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Berliner Rundschau 01/2022

Das Mitgliedermagazin der CDU Berlin

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Das Magazin der CDU Berlin<br />

www.cdu.berlin<br />

1/<strong>2022</strong><br />

1<br />

48. Jahrgang<br />

Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise: einmal im Quartal.<br />

Friedrich Merz:<br />

„Es gibt keine<br />

vorgestanzten und<br />

vorgefertigten<br />

Antworten.“<br />

Interview auf Seite 4<br />

Wegner zur<br />

Autobahn-Blockade<br />

Die Mitglieder<br />

haben das Wort<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


#StandWithUkraine<br />

22 3<br />

Die CDU im Spiegel<br />

der Presse<br />

Mit dem Positionspapier von<br />

Fraktionschef Kai Wegner über den<br />

Umgang mit Autobahn-Blockierern<br />

setzte sich die Bild am Sonntag<br />

auseinander. Wegner fordert darin<br />

unter anderem, dass die Blockierer<br />

für die Kosten der Polizeieinsätze<br />

bezahlen sowie eine Ausweitung des<br />

Unterbindungsgewahrsams. Wegner:<br />

„Der Blockade-Spuk muss ein Ende<br />

haben.“ Es könne nicht angehen, dass<br />

eine radikale Minderheit eine ganze<br />

Stadt in Geiselhaft nimmt.<br />

Ausführlich berichtet das<br />

Handelsblatt über die<br />

Forderung unseres Landes- und<br />

Fraktionschefs Kai Wegner,<br />

eine Energiepreisbremse<br />

einzuführen. Um private Haushalte<br />

und Unternehmen, die unter<br />

dem drastischen Anstieg der<br />

Energiepreise leiden, zu entlasten,<br />

sollen die Steuern auf Energie<br />

gesenkt werden.<br />

Eine „Schönheitskur“ verpasst<br />

die CDU-Pankow dem Volkspark<br />

Prenzlauer Berg. Der Park bekommt<br />

einen sanierten Kinderspielplatz,<br />

neue gepflegte Grünflächen<br />

und instandgesetzte Treppen,<br />

erklärte CDU-Stadträtin Manuela<br />

Anders-Granitzki. Das Geld für die<br />

Sanierung kommt übrigens aus<br />

PMO-Mitteln, also von Parteien<br />

und Massenorganisationen der<br />

ehemaligen DDR, berichtet der<br />

Newsletter Prenzlauer Berg<br />

Nachrichten.<br />

Rechtschreibkunde von der<br />

CDU-Fraktion in Reinickendorf.<br />

Der war aufgefallen, dass bei<br />

einem Ortsschild an der Grenze<br />

zu Brandenburg wohl einiges<br />

schief gelaufen war: Auf dem<br />

Ortsschild steht „Reickendorf“ (statt<br />

„Reinickendorf“). Doch nicht genug,<br />

auch die Rückseite ist fehlerhaft:<br />

Dort steht „Henningsdorf“ und nicht,<br />

wie es richtig wäre, „Hennigsdorf“.<br />

IN DIESER AUSGABE...<br />

Das Interview<br />

Der neue Bundesvorsitzende der CDU<br />

Friedrich Merz nimmt Stellung zur<br />

Neuaufstellung seiner Partei und zur<br />

aktuellen Lage. Seite 4 und 5<br />

Autobahn-Blockierer<br />

„Der Blockade-Spuk muss ein Ende haben“,<br />

fordert der Landesvorsitzende Kai Wegner<br />

und stellt ein Positionspapier mit seinem<br />

Stellvertreter Frank Balzer vor. Seite 7<br />

Anpacken<br />

Die CDU Berlin geht mit neuen Ideen<br />

die Arbeit im Jahr <strong>2022</strong> an und setzt<br />

dabei auch auf viele Neumitglieder.<br />

Seite 10 und 11<br />

Ergebnisse<br />

Mitgliederumfrage<br />

Das sagen die CDU-Mitglieder zur Corona-<br />

Impfpflicht. Die detaillierten Ergebnisse<br />

erfahren Sie auf der Seite 12.<br />

Ukraine-Krise<br />

Einen eindringlichen Appell zur aktuellen<br />

Situation in der Ukraine und was ein<br />

Ukrainer vom Westen erwartet lesen Sie<br />

auf Seite 16.<br />

in diesen Tagen blicken wir in größter Sorge auf die<br />

Entwicklungen in der Ukraine. Es geht uns alle an, wenn<br />

ein freies und demokratisches Land in unserer Nachbarschaft<br />

mit einem nicht zu rechtfertigenden Krieg<br />

überzogen wird. Wer die Ukraine angreift, der greift<br />

unsere europäischen Werte an. Wenn Russland gewaltsam<br />

nach ‚alter Größe‘ strebt, dann wissen gerade<br />

wir in Berlin, was das bedeutet.<br />

Ich frage mich allerdings ernsthaft, ob Deutschland<br />

darauf vorbereitet ist, dass Putin die europäische Friedensordnung<br />

zum Einsturz bringt. Was bedeutet das<br />

für unsere Sicherheits- und Außenpolitik? Eines ist sicher:<br />

Die Zeiten, in denen sich Deutschland wegducken<br />

konnte, sind mit der Entwicklung dieser Tage endgültig<br />

vorbei. Wir müssen raus aus der Komfortzone. Zu viel<br />

steht jetzt auf dem Spiel. Um<br />

es mit den Worten unseres<br />

neuen Bundesvorsitzenden<br />

Friedrich Merz zu sagen: „Die<br />

Freiheit Europas ist in ernsthafter<br />

Gefahr“.<br />

Wer die Ukraine<br />

angreift, greift<br />

auch unsere<br />

europäischen<br />

Werte an.<br />

Liebe Leserinnen<br />

und Leser,<br />

Wir in Berlin sind davon in ganz besonderer Weise<br />

betroffen. Berlin ist seit jeher ein Tor zum östlichen<br />

Europa. Die Geschichte Deutschlands, die Geschichte<br />

unserer einst geteilten Stadt ist nicht trennbar von der<br />

Geschichte Osteuropas. In unserer Stadt leben zehntausende<br />

Ukrainer und Russen friedlich zusammen.<br />

Berlin muss unmissverständlich und im parteiübergreifenden<br />

Schulterschluss an der Seite von Frieden,<br />

Freiheit und Demokratie in Europa stehen.<br />

„Als CDU stehen wir fest an<br />

der Seite unserer Partner in<br />

der Welt. “<br />

Wenn Junge Union, Jusos, Grüne Jugend und Jungliberale<br />

gemeinsam zu Solidaritätskundgebungen aufrufen,<br />

dann wird die Tragweite des historischen Augenblicks<br />

deutlich. Dass die Nachwuchsorganisation der Linkspartei<br />

derweil davon spricht, dass „der imperialistische<br />

Feind im eigenen Land steht“ und aus der AfD ungefiltert<br />

russische Regierungspropaganda verbreitet wird,<br />

zeigt allerdings, dass wir uns auch in Berlin politisch<br />

dem Konflikt zu stellen haben. Nicht nur Putin hat ein<br />

Problem mit den Werten unserer freiheitlich-demokratischen<br />

Ordnung.<br />

Noch sitzt Deutschland angesichts der weltpolitischen<br />

Entwicklung weitgehend bequem auf dem Sofa. Von den<br />

hunderttausenden Demonstranten, die vor Jahren noch<br />

gegen einen Irak-Krieg auf die Straße gingen, ist kaum<br />

etwas zu sehen. Stattdessen schlagen wir uns in Berlin<br />

mit linken Lifestyle-Aktivisten herum, die unsere arbeitende<br />

Bevölkerung mit der Blockade von Autobahnen<br />

terrorisieren – wegen weggeworfener Lebensmittel.<br />

Von kleingeistigen Streitereien<br />

im <strong>Berliner</strong> Senat will ich<br />

an dieser Stelle schweigen.<br />

Als CDU stehen wir fest an<br />

der Seite unserer Partner in<br />

der Welt. Wir rücken und wir<br />

halten zusammen, wenn unsere freiheitlich-demokratischen<br />

Werte bedroht werden. Auch wenn es umbequem,<br />

auch wenn es hart wird. An die Stelle deutscher<br />

Sprach- und Orientierungslosigkeit müssen sichtbare<br />

Entschlossenheit und unmissverständliche Solidarität<br />

mit der Ukraine rücken. Alles andere hätte einen<br />

höheren Preis, für uns alle.<br />

Mit herzlichem Gruß<br />

Stefan Evers<br />

Generalsekretär der CDU Berlin<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


Kai Wegner:<br />

Wir brauchen eine<br />

Energiepreisbremse<br />

44 5<br />

Friedrich Merz (66) ist seit 40 Jahren verheiratet mit<br />

Charlotte Merz. Die beiden Juristen haben drei erwachsene<br />

Kinder und fünf Enkelkinder. Seit 1972 ist Merz<br />

Mitglied der CDU; seit dem 31. Januar <strong>2022</strong> ihr zehnter<br />

Bundesvorsitzender. Von 1989 bis 1994 vertrat er<br />

seine Partei im Europäischen Parlament, von 1994 bis<br />

2009 und wieder seit 2021 im Deutschen Bundestag.<br />

Seit dem 15. Februar ist er wieder – wie von 2000 bis<br />

2002 - Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.<br />

„Es gibt keine vorgestanzten und<br />

vorgefertigten Antworten.“<br />

<strong>Berliner</strong> <strong>Rundschau</strong>: Herr Merz, vor nicht allzu<br />

langer Zeit hatten Sie die CDU als „schweren<br />

Sanierungsfall“ bezeichnet. Was werden Sie nun<br />

als Vorsitzender ändern?<br />

Friedrich Merz: Wir werden es wieder schaffen,<br />

die klassischen Tugenden einer Volkspartei zu erfüllen.<br />

Volksparteien müssen<br />

integrieren können, sie<br />

müssen Meinungen bündeln<br />

können, weil sie einen<br />

Teil der gesellschaftlichen<br />

Spannungen innerhalb<br />

ihres eigenen Spektrums<br />

abbauen und daraus eine übergreifende politische<br />

Meinung ableiten können. Es geht jetzt darum, dass<br />

wir als Partei für uns noch einmal neu definieren,<br />

was uns eigentlich ausmacht und was uns von anderen<br />

unterscheidet. Da gibt es keine vorgestanzten<br />

und vorgefertigten Antworten, das ist ein Prozess,<br />

mit dem wir jetzt beginnen.<br />

BR: Welche Themen muss die Union in der nächsten<br />

Zeit zu ihren Schwerpunkten machen und warum?<br />

„Wir werden es wieder schaffen,<br />

die klassischen Tugenden einer<br />

Volkspartei zu erfüllen. “<br />

FM: Wir wissen nach der verlorenen Bundestagswahl,<br />

dass wir zu bestimmten politischen Fragen im<br />

Augenblick keine befriedigenden Antworten haben.<br />

Beispielsweise zur Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft.<br />

Wir werden uns fragen, was Soziale Marktwirtschaft<br />

in Zeiten des Klimawandels bedeutet. Wir wollen<br />

definieren, welche Aufgaben es in der Innen- und<br />

Außenpolitik im Zeichen zunehmender Herausforderungen<br />

für unsere Sicherheit<br />

gibt. Und wir wollen<br />

neue Antworten geben<br />

zu einer zukunftsfähigen<br />

Sozialpolitik in Zeiten des<br />

demografischen Wandels<br />

BR: Die Bundesregierung steht, kaum dass sie<br />

im Amt gekommen war, in der Ukraine-Frage<br />

vor einer außenpolitischen Vertrauenskrise, in<br />

Washington mehren sich die Stimmen, die die<br />

Bündnisfähigkeit Deutschlands in Zweifel ziehen.<br />

Was muss Deutschland tun, um Vertrauen wieder<br />

herzustellen?<br />

FM: Russlands Aggression gegen die Ukraine ist<br />

eine eklatante Verletzung der europäischen Sicherheitsarchitektur.<br />

Die Missachtung der territorialen<br />

Integrität und politischen Souveränität der Ukraine<br />

ist ein Bruch des Völkerrechts und gefährdet den Frieden in<br />

ganz Europa. Wir unterstützen die Bundesregierung in ihren<br />

Bemühungen, eine Deeskalation der Lage zu erreichen. Entscheidend<br />

ist eine enge Koordinierung im Kreis der europäischen<br />

und transatlantischen Partner. Diese Abstimmung ist<br />

zentral, um das Vertrauen in die Verlässlichkeit Deutschlands<br />

zu erhalten. Auch erwarte ich, dass die Bundesregierung<br />

das Parlament ständig und umfassend informiert und in alle<br />

wesentlichen Schritte einbindet.<br />

BR: Seit Jahren versucht die CDU, in den großen Städten<br />

stärker Fuß zu fassen. Warum hat die CDU ein offensichtliches<br />

Problem mit der Urbanität und wie könnte<br />

die Lösung aussehen?<br />

FM: Als moderne Volkspartei der Mitte müssen wir die Lebenswirklichkeiten<br />

aller Menschen im Blick behalten – auf<br />

dem Land und in der Stadt. Wir werden nur dann erfolgreich<br />

sein, wenn wir die ganz konkreten Fragen der Menschen<br />

beantworten: Wie können wir die Bildungschancen von Kindern<br />

verbessern? Wie sorgen wir für bezahlbares Wohnen?<br />

Mario Czaja hat in Berlin gezeigt, wie eine von bürgerlichen<br />

Werten getragene Politik der Mitte auch in urbanen Milieus<br />

überzeugen kann. Seine Erfahrungen sind von großem Wert<br />

für uns. Auch in anderen Großstädten gibt es Lichtblicke,<br />

wenn man z. B. an Essen, Düsseldorf oder die vergangenen<br />

Bürgermeisterwahlen in Wolfsburg oder Osnabrück denkt,<br />

wo die CDU das Stadtoberhaupt stellt. An diese Erfolge wollen<br />

wir anknüpfen und in den Großstädten stärker werden.<br />

BR: Eines der drängenden Probleme in den Städten und<br />

besonders auch in Berlin sind die unaufhörlich steigenden<br />

Mieten. Wie könnte die Antwort der CDU auf dieses<br />

Problem aussehen?<br />

FM: Bezahlbarer Wohnraum ist eine der entscheidenden<br />

Grundlagen, um ein gutes Leben führen zu können. Darum<br />

ist es wichtig, dass wir dort, wo Wohnraum knapp ist, mehr,<br />

schneller und moderner bauen. Hier muss der Gesetzgeber<br />

einen Beitrag leisten und insbesondere Planungssicherheit<br />

gewährleisten. Der überraschende Stopp der KfW-Förderung<br />

durch die Ampel hat sicherlich nicht dazu beigetragen, Vertrauen<br />

in eine klimafreundliche Baupolitik zu fördern. Ebenso<br />

problematisch sind ideologisch behaftete, aber unnütze und<br />

sogar schädliche Instrumente wie etwa der Mietendeckel.<br />

Zu einer ganzheitlichen Wohnraumpolitik gehört es auch,<br />

das Stadtumland in den Blick zu nehmen. Viele Menschen<br />

wünschen sich, aus der Stadt heraus und in das Umland zu<br />

ziehen. Hier muss die Politik vor allem für eine gute Infrastruktur<br />

im Umland sorgen, z. B. mit guten Verkehrsanbindungen<br />

und schnellem Internet.<br />

Mit einem zukunftsweisenden Plan hat<br />

unser Landes- und Fraktionschef Kai<br />

Wegner einen Weg aus den immer weiter<br />

steigenden Energiepreisen gewiesen, den<br />

er erstmals in einem Gastbeitrag für das<br />

„Handelsblatt“ vorgestellt hatte. Darin fordert<br />

er eine Energiepreisbremse. Doch geht<br />

er dabei nicht den vermeintlichen einfachen<br />

Weg, eine neue Subvention zu fordern. Dies,<br />

so Wegner, verbiete sich aus grundsätzlich<br />

ordnungspolitischen wie auch aktuellen ökonomischen<br />

Erwägungen.<br />

Eine weitere Subvention hätte den Nachteil<br />

des Abgrenzungsproblems. Kommen<br />

nur sozial schwache Haushalte in den Genuss<br />

einer Zuwendung, warum nicht auch<br />

Haushalte der Mittelschicht, was passiert<br />

mit den Unternehmen, die genauso unter<br />

den hohen Energiekosten leiden? Zum anderen<br />

ziehe jede Subvention ein Mehr an<br />

Verwaltung nach sich, da diese durch den<br />

Staat ausgezahlt und ihre ordnungsgemäße<br />

Verwendung kontrolliert werde müsste. Zudem<br />

hätten zusätzliche Subventionen immer<br />

die Gefahr, dass sie inflationär wirkte. Dies<br />

wäre in Zeiten einer anziehenden Inflation<br />

Gift, besonders für sozial schwache Haushalte.<br />

Viel richtiger wäre es, so Kai Wegner, in<br />

seinem Papier, dort anzusetzen, wo ein erheblicher<br />

Teil der Kosten entsteht: bei den<br />

Steuern. Schon heute verdient ja der Staat<br />

an den steigenden Energiepreisen prächtig,<br />

denn beispielsweise steigt mit dem Preis<br />

für Energie auch die Einnahme des Staates<br />

aus der Umsatzsteuer. Wegner: Es ist jetzt<br />

die Zeit für eine Energiepreisbremse, die<br />

Menschen und Unternehmen dürfen auf<br />

eine Entlastung nicht länger warten. Kai<br />

Wegner: Wir brauchen jetzt eine Energiepreisbremse.<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


66 7<br />

Autobahn-Blockierer<br />

„Der Blockade-<br />

Spuk muss ein<br />

Ende haben“<br />

Das Wahljahr <strong>2022</strong> kann kommen<br />

Nach der krachend verlorenen Bundestagswahl hat<br />

die CDU Deutschlands ihre Aufstellung gefunden.<br />

Keinen Moment zu früh, denn es gilt in den Ländern<br />

drei Ministerpräsidenten und eine Regierungsbeteiligung<br />

zu verteidigen.<br />

Am Ende des digitalen Bundesparteitages war der<br />

Anfang gemacht. Friedrich Merz stand sichtlich gerührt<br />

auf dem Podium im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses.<br />

Er schüttelt den Kopf, als er das Ergebnis<br />

seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der CDU<br />

erfährt. Einmal. Zweimal. Über 94 Prozent – nicht zu<br />

fassen. Und als er dann mit wenigen Schritten an das<br />

Rednerpult geht, war, endlich für ihn der Moment gekommen,<br />

den Satz zu sagen, den er schon so lange<br />

sagen wollte: „Meine Damen und Herren, ich nehme<br />

die Wahl.“<br />

In dieser Samstags-Nachmittagsstunde als Friedrich<br />

Merz mit einem überragenden Ergebnis zum 10.<br />

Bundesvorsitzenden der CDU Deutschlands im Anschluss<br />

an die Urabstimmung der Mitglieder auch von<br />

den Delegierten gewählt wurde, war klar, dass in der<br />

Geschichte der Partei ein neues Kapitel aufgeschlagen<br />

wurde. Auch schon zuvor, in der Befragung der<br />

Mitglieder, war es überdeutlich spürbar geworden:<br />

Die Partei will einen Neuanfang. Die CDU muss, wie<br />

es Friedrich Merz einmal sagte, auch intellektuell<br />

„wieder satisfaktionsfähig“ werden. Mit Mario Czaja<br />

als neuen Generalsekretär setzte Merz ein erstes<br />

Ausrufezeichen. Für den <strong>Berliner</strong> Landesverband<br />

war es dann noch überaus erfreulich, dass mit Joe<br />

Chialo und Elke Hannack zwei weitere <strong>Berliner</strong> in das<br />

höchste Gremien der Partei gewählt wurden.<br />

Weitere Pflöcke inhaltlicher wie organisatorischer<br />

Art waren kurz darauf eingeschlagen. Eingedenk der<br />

Einsicht, dass gerade in Zeiten der Opposition die<br />

Kräfte gebündelt und nicht aufgesplittert gehören,<br />

war der Schritt folgerichtig, dass Merz auch Vorsitzender<br />

der gemeinsamen Fraktion der Union wurde.<br />

Das sah man auch in der CSU so. Gleichzeitig ist es<br />

den neuen Bundesvorsitzenden schnell gelungen,<br />

dass vorher nicht immer spannungsfreie Verhältnis<br />

zur bayrischen Schwesterpartei zu entspannen. Nach<br />

dem harmonischen Besuch bei der Klausurtagung der<br />

CSU-Landesgruppe im Bundestag sprach Merz über<br />

die aus CDU und CSU gebildete gemeinsame Fraktion<br />

von einer „genialen Konstruktion“, die es der Union<br />

erlaube, Wählerpotentiale zu erschließen, die jeder<br />

für sich nicht heben könne.<br />

Dabei war der Besuch in Bayern nur zum geringeren<br />

Teil der Vergangenheitsbewältigung gewidmet, viel<br />

wichtiger war und ist es, nun gemeinsam den Blick<br />

nach vorn zu richten: auf die vier wichtigen Landtagswahlen,<br />

die in diesem Jahr zu bestehen sind. Den<br />

Anfang macht schon am 27. März das Saarland. Im<br />

Mai folgen dann Schleswig-Holstein und Nordrhein-<br />

Westfalen, dann im Herbst Niedersachsen. War die<br />

Stimmung noch zum Jahreswechsel tief im Keller,<br />

so hat sie sich inzwischen spürbar gebessert. Das<br />

hat auch mit einer neuen Bundesregierung zu tun,<br />

die viele ratlos und irritiert zurücklässt. In fast jeder<br />

Frage sind sich die Koalitionäre uneins, und oft<br />

genug, sucht man Bundeskanzler Scholz. Und auch<br />

Sozialdemokraten stellen sich inzwischen die Frage:<br />

Wo ist Olaf?<br />

Und so kommt beides zusammen: Eine CDU, die sich<br />

gefunden hat und eine neue Regierung, die sich sucht.<br />

Das merken auch die Menschen im Land. Lag die<br />

Union noch zum Jahreswechsel abgeschlagen hinter<br />

der SPD, so hat sie sich nun aus dem Umfrage-Keller<br />

herausgearbeitet und ist seit Mitte Februar wieder<br />

stärkste Kraft, vor der SPD. Obgleich Wortspiele verpönt<br />

sind, freut man sich in der Union dennoch über<br />

einen „Merz“, der schon im Februar kam.<br />

Seit Wochen nimmt eine kleine, radikale Minderheit<br />

unsere Stadt und die übergroße Mehrheit<br />

seiner Bewohner in Geiselhaft. Die Gruppe selbst<br />

ernannter Klimaaktivisten, die sich „Die letzte Generation“<br />

nennt, blockiert Autobahnen, um ihre klimapolitischen<br />

Forderungen durchzusetzen und gegen<br />

die Verschwendung von Lebensmittel zu demonstrieren.<br />

Dass sie gegen Recht und Gesetz verstoßen,<br />

dabei unbeteiligte<br />

Verkehrsteilnehmer in<br />

hohem Maße in Gefahr<br />

bringen – und ganz<br />

nebenbei eine Stadt<br />

lahmlegen, nehmen sie<br />

dabei bewusst in Kauf.<br />

Die CDU Berlin ist nicht<br />

bereit, die illegalen Aktionen der Demonstranten<br />

länger hinzunehmen. „Der Blockade-Spuk muss<br />

ein Ende haben“, erklärt der<br />

Landes- und Fraktionsvorsitzende<br />

Kai Wegner.<br />

„Unsere Gesellschaft darf<br />

sich nicht von Radikalen<br />

erpressen lassen. “<br />

Zu diesem Zweck haben Kai<br />

Wegner und der innenpolitische<br />

Sprecher der Fraktion,<br />

Frank Balzer, ein gemeinsames Positionspapier<br />

erarbeitet, das die rechtlichen Möglichkeiten aufzeigt,<br />

wie der Staat gegen diesen wiederholten<br />

Rechtsbruch vorgehen kann. Dazu zählen eine<br />

Ausdehnung des Unterbindungsgewahrsams,<br />

Schnellverfahren durch Sonderstaatsanwälte und<br />

die Möglichkeit, die Demonstranten für die Kosten<br />

der Polizeieinsätze zahlen zu lassen. Frank Balzer<br />

verweist darauf, dass es sehr wohl ausreichende<br />

rechtliche Möglichkeiten gebe, dem Rechtsbruch<br />

Einhalt zu gebieten. Entscheidend sei der politische<br />

Wille, die vorhandenen Möglichkeiten auch<br />

anzuwenden.<br />

Es sind die richtigen Ideen zur richtigen Zeit. Nachdem<br />

die Bild am Sonntag aus dem Papier zitiert<br />

hatte, wurde es tags darauf von <strong>Berliner</strong> Zeitungen<br />

aufgegriffen. Längst hat auch dieses Thema die rotgrün-rote<br />

Koalition erreicht – und sorgt mal wieder<br />

für Streit zwischen den Regierungsparteien. Als<br />

nämlich die SPD-Innensenatorin Iris Spranger im<br />

Abgeordnetenhaus die schiere Selbstverständlichkeit<br />

aussprach, dass auch selbsternannte Klimaaktivisten<br />

nicht über dem Gesetz stünden, schlug<br />

ihr erst eisiges Schweigen von den Bänken der<br />

Grünen und der Linkspartei entgegen. Als dann<br />

auch noch Abgeordnete von Grünen und Linken<br />

Verständnis für die Blockaden äußerten, war der<br />

Dissens in der Koalition für jedermann sichtbar.<br />

Klimaschutz und der verantwortliche<br />

Umgang mit<br />

Lebensmitteln sind zweifellos<br />

wichtige Themen unserer<br />

Zeit. Aber mit ihren<br />

rücksichtslosen Blockaden<br />

schaden die Demonstranten ihrer Sache mehr als<br />

dass sie ihr nutzen. Wer Ärzte, Rettungswagen und<br />

sogar Hochschwangere blockiert, diskreditiert das<br />

eigentliche Anliegen vollständig. „Man kann auch<br />

sympathisch und rechtskonform für eine Sache<br />

demonstrieren. Die Fridays-for-Future-Bewegung<br />

hat für den Klimaschutz mehr erreicht als die Blockierer<br />

es je könnten“, ist Kai Wegner überzeugt.<br />

Und er fügt hinzu: „Das staatliche Gewaltmonopol<br />

ist nicht verhandelbar. Unsere Gesellschaft darf<br />

sich nicht von Radikalen erpressen lassen.“<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


88 9<br />

*** KURZ *** KNAPP *** INFORMATIV ***<br />

Pflegekindern und ihren Familien helfen<br />

Mit einem Antrag an den Senat, eine Bundesratsinitiative<br />

in Gang zu setzen, machen sich unsere Abgeordneten<br />

Roman Simon und Katharina Günther-Wünsch<br />

für die Rechte von Pflegeeltern und deren Familien stark.<br />

In ihrem Antrag fordern sie den Senat auf, sich im Bundesrat<br />

dafür einzusetzen, dass zukünftig auch Eltern<br />

von Pflegekindern, die in Dauerpflege betreut werden<br />

Breite Unterstützung für Ehrung<br />

des Candy-Bombers<br />

Kurz nachdem die Nachricht Berlin erreichte, dass<br />

im Alter von 1<strong>01</strong> Jahren der Held der Luftbrücke,<br />

Gail Halverston verstorben war, fand sich ein breites<br />

politisches Bündnis, um Halverston zu ehren. Dieser<br />

war als „Candy-Bomber“ berühmt geworden, weil er<br />

als erster während der Luftbrücke Süßigkeiten für<br />

<strong>Berliner</strong> Kinder an kleine Fallschirmen abgeworfen<br />

hatte. In Stellungnahmen sprachen sich Vertreter<br />

von CDU, FDP und auch SPD dafür aus, Halverston<br />

zu ehren. CDU-Chef Kai Wegner brachte eine lebensgroße<br />

Statue am Platz der Luftbrücke ins Gespräch.<br />

Interessant: Ausgerechnet die Regierende Bürgermeisterin<br />

Giffey will davon nichts wissen – dies sei<br />

nicht im Sinne Halverstons. Woher sie das zu wissen<br />

glaubt, ist nicht bekannt. Genauso unbekannt ist, ob<br />

ihr Co-Vorsitzende Saleh sie und die Koalition überzeugen<br />

kann. Saleh meint jedenfalls, ein Denkmal sei<br />

„eine richtig gute Idee“.<br />

müssen, einen Anspruch auf Elterngeld haben. Bis eine<br />

bundeseinheitliche Regelung erfolgt sei, solle der Senat<br />

auf Landesebene ein Modellprojekt starten. Im Rahmen<br />

dieses Projektes sollen <strong>Berliner</strong> Pflegeeltern im ersten<br />

Jahr der Aufnahme eines Pflegekindes elterngeldähnliche<br />

Sonderleistungen bekommen. Dieses Modellprojekt<br />

solle, so der Antrag, über zwei Jahre laufen.<br />

Klage gegen<br />

Lindner-Tricksereien<br />

Es geht um nicht weniger als<br />

60 Milliarden Euro. Und die<br />

Glaubwürdigkeit des FDP-Vorsitzenden.<br />

Mit einer Klage vor dem<br />

Bundesverfassungsgericht will<br />

die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag<br />

den Haushaltstricksereien von<br />

Bundesfinanzminister Christian<br />

Lindner (FDP) Einhalt gebieten:<br />

Lindner will 60 Milliarden Euro<br />

nicht genutzter Kreditermächtigungen,<br />

die ursprünglich für die<br />

Corona-Bekämpfung vorgesehen<br />

waren, so umschichten, dass sie<br />

im nächsten Jahr für Klimapolitik<br />

verwendet werden können.<br />

Der Präsident des Bundes der<br />

Steuerzahler, Rainer Holznagel,<br />

nannte denn auch folgerichtig<br />

den Nachtragsetat Lindners eine<br />

„akrobatische Umbuchung von<br />

Schulden, die den Regeln der<br />

Schuldenbremse widerspricht“.<br />

Die Herausforderungen der Klimapolitik<br />

dürften nicht gegen eine<br />

solide Haushaltsführung ausgespielt<br />

werden, erklärte Holznagel.<br />

CSU-Landesgruppenchef Alexander<br />

Dobrindt erklärte, dass er<br />

davon ausgehe, dass im Rahmen<br />

einer einstweiligen Verfügung der<br />

Haushalt für verfassungswidrig<br />

erklärt werde. Offiziell kann die<br />

Teure Taschenspielertricks, die<br />

der ehemalige Oppositionspolitiker<br />

Lindner nie gut geheißen hätte.<br />

Klage erst dann eingereicht werden,<br />

wenn Bundestag und Bundesrat<br />

den Nachtragshaushalt<br />

beschlossen haben und er im Bundesgesetzblatt<br />

veröffentlicht ist.<br />

TOP<br />

Der Merz<br />

kam im Februar<br />

In kürzester Zeit hat Friedrich<br />

Merz alle entscheidenden Weichen<br />

für den Neuanfang in der<br />

Union gestellt. Nachdem er im Dezember<br />

klar die Urabstimmung<br />

für sich entscheiden hatte, bestätigten<br />

ihn im Januar auf einem<br />

digitalen Parteitag die Delegierten<br />

mit dem eindrucksvollen Ergebnis<br />

von 94,6 Prozent. Im Februar<br />

wählten ihn dann auch die Abgeordneten<br />

der gemeinsamen Bundestagsfraktion<br />

mit 89,5 Prozent.<br />

FLOP<br />

Diese e. G. bittet<br />

zur Kasse<br />

Schon länger nichts mehr von<br />

der Skandal-Genossenschaft<br />

„Diese e.G“ gehört. Nun machte<br />

diese wieder von sich reden. Denn<br />

die „Diese e.G“, die angeblich ihr<br />

ganzes Wirken in den Dienst der<br />

Bedürftigen stellt, bittet genau die<br />

zur Kasse, wie die B.Z. enthüllte.<br />

In Schöneberg hat die Genossenschaft<br />

eine Erdgeschoßwohnung,<br />

102,36 Quadratmeter. Warmmiete<br />

885,36. Euro. So weit, so fair. Der<br />

Pferdefuß dabei: Der Mieter muss<br />

auch noch Genossenschaftsanteile<br />

erwerben. Und zwar für 500 Euro<br />

den Quadratmeter. Macht in diesem<br />

Fall 51.500 Euro. Fragt sich<br />

jetzt nur: Welcher Bedürftige hat<br />

gerade mal so 51.500 Euro auf<br />

dem Girokonto?<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


10 10 111<br />

in<br />

Wir packen´s an<br />

In Berlin gibt es viel zu tun, nicht nur im Jahr<br />

<strong>2022</strong>. Die Menschen brauchen bezahlbaren<br />

Wohnraum, Schulen und Kitas ächzen unter Baumängeln<br />

und Personalmangel, die Straßen pfeifen<br />

auf dem letzten Loch und nicht zuletzt die Folgen<br />

der Corona-Pandemie stellen die Stadt vor enorme<br />

Herausforderungen. Dass die aktuellen <strong>Berliner</strong><br />

Koalitionsparteien SPD, Grüne und Linke sich in<br />

dieser Legislatur noch weniger leiden können<br />

als in der letzten, macht es nötiger denn je, dass<br />

andere die Richtung vorgeben müssen.<br />

Die CDU Berlin geht die Themen an - mit den Mitgliedern,<br />

mit Fachleuten und mit den <strong>Berliner</strong>innen<br />

und <strong>Berliner</strong>n. „Ein gutes Beispiel dafür, dass die<br />

<strong>Berliner</strong> CDU vom Mitmachen und von schneller<br />

Kommunikation lebt, ist die Debatte Ende Januar<br />

zum Thema Impfpflicht“, sagt der CDU Generalsekretär<br />

Stefan Evers. Über 1000 Mitglieder hatten<br />

sich an der Umfrage im Vorfeld der Orientierungsdebatte<br />

zum Thema im Deutschen Bundestag beteiligt<br />

(Ergebnisse in dieser Ausgabe). Begleitet<br />

wurde diese Umfrage durch eine für Mitglieder<br />

offenes und hochkarätig besetztes Fachgespräch.<br />

Mit einem umfassenden neuen Dialog- und Diskussionsprozess<br />

starten die <strong>Berliner</strong> Christdemokraten<br />

ab Frühjahr. „Uns bewegen die großen<br />

Fragen,“ erklärt der Generalsekretär der CDU<br />

Berlin Stefan Evers. „Die Weichen für unser Berlin<br />

von morgen werden heute gestellt. Wir müssen<br />

jetzt die richtigen Rahmenbedingungen setzen<br />

und dabei alle <strong>Berliner</strong>innen und <strong>Berliner</strong> im Blick<br />

haben.“ Gemeinsam mit ihren Mitgliedern wird die<br />

<strong>Berliner</strong> Union einerseits einen Diskussionsprozess<br />

um die Weiterentwicklung christdemokratischer<br />

Politik für Berlin beginnen. „Den großen Erfahrungsschatz,<br />

die vielfältigen Kompetenzen und<br />

die innovativen Ideen unserer Mitglieder wollen<br />

und werden wir – und so viel sei schon verraten<br />

–nutzen, um erstmalig ein Grundsatzprogramm<br />

für die CDU Berlin zu erarbeiten“, so Evers.<br />

Doch nicht nur mit ihren Mitgliedern, sondern<br />

auch mit den <strong>Berliner</strong>innen und <strong>Berliner</strong>n wollen<br />

die Christdemokraten in den nächsten zwei Jahren<br />

intensiv ins Gespräch kommen. Im Rahmen vielfältiger<br />

Beteiligungsformate soll diskutiert werden,<br />

Engagierte Mitglieder<br />

bei einem WorldCafé<br />

was getan werden muss, damit die Metropole<br />

in Zeiten von Klimawandel und Digitalisierung<br />

lebens- und liebenswert für Menschen aller Lebensalter<br />

wird und bleibt; gerade in der Zeit nach<br />

der Pandemie.<br />

So soll der Kurs der modernen Mitmachpartei, den<br />

die CDU Berlin bereits früh eingeschlagen hat, konsequent<br />

fortgesetzt werden. Ein wichtiges Element<br />

des Diskussionsprozesses werden dabei auch die<br />

bereits bekannten und seit vielen Jahren bewährten<br />

Onlineumfragen sein, mit denen sich jeder einfach<br />

und unkompliziert beteiligen kann. Die Mitglieder<br />

erhalten in den kommenden Tagen wieder eine Aufforderung<br />

und einen direkten Zugang zur neuen<br />

Umfrage. Wenn Sie sich als Mitglied noch nicht mit<br />

Ihrer aktuellen E-Mail-Adresse haben registrieren<br />

lassen, so können Sie uns unkompliziert eine E-<br />

Mail mit derselben zukommen lassen. Benutzen<br />

Sie dafür einfach diesen QR-<br />

Code. Die Ergebnisse werden<br />

auf der Klausur des Landesvorstandes<br />

Anfang April ausgewertet<br />

und Teil des offiziellen<br />

Starts der neuen Kampagne<br />

werden. Stefan Evers: „Das<br />

wird ein arbeitsreiches und<br />

spannendes Jahr. Ich wünsche derweil den Koalitionären<br />

im Roten Rathaus viel Spaß dabei, sich<br />

mit sich selbst zu beschäftigen. Die CDU kümmert<br />

sich derweil um Berlin.“<br />

„Das zeigt einmal<br />

mehr, dass<br />

unsere Mitglieder<br />

Mitgestalter sind.“<br />

So kommentiert<br />

die Mitgliederbeauftragte<br />

der CDU<br />

Berlin Ottilie Klein<br />

die beeindruckende<br />

Teilnahme der<br />

CDU Mitglieder an<br />

der Befragung, wer<br />

neuer Bundesvorsitzender werden sollte. Zwei von<br />

drei Mitgliedern bundesweit hatten sich an der Umfrage<br />

im Dezember beteiligt, das waren immerhin etwa<br />

250.000 Mitglieder. Die Mitgliederbeauftragte, die zugleich<br />

für die <strong>Berliner</strong> CDU im Deutschen Bundestag<br />

sitzt, wünscht sich indes noch viel mehr Mitglieder. In<br />

jedem Jahr finden etwa 800 Menschen den Weg neu<br />

in die CDU Berlin. Ottilie Klein: „Jetzt, wo wir hoffen<br />

können, dass sich auch das gesellschaftliche Leben<br />

wieder normalisiert, setze ich darauf, dass noch mehr<br />

Menschen den Weg in die Union finden. Ein Engagement<br />

für eine vernünftige Politik in Berlin und im ganzen<br />

Land ist heute nötiger denn je. Machen Sie mit.“<br />

Dabei ist der Beitritt ganz einfach. Scannen Sie den<br />

QR auf dieser Seite oder gehen Sie direkt auf www.<br />

cdu.de/mitglied-werden oder<br />

Googlen Sie die Begriffe „CDU,<br />

Mitglied“ und dann die erste Verlinkung<br />

nutzen, Daten eingeben<br />

und schon fast fertig. Ein wenig<br />

später wird es Post der CDU<br />

mit einem Willkommensschreiben<br />

geben. Finanziell leisten kann sich die Mitgliedschaft<br />

ab 6 Euro jeder, vereinzelt gibt es auch davon Befreiungen.<br />

Dann heißt es: Gleichgesinnte treffen und<br />

sich in Gemeinschaft engagieren zum Wohle Ihres<br />

Kiezes, Bezirks oder für unser Berlin.<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


12 12 13<br />

CDU GANZ NAH:<br />

Nimet Avci<br />

Das sagen Sie zur Corona-Impfpflicht<br />

Über die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht<br />

wird in unserem Land in diesen Wochen<br />

intensiv diskutiert. Das zeigte sich auch bei der Mitgliederdebatte<br />

und Mitgliederumfrage der CDU Berlin.<br />

„Für uns versteht es sich von selbst, unsere Mitglieder<br />

vor der Entscheidung über wichtige Grundsatzfragen<br />

einzubeziehen“, erklärt der Generalsekretär der CDU<br />

Berlin Stefan Evers. Im Vorfeld der so genannten Orientierungsdebatte<br />

im Deutschen Bundestag zum Thema<br />

Corona-Impfpflicht luden die <strong>Berliner</strong> Christdemokraten<br />

deshalb zu einer hochkarätig besetzten digitalen<br />

Mitgliederdebatte ein. „Impfpflicht – Pro und Contra“<br />

– zu dieser kontroversen Fragestellung diskutierten<br />

Mitglieder gemeinsam mit den CDU-Bundestagsabgeordneten<br />

Dr. Jan-Marco Luczak und Dr. Ottilie Klein,<br />

sowie dem Präsidenten der <strong>Berliner</strong> Ärztekammer,<br />

Dr. Peter Bobbert, der Leiterin des Gesundheitsamtes<br />

Berlin-Spandau und STIKO-Mitglied<br />

Gudrun Widders sowie Prof. Frauke<br />

Rostalski, Mitglied des Deutschen<br />

Ethikrates. Einen Mitschnitt können<br />

Sie über den nebenstehenden QR-<br />

Code ansehen.<br />

Auf rege Beteiligung stieß auch die begleitende Mitgliederumfrage,<br />

an der über 1.000 Mitglieder teilnahmen.<br />

Danach befürworten 55,4 % der Umfrageteilnehmer<br />

die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht<br />

in Deutschland. Weitere 16,5 % befürworten die Einführung<br />

einer Impfpflicht nur für bestimmte Gruppen<br />

bzw. Bereiche (z.B. im Gesundheits- und Pflegebereich).<br />

26,8 % lehnen die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht<br />

hingegen grundsätzlich ab.<br />

Auffällig ist, dass die Befürwortung einer Corona-Impfpflicht<br />

mit zunehmendem Alter steigt: Am kritischsten<br />

Corona-Impfpflicht?<br />

55,4 %<br />

16,5 %<br />

26,8 %<br />

1,3%<br />

für eine allgemeine<br />

Impfpflicht<br />

Impfpflicht für<br />

bestimmte Gruppen<br />

lehnen eine<br />

allgemeine Impfpflicht<br />

grundsätzlich ab<br />

machten keine<br />

Angabe<br />

55,4 %<br />

26,8 %<br />

16,4 %<br />

sehen dies die 16-29-Jährigen. Nur eine knappe Mehrheit<br />

der Befragten in dieser Altersgruppe (50,8%) befürwortet<br />

eine Impfpflicht, davon 43% eine allgemeine<br />

Impfpflicht und 17,8% eine berufsbezogene Impfpflicht.<br />

Mehr als ein Drittel (37,4%) der 16-29-Jährigen lehnen<br />

eine Impfpflicht grundsätzlich ab. Dagegen befürworten<br />

82,3% der Über-60-Jährigen die Einführung einer Impfpflicht<br />

- davon über zwei Drittel (67,3%) eine allgemeine<br />

Impfpflicht und 15% eine berufsbezogene Impfpflicht.<br />

Lediglich 15,5% der Befragten in dieser Altersgruppe<br />

lehnen eine Impfpflicht grundsätzlich ab.<br />

Auch bei einem Vergleich zwischen den Bezirken<br />

fallen Unterschiede auf: Die größte Zustimmung<br />

zu einer Impfpflicht gibt es in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf<br />

(81,7% Zustimmung – davon 61,5%<br />

für allgemeine Impfpflicht und 20,2% für berufsbezogene<br />

Impfpflicht), Pankow (66,3% plus 12,5%),<br />

Spandau (58% plus 18%) und Marzahn-Hellersdorf<br />

(61 % plus 14,6%). Die Ablehnung hingegen ist am<br />

häufigsten in Treptow-Köpenick (37,2%), Lichtenberg<br />

(31,6%), Charlottenburg-Wilmersdorf (30,1%) und<br />

Mitte (29,9%). Unterschiede in den Auffassungen<br />

zwischen männlichen und weiblichen Befragten gab<br />

es hingegen nicht.<br />

Nimet Avci wird nicht selten darauf angesprochen,<br />

warum denn gerade sie in der CDU mitmache? Im<br />

Wahlkampf war das täglich der Fall. Die Antwort darauf<br />

ist für die türkischstämmige Neuköllnerin aber einfach.<br />

Das C in der CDU hat die Muslima nicht nur nicht gestört,<br />

sondern gerade diese Werteverbundenheit ist für<br />

sie wichtig. Die 34-Jährige fühlt sich in der Union gut<br />

aufgehoben, weil hier für sie ein Werte basiertes Gesellschaftsbild<br />

das Fundament ist. Seit über 11 Jahren<br />

ist Avci CDU-Mitglied und war bereits Bürgerdeputierte<br />

für ihre Partei. Zu den letzten Berlin-Wahlen kandidierte<br />

sie in ihrem Kiez in Neukölln für das Abgeordnetenhaus.<br />

Die lokale Verbundenheit merkt man ihr immer<br />

wieder an. Sie, die selbst eine zeitlang einen Späti<br />

betrieb, engagiert sich für die Geschäfte rund um<br />

die Hermann- und Karl-Marx-Straße. Kenntnisreich<br />

geht sie die ewige Baustelle in der Karl-Marx-Straße<br />

genauso an, wie die kleinliche Bürokratie, die solch<br />

einer Metropole wie Berlin unwürdig sei. Noch heute<br />

trifft sich der Späti-Stammtisch, den sie im Wahlkampf<br />

gegründet hat.<br />

Nimet Avci ist zurecht<br />

stolz auf das bisher Erreichte,<br />

auch als Frau<br />

mit muslimischem und<br />

migrantischem Hintergrund.<br />

Nicht minder<br />

freut sie die Unterstützung,<br />

die sie von ihrer<br />

Familie mit vier Brüdern und von ihrem Ehemann<br />

erfährt. Sie kam mit sieben Jahren aus der Türkei<br />

nach Berlin, machte den mittleren Schulabschluss und<br />

danach eine Ausbildung bei der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.<br />

Sie holte in der Abendschule ihr Abitur<br />

nach und begann ein Jura-Studium als sie mit ihrem<br />

ersten Kind hochschwanger war. Jetzt mit zwei Kindern<br />

ist sie auf dem Weg zum zweiten juristischen<br />

Staatsexamen. Womöglich liegt es auch daran, dass sie<br />

Rechtsreferendarin ist oder auch nur einfach daran,<br />

dass sie eine mitdenkende und engagierte Bürgerin<br />

ihres Bezirks Neukölln ist. Neben dem Abbau von bürokratischen<br />

Hemmnissen für Gewerbetreibende will sie<br />

insbesondere etwas für die Sauberkeit im Bezirk tun.<br />

Genauso wie Graffitis das Bild ihres Kiezes verunstalten,<br />

so sehr stören sie die vielen Sperrmüllecken. Sie<br />

findet das furchtbar. „Mein Neukölln muss sauberer<br />

werden“, sagt Nimet Avci.<br />

Sie wurde im Wahlkampf mal gefragt, mit wem Sie<br />

zum Gespräch einen Wein trinken würde. Ihre Antwort:<br />

„Mit Angela Merkel würde ich gern einen schwarzen<br />

Tee trinken. Sie ist und bleibt für mich ein Vorbild.“<br />

47. Jahrgang<br />

Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise: einmal im Quartal.<br />

Das Magazin der CDU Berlin<br />

www.cdu.berlin<br />

DIGITAL<br />

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BERLINER RUNDSCHAU 2/2021<br />

2/2021<br />

1<br />

WICHTIG<br />

Der Umwelt zuliebe<br />

Mehrere CDU-Mitglieder<br />

in einem Haushalt?<br />

Bisher erhält jedes Mitglied seine<br />

persönlich adressierte <strong>Berliner</strong><br />

<strong>Rundschau</strong>. Wenn Ihnen ein Exemplar<br />

im Haushalt genügt, senden Sie uns<br />

bitte eine E-Mail.<br />

Landesparteitag<br />

hat Wahl im Blick<br />

CDU-Wahlkampf<br />

in Bildern und Zahlen<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong> BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


14 14 15<br />

Brennpunkt Neukölln –<br />

Brennpunkt Deutschland<br />

„Brennpunkt Deutschland“, so heißt das am<br />

25. Februar erschienene Buch des Neuköllner<br />

Sozial-Stadrates Falko Liecke. Eindringlich<br />

beschreibt er auf 288 Seiten den sozialen Brennpunkt<br />

Neukölln: die Verwahrlosung, die um sich<br />

greifende Gewalt, die Herrschaft der Clans, das<br />

Elend der Drogensüchtigen.<br />

Dieser Kiez, so beschreibt<br />

es Falko Liecke, sei in seinen<br />

Widersprüchlichkeiten,<br />

in seiner Vielfalt und mit<br />

seinen sozialen Spannungen ein Spiegel unseres<br />

Landes. Nicht umsonst sagt der CDU-Politiker, der<br />

stellvertretender Landesvorsitzender seiner Partei<br />

ist, werde sich in Neukölln entscheiden, wie die<br />

Zukunft unseres Landes aussehen werde. Denn<br />

ein Ende der dramatischen Entwicklung sei leider<br />

nicht absehbar. Seit der Corona-Pandemie habe<br />

sich der Abwärtstrend dramatisch beschleunigt,<br />

IMPRESSUM CDU-Landesverband Berlin, Steifensandstraße 8,<br />

14057 Berlin, Tel.: 030 - 32 69 04 -0, cduberlin@cdu.berlin;<br />

REDAKTIONSLEITUNG: Stefan Evers; CHEFREDAKTEUR: Dirk Reitze;<br />

REDAKTION: Ralf Jaksch, Janine Remme;<br />

SATZ/BILD: André Laurman-Urbanski; Druckerei: Vetters<br />

BILDNACHWEIS von oben links nach unten rechts: Seite 1: Jens<br />

Schicke; Seite 3: Büro Stefan Evers; Seite Seite 4: Tim Hoffmann;<br />

Seite 5: Christinde Lang/CDU; Seite 6: Tobias Koch; Seite 7: Christine<br />

„Dieser Kiez ist ein Spiegel<br />

unseres Landes. “<br />

Das Buch „Brennpunkt Deutschland“<br />

im Quadriga-Verlag erschienen und ist<br />

seit dem 25. Februar überall zu kaufen.<br />

Das Buch hat 288 Seiten, die Hardcover-<br />

Ausgabe kostet im Handel 20 Euro, ebenso<br />

ist es auch als e-book für 18,99 Euro und<br />

als Hörbuch für 19,99 Euro erhältlich.<br />

beschreibt der engagierte Kommunalpolitiker es<br />

in seinem Buch.<br />

Seit 2009 kämpft Falko Liecke in seinem Bezirk<br />

gegen die wachsenden Probleme an, kaum einer<br />

kennt die Probleme so genau wie er, der als Stadtrat<br />

für Soziales und Jugend in seinem Bezirk immer an<br />

vorderster Front steht. Und<br />

kaum ein CDU-Politiker wird<br />

so angefeindet wie er - von<br />

Clan-Mitgliedern oder dem<br />

linken Milieu. Der Vorsitzende<br />

der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt über dieses<br />

Buch: „Packend geschrieben. Lebensnah, engagiert<br />

und kenntnisreich. Ein Buch mit klugen Konzepten<br />

und Lösungsansätzen. Es macht Spaß, das Buch zu<br />

lesen – auch wenn der Inhalt des Buches uns allen<br />

Sorge bereiten muss.“ Und Falko Liecke ist sich sicher:<br />

„Die Probleme in Neukölln sind so vielfältig, wie<br />

seine 330.000 Einwohner aus über 160 Nationen.“<br />

Lang,/CDU, Yves Sucksdorff; Seite 8: Tobias Koch, DoD Photo USA;<br />

Seite 9: FOLGT ; Seite 10: Dirk Reitze; Seite 11: Büro Ottilie Klein; Seite<br />

12: Michael Ginsburg, ALU; Seite 13: privat, Michael Wittig; Seite 14:<br />

Jesco Denzel, Bastei Lübbe AG; Seite 15: CDU Fraktion Berlin, Büro<br />

Hildegard Bentele; Seite 16: Carol Neukirch, privat<br />

Für nicht angeforderte Manuskripte wird keine Haftung übernommen.<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die<br />

Meinung der Redaktion wieder. Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag<br />

enthalten. Erscheinungsweise: erscheint einmal im Quartal.<br />

Verfassungskonvent:<br />

<strong>Berliner</strong> CDU will<br />

Verwaltungsproblem lösen<br />

Die <strong>Berliner</strong> CDU hat die Einlösung eines Wahl-Versprechens auf<br />

den Weg gebracht: Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der<br />

CDU Berlin, Kai Wegner, hat im Abgeordnetenhaus die Einsetzung<br />

eines Verfassungskonvents gefordert. Ziel müsse es sein, dass<br />

dieser über die notwendigen Änderungen der <strong>Berliner</strong> Landesverfassung<br />

berät; der Konvent solle, so die Forderung der CDU, bis<br />

spätestens zur Jahreshälfte die Arbeit aufnehmen und bis Ende<br />

dieses Jahrs einen Abschlussbericht vorlegen. Es erstaunt allein<br />

die Zurückhaltung der rot-grün-roten Regierung beim Thema.<br />

Mit diesem Schritt packt die <strong>Berliner</strong> CDU ein Problem an, dass<br />

die Stadt schon seit langem beschäftigt. Denn die Doppelzuständigkeiten<br />

von Land und Bezirken und den damit verbundenen<br />

verkomplizierten Verwaltungsverfahren sind ein seit Jahrzehnten<br />

ungelöstes Problem in dieser Stadt. Die Folge der ungelösten Frage<br />

der Doppelzuständigkeiten: langwierige, intransparente Verwaltungsverfahren,<br />

ungeklärte Zuständigkeiten, fehlende Zuordnung<br />

von Verantwortlichkeiten. Dies führt dann regelmäßig zu dem, was<br />

in Berlin besonders ausgeprägt ist: dem „Behörden-Ping-Pong“.<br />

Das heißt: Probleme werden nicht gelöst, sondern zwischen Land<br />

und Bezirk hin- und hergeschoben.<br />

Genau an dem Punkt setzt die CDU an: „Die Strukturen in der<br />

Stadt sind ein altbekanntes Problem, und wir müssen sie endlich<br />

aufbrechen“, sagt Kai Wegner. Er möchte eine aufgabenkritische<br />

und strukturelle Überprüfung der Zusammenarbeit von Land<br />

und Bezirken anstoßen. Es müsse klargestellt werden, wer für<br />

was genau zuständig sei. Wegner schlägt vor, dass Aufgaben<br />

von gesamtstädtischem Interesse künftig auf der Landesebene<br />

zu behandeln sei – und zwar „nicht in Ausnahmefällen, sondern<br />

immer“. Wegner erklärte, dass es nicht weiter angehen könne,<br />

dass beispielsweise einzelne bezirkliche Akteure die geplante<br />

Ansiedlung großer Unternehmen verhinderten, während der<br />

Senat zusehe. Dabei verweist der Landes- und Fraktionschef<br />

beispielhaft auf die gescheiterte Ansiedlung einer Niederlassung<br />

des Internet-Riesen „Google“ in Friedrichshain-Kreuzberg.<br />

Krebs europäisch<br />

bekämpfen!<br />

von Hildegard Bentele MdEP<br />

Fast jede und jeder kennt einen Menschen,<br />

der von einer Krebserkrankung betroffen<br />

war oder ist. Krebs ist die häufigste Todesursache<br />

und im Jahr 2020 gab es in Europa fast 3<br />

Millionen neue Krebserkrankungen. Auf Initiative<br />

von Manfred Weber, der CDU/CSU-Gruppe<br />

und der EVP-Fraktion hat das Parlament seit<br />

Beginn der Legislatur in einem Sonderausschuss<br />

zusammen mit Experten aus Wissenschaft<br />

und Forschung die neuesten Entwicklungen<br />

im Kampf gegen Krebs zusammengeführt.<br />

Im nun verabschiedeten Abschlussbericht wird<br />

die EU-Kommission aufgefordert, mehr Ressourcen<br />

für die Krebsforschung einsetzen, ein<br />

Europäisches Institut zur Krebs-Forschung<br />

einzurichten und u. a. datenschutzrechtliche<br />

Hürden abzubauen, um innereuropäisch Behandlungen<br />

bei Spezialisten besser möglich zu<br />

machen. Gerade bei seltenen Krebsarten oder<br />

Krebs bei Kindern fehlen häufig Daten oder<br />

Patienten für klinische Studien, ohne die die<br />

Entwicklung passgenauer Medikamente und<br />

Therapien nicht möglich ist. Darüber hinaus<br />

wollen wir ein „Recht auf Vergessen“ erreichen,<br />

damit geheilte Krebspatienten nicht später<br />

diskriminiert werden, wenn sie einen Kredit<br />

oder eine Versicherung abschließen wollen.<br />

Die „Wunderwaffe“ gegen Krebs gibt es (noch)<br />

nicht, aber wir in der EVP geben die Hoffnung<br />

nicht auf, dass wir durch die Bündelung aller<br />

beteiligten Kräfte in der Krebsbekämpfung in<br />

Europa ein deutlich besseres Ergebnis für die<br />

Betroffenen und ihre Familien erzielen werden<br />

als bisher. Auch für Kommissionspräsidentin<br />

Ursula von der Leyen hat der Kampf gegen<br />

Krebs eine persönliche Komponente, sie hat<br />

eine Schwester im Kindesalter an den Krebs<br />

verloren.<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong><br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>


16<br />

CDU Landesverband Berlin, Steifensandstr. 8, 14057 Berlin<br />

Zusammen mit der Jungen Union und der<br />

Parteijugend der SPD, FDP und der Grünen<br />

zeigten Kai Wegner und Stefan Evers am 22.<br />

Februar ihre Solidarität mit der Ukraine vor<br />

der russischen Botschaft. Die Jugend der<br />

<strong>Berliner</strong> LINKEN erklärte derweil unter einem<br />

Bild der deutschen Außenministerin „Nein zu<br />

imperialistischen Kriegen! Nein zur NATO!“<br />

„Dieser Krieg ist<br />

auch eure Sache.“<br />

von Bogdan M.<br />

Der Autor (2. v.r.) ist ein in Kiew aufgewachsener<br />

Ukrainer. Bogdan M. (28) lebt seit 2<strong>01</strong>5 in Berlin.<br />

Wenn ich in diesen Stunden an das denke, was<br />

sich gerade in meiner Heimat abspielt, so zerreißt<br />

es mir förmlich das Herz. Es ist meine Heimat,<br />

die gerade mit Krieg überzogen wird – einem Krieg,<br />

den kein Ukrainer gewollt hat. Einem Krieg, der<br />

schon seit acht Jahren herrscht und erst jetzt ganz<br />

offiziell erklärt wurde.<br />

Meinen deutschen Freunden rufe ich zu: Dieser<br />

Krieg ist auch eure Sache, ist auch eine Gefahr<br />

für euch selbst. Kyiv ist gerade zwei Flugstunden<br />

von Berlin entfernt. Putin ist gerade dabei, die gesamte<br />

europäische Friedensordnung zu zerstören.<br />

Deutschland kann sich nicht wegducken und muss<br />

die Dinge laut und klar beim Namen nennen: Putin<br />

bricht auf die allerbrutalste Weise das Völkerrecht,<br />

und dies kann nicht ohne Antwort bleiben.<br />

Wir müssen uns in Deutschland über ein paar<br />

grundlegende Dinge klar sein. Putin und seine Clique<br />

um ihn herum interessieren sich nicht im mindesten<br />

für das Ansehen Russlands in der Welt, das ist<br />

ihnen reichlich egal. Ihnen ist es auch gleichgültig,<br />

ob das russische Volk unter den Sanktionen leiden<br />

wird, die jetzt meiner Meinung nach zwingend erforderlich<br />

sind. Was Putin und seine Herrschaftsclique<br />

interessiert, sind am Ende nur zwei Dinge:<br />

Macht und Geld.<br />

Dies muss der Westen im Auge behalten, wenn er<br />

antwortet. Das heißt, dass auf die allgemeinen Wirtschaftssanktionen,<br />

die hoffentlich jetzt ohne Unterlass<br />

gegen Russland verhängt werden, auch noch<br />

ein zweiter Schritt darauf folgen muss: Wir müssen<br />

die russische Herrschaftsklasse dort treffen, wo<br />

es sie am meisten schmerzt: beim Geld. Das heißt:<br />

Das im Westen angelegte Auslandsvermögen und<br />

ihr Immobilienbesitz der Putinschen Herrschaftsclique<br />

muss sofort ohne Federlesens eingezogen,<br />

die Aufenthaltserlaubnis der Angehörigen dieser<br />

Clique (und die ihrer in den europäischen Metropolen<br />

studierenden Kinder) als nicht mehr gültig<br />

betrachtet werden und sie folglich zur Rückkehr<br />

nach Russland gezwungen werden. Dies ist ganz<br />

offenbar, die einzige Sprache die Putin und seine<br />

korrupte Herrschaftsklasse versteht.<br />

BERLINER RUNDSCHAU 1/<strong>2022</strong>

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