der speichel - Hanfjournal

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der speichel - Hanfjournal

03

#34

Ilse Pilse keine will se . . .

. . . dann kam die Polizei und nahm sie doch. Das Drama

um die Pilze geht in seine entscheidende Phase. Nachdem

schon im vorletzten Heft des Hanf Journals erklärt wurde,

wieso nun frische Pilze legal sein müssten, gab es immer

mehr Läden, die frische Pilze verkauften. Nun marschierte

bei den ersten die Polizei ein und Haftbefehle wurden

gestellt. Seite 3

Hanf Journal

unabhängig, überparteilich, legal

AUSGABE 08/04 Kostenlos

07 Neue Kolumne

Schon seit langem schreibt Claudia Grehslehner für das

Hanf Journal. Bis vor kurzem berichtete sie uns angeblich

aus fernen Ländern. Doch in Wahrheit waren diese Beiträge

schon immer eher eine Kolumne als ein Landesbericht.

So viel Dreistigkeit muss belohnt werden – auf Seite 7

findet ihr „Claudias kleine Welt“, die neue Kolumne im

Hanf Journal Seite 7

11

news s.02 wirtschaft s.08 guerilla growing s.09 cool-tour s.11 regional s.15 anderswo s.18 fun+action s.19

Nein, nein, diese Suppe ess’ ich nicht!

Bundesverfassungsgericht erklärt Normenkontrollantrag aus Bernau für unzulässig

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wies völlig überraschend

den Normenkontrollantrag bezüglich der

Verfassungswidrigkeit des Cannabis-Verbotes als unzulässig

zurück. Mit einer Begründung zeigt es jedoch deutlich seine

Schwächen und die Art und Weise der Urteilsverkündung ist

mehr als fragwürdig.

Wer sich mit dem Urteil des BVerfG näher beschäftigt, wird so

einige Aha-Effekte erleben. Der erste wird wohl die inhaltliche

Dünne des Beschlusses sein. Dies lässt sich an zwei Beispielen

exemplarisch sehr gut darlegen.

BVerfG verlangt Umkehrung der Beweislast

Da das Amtsgericht Bernau nur feststellen konnte, dass der

Gesetzgeber den Beweis der Konsumeinschränkung durch ein

Verbot noch nicht nachgekommen ist, selber aber keine Studien

dazu anführen konnte, dass es keinen Zusammenhang zwischen

Konsum und Verbot gibt, lehnte das BVerfG dieses Argument

ab. Dies bedeutet, dass laut BVerfG nicht der Gesetzgeber

beweisen muss, dass seine Gesetze auch das bewirken, was sie

eigentlich sollen, sondern die Betroffenen beweisen müssten,

dass es keine oder eine gegensätzliche Wirkung hat. Das ist

faktisch eine Umkehrung der Beweislast und steht eigentlich

im Widerspruch mit dem Grundgesetz. Denn nun muss der

Angeklagte das Risiko von hohen Prozesskosten und den

Kosten für diese Studien auf sich nehmen.

Olle Kamellen aus der Mottenkiste

Beim Lesen der inhaltlichen Argumente kommt man nicht nur

einmal ins Grübeln. So schreibt das BVerfG in seinem Urteil:

„Durch sie (Droge Cannabis, Anm. d. Red.) werden insbesondere

Jugendliche an Rauschmittel herangeführt . . .“. Und wie

Rechtsanwalt Hannes Honecker, der den Angeklagten in Bernau

vertrat, richtig versteht, „. . . ist das die Einstiegsdrogen-Theorie,

die seit über 30 Jahren keine Rolle mehr in der Wissenschaft

spielt. Ich meine, das müsste auch das BVerfG schon erfahren

haben.“ Auch die Tatsache, dass das BVerfG in seiner

Begründung immer noch die Möglichkeit eines amotivationalen

Syndroms anführt, ist schlicht hanebüchend. Prof. Dr. Stepahn

Quensel stellte während der zweiten Verhandlung in Bernau

bereits fest, dass auf der kompletten internationalen Bühne

kein seriöser Wissenschaftler mehr von einem amotivationalem

Syndrom spreche. „Dies gehört ins Reich der Ammenmärchen“,

beteuerte der erfahrene Forscher.

Falsche Zeit, falscher Ort

Wer die inhaltlichen Aha-Effekte abgeschlossen hat, kann damit

beginnen, sich über die zeitlichen Abläufe zu wundern. Wer

noch kurz vor der Urteilsbegründung bei der Pressestelle des

BVerfG anfragte, wann denn mit dem Urteil zu rechnen sei,

bekam als Antwort, dass es noch nicht terminiert wäre. Was

darauf schließen ließ, dass es dieses Jahr nicht mehr gesprochen

werden würde. Extremst ärgerlich ist dieses Kommunikations-

Desaster – was einer transparenten Justiz widerspricht – für

Amtsrichter Andreas Müller, der den Normenkontrollantrag

stellte. In einem weiteren Verfahren wollte dieser seinen ersten

Antrag ergänzen, wofür er weitere Experten einlud. Der

Rechtsanwalt des in diesem zweiten Verfahren angeklagten

Jungen, Hannes Honecker, bezeichnete diesen Vorgang dem

Hanf Journal gegenüber als „schlechten Ton“. Verständlich ,

denn schließlich ist es schon unverschämt, durch die bewusste

Zurückhaltung des Verkündigungstermins, anderen Kollegen

Arbeit aufzuhalsen, welche nun wenig gebracht hat. Was an

dem Termin am allermeisten verwundert, ist die Tatsache, dass

es das BVerfG nicht für nötig empfunden hat, die Studie des

Max Planck-Institutes zur Frage der bundesweiteinheitlichen

Menge abzuwarten. Gerade dies ist ein Knackpunkt der Frage,

inwieweit das Cannabis-Verbot verfassungswidrig ist und dies

hätte das BVerfG für eine wirklich objektive Betrachtung mehr

als nur benötigt. Und wer seit 2002 mit einem Urteil warten

kann, hat auch zwei oder drei weitere Monate Zeit.

Für das zweite Verfahren in Bernau war das Urteil der Todesstoß.

Der Angeklagte wurde zu 100 Euro und einer Ermahnung

verurteilt. Wer wissen will, was das Urteil nun für einen weiteren

juristischen Weg bedeutet, sollte das Interview mit dem Berliner

Rechtsanwalt Hannes Honecker auf Seite 5 lesen. Wer

tiefgründigere Informationen rund um den Normenkontrollantrag

will sollte einfach auf www.hanfjournal.de

surfen.

Mehr zum Thema:

Interview mit Hannes Honecker auf Seite 5

EXZESSIV VIDEO:

Werner Graf im Gespräch über des Urteil des BVerfG

www.kiffertv.de/exzessiv/exzessiv-das-magazin.php?nr=48

Das Urteil des BVerfG

www.bverfg.de/entscheidungen/lk20040629_2bvl000802

Tabak oder Cannabis

– was ist schlimmer?

Franjo Grothenhermen wird nicht müde uns die Welt des

Cannabis zu erklären. Diesen Monat werdet ihr erfahren,

was wie wo krebserregender ist, Cannabis oder Tabak.

Wir wünschen ihm an dieser Stelle auch gute Besserung.

Seite 11

www.hanfjournal.de

Hanfparade mit neuem Ziel

Am 14. August ist es soweit. Mit der Hanfparade2004

zieht die größte Legalisierungsdemo Deutschlands durch

Berlin.

Los geht es in diesem Jahr vor dem Roten Rathaus. Ab

12 Uhr findet hier die Auftaktveranstaltung statt. Gegen

Eins soll sich der Zug dann in Bewegung setzten. Begleitet

von den bekannt-beliebten Paradetrucks geht es von

Berlins Mitte nach Kreuzberg. In diesem Jahr haben wieder

Wagen aus ganz Europa ihre Teilnahme zugesichert. So

erwarten die Veranstalter z. B. Trucks aus der Schweiz

und den Niederlanden. Aber auch die Berliner Clubs sind

mit Trucks des Yaam und des Tacheles vertreten. Insgesamt

werden wohl wieder an die 20 bunten Paradewagen

zusammenkommen. Jeder mit eigener Musik und die oft

sogar Live!

Das Bündnis Hanfparade ruft jeden dazu auf, der Demo

den Rest zu geben! Zeigt der Welt wie kreativ du bist,

verkleide dich, bastel’ Transparente, sei laut . . . Die

Hanfparade braucht dein Engagement. Nur wer sich

zeigt, wird gesehen, nur wer was sagt, wird gehört! Mach

die Hanfparade2004 zur witzigsten, buntesten, hanfigsten

Demo der Welt!

Anders als ursprünglich geplant, führt die Hanfparade

die erwarteten 10.000 Teilnehmer zum Oranienplatz. Die

größte Baustelle Europas (so nennen nicht wenige Berlin)

hatte die ersten Planungen zunichte gemacht.

Aber auch der Oranienplatz scheint bestens geeignet ein

rauschendes Politfest zu feiern. Auf mehreren Bühnen

erwartet die Teilnehmer eine bunte Mischung aus Musik

und Reden. Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr auch

eine Hanfmodenschau zu sehen – vom Bikini bis zum

Abendkleid zeigen dir knackige Jungs und Mädels, wie

Hanf auf Haut aussieht.

Ein weiteres Highlight der Hanfparade2004 ist das erste

Hanf-Feld Berlins. Richtig gelesen, da steht Hanf-Feld.

Echte lebende Hanf-Pflanzen hat sicher noch nicht jeder

gesehen. Bitte lass die Pflanzen stehen. Was auf der

Hanfparade so schön grünt ist Nutzhanf und turnt deshalb

nicht. Diebstahl ist also zwecklos!!!

Wir sehen uns am 14. in Berlin, wenn es heißt:

„Get Wise – Legalize! Drogenfahnder zu Kleingärtnern!“

www.Hanfparade.de

Steffen Geyer


2

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Das sind die E-Woks,

sie haben sich gerade

E in ihrem Wok gebraut.

Darum sind sie

auch so glücklich.

Herausgeber:

Agentur Sowjet GmbH

Lettestraße 3

10437 Berlin

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email: zentrale@hanfjournal.de

Redaktion:

Werner Graf (V.i.s.d.P.), Martin Schwarzbeck

news

Mitarbeiter an dieser Ausgabe:

Hans Cousto, Andreas Schult, Jorge Cervantes, Franjo Grothenhermen,

Markus Berger, Claudia Greslehner, Roland Grieshammer, yoshi, Kerstin

Koch, Veit Schnetker, Maulhelden, Steffen Geyer, Andreas Kozar, Arved

Schönberger, Oliver Nuss, Dieter Beck, Dirk Rehahn

Hanf Journal Pot: Adam Zawadzki

(redaktion.pot@hanfjournal.de)

Hanf Journal Austria: (redaktion.austria@hanfjournal.de)

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Privat / Im Auftrag des Hanf Journals / Dirk Rehahn

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Hanf Journal beim Herausgeber bezogen werden.

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Im Sinne des Urteils des LG Hamburg vom 12. Mai 1998 - 312 0 85/98

distanziert sich der Herausgeber ausdrücklich von allen Inhalten der

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Achtung jeder Missbrauch von Drogen ist gefährlich! Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder animieren Drogen zu konsumieren.

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Diese Zeitung wird durch den „primeline“-Vertrieb in Berlin, München, Köln

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IVW geprüft seit 4.Quartal 2003

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Das Hanf Journal Team wird ausgestattet von

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liegen Flyer, Kataloge oder Briefe folgender

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Joint The Party

Knistermann

HanfZeit

Bam Bam Bhole

Germadot

Hanf Journal

Menschen, Drogen, Sensationen

Der wahrscheinlich unbekannteste Drogenbaron der Welt:

Khun Sa

Der eigentliche Name dieses Mannes ist Zhang Qifu. Den

Namen „Khun Sa“ („wohlhabender Prinz“) gab er sich erst

nach der Rückkehr aus sechsjähriger Haft im Jahre 1976.

Zahlreiche weitere Titel wurden ihm von außen angehängt.

„The worst enemy the world has“ nannte ihn zum Beispiel ein

US-amerikanischer Diplomat. „Prince of Death“ war der Titel

den ihm ein US-Staatsanwalt verlieh.

Und der Grund warum er hier steht? Nun ja, immerhin hat

dieser Herr über lange Jahre hinweg den kompletten

Heroinhandel im Goldenen Dreieck kontrolliert. Und er hat

vermutlich immer noch seine Finger in nicht geringem Ausmaß

in diesem Spiel. Und warum kennt man ihn dann trotzdem

nicht? Das ist schon wesentlich schwerer zu beantworten. Denn

immerhin war er zur Amtszeit Ronald Reagans in zahlreichen

Medien vertreten und lud sogar westliche Journalisten zu

rauschenden Festen ein, die dann dokumentieren sollten, dass

dieser Herr es gut mit der Welt meint.

Ob das tatsächlich so ist, ist fragwürdig. Ein hehres Ziel hatte

der inzwischen 70-Jährige Zeit seines Lebens zwar durchaus:

Die Errichtung eines unabhängigen Shan-Staates im Herzen

des Goldenen Dreiecks. Aber ob dieser Wunsch so altruistisch

war, ist stark zu bezweifeln. Denn der oberste Herrscher dieses

Staates wäre im Falle des Falles natürlich er selbst gewesen.

Ein Hang zum Größenwahn war ihm anscheinend schon immer

veranlagt, denn später ließ sich der ungekrönte Herrscher des

nicht existierenden Shan-Staates seine eigene Hautstadt bauen.

Anfänglich noch ein Militärlager mitten im Dschungel, wuchs

Ho Mong zu einer geschäftigen, 10.000 Einwohner fassenden

Metropole heran, die von vielen bald als heimliche Hauptstadt

Burmas bezeichnet wurde.

Neben seiner Rolle als glänzender Held der Shan-Bewegung,

setzte sich Khun Sa auch immer gern als Bösewicht und Erzfeind

der USA in Szene. So gab er in einem Interview mit ABC-

Television zur Kenntnis: „President Bush may have the button

for nuclear weapons, but I have the button for opium. My

opium is stronger and more potent than your nuclear bombs.

I just should feed you this poison. Why should I do anything

else?” Er sah also durchaus immer die politische Macht des

Opiums und scheute sich auch nicht, diese als Druckmittel

einzusetzen. Die USA gingen jedoch nie auf sein Angebot

„Stopp der Opium-Produktion gegen internationale

Anerkennung des Shan-Staates“ ein.

Heute lebt Khun Sa übrigens in Rangun, der Hauptstadt von

Myanmar, genießt Immunität und darf seine im Drogenhandel

erwirtschafteten Gelder ganz legal in den Wirtschaftskreislauf

fließen lassen.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Martin Schwarzbeck

kommentar

Der Staat hört mit . . .

Werner Graf

Bei immer mehr Telefonaten hört der Staat mit. 2003

waren es rekordverdächtige 24.441 überwachte

Telefonanschlüsse. Das sind stolze zwölf Prozent mehr

angezapfte Telefone als noch 2002. Dazu fand das Max-

Planck-Institut schon Ende 2003 in seinem Gutachten

„Rechtswirklichkeit und Effizienz“ heraus, dass die

Bespitzelung der Bürger am Telefon rasant

zugenommen hat, die Abhöranordnungen in der

überwältigen Mehrheit der Fälle schlecht begründet

und die Ermittlungserfolge gering sind.

Dass der Katalog, unter welchen Vorfällen ein

Telefonanschluss überwacht werden darf, arg veraltet

ist, ist nicht wirklich eine neue Tatsache. Kriegsdienstverweigerer,

die Soldaten zum Ungehorsam

aufrufen, muss man einfach nicht abhören, schließlich

versuchen diese ja eh, möglichst laut und breit

wahrgenommen zu werden. Dagegen sollte man einmal

überlegen, ob beim Tatbestand der Kinderpornographie

nicht doch eine Abhörung hin und wieder sinnvoll sein

kann.

Prinzipiell muss man aber an der Effektivität und den

Sinn der Überwachung zweifeln. Nur wirklich

unerfahrene Menschen reden über Straftaten am

Telefon. Je mehr auf dem Spiel steht, desto mehr passt

man ja auch auf. Und so wundere ich mich nicht, dass

viele Freunde von mir ungehemmt am Telefon übers

Kiffen reden, aber mich mein Dealer noch niemals

direkt fragte.

Absolut untragbar ist die Art und Weise, wie schnell

man in Deutschland die Privatsphäre eines Einzelnen

ausspionieren kann. Hier geht es schon längst nicht

mehr, um die „ultima ratio“ also um das letzte Mittel,

sondern es herrscht schon seit langem die Praxis des

präventiven Frühhörens. Dies kann und darf so nicht

weiter gehen. Künftig sollten nur noch Ermittlungsrichter

mit spezieller juristischer Sachkunde für

Telefonüberwachungen zuständig sein. Eine Studie der

Uni Bielefeld hatte ergeben, dass die Richter in den

meisten Fällen die Überwachungsanträge der

Staatsanwälte kritiklos übernehmen. Und dass man –

auch im Unschuldsfall – in der Regel nichts von der

Überwachung mitbekommt, ist die absolute Spitze des

Eisberges.

Dass es noch nicht einmal sinnvolle Studien über die

Effizienz der Telefonüberwachung gibt, dürfte Kiffer

nicht mehr wundern. Alles was der Staat gerne macht,

aber keinen Sinn hat, lässt er im fraglichen Raum stehen.

So untersucht der Staat nicht, was ein Verbot von

Cannabis für Folgen hat oder was Telefonüberwachung

bringt. Das ist ein altes Spiel.

Dass die Rot-Grüne Regierung jetzt sogar darüber

nachdenkt, noch mehr Überwachung zu ermöglichen,

ist schon sehr komisch. Gerade da ja auch das

Bundesverfassungsgericht erst vor kurzem, die

Regelung zum „großen Lauschangriff“ für

verfassungswidrig erklärt hat. Und das gerade auch

deshalb, weil diese Methode wenig bringt und enorme

Eingriffe in die Privatsphäre darstellt. Den größten

Nachteil, den früher die Stasi hatte, das Kratzen beim

Einklinken in das Gespräch, hat der deutsche Staat

nicht mehr. Aber dennoch reden die Wenigsten am

Telefon über strafbare Sachen, und das zu Recht.


Hanf Journal rollt den größten

Joint der Welt

Bald ist es soweit! Voraussichtlich auf der

InterHanf werden wir das Projekt angehen, das

unter dem Tarnnamen „Längste selbstgedrehte

Zigarette der Welt“ in die Geschichtsbücher und

vor allem das Guiness Buch der Rekorde eingehen

wird.

Hanf Journal begeistert: „Macht euch bereit für drei

Meter Joint!“

Wahres Guerilla-Growing

In dem kleinen Städtchen Beeskow in Brandenburg

wird die Polizei derzeit kreativ auf Trab

gehalten. Fünf Einsätze musste sie schon fahren

um mitten in der Stadt wild wachsende Cannabis-

Pflanzen auszurupfen. Untersuchungen ergaben

dass es sich stets um THC-armen Nutzhanf

handelte.

Hanf Journal mit einem merkwürdigen Blitzen

in den Augen: „Und die Samen dafür sind nicht mal

teuer!“

Coffee Shops in Südafrika?

Eine kleine, hauptsächlich von Rastafaris

bewohnte Gemeinde in Südafrika hat

angekündigt, demnächst einen Coffee Shop

eröffnen zu wollen, in dem auch Marijuana-

Eiskrem verkauft wird. Das dies in ihrem Land

offiziell verboten ist, scheint ihnen dabei egal zu

sein.

Hanf Journal anerkennend: „Das ist mal ein mutiger

Vorstoß!“

Eltern growen für Kinder

In der Schweiz gibt es Medienberichten zufolge

immer mehr Eltern, die sich einige Hanf-Pflanzen

in den Garten stellen um ihren Sprösslingen den

Gang zum (eventuell auch noch anderes

verkaufenden) Dealer zu ersparen. Die Eltern

sind zwar selten glücklich über den Konsum der

Kinder, hoffen aber ihnen so Schlimmeres ersparen

zu können.

Hanf Journal wünscht sich: „Mehr solche Eltern!“

Schon im vorletzten Hanf Journal berichteten wir, warum dass

das Verbot von psychoaktiven Pilzen wohl wegen europäischem

Recht nicht haltbar ist. Nicht nur Hans Cousto als Autor sah

dies so, sondern auch viele andere Menschen in Deutschland,

von denen einige es wagten auch wirklich wieder frische Pilze

zu verkaufen. Nun nahm sich auch die Polizei dieser Frage an

und marschierte zu den Verkäufern.

In Berlin, in Weimar, in Rosenheim und auf Festivals, überall

werden derzeit Verkäufer von frischen Pilzen von der Polizei

aufgesucht. Zwar geht eine große Mehrheit davon aus, dass

das Pilz-Verbot nicht mit europäischem Recht vereinbar ist,

der Staatsanwaltschaft und der Polizei scheint dies jedoch noch

nicht bekannt zu sein. Bei allen Betroffenen wurden die Pilze

beschlagnahmt, gegen einige erging sogar ein Haftbefehl und

zwei saßen zeitweise auch deswegen in U-Haft. Nun werden

wohl diese Beschlagnahmungen und Anzeigen zu weiteren

Verfahren führen, die bisher aber noch nicht eröffnet wurden.

Wie nun diese Verfahren ablaufen, kann derzeit nicht abgesehen

werden. Bestenfalls teilen die Richter die Auffassung, dass das

Pilz-Verbot nicht haltbar ist und folgen der Auffassung des

europäischen Gerichtshofes. Wahrscheinlich wird sich der

Kampf aber über mehrere Instanzen abspielen. Wenn es dumm

läuft, nehmen alle Angeklagten einen Freispruch wegen

unvermeidbaren Verbotsirrtum an. Dann sind sie zwar

erfreulicherweise aus dem Schneider, das Gericht hätte aber

gleichzeitig auch die Existenz eines Pilz-Verbotes gesehen.

Unwahrscheinlich ist so ein Vorgehen nicht, denn schon bei

den Duftkissen oder bei Ephedra wurde auf ähnliche Weise

verfahren. Kaum ein Angeklagter geht eben gegen einen

Freispruch wegen unvermeidbaren Verbotsirrtum beziehungsweise

Einstellung gegen Geldbuße in Berufung. Es bleibt also

spannend, was noch alles passiert.

Der Kampf um die Pilze geht mittlerweile schon lange. Früher

wurden sie eine Zeit lang in so genannten „Duftsäckchen“ als

Raumluftverbesserer verkauft. Dann kam das Aus. Das

Betäubungsmittelgesetz (BtMG) wurde mal wieder den

politischen Bedürfnissen angepasst und nachdem sich

Deutschlands Richter nicht einig darüber waren, ob denn nun

Pilze überhaupt im BtMG stehen, denn dort war nur die Rede

von Pflanzen und Pflanzenteilen, nicht von Pilzen, es Freisowie

Schuldsprüche wegen Pilzen gab, wurden diese

schleunigst hineingeschrieben. Ein Hin und Her . . . schon seit

ewigen Zeiten also.

Vor etwa vier Jahren wurde nun in den Niederlanden die CAM-

Studie durchgeführt und die potenzielle Gefährlichkeit von

wirksamen Pilzen wurde untersucht. Die Risikoabschätzungskommission

bestand aus Vertretern des Gesundheitsministeriums,

des Gesundheitsamtes, des Justizministeriums,

des Ministeriums für öffentliche Ordnung, und vieler weiterer.

Das Ergebnis: Pilze machen weder wahnsinnig, wie immer

wieder in der Boulevardpresse zu lesen ist, noch geistig oder

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Doch eines Tages

wurde ihr Meister vom

Engelsschlumpf

heimgesucht und

nahm die Rezeptur der

E mit ins Jenseits.

news

Magische Zeiten, magische Pilze Das Pilz-Verbot und das europäische Recht

körperlich abhängig! Im Gegenteil: Sie sind derart ungefährlich,

dass sie sogar als Lebensmittel eingestuft und zum Konsum

ab zwölf Jahren freigegeben wurden. Insbesondere da so

gefährliche Drogen wie Alkohol oder Tabak bereits mit 16

Jahren konsumiert werden dürfen. Ein Lebensmittel, das in

den Niederlanden legal ist, sollte nach EU-Recht auch in

Deutschland legal und vor allem handelbar sein.

Wie am Ende alles ausgeht ist, wie schon geschrieben noch

offen. Doch die Pilz-Pioniere, allen voran David von

NGEurotrade, werden wohl weiter machen. Trotz der massiven

Repression gegen die Existenzgründer schießen Pilzshops und

Pilztaxis aus dem Boden. In Mannheim, Frankfurt, Berlin, Erfurt

und vielen weiteren Städten sind die frischen Pilze als

Lebensmittel genauso erhältlich wie Tomaten oder Äpfel. Einen

Überblick über die Verkaufsstellen könnt ihr euch im Internet

auf www.ngeurotrade.com verschaffen.

Die Pilze werden unter Schutzatmosphäre verpackt um deren

Haltbarkeit zu garantieren, denn Pilze, die verderben sind

äußerst giftig. Ebenso wie bei allen anderen Lebensmitteln

steht natürlich ein Haltbarkeitsdatum auf der Verpackung und

sehr löblich, im Gegensatz zu Bierflaschen wird vor einer

Verkehrsteilnahme nach dem Essen von hawaiianischen oder

mexikanischen Zauberpilzen oder den Zaubertrüffeln, bekannt

unter dem Namen Philosopher Stones, gewarnt.

www.ngeurotrade.com

mehr zum Thema:

Hans Cousto schreibt im Hanf Journal erstmals warum des

Pilz-Verbot gegen europäisches Recht verstößt:

www.hanfjournal.de/news/artikel-juni04-s6-a1.html

Sokratis Zacharopoulos und Werner Graf

3


4

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Man kann sich gar

nicht vorstellen, was

dies für den Serotoninhaushalt

der E-Woks

bedeutete! Und da dies

so nicht weitergehen

konnte, brauchten sie

dringend neue Drogen.

news

Kassel:

Führerschein zurück

trotz positiver THC-Probe

Das Verwaltungsgericht in

Kassel hat jetzt bestätigt, was

wir alle längst wussten: Selbst

eine oder mehrere positive

THC-Proben heißen noch

lange nicht, dass der

Betreffende auch bekifft Auto

fährt.

Dies erkannten sie anhand des

Falles eines Mannes, der, mit

1,8 Gramm Gras und 15

Pflanzen erwischt, zwei

unangekündigte Drogen-

Screenings über sich ergehen

lassen musste. Beide zeigten

eine hohe Konzentration von

Cannabinoiden. Daraufhin

empfahl der zuständige

Amtsarzt, den Führerschein

einzuziehen, da von einem

regelmäßigen Konsum auszugehen

sei. Regelmäßiger

Konsum schließt nämlich laut

Fahrerlaubnisverordnung die

Fähigkeit ein Kfz zu führen

aus.

Das Verwaltungsgericht

entschied nun, dass diese

Argumentation so nicht

korrekt sei. Denn dem Mann

könne weder nachgewiesen

werden dass er je bekifft am

Steuer saß, noch dass er täglich

oder nahezu täglich Cannabis

konsumiere, was ja Bedingung

für „regelmäßigen Konsum“

sei. So erhielt er seinen

Führerschein zurück.

Martin Schwarzbeck

Schweiz: Unterschriftensammlung gestartet

Nachdem vor kurzem das Nein des Nationalrates zur Revision

des Betäubungsmittelgesetzes die Schweizer Pro-Hanf-

Bewegung scheinbar um Jahre zurückwarf, hat sie sich jetzt

schon wieder aufgerappelt. Ein Gremium aus hochrangigen

Vertretern der Politik, Suchtprävention, Medizin und natürlich

der Hanf-Szene hat eine Initiative lanciert, die sehr bald zeigen

soll, dass der Nationalrat gegen den Großteil des Volkes

entschieden hat. Noch in diesem Sommer sollen die 100.000

Unterschriften gesammelt werden, die nötig sind um eine

Volksabstimmung zu veranlassen.

Genau gesehen geht es in dieser Initiative um folgenden Text,

der in die Schweizer Gesetzgebung aufgenommen werden soll:

Art. 105a (neu)

1. Der Konsum psychoaktiver Substanzen der Hanf-Pflanze

sowie ihr Besitz und Erwerb für den Eigenbedarf sind straffrei.

2. Der Anbau von psychoaktivem Hanf für den Eigenbedarf

ist straffrei. Art. 105b (neu)

1. Der Bund erlässt Vorschriften über Anbau, Herstellung, Einund

Ausfuhr sowie Handel mit psychoaktiven Substanzen

der Hanf-Pflanze.

2. Der Bund stellt durch geeignete Maßnahmen sicher, dass

dem Jugendschutz angemessen Rechnung getragen wird.

Werbung für psychoaktive Substanzen der Hanf-Pflanze sowie

Werbung für den Umgang mit diesen Substanzen ist verboten.

Wenn ihr also zufällig Schweizer seid, und diese Anliegen auch

eure eigenen nennt, dann unterschreibt bei der Gesetzesinitiative.

Und wenn ihr einen Schweizer Bürger kennt, der

dieses Anliegen unterstützen könnte, lasst ihn wissen, dass

seine Stimme von elementarem Wert ist. Dann wird die Schweiz

vielleicht bald Vorbild für ganz Europa.

Martin Schwarzbeck

Hannover:

Raus aus dem Heroin-

Modellprojekt

In einem Modellprojekt lässt die Bundesregierung derzeit in

acht Städten prüfen, ob die Behandlung Suchtkranker mit

reinem Heroin sinnvoll ist und ob der Stoff als Arzneimittel

zugelassen wird. Hannover kündigte nun an, Ende 2004 aus

diesem Modellprojekt auszusteigen.

Grund dafür ist jedoch nicht ein negatives Ergebnis der Studie

sondern mangelndes Geld. Eine Beendigung der Studie – die

erst Ende 2005 gewesen wäre – hätte die Stadt weitere 450.000

Euro gekostet. Für die Auffanglösung, die für alle Beteiligten

nun in Hannover durchgeführt werden soll, werden angeblich

nur 80.000 Euro benötigt.

Die sieben weiteren verbliebenen Städte haben dagegen derzeit

nicht vor, aus der Studie auszusteigen. Viele teilten auch nicht

die Auffassung, welche die Stadt Hannover vertritt, dass bereits

genügend Probanten an der Studie teilgenommen hätten.

Dass der Bundesverband der akzeptierenden Eltern am 21. Juli

einen Gedenktag für die verstorbenen Drogentoten veranstaltet

haben soll, soll den Regierenden in Hannover mehr als nur ein

Wink mit dem Zaunpfahl sein. Denn nicht nur das Wohl, auch

das Leben vieler steht bei solchen Studien mit auf dem Spiel.

Gerade in einem Land, das in den Statistiken der Drogentoten

immer ganz oben mitspielt.

mehr zum Thema:

www.hanfjournal.de/dope-nachrichten/seiten/07/playlist-ab_-

_news_tag20_7735.ram

Werner Graf

mehr zum Thema:

www.prohanf.ch

News-Flash zur Sammelaktion

www.hanfjournal.de/dope-nachrichten/seiten/07/playlist-ab_-

_news_tag22_3805.ram

Diskutier mit uns darüber im Forum

www.hanfjournal.de/forum/viewtopic.php?t=260

Schweizer Hanfpolitik nach der Ablehnung des Ständerates

www.hanfjournal.de/news/artikel-juli04-s7-a1.html

Köln:

Sondereinsatzkommando

aufgelöst

Auch bei der Polizei gibt es schwarze Schafe. Schon im letzten

Jahr beeindruckte uns ein Kölner Sondereinsatzkommando,

weil es zweimal hintereinander die falsche Wohnung stürmte.

Und dieses Mal kam es noch dicker. Drogenhandel, Hasch-

Konsum während der Arbeitszeit, Verdacht auf fahrlässige

Tötung, Misshandlungen von Verdächtigen und dann noch

das tragische Versehen, bei dem ein Kollege einen anderen bei

einer nächtlichen Übung erschoss. Die Liste der Anschuldigungen

ist länger als bei so manchem Schwerkriminellen.

Aber kein Wunder, denn solange Polizisten nicht gekennzeichnet,

und damit voneinander unterscheidbar sind, fällt es

allzu leicht, mal im Anonymen über die Stränge zu schlagen.

Das betreffende SEK wurde inzwischen aufgelöst und die

Verdächtigen vom Dienst suspendiert.

China:

67 Hinrichtungen zum

Weltdrogentag

yoshi

China – dieses wunderbare Land aus dem fernen Osten liefert

uns immer wieder anschauliche Beispiele für eine Politik, wie

sie kranker kaum sein könnte.

Am 26. Juni dieses Jahres war der internationale Tag gegen

Drogen. Zahlreiche Länder begingen diesen Tag mit

Aufklärungsveranstaltungen, um Menschen dabei zu

unterstützen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Auch die

chinesische Zentralregierung in Peking ließ an diesem Tag

aufklären, allerdings auf ihre ganz eigene Art.

Öffentliche Hinrichtungen zeigen die Folgen von abweichendem

Verhalten ganz direkt und offen. Dass die Todesstrafe allerdings

potenzielle Schmuggler und Konsumenten wirksamer

abschreckt als andere Strafen, ist laut Amnesty International

nicht einmal erwiesen.

Und so fragt man sich dann, wozu all die Menschen an diesem

Tag denn gestorben sind. Ist es wirklich die Strafe, die sie

verdient haben? Oder wurden sie als Symbol einer unnachgiebigen

Politik missbraucht?

Das Prinzip, mit dem die Drogenbekämpfung angegangen

wird, ist in Deutschland übrigens ganz ähnlich. Die drohenden

Strafen sollen potenzielle Straftäter von vornherein daran

hindern ihre Straftat auszuführen. Da dies allerdings in beiden

Ländern nicht zu funktionieren scheint, sollte man vielleicht

doch mal überlegen, ob Aufklärung nicht mehr bringt als mit

Galgen zu winken.

Martin Schwarzbeck


Hanf Journal: Was soll eigentlich Strafe bewirken?

Hannes Honecker: Tja, was soll Strafe bewirken? Die Frage

ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn Strafe soll und

will Verschiedenes. Wenn man’s zusammenfassen will, könnte

man sagen, dass Strafe zunächst und allgemein verhindern

soll, dass Straftaten begangen werden. Das nennt man

Generalprävention. Die Bevölkerung soll abgeschreckt werden,

verbotene Dinge zu tun. Im konkreten Einzelfall, und das nennt

man dann Spezialprävention, soll eine bestimmte Person davon

abgehalten werden, erneut Straftaten zu begehen. Wird dieser

Jemand in einem Strafverfahren verurteilt und bekommt eine

Strafe, zum Beispiel weil er jemandem anderen auf die Nase

gehauen hat, will man verhindern, dass er erneut jemandem

auf die Nase haut. Drittens gibt es noch einen antiquierten

Vergeltungsgesichtspunkt. Und schließlich gibt es den

Sühnegedanken, wonach jemand, der eine Straftat begeht,

dafür Sühne in Form von Strafe leisten soll. In archaischeren

Gesellschaften muss derjenige, der einen anderen getötet hat,

den Hinterbliebenen einige Kühe als Ausgleich zahlen. All

diese Vorstellungen geistern im Kopf des Gesetzgebers herum,

wenn er sich die Frage stellt – was heute leider niemand mehr

tut – wozu Strafen?

Hanf Journal: Sehen Sie in ein Sinn einer Strafe bei Cannabis?

Hannes Honecker: Vorweg, es sind derzeit schon 5.000

Menschen, die wegen Cannabis im Gefängnis sitzen, und eine

Vielzahl anderer Bestrafter. Aber zur Frage: Nein, also beim

Cannabis-Verbot sind diese ganzen Erwägungen zu

Strafzwecken nicht mehr anwendbar. Und zwar, weil es keine

individuelle Rechtsgutverletzung gibt, es gibt also kein Opfer.

Es gibt ein abstraktes Rechtsgut, das der Volksgesundheit, den

Jugendschutz, der Schutz der Gesundheit Einzelner. Die

Strafzwecke passen hier aber deswegen nicht, weil natürlich

große Zweifel im Raum stehen, wie gravierend die

Gefährdungen dieser Rechtsgüter durch Cannabis sind.

Einfach gesagt, sind die Gefahren von Cannabis gering, kann

man durch sein Verbot auch nicht die Volksgesundheit schützen.

Aber dass Strafzwecke nicht mehr aufgehen, ist nicht nur bei

der Cannabis-Kriminalisierung der Fall. Es gab viele Gesetze,

die über die Jahrzehnte immer fragwürdiger wurden und

irgendwann einmal über den Jordan gegangen sind. Das Verbot

von homosexuellen Verhaltensweisen oder auch der Kuppelei-

Tatbestand. Irgendwann hat man festgestellt, dass diese

Regelungen nicht geeignet oder erforderlich sind, um das, was

man schützen will, tatsächlich zu erreichen. Oder der

Gesetzgeber stand nicht mehr hinter der Ideologie, die hinter

diesen Straftatbeständen stand.

Hanf Journal: Halten Sie persönlich nach dem BVerfG-Urteil

das Cannabis-Verbot weiter für verfassungswidrig?

Hannes Honecker: Ich halte es weiterhin für verfassungswidrig.

Erstens gibt es eine große Anzahl von Haschisch-

Konsumenten, die einen normalen Umgang damit pflegen.

Ohne dass irgendwelche Beschwerden auftreten, ohne dass

irgendwelche Ärzte, Krankenhäuser, Seelsorger oder

Drogenberater aufgesucht werden. Wir haben nur eine relativ

geringe Zahl an Konsumenten, die Probleme haben. Bei ihnen

weiß man aber meist nicht genau, warum sie diese Probleme

haben.

Zweitens, wenn die Cannabis-Kriminalisierung damit was zu

tun hat, dass Cannabis gefährlich sein soll, dann müsste das

Verbot auch geeignet sein, den Cannabis-Konsum

einzuschränken oder verhindern. Das ist aber nicht der Fall.

Der gesteigerte Cannabis-Konsum ist unabhängig von der

Cannabis-Kriminalisierung erfolgt. Ein Verbot ist nicht geeignet,

das Ziel „weniger Konsum“ zu erreichen.

Der gravierendste Punkt ist aber Nummer Drei. Der Gesetzgeber

scheint geradezu zu ignorieren, dass es neben der schädlichen

Wirkung des Cannabis nicht nur möglicherweise, sondern

erwiesenermaßen schädliche Wirkungen der Cannabis-

Kriminalisierung gibt. Das sind nach meiner Meinung die drei

Kernargumente, warum die Cannabis-Kriminalisierung auch

nach der Entscheidung des BVerfG – das sich im Übrigen mit

diesen Fragen nicht befasst – verfassungswidrig ist.

www.interhanf.com

Hanf Journal: Was war für Sie das Highlight oder das

Aufschlussreichste während der Verhandlung in Bernau?

Hannes Honecker: Ein negatives Highlight fand ich, dass

es eine Medienöffentlichkeit gibt, die sich augenscheinlich nicht

dafür interessiert, was an wissenschaftlichen Erkenntnissen

vorliegt, sondern nur für dramatisierende Stellungnahmen

offen ist. Es ist erstaunlich, dass es in einem komplexeren

Bereich wie der Frage nach der Wirkung und den Gefahren

des Cannabis-Konsums große Medien einem Professor

Thomasius ungefragt und blind Gehör und Glauben schenkt. §Und so ist es nicht

weiter überraschend,

Dabei interessiert es scheinbar niemanden, dass Thomasius,

dass sie zu ihrer

der zu Cannabis nicht geforscht hat, gleichwohl

hochverehrten Scha-

Schlussfolgerungen von sich gibt, die er nicht verifizieren kann

manin, der Biene Maya

pilgerten um sich die

und die den Forschungen anderer entgegensteht. Noch

hippesten Drogen

beeindruckender allerdings fand ich, dass man es mit

nennen zu lassen.

Wissenschaftlern zu tun hat, die über Jahrzehnte hinweg

forschten und am Ende einer langen Forschungszeit feststellen

mussten, dass es den Gesetzgeber nicht interessiert, welche

Erkenntnisse denn auf wissenschaftlicher Ebene vorliegen. Es

sei denn, der Gesetzgeber braucht sie, um seine ohnehin schon

vorhandene Meinung zu unterstützen.

Noch furchtbarer und noch frustrierender ist es sicherlich für

den Angeklagten in einem Verfahren, der feststellen muss, dass

all das, was an vernünftigen und wissenschaftlich fundierten

Erhebungen, die in so ein Verfahren hineingetragen werden,

an einer sehr unvernünftigen und ignoranten Blockadehaltung

scheitert. Der Justiz ausgeliefert zu sein und feststellen zu

müssen, dass es dem Gesetzgeber eigentlich nicht interessiert,

was die sinnvollste Lösung wäre, das ist schlimm.

Es gibt aber auch positive Highlights. Zum Beispiel gibt es

Richter, wie eben den Jugendrichter Müller in Bernau, die nicht

die Mühen und die Zeit scheuen, sich mit verfassungsrechtlichen

Problemen zu befassen. Ein dieser Frage so aufgeschlossenes

Gericht sieht man selten.

„Der Justiz ausgeliefert Rechtsanwalt Hannes Honecker erklärt uns die Rechtswelt

Hanf Journal: Wie könnten nun nach dem BverfG Urteil

weitere Wege aussehen?

Hannes Honecker: Für eine erneute Vorlage? Ich denke,

dass man neben den bisherigen Sachverständigen zwei weitere

hören muss. Ein Sachverständiger, der sich mit der Frage

auseinandersetzt, wie sich das Konsumverhalten am Beispiel

Hollands entwickelt hat. Da gibt es zwar keine Freigabe, aber

eine weitgehende Entkriminalisierung und einen leichten

Rückgang der Konsumentenzahlen. Also einen

Sachverständigen für die Antwort auf die Frage, welche

kriminologischen Erkenntnisse vorliegen bezüglich der

Auswirkung der Cannabis-Kriminalisierung auf den Konsum.

Und zweitens müsste man möglicherweise noch eine intensive

Auseinandersetzung über die Frage führen, welche Gefahren

eigentlich vom Drogenhandel ausgehen. Das verlangt jedenfalls

das BVerfG. Auch hier müsste ein Sachverständiger erläutern,

unter welchen Bedingen der Handel mit Cannabis für den

Endkonsumenten und die Allgemeinheit weniger gefährlich

ist: unter den Bedingungen der Kriminalisierung oder der

Liberalisierung. Ich denke aber, dazu kann jeder

Volkswirtschaftsstudent im ersten Semester etwas sagen.

Hanf Journal: Und welche Chancen sehen Sie derzeit für

ein neues Verfahren?

Hannes Honecker: Tja Chancen . . . na ja ich glaube die

Zeit ist nicht reif. Aber man wird es wieder versuchen müssen.

Ich bin davon überzeugt, dass es eine politische Lösung des

Problems nicht geben wird. Das heißt, wir müssen eine

juristische suchen. Ich kann nur jedem Einzeln raten, wenn du

den Atem dazu hast, dann probiere es. Es hängt ganz

entscheidend von denen ab, die den Atem dafür haben. Es gibt

eine Vielzahl von Menschen die diesen nicht haben. Die weder

die Kraft noch die finanziellen Mittel haben, sich in diese

Auseinandersetzung zu begeben.

Das Interview führte Werner Graf

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Hannes Honecker ist

Geschäftsführer der

Rechtsanwaltsvereinigung

RAV in Deutschland und

war Verteidiger des

kürzlich in Bernau wegen

450 Gramm Cannabis

angezeigten Jungen

(siehe Seite 1). Wir

sprachen mit ihm über

Sinn und Zweck von

Strafen, unfaire Gesetze

und das Urteil des

Bundesverfassungsgerichtes

(BVerfG).

news

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Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Toad, der Pilz konnte

zu dieser Zeit gar nicht

ahnen, welch Abenteuer

er noch erleben

wird. Hätte er es

gewusst, hätte er

sicher nicht mehr so

relaxt mit Badman

geturnt.

news

Am Freitag, dem 25. Juni 2004, erschien auf der Website des

Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung eine

Pressemitteilung zum Weltdrogentag 2004 mit dem Titel

"Zunahme bei den Behandlungen wegen problematischen

Cannabiskonsums". In der Pressemitteilung heißt es u. a.:

"Über 9 Mio. Menschen haben Erfahrung mit Cannabis, fast

400.000 weisen einen missbräuchlichen oder abhängigen Konsum

auf. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen hat die

Verbreitung von Cannabis zwischen 1992 und 2002 auf das

2,7fache zugenommen. Zugleich hat sich die Behandlungsnachfrage

durch Personen mit Cannabisbezogenen Störungen

überproportional stark erhöht. Die heute veröffentlichte Studie

verzeichnet eine Zunahme in den erfassten ambulanten

Beratungsstellen auf fast das 6fache von 2.561 Fällen im Jahr

1992 auf 14.714 Fälle im Jahr 2001."

Widersprüchliche Zahlenangaben in der Studie

Die typischen Cannabis-Klienten ambulanter Drogenberatungsstellen

waren gemäß dieser Pressemitteilung zwischen

18 und 24 Jahre alt. 27,4 Prozent der Klienten fanden den Weg

zur Beratungsstelle gemäß Tabelle 11 der Studie aufgrund von

Auflagen der Justizbehörden oder der sozialen Verwaltung –

im Text vor der Tabelle heißt es jedoch, der Zugang zu den

Beratungsstellen durch Justiz und Polizei habe sich in den

letzten Jahren etwa verdoppelt. Die Autoren der Studie scheinen

wohl nicht in der Lage zu sein, Polizei und Justiz voneinander

zu unterscheiden. Jedenfalls entfiel auf diese Gruppe mehr als

jeder vierte Besucher einer Beratungsstelle wegen Cannabis,

insgesamt waren dies über 4.000. Gemäß Tabelle 50 der Studie

ist das Ziel des Besuchs der Beratungsstelle respektive der

"Behandlung" in der Beratungsstelle bei mehr als der Hälfte

der Klienten (51 Prozent) das Erfüllen von Auflagen Dritter.

24,1 Prozent der Klienten gaben als Grund des Besuchs der

Beratungsstelle richterliche Auflagen an, 15,5 Prozent Auflagen

im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und 11,4 Prozent

andere Auflagen.

In der Studie werden zwar Datenvergleiche ab 1992 bis zum

Jahr 2002 vorgenommen, jedoch wird nicht auf die veränderten

gesetzlichen Bestimmungen eingegangen. Beispielsweise gab

es 1992 noch kein Programm namens "FreD" [Frühintervention

für erstauffällige Drogenkonsumenten] und somit auch nicht

die damit verbundenen Auflagen seitens der Polizei zum Besuch

einer Drogenberatungsstelle. Auch die richterliche Praxis war

1992 anders geartet als dies im Jahr 2002 der Fall war. Rechnet

man nun aus den angegebenen Daten die durch veränderte

Umstände hinzugekommenen Cannabis-Klienten wieder

heraus, dann kann man feststellen, dass sich die Zahl nicht

"überproportional stark erhöht hat", sondern ziemlich genau

proportional zugenommen hat!

Ausgehend vom Wert aus der Tabelle 50 der Studie von 51,0

Prozent für durch veränderte Umstände hinzugekommenen

Cannabis-Klienten, gelangt man zur Zahl von 7.504 Cannabis-

Klienten, die durch veränderte Umstände neu zur potenziellen

Klientengruppe hinzugekommen ist. Der effektive vergleichbare

Gewinnen!

Frage:

In welchen Geschmacksrichtungen

gibt es den „EuroBlend“?

Gewinn:

Dreimal eine Flasche „EuroBlend“!

Um diese Frage zu beantworten, musst du einfach einmal

auf die Webseite surfen, kurz nachlesen und die richtige

Antwort bis zum 30. August an gewinnen@hanfjournal.de

senden.

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen und natürlich

werden wir Name und Anschrift nicht veröffentlichen und

nach Abschluss des Gewinnspieles sofort vernichten.

Produktbeschreibung siehe Seite 8

Ein Beitrag von Hans Cousto

Zuwachs gemäß rechtlicher Bedingungen von 1992 stieg somit

nur um das 2,8fache – in absoluten Zahlen von 2.561 im Jahr

1992 auf 7.210 im Jahr 2002. Im gleichen Zeitraum stieg die

Zahl der Cannabis-Konsumenten im relevanten Alter für die

Klientengruppe um das 2,7fache. Es kann somit nicht von

einem erhöhten Risiko gegenüber 1992 gesprochen werden.

Auch Professorin Dr. Soellner stellte in ihrem Bericht am 6. Juli

2004 vor dem Amtsgericht in Bernau fest, dass bei der Zahl

der Besucher, die zu einer Drogenberatungsstelle wegen

Problemen mit Cannabis kommen, nicht von 15.000, wie es die

Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk

behauptete, gesprochen werden könne, sondern wohl eher von

7.500, also gut der Hälfte.

Risikodebatte zum Cannabis-Konsum

In einem von Marion Caspers-Merk im Suchtreport Nr.2,

März/April 2002 unter dem Titel "Eine Risikodebatte zum

Cannabis-Konsum ist nötig" veröffentlichtem Artikel heißt es:

"Glaubwürdige Drogenpolitik sollte weder bagatellisieren noch

dämonisieren, sondern über Risiken informieren und diese vor

dem Hintergrund des vorhandenen Wissens beschreiben."

Die bereits erwähnte Pressemitteilung zum Weltdrogentag 2004

ist jedoch ein Paradebeispiel einer unglaublichen Dämonisierung

– es wird darin nicht über Risiken vor dem Hintergrund des

vorhandenen Wissens informiert. So wird darin Caspers-Merk

mit den Worten zitiert:

"Die Studie zeigt eine besorgniserregende Tendenz auf – immer

mehr Menschen suchen heute wegen Cannabis-bezogener

Störungen eine Beratungsstelle auf. [. . .] Gleichzeitig wächst

aber der Anteil der Konsumenten, die durch einen regelmäßigen

oder starken Cannabis-Gebrauch unter ernsthaften Störungen

Feuer auf Caspers-Merk

Eine Risikodebatte zum Cannabis-Konsum ist nötig

bis hin zur Abhängigkeit leiden."

Somit wird der Eindruck erweckt, Cannabis sei gefährlicher

als bisher angenommen wurde. Dass das Erwecken dieses

Eindrucks ein Ziel der politischen Strategie von Caspers-Merk

ist, ist schon lange bekannt, doch glaubwürdig ist die Art und

Weise der Darstellung der Dinge nicht im Geringsten, denn

hauptsächlich suchen heute mehr Menschen Beratungsstellen

wegen polizeilicher oder gerichtlicher Auflagen im

Zusammenhang mit Cannabis eine Beratungsstelle auf und

nicht wegen "Cannabis-bezogener Störungen". Und wie bereits

gezeigt wurde, ist "der Anteil der Konsumenten, die durch

einen regelmäßigen oder starken Cannabis-Gebrauch unter

ernsthaften Störungen bis hin zur Abhängigkeit leiden" und

deshalb eine Beratungsstelle aufsuchen, in Relation zur Zahl

der Cannabis-Konsumenten in den letzten zehn Jahren ziemlich

stabil geblieben und nicht gewachsen.

Die Zahl der polizeilich erfassten Delikte im Zusammenhang

mit Cannabis lag im Jahr 2003 bei 148.973 und somit mindestens

zehnmal höher als die Zahl der Cannabis-Konsumenten, die

eine Beratungsstelle aufsuchten respektive aufsuchen mussten.

Somit ist die rechtliche Situation von der Logik her der primäre

Diskussionspunkt bei der Risikodebatte zum Cannabis-Konsum

– doch um diesen Punkt anzusprechen, dafür scheint der

Drogenbeauftragten der Mut zu fehlen. Nicht nur die Tatsache,

dass die Drogenbeauftragte bis heute nie eine Evaluierung der

gesetzlichen Maßnahmen verlangte wie beispielsweise die

Drogen- und Suchtkommission beim Bundesministerium für

Gesundheit im Jahre 2002, ist äußerst bedenklich, sondern vor

allem auch, dass sie in ihren Meldungen stets die negativen

Konsequenzen aus den gesetzlichen Regelungen mit den

Wirkungen von Substanzen zu übertünchen versucht.


Claudias kleine Welt

Herbertingen am Nil

Hans Söllner trifft es am besten: Wäre die Geschichte der

Menschheit nur ein bisserl anders verlaufen, dann . . . “wäre

die Isar jetzt der Nil – und i hätt sakrisch Hunger und koa

Mensch tat ma was gebn“. Es gäbe weiße Austausch-

Medizinfrauen in Afrika anstatt schwarzer Austauschpriester

in Bayern, wir würden in einer Demokratie leben und Hanf

wäre Nahrung, Kleidung und Medizin so wie schon die letzten

8.000 Jahre bis zum Amtsantritt eines ehemaligen

amerikanischen Austausch-Senators in Deutschland bei den

Vereinten Nationen. Doch die Vergangenheit ist nun mal das

Produkt des Verdauungsorgans, das die Gegenwart zu dem

macht was sie ist – was bisher wenig für uns spricht sondern

im Gegenteil unsere Ähnlichkeit mit dem Virus nur noch

unterstreicht – deshalb wird die Messe in Herbertingen auch

von einem Vertreter des schwarzen Kontinents gelesen, wir

leben in einer Ökonokratie und Hanf muss sich, wie andere

jahrtausende alte Traditionen (Ayurveda, Akupunktur,

Kräuterkunde) den voller Überheblichkeit geschwungenen

Stempel „alternativ“ aufdrücken lassen. So wundert es etwa

niemanden, dass bezüglich der medizinischen Verwendung

von Hanf nicht auf die durch seine lange Tradition bestehenden

umfangreichen schriftlichen Quellen zurückgegriffen wird, als

ob die Erfahrung unserer Vorfahren einfach nichts Wert wäre.

Die Schulmedizin will uns glauben machen, eine Substanz

könne erst dann seine volle Wirkung entfalten, hätte sie die

komplette allopathische Maschinerie von Reagenzgläsern

durchlaufen und wäre in alle Einzelatome analysiert plus als

Formel notiert worden, um dann schlussendlich „neu und

verbessert“, soll heißen zerpflückt und isoliert, in Form von

Tablette oder Mundspray erst mal unzähligen Versuchstieren

völlig sinnloserweise das Leben zur Hölle zu machen und

anschließend um teures Geld das in die Körper der Menschen

zu bringen, was die mit einfacheren Mitteln, gesünder und

umweltfreundlicher, ohne Blisterverpackung, Beipackzettel

und Überkarton und obendrein noch verträglicher haben

könnten.

Aber nicht nur die Doktoren, nein auch die Professoren sind

derart abgebrüht, wenn es darum geht, einen äußeren

Sündenbock zu finden um das System von innen her zu

stabilisieren. Wenn, wie in Österreich beim Squash geschehen,

den SportlerInnen Titel aufgrund von THC-positiven

Testergebnissen aberkannt werden oder, wie in England, laut

darüber nachgedacht wird, Drogentests an den Schulen

einzuführen (Frage: Wie lange wird Bush eigentlich noch in

den Arsch gekrochen?), so folgt der daraus erwachsende

Zustand wie alles auf diesem Planeten den Gesetzen der Physik:

Die Freiheit des Einzelnen wird geringer, der Körper kühlt ab,

die einzelnen Teilchen bewegen sich weniger, es wird enger,

ungemütlicher und steifer. Die „Gemeinschaft freier Bürger“,

ein Widerspruch nicht nur für Sprachwissenschaftler. Die

Message ist klar: Wer die Spielregeln des Systems im Privatleben

nicht befolgt, darf es in seinem/ihrem Beruf ebenso wenig

beziehungsweise schon gar keinen erlernen.

Das Spiel mit den Zukunftsängsten von Eltern und Jugendlichen

(„Wennst nix Gscheites lernst, wird nix aus dir“) ist wohl eine

der perfidesten Arten des Systems, sich selber sein Fortbestehen

zu sichern. „Der Spiegel“ quält uns seitenweise mit den

Fallbeispielen Jugendlicher, die morgens auf dem Weg zur

Schule eine Bong-Pause einlegen, um den Tag zu überstehen.

Immer und immer wieder wird das Mantra der schlimmen

Droge Hanf wiederholt, und es verwundert doch sehr, dass

man wirklich an so einem Artikel arbeiten kann, ohne sich

jemals zu fragen, warum die Schüler es denn überhaupt nötig

haben sich so wegzustellen. Motto: Wären die Städte lebenswert,

müsste man nicht am Wochenende raus ins Grüne, sondern

könnte einfach zu Hause bleiben. Wäre der Unterricht

interessant und aktiv anstatt lehrplanerfüllend und frontal,

würden Menschen gerne lernen und möglicherweise vielleicht

auch noch kreativ und produktiv – Hilfe!

Mit dem selben Trick wie die Schulen arbeiten die

Verkehrskontrollen: Führerschein weg, Prestige dahin, Status

futsch und oft genug auch wirklich existenzielle Probleme,

falls das Gefährt obligatorisch für den Verdienst des

Lebensunterhaltes. Entweder du bist drin oder du bist draußen.

Dieses „draußen sein“ flößt den meisten eine Heidenangst ein,

wird es doch mit Hunger, Elend und Abschaum in Verbindung

gebracht. Und das in einem System, welches sich seinen eigenen

Regeln folgend laufend Lügen straft. Koksende und/oder

saufende Politiker, welche natürlich die Prohibition befürworten,

sonst wäre ihr Verhalten ja nicht mehr Privileg. Menschen, die

„nix Gscheites glernt haben“, in Wort, Bild oder Ton das System

kritisieren, deshalb von denen als Stars verehrt werden, die

schon wollen täten, aber sich nicht dürfen trauen, wodurch

erstere irre Kohle scheffeln und so quasi schon wieder vom

System zwangsinkorporiert werden. Einige, aktuelles Beispiel

Marlon Brando mit seinem Einsatz für die Native Americans

in ihrem Kampf um Menschenwürde, suchen und finden ein

Zivilcourageventil, um die heiße Luft der Popularität zu

kanalisieren, andere nicht und werden aufgeblasen wie ein

Heißluftballon – und das System macht’s ihnen leicht. Denn

was sind das für Prioritäten, wenn Schauspieler dafür, dass sie

Illusion bieten, Millionen kassieren, und Bauern, die mit ihrer

Ernte unser Überleben garantieren, um das eigene kämpfen

müssen? Was ist das für eine Zeit, in der „Der Spiegel“ schon

so zerkratzt und verbeult ist, dass er nur mehr eine kauzige

und schlechtestrecherchierte Fratze der Wirklichkeit

zurückwirft? Wie können Menschen glauben, dass Pflanzen

böse, Schiffe unsinkbar und Bücher heilig sein können? Warum

immer alle fernsehen, obwohl es doch dick macht (danke,

Inga)? Es sei nochmals Hans Söllner zitiert: „Wenn mehr von

unsere Alten was rauchen würden, gäb´s weniger

verhaltensgestörte Kinder.“ Vielleicht sollte der Spiegel beim

nächsten Artikel über Hanf doch Experten ranlassen . . .

Claudia Grehslehner

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Doch schon war es zu

spät. DarThomasius

und seine Truppe

griffen an und . . . oh

nein . . . das kann doch

nicht sein . . . Badman

wurde tödlich verletzt!

news

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Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Da blieb Toad, der

böseshalber von

DarThomasius immer

Tod genannt wurde,

nichts anderes übrig

als zu fliehen.

wirtschaft

Eben noch auf unserem

Wohnzimmertisch, jetzt schon im

Hanf Journal: Die Firma Hanf-Zeit

offeriert der Welt seit 1999 ihre

Entwicklung: Die Outbreak-Acryl-

Bong.

Das ist jetzt aber nicht unbedingt

innovativ, wird sich so mancher

denken. Doch, in diesem Fall ist

es das schon, denn es handelt sich

um die erste mir bekannte Acryl-

Bong, die von allen zunächst für

Glas gehalten wird. Kein bunter

Firlefanz, sondern klassische

Durchsichtig-Optik und eine

Wandstärke, die auch eher an Glas

als an Acryl erinnert, tragen das

Ihre zu dieser Verwechslung bei.

Doch spätestens wenn das gute

Ding dann mal auf den Boden

fliegt, wird einem jedoch deutlich,

welche Vorteile man bei der Wahl

dieses Materials hat.

„Du gefährdest

die Volksgesundheit!“

Unkaputtbarer Rauchgenuss

Die Outbreak-Bong von Hanf-Zeit

www.hanf-zeit.com

Die Outbreak-Bong wartet noch

mit weiteren Specials auf. So gibt

es sie zum Beispiel mit einem so

genannten „Eis-Piercing“, zwei Metallstäben, die durch die

Bong gebohrt wurden, um das Eis auf der richtigen Höhe zu

halten. Anders als bei anderen Eis-Bongs sind diese Eishalter

entfernbar, damit die Bong leichter zu reinigen ist.

Alles in allem also eine gelungene Konstruktion, die trotz Acryl

wirklich lecker zu rauchen ist.

Wirtschaftsticker

Nirvana Seeds aus Holland wird bald eine komplette Bio-Dünger-Serie herausbringen. +++ Die Bio-Dünger-Serie von Canna wird erst

Ende des Jahres und nicht wie vom Hanf Journal berichtet ab April auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Aufgrund des guten Absatzes

in Holland und Spanien und der verlängerten Produktionszeit - alles muss natürlich ablaufen - kam Canna mit der Herstellung nicht nach

und musste den Erstverkaufstermin verschieben. +++ Bei der Eröffnungsveranstaltung des renovierten Olympiastadions in Berlin beteiligte

sich die Firma Hanfmode International mit einer Hanfmodenschau . . . diese wird es auch auf der Hanfparade (14. August) und der

InterHanf (10. bis 12. September) in Berlin zu bestaunen geben. +++ Der Deutsche Hanf Verband (DHV) scheint seine Reputation immer

weiter auszubauen, immer öfter ist der Geschäftsführer Georg Wurth im Fernsehen zu sehen, neulich erst bei N24. +++ Research & Experience

bringt eine überarbeitete Version des Aromed auf den Markt. Nun mit neuer Elektronik, mehr Funktionen und der Möglichkeit der Umstellung

auf Fahrenheit. Mehr dazu erfahrt ihr in der September-Ausgabe des Hanf Journals. +++ Die Firma Eastside impex bietet nun die Homebox

auch in der XL-Größe an. Die normale Homebox ist 100 x 100 x 200 cm groß, die XL 120 x 120 x 200 cm. +++ Euer allseits beliebtes Hanf

Journal ist gerade dabei das Onlineangebot zu überarbeiten. Mit einem neuen Konzept will www.hanfjournal.de die führende Online-

Aufklärungs- und -Unterhaltungs-Seite werden.

Neuer Samen auf dem Markt

- Strawberry Cough -

www.dutch-passion.nl

Seit Anfang August wird nun

dieser neue Samen in Ländern, in

denen es legal ist, verkauft. Die

Genetik der „Strawberry Cough“

stammt zu einem Teil aus

Nordamerika und zum anderen

aus einzigartigen europäischen

Quellen. Bei „Strawberry Cough“

handelt es sich um eine Hybride

aus einer Indiaca und einer Sativa.

Aus diesem Hybrid-Stamm

wurde letztlich ein Typus mit 80

Prozent Sativa-Gehalt aussortiert,

um damit die „Strawberry

Cough“ Samen zu produzieren.

Das „Produktions- und Forschungsteam“

hat erfolgreich den

Versuch unternommen, die

fruchtigsten Sorten zu erschaffen,

die man sich überhaupt vorstellen

kann. Der frische Erdbeergeschmack

und -geruch ist sehr

intensiv. „Strawberry Cough“

bewirkt einen energetischen „Up

High“-Effekt bei mittelstarker

THC-Potenz. Die gesamte

Blütedauer beträgt ungefähr neun

Wochen. Nach vier Wochen ist der

erste und stärkste Blütenwachstumsschub vorüber, der zweite

nach neun Wochen zur Erntezeit. „Strawberry Cough“ lässt

sich leicht anbauen und braucht keine besonders starke

Düngung. Sie wächst tendenziell kurz und kompakt. Bist du

bereit für den „Erdbeer-Trip?“ Blütezeit: 9 Wochen. Outdoor-

Reifezeit: Zweite Oktoberhälfte Unverbindliche

Preisempfehlung für 10 Samen: 95, - Euro

Ab August erhältlich. In Deutschland ist dieses Produkt

natürlich nicht legal, aber in Österreich zur Nutzung als

Zierpflanze erlaubt.

„EuroBlend“ und „UltraClean“

nun günstiger

www.germadot.de

Germadot senkt die Preise für

seine „Zydot“-Produkte

Schon seit 1995 bietet die Firma

Germadot die „Zydot“-Produkte

„EuroBlend“ und „UltraClean“

im deutschsprachigen Raum

exklusiv an. Nun, im neunten Jahr,

übernahm die Firma die

Generalvertretung für Europa und

konnte aus diesem Anlass die

Preise auf einen Verkaufspreis von

35,- Euro senken. Bei Abnahme

von drei „Zydots“ kann der

Verbraucher das Produkt sogar

für 30, - Euro erwerben. Jo

Biermanski von der Grünen Hilfe

Netzwerk e. V. über den Effekt

der „Zydot“-Produkte:

„Ich habe den Urin-Reiniger

„Zydot EuroBlend“ im Selbstversuch

getestet und konnte die

Wirksamkeit mit Teststreifen

feststellen. Wichtig ist jedoch, dass

Mensch die Hinweise der

Gebrauchsanleitung beachtet. Des

Weiteren ist zu beachten, dass der

Urin-Reiniger 100-prozentige

Wirksamkeit eine Stunde nach der Einnahme hat, diese nachlässt

und nach vier bis fünf Stunden nicht mehr gegeben ist. Auch

die Wirksamkeit des Haar-Reinigers „Zydot UltraClean“ scheint

mir gegeben, da ich ihn bereits weiter empfohlen habe und

keine negative Rückmeldung erhalten habe.“

Zydot Gewinnspiel S.6


Das Guerilla Growing-Team präsentiert:

Indoor Growing #8

Verschiedene Anbaumethoden

Hallo, liebe Growing-Freunde,

ihr habt in dieser Serie mitbekommen, wie Julia in Haus und

Garten ihre Lieblingspflanzen aufgezogen hat. Zum Schluss

erklärte sie mir, woran sich grundlegende Systeme und

Einstellungen beim Growing unterscheiden.

Etwas traurig, weil unsere Serie nun zu Ende geht, komme ich

bei unserer Freundin Julia in Holland an. Dieses mal gehen

wir in einen netten kleinen Coffee Shop, der zehn Minuten zu

Fuß entfernt ist. „Den mag ich am liebsten, weil die Stimmung

gut ist und sie nur gutes Gras von ausgewählten Züchtern

verkaufen. Da wir heute keine Bilder machen, dachte ich mir

das wäre ein guter Abschluss“, sagt sie während wir durch die

sonnigen Strassen laufen.

Im Shop treffen wir auf ein interessantes Ambiente von

moderner Einrichtung, gemischt mit chilliger Musik und

bequemen Sesseln.

An der Bar ordern wir ein paar fertig gedrehte Joints und zwei

Kaffees, mit denen wir uns an einen Tisch, vor einem der

großen, sonnigen Fenster setzen. „Nachdem Katrin und du

den Lesern zu Hause viel über unseren Anbau im Freien und

unter Kunstlicht berichtet habt, wollt ich dich heute über die

verschiedene Grow-Typen aufklären. Sie unterscheiden sich

vor allem in der Größe der Zuchtanlagen und dem Einsatz von

Technik zur Optimierung der Ernte.“

Ein “Sea Of Green”

Während Julia den Joint anrauchte, fing sie auch schon mit

dem ersten Typus an, die Selbstversorger! Diese bauen

hauptsächlich für ihren Eigenbedarf und den guter Freunde

anbauen. Sie haben meist wenige Pflanzen, die indoor wie

outdoor mit einfachem Equipment gezüchtet werden. Der

zweite Typus sind die halbkommerziellen Grower, die einen

mehr oder weniger großen Teil der Ernte verkaufen. Sie bauen

meist auf bis zu einigen Quadratmetern an, wobei indoor häufig

Hydro-Systeme eingesetzt werden um den Ertrag zu erhöhen

und die Blütezeit zu verkürzen. Der dritte Typ praktiziert die

kommerzielle Massenproduktion, welche man überwiegend

in gut abgeriegelten und getarnten Fabrik- und Lagerhallen

findet.

Einige Züchter schwören auf vollkommen biologischen Anbau

und growen nur auf Erde mit biologischen Düngern und

draußen. Andere machen sich die Technik zunutze und bringen

die Wachstumsfaktoren Licht, Luft, Klima, Wasser, Nährstoffe

und Boden ganz oder teilweise unter ihre Kontrolle. Dabei

wird auf Kunstlicht, Belüftungs- und Klimasteuerungssysteme,

mineralische Dünger und Hydrosysteme zurückgegriffen. Die

Vielzahl der weiteren Hilfsstoffe, wie Bodenverbesserer,

Wachstums- und Bewurzelungshormone ist dabei fast

unbegrenzt.

„Der biologische Anbau produziert sehr wohlmundig

schmeckendes und angenehm berauschendes Gras“, weiß Julia

zu berichten, als sie mir auch endlich einmal den Joint gab.

„Viele sagen, das nichts an dieses Aroma heranreicht. Im Grunde

liegt es aber beim Züchter, welcher Hilfsmittel er sich bedient

um die Potenz oder den Ertrag seiner Ernte zu verbessern.

Solange dabei vom Einsatz gesundheitsgefährdender Stoffe

abgesehen wird, leidet maximal der Geschmack.“

Auch über die verschiedenen Methoden im Ablauf wurde ich

von Julia aufgeklärt. Wer nicht allzu viel Aufwand betreiben

will, baut saisonweise an. Das heißt es werden jedes Mal neue

Samen beziehungsweise Stecklinge ausgesetzt, hochgezogen,

eventuelle Männchen aussortiert und in die Blüte geschickt.

Manch einer züchtet nebenbei auch gleich ein paar Samen, um

nach der Ernte gleich das Startkapital für eine neue Saison zu

haben. Diese Methode ist besonders beliebt, da man nach einer

Saison erst mal ein paar Tage verschnaufen kann, ohne sich

um irgendwas kümmern zu müssen.“

Grower, die mehr auf effektives Wachstum, kontinuierlichere

Versorgung und gleichbleibende Qualität angewiesen sind,

greifen in aller Regel zu der Mutterpflanzen-Methode. Dabei

wird eine weibliche Pflanze in einem separaten Raum ständig

in der Wachstumsphase gehalten. In bestimmten Abständen

kann man Stecklinge von ihr schneiden, die sich in ihren

Merkmalen (Wuchs, Aroma, Wirkung) völlig gleichen.

Werden viele Stecklinge einer Pflanze gleichzeitig aufgezogen,

entsteht mit der Zeit ein „wunderschönes“, grünes Meer,

weshalb man dies auch „Sea-of-Green“ nennt. Zuletzt schilderte

mir Julia noch, dass einige Grower auch im Abstand von einigen

Tagen je ein oder zwei Stecklinge unter die Blütelampe stellen.

Nach drei Monaten können sie dann im selben Abstand

kontinuierlich ernten und die reifen Pflanzen immer wieder

durch Stecklinge ersetzen.

Uhu ... ich bin der beste Grower von allen

„Ein interessanter Aspekt des Growings, der mich persönlich

sehr reizt, ist die Sortenzucht, also die gezielte Erhaltung und

Weitergabe bestimmter Merkmale verschiedener Sorten.“,

schildert Julia, als ich den Rest meines Kaffees runterstürze.

„Es ist interessant zu sehen, nach welchen Regeln Blattform,

Verzweigung oder Geruch vererbt werden und oft entstehen

zufällig neue, interessante Sorten.“, schwärmt sie. Mit ein

wenig Geschick kann der erfahrene Grower die positiven

Merkmale stabilisieren und züchtet somit seine eigene - auf

ihn abgestimmte – Sorte.

„Das war wieder einmal ein sehr interessantes Gespräch, aber

lass’ uns doch noch ein Weile hier sitzen bleiben und ein wenig

plaudern, wenn du nichts dagegen hast.“ „Gerne doch!“

Leider ist unsere Reihe nun zu Ende. Ich hoffe es hat euch

genauso viel Spaß gemacht wie mir den Erklärungen von Nils

und Julia zu lauschen und ihre schönen Pflanzen zu bestaunen.

Ihr könnt uns weiterhin im Forum auf der Internetseite

erreichen und schon auf neue Guerllia-Grow-Berichte auf

diesen Seiten freuen.

Mit hanfigen Grüßen

Das Guerilla Growing Team

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Auch drinnen wird angebaut

guerilla growing

9


10

jorges guerilla growing

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Doch halt, halt . . . das

ging nun für euch

sicher ein bisschen zu

schnell, oder? Hier

sehr ihr nochmals alle

„Bösen“! Angeführt in

schwarz von dem

verrückten WissenschaftlerDarThomasius,

begleitet von

Gefährten Anslinger

und der großen grauen

Maschinerie der

Bürokratie.

Jorges Grow Corner

Ist es ein Junge oder ein Mädchen?

Alle unter euch, die schon mal ein neu geborenes Baby gesehen

haben, können diese Frage sicher nachvollziehen. Denn es ist

schon ganz schön schwer, am Anfang das Geschlecht des Babys

zu erkennen. Außer, es ist in den typischen Farben (rosa oder

blau) gekleidet. Und genauso schwer ist das beim Hanf am

Anfang auch. Eigentlich noch schwerer. Denn erstens haben die

Pflanzen keine Kleider und zweitens gibt es immer wieder auch

Zwitterpflanzen.

Der weibliche Hanf produziert die Eizellen, die männliche den

Pollen. Wird die weibliche Blüte mit Pollen bestäubt, so kommt

es zur Samenbildung, und dann ist es aus mit dem Wunsch

nach „Sinsemilla“ (spanisch für „samenlos“), und auch die

THC-Produktion lässt nach. Deswegen ist es für die meisten

Grower wichtig, alle Männchen so früh wie möglich zu erkennen

und auszumerzen.

Beide, der männliche und der weibliche Hanf, haben eine

Vorblüte. Dieses Stadium wird bei Samen normalerweise nach

ca. fünf Wochen vegetativem Wachstum erreicht. (Schaue

vorsichtig an der 4. und 5. Nodie von unten an gezählt.) Nodien

sind die Wuchsknotenpunkte am Stamm, aus denen Blätter

und Äste wachsen. Die Vorblüten findet man am oberen Rand

dieser Knotenpunkte. Meist sind diese Vorblüten klein und

sehr schwer mit dem nackten Auge zu erkennen, deswegen

benutzen erfahrene Grower eine Lupe mit sechs- bis zehnfacher

Vergrößerung. Es handelt sich in der Regel um genau

eine Blüte.

Die männliche Vorblüte:

Sie zeigt sich als kleiner Wuchsknoten, an dem in der Regel

relativ spät genau ein kleiner Pollensack austritt, der wie ein

Mini-Football am Stiel aussieht. Dabei ist der Stiel aber dünn

und weich, der Pollensack hängt laternenartig herunter.

Gewinnen!

Gewinnspiel präsentiert von:

GHE

www.eurohydro.com

Weibliche „Sinsemilla“-Blütenspitze

Jorges Grow-Frage des Monats:

Wie beeinflusst die Hydroponic die

männliche Pflanze?

1. Preis : 1 AquaFarm + 1 Tripack Flora

2. bis 4. Preis: 1 Tripack One Part +

je 1 Bio Booster 30 ml

Die Preise werden unter allen richtigen Antworten, die bis

zum 30. August an gewinnen@hanfjournal.de gesendet

wurden, verlost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen

und alle Namen und Daten werden nach der

Verlosung wieder vernichtet.

Kleine weibliche Vorblüte: Blütenkapsel mit zwei V-förmigen, weißen Narben

Die weibliche Vorblüte:

Die einzelne weibliche Blütenkapsel sitzt genau am gleichen

Platz, aber sie ist birnenförmig, und oben ragen sehr

charakteristisch ein bis drei weiße Haare heraus, die Narben.

Aber Vorsicht: Die Narben entstehen manchmal auch erst lange

nach dem Einsetzen der Vorblüte. Und es wird leider noch

komplizierter: Manche weiblichen Vorblüten bilden nie Narben.

Also nicht voreilig aussortieren, wenn ihr nicht ganz sicher

seid. Wenn nicht absolut eindeutig zu erkennen ist, was es ist,

lassen vorsichtige Grower die Pflanze lieber bis zum Einsetzen

der richtigen Blüte stehen.

Die Blütephase:

Der Zeitpunkt, an dem eine Pflanze ihr Geschlecht „für immer“

offenbart, ist beim Einsetzen der Blütephase. In der freien Natur

setzt diese bei uns im Spätsommer (~August) ein, wenn die

Tage wieder merklich kürzer werden. Indoor wird die Blüte

durch das Umstellen des Beleuchtungsintervalls auf 12/12

eingeleitet. 12/12 bedeutet, dass die Zuchtlampe zwölf Stunden

an und zwölf Stunden aus ist. Nach Umstellen der Lampen

brauchen die Pflanzen noch ein bis zwei Wochen, bis sie die

ersten Blüten zeigen. Pflanzen, die in Hydrokulturen wachsen,

zeigen häufig ein paar Tage früher Blüten als Pflanzen aus

Erdkulturen.

Man kann dann an zahlreichen Nodien die Blüten oder

Pollensäcke sprießen sehen. Dann spätestens sollte die

Geschlechtsbestimmung kein Problem mehr sein.

Die männlichen Pflanzen zeigen ihr Geschlecht meist eine

Woche vor den weiblichen. Auch das Wuchsverhalten an sich

ist etwas anders. Sie werden meist etwas höher, verzweigen

nicht so sehr, und bilden weniger Blätter aus. In Relation zu

den weiblichen Pflanzen produzieren die Männlichen weniger

Blüten, und auch anteilig weniger aktive Wirkstoffe wie z. B.

die Cannabinoide.

Growing leicht gemacht!

Die männliche Vorblüte:

hier sieht man den Wuchspunkt

an der Nodie, wo der

Pollensack entstehen wird.

Ein kleines Bisschen ist schon

zu sehen.

Text: Jorge Cervantes

Übersetzung: Dirk Rehahn

Wenn die Pflanzen anfangen zu blühen, kann man

Veränderungen im Wuchsverhalten beobachten. Aber auch die

chemischen Prozesse innerhalb der Pflanzen selbst ändern sich.

Der Stängel streckt sich, die Blätter bekommen langsam immer

weniger Finger, die Cannabinoid-Produktion geht erst leicht

zurück, um dann wieder stärker zu werden. Die Bildung der

Blüten geht erst schnell, dann immer langsamer voran. Auch

der Nahrungsbedarf ändert sich. Die Produktion von Blattgrün

(Chlorophyll) geht zurück, damit auch der Bedarf an Stickstoff

(N). Für die Bildung der Blüten benötigt die Pflanze nun mehr

Phosphor (P). Ungefähr dann, wenn die ersten Blüten sichtbar

werden, ist es auch Zeit, den stark stickstofflastigen „Grow“-

Dünger gegen einen stark phosphor-kaliumlastigen Blütedünger

zu tauschen.

Als Letztes noch mal zur Erinnerung: Nicht alle Männer sind

böse! ;-)

memehr zum Thema:

mehr zum Thema:

mehr Bilder und Orginaltext (engl.) findet ihr unter

www.hanfjournal.de


Mensch, Alter!

die Maulhalde

Berlins

optisch

schönste

Wortband

„Deutschland vergreist. Die Windel-Industrie stellt auf

Senioren um.“ Die Schlagzeile trifft mich ungewöhnlich

hart, weil ich mich gerade alt fühle. Vermeine vom Schlag

der Zeile getroffen rückwärts zu taumeln. Taumle auch –

sitzend zwar, komme dann zu mir und stelle fest, dass ich

nur durch die unglückliche Verquickung eines zu schnell

getrunkenen Biers und die rasante Kurvenfahrt des

Nachtbusses ins Schlingern geraten bin. Ich fasse mich

wieder, schaue weiter in die Zeitung, fühle mich aber

immer noch alt. Nüchtern betrachtet hätte man es als

Müdigkeit bezeichnen müssen. Doch dafür ist es jetzt zu

spät. Die Schönheit der Chance, das Leben zu lieben, so

spät es auch ist, schreit mir Thees Uhlmann durch ein

dünnes schwarzes Kabel ins Ohr. Habe den Mann endlich

mal in die Tasche gesteckt, will ihm jetzt aber den Saft

abdrehen. Dann fällt mir ein, dass ich die Musik absichtlich

so laut gestellt habe, damit ich das Gespräch der

Jugendgruppe vor mir nicht mit anhören muss. Ich schließe

die Augen und gehe in mich. Dort ist es so dunkel, dass

ich sofort wieder aus dem Gleichgewicht komme. Mit

schmerzendem Kopf öffne ich ein Auge. Offensichtlich bin

ich von Sitz gekippt und liege jetzt seitlich im Gang. Wann

war dieser Tag eigentlich vom rechten Weg abgekommen?

War es, als ich knapp die letzte Bahn verpasste oder bereits

davor, als ich mir beim Tanzen den Fuß verknackste? War

es, als ich die Bierflasche mit zuviel Schwung auf die Bar

stellte und sich die Schaumfontäne mehr oder weniger

direkt in den Schoß meiner Nachbarin ergoss, oder hätte

ich erst gar nicht nach Potsdam fahren sollen?

Alle meine Freunde hatte ich angerufen: „Willst du nicht

mit mir auf dieses Super-Konzert kommen? – Nee? – Wie

jetzt, müde? – In letzter Zeit immer so schlapp!? – Echt?

– Aber dein Auto, kann ich . . . – Nein? – Na, dann . . .“

mir doch egal, habe ich gedacht. Ich kann auch allein Spaß

haben, so alt bin ICH noch nicht. Ich rock’ das. Und dann

habe ich mal Blick auf den Nachtfahrplan geworfen. Mist,

habe ich dann gedacht. Dreieinhalb Stunden mit dem

Nachtbus? Viermal umsteigen? Halb fünf im Bett? Das

kann doch nicht wahr sein. Musste wohl zeitiger los. So

jung bin ich nun auch nicht mehr. Wenn ich eine Nacht

nicht schlafe, brauche ich doch wieder drei Tage, um mich

davon zu erholen.

An die kommenden drei Tage, die ich nur halb durch nur

halb geöffnete Lider erleben werde, denke ich auch jetzt,

während ich mich aus dem Gang wieder auf den Sitz

schiebe. Und ich nahm mir die Zeit, um Zenit zu

buchstabieren, schreit mir Herr Uhlmann dabei ins Ohr.

Ja, Ja. Z-E-N-I-T. Früher brauchte ich mich von einer

durchgemachten Nacht gar nicht erholen. Dann brauchte

ich einen, jetzt schon drei Tage. Wann sich das so weiter

steigert, bedeutet eine durchzechte Nacht mit 38

zweieinhalb Wochen Koma. Erst als mir einfällt, dass die

Zeit, je älter man wird, auch umso schneller vergeht, kann

ich mich wieder etwas entspannen. Zweieinhalb Wochen

vergehen dann so schnell wie früher ein Tag. Es gleicht

sich alles aus, denke ich zufrieden. Gar nicht so schlecht

das Leben, alles ganz clever eingerichtet. So versöhnt,

schmiege ich den Kopf an die angenehm kühle Scheibe

und schlafe sofort ein. Irgendwann später wache ich wieder

auf – in Potsdam.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Dr. med. Franjo Grotenhermen

ist Mitarbeiter des nova-Instituts

in Hürth bei Köln und Vorsitzender

der Arbeitsgemeinschaft

Cannabis als Medizin (ACM).

cool tour

Dr. med. Franjo Grotenhermen klärt auf:

Klüger werden mit dem Hanf Journal

Ist Kiffen gesünder als Tabak zu rauchen?

Beim Rauchen von getrockneten Pflanzen entsteht eine

Vielzahl von Verbrennungsprodukten. Viele sind schädlich

für die Schleimhäute, wie beispielsweise polyzyklische

Kohlenwasserstoffe und Nitrosamine. Diese Substanzen

entstehen bei der Verbrennung von Tabak, Cannabis und

anderen Pflanzen. Legt man die gleiche Menge zugrunde,

dann werden beim Rauchen von Cannabis mehr schädliche

Verbrennungsprodukte aufgenommen als beim Tabak-

Rauchen. Allerdings raucht ein Cannabis-Konsument im

Durchschnitt weniger als ein durchschnittlicher

Tabak-Konsument,

sodass Cannabis-Raucher im

Allgemeinen weniger schädliche

Verbrennungsprodukte inhalieren als

Tabak-Raucher.

Die qualitative Zusammensetzung des

Cannabis-Rauches ähnelt der von

Tabak, mit dem wichtigsten

Unterschied, dass Cannabis-Rauch

Cannabinoide enthält, während

Tabak-Rauch Nikotin enthält.

Cannabis-Raucher inhalieren aber aus

verschiedenen Gründen mehr

schädliche Stoffe als Tabak-Raucher.

Die beiden bedeutenden Krebs

erregenden Substanzen Benzanthrazen

und Benzpyren (wichtige

Bestandteile des „Teers“) liegen im

Cannabis-Rauch in einer höheren

Konzentration vor. Während Tabak-

Zigaretten meistens gefiltert werden,

sodass ein großer Anteil des schädlichen Teers im Filter

hängen bleibt, macht die Filterung von Cannabis keinen Sinn,

da nicht nur der Teer, sondern auch ein großer Teil des THC

im Filter bleiben würde. Auch das längere Einbehalten der

Luft beim Cannabis-Rauchen vergrößert die Teer-Ablagerung

auf den Schleimhäuten. Aus diesen Gründen werden beim

Rauchen einer Cannabis-Zigarette etwa zwei- bis viermal

soviel an Krebs erregenden Substanzen in die Lunge

aufgenommen wie beim Rauchen einer Tabak-Zigarette.

Leider kann man daraus nicht schließen, dass eine Cannabis-

Zigarette so schädlich wie zwei bis vier Tabak-Zigaretten ist.

Es ist allgemein bekannt, dass das Rauchen von Tabak eine

chronische Bronchitis (Raucherhusten) verursachen kann

und das Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs,

Mundkrebs und anderen Krebserkrankungen erhöht. Auch

das Rauchen von Cannabis geht vermehrt mit einer

chronischen Bronchitis einher. Allerdings ist eine Zunahme

des Krebsrisikos bisher nicht nachgewiesen. Es gibt zu diesem

Thema zu wenige Studien, und die wenigen, die es gibt,

haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt.

So hatte beispielsweise eine Studie mit 173 Menschen, die

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Zur selben Zeit, an

anderem Ort waren die

E-Woks auf der suche

nach dem magischen

Pilz namens Tod oder

Toad, sie waren sich

da nicht so sicher.

an Mundkrebs litten, aus dem Jahre 1999 ergeben, dass

Cannabis-Konsum das Krebsrisiko verdoppelt hatte. Unter

den Mundkrebs-Patienten waren nämlich doppelt so viele

Cannabis-Konsumenten wie in einer gesunden Kontrollgruppe.

Nach einer anderen Studie aus dem Jahre 2004 mit

407 Mundkrebs-Patienten war das Rauchen von Cannabis

jedoch nicht mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung

von Mundkrebs verbunden. Dr. Stephen Schwartz, einer der

Autoren der Studie, erklärte zu ihrem Ergebnis, sie mache

eine sehr zuverlässige Aussage

darüber, dass es keinen Zusammenhang

zwischen Cannabis-Rauchen

und Mundkrebs gebe. Da sich unter

den Studienteilnehmern jedoch nur

wenige starke und langzeitige

Cannabis-Konsumenten befanden, sei

es allerdings unklar, ob sehr starker

Konsum über viele Jahre mit einem

erhöhten Risiko für Mundkrebs

verbunden sei.

Insgesamt gibt es wenige Beweise

dafür, dass das Rauchen mäßig großer

Cannabis-Mengen das Krebsrisiko

erhöht, bei starkem Rauch-Konsum

erscheint dies jedoch möglich.

Um den möglichen Schaden durch

das Rauchen zu verringern oder zu

vermeiden, können mehrere

Strategien verwendet werden. So kann

durch die Verwendung besonders

THC-reichen Cannabis die gerauchte

Gesamtmenge verringert werden. Viele Konsumenten filtern

den Rauch in Wasserpfeifen, was jedoch keine wirksame

Strategie darstellt. Zwar werden gasphasige Gifte wie

Kohlenmonoxid und Nitrosamine reduziert, die

polyzyklischen Kohlenwasserstoffe und andere festphasige

Gifte werden aber nicht entfernt. Untersuchungen haben

sogar ergeben, dass mehr THC als Teer entfernt wird. Gut

geeignet sind dagegen Geräte zur Verdampfung von

Cannabis-Kraut, so genannte Vaporizer. Dabei wird das Kraut

auf 180 bis 190 Grad Celsius erhitzt. Bei dieser Temperatur

verdampfen die Cannabinoide, sodass sie inhaliert werden

können, ohne dass Verbrennungsprodukte entstehen. In einer

Untersuchung bestand der Dampf zu mehr als 95 Prozent

aus Cannabinoiden, während Cannabis-Rauch nur zu 12

Prozent aus Cannabinoiden bestand. Den weitaus größten

Teil des Rauches machten giftige Verbrennungsprodukte aus.

Die einfachste Strategie zur Vermeidung möglicher Schäden

durch das Rauchen ist das Essen oder Trinken von Cannabis-

Produkten.

11


12

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Doch auf einmal

entdeckten die Bösewichte

den Kleinen

Joint und mussten ihr

Ziel der Begierde

ändern. Schließlich

erhoffte sich

DarThomasius davon

höhere Fördergelder.

cool tour

Wie gut, dass ich diese Kritik - wohl eher dieses Lob, um meine

Meinung mal vorwegzunehmen - erst für die August-Ausgabe

verfassen konnte. Denn sonst wäre der Four Music-Abend im

Berliner Magnet Club, an dem mich Sedoussa zwischen Franky

Kubrick und Clueso auch live in absolute „Verzückung“ brachte,

unerwähnt geblieben. Weiß bis heute nicht, ob es einen

ethymologischen Zusammenhang zwischen Bandname und

dem englischen „seduce“ gibt, doch zumindest an diesem

Abend hab ich mich von Celinas wunderschöner Stimme

verführen lassen. Denn diese Musik war voll mit Soul-Melodien,

Funk und R’n’B, die Texte hungrig nach Sinn und Suche, voll

Liebe und Hass, Witz und Wahnsinn, Verzweiflung und eben

auch Verführung. Ganz Berlin kam angerannt und fing Feuer.

- Auf ihrem Debutalbum haben Sängerin Celina, Drummer

Leon und Bassist Chriz aka Sedoussa zwölf wunderschöne

Songs in deutscher Muttersprache mit himmlischen sowie

markanten Harmonien eingespielt. Anfangs ist es tanzbar und

funky, wie beim heißen „Tanz mit mir“ und der ersten Party-

Single „Eins Eins Zwo“, bei „Zicken“ schiebt dann der Bass,

und später dominiert süßer Soul, der mit dem angejazzten

„Monster im Schrank“, dem abrechnenden „Allein“, der nach

Trost suchenden Ballade „Halt mich“ und dem rührseligen

„Warum“ eher zum Zuhören und Nachdenken anregt. Mein

Lieblingstrack ist mit Sicherheit „Alles dreht sich (um dich und

mich)“, da der Begriff „Soulmate“ auch für mich eine ganz

besondere Bedeutung hat. So ist das Debütalbum „Sedoussa“

zum Schmusen wie zum Arschwackeln äußerst empfehlenswert

und sehr sehr cool!

mehr zum Thema:

www.sedoussa.com

„Scheiße,

nicht schon

wieder!“

Sedoussa - Sedoussa

Roland Grieshammer

Was heißt eigentlich Kiffen auf Esperanto?

„Mehrsprachiges Drogenwörterbuch“ von Gereon Janzing

August ist Urlaubszeit! Wer kann, lässt Deutschland und den übelsten

Sommer seit langem hinter sich und zieht in die Ferne. Doch nicht

selten passiert es, dass man dort in der Fremde auch ein Fremdkörper

bleibt. Nicht zuletzt die Sprache stellt oft eine unüberwindliche Barriere

zwischen einem selbst und der einheimischen Bevölkerung. Da hilft

oft nur der Blick in den Vokabelteil des Reiseführers.

Doch was, wenn man zufällig auf der Suche nach was zu Kiffen ist?

Oder gerne die Wirkung desselben beschreiben möchte? Nach einer

Drogenvergiftung Erste Hilfe benötigt? Da hilft der Reiseführer für

gewöhnlich nicht weiter. Aber zum Glück gibt es ja jetzt ein

„Mehrsprachiges Drogenwörterbuch“ aus der Edition Rauschkunde.

Dieses kleine Büchlein hilft weiter, wann immer es um Drogen geht.

Und das auf Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Italienisch,

Russisch und sogar Esperanto. Zumindest im europäischen Ausland

dürfte man damit keine Probleme mehr haben. Und auch der

amerikanische Kontinent (Nord+Süd) ist damit wohl sprachlich

abgedeckt.

Das „mehrsprachige Drogenwörterbuch“ bietet nicht nur die

Übersetzungen zu 780 psychoaktiven Pflanzen (und anderen

Organismen) und aus ihnen gewonnenen Zubereitungen, sondern

auch ganz allgemeine Begriffe, die man als Nutzer dieser Substanzen

irgendwann einmal benötigen könnte. So erklärt es zum Beispiel was

„Gefängnis“ aber auch was „Schadensreduzierung“ in den sieben

Sprachen heißt. Und natürlich fehlen auch nicht die Übersetzungen

zu konsumbezogenen Redewendungen wie „Joint“ oder „Wasserpfeife“.

Das Beste an dem Ganzen ist, dass man für all dieses Wissen noch

nicht einmal viel Geld ausgeben muss. Fünf Euro kostet das Büchlein

nur. Und spätestens wenn man einem netten, aber schwerbewaffneten

Kolumbianer erklären muss, dass man nicht vorhatte sein Labor

auffliegen zu lassen, aber sich durchaus über was zu kiffen freuen

würde, wird man sich wünschen, man hätte diese fünf Euro ausgegeben.

Ferris MC - Ferris MC

Hatte ich nicht gerade erst ein Interview mit Ferris über sein

drittes Album „Audiobiographie“ geführt? Und schon liegt

das nächste Album vom „weißen Hai“ der Rap-Bundesliga

auf meinem Tisch bzw. im CD-Player, um mir die Ohren mit

Unterstützen Sie deshalb die politische

Arbeit des DHV, privat oder als Firma.

Email: buz@ hanfverband.de

Tel: +49 (0) 30. 44 71 66 53

Lettestraße 3

10437 Berlin

mehr Infos unter www.hanfverband.de

phatten Rhymes durchzuspülen. Hat wohl gerade eine sehr

produktive Phase, der gute Punkrapper. Vielseitig ist es wieder

geworden, da seine wie immer ausdrucksstarken Texte über

die unterschiedlichsten Beats laufen. Dafür zeichnen sich DJ

Stylewarz, DJ Thomilla, Tobitob, Such A Surge und Clas Bros.

verantwortlich. Die erste Single „Was wäre wenn . . .?“ gibt’s

hier in zwei Remixes (Ojatunes/Florizee). Bei „Größer als Gott

(HipHop ist . . .) rappt er darüber, wie er HipHop kennen

gelernt und gelebt hat. Neben „Augen zu“ finde ich persönlich

die inhaltsreiche Ballade „Spieglein, Spieglein“ am stärksten,

da ich hier wieder mal eine These vorfinde, die ich - wie so

viele - nur bestätigen kann: „Die Zeit heilt nur äußere Wunden,

die inneren begleiten dich, damit du deine Vergangenheit nicht

vergisst“. Abgesehen von jeder Menge HipHop zieht das

Rock’n’Roll-Tier der Klasse von ’95 mit „Besser als die Besten“

auch wieder eine derbe Punkrock-Nummer ab. Auch die Leser

unseres Hanf Journals werden Freude an diesem Album haben,

denn mit „Keine Macht den Drogen“ und dem „Kiffersong“

sind gleich zwei Tracks zum Thema produziert worden. „Im

Gegensatz zu mir seid ihr doch alle nicht ganz dicht, das is’

gleichzeitig die Moral von der Geschicht’!“. Denn Rest erzählt

euch ab dem 9. August Ferris MC besser selbst!

mehr zum Thema:

www.ferrismc.de

Gereon Janzing

Mehrsprachiges Drogenwörterbuch

Edition Rauschkunde

ISBN 3-930442-73-6

5 Euro

www.gruenekraft.com

Roland Grieshammer


Hanf Journal im Land der Wohnwagen

Amnesia@Amsterdam

>> Chill-Out im Herzen Amsterdams

Amnesia

Herengracht 133

Amsterdam

Wo lässt sich das Leben besser genießen? Wir sitzen in

der Sonne, schlürfen Mango-Shakes mit Strohhalmen

in Rastafarben, gucken über die Grachten und

diskutieren angeregt welchen Bestandteil der erlesenen

Karte wir zuerst zu uns nehmen wollen.

Ja, ihr habt richtig geraten: Wir sitzen in einem Coffee

Shop in Amsterdam und die Karte, deren Bestandteile

wir gerade diskutieren, ist das Hasch- und Gras-Menü

des Amnesias. Und glaubt mir, das ist eine Karte, die

zu diskutieren sich lohnt. Lauter auserwählte

Spezialitäten versuchen hier sich gegenseitig zu

überbieten.

Diese delikate Auswahl entspringt der Feder von Sissi,

der Besitzerin. Sie ist ein großer Fan der anregenderen

Sativa-Sorten. Dementsprechend gestaltet sich dann

auch das Menü. Wichtig ist ihr auch, dass sich die

einzelnen Sorten stark unterscheiden und kein

„Einheitsbrei“ verkauft wird. Außerdem vertreibt sie

nur auf Erde angebautes Gras, das gebietet ihr

ökologischer Anspruch. Auch Hasch kommt nicht zu

kurz. Das wird hier direkt aus den Herkunftsländern

(Marokko, Nepal) importiert. Alles in allem also ein

Shop für den echten Gourmet. Hier wird nur ausgewählt

delikates Gras verkauft. Dass es wirklich was taugt,

belegen die hochintellektuellen Gesprächsfetzen die

man im Anschluss an unsere nervenaufreibende „Gras-

Aussuch-Diskussion“ belauschen konnte: . . . Ähhh . .

. Ne? . . . Mmhm!

Die Besitzerin ist übrigens eine waschechte Bayerin,

das heißt man kann auch als deutscher Tourist eine

freundliche Beherbergung erwarten. Sie hat den Shop

mit Namen vor circa einem Jahr übernommen und es

jetzt schon zu einiger Berühmtheit gebracht in der

niederländischen Hanf-Szene. Beim letzten Cannabis

Cup durfte sie sogar als Celebrity Judge mitbewerten.

Ganz besonders spannend wird es im Amnesia, wenn

mal wieder zur Einführung einer neuen Grass-Sorte

eine Vaporizer Party ansteht. Dann ziehen die

freundlichen Vapor-Girls durch den Shop und

vaporisieren jeden, der nicht schnell genug in Deckung

geht.

Das Ambiente des Amnesia ist insgesamt sehr relaxt

gehalten. Man merkt, dass die Besitzerin sich dem

ChillOut verschrieben hat. Deshalb treffen sich hier

auch alle die auf eine solche Atmosphäre besonderen

Wert legen. Vom Arzt bis zum Schauspieler, von 25 bis

60 Jahre ist alles dabei. Und auch die Mischung zwischen

Touristen und Locals ist durchaus ausgewogen.

Also: Guckt es euch an, das Amnesia ist auf jeden Fall

einen Besuch wert.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Wir können auch anders

Immer wieder kommt es vor, dass

Menschen mir überzeugt schildern, dass

es keine guten deutschen Filme gäbe. Sie

hätten es schon mit so vielen versucht,

aber sie wären eigentlich alle Schrott. Viel

besser dagegen wäre Filme, wie

„Godzilla“, „Spiderman“ und „Vom

Winde verweht!“. Wenn man ihnen dann

auf den Zahn fühlt und einmal gute

deutsche Filme abfragt, glänzen sie meist

mit Unwissenheit. Denn um gute deutsche

Filme zu sehen, reicht es eben nicht die

Multiplex-Kinos abzulaufen, sondern es

gilt eben ausgewählte Videotheken oder

Programmkinos aufzusuchen. Den

deutschen Film, den ich euch am

dringensten ans Herz legen möchte ist

„Wir können auch anders“.

Dieser Film hat die spannende Zeit kurz

nach der Wende in ein Roadmovie durch

Ostdeutschland gepackt. Die beiden

Hauptdarsteller wurden dabei zum

Analphabetismus verdammt, da der

Regisseur Detlev Buck der Auffassung war, dass man in

Deutschland ein Roadmovie nur mit Leuten drehen könne, die

nicht lesen können, denn die anderen kapieren die Schilder

und sind in sechs Stunden da, wo sie hinwollen. Tja, Pech

gehabt. Mit diesem Handicap beladen, werden die beiden aus

dem Westen stammenden Brüder, der eine wurde gerade aus

der Irrenanstalt entlassen, mit ihrem Hanomag auf dem Weg

zu ihrem geerbten Haus geschickt. Dabei werden sie von einem

flüchtigen Sowjetsoldat gekidnappt, welcher der deutschen

Sprache nicht mächtig ist. Mit ihm zusammen gehen der etwas

Dümmliche und der etwas Dickliche durch so manches

Abenteuer und werden schlussendlich sogar als mutmaßliche

Terroristen gesucht.

Der Film besticht nicht nur durch seinen trockenen und

andauernden Humor, nein auch die einmalig aufgezeichnete

Zeitgeschichte ist phänomenal. Joachim Krol („Der bewegte

Mann“), schaffte mit diesem Film seinen Durchbruch und für

Detlev Buck war es wohl einer der ersten großen Kassenerfolge.

Jedoch, wie schon gesagt, eher im Programmkino, aber ich

kann euch den Weg dorthin nur empfehlen. Es rentiert sich

auch wirklich, denn meist haben auch diese Kinos einen

Monatskalender und noch viele viele weitere gute Film, die

nicht nur aus Deutschland kommen.

Jeder, der diesen Film gesehen hat, wird mir sicher zustimmen:

Wir können auch anders.

Werner Graf

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Und so kam es, dass

jede Gruppe auf die

Jagd nach der Erfüllung

ihrer Begierde

ging, ohne sich weiter

zu behindern.

cool tour

Sizzla - Jah Knows Best (Ras)

13

Dancehall fand ich bisher als Element im Jungle immer

hervorragend, wobei ich mit den Inhalten dieses Genres nicht

unbedingt konform gehe. Mit seinen Texten gegen Homosexuelle

und „die weißen Unterdrücker“ sorgt ja auch Sizzla

immer wieder für Kontroversen. Doch seine Tunes richten sich

vor allem gegen Polizeigewalt, Armut, Heimatlosigkeit, religiöse

und politische Unterdrückung, und so handeln seine aggressiv

und atemlos ins Mikro gebellten Texte nicht wie bei vielen

seiner Dancehall-Kollegen nur von Sex. Jah, der Gott der

Rastafaris spielt nicht nur im Titeltrack seines Albums eine

wichtige Rolle. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich Sizzla

ausdrücklich als politischer Künstler versteht, als einer, der

Stellung bezieht. Seit den neunziger Jahren gehört er zu den

Anführern des „conscious dancehall movements“, und die

neueste Kollaboration von Sizzla und seinem Entdecker und

Produzenten Phillip „Faris“ Burrell lässt ihn seine Philosophie

mit seinem berühmten Sing-Jay und neuen Gesangsformen

herausschmettern. Auch musikalisch versorgt er Dancehall

durch HipHop-Anleihen oder schräge Samples wie bei „I

Myself Know“ mit Frischzellen. Hart an der Grenze zum

Geniestreich steht Sizzlas bislang einzige Coverversion, bei der

ausgerechnet Bob Dylans Protestsong „Subterranean Homesick

Blues“ eine Dancehall-Infusion bekommt. Mit seinem neuesten

Output „Jah Knows Best“ beweist der Mann aus den Uptown-

Ghettos von August Town (Jamaika) einmal mehr, welcher

Stellenwert ihm zu Recht im Dancehall gebührt. Wicked, maan!

Roland Grieshammer


14

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Lecker schmecker

schmatz schmatz . . .

Fleiß hat eben doch

seinen Preis und so

werden die E-Woks mit

einem magic mushroom

belohnt, der in

Wirklichkeit Toad hieß.

cool tour

Zwei Ordensbrüder schleichen nächstens durch einen dunklen

Wald. „Sag mal”, flüstert Bruder Malafizius, „wie lange hält

der Umhang eigentlich den Regen ab?” „Ach so zwei Stunden

bestimmt!” antwortet Bruder Fidelius. „Na dann verfolgen wir

den Mörder weiter.” Der Umhang hielt gerade noch ’ne halbe

Stunde, und beide waren nass bis auf die Knochen.

Aber was soll’s. Es gibt Situationen, da macht einem gar nichts

mehr aus. Und das liegt nicht daran, dass man allzu tief ins

Glas geschaut oder viel zu viele Joints geraucht hat, sondern

nur daran, dass man in einem Larp gelandet ist. Larp? Live

Action Role Playing, zu deutsch Live-Rollen-Spiel. Was sich

dahinter verbirgt? Einige Leute bis Massen von Spielwütigen

treffen sich, um in einer ganz eigenen Welt zu sein. Eben dem

schnöden Alltag ein paar Tage zu entrinnen.

Und schon sind wir mittendrin. Wer oder was will ich auf dem

Spiel sein? Vielleicht einer der Brüder aus dem Orden der

Haschaschins, die sich an die Spuren des Mörders geheftet

haben? Oder lieber der Mörder selbst, was das Adrenalin im

Körper noch mehr rasen lässt? Allein, versteckt im dunklen

Wald bei strömendem Regen, wo jedes Rascheln das Blut in

den Adern gefrieren lässt. Okay, mag etwas übertrieben sein,

aber wirklich nur ein wenig. Denn der Nervenkitzel ist extrem.

Natürlich kann man auch einen Händler oder einen Barden,

der seine Lieder zum Besten gibt, spielen. Wem das zu

liebreizend ist, sollte es als Ork-Krieger, Dunkelelfen-Magier

oder gleich als Dämon probieren. Im Prinzip ist alles möglich.

Geregelt wird das üblicherweise von den Veranstaltern des

jeweiligen Larps. Also von Leuten, die sich eine Welt ausgedacht

haben, in der sie dann spielen: von Western bis Endzeit,

Mittelalter bis „Golden Twenties”. Damit das

Miteinanderspielen funktioniert, hat jede Spielleitung (Orgas)

ein Regelwerk. Darin stehen solche Sachen wie

Charaktererschaffung (funktioniert wie in jedem Fantasy-

Computerspiel), Kämpfen und Magie. Die funktioniert wirklich,

wenn gut gespielt.

Schlacht bei Vardenheym (1993)

“Plötzlich fasst sich Bruder Fidelius an die Brust und sackt in

sich zusammen, noch die Worte „Finitum Est! Stirb den

zwanzigfachen Tod!” in den Ohren, leise vor sich hinröchelnd.

Nur gut, dass Bruder Malafizius ein paar Heiltränke dabei hat.

Ein hinterhältiges Lachen entfernt sich . . .

Manche Orgas ziehen Spiele vor, in denen es mehr um Ambiente

geht, wie zum Beispiel Ritterspiele. Dort sind dann auch eher

Leute zu finden, die gerne konsumieren, die sich nicht im Wald

auf die Suche nach Mördern machen, sondern sie frei Haus

geliefert haben wollen nd auf ihr warmes Abendessen nicht

verzichten können. Hier treffen sich Edelmann und Burgfräulein

nebst Knappen und Gefolge. Was für Leute mit Geld, aber

wenig Fantasie.

Dann sind da die Spiele, in denen es darum geht, die erdachte

Welt lebendig werden zu lassen und zwar mit Gut und Böse

aber vor allem mit dem, was dazwischen liegt. Da trifft man

Bettler genauso wie doppelköpfige Oger, Snotlinge, Drax,

Bankiers, Piraten oder durchgeknallte Zwerge je nach setting.

Diese Spiele haben ihr eigenes Ambiente und leben von der

Interaktion der Spieler. Denn die Beteiligten spielen nicht nur

ein Spiel, sondern machen die Geschichte der jeweiligen Welt.

Natürlich entwickelt sich auch der Charakter weiter bis zu

seinem glorrreichen Ende (im Bett gemeuchelt zu werden ist

da eher frustrierend).

Langsamen Schrittes kommen die beiden Haschaschins an

eineKreuzung, wo sie auf eine Gruppe befreundeter Orks

treffen, die für ein paar Goldstücke die Verfolgung des Mörders

übernehmen. Und schon waren die Orks im Wald

verschwunden . . . Lange waren sie noch zu hören.

Zurück zum Anfang. Hat man sich entschieden auf ein Spiel

zu fahren, meist irgendwo mitten in der Pampa, braucht es

einige Zeit der Vorbereitung. Denn das Outfit sollte mit der

ausgewählten Rolle schon übereinstimmen. Ein Ordensbruder

in Lederhose sieht schon etwas komisch aus. Und je mehr man

sich mit Klamotten, Ausrüstung und Accessoires schmückt,

umso einfacher kann man sich in die Rolle einfinden. Wenn

dann noch ein kleiner Sprachfehler dazukommt . . . Perfekt.

„Da isser, da hinterm Baum”, und schon rennen alle Orks mit

gezogenen Waffen los und holen den flüchtenden Mörder ein.

Ein paar Hiebe genügen, um den nur mit einem Dolch

bewaffneten Schurken niederzumetzeln. Mit dem Leichnam

geht es grölend zurück ins Dorf.

Waffen kann man wie auch die Klamotten kaufen, Selbermachen

ist spaßiger und billiger. Um die Verletzungsgefahr so gering

wie möglich zu halten, werden Larp-Waffen verwendet.

Das sind mit Lattex überzogene Schwerter, Äxte, Keulen . . .

aus Schaumstoff. Und wenn die gut gemacht sind, sehen die

verdammt echt aus. Wer Lust hat einen echten Kämpfer zu

mimen, muss trotz allem mit ein paar blauen Flecken rechnen

oder sich ’ne Ritterrüstung kaufen und damit die Berge

erklimmen . . .

Höchst erfreut über die Ergreifung des Mörders richten die

Haschaschins noch am gleichen Abend ein rauschendes Fest

aus, bei dem alles was zwei Beine hat einen über den Durst

trinkt und die Rauchschwaden bis ins Nachbardorf ziehen . .

. Mit einem Mal - eisige Stille . . .

So besteht jedes Spiel aus vielen kleinen Geschichten, die zu

Begegnungen und Auseinandersetzungen zwischen den

Spielern führen. Alle zusammen versuchen auf die eine oder

andere Weise Einfluss auf das Spiel zu nehmen, was sich

auf Abwegen

Nächtliche Meuchler und stotternde Zwerge

Ein Dunkelelf im Tempel Aracalions (Ragbonumen 2004)

Der Orkclan zu Ragbor (Torosh I 1999)

wiederum in der Weltgeschichte niederschlägt. Natürlich hat

die Spielleitung vorher die Fäden gesponnen, aber wie die

Geschichte endet, liegt in der Hand der Spieler . . .

Wir verabschieden uns jetzt mal und fahren für ein paar Tage

nach Baltopolis in Adalonde. Aber vorher gibt es noch ein paar

Links für euch.

Adalonde ist z. B. die Welt der Dilettanten (www.dilettanten.de),

andere Welten findet ihr unter www.phoenix.de, www.rulos.de

oder www.westernspiel.de. Allgemeines gibt es unter www.larpwelt.de.

Wann und wo Larps stattfinden, steht im

www.larpkalender.de. Erste Anregungen fürs Schneidern und

Waffenbauen gibt es unter www.markoschenheim.de. Falls ihr

was sucht, gebt www.fantaseek.de. ein.

Veit Schnetker und Kerstin Koch


Auf folgenden Seiten findet ihr Texte und Artikel, die in den jeweiligen Regionalteilen Berlin, Austria, Pot oder Seedwest erschienen sind.

Legaler Hanfanbau

für alle!

Hanf darf legal angebaut werden! Voraussetzung dafür ist

allerdings eine Anbaugenehmigung des Bundesinstituts für

Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Wir berichteten in unserer Januarausgabe über „Robert Jaroschs

Kampf um den Führerschein“ (Anm. d. Red.: auf

www.hanfjournal.de nachzulesen) mittlerweile hat er diesen

zurückerobert. Nur reicht das dem Mainhausener nun nicht

mehr. Er will mehr! Er will alles! Er will legal Hanf anbauen

und das nicht nur für sich selbst, sondern wir alle sollen das

dürfen. Scheint, als hätten die Repressionisten dieses mal den

„falschen“ Kiffer gestresst: Ein Kiffer der sich wehrt! Ein Kiffer,

der um seine Recht kämpft! Bravo Robert!

Robert hat vor einiger Zeit einen Cannabis-Anbau-Antrag

gestellt und zwar für 20 Pflanzen zum Genussmittel-Eigenbedarf.

: „Ein öffentliches Interesse liegt vor, wenn die eine sachliche

Entscheidung mehr öffentlichen und gesellschaftlichen Zielen förderlich

ist als eine andere. Den beantragten Anbau zu genehmigen dient

dem öffentlichen Interesse, im Sinne:

1. einer Stärkung und Stabilisierung der Normakzeptanz und

Normtreue der Bevölkerung

2. einer Reduzierung der Kosten der Strafverfolgung und des

Justizwesens bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz dieses Sektors

3. einer Reduzierung von Kriminalität und Kriminalitätsangst und

4. der Verbesserung der Volksgesundheit und damit einer Reduzierung

der Kosten im Gesundheitswesen.“

Außerdem: „Strafrecht, das nicht wirkt, wird zum Symbolhandeln

und die (wenigen) gefassten „Täter“ bringen, da an ihnen das

Strafrecht exemplarisch statuiert wird, ein reales Opfer. Niemand

vertritt ernsthaft die Ansicht, mit dem heute geltenden BtMG den

Cannabis-Konsum wirklich reduzieren zu können. Dazu sind in der

Mediengesellschaft die dieses Verbot tragenden Vorurteile viel zu

leicht durchschaubar und überprüfbar geworden. Alleine die Politik,

die meint, gewissen Wählerschichten gegenüber verpflichtet zu sein,

ein kämpferisches Auftreten gegen Drogenmissbrauch an den Tag

legen zu müssen, profitiert von der Aufrechterhaltung der bestehenden

Rechtslage. Dies ist als Begründung für strafrechtliches Handeln des

Staates nicht ausreichend.“

Der Antrag wurde, wen wundert es, unsinniger Weise abgelehnt

und die BfArM hat dafür auch noch 50 Euros Bearbeitungsgebühr

verlangt! Robert hat daraufhin mit seinem Anwalt Dr.

Leo Teuter Widerspruch eingelegt und natürlich wurde auch

dieser abgelehnt. Ein Misserfolg also?

Nein! Durch ihre Initiative wurde der Weg für eine Klage gegen

die Ablehnung dieses Antrages geebnet. In erster Instanz wurde

diese Klage vom Verwaltungsgericht in Köln zwar abgewiesen,

aber mit folgender Begründung: „Die Erteilung einer einzelnen

Ausnahmeerlaubnis an den Kläger ist jedoch wegen ihrer

geringen Auswirkung nicht geeignet, diese Ziele zu erreichen

oder zumindest in nennenswerter Weise zu fördern. Vielmehr

könnte ein Einfluss auf Normakzeptanz, Kriminalität und

Justizwesen nur durch die Erteilung einer Erlaubnis an eine

Vielzahl von Personen erreicht werden.“ Nun geht es weiter

zum Oberverwaltungsgericht in Münster.

Dazu sagt Rechtsanwalt Dr. Leo Teuter: „Daraus ergibt sich,

dass ganz viele Anträge zusammenkommen müssen, um

Wirkung zu erzielen.“ Und genau deshalb müssen nun alle,

die legal Hanf anbauen möchten, diesen Antrag stellen. Und

keine Angst, das ist strafrechtlich nicht relevant! Alle Mitmacher

haben die Möglichkeit Hanf-Geschichte zu schreiben, denn sie

werden die ersten Kiffer sein die vollkommen legal ihr eigenes

Gras züchten dürfen! Euer „Seedwest“-Redakteur macht

jedenfalls mit!

Natürlich werden alle Anträge erst einmal abgelehnt! Und es

müssen 50 Euros gezahlt werden. Aber das sollte uns der Hanf-

Anbau wert sein, oder? Siegen Robert und seine Anwälte,

werden alle anderen Antragsteller und somit potenziellen

Kläger von RA Dr. Leo Teuter und RA Stefan Kristen

kostengünstig in einem Verfahren zusammengefasst. Wichtig

ist, dass ihr eine Kopie des elfseitigen Antrages an die Grüne

Hilfe Hessen sendet, damit dies dokumentiert ist! Der Antrag

kann unter www.gruene-hilfe.de heruntergeladen oder gegen

Einsendung von 2,50 Euros in Briefmarken bei der Grünen

Hilfe Hessen, Untere Fuldergasse 12 in 36304 Alsfeld,

angefordert werden.

Infos:

www.gruene-hilfe.de

Sokratis Zacharopoulos

Sie wird verharmlost, verleugnet und verschwiegen. Kaum ein Betroffener wagt ein Outing und

wenn er es tut, erntet er nur kopfschüttelndes Unverständnis. Kaum einer kennt die schlimmen

Folgen der notorischen Nüchternheit – und träges Rumstehen auf Tanzfläche ist hier nur die Spitze

des Eisberges.

Vorweg ein paar schockierende Zahlen:

Über 90 Prozent aller Verkehrsunfälle passieren unter ausschließlicher Beteiligung nüchterner Fahrer.

Nahezu 100 Prozent aller Selbstmordattentäter begehen ihre Tat nüchtern.

100 Prozent aller Kampfhund-Beißattacken werden von nüchternen Hunden verübt.

49 Prozent aller Nüchternen haben einen IQ von unter 100 Punkten.

Schon ein einziges Mal nüchtern sein kann zur lebenslangen Fortsetzung dieses Zustandes führen.

Zwei Aussteiger berichten von

ihrem Leidensweg

ueberregional

DER SPEICHEL

Die Seuche Nüchternheit

Man sieht: Die Folgen der Nüchternheit gehen

weit über das Vorstellungsvermögen von Otto

Normalbürger hinaus. Und dennoch gibt unser

Staat keinen Cent dafür aus, die Menschen über

die fatalen Folgen dieses Zustandes aufzuklären,

noch sie per Prävention davor zu bewahren.

Zum Glück geht der Trend unter Jugendlichen

wieder hin zum Rausch. Das ist gerade deshalb

besonders wichtig, weil dauerhafte Nüchternheit,

besonders in jungen Jahren, Entwicklungsstörungen

verursacht. So konnte herausgefunden

werden, dass junge Erwachsene, die während

ihrer Pubertät sich ausschließlich an Norm und

Gesetz halten, weniger konfliktfähig und

ausgereift sind. Entwicklungsstörungen wegen

mangelnder Erfahrung und ein extrem

schüchternes Verhalten stehen auf der

Tagesordnung. „Ihnen fehlt einfach die experimentelle

Phase.“, meinte ein einschlägig bekannter

Professor, der an dieser Stelle ungenannt

bleiben will, da er die Streichung von Fördermitteln

befürchtet.

Doch nicht nur der Einzelne hat mit schlimmsten

Nebenwirkungen zu rechnen, auch die

Gesamtgesellschaft leidet unter dem Trend zur

Abstinenz. Deutschlands Wirtschaft liegt am

Boden und das ist kein Wunder, denn die

Nüchternheit schlägt sich direkt im Bruttosozialprodukt

nieder. So beschwerte sich der Kneipenbesitzer

bei uns ums Eck, dass er seine „komplette

Existenz durch all diese Nüchternen gefährdet“

sehe. Und die Pharma-Industrie lies uns wissen,

dass der dauerhafte Verzicht auf chemische

Substanzen zu einer erheblichen Verringerung

der Lebensspanne führen kann. „Ein Leben ohne

Chemie können wir uns nicht vorstellen!“,

diktierten sie uns ins Notizbuch.

Das Problem ist schlimmer als bisher angenommen.

Doch ernst nimmt dies derzeit keiner.

Weder in Beratungsstellen, die fast jeden

Nüchternen wieder nach Hause schicken, noch

in den Behörden, die in amtlichen Statistiken

nicht einmal die Nüchterntoten ausweisen.

Medial ist dies der erste uns bekannte Artikel,

der sich mit den Folgen der Nüchternheit

beschäftigt. Forschungsaufträge und ähnliches

sind uns nicht bekannt. Doch dieses Thema muss

aufgearbeitet werden und ihr könnt sicher sein,

wir bleiben für euch am Ball!

eure grossstadtsurvivor

Die beiden von uns interviewten Personen möchten aus verständlichen

Gründen ungenannt bleiben. Wichtig zu wissen ist aber, dass sie weit über

die Hälfte ihres Lebens in nüchternem Zustand verbracht haben und auch

heutzutage noch hin und wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Denn der Ausstieg ist schwer und selten endgültig. Doch lassen wir sie

selbst berichten.

Der Speichel: Hallo ihr beiden! Zuallererst mal: Wielange genau habt

ihr denn jetzt eigentlich nüchtern gelebt?

Mr.X und Mr.Y: Beinahe 16 Jahre. Das war eine wirklich harte Zeit. Die

Partys waren lahm, das chillen ungemütlich und von unserem

Selbstbewusstsein wollen wir hier erst gar nicht reden.

Der Speichel: Nun mal von Anfang an, wie kams dazu, dass ihr nüchtern

wurdet?

Mr. X.: Nun, eines Tages hatte ich eine Erscheinung. Marion Caspers-

Merk kam zu mir angeflogen und bekehrte mich in meinem kompletten

Leben nie wieder Drogen zu konsumieren.

Mr. Y.: Bei mir war es die Erziehung. Meine Eltern legten von Anfang an

Wert auf ein nüchternes Leben. Das konnte ja nur schief gehen.

Mr. X.:: Ja, ja die Spießer-Gerneration eben.

Der Speichel:Und wie wirkte sich die Nüchternheit auf euer soziales

Leben aus?

Mr. Y.: Mir ging es total dreckig. Ich hatte keine Freunde, weil ich ja

überhaupt nicht wusste, was ich mit denen hätte anfangen sollen. Ich hatte

auch generell wenig Spaß am Leben und hab oft über Selbstmord

nachgedacht.

Mr. X.: Überlegen sie mal, wie soll man so eine Freundin finden? Das wird

dann alles nur noch schlimmer, denn je mehr ich auch ausgestoßen wurde

desto nüchterner wurde ich.

Der Speichel: Und wie kam es dann, dass ihr euch von der Nüchternheit

abgewendet habt?

Mr. X.: Nun, in Berlin gibt es eine neuartige Therapie: Die Grosstadtsurvivung,

zwei hervorragend Ausgebildete Drogenuser und Lebensgenießer führen

einen dort in die reale Welt zurück.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

15


16

ueberregional

Auf zum letzten Weltwunder Die Legende vom Hanf- und Sonnenblumen-Labyrinth

Mensch, da schau her, ein Hanf- und Sonnenblumen-Labyrinth.

Das sind ja gleich drei dolle Sachen in einer Zeile! Doch nicht

nur das, es geht noch weiter. Denn der Überschrift dieses

Artikels entspricht doch tatsächlich ein real-legal-existierendes

Phänomen. Nix mit Fiktion oder Utopie; es geht hier um die

pure Realität!

Wir leben bekanntlich in einer Zeit, wo Orte, an denen Sein

sein gelassen wird, rar gesät sind. Unkonventionelle

Lebensweisen mitsamt einer Reihe alternativer Lebensbezüge

sind in weiten Teilen der Welt illegalisiert oder häufig durch

Repressionen sanktioniert. Doch vereinzelt wirft die Welt ihre

Wunder vor unsere Sinne. Aber auch nur dann, wenn wir

diesen Wundern auch Beachtung schenken. Denn es gibt sie

noch, einzelne Oasen in der rasenden Wüste der Moderne, wo

man die Seele baumeln lassen kann. Einen kleinen Ort namens

Billerbeck gebe es, so berichten die Schriften, die heutzutage

auch als „Flyer“ bezeichnet werden. Die Legende besagt von

diesem Orte nahe Münster, dass dort sagenhafte und

wundervolle Gewächse gedeihen, wie man sie in unseren

Breitengeraden leider nur allzu spärlich zu Gesicht bekommt.

Wie das möglich ist? Nun, indem man der Beamtenwelt

gegenüber die Gestalt eines Vereins annimmt. Gemeinsam und

Kollektiv erreicht man eben mehr. Auf diese Weise machen es

die Labyrinthe Münsterland e. V., deren gemeinsames Ansinnen

der biologische Anbau all ihrer Pflanzen ist. Der Verein, der

sich aus den einzelnen Labyrinthen synergiert, verzichtet

gänzlich auf Chemikalien zur Düngung der Gewächse und zur

Unkrautvernichtung. De-industrialisiertes Wachstum und freie

Entfaltung der Kräfte der Natur sind hier die Maximen. Und

genau hier sind die belebenden Oasen der Natur zu finden.

Ruhe-Inseln inmitten der Felder, Sitzgelegenheiten, Anregungen

zur Meditation, ein Kaffeegarten zum Verweilen zwischen

Gänsen, Hühnern und Katzen – ein inspirativer Ort für alle,

die Natur (er)leben wollen. Eine nahezu paradiesische Idylle,

so berichtet die Legende weiter, für Ruhe und Entspannung,

die man braucht, um seinen eigenen inneren Schatz zu suchen

und zu finden.

WBC - We Burn Connected

Ist ja irgendwie auch viel schöner, als alleine zu paffen. Sind

die Sit-Ins dabei noch produktiv, dann können daraus viele

verschiedenste Ableger erwachsen. Denn Meckern alleine bringt

es nicht, das kann jeder. Schafft man es aber diese „Meckerei“

in positiv-reflexive Rap-Lyriks zu transferieren, erreicht man

viel mehr Leute, anstatt sich die ganze Zeit seinen destruktiven

Film zu schieben.

Es gibt viele verschiedene Wege, um die

Welt zu verändern. WBC hat sich für HipHop

entschieden.

Seit 1998 werden unter dem Namen WBC Konzerte, Jams,

Vorträge und Workshops organisiert. Die Wurzeln der Aktivisten

und Künstler liegen in den Städten Bremerhaven und

Wermelskirchen und reichen zurück bis Mitte der 90er.

Connections bestehen unter anderem zum Rollrausch WK e.V.

Seit 2001 gibt es regelmäßige Teilnahmen an multikulturellen

Treffen, wie z. B. bei Antirassista-Meetings in der Toscana.

Wir brauchen keinen Krieg, um etwas zu

bewegen. Unsere Waffen sind Papier, Stift

und ein Mund zum Reden.

Ob als versammelter Haufen oder in einzelnen Splittergruppen;

die Idee des WBC-Gedankens ist mittlerweile zu einer

prachtvollen Blüte gewachsen. Man legt nicht nur Wert auf

einen vielfältigen Aktionsrahmen, sondern ebenfalls auf

qualitativ hochwertigen HipHop. Die Liebe zur Musik und vor

allem die Liebe zum Leben vereinen MCs verschiedenster

Abstammung und Sprachskills zu einem synergetischen Word-

Gewitter, das verkrustete und festgefahrene Wahrnehmungs-

Auf einem Teil der Felder sei seit dem Jahre 2000

bis zum Tage der Gegenwart auch Hanf gesät. Es

gebe eine offizielle Lizenz, welche der Beamtenwelt

gegenüber 100-prozentige Legalität garantiere.

Natürlich nur für den „impotenten“, aber dennoch

gern gesehenen Nutz-Hanf. Naturfreunde können

und dürfen (!) sogar, seitdem es die Lizenz gibt, in

einem übermannshohen Hanf-Labyrinth wandeln

. . . Die Idee eines Sonnenblumen-Labyrinthes hatte

Horst Bechtloff 1995, als er einen Hof und sechs

Hektar Land erwarb.

Mittlerweile wird den Besuchern eine Fülle von

Freizeitaktivitäten geboten. Angefangen von der

neu angelegten Kettcar-Bahn (inklusive Hindernis-

Parcours), kann man wahlweise die Heuburg oder

den Sinnespfad begehen, ins Tipi-Dorf trippen oder

auch mal im Kinderland rumflashen, wenn man

nicht gerade die Boule-Bahn nutzt, Großschach spielt

oder einfach nur ein Picknick im Freien macht.

Die Labyrinthe vereinen also Unterhaltung und

Freizeit als auch spirituelle und kulturelle Aspekte

miteinander. Polymorphologie als Schlüssel zu

amtlicher Akzeptanz. Die Webpage dieses wohl

einzigartigen Ortes gibt zudem satte 17 Seiten zur

Mythologie der Labyrinthe preis. Die Metaphysik

der Labyrinthe schafft es leider gerade einmal nur

auf spärliche zwei Seiten. Bei den Inhalten handelt

es sich keineswegs um intellektuelles Geschwafel,

sondern um kurze und knappe Skizzierungen der

weltgeschichtlichen Betrachtungsweise bezüglich

sozio-kultureller Funktion von Labyrinthen.

Nebenbei gibt es noch einen kleinen Exkurs über

die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen

dem Bild des Teufels und dem Mythos des

Minotaurus. Weiterführende Literatur-Tipps sind

auf der erwähnten Page zu finden. Summa

Summarum eine informative und übersichtliche

Seite.

Die diesjährige Labyrinth-Saison endet am Sonntag,

10. Oktober 2004, mit einer Sonnenblumenkern-

Ernte. Das andere Feld zu ernten würde nicht lohnen.

Begeht man diese Schandtat dennoch, so verfluchen

die Bewohner die Schandtäter bis in alle Ewigkeit,

so die Legende. Und da der Eintritt an sich auch

schon unverschämt günstig ist, sollten wir doch alle

überlegen, ob wir nicht an einem der folgenden

Termine ein finanzielles Opfer zu bringen vermögen:

Olympiade für Kinder und Erwachsene am 8. 8.;

das Handpuppentheater Charivari zeigt „Die

Zauberblume“ am 22. 8.; Indianertag am 11. 9.;

Performance und Diavortrag zu Chiapas/Mexico

am 12. 9. und und und . . . (weitere Termine und

Infos siehe unter www.sonnenblumenlabyrinth.de

/ www.hanflabyrinth.de)

muster dynamisiert. Ob Kopf

oder Körper: irgendwas ist

beim Hören der WBC-

Scheiben immer in Bewegung.

Rap ist Medizin

geschrieben für

Selbsttherapie. Rap

ist Energie für den

WBC

Adam Zawadski

Die Zeilen sind auf der „Unter

Druck“-Scheibe von 2003

durchgängiges Programm.

Street-Hop aus realer gesellschaftskritischer

Perspektive.

100 Prozent unverfälscht und

denkanstößig, nix mit Gehirn-

Wasch-Weichspül oder „Ich

hab’ dickere Eier als du“-

Gebattle. Die Beats und die

Sounds sind schon ganz gut

arrangiert und gewählt, aber

das geht bestimmt noch besser.

Jedenfalls ist durchgängig ein

eigener WBC-Style zu

erkennen und man kann den

Schweiß und die Mühe

zwischen den Takten heraushören.

Möglicherweise ist der

WBC die verarbeitende Antwort auf die faschistischen

Brandanschläge in Solingen.

Statt Angst brauchen wir Wahrheit und Liebe.

Nur so siegt über den

Terror der Frieden.

Das hört man. Nachdem ich einen persönlichen Zugang zum

WBC-Style aufgebaut habe und die Musik nun in mich

einwirken kann, burnen mich die Sounds und Lyriks um so

mehr. Wer auch mal in den Genuss von „Unter Druck“ kommen

will, kann jene für unglaubliche fünf Euro (inkl. Porto) unter

weburnconnected@web.de bestellen. Es lohnt sich nicht nur,

das ganze unterstützt zudem den jugendsozialen Nutzen des

WBC-Kollektives.

Mehr zum Thema:

www.weburnconnected.de

www.rollrausch.de.vu

A. Alien

Billerbecker Sonnegarten

Aulendorf 1

48727 Billerbeck

Opened: 26. 6 bis 10.10.

täglich von 10 bis 20 Uhr.

Montags Ruhetag.

Telefon: 0 25 34-83 98


ueberregional

„Zur Irrelevanz der Drogenpolitik“ Peter Cohen in Heidelberg

Eine öffentliche Vortragsreihe am Fachbereich Medizinische

Psychologie der Universität Heidelberg beschäftigt sich

gegenwärtig mit dem Thema „Rausch und Ritual“. Im Rahmen

dieser Reihe war am 14. Juli der Soziologe Peter Cohen zu Gast

in der Uni-Stadt. Cohen war lange Jahre Leiter des Amsterdamer

Instituts für Drogenforschung (CEDRO). Dort war er bereits

in den 70er-Jahren an der Entwicklung des bekannten

holländischen Coffee Shop-Modells beteiligt, für das Kiffer in

aller Welt bis heute dankbar sind. Und noch immer ist er in

seinem Forschungsbereich sehr aktiv und gilt hierzu als einer

der kompetentesten und spannendsten Referenten Europas.

Cohens wurde begrüßt durch die Gastgeber Prof. Rolf Verres

und Dr. Henrik Jungaberle. Unter den zahlreichen Gästen

befanden sich u. a. Tilmann Holzer, Vorsitzender des VfD und

der Autor und Verleger Werner Pieper.

Cohen begann seinen Vortrag mit einer Frage, die zunächst

einfach klingt, es aber in sich hat: „Woher wissen wir, dass

Drogenpolitik Effekte auf die Prävalenz hat?“ Prävalenz gibt

dabei die Anzahl der Menschen an, die in ihrem Leben, dem

letzten Jahr oder letzten Monat Drogen konsumiert hat und

wird deshalb in Lebenszeit-, Jahres- und Monats-Prävalenz

unterteilt. Der Eingangsfrage stellte Cohen denn auch gleich

seine Kernthese gegenüber: Drogenpolitik habe keine Effekte

auf die Prävalenz, sei also für die Anzahl der Drogenkonsumenten

irrelevant. Diese These sei erstmalig bereits Anfang

der 80er-Jahre durch den Kölner Professor Karl Heinz Reuband

aufgestellt worden. Allerdings sind erst in der neuesten Zeit

umfangreiche empirische Untersuchungen dazu durchgeführt

worden, von welchen Cohen im Folgenden zwei Beispiele

vorstellte.

Im ersten Fall handelt es sich um quantitative Untersuchungen

zur Drogenprävalenz in den USA und den Niederlanden. Dabei

stellte er Cannabis in den Vordergrund, ist hier doch der

drogenpolitische Unterschied am offensichtlichsten. Verglichen

wurden so z. B. die Werte der Lebenszeitprävalenz in den

Jahren 1997 und 2001. In der Gesamtbevölkerung nahm in

diesem Zeitraum der Anteil der Cannabis-Erfahrenen in den

USA von 33 auf 38 Prozent zu. In den Niederlanden stieg dieser

Wert lediglich von 17 auf 18 Prozent an. Besonders interessant

war in diesem Zusammenhang die Gruppe der Minderjährigen

von zwölf bis 17 Jahren. Während in dieser Altersgruppe der

Anteil der Cannabis-Erfahrenen in den Niederlanden von 14

auf elf Prozent sank, blieb er in den USA konstant bei 20 Prozent.

In den USA hat somit jeder fünfte Jugendliche schon mal gekifft,

in den Niederlanden nur jeder zehnte. Dieser etwa doppelt so

hohe Anteil an Kiffern zeigte sich auch bei der Monatsprävalenz.

Bei dieser Erhebung des aktuellen Cannabis-Konsums lagen

die Werte bei sechsProzent in den USA und in den Niederlanden

bei drei Prozent. Hat nun das Cannabis-Verbot in den USA die

Anzahl der Kiffer reduziert? Offensichtlich nicht. Daraus

allerdings abzuleiten, dass die Cannabis-Tolerierung in den

Niederlanden zu vermindertem Cannabis-Konsum führe, sei

nach Cohen aber auch nicht zulässig. Beim Alkohol z. B. liegen

die Prävalenz-Werte in den Niederlanden relativ konstant bei

etwa 90 Prozent, in den USA bei knapp

über 80 – obwohl das Alkoholregime dort

etwas strenger ist als in dem kleinen Land

zwischen Rotterdam und Groningen.

Die daraus abgeleitete These, wonach die

Prävalenz wahrscheinlich unabhängig von

der Drogenpolitik sei, wurde auch in der

anschließenden Diskussion von

verschiedener Seite bestätigt. So wurde

vorgebracht, dass die schärfsten Anti-

Drogengesetze der EU in Schweden und

Frankreich herrschten. Allerdings sei

Schweden neben Portugal und

Griechenland das europäische Land mit

dem geringsten Cannabis-Konsum,

während nirgends in der EU so viel gekifft

würde wie in Frankreich. Die Gesetze der

Drogenpolitiker könnten also nicht das

ausschlaggebende Kriterium für

Drogengebrauch sein.

Vielmehr stellte Peter Cohen die These auf,

dass aller Wahrscheinlichkeit nach

historisch gewachsene kulturelle

Einstellungen und Werte die Rolle und

somit die Verbreitung von Drogen

bestimmen. Zur Untermauerung dieser

These stellte er eine aktuelle vergleichende

qualitative Studie zum Drogengebrauch

in Bremen, Amsterdam und San Francisco

vor – drei Städte mit sehr unterschiedlichem

rechtlichem Umgang mit Drogen.

Für diese Studie wurden Interviews mit

Drogenbebrauchern zu ihrem Konsum,

ihrer sozialen Lage, ihren Einstellungen

und vielen anderen Dingen geführt. Die Ergebnisse zu Cannabis,

Kokain und Amphetamin befinden sich seit kurzem auf der

Homepage des Amsterdamer Drogenforschungsinstituts

CEDRO.

Die Antworten und Ergebnismuster sind in allen drei Städten

fast identisch. So wissen die Konsumenten z. B. von Cannabis

sehr viel über ihren Konsum, sind sich dessen aber nur relativ

wenig bewusst. Die drogenpolitischen Unterschiede sind für

die Entscheidung zum Drogenkonsum unerheblich. Vielmehr

steht die Funktionalität des Konsums stets im Vordergrund.

Einsteigerseminar Drogenpolitik

Der Arbeitskreis Drogen der Grünen Jugend Baden-Württemberg

veranstaltete am 17. und 18. Juli in Lauda-Königshofen (Main-

Tauber-Kreis) ein Einsteigerseminar zum Thema Drogenpolitik.

Als externer Referent war Carsten Labudda, Sprecher der BAG

Drogenpolitik in der PDS, eingeladen. Zunächst erarbeitete er

zusammen mit den Teilnehmern die drei wesentlichen

Richtungen in der Drogenpolitik: prohibitiv, medizinal und

permissiv. Danach wurden in einem Rollenspiel die Vor- und

Nachteile der beiden Extrempositionen, der drogenfreien

Gesellschaft auf der einen Seite und dem Leitbild des

drogenmündigen Bürgers und eines Rechts auf Rausch auf der

anderen, kontrovers diskutiert.

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Es geht den Konsumenten auf der einen Seite um eine

psychische Funktion, z. B.. Entspannung, und auf der anderen

Seite um eine soziale Funktion. Durch den Drogenkonsum

werden soziale Riten entwickelt, die Gruppen konstituieren:

„Mit diesen Leuten wird gekifft, mit jenen Bier getrunken und

mit anderen werden keine Drogen gemeinsam genommen.“

Zudem stellt der Drogengebrauch neben vielem anderen einen

sozialen Status dar. So, wie beim Essen die Beigabe eines guten

Weines eine Aussage zum Status markiert, findet sich das auch,

wenn ein edler Whisky präsentiert, eine kleine Line guten

kolumbianischen Kokains gesnifft oder der Sieger des letzen

Cannabis-Cups geraucht wird. Immer lauten implizite

Aussagen: „Ich habe hier was Besonderes“ und „Ich teile es

mit dir (bzw. euch)“. Die nicht-klinischen Konsumenten – also

die große Mehrheit – baut der Studie zufolge kein

problematisches, sondern ein funktionelles Verhältnis zu Drogen

auf. Dies zeichnet sich durch eine Vielzahl sozialer Kontexte

aus. Diese Kontexte stellen dabei eine wichtige Quelle zur

Normierung des Drogengebrauchs dar.

Die Bedeutung des jeweiligen Kontextes sei Cohen zufolge

nicht hoch genug für Konsumhäufigkeit und -muster zu

veranschlagen: „Kontext ist ein unglaublich wichtiges Element,

ob Probleme auftreten oder nicht.“ Er machte dies an einem

Beispiel deutlich. Es ist ein wichtiger Teil unserer Alkohol-

Kultur, dass wir unseren Kindern zeigen: Wir trinken Alkohol.

Dadurch ist Alkohol kein Tabu-Thema, was Kommunikation

zu diesem Thema erst ermöglicht. Andererseits findet sich

heute eine neue Tendenz, Alkohol vor den Kindern zu

verstecken. Darin sieht Cohen einen Fehler, denn die

Entkulturation führe zu höheren Abhängigkeitsraten.

Unproblematischen Alkoholgebrauch der Älteren zu tabuisieren

erhöhe die Wahrscheinlichkeit problematischen Konsums bei

den Jüngeren. Diese Erkenntnis, so Cohen, sei auch für andere

Drogen nötig. Allerdings würde eine solche Offenheit durch

Drogenverbote verunmöglicht. Deshalb plädierte Cohen: „Ich

bin für einen legalen Zugang zu allen Drogen“ und an anderer

Stelle: „Kriminalisierung ist ein Feind von Solidarität mit den

Schwächeren.“ Dabei, so Cohen, sollte in der Ausgestaltung

die jeweilige lokale Kultur die lokalen Regelungen bestimmen.

Infos:

www.cedro.uva.nl; www.ritualkongress.de

Carsten Labudda

Max Plenert, Sprecher des Fachforums Drogen der Grünen

Jugend Bundesverband, fasste danach noch einmal die

wesentlichen Punkte einer alternativen Drogenpolitik

zusammen. Außerdem präsentierte er eine erste Version eines

Grundsatzpapiers zur „Grünen Drogenpolitik“.

Abends wurde dann noch in gemütlicher Runde gefeiert und

diskutiert.

Am Sonntag stand dann Sokratis Zacharopoulos von der Hanf-

Initiative mit dem Thema „Drogen in der Öffentlichkeit“ auf

der Tagesordnung. Diskutiert wurde über die Titelstory des

„Spiegel“ „Die Seuche Cannabis“ (Anm. d. Red.: siehe Hanf

Journal, Juli 2004), den populistischen Forderungen des neuen

Innenministers Rech, Cannabis-Konsumenten grundsätzlich

den Führerschein zu entziehen und den Möglichkeiten in der

Öffentlichkeit wirksam Aufklärung zu betreiben. Außerdem

berichtete er über die aktuelle Sachlage beim Handel mit

psylocibinhaltigen „Zauberpilzen“.

Für den Gastgeber und frisch gewählten Sprecher des AK

Drogen Tilman Versch war das Seminar ein voller Erfolg. „Es

war ein gut besuchtes Seminar mit guten Referenten. Ich hoffe

sehr, dass dies der Startschuss für eine Vielzahl weiterer

Aktionen und Treffen ist“, meinte Versch zum Abschluss.

Infos:

www.gj-main-tauber.de, www.gruene-drogenpolitik.de

Interview mit Max Plenert

www.hanfjournal.de/seed-west/artikel-juli04-s2.html

Artikel über den „Spiegel“-Artikel

www.hanfjournal.de/news/artikel-juli04-s1.html

Max Plenert


18

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Endlich mal wieder ein

rauschendes Fest für

die E-Woks, oder

sollten wir nun lieber

Pilz-Woks sagen?

anderswo

Kanada:

Homegrowers Paradise Kanadas unendliche Weiten

Kanada: Ein Land, so liberal, wie kaum ein zweites. So schallte

es mir aus allen Ecken entgegen, als ich begann meinen Trip

zu planen. Doch: Kanadas beste Zeiten sind vorbei. Zwar erst

seit einigen Monaten, aber vorbei ist vorbei. Damals nämlich

war Cannabis-Besitz, gleich welcher Menge, in sämtlichen

Bundesstaaten nicht mehr illegal.

Das hört sich doch mal traumhaft an! Aber wie gesagt, diese

Zeiten sind vorbei. Die kanadische Regierung entwarf nämlich

eiligst ein Betäubungsmittelgesetz, das die medizinische

Verwendung von Cannabis erlaubt und somit nicht mehr

verfassungswidrig ist.

Ja, Kacke. Und trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen diesem

Land einen Besuch abzustatten. Denn immerhin soll es doch

nach wie vor eins der liberalsten Länder der Welt sein. Und

auch Michael Moores Lobeshymnen über die Angstfreiheit der

kanadischen Gesellschaft (beim Einkaufengehen werden z. B.

regelmäßig die Schlüssel im Wagen stecken gelassen) ließen es

für mich mehr als attraktiv aussehen.

Ein Urzeitgigant taucht auf

Doch schon bei der Einreise wurde mir relativ ruppig

klargemacht, dass dieser Besuch nicht dem Paradies auf Erden,

sondern auch nur einem gewöhnlichen Nationalstaat gilt. Denn

wie jeder Nationalstaat hat Kanada vor einer Sache richtig

Angst: Schmuggel.

So kam es dann, dass ich und alle meine Mitreisenden erst mal

unser gesamtes Gepäck zerpflücken lassen mussten. Eine

Gründlichkeit wie diese habe ich noch nie erlebt. Jedes mögliche

Versteck wurde auseinandergenommen. Und als die

Zollbeamten bei mir das Buch „Ecstasy“ von Irvine Welsh

fanden, war es mit der Zurückhaltung völlig vorbei. Zu dritt

wurde meine Tasche durchwühlt. Und als es dann nach

missglückter Suche ans Wiedereinräumen ging, waren alle

plötzlich viel zu beschäftigt um zu assistieren. Na danke, das

ist mal ein geiler Empfang.

Ich lernte jedoch schnell, dass diese Gestapo-Attitüde in Kanada

nicht sehr weit verbreitet ist. Der gewöhnliche Kanadier ist

nämlich Neuem gegenüber durchaus aufgeschlossen, und für

deutsche Verhältnisse beinahe beängstigend fröhlich. Wenn

man also zum Beispiel von der Supermarkt-Verkäuferin

plötzlich mit „Darling“ angesprochen wird, dann ist das kein

Ausdruck sexueller Frustration, sondern eben dieser

herzensguten Lebensart.

Meiner kleinen bescheidenen Theorie nach kommt dies davon,

dass die Kanadier so viel Platz haben um zu leben und sich

auszutoben. Unglaublich aber wahr: Hier leben durchschnittlich

drei Bewohner auf einem Quadratkilometer. Bei so viel Platz

braucht man sich nicht mehr gegenseitig auf die Füße treten

und kann das mit dem menschlichen Zusammenleben gleich

viel relaxter angehen.

Wer so viel Platz hat, hat natürlich auch massig Platz um Gras

anzubauen. Genau das tun die meisten Kanadier auch, und

zwar nicht zu knapp. Viele der Nachbarn von der netten kleinen

Farm, auf der ich letztendlich gelandet bin, hatten ihre eigene

Miniplantage. Da in den meisten Ecken Kanadas der Winter

länger dauert als bei uns, kann man dort (wegen der Frostgefahr)

zwar erst später aussähen, aber die von der geringen

Luftverschmutzung ungebremste Sonne holt das über den

Sommer hinweg problemlos wieder auf. Home Growing ist

(so kam es mir zumindest vor) der meistgenutzte der dortigen

Versorgungswege. Angebaut wird meist outdoor, denn

immerhin hat man ja Platz genug und muss sich auch um

zufällige Entdeckung so gut wie keine Sorgen machen. Und

selbst wenn, die kanadische Gesetzgebung ist in Bezug auf

Cannabis nach wie vor eine der liberalsten der Welt.

Aber das ist auch kein Wunder in einem Land das erstens in

einer langen Tradition der offenen Diskussion steht (immerhin

mussten sich einst britische und französische Besetzer

miteinander grün werden) und zweitens eine für ein westliches

Land ungewöhnlich tief verwurzelte Cannabis-Kultur besitzt.

Hier ist das Rauchen kein Privileg der Jüngeren und der

hauseigene Garten, wie gesagt, nichts Ungewöhnliches.

An Alkohol zu kommen gestaltet sich da wesentlich

problematischer. Genauso wie ihr Nachbarland, die USA,

pflegen die Kanadier einen ziemlich restriktiven Umgang mit

Spirituosen. Das Alter, ab dem das Trinken erlaubt ist, liegt, je

nach Bundesstaat zwischen 18 und 21 Jahren. Kaufen kann

man den Alk nur im Liquor Store, wo auch recht streng auf

das Alter geachtet wird. Kein Wunder also, dass so viele

Jugendliche ihr Heil bei dem wesentlich leichter erhältlichen

Gras suchen.

Das Beeindruckendste an dem ganzen Land ist aber, ganz dem

Klischee entsprechend, die Natur. Denn in diesem Land hat

sie zumindest noch die Möglichkeit sich gegen die erdrückende

Übermacht der Zivilisation zur Wehr zu setzen. Hier ist es

zumindest noch manchmal der Fall, dass bei einer

schicksalhaften Begegnung zwischen Mensch und Natur der

Mensch es ist, der aus Vorsicht ein paar Schritte zurückweicht.

Hier bei uns kennt man den Anblick wilder Tiere beinah nur

noch von den zerfetzten Leichnamen an der Autobahn. Was

aber, wenn man plötzlich nicht mehr der Überlegene ist, und

von Angesicht zu Angesicht, sagen wir mal, einem Bären

gegenübersteht? Auch wenn es mir persönlich nicht passiert

ist, ist es eine durchaus interessante Erfahrung, sich mit solchen

Fragen konfrontiert zu sehen.

Nicht nur das kanadische Festland ist von einer Artenvielfalt

bevölkert, die uns Europäern nur noch aus den vorigen

Jahrhunderten bekannt ist, auch die Gewässer um diesen Staat

sind ein wahrer Zoo. Verschiedenste Walrassen, Delphine und

anderes schwimmendes Gekräus bevölkern hier die Meere wie

bei uns Autos die Straße. Die Kanadier selbst leben damit

natürlich wie selbstverständlich, aber für meine

zivilisationsgeschädigten Augen war es doch ein erhebender

Anblick, einen Urzeitgiganten aus dem Meer auftauchen zu

sehen.

Ein schlafender Hummer

Alles in allem war es ein wunderschöner Trip, den ich jedem,

der von Handy-Terror und Straßenlärm die Nase voll hat, nur

empfehlen kann. Einfach mal raus aus der Zivilisation – ihr

glaubt gar nicht wie gut das tut.

Martin Schwarzbeck


Die Hanfberatung im Hanf Journal

>>Erste Hilfe für Kiffer

Ob auch in diesem August endlich einmal die Sonne

scheint, konnte Kascha R. uns leider nicht beantworten.

Dafür wusste sie aber sonst fast alles – zumindest wenn

es um Drogen ging. Das gibt uns zu denken . . . und

euch Hoffnung, denn auch für dich ist Kascha da, unter

hanfberatung@hanfjournal.de

Stefan, 27 aus Bochum fragt:

„Hallo Kascha,

sicher hast du auch im letzten „Spiegel“ die

erschreckenden Artikel über Kiffen gelesen. Meine

Freunde und ich haben uns sehr darüber geärgert. Da

die meisten von uns allerdings nach der Arbeit gerne

mal, und das schon seit Jahren, einen Joint rauchen hat

uns der Teil mit den Ratten ziemlich erschreckt. Stimmt

es, was „Der Spiegel“ dort berichtet, dass das auf Dauer

das Gehirn schädigt?“

Kascha beruhigt:

„Hi Stefan.

Die Studie der Uni Bremen, die in dem Artikel zitiert

wird, wird leider sehr entstellt wiedergegeben. Es wurde

den Ratten nicht, wie behauptet, die Menge THC

„entsprechend einem Joint“ täglich injiziert, sondern

eine synthetische Substanz, die nicht im Hanf vorkommt.

Diese Substanz wirkt etwa viermal stärker, sodass den

Ratten eine Menge zugeführt wurde, die einem täglichen

Konsum von mehr als drei Gramm bei einem

durchschnittlich schweren Menschen entspräche. Ein

durchschnittlicher europäischer Joint enthält weniger

als 0,5 Gramm Dope und wird meist nicht alleine

geraucht. Dass so eine krasse Menge auf Dauer, und vor

allem vor und während der Pubertät, nicht gut sein

kann, glauben wir gerne. Die größte Gefahr besteht bei

täglichem Konsum nach wie vor im Rauchen, was durch

den Gebrauch von Vaporizern oder das Essen oder

Trinken von Space-Cookies oder Haschisch-Kakao

weitgehend ausgeschaltet werden kann (wie die Hanf

Journal-Redaktion auch zur Zeit anschaulich vorlebt).

Mehr zum „Spiegel“-Artikel erfahrt ihr unter

www.hanfjournal.de“

Christiane (16) aus Würzburg fragt:

„Hey Kascha,

ich kiffe zwar nur jedes Wochenende, habe aber trotzdem ein

Problem. Ich ballere mich, wenn ich breit bin immer dermaßen

mit Süßigkeiten und Chips voll, dass ich echt Bedenken habe

auf Dauer aus dem Leim zu gehen. Nicht dass ich darauf Wert

legen würde wie eine Magersüchtige rumzulaufen, aber du

verstehst vielleicht, dass ich gerne irgendetwas gegen diesen

Zucker-und-Fett-Fressfilm machen würde? Gibt es vielleicht

irgendwelche Appetitzügler, die du empfehlen kannst?“

Das Eckthema

Drug Wars Episode I

Und wenn sie nicht

gestorben sind, dann

jagen die Bösen den

Kleinen Joint noch

heute.

ENDE

fun+action

Kascha antwortet:

„Hallo Christiane,

ich kann deine Sorge durchaus verstehen. Allerdings

ist es durchaus nicht unsinnig etwas zu essen, wenn

einen der Fressfilm packt. Gerade wenn man sehr viel

geraucht und sehr wenig gegessen hat, kann man schon

schnell mal ein Ende weiter weg von der Erde sein als

beabsichtigt. Es müssen aber nicht immer Schokolade,

Gummibärchen und Chips sein. Großartig ist zum

Beispiel Obst. Die Erdbeersaison ist fast vorbei, aber

Erdbeeren können süßer sein als manche Süßigkeiten

und haben auch noch viel Vitamin C und sind gesund.

Auch Kirschen und Äpfel sind nicht zu verachten. Süße,

saftige Orangen oder Mandarinen helfen auch prima

gegen den trockenen Mund, und denk mal wenn du

richtig breit bist an eine saftige, süße, frische, reife

Melone. Bananen helfen am besten, wenn der Magen

droht zu implodieren und die Galaxie in sich

aufzusaugen. Und die Jamaikaner machen es vor: Esst

Mangos. Die sollte man sich aber schon vor dem

Rauchen in kleine Stückchen schneiden, sonst kann das

Gefummel mit dem ziemlich großen Kern schnell nervig

werden. Trinken muss man nicht immer Cola und

Zuckerbrause, es gibt ziemlich viele leckere Säfte in

letzter Zeit.

Appetitzügler dagegen empfehle ich nicht so sehr. Die

chemischen sind sowieso nicht zum Spaßgebrauch

gedacht und außerdem ist ein schön fruchtig ausgelebter

Fressfilm viel schöner als gar keiner. Im Ernstfall isst

man schnell ein Vollkornbrötchen mit Honig, das ist

nicht viel, macht aber ordentlich satt.“

Danny (16) aus Berlin fragt:

„Moin Kascha,

Danke erst mal für die vielen Tipps, die du jeden Monat

gibst, hab schon ’ne Menge Fragen beantwortet gekriegt

ohne fragen zu müssen. Nur diese nicht – oder ich hab

sie überlesen: Ich drehe mir meine Filtertips immer aus

Flyern von irgendwelchen Parties oder McDoof-

Gutscheinen oder so. Mein Bruder meint aber, dass das

nicht gut ist weil ich da wohl voll die Chemie abkriege

und es auch scheiße schmeckt. Den Geschmack mag

ich eh nicht, aber stimmt das mit der Chemie? Was

empfiehlst du als Filtertip, und so nebenbei, wie groß

sollte der am besten sein?“

Kascha antwortet:

„Hey Danny,

gute Frage, da sollten jetzt auch alle anderen mal gut

hinhören: nehmt nicht so eklige lackierte Flyer als Tips.

Der Rauch von so einer Tüte ist ziemlich heiß und kann

wenn er so durch den Filter gezogen wird, ziemlich

eklige Chemikalien loslösen, die ihr dann alle schön

einatmet. Rauchen ist eh schon nicht die gesündeste

Konsumform, aber das muss nicht sein.

Was kann ich empfehlen? Es gibt so Filtertip-Blöcke zu

kaufen im Head Shop, manchmal werden die auch als

Werbegeschenk verteilt, z. B. auf der Hanfparade (wo

du ja sicher hingehst) solltest du die Augen offen halten.

Die sind auch nicht alle gleich gut, 2,5 x 6 cm sind ein

gutes Format. Können statt sechs auch fünf Zentimeter

sein, ganz nach Geschmack, aber viel schmaler als 2,5

cm sollten sie (finde ich) nicht sein weil sie sich dann

in einer Tüte nicht mehr gut eindrehen lassen. Gut

machen sich auch BVG-U-Bahn-Fahrkarten aus dem

Automaten, ist allerdings eine vergleichsweise teure

Alternative, weil man für zwei Euro gerade mal drei

oder vier brauchbare Tips bekommt. S-Bahn-Karten

sind auf Thermopapier gedruckt und daher eher nicht

anzuraten. Unschlagbar sind dagegen die Filtertips vom

Deutschen Hanf Verband (DHV). Die sind nämlich aus

Hanf und du unterstützt mit dem Kauf dieser Tips die

Legalisierungsarbeit des Verbandes. Besser geht’s

wirklich nicht.“

19


20

fun+action


deeroy’s dubstore

maximum offbeat pressure inna di place!

Deeroy's Dubstore

Pappelallee 9

10437 Berlin

Prenzlauer Berg

Fon + Fax: 0 30 449 32 31

Öffnungszeiten

Mo–Fr: 13–20

Sa: 12–15

Was Selecta Deeroy (Urban Bass, EchoChamber,

HiFi) im Jahre 1996 mit einem Plattenstand voller

UK Dub & Roots im damals wöchentlich

stattfindenden Berliner „Dub Club“ ins Leben rief,

ist heute mit „Deeroy’s Dubstore“ in der

Pappelallee 9 stationiert.

Bereits 1997 wurde dann ein Laden (10 qm!), der

zunächst zwei und später vier Tage pro Woche

geöffnet hatte, in der Brunnenstrasse in Mitte

eröffnet. Im folgenden Jahr (1998) hatten bei einer

Ladenfläche von 20 qm auch aktuelle

jamaikanische Singles Platz. Neben Reggae und

TripHop fanden sich nun in der Pappelallee 7 im

Prenzlauer Berg auch verstärkt Breakbeats und

viel englische Produktionen des Asian

Underground, Jazz Grooves und Latin Vibes

wieder.

2001 gab es nur zwei Häuser weiter einen Laden,

der genug Lagerfläche, einen Büroraum und eine

wesentlich entspanntere Atmosphäre besaß. In

der Pappelallee 9 gab es nun drei Plattenspieler

und einen CD-Player zum Anhören. Außerdem

stieß Marieu hinzu, der seit vielen Jahren in der

Musikszene aktiv und neben seiner Leidenschaft

für Reggae als DJ (u. a. Sonnenburg & Behringer)

vor allem für Breakbeats bekannt ist.

Im Dubstore wird euch Berlins größte Auswahl

an Reggae, Dancehall, Ska, UK Roots, Old School

Dub und Downbeat in sämtlichen Formaten

geboten. Darüber hinaus gibt’s neben Latin-, Afro-

, Indian- & Jazzinfected Clubstyles ein großes

topaktuelles Angebot an Breakbeats und

Drum&Bass. Auch über Videos und DVDs mit

Filmen, Konzertmitschnitten & Soundclashs sowie

Mixtapes kann man sich freuen. Außerdem kann

man hier Plattenbürsten, Chrom-Nickel-Pucks,

einige Slipmatts, T-Shirts und Plattentaschen sowie

Literatur in Form von zahlreichen Magazinen und

Reggae-Büchern bzw. Lexika erwerben.

Im Netz hat man die Möglichkeit, den wöchentlichen

Newsletter mit allen Neuerscheinungen

per E-Mail zu abonnieren. Die neuen Jamaica 7"s

werden allerdings nur im Laden oder auf spezielle

Anfrage angeboten. Im Herbst gibt’s dann auch

einen Webshop. Also checkt – oder noch besser:

Schaut euch den Laden mal an. Wer brav den

Tonarm benutzt, um sich seine Platten anzuhören,

wird im Dubstore freundlich bedient und eine

Menge Spaß haben. – Cuz from the hood I came

and to the hood I must return. I'm a Junglist!

Roland Grieshammer

Jung, polytoxikoman , tanzwütig und (demnächst) ohne

Bleibe? Dann bist du bei uns genau richtig! Party-WG sucht

zwei frische MitbewohnerInnen. 350qm Fabriketage im

Kottbusser Damm mit DSL und Aufzug direkt in die Wohnung

bietet einmal 13 qm für 220 Euro warm (ab 1.9.) und einmal

35 qm für 350 Euro warm (ab 1.10.), beides plus Kaution

und Abstand. Weitere Infos zu Sex, Drugs and Rock`n`Roll

unter 0151-12459976 (Steffi)

Sie wird verharmlost, verleugnet und verschwiegen. Kaum ein Betroffener wagt ein Outing und

wenn er es tut, erntet er nur kopfschüttelndes Unverständnis. Kaum einer kennt die schlimmen

Folgen der notorischen Nüchternheit – und träges Rumstehen auf Tanzfläche ist hier nur die Spitze

des Eisberges.

Vorweg ein paar schockierende Zahlen:

Über 90 Prozent aller Verkehrsunfälle passieren unter ausschließlicher Beteiligung nüchterner Fahrer.

Nahezu 100 Prozent aller Selbstmordattentäter begehen ihre Tat nüchtern.

100 Prozent aller Kampfhund-Beißattacken werden von nüchternen Hunden verübt.

49 Prozent aller Nüchternen haben einen IQ von unter 100 Punkten.

Schon ein einziges Mal nüchtern sein kann zur lebenslangen Fortsetzung dieses Zustandes führen.

Zwei Aussteiger berichten von

ihrem Leidensweg

berlin

DER SPEICHEL

Die Seuche Nüchternheit

Man sieht: Die Folgen der Nüchternheit gehen

weit über das Vorstellungsvermögen von Otto

Normalbürger hinaus. Und dennoch gibt unser

Staat keinen Cent dafür aus, die Menschen über

die fatalen Folgen dieses Zustandes aufzuklären,

noch sie per Prävention davor zu bewahren.

Zum Glück geht der Trend unter Jugendlichen

wieder hin zum Rausch. Das ist gerade deshalb

besonders wichtig, weil dauerhafte Nüchternheit,

besonders in jungen Jahren, Entwicklungsstörungen

verursacht. So konnte herausgefunden

werden, dass junge Erwachsene, die während

ihrer Pubertät sich ausschließlich an Norm und

Gesetz halten, weniger konfliktfähig und

ausgereift sind. Entwicklungsstörungen wegen

mangelnder Erfahrung und ein extrem

schüchternes Verhalten stehen auf der

Tagesordnung. „Ihnen fehlt einfach die experimentelle

Phase.“, meinte ein einschlägig bekannter

Professor, der an dieser Stelle ungenannt

bleiben will, da er die Streichung von Fördermitteln

befürchtet.

Doch nicht nur der Einzelne hat mit schlimmsten

Nebenwirkungen zu rechnen, auch die

Gesamtgesellschaft leidet unter dem Trend zur

Abstinenz. Deutschlands Wirtschaft liegt am

Boden und das ist kein Wunder, denn die

Nüchternheit schlägt sich direkt im Bruttosozialprodukt

nieder. So beschwerte sich der Kneipenbesitzer

bei uns ums Eck, dass er seine „komplette

Existenz durch all diese Nüchternen gefährdet“

sehe. Und die Pharma-Industrie lies uns wissen,

dass der dauerhafte Verzicht auf chemische

Substanzen zu einer erheblichen Verringerung

der Lebensspanne führen kann. „Ein Leben ohne

Chemie können wir uns nicht vorstellen!“,

diktierten sie uns ins Notizbuch.

Das Problem ist schlimmer als bisher angenommen.

Doch ernst nimmt dies derzeit keiner.

Weder in Beratungsstellen, die fast jeden

Nüchternen wieder nach Hause schicken, noch

in den Behörden, die in amtlichen Statistiken

nicht einmal die Nüchterntoten ausweisen.

Medial ist dies der erste uns bekannte Artikel,

der sich mit den Folgen der Nüchternheit

beschäftigt. Forschungsaufträge und ähnliches

sind uns nicht bekannt. Doch dieses Thema muss

aufgearbeitet werden und ihr könnt sicher sein,

wir bleiben für euch am Ball!

eure grossstadtsurvivor

Die beiden von uns interviewten Personen möchten aus verständlichen

Gründen ungenannt bleiben. Wichtig zu wissen ist aber, dass sie weit über

die Hälfte ihres Lebens in nüchternem Zustand verbracht haben und auch

heutzutage noch hin und wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Denn der Ausstieg ist schwer und selten endgültig. Doch lassen wir sie

selbst berichten.

Der Speichel: Hallo ihr beiden! Zuallererst mal: Wielange genau habt

ihr denn jetzt eigentlich nüchtern gelebt?

Mr.X und Mr.Y: Beinahe 16 Jahre. Das war eine wirklich harte Zeit. Die

Partys waren lahm, das chillen ungemütlich und von unserem

Selbstbewusstsein wollen wir hier erst gar nicht reden.

Der Speichel: Nun mal von Anfang an, wie kams dazu, dass ihr nüchtern

wurdet?

Mr. X.: Nun, eines Tages hatte ich eine Erscheinung. Marion Caspers-

Merk kam zu mir angeflogen und bekehrte mich in meinem kompletten

Leben nie wieder Drogen zu konsumieren.

Mr. Y.: Bei mir war es die Erziehung. Meine Eltern legten von Anfang an

Wert auf ein nüchternes Leben. Das konnte ja nur schief gehen.

Mr. X.:: Ja, ja die Spießer-Gerneration eben.

Der Speichel:Und wie wirkte sich die Nüchternheit auf euer soziales

Leben aus?

Mr. Y.: Mir ging es total dreckig. Ich hatte keine Freunde, weil ich ja

überhaupt nicht wusste, was ich mit denen hätte anfangen sollen. Ich hatte

auch generell wenig Spaß am Leben und hab oft über Selbstmord

nachgedacht.

Mr. X.: Überlegen sie mal, wie soll man so eine Freundin finden? Das wird

dann alles nur noch schlimmer, denn je mehr ich auch ausgestoßen wurde

desto nüchterner wurde ich.

Der Speichel: Und wie kam es dann, dass ihr euch von der Nüchternheit

abgewendet habt?

Mr. X.: Nun, in Berlin gibt es eine neuartige Therapie: Die Grosstadtsurvivung,

zwei hervorragend Ausgebildete Drogenuser und Lebensgenießer führen

einen dort in die reale Welt zurück.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

15


16

berlin

Start frei zum „2. Rostocker Hanffest“

Richtig gelesen, in der schönen Hansestadt an der Ostsee findet

dieses Jahr bereits das zweite Rostocker Hanffest statt. Am 4.

September wird das Herz der Stadt im Hanf-Takt schlagen.

Zum zweiten Mal in Folge wird die Stadtmitte für einen Tag

von Hanf-Aktivisten, Interessierten und Party-Willigen besetzt.

Festplatz wird dieses Jahr der Platz vor dem Kröpeliner Tor

sein.

„Ehrliche Aufklärung für einen verantwortungsvollen Konsum“

ist das Motto des „2. Rostocker Hanffestes“. Das Konzept wird

weitestgehend vom letzten Jahr übernommen und verfeinert.

Die Platzverlagerung um 500 Meter vom Universitätsplatz zum

Kröpeliner Tor hat durchaus positive Effekte. So laden die

angrenzenden Wallanlagen mit ihrem satten Grün zusätzlich

zum Chillen und Erholen ein. Zudem befindet sich der Platz

zwischen zwei Knotenpunkten Rostocks, dem Doberaner Platz

und dem Universitätsplatz und wird von der Öffentlichkeit

besser wahrgenommen. Es wird ein interessantes Bühnenprogramm

von 14 Uhr bis 20 Uhr geben. Die Bühne umrundet

eine kleine Auswahl an verschiedenen Ständen und Infoinseln,

ein kleiner Head-Shop, Essens- wie Trinkstände lassen das

Hanffest-Gelände erstrahlen. Auch ein von der Symbiosis Crew

dekoriertes Chill-Zelt wird es wieder geben. Diesmal etwas

größer und mit Shishas bestückt, lässt es die müden Tanzbeine

schnell wieder munter werden. Kulturell wird ebenfalls mehr

geboten. Sprayer stellen ihre Kunst zur Schau und animieren

zum Mitmachen (auf legalen Flächen!). Die Moderation auf

der Hauptbühne übernimmt dieses Jahr Carsten Labudda,

langjähriger Hanf-Aktivist, VfD (Verein für Drogenpolitik),

Mitglied und Sprecher der PDS, Bundesarbeitsgemeinschaft

Drogenpolitik. Als weiterer Experte ist Tilmann Holtzer, der

VfD-Vorsitzender, angefragt und eingeladen. Auch mehr

Livemusik wird es dieses Jahr geben. Von HipHop über den

rockigen Sound der „Bongheads“ wird vieles bedient. Live

dabei sind: „Musexellence“, eine Hamburger und teils Rostocker

Band die es in sich hat. Unter den „Heebeegeebees“ verbirgt

sich eine junge Rostocker Band mit internationaler Besetzung,

das Repertoire reicht dabei von Reggae bis Funk’n’Roll. „Lenins

Leber“, ein junges und innovatives live Sound-System, das

sich in keine Schublade stecken lässt. Vertonte Charles

Bukovsky-Zitate, reißende Rhythmen bis hin zu Noise, all dies

vereint „Lenins Leber“. DJ Palmer von den Los Cassettos wird

mit deftigen Dancehall Ragga and Roots Reggae-Rhythmen

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

aufwarten und für die

Freunde des minimal

elektronischen sowie House

wird DJ VinceNT von electric

Underground auflegen. Es

wird auch wieder eine

Speakers Corner geben, Zeit

zu sagen was man denkt, zu

zeigen was man kann. Wenn

alles klappt kann sogar beim

Joint-bau-Wettbewerb gedreht

und gebaut werden, was das

Zeug hält. Auch die schönste

Veranstaltung neigt sich

irgendwann dem Ende. Wenn

am Universitätsplatz die

Lichter ausgehen, dann gehen

im Osthafen e. V. die Lichter

an. Der Osthafen lädt zur

Hanffest-After Show-Party

ein. Der Osthafen ist bequem

erreichbar, Straßenbahnhaltestelle

Petridamm und

dann immer den Schildern

nach. Im Osthafen erwartet

den Hanf-Aktivisten für 2,50

Euro Eintritt, die Non Stop-

Filmvoführung von

„Haschisch – der Film“ sowie

Musik auf drei Floors. Der

Hauptfloor wird Reggae,

Funk’n’Roll und 60ies-lastig sein mit den DJs Palmer - Los

Cassettos und DJ Redo sowie unseren allseits beliebten DJ

Nerfbert. Fredo und Uwe werden live elektronische Musik

erzeugen und „Lenins Leber“ werden live den Letzten vom

Hocker reißen. Die beiden anderen Floors sind von

elektronischer Musik geprägt. Goa, Drum’n’Bass, House und

Minimal Electro werden die DJs Sterngucker, Robert, Thomas

L. und VinceNT auflegen. Die Getränkepreise werden

solidarisch günstig sein.

Zur Geschichte: Wie bereits erwähnt findet das

Hanffest in Rostock bereits zum zweiten Mal statt.

Ergo hat sich eine kleine Geschichte entwickelt,

geprägt aus Freundschaft und Solidarität. Wer steckt

überhaupt hinter dem Ganzen? Anfang letzten Jahres

tat sich in der ['solid]-Ortsgruppe Rostock etwas. Zur

Information, ['solid] die Sozialistische Jugend ist ein

PDS-naher Jugendverband, der auch in Rostock mit

einer Ortsgruppe vertreten ist. Bundesweit gab es

letztes Jahr von ['solid] eine Hanfkampagne, deren

Höhepunkt die „Hanf muss wieder heimisch

werden“-Konferenz in Mannheim war. Unabhängig

davon plante ein damaliges Mitglied in Rostock,

Sascha, die erstmalige Beteiligung am Million

Marihuana March 2003 in Rostock. Ziel war es schon

damals ein größeres Fest auf die Beine zu stellen.

Nachdem dies jedoch misslang, aus dem Fest wurde

ein Infostand mit musikalischer Untermalung aus

der Dose, zog sich Sascha resigniert zurück. Doch

bei Zweien wirkte sich der MMM03 (Miss-)Erfolg

(in meinen Augen war es ein Erfolg) im positiven

Sinne aus. Zusammen mit Steffen machten wir uns

beide daran am Ende des Sommers ein richtiges

Hanffest zu organisieren, die ['solid]-Ortsgruppe

stand hinter uns. Die erste Hürde der Anmeldung beim

Ordnungsamt wurde auch genommen und dann konnte es

losgehen. Das Konzept hatte sich schon über Jahre in unseren

Köpfen entwickelt, nun war die Zeit der Ausführung

gekommen. Vor dem Hintergrund der inhumanen Drogenpolitik

und dem Bedarf nach Veränderung hieß es zunächst einmal:

Farbe bekennen. Ein Aufruf zum Fest lautete „Jetzt reichts! Ich

will kiffen, und zwar legal!“. Den Rostockern zeigen, dass es

hier eine aktive Cannabis-Kultur/Drogen-Kultur gibt, die es

leid ist sich zu verstecken. Das Konzept war klar, das Fest

angemeldet, die ersten Pressemitteilungen waren raus. Bühne

samt Bühnenprogramm, Stände, Strom, Plakate, Flyer, After

Show Party . . . die Liste ließe sich noch weiter führen. Bei den

einzelnen Punkten entwickelten sich über die Monate

Beziehungen zu Mitstreitern. Zu dem Verein für Drogenpolitik,

zu den Bongheads, kulturbande.de und vielen mehr bestehen

nachhaltige Beziehungen. Heute ist die Liste an Personen und

freien Vereinigungen lang und bundesweit. Die Homepage ist

designed by poppelflansch.de aus Essen und gewartet wird

sie in Berlin. Dennoch muss alles koordiniert werden und es

gibt Aufgaben, die lassen sich nicht einfach abgeben. Aber es

gilt die Faustregel: je mehr (hilfswillige) Leute, desto besser.

Es hat dann doch alles ganz gut geklappt. Die Sonne schien,

es war warm, der Platz sah gut aus und war vor allem gut

gefüllt, Prominenz war auch da (Roko Klein hatte wohl auf

dem Rostocker Hanffest wohl einen seiner letzten inoffiziellen

öffentlichen Auftritte). Alles klappte gut, selbst die

Ordnungshüter ließen uns in Ruhe protestieren. Und so feierten

wir ein rauschendes Fest bis in die frühen Morgenstunden.

Schon die Namensgebung „1. Rostocker Hanffest“ verlangt

nach mehr, nach einer Fortführung des ersten, nämlich das „2.

Rostocker Hanffest“ zu veranstalten. Farbe haben wir letztes

Jahr gezeigt, dieses Jahr werden wir aktiv. Im Konkreten heißt

es, dass wir versuchen wollen den kleinstmöglichen Schritt hin

zu einer Legalisierung, hier in Mecklenburg-Vorpommern, zu

vollziehen. Dabei handelt es sich um die seit 1994 vom

Bundesverfassungsgericht geforderte Festsetzung der geringen

Menge. In Mecklenburg-Vorpommern existiert bis dato keine

Regelung betreff der geringen Menge. Es liegt im

Ermessensraum der jeweiligen Staatsanwaltschaft. Vorbild soll

hier Berlin sein, wo dieser Schritt vor kurzem vollzogen wurde.

Eine Sammelpetition ist hierzu geplant, welche fordert die

geringe Menge von Cannabis-Produkten auf 30 Gramm

festzusetzen. Zum Zweiten wird die Möglichkeit ausgelotet,

inwiefern sich die Dinge parteiintern regeln können, um einen

Antrag an den Landtag zu richten. Dazu werden auf dem

Hanffest Unterschriften gesammelt. Also, . . . see you, 4.

September, „2. Rostocker Hanffest“ - denn keine Pflanze ist

illegal!

PS Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten und Helfer und

besonderen Dank an die Künstler welche allesamt ihre Gage

dem Rostocker - Hanffest - Bündnis spenden, Danke.

Infos:

www.rostocker-hanffest.de

www.solidmv.de

Email: buz@ hanfverband.de

Tel: +49 (0) 30. 44 71 66 53

Lettestraße 3

10437 Berlin

2. Rostocker Hanffest

14-20 Uhr Kröpeliner Tor, Vorplatz:

Live: Musexellence, Bongheads,

HEEBEEGEEBEES, Lenins Leber,

HipHop

DJs: Palmer (Los Cassettos), VinceNT

(electric underground)

After Show Party im Osthafen auf 3

Floors ab 22 Uhr:

Live: Lenins Leber, Fredo und Uwe

DJs: Palmer, VinceNT, Nerfbert,

Sterngucker, Redo, Robert, Thomas

L., Uwe

mehr Infos unter www.hanfverband.de

Arved Schönberger

Unterstützen Sie deshalb die politische

Arbeit des DHV, privat oder als Firma.


Es ist wieder soweit: Um 12 Uhr startet das

Programm der diesjährigen Hanfparade vor dem

Roten Rathaus am Alex mit diversen Redebeiträgen

(z. B. Tommy Diener von den Jungen Liberalen).

Gegen 13 Uhr geht es dann los Richtung Chinesische

Botschaft an der Jannowitz-Brücke, wo es wieder

Redner, diesmal zum Thema „Prohibition Weltweit

– Weltweiter Widerstand“ geben wird. Dann wird

weitergelatscht zum ORANIENPLATZ, NICHT

zum Mariannenplatz, wo dann gegen 16 Uhr die

Abschlusskundgebung beginnen soll. Hier wechseln

sich dann Redebeiträge mit Bands (Culcha Candela,

Götz Widmann, Dr. Ring Ding, Special Guests, All

Massive, Phaderheadz u. a.) ab! Wenn ihr keinen

Bock habt mit der eigenen Karre anzureisen, checkt

mal www.hanfparade.de/ parade/busreisen, da gibt’s

Bustransfers für wenig Geld aus fast jeder Ecke in

Deutschland! Billig knacken könnt ihr in „Mitte’s

Backpacker Hostel“ (Chausseestr. 102) oder im

„Baxpax Hostel Berlin“ (Skalitzer Straße

104/Kreuzberg), da gibt’s bis zu 30 Prozent Rabatt

in Vielbett-Zimmern. Hoffen wir, dass das Wetter

mitspielt, viel Spaß und lasst euch nicht verhaften!

Die vier Mädels aus San Francisco sind wieder am

Start! Nach einem Labelwechsel von Fat Wreck

Chords zu Rodent Popsicle und einigen Veränderungen

in der Besetzung kommen sie wieder

nach Europa. Die alte Sängerin (ich weiß nicht mehr

wie sie hieß) und Basser Mr. Nancy sind raus,

stattdessen singt die Gitarristin Lynda Mess jetzt

auch noch die Lead-Stimme, eine Dame namens

Squeaky spielt Gitarre, April Fresh ist jetzt am Bass

und Sally Disaster prügelt weiterhin in bester

Manier die Drums! Ich habe überhaupt keine

Ahnung, weswegen die Ladies diese Changes

vorgenommen haben (Beziehungsstress?), aber egal,

Hauptsache sie spielen wieder zusammen! Wie die

neue Single auf Rodent Popsicle ist ,weiß ich auch

nicht (jaja, gaaanz mies recherchiert), ich weiß nur

dass das Ding „I’m A Mess“ heißt und sich jetzt

nicht großartig von dem alten Zeug unterscheiden

soll. Anyway, sie werden ja wohl auch Kram von

der „Put Out Or Get Out“ und der „Panty Raid“

spielen. Hingehen und rocken!

www.fabulous-disaster.com

Johannes Honecker

Rechtsanwalt und Fachanwalt

für Strafrecht

Badensche Strasse 33

10715 Berlin

Tel. 030 217 56 003

Fax: 030 217 56 005

Hanfparade

Date: 14. 08. 2004

Location:

Oranienplatz/Berlin-

Kreuzberg

Admission: -

Fabulous Disaster

Date: 19. 08. 2004

Location: Wild At Heart

Admission: 7 Euro

Legenden sagen, dass Karaoke 1980 in einem Imbiss

in Kobe, Japan entwickelt worden ist. Seine

Popularität verbreitete sich schnell und bald hatten

viele Familien in Japan Karaoke-Maschinen in ihren

Wohnungen. Das hat vielen Nachbarn natürlich

nicht gefallen. Durch dieses Problem und die

Neuentwicklung der CD-Scheibe, wurde die Idee

der Karaoke-Kabine entwickelt, eine schalldichte

Box, in der Familien und Freunde zusammen singen

können.Die Karaoke-Kabine spielt für Familien

eine wichtige Rolle: Kommunikation über Gesang.

Seit der Einführung von TV und Radio ist bekannt,

dass die meisten Leute „passive entertainment

receiver“ geworden sind. Es ist höchstwahrscheinlich,

dass Karaoke dieses Problem korrigieren

kann und auch einen großen Eindruck in der

Musikwelt hinterlassen hat. Jetzt gibt es Karaoke

Monster's Version von der Karaoke-Kabine:

The Monster-Box. Sie sind herzlich eingeladen, sie

anzugucken und auszuprobieren, am besten mit

ein paar Freunden.

Manchmal wiederholt sich die Popgeschichte im

positiven Sinne und spuckt zu Unrecht verschwundene

Perlen wieder aus. Urge Overkill sind neben

Nirvana die wohl prägnantesten musikalischen

Vertreter des letzten Jahrzehnts. Mit der Cover-

Version von Neil Diamonds „Girl, You'll be a

Woman soon“ landeten sie prominent platziert im

Kultstreifen „Pulp Fiction“. Kurz darauf folgte mit

„Exit The Dragon“ ihr letztes Werk.. Persönliche

Differenzen und ausgedehnte Drogen-Exzesse

zerstören das lockere Joie De Vivre der Band und

die Drei gehen getrennte Wege. Zehn Jahre später

treffen sich die verschlungenen Pfade von Sänger

Nash Kato und Bassist Ed „King“ Roeser wieder

und die neue Version der Band nimmt Gestalt an.

Die Reunion hätte von Marketingstrategen kaum

besser geplant werden können, schließlich ist die

Attitüde und der abgeklärt groovende Rocksound

der Chicagoer bei Bands wie The Hives, White

Stripes usw. zu beobachten. Mittlerweile reduzieren

Urge Overkill die Äußerlichkeiten auf ein Minimum

und konzentrieren sich auf das Wesentliche: die

Musik. Neue Songs sind bereits entstanden und

eine neue Platte ist in Planung.

www.urgeoverkill.com

berlin

TERMINE

Karaoke Monster

Date: Do. bis Mo. 18–24 Uhr

Location: Kult-Kunst-Galerie,

Kopernikusstr.10/

Friedrichshain

Admission: -

Velvet Revolver

Eine neue Supergroup lädt durch. Fast ein Jahr

dauert es, bis die Ex-Gunners Slash (Gitarre), Duff

McKagan (Bass) und Trommler Matt Sorum

gemeinsam mit Ex-Stone Temple Pilots-Sänger Scott

Weiland sowie dem Gitarristen Dave Kushner ein

Album an den Start bringen. Weilands Drogen-

Eskapaden hätten das zarte Pflänzlein vorher fast

im Keim erstickt. Im Frühjahr 2002 besinnen sich

Slash, Sorum und McKagan beim Jammen in Los

Angeles auf ihre gemeinsamen Tage bei Guns

’N’Roses. Die Chemie stimmt wieder und erstes

Song-Material entsteht. Der Funke springt beim

prominenten Grunge-Rocker Weiland über und

während die anderen für den Rest des Jahres ein

Album zimmern, muss Weiland wegen permanenter

Drogen-Probleme (1999 saß er deshalb im

Gefängnis) auf richterliche Anordnung in Reha.

Zudem wird er noch zweimal wegen Verkehrsverstößen

unter Drogen-Einfluss fest genommen.

Im Mai startete das Quintett die erste US-Tour in

St. Louis. Jetzt kommen sie erstmals nach Europa!

Und so steht einem authentischen 80er-/90er-Rock-

Revival nichts mehr im Wege.

www.velvetrevolver.net

Urge Overkill King Khan And His Sensational Shrines

Date: 21. 08. 2004

Location: Tacheles

Admission: 9 Euro

Date: 16. 08. 2004

Location: Columbiahalle

Admission: 15 Euro

Date: 05. 09. 2004

Location: Mudd Club

Admission: 7 Euro

Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt „Three

Hairs and you’re mine“ legen die Voodoogeschulten

Soulpunks mit „Mr. Supernatural“ eine

70s-Soulfunk-inspirierte schwer groovende

Tanzplatte vor. Flammendes Blech über brodelndem

Bass-Sud. Ein tobsüchtiges Elektrophon verbeißt

sich in hypnotisches Schlagwerk. Wie ein tollwütiger

Hurrikan treiben die SHRINES ihr Publikum in ein

Inferno aus Soul und R&B, Cajun und Boogaloo.

Konvulsivisch zuckend, mit stierem Blick, in der

Hand das hölzerne Zepter, den Voodoo-Stab mit

Totemschädel, regiert King Khan die neunköpfige

Band-Hydra! Unbestritten ist, King Khan & His

Sensational Shrines haben die verlorenen

Traditionen von Stax und Motown wieder

gefunden, mit einer gemeinen Dosis Insubordination

versetzt und so den Soul in die Garagen

und den Punk in die Salons quer durch Europa

getragen. „Mr Supernatural“ titelt die zweite

Album-Vinylgravur der Shrines und lädt zur

schwülen Djungle-Seance ins Swamp-Kosmodrom!

www. king-khan.com

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

17


Newsflash:

Verkehrte Welt!

Für gewöhnlich wird es von den Medien immer

besonders herausgestellt, wenn einer der Fahrer

bei einem Verkehrsunfall unter Drogeneinfluss

stand. Erst recht wenn diese Drogen keine legalen

waren. Das ist oft genug Anlass um mal wieder

eine Diskussion über die prinzipiellen Gefahren

von Drogen am Steuer zu führen.

Doch dieses Mal liegt der Fall etwas anders. Vienna

online schilderte vor kurzem einen Unfall in Wien,

bei dem das Opfer, ein Fußgänger, unter

Drogeneinfluss stand. Warum das so explizit

erwähnt wurde ist unklar. Soll hier etwa dem

Opfer unterstellt werden, dass es selbst schuld

sei? Warum ist es wichtig ob der Tote Drogen

konsumiert hat?

Man sieht: Es lohnt sich, Nachrichten genau zu lesen.

Es steckt oft mehr drin als man denkt.

Redakteure in Österreich gesucht!

Du willst über die österreichische Drogenpolitik

aufklären? Politikern einmal auf die Finger klopfen

oder von den kiffigsten Highlights Österreichs

berichten?

Dann bist du bei uns genau richtig! Wir suchen

immer engagierte und motivierte Redakteure für, in

und aus Österreich.

Wenn du Interesse hast, maile einfach an

werner.graf@hanfjournal.de oder ruf im Berliner

Büro (030/44675901) an.

Redakteure in Österreich gesucht!

Du willst über die österreichische Drogenpolitik

aufklären? Politikern einmal auf die Finger klopfen

oder von den kiffigsten Highlights Österreichs

berichten?

Dann bist du bei uns genau richtig! Wir suchen

immer engagierte und motivierte Redakteure für, in

und aus Österreich.

Wenn du Interesse hast, maile einfach an

werner.graf@hanfjournal.de oder ruf im Berliner

Büro (030/44675901) an.

Sie wird verharmlost, verleugnet und verschwiegen. Kaum ein Betroffener wagt ein Outing und

wenn er es tut, erntet er nur kopfschüttelndes Unverständnis. Kaum einer kennt die schlimmen

Folgen der notorischen Nüchternheit – und träges Rumstehen auf Tanzfläche ist hier nur die

Spitze des Eisberges.

Vorweg ein paar schockierende Zahlen:

Über 90 Prozent aller Verkehrsunfälle passieren unter ausschließlicher Beteiligung nüchterner Fahrer.

Nahezu 100 Prozent aller Selbstmordattentäter begehen ihre Tat nüchtern.

100 Prozent aller Kampfhund-Beißattacken werden von nüchternen Hunden verübt.

49 Prozent aller Nüchternen haben einen IQ von unter 100 Punkten.

Schon ein einziges Mal nüchtern sein kann zur lebenslangen Fortsetzung dieses Zustandes führen.

Zwei Aussteiger berichten von

ihrem Leidensweg

austria

DER SPEICHEL

Die Seuche Nüchternheit

Man sieht: Die Folgen der Nüchternheit gehen weit

über das Vorstellungsvermögen von Otto

Normalbürger hinaus. Und dennoch gibt unser Staat

keinen Cent dafür aus, die Menschen über die fatalen

Folgen dieses Zustandes aufzuklären, noch sie per

Prävention davor zu bewahren. Zum Glück geht

der Trend unter Jugendlichen wieder hin zum

Rausch. Das ist gerade deshalb besonders wichtig,

weil dauerhafte Nüchternheit, besonders in jungen

Jahren, Entwicklungsstörungen verursacht. So

konnte herausgefunden werden, dass junge

Erwachsene, die während ihrer Pubertät sich

ausschließlich an Norm und Gesetz halten, weniger

konfliktfähig und ausgereift sind. Entwicklungsstörungen

wegen mangelnder Erfahrung und ein

extrem schüchternes Verhalten stehen auf der

Tagesordnung. „Ihnen fehlt einfach die experimentelle

Phase.“, meinte ein einschlägig bekannter

Professor, der an dieser Stelle ungenannt bleiben

will, da er die Streichung von Fördermitteln

befürchtet.

Doch nicht nur der Einzelne hat mit schlimmsten

Nebenwirkungen zu rechnen, auch die Gesamtgesellschaft

leidet unter dem Trend zur Abstinenz.

Deutschlands Wirtschaft liegt am Boden und das

ist kein Wunder, denn die Nüchternheit schlägt sich

direkt im Bruttosozialprodukt nieder. So beschwerte

sich der Kneipenbesitzer bei uns ums Eck, dass er

seine „komplette Existenz durch all diese

Nüchternen gefährdet“ sehe. Und die Pharma-

Industrie lies uns wissen, dass der dauerhafte

Verzicht auf chemische Substanzen zu einer

erheblichen Verringerung der Lebensspanne führen

kann. „Ein Leben ohne Chemie können wir uns

nicht vorstellen!“, diktierten sie uns ins Notizbuch.

Das Problem ist schlimmer als bisher ange-nommen.

Doch ernst nimmt dies derzeit keiner. Weder in

Beratungsstellen, die fast jeden Nüchternen wieder

nach Hause schicken, noch in den Behörden, die in

amtlichen Statistiken nicht einmal die Nüchterntoten

ausweisen. Medial ist dies der erste uns bekannte

Artikel, der sich mit den Folgen der Nüchternheit

beschäftigt. Forschungsaufträge und ähnliches sind

uns nicht bekannt. Doch dieses Thema muss

aufgearbeitet werden und ihr könnt sicher sein, wir

bleiben für euch am Ball!

Die beiden von uns interviewten Personen möchten aus verständlichen

Gründen ungenannt bleiben. Wichtig zu wissen ist aber, dass sie weit über

die Hälfte ihres Lebens in nüchternem Zustand verbracht haben und auch

heutzutage noch hin und wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Denn der Ausstieg ist schwer und selten endgültig. Doch lassen wir sie

selbst berichten.

Der Speichel: Hallo ihr beiden! Zuallererst mal: Wielange genau habt

ihr denn jetzt eigentlich nüchtern gelebt?

Mr.X und Mr.Y: Beinahe 16 Jahre. Das war eine wirklich harte Zeit. Die

Partys waren lahm, das chillen ungemütlich und von unserem

Selbstbewusstsein wollen wir hier erst gar nicht reden.

Der Speichel: Nun mal von Anfang an, wie kams dazu, dass ihr nüchtern

wurdet?

Mr. X.: Nun, eines Tages hatte ich eine Erscheinung. Marion Caspers-

Merk kam zu mir angeflogen und bekehrte mich in meinem kompletten

Leben nie wieder Drogen zu konsumieren.

Mr. Y.: Bei mir war es die Erziehung. Meine Eltern legten von Anfang an

wert auf ein nüchternes Leben. Das konnte ja nur schief gehen.

Mr. X.:: Ja, ja die Spießer-Gerneration eben.

Der Speichel:Und wie wirkte sich die Nüchternheit auf euer soziales

Leben aus?

Mr. Y.: Mir ging es total dreckig. Ich hatte keine Freunde, weil ich ja

überhaupt nicht wusste, was ich mit denen hätte anfangen sollen. Ich hatte

auch generell wenig Spaß am Leben und hab oft über Selbstmord

nachgedacht.

Mr. X.: Überlegen sie mal, wie soll man so eine Freundin finden? Das wird

dann alles nur noch schlimmer, denn je mehr ich auch ausgestoßen wurde

desto nüchterner wurde ich.

Der Speichel: Und wie kam es dann, dass ihr euch von der Nüchternheit

abgewendet habt?

Mr. X.: Nun, in Berlin gibt es eine neuartige Therapie: Die Grosstadtsurvivung,

zwei hervorragend Ausgebildete Drogenuser und Lebensgenießer führen

einen dort in die reale Welt zurück.

15


16

austria

Cannabis tötet nicht, Entkriminalisierung würde Prävention erleichtern

Zu diesem Resultat kam eine hochkarätig besetzte

Diskussionsrunde am 16. Juli im Hanfdorf Reingers.

Hanf in der Medizin eingesetzt, verfügt über eine hohe

therapeutische Wirkung, z. B. bei multipler Sklerose, Depression,

Migräne, Schmerzzustände, Appetitlosigkeit usw. Nur wenige

Arzneien sind so leicht verträglich wie Hanf. Es ist nahezu

unmöglich, an einem zu hoch dosierten Hanf-Medikament

gravierende Schäden durch die auftretenden Nebenwirkungen

davonzutragen.

Menschen, die derzeit Cannabis-Produkte von Dr. Kurt Blaas,

praktischer Arzt, Militärarzt und überzeugter Cannabis-

Mediziner, verordnet bekommen, können sich diese Produkte

mangels Unterstützung durch die kranken Kassen kaum leisten.

Eine Entkriminalisierung würde jedenfalls die Preise dafür

senken.

Im heurigen Jahr wanderten laut Dr. Blaas in Wien bereits

500.000 Hanf-Pflanzen zur Selbstmedikation über die

Ladentische. Händler und Patienten machen sich dadurch

strafbar, obwohl die Pflanzen nicht zum Drogen-Konsum

eingesetzt werden.

In seiner Tätigkeit als Stellungsarzt beim Militär machte Dr.

Blaas die Erfahrung, dass von 200 Jungmännern bei 70 Rekruten

Cannabis im Harn festgestellt wurde. Durch die Eintragung in

den Personalakten kann dies für die Jugendlichen vor allem

bei der Jobsuche fatale Folgen haben.

Mag. Jenner, Gymnasialprofessor und schulischer

Präventionsexperte in Wien, sieht in der derzeit geübten Praxis

einen fehlenden politischen Willen zur Prävention. So werden

zahlreiche Kriminalbeamte dafür eingesetzt, Cannabis-

Konsumenten aufzuspüren und dann dicke Akten dafür

anzulegen, die vor allem bei „Ersttätern“ vom Staatsanwalt

ohne weitere Verfolgung geschlossen werden.

Die dafür eingesetzten finanziellen Mittel könnten seiner

Meinung nach z. B. durch die Ausbildung von „Pears“ –

Jugendliche die abhängigen Kameraden helfen – bzw. durch

den Aufbau eines Präventionsnetzwerkes wesentlich sinnvoller

für die Betroffenen eingesetzt werden.

Florian Winkler, Pressesprecher des Fonds Soziales Wien stellt

einen ständig steigenden Cannabis-Konsum fest. Zwischen 25

und 33 Prozent der Bevölkerung hat mindestens einmal im

Leben Kontakt mit Cannabis.

Mit dem Vorurteil, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, räumte

Fery Meisterhofer, Psychotherapeut am Anton-Proksch-Insitut

und Mitarbeiter der NÖ-Suchtvorbeugung auf: Als

Einstiegsdroge müssen Alkohol und Nikotin bezeichnet werden.

Thomas Schneeweis, Mitarbeiter der Kriminalabteilung

Niederösterreich bekannte sich zwar auch zur These „Heilen

statt Strafe“. Aufgrund der derzeit geltenden Rechtsvorschriften

(THC gilt aufgrund einer internationalen Konvention aus 1971

im österreichischen Recht als Suchtmittel) könne die Exekutive

jedoch nicht anders handeln, als sie derzeit vorgeht.

Das Symposion im Hanfstadl Reingers war von ca. 80

interessierten Zuhörern besucht, die an der anschließenden

Publikumsdiskussion durchaus emotionell teilnahmen.

Die Veranstaltung wurde unterstützt vom Lions-Club

Waldviertel und der NÖ Kulturabteilung!

Weitere Informationen:

Gemeinde Reingers, 3863 Reingers 81, Tel.: 0 28 63/82 08 bzw.

www.hanfdorf.at


Gentleman And The Far East Band

Date: 07. 08. 2004

Location: Szene Open

Air/Lustenau

Admission: 22 Euro

So, es ist wieder Sommer (zumindestens auf dem

Papier) - Festivalzeit! Und da kommt er natürlich

wieder hervorgekrochen aus seinem jamaikanischen

Loch, um uns regenverwöhnte Westeuropäer mit

’ner Runde sonnigen Reggae/Dancehall-Beats und

den dazugehörigen Vocals (ist das eigentlich

„toasting“?!) zu erfreuen! Ich find ja immer nett,

dass der Herr so ’ne Art „kleinster gemeinsamer

Nenner“ der Festival-Besucher zu sein scheint: Da

skankt der metallische Mähneschüttler debil

lächelnd neben Sportfreunde—Stiller-Studentinnen,

und jene wiederum neben Yo-Muthafucka-

Junggangstern! Tja, Unity durch Pflanzenkonsum!

Auch als positiv zu bewerten ist meiner Meinung

nach die so um die zwanzig Leute zählende Band,

die – na klar - eine ganz andere Dynamik rüberbringt

als irgendein DJ beziehungsweise DAT!

Das Geschwafel über seine History, seine Platten

und den ganzen Rest spare ich mir jetzt mal gepflegt,

weil nämlich in der September-Ausgabe eurer

Lieblingszeitung (ja, exakt, dem Hanf Journal) ein

ausführliches Interview enthalten sein wird!

www.journeytojah.com

Velvet Revolver

Date: 25. 08. 2004

Location: Georg-Elser-

Halle/Wien

Admission: 15 Euro

Eine neue Supergroup lädt durch. Fast ein Jahr

dauert es, bis die Ex-Gunners Slash (Gitarre), Duff

McKagan (Bass) und Trommler Matt Sorum

gemeinsam mit Ex-Stone Temple Pilots-Sänger Scott

Weiland sowie dem Gitarristen Dave Kushner ein

Album an den Start bringen. Weilands Drogen-

Eskapaden hätten das zarte Pflänzlein vorher fast

im Keim erstickt. Im Frühjahr 2002 besinnen sich

Slash, Sorum und McKagan beim Jammen in Los

Angeles auf ihre gemeinsamen Tage bei Guns

’N’Roses. Die Chemie stimmt wieder und erstes

Song-Material entsteht. Der Funke springt beim

prominenten Grunge-Rocker Weiland über und

während die anderen für den Rest des Jahres ein

Album zimmern, muss Weiland wegen permanenter

Drogen-Probleme (1999 saß er deshalb im

Gefängnis) auf richterliche Anordnung in Reha.

Zudem wird er noch zweimal wegen Verkehrsverstößen

unter Drogen-Einfluss fest genommen.

Im Mai startete das Quintett die erste US-Tour in

St. Louis. Jetzt kommen sie erstmals nach Europa!

Und so steht einem authentischen 80er-/90er-Rock-

Revival nichts mehr im Wege.

www.velvetrevolver.net

Es ist wieder soweit: Um 12 Uhr startet das

Programm der diesjährigen Hanfparade vor dem

Roten Rathaus am Alex mit diversen Redebeiträgen

(z. B. Tommy Diener von den Jungen Liberalen).

Gegen 13 Uhr geht es dann los Richtung Chinesische

Botschaft an der Jannowitz-Brücke, wo es wieder

Redner, diesmal zum Thema „Prohibition Weltweit

– Weltweiter Widerstand“ geben wird. Dann wird

weitergelatscht zum ORANIENPLATZ, NICHT

zum Mariannenplatz, wo dann gegen 16 Uhr die

Abschlusskundgebung beginnen soll. Hier wechseln

sich dann Redebeiträge mit Bands (Culcha Candela,

Götz Widmann, Dr. Ring Ding, Special Guests, All

Massive, Phaderheadz u. a.) ab! Wenn ihr keinen

Bock habt mit der eigenen Karre anzureisen, checkt

mal www.hanfparade.de/ parade/busreisen, da gibt’s

Bustransfers für wenig Geld aus fast jeder Ecke in

Deutschland! Billig knacken könnt ihr in „Mitte’s

Backpacker Hostel“ (Chausseestr. 102) oder im

„Baxpax Hostel Berlin“ (Skalitzer Straße

104/Kreuzberg), da gibt’s bis zu 30 Prozent Rabatt

in Vielbett-Zimmern. Hoffen wir, dass das Wetter

mitspielt, viel Spaß und lasst euch nicht verhaften!

Die vier Mädels aus San Francisco sind wieder am

Start! Nach einem Labelwechsel von Fat Wreck

Chords zu Rodent Popsicle und einigen Veränderungen

in der Besetzung kommen sie wieder

nach Europa. Die alte Sängerin (ich weiß nicht mehr

wie sie hieß) und Basser Mr. Nancy sind raus,

stattdessen singt die Gitarristin Lynda Mess jetzt

auch noch die Lead-Stimme, eine Dame namens

Squeaky spielt Gitarre, April Fresh ist jetzt am Bass

und Sally Disaster prügelt weiterhin in bester

Manier die Drums! Ich habe überhaupt keine

Ahnung, weswegen die Ladies diese Changes

vorgenommen haben (Beziehungsstress?), aber egal,

Hauptsache sie spielen wieder zusammen! Wie die

neue Single auf Rodent Popsicle ist ,weiß ich auch

nicht (jaja, gaaanz mies recherchiert), ich weiß nur

dass das Ding „I’m A Mess“ heißt und sich jetzt

nicht großartig von dem alten Zeug unterscheiden

soll. Anyway, sie werden ja wohl auch Kram von

der „Put Out Or Get Out“ und der „Panty Raid“

spielen. Hingehen und rocken!

www.fabulous-disaster.com

austria

TERMINE

Hanfparade

Date: 14. 08. 2004

Location: Oranienplatz/

Berlin-Kreuzberg

Admission: -

Urge Overkill

Manchmal wiederholt sich die Popgeschichte im

positiven Sinne und spuckt zu Unrecht verschwundene

Perlen wieder aus. Urge Overkill sind neben

Nirvana die wohl prägnantesten musikalischen

Vertreter des letzten Jahrzehnts. Mit der Cover-

Version von Neil Diamonds „Girl, You'll be a

Woman soon“ landeten sie prominent platziert im

Kultstreifen „Pulp Fiction“. Kurz darauf folgte mit

„Exit The Dragon“ ihr letztes Werk.. Persönliche

Differenzen und ausgedehnte Drogen-Exzesse

zerstören das lockere Joie De Vivre der Band und

die Drei gehen getrennte Wege. Zehn Jahre später

treffen sich die verschlungenen Pfade von Sänger

Nash Kato und Bassist Ed „King“ Roeser wieder

und die neue Version der Band nimmt Gestalt an.

Die Reunion hätte von Marketingstrategen kaum

besser geplant werden können, schließlich ist die

Attitüde und der abgeklärt groovende Rocksound

der Chicagoer bei Bands wie The Hives, White

Stripes usw. zu beobachten. Mittlerweile reduzieren

Urge Overkill die Äußerlichkeiten auf ein Minimum

und konzentrieren sich auf das Wesentliche: die

Musik. Neue Songs sind bereits entstanden und

eine neue Platte ist in Planung.

www.urgeoverkill.com

Fabulous Disaster King Khan And His Sensational Shrines

Date: 03. 09. 2004

Location: Until The Day

Breaks-Festival/Imst

Admission: 22 Euro

Date: 15. 08. 2004

Location: Kino/Ebensee

Admission: 9 Euro

Date: 09. 09. 2004

Location: Flex/Wien

Admission: 6 Euro

Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt „Three

Hairs and you’re mine“ legen die Voodoogeschulten

Soulpunks mit „Mr. Supernatural“ eine

70s-Soulfunk-inspirierte schwer groovende

Tanzplatte vor. Flammendes Blech über brodelndem

Bass-Sud. Ein tobsüchtiges Elektrophon verbeißt

sich in hypnotisches Schlagwerk. Wie ein tollwütiger

Hurrikan treiben die SHRINES ihr Publikum in ein

Inferno aus Soul und R&B, Cajun und Boogaloo.

Konvulsivisch zuckend, mit stierem Blick, in der

Hand das hölzerne Zepter, den Voodoo-Stab mit

Totemschädel, regiert King Khan die neunköpfige

Band-Hydra! Unbestritten ist, King Khan & His

Sensational Shrines haben die verlorenen

Traditionen von Stax und Motown wieder

gefunden, mit einer gemeinen Dosis Insubordination

versetzt und so den Soul in die Garagen

und den Punk in die Salons quer durch Europa

getragen. „Mr Supernatural“ titelt die zweite

Album-Vinylgravur der Shrines und lädt zur

schwülen Djungle-Seance ins Swamp-Kosmodrom!

www. king-khan.com

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

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Wenn Aliens Essen wollen – das Essen Original-Review

Eigentlich wollte das kleine Alien ja nur eine gemütliche Tour

durch den Pott machen. Es war ja auch sonst nichts los an

diesem Wochenende in der Gegend. Wir bewegen uns im

Zeitrahmen des zweiten Juli-Wochenendes. Der ganze Himmel

Deutschlands ist mit grauen Wolken verhangen. „Die Sterne

und wir“, eine der neuen potenziellen psychedelischen

Heimatwelten des kleinen Aliens wurden aufgrund

vorhandener Non-Existenz der Location abgesagt. Also eine

goaelektroide Tanzveranstaltung weniger. Da bleibt nur noch

eins: auf zum Sounds & Bytes, welches mit „Free-Urban-Dance-

Festival“ untertitelt ist. Einen weiteren Testversuch wäre es

wert, war das Experiment letztes Jahr doch durchaus ein

erfolgreiches. Außerdem wäre es doch auch mal interessant zu

wissen, ob in den verschiedenen Regionen des Pottes nicht nur

unterschiedliche Städtenamen, sondern auch unterschiedliche

Klimabedingungen herrschen.

Gedacht, getan . . . und was gesehen? Grau-weiß-blaue-

Himmels-Suppe, dazwischen viel durchsichtiges, aber nasses

Wasser. Jawoll, durchsichtiges Wasser ge-se-hen! Das geht,

manchmal zumindest und mit bewusst-fokussierter

Wahrnehmung. Allerdings überwiegend vom Innern heraus.

Warum? Na weil es draußen viel geregnet hat. Echt viel, vor

allem freitags und dann sogar so stark, dass die DJs teilweise

von angekündigten drei Stunden effektiv lediglich 40 Minuten

Spielzeit hatten. Wie und ob die HipHop-Fans darauf reagiert

haben, ist unbekannt. Doch ist davon auszugehen, dass jemand,

der HipHop lebt, sich von so etwas sicherlich nicht abschrecken

lässt. Wann gibt’s denn schon mal die Möglichkeit den

Dendemann, die eine Hälfte des Einszwo-Duos live, for free

und direkt vor bzw. in der Haustür zur erleben?! Außerdem

von der Beatfraktion mit am Start: Paco Mendoza,

mehrsprachiger Ragga, der in den Sprachen Spanisch,

Französisch, Englisch und, man glaubt es kaum, Deutsch,

internationales Flair mit auf den Plan brachte. Ruhrpott ist

eben multikulturelle Autodidaktik. Die Gruppe performte nach

Angaben des Veranstalters schon mehrfach mit Deutschlands

Top-Reggae/Ragga Movement Silly Walks. Außerdem mit

dabei ebenfalls die Crews von Plattenreiter.Eu, Die Gestalten,

WBC - We Burn Connected

Ist ja irgendwie auch viel schöner, als alleine zu paffen. Sind

die Sit-Ins dabei noch produktiv, dann können daraus viele

verschiedenste Ableger erwachsen. Denn Meckern alleine bringt

es nicht, das kann jeder. Schafft man es aber diese „Meckerei“

in positiv-reflexive Rap-Lyriks zu transferieren, erreicht man

viel mehr Leute, anstatt sich die ganze Zeit seinen destruktiven

Film zu schieben.

Es gibt viele verschiedene Wege, um die

Welt zu verändern. WBC hat sich für HipHop

entschieden.

Seit 1998 werden unter dem Namen WBC Konzerte, Jams,

Vorträge und Workshops organisiert. Die Wurzeln der Aktivisten

und Künstler liegen in den Städten Bremerhaven und

Wermelskirchen und reichen zurück bis Mitte der 90er.

Connections bestehen unter anderem zum Rollrausch WK e.V.

Seit 2001 gibt es regelmäßige Teilnahmen an multikulturellen

Treffen, wie z. B. bei Antirassista-Meetings in der Toscana.

Wir brauchen keinen Krieg, um etwas zu

bewegen. Unsere Waffen sind Papier, Stift

und ein Mund zum Reden.

Ob als versammelter Haufen oder in einzelnen Splittergruppen;

die Idee des WBC-Gedankens ist mittlerweile zu einer

prachtvollen Blüte gewachsen. Man legt nicht nur Wert auf

einen vielfältigen Aktionsrahmen, sondern ebenfalls auf

qualitativ hochwertigen HipHop. Die Liebe zur Musik und vor

allem die Liebe zum Leben vereinen MCs verschiedenster

Abstammung und Sprachskills zu einem synergetischen Word-

Gewitter, das verkrustete und festgefahrene

Wahrnehmungsmuster dynamisiert. Ob Kopf oder Körper:

irgendwas ist beim Hören der WBC-Scheiben immer in

Bewegung.

Rap ist Medizin geschrieben für

Selbsttherapie. Rap ist Energie für den WBC

Inanc, Climax & Basis und Breakdance-Einlagen diverser

Hotstepper. Da das Alien seine Artgenossen jedoch nur

schwerlich zum Aufbruch gen Pott zu bewegen vermochte,

scratchte das HipHop-Spektakel without Rücksicht auf Bäckspin

an der Perzeption außerirdischer Wahrnehmung vorbei.

„Ooh-ho, I’m an alien, I’m an little alien, I’m

an Al-i-en in Es-sen . . .

Als es am nächsten Tag dann immer noch am Meimeln war,

dachte es, es ist nicht mehr. Doch das Alien brach trotzdem zur

Pott-Metropole auf und, das Stadtfest ward noch! Und welche

weitere schicksalhafte Fügung: dafür gab es keinen Regen mehr.

„Normal, ab 20 Grad ist Samstag“, dachte sich das kleine Alien.

Und es schien tatsächlich so zu sein, dass jede Stadt seine eigene

Klimazone besitzt. Gegen Nachmittag trudelte der interstellare

Transporter dann ein. Endlich taten sich erste Schritte auf dem

Boden der Stadt, auf dem das Alien geworfen wurde und

führten es zielstrebig zunächst zu einer Fressbude. Dort gab

es, very spezial, neben Currywurst-Ruhrpott sogar eine

Currywurst-Bangkok (extra-scharf). Nach dieser Stärkung

durchquerte es das Stadtfest, als auch „Trendmeile“, die nahezu

integriert mit den üblichen Läden der Stadt zu sein schien. Zu

sehen gab es viele verschiedene Klamotten und Schmuck, aber

wenig elektro-technische Geräte. Dafür fiel dem Alien um so

mehr auf, dass viele Dark-Waver und Grufties in dieser Pott-

Metropole beheimatet sind. Zudem scheinen einige männliche

Bewohner in einer hohen Stimmlage zu sprechen, wo hingegen

viele Weibchen ein basslastige Aussprache bevorzugen.

„Faszinierend“, wie Kollege Spock anmerken würde. Es gab

große Bühnen, kleine Bühnen, und sogar eine Bühne am

„Flachsmarkt“. Es lief Fonky-(House-)Music, (Punk-)Rock und

Dancehall, des Nächtens sogar Drum’n’Bass. Aber nichts hat

so fett gerockt, wie die Techno-Stage am Viehofer Platz. Man

stelle sich vor: Mitten auf einer Plattform, zwischen Kirche,

Verkehrsstraße und Shoppingmeile steht eine fette Bühne.

Davor eine Menschenmasse von bis zu 500 Tanzenden, an

deren peripheren Bereich zusätzlich nicht-tanzendes Publikum

Die Zeilen sind auf der „Unter

Druck“-Scheibe von 2003

durchgängiges Programm.

Street-Hop aus realer gesellschaftskritischer

Perspektive.

100 Prozent unverfälscht und

denkanstößig, nix mit Gehirn-

Wasch-Weichspül oder „Ich

hab’ dickere Eier als du“-

Gebattle. Die Beats und die

Sounds sind schon ganz gut

arrangiert und gewählt, aber

das geht bestimmt noch besser.

Jedenfalls ist durchgängig ein

eigener WBC-Style zu

erkennen und man kann den

Schweiß und die Mühe

zwischen den Takten heraushören.

Möglicherweise ist der

WBC die verarbeitende

Antwort auf die faschistischen

Brandanschläge in Solingen.

Statt Angst brauchen

wir Wahrheit und

Liebe. Nur so siegt

über den

Terror der Frieden.

Das hört man. Nachdem ich einen persönlichen Zugang zum

WBC-Style aufgebaut habe und die Musik nun in mich

einwirken kann, burnen mich die Sounds und Lyriks um so

mehr. Wer auch mal in den Genuss von „Unter Druck“ kommen

will, kann jene für unglaubliche fünf Euro (inkl. Porto) unter

weburnconnected@web.de bestellen. Es lohnt sich nicht nur,

das ganze unterstützt zudem den jugendsozialen Nutzen des

WBC-Kollektives.

www.weburnconnected.de

www.rollrausch.de.vu

A. Alien

Email: buz@ hanfverband.de

Tel: +49 (0) 30. 44 71 66 53

Lettestraße 3

10437 Berlin

mehr Infos unter www.hanfverband.de

Pot

Unterstützen Sie deshalb die politische

Arbeit des DHV, privat oder als Firma.

15

dem Spektakel beiwohnte. Die Bässe schallern nur so durch

die Häuser, durch Cafés, durch die ganze Stadt und in die

Körper der Menschen hinein. Hier und da Jonglage- und Poi-

Aktivisten. Ohne zu übertreiben, war die Techno-Stage die

bestbesuchteste von allen. Als beim Star Sound Orchestra (zu

Deutsch: „Sternen Klang-Orchester“) sich auch noch der Himmel

öffnete, uiuiui, da war was los . . . eine massenkompatible Goa-

Pop-Band aus sechs Leuten (Sängerin, Schlagzeug, Bass, Gitarre,

Synthies und Sampler, Gongs!) erzeugten nahezu typische

Konzertatmosphäre. Warum nicht? Den Dagewesenen hat es

sichtlich gefallen.

„Reclaim the Streets” – wenn Mainstream

auf Underground trifft

Seit drei Jahren gebe es das S&B-Festival, Tendenz steigend.

Vor allem, was Besucherzahlen und Rahmenbedingungen

angeht, scheinen jene von Jahr zu Jahr fetter zu werden. Und

irgendwie wird es ja auch mal Zeit, dass die Jugendkulturen

sich nicht mehr und mehr zurückziehen oder verdrängt werden.

Im Gegenteil: Angriff als die beste Verteidigung der eigenen

Lebenswelten. Doch nicht mit Waffen, sondern mit Musik und

Tanz kann gewaltlos um weitere Freiräume oder soziale Nischen

gekämpft werden. Genaugenommen handelt es sich beim S&B-

Festival um eine Synthese aus offizieller Tradition und

subkultureller Kreativität. Nächstes Jahr wird es sich das kleine

Alien jedenfalls nicht nehmen lassen selbige Reise nochmalig

anzutreten. Schließlich bleibt die Frage nach den

Klimabedingungen noch unbeantwortet, zumal es eine

langwierige Afterhour im Roxy gegeben hat, einem netten und

coolen Club direkt am Viehofer Platz. Man musste quasi nur

einen Seiten- und einen Zeitenwechsel vornehmen. Dabei ist

leider die visuelle Dokumentation abhanden gekommen. Aber

es kann ja nur besser werden . . .

A. Alien


16

Pot

Auf zum letzten Weltwunder Die Legende vom Hanf- und Sonnenblumen-Labyrinth

Mensch, da schau her, ein Hanf- und Sonnenblumen-Labyrinth.

Das sind ja gleich drei dolle Sachen in einer Zeile! Doch nicht

nur das, es geht noch weiter. Denn der Überschrift dieses

Artikels entspricht doch tatsächlich ein real-legal-existierendes

Phänomen. Nix mit Fiktion oder Utopie; es geht hier um die

pure Realität!

Wir leben bekanntlich in einer Zeit, wo Orte, an denen Sein

sein gelassen wird, rar gesät sind. Unkonventionelle

Lebensweisen mitsamt einer Reihe alternativer Lebensbezüge

sind in weiten Teilen der Welt illegalisiert oder häufig durch

Repressionen sanktioniert. Doch vereinzelt wirft die Welt ihre

Wunder vor unsere Sinne. Aber auch nur dann, wenn wir

diesen Wundern auch Beachtung schenken. Denn es gibt sie

noch, einzelne Oasen in der rasenden Wüste der Moderne, wo

man die Seele baumeln lassen kann. Einen kleinen Ort namens

Billerbeck gebe es, so berichten die Schriften, die heutzutage

auch als „Flyer“ bezeichnet werden. Die Legende besagt von

diesem Orte nahe Münster, dass dort sagenhafte und

wundervolle Gewächse gedeihen, wie man sie in unseren

Breitengeraden leider nur allzu spärlich zu Gesicht bekommt.

Wie das möglich ist? Nun, indem man der Beamtenwelt

gegenüber die Gestalt eines Vereins annimmt. Gemeinsam und

Kollektiv erreicht man eben mehr. Auf diese Weise machen es

die Labyrinthe Münsterland e. V., deren gemeinsames Ansinnen

der biologische Anbau all ihrer Pflanzen ist. Der Verein, der

sich aus den einzelnen Labyrinthen synergiert, verzichtet

gänzlich auf Chemikalien zur Düngung der Gewächse und zur

Unkrautvernichtung. De-industrialisiertes Wachstum und freie

Entfaltung der Kräfte der Natur sind hier die Maximen. Und

genau hier sind die belebenden Oasen der Natur zu finden.

Ruhe-Inseln inmitten der Felder, Sitzgelegenheiten, Anregungen

zur Meditation, ein Kaffeegarten zum Verweilen zwischen

Gänsen, Hühnern und Katzen – ein inspirativer Ort für alle,

die Natur (er)leben wollen. Eine nahezu paradiesische Idylle,

so berichtet die Legende weiter, für Ruhe und Entspannung,

die man braucht, um seinen eigenen inneren Schatz zu suchen

und zu finden.

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Auf einem Teil der Felder sei seit dem Jahre 2000

bis zum Tage der Gegenwart auch Hanf gesät. Es

gebe eine offizielle Lizenz, welche der Beamtenwelt

gegenüber 100-prozentige Legalität garantiere.

Natürlich nur für den „impotenten“, aber dennoch

gern gesehenen Nutz-Hanf. Naturfreunde können

und dürfen (!) sogar, seitdem es die Lizenz gibt, in

einem übermannshohen Hanf-Labyrinth wandeln

. . . Die Idee eines Sonnenblumen-Labyrinthes hatte

Horst Bechtloff 1995, als er einen Hof und sechs

Hektar Land erwarb.

Mittlerweile wird den Besuchern eine Fülle von

Freizeitaktivitäten geboten. Angefangen von der

neu angelegten Kettcar-Bahn (inklusive Hindernis-

Parcours), kann man wahlweise die Heuburg oder

den Sinnespfad begehen, ins Tipi-Dorf trippen oder

auch mal im Kinderland rumflashen, wenn man

nicht gerade die Boule-Bahn nutzt, Großschach spielt

oder einfach nur ein Picknick im Freien macht.

Die Labyrinthe vereinen also Unterhaltung und

Freizeit als auch spirituelle und kulturelle Aspekte

miteinander. Polymorphologie als Schlüssel zu

amtlicher Akzeptanz. Die Webpage dieses wohl

einzigartigen Ortes gibt zudem satte 17 Seiten zur

Mythologie der Labyrinthe preis. Die Metaphysik

der Labyrinthe schafft es leider gerade einmal nur

auf spärliche zwei Seiten. Bei den Inhalten handelt

es sich keineswegs um intellektuelles Geschwafel,

sondern um kurze und knappe Skizzierungen der

weltgeschichtlichen Betrachtungsweise bezüglich

sozio-kultureller Funktion von Labyrinthen.

Nebenbei gibt es noch einen kleinen Exkurs über

die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen

dem Bild des Teufels und dem Mythos des

Minotaurus. Weiterführende Literatur-Tipps sind

auf der erwähnten Page zu finden. Summa

Summarum eine informative und übersichtliche

Seite.

Die diesjährige Labyrinth-Saison endet am Sonntag,

10. Oktober 2004, mit einer Sonnenblumenkern-

Ernte. Das andere Feld zu ernten würde nicht lohnen.

Begeht man diese Schandtat dennoch, so verfluchen

die Bewohner die Schandtäter bis in alle Ewigkeit,

so die Legende. Und da der Eintritt an sich auch

schon unverschämt günstig ist, sollten wir doch alle

überlegen, ob wir nicht an einem der folgenden

Termine ein finanzielles Opfer zu bringen vermögen:

Olympiade für Kinder und Erwachsene am 8. 8.;

das Handpuppentheater Charivari zeigt „Die

Zauberblume“ am 22. 8.; Indianertag am 11. 9.;

Performance und Diavortrag zu Chiapas/Mexico

am 12. 9. und und und . . . (weitere Termine und

Infos siehe unter www.sonnenblumenlabyrinth.de

/ www.hanflabyrinth.de)

Adam Zawadski

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der Branchenführer des Hanf Journals

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Billerbecker Sonnegarten

Aulendorf 1

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Opened: 26. 6 bis 10.10.

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Montags Ruhetag.

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nur 120 Euro im Jahr ein.

Unter www.hanfjournal.de/kaufda.pdf findest du

das Bestellformular


Hanfparade

Date: 14. 08. 2004

Location:

Oranienplatz/Berlin-

Kreuzberg

Admission:-

Es ist wieder soweit: Um 12 Uhr startet das

Programm der diesjährigen Hanfparade vor dem

Roten Rathaus am Alex mit diversen Redebeiträgen

(z. B. Tommy Diener von den Jungen Liberalen).

Gegen 13 Uhr geht es dann los Richtung Chinesische

Botschaft an der Jannowitz-Brücke, wo es wieder

Redner, diesmal zum Thema „Prohibition Weltweit

– Weltweiter Widerstand“ geben wird. Dann wird

weitergelatscht zum ORANIENPLATZ, NICHT

zum Mariannenplatz, wo dann gegen 16 Uhr die

Abschlusskundgebung beginnen soll. Hier wechseln

sich dann Redebeiträge mit Bands (Culcha Candela,

Götz Widmann, Dr. Ring Ding, Special Guests, All

Massive, Phaderheadz u. a.) ab! Wenn ihr keinen

Bock habt mit der eigenen Karre anzureisen, checkt

mal www.hanfparade.de/ parade/busreisen, da gibt’s

Bustransfers für wenig Geld aus fast jeder Ecke in

Deutschland! Billig knacken könnt ihr in „Mitte’s

Backpacker Hostel“ (Chausseestr. 102) oder im

„Baxpax Hostel Berlin“ (Skalitzer Straße

104/Kreuzberg), da gibt’s bis zu 30 Prozent Rabatt

in Vielbett-Zimmern. Hoffen wir, dass das Wetter

mitspielt, viel Spaß und lasst euch nicht verhaften!

Velvet Revolver

Date: 22. 08. 2004

Location: E-Werk/Köln

Admission: 15 Euro

Eine neue Supergroup lädt durch. Fast ein Jahr

dauert es, bis die Ex-Gunners Slash (Gitarre), Duff

McKagan (Bass) und Trommler Matt Sorum

gemeinsam mit Ex-Stone Temple Pilots-Sänger Scott

Weiland sowie dem Gitarristen Dave Kushner ein

Album an den Start bringen. Weilands Drogen-

Eskapaden hätten das zarte Pflänzlein vorher fast

im Keim erstickt. Im Frühjahr 2002 besinnen sich

Slash, Sorum und McKagan beim Jammen in Los

Angeles auf ihre gemeinsamen Tage bei Guns

’N’Roses. Die Chemie stimmt wieder und erstes

Song-Material entsteht. Der Funke springt beim

prominenten Grunge-Rocker Weiland über und

während die anderen für den Rest des Jahres ein

Album zimmern, muss Weiland wegen permanenter

Drogen-Probleme (1999 saß er deshalb im

Gefängnis) auf richterliche Anordnung in Reha.

Zudem wird er noch zweimal wegen Verkehrsverstößen

unter Drogen-Einfluss fest genommen.

Im Mai startete das Quintett die erste US-Tour in

St. Louis. Jetzt kommen sie erstmals nach Europa!

Und so steht einem authentischen 80er-/90er-Rock-

Revival nichts mehr im Wege.

www.velvetrevolver.net

So, es ist wieder Sommer (zumindestens auf dem

Papier) - Festivalzeit! Und da kommt er natürlich

wieder hervorgekrochen aus seinem jamaikanischen

Loch, um uns regenverwöhnte Westeuropäer mit

’ner Runde sonnigen Reggae/Dancehall-Beats und

den dazugehörigen Vocals (ist das eigentlich

„toasting“?!) zu erfreuen! Ich find ja immer nett,

dass der Herr so ’ne Art „kleinster gemeinsamer

Nenner“ der Festival-Besucher zu sein scheint: Da

skankt der metallische Mähneschüttler debil

lächelnd neben Sportfreunde—Stiller-Studentinnen,

und jene wiederum neben Yo-Muthafucka-

Junggangstern! Tja, Unity durch Pflanzenkonsum!

Auch als positiv zu bewerten ist meiner Meinung

nach die so um die zwanzig Leute zählende Band,

die – na klar - eine ganz andere Dynamik rüberbringt

als irgendein DJ beziehungsweise DAT!

Das Geschwafel über seine History, seine Platten

und den ganzen Rest spare ich mir jetzt mal gepflegt,

weil nämlich in der September-Ausgabe eurer

Lieblingszeitung (ja, exakt, dem Hanf Journal) ein

ausführliches Interview enthalten sein wird!

www.journeytojah.com

Die vier Mädels aus San Francisco sind wieder am

Start! Nach einem Labelwechsel von Fat Wreck

Chords zu Rodent Popsicle und einigen Veränderungen

in der Besetzung kommen sie wieder

nach Europa. Die alte Sängerin (ich weiß nicht mehr

wie sie hieß) und Basser Mr. Nancy sind raus,

stattdessen singt die Gitarristin Lynda Mess jetzt

auch noch die Lead-Stimme, eine Dame namens

Squeaky spielt Gitarre, April Fresh ist jetzt am Bass

und Sally Disaster prügelt weiterhin in bester

Manier die Drums! Ich habe überhaupt keine

Ahnung, weswegen die Ladies diese Changes

vorgenommen haben (Beziehungsstress?), aber egal,

Hauptsache sie spielen wieder zusammen! Wie die

neue Single auf Rodent Popsicle ist ,weiß ich auch

nicht (jaja, gaaanz mies recherchiert), ich weiß nur

dass das Ding „I’m A Mess“ heißt und sich jetzt

nicht großartig von dem alten Zeug unterscheiden

soll. Anyway, sie werden ja wohl auch Kram von

der „Put Out Or Get Out“ und der „Panty Raid“

spielen. Hingehen und rocken!

www.fabulous-disaster.com

TERMINE

Gentleman And The Far East Band

Date: 20. 08. 2004

Location:

Rothaarfestival/Siegen

Admission: 22 Euro

Pot

Urge Overkill

Manchmal wiederholt sich die Popgeschichte im

positiven Sinne und spuckt zu Unrecht verschwundene

Perlen wieder aus. Urge Overkill sind neben

Nirvana die wohl prägnantesten musikalischen

Vertreter des letzten Jahrzehnts. Mit der Cover-

Version von Neil Diamonds „Girl, You'll be a

Woman soon“ landeten sie prominent platziert im

Kultstreifen „Pulp Fiction“. Kurz darauf folgte mit

„Exit The Dragon“ ihr letztes Werk.. Persönliche

Differenzen und ausgedehnte Drogen-Exzesse

zerstören das lockere Joie De Vivre der Band und

die Drei gehen getrennte Wege. Zehn Jahre später

treffen sich die verschlungenen Pfade von Sänger

Nash Kato und Bassist Ed „King“ Roeser wieder

und die neue Version der Band nimmt Gestalt an.

Die Reunion hätte von Marketingstrategen kaum

besser geplant werden können, schließlich ist die

Attitüde und der abgeklärt groovende Rocksound

der Chicagoer bei Bands wie The Hives, White

Stripes usw. zu beobachten. Mittlerweile reduzieren

Urge Overkill die Äußerlichkeiten auf ein Minimum

und konzentrieren sich auf das Wesentliche: die

Musik. Neue Songs sind bereits entstanden und

eine neue Platte ist in Planung.

www.urgeoverkill.com

Fabulous Disaster King Khan And His Sensational Shrines

Date: 26. 08. 2004

Location:

Zwischenfall/Bochum

Admission: 5 Euro

Date: 20. 08. 2004

Location: Kantine/Köln

Admission: 9 Euro

Date: 02. 09. 2004

Location: Gebäude 9/Köln

Admission: 6 Euro

Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt „Three

Hairs and you’re mine“ legen die Voodoogeschulten

Soulpunks mit „Mr. Supernatural“ eine

70s-Soulfunk-inspirierte schwer groovende

Tanzplatte vor. Flammendes Blech über brodelndem

Bass-Sud. Ein tobsüchtiges Elektrophon verbeißt

sich in hypnotisches Schlagwerk. Wie ein tollwütiger

Hurrikan treiben die SHRINES ihr Publikum in ein

Inferno aus Soul und R&B, Cajun und Boogaloo.

Konvulsivisch zuckend, mit stierem Blick, in der

Hand das hölzerne Zepter, den Voodoo-Stab mit

Totemschädel, regiert King Khan die neunköpfige

Band-Hydra! Unbestritten ist, King Khan & His

Sensational Shrines haben die verlorenen

Traditionen von Stax und Motown wieder

gefunden, mit einer gemeinen Dosis Insubordination

versetzt und so den Soul in die Garagen

und den Punk in die Salons quer durch Europa

getragen. „Mr Supernatural“ titelt die zweite

Album-Vinylgravur der Shrines und lädt zur

schwülen Djungle-Seance ins Swamp-Kosmodrom!

www. king-khan.com

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

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Seed west

„Zur Irrelevanz der Drogenpolitik“ Peter Cohen in Heidelberg

Eine öffentliche Vortragsreihe am Fachbereich Medizinische

Psychologie der Universität Heidelberg beschäftigt sich

gegenwärtig mit dem Thema „Rausch und Ritual“. Im Rahmen

dieser Reihe war am 14. Juli der Soziologe Peter Cohen zu Gast

in der Uni-Stadt. Cohen war lange Jahre Leiter des Amsterdamer

Instituts für Drogenforschung (CEDRO). Dort war er bereits

in den 70er-Jahren an der Entwicklung des bekannten

holländischen Coffee Shop-Modells beteiligt, für das Kiffer in

aller Welt bis heute dankbar sind. Und noch immer ist er in

seinem Forschungsbereich sehr aktiv und gilt hierzu als einer

der kompetentesten und spannendsten Referenten Europas.

Cohens wurde begrüßt durch die Gastgeber Prof. Rolf Verres

und Dr. Henrik Jungaberle. Unter den zahlreichen Gästen

befanden sich u. a. Tilmann Holzer, Vorsitzender des VfD und

der Autor und Verleger Werner Pieper.

Cohen begann seinen Vortrag mit einer Frage, die zunächst

einfach klingt, es aber in sich hat: „Woher wissen wir, dass

Drogenpolitik Effekte auf die Prävalenz hat?“ Prävalenz gibt

dabei die Anzahl der Menschen an, die in ihrem Leben, dem

letzten Jahr oder letzten Monat Drogen konsumiert hat und

wird deshalb in Lebenszeit-, Jahres- und Monats-Prävalenz

unterteilt. Der Eingangsfrage stellte Cohen denn auch gleich

seine Kernthese gegenüber: Drogenpolitik habe keine Effekte

auf die Prävalenz, sei also für die Anzahl der Drogenkonsumenten

irrelevant. Diese These sei erstmalig bereits Anfang

der 80er-Jahre durch den Kölner Professor Karl Heinz Reuband

aufgestellt worden. Allerdings sind erst in der neuesten Zeit

umfangreiche empirische Untersuchungen dazu durchgeführt

worden, von welchen Cohen im Folgenden zwei Beispiele

vorstellte.

Im ersten Fall handelt es sich um quantitative Untersuchungen

zur Drogenprävalenz in den USA und den Niederlanden. Dabei

stellte er Cannabis in den Vordergrund, ist hier doch der

drogenpolitische Unterschied am offensichtlichsten. Verglichen

wurden so z. B. die Werte der Lebenszeitprävalenz in den

Jahren 1997 und 2001. In der Gesamtbevölkerung nahm in

diesem Zeitraum der Anteil der Cannabis-Erfahrenen in den

USA von 33 auf 38 Prozent zu. In den Niederlanden stieg dieser

Wert lediglich von 17 auf 18 Prozent an. Besonders interessant

war in diesem Zusammenhang die Gruppe der Minderjährigen

von zwölf bis 17 Jahren. Während in dieser Altersgruppe der

Anteil der Cannabis-Erfahrenen in den Niederlanden von 14

auf elf Prozent sank, blieb er in den USA konstant bei 20 Prozent.

In den USA hat somit jeder fünfte Jugendliche schon mal gekifft,

in den Niederlanden nur jeder zehnte. Dieser etwa doppelt so

hohe Anteil an Kiffern zeigte sich auch bei der Monatsprävalenz.

Bei dieser Erhebung des aktuellen Cannabis-Konsums lagen

die Werte bei sechsProzent in den USA und in den Niederlanden

bei drei Prozent. Hat nun das Cannabis-Verbot in den USA die

Anzahl der Kiffer reduziert? Offensichtlich nicht. Daraus

allerdings abzuleiten, dass die Cannabis-Tolerierung in den

Niederlanden zu vermindertem Cannabis-Konsum führe, sei

nach Cohen aber auch nicht zulässig. Beim Alkohol z. B. liegen

die Prävalenz-Werte in den Niederlanden relativ konstant bei

Wanted

Gesucht: Plattenläden ohne Hanf Journale

Ziel: zukünftige Auslage des Hanf Journals

Methode: Anzeigen (beim Hanf Journal, auf keinen

Fall bei der Polizei)

Wo: zentrale@hanfjournal.de

Belohnung: kleine Geschenke (z.B.: Drehmaschiene,

Grinder, CDs, ...)

etwa 90 Prozent, in den USA bei knapp

über 80 – obwohl das Alkoholregime dort

etwas strenger ist als in dem kleinen Land

zwischen Rotterdam und Groningen.

Die daraus abgeleitete These, wonach die

Prävalenz wahrscheinlich unabhängig von

der Drogenpolitik sei, wurde auch in der

anschließenden Diskussion von

verschiedener Seite bestätigt. So wurde

vorgebracht, dass die schärfsten Anti-

Drogengesetze der EU in Schweden und

Frankreich herrschten. Allerdings sei

Schweden neben Portugal und

Griechenland das europäische Land mit

dem geringsten Cannabis-Konsum,

während nirgends in der EU so viel gekifft

würde wie in Frankreich. Die Gesetze der

Drogenpolitiker könnten also nicht das

ausschlaggebende Kriterium für

Drogengebrauch sein.

Vielmehr stellte Peter Cohen die These auf,

dass aller Wahrscheinlichkeit nach

historisch gewachsene kulturelle

Einstellungen und Werte die Rolle und

somit die Verbreitung von Drogen

bestimmen. Zur Untermauerung dieser

These stellte er eine aktuelle vergleichende

qualitative Studie zum Drogengebrauch

in Bremen, Amsterdam und San Francisco

vor – drei Städte mit sehr unterschiedlichem

rechtlichem Umgang mit Drogen.

Für diese Studie wurden Interviews mit

Drogenbebrauchern zu ihrem Konsum,

ihrer sozialen Lage, ihren Einstellungen

und vielen anderen Dingen geführt. Die Ergebnisse zu Cannabis,

Kokain und Amphetamin befinden sich seit kurzem auf der

Homepage des Amsterdamer Drogenforschungsinstituts

CEDRO.

Die Antworten und Ergebnismuster sind in allen drei Städten

fast identisch. So wissen die Konsumenten z. B. von Cannabis

sehr viel über ihren Konsum, sind sich dessen aber nur relativ

wenig bewusst. Die drogenpolitischen Unterschiede sind für

die Entscheidung zum Drogenkonsum unerheblich. Vielmehr

steht die Funktionalität des Konsums stets im Vordergrund.

Einsteigerseminar Drogenpolitik

Der Arbeitskreis Drogen der Grünen Jugend Baden-Württemberg

veranstaltete am 17. und 18. Juli in Lauda-Königshofen (Main-

Tauber-Kreis) ein Einsteigerseminar zum Thema Drogenpolitik.

Als externer Referent war Carsten Labudda, Sprecher der BAG

Drogenpolitik in der PDS, eingeladen. Zunächst erarbeitete er

zusammen mit den Teilnehmern die drei wesentlichen

Richtungen in der Drogenpolitik: prohibitiv, medizinal und

permissiv. Danach wurden in einem Rollenspiel die Vor- und

Nachteile der beiden Extrempositionen, der drogenfreien

Gesellschaft auf der einen Seite und dem Leitbild des

drogenmündigen Bürgers und eines Rechts auf Rausch auf der

anderen, kontrovers diskutiert.

Das Hanf Journal sucht Head- und Growshops die noch keine Hanf Journale auslegen. Kennt ihr einen Shop der das noch nicht tut,

dann gibt uns die Adresse und wir kümmern uns darum das ihr auch in diesem Shop Hanf Journale bekommt. Für fachdienliche Hinweise

warten kifferfreundliche Belohnungen.

15

Es geht den Konsumenten auf der einen Seite um eine

psychische Funktion, z. B.. Entspannung, und auf der anderen

Seite um eine soziale Funktion. Durch den Drogenkonsum

werden soziale Riten entwickelt, die Gruppen konstituieren:

„Mit diesen Leuten wird gekifft, mit jenen Bier getrunken und

mit anderen werden keine Drogen gemeinsam genommen.“

Zudem stellt der Drogengebrauch neben vielem anderen einen

sozialen Status dar. So, wie beim Essen die Beigabe eines guten

Weines eine Aussage zum Status markiert, findet sich das auch,

wenn ein edler Whisky präsentiert, eine kleine Line guten

kolumbianischen Kokains gesnifft oder der Sieger des letzen

Cannabis-Cups geraucht wird. Immer lauten implizite

Aussagen: „Ich habe hier was Besonderes“ und „Ich teile es

mit dir (bzw. euch)“. Die nicht-klinischen Konsumenten – also

die große Mehrheit – baut der Studie zufolge kein

problematisches, sondern ein funktionelles Verhältnis zu Drogen

auf. Dies zeichnet sich durch eine Vielzahl sozialer Kontexte

aus. Diese Kontexte stellen dabei eine wichtige Quelle zur

Normierung des Drogengebrauchs dar.

Die Bedeutung des jeweiligen Kontextes sei Cohen zufolge

nicht hoch genug für Konsumhäufigkeit und -muster zu

veranschlagen: „Kontext ist ein unglaublich wichtiges Element,

ob Probleme auftreten oder nicht.“ Er machte dies an einem

Beispiel deutlich. Es ist ein wichtiger Teil unserer Alkohol-

Kultur, dass wir unseren Kindern zeigen: Wir trinken Alkohol.

Dadurch ist Alkohol kein Tabu-Thema, was Kommunikation

zu diesem Thema erst ermöglicht. Andererseits findet sich

heute eine neue Tendenz, Alkohol vor den Kindern zu

verstecken. Darin sieht Cohen einen Fehler, denn die

Entkulturation führe zu höheren Abhängigkeitsraten.

Unproblematischen Alkoholgebrauch der Älteren zu tabuisieren

erhöhe die Wahrscheinlichkeit problematischen Konsums bei

den Jüngeren. Diese Erkenntnis, so Cohen, sei auch für andere

Drogen nötig. Allerdings würde eine solche Offenheit durch

Drogenverbote verunmöglicht. Deshalb plädierte Cohen: „Ich

bin für einen legalen Zugang zu allen Drogen“ und an anderer

Stelle: „Kriminalisierung ist ein Feind von Solidarität mit den

Schwächeren.“ Dabei, so Cohen, sollte in der Ausgestaltung

die jeweilige lokale Kultur die lokalen Regelungen bestimmen.

Infos:

www.cedro.uva.nl; www.ritualkongress.de

Carsten Labudda

Max Plenert, Sprecher des Fachforums Drogen der Grünen

Jugend Bundesverband, fasste danach noch einmal die

wesentlichen Punkte einer alternativen Drogenpolitik

zusammen. Außerdem präsentierte er eine erste Version eines

Grundsatzpapiers zur „Grünen Drogenpolitik“.

Abends wurde dann noch in gemütlicher Runde gefeiert und

diskutiert.

Am Sonntag stand dann Sokratis Zacharopoulos von der Hanf-

Initiative mit dem Thema „Drogen in der Öffentlichkeit“ auf

der Tagesordnung. Diskutiert wurde über die Titelstory des

„Spiegel“ „Die Seuche Cannabis“ (Anm. d. Red.: siehe Hanf

Journal, Juli 2004), den populistischen Forderungen des neuen

Innenministers Rech, Cannabis-Konsumenten grundsätzlich

den Führerschein zu entziehen und den Möglichkeiten in der

Öffentlichkeit wirksam Aufklärung zu betreiben. Außerdem

berichtete er über die aktuelle Sachlage beim Handel mit

psylocibinhaltigen „Zauberpilzen“.

Für den Gastgeber und frisch gewählten Sprecher des AK

Drogen Tilman Versch war das Seminar ein voller Erfolg. „Es

war ein gut besuchtes Seminar mit guten Referenten. Ich hoffe

sehr, dass dies der Startschuss für eine Vielzahl weiterer

Aktionen und Treffen ist“, meinte Versch zum Abschluss.

Infos:

www.gj-main-tauber.de, www.gruene-drogenpolitik.de

Interview mit Max Plenert

www.hanfjournal.de/seed-west/artikel-juli04-s2.html

Artikel über den „Spiegel“-Artikel

www.hanfjournal.de/news/artikel-juli04-s1.html

Max Plenert


16

Seed west

Woran hängt es, Carsten Max Plenert? Labudda?

In dieser Interviewreihe wollen wir von den drogenpolitischen

Kämpfern im „Seedwesten“ Deutschlands erfahren, woran es

hängt, dass Hanf noch nicht legalisiert wurde und wie sie dafür

kämpfen. Für diese Ausgabe stellten wir unsere Fragen Carsten

Labudda, 28, aus Weinheim bei Heidelberg, Sprecher der

Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Drogenpolitik in der PDS.

Er war von 2001 bis 2003 Bundessprecher des PDS-

Jugendverbandes [’solid] und ist aktiv im Verein für

Drogenpolitik (VfD) und dem Heidelberger Doors of Perception

Ethic Committee (DOPEC).

Hanf Journal: Woran hängt es, dass Hanf noch nicht legalisiert

wurde?

Carsten Labudda: Die meisten Menschen nehmen Cannabis

nur am Rande durch die Massenmedien wahr. Dort – wie auch

in der Politik – wird Cannabis allerdings fast ausschließlich als

Problem behandelt, das „bekämpft“ werden müsse. Für

Kampfmaßnahmen aber ist der Staat mit seiner Polizei

zuständig. Es ist leider bis heute nicht gelungen, den Menschen

zu vermitteln, dass die „Bekämpfung“ nicht nur sinnlos ist,

sondern einen großen Teil der Drogenprobleme erst schafft.

Ein großes Manko der Legalisierungs-Bewegung ist dabei, dass

zumeist die staatlich geschaffenen Probleme der Konsumenten

gegeißelt werden. Den Menschen muss aber vermittelt werden,

dass ihre Sorgen und Ängste ernst genommen werden. Sonst

wird die Kommunikation zwischen der Legalisierungs-

Bewegung und der Mehrheit der Bevölkerung einseitig bleiben.

Hanf Journal: Was steht zwischen uns und einer vernünftigen

Drogenpolitik?

Carsten Labudda: Neben den vielfältigen Basisaktivitäten

wie Demonstrationen und Infoständen muss künftig auch eine

professionelle Lobby-Arbeit stattfinden. Gezielt müssen

Meinungsbildner in den Medien und Entscheidungsträger in

der Politik informiert, aufgeklärt und für vernünftige Ideen

gewonnen werden. Auch, wenn 100.000 Menschen für eine

bessere Politik auf die Straße gehen – die Politik sitzt das gerne

aus. Wenn die Politiker und andere Promis allerdings zusätzlich

auf ihren Empfängen und bei ihren Konferenzen persönlich

angesprochen werden, werden sie gezwungen, sich mit dem

Thema auseinander zu setzen.

Hanf Journal: Was tust du konkret, damit Hanf endlich

legalisiert wird?

Carsten Labudda: Ich habe mich an der Erarbeitung der

drogenpolitischen Positionen der PDS-Jugend beteiligt und

möchte das nun als Sprecher der BAG Drogenpolitik in der

Mutterpartei tun. Es sind vereinzelte Ansätze in der PDS

vorhanden, die gebündelt und ausgebaut werden müssen.

Weiterhin bin ich Mitglied des VfD und unterstütze deren

Anliegen, eine partei-unabhängige Lobby-Arbeit auf- und

auszubauen. Auf einer lokalen kulturellen Ebene unterstütze

ich DOPEC, welches sich für ein offeneres Klima in Heidelberg

einsetzt: „Free your mind!“ Ich habe letzten Dezember die

Konferenz „Hanf in Europa“ in Mannheim organisiert, bin als

Redner und Teilnehmer auf diversen Demonstrationen und

Podien zugegen und gebe regelmäßig Weiterbildungsseminare

zum Thema Drogenpolitik. Außerdem betreue ich mit

www.drogenpolitik.de eine informierende Website.

Hanf Journal: Was ist die BAG Drogenpolitik? Und sind

eure Ziele?

Carsten Labudda: Die BAG Drogenpolitik wurde in diesem

Jahr gegründet und soll zunächst die bislang vereinzelten

Kompetenzen in der PDS bündeln. Ziel dessen ist es, mittelfristig

zu einem allgemein in der PDS getragenen Gesamtkonzept für

eine vernünftige und humane Drogenpolitik zu kommen. Ein

solches Gesamtkonzept fehlt der PDS bislang, weil zu viel lokal

und inhaltlich nebeneinander her läuft. Die BAG Drogenpolitik

soll das Kompetenz-Zentrum der PDS, auf diesem Gebiet

werden und so mittelfristig auch die Außenwirkung der Partei

verbessern.

Hanf Journal: Seid ihr für die Legalisierung aller Drogen?

Carsten Labudda: Diese Debatte ist in der BAG noch nicht

ausdiskutiert. Ein Teil der BAG spricht sich für eine

Relegalisierung aller Drogen aus, ein anderer will dies nur für

so genannte „weiche Drogen“ wie Cannabis. Von daher möchte

ich dem Ergebnis der Debatte nicht vorgreifen.

Hanf Journal: Kann man bei euch mitmachen und wie?

Carsten Labudda: Mitmachen kann natürlich jede und

jeder. Dazu kann man sich einfach anmelden, z. B. über die

Homepage www.pds-drogenpolitik.de. Wir sind immer an

inhaltlichen Anregungen interessiert, genauso wie an Leuten,

die Aktionen machen wollen. Was überdies praktisch ist: Um

bei der BAG Drogenpolitik der PDS mitzumachen, muss man

nicht Mitglied der Partei sein.

Hanf Journal: Hat der Spiegel mit seinem reißerischen

Aufmacher „Die Seuche Cannabis“ der Legalize-Bewegung

geschadet?

Carsten Labudda: Ja und nein. Ja, weil die Dämonisierung

des Hanfes in der Gesellschaft befördert wurde. Nein, weil es

der Legalize-Bewegung wieder einmal deutlich gemacht hat,

dass sie ihre Anstrengungen verstärken muss. Ich hoffe, dass

genau dadurch neue Energien freigesetzt wurden und werden

. . .

Hanf Journal: Wie kommt es eigentlich zu solchen

Hetzkampagnen?

Carsten Labudda: Es ist in der heutigen Zeit für Medien

genau das interessant, was spektakulär ist und sich dadurch

„gut verkauft“. Ein Großteil der Journalisten ist im Bereich der

Drogenpolitik nicht sonderlich kompetent und daher natürlich

auf Informationen von Dritten angewiesen. Sind die

Informationen spektakulär, werden sie umso lieber verwendet.

So ist z. B. das Märchen vom angeblichen Gen-Gras entstanden,

genauso wie die Behauptung von der gestiegenen Gefährlichkeit

des Cannabis. Ich sehe deshalb eher keine gesteuerten

„Kampagnen“, sondern ein Problem der Eigendynamik eines

auf Quote und Absatz verpflichteten Medienwesens.

Hanf Journal: Wie beurteilst du den unlängst gestarteten

Handel mit frischen Psylocibin-haltigen Lebensmittelpilzen in

Deutschland?

Carsten Labudda: Da frische Psilocybin-Pilze in den

Niederlanden legal verkauft werden, müssen sie in allen Staaten

des gemeinsamen europäischen Binnenmarktes verkauft werden

können. Auf der einen Seite freut mich das, zumal diese Pilze

auch in Deutschland vielerorts wild wachsen. Auf der anderen

Seite unterstehen diese Pilze weiter dem Betäubungsmittelgesetz.

Diese Rechtsunsicherheit wird für viele Pilz-

Liebhaber zu Problemen führen, weil der Staat sehr

unterschiedlich reagieren wird. Hauptnutznießer werden wohl

die Anwälte sein, Ausgang offen. Entweder wird am Ende der

Entwicklung eine Streichung von Psilocybin-Pilzen aus dem

Betäubungsmittelgesetz stehen oder der Druck der vereinigten

europäischen Prohibitionisten wird zu einem Pilz-Verbot in

Holland führen. Wichtig ist, dass diese Debatte überhaupt

kommt, und ich hoffe, dass deren Ergebnisse positiv sein

werden.

Hanf Journal: Was sagst du zu der Forderung des neuen

Innenministers in Baden-Württemberg Rech, Kiffern

grundsätzlich die Fahrerlaubnis zu entziehen?

Carsten Labudda: Ich halte das für den üblichen Populismus

zum Sommerloch, mit dem sich ein bislang wenig bekannter

Politiker Profil verschaffen will. Nach den Entscheidungen des

Bundesverfassungsgerichts zur Führerscheinproblematik sollte

er wissen, dass ein solcher Unsinn vor keinem Gericht

standhalten kann, weil ein solches Gesetz schlicht

verfassungswidrig wäre.

Hanf Journal: Was liegt dir besonders am Herzen, was

möchtest du unseren Lesern sagen?

Carsten Labudda: Liebe Hanf-Journal-Leser, die ihr selbst

Drogen nehmt: Wenn ihr das tut, achtet bitte darauf, Risiken

zu minimieren. Im Internet kann sich jeder über Safer Use-

Regeln informieren und diese in seinem Bekanntenkreis

weiterverbreiten.

Infos:

www.pds-drogenpolitik.de

www.medienschamanismus.de

Das Interview führte Sokratis Zacharopoulos

Legaler Hanfanbau

für alle!

Hanf darf legal angebaut werden! Voraussetzung dafür ist

allerdings eine Anbaugenehmigung des Bundesinstituts für

Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Wir berichteten in unserer Januarausgabe über „Robert Jaroschs

Kampf um den Führerschein“ (Anm. d. Red.: auf

www.hanfjournal.de nachzulesen) mittlerweile hat er diesen

zurückerobert. Nur reicht das dem Mainhausener nun nicht

mehr. Er will mehr! Er will alles! Er will legal Hanf anbauen

und das nicht nur für sich selbst, sondern wir alle sollen das

dürfen. Scheint, als hätten die Repressionisten dieses mal den

„falschen“ Kiffer gestresst: Ein Kiffer der sich wehrt! Ein Kiffer,

der um seine Recht kämpft! Bravo Robert!

Robert hat vor einiger Zeit einen Cannabis-Anbau-Antrag

gestellt und zwar für 20 Pflanzen zum Genussmittel-Eigenbedarf.

: „Ein öffentliches Interesse liegt vor, wenn die eine sachliche

Entscheidung mehr öffentlichen und gesellschaftlichen Zielen förderlich

ist als eine andere. Den beantragten Anbau zu genehmigen dient

dem öffentlichen Interesse, im Sinne:

1. einer Stärkung und Stabilisierung der Normakzeptanz und

Normtreue der Bevölkerung

2. einer Reduzierung der Kosten der Strafverfolgung und des

Justizwesens bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz dieses Sektors

3. einer Reduzierung von Kriminalität und Kriminalitätsangst und

4. der Verbesserung der Volksgesundheit und damit einer Reduzierung

der Kosten im Gesundheitswesen.“

Außerdem: „Strafrecht, das nicht wirkt, wird zum Symbolhandeln

und die (wenigen) gefassten „Täter“ bringen, da an ihnen das

Strafrecht exemplarisch statuiert wird, ein reales Opfer. Niemand

vertritt ernsthaft die Ansicht, mit dem heute geltenden BtMG den

Cannabis-Konsum wirklich reduzieren zu können. Dazu sind in der

Mediengesellschaft die dieses Verbot tragenden Vorurteile viel zu

leicht durchschaubar und überprüfbar geworden. Alleine die Politik,

die meint, gewissen Wählerschichten gegenüber verpflichtet zu sein,

ein kämpferisches Auftreten gegen Drogenmissbrauch an den Tag

legen zu müssen, profitiert von der Aufrechterhaltung der bestehenden

Rechtslage. Dies ist als Begründung für strafrechtliches Handeln des

Staates nicht ausreichend.“

Der Antrag wurde, wen wundert es, unsinniger Weise abgelehnt

und die BfArM hat dafür auch noch 50 Euros Bearbeitungsgebühr

verlangt! Robert hat daraufhin mit seinem Anwalt Dr.

Leo Teuter Widerspruch eingelegt und natürlich wurde auch

dieser abgelehnt. Ein Misserfolg also?

Nein! Durch ihre Initiative wurde der Weg für eine Klage gegen

die Ablehnung dieses Antrages geebnet. In erster Instanz wurde

diese Klage vom Verwaltungsgericht in Köln zwar abgewiesen,

aber mit folgender Begründung: „Die Erteilung einer einzelnen

Ausnahmeerlaubnis an den Kläger ist jedoch wegen ihrer

geringen Auswirkung nicht geeignet, diese Ziele zu erreichen

oder zumindest in nennenswerter Weise zu fördern. Vielmehr

könnte ein Einfluss auf Normakzeptanz, Kriminalität und

Justizwesen nur durch die Erteilung einer Erlaubnis an eine

Vielzahl von Personen erreicht werden.“ Nun geht es weiter

zum Oberverwaltungsgericht in Münster.

Dazu sagt Rechtsanwalt Dr. Leo Teuter: „Daraus ergibt sich,

dass ganz viele Anträge zusammenkommen müssen, um

Wirkung zu erzielen.“ Und genau deshalb müssen nun alle,

die legal Hanf anbauen möchten, diesen Antrag stellen. Und

keine Angst, das ist strafrechtlich nicht relevant! Alle Mitmacher

haben die Möglichkeit Hanf-Geschichte zu schreiben, denn sie

werden die ersten Kiffer sein die vollkommen legal ihr eigenes

Gras züchten dürfen! Euer „Seedwest“-Redakteur macht

jedenfalls mit!

Natürlich werden alle Anträge erst einmal abgelehnt! Und es

müssen 50 Euros gezahlt werden. Aber das sollte uns der Hanf-

Anbau wert sein, oder? Siegen Robert und seine Anwälte,

werden alle anderen Antragsteller und somit potenziellen

Kläger von RA Dr. Leo Teuter und RA Stefan Kristen

kostengünstig in einem Verfahren zusammengefasst. Wichtig

ist, dass ihr eine Kopie des elfseitigen Antrages an die Grüne

Hilfe Hessen sendet, damit dies dokumentiert ist! Der Antrag

kann unter www.gruene-hilfe.de heruntergeladen oder gegen

Einsendung von 2,50 Euros in Briefmarken bei der Grünen

Hilfe Hessen, Untere Fuldergasse 12 in 36304 Alsfeld,

angefordert werden.

Infos:

www.gruene-hilfe.de

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

Sokratis Zacharopoulos


Hanfparade

Date: 14. 08. 2004

Location:

Oranienplatz/Berlin-

Kreuzberg

Admission: -

Es ist wieder soweit: Um 12 Uhr startet das

Programm der diesjährigen Hanfparade vor dem

Roten Rathaus am Alex mit diversen Redebeiträgen

(z. B. Tommy Diener von den Jungen Liberalen).

Gegen 13 Uhr geht es dann los Richtung Chinesische

Botschaft an der Jannowitz-Brücke, wo es wieder

Redner, diesmal zum Thema „Prohibition Weltweit

– Weltweiter Widerstand“ geben wird. Dann wird

weitergelatscht zum ORANIENPLATZ, NICHT

zum Mariannenplatz, wo dann gegen 16 Uhr die

Abschlusskundgebung beginnen soll. Hier wechseln

sich dann Redebeiträge mit Bands (Culcha Candela,

Götz Widmann, Dr. Ring Ding, Special Guests, All

Massive, Phaderheadz u. a.) ab! Wenn ihr keinen

Bock habt mit der eigenen Karre anzureisen, checkt

mal www.hanfparade.de/ parade/busreisen, da gibt’s

Bustransfers für wenig Geld aus fast jeder Ecke in

Deutschland! Billig knacken könnt ihr in „Mitte’s

Backpacker Hostel“ (Chausseestr. 102) oder im

„Baxpax Hostel Berlin“ (Skalitzer Straße

104/Kreuzberg), da gibt’s bis zu 30 Prozent Rabatt

in Vielbett-Zimmern. Hoffen wir, dass das Wetter

mitspielt, viel Spaß und lasst euch nicht verhaften!

Velvet Revolver

Date: 28. 08. 2004

Location: Rock am

See/Konstanz

Admission: 15 Euro

Eine neue Supergroup lädt durch. Fast ein Jahr

dauert es, bis die Ex-Gunners Slash (Gitarre), Duff

McKagan (Bass) und Trommler Matt Sorum

gemeinsam mit Ex-Stone Temple Pilots-Sänger Scott

Weiland sowie dem Gitarristen Dave Kushner ein

Album an den Start bringen. Weilands Drogen-

Eskapaden hätten das zarte Pflänzlein vorher fast

im Keim erstickt. Im Frühjahr 2002 besinnen sich

Slash, Sorum und McKagan beim Jammen in Los

Angeles auf ihre gemeinsamen Tage bei Guns

’N’Roses. Die Chemie stimmt wieder und erstes

Song-Material entsteht. Der Funke springt beim

prominenten Grunge-Rocker Weiland über und

während die anderen für den Rest des Jahres ein

Album zimmern, muss Weiland wegen permanenter

Drogen-Probleme (1999 saß er deshalb im

Gefängnis) auf richterliche Anordnung in Reha.

Zudem wird er noch zweimal wegen Verkehrsverstößen

unter Drogen-Einfluss fest genommen.

Im Mai startete das Quintett die erste US-Tour in

St. Louis. Jetzt kommen sie erstmals nach Europa!

Und so steht einem authentischen 80er-/90er-Rock-

Revival nichts mehr im Wege.

www.velvetrevolver.net

Manchmal wiederholt sich die Popgeschichte im

positiven Sinne und spuckt zu Unrecht verschwundene

Perlen wieder aus. Urge Overkill sind neben

Nirvana die wohl prägnantesten musikalischen

Vertreter des letzten Jahrzehnts. Mit der Cover-

Version von Neil Diamonds „Girl, You'll be a

Woman soon“ landeten sie prominent platziert im

Kultstreifen „Pulp Fiction“. Kurz darauf folgte mit

„Exit The Dragon“ ihr letztes Werk.. Persönliche

Differenzen und ausgedehnte Drogen-Exzesse

zerstören das lockere Joie De Vivre der Band und

die Drei gehen getrennte Wege. Zehn Jahre später

treffen sich die verschlungenen Pfade von Sänger

Nash Kato und Bassist Ed „King“ Roeser wieder

und die neue Version der Band nimmt Gestalt an.

Die Reunion hätte von Marketingstrategen kaum

besser geplant werden können, schließlich ist die

Attitüde und der abgeklärt groovende Rocksound

der Chicagoer bei Bands wie The Hives, White

Stripes usw. zu beobachten. Mittlerweile reduzieren

Urge Overkill die Äußerlichkeiten auf ein Minimum

und konzentrieren sich auf das Wesentliche: die

Musik. Neue Songs sind bereits entstanden und

eine neue Platte ist in Planung.

www.urgeoverkill.com

Die vier Mädels aus San Francisco sind wieder am

Start! Nach einem Labelwechsel von Fat Wreck

Chords zu Rodent Popsicle und einigen Veränderungen

in der Besetzung kommen sie wieder

nach Europa. Die alte Sängerin (ich weiß nicht mehr

wie sie hieß) und Basser Mr. Nancy sind raus,

stattdessen singt die Gitarristin Lynda Mess jetzt

auch noch die Lead-Stimme, eine Dame namens

Squeaky spielt Gitarre, April Fresh ist jetzt am Bass

und Sally Disaster prügelt weiterhin in bester

Manier die Drums! Ich habe überhaupt keine

Ahnung, weswegen die Ladies diese Changes

vorgenommen haben (Beziehungsstress?), aber egal,

Hauptsache sie spielen wieder zusammen! Wie die

neue Single auf Rodent Popsicle ist ,weiß ich auch

nicht (jaja, gaaanz mies recherchiert), ich weiß nur

dass das Ding „I’m A Mess“ heißt und sich jetzt

nicht großartig von dem alten Zeug unterscheiden

soll. Anyway, sie werden ja wohl auch Kram von

der „Put Out Or Get Out“ und der „Panty Raid“

spielen. Hingehen und rocken!

www.fabulous-disaster.com

Seed west

TERMINE

Urge Overkill

Date: 18. 08. 2004

Location:

Schwimmbad/Heidelberg

Admission: 9 Euro

Gentleman And The Far East Band

So, es ist wieder Sommer (zumindestens auf dem

Papier) - Festivalzeit! Und da kommt er natürlich

wieder hervorgekrochen aus seinem jamaikanischen

Loch, um uns regenverwöhnte Westeuropäer mit

’ner Runde sonnigen Reggae/Dancehall-Beats und

den dazugehörigen Vocals (ist das eigentlich

„toasting“?!) zu erfreuen! Ich find ja immer nett,

dass der Herr so ’ne Art „kleinster gemeinsamer

Nenner“ der Festival-Besucher zu sein scheint: Da

skankt der metallische Mähneschüttler debil

lächelnd neben Sportfreunde—Stiller-Studentinnen,

und jene wiederum neben Yo-Muthafucka-

Junggangstern! Tja, Unity durch Pflanzenkonsum!

Auch als positiv zu bewerten ist meiner Meinung

nach die so um die zwanzig Leute zählende Band,

die – na klar - eine ganz andere Dynamik rüberbringt

als irgendein DJ beziehungsweise DAT!

Das Geschwafel über seine History, seine Platten

und den ganzen Rest spare ich mir jetzt mal gepflegt,

weil nämlich in der September-Ausgabe eurer

Lieblingszeitung (ja, exakt, dem Hanf Journal) ein

ausführliches Interview enthalten sein wird!

www.journeytojah.com

Fabulous Disaster King Khan And His Sensational Shrines

Date: 06. 09. 2004

Location:

Kulturladen/Konstanz

Admission: 5 Euro

Date: 21. 08. 2004

Location: bigFM –

Summerbeats/Esslingen a.

Neckar

Admission: 22 Euro

Date: 12. 09. 2004

Location: Hafen 2/Offenbach

Admission: 6 Euro

Nach ihrem aufsehenerregenden Debüt „Three

Hairs and you’re mine“ legen die Voodoogeschulten

Soulpunks mit „Mr. Supernatural“ eine

70s-Soulfunk-inspirierte schwer groovende

Tanzplatte vor. Flammendes Blech über brodelndem

Bass-Sud. Ein tobsüchtiges Elektrophon verbeißt

sich in hypnotisches Schlagwerk. Wie ein tollwütiger

Hurrikan treiben die SHRINES ihr Publikum in ein

Inferno aus Soul und R&B, Cajun und Boogaloo.

Konvulsivisch zuckend, mit stierem Blick, in der

Hand das hölzerne Zepter, den Voodoo-Stab mit

Totemschädel, regiert King Khan die neunköpfige

Band-Hydra! Unbestritten ist, King Khan & His

Sensational Shrines haben die verlorenen

Traditionen von Stax und Motown wieder

gefunden, mit einer gemeinen Dosis Insubordination

versetzt und so den Soul in die Garagen

und den Punk in die Salons quer durch Europa

getragen. „Mr Supernatural“ titelt die zweite

Album-Vinylgravur der Shrines und lädt zur

schwülen Djungle-Seance ins Swamp-Kosmodrom!

www. king-khan.com

Achtung!

jeder Missbrauch von

Drogen ist gefährlich!

Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder

animieren Drogen zu

konsumieren

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