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Unternehmensbroschüre der DRF Luftrettung

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Inhalt

Vorwort von Dr. Krystian Pracz 5

Rettung

Gemeinsam Leben retten 6

Luftrettung in Zeiten der Coronapandemie 8

Notfallrettung 10

Intensivtransporte 12

Ambulanzfl ug 14

Tochtergesellschaften der DRF Luftrettung 16

Windenrettung 18

Nächtliche Luftrettung 20

Wie Luftretter alarmiert werden 22

Rescue Track: blitzschnell und effi zient 24

Einsatzzahlen 2020 26

Interview mit Dr. Peter Huber 28

Organisation

Immer nah am Menschen 30

Unser Antrieb: Patientenbriefe 32

Unsere Meilensteine 34

Unsere Führungsstruktur 36

Unser Team in Zahlen & Fakten 37

Standorte der DRF Luftrettung in Deutschland 38

Die DRF Luftrettung und ihre Tochtergesellschaften 39

Vom ersten Spatenstich zum ersten Einsatz 40

Medizin

Rettung auf höchstem Niveau 42

„Heli-Blut“ 44

„EpiShuttle“ 46

Ecmo-Behandlung 47

Technik

Sicherheit und Präzision 48

Unsere Flotte 50

Continuing Airworthiness Mangement Organsiation (CAMO) 52

Wartung in der Werft 53

Umrüstung in der Werft: das neue 5-Blatt-Rotorsystem 54

Entwicklungsbetrieb: Immer eine passende Idee 55

Full Flight Simualtor in Kooperation mit Lufthansa Aviation Training (LAT) 56

Akademie

Erfahrung und Expertise als nachhaltige Mission 58

Akademie Know-how und Erfahrung 60

Fliegerische Ausbildung 61

Technische Ausbildung 62

Medizinische Fortbildung 63

Fortschritt

Immer einen Schritt voraus 64

Weil jede Minute zählt: die Next-Best-Strategie 66

Collision Avoidance: Mehr Sichtbarkeit durch technische Innovation 67

Nachhaltigkeit in der DRF Luftrettung 68

Unmanned Aircraft Systems (AUS) – Mit neuer Techink am Puls der Zeit 72

Social Media: Weil jeder Post zählt 74

Menschen

Aufgaben ist niemals eine Option 76

Hand in Hand im Rettungsdienst 78

Ausbildung bei der DRF Luftrettung – Eine Erfolgsgeschichte 82

Ein Lächeln als Visitenkarte 86

Kontakt/Impressum 88


Im Einsatz für

Ihr Leben.

Die DRF Luftrettung

Luftrettung ist die schnellste Rettung für Menschen in Not. Darum

bringen wir seit fast 50 Jahren medizinische Hilfe aus der Luft.

Wann immer Menschen diese Hilfe brauchen, wo auch immer sie

sind. Wir fliegen rund 40.000 Einsätze im Jahr, von der Notfallrettung

vor Ort über Intensivtransporte zwischen Kliniken bis hin

zu weltweiten Ambulanzflügen.

Damit sind wir der führende Luftrettungsspezialist in Europa. Nicht

nur, weil wir mit dem modernsten Equipment arbeiten, medizinisch

und flugtechnisch. Wir sind auch führend, weil unsere Spezialisten

im Operation Center der DRF Luftrettung technischen Rundumservice

bieten, sich kontinuierlich schulen und trainieren, damit wir

Luftrettung auf höchstem Niveau leisten können. Denn wir haben

den Anspruch, jedem Menschen in Not unter allen Umständen so

schnell und qualifiziert wie nur möglich zu helfen.

Liebe Leserinnen und Leser,

seit der Gründung im Jahr 1972 stehen wir, die DRF Luftrettung, dafür ein, dass wir nichts

unversucht lassen, um morgen noch mehr Menschen retten zu können als heute schon. Wir

tun alles dafür, dass jeder Mensch in einer Notsituation schnellst- und bestmöglich medizinisch

versorgt werden kann. Entsprechend sind stete Innovationen ein wichtiger Teil unserer

DNA. Wir verstehen uns als Treiber und Vorreiter modernster Technologien von Medizin und

Technik in der Luftrettung. Und verlieren dabei weder die Sicherheit noch die Zweckmäßigkeit

aus den Augen – für eine nachhaltige Rettung, was für die DRF Luftrettung bedeutet, dass es

uns nicht nur wichtig ist, dass ein Mensch überlebt, sondern auch, dass er eine Chance auf

vollständige Genesung hat.

Um Ihre Frage vorwegzunehmen: Ja, das ist ein sehr hoher Anspruch. Um ihn zu halten, bedarf

es vieler unterschiedlicher Aktivitäten und Maßnahmen – und Partnern wie Unterstützern.

Bundesweit arbeiten an 29 DRF-Stationen und innerhalb der Gruppe der DRF Luftrettung an

35 Stationen hochprofessionell ausgebildete Kolleginnen und Kollegen daran, gemeinsam mit

allen Partnern, unterstützt von modernster Technik und einer perfekt darauf ausgerichteten

Infrastruktur, für Menschen das Beste zu geben. Dies einmal mehr in der aktuellen Coronapandemie.

Schnell zur Verfügung gestellte „EpiShuttles“ und zusätzlich eingesetzte RTHs

sowie grenzüberschreitende Rettung führten dazu, dass wir für dieses Engagement mit dem

Adenauer- de Gaulle-Preis 2020 bedacht wurden.

Zudem verfügt die DRF Luftrettung mit aktuell elf Stationen im 24-Stunden-Betrieb über die

umfangreichste Nachtflugerfahrung im europäischen Raum. Im Zuge der Flottenerneuerung

stellten wir im Jahr 2015 mit dem Airbus H145 die weltweit erste Maschine dieses Typs in

Dienst, entwickelten in einem Kooperationsprojekt eigens dafür eine medizinische Innenausstattung

für den Rettungseinsatz und setzten damit europa-, wenn nicht gar weltweit Maßstäbe.

Die erste fünfblättrige H145 in der deutschen Luftrettung fliegt im März 2021 an der

DRF-Station in Stuttgart ihre ersten Einsätze für Menschen in medizinischen Notsituationen.

Mit Projekten wie „Heli-Blut“ investieren wir in den Fortschritt und die Effizienz von Luftrettungseinsätzen,

um noch schneller und besser zu sein.

Das alles haben wir nicht allein erreicht. Ich bin sehr stolz auf alles, was wir dank aller Kolleginnen

und Kollegen und dank unserer Partner in Medizin, Verwaltung und Politik ermöglichen

konnten. Für Menschen in medizinischen Notsituationen schnellstmöglich da zu sein

und das in uns gesetzte Vertrauen niemals zu enttäuschen, ist ein großer Motor. Lassen Sie

uns gemeinsam immer einen Schritt weitergehen, im besten Falle voraus sein.

Ihr

Dr. Krystian Pracz

4

5


Rettung

Rettung

Gemeinsam

Leben retten

Jeden Tag arbeiten zahlreiche Luftretterinnen und Luftretter daran,

Menschen in medizi nischen Notsituationen die beste und

schnellstmögliche Hilfe zukommen zu lassen. Alles stets mit dem

Ziel vor Augen, Patientinnen und Patienten eine bestmög liche Genesung

zu ermöglichen. Dafür arbeiten alle Hand in Hand. Denn

nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann das erhalten werden,

was einzig artig ist: ein Menschenleben. Was Teamarbeit für die

DRF Luftrettung heißt und wie sie gelebt wird, zeigt die Darstellung

unserer Organisation auf den folgenden Seiten.

6 7


Rettung

Rettung

Luftrettung in Zeiten

der Coronapandemie

Mitte März 2020 stand Deutschland – und die Welt – plötzlich

vor ganz besonderen Herausforderungen: Mit der Ausbreitung

des Coronavirus veränderte sich das Leben für unsere Gesellschaft

grundlegend. Die DRF Luftrettung reagierte frühzeitig.

Egal ob ein Besuch bei der Familie, ein Abendessen im

Restaurant oder der Weg zur Arbeit: Gesellschaftliche Aktivitäten

und soziale Kontakte wurden heruntergefahren, der

berufl iche Alltag veränderte sich. Bis heute ist es eine neue,

sich immer wieder verändernde Situation, die große Herausforderungen

mit sich bringt. Alles mit dem Ziel, die Ausweitung

der Coronapandemie zu verlangsamen und somit eine

Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.

So stand und steht auch die DRF Luftrettung vor bisher nie

gekannten Herausforderungen. Als wichtiger Teil der Rettungskette

gilt es, in jeder Situation möglichst frühzeitig entsprechende

Vorkehrungen und Maßnahmen zu ergreifen,

um die Einsatzbereitschaft der Luftretter in vollem Umfang

zu sichern. Die gemeinnützige Organisation richtete daher

bereits Ende Februar 2020 eine Taskforce ein, die seither

fortlaufend die aktuelle Lage analysiert und bei Bedarf unverzüglich

die erforderlichen Maßnahmen einleitet. So stellte

die DRF Luftrettung Mitte März 2020 bei Bürotätigkeiten

weitestgehend auf Homeoffi ce um. An den bundesweit

29 Luftrettungsstationen und in der Werft wurden feste Einsatzteams

bzw. wurde Schichtbetrieb eingeführt, um so das

Infektionsrisiko bestmöglich eindämmen zu können. Zudem

wurden alle Mitarbeitenden umfassend über die zu ergreifenden

Schutzmaßnahmen informiert. So wurde und wird

sichergestellt, dass alle Stationen unvermindert einsatzbereit

Die DRF Luftrettung hat zu Beginn der Coronapandemie

in die Anschaffung von elf speziellen Isoliertragen, sogenannten

„EpiShuttles“, investiert.

und weiterhin für die Menschen da sind. 2020 leisteten die

Luftretter so insgesamt 686 Einsätze im Zusammenhang mit

dem Coronavirus.

Entlastung durch zusätzliche Hubschrauber

Frühzeitige Überlegungen und eine schnelle Umsetzung

ermöglichten bereits Ende März 2020 die Indienststellung

von Christoph 111. Als zusätzlicher Hubschrauber steht er

am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden schwerpunktmäßig

für Intensivtransporte bereit und entlastet das öffentlichrechtliche

Versorgungssystem. Christoph 111 wurde 2020

insgesamt 463-mal alarmiert. Kurz vor Weihnachten nahm

aufgrund der angespannten Situation im Freistaat Sachsen

ein weiterer Hubschrauber seinen Dienst auf: Christoph 114

trug vom 23. Dezember 2020 bis zum 22. März 2021 zur

Entlastung bei Notfalleinsätzen bei, um bei Christoph 62

freie Kapazitäten für Verlegungen von COVID-19-Patienten

zu schaffen.

Isoliertragen für besseren Schutz

Anfang März 2020 investierte die DRF Luftrettung kurzfristig

in die Beschaffung von elf speziellen Isoliertragen, sogenannten

„EpiShuttles“. Mit ihnen können Patienten mit hochinfektiösen

Krankheiten wie in einer Isolierstation transportiert

werden. Dies schützt Crew und Patientinnen und Patienten

gleichermaßen. Die „EpiShuttles“ wurden bundesweit an elf

Stationen verteilt und kamen 2020 insgesamt 57-mal zum

Einsatz. „Mit den bisher geleisteten Einsätzen konnten wir

zeigen, dass das ‚EpiShuttle‘ sicher und zuverlässig funktioniert

und unsere Einweisungstrainings und die entwickelten

Sicherheitskonzepte wirksam sind“, zieht Dr. med. Jörg Braun,

Fachbereichsleiter Medizin, ein erstes Fazit. Mittlerweile sind

sogar zwölf „EpiShuttles“ an zwölf Stationen im Einsatz.

Die kurzfristige Anschaffung der Isoliertragen ist auf das

proaktive Vorgehen des Hygienemanagements der DRF Luftrettung

zurückzuführen: Unabhängig von der Coronapandemie

hat sich dieser Bereich zum Ziel gesetzt, die ohnehin

in der Notfallmedizin geltenden hohen Hygienestandards

über die gesetzlichen Richtlinien hinaus zu optimieren.

Vor diesem Hintergrund wurde bereits im Herbst 2019 in

Kooperation mit dem Deutschen Beratungszentrum für

Hygiene in Freiburg ein erster wissenschaftlich begleiteter

Feldversuch gestartet, in dem es um das Gefährdungspotenzial

der Hubschrauberbesatzungen bei Tröpfchenfreisetzung

durch infektiöse Patienten geht, da das Thema von möglichen

Infektionen auch für andere hochansteckende Virusinfektionen

von Bedeutung ist. Unter diesem Aspekt hat die

DRF Luftrettung bereits in den Jahren 2017 und 2018 die

Eignung der „EpiShuttles“ für den Transport von Patienten

mit hochinfektiösen übertragbaren Erkrankungen wie z. B.

Masern, Infl uenza, Tuberkulose oder auch Meningokokken

ausgiebig getestet und entsprechende Verfahrensabläufe

etabliert.

Für die Dauer von 90 Tagen wurde zur Entlastung von

Christoph 62 der zusätzliche Christoph 114 vom

Freistaat Sachsen beauftragt und in Dienst gestellt.

Für eine optimale Handhabung und Sicherheit des „Epi-

Shuttles“ wurde zudem durch den EASA-Part 21-Entwicklungsbetrieb

der DRF Luftrettung eine spezielle Bodenplatte

entwickelt, die für eine optimale Befestigung sorgt. „Jedes

Menschenleben ist einzigartig und unersetzlich – wenn

wir mit unserer Anschaffung daher auch nur in einem Fall

dazu beitragen konnten, dass ein Leben gerettet oder die

Genesung verbessert werden konnte, hat sich die Investition

gelohnt“, resümiert Dr. med. Jörg Braun.

Preiswürdige Nachbarschaftshilfe

Im Sinne der europäischen Solidarität übernahmen die

rot-weißen Luftretter im Frühjahr 2020, als das französische

Gesundheitssystem an seine Grenzen geriet, den Transport

französischer Intensivpatienten nach Deutschland und

zurück. Das hat gezeigt, dass Zusammenhalt und Solidarität

nicht an den Landesgrenzen haltmacht. Für dieses Engagement

erhielt die DRF Luftrettung gemeinsam mit der

Luxembourg Air Rescue den Adenauer-de Gaulle-Preis

2020. „Diese Auszeichnung macht uns als Organisation

unglaublich stolz und bestätigt uns auf unserem Weg“,

freut sich Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der

DRF Luftrettung, über den Preis. „Die DRF Luftrettung ist

eine der ältesten und erfahrensten Luftrettungsorganisationen

Europas. Als solche sehe ich uns ganz klar in der

Pfl icht, gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen

und zu helfen, wo dies nötig ist.“

8 9


Rettung

Beherzter Einsatz

für ein junges Leben

Das Mädchen, das allein unterwegs ist, wird bei dem

Zusammenstoß schwerstverletzt, erleidet, wie sich später

herausstellt, eine lebensgefährliche Mehrfachverletzung –

ein sogenanntes Polytrauma, u. a. ein schweres Schädel-

Hirn-Trauma.

„Wir waren zu dem Zeitpunkt noch in Berlin, hatten einen

Patienten übergeben und waren gerade dabei, uns auf den

Rückflug nach Angermünde vorzubereiten“, erinnert sich

Björn Langner, Pilot und Stationsleiter von Christoph 64.

Der von der Rettungsleitstelle nebst Rettungswagen (RTW)

und Polizei zunächst zur Unfallstelle gerufene bodengebun-

Christoph 64 ist seit 2015 für die

Menschen in Brandenburg da. 2019

flogen die Crews 1.622 Einsätze.

Es ist Mai, herrliches Frühsommerwetter, eine große Spielwiese

auf einem Hotelgelände in Brandenburg. Kinder spielen ausgelassen,

die Eltern sind glücklich. Plötzlich fährt ein sieben jähriges

Mädchen mit ihrem Fahrrad völlig unvermittelt aus einem angrenzenden

Waldweg auf eine Straße – und wird nach Angaben der

Polizei von einem Auto frontal erfasst.

dene Notarzt erkennt, dass die Siebenjährige aufgrund der

Schwere der Verletzungen schnellstmöglich in ein Krankenhaus

der Maximalversorgung mit Neurochirurgie- und

Kinder abteilung gebracht werden muss. Da der Transport

per RTW am Boden aber mehr als eine Stunde dauern würde,

wird Christoph 64 von der Leitstelle Nord-Ost alarmiert.

Langner hat den Einsatz heute noch deutlich vor Augen:

„So eine Einsatzmeldung nimmt einen natürlich mit“, erzählt

der 43-jährige Familienvater. Bereits in der Luft überlegt

sich die Crew, in welche Klinik das Kind gebracht werden

kann. „Passt das Wetter? Reicht der Sprit? Welche speziellen

Fachabteilungen brauchen wir? Diese Dinge besprechen wir

schon auf dem Anflug, um Zeit für den Patienten zu gewinnen.“

An diesem Tag sind diese Faktoren alle in Ordnung:

Das Wetter ist stabil, Christoph 64 hat ausreichend Sprit,

Notarzt und Notfallsanitäter verfügen über das notwendige

medizinische Material.

Neben Langner sind Notarzt Dr. Henning Blaich und Notfallsanitäter

Christian Barth an Bord. Da die Unfallstelle in

einem Waldbereich liegt, wo Christoph 64 nicht landen

kann, muss eine Alternative gefunden werden. Per Funk

verabreden sich die Luftretter mit dem bodengebundenen

Rettungsdienst zu einem „Rendezvous“ an dem nahe

gelegenen Hotel, da die große Spielwiese dort genug Platz

für die Landung bietet. „Die Polizei hatte den Landeplatz

frei gemacht, das Mädchen konnte direkt in den Hubschrauber

umgeladen werden“, erläutert Langner. Da der

Zustand des Mädchens kritisch ist, muss die medizinische

Crew besonders schnell handeln. Wegen der schweren

Kopf verletzungen wird das Kind intubiert und beatmet. Um

innere Verletzungen ausschließen zu können, untersucht

Hubschraubernotarzt Dr. Blaich das Mädchen mit dem

mobilen Ultraschallgerät. Ein Gerät, das längst nicht zum

Standard in der Notfallrettung gehört. Die DRF Luftrettung

hat dank ihrer Fördermitglieder alle ihre Hubschrauber

damit ausrüsten können.

Noch vor dem Start informiert die Crew das Krankenhaus in

Berlin-Buch, dass Christoph 64 in etwa 20 Minuten auf dem

Dach der Klinik landen werde. Der Zustand des Mädchens

ist kritisch. „Trotzdem darf ich nichts überstürzen“, erklärt

Stationsleiter und Pilot Björn

Langner mit der Crew von

Christoph 64 im Einsatz

Schnelle Notfallrettung

schneller Notarztzubringer

Einsatzorte in einem Umkreis von 60 Kilometern

erreicht die Besatzung in max. 15 Flugminuten

Einsatz besonderer Verfahren, u. a. mechanische

Reanimationshilfen, Blutprodukte, ECMO

schneller und schonender Transport in Spezialkliniken

Verkürzung der Prähospitalzeit

Langner, „ich muss eine professionelle Distanz zu dem Einsatz

wahren, damit ich sicher fliegen kann.“

Nach 16 Flugminuten landet Christoph 64 in Berlin-Buch

und übergibt die Siebenjährige. Zurück in Angermünde setzt

sich die Crew zum Debriefing zusammen, rekapituliert und

spielt den Einsatz noch einmal durch. Haben wir alles richtig

gemacht? Hätten wir etwas anders machen können oder

müssen? „Gerade wenn wir Kinder versorgen müssen, ist

es hilfreich, im Anschluss darüber zu sprechen. Das hilft, die

psychische Belastung zu reduzieren“, erklärt Langner. Bei

diesem Einsatz, ist der Pilot überzeugt, „lief alles optimal. Da

haben wir einen richtig guten Job gemacht“.

Allerdings fragt sich die Crew: Warum war das Mädchen

allein unterwegs? Und warum trug es keinen Helm? „Wir

kennen die Geschichte dahinter nicht und es ist nicht unsere

Aufgabe, so etwas zu bewerten. Womöglich gibt es dafür

einfache Erklärungen“, erläutert Langner. Fälle wie dieser

würden seine Einstellung belegen, dass man am besten

„immer einen Helm trägt, wenn man mit dem Fahrrad

unterwegs ist“ – das gelte nicht nur für Kinder.

Das Wichtigste hat die Crew erst kürzlich erfahren: Das Mädchen

hat den Unfall gut überstanden und konnte nach neun

Tagen aus dem Krankenhaus in die Reha entlassen werden.

10 11


Rettung

Geburtsstunde des

Intensivtransporthubschraubers

in

Deutschland

Seit 2015 startet als Christoph München

eine H145, der derzeit modernste in der

Luftrettung eingesetzte Hubschrauber.

Am 1. April 1991 wurde Christoph München als erster offizieller

Intensivtransporthubschrauber (ITH) Deutschlands in Dienst gestellt.

Er bildete den Startschuss für die erfolgreiche Entwicklung von luftgebundenen

Patiententransporten unter intensivmedizinischen Bedingungen

und trug maßgeblich zu deren heutiger Bedeutung bei.

nicht einmal einen Hangar, der Hubschrauber musste bei

jedem Wetter im Freien abgestellt werden.“ Das Arbeiten

am Anfang war nicht immer einfach, weiß Haslberger noch.

„Unser Engagement blieb aber stets ungebrochen und wir

haben die Station stetig weiterentwickelt. So konnten wir

2006 dann einen neuen Hangar und 2011 das neu errichtete

Dienstgebäude in Betrieb nehmen. Seitdem verfügen wir

über optimale Arbeitsbedingungen.“

Heute werden die Münchner Luftretter rund 1.200-mal im

Jahr alarmiert und sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil

in der medizinischen Versorgung der Menschen in der

Region und ganz Bayern geworden. Von Anfang an startete

Christoph München dabei auch zu nächtlichen Einsätzen

und ist seither an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit.

„Insbesondere die Intensivtransporthubschrauber

haben maßgeblich zum Ausbau und zur Akzeptanz des

Nachtfl ugs beigetragen. Heute ist der Nachtfl ug ein wichtiger

Bestandteil unserer lebensrettenden Arbeit“, sagt

Dr. Peter Huber, Vorstand der DRF Luftrettung.

Impulse für die Luftrettung

Entscheidende Impulse für die Luftrettung kamen über die

Jahre immer wieder vom Standort München aus. Gleich bei

der Dienstaufnahme 1991 gab es eine Besonderheit: Der

Hubschrauber war der erste Intensivtransporthubschrauber

Deutschlands. Das Konzept war in Kooperation mit Ärzten

aus dem Klinikum Großhadern und dem Arbeiter-Samariter-

Bund (ASB) entwickelt worden. „Zwei starke Partner, mit

denen wir auch heute noch sehr erfolgreich in München

zusammenarbeiten“, so Dr. Huber. Die Notärztinnen und

Notärzte auf Christoph München werden nach wie vor vom

Klinikum der Universität München (Campus Großhadern)

und die Notfallsanitäter vom ASB-Regionalverband München/Oberbayern

gestellt.

Im Jahr 2003 nahmen die Münchner Luftretter als erste

Station der DRF Luftrettung die neue EC145 in Dienst und

lösten mit ihr die bisher eingesetzte Bell 412 ab. 2009 folgte

der nächste Meilenstein: Als erste zivile Luftrettungsstation

in Deutschland setzte München Nachtsichtgeräte ein, was

ein weiteres Plus an Sicherheit bei Nachteinsätzen brachte.

Die am Pilotenhelm befestigten Brillen verstärken das in der

Nacht vorhandene Restlicht und bieten so den Piloten eine

bessere optische Orientierung in der Dunkelheit.

Fliegende Intensivstation

schneller und schonender Transport in Spezialklinik

hochmoderne Ausrüstung der Hubschrauber:

fl iegende Intensivstation

langjährige und umfassende intensivmedizinische

Erfahrung und Ausbildung der Notärzte und Notfallsanitäter

Spezialtransporte, z. B. mit dem Inkubator oder

ECMO (transportable Herz-Lungen-Maschine)

Weitere Informationen zu Christoph München

Der an der Station München am Klinikum Großhadern eingesetzte

Intensivtransporthubschrauber ist 24 Stunden täglich

einsatzbereit. Intensivtransporte werden schwerpunktmäßig

in Süddeutschland, bei Bedarf länderübergreifend

auch ins angrenzende Ausland (Österreich) durchgeführt.

Ebenso fi nden regelmäßig Inkubatorentransporte und andere

intensivmedizinische Maximaltherapien wie ECMO, ECLS

oder IABP statt. An Bord von Christoph München kommt

beispiels weise der Inkubator Space Pod für Neugeborene

zum Einsatz. Für Notfalleinsätze wird die Crew bei Bedarf

in München und den umliegenden Landkreisen alarmiert –

jene können auch in der Nacht nach besonderen Verfahren

erfolgen. Im Zuge der Aufschmelzung der HDM Luftrettung

gemeinnützige GmbH wird die Station seit dem 1. Januar

2016 durch die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige

AG betrieben.

Früher nahm die medizinische Ausstattung in der

Hubschrauberkabine einen Großteil des Platzes ein.

Auch für den Flugbetrieb setzte die Station in den vergangenen

30 Jahren wichtige Impulse. So kamen in München

weltweit der Hubschraubertyp H145 und bundesweit

Nachtsichtgeräte erstmals in der zivilen Luftrettung zum

Einsatz.

Mitten auf der Wiese, nicht unweit vom Stationsgebäude,

zeugt ein kleiner grauer Blechkasten von den Anfängen des

Christoph München. Darunter versteckt sich eine Steckdose,

die rückblickend als erster Bauabschnitt des Luftrettungsstandortes

bezeichnet werden kann. „Damit konnten wir

die medizinischen Geräte aufl aden und im Winter auch

die Kabine des Hubschraubers beheizen. Das war für uns

damals eine große Sache“, erinnert sich Hans Haslberger,

der Pilot der ersten Stunde in München war und auch

heute noch regelmäßig im Dienst ist. „Ansonsten gab es

2015 war München abermals Vorreiter für viele weitere Stationen

der DRF Luftrettung: Als erste zivile Luftretter weltweit

nahmen sie die neu entwickelte H145 in Dienst, die

auch heute noch der derzeit modernste in der Luftrettung

eingesetzte Hubschrauber ist. Das von der DRF Luftrettung

mit entwickelte neue Innenraumkonzept bietet in der Kabine

für das in München gefl ogene Einsatzprofi l, Patiententransporte

zwischen Kliniken, die optimalen Bedingungen.

12 13


Rettung

Ver legung in eine Spezialklinik nach Bangkok.“ Für Gerald

Ripper ein erster Hoffnungsschimmer, zumal sich in den

folgenden Tagen Ediths Zustand stabilisiert.

Am 20. Dezember dann der erlösende Anruf. „‚Herr

Ripper, es ist alles geklärt. Morgen landet unser Flugzeug

und zwei Tage später geht es für Ihre Frau zurück nach

Deutschland.‘ – Da war ich sprachlos und natürlich sehr

erleichtert“, freut sich Gerald Ripper. Die Einsatzzentrale

hatte über die gesamte Zeit mit Hochdruck an der Organisation

der Rückholung nach Deutschland gearbeitet und

dafür u. a. Überfl ug- und Landegenehmigungen eingeholt

sowie Tankstopps geplant.

Einmal um die halbe Welt

und zurück

Im wohlverdienten Jahresurlaub erleidet Fördermitglied

Edith Ripper auf der thailändischen Insel Ko Samui einen

Herzinfarkt. Die DRF Luftrettung holt die 62­Jährige mit

einem ihrer beiden Learjets zurück nach Deutschland.

Über 800.000 Kilometer Flugstrecke

legten die beiden Ambulanzflugzeuge

2019 auf ihren Einsätzen zurück.

Die Luftretter eines der beiden Ambulanzfl ugzeuge erreicht

die Alarmierung während eines anderen Einsatzes, der sie

in die libanesische Hauptstadt Beirut geführt hat. Noch am

selben Tag legt die Crew die erste Etappe bis nach Dubai zurück.

„Wir sind zum Glück immer alle darauf eingestellt, dass

es von einem Einsatz zum nächsten gehen kann. Daher war

es für uns kein Problem, direkt weiterzufl iegen“, berichtet

Co-Pilot Christian Schaub. Gemeinsam mit Kapitän Nino

Kehrer, Notärztin Christine Hofbauer und Notfall sanitäter

Tim Polak geht es am darauffolgenden Tag in Richtung

Bangkok weiter, wo sie nach mehr als sieben Flugstunden

kurz vor Mitternacht landen. Dort trifft die Crew auf Pilot

Herbert Kauth, der per Linienfl ug ebenfalls nach Thailand

angereist ist, da für den weiten Weg zurück zur Einhaltung

der Ruhezeiten ein weiterer Pilot benötigt wird.

Nach einer kurzen Nacht machen sich Notärztin Hofbauer

und Notfallsanitäter Polak am nächsten Morgen auf den

Weg ins Krankenhaus, wo sie Edith Ripper kennenlernen

und mit den Medizinern vor Ort alles für den bevorstehenden

Rücktransport besprechen. Bereits weniger als

24 Stunden später brechen Crew und Patientin zu ihrer

knapp 18-stündigen Reise auf und landen am Abend des

23. Dezembers in Frankfurt am Main. Die medizinische

DRF-Crew übergibt Edith Ripper an das Team eines Intensivtransportwagens,

das die letzte Etappe der Rückholung bis

Thailand ist eines von 35 Ländern,

die die Crews der beiden Learjets

im Jahr 2019 angeflogen sind.

zur Zielklinik übernimmt – ebenfalls von der Einsatzzentrale

arrangiert.

Von den damaligen Abläufen ist Gerald Ripper nach wie

vor begeistert: „Nach meinem Anruf musste ich mich um

nichts mehr kümmern. Ich konnte mich komplett auf die

DRF Luftrettung verlassen. Dafür sind Edith und ich immer

noch sehr dankbar. Heute geht es meiner Frau trotz eines

Rückschlags im Mai dieses Jahres nach und nach wieder

etwas besser.“

All das ermöglicht das weltweite Rückholversprechen des

Fördervereins der DRF Luftrettung. „Im Notfall holen wir bei

entsprechender Indikation jedes unserer Mitglieder aus dem

Ausland nach Hause zurück“, erläutert Einsatzkoordinator

Kellner. „Dafür sind wir an 365 Tagen im Jahr rund um die

Uhr über das Alarmtelefon der Einsatzzentrale erreichbar.

Und wenn es notwendig ist, fl iegen wir auch mal um die

halbe Welt und zurück, um eines unserer Förder mitglieder

wohlbehalten nach Hause zu holen.“

Mehr als 9.000 Kilometer von der Heimat entfernt verbringt

Edith Ripper gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerald ihre

zweite Urlaubswoche auf der thailändischen Insel Ko Samui.

Am Abend des 14. Dezember 2019, so gegen 23 Uhr, fühlt

sie sich plötzlich schlecht und weckt ihren Mann. Aufgrund

von Ediths Herzvorerkrankung begeben sie sich sofort ins

nächste Krankenhaus. „Im Laufe des nächsten Tages verschlechterte

sich Ediths Zustand immer weiter. Es war klar,

um zu überleben, musste sie so schnell wie möglich in eine

Spezialklinik“, erzählt Gerald Ripper. „Im Krankenhaus fi el mir

dann unsere Fördermitgliedschaft bei der DRF Luftrettung

ein.“ Sofort wählt der 63-Jährige die Nummer des Alarmtelefons

– und was dann passiert, ist für ihn noch immer

unvorstellbar. „So etwas hätte ich mir nie erträumt und ich

kann bis heute nicht glauben, mit welch einer Einsatzbereitschaft

und Professionalität alle beteiligten Personen für die

schnelle Verlegung von Edith gesorgt haben.“

Denn kaum ist das Telefonat beendet, legt Markus Kellner,

Einsatzkoordinator in der Einsatzzentrale, los. „Der Anruf

ging gegen Ende meiner Nachtschicht ein“, erinnert

sich Kellner. „Aufgrund der kritischen gesundheitlichen

Verfassung von Frau Ripper habe ich im Anschluss den

dienst habenden Arzt aus dem Bett geklingelt. Nach seiner

zügigen Abklärung mit dem Krankenhaus auf Ko Samui

organisierten wir mit einem Dienstleister vor Ort die

Weltweite Rückholung

Organisation der Rückholung je nach Dringlichkeit

und Gegebenheiten in zwei eigenen hochmodern

ausgestatteten Learjets 35A, im Hubschrauber, sitzend/

liegend im Linienfl ugzeug oder mit dem bodengebundenen

Rettungsdienst

Bett-zu-Bett-Betreuung

Start innerhalb von zwei Stunden möglich

hocherfahrene Einsatzzentrale

24-Stunden-Einsatzbereitschaft an 365 Tagen im Jahr

14 15


Rettung

Rettung

Im Einsatz für Ihr Leben:

zusätzliche Tätigkeitsfelder

der Gruppe der

DRF Luftrettung

NHC:

Crewtransporte und

Aufträge nach Maß

Crewtransporte zu den Windparks in der Nordsee

mit Passagieren, Gepäck und Fracht

auf spezielle Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche

der Kunden zugeschnittene Flugdienste

Umsetzung individueller Lufttransportanforderungen

Foto- und Filmfl üge

Die Northern Helicopter GmbH (NHC) hat seit mehr als

25 Jahren Erfahrung im Bereich Ambulanz­ und Intensivtransporte

mit Hubschraubern. Die NHC ist ein Tochtergesellschaften

der DRF Luftrettung und hoch spezialisiert.

Seit 2008 ist der Hauptsitz des Unternehmens am Flugplatz

in Emden. Im Oktober 2018 übernahm die Northern

Helicopter GmbH den Ambulanzfl ugbetrieb von den Ostfriesischen

Inseln zum Festland und führt seither pro Jahr bis

zu 900 Patiententransporte durch. 2011 war die NHC das

erste private Luftfahrtunternehmen, das ein ganzheitliches

notfallmedizinisches Rettungskonzept für die Offshore-

Windparks in der Deutschen Bucht entwickelte und unter

dem Produktnamen WINDEAcare an den Markt brachte.

Die Northern Helicopter GmbH ist ein Unternehmen der

DRF Luftrettung.

NHC: Offshore-Rettung

seit 2011 ganzheitliches medizinisches Versorgungskonzept

für die Offshore-Rettung: WINDEAcare

24-Stunden-Bereitschaft

Rettungswinde

je ein Hubschrauber in Sankt Peter-Ording und Güttin

NHC:

Ambulanzfl üge

und Krankentransporte

Ambulanzfl üge für die Ostfriesischen Inseln mit

spezieller Genehmigung des Landes Niedersachsen

16 17


Rettung

Rettung per Winde:

Absturz in den

Schwedenlöchern

„Wir befanden uns gerade auf dem Rückfl ug von einem Einsatz,

der uns nach Dresden geführt hatte, als die Alarmierung

einging. Das war an einem Tag Ende November, am

frühen Nachmittag“, erzählt Notfallsanitäter Martin Bosch.

„Wir fl ogen direkt weiter ins Einsatzgebiet und nahmen

Kontakt zur Bergwacht am Boden auf.“ Bei einem Sturz in

eine Felsspalte hatte sich eine Frau schwer verletzt und soll

nun per Windenrettung schnellstmöglich geborgen und in

eine Klinik gefl ogen werden. Gemeinsam mit dem Piloten

und dem Notarzt fi ndet Bosch einen Landeplatz in der Nähe

der Einsatzstelle, die sich in den sogenannten Schwedenlöchern

befi ndet.

Zweimal im Jahr findet an der Bautzener Station oder

auch in Bautzen ein umfassendes Windentraining

statt, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

33­mal starteten die Bautzener Luftretter im Jahr 2019 zu

einem Windeneinsatz. Notfallsanitäter und Windenoperator

Martin Bosch berichtet von einem dieser Einsätze, der die

Crew in die Sächsische Schweiz führte.

Mit der Bergwacht besprechen sie weitere Details und

erhalten Informationen zum Zustand der Patientin: Diese

wurde bereits von Einsatzkräften der Bergwacht erstversorgt.

Der Arzt der Bergwacht-Alarmgruppe (und Hausarzt

im nahe gelegenen Rathewalde) Matthias Großer traf als

Erster an der Unfallstelle ein und berichtet: „Auf dem Weg

in die Schwedenlöcher hatte ich bereits über das mögliche

Szenario nachgedacht. Oftmals werden wir auf dieser Steiganlage

zu Personen mit Kreislaufproblemen oder gebrochenen

beziehungsweise verstauchten Sprunggelenken gerufen

und das ergibt ein typisches Bild: Eine Person sitzt auf den

Stufen und mehrere Leute stehen um diese herum.“ Doch

beim Erreichen der Unfallstelle erwarteten ihn zwar mehrere

Personen auf den Stufen, aber niemand am Boden sitzend.

Stattdessen wird er mit einem Fingerzeig und den Worten

„Da unten“ auf eine ca. sechs Meter tiefe Spalte aufmerksam

gemacht, in der zwei Personen liegen.

Was war passiert? Eine 60-Jährige und ihre 36-jährige Tochter

wanderten die Stiege entlang und begegneten anderen

Wanderern mit einem großen Hund. Beim Streicheln war

das Tier so erfreut, dass es der älteren Dame die Pfoten

auf die Schultern legen wollte, worauf diese erschrocken

zurückwich und in die Spalte rutschte. Die Tochter wollte

sie noch festhalten, fi el aber stattdessen mit hinab. Großer

begab sich rasch in die Felsspalte und verschaffte sich einen

ersten Überblick. Die Tochter – zum Glück nur leicht verletzt

– konnte mithilfe weiterer mittlerweile eingetroffener

Bergretter aus der Spalte klettern. Die Mutter hingegen war

schwer verletzt und die Notversorgung in der drückenden

Enge der Spalte erschwert. „Dennoch gelang es uns, die

Vitalwerte zu überprüfen, einen Venenzugang zu legen,

Schmerzmittel zu verabreichen und die Verletzte in einen

Bergesack zu legen“, so Großer. Dennoch verschlecht erte

sich der Zustand der Patientin, insbesondere die Atmung

bereitete den Bergrettern Sorge. „An diesem Punkt kamen

dann wir ins Spiel: Durch die Rettung per Seilwinde sollte

die Patientin auf schnellstem Wege in ein Kranken haus

gebracht werden“, sagt Bosch. „Im Austausch mit der Bergwacht

erhielten wir vor Ort Informationen über die genaue

Unfallstelle und besprachen das geplante Vorgehen. Jede

Information, die wir vorab bekommen, hilft uns dabei, die

Situation besser einzuschätzen und uns vorzubereiten. Da

wir mit den Bergwachten der Region häufi g zusammenarbeiten,

sind wir bereits bestens eingespielt.“

Dann hebt der Hubschrauber mit der Crew auch schon ab,

während die Bergretter am Boden an einer etwas breiteren

Stelle in der Nähe der Felsspalte alles für die Winden rettung

vorbereiten. „Der Unfallort befand sich in schwierigem

Gelände und wir mussten mit fast 80 Metern Seillänge

arbeiten“, schildert Bosch. Als Windenoperator übernimmt

der 38-Jährige dabei die Steuerung der Winde und weist

den Hubschrauberpiloten so ein, dass der Einsatzort optimal

erreicht wird. „Das geht nur mit absolutem Vertrauen

innerhalb der Crew sowie in Technik und Material. Zu jeder

Zeit ist höchste Präzision und Konzentration gefordert“,

beschreibt Bosch die Grundvoraussetzungen jeder Windenrettung.

Eine Herausforderung, die die Crew auch bei

diesem Einsatz hervorragend meistert. Nach einer kurzen

Zwischenlandung inklusive Untersuchung durch Notarzt

Radovan Jakes wird die Patientin per Hubschrauber zur

Weiterbehandlung in das Städtische Klinikum Dresden

gebracht. Wenige Wochen später erreicht Bergwacht und

Bautzener Luftretter ein Dankesschreiben per Post: Der

Patientin geht es gut.

Winde über Land und auf See

sieben Standorte mit Winde, speziell ausgebildetes

Personal

langjährige Erfahrung im Gebirge, im Siedlungsbereich

sowie über See (Northern Helicopter GmbH)

Windeneinsatz in schwer zugänglichem Gelände,

beim Fehlen einer geeigneten Landemöglichkeit und

wenn der Notarzt am schnellsten per Winde zum

Patienten gelangt

Engagement für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung

der Windenrettung

ca. 3 m

18 19

NOTARZT

D-HDSN

ca. 3 m


Rettung

Schnelle Hilfe

in dunklen Stunden

Erreicht nachts ein Notruf die Station Villingen­Schwenningen, ist die

Crew zur Stelle: Dank modernster Technik, großer Erfahrung und regelmäßiger

Fortbildungen stellt die Dunkelheit kein Hindernis für sie dar.

Rund um die Uhr einsatzbereit: Werden die Einsatzcrews nachts

an einer der 24­Stunden­Stationen alarmiert, starten die Luft retter

wortwörtlich ins Dunkle. So auch in Villingen­Schwenningen, als ein

Kleinkind ihre Hilfe benötigt.

dabei beachten müssen, hat der Stationsleiter von Villingen-

Schwenningen ihnen und vielen weiteren Feuerwehren in

Baden-Württemberg in persönlichen Schulungen erläutert.

Kaum hat die Feuerwehr alles vorbereitet, ertönt das Brummen

der Rotoren: Am Nachthimmel taucht ein sich schnell

näherndes Licht auf. „Im Anfl ug prüfen wir stets, ob der

Platz wirklich für uns geeignet ist“, so Baisch. „Dabei steht

für uns die Sicherheit aller Beteiligten an erster Stelle. Sollten

wir uns gegen den ausgeleuchteten Platz entscheiden,

können wir dank Nachtsichtbrillen und der bordeigenen

Ausleuchtung auch auf einem dunklen Feld, ohne Vorbereitung,

landen.“ Doch die Wiese eignet sich perfekt.

Kaum setzt der Hubschrauber am Boden auf, eilen Notarzt

und Notfallsanitäter ins Haus der Familie. Dort haben die

Eltern, eine benachbarte Kinderkrankenschwester und der

bodengebundene Notarzt schon die ersten Maßnahmen

eingeleitet: Behutsam wurde die Kleidung des Kindes entfernt,

wurden die betroffenen Stellen für einige Minuten

mit Wasser gekühlt. Doch die Verletzungen sind gravierend:

Der Junge benötigt weitere medizinische Hilfe und muss

schnellstmöglich in eine Spezialklinik.

Jetzt arbeiten alle Hand in Hand. „Unser ruhiges und

koordiniertes Handeln hat die Eltern sichtlich beruhigt“,

berichtet Dr. Schmitz, selbst Vater von vier Kindern. Gegen

die schlimmen Schmerzen gibt der Notarzt dem Einjährigen

ein Medikament, schließt ihn an die Überwachungsgeräte

an und bereitet ihn für den Transport im Hubschrauber vor.

„Bundesweit gibt es nur wenige auf Kinder spezialisierte

Brandverletztenzentren. Daher mussten wir 210 Kilometer

bis nach München fl iegen“, erzählt er. Bis das schwerverletzte

Kleinkind und seine Mutter an Bord sind, prüft Pilot

Baisch die Wetterbedingungen und den Luftraum für den

Flug außerhalb ihres typischen Einsatzradius und lässt dann

die Rotoren an.

Über schlafende Menschen und dunkle Felder und Wälder

hinweg kommt der kleine Patient auf schnellstem Weg in

die Klinik. Dort übergeben Dr. Schmitz und Notfallsanitäter

Fix ihn in stabilem Zustand an das Klinikpersonal, das ihn

direkt in den OP-Saal bringt. „Aufgrund der schnellen Behandlung

bestanden für den Jungen sehr gute Heilungschancen“,

so Dr. Schmitz nach dem Einsatz. „Ich drücke dem Kleinen

fest die Daumen, dass er schnell gesund wird.“ Kurz darauf

kehren die Luftretter zurück an die Station und sind bereit,

falls wieder ein Mensch in der Nacht ihre Hilfe benötigt.

Anflugrichtung

gegen den Wind

Nachtfl ug rund um die Uhr

Die DRF Luftrettung ist bei nächtlichen Rettungseinsätzen

europaweit führend

als erster ziviler Betreiber Einsatz von Night Vision

Goggles in der Luftrettung

14 Stationen sind innerhalb der DRF Luftrettung

und ihrer Tochtergesellschaften im 24-Stunden-

Betrieb

Nachtfl ug mit modernen Hubschraubern und hoch

qualifi ziertem Personal

Vor zwei Stunden hat sich die Sonne hinter den Hegaubergen

am Bodensee verabschiedet. Draußen sinkt die Temperatur

auf frostige 0 Grad Celsius, es herrscht stockdunkle

Nacht. Drinnen kochen sich die Menschen wärmenden

Tee, kuscheln sich in ihre Decken. Doch plötzlich dringt der

Schrei eines Klein kindes durch die abendliche Stille.

Zur selben Zeit an der Station Villingen-Schwenningen im

Schwarzwald: Die Crew von Christoph 11 verlässt gerade

den Hubschrauber nach ihrem ersten Nachteinsatz, da

ertönt erneut der Alarm. „Wir waren sofort startklar – wie

immer hatten wir uns vor Dienstübernahme auf unsere

Einsätze vorbereitet“, erklärt Pilot Ansgar Baisch. „Wettervorhersagen,

gesperrte Landeplätze, angekündigte Flugmanöver

des Militärs – solche Punkte recherchieren wir

vorab für unseren Einsatzradius“, ergänzt sein Kollege

Matthias Fleisch.

Über Funk meldet die Leitstelle: „Einjähriger Junge bei Singen

mit schweren Verbrühungen – der bodengebundene Notarzt

vor Ort benötigt dringend die Hilfe der Luftretter.“ Sofort

kehren Notarzt Dr. Christoph Schmitz, Notfallsanitäter Cornel

Fix und die beiden Piloten zum Hubschrauber zurück, die

Crew startet in den dunklen Himmel. Doch für die Piloten ist

die Nacht nicht dunkel: Dank Nachtsichtbrillen sehen sie fast

so gut wie am Tag. Während des kurzen Flugs stimmt die

Crew einen Landeplatz mit der Leitstelle und der örtlichen

Feuerwehr ab: 300 Meter vom Haus der Familie entfernt

liegt eine geeignete Wiese. Die Feuerwehr rückt aus, sperrt

den Platz und leuchtet ihn mit ihren Fahrzeugen aus. Was sie

Landefläche

mindestens 35 m x 70 m

Steillandung

120 m

6:1

20 m

20 21


Rettung

Rettung

So werden die

Luftretter alarmiert

Intensivtransporthubschrauber

Koordinierende Stelle

alarmiert Intensivtransporthubschrauber

Arzt-zu-Arzt-Gespräch

In Deutschland hat jeder Anspruch auf den Einsatz eines Rettungshubschraubers,

wenn dies medizinisch erforderlich ist. Unser Einsatz

beginnt mit der Alarmierung der zuständigen regionalen Rettungsleitstelle.

Wenn dort ein Notruf eingeht, entscheiden erfahrene

Disponenten aufgrund medizinischer Faktoren und ärztlicher Verfügbarkeit

über das einzusetzende Rettungsmittel. Ist ein Notarzt

erforderlich, alarmiert die Leitstelle das Rettungsmittel, das am

schnellsten am Einsatzort sein kann. Und das sind immer häufiger

die Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung.

Klinik A

meldet Transport

bei koordinierender

Stelle an

Übergabe Patient

an Klinik B

betreuter

Patiententransport

Abholung

Patient

in Klinik A

Rettungshubschrauber

Ambulanzflugzeug

Leitstelle

Einsatzzentrale

Notruf 112

alarmiert

Alarmierung

+49 711 701070

medizinische Beratung am Telefon

Arzt-zu-Arzt-Gespräch

Notfallort

Rettungshubschrauber

Krankenhaus

im Ausland

Entscheidung/

Organisation der

Rückholung

Ambulanzflugzeug (Learjet)

innerhalb von

zwei Minuten in der Luft,

fliegt mit rund 260 km/h

Übergabe an

ein Krankenhaus

in Deutschland

betreuter

Transport,

Abholung

im Ausland

Hubschrauber

Linienflugzeug (sitzend/liegend)

bodengebundener Rettungsdienst

22 23


Rettung

Rettung

Blitzschnell und effizient

mit dem Rescuetrack

Auf hohem Niveau:

Einsatzzahlen 2020

geplante Rückflugroute

nach Einsatz

Einsatzunterstützung, Planung und mobile Anwendungen für einen

ganzheitlichen Überblick in der Notfallrettung

In Deutschland werden Rettungshubschrauber (RTH) für den

Einsatz in der lokalen bzw. über regionalen Notfallrettung

von einer Leitstelle koordiniert und alarmiert. Im Fachjargon

spricht man von einer hubschrauberführenden Leitstelle. In

der Regel ist die Leitstelle mit der Führung beauf tragt, in

deren Zuständigkeitsbereich der RTH stationiert ist.

Der Einsatzradius eines RTH beträgt ca. 60 bis 70 Kilometer

um den Luftrettungsstandort und breitet sich meist auf

mehrere Rettungsdienst bereiche aus, weshalb der hubschrauberführenden

Leitstelle im Zusammenspiel mit dem

Luftret tungsmittel und den anfordernden Leitstellen besondere

Aufgaben mit speziellen Anforderungen zukommen.

Am Beispiel der Integrierten Leitstelle Mittelbaden mit Sitz in

Rastatt (Baden -Würt temberg), die als hubschrauberführende

Leitstelle für den RTH Christoph 43 (DRF Luftrettung Station

Karlsruhe) fungiert, soll aufgezeigt werden, wie die Anforderungen

zur Führung und Dispo sition eines RTH umgesetzt

werden können.

Ist ein Hubschrauber im Leerflug in

der Nähe, kann dieser direkt zum

Rettungseinsatz gesendet werden.

3

Je nach örtlichen Gegebenheiten geschieht die Alarmierung

über Funkmeldeempfänger, ggf. zusätzlich über SMS, E-Mail

oder Alarmfax. Verfügt das Einsatzleitsystem (ELS) der hubschrauberführenden

Leitstelle über eine Rescuetrack-Schnittstelle

der Firma Convexis, kann der RTH zusätzlich über

weitere Applikationen (Wachendisplay/Smartphone-App)

redundant alarmiert werden.

Schon das zeigt: Die Anforderungen an eine hubschrauberführende

Leitstelle sind vielfältig und erfordern für eine

reibungslose Zusammenarbeit Verständnis und Hintergrundwissen.

Eine erweiterte georeferenzierte Datenversorgung

im Einsatzleitsystem ist aufgrund des Einsatzradius eines RTH

ebenso essenziell wie ein regelmäßiger Austausch zwischen

Leitstelle und Luftrettungsmittel, um die Zusammenarbeit

stetig zu refl ektieren und wenn nötig zu optimieren.

Insgesamt 39.971­mal wurden die Besatzungen der

35 Stationen in Deutschland, Österreich und Liechtenstein

sowie des Ambulanzflugbetriebs alarmiert.

Gesamt-Einsatzzahlen 2020 der DRF-Gruppe nach Stationen

Insgesamt 39.971-mal wurden die Besatzungen der 35 Stationen in

Rettungswinde

Tag- und

Deutschland, Gruppe Österreich der und Liechtenstein DRF Luftrettung

sowie des Ambulanzflugbetriebs

im Einsatz

Nachteinsatz

alarmiert.

1.909

Angermünde

1.045

Bad Berka

1.313

Bad Saarow

Balzers (LI)**

Bautzen (Christoph 62)

* ARA Flugrettung

387

1.527

18

1.398

Bautzen (Christoph 114)

Berlin

Bremen

Dortmund

Dresden

** AP 3 Luftrettung ***

757

448

1.175

723

Emden***

Northern Helicopter GmbH

1.432

Freiburg

983

1.086

Fresach (AT)*

Friedrichshafen

Göttingen

Greifswald

1.476

1.316

2.069

889

1.177

1.003

1.156

Halle

Hannover

Karlsruhe

Leonberg

Magdeburg

Mannheim

München

Niebüll

65

Güttin***

1.088

1.179

1.109

1.354

Nordhausen

715

1.266

1.415

1.783

1.038

Nürnberg, ITH

Nürnberg, RTH

Regensburg

Rendsburg

Reutte (AT)*

Rheinmünster (Ambulanzflug)

Rheinmünster (Christoph 111)

Sankt Peter-Ording***

Stuttgart

Suhl

Villingen-Schwenningen

Weiden

214

463

189

1.131

832

1.795

1.048

Tag- und

Nachteinsatz

Rettungswinde

im Einsatz

inklusive Fehleinsätze

geänderte Flugroute

zu neuem Einsatzort

Rescuetrack zeigt der Leitstelle

die aktuellen Positionen aller

Rettungshubschrauber.

2

1

Notruf geht bei

Leitstelle ein.

Leitstelle

Notfall

24

25


Rettung

Rettung

Schnell und kompetent:

Einsatzzahlen 2020

Egal ob ein Einsatz der bundesweit 29 Stationen als notärztliche Versorgung

oder Verlegungsflug in eine Spezialklinik oder die weltweiten

Einsätze der Ambulanzflugzeuge: Die Luftretter sind immer schnell

zur Stelle und leisten beste medizinische Hilfe.

Besonders häufig wurden die Einsatzcrews bei Herzerkrankungen

wie z. B. Herzinfarkt oder neurologischen Notfällen alarmiert. Doch

auch nach Unfällen benötigten Patienten die schnelle Hilfe der

Luftretter, die innerhalb von 15 Flugminuten Einsatzorte in einem

Radius von 60 Kilometern erreichen.

sonstige Verletzungen

9 %

Erkrankungen der Lunge

7 %

Primäreinsätze

(Notfallrettung)

29.483

Einsätze

2020

36.586

Sekundäreinsätze

(Intensivtransporte)

6.889

(Ab-)Sturzverletzungen

11 %

Verletzungen

durch Verkehrsunfälle

11 %

Verdachtsdiagnosen

2020

Erkrankungen

des Herzens

21 %

Kreislauferkrankungen

exkl. Herz

7 %

Ambulanzfl üge

214

sonstige Erkrankungen

12 %

akute Erkrankungen des Verdauungssystems

4 %

neurologische

Erkrankungen,

Hirnblutungen etc.

18 %

Die Datenbasis bezieht sich auf die Einsätze der 29 Stationen der DRF Luftrettung inklusive der Einsätze der Ambulanzfl ugzeuge und der Fehleinsätze.

Erkrankungen Verletzungen

ohne Fehleinsätze

Die Datenbasis bezieht sich allein auf die Zahlen der 29 Stationen der DRF Luftrettung.

26

27


Fortschritt

Fortschritt

Was haben wir bereits

erreicht und was

wollen wir noch erreichen?

Ein Interview mit Dr. Peter Huber, Vorstand der DRF Luftrettung

Dr. Peter Huber in der Werft der DRF Luftrettung

Er bringt alles mit, um am größten Standort der DRF Luftrettung

– am Operation Center in Rheinmünster – die

Prozesse erfolgreich zu steuern und weiterzuentwickeln.

Sein Lebenslauf und Credo könnten nicht passgenauer sein:

Dr. Peter Huber, Vorstand der DRF Luftrettung, ist Arzt, Pilot

und Manager in Personalunion. Ein Vorstand, der sich reindenken

kann, weiß, wie Luftrettung funktioniert und dass

es eine Berufung ist, Menschenleben zu retten. Für ihn hat

Sicherheit in allen Bereichen der Organisation oberste Priorität.

„Unsere Besatzungen müssen ihre lebensrettenden Aufgaben

jederzeit sicher, effizient, bestmöglich trainiert und

ausgestattet leisten können“, sagt er. Mit diesem Selbstverständnis

verantwortet er alle operativen Bereiche wie Flugbetrieb,

Medizin und Technik. Ein Gespräch darüber, warum

Fortschritt in einer gemeinnützigen Organisation ein wichtiger

Treiber ist und welchen Stellenwert Sicherheit hat.

Herr Dr. Huber, jeder Luftrettungseinsatz ist immer wieder

eine neue Herausforderung. Welche Rolle spielt die

operationelle Effizienz für Sie und warum ist es wichtig,

diese immer wieder zu verbessern?

Dr. Huber: Effizienz bedeutet doch am Ende, die Ressourcen,

die ich habe, optimal einzusetzen und das Maximale

damit zu erreichen. Unsere Selbstverpflichtung lautet, immer

und überall für die Menschen da zu sein. Das ist das Ziel,

daran orientieren wir unser Handeln und danach richten wir

auch alle unsere operationellen Prozesse aus, heute und in

der Zukunft. Was heißt das in der Praxis? Ein Beispiel: Wir

setzen schon seit einigen Jahren nur noch Hubschraubermuster

von Airbus ein, da wir so weniger Wartungs- und

Schulungsaufwand haben. Wir treiben den Flottenwechsel

aber noch weiter voran und werden mittelfristig nur noch

zwei Hubschraubertypen in der Flotte haben, nämlich die

H135 und die H145, Letztere zusätzlich mit Fünfblattrotor.

Das bedeutet, dass sich unsere Techniker auf diese beiden

Muster konzentrieren können, wir unsere Besatzungen nur

für diese ausbilden müssen und auch die Anpassung der

Medizintechnik auf weitere Hubschraubertypen entfällt. Das

gibt uns freie Kapazitäten, um Entwicklungen in unserer

Kernaufgabe, Menschenleben zu retten, voranzutreiben.

Das Thema Flugsicherheit hat für Sie oberste Priorität.

Warum?

Dr. Huber: Safety in the air starts on the ground – ein Leitprinzip,

das mir sehr am Herzen liegt. Denn die Sicherheit

von Besatzung und Patienten gleichzeitig zu gewährleisten,

ist tatsächlich ein zentrales Element unseres Selbstverständnisses.

Sicherheit beruht auf zwei entscheidenden Faktoren:

Mensch und Technik. Genau hier setzen wir an. Wir entwickeln

unsere technische Ausrüstung fort, sei es die fliegerische

oder die medizinische, und wir stellen uns immer

wieder die Frage, wie wir unsere Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter optimal auf ihre oft hochanspruchsvollen Aufgaben

vorbereiten können. Wir schauen dabei beispielsweise

auf die Kommunikation im Team, die in Simulationstrainings

genauso geübt wird wie medizinische Handgriffe. Beides

bringt ein Plus an Sicherheit in der Patientenversorgung.

Auch im Blick haben wir technische Entwicklungen, die die

Arbeit im Cockpit vereinfachen und noch sicherer machen.

So verfügen unsere neuen H135- und H145-Modelle beispielsweise

über ein Autopilotensystem, das die Pilotien entlastet

und mit denen sie alle Flugdaten auf großen Displays

optimal verfügbar haben. Ganz klar im Dienst der Sicherheit

steht natürlich auch das Collision Avoidance System, kurz

CAS, das zwei Kollisionswarngeräte sowie Lichtimpulse

kombiniert, um gefährliche Annäherungen mit anderen

Fluggeräten zu vermeiden.

Dass unsere Standards beispielhaft sind, unterstreicht die

Tatsache, dass die europäische Flugaufsichtsbehörde EASA

ein Pilotprojekt mit unserem Entwicklungsbetrieb gestartet

hat: Interne Audits ersetzen für einen definierten Zeitraum

die direkte Prüfung durch die EASA, was natürlich einen

enormen Vertrauensbeweis in unsere internen Abläufe und

in unsere Zuverlässigkeit darstellt. Das sind nur drei Beispiele

von Investitionen in Fortschritte, die ich an dieser Stelle

nennen möchte. Grundsätzlich zeichnen Sicherheit und

Schnelligkeit die DRF Luftrettung seit jeher aus. Unsere Besatzungen

und Patienten müssen sich 100-prozentig auf die

Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge verlassen können.

Daher kommt deren Wartung und Weiterentwicklung eine

entscheidende Rolle zu. Darüber hinaus setzen wir Maßstäbe

in der medizinischen Qualitätssicherung, die von eigenen

Ärzten überwacht wird. Die Kompetenz unserer Notärzte,

Rettungsassistenten, Techniker und Piloten garantiert die

Sicherheit unserer Patienten. Zudem arbeiten wir Hand in

Hand mit dem bodengebundenen Rettungsdienst, um unser

gemeinsames Ziel zu erreichen: eine schnelle und umfassende

Patientenversorgung.

Welchen Stellenwert hat das Thema Weiterentwicklung

für Sie?

Dr. Huber: Der Anspruch, die Luftrettung voranzutreiben

und weiterzuentwickeln, ist seit den Anfängen der DRF

Luftrettung Teil unseres Selbstverständnisses, man könnte

sogar sagen Teil unserer DNA. Die Aussage „Das hat noch

nie jemand gemacht, das geht nicht!“ war für uns noch nie

ein Stoppschild, sondern im Gegenteil immer das Signal,

genau hier weiterzumachen und hartnäckig Verbesserungen

zu verfolgen, einzufordern und selbst zu entwickeln. Beispielsweise

sind einige unserer Besatzungen jetzt in der Lage,

Patienten, die durch einen schweren Blutverlust in höchster

Lebensgefahr schweben, direkt am Unfallort Blutprodukte zu

verabreichen. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar.

Oder nehmen wir die Kooperation mit der Lufthansa Aviation

Training. Hier steht jetzt ein hochmoderner Flugsimulator zur

Verfügung, in dem unsere Piloten komplexe Einsatzsituationen

trainieren können. Zudem kommen unsere Fluglehrer

als Ausbilder zum Einsatz, was unsere über viele Jahre aufgebaute

hohe fliegerische Kompetenz unterstreicht. Nicht

zuletzt dürfen wir uns auch auf die Fahne schreiben, als erste

zivile Luftrettungsorganisation in Deutschland Nachtsichtbrillen

eingeführt und damit die Luftrettung in der Nacht entscheidend

weiterentwickelt zu haben.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Dr. Huber: Das Wort „Nachhaltigkeit“ begegnet uns immer

häufiger in nahezu allen Bereichen unseres Lebens. Viele

denken dabei an Energiesparen und Klimaschutz. In erster

Linie geht es hierbei sicherlich um den verantwortungsbewussten

Umgang mit den endlichen Ressourcen der Erde.

Dahinter steckt aber viel mehr als das. Für uns als Luftrettungsorganisation

sehe ich es als Selbstverpflichtung. Denn

es gibt aus meiner Sicht nichts Nachhaltigeres, als einen Beitrag

zur Rettung von Menschenleben zu leisten. Und zwar

immer mit dem Grundsatz, die bestmögliche medizinische

Versorgung am Einsatzort, die schonendste Hilfestellung

am Patienten und den schnellsten Weg zur Rettung beziehungsweise

weiteren Behandlung in Krankenhäusern und

Kliniken.

Von welchen Synergien profitieren die Crews und auch

die Patienten?

Dr. Huber: Durch den Zusammenschluss mit unseren

Gesellschaften, wie der ARA Flugrettung und der NHC

Northern Helicopter GmbH, potenzieren wir das Know-how

und die große Expertise aller Beteiligten in Sachen Luftrettung.

Mit dem gegenseitigen Know-how-Transfer sichern

wir den hohen Qualitätsstandard innerhalb der Gruppe zu

jeder Zeit. Kurz gesagt: Man muss das Rad nicht neu erfinden,

wenn es in der Gruppe schon vorhanden ist. Die Zeit

und die Kapazitäten, die so frei werden, können wir dann

als Innovationstreiber in Bereichen investieren, in denen

noch Entwicklungsbedarf ist. Ein reger Austausch zwischen

den Gesellschaften findet beispielsweise in den Bereichen

Winde und Offshore-Rettung statt, zwei besonderen und

anspruchsvollen Einsatzgebieten. Deutliche Synergieeffekte

verzeichnen wir auch in den Bereichen Sicherheitsmanagement

und Compliance. Hier profitieren alle Gesellschaften

gegenseitig von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen über

rechtlich bindende Standards sowie das Identifizieren,

Untersuchen und Minimieren von potenziellen Gefahren

und den damit verbundenen Risiken durch ein proaktiv

ausgerichtetes Sicherheitsmanagementsystem. Unsere

technischen Betriebe haben wir so aufgestellt, dass sie

Topstandards und Verfügbarkeiten in der gesamten Gruppe

sicherstellen können. Nicht zuletzt sehen wir, dass wir durch

die standardisierten Abläufe in der medizinischen Einsatzführung

schneller in der Rettung werden.

28 29


Organisation

Organisation

Immer nah

am Menschen

Schnelle Notfallrettung aus der Luft und sichere Patiententransporte

mit Hubschraubern und Ambulanzflugzeugen – dafür steht die

DRF Luftrettung. Als eine der führenden Luftrettungsorganisationen

in Europa stellen wir täglich, teilweise rund um die Uhr, unsere Kompetenz

unter Beweis. Im Fokus stehen dabei unsere Patienten und

ihre optimale notfall­ und intensivmedizinische Versorgung.

Auslieferung der ersten H145 mit Fünfblattrotor in der

Europäischen Union, hier noch mit Überführungskennzeichen

30 31


Unser Antrieb

Unser Antrieb

Für ein

lebenswertes Leben

Danke für die vielen wunderbaren Rückmeldungen! Sie sind Ansporn

und Lohn zugleich. Denn egal ob Herzinfarkt, Schlaganfall,

Verkehrs unfall oder medizi nischer Notfall im Ausland, die

Einsatzcrews der DRF Luft rettung geben bei jedem Einsatz mehr

als 100 Prozent. Das Ziel: Patientinnen und Patienten durch

schnelle medizinische Hilfe zu retten und ihnen ein möglichst

gesundes und unbeeinträchtigtes Weiter leben zu ermöglichen.

„ Danke, ihr habt

meine Tochter von

Amrum nach Flensburg

ins Krankenhaus

geflogen und ihr

viel Mut gemacht.

Ihr gehtʼs wieder gut!

DANKE!


Kai Bodensiek aus Berlin

„ Sie haben unseren Sohn vor fast

zwei Jahren in die Uniklinik Tübingen

geflogen. Ich möchte mich wirklich

lobend über alle drei Mitglieder Ihres

Teams äußern. Sie haben nicht nur

ihren Beruf ausgeübt, Kai Bodensiek (43) sie aus Berlin waren zu

unserem Sohn auch respektvoll und

sehr liebevoll. Als Mutter war es sehr

schwer, mein Kind gehen zu lassen.

Aber diese drei Menschen haben mir

so viel Vertrauen gegeben, dass ich

die Kraft aufbringen konnte, um unser

Kind gehen zu lassen. Ich kann nicht in

Worte fassen, wie dankbar ich diesen

Menschen bin. Vielen Dank an das

ganze Team für die Leistung, die Sie

jeden Tag erbringen.


Stephanie Spengel aus Bad Schönborn

„ Ich möchte mich bei

dem Team von Christoph

Thüringen aus Bad Berka

für die superschnelle Übernahme

meines Sohns und

den superkompetenten Flug

von Strößwitz nach Leipzig

heute Nacht bedanken! Ich

als Mama wurde von euch

so gut betreut, dass es mir

gerade wieder etwas Boden

unter den Füßen gibt! Danke

für alles!


Julika de Wit aus Neustadt an der Orla

„ Die Crew von Christoph 41

aus Leonberg hat geholfen, unseren

ersten Sohn zur Welt zu bringen. Heute

ist er neun Jahre alt und putzmunter.

Immer wenn wir vom 41er lesen, denken

wir an die liebe Crew und sind immer

noch unendlich dankbar!


Sabine und Sven K. aus Vaihingen an der Enz

„ Letztes Jahr stürzte ich

bei einem Urlaub mit meiner

Schwester beim Campen

in Italien über eine Zeltschnur –

Oberarmbruch! Dank meiner

Fördermitgliedschaft hat mir

die DRF Luftrettung schnell

geholfen und meine Rückholung

wurde wunderbar organisiert.

Ich bin sehr froh, dass es die

DRF Luftrettung gibt.


Sandra Heidle aus Weilheim

„ Ihr seid super!

Ihr habt meinem Mann vor

sieben Jahren das Leben

gerettet, dafür sind wird euch

bis heute dankbar.


Stefanie Bauch aus Regensburg

32 33


Organisation

Organisation

Meilensteine

der DRF Luftrettung

1972

1984

2001

2009

2015

2019

2019

2020

Gründung der früheren

DRF (Deutsche Rettungsflugwacht

e.V.)

Aufnahme des

Ambulanzflugbetriebs

Gründung der

ARA Flugrettung mit

zwei österreichischen

Stützpunkten

Start des

Einsatzbetriebs mit

Nachtsichtgeräten

Indienststellung der

weltweit ersten H145

Übernahme der

Northern Helicopter

GmbH

Indienststellung

neuer Learjet

„EpiShuttle”: Einsatz

des Transportisolators

während der Pandemie

1973 1996

2008

2013

2018

Aufnahme des

Einsatzbetriebs

(Großraum Stuttgart)

Inbetriebnahme der

weltweit ersten EC135

Umstrukturierung zur

DRF Luftrettung

Erweiterung

Operation-Center

Karlsruhe/Baden-Baden

Gründung der

Tochtergesellschaft

AP 3 Luftrettung

2019

Partnerschaft

DRF Luftrettung &

Lufthansa Aviation

Training (LAT)

2020

Full-Flight-Simulator

Level D (H145 & H135)

2021

Indienststellung der

EU-weit ersten H145 mit

Fünfblattrotor als erste

Luftrettungsorganisation

und Umrüstung der Flotte

auf das neue System

34

35


Organisation

Organisation

Unsere Führungsstruktur:

erfahren und kompetent

Die Basis

unseres Erfolgs

Dr. h. c. Rudolf Böhmler

Aufsichtsratsvorsitzender

Jurastudium

2000–2007 Chef der Staatskanzlei Baden-Württemberg, Staatssekretär

2007–2014 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, Frankfurt

seit März 2015 Vorsitzender des Stiftungsvorstands der DRF Stiftung Luftrettung

seit März 2015 Aufsichtsratsvorsitzender der DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige

AG

seit Oktober 2015 Präsident des DRF e. V.

Die DRF Luftrettung in Zahlen – ein starkes Team

Um alle Rettungsleistungen und die besten Standards als

Organisation bieten zu können, stehen auch die Menschen,

die bei uns arbeiten, für uns im Mittelpunkt, von

der Verwaltung bis zu den Besatzungsteams bei Einsätzen.

1.373 qualifizierte Mitarbeitende (fest angestellte und

nicht fest angestellte exklusive der Mitarbeitenden der

Tochtergesellschaften) sind bei der DRF Luftrettung in den

unterschiedlichsten Berufen und Bereichen rund um das

Retten von Menschenleben beschäftigt. Unseren Auftrag

verstehen wir als Teamleistung, Tag für Tag und Hand

in Hand, um unser gemeinsames Ziel zu erreichen: eine

schnelle, umfassende und bestmögliche Versorgung der

Patientinnen und Patienten.

Höchste Ansprüche an unsere Mission und jeden Einzelnen,

der für uns mit Teamgeist, Verantwortung und Freude am

Beruf arbeitet, sind die Grundlage unseres Erfolgs. Und

dieser Erfolg, auch über die deutschen Grenzen hinaus, ist

das Resultat aller Luftretter, die daran arbeiten – heute und

in der Zukunft!

Dr. Krystian Pracz

Vorstandsvorsitzender

Verwaltung

211

Notärzte

584 *

Studium der Mathematik und Physik, Promotion

Beratertätigkeit und Führungsrollen in international agierenden Unternehmen

seit 2017 Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung

Dr. Peter Huber

Vorstand

Studium der Medizin, Promotion

Ausbildung zum Berufspiloten

Fliegerarzt, Flugzeugführer und Staffelchef bei der Luftwaffe

seit 2003 in verschiedenen Positionen bei der DRF Luftrettung

seit 2016 Vorstand der DRF Luftrettung

Bundesfreiwilligendienstleistende

13

Auszubildende

17

Piloten

Ambulanzflugzeuge

8

Hubschrauberpiloten

188

Mitarbeitende

1.373

HEMS TC und

Notfallsanitäter

195 *

Technik

157

* Gesamtzahlen bei Ärzten und HEMS TC inklusive der nicht fest angestellten Mitarbeitenden Stand September 2021

36

37


Organisation

Organisation

Für Sie einsatzbereit:

unsere Standorte

DRF Luftrettung

Niebüll

Christoph Europa 5

Rendsburg

Christoph 42

Die Gruppe der DRF Luftrettung

Insgesamt betreiben die DRF Luftrettung und ihre Tochtergesellschaften

35 Stationen in Deutschland, Österreich und

Liechtenstein. Dazu zählen zwei Stationen der österreichischen

ARA Flugrettung und drei Stationen der Northern

Helicopter GmbH an der Nordseeküste. Außerdem ist

die DRF Luftrettung im Netzwerk der AP³ Luftrettung an

einer Station in Balzers/Liechtenstein beteiligt. An 14 ihrer

Stationen sind die Crews rund um die Uhr einsatzbereit, an

Niebüll

Christoph Europa 5

acht Standorten kommen Hubschrauber mit Rettungswinde

zum Einsatz. Darüber hinaus holt die DRF Luftrettung mit

eigenen Ambulanzfl ugzeugen Patienten aus dem Ausland

zurück und hält ihre Hubschrauber und Flugzeuge in einer

eigenen Werft instand. Die Stationskarten zeigen die Standorte

der Hubschrauber und Flugzeuge, der Verwaltungen

sowie der Werften.

Bremen

Christoph Weser

Greifswald

Christoph 47

Angermünde

Christoph 64

Sankt Peter-Ording***

Northern Rescue 01

Emden***

Verwaltung NHC und

Rettung Wittmund 79-99-1

Bremen

Christoph Weser

Rendsburg

Christoph 42

Greifswald

Christoph 47

Güttin***

Northern Rescue 02

Angermünde

Christoph 64

Deutschland

Rheinmünster

Werft und Ambulanzflug

Filderstadt

Verwaltung

Freiburg

Christoph 54

Dortmund

Christoph Dortmund

Mannheim

Christoph 53

Karlsruhe

Christoph 43

Leonberg

Christoph 41

Nordhausen

Suhl

Villingen-Schwenningen

Christoph 11

Friedrichshafen

Christoph 45

Stuttgart

Christoph 51

Hannover

Christoph Niedersachsen

Göttingen

Christoph 44

Christoph 37

Christoph 60

Nürnberg

Christoph 27

Christoph Nürnberg

Magdeburg

Christoph 36

Bad Berka

Christoph Thüringen

Halle

Christoph Sachsen-Anhalt

Christoph Halle

München

Weiden

Christoph 80

Christoph München

Dresden

Christoph 38

Regensburg

Christoph Regensburg

Berlin

Christoph Berlin

Bad Saarow

Christoph 49

Bautzen

Christoph 62

Tag- und Nachtbetrieb

Tagbetrieb

Tag- und Nachtbetrieb

Rettungswinde Tagbetrieb im Einsatz

Rettungswinde im Einsatz

Die blauen Kreise um die jeweilige

Stand: Luftrettungsstation 31.12.2019 stellen den

Einsatzradius innerhalb von 15 Flugminuten

(ca. 60 km) dar.

Rheinmünster

Werft und Ambulanzflug

Verwaltung DRF Luftrettung

und AP 3 Luftrettung

Freiburg

Christoph 54

Dortmund

Christoph Dortmund

Mannheim

Christoph 53

Karlsruhe

Christoph 43

Leonberg

Christoph 41

Friedrichshafen

Liechtenstein

Nordhausen

Stuttgart

Christoph 51

Balzers**

Christoph Niedersachsen

Göttingen

Christoph 37

Suhl

Christoph 60

Villingen-Schwenningen

Christoph 11

Christoph 45

Hannover

Christoph 44

Christoph Liechtenstein

Nürnberg

Christoph 27

Christoph Nürnberg

Reutte*

RK-2

Magdeburg

Christoph 36

Bad Berka

Christoph Thüringen

Halle

München

Christoph Sachsen-Anhalt

Christoph Halle

Weiden

Christoph 80

Christoph München

Dresden

Christoph 38

Regensburg

Christoph Regensburg

* ARA Flugrettung ** AP 3 Luftrettung *** Northern Helicopter GmbH **** DRF Maintenance

Berlin

Christoph Berlin

Bad Saarow

Christoph 49

Straubing****

DRF Maintenance

Fresach*

RK-1

Bautzen

Christoph 62

Tag- und Nachtbetrieb

Tagbetrieb

Rettungswinde im Einsatz

Klagenfurt*

Tag- und Nachtbetrieb

Tagbetrieb

Verwaltung ARA Flugrettung

Rettungswinde im Einsatz

Österreich

Filderstadt ( ** ) 39

29 11 3 35 14 8

Luftrettungsstationen

in Deutschland

Stationen rund um

die Uhr einsatzbereit

Stationen mit

Rettungswinde

Luftrettungsstationen

in Deutschland, Österreich

und Liechtenstein

Stationen rund um

die Uhr einsatzbereit

Stationen mit

Rettungswinde

38


Organisation

3. Baufortschritt

Organisation

Vom ersten Spatenstich

zum ersten Einsatz

Von Mai bis Juli 2015 rückten die Bagger an, und die

Baustützen sicherten Mauern und Decken. Der Rohbau

ließ erahnen, wie die Station aussehen wird. Die

Fassadenfarbe ist in den Farben der rot-weißen Flotte

gehalten.

Neue Luftrettungsstützpunkte sichern die Notfallrettung

flächendeckend. So entsteht eine Station am Beispiel von

Christoph 64 in Angermünde.

Unserer primären Selbstverpfl ichtung kommen wir auch

damit nach, dass wir als gemeinnützige Organisation neue

Luftrettungsstützpunkte erschließen und als Bauherr errichten,

um die Notfallrettung aus der Luft in Deutschland überall

sicherzustellen. Vor sechs Jahren nahm daher die Station

Angermünde mit Christoph 64 ihren Dienst im Nordosten

Brandenburgs auf. Der Bau der Station dauerte vom ersten

Spatenstich bis zur feierlichen Einweihung im August 2015

gerade mal ein Jahr. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung

hatte sich das Ministerium für Umwelt, Gesundheit

und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg für die

DRF Luftrettung als Betreiber entschieden und die Beauftragung

für die nächsten 25 Jahre erteilt. Ein Beauftragungszeitraum,

der einmalig in Europa ist. Seither kommt dort ein

Hubschrauber des Typs EC135 täglich von 7 Uhr morgens

bis Sonnenuntergang zum Einsatz. Mit der Errichtung dieser

August 2014 – erster Spatenstich für die neue

Luftrettungsstation in Angermünde

Station schließt die DRF Luftrettung die Lücke im Nordosten

Brandenburgs und gewährleistet eine fl ächendeckende Luftrettung

im Land. Der Rettungshubschrauber ergänzt damit

die bodengebundenen Rettungsmittel optimal, insofern

als Notfallpatientinnen und Notfallpatienten schneller in

geeignete Zielkliniken gebracht und dadurch besser versorgt

werden können.

Hier den Bau der Luftrettungsstation

Angermünde

im Zeitraffer anschauen:

1. Erster Spatenstich

Christoph 64 ist startklar für den ersten Einsatz in

Angermünde. Der Dienstbetrieb wurde 2015 in einer

hochmodernen Hubschrauberstation mit Hangar, Büro-,

Funktions- und Sozialräumen aufgenommen.

5. Einweihung

Christoph 64 als unverzichtbares Glied der Rettungskette: Im Rahmen eines Festakts

wurde die Luftrettungsstation Angermünde am 21. September 2015 offi ziell

eingeweiht, rund 100 Gäste folgten der Einladung. Steffen Lutz, der damalige

Vorstand der DRF Luftrettung, eröffnete den Festakt – jedoch in Abwesenheit der

Besatzung, denn der Hubschrauber war kurz zuvor bereits zu einem Notfall angefordert

worden. Deutlicher hätte das Argument, wie dringend notwendig die

Stationierung eines Rettungshubschraubers im Nordosten Brandenburgs war, nicht

ausfallen können. Die lange Laufzeit der Beauftragung von 25 Jahren hat uns die

Sicherheit gegeben, für die Zukunft planen und bauen zu können. So sind wir u. a.

mit einem besonders großen Hangar für die künftigen Entwicklungen in der Luftrettung

gewappnet.

Mit süßen Aufmerksamkeiten zeigten die

Angermünder im Juli 2015 ihre Freude und

Anerkennung für die Lebensretter.

4. Fertiger Bau mit Hubschrauber

6. Geschenke

2. Richtfest

Das Richtfest mit Richtkranz war ein emotionaler und feierlicher Abschnitt bei

unserem Bauprojekt. Ein Ritual, das schützen und Segen bringen soll, gedacht

als Geste der Danksagung an die am Neubau Beteiligten.

7. Stationscrew

Die leitende Besatzung von damals ist auch die von heute:

v. l. n. r. Iven Wetzel, Marco Biamino und Dr. Henning Blaich.

Die Zahl der Rettungseinsätze ist seit Inbetriebnahme der

Station kontinuierlich gewachsen. Seit seinem ersten Flug

vor sechs Jahren ist Christoph 64 mehr als 8.000-mal zu Einsätzen

gefl ogen (Stand Ende 2020). Durchschnittlich sechs

bis sieben Einsätze fl iegt die Besatzung pro Tag im Nordosten

Brandenburgs.

40

41


Medizin

Medizin

Medizin:

Rettung auf

Kernkompetenz der DRF Luftrettung ist die optimale medizinische

Versorgung von Notfall­ und Intensivpatienten. Menschen. Leben.

Retten. Das ist unsere zentrale Aufgabe. Seit fast fünf Jahrzehnten

setzen wir uns in Deutschland und weltweit, 365 Tage im Jahr, rund

um die Uhr, für hochmoderne Luftrettung mit innovativen Lösungen

ein. In dieser Zeit hat sich viel getan.

höchstem

Niveau

42

43


Medizin

Medizin

Heli-Blut: lebensrettend bei

massivem Blutverlust

1

2 3

4

Im Jahr 2019 startete der Greifswalder Rettungshubschrauber der

DRF Luftrettung als erster in Deutschland standardmäßig mit Blutund

Plasmakonserven an Bord zu seinen Einsätzen.

Wenige Monate später folgte die Mannheimer Luftrettungsstation.

Seit März 2021 führt der Rettungshubschrauber

Christoph Regensburg am Standort des Universitätsklinikums

Regensburg immer auch Blut- und Plasmakonserven mit,

um Patienten noch frühzeitiger und damit besser helfen

zu können. Die DRF Luftrettung unternimmt damit einen

wichtigen Schritt zur Optimierung der medizinischen Versorgungsqualität

der Bevölkerung. Leidet ein Notfallpatient

unter massivem Blutverlust, schwebt er unmittelbar in Lebensgefahr

– z. B. nach einem Verkehrsunfall –, dann kann

die schnelle Gabe von Blut und Blutprodukten direkt am

Einsatzort entscheidend sein. In dieser Situation kann deren

Verfügbarkeit an Bord der Hubschrauber Leben retten.

Wissenschaftlich geprüftes Verfahren

in Kooperation entwickelt

Das Verfahren für den Transport von Blut- und Plasmaprodukten

hat die DRF Luftrettung in Mannheim in Koop eration mit

dem DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen

sowie den Universitätskliniken Mannheim und in Greifswald

zusammen mit der Universitätsmedizin Greifswald entwickelt.

Zudem hatte die Stiftung der DRF Luftrettung das

Forschungsprojekt „Heli-Blut“ mit Mitteln in Höhe von

15.000 Euro unterstützt. In zahlreichen wissenschaftlichen

Tests konnte so der Einfl uss der besonderen Lager- und

Transportbedingungen im Hubschrauber auf den Gerinnungsfaktor

und die Qualität der Blutbestandteile untersucht

werden, bevor es im Echtbetrieb eingeführt wurde.

Um die Haltbarkeit der Blutprodukte zu gewährleisten,

werden diese in speziellen Kühlboxen bei ca. 4 Grad Celsius

gelagert, und erst bei der Transfusion wird das Blut dann

auf 37 Grad Celsius erwärmt.

Langfristig beabsichtigt die DRF Luftrettung, an weiteren

ausgewählten Stationen ein entsprechendes Verfahren zu

etablieren und damit die medizinische Notfallversorgung

der Bevölkerung auch in anderen Regionen nachhaltig zu

verbessern. Ohne dieses Verfahren werden schwer verletzte

6

Patienten mit hohem Blutverlust derzeit am Einsatzort und

im Hubschrauber nur mit einfachen Infusionslösungen versorgt.

Erst im Krankenhaus können die oft lebensentscheidenden

Blutkonserven gegeben werden.

Das Verfahren zum Einsatz von

Blut- und Plasmaprodukten

Bei dem eigens entwickelten Verfahren wird zunächst in

der Blutbank (Klinikum) eine Kühlbox mit Blut- und Plasmaprodukten

befüllt (1). Die Box kann ihren Inhalt bis zu

72 Stunden konstant und autark auf 4 Grad Celsius kühlen.

Nun transportiert ein zertifi zierter Botendienst diese Box zur

Station (2), wo sie umgehend im einsatzbereiten Hubschrauber

verstaut wird. Wird das Kühlgefäß in einem Notfall

geöffnet, kommuniziert die Crew dies noch am Einsatzort an

die Blutbank. Dort macht sich ein Bote mit einem tiefgekühlt

lagerndem Blutprodukt auf den Weg zur Station (4).

5

Nach dem Einsatz fl iegt der Hubschrauber mit der verwendeten

Box zurück zur Station (5) und nach der Anlieferung

einer neuen Box bringt der Bote die im Einsatz geöffnete

zurück in die Blutbank (6).

Kommen die im Hubschrauber mitgeführten Blut- und Plasmaprodukte

nicht zum Einsatz, wird die Kühlbox dennoch

jeden Morgen gegen eine neue ausgetauscht. Die Box des

Vortags geht zurück zur Blutbank, wo das Blut nach eingehender

Kontrolle wieder zur Verfügung steht.

Seit Juli 2019 mit an Bord

Blut­ und Blutprodukte werden in der Kühlbox bei 4 Grad Celsius transportiert.

44 45


Medizin

Medizin

EpiShuttle

Das innovative EpiShuttle erlaubt es, Patientinnen und Patienten

mit hoch infektiösen Krankheiten, z. B. bei einer Infizierung mit

Corona, wie in einer Isolierstation zu transportieren.

ECMO-Behandlung:

lebensnotwendiger

Sauerstoff für den Körper

Die abgeschlossene Klarsichtkuppel und verschiedene

Luftfi lter schirmen die Patienten zu 100 Prozent von der

Umgebung ab.

Über luftdichte Zugänge kann der Patient an ein Intensivbeatmungsgerät

angeschlossen sowie gleichzeitig überwacht

und behandelt werden.

rimäreinsätze

Notfallrettung)

Primäreinsätze

(Notfallrettung)

282

Ambulanzflüge

24

Über luftdichte Zugänge kann die Patientin oder

der Patient an ein Intensivbeatmungsgerät

angeschlossen sowie zeitgleich überwacht und

behandelt werden.

Nach dem Transport von mit einem hochansteckenden Virus

infi zierten Menschen ist die aufwendige Desinfektion

des Hubschrauberinnenraums nicht notwendig. So sparen

die Besatzungen wertvolle Zeit und der Hubschrauber

steht schneller wieder zur Verfügung.

11

Neue Geräte konnten 2020 angeschafft

werden. Stückpreis: etwa 40.000 Euro.

Sekundäreinsätze

(Intensivtransporte)

82 380

mbulanzflüge

4

686

COVID-19-

Einsätze

Stand Dezember 2020

Sekundäreinsätze

(Intensivtransporte)

380

12

„EpiShuttles“ sind

im Einsatz.

(Stand 31.07.2021)

Wenn Herz oder Lunge versagen, fliegen die Luftretter

hoch entwickelte Medizintechnik zur Patientin oder zum Patienten.

Ohne ausreichende Funktion von Herz und Lunge stirbt

ein Mensch innerhalb kürzester Zeit. Nach schweren Unfällen

oder Erkrankungen wie Pneumonie (Entzündung des

Lungengewebes) oder Blutvergiftung kann es jedoch zu

akutem Lungenversagen kommen. Und auch bei schweren

Herz erkrankungen besteht die Gefahr, dass das Herz nicht

kräftig genug schlägt, um den Körper mit genügend Sauerstoff

zu versorgen, und sich dadurch zu viel Kohlendioxid im

Blut anreichert.

Für Patienten, deren Herz oder Lunge sehr geschwächt

oder des Patienten ausgefallen ist, besteht oft die einzige

Überlebenschance in einer hochkomplexen ECMO-Behandlung.

ECMO steht hier für „extrakorporale Membranoxygenierung“

und bezeichnet ein Gerät, das als transportable

„künstliche Lunge“ eingesetzt wird: Es kann die natürlichen

Funktionen der Lunge und des Herzens maschinell unterstützen

oder übernehmen. Dabei wird das sauerstoffarme

Blut des Patienten über eine Kanüle aus dem Körper in die

Herz-Lungen-Maschine geleitet. Dort wird es mit Sauerstoff

angereichert und von überschüssigem Kohlendioxid befreit,

ehe es wieder in den Körper des Patienten zurückfl ießt.

Mit dem Hubschrauber am schnellsten vor Ort

Dieses medizinische Verfahren wird jedoch nur in wenigen

spezialisierten Zentren durchgeführt. Die Entfernung

zwischen Patienten und stationärer ECMO ist daher oft

sehr groß. Mit dem Hubschrauber kommen ECMO und

der Patient häufi g am schnellsten zusammen: bei Intensivpatienten

durch den Transport zwischen zwei Kliniken oder

bei Notfallpatienten durch den Transport der ECMO an den

Einsatzort.

Dies ist nur aufgrund der stetigen Weiterentwicklung der

Medizintechnik möglich: Hatten die ersten Herz-Lungen-

Pumpe

Maschinen vor rund 100 Jahren noch die Größe eines

Zimmers, sind einige der heutigen Modelle so klein und

leicht, dass sie für einen mobilen Einsatz im Hubschrauber

geeignet sind. Bereits seit 2006 führt die DRF Luftrettung

daher an einigen ihrer Stationen zusammen mit Spezialisten

aus Kliniken ECMO-Transporte durch und hat so vielen Menschen

das Leben retten können: durch Einsätze am Unfallort

ebenso wie durch ECMO-Transporte zwischen Kliniken.

Wie funktioniert die ECMO?

Pumpe

Gasaustasch durch Membran

Sauerstoff

Kohlendioxid

Wie funktioniert die ECMO?

1

2 Gasaustasch Membran durch Membran 3

Sauerstoff

1

2

Blut

Membran

Blut

Kohlendioxid

1 2 3 4

1 2 3 4

Sauerstoffarmes Das sauerstoffarme Blut wird … und von Sauerstoffhaltiges

Blut wird dem Körper durch eine gasdurchlässige Kohlendioxid (CO2) Blut fließt zurück in

Sauerstoffarmes Das sauerstoffarme Blut wird … und von Sauerstoffhaltiges

mithilfe einer Pumpe Membran gedrückt, dort befreit.

den Körper.

Blut wird dem Körper entzogen. durch eine mit gasdurchlässige

Sauerstoff (O2) Kohlendioxid (CO2) Blut fließt zurück in

mithilfe einer Pumpe Membran angereichert gedrückt, dort …

befreit.

den Körper.

entzogen.

mit Sauerstoff (O2)

angereichert …

3

4

4

46

47


Technik

Technik

Sicherheit

und Präzision

In unserem operativen Herzstück, dem Operation Center am Flughafen

Karlsruhe/Baden­Baden, sind die Bereiche angesiedelt, die

dafür sorgen, dass die Hubschrauber an den einzelnen Luftrettungsstationen

sowie unsere Ambulanzflugzeuge täglich zu ihren

Einsätzen starten können.

für Crews

und Patienten

48 49


Technik

Technik

Unsere Flotte:

leistungsstarke Lebensretter

Schnelle, bestmögliche und hochprofessionelle Hilfe für Menschen

in Not sind unsere zentralen Ziele: Wir haben es uns zur Aufgabe

gemacht, die medizinische Versorgung kontinuierlich zu verbessern.

Die Erneuerung unserer Flotte ist ein wichtiger Schritt dahin.

Leistungsstark: H145

2 x 1.020 PS

max. Leistung

278 km/h

Geschwindigkeit

685 km

Reichweite

Dies entspricht unserem Selbstverständnis als Innovator, die

Luftrettung auf höchstem fliegerischen, medizinischen und

technischen Niveau in Deutschland und weltweit voranzutreiben.

Dazu trägt der Einsatz von hochmodernen leistungsstarken

Hubschraubern mit neusten Modellversionen wesentlich

bei. Mit der stetigen Weiterentwicklung und Erneuerung

unserer Flotte verfolgen wir konsequent unser Ziel, morgen

auch die Menschen zu retten, denen wir heute noch nicht

helfen konnten. Daher gehen wir noch einen Schritt weiter

und haben unsere Flotte als erste Luftrettungsorganisation in

der Europäischen Union jüngst um einen Hubschrauber des

Typs H145 von Airbus mit fünf Hauptrotorblättern erweitert.

Das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Luftrettung

sowohl im deutschsprachigen Raum als auch EU-weit. Die

neue Version der H145 kann dank des innovativen Fünfblattrotors

mehr Last aufnehmen. Die höhere Nutzlast kann in

Leistungsreserven „umgewandelt“ werden, was es u. a. ermöglicht,

auf spontane Anforderungen am Einsatzort besser

zu reagieren – wie zum z. B. die Aufnahme von zusätzlichem

medizinischem Personal oder Equipment. Mehr Treibstoffzuladung

kann mehr Reichweite oder auch mehr Flugzeit bei

Einsätzen bedeuten. Zudem liegt der Hubschrauber durch

die fünf Rotorblätter noch besser in der Luft, wodurch sich

der Flugkomfort sowohl für die Besatzung als auch für ihre

Patienten weiter erhöht. Durch die damit verbundene Reduzierung

der Vibrationen aus dem Hauptrotorsystem wird

die Patientensicherheit noch mehr verbessert (vor allem bei

sensiblen Patienten, beispielsweise bei Inkubatorentransporten

oder bei Notfallpatienten mit Aneurysmen).

Innerhalb der nächsten zwei Jahre plant die DRF Luftrettung,

alle ihre vorhandenen Hubschrauber des Typs H145 von vier

auf fünf Rotorblätter umzurüsten. Mit diesen Investitionen

bauen wir unsere Flotte weiter aus, weil wir auch in Zukunft

zu einer der besten Luftrettungsorganisationen der Welt

zählen möchten, um noch mehr Menschen zu retten und

ihnen ein gesundes Leben zu ermöglichen.

Flink und wendig: H135

2 x 757 PS

max. Leistung

278 km/h

Geschwindigkeit

625 km

Reichweite

D-HXFA

Dynamisch: H145 mit Fünfblattrotor

Superfl exibel: EC135

2 x 1.020 PS

max. Leistung

278 km/h

Geschwindigkeit

651 km *

Reichweite

2 x 740 PS

max. Leistung

259 km/h

Geschwindigkeit

668 km

Reichweite

* In den technischen Daten ist die Reichweite geringer als die der H145 ohne Fünfblattrotor.

50 Die neue H145 mit Fünfblattrotor kann durch mehr Betankung mehr Reichweite erzielen.

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Technik

Technik

Continuing Airworthiness

Management Organisation

Fit für den Einsatz –

Wartung in der Werft

Continuing Airworthiness Management Organisation, kurz CAMO,

ist eine Einrichtung, die für die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit

von Luftfahrzeugen sorgt. Diese Art von Wartungs- und Prüfbetrieb

wurde von der EASA definiert.

Die DRF Luftrettung verfügt über eine eigene Werft und

einen nach EASA-Regulation Teil 145 zugelassenen

Instandhaltungsbetrieb, der auch nach ISO 9001 zertifiziert ist.

In Deutschland wurden die ehemaligen Luftfahrttechnischen

Betriebe (LTB) in CAMOs überführt. Die CAMO ist dafür

verantwortlich, ein Instandhaltungsprogramm, basierend

auf den aktuellen Hersteller- und Behördenanweisungen, zu

erstellen, zu pflegen und regelmäßig auf seine Wirksamkeit

zu prüfen.

Des Weiteren beauftragt die CAMO luftfahrtzugelassene

technische Betriebe (Part-145) zur Durchführung von Wartungs-

und Instandsetzungsarbeiten.

Die CAMO bespricht für unser Einsatzspektrum notwendige

Modifikationen mit dem Flugbetrieb und plant deren Umsetzung

in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsbetrieb

(Part-21) und dem Instandhaltungsbetrieb (Part-145).

Die CAMO überwacht ständig unsere Flotte im Betrieb auf

den Stationen und wertet z. B. Flug- und Leistungsdaten

aus, beurteilt Störungen und spricht die Störbehebungen

mit der Technik, dem Hersteller oder mit dem Luftfahrtbundesamt

(LBA) ab.

Jegliche das Luftfahrzeug betreffende Informationen und

Dokumentationen aus Technik, Flugbetrieb, Entwicklungsbetrieb,

vom Hersteller, von der Behörde oder Zulieferern

laufen bei der CAMO zusammen und werden hier verarbeitet,

archiviert oder weitergeleitet.

Unser umfassendes technisches Know-how basiert auf unserer

täglichen Arbeit mit einer Flotte von über 50 Hubschraubern

und Flugzeugen – und das seit mehr als 45 Jahren. In

unserer Werft im Raum Karlsruhe/Baden-Baden stellt der

nach EASA Teil 145 und ISO 9001 zertifizierte Instandhaltungsbetrieb

(Part-145) täglich sicher, dass unsere Fluggeräte

zu ihrer lebensrettenden Mission starten können. Dabei

setzen wir auf modernste Technik, allerhöchste Standards

sowie rund 164 bestens qualifizierte und nach neusten

Kenntnissen geschulte Technikerinnen und Techniker.

Dank eigenem Ausbildungsbetrieb werden in unserer Werft

zudem junge Menschen an die verantwortungsvollen Aufgaben

in den Bereichen Avionik und Fluggerätmechanik herangeführt.

Mit höchsten Ansprüchen an Standards und Qualität.

Zusätzlich zur Instandhaltung in der Werft sind bundesweit

mobile Wartungsteams unterwegs zu unseren Luftrettungsstationen,

um kleinere Kontrollen, Wartungen oder kurzfristig

auftretende Störungen an den Einsatzhubschraubern

schnell und flexibel zu beheben.

Mit unserer eigenen Flotte kommen pro Jahr so rund 2.500

Wartungsaufträge zusammen. Damit wir unsere Leistung beständig

weiterentwickeln können und uns dadurch aus eigener

Kraft einen wertvollen Vorsprung verschaffen – wenn es

um die entscheidenden Minuten für einen Menschen geht.

In der Werft werden an 15 Docks Fluggeräte repariert, überprüft und gewartet.

Die sogenannte Lebensakte (L-Akte) eines Hubschraubers wird in der CAMO überprüft. Zur Aufrechterhaltung

der Lufttüchtigkeit unserer Flotte verantwortet sie alle Prozesse, entwickelt und

modifiziert Programme zur Wartung, Instandhaltung und für Genehmigungen in Abstimmung mit

der Luftfahrtbehörde. Alle Modifikationen und Behördenanweisungen werden hier umgesetzt.

52

53


Technik

Technik

Umrüstung

in der Werft

Entwicklungsbetrieb:

immer eine passende Idee

Neue Maschinen und „Retrofit“: die Erweiterung der Flotte auf

die H145 mit Fünfblattrotor. Die Umrüstung auf das neue Rotorsystem

durch unsere Spezialisten in der eigenen Werft ist ein

großer Schritt für die Zukunft der Luftrettung in Deutschland.

Mit dem 2021 von der DRF Luftrettung deutschlandweit

erstmals eingeführten fünfblättrigen Hubschraubermodell

der H145 stehen die Zeichen einmal mehr auf Innovation.

Denn zugleich ist die DRF Luftrettung der weltweit erste

Hubschrauberbetreiber, der den Hubschraubertyp H145 gemeinsam

mit Airbus Helicopters auf das neue Rotorsystem

umgerüstet hat – zunächst für die eigene Flotte, künftig

auch für externe Kunden. Damit verbundene Prozesse, inklusive

aller Zulassungen, wurden mit Airbus im Rahmen des

ersten Umbaus erarbeitet und dienen als Vorlage für alle

weiteren Umrüstungen – eine Aufgabe für Profis. Denn die

Änderungen umfassen nicht nur die Rotorblätter und den

Mast, sondern auch andere Hubschrauberteile. Insgesamt

werden 16 sogenannte Service Bulletins abgearbeitet. Die

Freigabe der Maschinen erfolgt durch unsere Techniker, die

über die jeweiligen hoch speziellen Freigabeberechtigungen

und Lizenzen in der Luftfahrttechnik verfügen.

Für die Flotte der DRF Luftrettung sind 20 Hubschrauber des

Typs H145 für einen Umbau geplant. Innerhalb der nächsten

drei Jahre sollen alle vorhandenen Hubschrauber des Typs

H145 von vier auf fünf Rotorblätter umgestellt werden. Außerdem

werden neue Hubschrauber des Typs H145 mit dem

neuen Rotorsystem aus der Airbusproduktion angeliefert.

Die Umstellung der Flotte soll bis 2025 abgeschlossen werden.

Mit der Umrüstung auf das neue System in der eigenen Werft

schreitet die Flottenerneuerung der DRF Luftrettung weiter voran.

Technisches Know-how, kreatives und vernetztes Denken gehören

zum Handwerkszeug unserer Kollegen im Entwicklungsbetrieb,

dem Fachbereich Part-21. Sie haben einen elementaren Anteil an

erfolgreich umgesetzten Projekten wie Collision Avoidance oder

der Entwicklung der Bodenplatte für die „EpiShuttles“.

An der Seite unserer Techniker in der Werft arbeitet unser

nach EASA-Regularien zugelassener (Part-21) und zulassungsberechtigter

Entwicklungsbetrieb, der mit innovativen und

vorausschauenden Lösungen ganz neue Maßstäbe setzt:

Allein in den zehn Jahren seit seiner Gründung haben unserer

hoch qualifizierten Mitarbeitenden des Entwicklungsbetriebs

über 1.500 Modifikationen an der eigenen Flotte sowie an

Hubschraubern von Kunden durchgeführt, wie z. B. der Bundespolizei.

Dabei zählt für sie der enge Austausch mit Behörden

und Herstellern genauso zur Routine wie die Arbeit nach

neustem Stand der Wissenschaft und Technik.

Der Fachbereich Part-21/Entwicklungsbetrieb

auf einen Blick

Zu den Kernaufgaben des Fachbereichs gehören folgende

Prozesse:

Entwicklung von Reparaturverfahren

Identifikation, Zuordnung und Interpretation der Bauvorschriften

und umweltrechtlichen Grundlagen

Nachweiserbringung zur Sicherheit und Erfüllung der Lufttüchtigkeitsanforderungen

einer Modifikation

Vorbereitung und Beantragung behördlicher Entwicklungszulassungen

Für die von ihm entwickelten Modifikationen erstellt Part-21:

Konstruktionsunterlagen

Betriebs- und Instandhaltungsvorgaben (Handbücher/

Manuals)

genehmigte Herstellungsvorgaben (Approved Design

Data) sowie genehmigte Instandhaltungsvorgaben

(Approved Maintenance Data)

Auf Basis der Arbeit unseres Entwicklungsbetriebs erteilt die

EASA direkt und teilweise indirekt Lufttüchtigkeitszeugnisse

(Musterzulassungen – engl.: Type Certificate) und Zulassungen

für Reparaturverfahren.

Kollegen des Fachbereichs Part-21/

Entwicklungsbetrieb mit der im

Jahr 2020 entwickelten Bodenplatte

für „EpiShuttles“, für die ein

Supplemental Type Certificate (STC)

notwendig ist

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55


Technik

Technik

Airbus-H145/135-Helikoptersimulator, der neue FFS Level D

Simulator

ergänzt Trainingsflotte

Ready for training: Lufthansa Aviation Training nimmt nach der

Zulassung durch das Luftfahrtbundesamt den ersten eigenen

Hubschraubersimulator in Betrieb. Ein neuer Full-Flight-Simulator

Level D des Typs Airbus H145/135 ergänzt seit dem 27. August

2020 die bestehende Trainingsflotte am Frankfurter Standort und

steht Kunden für Trainings zur Verfügung.

Der neue Hubschrauber-FFS ist der erste seiner Art in der

bislang über 55 FFS-starken Trainingsflotte von Lufthansa

Aviation Training (LAT) und wird im zentral gelegenen Trainingszentrum

nahe dem Frankfurter Flughafen in Betrieb

genommen. Bis dato gab es am Markt lediglich vier Airbus-

H145-Full-Flight-Simulatoren weltweit, die für Trainingszwecke

genutzt werden. Als führender Aviation-Training-

Anbieter mit jahrelanger Erfahrung im Simulatortraining, im

Bereich Human Factors und mit der Expertise in der technischen

Wartung der Trainingsgeräte bietet LAT ihren Kunden

an allen Trainingsstandorten eine umfassende Infrastruktur.

Mit dem neuen Hubschraubersimulator erschließt sich LAT

einen neuen Markt, der insbesondere auch in Zeiten der

Coronapandemie immer mehr an Bedeutung gewinnt. In

bisherigen Kooperationen hat LAT bereits gute Erfahrungen

in der interdisziplinären Zusammenarbeit gemacht, so z. B.

im Bereich Human Factors mit medizinischen Einrichtungen.

„Mit ihrer großen Erfahrung bei HEMS-Einsätzen steht uns

die DRF Luftrettung als starker Partner in der Pilotenausund

-weiterbildung zur Seite. Dies kommt auch unseren

Kunden zugute: Alle Verfahren, die bisher im Hubschrauber

real geflogen werden mussten, können jetzt aufgrund der

herausragenden Eigenschaften des neuen Hubschraubersimulators

und der großen Realitätsnähe im Full-Flight-Simulator

abgebildet werden“, hebt Tiziana Heilig, Geschäftsführerin

und CFO von LAT, hervor.

Die DRF Luftrettung ist als führender HEMS-Operator mit

medizinischen Notfällen und dem Transport von Intensivpatienten

zwischen Kliniken bestens vertraut: ob Nachtflug,

Windenrettung über See oder alpine Rettung – sie deckt

bei über 40.000 Einsätzen jährlich eine große Bandbreite an

Einsatzprofilen ab.

Innerhalb ihrer ATO (Approved Training Organisation) verfügt

die DRF Luftrettung über eine Vielzahl hoch ausgebildeter

Trainer (TRI Type Rating Instructor) und Typenprüfer

(TRE Type Rating Examiner) sowie Spezialisten für die Instrumenten-,

NVG-, Winden- sowie Gebirgsflugausbildung.

„Auf Wunsch können unsere Instruktoren und Prüfer auch

für das Training im Wet Training eingesetzt werden. Damit

profitieren Kunden sowohl aus dem EASA-Raum als auch

international von der großen Fachkompetenz der DRF Luftrettung“,

erklärt Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender

der DRF Luftrettung.

Über Lufthansa Aviation Training

Die Lufthansa Aviation Training GmbH ist mit ihrer Kompetenz

in der Aus- und Weiterbildung von Cockpit- und

Kabinenpersonal an zwölf Ausbildungs- und Trainingsstandorten

weltweit eines der führenden Unternehmen im Bereich

Flight Training. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz

in Hallbergmoos bei München und beschäftigt rund 1.000

Mitarbeiter. Zum Kundenportfolio gehören über 200 national

und international renommierte Airlines, darunter auch

die Lufthansa-Konzernfluggesellschaften. Lufthansa Aviation

Training verfügt über fast 200 Trainingsgeräte, u. a. Schulungsflugzeuge

für die Pilotenausbildung, Flugsimulatoren

aller gängigen Flugzeugmuster für das Pilotentraining sowie

Emergency- und Service-Mock-ups für die Aus- und Weiterbildung

von Flugbegleitern.

Unter der Marke European Flight Academy (EFA) bündelt

Lufthansa Aviation Training sämtliche Flugschulen der Lufthansa

Group in Deutschland, der Schweiz und den USA.

Absolventen erfüllen die hohen Standards der Airlines der

Lufthansa Group und erhalten exklusiven Zugang zu deren

internem Stellenmarkt.

Als HEMS-Operator mit jahrzehntelanger Erfahrung und

weltweit größter Betreiber der H145 in der zivilen Luftfahrt

bildet die DRF Luftrettung mit ihrer Akademie im Wet Training

Hubschrauberpiloten aus und weiter.

Bei dem Full-Flight-Simulator (FFS) des Typs Airbus

H145/135 handelt es sich um den modernsten Hubschraubersimulator

am Markt weltweit, der vom Hersteller Reiser

Simulation and Training gefertigt worden ist. Er ist von der

EASA als Level D zertifiziert. Im FFS lassen sich zahlreiche

realistische Landeszenarien mit beweglichen Objekten im

Landegebiet oder verschiedenen Einsatzorten darstellen.

Dazu gehören beispielsweise Szenarien an Flugplätzen,

Krankenhäusern, Landungen auf Schiffen oder Ölplattfor-

men oder in beengtem Terrain. Dank der hohen Auflösung

der Visuals und der zusätzlichen Möglichkeit, Flugverfahren

bei Nacht mit Nachsichtausrüstung abzubilden, eignet sich

der FFS ideal für Trainings für Operator im HEMS(Helicopter

Emergency Medical Services)-Bereich. Eine Third Crew

Member Station mit Virtual-Reality-Technologie und virtueller

Helicopter Hoist Operation wird als besonderes Feature

Anfang 2021 ergänzt. Der Hubschraubersimulator verfügt

zudem über die Möglichkeit eines Wechselcockpits, um

beide Airbustypen H145 und H135 entsprechend abbilden

zu können. Einen weiteren Mehrwert bietet die innovative

Briefing Station, mit der auf Trainingsteilnehmer individuell

zugeschnittene Flugvorbereitungen und Präkonfigurationen

möglich sind.

Für Trainingszwecke kommt der modernste Hubschraubersimulator der Welt zum Einsatz.

56

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Akademie

Akademie

Die gemeinnützige Organisation DRF Luftrettung dient dem

Gemeinwohl. In unserem Fall heißt das: Menschenleben zu

retten, wenn jede Minute entscheidend ist. Mit neuster Technik,

optimal ausgebildeten Mitarbeitenden, innovativen Ideen

und höchsten Qualitätsansprüchen setzen wir alles daran,

diese Mission zu erfüllen. Um dies nachhaltig tun zu können,

müssen wir nicht nur medizinisch wie technisch das Beste

geben, sondern auch nachhaltig wirtschaftlich handeln,

menschlich wie unternehmerisch denken.

Akademie:

Erfahrung und

Expertise als nachhaltige

Mission

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Akademie

Akademie

Know-how und Erfahrung

Unser umfassendes medizinisches, fliegerisches und technisches

Know-how basiert auf unserer täglichen Arbeit – und das seit fast

50 Jahren. Wir bauen unsere Kompetenzen aus und teilen unser

Wissen mit Kunden.

In den fast 50 Jahren seit unserer Gründung hat sich dabei

ein wahrer Schatz an Erfahrungen und Kompetenzen angesammelt.

Diesen sowohl intern weiterzugeben als auch

andere daran teilhaben zu lassen, ist für uns eine Herzensangelegenheit.

Denn nur wenn wir alle Hand in Hand

hochprofessionell arbeiten, können wir das Beste für unsere

Patientinnen und Patienten erreichen.

Unsere 2018 gegründete Akademie bietet pro Jahr über

50 Fort-, Aus- und Weiterbildungen in den Kernbereichen

Medizin, Flugbetrieb und Technik sowie Management und

Führungskräfteentwicklung. Dabei profitieren alle Teilnehmer

unserer Akademiekurse von der langjährigen Erfahrung

der DRF Luftrettung in diesen Bereichen. Unsere Referenten

und Lehrgangsleiter kennen die Bedürfnisse der Notfallsanitäter,

Notärzte, Piloten und Techniker aus der täglichen

Praxis sehr genau und wissen, worauf es bei der täglichen

Arbeit ankommt. Ihr Wissen geben sie nach neusten pädagogischen,

didaktischen und methodischen Erkenntnissen

weiter – kompetent und authentisch.

Seit Anfang 2021 sind zudem Managementseminare in

unserem Portfolio: Unter der Überschrift „Aus der Luftfahrt

für die Wirtschaft” zeigen wir Führungskräften, wie Unternehmensabläufe,

Entscheidungs-, Kommunikations- und

Teamprozesse optimiert werden können. Denn darin sind

wir Experten: Im täglichen Einsatz für unsere Patienten in

der Luft wie am Boden müssen alle Abläufe und Handgriffe

stimmen. Sicherheit steht immer an erster Stelle.

In der Aus- und Weiterbildung werden

didaktische Methoden auch digital vermittelt.

Unsere Piloten fliegen mit einer hochmodernen Flotte, werden ständig

weitergebildet und profitieren von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen.

Akademie

Fliegerische Ausbildung

Akademie

Ein breit gefächertes Angebot von Experten für

alle Level – 50 Jahre Erfahrung und modernste

Technik inklusive.

Aufgrund ihrer Zulassung als „Approved Training Organisation“

im Jahr 2004 kann sie seither Ausbildungslehrgänge

zum Erwerb von Muster-, Lehr- und Instrumentenflugberechtigungen

für verschiedene Hubschraubertypen anbieten.

In den Lehrgängen an unserer Akademie gibt unser exzellent

ausgebildetes Lehrpersonal seine langjährige Erfahrung

nach neusten pädagogischen Erkenntnissen weiter,

kompetent und authentisch. Seit 2020 auch in Koopera-

tion mit der Lufthansa Aviation Training (LAT): Ein neuer

Full-Flight-Simulator Level D des Typs Airbus H145/135 im

LAT-Trainingszentrum Frankfurt steht für die Weiterbildung

der eigenen Mitarbeitenden wie auch Kunden mit Fluglehrern

der DRF Luftrettung für Trainings zur Verfügung. Unsere

rund 20 Fluglehrerinnen und Fluglehrer verfügen über eine

jahrzehntelange Flugerfahrung vor allem in den Bereichen

Nachtflug und Instrumentenflug.

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Akademie

Akademie

Medizinische Fortbildung

Die bestmögliche medizinische Versorgung der uns anvertrauten

Patientinnen und Patienten steht bei unseren Einsätzen immer

im Mittelpunkt. Wir setzen auf die neusten Standards in der

Wissenschaft und bei Medizinprodukten.

Seit fast fünf Jahrzehnten setzt sich die DRF Luftrettung in

Deutschland und weltweit für hochmoderne Luftrettung

mit innovativen Lösungen ein. Davon profitieren unsere

Patienten, aber auch die Kunden unserer Akademie: Unser

notfallmedizinisches Ausbildungsprogramm für Not ärzte,

Rettungsassistenten und Notfallsanitäter ist breit gefächert.

Modernste Medizintechnik und bestausgebildetes

medizinisches Personal sind unsere Markenzeichen.

Die DRF Luftrettung bildet hoch spezialisierte

Techniker im Bereich Luftfahrttechnik aus.

Akademie

Technische Ausbildung

Seit fast 50 Jahren starten unsere Hubschrauber sicher zu ihren

Einsätzen – ein Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

in unserem Technischen Betrieb am Operation Center am Flughafen

Karlsruhe/Baden-Baden.

Hier setzen unsere exzellent ausgebildeten Technikerinnen

und Techniker an 15 Wartungsdocks und in den angrenzenden

Werkstätten u. a. die Fluggeräte für die Luftrettung

instand. Die umfassende Erfahrung mit den verschiedensten

Mustern wie H135, H145, EC145, EC135, BK 117 und

BO 105 zeichnet das Lehrpersonal aus, das im Part-147-Ausbildungsbetrieb

tätig ist. Von Musterberechtigungen über

allgemeine Hubschrauberkurse bis hin zu einem individuellen

Angebot – wir geben unsere Kompetenz gern weiter.

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Fortschritt

Fortschritt

Immer einen

Schritt voraus

Die DRF Luftrettung ist eine der erfahrensten und größten Luftrettungsorganisationen

Europas. Es ist unser Anspruch, die Weiterentwicklung

der Luftrettung zum Nutzen unserer Patientinnen und Patienten konsequent

voranzutreiben. In allen Kernbereichen der Luftrettung, Medizin,

Flugbetrieb und Technik, bringen die Experten der DRF Luftrettung

ihr Know­how ein, um u. a. die Patientenversorgung und ­sicherheit, die

Einsatztaktik oder auch die eingesetzte Medizintechnik immer weiter

zu optimieren.

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NOTARZT

NOTARZT

Fortschritt

Fortschritt

Weil jede Minute zählt,

suchen wir immer

die beste Lösung …

Mehr Sichtbarkeit durch

technische Innovation

Größtmögliche Sicherheit ist ein zentraler Wert unseres Selbst verständ

nisses: Collision Avoidance – Entwicklung aus eigener Kraft.

Die beste Notfallrettung für Patienten: von der Leitstelle

über Kliniken und bodengebundenen Rettungsdienst bis

zur Luftrettung nach der Next­Best­Strategie

Patienten erholen sich bei bestimmten zeitkritischen Diagnosen,

sogenannten Tracer-Diagnosen, wie Herzinfarkt,

Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma besser, wenn sie

schnellstmöglich nach Notrufeingang in einer für die Erkrankung

oder Verletzung am besten geeigneten Klinik versorgt

werden. Doch Leitstellen alarmieren in der Regel das Rettungsmittel,

das den Einsatzort am schnellsten erreichen

kann. Dabei liegt deren Fokus auf der gesetzlich geforderten

Hilfsfrist, sprich der Frage, wie lange es nach dem Notrufeingang

dauert, bis medizinische Hilfe beim Patienten

eintrifft. „Wertvolle Minuten verstreichen beispielsweise,

wenn der Hubschrauber erst nach Eintreffen eines bodengebundenen

Notarztes für den Transport in eine Spezialklinik

alarmiert wird“, erläutert Dr. Peter Huber, Vorstand der

DRF Luftrettung.

Next-Best-Strategie

Fachverbände und Hilfsorganisationen wie die DRF Luftrettung

arbeiten daher daran, die Disposition von Rettungsmitteln

fl ächendeckend nach der sogenannten Next-Best-

Strategie umzusetzen. Gemäß dieser Strategie soll der

Leitstellendisponent bei Tracer-Diagnosen gleichermaßen

zwei Aspekte beachten: die Einhaltung der Hilfsfrist und die

sogenannte Prähospitalzeit. Das ist die Zeitspanne zwischen

Erkrankung oder Unfall und dem Zeitpunkt, an dem der

Patient in einer für ihn optimal geeigneten Klinik versorgt

wird. Um diese Zeitspanne möglichst gering zu halten,

müssen alle dafür notwendigen Rettungsmittel gleichzeitig

alarmiert werden. Hier kommt der Luftrettung gerade in

ländlichen Gegenden eine wichtige Rolle zu, denn im Vergleich

zu bodengebundenen Rettungsmitteln transportieren

Hubschrauber die Patienten unschlagbar schnell in die entsprechende

Klinik.

Unsere Crews fl iegen täglich über 100 Einsätze und helfen

Menschen in medizinischen Notfallsituationen. Unser Erfolg

hängt dabei von vielen Faktoren ab. Ein wesentlicher Faktor

ist die größtmögliche Sicherheit im Luftraum. Und da die

Verkehrsdichte in der Luft immer weiter zunimmt, rüsten

wir unsere Hubschrauber des Typs EC135 sukzessive nach –

über die gängigen Standards hinaus! Dafür haben wir drei

bestehende technische Systeme zusammengeführt. Unser

eigens im Werft- und Entwicklungsbetrieb entwickeltes

Collision Avoidance System, kurz CAS, besteht aus acht

Pulsing Lights (LED-Scheinwerfern) und zwei verschiedenen

Kollisionswarngeräten, die mit akustischer und visueller

Warnung bei gefährlicher Annäherung eines anderen Flugfahrzeugs

Alarm schlagen, um Unfälle zu vermeiden. Das

ist es, was in der Luft zählt! Das ist es, was mit CAS hervorragend

gelingt. Die hochmoderne nachrüstbare Lösung für

den Hubschraubertyp EC135 ist unsere Idee!

Das CAS verschafft unseren Piloten einen besseren Rundumblick.

Wenn sich jemand oder etwas anderes aus einem

ungewöhnlichen Winkel dem Hubschrauber nähert, signalisieren

die Kollisionswarngeräte dies frühzeitig. Durch die

LED-Scheinwerfer nimmt die Besatzung Gefahren selbst

bei Einsätzen in der Dämmerung oder völliger Dunkelheit

deutlich besser und schneller wahr. Das eigens entwickelte

Frühwarnsystem erhöht die Sicherheit für die Flotte der

DRF Luftrettung und auch für andere Luftverkehrsteilnehmer.

Die Kombination von Warnsystemen und zusätzlichem Licht

senkt das Unfallrisiko für alle Beteiligten um ein Vielfaches.

Christoph 43 ist der erste Hubschrauber, den wir mit dem

Collision Avoidance System ausgestattet haben; seit März

2020 ist er für die Station Karlsruhe jetzt noch sicherer im

Einsatz. Aus eigenen Mitteln haben wir inzwischen drei weitere

Hubschrauber mit dem neuen System bestückt. Sieben

Maschinen, die über ein solches modernes Warnsystem

noch nicht verfügen, werden wir ebenfalls nachrüsten.

Pulsing Lights

Next-Best-Strategie

112

Notruf mit

zeitkritischen

Meldebildern

geht bei

Leitstelle ein.

akutes

Koronarsyndrom

Herzinfarkt

Leitstelle alarmiert

Rettungswagen

und Hubschrauber.

Rettungswagen und Hubschrauber

mit Notarzt treffen vor Ort ein.

Hubschrauber oder Rettungswagen

fliegen/fahren zur Klinik.

Fokus auf reine „Einhaltung der Hilfsfrist“

Patient trifft

in Klinik ein.

FLARM

(Befestigung an

Ober- und Unterseite)

TAS

(Befestigung an Ober- und Unterseite)

EC 135

Apoplex

Schlaganfall

Reanimation

Polytrauma

lebensbedrohliche

Mehrfachverletzungen

Leitstelle alarmiert

Rettungswagen.

Rettungswagen trifft vor Ort ein,

fordert nach Rücksprache mit

Leitstelle Notarzt an.

Notarzt trifft ein. Notarzt

fordert nach Rücksprache mit

Leitstelle Hubschrauber an.

Hubschrauber trifft ein,

fliegt Patienten zu Klinik.

Patient trifft

in Klinik ein.

D-HDRM

max.

15 Minuten

max.

60 Minuten

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Fortschritt

Jetzt mal konkret:

Nachhaltigkeit in der

DRF Luftrettung

Im Jahr 2019 standen viele Projekte

der DRF Luftrettung unter dem

Zeichen der Nachhaltigkeit.

Fällt das Wort „Nachhaltigkeit“, denken die meisten an Umweltschutz

und die Bewahrung der natürlichen Ressourcen. Doch der Begriff

umfasst viel mehr: Es geht darum, etwas langfristig zu erhalten und

eine lang anhaltende Wirkung zu erzielen. Das spielt gerade im

Hinblick auf eine Organisation wie die DRF Luftrettung eine große

Rolle. Denn: Was gibt es Nachhaltigeres, als ein Menschen leben

zu retten? Wir haben bei Dr. med. Jörg Braun, Fachbereichsleiter

Medizin, und Jérôme Gehri, Fachbereichsleiter Flugbetrieb, nachgefragt,

was Nachhaltigkeit für sie bei der DRF Luftrettung bedeutet,

wie sie konkret umgesetzt wird und auf was sie einzahlt.

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ bei der

DRF Luftrettung?

Jérôme Gehri: Grundsätzlich geht es um einen verantwortungsvollen

Umgang mit unseren Ressourcen, gerade in

einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen und in

einem komplexen Feld wie der Luftrettung. Ziel ist es, nicht

nur heute, sondern auch in Zukunft Patienten bestmöglich

zu versorgen und die Weiterentwicklung der Luftrettung

ebenfalls voranzutreiben. Die zur Verfügung stehenden

Ressourcen sind dabei nicht unbegrenzt und müssen klug

und weitsichtig eingesetzt werden.

Dr. Jörg Braun: Unsere Kernaufgabe selbst – Menschenleben

zu retten – ist nachhaltig. Dieser Kern unserer Arbeit hat

sich seit vielen Jahren nicht verändert, er ist unser täg licher

Antrieb. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, über das

Tagesgeschäft hinauszublicken und Werte zu schaffen, die

langfristig Bestand haben. Wir investieren in die Zukunft mit

Augenmaß und Weitblick. Dazu zählen auch kleine Dinge,

wie die Umstellung auf „grünen“ Strom oder der wenn möglich

sparsame Einsatz von medizinischen Ein wegprodukten.

Wie setzt die DRF Luftrettung Nachhaltigkeit

konkret um?

Jérôme Gehri: Im Mittelpunkt steht immer der Mensch,

nämlich unsere Patienten und Mitarbeitenden. Um nachhaltig

handeln zu können, sind die Motivation und Zufriedenheit

der Mit arbeitenden sehr wichtig, ebenso Aus- und Weiterbildung

sowie ein kontinuierlicher Aufbau von Erfahrung.

Beispielsweise prüfen wir bei der Einstellung neuer Piloten

nicht nur deren fliegerische Qualifikationen, sondern fragen

uns auch, ob sie in die DRF Luftrettung passen. Kommen

sie zu uns, stellen wir ihnen einen Mentor, einen erfahrenen

Kollegen oder eine erfahrene Kollegin, als Ansprechpartner

zur Seite. Denn wir möchten, dass Mitarbeitende

lange bei uns bleiben und sich mit all ihren Fähigkeiten

Ziehen an einem Strang in puncto Nachhaltigkeit:

Jérôme Gehri (links), Fachbereichsleiter Flugbetrieb,

und Dr. med. Jörg Braun, Fachbereichsleiter Medizin

weiterentwickeln können. Aber auch die konsequent weitergeführte

Erneuerung unserer Flotte zählt dazu: Durch den

Einsatz modernster Technik sind wir emissionsärmer und leiser

unterwegs. Und wir investieren weiter in den technischen

Fortschritt und das Rotorsystem der Maschinen. Mit dem

geplanten Umrüstungsbeginn Anfang 2021 des Hubschraubertyps

H145 von vier auf fünf Rotorblätter werden wir noch

leiser und effizienter unterwegs sein. Zudem werden Vibrationen

eliminiert, die der längeren Materialerhaltung und

dem Wohl unserer Besatzungen und Patienten dienen.

Dr. Jörg Braun: Ich sehe hier vor allem die Aufgabe, die

Beschränkungen, denen wir heute noch unterliegen, Schritt

für Schritt abzubauen. Ein gutes Beispiel ist der Nachtflug:

warum Luftrettung, die nachweislich Leben und auch

Lebensqualität rettet, nur tagsüber anbieten? Die tech nischen

Möglichkeiten für den Nachtflug sind da, die Qualifikation

unserer Besatzungen auch. Hier sollten die Möglichkeiten,

die wir haben, im Sinne der Patienten ausgeschöpft werden.

Was unternimmt die DRF Luftrettung in puncto

Nachhaltigkeit vor allem in Ihren Fachbereichen?

Dr. Jörg Braun: Wir optimieren ständig unseren Kernprozess,

Luftrettung mit Hubschraubern und Flugzeugen auf

höchstem Niveau zu leisten. Konkret heißt das für den Bereich

Medizin, dass wir kontinuierlich die Entwicklungen und

Neuerungen in der Notfallmedizin beobachten und auch

selbst vorantreiben. Zentrale Frage ist dabei immer, welchen

Vorteil ein neues Verfahren oder ein neues Gerät unseren

Patienten bringt. Vor einer Neueinführung prüfen wir beispielsweise

in mehreren Schritten den Nutzen, die praktische

Anwendbarkeit oder den nötigen Aufwand an Schulungen.

Es fi nden Tests an ein, zwei oder auch mehreren Stationen

statt, die so gewonnenen Erkenntnisse fl ießen in die weitere

Planung ein. Natürlich berücksichtigen wir auch externe

Anforderungen an uns, unter anderem Regulierungen

und medizinische Vorgaben, die wir teilweise schon

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Fortschritt

Fortschritt

Nachhaltigkeit lässt sich nur durch Veränderung

erzielen: Dabei setzt Jérôme Gehri auf die Offenheit

und Begeisterung aller Kolleginnen und Kollegen.

vorausschauend einbeziehen.

Jérôme Gehri: Richtig. Nur Augenmaß und kritische Prüfung

führen bei aller Begeisterung für Neuerungen zum Erfolg,

das gilt auch für den Flugbetrieb. Ganz wichtig ist es, im Gespräch

und agil zu bleiben. Hierzu gehört auch der kritische

Blick auf bestehende Prozesse und Strukturen. Sind sie noch

zeitgemäß und leistungsfähig? In diesem Zuge haben wir

zum Beispiel im Jahr 2019 fachbereichsübergreifend neue

Strukturen erarbeitet, sodass wir seit deren Einführung im

Frühjahr 2020 noch schneller auf Bedürfnisse und Anliegen

an den Stationen reagieren können, sowohl von Crew seite

als auch vonseiten der Träger des Rettungsdienstes und

Partnern vor Ort. Zentral ist zudem, dass grundsätzlich jeder

Verbesserungsvorschläge einbringen kann, die auch ernsthaft

verfolgt werden. Denn: Läuft einmal etwas nicht nach

Plan, sehen wir es nicht als Fehler, sondern als Chance zur

Verbesserung.

Welche Projekte sind Sie im Jahr 2019 dafür

angegangen?

Dr. Jörg Braun: Um ein Beispiel herauszugreifen: Im vergangenen

Jahr haben wir, nach eingehenden Tests, Blut- und

Plasmakonserven an unseren Stationen in Greifswald und

Mannheim an Bord genommen, die am Einsatzort verabreicht

werden können. Grund hierfür war, dass wir immer

wieder Patientinnen und Patienten gesehen haben, die aufgrund

eines massiven Blutverlusts noch vor der Einlieferung

ins Krankenhaus verstorben sind. In diesen Fällen können

wir jetzt noch mehr tun.

Jérôme Gehri: Eine Herausforderung der vergangenen Jahre

war es, die Nähe zu unseren 29 Stationen deutschlandweit

zu halten. Die neue Struktur ermöglicht kürzere und vereinfachte

Berichtsstrukturen, wodurch wir jetzt schneller

auf interne und externe Anforderungen und Bedürfnisse

reagieren können. Aus fl iegerischer Sicht ist sicher auch die

Kooperation mit der Lufthansa, die unsere Möglichkeiten,

Simulationstrainings durchzuführen, erheblich erweitert, ein

großer Schritt in die Zukunft. Die Aus- und Fortbildung von

Pilotinnen und Piloten ist generell aufwendig, daher stellt

alleine schon die Möglichkeit, den Umgang mit Standardanforderungen

im Cockpit in Simulationen zu üben, eine

große Entlastung des echten Flugbetriebs dar. Hinzu kommt,

dass im Simulator auch heikle Manöver dargestellt werden

können, die wir im echten Hubschrauber so nicht üben

können. Also ein wichtiger Schritt zu noch mehr Sicherheit

im Einsatz.

Wie kann jede Kollegin und jeder Kollege dazu beitragen?

Jérôme Gehri: Mit Offenheit den täglichen Herausforderungen

und Veränderungen gegenüberstehen. Es ist nur

menschlich, dass man sich ungern aus seiner Komfortzone

herausbewegt und Neues kritisch sieht. Veränderungen

erfordern jedoch genau diesen Schritt – und Nachhaltigkeit

lässt sich ohne Veränderung nicht erzielen.

Dr. Jörg Braun: Ja, ohne Veränderung geht es nicht. Man

muss die Menschen aber auch mitnehmen und ihnen die

Möglichkeit geben, zu verstehen, worum es geht, und die

Veränderung mitzutragen. Bei der DRF Luftrettung leben

wir von der Überzeugung, dass wir auf dem richtigen Weg

sind, dass alle den Wandel mit Herz und Verstand mittragen.

Das ist schon deshalb wichtig, weil man nicht alles selbst

vorausdenken kann und auf den Input und auf die Ideen der

Kolleginnen und Kollegen angewiesen ist.

Wie wichtig ist dabei die bereichsübergreifende

Zusammenarbeit?

Dr. Jörg Braun: Hand in Hand ist das Motto, sowohl intern

als auch extern. Der beständige offene Austausch ist für uns

enorm wichtig, denn die DRF Luftrettung besteht aus vielen

Fachbereichen und nur als Einheit sind wir erfolgreich.

Jérôme Gehri: Die Luftrettung stellt aufgrund ihrer Komplexität

eine große Herausforderung dar. Um all diesen Herausforderungen

zu begegnen, ist eine bereichsübergreifende

Zusammenarbeit zwingend notwendig. Dass dies in der

Vergangenheit gut funktioniert hat, zeigt das Ergebnis. Die

DRF Luftrettung kann stolz darauf sein, wo sie heute steht.

Welche Ziele haben Sie sich in Sachen Nachhaltigkeit

für dieses Jahr gesetzt?

Dr. Jörg Braun: Um noch einmal die Komplexität unserer

Arbeit anzusprechen: Im Hubschrauber treffen medizinische

Anforderungen auf fl iegerische. Wir arbeiten weiter an der

Frage: Wie werde ich beiden optimal gerecht? Und natürlich

prüfen wir weiterhin, welche Untersuchungs- und Behandlungsmethoden,

die in den Kliniken angewendet werden,

auch in der präklinischen Versorgung, am Einsatzort selbst,

anwendbar wären. Zudem setzen wir einen Schwerpunkt

bei der internen Kommunikation und der Achtsamkeit, die

wir unseren Kolleginnen und Kollegen gegenüber leben.

Jérôme Gehri: Derzeit legen wir unser Augenmerk, neben

dem Ausbau der Simulationstrainings, darauf, die bereits angestoßenen

Projekte abzuschließen und im Detail auszugestalten.

Ein weiteres Thema, das ich vorantreiben möchte und das

mir besonders am Herzen liegt, ist, administrative Hemmnisse

abzubauen und die Kolleginnen und Kollegen im Stationsalltag

zu unterstützen und zu entlasten, damit sie sich auf das Wesentliche

konzentrieren können: Menschen zu retten.

Gibt es hierbei Hürden, die es zu überwinden gilt?

Wie gehen Sie damit um?

Dr. Jörg Braun: Uns als Organisation würde eine solidere

Streitkultur guttun, die in der Kritik zwischen allen Ebenen

der Hierarchie noch besser möglich ist und nicht persönlich

genommen wird, wenn sie entsprechend vorgetragen wird.

Auch müssen wir aufpassen, dass wir einzelne Personen

nicht überfrachten. Als Arbeitgeber habe ich zum einen die

Aufgabe und die Pfl icht, meine Kolleginnen und Kollegen

vor Überlastung zu schützen. Zum anderen kommt auch

hier der Gedanke der Nachhaltigkeit ins Spiel. Denn es liegt

in unserem Interesse, dass alle langfristig gesund, motiviert

und mit Freude bei der Arbeit sind.

Für Dr. med. Jörg Braun ist motiviertes und

hoch qualifiziertes Personal der Grundstein,

auf dem nachhaltiges Handeln aufbaut.

Jérôme Gehri: Die Luftfahrt ist sehr stark reguliert. Insofern

ist man in seinen Entscheidungen nicht immer frei und einige

Vorschriften erscheinen auf den ersten Blick nicht sinnvoll.

Gestützt wird dieses Empfi nden immer wieder auch durch

einen Mangel an Passgenauigkeit, wenn Gesetze zwar grundsätzlich

richtig sind, aber an unserer Arbeitsrealität vorbeigehen.

In diesen Fällen setzen wir uns in einer internen Gruppe zusammen

und prüfen, wie wir die Hürde am besten nehmen

können. Sofern wir es für sinnvoll erachten, streben wir auch

die Änderung von luftfahrtrechtlichen Regularien an, um

die Luftrettung nachhaltig zu verbessern. Hierzu sind wir in

mehreren Gremien, auch auf europäischer Ebene, vertreten.

Wie sieht eine nachhaltige Rettungsorganisation in

fünf Jahren aus? Wo steht sie?

Dr. Jörg Braun: Ein wenig plakativ könnte man sagen: so

wie heute, nur noch besser! Denn nachhaltiges Handeln

zeichnet sich durch langfristiges Denken und kluges Wirtschaften

mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen aus.

Dabei ist unser wichtigstes Kapital, auf das wir aufbauen,

unser hoch qualifi ziertes Personal und eine möglichst

geringe Personalfl uktuation. Dies bedeutet, dass wir

unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wertschätzung

entgegenbringen, achtsam miteinander umgehen müssen.

Das ist auch im Hinblick auf den Fachkräfte mangel enorm

wichtig. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, in zukunftssichere

Medizintechnik zu investieren: Bei der Auswahl von

Geräten gehen wir sehr sorgfältig vor, führen umfangreiche

Testungen durch und berücksichtigen alle Aspekte der

Nutzung bei der Produktauswahl. Hier spielen zum Beispiel

eine umweltschonende Produktion sowie die Robustheit

und Haltbarkeit eines Produktes eine Rolle. Zudem wird die

Digitalisierung sicher eine immer größere Rolle spielen.

Jérôme Gehri: Als Organisation haben wir in den vergangenen

vier Jahrzehnten bewiesen, dass wir uns fl exibel

auf ständig ändernde Rahmenbedingungen einstellen und

dabei selbst proaktiv bleiben können. Hier sehe ich auch

eine wichtige Rolle der DRF Luftrettung: Aufgrund unserer

langjährigen Erfahrung und unseres großen Wissens sind

wir in der Lage und in der Pfl icht, Entwicklungen und neue

Technologien zu bewerten und voranzutreiben. Großes

Potenzial für die kommenden Jahre bieten hier konkret der

Instrumentenfl ug und die Luftrettung bei Nacht.

Was machen Sie persönlich, um nachhaltig zu leben?

Dr. Jörg Braun: Mein Blick auf Nachhaltigkeit hat sich durch

meine Tochter sehr verändert. Mir ist noch bewusster geworden,

dass ich den nächsten Generationen eine lebenswerte

Welt hinterlassen möchte. Meinen eigenen Akku lade ich in

der Natur auf, zum Beispiel beim Klettern oder Bergsteigen.

Jérôme Gehri: Ich liebe die Natur und fahre sehr gerne

Mountainbike und Rennrad. Das ist nicht nur gesund und

macht fi t, es trainiert auch die eigene Fähigkeit, sich seine

Kräfte einzuteilen. Kraft fi nde ich auch in der Familie.

Meinen Kindern versuche ich einen respektvollen Umgang

miteinander und einen verantwortungsvollen Umgang mit

unseren Ressourcen mitzugeben.

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Fortschritt

Fortschritt

Innovativ und visionär:

mit neuer Technologie

am Puls der Zeit

Die DRF Luftrettung arbeitet kontinuierlich an neuen Verfahren

und Methoden, die notfallmedizinische Versorgung im

Sinne der Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.

So zählt bei Unfällen, Schlaganfall, Herzinfarkt jede Minute.

Zeit, die Auswirkungen auf Gesundheit oder sogar das

Überleben des Patienten haben kann. Innovative Technologien,

wie Unmanned Aircraft Systems (UAS), auch Drohnen

genannt, können unsere Besatzungen in diesem Wettlauf

unterstützen und bei professioneller Handhabung eine hilfreiche

Ergänzung zu unseren Rettungshubschraubern sein.

Wir haben den Anspruch, die Zukunft der Notfallmedizin

und Luftrettung mit neuster Technologie aktiv mitzugestalten

und eigene Forschungsprojekte mit Leidenschaft und

Expertise Tag für Tag voranzutreiben.

Unmanned Aircraft Systems

Ob Notfall oder regulärer Transport – der Einsatz unbemannter

Luftfahrzeuge kann die Weiterentwicklung des

Gesundheitswesens vorantreiben. So können Drohnen

die Notfallrettung optimieren, indem sie medizinisches

Gerät, wie „Automatisierte Externe Defi brillatoren“, kurz

AED, schnell über die Luft zum Einsatzort transportieren.

Das Potenzial der UAS ist auch für den regulären

Transport medizinischer Güter, wie Blutkonserven oder

Laborproben, vorhanden. Diese könnten schnell und unkompliziert

zum Ziel (bspw. ins Labor oder in ein anderes

Krankenhaus) gefl ogen und Zeitverzögerungen durch

Staus und dichten Verkehr vermieden werden.

Daher investiert die DRF Luftrettung in Forschungsprojekte

für verschiedene Anwendungsfälle und Einsatzgebiete

von unbemannten Luftfahrzeugen. Seit 2019 kooperieren

wir mit der Universitätsmedizin Greifswald in dem von

der dortigen Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und

Schmerzmedizin in 2018 begonnenen Projekt MV|LIFE|-

DRONE. Ziel ist, dem regulären Einsatz von Drohnen Stück

für Stück näher zu kommen. Im Rahmen des Projekts

konnte im Juni 2021 auf einer 26 Kilometer langen Strecke

erstmals die Machbarkeit des Transports von Echtblutproben

mittels Drohne nachgewiesen werden. Das Projekt

wird von der Universitätsmedizin Greifswald geleitet und

vom Bundesgesundheitsministerium sowie aus finanziellen

Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

1: A ––> X 2: A B

Sichere Luftraumintegration/Collision Avoidance

Drohnen können eine nützliche Erweiterung für die Patientenversorgung

sein, aber nur, wenn sie sicher in den Luftraum

integriert sind. Die Herausforderung: Kollisionspotenziale

frühzeitig zu erkennen. Aktuell werden verschiedene

Lösungen zur Integration unbemannter Luftfahrzeuge in

den Luftraum untersucht. So arbeitet auch die EASA mit

dem U-space-Konzept an europaweit einheitlichen Lösungen.

Die neuen Grundlagen für den U-space sollen ab

2023 in Kraft treten.

Da bei Drohnen kein „direktes Sehen“ und Ausweichen

(„See and Avoid“-Prinzip) durch den Drohnenpiloten

möglich ist, müssen technische Lösungen gefunden

werden, um andere Luftverkehrsteilnehmer mittels Sensorik

zu erkennen und diesen auszuweichen („Detect and

Avoid“-Prinzip). Die DRF Luftrettung setzt sich engagiert

für die Entwicklung eines einheitlichen Kommunikationsstandards

zwischen bemannten und unbemannten

Luftfahrzeugen ein. Dies erfolgt unter Berücksichtigung

existierender und neuer Traffi c-Management-Systeme für

Drohnen und die traditionelle Luftfahrt.

Flugtaxi

Reine Fiktion oder nahe Zukunft? Flugtaxis können künftig

im Rahmen der notfallmedizinischen Versorgung genutzt

werden. Wir sind überzeugt, dass die Erweiterung

ein Zugewinn für den fl ächendeckenden medizinischen

Einsatz ist, und möchten durch unsere Aktivitäten die

Zukunft der Luftrettung in Deutschland mitgestalten. Als

führende Luftrettungsorganisation setzen sich unsere Experten

aus Flugbetrieb, Medizin und Technik intensiv mit

dem Thema Flugtaxis auseinander. Bis zum regelbetrieblichen

Einsatz von Multicoptern in der Luftrettung wird

es noch dauern, jedoch sehen wir es als unsere Aufgabe,

die technologischen Weiterentwicklungen bei der Umsetzung

zu einem fl ugtechnisch sicheren und marktreifen

Produkt mit entsprechender luftfahrtrechtlicher und medizintechnischer

Zulassung zu begleiten und mit unserer

langjährigen Expertise weiterzuentwickeln.

Menschen. Leben. Retten. – Auch in Zukunft!

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Social Media

Social Media

Gemeinsam mehr erreichen

Mit einer strategischen Contentplanung und neuen Formaten

möchten wir durch vielfältige informative wie unterhaltsame

Inhalte die Erwartungen unserer Community erfüllen

und sogar immer wieder aufs Neue übertreffen. Nur so

können wir neue Menschen für uns gewinnen und die, die

uns bereits folgen, langfristig an uns binden. Für uns leistet

eine starke, aktive und stetig wachsende Community einen

sehr wichtigen Beitrag, um morgen noch mehr Menschenleben

retten zu können als heute schon.

Digital Hand in Hand für die Luftrettung

Ein aktuelles Beispiel: Dieses Jahr ist es uns mit dem Aktionstag

„Tag der Luftretter“ gelungen, die breite Öffentlichkeit

digital durch die gezielte Aktivierung unserer Community

auf die wichtige Arbeit der Luftrettung aufmerksam zu

machen. Die Resonanz auf unsere innovativen Facefi lter für

Instagram und Facebook sowie verschiedene GIF-Animationen

für Instagram-Storys hat unsere eigenen Erwartungen

mehr als übertroffen. Dadurch konnte jeder selbst zum Luftretter

werden und einen entscheidenden Beitrag für mehr

Sichtbarkeit der Luftrettung leisten.

Weil jeder

Post zählt

Mit einer starken Community

mehr Menschen für die Luftrettung

begeistern

Social Media in Zahlen *

17.755

Follower

seit 2020

4.265

Follower

seit 2019

Facebook, Instagram, Youtube, Twitter, LinkedIn – wir sind

auf allen relevanten Social-Media-Plattformen präsent, und

das teilweise schon seit 2011. Für uns ist Social Media viel

mehr als eine zeitgemäße Plattform für die Unternehmensdarstellung

mit schönen Bildern und Videos. Wir möchten

die Chance nutzen, das tägliche Gespräch und den fortwährenden

sowie wertvollen Austausch mit unserer Community

zu suchen und zu fördern. So interagieren wir auf Facebook

und Instagram tatsächlich jeden Tag mit unserer wissbegierigen

und herzlichen Luftrettercommunity.

3.812

Follower

seit 2017

44.498

Follower

seit 2012

2.143

Follower

seit 2011

* Stand September 2021

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Menschen Rettung

Aufgeben ist

niemals eine Option

Bevor Thomas Reimer den Dienst beginnt, braucht der

Leiter der Station Berlin einen Tee. „Einen richtigen Tee. Für

mich ist das eine Tasse schwarzer Tee und die gehört ganz

klar zum Starterpaket“, schmunzelt der 54-Jährige, „ohne

die Tasse Tee ist die Routine gebrochen.“ Dies beinhaltet

das Abarbeiten der Checklisten und die Übergabe durch die

Kollegen. „Durch die Richtlinien des Bereichs ,Operations’

haben wir klare Vorgaben“, erklärt Thomas Reimer. Wie viele

seiner Kollegen wurde auch Reimer bei der Bundeswehr

ausgebildet. „Zu meiner Zeit konnten noch Unteroffiziere

die Pilotenausbildung machen. Nach eineinhalb Jahren saß

ich schon im Hubschrauber, bin nach siebeneinhalb Jahren

mit 1.500 Flugstunden als Oberfeldwebel raus aus der Bundeswehr.

Das ist eine Zahl, da bekommen die Jungs heute

Tränen in die Augen“, erinnert sich Reimer, der Anfang der

Für Pilot Thomas Reimer sind Nachtsichtbrillen

der neusten Generation ein Plus an Sicherheit.

Seit 27 Jahren ist Thomas Reimer Pilot im Luftrettungsdienst.

Routine gibt’s auch in seinem Job, einen klassischen Alltag

allerdings nicht. Jeder Tag und jeder Einsatz ist anders.

Neunzigerjahre bei der „Operation Kurdenhilfe“ zu den

Heeresfliegern gehörte, die zum ersten großen humanitären

Einsatz der Bundeswehr im Ausland aufbrachen.

Nach dem ersten Irakkrieg waren zwei Millionen Kurden in

die Türkei und in den Iran geflüchtet. Reimer zählte zu den

Heeresfliegern, die Flüchtlingslager in der Region Bakhtaran

mit Lebensmitteln versorgten.

„Ich habe heute noch Bilder von einem Einsatz vor Augen.

Wir flogen in ein Tal, in dem sich ein Flüchtlingslager befand.

Ich bin mit dem Helikopter nur so weit runtergegangen,

dass man die Kufen nicht greifen konnte, und dann

hat unser Bordmechaniker die Pakete mit den Lebensmitteln

rausgeworfen. Ich erinnere mich an eine hochschwangere

Frau. Sie fing ein Paket und danach stürzten sich die anderen

auf sie. Manchmal frage ich mich, was wohl aus der

Frau geworden ist.“

Pilot oder Architekt – eine schwere Entscheidung

Nach seiner Bundeswehrzeit war für den Schleswig-Holsteiner

Reimer nicht zwingend klar, dass er Pilot bleiben würde:

„Ich habe zu der Zeit überlegt, eine Umschulung zum Architekten

zu machen.“ Zum Glück erfuhr der Hobbytaucher von

der Rettungsstation in Lübeck. „Die wurde zu der Zeit von

der Firma HDM betrieben, später von der DRF Luftrettung

übernommen“, erklärt Reimer, der hinzufügt: „Das Hubschrauberfliegen

macht Spaß. Auch nach so vielen Jahren

noch. Wenn ich diesen Spaß damit verbinden kann, anderen

zu helfen, dann ist das die Kirsche auf der Sahne.“

So wie in dem Fall des zweijährigen Jungen, der südlich von

Berlin-Schönefeld in einen kleinen See gefallen und etwa

15 Minuten unter Wasser war. Dieser Fall hat sich bei

Thomas Reimer förmlich eingebrannt: „Als ich das Meldebild

sehe, denke ich, das ist hoffnungslos. Dann, Attacke,

los geht’s! Alle Mann in den Hubschrauber. Vor Ort finden

wir keinen Landeplatz. Der RTW ist da, am Reanimieren. In

einem kleinen Wäldchen geh ich runter. Notarzt und HEMS

TC raus, durch den Morast zu dem Kind. Ich lande die

Maschine an anderer Stelle, das Team kommt mit dem RTW,

sie kämpfen um den Jungen. Rein in den Hubschrauber,

ab zum Herzzentrum. Zum Glück haben wir ein sehr gutes

Verhältnis zur Flugsicherung in Schönefeld und Tegel, die

Fluglotsen geben uns Vorrang, tulpenartig gehen Flugzeuge

im Lande flug über Berlin auseinander. Und in der Mitte

schnippelt der kleine rot-weiße Hubschrauber durch. Im

Herzzentrum geben wir das Kind ab. Die Pointe: Der ‚Kleene‘

wurde eine Woche später entlassen. Ohne Defizite.“

Gerade diese Geschichte ist der Beleg dafür: „Auch wenn es

noch so hoffnungslos klingt, du musst 100 Prozent geben“,

unterstreicht Thomas Reimer.

Immer 100 Prozent geben,

sowohl am Tag als auch in der Nacht

Berlin ist eine von elf DRF-Luftrettung-Stationen,, die rund

um die Uhr Einsätze fliegen können. Als erste zivile Luftrettungsorganisation

führte die DRF Luftrettung 2009 Nachtsichtbrillen

ein. „Wir fliegen mittlerweile mit den ,white

phosphors‘. Die älteren mit dem Grünton dienen als Ersatz“,

erläutert Thomas Reimer, „und ich empfinde das schon als

weiteren Schritt. In puncto Sicht und damit Sicherheit ist es

noch mal eine Verbesserung und ein deutlicher Schritt nach

vorne.“

Um das Cockpit zu sehen, muss der Pilot unter der Nachtsichtbrille

durchschauen. Damit umgehen zu können,

hänge ab von Ausbildung, Training und Routine. „Das

merke ich gar nicht mehr, dass ich unter der Nachtsichtbrille

drunter herschaue“, meint Thomas Reimer, „und auch bei

der Landung schaue ich bei den letzten zwei, drei Metern

auf den Boden unter der Nachtsichtbrille durch. Das ist eine

Frage des Trainings.“

Windräder: eine Herausforderung beim Fliegen

Was dem 54-Jährigen hin und wieder Sorgen bereitet, sind

die Windräder, deren Anzahl in den vergangenen Jahren

in Deutschland deutlich zugenommen hat. „Ich habe überhaupt

nichts gegen erneuerbare Energiequellen. Ganz im

Gegenteil“, betont Thomas Reimer, „aber aus fliegerischer

Sicht sind die Windräder eine Herausforderung. Zumal ihre

Höhe zunimmt.“ Die Standorte der Windräder seien zwar in

den Karten aufgeführt, „ob das aber immer alle sind, da bin

ich mir nicht so sicher“, sagt Thomas Reimer.

Helfen und das Leid anderer ertragen können

In der Rettung komme es neben den fliegerischen Fähigkeiten

auch darauf an, „dass ich mir das Leid anderer

Menschen anschauen kann, ohne dabei verrückt zu werden.

Das brauchst du als Rettungspilot als ,add on‘.“ Wenn etwas

Schlimmes passiere und er mit seinem Team auch nicht

mehr helfen könne, sei es wichtig, „darüber zu sprechen“,

findet Thomas Reimer, „jeder geht anders damit um, aber

wir brauchen eine gute Stimmung auf der Station und sprechen

hilft – dann tut es auch nicht mehr so weh“.

Der Wahl-Brandenburger gehört mit seinen mehr als 8.000

Flugstunden zu den ganz erfahrenen Piloten der DRF Luftrettung.

Beim Thema Nachwuchs sei man aktuell noch „gut

aufgestellt und wir arbeiten an Konzepten, um auch in Zukunft

genügend Pilotinnen und Piloten zu haben“.

Was einen guten Piloten ausmache, sei nicht pauschal zu

beantworten: „Du musst dich auf das konzentrieren können,

was du gerade tust“, meint er. Dass Thomas Reimer

das kann, glaubt man ihm sofort; und das kann der 54-Jährige

ganz bestimmt auch ohne eine Tasse schwarzen Tee als

Starterpaket – wenn es denn unbedingt sein muss.

Durch die Nachtsichtbrille kann der Pilot unvorhergesehene

Wetterbedingungen frühzeitig erkennen.

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Menschen

Medizin

Menschen

Hand in Hand

im Rettungsdienst

Wenn sein Einsatz als HEMS TC und Notfallsanitäter beginnt, weiß

er, was zählt: Teamarbeit und Konzentration. Sebastian Geißert

ist einer, der sofort und beherzt zur Stelle ist, wenn jemand Hilfe

braucht. Ein Mensch, den man gerne zum Freund hätte, weil er in

allen Lebenslagen da ist. Bedingungslos.

Es liegt ihm, in kritischen Notfallsituationen fokussiert zu

bleiben. Und doch weiß auch er, dass er selbst Kraft tanken

muss, um im Rettungsdienst der DRF Luftrettung als HEMS

TC und Leitender Notfallsanitäter an der Station Karlsruhe

vollen Einsatz bringen zu können. Dafür läuft er in seiner

Freizeit oder fährt Fahrrad. Porträt eines Menschen, dessen

Herz für die Notfallmedizin und den Rettungsdienst schlägt.

Sebastian Geißert versteht seinen Job HEMS TC und Notfallsanitäter

im Team der DRF Luftretter als Lebensaufgabe.

Mit dem Rettungshubschrauber Christoph 43 in einen

neuen Einsatz

Wenn man Sebastian auf seine Berufung als HEMS TC

und Notfallsanitäter anspricht, sprudelt es nur so aus ihm

heraus. Er kennt sich mit medizinischen Fachbegriffen aus,

kann jeden Handgriff im Rettungsdienst aus dem Effeff abrufen

und Hubschraubertypen identifizieren. Ein Multitasker,

der es schafft, alle Disziplinen im Notfall – Rettungsflug, Medizin

und Einsatz – im Blick zu behalten. Vor, während und

nach dem Flug assistiert er dem Hubschrauberpiloten, checkt

Fluginstrumente, überwacht die Navigation, die Wetterlage

und die Landung am Einsatzort. Nach der Landung sondiert

er gemeinsam mit dem Notarzt die medizinische Lage und

versorgt den Patienten nach Dringlichkeit seiner Verletzungen.

Parallel behält er mit dem Piloten das Wetter im Blick

und legt gemeinsam mit der Crew zusammen die Einsatztaktik

fest. Schließlich ist er es auch, neben dem Notarzt,

der den Erstkontakt zu den nächsten Kliniken herstellt und

immer in Verbindung mit der Leitstelle bleibt. Das erfordert

eine hohe Konzentration, die Fähigkeit zu priorisieren und

Bereitschaft zur Teamarbeit. Alles Anforderungen, auf die

Sebastian immer wieder seinen Fokus richtet und die er zum

Teil auch in seinen Jobs vor der DRF Luftrettung gesucht hat.

Qualifizierte Ausbildung zum Notfallsanitäter

Die Kompetenzen dafür hat er sich in seinen Berufsjahren

schrittweise aufgebaut. Seine Vita liest sich vielseitig, aus

heutiger Sicht fügt sich jede seiner Erfahrungen zu einem

Gesamtbild: Er hat gelernt, in kritischen Situationen den

Überblick zu behalten und das Richtige zu tun. Vor seinem

Einsatz bei der DRF Luftrettung war er als Notfallsanitäter im

Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes (DRFK) Südpfalz

unterwegs. Davor lernte er beim Deutschen Wetterdienst

der Bundeswehr, Wetter und Klima zu lesen und zu

verstehen. Nach fast sieben Jahren bei der Bundesbehörde

spürte er insgeheim, dass er einen Job machen wollte, der

anspruchsvoller und fordernder ist, keine Routine aufkommen

lässt. Er kündigte und finanzierte seine zweite Ausbildung

als Rettungssanitäter selbst. Der 36-jährige Pfälzer

lernte bei seinem zweiten Arbeitgeber viel Neues dazu und

war sogar als Ausbilder tätig. Er war in der Rettungswache

im Einsatz, arbeitete auf der Intensivstation und im OP, um

fit zu werden für die Notfallmedizin, wie er sagt. Aus dem

Rettungssanitäter wurde schließlich der Rettungsassistent

Geißert. Und dann kam der alles entscheidende Einsatz …

Hand in Hand im Rettungsdienst

Sebastian kannte den Hubschrauber Christoph 43, der

in Karlsruhe und zurzeit am Baden-Airpark stationiert ist,

und die Luftretter aus der Zusammenarbeit im bodengebundenen

Rettungsdienst. Schon damals war er beeindruckt

von der hohen Professionalität und der Teamarbeit

der DRF-Besatzung. Sehr präzise erinnert er sich an den

Moment, quasi an die Initialzündung, seinen geliebten

Job als Notfallsanitäter beim DRK gegen den bei der

DRF Luft rettung einzutauschen. Es war ein Einsatz, bei dem

ein Kind im vollen Schwimmbad in Not war. Noch heute hat

er den Reanimationsversuch am vierjährigen Notfallpatienten

durch die DRF-Einsatzkräfte vor Augen. Er selbst war

mit dem Rettungswagen vorgefahren, als der Hubschrauber

aus Karlsruhe eintraf. Die Luftretter fügten sich blitzschnell

in die Wiederbelebungsversuche des Bodenrettungsdienstes

ein: „Die Crew bei ihrer Teamarbeit zu beobachten, wie

alles nahtlos Hand in Hand ging und jeder alles gab, um das

Kind medizinisch auf höchstem Niveau wiederzubeleben,

das war so menschlich, das hat mir so gut gefallen, dass ich

den Job im bodengebundenen Rettungsdienst an den Nagel

gehängt habe“, sagt der HEMS TC. An dieser Stelle muss er

selbst noch mal innehalten, denn ein Happy End gab es bei

diesem Noteinsatz leider nicht. Auch wenn die Einsatzkräfte

alles Mögliche getan hatten, überlebte der kleine Patient

nicht. Was ihm bleibt, ist ein schwacher Trost, denn die

Eltern waren dabei und konnten noch Abschied nehmen.

HEMS TC und Notfallsanitäter

sind eine Lebensaufgabe

Als er dann 2018 eine Fortbildung zum Thema Blutungsmanagement

als externer Dozent bei der DRF Luftrettung

leitete, sprach ihn ein ihm bekanntes Gesicht der Luftretter,

Marcus Sandrock, Regionalleiter West der gemeinnützigen

Organisation, an. Daraus wurde mehr, er bewarb sich und

ist seit Dezember 2018 bereits um 800 Einsätze (zum Zeitpunkt

der Veröffentlichung) reicher. Ein glücklicher Zufall, da

kam eins zum anderen, wie er es heute in der Rückschau reflektiert.

Der Weg der Entscheidung lag offenbar in der Luft.

Er scheint angekommen zu sein in dem, wofür er brennt.

Vor allem fühlt er sich bei den Luftrettern angenommen,

was er aus tiefstem Herzen so ausspricht. Durch und durch

ist er authentisch und spricht in jedem zweiten Satz von

seiner Lebensaufgabe, dem Team und dem hohen Professionalisierungsgrad

bei der DRF Luftrettung. Etwas, das ihm

im Berufsleben sehr wichtig ist, wie er betont. Während der

Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst der Bundeswehr

lernte er, wo sprichwörtlich der Wind herweht. Das Wetter

zu lesen, hilft ihm auch heute in seiner Tätigkeit als HEMS

TC und Notfallsanitäter.

Und nicht nur das: In stressigen Situationen schafft er

es, einen kühlen Kopf zu behalten. Denn das ist eine der

wichtigsten Voraussetzungen, um den komplexen Anforderungen

eines Einsatzes gerecht zu werden. Dabei greift

er auf einen der selbstverständlichsten Vorgänge im Körper

zurück, das richtige Atmen. Wer längere Zeit emotionalen,

körperlichen oder geistigen Belastungen ausgesetzt ist,

muss seinen Atem steuern können. Oder Werkzeuge wie

das Team-Time-out beherrschen. „Zehn Sekunden lang

im Team innezuhalten, schenkt dir zehn Minuten, um das

Richtige für den Patienten zu tun“, verrät er. Auch das

hat er als HEMS TC in vielen Lehrgängen zur Luftfahrt im

Crew Ressource Management (CRM) gelernt. Der „Faktor

Mensch“ ist die wichtigste Fehlerquelle, sowohl in der Luftfahrt

als auch in der Medizin. Sich und seine Grenzen und

Möglichkeiten, aber auch die des Teams ganz genau zu

kennen, genau zu beobachten, exakt zu kommunizieren,

das schafft Sicherheit. Sebastian selbst spricht von einem

inneren Kompass, der ihn leitet, um routiniert und sicher

Menschen zu helfen. Diese Haltung hat ihm auch den Weg

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Menschen

Menschen

zu mehr Verantwortung innerhalb der DRF Luftrettung

geebnet: Seit August 2020 ist er Leitender Notfallsanitäter

auf dem Christoph 43. Dass er darin aufgeht, ist spürbar.

Sebastian ist einer, der Verantwortung trägt, im Team und

nicht als Einzelkämpfer.

Erster Einsatz als HEMS TC bei der DRF Luftrettung

Tief durchatmen, das hat ihm auch bei einem seiner ersten

Einsätze bei der DRF Luftrettung geholfen. Er wird ihn so

schnell nicht aus dem Gedächtnis streichen können, möchte

er auch nicht. Er ist ein Teil von ihm und geschah an einem

der ersten extrem heißen Sommertage im Juni 2019, als die

DRF-Einsatzkräfte von der Station Karlsruhe starteten. Ein

junger Motorradfahrer war auf der Schwarzwaldhochstraße

B 500 verunglückt. Die B 500 ist eine der unfallträchtigsten

Strecken. Auf seinem Rückweg vom Mummelsee war der

damals 19-Jährige von der Fahrbahn abgekommen, hatte

mehrere lebensbedrohliche Verletzungen und Frakturen

gleichzeitig. Seine Lunge war schwer verletzt, eine Blutung

im Bauchraum musste behoben und Brüche stabilisiert

werden. Noch auf der Straße musste der junge Fahrer

narkotisiert und intubiert werden. Eine äußerst komplexe

Situation, bei der Sebastian nach dem ABC-Einsatzschema

(Luftwege, Atmung und Blutzirkulation) vorging, gleichzeitig

die Feuerwehr koordinieren und die nächste Spezialklinik

anfragen musste. Keine leichte Aufgabe, denn die umliegenden

Krankenhäuser hatten keine freien Kapazitäten

mehr. Er schaffte es dennoch, gemeinsam mit der Notärztin,

den Patienten sicher bis nach Stuttgart zu transportieren,

danach noch den Hubschrauber neu zu betanken, weil sie

bereits zum nächsten Einsatz gerufen wurden. Dabei noch

die vorgeschriebenen Flugzeiten von maximal elf Stunden

zur eigenen Sicherheit einzuhalten, ist eine logistische

Meisterleistung. Die Flugdienstzeit beginnt vom Start der

Maschine und endet eine Stunde nach der Landung. Wird

diese Stunde durch einen Einsatz unterbrochen, läuft die

Flugdienstzeit weiter. Ob der Patient überlebt hat, weiß er

nicht. Er weiß aber, dass er gemeinsam mit den Luftrettern,

der Feuerwehr und dem Rettungswagen alles getan hat.

Und das gibt ihm tiefe Befriedigung. Eine Erfahrung, die ihn

immer wieder antreibt.

Anderen helfen und sich gesellschaftlich engagieren, beides

macht er nicht erst seit seinem Dienstantritt als HEMS TC.

Verantwortung zu übernehmen, gefährliche Situationen zu

meistern und Menschen zu retten, kennt er genauso durch

die Einsätze als Feuerwehrmann. Er ist seit 24 Jahren bei der

Feuerwehr, da lernt man, brenzlige Situationen zu bewerten

und den Überblick zu behalten, gerade dann, wenn ziemlich

viel Adrenalin durch den Körper fließt. HEMS TC und Notfallsanitäter

Sebastian ist der Mustertyp eines hilfsbereiten

Lebensretters, eines jungen Mannes, der seine Liebe für

das wichtigste Organ – das Herz – mit klaren Worten zum

Ausdruck bringt. Empathie könnte sein zweiter Vorname

sein. Dass er sich in Menschen in Not hineinversetzen kann,

ist mehr als glaubhaft. Er spricht von der Überwindung,

die es Menschen kostet, die 112 anrufen zu müssen, von

Hilflosigkeit und Überforderung, wenn man in Not ist. Aber

auch von Hoffnung und Perspektive, die er den Notleidenden

gibt. Sein „Wir sind jetzt da, kümmern uns um Sie und

Sebastian in einer Grundschule in Wörth:

Sein Vortrag lässt Kinderherzen höherschlagen.

Notfallsanitäter Sebastian Geißert ist angetrieben davon,

sein Bestmögliches für Menschen in Not zu geben.

passen auf Sie auf!“ wirkt sicher bereits wie Medizin. Es ist

ihm wichtig, dass sich Patientinnen und Patienten auf ihn

verlassen können, dass er den Durchblick behält, auch in

unübersichtlichen Situationen: „Wenn ich diesen Gedanken

immer mit mir trage, dann kann ich Menschen helfen“,

sagt der Notfallsanitäter.

Der Luftretter steckt neben dem Sport sehr viel Energie

und Zeit in seine weitere Qualifizierung. Beim Dauerlauf

sortiert er seine Gedanken, das Erlebte. Er möchte weiter

hoch hinaus, noch besser sein in der Notfallmedizin, betont

er. „Ich möchte mich immer weiter professionalisieren und

mein Wissen auch als Dozent an andere weitergeben.“

Seine wachen Augen bestätigen diese Ziele. Eine Herzensangelegenheit

sind ihm auch die kleinen Projekte, für die

er neben der Luftrettung noch Zeit findet. So durfte er auf

Wunsch der benachbarten Grundschule in Wörth am Rhein

einen Vortrag halten, weil die Kinder den Hubschrauber

immer wieder vom Pausenhof sehen konnten. Dafür hatte

er sogar extra ein Video von Start und Landung eines Hubschraubers

für die Kleinen aufgezeichnet. „Damit sie auch

eine Gänsehaut bekommen“, strahlt er aus seinen wachen

Augen. Man braucht nicht viel Fantasie, sich HEMS TC und

Notfallsanitäter Geißert vor großen fragenden Kinder augen

vorzustellen. Wie er von den medizinischen Abläufen

erzählt, dem Knattern der Hubschrauberrotoren schwärmt

und die Wucht des Auftriebs beim Start beschreibt. Er ist

sichtlich in seinem Element. Die Kraft dazu geben ihm seine

Frau, Familie und der Freundeskreis. „Soziale Kontakte sind

für mich lebenswichtig“, sagt er. Und das klingt authentisch.

Sebastian Geißert ist tatsächlich einer, den man gerne als

Freund in allen Lebenslagen hätte.

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Menschen

Menschen

Ausbildung bei der

DRF Luftrettung

eine Erfolgsgeschichte

Für Lousia Merkel ging ein Traum in Erfüllung. Die 21-Jährige

wollte nach ihrem Abitur an Hubschraubern schrauben

und Flugzeuge reparieren. Begeistert von der Technik

und Mechanik des Fliegens entstand ihr Berufswunsch

bereits in der Oberstufe des Gymnasiums während eines

Praktikums bei den Luftrettern.

Seit August 2019 wird sie in der Werft der DRF Luftrettung

zur Fluggerätmechanikerin im Bereich Instandhaltung

ausgebildet. Sie ist eine Vorreiterin, denn der technische

Eine Ausbildung bei der DRF Luftrettung ist für die angehende

Fluggerätmechanikerin Lousia Merkel ein Volltreffer.

Im Einsatz können sich unsere Crews darauf verlassen, dass die

Technik zu 100 Prozent funktioniert. Diesen Auftrag nimmt Auszubildende

Lousia Merkel sehr ernst. Als Azubi bei den Luftrettern fühlt

sie sich der Sicherheit von Besatzung und der schnellen Hilfe für

Patientinnen und Patienten verpflichtet.

Beruf ist immer noch überwiegend in Männerhand.

Lousia brennt für ihren Job und macht sich entschieden

frei von herrschenden Stereotypen. Gut so! Denn daran ist

sie gewachsen, wie sie sagt. Sie wirbt für ihre vielseitige

Ausbildung und identifiziert sich mit ihrem Arbeitgeber,

der DRF Luftrettung. Einblicke in die Träume und Ziele

einer jungen Frau, die stolz darauf ist, wenn jede Schraube

100-prozentig sitzt, für Triebwerke schwärmt und die

Fasnacht liebt.

Faszination für Hubschrauber und Technik

Lousia Merkel hat ohne Zweifel ihren Traumjob gefunden.

Wenn sie über ihre dreieinhalbjährige Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin

bei den Luftrettern spricht, strahlen

ihre Augen. Jedes ihrer Worte über ihren Job bringt ihre

Leidenschaft und Berufung zum Ausdruck. Da ist von Magie

und Gänsehaut die Rede. Und mehr als das: Er ergibt

für sie Sinn. Sie scheint angekommen zu sein und genau

zu wissen, wo ihre Zukunft liegt: „Es ist ein tolles Gefühl,

einen Hubschrauber wieder flugtauglich zu machen und

zu wissen, dass die Kollegen an den Stationen auch dank

meiner Arbeit sicher unterwegs sind.“

Nach dem Abitur direkt zur DRF Luftrettung

Die Initialzündung für ihre Berufswahl brachte tatsächlich

das Praktikum bei der DRF Luftrettung im Jahr 2017:

„Mich hat die Stimmung in der Werfthalle überzeugt.

Klar ist der Ton dort manchmal etwas rauer, aber die

Ernsthaftigkeit und Präzision, mit der die Kollegen an Luftfahrzeugen

arbeiten, wie die Maschinen einmal komplett

auseinandergenommen und wieder zusammengebaut

werden, schließlich wieder in die Luft gehen, das hat

mich total begeistert“, schwärmt die Badenerin, die die

rot-weiße Flotte aus direkter Nachbarschaft kennt. Bereits

als Kind staunte sie voller Begeisterung, wenn sie die Fluggeräte

aus der Nähe sah. Insbesondere der Hubschrauber

hatte ihr Herz – bildlich gesprochen – im Flug erobert. Ein

Studium nach dem Abitur kam für sie nicht infrage, ein

Bürojob ebenfalls nicht. So entschied sie sich erst mal für

ein freiwilliges soziales Jahr, den sogenannten Bundesfreiwilligendienst

(meist Bufdi genannt). Sie wusste, dass dies

bei der gemeinnützigen Rettungsorganisation möglich ist.

Mit dem freiwilligen Jahr wollte sie Zeit gewinnen, um

sich intensiver mit ihren Wünschen und Zielen auseinanderzusetzen

und zu prüfen, ob ihr ein technischer Beruf

tatsächlich liegt. Ein weiser Entschluss. Das freiwillige Jahr

bei den Luftrettern am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

festigte ihren Berufswunsch, Fluggerätmechanikerin zu

werden. Und auch das Werftteam konnte sich einen Eindruck

von ihren Fähigkeiten machen und bei der Gelegenheit

auch gleich eventuell noch vorhandene Stereotypen

von „Männer- oder Frauenberufen“ über Bord werfen.

Tatsächlich war Lousia in der Fluggerätmechanik die erste

Frau, die eine Ausbildung machen wollte. „Ich konnte im

Bundesfreiwilligendienst schon mal beweisen, was ich

kann“, blickt sie zurück. Anfangs noch schüchtern, legte

sie los, setzte sich durch und verstand sich mit den Kollegen

sehr schnell sehr gut. Heute ist sie sich sicher, dass sie

den Weg für andere junge Frauen geebnet hat. Lousia ist

sich ihrer Vorreiterrolle bewusst. „Ich kann ich sein, das ist

mir wichtig“, definiert sie ihre Rolle im Team. Sie habe von

den männlichen Kollegen viel gelernt, vor allem, an sich

selbst zu glauben, so Lousia. Frauen in Männerberufen?

Für Lousia selbstverständlich.

Der gute Ruf der DRF Luftrettung als Arbeitgeber in der

Region war ein weiteres Plus. Ihre Entscheidung habe sie

keine Sekunde bereut, teilt sie mit Nachdruck mit. „Mich

packt es, dass ich jeden Tag immer wieder über mich hinauswachse.

Jeder Tag bringt neue Aufgaben und interessante

Fälle mit sich. Mal ist es der Hauptrotor, an dem ich

arbeiten darf, mal das Triebwerk. Das ist überwältigend,

so viel Vertrauen in die eigene Arbeit zu bekommen“,

beschreibt sie ihren Ausbildungsalltag, der nie zur Routine

wird. Erst nach Feierabend realisiert sie so richtig, was sie

alles erreicht hat. Die Chance, dann einmal mitfliegen zu

dürfen und zu sehen, dass der Hubschrauber wieder voll

einsatzfähig ist, bringt den Wow-Effekt und macht sie

stolz.

Stolz auf ihre Berufswahl

Damit ist sie nicht allein: Berufsstolz ist ganz typisch in

handwerklichen Berufen. Das geht aus einer nicht repräsentativen

Studie der Universität Göttingen hervor, die

Mitte September 2020 veröffentlicht wurde. Über 90 Prozent

der befragten Handwerker geben an, stolz auf ihren

Beruf und ihre Arbeit zu sein. Das trifft auch auf die junge

Lousia Merkel mit ihrem Kollegen Nils Kositzki,

der ihr bei der Ausbildung fachlich zur Seite steht

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Menschen

Menschen

Luftretterin zu und ist unübersehbar: „Zu wissen, dass ein

technisches Teil, an dem ich gearbeitet habe, die Steuerung

am Hauptrotor übernimmt, erfüllt mich mit Stolz,

weil ich weiß, dass er damit bald wieder seinen nächsten

Rettungseinsatz fliegen wird. Das ist ein unbeschreibliches

Gefühl!“

Zwischen Werft und Berufsschule

Ihre Begeisterung fürs Schrauben, Montieren und

Reparieren wurde ihr in die Wiege gelegt. Ihre Eltern

erkannten ihre Leidenschaft fürs Handwerkliche und

förderten diese auch. An ölverschmierte Hände und

Arbeitskleidung hat sich die junge Auszubildende schon

gewöhnt, wenngleich sie sagt, dass auch das eher ein

Klischee ist. Sie hatte nie wirklich welche während ihrer

bisherigen Ausbildungszeit, mittlerweile ist sie im zweiten

Jahr. Gekoppelt an die betriebliche Ausbildung drückt sie

für die Theorie jede zweite Woche noch die Schulbank in

der Berufsschule in Speyer. Die praktische Ausbildung an

allen Luftfahrzeugtypen der DRF Luftrettung findet mitten

in der Werfthalle und nicht ausschließlich in einer Lehrwerkstatt

statt. Da ist nichts von „nur Kaffee kochen und

aufräumen“. Gemeinsam mit den erfahrenen Technikern

stimmt sie sich genau ab und bei kritischen Teilen wird

gemeinsam geprüft, ob alles gut passt. Erfahrung macht

nicht nur klug, sondern auch sicher. „Man lernt von der

Pike auf“, beschreibt sie ihre Ausbildung. Azubis der DRF

Luftrettung fangen in der Regel im August des jeweiligen

Ausbildungsjahres an und starten direkt in der Werft in

Rheinmünster. Von September bis November lernen die

Technikazubis Fertigkeiten wie Feilen, Nieten und Bohren

bei der Fremdfirma der PFW Aerospace in Speyer. Ab

Dezember sind sie dauerhaft in der Werft für jeweils zwei

Wochen bis zu drei Monaten in der Avionik, im Triebwerkshop,

in der CAMO (engl.: Continuing Airworthiness

Management Organisation, die für die Lufttüchtigkeit der

Fluggeräte zuständig ist), beim Learjet, im Compositeund

im Komponentenshop. Lousia hat noch viel vor. Sie

möchte in einigen Jahren selbst Prüferin oder Dockchefin

werden: „Ich habe so viel Selbstvertrauen dazugewonnen,

dass ich mir das zutraue. Ich baue dabei auf die

Unterstützung der DRF Luftrettung, um die Schritte bis

zur Prüferin zu machen, mit der zusätzlichen Qualifikation

im Gepäck, raus zu den Stationen zu fahren, um deren

Vielfalt und Spezialisierungen kennenzulernen.“

Lousia Merkels Herz schlägt für Rettungshubschrauber – dafür gibt sie alles.

Gänsehautmomente und Sinnhaftigkeit

Eins ist sicher: Wenn es beim Party-Small Talk um die

jeweiligen Berufe geht, zieht Lousia sicher alle Blicke auf

sich, wenn sie sagt, sie sei Fluggerätmechanikerin bei der

DRF Luftrettung. Genau diese entgeisterten Blicke und

großen Augen kennt sie zu gut. „Viele erwarten einfach

nicht, dass ich als Frau an Hubschraubern schraube.“

Damit geht sie gelassen um, denn von typischem Klischeedenken

hält sie gar nichts. Es gebe schließlich auch

Männer, die in „Frauenberufen“ unterwegs seien, stellt

sie bewusst in Anführungs- und Schlusszeichen. Und

überhaupt solle man im Jahr 2021 von solchen „ollen

Kamellen“ und Einteilungen langsam mal wegkommen,

schiebt sie hinterher.

Trotzdem wird sie dieses Alleinstellungsmerkmal vermutlich

länger begleiten, doch viel lieber spricht sie von

„echten Gänsehautmomenten“, denn davon erlebt sie

ganz viele. So z. B. der erste Freiflug als Bufdi. Das war im

Oktober 2018 in München. Gemeinsam mit ihrem Kollegen

fuhr sie zur Station der DRF Luftrettung, um einen

Hubschrauber zur Wartung abzuholen. Dort angekommen

wartete die C2 Sierra Charly, der erste Hubschrauber, an

dem sie ein Jahr zuvor noch als Praktikantin gearbeitet

hatte, auf sie – und ihren ersten Hubschrauberflug. Sie

musste kurz innehalten. „Ich hatte Gänsehaut. Es war ein

magischer Moment, was wollte mir das Universum damit

wohl sagen?!“ War es ein Zufall oder doch eher Fügung?

Sie glaubt an Letzteres. Sie weiß, wofür sie ihre Arbeit tut,

wenn sie in den sozialen Medien von einem Rettungseinsatz

der Luftretter erfährt oder bei einer Wartung einen

Tropfen Blut am Kabinenboden eines Hubschraubers entdeckt

und sich eingesteht: „Wow, an dem habe ich noch

vorher repariert, jetzt hat er ein Menschenleben gerettet!“

Was haben die Bundeskanzlerin Angela Merkel und

Lousia gemeinsam?

Und was hat sie schließlich mit ihrer Namensvetterin,

Dr. Angela Merkel, gemeinsam? „Es wird manchmal gefragt,

ob ich mit ihr verwandt wäre, und meine Antwort

ist dann: Bis jetzt weiß ich nichts davon, aber ‚who

knows‘“, schmunzelt Lousia. Sie begegnet vielem im

Leben mit Humor. Auch in der Begegnung mit den männlichen

Kollegen hilft ihr das, nicht alles auf die Goldwaage

zu legen. An Schlagfertigkeit hat sie definitiv nicht eingebüßt,

sie steht ihre Frau mit Mut und Entschlossenheit.

Ein wichtiger Wegbereiter und Vorbild war, neben ihren

Eltern, auf jeden Fall ihr beruflicher Mentor Wolfgang

Bauer, der bis vor Kurzem den Triebwerkshop in der Werft

leitete und nun in Rente ist. Er hat sie ermutigt und geprägt,

sie fit gemacht während der Ausbildung. Lousia

ist dankbar dafür: „Er hat mich an seinem Wissen und

seinen Fähigkeiten teilhaben lassen und mir immer gut zugesprochen.

Wolfgang hat mir vor allem gezeigt, worauf

es ankommt: sich für etwas zu begeistern, und das gut

zu machen. Dann kannst du so ziemlich alles erreichen.“

Kluge Worte eines jungen Menschen, der sich auch im

Privaten engagiert. Als leidenschaftliche Fasnachterin tanzt

sie seit 14 Jahren in einer Showtanzgruppe mit, leitet die

Minis an und läuft beim Straßenfasching beim Marsch der

Prinzengarde. Nicht weiter verwunderlich, denn auch bei

der badischen Fasnet spielen für sie, ähnlich wie im Job,

Werte wie Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn und Präzision

eine sehr wichtige Rolle. „Der Hubschrauber fliegt

nur, wenn man im Team gut zusammenarbeitet“, erklärt

sie. Recht hat sie.

Affinität für Hubschraubertriebwerke

Lousias Herz schlägt aber für ein ganz besonderes Detail

der Fluggeräte: Triebwerke! Auch diese Liebe hat ihr Exkollege

Wolfgang entfacht. Warum gerade Triebwerke,

fragt man sich? „Die Technik ist so komplex und bringt

so eine Leistung, das haut mich regelrecht um!“, sagt sie.

Lousia ist dankbar für die Qualität ihrer Ausbildung bei der

DRF Luftrettung. Sie spricht von tollen Kolleginnen und

Kollegen, menschlich wie fachlich, von Chancen und Gestaltungsspielräumen

und davon, Verantwortung als Azubi

übernehmen zu dürfen für eine Tätigkeit, die sinnvoll ist.

Was macht eine gute Ausbildung für sie aus und was sind

ihre beruflichen Pläne? Individuell betreut und gefördert

zu werden, einen festen Ansprechpartner zu haben und

in einem Team zu arbeiten, das ihr viel zutraut, sagt sie.

Ein wichtiges Kriterium ist für sie nach wie vor eine hohe

Übernahmequote von Auszubildenden. Und: dass sie

innerhalb der Rettungsorganisation Karriere machen kann

und vielleicht eines Tages noch mehr Verantwortung hat.

Diese Vorteile und Chancen sieht sie bei ihrem Arbeitgeber

als gegeben. Ihrem Weg könnten viele junge Menschen

und insbesondere Frauen folgen. Eine Fachhochschulreife

reicht aus, um bei den Luftrettern durchzustarten. Lousia

folgte einfach ihrem Interesse und ihren Talenten. Die DRF

Luftrettung schreibt regelmäßig Ausbildungsplätze sowie

Jobs für Berufserfahrene in der Technik aus.

Lousia ist nicht die einzige Frau in der Werft, das findet sie

cool. Insgesamt sind es aktuell sechs in der Technik (Stand

März 2021). Dass sich die Ausbildungsjahre bisher mehr

als gelohnt haben, zeigt das Beispiel von Lousia Merkel

deutlich. 2023 wird für sie ein besonderes Jahr – denn

dann wird sie mit ihrer Ausbildung fertig sein und erfolgreich

im Beruf ankommen. Die Daumen sind gedrückt.

„Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen“, sagte

einst eine Politikerin. Auf Lousia trifft das zu, sie sucht

neue innerhalb der DRF Luftrettung, möchte wachsen und

sich weiterentwickeln – go for it, Lousia!

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Menschen

Menschen

Ein Lächeln als Visitenkarte:

Karin Oesterle arbeitet

seit 40 Jahren für die

DRF Luftrettung

Allen voran Karin Oesterle, die seit mehr als 40 Jahren die

herzliche Konstante und das Gesicht der DRF Luftrettung im

ersten Kontakt mit Besuchern, Gästen und Mitarbeitenden

ist: ein Jubiläum, das auch für die Loyalität innerhalb der

Loyalität und Freundlichkeit zeichnen Karin Oesterle am Empfang

in der Verwaltung der DRF Luftrettung in Filderstadt aus.

Wer das Foyer des Verwaltungsgebäudes der DRF Luftrettung

in Filderstadt betritt, fühlt sich willkommen. Das liegt an der

einladenden Sofaecke, auf der Wartende Platz nehmen können,

am warmen Licht und der Farbgebung – vor allem aber liegt es

an den aufmerksamen Kolleginnen am Empfang.

DRF Luftrettung steht. Das Wirgefühl und das Selbstverständnis

als Team sind es, die Kolleginnen wie Karin

Oesterle an der gemeinnützigen Organisation schätzen.

Erste Schritte ins Berufsleben in Köln und Stuttgart

Den Start ins Berufsleben erlebt Karin Oesterle – aus heutiger

Sicht – noch in klassischen Rollenmustern. Sie fängt früh

an zu arbeiten. Eine Ausbildung war für Mädchen damals

noch unüblich. Die erste Anstellung in einem kleinen, familiengeführten

Betrieb in Köln begeistert sie bereits, sie bleibt

einige Jahre. Nach der Geburt ihres Sohnes wechselt sie,

damals noch in Köln, in den Verkauf eines Kunstgewerbeladens.

Ihr Mann orientiert sich beruflich nach Stuttgart,

wohin sie ihm folgt. „Die ersten Jahre war ich dann zu

Hause, habe bald aber das Bedürfnis gehabt, meinen Mann

finanziell zu unterstützen. Ich bekam eine Stelle in den

Milchwerken Kuhn“, erinnert sie sich.

Wechsel zur DRF Luftrettung

Zur DRF Luftrettung kommt sie per Zufall: Gesucht wird

eine Dame für den Empfang, sie bewirbt sich und wird

eingestellt. Zum Zeitpunkt ihrer Bewerbung kennt sie die

Organisation nicht. Als sie 1981 ihren ersten Arbeitstag hat,

befinden sich die Räumlichkeiten noch in der Dieselstraße

in Filderstadt. „Das war ein Mietshaus, ein Teil der Mieter

arbeitete direkt bei uns. Und es war alles sehr klein und

familiär“, erinnert sie sich. Einmal war sie sogar gemeinsam

mit Siegfried Steiger und weiteren Kolleginnen und Kollegen

im Bundeskanzleramt bei Hannelore Kohl zu Gast, die sich

als Gründerin und Präsidentin des Kuratoriums ZNS für Unfallopfer

mit Schädel-Hirn-Trauma einsetzte.

Die DRF Luftrettung beginnt zu wachsen, weitere Umzüge

im Stadtgebiet von Filderstadt folgen – zunächst in die

Echterdinger Straße. In den folgenden Jahren wechselt der

Flugbetrieb nach Rheinmünster, die Verwaltung zieht in

Filderstadt weiter in die Raiffeisen- und schließlich in die

heutige Rita-Maiburg-Straße. Karin Oesterle ist immer mit

dabei und bleibt der Organisation treu. Selbst nach dem Erreichen

des Rentenalters. „Das liegt an den Menschen hier.

Seitdem ich bei der DRF Luftrettung arbeite, erlebe ich die

Kolleginnen und Kollegen im täglichen Kontakt als sehr angenehm.

Die soziale Einstellung, die natürlich auch mit den

Aufgaben unserer Organisation zusammenhängt, wird hier

spürbar. Und es gab in all den Jahren keinen einzigen Chef

für mich, der es nicht wert war, unter ihm zu arbeiten. Ich

habe mich immer wohlgefühlt.“

Seit 40 Jahren als Luftretterin mit dem Herzen dabei

Nach vier Dekaden am Empfang ist sie immer noch mit

dem Herzen dabei. „Mir kommt es nicht so vor, als wäre

ich 40 Jahre lang bei der DRF Luftrettung. Ich sehe diese

lange Zeitspanne eigentlich nur anhand meines Alters“, sagt

Karin Oesterle. Immer nett und freundlich sein, geht das

überhaupt, tagein, tagaus – vier Jahrzehnte lang? „Aber natürlich!“,

ruft sie und lacht. Ihre zuvorkommende, herzliche

Art kommt an: sowohl bei den Kolleginnen und Kollegen als

auch bei Besuchern und Gästen. Das Geheimnis erklärt sie in

drei Sätzen: „Bei uns werden alle gleich behandelt – egal ob

Handwerker, ‚Professor Doktor‘ oder Aufsichtsratsmitglied.

So fühlen sich alle wohl, die unser Haus betreten.“

Der Kontakt zu den Menschen erfüllt Karin Oesterle und

hält sie jung. Hinzu kommt die Lebensfreude, mit der sie

ihre Arbeit täglich meistert. Die Zusammenarbeit mit den

Bundesfreiwilligendienstleistenden, die am Empfang unterstützen,

empfindet sie als Bereicherung: „Jeder ist ein eigenständiger

Mensch, von dem man etwas lernen kann. Diese

jungen Leute haben ebenfalls ein Händchen für ihre Arbeit.

Ich empfinde sie als sehr angenehm.“

Wir bedanken uns bei Karin Oesterle für das interessante

und herzliche Gespräch und freuen uns auf die kommenden

Jahre, in denen sie uns täglich „willkommen“ heißt!

Kompetent und sprachlich gewandt bei Anrufern: Karin Oesterle

macht ihren Job mit Ruhe und Organisationstalent.

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Rita-Maiburg-Straße 2

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www.drf-luftrettung.de

Redaktion und Lektorat

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Stabsstelle Kommunikation & Marketing

Korrektorat

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Gestalterisches Konzept und Layout

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