06.03.2022 Aufrufe

Wagnersechsmalig No. 14

  • Keine Tags gefunden...

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Das Buchmagazin der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung — 03.2022

Wagner

sechsmalı˙g

#No. 14

Wagner’sche

Innsbruck

Wagner’sche

Altstadt

Innsbruck

Bücher Stierle

Salzburg

Stierle Kelten-

Buchhandlung

Hallein

Leporello die

Buchhandlung

Wien

Stöger —

Leporello die

Buchhandlung

Wien


Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Uns eint bestimmt eine gemeinsame

Sehnsucht: wir

wollen die Masken abnehmen

und unser Gesicht zeigen.

Wir freuen uns, dass Sie mit

unseren engagierten Buchhändlerinnen

und Buchhändlern

wieder von Angesicht

zu Angesicht über Ihre

Lieblingslektüre diskutieren

können. Und wir engagieren

uns mit unbeugsamem Elan

für einen unabhängigen

Buchhandel, denn wir wollen

die Vielfalt feiern! Die

Wagner‘sche Familie ermöglicht

Buchhändler*innen ein

selbstbestimmtes und kreatives

Arbeiten, und wir sorgen

dafür, dass unsere Lehrlinge

eine gute Ausbildung erhalten.

Wir tragen dazu

bei, dass Traditionsbuchhandlungen

nicht von der

Bildfläche verschwinden, sondern

von einer jungen Buchhändler*innen-Generation

in die Zukunft geführt werden.

Die 14. Ausgabe dieses

Magazins informiert Sie über

die Aktivitäten unserer Filialen,

über Lesungen und über

interessante Bücher!

Markus Renk (re.), Markus Hatzer

Inhalt

6 Ein neuer Bücherfrühling

Wir feiern den unabhängigen Buchhandel

18 Bücher und Puzzles

Regionale Produkte aus unserem Verlag

20 Neues aus Tirol

Robert Renk zu den aktuellen Neuerscheinungen von Tiroler Autor*innen

24 Karl-Markus Gauß

Geehrt von der Leipziger Buchmesse geradewegs nach Innsbruck

26 Das Prosafestival wird 20!

Ein tolles Jubiläumsprogramm mit schönem P.S. von Antonio Fian und

Christoph Simon

32 Sieben Konzerte und eine Lesung

Das Format des Speed-Dating stellt Mark A. Maier als Autor und erneut

auch das Label „leash the dog“ vor.

36 Besuch aus Kolumbien

Der großartige Autor Juan Gabriel Vasquez in Innsbruck

44 Rotraut Schöberl

Die Buchhändlerin der Nation beehrt die Hauptstadt der Alpen

46 Literarisches HausQuartett

Ein neues Format mit Buchbesprechungen & Livekonzert,

mit Evelyn Unterfrauner & Robert Renk

48 Doron Rabinovici

„Die Einstellung“ (Suhrkamp) ist der Roman zur medialen Zeit

und Auftakt zum Journalismusfest!

50 Genau hinsehen, was geschieht

Das Journalismusfest Innsbruck

56 Á la française

Die französische Autorin Kaouther Adimi kommt in die Wagner’sche

58 W:ORTE

Impressum

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at

Redaktion: Robert Renk

Redaktionelle Mitarbeit: Gerlinde Tamerl, Anita Winkler

Lektorat: Leonie Schiessendoppler

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren

Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation

Fotografie (so nicht anders angegeben): Gerhard Berger, Pamela Rußmann

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern

Titelbild: Friederike Gösweiner, © Thomas Schrott

Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.

© 03.2022 – alle Rechte vorbehalten

2 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

3

Das Internationale Lyrikfestival zu Gast in der Wagner’schen

62 Literatur unter Sternen

Am Zeughausareal bewegt sich was – auch literarisch!

72 3×7 Best aber Seller

74 Mit den besten Empfehlungen


© XXX

Bücher und Menschen im

Mittelpunkt

Vielfalt und Unabhängigkeit wird in diesem Bücherfrühling

nicht nur zwischen den Buchdeckeln gefeiert, sondern auch in

unseren Buchhandlungen.

Buchhandlungen

sind vielfältige

Kulturräume.

Markus Renk und

Gerlinde Tamerl

4

Wagner’sche.

Ein neuer Bücherfrühling

Lockdowns und winterliche Dunkelheit

sind vorbei, wir erfreuen uns am verheißungsvollen

Bücherfrühling, dessen

Neuerscheinungen unsere nächsten Monate

aufregend, tiefgründig und auf jeden Fall

abwechslungsreich gestalten werden.

Gleichzeitig engagieren wir uns mit unbeugsamem

Elan für einen unabhängigen Buchhandel.

„Buchhandlungen sind viel mehr als

bloße Geschäfte. Es sind vielfältige Kulturräume,

unerlässliche Quellen für das, was

wir Geist nennen und dessen Entwicklung.“

Das schreibt Schriftsteller Ilija Trojanow in

seinem Essay mit dem Titel Eine Nacht im

Paradies. Und er muss es wissen, denn er

hat schon eine ganze Nacht in der Wagner’-

schen Buchhandlung verbracht.

Das „Döblinger Juwel“

Wir wollen dazu beitragen, dass besondere

Buchhandlungen weiter existieren können,

sind sie doch wahre Schatzkammern, die

es nicht nur in Innenstadtbezirken geben

soll. Die Buchhandlung Stöger, von manchen

Kundinnen und Kunden liebevoll

„Döblinger Juwel“ genannt, gehört deshalb

seit 1. Februar 2022 zur Familie der Wagner‘schen.

Die Traditionsbuchhandlung im

19. Wiener Gemeindebezirk ist ein „bibliophiler

Nahversorger“ und kann auf eine

hundertjährige Geschichte zurückblicken.

Was damals in der Papierhandlung auf zwei

Regalmetern begann, ist heute eine Buchhandlung,

die auf 120 qm und zwei Etagen

Buchliebhaber*innen zum Schmökern

einlädt. Menschen in Döbling können hier

weiterhin ihre Lieblingslektüre besorgen

und wie gewohnt die Buchhändlerinnen

ihres Vertrauens antreffen.

Selbstbestimmt und

unabhängig

Wir wollen Buchhändlerinnen und Buchhändler

vor den Vorhang holen, ihre

Kreativität fördern, sie in den Mittelpunkt

rücken, ihnen ein selbstbestimmtes

und kreatives Arbeiten ermöglichen.

Unsere Lehrlinge erhalten von Beginn an

die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu

arbeiten und ihre Talente zu entdecken.

Einer unserer wichtigsten Grundsätze ist

die Unabhängigkeit, das bedeutet, dass

unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler

ihr Sortiment selbstbestimmt auswählen

dürfen und auch selbst entscheiden können,

welche Bücher einen Platz auf ihren

Tischen und Regalen finden. Wir suchen

nach interessanter Lektüre, damit unsere

Buchhandlungen aussehen wie prall gefüllte

Schmuckkästchen. In unserem neuen

Büro im Helblinghaus in der Innsbrucker

Altstadt treffen wir uns regelmäßig mit

Kolleg*innen unseres 55-köpfigen Teams,

um für Sie neue Ideen für unsere Buchhandlungen

zu entwickeln.

Neues aus dem Verlag

der Wagner’schen

Wir freuen uns sehr darüber, dass in unserem

Verlag regelmäßig neue Publikationen

erscheinen. Zwei neue Lieblinge unserer Erinnerungsreihe

haben soeben die Druckerpresse

verlassen und werden in unseren

Regalen präsentiert: Georg und Monika

Fabjan werfen einen ganz persönlichen

Blick auf den Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen

und Willi Guiliani schreibt packend

über den Wilden Westen der

Alpenmetropole. Peter Walder-Gottsbacher

gehört als langjähriger Mitarbeiter zum

„Urgestein“ der Wagner‘schen Buchhandlung

und ist Autor mehrerer Bücher.

Nun erscheint sein neues Werk über die

Innsbrucker Stadtteile Hötting und Anpruggen,

das wir nicht nur Einheimischen,

sondern auch all jenen empfehlen möchten,

die sich für historische Themen begeistern

können.

Literarisches HausQuartett

Die Buchhandlung Leporello im Schatten

des Stephansdoms in Wien gehört seit 2021

zur Wagner’schen Familie. Immer wieder ist

dort auch Rotraut Schöberl anzutreffen, die

gemeinsam mit ihrem Kollegen Erwin Riedesser

diese Buchhandlung eröffnete. Frau

Schöberl wurde in den letzten Jahren durch

ihre Facebook-Livestreams mit Kabarettist

Michael Niavarani und ihre wöchentlichen

Auftritte als Buchexpertin bei Café Puls 4

einem größeren Publikum bekannt. Nun

gibt sie nach Mord auf leisen Pfoten ihre

neue mörderische Anthologie Radieschen

von unten. Kriminell gute Gartenmorde im

Residenz Verlag heraus. Zahlreiche Autorinnen

und Autoren versammeln sich hier

wie etwa Alex Beer, Eva Rossmann und

Thomas Raab. Wir freuen uns darüber, dass

Rotraut Schöberl uns im Mai in Innsbruck

besucht und in der Wagner’schen diese

Anthologie vorstellen wird. Ihre Teilnahme

an unserem „Literarischen HausQuartett“

wird ebenso ein großes Zuhörvergnügen, zu

dem wir Sie jetzt schon herzlich einladen.

Spannende Veranstaltungen

Die Wagner’sche ist auch in diesem Jahr

wieder Kooperationspartner der achensee.

literatour. Das Literaturfestival, das von

5. bis 8. Mai 2022 stattfinden wird, lädt

zum Verweilen am größten See Tirols ein.

Wir können Bücherfans von nah und fern

dieses Festival sehr empfehlen, denn hier

kann man Literatur genießen und dabei

auch gleich ein bisschen Urlaub machen.

Besonders gespannt sind wir auch auf das

„Journalismusfest“, das erstmals in Innsbruck

stattfinden wird. Das hochkarätige

wie internationale Programm unterstreicht

die Bedeutung von kritischem Journalismus.

Bei Diskussionen und Lesungen, darunter

auch in der Wagner’schen, erzählen Reporter*innen

von ihren Erfahrungen und geben

Einblick in ihre Arbeit.

Diversität ist die wahre

Normalität

Im unabhängigen Buchhandel, aber auch

im Bücherfrühling lautet das Motto: Diversität

ist die neue Normalität. So feiern

wir Bücher und Menschen, denen Toleranz,

Individualität, Kreativität und Vielfalt

so viel bedeutet wie uns. Dieses Magazin

ist gefüllt mit Interviews und Hinweisen

zu Lesungen an unseren Standorten in

Innsbruck, Salzburg, Hallein und Wien.

Genießen Sie diesen Bücherfrühling, so wie

wir es tun.

Markus Renk und Gerlinde Tamerl


© XXX

Es ist schon fast halb zwölf, Ihr neuer

Roman, entstand aus einer wahren

Geschichte. Was ist der Hintergrund?

Begonnen hat alles mit den Briefen, die

wir auf dem Dachboden unseres Hauses

gefun den haben. Es waren Briefe aus den

Jahren 1938-45, die meine Schwiegereltern

sich geschrieben haben. Der Schwiegervater

arbeitete während des II. Weltkrieges in

Berlin bei Daimler Benz als Flugmotorenmechaniker,

die Schwiegermutter pendelte

zwischen Niederösterreich und Berlin.

500 Briefe und Dokumente, sicherlich

in alten Schriften (Kurrent, Fraktur?)

wollen gelesen, verstanden und

zugeordnet werden, kein leichtes

Unterfangen: wie haben Sie das

gemeistert?

Nach dem Tod des Vaters saß mein Mann

wochenlang in dessen Wohnung und sichtete

das umfangreiche Material. Damit sich

später auch unsere Kinder damit auskennen

würden, ordnete und scannte er alles ein.

Meine Schwägerin, die die Kurrentschrift

beherrscht, hat die entsprechenden Briefe

(hauptsächlich die der Mutter) in die

lateinische Schrift übertragen. Zum Schluss

ließen wir die unzähligen Fotos, Dokumente

und Briefe als Fotobücher binden.

Wann und in welcher Situation,

haben Sie beschlossen, diesen

unglaublichen Fundus in einen

(Brief-)Roman zu verwandeln?

Das ist fast von allein passiert. Ich war

gerade fertig mit meinem Roman Ein

fesches Dirndl, saß auf meinem Lieblingsplatz

unter dem Nussbaum und las die

Briefe. Bis dahin kannte ich den Inhalt nur

von den Erzählungen meines Mannes. Und

ich kam nicht aus dem Staunen heraus.

Fast automatisch drehte ich den Blick zur

Tür und sah vor meinem inneren Auge

die Schwiegereltern aus dem Haus treten.

Noch am gleichen Tag schrieb ich die ersten

Seiten des Romans.

Literatur vom

Dachboden

im Internet und im St. Pöltner Stadtarchiv.

Und tatsächlich stand mir auch ein Dorf-

Historiker zur Seite, der mich vor allem mit

Material versorgte, das für mich sonst nicht

zugänglich wäre. Nur im Unterschied zu

dem Grantler Willi Hammer aus meinem

Roman ist Albin Mayer ein sehr netter und

hilfsbereiter Mensch.

Familiengeschichte und Zeitgeschichte

verbinden sich in Ihren

Romanen oft, hier ist die Verbindung

noch näher an der eigenen

Geschichte, bzw. an der Ihres

Mannes: wie stand er zu der Idee

die Familiengeschichte in einem

Briefroman zu veröffentlichen?

Wir haben im Vorfeld viel darüber gesprochen.

Als ich ihm das Exposee und

die ersten Seiten vorgelegt habe, war er

damit einverstanden, dass ich die Briefe

verwende. Denn, obwohl dieser Roman

auf realer Korrespondenz basiert, wurden

die Briefe modifiziert und die Handlung

zum großen Teil erfunden. Uns beiden

war es wichtig, diese schreckliche Zeit als

greifbares Zeitdokument den Lesenden

näher zu bringen und aufzuzeigen, was

mit Völkermanipulation alles machbar ist.

Aber ich möchte meinen Roman nicht als

einen päda gogischen Zeigefinger verstehen,

sondern als ein Mittel gegen Verdrängung

und das Vergessen. Europa befindet sich in

einer angespannten Lage, der Krieg steht

buchstäblich vor der Tür. Es soll unsere

aller Sorge sein, darauf zu achten, dass die

Waagschale nicht kippt.

Es war schaurig.

Anders kann

man das nicht

ausdrücken.

6 7

Zdenka Becker

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Zdenka Becker

im Gespräch mit

Rotraut Schöberl

Es gab sichtlich viel Recherche,

von Berlin bis Mosbach, von den

Fischbacher Lebensbedingungen bis

zur Flugmotorenfabrik: wie konnten

Sie das in diesen Pandemiezeiten

bewerkstelligen?

Ich wusste, dass mein Schwiegervater in

Berlin gearbeitet hatte, aber dass die Kriegsproduktion

in eine aufgelassene Gipps

Mine in Mosbach verlegt worden war, war

mir neu. Ich habe im Internet recherchiert

und bin auf unglaubliche Tatsachen gestoßen.

Sofort nahm ich Kontakt mit der

KZ-Gedenkstätte Neckarelz auf und nach

mehrmaligem Emailwechsel fuhr ich hin.

Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte, Frau

Roos, hat mich in die Mine geführt, zeigte

mir das Museum, die angrenzenden Gebäude

usw. und ich erkannte die Orte und

Plätze aus den Briefen. Es war schaurig.

Anders kann man das nicht ausdrücken.

Danach fuhr ich nach Heidelberg und

Berlin, wo ich nach den Wohnadressen

gesucht habe. Das Haus in der Solmstrasse

steht noch, an der Stelle des Hauses in der

Wilhelmstrasse steht ein Neubau aus den

ca. Siebzigerjahren.

Diese Recherche schaffte ich noch knapp

vor der Pandemie. Danach recherchierte ich

Buchtipp:

Zdenka Becker:

Es ist schon fast halb zwölf

Amalthea Verlag,

272 S., € 25,00

Buchpräsentation:

Zdenka Becker

Moderation: Rotraut Schöberl

Di., 22. März 2022, 19:00 Uhr

Leporello Buchhandlung

Singerstraße 7, A – 1010 Wien

Eintritt: € 8,00


© XXX

Leporello

die Buchhandlung

Wien

Die Kult-Buchhandlung

mitten in Wien

Im Schatten des Stephansdoms im Bücherhimmel schwelgen.

Wir wollen

mit Ihnen den

Bücherfrühling

feiern.

In der Buchhandlung Leporello herrscht

immer reges Treiben: die bestellten Neuerscheinungen

werden ausgepackt und

wunderschön drapiert, das Team rund um

Roswitha Stubenschrott ist immerzu im

Einsatz. Klaudia, Laura, Nina, Zeljko und

Bea lieben die Buchhandlung im Schatten

des Stephansdoms, in der auch in diesem

Frühling wieder eine ganze Reihe von

Veranstaltungen stattfinden wird. Am 22.

März um 19:00 Uhr wird etwa Zdenka

Beckers Buch Es ist schon fast halb zwölf

in der Buchhandlung vorgestellt. Rotraut

Schöberl hat mit Frau Becker ein Interview

geführt (siehe S. 7) und wird diesen Abend

auch moderieren. Von der Buchexpertin bei

Café Puls 4 erscheint außerdem nach Mord

auf leisen Pfoten eine weitere mörderische

Anthologie im Residenz Verlag mit dem

Titel Radieschen von unten. Kriminell gute

Gartenmorde. Zahlreiche österreichische

Autorinnen und Autoren versammeln sich

hier wie etwa Alex Beer, Eva Rossmann

und Thomas Raab. Lesen Sie dazu auch unbedingt

das Interview mit Rotraut Schöberl

auf Seite 44. Nach Lockdowns und trüben

Wintertagen freuen wir uns wieder sehr auf

die zahlreichen Begegnungen mit Ihnen,

denn ohne Buchliebhaber*innen würde

diesem Ort die Seele fehlen. Wir wollen mit

Ihnen den Bücherfrühling feiern in Form

von Gesprächen, Lesungen und vielen,

vielen weiteren persönlichen Begegnungen!

© Pamela Rußmann

© Pamela Rußmann

Buchtipp:

das Leporello-Team

8 9

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Rotraut Schöberl (Hrsg.):

Radieschen von unten

Residenz Verlag,

260 S., € 22,00


© Herbert Lehmann

Bibliophiler Nahversorger

Die Buchhandlung Stöger in Wien-Döbling gehört ab nun

auch zur Wagner’schen Familie.

© Herbert LehmannDas ,Döblinger

Juwel‘ bleibt

auch weiterhin

ein schöner

Treffpunkt.

10

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Die Buchhandlung Stöger, von manchen

Kundinnen und Kunden liebevoll „Döblinger

Juwel“ genannt, gehört seit 1. Februar

2022 zur Familie der Medici Buchhandels

GmbH. Die Traditionsbuchhandlung im

19. Wiener Gemeindebezirk kann auf eine

hundertjährige Geschichte zurückblicken.

Was damals in der Papierhandlung auf zwei

Regalmetern begann, ist heute eine Buchhandlung,

die auf 120 qm und zwei Etagen

Buchliebhaber*innen aller Altersgruppen

dazu einlädt, das sorgfältig ausgewählte

11

Sortiment zu entdecken. Wie gewohnt,

werden Kundinnen und Kunden der Buchhandlung

Stöger auch weiterhin ihre lieb

gewonnenen Buchhändlerinnen antreffen.

Zusätzlich wurde der Stöger Onlineshop

auf den modernsten Stand gebracht, um

den Einkauf noch rascher und bequemer

zu gestalten.

Gerda Schefz, die die Buchhandlung

Stöger jahrelang geführt hat, kann auf eine

erfolgreiche Zeit zurückblicken. Für sie

war die Arbeit mit Büchern immer aufregend,

denn aus ihrer Sicht spiegeln sich in

Büchern die Trends von morgen. Gerda

Schefz sagt weiters: „Ich habe großes Vertrauen,

dass unsere Buchhandlung in der

Medici Buchhandels GmbH eine erfolgreiche

Zukunft finden wird und unsere

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser

Buchhandelsfamilie auch weiterhin ihr

Engagement und ihre Erfahrung einbringen

können.“

Medici-Geschäftsführer Markus Renk

sagt dazu: „Es ist mir ein großes Anliegen,

dass unabhängige Buchhandlungen auch

außerhalb von Innenstadtbezirken weiterhin

existieren. Die Buchhandlung Stöger

in Döbling ist ein wichtiger Treffpunkt und

‚bibliophiler Nahversorger‘. Wir möchten

dazu beitragen, dass diese charmante Buchhandlung

mit ihrer 100-jährigen Geschichte

die Menschen in der Umgebung weiterhin

auf kurzem Weg mit der passenden Lieblingslektüre

versorgt.“

Die Buchhändlerinnen Ina, Hedwig,

Barbara und Melanie, die auch auf den

Fotos zu sehen sind, freuen sich auf Ihren

Besuch!


Gedruckt auf umweltfreundlichem, chlor- und säurefrei gebleichtem Papier. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes

Höchster Standard für Ökoeffektivität.

Cradle to Cradle TM zertifizierte

Druckprodukte innovated by gugler*.

Bindung ausgenommen

Gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen

Umweltzeichens. gugler*print, Melk, UWZ-Nr. 609, www.gugler.at

Gesalzene Lektüre,

die alle Sinne belebt

Kelten-

Buchhandlung

Hallein

Es wimmelt auch

in Salzburg

Bücher

Stierle

Salzburg

In der neu gestalteten Buchhandlung gibt es

passende Bücher für Jung und Alt.

Wir feiern die Vielfalt und staunen

über unser Wimmelbuch.

© Wagner’sche

Kinderprogramm:

Nora Leitl: Krissi Krampus

Di., 10. Mai 2022, 15:00 Uhr

Puppenspieler Stefan Karch

Do., 9. Juni 2022, 15:00 Uhr

Keltenbuchhandlung Hallein

Eintritt frei!

Lesungen:

Ellen Dunne (Haymon)

liest aus Boomtown Blues

Mo., 21. März 2022, 18:45 Uhr

Mareike Fallwickl (Rowohlt)

liest aus Die Wut, die bleibt

Di., 29. März 2022, 18:45 Uhr

Keltenbuchhandlung Hallein

Eintritt frei!

Die Keltenbuchhandlung in Hallein hat sich

in den vergangenen Monaten einiges getan.

Susanna Pristovnik-Schwarz, Hans Hamedinger

und Philipp Schlaffer haben kräftig

die Ärmel hochgekrempelt und einiges in

der Buchhandlung verändert. So gibt es

neuerdings im ersten Stock einen eigenen

Lesebereich für Kinder, und im Frühling

werden auch schon erste Veranstaltungen

stattfinden. Erstleser für Bücher zu begeistern,

funktioniert in der Gemeinschaft

am allerbesten: Miteinander Bücher anschauen,

sich abwechselnd vorlesen und

schließlich miteinander über die Geschichten

sprechen. Das mag für manche Eltern

eine Herausforderung sein, deshalb möchten

wir im Rahmen unserer Veranstaltungen

Kindern vorleben, wie man die Liebe zu

Büchern lernen kann. Einen Samstag pro

Monat lesen Schauspielstudent:innen aus

Novitäten oder Klassikern. Persönliche

Begegnungen mit Kinderbuchautor:innen

tragen dazu dabei, die Begeisterung für

Bücher zu wecken. Außerdem hat Susanna

Pristovnik-Schwarz eine kleine Abteilung

mit Büchern in leichter Sprache eingerichtet

und steht mit fachkundigem Rat zur Verfügung,

wenn es darum geht, die richtige

Lektüre für Menschen mit Leseschwierigkeiten

zu finden. Demnächst finden auch

wieder Lesungen für Erwachsene statt!

Neben interessanten Neuerscheinungen

warten auch andere schöne Dinge in

unserer Buchhandlung, etwa das „Salz der

Kelten“. Dabei handelt es sich um Natursalz,

das exklusiv für die Buchhandlung abgefüllt

wurde. Das neue Gartenquiz macht

außerdem Lust, jetzt im Frühling in der

Natur aktiv zu werden.

© Kelten Buchhandlung / Susanna Pristovnik-Schwarz

© Wagner’sche

Hurra, unser traumhaft schönes Salzburg-

Wimmelbuch ist erschienen! Und wer ist

darin zu entdecken? Unsere Buchhändlerin

Carmen versteckt sich auf den Doppelseiten.

Im Schloss Mirabell genießt sie die

Sonne, im Hangar 7 staunt sie über Flugzeuge,

im Literaturhaus liest sie Kindern

eine Geschichte vor. Unsere absolute

Lieblingsseite ist jene, auf der unsere kleine,

feine Buchhandlung abgebildet ist. Und

wie es da wimmelt! Herrlich! Illustriert

wurde dieses Buch von Julia Kotulla, die

mit Humor und Feingefühl viele regionale

Details berücksichtigt hat. Besonders am

Herzen lag uns auch die nachhaltige Produktion,

professionell umgesetzt von der

Druckerei Gugler in Krems.

Wir freuen uns aber auch über viele

Neuerscheinungen in diesem verheißungsvollen

Frühling. Bei der Auswahl unseres

Sortiments legen wir immer besonders

großen Wert auf Vielfalt und Diversity.

So haben wir die tollsten Romane von

zeitgenössischen Schriftsteller*innen aus

der ganzen Welt für Sie zusammengestellt.

Auf ein besonderes Märchenbuch möchten

wir Sie ebenso hinweisen. Kinder lieben

Märchen, doch leider werden darin oft

althergebrachte Geschlechterrollen weiter

tradiert. In „Märchenland für alle“ etwa

kommt endlich einmal ein Prinz vor, der

sich statt in eine Prinzessin in einen Prinzen

verliebt, an einer anderen Stelle wird von

einer Königstochter erzählt, die lieber

Abenteuer erlebt, als zu heiraten. Klassischen

Märchen wird auf diese Weise eine

neue Gegenwart eingehaucht, ohne ihnen

ihr Happy End zu nehmen. Wir freuen uns

auf Ihren Besuch!

Buchtipp:

Julia Kotulla:

Wimmelbuch-Salzburg

Verlag der Wagner’schen

Buchhandlung,

16 S., € 19,95

Buchtipp:

Boldizsár M. Nagy:

Märchenland für alle

Dorling Kindersley Verlag,

180 S., € 17,95

darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder in einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des

Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.


© Leykam

Bücher

Stierle

Salzburg

Mari Lang zu Gast

bei Bücher Stierle

Von rosa Häkeldeckchen, Prosecco und einem Podcast,

der mit Geschlechterklischees aufräumt…

Es gibt noch

verdammt viel

zu tun.

Mari Lang

Frauen trinken gerne Prosecco, lieben rosarote

Roben und sind zu jeder Tages- und

Nachtzeit bereit für intensive Gespräche.

Diese Vorstellung von Weiblichkeit kursiert

nach wie vor in unserer Gesellschaft, und

besonders prominenten Frauen werden in

Interviews am berühmten roten Teppich

nicht selten indiskrete Fragen zu ihrem

Beziehungsstatus, zur Vereinbarkeit von

Beruf und Familie oder zu Ernährungsoder

Beautyroutinen gestellt. Diese Fragen,

so die Feststellung der Journalistin Mari

Lang, werden Männern selten oder gar

nie gestellt. Zumindest bis jetzt. In ihrem

neuen Buch Frauenfragen: Männer antworten

(Leykam Verlag), dreht die Journalistin

und Moderatorin Mari Lang den Spieß um

und stellt all diese indiskreten Fragen ihren

männlichen Interviewpartnern und setzt

damit Debatten über ungerechte Rollenverteilung

in Gang. Ihrem neuen Buch liegt

der gleichnamige, preisgekrönte Podcast zugrunde,

Mari Langs Gäste sind Prominente

aus allen gesellschaftlichen Schichten. So

nehmen zum Beispiel der ehemalige SPÖ-

Politiker Christian Kern, aber auch Kabarettist

Dirk Stermann oder Reality-TV-Star

und Bauunternehmer Richard Lugner zum

Interview in Mari Langs Studio Platz. Viele

dieser Männer reagieren auf „Rote-Teppich-Fragen“

von Mari Lang verblüfft, und

in gewisser Weise lesen sich die Interviews,

die in diesem Buch versammelt sind, auch

als eine Fortsetzung des unterhaltsamen

wie preisgekrönten Podcasts – sie sind gespickt

mit vielen Aha-Effekten. Erfrischend

in Podcast und Buch ist der spielerische

Umgang mit Gleichstellungsfragen. Mari

Lang, selbst Mutter zweier Kinder und

Feministin, unterschreibt allerdings nicht

jede Spielart Feminismus. Sie sagt: „Mein

Ansatz ist der, dass man nur über das Verstehen

zu einem Ziel kommt. Und wenn das

Ziel lautet, die Lebensrealität des anderen

Geschlechts zu verstehen, dann müssen

Frauen mit Männern reden, und sie danach

fragen, was sie interessiert.

Mari Lang, 1980 in Eisenstadt geboren, ist Journalistin

und Moderatorin diverser Radio- und Fernsehformate

u.a. „Mein Leben – Die Reportage mit

Mari Lang“ und „Sport Aktuell“. Seit 2020 betreibt

sie den Podcast „Frauenfragen“, der 2021 zum

besten feministischen Podcast Österreichs gewählt

wurde und mehrmals auf Platz 1 der Podcast-Charts

war. Soeben ist ihr gleichnamiges Buch im Leykam

Verlag erschienen.

© Leykam

Wo Ideen sich tummeln

Seit einigen Jahren gibt es in der kleinen,

schönen Buchhandlung Stierle neben

zahlreichen Kinderbüchern und belletristischen

Werken auch eine wachsende

Abteilung mit feministischer Literatur. Den

vier Buchhändlerinnen von Bücher Stierle

war eine Lesung mit Mari Lang deshalb

ein Herzenswunsch. In der Buchhandlung

Stierle wird gemeinsam mit Autor*innen

und Künstler*innen gesellschaftliche Vielfalt

gefeiert, sei es zu Anlässen wie dem

Weltfrauentag am 8. März, oder dem Tag

der unabhängigen Verlage. Die Buchhandlung

Stierle versteht sich nicht als

Geschäft, sondern als Ort der Begegnung.

So wurden hier schon viele Sonnengrüße

bei Yogastunden praktiziert oder die Buchhandlung

für ein gemütliches Abendessen

und anschließendem Schmökern vermietet.

Für die Veranstaltung mit Mari Lang wird

schon fleißig gebrainstormt. Eines ist jetzt

schon gewiss: es wird bestimmt lebhafte

Diskussionen geben, und der Humor wird

nicht zu kurz kommen. Das Team der

Buchhandlung Stierle lädt Sie herzlich zu

diesem Abend ein.

© XXX

Buchtipp:

Mari Lang:

Frauenfragen: Männer antworten

Leykam Verlag,

216 S., € 22,00

Lesung:

Lesung mit Mari Lang

„Frauenfragen: Männer antworten“

(Leykam)

Fr., 01. April 2022, 19:00 Uhr

Bücher Stierle, Kaigasse 1,

Salzburg

Eintritt € 8,00

Die Veranstaltung findet unter

Einhaltung der aktuellen Corona

Maßnahmen statt. Um Voranmeldung

wird gebeten unter:

0662/840114 oder

buch@buecher-stierle.at


Bücher im historischen

Gewölbe

Unser Geschäft in der Altstadt lädt zum

Schmökern und Staunen ein.

Coffee to stay und ein

gutes Gefühl to go

Das und noch viel mehr bietet unser

Lieblingscafé Momo

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag: 9:00 – 18:30 Uhr

Samstag: 9:00 – 17:00 Uhr

Montag: Ruhetag

www.cafe-momo.at

© Wagner’sche © Bernhard Aichner / Wagner’sche

© Miriam Bangert / Tamerl

Zugegeben. Es war ein mutiger Schritt, mitten

in der Pandemie unseren Büchershop in

der Altstadt zu verwirklichen. Zu coronabedingten

Lockdowns kam dann auch noch

eine Baustelle vor unserer Haustür dazu. So

gab es auch bei uns Tage des Zweifelns, ob

sich unsere kleine Dependance im historischen

Gewölbe zu einem Anlaufpunkt für

Einheimische und Gäste entwickeln würde.

Doch wer unser Team der Buchhandlung

kennt, der weiß, wir sprühen vor Optimismus

und positiver Energie. Mit unseren

wunderbaren Ideen wollen wir ein bibliophiles

Publikum mit besonderen Büchern,

Geschenkideen und Souvenirs abseits des

Mainstreams begeistern. Ganz zu schweigen

davon, dass unser Geschäft unter den

Lauben schon für sich eine Sehenswürdigkeit

darstellt.

Somit dürfen wir an dieser Stelle auch einmal

stolz auf das zurückblicken, was uns

gelungen ist und schicken unseren kleinen,

feinen Altstadtshop auf jeden Fall in die

Verlängerung. Nach einem Jahr voller

Höhen und Tiefen geht es mit Zuversicht

weiter. Wir bleiben unserem neuen Standort

treu und freuen uns, wenn noch mehr

Einheimische und Reisende aus der ganzen

Welt den Weg zu uns in die Altstadt finden,

um sich mit einer Lektüre für die sonnige

Bank im Hofgarten zu beschenken oder ein

Erinnerungsstück an einen unvergesslichen

Urlaub mitzunehmen.

Daniela Pergher ist unsere Frau vor Ort,

die nicht nur für ein abwechslungsreiches

Sortiment mit schönen Überraschungen

verantwortlich zeichnet, sondern auch

gerne Auskunft über die historische Be-

deutung der wunderschönen Räume gibt.

Wir wollen mit diesem Standort daran

erinnern, dass die Geschichte der Wagner’-

schen Buchhandlung 1639 in der Innsbrucker

Altstadt begann! Dieser Tradition

wollen wir weiterhin folgen und schreiben

damit die Geschichte der Wagner’schen

Buchhandlung weiter.

16

Wagner’sche.

Wer nach einer ausgiebigen Büchersuche

eine Pause braucht, wer sich noch an Ort

und Stelle in seine neue Lektüre vertiefen

möchte oder wem vor einer Runde durch die

Stadt nach einer Stärkung ist, der ist in unserem

lichtdurchfluteten Café Momo bestens

aufgehoben. Hier treffen sich Bücherfans

und Kaffeeconnoisseure gleichermaßen wie

Buchhändler*innen und erholungssuchende

Stadtbummler*innen. Ein Ort, an dem sich

nicht nur über Bücher ausgezeichnet reden

lässt, sondern ein offener Treffpunkt für alle,

die in gemütlicher Atmosphäre eine kleine

Auszeit und selbst gemachte Köstlichkeiten

genießen möchten: Ein Cappuccino, dessen

cremiger Milchschaum seinesgleichen sucht,

ein Brownie, der so unwiderstehlich ist, dass

man gleich noch einen zweiten bestellt, eine

Auswahl an vegetarischen Frühstücks- und

Mittagsgerichten, die alles andere als ge-

wöhnlich sind. Doch nicht nur kulinarisch

verwöhnen Chris Speicher und sein wunderbares

Team ihre Gäste, sondern auch mit

einer Herzlichkeit, die selbst bei großem Andrang

nie zu kurz kommt. Und wenn dann

erst die Terrasse ihre Pforten wieder öffnet

und man dabei frische Luft und Sonne tanken

kann, dann will man eigentlich nur eins:

kommen, um zu bleiben!

Das sagen unsere Gäste:

„Mit dem Café Momo ist die Wagner’sche

zu einer noch schöneren Wohlfühloase mitten

in der Innenstadt geworden. Es gibt nichts

Vergleichbares in Innsbruck und wenn wir

Freunde zu Besuch haben, dann ist eines der

Highlights immer unser Buchcafé!“ Maximilian

„Endlich kommt zusammen, was zusammengehört.

Eine gepflegte Kaffeehaus-

kultur und Bücher! Egal ob ich alleine da

bin oder mit Freundinnen, ich fühle mich

immer willkommen.“ Christina

„Seit ich mein Baby habe, weiß ich eine angenehme

Umgebung ohne penetrante Musik

besonders zu schätzen. Hier gibt’s immer

was zum Schauen und für mich eine kleine

Auszeit mit Cappuccino und dem megaguten

Cheesecake.“ Julia mit Leni

Einladung zum Kaffee!

Ab einem Einkauf von € 30,00 laden wir

im April auf einen Kaffee (oder Tee oder

Kakao) ins Café Momo ein.

Die Gutscheine gibt es direkt an der

Kassa. Gültig von 1. – 30.4.2022, solange

der Vorrat reicht!


Ausmalspaß & Puzzlefreuden

Regionale und kreative Geschenkideen für Groß und Klein

Geschichten aus dem Leben

Innsbruck aus verschiedenen Blickwinkeln

Die Lechauen

Das Piller Moor

Das Forchet

Der Silberwald

Der Obernberger See

Landeck

Buchtipp:

Reutte

Imst

Das Mühlauer Fuchsloch

Katharina Marschall & Olga Reiff

Mein Tiroler Naturschätze-Buch

Verlag der Wagner‘schen

Buchhandlung

34 S., € 9,95

Innsbruck

Innsbruck Land

Die Tischoferhöhle

Mit 9

Geschichten

& 10 Ausmalbildern.

Kufstein

Kitzbühel

Schwaz

Lienz

Katharina Marschall & Olga Reiff

mein Die Teufelsgasse tiroler

Naturschätze-Buch

Mit Walli und Maxl durch die neun Bezirke Tirols

Der Alte See

© Katharina Marschall & Olga Reif

Der Kreativität freien Lauf lassen und

dabei ganz spielerisch die Tiroler Natur und

die Heimat kennenlernen. Das bietet unser

neues Ausmalbuch für kleine Künstler

ab ca. 4 Jahren, das von der Wirtschaftskammer

Tirol produziert wurde. Mit dem

Tiroler Naturschätze-Buch lässt sich eine

kunterbunte Erkundungstour durch das

ganze Land vom Kinderzimmer aus starten.

Die beiden Abenteurer Walli und Maxl

führen ihre neugierigen Beobachter zu ihren

Lieblingsplätzen und haben jede Menge

Spaß im Gepäck. Ob im Wald, am Flussufer

oder in einer Höhle, überall erleben sie

spannende Abenteuer und nehmen ganz

nebenbei viel Wissenswertes über Tiere,

Pflanzen und Natur mit. Alle Tiroler Bezirke

sind mit einem wunderschönen Ausmalbild

und einer kindgerechten Geschichte

in diesem Buch vertreten und machen auch

den Eltern garantiert Lust auf neue Ausflugsziele.

Bei jedem der neun Bilder haben

die Kinder außerdem die Möglichkeit, ihren

persönlichen Naturschatz zu entdecken und

hinten im Buch zu verewigen.

Von jedem verkauften Buch geht 1 € an die

Tiroler Kinderkrebshilfe!

Familiengeschichte wird lebendig! In unserer

lieb gewonnenen Reihe „Erinnerungen an

Innsbruck“ dürfen wir in diesem Frühjahr

zwei neue Bände vorstellen.

Zwei Autoren plus ein Stadtteil ergibt

Zweierlei Dreiheiligen: Monika Fabjan und

ihr Sohn Georg Fabjan betrachten ihr Viertel

aus zwei unterschiedlichen Perspektiven und

schreiben damit abwechslungsreiche Geschichten

mit Geschichte: von der Kohlstatt

über das Dreiheiligen der Nachkriegszeit bis

hin zum jungen, urbanen Viertel heute. Die

Erinnerungen spannen einen weiten Bogen

über die Epochen und umfassen insgesamt

drei Generationen Familiengeschichte aus

fast hundert Jahren Dreiheiligen.

Mit Ein Innsbrucker Western führt uns

Wilhelm Giuliani in die Höttinger Au, wo

seine Großeltern nach dem Krieg außer

sumpfigen Wiesen nicht viel mehr vorfanden.

Wie konnte hier ein Stadtteil entstehen? Wie

lebten die Leute? Der Journalist begibt sich

auf die Spuren seiner Familiengeschichte

und stößt dabei auch auf so manche Überraschung:

den großen Flugzeugcrash von

1964, die folgende Krise des Flughafens, ein

in Vergessenheit geratenes Lusthaus und

spektakuläre Verbrechen, die sich in der Vorstadtidylle

zugetragen haben.

Buchtipp:

Wilhelm Giuliani:

Ein Innsbrucker Western

Verlag der Wagner’schen

Buchhandlung,

200 S., € 14,95

Buchtipp:

Monika und Georg Fabjan:

Zweierlei Dreiheiligen

Verlag der Wagner’schen

Buchhandlung,

188 S., € 14,95

Veranstaltungstipp:

Am 20. April 2022 wird das

Buch von Wilhelm Giuliani

in der Wagner‘schen Buchhandlung

präsentiert.

Beginn 19:30 Uhr, Eintritt frei.

Neue

Puzzles

Wimmelpuzzles

Innsbruck

(100 Teile)

€ 19,95

© Wagner’sche

Da es so großen Spaß macht, gemeinsam

mit Kindern Wimmelbücher anzusehen,

werden demnächst im Verlag der Wagner’-

schen Buchhandlung auch Wimmelpuzzles

erscheinen. Puzzles sind ein wunderbarer

Zeitvertreib, stärken die kognitive

Entwicklung und das Staunen über das

Ergebnis ist jedes Mal wieder ein großes

Vergnügen. Illustratorin Bettina Egger

hat zusammen mit Maria Kittler 2019 das

erfolgreiche „Innsbruck-Wimmelbuch“ in

unserem Verlag veröffentlicht, kurz darauf

folgte das „Tirol Wimmelbuch“. Ihre

Recherchetouren für diese Wimmelbücher

waren aufwändig! Sie haben viele Menschen

in den einzelnen Bezirken getroffen, sind

gewandert, haben Vögel und andere Tiere

beobachtet, waren bei Stadtführungen

dabei, trotzten Wind, Regen und Kälte. Da

wir in jede einzelne Seite unserer Wimmelbücher

verliebt sind, haben wir entschieden,

gleich drei verschiedene Wimmelpuzzles

zu produzieren: die Innsbrucker Hofburg,

Schloss Ambras und ein Motiv aus dem

Roten Kreuz-Wimmelbuch, das ebenso von

Bettina Egger gestaltet wurde.

Peter Walder-Gottsbacher ist Sammler von

alten Fotografien und Ansichtskarten zur

Innsbrucker und Salzburger Geschichte und

gehört als langjähriger Mitarbeiter zum „Urgestein“

der Wagner‘schen Universitätsbuchhandlung.

Der kunst- und kulturbegeisterte

„Zugereiste“ unternimmt in einem neuen

Buch einen Spaziergang durch die historischen

Innsbrucker Stadtviertel Anpruggen

und Hötting. Letzteres war einst das größte

Dorf Österreichs, ehe es während der Zeit

des Nationalsozialismus in Innsbruck

eingemeindet wurde, während Anpruggen

die heutigen Stadtteile St. Nikolaus und

Mariahilf umfasste. Walder-Gottsbacher

führt uns von der malerischen Mariahilfstraße

durch den abenteuerlichen Verkehr

in der Höttinger Gasse, deren mangelhafter

sanitärer Zustand den Innsbrucker Gemeinderat

des Öfteren beschäftigte, hinauf

zu den Höfen und Ansitzen Höttings. Auf

unserer Reise in die Vergangenheit begegnen

uns in zahlreichen Fotografien, Annoncen

und Postkarten Kuriositäten und originelle

Gestalten in diesem Dorf, das in der Stadt

aufgehen sollte.

© Peter Walder-Gottsbacher

Buchtipp:

Peter Walder-Gottsbacher:

Es war einmal in Hötting und

Anpruggen

Verlag der Wagner‘schen

Buchhandlung,

224 S., € 19,95


Tirol glänzt auch im

Frühjahr 2022

Nach einem tollen Herbst wird auch das Frühjahr 2022

höchst interessant ... von Robert Renk

Friederike Gösweiner und Robert Renk, Foto © Thomas Schrott

Vor allem lyrisch hat das Frühjahr einiges

zu bieten. Da gibt es endlich den neuen Gedichtband

von Christoph W. Bauer an den

hunden erkennst du die zeiten. Als Streuner

zwischen den Zeiten, der Zusammenhänge

entdeckt und sie poetisch festhält, lernen

wir den großen Lyriker – einmal mehr –

kennen. Unter anderem ein Anlass für

das Internationale Lyrikfestival W:ORTE,

ihn zu einem besonderen Abend mit dem

Tiroler Kammerorchester InnStrumenti

einzuladen. Für uns ein Anlass ihn zum

Interview zu bitten. Evelyn Bubich hat das

für uns ganz wunderbar übernommen;

nachzulesen auf S. 52.

Auch ein neuer Gedichtband von

Sabine Gruber erschien heuer. Sie nennt

ihren Band Am besten lebe ich ausgedacht /

Journalgedichte. Und als Journal ist es auch

angelegt: Erinnerungsstücke werden zu

poetischen Ereignissen, persönliche Verluste

werden in Form von lyrischen Tagebuchfragmenten

über das Abschiednehmen, Bewahren

und Weitermachen verarbeitet und

gewinnen dadurch etwas Nachdrückliches.

Erinnerungsstücke

als Poesie ...

Diese großartige Dichterin vermag es,

persönliche Schicksalsschläge in allgemein

gültige poetische Formeln zu verwandeln,

wie es nur selten zu lesen ist. Natürlich wird

auch Sabine Gruber beim Internationalen

Lyrikfestival W:ORTE lesen. Mehr zum im

Juni stattfindenden Festival finden Sie auf

Seite 54.

Auch Joseph Zoderer legt mit Bäume

im Zimmer (Haymon) einen neuen Gedichtband

vor. Persönlich freue ich mich

vor allem auf das Debüt Azur – Ton –

Nähe, von Siljarosa Schletterer. Und der

wurde nicht nur hervorragend lektoriert,

sondern vor allem kongenial illustriert.

Und wen holt man sich, wenn Wasser das

bestimmende Thema eines Gedichtbandes

ist? Natürlich den Tiroler Künstler Franz

Wassermann ;-).

Eine Autorin, die wir in Tirol vor allem

als Lyrikerin kennen, legte ihren ersten

Roman vor. Wunderbar direkt und wie wir

es aus ihren Erzählungen kennen, schildert

C. H. Huber in Sagtest du Liebe die

Gefühlswelt von Paula, in den Sechzigern

und frisch getrennt von Richard. Nicht mit

ihm, nicht ohne ihn, nach zwei Jahrzehnten,

nach Lust & Eifersucht, nach Trennungen

und Wiedervereinigungen reflektiert Paula

recht unkonventionell und frech über gesellschaftliche

Veränderungen vom Ende

der 90er-Jahre bis ins erste Jahrzehnt des

zweiten Jahrtausends, spricht sehr offen

über Sex im Allgemeinen und Speziellen.

Einen neuen Roman gibt es in diesem

Frühjahr auch von Erika Wimmer Mazohl

auf den ich schon sehr gespannt bin. Wolfs

Tochter behandelt eine prägende Lebensphase

von Erika Danneberg, Autorin,

Psychoanalytikerin und Friedensaktivistin.

Sie würde heuer ihren 100. Geburtstag feiern.

Ich hatte das Vergnügen ihre Schwester

Hedy Danneberg, die man in Innsbruck

auch als Schauspielerin erleben konnte,

noch zu kennen. Und mit dem großartigen

Lyriker Arthur West hatten wir auch einen

gemeinsamen Freund. Mal schauen, ob er

im Roman herumgeistert.

Ein Roman aus dem Jahre 2006 wird

von Haymon neu aufgelegt. Der damals

aufstrebende Autor heißt Bernhard Aichner

und sein Roman Nur Blau. Der Titel ist

Programm, geht es doch um Yves Kleins

„Blau“. Dieses Bild, dieses spezielle Blau,

verbindet die verschiedensten Figuren.

Aufbau und überraschendes Zusammenspiel

der Szenen und Figuren, die durch das

Motiv des Bildes verknüpft sind, zeugen

schon von der literarischen Meisterschaft

Aichners, mit der er später das Thrillergenre

im deutschsprachigen Raum erfolgreich

eroberte.

Einen der tollsten Romane des Jahres

haben wir ebenfalls einer Tirolerin zu verdanken.

Mit Traurige Freiheit (Droschl)

hat Friederike Gösweiner 2016 ihr Debüt

gegeben und wurde u.a. zur Innsbruckliest-Autorin

2017. Ich erinnere mich noch

gut an diese Innsbruck-liest-Zeit. Wirklich

ein Roman, der zur Diskussion und zum

Gespräch anregen konnte, ging es u.a. doch

darum zu zeigen, unter welchem Druck die

Protagonistin Hannah steht, die einerseits

ihre Chance in einem Volontariat bei einer

großen Zeitung in Berlin sieht, andererseits

ihre Liebe in Tirol dafür aufs Spiel setzt.

Am Ende geht beides irgendwie flöten, wir

aber haben einen grandiosen Roman in der

Hand. Einen Roman, der zwischenmenschlich

alle poetischen Stückerln spielt und

aktuell das virulente Problem des Prekariats

erstmals (für mich zumindest) in die Literatur

einbringt.

Einfühlsam und stilsicher ...

Die Thematik wird in Regenbogenweiß

weiter gefasst, die Poetik bleibt. Die

Berufsbedingungen – nun im universitären

Rahmen zwischen London, Paris und den

Niederlanden – spielen eine untergeordnete

Rolle. Vielmehr geht es nun darum, wie eine

große, unerwartete Leerstelle viele Kleinere

ans Lebensufer spült. Der Roman beginnt

mit dem Tod von Hermann. Marlene, seine

Frau und die beiden Kinder Filippa und

Bob trauern je auf ihre Weise. Und alle

werden sich durch diesen Verlust klarer

darüber, welche sonstigen Leerstellen sie

in ihrem Leben herumgetragen haben. Wie

sie diese zu füllen versuchen, in einer Zeit

zwischen Dezember 2014 und Mai 2016, in

der wir Flüchtlingsströme mit der dazugehörenden

steigenden Ausländerfeindlichkeit

oder Terroranschläge in halb Europa

erleben mussten, davon erzählt dieser grandiose

Roman einfühlsam und stilsicher.

Die Fantasy blüht groß

im Kleinen ...

Immer mehr blüht der Markt im Bereich

neuer Kleinverlage und dem selfpublishing.

Vor allem die Fantasycommunity scheint

diese Art der Öffentlichkeit für sich

entdeckt zu haben. Tiroler Autorinnen

wie Sara Erb (Chelsea Stern/Lichtmagie

adakia) oder Catherine Snow (Akademie

im Niemals) greifen darauf zurück. Dieses

Phänomen wollen wir begleiten, lesen Sie

dazu weiter auf Seite 58.

Ein neuer Kleinverlag ist auch für das

Romandebüt des Musikers Mark A. Maier

verantwortlich. Im Jänner erschien Mila!

Ein Hauch von Zimt. Darin zeigt er wie

realistisch Träume sein können und wie

wertvoll es ist, dafür zu kämpfen. Und

ein Roman, in dem die Hauptfigur Robert

heißt, muss natürlich gut sein! Im Rahmen

der Labelpräsentation von leash the dog

wird er daraus lesen (siehe S. 32).

An der Krimifront glänzt einmal mehr

Bernhard Aichner mit dem dritten Teil seiner

Bronski-Serie. Einmal mehr zeigt er, wie

grandios er seine Schurken zeichnen kann

und in welch unfassbarer Harmlosigkeit

das Böse erscheinen kann. Aber auch Jan

Beck – alter ego von Joe Fischler – meldet

sich mit dem dritten Band seiner Björk und

Brandt-Reihe. Grotesk drapierte Mordopfer,

von Lissabon über Salzburg und eine

junge, europäische, elitäre Gruppe mit tödlichen

Geheimnissen.

Und Martin Fritz? Zu einer Art europäischen

Elite würde ich ihn tatsächlich

zählen. Sein Geheimnis ist aber wohl nicht

tödlich. Lieber beschäftigt er sich mit Meerjungfrauen

oder Dragqueens, mit Internetmöglichkeiten

– und Unmöglichkeiten.

Am 3. März saß er gemeinsam mit Kathrin

Röggla am Lesepult im Rahmen der

Grenzgänge-Reihe im Literaturhaus. Ob er

dabei aus seinem neuen Romanmanuskript

gelesen hat, ist bis Redaktionsschluss nicht

überliefert. Wir bleiben am Ball.

Buchtipps:

Christoph W. Bauer:

an den hunden erkennst du

die zeiten

Haymon Verlag

104 S., € 19,90

Sabine Gruber:

Am besten lebe ich ausgedacht

Haymon Verlag

48 S., € 18,00

Siljarosa Schletterer:

azur ton nähe

Limbus Verlag

96 S., € 15,00

Erika Wimmer Mazohl:

Wolfs Tochter

Ed. Laurin Verlag

200 S., € 22,00

Friederike Gösweiner:

Regenbogenweiß

Droschl Verlag

344 S., € 24,00

C. H. Huber:

Sagtest du Liebe

TAK Verlag

227 S., € 16,60

Catherine Snow:

Akademie im Niemals

bookapi Verlag

506 S., € 16,50

Mark A. Maier:

Mila! Ein Hauch von Zimt

BRINKLEY Verlag

252 S., € 13,90


Sprachspiele und

Wortzauberei

Eine Lobrede auf Heinz Janisch von Maria Neumayr

Zwischen Inspiration

und Zuversicht

Bestsellerautor Jan-Philipp Sendker ist wieder zu Gast

in der Wagner’schen. Interview von Gerlinde Tamerl

Buchtipp:

Heinz Janisch und

Michael Rohrer:

Jaguar, Zebra, Nerz

Tyrolia Verlag,

32 S., € 16,95

Buchtipp:

Heinz Janisch und Helga

Bansch:

Angsthase

Jungbrunnen Verlag,

32 S., € 15,00

Der heurige Nerz wird ein guter Monat für

die Wagner’sche! Das erhoffen wir uns natürlich

generell für jeden Monat, beim Nerz

sind wir uns dessen allerdings bereits sicher,

weil wir – so es die Veranstaltungs-Götter

wollen – Heinz Janisch bei unserem halbjährlich

stattfindenden Bibliotheksabend

begrüßen dürfen. Wer jetzt denkt, das Lektorat

müsse im ersten Satz dieses Beitrags wohl

einen groben Fehler übersehen haben, der

dürfte noch nicht allzu viel mit Heinz Janisch

in Kontakt gekommen sein. Verehrte Hasen

aus allen Ländern, das werden wir sogleich

bereinigen!

Wer so lange und erfolgreich Kinderbücher

verfasst hat wie Heinz Janisch, dessen

Ausdrucksweise muss schon etwas ganz

Besonderes an sich haben. Und genau das

ist bei Janisch der Fall – ein Lyriker durch

und durch, baut er oftmals mit nur wenigen

Worten ganze Welten, während er gleichzeitig

mehr als genug Freiraum für die

eigene Fantasie der Leser*innen lässt. Seine

Werke lesen sich luftig-leicht und spielerisch

und zeigen, wie viel man wirklich aus

© Brigitte Friedrich

unserem am häufigsten genutzten Alltagsinstrument

– der Sprache – herausholen

kann. Mit viel Wortzauberei lesen sich

Janischs Kinderbücher allesamt wie Liebeserklärungen

an die unzähligen Facetten der

deutschen Sprache.

„Mir ist wichtig, dass Kinder Bücher als

Geschenk erleben, wie eine Art Wundertüte:

Man macht sie auf und lässt sich überraschen“.

Genau diesen Effekt erzielt jedes

Kinderbuch von Heinz Janisch. In seinem

typischen, lyrischen Ton schreibt er schon

seit Jahrzehnten besondere, einzigartige

Geschichten und Gedichte, die Jung genauso

wie Nicht-mehr-ganz-so-Jung begeistern.

Behandelt werden darin zeitlose, allgemein

beliebte Themen wie Liebe, Freundschaft,

Zugehörigkeit oder Anderssein, allerdings

nie so, wie man es erwarten würde und stets

auf eine frische, untypische Art. Mittlerweile

gibt es zahlreiche Übersetzungen

seiner Werke und er wurde mit den verschiedensten

Preisen ausgezeichnet, unter

anderem mit dem Österreichischen Kinder-

und Jugendbuchpreis, dem Bologna

Ragazzi Award sowie dem Österreichischen

Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Wir freuen uns sehr, einen der wichtigsten

österreichischen Lyriker und Kinderbuchautoren

der Gegenwart im Nerz bei

unserem Bibliotheksabend begrüßen zu

dürfen. Dort wird uns Buchhändler*innen

sowie den geladenen Bibliothekar*innen

die Ehre zuteil, dem meisterhaften Sprachspieler

und Wortzauberer zuhören zu

dürfen! Sollten Sie noch nie in den Genuss

eines Heinz Janisch-Buchs gekommen sein

(oder falls Sie sich einfach nur fragen, was

es mit dem Nerz und den Hasen in diesem

Beitrag auf sich hat), möchten wir Ihnen

seine beiden Kinderbücher Angsthase

(Jungbrunnen, 2020) und Jaguar, Zebra,

Nerz (Tyrolia, 2020) ans Herz legen –

Wer Sprachspiele und Wortzauberei liebt,

wird viel Spaß an diesen beiden Büchern

haben.

22

Wagner’sche.

Sie gehen in Ihrem Roman „Die

Rebellin und der Dieb“ der Frage

nach, was geschieht, wenn Menschen

ihre gesicherte Existenz verlieren.

Warum wollten Sie sich mit diesem

Thema literarisch beschäftigen?

Aus verschiedenen Gründen. Ich finde die

Frage, wie weit wir in der Not gehen würden,

sehr spannend. Wer weiß das schon?

Wie gut kennen wir uns? Davon wollte ich

erzählen. Der Roman spielt unter anderem

in einem Armenviertel in einem asiatischen

Land. Ich habe über die Jahre dort viel

recherchiert, das Elend gesehen und wollte

Menschen eine Stimme geben, die sonst

keine haben. Und ich wollte von Menschen

erzählen, die auch in größter Not nicht

aufgeben, die sich engagieren, die selbstlos

handeln. Auf meinen Reisen traf ich immer

wieder Menschen, die mich mit ihrem Mut,

ihrer Bereitschaft, Opfer für andere zu

bringen, sehr berührten und inspirierten.

So hoffe ich, dass der Roman, trotz des

ernsten Themas und der dunklen Seiten

ein mutmachendes Buch geworden ist.

Ihre Werke, u.a. „Das Herzenhören“

hat bei Ihrem Lesepublikum

Begeisterung ausgelöst. „Dieses Buch

ist magisch, jedes Wort ist voll von

Kraft“, heißt es in einer Leserstimme.

Zuversicht, Zusammenhalt und

Wille zur Veränderung ziehen sich

leitmotivisch durch Ihre Texte. Wie

kommt das?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Ich schreibe Bücher, die ich selbst gern lesen

würde. Sie handeln von Themen, die mich

intensiv beschäftigen, darunter ja auch

traurige, schmerzhafte. Aber ich möchte mit

meinen Geschichten auch Hoffnung geben,

Zuversicht, wie Sie sagen. Vermutlich weil

ich am Ende des Tages ein hoffnungsvoller,

zuversichtlicher Mensch bin, der fest an das

Gute in uns glaubt.

Sie waren Asienkorrespondent,

haben aber auch als freier

Schriftsteller viele Reisen nach

Asien unternommen. Welche

Bedeutung hat diese Region für Ihre

schriftstellerische Arbeit?

Ich habe jetzt sieben Romane und zwei

Sachbücher geschrieben, alle sind in Asien

© Frank Suffert

angesiedelt. Sie sehen, dass dieser Erdteil

eine große Rolle für mich spielt, ganz

besonders Nordost- und Südostasien.

Ich erfahre dort große Inspiration, mich

faszinieren die Menschen, ihre Geschichten,

ihre Kulturen und Religionen, die ja sehr

unterschiedlich sind. Alles war zunächst

sehr fremd für mich, es gab so viel zu verstehen

und zu lernen. Ich glaube, dass ich

von Natur aus ein sehr neugieriger Mensch

bin, in der Fremde fühle ich mich wohl, weil

es viel zu entdecken gibt. Hinzu kommt,

dass viele der Länder eine faszinierende Geschichte

haben, gerade in den vergangenen

Jahrzehnten ist dort viel passiert. Denken

Sie etwa nur an China, Vietnam oder

Burma. Was haben diese Gesellschaften für

Veränderungen durchgemacht! Sie sind so

voller Geschichten. Dort recherchieren zu

können und davon zu erzählen, erlebe ich

als großes Privileg.

Jan-Philipp Sendker, geb. 1960 in Hamburg, war

viele Jahre Amerika- und Asienkorrespondent des

Stern-Magazins. Heute lebt er mit seiner Familie

in Potsdam. Seine Romane sind in mehr als 35

Sprachen übersetzt. Mit weltweit über 3 Millionen

verkauften Büchern ist er einer der aktuell erfolgreichsten

deutschsprachigen Autoren.

Buchtipp:

Jan-Philipp Sendker:

Die Rebellin und der Dieb

Blessing Verlag, 320 S., € 22,70

Veranstaltungstipp:

Jan-Philipp Sendker

Moderation: Gerlinde Tamerl

Mo., 21. März 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card


© Kurt Kaindl

Buchtipp:

Karl-Markus Gauß:

Die Jahreszeiten der Ewigkeit

Zsolnay Verlag,

320 S., € 25,70

Ich bin ein

fast religiöser

Anhänger

des Alltags

Karl-Markus Gauß

24 Wagner’sche.

Dieses Magazin erscheint an dem

Tag, an dem du in Leipzig mit

dem Buchpreises zur Europäischen

Verständigung ausgezeichnet wirst.

Die Leipziger Buchmesse ist nun zum

dritten Mal hintereinander abgesagt.

Kannst du uns schildern, wie die

Preisübergabe in etwa vonstatten

gehen wird?

Ich nehme an, dass die Buchmesse bei der

Preisverleihung eine Art von symbolischer

Repräsentanz zeigen wird. Die von den

Großverlagen im Stich gelassenen Leute

der Buchmesse werden damit sagen: Seht

her, es gibt uns noch und wir werden nicht

aufgeben! Daher erhält die Preisverleihung,

die jetzt als einziges von der Buchmesse

überbleibt, wesentlich mehr Gewicht, als

ihr üblicherweise zukommt, und dass damit

viel mehr auf meinen schwachen Schultern

lastet, erlebe ich nicht als angenehm.

Was bedeutet dir dieser Preis?

Ich habe in meinem Leben einige Preise

bekommen und alle haben mich gefreut.

Ich bin ja nicht Thomas Bernhard, der

Karl-Markus

Gauß wird ausgezeichnet,

schreibt

ausgezeichnet

und antwortet ausgezeichnet,

meint

Robert Renk

reichischen Universitäten, ihrer Öffnung für

sozial schwächere Gruppen geschehen ist

und später wieder rückgebaut wurde, würde

es verdienen, mit ihrem Namen verbunden

zu bleiben. Ihr Name bleibt aber damit verbunden,

dass sie bei einer Preisverleihung

an Bernhard seelig entschlummerte. Sie ist

übrigens auch bei meiner Sponsion an der

Uni Salzburg 1979 eingenickt und nur die

größten selbstverliebten Spießer haben es

ihr übelgenommen. Die feine Dame hat

den Ordinarien, die damals noch Halbgötter

und zwar ausnahmslos männliche

Halbgötter waren, ordentlich den Schneid

abzukaufen gewusst.

Ich habe mich über Preise also immer

gefreut, aber auch nicht wieder so, dass ich

mein Glück an sie gehängt hätte. Man soll

sie nehmen, ohne gerührt zu sein, weil sie

ja das Ergebnis einer bestimmten Konstellation

von Jurien sind, aber man braucht

auch nicht, wie es Antonio Fian einmal

trefflich ausgedrückt hat, aufs Podium

treten und Urkunde und Scheck entgegennehmen,

als würde dort der Galgen auf

einen warten. Abgesehen davon glaube ich

Karl-Markus

Gauß

zu wissen, dass der Preis für Europäische

Verständigung schon einer ist, der ziemlich

gut zu mir passt.

Im Band „Ruhm am Nachmittag“

(dtv 2014) hat man deinen ersten

Krimi lesen können. Nun – im neuen

Journalband „Die Jahreszeiten der

Ewigkeit“ – bekommt man Gedichte

von Karl-Markus Gauß zu lesen.

Wie kam es dazu und wie stehst du

zu Gedichten im Allgemeinen und im

Speziellen.

Das ist missverständlich, ich habe keine

Gedichte geschrieben für dieses Journal,

sondern zwei Reden von Kickl und Kurz

in Gedichtform gebracht, also stark verfremdet

und damit kenntlich gemacht.

Abgesehen davon lese ich jeden Tag ein

Gedicht, wie das ja auch manch andere

tun. Geschrieben habe ich das letzte in der

7. Klasse des Gymnasiums. Das war 1971

und eine Zeit, in der man als Bursche die

Mädchen tatsächlich damit beeindrucken

konnte, ein Leser oder gar ein Schreibender

zu sein. Man stand damals geradezu in

einem gewissen Eros, wenn man Gedichte

auswendig rezitieren oder über Novellen

und tragische Dichterbiographien erzählen

zwar alle Preise angenommen, aber stets

so getan hat, als hätten sich die Mächtigen

damit eine besonders infame Kränkung

für ihn ausgedacht. Wenn man etwa daran

denkt, wie er die Wissenschaftsminsterin

Hertha Firnberg noch Jahrzehnte später

dem Gespött preisgegeben hat, weil sie bei

irgendeiner Preisverleihung an ihn eingeschlafen

war. Die Frau hat im Krieg viel

mitgemacht, und sie war die beste Wissenschaftsministerin,

die es in Österreich jemals

gegeben hat. Alles, was an einer offenen,

demokratischen Entwicklung der österkonnte.

Das kann man sich heute kaum

mehr vorstellen.

Ich liebe Gedichte immer noch und nicht

mehr wegen dieses eher berechnenden Zugangs,

aber glaube heute doch, dass es nicht

edler ist, schlechte Sonette oder langweilige

Romane zu schreiben als gute Journale. Ich

anerkenne keine Hierarchie der literarischen

Formen.

Wir sind schon mitten drin in den

Jahren Journals, das Privates und

Weltereignisse von 2014 bis 2019

auf so stilsichere Art vereint, die die

Ironie in neuen Farben zum leuchten

bringt, aber nie in die durchaus

dunkle Farbskala des Sarkasmus

eintaucht. Hast du den Sarkasmus

arg zurückhalten müssen bei den

prägenden Themen dieser Zeit:

Flüchtlingskrise und Populismus?

Mitunter schon. Es finden sich übrigens

schon einige angemessen sarkastische

Passagen im Buch, aber, so hoffe ich keine

zynischen. Zynismus ist für mich eine besonders

perfide und geistig simple Form

von Kollaboration mit den schlechten Verhältnissen.

Der Zyniker möchte, dass alles

so schlecht bleibt, wie es ist, damit er sich in

seiner Misanthropie bestätigt finden darf.

Joachim Leitner in der TT schreibt:

„(Gauß) findet Weltbewegendes im

Kleinen und das Banale im ach so

Bedeutsamen.“ Könntest du dafür je

dein favorisiertes Beispiel nennen?

Nein, ich habe da keine Bestenliste. Aber

ich bin ein fast religiöser Anhänger des

Alltags; der muss gelingen, und zum Alltag

gehören nun mal die einfachen Dinge und

Gerätschaften, die wenig auftrumpfenden

Ereignisse, die kleinen, einfachen Genüsse.

Wer das Jahr über drauf wartet, dass er

bei der einen Kreuzfahrt, bei dem einen

großen Fest oder bei der einen Preisverleihung

glücklich sein wird, der hat schon

verloren und zwar zurecht. Ich war doch

im vergangenen Herbst lange im Krankenhaus

und wurde dort in etwas bestätigt, was

ich schon wusste: dass jene Kranken, die

dem Tod nahe sind, keineswegs Sehnsucht

nach der Reise in die Südsee oder nach

dem Abendessen im Haubenlokal haben,

sondern nach den alltäglichen Dingen:

einem Frühstück auf der Veranda, einem

besonderen Licht beim Blick aus dem

Fenster, dem Besuch der lästigen Enkelkinder.

Buchpräsentation:

Karl-Markus Gauß

Moderation & Gespräch:

Robert Renk

Do., 31. März 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card


© Leonhard Hilzensauer/Zsolnay

Buchtipp:

Elias Hirschl:

Salonfähig

Zsolnay Verlag,

256 S., € 22,70

Ich arbeite an

einem neuen

Roman zum

Thema digitalisierte

Fließbandarbeit

Elias Hirschl

26

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Der Bestseller Salonfähig ist enthüllender als

das Ibiza-Video und unterhaltsamer als die

Chat-Protokolle. Der Roman ist ein Abbild

und Abgesang einer unrühmlichen Ära. Elias

Hirschl setzt der Polit-Generation Slim-Fit

kein Denkmal, er führt sie vor und trägt sie

zu Grabe. Eine österreichische Tragikomödie

bester Güte. Unbedingte Leseempfehlung!

Du hast das Buch zur Stunde und des

Jahres 2021geliefert und bist jetzt

zu Recht sehr gefragt: kommst du

da jetzt überhaupt zum Schreiben

oder genießt du es ohnehin, gerade

literarischer Polit-Spezialist zu sein?

Ich komme in der Tat gerade viel zu wenig

zum Schreiben, weniger als mir eigentlich

lieb wäre. Dafür bin ich quasi gezwungen,

mich weiterhin kritisch mit der

österreichischen Politik auseinander zu

setzen, was ja bildungstechnisch auch nicht

schlecht ist, auch wenn ich in jeder zweiten

Antwort auf Natascha Strobl verweise,

weil die sich einfach besser damit auskennt.

Auch jetzt: lest Natascha Strobl!

Elias Hirschl und

Markus Köhle im

Mail-Interview

Hat sich Natascha Strobl schon bei

dir gemeldet? Und viel zu wenig ist

ja nicht nichts, das heißt, du bist

ohnehin schon wieder an was Neuem

dran? Wirst du daraus in Innsbruck

lesen?

Ja, sie hat sich quasi auf Twitter mit einem

Foto von meinem Buch entschuldigt, dass

sie jetzt erst dazu kommt, es zu lesen. Ich

hab ihr Buch Radikalisierter Konservatismus

dafür schon zweimal verschenkt. Und ja

genau, ich arbeite an einem neuen Roman

zum Thema digitalisierte Fließbandarbeit.

Mal schauen, ob da bis zum Prosafestival

was präsentierbar ist.

Auf der Bühne warst du gerade im

Stück die große show im WerkX

in Wien zu sehen. Wie sehr reizt

es dich, fürs Theater zu schreiben

und inwiefern unterscheidet sich

das Schreiben fürs Theater vom

Schreiben an einem Roman?

In die große show hab ich diesmal „nur“

einen kurzen Text geschrieben, den ich

Freikarten

auf Lebenszeit

27

selbst vortrage. Ich hab aber schon zweimal

bei anderen Stücken vom Aktionstheater

Ensemble mitgeschrieben, da sind es dann

Monologe für einzelne Schauspieler zu

bestimmten Themen – einmal zur türkisen

Regierung und einmal über Maskulinitätsbilder.

Es macht fast mehr Spaß, zu

sehen, wie andere Schauspieler dann meine

Texte interpretieren, da ergeben sich super

Effekte, die ich beim Schreiben gar nicht bedacht

habe. Man produziert aber auch sehr

viel Ausschussware, die es nicht ins Stück

schafft.

Ist aus dieser Arbeit dann deine

Romanfigur Julius Varga geworden?

Ja genau, Salonfähig entstand seit 2017

aus den Monologen, die ich für das Stück

Swing - Dance to the right vom Aktionstheater

Ensemble unter der Regie von

Martin Gruber geschrieben habe.

Du hast mit Christopher

Hütmannsberger als Ein Gespenst

mit der Nummer Ich tanze nur aus

Höflichkeit auch grad einen FM4-

Radio-Hit gelandet. Wann und wozu

hast du zum letzten Mal nicht aus

Höflichkeit getanzt?

Das letzte Mal war das glaube ich vor dem

letzten Lockdown, beim Konzert der Punkband

Franz Fuexe im Chelsea. Ich hab die

Band im Buch erwähnt und ein Konzert

von ihnen beschrieben und der Sänger

hat es gelesen, fand das großartig und hat

mich gefragt, ob ich ihren neuen Pressetext

schreiben will. Ich hab das dann gratis

gemacht und jetzt habe ich Freikarten auf

Lebenszeit für ihre Konzerte, haha.

Hat sich auch mal wer aus dem Kreis

der VP gemeldet? Und: Wenn Ex-

Ex-Kanzler Kurz ein Delfin ist, was

ist Nehammer?

Nein, da kam bisher gar nichts zurück,

außer, dass Mitterlehner ein Foto mit

meinem Buch gemacht hat. Dem schien’s

zu gefallen. Und ich vergleich Menschen

nur ungern mit Tieren, weil ich im Gegensatz

zum Nehammer der Meinung bin, dass

allen Menschen Würde und Menschenrechte

zustehen.

Möge Salonfähig noch vielen

Menschen gefallen und mögest

du eine beglückende Zeit als

Stadtschreiber in Dortmund haben.

Wie lange bist du dort und was

verbindest du mit Dortmund?

Ich bin von Mai bis November Stadtschreiber

in Dortmund, schreib’ dort an

einem neuen Roman, organisiere ein paar

Lesungen im Literaturhaus Dortmund und

mach’ noch ein paar andere Literatur- und

Kunstprojekte. Ich kenne die Literaturszene

im Ruhrgebiet schon länger, vor allem

durch Poetry Slams und bin in den letzten

Jahren auch schon öfter in der Gegend

aufgetreten. Ich bin einfach absolut unironischer

Fan von der ganzen Metropolregion

geworden.

Schön. Aber bitte wieder zurückkommen,

Österreich braucht dich!

Lesung:

Elias Hirschl liest

im Rahmen des 20. Prosafestivals,

gm mit Simone Buchholz,

Verena Roßbacher und Ralf

Schlatter (prosafestival.wordpress.com)

Fr., 08. April 2022, 20:00 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt freiWILLIGE Spenden


20. Innsbrucker Prosa Festival

Ein besonderes Jubiläumsprogramm mit Vorspiel von Stefan

Kutzenberger (Do., 7. April um 18:00 Uhr) und P.S.: mit Antonio

Fian & Christoph Simon (S. 30)

Do., 7. April, 20 Uhr

Stadtbibliothek

1 Nava Ebrahimi (A)

2 Noemi Somalvico (CH)

3 Andreas Pavlic (A)

4 Ralf Schlatter (CH)

© 8ung Kultur

© 8ung Kultur © 8ung Kultur

© 8ung Kultur

Fr., 8. April, 20 Uhr

Wagner’sche

1 Simone Buchholz (D)

2 Elias Hirschl (A)

3 Verena Roßbacher (A)

4 Urs Mannhart (CH)

Wir sind 20! Das muss gefeiert werden. Das

Innsbrucker Prosa-Festival (IPF) gibt es seit

2003. Da wurde Greta Thunberg geboren.

Ja, Festivals altern anders. Das IPF ist

anders. Das IPF ist besonders. 2003 kam

„Fluch der Karibik“ raus. Literaturfestivals

altern nicht, sie veredeln sich. Die Haare

der Organisator*innen ergrauen nicht, sie

werden versilbert. 2003 erschien Das ewige

Leben von Wolf Haas. Ja, das IPF soll ewig

leben! Das IPF-Team ist auch nach 20 Ausgaben

frisch und literaturhungrig wie eh und

je. Über 200 Autor*innen waren bereits bei

uns zu Gast. Einzelne Namen herauszupicken

ist schwierig, so hochkarätig ist die Gästeliste.

Allein im Jahr 2004 lasen u.a. Daniel

Kehlmann, Kathrin Röggla, Sibylle Lewitscharoff

und Thomas Glavinic im Bierstindl.

In den Folgejahren eroberten wir die ganze

Stadt mit feinster Literatur: vom Stadtarchiv

bis zum Sillwerk, vom Literaturhaus

bis zum Kulturhaus Vierundeinzig am Inn,

vom Treibhaus bis zum Westbahntheater.

Auch durch zwei Pandemie-Jahre ließen

wir uns nicht einschüchtern. Wir fühlen uns

zuständig für die literarische Erst- und Langzeitversorgung.

Frei nach dem Motto: Jede

Lesung führt zu geistiger Genesung.

Das heißt: Auch in diesem Jubeljahr dürfen

wir Ihnen 12 Autor*innen aus dem gesamten

deutschen Sprachraum (und darüber hinaus)

präsentieren, die aus den unterschiedlichsten

Gründen in der gegenwärtigen

Literaturlandschaft herausragend sind.

Drei Tage, drei Orte, drei Moderatoren, 12

Autor*innen, die live zu erleben sind. Das

hat sich bewährt und war in den letzten

Monaten viel zu selten möglich. Drum seien

Sie mit dabei.

Sa., 9. April, 20 Uhr

BRUX

1 Jaroslav Rudiš (TSCH)

2 Haidacher Ulrike (A)

3 Ferdinand Schmalz (A)

4 Lisa Krusche (D)

Der Auftakt findet am Donnerstag, den

7. April 2022 in der neuen Stadtbibliothek

(Amraserstraße 2) statt. Am Freitag, den

8. April ist die Wagner‘sche Buchhandlung

(Museumstraße 4) Gastgeber und am

Samstag, den 9. April 2022 besiegeln wir

mit Musik von DJ Martin Fritz sowie Tanz

und Ekstase von allen Beteiligten im Freien

Theater BRUX.

Carmen Sulzenbacher sorgt für die

Organisation und Betreuung aller. Robert

Renk, Markus Köhle und Martin Fritz

moderieren, führen einleitende Gespräche

mit den Autor*innen, beschenken diese

textmotiviert und haben im Jubiläumsjahr

einen besonderen Querschnitt der aktuell

schreibenden Zunft eingeladen, bestehend

aus alten Festival-Freund*innen und

Innsbruck-Debütant*innen. Das wird

ein würdiges Fest der Literatur! Seien

Sie Teil davon.

28

Wagner’sche.

Tiefkühlkostvertreter Franz

Schlicht ist auf der Suche nach

dem verschwundenen Doktor

Schauer (Rehragoutesser). Ort

des Geschehens ist ein überhitztes

Wien, skurrile Figuren

begleiten ihn auf seiner Suche,

die zunehmend zum Fall wird.

Schlicht verstrickt sich dabei

in Machenschaften, mit denen

er nichts zu tun haben will,

denen er aber auch nicht mehr

entkommt. Die Sprache hebt

ab und nimmt die Lesenden mit

in literarische Höhen, durchdrungen

von Wortwitz und

philosophischen Erkenntnissen.

Meisterwerk! köma

Ferdinand Schmalz:

Mein Lieblingstier heißt Winter

S. Fischer Verlag, 192 S., € 22,70

Wie wäre es, wenn man eine begrenzte

Anzahl Wörter zur Verfügung

hätte. Dann hätten die

Vielreder und Schaumschläger

früher ausgeredet als die Besonnenen

und Überlegten. Eine

der kleinen Utopien in diesem

Erzählschatzkasten. Radio- und

Kurzgeschichten aus über 20

Jahren, überarbeitet, poliert

und mit Schweizer Humor eingefettet.

Schlatter bettet sie in

eine Rahmenhandlung, die ein

wenig an 1001 Nacht erinnert,

die im Krankenzimmer oder auf

einer Insel spielen und durchaus

auch zu berühren wissen. Großartig!

Robert Renk

Ralf Schlatter:

43‘586

Limbus Verlag, 200 S., € 20,00

Der ehemalige Kindersoldat

Ali Najar, der nach dem Iran-

Irak-Krieg in Deutschland als

Design-Guru Karriere gemacht

hat, Ali-Reza, der nach dem

Krieg im Land geblieben ist

und Sina, ein Münchner mit

persischem Vater, sind die drei

Hauptfiguren des Romans.

Wie sie mit dem Land und miteinander

verknüpft sind, wird

abwechselnd aus deren jeweiliger

Sicht erzählt. Durch diese

spannende Erzählkonstruktion

bekommen wir eine vielfältige

Sicht auf Iran, Alltagsrassismus

und Nachwirkungen des Kriegs.

Martin Fritz

Nava Ebrahimi:

Das Paradies meines Nachbarn

btb-Verlag, 224 S., € 20,60

Eine Einkreisung lautet der

Untertitel dieses Debüts einer

Hälfte vom Flüsterzweieck. Und

rund geht es wahrlich auf dieser

Party im Landhauskeller eines

Regisseurs, der für die Partygesellschaft

aufkocht und sich

gern aufspielt. Die Ich-

Erzählerin gerät hinein und will

an sich nichts wie raus, wird

aber vom Partydiskurskarussell,

das immer mehr an Fahrt aufnimmt

und zum Strudel wird,

in die Tiefe gezogen, nicht

losgelassen. Ein fesselnder

Sprachrausch, der unterhält und

Haltung beweist. Lesen! köma

Ulrike Haidacher:

Die Party

Leykam Verlag, 224 S., € 22,00

Ein Roman, der mit einer Liebeserklärung

von Peter Handke

beginnt, kann kein schlechter

sein. Großartig wird er, wenn

man über die Fabulierlust und

den Witz von Verena Roßbacher

verfügt. Mit beidem begleiten

wir Charly Benz, die mit unverbrüchlichem

Optimismus durchs

Leben strauchelt. Ihr einziger

Beziehungspunkt ist Herr

Schabowski, ein sechzigjähriger

Mann, der ihre Post und Ängste

sortiert. Doch das und einiges

mehr ändert sich, als die beiden

nach Bad Gastein reisen.

Großartig! Robert Renk

Verena Roßbacher:

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

Kiepenheuer&Witsch Verlag,

512 S., € 24,70

Stefan Kutzenberger ist tot, es

lebe Stefan Kutzenberger! Ein

Erzähler führt uns auf einer

über 11.000 Kilometer langen

Reise quer durch Südamerika,

zum Maria-Theresia-Hochhaus

in Wels bis zum Tod des Schriftstellers.

Ein Roman zwischen

wildem Abenteuer, Krimi und

einem Trip durch die Welt der

Literatur. Kilometer Null ist ein

grandioser Abschluss der autofiktionalen

Trilogie (Friedinger

und Jokerman). Die Bände können

unabhängig voneinander

gelesen werden – empfehlenswert

sind alle drei! Boris Schön

Stefan Kutzenberger:

Kilometer Null

Berlin Verlag, 400 S., € 24,70

Dieses Buch gehört in jeden

Liege- und Schlafwagen. Nicht

etwa als Einschlaflektüre (wenn

das auch klappt, umso besser!),

sondern als Erbauungsliteratur

im besten Sinne. Rudiš beschreibt

lustvoll, wie sinnlich

(Aussicht, Geräusche) und

kulinarisch (Speisewagen aller

Länder vereinigt euch bloß

nicht, bleibt individuell anders!)

das Zugfahren ist. Mit Rudiš

will man gerne nur Bahnhof

verstehen, denn Bahnhöfe stehen

am Anfang und am Ende

jeder Reise und das Dazwischen

wird in vollen Zügen genossen.

köma

Jaroslav Rudiš:

Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen

Piper Verlag, 256 S., € 15,50

Jenseitiger und gleichzeitig

gegenwärtiger kann ein Debüt

nicht sein. Ein Roman auf drei

Ebenen: Diesseits, Jenseits und

Zuhause bei Gott. Menschen

gibt’s keine, die Tiere haben

übernommen, aber diesen

Tieren ist nichts Menschliches

fremd und mit Gott sind sie

auf du und du. Ja, Dachs und

Schwein gehen in Gottes Haus

gar aus und ein und nehmen ihn

mit auf einen Trip ins Jenseits.

Coolste Gang ever! Schwein

gefällt’s, Dachs nicht minder,

Reh auch. Tierisches aus der

Schweiz, garantiert anders. köma

Noemi Somalvico:

Ist hier das Jenseits, fragt Schwein

Voland & Quist Verlag, 144 S., € 18,50


© Aleksandra-Pawloff

Antonio Fian ist der Großmeister der

kleinen Formen. Wurstfragen ist bereits

Band VII seiner Dramolette aus den Jahren

2014 – 2021. Darin geht es immer um alles

rund um Österreich und bei Fian ist das

immer politisch und lustig. Fian kocht Politik

und Alltag ein. Fians Dramolett-Süppchen

ist, was sich Österreich selbst eingebrockt

und auszulöffeln hat. Fian richtet es für uns

an. In kleinen Häppchen, mit manierlichen

Regieanweisungen und wohldosiert. Alle

zwei Wochen, samstags im der Tageszeitung

Der Standard, neben dem Lochgott. Das ist

literarische Geschichtsschreibung für alle.

Unverkennbar und ungeheuer unterhaltsam.

Wurstfragen macht schon als Titel Lust,

und man fragt sich selbst, was wohl damit

gemeint sein könnte. Fragen, die einem egal

sind? Fragen, die zwei Enden haben? Fragen,

die zu stellen man sich trauen muss? Markus

Köhle hat direkt nachgefragt.

Hat sich das Humorverständnis

des Publikums in den letzten Jahren

verändert?

Es sieht so aus. Man muss, insbesondere

wenn es um Sexualität geht, wesentlich vorsichtiger

sein als noch vor ein paar Jahren.

Gibt es Themen, von denen du

die Finger lässt?

Ja. Und über die möchte ich auch nicht

reden.

In deinen Dramoletten namentlich

vorzukommen ist meiner Meinung

nach eine Adelung. War da mal wer

anderer Meinung, das heißt: gab es

mal Klagen?

Keine Klagen, aber bei einem Dramolett

über den Dissertations-Schwindel der Ex-

Ministerin Aschbacher (das ich übrigens

nicht ins Buch aufgenommen habe), wurde

Wann hast du diese zwei tragischen

Kärntner Helden erfunden?

Der Immanuel und sein namenloser Freund

begleiten mich schon seit 2004. Damals

waren sie sechzehn. Sie sind tatsächlich so

etwas wie meine literarischen Kinder, für

die ich mich ein bisschen verantwortlich

fühle.

Sind die Bachvolley-Buddies eine

Art Versicherung, wenn sonst gerade

nichts geht?

Ja, es ist gut zu wissen, dass ich, wann

immer ich will, bei ihnen vorbeischauen

und nachsehen kann, was sie gerade machen.

Wir freuen uns, dass du zum 20er

Jubiläum bei uns vorbei schaust und

gemeinsam mit Christoph Simon eine

Lesung bestreitest. Und wir freuen

uns auch weiterhin auf tagesaktuelle

Dramolette. Vielen Dank für das

Gespräch.

Antonio Fian

Österreich ist eine

Extrawurst

Ich betrachte

mich als

literarischen

Chronisten

Antonio Fian 30

Wagner’sche.

Wann hast du dein erstes Dramolett

verfasst, um was ging es?

Das war 1989, zur Zeit des „Heldenplatz“-

Skandals am Burgtheater. „Gerald Grassl

trifft auf dem Graben Thomas Bernhard und

nimmt ihn in Schutz“. Damals waren die

Dramolette noch länger und sind

unregelmäßig in der Wiener Stadtzeitung

FALTER erschienen. Seit 2005 erscheinen

sie im regelmäßig im Standard.

Sind in den Wurstfragen alle

Dramolette der Jahre 2014-2021

enthalten?

Nein, bei weitem nicht alle. Ich wähle sehr

genau aus, was mir wert scheint, in einem

Buch aufbewahrt zu werden. Ich betrachte

mich als literarischen Chronisten dieser

unserer Gegenwart. Die Dramolette bilden

als Ganzes ein Großprojekt, das ich „Bilder

des Friedens“ nenne.

Andererseits ist im Buch ein Text,

der es nicht in den Standard geschafft

hat. Warum?

Ja, „Fasten“ war laut Redaktion zu derb,

weil darin das Wort „wixen“ vorkommt.

Der Vorschlag, es durch „onanieren“ zu

ersetzen, wurde abgelehnt, weil der Text

dann, so wurde argumentiert, nicht mehr

authentisch gewesen wäre.

behauptet, ich hätte von der Tagespresse

abgeschrieben, was ich aber nicht getan

habe. Die Idee, die verdrehten Sätze dem

Meister Yoda in den Mund zu legen, war

einfach naheliegend, und auf naheliegende

Ideen kommen eben auch andere.

Hast du im Standard-Forum, das ja

berüchtigt ist, oder an anderer Stelle,

schon mal einen Shitstorm geerntet?

Nicht, dass ich wüsste. Im Standard-Forum

habe ich einige Fans und ein paar überzeugte

Feinde, die mir sehr regelmäßig mitteilen,

ich möge endlich mit dem Schreiben

aufhören. Wenn die sich wochenlang nicht

melden, mache ich mir richtig Sorgen, dass

ihnen etwas zugestoßen sein könnte.

Fans haben auch ganz besonders

zwei deiner Figuren. Zwei ehemalige

Beachvolleyball-Nachwuchsspieler

und jetzige Securitys im Klagenfurter

Strandbad. Da ist im Buch eine

Forderung einer Leserin abgedruckt,

wie die Geschichte weitergehen soll.

Hinter den Figuren verbirgt sich die

tragische Geschichte eines ganzen

Bundeslandes, persönliche Dramen

und große Lebensfragen werden

anschaulich heruntergebrochen

und das alles im Kärntner Dialekt.

Buchtipp:

Antonio Fian:

Wurstfragen

Droschl Verlag,

200 S., € 21,00

Veranstaltungstipp:

20 Jahre Prtosafestival –

EXTRA

Mit Antonio Fian & Christoph

Simon

Moderation: Renk&Köhle

Mi., 13. April 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: freiWILLIGE Spenden


ISBN 978-3-9033920-4-5

9 783903 392045

Musikalisches Speeddating 2.0

Am 14.4. ab 19:30 sorgen folgende Künstler*innen

mit für Frühlingsgefühle.

Petra Baldauf

Nachdem das Tiroler Musiklabel „Leash

The Dog Records“ bereits im Oktober 2020

erfolgreich im schönsten Wohnzimmer

Innsbrucks zärtliche Bande zwischen Musiker*innen

und Publikum knüpfen konnte,

steht nun eine Neuauflage dieser Veranstaltung

an.

Bande Musikatella

Eine Tiroler Cross Over Formation rund

um den Saxophonisten Gerhard Hacker

und den Gitarristen Kurt Hofer, die sich

mühelos zwischen Walzer und Swing – Jenischer

Musik und Samba Grooves bewegt.

Petra Baldauf

Die Saxophonistin und Sängerin aus Hall

präsentiert gemeinsam mit ihrem Quartett

das Debüt Album Holding on to you

Eine vielfälltige Produktion, die Aufhorchen

lässt und zeigt, dass Jazz made in

Tirol sich nicht hinter den Vorbildern aus

Übersee verstecken muss.

Schubert meets Grönemeyer

Der Sänger Simon Kräutler und der Gitarrist

Stefan Wolf vereinen auf ihre ganz

eigene Art zwei musikalische Größen.

Klassik trifft Pop und vice versa.

DeniZz

Die Sängerin Denise Beiler stellt gemeinsam

mit Ehemann Mark Maier die

brandneue CD Puzzle vor.

Die in Inzing lebende Sängerin ist schon

seit Jahren stimmgewaltiger Fix-Bestandteil

der Tiroler Musikszene und stellt dies auch

regelmäßig über die Grenzen unter Beweis.

U.a. als erfolreiche Teilnehmerin von

„The Voice of Germany“.

Mark A. Maier

Bass rules, but not only...

Am Bassisten Mark kommt Mensch

hierzulande fast nicht vorbei. Lang ist die

Liste der Bands in denen er seine musikalischen

Beiträge beisteuert.

An diesem Abend wird seine zweite künstlerische

Leidenschaft in den Fokus gestellt:

Das Schreiben.

Er liest aus seinem gerade veröffentlichten

Roman Mila! Ein Hauch von Zimt

Nach den Live Auftritten gibt es ein kulinarisches

„Come Together“, dankenswerterweise

unterstützt von Sardinienprodukte

Innsbruck.

Einem Kennenlernen-Abend der besonderen

Art steht somit nichts im Wege!!

© Michael Putzlocher

© Wolfgang Baldauf

Bande Musikatella

Schubert meets Grönemeyer

Simon Kräutler

DeniZz

Stell dir vor, du machst eine Reise und findest

dabei die Liebe deines Lebens. Ihr seid

füreinander bestimmt und habt gemeinsame

Zukunftspläne. Doch dann kommt alles anders.

Du wachst eines Tages auf und kannst dich an

nichts von alledem erinnern. Nicht an die Reise

und auch nicht an die Person, der du dein Herz

geschenkt hast. Dein Leben ist wieder so, wie

es immer war.

Nur in deinen Träumen erwachen Erinnerungen

und Sehnsüchte, denn Träume vergessen nie.

Aber reichen Träume aus, um alles stehen und

liegen zu lassen und sich auf die Suche nach

jemandem zu machen, den es möglicherweise

gar nicht gibt?

MILA! EIN HAUCH VON ZIMT Mark A. Maier

XXX

€ 13,90

Buchtipp:

© privat

Mark A. Maier:

Mila! Ein Hauch von Zimt

Brinkley Verlag,

252 S., € 13,90

© Simon Kräutler

Veranstaltungstipp:

Bande Musikatella

32

Wagner’sche.

© privat

leash the dog – Lable Night

Musikalisches Speeddating 2.0

5 Konzerte & 1 Lesung

Moderation: Simon Kräutler

Do., 14. April 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: freiWILLIGE Spenden!!!

sardinienprodukte


Durch deine Augen

sehen wir mehr

Diversität ist die wahre

Normalität

Was unter deiner Kleidung ist, sollte völlig egal sein.

Was unter deiner Haut, zwischen dir und dir liegt, zählt.

Je mehr Menschen hinsehen, desto mehr verschiedene

Perspektiven gibt es. Desto mehr

individuelle Wahrnehmungen, Empfindungen,

Gefühle. Euphorische und düstere. Die Perspektiven

der anderen kennenzulernen, kann

einem selbst dabei ganz andere Blickwinkel

eröffnen. So ist das auch mit dem Lesen.

Da geht es uns im Team gleich wie dir, wenn

du mit Menschen über Gelesenes diskutierst,

denn jede*r geht auf eigene Art in ein Buch

hinein und kommt mit eigenen Eindrücken

wieder heraus. Gerade deshalb ist die

Katalog-Entstehungszeit für uns unheimlich

aufregend. Denn da heißt es: Hineinschauen

in neue Texte und gespannt darauf sein,

was du in ihnen siehst.

Buchtipps:

Tatjana Scheel:

Vielleicht habe ich dich nur

erfunden Haymon Verlag,

280 S., € 22,90

Mit unserem neuen Programm schauen wir

aber nicht nur hin, sondern auch zurück,

denn: Es ist unglaubliche 40 Jahre her, dass

das erste Haymon-Buch aus der Druckerpresse

gekommen ist. Länger, als die meisten

Menschen im Haymon-Team überhaupt

existieren. Darauf sind wir, wir müssen es

zugeben, schon ein bisschen stolz. Damit

wir nach vier Jahrzehnten nicht einstauben,

entwickeln wir uns täglich weiter. Lernen

dazu. Stellen Fragen. An dich. An uns.

An die Leser*innen, die täglich in unserer

Verlagsbuchhandlung aus- und eingehen.

An all die neugierigen Menschen da

draußen, die Lust haben, durch Lektüre

Unbekann tes in sich aufzusaugen und in

Yara Nakahanda Monteiro:

Schwerkraft der Tränen

Haymon Verlag,

280 S., € 22,90

© Sheyda Sabetian

Gudrun Lerchbaum:

Das giftige Glück

Haymon Verlag,

272 S., € 19,90

neue Welten zu hüpfen – ob diese nun berührend

schön, beängstigend oder unerträglich

schmerzhaft sind.

Denn das ist es, was Bücher tun: Sie machen

sichtbar. Realitäten, in denen du deine

eigene vielleicht wiederfindest, vielleicht

aber auch ganz im Gegenteil. In denen

du entdeckst, was du bisher nicht einmal

geahnt hast. Ausgrenzung zum Beispiel

hast du vielleicht schon selbst erlebt, oder

du hast erfahren, was es heißt, nicht der

gesellschaftlichen „Norm“ zu entsprechen.

Dich darüber geärgert, wie oft vor einschneidenden

Momenten der Geschichte

die Augen verschlossen werden, anstatt

Verantwortung dafür zu übernehmen.

Genau diese hässlichen, genau diese

Bruchstellen aber sind es, an denen es anzusetzen

gilt, um sie zu sehen: die wunderbare

Vielfalt des Lebens in seinen hellen und in

seinen düsteren Tönen, die vielen verschiedenen

Stimmen auf diesem Planeten,

die mit dem, was sie sagen (und damit,

wie sie es sagen!) dein Herz berühren, die

Lebenswelten von Figuren, in denen du

einen Teil von dir erkennst. Wir sind wahnsinnig

glücklich, dass wir all das in unseren

neuen Büchern mit dir teilen dürfen.

Bücher, in denen du so viel entdecken wirst.

Und die deinen Blick auf die Welt, in der

du lebst, verändern werden.

Auf die nächsten 40 Jahre – hoffentlich

mit dir an unserer Seite.

Dein Haymon-Team

Ellen Dunne:

Boom Town Blues

Haymon Verlag,

320 S., € 13,95

Phenix Kühnert will mehr. Mehr Rechte,

mehr Stimmen, mehr Inklusivität. Gesellschaftliche

Konstrukte? Werfen wir am

besten über den Haufen. Dafür kämpft sie.

Und das jeden Tag. Phenix erzählt von

ihrer Kindheit, dem Aufwachsen und ihrem

Leben als trans Frau – in einer Welt, die

aus Stolpersteinen besteht. Mit ihr dürfen

wir in Wartezimmern von Ärzt*innen Platz

nehmen, öffnen einen Pass, der uns nicht entspricht,

spüren einen Anflug dessen, was das

auslösen kann. Wir begleiten sie bei Höhen

und Tiefen, in Sportumkleidekabinen oder

auf Dates in Berlin.

Phenix lässt uns an sich heran, macht sich

verletzlich, ist sanft und entschieden. Und:

Sie zeigt, warum es so wichtig ist, dass wir

Gleichberechtigung gemeinsam groß machen.

Sprache wirkt auf uns ein. Was

glaubst du, inwiefern du selbst davon

beeinflusst wirst – und vor allem: Wie

möchtest du Sprache prägen?

Ich versuche, Prägung von Sprache und der

Gesellschaft allgemein immer mehr abzulegen.

In den letzten Jahren habe ich viele

Strukturen, in denen wir leben, hinterfragt.

Und wenn ich selbst sprachlich etwas weitergeben

kann, dann, dass mit mehr Wissen

und Umsicht inklusive Sprache gar nicht so

schwer ist. Einmal den Horizont erweitert,

kommt es wie von selbst. Meine Erfahrung

ist zudem, dass die Diskussion eigentlich nur

von Gegner*innen aufrechterhalten wird –

denn wer sich offen mit sprachlichem Fortschritt

auseinandersetzt, versteht schnell,

dass diese Thematik keines Aufruhrs bedarf.

Unsere Gesellschaft mag es, alles

einzuteilen – oder anders gesagt:

in Schubladen zu ordnen. Welche

Schubladen möchtest du mal so

richtig aus den Schienen reißen?

Es ist irgendwie auch menschlich, eine Zugehörigkeit

finden zu wollen. Auch ich tu’

dies sicher nach wie vor, egal wie sehr ich

versuche, es nicht zu tun. Die Frage ist, ob

wir es überhaupt irgendwann schaffen, dieses

Schubladendenken abzulegen, und was

das für unsere Gesellschaft bedeuten würde.

Ich glaube, letztendlich ist das Wichtigste

zu verstehen, dass die Wände dieser Schubladen

offen sind. Wir sind Menschen und

nichts zu 100 %, wir entwickeln uns weiter,

wir verändern uns, wir wachsen.

© Lina Tesch

Oft verbiegen wir uns, um

einer Rolle, einer Erwartung zu

entsprechen. Wie schaffst du es,

einfach du zu sein?

Letztendlich war es ein kitschiger Kalenderspruch,

der einiges in mir bewegt hat: Sei die

Version von dir, die du bist, wenn keine*r

hinschaut. Es gab viele Gedanken und Gefühle,

die ich versuchte, in meinen eigenen

vier Wänden zu halten. Aber was bringt

mir das? Ich möchte glücklich sein, das ist

meine Priorität. Und für mich gehört dazu,

mein authentisches Selbst zu leben. Ich hatte

keine Wahl: Vor der Transition sah ich keine

Zukunft für mich. Lieber eine Zukunft mit

Hürden als gar keine.

Phenix Kühnert ist Aktivistin, Model und seit 2018 Host des

Podcast „FREITAGABEND“. Und sie ist trans. Überall,

wo sie die Möglichkeit dazu bekommt, spricht Phenix über

trans* Rechte, das eigene Körpergefühl, Dating, Feminismus

und das Patriarchat.

Buchtipp:

Phenix Kühnert:

Eine Frau ist eine Frau ist eine

Frau

Haymon Verlag,

224 S., € 19,90


© Nina Subin

Veranstaltungstipp:

Lesung Juan Gabriel Vásquez

zweisprachig, spanisch/deutsch

Moderation: Klaus Zeyringer

Do., 28. April 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9 / € 7 mit Wagneroder

Ö1-Card

Fiktion ist paradoxerweise

einer

der seltenen Orte,

an dem die Wahrheit

gesagt wird.

Juan Gabriel Vásquez

Dein Werk ist Weltliteratur im

besten Sinne. Ob die Geschichte in

Kolumbien spielt oder anderswo –

sie betrifft die ganze Welt. Wenn in

Die Gestalt der Ruinen der Kennedy-

Mord oder das Attentat gegen Franz

Ferdinand in Sarajevo vorkommt, so

stellst du deine Narration auf eine

globale Ebene.

Mich hat immer die Idee gereizt, dass nichts

an einem einzigen Ort geschieht. Die Idee,

dass ein Ereignis am anderen Ende der Welt

unsere Leben prägen kann, hat mich stets

interessiert. Dies ist mit meiner Faszination

für die Art der Konversation verbunden,

die man in der Fiktion zu haben vermag:

Ich kann bestens verstehen, was (wir sind

ja in Österreich) Pasenow geschieht, trotz

der Distanz und der Jahre, die uns trennen,

da die mysteriöse Sprache der Fiktion das

findet, was uns eint. Seit Die Informanten

[J.G.V.s erster Roman, 2004] wollte ich

immer die geheimen Verbindungen meines

Landes mit der Welt entdecken. Erinnerst

du dich an den Schmetterlings-Effekt?

In meinen Romanen wollte ich diesen

Schmetterling fangen, ihn mit einer Nadel

fixieren und studieren.

Lieder für die Feuersbrunst beginnt

mit dem Satz des Ich-Erzählers, er

könne die Geschichte nur mit dem

Einverständnis der Person erzählen,

von der er sie habe.

Ich interessiere mich sehr für die Rolle des

Zeugen in einer Gesellschaft wie der meinen.

Viele der Geschichten im Erzählband

schildern Ereignisse, die Anderen widerfahren

sind, und setzen einen Erzähler in

Szene, der das Leben von jemand Anderem

entdeckt und der von den Leiden anderer

zeugen will. Diese Strategie versucht, die

Art zu respektieren, wie die Geschichten

mich erreichen: Meine Fiktionen gehen

von einer realen Erfahrung aus, einer Begegnung,

einem Gespräch – die ein Rätsel

oder Geheimnis bergen. Deswegen sind

meine Geschichten oft wie eine Ermittlung

strukturiert.

Wie setzt du die Grenzen zwischen

Fakten und Fiktion?

Ich bemühe mich um zweierlei: Erstens,

dass meine Geschichte etwas zum Vorschein

bringt, das die nackten Fakten nicht erkennen

lassen. Ich verändere oder manipuliere

sie also, damit sie etwas freilegen oder

Juan Gabriel

Vásquez

Deine beiden zuletzt in deutscher

Übersetzung erschienenen Bücher,

der große Roman Die Gestalt der

Ruinen und der Erzählband Lieder

für die Feuersbrunst, verschränken

Privat-Persönliches (d)eines Ich und

Öffentlich-Politisches. Begünstigt

dieses Zusammenspiel, was der Roman

das Interessante an Romanen

nennt: „die Erforschung dieser

anderen Wirklichkeit“?

Dieses Ich, das mir ähnelt, ist meine Art,

die Risiken der Fiktion zu meiden, wenn

ihr Stoff unwahrscheinlich scheint. Die

Gestalt der Ruinen basiert auf einer höchst

seltsamen Erfahrung: den Tag, an dem ein

Mediziner von Bogota die Reste zweier

Opfer der kolumbianischen politischen

Gewalt in meine Hände gelegt hat. Als ich

den Schädel des 1914 ermordeten Rafael

Uribe Uribe und einen Rückenwirbel des

1948 ermordeten Jorge Eliécer Gaitán in

Händen hatte, wusste ich, dass ich da einen

Roman hielt, dass ihn aber die Erfindung

eines fiktiven Erzählers abschwächen oder

die Leser skeptisch machen würde.

Erkenntnisse bringen, was Fakten, die von

einem Historiker oder Journalisten erzählt

werden, nicht vermitteln könnten. Zweitens

möchte ich immer, dass meine Fiktion ein

Raum ist, in dem die Realität bleiben kann

und wo man sie nicht vergisst.

Das Erzählen ersteht in deinem Werk

meist aus der Historie. Ist eine deiner

frühen Anregungen dafür, dass – wie

du schreibst – ein Gespräch über den

9. April 1948 zum Leben gehört wie

Schach oder Karten zu spielen?

Die Ereignisse des 9. April 1948 haben

das 20. Jahrhundert in Kolumbien in zwei

Teile gespalten und eine Reihe von Ereignissen

ausgelöst, die unser gegenwärtiges

Leben recht direkt betreffen. Der an

diesem Tag verübte Mord an Jorge Eliécer

Gaitán nimmt in der kolumbianischen

Vorstellungswelt die gleiche Stelle ein wie

der Mord an Kennedy für die USA: Es ist

ein ungelöstes Rätsel, ein Schattenort, ein

nationales Trauma. Zudem hat er den Krieg

ausgelöst, den wir uns soeben zu beenden

bemühen. Um diesen Tag zu verstehen,

haben wir Ströme von Tinte geschrieben

und sind noch immer nicht zur Wahrheit

vorgedrungen. Mein Roman versucht,

etwas mehr Licht in diese dunkle Angelegenheit

zu bringen und über seine Last

auf unser Gewissen nachzudenken.

Das wesentliche Moment in deinem

Werk ist der Versuch zu ergründen,

was in einer Vergangenheit, bei einem

entscheidenden Vorfall, geschehen

sein mag. Nun heißt dein letztes Jahr

publizierter (noch nicht auf Deutsch

erschienener) Roman Volver la vista

atrás. Was ist an dem Blick zurück so

ungemein wichtig?

Die Vergangenheit ist ein Ort, der mich

heimsucht, vor allem, da wir ihn nie

definitiv kennen können. So wie wir ihn

auch nur mittels Erzählung zu erkunden

vermögen, mittels der Geschichten, deren

Version davon abhängt, wer sie erzählt und

auf welche Weise. Die unterschiedlichen

Versionen schaffen Spannungen zwischen

den Menschen sowie zwischen den Bürgern

und den Machthabern, da die Kontrolle

darüber, wie die Vergangenheit erzählt wird,

politisch sehr nützlich ist. Ich versuche

Romane zu schreiben, die der offiziellen

Version, die immer von den Machthabern

auf uns gekommen ist, gegenüberstehen.

Ich möchte Orte schaffen, wo einfache Bürger

das Recht wiederfinden können, unsere

Geschichte zu erzählen, die verlogenen oder

deformierten Versionen der Mächtigen zu

unterminieren.

Der letzte Satz in Lieder für die

Feuersbrunst besagt, Bücher seien

„der einzige Trost, den wir haben,

wir Kinder dieses in Brand gesteckten

Landes“. Kann das heute global

gelten?

Die Fiktion ist in der heutigen Gesellschaft

sehr wichtig, da sie paradoxerweise womöglich

einer der seltenen Orte ist, an

dem die Wahrheit gesagt wird. Wir leben

inmitten verzerrter oder verlogener Erzählungen

der „sozialen Medien“, und in

unserer Epoche der Post-Wahrheit scheinen

wir sogar die grundsätzliche Übereinkunft

verloren zu haben, was reell ist. Das

ist furchtbar. Die Fiktion ist ein Ort, an

dem man klarsieht. In unseren Zeiten des

Sektarismus, der identitären Politik wird die

Übung, ernsthaft einen anderen Menschen

zu imaginieren, sehr wichtig. Es ist eine

Impfung gegen den Fanatismus. Ich finde

es nicht übertrieben zu sagen, dass unsere

Welt in Flammen steht. Eine bescheidene

und intime Möglichkeit, dagegen anzugehen,

ist das hingebungsvolle und konstante

Interesse für das Leben Anderer, für

die Geheimnisse und Rätsel dieser Leben.

Das ist das Territorium der Erzählungen

und Romane.

Das Gespräch führte Klaus Zeyringer.


© Thomas Langdon

Sie sind im Frühjahr 2022 gleich mit

zwei Büchern am Start – Mädchen

(Wallstein) und Cranach. A–Z

(Hatje Cantz) – und das nächste

ist wohl schon in Arbeit. Trotzdem

haben Sie Zeit gefunden, zu den

Wochenendgesprächen zu kommen.

Was reizt Sie an dem diesjährigen

Thema Literatur | Bild?

Ich komme gern nach Innsbruck! Ja, einerseits

halte ich es für eine der gegenwärtigen

Herausforderungen, zu den Bildern Worte

zu finden, also die Bilder gewissermaßen

lesen zu lernen. Denn das Internet ist eine

riesige Bildermaschine, sowohl in der Erzeugung,

in der Verbreitung als auch in

der Manipulation des Bildes. Es geht auch

darum, dem Bild, bei aller Attraktion, nicht

auf den Leim zu gehen. Und im künstlerischen

Arbeiten wiederum den Text nicht

als bloße Erklärung des Bildes, und das Bild

nicht als bloße Illustration des Textes zu

verniedlichen.

Ich habe eine Freundin, die Hamburger

Zeichnerin Line Hoven, deren Arbeit – der

Technik und dem Konzept geschuldet –

vom Kontrast aus Schwarz und Weiß lebt.

Teresa

Präauer

Manchmal bestellen Artdirektoren von

Magazinen Bilder bei ihr und fragen dann

ganz unschuldig, ob man sie nicht in Farbe

drucken könne, damit sie ein wenig „fröhlicher“

wirkten. Die meinen das nicht böse,

aber meines Erachtens spricht eine große

Ignoranz aus diesem Umgang mit dem

Medium Bild.

Literatur oder Bild: Was ist direkter,

emotionaler? Und warum?

Beides kann uns anöden, und dann wieder

bis ins Mark treffen, oder?!

Lukas Cranach hat in einem Ihrer

Romane bereits eine Rolle gespielt.

Warum ist gerade er so interessant

für Sie?

Mich interessiert, nicht nur bei Cranach,

sehr oft etwas, das ich als Dazwischen

wahrnehme – zwischen Künstlichkeit und

Natürlichkeit beispielsweise, zwischen

Erfindung und Erfahrung. Cranach porträtierte

die Menschen seiner Umgebung –

und gleichzeitig wirken sie wie nicht von

dieser Welt. Er verwechselt die Kunst nicht

mit der Wirklichkeit.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema

scheint mir Kindheit und Herkunft zu

sein, ganz stark in Ihrem Debüt Für

den Herrscher aus Übersee und auch

wieder in Mädchen. Ist Ihre eigene

Geschichte Ihr unerschöpfliches

kreatives Reservoir?

Die Geschichte, die Gegenwart, die erdachte

Zukunft. Das Betrachten der eigenen

Kindheit ermöglicht eben eine Rückschau,

denn das Erlebte ist abgelegt und in

die Ferne gerückt. Im Beschreiben jetzt, als

Erwachsene, kommt ein Stück Lüge dazu,

Erfindung, Fiktion. Das Spiel damit ist

vielleicht dieses Unerschöpfliche, nach dem

Sie fragen. Ich versuche zumindest, mich im

Denken nicht auszuruhen.

Die Erinnerung in Ihren Büchern

wird oft ausgelöst von Fotos;

funktioniert Erinnerung einfach

besser über Bilder?

Die Fotos konservieren etwas, ja, aber sie

schreiben es auch fest und lassen anderes

dadurch in Vergessenheit geraten. Die

nötige Skepsis im Umgang mit der fotografischen

Erinnerung fordert der französische

Philosoph und Kunsthistoriker

Georges Didi-Huberman in seinem Buch

Bilder trotz allem ein, dessen Lektüre mich

vor Jahren sehr beeindruckt hat. Er richtet

den Blick auch auf das, was am Rande, absichtsvoll

oder absichtslos, weggeschnitten

worden ist.

Teresa Präauer, geb. 1979, studierte Germanistik

und bildende Kunst. Im Wallstein Verlag erschienen

die Romane Für den Herrscher aus Übersee, Johnny

und Jean und Oh Schimmi sowie der Großessay Tier

werden, das Geschichtenbuch Das Glück ist eine

Bohne und zuletzt Mädchen.

Dem Bild, bei

aller Attraktion,

nicht auf den

Leim gehen

38

Teresa Präauer 39

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Über die Herausforderung,

zu den

Bildern Worte zu

finden, die nötige

Skepsis im Umgang

mit fotografischer

Erinnerung und

den Spaß an allem

Ranzigen. Ein Gespräch

mit Joe Rabl

In Ihren Büchern geht es immer

wieder um Kunst, ganz besonders in

Johnny und Jean. Und dann gibt es

die wunderschönen Cover, mal ein

Foto, mal ein Bild von Ihnen. Geht

das in Richtung Gesamtkunstwerk?

Text und Bild, alles in einer Hand?

Ich kann nicht Gestaltung und Form

predigen und Trash und Dreck trinken oder

so … Das „Büchermachen“, wie es beim

Schweizer Buchgestalter Jost Hochuli heißt,

ist auch ein Handwerk; Papier, Bindung,

Satz, Grafik und so weiter. Ob ich als Autorin

im Text einen Punkt oder ein Komma

setze, ist eine Frage, die ich mir tatsächlich

stelle. Es geht schon auch darum, den Anspruch

auf Qualität zu erheben – in jedem

möglichen Zusammenhang. Wo ich auf die

Gestaltung Einfluss nehmen kann, mache

ich das.

Und gleichzeitig habe ich einen großen

Spaß mit allem, was ranzig ist, mit schlechten

TV-Serien und kitschigen Pärchenfotos

in der Auslage eines Porträtfotografen.

Meine Texte handeln von beidem.

Buchtipp:

Teresa Präauer:

Mädchen

Wallstein Verlag,

80 S., € 16,50

Veranstaltungstipp:

Teresa Präauer liest im Rahmen

der 44. Innsbrucker Wochenendgespräche

die vom 5.–7. Mai

stattfinden. Programm siehe

nächste Seite.


44. Innsbrucker Wochenendgespräche:

05. bis 07. Mai 2022

Bilder, Texte – Textbilder, Bildtexte, egal, es gibt was

zu hören & zu sehen!

Nicht nur Literatur

Auch Fachbücher werden bei uns präsentiert.

Von Helena Töchterle

Do., 05. Mai, 20 Uhr

Lesung mit Allen: ORF Tirol Studio 3, Rennweg 14

Moderation: Birgit Holzner und Joe Rabl

Fr., 06. Mai, ab 10 Uhr

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters

(Eingang Sowi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)

10:00 – 12:00 Uhr: Line Hoven, Hanno Millesi, Teresa Präauer

15:00 – 17:00 Uhr: Arno Dejaco, Wilfried Schatz,

Matthias Schönweger

Moderation der Gespräche: Erika Wimmer Mazohl

Sa., 07. Mai, ab 10 Uhr

Gespräche im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters

(Eingang Sowi-Durchgang, neben dem Abo-Büro)

10:00 – 12:00 Uhr: Barbara Frischmuth, Arno Gisinger, Tanja

Maljartschuk

15:00 – 17:00 Uhr: Alle Autor*innen

Moderation der Gespräche: Erika Wimmer Mazohl

Mehr Infos unter:

www.wochenendgespraeche.at

„Ut pictura poiesis – Dichtung ist wie

Malerei“, behauptete Horaz.

Das Verhältnis zwischen Poesie und

bildender Kunst ist seither immer wieder

neu ausgelotet worden. Auch die Schriftsteller*innen

des 21. Jahrhunderts berichten

anlässlich ihrer Begegnung mit Kunstwerken

von Offenbarungen und Verstörungen.

Die 44. Innsbrucker Wochenendgespräche

loten das Thema „Literatur und Bild“ aus

und gehen den vielfältigen Verbindungen

und Überschneidungen aus verschiedenen

Perspektiven auf den Grund.

Mit: Arno Dejaco, Barbara Frischmuth,

Arno Gisinger, Line Hoven, Tanja Maljartschuk,

Hanno Millesi, Teresa Präauer,

Wilfried Schatz, Matthias Schönweger und

Erika Wimmer Mazohl.

40

Wagner’sche.

Nachdem in der Wagner‘schen bereits seit

Jahren Buchvorstellungen vor allem im belletristischen

Bereich veranstaltet werden,

ergreifen wir nun die Gelegenheit, diese

Veranstaltungen auch auf den Fachbuch-

Bereich auszudehnen.

Am 26. April 2022 laden wir interessiertes

Publikum dazu ein, der Präsentation von

Manfried Rauchensteiners Unter Beobachtung,

das bereits in der 2. aktualisierten

und erweiterten Auflage erschienen ist, bei

uns in gewohnt entspannter Atmosphäre

beizuwohnen.

Österreich war – und ist – immer wieder

für Aufregungen gut. Das klingt nach einem

Gemeinplatz. Es war der ehemalige tschechische

Außenminister Karel Schwarzenberg,

der das 2016 in die Worte kleidete,

das Land würde „unter Beob achtung“

stehen, und das nicht nur aus einem Anlass

heraus, sondern durchgängig. Manfried

Rauchensteiner hat diese knappe Formulierung

aufgegriffen und zur Grundlage seines

jüngsten, Buchs gemacht. Was 1918 mit der

Gründung der Ersten Republik als Experiment

begann, war 1938 schon wieder gescheitert.

Viele registrierten den „Umbruch“

im In- und Ausland mit Genugtuung. Während

der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs

schien es, als wären die Österreicher

bereit, sich lediglich unterzuordnen und

anzupassen. Doch der Schein trog. Abseits

der Feststellung, sie wären gleichermaßen

an den Kriegshandlungen, an Verfolgungsmaßnahmen

und Gräueln des Regimes

beteiligt, wie die sogenannten Altreichsdeutschen,

bildete sich ein neues Österreich

heraus, das den „Rückbruch“ vorbereitete.

1945 stellten die vier Besat zungsmächte

das Land, dem sie mit der „Moskauer Deklaration“

eine Chance geben wollten, unter

Kuratel, behandelten es aber als Sonderfall.

Erst nach dem Staatsvertrag 1955 bildete

sich so etwas wie ein normaler Staat heraus,

der international allerdings immer wieder

für Aufmerksamkeit sorgte. Das zeigte sich

beim Bruch mit Deutschland sowie der

späteren Wiederannäherung, 1956 während

des Volksaufstands in Ungarn, 1968

bei der Besetzung der Tschechoslowakei,

1986 nach der Wahl Kurt Waldheims zum

österreichischen Bundespräsidenten, 1991

© privat

während des slowenischen Unabhängigkeitskrieges,

2000 nach der Bildung einer

Kleinen Koalition, nach der „Ibiza-Affäre“

2019 und bis in die Jahre der Corona-Krise.

Das Land galt als Problemzone, als Sonderfall,

als Musterschüler und gleich mehrfach

als ein europäischer Partner, dem man ganz

genau auf die Finger schauen müsste. Das

tut die Welt

bis heute.

Manfried Rauchensteiner ist Historiker, Universitätsprofessor

in Wien und lehrte außerdem bis 2021 an

der Diplomatischen Akademie. Er war 1992–2005

Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in

Wien und anschließend bis 2011 maßgeblich am Aufbau

des Militärgeschichtlichen Museums in Dresden

beteiligt. Er ist Autor zahlreicher Bücher, darunter

das Standardwerk „Der Erste Weltkrieg und das

Ende der Habsburgermonarchie 1914–1918“. Er lebt

und arbeitet in Wien.

Buchtipp:

Manfried Rauchensteiner:

Unter Beobachtung

2. Auflage, Böhlau Verlag,

686 S., € 36,00

Veranstaltungstipp:

Buchpräsentation „Unter Beobachtung.

Österreich seit 1918“

Mit Manfred Rauchenstein

Moderation: Helena Töchterle

Di., 26. April 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt frei!


Tiefgründig und

atemberaubend

Beim Literaturfestival am Achensee

sind alle Sinne gefordert

Die achensee.literatour

von 5.– 8. Mai 2022

Spannende Begegnungen mit hochkarätigen

Autorinnen und Autoren

© TVB Achensee

Eröffnet wird der viertägige Literaturreigen

von Michael Köhlmeier und Monika Helfer −

beide in den Anfangsjahren des Festivals

bereits zu Gast − die aus ihren aktuellen Romanen

lesen werden. Köhlmeier präsentiert

sein im Sommer 2021 erschienenes Buch

Matou, in dem der charismatische Erzähler

ein Kater ist, und Helfer ihren brandaktuellen

Roman Löwenherz, der letzte Teil

ihrer Familientrilogie.

Ebenso ein Wiedersehen am Achensee feiert

Jessica Lind, Preisträgerin des achensee.

literatour Aufenthaltsstipendiums aus dem

Jahr 2016, die auf der Erfurter Hütte aus

ihrem Romanerstling Mama lesen wird. Eine

passendere Location hätte es für dieses Buch

wohl kaum geben können, spielt der Roman

doch in einer einsamen Hütte. Auch der

Schirmherr der achensee.literatour, der Tiroler

Erfolgsautor Bernhard Aichner, entführt

mit Brennweite bereits zum dritten Mal in die

Welt des Pressefotografens David Bronski.

Aichner liest erstmalig im historischen

Fischergut in Pertisau, wo die Gäste nicht

nur musikalisch durch den Abend begleitet

werden, sondern auch in Anlehnung an das

Buch mit kulinarischen Köstlichkeiten überrascht

werden.

Das HAYMON achensee.literatour Stipendium

2022 geht an die in Berlin lebende

Osttirolerin Angela Lehner, die aus ihren

Roman 2001 lesen wird. Bereits zum zweiten

Mal wird es auch eine Debütlesung im Seehotel

Einwaller in Pertisau geben: Tatjana

Scheel liest am Samstagnachmittag aus ihrem

Roman Vielleicht habe ich dich nur erfunden.

© Nini Tschavoll / Franz Oss © Ursula Aichner / Laurin Gutwin

Der Samstagabend im traditionellen

Alten Widum in Achenkirch ist dann ebenso

fest in weiblicher Hand, denn dort präsentieren

die Tiroler Autorin Judith Taschler und

die junge Marie Gamillscheg ihre beiden aktuellen

Romane Über Carl reden wir morgen

und Aufruhr der Meerestiere.

Den bereits traditionellen Abschluss am

Sonntagvormittag bildet wieder die Krimiwanderung

am Dien-Mut-Weg in Pertisau.

Der Salzburger Manfred Baumann nimmt

die interessierten Literatur- und Krimifans

dieses Mal auf eine spannende Wanderung

hinauf zur Rodlhütte mit einem eigens für

diese Strecke geschriebenen Kurzkrimi mit.

Moderiert wird die Veranstaltung einmal

mehr von Theodora Bauer, selbst Autorin

und ehemalige Stipendiatin.

Dem Blick der Besucher*innen fällt die

Entscheidung schwer, verweilt er auf der

türkisblauen Wasseroberfläche oder schweift

er hinauf zu den mächtig thronenden Bergketten,

die den wunderschönen Achensee

einrahmen. Ganz klar: Diese Kulisse zieht in

den Bann und ist deshalb nicht umsonst zur

Bühne für ein Literaturfestival geworden,

das – wie kaum ein anderes – erlesene Nahrung

für Körper, Geist und Seele bietet.

Bereits in der 11. Auflage findet heuer

die achensee.literatour statt. Vom 5. - 8. Mai

2022 geben sich wieder große Namen der

Literaturszene und solche, die auf dem

besten Wege dazu sind, ein Stelldichein an

verschiedenen Plätzen rund um den größten

See Tirols. Seit das Festival aus der Taufe

gehoben wurde, zeichnen sich die Veranstalter*innen

durch ein Gespür dafür aus,

Literatur in vielfältigen Ausprägungen für

ein breites Publikum erlebbar zu machen.

Sowohl die Auswahl der geladenen Autorinnen

und Autoren, die in unterschiedlichen

Genres zu Hause sind, als auch die

verschiedenen Schauplätze rund um den

Achensee, sorgen für die stets spannende

und abwechslungsreiche Dramaturgie dieser

einzigartigen Lesereise, die das Publikum

zu fesseln vermag.

Egal, ob man nur einen Teil des Weges mitgeht

oder ob man sich in mehreren Etappen

guter Literatur und faszinierenden Ausblicken

hingeben möchte, das diesjährige

Programm bietet lesebegeisterten Gästen

wieder eine wohlfeile Auswahl.

Programm und Tickets:

Das genaue Programm mit allen

Beginnzeiten, Örtlichkeiten und Ticketreservierungen

finden Sie auf:

www.achensee-literatour.at.

Buchtipps:

Michael Köhlmeier:

Matou

Hanser Verlag,

960 S., € 35

Monika Helfer:

Löwenherz

Hanser Verlag,

192 S., € 20,60

Bernhard Aichner:

Brennweite

Btb Verlag,

352 S., € 17,50

Marie Gamillscheg:

Aufruhr der Meerestiere

Luchterhand Verlag,

304 S., € 22,70


© Stefan Knittel

Im Buchhandel kennt jeder Rotraut Schöberl,

die, gemeinsam mit ihrem Kollegen

Erwin Riedesser, die erfolgreiche Buchhandlung

Leporello in Wien gegründet hat.

Für alle anderen ist Rotraut Schöberl spätestens

durch ihre wöchentlichen Auftritte als

Buchexpertin bei Café Puls 4 ein Name.

Nun kommt am 22. März nach Mord auf

leisen Pfoten ihre neue mörderische Anthologie

Radieschen von unten – Kriminell gute

Gartenmorde im Residenz Verlag heraus.

Zahlreiche gartenaffine Autorinnen und Autoren

wie Alex Beer, Eva Rossmann, Agatha

Christie und Thomas Raab – um nur einige

Namen zu nennen – versammeln sich hier.

Und so viel ist klar: der Gärtner muss nicht

immer der Mörder sein.

Liebevoll illustriert von Hanna Zeckau

verspricht die Anthologie wunderschönes

Morden im Garten. Branchenkollegin

Bettina Wagner hat Rotraut Schöberl zum

Interview gebeten.

Rotraut

Schöberl

Ich finde, man merkt den Geschichten die

Freude am Kurzkrimi schreiben durchaus

an, das Vergnügen überträgt sich auf

die Lesenden. Ich musste ja auch sehr viel

schmunzeln beim Lesen, manchmal sogar

laut und kräftig loslachen!

Bei vielen Autorinnen und Autoren war

die Idee schon lange vorhanden und konnte

sich nun, dank meiner Anfrage, manifestieren.

Einige erzählten mir, quasi in der Sekunde,

dass sie schon lange eine Geschichte

im Kopf hatten, aber...

Nun ist sie fürs „Radieschen“ festgehalten

:-)

Ich habe dich immer als

Vielleserin wahrgenommen, in

den verschiedensten Genres. Eine

besondere Liebe von dir gilt allerdings

dem Krimi. Kannst Du uns erzählen,

woher sie kommt?

Hmm, interessante Frage! Ein für mich in

meiner Jugend sehr beeindruckendes Lese-

Trick wie du so frisch und fröhlich

um 6.00 morgens aussiehst?

Ich mache das ja schon jahrelang und habe

den Verdacht, dass mein Köper ganz genau

weiß, wann Dienstag ist. Da wacht er einfach

putzmunter um 4h30 auf; mein Geist

folgt ihm eher langsam, und im Studio,

meist um 6h20 on Air, bin ich auch endlich

schlagfertig und versuche meine vier Minuten

gut (und schnell) zu nützen.

Ich träume ja noch immer von einer

Krimiserie auf den Kanaren von

dir, die dann der Diogenes Verlag

rausbringt. Gibt es vielleicht schon

Pläne dazu?

Liebe Bettina, da hast du wirklich etwas

angestoßen: meine Kanarenliebe und mein

Kanarenwissen mit der Krimileidenschaft

zu verkochen! Mein Plan ist in den nächsten

Monaten ein Konzept zu erstellen. Apropos

verkochen: es wäre ohne Rezepte; ich esse

zwar sehr gerne, koche aber nicht leidenschaftlich

(wahrscheinlich sind dann eher

Restauranttipps inkludiert). Ich möchte die

Krimis mit einem Freund schreiben (a la

Fruttero & Lucentini, dies ist ein Hinweis

für die älteren Krimi-Aficionados).

So viel kann ich jetzt schon sagen:

Die ersten Gespräche sind sehr vielversprechend!

Das Alte Testament

war wohl

die erste Krimianthologie

Rotraut Schöberl

44 Wagner’sche.

Dein neues Buch Radieschen von

unten hat einen sehr vielversprechenden

Buchtitel. Wird in deiner

Anthologie ausschließlich im Garten

gemordet?

Nicht nur, auch im und mit „Grünzeug“:

zum Beispiel mit Erbsensuppe, mit Kräutern,

mit Schierling, mit Opuntiendornen

und vieles mehr. Es landen Leichen in den

Dahlien, wunderschöne Rosen sind stumme

Zeugen, Mörder werden durch Rhododendron-Pollen

oder unsachgemäße gärtnerische

Arbeiten überführt. Manchmal braucht

es auch die Hilfe einer Katze wie Handke,

bereits bekannt aus meiner Katzen-Krimi-

Anthologie Mord auf leisen Pfoten. Die grünen

Schauplätze sind sehr verschieden, vom

Botanischen Garten und dem Volksgarten

in Wien, einer burgenländische Dorfidylle

(oder eben nicht) über London bis Sardinien.

Übrigens: bitte nie die Gärtner*innen

unterschätzen, das könnte sich rächen!

War es schwer Autorinnen und

Autoren für dein Projekt zu finden?

Auch diesmal auf wunderbarer Weise überhaupt

nicht: Ich habe eher den Eindruck,

dass alle nicht nur sehr gerne mitmachen,

sondern auch mit viel Spaß am Thema sind.

erlebnis war die Bibel in der Luther Übersetzung.

Das Alte Testament war wohl die

erste Krimianthologie, die ich verschlang

und seit Dostojewskis Verbrechen und Strafe

verteidige ich das Krimi Genre. Auch pflege

ich damit meinen Hang zur Gerechtigkeit,

die, literarisch betrachtet, nicht immer die

legale ist... von meinen Radieschenkrimis

will ich eigentlich gar nicht so viel mehr

erzählen ;-)

Hat sich dein Leseverhalten verändert

seitdem du nicht mehr täglich im

Leporello bist?

Nicht wirklich viel, aber ich habe nun mehr

Zeit hellwach und meist ohne Zeitlimit zu

lesen, eben nicht nur kurz vorm Schlafen,

und ich lese nun nur mehr aus Neugierde,

nicht weil ich es vielleicht „sollte“.

Das heißt aber, dass ich auch mehr

Zeit habe, Bücher zu entdecken und damit

wächst mein SuB (Stapel ungelesener Bücher)

vielleicht doch noch mehr als früher.

Wir sehen dich wöchentlich im

Fernsehen zu einer Zeit, wo ich

mich im Bett meist noch mal kurz

umdrehe. Verrätst du mir deinen

Buchtipp:

Rotraut Schöberl (Hrsg.):

Radieschen von unten

Residenz Verlag,

260 S., € 22,00

Veranstaltungstipp:

Buchpräsentation mit Musik

Mit Rotraut Schöberl & Peter

Zirbs

Moderation: Robert Renk

Di., 10. Mai 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card


© XXX

Das neue literarische

HausQuartett ...

Die Wagner’sche Buchhandlung kleidet ein altes Format

der Buchempfehlung neu ein. Von Robert Renk

Man kennt es: Vier Personen sitzen sich

gegenüber und sprechen über vier Bücher.

Manchmal freundlich, manchmal lassen sie

sich kaum ausreden. Manchmal geht es um

Bücher, manchmal um persönliche Eitelkeiten.

Stimmung kann aufkommen, muss

aber nicht.

Mir geht es

darum aus anderen

Welten

etwas in meine

Welt zu übersetzen.

Evelyn Unterfrauner

46 Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Bei uns ist Stimmung garantiert, es gibt tolle

Gäste und es gibt immer Livemusic! Viermal

im Jahr wird es dieses neue Format des

literarischen HausQuartetts geben. Moderiert

von Evelyn Unterfrauner und Robert

Renk (die sich noch aus der Zeit kennen, als

Evelyn Unterfrauner ihre Büchersendung

für Tirol TV machte). Als Gäste konnten

gewonnen werden:

Michaela Posch, Grafikerin (u.a. QUART),

Schauspielerin (u.a. Haller Theaterhaufen)

und einigen bekannt durch das wunderbare

Quartett, das es im Stromboli gab.

Und Rotraut Schöberl, Buchhändlerin

der Nation, die jeden Dienstagmorgen im

Cafe-Puls, dem österreichischen Frühstückfernsehen,

mit Büchertipps glänzt.

Im Jahre 1994 eröffneten Rotraut Schöberl

und Erwin Riedesser das Leporello, um

ihren Traum von einer Buchhandlung

zu verwirklichen. Bei Residenz erschien

soeben die von ihr herausgegebene Krimianthologie:

Radieschen von unten

(Residenz Verlag).

Als musikalischen Gastact begrüßen wir

Gary Laowai & Friends: Singer Songwriting

trifft Chinesische Texte. Der in Innsbruck

lebende Gerhard Staudinger aka GaryLaowai

schafft den Spagat zwischen westlicher Musik

im Stile des Great American Songbooks mit

chinesischen Texten so mühelos, wie kaum

ein anderer. Während seiner Studien in

China lernte er Land & Leute lieben und

erzählt in seinen Liedern Geschichten aus

dem Land der Mitte.

Ein konzertantes Buchbesprechungserlebnis

im schönsten Wohnzimmer der Stadt. Platzkarten

werden an der Kassa der Wagner’-

schen ausgegeben.

47

© Alexander Kofler / Gerhard Staudinger © Pamela Rußmann / Thomas Schrott

Veranstaltungstipp:

Literarisches HausQuartett

mit Rotraut Schöberl, Michaela

Posch und Gary Laowai &

Friends; Moderation: Evelyn

Unterfrauner & Robert Renk

Mi., 11. Mai 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: FreiWillige Spenden,

Platzkarten!


© Lukas Beck/Suhrkamp Verlag

Buchtipp:

Doron Rabinovici:

Die Einstellung

Suhrkamp Verlag,

224 S., € 25,30

fasziniert hat

mich dieser

Mahlstrom an

Begeisterung für

den Populismus

48

Doron Rabinovici

Wagner’sche.

Doron Rabinovici hat einen hochaktuellen

Roman geschrieben, der den komplexen

Verflechtungen zwischen Medien und Politik

sensibel und hellsichtig nachspürt. Im Gespräch

mit Mascha Dabić spricht er über

die Fallstricke des Fotojournalismus und die

rechtspopulistische Herausforderung an die

Demokratie.

Mascha Dabić: Eine Kamera ist

ein Mittel zur Distanzierung von

der Wirklichkeit und zugleich ein

Instrument, um die Welt in einer

hoffentlich richtigen Einstellung

zu erfassen, wie es auch der Titel

vorwegnimmt. August Becker ist so

sehr damit beschäftigt, seinen Blick

durch die Linse zu schärfen, dass

er dabei sogar die Homosexualität

seines Sohnes übersieht. Indem er

den Populisten Ulli Popp fotografiert

und ihm damit unfreiwillig zu

mehr Popularität verhilft, handelt

er sich auch den Vorwurf ein,

„Erfüllunsgehilfe eines Demagogen“

Von der Wirklichkeit

überholt

dieser Mahlstrom an Begeisterung für den

Populismus, der immer mehr Menschen erfasst.

Wo Menschen, bei denen man es nicht

vermuten würde, erfolgreiche, weltläufige

Geschäftsleute, einem plötzlich erzählen,

Russland braucht einen starken Mann, und

irgendwie gefällt ihnen Trump auch, weil er

mit dieser Political Correctness aufräumt,

und es brauche jemanden wie Netanyahu,

um gegen Feinde aufzumarschieren, und

das geht dann runter bis zu Orban und

Kurz und so weiter.

Doron

Rabinovici

zu sein. Wie kommt es, dass du

einen Fotografen ins Zentrum

deines Romans gestellt hast?

Die Idee zum Buch entstand 2017 bei

einem Fototermin. Inspiriert wurde ich

durch reale Begebenheiten und Menschen.

Und ich habe mir Anregungen

bei erfahrenen Pressefotografen geholt.

Der Fotograf, der als Inspiration für

die Figur des August Becker diente, ist

nicht mit allzu großer Selbstsicherheit

ausgestattet, seine Sicherheit liegt in

der Kamera. Er glaubt an die Wiedergabe

der Wirklichkeit, weiß aber, dass es

darauf ankommt, diese Wirklichkeit mit

der richtigen Einstellung abzubilden – es

gibt ja verschiedene Interpretationen.

Er glaubt an die Wirklichkeit als Tatsache

und das treibt ihn an. Das war

die eine Gestalt, die mich fasziniert hat.

Aber noch viel mehr fasziniert hat mich

Wie sehr haben dich die realen

politischen Ereignisse in Österreich

inspiriert?

Als ich das Buch begonnen habe, war vieles

noch nicht passiert, was sich im Nachhinein

als wahr herausgestellt hatte. Doch

im Nachhinein überholte die Wirklichkeit

auch schon wieder das Geschriebene. Diese

ganze Inseratenaffäre, das glaubte einem

ja niemand in Deutschland. Es war immer

wieder notwendig, dass Österreich so geschildert

wird, wie es ist, in seiner Besonderheit.

Lange war Österreich ein Einzelfall,

eine Form von Quarantänestation für die

sonstigen westlichen Demokratien, wo

man die Vergangenheit nicht aufgearbeitet

hatte und der rassistische Populismus

fröhliche Urstände feierte. Aber hier ist es

jetzt anders. Nun haben wir die Situation,

dass Österreich nur Avantgarde war, für

eine Entwicklung, die international Bahn

bricht. Und diese Krise der Demokratie ist

eben etwas, das überall... na, nicht überall,

aber in vielen Staaten seine Wirkung zeigt.

Wobei Ulli Popp nicht Kurz ist.

Sondern? Wer ist Ulli Popp?

Ulli Popp ist ja klüger als Strache, reflektierter

als Kurz und offener als Kickl. Und wäre

er das nicht, wäre es viel schwerer, mit ihm

zu reden. Das heißt, er ist auch eine Person,

die sich selbst klarer präsentiert. Gleichzeitig

ist er ein Prototyp, weil er genug sexistisch,

genug rassistisch und genug zynisch

ist, um zu zeigen, dass er das Programm

seiner selbst ist. Aber das ist keine ideologiefreie

Situation, denn das Programm seiner

selbst zu sein, bedeutet, dass man bereits

eine Position zur Macht eingenommen hat,

die sehr gut zur Führerideologie passt.

Das dialektische Verhältnis zwischen

Medien und Politik beruht auf

der Idee, die Medien könnten als

vierte Gewalt im Staat durch Kritik

und das Ideal der Objektivität

Kontrolle auf die Politik ausüben.

Welche Möglichkeiten hat die

Literatur, auf die Politik zu schauen,

beziehungsweise auf die Dynamik

zwischen Medien und Politik?

Der Journalismus gibt ja nicht jedem

Raum. Die sogenannte bürgerliche freie

Presse ist schon eine privilegierte Position.

Und Medien können nur erscheinen, wenn

ein Financier, wenn finanzielle Interessen

dahinter stehen. Bei der Literatur ist es

anders schon allein, weil ich auch einen

Roman schreiben kann, ohne dass ich dafür

bezahlt werde. Das Nächste ist, die Literatur

beschäftigt sich mit der Sprache, sie

geht in die Sprache hinein. Sie verwendet

die Sprache nicht bloß als Handwerk. Das

ist ein wichtiger Punkt. Wenn ich meinen

Freund Robert Misik Anfang der 90er Jahre

in Berlin besuchte und er sagte in der Früh,

du, schreiben wir jetzt, was wir zu schreiben

haben, und nachher gehen wir frühstücken,

dann kam er irgendwann daher, du, mein

Artikel ist fertig, gehen wir. Ich aber hatte

gerade erst einen einzigen Satz geschrieben.

Das Ringen um die Sprache gehört zu dem

Schriftstellerischen dazu, und sei es nur als

Inszenierung. Und das ist beim Journalismus

nicht gefragt.

Im Journalismus muss es schnell

gehen?

Es geht nicht nur um die Schnelligkeit, es

geht auch darum, dass ich als Schriftsteller

im Unterschied zum Journalisten nicht

versuche, die Wirklichkeit abzubilden.

Der Journalismus bleibt da unweigerlich

gefangen, weil er sich einem Objektivitätskriterium

unterwerfen muss, und wenn er

es nicht tut, wird ihm von den Kollegen

mitgeteilt, das es kein Journalismus mehr

ist, sondern Engagement, Aktivismus.

Als Schriftsteller habe ich keine Person

vor Augen, die ich abzubilden versuche,

sondern ich entwerfe eine Person, die ein

Prototyp ist, und die für mehr stehen kann.

Und auf diese Weise macht sie auch mehr

klar. Beim Buch kann ich viele Schritte

zurückgehen und Distanz gewinnen, und

erst dadurch der Wahrheit näher kommen,

indem ich mich von der Wirklichkeit entferne.

Buchpräsentation:

Doron Rabinovici „Einstellung“

Moderation: Rotraut Schöberl

Do., 12. Mai 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card


Genau hinsehen, was geschieht

Vom 13. bis 15. Mai wird Innsbruck zu einem offenen

Forum für Debatten, Lesungen, Dok-Filme, Audio-Features,

Fotoreportagen und Comics.

Frauen über das Frausein

Journalistin Barbara Bachmann und Fotografin

Franziska Gilli reflektieren in ihrem ersten gemeinsamen

Buch das Frauenbild in Italien. Von Gerlinde Tamerl

13. | 14. | 15. Mai 2022

Farahnaz Forotan, Foto © privat

Das Journalismusfest Innsbruck ist ein

Begegnungsort, ein Ort der Debatte, des

kulturellen Austauschs. Journalistinnen und

Journalisten aus der ganzen Welt kommen

mit ihrer spezifischen Expertise zu Wort.

Sie diskutieren mit Wissenschaftler*innen,

NGO-Vertreter*innen und anderen Expert*innen

zu aktuell drängenden Fragestellungen,

sie alle kommen mit dem Publikum

ins Gespräch. Bei Buchvorstellungen

und Lesungen erzählen Reporterinnen und

Reporter von ihren Erfahrungen, geben

Einblicke in ihre Arbeit. Ausstellungen mit

Fotoreportagen und Comics, dokumentarische

Filme und Audiofeatures werden

präsentiert.

„Genau hinsehen, was geschieht.“ Unter

diesem Motto steht das „Journalismusfest –

Genau hinsehen,

was geschieht.

Ilse Aichinger

Olga Shparaga, Foto © Violetta Savchits

Gerald Knaus, Foto © Francesco Scarpa

Internationale Tage der Information“, das

von Journalist Benedikt Sauer und Markus

Schennach (ehem. Geschäftsführer Freies

Radio Innsbruck) ins Leben gerufen wurde.

In kürzester Zeit haben die beiden ein hochkarätiges

wie internationales Programm

zusammengestellt, das einmal mehr die Bedeutung

von kritischem Qualitäts-Journalismus

unterstreichen will. Die meisten

Veranstaltungen sind frei zugänglich und

bieten ein breites Themenspektrum an.

„My red line is my pen“, notierte die

afghanische Journalistin Farahnaz Forotan.

Der Schreibstift, der auch im Logo des Festivals

zu sehen ist, stehe für „die Freiheit,

mich ausdrücken zu können. Ich bin Journalistin

und will es auch bleiben“. Forotan

hat für afghanische TV-Sender gearbeitet

© Journalismusfest

bis ihr im Herbst 2020 geheimdienstlich

geraten wurde, ihr Land zu verlassen. Die

Gründerin der Kampagne „MyRedLine“

kommt aus den USA nach Innsbruck und

diskutiert u.a. mit Monika Hauser von der

Frauenrechte-NGO medica mondiale.

Erwartet wird auch der im Exil lebende

türkische Journalist, Blogger und European

Press-Preisträger Yavuz Baydar, er ist u.a.

auch Mitbegründer von P 24, einer unabhängigen

Medienplattform in Istanbul.

Diskutiert wird zudem über die Situation in

Belarus nach der unterdrückten Revolution.

Die Ausstellung „Belarus lebt!“ zeigt den

Mut der Demokratiebewegung. Die Philosophin

Olga Shparaga wird mit der belarussischen

Journalistin Ljubow Kasparowitsch

diskutieren, beide mussten ebenfalls ihr

Land verlassen. Unterstützung bieten soll

ein weltweiter Schutzschirm für verfolgte

Journalist*innen, den die deutsche Regierung

auf den Weg bringen will: Auch dies

wird Thema sein beim Journalismusfest –

Internationale Tage der Information.

Im Dom sind zudem beeindruckende

Fotos des preisgekrönten Fotojournalisten

Gideon Mendel über die Folgen der Klimakrise

mit dem Titel Ertrinkende Welt zu

sehen und im Taxispalais werden die beliebten

Comics von Le Monde Diplomatique

ausgestellt.

Das Festival wird veranstaltet in Partnerschaft

mit der ZEIT, der Süddeutschen

Zeitung, der taz, Le Monde Diplomatique,

Christ & Welt, Standard, Falter, Radio Ö1,

Reportagen/Bern und Internazionale/Roma

sowie dem ORF-Tirol, der Tiroler Tageszeitung,

der APA, der Universität Innsbruck

und auch der Wagner’schen Buchhandlung.

Mehr Programminfos:

www. journalismusfest.org

Twitter: journalismusIBK

Instagram: journalismusfest

Farahnaz Forotan war eine der ersten Reporterinnen

und TV-Moderatorinnen in Afghanistan. Sie kommt

aus dem Exil in den USA nach Innsbruck.

Die belarussische Philosophin Olga Shparaga („Die

Revolution hat ein weibliches Gesicht“, Suhrkamp)

spricht mit Journalist*innen aus Belarus über die

Demokratiebewegung.

Der Soziologe und Fluchtexperte Gerald Knaus

diskutiert mit der Journalistin Annalisa Camilli

aus Rom und Bischof Glettler über die Folgen der

EU-Fluchtpolitik.

Sie schreiben über das Leben

italienischer Frauen. Warum liegt Ihr

Fokus gerade auf diesem Land?

Wir hätten uns auch mit anderen Gesellschaften

beschäftigen können. Nicht nur in

Italien ist das Frauenbild stereotyp geprägt,

auch Länder wie Österreich oder Deutschland

sind von einer vollständigen Gleichberechtigung

immer noch entfernt. Nur

empfinden wir die Situation in der italienischen

Gesellschaft als noch deutlicher, die

Strukturen starrer.

Sie schildern, dass es auch im

„Land der Kavaliere“ ausgeprägte

Gewalt gegen Frauen gibt. Wodurch

unterscheidet sich Italien von anderen

Ländern?

Es gibt dort ein unglaublich rückständiges

und sexistisches Frauenbild im privaten

wie auch im öffentlichen Fernsehen ohne

Alternativen in der Hauptsendezeit. Die

Nähe zum Vatikan und der Einfluss der

katholischen Kirche dürfen auch nicht

unterschätzt werden. Gleichzeitig ist in Italien

vor ein paar Jahren aber auch eine der

lautesten feministischen Bewegungen Europas

entstanden: „Non una di meno.“ Dieses

Spannungsverhältnis hat uns interessiert.

Gibt es sie noch, die italienische

Mamma, die den ganzen Tag am

Herd steht?

Es gibt vor allem viele Klischees über die

Mutterrolle und das Frausein im Allgemeinen.

Wir haben versucht, die „echten“

Frauen zu finden, die unter dem Druck der

beiden Stereotypen – Hure und Heilige –

leben. In einem Kapitel porträtieren wir 12

unterschiedliche Frauen, von der 18jährigen

Miss-Anwärterin bis zur 99 Jahre alten

Großmutter und Bäuerin. Sie erzählten uns

von ihren Wünschen, Sorgen und ihrem

Verständnis von Weiblichkeit.

Sie schreiben, dass Sie den Menschen

die Angst vor dem Feminismus

nehmen wollen. Wenn es sie gibt,

woher kommt sie?

Feminismus ist nicht nur in der italienischen

Gesellschaft ein sehr missverstandener

Begriff. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

Die Rolle der Frau in den Medien, in der

katholischen Kirche, im Patriarchat. Frauen

wird nach wie vor das Gefühl vermittelt,

© Mirja Kofler

eine Minderheit zu sein. Statt Solidarität

dominiert ein Konkurrenzdenken. Feministinnen

werden manchmal gleichgesetzt

mit „Männerhasserinnen“, wie uns etwa ein

Pornodarstellerin aus Turin in einem Interview

bestätigte.

Welchen Wandel erhoffen Sie sich

mit der Publikation dieses Buches?

Im besten Fall denselben, den wir selbst

während dieser Recherche durchgemacht

haben. Durch die Arbeit an dem Buch

wurden uns die treibenden Kräfte, die das

bestehende Frauenbild aufrechterhalten,

bewusster. Wir haben den Blick geschärft

und Verhaltensweisen hinterfragt – auch

eigene. Wir sind sensibler geworden. Es

wäre schön, wenn das Buch bei unserer

Leserschaft etwas bewegt und wir mehr im

Dialog über die Themen sind, die wir im

Buch ansprechen.

Barbara Bachmann, geb. 1985 in Bruneck, ist freie

Reporterin. Ihre Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet,

etwa mit dem Axel-Springer-Preis.

Franziska Gilli, geb. 1987 in Bozen, zeigt ihre Fotoarbeiten

bei internationalen Festivals, u.a. beim

Copenhagen Photo Festival. Beide Autorinnen

arbeiten auch für die „Süddeutsche Zeitung“, „Der

Spiegel“ und „Die Zeit“.

Buchtipp:

Barbara Bachmann,

Franziska Gilli:

Hure oder Heilige. Frau sein in

Italien

Edition Raetia Verlag,

224 S., € 27,50

Veranstaltungstipp:

Journalismusfest Innsbruck

13. bis 15. Mai 2022

Hure oder Heilige – Frau sein in

Italien, Diskussion mit Barbara

Bachmann und Franziska Gilli

Fr., 13. Mai 2022, 19:30 Uhr

Moderation: Gerlinde Tamerl

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt frei!


© XXX

Für Christoph W. Bauer spielt Musik eine

wesentliche Rolle in seinem literarischen

Schaffen. Bereits während des Schreibens

fließt sie in seine Literatur mit ein.

Eine Auswahl vertonter Gedichte wird

nun im Rahmen der Veranstaltungsreihe

klang_sprachen beim W:ORTE Lyrikfestival

Innsbruck zu hören sein. Der Autor im Gespräch

mit Evelyn Bubich.

Lyrik und Musik stehen in einem

engen Naheverhältnis zueinander.

Siehst du in deinem lyrischen

Schaffen die inhaltliche oder die

rhythmische Dimension für dich im

Vordergrund?

Jeder Text von mir hat einen musikalischen

Begleiter. Das kann ein Lied sein, eine

Sonate, ein Streichquartett. Und ganz unabhängig

vom Genre ist die rhythmische

Dimension für mein Schreiben von großer

Bedeutung. Noch bevor ich mit einem Gedicht

oder einer Erzählung beginne, suche

ich nach einem Rhythmus, der meine Worte

trägt, um es so auszudrücken. Dichtung ist –

für mich – immer auch Rhythmus.

Lyrik bedient am Literaturmarkt

noch immer eine Nische. Glaubst du,

dass die Verschränkung von Lyrik

und Musik dazu beiträgt, mehr Leute

für Lyrik zu begeistern?

Na ja, es kommt ein bisschen auf die Art

der Lyrik bzw. der Musik an. Ein hermetisches

Gedicht in atonaler Vertonung – ich

weiß nicht, ob damit mehr Menschen für

Lyrik zu begeistern sind. Mittlerweile gibt

es eben mehr Lyrikerinnen und Lyriker als

Leserinnen und Leser von Gedichten. Und

was den Literaturmarkt angeht, der interessiert

mich nicht wirklich. Lyrik ist für

mich der Ursprung aller Poesie. Abgesehen

davon: Um wie vieles ärmer wäre besagter

Markt denn ohne Nischen?

In deinem neuen Gedichtband an den

hunden erkennst du die zeiten greifst

du u.a. das Thema des unablässigen

Einholens der Zeit auf – als „Gebell

der Vergangenheit“. Wie würdest du

deinen persönlichen Umgang mit der

Zeit beschreiben?

Oft bevölkern literarische Vorbilder

deine Texte, wie der römische

Dichter Catull oder François Villon.

Wer bzw. was wird einem diesmal

begegnen?

Die literarischen Vorbilder nenne ich

Wahlverwandte. Ich versuche, mit ihnen

ins Gespräch zu kommen. Auch im neuen

Lyrikband. Und vielleicht möchte die eine

oder der andere das Buch ja lesen, um

herauszufinden, wer dort in den Gedichten

auftaucht.

Besucht man deine Website, stößt

man auf eine Art literarisches

Motto: poetry is a punkrocker –

auch der Titel eines deiner älteren

Kooperationsprojekte. Inwiefern

beeinflusst dieser Leitsatz deine

eigene Poesie?

Er beeinflusst nicht nur meine Poesie, er

beeinflusst mein Leben. Einmal Tote Hose,

immer Tote Hose, so könnte ich es auch

sagen. Wobei ich im neuen Band auch von

Schubert spreche und dessen anarchischen

Akkorden. Und mehr verrate ich jetzt

nicht.

Christoph W.

Bauer

Christoph W. Bauer, geboren 1968 in Kärnten,

aufgewachsen in Tirol. Verfasst Lyrik, Prosa,

Essays, Hörspiele und Übersetzungen. Zahlreiche

Veröffentlichungen und Auszeichnungen. Zuletzt

erschienen: an den hunden erkennst du die zeiten,

Lyrikband, Haymon Verlag, 2022. Lebt und arbeitet

in Innsbruck.

Ich bin ein

Hund meiner

Zeit.

Christoph W. Bauer

52

Wagner’sche.

Im Rahmen von klang_sprachen*

werden nun wieder Texte von dir

vertont. Nach welchen Kriterien

wurden sie ausgewählt und wie hast

du den Umwandlungsprozess diesmal

erlebt? In welchem Spannungsver hältnis

stehen Lyrik und Komposition –

auch als künstlerisches Experimentierfeld

– für dich?

Nun, die Auswahl der Texte habe ich vorgenommen.

Ich wollte einen Querschnitt

bieten, in dem das Unterwegssein die

entscheidende Rolle spielt. Die Auswahl

reicht von meinem ersten Lyrikband bis

herauf zu meinem jüngsten. Als künstlerisches

Experimentierfeld würde ich das

gar nicht sehen. Es kommen schlicht Musik

und Wort zusammen – und natürlich ist es

immer wieder erstaunlich, welche Einklänge,

Dissonanzen oder Fügungen sich

ergeben. Die Zusammenarbeit hat mir viel

Freude gemacht, sie eröffnet neue Räume,

die ich so – rein auf Textebene – nicht

gesehen habe.

Salopp gesagt: Ich bin ein Hund meiner

Zeit. Ich wittere, streune herum, versuche,

die Zeit in Worte zu fassen. Vergangenheit

ist für mich nichts Abgeschlossenes; Vergangenheit

ist in Gegenwart verstreichende

Zeit. In meiner Arbeit beziehe ich mich oft

auf die Antike, eben aus vorhin erwähntem

Grund. »cave canem« ist Gegenwart, und

wird, während ich es ausspreche – wie ein

Teil von mir – Vergangenheit.

In stromern fragt das Textsubjekt:

„was sind wir anderes als alphabetisierte

affen?“ Die Zeit und das

Schreiben als etwas Politisches

verinnerlicht: Bist du der Meinung,

dass jede Zeit nach ihrer eigenen

Sprache sucht?

Ja, davon bin ich überzeugt; jede Zeit sucht

und fordert ihre eigene Sprache – und

in einem geglückten Text findet sie diese

Sprache sogar. Was freilich nichts mit

Modernität zu tun hat; das ist eine ganz

andere Sache.

Buchtipp:

C. W. Bauer:

an den hunden erkennst du

die zeiten

Haymon Verlag,

104 S., € 19,90

Veranstaltungstipp:

klang_sprachen 2022

Mit C. W. Bauer und dem Tiroler

Kammerorchester InnStrumenti

Fr., 10. Juni 2022, 19:30 Uhr

im Rahmen des Internationalen

Lyrikfestivals W:ORTE

Ort: vier und einzig, Hallerstraße

41

Eintritt: € 12,00 / 8,00

htpps//.linktr.ee/lyrikfestival


W:ORTE 2022 –

7. internationales Lyrikfestival

Von England und der Schweiz über Berlin, Wien,

Hausach, Vorarlberg, das Burgenland, das Tiroler Unterland

nach Slowenien; eine lyrische Reise in 7. Akten ...

Mi., 01. Juni

vor:worte

Federico Italiano und Raoul Schrott;

Literaturhaus am Inn

Di., 07. Juni

eröffnungsw:orte

Steven J. Fowler, Robert Prosser, Mieze

Medusa & Yasmin Hafedh (Yasmo);

Moderation: Robert Renk; Stadtbibliothek

Innsbruck

Mi., 08. Juni

w:ortschichten

Esther Kinsky und Sabine Gruber;

Moderation: Anna Rottensteiner;

Literaturhaus am Inn

Do., 09. Juni

w:ort über:setzung

Werkstattgespräch mit Esther Kinsky;

Literaturhaus am Inn

Fr., 10. Juni

klang_sprachen

„im unterwegssein da ist zukunft“

Tiroler Kammerorchester InnStrumenti &

Christoph W. Bauer; Haus vierundeinzig,

Innsbruck

Sa., 11. Juni

Lange Nacht der

jungen W:ORTE

Susanna Bihari, Raoul Eisele & Raphael

Urweider; Moderation: José F.A. Oliver &

Mikael Vogel; Wagner’sche, Innsbruck

Mo., 13. Juni

w:ortexpansion Telfs

Martin Piekar, Aleš Šteger & Fransen-

Musik; Moderation & Gespräch: José F. A.

Oliver; Villa Schindler, Telfs

Di., 14. Juni

nacht:lyrik

Aleš Šteger, José F. A. Oliver, Monika Helfer;

Moderation: Mikael Vogel & Frauke

Kühn; ehemalige Kutscheneinfahrt der Villa

Iwan und Franziska Rosenthal, Hohenems

Mi., 15. Juni

abschlussw:orte

Martin Piekar, Aleš Šteger & Fransen-

Musik; Moderation: José F. A. Oliver &

Mikael Vogel; Raikasaal Imst

Der LeseLenz in Hausach im Schwarzwald ist ein

Gütesiegel. Eine Idee; eine Vision, die zu einer Marke wurde.

Das internationale Literaturfestival in der „Kulturhauptstadt

des ländlichen Raumes“ bereitet sich auf seine 25. Ausgabe

vor. Ein Stelldichein der „W:orte“. Voller Überraschungen.

6. - 16. Juli 2022

Was mit drei Schriftstellerinnen und Schriftstellern

bei einer Veranstaltung mit 13 Zuhörerinnen und

Zuhörern im Frühjahr 1998 begann, hat sich zu

einem der „spannendsten Literaturfestivals im

deutschsprachigen Raum entwickelt“ (Frankfurter

Allgemeine Zeitung).

www.leselenz.eu

www.hausach.de

Festivalleiter José F.A. Oliver

Hunderte Autorinnen und Autoren – von Martin

Walser bis zu Friederike Mayröcker, von Colum

McCann bis zum letztjährigen Nobelpreisträger

für Literatur, Abdulrazak Gurnah – waren in

den letzten 25 Jahren zu Gast in Hausach.

Unter dem Motte „NEUE WORTE, NEUE

ORTE“ wird W:ORTE sieben Jahre alt

und hält einige Überraschungen bereit. Das

utopische Vorhaben „Weltpoetisierung“,

nimmt nämlich weiter Gestalt an. Nachdem

2019 das Lyrikfestival über die Stadtmauern

expandiert ist, nimmt es nun Fahrt auf und

sprengt sogar die Bundeslandgrenzen. So

wird aus dem Innsbrucker Lyrikfestival ab

nun DAS INTERNATIONALE LYRIK-

FESTIVAL W:ORTE.

Bereits mit vor:worte geht es international

los, und die eröffnungsw:orte führen es

fort: beide Abende schlagen nicht nur eine

Brücke zwischen Italien, England, Wien,

dem Tiroler Unterland und dem Bregenzerwald,

sondern auch zwischen Performance,

Übersetzung und Lesung. Die etablierten

und bewährten Räumen im Literaturhaus

am Inn gehört mit den w:ortschichten zwei

großen Autor*innen, die sich zwischen

mehreren Kulturen bewegen. Ganz im

Sinne der Internationalisierung wird das

Werkstattgespräch am vierten Abend,

ebenfalls im Literaturhaus am Inn, in die

Kunst des Über:setzens blicken lassen. Die

traditionelle Lange Nacht der W:ORTE in

der Wagner’schen Buchhandlung gehört

dieses Jahr der jungen Lyrik.

Die Zusammenarbeit mit dem Festivalsorchester

InnStrumenti feiert heuer

fünfjähriges Jubiläum und das mit Christoph

W. Bauer und mit einer Tournee zum

Hausacher LeseLenz. Überhaupt ist das

heurige Festival von Expansionen geprägt:

Jene nach Telfs ist mittlerweile schon fixer

Bestandteil, ebenso das Zusammenspiel mit

FransenMusik. So dürfen wir den überwältigenden

Poetisierungsmoment von 2019

wieder in der Villa Schindler erleben. Das

Tiroler Oberland hält weitere Einladungen

bereit und so dürfen wir erstmals in Imst

gastieren und dort die Abschlusslesung feiern.

Auch weiter westwärts, in Hohenems,

werden den W:ORTEN spezielle Türen

geöffnet. Die Kutscheneinfahrt einer Villa

aus dem 19. Jahrhundert, die erst 2024 zugänglich

sein wird, wird zum Schauplatz für

nacht:lyrik. Die Villa – so viel darf schon

verraten werden – wird die Gedichte buchstäblichen

zum Leuchten bringen.

54

Wagner’sche.

Fotonachweise: Y. Djaariri; F. Latka

In diesem Jahr wird die Literatur 10 Tage

lang gefeiert. Auch musikalisch. Über

50 Autorinnen und Autoren. Literarischkünstlerische

Perspektiven unserer Zeit

und deren Themen.

Ein Ereignis wird die Eröffnungsveranstaltung am 08. Juli 2022 unter

dem Titel „Klangsprachen“. Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti und

Christoph W. Bauer aus Innsbruck, einer der ersten LeseLenz-Stipendiaten

und Hausacher Stadtschreiber, geben sich die Ehre.

Wir freuen uns darauf – und auf Ihr Kommen!

Aus Österreich

kommen heuer

u.a.

Christoph W. Bauer

Nava Ebrahimi

Katharina J. Ferner

Karl-Markus Gauß

Susanne Gregor

Alois Hotschnig

Jörg Piringer

Michael Stavarič

Ilija Trojanow


© privat

In der Veranstaltungsreihe Printemps littéraire

français holt der Frankreich-Schwerpunkt

der Universität Innsbruck gemeinsam

mit dem Institut für Romanistik drei in ternational

erfolgreiche junge Autorinnen nach

Innsbruck. In der Wagner’schen Buchhandlung

ist die algerische und in Frankreich

lebende Kaouther Adimi zu Gast. Sie wurde

1986 in Algier geboren und lebt seit 2009 in

Paris. Ihr dritter Roman Was uns kostbar ist

(dt. 2018) wurde im Herbst 2017 gleich für

drei der wichtigsten französischen Literaturpreise

nominiert und schließlich mit dem Prix

du Style und dem Prix Renaudot des lycéens

ausgezeichnet. Im Augenblick arbeitet Kaouther

Adimi in der Villa Medici in Rom an

ihrem neuen Roman.

Liebe Kaouther, waren Sie schon

einmal in Österreich? Was verbinden

Sie mit Österreich?

Im Mai werde ich tatsächlich zum ersten

Mal in Ihr Land reisen. Österreich ist für

mich eine terra incognita, obwohl Stefan

Zweig einer meiner Lieblingsschriftsteller

Kaouther

Adimi

ich weder das heutige Algerien zu charakterisieren

noch zu definieren, was dort

gerade auf dem Spiel steht. Für mich ist das

Algerien meiner Texte in gewisser Weise ein

„Spielplatz“, ein kreativer Raum. Ich habe

es gewählt, weil es das Land ist, das ich am

besten kenne und mit dessen Geschichte

ich am besten vertraut bin, und weil sich

herausgestellt hat, dass es im historischen

Zeitraum, der mich interessiert, d.h. das

20. und 21. Jahrhundert, eines jener Länder

ist, die einschneidende politische und soziale

Umwälzungen erlebt haben.

Mit Ihrem dritten Roman Was

uns kostbar ist gelang Ihnen der

Durchbruch. Aus meiner Sicht

ist der Text eine eindrückliche

Geschichte über den Stellenwert des

französischen Erbes in Algerien und

über die Dynamiken des Erinnerns

und Vergessens. Es ist ein Roman

über die Spuren der Vergangenheit

in unseren heutigen Lebensräumen.

Sie begeben sich auf die Spur der

Am 18. Mai 2022 werden Sie

aus ihrem jüngsten Roman

Dezemberkids lesen, der auf

einer wahren Begebenheit beruht:

In der Wohnanlage Cité du 11

Décembre verteidigen Kinder ihren

Fußballplatz gegen Militärbonzen,

die dort ihre Villen bauen wollen.

Dezemberkids wird oft als Metapher

für die aktuelle Situation in

Algerien gelesen: Während die, die

an der Macht sind, versuchen, ihre

Macht zu zementieren, fordert die

Generation der unter 30-Jährigen,

immerhin 70% der Bevölkerung,

Reformen. Ihr Roman liest sich wie

ein subtil subversiver Text über den

Widerstand, der sich in Algerien

seit 2019 dann ja auch tatsächlich

formiert hat.

Es ist die Geschichte einer Rebellion, eines

unmöglichen Kampfes: Das ist wie der

Kampf von David gegen Goliath. Drei

Kinder glauben, dass sie gegen Generäle

und ein ganzes System kämpfen können.

Um sie herum agieren eine Vielzahl von

Individuen: Erwachsene, die viele Kompromisse

eingegangen sind, Jugendliche, die an

der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen

und Militärs, die angesichts dieser Rebellion,

mit der sie nicht gerechnet haben,

ratlos sind. Es ist wirklich eine Ode an den

Widerstand und an die Hoffnung, dass

selbst die größten Veränderungen manchmal

von den Kleinsten initiiert werden.

Es ist wirklich

eine Ode an den

Widerstand

Kaouther Adimi

56

Wagner’sche.

Literarischer Frühling

à la française

Kaouther Adimi

vor ihrem ersten

Österreichauftritt

im Gespräch mit

Doris Eibl

ist. Diese Reise ist für mich nicht zuletzt

eine Gelegenheit, österreichische Autor*innen

zu entdecken, und ich freue mich sehr

darauf, nach Innsbruck zu kommen.

Man könnte Ihre Romane insgesamt

als eine Art vielstimmiges Panorama

des städtischen Algeriens nach dem

Bürgerkrieg der 1990er Jahre lesen.

Was kennzeichnet Algerien heute,

was tut sich dort?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Frage

beantworten kann. Als Autorin versuche

legendären Buchhandlung Les Vraies

Richesses, die der junge Edmond

Charlot 1936 eröffnete. Was hat Sie

zu dieser Spurensuche veranlasst?

Der Ausgangspunkt meiner Spurensuche

war die Buchhandlung in der Rue Hamani 2

bis. Ich entdeckte sie zufällig, ohne nach ihr

zu suchen und war sehr beeindruckt, dass

sie allen Stürmen, allen Dramen und allen

Aufkaufversuchen standgehalten hatte. Sie

hatte die Kulturpolitik der Kolonialzeit, die

diese Art von Einrichtung nicht gerne sah,

den Zweiten Weltkrieg, den Algerienkrieg,

die Bomben der OAS und den Bürgerkrieg

der 1990er Jahre überlebt. Ich hatte Lust,

diesen Ort zu begreifen und von ihm zu

erzählen. Ich verbrachte ein Jahr damit,

auf den Spuren von Edmond Charlot die

Archivbestände zu durchforsten, las die

Korrespondenzen und Tagebücher der

Autoren seiner Zeit (Camus, Roy, Giono,

Amrouche...) und schließlich traf ich

Freunde von Edmond Charlot, die mit mir

Erinnerungen und Anekdoten teilten. Ich

wollte keine Biografie von Edmond Charlot

schreiben, ich wollte die Lücken füllen,

meine Vorstellungskraft arbeiten lassen,

fabulieren. Dafür musste ich nach Algier

zurückkehren, Personen und Orte erfinden.

Buchtipp:

Kaouther Adimi:

Dezemberkids

Lenos Verlag,

249 S., € 19,90

Veranstaltungstipp:

Kaouther Adimi liest aus

„Dezemberkids“

Moderation und Gespräch:

Doris Eibl und Birgit Mertz-

Baumgartner

Mi., 18. Mai 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt frei!


© Kati Zöhr Photography

Buchtipp:

Sara Erb:

Chelsea Stern

adakia Verlag,

271 S., € 14,40

Leïla Slimani schreibt in ihrem

aktuellen Buch Der Duft der

Blumen bei Nacht über das Dasein

als Schriftstellerin. Der erste Satz

lautet „Oberste Regel, wenn man

einen Roman schreiben möchte,

ist, nein zu sagen.“ Sie zitiert darin

auch Hemingway: „Die schlimmsten

Feinde eines Schriftstellers sind das

Telefon und Besuche“. Was sind

deine Gedanken dazu?

Da ich Selbstbewusstseins- und Yin-

Coachin bin und Grenzen zu setzen bei

Frauen ein großes Thema ist, kann ich das

nur unterschreiben. Zusätzlich ist es aus

meiner Sicht auch wichtig, Kontinuität zu

bewahren. Darauf zu warten, dass einen

die Muse küsst, ist nicht zielführend. Ich

plane genau ein, wann ich schreibe, habe

gemeinsame Schreibsessions mit anderen

Autorinnen und da gibt es dann keine Besuche

und kein Telefon.

Wann hast du begonnen den ersten

Teil deiner Chelsea Stern-Trilogie

zu schreiben?

Was würdest du anderen empfehlen,

die ein Buch geschrieben haben und

es veröffentlichen wollen?

A) Nicht aufgeben!

B) Recherchieren was Verlage brauchen und

anschreiben, anschreiben, anschreiben.

C) Absagen nicht persönlich nehmen.

D) Alle „Sexy-Sachen“ in die ersten 30

Seiten packen. (lacht)

Man könnte meinen, es war

noch nie so schwer wie heute ein

Buch zu veröffentlichen. Verlage

nehmen keine unaufgefordert

eingereichten Manuskripte an,

Literaturagent*innen haben mit dem

Bücherstau ihrer Autor*innen zu

kämpfen. Auf der anderen Seite gibt

zahlreiche Self-Publishing Angebote.

Hast du jemals überlegt diesen Weg

zu gehen?

Jain. Ich wollte nie Selfpublishing machen,

sondern immer bei einem Verlag unterkommen.

Nicht weil ich es mir selbst oder

anderen beweisen wollte, sondern weil ich

die Aufmerksamkeit für mein „Buchbaby“

Leser*innen möchtest du damit

anziehen?

Alle, die offen für Spiritualität, Transformation,

Veränderung sind, tief in ihrem

Inneren diese Welt ein bisschen besser

machen wollen und erkennen, dass dafür

vor allem die eigene Transformation und

Entwicklung vonnöten ist. Wenn wir alle

in Frieden mit uns sind, dann wäre dieser

Planet schon lange geheilt. Im Nachwort

habe ich das noch weiter ausgeführt.

Wie viel Sara steckt in der

Protagonistin Chelsea Stern?

Sie hat natürlich Eigenschaften von mir,

aber auch Eigenschaften von Serien-Protagonistinnen.

Für die Vater-Tochter-Beziehung

haben mich vor allem die Serien

The Black List und Shadow Hunters

inspiriert. Ich beschreibe Chelsea Stern als

stylisch und selbstbewusst, darin finde ich

mich wieder, sie studiert, wohnt in meiner

Lieblingsstadt … Vieles verschmilzt. Auch

viele weitere Figuren haben zu Beginn

Eigenschaften aus dem nahen Umfeld, entwickeln

dann aber ihr Eigenleben.

Fantasy

aus Tirol

Abschließende Frage: Gibt es eine

Autor*innen-Community, zu der du

dich zugehörig fühlst?

Zu einer konkreten Community fühle ich

mich nicht gehörig, bin allerdings mit einigen

Autorinnen u.a. aus Deutschland und

Tirol vernetzt und möchte das noch weiter

forcieren, deshalb freue ich mich schon sehr

auf den Abend in der Wagner’schen gemeinsam

mit Catherine Snow und Angelika

Moser.

Selbstermächtigte

Frauen

sind meine

Mission

Sara Erb

58

Wagner’sche.

Sara Erb im Gespräch

mit Evelyn

Unterfrauner

Ich habe im Jahr 2018 gestartet. Alles war

recht chaotisch und das Schreiben geschah

etappenweise. Dem Rat von Slimani bin ich

damals noch nicht gefolgt. Deshalb habe ich

relativ lange gebraucht um den ersten Teil

zu schreiben. Den zweiten Band hingegen

habe ich in 17 Tagen geschrieben.

Dein Debüt-Roman ist 2021 im

adakia Verlag erschienen, da liegen

nun 3 Jahre dazwischen. Wie

siehst du diese Jahre heute aus der

Retrospektive?

Ich durfte vieles Lernen, bin besser im Plotten

geworden, weiß, worauf es beim Thema

Spannung ankommt. Durch viele Absagen

weiß ich heute, was Verlage brauchen, das

hilft immens. Die letzten Jahre waren sehr

wichtig. Ich würde nichts daran ändern

wollen, weil ich alles für diesen Prozess gebraucht

habe.

haben wollte, die man nur über einen Verlag

bekommt. Ein Team, das sich um das Manuskript

kümmert. Der Prozess ist mir wichtig,

das Honorieren des Geschriebenen und das

Köpfe -zusammenstecken, um das Bestmögliche

rauszuholen, mit Cover, Satz etc.

Beim Selfpublishing bleibt einem vielleicht

ein bisschen mehr Cash, aber man

macht auch einfach alles alleine und ich

mache sonst schon alles alleine (lacht).

Nun bist du beim adakia Verlag und

beim Bookapi Verlag als Autorin

unter Vertrag – beides sogenannte

Kleinverlage – wie würde dein

Plädoyer für Kleinverlage lauten?

Ich habe jetzt natürlich keinen direkten

Vergleich, da ich noch bei keinem großen

Publikumsverlag bin (lacht), aber das Schöne

ist: Man fühlt sich aufgehoben, wertgeschätzt

und ich darf sehr viel Mitreden.

Wir kreieren gemeinsam, ich durfte das

Cover mitbestimmen uvm. Das ganze Projekt

wird so für mich noch viel wertvoller.

Und einmal noch zurück zu deinem

Roman Lichtmagie (Teil 1 der

Chelsea Stern Trilogie): Welche

Sara Erb, geb. 1993, ist Autorin und Selbstbewusstseinscoachin.

Sie studierte nach ihrem Auslandsjahr

in London Germanistik an der Universität

Innsbruck und absolvierte nach ihrem Studium

die Ausbildungen zur Journalistin, Stylistin und

Mentaltrainerin. Durch die Schreibbegeisterung

erlebte ihr Blog lasaraleona.com großen Erfolg im

österreichischen Raum. „Translator of the Universe“

ist nach der Urban Fantasy Trilogie „Chelsea Stern“

(adakia Verlag) ihr vierter Roman.

Veranstaltungstipp:

Fantasy und Gruselstories

Lesung von Sara Erb, Catherine

Snow und Angelika Moser

Moderation: Evelyn Unterfrauner

Di., 24. Mai 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit Wagner-

oder Ö1-Card


Schach - zu ebener Erde

und im ersten Stock

Am Montag, den 19. September wird überall im Haus Schach

gespielt, selbst Schach-Großmeisterin und Europameisterin

Regina Theissl-Pokorná (SVK/AT) ist dabei!

Eine Simultanpartie mit Großmeisterin

Regina Theissl-Pokorná? Eine normale

Partie Schach mit Mitgliedern der Tiroler

Schachschule? Oder doch lieber nur zuhören,

wenn Sara Nunius und Christina Constanze

Polzer aus dem Ensemble des TLT aus dem

Roman „Das Damengambit“ (Diogenes)*

von Walter Tevis lesen?

Alles zum neuen Markenauftritt

www.himmel.co.at

Tirol Redesign.

Alles bleibt freier.

Bücher seit 1639

Auf Netflix war die Miniserie Das Damengambit

mit Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle

die erfolgreichste des Jahres 2020

und gewann zahlreiche Preise, u.a. den

Golden-Globe-Award als beste Miniserie.

Ein enormer und unerwarteter Erfolg, der

dem Schachspiel als solches enormen Aufschwung

brachte.

Nun hat der Diogenes Verlag den 1983

erschienenen Roman von Walter Tevis,

der der Verfilmung zu Grunde liegt, auf

deutsch wieder aufgelegt. Anlass genug für

die Wagner’sche, sich an die Tiroler Schachschule

zu wenden und gemeinsam mit dem

Ensemble des Tiroler Landestheaters einen

ganzen Tag zum Thema zu planen.

Am Abend (um 19:30) werden also Sara

Nunius und Christina Constanze Polzer aus

dem Ensemble des TLT unter der Regie von

Christiana Alexandridis in die Geschichte

von Schachweltmeisterin Beth Harmon

entführen. Sicher wird auch Schachgroßmeisterin

Regina Theissl-Pokorná mit von

der Partie sein.

*Ein Dank dem Diogenes Verlag

für die Zusammenarbeit

Regina Theissl-Pokorná, Schach-Großmeisterin aus

Bratislava, 1982 geboren, ist slowakische Schachmeisterin.

2000 erhielt sie den Titel Schach-Großmeister

der Frauen. Von 1998 bis 2012 nahm sie an

allen acht Schacholympiaden der Frauen teil. 1999

wurde sie Europameisterin mit der Mannschaft und

erreichte in der Einzelwertung den dritten Platz am

zweiten Brett. Mit ihrer bisher höchsten Elo-Zahl von

2429 war sie im Oktober 2003 auf dem 32. Platz der

FIDE-Weltrangliste der Frauen. Eine ihrer größten

Partien gewann sie übrigens mit einem Turmopfer

2003 gegen die ehem. Weltmeisterin Gaprindaschwili

bei der Frauen-EM in Plowdiw.

61

Buchtipp:

Walter Tevis:

Das Damengambit

Diogenes Verlag,

416 S., € 24,70

Programmablauf:

Ab 15:00 Schachspielmöglichkeiten

im ganzen Haus.

Die Tiroler Schachschule stellt

Turnierbretter (samt Uhren)

und – so gewünscht – auch Spieler*innen

zur Verfügung.

Ab 16:00 Blitzschachturnier

in der Kinderbuchabteilung.

Buchpreis zu Gewinnen.

Achtung: begrenzte Teilnehmerzahl,

Anmeldung unter:

robert.renk@wagnersche.at

Ab 17:30 Simultanpartie

gegen Schachgroßmeisterin

Regina Theissl-Pokorná.

Achtung: begrenzte Teilnehmerzahl,

Anmeldung unter:

robert.renk@wagnersche.at

Um 19:30 dramatisierte

Lesung aus Das Damengambit

(Diogenes) von Walter Tevis. Es

lesen Sara Nunius und Christina

Constanze Polzer aus dem

Ensemble des TLT unter der

Regie von Christiana Alexandridis.

© Emanuel Kaser © Emanuel Kaser

© privat


© XXX

Der Entertainer präsentiert das Buch „In

der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre

Triumphe, Thomas Bernhard. Eine kulinarische

Spurensuche“, das er für den Wiener

Brandstätter Verlag herausgegeben hat.

Dort wo der große Entertainer und gewitzte

Showmaster herkommt, sagt man

zur Frittatensuppe wohl eher Flädlesuppe.

Doch auch Provinz gibt es dort. Und

Triumphe sowieso. Solche feierte Harald

Schmidt – nicht unweit seiner Heimat

Nürtingen – am Stuttgarter Theater, wo er

neben anderen unter Claus Peymann spielte.

Und im Übrigen auch mit dem wunderbaren

Tiroler Schauspieler Martin Leutgeb

auf der Bühne stand.

Harald Schmidt zog es ab 1981 erst

einmal zum Theater. In Düsseldorf am

Kom(m)ödchen begann er seine kabarettistische

Laufbahn. 1985 ging „Dirty Harry“

mit seinem ersten Solo „Ich hab schon wieder

überzogen“ auf Tournee. Es folgten die

Bühnenprogramme „Überstehen ist alles“

(1988) und „Schmidtgift“ (1992).

lesen wir: „So ganz fremd war mir das Terrain

nicht. Die Gerichte, die sich Bernhard

beispielsweise im Gasthaus Klinger gerne

hat schmecken lassen, wie den Hausruckviertler

Schweinsbraten mit Mehlknödel

und Stöcklkraut, Leberbunkel mit Erdäpfeln

und Sauerkraut, Kalbsgulasch mit

Nockerln und Rehbraten oder Rehragout,

waren mir bestens durch meine Mutter

vertraut. Sie wurde in Brünn geboren,

wie Böhmen noch bei Österreich war, und

brachte diese Küche mit ins schwäbische

Nürtingen, wo ich aufwuchs.“

Ein Prachtband über Thomas Bernhard

also – anhand einer kulinarischen Spurensuche.

Ob an Brandteigkrapfen gewürgt wird

oder es um den Fettgehalt der Frittatensuppe

geht, Thomas Bernhard ließ die

Menschen in fast all seinen Werken

ausgiebig speisen und offenbarte dabei

zerfleischende Zustände. Er selbst war ein

regelmäßiger Besucher von Wirtshäusern

und den Wiener Kaffeehäusern. Wie lohnend

und inspirierend es ist, sich Thomas

professionelle sowie Amateur*innen-Gruppen

unter freiem Himmel zusammenbringt.

Wie Open-Air-Kino, halt nur in 3D. Es

gibt genügend Stühle (oder Sessel, wie

der Österreicher sagt) und auch genügend

Regenponchos, für den Fall, dass es am

Mittwoch, den 29. Juni eventuell regnen

sollte. Aber was ist schon ein bisserl Wasser,

wenn man Harald Schmidt live begegnen

kann. Also sichern Sie sich rechtzeitig Ihre

Karte, denn – trotz Open Air – ist der Einlass

auf 150 Personen begrenzt! Karten gibt

es über Ö-Ticket und natürlich bei uns in

der Wagner‘schen. Für Wagner- oder Ö1-

Card-Besitzer*innen sogar vergünstigt, aber

nur bei uns an der Kassa!

Harald Schmidt, geboren 1957 in Neu-Ulm,

aufgewachsen in Nürtingen (wie Hölderlin und

Härtling). Hilfsorganist und Zivildienst in dortiger

St. Johannes-Gemeinde, Staatl. Hochschule für

Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, drei Jahre

als Schauspieler in Augsburg. Dann Düsseldorfer

Kom(m)ödchen und alle Sender außer RTL. Diverse

Late-Night-Shows. Alle Preise gewonnen, gefeuert,

jetzt Herausgeber.

Googeln

verbietet die

Herausgeberwürde.

Harald Schmidt

62

Wagner’sche.

OPEN AIR

mit Harald

Schmidt

Von Robert Renk

Doch richtig bekannt wurde er natürlich

mit seiner Late-Night-Show. Die erste ging

am 5. Dezember 1995 über den Bildschirm.

Und nicht nur ich blieb bis in die Nacht

wach und wurde belohnt. Mit Moderationen

und Gesprächen, die er mit Stil und mit

scharfem Witz zu würzen wusste.

Einen ganz besonderen Stil und einen

ganz besonderen Witz zeigte auch der große

österreichische Autor Thomas Bernhard

in seinem Werk. Nicht verwunderlich, dass

Theatermann Schmidt sich mit den Texten,

vor allem den Theaterstücken Bernhards,

schnell und innig anfreundete. Was ihn

natürlich nicht daran hindert – wie er im

Vorwort anmerkt – „in erlesenen Zirkeln

Sätze fallen zu lassen wie: Seine Prosa ist

ja viel besser“. Und nicht nur über das

Theater hat sich der Meisterentertainer dem

Meisterschriftsteller genähert, auch über

das Kulinarische. Ebenfalls im Vorwort

Bernhards Werk und seiner Persönlichkeit

über den Esstisch hinweg anzunähern,

zeigt Harald Schmidt mit diesem Buch.

Auf einem Roadtrip quer durch Bernhards

Lieblingsgasthäuser und zusammen mit

vielen hochkarätigen Autor*innen und

Wegbegleiter*innen hat er sich auf die

kulinarischen Spuren von Thomas Bernhard

begeben – gemeinsam entfalten sie

einen überraschenden und lustvollen Blick

auf das Wesen und das Werk von Thomas

Bernhard.

Diesem Buch haben wir es nun zu verdanken,

dass Harald Schmidt zum ersten

Mal nach Innsbruck kommt. „Literatur

unter Sternen“ nennen wir diesen Sonderabend,

der im Areal des Zeughauses

stattfinden wird. Sozusagen als literarisches

Fremdgehprogramm unter dem Schirm

des Projektes Theater unter Sternen, einem

Theaterfestival, das nun zum dritten Mal

Buchtipp:

Harald Schmidt (Hrsg.):

In der Frittatensuppe feiert die

Provinz ihre Triumphe, Thomas

Bernhard. Eine kulinarische

Spurensuche

Brandstätter Verlag,

176 S., € 36,00

Buchpräsentation:

„In der Frittatensuppe feiert die

Provinz ihre Triumphe“ – Buchpräsentation

mit Harald Schmidt

Begrüßung: Robert Renk

Gesprächsmoderation und

weitere Gäste werden noch

bekannt gegeben! Weitere Infos

dann auf www.wagnersche.at

Mi., 29. Juni 2022, 20:30 Uhr

Einlass: 19:30 Uhr, freie Platzwahl

Ort: Innenareals Zeughaus,

Zeughausgasse 1

Eintritt: € 16,00

VVK: Wagner’sche Universitätsbuchhandlung

&

Ö-Ticket

Ermäßigte Karten zu € 14,00

ausschließlich in der Wagner‘-

schen für Wagner- oder Ö1-

Cardbesitzer*innen


Auf ins Abenteuer

Selbstversorgung!

Eine zahme Bestie auf Grand

Tour d’Europe:

Nashorn trifft Kaiserin

Buchtipp:

Marie Diederich:

Selbstversorgung

Löwenzahn,

312 S., € 29,90

Von explodierenden Gemüsebeeten, prallen

Vorratskammern, den allerbesten Hühnereiern

– und diesem unglaublichen Gefühl,

etwas mit den eigenen Händen zu schaffen.

Das ist Marie. Sie hatte einen Traum: von

einem freien, selbstbestimmten Leben;

davon, sich mit der Natur zu verwurzeln,

ökologisch zu gärtnern und zu arbeiten, zu

essen, was im Garten wächst, und ihre Tage

inmitten von Beeten, Hühnern und Einkochgläsern

zu verbringen.

Das steckte immer schon ein bisschen

in ihr drin: Ihr erstes Taschengeld sparte

sie für ein Gartenbuch und als Kind war es

ihr sehnlichster Wunsch, eigene Ziegen zu

bekommen. Nach der Schule studierte sie

© Janis Jean Stoye

ökologische Landwirtschaft. Spätestens da

war für sie klar: Jetzt ist es Zeit, den Traum

in die Tat umzusetzen.

Marie ist Selbermacherin durch und

durch: Sie liebt es, ihr eigenes Getreide

zu mahlen und Wolle zu spinnen. Ihre

Wochenenden verbringt sie teigknetend vor

dem Backofen oder beim Schnippeln und

Einkochen von Pflaumen und Zucchini –

oder eben dem, was die Jahreszeit gerade

hergibt.

Aber sie weiß auch, dass nicht jede*r die

Ressourcen dazu hat, den gleichen Weg einzuschlagen.

Für den Start in die Selbstversorgung

sind zwei Fragen entscheidend:

• Was brauchst du wirklich?

• Wie viel Zeit und Platz hast du zur

Verfügung?

Auf ihrer Reise zur Selbstversorgung begeistert

Marie hunderttausende Leser*innen

und Zuseher*innen auf ihrem Blog

www.wurzelwerk.net und dem gleichnamigen

Youtube-Kanal. Und hilft ihnen,

den eigenen Weg in die Selbstversorgung

zu finden. Sie teilt ihr Wissen, ihre Erfolge,

Fehlschläge und Lösungen. Denn ihre Fans

wissen: Was Marie erzählt, funktioniert.

„Es tut gut, zu wissen, wo

unser Essen herkommt.

Es tut gut, die Hände in

die Erde zu stecken, die

Hühner gackern zu hören,

summenden Bienen zu

lauschen oder warmes

Knusperbrot aus dem

Ofen zu holen.“

64

Wagner’sche.

Maria Theresia, Voltaire, Madame Pompadour

– sie alle wurden zu Nebenfiguren, als

sie in Europa eintraf: die gefürchtete und

gefeierte Nashorndame Clara.

Jeannine Meighörner erzählt die außergewöhnliche

und einzigartige Geschichte

Claras, die eine Reise von Indien nach

Wien, Rom und Versailles antrat, wo sie

in einem Königshaus nach dem anderen

willkommen geheißen wurde. Denn ein

lebendes Nashorn hatte in Europa seit Jahrhunderten

niemand zu Gesicht bekommen.

Es ist nicht nur ein idyllisches Bild von

menschlicher Neugier und Zuneigung

zu diesem Wundertier, das Meighörner

zeichnet, sondern darüber hinaus ein aufregender

Einblick in die Machtkämpfe

zwischen den europäischen Adelsfamilien

des 18. Jahrhunderts, die diesem Schauspiel

zugrunde lagen.

Gleichzeitig erzählt uns die Autorin aber

auch etwas vom Umgang des Menschen

mit der Natur, von der Gier nach Exotik,

vom (Aus-)Nutzen eines Lebenswesens zum

eigenen Profit. Und dieses Thema ist brandaktuell,

denn Nashörner gelten als eine der

bedrohtesten Tierarten der Welt.

Clara war nicht irgendein Nashorn, sie

war ein Star ohne Allüren, aber mit einigen

Besonderheiten, eine echte Persönlichkeit.

Exklusiv für dieses Magazin hat uns Die

silberne Riesin einen Einblick in ihr Leben

als berühmtestes Rhinozeros der Geschichte

gegeben.

Geburtsort: Irgendwo in Bengalen,

Indien (so genau weiß ich das nicht mehr,

dafür war ich zu klein)

Traumreise: Alles, nur keine Kreuzfahrt

(ich war öfter auf See, als es ein Nashorn je

sein sollte)

Lieblingsspeise: Orangen mit Bier (klingt

nach einer komischen Mischung, aber das

müsst ihr unbedingt probieren!)

Guilty pleasure: Tabak (ja, auch Nashörner

haben Laster! Obwohl: Ich schnüffle nur

gerne daran.)

Lieblingsstadt: Kann mich nicht entscheiden.

Wien, Paris, Venedig – alle gesehen,

überall lagen sie mir zu Füßen.

Lieblingsportrait: Ich war ja die Muse

so einiger Künstler, aber besonders mag ich

das Portrait, das Jean-Baptiste Oudry von

© Haymon Verlag

mir angefertigt hat – und das ihr übrigens

auch auf dem Cover seht.

Beeindruckendste Begegnung: Ganz klar:

Maria Theresia. Schließlich sind wir beide

starke Frauen, die einiges aushalten müssen.

Und die meisten Männer zittern, wenn

sie uns sehen! Wobei: dass Casanova mir

ein Gedicht gewidmet hat, werde ich auch

nicht so schnell vergessen …

Jeannine Meighörner, geboren 1963 bei Rheinkilometer

384,00, lebt in Innsbruck. Sie hat bereits

die Geschichte so mancher historischen Frau auf

einfühlsame und unterhaltende Weise erzählt. Nun

widmet sie sich einer ganz besonderen Persönlichkeit:

der Nashorndame Clara.

Buchtipp:

Jeannine Meighörner:

Die silberne Riesin

Michael Wagner Verlag,

344 S., € 13,95

Veranstaltungstipp:

Buchpräsentation:

Mit einer Einführung zum

Thema Artenschutz von einer

Expertin des Innsbrucker

Alpenzoos.

Moderation: Ilona Mader

Mi., 06. April 2022, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt frei!


Jung,

aber

oho!

Bücher

für

Kinder

und

Jugend:

Daunis lebt zwischen zwei

Welten. Sie ist halb weiß, halb

Native American und sieht sich

ständig von beiden Seiten mit

Vorurteilen konfrontiert. Als

sie Zeugin eines schrecklichen

Mordes wird, gerät ihre Welt

aus den Fugen – Daunis wird in

eine FBI-Ermittlung hineingezogen

und soll undercover

im Reservat ermitteln. Und

dann ist da noch Jamie, der

alles weiter verkompliziert... Ein

unglaublich packender Roman

ab 14 Jahren mit wichtigen Einblicken

in die Geschichte und

Kultur des Ojibwe-Tribes.

Angeline Boulley:

Firekeeper’s Daughter

cbj Verlag, 560 S., € 20,60

Weil Elenas Papa eine neue Stelle

bekommen hat, sitzt sie nach

dem Sommer auf einer Alpakafarm

im Kuhdorf Eigam fest.

Na toll! Nicht nur das, natürlich

muss sie auch an eine langweilige

neue Schule wechseln.

Doch schon an ihrem ersten

Schultag passieren dort merkwürdige

Dinge... Und eigentlich

ist es doch auch seltsam, dass

„Eigam“ rückwärts gelesen

„Magie“ heißt? Vielleicht wird

das Leben in Eigam gar nicht

so langweilig, wie Elena dachte!

Der lustige erste Band einer

zauberhaften Reihe ab 8 Jahren.

Tina Zang:

Das zaubernde Klassenzimmer

arsEdition Verlag, 144 S., € 13,40

Da Magie in Kiata verboten

ist, muss Prinzessin Shiori ihre

Fähigkeiten geheim halten. Als

sie jedoch die Kontrolle über

ihre Magie verliert, wird sie

von ihrer Stiefmutter mit einem

Fluch belegt und verbannt.

Auf der Suche nach ihren

ebenso verfluchten, in Kraniche

verwandelten Brüdern stößt

Shiori auf eine Verschwörung,

die das Ende ihres Königreichs

bedeuten könnte. Der Auftakt

einer Fantasy-Reihe ab 14 Jahren

mit märchenhaftem Setting,

Drachen, Papiervögeln und

einer starken Protagonistin.

Elizabeth Lim:

Die sechs Kraniche

Carlsen Verlag, 480 S., € 16,50

Wie kann man einen Schurken

wie den Räuber Hotzenplotz

aufhalten? Ganz klar, man stellt

ihm eine Falle, indem man ihn

mit einer Kiste Gold anlockt

und ihn dann einfängt! So

wollen sich Kasperl und sein

Freund Seppel den Räuber

Hotzenplotz schnappen. Doch

als ihr Plan vollkommen schiefgeht,

müssen sich die beiden

schnell etwas einfallen lassen...

Der berühmte Kinderbuchklassiker

endlich auch für

Leseanfänger*innen ab 7 Jahren

in einfacher Sprache und mit

vielen Rätseln und Bildern.

Otfried Preußler und Thorsten Saleina:

Kleine Lesehelden: Der Räuber Hotzenplotz

Thienemann Verlag, 80 S., € 9,30

Caspar liebt To-Do-Listen,

Pläne und Bücher – Allesamt

Vorlieben, die ihn nicht

unbedingt zum beliebtesten

Jungen im Internat machen.

Auf der Flucht vor den beiden

Klassenfieslingen versteckt Caspar

sich in einer Standuhr und

landet prompt im magischen

Reich Wolkenstern. Dort muss

er sich mit der kratzbürstigen

Wilda Undank zusammentun,

denn in Wolkenstern ist etwas

im Gange, das alle Welten bedroht…

Der erste Band einer

unterhaltsamen Fantasy-Reihe

ab 10 voller skurriler Figuren

und Abenteuer.

Abi Elphinstone:

Die vier verborgenen Reiche: Caspar und

die Träne des Phönix

Carlsen Verlag, 336 S., € 15,50

Haben Tiere im Wald feste Adressen?

Wie groß ist das Revier

von wildlebenden Mäusen? Wie

sieht es in einer Wolfshöhle aus?

Und was kann man im Wald

eigentlich noch alles entdecken?

All diese und noch viel mehr

spannende Fragen beantwortet

Peter Wohlleben in diesem Buch

für Leseanfänger*innen ab 7

Jahren. Der neueste Band der

beliebten Lesestarter-Reihe begeistert

mit vielen spannenden

Sach-Informationen über den

Lebensraum Wald, illustriert

mit einem schönen Mix aus

Fotos und Zeichnungen.

Peter Wohlleben:

Zuhause bei den Waldtieren

Oetinger Verlag, 64 S., € 10,30

66

Wagner’sche.

In dieser, in liebevollen Reimen

erzählten, Geschichte folgt man

dem kleinen Marienkäfer durch

das Jahr, vom Garten bis zum

Insektenhotel. Das nachhaltig

produzierte Öko-Pappbilderbuch

führt kleine Naturfans

durch das Leben des Käfers im

Lauf der Jahreszeiten. Neben

dem kleinen Marienkäfer

sind in der „Meine Gartenfreunde“-Reihe

drei weitere Titel

erschienen, die andere Tiere

ebenso durch das Jahr begleiten.

So bekommen schon die Kleinsten

wundervolle Einblicke in die

Welt der heimischen Tiere.

Carla Häfner:

Meine Gartenfreunde: Der kleine

Marienkäfer

Oetinger Verlag, 16 S., € 8,30

Wo bin ich? Bin ich hier oder

vielleicht dort? Oben oder

unten? Was ist hinten und was

ist vorne? Schritt für Schritt

wagt sich der kleine Eisbär

über den Rand seiner Eisscholle

hinaus und entdeckt die

Welt. Denn wenn man sich der

eigenen Positionierung sicher

ist, kann man überall hingehen

und sich trotzdem sicher

fühlen! Das beliebte Buch von

Heinz Janisch erstmals in einer

mehrsprachigen Ausgabe, die

Kindern ab 3 Jahren einfache

Ortsangaben spielerisch auf verschiedenen

Sprachen vermittelt.

Heinz Janisch und Isabel Pin:

Wo bin ich? Mehrsprachige Ausgabe

Tyrolia Verlag, 26 S., € 14,95

Bei einem heftigen Gewitter

kommt der kleine Spatz zu Fall.

Seine Flügel werden dabei so

verletzt, dass sie wohl nie wieder

so sein werden wie früher.

Doch der alte Rabe weiß Rat:

Nicht alle Dinge können wieder

heil gemacht werden, aber mit

einem starken und tapferen

Herz kann man es schaffen,

etwas Neues anzufangen. Und

genau das tut der kleine Spatz.

Unterstützt von seinen Freunden

läuft er mutig in ein neues

Leben. Ein wunderschönes,

feinfühliges Mutmachbuch für

Kinder ab 4 Jahren.

Brigitte Weninger und Anna Zeh:

Lauf, kleiner Spatz!

Tyrolia Verlag, 26 S., € 16,95

Als der schwarze Straßenkater

Edison beginnt, mit ihr zu sprechen,

wird Nova klar, dass ihre

neue Schule ein ganz besonderer

Ort ist: Hier werden Kinder, die

mit Katzen sprechen können, zu

Katzenbeschützern ausgebildet.

Edison braucht Novas Hilfe,

denn die Katzenkönigin wurde

entführt! Gemeinsam mit ihrem

Freund Henry startet Nova

in ein gefährliches Abenteuer,

um die Königin zu befreien

und die Katzen Englands zu

beschützen. Ein spannendes,

einzigartiges Abenteuer für

Tierfreunde ab 9 Jahren.

Barbara Laban:

Mitternachtskatzen: Die Schule der

Felidix

Ravensburger Verlag, 320 S., € 15,50

Die Zwillinge Will und Charlotte

führen ein ganz normales

Leben – bis Will im Central

Park eine Elfe sieht, ihre Mutter

verschwindet und sie von einer

Furie angegriffen werden. Auf

der Flucht vor dem Monster

gelangen die beiden in die

fantastische Welt Fabula und

damit in ein großes Abenteuer.

Denn Fabula ist in Gefahr und

nur Will und Charlotte können

helfen… Eine wunderschöne,

von verschiedenen Mythologien

inspirierte Fantasywelt

mit sympathischen Figuren und

spannender Handlung ab 10

Jahren.

Akram El-Bahay:

Fabula: Das Portal der dreizehn Reiche

Baumhaus Verlag, 352 S., € 15,50

Alles an diesem Buch ist der

Inbegriff absoluter Liebenswürdigkeit.

Heartstopper ist

eine YA LGBTQ+ Comicserie

über Charlie und Nick, die auf

ein britisches Jungen-Gymnasium

gehen und binnen kürzester

Zeit enge Freunde werden.

Doch schon bald entwickelt

Charlie Gefühle für Nick. Nicht

im Sinne einer engen Freundschaft,

nein. Er hat sich in ihn

verliebt. Eine wunderschöne

Selbstfindungsgeschichte über

Liebe, Freundschaft, Diversität

und das Unerwartete, die wir

jedem ans Herz legen möchten.

Alice Oseman:

Heartstopper Volume 1

Loewe Verlag, 288 S., € 15,50


Mit

sachlichen

Empfehlungen:

Die globalen Machtverhältnisse

schwanken. Keiner kennt die

Geheimnisse der chinesischen

Elite wie einer von ihnen,

Desmond Shum. In seinem

Enthüllungsbuch Chinesisches

Roulett entlarvt er die allgegenwärtige

Korruption und den

Einfluss der Regierung auf die

Wirtschaft. Damit setzt er ein

Zeichen entgegen dem allgemeinen

Glauben des Westens,

man könne die totalitären

Strukturen in China durch

Handelsbeziehungen auflösen.

Ein spannender Einblick, der

der westlichen Gesellschaft zumeist

verschlossen bleibt!

Desmond Shum:

Chinesisches Roulette

Droemer Verlag, 312 S., € 22,95

Gesund lebt man durch

Tugendhaftigkeit. Bestsellerautor

Ruediger Dahlke unternimmt,

zusammen mit den

Leser*innen, eine Reise zur

Rückbesinnung auf Tugenden

wie Fleiß, Tapferkeit, Weisheit,

Besonnenheit, Gerechtigkeit,

Glaube, Liebe und Hoffnung. In

zwölf philosophischen Schritten

schließt er gesellschaftliche

Gräben und hilft aus, wo

Unmut und Unverständnis

vorherrschen. All dies dient

dem Zweck der Heilung und

Weiterentwicklung von Körper,

Geist und Seele. Eine Reise, die

es sich lohnt, anzutreten.

Ruediger Dahlke:

Heilsame Tugenden

Gräfe und Unzer Verlag, 224 S., € 20,95

Was können wir von der Natur

über uns selbst lernen? Zusammen

mit dem Molekularbiologen

Nicklas Brendborg

tauchen Lesende in die wundersame

Welt der Natur ein. Man

erfährt von Quallen, die ihren

Alterungsprozess umkehren,

staunt über Zombiezellen oder

Bakterien die fast unsterblich

sind. Während Brendborg

unsere herkömmliche Vorstellung

vom Leben auf der

Erde auf den Kopf stellt, geht

er einer zentralen Frage nach:

Wie führen wir ein langes und

gesundes Leben? Erzählkunst

und fachliche Expertise werden

hier perfekt kombiniert!

Nicklas Brendborg:

Quallen altern rückwärts

Eichborn Verlag, 304 S., € 22,70

Eine der derzeit größten gesellschaftlichen

Fragen ist, ob

oder wie die Klimakrise noch

gestoppt werden kann. Autor

Matthias Krön warnt, dass

die Produktionsbedingungen

der Billigfleischindustrie eine

besondere Bedrohung für die

Umwelt darstellen: Wälder

sterben, weil Ackerflächen für

Tierfutter erschlossen werden

müssen. Matthias Krön zeigt

auf, wie regionale Landwirtschaft,

Nachhaltigkeit und die

unscheinbare Sojabohne dem

Klimawandel Parole bieten

können. Große Empfehlung!

Matthias Krön:

Eine Bohne rettet die Welt

Ecowin Verlag, 200 S., € 24,00

Es geisterte schon immer durch

die Geldgeschichte, nun ist es

zurück: Das Inflationsgespenst!

Ökonom und Geldexperte Thomas

Mayer stellt in seinem Buch

Das Inflationsgespenst Mythen

und Falschinformationen über

das Thema Finanzen und Geld

richtig und zeigt auf, wie ein

Übermaß an Geld immer wieder

zu Krisen und Konflikten

führte. Dabei setzt er sich für

eine längst hinfällige Neuordnung

unseres Geldsystems

ein. Ein Muss für alle Finanzexpert*innen

und jene, die es noch

werden wollen!

Thomas Mayer:

Das Inflationsgespenst

Eine Weltgeschichte von Geld und Wert

Ecowin Verlag, 400 S., € 28,00

Haben Sie Lust, unvergleichlich

gute vegetarische Rezepte auszuprobieren?

Die Gewinnerin

des renommierten Austrian-

Foodblog Awards Martina Enthammer

präsentiert ihr erstes

Kochbuch, das nachhaltige und

regionale Rezepte enthält, die

nicht nur satt, sondern auch

glücklich machen. Das Buch

enthält außerdem auch wertvolle

Tipps zum Anbau von Gemüse

im hauseigenen Garten.

Sehr empfehlenswerte Rezeptideen

für alle Freunde des guten

Geschmacks und der gesunden

Ernährung!

Martina Enthammer:

Vegetarisch

Kreative Gerichte für alle Jahreszeiten

Tyrolia Verlag, 176 S., € 24,95

70

Wagner’sche.

Rätselhaft verschwindet eine

Psychologin spurlos. Ihre

Patienten – Dorian Gray, Dr.

Jekyll, Vampirin Carmilla und

Viktor Frankenstein. Kann es

sein, dass diese Monster des

Horror-Genres tatsächlich

eine Therapie brauchen? Eine

Reise in die geheimnisvolle

Psyche dieser Figuren und was

den Menschen zu Monstern

macht, und umgekehrt! Dieser

aufregende Roman von Mats

Strandberg ist wie gemacht

für Psychologie-Interessierte

und Fans der Grusel-Literatur.

Spannende Lesestunden sind

garantiert!

Mats Strandberg:

Jenny Jägerfeld: Monster auf der Couch

Penhaligon Verlag, 464 S., € 20,00

Tauchen Sie ein in eine unvergessliche

Landschaft und

genießen Sie – ganz spontan –

einen mediterranen Sommerurlaub.

Dieser fabelhafte Reiseführer

von Beate Giacovelli

bietet geballte Informationen

für ein kurzes Urlaubsvergnügen

– auch bei schlechtem

Wetter! Die gebürtige Österreicherin

lebt seit vielen Jahren

in der Lombardei und kennt den

wundervollen „Lago di Garda“

so gut wie Einheimische. Mit

diesem Reiseführer wird die

ganze Familie wunderbare Tage

genießen können. Unverzichtbar

für alle Urlaubsfreunde und

kulinarische Genießer *innen!

Sensationell!

Beate Giacovelli:

Spontan mit Plan – Gardasee

Styria Verlag, 208 S., € 25,00

Staaten sterben. Manchmal

ist es Mord. Manchmal ein

Unfall. Manchmal waren sie

von Anfang an zu lachhaft, um

überhaupt zu existieren. Gelegentlich

enden sie in einer Explosion.

Einige wenige gleiten

unbemerkt von der Landkarte.

In diesem witzigen Atlas nimmt

uns Gideon Defoe mit in eine

Wunderkammer der Geschichte

und erkundet vergnüglich

die skurrilen, bizarren und

mysteriösen Schicksale von 48

Ländern, die es heute aus teilweise

absurden Gründen nicht

mehr gibt.

Gideon Defoe:

Der Atlas der ausgestorbenen Länder

Knesebeck Verlag, 256 S., € 23,30

An jenem Tag, an dem die Genschere

zum ersten Mal funktioniert,

wird die Wissenschaft

dazu in der Lage sein, Naturgesetze

zu ändern, Krankheiten

zu beseitigen und vieles mehr.

Doch das ist (noch) Zukunftsmusik.

Die Grundlage dafür,

die Entdeckung dieser Technologie

durch Jennifer Doudna

und Emmanuelle Charpentier,

wurde 2020 mit dem Nobelpreis

für Chemie geehrt. Walter

Isaacson zeigt diese Sternstunde

der Menschheit in all ihren Facetten

auf. Ein weltbewegendes

Buch über ein weltveränderndes

Ereignis.

Walter Isaacson:

Der Codebreaker

Ecowin Verlag, 704 S., € 36,60

In ihrem neuesten Buch nimmt

Sigrid-Maria Größing sich der

spanischen Linie des Fürstengeschlechts

der Habsburger an,

das die Iberische Halbinsel und

mit ihr auch die Kolonien in

Übersee über zwei Jahrhunderte

beherrschte. Sie zeichnet dabei

ein vielschichtiges Porträt einer

Dynastie, die vor allem unter

Karl V. machtpolitisch durchaus

erfolgreich war, innerhalb

weniger Generationen jedoch

auf tragische Weise zugrunde

ging. Ein aufschlussreiches

Buch über eine prägende Dynastie.

Sigrid-Maria Größing:

Sie herrschten über ein Weltreich

Tyrolia Verlag, 200 S., € 25,55

Ein Erfolgsduo geht in die

zweite Runde – bereits Medical

Cuisine von Starkoch Johann

Lafer und Ernährungsmediziner

Dr. Matthias Riedl begeisterte

mit gesunder aber dennoch

schmackhafter Kost. Nun folgt

der neue Hit der beiden Experten

zum Thema Entzündungsbekämpfung

im Körper: 100

neue Rezepte, die durch die

Verwendung entzündungshemmender

Lebensmittel die

Selbstheilung fördern, ohne

dass der Genuss dabei zu kurz

kommt. Rezepte, die nicht nur

gesund machen, sondern auch

ausgezeichnet schmecken!

Johann Lafer und Matthias Riedl:

Medical Cuisine - Das Anti-Entzündungskochbuch

Gräfe und Unzer Verlag, 264 S., € 28,90


Zeilen

die die Welt

bedeuten

7 × Romane in denen

Journalist*innen eine wichtige

Rolle spielen

sach

und fach

geschichten

7 × journalistische Sachbücher

mit Mehrwert, meint

Journalist Benedikt Sauer*

Tinte

Laptop

Tod

7 × die besten Journalismuskrimis

(mit Hilfe von Rotraut

Schöberl**)

3×7

Best

aber

Seller:

1

2

Doppelte

Die Einstellung

Doron Rabinovici

Suhrkamp Verlag, € 24,70

Spur

Ilija Trojanow

S.Fischer Verlag, € 9,90

1

2

Dein

Wir gehören dem Land

Joe Sacco

Edition Moderne Verlag, € 25,70

ist das Reich.

Katharina Döbler

Claasen Verlag, € 24,70

1

2

ZERO

Verblendung

Stieg Larson

Heyne Verlag, € 10,30

Marc Elsberg

Blanvalet Verlag, € 11,30

3

Der

Sportreporter

Richard Ford

dtv Verlag, € 13,90

3

Lecker-Land

ist abgebrannt

Manfred Kriener

Hirzel Verlag, € 18,50

3

Intrige

Robert Harris

Heyne Verlag, € 11,30

4

Daldossi

oder

Das Leben des Augenblicks

Sabine Gruber

4

Die

Welt im Selfie

Marco d‘Eramo

Suhrkamp Verlag, € 26,80

4

Zuagroast

Martina Parker

Gmeiner Verlag, € 16,50

Das Journalismusfest Innsbruck

im Mai (www.journalismusfest.org)

nehmen wir zum Anlass um folgende Titel

zu empfehlen

* Mitorganisator des Journalismusfestes

(siehe Seite 50)

** Buchändlerin der Nation

(siehe Seite 45)

72

Wagner’sche.

5

Die

6

Traurige

7

Der

dtv Verlag, € 12,30

Enthüllung

Mario Vargas Llosa

Suhrkamp Verlag, € 10,80

Freiheit

Friederike Gösweiner

Droschl Verlag, € 18,00

Schmerz der Gewöhnung

Joseph Zoderer

Haymon Verlag, € 25,50

5

Refugees

6

Angst

7

Die

Worldwide 2

Ulrich Schreiber (Hrsg.),

Eva Philippi (Hrsg.)

Wagenbach Verlag, € 15,40

Petra Ramsauer

Kremayr & Scheriau Verlag, € 18,00

Revolution hat ein

weibliches Gesicht

Olga Shparaga

5

Das

6

Dunkelkammer

7

Heißzeit

Schlangenmaul

Jörg Fauser

Diogenes Verlag, € 25,30

Bernhard Aichner

btb Verlag, € 17,50

51

Eva Rossmann

Folio Verlag, € 22,00

Suhrkamp Verlag, € 13,40


Mit

den

besten

Empfehlungen:

Ein eindringliches Plädoyer an

die Gesellschaft, etwas gegen

die größte Bedrohung der

Menschheit zu unternehmen –

die unausweichliche Klimakrise.

Meteorologe Marcus

Wadsak und Aktivistin Paula

Dorten fordern die Menschheit

dazu auf, sich selbst zu

retten. Denn nur mit Biogurken

und Bambuszahnbürsten ist

es bei Weitem nicht getan. Ihr

Manifest warnt vor den Auswirkungen

des Klimawandels

und zeigt, warum gerade jetzt

Handlungsbedarf besteht. Wir

sind die letzte Generation, die

noch handeln kann! Maria Neumayr

Marcus Wadsak und Paula Dorten::

Letzte Generation: Das Klimamanifest

Braumüller Verlag, 50 S., € 10,00

Kurz, prägnant und mit Infografiken

illustriert, gibt der

Meteorologe Marcus Wadsak

Leser*innen eine kompakte

Informationsquelle, um ihr

Wissen über den Klimawandel

zu erweitern. Er zeigt, dass

ein dringender Handlungsbedarf

besteht und warum es

gerade jetzt wichtig ist, aktiv

zu werden. Denn auch wenn

die Auswirkungen des Klimawandels

für viele Menschen

erst jetzt greifbar werden, bleibt

nicht mehr viel Zeit, um etwas

dagegen zu tun. Ein absolutes

Must-Read zu einem Thema,

das uns alle betrifft! Maria Neumayr

Marcus Wadsak:

Klimawandel: Fakten gegen Fake &

Fiction

Braumüller Verlag, 144 S., € 18,00

In dem vielschichtigen Roman

Liebesheirat prallen zwei Familien

und Kulturen anlässlich

einer Hochzeit aufeinander.

Monica Ali beschäftigt sich mit

den Themen Liebe, Ehe und

Familie und damit, wie diesen

Begriffen in verschiedenen

Generationen und Kulturen

unterschiedliche Werte zugeschrieben

werden. Ihr Debüt

Brick Lane wurde zu Recht für

den Booker Prize nominiert:

Monica Ali schafft gekonnt

facettenreiche Figuren, die mit

all ihren Eigenheiten wunderbar

realistisch und lebendig wirken.

Klaudia Grünfelder

Ali Monica:

Liebesheirat

Klett-Cotta Verlag, 592 S., € 25,70

Ein wirklich starkes Debüt legt

die junge Frankfurterin Anna

Yeliz Schentke vor. Dilek verläßt

Istanbul heimlich. Im Netz

nennt sie sich Kangal und sie

fürchtet um ihre Freiheit unter

dem Regime von Erdoğan. Für

Ayla, die Cousine in Frankfurt,

ist die Türkei ein Sehnsuchtsort.

Und ihr Freund, der von nichts

weiß, macht sich in der Istanbul

auf die Suche nach Dilek. In

prägnanten kurzen Kapitel

rasen wir mit den Dreien durch

die Gefahren der Zeit die “real

(sind) und unreal zugleich”.

Atemlos, musikalisch, großartig!

Robert Renk

Anna Yeliz Schentke:

Kangal

S. Fischer Verlag, 208 S., € 21,60

Jane Austens literarisches Vorbild

– erstmals auf Deutsch

und eine absolute Entdeckung.

Belinda Portman wird auf

den Londoner Heiratsmarkt

geschickt. Zwischen dem gesellschaftlichen

Trubel und ihrer

exzentrischen Gastgeberin,

verliebt sie sich in einen Mann,

der bereits versprochen ist. Ein

grandioser Gesellschaftsroman,

mit tiefgreifenden Themen und

geistreichem Humor. Edgeworth’s

Stil ist ernst und auf

moralische Werte bedacht, was

sie letztendlich von Austen

abhebt. Ein atemberaubendes

Portrait des 19. Jahrhunderts

und dessen Menschen. Lena Walder

Maria Edgeworth:

Belinda

Reclam Verlag, 600 S., € 28,80

Ein schier unerträglich heißer

Sommer geht zu Ende. Krüger

und sein bester Freund Viktor

verbringen die Ferien 1999 mit

Kiffen, abhängen im Skatepark

und viel Musik hören in

der Müller Filiale in Bodenstein.

Mehr ist nicht los – bis

Jacky ihren Weg kreuzt. Das

Mädchen mit der roten Mähne

ist ein absoluter Wildfang und

stellt alles auf den Kopf. Großartig,

wie es Christian Huber

gelingt, und beim Lesen in das

eigene „Erwachsen-werden“

zu katapultieren. Perfekt abgerundet

durch die Tracklist,

mit QR-Code im Buch. Carmen

Schwarz

Christian Huber:

Man vergisst nicht, wie man schwimmt

Dtv Verlag, 400 S., € 22,70

74

Wagner’sche.

Dieses Debüt besticht durch

seine wunderbare Protagonistin

Elizabeth Zott, die man von

der ersten Seite an ins Herz

schließt. Ihre Leidenschaft ist

die Chemie, doch Anfang der

60er hat sie es als Frau in der

Wissenschaft nicht leicht. Über

Umwege landet sie in einer

Kochsendung, in der sie nicht

nur Küchentipps gibt, sondern

ihr vorwiegend weibliches

Publikum zur Emanzipation

inspiriert. Trockener Humor,

eine Romanze und ganz viel

Empowerment machen den

Roman zu einem großen Lesevergnügen.

Klaudia Grünfelder

Bonnie Garmus:

Eine Frage der Chemie

Piper Verlag, 464 S., € 22,70

Zweiundzwanzig Frauennamen,

zweiundzwanzig Geschichten,

lakonisch, geistreich und durchaus

mit Empathie geschrieben,

ohne distanzlos zu sein: Daniel

Wisser schafft diesen kunstvollen

Spagat. Ob „erfunden“ oder

nicht, es sind Geschichten von

jungen, älteren und alten Frauen

aus der Mitte ihres Lebens

heraus, die von Beziehungen und

Freundschaften erzählen, von

der Suche nach dem Glück und

vom Scheitern. Und sie zeigen,

wie nahe Alltag und Skurrilität

einander sein können. Da hilft

es oft nur Prosecco trinken oder

sich mit Constanze Mozart austauschen

… Anna Rottensteiner

Daniel Wisser:

Die erfundene Frau

Luchterhand Verlag, 240 S., € 22,70

Der neueste Roman dient

gut als Einstiegslektüre in

das Schreiben des Karl Ove

Knausgard. Dick sind sie alle,

hier aber verlässt Knausgard

seinen Schreibkokon, um

sich doch treu zu bleiben. In

seiner direkten, detailgetreuen

Schilderungsprosa tauchen nun

neun fiktive Personen auf, die

aus ihrer jeweiligen Perspektive

sprechen. Und ein neuer Stern,

den niemand erklären kann und

der allerlei Getier veranlasst,

sich wider die Natur zu verhalten.

Ob das ein gutes Omen

ist? Ein spannendes in jedem

Fall! Robert Renk

Karl Ove Knausgard:

Der Morgenstern

Luchterhand Verlag, 896 S., € 28,80

Oxford, Ende des 19. Jahrhundert.

Wir lernen Esme

kennen. Sie liebt es, heruntergefallene

Papiere vom Schreibtisch

ihres Vaters zu lesen.

Begriffe, die die Welt der Frauen

betreffen. Ihr Vater arbeitet am

ersten Oxford English Dictionary

und Esme erkennt nach

und nach, was achtlos weggeworfen

wird und somit nicht

ins Wörterbuch aufgenommen

wird. So legt Esme ihre eigene

Sammlung an, kämpft für die

Rechte der Frauen und will all

jene Wörter festhalten, über die

niemand spricht. Außergewöhnlich,

charmant und Balsam für

die Seele. Stephanie Bergmann

Pip Williams:

Die Sammlerin der verlorenen Wörter

Diana Verlag, 528 S., € 22,70

Die siebzehnjährige Lenni ist

unheilbar krank und verbringt

ihre verbleibende Zeit

in der Klinik. Viele Fragen beschäftigen

sie. Das Leben wird

diese nicht mehr beantworten

können, vielleicht aber Pater

Arthur, der den Draht zu Gott

hat? Margot ist dreiundachtzig,

ein ungewöhnliches Projekt

wird gestartet, verflochten mit

Geschichten aus dem Leben.

Lenni bringt einem nahe, wie

kostbar unsere Zeit auf Erden

ist. Tief bewegt und mit Tränen

habe ich den Roman gelesen,

der aber auch humorvolle Seiten

hat. Andrea Scheiber

Marianne Cronin:

Die hundert Jahre von Lenni und Margot

C. Bertelsmann Verlag, 440 S., € 21,20

Endlich in deutscher Übersetzung!

Stilikone und Kultfigur

Fran Lebowitz befasst sich

in New York und der Rest der

Welt mit den verschiedensten

Themen aus unserem Alltag.

Gedanken, Fragen und Bedenken;

nichts bleibt von ihrer

Beobachtungsgabe verschont.

Mit New Yorker Witz und Biss

erkundet sie die widersprüchlichen

Facetten der menschlichen

Natur. Fran Lebowitz zu

lesen bedeutet, sich selbst und

andere in ihren zeitlosen Texten

wiederzuerkennen, beipflichtend

zu nicken und laut aufzulachen.

Klaudia Grünfelder

Fran Lebowitz:

New York und der Rest der Welt

Rowohlt Verlag, 352 S., € 22,70


Eigentlich hat Meyerhoff nicht

mehr vorgehab, einen Roman zu

schreiben. Sein Leben bis zum

Theater sei auserzählt meite er

in Interviews. Doch dann wird

er als Notfall auf eine Intensivstation

eingeliefert. Er, der

sich immer durch körperliche

Verausgabung zum Glühen

brachte, liegt an Apparaturen

angeschlossen in einem

Krankenhausbett in der Wiener

Peripherie. Kann das Erzählen

von Geschichten zur Rettung

beitragen? Und kann Komik

heilen? Ganz klares JA! Jetzt

auch als Taschenbuch. Robert Renk

Joachim Meyerhoff:

Hamster im hinteren Stromgebiet

KiWi Verlag, 320 S., € 12,40

Esther Kinsky findet wieder

einmal eine Sprache für Unaussprechliches:

das Erdbeben im

Friaul im Jahre 1976. Auch aus

den Schriften der Landschaft,

aus Wasser und Stein liest sie

die Erinnerungen. Viel zu selten

liest man Natur derart, viel zu

selten ein historisches Memorial

derart gegenwärtlich. Die alltäglichen

Katastrophenspuren

in Mensch und Natur buchstabiert

sie hochpoetisch mit

sprachlicher und emotionaler

Wucht: berührend, lehrreich

und erschütternd zugleich! Ein

Magnet von einem Roman!

Siljarosa Schletterer

Esther Kinsky:

Rombo

Suhrkamp Verlag, 267 S., € 24,70

Schonungslos, gewalttätig

und näher an der Realität als

es einem vielleicht lieb ist. In

seinem neuen Roman erzählt

Sasha Filipenko die Geschichte

des idealistischen Journalisten

Anton Quint, der sich mit

einem skrupellosen Oligarchen

anlegt und daraufhin ins Fadenkreuz

seiner Handlanger gerät.

Mit musikalischer Untermalung

und einer gewissen Dringlichkeit

beschreibt Filipenko eine

harsche Wirklichkeit, mit der

sich mit Sicherheit nicht nur fiktive

Figuren auseinandersetzen

müssen. David Schranz

Sasha Filipenko:

Die Jagd

Diogenes Verlag, 288 S., € 24,30

Über Generationen hinweg ist

es das Schicksal der Männer

der Familie Stoica in Bukarest

Brände zu bekämpfen. Während

die Männer das Feuer löschen

und die Frauen zu den Heiligen

beten, folgen wir der historischen

Entwicklung der Stadt.

Florescu baut seinen Leser*innen

Luftschlösser vergangener

Zeiten, in denen Menschlichkeit

groß geschrieben wurde,

um sie im Laufe des Romanes

wieder einstürzen zu lassen.

Kommunismus, Terror und Verrat

werden zum Alltag. Genüsslich

und schrecklich zugleich.

Ágnes Czingulszki

Catalin Dorian Florescu:

Der Feuerturm

C.H.Beck Verlag, 358 S., € 25,70

Frauengeschichten, Drogen,

eine Leiche und vier Freunde

seit Kindertagen. Auch wenn

Johannes, Lukas, Markus und

Matthäus aus dem Evangelium

zu kommen scheinen, erwartet

die vier alles andere als eine

„Frohe Botschaft“. Schlimmer

geht immer und fängt bereits

mit dem Aufstehen aus dem

Bett an. Georg Thiels Roman

ist eine unterhaltsame Geschichte,

ein Roadtrip und die knapp

230 Seiten reichen aus, um sich

bestens unterhalten zu wissen.

Lena Kripahle-Wiek

Georg Thiel:

Nachtfahrt

Braumüller Verlag, 224 S., € 24,00

Ein Genderroman aus dem 19.

JH. Geschrieben von einer der

unkonventionellesten Autorinen

der Romantik, George Sand.

Gabriel, Enkel und Alleinerbe

des Fürsten von Bramante

wächst versteckt mit nur zwei

ins Geheimnis eingeweihten

Bediensteten als Jungen auf. Er

und nicht sein Cousin Astolphe

soll die große Erbschaft antreten.

Er ist aber eine Sie, wie

sich herausstellt! Eine Lektüre

von aktueller wie zeitloser Relevanz,

die derzeit in Frankreich

und Deutschland wiederentdeckt

wird. Robert Renk

George Sand:

Gabriel

Reclam Verlag, 176 S., € 18,50

Der Chirurg Finn und seine

Frau Eivor ziehen mit ihren

Töchtern ans Ende der Welt.

Und sind selbst dort nicht abgekoppelt

vom aufkommenden

Kalten Krieg. Sie ziehen 1957

nach Spitzbergen. Als Werksarzt

flickt Finn die bei der

gefährlichen Arbeit verletzten

Bergarbeiter zusammen, stellt

aber bald fest, dass nicht nur

ihre Körper kaputtgehen,

sondern auch deren Psyche. Das

betrifft auch seine Frau Eivor.

Ein Roman über das Überleben

am Rande der Welt, Isolation,

die Kraft der Natur – und eine

Ehe in der Krise. Robert Renk

Heidi Sævareid:

Am Ende der Polarnacht

Insel Verlag, 350 S., € 23,70

Im Jahr 2020 haben viele

Menschen Halt in Ritualen

gefunden. So auch Ursula

Karven, die deshalb am

Silvesterabend 2020 den Entschluss

fasst, sich im neuen

Jahr intensiv mit Ritualen zu

beschäftigen. Ob mit Kerzenmagie,

Yoga oder Heilpflanzen

gibt sie verschiedenste Impulse,

wie man kräftigende

Rituale in den Alltag einfließen

lassen kann. Ein wunderschön

gestaltetes, im Jahreskreis aufgebautes

Buch, das zeigt, wie

man aus alten Bräuchen und

Ritualen neue Kraft schöpfen

kann. Maria Neumayr

Ursula Karven:

Hexenzauber, Göttinnen und weiße Magie

Gräfe und Unzer Verlag, 192 S., € 22,90

Dieses Buch eines schieren

Jahrhunderts ist magisches

Kino. Ein Roman wie ein

Film. Erzähllust aus Sätzen

und Bildern, in denen Humor

und Erkenntnis zum Lichtspiel

kristallisieren. Immer eins mit

der Geschichte, deren Dialoge

Lebensfäden sind. Hinein in

einen Mord und wieder aus

ihm heraus. Ein minutiös aufgefächerter

Andrew Green.

Ein Kaleidoskop zartscheuer

Facetten eines Menschen, der

New York prägte. Was sich in

einem einzigen Moment bündelt

macht Staunen. Ein Meisterwerk!

José F.A. Oliver

Jonathan Lee:

Der große Fehler

Diogenes Verlag, 368 S., € 24,70

Dieser Roman erschüttert.

Nicht nur wegen der aktuellen

Situation in der Ukraine. Dort

spielt der Roman. Und in den

Köpfen der Figuren, die durch

einen versehrten Landstrich in

der Ostukraine irren. Auch in

den Köpfen hat der Krieg gewütet.

Die Gegenwart ist immer

auch die Summe verschiedener

Vergangenheiten. Die prägen

das Heute, den Blick darauf.

Auch deshalb sollte man den

Blicken misstrauen. Davon

erzählt Evelyn Schlag – und

beweist einmal mehr, dass sie

sich auf das Fiebrige, Flirrende,

schwer Greif- und nie vollends

Begreifbare versteht. Joseph Frontull

Evelyn Schlag:

In den Kriegen

Hollitzer Verlag, 244 S., € 22,00

Kaiser-Mühlecker erzählt die

Geschichte von Jakob fort,

einem der Protagonisten aus

Fremde Seele, dunkler Wald.

Eine Geschichte, die von Liebe

handelt: Jakob lernt Katja

kennen, die beiden bauen sich

ein gemeinsames Leben am Hof

auf, den Jakob führt, bevor sie

sich wieder trennen; aber auch

vom ständigen Kampf ums

Überleben und vom Kampf

gegen die eigenen inneren

Ungeheuer. Ein Wildern in

den Gefühlen, aber auch ein

wildes, archaisches Leben, das

nach außen drängt, wo es aber

nicht sein darf. Sprachlich und

erzählerisch beeindruckend. Anna

Rottensteiner

Reinhard Kaiser-Mühlecker:

Wilderer

S.Fischer Verlag, 352 S., € 24,70

Vor den Kulissen Istanbuls

beschreibt Fricke – die als Stipendiatin

der Kulturakademie

Tarabya in Istanbul die Stadt

wohl wirklich gut kennengelernt

hat – von einer Diplomatin, die

den Glauben an die Diplomatie

verliert – und das, was in ihrem

Beruf das Wichtigste ist: die

Geduld. Fred, einstmals eine

ehrgeizige deutsche Konsulin

wird nach Istanbul versetzt. Die

Stadt ist politisch aufgeheizt.

Zwischen Geheimdienst, Affäre

und Einsamkeit stößt sie an

die Grenzen von Rechtsstaatlichkeit

und europäischer Idee.

Robert Renk

Lucy Fricke:

Die Diplomatin

Claassen Verlag, 256 S., € 22,70

Verschmutze Straßen, Korruption

und Gewalt, überfüllte

Kerker – so lernen wir

das London um 1700 kennen.

Die von Pest und Verwüstung

heimgesuchte Stadt ist in fester

Hand von Queen Anne Stuart.

Wer nicht ihrem Regiment folgt

landet im gefürchtetsten Kerker

Europas, Newgate Prison. Daniel

de Foe durchschaut dieses

vertrackte Spiel, erkennt die

wahren Agierenden und begehrt

auf. Ein literarischer Historienroman

der viele Motive wie

Fake News, Paranoia und

andere Unsicherheiten plötzlich

unglaublich vertraut erscheinen

lässt. Ein Pageturner der

Meisterklasse! Carmen Schwarz

Markus Gasser:

Die Verschwörung der Krähen

C.H. Beck Verlag, 238 S., € 23,70

Michael Hartung ist Videothekenbesitzer,

hält sich in

Zeiten von Netflix gerade so

über Wasser. Ein Mann der

stets dem Zahn der Zeit ein

wenig hinterherhinkt. Als eines

Tages ein Journalist mehr über

seine DDR-Vergangenheit in

Erfahrung bringen will, überschlagen

sich die Ereignisse.

Plötzlich ist er über Nacht zum

Helden der Nation geworden,

der 127 Menschen zur Flucht

in den Westen geholfen haben

soll. Ein Hochstaplerroman der

mit viel Herz und Berlincharme

großes Lesevergnügen bereitet!

Carmen Schwarz

Maxim Leo:

Der Held vom Bahnhof Friedrichstrasse

Kiepenheuer & Witsch Verlag, 304 S.,

€ 22,70

Führerschein und Kummerkasten.

Eine junge Mutter

zieht mit Mann und Baby nach

Westjütland, ins „Land der

kurzen Sätze“. Eine einfache

Unterhaltung wird für sie zum

Wagnis, und das Leben selbst

ist auf einmal voller Hindernisse.

Mutterschaft, Ehe und

Fahrprüfung: alles kaum zu

schaffen. Doch als sie Kummerkasten-Redakteurin

bei der lokalen

Zeitung wird, ändert sich

ihr Leben. Ein toller Roman

in toller Übersetzung in einem

neuen, tollen Verlag. Zudem es

ein tolles Hörbuch – eingelesen

von Caroline Peters – gibt. Robert

Renk

Stine Pilgaard:

Meter pro Sekunde

Kanon Verlag, 253 S., € 23,70

Julia Schoch schreibt: „Ich

erwähne diese alltäglichen Verrichtungen,

weil die meisten

überraschenden Vorfälle in

unserem Leben gleichsam

nebenbei passieren.“ So klar

wie dieser Satz ist der ganze

Roman. Im Verwobenen einer

Geschichte, die berührt, weil

sie verwegen klar ist. Plötzlich

war im Leben der Protagonistin

eine unbekannte Halbschwester

aufgetaucht. Alles wird anders.

Schock und Zuversicht zugleich.

Das Vorkommnis wird

Alltag, ohne Alltag zu werden.

Ein gelungener literarischer

Griff. José F.A. Oliver

Julia Schoch:

Das Vorkommnis

dtv Verlag, 192 S., € 20,60


Nach dem Tod von ihrem

Mann, nimmt sich Lèna Auszeit

am Golf von Bengalen.

Sie kämpft mit sich und ihrer

Situation, wird auf wundervoller

Weise von einem kleinen

Mädchen und Frauen die der

Selbstverteidigungsgruppe

angehören, gerettet. Eine neue

Aufgabe gibt ihr wieder Mut:

Sie gründet eine Schule trotz

aller Widrigkeiten und kämpft

für die Rechte der Mädchen

damit diese eine Zukunft außerhalb

von Armut und Elend

erwarten können. Das Buch hat

mich von der ersten Seite an tief

berührt und gibt Einblicke in

die indische Kultur. Andrea Scheiber

Laetitia Colombani:

Das Mädchen mit dem Drachen

S. Fischer Verlag, 272 S., € 23,30

Said konnte wie kaum ein

anderer laute Kritik und stille

Zurücknahme vereinen. Er

war für viele Vorbild und Inspirationsquelle,

Maßstab und

Brückenbauer. Die Autobiografie

aus seinem Nachlass

ist mehr als ein Tablett seines

Lebensanfangs, es ist auch

Zeitdokument und Aufruf:

hinzuhören und gegen Unrecht

einzustehen wie er es tat!

So stellt dieses Buch nicht nur

Erinnerungen an eine persische

Kindheit dar, sondern erinnert

an eine große lyrische Stimme

und einen wichtigen Seismographen

unsrer Zeit. Siljarosa

Schletterer

Said:

Ein vibrierendes Kind

C.H. Beck Verlag, 272 S., € 23,70

Es ist die Geschichte einer zerstörerischen

Amour fou: jene

zwischen dem Maler Edvar

Munch und der Tochter eines

Weinhändlers, Tulla Larsen.

Es ist von einem inszenierten

Selbstmord die Rede und vom

„Schuss“ (sie soll ihm in die

Hand geschossen haben). Es ist

aber auch die Geschichte einer

Ehrenrettung, denn Teigen hat

anhand des Briefwechsels der

Liebenden ein neues, einfühlsames

Bild einer modernen Frau

entworfen, die Munch nur seinen

„Plagegeist“ nannte, die er

aber vermutlich ein Leben lang

geliebt hat. Bernd Schuchter

Lene Therese Teigen:

Schatten der Erinnerung

Ebersbach & Simon Verlag,

336 S., € 24,00

Paul Auster hat über Stephen

Crane und sein kurzes Leben

ein sehr, sehr langes, sehr feuriges

und fast schon zu gescheites

Buch In Flammen geschrieben.

Geschichten eines New Yorker

Künstlers sind Stories. Manche,

„Maggie, ein Mädchen von der

Straße“ zum Beispiel, nennt er

Roman, andere Geschichten:

Erdig sind sie alle. Erdig und

elegant. Und geradlinig. Und

und und. Man könnte, ganz wie

Paul Auster, ins Schwärmen

kommen. Joseph Frontull

Stephen Crane:

Geschichten eines New Yorker Künstlers

Pendragon Verlag, 288 S., € 24,70

Der dritte und wohl berührendste

Teil der Familiensaga.

Diesmal erweckt Monika

Helfer ihren Bruder Richard

zum Leben. Das scheint ihm

wenig wichtig. Verantwortung

übernimmt er nur, wenn sie

ihm angetragen wird. So auch,

als ihm auf merkwürdige

Weise eine verflossene Liebe

ein Kind überlässt, von dem

er nur den Spitznamen kennt.

Eine Liebeserklärung an einen

fantasievollen Sonderlinge mit

großem Herzen in einer kalten,

durchrationalisierten Welt.

Unprätentiös und stilistisch

brillant. Robert Renk

Monika Helfer:

Löwenherz

Hanser Verlag, 192 S., € 20,60

Mit Schweizer Gemütlichkeit

hat dieser Roman nichts zu tun.

Mit einem Affentempo legt

Schmidt, der Schweizer Autor,

der in Island wohnt, hier die

Tell-Saga als literarischen Pageturner

vor. Auch nordische Mythen

suchen sich ihren Platz in

der Zentralschweiz. In beinahe

100 schnelle Sequenzen jagen 20

verschiedene Protagonisten wie

auf einer Lunte dem explosiven

Showdown entgegen. Das ganze

noch garniert mit einem Hauch

Frau Hitt. Dass das ein Erfolg

wird, steht in Stein gemeiselt,

meint ... Robert Renk

Joachim B. Schmidt:

Tell

Diogenes Verlag, 288 S., € 23,70

Julia May Jonas führt uns in

das Leben am Campus eines

Colleges. Dort unterrichtet

die 58jährige Ich-Erzählerin

Literatur scharf, präzise und

schonungslos erzählt sie über

ihre Zweifel am alternden

Körper, an ihrem Ehemann,

dem gerade ein Verfahren droht,

da er intime Beziehungen mit

jungen Studentinnen hatte. Sie

verliebt sich in den wesentlich

jüngeren Kollegen Vladimir, die

Situation eskaliert und endete in

einem Desaster. Ihre eindrucksvolle

Reflexion über Geschlecht,

Macht und Alter trifft exakt den

Puls der Zeit. Gabi Pinsker

Julia May Jonas:

Vladimir

Blessing Verlag, 352 S., € 24,70

Robert Schneider gelang vor

30 Jahren ein literarischer

Welterfolg. In 30 Sprachen

übersetzt und verfilmt. Nun ist

der Roman in einer wunderschönen

Jubiläumsausgabe

erschienen. Nimmt man den

Schutzumschlag ab, kommt das

Cover, das man von Schlafes

Bruder kennt, farblich bedruckt

zum Vorschein. Ausgestattet

mit Lesebändchen tauchen wir

in die Geschichte des Musikers

Johannes Elias Alder ein, der

mit 22 Jahren seinem Leben

ein Ende bereitete, nachdem er

beschlossen hatte, nicht mehr zu

schlafen. Stephanie Bergmann

Robert Schneider:

Schlafes Bruder

Reclam Verlag, 224 S., € 25,70

Eine Familie, ein unerwarteter

Tod. Die Zurückgebliebenen,

verstreut zwischen London,

Paris, den Niederlanden und

der Steiermark, trauern auf

verschiedene Weise. Und sie

erkennen auch die Leere in

ihrem eigenen Leben. Für alle

stellt sich die Frage nach einem

glücklichen Leben noch einmal

neu und dringlicher – während

große gesellschaftliche Veränderungen

und Entwicklungen

in Europa im Gange sind, die

sie skeptisch mitverfolgen. Einfühlsam,

spannend und stilistisch

beeindruckend! Robert Renk

Friederike Gösweiner:

Regenbogenweiß

Droschl Verlag, 344 S., € 24,00

Dieses Buch macht Hunger –

Lesehunger und auch ganz echten

– also ist es am besten, wenn

man es während des Kochens

liest! Im Gasthof von Elsa und

Robert Walch im Elsass fühlt

man sich gleich zuhause, spürt

die Natur und den Sommer,

genießt den herrlichen Garten…

bis die quirlige Maggie

auftaucht und das Leben des

schrulligen Kochs komplett auf

den Kopf stellt. Diese Geschichte

ist ein Genuss für alle

Sinne, die Seele und auch den

Magen, sofern man das Essen

nicht anbrennen lässt. Nadja

Fenneberg

Julia Mattera:

Der Koch der zu Möhren und Sternen

sprach

Eichborn Verlag, 224 S., € 18,50

Im Jahre 1939 stehen die

Zeichen auf Krieg in Krakau,

und deutsche Truppen fallen

in Polen ein. Die junge Marie

ist ohne Mutter aufgewachsen,

und von ihrem Vater, der ein

angesehener Arzt ist, erfährt sie

nicht viel. Aus Neugier betritt

sie sein Zimmer und macht eine

seltsame Entdeckung. Das Buch

ist voller Geheimnisse, begleitet

von einer beeindruckenden

Medizingeschichte und einer

verboten Liebe zu einen Juden.

Die Geschichte hat mich fasziniert

und innerlich sehr berührt.

Absolute Leseempfehlung.

Andrea Scheiber

Rachel Giveny:

Das verschlossene Zimmer

Lübbe Verlag, 554 S., € 22,70

Zwei Geflüchtete: Der eine sucht

politisches Asyl, der andere war

früher „Bildungsmigrant“ und

arbeitet jetzt an einer britischen

Universität. Sie erzählen sich ihr

Schicksal, reden über Aufbruch

und Verlust, die Demütigungen

und Übergriffe. Geteiltes Leid

als halbes Leid? Mitnichten.

Die Leidensgenossen sind sich

spinnefeind. Das hat mit dem

zu tun, was sie hinter sich lassen

mussten. Eine alte Geschichte.

Oder genauer: zwei Geschichten.

Gurnah räumt – dem

kitschverdächtigem Titel stolz

trotzend – mit allem auf, was

sich romantisieren ließe. Joseph

Frontull

Abdulrazak Gurnah:

Ferne Gestade

Penguin Verlag, 416 S., € 26,80

Elvira Steppachers Debüt

erzählt aus den Augen einer

Frau, die ihr Ende kommen

sieht. Kraftvoll schreibt sie ihre

Beobachtungen in ein Notizbuch;

kraftvoll, trotz ihres

Hirntumors. Sie nimmt uns mit

auf Friedhöfe und in die Natur,

zu den Tieren und Bäumen die

dort verweilen. Wir nehmen

teil an ihren Betrachtungen

zu Spiritualität, Krankheit,

Tod und gehen der Frage

„Was kommt danach“ auf den

Grund. Als Leser*in spürt man

die Stärke der Sprache und das

Können der Autorin, diese auch

einzusetzen. Lena Kripahle-Wiek

Elvira Steppacher:

Von Fall zu Fall. Ein Stundenheft

Braumüller Verlag, 208 S., € 24,00

Der neue Roman von Judith

Taschler beginnt Anfang des

18. Jahrhunderts und erzählt die

Geschichte der ersten starken

Frau der Familie Brugger.

Diese geht nach Wien und lernt

nicht nur die schönen Seiten

kennen. Über drei Generation

spannt sich eine eindringliche

Familiengeschichte in einem

kleinen Dorf. Sie handelt von

Liebe, Abschieden, Kriegen,

Sehnsucht, Glück und Wiedersehen.

Einfühlsam und packend

erzählt, man lebt und leidet mit

den Protagonisten mit. Eine

Leseempfehlung meinerseits.

Andrea Scheiber

Judith W. Taschler:

Über Carl reden wir morgen

Zsolnay Verlag, 464 S., € 25,30

Besonderen Stil und besonderen

Witz erkennt man – wenn auch

unterschiedlich – beim großen

österreichischen Autor Thomas

Bernhard wie auch beim

großen Entertainer Harald

Schmidt. Nicht verwunderlich,

dass Theatermann Schmidt

sich mit den Texten, vor allem

den Theaterstücken Bernhards,

schnell und innig anfreundete.

Eine tolle Annäherung findet

er für Leser*innen und zwar

über das Essen. Er zeigt, wie

lohnend und inspirierend es ist,

sich Bernhards Werk und seiner

Persönlichkeit über den Esstisch

hinweg anzunähern. Robert Renk

Harald Schmidt (Hrsg.):

In der Frittatensuppe feiert die Provinz

ihre Triumphe

Brandstätter Verlag, 176 S., € 36,00

Dass diese Geschichte grausam

wird, steht schon im ersten Satz.

Dass ob der Grausamkeit wenig

Aufhebens gemacht wird, steht

im zweiten. Und dass alles auch

irgendwie eine Liebesgeschichte

und eine Familiengeschichte

ist, steht da auch. Ocean State

spielt am Rand der Gesellschaft,

in einer Arbeiterstadt, wo die

wenigsten Arbeit, aber jeder

und jede einen Traum hat. Auch

davon erzählt dieses Buch: vom

Leben und Lieben und vom

Sterben in einer ungerechten

Welt. Trotzdem ist Ocean State

ein ganz zartes, beinahe zärtliches

Buch. Joseph Frontul

Stuart O’Nan:

Ocean State

Rowohl Verlag, 256 S., € 24,70


Rezensionen

Krimi:

Frühling der Wunder. Deutschland

erlebt das Unfassbare. Ein

Blinder kann plötzlich wieder

sehen, ein Terroranschlag wird

verhindert und eine Prophezeiung

erschüttert das ganze

Land. Verantwortlich dafür ist

ein Mann, der aus dem Nichts

kam. Ein Mönch, unscheinbar

und bescheiden, das Volk

glaubt an einen neuen Messias.

Nur David Bronski und seine

Kollegin Svenja Spielmann

zweifeln. Sie machen sich auf

die Suche nach der Wahrheit

und decken den ungeheuren

Plan eines Wahnsinnigen auf.

Bernhard Aichner:

Brennweite

btb Verlag, 352 S., € 17,50

Stockholm 2003: Ein Schiedsrichter

der Fußballjugend wird

erschlagen aufgefunden. Der

Verdacht fällt sofort auf einen

Vater, doch es fehlen Beweise.

Der neue Polizeichef holt zwei

Außenseiter ins Team: die

Streifenpolizistin Micaela Vargas,

die aus demselben Problemviertel

wie der Verdächtige

stammt, und den Psychologen

Hans Rekke, ein brillanter Beobachter

und Spezialist für Verhörtechniken.

Rekke folgt bald

einer ganz anderen Spur und

gibt nicht nur Vargas Rätsel auf.

Doch nur wenn beide an einem

Strang ziehen, haben sie eine

Chance gegen übermächtige

Gegner.

David Lagercrantz:

Der Mann aus dem Schatten

Heyne Verlag, 480 S., € 24,70

Martin Juncker ist gerade zur

Kopenhagener Polizei zurückgekehrt,

da entbrennt in Kopenhagen

ein Kampf zwischen

Rechtsradikalen – autonomen

Gruppen und Einwandererbanden.

Dabei wird ein Neonazi

erstochen und Junckers

frühere Partnerin Signe übernimmt

die Ermittlungen. Kurz

darauf wird eine Frau in einem

Naturschutzgebiet gefunden:

erdrosselt und sexuell missbraucht.

Martin ermittelt in

diesem Fall, und seit langer Zeit

arbeitet er wieder mit Signe zusammen.

Die beiden vermuten,

dass die Taten von demselben

Mann verübt wurden – einem

eiskalten Killer.

Kim Faber & Janni Pedersen:

Blutland

Blanvalet Verlag, 560 S., € 16,50

Carl Vorlau behauptet, vor Monaten

die 7-jährige Pia entführt

und an einen geheimen Ort verschleppt

zu haben. Über seine

Tat will Vorlau nur mit dem

unkonventionellen Literaturagenten

David Dolla reden.

Vorlau will einen Vorschuss von

einer Million Euro, für einen

Thriller mit dem Titel „Ich töte

was, was du nicht siehst“. Als

Belohnung will Vorlau Dolla

zum Helden machen, der das

Mädchen in letzter Sekunde

rettet. Lehnt er den Auftrag ab,

wird Pia sterben und das Leben

des Agenten für immer zerstört.

Klingt nach einem typischen

Psychothriller, oder?

Sebastian Fitzek & Micky Beisenherz:

Schreib oder Stirb

Droemer Verlag, 336 S., € 20,60

Mord im Watt auf der Grenze

zwischen Dänemark und

Deutschland. Bei einem

Spaziergang machen Lasse

und sein Schüler Villads einen

grausamen Fund: Im festen

Sand des Meeresgrundes steckt

die Leiche eines Mannes. Es

ist Lykkes erster Fall. Dass sie

den Toten kannte und er sich

verfolgt fühlte, verschweigt sie.

Da die Leiche auf der Grenze

gefunden wurde, wird ihr

Rudi aus Flensburg zur Seite

gestellt. Die beiden verstehen

sich auf Anhieb. Villads ist seit

dem Fund der Leiche spurlos

verschwunden. Es ist nicht das

erste vermisste Kind im Dorf.

Dennis Jürgensen:

Gezeitenmord

Kiepenheuer&Witsch Verlag,

336 S., € 16,50

Wenige Tage vor der Pensionierung

muss sich Kommissar

Wu aus Taipeh mit dem Suizid

eines Marineoffiziers herumschlagen.

Wu ist sofort klar,

dass der Mann ermordet wurde,

doch das Militär beharrt auf

Selbstmord. Nach dem Job in

Rom freut sich der junge taiwanesische

Scharfschütze Alex

darauf, zu seinem Asia-Imbiss

zurückzukehren, der den besten

gebratenen Reis in ganz Italien

serviert. Stattdessen macht Alex

beinahe tödliche Bekanntschaft

mit seinen eigenen Kollegen.

Eine halsbrecherische Flucht

quer durch Osteuropa und zurück

nach Taiwan beginnt...

Chang Kuo-Li:

Der grillende Killer

Droemer Verlag, 320 S., € 16,50

80

Wagner’sche.

Moskau, 1962. Alexander Wassin

ist der Top-Agentenjäger des

KGB. Als es gilt, einen Maulwurf

im Kreml aufzuspüren,

kommt dafür nur er infrage.

Während die Spannungen

zwischen Chruschtschow und

Kennedy zunehmen und die

Kubakrise auf ihren Höhepunkt

zusteuert, ahnt Wassin

nicht, dass das Schicksal der

Welt bald vom Erfolg seiner

Mission abhängt – und von

der Geduld des Kapitäns einer

sowjetischen U-Boot-Flotte, der

weit unter dem Meer auf die

Befehle seiner Kommandanten

wartet, zu denen er den Kontakt

verloren hat.

Owen Matthews:

Red Traitor

Lübbe Verlag, 464 S., € 15,50

Am Mittsommertag werden

Kommissarin Paula Pihjala und

ihr Team zu einem grauenvollen

Fund westlich von Helsinki

gerufen. Vor dem Gutshof einer

Unternehmerfamilie wurde ein

Container abgestellt, in dem

eine ermordete dunkelhäutige

Frau liegt. Sie ist qualvoll darin

ertrunken. Niemand scheint die

Frau zu kennen.Wenig später

kann die Identität der Toten geklärt

werden: Die Universitätslehrerin

Rauha Kalando war

kurz vor ihrem Tod aus Namibia

eingeflogen. In ihrem Hotelzimmer

liegt ein Dokument,

unterschrieben vom ehemaligen

Unternehmenschef ...

A.M. Ollikainen:

Team Helsinki

Lübbe Verlag, 352 S., € 17,50

Die Macht der Gefühle kann

tröstlich sein. Oder tödlich. Seit

vierzehn Jahren verschwinden

Mädchen im Alter zwischen

sechs und zehn Jahren. Rote

Schleifenbänder weisen der

Polizei den Weg zu ihren

Leichen. Vom Täter fehlt seit

vierzehn Jahren jede Spur. Eines

Abends wird der international

renommierte Philosophieprofessor

und Anthropologe

Walter Lesniak im Beisein seiner

Tochter Ann verhaftet. Die

Anklage: zehn Morde an jungen

Mädchen. „Professor Tod“ titelt

die Boulevardpresse. Doch Ann

wird die Unschuld ihres Vaters

beweisen.

Romy Hausmann:

Perfect Day

dtv Verlag, 416 S., € 17,50

Deine Mitspieler: unbekannt.

Die Regeln: tödlich. Der Einsatz:

Dein Leben.

K hat keine Familie mehr und

kann sich nur noch auf zwei

enge Freunde verlassen – Chloe

und Baron. Sie sind süchtig

nach RABBITS. Niemand weiß

genau, seit wann dieses Spiel

im Untergrund existiert. Wann

die nächste Runde beginnt. Wer

mitspielt. Was der Gewinner bekommt.

Doch diese eine Regel

ist klar: Die Spieler dürfen

nicht darüber sprechen. Und

wer gegen die Regel verstößt,

schwebt in Lebensgefahr. So

wie ein Ex-Spieler, der K einen

Auftrag erteilt und plötzlich

verschwindet.

Terry Miles:

RABBITS. Spiel um dein Leben

Penguin Verlag, 496 S., € 18,50

„Ich bin davon überzeugt, dass

Dr Braithwaite meine Schwester

Veronica getötet hat. Damit

meine ich nicht, dass er sie im

üblichen Wortsinn ermordet

hat, dennoch ist er für ihren

Tod verantwortlich, als hätte er

sie mit seinen eigenen Händen

erwürgt“ Zwei Jahre zuvor,

1963, ist Veronica von einer

Überführung gesprungen und

vom Zug überfahren worden.

Niemand hätte ihr das zugetraut.

Am wenigsten ihre

Schwester. Ein hochspannendes

Katz-und-Maus-Spiel zwischen

einem Therapeuten und seiner

Patientin. Was ist wahr, was

Täuschung?

Graeme Macrae Burnet:

Fallstudie

Kampa Verlag, 368 S., € 24,70

Unser Herz schlägt für

Revolverherz und für die

wunderbare Staatsanwältin

Chastity Riley. Bei Wind und

Wetter geht sie auf St. Pauli

ihren Fällen nach, trinkt ihre

Kollegen und andere unter den

Tisch und pflegt ihre seltenen

zwischenmenschlichen Kontakte

gerne auch mal in der

waagerechten. Hier kommt

nun der allererste Riley-Krimi

in überarbeiteter Form bei

Suhrkamp neu heraus. Skalpierte

Stripperinnen im Rotlichtviertel.

Eine perfekte Einstiegsdroge.

Versprochen!

Simone Buchholz:

Revolverherz

Suhrkamp Verlag, 241 S., € 14,95


40 Orte im Rahmen des

Osterfestivals

Autorinnen und Autoren

dieser Ausgabe

fabula rasa

© Christina Vettorazzi

© Felix Kremsner

Siljarosa Schletterer ist freiberufliche

Autorin, Lyrikerin und Kulturvermittlerin.

Sie studierte Literatur- und Musikwissenschaft

mit den Forschungsschwerpunkten:

Zusammenspiel von Musik und Sprache

sowie (Gegenwarts-) Lyrik. Die Vermittlung

von Lyrik sowie die Verbindungen

Wissenschaft-Kunst-Politik sind ihr als Veranstalterin,

Kursleiterin, Moderatorinund

Herausgeberin ein Herzensanliegen.

Soeben erschien ihr Lyrikband azur ton

nähe bei Limbus.

Felix Kremsner ist 1992 in Innsbruck

geboren. Er studierte Klassische Gitarre

und Jazz am Mozarteum Innsbruck und

ist als Musiker, Komponist und Gitarrenlehrer

tätig. Zu seinen eigenen Projekten

und Tonträgerveröffentlichungen zählen

„Imagination“, „The Jazzengers“, „Marberger|Kremsner“

und „Felix Kremsner_The

Acoustic Project“. Genauere Informationen

unter www.felix-kremsner.at.

1. Telfer Literaturfestival

gemeinsam systemrelevant

Veranstaltungstipp:

40 ORTE – im Rahmen des

Osterfestivals

Siljarosa Schletterer und Felix

Kremsner

Sa., 26. März 2022, 15:00 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Weitere Infos unter:

www.osterfestival.at

Eintritt frei!

19 - 21 Mai 2022

Alois Hotschnig mit Julia Gschnitzer -

Luna Al Mousli -

Michael Stavaric - Siljarosa Schletterer

mehr unter www.buecherei-telfs.at/fabularasa

Bücher seit 1639

Christina Alexandridis, geboren und aufgewachsen in Heidelberg,

absolvierte das Studium der Theaterwissenschaft und

Romanistik an den Universitäten in Erlangen und Berlin.

Mit Johannes Reitmeier wechselte sie als Chefdramaturgin

an das Pfalztheater Kaiserslautern. Seit der Spielzeit 2012/13

ist sie in gleicher Position am Tiroler Landestheater tätig.

Seit der Spielzeit 2020/21 Schauspielchefin.

Stephanie Bergmann, geboren 1988 in Schwarzach St. Veit,

aufgewachsen in Bad Gastein. Seit 2010 schreibt sie auf

ihrem eigenen Blog über Bücher (www.beautybooks.at)

und hat nebenbei immer schon mit Autoren, Verlagen und

Salzburger Buchhandlungen kooperiert. 2017 hat sie der

Modebranche endgültig den Rücken gekehrt und ihr Hobby

zum Beruf gemacht. Seitdem arbeitet sie bei Bücher Stierle

und liebt es, Bücher zu empfehlen.

Evelyn Bubich, lektoriert, schreibt und rezensiert. Veranstalterin

literarischer Lesungen. Veröffentlichungen in

Literaturzeitschriften und im Radio. Lebt und arbeitet in

Wien.

Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt –

nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin und

Autorin in Innsbruck. U.a. „ich dachte an siracusa“ (ed. Exil)

Mascha Dabić, 1981 in Sarajevo geboren. Jugend und

Studium der Translationswissenschaft in Innsbruck. Lebt in

Wien, lehrt Russisch-Dolmetschen an der Universität Wien.

Schreibt, dolmetscht, übersetzt Literatur und Lyrik aus dem

Balkanraum.

Doris G. Eibl ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin am

Institut für Romanistik der Universität Innsbruck und freischaffende

Übersetzerin.

Nadja Fenneberg, geb. 1972 lebt und liest leidenschaftlich

gern in Telfs. Nebenbei ist sie noch Bibliothekarin, Literaturvermittlerin

und Veranstalterin des Festivals fabula rasa.

Martin Fritz, *1982, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft

und Deutsche Philologie in Innsbruck, hört sich in

seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des Songs „I

Wish I Was Him“ an. War Teil der 1. Innsbrucker Lesebühne

„Text ohne Reiter“, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne

„FHK5K“.

Joseph Frontull, geboren und aufgewachsen mit Blick auf die

Dolomiten und der Autobahn im Ohr, fuhr nie zur See – aber

träumt davon. Gelegenheits- und gelegentliche Auftragsschreiber.

Klaudia Grünfelder ist leidenschaftliche Buchhändlerin und

hat immer Lesestoff in der Tasche. Seit April 2021 verstärkt

sie das Team der Buchhandlung Leporello in Wien, die auch

unter der Wagner‘schen Flagge segelt.

Selina Kapferer ist seit 3 Jahren Mitglied der Wagner´schen

Familie und momentan in der Kinder- und Jugendbuchabteilung

zu finden, wo sie die englischen Kinder- und

Jugendbücher betreut. Sie ist 19 Jahre alt und wird auch

nach ihrer Lehrabschlussprüfung im Juli ein Teil der Wagner´schen

bleiben.

Markus Köhle, *1972, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft

und Germanistik in Innsbruck, arbeitet seit

mehr als 20 Jahren journalistisch mit den Schwerpunkten

Wissenschaft, Forschung & Wirtschaft und geht prinzipiell

nicht ohne Buch außer Haus..

83

Lena Kripahle-Wiek, Buchhändlerin in der Wagner‘schen seit

2015 und begeisterte Krimi- und mittlerweile auch Kinderbuch´

Leserin. Aber eigentlich begeistert von jeglicher Form

von Druckerschwärze. Zu finden in der Literaturabteilung,

wo sie den Krimis neue Spannung verleiht.

Maria Neumayr, geboren 1994, studierte Germanistik

und Anglistik in Innsbruck. Liebt Bücher so lange sie sich

zurückerinnern kann und ist, wenn sie nicht gerade liest, als

Abteilungsleiterin in der Kinderbuch- und Ratgeberabteilung

der Wagner‘schen zu finden.

José F.A. Oliver, Hausach (D), *1961. Lyriker. Heinrich-

Böll-Preis (2021). Jüngst: „wundgewähr“. Gedichte. Matthes

& Seitz (2018). Kurator des Literaturfestivals LeseLenz

(www.leselenz.eu). Näheres: www.oliverjose.com

Gabriele Pinsker-Schönhuber, B.A., Obfrau-Stellvertreterin

Literaturverein St. Johann i.T.

Joe Rabl, 1963 in Kufstein geboren; Studium der Komparatistik

und Germanistik in Innsbruck; war in diversen

Verlagen beschäftigt; lebt nach Jahren in Wien und Salzburg

wieder in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor. Mit Birgit

Holzner organisiert er die Innsbrucker Wochenendgespräche.

Markus Renk, seit 37 Jahren in der Buchbranche, leidenschaftlicher

Buchliebhaber und seit Oktober 2015 neuer

Chef der Medici Buchhandels GmbH. und somit auch der

Wagner’schen.

Robert Renk, Buchhändler und Kulturveranstalter. Sortimentsleiter

in der Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin

heraus.

Anna Rottensteiner ist Literaturwissenschaftlerin, Literaturvermittlerin

und Autorin. Sie leitet das Literaturhaus am

Inn, gibt Anthologien heraus, übersetzt aus dem Italienischen,

schreibt Rezensionen, Laudationen, Einführungen,

Erzählungen und Romane.

Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung.

Betreut Krimi, Frauenliteratur und stecke hinter

den Blind Date’s. Wenn sie nicht gerade liest, ist sie in der

Natur oder beim Handarbeiten zu finden.

Leonie Schiessendoppler, *1993 in Innsbruck, studierte

Philosophie und Soziologie und möchte den lieben langen

Tag nur lesend verbringen. Deshalb ist sie auch Lektorin und

Redakteurin von Reisemagazinen geworden. Sie arbeitete in

der Wagner’schen Buchhandlung und ist nun als Korrekturleserin

mit der Wagner’schen verbunden.

Siljarosa Schletterer, ist freiberufliche Autorin, Lyrikerin und

Kulturvermittlerin. Sie studierte Literatur-und Musikwissenschaft

mit den Forschungsschwerpunkten: Zusammenspiel

von Musik und Sprache sowie (Gegenwarts-) Lyrik. Die

Vermittlung von Lyrik sowie die Verbindungen Wissenschaft-Kunst-Politik

ist ihr als Veranstalterin, Kursleiterin,

Moderatorin und Herausgeberin ein Herzensanliegen.

Soeben erschien ihr Lyrikband „azur ton nähe“ bei Limbus.

Rotraut Schöberl, Buchhändlerin der Nation, die jeden

Dienstagmorgen im Cafe-Puls, dem österreichischen Frühstückfernsehen,

mit Büchertipps glänzt. Im Jahre 1994

eröffnet sie mit Erwin Riedesser das Leporello, um ihren

Traum von einer Buchhandlung zu verwirklichen. Bei

Residenz erschien soeben die von ihr herausgegebene Krimianthologie:

„Radieschen von unten“.

David Schranz, geboren 1994, befindet sich seit nunmehr

schon zwei Jahren in der Ausbildung zum Buchhändler und

hat so seine Leidenschaft zum geschriebenen Wort wiederentdeckt.

Wenn er sich nicht gerade Zuhause in den Tälern

der deutschen und englischen Literaturlandschaft verliert, ist

dieser junge Mann in der Belletristikabteilung der Wagner‘-

schen zu finden.

Bernd Schuchter, geboren 1977 in Innsbruck, studierte

Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck.

Autor und Verleger (Limbus Verlag). Zuletzt: „Gebrauchsanweisung

für Tirol“ (Piper), „Aufwachsen in Innsbruck“

(Wagner’sche) sowie „Rikolas letzter Auftritt“ und „Gustave

Courbet und der Blick der Verzweifelten“ (beide Braumüller).

Carmen Schwarz, geboren und aufgewachsen in Salzburg.

Hatte schon von klein auf eine große Liebe zum geschriebenen

Wort und packenden Geschichten. Sie liebt den

Austausch der Branche und das „Sich immer neu erfinden“.

Seit 2017 bei Bücher Stierle, wo jeder Lesetipp handverlesen

und die Begeisterung erlebbar wird.

Gerlinde Tamerl, geboren 1978, ist stellvertretende Geschäftsführerin

der Wagner’schen Buchhandlung. Die

promovierte Kunsthistorikerin ist u.a. Gastdozentin an der

Universität Innsbruck, Jurorin der ORF-Bestenliste und als

freie Literaturkritikerin tätig.

Helena Töchterle, geboren 1995, arbeitet seit Weihnachten

2018 in der Wagner’schen und hat nach einem kurzen

Weihnachtseinsatz an der Kassa in die Fachbuch-Abteilung

gewechselt, die sie ab Mai 2022 großteils leiten wird. Sie

hat Philosophie studiert und studiert es irgendwie immer

noch – Definitionssache. Liest sich gerne quer durch alle

belletristischen und nicht-belletristischen Genres, aber wird

ihrer Jugendliebe, der Fantasy, immer treu bleiben.

Evelyn Unterfrauner, bloggt seit 2015 unter dem Namen @

bookbroker über Bücher, führt einen Digitalen Buchclub,

arbeitete bei der größten Verlagsgruppe Deutschlands und ist

heute als (Social Media) Marketing Expertin selbstständig.

Innsbruck war lange ihre Wahlheimat, die Wagner’sche

ihre Lieblingsbuchhandlung. Heute lebt die Südtirolerin in

München.

Bettina Wagner, reist für den Diogenes Verlag durch Österreich

und Südtirol und führt gemeinsam mit Johannes

Kößler die Seeseiten Buchhandlung in Wien. Seit 1998 gilt

ihre Leidenschaft der Buchbranche, sie lebt mit ihrer Familie

in ihrer Lieblingstadt Wien.

Marlene Walder, geb. 1994 kommt aus dem schönen Ötztal

und ist seit 2013 in der Wagner’schen. Nach der Ausbildung

zur Buchhändlerin genoss sie neun Jahre den Buchhändler

Alltag in diversen Abteilungen. Nun studiert sie im 4. Semester

Medienmanagement und ist für die Abo-Abteilung und

die Social-Media-Kanäle der Wagner’schen zuständig.

Florian Wolf, geboren 2003, besucht derzeit das Christoph-Graupner-Gymnasium

im sächsischen Kirchberg und

absolvierte im Frühjahr 2022 ein Praktikum in der Wagner‘-

schen Universitätsbuchhandlung mit dem Schwerpunkt auf

Journalismus und Kommunikation.

Klaus Zeyringer, war Univ.-Prof. für Germanistik in Frankreich.

Ist Literaturkenner, Autor und grandioser Moderator,

u.a. Transflair (Krems) und Grenzgänge (Innsbruck). Zuletzt

erschienen „Schwarzbuch Sport / Show, Business und

Skandale in der neoliberalen Gesellschaft“ (Springer), „100 x

Österreich“ (Hrsg. Kremayr & Scheriau) und „Fußball / Eine

Kulturgeschichte“ (S. Fischer).


Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Museumstraße 4

6020 Innsbruck

T. +43 512 59505 0

office@wagnersche.at

www.wagnersche.at

Wagner’sche Altstadt

Herzog-Friedrich-Straße 22, A-6020 Innsbruck, +43 512 59505 90

Bücher Stierle Salzburg

Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114

office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at

Stierle Kelten-Buchhandlung

Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761

office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at

Leporello die Buchhandlung

Singerstraße 7, A-1010 Wien, +43 1 9611500

service@leporello.at

Stöger – Leporello

die Buchhandlung

Obkirchergasse 43, A-1190 Wien, +43 1 3203449

office@stoegerbuch.at

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!