen,

übermorgen, bei geringer wie bei hoher

Auslastung und jedem Wetter gleich. Aus

Sicht der Berliner Gewerbevertretungen ist

die Einführung von Festpreisen eine begrüßenswerte

Innovation, die das Taxigewerbe

ein Stückweit fit für den Markt der Zukunft

machen kann.

Auf weniger Zustimmung stieß dagegen

ein anderer Aspekt des Senatsentwurfs:

Angesichts steigender Kraftstoffpreise und

bevorstehender Erhöhungen des Mindestlohns

hält man in der Branche nicht nur

den aktuellen Berliner Taxitarif für überholt.

Auch der Vorschlag des Senats für die

Flughafen-Tarifstufe wird laut „Innung“

des Berliner Taxigewerbes den steigenden

Kosten für die Unternehmen nicht gerecht.

Folglich setzten sich die Verbandschefs

und Taxi-Berlin-Geschäftsführer Hermann

Waldner Anfang November zusammen

und erarbeiteten einen eigenen Entwurf,

der erheblich höhere Kilometerpreise und

eine zweite Degressionsstufe beinhaltet.

Am Grundpreis von 3,90 Euro will auch

das Gewerbe nicht rütteln, doch soll der

Kilometerpreis auf den ersten drei Kilometern

von 2,20 auf 2,90 Euro steigen. An

dieser neuen Degressionsmarke sinkt der

Kilometerpreis nach Vorstellung der Verbände

dann auf zunächst 2,45 Euro. An der

zweiten Degressionsmarke bei Kilometer

7 soll der Kilometerpreis dann erneut sinken.

Heute kostet der Kilometer ab dieser

Marke 1,65 Euro, künftig nach Vorstellung

der Verbände 1,85 Euro. Die Wartezeit ab

der zweiten Minute soll statt 0,55 Euro dann

0,65 Euro pro Minute kosten.

WENN SCHON FESTPREISE,

DANN FÜR ZONEN

Den Zuschlag für fünf bis acht Personen

wollen die Verbände auf zehn Euro

verdoppeln, den für Gepäckstücke, die ein

Großraumtaxi erfordern, dagegen abschaffen

– eine zwischen den Verbänden nicht

unumstrittene Forderung.

Einig war man

sich hingegen in

der Zustimmung

zu Festpreisen für

häufig nachgefragte

Strecken. Auch hier

beschloss man im

Sinne einer vorausschauenden

Planung,

noch einen

draufzusetzen,

Pflichtfahrgebiet

für Fahrten

ab dem Flughafen

BER

und sprach sich nicht nur für eine weitaus

höhere Anzahl von Standardstrecken aus,

sondern zudem für eine Lösung mit sogenannten

Zonen.

Da es direkt am Alexanderplatz nur genau

ein Hotel gibt, im Umkreis von einem Kilometer

jedoch Dutzende weitere, erachtete

man es als sinnvoll, die nähere Umgebung

in die Festpreislösung mit einzubeziehen

und eine Zone festzulegen, innerhalb derer

alle Punkte zum gleichen Fahrpreis von

Flughafen aus anzufahren sein sollen. Beim

Messegelände mit seinen mehr als fünf

Zugängen ist eine solche Lösung ohnehin

erforderlich.

Da die SenUVK einen relativ engen

Zeitrahmen für eine Stellungnahme vorgegeben

hatte, beauftragten die Verbände im

Schnellverfahren die Ausarbeitung von Kriterien

für die Definition solcher Zonen und

sofort auch einen Entwurf für insgesamt elf

Festpreiszonen nach ausgeklügelten Kriterien

und mit exakt festgelegten Begrenzungen,

die sie in Text- und Kartenform am 10.

November als Anlage zu ihrem Tarifantrag

an die SenUVK schickten.

VERGLEICH DER AKTUELLEN TAXITARIFE IM LDS UND IN BERLIN MIT DER GEPLANTEN

FLUGHAFEN-TARIFSTUFE UND DEM VON DEN VERBÄNDEN BEANTRAGTEN TARIF

Vergleich

aktueller

LDS-Tarif

Mo - Fr 6-22 h /

Nacht + WE

Senatsvorschlag

Flughafen-

Tarifstufe

Aktueller

Berliner Tarif

Von Verbänden

beantragter

Berliner Tarif

ab 1.2.2022

von Verbänden

angestrebter

Berliner Tarif bei

Mindestlohn 12 €

Grundpreis 3,90 € 3,90 € 3,90 € 3,90 € 3,90 €

Kurzstrecke bis 2 km (nur Winker) - - 6,00 € 6,00 € 6,00 €

km-Preis für Anfahrt 0,70 € - - - -

km-Preis bis 3 km 2,10 € / 2,20 € 2,20 € 2,30 € 2,90 € 3,50 €

km-Preis 3 bis 5 km 1,70 € / 1,80 € 2,20 € 2,30 € 2,45 € 2,85 €

km-Preis 5 bis 7 km 1,70 € / 1,80 € 1,75 € 2,30 € 2,45 € 2,85 €

km-Preis ab 7 km 1,70 € / 1,80 € 1,75 € 1,65 € 1,85 € 2,10 €

Wartezeit ab der 2. min pro min 0,47 € 0,50 € 0,55 € 0,65 € 0,65 €

Zuschlag BER-Schranke 1,50 € 1,50 € - 1,50 € 1,50 €

Zuschlag ab 5 Pers. 5,00 € 5,00 € 5,00 € 10,00 € 10,00 €

Zuschlag f. Gepäck (Kofferraum) 1,00 € - - - -

Zuschlag f. Gepäck (Großraum) - 5,00 € 5,00 € - -

Zuschlag f. Coupon, RF usw. - 1,50 € 1,50 € 1,50 € 1,50 €

Festpreis BER Messe Berlin - 56,00 € - 69,00 € -

Festpreis BER Alexanderplatz - 50,00 € - 61,00 € -

GRAFIK: Axel Rühle; Kartengrundlage: Open Street Map

6 4. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

VON DEN TAXIVERBÄNDEN VORGESCHLAGENE ZONEN FÜR FESTPREISFAHRTEN VOM FLUGHAFEN BER

Bezeichnung

Ungefähre Begrenzungen (von Norden aus im Uhrzeigersinn)

Festpreis

ab BER

Messegelände Theodor-Heuss-Platz, Kaiserdamm, Ringbahn, Spandauer S-Bahn, Jafféstr., Heerstr. 69,00 €

Zoo

Straße des 17. Juni, Hofjägerallee, Tiergartenstr., Genthiner Str., Kleiststr., Lietzenburger Str.,

Schlüterstr.

65,00 €

Olympiastadion Hempelsteig, Bahntrasse, S-Bahn-Trasse, Waldstück westlich der Waldbühne 74,00 €

Regierungsviertel

mit Hauptbahnhof

Chausseestr., Friedrichstr., Spree, Alt-Moabit, Invalidenstr., Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal,

Panke

64,00 €

Unter den Linden Spree, Unter den Linden, Scheidemannstr., Kanzleramt 62,00 €

Potsdamer Platz

Behrenstr., Spree, Mühlendamm, Fischerinsel, Wallstr., Axel-Springer-Str., Rudi-Dutschke-

Str., Schöneberger Str., Reichpietschufer, Hiroshimastr., Tiergartenstr., Ebertstr.

61,00 €

Alexanderplatz Weinmeisterstr., Münzstr., Alexanderstr., Spree, Burgstr., Hackescher Markt, Rosenthaler Str. 61,00 €

Kollwitzplatz

Bernauer Str., Danziger Str., Kniprodestr., Am Friedrichshain, Otto-Braun-Str., Alexanderstr.,

Münzstr., Weinmeisterstr., Rosenthaler Str., Brunnenstr.

63,00 €

Warschauer Straße Karl-Marx-Allee, Frankfurter Allee, Gürtelstr., Ringbahn, Spree, Andreasstr. 55,00 €

Urban Tech Rebublic Flughafenzaun, A 111 79,00 €

WISTA Adlershof Bahntrasse am Adlergestell, Ernst-Ruska-Ufer, Hermann-Dorner-Allee, Igo-Etrich-Str. 33,00 €

Kriterien für jede Zone waren unter anderem,

dass die Begrenzungen einer möglichst

klaren Linie folgen und nicht zu schwer zu

erfassen sein sollten, dass die Entfernung

zum Flughafen innerhalb der Zone nicht

zu sehr schwanken sollte und dass möglichst

viele Hotels von den Festpreisen profitieren

sollten. In die Anlage kamen so elf

Vorschläge für Zonen (siehe Tabelle), von

denen einige klar auf die Zukunft ausgerichtet

sind, etwa eine Zone „WISTA Adlershof“

und eine Zone „Urban Tech Republic“, die

den künftigen Technologiestandort auf dem

Gelände des früheren Flughafens Tegel

umfasst. Die „Kernzonen“ sind aber neben

dem Messegelände vor allem innerstädtische

Gebiete etwa um den Alexanderplatz,

den Potsdamer Platz und die Zoogegend.

Der Vollständigkeit halber waren auch

Preisvorschläge Teil der nachgereichten

Anlage zum Tarifentwurf. Dabei wurde für

jede Zone der Mittelwert aus dem am weitesten

und dem am nächsten zum Flughafen

gelegenen Punkt gebildet, der Fahrpreis

nach dem heute gültigen Tarif berechnet,

dem resultierenden Betrag zwölf Prozent

aufgeschlagen und schließlich der künftige

Zuschlag von 1,50 Euro addiert.

Die Verbandsvertreter erwarten nicht,

dass die SenUVK gleich dem kompletten

Antrag zustimmt. Laut Leszek Nadolski, dem

Ersten Vorsitzenden der „Innung“, wünscht

man sich in erster Linie eine Erhöhung der

Fahrpreise, um die wirtschaftliche Not des

Gewerbes zu entschärfen, und um die Festpreiszonen

überhaupt zu etablieren. „Wenn

der Senat fünf oder sechs der vorgeschlagenen

Zonen übernimmt, sind wir schon sehr

froh über den guten Anfang. Langfristig

werden zehn oder elf Zonen nicht alles sein.

Das utopische Ziel ist, für fast alle Taxifahrten

Festpreise anzubieten, um eine perfekte

Preistransparenz zu erzielen.“

Um noch weiter in die Zukunft zu

denken, haben die Verbände bereits die

übernächste Tarifanpassung mit entworfen.

Mit Anhebung des Mindestlohns auf

zwölf Euro werde dies zwangsläufig erforderlich

werden, so ein Vorstandsmitglied

des Taxiverbandes Berlin/Brandenburg.

Die ersten drei Kilometer sollen dann

jeweils 3,50 Euro kosten, der vierte bis

sechste jeweils 2,85 Euro und alle Kilometer

ab dem siebten jeweils 2,10 Euro.

Dieser für später angedachte Tarif

wurde aber im letzten Moment aus

dem Antrag an den Senat entfernt. Man

müsse den übernächsten Schritt nicht

schon jetzt vorwegnehmen. Man wolle

sich zunächst darauf konzentrieren, die

Einführung der ersten Festpreiszonen

gemeinsam mit dem Senat sorgfältig und

sinnvoll umzusetzen.

ar

UNTERSCHIEDLICHE TARIFE

Berlin und der LDS haben Taxitarife, die

zwar für kurze und mittlere Strecken

keine großen Preisunterschiede ergeben,

von der Struktur her aber kaum

unterschiedlicher sein könnten. Der

LDS-Tarif ist auf eine ländliche Region

mit großen Entfernungen und längeren

FOTO: Axel Rühle/Taxi Times

Rückfahrten ausgelegt, der Berliner

Tarif auf Großstadtverkehr. Den Grundpreis

und den Zuschlag ab fünf Personen

haben beide Tarife gemeinsam.

Die Preise für Anfahrt, Besetztkilometer,

Wartezeit und Gepäckzuschläge

sind aber unterschiedlich. Berlin hat

gegenwärtig noch keinen Flughafenzuschlag

für den BER, dafür einen

Kurzstreckentarif. Der LDS hat werktags

von 6 bis 22 Uhr einen niedrigeren

Tarif als nachts und am Wochenende.

Die Degression erfolgt in Berlin nach

dem siebten Kilometer, im LDS bereits

nach dem dritten. In der LDS-Tarifverordnung

findet sich die unpraktikable

Formulierung „Gepäckstück, das nicht

in einen Limousinenkofferraum passt“,

in Berlin wurde der Zuschlag für sperrige

Gepäckstücke, den viele Fahrer gar

nicht genau kannten, mit der letzten

Tarifänderung abgeschafft – außer für

„Gegenstände, die ein Großraumtaxi

erfordern“.

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

7


DAS TAXI

HAT SEINEN PLATZ

IM KOALITIONSVERTRAG

Zukunftsmodell „Jelbi“

Im 150-Seiten-Papier, das die Koalitionäre für Berlin vorgelegt haben,

kommt elfmal das Taxi als Wort oder Wortteil vor, unter anderem bei

Inklusionsförderung, E-Mobilität, Halteplätzen und beim Flughafen.

Das „Taxiwesen“ wird als wichtiger

ÖPNV-Bestandteil bezeichnet. Im

Abschnitt „Mobilität“ ist ein kompletter

Absatz dem Taxiverkehr gewidmet.

Darin findet sich die Aussage: „Die

Koalition wird sich in Verhandlungen mit

dem Landkreis Dahme-Spreewald für ein

Laderecht aller Berliner Taxen am Flughafen

BER einsetzen“, was im letzten Jahr

allerdings auch schon geschah.

Die Abkehr vom Verbrennungsmotor will

die Koalition gezielt auch im Taxigewerbe

vorantreiben, nicht nur durch eine Fortsetzung

der Förderung. Auch das Laden soll

eines Tages während des Wartens

am Halteplatz möglich sein: „Die

Nutzung im Betrieb CO2-freier

Fahrzeuge wird durch Vorgaben,

Förderung und Ausbau der Ladeinfrastruktur

an Halteplätzen

unterstützt.“

Für den Erhalt der Halteplätze

haben sich die Landesverbände

immer wieder eingesetzt. Dieses

Engagement wird in dem Papier gewürdigt:

„Mit den Bezirken wird ein Moratorium vereinbart,

nach dem bis zur Vorgabe gemeinsam

entwickelter qualitativer Kriterien zur

Bereitstellung von Taxi-Halteplätzen keine

weiteren Halteplätze wegfallen. Eine Ausnahme

gilt für Maßnahmen zur Umsetzung

des Mobilitätsgesetzes. Bei der Änderung

oder Reduzierung von Halteplätzen soll das

Taxigewerbe einbezogen werden.“

Ein Missstand, mit dem man in der

neuen Legislaturperiode offenbar aufräumen

möchte, sind die mangelnden Aktivitäten

der Kontrollbehörde: „Die Koalition

will das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten

(LABO) stärken und

seine Organisationsstrukturen bis Mitte

des Jahres 2023 im Rahmen eines Organisationsgutachtens

überprüfen.“ Die Stärkung

hat bereits beim Personal begonnen

(siehe Seite 10).

Die Formulierung

„sinnvoll gesteuert“

ist im Sinne

eines fairen Wettbewerbs

höchst bedeutend.

Zudem will der künftige Senat ausgiebig

von den neuen Möglichkeiten der PBefG-

Novelle Gebrauch machen: „Die Koalition

wird den Gestaltungsspielraum der Kommunen

[...] zum Schutz der Beschäftigten

ausschöpfen und klare Regelungen für alle

Verkehrsformen und Geschäftsmodelle im

öffentlichen Verkehr vorgeben. Für Mietwagen-,

gebündelte Bedarfsverkehre und

Taxiverkehre wird die Koalition bis Mitte

des Jahres 2022 Vorgaben unter anderem

zu Sozialstandards, Mindest- und Höchstpreisen,

Festpreisen und Anteil barrierefreier

Fahrzeuge, Poolingquoten bei

Bedarfsverkehren sowie räumlichen und

zeitlichen Beschränkungen auf Gebiete mit

unzureichendem ÖPNV machen. Dazu wird

eine Arbeitsgruppe aus Senatsverwaltung,

Koalitionsfraktionen und Verbänden eingerichtet.

Das Förderprogramm Inklusionstaxen

wird fortgeführt und überarbeitet.“

Den Regelungsbedarf hat der künftige

Senat also auf dem Schirm. Doch

wird er ein ausgewogenes Regelwerk

zustande bringen, das nicht nur

Lohndumping bei Fahrern, sondern

auch Preisdumping bei den Anbietern

abschafft? Nachdem die Forderung

des Taxigewerbes nach Mindestpreisen

für Mietwagen nicht im PBefG

festgesetzt wurde, sondern lediglich

den Ländern und Kommunen ermöglicht,

sind die Gewerbeverbände weiterhin als

Berater gefragt. Was die Festpreise für das

Taxigewerbe betrifft, so ist der erste Schritt

bereits in die Wege geleitet: Das LABO hat

kürzlich Festpreise vom Flughafen zum

Alexanderplatz und zum Messegelände

FOTOS: Axel Rühle/Taxi Times

8 4. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

NEUE RESSORTS

UND NEUE NAMEN

Künftig sollen keine Taxihalteplätze mehr wegfallen. Dann ist auch niemand mehr gezwungen,

sich unerlaubt bereitzuhalten (Beispiel Ostkreuz).

vorgeschlagen, worauf die Berliner Taxiverbände

mit einem sehr viel weitergehenden

Konzept für Festpreiszonen reagiert haben

(siehe Seite 5).

Die neuen Möglichkeiten der Datenauswertung

will man ausgiebig nutzen: „Die

Koalition schafft die Voraussetzungen, dass

alle Anbieter*innen von Mobilitätsdienstleistungen

an eine digitale, öffentliche

Plattform angebunden werden und anonymisiert

planungs-, buchungs- und auslastungsrelevante

Daten einspeisen müssen.

BINDET DER SENAT DAS TAXI IN

ON-DEMAND-DIENSTE EIN?

Angestrebt wird, dass Standards hinsichtlich

der räumlichen und zeitlichen

Abdeckung, der Beschäftigtenrechte, der

Barrierefreiheit, Einrichtungen zur Erhöhung

der Verkehrssicherheit und klimaschonender

Antriebe verankert werden.

Jelbi wird mit dem Ziel, ein durchgehendes

Ticketing anzubieten, weiterentwickelt,

die Mobilitätshubs sollen weiter ausgebaut

werden.“ Keine Frage: Das, was datenhungrige

Konzerne oft übertreiben, tun öffentliche

Verwaltungen bisher viel zu wenig.

Wer das Kundenverhalten nicht auswertet,

kann auch kein bedarfsgerechtes Angebot

entwickeln. Hier hat Taxi Berlin durch die

Jelbi-Kooperation mit der BVG bereits eine

wichtige Weiche gestellt.

Ein letztes Mal im Vertragstext taucht

das Taxi bei der Elektromobilität auf: „Die

Umstellung des Wirtschafts- und Taxiverkehrs

auf elektrische Antriebe wird weiter

gefördert.“

Ein Satz, der auf die Vorbereitung von

On-Demand-Diensten hindeutet, lautet:

„Eine Haltestelle mit attraktiver Taktung

soll zukünftig nicht weiter als 400 Meter

vom Wohnort entfernt sein.“ Wollte man

diese Vorgabe für sämtliche Wohnadressen

Berlins umsetzen, so wären wohl nicht nur

etliche neue Buslinien bzw. Verzweigungen

des bestehenden Netzes nötig. Bei der

Erschließung von Randgebieten kommen

auch kleinere Fahrzeuge ins Spiel. Dazu

heißt es im Vertrag: „In untererschlossenen

Gebieten mit derzeit schwacher Nachfrage

will die Koalition Kleinbusverkehre und

Rufbusse ohne taxiähnliche Verkehrsleistung

zur Anbindung an das ÖPNV-Netz

ausbauen.“

Ein Absatz wenige Seiten weiter dürfte

dann spätestens die Alarmglocken im

Taxigewerbe klingeln lassen: „Sharing-

Angebote können – sinnvoll gesteuert – ein

wichtiger Baustein für die Verkehrswende

sein. Die Koalition wird eine Regulierung

der Sharing-Angebote im Sinne der Verkehrswende

einschließlich qualitativer

Die Berliner Senatsressorts werden

zum Teil neu zugeschnitten. Die

Grünen behalten das Ressort, das

Regine Günther demnächst abgibt,

das um den Bereich Verbraucherschutz

erweitert wird. Am Köllnischen

Park befindet sich dann

voraussichtlich die Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz

und Verbraucherschutz.

Senatorin wird Bettina Jarasch

(siehe Seite 17).

Von der Linken bekommt die SPD

das Ressort für Stadtentwicklung

zurück, das sie bereits von 1996

bis 2016 innehatte. Als Senator im

Gespräch ist der Stadtplaner und

zeitweise Flughafen-Chef Engelbert

Lütke-Daldrup.

Von den Grünen übernimmt die

SPD die Senatsverwaltung für Wirtschaft,

Energie und Betriebe in der

Martin-Luther-Straße, bis jetzt von

Ramona Pop geleitet.

Als Sensation gilt die Übernahme

des Finanzressorts unter Matthias

Kollatz (SPD) in der Klosterstraße

durch die Grünen.

Die Linke behält die Senatsverwaltung

für Integration, Arbeit

und Soziales, deren Senatorin Elke

Breitenbach voraussichtlich von

Katja Kipping abgelöst wird. Die

SPD behält das Innenressort unter

Andreas Geisel. ar

Standards umsetzen und Sharing-Angebote

konzessionieren. Durch diese soll eine

Ausweitung des Angebots auch außerhalb

des S-Bahn- Rings realisiert werden. Die

Koalition wird zusammen mit den Bezirken

anbieterneutrale Stellplätze auf Parkplätzen

und Fahrbahnen ausweisen, die von

den Nutzern der Sharing-Angebote zu verwenden

sind.“ Wird der Senat hier seinen

Fehler, eine neu aus dem Boden gestampfte

Flotte („Berlkönig“) statt des Taxigewerbes

einzusetzen, korrigieren, oder wird das

Taxigewerbe weiterhin staatlich finanziert

kannibalisiert werden?

Die Formulierung „sinnvoll gesteuert“ ist

daher im Sinne eines fairen Wettbewerbs

höchst wichtig. Sicherlich lauern Uber, Bolt,

Free Now & Co. bereits auf Möglichkeiten,

auch Taxihalteplatz-ähnliche Stellflächen

für ihre Partner einzurichten. Ob man sich

in der Senatsverwaltung dieser Gefahr

bewusst ist?

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

9


GEWERBE

In das Gebäude der Führerscheinbehörde hatten Mitarbeiter des LABO die Taxi-Times-Redaktion zum Gespräch eingeladen.

Fotos von Personen wurden auf Wunsch der Mitarbeiter nicht gemacht.

DIE TUN ENDLICH WAS

Wegstreckenzähler, Betriebsprüfung nach sechs Monaten, geplante

Personalaufstockung: Im Gespräch mit der Taxi-Times-Redaktion

haben Mitarbeiter des LABO über ihre Aktivitäten berichtet.

Die berüchtigten 20-Monats-GmbHs

haben es im Mietwagengewerbe in

Berlin nicht mehr leicht. Das liegt

aber erst in zweiter Linie daran, dass die

Unternehmer keine Ausnahmegenehmigungen

mehr hinterhergeworfen bekommen.

Die Wegstreckenzähler liefern gar

keine sonderlich relevanten Daten. Vielmehr

habe man sich seit Anfang 2021 beim

Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten

(LABO) vorgenommen,

jeden Betrieb bereits nach sechs Monaten

zu prüfen.

In wie viel Prozent der Fälle ist das bis

jetzt gelungen? „In allen, und ich hoffe, das

können wir weiterhin leisten“, antwortet

in nüchternem Ton Günter Schwarz, der

an einem Vormittag Anfang November am

Besprechungstisch zwischen Ulrike Frey

und Alexandra Bittner sitzt. Schwarz ist

seit einem Jahr Gruppenleiter für Personenbeförderung

beim LABO. Die Statistik

zeigt, dass Schwarz’ Strategie Erfolg hat:

Exakt seit Januar 2021 ist die Zahl der

Mietwagenkonzessionen in Berlin nicht

mehr am Explodieren, sondern stagniert.

Es sind keine 5.000 geworden, wie viele

vorausgesagt hatten. Ende Oktober waren

es 4.323, ein Vierteljahr zuvor noch 4.645.

Dass Schwarz im Sommer – gemeinsam

mit Verkehrssenatorin Regine Günther

– eine Strafanzeige erhalten hat, weiß er

bisher nur von einem der fünf Unternehmer,

die ihn angezeigt haben, und aus dem

Interview in der letzten Taxi Times Berlin.

Von einer Strafverfolgungsbehörde hat das

LABO diesbezüglich keinerlei Nachricht

erhalten – ein Hinweis darauf, dass bislang

kein Ermittlungsverfahren

eröffnet worden

ist.

Gastgeberin der

Unterredung war

Ulrike Frey, die über

die Strafanzeige und

das Interview stärker

aufgebracht wirkte als

Schwarz selbst, ist sie

doch als Abteilungsleiterin

auch für den

Ruf der Abteilung III

verantwortlich. Frey

erklärt, dass einiges an

negativem Gerede über

das LABO daher rühre, dass viele Dinge

nicht so ablaufen, wie mancher Antragsteller

es sich vorstelle. Da würden auch Erklärungen

über die Abläufe bei einer Behörde

nicht verstanden, und dann einfach negative

Urteile gefällt – und womöglich gleich

über alle möglichen Kanäle verbreitet, auf

denen sich selten jemand die Mühe mache,

etwas zu hinterfragen.

Nichts gegen schwarze Schafe zu tun,

den Schuh wollen alle drei sich nicht

Die Mietwagen haben die Taxen in Berlin zahlenmäßig nicht wie

befürchtet überholt.

FOTOS: Axel Rühle/Taxi Times

10 4. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

anziehen, auch nicht Alexandra Bittner

die zuständige Referatsleiterin für diesen

Bereich. Mit der verfügbaren Personaldecke

arbeite man sehr effektiv. Mit 2.000

Fotos, auf denen lediglich in zweiter Reihe

haltende Mietwagen zu sehen seien,

die aber keinerlei Beweiskraft hätten,

sei beim besten Willen nichts

gegen unseriöse Mietwagenbetriebe

auszurichten. Das binde nur

unnötig Arbeitszeit in der Puttkamerstraße.

Das LABO könne zwar

Ordnungswidrigkeiten ahnden,

aber keine Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.

Dafür sei die

Polizei zuständig, nicht die Genehmigungsbehörde.

Diese könne stattdessen

Betriebsprüfungen vornehmen

und sich Geschäftsunterlagen

vorlegen lassen. Auch dies ergebe

schon gelegentlich einen Grund für

Sanktionen.

Hätte das LABO bestimmte Missstände

nicht schon vor zwei, drei

Jahren angehen können? Schwarz, der

bis vor einem Jahr einen anderen Fachbereich

hatte, lehnt es ab, die Arbeit seiner

Vorgänger zu beurteilen. Ebenso wenig

will er sich zur Praxis der Hamburger

Im Juni 2019 berichtete Taxi Times über die „Wildwest"-

Methoden von Uber & Co. und die Untätigkeit der Behörden,

doch inzwischen tut sich etwas.

Genehmigungsbehörde äußern, zu der

ein kollegiales Verhältnis gepflegt werde.

Auf konkrete Nachfrage erklärt Schwarz,

dass Hamburg und Berlin unterschiedliche

Städte mit teils sehr verschiedenen Voraussetzungen

und Zuständigkeiten seien,

und dass es daher keine Behördenwillkür

sei, wenn ein Unternehmer in Hamburg

mit seinen 100 Mietwagen abgelehnt

werde, diese dann aber in Berlin auf die

Straße brächte. Man könne nicht bei jedem

Taxi- oder Mietwagenunternehmer prognostizieren,

ob dieser mit einer gewissen

Wahrscheinlichkeit künftig Rechtsbrüche

begehen werde.

Das LABO ist zuversichtlich,

durch das Installieren eines

zusätzlichen Sachgebietes mehr

Kontrollen als bisher durchführen

zu können und auch häufiger

Leute in die Betriebe schicken zu

können, um „Dinge in Ordnung

zu bringen, die bisher unter

dem Radar laufen“. Mit diesem

Wunsch nach mehr Personal

rennt er beim Taxigewerbe offene

Türen ein, allerdings seien die

erforderlichen Mittel hierfür noch

nicht gesichert. Doch auch hier

besteht für das LABO noch etwas

Hoffnung. Zwar habe der Senat

den Doppelhaushalt 2022/2023

lange verabschiedet, doch mit

der Bildung eines neuen Senats

mit einer neuen Person auf dem Posten

von Regine Günther ließen sich vielleicht

einige Karten nochmal neu mischen. Man

müsse dann im richtigen Moment den Fuß

in die Tür bekommen.

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TAXI 4. QUARTAL 2021

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11


WETTBEWERB

TÖDLICHER KONKURRENZKAMPF

AUF DEM RÜCKEN DER FAHRER

Ende Oktober hatten zwei Mietwagenfahrer selbst verschuldete

Kollisionen mit Straßenbahnen. Es ist offenbar kein Zufall, dass beide

Unfälle sich spät nachts, am Ende langer Schichten, ereigneten.

Die beiden Kollisionen haben einige

Parallelen: Im Abstand von 24

Stunden hatten zwei Toyota Prius

Plus, die typischen Mietwagen, deren Besitzer

für Plattformen wie Uber, Free Now

und Bolt arbeiten, jeweils eine Kollision

mit einem Straßenbahnzug. Verschuldet

wurden sie jeweils vom Mietwagenfahrer,

wie aus zahlreichen Medienberichten

hervorgeht.

Beim ersten, sehr viel schwereren Unfall

war ein Fahrer mit drei jungen Fahrgästen

in Alt-Hohenschönhausen auf der Landsberger

Allee stadteinwärts unterwegs.

Neben der nördlichen Fahrbahn verläuft

hier parallel eine Straßenbahntrasse der

Linien M6 und 16. Als er gegen 0:30 Uhr

nach rechts in die Liebenwalder Straße

abbog, missachtete er laut Zeugenaussagen

das rote Lichtsignal der Abbiegeampel. So

kam es zur Kollision mit einem stadtauswärts

fahrenden, also entgegenkommenden

Straßenbahnzug.

Der Pkw wurde so schwer beschädigt,

dass die Feuerwehr Mühe hatte, die vier

Personen aus dem Fahrzeug zu schneiden.

Der Mietwagenfahrer starb noch am

Unfallort, der 25-jährige Fahrgast erlag

nach anfänglicher Reanimation später

im Krankenhaus seinen Verletzungen,

die anderen beiden Fahrgäste überlebten

schwerverletzt. Der Straßenbahnzug, der

den Toyota auf dessen Fahrerseite erfasste

und mitschleifte, entgleiste.

Der Straßenbahnfahrer erlitt einen

Schock, die Fahrgäste kamen mit dem

Schrecken davon. Während die Verletzten

Mietwagen-Fahrgäste von Ersthelfern

versorgt wurden, machten Gaffer Fotos

und Videos mit dem toten Fahrer und den

Schwerverletzten und standen den Rettungskräften

im Weg.

NUR EINEN TAG SPÄTER

DER NÄCHSTE UNFALL

Sehr viel glimpflicher ging 24 Stunden

später der Zusammenstoß in Moabit ab, bei

dem ein 52-jähriger Mietwagenfahrer in

der Clara-Jaschke-Straße die Vorfahrt der

von rechts kommenden Straßenbahn missachtete.

Beim Zusammenstoß wurde der

Fahrer leicht verletzt und beide Fahrzeuge

erheblich beschädigt.

Die beiden Unfälle haben Parallelen. Ein

Fahrer war gerade für Uber unterwegs, der

andere für Bolt, aber das ist unerheblich.

Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die

Fahrer mit Billig-Mietwagen unterwegs

waren, mit denen sie in Berlin und vielen

weiteren Großstädten zu Tausenden taxiähnlichen

Verkehr durchführen.

Die Werbestrategen von Uber bezeichnen

ihre Fahrer als „professionell“. Es stellt sich

aber die Frage, ob Fahrer, die für Uber, Free

Now und Bolt unterwegs sind, tatsächlich

dauerhaft so professionell agieren können,

wie man es von jedem Autofahrer, von

gewerblichen Fahrern noch etwas mehr,

erwarten darf. Uhrzeit und Ablauf beider

Unfälle lassen es denkbar erscheinen, dass

die Fahrer ihre Aufmerksamkeitsspanne

lange überschritten hatten – und zudem

unter enormem Stress standen.

Ein Kommentator der entsprechenden

Taxi-Times-Onlinemeldung mutmaßt, die

Fahrer mit Aufträgen für Uber, Free Now

und Bolt müssten aufgrund ihrer fehlenden

Ortskunde ständig auf ihre Navigationsgeräte

blicken. „Wir alle kennen ja ihre plötzlichen

Spurwechsel über 2 Fahrbahnen“

– da entgehe ein rotes Ampellicht zwischen

vielen grünen schon mal der eingeschränkten

Aufmerksamkeit.

Manche jungen Fahrer mögen die Tätigkeit

für Uber & Co. ausprobieren – des Spaßes

und des vermeintlich schnellen Geldes

wegen. Die beiden Unfallverursacher aber

waren zwischen Mitte 40 und Mitte 50, was

eher eine prekäre Berufsausübung nahelegt

und die Frage nach der Einhaltung

der Lenkzeiten aufwirft. Den Vorwurf der

Umgehung bestehender Rechtsvorschriften

weisen die Plattformvermittler strikt von

FOTO: Axel Rühle/Taxi Times

12 4. QUARTAL 2021 TAXI


WETTBEWERB

sich. Sie erklären in diesen Fällen stets,

dass sie ihre angeschlossenen Partner vertraglich

zur Einhaltung sämtlicher Rechtsvorschriften

verpflichten, und dass sie im

Falle eines Verstoßes auch vertragsrechtliche

Konsequenzen ziehen würden – bis

hin zum Ausschluss von der Vermittlung.

Dies steht allerdings im Widerspruch

zum Geschäftsmodell dieser app-basierten

Fahrtenvermittler: Ein Mietwagenanbieter,

der von Uber, Free Now und Bolt vermittelte

Fahrten durchführt, macht bei Einhaltung

der wichtigsten rechtlichen Vorschriften

keinen Gewinn und wäre in kürzester

Zeit pleite. Ohne Mietwagenpartner lassen

sich allerdings keine Fahrten vermitteln.

Ohne Fahrtenvermittlung kann man keine

Kunden bedienen und auch keine Vermittlungsprovisionen

vom Mietwagenpartner

kassieren. Ohne Kunden und ohne Einnahmen

könnten die Plattformen wiederum die

Renditeerwartungen der milliardenschweren

Kapitalgeber nicht erfüllen.

Das System von Uber, Free Now, Bolt &

Co. funktioniert folglich nur, wenn eine

große Masse an Fahrten vermittelt wird.

Das wiederum ist nur möglich, wenn möglichst

viele Mietwagen unterwegs sind.

Wenn Uber & Co. also tatsächlich wie

versprochen ihre Partner aufgrund ihrer

Rechtsverstöße konsequent von der Vermittlung

ausschließen würden, würden sie

permanent an dem Ast sägen, auf dem sie

selbst sitzen.

Erschwerend kommt hinzu, dass innerhalb

des Segments App-basierter Fahrtenvermittler

der Konkurrenzkampf immer

größer wird. Vor einigen Jahren wechselte

mytaxi die Seiten und bietet über

seine Mobilitäts-App „Free Now“ seitdem

ebenfalls Mietwagenfahrten an, immer

darauf bedacht, preislich attraktiver als der

Wettbewerber zu sein. In Berlin und Wien

mischt zudem Bolt mit und dreht ebenfalls

an der Dumpingschraube.

Für die Wettbewerber bedeutet das nicht

nur einen Wettkampf um die Kunden,

sondern auch ein Tauziehen um die meist

schlecht bezahlten Mietwagenfahrer, die

sich bei einer „monogamen“ Partnerschaft

oft nur mit Schwarzarbeit und Aufstockung

beim Arbeitsamt über Wasser halten können.

Wer hingegen mit mehreren Apps

arbeitet, hat mehr Auftragsoptionen, wenn

auch weniger Pausen, und kann zudem

seine Verstöße gegen die Rückkehrpflicht

besser verschleiern.

ZUCKERBROT BEI DEN EINEN,

PEITSCHE BEI DEN ANDEREN

Um die Fahrer eng an sich zu binden,

schüchtern die Anbieter sie gerne auch

mal ein. Kurz nach dem Markteintritt von

Bolt kamen erste Gerüchte auf, dass Uber

diejenigen Fahrer sperren würde, die sich

auch bei Bolt angeschlossen hatten. Beide

Firmen werden sich deswegen demnächst

vor Gericht treffen.

Während Uber also die Peitsche ausgepackt

hat, versuchen es Bolt und Free Now

mit dem Zuckerbrot: Sie haben Bonusprogramme

aufgelegt, mit denen sie ihren

Fahrern möglichst keine Zeit lassen wollen,

auch Aufträge der Konkurrenz auszuführen:

Wer innerhalb einer Woche 150

Bolt-Aufträge ausführt, soll eine Prämie

von 300 Euro erhalten. Bei Free Now wiederum

bekommen Fahrer, die zwischen

Freitagabend und Sonntagabend 60 Aufträge

ausführen, angeblich 440 Euro Bonus

– ein Anreiz, dem ein ansonsten schlecht

bezahlter Fahrer sicherlich schwer widerstehen

kann.

Zwischen Freitagabend und Sonntagabend

ist auch der Zeitraum, in dem sich

die erwähnten Unfälle zugetragen haben.

Ist das Zufall?

Man kann versuchen, sich in einen Fahrer

solcher Billig-Mietwagen hineinzuversetzen:

Man hat die ganze Woche oder das

ganze Wochenende Tag und Nacht fleißig

Aufträge ausgeführt und kommt der Prämie

mit jeder Fahrt näher. Doch mit dem

Näherrücken der Deadline wächst auch der

Druck, und der Fahrer muss überlegen, wie

viel Risiko er eingeht: Wo ist es unwahrscheinlich,

geblitzt zu werden, wie verkraftbar

sind ein paar 30-Euro-Bußgelder

wegen Geschwindigkeitsübertretungen im

Vergleich zu 440 Euro Bonus? Wie groß ist

die Wahrscheinlichkeit, für einen Rotlichtverstoß

belangt zu werden, mit dem man

höchstwahrscheinlich niemandem etwas

antut, wenn man ihn nachts in menschenleeren

Straßen begeht?

Womöglich ist das junge, angeheiterte

Partyvolk im Auto sogar begeistert und

johlt angesichts der draufgängerischen

Fahrweise, die der Fahrer nicht als Gefallen

für seine Fahrgäste, sondern aus purer

Bonusjagd an den Tag legt. Und irgendwann

einmal übersieht man doch mal eine

Gefahr – im schlimmsten Fall eine tödliche.

Für die Kunden hat das verlockend günstige

Mietwagenangebot also eine Kehrseite.

Wer sich darauf einlässt, liegt nicht nur der

Allgemeinheit auf der Tasche, sondern riskiert

zudem hohe Sicherheitseinbußen. Den

meisten Kunden dürfte das nicht ansatzweise

bewusst sein.

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

13


TAXI BERLIN

In den letzten Jahren hat das Taxigwerbe gezeigt, dass es gemeinsam deutlich auf sich

aufmerksam machen kann und Unrecht nicht kampflos hinnimmt. So wurde bei der PBefG-

Novelle Schlimmeres verhindert.

Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi

Berlin und Vizepräsident des Bundesverbandes

Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM)

FÜR DAS TAXIGEWERBE ZU

KÄMPFEN, ZAHLT SICH AUS

Hermann Waldner bezeichnet in einem persönlichen Statement

Erfolge, die das Taxigewerbe gegenüber der Politik und in der Corona-

Krise errungen hat, als ermutigende Schritte, die zum Weiterkämpfen

anspornen müssen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

als der Milliardenkonzern Uber zum

Angriff auf das Taxigewerbe ansetzte,

befürchteten viele, das sei das Todesurteil

für ein mittelständisches Gewerbe,

das weder über große Vermögensrücklagen

verfügt noch über eine

Lobby, geschweige denn

über eine übergeordnete

Entscheidungsinstanz.

Unsere Branche ist eine

Gemeinschaft aus Tausenden

von Einzelkämpfern,

kleinen und mittelgroßen

Betrieben. Sein eigener Chef

zu sein oder zumindest nicht mehrere Hierarchiestufen

über sich zu haben, ist für

viele in unserem Gewerbe ein entscheidendes

Stück Lebensqualität.

Als wir gegen Uber aufstehen mussten,

stand das Gewerbe zusammen, und wir

konnten zeigen, dass auch viele Einzelne

gemeinsam etwas bewegen können, wenn

sie an einem Strang ziehen. Viele im Taxigewerbe

sind Verbänden und Zentralen

angeschlossen, und Zentralen und Verbände

wiederum sind gemeinsam im Bundesverband

sowie in Gemeinschaften wie

taxi.eu oder Taxi Deutschland organisiert.

«Es ist provinziell, dass am

Flughafen oft die Fahrgäste

schlangestehen, weil leere Taxen

vorbeifahren müssen

und nicht laden dürfen.»

So kann das Gewerbe in wichtigen Dingen

mit einer Stimme sprechen. Das tat es auf

Bundesebene, als es galt, die Daseinsvorsorge

gegen die Kahlschlagpolitik von Andreas

Scheuer und anderen Uber-Freunden

zu verteidigen. Das tut es häufig auch auf

Landesebene, wenn es zum Beispiel in

Berlin mit dem Senat über nötige Änderungen

des Taxitarifs berät.

Auch bei der Flughafen-Problematik

hätte das Berliner Gewerbe sich von der

Verkehrsverwaltung eine bessere Zusammenarbeit

gewünscht, wurde aber mehr als

einmal vor vollendete Tatsachen gestellt.

Auf ein effektives Durchgreifen

gegen illegal arbeitende

Mietwagenfirmen

durch Verkehrs-, Finanzund

Innenverwaltung

mussten wir viel zu lange

warten. Es macht aber Hoffnung,

dass seit diesem Jahr

erste konkretere Maßnahmen

im LABO Wirkung zeigen.

Andere Dinge funktionieren dagegen

von vornherein sehr erfreulich, wie etwa

die Hunderttausenden von Impf-Fahrten

in diesem Jahr, die für viele Unternehmer

und Fahrer mindestens ein Strohhalm

waren. Gerne hätten wir als Taxigewerbe

FOTOS: Taxi Times

14 4. QUARTAL 2021 TAXI


TAXI BERLIN

nicht nur Impflinge, sondern auch medizinisches

Personal gefahren, um zur Bewältigung

der Corona-Krise beizutragen. Leider

wird Corona derzeit schon wieder zum

Problem, das andere Themen in den Hintergrund

stellt. Doch auch diesmal werden

wir deutlich darauf aufmerksam machen,

dass wir bereit und in der Lage sind, einen

kostbaren Beitrag zu leisten – wenn man

uns nur lässt. Unsere Branche jedenfalls

ist gewappnet.

Wo man uns

bekanntlich noch

immer nicht lässt:

Am Hauptstadtflughafen.

Er sorgt

schon wieder international

für Negativschlagzeilen

und ruiniert den

Ruf Berlins und

der ganzen Region – aus mehreren Gründen,

vor allem aber wegen der nicht funktionierenden

Bedienung mit Taxen.

Die Situation ist provinziell. Nahezu

jeder hat begriffen, wie wichtig der Klimaschutz

ist, nur am Flughafen Berlin/

Brandenburg werden 95 Prozent der Taxen,

die ausladen, leer zurückgeschickt, selbst,

wenn die Kunden schlangestehen. Schwer

vorstellbar, dass irgendjemand das für vernünftig

hält.

Mit 600 Taxen kann die Bedienung nicht

funktionieren. Ich fordere weiterhin, dass

mindestens 2.000 Taxen in Schönefeld

ladeberechtigt werden, noch besser wären

einfach alle aus Berlin und dem Landkreis

Dahme-Spreewald, so wie es nun auch als

Ziel im Koalitionsvertrag der künftigen

Berliner Landesregierung formuliert worden

ist. Aber dazu müsste der LDS-Landrat

seine Blockadehaltung aufgeben. Da eine

Bereitschaft dazu bislang nicht zu erkennen

ist, wäre ein Eingreifen des brandenburgischen

Infrastrukturministers wünschenswert.

Auch sollte ein gemeinsamer

Tarif möglich sein. Die vom Senat und vom

Landratsamt geplante gemeinsame Flughafen-Tarifstufe

ist dafür ein guter Anfang.

Der Weisheit letzter Schluss ist sie nicht.

Das Gewerbe muss von Regine Günthers

Nachfolger einfordern, wieder mit in Verhandlungen

einbezogen zu werden. Die

jüngsten Treffen zwischen dem LABO und

den Berliner Verbänden, bei denen über

den künftigen Berliner Taxitarif gesprochen

wird, sind ein guter Weg. Der Senat

zeigt damit zudem, dass er die neuen

Möglichkeiten, die das novellierte Personenbeförderungsgesetz

(PBefG) bietet, als

Herausforderung annimmt.

Dieses Angebot muss das Gewerbe dafür

nutzen, sich für Festpreise starkzumachen.

Eine der wichtigsten Neuerungen

«Wir brauchen für

die Zukunft des

Taxigewerbes auch

Festpreise.»

im Personenbeförderungsrecht ist die Möglichkeit

der Genehmigungsbehörden, Tarifkorridore

festzusetzen. Ich halte es in Berlin

grundsätzlich für machbar, innerhalb

eines solchen Tarifkorridors Festpreise

für alle Fahrten von A nach B festzulegen.

Auch Experten wie der Rechtsanwalt und

Präsident des Bundesverbands Taxi und

Mietwagen, Herwig Kollar, sehen das so.

Warum sind Festpreise für das Taxigewerbe

wünschenswert? Es gibt drei

Gründe, die ganz

stark dafür sprechen.

Der erste ist

denkbar einfach:

Die Mehrheit der

Fahrgäste wünscht

sich Festpreise,

laut Umfragen

rund 70 Prozent.

Damit hängt der

zweite Grund zusammen: Unsere unseriöse

Konkurrenz, die Mietwagenpartner von

Uber, Bolt, Free Now usw., geben ihre Fahrpreise

im Voraus an. Das ist aus Sicht der

Fahrgäste ein Vorteil. Wer den Fahrpreis

vorher weiß, hat keine böse Überraschung

zu befürchten. Dieser Wettbewerbsnachteil

des Taxigewerbes kann mit Festpreisen

abgeschafft werden.

Das ist auch

wichtig im Zusammenhang

mit

Grund Nummer

drei: Wer auf dem

Verkehrsmarkt der

Zukunft bestehen

will, muss sogenannte

Reiseketten

anbieten, also komplette Wege von A

nach B mit mehreren Verkehrsmitteln, die

exakt aufeinander abgestimmt sind, und

für die ganze Reise wird ein Gesamtpreis

berechnet: Beispiel: Ein Manager aus der

Nähe von Wolfsburg reist von zu Hause zu

einem Geschäftstermin nach Mailand. Dazu

lässt er sich von einem Taxi zum Bahnhof

fahren, fährt mit

einem ICE nach

Berlin, mit einem

weiteren Taxi nach

Schönefeld, fliegt

zum Flughafen

Mailand-Malpensa,

fährt mit einem Zug

50 Kilometer nach

Mailand und nimmt

von dort ein Taxi

zur Zieladresse.

Weder er noch

seine Firma sind

bereit, sechs Verkehrsmittel

vorab

zu recherchieren,

«Mindestpreise für

Mietwagen sind ein

Schritt in die richtige

Richtung.»

Taximangel am BER: schlecht für das Image

Berlins

zu buchen und einzeln zu bezahlen. Sie

suchen sich einen Reiseanbieter, der alles

in einem anbietet.

Dieser Reiseanbieter fragt nun bei Taxi

Berlin nach dem Fahrpreis vom Berliner

Hauptbahnhof

zum Flughafen

BER. So lange wir

dem antworten

müssen, dass der

Fahrpreis leider

erst am Ende der

Fahrt auf dem

Taxameter angezeigt

wird und niemand berechtigt ist, diesen

zu über- oder unterschreiten, werden

nicht wir Teil seiner Reiseketten, sondern

andere Anbieter, die ihm Festpreise nennen

können. Wir brauchen also Festpreise, um

für die Zukunft konkurrenzfähig zu sein.

Die Ermöglichung von Tarifkorridoren im

PBefG ist hierfür der Grundstein.

TAXI 4. QUARTAL 2021

15


TAXI BERLIN

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen

e. V. (BVTM) hatte im Vorfeld der PBefG-

Novelle verbindliche Mindestpreise für

Mietwagen gefordert. Das wären Sozialstandards

gewesen, die nicht zuletzt einen

gewissen Verbraucherschutz sichergestellt

hätten.

Das wurde leider auf Bundesebene nicht

umgesetzt, aber dass auch die Kommunen

aktiv werden können, sehen wir derzeit

in Leipzig: Die Stadt hat vor Kurzem Mindestpreise

für Mietwagen eingeführt. Das

ist sinnvoll, weil Mietwagen häufig so billig

fahren, dass es für die Konzerne ein

Zuschussgeschäft ist. Der erhoffte Nutzen

für Uber, Free Now & Co. besteht in der

angestrebten Verdrängung des Taxigewerbes,

womit man ein Monopol erreichen

möchte. Dann kann man beliebig an der

Preisschraube drehen.

Es ist bewiesen, dass individuelle Personenbeförderung

zu Preisen deutlich

unterhalb denen des Taxigewerbes nicht

wirtschaftlich sein kann, wenn man sich

weitgehend an Recht und Gesetz hält und

die Fahrer auskömmlich bezahlt. Leipzig

hat also einen ersten Schritt in die richtige

Richtung unternommen. Selbst, wenn der

Schritt möglicherweise juristisch angefochten

wird, so hat man doch ein wichtiges

Zeichen gesetzt. Die Städte und Gemeinden

müssen ähnliche Schritte rechtssicher

umsetzen.

Die Kommunen sowie das Land Berlin

«Wir beraten die

Behörden gerne

zur Anwendung des

PBefG.»

können und müssen also im Rahmen des

neuen Beförderungsrechts einige Weichen

stellen, und der Bundesverband Taxi und

Mietwagen steht den Kommunen beratend

zur Verfügung. Mit dem Berliner Senat

sind wir bereits intensiv in Gesprächen

darüber. Die Genehmigungsbehörden und

besonders das LABO in Berlin sind bemüht,

rechtlich wasserdichte Regelungen einzuführen,

die nicht angefochten werden.

Sicherlich wird auch die Mietwagenlobby

versuchen, Einfluss auf die Politik zu nehmen,

wie sie es bereits in dreister Weise

getan hat. Es gibt aber Anzeichen, und auch

der neue Berliner Koalitionsvertrag deutet

darauf hin, dass viele Entscheidungsträger

sensibilisiert sind und sich nicht mehr so

einfach etwas von den Lobbyisten erzählen

lassen. Das mag nicht für alle gelten, und

gerade mit der FDP an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums

wird uns weiterhin

viel Überzeugungsarbeit bevorstehen.

Wir können als gesamtes Taxigewerbe

stolz sagen, dass unser Engagement

viel Positives bewirkt und Schlimmes

verhindert hat. Jetzt sind wir bereit für den

nächsten Schritt. Wir stehen den Behörden

mit Rat und Tat zur Seite bei der Gestaltung

notwendiger Regelungen.

Auch die wiederkehrende Corona-Problematik

werden wir bewältigen. Heute

wissen wir mehr als vor einem Jahr. Wir

wissen, dass gegen Corona geimpfte Personen

sich zwar weiterhin anstecken können,

aber kaum einen schweren Krankheitsverlauf

fürchten müssen. Die meisten

werden es nicht einmal bemerken, wenn

sie sich infiziert haben. Das birgt aber wiederum

die Gefahr, das Virus unbemerkt

weiter zu verbreiten, etwa an Fahrgäste.

Daraus folgt, dass neben einer Vielzahl

von Sicherheitsvorkehrungen wie Trennscheiben,

häufigem Desinfizieren der

Fahrzeuginnenräume und Schnelltests

eine einfache Verhaltensweise im Kampf

gegen Corona entscheidend ist: Das richtige

Tragen einer Maske, die überall dicht

abschließt. So schützt nicht nur jeder sich

selbst und seine Mitmenschen, sondern

leistet zugleich einen Beitrag im Kampf

für das Taxigewerbe, denn: Wenn wir alle

mitmachen, kann das Taxigewerbe weiterhin

damit werben, eine gute und sichere

Alternative zu Bus und Bahn zu sein.

Dass Sie gesund bleiben, wünschen

Ihnen

Ihr Hermann Waldner und das gesamte

Team aus der Persiusstraße

TAXI BERLIN TZB GMBH

RUFSÄULEN WERDEN DIGITAL

Persiusstraße 7, 10245 Berlin

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19

E-Mail: info@taxi-berlin.de

www.taxi-berlin.de

Das Kundencenter ist derzeit coronabedingt

geschlossen. Verbrauchsmaterialien

wie Quittungen etc. sind im

Technikcenter Mo-Fr 8-16 Uhr und in

der Außenstelle Ruhleben (Freiheit

22, Mo-Fr 9-18 Uhr) erhältlich.

Fahrer- und Unternehmerbetreuung:

fub@taxi-berlin.de, Tel. 20 20 21-130

Geschäftsführer: Hermann Waldner

Presserechtlich verantwortlich für

die Seiten 14-16: Hermann Waldner

Redaktion: Axel Rühle (ar)

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de

Demnächst werden die ersten Taxirufsäulen

„digital“. Das bedeutet:

An Rufsäulen, die bereits digital

umgestellt sind, muss nicht mehr ausgestiegen

und ans Rufsäulen-Telefon gegangen

werden, sondern die

Aufträge werden an

den zuerst am Halteplatz

angemeldeten

Rufsäulenteilnehmer

direkt über

das Vermittlungsgerät

angezeigt.

Das bringt dem

Anrufer gleich drei

Vorteile: Er muss

kürzer warten, es

geht immer jemand

ans Telefon und er bekommt immer ein

Taxi. In der Funkvermittlung wird zu diesem

Zweck ein neues Fahrzeugmerkmal

„Rufsäule“ eingeführt. Nur Aufträge, die

sich nicht zeit- und ortsnah vermitteln

lassen, gehen in die allgemeine Vermittlung.

An den ersten Säulen hat die Telekom

bereits mit der Umstellung begonnen.

Zudem möchte Taxi-Berlin-Geschäftsführer

Hermann

Waldner die Säulen

gerne als E-Taxi-

Ladestationen zur

Verfügung stellen:

„Rufsäulen könnten

in Zukunft bei entsprechender

Förderung

durch zuständige

Behörden und

Organisationen

auch zusätzlich als

Elektroladestationen

für E-Taxis ausgebaut werden.“ Angesichts

des Koalitionsvertrages ist dies ein

Kooperationsangebot, das der neue Senat

sehr begrüßen dürfte.

ar

FOTO: Axel Rühle/Taxi Times

16 4. QUARTAL 2021 TAXI


POLITIK

Bettina Jarasch, künftige Verkehrssenatorin

Regine Günther, bisherige Senatorin

JARASCH LÖST GÜNTHER AB

Dem neuen Senat gehört Regine Günther nicht mehr an. Das dürften

im Taxigewerbe nur wenige bedauern. Senatorin für Umwelt, Verkehr,

Klimaschutz und Verbraucherschutz wird Bettina Jarasch.

FOTOS: Bündnis 90/Die Grünen

Regine Günther (Bündnis 90/Grüne)

gab familiäre Gründe dafür an,

dass sie aufhört, doch inzwischen

bestätigt die Presse ursprüngliche

Gerüchte, sie sei von ihrer Partei dazu

gedrängt worden.

Als Nachfolger war zunächst Fraktionschef

Werner Graf im Gespräch. In letzter

Minute entschieden die Grünen sich dann

aber für Bettina Jarasch, die Spitzenkandidatin

bei der Abgeordnetenhauswahl und

frühere Landesvorsitzende.

Nach der Wahl sah es eine Zeitlang nach

einer rot-schwarz-gelben Koalition aus,

zumindest soll SPD-Spitzenkandidatin

Franziska Giffey diese Konstellation favorisiert

haben. Dann hätte CDU-Verkehrsexperte

Oliver Friederici Chancen auf Günthers

Nachfolge gehabt.

Hico_04-2016.qxp_Layout 1 06.04.16 10:04 Seite 1

Nachdem sich aber die linken Kräfte

in der SPD mit ihrem Koalitionswunsch

durchsetzen konnten, scheidet diese Option

aus. Würde man das Berliner Taxigewerbe

abstimmen lassen, so fiele die Wahl nun

vermutlich auf Tino Schopf (SPD), weil

dieser sich seit Jahren für das Taxigewerbe

einsetzt – und Günther während

ihrer Amtszeit häufig und konstruktiv

kritisierte.

DAS TAXIGEWERBE STAND

VOR VOLLENDETEN TATSACHEN

Regine Günther dagegen hat für die

Taxibranche in den fünf Amtsjahren wenig

Interesse gezeigt. An wichtigen Abstimmungen

und Gesprächen ließ sie die Verbände

im Unterschied zu ihren Vorgängern

nicht teilnehmen, sondern schuf vollendete

Tatsachen, etwa bei den Ladeberechtigungen

für den Flughafen BER.

Gegen die existenzbedrohende Flut von

Mietwagen, die rechtswidrig taxiähnlichen

Verkehr anbieten, tat sie wenig. Als das

Taxigewerbe, wütend über Günthers Untätigkeit,

vor ihrem Amtssitz Am Köllnischen

Park demonstrierte, glänzte die Senatorin

durch Abwesenheit. Viele nennen Günthers

Verwaltung inzwischen sarkastisch

„SenUnfug“.

Aus all diesen Gründen wird der Rückzug

von Verkehrssenatorin Regine Günther

im Berliner Taxigewerbe sicher wenig

bedauert – vielleicht fast so wenig wie

die Ablösung von Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer. Viel schlimmer kann

es aus Taxisicht kaum werden, denken sich

viele. Hoffentlich behalten sie Recht. ar

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TAXI 4. QUARTAL 2021

17


WENIGER PLATZ FÜR AUTOS

Voraussichtlich noch 2021 wird die neue Senatsverwaltung für Umwelt,

Verkehr, Klimaschutz und Verbraucherschutz ihre Arbeit aufnehmen.

Welche verkehrspolitischen Projekte stehen der Hauptstadt bevor?

Neue Legislaturperiode, alte Koalitionspartner:

Das Papier „Zukunftshauptstadt

Berlin“, das SPD, Bündnis

90/Die Grünen und Die Linke am 29.

November im Abgeordnetenhaus vorgelegt

haben, stellt den Klimaschutz „als Querschnittsthema

in allen Politikbereichen

und zum Ziel der Klimaneutralität Berlins“

in den Fokus. „Die Koalition wird

versuchen, die Klimaneutralität schneller

als gesetzlich vorgegeben zu erreichen“,

heißt es im Kapitel „Klima und Energie“.

Das bedeutet in erster Linie: Ausbau des

Linienverkehrs, Erweiterung des Busspurund

des Radwegenetzes, Verstetigung

von Pop-up-Radwegen, Einführung

von Radschnellwegen und weitere

Erschwernisse für den Autoverkehr.

Im Kapitel „Stadtentwicklung,

Bauen, Mieten“ heißt es: „Für die

Friedrichstraße wird das Konzept

der Verkehrsberuhigung und Aufwertung

des öffentlichen Raums

gemeinsam mit den Anlieger*innen

überprüft und weiterentwickelt, die

Aufenthaltsqualität verbessert und die

kommerzielle Nutzung des öffentlichen

Straßenlandes gesteuert.“ Da die Sperrung

der Friedrichstraße für den Kfz-Verkehr

auf dem Abschnitt Französische Straße –

Leipziger Straße laut Presseberichten zu

Umsatzeinbußen in den betroffenen Läden

geführt hat und auf mehr Ablehnung als

Zustimmung stößt, darf man gespannt auf

das Ergebnis der Überprüfung sein.

Im selben Kapitel ist von einem „schrittweisen

Rückbau der A 103 und A 104“ die

Rede. Die A 103 ist der südlichste der drei

verwirklichten Stummel der Westtangente,

einer seit den 1960er-Jahren geplanten leistungsfähigen

Nord-Süd-Verbindung. Sie

verläuft von der Schloßstraße in Steglitz

nach Schöneberg zum Sachsendamm, wo

seit Inbetriebnahme ein Autobahnkreuz-

Fragment als Anschlussstelle untergenutzt

liegt. Der bislang tote nördliche Stumpf

könnte zumindest noch – drei Nummern

kleiner als vorgesehen – statt als Autobahnfortsetzung

als Zufahrt zum EUREF-

Campus dienen und dorthin zurückgebaut

und fortgesetzt werden, das würde dem

Titel des Papiers nicht widersprechen. Wie

und in welchem Umfang der Rückbau der

A 103 erfolgen soll, wird noch diskutiert.

«Die Koalition wird alle

rechtlichen Möglichkeiten

zur Ausweitung von

Tempo 30 nutzen.»

aus dem Koalitionsvertrag

Die frühere A 104 ist der „Schmargendorfer

Ast“ der A 100, die südliche

Verlängerung der Konstanzer Straße mit

dem „Schlangenbader Tunnel“ und der

Autobahnbrücke Breitenbachplatz bis zur

Schildhornstraße. Diese Autobahn kommt

noch einmal im Mobilitätsabschnitt zur

Sprache: „Die Koalition wird den Rück- und

Umbau überdimensionierter Relikte der

autozentrierten Stadt weiter vorantreiben,

indem für Projekte wie den Rückbau der

Breitenbachplatzbrücke / Tunnel Schlangenbader

Straße mit konkreten Planungen

begonnen wird und weitere Projekte, wie

beispielsweise der Umbau des Bundesplatzes,

identifiziert und zur Umsetzung

gebracht werden.“ Das klingt so, als wären

beide Tunnel, sowohl der unter dem Bundesplatz

als auch die „Schlange“, von Autofahrern

als zeitsparende Verbindungen

geschätzt, demnächst Geschichte.

Die denkmalgeschützte Autobahnüberbauung

an der Schlangenbader Straße

aus den 1970er-Jahren ist ein weltweit

beachtetes und architektonisch einmaliges

Bauwerk. Unter den Fahrbahnen

liegt das Anwohner-Parkhaus, neben und

über den Fahrbahnen sind relativ modern

geschnittene Wohnungen, in denen von der

Autobahn nichts zu hören ist. Einzig

der geplante Abbau der Brücke über

dem Breitenbachplatz hat wegen

ihrer ästhetischen Beeinträchtigung

des Stadtbildes eine relativ hohe

Zustimmung.

Weiterhin schlecht steht es auch

für die A 100. Eine zügige Umsetzung

des 17. Bauabschnitts von Alt-Treptow

nach Lichtenberg könnte höchstens

aus dem Bundesverkehrsministerium

durchgesetzt werden, denn im Berliner

Koalitionsvertrag ist sie weiterhin nicht

vorgesehen. Immerhin wird der im Bau

befindliche Teil bis Alt-Treptow entgegen

grünen Wahlkampfforderungen fertiggestellt.

Damit nehmen die Koalitionspartner

dauerhaftes Verkehrschaos in Alt-Treptow,

das unbestritten zu erwarten ist, in Kauf.

Es sind aber nicht ausschließlich Stillstand

und Rückbauten geplant. So will der

Senat sich dafür einsetzen, dass die jetzige

Halb-Anschlussstelle Bucher Straße an der

A 114 zur Vollanschlussstelle ausgebaut

FOTOS: Axel Rühle/Taxi Times

18 4. QUARTAL 2021 TAXI


POLITIK

wird, um die in Pankow geplanten Großsiedlungen

anzuschließen. „Die Tangentialverbindung

Ost (TVO) wird inklusive

Rad- und Schieneninfrastruktur gebaut

und das Planfeststellungsverfahren für die

Straßen-TVO mit begleitendem Radweg im

Jahr 2022 eröffnet.“ Die Straße selbst wird

frühestens Ende der 2020er-Jahre fertig.

Mit diesem seit den 1970er-Jahren geplanten

Lückenschluss zwischen Spindlersfelder

Straße und Märkischer Allee wird der

Berliner Nordosten besser an den Flughafen

angebunden und die Köpenicker Straße

in Biesdorf entlastet.

Weitere Themen im Koalitionsvertrag

betreffen das Taxigewerbe direkt oder

indirekt:

Eine City-Maut, wie die Grünen sie gefordert

hatten, SPD und Linke aber ablehnen,

wird vorerst nicht eingeführt. Zur

Ergänzung der Finanzierung des ÖPNV-

Ausbaus werden unter anderem der Preis

für Anwohner-Parkvignetten auf 120 Euro

im Jahr erhöht und auch die Kurzzeitparkgebühren

erhöht, aber: „Unbürokratische

Ausnahmen für Schichtarbeit und den

Wirtschaftsverkehr werden wir prüfen.“

Bedeutet dies, dass Taxibetriebe in der

Innenstadt weiterhin ihre Autos an

der Firma parken können?

Zudem ist die Rede von Parklets,

verkehrsberuhigten Kiezen, fußverkehrsfreundlichen

Nebenstraßen,

Kiezblocks, Klimastraßen, Pocket-

Parks und neuen Gehwegen. Es

sollen Maßnahmen zur Entsiegelung

gefördert, Modellprojekte mit

dem Ziel der Umweltgerechtigkeit

initiiert und temporäre Spielstraßen

weiter gefördert werden. Verbrenner

sollen aus der Innenstadt,

später aus dem ganzen Stadtgebiet

verdrängt werden. Das Wort Diesel kommt

im gesamten Text nur ein einziges Mal vor:

Im Zusammenhang mit Schiffen.

Die Anzahl der festen Blitzer soll stark

erhöht werden. Eine Reihe von Maßnahmen

zur Verbesserung der Verkehrssicherheit

soll umgesetzt werden. Die Polizei soll mehr

Personal erhalten und künftig auch auf dem

Fahrrad stärker präsent sein. Ob die seit

Jahren zugeparkten Busspuren, z. B. in der

Hauptstraße in Schöneberg, künftig wieder

ihrem vorgesehenen Zweck dienen können?

„Die Koalition wird den Vergabe- und Landesmindestlohn

im ersten Halbjahr 2022

Streitthema Friedrichstraße: Durch die Fahrradspuren

sieht mancher die Aufenthaltsqualität nicht

verbessert.

auf 13 Euro anheben und damit an das

Niveau des Landes Brandenburg angleichen.

Die Höhe soll jährlich überprüft und

gegebenenfalls der allgemeinen Lohnentwicklung

angepasst werden und gemeinsam

vom Senat beschlossen werden.“ Das

dürfte bei Förderprojekten wie Inklusion

oder E-Mobilität eine Rolle spielen, bei

denen der Senat die Bewilligung von Prämien

an Bedingungen knüpft, etwa dass

die begünstigten Betriebe ihren Mitarbeitern

nicht nur den bundesweit geltenden,

sondern eben den Berliner Mindestlohn

bezahlen.

ar

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TAXI 4. QUARTAL 2021

19


GEWERBEVERTRETUNGEN

Deutschland.

Berlin e.V.

Hayrettin Şimşek

Ralf Titzmann

Mike Kehrer

PERSONALWECHSEL

IN DEN VERBÄNDEN

Leszek Nadolski, Chef der „Innung“, arbeitet jetzt mit einem

veränderten Team – mit Hayrettin Şimşek und ohne Carsten Reichert.

Beim TVB gab es einen Personalwechsel bereits vor einem Jahr.

Der Tod von Detlev Freutel vor gut

einem Jahr riss beim Taxiverband

Berlin, Brandenburg e. V. eine

doppelte Lücke, denn Freutel war nicht

nur Erster Vorsitzender gewesen, sondern

zugleich kommissarischer Schatzmeister.

So trat der Zweite Vorsitzende, Boto Töpfer,

DREI BERLINER TAXI-VERBÄNDE

AN EINER ADRESSE:

Persiusstraße 7,

10245 Berlin

Taxiverband Berlin, Brandenburg e. V.

Derzeit eingeschränkte Öffnungszeiten

Tel. +49 30 / 20 20 21 319

E-Mail: info@taxiverband-berlin.de

Innung des Berliner Taxigewerbes e. V.

Sekretariat: Mo bis Do 10 bis 16 Uhr,

Fr 10 bis 14 Uhr

Tel.: + 49 30 / 23 62 72-01, -02

Fax: + 49 30 / 23 62 72 03

E-Mail: info@taxiinnung.org

www.facebook.com/taxiinnung

Taxi Deutschland Berlin e.V.

Sekretariat: Di und Do 12 bis 16 Uhr

Tel.: +49 30 / 202 02 13 10

Fax: +49 30 / 202 02 13 11

E-Mail: berlin@taxideutschland.eu

www.taxideutschland.eu

www.facebook.com/taxi.deutschland.eu

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de

kommissarisch an Freutels Stelle. Eine zeitnahe

Neuwahl war wegen des Lockdowns

zu dieser Zeit nicht möglich.

Bei der Vorstandswahl im Mai 2021 wurde

Töpfer dann regulär und mit großer Mehrheit

zum Verbandschef gewählt. Der 70-jährige

Berliner ist Mehrwagenunternehmer.

Zweiter Vorsitzender wurde der Einwagenunternehmer

Ralf Titzmann, 61,

der seit mehreren Jahren dem erweiterten

Vorstand angehört und für die

sozialen Medien und das Online-Portal

des TVB zuständig ist, das im Januar

in überarbeiteter Fassung an den Start

gehen soll. Titzmann ist im fränkischen

Wunsiedel geboren, kam 1980 nach

Berlin und fährt seit 2002 Taxi. Detlev

Freutels Nachfolger als Schatzmeister

wurde der Rüdersdorfer Mike Kehrer,

58, der zugleich Beauftragter für das

Land Brandenburg und IHK-Mitglied ist.

Schriftführer des TVB wurde Farrokh

Aleguilany.

Der erweiterte Vorstand besteht aus

Christian Mach und Hüseyin Yanikoglu.

GENERATIONENWECHSEL

BEI DER „INNUNG“

Auch die Innung des Berliner Taxigewerbes

e. V. hat einen beliebten Ersten

Vorsitzenden, wie die Vorstandswahl

am 20. September klar bestätigt hat:

Leszek Nadolski (56), seit 2014 im Amt,

ist ohne Gegenkandidat mit weit über 80

Prozent der stimmberechtigten Mitglieder

wieder gewählt worden. Ebenfalls

mit großer Zustimmung und ohne Gegenkandidat

ist der neue Zweite Vorsitzende

ins Amt gewählt worden: Hayrettin Simsek

(44), besser bekannt als Simi, Unternehmer

mit zwei Taxen und freier Taxi-

Times-Redakteur – der er auch bleibt. Im

„Innungs“-Vorstand löst er Rolf Feja ab,

der aus persönlichen Gründen nicht mehr

kandidiert hatte.

Die große Einigkeit in der „Innung“

zeigt auch das Wahlergebnis des bisherigen

Schatzmeisters Mariusz Kramer (49),

der gänzlich ohne Gegenstimme wiedergewählt

worden war. Auch die beiden Revisoren

Lothar Kubig und Alberto Schmidt

wurden im Amt bestätigt, ergänzt durch

den neu gewählten Goran Djukic.

Bei den Beisitzern wurden Jörg Minow

(62) und Danielo Baltrusch (57) im Amt

bestätigt. Neu dazu gekommen sind

Carola Syckor (61), Mandy Pohl (43), Günnur

Toprak (45), Özgür Bozkaya (36) und

Lutz Schneider (66). Erstmals verfügt die

„Innung“ damit über drei Beisitzerinnen,

ist also insgesamt jünger und weiblicher

geworden.

Der bisherige Beisitzer Carsten Reichert

hatte aus zeitlichen Gründen ebenfalls für

eine weitere Amtszeit nicht mehr kandidiert.

Leszek Nadolski drückte sein Bedauern

über den Rückzug aus und dankte

Reichert für seine Schlüsselposition als

Türöffner bei der Politik. Seine Funktion

im Gewerbeausschuss des Bundesverbandes

Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM) wird

er aber weiterhin wahrnehmen. ar

FOTOS: TVB (2), Axel Rühle/Taxi Times

20 4. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBEVERTRETUNGEN

Dr. Lutz Kaden, Branchenkoordinator Verkehr im Ressort Wirtschaft

& Politik der IHK Berlin

Pausengespräch: der neue IHK-Präsident Daniel-Jan Girl, „Innungs“-

Chef Leszek Nadolski, TVB-Chef Boto Töpfer

IHK UNTERSTÜTZT

TAXIGEWERBE AUF DEM

WEG ZUR E-MOBILITÄT

Die Berliner Industrie- und Handelskammer hielt ihren Tag der

Verkehrswirtschaft 2021 ab. Wie kann der Wirtschaftsverkehr

CO2-neutral werden? Das Taxigewerbe bekam eine gute Note.

FOTOS: IHK Berlin

Die Chefs der „Innung“ des Berliner

Taxigewerbes und des Taxiverbandes

Berlin Brandenburg,

Leszek Nadolski und Boto Töpfer, waren

am 7.Oktober unter den knapp 80 Teilnehmern,

die im Konferenzzentrum der IHK

saßen und den Referenten zuhörten. Traditionell

gemeinsam mit BerlinPartner waren

Verkehrsunternehmen, -dienstleister, Verkehrstechniker

und -entwickler eingeladen

zum Diskutieren der nächsten Schritte in

die mobile Zukunft.

Diesmal im Fokus: die Mobilitätswende

als Kernelement der Nachhaltigkeit und die

Frage: Wie kann der Berliner Wirtschaftsverkehr

schnell klimafreundlich werden?

Moderator der nachmittäglichen Veranstaltung

war ein „alter Bekannter“ des

Taxigewerbes: Dr. Lutz Kaden, Branchenkoordinator

Verkehr im Ressort Wirtschaft

& Politik der IHK Berlin. Die Begrüßung

teilten sich IHK-Geschäftsführer Jörg Nolte

und sein „Amtskollege“ der Berlin Partner

für Wirtschaft und Technologie GmbH, Dr.

Stefan Franzke.

Zunächst referierte Florian Brandau von

der Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr

(IAV) zu „Stand und Perspektiven

des emissionsfreien Fahrens im urbanen

Raum, insbesondere des gewerblichen

Verkehrs“. Dr. Kaden bezeichnete die „Botschaften

der führenden Technikentwickler

der IAV GmbH“ als „genauso ermutigend

wie vom Wirtschaftsverkehrsexperten

Prof. Liedtke vom DLR“, womit er sich auf

den zweiten Vortrag bezog: „Wasserstoff

versus Elektro – welche Technologie wofür?

Perspektiven des Umstellungsprozesses“

von Prof. Gernot Liedtke vom Deutschen

Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Als

Vorbild in Sachen Elektromobilität stellte

Pouyan Anvari vom Hermes-Versand die

deutsche Hermes-Elektroflotte als „Beispiel

für bisher erreichten und absehbaren CO2-

neutralen Wirtschaftsverkehr“ vor.

VORTEILE DURCH MOMA

UND WELMO

Höhepunkt aus Sicht des Taxigewerbes

war der Vortrag „Betriebliches Mobilitätsmanagement

(MoMa) und Fördermöglichkeiten

durch WELMO“ (Wirtschaftsnahe

Elektromobilität) durch Projektleiter Frank

Panse von der Berliner Agentur für Elektromobilität

eMO, die für den Senat in Kooperation

mit der Investitionsbank Berlin (IBB)

Förderungen vergibt und seit Anfang Juli

auch das Taxi-Modul im Programm hat.

Nach der Pause und einem Grußwort von

Thomas Meißner von der Berlin Partner

für Wirtschaft und Technologie GmbH

stellte Wolfgang Wüllhorst, Fuhrparkleiter

der Berliner Stadtreinigung, als weiteres

Vorbild, auf neudeutsch „Best-Practice-

Beispiel“, die Spezialfahrzeug-Flotte der

BSR vor.

Auch die abschließende Podiumsdiskussion

„Perspektiven in und für Berlin“ mit

Beteiligung der Referenten und Teilnehmer

moderierte Dr. Lutz Kaden.

Sein Fazit des Verkehrstages: „Wenn

genügend grüner Strom geliefert wird,

können bis 2030 sehr große Teile, auch des

Lkw-Verkehrs, klimaneutral sein.

Die Best-Practice-Beispiele aus der

Hermes-Paketlogistik und von der BSR

zeigten zudem, dass man mit postfossilen

Antrieben auch wirtschaftliche Vorteile

erreichen kann, bei kleinen wie bei ganz

großen Fahrzeugen.“

Dass auch das Berliner Taxigewerbe auf

dem richtigen Weg ist, bestätigte Leszek

Nadolski von der Taxi-„Innung“ in der Diskussion

mit Verweis auf die schon lange

eingesetzten hybriden Fahrzeuge und die

jetzt eingeflotteten batterieelektrischen

Taxis.

Töpfer und Nadolski lobten die Vorträge

der Referenten übereinstimmend als kurz,

bündig und präzise.

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

21


INKLUSION

Die Rollstuhlrampe des VW Caddy 5 Maxi wird nach innen geklappt

und bedeckt so den Heckauschnitt. Dass die Schlaufe jetzt am Rand

hängt, kommt gut an.

MobiTEC baut in den Caddy Maxi extrabreite Rampen ein. Vor dem

Einschieben wird der Rollstuhl an Spanngurten befestigt.

DAS UMRÜSTWUNDER

Bei einer Nutzfahrzeugmesse Anfang Oktober zeigten drei Umrüster

jeweils einen rollstuhltauglichen VW Caddy Maxi. Sie verfolgten dabei

aber sehr unterschiedliche Ansätze.

Für die Rollstuhlbeförderung im Taxi

oder Mietwagen ist der VW Caddy

beliebt, meist in der Maxi-Variante.

Auf der NUFAM zeigten drei Umrüstfirmen

je einen Caddy 5 Maxi. Dank des

Umbaus mit Heckausschnitt kann darin

ein Rollstuhlfahrer mit bis zu vier weiteren

Fahrgästen befördert werden – oder bis zu

sechs selbst einsteigende Fahrgäste. Um

aus dem Rollstuhl-Caddy ein Großraum-

Taxi zu machen, haben die Umrüster in der

dritten Reihe zwei zur Seite wegklappbare

Einzelsitze eingebaut. Die Rampe, die in

diesem Fall nicht benötigt wird, wird dann

nach innen eingeklappt und deckt bis auf

50 Zentimeter den Heckausschnitt ab, so

dass in der Vertiefung zwischen Rampenboden

und Karosserie die Füße der Fahrgäste

Platz haben.

Es gab auch Unterschiede. Die Transform

GmbH aus Nümbrecht nahe Köln hat in den

Heckausschnitt eine tiefergelegte Bodenwanne

eingebaut, die 83 cm breit und 141

cm lang ist. Am vorderen Abschluss hinter

der zweiten Sitzreihe sind Retraktoren als

Rückhaltesystem befestigt. Der Rollstuhl

wird nah an die zweite Reihe geschoben, so

dass Rollstuhlfahrer je nach Rollstuhlgröße

relativ eben sitzen.

In einem von der AMF-Bruns GmbH &

Co. KG umgerüsteten Caddy sitzt der Rollstuhlfahrer

dagegen ganz leicht nach hinten

geneigt. Das Unternehmen aus Apen in

Niedersachsen verkauft weltweit standardisierte

Lösungen mit Typengenehmigung.

Bei der Ausschnittsbreite bietet AMF

standardisierte 81 cm an, Transform 83

Inklusionstaxi

aus Rollifahrer-

Perspektive

cm. Die MobiTEC

GmbH & Co. KG aus

Berkheim im Allgäu

schneidet deutlich

breiter (86,5 cm)

und länger (168 cm)

aus, so dass auch

Pflegerollstühle

verstaut werden

können und sogar

eine Fahrtrage für

den unqualifizierten Krankentransport

denkbar ist.

Zudem können auch schwergewichtige

Fahrgäste in breiten Rollstühlen in

den Caddy eingeschoben werden – wobei

sichergestellt sein muss, dass die Rampe

auch einer Last von 350 Kilogramm standhält,

was häufiger mit der Belastbarkeit der

Rampe zusammengeht als mit der vorgegebenen

Achslast des Autos.

Caddys mit einer Rollstuhlumrüstung

erkennt man von hinten oft – wie bei AMF

– an der im Mittelteil versetzten Stoßstange

(rechtes Foto). Bei MobiTEC und Transform

wird der Stoßstangenausschnitt dagegen

an der Heckklappe montiert, die dadurch

nur geringfügig schwerer wird.

Auch beim Vertrieb agieren die drei Hersteller

unterschiedlich. Bei MobiTEC bringt

der Kunde sein bereits gekauftes Taxi mit

nach Berkheim im Allgäu und lässt es

dort umrüsten. Die Wartezeit liegt bei bis

zu acht Wochen, wobei gelegentlich eine

Umrüstung dazwischengeschoben wird.

Dafür hält das Unternehmen Modelle als

Vorführer bereit.

Ähnlich lang dauert es bei AMF in Apen,

wo allerdings auch vereinzelte vorgehaltene

und vorgerüstete Modelle auf dem Hof

stehen. Bei Interesse an diesen Modellen

stellt der Umrüster den Kontakt zum örtlichen

Händler her, der dann den Verkauf

abwickelt. Diese Variante ermöglicht auch

eine kurzfristige Lieferzeit. Transform

tritt als Verkäufer sowohl des Fahrzeugs

als auch der Umrüstung auf. jh

VERLÄNGERT DER SENAT

DIE FÖRDERUNG

FÜR INKLUSIONSTAXEN?

Die langen Lieferzeiten auf Neufahrzeuge

wirken sich auch auf

das Berliner Förderprogramm für

Inklusionstaxis aus. Obwohl der

Fördertopf noch gut gefüllt ist,

laufen einige Anträge ins Leere,

weil das zuständige Landesamt

für Gesundheit und Soziales

(LAGESO) die Gelder nur dann

ausbezahlt, wenn eine Rechnung

für den Umbau bis zum 30.11.2021

vorliegt. In der Senatsverwaltung

für Integration, Arbeit und Soziales

(SenIAS) bedauert man die „Konsequenzen

aus den haushaltsrechtlichen

Gegebenheiten“, geht aber

davon aus, dass der neue Senat das

Thema umgehend wieder auf die

Tagesordnung setzen wird. jh

FOTOS: Taxi Times, AMF

22 4. QUARTAL 2021 TAXI


INKLUSION

SFD-ÜBERNAHME MIT

STARTSCHWIERIGKEITEN

Am 1. Oktober übernahm „Berlkönig“-Betreiber ViaVan den

Sonderfahrdienst für mobilitätseingeschränkte Personen. Eine Kundin

berichtet von ihren ersten Erfahrungen mit dem „BerlMobil“.

FOTO: ViaVan

Gisela Schmidt ist Stammfahrgast

beim Sonderfahrdienst (SFD),

der bis vor Kurzem noch von der

Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Taxibesitzer

(WBT) betrieben wurde. Da sie

nicht auf einen Rollstuhl, sondern nur auf

einen Rollator angewiesen ist, kann Gisela

Schmidt, die ihren echten Namen lieber für

sich behalten möchte, gegebenenfalls auch

auf ein Taxi ausweichen. Sie berichtet, dass

dieser Plan B nicht lange ein Plan blieb.

Ihre erste Fahrt mit dem Sonderfahrdienst

buchte die gehbehinderte Frau telefonisch,

wobei ihre Daten aufgenommen

wurden. Die Adressen für Hin- und Rückfahrt

am zweiten Oktoberwochenende wurden

eingegeben. Man verständigte sich für

die Hinfahrt auf das Zeitfenster 9:45 Uhr

bis 10:15 Uhr. Um 8:45 kam dann eine SMS

vom Fahrer: Er werde sie bereits um neun

abholen. Das wäre schon für jeden Kunden

ohne Einschränkungen eine Zumutung,

morgens 45 Minuten vor der vereinbarten

Zeit losfahren zu müssen.

Es sollte nicht die einzige Panne bleiben.

Das Fahrziel lag in einer Straße, deren

Name achtmal in Berlin vorkommt. Deshalb

hatte Gisela Schmidt darauf geachtet,

die Postleitzahl exakt anzugeben.

Schnell merkte die routinierte Kundin,

dass der Fahrer in die falsche Richtung

fuhr. Sie sagte ihm sofort Bescheid. Der

Fahrer konnte daraufhin nicht sofort das

gewünschte Fahrziel ansteuern.

Die Fahrer von „BerlMobil“ haben die

Vorgabe, dass sie sich für jede Änderung

ihrer Route die Genehmigung ihrer Zentrale

einholen müssen. Nach einer Wartezeit

von mehreren Minuten erhielt der Fahrer

von der Zentrale die Freigabe, die Fahrt

zum richtigen Fahrtziel fortzusetzen.

Die Rückfahrt begann mit dem nächsten

Problem. Die Fahrzeuge von „BerlMobil“ lassen

sich sowohl mit einem Autoschlüssel als

auch per Smartphone-App öffnen. Da der

Fahrer von der Zentrale noch keinen Autoschlüssel

erhalten hatte, musste er die Autotüren

per App öffnen. Da seine Versuche

erfolglos blieben, musste der Anbieter ihr

nach 45 Minuten ein Taxi für die Heimfahrt

schicken.

Für einen Rollstuhlfahrer hätte in diesem

Fall ein Inklusionstaxi kommen müssen –

mit unbestimmter Wartezeit.

NACHFRAGE NACH

INKLUSIONSTAXEN STEIGT

Ihren zweiten Ausflug mit dem neuen

Anbieter vier Wochen später buchte Gisela

Schmidt drei Tage im Voraus per E-Mail,

wobei sie darauf hinwies, dass man ihr

auch jedes Taxi schicken könne. Diese

Information schien verloren gegangen zu

sein, als die „BerlMobil“-Zentrale ihr mitteilte,

für die Rückfahrt zum gewünschten

Zeitpunkt keine freien Kapazitäten

zu haben. Man könne ihr leider nur eine

andere Zeit anbieten. Ansonsten könne

sie noch auf ihr Taxifahrtenkontingent

zurückzugreifen und sich privat ein Taxi

bestellen.

Der „alte“ Sonderfahrdienst der WBT

hatte mobilitätseingeschränkten und

umsetzbaren Personen bei Kapazitätsauslastungen

angeboten, den gebuchten Auftrag

stattdessen mit einem herkömmlichen

Taxi auszuführen. Die Kosten dafür gingen

nicht auf das Taxifahrtenkontingent der

Kunden, sondern wurden wie jede Fahrt

mit dem SFD zum Eigenanteil von 2,05 €

berechnet. Es gab sogar Taxiunternehmen,

die die Berechtigungskarte erfassen und

die Kosten direkt mit dem Landesamt für

Gesundheit und Soziales (LAGeSo) abrechnen

konnten. Bedingung war, dass die SFD-

Zentrale die Fahrt beauftragt hatte. Jetzt

mit „BerlMobil“ werden bei Engpässen

zwei Alternativen angeboten, wie Schmidt

berichtet: eine andere Fahrzeit zum Eigenanteil

von 2,05 € oder eine selbst zu bestellende

Taxifahrt zum vollen Preis aus dem

Taxifahrtenkontigent.

Ob auch „BerlMobil“ wie der frühere

SFD über die Taxizentrale zusätzliche

Wagen buchen darf, und damit die Fahrt

zum Eigenanteil von 2,05 € abrechenbar

wäre, konnte Frau Schmidt noch niemand

verbindlich sagen. Für nicht umsetzbare

Rollstuhlfahrer wäre aber selbst dies keine

Alternative, da sie auf die breite Verfügbarkeit

von Inklusionstaxis bislang vergeblich

warten.

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

23


KRIMINALITÄT

Das Taxi mit den Blutspuren an der Fahrertür wurde zur Spurensicherung zum Landeskriminalamt nach Tempelhof geschleppt.

TAXIRÄUBER GEFASST

Innerhalb von acht Tagen hat die Polizei einen Räuber festgenommen,

der am Ende einer Taxifahrt dem Fahrer ein Messer in den Hals

gestochen hatte und mit dessen Geldbörse getürmt war.

Die Tat hatte wie ähnliche Fälle für

Aufsehen gesorgt: Ein 44-jähriger

Fahrgast war am 28. Oktober nahe

dem Potsdamer Platz in ein Taxi gestiegen

und hatte eine verlassene Ecke in Tegel-

Süd als Fahrziel angegeben. An der Kreuzung

Kamener Weg/Werdohler Weg zog

der Mann ein Messer. Ohne eine Drohung

auszusprechen, stach er sofort zu, verletzte

den Fahrer lebensgefährlich am Hals und

an der rechten Hand, nahm die Geldbörse

des Fahrers an sich und flüchtete. Der

Kamener Weg verlängert sich nach Süden

in einen Waldweg zum Flughafensee. Der

verletzte Fahrer konnte selbst einen Notruf

absetzen und wurde in ein Krankenhaus

gebracht. Sein Taxi wurde zur Spurensicherung

von der Polizei sichergestellt.

Der 38-jährige Kollege hatte Glück im

Unglück: Nach einer Notoperation konnten

seine Verletzungen schnell behandelt

werden. Nach nur acht Tagen kam zudem

eine erfreuliche Nachricht: Die Kriminalpolizei

hatte den Täter nahe dem Tatort, in der

Bernauer Straße, fassen können. In seiner

Wohnung wurde Beweismaterial gefunden.

Zudem nahm die Taxi-„Innung“ sich des

Falles an und kümmerte sich um ihr Mitglied.

Der neu gewählte Zweite Vorsitzende

Hayrettin Şimşek, besser bekannt als Simi,

besuchte den Kollegen Muhammad A. im

Krankenhaus und veranlasste, dass das

Taxi, in dem der Mordversuch sich ereignet

hatte, abgeholt wurde. Die „Innung“

ließ es auf eigene Kosten vom Landeskriminalamt

in Tempelhof zu einer Spezialfirma

nach Blankenburg schleppen, die

die Innenreinigung und Desinfektion des

Autos durchführte.

TAXI-„INNUNG“ HALF

Am 11. November wurde Muhammad

A. aus dem Krankenhaus entlassen und

konnte in Begleitung eines Freundes sein

Taxi, das inzwischen mit Fackel im Kofferraum

in die Persiusstraße gebracht worden

war, abholen. Ob und wann er seine Tätigkeit

wieder aufnimmt, konnte er noch nicht

sagen. „Muhammad kam ein paar Tage

später zur Innung, und wir haben über

das weitere Vorgehen und Anträge bei der

Berufsgenossenschaft und Gustav-Hartmann-Stiftung

gesprochen”, sagte Simi

gegenüber Taxi Times. „Die Innung wird

jede Möglichkeit nutzen, um dem Kollegen

zu helfen und ihn nicht alleine zu lassen.

Leider wird es solche Taten immer wieder

geben, und jeder weitere Fall ist einer zu

viel. Jeder Betroffene ist froh über eine

helfende Hand, und wir sind diese Hand.”

Muhammad A. steigt zwei Wochen nach

dem Mordversuch mit gemischten Gefühlen

erstmals wieder in sein Taxi.

Das Verbrechen erinnert an zwei Überfälle

im Sommer 2015, als erst im Juni zwei

junge Männer einen Kollegen in Berlin-

Tiergarten überfielen und ihm zahlreiche

Messerstiche zufügten, und im Juli ein Pärchen

einen Kollegen in Berlin-Neukölln mit

Reizgas attackierte und ebenfalls mehrmals

mit einem Messer auf ihn einstach.

Alle Täter konnten erst viele Monate später

gefasst und vor Gericht gestellt werden.

Solche Fälle bringen stets auch das Thema

Überfallschutzkamera wieder in das öffentliche

Bewusstsein, deren flächendeckender

Einsatz noch immer von Datenschützern

erschwert wird.

ar

FOTOS: Simi/Innung des Berliner Taxigewerbes e. V.

24 4. QUARTAL 2021 TAXI


TAXI-NOTHILFE

Gustav Hartmann wird bei seiner Rückkehr

nach Berlin bejubelt

Der „Eiserne Gustav“ aus Eisen gegossen in Berlin-Tiergarten

Grab des Ehepaars Hartmann auf dem Alten

Friedhof Wannsee

DIE GUSTAV-HARTMANN-

STIFTUNG IM JAHR 2021

Ein aktueller Fall hat die Gustav-Hartmann-Stiftung wieder in das

Bewusstsein gebracht. Sie geht auf ihren berühmten Namensgeber

zurück und hilft noch heute Opfern von Gewalt und Unfällen.

FOTOS: Axel Rühle/Taxi Times, Georg Pahl/Bundesarchiv, Wikipedia

Gustav Hartmann war eines dieser

Berliner Originale, die erst Berliner

wurden. Der aus Magdeburg

stammende Sohn eines Kutschers ging in

jungen Jahren in die Hauptstadt des jungen

Reiches und eröffnete einen Kolonialwarenladen.

Mangels Erfolg zog er mit 26 Jahren

in eine Villenkolonie 15 Kilometer vor den

Toren Berlins, nahe dem Dorf Stolpe am

Großen Wannsee, und gründete seinen

Fuhrbetrieb. Der dortige Bahnanschluss

verhieß gut betuchte Kundschaft.

So stand Hartmann tagein, tagaus, mit

einer seiner Droschken am Bahnhof Wannsee.

1898 wurde aus Stolpe und benachbarten

Villenkolonien die Landgemeinde

Wannsee.

Wieder zum echten Berliner wurde er

mit 61 Jahren, am 1. Oktober 1920, dem

Tag, als Wannsee und 72 weitere Orte und

Städte nach Berlin eingemeindet wurden.

Berühmt wurde Hartmann schließlich

1928. Am 2. April brachen er und ein

Zeitungsreporter mit seiner Droschke

nach Paris auf, um ein Zeichen für die

deutsch-französische Freundschaft zu

setzen und nebenbei gegen den Niedergang

des Pferdedroschkenwesens durch

die Ausbreitung von Motordroschken zu

protestieren. In vielen Orten wurde er

mit Jubel empfangen, nur leider nicht in

Paris. Dort stahl ihm am 4. Juni, seinem 69.

Geburtstag, Charles Lindbergh die Schau,

der soeben seinen ersten Flug über den

Atlantik vollbracht hatte.

Drei Monate später, am 1. September,

jubelten ihm aber bei seiner Rückkehr die

Berliner zu.

ZEIT DER KRAFTDROSCHKEN

WAR GEKOMMEN

Durch die Reise zu Geld gekommen,

gründete der „Eiserne Gustav“ eine Stiftung

zur Hilfe für die Hinterbliebenen von

– bei der Ausübung ihres Berufes zu Tode

gekommenen – Droschkenkutschern. Als

Hartmann zehn Jahre nach seiner legendären

Reise starb, war längst die Zeit der

Kraftdroschken gekommen, und so kümmert

die Gustav-Hartmann-Stiftung sich

heute um Taxifahrer. An Hartmanns letztem

Wohnhaus in der Alsenstraße 11 hängt

eine Gedenktafel.

Womöglich wäre der „Eiserne Gustav“

nach dem Zweiten Weltkrieg über die

Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, hätten

nicht die Wirtschaftsgenossenschaft

Berliner Taxibesitzer und die Berliner

Taxi-„Innung“ sich vehement um sein

Andenken bemüht. Der Gustav-Hartmann-

Denkmalpflegeverein veranlasste sogar

gegen starke Widerstände die Errichtung

eines Denkmals auf dem Mittelstreifen der

Potsdamer Straße in Tiergarten.

Heute hilft die Gustav-Hartmann-Stiftung,

die sich aus Spenden finanziert,

immer wieder einmal, wenn Taxifahrer

zu Schaden kommen, so wie kürzlich

Muhammad A. (siehe linke Seite). An

der Spitze des Stiftungsvorstandes steht

Hermann Waldner, Zweiter Vorsitzender

ist Leszek Nadolski, Dritter im Bunde ist

Lothar Kubik. Ansässig ist die Gustav-Hartmann-Stiftung

am Taxi-Zentrum Berlin in

der Persiusstraße.

ar

TAXI 4. QUARTAL 2021

25


AUSBLICK

VIERTE WELLE UND

ELEKTROWANDEL

Die deutschlandweite Print-Ausgabe der

Taxi Times DACH blickt auf die Folgen der

aktuellen Corona-Situation, berichtet zu

TSE-Einheiten in Taxametern und rückt

Elektro-Taxis in den Fokus.

Der Sommer war trügerisch. Er

weckte die Hoffnungen, dass die

schlimmen Corona-Monate überstanden

sind. Das Taxigewerbe, das in der

Krise jederzeit und verlässlich zur Stelle

war, das innovativ und flexibel die neuen

Herausforderungen meisterte, begann, sich

zu erholen.

Doch dann kam die vierte Welle mit den

altbekannten politischen Reflexen: reduzierte

(Massen-)Veranstaltungen, verkleinerte

Feiern, Rückzug ins Private – und

damit ein reduzierter Bedarf an Taxis.

Für die Taxibranche

begann

fast alles wieder

von vorne – versehen

mit zusätzlichen

Aufgaben

wie 3G-Kontrollen

in Betrieben und

eine noch intensivere

Aufklärung

zur Notwendigkeit

einer Impfung. Die

für das Taxigewerbe

zuständige

Berufsgenossenschaft

hat dazu

einen Infoflyer

erstellt, in dem

unter anderem

www.taxi-times.taxi

Taxameter mit TSE ab 2024

LÖSUNGEN

AUS DER BOX

auch mit manchen

Mythen der

Impfgegner aufgeräumt wird. Taxi Times

berichtet darüber in seiner aktuellen

DACH-Ausgabe und hat die Illustration

der BG Verkehr auch zu seinem Titelcover

gemacht.

Zudem erläutert Taxi Times, was 3G-Kontrollen

für Taxibetriebe bedeuten und wie

die Branche mit denjenigen Fahrgästen

umgehen soll, die nach einem positiven

Corona-Test (mit dem Taxi?) in die häusliche

Quarantäne gefahren werden müssen.

Ein weiterer Themenschwerpunkt der

Ausgabe ist der zu erwartende Wandel bei

der künftigen Antriebsart von Verbrennern

auf Elektro-Taxis. Taxi Times erklärt, was

hinter dem „Bundesfahrplan E-Taxi“ steht,

den der Bundesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes

(BVTM) der neuen Bundesregierung

präsentiert hat.

Die Auswahl an taxitauglichen Elektrofahrzeugen

nimmt rasant zu. Auch Ford

hätte mit dem Mustang E-Mach eine Alternative.

Die Taxi-Times-Redaktion hat das

Fahrzeug getestet.

Damit Deutschlands Taxiunternehmer

auf Elektro-Taxis umstellen können, müssen

die Rahmenbedingungen passen. In

Hamburg ist die

4. QUARTAL / DEZEMBER 2021 6,80 €

Zahl an zugelassenen

E-Taxis in

nur acht Monaten

von fast null auf

über 80 gestiegen.

Taxi Times zieht

ein Resumée,

D – A – CH

BG-APPELLE IN DER VIERTEN WELLE

AUFKLÄRUNG GEGEN

DIE IMPFSKEPSIS

40.000 E-Taxis

WANDEL NACH

FAHRPLAN

S. 29 Taxi-Partner stellen sich vor

Ampelkoalition mit einem

FDP-Verkehrsminister

FORTSCHRITT MIT TAXI

was das „Projekt

Zukunftstaxi“ so

erfolgreich macht.

Neue Taxis mit

neuen Antrieben

sind nicht die einzigen

Anschaffungen,

bei denen

Taxiunternehmer

die gewohnten

Pfade verlassen

müssen. Auch

bei den künftigen

Taxametern muss man genau hinschauen,

denn diese müssen ab 1. Januar 2024 über

eine so genannte Technische Sicherheits-

Einrichtung (TSE) verfügen, um manipulationssicher

zu sein. Taxi Times berichtet

über die potenziellen Optionen, mit denen

die TSE-Aufrüstung bewerkstelligt werden

kann.

Die Printausgabe Taxi Times DACH

erscheint viermal pro Jahr und kostet

im Abonnement 35 Euro brutto

pro Jahr. Die Bestellung ist unter

www.taxi-times.com/abo oder über den

nebenstehenden QR-Code möglich. jh

zur

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IMPRESSUM

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taxi-times Verlags GmbH

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10245 Berlin, Deutschland

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Redaktion (tt)

Simon Günnewig (sg), Jürgen Hartmann (jh),

Axel Rühle (ar)

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Mitarbeiter dieser Ausgabe

Remmer Witte (rw)

Grafik & Layout

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(inkl. MwSt und Versand)

ISSN-Nr.: 2367-3842

Weitere Verlagsmagazine:

Taxi Times DACH, Taxi Times München

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Berlin eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten,

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Presserechtes selbst verantwortlich ist.

26 4. QUARTAL 2021 TAXI


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E-Taxis

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Das Angebot ist zeitlich begrenzt und gilt bei Bestellung und Übernahme des Fahrzeugs bis

31.12.2021 und nur, solange der Vorrat reicht. | 3 Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers,

zuzüglich lokaler Überführungskosten. | 4 Die angegebenen Werte wurden nach

dem vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO₂-Werte“

i. S. v. Art. 2 Nr. 1 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die Kraftstoffverbrauchswerte

wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes

Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken

zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Die Werte variieren in Abhängigkeit von den gewählten

Sonderausstattungen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und

zu den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem

„Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen“

entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand

GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist. | Abbildung entspricht nicht dem

Angebot. Abbildung enthält Sonderausstattungen. | Druckfehler und Irrtümer vorbehalten.

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