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20 USABILITY

ven Produkten der fundierten Verbraucherinformation eine immer zentralere Rolle zu. Dies bietet die Chance,

bereits frühzeitig die tendenziell negative Stimmung gegenüber Neuem zu mildern bzw. zu vermeiden.

Für die Unternehmen bedeutet dies, zunächst in ihrer Distributionspolitik eine breite Streuung von Vertriebsräumen

vorzusehen, um die Konsumenten zu möglichst vielen unterschiedlichen „Konsumzeiten“ zu

erreichen. Dabei sind starre Handelsstufen hinderlich. Flexible Systeme, wie z. B. Franchising, bieten gute

Potentiale, ein Produkt sowohl über den Ladentisch, als auch über ein Internet-Portal zu vertreiben.

Um die zeitliche Eigenleistung der Konsumenten bei Suche und Aufmerksamkeit bezüglich eines Warenangebotes

zu entlasten, wird es immer bedeutsamer den Verbrauchern ein geeignetes Güterbündel anzubieten.

Ein modernes Beispiel hierfür sind Online-Shop-Systeme, die den Kunden - z. B. vor dem Kauf eines Organisers

- bereits auf passendes Zubehör wie Etui oder Software aufmerksam machen. Am herkömmlichen POS

erreicht man dies selbstverständlich durch geeignetes Platzieren der entsprechenden Produkte.

Auch bezüglich der Kommunikationsinstrumente sind Schritte zu überlegen, die den Verbraucher entlasten.

Kroeber-Riel/Weinberg berichten, dass 95 % der Werbeinformationen gar nicht aufgenommen werden können.

Ein gutes Mittel dem entgegenzuwirken ist eine Individualisierung der Werbung. Systeme wie z. B. Payback

legen die Konsumgewohnheiten der Verbraucher mit deren Wissen offen und ermöglichen damit einen

gezielteren Informationsfluss. Im Idealfall spart dies sowohl Unternehmen als auch Verbrauchern unnötigen

Aufwand und ermöglicht eine gesteigerte Flexibilität.

Allerdings sind die Wirtschaftsunternehmen nicht die einzigen, die etwas zur Erhöhung der Flexibilität und

Reversibilität beitragen können. Auch der Staat hält ein zu diesem Zweck höchst effektives Mittel in Händen.

Es ist der Schutz des Wettbewerbs.

Durch den Wettbewerb kann das wirken, was Adam Smith bereits Mitte des 18. Jahrhunderts die „unsichtbare

Hand des Marktes“ genannt hat, und die Chancen sind gut, dass sich auf dem Markt in Zukunft flexible

und reversible Angebote durchsetzen werden.

These 2: Der gekonnte Umgang mit Informationen und Technik muss trainiert werden.

Es ist zum Ausdruck gekommen, dass die Informationsflut die Menschen beruflich als auch privat belastet.

Die Informations- und Kommunikationstechniken erhöhen sowohl Menge als auch Geschwindigkeit der zu

verarbeitenden Informationen. Dies führt bei den Einzelnen zum Empfinden, dass die Zeit immer knapper

wird.

Um diesem Trend entgegen zu wirken, muss Können im Umgang mit Informationen und den dazugehörigen

Techniken verbreitet werden. Bestimmte Schlüsselkompetenzen wie der sichere Umgang mit Informationswerkzeugen

oder das Erarbeiten von effektiven Filtermechanismen müssen bei den Einzelnen auch im Hinblick

auf das Konsumverhalten trainiert werden. Eine dafür grundlegende Voraussetzung ist Befähigung zur

Selbstständigkeit. Externe Stützen helfen nur bis zu einem gewissen Grad. Den Rest muss jeder selbst erledigen.

Zu dieser Selbstständigkeit gehört auch die Verwaltung des eigenen Zeitbudgets. Nur wer die Moderation

seiner Eigenzeit zu großen Teilen selbst in der Hand hat, kann dem empfundenen Zeitdruck entfliehen.

Klar ist, dass die Anforderungen an den Einzelnen dadurch nicht abnehmen werden. Es kann und sollte jedoch

versucht werden, Strategien aufzuzeigen, die diese Anforderungen effektiver organisieren lassen. So

könnte aus der Informationsgesellschaft langsam eine informierte Gesellschaft werden – ein Begriff, den ich

von Haefner (1997) entliehen habe.

Literatur

Ahrens, Daniela; Gerhard, Anette; Hörning, Karl (1994): Neue Technologien im Kampf mit der Zeit. In: Beckenbach, Niels; van

Treek, Werner (Hrsg.): Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit, (Soziale Welt: Sonderband, 9), Schwartz: Göttingen

Nibbrig, Bernhard (1994): Käuferverhalten. In: Krol, Gerd-Jan (Hrsg): Wirtschaftliche Grundbildung: der Verbraucher in der

sozialen Marktwirtschaft; eine Zeitschrift des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Bildung e.V., Münster. Heft

1/1994. Leske+Budrich: Leverkusen

Baßeler, Ulrich; Heinrich, Jürgen; Koch, Walter A. S. (1999 15 ): Grundlage und Probleme der Volkswirtschaft. Wirtschaftsverlag

Bachem: Köln.

Weinberg, Peter; Besemer, Simone (1999): Shopping-Center in der Zukunft. In: Marketing: Zeitschrift für Forschung und Praxis;

ZFP - München: Beck, Heft 3, 3. Quartal 1999

Kroeber-Riel, Werner und Weinberg, Peter (1999 7 ): Konsumentenverhalten. Vahlen: München.

Haefner, K. (1997): Multimedia im Jahre 2000plus - Konsequenzen für das Bildungswesen. In Issing, L.& Klimsa, P. (Hrsg.)

(1997 2 ): Information und Lernen mit Multimedia, Weinheim: Psychologische Verlags Union, S. 463ff.

Lyman, Peter und Varian, Hal R. (2000): How Much Information. http://www.sims.berkeley.edu/how-much-info 07.2002

* Werner Nagel, WN-Learnware, Arndtstraße 26, 79539 Lörrach. E-mail: nagel@wn-learnware.de

FORUM WARE 30 (2002) NR. 1 - 4

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