Chronik: Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. - Version 2.0
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Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
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CHRONIK
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Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der
Übersetzung sind vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch
Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des
Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. reproduziert oder unter Verwendung elektronischer
Medien verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Herausgeber
© Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Vorstand
Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus
Brüderstr. 39, 59065 Hamm
Fon +49.2381.92153.20 Fax +49.2381.92153.23
zv@akj-hamm.de · www.akj-hamm.de
Redaktion
Denis Schinner, Christiane Vogel, Sylvia Groß, Peter Eickhoff
Gestaltung
Grafikdesign: Arno Weber, Hamm
Internet: Sebastian Bunsen, Hamburg
1. Auflage
Hamm 2020
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INHALTSVERZEICHNIS
Seite 6 – 11
Die Gründungszeit
Seite 12 – 23 Die Jahre 1971 bis 1980
Seite 24 – 40 Die Jahre 1981 bis 1990
Seite 41 – 61 Die Jahre 1991 bis 2000
Seite 62 – 144 Die Jahre 2001 bis 2010
Seite 145 – 213 Die Jahre 2011 bis 2020
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EINE DOKUMENTATION - Nachgezeichnet auf Grund von
Protokollen, Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Fotos.
Der Impulsgeber – Im Sommer 1969 war es ein junger Sozialarbeiter der damaligen
Jugendgerichtshilfe (heute: Katholischer Sozialdienst e.V. Hamm), der das Vertrauen
vieler Klient:innen gewinnen konnte, die Modedrogen konsumierten, einen hohen Finanzbedarf
hatten und in gut abgeschirmten Kreisen lebten. Dieser besagte Sozialarbeiter
war beunruhigt und aus heutiger Sicht sogar gekränkt darüber, dass das in
anderen Großstädten bereits bekannte neue und ernste Problem des Drogenkonsums
in Hamm von den zuständigen Stellen ignoriert und sogar bestritten wurde. Ihm wurde
schlichtweg nicht geglaubt.
Die Resonanz seiner damaligen Lehrsupervisorin Frau Cora Baltussen, Nijmegen (NL)
war aus der Erinnerung über 50 Jahre später folgende: „…Wollen Sie, dass man Ihnen
glaubt und Sie einen persönlichen Erfolg haben oder der Sache dienen? Wenn letzteres:
Wen kennen Sie in Hamm, dem man wegen seiner Autorität glaubt?“ Daraufhin hat
dieser junge Sozialarbeiter Herrn Dr. med. Helmut Hünnekens, damaliger Landesmedizinaldirektor
und Ärztlicher Direktor der Jugendpsychiatrischen Klinik in Hamm (heute:
LWL-Universitätsklinik Hamm) angesprochen und ihm ab dem 20. August 1969 für viele
Einzelgespräche junge Drogenkonsumenten zugeführt.
Der junge Sozialarbeiter von damals war Aloys Schepers, Gründungsmitglied
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
1969
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DER ANFANG - Gründung des Elternkreises
„Herr Dr. med. Hünnekens hat sich sofort und beharrlich mit großer ärztlicher Kompetenz
und mit den organisatorischen Möglichkeiten eines Klinikdirektors in den Dienst
der Sache gestellt. Die Rolle wurde ergänzt durch sein Schaffen über den Klinikalltag
hinaus. Mit großer persönlicher Überzeugungskraft und begeisternder Leidenschaft
förderte er weit über Hamm hinaus
ein öffentliches Bewusstsein für die
neue Drogenproblematik.
1969
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Er gewann und förderte ehrenamtliches Engagement in der Hammer Bürgerschaft und
wurde so schon bald in Gremien der Kommunal- und Gesundheitspolitik, der örtlichen
und überörtlichen Presse beachtet.“ (Zitat Aloys Schepers, 30.09.2020).
Im Jahr 1969 schlossen sich betroffene Eltern, Ärzte und Ärztinnen, Lehrer:innen, Verwaltungsmitarbeiter:innen
u. a. wegen des zunehmenden Drogenkonsums in Hamm zu
einem Elternkreis zusammen.
1969
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Gründung des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
„ ... Auf Veranlassung des Jugendamtes der Stadt Hamm informierte Herr Dr. med. Helmut
Hünnekens bereits am 21. Januar 1970 die Hammer Fachöffentlichkeit über die
örtliche Drogenszene. Am 13. März 1970 hatte Herr Dr. Hünnekens Ärzte, Vertreter von
Jugendämtern, Gerichten und Kommunalpolitiker zu einer Konferenz in die Jugendpsychiatrische
Klinik geladen ...“ (Zitat Aloys Schepers, 20.09.2020).
Am 04.06.1970 startete das Angebot „Drug-Out“ mit neun Betten und war eine der ersten
spezialisierten stationären Suchtbehandlungen in besagter psychiatrischer Klinik.
(Mittlerweile wurde die Versorgung auf 20 Entwöhnungsbetten in der LWL- Universitätsklinik
Hamm ausgebaut.)
1970
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„... Die Initialzündung für die Drogenarbeit in der Jugendpsychiatrie, die dann zur Entwicklung
des Hammer Modells führte, war ein Zusammentreffen von jungen Menschen,
die zum Teil Drogen konsumierten und engagierten Bürgern der Stadt Hamm, die an die
Mitarbeiter der Klinik herantraten, um über Ursachen und Folgen des Drogenkonsums
fachliche Stellungnahmen zu bekommen. Es wurde ein gemeinsames Treffen vereinbart
unter dem Motto „Betroffene fragen Fachleute“. In dieser Veranstaltung trat dann eine
merkwürdige Veränderung ein, die mir bis heute noch sehr deutlich in Erinnerung ist.
Wir hatten am Ende der Veranstaltung „betroffene Fachleute“. Was die jungen Leute uns
berichteten, war so eindrucksvoll und bewegend, dass es uns alle nicht mehr losließ und
insbesondere unseren damaligen Chef, Herr Dr. Hünnekens ...“ (Zitat Joachim Dittrich
(† 2005), früherer therapeutischer Leiter der Suchtstation der Jugendpsychiatrie Hamm
und späterer Projektleiter, Malteser Therapeutische Wohngruppen Auxilium Hamm
anlässlich der Festveranstaltung 25 Jahre Hammer Modell – Einführungsvorträge)
Doch es blieb 1970 nicht bei den neun Betten in der Jugendpsychiatrie Hamm. Im gleichen
Jahr gründete sich aus dem Elternkreis heraus der „Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.“
1970
11
Die Satzung wurde am 15.12.1970 errichtet und eingetragen.
1. Vorsitzender war Landesmedizinaldirektor Dr.
med. Helmut Hünnekens († 26.12.1995), Stellvertreterin
Erika Salomon († 12.02.2011), Geschäftsführer Hans-
Dieter Braun (alle Hamm). Als Kassenwart wurde der
Apotheker Rolf Kayser aus Freiske berufen.
Dr. Helmut Hünnekens blieb bis zum 29.11.1986 1. Vorsitzender
und im Anschluss bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Vorsitzende und Präsidenten des Arbeitskreis für
Jugendhilfe e.V. bisher:
1970 – 1986 Dr. med. Helmut Hünnekens, Hamm
1986 – 1990 Herbert Ziegeler, Bönen
1990 – 2006 Prof. Dr. Hans-Joachim Jungblut, Senden
2006 – 2011 Prof. Dr. Hans-Joachim Jungblut, Senden
(als Präsident)
2011 – heute Prof. Dr. med. Leopold Balleisen, Hamm
1970
12
Einrichtung Beratungsstelle für gefährdete Jugendliche und
Elternkreis drogenabhängiger und gefährdeter Jugendlicher
Im Januar 1971 wurde die erste „Beratungsstelle für gefährdete Jugendliche“ an der
Südstraße 39 in Hamm-Mitte eröffnet. (Westfälischer Anzeiger und Kurier v. 03.06.1971)
Auch der etwas später gegründete „Elternkreis drogenabhängiger und -gefährdeter Jugendlicher“
war hier ansässig. Hans-Dieter Braun, Gründungs- und Vorstandsmitglied
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. gab dem Elternkreis Stimme und Gesicht. Unter der
Leitung von Klaus-Jürgen Wolter wurden bis zu 10 Beratende unterschiedlicher Disziplinen
ehrenamtlich jeden Donnerstag von 17:00 – 21:00 Uhr tätig. Unter ihnen war auch
Lothar Weiß, katholischer Vikar, als „Hasch-Kaplan“ und „Anwalt der Unterprivilegierten“
bekannt. Diese Zeit war auch davon geprägt, dass es kaum Akteure aus Sozialberufen
gab, die die Arbeit hauptamtlich mittragen wollten.
1974 erfolgte im Zuge einer Neuorganisation des Angebotes ein Umzug der Beratungsstelle,
nun schon als „Drogenberatungsstelle“, an den Marktplatz 4. Die Leitung
des Büros hatte Frau Angelika Kasprowiak inne. Für die Finanzverwaltung war Herr Kurt
Kasischke, bis zu seiner Pensionierung Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt
Hamm, zuständig. Verantwortlicher Drogenberater und späterer kurzeitiger Leiter der
Beratungsstelle war der Theologe und spätere Studiendirektor Gotthard
Schmidt. Er wechselte einige Jahre später in den Vorstand und ist bis heute
Mitglied im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
1971
13
Mitte 1979 bestand das Team der Drogenberatungsstelle aus den Sozialpädagoginnen
und -pädagogen Paul Katz, Bärbel Wevers und Annemarie Wattendorf. Rolf Buschkamp
ergänzte das Team ab Oktober 1979 als Berufspraktikant.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. 1980 befand sich die
Beratungsstelle am Stadtbad 14 in Hamm. Leiter war zu dieser Zeit Paul Katz. Mit seinem
Ausscheiden im Jahr 1982 übernahm zunächst der Dipl.-Sozialpädagoge Rainer Bathen
seine Aufgaben, er war seit 1981 beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. beschäftigt. Ab
1986 firmierte die Beratungsstelle als „Jugend- und Drogenberatungsstelle“.
Am 29. Juni 1987 zog die zwischenzeitlich erneut
umbenannte Fachstelle als „Beratungsstelle
für Drogenfragen und Krisenhilfe“ in die
Weststraße. Geleitet wurde sie weiterhin von
Rainer Bathen.
1971
14
Ab Anfang 1995 nutzte die Drogenberatungsstelle neue Räumlichkeiten in der Widumstraße
1 in Hamm-Mitte. Mit dem Wechsel von Rainer Bathen in die Geschäftsführung
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. übernahm der Diplom-Sozialarbeiter Ewald Wehner
(Mitarbeiter seit 1991) 1996 die Leitung der Beratungsstelle. Bis heute wird das Drogenhilfezentrum
Hamm (Bezeichnung seit 2006) von ihm geleitet.
1971
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Eröffnung des Übergangswohnheims
1971 wurde das Übergangswohnheim am Ostenwall 47 in Hamm eröffnet. Die Stadt
Hamm stellte dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. dieses Haus zur Verfügung, gab
eine Anschubfinanzierung und der damalige städtische Sozialarbeiter Joachim Dittrich
– späterer therapeutischer Leiter der Drogenabteilung im Westfälischen Institut
für Kinder - und Jugendpsychiatrie - unterstützte tatkräftig in der Startphase. Ziel dieses
Projektes war die soziale und
berufliche Reintegration von Suchtmittelabhängigen.
Sie sollten von
hier aus wieder einer Beschäftigung
nachgehen ohne gänzlich auf sich
alleine gestellt zu sein. Es zeigte
sich jedoch nach einiger Zeit immer
deutlicher, dass eine lockere Betreuungsform
nicht ausreichte, so dass
bald nach strukturierteren Möglichkeiten
gesucht werden musste.
1971
16
Umstrukturierung und Umbenennung Übergangswohnheim
zum Rehabilitationswohnheim
1974 wurde die Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie
(heute LWL-Universitätsklinik Hamm) in die Gesamtbehandlung (das„Hammer Modell
„– Beratung – Behandlung – Nachsorge ) eingebunden. Es wurden weitere Mitarbeiter
eingestellt, Richtlinien und Konzepte erarbeitet. Wolfgang Rometsch, zuvor als
Diplom-Sozialarbeiter auf der Drogenstation in der Heithofer Allee tätig, übernahm
die Leitung des Rehabilitationswohnheims. Leistungsträger war zu diesem Zeitpunkt
der Landschaftsverband Westfalen-Lippe - LWL, als überörtlicher Träger der Sozialhilfe.
1977 erfolgte der Umzug des Reha-Wohnheims in die Rosa-Luxemburg-Str. 41 in
Hamm-Heessen, dem vorherigen „Sachsen-Konsum“ im früheren Haus Nüsperling.
Nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass weitere Angebote zur Reintegration behandelter
Drogenabhängiger erforderlich wurden. Zu nennen sind hier u. a. die ambulante
Nachsorge, eine Schulsozialarbeit für die Modellschule für Drogenabhängige
an der Westfälischen Krankenhausschule oder berufliche Übergangsmaßnahmen.
Alle diese neuen Projekte wurden 1978 an der Goethestaße 41 unter dem Begriff „Ambulante
Dienste“ gebündelt. Diese neue Abteilung wurde von Wolfgang Rometsch
übernommen, sodass Hans Grösbrink (langjähriger Mitarbeiter und späterer Leiter
der Fachklinik Haus Unterberg in Beckum) 1978 Leiter an der Rosa-Luxemburg Straße
wurde.
1974
17
Mit der Übernahme der Gesamtleitung der
Fachklinik in Beckum schied Hans Grösbrink
aus, Hartmut Brinkmann übernahm dann
die Leitung bis 1995, bevor dieser die Verantwortung
Monika Buschkamp (Mitarbeiterin
1976 -2009) übergab. Der letzte Leiter,
bevor die Einrichtung mit der Fachklinik Release
2010 zusammengeführt wurde, war
Kai-Erik Escher (Mitarbeiter 1992 – 2010).
Ab 1996 werden in der Einrichtung medizinische
Leistungen der Rehabilitation abhängigkeitserkrankter
Menschen unter der
Federführung der Deutschen Rentenversicherung
Westfalen – DRV erbracht. Die Einrichtung
heißt seit 2010 Fachklinik Release
– Adaption und ist somit sicherlich die älteste
stationäre „Nachsorgeeinrichtung“ im
Land Nordrhein Westfalen (NRW).
1974
18
Beratung drogenabhängiger Inhaftierter
in der JVA Hamm
Im Jahres- und Geschäftsbericht des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. heißt es –
Die beste Motivation endet oft hinter den Mauern der Gefängnisse.
Ende der siebziger Jahre wurde bereits sehr kontinuierlich Beratungsarbeit in der Justizvollzugsanstalt
Hamm geleistet. Zur damaligen Zeit konnten die Mitarbeitenden der
Beratungsstelle nur einmal wöchentlich für 3 Stunden in der JVA beraten. Standen in der
ersten Jahreshälfte 1978 noch rund dreißig Minuten für die Beratung je ratsuchendem
Inhaftierten zur Verfügung, verdichtete sich die Beratungszeit, infolge von „verwaltungstechnischen
Gründen“ auf 2 Stunden in der Woche und somit auf rund 15 Minuten je Beratungsgespräch
bei ca. 6-8 Ratsuchenden. Erschwerend kam zu dieser Zeit der Umstand
zur Geltung, dass Sozialarbeitenden laut Urteil des Bundeverfassungsgerichtes vom 19.
Juli 1972 (2BVL 7/71) kein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden wurde.
Die Abänderung dieses rechtlich problematischen Zustandes sowie die Forderung
von zeitlich unbegrenzten Gesprächsmöglichkeiten oder ein störungsfreies Gespräch
formulierten nicht nur die Hammer Sozialarbeiter:innen zu der Zeit.
1978
1980 wurden erprobungsweise Gruppengespräche eingeführt. Dem im
Grunde positiven Effekten der Beratungsarbeit standen jedoch institutionelle
Schwierigkeiten gegenüber. Mangelnde Unterstützung von Sozialarbeiter:innen,
ausgehend von männlichen JVA Bediensteten, oder auch
sich anschließende Durchsuchungen der Gruppenteilnehmern stellten
das Vertrauensverhältnis immer wieder in Frage. Die Zusammenarbeit
zwischen Justizvollzug und Sozialer Arbeit gestaltet sich über Jahrzehnte
hin ambivalent und musste immer wieder auf Leitungsebene begleitet
werden.
19
Mit der Einrichtung einer externen Beratungsstelle im Arbeitsfeld Aufsuchende Sozialarbeit
in der Justizvollzugsanstalt Hamm wurde erst 1991 eine adäquate Antwort gegeben
auf die zunehmende Anzahl der drogenabhängigen Inhaftierten. Ewald Wehner
übernahm diese Aufgabe. Die JVA Hamm stellte für die Durchführung der Beratungsarbeit
einen Besucherraum zur Verfügung.
In der Auftaktphase fanden zweimal wöchentlich Sprechstunden statt. Aufgabe der externen
Drogenberatung war zunächst einmal über Einzelgespräche, Motivation zu fördern
im Hinblick auf einen möglichen Veränderungsprozess. Im Mittelpunkt der Arbeit
stand dann die Vorbereitung und Durchführung der Vermittlung in stationäre Langzeittherapien.
Zur Unterstützung dieser Aufgabe wurden schon ab dem Frühjahr 1992 regelmäßig
Therapieeinrichtungen in die JVA eingeladen.
Beide Seiten mussten sich aber zunächst aneinander gewöhnen und Vertrauen zueinander
schaffen. Als in einem Jahresbericht der Beratungsstelle für Drogenfragen und
Krisenhilfe ein Plädoyer für die Vergabe von Spritzen auftaucht als Prophylaxeoption
gegen eine H.I.V. Erkrankung, interpretiert der damalige Anstaltsleiter diese Ausführungen
als Hinweis auf den Versuch des Mitarbeiters Spritzen ohne Genehmigung in die
JVA zu bringen.
1978
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Eine Reihe von Mitarbeitenden waren in diesem Arbeitsgebiet aktiv. Jörg Benscheidt
(Mitarbeiter 1998 – 2008), Chris Gräbel (Mitarbeiter seit 1994) oder Ellen Dreier (Mitarbeiterin
1996 - 2008)
2005 musste die Arbeit erstmals infolge von Mittelkürzungen eingestellt werden. Nach
der Wiederaufnahme der Beratungsarbeit durch Kristian Kayser (Mitarbeiter seit 1994)
musste das Engagement 2019 erneut eingestellt werden. Die Finanzierung der Beratungsarbeit
zeigt sich erneut nicht ausreichend. Beide Seite vereinbarten die Wiederaufnahme
der Kooperation sobald sich die finanzielle Ausstattung des Angebotes durch
das Justizministerium NRW positiv und auskömmlich darstellt.
Nach einer Neukonzipierung der Finanzierung kann das Angebot ab Januar 2022 wieder
aufgenommen werden. Lukas Necker (Mitarbeiter seit 2021) übernimmt die fachliche
Ausgestaltung.
1978
21
Beginn Prophylaxe- und Kontaktarbeit
Während sich die Arbeit in der Beratungsstelle etabliert sah, bekamen die damaligen
Mitarbeiter:innen zunehmend den Eindruck, dass eine „Vorfeldarbeit“, wie auch immer
das konkret werden mochte, notwendig wurde. Der Einsatz einer ersten Honorarkraft
machte es zumindest möglich, unter dem Sachzwang der Notwendigkeit erste Versuche
zu starten.
„…Es schien – und das zeigte auch die Gruppenarbeit (in der Beratungsstelle - Anmerk.
d. Red.) – auf jeden Fall nicht zweckmäßig zu warten, bis dass gefährdete oder weiche
Drogen konsumierende Jugendliche die Beratungsstelle aufsuchten. Schwellenangst
oder Nicht-Erkennen der eigenen Situation, fehlender Leidensdruck, Angst vor Stigmatisierung
und dergleichen bei den Jugendlichen und ihren Bezugspersonen und die
Beobachtung durch die Mitarbeiter, dass sich die „Szene“ rapide verjüngt und zunehmend
risikofreudiger weiche Drogen konsumiert wurden, erforderten die Erarbeitung
neuer Arbeitsweisen. Eingeschränkt wurden diese Überlegungen durch die finanziellen
und personellen Tatsachen, die wenig Spielraum für das eigene Handeln ließen….“
(Ansatzpunkte und derzeitige Möglichkeiten ambulanter Arbeit einer Drogenberatungsstelle,
1980, Seite 35)
Zur Anfangszeit standen insbesondere jugendliche „Gefährdete“ und
Konsumenten „weicher Drogen“ für den „Kontaktarbeiter“ im Fokus. Die
Treffpunkte in Hamm waren bekannt. Dazu gehörten auch die Jugendzentren.
1980
22
Dort gab es einen weiteren entscheidenden Vorteil, neben der Ansprache zum „Kontaktarbeiter“
gab es auch die Möglichkeit einer kontinuierlichen pädagogische Besetzung.
Der Einstieg in die Prophylaxe- und Kontaktarbeit erfolgte im Jugendzentrum
Südstraße. Ein Sozialarbeiter im Anerkennungsjahr war regelmäßig donnerstags für
etwa 5-6 Stunden vor Ort im „offenen Bereich“. Die damals als ebenso wichtig und
notwendig erachtetet aufsuchende Arbeit als Streetworkangebot konnten infolge fehlender
finanzieller Absicherung noch nicht geleistet werden.
Ab Januar 1981 arbeiteten zwei Mitarbeitende schwerpunktmäßig in dem Arbeitsbereich
Kontaktarbeit. Möglich wurde dies durch die Förderung der Stadt Hamm und des
Landes Nordrhein-Westfalen. Die Schwerpunkte lagen auf den Stadtteilen Bockum-Hövel
und Hamm-Mitte.
Neben der Arbeit stand auch der Erfahrungsaustausch mit auswärtigen Kolleg:innen
im Blickpunkt. Es entstand so ein reger Austausch im Sinne von Best Practice Ansätzen.
So wurde in der Hamburger Drogenberatungsstelle in Eimsbüttel hospitiert oder es
wurden Lehrerseminare z.B. in Aachen organisiert. Der Austausch erleichterte den Einstieg
in die Kontaktarbeit vor Ort erheblich.
1980
23
Neben den regelmäßigen Besuchen von Kneipen, Spielhallen und Treffpunkten in der
Stadt, standen weiterhin die Jugendzentren Süd- und Schultenstraße im Fokus der
Arbeit. Es entwickelte sich ein riesiges Netzwerk zu anderen freien Trägern, Kirchengemeinden,
politischen Jugendverbänden, den Pfadfindern und diversen Erwachsenengesprächskreisen,
zu einem Heim, zu Lehrer:innen und Schüler:innen, zum
Berufsförderwerk, zur Volkshochschule, zur Regionalen Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen
(RAG), zur Bewährungshilfe und zu Mitarbeitenden verschiedenster Ämter
der Stadt Hamm.
Aus den hier geleisteten Arbeiten im Prophylaxe- und Kontaktbereichen entstanden
wichtige Impulse und Idee für Projekte und noch heute aktiven Arbeitsinhalten.
1980
24
Zweckbetrieb „Die Werkstatt”
Der Westfälische Anzeiger schrieb in seiner Ausgabe vom 09.03.1984: „Rainer Bathen
und Horst Grzelka wollten nicht länger auf das Wunder warten, dass ihnen irgendwer
irgendwann für ihre Schützlinge Arbeitsplätze anbiete. Die beiden Sozialarbeiter, der
eine von der Drogenberatungsstelle am Stadtbad (Heute Drogenhilfezentrum, Brüderstr.
39 in Hamm; Anmerk. d. Red.), der andere aus dem Reha-Wohnheim in Hamm-Heessen
(Heute Fachklinik Release – Adaption, Rosa-Luxemburg-Str. 41 in Hamm; Anmerk.
d. Red.), griffen zur Selbsthilfe. Zusammen mit Kollegen gründeten sie einen sogenannten
Zweckbetrieb, ein Kleinunternehmen, das jetzt Arbeitstraining und Ausbildungsmöglichkeiten
für insgesamt 24 arbeitslose Rauschgiftgefährdete oder Suchtpatienten
nach durchlaufener Therapie bereithalten soll. So baute der Arbeitskreis seit Jahresbeginn
eine kleine Abteilung für forstbetriebliche Arbeiten auf, ausgerüstet mit dem
notwendigen Werkzeug, ferner wurde ein Klein-LKW angeschafft, der zu Entrümpelungs-
und Renovierungsarbeiten zur Verfügung steht, aber auch Umzüge und andere
Speditionsaufträge bewältigen soll.
1984
25
Schließlich entstehen zur Zeit in Räumen des Reha-Wohnheims eine Fahrrad- und eine
Holzwerkstatt, die von einem qualifizierten Tischlermeister geleitet werden soll. Jedem
Bürger werden nicht nur die Dienstleistungen, wie Wohnungsrenovierung einschließlich
Tapezieren angeboten, sondern auch Fertigung von Kleinmöbeln und Spielzeug,
Aufarbeitung und Weiterverkauf von Altmöbeln (Noch heute finden sich in der Fachklinik
Release – Adaption einzelne Möbelstücke aus dieser Zeit, Anmerk. d. Red.). Im Forstbereich
umfasst die Servicepalette sowohl Pflegearbeiten als auch Holzverkauf. Erster
Kunde war übrigens die Boeselagersche Forstverwaltung, die Auslichtungsarbeiten in
Auftrag gab….“
Die Erfahrungen aus diesem Projekt, welches 1991 eingestellt wurde, bildeten die
Grundlage für die arbeitstherapeutischen Angebote der 1996 gegründeten Fachklinik
Release z.B. mit Stephan Steigerwald (Mitarbeiter seit 1996) und der Holzwerkstatt
oder Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter seit 1997) mit der Küche und dem Hauswirtschaftsbereich
oder auch die Steinmetzwerkstatt mit Leo Schlenker (Mitarbeiter von
1996 – 2018). Unzählige weitere Projekte, wie
das Forstprojekt, der „Münsterländer Streu“
oder der Integrationsbetrieb „Grünspecht“
setzten hier auf.
1984
26
Eröffnung Kontaktladen coffeeshop „extra dry”
Als inhaltlich logische Konsequenz aus der aufsuchenden Prophylaxe- und Kontaktarbeit
ab 1980, wurde die Idee geboren, „(...) dem Kollegen auf der Straße“ eigene Räumlichkeiten
zu geben. Warum sollte der Kontaktarbeiter nicht außerhalb der üblichen
Räumlichkeiten mit Konsumzwang (Disco, Kneipe) seine eigene Kneipe bekommen
(...)“. So wurde mit den Aufbauplanungen für den niedrigschwelligen Kontaktladen begonnen.
Im Jahr 1988 eröffnete an der Sedanstr. 22 in Hamm der Kontaktladen coffeeshop
„extra dry“ als niedrigschwelliges offenes Angebot der Drogenhilfe.
„(…) Stellen Sie sich nun bitte eine Art von Café vor, eingerichtet im Geschmack jugendlicher
Erwachsener. Den Bereich, in dem Bistro-Tische und Stahlsessel stehen, sind
verschiedene Räume angegliedert, die unterschiedliche Funktionen haben (...) Der Cafè-Bereich
dient dem Kontakt, dem Aufenthalt, der Kommunikation... Der Besucher erhält
zum Selbstkostenpreis alkoholfreie Getränke, Kaffee und Tee (Jahresbericht AKJ
e.V. 1989)“
1988
„(…) Der Aufenthalt im Café ist möglich, ohne zwangsläufig Kontakt
mit Mitarbeitern aufnehmen zu müssen. Die Besucher können hier sitzen,
Zeitung lesen, gemeinsam spielen, Musik hören oder miteinander
reden. Es besteht weder ein Zwang zu verzehren noch eine zeitliche
Aufenthaltsbegrenzung innerhalb der Öffnungszeiten. Über Aushänge
und Tafeln können hier aktuelle Informationen zu jugendspezifischen
Freizeitangeboten in der Stadt, zu eigenen Wohnungs- und Jobangeboten
– die keine Maklertätigkeit und Arbeitsplatzvermittlung bedeuten
– oder zu Angeboten anderer sozialer Dienste (wie z.B. überbetriebliche
Ausbildungsmaßnahmen, AIDS-Hilfe etc.) vermittelt werden.
27
Durch den zwanglosen Aufenthalt haben die Besucher auch die Möglichkeit, erste unverbindliche
Kontakte zu den Mitarbeitern des Kontaktladens aufzunehmen. Der Kontaktladen
ist aber kein Lockmittel für weitergehende Angebote in der Dogenhilfe. Dies
drückt sich unmissverständlich in der hohen Toleranz gegenüber den Besuchern aus.
Die Nähe zur Krisenintervention und Sozialberatung bietet jedoch nicht nur die Möglichkeit,
in akuten kritischen Situationen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Sie enthält auch
die Chance, langfristige Vertrauensbeziehungen zu Mitarbeitern zu entwickeln, problemorientierte
Gespräche mit ihnen zu führen und deren Reflexionshilfe zu nutzen. Die
Initiative geht jedoch vom Besucher aus und bestimmt Art und Dauer des Kontaktes
zum Mitarbeiter (...)“
Die Einrichtung startete zunächst nur mit Rolf Buschkamp als Mitarbeiter, der dieses
Projekt auf Grundlage seiner Streetwork-Erfahrungen entwickelte und einer Sozialarbeiter:innenstelle
im Anerkennungsjahr (nur bis 1989). Der Zulauf von Hilfesuchenden
war von Anfang an hoch. Bereits im Jahresbericht 1990 werden bis zu 40 Klientinnen
und Klienten täglich aufgeführt. Die Klientel, die dieses Angebot nutzt, ist üblicherweise
durch andere Angebote des Arbeitskreises für Jugendhilfe e.V. nicht mehr erreichbar
gewesen. Es zeigten sich immense juristische und gesundheitliche Problemlagen.
1988
28
Bereits in der frühen Anfangszeit hat der Kontaktladen schadensmindernde Hilfen
(„Harm Reduction“) angeboten. Der erste Spritzenautomat wurde in Kooperation mit
der AIDS-Hilfe in Hamm am Eingang des Hauses befestigt. In der Einrichtung gab es
das Angebot des Spritzentausches und die Möglichkeit des Erwerbs weiterer Konsumutensilien.
Dieses wurde durch den dramatischen Einbruch von HIV/AIDS und Hepatitis-C in die
Gruppe der intravenös konsumierenden User:innen notwendig. Ziel dieser Maßnahmen
ist immer die Gesundheit der Betroffenen zu fördern und zu erhalten. 1998 wurde
mit dem Gesundheitsamt der Stadt Hamm, der AIDS-Hilfe Hamm und dem Arbeitskreis
für Jugendhilfe e.V. ein Spritzentauschprogramm offiziell eingeführt, so dass im Stadtgebiet
mehrere Spritzentauscheimer und Spritzenautomaten installiert werden konnten.
Mit Betroffenen gemeinsam durchgeführte Müllentsorgungs- und Säuberungsaktionen
von Szenetreffpunkten wurden vorgenommen.
Eine Dusche und das Angebot des Wäschewaschens gehörten bereits mit Gründung
der Einrichtung zum Angebot der Überlebenshilfe.
1988
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten im Kontaktladen selbst wurden durch
Studenten:innengruppen im Rahmen studienbegleitender Projekte
der Fachhochschule Münster erledigt. Viele der damalige Pranktikant:innen
sind bis zum heutigen Tag in der Suchthilfe beschäftigt
und viele der Beschäftigten im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. waren
bereits während ihres Studiums Pranktikant:innen des Kontaktladens
oder anderer Einrichtungen des AKJ e.V.
29
Mitte der 90er Jahre wurde von Klient:innen der Einrichtung eine lokale JES-Gruppe ins
Leben gerufen. JES steht für Junkies, Ex-User:innen und Substituierende und ist eine
engagierte Selbsthilfevereinigung, die sich insbesondere eine menschenwürdige Drogenpolitik
zum Ziel gesetzt hat.
Diese Gruppe konnte regelmäßig in Hamm am sogenannten „Runden Tisch“ teilnehmen.
Dabei handelte es sich um eine Arbeitsgruppe aus Vertreter:innen der Stadtverwaltung,
der Polizei und der Beratungsstellen. Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe war
der Umgang mit der öffentlich sichtbaren Drogenszene in Hamm.
Insbesondere durch die zunehmend etablierte Substitutionsbehandlung stabilisierten
sich die Lebensverhältnisse vieler Besucher:innen des Kontaktladens, so dass Fragen der
Tagesstruktur und Freizeitgestaltung an Wichtigkeit gewannen. Viele einzigartige Projekte
wurden in den Jahren mit den Besucher:innen geplant und durchgeführt. Highlights
waren die regelmäßigen Ausflüge und Urlaubsfreizeiten nach Ameland oder Texel
(gemeinsam mit der LWL-Klinik Lengerich) und Giethorn in Holland, nach Mallorca.
Zweimal wurde auf dem Ijsselmeer gesegelt oder nach Göteborg (über Sonderrabatte
mit Unterstützung der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH). Und es ging zusammen mit der
Drogenberatung Rheine ins Phantasialand zu den „Rosa Wochen“.
1988
30
Das Personal konnte Anfang der 90er Jahre durch eine Ex-Userin verstärkt werden.
Auch dieses, die Beschäftigung von Ex-User:innen, ist eine weitere bewährte Tradition
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. Ergänzt wurde die sozialarbeiterische Arbeit durch
die Einstellung von Kristian Kayser mit zunächst reduziertem Stundenumfang.
1989 konnte über des Bundesmodellprojekt „Frauen und AIDS“ des Bundesministeriums
Jugend, Frauen, Familie und Gesundheit (BMJFFG) mit Ulla Püthe (Mitarbeiterin
1989 – 2020) eine weitere Sozialarbeiterin eingestellt werden.
Dadurch konnten viele frauenspezifische Projekte im Kontaktladen aufgelegt werden,
so z.B. das Frauenfrühstück, das Frauencafè und die Frauengruppe. Mit der Einstellung
von Anke Alfert (Mitarbeiterin 2003 - 2012) wurde dieser Schwerpunkt der Arbeit intensiviert.
1996 wechselte die Leitung von Rolf Buschkamp zu Ulla Püthe. Die stellvertretende
Leitung übernahm Josch Krause (Mitarbeiter seit 1996), der vom Drogenhilfeprojekt
„La Strada“ der AIDS-Hilfe Frankfurt nach Hamm wechselte. Gemeinsam mit
Anke Alfert führte er u.a. auch die aufsuchende Sozialarbeit / Streetwork durch.
Möglich wurden Teile der Beschäftigungen immer durch Projektgelder.
So wurde von Ulla Püthe über mehrere Jahre, die vom Landesministerium
für Arbeit Gesundheit und Soziales (MAGS) in NRW geförderte
Stelle „Fachberaterin Methadon“ besetzt. Seit Ende der 80er Jahre etablierte
sich zunehmend die Substitutionsbehandlung als anerkannte
Suchtbehandlung.
1988
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Der medizinische Teil der Behandlung wurde immer von sozialarbeiterischen Hilfen, der
Psychosozialen Betreuung (PSB) gestützt. Auch hier förderte das MAGS NRW ab 1996
Projektstellen zur Einführung dieser Arbeit.
Über die vielen Projektförderungen nahmen die Mitarbeiter:innen des Kontaktladens
immer an vielen lokalen und überregionalen Arbeitskreisen teil. Sie waren teilweise als
Gründungsmitglieder:innen oder auch verantwortlich in der Vorstandsarbeit aktiv. Hier
ein Auszug:
- Gründungsmitglied und Vorstandsarbeit der AG Drogenarbeit und Drogenpolitik in
NRW e.V. (AG DroPo)
- Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Frauen und Sucht in NRW“
- Vorstand und auch Vorsitz im Landesverband für akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V.
(akzept NRW)
- Teilnahme AK „Rund um die Platte“ (Praktiker:innenkreis von Streetwork und niedrigschwelliger
Suchthilfe im Ruhrgebiet und Westfalen-Lippe)
- Teilnahme am Arbeitskreis „Fachberatung Methadon in NRW“
- Teilnahme „Runder Tisch“ in Hamm (Arbeitskreis aus Vertreter:innen der
städtischen Verwaltung, der Polizei Hamm, Beratungsstellen zum Thema
„Drogenkonsum im öffentlichen Raum“)
- Teilnahme am „Praktiker:innenkreis Wohnungsnotfallhilfe Hamm“
1988
32
Durch die Teilnahme an den vielen Arbeitskreisen konnte das Projekt des Kontaktladens
fortlaufend entwickelt und immer auf den aktuellen Stand der Suchthilfe gebracht
werden. Umgekehrt wurde an der Entwicklung der Suchthilfe in NRW maßgeblich an
verschiedenen Stellen durch den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. mitgestaltet und es
konnten viele Anstöße gegeben werden.
Der Kontaktladen entwickelte aufgrund aktueller Bedarfe viele neue sozialarbeiterische
Hilfen, die mittlerweile Standard in der Arbeit geworden sind, so z.B. die Geldverwaltung
oder die integrative Schuldnerberatung und das Ambulant Betreute Wohnen.
Infolge sich immer annähernder inhaltlicher Angebote und der sich daraus ergebenden
Verzahnung, wie z.B. die psychosoziale Betreuung Substituierende oder der Geldverwaltung,
wurden die Angebote der Drogenberatungsstelle und des Kontaktladens 2001
konzeptionell und strukturell zusammengeführt. Der Teamentwicklungsprozess wurde
von Rolf Reuter Markowsky und Claudia Terrahe-Hecking (Mitarbeiterin 1981 - 1995)
begleitet.
1988
33
Der Standort in der Sedanstraße wurde geschlossen. Alle Arbeiten und die Angebote
wurden zunächst in den Räumen der Widumstraße fortgeführt. Die Leitung übernahm
bis 2009 Ulla Püthe und stellvertretend Ewald Wehner. 2009 wechselten die Verantwortlichkeiten
und Ewald Wehner übernahm die Leitung des Drogenhilfezentrums.
Zudem wurde die Zusammenlegung durch eine räumliche Erweiterung an der Widumstraße
möglich, so dass auch hier ein Café und direkt angrenzende Büros eingerichtet
werden konnten.
1988
34
35
Eröffnung Projekt „Booster 2 – KESH” Sleep-in und
Wohngruppe für Drogengebraucher
Der Beginn des Projektes „Booster 2“ stand unter der Notwendigkeit einen niedrigschwelligen
Zugang zu Wohnmöglichkeiten bis hin zu einer Notunterkunft, z.B. für
rückkehrende Drogengebrauchende aus den Niederlanden, zu schaffen. Anabela Dias
de Oliveira (Mitarbeiterin 1989 - 1996) und Sabine Lorey (Mitarbeiterin 1989 - 2014)
bauten dieses Projekt maßgeblich, anfänglich noch von der Beratungsstelle in der
Weststr. 11 in Hamm aus, auf. Unterstützung kam von den damaligen Leitern der Beratungsstelle
Rainer Bathen und des Kontaktladens Rolf Buschkamp. Herr Klebeck vom
Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstütze als Rückkehrhelfer das Projekt. Eine
wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch die Forschungsgruppe Gesundheit und
Soziales (FOGS) aus Köln.
Am 14.09.1990 konnten die Räumlichkeiten
für die suchtbegleitende
Wohngruppe und das sleep-in in den
Räumlichkeiten der Bahnhofstr. 2 in
Hamm bezogen werden. Die Einrichtung
ist unter dem Namen KESH bis
heute fester Bestandteil des Netzwerkes
innerhalb des Arbeitskreis für
Jugendhilfe e.V. und der Netzwerk
Suchthilfe gGmbH.
1990
36
Im Jahresbericht der Beratungsstelle für Drogenfragen und Krisenhilfe von 1990 heißt
es: KESH steht für Kontakt-Essen-Schlafen-Hygiene. Bereits bei der Planung des Konzeptes
des Kontaktladens standen Überlegungen im Raum, Übernachtungsmöglichkeiten
und vorrübergehende Wohnplätze zur Verfügung zu stellen. (…) Nach zweijähriger
Vorbereitungs-, Verhandlungs- und Aufbauphase kann das KESH den Betrieb
aufnehmen. Es ist Bestandteil des Bundesmodellprogramms „Booster 2“ und wird vom
Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit finanziert. Der Arbeitskreis
für Jugendhilfe e.V. ist einer von lediglich zwei Trägern in Nordrhein-Westfalen,
die im Rahmen dieses Modellprogramms ein Angebot vorhalten.
KESH bestand 1990 aus zwei Teileinrichtungen: Die Notschlafstelle (Öffnungszeiten:
tägl. 20.00 – 09.00 Uhr). Es existierten 5 Unterbringungsplätze, die Aufenthaltsdauer
beträgt maximal 14 Nächte pro Monat. Durch dieses Angebot sollten insbesondere
Drogengebraucher:innen angesprochen werden, die von akuter Obdachlosigkeit betroffen
sind (Therapieabbrecher:innen, etc.). Und die Park-WG (betreute Wohngruppe).
Hier existierten 8 Plätze mit einer Wohndauer von maximal 6 Monaten. Hier sollen Drogengebraucher:innen
angesprochen werden, die Atem holen wollen von der Drogenszene,
sich neue Lebensperspektiven aufbauen wollen, Ruhe und Zeit zum Nachdenken
über Veränderung brauchen, aus den Niederlanden zurückkehren,
Wartezeiten auf Therapie – oder Entgiftungsplätze überbrücken müssen.
Die Öffnungszeit liegt montags bis freitags von 19.00 Uhr bis 15.00
Uhr, am Wochenende und an Feiertagen hat die Einrichtung 24 Stunden/Tag
geöffnet.
1990
37
Fünf Mitarbeiter:innenstanden zu Projektbeginn zur Verfügung. Eine sehr dünne Personaldecke,
die z. B. zu den Schließzeiten im Tagesverlauf führte.
Mit der Beendigung der vierjährigen Modellphase Ende des Jahres 1993 ist das KESH
zunächst in eine pflegesatzfinanzierte Struktur gem. §39/40 BSHG durch den Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) überführt worden.
1990
Von 1999 bis Ende 2003 konnte sich das KESH im Projekt „AC
Company” – Europäischen Netzwerkes für mobile Drogengebraucher/-innen
platzieren.
38
Das aus EU-Mitteln geförderte Projekt war bei DHV/AMOC in Amsterdam angesiedelt,
26 Partner aus 22 Ländern arbeiteten gemeinsam am Ausbau des Netzwerkes, an der
Evaluation des Phänomens der Mobilität unter Drogenabhängigen sowie an der Entwicklung
von Strategien zum Umgang mit dem Phänomen. Noch immer zogen die
Niederlande viele deutsche Drogenkonsument:innen an. Die Situation hatte sich in den
90er Jahren entspannt, es konnte von einer Stabilisierung seit 1996 gesprochen werden.
Cannabiskonsumenten zog es in die Coffeshops Amsterdams und der Grenzregionen.
Käufer:innen harter Drogen fand man vornehmlich in Rotterdam und Amsterdam. Nur
ein kleiner Teil dieser Gruppe entwickelte Probleme in den Niederlanden oder kommt
mit dem Ziel, sich längere Zeit dort aufzuhalten oder gar niederzulassen. Gerade für
diese Menschen sind AMOC in Amsterdam und die Pauluskerk in Rotterdam wichtige
Anlaufstellen. Um weiterer Marginalisierung und den damit verbundenen Problemen
gesundheitlicher und sozialer Art vorzubeugen bzw. diese zu entschärfen,
wurde mit Hilfe von AC COMPANY ein Netz von Einrichtungen und Kontakten
aufrecht erhalten, in dem adäquate Angebote vorgehalten werden. In
Nordrhein-Westfalen war das KESH direkter Partner für diesen Personenkreis.
Mit einer halben Personalstelle (finanziert über AC COMPANY) wurde
hier den Rückkehrern kompetent und effizient geholfen. Das Konzept KESH
(Wohnen; Betreuung, aber auch viel persönliche Verantwortung; Substitution
vom ersten Tag an; Hilfe bei der Wiedereingliederung) war ausgesprochen
erfolgreich und bot die besten Chancen einer Reintegration auch in
schwierigen Fällen. Ähnlich arbeitet die Einrichtung LÜSA in Unna. Auch
hier ist man bereit, Rückkehrer:innen eine neue Chance zu geben.
1990
39
Im April 2004 wurde der Mietvertrag unter
der Leitung von Simone Hartmann (Mitarbeiterin
1992 - 2014) für ein neues Objekt am
Gut Caldenhof im Hammer Osten zwischen
dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und
dem evangelischen Kirchenkreis zur Nachnutzung
eines ehemaligen Seniorenheims
als zukünftiger Standort des KESH unterzeichnet.
Die Wellen, die dieser Umzug in der
der Stadt und insbesondere in der direkten
Nachbarschaft schlugen, wurden selbst von
der taz aufgegriffen, die in einem Artikel in
der Rubrik Drogen/Drogenpolitik darüber
berichteten.
1990
40
Bis heute ist die Einrichtung KESH am Gut Caldenhof existent und unterliegt seit einigen
Jahren auch den Regelungen des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW und hat sich
seit seiner Eröffnung konzeptionell zu einer Einrichtung der Wiedereingliederungshilfe
nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) weiterentwickelt. Tageschließzeiten gibt es
schon lange nicht mehr.
Geleitet wird die Einrichtung von der Rehabilitationspsychologin Evelyn Wodynski
(Mitarbeiterin seit 2015).
1990
41
Erste „Fachstelle für Suchtvorbeugung” in NRW
Erneut ging der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. im Land voran. Mit der Einstellung von
Dorothee Behler-Brodd (Mitarbeiterin 1991-2020) wurde 1991 die erste „Fachstelle für
Suchtvorbeugung“ in Nordrhein-Westfalen geschaffen. Ein absoluter Meilenstein. Prävention
erhielt damit die Bedeutung, die für diese wichtige Arbeit benötigt wird. Seit
Gründung des AKJ e.V. wurden die Präventionsansätze stets aufgaben- und ansatzbezogen
durch verschiedene Mitarbeitende geleistet. Erstmals fand hier eine fachliche
Bündelung statt.
Zu den ersten formulierten Aufgaben dieser neuen Fachstelle zählten u.a. die kommunale
Koordination präventiver Tätigkeiten, die konzeptionelle Planung und Weiterentwicklung
von Präventionskonzepten, die Beratung von Bürger:innen, Multiplikatoren
und Institutionen in Fragen der Prävention, die Projektarbeit, Planung und Durchführung
eigenständiger Präventionsmaßnahmen und die Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen.
Es sollten Materialien für die Präventionsarbeit erstellt werden
aber auch die Außenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Kontaktarbeit im Bereich der
Prävention sowie die Beteiligung an der landesweiten Öffentlichkeitsarbeit „Sucht und
Drogen“ wurden erwartet.
1991
42
Seit Einrichtung dieser Fachstelle sind unzählige Leistungen in den Bereichen Schulung
und Weiterbildung für Multiplikator:innen, Teamtrainings, Methodenlehre und
Networking erbracht worden. In Hamm stand Dorothee Behler-Brodd wie kaum eine
andere für die Präventionsarbeit in der Suchthilfe. Der größte Verdienst ihrer langjährigen
Arbeit ist sicherlich in der Verstetigung der Präventionsarbeit im Bewusstsein von
Fachkräften, Politik und Verwaltung in der Stadt Hamm zu sehen. Fortgesetzt wird ihre
Arbeit von Birgit Süsselbeck und Lea Debusmann.
Heute ist zu unterstellen, dass eine Fachkraft für Prävention für eine Stadt wie Hamm
mit rund 180.000 Einwohner zu wenig ist. Hier sollte politisch darauf gedrängt werden,
den Schlüssel deutlich zu verändern.
1991
43
Gründung Projekt „Stadtteilintegrierte Jugend- und Drogenberatung
im Hammer Norden”
„Der präventive Charakter der Beratungsarbeit muss ansetzen an den realen Lebenssituationen
der Jugendlichen in ihrer Ganzheit.“
Diese Haltung beinhaltet den Ausgangspunkt für die Entwicklung und Umsetzung der
stadtteilintegrierten Jugend- und Drogenberatung im Hammer Norden. Im Stadtteil
ist die Beratungsstelle für Drogenfragen und Krisenhilfe bereits seit 1992 durch verschiedene
Angebote und Aktivitäten der Fachstelle für Suchtprävention verortet. Im
Oktober 1994 erhält der Arbeitskreis
für Jugendhilfe e.V. dann eine Anfrage
der Stadt Hamm bezüglich des Aufbaus
eines Projekts zur ganzheitlichen und
niedrigschwelligen Jugend- und Drogenberatung
vor Ort. Der Arbeitskreis
für Jugendhilfe .V. erkennt die Chance
auf die Realisierung von bereits vorhandenen
Konzepten und Visionen. Am
14.02.1995 erfolgt die Bewilligung durch
die Stadt Hamm für ein zunächst auf
zwei Jahre angelegtes Modell.
1995
44
Das Projekt wird zentral an den Jugendtreffpunkten im Hammer Norden angesiedelt.
Es wird ein Bauconatiner angeschafft, der als Anlaufstelle und Informationsbörse fungiert.
Über die Arbeit vor Ort werden Szenestrukturen und kulturelle Regeln deutlich.
Im Baucontainer finden alltagspraktische und existenzsichernde Hilfen statt. Mit den
Besucher:innen werden freizeit- und erlebnispädagogische Angebote konzipiert. Der
Westfälische Anzeiger berichtet am 28.06.1996 „…Der Bauwagen dient als Treffpunkt,
Infobörse und Ort alltagspraktischer Hilfen (z.B. bei Problemen mit Ämtern, Eltern,
Drogen, Arbeit, Wohnung etc.) Durch die Vernetzung mit anderen im Hammer Norden
engagierten Institutionen wie
dem Stadtteilbüro, Jugendamt, Jugendgerichtshilfe
etc. ist es möglich,
schnell und flexibel Hilfe leisten zu
können…“
Mitarbeiter:innen wie Annette Riedesel,
Christian Gräbel, Jürgen Möllers,
Andreas Meyer und Seher Sönmez
haben diesem Projekt einen eigenständigen
Charakter vermittelt.
1995
45
Einrichtung Nebenamtliche Geschäftsführung
Über 25 Jahre lang, also vom Gründungsjahr an bis 1995, erfolgte die Führung der Geschäfte
ohne eine „klassische“ Geschäftsführung. Der ehrenamtliche Vorstand und verschiedene
Einrichtungsleitungen organisierten die Budgetverwaltung gemeinsam. So
waren Hans-Dieter Braun (1970 - 1973), Klaus - Jürgen Wolter (1973 - 1975) und Kurt
Kasischke (1975 - 1977) ehrenamtlich im Vorstand als Kassierer aktiv. Unterstützung
erfuhr der Vorstand des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. z. B. durch Jürgen Neubarth
(Stabstelle Verwaltungsaufgaben 1990 - 1995), Wolfgang Rometsch (Leiter der Drogenberatungsstelle
1973 - 1974, Leiter des Reha-Wohnheim 1974 - 1980, Leiter ambulante
Dienste 1980 - 1982), Paul Katz (Leiter der Drogenberatungsstelle 1975 - 1977), Hans
Grösbrink (Leiter des Reha-Wohnheims 1976 - 1982), Rolf Buschkamp (u. a. Leiter Kontaktladen
Coffeeshop „extra dry 1979 - 2009), Anabela Dias de Oliveira (Booster II, später
KESH 1989 - 1996) und verschiedene Verwaltungsangestellte (wie Ulla Meier 1980
- 2013 oder Lilo Luley 1981 - 2018, um hier nur die besonders langjährigen zu nennen).
Somit gab es fast ein Vierteljahrhundert eher eine Gruppe der „Geschäftsführenden“.
Die tatsächlichen Rollen gingen noch ziemlich durcheinander. Es gibt Einrichtungsleitungen
(zeitgleich gab es weitere nicht genannte Andere), Buchführungs-Verantwortliche
(zum Teil ehrenamtlich), sog. Verwaltungsleiter:innen, ehrenamtliche
und hauptamtliche Vorstände und GmbH-Geschäftsführer:innen. Keine
unüblichen Konstrukte zu dieser Zeit. Jedoch erforderten gestiegene Ansprüche
infolge einer Angebotsausweitung, aber auch durch Vorgaben
von Leistungsträgern, eine Neuausrichtung.
1995
46
Die Funktion einer Geschäftsführung wurde dann formal im Jahr 1995 installiert. War
sie zunächst noch nebenamtlich organisiert, erfolgte 1998 infolge gestiegener Anforderungen
die Erweiterung hin zu einer hauptamtlichen Geschäftsführung. Mit Rainer
Bathen und Rolf Buschkamp wurden zwei Geschäftsführer bestellt. Das führte in der
Folge zu wiederkehrenden Diskussionen bzgl. der Notwendigkeit.
2009, mit dem Ausscheiden von Rolf Buschkamp, verblieb mit Rainer Bathen nur noch
ein Vorstand und Geschäftsführer.
2012 wurde mit Christiane Vogel eine Prokuristin und Handlungsbevollmächtigte bestellt.
Die Zuständigkeit umfasst das gesamte Rechnungswesen (vor allem Finanzbuchhaltung,
Controlling und Planungsrechnung) und das Personalwesen.
2016 wurde Denis Schinner als zweiter Prokurist und Handlungsbevollmächtigter bestellt.
Der Aufgabenbereich umfasst insbesondere das Qualitäts- und Risikomanagement.
Gleichzeitig wurde mit dieser Bestellung der Wechsel in der Geschäftsführung
vorbereitet, der mit dem rentenbedingten Ausscheiden von Rainer Bathen 2019 vollzogen
wurde.
Seit dem 01. September 2019 führt Denis Schinner die Geschäfte
des Gesamtunternehmens.
1995
47
Denis Schinner
Betriebswirt (IHK)
FW im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK)
Entspannungstherapeut (BKDV)
Sucht- und Sozialtherapeut (LWL-VDR)
Qualitätsmanagementbeauftragter
im Gesundheitswesen (deQus)
staatl. anerk. Sozialarbeiter
Kfz-Lackierer (IHK)
Christiane Vogel
Dipl.- Betriebswirtin (FH)
Qualitätsmanagementbeauftragte
im Gesundheitswesen (deQus)
Industriekauffrau (IHK)
1995
48
Eröffnung Stationäre Drogenhilfeeinrichtung „RELEASE” –
Erste substitutionsgestützte Drogentherapie in Deutschland
„Das Release ist unsere Quintessenz
aus 27 Jahren akzeptanzorientierte
Drogenabeit“
Rolf Buschkamp (Mitarbeiter 1979 – 2009, ehem. Vorstand und Geschäftsführer)
1996
Die Fachklinik Release, unter der Leitung von Renate Wagner
(Mitarbeiterin 1996 - 1998) und dem Facharzt Ulrich Lauinger
war ab dem 01. April 1996 die erste Klinik in Deutschland für
die gemeinsame Behandlung von substituierten und nichtsubstituierten
Drogenabhängigen. Die Einrichtung befindet
sich in einer umgebauten, restaurierten Mühle im Münsterland,
in Ascheberg - Herbern.
49
Heute ist die Fachklinik Release eine Einrichtung
der medizinischen Rehabilitation und
von der Deutschen Rentenversicherung,
den Krankenkassen, den überörtlichen Sozialhilfeträgern
und nach § 35 BtmG anerkannt.
Sie unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung
und behandelt, zusammen
mit der dazugehörigen Adaption und dem
Nachsorgezentrum, über 200 Rehabilitanden
im Jahr. Über 30 Mitarbeitende unterschiedlicher
Fachrichtungen aus Medizin
und Pflege, Therapie, Sport, Beruf, Verwaltung
u.w. wirken interdisziplinär in der Rehabilitation
zusammen. Akzeptanz und die
Erarbeitung realistischer Lebensperspektiven
bilden die Grundlage unserer Arbeit.
1996
50
1996
1996
51
52
Beginn Geldverwaltung für Drogenabhängige im
Drogenhilfezentrum
Im Jahr 1997 erprobten Mitarbeiter:innen des Kontaktladens Kontoverwaltungen mit
einzelnen Klient:innen. Regelmäßig erlebten die Mitarbeiter:innen, dass in der Krisenintervention
vereinbarte Verträge zum Erhalt von Wohnraum, Strom oder zur Abzahlung
von Geldstrafen nicht eingehalten wurden, so dass sich die Krisen immer wieder
wiederholten. Auf viele Anfragen von Besucher:innen der Einrichtung, aber insbesondere,
um die Nachhaltigkeit der Hilfen zu verbessern, wurde bei der Volksbank Hamm
ein Konto eingerichtet. Zunächst einzelne Klient:innen konnten zeitlich begrenzt bis
zur Abzahlung der vereinbarten Ratenverträge das Konto nutzen, so dass ihre Einnahmen
mit dem/der Berater:in verwaltet werden konnten. Zunehmend und ohne jegliche
Werbung stieg die Anfrage nach Nutzung dieses Angebotes, so dass bereits 1998
30 Personen diese Hilfe völlig freiwillig und selbstmotiviert in Anspruch nahmen.
1996
53
Zunehmend stellte sich heraus, dass viele Personen über kein eigenes Konto verfügten
und die Banken die Eröffnung eines neuen Kontos verweigerten zumindest aber
deutlich erschwerten. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine gesetzliche Verpflichtung
zur Eröffnung eines Basiskontos, wie es heute der Fall ist, sondern lediglich
eine Selbstverpflichtung der Banken. Insbesondere wohnungslose Menschen hatten
aufgrund fehlender Meldeadressen und Ausweise Probleme bei der Kontoeröffnung.
Im Jahr 2005 vereinbarten die Beratungsstellen in Hamm, die die Gruppe der wohnungslosen
Bürger:innen versorgen, mit dem Kommunalen Jobcenter der Stadt
Hamm, dass wohnungslose ALG-II-Empfänger:innen ihre Leistungen über Konten der
Beratungsstellen empfangen sollen, damit diese Personen unmittelbare Hilfen bei der
Antragstellung erhalten, dringend notwendige Vorschüsse ausgezahlt werden können
(ein Ausweis kostet Geld und ohne Ausweis können keine Leistungen beantragt
werden), um Notlagen abzuwenden und damit dem deutlich „beruflich hemmenden“
Problem der Wohnungslosigkeit unmittelbar begegnet werden kann. Mit der Vereinbarung
wurde auch eine klare Zuordnung getroffen: Die Beratungsstelle des Katholischen
Sozialdienst (KSD) betreut wohnungslose Personen im Alter bis
25 Jahre, der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. über das Drogenhilfezentrum
die wohnungslosen Personen mit (illegaler) Suchtproblematik und
die Sozialberatungsstelle der evangelischen Perthes-Stiftung alle weiteren
wohnungslosen Menschen.
1996
54
Durch die klare Zuordnung stieg die Teilnehmer:innenzahl im Drogenhilfezentrum noch
einmal beträchtlich an. Aktuell nehmen 61 wohnungslose Personen das Angebot der
Geldverwaltung für sich in Anspruch (Stand 30.06.2020). Im Jahr nehmen rund 140 verschiedene
Personen daran teil.
Geldverwaltung bedeutet eine sehr praktische Hilfe und ein sehr direkter Zugang zum
Alltagsleben der Ratsuchenden. Die Kontaktzahl der Ratsuchenden erhöht sich und
wird verbindlicher („Ohne Moos nix los“), aber auch viele Konflikte treten auf, da das
Suchtgeschehen einen erblichen Einfluss auf den Umgang mit Geld hat.
Die Geldverwaltung ist im Laufe der Jahre zu einem elementaren Baustein der Wohnungslosenhilfe
entwickelt worden. Und sowohl die Zuordnung als auch die beständige
Kooperation aller Beteiligten erhöhen die Erfolgsquote. Bis zu 40 Wohnungsvermittlungen
können im Drogenhilfezentrum realisiert werden, zusätzlich kann das Drogenhilfezentrum
auf suchtspezifische Hilfen zugreifen, um die Wohnungslosigkeit zu beheben.
Viele Vermittlungen in stationären Entgiftungskliniken, Entwöhnungstherapie oder sozialtherapeutische
Wohngruppen bieten Alternativen.
1996
55
2021 entwickelte das Drogenhilfezentrum mit der Sparkasse Hamm in einem Pilotprojekt
eine Digitalisierung der Abläufe. Teilnehmende sollen zukünftig möglichst über die
Geldautomaten ihre Gelder von den Beratungsstellen erhalten und nicht mehr, wie es
aktuell durchgeführt wird, über Barschecks, die persönlich in der Bankfiliale eingelöst
werden müssen. Auch dieses Projekt wurde in Kooperation aller beteiligten Beratungsstellen,
dem Kommunalen Jobcenter der Stadt Hamm und der Sparkasse Hamm verabschiedet.
Im Drogenhilfezentrum wird das Projekt von Seiten der Verwaltung, die
maßgeblichen Anteil an der Arbeit und Seriosität des Angebotes hat, Christiane Vogel
(Mitarbeiterin seit 2000) und Miriam Jaschke (Mitarbeiterin seit 2009) begleitet und von
der sozialarbeiterischen Seite von Josch Krause (Mitarbeiter seit 1996) und Christian
Gräbel (Mitarbeiter seit 1994).
1996
56
Projekt „Soforthilfe”
Wie bindet man Betroffene in das Hilfesystem ein, die aus verschiedenen Gründen, wie
die Angst vor Stigmatisierung, die Kontaktaufnahme bisher verweigert haben?
Eine Antwort auf diese Frage war das Projekt „Soforthilfe für Drogenabhängige“ als
Nachfolgemodell des Modellprojekts „Therapie sofort.“
Die „Soforthilfe für Drogenabhängige“ war ein zusätzliches ambulantes Angebot, das
einen schnelleren Zugang in das bestehende Drogenhilfesystem ermöglichte. Zentraler
Bestandteil der Soforthilfe sind kurze und möglichst beschleunigte Bearbeitungsverfahren
aller an der Hilfeplanung und -durchführung Beteiligten. Sie ist ein Baustein
des Suchthilfesystems in Westfalen-Lippe und wurde durch die LWL-Koordinationsstelle
Sucht des LWL als „Therapie sofort“ entwickelt und 1991 eingeführt.
Strukturell besteht die Leistung darin, dass bei den Trägern von Suchtberatungsstelle
Soforthilfe-Koordinationskräfte angesiedelt werden. Bei den Landschaftsverbänden
Westfalen-Lippe und Rheinland wurden Soforthilfe-Koordinationsstellen eingerichtet,
die übergreifende Koordinationsaufgaben, die Unterstützung der Soforthilfestellen sowie
die Projektevaluation übernehmen.
1999
57
Mit diesem Projekt sollten neue Zielgruppen, wie junge drogenkonsumierende Menschen
oder Konsument:innen mit Migrationshintergrund, erreicht werden.
Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Vermittlung in weiterführende Hilfeformen wie stationäre
Entgiftungen, stationäre Therapieformen oder Einrichtungen im Bereich stationär
betreuten Wohnens. Die Hilfe wurde sehr niedrigschwellig und dezentral organisiert.
Im Service Center West des Stadtteils Hammer Westen und in den Räumen der Beratungsstelle
des Gesundheitsamtes Hamm/Pelkum wurden Sprechstunden angeboten.
Wesentlich zum Erfolg beigetragen hat eine enge Kooperation mit den Anbieter:innen
des qualifizierten Entzuges im Umfeld von Hamm. Dort wurden wöchentlich Plätze für
die Teilnehmer des Soforthilfeprojekts freigeschaltet. Aufnahmen innerhalb von spätestens
zwei Tagen waren die Regel.
Dirk Gläsmann (Mitarbeiter 1999 - 2001 und 2011-2021) und Kristian Kayser
nahmen in der Aufbauphase wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der
erforderlichen Rahmenbedingungen sowie auf die Bekanntmachung und
die Inanspruchnahme des Projekts in der Kommune.
Die Förderung des Projekts lief im Dezember 2002 aus.
1999
58
Jubiläum - 30 Jahre Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Groß gefeiert wurde das dreißigjährige Jubiläum des Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. mit einer Festveranstaltung im Gustav-Lübcke-Museum in
Hamm. Unter Beteiligung von Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung und
Kooperationspartnern durfte endlich einmal wieder auf die erfolgreiche
Arbeit verwiesen werden. Nachdem das Jubiläum zum zwanzigjährigen
Bestehen von drohenden Mittelkürzungen überschattet war und in nur
sehr kleinem Rahmen begangen wurde, so sollte diesmal auch signalisiert
werden, welche Bedeutung der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. regional
und überregional für die Entwicklung der Drogenhilfe hat. Die zahlreichen
Honoratioren belegten dies eindrücklich.
Für die Mitarbeiter:innen wurde eine Party im Glaselefanten im Maximilianpark
Hamm organisiert.
2000
2000
59
60
Projekt FreD „Frühintervention bei erstauffälligen
Drogenkonsumenten“
Wenn ein Jungenname Pate steht für ein Modellprojekt
muss es sich schon um ein außergewöhnliches
Projekt handeln.
Hamm wurde ab dem 01.Oktober 2000 einer von
insgesamt 16 Modellstandorten des bundesweiten
Modellprojekts „Frühintervention bei erstauffälligen
Drogenkonsumenten (FreD)“. Projektträger war der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Die wissenschaftliche Begleitung übernahm die FOGS Gesellschaft für
Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich mbH und die juristische
Beratung der Leitende Oberstaatsanwalt Karl-Rudolf Winkler von der Generalstaatsanwaltschaft.
Das Projekt erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit.
Das Projekt richtete sich an Jugendliche und Heranwachsende, welche mit Drogen experimentieren
und in diesem Kontext straffällig geworden sind, ohne bereits abhängig
zu sein. Die Zuweisung ins Projekt erfolgte u.a. durch Justizbehörden und die Polizei.
Grundlegende Zielsetzung war es eine manifeste Abhängigkeit zu verhindern.
2000
Das Projekt vermittelte fundierte Informationen über Drogen und deren
Wirkung, bot Unterstützung an bei der Reflektion über den eigenen Umgang
mit Substanzen, motivierte zum eigenverantwortlichen Handeln
und informierte über das bestehende Hilfesystem. Die Inhalte wurden
in einem Kursangebot vermittelt. Die Teilnahme wurde zertifiziert und
konnte bei Bedarf den Justizbehörden vorgelegt werden.
61
Die Ergebnisse des Modellprogramms zeigen laut der Auswertung des LWL u. a., dass
mit dem FreD-Angebot
- junge Konsument:innen illegaler Drogen frühzeitig mit einem (sucht-)präventiven
Angebot erreicht werden können,
- das Modellkonzept mit einem Erstgespräch und Kursangebot, das von qualifizierten
und erfahrenen Fachkräft:innen durchgeführt wird, tragfähig im Hinblick auf die
Teilnahmebereitschaft ist,
- Wirkungen erzielt werden können, die sich in der durch die Teilnehmer:innen
konstatierten persönlichen Bedeutung der Teilnahme ebenso ausdrücken wie in der
Verbesserung des Wissensstands zu gesundheitlichen, sozialen und rechtlichen
Aspekten des Drogenkonsums, einer verbesserten Risikoabschätzung, der Anwendung
von Gebrauchsregeln oder auch im Konsumverzicht.
Das Projekt wurde wie geplant am 31.12.2002 eingestellt.
Im Rückblick darf man die Feststellung treffen, dass FreD ein wichtiger Meilenstein auf
dem Weg der späteren Eröffnung der Jugend(Sucht)Beratung war.
2000
62
Arbeits- und Beschäftigungsprojekte
Ab dem Jahr 2001 nahmen die Initiativen für Arbeits- und Beschäftigungsprojekte im
Arbeitskreis für Jugendhilfe deutlich an Fahrt auf. Mitarbeitende nahezu aller Abteilungen
engagierten sich einrichtungsübergreifend an neuen Ideen und Projekten. Kooperationen
und Netzwerke wurde geschmiedet.
Die ersten Bemühungen konzentrierten sich „noch“ auf Hamm und die regionalen Vernetzungen,
z.B. in der Arbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (u.a. mit Kai-Erik Escher,
Mitarbeiter 1992 – 2010 und Patricia Merkel, Mitarbeiterin seit 2006) und dem daraus
resultierenden und mit ESF-Mitten geförderten Projekt „Jugend in Arbeit“. Dieses Projekt
hat ab 1998 Kristian Kayser begleitet.
2001 startete eine berufliche Trainingsmaßnahme für Substituierende und eine Kooperation
mit der RAG Bildung, Bildungszentrum Hamm (u.a. auch wieder Kristian Kayser).
2007 wurde das Netzwerk „Arbeit und Sucht” Hamm gegründet und ab 2008 wurde
dann auch erstmalig überregional gedacht.
Zusammen mit der Drogenberatung Bielefeld e.V. wurde mit den Aufbauplanungen
von Beschäftigungsprojekten in den Bereichen Fischzucht, Saftmosterei und Gemüseanbau
sowie Holz, Forst und Garten- und Landschaftsbau begonnen. Die Bielefelder
Kolleg:innen um den Geschäftsführer Michael Wiese u.w. hatten hier schon einiges an
Vorerfahrungen und waren gerne bereit, die Ideen und Arbeitsansätze an
andere Standorte zu transferieren.
2001
63
Mit Fabian Czerwinski und Uwe Griesmeyer, beide waren in Bielefeld bereits in den
dortigen Projekten aktiv, konnte durch die Aktion Mensch die Projektplanungen für
ein halbes Jahr angeschoben werden. 2009 starteten die Arbeits- und Beschäftigungsprojekte
„Saft von Streuobstwiesen” und „Ökologisches Wald- und Naturschutzprojekt”
in Hamm.
Seit 2009 kann mit dem Münsterländer Streu ein Apfel- und Birnensaft vertrieben werden.
Die Patenschaft über mehrere Streuobstwiesen in Gemeinden der näheren Region
sicherte den Einstieg in dieses Projekt. Gemeinsam mit der Mosterei Barteldrees
in Halle und der Mosterei Schenk in Ascheberg-Herbern wird ein ausgezeichneter Saft
produziert. Der Vertrieb erfolgt in Eigenregie. Klient:innen, Rehabilitandinnen und Rehabilitanden
haben so die Möglichkeit, einen kompletten Wertschöpfungsprozess zu
erfahren, der sich über die Apfellese, die Versaftung bis in den Vertrieb erstreckt. Im
Jahr 2019 übernimmt der IBP Coesfeld e.V. die Patenschaften. Bis heute wird aber in
kleinem Rahmen der Saft als Werbeträger weiterproduziert. Maßgeblich für dieses Projekt
engagiert haben sich Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter seit 1997), Stephan Steigerwald
(Mitarbeiter seit 1996) und Leo Schlenker (Mitarbeiter 1996 - 2018) sowie Hans-
Georg Schulze Wartenhorst (Mitarbeiter 2010 - 2019).
2001
64
Aus diesem Projekt ergaben sich auch Planungen für ein Umweltprojekt in Senden, gefördert
unter anderem durch die PSD Bank im Rahmen des PSD Bürgerprojektes 2010.
Das „Ökologische Wald- und Naturschutzprojekt” führten Forstwirt Marcel Thomezek
(Mitarbeiter 2010 - 2012) und die pädagogische Mitarbeiterin Hannelore Sewarte (Mitarbeiterin
2009 - 2012) zum Erfolg. Es wurden bis zu 12 Arbeitsgelegenheiten (AHG
MAE) zusammen mit dem Kommunalen Jobcenter Hamm AöR geschaffen mit dem
Ziel, ein waldpädagogisches Zentrum aufzubauen. Es gilt als Vorläuferprojekt für den
Integrationsbetrieb „Grünspecht“ ab 2012.
Aber zunächst erfolgte 2010 der Ausbau der Arbeits- und Beschäftigungsprojekte
um den Bereich „Gartenpflege und Landschaftsbau“. Hier war unter anderem Andreas
Hartmann (Mitarbeiter seit 2011) zusammen mit Bewohner:innender stationären Einrichtung
KESH tätig. Sie übernahmen die Pflege und Gestaltung mehrere Grünfläche
von Kindergärten des Evangelischen Kirchenkreises.
2001
2001
65
66
2010 erfolgte eine organisatorische Zusammenführung der Arbeits- und Beschäftigungsprojekte,
bevor 2012 die NIA Netzwerk Integration und Arbeit gGmbH gegründet
wurde und sich der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. erstmals in den Bereich der
Integrationsbetriebe vorwagen sollte.
2001
67
Der erste Qualitätszirkel - vom EFQM zur DIN EN ISO
Das EFQM-Modell für Business Excellence ist ein Unternehmensmodell, das eine ganzheitliche
Sicht auf Organisationen ermöglicht. Es wurde als Antwort Europas auf den
in den USA hoch geschätzten Malcolm Baldrige National Quality Award und den japanischen
Deming-Preis von der EFQM entwickelt. Es bietet Organisationen Hilfestellung
für den Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung von umfassenden
Managementsystemen. Die Unternehmen nutzen es als Werkzeug, um auf Grundlage
von Selbstbewertungen, Stärken und Verbesserungspotentiale zu ermitteln, anzuregen
und ihren Geschäftserfolg zu verbessern. Das einfache Modell umfasste die drei
Säulen: Menschen, Prozesse und Ergebnisse. Um dauerhaft exzellente Ergebnisse zu erzielen,
werden alle Mitarbeiter:innen in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess
eingebunden. Durch die permanente Beachtung aller Prozesse werden Informationen
über den aktuellen Stand, die kontinuierliche Verbesserung und künftige Trends erarbeitet.
Das EFQM-Modell ist ein Werkzeug, das Hilfestellung für den Aufbau und die
kontinuierliche Weiterentwicklung eines umfassenden Managementsystems gibt. Es
soll helfen, eigene Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale zu erkennen und
die Unternehmensstrategie darauf auszurichten. Ewald Wehner schulte sich in dieser
Qualitätsmanagementystematik und entwickelte über den ersten Qualitätszirkel die
ersten Impulse im Unternehmen.
2001
68
2009 wechselt im Unternehmen die Systematik zur DIN EN ISO. Mit umfangreicher Unterstützung
der deQus kommt das Unternehmen so der gesetzlichen Vorgabe einer
Zertifzierung ihrer Rehabilitationsklinik nach dem SGB V nach. Die Deutsche Gesellschaft
für Qualitätsmanagement in der Suchttherapie (deQus) hat sich die Entwicklung
und Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in der Suchthilfe zum Ziel
gesetzt. Die Notwendigkeit zur Einführung eines suchtspezifischen Qualitätsmanagement-Systems
(QM-System) ergibt sich aus einer ethischen und gesellschaftlichen Verantwortung
für die betroffenen Menschen, aus einem gesetzlichen Auftrag sowie aus
den Erfordernissen eines wettbewerbsorientierten “Gesundheitsmarktes”.
Die DIN EU ISO 9001:2015 legt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagement-System
(QMS) fest. Die Organisation legt ihre Fähigkeit dar, Dienstleistungen bereitzustellen,
welche die Kundenforderungen und die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen
erfüllen.
Drei Jahre wird sich die Fachklinik Release unter der Leitung der damaligen
Qualitätsmanagementbeauftragten im Gesundheitswesen (deQus)
Hartmut Brinkmann (Mitarbeiter von 1982 - 2015) und Denis Schinner
(Mitarbeiter seit 1997) auf die Zertifizierung vorbereiten. Dazu wurden alle
relevanten Klinikprozesse erfasst und in einem Handbuch beschrieben.
2001
69
Über eine Potentialberatung durch den Beratungservice im DRK (BBS) sichert sich auch
die Einrichtung KESH das Know How zur Qualitätsentwicklung im Rahmen des Wohnund
Teilhabe-Gesetzes. Auch die Einrichtung entwickelte ihr erstes Qualitätshandbuch
und bereitet sich somit auf eine Zertifizierung vor.
2001
70
Erweiterung Stadtteilintegrierte Jugend- und Drogenarbeit auf
den Stadtteil Hamm Westen.
Mit dem Hammer Westen wurde im November 2001 ein weiterer Stadtteil für die Angebote
der stadtteilintegrierten Jugend- und Drogenhilfe in Hamm erschlossen.
Die Finanzierung der Projektarbeit trug zu neunzig Prozent das Land NRW aus dem Förderprogramm
„Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ und die Stadt Hamm.
Als Voraussetzung für die Aufnahme in die Projektförderung wurde mit unterschiedlichen
Kooperationspartnern im Stadtteil ein integratives Konzept für die Jugendarbeit
vor Ort entwickelt.
Im Mittelpunkt des Angebotes des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. im Hammer Westen
stand ein Mädchentreff für die Altersgruppe der elf- bis vierzehnjährigen Mädchen
sowie ein offener Treff für Jugendliche in den Räumlichkeiten der evangelischen Christuskirchengemeinde.
Den Mädchentreff nutzten wöchentlich eine Gruppe von bis zu
15 Teilnehmerinnen. In den Gesprächen ging es vorwiegend um den Austausch von
Lösungsansätzen zu altersspezifischen Herausforderungen. In 2002 und 2003 wurde,
in Kooperation mit der Anne-Frank-Schule und der Parkschule, als
ein Beitrag zur mädchenspezifischen Suchtvorbeugung das Projekt
„Hoch hinaus“ durchgeführt. Insgesamt nahmen 24 Mädchen an den
Kursen teil. Der offene Treff wurde von 25 Jugendlichen genutzt als
attraktives Freizeitangebot. Darüber hinaus wurden verschiedene
Präventionsangebote zum Thema Drogenkonsum aufgelegt und vertiefend
Einzelfallhilfe angeboten.
2001
In 2003 entschied sich der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. , das Projekt
einzustellen. Mitarbeitende im Hammer Westen waren unter anderem
Seher Sönmez und Andreas Meyer.
71
Nordring Hamm
Zur Jahrtausendwende ist eine der schwierigsten Fragen in der Stadt Hamm der Umgang
mit Drogenabhängigen im öffentlichen Raum. Die Bürger:innen der Stadt fühlen
sich durch das Verhalten der Drogenabhängigen belästigt. Nicht wenige haben Angst.
Geschäftsleute beschweren sich aufgrund wiederholter Straftaten. Die Drogenabhängigen
dagegen fühlen sich in ihrer Freiheit auf Begegnung im öffentlichen Raum beschränkt
und somit als Bürger:innen zweiter Klasse.
Im Laufe des Jahres 2002 verschärft sich die Situation zunehmend. Die Drogenszene an
der Pauluskirche wird im Zuge von Umbauarbeiten aufgelöst. Die Mitglieder der Szene
treffen sich vorübergehend im Parkgelände zwischen Pohls Mühle und Stadtbücherei.
In dieser aufgeheizten Situation erscheinen am 12.10.2002 im Westfälischen Anzeiger
zwei Interviews.
2002
72
Der damalige Bezirksvorsteher Mitte, Herr Köhler, fordert eine Entscheidung zu Gunsten
der „normalen“ Bürger:innen. Er sagt im Laufe des Interviews, dass ihm die Belange
der Mehrheit der Bevölkerung erheblich mehr am Herzen liegen und wer Hilfsangebote
ablehnt hat gewisse Nachteile zu erdulden. „Wichtig ist mir, dass diese Menschen aus
dem Blickfeld verschwinden“.
Vertreter:innen des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. dagegen plädieren für den Weg
der Toleranz und des Verständnisses. Nur ein interessensübergreifender Kompromiss
kann dieses Thema befrieden, so der Tenor der Vertreter:innen.
Nur wenige Tage später ist der Kompromiss Realität. In einer verborgenen Ecke des
Nordrings findet die Drogenszene nun ihren Treffpunkt. Dieser Treffpunkt hat sich etabliert.
Die Stadt Hamm hat damit bewiesen, dass auf dem Weg eines gesellschaftlichen
Konsens alle Betroffenen mitgenommen werden.
2002
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Fachtagung Frau und Sucht mit dem Caritasverband Hamm e.V.
Am 18.09.2002 veranstalten die Suchtberatungsstelle des Caritasverband e.V. für die
Stadt Hamm e.V. und das Drogenhilfezentrum des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. eine
gemeinsame Fachtagung zum Thema „Frau und Sucht“ für rund 80 Fachfrauen im Gemeindezentrum
Liebfrauen in Hamm.
Nicht nur zu dieser Zeiten waren Angebote für Frauen in den Konzepten beider Einrichtungen
integriert. Die Suchtberatung der Caritas hatte ein Jahr zuvor eine halbe
Stelle für die frauenspezifische Arbeit geschaffen. Im Drogenhilfezentrum gehört diese
– ebenso wie mädchenspezifische Präventionsangebote – zum festen Bestandteil der
Arbeit. Die Sensibilisierung für die spezielle Problematik suchtmittelabhängiger Frauen
war beiden Träger ein wichtiges Anliegen.
2002
74
Mit der Fachtagung sollte professionelles Verständnis für suchtmittelabhängige
Frauen geweckt werden, um diesen adäquat begegnen zu können.
Zudem sollte das Hilfesystem für Frauen in Hamm analysiert und optimiert
werden, um dauerhafte Kooperationen zu initiieren.
2002
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AKJ e.V. goes online
2002 geht der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. mit seinem ersten professionellen Internetauftritt
online. Die Firma Dimento hatte auf der Basis der corporate identity (ci) der
von der Grafikerin Eva Gora entworfenen Broschüren einen Entwurf für das neue Layout
und die Struktur der Website vorgelegt. Eine monatelange Foto- und Textauswahl
schlossen sich an.
Bereits 1999 war Christian Gräbel dafür verantwortlich, das die damalige Drogenberatungsstelle
erstmals eine eigene Internetpräsenz aufgebaut hat. Mit der neuen Webseite
waren ab 2002 bislang analoge Angebote aller Abteilungen digital verfügbar. Die
Einrichtungen mit ihren Teams und Angeboten konnten sich im WWW vorstellen. Sehr
schnell gewann dieses Medium für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und unzählige
Projekte an extremer Bedeutung.
So richtete sich z.B. das Projekt CoYote – die jugendberatung - jung.wach.interaktiv als
Peer-Onlineberatung zum Thema Medienabhängigkeit an Jugendliche. Acht engagierte
junge Menschen im Alter von 18 – 24 Jahren waren auf der Plattform
www.jugend-sucht-antworten.de Ansprechpartner:in für gleichaltrige Ratsuchende.
Begleitend zu dem Beratungsangebot haben die Peers in sozialen
Netzwerken informiert, Tipps gegeben und auf aktuelle Themen und
Veranstaltungen hingewiesen. So konnten etwa am Safer Internet Day auch
Eltern die Onlineberatung www.jugend-sucht-antworten.de nutzen. Auch
Interface Extended nutzte natürlich die Möglichkeiten einer digitalen Präsenz
wie zum Beispiel www.interface-nrw.de.
2002
76
Ab 2011 war das Unternehmen auch auf einigen Social Media Plattformen wie etwa
Facebook aktiv. Neben dem Träger platzierten sich auch Einrichtungen und Dienste,
auch diverse Projekte stellten sich mit einer Präsenz dar. Auch Instagram wird genutzt.
Mittlerweile wurde die Webseite einem dreimaligen Relaunch 2013, 2015 und bislang
zuletzt 2020 unterzogen. Mit dem letzten Relaunch ging die Wartung der Webseite
erstmal an einen externen Dienstleister, der nicht nur Performance, sondern viel gravierender
auch den Traffic erhöhen konnte.
Der kontinuierliche Ausbau der digitalen Angebote zahlte sich nicht zuletzt ab 2020
im Zuge der Corona-Pandemie aus. Über die verschiedenen Kanäle konnten Kontakte
aufrecht erhalten und Informationen geteilt werden.
2002
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Mitinitiator Kommunale Suchthilfeplanung, Erstellung Suchtbericht
Auf Initiative des Facharbeitskreises Sucht wurde im Jahr 2003
beschlossen, den 1. Suchtbericht für die Stadt zu erarbeiten.
2005 erschien der Bericht und bildete erstmals systematisch
Strukturen, Beteiligte und Leistung der Suchthilfe in Hamm
ab. Gleichzeitig gab der Bericht Empfehlungen für die Weiterentwicklung
der Suchthilfe in Planung und Ausgestaltung für
die kommenden Jahre. Für den Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. arbeiteten folgende Kolleg:innen an der Erstellung in den
jeweiligen Arbeitsgruppen mit:
1. Lenkungsgruppe „Suchthilfeplanung“- Rainer Bathen (ehem. Geschäftsführung AkJ e.V.,
Mitarbeiter 1980 – 2019)
2. Arbeitskreis „Stationäre Versorgung“ - Christian Gräbel (Drogenhilfezentrum, Mitarbeiter seit 1994)
Karl Weber (ehem. Fachklinik Release-Entwöhnung
Mitarbeiter 1998 - 2006)
Simone Hartmann (ehem. KESH; Mitarbeiterin 1992 - 2014)
Monika Buschkamp (ehem. Fachklinik Release – Adaption,
Mitarbeiterin 1976 - 2009)
3. Arbeitskreis „Jugend und Sucht“ – Ronald Meyer (ehem. Jugend(Sucht)Beratung,
Mitarbeiter 1993 – 2009)
4. Arbeitskreis „Substitution“- Ulla Püthe (ehem. Drogenhilfezentrum,
Mitarbeiterin 1989 - 2020)
5. Arbeitskreis „Wirkungscontrolling“ - Rainer Bathen
2003
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Im Jahr 2010 erschien mit dem 2. Suchtbericht die erste Fortschreibung. Initiiert wurde
der 2. Suchtbericht 2008 von der Lenkunggruppe „Kommunale Suchthilfe“. Erneut waren
Mitarbeitende des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. maßgeblich an der Erstellung
beteiligt. Mit dabei waren:
Planungsgruppe Suchtbericht 2010 - Rainer Bathen
Dorothee Behler-Brodd (ehem. Jugend(Sucht)Beratung,
Mitarbeiterin 1991 - 2020)
AG „Jugend und Sucht“ -
Dorothee Behler-Brodd
AG „Migration und Sucht“ Ewald Wehner (Drogenhilfezentrum, Mitarbeiter seit 1991)
AG „Sucht und Öffentlichkeit“ Dorothee Behler-Brodd
AG „Arbeitsstrukturen“
Ewald Wehner
AG „Finanzierung“
Rainer Bathen
Quellen: 1. Suchtbericht, Stadt Hamm 2005
2. Suchtbericht, Stadt Hamm 2010
Die Arbeitsstruktur der Lenkungsgruppe Kommunale Suchthilfe Hamm wird 2016 reformiert
und Rainer Bathen wird in den Sprecherkreis berufen. 2019 folgt ihm Denis
Schinner in den Sprecherkreis nach.
2003
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Start MOVE - MOtivierende KurzinterVEntion
Lange Zeit bestand für die Gruppe der riskant drogenkonsumierenden Jugendlichen
eine Versorgungslücke. Die Gruppe wurde weder durch klassische Präventions- noch
(Drogen) Beratungsangebote wirksam erreicht. Kontakt zum Hilfesystem entstand oft
erst in einer späteren und verfestigten Phase des Konsums. Chancen der Früherkennung
und Frühintervention wurden (noch) nicht genutzt.
Gleichzeitig verfügten Mitarbeiter:innen in den diversen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe
über intensive Alltagskontakte zu (konsumierenden) Jugendlichen, fühlten sich aber
nicht ausreichend qualifiziert und vorbereitet auf Gespräche zum Konsumverhalten.
Um eine lebensweltnahe, konsumorientierte Beratungsform für Jugendliche zur Verfügung
zu stellen, erschien es sinnvoll diese Kontaktpersonen fort- oder weiterzubilden.
Der internationale Forschungsstand belegte, dass sich das Beratungskonzept der Motivierenden
Gesprächsführung besonders dazu eignet, die Motivation zur kritischen
Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum zu fördern und ggfs. auch die Inanspruchnahme
weiterführender Hilfen zu erleichtern. Eine Qualifizierung von Kontaktpersonen
bot dazu auch den Vorteil eine größere Zahl von Jugendlichen frühzeitig/er
zu erreichen.
2003
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Auf Initiative der Ginko Stiftung entwickelte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe auf der
Grundlage der Motivierenden Gesprächsführung ein neues niedrigschwelliges Interventionskonzept:
MOtivierende KurzinterVEntion bei konsumierenden Jugendlichen.
Das Angebot zielte auf die Förderung und Unterstützung der Veränderungsbereitschaft
junger Menschen mit problematischem Suchtmittelkonsum. Das Projekt wurde vom
damaligen Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie (MGSFF) NRW gefördert
und von der Universität Bielefeld wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Landes-
wie bundesweit und inzwischen auch international bietet ein Trainernetzwerk in
der jeweiligen Region diese Fortbildung an (www.ginko-stiftung.de).
Die Fachstelle für Suchtvorbeugung und das Jugendamt Hamm arbeiteten zu dieser
Zeit in verschiedenen (Präventions-) Projekten erfolgreich zusammen. Das Thema
Schnittstellen/Management und Kooperation Jugendhilfe und Sucht- und Drogenhilfe
war ebenso schon lange ein zentrales Thema zwischen dem Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. und dem Jugendamt.
Dorothee Behler-Brodd als Mitarbeiterin der Fachstelle für Suchtvorbeugung
beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. qualifizierte sich Anfang 2003
gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Jugendamtes als Trainer-Tandem.
Im gleichen Jahr fand die erste gemeinsame Fortbildung statt. In den
Jahren 2006 bis 2008 wurde das Konzept für Kontaktpersonen in der Zusammenarbeit
mit Eltern im Bereich Kita/Familienzentrum und Schule erweitert.
2003
81
Elternberatung, Begleitung in schwierigen Erziehungssituationen, die Vermittlung
in ein breites Spektrum vorhandener Hilfen, Schaffen einer gelungenen Erziehungspartnerschaft
kennzeichneten die wachsenden Herausforderungen für Erzieher:innen
ebenso wie Lehrer:innen und Schulsozialarbeiter:innen.
Dem gegenüber standen eine nicht als ausreichend empfundene Vorbereitung in der
Ausbildung und oft wenig fachliche und zeitliche Ressourcen im Alltag.
Der Hypothese folgend, dass ein Fortbildungsangebot in Motivierender Kurzintervention
im Elterngespräch die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule bzw. Kita
verbessern könnte, wurde das Konzept und die Fortbildungsmodule entsprechend
angepasst und erneut durch die Universität Bielefeld wissenschaftlich begleitet und
evaluiert.
Seit 2008 werden Fortbildungen in Motivierender Kurzintervention im Elterngespräch
sowohl im Bereich Kita als auch Schule, ebenso für die Zielgruppe der Bildungsbegleiter:innen
oder auch der Willkommens-Besucher:innen angeboten.
In den letzten Jahren wurde das Konzept erneut erweitert, u.a. „Motivierende
Kurzintervention bei exzessivem Gebrauch neuer Medien“ oder
auch „Move am Arbeitsplatz“. Heute übernehmen Annette Riedesel, Birgit
Süsselbeck (Mitarbeiterinnen seit 1995) und David Szymura (Mitarbeiter
seit 2017) die Trainertätigkeiten.
2003
82
2003
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Jugend(Sucht)Beratung und Elternschule Hamm:
Das passt gut zusammen!
Ein Grußwort von Matthias Bartscher
für die Elternschule Hamm e.V.
Die Elternschule Hamm e.V. gratuliert herzlich zum 50.
Geburtstag! Anbei eine Torte, die es schon mal zu einem
Geburtstag der Elternschule 2004 gab.
Für die Elternschule Hamm war der Arbeitskreis für
Jugendhilfe e.V. (AKJ e.V.) vor allem Dorothee Behler-
Brodd. Sie war seit Mitte der 2000er Jahre in der Projektgruppe, hat Aufbauarbeit und
Entwicklungsarbeit geleistet, war bei der Formulierung des Hammer Erziehungskonsenses
dabei. Nach der Vereinsgründung im Jahre 2008 – der AKJ e.V. war Gründungsmitglied
- hat der AKJ e.V. durch sie eine Reihe von Jahren den Vorstand mitgetragen.
Unser gemeinsames Anliegen war und ist die Prävention. Was können wir tun, dass
Kinder und Jugendliche gut aufwachsen und Krisen bewältigen können, ohne dass es
zu gravierenden Problemen kommt?
2003
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Die Jugend(Sucht)Beratung - das können wir aus vielen Gesprächen mit Eltern bestätigen
– war und ist immer eine gute Anlaufstelle, wenn Eltern Alkohol und Drogen im
Zimmer ihres Kindes gefunden haben und in Panik geraten sind. Oder wenn sie ihr Kind
in der Klinik aus dem Vollrausch abholen mussten. Entdramatisierung, „Ernüchterung“
im besten Sinn und praxisorientierte Beratung ist allen, die uns berichtet haben, eine
große Hilfe gewesen.
Nicht zuletzt sollte man erwähnen, wie weitsichtig es war, dass die Jugend(Sucht)Beratung
sich schon früh dem Thema der Digitalisierung und den damit verbundenen
Suchtformen zugewandt hat. Wir konnten erst selbst von den Fachteamern lernen und
das Gelernte dann selbst Eltern weitergeben oder sie überweisen.
Also die besten Wünsche für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und auf viele weitere
gute Jahre der Zusammenarbeit!
2003
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Staatliche Anerkennung als Verbraucherinsolvenzberatungsstelle
Die Schuldenproblematik ist ein allgegenwärtiges Thema in der sozialen Arbeit. Menschen
mit einer chronischen Suchterkrankung haben in aller Regelmäßigkeit auch
eine krankheitsbedingte Schuldenproblematik. Mittlerweile ist die Verursachung einer
Überschuldung eindeutig erforscht. Neben einschneidenden Lebenserlebnissen wie
Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung gehören Krankheiten zu den häufigsten Ursachen.
Gleichzeitig ist es nachweislich belegt, dass Schulden krank machen. Suchthilfe
hat hier eine besondere Problematik zu berücksichtigen, um Gesundungsprozesse zu
erfolgreich zu befördern.
Schon in den 90er Jahren wurde die Schuldenproblematik der Besucher:innen aufgegriffen
und zunächst noch in der Einzelfallarbeit angegangen. Ulla Püthe (Mitarbeiterin
1989 – 2020) wurde als erste Mitarbeiterin im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. für eine
berufsbegleitende Schuldnerberatungsausbildung freigestellt, um auf die zunehmenden
Anfragen eine professionelle Antwort geben zu können.
Parallel wurde durch die Drogenberatungsstelle eine Kooperationsvereinbarung mit
der Schuldnerberatungsstelle des Katholischen Sozialdienstes Hamm (KSD) getroffen.
Zu vereinbarten Zeiten gab der ehemalige Leiter der Schuldnerberatungsstelle,
Thomas Dietze, eine Sprechstunde in den Räumlichkeiten der Drogenberatungsstelle.
Diese Sprechstunde wurde im Laufe der Zeit aufgrund
fehlender Nachfrage wieder eingestellt.
2003
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1998 wurde auch Josch Krause für eine berufsbegleitende Ausbildung freigestellt, die
er im Jahr 2000 erfolgreich beenden konnte. Durch diese Investition konnte zunächst
im Kontaktladen und dann in dem später neu gegründeten Drogenhilfezentrum ein
eigenes Beratungsangebot geschaffen werden.
In den stationären Einrichtungen des Vereins und der
Tochtergesellschaft Netzwerk Suchthilfe gGmbH wurden
ebenfalls Mitarbeiter:innen mit der Professionalisierung
des Angebotes betraut. In der Fachklinik Release - Entwöhnung
wird diese Problematik von Andreas Specht
(Mitarbeiter seit 2002), in der Adaption von 1997 bis 2010 über Denis Schinner (3-jährige
Schuldnerberatungsausbildung innerhalb des Studiums der Sozialen Arbeit) und
Nicole De Vries (Mitarbeiterin 2002 – 2014) und im KESH durch Gaby Amedinck (Mitarbeiterin
seit 1999) geleistet. Auch Gaby Amedinck durchlief mehrere Fortbildungen
zu diesem Themenkomplex.
Im Jahr 2000 wurde vereinsübergreifend ein Qualitätszirkel Schuldnerberatung eingeführt,
um einen gemeinsamen Beratungsstandard zu erarbeiten und
fortlaufende Beratungsübergänge zu schaffen.
2003
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Die Entschuldungen wurden zumeist in Kooperation mit der in Hamm ansässigen
bundesweit tätigen Marianne von Weizsäcker Stiftung - Integrationshilfe für ehemals
Suchtkranke e.V. realisiert. Die Stiftung bietet einzigartig in Deutschland überschuldeten
Menschen ein Entschuldungsdarlehen an. Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren
können dann die Schulden auf diesen Darlehensbetrag minimiert
liegen. Die Vergleiche liegen durschnittlich bei 18% der Schuldensumme. Durch vorher
überprüfte Haushaltspläne wird die Rückzahlungsmodalität (Höhe der Raten) vereinbart.
Aufgrund der anerkannten Fachausbildungen und der nachweislichen Tätigkeit in
der Schuldnerberatung konnte dem Drogenhilfezentrum auf Antrag im Jahr 2003 die
staatliche Anerkennung zur Verbraucherinsolvenzberatungsstelle vom Regierungspräsidium
Düsseldorf erteilt werden. Damit konnte die beraterische Hilfe erheblich
erweitert werden und nun auch private Insolvenzverfahren mit Ratsuchenden der Beratungsstelle
beantragt und begleitet werden.
2003
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Die am 01.01.1999 in Deutschland eingeführte Insolvenzordnung (InsO) veränderte die
komplette Schuldnerberatungslandschaft. Zunehmend wurde die Schuldnerberatung
auf das Insolvenzverfahren eingeengt, sozialberaterische Hilfen werden eingeschränkt.
Das Insolvenzverfahren bietet ein geordnetes Verfahren mit Vollstreckungsschutz, hat
aber den Nachteil, dass es sehr lange dauert. In der Regel können bei zunächst unüberschaubaren
Schuldverhältnissen 1 Jahr Vorbereitungszeit, 6 Jahre Verfahrensdauer bis
zur Restschulderteilung und dann im Fall von weiter bestehender Zahlungsunfähigkeit
weitere 4 Jahre Stundungszeit der Verfahrenskosten veranschlagt werden, also bis zu
11 Jahre bis zur letztendlichen Entschuldung. Dieses ist nicht nur für Suchtkranke ein
unüberschaubarer Zeitraum, sondern für jede:n Bürger:in unseres Landes. Diese Bewertung
wurde auch von der Europäischen Union (EU) geteilt, so dass Deutschland
eine Insolvenzreform zur vereinfachten Verkürzung des Verfahren einführen musste.
2003
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Diese wurde gegen alle Einwände und Anregungen der Schuldnerberaterseite
eingeführt und das erwartete Scheitern dieser
Reform wurde im Jahr 2019 auf Grundlage der wissenschaftlichen
Begleitforschung resigniert zugegeben. Daraufhin hat die
EU eine Richtlinie verfasst, der Deutschland nun zu folgen hat
und muss nun bis Ende 2021 eine Verkürzung des Verfahrens auf
3 Jahre, wie es europäischer Standard ist, umsetzen. Es ist von
einer Umsetzung bis Ende 2020 / Anfang 2021 auszugehen. Eine
vorschnell verkündete Umsetzung zum 01.10.2020 ist bereits
gescheitert.
Die Insolvenzordnung bietet auch im außergerichtlichen Vergleich geordnete Möglichkeiten,
um einen Vergleich gegebenenfalls schriftlich umzusetzen. Hierzu muss
die Mehrheit der Gläubiger zustimmen und es kann anschließend eine richterliche
Zustimmungsersetzung durchgesetzt werden. Diese Möglichkeit konnte vielfach genutzt
werden, um Entschuldungspläne mit Unterstützung der Marianne von Weizsäcker
Stiftung erfolgreich zu realisieren. Diesbezüglich hat sich das Drogenhilfezentrum
sehr qualifiziert und beim zuständigen Insolvenzgericht in Dortmund
Präzedenzfälle geschaffen, nach der die ablehnenden Gläubiger auch
an den Verfahrenskosten beteiligt werden.
2003
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Diese Vorarbeit erfolgte durch die Schuldnerberatungsstelle der Suchtberatung der
Caritas in Rüsselsheim. Hier zeigt sich vielleicht durch die praktische Notwendigkeit
die besondere Qualität von integrativer Schuldnerberatung. Es müssen aufgrund der
Suchterkrankung besondere individuelle und schnelle Sanierungen kreiert werden.
Im Jahr 2005 wurde mit dem Kommunalen Jobcenter der Stadt Hamm eine Kooperation
zur Betreuung von Menschen mit den Vermittlungshemmnissen Sucht und Schulden
gemäß §16 Abs. 2 SGB II vereinbart und im Jahr 2013 startete die Schuldnerberatung
im Auftrag des Kommunalen Jobcenters der Stadt Hamm. Schuldnerberaterisch
werden die vom Jobcenter zugewiesenen Personen von Ewald Wehner (Mitarbeiter
seit 1991) betreut, der ebenfalls berufsbegleitend eine Ausbildung zum Schuldnerberater
erfolgreich abschließen konnte und gemeinsam mit Josch Krause das Hilfeangebot
der Schuldnerberatung federführend leitet.
Im jährlichen Rhythmus veranstaltet das Drogenhilfezentrum Schuldnerberatungstage
zu aktuellen Themen unter Einladung verschiedener Gäste (Gerichtsvollzieher:innen,
Insolvenzverwalter:innen, Mitarbeiter:innen der Marianne von Weizsäcker Stiftung
etc.).
2003
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Mit Unterstützung des Drogenhilfezentrums unter Beteiligung mehrerer Ratsuchenden
der Schuldnerberatung konnte die Stiftung verschiedene Broschüren auflegen
und erfolgreiche Fälle darstellen.
Im Jahr 2008 wurde ein Kooperationsvertrag mit der Marianne von Weizsäcker Stiftung
geschlossen. Diese sehr natürlich gewachsene und höchst vertrauensvolle Zusammenarbeit
wird seit vielen Jahren geführt. Vereinbart wurden gemeinsame Veranstaltungen:
Beratungstage im Drogenhilfezentrum mit direktem Zugang zu den Berater/-innen der
Stiftung werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Ungezählt sind mittlerweile
auch die durch die Stiftung geförderten Einzelfallhilfen: Finanzierung von beruflichen
Hilfsmitteln, Brillen, Fahrräder, Hilfen für Familien mit Kindern, Reittherapien, Musikinstrumente,
Unterstützung von Weihnachtsfeiern, Trikots und Fußballschuhe der Fußballmannschaft
des Drogenhilfezentrums. Gemeinsame Fortbildungen für die Landesarbeitsgemeinschaft
Schuldnerberatung NRW und die Koordinationsstelle Sucht des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wurden von Rita Hornung, Geschäftsführerin
der Stiftung, und Josch Krause wiederholt entworfen
und erfolgreich für Mitarbeitende der Suchthilfe abgehalten.
Josch Krause wurde von
der Stiftung in die Zukunftswerkstatt
der Stiftung berufen, um die langfristige
Arbeit der Stiftung zu entwickeln
und zu sichern.
2003
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Zum 30-jährigen Jubiläum der Marianne von Weizsäcker Stiftung im Jahr 2019 konnte
das Drogenhilfezentrum / Josch Krause das Angebot der Schuldnerberatung in einem
ausführlichen Fachartikel in der von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung
(BAG-SB) herausgegebenen „BAG-Information – Fachzeitschrift für Schuldnerberatung“
veröffentlichen. Denis Schinner ist seit 2020 über einen Sitz der Deutschen Hauptstelle
für Suchtfragen (DHS) im Vorstand der Marianne von Weizäcker Stiftung aktiv.
Im Jahr 2018 wurde Josch Krause auf Hinweis von Rita Hornung von der Marianne von
Weizsäcker Stiftung zu einer großen Sitzung zur Neuauflage der sogenannten Stephan-
Kommission nach Berlin eingeladen. Das Drogenhilfezentrum hatte gemeinsam mit der
Berliner Schuldnerberatungsstelle DILAB e.V. an einem Pilotprojekt zur Nutzung der Formulare
der Stephan-Kommission teilgenommen. Die Kommission, die unter Leitung des
Insolvenzrechtlers Guido Stephan auch den Namen erhalten hat, wurde zur Einführung
der Insolvenzordnung einberufen, um die außergerichtliche Einigung zu stärken. „Wir
sprechen uns für eine Stärkung von (außer-)gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren
aus, die nach ihrer Ausgestaltung nicht zu einer zusätzlichen Belastung der Gerichte
führen dürfen.
2003
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Die beteiligten Verbände sind bereit, über Standards für das Schuldenbereinigungsverfahren
zu verhandeln.” (Stephan-Kommission.de)
Der Kommission gehören Vertreter:innen der Gläubiger- und der Schuldnerberatungsverbände
an. Zitat Josch Krause auf der Internetseite der Kommission: „Ich engagiere
mich in der Stephan-Kommission, weil das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren
ein wesentlicher Baustein für die Entschuldung von Menschen mit Suchterkrankungen
ist und sein muss. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen bieten sehr
lange Beratungsprozesse, wie das private Insolvenzverfahren, keine reale Perspektive
zur Lösung der Probleme. Die Recherche oftmals unüberschaubarer Verschuldungsverhältnisse,
Antragstellung, Wohlverhaltensperiode und Stundung der Verfahrenskosten
beanspruchen teilweise Zeiträume von über 10 Jahren und bedeuten eine Überforderung
erheblich problembelasteter Menschen. Bereits unsere ersten Erfahrungen mit der
Nutzung der von der Stephan- Kommission konzipierten Standard-Formulare versprechen
eine Erhöhung der Erfolgsquoten im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren“.
2003
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Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren reicht das Drogenhilfezentrum
die von der Stephan-Kommission entwickelten Standardformulare ein, um eine möglichst
hohe Erfolgsquote zu erreichen. Die Gläubiger:innenseite hat verschiedentlich erklärt,
dass derart gestaltete Bereinigungspläne wohlwollend geprüft werden, da sie eine
vereinfachte Prüfung ermöglichen.
Seit 2018 ist Josch Krause freiberuflich als Lehrbeauftragter bei der SRH Hochschule in
Hamm tätig und leitet ein Seminar zur Einführung in die Schuldnerberatung.
Der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ist Mitglied in den Fachverbänden Bundesarbeitsgemeinschaft
Schuldnerberatung e.V. und Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung
NRW e.V. Auf lokaler Ebene vertreten Ewald Wehner und Josch Krause den Arbeitskreis
für Jugendhilfe e.V. im Arbeitskreis der Schuldnerberatungsstellen.
2003
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Gründung Arbeitsfeld Ambulant Betreutes Wohnen (BeWo)
Ambulant
Betreutes Wohnen
An zunächst drei Standorten werden Angebote des
Ambulant Betreuten Wohnen auf Grundlage § 53/54
SGB XII eingerichtet. In der Drogenberatungsstelle (damals
noch in der Widumstrasse in Hamm), im KESH und
in der Adaptionseinrichtung wurde erhebliche Aufbauarbeit
geleistet, um die ersten Klient:innen in ihren
eigenen Wohnungen betreuen zu können.
2.0 - Okt. 2019
Friedberg/ Fotolia.de
Unterstützung in der
eigenen Wohnung
Mitarbeiter:innen der ersten Stunde waren Anke Alfert,
Kristian Kayser, Claudia Lay und Jörg Benscheidt.
2006 wird eine „Zweigstelle des Ambulant Betreuten
Wohnen“ in Münster mit zwei Mitarbeitenden eröffnet.
2009 wird die Arbeit in Münster eingestellt. Mittlerweile
waren viele Anbieter:innen vor Ort aktiv und die erforderliche
Auslastung zur Refinanzierung des Angebotes
war von Hamm aus nicht zu erreichen.
2011 begann der Ausbau des um teilstationäre tagesstrukturierende
ergänzten Arbeits- und Beschäftigungsprojekte
(LT24).
2003
Die erste trägereigene Wohnung für BeWo-Klientel
wurde 2012 angemietet.
96
2014 erfolgte die formale Zusammenführung der einzelnen Angebote an den verschiedenen
Standorten zu einer Abteilung Ambulant Betreutes Wohnen mit Sitz im Drogenhilfezentrum
in der Brüderstraße in Hamm.
2017 wurde die Abteilung um ein Angebot für junge Volljährige nach SGB VIII über die
Jugend(Sucht)Beratung erweitert.
Und im Jahr 2019 startete das Ambulant Betreute Wohnen (BeWo) nach §67 SGB XII.
Heute ist das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnen ein unverrückbarer Bestandteil
des Angebotsspektrums in der Netzwerk Suchthilfe gGmbH. Sechs Mitarbeitende
stellen die Betreuung von über 100 Klienten:innen an vier Standorten sicher.
2003
97
Projekt HaLT – Hart am Limit
2004 - 2008: Hamm startete als einer von 11 Standorten
in neun Bundesländern mit dem Bundesmodellprojekt
„HaLT – Hart am Limit“. Zu Beginn ist
Hamm der einzige Haltstandort in NRW.
Das Präventionsprogramm verfolgt zwei Zielsetzungen:
zum einen soll riskantem Alkoholkonsum
von Kindern und Jugendlichen früh präventiv begegnet
werden (reaktiver Teil), zum anderen wird
ein breiter Ansatz verfolgt, um auf kommunaler
Ebene den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol bei Jugendlichen und bei
Erwachsenen zu fördern (proaktiver Teil).
Über den reaktiven Projektteil entwickelte sich eine enge Kooperation mit dem Evangelischen
Krankenhaus Hamm (EVK), der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Hamm.
Die Jugend(Sucht)Beratung erreicht so Kinder und Jugendliche mit riskanten Alkohol-
Konsummustern, insbesondere im Zusammenhang mit schwerer Alkoholintoxikation,
frühzeitig und bietet ihnen die Möglichkeit zur Reflektion ihres Konsumverhaltens
(Brückengespräche) und bei Bedarf auch die Weiterleitung an weiterführende Hilfen.
2004
98
Über den proaktiven Projektteil wurden viele öffentlich wirksame Veranstaltungen initiiert
(Probekäufe zur Überprüfung der konsequenten Umsetzung des Jugendschutzgesetzes,
Veranstaltungen mit lokalen Akteuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen,
wie Schule, Polizei, Vereine…).
Nach Ende der Projektlaufzeit wurde die erfolgreiche Kooperationsbeziehung mit dem
EVK weitergeführt und es fanden seitdem zahlreiche Brücken- und Elterngespräche sowie
Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte durch Mitarbeitende der Jugend(Sucht)Beratung
statt.
Ab 2014 eröffnete sich die Möglichkeit der (Re)-Finanzierung von Brückengesprächen mit
Jugendlichen und Eltern sowie eines Risikochecks über die Krankenversicherungen.
Hierfür zertifizieren sich Mitarbeitende der Jugend(Sucht)Beratung.
Ab 01.07.2019 gab es dann erstmalig die Förderung der HaLT-reaktiv-Maßnahmen in
NRW mit Mitteln der BZgA, weitergeleitet durch die ginko Stiftung für Prävention.
2004
Jetzt können Brücken-, Elterngespräche, Risikochecks sowie Fortbildungen
über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
abgerechnet werden. Erstmalig besteht die Möglichkeit das bestehende
Angebot etwas auszubauen und konzeptionell neue Kooperationspartner
und Zielgruppen zu gewinnen. So können nun auch volljährige
Klient:innen nach einer Alkoholintoxikation im Rahmen des Projektes
beraten werden.
99
Ab 2020 konnte das Projekt ausgebaut werden. Birgitt Süsselbeck (Mitarbeiterin seit
1995) und Lea Debusmann (Mitarbeiterin 2020-2021) sind in diesem Projekt aktiv.
2004
100
Verbundberatung
Im Jahre 2005 machten sich die vier Träger, der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Hamm, der Drogenberatung Bielefeld e.V., der nado e.V. Dortmund und die Fachklinik
Ostberge GmbH gemeinsam auf den Weg, um auszuloten, welche Chancen und Ressourcen
in einem gemeinsamen, größeren regionalen Verbund bestehen.
Begleitet wurde dieser Prozess bis 2007 von der Organisationsberatungsfirma Move
in Münster. Stephanie Frenzer von Move hatte entsprechende Fördermittel beantragt,
sodass diese Verbundberatung über einen Zeitraum von 2005 bis 2007 begleitet werden
konnte.
Alle Träger hatten gemeinsam, dass sie stationäre medizinische Rehabilitation Sucht
in ihrem Angebot hatten. Traditionell waren es Angebote für eher jüngere Drogenabhängige.
Der Arbeitskreis für Jugendhilfe und die Drogenberatung Bielefeld hatten darüber
hinaus ein gut ausgebautes Beratungsangebot und vielfältige niedrigschwellige Angebote.
In den Jahren vorher entstand für alle Beteiligten der Eindruck, dass die
Leistungsträger größere Klinikangebote bevorzugen bzw. favorisieren
würden. Einig waren sich alle darin, dass in den von ihnen vorgehaltenen,
eher kleineren Rehabilitationsangeboten ein wichtiges und notwendiges
Potenzial liegt.
2005
101
Gerade die jungen Menschen mit ihrer frühen
und langjährigen Suchtmittelabhängigkeit
sowie biographischen Erfahrungen
wie Gewalt, sexueller Gewalt, Trennung und
Migration, benötigten kleinere und haltgebende
Rehabilitationseinrichtungen.
Es sollten weitere Brüche in der Behandlung
verhindert werden und man wollte
schauen, wie innerhalb des Verbundes Patientinnen
und Patienten aufgefangen und
sinnvoll weiterbehandelt werden könnten. Durch die sehr guten und differenzierten
Angebote der beteiligten Träger hatte man sich eine deutliche qualitative Verbesserung
in der Angebotsstruktur erhofft. Begleitetes Schnittstellenmanagement sollte die
Übergänge mit all ihren Risiken verbessern. Eher Verlegen als Entlassen war ein wesentliches
Ziel.
2005
„Noch heute bin ich von dieser konzeptionellen Idee überzeugt. Warum
es im Jahre 2007 am Ende nicht realisiert wurde, lässt sich mit dem Zeitabstand
nicht mehr objektiv darstellen. Am Ende würde ich es auf eine,
und das ist auch sehr selbstkritisch gemeint, einfache Formel bringen.
Alle beteiligten Geschäftsführer waren sehr starke Persönlichkeiten mit
einem hohen Autonomiebedürfnis, gerade als kleinerer Partner ist die
Angst vor Autonomieverlust dann vielleicht größer. Psychodynamisch ist
das nicht gut fokussiert gewesen.“ (Roland Helsper, nado e.V. Dortmund)
102
Start Projekt FreSko
Mit FreSko – Früherkennung und Frühintervention bei suchtmittelkonsumierenden
Jugendlichen – einer Weiterentwicklung des FreD-Projektes konnten bis 2007 Jugendliche
und junge Erwachsene (14 – 21 Jahre), die mit psychoaktiven Substanzen, meist
Cannabis, experimentieren oder bereits häufiger konsumieren und dabei auffällig geworden
sind - in der Regel ohne in ihrem Konsum bereits eine Abhängigkeit entwickelt
zu haben, beraten werden. Die Auffälligkeit kann in der Schule, bei der Polizei, im
Rahmen der Familienhilfe, bei Angeboten der Jugendhilfe oder auch am Ausbildungsbzw.
Arbeitsplatz erfolgt sein.
Das Projekt FreSko besteht in der Struktur aus zwei Bausteinen. Einem Erstgespräch
(Intake genannt) und der Durchführung eines Kurses im Umfang von 10 Stunden, der
sich in der Regel auf zwei Tage (Freitag & Samstag) verteilt.
2005
103
Das Projekt FreSko ist als Kurzintervention konzipiert. Das bedeutet, dass bei der Projektumsetzung
eine spezielle Methode genutzt wird, die zur Verbesserung der Änderungsbereitschaft
der Teilnehmer:innen im Rahmen einer zeitlich eng begrenzten Intervention
beiträgt. Insbesondere im Bereich der substanzbezogenen Störungen hat sich
hier das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing, Miller/Rollnick
1999 und 2005) als effektiv erwiesen. Daher findet diese Methode in der
Umsetzung sowohl der Erstgespräche (Intake) als auch während der Kursdurchführung
Verwendung. Die Gruppengröße eines Durchlaufs liegt bei ca. 6 bis 8 Teilnehmer:innen.
Anika Kliegel (Mitarbeiterin 2006 – 2009) und Frank Schulte-Derne (Mitarbeiter 2005 –
2013) zeichneten sich für dieses Projekt verantwortlich.
2005
104
Gründung Kompetenzzentrum „Jugend und Sucht” (gemeinsam
mit der LWL Klinik Heithofer Allee und dem Malteser-Auxilium)
Es erinnert ein wenig an die Gründungsjahre des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und
das „Hammer Modell“. So ganz von der Hand zu weisen ist es auch nicht, wenn insbesondere
die Jugend(Sucht)Beratung des AKJ e.V., die Suchtstation der LWL-Universitätsklinik
Hamm und die Nachsorgeeinrichtung Auxilium der Malteser Werke in Hamm
ein Kompetenzzentrum „Jugend und Sucht” gründen. Beratung – Behandlung – Nachsorge.
Das gab es schon mal und zeigt letztendlich nur, wie erfolgreich Netzwerke dieser
Art sind.
2005
105
Gründung Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH
Nach langer Vorüberlegung, unzähligen Beratungs- und Abstimmungssequenzen, beschloss
die Geschäftsleitung um Rainer Bathen und Rolf Buschkamp zusammen mit
dem Vorstand des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und Vorsitz von Prof. Dr. Jochen
Jungblut 2005 die Gründung der Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH und die
Ausgliederung der Fachklinik Release, der Adaption, der Wohngruppe KESH und des
Ambulant Betreuten Wohnens in die neue Gesellschaft. Im Verein verblieben die Drogenberatungsstelle
und die Hauptverwaltung.
Die neue Struktur sollte die Arbeit des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. zukunftssicher
und risikomildernd gestalten. Jedoch wurden zunächst doppelte Strukturen geschaffen.
Dem Verein standen nunmehr Rainer Bathen und Rolf Buschkamp als Vorstand vor.
Die Aufsicht übernahm ein neu geschaffenes Präsidium unter Vorsitz von Prof. Dr. Jungblut.
Die beiden Vorstände wurden mit der Gründung der gGmbH als Geschäftsführer
berufen. Ein Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Prof. Sabine Zech, der ehemaligen Bürgermeisterin
von Hamm, wurde gebildet.
Gleichzeitig war der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V., vertreten durch
die beiden Vorstände, der alleinige Gesellschafter der neuen gemeinnützigen
GmbH. Diese bildeten somit auch die Gesellschafterversammlung.
2005
106
2005
107
Gründung Jugend(Sucht)Beratung als neues Angebot für jugendliche
Konsumenten psychoaktiver Substanzen und ihre Bezugspersonen
Jugend(Sucht)Beratung oder auch Jugend sucht Beratung … Die Gründung der Jugend(Sucht)Beratung
war die Antwort des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. auf eine Versorgungslücke
zwischen der Prävention auf der einen Seite und den Angeboten der –
meist auf Erwachsene ausgerichteten – Beratung. Inzwischen haben weitere Städte und
Einrichtungen das 2006 weiterentwickelte Modell Jugendsuchtberatung und Fachstelle
für Suchtvorbeugung „unter einem Dach“ in NRW übernommen.
Die Angebote der Jugend(Sucht)Beratung waren und sind aktuell spezifisch auf die
Lebenslagen und Konsummuster von Jugendlichen ausgerichtet und ebenso auf die
Fragen und Themen von Eltern und weiteren (pädagogischen) Kontaktpersonen, die
häufig die ersten Ansprechpartner sind.
In den Jahren variieren die Themen, verändern sich, kommen wieder, unterliegen gesellschaftlichen
und politischen Trends und Veränderungen; ganz neue kommen dazu – immer
wieder eine Herausforderung, auf aktuelle Fragen und neue Themen auch Antworten
zu geben – ohne bestehende Angebote und Themen aus dem Auge zu verlieren.
So waren von Beginn an der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und die Jugend(Sucht)Beratung
immer auf der Suche nach Förderern, Stiftungen etc.
über die zusätzliche Projekte und Angebote ermöglicht werden konnten:
Die Aktion Mensch, der LWL / Kinder- und Jugendförderplan und das Bundesamt
für Migration waren Förderer dieser Projekte. Danke!
2005
108
2005
109
In den vergangenen Jahren ist es so immer gelungen, aktuelle Themen aufzugreifen und
innovative Projekte zu starten, sozusagen „Angebote am Puls der Zeit“. In einer Sitzung
eines Arbeitskreises kommentierte eine Teilnehmerin das sehr treffend „… und wenn
wir dann merken, dass z.B. auch das Thema digitale Medien auftaucht, dann hat die JSB
auch dafür schon ein Angebot entwickelt“. Möglich wird
dies zum einen durch eine hohe Aufgeschlossenheit
und Aufmerksamkeit neuen Themen gegenüber, die in
(fachlichen) Anfragen von Eltern und Kontaktpersonen
stecken und der AKJ e.V. andererseits in Hamm und NRW
gut vernetzt ist und damit Tendenzen und Strömungen
frühzeitig wahrgenommen werden können.
Dazu ist das Angebot zum Thema exzessiver Medienkonsum
ein gutes Beispiel. Über Anfragen von Eltern
und Lehrer:innen wurde 2010/11 deutlich, dass das Thema
exzessive Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen
zunehmend problematisiert wurde.
Über die Vernetzung mit weiteren Akteuren
wie Jugendamt, Polizei und Medienzentrum
wurde deutlich, dass einige Fachaspekte
schon „versorgt“ sind, das Thema
Beratung aber noch nicht.
2005
110
Kreativität und unser Engagement haben wie jede Medaille aber auch zwei Seiten: So
wurden in den letzten Jahren eine Menge zusätzlicher, wenn auch befristeter Stellen
geschaffen. Junge engagierte Kolleg:innen sind gekommen, manche konnten in einem
weiteren Projekt bleiben, andere haben sich neu orientieren müssen. Für die „Kernmannschaft“
heißt das: permanent offen sein für Neues und Neue, neue Teamkonstellationen,
neue Ideen, aber auch kein Stillstand und viel Möglichkeiten, sich kreativ einzubringen
und weiter zu entwickeln.
2005
111
10 Jahre Jubiläum - Stationäre Drogenhilfeeinrichtung „RELEASE”
Die Erfolgsgeschichte der Fachklinik Release, hervorgegangen aus einem 1996 sehr
richtungsweisenden Pilotprojekt, unterstützt durch die Deutsche Rentenversicherung,
namentlich genannt werden muss hier sicherlich Rolf-Bernd Lappe, geht mit einer Jubiläumstagung
in das zweite Jahrzehnt.
Auf dem Foto ist unter anderem Dr. med. (BIH) Selma Music – Hujic (2.v.l.) zu sehen.
Nach einem zweijährigen Engagement von 2005 - 2007 als leitende Ärztin, begleitet sie
nun die Fachklinik Release seit 2019 wiederum als ärztliche und therapeutische Leitung
durch das dritte Jahrzehnt ihres Bestehens.
2006
112
2006
113
Umzug des Drogenhilfezentrums samt Geschäftsstelle
zur Brüderstraße 39
In den Jahren 1998 und 1999 wurde der gesamte ambulante Bereich mit Beratungsstelle
und Kontaktladen auf den Prüfstand gestellt. Es sollte herausgefunden werden,
wie aktuell die Angebote sind und wo Defizite bestehen. Dazu wurden in einer großen
Aktion „Ambulanz 2000“ Klienten:innen, Leistungsträger:innen und Zuschussgeber:innen
sowie Kooperationspartner:innen befragt. Ein Ergebnis dieser Aktion war, dass die
Einrichtungen „Beratungsstelle“ und „Kontaktladen“ zu einem Drogenhilfezentrum zusammengelegt
werden sollten, um eine noch effektivere Betreuung der Klient:innen
gewährleisten zu können.
So zog der Kontaktladen 2003 zur Beratungsstelle in die Widumstraße, wobei zu diesem
Zeitpunkt schon klar war, dass das Haus langfristig nicht geeignet war, beide Einrichtungen
aufzunehmen. Es war vom Raumangebot zu klein und konnte vor allen Dingen
den Bedürfnissen an den niedrigschwelligen Bereich eines Drogenhilfezentrum
nicht gerecht werden.
2006
114
Im Jahr 2002 wurden Vertragsverhandlungen mit der Stadt Hamm aufgenommen, da
diese dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. mittlerweile ein Haus in zentraler Lage im
Innenstadtbereich zum Kauf angeboten hatte. Hier waren vormals das Liegenschaftsund
Versicherungsamt der Stadt untergebracht. Nach deren Umzug in einen Neubau
der Stadtverwaltung könnte das Drogenhilfezentrum samt Geschäftsstelle nach einer
Umbauphase dort einziehen.
Da die Stadt Hamm ihr Interesse an der langfristigen Fortführung und Ausweitung des
Drogenhilfezentrums bekundet hatte, konnte man sich nach längeren Verhandlungen
auf einen Kaufpreis verständigen.
Nun galt es Anträge zur Förderung des Kaufs und Umbaus der Brüderstraße und für
Zinszuschüsse für die aufzunehmenden Darlehen bei der Aktion Mensch zu stellen, da
es dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. nur mit Eigenmitteln nicht möglich sein würde,
dieses Projekt zu stemmen.
Auch ein Architekt hatte mittlerweile die Arbeit aufgenommen, um die Kosten dieser
umfangreichen Umbaumaßnahme zu ermitteln. Da es sich um ein dreistöckiges Gebäude
handelt, sollte natürlich auch die Barrierefreiheit gewährleistet sein und es wurde
an der Außenseite ein neuer Fahrstuhl eingeplant.
2006
Nach der Bewilligung durch die Aktion Mensch konnte am 01.02.2006
der Kaufvertrag mit der Stadt Hamm geschlossen und mit dem Umbau
nach eingehender Prüfung der Angebote der einzelnen Handwerksfirmen
begonnen werden.
115
Das Jahr 2006 war für die Geschäftsleitung geprägt von regelmäßigen Gesprächen mit
dem Architekten, um die Bauplanung sowie den Baufortschritt zu begleiten.
Es mussten arbeitssicherheitstechnische Aspekte, aber auch sicherheitstechnische im
Hinblick auf Gewaltprävention und Konfliktregelungen, beachtet werden.
Am 06. März 2007 wurde die offizielle Bescheinigung zur abschließenden Fertigstellung
der Nutzungsänderung des Umbaus erteilt.
Am 26. und 27. September 2006 wurde das Gebäude bezogen.
Dazu hatte die Geschäftsführung zuvor Hinweise zum Umzug herausgegeben, die
nicht bei allen Beteiligten auf positive Resonanz stießen. Während es der Geschäftsführung
wichtig war, Räumlichkeiten zu schaffen, die die Professionalität der Arbeit nicht
nur unterstreichen, sondern wo sie auch gelebt werden konnte, waren einige andere
traurig, dass das individuelle Flair und der gemütliche Charme des Drogenhilfezentrums
in ihren Augen verloren gingen. Somit sind einige urtümliche Gewächse
und ein Sammelsurium Getöpfertes einer Räumungsaktion zum
Opfer gefallen.
2006
116
Am 23.11.2007 ist das Haus in einer feierlichen Veranstaltung offiziell eingeweiht worden,
in dessen Rahmen das Haus den Namen „Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus“ erhalten
hat.
Bilder: Weihnachtsfeiern alt + neu
2006
117
Integration der Franziskusküche Hamm in das
Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus
Die Franziskusküche ist eine Sozialküche in den Räumen des AKJs an der Brüderstraße
39, die täglich mittags geöffnet hat und Anlaufpunkt für Menschen in der Stadt Hamm
ist, die es sich nicht leisten können, jeden Tag selbst für eine warme Mahlzeit zu sorgen.
Ihren Ursprung hat die Franziskusküche in einer „Aufwärmstube“, in der die Caritas-
Konferenz St. Agnes seit 1989 im heutigen Caritas-Beratungszentrum in der Franziskanerstraße
Wohnungslosen eine Anlaufstelle bot. An drei Tagen in der Woche konnten
sie sich dort treffen, Frühstück und warme Getränke zu sich nehmen, sich aufhalten
und reden. Nach fünf Jahren entwickelte sich die Aufwärmstube auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft
der Hammer Wohlfahrtverbände zur „Armenküche“, in der fortan
täglich ein warmes Mittagessen ausgegeben wurde. Dafür zogen die Akteure zunächst
in Räume des ehemaligen Caritasgebäudes an der Brüderstraße 33. Seitdem wird das
Essen in der Küche des Marienhospitals zubereitet und von dort in Wärmebehälter angeliefert.
Von Anfang an wurde die Ausgabe des Mittagessens von Ehrenamtlichen sichergestellt,
wofür sich zum Teil bis zu 40 Gruppen – vornehmlich aus katholischen
und evangelischen Kirchengemeinden – mit ca. 190 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen
engagieren.
2006
118
Besonders beeindruckend ist, dass sich auch an Feiertagen, wie Ostern oder Weihnachten,
Ehrenamtliche zum Einsatz bereit erklären und dadurch eine Ausgabe von bis zu
12.000 Portionen an 365 Tagen im Jahr gewährleisten.
2006 zog die Armenküche ins Nachbargebäude des AKJs, wodurch die Betreuung und
Unterstützung eines Teils der Gäste verbessert werden konnte. Die Hauptverantwortung
für die Organisation übernahm die Caritas, die das Konzept kontinuierlich weiterentwickelte.
Es wurde beispielsweise durch ein Café-Angebot erweitert, das einmal
in der Woche Raum für intensivere Gespräche mit Gästen bietet. Mit dem Projekt
„Cum Pane“ wurde eine organisatorische Brücke zur Einmalübernachtungsstelle an der
Dortmunder Straße geschlagen, um den Kontakt zu Obdachlosen zu verbessern. Eine
aktuelle Herausforderung stellt der Generationswechsel im Kreis der ehrenamtlichen
Mitarbeitenden dar, der dadurch gelingt, dass sich Mitarbeitende aus Hammer Unternehmen
für einen wöchentlichen Einsatz bereit erklären.
Die Bezeichnung „Armenküche“ geriet im Laufe der Jahre immer wieder
in die Kritik mit Hinweis auf die dadurch erfolgende Stigmatisierung der
Gäste. Zum 30-jährigen Bestehen wurde die Hammer Sozialküche 2014
in „Franziskusküche“ umbenannt. Damit trägt sie den Namen eines Heiligen,
der sich in besonderer Weise für Arme eingesetzt hat und stellt zugleich
eine historische Verbindung zum ehemaligen Franziskanerkloster
im Quartier her.
2006
119
Die Franziskusküche finanziert sich seit über 35 Jahren ausschließlich aus Spenden.
Die finanzielle Beteiligung der Gäste am Mittagessen ist eher eine symbolische Geste
und soll vermitteln, dass auch sie für die Kontinuität der Einrichtung Mitverantwortung
tragen. Aufgrund einer Vielzahl von zum Teil sehr treuen Spender:innen, die die Finanzierung
bislang in jedem Jahr sichergestellt haben, und der noch höheren Anzahl von
Ehrenamtlichen ist die Franziskusküche sicherlich eines der größten Solidaritätsprojekte
in Hamm, in dem Bürger:innen mithelfen wollen, dass niemand in Hamm am Rand
der Gesellschaft steht.
2006
120
Projekt ICQ der Jugend(Sucht)Beratung
In vielen Beratungsprozessen zeigte sich, dass Jugendliche, die sich bereits mit ihrem
eigenen Konsum auseinandergesetzt hatten, häufig sehr motiviert waren, ihren Freundeskreis
ebenfalls dahingehend zu motivieren, ihren Konsum zu reflektieren. Um dieser
Motivation zu begegnen, wurde mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse Hamm sowie
dem Landesjugendamt, eine weitere Projektidee für Jugendliche zwischen 13 und
18 Jahren entwickelt, die virtuelle ICQ-Homeparty.
ICQ, das als erster Internet-weiter Instant-Messaging-Dienst gilt, war damals insbesondere
bei Jugendlichen beliebt, da es die kostenlose Kommunikation untereinander förderte.
Die Projektlaufzeit war denkbar kurz: von September 2006 bis Dezember 2006, in insgesamt
16 Wochen erfolgte die Einarbeitung in die technischen Gegebenheiten, wurde
ein Zugang zur Plattform eingerichtet und es wurden Jugendliche über die örtliche
Presse, auf der Internetseite und in Einrichtungen der Jugendhilfe über das neue Beratungsangebot
informiert.
Auf Grund der positiven Ergebnisse in der als „Startphase“ zu bezeichnenden Zeit der
Maßnahme entschloss sich die Jugend(Sucht)Beratung das ICQ-Beratungs-Projekt über
das offizielle Laufzeitende hinaus im Rahmen von reduzierten Ressourcen fortzuführen.
2006
121
Zusammenführung Jugend(Sucht)Beratung und Fachstelle für Suchtvorbeugung
– räumliche Zusammenlegung und konzeptionelle
Verzahnung
Ein Jahr nach Gründung der Jugend(Sucht)Beratung in den Räumlichkeiten in der Nassauerstraße
ergänzt die, bis dahin noch im Drogenhilfezentrum ansässige Fachstelle
für Suchtvorbeugung, das nunmehr gemeinsame Angebot.
Die Zielgruppen beider Arbeitsfelder überschneiden sich und an vielen Stellen wird
deutlich, dass die enge Verzahnung von Prävention und Beratung deutliche Synergieeffekte
aufweist.
Um auch für die Kooperationspartner:innen noch sichtbarer zu werden und das eigene
Tun transparent zu machen, lädt die „neue“ Einrichtung Anfang 2007 zu einem 1. Werkstatt
-Tag ein.
Alle Angebote und Projekte werden von den jeweiligen Mitarbeitenden in den verschiedenen
Büros vorgestellt und schnell gibt es in der Einrichtung anregende und
fruchtbare Gespräche zu Inhalten, Konzepten, Haltung und Zugängen.
2006
122
2006
123
Sanierung der Fachklinik Release - Adaption
2006 wurde nach fast zweijähriger
Bauzeit unter der Leitung von
Monika Buschkamp (Mitarbeiterin
1976 - 2009) und Kai-Erik Escher
(Mitarbeiter 1992 – 2010) , die Fachklinik
Release – Adaption saniert
übergeben. Die Sanierung erfolgte
behutsam im laufenden Betrieb gemeinsam
mit externen Firmen, Mitarbeitenden
und Rehabilitanden.
Eine spannende Zusammenarbeit,
in der viele ganz neue Fähigkeiten
an sich entdeckt haben.
2006
124
Zusammen mit dem Jugendamt Hamm
Spätestens als 2007 der Vertrag zum Schutzauftrag nach § 8a, Abs.2, und § 72a Sozialgesetzbuch
VIII (SGB VIII) mit dem Jugendamt der Stadt Hamm geschlossen wird, erweitert
sich die Zusammenarbeit über die bisherigen Präventionsangebote hinaus. Kindeswohl
und -förderung und Frühe Hilfen werden durch den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
nun aktiv unterstützt. 2009 werden unternehmenseigene Leitsätze zur Umsetzung des
Zieles „Kindeswohl“ im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und in der Netzwerk Suchthilfe
gGmbH und die Einrichtung einer einrichtungsübergreifenden Arbeitsgruppe beschlossen.
Seit 2012 beteiligt sich der AKJ e.V. am NRW- und Stadt-Hamm-Netzwerk “Kein Kind
zurücklassen”. Ab 2014 ist der AKJ e.V. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft des Kinder- und
Jugendhilfeausschuss der Stadt Hamm gemäß 78 SGB VIII.
2007
125
Projekt p.e.p. – Peer Education Project – Ausbildung und Einsatz
junger Peers als Moderatoren in der Jugendszene bis 2010
Das Projekt „Peer- Education-Project“- kurz „p.e.p“, ergänzte zwischen 2007 und 2010
den konzeptionellen Rahmen der Jugend(Sucht)Beratung um einen Handlungsansatz,
der nahezu gleichaltrige Peerleader in die Erlebniswelten und den direkten Kontakt
mit der Gruppe jugendlicher und heranwachsender Konsumenten psychoaktiver Substanzen
brachte. Dieses Vorgehen strebte ergänzend zum vorgehaltenen Beratungsangebot
ein aktives Zugehen auf die projektbezogene Zielgruppe mit der Absicht an,
Hemmnisse bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen durch Jugendliche
und Heranwachsende zu überwinden.
Zu diesem Zwecke wurden zunächst Studierende, später auch Schüler:innen von weiterführenden
Schulen, ausgebildet, um als Ansprechpersonen für die Zielgruppe der
jungen Konsumierenden zu fungieren.
Zu den Inhalten der Schulungen gehörte sowohl das Vermitteln von Basiswissen zu
Substanzmittel und deren Konsum, wie auch Grundlagen der Gesprächsführung und
das Begleiten von Maßnahmen, die geeignet waren, das jeweilige Angebot publik zu
machen (z.B. Rauschbrilleneinsatz in einer Pause zum Thema Alkohol, Teilnahme am
Weltnichtrauchertag mit einer Luftballon- Aktion u.v.m.)
2007
126
Das Projekt wurde finanziert über die Aktion Mensch und wurde an einer Schule auch
über die Laufzeit hinaus autark weitergeführt.
2006
2006
127
128
Benennung des Hauses an der Brüderstr. 39 zum
„Dr.-Helmut- Hünnekens-Haus” als Haus der Suchthilfe Hamm
Dr. Helmut Hünnekens (1917-1995) gehörte zu den
bedeutenden Jugend-Psychiatern in Westfalen-Lippe
und weit darüber hinaus. Von 1961 bis zu seiner
Pensionierung 1981 war er leitender Arzt und Direktor
des Westfälischen Institutes für Jugendpsychiatrie
und Heilpädagogik, das seit 1965 in Hamm
ansässig ist. 1970 gründete er die Suchtabteilung in
der jugendpsychiatrischen Klinik in Hamm. Im selben
Jahr initiierte er die Gründung des Arbeitskreis
Jugendhilfe e.V.
Neben vielen weiteren Tätigkeiten ist Dr. Helmut
Hünnekens nicht zuletzt auch der Gründer und erste
Leiter der damaligen „Koordinationsstelle für Drogenfragen und
Fortbildung“ gewesen, die in der heutigen Form als LWL-Koordinationsstelle
Sucht seit 1982 Suchthilfe in der Region Westfalen-Lippe
und darüber hinaus entscheidend mitgeprägt hat.
Nach ihm ist das Haus des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. an der Brüderstraße
39 benannt, das im November 2007 neu bezogen wurde.
Das „Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus - Haus der Suchthilfe“ wurde in
einer Feierstunde am Freitag, 23. November 2007, offiziell seiner Bestimmung
mit dem ehrenden Namen übergeben.
2007
129
Nach ihm ist ebenfalls der Dr.-Helmut-Hünnekens-Weg im Hammer Osten, in der Nähe
des Westfälisches Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Heilpädagogik
Hamm benannt.
2007
130
„Suchtprävention im Dialog der Kulturen”
Immer eher im Hintergrund oder anders formuliert - beiläufig mitgedacht - war bis
2008 die Beratung, Begleitung und Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund
mit Suchterkrankungen.
Im Zuge einer Mitarbeiter:innenbefragung 2005 wurde erhoben, dass sich die Mehrheit
der im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. tätigen Mitarbeitenden unzureichend qualifiziert
für diesen Arbeitsschwerpunkt sahen. Dem sollte ein Projekt im Auftrag des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge entgegenwirken und dazu beitragen, die
interkulturelle Öffnung des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. zu betreiben und zielgerichtete
Angebote über eine Integrationsagentur für diese Zielgruppe zu entwickeln
und zu installieren. Das Projekt wurde durch einen Beirat begleitet und evaluiert.
Zu den Angeboten gehörten neben der Beratung und Einzelfallhilfe für Eltern, die
Durchführung von Informationsabenden, die Organisation und Durchführung von Seminaren,
die Ausbildung von Mediatoren sowie die Netzwerkarbeit.
Eine Teilzeitstelle wurde noch im gleichen Jahr mit Nefise Saglam (Mitarbeiterin
2008 – 2011) besetzt. Mit viel Sensibilität wurden die Themen
Sucht und Suchtvorbeugung in andere Kulturkreise getragen, neue Kooperationspartner:innen
gewonnen und neuen Zielgruppen den Zugang zur
Beratung erleichtert.
2008
131
Das Projekt „Suchtprävention im Dialog der Kulturen“ bot auch für Eltern und Familien
mit Migrationshintergrund Programme an. Die Maßnahmen beinhalten Angebote wie
Informationsabende, Elternseminare, Home-Partys etc. Die Angebote zeichnen sich
durch ihre niedrigschwellige Kontaktaufnahme zu den Migranten:innenselbstorganisationen
und Migranten:innenfamilien in ihrer vertrauten sozialen Umgebung aus.
In den verschiedenen Maßnahmen und Seminaren sollen Eltern über Sucht, Suchtentstehung
und Risikofaktoren informiert werden, Angst und Unwissenheit gegenüber
Suchtmitteln sollen abgebaut werden. Ziel ist es auch den Eltern Möglichkeiten und
Hilfen vorzustellen, wie sie ihre Kinder effektiv begleiten und unterstützen können.
Angebote liefen unter anderem im
- Projekt Treffpunkt Lindenstraße in Kooperation mit Tamara Rempel
vom DRK- Kreisverband Hamm e.V.
- Projekt Jahnschule in Herringen in Kooperation mit Christiane
Steinhoff (AWO)
- Projekt mit den Eltern der Albert-Schweitzer-Schule in Kooperation mit
Irfaniye Sahin vom Friedrich-Wilhelm-Stift
- Projekt in der Grundschule Gutenbergschule in Hessen in Kooperation
mit den Moscheegemeinden Grüne Moschee und Yunus Emre Moschee
in Heessen und mit besonderer Unterstützung von Remziye Arslan
vom Amt für Soziale Integration.
2008
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Ein absolutes Novum war ein Fachtag für Imame zum Ende des Projektes 2011. Über
das Projekt wurde im türkischen Fernsehen und der türkischen Presse berichtet.
2008
2008
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134
Start realize-it – Cannabis-Ausstiegsprogramm
2008
135
Start des gemeinsamen Projektes Peer an Fahrschulen (PPF) zwischen
dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der Stadt Hamm
Das Peer Projekt an Fahrschulen wurde vom Institut Mistel
/ SPI in Magdeburg in Zusammenarbeit mit der Hochschule
Magdeburg – Stendal (FH) entwickelt. Inzwischen konnte
es an unterschiedlichen Standorten in Deutschland etabliert
werden.
In Hamm wird das Projekt seit 2009/2010 erfolgreich umgesetzt.
Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt
und wurde durch Dorothee Behler-Brodd und Frank Schulte-Derne
für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V./ Fachstelle
für Suchtvorbeugung sowie Klaus Petersen und Ulrich
Wulf als Vertreter des Jugendamtes der Stadt Hamm, Abteilung Jugendschutz/Jugendförderung
nach Hamm geholt.
In 2013 wechselte die Verantwortung in die Hände von Patricia Merkel (AKJ), die weiterhin
von Ulrich Wulf (JA) unterstützt wurde.
Seit August 2020 sind Lea Debusmann (AKJ) und Ulrich Wulf (JA) Ansprechpartner/-in
für das Peer Projekt an Fahrschulen.
2009
In diesem Projekt werden junge Menschen, die selber auch zur Gruppe der Fahranfänger:innen
gehören, zu Peers ausgebildet. Danach gestalten sie eigenständig Gesprächsrunden
(Peer-Einheiten) mit dem Schwerpunkt „Alkohol und Drogen
im Straßenverkehr“ in Fahrschulen.
Ziel ist es, eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten
anzustoßen, um dann eine bewusste Entscheidung zu treffen
und möglichst auf Alkohol sowie Drogen bei der aktiven Teilnahme am
Straßenverkehr zu verzichten.
136
Erreicht werden soll dadurch eine verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr,
die weniger Unfälle und Unfalltote zur Folge hat.
Inzwischen gibt es die dritte Generation von Peers. Aktuell arbeiten 9 Peers aktiv im
Projekt mit. In 2019 waren 15 Fahrschulen mit 23 Standorten, verteilt auf das Hammer
Stadtgebiet, am Projekt beteiligt.
Im Rahmen des Wettbewerbs „Junge Fahrer - aber sicher“, den die Westfälische Provinzial
Versicherung gemeinsam mit dem Netzwerk Verkehrssicheres Nordrhein-Westfalen
im Herbst 2012 für westfälische Kreise und Kommunen ausgelobt hatte, konnten
Projektideen eingereicht werden, die risikovermeidende
Verhaltensweisen fördern und
dabei auf die aktive Beteiligung von Gleichaltrigen
setzen. Die neunköpfige Jury, bestehend
aus Fachleuten der Westfälischen Provinzial,
des Netzwerks Verkehrssicheres NRW, der
Hochschule Bochum sowie der Polizei und
des Kreises Gütersloh zeichneten u.a. das „Peer
Projekt an Fahrschulen“ des Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. aus.
2009
137
Neuorganisationsprozess
Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und Netzwerk Suchthilfe gGmbH
Der Herbst 2009 gehört zu der schwierigsten Zeit, die der Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. und die Netzwerk Suchthilfe gGmbH überstehen musste.
Das Team der Adaptionseinrichtung deckte die Untreue der damaligen Einrichtungsleitung
auf. Dieser Vorfall löste weitreichende Prüfungen aus, die neben der Entlassung
der Einrichtungsleitung aufgrund des gleichen Vorwurfes auch zu der eines der Vorstände/Geschäftsführer
führte.
Im Verlauf dieses Neuorganisationsprozesses wurde auch das Präsidium vollständig erneuert.
Das neue Präsidium unter der Führung von Prof. Dr. Leopold Balleisen stand für
einen Neuanfang und trat mit dem Versprechen an, immer ein offenes Ohr für die Belange
der Belegschaft zu haben.
Zusammen mit dem verbliebenen Vorstand und Geschäftsführer Rainer Bathen schaffte
es das Präsidium, das Vertrauen von Kooperationspartner:innen, Leistungsträger:innen
und Mitarbeiten:innen zurückzugewinnen. Und das, obwohl wahrscheinlich nicht alles
gänzlich aufgeklärt werden konnte und Fragen offen blieben.
Bis Ende 2009 waren zwei hauptamtliche Vorstände (AKJ) / Geschäftsführer
(NSG) tätig und im Rückblick kann gesagt werden, dass die Ereignisse
im Herbst 2009 auch den Weg freimachten für eine schlankere und transparentere
Vereins- und Geschäftsleitung.
2009
138
Die Neuorganisationen der Unternehmen führte zu neuen Standards hinsichtlich des
Controllings, ein Qualitäts- und Risikomanagement wurde eingeführt und das firmeninterne
Leitbild wurde neu ausgerichtet.
Über eine Potentialberatung wurden wichtige Ablaufprozesse und Strukturen in der
Verwaltung reorganisiert. Ein Corporate Governance Kodex wurde Mitte 2012 veröffentlich
und schaffte weitere Transparenz und Klarheit. 2016 wird als letzter Baustein
ein trägerübergreifendes Spendenkonzept verabschiedet.
Es gelang zudem den Fokus wieder auf die wichtige inhaltliche Arbeit zu lenken. Über
einen quartalsweise erschienen Newsletter ab 2010 transportierte der Träger fachliche
Inhalte transparent und inhaltlich aufbereitet nach innen und nach außen. Infolge immer
schlanker werdender Strukturen musste dieses Angebot leider 2017 wieder eingestellt
werden. Es fehlte schlicht die Zeit. Ersetzt werden soll das Angebot durch eine
verstärkte Aufbereitung von Inhalten und Informationen über die Webseite und die
verschiedenen Social Media Auftritte.
2009
139
Eine 2016 durchgeführte Mitarbeiter:innenbefragung zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz
bildete den Abschluss des Neugestaltungsprozesses. Eine hohe Beteiligung aus
der Mitarbeiterschaft brachte gute Ergebnisse hervor. So zeigten sich über 74% der
Mitarbeitenden allgemein zufrieden mit dem Unternehmen. In weiteren Detailfragen
wurden noch höhere positive Ergebnisse erzielt. Aber es gab natürlich auch Kritik und
Punkte, die es zu verbessern galt. Ein umfangreicher Maßnahmenplan setzte hier an.
Eine Wiederholung der Befragung ist geplant.
2009
140
Erwerb des Josefsheims in Hamm-Heessen
Das Josefsheim der katholischen Kirchengemeinde Papst Johannes in Hamm-Heessen
kam bereits Anfang 2007 ins Blickfeld des Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V.
Damals, im Mai 2007, wurden erstmals Räumlichkeiten des Josefsheims von der Netzwerk
Suchthilfe gGmbH angemietet, um von dort aus, mit der notwendigen Nähe zur
Adaptionseinrichtung, das Ambulant Betreute Wohnen zu betreiben.
Von Anfang an hatte die Gemeinde Papst Johannes aber die Absicht geäußert, auf Sicht
das Josefsheim veräußern zu wollen. Ende 2009 wurde diese Absicht sehr konkret und
der Arbeitskreis musste sich in einer für ihn schwierigen Zeit entscheiden, ob er diese
Gelegenheit nutzen kann.
Mit seinen bis dahin erweiterten Angeboten zu tagesstrukturierenden
Maßnahmen, wie dem Projekt „Wald- und Naturschutz“, der Fahrradwerkstatt,
der Garten- und Grundstückspflege etc. schien das
Josefsheim ideal, um diese Angebote zu verfestigen und zu professionalisieren.
Mit dem Umbau des Gebäudes würden die Arbeits- und Beschäftigungsprojekte
die notwendigen Werkstatt- und Sozialräume erhalten.
Werkzeuge, Arbeitsmaterialien etc. könnten zentral untergebracht
werden. Arbeitsstrukturen und –ergebnisse könnten von den
Teilnehmer:innen direkter wahrgenommen werden und ergäben ein
2010
141
realistischeres Bild der Arbeitswirklichkeit. Die Arbeitsbedingungen des Klientels würden
entscheidend verbessert.
Um dies zu realisieren wurde in kürzester Zeit mit Architekten gesprochen, der Kirchengemeinde
verhandelt und die Finanzierung mit Hilfe der Förderung durch die Aktion
Mensch auf die Beine gestellt, so dass bereits am 28.09.2010 der Kaufvertrag geschlossen
und im Dezember 2010 der Bauantrag gestellt werden konnte.
Quelle: Artikel Westfälischer
Anzeiger 06.10.2010 „Josefsheim
in gute Hände übergeben“
© Wille
Johannes Nüsse (von links), Denis Schinner und Rainer Bathen
haben die Umbaupläne für das Josefsheim schon parat.
2010
142
Beseitigung von schadstoffbelastetem
Material – ein Problem
vergangener Tage
2010
Neues Dach und neue Fenster
143
Mit der am 06.12.2011 offiziellen Fertigstellung wurde das Gebäude innerhalb eines
Jahres barrierefrei umgebaut - mit der Rampe am Haupteingang und im Übergang zwischen
den höhenversetzten Gebäudeteilen, mit WC zur barrierefreien Nutzung im Erdgeschoss
sowie der Verbreiterung der Innentüren. Im Keller des Gebäudes sind sanitäre
Anlagen getrennt nach Herren und Damen incl. Umkleideräume entstanden.
Im Außengelände können die Nutzfahrzeuge wie Aufsitzrasenmäher und Anhänger abgestellt
werden, so dass sie allen niedrigschwelligen Beschäftigungsprojekten zeitnah
zugänglich sind.
Der Außenbereich wurde 2012 durch die Apfelbaumpflanzaktion, mit der durch Spenden
eine Streuobstwiese angebaut wurde, und im Jahr 2017 durch den Bau eines Carports
aufgewertet.
Die bereits vorhandene Kegelbahn konnte erhalten bleiben und bietet zusammen mit
dem großen Saal durch deren Vermietungen eine Anbindung in die Gemeinde Heessen.
Zudem wird die Kegelbahn von allen Einrichtungen gerne zur Freizeitgestaltung der betreuten
Menschen genutzt.
2010
Neben den bereits vorhandenen tagesstrukturierenden Angeboten
haben hier auch die Selbsthilfegruppe AbstiTribe, das Projekt „Bogenschießen“
und das Nachsorgezentrum der Fachklinik Release ein zu
Hause gefunden. Von 2013 bis 2018 war das Josefsheim auch Sitz des
Integrationsunternehmens „Grünspecht“ der NIA Netzwerk Integration
und Arbeit gGmbH.
144
Fusion Fachklinik Release und Adaption – gemeinsame
Steuerung und konzeptionelle Erneuerung
2010
Mit der Schaffung einer Doppelspitze bestehend aus der ärztlich-therapeutischen Leitung
Ralf Weiß (Mitarbeiter 2009 - 2010) und Verwaltungsleitung Denis Schinner wurde
die Neuorganisation der Fachklinik Release eingeleitet. Diese Neuorganisation geht
auf eine Forderung des federführenden Leistungsträgers, der DRV Westfalen zurück.
Es wurde mit den Arbeiten zu einem Verbundkonzept für beide Abteilungen begonnen
und die Teamstrukturen wurden zusammengeführt.
Gleichzeitig wurden die
ersten Planungen für notwendige bauliche
Ertüchtigungen angestellt. Das erste
und einzige Verbundkonzept wurde im
September 2012 durch die Redaktion
um die damalige ärztlich-therapeutische
Leitung Dr. Andreas Rhode (Mitarbeiter
2011 - 2019), Rainer Bathen und Denis
Schinner vorgelegt. Bereits 2016 wurde
das Verbundkonzept wieder in zwei Einzelkonzepte
aufgelöst. 2018 kam dann
noch ein Konzept für das neue Nachsorgezentrum
hinzu. Das aktuelle Konzept
wurde 2020/2021 durch
die aktuelle ärztlich-therapeutische
Leitung Dr. Selma
Music sowie die Verwaltungsleiterin
Franziska
Ortmann (Mitarbeiterin seit 2016) und Denis Schinner vorgelegt.
145
Beirat der Suchtkooperation NRW
In Nordrhein-Westfalen existiert mit finanzieller Unterstützung von Land, Kommunen
und Freier Wohlfahrtspflege ein differenziertes Suchtpräventions- und Suchthilfesystem.
Eine landesweite bedarfsgerechte Weiterentwicklung der bestehenden Angebote
zur Suchtprävention und -hilfe ist gemeinsames Ziel aller Beteiligten. Als Grundlage
dient die zuletzt in 2015 veränderte Rahmenvereinbarung über die Grundsätze
zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Präventions- und Hilfemaßnahmen
im Sucht- und AIDS-Bereich im Rahmen der Kommunalisierung zwischen dem Land
Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation,
Pflege und Alter NRW, dem Städtetag NRW, dem Landkreistag NRW, dem Städte- und
Gemeindebund NRW sowie der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien
Wohlfahrtspflege NRW. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein kontinuierlicher fachlicher
Austausch auf und zwischen den verschiedenen Entscheidungsebenen von Land und
Kommunen unverzichtbar.
Der Notwendigkeit einer engen fachlichen Abstimmung zwischen Land, Kommunen
und Freier Wohlfahrtspflege wird durch Suchtkooperation NRW bestehend aus der Geschäftsstelle,
vier Landesfachstellen sowie dem Beirat – Rechnung getragen. Suchtkooperation
NRW führt auf Landesebene wesentliche Informationen über aktuelle Entwicklungen
in den verschiedenen Handlungsfeldern zusammen, entwickelt fachliche
Lösungsansätze unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessenslagen
der Beteiligten und setzt Impulse für notwendige Fortentwicklungen
der regionalen/örtlichen Präventions- und -hilfestrukturen.
2011
146
Suchtkooperation NRW hat eine zentrale Koordinierungsund
Servicefunktion insbesondere für Mitarbeitende in der
Suchtprävention, Suchthilfe und Suchtselbsthilfe. Mittels
Bündelung fachlicher Expertise, Bereitstellung von landesspezifischen
und wissenschaftlichen Daten, Beratung,
Kooperation und Austausch ermöglicht sie zukunftsweisende
Weiterentwicklungen des Suchtpräventions- und
-hilfesystems in NRW. (Quelle: Konzept SUKO NRW Sucht-
Kooperation Nordrhein-Westfalen, 2020, Seite 1)
Im Frühjahr 2011 wurde die Geschäftsstelle der Landesstelle
Sucht eingerichtet. Am 04.02.2011 fand die konstruierende
Sitzung des Beirates statt. Der damalige Vorstand
und Geschäftsführer Rainer Bathen wurde als ein Vertreter
der Freien Wohlfahrtspflege, in den Beirat der Suchtkooperation
NRW (bis 2020 Beirat der Landesstelle Sucht) berufen.
Seit 2019 übernimmt Denis Schinner diese Vertretung
im Beirat.
2011
147
Start des Projektes INTERFACE – Kommunale Kompetenzwerkstatt
bei exzessivem und/oder pathologischem PC- und Internetgebrauch”
Bereits im Jahre 2008 erreichten die Jugend(Sucht)Beratung Anfragen, überwiegend
von besorgten Eltern, die sich Gedanken um die suchtartige Nutzung von Computerspielen
ihrer Kinder machten. Der damalige Mitarbeiter Frank Schulte-Derne griff diese
Entwicklung auf, lud zu einem runden Tisch in der Stadt Hamm ein und entwickelte im
weiteren Verlauf ein Konzept für ein Präventions- und Beratungsangebot - das Projekt
„InterFace“ wurde geboren.
Beginnend ab dem 1. November 2011 konnte eine Projektfinanzierung zunächst für ein
Jahr über den Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW erreicht werden.
Schwerpunkte dieses kostenlosen Angebotes waren die Beratung von Kindern, Jugendlichen
und jungen Erwachsenen, die ihren Medienkonsum nicht mehr kontrollieren
konnten. Des Weiteren wurden auch Eltern und Multiplikator:innen, die mit der Zielgruppe
arbeiten, unterstützt.
Ein weiteres Augenmerk in diesem Projekt lag auf der Durchführung einer Befragung
von über 700 Schüler:innen. Diese wurden zu ihrer Selbsteinschätzung im Zusammenhang
mit ihrer Mediennutzung befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung unterstrichen
die Notwendigkeit, sich diesem neuen Arbeitsfeld auch in Zukunft noch intensiver zu
widmen.
2011
148
Nachdem im November 2012 die Förderung für das sehr erfolgreiche Projekt InterFace
ausgelaufen war, übernahm im darauffolgenden Jahr die Aktion Mensch für drei Jahre
die weitere Finanzierung.
Auch hier richtete sich das Angebot an die jugendliche Zielgruppe, deren Angehörige
und auch an Fachkräfte, die nach Unterstützung in Form von Fortbildungen, Schulungen
und Beratung fragten. Zunehmend konnten Netzwerke innerhalb und außerhalb
von Hamm aufgebaut werden. Dies war insofern wichtig, weil es Beratungsangebote
wie InterFace zu diesem Zeitpunkt eher selten gab und somit die Entwicklung dieses
neuen Arbeitsfeldes den fachlichen Austausch nötig machte.
Der Fachverband Medienabhängigkeit und der LWL Arbeitskreis „exzessive Mediennutzung“
waren schon zu einem frühen Zeitpunkt wertvolle Mitstreiter und Impulsgeber
für die unterversorgte Zielgruppe.
Auch in Hamm wurde weiterhin daran gearbeitet nicht nur Beratung,
sondern auch die Prävention im Bereich der exzessiven Mediennutzung
auszubauen. So gehörten die regelmäßige Teilnahme am internationalen
Safer Internet Day, zahlreiche Multiplikator:innenschulungen, die Zusammenarbeit
mit Jugendzentren und der stationären Jugendhilfe genauso
zu den Tätigkeitsfeldern wie öffentlichkeitswirksame Theatervorstellungen
mit ganzen Schulklassen. Hierzu gehört auch die Fortbildungsreihe
„Motivierende Kurzintervention bei exzessivem Gebrauch neuer Medien“
2011
149
Ziel in der Beratung war und ist es, mit den Beteiligten einen verantwortungsvollen
Medienumgang zu finden, der mit der persönlichen Lebensführung, familiärer Einbindung,
schulischen Anforderungen und Freizeit mit Freunden im Einklang steht.
INTER
FACE
Kommunale Kompetenzwerkstatt bei
exzessivem PC- und Internetgebrauch
2011
150
2011
151
Erweiterung des Angebotes der Fachklinik Release durch
Aufnahme von Menschen mit der Diagnose “ADHS und Sucht”
Fünf Behandlungsplätze in der stationären Entwöhnung
können mit Rehabilitanden mit einer AD(H) Symptomatik
belegt werden. Unter dem damaligen Chefarzt
Dr. Andreas Rhode wird das Behandlungsspektrum
der Fachklinik kontinuierlich erweitert. Die vorhandene
Testdiagnostik und die Behandlungsinhalte werden
dazu immer wieder neu ausgerichtet und ergänzt.
2011
152
Zertfizierung der Fachklinik Release gemäß der Anforderungen
nach DIN EN ISO 9001:2008 [Revision 2015]
und deQus [Version 3.0]
Am 17.12.2012 erlangte die Fachklinik Release für ihre Abteilungen Entwöhnung und
Adaption die Zertifizierung nach DIN EN 9001:2008 (Revision 2015).
Mit dieser Zertifizierung erfüllt die Fachklinik Release entsprechend den Richtlinien der
Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) ebenso die Voraussetzungen des
§ 20 SGB IX.
Die Deutsche Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Suchttherapie (deQus)
hat sich die Entwicklung und Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in der
Suchthilfe zum Ziel gesetzt. Die Notwendigkeit zur Einführung eines suchtspezifischen
Qualitätsmanagement-Systems (QM-System) ergibt sich aus einer ethischen und gesellschaftlichen
Verantwortung für die betroffenen Menschen, aus einem gesetzlichen
Auftrag sowie aus den Erfordernissen eines wettbewerbsorientierten “Gesundheitsmarktes”.
2012
153
Die DIN EU ISO 9001:2015 legt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagement-System
(QMS) fest. Die Organisation legt ihre Fähigkeit dar, Dienstleistungen bereitzustellen,
welche die Kundenforderungen und die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen
erfüllen.
Drei Jahre hat sich die Fachklinik Release unter der Leitung der damaligen Qualitätsmamagementbeauftragten
im Gesundheitswesen (deQus) Hartmut Brinkmann (AkJ/NSG
1982 - 2015) und Denis Schinner auf die Zertifizierung vorbereitet.
Alle relevanten Klinikprozesse wurden erfasst und in einem Handbuch beschrieben.
Mittlerweile wurde die Klinik dreimal rezertifiziert. 2019 wurde das Nachsorgezentrum
(NAZ) mit in den Geltungsbereich aufgenommen.
Heute ist Franziska Ortmann (Mitarbeiterin seit 2016) für das Qualitätsmanagement
der Fachklinik verantwortlich. Zusammen mit Denis Schinner und Christiane Vogel bildet
sie den QM- Lenkungskreis und begleitet aktuell die Einrichtung KESH zur Zertifizierungsreife.
2012
154
Revision des Leitbildes
Das Wirtschaftslexikon definiert das Leitbild als
ein Instrument, um die Unternehmensphilosophie
allen Mitarbeiter:innen und der Umwelt zu vermitteln.
Es wird meist schriftlich fixiert, damit sich Mitarbeiter:innen
und Umwelt darauf einstellen bzw.
Mitarbeiter:innen permanent daran mitarbeiten
können. Das Leitbild formuliert kurz und prägnant
die strategischen Ziele (Mission und Vision) eines
Unternehmens und die wesentlichen Orientierungen
für Art und Weise ihrer Umsetzung. Es soll damit
allen Organisationsmitgliedern eine einheitliche
Orientierung geben und die Identifikation
mit dem Unternehmen bzw. mit der Organisation
unterstützen.
2012
Das Leitbild bildet die Grundlage der Unternehmensführung,
indem es den Mitarbeitenden die
Hauptziele und die Rahmenbedingungen
für das gesamte Unternehmensgeschehen aufzeigt. Ein klares
Leitbild beantwortet die Frage: „Wer wollen wir sein und welche Geschäfte
wollen wir betreiben? Es ist schriftlicher Ausdruck der Unternehmensidentität
(Corporate Identity). Damit wird beschrieben, wie
ein Unternehmen sein Verhalten und sich selbst in der Öffentlichkeit
darstellt. Konsequent gepflegte Unternehmensidentität führt zu hoher
Marktgeltung, die ein Schlüssel zu besserem Markterfolg sein kann.
155
Klärung und Formulierung des Leitbilds gehören zu den Arbeiten der strategischen
Planung. Leitbilder dienen der Ausrichtung und Motivation aller Mitarbeiter:innen.
Entscheidend ist, dass die Leitbildinhalte nicht nur dokumentiert, sondern von den
obersten Führungskräften kommuniziert und vorgelebt werden.
Am 14.12.1995 wurde von der Geschäftsführung um Rainer Bathen, Rolf Buschkamp
und Jürgen Neubarth die erste Fassung eines Leitbildes und Vorgaben zu Grundsätzen
der Organisation im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. verfasst. Eine juristische Beratung
erfolgte durch den Rechtsanwalt Dr. Michael von Glahn aus Hamm. Die Organisationsberatung
übernahm Prof. Dr. Wolfgang Weigand, emeritierter Professor für Supervision,
Personal- und Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Bielefeld. Begleitet
wurde der Prozess durch den damaligen Vorstand um Prof. Dr. Jochen Jungblut,
Christa Merfert-Diete, Klaus Cerning und Dr. Volker Vogel.
Eine grundsätzliche Überarbeitung erfolgte zum 28.06.2001. Diesmal waren Rainer
Bathen und Rolf Buschkamp seitens der Geschäftsführung beteiligt. Der Vorstand des
AKJ e.V. um Prof. Dr. Jochen Jungblut, Klaus Cerning und Dr. Volker Vogel unterstützten
erneut.
2012
156
2012 übernahm eine Arbeitsgruppe um Rainer Bathen als Vorstand, Gaby Amedinck
(KESH), Dorothee Behler-Brodd (Jugend(Sucht)Beratung), Hartmut Brinkmann (FK Release
– Entwöhnung), Patricia Merkel (Jugend(Sucht)Beratung), Petra Poerschke (FK
Release – Adaption), Christiane Vogel (Zentralverwaltung) und Ewald Wehner (Drogenhilfezentrum)
die Aufgabe, das Leitbild des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der
Netzwerk Suchthilfe gGmbH grundlegend zu revidieren.
Es wurden die Unternehmensleitsätze zu Kunden, Mitarbeitenden und Vorgesetzten,
zur Kommunikation, zur Qualität, zu Gesundheit und Sicherheit, zur Kooperation und
Netzwerke, sowie zum Corporate Governance, Ökonomie und Ökologie breit neu über
alle Abteilungen und Ebenen ausgehandelt.
Das Leitbild ist bis heute gültig!
2012
157
Aufnahme von Bau- und Sanierungsplanungen auf dem Gelände
der Fachklinik Release
Die Fachklinik Release – Entwöhnung nähert sich ihrem 20jährigen Jubiläum. Eröffnet
am 01. April 1996 in einer fast 100jährigen Mühle in Ascheberg-Herbern im Münsterland,
zeigen sich nun viele bauliche Abnutzungserscheinungen. Auch die Anforderungen
der Leistungsträger werden immer höher. Einzelzimmer, Funktionsräume oder
auch neue Sicherheitsstandards wie z.B. Schwesternrufanlagen sollen, wie schon in anderen
Rehabilitationsbereichen, auch in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker endlich
Einzug finden. Ein Anspruch, der nicht über Nacht umsetzbar ist und auch nicht
umfänglich refinanziert wird.
Da das wirtschaftliche Risiko beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. als Eigentümer des
Klinikgeländes und der Netzwerk Suchthilfe gGmbH als Betreiberin der Fachklinik Release
verbleibt, muss sehr genau geplant und Investitionen klug über mehrere Jahre
verteilt werden. Dennoch ist das wirtschaftliche Risiko hoch.
Die Neu- und Umbauplanungen werden über insgesamt vier Bauphasen verteilt.
2012
158
Ab 2012 wurde mit den Planungen für den Neubau
eines Gebäudes für den medizinischen Bereich
begonnen. Dafür sollte ein altes Nebengebäude
auf dem Gelände weichen. Gleichzeitig
wurde die Neugestaltung der straßenseitigen
Front des Klinikgeländes in Angriff genommen.
Der Gesamteindruck sollte zukünftig von Offenheit
und Transparenz geprägt sein. Auch das alte
Mühlengebäude sollte wieder in den Blickpunkt
rücken. Beim Tag der Architektur 2015 wurde das
Bauprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt.
2012
159
Mit der Fertigstellung und Bezug dieses Neubaus konnte 2014 die zweite Bauphase
beginnen. Vier durch den Bezug freigewordene Büroräume und zwei Bäder wurden in
barrierearme, helle und freundliche Zimmer umgebaut. Gleichzeitig galt dieses Projekt
schon als Vorbereitung für eine spätere Grundsanierung des Mühlengebäudes, quasi
eine Probesanierung, auch um zu sehen, was sich in der alten Bausubstanz verbirgt.
2012
160
2015 wurde mit den Planungen für die Bauphasen III und IV begonnen. Hinter diesem
größten Projekt verbirgt sich der Abriss und Neubau des alten Werkstattgebäudes und
die Sanierung des Haupthauses. Die Baugenehmigung für den Neubau wurde 2018
erteilt und im Februar 2019 begann der Abriss. Die Fertigstellung des Neubaus erfolgte
Ende 2020 und 2021 sollen die Sanierungsarbeiten im Haupthaus beginnen.
2012
161
Start des Peer-Projektes CoYote – die online-jugendberatung im
Netz und sozialen Netzwerken
„Counseling to Youth“-Beratung für Jugendliche von Jugendlichen:
Aus diesen Begriffen ist der Name CoYote entstanden. Der Landschaftsverband Westfalen-
Lippe hat aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans NRW dem Arbeitskreis für
Jugendhilfe e.V. die Durchführung des neuen Medienprojektes bewilligt.
Das Projekt besteht aus einer internetgestützten Onlineberatung
für Jugendliche, die mit psychoaktiven Substanzen
experimentieren und durch weitere jugendspezifische
Problemlagen belastet sind. Parallel dazu
konnten sich Interessierte in sozialen Netzwerken mit
Informationen, Tipps, Verhaltensempfehlungen u.ä. versorgen.
Die Betreuung der Internetplattform und das Pflegen
der Social-Media-Kanäle liegt in den Händen von ausgebildeten
Peers.
die jugendberatung –
jung.wach.interaktiv.
2012
162
Start des Alkoholpräventionsprojektes an Schulen „Tom & Lisa”
Ein Jahr lang war die Jugend(Sucht)Beratung mit dem interaktiven Alkoholpräventionskoffer
„Tom und Lisa“ in Hamm unterwegs.
Ein Jahr, in dem an 12 verschiedenen Schulen mit ca. 340 Schüler:innen der Stufen 8-10
zum Thema „Alkohol“ gespielt, gefragt, aufgeklärt und diskutiert wurde.
Die Jugendlichen waren aufgefordert in Gruppen gegeneinander anzutreten und ihr
Wissen über gesetzliche Bestimmungen, ihre eigenen Erfahrungen, ihre Kreativität zu
alternativen Stimmungsmachern und ihre Handlungskompetenzen zu testen und zu erweitern.
Die Eltern wurden mit Hilfe eines Interviewleitfadens in das 2x2stündige Modul miteinbezogen.
Auch die jeweiligen Klassenlehrer:innen oder Schulsozialarbeiter/-innen
haben an dem Programm teilgenommen.
Die Resonanz auf das Präventionsangebot war sehr positiv. Angefangen
damit, dass die Nachfrage von Seiten der Schulen höher war, als Termine
zur Verfügung standen, waren die Rückmeldungen von Seiten der Lehrer:innen
und Schulsozialarbeiter:innen nach Beendigung sehr gut. Deutlich
wurde, dass gerade im Bereich der Auswirkungen von Alkohol viel
„Halb- und Falschwissen“ vorlag.
2012
163
Fragen wie: „Wer zu viel Alkohol trinkt, kann daran ersticken. Stimmt das?“ oder „Nach
wie viel Minuten ist die Alkoholkonzentration im Blut nach dem Konsum von Alkohol
am höchsten?“ machten deutlich, dass negative Erfahrungen im Umgang mit Alkohol
häufig auch mit Nicht- Wissen zu tun haben.
Dass der Spaß trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas nicht zu kurz kam, dafür sorgten
nicht zuletzt die pantomimischen Einlagen zwischendurch, wenn es darum ging Stimmung
bei einer Party zu machen oder mithilfe der Rauschbrillen bestimmte Aufgaben
zu erledigen.
Die positiven Erfahrungen und Rückmeldungen zu „Tom und Lisa“ lassen die Mitarbeiter:innen
der Jugend(Sucht)Beratung nun überlegen, in welcher Form es eine Weiterführung
dieses sehr erfolgreichen, aber auch personalintensiven Projektes geben kann.
2012
164
Das Integrationsunternehmen
NIA - Netzwerk Integration und Arbeit gGmbH
Über viele Jahrzehnte hat der Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. unzählige Arbeits- und Beschäftigungsprojekt initiiert,
ausgebaut und wieder eingestellt. Als Ausgangspunkt kann
sicherlich das Projekt „Die Werkstatt“ von 1984 gesehen
werden.
Nachdem z.B. das „Fischteich-Projekt“ in der Zusammenarbeit
mit der Drogenberatungsstelle Bielefeld nicht zum
Tragen kommen konnte, das Waldprojekt mit dem Forstwirt Marcel Thomezek (Mitarbeiter
2010 - 2012) und der pädagogischen Mitarbeiterin Hannelore Sewarte (Mitarbeiterin
2009 - 2012) des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. aber erfreuliche Resonanz bei allen Beteiligten
hinterlassen hatte, wurde überlegt, wie die erfolgreiche Arbeit der Arbeits- und
Beschäftigungsprojekte fortgeführt werden könnte.
Gegründet werden sollte ein Integrationsunternehmen für Menschen mit Suchtgefährdung
und Suchterkrankung mit seelischer sowie daraus resultierender körperlicher Behinderung.
Ziel war es diesen Menschen, die nur sehr geringe Chancen auf eine berufliche
Integration, v.a. in den sog. Ersten Arbeitsmarkt haben, die Möglichkeit
einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu geben, damit sie so
selbsttätig ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können.
2012
165
Im Januar 2012 startete für die Dauer eines halben Jahres die durch die Aktion Mensch
geförderte Vorlaufphase. Projektmitarbeiter war Marcel Thomezek. Zusammen mit Rainer
Bathen und Christiane Vogel wurde ein Businessplan erarbeitet mit dem die Förderung
der Gründung und des Betreibens des Unternehmens bei der Aktion Mensch,
dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Stiftung Wohlfahrtspflege
NRW beantragt werden musste.
Dazu war es erforderlich Marktanalysen durchzuführen, andere Integrationsunternehmen
zu befragen, Letter of Intents zu verschicken, weitreichende Kalkulationen mit Betriebskosten,
Investitionsplanung und Umsatzzahlen durchzuführen, um nur einiges
zu nennen. Während der ganzen Zeit wurde enger Kontakt zu dem Integrationsamt des
LWL und der Handwerkskammer Münster gehalten, die das gesamte Projekt von der
Vorlaufphase über die Gründung bis zu Schließung begleitet haben. Die Handwerkskammer
hatte auch die Aufgabe, den Businessplan zu begutachten und somit darüber
mitzuentscheiden, ob das Integrationsunternehmen an den Start gehen kann.
2012
166
Erster Flyer als Beilage der Anfrage zu Letter of Intents
2012
167
Nach der Vorlaufphase verging noch ein
dreiviertel Jahr bevor das Integrationsunternehmen,
das mittlerweile den Namen
„Grünspecht – Garten- und Landschaftsbau,
Forstwirtschaft und Facility Management“
erhalten hatte, im März 2013 mit der
Bewilligung durch die Aktion Mensch starten sollte. Geführt wurde Grünspecht innerhalb
der NIA Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH, deren Geschäftsführer:in
Rainer Bathen und Christiane Vogel waren. Christiane Vogel übernahm später
statt der Geschäftsführung die Position der Prokuristin.
Eine weitere Verzögerung ergab sich jedoch dann aufgrund der Bewilligung von Mitteln
zur Anschaffung der Erstausstattung bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Diese
bestand auf die vollständige Barrierefreiheit des Josefsheim. Um dieses zu erreichen,
musste zusätzlich in eine behindertengerechte Dusche im Erdgeschoss des Gebäudes
investiert werden.
2012
168
Durch diese Verzögerungen konnte Marcel Thomezek nicht als Mitarbeiter des Integrationsunternehmens
gehalten werden, so dass am 01.01.2014 mit Rolf Fortmeier (Mitarbeiter
2014 - 2015) der erste Betriebsleiter von Grünspecht seine Arbeit aufnahm.
Wegen der langen Unterbrechung zwischen Vorlaufphase und Beginn musste Rolf
Fortmeier sich zunächst mit der Anschaffung der Betriebseinrichtung vom Transporter
bis zur Schaufel kümmern und erhebliche Kundenakquise betreiben, bevor im Juli
mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden konnte. Hier stand ihm dann als Betreuungs-
und Koordinierungsfachkraft Andreas Stroner (2014 - 2015), Gärtner im Gartenund
Landschaftsbau, zur Seite.
Besuch am 25.08.2014 des Oberbürgermeisters der
Stadt Hamm zusammen mit dem Fachbereichsleiter
Gesundheit und Soziales und dem Behindertenkoordinator
der Stadt.
2012
169
Die Planungen sahen vor, dass neben diesen beiden zunächst drei sog. Zielgruppenmitarbeiter:innen
eingestellt wurden. Obwohl die Mitarbeitenden und das Klientel des
Drogenhilfezentrums und des Ambulant Betreuten Wohnen die Eröffnung des Integrationsunternehmens
herbeigesehnt hatten, musste nun festgestellt werden, dass
die Arbeit, überwiegend im Garten- und Landschaftsbau, anspruchsvoller war als erwartet
und die Mitarbeitenden der Zielgruppe die Zuverlässigkeit im Arbeitseinsatz
nicht erbringen konnten. Zudem war die Anfangsphase durch die schwere Langzeiterkrankung
eines Zielgruppenmitarbeiters beeinträchtigt. Zu diesen Schwierigkeiten
auf Arbeitnehmerseite kamen die Erwartungen einiger Kunden, dass ein gemeinnütziges
Unternehmen unter den Preisen der Konkurrenz arbeiten würde. Dies alles führte
dazu, dass das Unternehmen erhebliche Verluste erwirtschaftete und auch auf lange
Sicht nicht in der Lage sein würde, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Dieses
Ruder konnte auch Frederick Kauffel (Mitarbeiter 2015 - 2016), staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt
im Garten- und Landschaftsbau, der im Juni 2015 die Betriebsleitung
übernahm, nicht mehr herumreißen.
Schweren Herzens entschied sich dann die Geschäftsführung, die Firma
Grünspecht zum 31.05.2016 zu schließen. Am 05.07.2019 wurde die NIA
Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH von Amts wegen
aus dem Handelsregister gelöscht.
2012
170
Borusseum
Wie der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ein Teil der Vereinsgeschichte des BVB wurde....
(WA 13.12.2012)
2012
171
Ökologie und Nachhaltigkeit
Insbesondere die ökologischen Arbeits- und Beschäftigungsprojekte haben abseits
ihrer eigentlichen Arbeitsaufträge noch weitere positive Nebeneffekte für das Unternehmen
ausgelöst.
So wurde die Verantwortung des Unternehmens in Bezug auf Umwelt und Nachhaltigkeit
gestärkt und viele kleinere und größere Ansätze werden seitdem verstärkt verfolgt.
Unter anderem wurde am Standort Josefsheim eine Streuobstwiese angelegt. Bei Neubepflanzungen
an allen Standorten wird auf blühende Pflanzen und Sträucher geachtet.
So können Bienen, z.B. die unseres Mitarbeiters Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter
seit 1997) aber auch die des Imkers Ahmet Erdogan aus dem Maxipark Hamm ihren Job
machen. Der gewonnene Honig kann übrigens auch bei uns erworben werden. Ebenso
unser eigener Apfelsaft „Münsterländer Streu“.
Wir nutzen bei Besprechungen das Mineralwasser von Viva con Aqua und unterstützen
so Wasser- und Brunnenbauprojekte. Auch fair gehandelter Kaffee findet zunehmend
Einzug in das Unternehmen.
2013
172
Es wurden bislang zwei eigene Brunnenanlagen angelegt, um Außenanlagen an der
Fachklinik Release und am Josefsheim unabhängig vom Trinkwasser versorgen zu
können.
Als eine Konsequenz einer umfassenden Energieberatung ab 2013 durch die BFE Institut
für Energie und Umwelt GmbH in Mühlhausen wird seit 2016 Ökostrom bezogen.
In den kommenden Jahren werden weitere Ansätze hinzukommen. So werden bereits
erste Überlegung zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte angestellt. Es wird zunehmend
grün!
2013
173
Gründung des Netzwerkes Gemeinsam aktiv gegen Alkoholmissbrauch
bei Jugendlichen (GigA)
Gemeinsam mit Beratungsstellen und Kliniken in Hamm wird unter der Leitung der
Fachstelle für Suchtprävention das Netzwerk „Gemeinsam aktiv gegen Alkoholmissbrauch
bei Jugendlichen“ (GigA) in Hamm gegründet. Das Netzwerk ist eine Antwort
auf den sich verfestigenden Trend bei Jugendlichen regelmäßig Alkohol zu konsumieren.
Das Hammer Netzwerk fußt auf das Angebot im Rahmen der Kampagne „Alkohol?
Kenn dein Limit“ der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Zentrale
Absicht des Projektes „Gemeinsam initiativ gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern
und Jugendlichen“ (GigA) ist es, im Bereich der kommunalen Alkoholprävention mit
Hilfe des LVR-Netzwerkmanagement-Konzeptes NBQM (Netzwerkbezogenes Qualitätsmanagement)
ein abgestimmtes Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen
und Professionen sicherzustellen. Vorhandene regionale Konzepte, Handlungsstrategien
und Maßnahmen von Suchtprävention, Jugendschutz und Bildung, Polizei und
Ordnungsbehörden sollen auf einer gemeinsamen Arbeitsgrundlage koordiniert und
vernetzt werden. Über einen Schulungs- und Seminaransatz werden Projektstandorte
für dieses Projekt fit gemacht.
2014
174
2014
175
Auszeichnung der Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH und
der NIA Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH als
“Echter Hammer – Ausgezeichneter Betrieb 2014 – 2016”
Erstmals wurde 2014 die Netzwerk
Suchthilfe gGmbH als „Echter Hammer
- Ausgezeichneter Betrieb“ ausgezeichnet.
Diese Auszeichnung konnte in Folge
bis 2020 erlangt werden. Von 2014
bis 2016 wurde auch die 2019 liquidierte
NIA Netzwerk Integration und Arbeit
gGmbH ausgezeichnet.
2014
176
Fachklinik Release - Praxis wird gegründet
Als Reaktion auf die zunehmenden Versorgungslücken im Bereich
der Substitutionsbehandlung suchtkranker Menschen in
Verbindung mit psychiatrischen Begleiterkrankungen, strebt
der Chefarzt der Fachklinik Dr. Andreas Rhode (Mitarbeiter
2011 - 2019) die Erteilung einer Ermächtigung zur ambulanten
Versorgung an. Die Ermächtigung wird erteilt, die Fachklinik
Release – Praxis wird gegründet. Die Versorgung beschränkt
sich auf stationäre Einrichtungen im Umland der Fachklinik. So kann die Trennung von
Akutversorgung und Rehabilitation sichergestellt werden. Die Einrichtungen KESH und
zwei Einrichtungen der Integration- und Beschäftigungsprojekte e.V. in Coesfeld können
nun stabil suchtmedizinische und psychiatrisch versorgt werden.
Mit Ausscheiden von Dr. Andreas Rhode Anfang 2019 ging die Ermächtigung zunächst
auf Dr. Kathrin Nienhaus über. Sie setzte die Versorgung bis zu ihrer beruflichen Neuorientierung
fort. Mit ihrem Ausscheiden im gleichen Jahr erlosch die Ermächtigung,
die Versorgung wurde neu organisiert und die Praxis der Fachklinik Release stellte die
Arbeit ein.
Dieses Projekt eröffnete eine Vielzahl an Erfahrungen im Bereich der
Praxisorganisation und Abrechnung. Möglicherweise lassen sich diese
Erkenntnisse zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgreifen. Denn die
mangelnde Versorgung im Bereich der Substitution abhängigkeitskranker
Menschen ist weiterhin ein großes Problem.
2014
177
10-jähriges Jubiläum der Jugend(Sucht)Beratung
2015 feiert die Jugend(Sucht)Beratung ihr 10-jähriges Bestehen. Als erste Einrichtung
in Nordrhein-Westfalen (NRW), die ein eigenständiges Beratungsangebot für experimentierende
und konsumierende Jugendliche und deren Angehörige geschaffen hat,
kann sie auf sehr erfolgreiche Jahre zurückblicken.
2015
178
2015
179
Jugendliche und Eltern wie auch pädagogische Fachkräfte haben das Angebot - gerade
auch räumlich außerhalb der klassischen Angebote der Drogenhilfe- sehr gut angenommen.
Neben der Beratung konnten in der ersten Dekade zahlreiche innovative
Projekte geplant und umgesetzt werden.
2015
180
Aufbau eines Betrieblichen Gesundheits-Managements (BGM)
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische und strukturierte
Entwicklung, Planung und Lenkung betrieblicher Strukturen und Prozesse, mit dem
Ziel die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern. Betriebliches Gesundheitsmanagement
verfolgt zwei Strategien:
1. Verhältnisprävention
Gesundheitsförderliche Veränderung der Arbeits- und Organisationsgestaltung
2. Verhaltensprävention
Befähigung der Beschäftigten zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten
Grundlage des BGM ist die gesetzliche Verpflichtung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
(ArbSchG) und zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) (§ 167 Absatz
2 SGB IX). Die dritte Säule des BGM bilden freiwillige Leistungen des Arbeitgebers
zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Um das betriebliche Gesundheitsmanagement
in die betrieblichen Prozesse zu integrieren, muss im Unternehmen eine „Kultur
der Prävention“ entwickelt und gelebt werden.
2016
181
Die Idee des betrieblichen Gesundheitsmanagements geht zum einen auf die Ottawa-
Charta von 1986 zurück, die als Ziel die Befähigung der Bevölkerung zu einem selbstbestimmten
Umgang mit Gesundheit sowie die gesundheitsförderliche Gestaltung
der Lebenswelt und der Gesundheitsdienste formuliert. Zum anderen wurzelt sie im
betrieblichen Arbeitsschutz, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann, im Rahmen
europäischer Gesetzesinitiativen in den letzten Jahren gestärkt wurde und über
eine weit fortgeschrittene Professionalisierung und Institutionalisierung verfügt. Ein
ganzheitlicher BGM-Ansatz sollte über den seit 1996 vorgeschriebenen ganzheitlichen
Arbeitsschutz hinaus auch betriebliche Gesundheitsförderung, Verbesserung der Führungskultur,
Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf sowie Aufgaben
der altersgerechten Arbeitsgestaltung berücksichtigen.
In der Startphase qualifizierte sich Rainer Bathen zum betrieblichen Gesundheitsmanager
und siedelte damit das Thema als Leitungsthema im Unternehmen an. Umfragen,
Ideenwettbewerbe, Fehlzeitenanalysen uvm. folgten und ganz konkrete Aufgaben und
Handlungsoptionen ergaben sich. Eine Steuerungsgruppe BGM wurde initiiert.
2016
Ein erster Workshop zusammen mit Ralf Radix, dem Leiter des Referats Seelsorge und
Beratung vom Landeskirchenamt Bielefeld führt zum Thema Trauer aus. Ein Kooperationsvertrag
mit der LeaseRad GmbH aus Freiburg (JobRad-Angebot
für Mitarbeiter/-innen) geschlossen. Eine enge Verzahnung mit dem
Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde etabliert. Seit 2020 ist BGM
fester Bestandteil im Arbeits- und Sicherheitsausschuss. Betriebsvereinbarungen
zu den Themenbereichen Sucht oder dem betrieblichen
Eingliederungsmanagement sind in Verhandlung.
182
Bei Bauvorhaben wird verstärkt der Fokus auf Sicherungsmaßnahmen gesetzt. Kriminaltechnische
Beratungen führten in der Folge zu verschiedenen Ansätzen wie z.B.
Alarmfunktionen, Rückzugsräume usw. 2016 wurde ein trägerübergreifendes Gewaltpräventionskonzept
verabschiedet. Deeskalationstrainings oder themenbezogene
Fortbildungen finden sich immer wieder in den Fortbildungsplanungen der Abteilungen.
So fand Ende 2021 eine Fortbildung zu Deeskalationsstrategien speziell für Pflegekräfte
in Zusammenarbeit mit der BARMER in der Fachklinik Release statt.
Zusammen mit dem Werkarztzentrum Westfalen-Mitte e.V wurde 2020 eine Umfrage zu
den psychischen Belastungsfaktoren in der Arbeit als Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung
psychische Belastung durchgeführt. Anfang 2021 erfolgte die Auswertung
der Ergebnisse.
Das Thema Gesundheit im Unternehmen bleibt in Bearbeitung und erfährt fortlaufend
neue Impulse. So wird durch digitale Ansätze mobiles Arbeiten möglich und damit kann
eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einhergehen. Es bleibt also spannend!
2016
183
Jugend(Sucht)Beratung ist Partner im Aufbau des
„Netzwerk Medienkompetenz Hamm”
Im Jahre 2016 konnte in einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung mit dem Jugendamt,
dem Medienzentrum und der Jugend(Sucht)Beratung das Medienkompetenz
Netzwerk Hamm gegründet werden. Der Auftakt wurde durch die Landesanstalt für
Medien NRW unterstützt.
Seither finden regelmäßige Fachtage zu medienpädagogischen Themen und gemeinsame
Projekte, die die einzelnen Netzwerkpartner miteinander organisieren
und planen, statt.
Zu der offenen Kooperationsgemeinschaft Medienkompetenz-Netzwerk Hamm gehören
u. a. die Volkshochschule, die Büchereien, das Museum, aber auch die Arbeiterwohlfahrt
(AWO), Caritas, Diakonie, wie auch die Polizei, die Medienscout-Schulen,
die Kindertagesstätten und Jugendzentren, die Film- und Fernsehschule Hamm. Über
die Webseite des Netzwerks stellen alle Partner:innen ihre Möglichkeiten und Interessenslagen
vor.
2016
184
www.gutes-aufwachsen-mit-medien.de/weiterbilden/article.cfm/key.3594/aus.2/
StartAt.1/page.1
2017 wurde das Netzwerk auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag mit dem
Gütesigel „Gesundes Aufwachsen mit Medien“ ausgezeichnet.
2016
185
Ausbildung im AKJ e.V.
Der 2016 geschlossene Kooperationsvertrag zwischen der SRH Hochschule Hamm und
dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der damit verbundenen Beteiligung am dualen
Studiengang „Soziale Arbeit” der SRH Hamm, erweitert die unzähligen Bemühungen
des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. wichtige Beiträge für die Ausbildung in Schule
und Studium zu leisten.
Neben der eigenen Lehrtätigkeit an Fachhochschulen, Universitäten und Ausbildungsinstituten
unzähliger Mitarbeiter:innen in all den Jahren, bilden wir auch selbst vor Ort
aus. Neben dem dualen Studiengang der „Sozialen Arbeit“ vollzieht der AKJ e.V. ebenfalls
eine intensive Kooperation mit dem Berufsförderwerk Hamm (BfW) für den Bereich
Verwaltung.
Darüber hinaus hat der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. bereits selber zwei Kaufleute
für Bürokommunikation erfolgreich ausgebildet. Eine von ihnen ist Miriam Jaschke, die
im Januar 2012 ihre Ausbildung abgeschlossen hat und seit dem in der Zentralverwaltung
arbeitet. Bis heute hat sie sich ständig, auch mit Unterstützung des Unternehmens,
weitergebildet, zuletzt als Betriebswirtin (IHK).
2016
186
Seit Jahrzehnten haben zudem Studierende verschiedener Fachrichtungen die Möglichkeit
im Rahmen von Praktika Kenntnisse über Sicht und das Suchthilfesystem in
Deutschland zu erlangen. Nicht wenige der heutigen Fachkräfte haben ihren beruflichen
Einstieg beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. über ein Praktikum gefunden.
Auch weiterhin werden wir unsere Kenntnisse und Fähigkeiten weiter vermitteln, um
exzellente Fachkräfte zu fördern.
2016
187
Start des Projekts „InterFace extended”
Ab dem 01.07.2016 wurde das Projekt „Interface Extended“
(IX) als systemisches Beratungs- und Präventionsangebot
für exzessiv medienkonsumierende Kinder und Jugendliche
sowie deren Eltern und Angehörige in Hamm
durchgeführt. Damit knüpft IX direkt an das, von der Aktion
Mensch geförderte, Projekt „Interface“ an. Finanziert
wird die dreijährige Projektlaufzeit über den „Aktionsplan
gegen Sucht NRW“.
Mit seinen drei Standbeinen, Beratung, Prävention und Transfer sieht das Projekt vor,
durch die langjährige fachliche Erfahrung im Umgang mit exzessiv medienkonsumierenden
Kindern und Jugendlichen sowie deren (Herkunfts-) Systemen Betroffene zu
unterstützen, eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich der problematischen
Mediennutzung zu erreichen sowie die fachlich professionelle Beratungslandschaft in
diesem Bereich zu verdichten.
So stand im ersten Projektjahr die Implementierung in Hamm im Vordergrund.
Hierbei war ein wichtiger Aspekt, möglichst niedrigschwellige Zugangswege
zur Beratung zu ermöglichen. Neue digitale Zugänge über
soziale Netzwerke (Facebook, Youtube, Twitter, Instagram), eine App zur
Selbsteinschätzung der Mediennutzung sowie die Möglichkeit der Nutzung
einer Chatfunktion auf der Internetseite eröffneten neue digitale
Möglichkeiten.
2016
188
In den beiden darauffolgenden Jahren standen insbesondere zwei Transferphasen mit
dem Ziel, Lücken in der Beratungslandschaft zum Thema „exzessive Mediennutzung“
in Nordrhein-Westfalen zu schließen, im Fokus des Projektes.
Mit regelmäßigen Schulungen, Implementierungstreffen und Kooperationsarbeit
konnten insgesamt zehn neue Interface Extended Standorte geschult werden und somit
zehn neue Standorte für professionelle Beratung im Bereich der exzessiven Mediennutzung
erschlossen werden.
So wurden in Dortmund, Dülmen, Herford, Kamp-Lintfort, Düsseldorf, Arnsberg, Gütersloh,
Hilden, Steinfurt und Wuppertal neue Interface Extended Standorte geschaffen
und so konnte dem steigenden Bedarf nach Beratung bei exzessiver Mediennutzung
Rechnung getragen werden.
Noch während der Projektlaufzeit wurde Interface Extended zweimal als
„Projekt des Monats“ ausgezeichnet. Zum einen vom Landespräventionsrat,
zum anderen vom „Medienpädagogischen Atlas“. Außerdem generierte
der Ansatz viel Interesse bei Fachkräften aus Beratung und Medizin.
Begleitend wurde das Projekt von der SRH Hochschule in Hamm evaluiert.
Die beiden Evaluationsfokusse „Wirksamkeit der systemischen Beratung“
wie auch „Implementierung an neue NRW-Standorte“ konnten
sehr positive Ergebnisse vorweisen.
2016
189
Nach Beendigung des Projektes konnte Interface Extended über die Einrichtung einer
Stelle durch das Jugendamt in Hamm weitergeführt werden.
2016
190
2016
191
Konzeptentwicklung BORA (beruflich orientierte Rehabilitation für
Abhängigkeitskranke) in der Fachklinik Release
Seit 1975 ist das Sozialgesetzbuch (SGB) für sämtliche Sozialleistungsträger Grundlage
ihres Handelns. Mit dem SGB IX wurde im Jahre 2001 der Anspruch behinderter und
von Behinderung bedrohter Menschen auf selbstbestimmte Teilhabe differenziert und
gestärkt. Die unterschiedlichen Sozialleistungsträger setzen die Ziele des SGB IX nach
den Bestimmungen der für sie geltenden Leistungsgesetze um. Das Leistungsgesetz
für die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ist das SGB VI.
Nach § 9 SGB VI erbringt die DRV Leistungen zur Teilhabe, um den Auswirkungen einer
Krankheit oder Behinderung auf die Erwerbsfähigkeit entgegenzuwirken oder sie zu
überwinden und dadurch Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit der Versicherten
oder ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu verhindern oder sie möglichst
dauerhaft in das Erwerbsleben wiedereinzugliedern. Hierzu dienen Leistungen
der medizinischen Rehabilitation sowie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA).
Mit der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) wurde von der DRV
eine spezifische Behandlungsstrategie entwickelt, um den Rehabilitationserfolg bei
Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen zu optimieren (DRV, 2012).
Grundlegende Zielsetzung ist dabei, die medizinische Rehabilitation an
den Anforderungen der Arbeitswelt und insbesondere am aktuellen und
angestrebten Arbeitsplatz auszurichten beziehungsweise die Motivation
zur Wahrnehmung weiterführender beruflicher Teilhabeleistungen im
Anschluss an die Leistung zur medizinischen Rehabilitation zu fördern.
2018
192
Damit wird der Ansatz der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung
und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welcher ein
bio-psycho-soziales Modell der Gesundheit zugrunde liegt, im Sinne einer ganzheitlichen
Sichtweise gestärkt.
Explizit ausgenommen von dem MBOR-Konzept wurde der Indikationsbereich der medizinischen
Rehabilitation abhängigkeitskranker, da arbeitsbezogenen Maßnahmen
dort bereits ein erheblicher Stellenwert sowohl in den Rehabilitations- und Therapiekonzepten
und der personellen und strukturellen Ausrichtung der Behandlungseinrichtungen
als auch im Leistungsgeschehen zukommt. Weitere Besonderheiten liegen
darin, dass
• besondere erwerbsbezogene Problemlagen im Indikationsbereich Abhängigkeitserkrankungen
besonders häufig auftreten und damit zum
Regelfall gehören,
• erwerbsbezogene Leistungen - auch aufgrund der vergleichsweise längeren
Behandlungszeiten - einen deutlich höheren zeitlichen und inhaltlichen
Umfang aufweisen als in anderen Indikationsbereichen und
• die Adaption als mögliche letzte stationäre Phase der medizinischen
Rehabilitation im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen sich insbesondere
auch mit der Förderung der beruflichen (Re-)Integration der Rehabilitand:innen
befasst.
2018
193
Der vorrangige Auftrag für die Leistungserbringer in der medizinischen Rehabilitation
besteht darin, die Erwerbsfähigkeit der Versicherten wiederherzustellen bzw. zu
erhalten. Diese Zielsetzung gelingt im Bereich der Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen
bereits in einem hohen Maße. Knapp 83 Prozent aller Rehabilitandinnen
und Rehabilitanden verließen 2013 die stationäre Rehabilitation Abhängigkeitskranker
mit einem Leistungsvermögen von 6 und mehr Stunden für die letzte Beschäftigung
(ISRV, 2013: Tabelle 014). Gleichwohl werden auch in diesem Indikationsbereich Optimierungsmöglichkeiten
gesehen. So fordert die aktuelle S3-Leitlinie Alkohol in einer
Schlüsselempfehlung, beispielsweise bei bestehender Erwerbslosigkeit bevorzugt Behandlungssettings
anzubieten, die auch eine Reintegration ins Erwerbsleben fördern.
Zukünftig sollten sich die entsprechenden Leistungen noch stärker am jeweiligen Bedarf
der verschiedenen Rehabilitand:innen ausrichten.
Das neue Konzept BORA wurde durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe
„Beruflichen Orientierung in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker“
von Vertretern der Deutschen Rentenversicherung und der Suchtfachverbände
DHS und Fachverband Sucht e.V. am 14.11.2014 vorgelegt und
trat zum 01.03.2015 in Kraft. Denis Schinner nahm als Vertreter der DHS
an dieser Arbeitsgruppe für die Bereiche Adaption und Kooperation teil.
Für die Fachklinik Release wurde ein Zusatz zum Konzept im März 2017
mit dem federführenden Leistungsträger abschließend verhandelt. In die
aktuelle Konzeptfassung ist der Zusatz 2020 textlich integriert worden.
2018
194
Für die Umsetzung in der Fachklinik Release sind alle Professionen verantwortlich. Die
Diagnostik ist um einen erwerbsbezogenen Teil zu erweitern. Im Rahmen der medizinischen
und psychotherapeutischen Angebote ist der Fokus auf die beruflichen Problemlagen
zu verstärken. Der Sozialdienst wurde explizit für die Konzeptumsetzung
verstärkt und natürlich wurde die Ergo- und Arbeitstherapie inhaltlich massiv aufgewertet.
MBOR und BORA tragen maßgeblich dazu bei, dass jeder in die Rehabilitation investierte
Euro, sich vierfach auszahlt. (Quelle: DRV Bund)
2018
195
Gründung des Ambulanten Nachsorgezentrums in Hamm-Heessen
2013 wendeten sich Mitglieder der Suchtselbsthilfegruppe Absti.Tribe Timo Schüssler
(ehrenamtlicher Mitarbeiter 2013 – 2017) und Michael Klement (ehrenamtlicher Mitarbeiter
seit 2013) an die Fachklinik Release – Adaption um einen festen Ort für ihr
Gruppenangebot und einem integrativen Bogensportprojekt zu erfragen. Sehr schnell
wurden feste Kooperationsstrukturen vereinbart, die Selbsthilfegruppe startete noch
im gleichen Jahr im Josefsheim.
2014 entstand das neue Angebot einer strukturierten Ambulanten Nachsorge in Leistungsträgerschaft
der DRV Westfalen. Sandy Fronczek (Mitarbeiterin 2010 – 2020)
übernahm dieses Angebot in ihren Aufgabenbereich, bevor sie diesen an Lara Paetschke
(Mitarbeiterin von 2019-2021) übergab. Eine lose Form der Ambulanten Nachsorge
bestand zu der Zeit schon seit den siebziger Jahren und wurde ebenfalls über die Adaptionseinrichtung
geleistet. Hier waren unter anderem Mitarbeiter:innen wie Kristian
Kayser oder Dagmar Schlenker aktiv.
2018
196
Mit der Einstellung von Cornelia Seidler (Mitarbeiterin
von 2012-2021) als Mitarbeiterin im Ambulant
Betreuten Wohnen wurden nun die Angebote
Ambulante Nachsorge, Ambulant Betreutes
Wohnen und Suchtselbsthilfe ab dem 01.09.2018
im neuen Nachsorgezentrum (NAZ) der Fachklinik
Release im Josefsheim gebündelt.
Mit dem Nachsorgezentrum bekam auch das Josefsheim
wieder einen neuen Ankermieter, nachdem
das Integrationsunternehmen Grünspecht
aufgegeben werden musste.
Heute werden durchschnittlich 60 zum Großteil
ehemalige Rehabilitand:innen der Fachklinik
Release in den vier Angeboten des Nachsorgezentrum
nachsorgend und selbsthilfeorientiert
begleitet. Ergänzung findet das Angebote durch
regelmäßige Bogensportevents und freie Trainings.
2018
197
Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“
Die Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“ sind seit 1991 Teil einer vom Land
NRW geförderten Öffentlichkeitsarbeit zur Suchtvorbeugung.
In einem festgelegten Zeitraum werden in einer Kommune oder einem Kreis vielfältige
Angebote zum Thema Suchtvorbeugung entwickelt.
Zu den Zielen der Landeskampagne zählen die Sensibilisierung der Bevölkerung für
suchtpräventive Themen, die Förderung der öffentlichen Diskussion, die Initiierung von
Maßnahmen vor Ort, das Darstellen des ursachenorientierten Präventionsverständnisses
und die Förderung der Vernetzung in den jeweiligen Kommunen und Kreisen.
Dies kann nur gelingen, wenn sich viele Kooperationspartner:innen beteiligen, um ein
möglichst buntes und abwechslungsreiches Programm für unterschiedliche Zielgruppen
auf die Beine zu stellen.
Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern:innen in Hamm hat
die Fachstelle für Suchtvorbeugung diese Aktionstage bereits vier Mal
(1992, 1999, 2005) durchgeführt. Zuletzt im Jahre 2018 mit dem Schwerpunktthema
„Digitale Medien“.
Flankierend wurde die Landeskampagne mit Plakaten öffentlichkeitswirksam
unterstützt.
2018
198
2018
2018
199
200
Start des Projektes „Kälte-Shuttle“
Hervorgegangen aus einer Abstimmung innerhalb der Ethischen Fallbesprechung zum
Thema Obdachlosigkeit startet am 1. Dezember 2018 das Kälte-Shuttle, mit dem sichergestellt
werden soll, dass kein wohnungsloser Mensch in Hamm bei Minusgraden auf
der Straße übernachten muss. Durch den Einsatz des Shuttlebusses erhalten sie die
Möglichkeit, am Abend bzw. Spätnachmittag in die städtische Notunterkunft gefahren
zu werden. Um 17:00 Uhr startet der Bus und fährt drei Haltestellen in der Stadt an,
die im Umfeld der Obdachlosen bekannt gemacht werden. In diesem Winter 2020/2021
fährt der Bus, im Gegensatz zum letzten Mal, an jedem Tag - unabhängig von den Temperaturen
- bis zum 29. Februar 2021, um den obdachlosen Menschen gegenüber eine
höhere Verlässlichkeit sicher zu stellen. Das Drogenhilfezentrum des Arbeitskreis für
Jugendhilfe e.V. und die Caritas haben im Winter 2018/2019 zusammen mit der Stadt
Hamm das Konzept erprobt, bei dem immer ein hauptamtlicher Mitarbeitender mit
einem Ehrenamtlichen die Tour begleitete.
Aufgrund des großen Erfolges wurde das Konzept weiterentwickelt und konnte nun in
Trägerschaft der Caritas Hamm verstetigt werden. Das Kälte-Shuttle wird jetzt von den
Hauswarten der Notunterkunft an der Dortmunder Straße gefahren, die seit
einigen Jahren von der Caritas gestellt werden. Dadurch kann der Transport
direkt an die Unterkunft gekoppelt werden und ermöglicht eine höhere Beziehungskontinuität
zwischen den Hauptamtlichen und den Wohnungslosen
als wesentliche Voraussetzung für die Bereitschaft, Hilfen anzunehmen.
2018
201
Die Tour soll auch weiterhin von Ehrenamtlichen
begleitet werden, um den Bus mit einem Tandem
auszustatten, das sich gegenseitig unterstützt und
besser reagieren kann, wenn es zu unvorhergesehenen
Zwischenfällen kommen sollte. Durch diese
Kopplung des Kälte-Shuttles an die Hauswarte beteiligt
sich die Stadt Hamm an der Finanzierung.
Zur Finanzierung der Sachkosten ist die Caritas auf
Spenden angewiesen. Aber auch ehrenamtliche
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich eine
Stunde Zeit nehmen können und keine Berührungsängste
im Umgang mit Obdachlosen haben,
werden noch dringend im Team gesucht.
2018
202
Digitalisierung
Anfang 2019 nimmt der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. konkrete Planungen auf, um im
gesamten Unternehmen die Voraussetzungen zu schaffen, Kommunikation, Dokumentation,
Archivierung und auch Beratung und Behandlung zu digitalisieren.
Gemeinsam mit dem Systemhaus Cramer aus Hamm wurde eine
IT-Strategie entworfen, in dessen Kern die Ertüchtigung von
Hardware und der Anschluss aller Standorte an das Breitbandnetz
stehen. Diese beiden Anforderungen werden als grundlegend
angesehen, um zukünftige Impulse und Anforderungen
überhaupt angehen zu können.
Die DHS-Fachtagung zur Digitalisierung im gleichen Jahr in Augsburg erbrachte genau
diese Impulse, hin zu neuen digitalen Strukturen und Arbeitsansätzen, zu Sicherheitsaspekten
und zum Datenschutz, sowie zur Partizipation von Mitarbeitenden an dieser
Entwicklung.
2019
203
In den kommenden zwei Jahren werden nun Investitionen getätigt, um die Serverstruktur
grundlegend zu erneuern, um alle PC-Arbeitsplätze mit einem vergleichbaren Standard
zu versehen, alle Einrichtungen mit einem Breitbandanschluss und WLAN auszustatten.
Die Druckersysteme werden emissionsarm und umweltschonend umgerüstet.
Mit WLAN ausgestattet wurde zudem mit freundlicher Unterstützung des Systemhaus
Cramer und LANCOM Systems das Café im Drogenhilfezentrum.
Hierzu wird eine Kooperation mit dem Systemhaus GreenIT eingegangen. Vorhandene
veraltete Telefonanlagen sollen ausgetauscht und mobiles Arbeiten gefördert werden.
Über die Hessische Landesstelle Sucht lässt sich Ewald Wehner seit 2020 zum „Digitalen
Lotsen“ qualifizieren, um insbesondere den Einbezug von Mitarbeitenden in diesen
Change Prozess aufzugreifen und zu unterstützen.
Durch die Corona-Pandemie erhält der eingeschlagene Weg gezwungenermaßen weiteren
Auftrieb. Es müssen nun noch verstärkt digitale Beratungs- und
Kommunikationswege gefunden werden. Zusammen mit der Landesstelle
Sucht in NRW und der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW werden hier
Projektansätze geschaffen.
2019
204
Zusammen mit RedlineData und der Gehring Group AG wird die Digitalisierung von Patientenakten
und deren Archivierung vorangebracht.
Dazu gilt es, die Auftritte des Unternehmens im Web und im Bereich der Social Media
konsequent zu optimieren und den Traffic, die Reichweiten, zu erhöhen. Dies ist auch
vor dem Hintergrund der zukünftigen Fachkräftegewinnung zu betrachten. Umfragen
unter Studienabsolventen der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Münster haben
ergeben, dass die Studierenden von zukünftigen Arbeitgebern umfangreiche Vorabinformationen
zur zukünftigen Arbeit und zur Organisation erwarten. Diese Informationen
werden primär über den Webauftritt eingeholt. Zur Optimierung der Webauftritte
wurde das Hamburger Start Up SB-Webdesign beauftragt.
Und nicht zuletzt die Absicherung digitaler Strukturen und Prozesse und die datenschutzrechtliche
Konformität ist zu regeln.
Viele Anforderungen liegen vor uns, um den digitalen Wandel im Unternehmen
zu gestalten. Dabei wird diese IT-Strategie wieder nur eine Entwicklungsstufe
abbilden. Die nächsten warten schon auf uns ...
2019
205
„Zimmer mit Zukunft“
Das Projekt „Zimmer mit Zukunft“ richtet sich an wohnungslose,
chronisch suchtkranke Menschen. Häufig haben sie Lebenskrisen
erlitten, in deren Folge sie an den Rand der Gesellschaft
gedrängt wurden. Ihre Versuche, sich in geregelten
Mietverhältnissen zu stabilisieren, sind wiederholt aufgrund
fehlender Wohnfähigkeit gescheitert. Ihre Biografie verläuft
zwischen dem Leben auf der Straße, Notunterbringungen,
Krankenhäusern/Kliniken und Justizvollzugsanstalten. Die
Personen sind gezeichnet von psychischen und physischen
gesundheitlichen Problemen. Die Zielgruppe ist die Gruppe
mit den vielfältigsten Problembelastungen unserer Gesellschaft
und damit in besonderem Maße hilfebedürftig, da auf keine eigenen Ressourcen
zurückgegriffen werden kann. Mit dem Angebot sollen insbesondere wohnungslose
suchtkranke Frauen erreicht werden, die oftmals aus unterschiedlichen Gründen
einen schlechteren Zugang zum Hilfesystem haben. Dafür ist das Projektteam paritätisch
besetzt, sodass die Bewohnerinnen eine Ansprechpartnerin für ihre individuellen
Belange vorfinden. Katharina Köhnke (Mitarbeiterin seit 2020) und
Josch Krause sind hier federführend tätig.
2020
In Kooperation mit FD Immobilien konnte im zweiten Halbjahr 2020
eine Immobilie gewonnen werden, in der zunächst acht Wohneinheiten
entstanden. Es handelt sich dabei um Einzelzimmer in kleinen Wohngemeinschaften.
In einem zusätzlich eingerichteten Büro vor Ort sind
die Mitarbeitenden des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ansprechbar für
alle Fragestellungen rund um Wohnen, Tagesstruktur, Hygiene, Drogengebrauch,
Freizeitgestaltung, Arbeit u.v.m.
206
„Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, den Bedürftigen zu helfen und dort zu unterstützen,
wo wir können. Dieses Projekt bietet die optimale Grundlage für eine gute
Zusammenarbeit und die Schaffung von Perspektiven für die Bewohner:innen “, so die
Geschäftsführer von FD Immobilien. Durch ergänzende aufsuchende Arbeit und die Betreuung
vor Ort werden Personen der Zielgruppe die Chance erhalten, unbürokratisch
Wohnraum zu gewinnen und zu bewahren. Mit dem Projekt sollen sie niedrigschwellige
und am Sozialraum orientierte Beratung, Betreuung und Unterstützung erfahren.
Ein eigens einberufener aus Expert:innen bestehender Projektbeirat begleitet den
Projektverlauf engmaschig und unterstützt durch ein breit gefächertes Netzwerk. „Die
konzeptuell lange Zeit strikt voneinander getrennten Drogen- und Wohnungslosenhilfen
werden miteinander verbunden. Mit dem Know-how aus beiden Bereichen entsteht
eine passgenaue Hilfe für diejenigen, die besonders hilfebedürftig sind“, fasst der
Projektbeiratsvorsitzende Wolfgang Rometsch das Projekt zusammen. Durch langjährige,
verlässliche Kooperationen im Hilfenetzwerk Hamm und durch die Projektfinanzierung
des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW erhält
Hamm die Chance, dem dramatischen Trend auf dem Wohnungsmarkt
entgegenzuwirken und den Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen,
die ihn dringend brauchen, aber nicht aus eigener Kraft gewinnen
können.
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Expertise im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Expertise über Jahrzehnte gefragt
Der Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. war und ist über fünf Jahrzehnte hinweg ein
Vorreiter in der Entwicklung und Umsetzung von praxisbezogenen Angeboten und
Hilfen, von der Prävention bis zur Therapie, von der Rehabilitation bis hin zu neuen
Süchten.
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Vor diesem Hintergrund waren die Mitarbeiter:innen und in den ersten zwei Jahrzehnten
insbesondere der 1. Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende Dr. Helmut
Hünnekens, gefragte Expert:innen auf Landes- und Bundesebene. Dr. Helmut Hünnekens
war nicht nur stellvertretender Sprecher des wissenschaftlichen Kuratoriums der
Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren und auch Mitglied des Vorstandes,
sondern zudem 1. Vorsitzender des Deutsch-niederländischen Förderkreises Suchthilfe
e.V., Berater der Ärztekammer Westfalen Lippe in Suchtfragen sowie Mitglied der
Kommission Drogen und Aids beim Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des
Landes NRW.
Viele Mitarbeiter:innen, zu nennen sind hier insbesondere Wolfgang
Rometsch, Paul Katz, Rainer Bathen, Rolf Buschkamp, Dorothee Behler-
Brodd wurden wegen ihrer fachlichen Kompetenzen nicht nur zu mehreren
hundert Fachvorträgen und Schulungen angefragt, sie wurden
auch in landes- und bundesweite Fach- (politischen) Gremien berufen.
Zu nennen wären hier beispielhaft die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung
und Suchttherapie, Akzept e. V., Arbeitsgemeinschaft Drogen
und Politik, Frau und Sucht, Arbeitsgemeinschaft der Präventionsfachkräfte.
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Insbesondere die Interessenvertretung für das Deutsche Rote Kreuz, Landesverband
Westfalen-Lippe führt seit 1971 dazu, dass der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. in wichtigen
fachpolitischen Gremien vertreten ist. Auf kommunaler Ebene ist hier der Lenkungskreis
Kommunale Suchthilfeplanung zu nennen, auf Landesebene die Mitwirkung
im Arbeitsausschuss der freien Wohlfahrtspflege NRW, im Beirat der Landesstelle
Sucht NRW und auf Bundesebene die Mitarbeit im Vorstand der Deutschen Hauptstelle
für Suchtfragen (DHS). Für die DHS vertritt der AKJ e.V. die Interessen auch im Vorstand
der Marianne-von-Weizsäcker-Stiftung. Hinzu kommen verschieden fachspezifische
und regionale Vernetzungsgremien, wie die Regionalkonferenz NRW des Bundesverbandes
der stationären Suchtkrankenhilfe buss, der AK Sucht im Kreis Coesfeld, Praktiker:innentreffen
in der Wohnungslosenhilfe, der Schuldnerberatung oder der Eingliederungshilfe.
Zudem bringen immer wieder Mitarbeiter:innen ihre Expertise in die Aus- und Weiterbildungsarbeit
ein und lehren an Fach- und Hochschulen.
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Corona
Das Jahr 2020 steht unter einer ganz besonderen Herausforderung für das Unternehmen.
Seit Beginn des Jahres breitet sich mit dem SARS-Cov-2 Virus und der daraus resultieren
Erkrankung COVID-19 eine hochinfektiöse und bei Erkrankung von schwersten
Verläufen gekennzeichnete weltweite Pandemie aus. Die WHO ruft im März den pandemischen
Status aus. Die Länder sind gezwungen massive Restriktionen zur Kontaktbeschränkung
bis hin zu landesweiten Lockdowns zu verhängen, um die Infektionsketten
zu durchbrechen, die Gesundheitssysteme vor Überlastung zu schützen und die Pandemie
unter Kontrolle zu bekommen. Gleichzeitig brechen infolge mangelnder Vorbereitung
zunächst die Lieferketten für Schutzmaterial oder Desinfektion zusammen. In
Deutschland stehen Bund, Länder und Kommunen vor ungeahnten Herausforderungen.
Gleiches gilt für die Wirtschaft, Schulen und Universitäten, dem Kultur-
und Sportbereich und natürlich dem gesamten Sozial- und Gesundheitssektor.
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Lockdown, PCR-Test, Pandemiepläne, Alltagsmasken, AHA(L)-Regel, Quarantäne
oder Social Distancing gehören bald genauso zum alltäglichen
Sprachgebrauch, wie milliardenschwere Hilfspakte, Kurzarbeit und Existenzbedrohung
für Solo-Selbständige, Gastronomen und Hoteliers. Denn
auch Reisen und die gewohnte Bewegungsfreiheit sind nicht mehr ohne
Weiteres möglich.
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Und gleichzeitig entsteht ein tiefer Riss in der Gesellschaft. Politik und Wissenschaft auf
der einen Seite und Verschwörungstheortiker und selbsternannte Expertinnen und Experten
auf der anderen. Und dazwischen muss es den sozialen Trägern, wie auch dem
Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der Netzwerk Suchthilfe gGmbH, gelingen, ihrem
Versorgungsauftrag verantwortlich nachzukommen und gleichzeitig Mitarbeitende
und Klient:innen gleichermaßen zu schützen.
Wir erleben eindrücklich, dass Sucht keinen Halt davor macht, ob ein Virus das soziale
Leben lahmlegt. Im Gegenteil. Social Distancing führt zu einer Verstärkung von Symptomen
und Phänomenen, die im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung stehen.
Gleichzeitig fehlen soziale Einflussnahme und Kontrolle. Erst 2021 werden wir in der
Rückschau klarer sehen, was diese Notsituation in diesem Jahr ausgelöst oder verstärkt
hat.
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Sehr schnell reagierten unsere Fachverbände wie z.B. die Deutsche Hauptstelle für
Suchtfragen (DHS), der Bundesverband der stationären Suchtkrankenhilfe (buss), der
Fachverband Drogen- und Suchthilfe (fdr+) oder der Fachverband Medienabhängigkeit
und aktivierten die Politik zur Feststellung der Systemrelevanz
der Suchthilfe. Nur damit war zeitweise überhaupt möglich, die
Arbeitsfähigkeit der Einrichtungen aufrecht und die notwendigen Hilfen
und Angebote offen zu halten. Dabei mussten auch unsere Einrichtungen
existenzbedrohende Entwicklungen überstehen. Die Auslastung in den
stationären Einrichtungen sanken infolge von verhängten Aufnahmestopps
und ausbleibenden Vermittlungen.
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Die Aufrechterhaltung von Kontakten im ambulanten Bereich musste neue Wege gehen
und die Leistungsträger wie die Stadt Hamm, der Landschaftsverband Westfalen-
Lippe und auch die Krankenkassen und die Rentenversicherung unterstützten hierbei
herausragend mit flexiblen Lösungen. Vielleicht lassen sich einige dieser Lösungen
auch später aufrecht erhalten.
Trotz des herausragenden Einsatzes aller in dieser Krisenzeit, ist dieses Jahr das wohl
schwierigste in der Unternehmensgeschichte. Wir danken an dieser Stelle allen, die
unser Unternehmen gestützt und mitgeholfen haben, es bisher durch diese Zeit zu
tragen. Dazu gehören der DRK Landesverband Westfalen-Lippe e.V., der uns mit Know-
How für Pandemiezeiten ausgestattet hat, unsere Netzwerkpartner, die mit uns gemeinsam
weitergearbeitet haben, unsere Leistungsträger und natürlich nicht zuletzt
unsere hochengagierten Mitarbeiter:innen die trotz eigener Ängste und Belastungen
ihre Arbeit mit Einsatz und Opferbereitschaft verrichtet haben.
Wir wissen heute noch nicht, wann die Pandemie vorüber sein wird und
wann es wieder eine uns bekannte Normalität geben wird. Laut einer Berechnung
der Unternehmensberatung McKinsey aus September 2020
wird dies womöglich erst im Jahr 2023 soweit sein. Bis dahin bleiben wir
zuversichtlich!
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50. Jubiläumsjahr des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.
Das Jahr 2020 sollte ein besonderes Jahr in
der Geschichte des Arbeitskreis für Jugendhilfe
e.V. werden. Schließlich wird man ja nicht
oft 50 Jahre alt. Eine Reihe von Aktionen und
Aktivitäten wurde bereits seit 2018 vorgeplant
und fest verabredet.
Im Zentrum stand eine Fachtagung, gemeinsam
geplant und durchgeführt von der LWL –
Universitätsklinik Hamm und dem Arbeitskreis
für Jugendhilfe e.V. Eine Planungsgruppe wurde
eingerichtet, schnell waren Ort und Datum
verabredet und die inhaltliche Vorbereitung nahm Fahrt auf. Für die Mitarbeitenden
war eine Party am 04.12.2020 im Hoppegarden Hamm geplant,
zu der wir auch ehemalige Mitarbeitende begrüßen wollten. Eine weitere
Veranstaltung mit verschiedenen Akzenten wie Lesung, Konzert und Ehemaligentreffen
war für die Einrichtungen selbst vorüberlegt. Ja und dann
die Erstellung dieser Chronik sollte das Jubiläumsjahr abrunden.
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Am 15.12.2020, dem eigentlichen Geburtstag des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ist
einzig die Chronik übrig geblieben. Wir freuen uns dennoch sehr, dass zumindest dieses
Projekt umsetzbar war. Alles andere musste infolge der Corona-Pandemie abgesagt und
verschoben werden.
Es wird weitere Jubiläen geben. Sicher! Und wir freuen uns schon heute darauf, Sie und
Euch dann begrüßen zu dürfen!
Abgesagt/verschoben
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