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Chronik: Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. - Version 2.0

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Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

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CHRONIK


2

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der

Übersetzung sind vorbehalten. Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form (durch

Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des

Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. reproduziert oder unter Verwendung elektronischer

Medien verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Herausgeber

© Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Vorstand

Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus

Brüderstr. 39, 59065 Hamm

Fon +49.2381.92153.20 Fax +49.2381.92153.23

zv@akj-hamm.de · www.akj-hamm.de

Redaktion

Denis Schinner, Christiane Vogel, Sylvia Groß, Peter Eickhoff

Gestaltung

Grafikdesign: Arno Weber, Hamm

Internet: Sebastian Bunsen, Hamburg

1. Auflage

Hamm 2020


3

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 6 – 11

Die Gründungszeit

Seite 12 – 23 Die Jahre 1971 bis 1980

Seite 24 – 40 Die Jahre 1981 bis 1990

Seite 41 – 61 Die Jahre 1991 bis 2000

Seite 62 – 144 Die Jahre 2001 bis 2010

Seite 145 – 213 Die Jahre 2011 bis 2020


4


5


6

EINE DOKUMENTATION - Nachgezeichnet auf Grund von

Protokollen, Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Fotos.

Der Impulsgeber – Im Sommer 1969 war es ein junger Sozialarbeiter der damaligen

Jugendgerichtshilfe (heute: Katholischer Sozialdienst e.V. Hamm), der das Vertrauen

vieler Klient:innen gewinnen konnte, die Modedrogen konsumierten, einen hohen Finanzbedarf

hatten und in gut abgeschirmten Kreisen lebten. Dieser besagte Sozialarbeiter

war beunruhigt und aus heutiger Sicht sogar gekränkt darüber, dass das in

anderen Großstädten bereits bekannte neue und ernste Problem des Drogenkonsums

in Hamm von den zuständigen Stellen ignoriert und sogar bestritten wurde. Ihm wurde

schlichtweg nicht geglaubt.

Die Resonanz seiner damaligen Lehrsupervisorin Frau Cora Baltussen, Nijmegen (NL)

war aus der Erinnerung über 50 Jahre später folgende: „…Wollen Sie, dass man Ihnen

glaubt und Sie einen persönlichen Erfolg haben oder der Sache dienen? Wenn letzteres:

Wen kennen Sie in Hamm, dem man wegen seiner Autorität glaubt?“ Daraufhin hat

dieser junge Sozialarbeiter Herrn Dr. med. Helmut Hünnekens, damaliger Landesmedizinaldirektor

und Ärztlicher Direktor der Jugendpsychiatrischen Klinik in Hamm (heute:

LWL-Universitätsklinik Hamm) angesprochen und ihm ab dem 20. August 1969 für viele

Einzelgespräche junge Drogenkonsumenten zugeführt.

Der junge Sozialarbeiter von damals war Aloys Schepers, Gründungsmitglied

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

1969


7

DER ANFANG - Gründung des Elternkreises

„Herr Dr. med. Hünnekens hat sich sofort und beharrlich mit großer ärztlicher Kompetenz

und mit den organisatorischen Möglichkeiten eines Klinikdirektors in den Dienst

der Sache gestellt. Die Rolle wurde ergänzt durch sein Schaffen über den Klinikalltag

hinaus. Mit großer persönlicher Überzeugungskraft und begeisternder Leidenschaft

förderte er weit über Hamm hinaus

ein öffentliches Bewusstsein für die

neue Drogenproblematik.

1969


8

Er gewann und förderte ehrenamtliches Engagement in der Hammer Bürgerschaft und

wurde so schon bald in Gremien der Kommunal- und Gesundheitspolitik, der örtlichen

und überörtlichen Presse beachtet.“ (Zitat Aloys Schepers, 30.09.2020).

Im Jahr 1969 schlossen sich betroffene Eltern, Ärzte und Ärztinnen, Lehrer:innen, Verwaltungsmitarbeiter:innen

u. a. wegen des zunehmenden Drogenkonsums in Hamm zu

einem Elternkreis zusammen.

1969


9

Gründung des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

„ ... Auf Veranlassung des Jugendamtes der Stadt Hamm informierte Herr Dr. med. Helmut

Hünnekens bereits am 21. Januar 1970 die Hammer Fachöffentlichkeit über die

örtliche Drogenszene. Am 13. März 1970 hatte Herr Dr. Hünnekens Ärzte, Vertreter von

Jugendämtern, Gerichten und Kommunalpolitiker zu einer Konferenz in die Jugendpsychiatrische

Klinik geladen ...“ (Zitat Aloys Schepers, 20.09.2020).

Am 04.06.1970 startete das Angebot „Drug-Out“ mit neun Betten und war eine der ersten

spezialisierten stationären Suchtbehandlungen in besagter psychiatrischer Klinik.

(Mittlerweile wurde die Versorgung auf 20 Entwöhnungsbetten in der LWL- Universitätsklinik

Hamm ausgebaut.)

1970


10

„... Die Initialzündung für die Drogenarbeit in der Jugendpsychiatrie, die dann zur Entwicklung

des Hammer Modells führte, war ein Zusammentreffen von jungen Menschen,

die zum Teil Drogen konsumierten und engagierten Bürgern der Stadt Hamm, die an die

Mitarbeiter der Klinik herantraten, um über Ursachen und Folgen des Drogenkonsums

fachliche Stellungnahmen zu bekommen. Es wurde ein gemeinsames Treffen vereinbart

unter dem Motto „Betroffene fragen Fachleute“. In dieser Veranstaltung trat dann eine

merkwürdige Veränderung ein, die mir bis heute noch sehr deutlich in Erinnerung ist.

Wir hatten am Ende der Veranstaltung „betroffene Fachleute“. Was die jungen Leute uns

berichteten, war so eindrucksvoll und bewegend, dass es uns alle nicht mehr losließ und

insbesondere unseren damaligen Chef, Herr Dr. Hünnekens ...“ (Zitat Joachim Dittrich

(† 2005), früherer therapeutischer Leiter der Suchtstation der Jugendpsychiatrie Hamm

und späterer Projektleiter, Malteser Therapeutische Wohngruppen Auxilium Hamm

anlässlich der Festveranstaltung 25 Jahre Hammer Modell – Einführungsvorträge)

Doch es blieb 1970 nicht bei den neun Betten in der Jugendpsychiatrie Hamm. Im gleichen

Jahr gründete sich aus dem Elternkreis heraus der „Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.“

1970


11

Die Satzung wurde am 15.12.1970 errichtet und eingetragen.

1. Vorsitzender war Landesmedizinaldirektor Dr.

med. Helmut Hünnekens († 26.12.1995), Stellvertreterin

Erika Salomon († 12.02.2011), Geschäftsführer Hans-

Dieter Braun (alle Hamm). Als Kassenwart wurde der

Apotheker Rolf Kayser aus Freiske berufen.

Dr. Helmut Hünnekens blieb bis zum 29.11.1986 1. Vorsitzender

und im Anschluss bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Vorsitzende und Präsidenten des Arbeitskreis für

Jugendhilfe e.V. bisher:

1970 – 1986 Dr. med. Helmut Hünnekens, Hamm

1986 – 1990 Herbert Ziegeler, Bönen

1990 – 2006 Prof. Dr. Hans-Joachim Jungblut, Senden

2006 – 2011 Prof. Dr. Hans-Joachim Jungblut, Senden

(als Präsident)

2011 – heute Prof. Dr. med. Leopold Balleisen, Hamm

1970


12

Einrichtung Beratungsstelle für gefährdete Jugendliche und

Elternkreis drogenabhängiger und gefährdeter Jugendlicher

Im Januar 1971 wurde die erste „Beratungsstelle für gefährdete Jugendliche“ an der

Südstraße 39 in Hamm-Mitte eröffnet. (Westfälischer Anzeiger und Kurier v. 03.06.1971)

Auch der etwas später gegründete „Elternkreis drogenabhängiger und -gefährdeter Jugendlicher“

war hier ansässig. Hans-Dieter Braun, Gründungs- und Vorstandsmitglied

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. gab dem Elternkreis Stimme und Gesicht. Unter der

Leitung von Klaus-Jürgen Wolter wurden bis zu 10 Beratende unterschiedlicher Disziplinen

ehrenamtlich jeden Donnerstag von 17:00 – 21:00 Uhr tätig. Unter ihnen war auch

Lothar Weiß, katholischer Vikar, als „Hasch-Kaplan“ und „Anwalt der Unterprivilegierten“

bekannt. Diese Zeit war auch davon geprägt, dass es kaum Akteure aus Sozialberufen

gab, die die Arbeit hauptamtlich mittragen wollten.

1974 erfolgte im Zuge einer Neuorganisation des Angebotes ein Umzug der Beratungsstelle,

nun schon als „Drogenberatungsstelle“, an den Marktplatz 4. Die Leitung

des Büros hatte Frau Angelika Kasprowiak inne. Für die Finanzverwaltung war Herr Kurt

Kasischke, bis zu seiner Pensionierung Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt

Hamm, zuständig. Verantwortlicher Drogenberater und späterer kurzeitiger Leiter der

Beratungsstelle war der Theologe und spätere Studiendirektor Gotthard

Schmidt. Er wechselte einige Jahre später in den Vorstand und ist bis heute

Mitglied im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

1971


13

Mitte 1979 bestand das Team der Drogenberatungsstelle aus den Sozialpädagoginnen

und -pädagogen Paul Katz, Bärbel Wevers und Annemarie Wattendorf. Rolf Buschkamp

ergänzte das Team ab Oktober 1979 als Berufspraktikant.

Zum zehnjährigen Jubiläum des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. 1980 befand sich die

Beratungsstelle am Stadtbad 14 in Hamm. Leiter war zu dieser Zeit Paul Katz. Mit seinem

Ausscheiden im Jahr 1982 übernahm zunächst der Dipl.-Sozialpädagoge Rainer Bathen

seine Aufgaben, er war seit 1981 beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. beschäftigt. Ab

1986 firmierte die Beratungsstelle als „Jugend- und Drogenberatungsstelle“.

Am 29. Juni 1987 zog die zwischenzeitlich erneut

umbenannte Fachstelle als „Beratungsstelle

für Drogenfragen und Krisenhilfe“ in die

Weststraße. Geleitet wurde sie weiterhin von

Rainer Bathen.

1971


14

Ab Anfang 1995 nutzte die Drogenberatungsstelle neue Räumlichkeiten in der Widumstraße

1 in Hamm-Mitte. Mit dem Wechsel von Rainer Bathen in die Geschäftsführung

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. übernahm der Diplom-Sozialarbeiter Ewald Wehner

(Mitarbeiter seit 1991) 1996 die Leitung der Beratungsstelle. Bis heute wird das Drogenhilfezentrum

Hamm (Bezeichnung seit 2006) von ihm geleitet.

1971


15

Eröffnung des Übergangswohnheims

1971 wurde das Übergangswohnheim am Ostenwall 47 in Hamm eröffnet. Die Stadt

Hamm stellte dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. dieses Haus zur Verfügung, gab

eine Anschubfinanzierung und der damalige städtische Sozialarbeiter Joachim Dittrich

– späterer therapeutischer Leiter der Drogenabteilung im Westfälischen Institut

für Kinder - und Jugendpsychiatrie - unterstützte tatkräftig in der Startphase. Ziel dieses

Projektes war die soziale und

berufliche Reintegration von Suchtmittelabhängigen.

Sie sollten von

hier aus wieder einer Beschäftigung

nachgehen ohne gänzlich auf sich

alleine gestellt zu sein. Es zeigte

sich jedoch nach einiger Zeit immer

deutlicher, dass eine lockere Betreuungsform

nicht ausreichte, so dass

bald nach strukturierteren Möglichkeiten

gesucht werden musste.

1971


16

Umstrukturierung und Umbenennung Übergangswohnheim

zum Rehabilitationswohnheim

1974 wurde die Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie

(heute LWL-Universitätsklinik Hamm) in die Gesamtbehandlung (das„Hammer Modell

„– Beratung – Behandlung – Nachsorge ) eingebunden. Es wurden weitere Mitarbeiter

eingestellt, Richtlinien und Konzepte erarbeitet. Wolfgang Rometsch, zuvor als

Diplom-Sozialarbeiter auf der Drogenstation in der Heithofer Allee tätig, übernahm

die Leitung des Rehabilitationswohnheims. Leistungsträger war zu diesem Zeitpunkt

der Landschaftsverband Westfalen-Lippe - LWL, als überörtlicher Träger der Sozialhilfe.

1977 erfolgte der Umzug des Reha-Wohnheims in die Rosa-Luxemburg-Str. 41 in

Hamm-Heessen, dem vorherigen „Sachsen-Konsum“ im früheren Haus Nüsperling.

Nach einigen Jahren stellte sich heraus, dass weitere Angebote zur Reintegration behandelter

Drogenabhängiger erforderlich wurden. Zu nennen sind hier u. a. die ambulante

Nachsorge, eine Schulsozialarbeit für die Modellschule für Drogenabhängige

an der Westfälischen Krankenhausschule oder berufliche Übergangsmaßnahmen.

Alle diese neuen Projekte wurden 1978 an der Goethestaße 41 unter dem Begriff „Ambulante

Dienste“ gebündelt. Diese neue Abteilung wurde von Wolfgang Rometsch

übernommen, sodass Hans Grösbrink (langjähriger Mitarbeiter und späterer Leiter

der Fachklinik Haus Unterberg in Beckum) 1978 Leiter an der Rosa-Luxemburg Straße

wurde.

1974


17

Mit der Übernahme der Gesamtleitung der

Fachklinik in Beckum schied Hans Grösbrink

aus, Hartmut Brinkmann übernahm dann

die Leitung bis 1995, bevor dieser die Verantwortung

Monika Buschkamp (Mitarbeiterin

1976 -2009) übergab. Der letzte Leiter,

bevor die Einrichtung mit der Fachklinik Release

2010 zusammengeführt wurde, war

Kai-Erik Escher (Mitarbeiter 1992 – 2010).

Ab 1996 werden in der Einrichtung medizinische

Leistungen der Rehabilitation abhängigkeitserkrankter

Menschen unter der

Federführung der Deutschen Rentenversicherung

Westfalen – DRV erbracht. Die Einrichtung

heißt seit 2010 Fachklinik Release

– Adaption und ist somit sicherlich die älteste

stationäre „Nachsorgeeinrichtung“ im

Land Nordrhein Westfalen (NRW).

1974


18

Beratung drogenabhängiger Inhaftierter

in der JVA Hamm

Im Jahres- und Geschäftsbericht des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. heißt es –

Die beste Motivation endet oft hinter den Mauern der Gefängnisse.

Ende der siebziger Jahre wurde bereits sehr kontinuierlich Beratungsarbeit in der Justizvollzugsanstalt

Hamm geleistet. Zur damaligen Zeit konnten die Mitarbeitenden der

Beratungsstelle nur einmal wöchentlich für 3 Stunden in der JVA beraten. Standen in der

ersten Jahreshälfte 1978 noch rund dreißig Minuten für die Beratung je ratsuchendem

Inhaftierten zur Verfügung, verdichtete sich die Beratungszeit, infolge von „verwaltungstechnischen

Gründen“ auf 2 Stunden in der Woche und somit auf rund 15 Minuten je Beratungsgespräch

bei ca. 6-8 Ratsuchenden. Erschwerend kam zu dieser Zeit der Umstand

zur Geltung, dass Sozialarbeitenden laut Urteil des Bundeverfassungsgerichtes vom 19.

Juli 1972 (2BVL 7/71) kein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden wurde.

Die Abänderung dieses rechtlich problematischen Zustandes sowie die Forderung

von zeitlich unbegrenzten Gesprächsmöglichkeiten oder ein störungsfreies Gespräch

formulierten nicht nur die Hammer Sozialarbeiter:innen zu der Zeit.

1978

1980 wurden erprobungsweise Gruppengespräche eingeführt. Dem im

Grunde positiven Effekten der Beratungsarbeit standen jedoch institutionelle

Schwierigkeiten gegenüber. Mangelnde Unterstützung von Sozialarbeiter:innen,

ausgehend von männlichen JVA Bediensteten, oder auch

sich anschließende Durchsuchungen der Gruppenteilnehmern stellten

das Vertrauensverhältnis immer wieder in Frage. Die Zusammenarbeit

zwischen Justizvollzug und Sozialer Arbeit gestaltet sich über Jahrzehnte

hin ambivalent und musste immer wieder auf Leitungsebene begleitet

werden.


19

Mit der Einrichtung einer externen Beratungsstelle im Arbeitsfeld Aufsuchende Sozialarbeit

in der Justizvollzugsanstalt Hamm wurde erst 1991 eine adäquate Antwort gegeben

auf die zunehmende Anzahl der drogenabhängigen Inhaftierten. Ewald Wehner

übernahm diese Aufgabe. Die JVA Hamm stellte für die Durchführung der Beratungsarbeit

einen Besucherraum zur Verfügung.

In der Auftaktphase fanden zweimal wöchentlich Sprechstunden statt. Aufgabe der externen

Drogenberatung war zunächst einmal über Einzelgespräche, Motivation zu fördern

im Hinblick auf einen möglichen Veränderungsprozess. Im Mittelpunkt der Arbeit

stand dann die Vorbereitung und Durchführung der Vermittlung in stationäre Langzeittherapien.

Zur Unterstützung dieser Aufgabe wurden schon ab dem Frühjahr 1992 regelmäßig

Therapieeinrichtungen in die JVA eingeladen.

Beide Seiten mussten sich aber zunächst aneinander gewöhnen und Vertrauen zueinander

schaffen. Als in einem Jahresbericht der Beratungsstelle für Drogenfragen und

Krisenhilfe ein Plädoyer für die Vergabe von Spritzen auftaucht als Prophylaxeoption

gegen eine H.I.V. Erkrankung, interpretiert der damalige Anstaltsleiter diese Ausführungen

als Hinweis auf den Versuch des Mitarbeiters Spritzen ohne Genehmigung in die

JVA zu bringen.

1978


20

Eine Reihe von Mitarbeitenden waren in diesem Arbeitsgebiet aktiv. Jörg Benscheidt

(Mitarbeiter 1998 – 2008), Chris Gräbel (Mitarbeiter seit 1994) oder Ellen Dreier (Mitarbeiterin

1996 - 2008)

2005 musste die Arbeit erstmals infolge von Mittelkürzungen eingestellt werden. Nach

der Wiederaufnahme der Beratungsarbeit durch Kristian Kayser (Mitarbeiter seit 1994)

musste das Engagement 2019 erneut eingestellt werden. Die Finanzierung der Beratungsarbeit

zeigt sich erneut nicht ausreichend. Beide Seite vereinbarten die Wiederaufnahme

der Kooperation sobald sich die finanzielle Ausstattung des Angebotes durch

das Justizministerium NRW positiv und auskömmlich darstellt.

Nach einer Neukonzipierung der Finanzierung kann das Angebot ab Januar 2022 wieder

aufgenommen werden. Lukas Necker (Mitarbeiter seit 2021) übernimmt die fachliche

Ausgestaltung.

1978


21

Beginn Prophylaxe- und Kontaktarbeit

Während sich die Arbeit in der Beratungsstelle etabliert sah, bekamen die damaligen

Mitarbeiter:innen zunehmend den Eindruck, dass eine „Vorfeldarbeit“, wie auch immer

das konkret werden mochte, notwendig wurde. Der Einsatz einer ersten Honorarkraft

machte es zumindest möglich, unter dem Sachzwang der Notwendigkeit erste Versuche

zu starten.

„…Es schien – und das zeigte auch die Gruppenarbeit (in der Beratungsstelle - Anmerk.

d. Red.) – auf jeden Fall nicht zweckmäßig zu warten, bis dass gefährdete oder weiche

Drogen konsumierende Jugendliche die Beratungsstelle aufsuchten. Schwellenangst

oder Nicht-Erkennen der eigenen Situation, fehlender Leidensdruck, Angst vor Stigmatisierung

und dergleichen bei den Jugendlichen und ihren Bezugspersonen und die

Beobachtung durch die Mitarbeiter, dass sich die „Szene“ rapide verjüngt und zunehmend

risikofreudiger weiche Drogen konsumiert wurden, erforderten die Erarbeitung

neuer Arbeitsweisen. Eingeschränkt wurden diese Überlegungen durch die finanziellen

und personellen Tatsachen, die wenig Spielraum für das eigene Handeln ließen….“

(Ansatzpunkte und derzeitige Möglichkeiten ambulanter Arbeit einer Drogenberatungsstelle,

1980, Seite 35)

Zur Anfangszeit standen insbesondere jugendliche „Gefährdete“ und

Konsumenten „weicher Drogen“ für den „Kontaktarbeiter“ im Fokus. Die

Treffpunkte in Hamm waren bekannt. Dazu gehörten auch die Jugendzentren.

1980


22

Dort gab es einen weiteren entscheidenden Vorteil, neben der Ansprache zum „Kontaktarbeiter“

gab es auch die Möglichkeit einer kontinuierlichen pädagogische Besetzung.

Der Einstieg in die Prophylaxe- und Kontaktarbeit erfolgte im Jugendzentrum

Südstraße. Ein Sozialarbeiter im Anerkennungsjahr war regelmäßig donnerstags für

etwa 5-6 Stunden vor Ort im „offenen Bereich“. Die damals als ebenso wichtig und

notwendig erachtetet aufsuchende Arbeit als Streetworkangebot konnten infolge fehlender

finanzieller Absicherung noch nicht geleistet werden.

Ab Januar 1981 arbeiteten zwei Mitarbeitende schwerpunktmäßig in dem Arbeitsbereich

Kontaktarbeit. Möglich wurde dies durch die Förderung der Stadt Hamm und des

Landes Nordrhein-Westfalen. Die Schwerpunkte lagen auf den Stadtteilen Bockum-Hövel

und Hamm-Mitte.

Neben der Arbeit stand auch der Erfahrungsaustausch mit auswärtigen Kolleg:innen

im Blickpunkt. Es entstand so ein reger Austausch im Sinne von Best Practice Ansätzen.

So wurde in der Hamburger Drogenberatungsstelle in Eimsbüttel hospitiert oder es

wurden Lehrerseminare z.B. in Aachen organisiert. Der Austausch erleichterte den Einstieg

in die Kontaktarbeit vor Ort erheblich.

1980


23

Neben den regelmäßigen Besuchen von Kneipen, Spielhallen und Treffpunkten in der

Stadt, standen weiterhin die Jugendzentren Süd- und Schultenstraße im Fokus der

Arbeit. Es entwickelte sich ein riesiges Netzwerk zu anderen freien Trägern, Kirchengemeinden,

politischen Jugendverbänden, den Pfadfindern und diversen Erwachsenengesprächskreisen,

zu einem Heim, zu Lehrer:innen und Schüler:innen, zum

Berufsförderwerk, zur Volkshochschule, zur Regionalen Arbeitsgemeinschaft für Ausländerfragen

(RAG), zur Bewährungshilfe und zu Mitarbeitenden verschiedenster Ämter

der Stadt Hamm.

Aus den hier geleisteten Arbeiten im Prophylaxe- und Kontaktbereichen entstanden

wichtige Impulse und Idee für Projekte und noch heute aktiven Arbeitsinhalten.

1980


24

Zweckbetrieb „Die Werkstatt”

Der Westfälische Anzeiger schrieb in seiner Ausgabe vom 09.03.1984: „Rainer Bathen

und Horst Grzelka wollten nicht länger auf das Wunder warten, dass ihnen irgendwer

irgendwann für ihre Schützlinge Arbeitsplätze anbiete. Die beiden Sozialarbeiter, der

eine von der Drogenberatungsstelle am Stadtbad (Heute Drogenhilfezentrum, Brüderstr.

39 in Hamm; Anmerk. d. Red.), der andere aus dem Reha-Wohnheim in Hamm-Heessen

(Heute Fachklinik Release – Adaption, Rosa-Luxemburg-Str. 41 in Hamm; Anmerk.

d. Red.), griffen zur Selbsthilfe. Zusammen mit Kollegen gründeten sie einen sogenannten

Zweckbetrieb, ein Kleinunternehmen, das jetzt Arbeitstraining und Ausbildungsmöglichkeiten

für insgesamt 24 arbeitslose Rauschgiftgefährdete oder Suchtpatienten

nach durchlaufener Therapie bereithalten soll. So baute der Arbeitskreis seit Jahresbeginn

eine kleine Abteilung für forstbetriebliche Arbeiten auf, ausgerüstet mit dem

notwendigen Werkzeug, ferner wurde ein Klein-LKW angeschafft, der zu Entrümpelungs-

und Renovierungsarbeiten zur Verfügung steht, aber auch Umzüge und andere

Speditionsaufträge bewältigen soll.

1984


25

Schließlich entstehen zur Zeit in Räumen des Reha-Wohnheims eine Fahrrad- und eine

Holzwerkstatt, die von einem qualifizierten Tischlermeister geleitet werden soll. Jedem

Bürger werden nicht nur die Dienstleistungen, wie Wohnungsrenovierung einschließlich

Tapezieren angeboten, sondern auch Fertigung von Kleinmöbeln und Spielzeug,

Aufarbeitung und Weiterverkauf von Altmöbeln (Noch heute finden sich in der Fachklinik

Release – Adaption einzelne Möbelstücke aus dieser Zeit, Anmerk. d. Red.). Im Forstbereich

umfasst die Servicepalette sowohl Pflegearbeiten als auch Holzverkauf. Erster

Kunde war übrigens die Boeselagersche Forstverwaltung, die Auslichtungsarbeiten in

Auftrag gab….“

Die Erfahrungen aus diesem Projekt, welches 1991 eingestellt wurde, bildeten die

Grundlage für die arbeitstherapeutischen Angebote der 1996 gegründeten Fachklinik

Release z.B. mit Stephan Steigerwald (Mitarbeiter seit 1996) und der Holzwerkstatt

oder Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter seit 1997) mit der Küche und dem Hauswirtschaftsbereich

oder auch die Steinmetzwerkstatt mit Leo Schlenker (Mitarbeiter von

1996 – 2018). Unzählige weitere Projekte, wie

das Forstprojekt, der „Münsterländer Streu“

oder der Integrationsbetrieb „Grünspecht“

setzten hier auf.

1984


26

Eröffnung Kontaktladen coffeeshop „extra dry”

Als inhaltlich logische Konsequenz aus der aufsuchenden Prophylaxe- und Kontaktarbeit

ab 1980, wurde die Idee geboren, „(...) dem Kollegen auf der Straße“ eigene Räumlichkeiten

zu geben. Warum sollte der Kontaktarbeiter nicht außerhalb der üblichen

Räumlichkeiten mit Konsumzwang (Disco, Kneipe) seine eigene Kneipe bekommen

(...)“. So wurde mit den Aufbauplanungen für den niedrigschwelligen Kontaktladen begonnen.

Im Jahr 1988 eröffnete an der Sedanstr. 22 in Hamm der Kontaktladen coffeeshop

„extra dry“ als niedrigschwelliges offenes Angebot der Drogenhilfe.

„(…) Stellen Sie sich nun bitte eine Art von Café vor, eingerichtet im Geschmack jugendlicher

Erwachsener. Den Bereich, in dem Bistro-Tische und Stahlsessel stehen, sind

verschiedene Räume angegliedert, die unterschiedliche Funktionen haben (...) Der Cafè-Bereich

dient dem Kontakt, dem Aufenthalt, der Kommunikation... Der Besucher erhält

zum Selbstkostenpreis alkoholfreie Getränke, Kaffee und Tee (Jahresbericht AKJ

e.V. 1989)“

1988

„(…) Der Aufenthalt im Café ist möglich, ohne zwangsläufig Kontakt

mit Mitarbeitern aufnehmen zu müssen. Die Besucher können hier sitzen,

Zeitung lesen, gemeinsam spielen, Musik hören oder miteinander

reden. Es besteht weder ein Zwang zu verzehren noch eine zeitliche

Aufenthaltsbegrenzung innerhalb der Öffnungszeiten. Über Aushänge

und Tafeln können hier aktuelle Informationen zu jugendspezifischen

Freizeitangeboten in der Stadt, zu eigenen Wohnungs- und Jobangeboten

– die keine Maklertätigkeit und Arbeitsplatzvermittlung bedeuten

– oder zu Angeboten anderer sozialer Dienste (wie z.B. überbetriebliche

Ausbildungsmaßnahmen, AIDS-Hilfe etc.) vermittelt werden.


27

Durch den zwanglosen Aufenthalt haben die Besucher auch die Möglichkeit, erste unverbindliche

Kontakte zu den Mitarbeitern des Kontaktladens aufzunehmen. Der Kontaktladen

ist aber kein Lockmittel für weitergehende Angebote in der Dogenhilfe. Dies

drückt sich unmissverständlich in der hohen Toleranz gegenüber den Besuchern aus.

Die Nähe zur Krisenintervention und Sozialberatung bietet jedoch nicht nur die Möglichkeit,

in akuten kritischen Situationen Hilfen in Anspruch zu nehmen. Sie enthält auch

die Chance, langfristige Vertrauensbeziehungen zu Mitarbeitern zu entwickeln, problemorientierte

Gespräche mit ihnen zu führen und deren Reflexionshilfe zu nutzen. Die

Initiative geht jedoch vom Besucher aus und bestimmt Art und Dauer des Kontaktes

zum Mitarbeiter (...)“

Die Einrichtung startete zunächst nur mit Rolf Buschkamp als Mitarbeiter, der dieses

Projekt auf Grundlage seiner Streetwork-Erfahrungen entwickelte und einer Sozialarbeiter:innenstelle

im Anerkennungsjahr (nur bis 1989). Der Zulauf von Hilfesuchenden

war von Anfang an hoch. Bereits im Jahresbericht 1990 werden bis zu 40 Klientinnen

und Klienten täglich aufgeführt. Die Klientel, die dieses Angebot nutzt, ist üblicherweise

durch andere Angebote des Arbeitskreises für Jugendhilfe e.V. nicht mehr erreichbar

gewesen. Es zeigten sich immense juristische und gesundheitliche Problemlagen.

1988


28

Bereits in der frühen Anfangszeit hat der Kontaktladen schadensmindernde Hilfen

(„Harm Reduction“) angeboten. Der erste Spritzenautomat wurde in Kooperation mit

der AIDS-Hilfe in Hamm am Eingang des Hauses befestigt. In der Einrichtung gab es

das Angebot des Spritzentausches und die Möglichkeit des Erwerbs weiterer Konsumutensilien.

Dieses wurde durch den dramatischen Einbruch von HIV/AIDS und Hepatitis-C in die

Gruppe der intravenös konsumierenden User:innen notwendig. Ziel dieser Maßnahmen

ist immer die Gesundheit der Betroffenen zu fördern und zu erhalten. 1998 wurde

mit dem Gesundheitsamt der Stadt Hamm, der AIDS-Hilfe Hamm und dem Arbeitskreis

für Jugendhilfe e.V. ein Spritzentauschprogramm offiziell eingeführt, so dass im Stadtgebiet

mehrere Spritzentauscheimer und Spritzenautomaten installiert werden konnten.

Mit Betroffenen gemeinsam durchgeführte Müllentsorgungs- und Säuberungsaktionen

von Szenetreffpunkten wurden vorgenommen.

Eine Dusche und das Angebot des Wäschewaschens gehörten bereits mit Gründung

der Einrichtung zum Angebot der Überlebenshilfe.

1988

Hauswirtschaftliche Tätigkeiten im Kontaktladen selbst wurden durch

Studenten:innengruppen im Rahmen studienbegleitender Projekte

der Fachhochschule Münster erledigt. Viele der damalige Pranktikant:innen

sind bis zum heutigen Tag in der Suchthilfe beschäftigt

und viele der Beschäftigten im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. waren

bereits während ihres Studiums Pranktikant:innen des Kontaktladens

oder anderer Einrichtungen des AKJ e.V.


29

Mitte der 90er Jahre wurde von Klient:innen der Einrichtung eine lokale JES-Gruppe ins

Leben gerufen. JES steht für Junkies, Ex-User:innen und Substituierende und ist eine

engagierte Selbsthilfevereinigung, die sich insbesondere eine menschenwürdige Drogenpolitik

zum Ziel gesetzt hat.

Diese Gruppe konnte regelmäßig in Hamm am sogenannten „Runden Tisch“ teilnehmen.

Dabei handelte es sich um eine Arbeitsgruppe aus Vertreter:innen der Stadtverwaltung,

der Polizei und der Beratungsstellen. Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe war

der Umgang mit der öffentlich sichtbaren Drogenszene in Hamm.

Insbesondere durch die zunehmend etablierte Substitutionsbehandlung stabilisierten

sich die Lebensverhältnisse vieler Besucher:innen des Kontaktladens, so dass Fragen der

Tagesstruktur und Freizeitgestaltung an Wichtigkeit gewannen. Viele einzigartige Projekte

wurden in den Jahren mit den Besucher:innen geplant und durchgeführt. Highlights

waren die regelmäßigen Ausflüge und Urlaubsfreizeiten nach Ameland oder Texel

(gemeinsam mit der LWL-Klinik Lengerich) und Giethorn in Holland, nach Mallorca.

Zweimal wurde auf dem Ijsselmeer gesegelt oder nach Göteborg (über Sonderrabatte

mit Unterstützung der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH). Und es ging zusammen mit der

Drogenberatung Rheine ins Phantasialand zu den „Rosa Wochen“.

1988


30

Das Personal konnte Anfang der 90er Jahre durch eine Ex-Userin verstärkt werden.

Auch dieses, die Beschäftigung von Ex-User:innen, ist eine weitere bewährte Tradition

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. Ergänzt wurde die sozialarbeiterische Arbeit durch

die Einstellung von Kristian Kayser mit zunächst reduziertem Stundenumfang.

1989 konnte über des Bundesmodellprojekt „Frauen und AIDS“ des Bundesministeriums

Jugend, Frauen, Familie und Gesundheit (BMJFFG) mit Ulla Püthe (Mitarbeiterin

1989 – 2020) eine weitere Sozialarbeiterin eingestellt werden.

Dadurch konnten viele frauenspezifische Projekte im Kontaktladen aufgelegt werden,

so z.B. das Frauenfrühstück, das Frauencafè und die Frauengruppe. Mit der Einstellung

von Anke Alfert (Mitarbeiterin 2003 - 2012) wurde dieser Schwerpunkt der Arbeit intensiviert.

1996 wechselte die Leitung von Rolf Buschkamp zu Ulla Püthe. Die stellvertretende

Leitung übernahm Josch Krause (Mitarbeiter seit 1996), der vom Drogenhilfeprojekt

„La Strada“ der AIDS-Hilfe Frankfurt nach Hamm wechselte. Gemeinsam mit

Anke Alfert führte er u.a. auch die aufsuchende Sozialarbeit / Streetwork durch.

Möglich wurden Teile der Beschäftigungen immer durch Projektgelder.

So wurde von Ulla Püthe über mehrere Jahre, die vom Landesministerium

für Arbeit Gesundheit und Soziales (MAGS) in NRW geförderte

Stelle „Fachberaterin Methadon“ besetzt. Seit Ende der 80er Jahre etablierte

sich zunehmend die Substitutionsbehandlung als anerkannte

Suchtbehandlung.

1988


31

Der medizinische Teil der Behandlung wurde immer von sozialarbeiterischen Hilfen, der

Psychosozialen Betreuung (PSB) gestützt. Auch hier förderte das MAGS NRW ab 1996

Projektstellen zur Einführung dieser Arbeit.

Über die vielen Projektförderungen nahmen die Mitarbeiter:innen des Kontaktladens

immer an vielen lokalen und überregionalen Arbeitskreisen teil. Sie waren teilweise als

Gründungsmitglieder:innen oder auch verantwortlich in der Vorstandsarbeit aktiv. Hier

ein Auszug:

- Gründungsmitglied und Vorstandsarbeit der AG Drogenarbeit und Drogenpolitik in

NRW e.V. (AG DroPo)

- Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Frauen und Sucht in NRW“

- Vorstand und auch Vorsitz im Landesverband für akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V.

(akzept NRW)

- Teilnahme AK „Rund um die Platte“ (Praktiker:innenkreis von Streetwork und niedrigschwelliger

Suchthilfe im Ruhrgebiet und Westfalen-Lippe)

- Teilnahme am Arbeitskreis „Fachberatung Methadon in NRW“

- Teilnahme „Runder Tisch“ in Hamm (Arbeitskreis aus Vertreter:innen der

städtischen Verwaltung, der Polizei Hamm, Beratungsstellen zum Thema

„Drogenkonsum im öffentlichen Raum“)

- Teilnahme am „Praktiker:innenkreis Wohnungsnotfallhilfe Hamm“

1988


32

Durch die Teilnahme an den vielen Arbeitskreisen konnte das Projekt des Kontaktladens

fortlaufend entwickelt und immer auf den aktuellen Stand der Suchthilfe gebracht

werden. Umgekehrt wurde an der Entwicklung der Suchthilfe in NRW maßgeblich an

verschiedenen Stellen durch den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. mitgestaltet und es

konnten viele Anstöße gegeben werden.

Der Kontaktladen entwickelte aufgrund aktueller Bedarfe viele neue sozialarbeiterische

Hilfen, die mittlerweile Standard in der Arbeit geworden sind, so z.B. die Geldverwaltung

oder die integrative Schuldnerberatung und das Ambulant Betreute Wohnen.

Infolge sich immer annähernder inhaltlicher Angebote und der sich daraus ergebenden

Verzahnung, wie z.B. die psychosoziale Betreuung Substituierende oder der Geldverwaltung,

wurden die Angebote der Drogenberatungsstelle und des Kontaktladens 2001

konzeptionell und strukturell zusammengeführt. Der Teamentwicklungsprozess wurde

von Rolf Reuter Markowsky und Claudia Terrahe-Hecking (Mitarbeiterin 1981 - 1995)

begleitet.

1988


33

Der Standort in der Sedanstraße wurde geschlossen. Alle Arbeiten und die Angebote

wurden zunächst in den Räumen der Widumstraße fortgeführt. Die Leitung übernahm

bis 2009 Ulla Püthe und stellvertretend Ewald Wehner. 2009 wechselten die Verantwortlichkeiten

und Ewald Wehner übernahm die Leitung des Drogenhilfezentrums.

Zudem wurde die Zusammenlegung durch eine räumliche Erweiterung an der Widumstraße

möglich, so dass auch hier ein Café und direkt angrenzende Büros eingerichtet

werden konnten.

1988


34


35

Eröffnung Projekt „Booster 2 – KESH” Sleep-in und

Wohngruppe für Drogengebraucher

Der Beginn des Projektes „Booster 2“ stand unter der Notwendigkeit einen niedrigschwelligen

Zugang zu Wohnmöglichkeiten bis hin zu einer Notunterkunft, z.B. für

rückkehrende Drogengebrauchende aus den Niederlanden, zu schaffen. Anabela Dias

de Oliveira (Mitarbeiterin 1989 - 1996) und Sabine Lorey (Mitarbeiterin 1989 - 2014)

bauten dieses Projekt maßgeblich, anfänglich noch von der Beratungsstelle in der

Weststr. 11 in Hamm aus, auf. Unterstützung kam von den damaligen Leitern der Beratungsstelle

Rainer Bathen und des Kontaktladens Rolf Buschkamp. Herr Klebeck vom

Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterstütze als Rückkehrhelfer das Projekt. Eine

wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch die Forschungsgruppe Gesundheit und

Soziales (FOGS) aus Köln.

Am 14.09.1990 konnten die Räumlichkeiten

für die suchtbegleitende

Wohngruppe und das sleep-in in den

Räumlichkeiten der Bahnhofstr. 2 in

Hamm bezogen werden. Die Einrichtung

ist unter dem Namen KESH bis

heute fester Bestandteil des Netzwerkes

innerhalb des Arbeitskreis für

Jugendhilfe e.V. und der Netzwerk

Suchthilfe gGmbH.

1990


36

Im Jahresbericht der Beratungsstelle für Drogenfragen und Krisenhilfe von 1990 heißt

es: KESH steht für Kontakt-Essen-Schlafen-Hygiene. Bereits bei der Planung des Konzeptes

des Kontaktladens standen Überlegungen im Raum, Übernachtungsmöglichkeiten

und vorrübergehende Wohnplätze zur Verfügung zu stellen. (…) Nach zweijähriger

Vorbereitungs-, Verhandlungs- und Aufbauphase kann das KESH den Betrieb

aufnehmen. Es ist Bestandteil des Bundesmodellprogramms „Booster 2“ und wird vom

Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit finanziert. Der Arbeitskreis

für Jugendhilfe e.V. ist einer von lediglich zwei Trägern in Nordrhein-Westfalen,

die im Rahmen dieses Modellprogramms ein Angebot vorhalten.

KESH bestand 1990 aus zwei Teileinrichtungen: Die Notschlafstelle (Öffnungszeiten:

tägl. 20.00 – 09.00 Uhr). Es existierten 5 Unterbringungsplätze, die Aufenthaltsdauer

beträgt maximal 14 Nächte pro Monat. Durch dieses Angebot sollten insbesondere

Drogengebraucher:innen angesprochen werden, die von akuter Obdachlosigkeit betroffen

sind (Therapieabbrecher:innen, etc.). Und die Park-WG (betreute Wohngruppe).

Hier existierten 8 Plätze mit einer Wohndauer von maximal 6 Monaten. Hier sollen Drogengebraucher:innen

angesprochen werden, die Atem holen wollen von der Drogenszene,

sich neue Lebensperspektiven aufbauen wollen, Ruhe und Zeit zum Nachdenken

über Veränderung brauchen, aus den Niederlanden zurückkehren,

Wartezeiten auf Therapie – oder Entgiftungsplätze überbrücken müssen.

Die Öffnungszeit liegt montags bis freitags von 19.00 Uhr bis 15.00

Uhr, am Wochenende und an Feiertagen hat die Einrichtung 24 Stunden/Tag

geöffnet.

1990


37

Fünf Mitarbeiter:innenstanden zu Projektbeginn zur Verfügung. Eine sehr dünne Personaldecke,

die z. B. zu den Schließzeiten im Tagesverlauf führte.

Mit der Beendigung der vierjährigen Modellphase Ende des Jahres 1993 ist das KESH

zunächst in eine pflegesatzfinanzierte Struktur gem. §39/40 BSHG durch den Landschaftsverband

Westfalen-Lippe (LWL) überführt worden.

1990

Von 1999 bis Ende 2003 konnte sich das KESH im Projekt „AC

Company” – Europäischen Netzwerkes für mobile Drogengebraucher/-innen

platzieren.


38

Das aus EU-Mitteln geförderte Projekt war bei DHV/AMOC in Amsterdam angesiedelt,

26 Partner aus 22 Ländern arbeiteten gemeinsam am Ausbau des Netzwerkes, an der

Evaluation des Phänomens der Mobilität unter Drogenabhängigen sowie an der Entwicklung

von Strategien zum Umgang mit dem Phänomen. Noch immer zogen die

Niederlande viele deutsche Drogenkonsument:innen an. Die Situation hatte sich in den

90er Jahren entspannt, es konnte von einer Stabilisierung seit 1996 gesprochen werden.

Cannabiskonsumenten zog es in die Coffeshops Amsterdams und der Grenzregionen.

Käufer:innen harter Drogen fand man vornehmlich in Rotterdam und Amsterdam. Nur

ein kleiner Teil dieser Gruppe entwickelte Probleme in den Niederlanden oder kommt

mit dem Ziel, sich längere Zeit dort aufzuhalten oder gar niederzulassen. Gerade für

diese Menschen sind AMOC in Amsterdam und die Pauluskerk in Rotterdam wichtige

Anlaufstellen. Um weiterer Marginalisierung und den damit verbundenen Problemen

gesundheitlicher und sozialer Art vorzubeugen bzw. diese zu entschärfen,

wurde mit Hilfe von AC COMPANY ein Netz von Einrichtungen und Kontakten

aufrecht erhalten, in dem adäquate Angebote vorgehalten werden. In

Nordrhein-Westfalen war das KESH direkter Partner für diesen Personenkreis.

Mit einer halben Personalstelle (finanziert über AC COMPANY) wurde

hier den Rückkehrern kompetent und effizient geholfen. Das Konzept KESH

(Wohnen; Betreuung, aber auch viel persönliche Verantwortung; Substitution

vom ersten Tag an; Hilfe bei der Wiedereingliederung) war ausgesprochen

erfolgreich und bot die besten Chancen einer Reintegration auch in

schwierigen Fällen. Ähnlich arbeitet die Einrichtung LÜSA in Unna. Auch

hier ist man bereit, Rückkehrer:innen eine neue Chance zu geben.

1990


39

Im April 2004 wurde der Mietvertrag unter

der Leitung von Simone Hartmann (Mitarbeiterin

1992 - 2014) für ein neues Objekt am

Gut Caldenhof im Hammer Osten zwischen

dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und

dem evangelischen Kirchenkreis zur Nachnutzung

eines ehemaligen Seniorenheims

als zukünftiger Standort des KESH unterzeichnet.

Die Wellen, die dieser Umzug in der

der Stadt und insbesondere in der direkten

Nachbarschaft schlugen, wurden selbst von

der taz aufgegriffen, die in einem Artikel in

der Rubrik Drogen/Drogenpolitik darüber

berichteten.

1990


40

Bis heute ist die Einrichtung KESH am Gut Caldenhof existent und unterliegt seit einigen

Jahren auch den Regelungen des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW und hat sich

seit seiner Eröffnung konzeptionell zu einer Einrichtung der Wiedereingliederungshilfe

nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) weiterentwickelt. Tageschließzeiten gibt es

schon lange nicht mehr.

Geleitet wird die Einrichtung von der Rehabilitationspsychologin Evelyn Wodynski

(Mitarbeiterin seit 2015).

1990


41

Erste „Fachstelle für Suchtvorbeugung” in NRW

Erneut ging der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. im Land voran. Mit der Einstellung von

Dorothee Behler-Brodd (Mitarbeiterin 1991-2020) wurde 1991 die erste „Fachstelle für

Suchtvorbeugung“ in Nordrhein-Westfalen geschaffen. Ein absoluter Meilenstein. Prävention

erhielt damit die Bedeutung, die für diese wichtige Arbeit benötigt wird. Seit

Gründung des AKJ e.V. wurden die Präventionsansätze stets aufgaben- und ansatzbezogen

durch verschiedene Mitarbeitende geleistet. Erstmals fand hier eine fachliche

Bündelung statt.

Zu den ersten formulierten Aufgaben dieser neuen Fachstelle zählten u.a. die kommunale

Koordination präventiver Tätigkeiten, die konzeptionelle Planung und Weiterentwicklung

von Präventionskonzepten, die Beratung von Bürger:innen, Multiplikatoren

und Institutionen in Fragen der Prävention, die Projektarbeit, Planung und Durchführung

eigenständiger Präventionsmaßnahmen und die Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen.

Es sollten Materialien für die Präventionsarbeit erstellt werden

aber auch die Außenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und Kontaktarbeit im Bereich der

Prävention sowie die Beteiligung an der landesweiten Öffentlichkeitsarbeit „Sucht und

Drogen“ wurden erwartet.

1991


42

Seit Einrichtung dieser Fachstelle sind unzählige Leistungen in den Bereichen Schulung

und Weiterbildung für Multiplikator:innen, Teamtrainings, Methodenlehre und

Networking erbracht worden. In Hamm stand Dorothee Behler-Brodd wie kaum eine

andere für die Präventionsarbeit in der Suchthilfe. Der größte Verdienst ihrer langjährigen

Arbeit ist sicherlich in der Verstetigung der Präventionsarbeit im Bewusstsein von

Fachkräften, Politik und Verwaltung in der Stadt Hamm zu sehen. Fortgesetzt wird ihre

Arbeit von Birgit Süsselbeck und Lea Debusmann.

Heute ist zu unterstellen, dass eine Fachkraft für Prävention für eine Stadt wie Hamm

mit rund 180.000 Einwohner zu wenig ist. Hier sollte politisch darauf gedrängt werden,

den Schlüssel deutlich zu verändern.

1991


43

Gründung Projekt „Stadtteilintegrierte Jugend- und Drogenberatung

im Hammer Norden”

„Der präventive Charakter der Beratungsarbeit muss ansetzen an den realen Lebenssituationen

der Jugendlichen in ihrer Ganzheit.“

Diese Haltung beinhaltet den Ausgangspunkt für die Entwicklung und Umsetzung der

stadtteilintegrierten Jugend- und Drogenberatung im Hammer Norden. Im Stadtteil

ist die Beratungsstelle für Drogenfragen und Krisenhilfe bereits seit 1992 durch verschiedene

Angebote und Aktivitäten der Fachstelle für Suchtprävention verortet. Im

Oktober 1994 erhält der Arbeitskreis

für Jugendhilfe e.V. dann eine Anfrage

der Stadt Hamm bezüglich des Aufbaus

eines Projekts zur ganzheitlichen und

niedrigschwelligen Jugend- und Drogenberatung

vor Ort. Der Arbeitskreis

für Jugendhilfe .V. erkennt die Chance

auf die Realisierung von bereits vorhandenen

Konzepten und Visionen. Am

14.02.1995 erfolgt die Bewilligung durch

die Stadt Hamm für ein zunächst auf

zwei Jahre angelegtes Modell.

1995


44

Das Projekt wird zentral an den Jugendtreffpunkten im Hammer Norden angesiedelt.

Es wird ein Bauconatiner angeschafft, der als Anlaufstelle und Informationsbörse fungiert.

Über die Arbeit vor Ort werden Szenestrukturen und kulturelle Regeln deutlich.

Im Baucontainer finden alltagspraktische und existenzsichernde Hilfen statt. Mit den

Besucher:innen werden freizeit- und erlebnispädagogische Angebote konzipiert. Der

Westfälische Anzeiger berichtet am 28.06.1996 „…Der Bauwagen dient als Treffpunkt,

Infobörse und Ort alltagspraktischer Hilfen (z.B. bei Problemen mit Ämtern, Eltern,

Drogen, Arbeit, Wohnung etc.) Durch die Vernetzung mit anderen im Hammer Norden

engagierten Institutionen wie

dem Stadtteilbüro, Jugendamt, Jugendgerichtshilfe

etc. ist es möglich,

schnell und flexibel Hilfe leisten zu

können…“

Mitarbeiter:innen wie Annette Riedesel,

Christian Gräbel, Jürgen Möllers,

Andreas Meyer und Seher Sönmez

haben diesem Projekt einen eigenständigen

Charakter vermittelt.

1995


45

Einrichtung Nebenamtliche Geschäftsführung

Über 25 Jahre lang, also vom Gründungsjahr an bis 1995, erfolgte die Führung der Geschäfte

ohne eine „klassische“ Geschäftsführung. Der ehrenamtliche Vorstand und verschiedene

Einrichtungsleitungen organisierten die Budgetverwaltung gemeinsam. So

waren Hans-Dieter Braun (1970 - 1973), Klaus - Jürgen Wolter (1973 - 1975) und Kurt

Kasischke (1975 - 1977) ehrenamtlich im Vorstand als Kassierer aktiv. Unterstützung

erfuhr der Vorstand des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. z. B. durch Jürgen Neubarth

(Stabstelle Verwaltungsaufgaben 1990 - 1995), Wolfgang Rometsch (Leiter der Drogenberatungsstelle

1973 - 1974, Leiter des Reha-Wohnheim 1974 - 1980, Leiter ambulante

Dienste 1980 - 1982), Paul Katz (Leiter der Drogenberatungsstelle 1975 - 1977), Hans

Grösbrink (Leiter des Reha-Wohnheims 1976 - 1982), Rolf Buschkamp (u. a. Leiter Kontaktladen

Coffeeshop „extra dry 1979 - 2009), Anabela Dias de Oliveira (Booster II, später

KESH 1989 - 1996) und verschiedene Verwaltungsangestellte (wie Ulla Meier 1980

- 2013 oder Lilo Luley 1981 - 2018, um hier nur die besonders langjährigen zu nennen).

Somit gab es fast ein Vierteljahrhundert eher eine Gruppe der „Geschäftsführenden“.

Die tatsächlichen Rollen gingen noch ziemlich durcheinander. Es gibt Einrichtungsleitungen

(zeitgleich gab es weitere nicht genannte Andere), Buchführungs-Verantwortliche

(zum Teil ehrenamtlich), sog. Verwaltungsleiter:innen, ehrenamtliche

und hauptamtliche Vorstände und GmbH-Geschäftsführer:innen. Keine

unüblichen Konstrukte zu dieser Zeit. Jedoch erforderten gestiegene Ansprüche

infolge einer Angebotsausweitung, aber auch durch Vorgaben

von Leistungsträgern, eine Neuausrichtung.

1995


46

Die Funktion einer Geschäftsführung wurde dann formal im Jahr 1995 installiert. War

sie zunächst noch nebenamtlich organisiert, erfolgte 1998 infolge gestiegener Anforderungen

die Erweiterung hin zu einer hauptamtlichen Geschäftsführung. Mit Rainer

Bathen und Rolf Buschkamp wurden zwei Geschäftsführer bestellt. Das führte in der

Folge zu wiederkehrenden Diskussionen bzgl. der Notwendigkeit.

2009, mit dem Ausscheiden von Rolf Buschkamp, verblieb mit Rainer Bathen nur noch

ein Vorstand und Geschäftsführer.

2012 wurde mit Christiane Vogel eine Prokuristin und Handlungsbevollmächtigte bestellt.

Die Zuständigkeit umfasst das gesamte Rechnungswesen (vor allem Finanzbuchhaltung,

Controlling und Planungsrechnung) und das Personalwesen.

2016 wurde Denis Schinner als zweiter Prokurist und Handlungsbevollmächtigter bestellt.

Der Aufgabenbereich umfasst insbesondere das Qualitäts- und Risikomanagement.

Gleichzeitig wurde mit dieser Bestellung der Wechsel in der Geschäftsführung

vorbereitet, der mit dem rentenbedingten Ausscheiden von Rainer Bathen 2019 vollzogen

wurde.

Seit dem 01. September 2019 führt Denis Schinner die Geschäfte

des Gesamtunternehmens.

1995


47

Denis Schinner

Betriebswirt (IHK)

FW im Sozial- und Gesundheitswesen (IHK)

Entspannungstherapeut (BKDV)

Sucht- und Sozialtherapeut (LWL-VDR)

Qualitätsmanagementbeauftragter

im Gesundheitswesen (deQus)

staatl. anerk. Sozialarbeiter

Kfz-Lackierer (IHK)

Christiane Vogel

Dipl.- Betriebswirtin (FH)

Qualitätsmanagementbeauftragte

im Gesundheitswesen (deQus)

Industriekauffrau (IHK)

1995


48

Eröffnung Stationäre Drogenhilfeeinrichtung „RELEASE” –

Erste substitutionsgestützte Drogentherapie in Deutschland

„Das Release ist unsere Quintessenz

aus 27 Jahren akzeptanzorientierte

Drogenabeit“

Rolf Buschkamp (Mitarbeiter 1979 – 2009, ehem. Vorstand und Geschäftsführer)

1996

Die Fachklinik Release, unter der Leitung von Renate Wagner

(Mitarbeiterin 1996 - 1998) und dem Facharzt Ulrich Lauinger

war ab dem 01. April 1996 die erste Klinik in Deutschland für

die gemeinsame Behandlung von substituierten und nichtsubstituierten

Drogenabhängigen. Die Einrichtung befindet

sich in einer umgebauten, restaurierten Mühle im Münsterland,

in Ascheberg - Herbern.


49

Heute ist die Fachklinik Release eine Einrichtung

der medizinischen Rehabilitation und

von der Deutschen Rentenversicherung,

den Krankenkassen, den überörtlichen Sozialhilfeträgern

und nach § 35 BtmG anerkannt.

Sie unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung

und behandelt, zusammen

mit der dazugehörigen Adaption und dem

Nachsorgezentrum, über 200 Rehabilitanden

im Jahr. Über 30 Mitarbeitende unterschiedlicher

Fachrichtungen aus Medizin

und Pflege, Therapie, Sport, Beruf, Verwaltung

u.w. wirken interdisziplinär in der Rehabilitation

zusammen. Akzeptanz und die

Erarbeitung realistischer Lebensperspektiven

bilden die Grundlage unserer Arbeit.

1996


50

1996


1996

51


52

Beginn Geldverwaltung für Drogenabhängige im

Drogenhilfezentrum

Im Jahr 1997 erprobten Mitarbeiter:innen des Kontaktladens Kontoverwaltungen mit

einzelnen Klient:innen. Regelmäßig erlebten die Mitarbeiter:innen, dass in der Krisenintervention

vereinbarte Verträge zum Erhalt von Wohnraum, Strom oder zur Abzahlung

von Geldstrafen nicht eingehalten wurden, so dass sich die Krisen immer wieder

wiederholten. Auf viele Anfragen von Besucher:innen der Einrichtung, aber insbesondere,

um die Nachhaltigkeit der Hilfen zu verbessern, wurde bei der Volksbank Hamm

ein Konto eingerichtet. Zunächst einzelne Klient:innen konnten zeitlich begrenzt bis

zur Abzahlung der vereinbarten Ratenverträge das Konto nutzen, so dass ihre Einnahmen

mit dem/der Berater:in verwaltet werden konnten. Zunehmend und ohne jegliche

Werbung stieg die Anfrage nach Nutzung dieses Angebotes, so dass bereits 1998

30 Personen diese Hilfe völlig freiwillig und selbstmotiviert in Anspruch nahmen.

1996


53

Zunehmend stellte sich heraus, dass viele Personen über kein eigenes Konto verfügten

und die Banken die Eröffnung eines neuen Kontos verweigerten zumindest aber

deutlich erschwerten. Zum damaligen Zeitpunkt gab es noch keine gesetzliche Verpflichtung

zur Eröffnung eines Basiskontos, wie es heute der Fall ist, sondern lediglich

eine Selbstverpflichtung der Banken. Insbesondere wohnungslose Menschen hatten

aufgrund fehlender Meldeadressen und Ausweise Probleme bei der Kontoeröffnung.

Im Jahr 2005 vereinbarten die Beratungsstellen in Hamm, die die Gruppe der wohnungslosen

Bürger:innen versorgen, mit dem Kommunalen Jobcenter der Stadt

Hamm, dass wohnungslose ALG-II-Empfänger:innen ihre Leistungen über Konten der

Beratungsstellen empfangen sollen, damit diese Personen unmittelbare Hilfen bei der

Antragstellung erhalten, dringend notwendige Vorschüsse ausgezahlt werden können

(ein Ausweis kostet Geld und ohne Ausweis können keine Leistungen beantragt

werden), um Notlagen abzuwenden und damit dem deutlich „beruflich hemmenden“

Problem der Wohnungslosigkeit unmittelbar begegnet werden kann. Mit der Vereinbarung

wurde auch eine klare Zuordnung getroffen: Die Beratungsstelle des Katholischen

Sozialdienst (KSD) betreut wohnungslose Personen im Alter bis

25 Jahre, der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. über das Drogenhilfezentrum

die wohnungslosen Personen mit (illegaler) Suchtproblematik und

die Sozialberatungsstelle der evangelischen Perthes-Stiftung alle weiteren

wohnungslosen Menschen.

1996


54

Durch die klare Zuordnung stieg die Teilnehmer:innenzahl im Drogenhilfezentrum noch

einmal beträchtlich an. Aktuell nehmen 61 wohnungslose Personen das Angebot der

Geldverwaltung für sich in Anspruch (Stand 30.06.2020). Im Jahr nehmen rund 140 verschiedene

Personen daran teil.

Geldverwaltung bedeutet eine sehr praktische Hilfe und ein sehr direkter Zugang zum

Alltagsleben der Ratsuchenden. Die Kontaktzahl der Ratsuchenden erhöht sich und

wird verbindlicher („Ohne Moos nix los“), aber auch viele Konflikte treten auf, da das

Suchtgeschehen einen erblichen Einfluss auf den Umgang mit Geld hat.

Die Geldverwaltung ist im Laufe der Jahre zu einem elementaren Baustein der Wohnungslosenhilfe

entwickelt worden. Und sowohl die Zuordnung als auch die beständige

Kooperation aller Beteiligten erhöhen die Erfolgsquote. Bis zu 40 Wohnungsvermittlungen

können im Drogenhilfezentrum realisiert werden, zusätzlich kann das Drogenhilfezentrum

auf suchtspezifische Hilfen zugreifen, um die Wohnungslosigkeit zu beheben.

Viele Vermittlungen in stationären Entgiftungskliniken, Entwöhnungstherapie oder sozialtherapeutische

Wohngruppen bieten Alternativen.

1996


55

2021 entwickelte das Drogenhilfezentrum mit der Sparkasse Hamm in einem Pilotprojekt

eine Digitalisierung der Abläufe. Teilnehmende sollen zukünftig möglichst über die

Geldautomaten ihre Gelder von den Beratungsstellen erhalten und nicht mehr, wie es

aktuell durchgeführt wird, über Barschecks, die persönlich in der Bankfiliale eingelöst

werden müssen. Auch dieses Projekt wurde in Kooperation aller beteiligten Beratungsstellen,

dem Kommunalen Jobcenter der Stadt Hamm und der Sparkasse Hamm verabschiedet.

Im Drogenhilfezentrum wird das Projekt von Seiten der Verwaltung, die

maßgeblichen Anteil an der Arbeit und Seriosität des Angebotes hat, Christiane Vogel

(Mitarbeiterin seit 2000) und Miriam Jaschke (Mitarbeiterin seit 2009) begleitet und von

der sozialarbeiterischen Seite von Josch Krause (Mitarbeiter seit 1996) und Christian

Gräbel (Mitarbeiter seit 1994).

1996


56

Projekt „Soforthilfe”

Wie bindet man Betroffene in das Hilfesystem ein, die aus verschiedenen Gründen, wie

die Angst vor Stigmatisierung, die Kontaktaufnahme bisher verweigert haben?

Eine Antwort auf diese Frage war das Projekt „Soforthilfe für Drogenabhängige“ als

Nachfolgemodell des Modellprojekts „Therapie sofort.“

Die „Soforthilfe für Drogenabhängige“ war ein zusätzliches ambulantes Angebot, das

einen schnelleren Zugang in das bestehende Drogenhilfesystem ermöglichte. Zentraler

Bestandteil der Soforthilfe sind kurze und möglichst beschleunigte Bearbeitungsverfahren

aller an der Hilfeplanung und -durchführung Beteiligten. Sie ist ein Baustein

des Suchthilfesystems in Westfalen-Lippe und wurde durch die LWL-Koordinationsstelle

Sucht des LWL als „Therapie sofort“ entwickelt und 1991 eingeführt.

Strukturell besteht die Leistung darin, dass bei den Trägern von Suchtberatungsstelle

Soforthilfe-Koordinationskräfte angesiedelt werden. Bei den Landschaftsverbänden

Westfalen-Lippe und Rheinland wurden Soforthilfe-Koordinationsstellen eingerichtet,

die übergreifende Koordinationsaufgaben, die Unterstützung der Soforthilfestellen sowie

die Projektevaluation übernehmen.

1999


57

Mit diesem Projekt sollten neue Zielgruppen, wie junge drogenkonsumierende Menschen

oder Konsument:innen mit Migrationshintergrund, erreicht werden.

Im Mittelpunkt der Arbeit stand die Vermittlung in weiterführende Hilfeformen wie stationäre

Entgiftungen, stationäre Therapieformen oder Einrichtungen im Bereich stationär

betreuten Wohnens. Die Hilfe wurde sehr niedrigschwellig und dezentral organisiert.

Im Service Center West des Stadtteils Hammer Westen und in den Räumen der Beratungsstelle

des Gesundheitsamtes Hamm/Pelkum wurden Sprechstunden angeboten.

Wesentlich zum Erfolg beigetragen hat eine enge Kooperation mit den Anbieter:innen

des qualifizierten Entzuges im Umfeld von Hamm. Dort wurden wöchentlich Plätze für

die Teilnehmer des Soforthilfeprojekts freigeschaltet. Aufnahmen innerhalb von spätestens

zwei Tagen waren die Regel.

Dirk Gläsmann (Mitarbeiter 1999 - 2001 und 2011-2021) und Kristian Kayser

nahmen in der Aufbauphase wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der

erforderlichen Rahmenbedingungen sowie auf die Bekanntmachung und

die Inanspruchnahme des Projekts in der Kommune.

Die Förderung des Projekts lief im Dezember 2002 aus.

1999


58

Jubiläum - 30 Jahre Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Groß gefeiert wurde das dreißigjährige Jubiläum des Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. mit einer Festveranstaltung im Gustav-Lübcke-Museum in

Hamm. Unter Beteiligung von Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung und

Kooperationspartnern durfte endlich einmal wieder auf die erfolgreiche

Arbeit verwiesen werden. Nachdem das Jubiläum zum zwanzigjährigen

Bestehen von drohenden Mittelkürzungen überschattet war und in nur

sehr kleinem Rahmen begangen wurde, so sollte diesmal auch signalisiert

werden, welche Bedeutung der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. regional

und überregional für die Entwicklung der Drogenhilfe hat. Die zahlreichen

Honoratioren belegten dies eindrücklich.

Für die Mitarbeiter:innen wurde eine Party im Glaselefanten im Maximilianpark

Hamm organisiert.

2000


2000

59


60

Projekt FreD „Frühintervention bei erstauffälligen

Drogenkonsumenten“

Wenn ein Jungenname Pate steht für ein Modellprojekt

muss es sich schon um ein außergewöhnliches

Projekt handeln.

Hamm wurde ab dem 01.Oktober 2000 einer von

insgesamt 16 Modellstandorten des bundesweiten

Modellprojekts „Frühintervention bei erstauffälligen

Drogenkonsumenten (FreD)“. Projektträger war der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Die wissenschaftliche Begleitung übernahm die FOGS Gesellschaft für

Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich mbH und die juristische

Beratung der Leitende Oberstaatsanwalt Karl-Rudolf Winkler von der Generalstaatsanwaltschaft.

Das Projekt erfolgte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit.

Das Projekt richtete sich an Jugendliche und Heranwachsende, welche mit Drogen experimentieren

und in diesem Kontext straffällig geworden sind, ohne bereits abhängig

zu sein. Die Zuweisung ins Projekt erfolgte u.a. durch Justizbehörden und die Polizei.

Grundlegende Zielsetzung war es eine manifeste Abhängigkeit zu verhindern.

2000

Das Projekt vermittelte fundierte Informationen über Drogen und deren

Wirkung, bot Unterstützung an bei der Reflektion über den eigenen Umgang

mit Substanzen, motivierte zum eigenverantwortlichen Handeln

und informierte über das bestehende Hilfesystem. Die Inhalte wurden

in einem Kursangebot vermittelt. Die Teilnahme wurde zertifiziert und

konnte bei Bedarf den Justizbehörden vorgelegt werden.


61

Die Ergebnisse des Modellprogramms zeigen laut der Auswertung des LWL u. a., dass

mit dem FreD-Angebot

- junge Konsument:innen illegaler Drogen frühzeitig mit einem (sucht-)präventiven

Angebot erreicht werden können,

- das Modellkonzept mit einem Erstgespräch und Kursangebot, das von qualifizierten

und erfahrenen Fachkräft:innen durchgeführt wird, tragfähig im Hinblick auf die

Teilnahmebereitschaft ist,

- Wirkungen erzielt werden können, die sich in der durch die Teilnehmer:innen

konstatierten persönlichen Bedeutung der Teilnahme ebenso ausdrücken wie in der

Verbesserung des Wissensstands zu gesundheitlichen, sozialen und rechtlichen

Aspekten des Drogenkonsums, einer verbesserten Risikoabschätzung, der Anwendung

von Gebrauchsregeln oder auch im Konsumverzicht.

Das Projekt wurde wie geplant am 31.12.2002 eingestellt.

Im Rückblick darf man die Feststellung treffen, dass FreD ein wichtiger Meilenstein auf

dem Weg der späteren Eröffnung der Jugend(Sucht)Beratung war.

2000


62

Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

Ab dem Jahr 2001 nahmen die Initiativen für Arbeits- und Beschäftigungsprojekte im

Arbeitskreis für Jugendhilfe deutlich an Fahrt auf. Mitarbeitende nahezu aller Abteilungen

engagierten sich einrichtungsübergreifend an neuen Ideen und Projekten. Kooperationen

und Netzwerke wurde geschmiedet.

Die ersten Bemühungen konzentrierten sich „noch“ auf Hamm und die regionalen Vernetzungen,

z.B. in der Arbeitsgemeinschaft Jugendberufshilfe (u.a. mit Kai-Erik Escher,

Mitarbeiter 1992 – 2010 und Patricia Merkel, Mitarbeiterin seit 2006) und dem daraus

resultierenden und mit ESF-Mitten geförderten Projekt „Jugend in Arbeit“. Dieses Projekt

hat ab 1998 Kristian Kayser begleitet.

2001 startete eine berufliche Trainingsmaßnahme für Substituierende und eine Kooperation

mit der RAG Bildung, Bildungszentrum Hamm (u.a. auch wieder Kristian Kayser).

2007 wurde das Netzwerk „Arbeit und Sucht” Hamm gegründet und ab 2008 wurde

dann auch erstmalig überregional gedacht.

Zusammen mit der Drogenberatung Bielefeld e.V. wurde mit den Aufbauplanungen

von Beschäftigungsprojekten in den Bereichen Fischzucht, Saftmosterei und Gemüseanbau

sowie Holz, Forst und Garten- und Landschaftsbau begonnen. Die Bielefelder

Kolleg:innen um den Geschäftsführer Michael Wiese u.w. hatten hier schon einiges an

Vorerfahrungen und waren gerne bereit, die Ideen und Arbeitsansätze an

andere Standorte zu transferieren.

2001


63

Mit Fabian Czerwinski und Uwe Griesmeyer, beide waren in Bielefeld bereits in den

dortigen Projekten aktiv, konnte durch die Aktion Mensch die Projektplanungen für

ein halbes Jahr angeschoben werden. 2009 starteten die Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

„Saft von Streuobstwiesen” und „Ökologisches Wald- und Naturschutzprojekt”

in Hamm.

Seit 2009 kann mit dem Münsterländer Streu ein Apfel- und Birnensaft vertrieben werden.

Die Patenschaft über mehrere Streuobstwiesen in Gemeinden der näheren Region

sicherte den Einstieg in dieses Projekt. Gemeinsam mit der Mosterei Barteldrees

in Halle und der Mosterei Schenk in Ascheberg-Herbern wird ein ausgezeichneter Saft

produziert. Der Vertrieb erfolgt in Eigenregie. Klient:innen, Rehabilitandinnen und Rehabilitanden

haben so die Möglichkeit, einen kompletten Wertschöpfungsprozess zu

erfahren, der sich über die Apfellese, die Versaftung bis in den Vertrieb erstreckt. Im

Jahr 2019 übernimmt der IBP Coesfeld e.V. die Patenschaften. Bis heute wird aber in

kleinem Rahmen der Saft als Werbeträger weiterproduziert. Maßgeblich für dieses Projekt

engagiert haben sich Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter seit 1997), Stephan Steigerwald

(Mitarbeiter seit 1996) und Leo Schlenker (Mitarbeiter 1996 - 2018) sowie Hans-

Georg Schulze Wartenhorst (Mitarbeiter 2010 - 2019).

2001


64

Aus diesem Projekt ergaben sich auch Planungen für ein Umweltprojekt in Senden, gefördert

unter anderem durch die PSD Bank im Rahmen des PSD Bürgerprojektes 2010.

Das „Ökologische Wald- und Naturschutzprojekt” führten Forstwirt Marcel Thomezek

(Mitarbeiter 2010 - 2012) und die pädagogische Mitarbeiterin Hannelore Sewarte (Mitarbeiterin

2009 - 2012) zum Erfolg. Es wurden bis zu 12 Arbeitsgelegenheiten (AHG

MAE) zusammen mit dem Kommunalen Jobcenter Hamm AöR geschaffen mit dem

Ziel, ein waldpädagogisches Zentrum aufzubauen. Es gilt als Vorläuferprojekt für den

Integrationsbetrieb „Grünspecht“ ab 2012.

Aber zunächst erfolgte 2010 der Ausbau der Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

um den Bereich „Gartenpflege und Landschaftsbau“. Hier war unter anderem Andreas

Hartmann (Mitarbeiter seit 2011) zusammen mit Bewohner:innender stationären Einrichtung

KESH tätig. Sie übernahmen die Pflege und Gestaltung mehrere Grünfläche

von Kindergärten des Evangelischen Kirchenkreises.

2001


2001

65


66

2010 erfolgte eine organisatorische Zusammenführung der Arbeits- und Beschäftigungsprojekte,

bevor 2012 die NIA Netzwerk Integration und Arbeit gGmbH gegründet

wurde und sich der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. erstmals in den Bereich der

Integrationsbetriebe vorwagen sollte.

2001


67

Der erste Qualitätszirkel - vom EFQM zur DIN EN ISO

Das EFQM-Modell für Business Excellence ist ein Unternehmensmodell, das eine ganzheitliche

Sicht auf Organisationen ermöglicht. Es wurde als Antwort Europas auf den

in den USA hoch geschätzten Malcolm Baldrige National Quality Award und den japanischen

Deming-Preis von der EFQM entwickelt. Es bietet Organisationen Hilfestellung

für den Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung von umfassenden

Managementsystemen. Die Unternehmen nutzen es als Werkzeug, um auf Grundlage

von Selbstbewertungen, Stärken und Verbesserungspotentiale zu ermitteln, anzuregen

und ihren Geschäftserfolg zu verbessern. Das einfache Modell umfasste die drei

Säulen: Menschen, Prozesse und Ergebnisse. Um dauerhaft exzellente Ergebnisse zu erzielen,

werden alle Mitarbeiter:innen in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

eingebunden. Durch die permanente Beachtung aller Prozesse werden Informationen

über den aktuellen Stand, die kontinuierliche Verbesserung und künftige Trends erarbeitet.

Das EFQM-Modell ist ein Werkzeug, das Hilfestellung für den Aufbau und die

kontinuierliche Weiterentwicklung eines umfassenden Managementsystems gibt. Es

soll helfen, eigene Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale zu erkennen und

die Unternehmensstrategie darauf auszurichten. Ewald Wehner schulte sich in dieser

Qualitätsmanagementystematik und entwickelte über den ersten Qualitätszirkel die

ersten Impulse im Unternehmen.

2001


68

2009 wechselt im Unternehmen die Systematik zur DIN EN ISO. Mit umfangreicher Unterstützung

der deQus kommt das Unternehmen so der gesetzlichen Vorgabe einer

Zertifzierung ihrer Rehabilitationsklinik nach dem SGB V nach. Die Deutsche Gesellschaft

für Qualitätsmanagement in der Suchttherapie (deQus) hat sich die Entwicklung

und Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in der Suchthilfe zum Ziel

gesetzt. Die Notwendigkeit zur Einführung eines suchtspezifischen Qualitätsmanagement-Systems

(QM-System) ergibt sich aus einer ethischen und gesellschaftlichen Verantwortung

für die betroffenen Menschen, aus einem gesetzlichen Auftrag sowie aus

den Erfordernissen eines wettbewerbsorientierten “Gesundheitsmarktes”.

Die DIN EU ISO 9001:2015 legt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagement-System

(QMS) fest. Die Organisation legt ihre Fähigkeit dar, Dienstleistungen bereitzustellen,

welche die Kundenforderungen und die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen

erfüllen.

Drei Jahre wird sich die Fachklinik Release unter der Leitung der damaligen

Qualitätsmanagementbeauftragten im Gesundheitswesen (deQus)

Hartmut Brinkmann (Mitarbeiter von 1982 - 2015) und Denis Schinner

(Mitarbeiter seit 1997) auf die Zertifizierung vorbereiten. Dazu wurden alle

relevanten Klinikprozesse erfasst und in einem Handbuch beschrieben.

2001


69

Über eine Potentialberatung durch den Beratungservice im DRK (BBS) sichert sich auch

die Einrichtung KESH das Know How zur Qualitätsentwicklung im Rahmen des Wohnund

Teilhabe-Gesetzes. Auch die Einrichtung entwickelte ihr erstes Qualitätshandbuch

und bereitet sich somit auf eine Zertifizierung vor.

2001


70

Erweiterung Stadtteilintegrierte Jugend- und Drogenarbeit auf

den Stadtteil Hamm Westen.

Mit dem Hammer Westen wurde im November 2001 ein weiterer Stadtteil für die Angebote

der stadtteilintegrierten Jugend- und Drogenhilfe in Hamm erschlossen.

Die Finanzierung der Projektarbeit trug zu neunzig Prozent das Land NRW aus dem Förderprogramm

„Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“ und die Stadt Hamm.

Als Voraussetzung für die Aufnahme in die Projektförderung wurde mit unterschiedlichen

Kooperationspartnern im Stadtteil ein integratives Konzept für die Jugendarbeit

vor Ort entwickelt.

Im Mittelpunkt des Angebotes des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. im Hammer Westen

stand ein Mädchentreff für die Altersgruppe der elf- bis vierzehnjährigen Mädchen

sowie ein offener Treff für Jugendliche in den Räumlichkeiten der evangelischen Christuskirchengemeinde.

Den Mädchentreff nutzten wöchentlich eine Gruppe von bis zu

15 Teilnehmerinnen. In den Gesprächen ging es vorwiegend um den Austausch von

Lösungsansätzen zu altersspezifischen Herausforderungen. In 2002 und 2003 wurde,

in Kooperation mit der Anne-Frank-Schule und der Parkschule, als

ein Beitrag zur mädchenspezifischen Suchtvorbeugung das Projekt

„Hoch hinaus“ durchgeführt. Insgesamt nahmen 24 Mädchen an den

Kursen teil. Der offene Treff wurde von 25 Jugendlichen genutzt als

attraktives Freizeitangebot. Darüber hinaus wurden verschiedene

Präventionsangebote zum Thema Drogenkonsum aufgelegt und vertiefend

Einzelfallhilfe angeboten.

2001

In 2003 entschied sich der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. , das Projekt

einzustellen. Mitarbeitende im Hammer Westen waren unter anderem

Seher Sönmez und Andreas Meyer.


71

Nordring Hamm

Zur Jahrtausendwende ist eine der schwierigsten Fragen in der Stadt Hamm der Umgang

mit Drogenabhängigen im öffentlichen Raum. Die Bürger:innen der Stadt fühlen

sich durch das Verhalten der Drogenabhängigen belästigt. Nicht wenige haben Angst.

Geschäftsleute beschweren sich aufgrund wiederholter Straftaten. Die Drogenabhängigen

dagegen fühlen sich in ihrer Freiheit auf Begegnung im öffentlichen Raum beschränkt

und somit als Bürger:innen zweiter Klasse.

Im Laufe des Jahres 2002 verschärft sich die Situation zunehmend. Die Drogenszene an

der Pauluskirche wird im Zuge von Umbauarbeiten aufgelöst. Die Mitglieder der Szene

treffen sich vorübergehend im Parkgelände zwischen Pohls Mühle und Stadtbücherei.

In dieser aufgeheizten Situation erscheinen am 12.10.2002 im Westfälischen Anzeiger

zwei Interviews.

2002


72

Der damalige Bezirksvorsteher Mitte, Herr Köhler, fordert eine Entscheidung zu Gunsten

der „normalen“ Bürger:innen. Er sagt im Laufe des Interviews, dass ihm die Belange

der Mehrheit der Bevölkerung erheblich mehr am Herzen liegen und wer Hilfsangebote

ablehnt hat gewisse Nachteile zu erdulden. „Wichtig ist mir, dass diese Menschen aus

dem Blickfeld verschwinden“.

Vertreter:innen des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. dagegen plädieren für den Weg

der Toleranz und des Verständnisses. Nur ein interessensübergreifender Kompromiss

kann dieses Thema befrieden, so der Tenor der Vertreter:innen.

Nur wenige Tage später ist der Kompromiss Realität. In einer verborgenen Ecke des

Nordrings findet die Drogenszene nun ihren Treffpunkt. Dieser Treffpunkt hat sich etabliert.

Die Stadt Hamm hat damit bewiesen, dass auf dem Weg eines gesellschaftlichen

Konsens alle Betroffenen mitgenommen werden.

2002


73

Fachtagung Frau und Sucht mit dem Caritasverband Hamm e.V.

Am 18.09.2002 veranstalten die Suchtberatungsstelle des Caritasverband e.V. für die

Stadt Hamm e.V. und das Drogenhilfezentrum des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. eine

gemeinsame Fachtagung zum Thema „Frau und Sucht“ für rund 80 Fachfrauen im Gemeindezentrum

Liebfrauen in Hamm.

Nicht nur zu dieser Zeiten waren Angebote für Frauen in den Konzepten beider Einrichtungen

integriert. Die Suchtberatung der Caritas hatte ein Jahr zuvor eine halbe

Stelle für die frauenspezifische Arbeit geschaffen. Im Drogenhilfezentrum gehört diese

– ebenso wie mädchenspezifische Präventionsangebote – zum festen Bestandteil der

Arbeit. Die Sensibilisierung für die spezielle Problematik suchtmittelabhängiger Frauen

war beiden Träger ein wichtiges Anliegen.

2002


74

Mit der Fachtagung sollte professionelles Verständnis für suchtmittelabhängige

Frauen geweckt werden, um diesen adäquat begegnen zu können.

Zudem sollte das Hilfesystem für Frauen in Hamm analysiert und optimiert

werden, um dauerhafte Kooperationen zu initiieren.

2002


75

AKJ e.V. goes online

2002 geht der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. mit seinem ersten professionellen Internetauftritt

online. Die Firma Dimento hatte auf der Basis der corporate identity (ci) der

von der Grafikerin Eva Gora entworfenen Broschüren einen Entwurf für das neue Layout

und die Struktur der Website vorgelegt. Eine monatelange Foto- und Textauswahl

schlossen sich an.

Bereits 1999 war Christian Gräbel dafür verantwortlich, das die damalige Drogenberatungsstelle

erstmals eine eigene Internetpräsenz aufgebaut hat. Mit der neuen Webseite

waren ab 2002 bislang analoge Angebote aller Abteilungen digital verfügbar. Die

Einrichtungen mit ihren Teams und Angeboten konnten sich im WWW vorstellen. Sehr

schnell gewann dieses Medium für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und unzählige

Projekte an extremer Bedeutung.

So richtete sich z.B. das Projekt CoYote – die jugendberatung - jung.wach.interaktiv als

Peer-Onlineberatung zum Thema Medienabhängigkeit an Jugendliche. Acht engagierte

junge Menschen im Alter von 18 – 24 Jahren waren auf der Plattform

www.jugend-sucht-antworten.de Ansprechpartner:in für gleichaltrige Ratsuchende.

Begleitend zu dem Beratungsangebot haben die Peers in sozialen

Netzwerken informiert, Tipps gegeben und auf aktuelle Themen und

Veranstaltungen hingewiesen. So konnten etwa am Safer Internet Day auch

Eltern die Onlineberatung www.jugend-sucht-antworten.de nutzen. Auch

Interface Extended nutzte natürlich die Möglichkeiten einer digitalen Präsenz

wie zum Beispiel www.interface-nrw.de.

2002


76

Ab 2011 war das Unternehmen auch auf einigen Social Media Plattformen wie etwa

Facebook aktiv. Neben dem Träger platzierten sich auch Einrichtungen und Dienste,

auch diverse Projekte stellten sich mit einer Präsenz dar. Auch Instagram wird genutzt.

Mittlerweile wurde die Webseite einem dreimaligen Relaunch 2013, 2015 und bislang

zuletzt 2020 unterzogen. Mit dem letzten Relaunch ging die Wartung der Webseite

erstmal an einen externen Dienstleister, der nicht nur Performance, sondern viel gravierender

auch den Traffic erhöhen konnte.

Der kontinuierliche Ausbau der digitalen Angebote zahlte sich nicht zuletzt ab 2020

im Zuge der Corona-Pandemie aus. Über die verschiedenen Kanäle konnten Kontakte

aufrecht erhalten und Informationen geteilt werden.

2002


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Mitinitiator Kommunale Suchthilfeplanung, Erstellung Suchtbericht

Auf Initiative des Facharbeitskreises Sucht wurde im Jahr 2003

beschlossen, den 1. Suchtbericht für die Stadt zu erarbeiten.

2005 erschien der Bericht und bildete erstmals systematisch

Strukturen, Beteiligte und Leistung der Suchthilfe in Hamm

ab. Gleichzeitig gab der Bericht Empfehlungen für die Weiterentwicklung

der Suchthilfe in Planung und Ausgestaltung für

die kommenden Jahre. Für den Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. arbeiteten folgende Kolleg:innen an der Erstellung in den

jeweiligen Arbeitsgruppen mit:

1. Lenkungsgruppe „Suchthilfeplanung“- Rainer Bathen (ehem. Geschäftsführung AkJ e.V.,

Mitarbeiter 1980 – 2019)

2. Arbeitskreis „Stationäre Versorgung“ - Christian Gräbel (Drogenhilfezentrum, Mitarbeiter seit 1994)

Karl Weber (ehem. Fachklinik Release-Entwöhnung

Mitarbeiter 1998 - 2006)

Simone Hartmann (ehem. KESH; Mitarbeiterin 1992 - 2014)

Monika Buschkamp (ehem. Fachklinik Release – Adaption,

Mitarbeiterin 1976 - 2009)

3. Arbeitskreis „Jugend und Sucht“ – Ronald Meyer (ehem. Jugend(Sucht)Beratung,

Mitarbeiter 1993 – 2009)

4. Arbeitskreis „Substitution“- Ulla Püthe (ehem. Drogenhilfezentrum,

Mitarbeiterin 1989 - 2020)

5. Arbeitskreis „Wirkungscontrolling“ - Rainer Bathen

2003


78

Im Jahr 2010 erschien mit dem 2. Suchtbericht die erste Fortschreibung. Initiiert wurde

der 2. Suchtbericht 2008 von der Lenkunggruppe „Kommunale Suchthilfe“. Erneut waren

Mitarbeitende des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. maßgeblich an der Erstellung

beteiligt. Mit dabei waren:

Planungsgruppe Suchtbericht 2010 - Rainer Bathen

Dorothee Behler-Brodd (ehem. Jugend(Sucht)Beratung,

Mitarbeiterin 1991 - 2020)

AG „Jugend und Sucht“ -

Dorothee Behler-Brodd

AG „Migration und Sucht“ Ewald Wehner (Drogenhilfezentrum, Mitarbeiter seit 1991)

AG „Sucht und Öffentlichkeit“ Dorothee Behler-Brodd

AG „Arbeitsstrukturen“

Ewald Wehner

AG „Finanzierung“

Rainer Bathen

Quellen: 1. Suchtbericht, Stadt Hamm 2005

2. Suchtbericht, Stadt Hamm 2010

Die Arbeitsstruktur der Lenkungsgruppe Kommunale Suchthilfe Hamm wird 2016 reformiert

und Rainer Bathen wird in den Sprecherkreis berufen. 2019 folgt ihm Denis

Schinner in den Sprecherkreis nach.

2003


79

Start MOVE - MOtivierende KurzinterVEntion

Lange Zeit bestand für die Gruppe der riskant drogenkonsumierenden Jugendlichen

eine Versorgungslücke. Die Gruppe wurde weder durch klassische Präventions- noch

(Drogen) Beratungsangebote wirksam erreicht. Kontakt zum Hilfesystem entstand oft

erst in einer späteren und verfestigten Phase des Konsums. Chancen der Früherkennung

und Frühintervention wurden (noch) nicht genutzt.

Gleichzeitig verfügten Mitarbeiter:innen in den diversen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe

über intensive Alltagskontakte zu (konsumierenden) Jugendlichen, fühlten sich aber

nicht ausreichend qualifiziert und vorbereitet auf Gespräche zum Konsumverhalten.

Um eine lebensweltnahe, konsumorientierte Beratungsform für Jugendliche zur Verfügung

zu stellen, erschien es sinnvoll diese Kontaktpersonen fort- oder weiterzubilden.

Der internationale Forschungsstand belegte, dass sich das Beratungskonzept der Motivierenden

Gesprächsführung besonders dazu eignet, die Motivation zur kritischen

Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum zu fördern und ggfs. auch die Inanspruchnahme

weiterführender Hilfen zu erleichtern. Eine Qualifizierung von Kontaktpersonen

bot dazu auch den Vorteil eine größere Zahl von Jugendlichen frühzeitig/er

zu erreichen.

2003


80

Auf Initiative der Ginko Stiftung entwickelte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe auf der

Grundlage der Motivierenden Gesprächsführung ein neues niedrigschwelliges Interventionskonzept:

MOtivierende KurzinterVEntion bei konsumierenden Jugendlichen.

Das Angebot zielte auf die Förderung und Unterstützung der Veränderungsbereitschaft

junger Menschen mit problematischem Suchtmittelkonsum. Das Projekt wurde vom

damaligen Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie (MGSFF) NRW gefördert

und von der Universität Bielefeld wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Landes-

wie bundesweit und inzwischen auch international bietet ein Trainernetzwerk in

der jeweiligen Region diese Fortbildung an (www.ginko-stiftung.de).

Die Fachstelle für Suchtvorbeugung und das Jugendamt Hamm arbeiteten zu dieser

Zeit in verschiedenen (Präventions-) Projekten erfolgreich zusammen. Das Thema

Schnittstellen/Management und Kooperation Jugendhilfe und Sucht- und Drogenhilfe

war ebenso schon lange ein zentrales Thema zwischen dem Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. und dem Jugendamt.

Dorothee Behler-Brodd als Mitarbeiterin der Fachstelle für Suchtvorbeugung

beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. qualifizierte sich Anfang 2003

gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Jugendamtes als Trainer-Tandem.

Im gleichen Jahr fand die erste gemeinsame Fortbildung statt. In den

Jahren 2006 bis 2008 wurde das Konzept für Kontaktpersonen in der Zusammenarbeit

mit Eltern im Bereich Kita/Familienzentrum und Schule erweitert.

2003


81

Elternberatung, Begleitung in schwierigen Erziehungssituationen, die Vermittlung

in ein breites Spektrum vorhandener Hilfen, Schaffen einer gelungenen Erziehungspartnerschaft

kennzeichneten die wachsenden Herausforderungen für Erzieher:innen

ebenso wie Lehrer:innen und Schulsozialarbeiter:innen.

Dem gegenüber standen eine nicht als ausreichend empfundene Vorbereitung in der

Ausbildung und oft wenig fachliche und zeitliche Ressourcen im Alltag.

Der Hypothese folgend, dass ein Fortbildungsangebot in Motivierender Kurzintervention

im Elterngespräch die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule bzw. Kita

verbessern könnte, wurde das Konzept und die Fortbildungsmodule entsprechend

angepasst und erneut durch die Universität Bielefeld wissenschaftlich begleitet und

evaluiert.

Seit 2008 werden Fortbildungen in Motivierender Kurzintervention im Elterngespräch

sowohl im Bereich Kita als auch Schule, ebenso für die Zielgruppe der Bildungsbegleiter:innen

oder auch der Willkommens-Besucher:innen angeboten.

In den letzten Jahren wurde das Konzept erneut erweitert, u.a. „Motivierende

Kurzintervention bei exzessivem Gebrauch neuer Medien“ oder

auch „Move am Arbeitsplatz“. Heute übernehmen Annette Riedesel, Birgit

Süsselbeck (Mitarbeiterinnen seit 1995) und David Szymura (Mitarbeiter

seit 2017) die Trainertätigkeiten.

2003


82

2003


83

Jugend(Sucht)Beratung und Elternschule Hamm:

Das passt gut zusammen!

Ein Grußwort von Matthias Bartscher

für die Elternschule Hamm e.V.

Die Elternschule Hamm e.V. gratuliert herzlich zum 50.

Geburtstag! Anbei eine Torte, die es schon mal zu einem

Geburtstag der Elternschule 2004 gab.

Für die Elternschule Hamm war der Arbeitskreis für

Jugendhilfe e.V. (AKJ e.V.) vor allem Dorothee Behler-

Brodd. Sie war seit Mitte der 2000er Jahre in der Projektgruppe, hat Aufbauarbeit und

Entwicklungsarbeit geleistet, war bei der Formulierung des Hammer Erziehungskonsenses

dabei. Nach der Vereinsgründung im Jahre 2008 – der AKJ e.V. war Gründungsmitglied

- hat der AKJ e.V. durch sie eine Reihe von Jahren den Vorstand mitgetragen.

Unser gemeinsames Anliegen war und ist die Prävention. Was können wir tun, dass

Kinder und Jugendliche gut aufwachsen und Krisen bewältigen können, ohne dass es

zu gravierenden Problemen kommt?

2003


84

Die Jugend(Sucht)Beratung - das können wir aus vielen Gesprächen mit Eltern bestätigen

– war und ist immer eine gute Anlaufstelle, wenn Eltern Alkohol und Drogen im

Zimmer ihres Kindes gefunden haben und in Panik geraten sind. Oder wenn sie ihr Kind

in der Klinik aus dem Vollrausch abholen mussten. Entdramatisierung, „Ernüchterung“

im besten Sinn und praxisorientierte Beratung ist allen, die uns berichtet haben, eine

große Hilfe gewesen.

Nicht zuletzt sollte man erwähnen, wie weitsichtig es war, dass die Jugend(Sucht)Beratung

sich schon früh dem Thema der Digitalisierung und den damit verbundenen

Suchtformen zugewandt hat. Wir konnten erst selbst von den Fachteamern lernen und

das Gelernte dann selbst Eltern weitergeben oder sie überweisen.

Also die besten Wünsche für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und auf viele weitere

gute Jahre der Zusammenarbeit!

2003


85

Staatliche Anerkennung als Verbraucherinsolvenzberatungsstelle

Die Schuldenproblematik ist ein allgegenwärtiges Thema in der sozialen Arbeit. Menschen

mit einer chronischen Suchterkrankung haben in aller Regelmäßigkeit auch

eine krankheitsbedingte Schuldenproblematik. Mittlerweile ist die Verursachung einer

Überschuldung eindeutig erforscht. Neben einschneidenden Lebenserlebnissen wie

Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung gehören Krankheiten zu den häufigsten Ursachen.

Gleichzeitig ist es nachweislich belegt, dass Schulden krank machen. Suchthilfe

hat hier eine besondere Problematik zu berücksichtigen, um Gesundungsprozesse zu

erfolgreich zu befördern.

Schon in den 90er Jahren wurde die Schuldenproblematik der Besucher:innen aufgegriffen

und zunächst noch in der Einzelfallarbeit angegangen. Ulla Püthe (Mitarbeiterin

1989 – 2020) wurde als erste Mitarbeiterin im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. für eine

berufsbegleitende Schuldnerberatungsausbildung freigestellt, um auf die zunehmenden

Anfragen eine professionelle Antwort geben zu können.

Parallel wurde durch die Drogenberatungsstelle eine Kooperationsvereinbarung mit

der Schuldnerberatungsstelle des Katholischen Sozialdienstes Hamm (KSD) getroffen.

Zu vereinbarten Zeiten gab der ehemalige Leiter der Schuldnerberatungsstelle,

Thomas Dietze, eine Sprechstunde in den Räumlichkeiten der Drogenberatungsstelle.

Diese Sprechstunde wurde im Laufe der Zeit aufgrund

fehlender Nachfrage wieder eingestellt.

2003


86

1998 wurde auch Josch Krause für eine berufsbegleitende Ausbildung freigestellt, die

er im Jahr 2000 erfolgreich beenden konnte. Durch diese Investition konnte zunächst

im Kontaktladen und dann in dem später neu gegründeten Drogenhilfezentrum ein

eigenes Beratungsangebot geschaffen werden.

In den stationären Einrichtungen des Vereins und der

Tochtergesellschaft Netzwerk Suchthilfe gGmbH wurden

ebenfalls Mitarbeiter:innen mit der Professionalisierung

des Angebotes betraut. In der Fachklinik Release - Entwöhnung

wird diese Problematik von Andreas Specht

(Mitarbeiter seit 2002), in der Adaption von 1997 bis 2010 über Denis Schinner (3-jährige

Schuldnerberatungsausbildung innerhalb des Studiums der Sozialen Arbeit) und

Nicole De Vries (Mitarbeiterin 2002 – 2014) und im KESH durch Gaby Amedinck (Mitarbeiterin

seit 1999) geleistet. Auch Gaby Amedinck durchlief mehrere Fortbildungen

zu diesem Themenkomplex.

Im Jahr 2000 wurde vereinsübergreifend ein Qualitätszirkel Schuldnerberatung eingeführt,

um einen gemeinsamen Beratungsstandard zu erarbeiten und

fortlaufende Beratungsübergänge zu schaffen.

2003


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Die Entschuldungen wurden zumeist in Kooperation mit der in Hamm ansässigen

bundesweit tätigen Marianne von Weizsäcker Stiftung - Integrationshilfe für ehemals

Suchtkranke e.V. realisiert. Die Stiftung bietet einzigartig in Deutschland überschuldeten

Menschen ein Entschuldungsdarlehen an. Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren

können dann die Schulden auf diesen Darlehensbetrag minimiert

liegen. Die Vergleiche liegen durschnittlich bei 18% der Schuldensumme. Durch vorher

überprüfte Haushaltspläne wird die Rückzahlungsmodalität (Höhe der Raten) vereinbart.

Aufgrund der anerkannten Fachausbildungen und der nachweislichen Tätigkeit in

der Schuldnerberatung konnte dem Drogenhilfezentrum auf Antrag im Jahr 2003 die

staatliche Anerkennung zur Verbraucherinsolvenzberatungsstelle vom Regierungspräsidium

Düsseldorf erteilt werden. Damit konnte die beraterische Hilfe erheblich

erweitert werden und nun auch private Insolvenzverfahren mit Ratsuchenden der Beratungsstelle

beantragt und begleitet werden.

2003


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Die am 01.01.1999 in Deutschland eingeführte Insolvenzordnung (InsO) veränderte die

komplette Schuldnerberatungslandschaft. Zunehmend wurde die Schuldnerberatung

auf das Insolvenzverfahren eingeengt, sozialberaterische Hilfen werden eingeschränkt.

Das Insolvenzverfahren bietet ein geordnetes Verfahren mit Vollstreckungsschutz, hat

aber den Nachteil, dass es sehr lange dauert. In der Regel können bei zunächst unüberschaubaren

Schuldverhältnissen 1 Jahr Vorbereitungszeit, 6 Jahre Verfahrensdauer bis

zur Restschulderteilung und dann im Fall von weiter bestehender Zahlungsunfähigkeit

weitere 4 Jahre Stundungszeit der Verfahrenskosten veranschlagt werden, also bis zu

11 Jahre bis zur letztendlichen Entschuldung. Dieses ist nicht nur für Suchtkranke ein

unüberschaubarer Zeitraum, sondern für jede:n Bürger:in unseres Landes. Diese Bewertung

wurde auch von der Europäischen Union (EU) geteilt, so dass Deutschland

eine Insolvenzreform zur vereinfachten Verkürzung des Verfahren einführen musste.

2003


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Diese wurde gegen alle Einwände und Anregungen der Schuldnerberaterseite

eingeführt und das erwartete Scheitern dieser

Reform wurde im Jahr 2019 auf Grundlage der wissenschaftlichen

Begleitforschung resigniert zugegeben. Daraufhin hat die

EU eine Richtlinie verfasst, der Deutschland nun zu folgen hat

und muss nun bis Ende 2021 eine Verkürzung des Verfahrens auf

3 Jahre, wie es europäischer Standard ist, umsetzen. Es ist von

einer Umsetzung bis Ende 2020 / Anfang 2021 auszugehen. Eine

vorschnell verkündete Umsetzung zum 01.10.2020 ist bereits

gescheitert.

Die Insolvenzordnung bietet auch im außergerichtlichen Vergleich geordnete Möglichkeiten,

um einen Vergleich gegebenenfalls schriftlich umzusetzen. Hierzu muss

die Mehrheit der Gläubiger zustimmen und es kann anschließend eine richterliche

Zustimmungsersetzung durchgesetzt werden. Diese Möglichkeit konnte vielfach genutzt

werden, um Entschuldungspläne mit Unterstützung der Marianne von Weizsäcker

Stiftung erfolgreich zu realisieren. Diesbezüglich hat sich das Drogenhilfezentrum

sehr qualifiziert und beim zuständigen Insolvenzgericht in Dortmund

Präzedenzfälle geschaffen, nach der die ablehnenden Gläubiger auch

an den Verfahrenskosten beteiligt werden.

2003


90

Diese Vorarbeit erfolgte durch die Schuldnerberatungsstelle der Suchtberatung der

Caritas in Rüsselsheim. Hier zeigt sich vielleicht durch die praktische Notwendigkeit

die besondere Qualität von integrativer Schuldnerberatung. Es müssen aufgrund der

Suchterkrankung besondere individuelle und schnelle Sanierungen kreiert werden.

Im Jahr 2005 wurde mit dem Kommunalen Jobcenter der Stadt Hamm eine Kooperation

zur Betreuung von Menschen mit den Vermittlungshemmnissen Sucht und Schulden

gemäß §16 Abs. 2 SGB II vereinbart und im Jahr 2013 startete die Schuldnerberatung

im Auftrag des Kommunalen Jobcenters der Stadt Hamm. Schuldnerberaterisch

werden die vom Jobcenter zugewiesenen Personen von Ewald Wehner (Mitarbeiter

seit 1991) betreut, der ebenfalls berufsbegleitend eine Ausbildung zum Schuldnerberater

erfolgreich abschließen konnte und gemeinsam mit Josch Krause das Hilfeangebot

der Schuldnerberatung federführend leitet.

Im jährlichen Rhythmus veranstaltet das Drogenhilfezentrum Schuldnerberatungstage

zu aktuellen Themen unter Einladung verschiedener Gäste (Gerichtsvollzieher:innen,

Insolvenzverwalter:innen, Mitarbeiter:innen der Marianne von Weizsäcker Stiftung

etc.).

2003


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Mit Unterstützung des Drogenhilfezentrums unter Beteiligung mehrerer Ratsuchenden

der Schuldnerberatung konnte die Stiftung verschiedene Broschüren auflegen

und erfolgreiche Fälle darstellen.

Im Jahr 2008 wurde ein Kooperationsvertrag mit der Marianne von Weizsäcker Stiftung

geschlossen. Diese sehr natürlich gewachsene und höchst vertrauensvolle Zusammenarbeit

wird seit vielen Jahren geführt. Vereinbart wurden gemeinsame Veranstaltungen:

Beratungstage im Drogenhilfezentrum mit direktem Zugang zu den Berater/-innen der

Stiftung werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Ungezählt sind mittlerweile

auch die durch die Stiftung geförderten Einzelfallhilfen: Finanzierung von beruflichen

Hilfsmitteln, Brillen, Fahrräder, Hilfen für Familien mit Kindern, Reittherapien, Musikinstrumente,

Unterstützung von Weihnachtsfeiern, Trikots und Fußballschuhe der Fußballmannschaft

des Drogenhilfezentrums. Gemeinsame Fortbildungen für die Landesarbeitsgemeinschaft

Schuldnerberatung NRW und die Koordinationsstelle Sucht des

Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wurden von Rita Hornung, Geschäftsführerin

der Stiftung, und Josch Krause wiederholt entworfen

und erfolgreich für Mitarbeitende der Suchthilfe abgehalten.

Josch Krause wurde von

der Stiftung in die Zukunftswerkstatt

der Stiftung berufen, um die langfristige

Arbeit der Stiftung zu entwickeln

und zu sichern.

2003


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Zum 30-jährigen Jubiläum der Marianne von Weizsäcker Stiftung im Jahr 2019 konnte

das Drogenhilfezentrum / Josch Krause das Angebot der Schuldnerberatung in einem

ausführlichen Fachartikel in der von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung

(BAG-SB) herausgegebenen „BAG-Information – Fachzeitschrift für Schuldnerberatung“

veröffentlichen. Denis Schinner ist seit 2020 über einen Sitz der Deutschen Hauptstelle

für Suchtfragen (DHS) im Vorstand der Marianne von Weizäcker Stiftung aktiv.

Im Jahr 2018 wurde Josch Krause auf Hinweis von Rita Hornung von der Marianne von

Weizsäcker Stiftung zu einer großen Sitzung zur Neuauflage der sogenannten Stephan-

Kommission nach Berlin eingeladen. Das Drogenhilfezentrum hatte gemeinsam mit der

Berliner Schuldnerberatungsstelle DILAB e.V. an einem Pilotprojekt zur Nutzung der Formulare

der Stephan-Kommission teilgenommen. Die Kommission, die unter Leitung des

Insolvenzrechtlers Guido Stephan auch den Namen erhalten hat, wurde zur Einführung

der Insolvenzordnung einberufen, um die außergerichtliche Einigung zu stärken. „Wir

sprechen uns für eine Stärkung von (außer-)gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren

aus, die nach ihrer Ausgestaltung nicht zu einer zusätzlichen Belastung der Gerichte

führen dürfen.

2003


93

Die beteiligten Verbände sind bereit, über Standards für das Schuldenbereinigungsverfahren

zu verhandeln.” (Stephan-Kommission.de)

Der Kommission gehören Vertreter:innen der Gläubiger- und der Schuldnerberatungsverbände

an. Zitat Josch Krause auf der Internetseite der Kommission: „Ich engagiere

mich in der Stephan-Kommission, weil das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren

ein wesentlicher Baustein für die Entschuldung von Menschen mit Suchterkrankungen

ist und sein muss. Für Menschen mit gesundheitlichen Problemen bieten sehr

lange Beratungsprozesse, wie das private Insolvenzverfahren, keine reale Perspektive

zur Lösung der Probleme. Die Recherche oftmals unüberschaubarer Verschuldungsverhältnisse,

Antragstellung, Wohlverhaltensperiode und Stundung der Verfahrenskosten

beanspruchen teilweise Zeiträume von über 10 Jahren und bedeuten eine Überforderung

erheblich problembelasteter Menschen. Bereits unsere ersten Erfahrungen mit der

Nutzung der von der Stephan- Kommission konzipierten Standard-Formulare versprechen

eine Erhöhung der Erfolgsquoten im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren“.

2003


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Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren reicht das Drogenhilfezentrum

die von der Stephan-Kommission entwickelten Standardformulare ein, um eine möglichst

hohe Erfolgsquote zu erreichen. Die Gläubiger:innenseite hat verschiedentlich erklärt,

dass derart gestaltete Bereinigungspläne wohlwollend geprüft werden, da sie eine

vereinfachte Prüfung ermöglichen.

Seit 2018 ist Josch Krause freiberuflich als Lehrbeauftragter bei der SRH Hochschule in

Hamm tätig und leitet ein Seminar zur Einführung in die Schuldnerberatung.

Der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ist Mitglied in den Fachverbänden Bundesarbeitsgemeinschaft

Schuldnerberatung e.V. und Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung

NRW e.V. Auf lokaler Ebene vertreten Ewald Wehner und Josch Krause den Arbeitskreis

für Jugendhilfe e.V. im Arbeitskreis der Schuldnerberatungsstellen.

2003


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Gründung Arbeitsfeld Ambulant Betreutes Wohnen (BeWo)

Ambulant

Betreutes Wohnen

An zunächst drei Standorten werden Angebote des

Ambulant Betreuten Wohnen auf Grundlage § 53/54

SGB XII eingerichtet. In der Drogenberatungsstelle (damals

noch in der Widumstrasse in Hamm), im KESH und

in der Adaptionseinrichtung wurde erhebliche Aufbauarbeit

geleistet, um die ersten Klient:innen in ihren

eigenen Wohnungen betreuen zu können.

2.0 - Okt. 2019

Friedberg/ Fotolia.de

Unterstützung in der

eigenen Wohnung

Mitarbeiter:innen der ersten Stunde waren Anke Alfert,

Kristian Kayser, Claudia Lay und Jörg Benscheidt.

2006 wird eine „Zweigstelle des Ambulant Betreuten

Wohnen“ in Münster mit zwei Mitarbeitenden eröffnet.

2009 wird die Arbeit in Münster eingestellt. Mittlerweile

waren viele Anbieter:innen vor Ort aktiv und die erforderliche

Auslastung zur Refinanzierung des Angebotes

war von Hamm aus nicht zu erreichen.

2011 begann der Ausbau des um teilstationäre tagesstrukturierende

ergänzten Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

(LT24).

2003

Die erste trägereigene Wohnung für BeWo-Klientel

wurde 2012 angemietet.


96

2014 erfolgte die formale Zusammenführung der einzelnen Angebote an den verschiedenen

Standorten zu einer Abteilung Ambulant Betreutes Wohnen mit Sitz im Drogenhilfezentrum

in der Brüderstraße in Hamm.

2017 wurde die Abteilung um ein Angebot für junge Volljährige nach SGB VIII über die

Jugend(Sucht)Beratung erweitert.

Und im Jahr 2019 startete das Ambulant Betreute Wohnen (BeWo) nach §67 SGB XII.

Heute ist das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnen ein unverrückbarer Bestandteil

des Angebotsspektrums in der Netzwerk Suchthilfe gGmbH. Sechs Mitarbeitende

stellen die Betreuung von über 100 Klienten:innen an vier Standorten sicher.

2003


97

Projekt HaLT – Hart am Limit

2004 - 2008: Hamm startete als einer von 11 Standorten

in neun Bundesländern mit dem Bundesmodellprojekt

„HaLT – Hart am Limit“. Zu Beginn ist

Hamm der einzige Haltstandort in NRW.

Das Präventionsprogramm verfolgt zwei Zielsetzungen:

zum einen soll riskantem Alkoholkonsum

von Kindern und Jugendlichen früh präventiv begegnet

werden (reaktiver Teil), zum anderen wird

ein breiter Ansatz verfolgt, um auf kommunaler

Ebene den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol bei Jugendlichen und bei

Erwachsenen zu fördern (proaktiver Teil).

Über den reaktiven Projektteil entwickelte sich eine enge Kooperation mit dem Evangelischen

Krankenhaus Hamm (EVK), der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Hamm.

Die Jugend(Sucht)Beratung erreicht so Kinder und Jugendliche mit riskanten Alkohol-

Konsummustern, insbesondere im Zusammenhang mit schwerer Alkoholintoxikation,

frühzeitig und bietet ihnen die Möglichkeit zur Reflektion ihres Konsumverhaltens

(Brückengespräche) und bei Bedarf auch die Weiterleitung an weiterführende Hilfen.

2004


98

Über den proaktiven Projektteil wurden viele öffentlich wirksame Veranstaltungen initiiert

(Probekäufe zur Überprüfung der konsequenten Umsetzung des Jugendschutzgesetzes,

Veranstaltungen mit lokalen Akteuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen,

wie Schule, Polizei, Vereine…).

Nach Ende der Projektlaufzeit wurde die erfolgreiche Kooperationsbeziehung mit dem

EVK weitergeführt und es fanden seitdem zahlreiche Brücken- und Elterngespräche sowie

Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte durch Mitarbeitende der Jugend(Sucht)Beratung

statt.

Ab 2014 eröffnete sich die Möglichkeit der (Re)-Finanzierung von Brückengesprächen mit

Jugendlichen und Eltern sowie eines Risikochecks über die Krankenversicherungen.

Hierfür zertifizieren sich Mitarbeitende der Jugend(Sucht)Beratung.

Ab 01.07.2019 gab es dann erstmalig die Förderung der HaLT-reaktiv-Maßnahmen in

NRW mit Mitteln der BZgA, weitergeleitet durch die ginko Stiftung für Prävention.

2004

Jetzt können Brücken-, Elterngespräche, Risikochecks sowie Fortbildungen

über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

abgerechnet werden. Erstmalig besteht die Möglichkeit das bestehende

Angebot etwas auszubauen und konzeptionell neue Kooperationspartner

und Zielgruppen zu gewinnen. So können nun auch volljährige

Klient:innen nach einer Alkoholintoxikation im Rahmen des Projektes

beraten werden.


99

Ab 2020 konnte das Projekt ausgebaut werden. Birgitt Süsselbeck (Mitarbeiterin seit

1995) und Lea Debusmann (Mitarbeiterin 2020-2021) sind in diesem Projekt aktiv.

2004


100

Verbundberatung

Im Jahre 2005 machten sich die vier Träger, der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Hamm, der Drogenberatung Bielefeld e.V., der nado e.V. Dortmund und die Fachklinik

Ostberge GmbH gemeinsam auf den Weg, um auszuloten, welche Chancen und Ressourcen

in einem gemeinsamen, größeren regionalen Verbund bestehen.

Begleitet wurde dieser Prozess bis 2007 von der Organisationsberatungsfirma Move

in Münster. Stephanie Frenzer von Move hatte entsprechende Fördermittel beantragt,

sodass diese Verbundberatung über einen Zeitraum von 2005 bis 2007 begleitet werden

konnte.

Alle Träger hatten gemeinsam, dass sie stationäre medizinische Rehabilitation Sucht

in ihrem Angebot hatten. Traditionell waren es Angebote für eher jüngere Drogenabhängige.

Der Arbeitskreis für Jugendhilfe und die Drogenberatung Bielefeld hatten darüber

hinaus ein gut ausgebautes Beratungsangebot und vielfältige niedrigschwellige Angebote.

In den Jahren vorher entstand für alle Beteiligten der Eindruck, dass die

Leistungsträger größere Klinikangebote bevorzugen bzw. favorisieren

würden. Einig waren sich alle darin, dass in den von ihnen vorgehaltenen,

eher kleineren Rehabilitationsangeboten ein wichtiges und notwendiges

Potenzial liegt.

2005


101

Gerade die jungen Menschen mit ihrer frühen

und langjährigen Suchtmittelabhängigkeit

sowie biographischen Erfahrungen

wie Gewalt, sexueller Gewalt, Trennung und

Migration, benötigten kleinere und haltgebende

Rehabilitationseinrichtungen.

Es sollten weitere Brüche in der Behandlung

verhindert werden und man wollte

schauen, wie innerhalb des Verbundes Patientinnen

und Patienten aufgefangen und

sinnvoll weiterbehandelt werden könnten. Durch die sehr guten und differenzierten

Angebote der beteiligten Träger hatte man sich eine deutliche qualitative Verbesserung

in der Angebotsstruktur erhofft. Begleitetes Schnittstellenmanagement sollte die

Übergänge mit all ihren Risiken verbessern. Eher Verlegen als Entlassen war ein wesentliches

Ziel.

2005

„Noch heute bin ich von dieser konzeptionellen Idee überzeugt. Warum

es im Jahre 2007 am Ende nicht realisiert wurde, lässt sich mit dem Zeitabstand

nicht mehr objektiv darstellen. Am Ende würde ich es auf eine,

und das ist auch sehr selbstkritisch gemeint, einfache Formel bringen.

Alle beteiligten Geschäftsführer waren sehr starke Persönlichkeiten mit

einem hohen Autonomiebedürfnis, gerade als kleinerer Partner ist die

Angst vor Autonomieverlust dann vielleicht größer. Psychodynamisch ist

das nicht gut fokussiert gewesen.“ (Roland Helsper, nado e.V. Dortmund)


102

Start Projekt FreSko

Mit FreSko – Früherkennung und Frühintervention bei suchtmittelkonsumierenden

Jugendlichen – einer Weiterentwicklung des FreD-Projektes konnten bis 2007 Jugendliche

und junge Erwachsene (14 – 21 Jahre), die mit psychoaktiven Substanzen, meist

Cannabis, experimentieren oder bereits häufiger konsumieren und dabei auffällig geworden

sind - in der Regel ohne in ihrem Konsum bereits eine Abhängigkeit entwickelt

zu haben, beraten werden. Die Auffälligkeit kann in der Schule, bei der Polizei, im

Rahmen der Familienhilfe, bei Angeboten der Jugendhilfe oder auch am Ausbildungsbzw.

Arbeitsplatz erfolgt sein.

Das Projekt FreSko besteht in der Struktur aus zwei Bausteinen. Einem Erstgespräch

(Intake genannt) und der Durchführung eines Kurses im Umfang von 10 Stunden, der

sich in der Regel auf zwei Tage (Freitag & Samstag) verteilt.

2005


103

Das Projekt FreSko ist als Kurzintervention konzipiert. Das bedeutet, dass bei der Projektumsetzung

eine spezielle Methode genutzt wird, die zur Verbesserung der Änderungsbereitschaft

der Teilnehmer:innen im Rahmen einer zeitlich eng begrenzten Intervention

beiträgt. Insbesondere im Bereich der substanzbezogenen Störungen hat sich

hier das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing, Miller/Rollnick

1999 und 2005) als effektiv erwiesen. Daher findet diese Methode in der

Umsetzung sowohl der Erstgespräche (Intake) als auch während der Kursdurchführung

Verwendung. Die Gruppengröße eines Durchlaufs liegt bei ca. 6 bis 8 Teilnehmer:innen.

Anika Kliegel (Mitarbeiterin 2006 – 2009) und Frank Schulte-Derne (Mitarbeiter 2005 –

2013) zeichneten sich für dieses Projekt verantwortlich.

2005


104

Gründung Kompetenzzentrum „Jugend und Sucht” (gemeinsam

mit der LWL Klinik Heithofer Allee und dem Malteser-Auxilium)

Es erinnert ein wenig an die Gründungsjahre des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und

das „Hammer Modell“. So ganz von der Hand zu weisen ist es auch nicht, wenn insbesondere

die Jugend(Sucht)Beratung des AKJ e.V., die Suchtstation der LWL-Universitätsklinik

Hamm und die Nachsorgeeinrichtung Auxilium der Malteser Werke in Hamm

ein Kompetenzzentrum „Jugend und Sucht” gründen. Beratung – Behandlung – Nachsorge.

Das gab es schon mal und zeigt letztendlich nur, wie erfolgreich Netzwerke dieser

Art sind.

2005


105

Gründung Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH

Nach langer Vorüberlegung, unzähligen Beratungs- und Abstimmungssequenzen, beschloss

die Geschäftsleitung um Rainer Bathen und Rolf Buschkamp zusammen mit

dem Vorstand des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und Vorsitz von Prof. Dr. Jochen

Jungblut 2005 die Gründung der Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH und die

Ausgliederung der Fachklinik Release, der Adaption, der Wohngruppe KESH und des

Ambulant Betreuten Wohnens in die neue Gesellschaft. Im Verein verblieben die Drogenberatungsstelle

und die Hauptverwaltung.

Die neue Struktur sollte die Arbeit des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. zukunftssicher

und risikomildernd gestalten. Jedoch wurden zunächst doppelte Strukturen geschaffen.

Dem Verein standen nunmehr Rainer Bathen und Rolf Buschkamp als Vorstand vor.

Die Aufsicht übernahm ein neu geschaffenes Präsidium unter Vorsitz von Prof. Dr. Jungblut.

Die beiden Vorstände wurden mit der Gründung der gGmbH als Geschäftsführer

berufen. Ein Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Prof. Sabine Zech, der ehemaligen Bürgermeisterin

von Hamm, wurde gebildet.

Gleichzeitig war der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V., vertreten durch

die beiden Vorstände, der alleinige Gesellschafter der neuen gemeinnützigen

GmbH. Diese bildeten somit auch die Gesellschafterversammlung.

2005


106

2005


107

Gründung Jugend(Sucht)Beratung als neues Angebot für jugendliche

Konsumenten psychoaktiver Substanzen und ihre Bezugspersonen

Jugend(Sucht)Beratung oder auch Jugend sucht Beratung … Die Gründung der Jugend(Sucht)Beratung

war die Antwort des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. auf eine Versorgungslücke

zwischen der Prävention auf der einen Seite und den Angeboten der –

meist auf Erwachsene ausgerichteten – Beratung. Inzwischen haben weitere Städte und

Einrichtungen das 2006 weiterentwickelte Modell Jugendsuchtberatung und Fachstelle

für Suchtvorbeugung „unter einem Dach“ in NRW übernommen.

Die Angebote der Jugend(Sucht)Beratung waren und sind aktuell spezifisch auf die

Lebenslagen und Konsummuster von Jugendlichen ausgerichtet und ebenso auf die

Fragen und Themen von Eltern und weiteren (pädagogischen) Kontaktpersonen, die

häufig die ersten Ansprechpartner sind.

In den Jahren variieren die Themen, verändern sich, kommen wieder, unterliegen gesellschaftlichen

und politischen Trends und Veränderungen; ganz neue kommen dazu – immer

wieder eine Herausforderung, auf aktuelle Fragen und neue Themen auch Antworten

zu geben – ohne bestehende Angebote und Themen aus dem Auge zu verlieren.

So waren von Beginn an der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und die Jugend(Sucht)Beratung

immer auf der Suche nach Förderern, Stiftungen etc.

über die zusätzliche Projekte und Angebote ermöglicht werden konnten:

Die Aktion Mensch, der LWL / Kinder- und Jugendförderplan und das Bundesamt

für Migration waren Förderer dieser Projekte. Danke!

2005


108

2005


109

In den vergangenen Jahren ist es so immer gelungen, aktuelle Themen aufzugreifen und

innovative Projekte zu starten, sozusagen „Angebote am Puls der Zeit“. In einer Sitzung

eines Arbeitskreises kommentierte eine Teilnehmerin das sehr treffend „… und wenn

wir dann merken, dass z.B. auch das Thema digitale Medien auftaucht, dann hat die JSB

auch dafür schon ein Angebot entwickelt“. Möglich wird

dies zum einen durch eine hohe Aufgeschlossenheit

und Aufmerksamkeit neuen Themen gegenüber, die in

(fachlichen) Anfragen von Eltern und Kontaktpersonen

stecken und der AKJ e.V. andererseits in Hamm und NRW

gut vernetzt ist und damit Tendenzen und Strömungen

frühzeitig wahrgenommen werden können.

Dazu ist das Angebot zum Thema exzessiver Medienkonsum

ein gutes Beispiel. Über Anfragen von Eltern

und Lehrer:innen wurde 2010/11 deutlich, dass das Thema

exzessive Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen

zunehmend problematisiert wurde.

Über die Vernetzung mit weiteren Akteuren

wie Jugendamt, Polizei und Medienzentrum

wurde deutlich, dass einige Fachaspekte

schon „versorgt“ sind, das Thema

Beratung aber noch nicht.

2005


110

Kreativität und unser Engagement haben wie jede Medaille aber auch zwei Seiten: So

wurden in den letzten Jahren eine Menge zusätzlicher, wenn auch befristeter Stellen

geschaffen. Junge engagierte Kolleg:innen sind gekommen, manche konnten in einem

weiteren Projekt bleiben, andere haben sich neu orientieren müssen. Für die „Kernmannschaft“

heißt das: permanent offen sein für Neues und Neue, neue Teamkonstellationen,

neue Ideen, aber auch kein Stillstand und viel Möglichkeiten, sich kreativ einzubringen

und weiter zu entwickeln.

2005


111

10 Jahre Jubiläum - Stationäre Drogenhilfeeinrichtung „RELEASE”

Die Erfolgsgeschichte der Fachklinik Release, hervorgegangen aus einem 1996 sehr

richtungsweisenden Pilotprojekt, unterstützt durch die Deutsche Rentenversicherung,

namentlich genannt werden muss hier sicherlich Rolf-Bernd Lappe, geht mit einer Jubiläumstagung

in das zweite Jahrzehnt.

Auf dem Foto ist unter anderem Dr. med. (BIH) Selma Music – Hujic (2.v.l.) zu sehen.

Nach einem zweijährigen Engagement von 2005 - 2007 als leitende Ärztin, begleitet sie

nun die Fachklinik Release seit 2019 wiederum als ärztliche und therapeutische Leitung

durch das dritte Jahrzehnt ihres Bestehens.

2006


112

2006


113

Umzug des Drogenhilfezentrums samt Geschäftsstelle

zur Brüderstraße 39

In den Jahren 1998 und 1999 wurde der gesamte ambulante Bereich mit Beratungsstelle

und Kontaktladen auf den Prüfstand gestellt. Es sollte herausgefunden werden,

wie aktuell die Angebote sind und wo Defizite bestehen. Dazu wurden in einer großen

Aktion „Ambulanz 2000“ Klienten:innen, Leistungsträger:innen und Zuschussgeber:innen

sowie Kooperationspartner:innen befragt. Ein Ergebnis dieser Aktion war, dass die

Einrichtungen „Beratungsstelle“ und „Kontaktladen“ zu einem Drogenhilfezentrum zusammengelegt

werden sollten, um eine noch effektivere Betreuung der Klient:innen

gewährleisten zu können.

So zog der Kontaktladen 2003 zur Beratungsstelle in die Widumstraße, wobei zu diesem

Zeitpunkt schon klar war, dass das Haus langfristig nicht geeignet war, beide Einrichtungen

aufzunehmen. Es war vom Raumangebot zu klein und konnte vor allen Dingen

den Bedürfnissen an den niedrigschwelligen Bereich eines Drogenhilfezentrum

nicht gerecht werden.

2006


114

Im Jahr 2002 wurden Vertragsverhandlungen mit der Stadt Hamm aufgenommen, da

diese dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. mittlerweile ein Haus in zentraler Lage im

Innenstadtbereich zum Kauf angeboten hatte. Hier waren vormals das Liegenschaftsund

Versicherungsamt der Stadt untergebracht. Nach deren Umzug in einen Neubau

der Stadtverwaltung könnte das Drogenhilfezentrum samt Geschäftsstelle nach einer

Umbauphase dort einziehen.

Da die Stadt Hamm ihr Interesse an der langfristigen Fortführung und Ausweitung des

Drogenhilfezentrums bekundet hatte, konnte man sich nach längeren Verhandlungen

auf einen Kaufpreis verständigen.

Nun galt es Anträge zur Förderung des Kaufs und Umbaus der Brüderstraße und für

Zinszuschüsse für die aufzunehmenden Darlehen bei der Aktion Mensch zu stellen, da

es dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. nur mit Eigenmitteln nicht möglich sein würde,

dieses Projekt zu stemmen.

Auch ein Architekt hatte mittlerweile die Arbeit aufgenommen, um die Kosten dieser

umfangreichen Umbaumaßnahme zu ermitteln. Da es sich um ein dreistöckiges Gebäude

handelt, sollte natürlich auch die Barrierefreiheit gewährleistet sein und es wurde

an der Außenseite ein neuer Fahrstuhl eingeplant.

2006

Nach der Bewilligung durch die Aktion Mensch konnte am 01.02.2006

der Kaufvertrag mit der Stadt Hamm geschlossen und mit dem Umbau

nach eingehender Prüfung der Angebote der einzelnen Handwerksfirmen

begonnen werden.


115

Das Jahr 2006 war für die Geschäftsleitung geprägt von regelmäßigen Gesprächen mit

dem Architekten, um die Bauplanung sowie den Baufortschritt zu begleiten.

Es mussten arbeitssicherheitstechnische Aspekte, aber auch sicherheitstechnische im

Hinblick auf Gewaltprävention und Konfliktregelungen, beachtet werden.

Am 06. März 2007 wurde die offizielle Bescheinigung zur abschließenden Fertigstellung

der Nutzungsänderung des Umbaus erteilt.

Am 26. und 27. September 2006 wurde das Gebäude bezogen.

Dazu hatte die Geschäftsführung zuvor Hinweise zum Umzug herausgegeben, die

nicht bei allen Beteiligten auf positive Resonanz stießen. Während es der Geschäftsführung

wichtig war, Räumlichkeiten zu schaffen, die die Professionalität der Arbeit nicht

nur unterstreichen, sondern wo sie auch gelebt werden konnte, waren einige andere

traurig, dass das individuelle Flair und der gemütliche Charme des Drogenhilfezentrums

in ihren Augen verloren gingen. Somit sind einige urtümliche Gewächse

und ein Sammelsurium Getöpfertes einer Räumungsaktion zum

Opfer gefallen.

2006


116

Am 23.11.2007 ist das Haus in einer feierlichen Veranstaltung offiziell eingeweiht worden,

in dessen Rahmen das Haus den Namen „Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus“ erhalten

hat.

Bilder: Weihnachtsfeiern alt + neu

2006


117

Integration der Franziskusküche Hamm in das

Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus

Die Franziskusküche ist eine Sozialküche in den Räumen des AKJs an der Brüderstraße

39, die täglich mittags geöffnet hat und Anlaufpunkt für Menschen in der Stadt Hamm

ist, die es sich nicht leisten können, jeden Tag selbst für eine warme Mahlzeit zu sorgen.

Ihren Ursprung hat die Franziskusküche in einer „Aufwärmstube“, in der die Caritas-

Konferenz St. Agnes seit 1989 im heutigen Caritas-Beratungszentrum in der Franziskanerstraße

Wohnungslosen eine Anlaufstelle bot. An drei Tagen in der Woche konnten

sie sich dort treffen, Frühstück und warme Getränke zu sich nehmen, sich aufhalten

und reden. Nach fünf Jahren entwickelte sich die Aufwärmstube auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft

der Hammer Wohlfahrtverbände zur „Armenküche“, in der fortan

täglich ein warmes Mittagessen ausgegeben wurde. Dafür zogen die Akteure zunächst

in Räume des ehemaligen Caritasgebäudes an der Brüderstraße 33. Seitdem wird das

Essen in der Küche des Marienhospitals zubereitet und von dort in Wärmebehälter angeliefert.

Von Anfang an wurde die Ausgabe des Mittagessens von Ehrenamtlichen sichergestellt,

wofür sich zum Teil bis zu 40 Gruppen – vornehmlich aus katholischen

und evangelischen Kirchengemeinden – mit ca. 190 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen

engagieren.

2006


118

Besonders beeindruckend ist, dass sich auch an Feiertagen, wie Ostern oder Weihnachten,

Ehrenamtliche zum Einsatz bereit erklären und dadurch eine Ausgabe von bis zu

12.000 Portionen an 365 Tagen im Jahr gewährleisten.

2006 zog die Armenküche ins Nachbargebäude des AKJs, wodurch die Betreuung und

Unterstützung eines Teils der Gäste verbessert werden konnte. Die Hauptverantwortung

für die Organisation übernahm die Caritas, die das Konzept kontinuierlich weiterentwickelte.

Es wurde beispielsweise durch ein Café-Angebot erweitert, das einmal

in der Woche Raum für intensivere Gespräche mit Gästen bietet. Mit dem Projekt

„Cum Pane“ wurde eine organisatorische Brücke zur Einmalübernachtungsstelle an der

Dortmunder Straße geschlagen, um den Kontakt zu Obdachlosen zu verbessern. Eine

aktuelle Herausforderung stellt der Generationswechsel im Kreis der ehrenamtlichen

Mitarbeitenden dar, der dadurch gelingt, dass sich Mitarbeitende aus Hammer Unternehmen

für einen wöchentlichen Einsatz bereit erklären.

Die Bezeichnung „Armenküche“ geriet im Laufe der Jahre immer wieder

in die Kritik mit Hinweis auf die dadurch erfolgende Stigmatisierung der

Gäste. Zum 30-jährigen Bestehen wurde die Hammer Sozialküche 2014

in „Franziskusküche“ umbenannt. Damit trägt sie den Namen eines Heiligen,

der sich in besonderer Weise für Arme eingesetzt hat und stellt zugleich

eine historische Verbindung zum ehemaligen Franziskanerkloster

im Quartier her.

2006


119

Die Franziskusküche finanziert sich seit über 35 Jahren ausschließlich aus Spenden.

Die finanzielle Beteiligung der Gäste am Mittagessen ist eher eine symbolische Geste

und soll vermitteln, dass auch sie für die Kontinuität der Einrichtung Mitverantwortung

tragen. Aufgrund einer Vielzahl von zum Teil sehr treuen Spender:innen, die die Finanzierung

bislang in jedem Jahr sichergestellt haben, und der noch höheren Anzahl von

Ehrenamtlichen ist die Franziskusküche sicherlich eines der größten Solidaritätsprojekte

in Hamm, in dem Bürger:innen mithelfen wollen, dass niemand in Hamm am Rand

der Gesellschaft steht.

2006


120

Projekt ICQ der Jugend(Sucht)Beratung

In vielen Beratungsprozessen zeigte sich, dass Jugendliche, die sich bereits mit ihrem

eigenen Konsum auseinandergesetzt hatten, häufig sehr motiviert waren, ihren Freundeskreis

ebenfalls dahingehend zu motivieren, ihren Konsum zu reflektieren. Um dieser

Motivation zu begegnen, wurde mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse Hamm sowie

dem Landesjugendamt, eine weitere Projektidee für Jugendliche zwischen 13 und

18 Jahren entwickelt, die virtuelle ICQ-Homeparty.

ICQ, das als erster Internet-weiter Instant-Messaging-Dienst gilt, war damals insbesondere

bei Jugendlichen beliebt, da es die kostenlose Kommunikation untereinander förderte.

Die Projektlaufzeit war denkbar kurz: von September 2006 bis Dezember 2006, in insgesamt

16 Wochen erfolgte die Einarbeitung in die technischen Gegebenheiten, wurde

ein Zugang zur Plattform eingerichtet und es wurden Jugendliche über die örtliche

Presse, auf der Internetseite und in Einrichtungen der Jugendhilfe über das neue Beratungsangebot

informiert.

Auf Grund der positiven Ergebnisse in der als „Startphase“ zu bezeichnenden Zeit der

Maßnahme entschloss sich die Jugend(Sucht)Beratung das ICQ-Beratungs-Projekt über

das offizielle Laufzeitende hinaus im Rahmen von reduzierten Ressourcen fortzuführen.

2006


121

Zusammenführung Jugend(Sucht)Beratung und Fachstelle für Suchtvorbeugung

– räumliche Zusammenlegung und konzeptionelle

Verzahnung

Ein Jahr nach Gründung der Jugend(Sucht)Beratung in den Räumlichkeiten in der Nassauerstraße

ergänzt die, bis dahin noch im Drogenhilfezentrum ansässige Fachstelle

für Suchtvorbeugung, das nunmehr gemeinsame Angebot.

Die Zielgruppen beider Arbeitsfelder überschneiden sich und an vielen Stellen wird

deutlich, dass die enge Verzahnung von Prävention und Beratung deutliche Synergieeffekte

aufweist.

Um auch für die Kooperationspartner:innen noch sichtbarer zu werden und das eigene

Tun transparent zu machen, lädt die „neue“ Einrichtung Anfang 2007 zu einem 1. Werkstatt

-Tag ein.

Alle Angebote und Projekte werden von den jeweiligen Mitarbeitenden in den verschiedenen

Büros vorgestellt und schnell gibt es in der Einrichtung anregende und

fruchtbare Gespräche zu Inhalten, Konzepten, Haltung und Zugängen.

2006


122

2006


123

Sanierung der Fachklinik Release - Adaption

2006 wurde nach fast zweijähriger

Bauzeit unter der Leitung von

Monika Buschkamp (Mitarbeiterin

1976 - 2009) und Kai-Erik Escher

(Mitarbeiter 1992 – 2010) , die Fachklinik

Release – Adaption saniert

übergeben. Die Sanierung erfolgte

behutsam im laufenden Betrieb gemeinsam

mit externen Firmen, Mitarbeitenden

und Rehabilitanden.

Eine spannende Zusammenarbeit,

in der viele ganz neue Fähigkeiten

an sich entdeckt haben.

2006


124

Zusammen mit dem Jugendamt Hamm

Spätestens als 2007 der Vertrag zum Schutzauftrag nach § 8a, Abs.2, und § 72a Sozialgesetzbuch

VIII (SGB VIII) mit dem Jugendamt der Stadt Hamm geschlossen wird, erweitert

sich die Zusammenarbeit über die bisherigen Präventionsangebote hinaus. Kindeswohl

und -förderung und Frühe Hilfen werden durch den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

nun aktiv unterstützt. 2009 werden unternehmenseigene Leitsätze zur Umsetzung des

Zieles „Kindeswohl“ im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und in der Netzwerk Suchthilfe

gGmbH und die Einrichtung einer einrichtungsübergreifenden Arbeitsgruppe beschlossen.

Seit 2012 beteiligt sich der AKJ e.V. am NRW- und Stadt-Hamm-Netzwerk “Kein Kind

zurücklassen”. Ab 2014 ist der AKJ e.V. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft des Kinder- und

Jugendhilfeausschuss der Stadt Hamm gemäß 78 SGB VIII.

2007


125

Projekt p.e.p. – Peer Education Project – Ausbildung und Einsatz

junger Peers als Moderatoren in der Jugendszene bis 2010

Das Projekt „Peer- Education-Project“- kurz „p.e.p“, ergänzte zwischen 2007 und 2010

den konzeptionellen Rahmen der Jugend(Sucht)Beratung um einen Handlungsansatz,

der nahezu gleichaltrige Peerleader in die Erlebniswelten und den direkten Kontakt

mit der Gruppe jugendlicher und heranwachsender Konsumenten psychoaktiver Substanzen

brachte. Dieses Vorgehen strebte ergänzend zum vorgehaltenen Beratungsangebot

ein aktives Zugehen auf die projektbezogene Zielgruppe mit der Absicht an,

Hemmnisse bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen durch Jugendliche

und Heranwachsende zu überwinden.

Zu diesem Zwecke wurden zunächst Studierende, später auch Schüler:innen von weiterführenden

Schulen, ausgebildet, um als Ansprechpersonen für die Zielgruppe der

jungen Konsumierenden zu fungieren.

Zu den Inhalten der Schulungen gehörte sowohl das Vermitteln von Basiswissen zu

Substanzmittel und deren Konsum, wie auch Grundlagen der Gesprächsführung und

das Begleiten von Maßnahmen, die geeignet waren, das jeweilige Angebot publik zu

machen (z.B. Rauschbrilleneinsatz in einer Pause zum Thema Alkohol, Teilnahme am

Weltnichtrauchertag mit einer Luftballon- Aktion u.v.m.)

2007


126

Das Projekt wurde finanziert über die Aktion Mensch und wurde an einer Schule auch

über die Laufzeit hinaus autark weitergeführt.

2006


2006

127


128

Benennung des Hauses an der Brüderstr. 39 zum

„Dr.-Helmut- Hünnekens-Haus” als Haus der Suchthilfe Hamm

Dr. Helmut Hünnekens (1917-1995) gehörte zu den

bedeutenden Jugend-Psychiatern in Westfalen-Lippe

und weit darüber hinaus. Von 1961 bis zu seiner

Pensionierung 1981 war er leitender Arzt und Direktor

des Westfälischen Institutes für Jugendpsychiatrie

und Heilpädagogik, das seit 1965 in Hamm

ansässig ist. 1970 gründete er die Suchtabteilung in

der jugendpsychiatrischen Klinik in Hamm. Im selben

Jahr initiierte er die Gründung des Arbeitskreis

Jugendhilfe e.V.

Neben vielen weiteren Tätigkeiten ist Dr. Helmut

Hünnekens nicht zuletzt auch der Gründer und erste

Leiter der damaligen „Koordinationsstelle für Drogenfragen und

Fortbildung“ gewesen, die in der heutigen Form als LWL-Koordinationsstelle

Sucht seit 1982 Suchthilfe in der Region Westfalen-Lippe

und darüber hinaus entscheidend mitgeprägt hat.

Nach ihm ist das Haus des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. an der Brüderstraße

39 benannt, das im November 2007 neu bezogen wurde.

Das „Dr.-Helmut-Hünnekens-Haus - Haus der Suchthilfe“ wurde in

einer Feierstunde am Freitag, 23. November 2007, offiziell seiner Bestimmung

mit dem ehrenden Namen übergeben.

2007


129

Nach ihm ist ebenfalls der Dr.-Helmut-Hünnekens-Weg im Hammer Osten, in der Nähe

des Westfälisches Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Heilpädagogik

Hamm benannt.

2007


130

„Suchtprävention im Dialog der Kulturen”

Immer eher im Hintergrund oder anders formuliert - beiläufig mitgedacht - war bis

2008 die Beratung, Begleitung und Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund

mit Suchterkrankungen.

Im Zuge einer Mitarbeiter:innenbefragung 2005 wurde erhoben, dass sich die Mehrheit

der im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. tätigen Mitarbeitenden unzureichend qualifiziert

für diesen Arbeitsschwerpunkt sahen. Dem sollte ein Projekt im Auftrag des

Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge entgegenwirken und dazu beitragen, die

interkulturelle Öffnung des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. zu betreiben und zielgerichtete

Angebote über eine Integrationsagentur für diese Zielgruppe zu entwickeln

und zu installieren. Das Projekt wurde durch einen Beirat begleitet und evaluiert.

Zu den Angeboten gehörten neben der Beratung und Einzelfallhilfe für Eltern, die

Durchführung von Informationsabenden, die Organisation und Durchführung von Seminaren,

die Ausbildung von Mediatoren sowie die Netzwerkarbeit.

Eine Teilzeitstelle wurde noch im gleichen Jahr mit Nefise Saglam (Mitarbeiterin

2008 – 2011) besetzt. Mit viel Sensibilität wurden die Themen

Sucht und Suchtvorbeugung in andere Kulturkreise getragen, neue Kooperationspartner:innen

gewonnen und neuen Zielgruppen den Zugang zur

Beratung erleichtert.

2008


131

Das Projekt „Suchtprävention im Dialog der Kulturen“ bot auch für Eltern und Familien

mit Migrationshintergrund Programme an. Die Maßnahmen beinhalten Angebote wie

Informationsabende, Elternseminare, Home-Partys etc. Die Angebote zeichnen sich

durch ihre niedrigschwellige Kontaktaufnahme zu den Migranten:innenselbstorganisationen

und Migranten:innenfamilien in ihrer vertrauten sozialen Umgebung aus.

In den verschiedenen Maßnahmen und Seminaren sollen Eltern über Sucht, Suchtentstehung

und Risikofaktoren informiert werden, Angst und Unwissenheit gegenüber

Suchtmitteln sollen abgebaut werden. Ziel ist es auch den Eltern Möglichkeiten und

Hilfen vorzustellen, wie sie ihre Kinder effektiv begleiten und unterstützen können.

Angebote liefen unter anderem im

- Projekt Treffpunkt Lindenstraße in Kooperation mit Tamara Rempel

vom DRK- Kreisverband Hamm e.V.

- Projekt Jahnschule in Herringen in Kooperation mit Christiane

Steinhoff (AWO)

- Projekt mit den Eltern der Albert-Schweitzer-Schule in Kooperation mit

Irfaniye Sahin vom Friedrich-Wilhelm-Stift

- Projekt in der Grundschule Gutenbergschule in Hessen in Kooperation

mit den Moscheegemeinden Grüne Moschee und Yunus Emre Moschee

in Heessen und mit besonderer Unterstützung von Remziye Arslan

vom Amt für Soziale Integration.

2008


132

Ein absolutes Novum war ein Fachtag für Imame zum Ende des Projektes 2011. Über

das Projekt wurde im türkischen Fernsehen und der türkischen Presse berichtet.

2008


2008

133


134

Start realize-it – Cannabis-Ausstiegsprogramm

2008


135

Start des gemeinsamen Projektes Peer an Fahrschulen (PPF) zwischen

dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der Stadt Hamm

Das Peer Projekt an Fahrschulen wurde vom Institut Mistel

/ SPI in Magdeburg in Zusammenarbeit mit der Hochschule

Magdeburg – Stendal (FH) entwickelt. Inzwischen konnte

es an unterschiedlichen Standorten in Deutschland etabliert

werden.

In Hamm wird das Projekt seit 2009/2010 erfolgreich umgesetzt.

Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt

und wurde durch Dorothee Behler-Brodd und Frank Schulte-Derne

für den Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V./ Fachstelle

für Suchtvorbeugung sowie Klaus Petersen und Ulrich

Wulf als Vertreter des Jugendamtes der Stadt Hamm, Abteilung Jugendschutz/Jugendförderung

nach Hamm geholt.

In 2013 wechselte die Verantwortung in die Hände von Patricia Merkel (AKJ), die weiterhin

von Ulrich Wulf (JA) unterstützt wurde.

Seit August 2020 sind Lea Debusmann (AKJ) und Ulrich Wulf (JA) Ansprechpartner/-in

für das Peer Projekt an Fahrschulen.

2009

In diesem Projekt werden junge Menschen, die selber auch zur Gruppe der Fahranfänger:innen

gehören, zu Peers ausgebildet. Danach gestalten sie eigenständig Gesprächsrunden

(Peer-Einheiten) mit dem Schwerpunkt „Alkohol und Drogen

im Straßenverkehr“ in Fahrschulen.

Ziel ist es, eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten

anzustoßen, um dann eine bewusste Entscheidung zu treffen

und möglichst auf Alkohol sowie Drogen bei der aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr zu verzichten.


136

Erreicht werden soll dadurch eine verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr,

die weniger Unfälle und Unfalltote zur Folge hat.

Inzwischen gibt es die dritte Generation von Peers. Aktuell arbeiten 9 Peers aktiv im

Projekt mit. In 2019 waren 15 Fahrschulen mit 23 Standorten, verteilt auf das Hammer

Stadtgebiet, am Projekt beteiligt.

Im Rahmen des Wettbewerbs „Junge Fahrer - aber sicher“, den die Westfälische Provinzial

Versicherung gemeinsam mit dem Netzwerk Verkehrssicheres Nordrhein-Westfalen

im Herbst 2012 für westfälische Kreise und Kommunen ausgelobt hatte, konnten

Projektideen eingereicht werden, die risikovermeidende

Verhaltensweisen fördern und

dabei auf die aktive Beteiligung von Gleichaltrigen

setzen. Die neunköpfige Jury, bestehend

aus Fachleuten der Westfälischen Provinzial,

des Netzwerks Verkehrssicheres NRW, der

Hochschule Bochum sowie der Polizei und

des Kreises Gütersloh zeichneten u.a. das „Peer

Projekt an Fahrschulen“ des Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. aus.

2009


137

Neuorganisationsprozess

Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und Netzwerk Suchthilfe gGmbH

Der Herbst 2009 gehört zu der schwierigsten Zeit, die der Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. und die Netzwerk Suchthilfe gGmbH überstehen musste.

Das Team der Adaptionseinrichtung deckte die Untreue der damaligen Einrichtungsleitung

auf. Dieser Vorfall löste weitreichende Prüfungen aus, die neben der Entlassung

der Einrichtungsleitung aufgrund des gleichen Vorwurfes auch zu der eines der Vorstände/Geschäftsführer

führte.

Im Verlauf dieses Neuorganisationsprozesses wurde auch das Präsidium vollständig erneuert.

Das neue Präsidium unter der Führung von Prof. Dr. Leopold Balleisen stand für

einen Neuanfang und trat mit dem Versprechen an, immer ein offenes Ohr für die Belange

der Belegschaft zu haben.

Zusammen mit dem verbliebenen Vorstand und Geschäftsführer Rainer Bathen schaffte

es das Präsidium, das Vertrauen von Kooperationspartner:innen, Leistungsträger:innen

und Mitarbeiten:innen zurückzugewinnen. Und das, obwohl wahrscheinlich nicht alles

gänzlich aufgeklärt werden konnte und Fragen offen blieben.

Bis Ende 2009 waren zwei hauptamtliche Vorstände (AKJ) / Geschäftsführer

(NSG) tätig und im Rückblick kann gesagt werden, dass die Ereignisse

im Herbst 2009 auch den Weg freimachten für eine schlankere und transparentere

Vereins- und Geschäftsleitung.

2009


138

Die Neuorganisationen der Unternehmen führte zu neuen Standards hinsichtlich des

Controllings, ein Qualitäts- und Risikomanagement wurde eingeführt und das firmeninterne

Leitbild wurde neu ausgerichtet.

Über eine Potentialberatung wurden wichtige Ablaufprozesse und Strukturen in der

Verwaltung reorganisiert. Ein Corporate Governance Kodex wurde Mitte 2012 veröffentlich

und schaffte weitere Transparenz und Klarheit. 2016 wird als letzter Baustein

ein trägerübergreifendes Spendenkonzept verabschiedet.

Es gelang zudem den Fokus wieder auf die wichtige inhaltliche Arbeit zu lenken. Über

einen quartalsweise erschienen Newsletter ab 2010 transportierte der Träger fachliche

Inhalte transparent und inhaltlich aufbereitet nach innen und nach außen. Infolge immer

schlanker werdender Strukturen musste dieses Angebot leider 2017 wieder eingestellt

werden. Es fehlte schlicht die Zeit. Ersetzt werden soll das Angebot durch eine

verstärkte Aufbereitung von Inhalten und Informationen über die Webseite und die

verschiedenen Social Media Auftritte.

2009


139

Eine 2016 durchgeführte Mitarbeiter:innenbefragung zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz

bildete den Abschluss des Neugestaltungsprozesses. Eine hohe Beteiligung aus

der Mitarbeiterschaft brachte gute Ergebnisse hervor. So zeigten sich über 74% der

Mitarbeitenden allgemein zufrieden mit dem Unternehmen. In weiteren Detailfragen

wurden noch höhere positive Ergebnisse erzielt. Aber es gab natürlich auch Kritik und

Punkte, die es zu verbessern galt. Ein umfangreicher Maßnahmenplan setzte hier an.

Eine Wiederholung der Befragung ist geplant.

2009


140

Erwerb des Josefsheims in Hamm-Heessen

Das Josefsheim der katholischen Kirchengemeinde Papst Johannes in Hamm-Heessen

kam bereits Anfang 2007 ins Blickfeld des Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V.

Damals, im Mai 2007, wurden erstmals Räumlichkeiten des Josefsheims von der Netzwerk

Suchthilfe gGmbH angemietet, um von dort aus, mit der notwendigen Nähe zur

Adaptionseinrichtung, das Ambulant Betreute Wohnen zu betreiben.

Von Anfang an hatte die Gemeinde Papst Johannes aber die Absicht geäußert, auf Sicht

das Josefsheim veräußern zu wollen. Ende 2009 wurde diese Absicht sehr konkret und

der Arbeitskreis musste sich in einer für ihn schwierigen Zeit entscheiden, ob er diese

Gelegenheit nutzen kann.

Mit seinen bis dahin erweiterten Angeboten zu tagesstrukturierenden

Maßnahmen, wie dem Projekt „Wald- und Naturschutz“, der Fahrradwerkstatt,

der Garten- und Grundstückspflege etc. schien das

Josefsheim ideal, um diese Angebote zu verfestigen und zu professionalisieren.

Mit dem Umbau des Gebäudes würden die Arbeits- und Beschäftigungsprojekte

die notwendigen Werkstatt- und Sozialräume erhalten.

Werkzeuge, Arbeitsmaterialien etc. könnten zentral untergebracht

werden. Arbeitsstrukturen und –ergebnisse könnten von den

Teilnehmer:innen direkter wahrgenommen werden und ergäben ein

2010


141

realistischeres Bild der Arbeitswirklichkeit. Die Arbeitsbedingungen des Klientels würden

entscheidend verbessert.

Um dies zu realisieren wurde in kürzester Zeit mit Architekten gesprochen, der Kirchengemeinde

verhandelt und die Finanzierung mit Hilfe der Förderung durch die Aktion

Mensch auf die Beine gestellt, so dass bereits am 28.09.2010 der Kaufvertrag geschlossen

und im Dezember 2010 der Bauantrag gestellt werden konnte.

Quelle: Artikel Westfälischer

Anzeiger 06.10.2010 „Josefsheim

in gute Hände übergeben“

© Wille

Johannes Nüsse (von links), Denis Schinner und Rainer Bathen

haben die Umbaupläne für das Josefsheim schon parat.

2010


142

Beseitigung von schadstoffbelastetem

Material – ein Problem

vergangener Tage

2010

Neues Dach und neue Fenster


143

Mit der am 06.12.2011 offiziellen Fertigstellung wurde das Gebäude innerhalb eines

Jahres barrierefrei umgebaut - mit der Rampe am Haupteingang und im Übergang zwischen

den höhenversetzten Gebäudeteilen, mit WC zur barrierefreien Nutzung im Erdgeschoss

sowie der Verbreiterung der Innentüren. Im Keller des Gebäudes sind sanitäre

Anlagen getrennt nach Herren und Damen incl. Umkleideräume entstanden.

Im Außengelände können die Nutzfahrzeuge wie Aufsitzrasenmäher und Anhänger abgestellt

werden, so dass sie allen niedrigschwelligen Beschäftigungsprojekten zeitnah

zugänglich sind.

Der Außenbereich wurde 2012 durch die Apfelbaumpflanzaktion, mit der durch Spenden

eine Streuobstwiese angebaut wurde, und im Jahr 2017 durch den Bau eines Carports

aufgewertet.

Die bereits vorhandene Kegelbahn konnte erhalten bleiben und bietet zusammen mit

dem großen Saal durch deren Vermietungen eine Anbindung in die Gemeinde Heessen.

Zudem wird die Kegelbahn von allen Einrichtungen gerne zur Freizeitgestaltung der betreuten

Menschen genutzt.

2010

Neben den bereits vorhandenen tagesstrukturierenden Angeboten

haben hier auch die Selbsthilfegruppe AbstiTribe, das Projekt „Bogenschießen“

und das Nachsorgezentrum der Fachklinik Release ein zu

Hause gefunden. Von 2013 bis 2018 war das Josefsheim auch Sitz des

Integrationsunternehmens „Grünspecht“ der NIA Netzwerk Integration

und Arbeit gGmbH.


144

Fusion Fachklinik Release und Adaption – gemeinsame

Steuerung und konzeptionelle Erneuerung

2010

Mit der Schaffung einer Doppelspitze bestehend aus der ärztlich-therapeutischen Leitung

Ralf Weiß (Mitarbeiter 2009 - 2010) und Verwaltungsleitung Denis Schinner wurde

die Neuorganisation der Fachklinik Release eingeleitet. Diese Neuorganisation geht

auf eine Forderung des federführenden Leistungsträgers, der DRV Westfalen zurück.

Es wurde mit den Arbeiten zu einem Verbundkonzept für beide Abteilungen begonnen

und die Teamstrukturen wurden zusammengeführt.

Gleichzeitig wurden die

ersten Planungen für notwendige bauliche

Ertüchtigungen angestellt. Das erste

und einzige Verbundkonzept wurde im

September 2012 durch die Redaktion

um die damalige ärztlich-therapeutische

Leitung Dr. Andreas Rhode (Mitarbeiter

2011 - 2019), Rainer Bathen und Denis

Schinner vorgelegt. Bereits 2016 wurde

das Verbundkonzept wieder in zwei Einzelkonzepte

aufgelöst. 2018 kam dann

noch ein Konzept für das neue Nachsorgezentrum

hinzu. Das aktuelle Konzept

wurde 2020/2021 durch

die aktuelle ärztlich-therapeutische

Leitung Dr. Selma

Music sowie die Verwaltungsleiterin

Franziska

Ortmann (Mitarbeiterin seit 2016) und Denis Schinner vorgelegt.


145

Beirat der Suchtkooperation NRW

In Nordrhein-Westfalen existiert mit finanzieller Unterstützung von Land, Kommunen

und Freier Wohlfahrtspflege ein differenziertes Suchtpräventions- und Suchthilfesystem.

Eine landesweite bedarfsgerechte Weiterentwicklung der bestehenden Angebote

zur Suchtprävention und -hilfe ist gemeinsames Ziel aller Beteiligten. Als Grundlage

dient die zuletzt in 2015 veränderte Rahmenvereinbarung über die Grundsätze

zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Präventions- und Hilfemaßnahmen

im Sucht- und AIDS-Bereich im Rahmen der Kommunalisierung zwischen dem Land

Nordrhein-Westfalen, vertreten durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter NRW, dem Städtetag NRW, dem Landkreistag NRW, dem Städte- und

Gemeindebund NRW sowie der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien

Wohlfahrtspflege NRW. Zur Erreichung dieses Ziels ist ein kontinuierlicher fachlicher

Austausch auf und zwischen den verschiedenen Entscheidungsebenen von Land und

Kommunen unverzichtbar.

Der Notwendigkeit einer engen fachlichen Abstimmung zwischen Land, Kommunen

und Freier Wohlfahrtspflege wird durch Suchtkooperation NRW bestehend aus der Geschäftsstelle,

vier Landesfachstellen sowie dem Beirat – Rechnung getragen. Suchtkooperation

NRW führt auf Landesebene wesentliche Informationen über aktuelle Entwicklungen

in den verschiedenen Handlungsfeldern zusammen, entwickelt fachliche

Lösungsansätze unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessenslagen

der Beteiligten und setzt Impulse für notwendige Fortentwicklungen

der regionalen/örtlichen Präventions- und -hilfestrukturen.

2011


146

Suchtkooperation NRW hat eine zentrale Koordinierungsund

Servicefunktion insbesondere für Mitarbeitende in der

Suchtprävention, Suchthilfe und Suchtselbsthilfe. Mittels

Bündelung fachlicher Expertise, Bereitstellung von landesspezifischen

und wissenschaftlichen Daten, Beratung,

Kooperation und Austausch ermöglicht sie zukunftsweisende

Weiterentwicklungen des Suchtpräventions- und

-hilfesystems in NRW. (Quelle: Konzept SUKO NRW Sucht-

Kooperation Nordrhein-Westfalen, 2020, Seite 1)

Im Frühjahr 2011 wurde die Geschäftsstelle der Landesstelle

Sucht eingerichtet. Am 04.02.2011 fand die konstruierende

Sitzung des Beirates statt. Der damalige Vorstand

und Geschäftsführer Rainer Bathen wurde als ein Vertreter

der Freien Wohlfahrtspflege, in den Beirat der Suchtkooperation

NRW (bis 2020 Beirat der Landesstelle Sucht) berufen.

Seit 2019 übernimmt Denis Schinner diese Vertretung

im Beirat.

2011


147

Start des Projektes INTERFACE – Kommunale Kompetenzwerkstatt

bei exzessivem und/oder pathologischem PC- und Internetgebrauch”

Bereits im Jahre 2008 erreichten die Jugend(Sucht)Beratung Anfragen, überwiegend

von besorgten Eltern, die sich Gedanken um die suchtartige Nutzung von Computerspielen

ihrer Kinder machten. Der damalige Mitarbeiter Frank Schulte-Derne griff diese

Entwicklung auf, lud zu einem runden Tisch in der Stadt Hamm ein und entwickelte im

weiteren Verlauf ein Konzept für ein Präventions- und Beratungsangebot - das Projekt

„InterFace“ wurde geboren.

Beginnend ab dem 1. November 2011 konnte eine Projektfinanzierung zunächst für ein

Jahr über den Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW erreicht werden.

Schwerpunkte dieses kostenlosen Angebotes waren die Beratung von Kindern, Jugendlichen

und jungen Erwachsenen, die ihren Medienkonsum nicht mehr kontrollieren

konnten. Des Weiteren wurden auch Eltern und Multiplikator:innen, die mit der Zielgruppe

arbeiten, unterstützt.

Ein weiteres Augenmerk in diesem Projekt lag auf der Durchführung einer Befragung

von über 700 Schüler:innen. Diese wurden zu ihrer Selbsteinschätzung im Zusammenhang

mit ihrer Mediennutzung befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung unterstrichen

die Notwendigkeit, sich diesem neuen Arbeitsfeld auch in Zukunft noch intensiver zu

widmen.

2011


148

Nachdem im November 2012 die Förderung für das sehr erfolgreiche Projekt InterFace

ausgelaufen war, übernahm im darauffolgenden Jahr die Aktion Mensch für drei Jahre

die weitere Finanzierung.

Auch hier richtete sich das Angebot an die jugendliche Zielgruppe, deren Angehörige

und auch an Fachkräfte, die nach Unterstützung in Form von Fortbildungen, Schulungen

und Beratung fragten. Zunehmend konnten Netzwerke innerhalb und außerhalb

von Hamm aufgebaut werden. Dies war insofern wichtig, weil es Beratungsangebote

wie InterFace zu diesem Zeitpunkt eher selten gab und somit die Entwicklung dieses

neuen Arbeitsfeldes den fachlichen Austausch nötig machte.

Der Fachverband Medienabhängigkeit und der LWL Arbeitskreis „exzessive Mediennutzung“

waren schon zu einem frühen Zeitpunkt wertvolle Mitstreiter und Impulsgeber

für die unterversorgte Zielgruppe.

Auch in Hamm wurde weiterhin daran gearbeitet nicht nur Beratung,

sondern auch die Prävention im Bereich der exzessiven Mediennutzung

auszubauen. So gehörten die regelmäßige Teilnahme am internationalen

Safer Internet Day, zahlreiche Multiplikator:innenschulungen, die Zusammenarbeit

mit Jugendzentren und der stationären Jugendhilfe genauso

zu den Tätigkeitsfeldern wie öffentlichkeitswirksame Theatervorstellungen

mit ganzen Schulklassen. Hierzu gehört auch die Fortbildungsreihe

„Motivierende Kurzintervention bei exzessivem Gebrauch neuer Medien“

2011


149

Ziel in der Beratung war und ist es, mit den Beteiligten einen verantwortungsvollen

Medienumgang zu finden, der mit der persönlichen Lebensführung, familiärer Einbindung,

schulischen Anforderungen und Freizeit mit Freunden im Einklang steht.

INTER

FACE

Kommunale Kompetenzwerkstatt bei

exzessivem PC- und Internetgebrauch

2011


150

2011


151

Erweiterung des Angebotes der Fachklinik Release durch

Aufnahme von Menschen mit der Diagnose “ADHS und Sucht”

Fünf Behandlungsplätze in der stationären Entwöhnung

können mit Rehabilitanden mit einer AD(H) Symptomatik

belegt werden. Unter dem damaligen Chefarzt

Dr. Andreas Rhode wird das Behandlungsspektrum

der Fachklinik kontinuierlich erweitert. Die vorhandene

Testdiagnostik und die Behandlungsinhalte werden

dazu immer wieder neu ausgerichtet und ergänzt.

2011


152

Zertfizierung der Fachklinik Release gemäß der Anforderungen

nach DIN EN ISO 9001:2008 [Revision 2015]

und deQus [Version 3.0]

Am 17.12.2012 erlangte die Fachklinik Release für ihre Abteilungen Entwöhnung und

Adaption die Zertifizierung nach DIN EN 9001:2008 (Revision 2015).

Mit dieser Zertifizierung erfüllt die Fachklinik Release entsprechend den Richtlinien der

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) ebenso die Voraussetzungen des

§ 20 SGB IX.

Die Deutsche Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Suchttherapie (deQus)

hat sich die Entwicklung und Einrichtung eines Qualitätsmanagement-Systems in der

Suchthilfe zum Ziel gesetzt. Die Notwendigkeit zur Einführung eines suchtspezifischen

Qualitätsmanagement-Systems (QM-System) ergibt sich aus einer ethischen und gesellschaftlichen

Verantwortung für die betroffenen Menschen, aus einem gesetzlichen

Auftrag sowie aus den Erfordernissen eines wettbewerbsorientierten “Gesundheitsmarktes”.

2012


153

Die DIN EU ISO 9001:2015 legt die Anforderungen an ein Qualitätsmanagement-System

(QMS) fest. Die Organisation legt ihre Fähigkeit dar, Dienstleistungen bereitzustellen,

welche die Kundenforderungen und die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen

erfüllen.

Drei Jahre hat sich die Fachklinik Release unter der Leitung der damaligen Qualitätsmamagementbeauftragten

im Gesundheitswesen (deQus) Hartmut Brinkmann (AkJ/NSG

1982 - 2015) und Denis Schinner auf die Zertifizierung vorbereitet.

Alle relevanten Klinikprozesse wurden erfasst und in einem Handbuch beschrieben.

Mittlerweile wurde die Klinik dreimal rezertifiziert. 2019 wurde das Nachsorgezentrum

(NAZ) mit in den Geltungsbereich aufgenommen.

Heute ist Franziska Ortmann (Mitarbeiterin seit 2016) für das Qualitätsmanagement

der Fachklinik verantwortlich. Zusammen mit Denis Schinner und Christiane Vogel bildet

sie den QM- Lenkungskreis und begleitet aktuell die Einrichtung KESH zur Zertifizierungsreife.

2012


154

Revision des Leitbildes

Das Wirtschaftslexikon definiert das Leitbild als

ein Instrument, um die Unternehmensphilosophie

allen Mitarbeiter:innen und der Umwelt zu vermitteln.

Es wird meist schriftlich fixiert, damit sich Mitarbeiter:innen

und Umwelt darauf einstellen bzw.

Mitarbeiter:innen permanent daran mitarbeiten

können. Das Leitbild formuliert kurz und prägnant

die strategischen Ziele (Mission und Vision) eines

Unternehmens und die wesentlichen Orientierungen

für Art und Weise ihrer Umsetzung. Es soll damit

allen Organisationsmitgliedern eine einheitliche

Orientierung geben und die Identifikation

mit dem Unternehmen bzw. mit der Organisation

unterstützen.

2012

Das Leitbild bildet die Grundlage der Unternehmensführung,

indem es den Mitarbeitenden die

Hauptziele und die Rahmenbedingungen

für das gesamte Unternehmensgeschehen aufzeigt. Ein klares

Leitbild beantwortet die Frage: „Wer wollen wir sein und welche Geschäfte

wollen wir betreiben? Es ist schriftlicher Ausdruck der Unternehmensidentität

(Corporate Identity). Damit wird beschrieben, wie

ein Unternehmen sein Verhalten und sich selbst in der Öffentlichkeit

darstellt. Konsequent gepflegte Unternehmensidentität führt zu hoher

Marktgeltung, die ein Schlüssel zu besserem Markterfolg sein kann.


155

Klärung und Formulierung des Leitbilds gehören zu den Arbeiten der strategischen

Planung. Leitbilder dienen der Ausrichtung und Motivation aller Mitarbeiter:innen.

Entscheidend ist, dass die Leitbildinhalte nicht nur dokumentiert, sondern von den

obersten Führungskräften kommuniziert und vorgelebt werden.

Am 14.12.1995 wurde von der Geschäftsführung um Rainer Bathen, Rolf Buschkamp

und Jürgen Neubarth die erste Fassung eines Leitbildes und Vorgaben zu Grundsätzen

der Organisation im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. verfasst. Eine juristische Beratung

erfolgte durch den Rechtsanwalt Dr. Michael von Glahn aus Hamm. Die Organisationsberatung

übernahm Prof. Dr. Wolfgang Weigand, emeritierter Professor für Supervision,

Personal- und Organisationsentwicklung an der Fachhochschule Bielefeld. Begleitet

wurde der Prozess durch den damaligen Vorstand um Prof. Dr. Jochen Jungblut,

Christa Merfert-Diete, Klaus Cerning und Dr. Volker Vogel.

Eine grundsätzliche Überarbeitung erfolgte zum 28.06.2001. Diesmal waren Rainer

Bathen und Rolf Buschkamp seitens der Geschäftsführung beteiligt. Der Vorstand des

AKJ e.V. um Prof. Dr. Jochen Jungblut, Klaus Cerning und Dr. Volker Vogel unterstützten

erneut.

2012


156

2012 übernahm eine Arbeitsgruppe um Rainer Bathen als Vorstand, Gaby Amedinck

(KESH), Dorothee Behler-Brodd (Jugend(Sucht)Beratung), Hartmut Brinkmann (FK Release

– Entwöhnung), Patricia Merkel (Jugend(Sucht)Beratung), Petra Poerschke (FK

Release – Adaption), Christiane Vogel (Zentralverwaltung) und Ewald Wehner (Drogenhilfezentrum)

die Aufgabe, das Leitbild des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der

Netzwerk Suchthilfe gGmbH grundlegend zu revidieren.

Es wurden die Unternehmensleitsätze zu Kunden, Mitarbeitenden und Vorgesetzten,

zur Kommunikation, zur Qualität, zu Gesundheit und Sicherheit, zur Kooperation und

Netzwerke, sowie zum Corporate Governance, Ökonomie und Ökologie breit neu über

alle Abteilungen und Ebenen ausgehandelt.

Das Leitbild ist bis heute gültig!

2012


157

Aufnahme von Bau- und Sanierungsplanungen auf dem Gelände

der Fachklinik Release

Die Fachklinik Release – Entwöhnung nähert sich ihrem 20jährigen Jubiläum. Eröffnet

am 01. April 1996 in einer fast 100jährigen Mühle in Ascheberg-Herbern im Münsterland,

zeigen sich nun viele bauliche Abnutzungserscheinungen. Auch die Anforderungen

der Leistungsträger werden immer höher. Einzelzimmer, Funktionsräume oder

auch neue Sicherheitsstandards wie z.B. Schwesternrufanlagen sollen, wie schon in anderen

Rehabilitationsbereichen, auch in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker endlich

Einzug finden. Ein Anspruch, der nicht über Nacht umsetzbar ist und auch nicht

umfänglich refinanziert wird.

Da das wirtschaftliche Risiko beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. als Eigentümer des

Klinikgeländes und der Netzwerk Suchthilfe gGmbH als Betreiberin der Fachklinik Release

verbleibt, muss sehr genau geplant und Investitionen klug über mehrere Jahre

verteilt werden. Dennoch ist das wirtschaftliche Risiko hoch.

Die Neu- und Umbauplanungen werden über insgesamt vier Bauphasen verteilt.

2012


158

Ab 2012 wurde mit den Planungen für den Neubau

eines Gebäudes für den medizinischen Bereich

begonnen. Dafür sollte ein altes Nebengebäude

auf dem Gelände weichen. Gleichzeitig

wurde die Neugestaltung der straßenseitigen

Front des Klinikgeländes in Angriff genommen.

Der Gesamteindruck sollte zukünftig von Offenheit

und Transparenz geprägt sein. Auch das alte

Mühlengebäude sollte wieder in den Blickpunkt

rücken. Beim Tag der Architektur 2015 wurde das

Bauprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

2012


159

Mit der Fertigstellung und Bezug dieses Neubaus konnte 2014 die zweite Bauphase

beginnen. Vier durch den Bezug freigewordene Büroräume und zwei Bäder wurden in

barrierearme, helle und freundliche Zimmer umgebaut. Gleichzeitig galt dieses Projekt

schon als Vorbereitung für eine spätere Grundsanierung des Mühlengebäudes, quasi

eine Probesanierung, auch um zu sehen, was sich in der alten Bausubstanz verbirgt.

2012


160

2015 wurde mit den Planungen für die Bauphasen III und IV begonnen. Hinter diesem

größten Projekt verbirgt sich der Abriss und Neubau des alten Werkstattgebäudes und

die Sanierung des Haupthauses. Die Baugenehmigung für den Neubau wurde 2018

erteilt und im Februar 2019 begann der Abriss. Die Fertigstellung des Neubaus erfolgte

Ende 2020 und 2021 sollen die Sanierungsarbeiten im Haupthaus beginnen.

2012


161

Start des Peer-Projektes CoYote – die online-jugendberatung im

Netz und sozialen Netzwerken

„Counseling to Youth“-Beratung für Jugendliche von Jugendlichen:

Aus diesen Begriffen ist der Name CoYote entstanden. Der Landschaftsverband Westfalen-

Lippe hat aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans NRW dem Arbeitskreis für

Jugendhilfe e.V. die Durchführung des neuen Medienprojektes bewilligt.

Das Projekt besteht aus einer internetgestützten Onlineberatung

für Jugendliche, die mit psychoaktiven Substanzen

experimentieren und durch weitere jugendspezifische

Problemlagen belastet sind. Parallel dazu

konnten sich Interessierte in sozialen Netzwerken mit

Informationen, Tipps, Verhaltensempfehlungen u.ä. versorgen.

Die Betreuung der Internetplattform und das Pflegen

der Social-Media-Kanäle liegt in den Händen von ausgebildeten

Peers.

die jugendberatung –

jung.wach.interaktiv.

2012


162

Start des Alkoholpräventionsprojektes an Schulen „Tom & Lisa”

Ein Jahr lang war die Jugend(Sucht)Beratung mit dem interaktiven Alkoholpräventionskoffer

„Tom und Lisa“ in Hamm unterwegs.

Ein Jahr, in dem an 12 verschiedenen Schulen mit ca. 340 Schüler:innen der Stufen 8-10

zum Thema „Alkohol“ gespielt, gefragt, aufgeklärt und diskutiert wurde.

Die Jugendlichen waren aufgefordert in Gruppen gegeneinander anzutreten und ihr

Wissen über gesetzliche Bestimmungen, ihre eigenen Erfahrungen, ihre Kreativität zu

alternativen Stimmungsmachern und ihre Handlungskompetenzen zu testen und zu erweitern.

Die Eltern wurden mit Hilfe eines Interviewleitfadens in das 2x2stündige Modul miteinbezogen.

Auch die jeweiligen Klassenlehrer:innen oder Schulsozialarbeiter/-innen

haben an dem Programm teilgenommen.

Die Resonanz auf das Präventionsangebot war sehr positiv. Angefangen

damit, dass die Nachfrage von Seiten der Schulen höher war, als Termine

zur Verfügung standen, waren die Rückmeldungen von Seiten der Lehrer:innen

und Schulsozialarbeiter:innen nach Beendigung sehr gut. Deutlich

wurde, dass gerade im Bereich der Auswirkungen von Alkohol viel

„Halb- und Falschwissen“ vorlag.

2012


163

Fragen wie: „Wer zu viel Alkohol trinkt, kann daran ersticken. Stimmt das?“ oder „Nach

wie viel Minuten ist die Alkoholkonzentration im Blut nach dem Konsum von Alkohol

am höchsten?“ machten deutlich, dass negative Erfahrungen im Umgang mit Alkohol

häufig auch mit Nicht- Wissen zu tun haben.

Dass der Spaß trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas nicht zu kurz kam, dafür sorgten

nicht zuletzt die pantomimischen Einlagen zwischendurch, wenn es darum ging Stimmung

bei einer Party zu machen oder mithilfe der Rauschbrillen bestimmte Aufgaben

zu erledigen.

Die positiven Erfahrungen und Rückmeldungen zu „Tom und Lisa“ lassen die Mitarbeiter:innen

der Jugend(Sucht)Beratung nun überlegen, in welcher Form es eine Weiterführung

dieses sehr erfolgreichen, aber auch personalintensiven Projektes geben kann.

2012


164

Das Integrationsunternehmen

NIA - Netzwerk Integration und Arbeit gGmbH

Über viele Jahrzehnte hat der Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. unzählige Arbeits- und Beschäftigungsprojekt initiiert,

ausgebaut und wieder eingestellt. Als Ausgangspunkt kann

sicherlich das Projekt „Die Werkstatt“ von 1984 gesehen

werden.

Nachdem z.B. das „Fischteich-Projekt“ in der Zusammenarbeit

mit der Drogenberatungsstelle Bielefeld nicht zum

Tragen kommen konnte, das Waldprojekt mit dem Forstwirt Marcel Thomezek (Mitarbeiter

2010 - 2012) und der pädagogischen Mitarbeiterin Hannelore Sewarte (Mitarbeiterin

2009 - 2012) des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. aber erfreuliche Resonanz bei allen Beteiligten

hinterlassen hatte, wurde überlegt, wie die erfolgreiche Arbeit der Arbeits- und

Beschäftigungsprojekte fortgeführt werden könnte.

Gegründet werden sollte ein Integrationsunternehmen für Menschen mit Suchtgefährdung

und Suchterkrankung mit seelischer sowie daraus resultierender körperlicher Behinderung.

Ziel war es diesen Menschen, die nur sehr geringe Chancen auf eine berufliche

Integration, v.a. in den sog. Ersten Arbeitsmarkt haben, die Möglichkeit

einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu geben, damit sie so

selbsttätig ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können.

2012


165

Im Januar 2012 startete für die Dauer eines halben Jahres die durch die Aktion Mensch

geförderte Vorlaufphase. Projektmitarbeiter war Marcel Thomezek. Zusammen mit Rainer

Bathen und Christiane Vogel wurde ein Businessplan erarbeitet mit dem die Förderung

der Gründung und des Betreibens des Unternehmens bei der Aktion Mensch,

dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Stiftung Wohlfahrtspflege

NRW beantragt werden musste.

Dazu war es erforderlich Marktanalysen durchzuführen, andere Integrationsunternehmen

zu befragen, Letter of Intents zu verschicken, weitreichende Kalkulationen mit Betriebskosten,

Investitionsplanung und Umsatzzahlen durchzuführen, um nur einiges

zu nennen. Während der ganzen Zeit wurde enger Kontakt zu dem Integrationsamt des

LWL und der Handwerkskammer Münster gehalten, die das gesamte Projekt von der

Vorlaufphase über die Gründung bis zu Schließung begleitet haben. Die Handwerkskammer

hatte auch die Aufgabe, den Businessplan zu begutachten und somit darüber

mitzuentscheiden, ob das Integrationsunternehmen an den Start gehen kann.

2012


166

Erster Flyer als Beilage der Anfrage zu Letter of Intents

2012


167

Nach der Vorlaufphase verging noch ein

dreiviertel Jahr bevor das Integrationsunternehmen,

das mittlerweile den Namen

„Grünspecht – Garten- und Landschaftsbau,

Forstwirtschaft und Facility Management“

erhalten hatte, im März 2013 mit der

Bewilligung durch die Aktion Mensch starten sollte. Geführt wurde Grünspecht innerhalb

der NIA Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH, deren Geschäftsführer:in

Rainer Bathen und Christiane Vogel waren. Christiane Vogel übernahm später

statt der Geschäftsführung die Position der Prokuristin.

Eine weitere Verzögerung ergab sich jedoch dann aufgrund der Bewilligung von Mitteln

zur Anschaffung der Erstausstattung bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW. Diese

bestand auf die vollständige Barrierefreiheit des Josefsheim. Um dieses zu erreichen,

musste zusätzlich in eine behindertengerechte Dusche im Erdgeschoss des Gebäudes

investiert werden.

2012


168

Durch diese Verzögerungen konnte Marcel Thomezek nicht als Mitarbeiter des Integrationsunternehmens

gehalten werden, so dass am 01.01.2014 mit Rolf Fortmeier (Mitarbeiter

2014 - 2015) der erste Betriebsleiter von Grünspecht seine Arbeit aufnahm.

Wegen der langen Unterbrechung zwischen Vorlaufphase und Beginn musste Rolf

Fortmeier sich zunächst mit der Anschaffung der Betriebseinrichtung vom Transporter

bis zur Schaufel kümmern und erhebliche Kundenakquise betreiben, bevor im Juli

mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden konnte. Hier stand ihm dann als Betreuungs-

und Koordinierungsfachkraft Andreas Stroner (2014 - 2015), Gärtner im Gartenund

Landschaftsbau, zur Seite.

Besuch am 25.08.2014 des Oberbürgermeisters der

Stadt Hamm zusammen mit dem Fachbereichsleiter

Gesundheit und Soziales und dem Behindertenkoordinator

der Stadt.

2012


169

Die Planungen sahen vor, dass neben diesen beiden zunächst drei sog. Zielgruppenmitarbeiter:innen

eingestellt wurden. Obwohl die Mitarbeitenden und das Klientel des

Drogenhilfezentrums und des Ambulant Betreuten Wohnen die Eröffnung des Integrationsunternehmens

herbeigesehnt hatten, musste nun festgestellt werden, dass

die Arbeit, überwiegend im Garten- und Landschaftsbau, anspruchsvoller war als erwartet

und die Mitarbeitenden der Zielgruppe die Zuverlässigkeit im Arbeitseinsatz

nicht erbringen konnten. Zudem war die Anfangsphase durch die schwere Langzeiterkrankung

eines Zielgruppenmitarbeiters beeinträchtigt. Zu diesen Schwierigkeiten

auf Arbeitnehmerseite kamen die Erwartungen einiger Kunden, dass ein gemeinnütziges

Unternehmen unter den Preisen der Konkurrenz arbeiten würde. Dies alles führte

dazu, dass das Unternehmen erhebliche Verluste erwirtschaftete und auch auf lange

Sicht nicht in der Lage sein würde, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Dieses

Ruder konnte auch Frederick Kauffel (Mitarbeiter 2015 - 2016), staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt

im Garten- und Landschaftsbau, der im Juni 2015 die Betriebsleitung

übernahm, nicht mehr herumreißen.

Schweren Herzens entschied sich dann die Geschäftsführung, die Firma

Grünspecht zum 31.05.2016 zu schließen. Am 05.07.2019 wurde die NIA

Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH von Amts wegen

aus dem Handelsregister gelöscht.

2012


170

Borusseum

Wie der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ein Teil der Vereinsgeschichte des BVB wurde....

(WA 13.12.2012)

2012


171

Ökologie und Nachhaltigkeit

Insbesondere die ökologischen Arbeits- und Beschäftigungsprojekte haben abseits

ihrer eigentlichen Arbeitsaufträge noch weitere positive Nebeneffekte für das Unternehmen

ausgelöst.

So wurde die Verantwortung des Unternehmens in Bezug auf Umwelt und Nachhaltigkeit

gestärkt und viele kleinere und größere Ansätze werden seitdem verstärkt verfolgt.

Unter anderem wurde am Standort Josefsheim eine Streuobstwiese angelegt. Bei Neubepflanzungen

an allen Standorten wird auf blühende Pflanzen und Sträucher geachtet.

So können Bienen, z.B. die unseres Mitarbeiters Markus Hilgenhöner (Mitarbeiter

seit 1997) aber auch die des Imkers Ahmet Erdogan aus dem Maxipark Hamm ihren Job

machen. Der gewonnene Honig kann übrigens auch bei uns erworben werden. Ebenso

unser eigener Apfelsaft „Münsterländer Streu“.

Wir nutzen bei Besprechungen das Mineralwasser von Viva con Aqua und unterstützen

so Wasser- und Brunnenbauprojekte. Auch fair gehandelter Kaffee findet zunehmend

Einzug in das Unternehmen.

2013


172

Es wurden bislang zwei eigene Brunnenanlagen angelegt, um Außenanlagen an der

Fachklinik Release und am Josefsheim unabhängig vom Trinkwasser versorgen zu

können.

Als eine Konsequenz einer umfassenden Energieberatung ab 2013 durch die BFE Institut

für Energie und Umwelt GmbH in Mühlhausen wird seit 2016 Ökostrom bezogen.

In den kommenden Jahren werden weitere Ansätze hinzukommen. So werden bereits

erste Überlegung zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte angestellt. Es wird zunehmend

grün!

2013


173

Gründung des Netzwerkes Gemeinsam aktiv gegen Alkoholmissbrauch

bei Jugendlichen (GigA)

Gemeinsam mit Beratungsstellen und Kliniken in Hamm wird unter der Leitung der

Fachstelle für Suchtprävention das Netzwerk „Gemeinsam aktiv gegen Alkoholmissbrauch

bei Jugendlichen“ (GigA) in Hamm gegründet. Das Netzwerk ist eine Antwort

auf den sich verfestigenden Trend bei Jugendlichen regelmäßig Alkohol zu konsumieren.

Das Hammer Netzwerk fußt auf das Angebot im Rahmen der Kampagne „Alkohol?

Kenn dein Limit“ der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Zentrale

Absicht des Projektes „Gemeinsam initiativ gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern

und Jugendlichen“ (GigA) ist es, im Bereich der kommunalen Alkoholprävention mit

Hilfe des LVR-Netzwerkmanagement-Konzeptes NBQM (Netzwerkbezogenes Qualitätsmanagement)

ein abgestimmtes Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen

und Professionen sicherzustellen. Vorhandene regionale Konzepte, Handlungsstrategien

und Maßnahmen von Suchtprävention, Jugendschutz und Bildung, Polizei und

Ordnungsbehörden sollen auf einer gemeinsamen Arbeitsgrundlage koordiniert und

vernetzt werden. Über einen Schulungs- und Seminaransatz werden Projektstandorte

für dieses Projekt fit gemacht.

2014


174

2014


175

Auszeichnung der Netzwerk Suchthilfe gemeinnützige GmbH und

der NIA Netzwerk Integration und Arbeit gemeinnützige GmbH als

“Echter Hammer – Ausgezeichneter Betrieb 2014 – 2016”

Erstmals wurde 2014 die Netzwerk

Suchthilfe gGmbH als „Echter Hammer

- Ausgezeichneter Betrieb“ ausgezeichnet.

Diese Auszeichnung konnte in Folge

bis 2020 erlangt werden. Von 2014

bis 2016 wurde auch die 2019 liquidierte

NIA Netzwerk Integration und Arbeit

gGmbH ausgezeichnet.

2014


176

Fachklinik Release - Praxis wird gegründet

Als Reaktion auf die zunehmenden Versorgungslücken im Bereich

der Substitutionsbehandlung suchtkranker Menschen in

Verbindung mit psychiatrischen Begleiterkrankungen, strebt

der Chefarzt der Fachklinik Dr. Andreas Rhode (Mitarbeiter

2011 - 2019) die Erteilung einer Ermächtigung zur ambulanten

Versorgung an. Die Ermächtigung wird erteilt, die Fachklinik

Release – Praxis wird gegründet. Die Versorgung beschränkt

sich auf stationäre Einrichtungen im Umland der Fachklinik. So kann die Trennung von

Akutversorgung und Rehabilitation sichergestellt werden. Die Einrichtungen KESH und

zwei Einrichtungen der Integration- und Beschäftigungsprojekte e.V. in Coesfeld können

nun stabil suchtmedizinische und psychiatrisch versorgt werden.

Mit Ausscheiden von Dr. Andreas Rhode Anfang 2019 ging die Ermächtigung zunächst

auf Dr. Kathrin Nienhaus über. Sie setzte die Versorgung bis zu ihrer beruflichen Neuorientierung

fort. Mit ihrem Ausscheiden im gleichen Jahr erlosch die Ermächtigung,

die Versorgung wurde neu organisiert und die Praxis der Fachklinik Release stellte die

Arbeit ein.

Dieses Projekt eröffnete eine Vielzahl an Erfahrungen im Bereich der

Praxisorganisation und Abrechnung. Möglicherweise lassen sich diese

Erkenntnisse zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgreifen. Denn die

mangelnde Versorgung im Bereich der Substitution abhängigkeitskranker

Menschen ist weiterhin ein großes Problem.

2014


177

10-jähriges Jubiläum der Jugend(Sucht)Beratung

2015 feiert die Jugend(Sucht)Beratung ihr 10-jähriges Bestehen. Als erste Einrichtung

in Nordrhein-Westfalen (NRW), die ein eigenständiges Beratungsangebot für experimentierende

und konsumierende Jugendliche und deren Angehörige geschaffen hat,

kann sie auf sehr erfolgreiche Jahre zurückblicken.

2015


178

2015


179

Jugendliche und Eltern wie auch pädagogische Fachkräfte haben das Angebot - gerade

auch räumlich außerhalb der klassischen Angebote der Drogenhilfe- sehr gut angenommen.

Neben der Beratung konnten in der ersten Dekade zahlreiche innovative

Projekte geplant und umgesetzt werden.

2015


180

Aufbau eines Betrieblichen Gesundheits-Managements (BGM)

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische und strukturierte

Entwicklung, Planung und Lenkung betrieblicher Strukturen und Prozesse, mit dem

Ziel die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern. Betriebliches Gesundheitsmanagement

verfolgt zwei Strategien:

1. Verhältnisprävention

Gesundheitsförderliche Veränderung der Arbeits- und Organisationsgestaltung

2. Verhaltensprävention

Befähigung der Beschäftigten zu einem gesundheitsförderlichen Verhalten

Grundlage des BGM ist die gesetzliche Verpflichtung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz

(ArbSchG) und zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) (§ 167 Absatz

2 SGB IX). Die dritte Säule des BGM bilden freiwillige Leistungen des Arbeitgebers

zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Um das betriebliche Gesundheitsmanagement

in die betrieblichen Prozesse zu integrieren, muss im Unternehmen eine „Kultur

der Prävention“ entwickelt und gelebt werden.

2016


181

Die Idee des betrieblichen Gesundheitsmanagements geht zum einen auf die Ottawa-

Charta von 1986 zurück, die als Ziel die Befähigung der Bevölkerung zu einem selbstbestimmten

Umgang mit Gesundheit sowie die gesundheitsförderliche Gestaltung

der Lebenswelt und der Gesundheitsdienste formuliert. Zum anderen wurzelt sie im

betrieblichen Arbeitsschutz, der auf eine lange Tradition zurückblicken kann, im Rahmen

europäischer Gesetzesinitiativen in den letzten Jahren gestärkt wurde und über

eine weit fortgeschrittene Professionalisierung und Institutionalisierung verfügt. Ein

ganzheitlicher BGM-Ansatz sollte über den seit 1996 vorgeschriebenen ganzheitlichen

Arbeitsschutz hinaus auch betriebliche Gesundheitsförderung, Verbesserung der Führungskultur,

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf sowie Aufgaben

der altersgerechten Arbeitsgestaltung berücksichtigen.

In der Startphase qualifizierte sich Rainer Bathen zum betrieblichen Gesundheitsmanager

und siedelte damit das Thema als Leitungsthema im Unternehmen an. Umfragen,

Ideenwettbewerbe, Fehlzeitenanalysen uvm. folgten und ganz konkrete Aufgaben und

Handlungsoptionen ergaben sich. Eine Steuerungsgruppe BGM wurde initiiert.

2016

Ein erster Workshop zusammen mit Ralf Radix, dem Leiter des Referats Seelsorge und

Beratung vom Landeskirchenamt Bielefeld führt zum Thema Trauer aus. Ein Kooperationsvertrag

mit der LeaseRad GmbH aus Freiburg (JobRad-Angebot

für Mitarbeiter/-innen) geschlossen. Eine enge Verzahnung mit dem

Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde etabliert. Seit 2020 ist BGM

fester Bestandteil im Arbeits- und Sicherheitsausschuss. Betriebsvereinbarungen

zu den Themenbereichen Sucht oder dem betrieblichen

Eingliederungsmanagement sind in Verhandlung.


182

Bei Bauvorhaben wird verstärkt der Fokus auf Sicherungsmaßnahmen gesetzt. Kriminaltechnische

Beratungen führten in der Folge zu verschiedenen Ansätzen wie z.B.

Alarmfunktionen, Rückzugsräume usw. 2016 wurde ein trägerübergreifendes Gewaltpräventionskonzept

verabschiedet. Deeskalationstrainings oder themenbezogene

Fortbildungen finden sich immer wieder in den Fortbildungsplanungen der Abteilungen.

So fand Ende 2021 eine Fortbildung zu Deeskalationsstrategien speziell für Pflegekräfte

in Zusammenarbeit mit der BARMER in der Fachklinik Release statt.

Zusammen mit dem Werkarztzentrum Westfalen-Mitte e.V wurde 2020 eine Umfrage zu

den psychischen Belastungsfaktoren in der Arbeit als Grundlage für die Gefährdungsbeurteilung

psychische Belastung durchgeführt. Anfang 2021 erfolgte die Auswertung

der Ergebnisse.

Das Thema Gesundheit im Unternehmen bleibt in Bearbeitung und erfährt fortlaufend

neue Impulse. So wird durch digitale Ansätze mobiles Arbeiten möglich und damit kann

eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einhergehen. Es bleibt also spannend!

2016


183

Jugend(Sucht)Beratung ist Partner im Aufbau des

„Netzwerk Medienkompetenz Hamm”

Im Jahre 2016 konnte in einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung mit dem Jugendamt,

dem Medienzentrum und der Jugend(Sucht)Beratung das Medienkompetenz

Netzwerk Hamm gegründet werden. Der Auftakt wurde durch die Landesanstalt für

Medien NRW unterstützt.

Seither finden regelmäßige Fachtage zu medienpädagogischen Themen und gemeinsame

Projekte, die die einzelnen Netzwerkpartner miteinander organisieren

und planen, statt.

Zu der offenen Kooperationsgemeinschaft Medienkompetenz-Netzwerk Hamm gehören

u. a. die Volkshochschule, die Büchereien, das Museum, aber auch die Arbeiterwohlfahrt

(AWO), Caritas, Diakonie, wie auch die Polizei, die Medienscout-Schulen,

die Kindertagesstätten und Jugendzentren, die Film- und Fernsehschule Hamm. Über

die Webseite des Netzwerks stellen alle Partner:innen ihre Möglichkeiten und Interessenslagen

vor.

2016


184

www.gutes-aufwachsen-mit-medien.de/weiterbilden/article.cfm/key.3594/aus.2/

StartAt.1/page.1

2017 wurde das Netzwerk auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag mit dem

Gütesigel „Gesundes Aufwachsen mit Medien“ ausgezeichnet.

2016


185

Ausbildung im AKJ e.V.

Der 2016 geschlossene Kooperationsvertrag zwischen der SRH Hochschule Hamm und

dem Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der damit verbundenen Beteiligung am dualen

Studiengang „Soziale Arbeit” der SRH Hamm, erweitert die unzähligen Bemühungen

des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. wichtige Beiträge für die Ausbildung in Schule

und Studium zu leisten.

Neben der eigenen Lehrtätigkeit an Fachhochschulen, Universitäten und Ausbildungsinstituten

unzähliger Mitarbeiter:innen in all den Jahren, bilden wir auch selbst vor Ort

aus. Neben dem dualen Studiengang der „Sozialen Arbeit“ vollzieht der AKJ e.V. ebenfalls

eine intensive Kooperation mit dem Berufsförderwerk Hamm (BfW) für den Bereich

Verwaltung.

Darüber hinaus hat der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. bereits selber zwei Kaufleute

für Bürokommunikation erfolgreich ausgebildet. Eine von ihnen ist Miriam Jaschke, die

im Januar 2012 ihre Ausbildung abgeschlossen hat und seit dem in der Zentralverwaltung

arbeitet. Bis heute hat sie sich ständig, auch mit Unterstützung des Unternehmens,

weitergebildet, zuletzt als Betriebswirtin (IHK).

2016


186

Seit Jahrzehnten haben zudem Studierende verschiedener Fachrichtungen die Möglichkeit

im Rahmen von Praktika Kenntnisse über Sicht und das Suchthilfesystem in

Deutschland zu erlangen. Nicht wenige der heutigen Fachkräfte haben ihren beruflichen

Einstieg beim Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. über ein Praktikum gefunden.

Auch weiterhin werden wir unsere Kenntnisse und Fähigkeiten weiter vermitteln, um

exzellente Fachkräfte zu fördern.

2016


187

Start des Projekts „InterFace extended”

Ab dem 01.07.2016 wurde das Projekt „Interface Extended“

(IX) als systemisches Beratungs- und Präventionsangebot

für exzessiv medienkonsumierende Kinder und Jugendliche

sowie deren Eltern und Angehörige in Hamm

durchgeführt. Damit knüpft IX direkt an das, von der Aktion

Mensch geförderte, Projekt „Interface“ an. Finanziert

wird die dreijährige Projektlaufzeit über den „Aktionsplan

gegen Sucht NRW“.

Mit seinen drei Standbeinen, Beratung, Prävention und Transfer sieht das Projekt vor,

durch die langjährige fachliche Erfahrung im Umgang mit exzessiv medienkonsumierenden

Kindern und Jugendlichen sowie deren (Herkunfts-) Systemen Betroffene zu

unterstützen, eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich der problematischen

Mediennutzung zu erreichen sowie die fachlich professionelle Beratungslandschaft in

diesem Bereich zu verdichten.

So stand im ersten Projektjahr die Implementierung in Hamm im Vordergrund.

Hierbei war ein wichtiger Aspekt, möglichst niedrigschwellige Zugangswege

zur Beratung zu ermöglichen. Neue digitale Zugänge über

soziale Netzwerke (Facebook, Youtube, Twitter, Instagram), eine App zur

Selbsteinschätzung der Mediennutzung sowie die Möglichkeit der Nutzung

einer Chatfunktion auf der Internetseite eröffneten neue digitale

Möglichkeiten.

2016


188

In den beiden darauffolgenden Jahren standen insbesondere zwei Transferphasen mit

dem Ziel, Lücken in der Beratungslandschaft zum Thema „exzessive Mediennutzung“

in Nordrhein-Westfalen zu schließen, im Fokus des Projektes.

Mit regelmäßigen Schulungen, Implementierungstreffen und Kooperationsarbeit

konnten insgesamt zehn neue Interface Extended Standorte geschult werden und somit

zehn neue Standorte für professionelle Beratung im Bereich der exzessiven Mediennutzung

erschlossen werden.

So wurden in Dortmund, Dülmen, Herford, Kamp-Lintfort, Düsseldorf, Arnsberg, Gütersloh,

Hilden, Steinfurt und Wuppertal neue Interface Extended Standorte geschaffen

und so konnte dem steigenden Bedarf nach Beratung bei exzessiver Mediennutzung

Rechnung getragen werden.

Noch während der Projektlaufzeit wurde Interface Extended zweimal als

„Projekt des Monats“ ausgezeichnet. Zum einen vom Landespräventionsrat,

zum anderen vom „Medienpädagogischen Atlas“. Außerdem generierte

der Ansatz viel Interesse bei Fachkräften aus Beratung und Medizin.

Begleitend wurde das Projekt von der SRH Hochschule in Hamm evaluiert.

Die beiden Evaluationsfokusse „Wirksamkeit der systemischen Beratung“

wie auch „Implementierung an neue NRW-Standorte“ konnten

sehr positive Ergebnisse vorweisen.

2016


189

Nach Beendigung des Projektes konnte Interface Extended über die Einrichtung einer

Stelle durch das Jugendamt in Hamm weitergeführt werden.

2016


190

2016


191

Konzeptentwicklung BORA (beruflich orientierte Rehabilitation für

Abhängigkeitskranke) in der Fachklinik Release

Seit 1975 ist das Sozialgesetzbuch (SGB) für sämtliche Sozialleistungsträger Grundlage

ihres Handelns. Mit dem SGB IX wurde im Jahre 2001 der Anspruch behinderter und

von Behinderung bedrohter Menschen auf selbstbestimmte Teilhabe differenziert und

gestärkt. Die unterschiedlichen Sozialleistungsträger setzen die Ziele des SGB IX nach

den Bestimmungen der für sie geltenden Leistungsgesetze um. Das Leistungsgesetz

für die Deutsche Rentenversicherung (DRV) ist das SGB VI.

Nach § 9 SGB VI erbringt die DRV Leistungen zur Teilhabe, um den Auswirkungen einer

Krankheit oder Behinderung auf die Erwerbsfähigkeit entgegenzuwirken oder sie zu

überwinden und dadurch Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit der Versicherten

oder ihr vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu verhindern oder sie möglichst

dauerhaft in das Erwerbsleben wiedereinzugliedern. Hierzu dienen Leistungen

der medizinischen Rehabilitation sowie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA).

Mit der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) wurde von der DRV

eine spezifische Behandlungsstrategie entwickelt, um den Rehabilitationserfolg bei

Rehabilitanden mit besonderen beruflichen Problemlagen zu optimieren (DRV, 2012).

Grundlegende Zielsetzung ist dabei, die medizinische Rehabilitation an

den Anforderungen der Arbeitswelt und insbesondere am aktuellen und

angestrebten Arbeitsplatz auszurichten beziehungsweise die Motivation

zur Wahrnehmung weiterführender beruflicher Teilhabeleistungen im

Anschluss an die Leistung zur medizinischen Rehabilitation zu fördern.

2018


192

Damit wird der Ansatz der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung

und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welcher ein

bio-psycho-soziales Modell der Gesundheit zugrunde liegt, im Sinne einer ganzheitlichen

Sichtweise gestärkt.

Explizit ausgenommen von dem MBOR-Konzept wurde der Indikationsbereich der medizinischen

Rehabilitation abhängigkeitskranker, da arbeitsbezogenen Maßnahmen

dort bereits ein erheblicher Stellenwert sowohl in den Rehabilitations- und Therapiekonzepten

und der personellen und strukturellen Ausrichtung der Behandlungseinrichtungen

als auch im Leistungsgeschehen zukommt. Weitere Besonderheiten liegen

darin, dass

• besondere erwerbsbezogene Problemlagen im Indikationsbereich Abhängigkeitserkrankungen

besonders häufig auftreten und damit zum

Regelfall gehören,

• erwerbsbezogene Leistungen - auch aufgrund der vergleichsweise längeren

Behandlungszeiten - einen deutlich höheren zeitlichen und inhaltlichen

Umfang aufweisen als in anderen Indikationsbereichen und

• die Adaption als mögliche letzte stationäre Phase der medizinischen

Rehabilitation im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen sich insbesondere

auch mit der Förderung der beruflichen (Re-)Integration der Rehabilitand:innen

befasst.

2018


193

Der vorrangige Auftrag für die Leistungserbringer in der medizinischen Rehabilitation

besteht darin, die Erwerbsfähigkeit der Versicherten wiederherzustellen bzw. zu

erhalten. Diese Zielsetzung gelingt im Bereich der Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen

bereits in einem hohen Maße. Knapp 83 Prozent aller Rehabilitandinnen

und Rehabilitanden verließen 2013 die stationäre Rehabilitation Abhängigkeitskranker

mit einem Leistungsvermögen von 6 und mehr Stunden für die letzte Beschäftigung

(ISRV, 2013: Tabelle 014). Gleichwohl werden auch in diesem Indikationsbereich Optimierungsmöglichkeiten

gesehen. So fordert die aktuelle S3-Leitlinie Alkohol in einer

Schlüsselempfehlung, beispielsweise bei bestehender Erwerbslosigkeit bevorzugt Behandlungssettings

anzubieten, die auch eine Reintegration ins Erwerbsleben fördern.

Zukünftig sollten sich die entsprechenden Leistungen noch stärker am jeweiligen Bedarf

der verschiedenen Rehabilitand:innen ausrichten.

Das neue Konzept BORA wurde durch eine gemeinsame Arbeitsgruppe

„Beruflichen Orientierung in der Rehabilitation Abhängigkeitskranker“

von Vertretern der Deutschen Rentenversicherung und der Suchtfachverbände

DHS und Fachverband Sucht e.V. am 14.11.2014 vorgelegt und

trat zum 01.03.2015 in Kraft. Denis Schinner nahm als Vertreter der DHS

an dieser Arbeitsgruppe für die Bereiche Adaption und Kooperation teil.

Für die Fachklinik Release wurde ein Zusatz zum Konzept im März 2017

mit dem federführenden Leistungsträger abschließend verhandelt. In die

aktuelle Konzeptfassung ist der Zusatz 2020 textlich integriert worden.

2018


194

Für die Umsetzung in der Fachklinik Release sind alle Professionen verantwortlich. Die

Diagnostik ist um einen erwerbsbezogenen Teil zu erweitern. Im Rahmen der medizinischen

und psychotherapeutischen Angebote ist der Fokus auf die beruflichen Problemlagen

zu verstärken. Der Sozialdienst wurde explizit für die Konzeptumsetzung

verstärkt und natürlich wurde die Ergo- und Arbeitstherapie inhaltlich massiv aufgewertet.

MBOR und BORA tragen maßgeblich dazu bei, dass jeder in die Rehabilitation investierte

Euro, sich vierfach auszahlt. (Quelle: DRV Bund)

2018


195

Gründung des Ambulanten Nachsorgezentrums in Hamm-Heessen

2013 wendeten sich Mitglieder der Suchtselbsthilfegruppe Absti.Tribe Timo Schüssler

(ehrenamtlicher Mitarbeiter 2013 – 2017) und Michael Klement (ehrenamtlicher Mitarbeiter

seit 2013) an die Fachklinik Release – Adaption um einen festen Ort für ihr

Gruppenangebot und einem integrativen Bogensportprojekt zu erfragen. Sehr schnell

wurden feste Kooperationsstrukturen vereinbart, die Selbsthilfegruppe startete noch

im gleichen Jahr im Josefsheim.

2014 entstand das neue Angebot einer strukturierten Ambulanten Nachsorge in Leistungsträgerschaft

der DRV Westfalen. Sandy Fronczek (Mitarbeiterin 2010 – 2020)

übernahm dieses Angebot in ihren Aufgabenbereich, bevor sie diesen an Lara Paetschke

(Mitarbeiterin von 2019-2021) übergab. Eine lose Form der Ambulanten Nachsorge

bestand zu der Zeit schon seit den siebziger Jahren und wurde ebenfalls über die Adaptionseinrichtung

geleistet. Hier waren unter anderem Mitarbeiter:innen wie Kristian

Kayser oder Dagmar Schlenker aktiv.

2018


196

Mit der Einstellung von Cornelia Seidler (Mitarbeiterin

von 2012-2021) als Mitarbeiterin im Ambulant

Betreuten Wohnen wurden nun die Angebote

Ambulante Nachsorge, Ambulant Betreutes

Wohnen und Suchtselbsthilfe ab dem 01.09.2018

im neuen Nachsorgezentrum (NAZ) der Fachklinik

Release im Josefsheim gebündelt.

Mit dem Nachsorgezentrum bekam auch das Josefsheim

wieder einen neuen Ankermieter, nachdem

das Integrationsunternehmen Grünspecht

aufgegeben werden musste.

Heute werden durchschnittlich 60 zum Großteil

ehemalige Rehabilitand:innen der Fachklinik

Release in den vier Angeboten des Nachsorgezentrum

nachsorgend und selbsthilfeorientiert

begleitet. Ergänzung findet das Angebote durch

regelmäßige Bogensportevents und freie Trainings.

2018


197

Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“

Die Aktionstage „Sucht hat immer eine Geschichte“ sind seit 1991 Teil einer vom Land

NRW geförderten Öffentlichkeitsarbeit zur Suchtvorbeugung.

In einem festgelegten Zeitraum werden in einer Kommune oder einem Kreis vielfältige

Angebote zum Thema Suchtvorbeugung entwickelt.

Zu den Zielen der Landeskampagne zählen die Sensibilisierung der Bevölkerung für

suchtpräventive Themen, die Förderung der öffentlichen Diskussion, die Initiierung von

Maßnahmen vor Ort, das Darstellen des ursachenorientierten Präventionsverständnisses

und die Förderung der Vernetzung in den jeweiligen Kommunen und Kreisen.

Dies kann nur gelingen, wenn sich viele Kooperationspartner:innen beteiligen, um ein

möglichst buntes und abwechslungsreiches Programm für unterschiedliche Zielgruppen

auf die Beine zu stellen.

Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern:innen in Hamm hat

die Fachstelle für Suchtvorbeugung diese Aktionstage bereits vier Mal

(1992, 1999, 2005) durchgeführt. Zuletzt im Jahre 2018 mit dem Schwerpunktthema

„Digitale Medien“.

Flankierend wurde die Landeskampagne mit Plakaten öffentlichkeitswirksam

unterstützt.

2018


198

2018


2018

199


200

Start des Projektes „Kälte-Shuttle“

Hervorgegangen aus einer Abstimmung innerhalb der Ethischen Fallbesprechung zum

Thema Obdachlosigkeit startet am 1. Dezember 2018 das Kälte-Shuttle, mit dem sichergestellt

werden soll, dass kein wohnungsloser Mensch in Hamm bei Minusgraden auf

der Straße übernachten muss. Durch den Einsatz des Shuttlebusses erhalten sie die

Möglichkeit, am Abend bzw. Spätnachmittag in die städtische Notunterkunft gefahren

zu werden. Um 17:00 Uhr startet der Bus und fährt drei Haltestellen in der Stadt an,

die im Umfeld der Obdachlosen bekannt gemacht werden. In diesem Winter 2020/2021

fährt der Bus, im Gegensatz zum letzten Mal, an jedem Tag - unabhängig von den Temperaturen

- bis zum 29. Februar 2021, um den obdachlosen Menschen gegenüber eine

höhere Verlässlichkeit sicher zu stellen. Das Drogenhilfezentrum des Arbeitskreis für

Jugendhilfe e.V. und die Caritas haben im Winter 2018/2019 zusammen mit der Stadt

Hamm das Konzept erprobt, bei dem immer ein hauptamtlicher Mitarbeitender mit

einem Ehrenamtlichen die Tour begleitete.

Aufgrund des großen Erfolges wurde das Konzept weiterentwickelt und konnte nun in

Trägerschaft der Caritas Hamm verstetigt werden. Das Kälte-Shuttle wird jetzt von den

Hauswarten der Notunterkunft an der Dortmunder Straße gefahren, die seit

einigen Jahren von der Caritas gestellt werden. Dadurch kann der Transport

direkt an die Unterkunft gekoppelt werden und ermöglicht eine höhere Beziehungskontinuität

zwischen den Hauptamtlichen und den Wohnungslosen

als wesentliche Voraussetzung für die Bereitschaft, Hilfen anzunehmen.

2018


201

Die Tour soll auch weiterhin von Ehrenamtlichen

begleitet werden, um den Bus mit einem Tandem

auszustatten, das sich gegenseitig unterstützt und

besser reagieren kann, wenn es zu unvorhergesehenen

Zwischenfällen kommen sollte. Durch diese

Kopplung des Kälte-Shuttles an die Hauswarte beteiligt

sich die Stadt Hamm an der Finanzierung.

Zur Finanzierung der Sachkosten ist die Caritas auf

Spenden angewiesen. Aber auch ehrenamtliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich eine

Stunde Zeit nehmen können und keine Berührungsängste

im Umgang mit Obdachlosen haben,

werden noch dringend im Team gesucht.

2018


202

Digitalisierung

Anfang 2019 nimmt der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. konkrete Planungen auf, um im

gesamten Unternehmen die Voraussetzungen zu schaffen, Kommunikation, Dokumentation,

Archivierung und auch Beratung und Behandlung zu digitalisieren.

Gemeinsam mit dem Systemhaus Cramer aus Hamm wurde eine

IT-Strategie entworfen, in dessen Kern die Ertüchtigung von

Hardware und der Anschluss aller Standorte an das Breitbandnetz

stehen. Diese beiden Anforderungen werden als grundlegend

angesehen, um zukünftige Impulse und Anforderungen

überhaupt angehen zu können.

Die DHS-Fachtagung zur Digitalisierung im gleichen Jahr in Augsburg erbrachte genau

diese Impulse, hin zu neuen digitalen Strukturen und Arbeitsansätzen, zu Sicherheitsaspekten

und zum Datenschutz, sowie zur Partizipation von Mitarbeitenden an dieser

Entwicklung.

2019


203

In den kommenden zwei Jahren werden nun Investitionen getätigt, um die Serverstruktur

grundlegend zu erneuern, um alle PC-Arbeitsplätze mit einem vergleichbaren Standard

zu versehen, alle Einrichtungen mit einem Breitbandanschluss und WLAN auszustatten.

Die Druckersysteme werden emissionsarm und umweltschonend umgerüstet.

Mit WLAN ausgestattet wurde zudem mit freundlicher Unterstützung des Systemhaus

Cramer und LANCOM Systems das Café im Drogenhilfezentrum.

Hierzu wird eine Kooperation mit dem Systemhaus GreenIT eingegangen. Vorhandene

veraltete Telefonanlagen sollen ausgetauscht und mobiles Arbeiten gefördert werden.

Über die Hessische Landesstelle Sucht lässt sich Ewald Wehner seit 2020 zum „Digitalen

Lotsen“ qualifizieren, um insbesondere den Einbezug von Mitarbeitenden in diesen

Change Prozess aufzugreifen und zu unterstützen.

Durch die Corona-Pandemie erhält der eingeschlagene Weg gezwungenermaßen weiteren

Auftrieb. Es müssen nun noch verstärkt digitale Beratungs- und

Kommunikationswege gefunden werden. Zusammen mit der Landesstelle

Sucht in NRW und der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW werden hier

Projektansätze geschaffen.

2019


204

Zusammen mit RedlineData und der Gehring Group AG wird die Digitalisierung von Patientenakten

und deren Archivierung vorangebracht.

Dazu gilt es, die Auftritte des Unternehmens im Web und im Bereich der Social Media

konsequent zu optimieren und den Traffic, die Reichweiten, zu erhöhen. Dies ist auch

vor dem Hintergrund der zukünftigen Fachkräftegewinnung zu betrachten. Umfragen

unter Studienabsolventen der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Münster haben

ergeben, dass die Studierenden von zukünftigen Arbeitgebern umfangreiche Vorabinformationen

zur zukünftigen Arbeit und zur Organisation erwarten. Diese Informationen

werden primär über den Webauftritt eingeholt. Zur Optimierung der Webauftritte

wurde das Hamburger Start Up SB-Webdesign beauftragt.

Und nicht zuletzt die Absicherung digitaler Strukturen und Prozesse und die datenschutzrechtliche

Konformität ist zu regeln.

Viele Anforderungen liegen vor uns, um den digitalen Wandel im Unternehmen

zu gestalten. Dabei wird diese IT-Strategie wieder nur eine Entwicklungsstufe

abbilden. Die nächsten warten schon auf uns ...

2019


205

„Zimmer mit Zukunft“

Das Projekt „Zimmer mit Zukunft“ richtet sich an wohnungslose,

chronisch suchtkranke Menschen. Häufig haben sie Lebenskrisen

erlitten, in deren Folge sie an den Rand der Gesellschaft

gedrängt wurden. Ihre Versuche, sich in geregelten

Mietverhältnissen zu stabilisieren, sind wiederholt aufgrund

fehlender Wohnfähigkeit gescheitert. Ihre Biografie verläuft

zwischen dem Leben auf der Straße, Notunterbringungen,

Krankenhäusern/Kliniken und Justizvollzugsanstalten. Die

Personen sind gezeichnet von psychischen und physischen

gesundheitlichen Problemen. Die Zielgruppe ist die Gruppe

mit den vielfältigsten Problembelastungen unserer Gesellschaft

und damit in besonderem Maße hilfebedürftig, da auf keine eigenen Ressourcen

zurückgegriffen werden kann. Mit dem Angebot sollen insbesondere wohnungslose

suchtkranke Frauen erreicht werden, die oftmals aus unterschiedlichen Gründen

einen schlechteren Zugang zum Hilfesystem haben. Dafür ist das Projektteam paritätisch

besetzt, sodass die Bewohnerinnen eine Ansprechpartnerin für ihre individuellen

Belange vorfinden. Katharina Köhnke (Mitarbeiterin seit 2020) und

Josch Krause sind hier federführend tätig.

2020

In Kooperation mit FD Immobilien konnte im zweiten Halbjahr 2020

eine Immobilie gewonnen werden, in der zunächst acht Wohneinheiten

entstanden. Es handelt sich dabei um Einzelzimmer in kleinen Wohngemeinschaften.

In einem zusätzlich eingerichteten Büro vor Ort sind

die Mitarbeitenden des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ansprechbar für

alle Fragestellungen rund um Wohnen, Tagesstruktur, Hygiene, Drogengebrauch,

Freizeitgestaltung, Arbeit u.v.m.


206

„Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, den Bedürftigen zu helfen und dort zu unterstützen,

wo wir können. Dieses Projekt bietet die optimale Grundlage für eine gute

Zusammenarbeit und die Schaffung von Perspektiven für die Bewohner:innen “, so die

Geschäftsführer von FD Immobilien. Durch ergänzende aufsuchende Arbeit und die Betreuung

vor Ort werden Personen der Zielgruppe die Chance erhalten, unbürokratisch

Wohnraum zu gewinnen und zu bewahren. Mit dem Projekt sollen sie niedrigschwellige

und am Sozialraum orientierte Beratung, Betreuung und Unterstützung erfahren.

Ein eigens einberufener aus Expert:innen bestehender Projektbeirat begleitet den

Projektverlauf engmaschig und unterstützt durch ein breit gefächertes Netzwerk. „Die

konzeptuell lange Zeit strikt voneinander getrennten Drogen- und Wohnungslosenhilfen

werden miteinander verbunden. Mit dem Know-how aus beiden Bereichen entsteht

eine passgenaue Hilfe für diejenigen, die besonders hilfebedürftig sind“, fasst der

Projektbeiratsvorsitzende Wolfgang Rometsch das Projekt zusammen. Durch langjährige,

verlässliche Kooperationen im Hilfenetzwerk Hamm und durch die Projektfinanzierung

des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW erhält

Hamm die Chance, dem dramatischen Trend auf dem Wohnungsmarkt

entgegenzuwirken und den Menschen Wohnraum zur Verfügung zu stellen,

die ihn dringend brauchen, aber nicht aus eigener Kraft gewinnen

können.

2020


207

Expertise im Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Expertise über Jahrzehnte gefragt

Der Arbeitskreis für Jugendhilfe e. V. war und ist über fünf Jahrzehnte hinweg ein

Vorreiter in der Entwicklung und Umsetzung von praxisbezogenen Angeboten und

Hilfen, von der Prävention bis zur Therapie, von der Rehabilitation bis hin zu neuen

Süchten.

2020

Vor diesem Hintergrund waren die Mitarbeiter:innen und in den ersten zwei Jahrzehnten

insbesondere der 1. Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende Dr. Helmut

Hünnekens, gefragte Expert:innen auf Landes- und Bundesebene. Dr. Helmut Hünnekens

war nicht nur stellvertretender Sprecher des wissenschaftlichen Kuratoriums der

Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren und auch Mitglied des Vorstandes,

sondern zudem 1. Vorsitzender des Deutsch-niederländischen Förderkreises Suchthilfe

e.V., Berater der Ärztekammer Westfalen Lippe in Suchtfragen sowie Mitglied der

Kommission Drogen und Aids beim Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des

Landes NRW.

Viele Mitarbeiter:innen, zu nennen sind hier insbesondere Wolfgang

Rometsch, Paul Katz, Rainer Bathen, Rolf Buschkamp, Dorothee Behler-

Brodd wurden wegen ihrer fachlichen Kompetenzen nicht nur zu mehreren

hundert Fachvorträgen und Schulungen angefragt, sie wurden

auch in landes- und bundesweite Fach- (politischen) Gremien berufen.

Zu nennen wären hier beispielhaft die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung

und Suchttherapie, Akzept e. V., Arbeitsgemeinschaft Drogen

und Politik, Frau und Sucht, Arbeitsgemeinschaft der Präventionsfachkräfte.


208

Insbesondere die Interessenvertretung für das Deutsche Rote Kreuz, Landesverband

Westfalen-Lippe führt seit 1971 dazu, dass der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. in wichtigen

fachpolitischen Gremien vertreten ist. Auf kommunaler Ebene ist hier der Lenkungskreis

Kommunale Suchthilfeplanung zu nennen, auf Landesebene die Mitwirkung

im Arbeitsausschuss der freien Wohlfahrtspflege NRW, im Beirat der Landesstelle

Sucht NRW und auf Bundesebene die Mitarbeit im Vorstand der Deutschen Hauptstelle

für Suchtfragen (DHS). Für die DHS vertritt der AKJ e.V. die Interessen auch im Vorstand

der Marianne-von-Weizsäcker-Stiftung. Hinzu kommen verschieden fachspezifische

und regionale Vernetzungsgremien, wie die Regionalkonferenz NRW des Bundesverbandes

der stationären Suchtkrankenhilfe buss, der AK Sucht im Kreis Coesfeld, Praktiker:innentreffen

in der Wohnungslosenhilfe, der Schuldnerberatung oder der Eingliederungshilfe.

Zudem bringen immer wieder Mitarbeiter:innen ihre Expertise in die Aus- und Weiterbildungsarbeit

ein und lehren an Fach- und Hochschulen.

2020


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Corona

Das Jahr 2020 steht unter einer ganz besonderen Herausforderung für das Unternehmen.

Seit Beginn des Jahres breitet sich mit dem SARS-Cov-2 Virus und der daraus resultieren

Erkrankung COVID-19 eine hochinfektiöse und bei Erkrankung von schwersten

Verläufen gekennzeichnete weltweite Pandemie aus. Die WHO ruft im März den pandemischen

Status aus. Die Länder sind gezwungen massive Restriktionen zur Kontaktbeschränkung

bis hin zu landesweiten Lockdowns zu verhängen, um die Infektionsketten

zu durchbrechen, die Gesundheitssysteme vor Überlastung zu schützen und die Pandemie

unter Kontrolle zu bekommen. Gleichzeitig brechen infolge mangelnder Vorbereitung

zunächst die Lieferketten für Schutzmaterial oder Desinfektion zusammen. In

Deutschland stehen Bund, Länder und Kommunen vor ungeahnten Herausforderungen.

Gleiches gilt für die Wirtschaft, Schulen und Universitäten, dem Kultur-

und Sportbereich und natürlich dem gesamten Sozial- und Gesundheitssektor.

2020

Lockdown, PCR-Test, Pandemiepläne, Alltagsmasken, AHA(L)-Regel, Quarantäne

oder Social Distancing gehören bald genauso zum alltäglichen

Sprachgebrauch, wie milliardenschwere Hilfspakte, Kurzarbeit und Existenzbedrohung

für Solo-Selbständige, Gastronomen und Hoteliers. Denn

auch Reisen und die gewohnte Bewegungsfreiheit sind nicht mehr ohne

Weiteres möglich.


210

Und gleichzeitig entsteht ein tiefer Riss in der Gesellschaft. Politik und Wissenschaft auf

der einen Seite und Verschwörungstheortiker und selbsternannte Expertinnen und Experten

auf der anderen. Und dazwischen muss es den sozialen Trägern, wie auch dem

Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. und der Netzwerk Suchthilfe gGmbH, gelingen, ihrem

Versorgungsauftrag verantwortlich nachzukommen und gleichzeitig Mitarbeitende

und Klient:innen gleichermaßen zu schützen.

Wir erleben eindrücklich, dass Sucht keinen Halt davor macht, ob ein Virus das soziale

Leben lahmlegt. Im Gegenteil. Social Distancing führt zu einer Verstärkung von Symptomen

und Phänomenen, die im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung stehen.

Gleichzeitig fehlen soziale Einflussnahme und Kontrolle. Erst 2021 werden wir in der

Rückschau klarer sehen, was diese Notsituation in diesem Jahr ausgelöst oder verstärkt

hat.

2020

Sehr schnell reagierten unsere Fachverbände wie z.B. die Deutsche Hauptstelle für

Suchtfragen (DHS), der Bundesverband der stationären Suchtkrankenhilfe (buss), der

Fachverband Drogen- und Suchthilfe (fdr+) oder der Fachverband Medienabhängigkeit

und aktivierten die Politik zur Feststellung der Systemrelevanz

der Suchthilfe. Nur damit war zeitweise überhaupt möglich, die

Arbeitsfähigkeit der Einrichtungen aufrecht und die notwendigen Hilfen

und Angebote offen zu halten. Dabei mussten auch unsere Einrichtungen

existenzbedrohende Entwicklungen überstehen. Die Auslastung in den

stationären Einrichtungen sanken infolge von verhängten Aufnahmestopps

und ausbleibenden Vermittlungen.


211

Die Aufrechterhaltung von Kontakten im ambulanten Bereich musste neue Wege gehen

und die Leistungsträger wie die Stadt Hamm, der Landschaftsverband Westfalen-

Lippe und auch die Krankenkassen und die Rentenversicherung unterstützten hierbei

herausragend mit flexiblen Lösungen. Vielleicht lassen sich einige dieser Lösungen

auch später aufrecht erhalten.

Trotz des herausragenden Einsatzes aller in dieser Krisenzeit, ist dieses Jahr das wohl

schwierigste in der Unternehmensgeschichte. Wir danken an dieser Stelle allen, die

unser Unternehmen gestützt und mitgeholfen haben, es bisher durch diese Zeit zu

tragen. Dazu gehören der DRK Landesverband Westfalen-Lippe e.V., der uns mit Know-

How für Pandemiezeiten ausgestattet hat, unsere Netzwerkpartner, die mit uns gemeinsam

weitergearbeitet haben, unsere Leistungsträger und natürlich nicht zuletzt

unsere hochengagierten Mitarbeiter:innen die trotz eigener Ängste und Belastungen

ihre Arbeit mit Einsatz und Opferbereitschaft verrichtet haben.

Wir wissen heute noch nicht, wann die Pandemie vorüber sein wird und

wann es wieder eine uns bekannte Normalität geben wird. Laut einer Berechnung

der Unternehmensberatung McKinsey aus September 2020

wird dies womöglich erst im Jahr 2023 soweit sein. Bis dahin bleiben wir

zuversichtlich!

2020


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50. Jubiläumsjahr des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

Das Jahr 2020 sollte ein besonderes Jahr in

der Geschichte des Arbeitskreis für Jugendhilfe

e.V. werden. Schließlich wird man ja nicht

oft 50 Jahre alt. Eine Reihe von Aktionen und

Aktivitäten wurde bereits seit 2018 vorgeplant

und fest verabredet.

Im Zentrum stand eine Fachtagung, gemeinsam

geplant und durchgeführt von der LWL –

Universitätsklinik Hamm und dem Arbeitskreis

für Jugendhilfe e.V. Eine Planungsgruppe wurde

eingerichtet, schnell waren Ort und Datum

verabredet und die inhaltliche Vorbereitung nahm Fahrt auf. Für die Mitarbeitenden

war eine Party am 04.12.2020 im Hoppegarden Hamm geplant,

zu der wir auch ehemalige Mitarbeitende begrüßen wollten. Eine weitere

Veranstaltung mit verschiedenen Akzenten wie Lesung, Konzert und Ehemaligentreffen

war für die Einrichtungen selbst vorüberlegt. Ja und dann

die Erstellung dieser Chronik sollte das Jubiläumsjahr abrunden.

2020


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Am 15.12.2020, dem eigentlichen Geburtstag des Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ist

einzig die Chronik übrig geblieben. Wir freuen uns dennoch sehr, dass zumindest dieses

Projekt umsetzbar war. Alles andere musste infolge der Corona-Pandemie abgesagt und

verschoben werden.

Es wird weitere Jubiläen geben. Sicher! Und wir freuen uns schon heute darauf, Sie und

Euch dann begrüßen zu dürfen!

Abgesagt/verschoben

2020


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Bildnachweis

Alle Bilder, soweit nicht anders angegeben, Archiv Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.

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© S. 83, 84 Elternschule Hamm, Logoentwurf Arno Weber

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