3_2021 Leseprobe
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www.biogas.org Fachverband Biogas e.V. | ZKZ 50073 | 24. Jahrgang<br />
3_<strong>2021</strong><br />
BI<br />
GAS Journal<br />
Das Fachmagazin der Biogas-Branche<br />
Abfallvergärungstag: Überblick<br />
über den Regulationswahn<br />
S. 22<br />
EU-Taxonomie: Was nachhaltige<br />
Investitionen sind<br />
S. 32<br />
Nachhaltigkeitsverordnung: Was<br />
Anlagenbetreiber beachten müssen<br />
S. 77<br />
AB SEITE 40
INHALT<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
EDITORIAL<br />
Es wird ernst!<br />
Liebe Leserinnen und Leser,<br />
die Biogasbranche ist es seit Anbeginn gewohnt, mit<br />
einer Vielzahl von Herausforderungen und Problemen<br />
umzugehen. Zu jeder Zeit konnten wir als Verband und<br />
Branche in allen Diskussionen die richtigen Antworten<br />
und Lösungen liefern. Die vergangenen Monate haben<br />
aber eine neue Qualität der Debatten gebracht.<br />
In den zahllosen Telefonaten und Gesprächen mit Betreibern<br />
und Firmen wurde klar, dass die derzeit auf die<br />
Branche einwirkende Summe an rechtlichen und technischen<br />
Anforderungen im Zusammenspiel mit einer<br />
extrem unterschiedlich angewandten Vollzugspraxis<br />
der Behörden das Fass zum Überlaufen bringt. Täglich<br />
ergeben sich neue Interpretationen, Vollzugsprobleme<br />
oder neue rechtliche Vorgaben, die scheinbar so wichtig<br />
sind, dass alle anderen belegten positiven Effekte<br />
und Potenziale – die Biogasanlagen ohne Frage haben –<br />
ohne Bedeutung sind. Viele Betreiber stellen daher<br />
ernsthaft die Frage, ob sie nach den 20 Jahren im EEG<br />
weitermachen oder sogar vorher den Betrieb einstellen.<br />
Mehr und mehr werden Entscheidungen nicht am technisch<br />
Möglichen und Verhältnismäßigen ausgerichtet,<br />
sondern am verwaltungsrechtlich abgesicherten Handeln<br />
– Hauptsache keine Verpflichtung übernehmen.<br />
Wieso nehmen sich die Verantwortlichen in Politik und<br />
Verwaltung nicht die notwendige Zeit und ziehen Fachkompetenz<br />
hinzu, um die für die Biogasbranche existenziellen<br />
Themen richtig zu bearbeiten? Wieso muss<br />
jede EEG-Novelle, die so elementar für die Weiterentwicklung<br />
der Energiewende ist, in einer Nacht- und Nebelaktion<br />
vermurkst werden? Wieso muss in Deutschland<br />
immer alles bis ins letzte Detail beregelt sein, ohne<br />
Rücksicht auf Anlagenbetreiber und ohne Rücksicht<br />
auf Umsetzbarkeit der Vorgaben? Einen kleinen Ausschnitt<br />
über den aktuellen Regulationswahnsinn finden<br />
Sie auf Seite 22 in diesem Biogas Journal.<br />
Scheinbar ist es jetzt an der Zeit Klartext zu reden: Wenn<br />
sich nicht schleunigst die bedeutsamsten rechtlichen<br />
Rahmenbedingungen für den Betrieb von Biogasanlagen<br />
ändern, ist mit einer massiven Stilllegung von Anlagen<br />
zu rechnen. Dies hat sich bereits in unserer Prognose zu<br />
den Branchenzahlen im letzten Jahr angedeutet. Katastrophal<br />
für die Branche ist auch, dass die Bundesregierung<br />
nicht die notwendigen Reparaturen am EEG <strong>2021</strong><br />
vornimmt, dass die EU das Gesetz noch nicht notifiziert<br />
hat und Betreiber dadurch ihre Ausschreibungsergebnisse<br />
von der Märzauktion noch nicht erhalten haben.<br />
Energiewende in Deutschland ist momentan gleichbedeutend<br />
mit Stillstand – nein, schlimmer noch: mit<br />
Rückschritt.<br />
Biogasanlagen haben einen volkswirtschaftlichen Nutzen.<br />
Außerdem sind sie schon da und sie produzieren<br />
Strom und Wärme nachhaltiger als fossile Kraftwerke<br />
und Atomenergie. Ja, sogar Biomethan ist heute schon<br />
preiswerter verfügbar als heimischer oder importierter<br />
Wasserstoff. Mehr dazu in dieser Ausgabe ab Seite 44.<br />
Die anstehende Bundestagswahl erfährt mit der aktuellen<br />
dramatischen Situation auf den Biogasanlagen<br />
eine ganz besondere Bedeutung. Sollte es gesellschaftlich<br />
und politisch der Wille sein, die Biogasbranche<br />
weiterhin als wichtigen Baustein der Energiewende<br />
anzusehen, dann sollten diesem Denken endlich auch<br />
wirksame Maßnahmen folgen. Politik und Verwaltung<br />
sind gefordert, der Branche eine Zukunftsperspektive zu<br />
geben und dem Regulationswahn ein Ende zu setzen.<br />
Herzlichst Ihr<br />
Manuel Maciejczyk,<br />
Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas e.V.<br />
3
INHALT<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
40<br />
EDITORIAL<br />
3 Es wird ernst!<br />
Von Manuel Maciejczyk<br />
Geschäftsführer des<br />
Fachverbandes Biogas e.V.<br />
AKTUELLES<br />
6 Meldungen<br />
8 Bücher<br />
10 Termine<br />
12 Biogas-Kids<br />
14 5. Bayerische Biogasfachtagung, Teil 1<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
22 Abfallvergärungstag, Teil 1<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
28 IG Biogasmotoren Fachsymposium <strong>2021</strong><br />
Von Dierk Jensen<br />
POLITIK<br />
32 EU-Taxonomie: Werden Bioenergieprojekte<br />
unmöglich?<br />
Von Bernward Janzing<br />
36 Schleswig-Holstein<br />
Klimaschutzgesetz: Entwurf löst keine<br />
Euphorie aus<br />
Von Dierk Jensen<br />
40 Biomethan<br />
Sechs Neuanlagen in 2020<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH)<br />
Martin Bensmann<br />
44 Der Wasserstoff-Hype – wunderbar<br />
oder wahnsinnig?<br />
Von Christian Dany<br />
54 Wasserstoff: Eine Molekülkaskade<br />
könnte möglich werden<br />
Von Dierk Jensen<br />
60 Grün statt Grau für eine ganze<br />
Region<br />
Von Dipl.-Journ. Wolfgang Rudolph<br />
66 Interview<br />
Auf dem Weg zum sauberen Antrieb<br />
im Schwerlastverkehr<br />
Interviewer: Thomas Gaul<br />
4
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> INHALT<br />
TITELFOTO: SCHWELM ANLAGENTECHNIK I FOTOS: SCHWELM ANLAGENTECHNIK, JHR GREEN POWER, FACHVERBAND BIOGAS E.V.<br />
92 110<br />
PRAXIS<br />
70 „Biogas rein – grüner Wasserstoff raus“<br />
Von Dipl.-Ing. Heinz Wraneschitz<br />
74 Gasmotor verbrennt Wasserstoff<br />
Von Dierk Jensen<br />
77 Biogas muss ab <strong>2021</strong> nachhaltig<br />
sein – diese Vorgabe macht die neue<br />
Nachhaltigkeitsverordnung!<br />
Von Dr. Stefan Rauh<br />
80 Reduzierung der Gärrückstände –<br />
separieren oder intensivieren?<br />
Von Dipl.-Ing., M.Sc. Dorothea Telschow-<br />
Gohlke und Dipl.-Biol. Sara Gatz<br />
92 Anlagen des Monats<br />
94 Erneuerbare Energien nicht gegeneinander<br />
ausspielen<br />
Von Eur Ing Marie-Luise Schaller<br />
98 Entscheidungshilfe für die Suche nach<br />
einem Zukunftskonzept<br />
Von Jasmin Gleich, Ulrich Kilburg und<br />
Robert Wagner<br />
VERBAND<br />
Aus der Geschäftsstelle<br />
102 Umsetzung der RED II in nationales<br />
Recht schreitet voran<br />
Von Dr. Stefan Rauh und<br />
Dipl.-Ing. agr. (FH) Manuel Maciejczyk<br />
106 Durchbruch bei niedersächsischen<br />
Nachgärern – Erlass zurückgenommen<br />
Von Lars Günsel<br />
108 Korrektur des EEG <strong>2021</strong> überfällig<br />
Von Dr. Simone Peter, BEE<br />
110 Aktionswoche Artenvielfalt<br />
Beilagenhinweis:<br />
Das Biogas Journal enthält Beilagen<br />
der Firmen jbs joachim behrens,<br />
HR-Energiemanagement,<br />
ONERGYS und renergie Allgäu.<br />
RECHT<br />
112 Clearingstelle EEG | KWKG<br />
Votum zu Anlagenbegriff, Inbetriebnahmedatum<br />
und Meldefragen veröffentlicht<br />
Von Dr.-Ing. Natalie Mutlak<br />
114 Impressum<br />
5
AKTUELLES<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Anlage zur Verflüssigung von<br />
Biomethan wird gebaut<br />
Steinfeld/Ettlingen/München – Mit Zustimmung<br />
der erforderlichen Gremien ist der<br />
Startschuss für den Bau einer Biomethan-<br />
Verflüssigungsanlage in Deutschland gefallen.<br />
Dafür bündeln drei Unternehmen ihre<br />
Kompetenzen: Alternoil GmbH, Tankstellenbetreiber<br />
und Vorreiter im Transformationsprozess<br />
für sauberen Schwerlastverkehr,<br />
Erdgas Südwest GmbH, erfahrener<br />
Energiedienstleister, und bmp greengas<br />
GmbH, Biomethan-Vermarkter. Mithilfe<br />
des Bio-LNG (Liquefied Natural Gas)<br />
werden die CO 2<br />
-Einsparungen in Verkehr,<br />
Transport und Logistik und das Erreichen<br />
der Klimaschutzziele vorangetrieben.<br />
Die Basis der Zusammenarbeit bildet die<br />
Gründung einer Projektgesellschaft, an der<br />
Alternoil und Erdgas Südwest jeweils 50<br />
Prozent der Anteile halten. „Der Schwerlastverkehr<br />
muss einen aktiven Beitrag zur<br />
Erreichung der Klimaschutzziele leisten.<br />
Das gelingt langfristig mit Bio-LNG. Deswegen<br />
stellen wir als Tankstellenbetreiber<br />
und LNG-Logistiker bis 2022 zunehmend<br />
auf Bio-LNG um. Der Bau der neuen Anlage<br />
ist eine Investition in die Zukunft. Ich bin<br />
sicher, dafür die richtigen Partner gefunden<br />
zu haben“, sagt Jürgen Muhle für die Holding<br />
der Alternoil.<br />
Ralf Biehl und Hans-Joachim Seigel, Geschäftsführer<br />
Erdgas Südwest, freuen sich<br />
über die Teilhabe des Unternehmens an einem<br />
Leuchtturmprojekt. „Grüne Gase machen<br />
schon heute einen Unterschied, wenn<br />
die Prozesse von der Herstellung über die<br />
Weiterverarbeitung und Nutzung effizient<br />
gestaltet werden“, ist Biehl überzeugt.<br />
Die Inbetriebnahme der Anlage – eine<br />
der ersten in Deutschland – soll bis Ende<br />
2022 erfolgen. Ab diesem Zeitpunkt liefert<br />
bmp greengas – ein Tochterunternehmen<br />
der Erdgas Südwest – das erforderliche<br />
Biomethan. Dieses wird in der Anlage zu<br />
Bio-LNG verflüssigt und dann bundesweit<br />
als emissionsarmer Kraftstoff für Lkw an<br />
den Tankstellen der Alternoil angeboten.<br />
Laut Deutsche Energie-Agentur (dena)<br />
kann Bio-LNG je nach eingesetzter Fahrzeugtechnologie<br />
und Effizienz der Vorkette<br />
bis zu 77 Prozent weniger CO 2<br />
-Äquivalent<br />
emittieren.<br />
Damit wird auch der Erneuerbare-Energien-Richtlinie<br />
RED II Folge geleistet, die<br />
bis 2030 14 Prozent Erneuerbare Energien<br />
im Straßenverkehr vorsieht. „Nachhaltiges<br />
Biomethan, wie es die RED II für den<br />
Verkehr verlangt, ist sowohl ökologisch als<br />
auch wirtschaftlich interessant. Dennoch<br />
wird der Ausbau politisch noch zu wenig<br />
gefördert. Im starken Verbund mit unseren<br />
Partnern nehmen wir das nun selbst in die<br />
Hand“, konstatiert Matthias Kerner, Geschäftsführer<br />
der bmp greengas GmbH.<br />
Leo Rösel Deutschlands bester<br />
Junglandwirt 2020<br />
München – Beim CeresAward ist Leo Rösel<br />
aus Neukirchen Deutschlands bester<br />
Junglandwirt geworden. Mit Leo Rösel<br />
in der Kategorie Junglandwirt nominiert<br />
waren Florian Jocher aus Schongau und<br />
Patrick Kübler aus Tettnang. „Der Gewinner<br />
kombiniert mit innovativen Lösungen<br />
alle Anforderungen, die Politik, Umwelt,<br />
Betriebswirtschaft und Gesellschaft an<br />
ihn stellen. Neues auszuprobieren und<br />
Eigenbaulösungen stehen bei ihm auf der<br />
Tagesordnung. Impulse holt er sich dafür<br />
aus seinem digitalen und analogen Netzwerk.<br />
Doch er nimmt nicht nur, er gibt<br />
auch. In Instagram-Storys, Vorträgen und<br />
WhatsApp-Gruppen teilt er seine Erfahrungen<br />
und entwickelt somit nicht nur seinen<br />
Betrieb, sondern gilt auch als Vorbild seiner<br />
Generation“, so die Juroren über Leo Rösel.<br />
Dieser zeigte sich „überrascht und sehr<br />
erfreut, Junglandwirt des Jahres 2020 geworden<br />
zu sein. Er betont: „Schön, dass die<br />
vielen schlaflosen Nächte, die ich in den<br />
Betrieb investiere, anerkannt und honoriert<br />
werden. Ich probiere auf meinem Betrieb<br />
viel aus. Meine Intention dabei ist es dann,<br />
dass ich es offen zeige, wenn etwas mal<br />
nicht so funktioniert. Als Junglandwirt hat<br />
man zwar die Richtung schon eingeschlagen,<br />
man muss aber den Weg noch finden.“<br />
Der Junglandwirt ist stolz darauf, seine<br />
Umwelt aktiv und zum Guten hin mitzugestalten.<br />
Und das lebt der 30-jährige<br />
Landwirt voll aus. Im Ackerbau legt er besonderen<br />
Wert auf Humusaufbau und Bodenfruchtbarkeit.<br />
Chemischen Pflanzenschutz<br />
reduziert er auf ein Minimum. Die<br />
Biogasanlage füttert er bereits seit Jahren<br />
mit blühenden Zwischenfrüchten. So hat er<br />
in den letzten Jahren immer weniger Mais<br />
eingesetzt. Die Abwärme der Biogasanlage<br />
nutzt er schließlich zum Trocknen der Holzhackschnitzel,<br />
mit denen er seine Kunden<br />
mit Heizmaterial versorgt.<br />
Das Ganze zeigt er jedem, der es wissen<br />
will: analog auf dem Hof und als Agrarscout<br />
Leo Rösel<br />
oder digital über Instagram, Facebook und<br />
als Hofheld-Blogger. „Ich will das, was die<br />
Gesellschaft fordert, auch beantworten.<br />
Ich experimentiere zum Beispiel viel und<br />
erfolgreich mit verschiedenen Substraten,<br />
um meine Biogasanlage nicht nur mit<br />
Mais zu füttern. Meine Lieblingskultur ist<br />
‚Ein-bisschen-was-von-allem‘. Mit meinen<br />
ständigen Sonderwünschen bin ich schon<br />
das Schreckgespenst des Landhandels“,<br />
beschreibt Rösel.<br />
FOTO: TIMO JAWORR<br />
6
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Anlagenmonteur technische und<br />
wirtschaftliche Erkenntnisse und<br />
Überlegungen zu LNG und CNG sowie<br />
Bio-LNG und Bio-CNG vermitteln.<br />
Es gliedert sich in 17 Kapitel.<br />
Im ersten Kapitel geht es um<br />
Grundlagen. Darin wird zum Beispiel erklärt, was LNG<br />
ist und wie es sich chemisch beziehungsweise physikalisch<br />
verhält. Dabei wird auch die Gewinnung von LNG<br />
aus Biogas erläutert. In einem kurzen Exkurs streift der<br />
Autor den Energieträger Erdgas und vergleicht seine<br />
Umweltwirkung mit anderen fossilen Energieträgern.<br />
Am Schluss des Kapitels zeigt er auf, welche Gasnetzstrukturen<br />
es gibt und wie verschiedene Druckstufen<br />
bezeichnet werden.<br />
In Kapitel 2 thematisiert Werner Hermeling die wichtigsten<br />
thermodynamischen Prozesse bei der Herstellung,<br />
dem Transport und der Lagerung von LNG. Die<br />
Prozesse sind unterteilt in:<br />
a. Adiabatische Kühlung,<br />
b. Mischkondensation,<br />
c. Joule-Thomson-Effekt,<br />
d. Kompressionsenergie,<br />
e. Der kritische Punkt,<br />
f. Das thermodynamische Gleichgewicht,<br />
g. Isobare unterhalb des kritischen Punktes und<br />
h. Verflüssigung von LNG.<br />
In den Unterpunkten werden immer wieder leicht verständliche,<br />
vergleichende Beispiele angeführt. Sehr gut<br />
sind auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende eines<br />
jeden Unterkapitels<br />
Kapitel 3 handelt von der Verflüssigung an der Quelle<br />
und dem Transport bis zum Zielhafen (Hub). Hermeling<br />
skizziert hier unter anderem den Transport per Schiff,<br />
den Umgang mit sogenanntem Boil-off-Gas, was mit<br />
dem LNG im Hub passiert und wie heute mit Lkw und<br />
künftig aber auch mit Bahn-Waggons das flüssige Gas<br />
ins Landesinnere verbracht wird. Dann geht es weiter<br />
mit Erläuterungen zur Betankung. Er erklärt, worin sich<br />
geschlossene und offene Schlauchsysteme unterscheiden,<br />
welche Unterschiede es im Befüllen von Tanks von<br />
oben beziehungsweise von unten gibt. Einige Fotos und<br />
Grafiken erleichtern das Verständnis.<br />
In Kapitel 5 bespricht der Verfasser verschiedene LNG-<br />
Anwendungen und Möglichkeiten der Gaskompression.<br />
Die Vorstellung verschiedener Tankstellensysteme komplettiert<br />
das Kapitel. Weitere Inhalte des Buches sind:<br />
Sensorik einer LNG-Anlage, technische Komponenten<br />
einer LNG-Anlage, Sicherheitseinrichtungen, Isolierungen,<br />
elektrische Erdungen, In- und Außerbetriebnahme<br />
sowie Schulungsempfehlungen.<br />
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8
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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www.energiewaechter.de/b2b-events<br />
17. Juni<br />
5. Norddeutscher Biogas-Branchentreff<br />
Rendsburg<br />
www.bbiogas-branchentreff.de<br />
21. bis 25. Juni<br />
AHK-Geschäftsreise Bioenergie in<br />
Frankreich<br />
www.energiewaechter.de/b2b-events<br />
23. Juni<br />
TRwS 793-1 – Biogasanlagen (Regelwerk<br />
aktuell) Web-Seminar<br />
Hennef<br />
eva.dwa.de<br />
23. und 24. Juni<br />
14. Biogas-Innovationskongress digital<br />
www.biogas-innovationskongress.de<br />
16. September<br />
3. BAYERISCHER BIOGAS-BRANCHENTREFF<br />
Straubing<br />
www.bbiogas-branchentreff.de<br />
29. Juli<br />
Web-Seminar: Vorbereitung EEG-<br />
Ausschreibungen September <strong>2021</strong><br />
Online<br />
5. August<br />
Web-Seminar: Vorbereitung EEG-<br />
Ausschreibungen September <strong>2021</strong><br />
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9. Juli<br />
Web-Seminar: Sichere Instandhaltung<br />
von Biogasanlagen – Schwerpunkt<br />
Beauftragung von Fremdfirmen<br />
Online<br />
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Technischer und biologischer Service Biogas<br />
30 – 40 h/Woche | m/w/d | Neuendettelsau<br />
Wir sind ein deutsches Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet, das mit hoher Intelligenz auf Basis wissenschaftlicher<br />
Forschung und Entwicklung qualitativ hochwertige Futtermittelzusatzstoffe und Biogasadditive entwickelt, herstellt<br />
und vertreibt. Zur Verstärkung unseres Biogasteams mit Sitz im mittelfränkischen Neuendettelsau suchen wir<br />
ab sofort eine engagierte Persönlichkeit (w/m/d).<br />
Ihre Aufgaben<br />
• Tätigkeitsschwerpunkt: intensive administrative und fachliche Unterstützung unserer Außendienstmitarbeiter<br />
und Beratung größerer Kunden im In- und Ausland<br />
• Markt-, Produkt-, und Wettbewerbsanalysen sowie Durchführen von Produktschulungen<br />
• Repräsentieren des Unternehmens auf Messen<br />
Ihr Profil<br />
• Abgeschlossenes Studium der Agrarwissenschaften / Erneuerbare Energien (B.Sc) / Agrarbiologie oder vergleichbare<br />
Qualifikation wie Staatlich geprüfte(r) Agrarbetriebswirt(in) oder Staatlich geprüfte/r Techniker/in für Landbau.<br />
• Verständnis für biologische Zusammenhänge und gutes technisches Verständnis<br />
• Kenntnisse im Bereich Biogasproduktion<br />
• zielstrebiges und kundenorientiertes Arbeiten, Belastungsfähigkeit und ein gesundes Durchsetzungsvermögen<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Es ist Frühjahr und draußen summt und brummt es wieder.<br />
Fleißig sind die Honigbienen unterwegs und hüpfen von<br />
Blüte zu Blüte. Dort sammeln sie Pollen, also Blütenstaub,<br />
aus dem sie leckeren Honig machen. Zu den Summern<br />
gehören auch die vielen Wildbienen, von denen es allein<br />
bei uns über 300 Arten gibt. Dabei ist es nicht nur der Honig<br />
allein, der Bienen zu ausgesprochen nützlichen Tieren<br />
macht. Vor allem ist es ihre Bestäubungsleistung. Denn<br />
indem sie den Blütenstaub von Blüte zu Blüte tragen,<br />
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einen großen Anteil daran,<br />
dass die Mehrheit des Abfalls<br />
zersetzt wird. Bakterien,<br />
Pilze, Käfer, Spinnen und Würmer zersetzen<br />
die abgestorbenen Pflanzen. So entsteht nach und nach ein<br />
wertvoller organischer Dünger. Der Regenwurm beispielsweise<br />
frisst alles, was er auf dem Kompost finden kann. Der Wurmkot,<br />
den er ausscheidet, gibt einen guten Naturdünger ab. Dein<br />
Biomüll gehört in so einen Komposthaufen, also alle Grünabfälle<br />
des Gartens, verwelkte Blumensträuße, Topfpflanzenerde,<br />
gebrauchte Papiertücher und natürlich Küchenabfälle: Reste<br />
vom Gemüseputzen, Kartoffelschalen, Kaffeepads, Eierschalen,<br />
Obstreste und vieles mehr.<br />
sind viele Pflanzen erst in der Lage, sich zu vermehren.<br />
Viele landwirtschaft liche Nutzpflanzen gehören dazu:<br />
Obstbäume, Raps, Sonnen blumen, Tomaten und viele<br />
andere. 80 Prozent der 800 heimischen Nutz- und<br />
Wildpflanzen sind auf die Bienen als Bestäuber<br />
angewiesen. Wusstest du, dass für 500 Gramm Honig<br />
etwa 75 Millionen Blüten bestäubt werden?<br />
Welch eine riesige Leistung vollbringen die kleinen<br />
Brummer und schaffen somit auch eine blühreiche<br />
Artenvielfalt! Die Landwirtschaft braucht<br />
also die Bienen unbedingt. Landwirte, die Biogas<br />
produzieren, können den Bienen helfen. Und zwar<br />
auf zweierlei Weise: Viele Landwirte legen inzwischen<br />
zum Beispiel an den Rändern ihrer Mais äcker sogenannte<br />
Blühstreifen an. Das sieht nicht nur schön aus, sondern<br />
stört auch nicht bei der Vergärung, wenn bei der Ernte<br />
alles zusammen in den großen Fermenter eingebracht<br />
wird. Noch mehr hilft es den Bienen und der Artenvielfalt<br />
allerdings, wenn der komplette Biogas-Acker aus<br />
Blühpflanzen besteht. Die „Durchwachsene Silphie“ mit<br />
ihrer wunder schönen gelben Blütenpracht gehört zum<br />
Beispiel zu den beliebten Energiepflanzen- Alternativen,<br />
die ähnlich hohe Biogaserträge erbringt<br />
wie der Mais. Das sollten noch<br />
viel mehr Landwirte nachmachen<br />
– dann gibt es auch<br />
noch mehr Honig.<br />
Moore<br />
Bis heute werden Moore entwässert, um Land- und Forstwirtschaft<br />
zu betreiben oder um Torf abzubauen. Inzwischen weiß<br />
man, dass das ökologisch falsch ist – auch deshalb, weil Moore<br />
riesige CO 2 -Speicher sind. Ihre Umnutzung setzt große Mengen<br />
des klimaschädlichen Gases frei. Der umgekehrte Weg ist eine<br />
Wiedervernässung und Nutzung als Nassanbau – Paludikultur<br />
nennt man das. Schilf, Segge oder Rohr-Glanzgras baut man auf<br />
diesem eher morastigen Boden an. Geforscht wird, ob sich die<br />
Ernte dieser speziellen Feuchtpflanzen zur Biogasproduktion<br />
eignet. Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung als Baumaterial.<br />
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5. BAYERISCHE BIOGASFACHTAGUNG, TEIL 1<br />
TA Luft-Entwurf<br />
greift Biogasanlagen<br />
als Anlagentyp auf<br />
Auch das Standortumfeld<br />
der Biogasanlage<br />
ist relevant für eventuelle<br />
geplante künftige<br />
Aktivitäten, die im<br />
Zusammenhang mit<br />
dem Anlagenbetrieb<br />
stehen.<br />
Am 2. und 3. März fand die Dingolfinger Biogasfachtagung digital statt mit rund 120<br />
Teilnehmern*innen. Am ersten Veranstaltungstag ging es unter anderem um den Weiterbetrieb<br />
von Bestandsanlagen sowie um die Nutzung von landwirtschaftlichen Koppelprodukten.<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Gepa Porsche, Leiterin des Referats Genehmigung<br />
im Fachverband Biogas e.V.,<br />
blickte auf die Weiterentwicklung der<br />
Bestandsbiogasanlagen durch die Genehmigungsbrille.<br />
Der Standort, das Bauplanungsrecht<br />
oder die Privilegierung im Außenbereich<br />
seien Faktoren, nach denen viele Biogasanlagen in<br />
Deutschland errichtet worden sind. Die Privilegierung<br />
habe aber zwei regelmäßige Einschränkungen. Die eine<br />
sei die Rohbiogas-Produktionskapazität und die andere<br />
die Herkunft der Biomasse.<br />
Porsche habe es schon häufiger erlebt, dass diese beiden<br />
Punkte aus den Augen verlorengehen, insbesondere<br />
die Herkünfte der Biomasse. Manche Anlagenbetreiber<br />
würden dann feststellen, dass sie gute sichere<br />
Biomasseherkünfte zwar haben, dass aber die geforderten<br />
51 Prozent, die aus dem eigenen oder dem eigenen<br />
und nahegelegenen Betrieben stammen müssen, nicht<br />
mehr realisiert werden. Das könne dann im Zweifelsfall<br />
die gemachte Planung torpedieren.<br />
„Gleiches gilt für die 2,3 Millionen Normkubikmeter<br />
Rohgas, die produziert werden dürfen. Das ist eine<br />
Grenze, die nicht verhandelbar ist. Wenn man verhandeln<br />
möchte, befindet man sich im Bereich eines<br />
vorhabenbezogenen Bebauungsplans oder einer Sondergebietsausweisung.<br />
Darauf hat man aber keinen<br />
Rechtsanspruch. Der Gemeinde bleibt es überlassen,<br />
ob sie planerisch tätig wird oder nicht“, teilte Porsche<br />
mit.<br />
Aber selbst beim vorhabenbezogenen Bebauungsplan<br />
oder der Sondergebietsausweisung müsse im Blick behalten<br />
werden, was dort am Standort hinsichtlich des<br />
Anlagenbetriebes zulässig ist und was nicht, wie zum<br />
Beispiel ein Substratwechsel oder eine Leistungssteigerung.<br />
Hier stelle sich die Frage, ob man als Betreiber<br />
in seinem städtebaurechtlichen Vertrag oder in der<br />
Sondergebietsausweisung einschränkende Formulierungen<br />
hat. Porsche berichtete von einem Beispielfall,<br />
wo der Anlagenbetreiber in einer Sondergebietsausweisung<br />
einen Passus hatte, dass Anbaubiomasse ver-<br />
FOTOS: LANDPIXEL.EU<br />
14
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> AKTUELLES<br />
goren werden darf. Laut Porsche hat der<br />
Betreiber damit ein Problem, wenn er zum<br />
Beispiel Grünschnitt vergären möchte. Es<br />
handele sich zwar um Kleinigkeiten, die<br />
aber die Aufmerksamkeit erforderten.<br />
Der Standort und sein Umfeld<br />
Ebenso relevant sei das Standortumfeld<br />
für das, was der Betreiber auf der Anlage<br />
machen will. Will er noch einen Behälter,<br />
einen Lagerplatz, eine Maschinenhalle<br />
oder eine Aufbereitungsstrecke dazu<br />
bauen, dann habe das Auswirkungen auf<br />
seine Umgebung. Beispiel Umwallung:<br />
Passt das, was gebaut werden soll, noch<br />
in die Umwallung? Muss der Wall erweitert<br />
werden? Ist das möglich? In dem Zusammenhang<br />
sei zu klären: Wo ist das nächste<br />
Gewässer? Wo ist die nächste Straße, der<br />
nächste Nachbar, wo sind zu schützende<br />
Biotope? Den „Hauptpreis“ habe man<br />
gewonnen, wenn der Standort im Wasserschutzgebiet<br />
liegt.<br />
Beispiel Wasserschutzgebiet: Will man, so<br />
Porsche, eine Hydrolyse dazu bauen oder<br />
die Anlage verfahrenstechnisch erweitern,<br />
dann sei man schnell im Bereich des Paragrafen<br />
49 AwSV in der Fassung von 2017.<br />
Die AwSV begrenze Biogasanlagen mit<br />
einem maßgebenden Volumen auf 3.000<br />
Kubikmeter. „Das heißt, dass man im Wasserschutzgebiet<br />
nicht mehr als 3.000 Kubikmeter<br />
„Biogasanlage“ im Sinne der Verordnung<br />
haben darf. Dieses Volumen darf<br />
auch nicht durch Änderung überschritten<br />
werden. Außer, Sie bauen mehr Lagerkapazität,<br />
die im Sinne der Düngeverordnung<br />
wirklich benötigt wird. Oder Sie machen<br />
Biogas ausschließlich aus tierischen Ausscheidungen<br />
aus der eigenen, bereits in<br />
der Schutzzone vorhandenen Tierhaltung“,<br />
erklärte die Referentin.<br />
Das bedeutet, dass die Möglichkeiten, etwas<br />
dazu bauen zu können, restriktiv gehandhabt<br />
werden. Das liege daran, dass<br />
sich das maßgebende Volumen aus der<br />
Summe der Volumen aller Teilanlagen –<br />
also Gärsubstratlager, Fermenter und Gärrestlager<br />
– bestimmt. Wenn Sie schon eine<br />
Biogasanlage in einem Wasserschutzgebiet<br />
haben, dann können Sie in aller Regel<br />
nichts mehr dazu bauen, weil das maßgebliche<br />
Volumen von 3.000 Kubikmeter<br />
quasi jede Biogasanlage schafft, sagte<br />
Porsche. Ein weiterer Punkt, der gegebenenfalls<br />
standortproblematisch werden<br />
könne, sei das Gegenspiel zwischen Bauplanungsrecht<br />
und Störfallrecht, weil auf<br />
der einen Seite ein räumlich-funktionaler<br />
Zusammenhang zwischen Biogasanlage<br />
und Hofstelle gefordert ist durch das Baugesetzbuch<br />
(privilegiertes Bauen im Außenbereich).<br />
Andererseits könne man durch den Zubau<br />
von gasdichter Lagerkapazität in einen<br />
Bereich mit störfallrechtlicher Relevanz<br />
kommen. Dabei gehe es um die Menge an<br />
Gas, die zu irgendeinem Zeitpunkt sich in<br />
der Anlage beziehungsweise im Betriebsbereich<br />
befinden kann. Wenn die Anlage<br />
im Störfallrecht sei, dann gelte es, einen<br />
angemessenen Sicherheitsabstand zum<br />
nächsten Schutzobjekt einzuhalten. Das<br />
könne zum Beispiel ein Wohngebiet sein.<br />
Es könne aber im Laufe des Anlagenbetriebes<br />
zu Standortkonstellationen kommen,<br />
wo der angemessene Sicherheitsabstand<br />
nicht mit dem räumlich-funktionalen Zusammenhang,<br />
den das Baurecht fordert,<br />
kompatibel ist.<br />
„Wenn Sie also beispielsweise ein gasdichtes<br />
Gärrestlager bauen wollen oder müssen,<br />
es an dem Standort aber eigentlich<br />
nicht realisierbar ist, da der einzuhaltende<br />
Sicherheitsabstand unterschritten wird,<br />
Sie jedoch im Grunde nirgendwo anders<br />
bauen können, weil sonst der räumlichfunktionale<br />
Zusammenhang zur Hofstelle<br />
fehlt, dann sind Sie in der unglücklichen<br />
Situation, dass Sie einen vorhabenbezogenen<br />
Bebauungsplan oder eine Sondergebietsausweisung<br />
benötigen. Wie schon<br />
erwähnt haben Sie darauf keinen Rechtsanspruch“,<br />
verdeutlichte Porsche.<br />
TA Luft – verbindliches Regelwerk<br />
In dem Moment, wo Sie ein Betriebsbereich<br />
seien und erstmalig oder vermehrt<br />
einen angemessenen Sicherheitsabstand<br />
unterschritten, seien bei baurechtlich<br />
genehmigten Anlagen als auch bei den<br />
BImSch-Anlagen Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung<br />
durchzuführen, was<br />
die Umsetzung der geplanten Maßnahme<br />
weiter erschweren könne.<br />
„In der Praxis stellt sich sehr häufig die<br />
Frage, ob das geplante Vorhaben nach Baurecht<br />
zu behandeln ist oder schon in die<br />
Genehmigungsbedürftigkeit nach Bundes-<br />
Immissionsschutzgesetz (BImSchG) fällt.<br />
Dieses ist vor allem für den zu erfüllenden<br />
Anforderungskatalog bedeutsam. So gibt<br />
es unterschiedliche Schwellen, wie zum<br />
Beispiel bei der Input-Biomasse, mit<br />
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denen Betreiber sich auseinandersetzen müssen. Mit<br />
dem Eintritt in die Genehmigungsbedürftigkeit nach<br />
Bundes-Immissionsschutzgesetz greift auch die TA<br />
Luft als verbindlich anzuwendendes Regelwerk. Damit<br />
ist auch die neue TA Luft, die derzeit in den Bundesratsgremien<br />
beraten wird, für Sie gegebenenfalls von<br />
Belang, weil die neue TA Luft Biogasanlagen als Anlagentyp<br />
aufgreift“, führte Porsche weiter aus.<br />
Die neue TA Luft werde wohl auch Anforderungen an<br />
die Gasfackeln beinhalten. Die Geruchsimmissionsrichtlinie<br />
(GIRL) soll auch Bestandteil der TA Luft<br />
werden. Das ganze Prozedere soll laut Porsche noch<br />
in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden. Die<br />
neue TA Luft fordert unter anderem:<br />
ffFahrwege befestigt und sauber zu halten.<br />
ffErhöhte Anstrengungen zur Vermeidung von Geruch<br />
und Ammoniak an Vorgruben und Gärrestlagern.<br />
ffSilos: Pflicht zur Abdeckung, Ausnahme<br />
Anschnittflächen.<br />
ffForderung von Doppelmembranspeicherdächern<br />
mit Zwischenraumüberwachung.<br />
ffMaßnahmen zur Reduktion von Methanimmissionen<br />
aus Gärrestlagern (150 Tage Mindestverweilzeit,<br />
aber auch Restgaspotenzial und Sonderregelungen<br />
für überwiegend und ausschließlich Gülle<br />
vergärende Anlagen).<br />
Porsche findet den TA Luft-Entwurf in Teilen durchaus<br />
gut. Er lasse Spielraum für technische Innovationen.<br />
Dennoch habe man als Fachverband Biogas Kritikpunkte<br />
an den Bundesrat adressiert, die auch wahrgenommen<br />
worden seien, was auf Änderungen hoffen<br />
lasse. „Nun wird der eine oder andere sagen, Doppelmembranspeicher<br />
mit Zwischenraumüberwachung<br />
kenne ich irgendwoher. Genau: das ist eine Empfehlung<br />
der TRAS 120. Darum haben wir an dem TA Luft-<br />
Entwurf einen großen Kritikpunkt, denn man hat in der<br />
Vergangenheit – als klar war, dass die Biogasanlagen-<br />
Verordnung in der ursprünglich geplanten Fassung<br />
nicht realisiert werden würde – begonnen, Teile daraus,<br />
die dem Gesetzgeber besonders wichtig waren, in zwei<br />
verschiedene Regelwerke zu kopieren. Zum einen in die<br />
TA Luft und zum anderen in die TRAS 120“, betonte<br />
Porsche.<br />
TA Luft wildert im Revier der TRAS 120<br />
Jetzt wurden aber beide Regelwerke unabhängig voneinander<br />
von verschiedenen Personengruppen diskutiert<br />
mit dem Ergebnis, dass man nun eine TRAS 120 und<br />
eine TA Luft habe, die mal ursprünglich identische<br />
Anforderungen gestellt hätten. In der Zwischenzeit<br />
würden diese aber inhaltlich auseinanderfallen. „Das<br />
heißt, im schlechtesten Fall bekommen wir eine TA<br />
Luft – und ich hoffe, dass wir das noch abwenden können<br />
–, die letzten Endes andere Regelungen zum gleichen<br />
Thema trifft als die TRAS 120“, führte Porsche<br />
weiter aus.<br />
Im weiteren Verlauf ihres Vortrages widmete sie sich<br />
dem Thema Verbrennungsmotoren (BHKW). „Für die<br />
Genehmigungsbedürftigkeit dieser Anlagen liegt die<br />
Schwelle bei einem Megawatt (1 MW) Feuerungswärmeleistung.<br />
Bisher standen die Anforderungen dafür in<br />
der TA Luft. Die sollen jetzt komplett gestrichen werden<br />
mit der Begründung, dass die Anforderungen an stationäre<br />
Verbrennungsmotoranlagen wegfallen können,<br />
weil die Anforderungen an diese Anlagen vollständig in<br />
der 44. BImSchV enthalten sind“, informierte Porsche.<br />
Für alles, was genehmigungsbedürftig sei, also auch,<br />
wenn der einzelne Motor für sich genommen kleiner als<br />
1 MW ist und nur die Summe aller Motoren die 1-MW-<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
Schwelle erreicht, habe bisher die TA Luft gegolten.<br />
Wohingegen die 44. BImSchV zwar diesen Anwendungsbereich<br />
auch abdecke, aber die Abdeckung nur<br />
dann zu 100 Prozent gegeben ist, wenn eine „gemeinsame<br />
Anlage“ im Sinne der 4. BImSchV automatisch<br />
auch eine aggregierte Feuerungsanlage im Sinne der<br />
44. BImSchV ist – ansonsten entsteht eine Regelungslücke.<br />
Theoretisch biete die 44. BImSchV aber die<br />
Möglichkeit, dass der Betreiber durch Argumentation<br />
gegenüber der Behörde darlegt, warum seine Anlage<br />
eben nicht aggregiert werden soll. Ergebnis: „Folgt<br />
die Behörde der Argumentation, gibt es Anlagen, die<br />
genehmigungsbedürftig sind, weil sie in der Summe<br />
die 1-MW-Feuerungswärmeleistung überschreiten,<br />
aber nicht unter die 44. BImSchV fallen, weil sie nicht<br />
aggregiert werden. Fazit: Entweder wird man aggregieren,<br />
um diese Lücke zu vermeiden, weil es sonst<br />
Verbrennungsmotoren geben würde kleiner 1 MW als<br />
Einzelmotoren, die nur in der Summe größer als 1 MW<br />
existieren könnten, die aber keiner Regelung mehr unterlägen“,<br />
führte Porsche aus. „Oder man hat gar keine<br />
Lücke, weil sowieso immer zu aggregieren ist.“<br />
Sie geht davon aus, dass das „Nicht-Aggregieren“ in<br />
der Praxis keine Anwendung finden wird. „Wir hatten<br />
gefordert, dass man um diese Aggregationsregel nutzen<br />
zu können, ein Herausfallen dieser Motoren aus<br />
der 44. BImSchV durch entsprechende Regelungen in<br />
der TA Luft auffängt. Das hat sich leider nicht durchgesetzt“,<br />
bedauerte Porsche.<br />
Koppelprodukte: Wirtschaftlichkeit<br />
muss gegeben sein<br />
Dr. Stefan Thurner von der Bayerischen Landesanstalt<br />
für Landwirtschaft in Freising referierte zum Thema<br />
Koppelprodukte in der Landwirtschaft. Koppelprodukte<br />
seien in der Regel Reststoffe, die keinen gesonderten<br />
Flächenbedarf verursachen. Zudem lösten sie keinen<br />
gesonderten Produktionsaufwand aus. „Sie stehen im<br />
Grunde zur Verfügung, sodass sie nur eingesammelt<br />
werden müssen“, erklärte der Referent. Getreide- und<br />
Maisstroh seien typische Koppelprodukte. Rapsstroh,<br />
Rübenblatt oder Hopfenreben seien weitere Koppelprodukte.<br />
Thurner wies darauf hin, dass Maisstroh zum<br />
Beispiel nicht unter den Silomaisdeckel fällt, der im<br />
EEG <strong>2021</strong> den Silomaiseinsatz auf 40 Prozent begrenzt.<br />
„Wenn man Reststoffe nutzen will, dann sollte<br />
vorher geklärt werden, wie viel Material lokal beziehungsweise<br />
regional zur Verfügung steht und wann es<br />
sich nutzen lässt. Außerdem sind Fragen der Ernte- beziehungsweise<br />
Sammellogistik sowie der Lagerung zu<br />
klären“, betonte Thurner.<br />
Aus Sicht der Biogasproduktion sei entscheidend, wie<br />
viel Biogas die Koppelprodukte liefern können beziehungsweise<br />
wie hoch das Methanertragspotenzial ist.<br />
Ferner stelle sich die Frage, ob die Bestandsanlagen<br />
technisch überhaupt in der Lage sind, das Koppelprodukt<br />
zu vergären. Und sehr wichtig sei auch, dass geprüft<br />
werde, ob der geplante veränderte Substratmix<br />
genehmigungsrechtlich in Ordnung ist.<br />
Körnermaisstroh: Hälfte kann technisch<br />
geerntet werden<br />
Vor allem wenn es sich wirtschaftlich nicht rechne, sei<br />
das das K.O.-Kriterium. Körnermaisstroh sei nicht vergleichbar<br />
mit Getreidestroh. In 2020 fiel laut Thurner<br />
in Bayern eine 1 Tonnen Trockenmasse Körnermaisstroh<br />
an. Deutschlandweit seien es rund 4,3 Millionen<br />
Tonnen Trockenmasse Körnermaisstroh, die verfügbar<br />
waren. Nicht das gesamte pro Hektar anfallende Körnermaisstroh<br />
kann vom Feld technisch geerntet werden.<br />
Gut 50 Prozent können nach seinen Angaben entnommen<br />
werden.<br />
17
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Dass Körnermaisstroh etwas anderes sei als Getreidestroh,<br />
merke man schon daran, dass im Körnermaisstroh<br />
nur minimal mehr Lignin enthalten sei als in<br />
Silomais. Der Ligningehalt liege bei etwa 4 Prozent<br />
im Körnermaisstroh. Das Maisstroh sei beim Drusch<br />
auch nicht trocken, sondern es habe lediglich 30 bis<br />
40 Prozent Trockensubstanz. Es sei nur etwas trockener<br />
als der Silomais.<br />
„Wenn das Stroh breitflächig auf dem Feld liegt, dann<br />
ist das je nach Witterung vergleichbar mit Anwelksilage<br />
auf dem Grünland, dann trocknet das Körnermaisstroh<br />
sehr gut ab und kommt in den Bereich von 60 bis 70<br />
Prozent Trockensubstanz“, informierte Thurner. Hinsichtlich<br />
der Ernteverfahren stünden im Grunde derzeit<br />
nur die dreiphasigen zur Verfügung. „Das heißt, es<br />
wird der Mais ganz herkömmlich gedroschen, wobei das<br />
Stroh breit verteilt wird. Die Maispflanze sollte möglichst<br />
tief abgeschnitten werden. Im zweiten Schritt<br />
kommt dann eine Schwadtechnik zum Einsatz, wie zum<br />
Beispiel der Schwadmulcher von der Firma BioG oder<br />
Bandschwader“, führte Thurner weiter aus. Alle diese<br />
Techniken würden es schaffen, die gleiche Menge Stroh<br />
in das Schwad zu legen. Das Aufsammeln geschehe<br />
dann mit dem Feldhäcksler, dem Kurzschnittladewagen<br />
oder der (Rund)Ballenpresse. In den Jahren 2014,<br />
2015 und 2016 wurden an verschiedenen Standorten<br />
Ernteversuche durchgeführt. In den Versuchsjahren<br />
seien die Körnermaiserträge sehr gut gewesen. Die hätten<br />
sich bei rund 120 Dezitonnen Trockenmasse pro<br />
Hektar bewegt.<br />
Reststroh und Gärdünger wirken<br />
humuspositiv<br />
Das Körnermaisstroh fiel mit durchschnittlich 110<br />
Dezitonnen Trockenmasse pro Hektar an. Das Korn-<br />
Stroh-Verhältnis lag bei 1:0,9. Durch das Schwaden<br />
und die Entnahme gehen etwa 55 Prozent des anfallenden<br />
Strohs verloren. Thurner: „Nach der Ernte sehen<br />
die Felder praktisch aus wie strohfrei, aber sehr<br />
viele kleine Partikel liegen auf dem Feld, die in Summe<br />
die Menge ausmachen, die verlorengeht. Wenn<br />
so viel Stroh auf dem Feld verbleibt und Gärdünger<br />
zurückgeführt wird, dann ist die Humusbilanz ausgeglichen.“<br />
Je länger das Stroh auf dem Feld verbleibe, umso weniger<br />
erntbare Biomasse stehe zur Verfügung. Eine direkte,<br />
zügige Ernte nach dem Drusch sei angeraten. Auch<br />
der Druschzeitpunkt habe einen Einfluss auf die spätere<br />
Methanausbeute des Körnermaisstrohs. „Je später<br />
wir dreschen, umso geringer die Methanausbeute.<br />
Der Druschzeitpunkt sollte sich aber immer nach der<br />
Körnerreife richten.“ Untersucht habe man auch die<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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das Fahrzeug. Begrenzend wirke das Volumen und<br />
nicht das Gewicht. Darum sei die Transportwürdigkeit<br />
des Körnermaisstrohs nicht zu hoch. Optimal sei es,<br />
wenn sich die Maisstrohfelder im Umkreis von 5 Kilometern<br />
um die Biogasanlage befinden.<br />
Silierung: Stroh muss sauber sein<br />
Silierversuche im Labor hätten gute Ergebnisse geliefert.<br />
Der pH-Wert habe durchschnittlich unter 4,3<br />
gelegen, es habe sich gut Milchsäure bilden können.<br />
Die Bildung von Buttersäure sei kein Thema gewesen.<br />
Jedoch: Je sauberer die Ernte ohne Bodenverschmutzung,<br />
umso weniger Buttersäure könne sich bilden.<br />
Der Rohaschegehalt im Stroh betrug, so Thurner,<br />
Das Rührsystem<br />
müsse auf eine hohe<br />
Sub stratviskosität<br />
ausgelegt sein, weil<br />
festgestellt worden<br />
ist, dass die Viskosität<br />
mit dem Einsatz von<br />
Körner maisstroh<br />
ansteigt.<br />
Für die einen ist es bloß Abfall.<br />
Für uns ist es ein wichtiger Rohstoff.<br />
Biogas, Biomethan, Wasserstoff und SNG: Die HZI-Technologien zur Erzeugung Grüner Gase<br />
verwerten biogene Abfälle bzw. Reststoffe zu Energie und Kraftstoffen – und leisten so einen<br />
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19
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
7 bis 8 Prozent und liegt damit unter dem von Grassilage,<br />
die um 10 Prozent aufweist. „Wir haben in der<br />
Praxis festgestellt, dass sich aufgrund von Hefebesatz<br />
Alkohole bilden, was aber die Milchsäuregärung nicht<br />
beeinträchtigte. Besonders hoch ist der Alkoholwert gewesen,<br />
als das Körnermaisstroh mit Zuckerrüben siliert<br />
worden ist. Da ist einfach noch mehr Zucker vorhanden,<br />
den die Hefen umsetzen können. Aus Sicht der Silierung<br />
hat die Zuckerrübe keine Vorteile gebracht. Ohne<br />
Siliermittelzusätze ist eine gute Silierbarkeit realisierbar“,<br />
erklärte Thurner weiter.<br />
In der Praxis sei auf dem Silohaufen ein Fahrzeug<br />
notwendig mit einem hohen Walzgewicht. Pro Stunde<br />
sollte nicht zu viel Material eingelagert werden, da<br />
sonst die Qualität des Verdichtens leide. Wenn man<br />
zum Schluss im Fahrsilo oben auf das Körnermaisstroh<br />
Zuckerrüben einschichte, dann habe das positive Effekte,<br />
insbesondere für die Verdichtung im oberen<br />
Bereich der Silage, wodurch Silolagerraum gespart<br />
werden könne. Die mittlere Lagerungsdichte liege bei<br />
etwa 125 Kilogramm Trockenmasse pro Kubikmeter<br />
mit einer relativ großen Schwankungsbreite von plus/<br />
minus 40 kg Trockensubstanz pro Kubikmeter. Im Vergleich<br />
zum Silomais sei es etwa die Hälfte der Lagerungsdichte.<br />
Substratviskosität verändert sich<br />
Das Methanertragspotenzial von Körnermaisstroh sei<br />
enorm. Es liege bei etwa 314 Liter pro Kilogramm<br />
organische Trockensubstanz, was 85 bis 90 Prozent<br />
des Silomaises entspreche. Thurner kennt eigentlich<br />
kein anderes Koppelprodukt, das ein derart hohes Methanertragspotenzial<br />
hat. Die Strohaufbereitung könne<br />
von Vorteil sein, sei es für den Feststoffeintrag oder zur<br />
Vermeidung von Schwimmschichten. Das Rührsystem<br />
müsse auf eine hohe Substratviskosität ausgelegt sein,<br />
weil festgestellt worden sei, dass die Viskosität mit dem<br />
Einsatz von Körnermaisstroh ansteigt.<br />
Beim Einsatz von Körnermaisstroh schwanken zu Beginn<br />
der Fütterung die Methanerträge über einen Zeitraum<br />
von 30 bis 40 Tage. Die Umstellung auf Maisstroh<br />
gehe mit moderater Raumbelastung leichter. Die Verweilzeit<br />
und die Raumbelastung müssten zum Fermentersystem<br />
passen. Die Verweilzeit im Hauptfermenter<br />
sollte über 90 Tage betragen. Eine Raumbelastung zwischen<br />
3 und 4 Kilogramm organischer Trockensubstanz<br />
pro Kubikmeter Fermentervolumen und Tag wäre ideal.<br />
Erfreulich sei, dass das Körnermaisstroh gut wirtschaftlich<br />
ist – trotz der hohen Massenverluste bei der Ernte.<br />
Ein Hektar Körnermaisstroh ersetze 0,2 Hektar Silomais.<br />
Die Vollkosten bei Körnermaisstrohsilage lägen<br />
bei knapp unter 5 Cent pro Kilowattstunde elektrische<br />
Leistung. Den Methanhektarertrag gab Thurner mit<br />
1.500 Kubikmeter pro Hektar an.<br />
Autor<br />
Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Redakteur Biogas Journal<br />
Fachverband Biogas e.V.<br />
0 54 09/90 69 426<br />
martin.bensmann@biogas.org<br />
Rund 50 Prozent des<br />
anfallenden Maisstrohs<br />
lassen sich technisch<br />
ernten.<br />
20
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
Fermenterreinigung mit Brochier<br />
Auch mit der besten Rührwerktechnik ist es<br />
unvermeidbar, dass sich im Laufe der Zeit<br />
Feststoffe am Behälterboden absetzen und<br />
eine nicht mehr rühr- und pumpfähige Schicht<br />
entsteht. Alle 5-7 Jahren empfiehlt sich<br />
deshalb die komplette Reinigung der Biogas Behälter.<br />
Spätestens wenn die Heizrohre zugesetzt sind<br />
und die Temperatur sich nicht mehr regeln lässt<br />
ist diese Maßnahme dringend erforderlich.<br />
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zeitsparendes Verfahren entwickelt, mit dem Sie<br />
für die Fermenterreinigung nicht das komplette<br />
Dach des Behälters öffnen müssen. Unsere Saugbagger<br />
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am Behälterboden absaugen und so<br />
die Reinigung schnell und effizient durchführen.<br />
Sie müssen nicht mehr selbst in den Behälter einsteigen<br />
und sich auch nicht mit den zahlreichen<br />
Sicherheitsvorschriften befassen. Profitieren Sie<br />
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sehr freuen!<br />
21
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
ABFALLVERGÄRUNGSTAG, TEIL 1<br />
Zahlreiche<br />
Regelwerke<br />
in der<br />
Überarbeitung<br />
Hinsichtlich der Instandhaltungsarbeiten,<br />
die in<br />
letzter Zeit ein erhöhtes<br />
Schadens- beziehungsweise<br />
Unfallgeschehen<br />
feststellen lassen,<br />
wird überlegt, welche<br />
Schutzmaßnahmen<br />
möglicherweise noch<br />
zusätzlich notwendig<br />
sind und wie vielleicht<br />
auch die Fachkunde des<br />
ausführenden Personals<br />
weiter optimiert werden<br />
muss.<br />
Der erste virtuelle Abfallvergärungstag des<br />
Fachverbandes Biogas e.V. fand Ende März<br />
statt. Die rund 100 Teilnehmer*innen<br />
konnten sich vor allem über rechtliche<br />
Rahmen bedingungen informieren.<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Manuel Maciejczyk, Geschäftsführer des<br />
Fachverbandes Biogas e.V., sagte zu<br />
Beginn seines Vortrages: „Es fällt auf,<br />
dass es derzeit eine sehr starke Regelungsintensität<br />
gibt. Das liegt eventuell<br />
daran, dass wir nach 20 Jahren Erneuerbare-Energien-<br />
Gesetz an einem Punkt angekommen sind, wo alle Regelwerke<br />
diskutiert werden.“ Ganz besonders im Mittelpunkt<br />
stehe das Thema Klimaschutz. Das sei auch auf<br />
EU-Ebene so, wo beispielsweise die sogenannte Methanminderungsstrategie<br />
momentan diskutiert wird.<br />
Dabei würden auch Biogasanlagen in den Fokus gerückt.<br />
Laut Maciejczyk gibt es konkrete Überlegungen,<br />
wie weit noch stärkere Überwachungsmaßnahmen in<br />
Richtung Emissionen/Methanschlupf auf den Weg gebracht<br />
werden. Die Frage an der Stelle sei, ob es ordnungsrechtlich<br />
oder wie im EEG über vergütungsrechtliche<br />
Aspekte erfüllt werden muss.<br />
Das Thema Arbeitsschutz sei bisher weniger kritisch<br />
gewesen. In diesem Zusammenhang gelte das technische<br />
Regelwerk Gefahrstoffe, kurz: TRGS 529. Dieses<br />
ist in 2015 veröffentlich worden. Es habe damals große<br />
Diskussionen erzeugt, weil mit ihr sehr konkrete Anforderungen<br />
an den Betrieb von Biogasanlagen aufgestellt<br />
worden seien. Nach etwas mehr als fünf Jahren sei es<br />
nun aber wohl an der Zeit gewesen, die TRGS 529 einer<br />
Überarbeitung zu unterziehen.<br />
TRGS 529 soll in 2022 fertig<br />
überarbeitet sein<br />
„Das lag sicherlich daran, dass wir ein verändertes<br />
Unfallgeschehen auf den Biogasanlagen haben. Insbesondere<br />
durch Instandhaltungs- und Revisionsarbeiten<br />
oder auch durch das Entstehen gewisser Berufskrankheiten,<br />
wobei letztere aber nicht wirklich spezifisch<br />
auf Biogas bezogen sind“, erklärte der Vortragende.<br />
Darüber hinaus sei eine große Weiterentwicklung der<br />
Regelwerke sowie des Standes der Technik festzustellen.<br />
Ziel aktuell sei es, die TRGS 529 in 2022 fertig<br />
überarbeitet zu haben.<br />
Hinsichtlich der Instandhaltungsarbeiten, die in letzter<br />
Zeit ein erhöhtes Schadens- beziehungsweise Unfallgeschehen<br />
feststellen ließen, werde überlegt, welche<br />
Schutzmaßnahmen möglicherweise noch zusätzlich<br />
notwendig sind und wie vielleicht auch die Fachkunde<br />
des ausführenden Personals weiter optimiert werden<br />
muss. Da werde es sicherlich entsprechende Anpassungen<br />
geben. „Ob dann der jeweilige einzelne Mitarbeiter<br />
die entsprechende Fachkunde haben muss oder<br />
eine Person, die die Arbeiten koordiniert, ist noch zu<br />
diskutieren“, informierte Maciejczyk.<br />
Andere Anforderungen werden in der TRAS 120 gestellt.<br />
„Da müssen wir schauen, was daraus hinsichtlich<br />
des Arbeitsschutzes in die TRGS 529 übertragen wird“,<br />
sagte Maciejczyk. Die TRAS 120 sei eine Erkenntnisquelle,<br />
die den Stand der Technik und den Stand der<br />
Sicherheitstechnik beschreibt – also für die Anlagen,<br />
die unter die 12. Bundes-Immissionsschutzverordnung<br />
(BImSchV) fallen. Derzeit sei festzustellen, dass durch<br />
düngerechtliche Vorgaben Lagerbehältervolumina zugebaut<br />
werden, die zukünftig gasdicht abzudecken<br />
sind. Dadurch kämen zunehmend mehr Anlagen in den<br />
Bereich der Störfallverordnung, die entsprechend den<br />
Stand der Sicherheitstechnik einzuhalten hätten.<br />
FOTOS: LANDPIXEL.EU<br />
22
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
TRAS 120: weiter etliche<br />
Vollzugsfragen<br />
Die TRAS 120 sei derzeit das einzige<br />
Regelwerk, in dem der Stand der Sicherheitstechnik<br />
konkretisiert und ausführlich<br />
beschrieben werde. Die TRAS 120 wurde<br />
2019 veröffentlicht. Im Herbst 2020 gab<br />
es weitere Bund-Länder-Arbeitsgruppenhinweise,<br />
wie die Vollzugsbehörden mit der<br />
TRAS 120 umgehen sollen. Diese Hinweise<br />
haben laut Maciejczyk jedoch keine neuen<br />
Erkenntnisse gebracht. Es gebe weiter<br />
großen Interpretationsspielraum sowie<br />
zahlreiche Vollzugsfragen. „In der Praxis<br />
ist es häufig so, dass der §29b-BImSchG-<br />
Sachverständige auf die Anlage kommt, die<br />
Abweichungen beziehungsweise Mängel<br />
erfasst und dann im Zusammenspiel mit<br />
der Behörde überlegt wird, was machbar<br />
ist und was nicht“, berichtete der Referent.<br />
Nicht nur im Zusammenhang mit der TRAS<br />
120 gebe es sehr intensive Diskussionen,<br />
sondern auch bezüglich der Überarbeitung<br />
der TRAS 310. Da gehe es um die Standsicherheit<br />
in Bezug auf Hochwasser bei<br />
„Störfallanlagen“. Kürzlich sei auch die<br />
TRAS 320 einer Überarbeitung unterzogen<br />
worden. Dabei sei es inhaltlich um Schneeund<br />
Eis- sowie Windlasten gegangen. Da<br />
seien die schneereichen Tage im Februar<br />
nicht unbedingt dienlich gewesen, weil es<br />
doch auf der einen oder anderen Anlage<br />
Probleme bei den Foliendächern gegeben<br />
habe. Die TRAS 320 soll künftig für alle Anlagen<br />
gemäß StörfallVo gelten. Maciejczyk<br />
geht davon aus, dass die Behörden diese<br />
TRAS auch anwenden werden.<br />
Ferner sei zu beachten, dass die in Überarbeitung<br />
befindliche TA Luft Anforderungen<br />
aus der TRAS 120 aufgreifen wird.<br />
Problematisch dabei sei, dass diese Anforderungen<br />
etwas anders formuliert sind.<br />
Dabei stelle sich die Frage, ob die TA Luft<br />
oder die TRAS 120 gelte. „Das ist keine<br />
glückliche Entwicklung“, betonte Maciejczyk.<br />
In den Bundesländern gebe es einen<br />
unterschiedlichen Umgang mit der Anwendung<br />
beispielsweise der TRAS 120.<br />
„In den südlichen Bundesländern wird<br />
die TRAS teilweise strenger angewandt<br />
als im Norden, wo eher anlagenspezifisch<br />
geschaut wird, was von der Behörde gefordert<br />
wird“, ließ der Fachverbandsgeschäftsführer<br />
einblicken.<br />
§29b-Sachverständige kommen<br />
auf die Anlagen<br />
Die technischen Anforderungen würden<br />
häufig in Abstimmung mit dem §29b-Sachverständigen<br />
überprüft. Für viele Biogasanlagen<br />
bedeute das jetzt – insbesondere in<br />
Bayern –, dass auf die Anlagen erstmals ein<br />
§29b-Sachverständiger kommt. Der habe<br />
natürlich einen ganz anderen Blick als die<br />
Sachverständigen, die bisher auf den Anlagen<br />
waren. Der schaue sich auch das Thema<br />
Emissionsminderung an. Auch da gebe<br />
es derzeit große Diskussionen darüber, was<br />
verhältnismäßig ist.<br />
Bezüglich der Gasspeicher sei die TRAS<br />
120 ganz eindeutig: sie fordert zweischalige<br />
Gasspeicher mit Zwischenraumüberwachung.<br />
Hier komme somit wieder das<br />
Thema Klimaschutz und Methanemissionsvermeidung<br />
zum Tragen. Die Frage sei<br />
aber auch, wie der Anlagenbestand in die<br />
Zweischaligkeit der Gasspeicher überführt<br />
werden kann.<br />
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23
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Maciejczyk sprang in seinem Vortrag noch<br />
einmal zurück zur TRGS 529 und sagte:<br />
„Wir überprüfen gerade in den jeweiligen<br />
Arbeitsgruppen, ob es Sinn macht, die Anforderungen<br />
aus der TRAS 120 zu übernehmen,<br />
wie zum Beispiel das Kapitel 2.7. Da<br />
geht es um besondere Einsatzstoffe. Das<br />
sind nach Definition der TRAS 120 Bioabfälle.<br />
Es stellt sich die Frage, ob die Formulierungen<br />
und umfassenden Anforderungen<br />
(Unbedenklichkeitsprüfung, Stoffeigenschaften,<br />
Schnelltests etc.) in der TRAS<br />
120 praxistauglich sind hinsichtlich der<br />
Annahme von entsprechenden besonderen<br />
Einsatzstoffen.“ Er knüpfte thematisch<br />
auch noch einmal an die Ausführungen zur<br />
TA Luft an. Die befinde sich zur Abstimmung<br />
im Bundesrat. Der vorliegende Entwurf<br />
habe rund 300 Änderungsanträge aus<br />
den Bundesländern ausgelöst. 50 davon<br />
seien diskussionswürdig. Ein Unterausschuss<br />
soll die Einsprüche klären. Für die<br />
Biogasbranche gebe es mehrere relevante<br />
Kapitel. Inhaltlich gehe es für Abfallvergärungsanlagen<br />
zum Beispiel um die Annahmebereiche,<br />
die in Zukunft noch mehr<br />
MAPRO International LOGO.pdf 1 12.11.13 10:21<br />
nach außen abgeschlossen sein sollen. Die<br />
Abgase sollen mittels Biofilter oder Abgasreinigungsanlagen<br />
unschädlich gemacht<br />
werden.<br />
TA Luft beschert neue Vorgaben<br />
Die Behandlung von Bioabfällen soll nur<br />
noch in geschlossenen Systemen möglich<br />
sein. Dafür gebe es entsprechende Grenzwerte<br />
– also einen Emissionsminderungsgrad,<br />
zum Beispiel für Ammonium von rund<br />
90 Prozent bei der Gärproduktbehandlung.<br />
„Oder auch, dass die Emissionen im Abgas<br />
maximal 10 Milligramm Ammoniak<br />
pro Kubikmeter nicht überschreiten. In der<br />
neuen TA Luft werden auch zweischalige<br />
Gasspeicher wie in der TRAS 120 gefordert.<br />
Zudem wird geklärt, dass es nicht nur<br />
eine feste Verweilzeit im gasdichten System<br />
gibt, sondern auch Alternativen dazu.<br />
So soll zum Beispiel ein Restgaspotenzial<br />
eingeführt werden oder eine variable Verweilzeit<br />
je nach Einsatzstoffen. Ein großes<br />
Problem dabei ist nur, dass das EEG nicht<br />
dynamisch auf die jeweils aktuelle Version<br />
der TA Luft verweist“, teilte Maciejczyk mit,<br />
weshalb diese neuen Spielräume kaum genutzt<br />
werden können.<br />
Auch das Fackelthema werde in der TA Luft<br />
neu aufgerollt. Das heißt, dass es in Zukunft<br />
nur noch zwei Fackeltypen geben wird: a)<br />
die Hochtemperaturfackel für den bestimmungsgemäßen<br />
Betrieb und b) die teilverdeckt<br />
brennende Fackel als sogenannte<br />
„Standardfackel“. Darüber hinaus werde<br />
die TA Luft Vorgaben zur Gärrestlagerung<br />
enthalten, sodass die Ammoniakreduktion<br />
sichergestellt ist. Folge: Es werden immer<br />
mehr Anlagen gasdicht betrieben werden<br />
müssen und damit in den Anwendungsbereich<br />
der Störfallverordnung fallen. Problematisch<br />
sei zudem, dass die TA Luft Punkte<br />
enthält, die in der Begründung nochmal<br />
verschärft werden. Das mache dem Vollzug<br />
und der Praxis draußen die Interpretation<br />
des Regelwerkes noch schwieriger.<br />
AwSV – wohl keine Änderungen<br />
mehr in diesem Jahr<br />
Einem weiteren regulatorischen Feld<br />
widmete sich Maciejczyk mit seinen Ausführungen<br />
zum anlagenbezogenen Ge-<br />
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24
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
wässerschutz.<br />
Die<br />
sogenannte AwSV werde<br />
hinsichtlich einer<br />
Novellierung diskutiert.<br />
Im vergangenen<br />
Dezember habe es<br />
vor Weihnachten dazu<br />
einen Referentenentwurf<br />
gegeben. Nach<br />
derzeitigem Stand<br />
sei es sehr unwahrscheinlich,<br />
dass die<br />
Änderungsverordnung<br />
zur AwSV komme, weil<br />
kein Konsens zwischen Bundeslandwirtschafts-<br />
und Bundesumweltministerium<br />
möglich sei.<br />
Positiv dadurch sei, dass vorerst die Lagerung<br />
von Gärresten in externen sogenannten<br />
JGS-Behältern weiter möglich ist. Andererseits<br />
hätte er in der AwSV gerne Punkte geklärt<br />
gehabt, wie zum Beispiel den Einsatz<br />
von Prozesshilfsstoffen oder den Abstand<br />
der Umwallung zum Schutzobjekt. Maciejczyk<br />
geht davon aus, dass die AwSV in dieser<br />
Legislatur nicht mehr geändert wird.<br />
Die TRAS 320 soll<br />
künftig für alle<br />
Anlagen gemäß<br />
StörfallVo gelten.<br />
44. BImSchV – schwer<br />
interpretierbares Regelwerk<br />
Auch der Betrieb von Blockheizkraftwerken<br />
ist seit 2019 über die sogenannte 44.<br />
Bundes-Immissionsschutzverordnung neu<br />
geregelt. Mit dieser Verordnung sei leider<br />
ein sehr komplexes und sehr schwer interpretierbares<br />
Regelwerk entstanden. Mit<br />
der Einführung dieser Verordnung seien<br />
mehr als 120 Seiten Vollzugsfragen formuliert<br />
worden, die derzeit von der Bund-<br />
Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz<br />
(LAI) intensiv diskutiert werden.<br />
Die Antworten würden aber händeringend<br />
gebraucht, wie man am Beispiel der Aggregationsregel<br />
sieht<br />
Für die Praxis bedeute die 44. BImSchV,<br />
dass es neben Grenzwertverschärfungen<br />
Diskussionen um deren dauerhafte Einhaltung<br />
und Überwachung gibt. „Wesentlich<br />
ist, dass es für Neuanlagen ab 2023 einen<br />
neuen Grenzwert für Stickoxide gibt, sodass<br />
0,1 Gramm pro Kubikmeter einzuhalten<br />
sind. Das bedeutet für Motoren<br />
Ventile in modularer Bauform<br />
neue technologie ermöglicht kleinste ansprechdrücke<br />
für Biogasanlagen<br />
Für Anwender von Überdruck-, unterdruck-<br />
und Beatmungsventilen<br />
liefert die Schwing Verfahrenstechnik<br />
ab sofort eine optimierte, modulare<br />
Bauform. Wesentliche Vorteile der<br />
kubusförmigen Ventile sind:<br />
maximale modellflexibilität: Die<br />
modularen Ventile sind flexibel<br />
austausch- und kombinierbar –<br />
auch für seltene Ausführungen.<br />
optimale durchsatzleistung: Die<br />
kompakte Bauform sichert höhere<br />
Durchflussmengen mit geringeren<br />
Druckverlusten. Leckage-Raten<br />
werden auf ein Minimum reduziert.<br />
Kleinste ansprechdrücke: Die vakuumseitige<br />
Ausführung mit einer Feder<br />
(statt Gewicht) ermöglicht kleinste<br />
Ansprechdrücke bis zu 1 mbar.<br />
Schnelle Wartung: Dass die Ventile<br />
von allen Seiten zugänglich sind,<br />
vereinfacht die Wartung und das<br />
Überprüfen der Innenteile.<br />
integrierte flammensperren: Mit<br />
Flammensperren kombinierte Ventile<br />
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25
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
im Anwendungsbereich der 44. BImSchV, dass sie einen<br />
SCR-Katalysator zur Abgasbehandlung benötigen.<br />
Die Nachrüstung muss entsprechend bei allen geplanten<br />
Modernisierungen berücksichtigt werden“, machte<br />
Maciejczyk weiter aufmerksam.<br />
Die Überwachung der NOx-Emissionen mithilfe entsprechender<br />
Sensorik gewinnt seit Herbst 2020 weiter<br />
an Bedeutung, weil die LAI diese Forderung in ihren<br />
neuen Beschluss zum Erhalt des Luftreinhaltebonus<br />
übernommen hat. Neben dem Sensor fordern die LAI<br />
als auch die 44. BImSchV die kontinuierliche Überwachung<br />
des effektiven Betriebes des Abgasnachbehandlungssystems<br />
(Oxidationskat). Das System soll<br />
verplombt sein, sodass keine Manipulationen möglich<br />
sind. Gefordert wird zudem, dass der Oxikat temperaturüberwacht<br />
wird und auch nicht in Temperaturbereiche<br />
kommt, wo er sich selbst schädigt.<br />
„Parallel dazu gibt es vom VDMA ein Regelwerk, das<br />
Einheitsblatt 6299, das zur Konkretisierung der 44.<br />
Für die Praxis bedeutet<br />
die 44. BImSchV, dass<br />
es neben Grenzwertverschärfungen<br />
Diskussionen um deren<br />
dauerhafte Einhaltung<br />
und Überwachung gibt.<br />
Wesentlich ist, dass<br />
es für Neuanlagen<br />
ab 2023 einen neuen<br />
Grenzwert für Stickoxide<br />
gibt, sodass 0,1<br />
Gramm pro Kubikmeter<br />
einzuhalten sind.<br />
„Es ist eine sehr komplexe Diskussion,<br />
ab wann ein Tagesmittelwert überschritten<br />
ist, was die Konsequenz ist<br />
und wie man damit auf der Anlage<br />
umgeht“<br />
Manuel Maciejczyk<br />
BImSchV aufgelegt worden ist. Darin<br />
geht es um die Methoden zur Überwachung<br />
der Emissionen von Verbrennungsmotoranlagen.<br />
Enthalten<br />
sind Hinweise, wie die NOx-Sensorik<br />
ausgeführt werden soll. Es ist eine<br />
sehr komplexe Diskussion, ab wann<br />
ein Tagesmittelwert überschritten<br />
ist, was die Konsequenz ist und wie<br />
man damit auf der Anlage umgeht“,<br />
unterstreicht Maciejczyk.<br />
Insgesamt hat der durch die 44.<br />
BImSchV gestartete Prozess zur<br />
Nachrüstung von BKHW-Anlagen<br />
mit dem neuen LAI-Beschluss zum<br />
Luftreinhaltebonus an Fahrt aufgenommen.<br />
Bei der Neufassung des<br />
Beschlusses sei es aber nicht darum<br />
gegangen, den Formaldehyd-Grenzwert<br />
anzupassen, sondern man habe<br />
sich mehr oder weniger auf die Vorgaben<br />
der 44. BImSchV gestürzt und<br />
Anforderungen aus der 44. BImSchV<br />
und technische Vorgaben aus dem<br />
VDMA-Einheitsblatt übernommen.<br />
„Das heißt, dass alle baurechtlich<br />
genehmigten Motoren, die den Luftreinhaltebonus<br />
bekommen, eine<br />
Verplombung, eine Verriegelung der<br />
Motorsteuerung und gegebenenfalls<br />
eine Temperaturüberwachung<br />
benötigen.“ Die praktische Umsetzung<br />
des Beschlusses sei weiter<br />
unklar. „Wie sollen die Messstellen<br />
das umsetzen?“, fragte Maciejczyk.<br />
Die Messstelle könne jetzt zwar die<br />
Formaldehyd-Messung machen,<br />
aber wenn die Technik noch nicht<br />
eingebaut ist – und er geht davon aus, dass das noch<br />
das ganze Jahr <strong>2021</strong> dauert –, dann müssten die Messstellen<br />
unter Umständen nochmal auf die Anlage kommen<br />
und den Einbau prüfen und bestätigen.<br />
Relevant sei auch, dass sich aus der 44. BImSchV Dokumentationsanforderungen<br />
für den Betrieb der BHKW<br />
ergeben haben. Die seien nun auch von Bedeutung zum<br />
Erhalt des Luftreinhaltebonus. Darum appellierte Maciejczyk,<br />
die Dokumentation zu machen, weil die ersten<br />
Behörden dies einfordern.<br />
Autor<br />
Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Redakteur Biogas Journal<br />
Fachverband Biogas e.V.<br />
0 54 09/90 69 426<br />
martin.bensmann@biogas.org<br />
26
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
Schreiber<br />
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AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
IG BIOGASMOTOREN FACHSYMPOSIUM <strong>2021</strong><br />
Stromgestehungskosten<br />
sind gestiegen<br />
Alles online, via Zoom, fünf Stunden Vorträge und Diskussionen auf fünf Tage verteilt. Volles<br />
Programm, bei dem Themen aufgegriffen wurden, die der Biogasbranche unter den Fingernägeln<br />
brennen. Obwohl nicht alles bei der digitalen Premiere perfekt lief, bewies das in<br />
diesem Jahr erstmals im Februar abgehaltene Fachsymposium der Interessengemeinschaft<br />
(IG) Biogasmotoren, dass solche Fachveranstaltungen durchaus ohne physische Präsenz<br />
über die Bühne gebracht werden können.<br />
Von Dierk Jensen<br />
Interessanterweise war das Feedback der rund 100<br />
Teilnehmer*innen positiver, als die IG Biogasmotoren<br />
und ihr federführender Geschäftsführer Michael<br />
Wentzke eigentlich erwartet hätten. Eine im Nachgang<br />
zur Veranstaltung erhobene Umfrage ergab,<br />
dass sich rund 40 Prozent das Online-Format auch in<br />
einer Post-Corona-Zeit präferiert vorstellen können.<br />
Das betrifft nicht zuletzt auch diejenigen Betreiber,<br />
für deren Anlagen das Ende ihrer EEG-Laufzeit näher<br />
rückt und die daher jetzt wichtige unternehmerische<br />
Entscheidungen treffen müssen. Falls sie diese nicht<br />
rechtzeitig treffen, droht zukünftige Unwirtschaftlichkeit.<br />
Wie schwierig die Situation für viele Biogasanlagen-Betreiber<br />
schon heute ist, zeigte der Vortrag von Dr.<br />
Dietrich Clemens von der Kieler Beratungsfirma Treurat<br />
und Partner.<br />
BHKW lassen sich mit<br />
speziellen App´s jetzt<br />
noch komfortabler<br />
überwachen.<br />
Wie auch immer, an Themen rund um den Biogasmotor<br />
wird es sicherlich auch in Zukunft nicht mangeln.<br />
Ob nun online oder physisch-präsent: Es ist doch viel<br />
mehr so, dass sich viele Betreiber mit einer Gegenwart<br />
konfrontiert sehen, die ihnen für die Zukunft keine<br />
klar konturierten Perspektiven unterbreitet. Obgleich<br />
die vorliegende EEG-Novelle einige interessante Optionen<br />
für die Biogasbranche biete, wie Fachanwalt Dr.<br />
Helmut Loibl von der Kanzlei Paluka, Sobola Loibl &<br />
Partner in seinem Vortrag zu den Untiefen der neuen<br />
Novelle nicht unerwähnt ließ, herrsche doch weiterhin<br />
große Verunsicherung.<br />
Bei älteren Anlagen steigen die<br />
Reparaturkosten<br />
Clemens referierte über die Ergebnisse einer Umfrage<br />
mit rund 80 seiner Biogas-Kunden zur Kostenentwicklung<br />
und zu Instandsetzungskosten der Blockheizkraftwerke<br />
(BHKW). Um das wenig erstaunliche Fazit gleich<br />
vorwegzunehmen: Während die Erlöse stagnieren, sind<br />
die Kosten stetig gestiegen. So ergab die Auswertung<br />
der Daten, dass die Stromgestehungskosten bei den<br />
Betrieben von 15,8 Cent im Jahr 2016 in nur vier Jahren<br />
bis Ende 2019 auf 17 Cent stiegen.<br />
Eine Entwicklung, die mit höheren Preisen für Substrate<br />
einhergeht, aber eben auch auf gestiegene Reparaturkosten<br />
zurückzuführen ist, erläuterte Clemens.<br />
Grundsätzlich sei zu beobachten, dass die Kosten mit<br />
höherem Anlagenalter nahezu linear zunehmen. Deshalb<br />
warnte Clemens davor, eine Erneuerung auf die<br />
lange Bank zu schieben, denn dann würde man für einen<br />
zweiten Vergütungszeitraum nicht mehr rechtzeitig<br />
technisch fit sein.<br />
Leichter gesagt als getan – vor allem für jene Betreiber,<br />
die in den vergangenen Jahren nicht genug Reserven<br />
erwirtschaften konnten. Doch böten sich für die Biogaserzeuger<br />
trotz der schwierigen Gegenwart aufgrund<br />
der energie- und klimapolitischen Rahmenbedingungen<br />
neue Optionen. Vor allem im Verkehrsbereich eröffnen<br />
sich Chancen, konstatierte Clemens.<br />
Er skizzierte die ambitionierten Emissionsminderungsziele<br />
im Sektor Mobilität, bei dem die Bundesregierung<br />
FOTOS: DIERK JENSEN<br />
28
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
bis 2030 eine Einsparung von 62 bis 65 Millionen<br />
Tonnen CO2 im Vergleich zum Jahr 2014 anpeilt. In<br />
diesem Zusammenhang erwähnte er auch den Beimischungszwang<br />
von Biokraftstoffen der Mineralölwirtschaft<br />
– ab 2020 6 Prozent. Parallel dazu soll die<br />
Treibhausgas-Quote zur Minderung von Emissionen bei<br />
Kraftstoffen von 2022 bis 2030 um mehr als das Dreifache<br />
steigen!<br />
Zugleich strebt der Gesetzgeber an, den Mindestanteil<br />
der „fortschrittlichen Biokraftstoffe“, zu denen Biomethan<br />
gehört, das aus Gülle und Mist erzeugt wird,<br />
von 0,2 Prozent (2022) auf bemerkenswerte 2,6 Prozent<br />
in 2030 anzuheben. Alles, was darüber hinaus<br />
reichen würde, wird sogar mit dem Faktor 2 angerechnet,<br />
skizzierte Clemens neue Märkte für Biomethan. Vor<br />
allem für diejenigen Biogasanlagen, die ihre Fermenter<br />
mit Wirtschaftsdünger, Abfall- und Reststoffe wie beispielsweise<br />
Stroh füttern.<br />
Deren Betreiber würden schon heute für die Kilowattstunde<br />
Methan (Brennwert) rund 8,5 Cent erhalten.<br />
Nach Ansicht des Kieler Beraters könnte der Kraftstoffmarkt<br />
sogar für Betreiber von Bestandsanlagen<br />
interessant werden, die ihr Rohbiogas zukünftig mit<br />
stringenter Massenbilanzierung über neu zu bauende<br />
Sammelleitungen zu zentralen Biogasaufbereitungsanlagen<br />
transportieren. Dort wäre auch eine nachgelagerte<br />
Biomethanverflüssigung zur Herstellung von LNG<br />
denkbar.<br />
Pufferspeicher nah am Ort des größten<br />
Wärme-Lastwechsels platzieren<br />
Aber zurück zum Biogasmotor und damit zurück zur<br />
Strom- und Wärmeproduktion von heute. Mit Letzterer<br />
beschäftigte sich Thomas Paes von der Firma Hans<br />
van Bebber, die seit vielen Jahrzehnten unter anderem<br />
auch Heizsysteme für Gewächshäuser konzipiert und<br />
baut. Anhand mehrerer Praxisbeispiele stellte Paes dar,<br />
wie wichtig es ist, die Dimensionen von Speichern passend<br />
auszulegen.<br />
Er ging explizit auf das Volumen des Speichers ein und<br />
zählte die Vorteile einer moderaten Überdimensionierung<br />
auf, zu denen unter anderem auch das „Brechen<br />
von kurzfristigen Lastspitzen in Heizungsanwendungen“<br />
gehört. In einem zweiten Beitrag ging er auf die<br />
Verteilung der im Speicher vorhandenen Wärme zu den<br />
jeweiligen Einsatzorten ein. Dabei sei ein „Weniger an<br />
Technik oft mehr“. Vielerorts hat er zu große und zu<br />
viele Wärmetauscher verbaut gesehen, ähnlich verhält<br />
es sich mit Pumpen und Regelventilen. Und noch einen<br />
wichtigen Aspekt für eine optimale Wärmenutzung<br />
führte Paes an: Der Pufferspeicher ist nah am Ort des<br />
größten Wärme-Lastwechsels zu platzieren.<br />
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29
AKTUELLES BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Applikationen einen großen Raum ein. Zu diesem Themenblock<br />
referierten Christina Eberharter, Produktmanagerin-Digital<br />
bei Innio Jenbacher, und Michael<br />
Wentzke, Geschäftsführer der IG Biogasmotoren.<br />
Wärmeleitungssysteme<br />
sollten nicht mit technischen<br />
Einrichtungen<br />
überfrachtet werden.<br />
Über die optimale Wärmenutzung hinaus griff das<br />
Symposium weitere zukunftsträchtige Themen auf. So<br />
stellte Henning Gewecke von der HanseWerk Natur das<br />
„Wasserstoff-BHKW“ vor, das im November 2020 in<br />
Hamburg-Othmarschen in Betrieb ging. Es handelt sich<br />
um einen Jenbacher-Motor mit einer elektrischen Leistung<br />
von einem Megawatt. Der Gasmotor kann wahlweise<br />
mit Wasserstoff oder Methan oder auch verschiedenen<br />
Mischverhältnissen von Methan und Wasserstoff<br />
gefahren werden. Geweckes Botschaft nach den ersten<br />
Monaten Betriebserfahrungen: Es funktioniert, jedoch<br />
ist es für Betreiber nicht zuletzt wegen der noch hohen<br />
Kosten für die Herstellung von Wasserstoff wirtschaftlich<br />
derzeit noch nicht darstellbar.<br />
Lambda-1-Motoren mit sehr hohem<br />
Gesamtwirkungsgrad<br />
Dagegen sei der Einsatz von Lambda-1-Motoren, so<br />
Thomas Grabe von den Stadtwerken Lutherstadt Wittenberg<br />
in seinem Vortrag, eine rundum lohnende<br />
Investition. So sind mit diesen Motoren die Anforderungen<br />
der 44. Bundes-Immissionsschutzverordnung<br />
(BImschV) „recht einfach zu erfüllen“, zudem liegt der<br />
Wirkungsgrad elektrisch und thermisch von Lambda-<br />
1-Motoren über 95 Prozent. Dafür gibt es mehrere<br />
Gründe: Das Verbrennungsluftverhältnis sorgt für eine<br />
heißere und vollständigere Verbrennung des Methans.<br />
Die abgeführte Wärmemenge aus dem Abgas und dem<br />
Motorkühlkreislauf erreicht einen thermischen Wirkungsgrad<br />
von 60 Prozent. Selbst die Abwärme aus der<br />
Ladeluft und dem Schmieröl wird nutzbar gemacht.<br />
Der elektrische Wirkungsgrad beträgt zwar nur etwas<br />
über 35 Prozent. Aber hier steht eben die Wärmeerzeugung<br />
an erster Stelle und überzeugt mit einem sehr<br />
hohen Gesamtwirkungsgrad.<br />
Neben weiteren Themen wie unter anderen dem „eSaver“,<br />
einem elektronischen Bauteil, das durch Glättung<br />
von Stromspannungen den Strombedarf reduziert, und<br />
der Frage, ob ein integriertes ORC-Modul eine gute unternehmerische<br />
Investition für Anlagenbetreiber sein<br />
kann, nahm auch die Fernüberwachung mit digitalen<br />
Apps für BHKW sollen deren Betrieb<br />
zuverlässiger machen<br />
Christina Eberharter stellte die Jenbacher-App MyPlant<br />
vor und strich deren Vorteile vor allem hinsichtlich der<br />
vorausschauenden Wartung heraus. So sendet die digitale<br />
Überwachung mittels eines Algorithmus, der die<br />
Zündspannung mit der tatsächlichen Motorleistung<br />
abgleicht, wahlweise eine SMS oder einen Alarm über<br />
die noch verbleibenden Betriebsstunden für die jeweilige<br />
Zündkerzen zu. Ähnliches passiert, wenn der Druck<br />
im Kurbelgehäuse über 20 Millibar steigt – dann naht<br />
das Ende der Filter-Lebensdauer und der Betreiber bekommt<br />
auf seine App MyPlant flugs eine Warnmeldung<br />
zugeschickt.<br />
Technisch wesentlich schlanker und konzentrierter präsentierte<br />
dagegen Michael Wentzke die von ihm mitentwickelte<br />
Biogasmotoren-App. Der Motoren-Fachmann<br />
warnte vor einer Flut von Daten, die am Ende doch nur<br />
auf einem „Zahlenfriedhof“ landen. Vielmehr gehe es<br />
dem ohnehin schon mit anderen Betriebsaufgaben<br />
zeitlich ziemlich geforderten Anlagenfahrer doch darum,<br />
so Wentzke weiter, auf eine einfache und schnell<br />
zu erfassende Weise zu erkennen, wie der Zustand seines<br />
Motors ist.<br />
Klare Botschaften wie bei einer Ampel sind zielführend:<br />
Grün ist gleich okay, gelb ist mit Vorsicht zu genießen<br />
und rot bedeutet Gefahr beziehungsweise Schaden.<br />
Damit es zu „rot“ erst gar nicht kommt, braucht es eine<br />
kluge Trendanalyse, „die wichtiger ist als die einzelnen<br />
Absolut-Werte“, hob Wentzke hervor. Mit zwölf Messpunkten<br />
respektive Parametern wie Kühlwassertemperatur,<br />
Kühlwasserdruck, Methangehalt und H 2<br />
S-Gehalt<br />
usw., die übrigens an alle Motoren spezifisch anpassbar<br />
sind, biete die Biogasmotoren-App einen Überblick,<br />
der noch genügend Reaktionszeit zur Schadenprävention<br />
zulässt.<br />
Aber wie immer im Leben: Auch die Biogasmotoren-<br />
App gibt es nicht umsonst. Wer nicht Mitglied in der IG<br />
Biogasmotoren ist, muss dafür 39 Euro monatlich bezahlen<br />
und erhält obendrein noch Fachinformationen<br />
aus dem Mitgliedbereich.<br />
Autor<br />
Dierk Jensen<br />
Freier Journalist<br />
Bundesstr. 76 · 20144 Hamburg<br />
040/40 18 68 89<br />
dierk.jensen@gmx.de<br />
www.dierkjensen.de<br />
30
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
AKTUELLES<br />
31
POLITIK<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
EU-Taxonomie: Werden<br />
Bioenergieprojekte unmöglich?<br />
Im aktuellen Entwurf<br />
zur EU-Taxonomie-<br />
Verordnung wird die<br />
Bioenergie quasi<br />
abgewürgt. Die Realisierung<br />
neuer Projekte<br />
wird erschwert und<br />
verteuert.<br />
Die EU will mit ihrer Taxonomie-Verordnung festlegen, was „grüne Investitionen sind“ –<br />
und überträgt damit der Finanzwirtschaft Aufgaben, die diese kaum sinnvoll erfüllen kann.<br />
Von Bernward Janzing<br />
Das Projekt wird als eine Art Biosiegel für den<br />
Kapitalmarkt propagiert: Wer in Zukunft in<br />
der EU ein Anlageprodukt als ökologisch<br />
vorteilhaft bewerben möchte, muss definierte<br />
Regeln einhalten. Diese werden in<br />
der sogenannten Taxonomie-Verordnung definiert, einer<br />
in dieser Form weltweit einmaligen „grünen Liste“<br />
für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Dass die dafür<br />
nötigen Regeln jedoch kompliziert und hoch umstritten<br />
sind, kann man sich vorstellen.<br />
Offiziell will die EU mit der Verordnung lediglich einen<br />
Rahmen schaffen, der Investitionen bewertet. Und so<br />
betont auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht<br />
(Bafin), dass damit weder Pflichten zur<br />
Investition in Nachhaltigkeitsprojekte noch Kapitalerleichterungen<br />
für grüne Investments verbunden seien.<br />
Das klingt harmlos. Und doch wäre es naiv, die Wirkung<br />
der EU-Verordnung 2020/852 „über die Einrichtung<br />
eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen“<br />
als gering einzuschätzen.<br />
Gerade für den Umbau der Energiewirtschaft dürfte die<br />
Bedeutung enorm sein. Denn wer künftig den Regeln<br />
der Taxonomie nicht gerecht wird, könnte Probleme<br />
bekommen, Anleger oder Kreditgeber für sein Projekt<br />
zu finden, oder er könnte mit der Zahlung höherer Kreditzinsen<br />
konfrontiert werden. Schließlich dürften Investoren<br />
bis hin zu großen Fonds eine entsprechende<br />
Zertifizierung künftig zur Grundlage ihrer Anlageentscheidungen<br />
machen – und sei es nur, weil sie ihre<br />
Produkte dann wiederum ihren Kunden besser verkaufen<br />
können. Das Ziel der EU-Kommission ist klar:<br />
Die Finanzwirtschaft soll ökologische Entwicklungen<br />
antreiben, die die EU auf andere Weise nicht zu regeln<br />
vermag.<br />
Finanzmarkt soll in nachhaltiges<br />
Wirtschaften investieren<br />
In der Theorie hört sich das Konzept nicht einmal<br />
schlecht an: Durch die Taxonomie solle den Teilnehmern<br />
am Finanzmarkt die Sicherheit gegeben werden,<br />
„dass sie wirklich in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten<br />
investieren“, so das Bundeswirtschaftsministerium. Anbietern<br />
von Finanzprodukten solle damit „der Spielraum<br />
genommen werden, Finanzprodukte als nachhaltig zu<br />
vermarkten, die es nach dem gemeinsamen Verständnis<br />
nicht sind (sogenanntes Greenwashing)“.<br />
Anhand des Umweltziels „Klimaschutz“ zeigt das Ministerium<br />
auf, wie die Taxonomie funktionieren soll.<br />
Eine Wirtschaftsaktivität könne „auf drei Arten einen<br />
substanziellen Beitrag leisten“. Das seien als erstes Aktivitäten<br />
„mit einer bereits sehr niedrigen oder keiner<br />
Treibhausgasemission“, wie etwa Aufforstungen (als<br />
„tiefgrün“ bezeichnet). Als zweites seien Aktivitäten<br />
umfasst, die „den Übergang zu einer klimaneutralen<br />
Wirtschaft bis 2050“ unterstützen, sofern es „keine<br />
tiefgrüne Alternative“ gibt. Ein Beispiel für sogenannte<br />
FOTO: ADOBE STOCK_JOESEO48<br />
32
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> POLITIK<br />
„Übergangsaktivitäten“ ist die Zementproduktion mit<br />
einem Ausstoß von unter 0,498 Tonnen CO 2<br />
pro Tonne<br />
Zement. Ein Großteil der europäischen Wirtschaftsaktivitäten<br />
dürfe dieser Kategorie zugerechnet werden,<br />
schätzt das Ministerium.<br />
In die dritte Gruppe fällt eine Aktivität, wenn diese „eine<br />
andere Wirtschaftsaktivität zum Umweltschutz befähigt“.<br />
Gemeint damit ist zum Beispiel die Herstellung<br />
bestimmter Produktkomponenten, die die Umweltbilanz<br />
des Abnehmers verbessern – sogenannte „ermöglichende<br />
Aktivitäten“. Ein typisches Beispiel dafür ist die<br />
Herstellung von Windrädern, die eine emissionsarme<br />
Produktion von „grünem“ Strom ermöglichen.<br />
Bioenergie wird als Übergangsaktivität<br />
gesehen<br />
Doch in der Praxis dieses Konstruktes muss man vieles<br />
hinterfragen. So gilt die Bioenergie in dem neuen<br />
Rechtsrahmen nur noch als „transitional activity“ –<br />
also als „Übergangsaktivität“, für die es „keine technologisch<br />
und wirtschaftlich realisierbaren kohlenstoffarmen<br />
Alternativen gibt“. Gerolf Bücheler, Referent<br />
Umweltpolitik und Nachhaltigkeit beim Deutschen<br />
Bauernverband, hält das für hochproblematisch: „Wer<br />
finanziert unter solchen Voraussetzungen noch langfristig<br />
Projekte der Bioenergiewirtschaft?“<br />
Das Problem des ganzen Diskussions- und Gesetzgebungsprozesses<br />
auf EU-Ebene zeigt sich an einem<br />
plastischen Beispiel: Ausgerechnet jene Akteure, die<br />
das Thema in ihrer alltäglichen Arbeit werden umsetzen<br />
müssen, wurden nicht gehört. So sei bei der Erarbeitung<br />
des ersten Delegierten Rechtsaktes (also des<br />
Gesetzentwurfes) „kein Vertreter der Landwirtschaft<br />
eingebunden“ gewesen, „sehr wohl aber der Landwirtschaft<br />
praxisferne Finanz- und Umweltexperten“, wie<br />
es in einer Stellungnahme des Deutschen Bauernverbandes<br />
heißt. Dabei sei die Landwirtschaft nicht nur<br />
bei der Bioenergie, sondern auch bei anderen Themen<br />
erheblich betroffen.<br />
Durch die Nichteinbindung der relevanten Akteure<br />
komme es zu nicht leistbaren und oft verwirrenden Auflagen,<br />
sagt Bücheler. So müssten landwirtschaftliche<br />
Betriebe zum Beispiel eine Treibhausgas-Berichterstattung<br />
aufbauen – „eine Parallelwelt“. Für eine Bioenergieanlage<br />
müsse außerdem im Zusammenhang mit<br />
dem Schutz des Wassers eine Stakeholderbeteiligung,<br />
also mit Verbänden oder der Gemeinde, erfolgen, ohne<br />
dass klar sei, wie diese ablaufen solle.<br />
Kreditgeber sollen Höfe überwachen<br />
Des Weiteren sollen Kreditgeber die Einhaltung der ökologischen<br />
Kriterien auf den Höfen überwachen –<br />
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33
POLITIK<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Die Finanzwirtschaft<br />
soll durch die EU-<br />
Taxonomie-Verordnung<br />
ökologische Entwicklungen<br />
und Investitionen<br />
vorantreiben.<br />
das alles, sagt Bücheler, könne im Alltag nicht funktionieren.<br />
Entsprechend ist auch der Bundesverband<br />
deutscher Banker mit den Plänen nicht glücklich: „Die<br />
komplexe, zum Teil als sperrig bezeichnete EU-Taxonomie<br />
in der Praxis anzuwenden, wird eine Herausforderung<br />
darstellen.“<br />
Doch die EU will sich nicht beirren lassen und den<br />
Rundumschlag vollziehen. Denn sie will mit der Taxonomie<br />
nicht nur die Finanzbranche, sondern auch realwirtschaftliche<br />
Unternehmen in die Pflicht nehmen,<br />
speziell solche, die bereits heute dem Zwang unterliegen,<br />
eine nichtfinanzielle Erklärung im Rahmen der sogenannten<br />
Non-Financial Reporting Directive (NFRD)<br />
abzugeben. Viele Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern<br />
werden dann ab 2022 die zusätzliche Pflicht<br />
aufgebürdet bekommen, ihre Taxonomie-Konformität<br />
offenzulegen. Dies solle „den Vorteil einer besseren<br />
Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsbestrebungen bieten“,<br />
formuliert das Wirtschaftsministerium.<br />
Weil eine solche Klassifizierung zweifellos Wirkung entfalten<br />
wird, ist besonders im Energiesektor heftig umstritten,<br />
welche Technik unter welchen Bedingungen in<br />
die Verordnung aufgenommen werden soll. Unter den<br />
Erneuerbaren Energien wird neben der Bioenergie auch<br />
die Wasserkraft viel diskutiert. Eindeutig ist unterdessen<br />
die Ablehnung der fossilen Energien. „Durch den<br />
Ausschluss fossiler Brennstoffe hat die Kommission<br />
gezeigt, dass sie der Klimawissenschaft zugehört hat“,<br />
sagt Sébastien Godinot, Ökonom des WWF European<br />
Policy Office.<br />
Atomenergie darf kein grünes Label<br />
bekommen<br />
Umstritten war lange Zeit auch die Bewertung der<br />
Atomkraft. Umweltverbände hatten befürchtet, diese<br />
könne auch aufgenommen und damit grün gewaschen<br />
werden. Doch inzwischen ist klar, dass der Verordnungstext<br />
keine Hintertür für die Atomkraft offenlässt –<br />
schlicht deswegen, weil Atomkraft „nicht-recyclebaren,<br />
umweltschädlichen Müll“ produziere und damit<br />
die „Do-no-harm-Anforderungen“ nicht erfülle, sagt<br />
der Grüne EU-Parlamentarier Sven Giegold.<br />
Die Umweltverbände sind sich trotzdem nicht so sicher.<br />
„Langfristig heißt es wachsam<br />
bleiben, damit Atomkraft kein<br />
grünes Label bekommt“, betont<br />
Germanwatch. Immerhin sei „die<br />
Frage der Atomkraft bei der Erarbeitung<br />
der Taxonomie bis ganz<br />
zum Schluss der größte Streitpunkt“<br />
gewesen. Lange sei darüber<br />
zwischen den Mitgliedstaaten und<br />
mit dem Europäischen Parlament<br />
verhandelt worden. Nun seien Investitionen<br />
in Atomkraft unter Anwendung<br />
der Taxonomie zwar „de<br />
facto ausgeschlossen“, doch die<br />
Atomlobby sei eine der einflussreicheren<br />
in Brüssel und werde weiter<br />
versuchen, auch für die Atomkraft<br />
ein „grünes Label“ zu bekommen:<br />
„Bereits jetzt rührt sie kräftig die<br />
Werbetrommel.“<br />
Gestritten wird über die Details der Taxonomie weiterhin<br />
an vielen Stellen. Der Entwurf stand bis Mitte Dezember<br />
zur öffentlichen Konsultation. Daraufhin ging<br />
die beachtliche Zahl von 46.591 Stellungnahmen ein,<br />
die nun seitens der EU-Kommission ausgewertet werden.<br />
Auch die Bioenergie ist eines jener Themenfelder,<br />
bei denen noch nach Kompromissen gesucht wird. Gemeinsam<br />
mit neun anderen EU-Mitgliedsstaaten hatte<br />
jüngst Schweden in einem Brief an die EU-Kommission<br />
signalisiert, dass man zusätzliche Anforderungen<br />
an die Bioenergie ablehne. Es sei von entscheidender<br />
Bedeutung, dass all jene Bioenergie, die die Nachhaltigkeitskriterien<br />
der EU-Richtlinie für Erneuerbare<br />
Energien erfüllt, auch in der Taxonomie als nachhaltige<br />
Investition eingestuft wird.<br />
Nur Deutschland hält sich in der Debatte zum Umgang<br />
mit der Bioenergie erstaunlich zurück. „Die Bundesregierung<br />
ist nicht sprechfähig“, sagt Bauernverbandsvertreter<br />
Bücheler – die Positionen der zuständigen<br />
Ministerien sind zu widersprüchlich.<br />
Autor<br />
Bernward Janzing<br />
Freier Journalist<br />
Wilhelmstr. 24a · 79098 Freiburg<br />
07 61/202 23 53<br />
bernward.janzing@t-online.de<br />
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POLITIK<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
SCHLESWIG-HOLSTEIN<br />
Klimaschutzgesetz: Entwurf<br />
löst keine Euphorie aus<br />
Bernd Voss, energiepolitischer<br />
Sprecher<br />
der Grünen-Landtagsfraktion,<br />
fehlt es<br />
im Gesetzentwurf an<br />
Langfristzielen und<br />
Planungssicherheit.<br />
Die Novelle des 2017 erstmals verabschiedeten Energiewende- und Klimaschutzgesetzes<br />
(EWKG) für das Land Schleswig-Holstein soll im Herbst vom Landtag verabschiedet<br />
werden. Über 30 Verbände und Träger öffentlicher Belange haben im April dazu ihre Stellungnahmen<br />
abgegeben. Obwohl von vielen Seiten das EWKG gelobt wird, sieht<br />
wahre Begeisterung doch etwas anders aus.<br />
Von Dierk Jensen<br />
Allein der Name ist schon ziemlich ungelenk:<br />
Energiewende- und Klimaschutzgesetz.<br />
Und in der Tat ist es viel Gesetzespapier,<br />
das sich das Land Schleswig-Holstein<br />
auferlegt, um den Klimaschutz zwischen<br />
den (steigenden) Meeren voranzubringen. „Mit dem<br />
neuen Gesetz schreiben wir das Drehbuch für die Energiewende<br />
und den Klimaschutz in Schleswig-Holstein<br />
weiter. Schleswig-Holstein erhält einen klaren Fahrplan<br />
zum weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien und<br />
geht bundesweit voran bei der Wärmewende und der<br />
Sektorenkopplung. Das Gesetz wird entscheidend dazu<br />
beitragen, dass unser Land eine nachhaltige ökologische<br />
und ökonomische Zukunft hat“, sagte der grüne<br />
Energiewende-Minister Jan Philipp Albrecht Ende Februar<br />
in Kiel.<br />
Obschon der Minister in der Jamaika-Koalition im<br />
Grundsatz kaum Widerspruch für seinen „klaren Fahrplan“<br />
erfährt, kommt dennoch bei vielen Akteuren in<br />
den Erneuerbaren Energien und auch in anderen Branchen<br />
keine Euphorie auf. Dafür klaffen Anspruch und<br />
Wirklichkeit offenbar zu weit auseinander. So reagierte<br />
beispielsweise der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen<br />
(VNW), der in Hamburg, Mecklenburg-<br />
Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 394<br />
Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften<br />
vertritt, die über 742.000 Wohnungen verwalten<br />
und in denen rund 1,5 Millionen Menschen leben,<br />
zurückhaltend. Der Versuch, den Wohnungsbestand<br />
auf maximale Energieeffizienz zu trimmen, produziere<br />
bei den Wohngebäuden erheblich steigende Kosten,<br />
führe aber nicht zu einem deutlichen Rückgang der<br />
CO 2<br />
-Emissionen, heißt es in einer aktuellen VNW-Stellungnahme.<br />
„Aus der großen Masse des existierenden<br />
Wohnungsbestandes lässt sich auch mit höchstem Aufwand<br />
kein vermietbares Passivhaus machen.“<br />
VNW für bezahlbaren Effizienzstandard<br />
Immer energieeffizientere Gebäude erforderten mehr<br />
Dämmung und mehr Technik, monierte der schleswigholsteinische<br />
VNW-Landesvorsitzende Marcel Sonntag<br />
weiter. „Das sei sowohl aus Gründen der Nachhaltigkeit<br />
als auch betriebswirtschaftlich kontraproduktiv“. Aus<br />
seiner Sicht widerspreche dies dem Anspruch der im<br />
VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und<br />
-gesellschaften, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum<br />
anzubieten. „Notwendig seien sowohl ein bezahlbarer<br />
Effizienzstandard von Wohngebäuden als auch bezahlbare<br />
regenerativ erzeugte Energie“. Dazu trage eine<br />
überbordende Bürokratie, die eine gesetzlich verordnete<br />
Energiewende durchpauken möchte, wenig bei.<br />
Aber auch die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein<br />
warnt vor zu vielen Vorschriften, die am<br />
Ende sogar nachhaltige Innovationen ausbremsen.<br />
„Insofern sind insbesondere diejenigen Regelungen,<br />
die verpflichtende Vorgaben für Investitionen machen,<br />
nicht nur überflüssig, sondern der Handlungszwang<br />
mindert zudem die Akzeptanz für die jeweiligen<br />
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37
POLITIK<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
klimaschützenden Maßnahmen. Wichtig<br />
ist, dass praxisnahe und unkomplizierte<br />
Lösungen für Unternehmen gefunden werden,<br />
die vom Energiewende- und Klimaschutzgesetz<br />
‚betroffen‘ sein werden. Wenn<br />
es durch neue Vorgaben zu Verzögerungen<br />
von Unternehmenserweiterungen und Betriebsneubauten<br />
kommt beziehungsweise<br />
zu unverhältnismäßig hohen Mehrkosten,<br />
wäre das insgesamt kontraproduktiv“, gibt<br />
Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der<br />
IHK Schleswig-Holstein, zu bedenken.<br />
„Wir als IHK Schleswig-Holstein stehen<br />
dabei hinter einer durchdachten CO 2<br />
-<br />
Bepreisung über alle Sektoren und Technologieoffenheit.<br />
Umfragen zeigen, dass<br />
die Unternehmen in Schleswig-Holstein<br />
über alle Branchen hinweg ihren Beitrag<br />
für den Klimaschutz leisten wollen. Über<br />
einen funktionierenden CO 2<br />
-Handel mit<br />
einem Preis, der auch eine gewisse Lenkungswirkung<br />
entfaltet, werden sich automatisch<br />
klimafreundliche Technologien<br />
und Investitionen durchsetzen, die wirtschaftlich<br />
sind.“ Dagegen begrüßt Ipsen<br />
ausdrücklich, dass die Landesregierung<br />
bezüglich ihrer Landesliegenschaften mit<br />
dem Gesetz eine Vorreiterrolle einnehmen<br />
möchte. Sie gehe damit mit gutem Beispiel<br />
voran und stärke damit auch die regionale<br />
Bauwirtschaft.<br />
Nordkirche bewertet künftiges<br />
Wärmekataster positiv<br />
Diesen Aspekt hat auch die Evangelisch-<br />
Lutherische Nordkirche, die sich von der<br />
dänischen bis zur polnischen Grenze über<br />
drei Bundesländer (Schleswig-Holstein,<br />
Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern)<br />
erstreckt, im Blick. Nach den Worten ihres<br />
zuständigen Umweltpastors Jan Christensen<br />
vom kirchlichen Umwelt- und Klimaschutzbüro<br />
in Hamburg sei die Jamaika-<br />
Koalition mit dem EWKG „auf einem guten<br />
Weg“.<br />
Positiv bewertet er die Tatsache, dass<br />
die Novelle zukünftig ein Wärmekataster<br />
beziehungsweise einen „verpflichtenden<br />
kommunalen Wärmeplan“ für Kommunen<br />
festschreibt. „Dadurch wird sich endlich<br />
Biogas Journal 210x140<br />
auch in denjenigen Gemeinden etwas bewegen,<br />
in denen aus chronischem Geldmangel<br />
bisher wenig passiert ist.“ Die<br />
evangelischen Kirchengemeinden stehen<br />
dabei, so Christensen weiter, einer Teilhabe<br />
an einer grünen Wärmeversorgung in<br />
Kommunen offen gegenüber, zumal man<br />
schon gute Erfahrungen mit Nahwärmenetzen<br />
gemacht hat, die beispielsweise mit<br />
der Abwärme von Biogasanlagen betrieben<br />
werden.<br />
Es ist aber sicherlich noch viel Luft nach<br />
oben. Zwar ist die Stromerzeugung aus Erneuerbaren<br />
laut dem Statistikamt Nord in<br />
2019 auf 23,7 Terawattstunden (TWh) angestiegen<br />
und deckt damit bilanziell schon<br />
160 Prozent des im Bundesland Schleswig-Holstein<br />
benötigten Stroms. Doch<br />
dümpelt der Wärmesektor immer noch bei<br />
rund 15 Prozent Anteil erneuerbarer Provenienz.<br />
Dies reicht wahrscheinlich nicht,<br />
um das selbst auferlegte Klimaschutzziel,<br />
die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent<br />
bis 2030 zu reduzieren, tatsächlich<br />
zu erreichen.<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> POLITIK<br />
Photovoltaik soll Ausbaulücke<br />
schließen<br />
Nicht zuletzt auch dem Umstand geschuldet,<br />
dass, wie der jährliche Klimaschutzund<br />
Energiewendebericht dokumentiert,<br />
inzwischen „eine Ausbaulücke bei den<br />
Erneuerbaren Energien“ entstanden ist.<br />
Energiewende-Minister Jan Philipp Albrecht<br />
will diese Lücke vor allem mit einem<br />
stärkeren Ausbau der Photovoltaik (PV)<br />
schließen. „Wir wollen den nötigen Ausbau<br />
der Erneuerbaren Energien mit Photovoltaikanlagen<br />
auf Dächern, Parkplätzen sowie<br />
mit Freiflächenanlagen deutlich voranbringen.<br />
Für die Investoren sind Photovoltaikanlagen<br />
wirtschaftlich attraktiv und leisten<br />
einen Beitrag zum Klimaschutz.“<br />
Aber noch mal zurück zur Wärme. Die Novelle<br />
setzt sich bis 2025 die Marke von 22<br />
Prozent Anteil an grüner Wärme. „Ehrlich<br />
gesagt hätte ich mir langfristigere Zielsetzungen<br />
gewünscht, um den wirtschaftlich<br />
Handelnden – ob nun in der Landwirtschaft,<br />
im Gebäudebereich oder anderen<br />
Sektoren – einfach mehr Planungssicherheit<br />
zu geben“, wirft Bernd Voss, energiepolitischer<br />
Sprecher der Landtagsfraktion<br />
der Grünen ein.<br />
Auch der Landesverband Erneuerbare<br />
Energien (LEE) ist nicht wunschlos glücklich<br />
mit der Novelle. Zum einen fehlen<br />
konkrete Ziele für die Dekarbonisierung der<br />
Landwirtschaft und des Mobilitätssektors,<br />
wie LEE-Öffentlichkeitsarbeiterin Margrit<br />
Hintz anmerkt. „Auch fehlt ein Ziel für Wärmenetze<br />
auf Basis Erneuerbarer Energien,<br />
obwohl davon schon einige praxiserprobte<br />
Beispiele seit Langem im Land existieren<br />
und die bei einer höheren CO 2<br />
-Bepreisung<br />
der fossilen Energien zukünftig noch konkurrenzfähiger<br />
werden“, so Hintz weiter.<br />
„Dennoch finden Wärmenetze mit Erneuerbaren<br />
Energien leider keine Erwähnung<br />
im Entwurf der EWKG-Novelle. Auch Biogas<br />
wird im Gesetzentwurf leider gar nicht<br />
thematisiert. Daher fehlt eine Definition<br />
der Rolle von Biogas sowie eine Perspektive<br />
für Biogas in der weiteren Energiewende<br />
und für die Erreichung der Klimaziele“,<br />
sagt Hintz im Namen der LEE Schleswig-<br />
Holstein und setzt noch auf manche Korrekturen,<br />
bis die Novelle im Herbst dann<br />
in Kraft treten wird. Welche Tragweite die<br />
biogenen Energieträger in der Wärmeversorgung<br />
haben, demonstriert ein einfacher<br />
Zahlenvergleich: „Von den 5,9 TWh Wärmeendenergieverbrauch<br />
aus Erneuerbaren<br />
Energien stammen 5,2 TWh aus Biomasse<br />
und Biogas.<br />
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39
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
BIOMETHAN<br />
Sechs Neuanlagen in 2020<br />
Wie zu befürchten war, verlief auch das vergangene Jahr hinsichtlich<br />
der Inbetriebnahme von Anlagen, die Biomethan ins Netz einspeisen,<br />
enttäuschend. Lediglich sechs neue Anlagen wurden errichtet.<br />
Von Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Nach Recherche des Biogas<br />
Journals waren Ende 2020 in<br />
Deutschland 235 Biomethaneinspeiseanlagen<br />
in Betrieb.<br />
Bei der Recherche wurden<br />
die Daten des Marktstammdatenregisters<br />
und die Auflistung der Deutschen Energie-<br />
Agentur (dena) über die Webseite www.<br />
biogaspartner.de mit den recherchierten<br />
Daten des Biogas Journals abgeglichen.<br />
Dabei hat die Redaktion festgestellt, dass<br />
in der dena-Auflistung Anlagenstandorte<br />
enthalten sind, an denen jedoch keine<br />
Aufbereitungsanlage betrieben wird. Diese<br />
sind somit in der Gesamtanlagenzahl von<br />
235 nicht berücksichtigt. Außerdem sind<br />
auch im Marktstammdatenregister (Gaseinspeisung)<br />
der Bundesnetzagentur Anlagen<br />
aufgeführt, die kein Biomethan ins<br />
Erdgasnetz einspeisen.<br />
Zu der Zahl 235 können möglicherweise<br />
noch zwei Anlagenstandorte addiert<br />
werden, die jedoch aus Zeitgründen bis<br />
Redaktionsschluss hinsichtlich der tatsächlichen<br />
Gaseinspeisung nicht überprüft<br />
werden konnten. Die Überprüfung wird<br />
aber fortgesetzt. Durch den Abgleich des<br />
Marktstammdatenregisters und der dena-<br />
Liste konnten weitere Anlagenstandorte<br />
zwischen 2006 und 2019 ermittelt werden.<br />
Diese sind nun in der Gesamtanlagenzahl<br />
von 235 enthalten.<br />
Die neu errichtete Rohgasaufbereitungskapazität<br />
erreichte im vergangenen Jahr<br />
7.750 Normkubikmeter pro Stunde (siehe<br />
Abbildung 2). Zwei der neuen Einspeiseanlagen<br />
wurden in Nordrhein-Westfalen, eine<br />
in Sachsen-Anhalt, eine in Niedersachen,<br />
eine in Rheinland-Pfalz und eine in Brandenburg<br />
in Betrieb genommen. Insgesamt<br />
verteilen sich die Anlagen und die Zuwächse<br />
in 2020 (Werte in Klammern) auf die<br />
Bundesländer wie folgt:<br />
Niedersachsen: 36 (+1)<br />
Sachsen-Anhalt: 39<br />
Bayern: 22<br />
Brandenburg: 27 (+1)<br />
Hessen: 14<br />
Nordrhein-Westfalen: 16 (+2)<br />
Mecklenburg-Vorpommern: 21<br />
Sachsen: 15 (+1)<br />
Baden-Württemberg: 18<br />
Thüringen: 11<br />
Schleswig-Holstein: 5<br />
Rheinland-Pfalz: 8 (+1)<br />
Berlin, Saarland, Hamburg: je 1<br />
Die in 2020 errichteten Einspeiseanlagen<br />
verfügen über Rohgasaufbereitungskapazitäten<br />
zwischen 500 von 1.800 Normkubikmetern<br />
pro Stunde. Sie liegt damit<br />
3.080 Normkubikmeter unter dem Wert<br />
von 2019. Die gesamte in Deutschland<br />
errichtete Rohgasaufbereitungskapazität<br />
stieg bis Ende 2020 auf 253.749 Normkubikmeter<br />
pro Stunde an.<br />
Zwei der neuen Anlagen des vergangenen<br />
Jahres vergären Bioabfälle. Die anderen<br />
vier setzen nachwachsende Rohstoffe ein.<br />
Eine der Anlagen reinigt das Rohgas mittels<br />
Membrantechnik, zwei nutzen ein physikalisches<br />
Waschverfahren, eine Anlage reinigt<br />
das Rohgas mit der Aminwäsche. Außerdem<br />
betreibt je eine Anlage eine Druckwasserwäsche<br />
sowie eine Druckwechseladsorption.<br />
Bei einer durchschnittlichen jährlichen<br />
Laufzeit von rund 8.500 Stunden können<br />
FOTO: ENVITECH BIOGAS AG<br />
40
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
40<br />
35<br />
30<br />
25<br />
20<br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
2 3<br />
7<br />
17<br />
21<br />
36<br />
Abbildung 1: Entwicklung der Zahl der Biomethaneinspeiseanlagen in Deutschland, jährlicher Zubau seit 2006<br />
40<br />
33<br />
27<br />
16<br />
10<br />
3<br />
7 7<br />
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020<br />
Quelle: Fachverband Biogas e.V., Stand: 23. April <strong>2021</strong><br />
die 235 am Erdgasnetz befindlichen Anlagen<br />
rund 2,156 Milliarden (Mrd.) Kubikmeter<br />
Rohbiogas verarbeiten. Setzt man<br />
einen Methangehalt des Rohbiogases von<br />
durchschnittlich 55 Prozent an, weil die<br />
überwiegende Zahl der Anlagen nachwachsende<br />
Rohstoffe vergärt, so können jährlich<br />
theoretisch rund 1,186 Milliarden Kubikmeter<br />
Biomethan ins deutsche Erdgasnetz<br />
eingespeist werden. Das entspricht etwa 23<br />
Prozent des 2020 in Deutschland geförderten<br />
Erdgases.<br />
Die heimische Erdgasförderung ist in 2020<br />
um 16 Prozent auf 50 Mrd. Kilowattstunden<br />
(kWh) zurückgegangen. Bezogen auf<br />
den Erdgasverbrauch in Deutschland im<br />
vergangenen Jahr stammt aus Biomethan<br />
1,2 Prozent. Die aktuelle Produktionsmenge<br />
reicht zudem, um rund 3,3 Millionen<br />
deutsche Haushalte (Verbrauch von 3.500<br />
kWh Wärme pro Jahr) mit Biomethan voll<br />
zu versorgen.<br />
Ausblick: Der Neubau von Biomethaneinspeiseanlagen<br />
wird in <strong>2021</strong> voraussichtlich<br />
im unteren einstelligen Bereich<br />
bleiben. Von sechs Anlagen war bis Redaktionsschluss<br />
zu diesem Biogas Journal<br />
bekannt, dass sie ans Netz angeschlossen<br />
werden sollen.<br />
Die AG Energiebilanzen e.V. schreibt in<br />
ihrem Jahresbericht für das Jahr 2020:<br />
„Das Niveau des Energieverbrauchs sowie<br />
seine Zusammensetzung (Energiemix)<br />
werden auch politisch und regulatorisch<br />
beeinflusst. Für die mittel- bis längerfristige<br />
Entwicklung sind unter anderem der<br />
schrittweise Ausstieg<br />
aus der Kernenergie bis<br />
Ende 2022, der geplante<br />
Ausstieg aus der Kohleverstromung<br />
(bis Ende<br />
2038) sowie die fortgesetzte<br />
Förderung des<br />
Ausbaus erneuerbarer<br />
Energien bedeutsam.<br />
Auf europäischer Ebene<br />
sind unter anderem die<br />
6 Absenkung der Emissionsobergrenze<br />
in der<br />
laufenden 3. Handelsperiode<br />
2013 bis 2020<br />
innerhalb des EU-ETS<br />
sowie die Zielsetzungen<br />
für den Klimaschutz im<br />
Nicht-ETS-Bereich,<br />
Abbildung 2: Entwicklung der Rohgasaufbereitungskapazität in Nm 3 /h in Deutschland, jährlicher Zubau seit 2006 und kumuliert<br />
300.000<br />
250.000<br />
200.000<br />
150.000<br />
100.000<br />
50.000<br />
0<br />
235.169 245.999 253.749<br />
225.019 229.919<br />
212.819<br />
197.519<br />
169.630<br />
138.540<br />
95.390<br />
58.790<br />
37.160<br />
1.000<br />
28.250 21.630 36.600 38.150<br />
3.900 8.910<br />
31.090 27.889<br />
1.000 2.900 5.010<br />
15.300 12.200 4.900 5.250 10.830 7.750<br />
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020<br />
Quelle: Fachverband Biogas e.V., Stand: 23. April <strong>2021</strong><br />
Jährl. Zubau d. Rohgasaufbereitungskapazität in Nm³/h<br />
Kumulierter Zubau d. Rohgasaufbereitungskapazität<br />
41
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
die Vorgaben zur Verbesserung der<br />
Energieeffizienz (zum Beispiel EU-<br />
Energieeffizienz-Richtlinie (EED)) sowie<br />
verbindliche Ziele zum fortschreitenden<br />
Ausbau erneuerbarer Energien [EU-Richtlinie<br />
für erneuerbare Energien (Richtlinie<br />
2009/28/EG)] von Relevanz.<br />
Wichtigster Energieträger blieb auch 2020<br />
das Mineralöl mit einem Anteil von 33,7<br />
Prozent (%). Es folgte das Erdgas mit einem<br />
auf 26,6 % leicht gestiegenen Anteil<br />
(2019: 25,1 %). Ihre Position an dritter<br />
Stelle konnten die erneuerbaren Energien<br />
auf 16,6 % ausweiten, 2019 waren es noch<br />
14,9 % gewesen. Der Primärenergieverbrauch<br />
von Stein- und Braunkohle ist 2020<br />
mit jeweils 16,6 % bzw. 17,8 % spürbar gesunken,<br />
so dass Braunkohle 2020 nur noch<br />
etwa 8,1 % und Steinkohle noch 7,7 % des<br />
Primärenergiebedarfs hierzulande deckten.<br />
Der Primärenergieverbrauch der Kernenergie<br />
ist 2020 gegenüber dem Vorjahr um<br />
14,2 % gesunken (Stilllegung des Kernkraftwerks<br />
Philippsburg am 31. Dezember<br />
2019). Damit deckt die Kernenergie aktuell<br />
noch etwa 6 % des Primärenergiebedarfs.<br />
Der Überschuss bei den Stromflüssen in<br />
das Ausland hat sich 2020 weiter verringert.<br />
Infolgedessen wirkte sich der Stromaustauschsaldo<br />
auch im Jahr 2020 verbrauchsmindernd<br />
(um 0,6 Prozentpunkte)<br />
auf den Primärenergieverbrauch aus.<br />
Einfuhr von Energieträgern über<br />
70 Prozent<br />
[…] Der Primärenergieverbrauch hierzulande<br />
wurde 2019 bei den Mineralölen zu<br />
98 % und Erdgas zu 94 % durch Einfuhren<br />
gedeckt. Die Steinkohle stammte zu 100 %<br />
aus Einfuhrquellen. Braunkohle wird hingegen<br />
zu 100 % aus heimischen Ressourcen<br />
bereitgestellt und auch die erneuerbaren<br />
Energien stammen nahezu vollständig<br />
aus der inländischen Gewinnung.<br />
Insgesamt war die deutsche Energieversorgung<br />
2019 zu knapp 72 % auf Importe<br />
angewiesen. Diese Situation hat sich<br />
auch 2020 grundsätzlich nicht geändert.<br />
Allerdings nahm die inländische Gewinnung<br />
fossiler Energieträger (allen voran die<br />
Braunkohle mit einem Minus 18,2 %) weiter<br />
ab, die der erneuerbaren Energien nahm<br />
hingegen um 3 % zu. Bei der elektrischen<br />
Energie blieb der Exportüberschuss auch<br />
2020 weiter bestehen; er reduzierte sich<br />
allerdings gegenüber dem Vorjahr um 46<br />
Petajoule (PJ) [bzw. rund 12,8 Milliarden<br />
(Mrd.) Kilowattstunden (kWh)]. Nach ersten<br />
überschlägigen Berechnungen spiegeln<br />
sich die skizzierten Veränderungen (bei insgesamt<br />
corona-bedingt stark rückläufigem<br />
Primärenergieverbrauch) in einer leichten<br />
Abnahme der Importquote (um 0,3 Prozentpunkte)<br />
wider; die Einfuhrabhängigkeit<br />
dürfte aber auch 2020 noch über 71 %<br />
liegen. Wesentlich geändert haben sich –<br />
wie eingangs bereits gezeigt – die Importpreise<br />
für die fossilen Energieträger.<br />
Im Ergebnis führte die Verringerung der<br />
Einfuhrpreise und -mengen dazu, dass sich<br />
die Importrechnung für Kohle, Öl und Gas<br />
von rund 63 Mrd. Euro im Jahr 2019 um<br />
20,7 Mrd. Euro bzw. um etwa ein Drittel<br />
auf 42,2 Mrd. Euro im Jahr 2020 erheblich<br />
vermindert hat. Mit Blick auf einzelne Energieträger<br />
zeigt sich folgendes Bild: Der Wert<br />
der Ölimporte verringerte sich um mehr als<br />
37 %, der der Erdgasimporte um 18,4 %.<br />
Der wertmäßige Importsaldo bei den Kohlen<br />
verringerte sich sogar um knapp 44 %.<br />
Bei elektrischem Strom verringerte sich der<br />
Exportüberschuss um rund 44 %.<br />
Fossile Energiegewinnung in<br />
Deutschland rückläufig<br />
[…] Die inländische Energiegewinnung<br />
ist 2020 mit Ausnahme der erneuerbaren<br />
Energien bei allen anderen Energieträgern<br />
weiter gesunken, so dass es insgesamt zu<br />
einem Rückgang um etwa 5,2 % auf 3.425<br />
PJ oder 116,9 Millionen (Mio.) Tonnen (t)<br />
Steinkohleeinheiten (SKE) gekommen ist.<br />
Am stärksten fiel dieser Rückgang mengenmäßig<br />
bei der Braunkohle mit einem<br />
Minus von rund 211 PJ (-17,7 %) aus.<br />
Zugleich ging in den vergangenen Jahren<br />
auch die inländische Förderung von Erdöl<br />
und Erdgas aufgrund der zunehmenden Erschöpfung<br />
von Altfeldern und Lagerstätten<br />
zurück.<br />
Dieser Trend setzte sich im Berichtsjahr<br />
2020 fort: Die Erdgas- und Erdölgasgewinnung<br />
verringerte sich 2020 gegenüber<br />
dem Vorjahr um 15,5 % (30 PJ), die inländische<br />
Erdölgewinnung hingegen hat um<br />
knapp 0,5 % (rund 1 PJ) abgenommen.<br />
Die erneuerbaren Energieträger konnten<br />
ihre Position als bedeutsamste heimische<br />
Energiequelle vor der Braunkohle deutlich<br />
ausbauen; ihr Anteil an der gesamten inländischen<br />
Gewinnung beträgt nunmehr reichlich<br />
57,7 %, gefolgt von der Braunkohle,<br />
auf die etwa 28,6 % der inländischen Energiegewinnung<br />
entfällt. Beide Energieträger<br />
rangieren weiter mit großem Abstand vor<br />
dem Erdgas und dem Erdöl.<br />
Bezogen auf den Primärenergieverbrauch<br />
im Jahr 2020 hat sich der Anteil der inländischen<br />
Gewinnung erhöht, und zwar<br />
von 27,5 % im Jahr 2019 auf nunmehr<br />
rund 29,1 %. Diese Entwicklung ist der<br />
Tatsache geschuldet, dass der Primärenergieverbrauch<br />
in Folge der Auswirkungen<br />
der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 mit<br />
8 % deutlich kräftiger gesunken ist als die<br />
Gewinnung von Primärenergieträgern im<br />
Inland.<br />
965 Mrd. kWh an Erdgas in 2020<br />
in Deutschland verbraucht<br />
[…] Der Erdgasverbrauch in Deutschland<br />
nahm 2020 nach vorläufigen Daten um<br />
2,4 % auf rund 965 Mrd. kWh ab. Die inländische<br />
Förderung von Erdgas nahm im Laufe<br />
des Berichtsjahres um voraussichtlich<br />
knapp 16 % auf rund 50 Mrd. kWh ab. Eine<br />
Ursache für den kräftigen Rückgang lag in<br />
der neunwöchigen Revision einer Erdgasaufbereitungsanlage<br />
im zweiten Halbjahr<br />
2020. Inspektions- und Wartungsarbeiten<br />
in diesem Umfang kommen nur etwa alle<br />
10 Jahre vor. Die heimische Förderung von<br />
Erdgas deckte 2020 nur rund 5,2 % des<br />
Erdgasverbrauchs in Deutschland ab. Etwa<br />
95 % des in Deutschland verbrauchten Erdgases<br />
wurden importiert.<br />
[…] Der Anteil von Erdgas am gesamten<br />
Primärenergieverbrauch nahm verglichen<br />
mit 2019 um 1,5 Prozentpunkte auf<br />
26,6 % im Jahr 2020 zu. Ersten Zahlen<br />
zufolge wurden 2020 rund 9,9 Mrd. kWh<br />
auf Erdgasqualität aufbereitetes Biogas in<br />
das deutsche Erdgasnetz eingespeist. Davon<br />
gingen knapp 8 Mrd. kWh in die gekoppelte<br />
Stromerzeugung. Rund 1,0 Mrd. kWh<br />
wurden als Kraftstoff eingesetzt, weitere<br />
rund 0,5 Mrd. kWh fanden im Wärmemarkt<br />
(Raumwärme, Warmwasser) Absatz. Die<br />
restlichen Mengen wurden zum Beispiel<br />
stofflich genutzt, exportiert oder fanden<br />
sonstigen Einsatz.“<br />
Autor<br />
Dipl.-Ing. agr. (FH) Martin Bensmann<br />
Redakteur Biogas Journal<br />
Fachverband Biogas e.V.<br />
0 54 09/90 69 426<br />
martin.bensmann@biogas.org<br />
42
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
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PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Darstellung der global infrage kommenden Wasserstoffproduktionsländer<br />
und der Länder mit hoher H 2<br />
-Technologiekompetenz.<br />
Der Wasserstoff-Hype –<br />
wunderbar oder wahnsinnig?<br />
Ein Schlüssel zum Erreichen der Klimaziele ist die Dekarbonisierung der Schwerstabhängigen:<br />
des Gasnetzes, des Verkehrs und sogar der Stahl- und Chemieindustrie. Das alles<br />
verspricht der Wasserstoff und ruft gigantische Planungen auch der Bundesregierung<br />
hervor. Für Kritiker ist deren Nationale Wasserstoff- hauptsächlich eine Import-Strategie –<br />
mit unbekannten Folgen. Dabei sind schon Schattenseiten bekannt, wie die exorbitanten<br />
Kosten für den Infrastruktur-Aufbau oder der mickrige Gesamtwirkungsgrad!<br />
Von Christian Dany<br />
Bis Anfang <strong>2021</strong> haben über 30 Länder<br />
Wasserstoff-Roadmaps veröffentlicht und<br />
mehr als 200 Großprojekte entlang der<br />
Wertschöpfungskette angekündigt. Die beeindruckende<br />
Anzahl von Wasserstoffprojekten,<br />
die derzeit weltweit in der Pipeline sind, kann<br />
erheblich zur Erreichung globaler Klimaziele beitragen.<br />
Werden alle heute angekündigten 228 Projekte realisiert,<br />
würden die Gesamtinvestitionen in Wasserstoff<br />
bis 2030 300 Milliarden (Mrd.) US-Dollar übersteigen.“<br />
So frohlockend klingt ein Artikel des Hydrogen<br />
Council.<br />
Die Mitgliederliste der Initiative von 109 Unternehmen<br />
klingt wie ein „who is who“ der Weltkonzerne: von Airbus<br />
über Mitsubishi und von Shell bis Uniper. Rund<br />
um den Globus ist ein Wettrennen um „grünen Wasserstoff“<br />
entbrannt, den proklamierten Energieträger<br />
der Zukunft, mit dem der Verkehr, die Stahl- und die<br />
Chemieindustrie sauber werden sollen.<br />
Weltweit größtes Einzelprojekt in<br />
Niederlande geplant<br />
Die Niederlande planen das weltweit größte Einzelprojekt:<br />
„North H2“ heißt ein Mega-Offshore-Windpark in<br />
der Nordsee bei Groningen, mit dessen Strom jährlich<br />
800.000 Tonnen Wasserstoff (H 2<br />
) produziert werden<br />
sollen. Australien und Europa sind nach Zahlen der<br />
„Wirtschaftswoche“ mit jeweils über 20 Gigawatt (GW)<br />
GRAFIK: ZENTRUM WASSERSTOFF.BAYERN (H2.B)<br />
44
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
Die Farbenlehre des Wasserstoffs<br />
Grauer und blauer Wasserstoff wird durch Dampfreformierung aus fossilen<br />
Brennstoffen, in der Regel Erdgas, gewonnen. Bei blauem H 2<br />
wird das entstehende<br />
CO 2<br />
jedoch abgeschieden und gespeichert (CCS, engl. Carbon Capture<br />
and Storage).Türkiser Wasserstoff lässt sich durch Methanpyrolyse herstellen.<br />
Anstelle von CO 2<br />
entsteht dabei fester Kohlenstoff, der entweder gespeichert<br />
oder weiterverwertet wird. Das Verfahren, das bislang nur im Labor Anwendung<br />
gefunden hat, wird jetzt in einer ersten vom Bundesforschungsministerium geförderten<br />
Versuchsanlage für den Dauerbetrieb getestet.<br />
Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse hergestellt, für die ausschließlich<br />
Strom aus Erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. Er ist dadurch CO 2<br />
-frei.<br />
Aus Biomasse können zwar H 2<br />
-basierte Green Fuels hergestellt werden, es gibt<br />
dafür aber keine Wasserstoff-Farbe.<br />
Quelle: FfE Forschungsstelle für Energiewirtschaft, München<br />
Wasserstoffeinsatz am Stahl-Standort von<br />
thyssenkrupp Steel in Duisburg. Für die Versuche<br />
an einer Blasform wird der Wasserstoff noch per<br />
Lkw geliefert. Für die nächste Phase soll dies per<br />
Pipeline funktionieren.<br />
„Die Zukunft gehört allein dem<br />
grünen Wasserstoff“<br />
Bundesforschungsministerin<br />
Anja Karliczek<br />
FOTO: THYSSENKRUPP STEEL EUROPE<br />
die Weltregionen mit der größten geplanten Elektrolyseleistung.<br />
Dann folgen Asien (5,5 GW) und der Mittlere<br />
Osten (4,3 GW).<br />
Aus den USA sind nach der Trump-Ära (noch) keine gigantischen<br />
Wasserstoffpläne bekannt. Die Europäische<br />
Union fördert den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft im<br />
Verbund mit der Vernetzung des Energiesystems (Sektorenkopplung)<br />
bis 2027 mit dem 750 Mrd. Euro starken<br />
Aufbaupaket „Next Generation EU“. In Europa hat –<br />
natürlich – Deutschland das mit 9 Mrd. Euro größte<br />
nationale Wasserstoffprogramm aufgestellt.<br />
Der Wasserstoff soll – nicht zum ersten Mal – Energieprobleme<br />
lösen, obwohl er als Energieträger alles andere<br />
als gut geeignet ist: Zwar das häufigste chemische<br />
Element des Universums, kommt er auf der Erde aber<br />
praktisch nur in Molekülen gebunden vor. Also muss er<br />
erst energieintensiv hergestellt werden: durch Dampfreformierung,<br />
bei der Kohlenwasserstoff-Ketten der Wasserstoff<br />
entzogen wird, oder durch „Wasserspaltung“<br />
mittels Elektrolyse. Mit dem jüngsten Wasserstoff-Hype<br />
ist, abhängig von der Art des Energie-Inputs und des<br />
Verfahrens, eine eigene „Farbenlehre“ entstanden.<br />
Für die mit den Wasserstoff-Sorten verbundenen CO 2<br />
-<br />
Emissionen hat die EU-Kommission bereits eine Zertifizierung<br />
angekündigt. „Die Zukunft gehört allein dem<br />
grünen Wasserstoff“, benannte Bundesforschungsministerin<br />
Anja Karliczek die Präferenzen. „Bei der Nationalen<br />
Wasserstoffstrategie sollten wir grün, global und<br />
groß denken“, so ihr Appell. Nach dem Motto „Shipping<br />
the sunshine“ könne grüner Wasserstoff in Regionen<br />
mit viel Wind, Sonne und Wasser produziert und<br />
von dort aus exportiert werden, um den Energiebedarf<br />
der Welt zu decken.<br />
Etwas brüskiert davon ist die Bioenergie-Branche, mit<br />
der ja eigentlich die Farbe Grün assoziiert wird. In dem<br />
Farbenspiel bleibt biogener Wasserstoff aber außen vor:<br />
H 2<br />
könnte auch mit thermochemischer Biomassevergasung<br />
oder Reformierung von Biogas hergestellt werden<br />
– mit Letzterer sogar deutlich günstiger als mit der<br />
Elektrolyse.<br />
45
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Produktion, Speicherung,<br />
Verteilung<br />
und Anwendung von<br />
Wasserstoff<br />
Der Wirkungsgrad dieses von der Klimapolitik favorisierten<br />
Power-to-Gas-Prozesses wird oft mit 80 % angegeben.<br />
Dies ist aber ein Spitzenwert. Gerade unter<br />
schwankenden Einsatzbedingungen des Elektrolyseurs<br />
bei Solar- und Windstrom ist mit einem Viertel bis einem<br />
Drittel an Verlusten zu rechnen. Betrachtet werden<br />
muss aber die gesamte Verarbeitungskette: Wasserstoff<br />
hat zwar mit 33 Kilowattstunden pro Kilogramm (kWh/<br />
kg) massebezogen eine beachtliche Energiedichte, jedoch<br />
ein extrem hohes Volumen pro Gewicht: Bei Standardbedingungen<br />
wiegt er 90 Gramm pro Kubikmeter<br />
(g/m³) und ist damit 15 mal leichter als Luft. Folglich<br />
entstehen aus 10 Kilowattstunden (kWh) Strom bei der<br />
Elektrolyse etwa 7 kWh Wasserstoff-Gas, das erst durch<br />
Herunterkühlen auf minus 253 Grad Celsius verflüssigt<br />
oder komprimiert werden muss.<br />
Tanken und speichern – nicht leicht<br />
gemacht!<br />
Im Verkehr – in Deutschland gibt es 92 Wasserstoff-<br />
Tankstellen – hat sich ein Druck von 700 bar etabliert,<br />
mit dem die Autos betankt werden. Die Logistikkette<br />
ist aber das große Problem: Wie „Die Welt“ berichtet,<br />
kosten Zapfsäulen für Wasserstoff pro Anlage rund<br />
eine Million Euro, während eine Zapfsäule für Otto-<br />
Kraftstoff oder Diesel zirka 30.000 Euro kostet. Das<br />
Umwandeln von verflüssigtem Wasserstoff in Gas bei<br />
verschiedenen Druckstufen bis zum Fahrzeugtank sei<br />
enorm komplex und teuer.<br />
Der Wasserstoff soll deshalb in verschiedene Power-to-<br />
Gas- und Power-to-Liquid-Kraftstoffe weiterverarbeitet<br />
werden. Diese „strombasierten Kraftstoffe“ müssen<br />
aber erst noch mit Milliardenförderung der Bundesregierung<br />
zur Marktreife entwickelt werden (siehe Biogas<br />
Journal 2_<strong>2021</strong>, Seite 17) und im Endeffekt dampfen<br />
sie den Gesamtwirkungsgrad noch weiter ein.<br />
Wasserstoff ist sehr flüchtig. Er diffundiert durch bestimmte<br />
Materialien, was zu Problemen bei Speicherung<br />
und Transport führen kann. Die Speicherkonzepte<br />
von stationären und mobilen Druckgas- und Flüssigwasserstoff-(LH<br />
2<br />
)-Speichern und großen Kavernen sind<br />
deshalb um „indirekte H 2<br />
-Speicher“ erweitert worden:<br />
Neben Methanol eignen sich hier einige flüssige organische<br />
Wasserstoffträger LOHC (liquid organic hydrogen<br />
carriers). Bei LOHC-Systemen wird Wasserstoff durch<br />
chemische Reaktion mit einer ungesättigten Verbindung<br />
chemisch an diese gebunden. Das nennt man<br />
Hydrierung.<br />
Im Prinzip soll das Be- und Entladen einer nichtexplosiven<br />
Trägerflüssigkeit eine effiziente und gefahrlose<br />
Wasserstoff-Logistik ermöglichen. Das bekannteste<br />
LOHC-System basiert auf der Hydrierung von Toluol<br />
zu Methylcyclohexan. Wie Reinhold Wurster vom Deutschen<br />
Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband auf<br />
einem CARMEN-Forum schilderte, benötigen alle H 2<br />
-<br />
Trägerkonzepte an der Endnutzungsstelle eine energieintensive<br />
Wasserstoffabtrennung, was etwa 30 %<br />
der enthaltenen Energie koste, eine Nachreinigung<br />
und eine Kompression. „Je nach Einsatz können sie<br />
Sinn machen oder sind Pipelinetransport oder LH 2<br />
-<br />
Anlieferung unterlegen“, sagte er. Bei der Frage, wo<br />
H 2<br />
zuerst wirtschaftlich ist, sieht Wurster das größte<br />
Erlöspotenzial im Mobilitätssektor.<br />
„Man kommt schnell zu dem Schluss, weshalb es die<br />
Wasserstoffwirtschaft in der Vergangenheit nicht gegeben<br />
hat, weshalb sie sich heute schwer tut und weshalb<br />
sie in Zukunft vermutlich nie kommen wird: Es ist im<br />
Grunde genommen ein riesiges Energie-Verlustspiel.<br />
QUELLE: NOW GMBH, NATIONALE ORGANISATION WASSERSTOFF- UND BRENNSTOFFZELLENTECHNOLOGIE<br />
46
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
Kernstück der Transformation<br />
Direktreduktionsanlage mit Einschmelzer erzeugt „Elektro-Roheisen“<br />
VERFAHRENS-INNOVATION MIT<br />
DEUTLICHEN ÖKOLOGISCHEN UND<br />
ÖKONOMISCHEN VORTEILEN<br />
KLASSISCHER HOCHOFEN<br />
Kohlenstoff als Reduktionsmittel<br />
und Energieträger<br />
DR-ANLAGE MIT EINSCHMELZER<br />
Wasserstoff als Reduktionsmittel in DR-Anlage<br />
Grüner Strom als Energieträger im Einschmelzer<br />
• Innovation: Erstmaliger Einsatz eines<br />
Einschmelzers im Eisenbereich<br />
• Technische Innovation: Engineering des<br />
Einschmelzers<br />
• Ökologischer Vorteil: Wasserstoff und grüner<br />
Strom substituieren Kohlenstoff und<br />
eliminieren CO 2<br />
Verwendung<br />
Prozessgas<br />
Koks, Möller<br />
(Pellets,<br />
Sinter,<br />
Stückerz)<br />
Wind (O 2 ,<br />
N 2 ),<br />
Kohle<br />
Prozessgas<br />
Erz-/<br />
Pelletzufuhr<br />
Vorheizzone<br />
Reduktionszone<br />
Recycling-<br />
Prozessgas<br />
Möller<br />
(Pellets)<br />
Reduktionsgas<br />
(Wasserstoff, im<br />
Übergang<br />
Erdgas)<br />
• Elektro-Roheisen wird wie Roheisen<br />
eingesetzt, deshalb können weiterhin alle<br />
Produkte erzeugt werden<br />
Flüssiges<br />
Eisen,<br />
Schlacke<br />
Aufkohlungszone<br />
Schmelzzone<br />
Abstich<br />
Strom<br />
(erneuerbar)<br />
Flüssiges<br />
Eisen,<br />
Schlacke<br />
QUELLE: THYSSEN KRUPP<br />
„Wenn, dann sollte grüner Wasserstoff<br />
als Chemie rohstoff eingesetzt<br />
werden, als Energieträger ist er<br />
ungeeignet“<br />
Dr. Ulf Bossel<br />
Und wir haben keine Energie zu verlieren, sondern wir<br />
müssen sehen, dass wir die Energie, die wir gewinnen,<br />
sinnvoll nutzen“, sagt Dr. Ulf Bossel. Der Schweizer<br />
Maschinenbau-Ingenieur entwickelt selbst Brennstoffzellen.<br />
Mit seiner Energiebilanz-Analyse einer Wasserstoffwirtschaft<br />
relativiert er die oft unbegründeten<br />
Versprechen der H 2<br />
-Befürworter:<br />
„Am Ende der Umwandlungs- und Verteilungskette<br />
bleiben von der ursprünglich<br />
eingesetzten elektrischen Energie nur noch<br />
20 bis 25 Prozent übrig.“ Auf Bossels Analyse<br />
stützte sich schon die „Zeit“ in ihrem<br />
großen Dossier „Die Mär vom Wasserstoff“.<br />
Das war zwar schon 2004, doch auch wenn<br />
mit Effizienzsprüngen jetzt 30 Prozent Energie bleiben,<br />
ändert sich die Verschwendung nicht grundlegend.<br />
„Wenn, dann sollte grüner Wasserstoff als Chemierohstoff<br />
eingesetzt werden“, sagt Bossel, „als Energieträger<br />
ist er ungeeignet, denn den Strom zu dessen<br />
Vergleich der Hochofen-<br />
Stahlproduktion mit der<br />
Direktreduktionsanlage,<br />
in der Wasserstoff zum<br />
Einsatz kommt.<br />
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PRAXIS / TITEL BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Dr. Ulf Bossel, Maschinenbau-Ingenieur und Brennstoffzellenentwickler<br />
sagt: „Wir haben keine Energie<br />
zu verlieren, sondern wir müssen sehen, dass wir<br />
die Energie, die wir gewinnen, sinnvoll nutzen.“<br />
FOTO: PRIVAT<br />
Erzeugung könnte man direkt<br />
viel effizienter nutzen.“<br />
Die „Energie-Geschichte“ des<br />
Wasserstoffs liest sich als eine<br />
von großen Forschungsprojekten<br />
und Finanzbudgets (siehe<br />
Kasten). Bis heute ist die<br />
Wasserstoff-Technologie aber<br />
kaum über öffentlich finanzierte<br />
Projekte hinausgekommen.<br />
Dessen ungeachtet geht die<br />
Hightech-Nation Deutschland<br />
das Thema jetzt richtig groß<br />
an: mit der Nationalen Wasserstoffstrategie<br />
(NWS), die<br />
Deutschland eine Vorreiterrolle<br />
auf einem globalen Milliardenmarkt<br />
verschaffen soll. Sie umfasst<br />
38 Maßnahmen. Zentrales<br />
Ziel ist der „Markthochlauf“<br />
von Wasserstofftechnologien, um mithilfe Erneuerbarer<br />
Energien Bereiche zu dekarbonisieren, die nur schwer<br />
direkt mit Strom zu versorgen sind, wie Produktionsprozesse<br />
und den Schwerlast-, Schiffs- und Luftverkehr.<br />
Und bei der NWS wird nicht gekleckert, sondern geklotzt:<br />
Zusätzlich zu bestehenden Programmen für Reallabore<br />
und Wasserstoffregionen sollen für den Markthochlauf<br />
7 Mrd. Euro an Fördermitteln bereitgestellt<br />
werden. Weitere 2 Mrd. Euro kommen für internationale<br />
Partnerschaften dazu. Gigantische Projekte in großen<br />
Industriekonsortien sind bereits in Vorbereitung.<br />
Der außenwirtschaftliche Aspekt lässt sich auf einen<br />
einfachen Nenner bringen: Technologien exportieren,<br />
Wasserstoff importieren. Zwar spricht die NWS von<br />
„CO 2<br />
-freiem Wasserstoff“. Importiertem grünen wird<br />
aber Vorrang vor blauem Wasserstoff gegeben; vor allem<br />
aus Bedenken bezüglich der Akzeptanz der CO 2<br />
-<br />
Speicherung mit CCS-Technologie.<br />
Die Bundesregierung sieht bis 2030 einen Wasserstoffbedarf<br />
von rund 100 Terawattstunden (TWh). Davon<br />
sollen nur 14 TWh aus grüner H 2<br />
-Produktion im Inland<br />
gedeckt, der große Rest aber importiert werden.<br />
Weil viele Länder in Europa selbst keine Wasserstoffwirtschaft<br />
aufbauen wollen, fällt der Blick über den<br />
Kontinent hinaus: nach Afrika, vor allem Nordafrika,<br />
dem Mittleren Osten, Australien und Südamerika. Mit<br />
Marokko hat die Bundesregierung bereits ein Partnerschaftsabkommen<br />
geschlossen. Nahe der Stadt Ouarzazate<br />
soll die erste industrielle Anlage für grünen<br />
Wasserstoff in Afrika gebaut werden. Hier hat die Bundesregierung<br />
auch das größte Solarthermie-Kraftwerk<br />
der Erde mitfinanziert.<br />
Desertec 2.0?<br />
Das alles weckt Erinnerungen an das krachend gescheiterte<br />
Desertec-Projekt. Deutsche Politiker und Konzerne<br />
wollten Solarstrom im großen Stil in der Wüste produzieren<br />
und nach Europa transferieren. Zwar sind die<br />
Gründe für das Scheitern vielfältig, einer sticht aber<br />
heraus: Die Rechnung wurde ohne den Wirt gemacht!<br />
Inzwischen sind viele Solarparks in Nordafrika und im<br />
Mittleren Osten entstanden. Die Länder wollen den<br />
sauberen Strom aber erstmal selbst nutzen.<br />
Auch bei den neuen Wasserstoffplänen kommt Kritik<br />
auf, dass der Eigenbedarf der „Lieferländer“ nicht<br />
genügend berücksichtigt werde. Das böse Wort „Neokolonialismus“<br />
macht die Runde. Es fiel auch auf einem<br />
Webinar der Grünen Bundestagsfraktion. Ingrid<br />
H 2<br />
-Backbone<br />
H 2<br />
-Backbone<br />
Fiktives sektioniertes<br />
Verteilernetz<br />
Das gesamte<br />
Netz ist<br />
klimaneutral.<br />
ab 2030 / 2035 /2040<br />
Versorgung mit Erdgas<br />
Biomethaneinspeisung<br />
H 2<br />
-ready<br />
20 % H 2<br />
regional erzeugt<br />
100 % H 2<br />
regional erzeugt<br />
20 % H 2<br />
Backbone<br />
100 % H 2<br />
Backbone / mit Backbone<br />
Biomethan mit 20 % H 2<br />
100 % EE-Methan aus Backbone-H 2<br />
und Bio-C0 2<br />
80 % EE-Methan aus Backbone-H 2<br />
und Bio-C0 2<br />
mit 20 % Backbone-H 2<br />
GRAFIK: DVGW<br />
48
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
UltraSweep® PRAXIS / TITEL C4<br />
Wasserstoff-Geschichte:<br />
Forschung! Förderung! Ertrag?<br />
Nach der Ölkrise in den Siebzigerjahren wurde<br />
überall fieberhaft nach Alternativenergien gesucht<br />
und dabei der Wasserstoff entdeckt. In den Achtzigerjahren<br />
entstand das Solarwasserstoff-Projekt<br />
in Neunburg vorm Wald/Bayern mit Photovoltaikanlage,<br />
drei Elektrolyseuren, Druckgasspeicher<br />
und zwei Brennstoffzellen. Von 1989 bis 1998 lief<br />
das „Euro-Quebec Hydro-Hydrogen Pilot Project“<br />
in Kanada, Deutschland, Italien und Belgien.<br />
Der Wasserstoff wurde im Osten Kanadas aus<br />
Wasserkraft eines großen Stausees produziert. In<br />
mehreren Städten liefen Busse mit verschiedenen<br />
H2-Antriebstechniken. Emissionstests und Studien<br />
wurden durchgeführt. Da bald das Geld fehlte, wurde<br />
das Projekt 1991 verkleinert.<br />
Mehrere Milliarden D-Mark hatten Staat und<br />
Industrie schon in die Erforschung der Wasserstoffwirtschaft<br />
gesteckt, ehe 1999 die weltweit<br />
erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle auf dem<br />
Flughafen München eröffnet wurde. MAN testete<br />
Brennstoffzellen-Busse und BMW entwickelte ein<br />
erstes Wasserstoff-Auto. Nach zwei Jahren wurde<br />
die Tankstelle jedoch wieder abgebaut. Die beiden<br />
Fahrzeugbauer gaben später (2009) ihre Wasserstoff-Tests<br />
auf. BMW hatte bis dahin 100 Stück des<br />
„Hydrogen 7“ gebaut, der hybrid mit Wasserstoff<br />
und Benzin betrieben werden konnte. Die Autos<br />
wurden von Prominenten und Politikern geleast. Als<br />
nach wie vor ungeklärt gilt, ob die Brennstoffzelle<br />
im Verkehr vorzüglich ist zur Wasserstoffnutzung<br />
in herkömmlichen Verbrennungsmotoren, die, wie<br />
beim Hydrogen 7, leicht adaptiert werden können.<br />
Lediglich Toyota, Hyundai und Honda bieten<br />
Brennstoffzellen-Autos an. Die Verkaufszahlen<br />
sind jedoch homöopathisch. Mercedes-Benz hat<br />
seinen Brennstoffzellen-Typ GLC eingestellt, weil<br />
die Batterietechnik im Pkw-Bereich überlegen sei.<br />
Man konzentriere sich darauf, die Brennstoffzellen-<br />
Technik in Bussen und Lkw zu entwickeln. Auch VW<br />
sieht für die Brennstoffzelle im Pkw keine Zukunft.<br />
An der Entwicklung von Wasserstoff-Lkw arbeiten<br />
einige Hersteller mit Hochdruck. Bisher gibt es nur<br />
einen Flüssig-H 2<br />
-Lkw mit Brennstoffzelle von Hyundai.<br />
50 davon laufen bereits in der Schweiz.<br />
Die Einsatzbedingungen für die Brennstoffzelle<br />
sind auf der Straße aber ungleich schwerer als der<br />
stationäre Betrieb im Heizungskeller. Von 2008 bis<br />
2016 förderte die Bundesregierung im „Callux“-<br />
Programm mit über 50 Mio. Euro die Entwicklung<br />
von Strom erzeugenden Brennstoffzellen-Heizgeräten.<br />
Das Ergebnis ist lausig: Dank üppiger Breitenförderung<br />
kam es in den letzten Jahren zwar zu<br />
einem Aufschwung. Jedoch setzt der Großteil der<br />
verkauften Geräte auf japanische Brennstoffzellen.<br />
Drei Hersteller bieten in Deutschland entwickelte<br />
Brennstoffzellen an; das sind aber Feststoffoxid-<br />
(SOFC)-Brennstoffzellen, die anstatt Wasserstoff<br />
Erd- oder Flüssiggas direkt verwerten.<br />
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Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft<br />
der Grünen konnte sich vorstellen, aus der<br />
Elektrolyse für die Wasserstoff-Produktion<br />
Wasser für die einheimische Bevölkerung<br />
abzuzweigen. Wie generös! Mit der Wasser-<br />
Problematik trifft Nestle einen wunden<br />
Punkt: Um 1 Kilogramm Wasserstoff mit<br />
Elektrolyse herzustellen, werden 9 bis 10<br />
Liter Wasser benötigt. Im Sonnengürtel der<br />
Erde ist dafür nicht genügend Süßwasser<br />
da. Es muss also Meerwasser entsalzt werden.<br />
Damit konzentrieren sich die möglichen<br />
Standorte auf die Küsten, was den<br />
Empfängerländern aber ganz genehm ist.<br />
Meerwasserentsalzung nicht ohne<br />
Umweltfolgen<br />
Die Meerwasserentsalzung ist schon heute<br />
Naturschützern und Meeresbiologen<br />
ein Graus: Weltweit gibt es 16.000 Anlagen,<br />
die jeden Tag 140 Millionen (Mio.)<br />
Kubikmeter Sole hinterlassen. Die mit<br />
Chemikalien und gelösten Metallen belastete<br />
Salzlösung wird meistens ins Meer<br />
zurückgepumpt und schädigt dort die<br />
Ökosysteme. Für den Wasserstoff-Bedarf<br />
einer weltweiten Energiewende müsste die<br />
Anzahl der Entsalzungsanlagen ver-x-facht<br />
werden! Das wäre ökologisch nur vertretbar,<br />
wenn gigantische Soleteiche zur Verdunstung<br />
angelegt würden. Das wiederum<br />
würde die Wasserstoffwirtschaft exorbitant<br />
verteuern.<br />
„Bei manchen Studien spielen die Wasserbereitstellungskosten<br />
nur eine untergeordnete<br />
Rolle“, sagte Alexander Scholz vom<br />
Wuppertal-Institut auf einem Webinar des<br />
BHKW-Infozentrums. Sein Institut hat zusammen<br />
mit DIW Econ in einer Metastudie<br />
die „Vor- und Nachteile einer Wasserstoffproduktion<br />
in Deutschland gegenüber einem<br />
Wasserstoffimport“ untersucht.<br />
» Verbessert den Abbau der<br />
Substratfasern.<br />
» Beugt der Bildung von<br />
Schwimmdecken vor.<br />
» Reduziert Ablagerungen auf<br />
Fermenteroberflächen und in<br />
Rohrleitungen.<br />
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PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Skizze einer möglichen<br />
Infrastruktur für eine<br />
nachhaltige Versorgung<br />
von Europa, dem Nahen<br />
Osten und Nordafrika.<br />
Man stelle sich<br />
die roten Linien als<br />
Wasserstoff-Pipelines<br />
vor und schon kommt<br />
man den Wasserstoff-<br />
Planungen in Europa<br />
ziemlich nahe.<br />
Die wichtigsten Erkenntnisse: Wegen der energieintensiven<br />
Verflüssigung des Wasserstoffs sind Transporte<br />
mit Schiffen geschätzt dreimal so teuer wie über<br />
Pipelines. Schiffstransporte rechnen sich erst ab rund<br />
4.000 Kilometer. Deshalb sollten Exportkandidaten im<br />
Radius von Pipeline-Lösungen favorisiert werden. Die<br />
Produktionskosten von grünem Wasserstoff sind aktuell<br />
mit 16 Cent/kWh etwa doppelt so hoch wie bei blauem<br />
und zirka dreimal höher als bei grauem H 2<br />
.<br />
Heimischer oder importierter H 2<br />
?<br />
Deutliche Kostensenkungen bei Elektrolyseuren erwarten<br />
Scholz und seine Mitautoren erst nach 2030. Die<br />
Autoren warnen davor, nur auf die Bereitstellungskosten<br />
zu fokussieren. Nachteile von Importen, wie Abhängigkeiten<br />
und Lieferrisiken, dürften nicht vernachlässigt<br />
werden. Während Importe in den Lieferländern zu<br />
„Rebound-Effekten“ führen könnten, also zu verstärkter<br />
Abhängigkeit von fossilen Energien, blieben hierzulande<br />
Chancen für die Flexibilisierung des Strommarktes<br />
und die Sektorenkopplung ungenutzt.<br />
Zu bedenken sei, dass eine künftige hohe Nachfrage<br />
die Handelspreise anhebe und Standortvorteile von<br />
Ländern wie Marokko wieder zunichtemache. Ein starker<br />
Heimatmarkt sei wichtig, um volkswirtschaftliche<br />
Effekte ausschöpfen zu können: Abhängig vom Umfang<br />
der heimischen Bedarfsdeckung von 0 bis 90 Prozent<br />
läge die Bruttowertschöpfung jährlich zwischen 2 und<br />
30 Mrd. Euro. 20.000 bis 800.000 zusätzliche Arbeitsplätze<br />
könnten bis 2050 geschaffen werden. Dem<br />
inländischen Ausbau sei Vorrang einzuräumen, denn<br />
heimischer H 2<br />
könne konkurrenzfähig sein. Neben der<br />
Fokussierung auf Importe steht auch die Bevorzugung<br />
von grünem H 2<br />
in der Kritik. Vor kurzem hat der Industrieausschuss<br />
des EU-Parlaments beschlossen, „CO 2<br />
-<br />
armen Wasserstoff“ als mittelfristige Brückentechnologie<br />
anerkennen zu wollen. Gemeint ist dabei blauer<br />
Wasserstoff. Norwegen bietet hierzulande schon mal<br />
blauen Wasserstoff an, denn es hat beides: Erdgas, um<br />
daraus H 2<br />
zu produzieren und riesige Kavernen unter<br />
der Nordsee. 2 Kilometer (km) tief unter dem Meeresboden<br />
soll das CO 2<br />
sicher gespeichert werden können.<br />
Enervis pro „Bunter Wasserstoff“<br />
Die Unternehmensberatung Enervis bringt noch eine<br />
Farbe ins Spiel: Bunter, strommarktbasierter Wasserstoff<br />
sei besser geeignet, um schnell, kostengünstig<br />
und auf längere Sicht auch klimaschonend eine Wasserstoffwirtschaft<br />
aufzubauen. Das habe eine Studie<br />
im Auftrag der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie<br />
herausgefunden. „Bunt“ heißt, dass die Elektrolyse<br />
einfach mit Netzstrom betrieben wird, der halt auch<br />
Gas-, Kohle- und Atomstrom enthält.<br />
Die Anlagen könnten nah am Verbrauch errichtet werden,<br />
Transportkosten fielen weg und die Elektrolyseure<br />
ließen sich besser auslasten. Durch den Erneuerbaren-<br />
Ausbau würde aus „bunt“ mit den Jahren von alleine<br />
„grün“. Wichtig für diese Option wäre ein Entfallen der<br />
QUELLE: DESERTEC FOUNDATION, WIKIMEDIA CC BY-SA 2.5<br />
50
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
„Eine solche parallele Infrastruktur würden wir<br />
bis 2050 gar nicht in den Boden kriegen“<br />
Florian Fellner<br />
GRAFIK: DVGW<br />
EEG-Umlage, was bisher aber nur für grünen Wasserstoff<br />
geregelt ist.<br />
Der Verband der Chemischen Industrie fordert Technologieoffenheit<br />
für die Wasserstoffversorgung, zumindest<br />
für eine lange Übergangszeit. In der Chemie-,<br />
der Stahlindustrie und der Gaswirtschaft laufen schon<br />
emsige Vorbereitungen fürs Wasserstoff-Zeitalter. Die<br />
Gaswirtschaft ist geradezu erpicht darauf, Sonnen- und<br />
Windstrom in Form von Wasserstoff in ihrem Gasnetz zu<br />
speichern. Statt „Initiative Zukunft Erdgas“ heißt die<br />
Organisation fürs Branchenmarketing jetzt „Zukunft<br />
Gas“. Man möchte für Erdgas und „grünes Gas“, also<br />
Biogas und Wasserstoff, gleichermaßen stehen.<br />
H 2<br />
statt CH 4<br />
Der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft bedeutet für<br />
die Gasbranche eine der größten Herausforderungen<br />
ihrer Geschichte, denn die ganze Gasinfrastruktur mit<br />
ihrem 500.000 km langen Netz soll „H 2<br />
-ready“ werden,<br />
das heißt, 100 Prozent Wasserstoff aufnehmen<br />
und verteilen können. Wichtiger Akteur ist dabei der<br />
Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW),<br />
der nicht nur das Regelwerk an Wasserstoff anpassen,<br />
sondern in den nächsten fünf Jahren auch massiv in die<br />
Bereiche Forschung, Zertifizierung, Aus- und Weiterbildung<br />
sowie Kommunikation investieren<br />
wird. Neben dem Netz müssen auch die<br />
Gasspeicher und alle möglichen Gasendgeräte<br />
H 2<br />
ready werden – vom Brennwertgerät<br />
bis zum Heizkraftwerk.<br />
Bereits heute ermöglicht das DVGW-Regelwerk<br />
bis zu 10 Prozent (%) H 2<br />
im Netz.<br />
An einer 20%-Beimischung zum Erdgas<br />
arbeitet der DVGW schon. Darüber hinaus<br />
soll ein völlig neues Regelwerk für 100 %<br />
Wasserstoff entstehen. Im Gleichschritt<br />
marschiert die Heizungsindustrie: Während<br />
bestehende Gasheizgeräte 10 % H 2<br />
vertragen, soll die neue Generation mit bis<br />
zu 20 % klarkommen. Die Gaswirtschaft<br />
hat vor, im Wesentlichen das bestehende<br />
Gasnetz für Wasserstoff zu ertüchtigen,<br />
anstatt neue Leitungen zu bauen. „Rückgrat“<br />
soll der „H 2<br />
-Backbone“ werden.<br />
Geplant ist, dieses 100 %-Wasserstoff-<br />
Fernleitungsnetz ausgehend vom H 2<br />
-<br />
Startnetz im Ruhrgebiet bis spätestens<br />
2040 fertigzustellen. Die Versorgung über<br />
die Gasverteilnetze soll analog zu den drei<br />
Ausbaustufen des H 2<br />
-Backbones und der<br />
lokalen Erzeugungsmöglichkeiten<br />
anwachsen (siehe Grafik<br />
unten).<br />
Im Rahmen des Projekts<br />
„H2vorOrt“ haben 34 Gasunternehmen<br />
mit dem DVGW<br />
einen Transformationspfad<br />
für eine Infrastruktur bis zum<br />
Verbraucher entwickelt. Wie<br />
H2vorOrt-Projektleiter Florian<br />
Feller von Erdgas Schwaben<br />
schildert, werde sich der Ausbau<br />
der klimaneutralen Gasversorgung<br />
nach lokalen Gegebenheiten<br />
richten: „Es wird<br />
Regionen geben, die perspektivisch<br />
auf 100 % H 2<br />
umsteigen, und andere, in denen<br />
die Einspeisung von Biomethan oder synthetischem<br />
Methan die richtige klimaneutrale Versorgung vor Ort<br />
ist. Die frühzeitige Beimischung von Wasserstoff ist in<br />
beiden Fällen wichtig zur CO 2<br />
-Reduktion.“<br />
Für den theoretischen, separaten Neubau eines<br />
dem Gasverteilnetz äquivalenten Wasserstoffnetzes<br />
in Deutschland habe der DVGW die Kosten auf 270<br />
Mrd. Euro geschätzt. „Eine solche parallele In-<br />
FOTO: PRIVAT<br />
H2vorOrt-Projektleiter Florian Feller von Erdgas<br />
Schwaben sagt: „Es wird Regionen geben, die perspektivisch<br />
auf 100 % H 2<br />
umsteigen, und andere,<br />
in denen die Einspeisung von Biomethan oder<br />
synthetischem Methan die richtige klimaneutrale<br />
Versorgung vor Ort ist.“<br />
Die Flächenversorgung<br />
mit Wasserstoff über die<br />
Gasverteilnetze wächst<br />
analog zu den drei Ausbaustufen<br />
des prospektiven<br />
H 2<br />
-Backbones<br />
51
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Das klimafreundliche Hüttenwerk<br />
Erneuerbarer Strom<br />
Dampf aus Abwärme<br />
Sauersto<br />
Wassersto<br />
GrInHy2.0<br />
Zukunft<br />
Erneuerbare<br />
Energien<br />
Einsatz von<br />
erneuerbarem<br />
Strom<br />
Dampf-Elektrolyseur<br />
-<br />
erzeugung auf Basis<br />
von Dampf aus Abwärme<br />
Komprimierung,<br />
Trocknung und<br />
Ein speisung von<br />
-<br />
hende Infrastruktur<br />
Glühprozesse<br />
reduzierende<br />
Schutzgasatmosphäre<br />
beim Glühen von<br />
kaltgewalztem Stahl<br />
Direktreduktionsanlage<br />
Kernaggregat der<br />
CO 2-armen Stahlherstellung<br />
der Zukunft<br />
Integriertes Hüttenwerk<br />
Einbindung in bestehende<br />
lnfrastruktur und<br />
Bereitstellung von Dampf<br />
aus Abwärmequellen der<br />
Stahlherstellung<br />
frastruktur würden wir bis 2050 gar nicht in den Boden<br />
kriegen“, gibt Feller zu denken. Dagegen sei die<br />
Herstellung der H 2<br />
-Readiness in den bestehenden<br />
Verteilnetzen mit Kosten im niedrigen zweistelligen<br />
Milliardenbereich signifikant günstiger und gehe viel<br />
schneller.<br />
„Der Großteil der Leitungen im Verteilnetz ist aus<br />
Kunststoff, der für bis zu 100 % H 2<br />
geeignet ist. Bei<br />
Stahlleitungen kommt es auf die Stahlsorte an, jedoch<br />
sind die im Verteilnetz verbauten Sorten im Normalfall<br />
unkritisch“, erläutert Feller. Er plädiert dafür, die<br />
Beimischquoten entsprechend des H 2<br />
-ready-Ausbaus<br />
nicht beliebig zu erhöhen: „Ab einer Beimischung von<br />
20 % sollte keine Zwischenstufe von 50 oder 60 % folgen,<br />
sondern gleich auf reine Wasserstoffversorgung<br />
umgestellt werden. So kann eine weitere ‚Marktraumumstellung‘<br />
mit teurer Anpassung von Endgeräten vermieden<br />
werden.“<br />
Der Zielzustand 2050 sieht vor, dass Klimaneutralität<br />
durch Netzabschnitte mit 100 Prozent H 2<br />
, Methan in<br />
Reinform oder mit Mischungen von Methan und 20 %<br />
H 2<br />
erreicht wird. „Der Großteil der Projektpartner geht<br />
davon aus, dass es eine zielführende Koexistenz in verschiedenen<br />
Netzabschnitten geben wird“, sagt Feller.<br />
Große Nachfrage dürfte aus Stahl- und<br />
Chemieindustrie kommen<br />
Dass der entstehende Flickenteppich mit „Methaninseln“<br />
zu 100 % und 80 % auch ein Ideal aus<br />
ökonomischer und technischer Sicht ist, darf angezweifelt<br />
werden. Manche Akteure wollen gleich eine<br />
separate Infrastruktur für reinen Wasserstoff, wie der<br />
Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore, der<br />
„die Wertigkeit grünen Wasserstoffs erhalten“ möchte.<br />
Die größte Wasserstoff-Nachfrage dürfte bald aus<br />
der energieintensiven Industrie kommen: Sowohl die<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
deutsche Stahl- als auch die Chemie-Industrie wollen<br />
mit Wasserstoff zur Treibhausgas-Neutralität bis 2050<br />
beitragen.<br />
Derzeit verbraucht Deutschland 1,8 Mio. Tonnen (t)<br />
Wasserstoff (60 TWh) im Jahr, rund 1 Mio. t davon<br />
in der chemischen Industrie. Raffinerieprozesse zum<br />
Cracken von Kohlenwasserstoffketten, die Ammoniakherstellung<br />
und die Methanolsynthese sind die größten<br />
Bereiche mit H 2<br />
-Bedarf, der mit grauem Wasserstoff<br />
gedeckt wird. In der Chemie-Industrie geht es zuerst<br />
um die Dekarbonisierung der bestehenden Prozesse<br />
durch grünen Wasserstoff und dann um dessen Einsatz<br />
als Energieträger.<br />
Wasserstoff als Reduktionsmittel<br />
Für die Stahlindustrie liegt der Schlüssel zur Dekarbonisierung<br />
im „Direktreduktions-Verfahren“, das<br />
den traditionellen Hochofen-Prozess ablösen soll. Zur<br />
Rohstahlproduktion im Hochofen wird Koks als Reduktionsmittel<br />
eingesetzt. Die CO 2<br />
-Emissionen liegen<br />
deshalb bei 1800 kg pro t Rohstahl. Dagegen wird bei<br />
der Direktreduktion Eisenerz mithilfe von Erdgas und/<br />
oder Wasserstoff zu „Eisenschwamm“ reduziert, der<br />
im Elektrolichtbogen-Ofen weiterverarbeitet wird. Im<br />
Gegensatz zum Hochofen entsteht kein flüssiges Roheisen<br />
mehr. Der CO 2<br />
-Ausstoß sinkt auf bis zu 100 kg/t.<br />
Die Salzgitter AG will in dem Projekt „Salzgitter Low<br />
CO 2<br />
Steelmaking“ eine rein wasserstoffbasierte Direktreduktion<br />
entwickeln und zudem möglichst viel der<br />
eingesetzten Fossilenergie durch grünen Wasserstoff<br />
ersetzen. Hierfür ist eine eigene H 2<br />
-Produktion aus<br />
Windstrom geplant. Thyssenkrupp plant, nach dem<br />
versuchsweisen Einblasen von Wasserstoff als Reduktionsmittel<br />
in Hochöfen diese an das von Air Liquide<br />
betriebene Wasserstoffnetz im Ruhrgebiet anzuschließen.<br />
2024 soll die erste großtechnische Direktreduktionsanlage<br />
gebaut und ab 2030 sollen 3 Mio. t<br />
klimaneutraler Stahl pro Jahr erzeugt werden.<br />
Noch viel kühner sind die Pläne zu „grünem Stahl“ in<br />
Schweden: Das Startup-Unternehmen H 2<br />
Green Steel<br />
will in der nordschwedischen Region Norrbotten ein<br />
nagelneues Stahlwerk für klimaneutralen Stahl auf der<br />
grünen Wiese bauen. In das 2,5-Mrd.-Euro-Projekt ist<br />
eine Elektrolyseanlage zur Wasserstofferzeugung integriert.<br />
In der Region gibt es Wasser- und Windkraft,<br />
hochwertiges Eisenerz und den Hafen von Lulea. Schon<br />
2024 soll die Stahlproduktion im Großmaßstab beginnen.<br />
Ab 2030 wollen die Schweden 5 Mio. Jahrestonnen<br />
grünen Stahl produzieren.<br />
H 2<br />
Green Steel ist das erste Vorzeigeprojekt des „European<br />
Green Hydrogen Acceleration Center“. Das EG-<br />
HAC verfolgt das Ziel, bis 2025 eine grüne Wasserstoffwirtschaft<br />
mit Umsätzen von jährlich 100 Mrd. Euro<br />
zu entwickeln. Während es von EIT InnoEnergy, einer<br />
Einrichtung der Europäischen Union, geleitet wird,<br />
kommt finanzielle Unterstützung von dem Cleantech-<br />
Fonds Breakthrough Energy. Zu den Investoren sowie<br />
dem Vorstand von Breakthrough Energy gehören Unternehmer<br />
wie Bill Gates, Jeff Bezos (Amazon), Richard<br />
Branson (Virgin Group), Jack Ma (Alibaba, chinesisches<br />
Amazon-Pendant) oder Michael Bloomberg, der Medien-Tycoon<br />
und Ex-Bürgermeister von New York. Wenn<br />
die reichsten Männer der Welt für Wasserstoff zusammenarbeiten,<br />
kann dem Durchbruch eigentlich nichts<br />
mehr im Wege stehen.<br />
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53
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Wasserstoff: Eine<br />
Molekülkaskade<br />
könnte möglich<br />
werden<br />
Beispiel einer Powerto-Gas-Anlage,<br />
die<br />
mit überschüssigem<br />
Windstrom mittels PEM<br />
Elektrolyse (Proton<br />
Exchange Membran)<br />
Wasserstoff produziert.<br />
Wer heute vor dem Werkstor der Raffinerie Heide steht, der sieht noch nicht viel von dem,<br />
was hier beispielgebend in den nächsten Jahren passieren soll: Nämlich nicht weniger als<br />
die Dekarbonisierung einer bisher auf fossilen Rohstoffen basierenden Industrie.<br />
Von Dierk Jensen<br />
Wie ein industrieller Solitär wirkt die<br />
Raffinerie Heide in der weiten Marsch.<br />
Und das trotz der langen Geschichte.<br />
Denn schon vor exakt 165 Jahren entdeckte<br />
der Landwirt Peter Reimers<br />
auf seinen Ländereien ölhaltige Sande. Später wurde<br />
dann an gleicher Stelle flüssiges Erdöl gefördert und<br />
noch später, während des zweiten Weltkrieges, errichtete<br />
man hier die erste Rohöldestillation für die Produktion<br />
von Kraftstoffen für die Kriegsmarine.<br />
Nach dem Krieg versiegte die Erdölförderung vor Ort.<br />
Dafür wurde in den Fünfzigerjahren eine Pipeline zum<br />
Hafen von Brunsbüttel gelegt, wo Öltanker aus aller<br />
Welt ihre schwarze Fracht abließen und dafür sorgten,<br />
dass die Raffinerie-Anlagen in Heide, genauer gesagt<br />
in der Ortschaft Hemmingstedt, sukzessive ausgebaut<br />
werden konnten. Den Peak erreichten die Akteure<br />
1973, in jenem Jahr, in dem die Ölpreiskrise die internationalen<br />
Märkte erschütterte und erstmals die<br />
„Grenzen des Wachstums“ einem breiteren Publikum<br />
ins Bewusstsein brachte.<br />
Das liegt nun fast ein halbes Jahrhundert zurück. Nach<br />
einigen Eigentumswechseln – von der DEA über RWE<br />
bis hin zu Shell erwarb im Jahr 2010 die Klesch Group<br />
mit Sitz in Genf schließlich den Produktionsstandort,<br />
dessen Betreiber sich gegenwärtig anschicken, den ersten<br />
Schritt in eine postfossile Ära zu gehen. Noch ist das<br />
Unternehmen mit seinen rund 500 Mitarbeitern in der<br />
strukturschwachen Region an der Westküste Schleswig-Holsteins<br />
zwar ein wichtiger Arbeitgeber, aber, um<br />
es frank und frei zu sagen, eine CO 2<br />
-Schleuder.<br />
Energetische Erzeugungskaskade<br />
etablieren<br />
Das soll sich jedoch bald ändern. So beabsichtigt<br />
der Hersteller von Kraftstoffen und Chemikalien zusammen<br />
mit weiteren industriellen Partnern, wie der<br />
Holcim Deutschland Gruppe, Hynamics Deutschland,<br />
einem Tochterunternehmen des französischen Energieversorgers<br />
EDF, sowie dem Weltmarktführer für<br />
Offshore-Windkraft Ørsted, dem Fernleitungsnetzbetreiber<br />
OGE und Thyssenkrupp Industrial Solutions,<br />
einen nachhaltigen Umbau nicht nur der Kraftstoffproduktion,<br />
sondern auch die Etablierung einer auf<br />
grünem Wasserstoff basierenden Erzeugungskaskade.<br />
An diesem umfassenden Ansatz beteiligen sich zudem<br />
auch noch die Thüga Aktiengesellschaft sowie die Entwicklungsagentur<br />
Region Heide, die Stadtwerke Heide<br />
FOTO: JÖRG BÖTHLING<br />
54
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
und last but not least die Fachhochschule<br />
Westküste.<br />
Zwar ist der geplante Bau eines Elektrolyseurs<br />
auf dem Gelände der Raffinerie<br />
Heide, der zukünftig Windstrom in grünen<br />
Wasserstoff umwandelt, technisch betrachtet<br />
nun keine sonderlich große technologische<br />
Tat, doch läge nach den Worten<br />
von Sandra Spiering, Sprecherin der Raffinerie<br />
Heide, die eigentliche Herausforderung<br />
viel mehr darin, diesen Elektrolyseur<br />
technisch und wirtschaftlich nachhaltig<br />
in den bestehenden Raffinerie-Prozess zu<br />
integrieren.<br />
Um diese Integration zu meistern, nimmt<br />
die Raffinerie Heide zusammen mit ihren<br />
Projektpartnern eine ordentliche Investitionssumme<br />
von insgesamt 89 Millionen<br />
Euro in die Hand. Gut ein Drittel dieser<br />
Summe wird vom Bund im Rahmen<br />
der nationalen Wasserstoffstrategie<br />
als „Reallabore<br />
der Energiewende“<br />
gefördert. Wie hoch der<br />
Anteil der Raffinerie an<br />
der Gesamtinvestition<br />
sein wird, ist dabei noch<br />
nicht ganz klar. Sicher<br />
sei nur, dass die „Industriepartner<br />
deutlich mehr<br />
als die Hälfte der Kosten<br />
tragen“. Über mögliche<br />
neue Arbeitsplätze zu spekulieren,<br />
sei es aber noch<br />
zu früh, so die Pressesprecherin<br />
weiter.<br />
Geplant ist, dass der konzipierte 30-Megawatt-(MW)-Elektrolyseur<br />
in 2023 in Betrieb<br />
geht. Bis zum Ende der fünfjährigen<br />
Projektlaufzeit im Jahr 2025 sollen parallel<br />
dazu auch Machbarkeitsstudien im<br />
Zementwerk Lägerdorf zum sogenannten<br />
Oxyfuel-Verfahren (Verbrennung mit reinem<br />
Sauerstoff) und auch zur Herstellung<br />
von Methanol (CH 3<br />
OH) erstellt werden.<br />
Darüber hinaus will man auch Handlungsempfehlungen<br />
zur raumplanerischen und<br />
systemischen Integration eines schon mittelfristig<br />
anvisierten 700-MW-Elektrolyseurs<br />
erarbeiten.<br />
Wissenschaftliche Begleitung<br />
durch Fachhochschule Westküste<br />
Daran wird sich auch die Fachhochschule<br />
Westküste beteiligen, die im Arbeitspaket<br />
namens „Systemintegration“ mit<br />
ihren Wissenschaftlern herausarbeiten<br />
soll, welche technischen Erkenntnisse aus<br />
dem Betrieb eines 30-MW-Elektrolyseurs<br />
für die nächste Skalierungsstufe eines<br />
700-MW-Industriemodells gewonnen<br />
werden können. „Alle zu erwartenden vielschichtigen<br />
Ergebnisse sammeln wir ein<br />
und werten sie dann aus“, freut sich Prof.<br />
Dr. Michael Berger, Wissenschaftlicher<br />
Leiter des Institutes für die Transformation<br />
des Energiesystems an der Fachhochschule<br />
Westküste.<br />
Aber nicht nur technische Details werden<br />
analysiert, sondern es geht in einem weiteren<br />
Arbeitspaket „Transformation der<br />
Gesellschaft“ auch um sozial-ökonomische<br />
Themen. Es wird unter anderem den<br />
Fragen nachgegangen, welche Auswirkungen<br />
eine solche geplante Großtechnologie<br />
auf die Region hat: Welche CO 2<br />
-Bilanzen<br />
ergeben sich? Welche Gesetze müssen<br />
„Wir wollen zukünftig den bei<br />
der Elektrolyse in Heide als<br />
Nebenprodukt anfallenden<br />
Sauerstoff für unseren Verbrennungsprozess<br />
im Zementofen<br />
nutzen“<br />
Arne Stecher<br />
überdacht beziehungsweise angepasst<br />
werden? Wie sehen Beteiligung und Akzeptanz<br />
der Bürger aus? Welche Impulse<br />
kann das Wasserstoffprojekt für die gesamte<br />
Volkswirtschaft geben? „Das ist thematisch<br />
ziemlich viel Neuland und damit<br />
eine klassische Forschungsaufgabe mit<br />
einem sehr fachübergreifenden Ansatz“,<br />
fügt Berger hinzu, der die beteiligte Hochschule<br />
als „Vertreterin der öffentlichen Interessen<br />
in diesem Projekt“ verortet sieht.<br />
Vorausgesetzt es läuft alles rund und der<br />
30-MW-Elektrolyseur produziert schon in<br />
zwei Jahren den ersten Wasserstoff, ist der<br />
Bau der Mega-Wasserstoffproduktionsanlage<br />
mit 700 MW Leistung im Umfeld der<br />
Raffinerie auf jeden Fall nicht vor 2025 zu<br />
erwarten. Angesichts dieser Perspektive<br />
liegt denn auch der gegenwärtige Hauptfokus<br />
der Raffinerie, so räumt Geschäftsführer<br />
Jürgen Wollschläger ein, „auf<br />
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PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Das Unternehmen Holcim betreibt nur 35 Kilometer von der Raffinerie Heide entfernt, im Ort Lägerdorf, eine große Zementproduktion.<br />
Dort soll per Pipeline der in der Elektrolyse abgetrennte Sauerstoff hin transportiert werden. Der Sauerstoff<br />
wird beim Brennen des Zements eingesetzt. Das beim Brennen entstehende CO 2<br />
soll zur Raffinerie zurückströmen und als<br />
Rohstoff weiterverarbeitet werden.<br />
der Schaffung eines neuen Geschäftsfeldes ergänzend<br />
zum aktuellen rohölverarbeitenden Geschäft.“ Dabei<br />
könnte gerade das Thema „grünsynthetisches“ Methanol<br />
in Zukunft eine noch größere Tragweite erfahren.<br />
An dieser Stelle kommt der Zementhersteller Holcim<br />
ins Spiel.<br />
Das Tochterunternehmen des global agierenden Baustoffkonzerns<br />
LafargeHolcim mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona<br />
in der Schweiz hat nur 35 Kilometer von der<br />
Raffinerie Heide entfernt, im Ort Lägerdorf, eine große<br />
Zementproduktionsstätte. „Wir<br />
wollen zukünftig den bei der<br />
Elektrolyse in Heide als Nebenprodukt<br />
anfallenden Sauerstoff<br />
für unseren Verbrennungsprozess<br />
im Zementofen nutzen“,<br />
erklärt denn auch Arne Stecher,<br />
der seitens der Holcim Deutschland<br />
GmbH für das Projekt Westküste100<br />
verantwortlich ist.<br />
Noch ist allerdings auf dem<br />
Gelände des Zementherstellers<br />
nichts realisiert. Doch lässt Arne<br />
Stecher keinen Zweifel daran,<br />
dass sein Unternehmen es ernst<br />
meint: „Es ist gar nicht mehr<br />
die Frage, ob wir eine dekarbonisierte<br />
Produktion wollen. Es<br />
stellt sich nur noch die Frage,<br />
wann wir so weit sind.“ Technisch<br />
sei der Umbau aus seiner<br />
Sicht möglich und machbar.<br />
Wenngleich der Aufwand dafür<br />
nicht unerheblich sei, blickt<br />
Stecher dennoch optimistisch<br />
nach vorne, „weil das Ganze<br />
bei steigenden Preisen für CO 2<br />
-Emissionen schon in<br />
einigen Jahren wirtschaftlich sein kann.“ Der Projektmanager<br />
rechnet damit, dass der Kipp-Punkt für eine<br />
dekarbonisierte Produktion durch parallel stetig steigende<br />
CO 2<br />
-Preise schon in wenigen Jahren erreicht sein<br />
wird. Rückendeckung bekommen er und das gesamte<br />
Projekt Westküste100 von den jeweiligen Belegschaften.<br />
So haben die Betriebsratsvorsitzenden Norbert<br />
Wagner von Holcim und Claus-Peter Schmidtke von<br />
der Raffinerie Heide in der Vergangenheit sich bei je-<br />
FOTO: JÖRG BÖTHLING<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
der Gelegenheit positiv gegenüber dem nachhaltigen<br />
Umbau geäußert. „Wir sind keine sterbende Industrie<br />
mehr, sondern eine mit 100 Prozent Zukunft“, proklamieren<br />
Wagner und Schmidtke in Publikationen des<br />
Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).<br />
Da bei der energieintensiven Zementherstellung in Lägerdorf<br />
sehr viel Kohlendioxid freigesetzt wird, habe<br />
man im Unternehmen schon lange darüber nachgedacht,<br />
technisch neue Wege zu gehen, offenbart Stecher.<br />
Von daher kommt die Beteiligung am Projekt<br />
Westküste100 genau zum richtigen Zeitpunkt, weil der<br />
bei der Elektrolyse in Heide anfallende Sauerstoff in<br />
Zukunft per Gasleitung nach Lägerdorf transportiert<br />
werden soll.<br />
CO 2<br />
als Grundstoff einsetzen<br />
Im Zementwerk will Holcim dann den puren Sauerstoff<br />
bei der Befeuerung des Zementofens einsetzen. Dies<br />
reduziere die Stickoxidemissionen (NO x<br />
) um rund 60<br />
Prozent, wie Stecher prognostiziert. Darüber hinaus<br />
sollen die im Feuerungsprozess entstehenden CO 2<br />
-<br />
Frachten im geschlossenen System aufgefangen und<br />
über eine Gasleitung nach Heide gepumpt werden.<br />
Dort soll dieses CO 2<br />
mit dem H 2<br />
aus der Elektrolyse zusammengebracht<br />
und zu Methanol (CH 3<br />
OH) verarbeitet<br />
werden. Dieses Methanol ist dann die Basis für die<br />
Produktion von verschiedenen grünen Kraftstoffen oder<br />
auch Rohstoff für die chemische Industrie. „Als ersten<br />
Schritt zu diesem Teilvorhaben fertigen wir gerade<br />
von unserer Seite eine Machbarkeitsstudie an“, erklärt<br />
Stecher. „Wir rechnen mit einer Einsparung von deutlich<br />
mehr als 1 Million Tonnen CO 2<br />
allein am Standort<br />
Lägerdorf, was mehr als 5 Prozent der Emissionen in<br />
Schleswig-Holstein entspricht.“<br />
Das klingt viel. Auf jeden Fall ein Quantum, dass eine<br />
industrielle Verwertung möglich erscheinen lässt. Und<br />
wenn so eine Pipeline schon mal existiert, wer weiß,<br />
dann könnte doch eigentlich das in Biogasanlagen<br />
anfallende Kohlendioxid nach dessen Separation in<br />
solche Kreisläufe integriert werden, oder? Durchaus<br />
denkbar, obgleich dieser Gedanke von den Partnern<br />
des Projektes Westküste100 nicht aufgegriffen wird.<br />
Aber unabhängig davon<br />
weckt die Produktion<br />
von synthetischem Methanol<br />
als alternativem<br />
Kraft- und Rohstoff<br />
grüne Hoffnungen –<br />
und somit würde sich<br />
ein Kreislauf schließen:<br />
Er beginnt mit dem Offshore-Windstrom,<br />
von<br />
Ørsted aus der Nordsee<br />
nach Heide geliefert und<br />
reicht über die Elektrolyse,<br />
die Zerlegung von<br />
H 2<br />
O in Wasserstoff und<br />
Sauerstoff; letzterer landet<br />
in der Ofenlinie des Projekt Westküste100 verantwortlich, sagt: „Es ist gar nicht<br />
Arner Stecher, seitens der Holcim Deutschland GmbH für das<br />
Zementwerkes, dessen mehr die Frage, ob wir eine dekarbonisierte Produktion wollen.<br />
ausgespucktes Kohlendioxid<br />
kehrt nach Heide<br />
Es stellt sich nur noch die Frage, wann wir so weit sind.“<br />
zurück, wo es mit Wasserstoff<br />
verbunden und zu grünem Kraftstoff verarbeitet<br />
in den Tanks von beispielsweise Flugzeugen landet.<br />
„Das ist der eine mögliche Kreislauf. Zusätzlich ist noch<br />
ein weiterer langfristig denkbar“, erklärt Arne Stecher,<br />
„das bei uns anfallende Kohlendioxid könnte auch die<br />
stoffliche Grundlage für die Produktion von Chemikalien<br />
wie ‚grüne‘ Kunststoffe sein. Auch eine Kooperation<br />
mit dem in rund 15 Kilometern entfernt liegenden Chemiepark<br />
in Brunsbüttel ist vorstellbar.“<br />
FOTO: PRIVAT<br />
57
PRAXIS / TITEL BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Die Raffinerie-Anlagen in Heide (Schleswig-Holstein), genauer gesagt in der Ortschaft Hemmingstedt, soll sukzessive zum Produktionsstandort<br />
für Wasserstoff ausgebaut werden. Es ist eines der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Reallabore der Energiewende.<br />
Windstromproduktion<br />
in Schleswig-Holstein:<br />
für das Gelingen der<br />
Energiewende und<br />
für eine künftige<br />
Wasserstoffwirtschaft<br />
muss die Produktion<br />
Erneuerbarer Energien<br />
in allen Formen massiv<br />
ausgebaut werden.<br />
Investitionen in LNG-Infrastruktur sinnlos?<br />
Noch ist es aber nicht so weit, obgleich tatsächlich<br />
auch dem Chemiepark Brunsbüttel bereits vor zwei<br />
Jahren mit einer ersten Elektrolyse-Anlage der bescheidene<br />
Start ins Wasserstoffzeitalter gelang. Der<br />
dort erzeugte Wasserstoff gelangt aber nicht in die Chemie,<br />
sondern bislang entweder in die Tanks der noch<br />
wenigen Wasserstoffautos in der nördlichen Elberegion<br />
oder ins Gasnetz von SH Netz. Ob angesichts dieser<br />
Perspektiven der in den Planungen schon weit fortgeschrittene<br />
LNG-Terminal im Brunsbütteler Hafen, der<br />
aus Übersee fossiles Flüssiggas abnehmen soll und<br />
nach Deutschland importieren würde, aber wirklich<br />
langfristig Sinn macht, ist fraglich.<br />
Aber das ist eine andere Baustelle, kehren wir zurück<br />
zur Westküste100. Wenn die Politik ihre eigenen Ansprüche<br />
wirklich erreichen will und folgerichtig die<br />
Industrie im großen Stil bestenfalls dekarbonisiert werden<br />
soll, dann gelinge dies nur dann, wenn die erneuerbaren<br />
Energien weiter ausgebaut werden, verweist<br />
Holcim-Projektleiter Arne Stecher auf einen wunden<br />
Punkt, wenn nicht sogar auf das Nadelöhr schlechthin.<br />
Aus seiner Sicht gibt es einen enormen Bedarf, den das<br />
jetzige (energetische) Niveau aller Sektoren – Strom,<br />
Wärme, Mobilität und Industrie – in Summe abverlangt.<br />
„Ein Ausbau um den Faktor fünf ist erforderlich,<br />
um den Umbau bis 2050 tatsächlich zu bewältigen“,<br />
sagt Stecher.<br />
Autor<br />
Dierk Jensen<br />
Freier Journalist<br />
Bundesstr. 76 · 20144 Hamburg<br />
040/40 18 68 89<br />
dierk.jensen@gmx.de<br />
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FOTOS: JÖRG BÖTHLING<br />
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PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Grün statt Grau für<br />
eine ganze Region<br />
Im Versuchscontainer des<br />
HYPOS-Projektes „H2-Netz“<br />
wird die wasserstofftauglichkeit<br />
von Bauteilen aus der<br />
Gasinfrastruktur, wie Gaszähler<br />
und Strömungswächter,<br />
überprüft.<br />
Das Konsortium HYPOS will im mitteldeutschen Chemiedreieck die Versorgung<br />
flächendeckend von fossilem Erdgas auf grünen Wasserstoff und Biogas umstellen.<br />
Der hochindustrialisierte Ballungsraum bietet dafür beste Voraussetzungen.<br />
Von Dipl.-Journ. Wolfgang Rudolph<br />
Grüner Wasserstoff, der ohne die Freisetzung<br />
von Treibhausgasen erzeugt wird,<br />
spielt in einem künftigen klimaneutralen<br />
Energiesystem eine Schlüsselrolle. Er bietet<br />
Optionen für die saisonale Speicherung<br />
von Erneuerbarer Energie und ist ein zentrales Medium<br />
für die Sektorenkopplung, aber auch zur Bereitstellung<br />
klimaneutral hergestellter Rohstoffe für die Industrie.<br />
Aus dieser Überzeugung heraus gründete sich bereits<br />
2013 das Konsortium Hydrogen Power Storage & Solutions<br />
East Germany, kurz HYPOS. Es ist ein Zusammenschluss<br />
von 130 überwiegend in Mitteldeutschland<br />
angesiedelten kleinen und mittleren Unternehmen,<br />
Konzernen aus den Bereichen der Grundstoffindustrie<br />
und Energiewirtschaft sowie Forschungseinrichtungen<br />
und Institutionen. Alle gemeinsam verfolgen nach<br />
Aussage von HYPOS-Pressesprecher Florian Thamm<br />
das ehrgeizige Ziel, in dem als mitteldeutsches Chemiedreieck<br />
bezeichneten Ballungsraum um Leuna,<br />
Schkopau und Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eine sektorübergreifende<br />
Wasserstoffwirtschaft zu etablieren.<br />
Biomethan soll auch eine Rolle spielen<br />
Stück für Stück, so sieht es die HYPOS-Roadmap vor,<br />
soll sich in den nächsten zehn Jahren der Erdgasanteil<br />
in den Pipelines der Region verringern und im Gegenzug<br />
die Menge an grünen Gasen zunehmen, bis schließlich<br />
der fossile Energieträger vollständig substituiert<br />
ist. Grüne Gase, das heißt hier vor allem aus erneuerbarem<br />
Strom erzeugter Wasserstoff. Aber auch Biomethan<br />
spielt in dem Vorhaben eine Rolle. Schließlich betreibt<br />
die Leipziger Verbundnetz Gas (VNG) AG – ein HYPOS-<br />
Mitstreiter der ersten Stunde – über ihre Tochter Balance<br />
selbst 36 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung<br />
von 150 Megawatt (MW) und gehört damit zu den größten<br />
Biogasproduzenten in Deutschland. Die jüngste<br />
Inbetriebnahme erfolgte im sächsischen Gordemitz.<br />
Seit Ende Januar <strong>2021</strong> speist die Anlage stündlich bis<br />
zu 700 Normkubikmeter (m³) Biomethan ins Netz der<br />
VNG-Tochter Ontras.<br />
Die Bestrebungen, Wasserstoff marktfähig zu machen,<br />
sind nicht neu. In Deutschland gab es dazu in<br />
den 1970er Jahren, ausgelöst durch die Ölkrisen,<br />
schon einmal konkrete Planungen und eine Reihe von<br />
Forschungsvorhaben. Nun soll es endlich klappen.<br />
„Und HYPOS will dabei ganz vorn mitspielen“, betont<br />
Thamm.<br />
Die dafür gewählte Strategie des Hinübergleitens von<br />
der Erdgas- zur grünen Wasserstoffökonomie basiert<br />
übrigens ebenfalls auf einer schon Mitte der 1980er<br />
FOTOS: MITNETZ GAS/NEWSDOC<br />
60
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
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Auf dem Testgelände im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen erfolgen seit 2019 an ober- und unterirdisch<br />
verlegten Rohrleitungen mit insgesamt 1,4 km Länge Untersuchungen zur Wasserstofftauglichkeit.<br />
Jahre von Wissenschaftlern aus dem Bereich<br />
der technischen Chemie entwickelten<br />
Idee. Damals war sie noch nicht realisierbar.<br />
Jetzt ist die Ausgangslage jedoch<br />
durch die Zielvorgaben zum Klimaschutz<br />
und vor dem Hintergrund der im Juni vergangenen<br />
Jahres vom Bundeskabinett beschlossenen<br />
Nationalen Wasserstoffstrategie<br />
ungleich günstiger.<br />
Viertgrößtes H2-Leitungsnetz der<br />
Welt in der HYPOS-Region<br />
„In der HYPOS-Region kommt noch eine<br />
für den Wechsel zu grünen Gasen geradezu<br />
ideale Infrastruktur hinzu“, ist Thamm<br />
überzeugt. So gebe es hier bereits das mit<br />
einer Gesamtlänge von rund 200 Kilometern<br />
viertgrößte Wasserstoff-Leitungsnetz<br />
der Welt. Die von der Linde AG betriebenen<br />
Haupt- und Nebenstränge der Trasse verbinden<br />
an sechs Standorten Unternehmen,<br />
wie die hochproduktive TOTAL-Raffinerie<br />
in Leuna, bei denen Wasserstoff zum Teil<br />
als Nebenprodukt anfällt, mit industriellen<br />
Verbrauchern.<br />
Diese benötigen für die Herstellung unterschiedlicher<br />
chemischer Grundstoffe<br />
jährlich 3,6 Milliarden (Mrd.) m³ Wasserstoff.<br />
Gut ein Drittel davon ließe sich nach<br />
Berechnungen des HYPOS-Konsortiums<br />
mittelfristig durch die grüne Variante des<br />
Gases ersetzen. Mit einer möglichen Energiebereitstellung<br />
von jährlich 105 Terawattstunden<br />
(TWh) aus Onshore-Windkraft<br />
und 33 TWh aus Photovoltaikanlagen steht<br />
in der Region die dafür benötigte Menge an<br />
erneuerbarem Strom für die elektrolytische<br />
Erzeugung zur Verfügung.<br />
Ein weiteres Plus: Speicherpotenzial –<br />
häufig ein Nadelöhr in der Wasserstoffwirtschaft<br />
– ist in gewaltigem Umfang erschließbar.<br />
Im nur 20 Kilometer von der<br />
Pipeline entfernten Bad Lauchstädt betreibt<br />
die VNG mehrere Salzkavernen als<br />
Erdgasspeicher. Eine der unterirdischen<br />
Hohlräume mit einem Aufnahmevolumen<br />
von 50 Millionen (Mio.) m³ wird gegenwärtig<br />
für den Betrieb mit reinem Wasserstoff<br />
vorbereitet. Diese Kapazität übertrifft die<br />
in Deutschland in Pumpspeicherkraftwerken<br />
gepufferte Energie um etwa das Vierfache.<br />
Parallel dazu erfolgt die Umwidmung<br />
einer Erdgasleitung für den H 2<br />
-Transport<br />
mit einer Kapazität von 100.000 m³ pro<br />
Stunde zum Anschluss an das bestehende<br />
Wasserstoffnetz im Chemiedreieck.<br />
Das klingt leichter, als es sich in der Praxis<br />
darstellt. Neben einem komplizierten<br />
Genehmigungsverfahren sind viele<br />
technische Probleme zu lösen. Denn reines<br />
Erdgas verhält sich anders als reiner<br />
Wasserstoff, der zudem weltweit noch nie<br />
in solchen Mengen in einer Gaskaverne<br />
gespeichert wurde. Das HYPOS-Verbundvorhaben<br />
„H 2<br />
-Forschungskaverne“ beschäftigt<br />
sich daher zunächst mit Fragen<br />
der Gasdynamik, Dichtheit und mikrobiologischen<br />
Beschaffenheit. Daraus entstehen<br />
zugleich Standards für die Nutzung von<br />
Kavernen zur Wasserstoffspeicherung an<br />
anderen Standorten in Deutschland.<br />
Für Wasserstoffökonomie noch<br />
viele Nüsse zu knacken<br />
Doch die Speicherung ist nur ein Aspekt.<br />
„Beim Aufbau einer grünen Wasser-<br />
61<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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„Für das Wasserstoffmolekül<br />
mit dem<br />
kleinsten Atomgewicht<br />
aller Elemente ist letztlich<br />
jeder Werkstoff nur<br />
ein Gitter, das mehr<br />
oder weniger Schlupflöcher<br />
bietet“<br />
Patrick Becker<br />
stoffökonomie sind noch jede Menge Nüsse<br />
zu knacken“, weiß Thamm. Das betreffe<br />
die gesamte Wertschöpfungskette, von der<br />
Erzeugung des Wasserstoffs mittels Wasserelektrolyse<br />
unter Einsatz von Sonnenund<br />
Windstrom oder durch biologische Verfahren<br />
aus Biomasse über die Verteilung<br />
und Speicherung bis zur effizienten Nutzung.<br />
Vieles davon sei Gegenstand der 34<br />
vom Bundesministerium für Bildung und<br />
Forschung mit insgesamt 45 Mio. Euro geförderten<br />
HYPOS-Verbundvorhaben.<br />
Das Vorhaben „H2-Netz“ beschäftigt sich<br />
beispielsweise mit dem Wasserstofftransport<br />
über Rohrleitungen und der Erhöhung<br />
der Versorgungssicherheit durch mobile<br />
Speichereinheiten. „Das Problem sind<br />
die Pipelines, die während des massiven<br />
Ausbaus des Erdgasnetzes in die Erde gebracht<br />
wurden“, erläutert Patrick Becker,<br />
Projektkoordinator bei der Mitteldeutschen<br />
Netzgesellschaft Gas (MITNETZ GAS). Das<br />
Unternehmen betreibt ein Gasverteilnetz<br />
mit einer Gesamtlänge von 7.000 Kilometern<br />
und ist einer der Verbundpartner beim<br />
HYPOS-Projekt „H2-Netz“.<br />
Durch die für Erdgas ausgelegten Netzbereiche,<br />
und das sei immer noch der größere<br />
Teil, dürfe nur Gas mit einem Anteil von<br />
maximal 20 Prozent Wasserstoff geleitet<br />
werden. Die im Zeitraum davor verlegten<br />
Rohre sind dagegen für Stadtgas konzipiert,<br />
das immerhin einen Anteil von 51<br />
Prozent Wasserstoff enthielt. In jüngerer<br />
Zeit wiederum arbeitet MITNETZ GAS mit<br />
Blick auf den Wechsel zur Wasserstoffökonomie<br />
nach dem „H2-Ready“-Standard.<br />
Das heißt, alle Leitungskomponenten und<br />
Armaturen sind zu 100 Prozent wasserstoffverträglich.<br />
Bei den dazwischen gebauten, nicht wasserstoffgeeigneten<br />
Leitungsabschnitten<br />
besteht die Gefahr der Permeation von H 2<br />
.<br />
Die damit bezeichnete Fähigkeit von Gasen,<br />
Festkörper zu durchdringen, ist beim<br />
Wasserstoff besonders ausgeprägt. „Für<br />
das Wasserstoffmolekül mit dem kleinsten<br />
Atomgewicht aller Elemente ist letztlich jeder<br />
Werkstoff nur ein Gitter, das mehr oder<br />
weniger Schlupflöcher bietet“, verbildlicht<br />
Becker den physikalischen Hintergrund.<br />
Verluste ließen sich beim H 2<br />
-Transport<br />
also niemals gänzlich verhindern. Es gehe<br />
vielmehr darum, die Permeationsrate auf<br />
1 bis 2 Prozent zu minimieren und dies<br />
möglichst auch bei Kunststoffrohren, die<br />
sich um etwa ein Drittel kostengünstiger<br />
FOTO: CARMEN RUDOLPH<br />
62
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS / TITEL<br />
Mischen – Fördern –<br />
Zerkleinern<br />
Mit Messzellen wird im HYPOS-Forschungsprojekt<br />
„H2-Netz“ die Permeationsrate (Gasdurchlässigkeit)<br />
unterschiedlicher Mehrschichtwerkstoffe für<br />
Rohrleitungen untersucht.<br />
verlegen lassen als Pipelines aus Stahlwerkstoffen.<br />
Die Lösung sind Mehrschichtverbundrohre<br />
mit einer eingebetteten Aluminiumummantelung.<br />
Im Rahmen des<br />
Forschungsprojektes „H2-Netz“ werden<br />
auf einem Testgelände im Chemiepark<br />
Bitterfeld-Wolfen seit 2019 verschiedene<br />
Ausführungen solcher Leitungen auf ihre<br />
Wasserstofftauglichkeit im Zusammenhang<br />
mit modernen Verlegetechniken wie<br />
Spülbohren oder Erdrakete untersucht. Ergänzend<br />
dazu arbeiten die Projektpartner<br />
an einem mobilen und modular erweiterbaren<br />
Kurzzeitspeicher zur Gasbereitstellung<br />
bei Spitzenlasten. Die kleinste Einheit<br />
der aktuellen Variante speichert 23<br />
Kilogramm Wasserstoff bei 425 bar. Das<br />
entspricht dem Energiegehalt von knapp<br />
70 Liter Benzin.<br />
Forschung für H 2<br />
-Einsatz in<br />
Immobilien<br />
Ein Forschungsbestandteil ist außerdem<br />
die Riechbarmachung des Wasserstoffes<br />
mittels Odorierung. Die dabei eingesetzten<br />
Odoriermittel dürfen sich jedoch nicht negativ<br />
auf Geräte auswirken, die den Energieträger<br />
Wasserstoff in der Haustechnik<br />
oder für die Mobilität nutzen. Daher gibt es<br />
eine Kooperation mit dem HYPOS-Projekt<br />
„H2-Home“. Hier geht es um die Entwicklung<br />
von Systemen zur Bereitstellung von<br />
elektrischer und thermischer Energie für<br />
Mehrfamilienhäuser und Gewerbeeinrichtungen.<br />
Der bisherige Stand kann (nach Corona)<br />
im sogenannten Wasserstoffdorf auf dem<br />
Testgelände Bitterfeld-Wolfen besichtigt<br />
werden. Dabei handelt es sich um ein<br />
Wasserstoff-BHKW auf Basis einer Niedertemperatur-PEM-Brennstoffzelle<br />
mit 5<br />
Kilowatt (kW) elektrischer und 4,7<br />
Ihr Partner für die Energie<br />
der Zukunft<br />
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sowie NETZSCH Zerkleinerungssysteme<br />
reichen vom Mischen über Fördern bis hin<br />
zum Zerkleinern.<br />
FOTOS: MITNETZ GAS , INHOUSE ENGINEERING GMBH<br />
Das von der Firma<br />
inhouse engineering gebaute<br />
Wasserstoff-BHKW<br />
klimatisiert den HYPOS-<br />
Ausstellungspavillon<br />
auf dem Testgelände im<br />
Chemiepark Bitterfeld-<br />
Wolfen. Der elektrische<br />
Wirkungsgrad beträgt<br />
50 %, der Gesamtwirkungsgrad<br />
95 %.<br />
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BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Beim Ausbau des Gasnetzes oder<br />
Reparaturen arbeitet MITNETZ GAS seit<br />
einigen Jahren nach dem „H2-Ready“-<br />
Standard. Das heißt, alle Leitungskomponenten<br />
und Armaturen sind zu 100<br />
Prozent wasserstoffverträglich.<br />
kW thermischer Leistung des Projektpartners inhouse<br />
engineering, das im Zusammenspiel mit einem wasserstoffbasierten<br />
Wärmeerzeugungsmodul mit 14 kW<br />
Wärmeleistung einen Ausstellungspavillon über Heizund<br />
Kühlelemente klimatisiert.<br />
Eher für großtechnische Anwendungen ist die Festoxid-<br />
Brennstoffzelle mit einer Leistung von 180 kWel im<br />
Rahmen des HYPOS-Projekts „rSOC“ konzipiert. Eine<br />
Besonderheit ist die Möglichkeit des Wechsels vom Betriebsmodus<br />
der Wasserstofferzeugung aus Ökostrom<br />
zum Wasserstoffverbrauch für die Strom- und Wärmeproduktion.<br />
Dadurch erreicht die Anlage eine höhere<br />
Auslastung und ist betriebswirtschaftlich attraktiver.<br />
Das am Vorhaben beteiligte<br />
Dresdener Unternehmen Sunfire<br />
produziert aus dem Wasserstoff<br />
synthetische Kraftstoffe (e-Fuel).<br />
„Die meisten der HYPOS-Forschungsprojekte,<br />
die sich neben<br />
technischen Aspekten auch mit<br />
Fragen der Sicherheit, Wirtschaftlichkeit<br />
und der Akzeptanz in der<br />
Bevölkerung beschäftigten, sind<br />
mittlerweile beendet oder stehen<br />
vor dem Abschluss. Die reiche<br />
Ausbeute an wissenschaftlichen<br />
Ergebnissen und praktischen Erfahrungen fließt jetzt<br />
in die zweite, bis 2032 geplante Phase des Aufbaus einer<br />
flächendeckenden grünen Wasserstoffwirtschaft“,<br />
informiert Thamm.<br />
Großelektrolyseure in Reallaboren<br />
Kernelement sei das Projekt „GreenHydroChem Mitteldeutschland“,<br />
das vom BMWi als einer der Gewinner<br />
im Ideenwettbewerb „Reallabor der Energiewende“<br />
ausgewählt wurde. Im Detail umfasst das bis 2024 zu<br />
realisierende Vorhaben den Bau von Großelektrolysen<br />
an den Standorten Leuna mit einer Kapazität von bis zu<br />
100 Megawatt sowie Bad Lauchstädt mit einer Kapazität<br />
von bis zu 40 Megawatt.<br />
In Bad Lauchstädt soll zudem durch Verwendung des<br />
Stroms aus einem angrenzenden Windpark mit 40 MW<br />
Spitzenleistung für den Elektrolyseur und die Einbeziehung<br />
der bereits erwähnten Forschungskaverne sowie<br />
den Transport des Wasserstoffs zu Großabnehmern wie<br />
die Raffinerie Leuna erstmals das Zusammenspiel aller<br />
Komponenten der H 2<br />
-Wertschöpfungskette praktisch<br />
erprobt werden.<br />
Dies wäre nicht weniger als die Generalprobe für die<br />
Sektorenkopplung in einer grünen Wasserstoffökonomie.<br />
Das Brennstoffzellenfahrzeug Opel HydroGen4 fährt mit einer Tankfüllung von 4,2 kg H 2<br />
bis zu 420 km. Eine Befüllung mit vorgekühltem Wasserstoff soll nur 3 Minuten dauern.<br />
Wegen der praktisch emissionsfreien Energieumwandlung ist die Mobilität ein wichtiger<br />
Anwendungsbereich für grüne Gase.<br />
Autor<br />
Dipl.-Journ. Wolfgang Rudolph<br />
Freier Journalist ∙ Rudolph Reportagen – Landwirtschaft,<br />
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64
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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65
PRAXIS / TITEL<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
INTERVIEW<br />
Auf dem Weg zum sauberen<br />
Antrieb im Schwerlastverkehr<br />
Wie sieht der Schwerlastverkehr von morgen aus? Klar ist, dass auch dieser Bereich der Mobilität seinen<br />
Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten muss. Das Potenzial für Biomethan in diesem Sektor ist<br />
vorhanden und wartet nur darauf, genutzt zu werden. Eine intelligente Kombination erneuerbarer Gase<br />
könnte aus einem Mix aus Wasserstoffantrieb, CNG und Bio-LNG bestehen. Wo die Herausforderungen<br />
im Schwerlastverkehr liegen, erläutert in einem Gespräch Raoul Koenig, Head of Bio-LNG Value Chain<br />
Development Europe & Africa, Shell Deutschland Oil GmbH.<br />
Interviewer: Thomas Gaul<br />
Shell-LNG-Zapfsäule.<br />
Biogas Journal: Herr Koenig, wie beurteilt<br />
Shell die Marktentwicklung für LNG beziehungsweise<br />
Bio-LNG?<br />
Raoul Koenig: Aus unserer Sicht entwickelt<br />
sich der Markt für LNG im Güterfernverkehr<br />
sehr gut. Tatsächlich übertreffen<br />
die Mengen, die wir an unseren neuen<br />
Shell-LNG-Stationen verkaufen, unsere<br />
Erwartungen. Das hat zum einen damit zu<br />
tun, dass immer mehr Speditionskunden<br />
einen besseren CO 2<br />
-Fußabdruck in der Logistik<br />
ihrer Waren fordern. LNG ist da derzeit<br />
die einzige verfügbare, ausgereifte und<br />
wirtschaftliche Alternative zu Diesel, die es<br />
Speditionen erlaubt, das Emissionsprofil<br />
ihrer Flotten merklich zu senken.<br />
Wichtig ist zum anderen, dass die Transportunternehmen<br />
dabei wettbewerbsfähig<br />
bleiben. Dafür spielt die Mautbefreiung für<br />
LNG-betriebene Lkw eine wichtige Rolle<br />
und hat geholfen, den Markt in Schwung<br />
zu bringen.<br />
Es gilt jetzt, diesen Schwung nicht zu<br />
verlieren und so das Potenzial für Emissionsverbesserungen<br />
nicht abzuwürgen. Die<br />
drängenden Klimaherausforderungen und<br />
höher gesteckten Klimaziele erfordern,<br />
dass wir alle Register ziehen.<br />
Biogas Journal: Wie weit will Shell in der<br />
Wertschöpfungskette ansetzen – angefangen<br />
beim Biomethan, das dann zu Bio-LNG<br />
verflüssigt wird?<br />
Koenig: Shell arbeitet mit Hochdruck<br />
am Aufbau einer vollständigen Lieferkette<br />
für Bio-LNG. Neben der Beschaffung<br />
von Biomethan im Markt schauen wir uns<br />
auch Optionen für die Produktion von Biomethan<br />
an. Das führt dann weiter über<br />
die Gas-Verflüssigungsanlage, die wir im<br />
Shell Energy and Chemicals Park Rheinland<br />
bauen wollen. Hier stehen wir kurz<br />
vor Fertigstellung der Unterlagen für den<br />
Genehmigungsantrag zum Bau. Wir hoffen<br />
sehr, bis zum Herbst grünes Licht von den<br />
Behörden zu erhalten. In der Anlage wollen<br />
wir dann ab 2023 CO 2<br />
-neutrales LNG<br />
auf Basis von Bio-Methan produzieren, um<br />
unser schnell wachsendes Netz an Shell-<br />
LNG-Tankstellen zu versorgen.<br />
Biogas Journal: Wie könnte eine Zusammenarbeit<br />
mit Biomethanproduzenten<br />
aussehen?<br />
Koenig: Da sind wir relativ offen. Das<br />
reicht von Spot-Käufen, Lieferverträgen<br />
unterschiedlicher Laufzeiten bis hin zu<br />
möglichen Beteiligungen, Joint-Ventures<br />
oder auch der vollständigen Übernahme<br />
oder sogar eigenen Bauprojekten. Das gilt<br />
nicht nur für Biomethan, sondern auch für<br />
verflüssigtes Produkt – also das Bio-LNG.<br />
Wichtig ist, dass es für alle Beteiligten<br />
passt.<br />
Biogas Journal: Welche Pläne gibt es für<br />
den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur,<br />
vor allem Tankstellen?<br />
Koenig: Bis 2023 wollen wir unser LNG-<br />
Tankstellennetz in Deutschland auf 35 bis<br />
40 Stationen ausgebaut haben. Wir machen<br />
trotz der Pandemie große Fortschritte<br />
in unserem Bauprogramm und haben<br />
mittlerweile 12 LNG-Stationen am Netz<br />
und decken damit bereits die wichtigsten<br />
Fernverkehrsrouten ganz gut ab. Bis Ende<br />
dieses Jahres wollen wir weitere 15 Tankstellen<br />
fertigstellen.<br />
FOTOS: SHELL<br />
66
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
INNOVATIVE<br />
EINBRINGTECHNIK<br />
FÜR BIOGAS- UND<br />
RECYCLINGANLAGEN<br />
PRAXIS / TITEL<br />
Biogas Journal: Lassen sich die Investitionen<br />
in diesem Bereich für die nächsten<br />
Jahre beziffern?<br />
Koenig: Die Investitionen sind beträchtlich,<br />
aber haben Sie Verständnis, dass wir<br />
keine Zahlen veröffentlichen.<br />
NEU!<br />
Jetzt auch als BIG-Mix Globe!<br />
Der BIG-Mix im ISO Seecontainer<br />
für den weltweiten Einsatz.<br />
Raoul Koenig<br />
Biogas Journal: Hängt ein weiterer Ausbau<br />
der Infrastruktur von der Zahl der zugelassenen<br />
LNG-Trucks ab?<br />
Koenig: Wir meinen, dass unser Plan bis<br />
2023 eine sehr gute Abdeckung ermöglicht<br />
und der Dynamik der Marktentwicklung<br />
entspricht. Wir sind ja auch nicht die<br />
einzigen, die in LNG investieren, sondern<br />
haben Nachahmer gefunden,<br />
die den Markt bereichern.<br />
BIG-Mix 35 bis 313m³<br />
effektiver Vorschub bei niedrigem<br />
Eigenstromverbrauch<br />
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Biogas Journal: Wie ist die europäische<br />
Perspektive – sind<br />
die Entwicklungen bezüglich<br />
des Markthochlaufs von Bio-<br />
LNG unterschiedlich?<br />
Koenig: Shell strebt an, in den<br />
Ländern, wo wir LNG-Stationen<br />
bauen und eröffnen, in<br />
weiterer Folge ebenfalls Bio-<br />
LNG für die Transportkunden<br />
anzubieten, um die Dekarbonisierung<br />
für dieses Segments<br />
voranzutreiben. Aufgrund lokaler<br />
Gesetzgebungen und auch der Verfügbarkeit<br />
von Bio-LNG ist der Markthochlauf<br />
allerdings unterschiedlich. Wir beobachten<br />
in einigen europäischen Ländern wie<br />
Schweden, den Niederlanden, Deutschland<br />
und Italien erhebliche Bestrebungen,<br />
eine Bio-LNG Produktionsinfrastruktur<br />
aufzubauen. Das ist unbedingt notwendig,<br />
denn ohne Versorgungsausbau wird es<br />
schwierig. Das Gleiche gilt allerdings auch<br />
für die Nachfrageseite, die ganz wesentlich<br />
von der Wettbewerbsfähigkeit abhängt und<br />
vorteilhafte Rahmenbedingungen braucht,<br />
um die höheren Anschaffungskosten für<br />
die Fahrzeuge zu kompensieren.<br />
Ein mit LNG-Kraftstoff betriebener Lkw von Shell,<br />
der Kraftstoffe zu Tankstellen liefert.<br />
Biogas Journal: Welche Hemmnisse sehen<br />
Sie bei der Implementierung von Bio-LNG<br />
im Schwerlastverkehr?<br />
Koenig: Der Verkehrssektor gilt als einer<br />
der schwer zu dekarbonisierenden Sektoren<br />
und steht gleichzeitig für einen beträchtlichen<br />
Anteil an CO 2<br />
-Emissionen.<br />
Lkw repräsentieren knapp 6 Prozent aller<br />
Fahrzeuge auf deutschen Straßen, aber 30<br />
Prozent der gesamten Verkehrsemissionen.<br />
Auf die gesamtdeutschen CO 2<br />
-Emissionen<br />
bezogen macht das knapp 6 Prozent aus.<br />
Daher ist es ungeheuer wichtig, verlässliche<br />
unterstützende Rahmenbedingungen<br />
für LNG und insbesondere Bio-LNG zu<br />
haben, weil damit sehr schnell merkliche<br />
positive Effekte erzielt werden können. Die<br />
finanzielle Förderung der Anschaffung von<br />
LNG-Lkw durch den Bund und die Mautbefreiung<br />
haben zum Marktaufbau beigetragen.<br />
Die Anschaffungsförderung ist allerdings<br />
ausgelaufen und die Mautbefreiung<br />
zeitlich sehr begrenzt. Dadurch herrscht<br />
Unsicherheit in der Transportbranche, ob<br />
die Wettbewerbsfähigkeit über die Investitionszyklen<br />
hinweg gegeben ist.<br />
Praktisch gesprochen: Ein Langstrecken-<br />
Lkw ist nach Neuanschaffung durchschnittlich<br />
etwa vier Jahre im Dienst, bis<br />
er ausgetauscht wird. Wer <strong>2021</strong> einen<br />
LNG-Lkw kauft, der deutlich teurer ist als<br />
ein Dieselmodell, macht sich natürlich Gedanken,<br />
ob er die erhöhten Anschaffungskosten<br />
über die Mautbefreiung noch<br />
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PRAXIS / TITEL<br />
CO 2 -neutraler Kraftstoff für LNG-Lkw<br />
Wie Shell Bio-LNG deutschlandweit auf die Straße bringt<br />
CO 2 -neutraler Kraftstoff für LNG-Lkw<br />
Wie Shell Bio-LNG deutschlandweit auf die Straße bringt<br />
Copyright of of Shell International Deutschland Oil B.V. Oil GmbH<br />
Erdgas<br />
Bio-Methan<br />
Aus Gülle erzeugtes Biomethan wird bilanziell in in der der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie<br />
mit mit -88 -88 gCO 2e/MJ bewertet, da da Methanemissionen vermieden werden.<br />
Copyright of Shell International B.V.<br />
Copyright of Shell Deutschland Oil GmbH<br />
Erdgas<br />
Bio-Methan<br />
Aus Gülle erzeugtes Biomethan wird bilanziell in der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie<br />
mit -88 gCO 2e/MJ bewertet, da Methanemissionen vermieden werden.<br />
Potenzial zur Einsparung<br />
von bis zu jährlich<br />
1 Mio. Tonnen CO 2<br />
Potenzial Shell LNG<br />
im Schwerlastverkehr<br />
zur Einsparung<br />
von bis zu jährlich<br />
1 Mio. Tonnen CO 2<br />
im Schwerlastverkehr<br />
Shell LNG<br />
im Schwerlastverkehr<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
• Bio-Methan-<br />
Produktion/Beschaffung<br />
• Gas-Verflüssigung •• Bio-Methan- in<br />
eigener 100kt-Anlage<br />
Produktion/Beschaffung<br />
• Sukzessive •• Gas-Verflüssigung Umstellung der in in<br />
eigenen Tankwagen-Flotte<br />
eigener 100kt-Anlage<br />
• Expansion •• Sukzessive des dt. Shell Umstellung LNG-<br />
der<br />
Tankstellennetzes eigenen Tankwagen-Flotte<br />
auf<br />
35-40 Stationen<br />
•• Expansion des dt. Shell LNG-<br />
• Umsetzungszeitrahmen<br />
Tankstellennetzes auf<br />
ca. drei Jahre* 35-40 Stationen<br />
*) vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen<br />
•• Umsetzungszeitrahmen<br />
ca. drei Jahre*<br />
*) *) vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen<br />
1<br />
1 1<br />
amortisieren und somit wettbewerbsfähig<br />
bleiben kann. Die entstehende Unsicherheit<br />
können wir uns als Gesellschaft in<br />
Anbetracht der Klimaziele nicht leisten. Es<br />
braucht also praktikable Alternativkonzepte<br />
zur Mautbefreiung. Denkbar wäre zum<br />
Beispiel, einen Anreiz über vergünstigte<br />
Energiesteuer für Bio-LNG zu geben.<br />
Biogas Journal: Welche Bereiche könnten<br />
abgesehen vom Schwerlastverkehr noch<br />
interessant sein?<br />
Koenig: LNG ist auch in der Schifffahrt bislang<br />
die einzige ausgereifte Alternative zu<br />
traditionellen Antriebskonzepten und kann<br />
so heute dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen<br />
zu senken. Im Vergleich zu<br />
Schweröl reduziert LNG von der Extraktion<br />
bis zur Verbrennung die Treibhausgasemissionen<br />
bei 2-Takt-Motoren mit langsamer<br />
Geschwindigkeit um bis zu 21 Prozent und<br />
bei 4-Takt-Motoren mit mittlerer Geschwindigkeit<br />
um bis zu 15 Prozent.<br />
Es kann auch mit Brennstoffzellen verwendet<br />
werden, um die Entwicklung dieser<br />
Schlüsseltechnologie zu unterstützen. Auf<br />
diese Weise kann LNG eine entscheidende<br />
Rolle dabei spielen, dem Sektor zu helfen,<br />
seine Emissionen heute zu senken und<br />
Technologien für die emissionsfreien Kraftstoffe<br />
der Zukunft zu entwickeln.<br />
Shell hat gerade Verträge zum Charter<br />
von zehn neuen Rohöltankern mit Dual-<br />
Fuel-Flüssigerdgasmotoren (LNG) unterzeichnet.<br />
Alle zehn Schiffe werden<br />
mit Hauptmotoren ausgestattet sein, die<br />
geringstmöglichen Methanschlupf und<br />
höchste Kraftstoffeffizienz aufweisen,<br />
einschließlich rund 20 Prozent geringerem<br />
Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu<br />
Eco-Supertankern. Damit investiert Shell<br />
weiterhin deutlich in LNG für seine langfristige<br />
Charterflotte, die bis Ende <strong>2021</strong><br />
bereits 14 Schiffe in Betrieb haben wird.<br />
Die Aufträge werden voraussichtlich die<br />
gesamte globale Dual-Fuel-LNG-Flotte auf<br />
475 Schiffe erhöhen. Dies markiert einen<br />
weiteren wichtigen Schritt in Richtung der<br />
im Shell-LNG-Outlook <strong>2021</strong> prognostizierten<br />
Verdoppelung der mit LNG-betriebenen<br />
Schiffe bis 2023, da die Reeder auf Kundenwünsche<br />
nach den saubersten verfügbaren<br />
Technologien reagieren.<br />
Biogas Journal: Welche Rolle spielen<br />
Bio-LNG beziehungsweise biobasierte<br />
Kraftstoffe bei Shell auf dem Weg zum klimaneutralen<br />
Unternehmen?<br />
Koenig: Bio-LNG und andere Bio-Kraftstoffe<br />
sind ein wichtiger Bestandteil im Kraftstoffmosaik<br />
von Shell, denn es gibt nicht<br />
den einen Königsweg zur Dekarbonisierung<br />
des Transportbereichs. Das hat mit unterschiedlichen<br />
Reifegraden der Technologien,<br />
unterschiedlichen Anforderungen<br />
in den Anwendungsgebieten und unterschiedlichen<br />
Zeitachsen zu tun.<br />
Der Weg zu sauberen Antrieben hat also<br />
mehrere Pfade. Gemein ist ihnen, dass<br />
sie ihren Anfang in Erneuerbaren Energien<br />
nehmen: Wind, Solar und Biomasse. Diese<br />
Energie gilt es sprichwörtlich auf die Straße<br />
zu bringen – entweder als Elektron über<br />
Batterieantrieb mit Strom aus dem Netz<br />
oder der Brennstoffzelle mit Wasserstoff<br />
gefüttert oder als Molekül für die uns vertrauten<br />
Verbrennungsmotoren.<br />
Das sind die Biokraftstoffe der neuen Generation<br />
und auch Bio-LNG. Denkbar sind<br />
perspektivisch eFuels, wo die meisten an<br />
synthetischen Diesel denken. Aber auch<br />
eLNG durchaus eine Option und gegebenenfalls<br />
sogar kostengünstiger sein könnte.<br />
Der Verbrennungsmotor ist also keineswegs<br />
tot: Darin steckt große Energieeffizienz,<br />
vertraute und ausgereifte Technik, Reichweite,<br />
und wir haben wettbewerbsfähige<br />
CO 2<br />
-arme und sogar CO 2<br />
-freie Kraftstoffoptionen.<br />
Die Zeithorizonte sind allerdings<br />
sehr unterschiedlich.<br />
Tatsache ist, dass Biokraftstoffe den bisher<br />
größten Beitrag zur THG-Reduktion im Güterverkehr<br />
leisten. Wir glauben, dass es mit<br />
(co)hydrierten Biokomponenten aus Abfallstoffen<br />
noch besser geht. Der Beitrag von<br />
nachhaltigen Biokraftstoffen sollte auch<br />
durch die Implementierung der RED II in<br />
Deutschland weiter gewürdigt werden.<br />
Biogas Journal: Herr Koenig, vielen Dank<br />
für das Gespräch!<br />
Interviewer<br />
Thomas Gaul<br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
„Biogas rein – grüner<br />
Wasserstoff raus“<br />
Die Firmengruppe WS hat unter ihrer Tochter BtX GmbH einen<br />
Biogas-Reformer entwickelt, um Wasserstoff zu gewinnen. Die<br />
Miniaturisierung des Systems auf Containergröße ist gelungen<br />
und wird in wenigen Wochen erstmals vorgestellt. Von links:<br />
Geschäftsführer Dr. Roland Berger (eflox GmbH), Dr. Andy Gradel<br />
(BtX GmbH) und Dr. Martin Schönfelder (WS-Wärmeprozesstechnik<br />
GmbH) in der Fertigungshalle in Renningen.<br />
Eine lokale Wasserstoff-Wirtschaft an der<br />
Biogasanlage: Der BtX-Reformer einer<br />
schwäbisch-fränkischen Kooperation soll<br />
das möglich machen.<br />
Von Dipl.-Ing. Heinz Wraneschitz<br />
Nein, mit dem aktuellen Hype rund um Grünen<br />
Wasserstoff, mit den zig Millionen,<br />
wenn nicht Milliarden Euro Fördermitteln<br />
von Bund und Ländern hat es nicht direkt<br />
zu tun, was bei der BtX energy GmbH in<br />
Hof/Saale gerade entsteht. Oder besser: Was in Renningen<br />
nahe Stuttgart dieser Tage in zwei Container gepackt<br />
worden ist. Denn eigentlich steht im Zentrum das<br />
System, mit dem das Start-Up-Unternehmen aus dem<br />
Umfeld der Hochschule Hof an den Markt gehen will,<br />
eine Technologie-Komponente, mit der sich die schwäbische<br />
Firma WS Reformer GmbH seit langer Zeit am<br />
Markt behauptet: ein Steam-(Wasserdampf-)Reformer,<br />
der aus Erdgas Wasserstoff (H 2<br />
) gewinnt.<br />
Zwischen Hof in Nordostoberfranken und Renningen<br />
im Kreis Böblingen liegen 344 Autobahnkilometer. Wie<br />
oft Dr.-Ing. Andy Gradel die Strecke in den vergangenen<br />
Jahren hin- und zurückgefahren ist, ist nicht bekannt.<br />
Schon im Rahmen seiner Promotion hat der 30-jährige<br />
gelernte Maschinenbauer und Leitende Ingenieur<br />
am Institut für Wasser- und Energiemanagement der<br />
Hochschule Hof (iwe) eng mit der WS-Gruppe zusammengearbeitet.<br />
Bei BtX haben sich Gradel und seine Industriepartner<br />
aus der WS sogar vertraglich zusammengetan. Der Hofer<br />
Jung-Promovierte sowie die beiden gestandenen<br />
WS-Manager Dr. Martin Schönfelder und Dr.-Ing. Joachim<br />
Wünning führen die Geschäfte der Neugründung<br />
gemeinsam. Zum BtX-Team zählt auch noch Gradels<br />
Hofer iwe-Chef Professor Dr.-Ing. Tobias Plessing.<br />
Zwei Themenfelder haben sie sich ausgesucht, auf<br />
denen sie gute Marktchancen sehen: Zum einen steht<br />
da eine innovative Holzvergaser-Technologie, Gradels<br />
Promotionsthema. „Unser Vergaser basiert auf der<br />
Nutzung der prozesseigenen Holzkohle als Teerfilter.<br />
Dadurch erreichen wir einen deutlich wartungsärmeren<br />
und gleichzeitig flexibleren Betrieb der Anlage<br />
im Vergleich zum derzeitigen Stand der Technik. Das<br />
macht unseren Holzvergaser finanziell attraktiv“, ist er<br />
überzeugt. Doch bis das System marktreif ist, gilt es<br />
daran noch einiges zu erforschen.<br />
System im Container<br />
Der zweite aktuelle Geschäftsbereich von BtX ist die<br />
Reformierung von Biogas zu Wasserstoff (H 2<br />
). Mit einem<br />
Container basierten System sollen Biogasanlagen-<br />
Betreiber eine Alternative zur bisher überwiegenden<br />
Stromerzeugung aus Biogas bekommen. Denn wenn<br />
das Ende der ersten 20 Jahre EEG-Förderung naht, sehen<br />
viele gerade bäuerliche Anlagenbesitzer vor allem<br />
zwei Möglichkeiten: stilllegen oder mit hohem Aufwand<br />
flexibilisieren, also Blockheizkraftwerke zubauen und<br />
den Gasspeicher erweitern, um den Netzbetreibern<br />
kurzfristig höhere Stromleistungen liefern zu können.<br />
FOTOS: HEINZ WRANESCHITZ<br />
70
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Wie funktioniert der<br />
BtX-Reformer als System?<br />
Es klingt wirklich nicht nach Hexenwerk: Das Biogas wird auf<br />
10 bar komprimiert. Dann gelangt es zum Reformer. Das CH 4<br />
wird mit Wasserdampf (400 °C) unter hoher Brenner-Temperatur<br />
(850 °C) mithilfe eines Katalysators in H 2<br />
und CO 2<br />
umgewandelt.<br />
Um das H 2<br />
zum Beispiel an der Zapfsäule nutzen zu können,<br />
muss es nach dem Durchlaufen von 12 Absorberkolonnen auf<br />
350 bar Druck komprimiert und puffergespeichert werden. Das<br />
Restgas – dessen Verwertung ist eine zentrale Stärke des patentierten<br />
FLOX ® -Brenners – wird wieder zum Biogas-Einlass des<br />
Reformers zurückgeführt. Und am Ende des Prozesses steht eine<br />
CO-Analyse: Der Wasserstoff darf weniger als 0,2 ppm davon<br />
enthalten.<br />
Für das Verfahren ist nur wenig Aufbereitung notwendig: Das<br />
Biogas muss vor allem vom enthaltenen Schwefel-Wasserstoff<br />
(H 2<br />
S) befreit werden; das saubere Wasser muss – ähnlich wie<br />
beim Dampfbügeleisen sinnvoll – von Ionen befreit werden.<br />
„Biogas rein – grüner Wasserstoff raus“, fasst Andy Gradel das<br />
Ganze in fünf Worten zusammen.<br />
WRA<br />
Die H 2<br />
-Erzeugung sieht BtX „als eine Lösung für das<br />
Problem“, sagen Gradel, Schönfelder und Dr.-Ing. Roland<br />
Berger unisono. Berger ist Geschäftsführer der e-<br />
flox GmbH: Diese Firma baut vor allem Verbrennungsanlagen<br />
für die Energietechnik. Für die flammenlose<br />
Verbrennungstechnologie (FLOX ® ) bekamen die Erfinder<br />
bei WS im Jahr 2011 den deutschen Umweltpreis<br />
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Heute kümmert<br />
sich die Ausgründung e-flox um Sonderbrennerund<br />
Anlagenherstellung, natürlich ebenfalls am WS-<br />
Standort Renningen.<br />
„Trotz dieser Miniaturisierung<br />
ist der Wirkungsgrad nicht<br />
schlechter als bei den großen<br />
Anlagen“<br />
Martin Schönfelder<br />
Traditionell stellt die WS-Gruppe hauptsächlich energieffiziente<br />
und emissionsarme Gasbrenner für Wärmebehandlungsanlagen<br />
sowie Reformer her, die H 2<br />
aus<br />
dem Energieträger Erdgas gewinnen. Eigentlich ist die<br />
Dampfreformierung vor allem ein großtechnischer Prozess.<br />
Doch dank all der vielfältigen Vorarbeiten und Erfahrungen<br />
sah man sich in Renningen in der Lage, auch<br />
Komponenten herzustellen, die für die Gasmengen in<br />
jener Größenordnung passen, die übliche Biogasanlagen<br />
zum Beispiel am Bauernhof liefern, also für die<br />
400- oder 500-kW el<br />
-Klasse.<br />
„Wir haben den ganzen Prozess in den vergangenen<br />
20 Jahren so skaliert, dass er in zwei Container passt“,<br />
erklärt WS-Geschäftsführer Martin Schönfelder. Kernstück<br />
ist dabei der patentiert FLOX-Brenner, der für<br />
die notwendige Temperatur im Reformer sorgt. „Trotz<br />
dieser Miniaturisierung ist der Wirkungsgrad nicht<br />
schlechter als bei den großen Anlagen“, stellt er ausdrücklich<br />
heraus.<br />
Im Februar <strong>2021</strong> stand einer dieser miniaturisierten Reformer<br />
– er wiegt trotzdem noch über 2,5 Tonnen –<br />
Im Kern des Reformers<br />
steckt der bewährte<br />
FLOX ® -Brenner.<br />
71
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Viel Sicherheits- und Messtechnik ist notwendig.<br />
Gas- und Luftführungsrohre mit Sensorik.<br />
bereit für den Abtransport in der Werkhalle von WS.<br />
Inzwischen wird er mit den notwendigen Nebenanlagen<br />
in zwei 40-Zoll-Container eingebaut, Gesamtgewicht: 6<br />
Tonnen. Nach dem Systemtest auf dem Werksgelände<br />
geht die Anlage in den Feldtest auf eine Biogasanlage.<br />
Wo genau, das wurde noch nicht verraten.<br />
Das fränkische Hof ist nach Renningen und Haiger/Hessen<br />
der dritte Standort der WS-Gruppe. Die beschäftigt<br />
insgesamt etwa 150 Menschen, „nur ein paar davon<br />
sind in Hof“, wie Martin Schönfelder anmerkt. Doch<br />
wenn die Ideen Wirklichkeit werden, die man mit der<br />
Tochter BtX hat – die soll schlüsselfertige Anlagen, gebaut<br />
von e-flox, in unterschiedlichste Projekte integrieren<br />
–, könnten es auch dort schnell mehr werden. Doch<br />
der WS-Mann stellt auch klar: Man werde künftig nicht<br />
nur Komplettanlagen, sondern auch die Komponente<br />
Biogas-Reformer alleine anbieten, beispielsweise für<br />
Systemintegratoren oder Biogasanlagenhersteller.<br />
Lokale Wertschöpfung generieren<br />
„Wir glauben, dass unser System der Einstieg in die lokale<br />
Wertschöpfung mit Grünem Wasserstoff sein könnte.<br />
Denn viele Biogasanlagenbetreiber suchen dringend<br />
eine Möglichkeit, mit ihren Post-EEG-Anlagen raus aus<br />
diesem System zu kommen.“ Die Anlage könne den<br />
Betreibern ein eigenständiges, neues Geschäft ermöglichen:<br />
„Grünen Wasserstoff für die Mobilität und<br />
andere lokale Anwendungen, die regionale Wertschöpfungskette<br />
hat man so selber in der Hand. Und der<br />
Rückhalt in der Bevölkerung ist bei dezentralen Konzepten<br />
eher gegeben. Die Vorteile liegen auf der Hand:<br />
schnelle Verfügbarkeit und verlässliche Produktion bei<br />
Tag und Nacht aufgrund der hohen Volllaststundenzahl<br />
und gleichmäßigen Produktion der Biogasanlage“, sagt<br />
Martin Schönfelder.<br />
Eine Biogasanlage, die bisher ein 400-kW-Blockheizkraftwerk<br />
(BHKW) versorgt habe, könne durch die BtX-<br />
Technik 160 Tonnen H 2<br />
im Jahr produzieren, nennt<br />
Andy Gradel konkrete Energiemengen. Der Umwandlungswirkungsgrad<br />
sei im Übrigen mindestens so gut<br />
wie mit der Elektrolyse: Für die Herstellung von 1 Kilogramm<br />
H 2<br />
sind etwa 50 Kilowattstunden Energie notwendig.<br />
Im Vergleich zur Elektrolyse mit Biogas erzeugtem<br />
Strom bringe die direkte stoffliche Umwandlung im<br />
Dampfreformer etwa eine Verdoppelung der H 2<br />
-Menge.<br />
Ähnlich wie im BHKW bleibt auch bei der Biogas-to-<br />
Hydrogen-Technik zwischen 20 und 30 Prozent Wärme<br />
übrig, die beispielsweise für die Beheizung des Fermenters<br />
oder als Nahwärme genutzt werden kann. Und<br />
weil das Abgas sehr sauber sei, könne das darin enthaltene<br />
CO 2<br />
abgetrennt und zum Beispiel von Landwirten<br />
als Dünger für Gewächshäuser genutzt werden, ergänzt<br />
Gradel.<br />
Die Technik selber „ist nichts revolutionär Neues. Aber<br />
alles muss zusammenpassen und funktionieren“, und<br />
das sei eben dank des langjährigen Erfahrungsschatzes<br />
von WS gelungen, stellt Roland Berger heraus. Der<br />
Preis für ein solches System: 1,5 bis 2,5 Millionen<br />
Euro, je nach Größenklasse. „Das ist zurzeit billiger als<br />
eine Elektrolyse“, ergänzt er. BtX-Forscher Gradel stellt<br />
dazu klar: „Nur die Forschung wird derzeit gefördert,<br />
nicht aber die Anwendung. Kosten und Risiko des Demonstrationsprojekts<br />
stemmen wir selbst.“<br />
Kraftstoff für lokale Flotten<br />
Aber was stellt der Anlagenbetreiber mit dem gewonnenen<br />
Wasserstoff an? Natürlich könne man den als<br />
Druck- oder Flüssig-H 2<br />
umliegenden Unternehmen liefern,<br />
zum Beispiel Chemiefirmen. Aber sehr sinnvoll<br />
sei es beispielsweise, wenn kommunale Grünabfall-<br />
Biogasanlagen ihre Müll-Fahrzeugflotte auf Brennstoffzellenantrieb<br />
umstellen und das H 2<br />
in einer Betriebshoftankstelle<br />
selber nutzen würden. Dasselbe gelte<br />
natürlich für die Landmaschinen von Bauern. Aber<br />
auch die Belieferung öffentlicher H 2<br />
-Tankstellen ist<br />
vorstellbar: „Mit einem Trailer oder Wechselbrücken.<br />
72
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Konventioneller Stahl-Maschinenbau dominiert den Biogas-Reformer.<br />
Es sollte halt nicht zu weit weg sein, denn<br />
genau dann spielt das dezentrale Konzept<br />
seine größte Stärke aus“, so Andy Gradel.<br />
„Ich will die Elektrolyse nicht schlechtreden,<br />
denn langfristig müssen alle Technologiepfade<br />
genutzt werden. Aber wir geben<br />
den Biogasleuten die Chance, auf der Wasserstoffwelle<br />
mitzuschwimmen.“ Irgendwo<br />
hat der Forscher dann doch den aktuellen<br />
H 2<br />
-Hype im Hinterkopf.<br />
Autor<br />
Dipl.-Ing. Heinz Wraneschitz<br />
Feld-am-See-Ring 15a<br />
91452 Wilhermsdorf<br />
0 91 02/31 81 62<br />
heinz.wraneschitz@t-online.de<br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Hamburg: Wasserstoff-<br />
BHKW der 1-MW-Klasse,<br />
das über Kraft-Wärme-<br />
Kopplung eine Siedlung<br />
mit Strom und Wärme<br />
versorgt.<br />
Gasmotor verbrennt<br />
Wasserstoff<br />
Das Großraum-Kino im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld ist zwar wegen Corona schon seit<br />
Wochen geschlossen. Wenn es geöffnet wäre, dann kämen die Kinobesucher seit kurzem in<br />
den Genuss einer besonderen Wärme: Sie wird optional aus grünem Wasserstoff generiert,<br />
der in einem Gasmotor (BHKW) mit einer Leistung von einem Megawatt (MW) zum Einsatz<br />
kommt. Entweder im Erdgas-Wasserstoff-Mischbetrieb oder sogar ganz und gar mit 100<br />
Prozent Wasserstoff.<br />
Von Dierk Jensen<br />
Vor rund zwei Monaten ist der neue „Wasserstoff-Motor“<br />
offiziell in Betrieb gegangen.<br />
Es ist ein Gasmotor der 1-MW-Klasse des<br />
Herstellers INNIO (Jenbacher), der nach<br />
jahrelanger Forschungs- und Entwicklungsarbeit<br />
nun in der Lage ist, mit Wasserstoff, entweder<br />
zu Teilen oder gänzlich, betrieben zu werden. Dafür<br />
mussten die Jenbacher-Techniker um Martin Schneider<br />
wichtige Details verändern. „Diese reichen von speziellen<br />
Wasserstoff-Einspritzventilen über eine eigene<br />
Sensorik zur Optimierung der Motorsteuerung für die<br />
Verbrennung von Wasserstoffgemischen bis hin zur Anpassung<br />
der Kolben und der Aufladung (Turbolader)“,<br />
erklärt Carlos Lange, Vorstandschef von INNIO.<br />
Betreiber des Prototyps in Hamburg-Othmarschen ist<br />
das Energieunternehmen HanseWerk Natur, das sich<br />
FOTOS: JÖRG BÖTHLING<br />
74
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
PRAXIS<br />
Das INNIO Jenbacher<br />
BHKW kann mit Energieträgern<br />
wie Erdgas<br />
oder Wasserstoff (am<br />
besten gewonnen aus<br />
Erneuerbarer Energie)<br />
wahlweise oder in<br />
Mischungen betrieben<br />
werden.<br />
an der Entwicklungsarbeit beteiligt<br />
hat. Es nutzt den umgebauten Motor<br />
wie bisher als Blockheizkraftwerk,<br />
das Wärme fürs Kino und<br />
für das benachbarte Neubaugebiet<br />
bereitstellt. Angeschlossen ans<br />
Erdgasnetz erhielt der Motor früher<br />
nur Erdgas; in Zukunft ist im umgerüsteten,<br />
Wasserstoff kompatiblen<br />
BHKW immer auch der Einsatz von<br />
Wasserstoff möglich.<br />
Wasserstoff wird noch in Gasflaschen<br />
geliefert<br />
Da aber im Hamburger Gasnetz aktuell noch kein Wasserstoff<br />
vorhanden ist, wird der Wasserstoff bisher lediglich<br />
in Gasflaschen durch ein Partnerunternehmen<br />
geliefert. „Hierbei handelt es sich um zertifizierten<br />
‚Grünen Wasserstoff‘, der durch Elektrolyse aus erneuerbarem<br />
Strom hergestellt wurde“, wie HanseWerk-<br />
Pressesprecher Fabian Dahlem versichert. Ob dem<br />
Gasnetz schon in naher Zukunft höhere Anteile an<br />
Wasserstoff beigemengt werden können, hänge davon<br />
ab, so Dahlem weiter, „zu welchen Ergebnissen wir am<br />
Ende kommen und welche Konsequenzen die Politik<br />
daraus zieht.“<br />
Dass die Politik hinsichtlich grünem Wasserstoff lange<br />
gezaudert hat, ist bekannt. Unterdessen hat sich die<br />
HanseWerk Natur im Zuge ihrer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie<br />
das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030<br />
eine CO 2<br />
-Freiheit zu erreichen. Daher lag es nahe, dass<br />
der Versorger zuerst auf bewährte Lieferanten und Systempartner<br />
wie INNIO Jenbacher zugehen würde, um<br />
auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung<br />
voranzukommen.<br />
Doch fällt ein funktionierendes Wasserstoff-BHKW<br />
nicht einfach vom Himmel, sondern braucht Knowhow<br />
und Experimentierzeit, was große Investitionen<br />
verlangt. Dabei seien die Betriebskosten, so Thomas<br />
Baade, Geschäftsführer von HanseWerk Natur, „grundsätzlich<br />
identisch zum Erdgasbetrieb. Jedoch sind die<br />
Brennstoffkosten derzeit – verglichen mit Erdgas –<br />
noch um ein Vielfaches höher.<br />
Projekte derzeit ohne Förderung nicht<br />
wettbewerbsfähig<br />
„Ein erster Hebel, diesen günstiger zu machen, ist die<br />
Umlagebefreiung für die Erzeugung von grünem Wasserstoff<br />
aus überschüssigem Windstrom“, fügt er hinzu,<br />
was ja nun mit der Novelle des EEG auch vollzogen<br />
worden zu sein scheint. Ob sich damit alle Projekte im<br />
Bereich grünem Wasserstoff plötzlich rechnen werden,<br />
darf jedoch bezweifelt werden; so sind auch viele angedachte<br />
Projekte der HanseWerk, wie unter anderen<br />
der Bau eines Elektrolyseurs im Hamburger Hafen in<br />
der Größenordnung von 25 Megawatt Leistung, derzeit<br />
ohne Förderung kaum wettbewerbsfähig.<br />
Allerdings ist die Perspektive doch so, dass bei stetig<br />
steigenden CO 2<br />
-Steuern und einer politisch wohl auch<br />
gewollten Marktdurchdringung die Gestehungskosten<br />
für die grüne Wasserstoffproduktion signifikant fallen<br />
werden. Viele Marktbeobachter erwarten eine ähnliche<br />
Entwicklung, wie sie im Photovoltaikbereich in den vergangenen<br />
Jahren stattgefunden hat. Wenngleich es sicherlich<br />
noch ein paar Jahre dauern wird, bis Wasserstoff<br />
kostenmäßig mit Biomethan wird gleichziehen können.<br />
Zudem ist auch die Frage, wie hoch der Anteil von Wasserstoff<br />
im Erdgasnetz sein darf, von entscheidender<br />
Bedeutung für die Weiterentwicklung der Wasserstoffwirtschaft<br />
beispielsweise auch im Hamburger Stadtgebiet.<br />
Während noch vor einigen Jahren von Experten behauptet<br />
worden ist, dass nur einstellige Prozentanteile<br />
von Wasserstoff im Gasnetz technisch unproblematisch<br />
seien, halten viele Fachleute inzwischen auch zweistellige<br />
Prozentsätze für durchaus technisch möglich und<br />
machbar.<br />
75
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Wasserstoffleitung, die<br />
zum BHKW führt.<br />
„Inwiefern sich Wasserstoffnetze beziehungsweise die<br />
Erhöhung von Wasserstoffanteilen im Gasnetz entwickeln,<br />
hängt aber maßgeblich davon ab, welche politischen<br />
Entscheidungen in den kommenden Jahren<br />
getroffen werden. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang<br />
eine wasserstofffreundliche Entwicklung. Sollten<br />
Anteile entsprechend steigen, haben wir schon wasserstoffaffine<br />
Wärmelösungen in der Schublade“, so<br />
Baade. „Wir selber haben bereits 10 Prozent Wasserstoff<br />
vor einigen Jahren in unserem Gasnetz im nordfriesischen<br />
Klanxbüll problemlos eingesetzt.“ Denkbar<br />
sind aber auch weit höhere Beimischungsgrade, wie<br />
aktuell in einem Forschungsprojekt mit dem Energieunternehmen<br />
Avacon erprobt wird. So können sich die<br />
Verantwortlichen bei HanseWerk durchaus vorstellen,<br />
dass im Hamburger Gasnetz bis zu 20 Volumenprozent<br />
Wasserstoff enthalten sein kann.<br />
Ventile und Dichtungen müssen anders<br />
beschaffen sein<br />
Der neuartig umgerüstete 1-MW-Motor von INNIO könnte<br />
damit auf jeden Fall klarkommen. „Das ist alles machbar“,<br />
sagt Chefentwickler Martin Schneider, „jedoch<br />
müssen die Ventile und die Dichtungen anders<br />
beschaffen sein, um den Einsatz vom Kraftstoff<br />
Wasserstoff im Motor bewältigen zu können.“<br />
Das betrifft die Ansaugleitung genauso wie den<br />
Zylinderkopf. Es müssen letztlich andere Verdichtungsverhältnisse<br />
generiert werden, um eine optimale<br />
Verbrennung zu gewährleisten.<br />
Außerdem brauche es eine andere Steuerungssoftware<br />
im Motor. Ebenso sei auch sicherheitstechnisch<br />
vieles neu zu konzipieren, worauf Henning<br />
Gewecke vom Vertrieb der HansWerk-Gruppe<br />
beim Symposium der IG Biogasmotoren kundtat:<br />
„Wasserstoff ist flüchtig und nicht ganz ungefährlich“.<br />
Während sich jahrelang kaum ein Unternehmen<br />
für Wasserstoff-Motoren interessierte – auch<br />
weil nirgendwo grüner Wasserstoff ausreichend<br />
bereitstand–, kommt bei INNIO mittlerweile fast<br />
wöchentlich eine Anfrage nach einem Wasserstoff-Motor<br />
herein, verrät Martin Schneider.<br />
Vielleicht werden daher viele Gasmotoren, die schon länger<br />
in Betrieb sind, schon bald umgerüstet; dies könne<br />
schneller Realität werden, als bislang vom Hersteller<br />
angenommen worden ist. Daher verweist INNIO-Chef<br />
Lange gerne darauf, dass man im Unternehmen sich<br />
bemühe, „das wasserstofffähige Produktportfolio zu erweitern“.<br />
Tatsächlich hat INNIO (Jenbacher) in der Vergangenheit<br />
schon mehr als 200 MW Spezialgasmotoren,<br />
die mit Anteilen von bis zu 60 Prozent Wasserstoff gefahren<br />
werden, bereitgestellt. So ist die erste Jenbacher-<br />
Pilotanlage im Kilowatt-Bereich mit 100 Prozent Wasserstoff<br />
bereits 2001 in Schleswig-Holstein in Betrieb<br />
genommen worden.<br />
Parallel zum Prototyp des 1-MW-Motors in Othmarschen<br />
läuft ein weiterer Testmotor seit Oktober am Large Engines<br />
Competence Center (LEC) in Graz. Hier handelt es<br />
sich um einen Jenbacher Gasmotor der 2-MW-Klasse,<br />
der vom reinen Erdgasbetrieb auf den Betrieb mit Wasserstoff<br />
und Methanol umgerüstet wird. Und auch für<br />
ein weiteres Innovationsvorhaben ist der Startschuss<br />
bereits gefallen: Im Rahmen des Projekts „Hy2Power<br />
– nachhaltige Energiespeicherung und -umwandlung“<br />
unterstützt INNIO gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen<br />
eines der größten Energieunternehmen<br />
Österreichs bei der Dekarbonisierung seiner Energieerzeugung.<br />
Dafür soll ein Wasserstoffkraftwerk mit einer<br />
Leistung von 1 bis 5 MW an einem bestehenden<br />
Kraftwerksstandort in Mellach/Werndorf konzipiert und<br />
schon bis zum Sommer 2023 realisiert werden.<br />
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Dierk Jensen<br />
Freier Journalist<br />
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76
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Biogas muss ab <strong>2021</strong> nachhaltig<br />
sein – diese Vorgabe macht die neue<br />
Nachhaltigkeitsverordnung!<br />
Auf die Biogasbranche kommen neue Herausforderungen zu – mal wieder. Überraschend<br />
ist es hingegen nicht. Bereits mit der Verabschiedung der sogenannten RED II auf EU-<br />
Ebene Ende 2018 war klar, dass Biogas und Biomethan perspektivisch Nachhaltigkeitsanforderungen<br />
erfüllen müssen. Die nationale Umsetzung dauerte jedoch und ist nach<br />
wie vor nicht abgeschlossen. Ende März tauchten erste Referentenentwürfe aus dem<br />
zuständigen Bundesumweltministerium auf. Im Folgenden werden die wesentlichen<br />
Inhalte vorgestellt.<br />
Hinweis: Da die Abstimmung<br />
innerhalb der<br />
Bundesregierung beim<br />
Druck dieser Ausgabe<br />
noch nicht abgeschlossen<br />
war, können sich noch<br />
Änderungen ergeben<br />
haben.<br />
Von Dr. Stefan Rauh<br />
Das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen<br />
Jahren eine immer größere Bedeutung<br />
erhalten. Bereits im Jahr 2009<br />
wurden in der EU-Richtlinie zur Förderung<br />
Erneuerbarer Energien (RED I) erstmals<br />
bindende Nachhaltigkeitskriterien eingeführt – damals<br />
vor dem Hintergrund einer emotionalen Tank-Teller-<br />
Diskussion. Die RED I legte damals fest, dass Biokraftstoffe<br />
nur gefördert und auf die EU-Ziele angerechnet<br />
werden dürfen, wenn diese einen Nachhaltigkeitsnachweis<br />
erbringen.<br />
Dies mussten die EU-Mitgliedsstaaten in nationales<br />
Recht umsetzen, was Deutschland über die Nachhaltigkeitsverordnungen<br />
im Jahr 2010 erfüllte. Seitdem<br />
gelten verbindliche Vorgaben für Biodiesel, Bioethanol<br />
und Co. Bereits vom damaligen Geltungsbereich erfasst<br />
war Biomethan, wenn es als Kraftstoff verwendet wurde.<br />
Biogas oder Biomethan im Strom- und Wärmebereich<br />
mussten bislang keine Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.<br />
Dies wird sich ändern. Im Dezember 2018 wurde auf<br />
EU-Ebene die Nachfolgerrichtlinie RED II verabschiedet.<br />
Die RED II ist bis zum 30. Juni <strong>2021</strong> in nationales<br />
Recht umzusetzen, während die Vorgänger-Richtlinie<br />
am 1. Juli <strong>2021</strong> außer Kraft gesetzt wird. Die RED II<br />
regelt nicht nur die Nachhaltigkeit (siehe Abbildung),<br />
sondern sie ist die zentrale Basis der EU-Erneuerbare-<br />
Energien-Politik. Unter anderem ist ein verbindliches<br />
Erneuerbare-Energien-Ausbauziel für das Jahr 2030<br />
mit 32 Prozent festgelegt.<br />
Größenschwellen für Strom- und<br />
Wärme-Produzenten<br />
Auf dieses 32-Prozent-Ziel kann nur Energie aus Bioenergie<br />
angerechnet werden, wenn Nachhaltigkeitskriterien<br />
erfüllt sind. Mit der RED II erweitert sich der<br />
Geltungsbereich neu auf die Bereiche Strom, Wärme<br />
Für den schnellen Leser:<br />
ffBis zum 30. Juni <strong>2021</strong> muss die Bunderegierung die Nachhaltigkeitsverordnungen verabschiedet<br />
haben. Erste Entwürfe liegen vor.<br />
ffAlle Biomethananlagen, die Kraftstoff in Verkehr bringen wollen, müssen ab 1. Juli <strong>2021</strong><br />
eine Zertifizierung durchlaufen.<br />
ffAlle EEG-Anlagen – auch Bestandsanlagen! – mit mehr als 2 MW Feuerungswärmeleistung,<br />
die Strom und Wärme vermarkten, müssen grundsätzlich ab 1. Juli <strong>2021</strong> eine<br />
Zertifizierung durchlaufen.<br />
ffDie angedachte Übergangsfrist für EEG-Anlagen geht nur bis zum 30. November <strong>2021</strong>.<br />
ffDie Zertifizierung läuft über extra zugelassene Zertifizierungssysteme (RedCert/SURE).<br />
ffHinsichtlich der genauen Umsetzung sind noch Fragen offen.<br />
ffDer Fachverband Biogas e.V. wird für seine Mitglieder Schulungen anbieten.<br />
und Kälte. Damit ist klar, dass Biogas beziehungsweise<br />
Biomethan in allen Anwendungsbereichen betroffen<br />
ist. Während jeglicher Kraftstoff nachhaltig sein muss,<br />
sieht die RED II für Anlagen, die Strom und Wärme<br />
erzeugen, Größenschwellen vor.<br />
Biogasanlagen unter einer Gesamtfeuerungswärmeleistung<br />
von 2 Megawatt (MW) sollen auch weiterhin<br />
keine Nachhaltigkeitskriterien erfüllen müssen. Alle<br />
Anlagen – auch Bestandsanlagen! – oberhalb des<br />
2-MW-Grenzwertes müssen sich ab 1. Juli <strong>2021</strong> mit<br />
einer Nachhaltigkeitszertifizierung auseinandersetzen<br />
und prüfen, welche Maßnahmen sie ergreifen müssen.<br />
Bis zu diesem Datum muss Deutschland die Umsetzung<br />
in nationales Recht vollzogen haben.<br />
Hierzu werden aktuell mehrere Gesetze [unter anderem<br />
das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)] und<br />
Verordnungen [unter anderem die 38. Bundes-Immissionsschutzverordnung<br />
(BImSchV)] überarbeitet. Für<br />
den Bereich Nachhaltigkeit sind das die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung<br />
(BioSt-NachV)<br />
77
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Die RED II regelt nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern sie ist die<br />
zentrale Basis der EU-Erneuerbare-Energien-Politik<br />
Regelt EE-Ziele<br />
Regelt Fördersysteme<br />
RED II<br />
Regelt Nachhaltigkeit<br />
Regelt THG-<br />
Berechnungsmethodik<br />
Gibt Standard- und<br />
Teilstandardwerte vor<br />
und die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Bio-<br />
Kraft-NachV). Wie eingangs bereits erwähnt, verläuft<br />
die Umsetzung schleppend und trotz des nahenden 1.<br />
Juli <strong>2021</strong> gab es erst Ende März einen ersten Entwurf<br />
aus dem zuständigen Umweltministerium. Da noch<br />
das parlamentarische Verfahren folgt, bleibt eine extrem<br />
kurze Umsetzungsfrist für die Betroffenen in der<br />
Biogasbranche.<br />
Biomethanerzeuger sind betroffen<br />
Insgesamt bleibt der Entwurf sehr nahe an den Vorgaben<br />
der EU-Richtlinie – es ist eine 1:1-Umsetzung<br />
vorgesehen. Damit ist klar, wer die neuen Vorgaben<br />
umzusetzen hat. Der Anwendungsbereich der Verordnungen<br />
erfasst alle Biomethananlagen, die Kraftstoff<br />
in den Verkehr bringen und auf die Treibhausgasquote<br />
anrechnen lassen wollen. Anlagen im EEG müssen die<br />
Verordnung beachten, wenn sie größer als 2 Megawatt<br />
Feuerungswärmleistung aufweisen. Entscheidend ist<br />
damit nicht die installierte elektrische Leistung oder<br />
die Bemessungsleistung. Laut einer Untersuchung des<br />
DBFZ betrifft das 1.500 bis 1.800 Biogasanlagen und<br />
220 bis 245 Biomethanlagen.<br />
Der Entwurf macht zudem klar, dass Betreiber an einem<br />
Nachhaltigkeitsnachweis zukünftig nicht vorbeikommen<br />
werden. So ist geregelt, dass ein Vergütungsanspruch<br />
nur gegeben ist, wenn für die eingesetzte<br />
Biomasse die entsprechenden Vorgaben aus der Nachhaltigkeitsverordnung<br />
erfüllt sind.<br />
Es gibt dabei Vorgaben zur Biomasseherkunft. Biomasse<br />
darf nicht von folgenden Flächen stammen:<br />
ffFlächen mit hoher biologischer Vielfalt (bewaldete<br />
Gebiete, Naturschutzzwecken dienende Flächen,<br />
Grünland mit großer biologischer Vielfalt),<br />
ffFlächen mit hohem Kohlenstoffbestand (Feuchtgebiete,<br />
Wälder),<br />
ffTorfmooren.<br />
In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass der Flächenstatus<br />
zum 1. August 2008 entscheidend ist.<br />
Wurde beispielsweise ein Wald abgeholzt und ist nun<br />
Ackerland, wäre die dort angebaute Biomasse nicht<br />
nachhaltig. Bei dem genannten Grünland mit hoher<br />
biologischer Vielfalt ist wichtig zu wissen, dass das in<br />
Deutschland genutzte Grünland in der Regel keine große<br />
biologische Vielfalt nach der Definition aufweist und<br />
der Aufwuchs natürlich genutzt werden darf.<br />
Problematisch ist allerdings, wenn Grünland umgebrochen<br />
wurde und nun nachträglich zu klären ist, ob<br />
dieses eine große Vielfalt aufgewiesen hat. Vor diesem<br />
Hintergrund ist der Einsatz von Biomasse von Umbruchsflächen<br />
immer kritisch zu betrachten. Dies gilt<br />
auch für den Anbau von Raps für Biodiesel oder Getreide<br />
beziehungsweise Zuckerrüben für Ethanol auf<br />
umgebrochenen Flächen.<br />
Der Aufwuchs von Naturschutzflächen darf jedoch genutzt<br />
werden, wenn es dem Naturschutzzweck nicht<br />
entgegensteht. Genauso darf der Aufwuchs von Torfmooren<br />
genutzt werden, wenn damit keine Entwässerung<br />
einhergeht. Sogenannte Paludikulturen wären<br />
demnach nachhaltig in Biogasanlagen einsetzbar. Noch<br />
zu klären ist, ob der Aufwuchs auf bereits entwässerten<br />
Moorstandorten zulässig ist, wie es beispielsweise in<br />
weiten Teilen Niedersachsens der Fall ist.<br />
Werden keine nachwachsenden Rohstoffe eingesetzt,<br />
sondern Abfälle und Reststoffe der Landwirtschaft<br />
(zum Beispiel Stroh), muss belegt werden, dass keine<br />
Beeinträchtigung der Bodenqualität und des Kohlenstoffbestandes<br />
vorliegt.<br />
Treibhausgasminderung: geforderte<br />
Mindesteinsparung<br />
Der zweite wesentliche Aspekt, neben der Biomasseherkunft,<br />
ist der Nachweis einer Treibhausgasminderung.<br />
Die Höhe, die die Minderung erreichen muss, hängt vom<br />
Verwendungszweck (Strom/Wärme beziehungsweise<br />
Kraftstoff) und dem Inbetriebnahmedatum ab.<br />
Im Strombereich beträgt die Mindesteinsparung<br />
ff70 Prozent in Anlagen, die ab 1. Januar <strong>2021</strong><br />
in Betrieb genommen wurden,<br />
ff80 Prozent in Anlagen, die ab 1. Januar 2026<br />
in Betrieb genommen wurden.<br />
Im Kraftstoffbereich beträgt die Mindesteinsparung<br />
ff50 Prozent in Anlagen, die vor Oktober 2015<br />
in Betrieb genommen wurden,<br />
ff60 Prozent in Anlagen, die nach Oktober 2015<br />
in Betrieb genommen wurden,<br />
ff65 Prozent in Anlagen, die ab 1. Januar <strong>2021</strong><br />
in Betrieb genommen wurden.<br />
Im Strombereich müssen entsprechend „nur“ neue<br />
Anlagen über 2 Megawatt Feuerungswärmeleistung<br />
eine Treibhausgasminderung nachweisen und eine<br />
Treibhausgasbilanz für ihre Anlage erstellen. Offen ist<br />
noch, wie mit Anlagen in der Anschlussvergütung umgegangen<br />
wird.<br />
78
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Das „Projekt ZertGas“<br />
Nur zugelassene Zertifizierungssysteme<br />
werden akzeptiert<br />
Die Nachweisführung kann nur über zugelassene Zertifizierungssysteme<br />
erfolgen, die dafür extra Auditoren<br />
schulen. Für Biogas-/Biomethananlagen sind RedCert<br />
und SURE die wichtigsten Zertifizierungssysteme. Beide<br />
Gesellschaften wurden aus der betroffenen Branche<br />
heraus gegründet und sind entsprechend im Austausch<br />
mit den betroffenen Strukturen. Ziel ist eine praxisgerechte<br />
Zertifizierung. Biogasanlagen müssen sich dann<br />
an die zugelassenen Auditoren wenden, die die Einhaltung<br />
der Anforderungen prüfen und bestätigen.<br />
Am Ende des Zertifizierungsprozesses steht dann ein<br />
Nachhaltigkeitsnachweis, der via Datenbank an die<br />
Netzbetreiber beziehungsweise die Biokraftstoffquotenstelle<br />
übermittelt wird. Die zuständige Behörde für<br />
die Nachweisführung ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft<br />
und Ernährung (BLE), die die Datenbank<br />
Nabisy betreibt.<br />
Grundsätzlich wird die Verordnung wohl am 1. Juli<br />
<strong>2021</strong> in Kraft treten und wird für den Kraftstoffbereich<br />
direkt greifen. Für EEG-Anlagen ist eine Übergangsfrist<br />
bis Ende November vorgesehen – angesichts der großen<br />
Zahl an zu zertifizierenden Anlagen ist der Zeitraum viel<br />
zu kurz!<br />
Der Fachverband Biogas e.V. bearbeitet gemeinsam mit dem Deutschen<br />
Biomasseforschungszentrum (DBFZ) das Projekt ZertGas.<br />
Darin soll die Umsetzung der Treibhausgasberechnung auf zehn<br />
Praxisbetrieben getestet werden.<br />
Das negative Zwischenergebnis: Es gibt viele offene Fragen und<br />
einen hohen Aufwand für Betreiber von NawaRo-Anlagen aufgrund<br />
fehlender Standardwerte. Die Projektträger werden deshalb in Stakeholderworkshops<br />
Erleichterungen anmahnen.<br />
Das positive Zwischenergebnis: Die ersten Ergebnisse ergeben<br />
eine ausreichend hohe Treibhausgasminderung bei den Testbetrieben,<br />
um die Nachhaltigkeitsanforderung zu erfüllen. In den<br />
meisten Fällen wird die Mindesteinsparung locker unterschritten<br />
aufgrund der zum Teil hohen Gülleanteile. Ein Ergebnis des Projekts<br />
ist ein Excelrechner, der der Praxis zur Verfügung gestellt<br />
werden soll.<br />
Autor<br />
Dr. Stefan Rauh<br />
Geschäftsführer<br />
Fachverband Biogas e.V.<br />
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BI<br />
GAS Journal<br />
79
PRAXIS<br />
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Unter einem Separator<br />
türmen sich teilweise<br />
imposante Kegel auf.<br />
Reduzierung der<br />
Gärrückstände –<br />
separieren oder<br />
intensivieren?<br />
Eine Biogasanlage muss vom Gärrückstand aus<br />
geplant und betrachtet werden. Wohin mit den<br />
Gärresten bei schwierig abbaubaren Substraten, bei<br />
Erweiterung der Anlage und damit erhöhtem Gärrestanfall<br />
und vor dem Hintergrund verschärfter rechtlicher<br />
und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen?<br />
Von Dipl.-Ing., M.Sc. Dorothea Telschow-Gohlke<br />
und Dipl.-Biol. Sara Gatz<br />
Die Separation von Gärrückständen kann aus<br />
vielen Gründen richtig und wichtig sein:<br />
Ausbringtechnik für krümelige,<br />
abgepresste Gärrückstände vorhanden<br />
Reduzierung des Transportvolumens<br />
durch Abtrennung der Flüssigphase<br />
ffVorstufe für die nachfolgende Gärresttrocknung<br />
ffAusschleusung von Stickstoff zur Einhaltung der<br />
verschärften Anforderungen der am 01.05.2020 in<br />
Kraft getretenen Düngeverordnung DüV<br />
ffReduzierung des Gärrestvolumens, um die von<br />
sechs auf neun Monate erhöhte erforderliche Lagerkapazität<br />
einhalten zu können<br />
ffEntfernung von Trockensubstanz aus der benötigten<br />
Flüssigphase in Anlagen mit Trockenfermentations-Bonus<br />
ffAbtrennung von Trockensubstanz, um den hohen<br />
und problematischen Trockensubstanz-Gehalt im<br />
Fermenter zu verringern<br />
ffFreude an technischen Lösungen<br />
ffAufbereitung der Substrate (mechanische<br />
Verfahren, Ultraschall-, Hochspannungs- und<br />
Kavitationsverfahren)<br />
ffErhöhung der Temperatur, falls möglich<br />
ffVerbesserung der Durchmischung im Fermenter<br />
ffStoffwechselanregung der unterschiedlichen<br />
Bakterienarten durch Enzyme, Botenstoffe und<br />
Spurennährstoffe<br />
ffBindung von toxischen Stoffen durch Entschwefelungsmittel<br />
und Stickstoffbinder<br />
Die Zielgröße im Biogasprozess besteht in der möglichst<br />
vollständigen Umwandlung der zugeführten organischen<br />
Trockensubstanz (oTS) zu Biogas, wie das<br />
nachfolgende Schaubild verdeutlichen soll.<br />
Bild 1: Massenströme bei nicht effizienter und bei<br />
effizienter Umwandlung der Organik zu Biogas<br />
Wir wollen die Überlegung zur Diskussion stellen, ob es<br />
sinnvoller wäre, bereits im Fermenter den biologischen<br />
Abbau der Organik zu verbessern, anstatt das nicht abgebaute<br />
organische Material aus dem nachgeordneten<br />
Gärrückstandslager mechanisch abzutrennen.<br />
Bekannte und bereits vielfach in Biogasanlagen angewandte<br />
Methoden zur Verbesserung des Substratabbaus<br />
im Fermenter sind:<br />
Input oTS<br />
Input oTS<br />
Biogasanlage<br />
Biogasanlage<br />
Biogas<br />
Output oTS<br />
Biogas….<br />
Output oTS<br />
FOTOS / GRAFIKEN: BIOGAS - ADDITIVE<br />
80
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Wer ist für den biologischen Abbau<br />
der Substrate und die Umwandlung<br />
von organischen Stoffen zu Biogas<br />
verantwortlich?<br />
An dieser Stelle soll der Fokus von den technischen<br />
Rahmenbedingungen in einer Biogasanlage auf die<br />
nicht sichtbaren und „im Verborgenen arbeitenden<br />
Mitarbeiter“, die Bakterien, gelenkt werden.<br />
Bei der anaeroben Umwandlung organischer Sub -<br />
strate zu Biogas finden komplexe biologische Vorgänge<br />
statt, an denen eine Vielzahl unterschiedlichster<br />
Bakterien beteiligt sind. Sowohl die aufeinander<br />
abgestimmten und in Wechselwirkung stehenden<br />
Stoffwechselprodukte als auch die am Prozess beteiligten<br />
Bakterienarten sind nicht vollständig bekannt<br />
und ein Thema für die weitere Grundlagenforschung.<br />
Auch die als Methanbakterien bezeichneten Bakterien<br />
stellen keine einheitliche Gruppe dar.<br />
Prinzipiell führen zwei Wege zur Bildung von Methan:<br />
der acetoklastische Weg über die organischen<br />
Säuren und der hydrogenotrophe Weg über den Wasserstoff.<br />
Bild 2: Fluoreszenzmikroskopische Aufnahmen von<br />
verschiedenen Methanbakterien-Populationen<br />
FermWell ® Enzyme<br />
FermWell ® Basizym (Basisprodukt)<br />
ist besonders geeignet für Anlagen, die überwiegend oder<br />
ausschließlich Energiepflanzen (z. B. Maissilage, Grassilage,<br />
GPS) einsetzen. Geringere Viskosität, dadurch bessere<br />
Rühr- und Pumpfähigkeit des Substrats. Das Risiko der<br />
Schwimmschichtbildung in Ihrer NawaRo-Anlage ist<br />
vermindert. Bessere Verwertung der eingesetzten Substrate.<br />
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konstante Leistung Ihrer Anlage. Es beugt der Bildung<br />
von Schwimmschichten vor, sorgt für eine verbesserte Rührfähigkeit<br />
und einem erhöhten Gasaustrieb. Es sorgt für Konstanz<br />
in der Biologie und sichert so die Leistung Ihrer Anlage.<br />
Auch geeignet bei Silagewechsel vom Mais zu Gras.<br />
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Leistungsfähige Population unterschiedlichster Methanbakterien:<br />
acetoklastische und hydrogenotrophe Methanbakterien.<br />
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Ausdünnung der Population bei Übersäuerung: überwiegend<br />
hydrogenotrophe Methanbakterien (Fluoreszenzmikroskopie:<br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Wie vermehren sich Bakterien und was<br />
treibt sie an?<br />
Bakterien vermehren sich asexuell durch Zellteilung, der<br />
Anreiz für die Zellteilung besteht in der Vergrößerung der<br />
Population. Die Verfügbarkeiten von Zellwand gängiger<br />
Nahrung (einfache Moleküle wie Zucker, Aminosäuren,<br />
Fettsäuren u.a.) und von Spurennährstoffen (Nickel, Cobalt,<br />
Selen, Molybdän, Mangan, Eisen, Zink, Kupfer u.a.)<br />
sind die Voraussetzung und zugleich der limitierende Faktor<br />
für das exponentielle Wachstum der Bakterienpopulation.<br />
Die Geschwindigkeit der Zellteilung ist bei den verschiedenen<br />
am Biogasprozess beteiligten Bakterienarten extrem<br />
unterschiedlich. Während sich hydrolytische Bakterien<br />
bereits innerhalb von zwanzig Minuten teilen können, gelingt<br />
dies den verschiedenen Methanbakterien-Arten erst<br />
innerhalb von einigen Tagen (Methanosarcina-Bakterien)<br />
oder in noch größeren Zeiträumen von bis zu zwei Wochen<br />
(Archaeen).<br />
Bild 3: Schema des exponentiellen Wachstums einer Bakterienpopulation<br />
durch Zellteilung<br />
EXPONENTIELLES WACHSTUM VON BAKTERIEN<br />
ANZAHL DER BAKTERIEN<br />
1100<br />
1000<br />
900<br />
800<br />
1024<br />
Bild 4: Durchschnittliche Zusammensetzung von<br />
Maissilage bezogen auf die Trockensubstanz<br />
3,0% Fett<br />
8,0% Protein<br />
1,0% Zucker<br />
4,0% Reststoffe<br />
28% Cellulose<br />
700<br />
600<br />
500<br />
512<br />
400<br />
300<br />
200<br />
256<br />
100<br />
0<br />
128<br />
64<br />
1 2 4 8 16<br />
32<br />
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10<br />
ANZAHL DER TEILUNGEN<br />
28,0% Stärke<br />
3,0% Lignin 25% Hemicellulose<br />
Welche Substrate wer den in Biogas anlagen<br />
eingesetzt und woraus bestehen sie?<br />
In Biogasanlagen werden neben Wirtschaftsdüngern<br />
(Gülle, Mist und HTK) überwiegend Silagen, Getreideschrot<br />
und Zuckerrüben eingesetzt. Maissilage ist das<br />
am häufigsten in Biogasanlagen verwendete pflanzliche<br />
Substrat.<br />
In Bild 4 wird ersichtlich, dass auch bei der gut vergärbaren<br />
Maissilage etwa die Hälfte der Trockensubstanz<br />
aus den Polysacchariden (Mehrfachzuckern) Cellulose<br />
und Hemicellulose besteht (im Weiteren als Cellulose<br />
zusammengefasst). Die Cellulose ist der Hauptbestandteil<br />
aller pflanzlichen Zellwände und damit die<br />
häufigste organische Verbindung auf der Erde.<br />
Leider ist der Abbau von Cellulose für die anaeroben<br />
Bakterien eine Herausforderung, da es sich um sehr<br />
große und komplexe Molekülketten handelt, die um ein<br />
Vielfaches größer sind als die Bakterien selbst. Im Biogasprozess<br />
müssen die Substratbestandteile, die die<br />
Pflanzen während ihres Wachstums mittels Photosynthese<br />
gebildet haben, durch anaerobe Bakterien wieder<br />
in einfache Bausteine zerlegt werden, um sie für die am<br />
Biogasprozess beteiligten Bakterien biologisch verfügbar<br />
zu machen.<br />
Lignin als Bestandteil des Lignocellulose-Strukturgerüstes<br />
der Pflanzen ist ein natürliches Polymer mit<br />
ringförmigen Strukturen, das für Bakterien sehr schwer<br />
abbaubar ist. Anaerob kann Lignin nicht abgebaut werden,<br />
ist mengenmäßig aber auch nur geringfügig in den<br />
Substraten enthalten.<br />
Zucker, Stärke, Proteine und Fett werden dagegen sehr<br />
schnell von den Bakterien verstoffwechselt.<br />
82
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
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83
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Wie erfolgt der anaerobe Abbau von<br />
Cellulose?<br />
Cellulose besteht aus mehreren hunderten bis zehntausenden<br />
Zuckermolekülen, die miteinander durch<br />
Sauerstoffbrücken verbunden sind und große Molekülketten<br />
bilden.<br />
Der Ersatz dieser Sauerstoffbrücken durch ein Wasser-Molekül<br />
unter Bildung von OH-Gruppen ist das eigentliche<br />
Wesen der Hydrolyse. Hydrolyse (griechisch)<br />
bedeutet wörtlich: Auflösung mit oder durch Wasser.<br />
Ohne die katalytische Wirkung der entsprechenden<br />
Cellulose spaltenden Enzyme (Cellulasen, Xylanasen,<br />
ß-Glucanasen u.a.) findet diese Reaktion jedoch nicht<br />
statt. Die Cellulose selbst ist nicht wasserlöslich.<br />
Entscheidend für den Cellulose-Abbau ist demzufolge<br />
die Menge und Aktivität hydrolytisch wirkender Enzyme,<br />
die die Zuckermoleküle aus dem Cellulose-Verbund herauslösen<br />
und für die Bakterien zur weiteren Umwandlung<br />
zu Biogas verfügbar machen (siehe Bild 5).<br />
Die hydrolytisch wirkenden, Cellulose-spaltenden<br />
Enzyme werden von den Biogas-Bakterien selbst produziert.<br />
Mit der Zugabe zusätzlicher Cellulose-spaltender<br />
Enzyme kann der Cellulose-Abbau erheblich<br />
beschleunigt und verbessert werden. Durch die Auflösung<br />
der Cellulose-Molekülketten wird die Zellwandstruktur<br />
der Substrate zerstört. Dies äußert sich in<br />
optisch sichtbaren Veränderungen (Verbesserung des<br />
Fließverhaltens und der Homogenität).<br />
Bild 5: Hydrolytische Bakterien bei der Arbeit: Aufspaltung von Cellulose zu Zucker<br />
Bild 6: Schematische Darstellung des anaeroben<br />
Cellulose-Abbaus zu Biogas<br />
(C 6 H 10 O 5 )n ) n = Cellulose<br />
C 6 H 12 O 6 = Zucker<br />
+H + H 2 O<br />
+ hydrolytische Enzyme<br />
3 (CH 3 COOH) = Essigsäure…<br />
+ Methanbakterien<br />
3 (CH 4 +CO 2 ) = Biogas…….<br />
84
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85
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Veranschaulichung der Wirkung von Cellulose spaltenden Enzymen<br />
Um die Wirkung von Cellulose spaltenden Enzymen<br />
sichtbar zu machen, wurden einfache Versuche mit<br />
Cellulosehaltigen Stoffen (Haushaltzellstoff) sowie mit<br />
den in Biogasanlagen häufig verwendeten Sub straten<br />
Maissilage und Stroh, das üblicherweise in Form von<br />
Rinder- oder Pferdemist zugegeben wird, im wässrigen<br />
Milieu durchgeführt. Es handelte sich hierbei nicht um<br />
Gärversuche. Um unerwünschte Abbauvorgänge durch<br />
Bakterien und andere Mikroorganismen auszuschließen,<br />
wurden die Substrate vor dem Versuchsansatz mit<br />
kochendem Wasser hygienisiert.<br />
Als Cellulose spaltendes Enzympräparat wurde das<br />
flüssige Enzymprodukt ZYmaXX ® 365 verwendet. Der<br />
Versuchszeitraum betrug bei allen Versuchen 5 Wochen,<br />
die Temperatur lag bei 33°C.<br />
Wie in allen Beispielen deutlich zu erkennen ist, führt<br />
die Zugabe von Cellulose spaltenden Enzymen bereits<br />
in dieser einfachen Versuchsanordnung zu einem deutlichen<br />
Abbau der Struktur. Haushaltzellstoff wurde<br />
nahezu vollständig abgebaut. Auch die Färbung der<br />
Flüssigkeit lässt erkennen, dass chemische Lösungsprozesse<br />
stattgefunden haben müssen. In der Nullprobe<br />
ohne Enzymzusatz fanden dagegen keine sichtbaren<br />
Abbauvorgänge statt. Diese Versuche bestätigen, dass<br />
ohne Cellulose spaltende Enzyme kein Cellulose-Abbau<br />
erfolgt.<br />
Diese sehr eindeutigen Versuchsergebnisse lassen außerdem<br />
die berechtigte Vermutung zu, dass durch die<br />
zusätzliche Zugabe von Enzymen die Abbauvorgänge in<br />
einer Biogasanlage deutlich intensiviert werden können.<br />
Bild 7: Abbau von Haushaltzellstoff im wässrigen Milieu durch Cellulose spaltende Enzyme<br />
Rechtes Glas: Nullversuch ohne Cellulose spaltende Enzyme<br />
Bild 8: Abbau von Maissilage im wässrigen Milieu durch Cellulose spaltende Enzyme<br />
Rechtes Glas: Nullversuch ohne Cellulose spaltende Enzyme<br />
Bild 9: Abbau von Stroh im wässrigen Milieu durch Cellulose spaltende Enzyme<br />
Rechtes Glas: Nullversuch ohne Cellulose spaltende Enzyme<br />
86
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
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Praxisbeispiele zum verbesserten<br />
Trockensubstanz-Abbau durch Zugabe<br />
von Cellulose spaltenden Enzymen<br />
Da der Wassergehalt in der Frischmasse (Einwaage<br />
der Substrate) je nach Erntezeitpunkt,<br />
Lagerung und Witterung ganz erheblichen<br />
Schwankungen unterworfen ist, beziehen sich<br />
auswertbare Aussagen immer auf die nach der<br />
Trocknung des Materials bei 110 °C zurückbleibende<br />
Trockensubstanz (TS) oder idealerweise<br />
auf die durch Verbrennung bei 550 °C ermittelte<br />
organische Trockensubstanz (oTS). Die Differenz<br />
zwischen Trockensubstanz und organischer<br />
Trockensubstanz bildet der anorganische<br />
Anteil, der bei Silagen aber gering ist (5-10 %).<br />
In den beiden als Praxisbeispiel aufgeführten<br />
Biogasanlagen wurden durch die Zugabe Cellulose<br />
spaltender Enzyme Schwimm- bzw. Sinkschichten<br />
sehr schnell aufgelöst. Dadurch stieg<br />
der TS-Gehalt anfänglich stark an, ebenso die<br />
Viskosität. Nach der Auflösung der Schwimmbzw.<br />
Sinkschichten sank dann der TS-Gehalt<br />
bei gleicher Leistung durch einen besseren<br />
Abbau der Organik kontinuierlich ab auf deutlich<br />
geringere TS-Gehalte als vor dem Enzym-<br />
Einsatz.<br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Bild 10: Verringerung des Trockensubstanzgehaltes bei konstanter Leistung durch Zugabe von Cellulose spaltenden Enzymen<br />
und von Spurennährstoffen Verringerung einer des 500-kW-Anlage TS-Gehaltes durch im den Fermenter Einsatz des bei Enzympräparates konstanter Energieproduktion<br />
ZYmaXX ® 365 in Kombination mit<br />
einem Spurennährstoff in (Substrate: einer 500 Maissilage, kW - Biogasanlage GPS) (Eigenbau) durch Einsatz des Enzympräparates ZYmaXX® 365<br />
in Kombination mit einem Spurennährstoff<br />
Referenzperiode ohne Einsatz des Cellulose spaltenden Enzympräparates ZYmaXX ® 365<br />
15.000,0<br />
Zugabe von Spurennährstoffen<br />
14<br />
Einspeisung in kWhel/d<br />
14.500,0<br />
14.000,0<br />
13.500,0<br />
13.000,0<br />
12.500,0<br />
12.000,0<br />
11.500,0<br />
11.000,0<br />
10.500,0<br />
11,1 10,8<br />
11,4 11,1 11,1<br />
10<br />
8,62 8,76<br />
8,16<br />
8,20<br />
7,51<br />
Betriebstagebuch<br />
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Problem)<br />
11,9 12,2 11,7 11,4 11,5<br />
10,9<br />
10,7<br />
10,1 10,3<br />
9,8<br />
10<br />
9,6 9,5<br />
9,10 9,31 9,02<br />
9,2 9,1<br />
8,73<br />
8,91 8,8<br />
8,52 8,42 8,15<br />
7,77 7,81 7,48 7,42 7,26 7,14 7,11<br />
6,84<br />
Auflösung von<br />
Schwimmschichten<br />
9,2 9,1<br />
Verweilzeit<br />
ca. 3%<br />
weniger TS<br />
8,9 8,8<br />
8,29<br />
7,06 7,01 6,84 6,80<br />
6,47<br />
12<br />
10<br />
8<br />
6<br />
4<br />
2<br />
TS- / oTS-Gehalt im Fermenter in %<br />
10.000,0<br />
0<br />
Mrz. 12<br />
Apr. 12<br />
Mai. 12<br />
Jun. 12<br />
Jul. 12<br />
Aug. 12<br />
Sep. 12<br />
Okt. 12<br />
Nov. 12<br />
Dez. 12<br />
Jan. 13<br />
Feb. 13<br />
Mrz. 13<br />
Apr. 13<br />
Tatsächliche eingespeiste elektr. Energie in kWh/d TS-Gehalt im Fermenter in % oTS-Gehalt im Fermenter in %<br />
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88
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
3 MW Gaseinspeisungsanlage<br />
Bild 11: Verringerung des Trockensubstanzgehaltes und der Viskosität durch verbesserten biologischen Abbau bei<br />
Einsatz von Cellulose spaltenden Enzymen und von Spurennährstoffen in einer 3-MW-Gaseinspeisungsanlage<br />
Substrate: Maissilage und Getreideschrot Substrate: Maissilage und Getreideschrot<br />
Trockensubstanz in %<br />
15<br />
14<br />
13<br />
12<br />
11<br />
10<br />
Rohgas gesamt m³/Tag<br />
Trockenmasse F1<br />
Trockenmasse F2<br />
12,8<br />
12,6<br />
12,412,4<br />
12,2<br />
12,6 12<br />
12,5 12,5<br />
12,412,4<br />
12,3<br />
11,7 11,611,5<br />
11,5 11,4<br />
11,7<br />
11,2<br />
11,7<br />
11,3<br />
11,9<br />
Einsatz von ZYmaXX® (ab 29.07.20 in F1 |ab 31.08.20 in F2)<br />
13,8<br />
13,614,2<br />
13,5<br />
13,3<br />
14,3<br />
13,3<br />
12,9 13,5<br />
12,7<br />
13,2 13,3 12,6<br />
13 13,1 12,4<br />
12,8<br />
12,1<br />
12,412,4<br />
11,7 11,611,6<br />
11,9<br />
11,8<br />
11,111,1<br />
11,6<br />
11,1<br />
10,5<br />
10,4<br />
10,8<br />
10<br />
10,4<br />
10,6 10,7 0<br />
80.000<br />
70.000<br />
60.000<br />
50.000<br />
40.000<br />
30.000<br />
Rohgas in m³/d<br />
9<br />
20.000<br />
8<br />
10.000<br />
7<br />
01.01.2020<br />
08.01.2020<br />
15.01.2020<br />
22.01.2020<br />
29.01.2020<br />
05.02.2020<br />
12.02.2020<br />
19.02.2020<br />
26.02.2020<br />
04.03.2020<br />
11.03.2020<br />
18.03.2020<br />
25.03.2020<br />
01.04.2020<br />
08.04.2020<br />
15.04.2020<br />
22.04.2020<br />
29.04.2020<br />
06.05.2020<br />
13.05.2020<br />
20.05.2020<br />
27.05.2020<br />
03.06.2020<br />
10.06.2020<br />
17.06.2020<br />
24.06.2020<br />
01.07.2020<br />
08.07.2020<br />
15.07.2020<br />
22.07.2020<br />
29.07.2020<br />
05.08.2020<br />
12.08.2020<br />
19.08.2020<br />
26.08.2020<br />
02.09.2020<br />
09.09.2020<br />
16.09.2020<br />
23.09.2020<br />
30.09.2020<br />
07.10.2020<br />
14.10.2020<br />
21.10.2020<br />
28.10.2020<br />
04.11.2020<br />
11.11.2020<br />
18.11.2020<br />
25.11.2020<br />
02.12.2020<br />
09.12.2020<br />
16.12.2020<br />
23.12.2020<br />
30.12.2020<br />
3 MW Gaseinspeisungsanlage<br />
Substrate: Maissilage und Getreideschrot<br />
Viskositätin mPa*s<br />
16.000<br />
14.000<br />
12.000<br />
Rohgas gesamt m³/Tag<br />
Viskosität F1<br />
Viskosität F2<br />
Einsatz von ZYmaXX® (ab 29.07.20 in F1 |ab 31.08.20 in F2)<br />
80.000<br />
70.000<br />
60.000<br />
Rohgas in in m³/d<br />
10.000<br />
50.000<br />
8.000<br />
40.000<br />
6.000<br />
30.000<br />
4.000<br />
20.000<br />
2.000<br />
10.000<br />
0<br />
01.01.2020<br />
08.01.2020<br />
15.01.2020<br />
22.01.2020<br />
29.01.2020<br />
05.02.2020<br />
12.02.2020<br />
19.02.2020<br />
26.02.2020<br />
04.03.2020<br />
11.03.2020<br />
18.03.2020<br />
25.03.2020<br />
01.04.2020<br />
08.04.2020<br />
15.04.2020<br />
22.04.2020<br />
29.04.2020<br />
06.05.2020<br />
13.05.2020<br />
20.05.2020<br />
27.05.2020<br />
03.06.2020<br />
10.06.2020<br />
17.06.2020<br />
24.06.2020<br />
01.07.2020<br />
08.07.2020<br />
15.07.2020<br />
22.07.2020<br />
29.07.2020<br />
05.08.2020<br />
12.08.2020<br />
19.08.2020<br />
26.08.2020<br />
02.09.2020<br />
09.09.2020<br />
16.09.2020<br />
23.09.2020<br />
30.09.2020<br />
07.10.2020<br />
14.10.2020<br />
21.10.2020<br />
28.10.2020<br />
04.11.2020<br />
11.11.2020<br />
18.11.2020<br />
25.11.2020<br />
02.12.2020<br />
09.12.2020<br />
16.12.2020<br />
23.12.2020<br />
30.12.2020<br />
0<br />
89
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich<br />
daraus für den Biogasanlagenbetrieb?<br />
Die Substratkosten sind mit Abstand der größte Posten<br />
bei den Ausgaben für den Betrieb einer Biogasanlage.<br />
Was liegt also näher, als die teuer eingekauften Substrate<br />
möglichst vollständig zu Biogas umzuwandeln?<br />
Zusätzlich sind schlecht abgebaute Substrate verantwortlich<br />
für Probleme bei der Anlagenführung (erhöhter<br />
Aufwand für Rühr- und Pumptechnik, Schwimmoder<br />
Sinkschichten u.a.) und beim Ausbringen der<br />
Gärrückstände (Verstopfungen in den Schleppschläuchen<br />
u.a.).<br />
Besonders in den letzten Jahren führten Dürreperioden<br />
zu extrem trockenen Silagen mit geringem Energiegehalt<br />
und erschwerter Abbaubarkeit.<br />
Um die damit verbundenen erhöhten Anforderungen zu<br />
bewältigen, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:<br />
1. mechanische Abtrennung der nicht abgebauten<br />
Trockensubstanz durch Separation – das ist die<br />
einfachste Methode<br />
2. Ertüchtigung der Biologie im Fermenter – das ist<br />
die nachhaltigste Methode.<br />
Der Trockensubstanz-Abbau in der Biogasanlage und<br />
die damit einhergehende Umwandlung der organischen<br />
Bestandteile zu Biogas wird entscheidend von<br />
der Bakteriendichte und der Art der Bakterien beeinflusst.<br />
Die Bakterienpopulation ist wiederum abhängig<br />
von der Verfügbarkeit von Nahrungsbestandteilen und<br />
Spurennährstoffversorgung für die Zellteilung und das<br />
Zellwachstum, die wiederum durch die Verfügbarkeit<br />
von Nahrung angeregt werden. Dies ist ein Regelkreis,<br />
der immer besser verstanden wird.<br />
Die Verfügbarkeit von Nahrungsbestandteilen kann<br />
durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden,<br />
u.a. durch die Zugabe von Enzymen, die zusätzlich zu<br />
den von den Bakterien selbst produzierten Enzymen<br />
auf der molekularen Ebene als Katalysator wirken.<br />
ffDie Stärkung der Biogasbakterien führt neben einem<br />
besseren Substratabbau zu einem stabileren Anlagenbetrieb.<br />
Ein stabiler Anlagenbetrieb ist die Basis<br />
für eine wirtschaftliche Betriebsweise.<br />
ffDurch die Verbesserung des biologischen Abbaus<br />
der Substrate wird der organische Trockensubstanzgehalt<br />
und damit auch das Restgaspotenzial<br />
verringert bei gleichzeitiger Erhöhung der Biogasproduktion<br />
(Gesetz von der Erhaltung der Masse).<br />
Ein vollständiger Abbau der Organik zu Biogas ist<br />
jedoch aus verschiedenen Gründen nicht erreichbar.<br />
Lignin beispielsweise kann anaerob nicht abgebaut<br />
werden, wird aber nach Ausbringung der Gärrückstände<br />
von den Bodenbakterien zu Humusstrukturen<br />
umgewandelt und dient damit der Erhaltung der<br />
Bodenfruchtbarkeit.<br />
ffDie Bilanzierung einer Biogasanlage hinsichtlich<br />
der Massenströme beim Abbau der organischen Trockensubstanz<br />
ist sehr aufwendig und wird deshalb<br />
in der Praxis kaum durchgeführt. Eine Bilanzierung<br />
anhand der eingesetzten Frischmasse ist nicht zielführend.<br />
ffDie Bilanzierung von Kosten und Nutzen der Separation<br />
im Vergleich zu Kosten und Nutzen von Maßnahmen<br />
zur Stärkung der Biologie wäre ein interessantes<br />
Thema für eine tiefergehende Recherche.<br />
Die mechanische Abtrennung von Trockensubstanz<br />
durch Separation kann sich in der Gesamtbetrachtung<br />
im Vergleich zur Verbesserung des biologischen<br />
Abbaus als teure Maßnahme erweisen.<br />
ffAls Vorstufe für die Feststoffausbringung oder für die<br />
Trocknung von Gärrückständen ist eine Separation<br />
der Gärrückstände selbstverständlich notwendig.<br />
Ebenso wird bei Anlagen mit Trockenfermentationsbonus,<br />
die hohe Rezirkulatmengen benötigen, ein<br />
Separator erforderlich sein, wenn alle wirtschaftlichen<br />
Möglichkeiten zur Verbesserung des bakteriellen<br />
Trockensubstanz-Abbaus ausgeschöpft sind.<br />
Zusammenfassung<br />
ffDie Reduzierung der Gärrückstände ist eine ständige<br />
Aufgabe in Biogasanlagen und ergibt sich aus einer<br />
wirtschaftlichen Notwendigkeit.<br />
ffIn der Stärkung der Biogasbakterien liegt ein großes<br />
Potenzial, das es zu nutzen gilt. Deshalb sollten die<br />
„unsichtbaren Mitarbeiter“ wieder mehr Aufmerksamkeit<br />
erhalten.<br />
ffDie Bakteriendichte und die Artenvielfalt sowie die<br />
Interaktion der Bakterien untereinander können<br />
durch den Einsatz von Enzymen, Botenstoffen, Spurennährstoffen<br />
sowie von Schwefel- und Stickstoffbindern<br />
erheblich verbessert werden.<br />
Autoren<br />
Dorothea Telschow-Gohlke<br />
Sara Gatz<br />
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Prof. Dr. Michael Nelles (DBFZ/Uni Rostock), Claus Bogenrieder (ZÜBLIN Umwelttechnik),<br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Anlage des Monats März<br />
Naturenergie<br />
Isny GmbH<br />
Seit 2006 produziert die flexibilisierte<br />
Gemeinschaftsanlage im baden-württembergischen<br />
Isny Biogasstrom. Mittlerweile<br />
sind sieben Blockheizkraftwerke<br />
angeschlossen, die zusammen mehr als<br />
17 Millionen Kilowattstunden Strom pro<br />
Jahr erzeugen. Dabei entstehen auch gut<br />
10 Millionen Kilowattstunden Wärme.<br />
Der Strom wird über das Unternehmen<br />
e2m direkt vermarktet. Gefüttert wird<br />
die Anlage „just in time“ mit Gülle und<br />
Mist, Mais- und Grassilage sowie Getreide-Ganzpflanzensilage<br />
(GPS), was Fahrsiloanlagen<br />
überflüssig macht. In der<br />
Summe vermeidet die Biogasanlage pro<br />
Jahr über 11.000 Tonnen fossiles CO 2<br />
.<br />
Anlage des Monats April<br />
JHR green Power<br />
GmbH & Co.KG<br />
Die 2010 mit einer installierten Leistung von<br />
250 Kilowatt in Betrieb genommene Biogasanlage<br />
wurde über die Jahre kontinuierlich<br />
erweitert und flexibilisiert. Heute verfügt die<br />
in den landwirtschaftlichen Betrieb integrierte<br />
Anlage aus Mittelfranken über eine installierte<br />
Leistung von über einem Megawatt bei<br />
einer Bemessungsleistung von 365 Kilowatt.<br />
Der Strom wird sowohl als positive und als<br />
auch als negative Regelenergie vermarktet.<br />
Gefüttert werden vor allem Gülle und Mist,<br />
außerdem Mais, Getreide und GPS.<br />
Mit der anfallenden Wärme werden zwei Gaststätten<br />
und fünf Wohnhäuser versorgt, der<br />
Rest wird zur Holztrocknung verwendet. Insgesamt<br />
vermeidet die Biogasanlage pro Jahr<br />
rund 2.700 Tonnen fossiles CO 2<br />
.<br />
92
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
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PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Vertikale<br />
Agri-PV-Anlage.<br />
Erneuerbare Energien nicht<br />
gegeneinander ausspielen<br />
Flächenspezifische Erträge an Strom und Wärmeenergie werden bei Diskussionen zu<br />
Energiewendestrategien manchmal sehr plakativ als Kriterium für Effizienz genutzt.<br />
Beispielsweise soll die Photovoltaik 75 Kilowattstunden (kWh) je Quadratmeter (m²)<br />
und Jahr, Biomasse jedoch nur rund 2 kWh je m² und Jahr erzeugen. Angesichts komplexerer<br />
Gesamtverhältnisse sind weitere Kriterien maßgebend, um die Wertschöpfungspotenziale<br />
zu beurteilen. Hier fallen dann wesentliche systemische Vorteile der Biogaserzeugung<br />
und -verwertung ins Gewicht.<br />
Von Eur Ing Marie-Luise Schaller<br />
Die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik (PV)<br />
wurde enorm verbessert, daher steht sie im<br />
Vordergrund nationaler als auch regionaler<br />
Ausbauszenarien. Doch während die zur<br />
Verfügung stehenden Dach- und Fassadenflächen<br />
bisher nur minimal genutzt werden, steigt das<br />
Bestreben, Freiflächenanlagen (PV-FFA) zu realisieren,<br />
die sich nun oft ohne Förderung rechnen. Damit wächst<br />
die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen und<br />
führt in Regionen wie Brandenburg zu Protesten der<br />
Landwirte. Alarmiert durch den Pachtpreiskampf befürchten<br />
sie einen Verdrängungswettbewerb auch zu<br />
Lasten der Lebensmittelproduktion sowie eine nachteilige<br />
Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.<br />
Die landwirtschaftliche Biogaserzeugung integriert<br />
sich demgegenüber in die Landschaft und leistet durch<br />
den Anbau nachhaltiger und ökologisch wertvoller Substrate<br />
einen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität.<br />
Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft werden durch die<br />
Verwertung von landwirtschaftlichen Reststoffen und<br />
organischen Abfällen umgesetzt, die bei der regionalen<br />
Produktion von Lebensmitteln oder pflanzlichen Rohstoffen<br />
der Bioökonomie anfallen. Die Verwertung des<br />
Treibhausgases Methan aus Gülle und Mist trägt auch<br />
zum Klimaschutz bei. Biogas verknüpft so regionale Lebensmittelproduktion<br />
und Umweltdienstleistungen mit<br />
energetischer Verwertung.<br />
Biogas stützt fluktuierende Stromerzeugung<br />
Für die Energiewende wird Biogas aber unter anderem<br />
auch benötigt, um die Sektorenkopplung umzusetzen,<br />
insbesondere für die Mobilitätswende. Wichtigster Beitrag<br />
von Biogas ist die Flexibilität, durch die die Stabilität<br />
des Stromnetzbetriebs gesichert werden kann<br />
– ergänzend zu fluktuierend produzierenden Wind- und<br />
PV-Anlagen. Für die landwirtschaftlichen Biogasanlagenbetreiber<br />
ergeben sich so weitere Ertragsmodelle,<br />
die sich im Verbund mit virtuellen Kraftwerken ausschöpfen<br />
lassen.<br />
Der Dienstleister Next Kraftwerke aus Köln betreibt<br />
nach eigenem Bekunden eines der größten virtuellen<br />
Kraftwerke Europas mit 10.154 Anlagen und 8.450<br />
Megawatt (MW) vernetzter Leistung (Stand 4. Quartal<br />
2020). Deutschlandweit sind dort rund 3.400 Biogasanlagen<br />
angeschlossen, deren Betreiber von einer Optimierung<br />
ihrer Erlöse bei der Direktvermarktung und<br />
über die Bereitstellung von Regelenergie profitieren.<br />
Biogasanlagen sind integrierter Bestandteil des Ver-<br />
FOTO: TFZ<br />
94
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Im Strukturwandel bieten Neulandflächen Raum für die Erforschung neuer Konzepte<br />
für innovative Gewerbegebiete wie hier am Tagebau Garzweiler.<br />
Energiewände: Solarkollektoren an den Fermenteraußenwänden<br />
der Biogasanlage Bergheim.<br />
FOTOS: MARIE-LUISE SCHALLER<br />
bundes mit anderen Erneuerbaren Energien, weil sie<br />
mit den sowohl negativen als auch positiven Leistungsreserven<br />
zur Netzstabilität beitragen.<br />
Das Unternehmen sieht im Stromhandelsbereich<br />
starke Wachstumschancen für ausgeförderte oder<br />
außerhalb des Förderregimes errichtete Erneuerbare-<br />
Energien-Anlagen. Die Tatsache, dass im Februar die<br />
Partnerschaft mit Shell Renewables & Energy Solutions<br />
bekannt wurde, dürfte die guten Aussichten belegen.<br />
Zweifach ernten mit Agri-PV<br />
Eine Kombination aller Technologien ist also erforderlich.<br />
Vermehrt macht auch die Kombination von<br />
landwirtschaftlicher Pflanzenproduktion mit der Erzeugung<br />
von Solarstrom auf derselben Fläche von sich<br />
reden, die sogenannte Agri-PV. Einen Überblick über<br />
den aktuellen Stand gibt eine im März <strong>2021</strong> veröffentlichte<br />
Studie des Technologie- und Förderzentrum<br />
(TFZ) im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe.<br />
Sie stellt drei Bauformen vor: Hoch auf-<br />
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95
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
geständerte, vertikale und nachgeführte<br />
Agri-PV-Anlagen.<br />
Um Freiräume für eine maschinelle Bewirtschaftung<br />
zu schaffen, können nur etwa 50<br />
bis 80 Prozent der Leistung einer PV-FFA<br />
auf der Fläche installiert werden. Bei vertikal<br />
aufgeständerten Anlagen, die bislang<br />
ausschließlich im Grünland erprobt wurden,<br />
geht kaum landwirtschaftlich nutzbare<br />
Fläche verloren. In der Regel sind sie<br />
in Ost-West-Richtung ausgerichtet und<br />
können so morgens und abends die Sonnenstrahlung<br />
besonders effizient in Strom<br />
umwandeln. Zudem werden bei diesen<br />
Anlagen etwas teurere beidseitige Module<br />
verwendet, die über die Modulrückseite<br />
eine zusätzliche Leistung von etwa 80 bis<br />
95 Prozent der Nennleistung bereitstellen.<br />
Investitionen für vertikale Agri-PV-Anlagen<br />
liegen aufgrund der verwendeten Module<br />
und der aufwändigeren Aufständerung<br />
über denen der konventionellen PV-FFA.<br />
Sie sind aber deutlich kostengünstiger als<br />
hoch aufgeständerte Agri-PV-Anlagen mit<br />
der besonders hohen und stabilen Unterkonstruktion<br />
sowie den lichtdurchlässigen<br />
Spezialmodulen.<br />
Auch wenn bisher erst wenig realisiert und<br />
untersucht wurde, so zeichnet sich ab,<br />
dass die PV-Module die landwirtschaftliche<br />
Produktion nur minimal beeinträchtigen<br />
und sogar unterstützen können. Durch<br />
verschiedene positive Einflüsse auf die<br />
Kulturen, wie Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung,<br />
Hagel und Sturm, günstiges<br />
Mikroklima und Möglichkeiten eines<br />
besseren Wassermanagements, bieten die<br />
Agri-PV Anlagen eine Anpassung an Folgen<br />
des Klimawandels.<br />
Hemmnisse für die Verbreitung derartiger<br />
Anlagen sind unklare und hinderliche Genehmigungsverhältnisse.<br />
Daher sollten solche<br />
Projekte in enger Zusammenarbeit mit<br />
den Kommunen und Behörden entwickelt<br />
werden. Aber auch die Landwirte sind noch<br />
von diesen neuen Konzepten zu überzeugen,<br />
sodass vorerst vor allem Forschungsprojekte<br />
Sinn machen.<br />
Runde Verbundlösungen<br />
Besondere Chancen bieten sich im Zusammenhang<br />
mit den Aktivitäten für den<br />
Strukturwandel im Rheinischen Revier, wie<br />
zum Beispiel bei einem Verbundprojekt des<br />
kommunalen Zweckverbands LandFolge<br />
Garzweiler mit den Partnern TH Köln und<br />
Wuppertal Institut. Sie planen unter anderem<br />
einen Gewerbepark mit innovativem<br />
Energieversorgungskonzept, der auf Rekultivierungsflächen<br />
des Tagebaus Garzweiler<br />
im Bereich der Stadt Jüchen und in Nachbarschaft<br />
zu landwirtschaftlich genutzten<br />
Zonen errichtet wird.<br />
Clara Ukat<br />
Expert*innen der TH Köln vom Cologne<br />
Institute for Renewable Energy (CIRE) untersuchen<br />
dafür in einer Machbarkeitsstudie,<br />
wie eine optimierte Kombination von<br />
Erneuerbaren Energien, Energiespeichern<br />
und Infrastruktur für Elektromobilität sowie<br />
wasserstoffbasierte Mobilität und smarte<br />
Infrastruktur aussieht. Dabei geht es um einen<br />
ganzheitlichen und regionsbezogenen<br />
Ansatz durch Einbindung der Landwirtschaft<br />
und Verknüpfung mit lokalen Erzeugern<br />
und Verbrauchern.<br />
„Das Rheinische Revier steht in den kommenden<br />
Jahrzehnten vor der großen Herausforderung<br />
des Strukturwandels. Der<br />
Auf- und Umbau der Energieversorgungsstrukturen<br />
bedeutet aber auch große Chancen,<br />
etwa für die Entwicklung neuer, nachhaltiger<br />
Energieversorgungskonzepte“,<br />
erläutert Prof. Dr. Thorsten Schneiders,<br />
Teilprojektleiter am CIRE der TH Köln.<br />
Neben der Windenergie sollen auch die Potenziale<br />
für Agri-PV ausgeschöpft werden.<br />
Deswegen hat man frühzeitig den Kontakt<br />
zu den Landwirten hergestellt, um deren<br />
Akzeptanz zu gewinnen. Clara Ukat, die<br />
wissenschaftliche Mitarbeiterin der TH und<br />
zuständige Projektmanagerin, hat verschiedene<br />
Szenarien untersucht. Eine mögliche<br />
Variante sind vertikal angeordnete Anlagen,<br />
wie sie zum Beispiel von NextToSun<br />
angeboten werden. Sie sind günstig für die<br />
durchfahrenden Geräte und tragen mit ihren<br />
bifacialen Modulen und der Ost-West-<br />
Orientierung zur Netzstabilität bei. Denn<br />
sie erzielen ihr Maximum zeitlich versetzt<br />
zu dem der südlich orientierten Anlagen.<br />
Optimal ist ein Reihenabstand von 40<br />
Metern, wenn die in der Region üblichen<br />
Früchte Zuckerrüben und Getreide angebaut<br />
werden sollen. Zwischen den Modulreihen<br />
ließen sich auch ökologisch<br />
wertvolle Pflanzen für die Biogasnutzung<br />
anbauen. Hierbei hat Ukat Jahreserträge von<br />
20 kWh/m² für dreireihige und 13 kWh/m²<br />
für zweireihige Anlagen ermittelt. Im Bereich<br />
von Grün- oder Weideland sind engere<br />
Abstände mit bis zu 3-fach höheren Erträgen<br />
möglich.<br />
Kombinierte Flächennutzung<br />
„Die kombinierte Nutzung der Flächen<br />
bietet eine gute Möglichkeit, den Herausforderungen<br />
des Struktur-, aber auch des<br />
Klimawandels auf nachhaltige Weise zu<br />
begegnen. Zwar sinkt der Ertrag aus dem<br />
landwirtschaftlichen Anbau leicht, aber in<br />
der Regel erhöht sich der Gesamtertrag aus<br />
landwirtschaftlicher Produktion und Energieproduktion.<br />
In jedem Fall verhilft sie den<br />
landwirtschaftlichen Betrieben zu einer<br />
höheren wirtschaftlichen Resilienz, denn<br />
sie vereint zwei unterschiedliche Einnahmequellen“,<br />
fasst Clara Ukat die positiven<br />
Effekte zusammen.<br />
Theoretisch wäre auch der Verbund mit einer<br />
Biogasanlage möglich. Im Rheinischen<br />
Revier gibt es eine Vielzahl von Planungen<br />
für neue Gewerbegebiete. Dieses Projekt<br />
könnte dafür und für andere Regionen eine<br />
Blaupause liefern. Dabei geht es darum,<br />
integrierte und auf den jeweiligen Standort<br />
optimierte Konzepte zu entwickeln, nicht<br />
um einen einheitlichen Massen-Rollout.<br />
Spannend wäre auch ein Vergleich zwischen<br />
Agro-PV und Agro-Forstsystemen<br />
hinsichtlich des ökologischen Nutzens und<br />
des energetischen Outputs.<br />
Autorin<br />
EUR ING Marie-Luise Schaller<br />
ML Schaller Consulting<br />
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96
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97
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Entscheidungshilfe für die Suche<br />
nach einem Zukunftskonzept<br />
Das Multitalent Biogas schafft es, erneuerbaren Strom zu produzieren, Wärme bereitzustellen<br />
oder die Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten. Doch wie schafft die Biogasbranche<br />
ihren Weg in die Zukunft hin zu einem Weiterbetrieb nach Ablauf der Förderperiode 1?<br />
Welche Chancen und Möglichkeiten gibt es, die Wertschöpfungsmöglichkeiten der Landwirtschaft<br />
sowie der Biogasbranche weiterhin zu garantieren? Wo liegen die Herausforderungen?<br />
Von Jasmin Gleich, Ulrich Kilburg, Robert Wagner<br />
Tabelle 1: Checkliste Ausschreibung<br />
Diese Fragen beschäftigten unter anderem<br />
auch eine Projektgemeinschaft bestehend<br />
aus der TH Ingolstadt, der FH Münster und<br />
C.A.R.M.E.N. e.V. im Verbundvorhaben<br />
„Repoweringmaßnahmen hinsichtlich zukünftiger<br />
Aufgaben von Biogasanlagen“ (REzAB). Aus<br />
dem durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe<br />
e.V. (FNR) mit Mitteln des Bundesministeriums für<br />
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten<br />
Projekt ging unter anderem ein Leitfaden für Bestandsbiogasanlagen<br />
zum wirtschaftlichen Betrieb nach dem<br />
Ende der EEG-Vergütung hervor.<br />
In dem Leitfaden „Biogas nach dem EEG – (wie) kann’s<br />
weitergehen? Handlungsmöglichkeiten für Anlagenbetreiber“<br />
werden sieben Zukunftskonzepte detailliert<br />
vorgestellt:<br />
Teilnahme an Ausschreibung<br />
Durch die erfolgreiche Teilnahme an der Ausschreibung wird eine Anschlussvergütung von weiteren 10 Jahren für<br />
Anforderung / Voraussetzung Check Punkte<br />
ffTeilnahme an der Ausschreibung.<br />
ffBereitstellung von Kraftstoff.<br />
ffNeubau einer Gülle-Kleinanlage.<br />
ffEigenverbrauch und Direktlieferung.<br />
ffRohgasseitige Bündelung.<br />
ffZusammenschluss der Anlagenbetreiber.<br />
ffStoffliche Nutzung.<br />
Ein Kapitel widmet sich außerdem dem Vorgehen bei<br />
der Stilllegung, der Umnutzung und dem Rückbau einer<br />
Biogasanlage.<br />
Ziel des Leitfadens ist, allen Biogasanlageneigentümern,<br />
-betreibern und Beratern zu helfen, die Zukunftsfähigkeit<br />
der Anlagen abzuschätzen. Zusätzlich werden<br />
Betreiber bei der Auswahl eines passenden Zukunftskonzeptes<br />
von Beratungseinrichtungen<br />
wie C.A.R.M.E.N. e.V. auf Wunsch unterstützt.<br />
Bei Interesse kann der Leitfaden,<br />
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Flexibilisierung – mindestens doppelte Überbauung der Bemessungsleistung bis<br />
vorhanden bzw. aussichtsreiche Vorgespräche geführt<br />
o 3<br />
150 Tage gasdichte Verweildauer bis zur Förderperiode 2 erreichbar o 3<br />
Maisdeckel gemäß EEG wird unterschritten o 3<br />
Zukunftsfähiges BHKW mit Einhaltung der vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerte nach<br />
44. BImSchV<br />
o 2<br />
o 2<br />
Wirtschaftlich relevante Wärmenutzung mit marktüblichen Einnahmen o 2<br />
Erreichte Punkte<br />
bezogen werden.<br />
Entscheidungshilfe<br />
Die Entscheidungshilfe bietet in Form von<br />
Checklisten für jedes Konzept eine Hilfestellung,<br />
um zu prüfen, ob dieses für die<br />
jeweilige Anlage infrage kommt. Je mehr<br />
Anforderungen/Voraussetzungen bereits<br />
erfüllt sind oder erfüllt werden können,<br />
desto geeigneter ist das Konzept. Einige<br />
Anforderungen sind hervorgehoben<br />
(„K.O.-Kriterien“), da sie für das Konzept<br />
wesentliche Voraussetzungen darstellen.<br />
98
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
Jedes Konzept ist durch eine eigene Farbe gekennzeichnet<br />
und hat je nach Gewichtung unterschiedlich<br />
viele zu erreichende Punkte. Am Ende jedes Konzeptes<br />
ist ein Feld, in das die erreichten Punkte eingetragen<br />
werden können.<br />
Nachfolgend ist beispielhaft das Vorgehen<br />
anhand der Zukunftskonzepte<br />
„Teilnahme an Ausschreibung“ und<br />
„Bereitstellung von Kraftstoff“ beschrieben.<br />
Als Beispielanlage, für<br />
die ein Zukunftskonzept gesucht<br />
wird, dient die im Leitfaden definierte<br />
Standardanlage. Diese wurde<br />
2005 in Betrieb genommen und<br />
weist eine elektrische Leistung von<br />
500 kWel (Gas-Otto-Motor) auf. Sie<br />
setzt Maissilage (70 Prozent) und<br />
Rindergülle (30 Prozent) ein und versorgt<br />
ein Nahwärmenetz. Die Anlage<br />
verfügt über einen Fermenter, einen<br />
Nachgärer sowie ein Gärproduktlager.<br />
Die Biogasanlage wurde in der<br />
Förderperiode 1 flexibilisiert und die<br />
gasdichte Verweilzeit auf mindestens<br />
150 Tage erweitert.<br />
Im Fall der Standardanlage werden<br />
die Punkte Flexibilisierung (3<br />
Punkte), gasdichte Verweildauer (3<br />
Punkte) und wirtschaftlich relevante<br />
Wärmenutzung (2 Punkte) erfüllt.<br />
Des Weiteren kann davon ausgegangen<br />
werden, dass im Zuge der<br />
Flexibilisierung ein zukunftsfähiges<br />
BHKW verbaut wurde (2 Punkte).<br />
Der Maisdeckel wird mit dem aktuellen<br />
Substratmix überschritten.<br />
Ebenso ist möglicherweise ein nicht<br />
ausreichend großer Gasspeicher vorhanden.<br />
Die Biogasanlage erreicht<br />
also 10 von 15 möglichen Punkten<br />
in diesem Konzept (siehe Tabelle 1).<br />
Es wird angenommen, dass der Betreiber<br />
bereits Gespräche mit einem<br />
örtlichen Unternehmen geführt hat,<br />
das für den eigenen Fuhrpark Biomethan<br />
als Kraftstoff abnehmen würde.<br />
Die Gemeinde steht dem Projekt<br />
positiv gegenüber und unterstützt<br />
die Umsetzung. Somit werden für<br />
das Kraftstoffkonzept die Anforderungen<br />
der standortnahen Abnehmer<br />
Tabelle 2: Checkliste Kraftstoffproduktion<br />
20<br />
22<br />
(3 Punkte), der Entwicklung eines Vermarktungskonzeptes<br />
(3 Punkte), der Unterstützung der Gemeinde<br />
(ggfs. auch organisatorischer Art; 2 Punkte) und der<br />
Bereitschaft, in einem neuen Markt zu agieren (3 Punkte)<br />
sowie zu Neuinvestitionen (3 Punkte) erfüllt (siehe<br />
Tabelle 2).<br />
Am Standort ist ausreichend Platz für die Errichtung<br />
einer Aufbereitungsanlage und einer Biomethantankstelle<br />
(3 Punkte). Allerdings ist keine Erdgasleitung<br />
in unmittelbarer Nähe vorhanden, sodass vor Ort mit<br />
Bereitstellung von Kraftstoff (Bio-CNG-Tankstelle)<br />
Zusammenschluss der Anlagenbetreiber<br />
Biogas wird zu Kraftstoff aufbereitet und für den Verkehrssektor durch eine öffentliche Tankstelle oder für die Versorgung<br />
eines Fuhrparks durch eine Hoftankstelle nutzbar gemacht.<br />
Lokale Betreiber schließen sich zusammen und betreiben eine gemeinsame Biogasanlage. Die verbliebenen Biogasanlagen<br />
werden mit dem Auslaufen der Förderperiode 1 stillgelegt.<br />
Anforderung / Voraussetzung Check Punkte<br />
Anforderung / Voraussetzung Check Punkte<br />
Hoher Reststoffanteil mit langfristiger Versorgungssicherheit umsetzbar<br />
Biogasanlage bereits als Sondernutzungsgebiet genehmigt bzw. nachträgliche<br />
(wichtig für die Anrechenbarkeit im Quotenhandel nach RED II)<br />
o 3<br />
Genehmigung möglich<br />
Standortnahe Ausreichend Biogasanlagen Abnehmer für mit Biomethankraftstoff ähnlichem Inbetriebnahmedatum vorhanden (z.B. Fuhrpark) in räumlicher<br />
o 3<br />
Nähe<br />
Platz für Aufbereitungsanlage und Biomethan-Tankstelle vorhanden o 3<br />
Bereitschaft, mit anderen Betreibern ein Gemeinschaftsprojekt umzusetzen o 3<br />
Entwicklung eines Kraftstoffvermarktungskonzepts möglich (Betreiber als Dienstleister) o 3<br />
Organisatorische Unterstützung durch einen Koordinator für einen Betreiberzusammenschluss<br />
vorhanden<br />
o 3<br />
Organisatorische Unterstützung durch Gemeinde, Landkreis, Energieagentur zur Umsetzung<br />
der Kraftstoffvermarktung vorhanden<br />
o 2<br />
Gute Wärmenutzung der weitergeführten Anlage, stillzulegende Anlagen ohne Wärmekonzept<br />
bzw. Deckung über regenerative Wärmequellen möglich (z.B. Holzhackschnitzel)<br />
o 1<br />
Bereitschaft, auf bislang unbekannten volatilen Kraftstoff- und Quotenmärkten zu agieren o 3<br />
Tragfähiges Konzept am Weiterbetriebsstandort entwickelbar<br />
Bereitschaft und Möglichkeit zu erheblichen (Neu-)Investitionen o 3<br />
(z.B. Ausschreibung, Kraftstoff, stoffliche Nutzung)<br />
Wenn Stromeinspeisung am Standort begrenzt ist, Beibehaltung oder Erhöhung der Gaserzeugung<br />
durch Verschiebung auf Gasaufbereitung denkbar<br />
Umsetzung oder Verkauf von Teilen der nicht weitergeführten Anlagen möglich<br />
(z.B. BHKW, Trafo, Fackel, Gasreinigung, Messtechnik)<br />
Zugang zu Erdgasnetz – Entnahme von Biomethan / Erdgas möglich, um Liefergarantie zu<br />
Erreichte Punkte<br />
gewährleisten<br />
o 1<br />
o 2<br />
Erreichte Punkte<br />
Tragen Sie nun die Punkte für jedes Zukunftskonzept in Die Konzepte mit den besten Ergebnissen könnten als<br />
Tabelle 4 ein. Teilen Sie dann die Summe der erreichten Zukunftskonzept geeignet sein! Zusätzlich wurde eine<br />
Punkte durch die Summe der möglichen Punkte. Neubau Tragen einer Gülle-Kleinanlage<br />
Einschätzung der aktuellen Umsetzungsmöglichkeit der<br />
Tabelle 3: Auswertungstabelle – systematische Betrachtung aller Konzepte<br />
Sie das Ergebnis in die dafür vorgesehene Spalte ein. einzelnen Konzeptvarianten getroffen.<br />
für Am die bestehenden eigene Anlage Standort und wird abschließende eine Gülle-Kleinanlage Gegenüberstellung<br />
durch Stilllegung oder Erhalt von Komponenten der Bestandsanlage,<br />
4: Auswertung sowie der Zubau Entscheidungshilfe von Gewerken und Anlagentechnik durch Tätigung von (Neu-)Investitionen in Betrieb<br />
Tabelle<br />
genommen.<br />
Erreichte Mögliche Erreichte Punkte / Praxistauglichkeit /<br />
Konzept<br />
Anforderung / Voraussetzung Punkte<br />
Punkte Mögliche Punkte Marktdurchdringung<br />
Check Punkte<br />
Vorbehaltlose Zusage des Netzbetreibers erzielbar – EEG-Förderfähigkeit als<br />
Ausschreibung 15 o Gut 3<br />
Neuanlage<br />
Kraftstoff 23 Befriedigend<br />
Hoher Wirtschaftsdüngeranteil mit langfristiger Versorgungssicherheit umsetzbar,<br />
o 3<br />
mind. 80 % Frischmasseanteil bei maximal 75 kW el<br />
Bemessungsleistung<br />
Gülle-Kleinanlage 20 Gut<br />
Direktlieferung Kein Satelliten-BHKW vorhanden 14 Befriedigend o 3<br />
Bündelung Rohgas 17 Befriedigend<br />
Weiterbetrieb personell für 20 Jahre gesichert o 3<br />
Zusammenschluss 17 Befriedigend<br />
Bereitschaft zum (Teil-)Neubau der Biogasanlage o 3<br />
Stoffliche Nutzung<br />
Zukunftsvision – aktuell ist die Praxistauglichkeit nicht gegeben<br />
Leistungsreduzierung der Biogasanlage und Kompensation des niedrigeren Einkommens<br />
o 2<br />
durch einen anderen Betriebszweig – Biogas zukünftig als Nebenbetriebszweig<br />
Stilllegung<br />
Wenn kein passendes Zukunftskonzept oder nicht wirtschaftlich darstellbar<br />
Speichern gearbeitet werden muss, um die Liefergarantie<br />
zu gewährleisten. Die Biogasanlage erreicht also<br />
17 von 23 möglichen Punkten in diesem Konzept. Bei<br />
der Bereitstellung von Kraftstoff muss allerdings darauf<br />
geachtet werden, dass die Wärmeversorgung des<br />
Fermenters/der Fermenter sowie der Wärmekun-<br />
99
PRAXIS<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
den weiterhin sichergestellt ist. Dies kann beispielsweise<br />
über die Kombination mit dem Ausschreibungskonzept<br />
oder durch eine alternative Wärmequelle<br />
realisiert werden.<br />
Konzepte für eigene Anlage systematisch<br />
betrachten<br />
Analog zu den beiden beispielhaft gezeigten Zukunftskonzepten<br />
sollten für die eigene Bestandsanlage alle<br />
Konzepte systematisch betrachtet und in der abschließenden<br />
Auswertungstabelle gegenübergestellt werden<br />
(siehe Tabelle 3). Hier wird die Summe der erreichten<br />
Punkte durch die Summe der möglichen Punkte geteilt<br />
und das Ergebnis in die dafür vorgesehene Spalte<br />
eingetragen. Die Konzepte mit den besten Ergebnissen<br />
könnten als Zukunftskonzept geeignet sein und sollten<br />
detaillierter betrachtet werden. Zudem sollte die in der<br />
Auswertungstabelle aufgeführte Praxistauglichkeit in<br />
die Konzeptfindung mit einbezogen werden.<br />
Im beschriebenen Beispiel erreicht die Anlage im Konzept<br />
„Teilnahme an Ausschreibung“ 10 von 15 Punkten,<br />
was 66,7 Prozent entspricht. Beim Konzept „Bereitstellung<br />
von Kraftstoff“ werden 17 von 23 Punkten<br />
erzielt, also 73,9 Prozent. Für eine erfolgreiche und<br />
nachhaltige Konzeptumsetzung gibt es zudem weitere,<br />
konzeptübergreifende Maßnahmen, die geprüft und<br />
ggfs. umgesetzt werden sollten. Dazu gehört zum Beispiel,<br />
die Substratversorgung zu sichern und ggfs. den<br />
Substratmix anzupassen, die Genehmigung sowie die<br />
Anlagenversicherung zu aktualisieren und Effizienzsteigerungsmöglichkeiten<br />
umzusetzen.<br />
Des Weiteren sollte das Thema Generalüberholung bedacht<br />
werden. Nach 20 Jahren Betrieb, bei dem täglich<br />
die Gewerke und Komponenten den Belastungen<br />
durch Einsatzsubstrate und Witterung ausgesetzt sind,<br />
sind erfahrungsgemäß Schwachstellen vorhanden. Es<br />
ist zu beachten, dass für Biogasbestandsanlagen aus<br />
bautechnischer und sicherheitstechnischer Sicht eine<br />
rein „symptomatische Behandlung“ nicht ausreichend<br />
ist. Dabei bedarf es umfassender Maßnahmen, um die<br />
Schutzziele gegenüber Menschen, Tieren und Umwelt<br />
zu gewährleisten und einen guten Anlagenzustand zu<br />
erhalten.<br />
Stilllegung, Umnutzung<br />
und Rückbau<br />
Lässt sich der Weiterbetrieb nicht wirtschaftlich darstellen<br />
oder es fehlt die Motivation beziehungsweise<br />
Nachfolge für den Betrieb der Biogasanlage, muss ggfs.<br />
über eine Stilllegung des Betriebszweigs Biogas nach-<br />
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100
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> PRAXIS<br />
gedacht werden. Auch im Hinblick auf die verschiedenen<br />
Konzeptideen kann ein Teilrückbau von Gewerken<br />
und Anlagenkomponenten nötig sein. Was eine Stilllegung<br />
bedeutet und welche Verpflichtungen und Anforderungen<br />
notwendig werden, wird ebenso im Leitfaden<br />
beschrieben und nachfolgend kurz dargestellt.<br />
Bevor es an den gezielten Rückbau der Biogasanlage<br />
geht, sollte über eine Umnutzung der Gewerke nachgedacht<br />
werden, um die entstehenden Rückbaukosten<br />
zu senken. Es besteht die Möglichkeit, die Behälter<br />
und Komponenten einer landwirtschaftlichen Nutzung<br />
zuzuführen. Voraussetzungen sind ein entsprechend<br />
guter Zustand der Biogasanlage und die frühzeitige<br />
Kommunikation mit der zuständigen Genehmigungsbehörde.<br />
Hier ist unter Umständen eine bautechnische<br />
Untersuchung notwendig. Für gut erhaltene Anlagenkomponenten<br />
ohne zukünftigen Nutzen vor Ort,<br />
wie BHKW oder Trafo, können entsprechende Preise<br />
generiert werden, wenn sich der Markt für gebrauchte<br />
Anlagenkomponenten erschließen lässt.<br />
Die Stilllegung ist innerhalb eines Monats nach deren<br />
Eintreten im Marktstammdatenregister einzutragen.<br />
Häufig wurde die Rückbauverpflichtung in der Baugenehmigung<br />
als Forderung fixiert und als Baulast in das<br />
Grundbuch eingetragen. Das gilt ggfs. auch für die verlegten<br />
Rohgas- oder Wärmeleitungen. Hier sind zusätzliche<br />
Verträge und eventuelle Grunddienstbarkeiten zu<br />
berücksichtigen. Grundsätzlich ist ein Rückbau ungenutzter<br />
Gewerke stets sinnvoll, da verbleibende Komponenten<br />
ge- und versichert werden müssen und auch<br />
die Akzeptanz in der Bevölkerung durch sachgemäßen<br />
Rückbau erhalten werden kann. Zudem ergeben sich<br />
durch den Rückbau andere, neue Nutzungsmöglichkeiten<br />
der Fläche.<br />
Autoren<br />
Jasmin Gleich<br />
Ulrich Kilburg<br />
Robert Wagner<br />
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101
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Aus der<br />
Verbandsarbeit<br />
BERICHT AUS DER GESCHÄFTSSTELLE<br />
Umsetzung der RED II in<br />
nationales Recht schreitet<br />
voran<br />
Unsere politische und fachliche Arbeit im Verband war im März<br />
sehr stark von der Umsetzung der RED II in nationales Recht<br />
geprägt. Die Umsetzung der EU-Verordnung wird weitreichende<br />
Folgen für die Biogasbranche haben. Eine positive für den<br />
Kraftstoffsektor und eher neue Herausforderungen für den<br />
Strom- und Wärmesektor.<br />
Von Dr. Stefan Rauh und Dipl.-Ing. agr. (FH) Manuel Maciejczyk<br />
Zum einen befindet sich<br />
das Bundes-Immissionsschutzgesetz<br />
(BImSchG)<br />
im parlamentarischen Verfahren.<br />
Die darin geregelte<br />
Treibhausgasminderungsquote (THG-<br />
Quote) legt verbindliche Treibhausgas-Mindesteinsparungen<br />
im deutschen<br />
Kraftstoffmix fest. Die Höhe<br />
der Quotenziele entscheidet damit,<br />
wie groß und attraktiv der Markt für<br />
Biomethan aus Abfall- und Reststoffen<br />
in den kommenden Jahren wird.<br />
Zum anderen erhielten die Bioenergieverbände<br />
Ende März erste Entwürfe<br />
zu den Nachhaltigkeitsverordnungen.<br />
Die Entwürfe deuten auf eine<br />
1:1-Umsetzung der RED II hin, was<br />
Chancen für Biomethan als Kraftstoff<br />
bedeutet, aber neue Anforderungen<br />
an Biogasanlagen im EEG beinhaltet.<br />
Neue Chancen ergeben sich<br />
dabei in erster Linie für Biomethan<br />
aus Gülle, dem – aufgrund neuer Rechenvorgaben<br />
– ein weitaus größeres<br />
Treibhausgas-Minderungsvermögen<br />
bescheinigt wird. Dies führt zu besseren<br />
Vermarktungsoptionen im Kraftstoffsektor.<br />
Auf klassische EEG-Anlagen kommen<br />
neue Herausforderungen zu. Alle<br />
Anlagen – auch Bestandsanlagen! –<br />
oberhalb von 2 Megawatt (MW) Feuerungswärmeleistung<br />
müssen sich ab<br />
1. Juli <strong>2021</strong> mit einer Nachhaltigkeitszertifizierung<br />
auseinandersetzen<br />
und prüfen, welche Maßnahmen sie<br />
ergreifen müssen. Die Verordnungsentwürfe<br />
waren auch ein Thema bei<br />
der Kuratoriumssitzung des Fachverbandes<br />
Biogas e.V. am 25. März<br />
<strong>2021</strong>. Außerdem ging es um die Perspektiven<br />
des EEG sowie die gestiegenen<br />
technischen Anforderungen an<br />
Biogasanlagen.<br />
Nachbesserungen im EEG<br />
weiter in der Schwebe<br />
Hinsichtlich der Nachbesserungen im<br />
EEG befindet sich der Verband nach<br />
102
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Engagiert. Aktiv. Vor Ort. Und in Berlin: Der Fachverband Biogas e.V.<br />
wie vor im Austausch mit den zuständigen<br />
Ministerien und den Abgeordneten. Unklar<br />
ist nach aktuellem Stand, ob es in dieser<br />
Legislaturperiode, also bis Ende Juni, noch<br />
eine kleine EEG-Novelle geben wird oder<br />
ob lediglich ein Reparaturgesetz umgesetzt<br />
werden kann.<br />
Wichtigster Punkt, der aus Sicht der Branche<br />
geändert werden muss, ist die Regelung<br />
zum Flexzuschlag. Es muss klargestellt werden,<br />
dass dieser auf jeden Fall in der zweiten<br />
Vergütungsperiode ausgezahlt wird,<br />
unabhängig davon, ob der Betreiber zuvor<br />
die Flexprämie beansprucht hatte. Weitere<br />
Punkte für die EEG-Reparatur sind die<br />
endogene Mengensteuerung sowie die Südquote.<br />
Zusätzlich wird die Umsetzung der<br />
Anschlussregelung für kleine güllebetonte<br />
Anlagen im Bundeswirtschaftsministerium<br />
vorangetrieben. Zur Darstellung der Bedeutung<br />
dieser Regelung hatte der Fachverband<br />
Biogas eine Blitzumfrage durchgeführt, die<br />
ergeben hat, dass kurz- bis mittelfristig bis<br />
zu 500 Anlagen eine solche Anschlussregelung<br />
nutzen würden.<br />
Die prägenden Themen im Mitgliederservice<br />
waren Fragen zu den Auswirkungen des EEG<br />
<strong>2021</strong> insbesondere auf Bestandsanlagen<br />
sowie Fragestellungen zur Umsetzung der<br />
44. Bundes-Immissionsschutzverordnung<br />
(BImSchV), des LAI-Beschlusses zum Luftreinhaltebonus<br />
sowie zur TRAS 120. Letztere<br />
Themen bildeten auch den Schwerpunkt<br />
bei einer Vielzahl von digitalen Regionalgruppenveranstaltungen.<br />
Aufgrund der<br />
aktuellen Entwicklungen bei der Corona-<br />
Pandemie werden bis auf weiteres keine<br />
Vor-Ort-Treffen möglich sein. Es sind daher<br />
weitere digitale Veranstaltungen geplant.<br />
Weiterentwicklung der<br />
Gemeinsamen Agrarpolitik für<br />
Biogasbranche von Bedeutung<br />
Anfang März erreichten die Referentenentwürfe<br />
zum Gesetzespaket zur Umsetzung<br />
der zukünftigen Gemeinsamen EU-<br />
Agrarpolitik (GAP) die Geschäftsstelle des<br />
Fachverbandes Biogas e.V. Darin geht es<br />
um die Neugestaltung der Direktzahlungen<br />
für den Förderzeitraum 2023 bis 2027. Das<br />
Paket regelt die Mittelverteilung zwischen<br />
den verschiedenen Komponenten der Förderung.<br />
Unter anderem ist vorgesehen, dass<br />
8 Prozent der Gelder in die zweite Säule<br />
umgeschichtet werden und die neuen sogenannten<br />
Öko-Regelungen (freiwillige Möglichkeit<br />
zur Durchführung von Maßnahmen<br />
zugunsten von Klima und Umwelt) 20 Prozent<br />
der Direktzahlungen ausmachen sollen.<br />
Mittlerweile haben sich die Ministerien<br />
auf 25 Prozent geeinigt. Aus Biogassicht relevant<br />
ist besonders die Ausgestaltung der<br />
Öko-Regelungen.<br />
Daher geht es im weiteren Verfahren in erster<br />
Linie darum, Energiepflanzen in den<br />
Öko-Regelungen zu verankern, die einen<br />
Beitrag zu mehr Biodiversität leisten. Ziel<br />
ist es, über die Ökoregelungen geförderte<br />
Substrate zu bekommen, die in Ergänzungen<br />
zu klassischen Energiepflanzen von<br />
dem Betreiber selbst, aber auch benachbarten<br />
Landwirten angebaut werden können.<br />
Austausch zur Stoffstrombilanz<br />
mit dem BMEL<br />
Ein weiteres landwirtschaftliches Thema<br />
beschäftigte die Geschäftsstelle: Aktuell<br />
läuft die Evaluierung der Stoffstrombilanz,<br />
die in einer neuen Verordnung münden soll.<br />
Hierzu gab es ein Austauschgespräch mit<br />
dem Bundeslandwirtschaftsministerium<br />
(BMEL) auf Arbeitsebene zur praktischen<br />
Umsetzung auf Biogasbetrieben. Vonseiten<br />
des Verbandes konnte dabei klar aufgezeigt<br />
werden, dass der aktuelle Berechnungsrahmen<br />
nicht für Biogasanlagen geeignet ist.<br />
Das BMEL konnte die Bedenken gut nachvollziehen,<br />
verwies aber auf die schwierigen<br />
Verhandlungen mit dem Bundesumweltministerium,<br />
das sehr starken Druck ausübt<br />
und keine Änderungen im Sinne der Landwirtschaft<br />
anstrebt.<br />
Die Fachverband Biogas (FvB) Service<br />
GmbH ist derzeit damit beschäftigt, ein<br />
Angebot für Düngeberatungen aufzubauen.<br />
Die Beratung soll ab Herbst <strong>2021</strong> in<br />
drei Modulen erfolgen. In Modul 1 wird die<br />
Vollständigkeit von vorgeschriebenen düngerechtlichen<br />
Aufzeichnungen und Bilanzen<br />
besprochen. In den Modulen 2 und 3<br />
werden konkrete Hinweise gegeben, welche<br />
Anforderungen durch DüV, StoffBilV etc.<br />
gestellt werden und wie Betreiber diesen<br />
begegnen können. In diesen Modulen können<br />
beispielsweise auch die Stoffstrombilanz<br />
oder die Lagerkapazität durch die FvB<br />
Service GmbH berechnet werden. Ab Mai<br />
soll es eine erste Testphase des Angebotes<br />
geben. Wenn Sie Interesse haben, als Testbetrieb<br />
teilzunehmen, melden Sie sich gerne<br />
per Mail bei: sophia.heinze@biogas.org<br />
Viele offene Fragen bei der<br />
Umsetzung des Redispatch 2.0<br />
Schon ab Oktober <strong>2021</strong> wird das Thema<br />
„Redispatch 2.0“ für alle Biogasanlagen<br />
ab 100 Kilowatt installierte elektrische<br />
Leistung relevant. Um unsere Mitglieder<br />
über die Anforderungen zu informieren,<br />
haben wir bereits über 400 Betreiber in<br />
verschiedenen kostenfreien Webinfo-Seminaren<br />
mit regionalem Bezug geschult.<br />
Dabei wurden in Kooperation mit den jeweiligen<br />
Netzbetreibern die Anforderungen<br />
in den Netzgebieten von Bayernwerk, EWE,<br />
Avacon, Westnetz, WEMAG und E.DIS vorgestellt.<br />
Weitere Seminare in den<br />
Immer wenn wir Energie brauchen, kann Biogas liefern:<br />
Bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter.<br />
Regional. Verlässlich. Klimafreundlich. Biogas kann‘s!<br />
103
VERBAND<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Netzgebieten der NetzeBW, Lechwerke und Thüringer<br />
Energienetze befinden sich derzeit in Planung.<br />
Leider zeigt sich zunehmend, dass viele wichtige Aspekte,<br />
wie der Umgang mit einer Wärmeversorgung,<br />
die Umsetzung von Datenlieferverpflichtungen oder<br />
die Rollen im zukünftigen System, oftmals noch nicht<br />
abschließend geklärt sind, was zu einer Vielzahl von<br />
Fragen in der Mitgliedschaft führt. Um unsere Mitglieder<br />
bei der Umsetzung zu unterstützen, erarbeiten wir<br />
zurzeit eine Arbeitshilfe, die die Anforderungen zusammenfasst.<br />
TRAS 120, 44. BImSchV und<br />
Luftreinhaltebonus<br />
Wie bereits berichtet, stellt die Umsetzung der TRAS<br />
120 einen Themenschwerpunkt der Verbandsarbeit<br />
dar, da betroffene Anlagenbetreiber verstärkt zur Anlagenprüfung<br />
durch einen Sachverständigen gemäß<br />
Paragraf (§)29b BImSchG aufgefordert werden. Die<br />
Länder agieren hier leider sehr unterschiedlich, angefangen<br />
mit einer abweichungsfesten Umsetzung bis<br />
hin zu einem entspannten Abwarten der Behörden.<br />
Aus diesem Grund ist der Fachverband im intensiven<br />
Austausch mit betroffenen Anlagenbetreibern beziehungsweise<br />
den zuständigen Behörden. Auch besteht<br />
nach wie vor erheblicher Abstimmungsbedarf bei diskussionswürdigen<br />
Anforderungen bezüglich gleichwertiger<br />
alternativer Maßnahmen (zum Beispiel abwehrender<br />
Brandschutz anstatt von Schutzabständen).<br />
Auf eine finale Klarstellung bei der Umsetzung des im<br />
Herbst 2020 veröffentlichten neuen LAI-Beschluss<br />
zum Erhalt des Luftreinhaltebonus warten wir seit Monaten<br />
und hoffen, dass im Mai weitere Vollzugshinweise<br />
kommen. Auch hier sind wir im ständigen Austausch<br />
mit den in der LAI aktiven Ländervertretern, um möglichst<br />
praktikable Vorgaben zu erreichen.<br />
AwSV-Änderung und Veröffentlichung<br />
TRwS 793-1<br />
Nachdem der Entwurf zur ersten Verordnung zur Änderung<br />
der Verordnung im Umgang mit wassergefährdenden<br />
Stoffen (AwSV) Anfang des letzten Jahres auch im<br />
Bereich Biogas höhere Wellen geschlagen hatte (Stichwort<br />
externe Gärrestlager), ruht das Verordnungsvorhaben<br />
mit Verstreichen des ersten Quartals <strong>2021</strong> vorerst<br />
wieder, da ein Abschluss des Verfahrens in dieser Legislaturperiode<br />
nicht mehr realisierbar wäre.<br />
Allerdings ist damit aber die sprichwörtliche Kuh noch<br />
nicht vom Eis: Denn dass die AwSV an einzelnen Stellen<br />
geändert werden muss – unter anderem, um europarechtskonform<br />
zu sein –, stand eigentlich schon beim Inkrafttreten<br />
der AwSv 2017 fest. Die Ruhe vor dem Sturm<br />
herrscht dagegen aktuell bei der TA Luft: Die Ausschussberatungen<br />
im Bundesrat laufen auf Hochtouren –<br />
ein Bundesratsbeschluss wird im Mai erwartet.<br />
Sicher in den Hafen eingelaufen ist dagegen die Technische<br />
Regel wassergefährdende Stoffe TRwS 793-1 –<br />
Biogasanlagen mit Gärsubstraten landwirtschaftlicher<br />
Herkunft. Im März wurde der Weißdruck von der DWA<br />
veröffentlicht und kann bei der DWA in gedruckter Fassung<br />
oder als e-Book bezogen werden. Da die TRwS<br />
793-1 für den Neubau von Anlagen gilt, soll in einem<br />
Teil 2 auf die Bestandsanlagen eingegangen werden.<br />
Die Arbeiten dazu wurden bereits aufgenommen.<br />
Überarbeitung der TRGS 529<br />
Ein Schwerpunktthema bei der Überarbeitung der TRGS<br />
529 nimmt das Thema Instandhaltung ein. Neben neuen<br />
Fachkundeanforderungen steht auch die Aufnahme<br />
neuer Anforderungen an Schutzmaßnahmenkonzepten<br />
zur Diskussion. Um hier die Branche mit einzubeziehen,<br />
wurde die Arbeitsgruppe „Sichere Instandhaltung“ im<br />
Fachverband Biogas reaktiviert. Die Arbeitsgruppe hat<br />
ORIGINAL UND OEM-ERSATZTEILE<br />
Zylinderlaufbuchsen, Kolben, Lager, Kupplungen, Wartungssets<br />
und viele weitere Ersatzteile passend für Ihr BHKW<br />
104
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> VERBAND<br />
sich hierzu bereits zweimal in Webkonferenzen getroffen<br />
und ausgetauscht. Nach aktuellem Stand begrüßt die<br />
Arbeitsgruppe die neuen Anforderungen an die Fachkunde,<br />
aber neue, in einem Regelwerk verankerte detailliertere<br />
Schutzmaßnahmen werden hingegen als weniger<br />
sinnvoll erachtet. Vielmehr wird befürwortet, dass<br />
die bisherigen Arbeitshilfen des Fachverbandes noch<br />
ergänzt und gegebenenfalls noch weiter verteilt werden.<br />
Einer besonders kritischen Beobachtung bedarf es in<br />
den letzten Wochen der Einführung neuer ISO-Standards<br />
beim Thema Biogas sowie im besonderen Maße<br />
der Adaption von ISO-Standards in die europäischen<br />
Normungsaktivitäten (CEN 408). Hierzu sind wir in engem<br />
Austausch mit den ebenfalls betroffenen Verbänden<br />
DVGW und DWA, um auch auf nationaler Ebene den<br />
Entwicklungen angemessen entgegenzutreten (Entsendung<br />
von Experten, Diskussion in Spiegelgremien etc.).<br />
Homepage wird überarbeitet<br />
Das Digitalisierungsreferat wurde mit der Überarbeitung<br />
der Fachverbandswebsite www.biogas.org (deutsch/<br />
englisch) beauftragt. Ziel ist ein moderner und sicherer<br />
Online-Zugang zu den Informations- und Serviceangeboten<br />
des Fachverbandes. In der ersten Phase werden<br />
die Inhalte auf Punkte wie Qualität, Aktualität und Erreichbarkeit<br />
untersucht, um die Website auch inhaltlich<br />
noch zielgruppengerechter zu gestalten.<br />
Neben laufenden Verbesserungen an neu integrierten<br />
Tools wie der Nachrichten-App „Airfarm“ und Zoom<br />
sowie Equipmentanschaffungen und Schulungen unterstützt<br />
das Referat Mitarbeitende bei Technikfragen<br />
und Aufträgen mit digitalen Lösungen. Wo nötig, werden<br />
Technologien regelmäßig auf ihre Datenschutzkonformität<br />
(DSGVO) geprüft und die Hinweispflichten des<br />
Fachverbandes in Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten<br />
aktualisiert.<br />
Neues von den KVP-Projekten<br />
im Referat International<br />
Am 17. März fand das jährliche Projekttreffen mit dem<br />
Fachverband Biogas und dem Indischen Biogasverband<br />
als Webkonferenz statt. Inwieweit die definierten<br />
Projektziele erfüllt wurden beziehungsweise im Verlauf<br />
des Jahres noch erfüllt werden, wurde hierbei besprochen<br />
und festgehalten, insbesondere im Hinblick auf<br />
die im Juni stattfindende Projektfortschrittskontrolle.<br />
Für das Labor-Portal für Labordienstleistungen, das<br />
in Zusammenarbeit mit der indischen Universität in<br />
Varanasi eingerichtet wurde, ist nun eine zuständige<br />
Ansprechperson vor Ort, die den Ablauf im Labor beaufsichtigt.<br />
Der Feinplanungsworkshop und damit offizieller Kickoff<br />
zum neuen Kammer-Verbandspartnerschafts-Projekt<br />
(KVP) in Uganda fand am 13. und 14. April in<br />
Form einer Hybridveranstaltung mit insgesamt 23 Teilnehmern<br />
aus den Verbänden, Regionalverbänden sowie<br />
den Fördermittelgebern Sequa sowie der GIZ statt. Dabei<br />
wurden die Ziele des gemeinsamen Projekts konkretisiert<br />
und Projektmaßnahmen und Verantwortungen<br />
zusammen festgelegt.<br />
Autoren<br />
Dr. Stefan Rauh<br />
Dipl.-Ing. agr. (FH) Manuel Maciejczyk<br />
Geschäftsführer<br />
Fachverband Biogas e.V.<br />
Angerbrunnenstr. 12 · 85356 Freising<br />
0 81 61/98 46 60<br />
info@biogas.org<br />
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VERBAND<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Durchbruch bei niedersächsischen<br />
Nachgärern – Erlass zurückgenommen<br />
Aufatmen in der Landwirtschaft und der Erneuerbaren-Branche:<br />
Nachgärbehälter von<br />
Biogasanlagen werden auch künftig weiter<br />
als Lagerbehälter angerechnet. Im Januar<br />
war bekannt geworden, dass Nachgärer im<br />
Rahmen der Düngeverordnung rückwirkend zum 1. Januar<br />
nicht mehr für die Lagerraumberechnung anerkannt<br />
werden sollten.<br />
Der LEE hatte mit Unterstützung des Landvolks Niedersachsen<br />
erfolgreich beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium<br />
und bei CDU-Agrarpolitikern interveniert.<br />
Eine erneute Klärung ergab, dass Nachgärer<br />
in Abhängigkeit von der Anlagenfütterung und damit<br />
zusammenhängenden anlagenbezogenen Verweilzeiten<br />
anerkannt werden dürfen.<br />
Nachgärer übernimmt weiterhin<br />
Gärrestlagerfunktion<br />
Im Detail bedeutet das für die niedersächsischen Biogasanlagenbetreiber,<br />
dass der Erlass „Nachgärer ist<br />
keine Lageranlage“ rückwirkend zum 1. Januar <strong>2021</strong><br />
zurückgenommen wird. Die Gärrestlagerraumberechnung<br />
erfolgt weiterhin nach der Verfahrensbeschreibung<br />
der Landwirtschaftskammer: Der Nachgärer kann<br />
wieder anteilig – bis maximal 70 Prozent – die Gärrestlagerfunktion<br />
übernehmen.<br />
Wäre der Erlass wie ursprünglich geplant in Kraft getreten,<br />
hätte dies das Aus für zahlreiche niedersächsische<br />
Biogasanlagen bedeutet. „Der Nachgärer wäre bei der<br />
Berechnung der Lagerraumkapazität von Biogasanlagen<br />
nicht berücksichtigt worden, sodass zusätzlicher<br />
teurer Lagerraum hätte gebaut werden müssen. Dazu<br />
wären die meisten Biogasanlagenbetreiber finanziell<br />
nicht in der Lage gewesen. Das Ziel vermehrter Wirtschaftsdüngervergärung<br />
wäre somit in weite Ferne<br />
gerückt“, erklärt dazu Jochen Oestmann, Vertreter des<br />
Landvolks im LEE.<br />
Wirtschaftsdüngervergärung = Klimaschutz<br />
Für Silke Weyberg, LEE-Geschäftsführerin, ist die<br />
Rücknahme des Erlasses daher ein Schritt in die richtige<br />
Richtung: „Die Lageproblematik ist zentral. Der<br />
Wegfall des Nachgärers als Lager hätte zur Folge gehabt,<br />
dass der Anteil der Wirtschaftsdüngervergärung<br />
(WDV) gesunken wäre. Das Gegenteil wollen wir erreichen.<br />
Im Sinne des Klimaschutzes wollen wir die WDV<br />
steigern, was ein Bündel an abgestimmten Maßnahmen<br />
erfordert. Hierzu wird das Biogasforum Vorschläge<br />
unterbreiten. Dazu gehört auch eine pragmatische<br />
Umsetzung der Düngeverordnung in Niedersachsen.“<br />
„Rote Gebiete“ – LEE nimmt zur Niedersächsischen<br />
Düngeverordnung Stellung<br />
In der intensiv geführten Diskussion um die sogenannten<br />
„Roten Gebiete“ in Niedersachsen hat sich der LEE<br />
mit zwei Stellungnahmen an das Niedersächsische<br />
Landwirtschaftsministerium gewandt. Mit der Erweiterung<br />
des Messstellennetzes und damit einer weiteren<br />
Regionalisierung der Messstellen hatte das Landwirtschaftsministerium<br />
entscheidende Anregungen des<br />
LEE aufgegriffen. Der LEE kritisiert jedoch, dass die<br />
Ausweisung der „Roten Gebiete“ immer noch nicht<br />
überall dem Verursacherprinzip entspricht.<br />
Für die Biogasbranche ist es aus Sicht des LEE von<br />
existenzieller Bedeutung, dass diese Messstellen<br />
fachlich untermauert sind, sodass sie im Gesamtsystem<br />
der gesetzlichen Regelungen und europarechtlichen<br />
Vorgaben anerkannt werden. Denn nur dann<br />
besteht die dringend gebotene Rechtssicherheit für<br />
Anlagenbetreiber.<br />
106
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong> VERBAND<br />
Niedersachsen agiert bei Gärreste lagerung<br />
restriktiv<br />
Der LEE befürchtet Probleme bei der Lagerung der<br />
Gärreste. Auch wenn der Nachgärer wieder als Lager<br />
anerkannt wurde, führt eine äußerst restriktive und im<br />
Bundesgebiet einmalige Auslegung der Düngeverordnung<br />
durch das Land Niedersachsen dazu, dass Biogasanlagen<br />
ihre mögliche Wirkung im Hinblick auf das<br />
Wirtschaftsdüngermanagement in Niedersachsen nicht<br />
entfalten können.<br />
Biogasanlagen können durch Güllevergärung einen<br />
erheblichen Beitrag nicht nur für den Wasserschutz,<br />
sondern auch zur Verminderung der Treibhausgase und<br />
insbesondere der Lachgasimmissionen liefern. Dazu<br />
müsste es möglich sein, externe Lagebehälter für die<br />
Gärrestlagerung zu nutzen und Lieferverträge als ackerbauliche<br />
Verwertungsmöglichkeit anzuwenden.<br />
Klimapolitisch fragwürdige Vorgaben<br />
Da die Wirtschaftsdüngervergärung besonders viel Lagerraum<br />
benötigt, sind die Betreiber gezwungen, Gülle<br />
zugunsten vorzüglicherer Produkte zu substituieren, um<br />
ausreichend Lagerraum nachweisen zu können. Das ist<br />
klimapolitisch, aber auch bei ganzheitlicher Betrachtung<br />
des Wirtschaftsdüngeraufkommens kontraproduktiv<br />
und steht nicht nur dem niedersächsischen Klimaschutzziel<br />
entgegen, sondern auch der jüngst durch das<br />
Niedersächsische Landwirtschaftsministerium veröffentlichten<br />
Ackerbaustrategie.<br />
Dort wird richtigerweise betont,<br />
dass der Humusaufbau durch<br />
Wirtschaftsdüngernutzung<br />
verstärkt werden soll. Die<br />
düngerechtlichen Vorgaben<br />
dieser Gesetzesumsetzung<br />
dürfen dem<br />
aber nicht entgegenstehen.<br />
Der LEE setzt<br />
sich daher für eine<br />
ganzheitliche Lösung<br />
der Problematik ein.<br />
Autor<br />
Lars Günsel<br />
Pressesprecher<br />
LEE Niedersachsen/Bremen<br />
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Dialog mit der Politik zu fördern, die auf den bisherigen<br />
Branchentagen erfreulich stark vertreten war. Im Bundestagswahljahr<br />
<strong>2021</strong> wird dieser Aspekt – auch in der<br />
Programmgestaltung – eine besondere Rolle spielen.<br />
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können, steht ein Livestream zur Verfügung.<br />
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107
VERBAND<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
Korrektur des EEG <strong>2021</strong> überfällig<br />
Gastbeitrag von Dr. Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V. (BEE)<br />
Als die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes<br />
(EEG)<br />
kurz vor knapp Ende letzten<br />
Jahres verabschiedet wurde,<br />
blieben wesentliche Punkte<br />
ungeregelt oder enthielten handwerkliche<br />
Fehler. In einem Entschließungsantrag verpflichteten<br />
sich die Regierungsfraktionen,<br />
im ersten Quartal <strong>2021</strong> an verschiedenen<br />
Stellen Nachbesserungen vorzunehmen.<br />
Diese Zusage wurde nicht eingehalten und<br />
die Verhandlungen der beiden Koalitionsfraktionen<br />
liegen weiter auf Eis, was<br />
in der Branche für enorme Unsicherheit<br />
sorgt.<br />
Am EEG sind jetzt schnell maßgebliche<br />
Korrekturen vorzunehmen und<br />
notwendige Impulse für den Ausbau<br />
der Erneuerbaren Energien zu geben.<br />
Nur so können die Klimaziele erreicht<br />
und ausreichend saubere Energie für den<br />
wachsenden Strombedarf zur Verfügung<br />
gestellt werden. Zu den dringendsten Baustellen<br />
gehören neben der Anpassung der<br />
Ausbaupfade an höhere EU-Klimaziele und<br />
den steigenden Strombedarf vor allem Korrekturen<br />
bei den Ausschreibungen, aber<br />
auch bei anderen kurzfristig eingezogenen<br />
Hindernissen.<br />
So muss bei der Bioenergie der Flexibilitätszuschlag<br />
im zweiten Vergütungszeitraum<br />
auch für Bestandsanlagen, die im ersten<br />
Zeitraum die Flexibilitätsprämie erhalten,<br />
wieder möglich sein. Bei der Kombination<br />
der beiden Förderungen handelt es sich<br />
explizit nicht um eine Doppelförderung,<br />
sondern vielmehr um eine Finanzierung<br />
der Investitionen, die bei einem Wechsel in<br />
den zweiten Vergütungszeitraum anfallen.<br />
Dieser offensichtlich handwerkliche Fehler<br />
ist zu korrigieren.<br />
Weiterhin bedarf es einer Klarstellung der<br />
bereits 2014 eingeführten Übergangsbestimmung<br />
für Biogasaufbereitungsanlagen,<br />
Biomethan in anderen Blockheizkraftwerken<br />
(BHKW) zu verwerten. Dass diese<br />
Regelung nun fehlt, führt zu Unsicherheit<br />
bei den betroffenen Anlagenbetreibern.<br />
Hier ist dringend Vertrauensschutz wiederherzustellen.<br />
Im Bereich der Photovoltaik ist eine umfassende<br />
Klarstellung für Dachanlagen<br />
im Segment zwischen 300 Kilowattpeak<br />
(kWp) und 750 kWp notwendig. Diese Anlagen<br />
erhalten entweder nur für 50 Prozent<br />
der erzeugten Strommenge eine Vergütung<br />
oder müssen alternativ an einer Ausschreibung<br />
teilnehmen. Hier braucht es sowohl<br />
eine rechtliche als auch eine technische<br />
Klarstellung, auf welchen Zeitraum sich<br />
der Vergütungsanspruch im ersten Fall<br />
bezieht, um Unsicherheiten zu beseitigen.<br />
Außerdem muss korrigiert werden, dass<br />
nach Paragraf 51a PV-Anlagen von 500<br />
bis 750 kWp keine Verlängerung des Vergütungszeitraums<br />
für die auftretenden negativen<br />
Stunden erhalten. Auch wenn der<br />
eingeführte Mechanismus die bestehenden<br />
Risiken nicht ausreichend adressiert<br />
und sich vielmehr auf den Ausgleich der<br />
Energiemengen und nicht der zeitlichen<br />
Stunden beziehen sollte, muss die Regelung<br />
zumindest für alle betroffenen Betreiber<br />
gelten.<br />
Im Bereich Windenergie sind zahlreiche<br />
Anpassungen hinsichtlich der Ausschreibungen<br />
nötig. Die drei Ausschreibungsrunden<br />
sollten gleichmäßig über das Jahr<br />
verteilt werden, sodass Genehmigungen<br />
auch noch im letzten Quartal erteilt werden<br />
können. Außerdem sind Nachbesserungen<br />
in Bezug auf die Volumina notwendig. Der<br />
viel zu niedrige aktuelle Zubau gefährdet<br />
die Zielerreichung für das Jahr 2030.<br />
Die fehlenden Mengen müssen also in den<br />
Folgejahren ausgeglichen werden. Da diese<br />
Nachholung durch das EEG <strong>2021</strong> auf 2024<br />
verschoben wurde, würden Mengen in Höhe<br />
von knapp 3.000 Megawatt aus den letzten<br />
Jahren verfallen. Das ist ökologisch wie ökonomisch<br />
kontraproduktiv. Außerdem muss<br />
die durch die neue endogene Mengensteuerung<br />
verursachte Abwärtsspirale der<br />
Ausschreibungsmengen wieder beseitigt<br />
sowie müssen die Ausschreibungsvolumina<br />
bereits unmittelbar nach der Meldefrist<br />
durch die Bundesnetzagentur<br />
festgelegt werden.<br />
Die Verhandlungen zum EEG müssen<br />
jetzt schnell wieder aufgenommen werden,<br />
um eine Verabschiedung in der letzten<br />
Bundesrats-Sitzung vor der Sommerpause<br />
im Juni noch zu ermöglichen. Eine neue<br />
Bundesregierung wäre voraussichtlich erst<br />
wieder Anfang 2022 voll handlungsfähig.<br />
Hieraus ergeben sich die bekannten Probleme<br />
und Unsicherheiten. Nicht zuletzt<br />
muss die Bundesregierung gegenüber der<br />
EU-Kommission den Druck erhöhen, um<br />
die weiterhin ausstehende beihilferechtliche<br />
Genehmigung herbeizuführen.<br />
Die aufgrund der fehlenden Notifizierung<br />
(lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor)<br />
noch nicht veröffentlichten Ausschreibungsergebnisse<br />
durch die Bundesnetzagentur<br />
führen zu erheblichen Rechtsunsicherheiten<br />
bei den Projektierern. Der BEE<br />
hat im vergangenen Jahr vor der neuen<br />
Abhängigkeit von EU-Genehmigungen und<br />
dadurch verursachten Verzögerungen gewarnt<br />
und wurde vertröstet, dass man mit<br />
der Kommission bereits im Gespräch sei.<br />
Jetzt muss sich die Bundesregierung mit<br />
voller Kraft dafür einsetzen, dass die EU<br />
zumindest für Teilaspekte schnell grünes<br />
Licht gibt. Sonst geht die Legislatur mit der<br />
gleichen Zögerlichkeit bei der Energiewende<br />
zu Ende, wie sie begonnen hat – verbunden<br />
mit massiven wirtschaftlichen Verwerfungen<br />
und einer Absage an die Einhaltung<br />
der Klimaziele.<br />
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Aktionswoche Artenvielfalt<br />
vom 12. bis 18. Juli <strong>2021</strong><br />
Biodiversität<br />
Biogas und Artenvielfalt – das gehört<br />
zusammen. Darauf wollen wir nach<br />
der erfolgreichen Aktionswoche<br />
Artenvielfalt 2020 auch in diesem<br />
Jahr gemeinsam mit unseren Mitgliedern,<br />
Kooperationspartnern und Unterstützern<br />
aufmerksam machen.<br />
Viele Betreiber haben bereits bunt blühende<br />
Energiepflanzenfelder für ihre Biogasanlagen<br />
etabliert. Ein paar davon hat unser Biogas-<br />
Botschafter Schorsch Hackl in den vergangenen<br />
Jahren besucht – beispielsweise das<br />
Wildpflanzenprojekt in Rhön-Grabfeld oder<br />
das Silphiefeld von Stefan Leitenbacher in<br />
Oberbayern.<br />
Einen kleinen Überblick gibt der Referenzflächenatlas<br />
auf der Seite farbe-ins-feld.de, der<br />
im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche aktualisiert<br />
und erweitert wird.<br />
Sie haben auch blühende Energiepflanzen<br />
angebaut? Dann machen Sie mit! Melden<br />
Sie Ihre Felder und zeigen Sie interessierten<br />
Mitbürger*innen Ihren Beitrag zur Artenvielfalt.<br />
Unterstützen Sie die Aktionswoche in den sozialen<br />
Medien, posten Sie Fotos, nutzen<br />
Sie unsere Sharepics, stellen Sie<br />
Kurzvideos ein – oder laden<br />
Sie Politiker*innen und/oder<br />
Pressevertreter*innen auf<br />
Ihre Felder und erklären<br />
Sie Ihre Motivation.<br />
Alle Informationen finden<br />
Sie auf der Homepage<br />
des Fachverbandes Biogas.<br />
Bei Fragen und Anregungen<br />
wenden Sie sich an:<br />
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RECHT<br />
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
CLEARINGSTELLE EEG | KWKG<br />
Votum zu Anlagenbegriff, Inbetriebnahmedatum<br />
und Meldefragen veröffentlicht<br />
Die Clearingstelle hat ein Votum zum Anlagenbegriff,<br />
Inbetriebnahmedatum und Meldefragen<br />
beim Umbau einer Deponie- und<br />
einer Abfallvergärungsanlage veröffentlicht.<br />
Von Dr.-Ing. Natalie Mutlak<br />
Im Votum 2020/12-IV 1 hatte die Clearingstelle unter<br />
anderem zu klären, ob und wenn ja, wie sich das<br />
Ersetzen von Blockheizkraftwerken (BHKW) bei einer<br />
Deponiegas- und einer Abfallvergärungsanlage<br />
sowie umfangreiche Umbaumaßnahmen an beiden<br />
BHKW auf den Anlagenbegriff, die Inbetriebnahme<br />
und die Vergütungsansprüche auswirkten.<br />
Der Anlagenbetreiber betrieb seit Ende der 1990er<br />
Jahre eine Deponie, eine Abfallvergärungsanlage und<br />
zwei BHKW. Die Deponie und die Abfallvergärungsanlage<br />
befanden sich auf benachbarten Grundstücken, die<br />
beiden BHKW auf demselben Grundstück. Zunächst<br />
wurde ein BHKW zumeist ausschließlich mit Deponiegas<br />
und das andere zumeist ausschließlich mit (Abfall-)<br />
Biogas betrieben.<br />
Das mit Deponiegas betriebene BHKW wurde unter<br />
dem Geltungsbereich des EEG 2004 ersetzt. Das mit<br />
dem Gas aus der Abfallvergärungsanlage betriebene<br />
BHKW wurde 2016 ersetzt. Im Jahr 2016 fanden zudem<br />
weitere umfangreiche Umbauarbeiten statt, unter<br />
anderem wurden Einrichtungen zur Gaskühlung,<br />
-analyse und -reinigung errichtet und wurde die Gaszuleitung<br />
auf eine reguläre Mischgaszufuhr aus Deponie-<br />
und Biogas umgebaut. Seit Ende 2016 wurde der<br />
Regelmischgasbetrieb aufgenommen und gleichzeitig<br />
das ehemalige Deponiegas-BHKW nur noch während<br />
der Stillstandzeiten des 2016 in Betrieb gesetzten<br />
BHKW betrieben.<br />
Im Votum 2020/12-IV hat die Clearingstelle für den<br />
zu beurteilenden Fall festgestellt, dass es sich bis zur<br />
Aufnahme des Regelmischgasbetriebs Ende 2016 um<br />
getrennte EEG-Anlagen – eine Deponiegasanlage und<br />
eine Biogasanlage – gehandelt hat.<br />
Da die beiden Anlagen vor dem Jahr 2000 in Betrieb<br />
genommen wurden, haben sie mit Inkrafttreten des<br />
EEG 2000 gemäß Paragraf (§) 9 Absatz 1 Satz 2 EEG<br />
2000 das Inbetriebnahmejahr 2000 übernommen.<br />
112
BIOGAS JOURNAL | 3_<strong>2021</strong><br />
RECHT<br />
FOTO: JÖRG BÖTHLING<br />
Mit Inkrafttreten des EEG 2004 war sodann<br />
gemäß § 21 Absatz 1 EEG 2004<br />
(Übergangsvorschrift) der Anlagenbegriff<br />
des EEG 2004 auch für Bestandsanlagen<br />
anzuwenden. Die Clearingstelle hat für<br />
den vorliegenden Fall festgestellt, dass die<br />
Deponiegasanlage und die Biogasanlage<br />
nicht nach § 3 Absatz 2 EEG 2004 zusammenzufassen<br />
waren, da sie nicht über<br />
gemeinsame für den Betrieb erforderliche<br />
Einrichtungen verfügten.<br />
Zwar waren die beiden BHKW dergestalt<br />
mit einem Bypass verbunden, dass beiden<br />
BHKW dasselbe Biogas aus der Abfallvergärungsanlage<br />
zugeführt werden konnte<br />
und zum Teil auch wurde. Jedoch war diese<br />
Bypass-Verbindung nicht für den Betrieb<br />
„technisch erforderlich“ im Sinne des §<br />
3 Absatz 2 EEG 2004, da der zeitweise<br />
„Quereinsatz“ von Biogas im Deponiegas-<br />
BHKW beziehungsweise von Mischgas keine<br />
Standardbetriebsweise darstellte, sondern<br />
nur in Ausnahme- bzw. in Notfällen<br />
zum Tragen kam.<br />
Nach 2005er und 2009er EEG<br />
zwei getrennte BHKW<br />
Mit dem Ersetzen des Deponiegas-BHKW<br />
im Jahr 2005 wurde deshalb eine Neuinbetriebnahme<br />
ausgelöst. Denn der Deponiekörper<br />
gehört (auch unter dem Geltungsbereich<br />
des EEG 2004) nicht zur EEG-Anlage,<br />
weshalb durch das Ersetzen des BHKW die<br />
Anlage im Sinne des EEG vollständig ersetzt<br />
wurde. Seit Inkrafttreten des EEG 2009 gilt<br />
der Anlagenbegriff des EEG 2009 auch für<br />
Bestandsanlagen, wobei das Inbetriebnahmedatum<br />
bei Bestandsanlagen unberührt<br />
bleibt. Die Beurteilung der vorliegenden<br />
Anlagenkonstellation führte auch unter<br />
dem EEG 2009 nicht zu einer Verklammerung<br />
beider Anlagen. Zwar befinden sich<br />
die beiden BHKW in (unmittelbarer) räumlicher<br />
Nähe zueinander (nebeneinander auf<br />
demselben Grundstück). Jedoch lag unter<br />
Geltung des EEG 2009 keine Gesamtheit<br />
funktional zusammenwirkender, technisch<br />
und baulich notwendiger Einrichtungen<br />
vor, die eine Zusammenfassung beider<br />
BHKW begründen würde.<br />
Denn weder war für den betrachteten Zeitraum<br />
ein gemeinsames Betriebskonzept<br />
der BHKW zu erkennen, noch waren der<br />
Fermenter der Abfallvergärungsanlage, der<br />
Deponiekörper oder der Bypass geeignet,<br />
um eine technische Anlagenzusammenfassung<br />
bzw. Verklammerung zu bewirken.<br />
Insbesondere war im betrachteten Einzelfall<br />
der Fermenter der Abfallvergärungsanlage<br />
(ebenso wie die Deponie) nicht vorrangig<br />
zur Stromerzeugung, sondern vorrangig<br />
im Rahmen öffentlich-rechtlicher Abfallverwertungsaufgaben<br />
errichtet worden<br />
und deshalb kein Bestandteil der Anlage<br />
im Sinne des EEG 2009.<br />
Gemeinsame Anlage seit<br />
Ende 2016<br />
Seit Ende 2016 handelt es sich bei den<br />
beiden BHKW des Anlagenbetreibers um<br />
eine gemeinsame Anlage mit neuem Inbetriebnahmedatum<br />
in 2016. Ausschlaggebend<br />
für diese rechtliche Bewertung<br />
war, dass sich die beiden BHKW sowohl in<br />
(unmittelbarer) räumlicher Nähe zueinander<br />
befinden als auch seit Ende Dezember<br />
2016 eine funktionale Gesamtheit bilden.<br />
Für letzteres spricht insbesondere der seit<br />
diesem Zeitpunkt stattfindende reguläre<br />
Einsatz von Mischgas im Haupt-BHKW.<br />
Zudem wirken die BHKW dergestalt regelhaft<br />
funktional zusammen, als das Ersatz-<br />
BHKW immer dann zum Einsatz kommt,<br />
wenn das Haupt-BHKW aus technischen<br />
Gründen nicht betrieben werden kann. Zudem<br />
sind die BHKW über eine Gassammelschiene<br />
(T-Stück) zur Zuführung des regulären<br />
Mischgases technisch verbunden.<br />
Weiterhin wurde im Votum 2020/12-IV<br />
geklärt, welche Vergütungsansprüche für<br />
den seit den Umbaumaßnahmen von den<br />
verfahrensgegenständlichen BHKW eingespeisten<br />
Strom bestanden und ob Vergütungssanktionen<br />
aufgrund etwaiger Meldepflichtverstöße<br />
an die Bundesnetzagentur<br />
anzuwenden waren.<br />
1<br />
Abrufbar unter: https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/votv/2020/12.<br />
Autorin<br />
Dr.-Ing. Natalie Mutlak<br />
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Position des Fachverbandes Biogas e.V. übereinstimmen muss.<br />
Nachdruck, Aufnahme in Datenbanken, Onlinedienste und Internet,<br />
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