Schlesischer Gottesfreund

gesev.de

Schlesischer Gottesfreund

60. JAHRGANG – MAI 2009 – NR. 5

ISSN 1861 - 9746 Verkaufspreis: 2,50 Euro H 6114

Schlesischer Gottesfreund

NACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIEN

Altar der Gnadenkirche zu Hirschberg Foto: Ansichtskarte, 30er Jahre, Archiv Neß


GEISTLICHES WORT

GEISTLICHES WORT S. 66

BEITRÄGE

Leuchtende Spur

zum Gedenken an

Pfarrer Rudolf Irmler S. 68

Pfarrer Heinz Prengel

zum Gedächtnis S. 69

Teure Gnade S. 71

Bilder aus der 300jährigen

Geschichte der Gnadenkirche

zu Hirschberg S. 72

Diakonissen aus Eben-Ezer

zu Gast in Görlitz S. 74

MELDUNGEN

Ein unpassender Rückzug S. 75

Gemeinsam die Tradition des

evangelischen Schlesiens

bewahren und vermitteln S. 75

Kirchliche Stiftung

„Evangelisches Schlesien“ S. 76

VERANSTALTUNGEN

Schlesiertreffen 2009 S. 76

„Wohl denen, die in deinem Hause wohnen!“

Eine Jubiläumspredigt

Lesens- und bedenkenswert als Auslegung des Wortes Gottes

über den seinerzeitigen Anlaß hinaus ist eine Predigt, die

schon im vergangenen Herbst gehalten wurde, beim 100-jährigen

Kirchweih-Jubiläum der evangelischen Kirche in

Obernigk im Kreis Trebnitz (der Schlesische Gottesfreund

berichtete darüber).

Liebe Gemeinde!

Wir haben uns heute zu einem Jubiläum versammelt. Zu

einem hundertjährigen Geburtstag. Wer wird schon hundert

Jahre als und sieht so schön aus wie diese Kirche? Das andere

Besondere ist die Tatsache, daß heute so unterschiedliche

Menschen zusammen feiern können: Polen und Deutsche,

evangelische und katholische Christen.

Wir haben viele Gründe zur Dankbarkeit. Lange Zeit ist

diese Kirche als Magazin des Waldsanatoriums benutzt worden.

So ist sie vor dem Verfall bewahrt und dann in so schöner

Weise erneuert worden. Als das Gotteshaus 1984 durch

Kardinal Henryk Gulbinowicz neu geweiht wurde, konnte

ich diesen festlichen Tag miterleben. Damals wurde die

Kirche nach dem Apostel Judas Thaddäus benannt.

Der heutige Tag lenkt unsere Erinnerung zurück zum 15.

September 1908. Wie dieses Fest damals begangen wurde,

schildert uns ausführlich die „Geschichte der evangelischen

Kirchengemeinde Obernigk“ von Pastor Hugo Banke [1935].

Er hielt die erste Predigt in der neuen Kirche und legte ihr

Psalm 50 Vers 4 zugrunde: Opfere Gott Dank und erfülle dem

Höchsten deine Gelübde.“

Bei dem Wort vom „Dank opfern“ mag er besonders an

die vielen Opfergaben gedacht haben, die den Bau dieses

Gotteshauses ermöglichten. In dieser Predigt ist gewiß auch

gesagt worden, daß der Dank an Gott in bestimmten

Situationen unseres Lebens ein Opfer sein kann. In tiefem

Leid ist es sehr schwer, nicht in Anklagen gegen Gott zu verharren.

Viele Psalmen geben uns ein Beispiel. Da ist von leidvollen

Erfahrungen die Rede: von Krankheitsnöten,

AUS DER LESERGEMEINDE S. 77

FUNDSTÜCK S. 78

66

Feindschaft, Verfolgung, Krieg und vielen aussichtslosen

Situationen. Dennoch mündet die Klage immer wieder -

manchmal überraschend - ein in Anbetung, Lob und Dank

für die bisherigen Führungen, und schließlich in das

Vertrauen in Gott, auch wenn noch keine Hilfe in Sicht ist.

Heute möchte ich dem Text aus Psalm 50 Worte aus

Psalm 84 hinzufügen, die unter der Überschrift stehen:

„Freude am Hause Gottes.“ Dort heißt es: „Wie lieb sind mir

deine Wohnungen, Herr Zebaoth. Meine Seele verzehrt sich in

Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Leib und Seele

freuen sich in dem lebendigen Gott.“

Sehnsucht - dieses Wort möchte ich besonders unterstreichen.

Eindrücklich wird diese Sehnsucht in einer

modernen Wiedergabe übersetzt: „Ich kann es kaum noch

erwarten“.

Dieser Psalm ist ein Lied. Ich denke an die Lieder der

Sehnsucht, die wir deutschen Schlesier so oft nach 1945

gesungen haben. Ich denke daran, wie die Sehnsucht nach

unserem Heimatort Obernigk und unserem schönen Haus

mit dem großen Garten unsere Familie beflügelte. Mit dieser

Sehnsucht haben wir uns vom Sudetenland gleich nach

Kriegsende auf den Heimweg begeben. Es war ein gefahrvoller

und mühevoller Weg. Die letzten etwa 160 Kilometer

mußten wir zu Fuß zurücklegen, bis wir am 3. Juni 1945 wieder

in Obernigk eintrafen, das wir im Januar hatten verlassen

müssen. Doch da erlebten wir eine bitter Enttäuschung:

unsere Sehnsucht erfüllte sich nicht. Wir standen vor den

Ruinen unseres von den Russen zerstörten Hauses. Damals

nahmen sich die katholischen Schwestern des St.

Hedwigstiftes liebevoll in unserer Verzweiflung an. Ganz in

der Nähe des Stiftes hatten wir den Blick auf unsere Kirche.

Gott-sei-Dank hatte sie die Kriegseinwirkungen heil überstanden.

Für die Menschen, denen zuerst unser Bibelwort aus

dem 84. Psalm galt, war der Tempel von Jerusalem das Ziel


67 BEITRÄGE

ihrer Sehnsucht. So machten sie sich aus den Orten überall

im Lande auf den weiten Weg nach Jerusalem. Es war ihre

Sehnsucht, dort die wunderbare Pracht des Tempels zu

erblicken und dort in einer großen Gemeinschaft mit den

Psalmliedern Gottes Lob zu singen, ihn anzubeten und ihm

durch ihre Opfergaben zu dienen. „Nächstes Jahr in

Jerusalem!“, so klang durch die Jahrhunderte bei den im Exil

lebenden Juden ihre Sehnsucht in diesem Satz immer wieder

an. So ist es geblieben, obwohl nur noch ein Teil der

Stützmauer des Tempels erhalten ist: im Jahre 70 nach

Christus hatten die Römer den Tempel total zerstört. Im

Sprachgebrauch wird sie die „Klagemauer“ genannt. Und

noch im heutigen Israel ist die Klagemauer das Zentrum des

jüdischen Glaubens und wird ständig aufgesucht für Gebete,

religiöse Feiern und politische Gedenktage.

Von dieser Sehnsucht und Liebe nach Gottes Haus und

Gegenwart und der Gemeinschaft mit den Gläubigen sollten

wir uns anfragen lassen. So manches Mal habe ich gehört:

Wozu muß ich in die Kirche gehen? - Ja, gewiß, auch in der

schönen Natur kann ich Gott dem Schöpfer nahe sein. Aber

die Gemeinschaft im Gottesdienst in unseren Kirchen hat

eine besondere Verheißung:

„Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein

Nest für ihre Jungen - deine Altäre, Herr, Zebaoth, mein

König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause

wohnen, die loben dich immerdar.“

Die Sehnsucht des Psalmisten beneidet die Vögel, die im

Bereich des Tempels ihre Nester bauen. Ja, wie glücklich

müssen die Menschen sein, die ständig im Tempel ihren

Dienst tun. Die können dort Gott jederzeit loben.

In manchem Gespräch hörte ich: „Als Kinder mußten wir

jeden Sonntag zur Kirche gehen.“ Und im Blick auf katholische

Christen kann man hören: Die müssen ja jeden

Sonntag gehen. Die haben ja die Sonntagspflicht! - Nun, ich

kann von meiner Familie sagen: wir drei Geschwister haben

den Kirchgang nicht als ein „Muß“ empfunden. Wir stammen

nicht aus einer Pfarrerfamilie, unser Vater war

Malermeister. Aber unsere Eltern haben uns ein gutes

Vorbild des Glaubens gegeben, dem wir gerne nachfolgten.

Für die Pilger damals war der weite Weg nach Jerusalem zum

Tempel auch kein „Muß“. Sie haben diesen Psalm 84 gesungen,

während sie unterwegs waren.

Unser Weg zur Kirche war etwa 20 Minuten weit. Der Weg

der Pilger damals war oft so weit, daß sie tagelang unterwegs

waren. Es war sicher eine kräftezehrende Sache bei der großen

Hitze des Orients. Im Vers 7 wird von einem dürren Tal

gesprochen. Das hebräische Wort könnte man auch mit „Tal

des Weinens“ übersetzen. Ich meine, mit solch dürrem Tal,

solchen Tälern des Weinens haben wir alle unsere

Erfahrungen.

Meine Gedanken gehen noch einmal zurück in die Jahre

1945 bis 1947 in Obernigk. Wie glücklich waren wir, wenn in

dieser Zeit immer wieder einmal ein Gottesdienst in unserer

Kirche stattfand. Sie waren eine Kraftquelle für alle deutschen

Bewohner. Aber auch in der übrigen Zeit konnten wir

Kraft aus Gottes Wort schöpfen. Unser Vater las uns in der

Woche täglich aus einem Andachtsbuch und am Sonntag

aus einem Predigtband vor. Gemeinsam sangen wir die

Lieder des Schlesischen Gesangbuches. Wie viele Lieder und

Bibelworte haben sich uns im Laufe der Jahre eingeprägt

und sind uns zu einer Quelle der Kraft geworden, wie es

unser Psalm anschaulich sagt:

„Wenn sie durch`s dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum

Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von

einer Kraft zur andern.“

Und je näher die Wanderer nach Jerusalem an den Berg

Zion mit dem Tempel kommen, desto mehr wachsen ihnen

neue Kräfte zu.

Was ist unser Ziel? Wir kennen und singen gerne das

Lied: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär

in dir! Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat und ist

nicht mehr bei mir ...“. Da singen wir von jenem Ziel, von

jenem Jerusalem, von dem im letzten Buch der Bibel, der

Offenbarung des Johannes, die Rede ist. Dieses Ziel dürfen

wir erwarten, wenn wir in Treue zu unserem Herrn unseren

Weg gehen. Jetzt hören wir in unseren Gottesdiensten von

Gottes ewiger Herrlichkeit. Dann aber dürfen wir ihn von

Angesicht zu Angesicht sehen, und ewige Freude wird sein.

Jetzt ist uns Gottes Liebe oft noch verborgen, wie die Sonne,

die zwar da ist, aber von dunklen Wolken verhüllt sein kann.

Dann aber wird Gottes Liebe für jeden gläubigen Menschen

sichtbar sein. -

Manches habe ich aus dem Leben unserer Familie

gesagt. Jeder von uns könnte im Rückblick auf sein eigenes

Leben vieles berichten. Ganz besonders denke ich hier an

unsere polnischen Freunde, die aus den ehemaligen

Ostgebieten Polens hierher gekommen sind, weil sie auch

ihre Heimat verloren hatten. Nun ist Ihnen dieser Ort, der

heute Oborniki Slaskie heißt, zur neuen Heimat geworden,

wie auch diese Kirche, deren 100jähriges Jubiläum wir heute

feiern. Dazu hat auch beigetragen das berühmte Gemälde

des Hl. Antonius von Padua aus dem 17. Jahrhundert, das

heimatvertriebene Polen aus ihrer Heimat mitbrachten.

Vieles ist jetzt, nach der Neugestaltung der Kirche, ganz

anders als wir das Gotteshaus in Erinnerung haben. Auch

die Gottesdienste, die hier gefeiert werden, sind anders

gestaltet. Aber ich bin immer wieder bei meinen jährlichen

Besuchen in Obernigk gern hier in dieser Kirche bei den

Gottesdiensten. Auch wenn ich nur Bruchstücke der polnischen

Sprache verstehe, fühle ich mich wohl in der

Gemeinschaft der Christen. Für alle deutschen Schlesier, die

sich heute auf die weite „Pilgerreise“ der Sehnsucht zu diesem

1oojährigen Jubiläum aufgemacht haben, erbitte ich

von unserem Herrn, daß wir alle Lasten der Vergangenheit

hier und heute in diesem versöhnten Miteinander ablegen

und diesen Festtag voller Freude begehen können. Der

Gastgemeinde Obernigk möchten wir sehr herzlich danken

für diese Einladung, diesen Tag mit uns gemeinsam zu

feiern. Amen. Alfred Beuse �


BEITRÄGE 68

Vor schon 10 Jahren, 1999 - und doch so vielen (nicht nur

evangelischen) Schlesiern in lebhafter Erinnerung - starb

Pfarrer und Rektor Rudolf Irmler im 92. Lebensjahr. Wir erinnern

mit diesem „Gedenkblatt“ noch einmal an den bekannten

Theologen und Schrifsteller, der am 11. August 1907 in

Lüben Schlesien geboren wurde und am 8. Januar 1999 in

Marktheidenfeld, Bayern gestorben ist.

Als der bayerische Kultusminister Hans Maier am 22.

Februar 1983 auf Rudolf Irmler aus Anlaß der Verleihung des

Bundesverdienstkreuzes am Bande die Laudatio zu halten

hatte, begann er mit den Worten: „Sie sind ein bekannter

und beliebter Prediger, Redner und Schriftsteller unserer

Tage in der Bundesrepublik Deutschland“. Warum Irmler so

bekannt und beliebt war, ließ der Minister offen.

Begegnungen nicht allein mit dem Redner und Schriftsteller,

sondern auch mit dem Musiker (Geiger), Komponisten,

Erzähler und Rezitator sprechen dafür, daß es die

Verbindung von Biographie und Theologie gewesen sein

dürfte, das heißt, die Einbettung des persönlichen Erlebens

in die überpersönlichen und überzeitlichen Bezüge des

Glaubens, die ihn für viele Zeitgenossen so anziehend

machte. Irmler sprach und schrieb als Zeitzeuge, Schicksalsgenosse,

Davongekommener, Mit-Leidender, der im

Leuchtende Spur

zum Gedenken an Pfarrer Rudolf Irmler

CHRISTIAN-ERDMANN SCHOTT

Glauben Trost, Halt, Lebenszuversicht gefunden hatte und

darum in beiden Bereichen, im Leid wie in der Hoffnung,

überzeugend, anregend und in seiner farbigen, pointenreichen,

gefühlsdominanten Sprache auch herzanrührend

wirkte. Diese Einschätzung würde zugleich erklären, warum

Irmler in seiner Wirkung so auffallend begrenzt blieb. Die

Nachgeborenen lesen ihn nicht mehr; ein Schicksal, das er

mit seinen als Schriftsteller ebenfalls erfolgreichen schlesischen

Amtsbrüdern Kurt Ihlenfeld (1901-1972) und Werner

May (1903-1975) teilt.

Zu den großen Themen, die sich durch Irmlers OE uvre -

30 Titel - ziehen, gehört unübersehbar Schlesien. Das hängt

mit seiner Herkunft und mit seinem Lebensweg zusammen.

Die Eltern, Otto Irmler, Klempnermeister, und Ida, geborene

Jentsch, lebten in Lüben. Dort wurde Rudolf am 11. August

1907 geboren. Den Vater schildert er als streng; die Mutter

als besonders liebevoll. Die Mutter war es auch, die seinen

Wunsch, Theologie zu studieren, unterstützte. Finanzieren

ließ sich das Studium allerdings nur mit einem Stipendium

des Gustav-Adolf-Werkes, das an die Verpflichtung gebunden

war, später für einige Jahre als Pfarrer in der

Auslandsdiaspora zu arbeiten. Die Vikarsausbildung absolvierte

Irmler 1931 noch in Pilgramsdorf bei Lüben. Dann

ging er, frisch verheiratet, für acht Jahre nach Brasilien in die

von deutschen Auswanderern gegründete Gemeinde

Jgrejinha. In Neuhamburg / Rio Grande du Sul / Brasilien

wurde er am 7. September 1932 ordiniert. 1939 konnte er

einen ersten Heimaturlaub in Deutschland verleben. Der

Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hinderte ihn an der

Rückkehr. Irmler blieb in Deutschland und wurde in der

Kirchengemeinde Oberau Kreis Lüben, zeitweise auch in der

Seelsorge am Hinrichtungsgefängnis in Kattowitz/Oberschlesien

eingesetzt. Als die Rote Armee heranrückte, ging er

1945 mit seiner Oberauer Gemeinde auf die Flucht. Die Ehe,

in der ein Sohn geboren wurde, ging auseinander. Irmler

kehrte nach Schlesien zurück, um auf Bitten und im Auftrag

der Breslauer Notkirchenleitung die weithin verwaisten

Restgemeinden in den Kirchenkreisen Lüben und Steinau zu

betreuen. Über die Erlebnisse dieser Zeit unter russischer

Besatzung und polnischer Herrschaft hat er wiederholt

geschrieben und dabei besonders eindrucksvoll von seiner

Tätigkeit als „Zahnarzt“ erzählt. Weil es keinen echten

Zahnarzt mehr gab, hat er nach seinen Gottesdiensten mit

der Kneifzange und wohl auch recht erfolgreich Gemeindegliedern,

aber auch russischen Soldaten die schmerzenden

Zähne gezogen.

Im Juni 1947 aus Schlesien ausgewiesen, fand Irmler eine

Anschlußverwendung als zweiter Provinzialpfarrer der

Brandenburgischen Frauenhilfe in Potsdam, ab 1948 als

Gemeindepfarrer in Waldheim/Sachsen. Damit verbunden

war die Betreuung der Strafanstalten. In seinem Buch „Hinter


69 BEITRÄGE

Grenzen und Gittern“, 12 Erlebnisse eines schlesischen

Pfarrers bei den Einsamen und Gefangenen Ostdeutschlands,

Kassel 1957, hat er über diese Arbeit berichtet. Um

dem Druck der staatlichen Stellen zu entgehen und von verschiedenen

Seiten gewarnt, setzte er sich 1953 aus der DDR

in den Westen ab. Es war zugleich das Jahr, in dem Rudolf

Irmler in zweiter Ehe Margarete Menz heiratete. Die Ehe

blieb kinderlos. Irmler wurde Krankenhauspfarrer in

Frankfurt/Main, 1954 theologischer Mitarbeiter beim

Gustav-Adolf-Werk in Kassel. Diese Tätigkeit war sehr vielseitig,

verbunden mit weiten Reisen in die Diasporagemeinden,

mit der Durchführung von Tagungen und

Vortragsveranstaltungen, der Betreuung der Stipendiaten,

der Organisation der Öffentlichkeitsarbeit einschließlich der

Herausgabe von Schriften und Materialien für die Kirchengemeinden

und Gustav-Adolf-Gruppen. Nach fast zehn

Jahren, 1963, ging Irmler als Pfarrer und Rektor an das

Diakonissenmutterhaus Breslau-Lehmgruben, das in

Marktheidenfeld am Main eine neue Wirkungsstätte gefunden

hatte.

Zum Lehmgrubener Mutterhaus gehörten 185 Schwestern.

So zupackend sie sich den Herausforderungen der

neuen Umgebung auch stellten, die Erinnerung an die alte

Heimat Schlesien blieb ein Wesensmerkmal ihrer persönlichen

Identität und der Identität ihres Mutterhauses.

Insofern bedeutete die Annahme dieser Berufung für Irmler

auch eine Heimkehr, das Wiedereintauchen in ein vertrautes

Milieu, das freilich vom Aussterben bedroht war - einerseits,

weil die Diakonissenhäuser ohnehin und durchweg mit

Nachwuchsmangel zu kämpfen hatten, andererseits, weil

Schlesien keine Zukunftsperspektive mehr darstellte. Irmler

sah seine Aufgabe darin, die Schwestern auf ihrem Weg zu

begleiten und zugleich ihrem Mutterhaus neue Aufgaben zu

erschließen. Das hat dazu geführt, daß unter seiner Leitung

die Umwandlung und der Ausbau des Diakonissenhauses zu

einem geistlichen Zentrum für die Region erfolgt ist.

1964/66 konnten die Johannes-Kapelle und ein Einkehrhaus

für die Betreuung von Diakonissen und Gästen gebaut werden.

1967 kam es zur Gründung des Johannesringes, eines

Freundeskreises berufstätiger christlicher Frauen. Einkehrwochen,

Meditationen, Tage der Stille wurden angeboten

und vielfältig angenommen und genutzt. Weit über die

Pensionierungsgrenze hinaus war Irmler der unbestrittene

Anreger, Leiter, Redner, Organisator, Meditator des Zentrums.

Trotz seiner Behinderung durch ein Augenleiden hat

er daran festgehalten, die Predigt am Sonntag und die

Morgenandachten selbst zu halten, bis auch das nicht mehr

möglich war. Am 8. Januar 1999 ist Rudolf Irmler in Marktheidenfeld

gestorben.

Neben seinen Schriften und Büchern hat Irmler auch

zahlreiche Kanons für den Gesang in Gruppen und

Gemeinden hinterlassen. Die Texte hat er häufig aus der

Bibel oder aus der Literatur übernommen. Zur Erinnerung

an diese Seite seines Schaffens soll hier an einen Kanon zu

vier Stimmen über ein Wort von Angelus Silesius erinnert

werden. Er trägt die Überschrift:

Leuchtende Spur

Freund, so du etwas bist, so bleib doch ja nicht stehn;

man muss aus einem Licht fort in das andre gehn.

Werke in Auswahl: Heimkehr. Alles in uns schweige. Sieben

Meditationen, Berlin 1950 u. ö. � Zwölf schlesische Geschichten

aus den Jahren 1945-1947, Lorch 1960 u. ö. ��Zwischen Kamp

und Urwald, Lorch 1961 � Spuren im Wüstensand,

Gießen/Basel 1966 � Revolution des Herzens. Jakob Böhme -

heute, Lorch, ca. 1975 � Mit dir wollen wir Taten tun (Johann

Heermann), Stuttgart 1984 � Mensch werde wesentlich

(Angelus Silesius), Lorch o. J. � Schläft ein Lied in allen Dingen:

Erinnerungen aus acht Jahrzehnten, Markheidenfeld o. J.,

(1980er/90er Jahre) � Die braune Geige. Geschichten aus

Schlesien und anderswo, Stuttgart 1988 � Leben aus der Stille,

Lorch, o. J. � Erlebt auf vielen Reisen, Marktheidenfeld o. J. �

Erinnerungen, Marktheidenfeld o. J. (1990er Jahre).

(Aus: Ostdeutsche Gedenktage 2007) �

Pfarrer Heinz Prengel zum Gedächtnis

ULRICH HUTTER-WOLANDT

Er war der letzte Vorsteher des schlesischen Mutterhauses

Frankenstein, das nach der Vertreibung in Wertheim am

Main eine neue Heimstatt gefunden hatte. In diesem Amt

hat er keinen Nachfolger mehr gefunden.

Heinz Prengel wurde am 22. Januar 1921 in Breslau als

einziges Kind eines Postbeamtenehepaares geboren und in

der heute zerstörten St. Salvatorkirche getauft. Er wuchs,

bedingt durch den Beruf des Vaters, in Liegnitz auf und verbrachte

dort seine Kindheit. Seine religiöse Prägung erfuhr

er im Kindergottesdienst an der dortigen Liebfrauenkirche.

In Liegnitz besuchte er nach der Volksschulzeit bis 1934 das

Gymnasium Johanneum; im gleichen Jahr wurde sein Vater

nach Breslau versetzt. Hier war Heinz Prengel bis zum Abitur

1939 Schüler des König-Wilhelm-Gymnasiums, einer

Schule, zu der er bis ins Alter durch die von ihm mitgestalteten

Ehemaligentreffen seine Verbundenheit gezeigt hat. Er

hielt sich in den Jahren des Dritten Reichs aktiv zur

Bekennenden Kirche und nahm regelmäßig an den

Bekenntnisgottesdiensten in der Breslauer Reformierten

Kirche teil. Nach dem Abitur studierte er Evangelische

Theologie an der Breslauer Theologischen Fakultät. Wie die

meisten Theologiestudenten wurde Heinz Prengel 1942 zum

Kriegsdienst eingezogen, wo er in Rußland und Frankreich

eingesetzt war. Bald nach der Invasion der Alliierten im Jahre


BEITRÄGE 70

1944 geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Er las in

dieser Zeit intensiv die biblischen Texte des Alten und Neuen

Testaments und hielt für die Mitgefangenen auch Andachten

und Gottesdienste. 1946 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft

nach Bayern entlassen.

Mit dem Sommersemester 1946 setzte er sein Theologiestudium

an der Universität Erlangen fort, hier hörte er

Theologen wie Friedrich Baumgärtel und Werner Elert und

lernte den Alttestamentler Franz Hesse kennen, mit dem ihn

eine lebenslange Freundschaft verband. Im Jahre 1948

absolvierte er in der Ev.- lutherischen Kirche Bayerns das

Erste Theologische Examen. Er besuchte anschließend das

Predigerseminar in Nürnberg, das damals von Hermann

Dietzfelbinger, dem späteren bayerischen Landesbischof,

geleitet wurde. In der Zeit der Ausbildung versah er zusätzlich

einen Dienst in einer Flüchtlingsdiasporagemeinde in

Mühldorf am Inn. Die Ordination erfolgte im Jahre 1949 und

ab 1950 war er Vikar in Oberkotzau. Im Jahre 1952 heiratete

Heinz Prengel seine Frau Rosemarie Gasteyer; die Ehe blieb

leider kinderlos. Im gleichen Jahr trat er in Rodach/Oberfranken

seine erste Pfarrstelle an, die er bis 1958 innehatte.

16 Jahre war Heinz Prengel dann Pfarrer in Engelthal bei

Hersbruck, eine Zeit die ihn tief erfüllte.

Heinz Prengel kümmerte sich in der bayerischen Kirche

intensiv um das schlesische Erbe z. B. durch sein aktives

Mitwirken in der Gemeinschaft Ev. Schlesier. Auf vielfältige

Weise wurde er damals auch für vertriebene Schlesier zum

Seelsorger, weil er selbst um den Verlust der Heimat wußte.

Heinz Prengel war aber nicht nur in der Gemeinschaft Ev.

Schlesier aktiv, sondern auch im Verein für schlesische

Kirchengeschichte, der im Jahre 1952 wiederbegründet

wurde. In den Jahren von 1979 bis 1990 gehörte er dem

Vorstand als Beisitzer und später auch als Schatzmeister an.

Die Verbundenheit zu seiner schlesischen Heimat sowie sein

ausgeprägtes Pflichtgefühl waren für ihn der Grund, dem

Ruf der Frankensteiner Diakonissen nach Wertheim/Main

zu folgen; er wurde am 18. März 1974 zum Vorsteher des

Diakonissenmutterhauses Frankenstein/Schlesien berufen

Tabeenstift in Frankenstein

und am 29. September 1974 von Prälat Weigt in der

Stiftskirche zu Wertheim feierlich in sein Amt eingeführt.

Das Mutterhaus Frankenstein war seit dieser Zeit ein wichtiger

Ort, an dem sich Schlesier und Nichtschlesier begegneten.

Erinnert sei nur an die vielen Tagungen zur schlesischen

Kirchengeschichte und die Tagungen des schlesischen

Kirchentages. Auch die badische Landeskirche nahm in

jenen Jahren regen Anteil an der Arbeit dieses schlesischen

Mutterhauses.

Obwohl im Jahre 1986 eigentlich sein Ruhestand angestanden

hätte, entschloß sich Heinz Prengel nach Absprache

mit dem damaligen Verwaltungsrat und auf Bitten vieler

Diakonissen, noch bis zum Jahre 1994 weiter als Vorsteher

dem Mutterhaus zu dienen. Am 22. Januar 1995 wurde Heinz

Prengel offiziell als letzter Vorsteher dieses schlesischen

Mutterhauses verabschiedet. Heinz und Rosemarie Prengel

zogen 1996 nach Münchberg/Oberfranken und verbrachten

hier ihren wohlverdienten Ruhestand. Er besuchte von dort

aus Tagungen zur schlesischen Kirchengeschichte, hielt in

Münchberg Vorträge zu schlesischen Themen und brachte

sich aktiv durch die Übernahme von Gottesdienstvertretungen

in die Münchberger Kirchengemeinde ein. Und er

freute sich immer über Besuch und sprach gerne über politische

oder schlesische Themen, besonders lag ihm die

schlesische Kirchengeschichte in der Zeit des Kirchenkampfs

und die Situation der schlesischen Kirche nach dem

Krieg am Herzen. Hier war er ein ganz wichtiger Zeitzeuge,

der viel über Schlesien zu vermitteln wußte.

Am 7. März 2009 ist Heinz Prengel in seiner Wohnung in

Münchberg verstorben; er wurde unter großer Anteilnahme

am 18. März 2009 auf dem Münchberger Friedhof unter dem

biblischen Text aus Jes. 65, 17-19 beigesetzt. Heinz Prengel

liebte seine Heimat Schlesien und die mit ihr verbundene

Geschichte und Kirchengeschichte. Als Vorsteher des

Mutterhauses Frankenstein/Schlesien in Wertheim/Main

hat er an und für Schlesien eine Arbeit geleistet, die nicht

hoch genug eingeschätzt werden kann. �

Ein Blick in die Geschichte

Der Kirchentag in Wittenberg im Jahre 1848, bei

dem Johann Hinrich Wichern seine bedeutende

Rede zur Inneren Mission hielt und damit die

Geburtsstunde der Diakonie einläutete darf auch

als Grundlage für die Errichtung von Waisen- und

Rettungshäusern gelten. Der Frankensteiner

Pfarrer und Superintendent Hermann Graeve - in

intensivem Kontakt zu Theodor Fliedner in

Kaiserswerth - gründete am 7. Mai 1860 das

Tabeenstift als Waisen- und Rettungshaus für

Mädchen. Fliedner war es auch, der bereits 1837

das Diakonissenamt eingeführt hatte. Diesem

Beispiel folgte Graeve am 7. Mai 1866. Aus der

„Bildungsanstalt zur Leitung einer Kinderschule“

wurde die „Diakonissenanstalt für Kinder- und

Armenpflege“, kurz das Diakonissenmutterhaus

Frankenstein. (Abb: Ansichtskarte, 30er Jahre)


71 BEITRÄGE

Teure Gnade

Zum „Jahr der Gnadenkirchen“ druckten wir in der vorigen

Ausgabe zur Gnadenkirche Militsch einen Bericht über das

Abstecken des Bauplatzes; zu Hirschberg (und bei den anderen

Gnadenkirchen wird es ähnlich gewesen sein) lesen Sie

eine Art „Kassenbericht“: über das, was der Bau kostete, ehe

noch ein einziger Stein, ein einziger Holzbalken gekauft war.

Teure Gnade eben. -ß

„Kirchenausgaben vor und bei Erlangung

sothaner Gnade de anno 1709“

[Wertangabe in Gulden]

1. Geschenk an den Kaiser 12.600

2. Dem Grafen von Wratislau / Geschenk 3.000

3. Dem Oberamtsrat Baron von Bruncht 1.000

4. Dem Referendar der Böhmischen Hofkanzlei

Baron von Deblin 5.000

5. An die Stände, Kommissionsgelder 300

6. Dem Sekretär von Saubert für Ausstellung

der kaiserlichen Obligation 300

7. An die böhmische Hofkanzlei wegen

Ausfertigung des Versicherungsdekrets 300

8. Dem Baron von Deblin, wenn selbiger uns zu

vierjährigen Raten bei der Bezahlung verhelfe 1.260

9. An Oberamtsrat Baron Brunetti wegen

Bezahlung der Gelder aus den Accisen 300

10. An den generalsteuereinnehmer

von Schwanenburg, dem Buchhalter

Melchior Max und dem Kassierer 300

11. Dem Kontrolleur John Lux bei dem

Hof-Kriegszahlamte 100

12. Dem Amtssekretär von Creutzenstein 100

13. Für Staffetten, Briefporto (...) 300

14. Wiederum an Amtssekretär von Creutzenstein 198

15. An den 100.000 Gulden des Darlehens

auf vier Jahre, welche außer Landes auf

unseren Kredit verborgt worden

und zwar aus

Holland 60.000 Gulden mit 7 pro Cento Interessen.

Aus Leipzig 30.000 Gulden auch mit 7 pro Cento

und 10.000 Gulden mit 8 pro Cento

ist verloren das erste Jahr 1.100

das andere Jahr 850

das dritte Jahr 600

das vierte Jahr 350

Ueberdies sind diese 100.000 Gulden

nebst 6 pro Cento Interessen in fünf Jahren

erst eingegangen, weswegen, ob es wohl

weit mehr beträgt, nur rechnen 1.000

16. An David Derbisch in Schweidnitz pro

fundo supplementorio (...) 786

17. An unseren löblichen Stadtmagistrat

als Geschenk 500

18. Für die Bestätigung unserer Geistlichen

an den kaiserlichen Hof 1.000

19. Herrn von Mohrenhal verrechnet von

80.400 Taler den Kurs nach Wien

(... 1.809+ 324+121+272) 2.626

20. Herrn v. Mohrenthal verrechnet ferner (..) 1.500

21. Ausgaben bei Absteckung der Kirche

An den Grafen von Schafgotsch, Geschenk 1.680

Dem Grafen von Zinzendorf 1.680

Dem Legitationssekretär 433

Dem Sekretär des Grafen v. Schafgotsch 300

Dem Kammerdiener des Grafen v. Zinzendorf 40

Dem Pagen 10

Dem Bedienten des Legitationssekretärs 5,10

Dem Hofstaat des Grafen Schafgotsch 79

Das Traktement (Vertrag) 470

Summa Gulden 42.997,10

(Die Tabelle ist, ein wenig vereinfacht, entnommen aus:

Alfred Zapke, Die Gnadenkirche zum Kreuze Christi in

Hirschberg-Schlesien. Festschrift zur Feier ihres 200jährigen

Bestehens; 2009) �


DAS JAHR DER GNADENKIRCHEN

Gedenk-Medaille zum 50sten Kirchjubiläum 1759

Brand der Gnadenkirche am 16. Oktober 1806

Aquarell von C. Thürmer

72

Bilder aus der 30

der Gna

zu H

Kirchweih


73 DAS JAHR DER GNADENKIRCHEN

0jährigen Geschichte

denkirche

irschberg

jubiläum 1909

Fenster in der Taufkapelle aus

dem Jahre 1902 (Werkstatt von

Richard Schlein Zittau).

Links: Taufstein (1717)

Kirchweihjubiläum 1944 mit OKR Walter Schwarz (links),

rechts daneben Pfarrer Johannes Hoehne

„Gnadenkirche im Flutlicht“, Ansichtskarte 1930er Jahre


AUS DER PARTNERKIRCHE 74

Diakonissen aus Eben-Ezer zu Gast in Görlitz

ANDREAS NEUMANN-NOCHTEN

Am 31. März diesen Jahres weilte eine Abordnung aus dem

Diakonissenmutterhaus Eben-Ezer in Dziegielów in Görlitz.

Dem Diakonat gehören 22 Schwestern an, davon sind 14 im

Ruhestand. Die Diakonissen arbeiten im Mutterhaus, in den

Altersheimen „Sarepta“ in Wegrów und „Emaus“ in Dziegielow

sowie im Erholungsheim „Betania“ in Bielsko-Biala. Drei

der emeritierten Schwestern sind weiterhin in verantwortlicher

Stellung berufstätig.

Auf dem Programm standen der u.a. eine gesellige

Informationsrunde in den Räumlichkeiten der Evangelischen

Kulturstiftung und ein Besuch des Heiligen Grabes.

Regionalbischof Dr. Hans-Wilhelm Pietz berichtete aus dem

Sprengel Görlitz und OKRin Margrit Kempgen gab einen

historischen Abriß zur Geschichte des Heiligen Grabes und

führte im Anschluß die Teilnehmer des Treffens durch die

Anlage am Rande der Görlitzer Altstadt.

Nicht jedem ist selbstverständlich, daß im von jeher

katholisch geprägten Polen schon seit langer Zeit auch Diakonissen

ihren wohltätigen Dienst versahen.

Fröhliches Miteinander und reger Gedankenaustausch bei Kaffee

und Gebäck im Funktionsgebäude am Heiligen Grab. Foto: ANN

Das Teschener Land gehörte zu den Regionen Österreich-

Ungarns in denen seit der Reformation die vorwiegend bäuerliche

Bevölkerung der lutherischen Konfession anhing,

während der Adel im Katholizismus verharrte. Dadurch kam

es immer wieder zu Verfolgungen und Vertreibungen.

Gottesdienste mußten heimlich abgehalten werden, bis es

1709 erlaubt wurde, die Teschener „Gnadenkirche“, wenn

auch ohne Turm zu erbauen, als „Zeichen der kaiserlichen

Gnade auch gegenüber Abtrünnigen“. Als Österreich-

Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg aufgeteilt wurde, kam

ein Teil des Teschener Landes zu Polen und der andere zur

damaligen Tschechoslowakei. Der diakonische Dienst in

den Kirchengemeinden der Evangelisch-Augsburgischen

Kirche in Polen gehört zu den Traditionen der Kirche, die seinerzeit

zahlreiche Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser

besaß. Die dort tätigen Diakonieschwestern brachten den

Notleidenden in ganz Polen Hilfe. In der Zeit zwischen den

beiden Weltkriegen bestand in Bytom-Miechowice der von

Das Mutterhaus in Dziegielow Foto: Eben-Ezer

Mutter Eva von Thiele-Winckler gegründete Diakoniekomplex

„Friedenshort“. Zur gleichen Zeit entstand in Dziegielów

die von Pfr. Karol Kulisz gegründete Diakonisseneinrichtung

Eben-Ezer mit dem ihr unterstehenden Pflegeheim.

Gründer der Warschauer Diakonissenanstalt „Tabita“

war etwa im gleichen Zeitraum Pfr. Zygmunt Michelis. Unter

seiner Obhut entwickelte sich das Barmherzigkeitswerk der

dortigen Trinitatis-Kirchengemeinde.

Nach dem zweiten Weltkrieg verlor die Evangelisch-

Augsburgische Kirche in Polen durch die stalinistisch

geprägte Politik des Staates ihre Krankenhäuser, Waisenheime,

Armenhäuser und Behinderteneinrichtungen. Nur

einige Altenheime, wie die von Eben-Ezer wurden der Kirche

und den Diakonissen gelassen. Der diakonische Dienst

nahm in diesem Zeitraum andere Formen an, er verlagerte

sich auf die einzelnen Kirchengemeinden. Das Hauptgewicht

der Sorge um die Notleidenden fiel in jener Zeit auf

Besuchskreise, Frauenkreise, Bibel- und Gebetsgruppen,

Gemeinderäte und Kirchenchöre. Sie übernahmen die

Aufgabe, den Bedürftigen inner- und auch außerhalb ihrer

Gemeinde uneigennützig Hilfe zu bringen.

Seit etwa 15 Jahren besteht die Synodale Kommission für

Diakonie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die diakonischen

Arbeiten zu begleiten und zu koordinieren. �

Kapelle im Mutterhaus Foto: Eben-Ezer


75

Ein unpassender Rückzug

Wenn Emotionen den Verstand überlagern

EBERHARD GÜNTER SCHULZ (Aus: Kulturpolitische Korresspondenz 1271/2009)

Nun haben die polnischen Gefühlsausbrüche und die

Mitstreiter auf deutscher Seite ihr Ziel erreicht: Der Bund der

Vertriebenen hat seine Nominierung der Abgeordneten

Erika Steinbach für einen der drei Sitze, die dem Bund der

Vertriebenen im vorgesehenen Beratungsorgan für das

Zentrum gegen Vertreibungen zustehen, zurückgezogen.

Dies kann man als psychotherapeutische Maßnahme würdigen,

aber sachlich sinnvoll ist es nicht. Es bedarf schon eines

gerüttelten Maßes an Naivität, sich vorzustellen, daß die

dann schließlich benannten Vertreter des BdV sich nicht in

allen wichtigen Fragen der Gestaltung mit ihrer Präsidentin

abstimmen würden.

Vor allem aber ist es für einen Kenner der polnischen

Kultur- und vor allem Wissenschaftsgeschichte verwunderlich,

daß bei den politischen Vertretern dieser Nation die

Emotionen den scharfen Verstand vollständig überlagern

können. Polen hat durch Jan Lukasiewicz (geboren 1878 in

Lemberg, 1956 in Dublin verstorben), den Begründer der

Warschauer Schule für mathematische und logische

Forschungen, und seinen herausragenden Schüler Alfred

Tarski (1901 als Alfred Teitelbaum in Warschau geboren,

gestorben 1983 in Berkeley, USA) einen großen Anteil zur

Entwicklung der mathematischen Logik im 20. Jahrhundert

beigetragen. Sie stehen deren Begründern Friedrich Ludwig

Gottlob Frege und David Hilbert in Deutschland nicht nach.

Und was zum Beispiel polnische Grafiker in Satire und

Plakatkunst im 20. Jahrhundert geleistet haben, ist, von Ent-

MELDUNGEN

gleisungen, wie sie überall vorkommen, abgesehen, durch

Schärfe des Verstandes und eine bei anderen Nationen selten

erreichte Kultur des Witzes gezeichnet. Was hat der polnische

Geist nicht alles erfunden, um unter dem Kommunismus

in einer gewissen Halbfreiheit leben zu können!

So ist es verwunderlich und bedauerlich zugleich, daß

man sich Frau Steinbach zur Zielscheibe politischer Polemik

ausgesucht hat. Die von ihr konzipierte Ausstellung „Erzwungene

Wege“, die im Kronprinzenpalais in Berlin einen

nachhaltigen Eindruck bei in- und ausländischen Besuchern

hinterlassen hat, hat doch gezeigt, daß diese Politikerin

die Vertreibungen im 20. Jahrhundert umfassend zum

Thema macht, so daß jeder einseitigen Darstellung der

millionenfachen Vertreibung von Deutschen nach dem

Zweiten Weltkrieg ein Riegel vorgeschoben ist. Die nun auf

Gesetzesgrundlage zu errichtende Einrichtung ist ihr geistiges

Kind.

Für Anhänger logischen Denkens sind daher die leider

an ihr Ziel gekommenen sachlich fehlgehenden Wünsche

ein Unfall, über den die politische Wirklichkeit hoffentlich

bald im Geiste echter Verständigung hinweggehen kann. Es

gibt auf kommunaler und wissenschaftlicher Ebene so viele

fruchtbare kulturelle und menschliche Kontakte zwischen

Deutschen und Polen, daß ein unparteiischer Beobachter

sich darüber wundern, gleichzeitig aber nur freuen kann,

daß auf deutscher Seite die Initiatoren und Motoren dieser

Gemeinsamkeiten überwiegend Vertriebene sind. �

Gemeinsam die Tradition des evangelischen Schlesiens

bewahren und vermitteln

Johann Heermann Stiftung und Kirchliche Stiftung „Evangelisches Schlesien“ beschließen Zusammenarbeit

Die Johann Heermamn Stiftung und die Kirchliche Stiftung

„Evangelisches Schlesien“, deren Intention und Aufgabenstellung

eine große innere Nähe aufweist, wollen zukünftig

ihre Arbeit koordinieren. 1997 wurde in Schwäbisch Gmünd

die „Johann Heermann Stiftung - Stiftung für das evangelische

Schlesien“ mit dem Ziel gegründet, „das geistliche,

geschichtliche und kulturelle Erbe der evangelischen Kirche

Schlesiens als Erbe der gesamten evangelischen Kirche

Deutschlands sowie des gesamten deutschen Volkes und

Europas ins allgemeine Bewußtsein zu lieben und dazu beizutragen,

daß dieses Erbe bewahrt, und für die Zukunft -

über die Grenzen von Nation und Konfession hinaus -

fruchtbar gemacht wird“. Die Kirchliche Stiftung

„Evangelisches Schlesien“ entstand im Zusammenhang mit

der Bildung der Evangelischen Kirche Berlin Brandenburgschlesische

Oberlausitz. Die Bedeutung, die bisher eine

eigenständige Landeskirche für die Erinnerung an die schlesischen

Wurzeln und die Unterstützung der evangelischen

DR. HANS-JOCHEN KÜHNE

Gemeinden in Schlesien hatte, sollte in einer neuen, aber

verbindlichen Form weitergeführt werden. Gemeinsam mit

der Gemeinschaft evangelischer Schlesier und dem Verein

für Schlesische Kirchengeschichte erfolgte auf Initiative der

Görlitzer Kirchenleitung die Gründung der „Kirchliche(n)

Stiftung zur Bewahrung, Vermittlung und Weiterführung der

geistigen Tradition des evangelischen Schlesien“, die im

August 2005 ihre stiftungsrechtliche Anerkennung gefunden

hat. Die Stiftung will „die geistige evangelische Tradition des

gesamten schlesischen Raumes unabhängig von den wechselnden

Grenzziehungen in der Geschichte in enger Bindung

an die jeweils bestehenden evangelischen Kirchen in

Schlesien erforschen, pflegen, weitergeben und zukunftsorientiert

weiterentwickeln“.

Schon auf der konstituierende Sitzung der Kirchlichen

Stiftung „Evangelisches Schlesien“ erfolgte die Anregung zur

Zusammenarbeit beider Stiftungen. Der Vorsitzende des

Stiftungsrates, OKR i.R Dr. Kühne, konnte im November


MELDUNGEN 76

2008 in Herrenberg mit dem Vorstand der Johann Heermann

Stiftung Grundlinien für die Zusammenarbeit vereinbaren.

Bereits am 12.11.2008 stimmte der Vorstand der Johann

Heermann Stiftung und am 14. 3.2009 der Stiftungsrat der

Kirchlichen Stiftung „Evangelisches Schlesien“ dem vorgeschlagenen

Weg einer Zusammenarbeit zu. Vorgesehen sind

für 2009 Informationsaustausche über die Arbeit der

Stiftungen durch die Vorsitzenden Dr. Eberlein und Dr.

Kirchliche Stiftung „Evangelisches Schlesien“

DR. HANS-JOCHEN KÜHNE

Am 14. März kam der Stiftungsrat der 2005 gegründeten

Kirchlichen Stiftung „Evangelisches Schlesien“ zu seiner

diesjährigen Sitzung in Weimar zusammen. Als neuer

Vertreter der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens

konnte Pfarrer Cezary Krolewicz, Lauban, herzlich begrüßt

werden.

Da der Evangelische Kirchenkreisverband Schlesische

Oberlausitz zum 30.6.2009 die Mitherausgeberschaft des

Schlesischen Gottesfreundes beenden wird, beschloß der

Stiftungsrat, daß die Stiftung ab 1. Juli 2009 in die

Mitherausgeberschaft eintritt. Sie wird sich bei der

Herausgabe der einzelnen Ausgaben durch Beiträge aus der

Oberlausitz, Korrekturlesen, Regelung organisatorischer

Fragen und begleitende Verwaltung einbringen. Die

Gesamtverantwortung für den Schlesischen Gottesfreund

wird die Gemeinschaft evangelischer Schlesier übernehmen.

Pfarrer Krolewicz will sich um aktuelle Bericht aus den

evangelischen Gemeinden der Diözese Breslau bemühen.

Zu den Aufgaben der Stiftung gehört die Erhaltung und

Weiterführung der Bibliothek der Gemeinschaft evangelischer

Schlesier, die zuletzt im Ostkirchlichen Institut in

Münster untergebracht war. Im Rahmen des Anfang

Das diesjährige Schlesiertreffen wird wieder in Hannover

sein - und zwar vom 26. bis 28. Juni 2009. Der ökumenische

Eröffnungsgottesdienst am Freitag um 17.00 Uhr findet in

der katholischen Basilika St. Clemens, Goethestr. 33, in

30169 Hannover statt. Die Festgottesdienste am Sonntag, 28.

Juni, finden getrennt nach Konfessionen statt; Beginn

jeweils 9.30 Uhr. Wir Evangelischen werden - wie 2007 - wieder

in der Münchner Halle sein. Das ist nicht optimal, aber

alle anderen Möglichkeiten, die durchaus im Gespräch

waren, sind noch unbefriedigender. Pastoren und Pastorinnen

bitte ich auch in diesem Jahr wieder, ihren Talar zum

Gottesdienst mitzubringen, damit wir zusammen einziehen

können.

Außerdem unterhält die „Gemeinschaft evangelischer

Schlesier (Hilfskomitee) e. V. „ wieder einen eigenen Stand.

Er soll in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem „Heimatwerk

schlesischer Katholiken“ aufgestellt werden. Das sieht

nicht nur gut aus. Es ist auch für unsere Auffindbarkeit gün-

Schlesiertreffen 2009

Kühne sowie im kommenden Jahr eine gemeinsame Sitzung

der Vorstände und der Vorsitzenden von Kuratorium bzw.

Stiftungsrat. Weil beide Stiftungen gemeinsame Wurzeln in

der Geschichte und dem Vermächtnis der evangelischen

Kirche Schlesiens haben und sich in ihren Zielen einig wissen,

gibt es eine innere Verpflichtung für ein gemeinsames

Wirken.

Dr. Paul Gerhard Eberlein Dr. Hans-Jochen Kühne �

September stattfindenden Schlesischen Kirchentages soll

der nun nach Görlitz gebrachte umfangreiche Bestand zur

Geschichte und zum Leben in Schlesien der Öffentlichkeit

präsentiert werden. Dankbar nahm der Stiftungsrat die

Nachricht auf, daß für zwei Jahre eine Mitarbeiterstelle für

die Bibliothek zu 75% mit staatlichen Mitteln gefördert werden

wird. Die Stiftung will weiterhin gedruckte und handschriftliche

Zeugnisse sowie weitere Quellen evangelischschlesischer

Herkunft sammeln, erschließen und zugänglich

machen.

Um die Stiftung bekannter zu machen, hat Dr.

Schmilewski ein Faltblatt erstellt, das in Kürze zur Verfügung

stehen wird. Es wird auf die Geschichte des evangelischen

Schlesiens hinweisen und einladen, sich mit an der

Bewahrung, Vermittlung und Weiterführung seiner geistigen

Tradition zu beteiligen. Für das Jahr 2009 wurde der

Haushaltsplan verabschiedet sowie dem Vorstand und der

Kassenführung für das Rechnungsjahr 2007 Entlastung

erteilt. Die Stiftung ist auch auf Ihre finanzielle Mithilfe

angewiesen.

Spenden werden auf das Konto bei der KD-Bank

Kto.Nr.: 1567217015 - BLZ: 35060190 erbeten. �

stig, wenn die beiden Kirchen gut erkennbar nebeneinander

platziert sind.

Eine weitere Bitte möchte ich noch aussprechen: Wir

brauchen viele Helfer - für den Gottesdienst und für den

Stand. Ich bitte sehr herzlich um Ihre Mithilfe. Wenn Sie sich

dazu entschließen können, wäre es gut, Sie würden sich

melden beim Vorsitzenden der geschäftsführenden Landesarbeitsgemeinschaft

(LAG) Hannover-Braunschweig,

Herr Oberstudienrat i. R. Christoph Scholz,

Fritz-Reuter-Weg 29, 30938 Burgwedel Tel.: 05139-4934

oder bei mir, C.-E.Schott, Elsa-Braendstroem-Str. 21,

55124 Mainz-Gonsenheim Tel.: 06131-690488.

Christoph Scholz danke ich auch an dieser Stelle sehr

herzlich für den großen Einsatz, den er und seine LAG schon

jetzt bei der Vorbereitung zeigen. So ein Treffen stellt hohe

Anforderungen an viele von uns. Umso mehr hoffen wir auf

ein frohes, gesundes, harmonisches Wiedersehen in Hannover!

Christian-Erdmann Schott �


77 MELDUNGEN - VERANSTALTUNGEN

Bischof Janusz Jagucki scheidet vorzeitig aus dem Amt

Seit Herbst 2008 befaßte sich eine Kommission der Synode

der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in

Polen mit der Untersuchung eventueller Spitzeltätigkeit

kirchlicher Amtsträger für den polnischen Staatssicherheitsdienst

zu Zeiten des kommunistischen Regimes. Auf

der diesjährigen Frühjahrssynode wurden Ergebnisse vorgetragen,

die Bischof Janusz Jagucki schwer belasten. So soll

dieser über längere Zeit wissentlich Mitarbeiter des Inlandgeheimdienstes

gewesen sein. Nach Jaguckis Aussage habe

er zwar Kontakte zum Staatssicherheitsdienst unterhalten,

sei aber nie bewußt Inoffizieller Mitarbeiter gewesen. Die

300. Jahrestag der Teschener Gnadenkirche

SCHLESISCHER KULTURSPIEGEL 44. 2009, S. 8

Die Feiern werden von der Schlesischen Evangelischen

Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Tschechischen

Republik und der Kirchengemeinde Teschen der Evangelisch-Augsburgischen

Kirche in Polen in Zusammenarbeit

mit anderen Kirchen und Kirchenvereinen vorbereitet.

Die Jesuskirche war in den ersten Jahrzehnten nach ihrer

Gründung ein bedeutendes Zentrum des Pietismus und

spielte eine wichtige Rolle in der Frühgeschichte der

Herrnhuter Brüdergemeinde. Zur Zeit ihrer Gründung diente

sie den Evangelischen polnischer, deutscher und tschechischer

Nationalität aus einem weiten Umkreis. Nach dem

Erlaß des Toleranzpatents 1781, als neue Gebetshäuser auf

dem Gebiet der österreichischen Monarchie entstehen

konnten, wurde die Jesuskirche eines des wichtigsten Zentren

des österreichischen Protestantismus.

Was bedeutet uns

Schlesien heute?

Arbeitstagung des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte

Vom 31. August bis 2. September 2009

in Jauernick-Buschbach bei Görlitz

Das Programm (Kurzfassung)

Montag, 31. August 2009

16.30 Uhr Eröffnung - Begrüßung Dr. Christian-Erdmann Schott

16.45 Uhr Vortrag Prof. Dr. Peter Maser, Bad Kösen:

"Hat die ostdeutsche Kirchengeschichte noch eine

Zukunft?"- Aussprache

19.00 Uhr Vortrag Dr. Thomas Koppehl, Niesky:

"Die Zukunft der Kirchengeschichte

in der schlesischen Oberlausitz"- Aussprache

20.30 Uhr Abendsegen - Geselliges Beisammensein

20.45 Uhr Sitzung des Vorstandes

Dienstag, 1. September 2009

9.00 Uhr: Abfahrt nach Jauer zur Teilnahme am ökumenischen

Gottesdienst mit den Bischöfen Dr. Huber und

Ryszard Bogusz zum Gedenken an den Beginn des II. Welt-

krieges 1939

Synode entschloß sich trotz der gegenteiligen Darstellung

Jaguckis, dem Votum der Kommission den Vorrang zu geben.

Infolgedessen wurde die Amtszeit von Bischof Jagucki

um zwei Jahre verkürzt und endet jetzt mit der Einführung

seines Nachfolgers im Januar 2010.

Der Generalkonvent der Pfarrerschaft ist nun aufgerufen,

sich im Juni 2009 mit der Findung geeigneter Nachfolgekandidaten

zu befassen. Der Herbstsynode fällt dann die

Aufgabe zu, einen neuen Bischof zu wählen. ANN

Weitere Informationen unter: www.luteranie.pl �

Heute ist sie die einzige Gnadenkirche, die noch evangelisch ist.

Die Hauptfeiern finden im Mai 2009 statt. Am 21./22. Mai

2009 wird in der Filiale der Schlesischen Universität im polnischen

Teil von Teschen ein internationales wissenschaftliches

Symposium durchgeführt, am Tag darauf gastiert die

Janacekphilharmonie aus Ostrau mit einem Konzert in der

Jesuskirche, wobei u.a. die Reformationssymphonie von

Felix Mendelssohn-Bartholdy dargeboten werden wird. Am

Sonntag, dem 24. Mai, wird ein Jubiläumsgottesdienst stattfinden.

An diese Hauptfeiern werden sich Konzerte, Ausstellungen,

Kunstwettbewerbe und andere Veranstaltungen

anschließen, die bis zum Oktober 2010 andauern sollen.

Ausführlichere Auskünfte zur Kirche

und den Feierlichkeiten unter:

www.jesuschurch.ewebsite.com. �

16.00 Uhr "Was bedeutet mir Schlesien? Zeitzeugnisse

aus dem Jahr 2009" Teil I mit

Frau Mechthild Thümmel, Greifswald;

Pastorin Dietlinde Cunow, Lilienthal bei Bremen;

Dr. Hans-Ulrich Minke, Oldenburg;

Dr. Hans-Jochen Kühne, Kamenz;

Dr. Christian-Erdmann Schott, Mainz

19.00 Uhr Mitgliederversammlung Verein für Schlesische

Kirchengeschichte e. V.

21.00 Uhr Abendsegen - Geselliges Beisammensein

Mittwoch, 2. September 2009

8.00 Uhr Frühstück

8.45 Uhr Morgenandacht

9.30 Uhr "Was bedeutet mir Schlesien? Zeitzeugnisse

aus dem Jahr 2009" Teil II mit

Prof. Dr. Markus Matthias, Nijmegen (Niederlande)

Pfarrer Christoph Hanke, Straupitz bei Frankfurt/Oder

Mag. Ulrich Hutter-Wolandt, Berlin

Dr. Ulrich Schmilewski, Würzburg

11.00 Uhr Kaffee

11.15 Uhr Abschlussdiskussion - Termine

12.30 Uhr Mittagessen

Anschließend Abreise


VERANSTALTUNGEN 78

Beitrittserklärung:

Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Gemeinschaft evangelischer

Schlesier e. V. bei einem Mitgliedsbeitrag von 20 Euro für das laufende

Kalenderjahr; im Rahmen meiner Vereinsmitgliedschaft erhalte

ich die Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund“ kostenfrei.

Ich möchte kein Mitglied werden, bestelle aber die

Monatszeitschrift „Schlesischer Gottesfreund“ zum Preis von 30

Euro pro Abonnementsjahr.

Bitte senden Sie mir eine Probenummer der Zeitschrift „Schlesischer

Gottesfreund“ zu.

Datum: Unterschrift:

Titel:

Nachname:

Vorname:

Straße:

PLZ, Ort:

Geburtsdatum:

Geburtsort:

Beruf:

Bitte einsenden an: Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.

Postfach 1410, D – 32440 Porta Westfalica

oder Kirchenkreisverband Schlesische Oberlausitz

Schlaurother Straße 11, D – 02827 Görlitz

Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta Westfalica

BLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997

DAS JAHR DER GNADENKIRCHEN

Hirschberg: Am 1. Juni, Pfingstmontag, ist für 13 Uhr mittags

in der Gnadenkirche zum Kreuz Christi ein ökumenischer

Gottesdienst geplant. Die Predigt wird Bischof Bogusz,

Breslau, halten. Der Liegnitzer Bischof ist angefragt, hat aber

noch nicht zugesagt. Gäste aus Deutschland sind herzlich

eingeladen!

Teschen: Der Festgottesdienst findet am Sonntag, den 24.

Mai statt. Ihm voraus geht ein wissenschaftliches Symposium

am 21./22. Mai und ein Philharmonie-Konzert in der

Jesuskirche am 23. Mai. Weitere Konzerte und Ausstel-lungen

durch den ganzen Sommer hindurch.

Landeshut: ein deutschsprachiger Festgottesdienst in der

Gnadenkirche ist festgesetzt auf Sonnabend, den 10.

Oktober.

Näheres wird der „Gottesfreund“ (soweit er selber informiert

wird) zu gegebener Zeit mitteilen.

EVANGELISCHE GOTTESDIENSTE

IN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIEN

Pfarramt:

ul. Partyzantów 60, PL 51-675 Wroclaw,

Pfarrer Andrzey Fober, Tel.: 0048-71-34 84 598

Breslau: Christophorikirche

jeden Sonntag, 10 Uhr, pl. Sw. Krzyzstofa 1

Lauban: Frauenkirche

jeder 2. Sonnabend, jeder 4. Sonntag im Monat, 10 Uhr

aleja Kombatantow 2a

Liegnitz: Liebfrauenkirche

jeder 1. und 3. Sonntag im Monat, 13 Uhr, pl. Mariacki 1

Schweidnitz: Friedenskirche

jeder 2. Sonntag im Monat, 13 Uhr

jeder 4. Sonnabend im Monat, 10 Uhr, pl. Pokoju 6

Waldenburg:

jeder 2. Sonntag im Monat, 9 Uhr

in der Erlöserkirche, pl. Koscielny 4

Bad Warmbrunn: Erlöserkirche

pl. Piastowski 18

jeder 2. Sonnabend im Monat 14 Uhr

jeder 4. Sonntag im Monat 14 Uhr

Jauer: Friedenskirche

auf Anfrage:

Park Pokoju 2, 59-400 Jawor

Tel. (+48 76) 870 51 45

Fax (+48 76) 870 32 73

e-mail: jawor@luteranie.pl

Freiheit zum Dienst der Kirche

Hans-Joachim Fränkel als Ausleger der Barmer Theologischen Erklärung

Tagung zum 100. Geburtstag von Bischof D. Hans-Joachim Fränkel und zum Gedenken

an 75 Jahre Barmer Theologische Erklärung.

Görlitz und Jauernick, 28. bis 30. August 2009

VERANSTALTUNGSKALENDER

DER GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER

Hamburg

Tagesausflug der Gemeinschaft

am Mittwoch, den 13. Mai

LAG Baden-Württemberg

Busfahrt nach Schlesien

vom 30. Mai bis 5. Juni 2009

Im Mittelpunkt steht die Teilnahme an einem ökumenischen und internationalen

Gottesdienst zur Erinnerung an den Baubeginn der

Gnadenkirche zum Kreuze Christi in Hirschberg vor 300 Jahren am

1. Juni. Weitere Besuche sind in Jauer, Schweidnitz, Agnetendorf,

Brückenberg, Breslau, Liegnitz und Lauban vorgesehen.

Reiseleitung: Pfr. Dr. Eberlein, Johann-Michael-Keller-Weg 1,

73525 Schwäbisch Gmünd.

Nürnberg

Schlesiergottesdienst

Sonntag, den 31. Mai um 14 Uhr

Egidienkirche, Egidienplatz.

Stuttgart

Gottesdienst nach schlesischer Liturgie

Sonntag, 31. Mai um 14.30 Uhr in der Schloßkirche


79 AUS DER LESERGEMEINDE

GEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE

96. Am 25.05. Herr Pastor i.R. Herbert Weisbrich, 31167

Bockenem, Auf dem Dalsen 24, früher Pogarell/Brieg.

93. Am 09.05. Herr Bundesrichter a.D. Werner Schröder,

34128 Kassel, Hans-Pfitzner-Str. 4, früher Guhrau.

92. Am 06.05. Frau Johanna Faulhaber, 24534 Neumünster,

Beethovenstraße 65, früher Breslau.

88. Am 04.05. Frau Irene Mack, 89520 Heidenheim,

Ziegeläcker 71, früher Breslau. � Am 06.05. Frau Anna-

Dorothea Gerschwitz, 61118 Bad Vilbel, Pestalozzistr. 10 A,

früher Königsfeld. � Am 18.05. Frau Johanna Isenbeck,

32760 Detmold, Römerweg 9/515, früher Kreis Glogau.

86. Am 03.05. Frau Käthe Maschler, 34305 Niedenstein,

Ermetheiserstr. 1. � Am 04.05. Frau Christa-Helene Affeldtvon

Gersdorff, 38640 Goslar, Claustorwall 20, früher

Altseidenberg/Görlitz. � Am 14.05. Frau Hildegard Bothe,

38315 Schladen, Hermann-Müller-Str. 13.

85. Am 01.05. Herr Dr. Udo Wörffel, 46397 Bocholt,

Schwartzstr. 60, früher Lauenburg/Pommern. � Am 05.05.

Frau Anneliese Heyser, geb. Helberg, 57610 Altenkirchen,

Theodor-Fliednerstr. 1, früher Breslau. � Am 22.05. Frau

Margarete Kruppa, 36251 Bad Hersfeld, Stresemannallee 13.

84. Am 04.05. Frau Brigitte Glaser, 81679 München,

Schumannstr. 10, früher Reichenbach.

83. Am 29.05. Herr Pfarrer i.R. Kurt Hoffmann, 59939

Olsberg, Schulstr. 5a, früher Breslau.

82. Am 13.05. Herr Martin Schneider, 49632 Essen, Auf

der Hardt 9, früher Breslau. � Am 22.05. Frau Maria

Liebetanz, 73655 Plüderhausen, Lerchenstr. 15, früher

Ellwangen-Jagst.

81. Am 08.05. Herr Diakon i. R. Ulrich Krause, 37081

Göttingen, Kirchstr. 6 C, früher Hermsdorf, Krs. Waldenburg.

� Am 20.05. Herr Gerhard Neumann, 70374 Stuttgart,

Sechselberger Str. 19, früher Keula. � Am 30.05. Frau Dr.

Elisabeth Hoppe, 65189 Wiesbaden, Hauberrisserstr. 34, früher

Wohlau.

80. Am 14.05. Herr Siegfried Fuhrig, 78351 Bodman-

Ludwigshafen, Im Weilergarten 14, früher Hirschberg. � Am

22.05. Frau Friedhild Seidel, geb. Appel, 30559 Hannover,

Wasserweg 2, früher Militsch. � Am 23.05. Frau Margarete

Müller, 21266 Jesteburg, Lüllauer Str. 26, früher Herischdorf.

79. Am 08.05. Frau Edeltraut Warko, 70736 Fellbach,

Touron Straße 3, früher Schönau/Katzbach. � Am 26.05.

Herr Curt v. Rothkirch, 32756 Detmold, Bergstr. 35, früher

Oels. � Am 31.05. Frau Sigrid Kosche, 49205 Hasbergen,

Gaster Kirchweg 3, früher Lauenbrunn.

78. Am 16.05. Herr Pfarrer i.R. Dr. Traugott U. Schall,

32756 Detmold, Auf der Saalbrede 39, früher Breslau. � Am

23.05. Schwester Erika Reichelt, 06005 Halle, Postfach

200452, früher Breslau u. Kunzendorf/Krs.Trenitz. � Am

29.05. Herr Hans-Joachim Wunsch, 51375 Leverkusen, Albin-

Edelmann-Str. 12.

77. Am 02.05. Frau Erna Stiller-Trumpold, 49152 Bad

Essen, Am Siepenbach 3, früher Lamsfeld b. Breslau. � Am

08.05. Herr Pastor Kurt Neufert, 06502 Thale - OT Neinstedt,

Alexanderstr. 19, früher Wühleisen. � Am 15.05. Herr Dr.

Christian Greiff, 86911 Dießen a. A., Iglauer Str. 14, früher

Görlitz. � Am 24.05. Frau Berta Schwam, 55124 Mainz,

Gerhart-Hauptmann-Str. 13, früher Oberschwaben Krs.

Häsmark/Slowakei. � Am 30.05. Herr Günter Kierstein,

26123 Oldenburg, Nadorster Straße 62, früher Groß Neudorf.

76. Am 05.05. Frau Ruth Döring, 89522 Heidenheim,

Steinstraße 9, früher Saabor, Krs. Grünberg. � Am 21.05.

Herr Pfarrer i. R. Erhard Benning, 02827 Görlitz, Plantagenweg

11, früher Schlossberg/Ostpr. � Am 28.05. Frau

Marianne Fricke, 38274 Elbe-Gustedt, Hinterm Dorfe 15.

75. Am 03.05. Herr Andreas Sabarth, 31848 Bad Münder,

Am Denkmal 12, früher Riemendreis/Löwenberg. � Am

05.05. Herr Karl Wehner, 42549 Velbert, Zur Sonnenblume 6c,

früher Turawa O/S. � Am 07.05. Herr Pfarrer i.R. Lothar

Meerkötter, 51491 Overath, Königsbergerstr. 16, früher

Schweidnitz. � Am 11.05. Frau Liselotte Sabarth, geb.

Weiner, 31848 Bad Münder, Am Denkmal 12, früher Görlitz.

� Am 22.05. Herr Pfarrer Alfred Beuse, 13469 Berlin,

Schluchseestr. 63, früher Obernigk/Trebnitz. � Am 28.05.

Herr Dieter Woizik, 53721 Siegburg, An der Herrenwiese 8,

früher Hermsdorf/Krs. Hirschberg.

70. Am 05.05. Herr Altbischof Klaus Wollenweber, 53129

Bonn, Kessenicher Str. 241, früher Krefeld. � Am 19.05. Frau

Charlotte Taube, 95448 Bayreuth, Bayernring 2 A, früher

Landshut. � Am 30.05. Herr Winfried Kothe, 98553 Schleusingen-Gethles,

Dorfplatz 4, früher Sagan/N.Schlesien. �

Impressum

Herausgeber:

Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.

D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,

Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta Westfalica

BLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997

E-mail: info@gesev.de

Kirchenkreisverband Schlesische Oberlausitz

02827 Görlitz, Schlaurother Str. 11, Tel.: 03581-7440

E-mail: va@kkvsol.net

Verantwortlich für den Inhalt:

Mag. phil. et theol. Dietmar Neß

Wittichenauer Straße 11a, D - 02999 Groß Särchen,

Tel./Fax: 03 57 26 - 5 56 75

E-mail: mag.ness@online.de.

Andreas Neumann-Nochten

Grüner Graben 3, D - 02826 Görlitz

Tel. (dienstlich): 03 58 1 - 74 40, (privat): 03581 - 878975

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Satz: Andreas Neumann-Nochten

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit

der Evangelischen Diözese Breslau/Wroclaw.

Druck: MAXROI Graphics GmbH, Görlitz


Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.

Postfach 1410 · D-32440 Porta Westfalica

FUNDSTÜCK

Abbildung unten: Kürzel der „Lutherischen Leihbibliothek Liegnitz - L.L=L“

Zu beachten!

Statuten der lutherischen

Leihbibliothek zu Liegnitz

80

§.1.

Jeder, der sich ein Buch aus der

Bibliothek borgt, ist verpflichtet

dasselbe reinlich und ordentlich

zu halten. Widrigenfalls ihm kein

Buch mehr geliehen wird.

§.2.

Niemand darf ein geliehenes

Buch weiter verleihen und Jeder

muß für das ihm geliehene Buch

einstehen.-

§.3.

Niemand darf ein Buch länger

als 6 Wochen behalten. Wer dies

thut muß für jede folgende

Woche 1 Sgr (Silbergroschen) in

die Kasse geben.-

§.4.

Jeder muß für 1 Buch pro Woche

3 Pf. (Pfennige) zahlen. Wer

aboniert muß für ein halbes Jahr

5 Sgr geben und bekommt dann

so viel Bücher,

wie er haben will.-

NB. (Nachbemerkung)

Beiträge an Geld und Büchern

werden immer mit Dank

angenommen.

große Abbildung:

Ausleihordnung der „Lutherischen

Leihbibliothek Liegnitz“

Gefunden als Einlegeblatt in

einer Ausgabe von „Luthers

Predigten - Auswahl eines vollständigen

Jahrgangs aus Luthers

Kirchen und Hauspostille“,

hgg. von Otto von Gerlach,

Berlin 1843

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