15.03.2022 Aufrufe

FINE Das Weinmagazin - 01/2022

BORDEAUX Château Lafleur: Die Sphinx von Pomerol BORDEAUX Château L’Évangile: Fixstern am rechten Ufer BORDEAUX La Conseillante: Hinaus aus dem Schatten der Nachbarn! EDITORIAL Von prickelnden und stillen Größen CHABLIS Die Region im Überblick: Erfrischend zeitlos CHABLIS Vincent Dauvissat: Gänsehaut im Fasskeller CHABLIS Jean-Paul & Benoît Droin: Mit Tradition und Smartphone CHABLIS William Fèvre: Die Essenz des Chablis CHABLIS Domaine Long-Depaquit: Erfolgreich verweltlicht CHABLIS Domaine Raveneau: Das Erbe der Väter DAS GROSSE DUTZEND Rote Wucht von roten Böden: Monteverro WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im »Kronenschlösschen« in Hattenheim KATALONIEN Torres, Teil 4: An den Mauern des Königsklosters DIE PIGOTT-KOLUMNE Zu Gast bei drei Champagnerhäusern TASTING Deutsche Spätburgunder aus dem Jahrgang 2008 INTERVIEW Olivier Krug und Arnaud Lallement CHAMPAGNE Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 4 GENIESSEN Steak Tatar: Die pure Fleischeslust MOSEL Hofgut Falkenstein: Weltklasse aus dem Seitental WORTWECHSEL Warum es immer weniger Winzer und Weingüter gibt WEIN & ZEIT Die schwierige Frühzeit des VDP MOSEL Bischöfliche Weingüter Trier: Die großen Unbekannten ABGANG Sonne am Ende des Tunnels

BORDEAUX Château Lafleur: Die Sphinx von Pomerol
BORDEAUX Château L’Évangile: Fixstern am rechten Ufer
BORDEAUX La Conseillante: Hinaus aus dem Schatten der Nachbarn!

EDITORIAL Von prickelnden und stillen Größen
CHABLIS Die Region im Überblick: Erfrischend zeitlos
CHABLIS Vincent Dauvissat: Gänsehaut im Fasskeller
CHABLIS Jean-Paul & Benoît Droin: Mit Tradition und Smartphone
CHABLIS William Fèvre: Die Essenz des Chablis
CHABLIS Domaine Long-Depaquit: Erfolgreich verweltlicht
CHABLIS Domaine Raveneau: Das Erbe der Väter
DAS GROSSE DUTZEND Rote Wucht von roten Böden: Monteverro
WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im »Kronenschlösschen« in Hattenheim
KATALONIEN Torres, Teil 4: An den Mauern des Königsklosters
DIE PIGOTT-KOLUMNE Zu Gast bei drei Champagnerhäusern
TASTING Deutsche Spätburgunder aus dem Jahrgang 2008
INTERVIEW Olivier Krug und Arnaud Lallement
CHAMPAGNE Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 4
GENIESSEN Steak Tatar: Die pure Fleischeslust
MOSEL Hofgut Falkenstein: Weltklasse aus dem Seitental
WORTWECHSEL Warum es immer weniger Winzer und Weingüter gibt
WEIN & ZEIT Die schwierige Frühzeit des VDP
MOSEL Bischöfliche Weingüter Trier: Die großen Unbekannten
ABGANG Sonne am Ende des Tunnels

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CHÂTEAU LAFLEUR

DAS GROSSE RÄTSEL VON POMEROL

Chablis Champagner Katalonien Toskana Mosel

Fünf Güter, Olivier Krug Grans Muralles und Zwölf Jahrgänge Hofgut Falkenstein und

fünf Stile im Interview Milmanda von Torres Monteverro Bischöfliche Weingüter Trier


FINE

CHÂTEAU L’ÉVANGILE 24

CHÂTEAU LA CONSEILLANTE 34

VINCENT

DAUVISSAT 44

JEAN-PAUL &

BENOÎT DROIN 50

WILLIAM

FÈVRE 56

LONG-

DEPAQUIT 62

DOMAINE

RAVENEAU 68

GRANS MURALLES 88

HOFGUT FALKENSTEIN 120

BISCHÖFLICHE

WEINGÜTER TRIER 136

8 FINE 1 | 2022 INHALT


DAS WEINMAGAZIN 1|2022

MONTEVERRO 74

DEUTSCHE SPÄTBURGUNDER 2008 100

OLIVIER KRUG 106

CHÂTEAU LAFLEUR 14

11 FINE EDITORIAL _________________ Von prickelnden und stillen Größen

13 FINE CHARTA ____________________ Die FINE-Weinbewertung

14 FINE BORDEAUX _________________ Château Lafleur: Die Sphinx von Pomerol

24 FINE BORDEAUX _________________ Château L’Évangile: Fixstern am rechten Ufer

34 FINE BORDEAUX _________________ La Conseillante: Hinaus aus dem Schatten der Nachbarn!

42 FINE CHABLIS ___________________ Die Region im Überblick: Erfrischend zeitlos

44 FINE CHABLIS ___________________ Vincent Dauvissat: Gänsehaut im Fasskeller

50 FINE CHABLIS ___________________ Jean-Paul & Benoît Droin: Mit Tradition und Smartphone

56 FINE CHABLIS ___________________ William Fèvre: Die Essenz des Chablis

62 FINE CHABLIS ___________________ Domaine Long-Depaquit: Erfolgreich verweltlicht

68 FINE CHABLIS ___________________ Domaine Raveneau: Das Erbe der Väter

74 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Rote Wucht von roten Böden: Monteverro

80 FINE WEIN & SPEISEN ___________ Jürgen Dollase im »Kronenschlösschen« in Hattenheim

88 FINE KATALONIEN _______________ Torres, Teil 4: An den Mauern des Königsklosters

96 FINE DIE PIGOTT-KOLUMNE _____ Zu Gast bei drei Champagnerhäusern

100 FINE TASTING ____________________ Deutsche Spätburgunder aus dem Jahrgang 2008

106 FINE INTERVIEW _________________ Olivier Krug und Arnaud Lallement

112 FINE CHAMPAGNE _______________ Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 4

118 FINE GENIESSEN ________________ Steak Tatar: Die pure Fleischeslust

120 FINE MOSEL _____________________ Hofgut Falkenstein: Weltklasse aus dem Seitental

128 FINE WORTWECHSEL ____________ Warum es immer weniger Winzer und Weingüter gibt

130 FINE WEIN & ZEIT ________________ Die schwierige Frühzeit des VDP

136 FINE MOSEL _____________________ Bischöfliche Weingüter Trier: Die großen Unbekannten

146 FINE ABGANG ___________________ Sonne am Ende des Tunnels

INHALT

FINE 1 | 2022 9


BESONDERS.

UNIQUE.

EXKLUSIV.

fine-club.de


LIEBE LESERINNEN,

LIEBE LESER,

am Ende der vorigen FINE-Ausgabe stand der Aufruf, in diesem Frühjahr nach vorn zu schauen

und dazu einen Champagner zu öffnen. Offenbar tun das bereits mehr Menschen als gedacht.

Olivier Krug jedenfalls erzählt in unserem Interview, die Flaschen aus seinem Haus hätten sich in

der Corona-Pandemie endgültig als alltagstauglich erwiesen: Die Leute hätten begriffen, dass ein

außergewöhnliches Getränk keinen außergewöhnlichen Anlass brauche, sondern nur die Bereitschaft

zum Genuss. Auch dass Champagner für ein Menü mehr sein kann als bloß der Aperitif, hat

sich inzwischen herumgesprochen – mit gutem Grund hatte Krug beim Gespräch den Spitzenkoch

Arnaud Lallement dabei, seinen seit vielen Jahren vertrauten Partner fürs Foodpairing.

Überhaupt ist jetzt Zeit für den Frühjahrsputz, also räumen wir gleich noch mit weiteren Vorurteilen

zum Champagner auf. Stuart Pigott hat zu diesem Zweck bei drei anderen legendären

Häusern die Runde gemacht. Ein Ergebnis: Glauben Sie’s bloß nicht, wenn mal wieder jemand

behauptet, die großen Marken schmeckten doch eh alle gleich. Wie grundlegend sich der Stil bei

Moët & Chandon von dem bei Veuve Clicquot unterscheidet und was den Autor persönlich »mitten

ins Herz« triff, lesen Sie am besten gleich in seiner Kolumne, und wenn Sie dann noch mehr über

Champagner wissen möchten, blättern Sie einfach weiter zu Stefan Pegatzkys Verkostungsserie.

Gerade mal 200 Kilometer südlich von Reims sind die Weine still, aber nicht weniger spannend.

Dort hat sich Birte Jantzen auf fünf Chablis-Gütern umgesehen, hat Winzer vom Altmeister bis zu

dynamischen Erben getroffen, Geschichten gehört über umsattelnde Mönche, jahrhundertealte

Dynastien und immer wieder über den ganz besonderen Boden, der die Weine dort so feingliedrig

macht. Ein Gesprächspartner brachte es auf den Punkt: »Wer einen Chablis trinkt, verkostet keinen

Chardonnay, sondern Kimmeridgium.«

Freunde des Rotweins könnten sich an dieser Stelle allmählich vernachlässigt fühlen. Völlig zu

Unrecht, schon weil die im vorigen Heft begonnene Erkundung des verzweigten Unternehmens Torres

diesmal zum großartigen Grans Muralles führt und unsere beiden Tastings dem noch recht jungen

Toskaner Monteverro und deutschen Spätburgundern gewidmet sind. Vor allem aber porträtieren

Stefan Pegatzky und Rainer Schäfer drei herausragende Adressen in Pomerol, jenem Gebiet des

Bordelais, wo schon wenige Höhenmeter den Unterschied zwischen zwei-, drei- und vierstelligen

Preisen ausmachen.

In Deutschland schließlich lernen Sie zwei Betriebe kennen, die aus der Vogelschau fast Nachbarn

sind, aber unterschiedlicher kaum sein könnten. Da sind zum einen die traditionsreichen

Bischöflichen Weingüter Trier, die endlich zu der ganz großen Nummer werden sollen, die sie dank

ihrer Sammlung von Spitzenlagen eigentlich längst sein müssten, sechs Hektar am Scharzhofberg

inbegriffen. Nur drei Kilometer Luftlinie von dort und doch in einer anderen Welt pflegt Erich

Weber vom Hofgut Falkenstein seine Reben am Euchariusberg: ein kantiger Selfmademan, der vor

vier Jahrzehnten sein Winzerdasein dem Vater abtrotzen musste und dessen Charakter-Rieslinge

jetzt weltweit gefeiert werden.

Mitglieder im Verband Deutscher Prädikatsweingüter sind sie übrigens beide nicht – Weber war

nie drin, und die Bischöflichen Weingüter sind vor Langem ausgetreten, mitten in den Querelen der

1970er- und 80er-Jahre, die Daniel Deckers in »Wein & Zeit« eindringlich beschreibt. Nicht, dass

beim VDP heute nur Friede und Eintracht herrschten. Aber wenn Deckers die damaligen Grabenkämpfe

und das oft vergebliche Ringen um Qualitätsmaßstäbe schildert, dann erinnert er zugleich

an unser Glück, in der Epoche nach dem »deutschen Weinwunder« zu leben. Sich freiwillig durch

26 heimische Spätburgunder zu probieren, wie das unsere Verkostungsrunde mit dem Jahrgang

2008 getan hat, wäre in den 80ern wohl niemandem in den Sinn gekommen.

Ihre Chefredaktion

EDITORIAL

FINE 1 | 2022 11


DIE SPHINX

VON POMEROL

EIN CHÂTEAU LAFLEUR WAR DER EINZIGE WEIN, DER DEN

STARKRITIKER ROBERT PARKER JE ZU TRÄNEN BEWEGT HAT,

UND DER ALS SOMMELIER LEGENDÄRE FINE-VERLEGER RALF

FRENZEL WÜRDE FÜR DEN JAHRGANG 1961 20 KILOMETER

AUF DEN KNIEN RUTSCHEN. UNTER DEN GROSSEN WEINEN

DER WELT IST DER LAFLEUR VIELLEICHT DER AUFREGENDSTE,

SICHER ABER DER RÄTSELHAFTESTE. EIN BESUCH AUF DEM GUT

SOLL HELFEN, DEM MYSTERIUM AUF DEN GRUND ZU GEHEN

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos LEIF CARLSSON

14 FINE 1 | 2022 BORDEAUX


Was macht einen Wein wirklich groß? Der Preis, die

Bewertungen, die Seltenheit? Château Lafleur ist

nach Pétrus und Le Pin der drittteuerste Wein des

Bordelais, in den Annalen des »Wine Advocate« sind nicht weniger

als sieben Jahrgänge mit glatten 100 Punkten verzeichnet, und

die produzierte Menge von 1000 Kisten ist geradezu lächerlich

gering. Seinen Ruf aber hat etwas anderes begründet: seine einzigartige

Persönlichkeit, die Fähigkeit, selbst erfahrene Verkoster zu

berühren und, wie die Bordeaux-Spezialistin Jane Anson schreibt,

»unser Blut in Wallung zu bringen«.

»Lafleur ist nicht Bordeaux – Lafleur ist Lafleur!« Omri

Ram, der Régisseur und Kellermeister des Weinguts, setzt gleich

zu Beginn ein Ausrufezeichen. Aber eines, das verwirrt, denn

selbstverständlich gehört dieses winzige Gut von nur 4,58 Hektar

als Teil der Appellation Pomerol zum Bordelais. Auch die Nachbarn

wie Pétrus, Lafleur-Pétrus, L’Évangile und Vieux Château

Certan zählen sämtlich zum Hochadel des Anbaugebiets, auch

wenn sie niemals offziell klassifiziert wurden. Was also ist auf

Lafleur anders, was macht seine Weine so außerordentlich?

Die Antwort, ist Omri Ram überzeugt, findet sich in der

Geschichte des Guts. Er erzählt sie draußen im Weinberg,

während wir durch dessen Rebzeilen spazieren – nicht wegen

der Corona-Pandemie, sondern weil die Historie von Château

Lafleur so eng mit dem Grund und Boden verwoben ist. Für das

BORDEAUX

FINE 1 | 2022 15


FIXSTERN

AM RECHTEN UFER

CHÂTEAU L’ÉVANGILE IN POMEROL ZÄHLT ZU DEN

KRONJUWELEN DER DOMAINES BARONS DE ROTHSCHILD

(LAFITE). EIN FRISCHES TEAM MIT DER TECHNISCHEN

LEITERIN JULIETTE COUDERC ARBEITET HIER AN EINEM

NEUBEGINN, DER DIE EINZIGARTIGEN STÄRKEN DIESES

WEINGUTS FÜR DIE ZUKUNFT BEWAHREN SOLL

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos LEIF CARLSSON, JOHANNES GRAU und RUI CAMILO

24 FINE 1 | 2022 BORDEAUX


BORDEAUX

FINE 1 | 2022 25


HINAUS

AUS DEM

SCHATTEN

DER NACHBARN!

LA CONSEILLANTE IST TROTZ GRANDIOSEN WEINEN WENIGER

BERÜHMT ALS ANDERE GÜTER IN POMEROL. ABER WENN ES

NACH SEINER LEITERIN MARIELLE CAZAUX GEHT, WIRD SIE ES

NICHT MEHR LANGE ALS »DAS CHÂTEAU ZWISCHEN CHEVAL

BLANC UND PÉTRUS« BESCHREIBEN MÜSSEN

Von RAINER SCHÄFER

Fotos JOHANNES GRAU

34 FINE 1 | 2022 BORDEAUX


BORDEAUX

FINE 1 | 2022 35


DAS GROSSE DUTZEND

74 FINE 1 | 2022 DAS GROSSE DUTZEND


MONTEVERRO –

ROTE WUCHT

VON ROTEN BÖDEN

Von SIGI HISS

Fotos GUIDO BITTNER

Was vor bald einer Dekade stimmte, ist immer

noch wahr: »Die besten Reben sehen das Meer«,

diesen Titel trug in der FINE-Ausgabe 2|2013

eine Reportage über die neue Weltklasse, herausragende

Weine der Maremma. Ausblick auf das

Tyrrhenische Meer hat man da auch von den Weinbergen

des Guts Monteverro nahe dem Städtchen

Capalbio in der südtoskanischen Provinz

Grosseto. Dort herrscht ein Klima mit warmen,

trockenen Sommern und eher milden, mitunter

auch kühlen und feuchten Wintern. Bedeutsamer

als das traumhafte Panorama sind für die Qualität

des roten Monteverro die permanente Brise

und die damit verbundene optimale Durchlüftung

der Rebzeilen. Ein vor allem in der Nacht spürbar

erfrischender Luftstrom ist Wellness pur für

den Weinstock – dem geht es nicht anders als den

Menschen, die im Kühlen besser schlafen und sich

von der Wärme des Tages erholen.

DAS GROSSE DUTZEND FINE 1 | 2022 75


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Einsendeschluss ist der 15. Mai 2022.

Die Teilnahme- und Datenschutzbestimmungen finden Sie auf der Seite der Umfrage.

Veranstalter der Umfrage und des Gewinnspiels ist die Tre Torri Verlag GmbH, Sonnenberger Straße 43, 65191 Wiesbaden.


JÜRGEN DOLLASE

IM FESTSPIELHAUS

DER WEINKULTUR

JÜRGEN DOLLASE ISST BEI ROLAND GORGOSILICH

IM HATTENHEIMER »KRONENSCHLÖSSCHEN«

Fotos GUIDO BITTNER

Das »Kronenschlösschen« in Eltville-Hattenheim

im Rheingau ist mittlerweile eine der

wenigen legendären Adressen Deutschlands,

wenn es um Wein und Speisen geht. Grundlage dafür

ist vor allem die Begeisterung für gute Weine und

Gastronomie, die Hans B. Ullrich nach der Übernahme

des ehemaligen Hotels »Ress« im Jahre 1990 ausgelebt

hat. Nach Renovierung und Eröffnung zwei Jahre

später entwickelte sich der Betrieb in zwei Richtungen.

Auf der einen Seite entstand unter dem Koch Franz

Keller ein Gourmetrestaurant mit einer der besten

Weinsammlungen des Landes. Diese Sammlung wird

bis auf den heutigen Tag intensiv gepflegt und glänzt

sowohl durch eine große Breite (vor allem bei den

Rheingau-Weinen und Bordeaux) als auch durch

eine erhebliche Tiefe mit vielen, oft seltenen Jahrgängen,

die Ullrich durch seine guten Beziehungen

zur Szene und oft auch aus Auktionen bezieht. Auf

der anderen Seite ging es zügig an die Gründung des

»Rheingau Gourmet & Wein Festivals«, das dieses

Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Was dieses Festival auszeichnet, ist nicht nur

das Auftreten von absoluten Spitzenköchen aus aller

Welt, sondern auch ein vinologisches Programm,

über das selbst Spezialisten immer wieder nur

staunen können. Ullrich bringt die besten Güter

der Welt dazu, nicht bloß Weine für die Menüs zu

liefern, sondern sogar häufig einen tiefen Griff in

ihre Schatzkammern zu tun. Es spricht für sich, dass

die Raritätenproben – die wie alle Veranstaltungen

hier immer von Fachleuten und Weinjournalisten

kommentierend begleitet werden – stets sofort ausverkauft

sind.

Am Herd des heute von Ullrichs Tochter Johanna

geführten »Kronenschlösschens« steht seit 2020 als

Nachfolger von Berühmtheiten wie Franz Keller

und dem langjährigen Küchenchef Patrik Kimpel

der hochtalentierte ROLAND GORGOSILICH

(im Foto links). Der 1978 geborene Österreicher

begann seine Laufbahn im Alter von 16 Jahren in der

»Residenz Dolezal« am Neusiedler See und arbeitete

danach zum Beispiel im »Schloss Fuschl« in Salzburg,

bei Sven Elverfeld im Wolfsburger »Aqua«

sowie in der »Villa Hammerschmiede« in Pfinztal,

bevor er insgesamt fast 14 Jahre in Südafrika

kochte, zuletzt als Executive Head Chef in »Bosman’s

Restaurant« im »Grande Roche Hotel« in Paarl – in

dieser Funktion war er auch einmal Teilnehmer des

»Rheingau Gourmet & Wein Festivals«. Gorgosilich

pflegt in der Küche seine österreichischen Wurzeln,

ergänzt sie aber immer wieder mit präzise eingebauten

Einflüssen aus aller Welt. Typisch sind

Elemente einer Art hochfeinen Rustikalität, die

bewirkt, dass Gerichte wie seine schon vielfach

hochgelobte Taube mit Kohlrabi, Semmelstoppelpilz

und Schalotte bei aller Finesse immer sehr süffg

schmecken.

Sommelier dieser Ausgabe von »Wein und

Speisen« ist der aus dem Elsass stammende

LENNART SPEIKAMP ( Jahrgang 1994, rechts

im Bild), der an der Seite von Florian Richter für

die anspruchsvolle Weinbegleitung im »Kronenschlösschen«

und beim Festival zuständig ist.

Speikamp begann mit einer Ausbildung zum Hotelfachmann,

befasste sich aber seit seiner Tätigkeit im

französisch orientierten Restaurant »M Belleville«

in München zunehmend mit dem Wein. Nach einer

Station in der Baiersbronner »Schwarzwaldstube«

wechselte er 2019 ins »Kronenschlösschen«.

80 FINE 1 | 2022 WEIN & SPEISEN


WEIN & SPEISEN

WEIN & SPEISEN FINE 1 | 2022 81


AN DEN MAUERN DES

KÖNIGSKLOSTERS

DIE FAMILIE TORRES HAT VOM KATALANISCHEN PENEDÈS

AUS SPANIENS WEINBAU UMGEKREMPELT. SIE BESITZT

ABER AUCH REBEN IN DER NACHBARREGION CONCA DE

BARBERÀ AM KLOSTER POBLET, ALS HERRSCHERGRABLEGE

INBEGRIFF DER GESCHICHTE KATALONIENS. VON DEN

DORTIGEN EINZELLAGEN KOMMEN ZWEI WEINE AUS

TORRES’ HOCHKLASSIGER »ANTOLOGIA«-KOLLEKTION:

DER ROTE GRANS MURALLES UND DER WEISSE MILMANDA

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos JOHANNES GRAU

88 FINE 1 | 2022 KATALONIEN


KATALONIEN FINE 1 | 2022 89


13 YEARS AFTER

Als Erstes sticht bei dieser Probe sicher der ungewöhnliche Titel ins Auge. Aber

»13 Years After« wurde aus der Not geboren – es sollte ursprünglich Ten Years After

heißen, wir waren nur etwas spät dran. Am Anfang standen Enthusiasmus und Zufall,

am Ende Unterstützung und Hilfe von Freunden.

Als ein Spätburgunder-Liebhaber der ersten

Stunde habe ich tolle Weine von dieser Sorte

in Deutschland schon gesucht, als es sie noch

so gut wie gar nicht gab. Meine Begeisterung geweckt

hatten die großen Pinots aus Burgund, die ich Ende

der 70er-Jahre bei meinen Studien für das Diplom

beim Wine & Spirit Education Trust in London verkosten

durfte – so manche von ihnen fanden ihren

Weg auf die Weinkarte unseres familieneigenen

Restaurants in Surrey. Wer jung ist, der ist auch naiv,

und weil mir bekannt war, dass Pinot Noir auch in

Deutschland angebaut wurde, machte ich mich auf

die noch lange vergebliche Suche nach Rotweinen

ähnlicher Qualität in meinem Heimatland.

Genau zu dieser Zeit wollten sich aber auch

einige junge deutsche Winzer nicht mehr mit jener

hellroten Plörre begnügen, die zwar, in großen

Mengen getrunken, bei herbstlichen Weinfesten

ausgelassene Stimmung verbreiten, aber keinen

anspruchsvolleren Geschmack befriedigen konnte.

Von Burgund inspiriert, experimentierten sie mit

Ertragsreduzierung, Selektion, Barriques und

trockenem Ausbau, bekamen dann noch Unterstützung

vom Klimawandel, und 40 Jahre später

100 FINE 1 | 2022 TASTING


DEUTSCHE SPÄTBURGUNDER

AUS DEM JAHRGANG 2008

Von MICHAEL SCHMIDT

Foto GUIDO BITTNER

ist es selbstverständlich geworden, dass die besten

deutschen Pinots mit den roten Spitzen aus Burgund

konkurrieren können. In einer ironischen Verkehrung

des Problems mit der Reife kann es bei

der fortschreitenden globalen Erwärmung schon

manchmal zu heiß und trocken werden, sodass heutzutage

die feinsten Spätburgunder oft aus kühleren

Jahren stammen. Dies war auch das Thema eines entspannten

Gesprächs mit dem Weinwohltäter Hans

Onstein (siehe FINE 4|2021), bei dem wir feststellen

konnten, dass wir beide früh die Vorzüge des Jahrgangs

2008 für uns entdeckt hatten und in unseren

Kellern sogar noch etwas davon übrig war. So reifte

bei uns der Entschluss zu einer gemeinsamen Rückblicks

probe, zu der wir jeweils die Hälfte der Weine

beizusteuern vermochten.

Eine solche Verkostung fachgerecht durchzuführen,

bedarf natürlich professioneller Organisation.

Dafür, dass sie gelungen ist, möchte ich mich bei

mehreren Personen bedanken: bei Hans Onstein

für seine Weine, bei Eva Raps und Urban Kaufmann

für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten

in ihrer Vinothek, ihre Hilfe beim Service

und die Zubereitung des köstlichen Käsefondues

zum Ausklang sowie bei Claudia Stern für die

passenden Gläser. Ein besonderer Dank gebührt

Christine Scharrer – um selber bei der Probe blind

und völlig unvoreingenommen verkosten zu können,

musste ich die sensorische Vorprüfung der Weine

und ihre stilistikgerechte Aufteilung in Flights einem

kompetenten Organisationsgenie anvertrauen

können. Bei der Beschreibung und Einschätzung der

Weine konnte ich mich auf die geballte Kompetenz

meiner erfahrenen Mitverkoster stützen. Die Identität

der Weine wurde erst nach der Verkostung und

Bewertung preisgegeben.

TASTING

FINE 1 | 2022 101


CHAMPAGNER

DIE 100 WICHTIGSTEN MAISONS,

WINZER UND KOOPERATIVEN

UNSERE GROSSE VERKOSTUNG TEIL 4

Beim edelsten aller Schaumweine ist viel in Bewegung, die Fülle

der Stilrichtungen und Methoden lässt sich schwer überschauen.

Darum stellen wir in dieser Reihe 100 der interessantesten und

wichtigsten Häuser anhand ihrer markantesten Produkte vor

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos GUIDO BITTNER

Champagner steht für Leichtigkeit, Lebensfreude,

Lebensart, also für all das, was die

Franzosen so passend mit »savoir-vivre«

umschreiben. Zugleich bietet die weitläufige

Region Champagne eine Vielfalt wie keine andere

auf der Welt, in der Wein an- und ausgebaut wird –

eine Vielfalt an Böden und Rebsorten, eine Vielfalt

an Herstellern von den großen Häusern, die

einst vor allem durch Adlige oder reiche Bürger

begründet worden sind, über die Genossenschaften

bis hin zu den kleinen Familienbetrieben und nicht

zuletzt eine Vielfalt an Produkten von der großen

Cuvée bis zum sorten- und lagenreinen Jahrgangschampagner.

Viele passionierte Weinmacher der

jüngeren Generationen gehen andere Wege als

die ihrer Eltern, alle eint die Leidenschaft, und bei

den Arbeitsweisen verschwimmen heute längst die

Grenzen: Große Häuser arbeiten mit kleinen Holzfässern

und Spontanhefen, während mancher ehemalige

Revolutionär des Winzerchampagners auf

die neueste Kellertechnik setzt.

Für Genießer ist diese Fülle an Möglichkeiten

Glück und Last zugleich – wer sich da zurechtfinden

und seinen persönlichen Vorlieben gerecht

werden will, braucht einen breiten Überblick oder

einen kenntnisreichen Führer. Für unsere Verkostungsreihe

und das ihr zugrunde liegende Buch

hat Stefan Pegatzky sein umfassendes Wissen über

die Champagne und ihre Erzeugnisse zusammengefasst,

auch mit scharfem Blick auf die Details. Die

insgesamt 100 Güter, die wir darin vorstellen, hat

er nicht allein nach ihrer Bekanntheit ausgewählt.

Es finden sich darunter Maisons, die nur entdeckt,

wer selbst die Champagne bereist, aber wir haben

ebenso die »Grandes Marques« verkostet und festgestellt:

Sie gelten nicht allein wegen der schieren

Menge an Flaschen als große Häuser, sie verdanken

ihren Ruf nach wie vor in erster Linie dem Inhalt.

Was wir bei den Proben im Glas hatten, waren

keineswegs immer die prominentesten oder am

weitesten verbreiteten Champagner der jeweiligen

Produzenten, sondern vielmehr diejenigen, an

denen sich das stilistische Selbstverständnis und

die Methoden der Betriebe besonders gut erkennen

lassen. In ihrer Gesamtheit ergeben sie ein facettenreiches

Bild dieser einzigartigen französischen

Weinappellation.

CHAMPAGNER

Die 100 wichtigsten Maisons, Winzer und Kooperativen

Von Stefan Pegatzky

240 Seiten · zahlr. Farbfotos · 28 × 29 cm · Hardcover

tretorri-shop.de ISBN 978-3-96033-119-3

112 FINE 1 | 2022 CHAMPAGNE


BARONS DE ROTHSCHILD

Blanc de Blancs Brut

2005 gründete ein Konsortium der drei Rothschild-Weinfamilien ein eigenes Champagnerhaus und besitzt nun –

neben dem Firmensitz in Reims – Produktionsanlagen in Vertus im Süden der Côte des Blancs, wo man eng

mit der kleinen Kooperative Goutte d’Or zusammenarbeitet. Chardonnay ist die Leitrebe, geachtet wird auf

parzellenweisen Ausbau in Inox. Hoher Anteil von Reserveweinen.

Grundweine von den Grands Crus Avize, Cramant, Mesnil-sur-Oger und Oger unter Verwendung von etwa

40 Prozent Reserveweinen, die Malo lief vollständig ab. Im Bukett weniger direkte Frucht als florale und

kräutrige Noten, am Gaumen kraftvoll und mit schönem Mundgefühl bei einer präsenten, aber milden

Säure. Die Dosage – obgleich analytisch recht niedrig – ist derzeit noch spürbar.

HENRIOT

Blanc de Blancs Brut

Der Stil des Familienbetriebs aus Reims wird seit 1880 vom Chardonnay bestimmt, als Marie Marguet beste

Lagen von der Côte des Blancs als Mitgift in die Ehe mit Paul Henriot einbrachte. Der klassische Blanc de Blancs

stammt von 70 bis 80 Prozent Grands Crus und Premiers Crus und reift nach dem Ausbau der Grundweine in

Inox und vollzogener Malo noch einmal vier bis fünf Jahre auf der Hefe. Der Blend enthält mindestens 40 Prozent

Reserven und moderate acht Gramm Dosage.

Sehr klassische reduktive Stilistik, mit prägnanter Hefe und einem Tick von Tropenfrüchten in der Nase,

was vielleicht auf die Herkunft einiger Chardonnay-Grundweine aus Sézanne und Montgueux zurückzuführen

ist. Gute Cremigkeit, lebhafte Perlage und weiche Säure mit etwas phenolischen Bittertönen.

Auch hier wirkt die Dosage recht traditionell, aber die wird der Champagner – dank dem auf Langlebigkeit

angelegten Hausstil – sicher mit der Zeit gut verdauen.

DE SAINT-GALL

Le Blanc de Blancs Grand Cru Extra Brut

Mit der Marke De Saint-Gall hat sich die Genossenschaftsvereinigung Union Champagne früh an die Spitze

der Kooperativen gesetzt. So bewirtschaften ihre Winzer 760 Hektar Grand-Cru-Lagen, was sie insbesondere

in der Côte des Blancs konkurrenzlos macht. Die 2013 eingeweihten futuristischen Produktionsanlagen in

Avize bieten State-of-the-Art-Einrichtungen zur Assemblage, zudem verfügt De Saint-Gall über bemerkenswert

alte Reserveweine.

Chardonnays aus Cramant, Oger und Le Mesnil-sur-Oger, ein Großteil davon aus dem Jahrgang 2013, bilden

das Rückgrat für diesen Blanc de Blancs mit etwa fünf Jahren Flaschengärung. In der sehr fokussierten

Nase zeigen sich weiße Blüten, Zitrusfrüchte, aber auch etwas Nugat, am Gaumen eröffnet er einen großen

Resonanzraum mit Salz, etwas Kalk und einem schönen Säurebogen. Dicht und komplex, die fünf Gramm

Dosage pro Liter verhüllen nichts.

CHAMPAGNE FINE 1 | 2022 113


WELTKLASSE

AUS DEM SEITENTAL

IM STILLEN KONZER TÄLCHEN AN DER SAAR LEBEN

EIGENSINNIGE MENSCHEN. AUCH ERICH WEBER VOM

HOFGUT FALKENSTEIN WEISS GENAU, WAS ER WILL:

KOMPROMISSLOS HANDGEMACHTE RIESLINGE MIT

KRISTALLKLARER SÄURE, UNBERÜHRT VON ALLEN MODEN

Von RAINER SCHÄFER

Fotos ARNE LANDWEHR

Manchmal steht Erich Weber am Grab seiner Eltern und spricht mit seinem Vater. »Der

hatte immer Angst um meine Zukunft«, sagt Weber, »und wollte, dass ich Eisenbahner

werde wie er, dann wäre ich ein Leben lang auf der sicheren Seite.« Der Sohn aber wollte

unbedingt Winzer werden. Sein Vater sei »vom Glauben abgefallen«, als er merkte, wie

ernst es Weber damit war: Das sei ein »Himmelfahrtskommando«, befürchtete der

Senior – nicht ganz ohne Grund, wie Weber einräumt. Gerade am Start seiner holprigen

Winzerkarriere musste er gegen viele Widerstände kämpfen, aber letztendlich sei alles gut

gegangen. »Siehst du, Alter«, sagt Erich Weber dann beschwichtigend am Grabstein, »es

ist doch gelaufen.« Und wie: Lange Jahre als Geheimtipp gehandelt, ist das Hofgut Falkenstein

das derzeit wohl gefragteste Weingut an der Saar und wird von Tokio bis New York

gefeiert. Seine Produktion gilt als Inbegriff der einzigartigen Riesling-Stilistik von der Saar

und Erich Weber aus dem Konzer Tälchen als deren radikalster, konsequentester Winzer.

Weber, Jahrgang 1955, trägt noch immer

längere Haare, auch wenn die schütter

geworden sind. Die Mähne war schon

sein Markenzeichen, als er sich in den rebellischen

Siebzigern gegen den konservativen Geist im engen

Tal auflehnte. Der Winzer ist durchtrainiert, sein

Gesicht vom Wetter gegerbt, man sieht ihm die tägliche

Arbeit in den Weinbergen an. Er hat fast sein

ganzes Leben im Konzer Tälchen verbracht, das in

mancher Hinsicht speziell ist, »ein Seitental des

Seitentals und weitab vom Schuss«. Die Bewohner

gelten als unnahbar und eigensinnig, bleiben am

liebsten unter sich – um ihnen näherzukommen,

muss man angeblich erst einen Sack Salz mit ihnen

schlucken. »Im Tal ist es oft dunkel«, erklärt Weber,

»die Leute sind in der Dunkelheit unterwegs.«

Dellches heißt dieser besondere Menschenschlag im

moselfränkischen Dialekt und bedeutet: die aus dem

abgelegenen Tälchen. »Früher war hier gar nichts«,

sagt Weber, »entweder man wurde Bauer, oder man

ging weg.« Typisch Weber: Er wurde gerade dann

Winzer, als viele den Weinbau hier aufgaben.

Kurz hinter Trier fließt die Saar bei Konz in die

Mosel, südöstlich der Stadt erstreckt sich das Konzer

Tälchen. »Vor 1,3 Millionen Jahren floss hier noch

die Mosel«, weiß Weber, jetzt plätschert hier nur

noch der Konzer Bach. Die Saar, an der sich die

meisten Weingüter der Gegend aufreihen, bahnt sich

ihren Weg im Nebental. Zwischen Rebbergen, Waldhöhen,

Getreidefeldern und Streuobstwiesen liegen

im Tälchen die Dörfer Krettnach, Niedermennig,

Obermennig und Oberemmel, das Urstromtal der

120 FINE 1 | 2022 MOSEL


MOSEL

FINE 1 | 2022 121


WORTWECHSEL [11]

Fotos: Arne Landwehr

Dirk Würtz und Uwe Kauss streiten über die Frage …

WARUM ES IN DEUTSCHLAND

IMMER WENIGER WINZER UND

WEINGÜTER GIBT

UWE KAUSS In den vergangenen zehn Jahren haben in Deutschland rund

5000 kleine Weinbaubetriebe mit bis zu zehn Hektar Weinbergen einfach

aufgegeben. Doch die großen werden immer größer – knapp 1000 von

insgesamt rund 15 000 Betrieben verfügen inzwischen über ein Drittel

der deutschen Rebfläche, nämlich 32 289 Hektar! Die Weinberge sind

dabei nicht kleiner geworden: Wer aufgibt, verkauft oder verpachtet an

einen Großen. Ich finde diesen Wandel ziemlich dramatisch, vor allem,

wenn sich der Trend so fortsetzt. Ähnlich sieht’s übrigens in Frankreich

aus. Dort haben in zehn Jahren sogar 11 000 Weinbaubetriebe aufgegeben,

das ist ein Rückgang um 16 Prozent, ebenfalls bei gleichbleibender Rebfläche.

Tja, Dirk, wohin geht’s mit der Weinkultur in diesem harten Verdrängungswettbewerb?

DIRK WÜRTZ Ja, es gibt einen klaren Trend: Die Kleinen werden immer

weniger, und die Großen immer größer. Tatsächlich ist es so, dass sich

die Weinbaubranche professionalisiert. Das ist übrigens auch sinnvoll.

In diesem Kontext verändern sich Strukturen, das ist normal

und sogar dringend nötig. Es war überfällig!

UWE KAUSS Die Welt und die Wirtschaft verändern sich in rasendem

Tempo. Da ist es sicher gut, wenn auch der Weinbau wenigstens mal

einen Schritt nach vorne macht. Aber wer werden die Verlierer dieser

Strukturveränderung sein? Das kleine Familiengut, das mit seinen

privaten Stammkunden heute noch halbwegs über die Runden kommt?

Die Betriebe, bei denen Weinmachen wichtiger ist als Verkaufen? Wäre

128 FINE 1 | 2022 WORTWECHSEL


schade. Der Trend ist klar: mehr Weinunternehmer, immer weniger

Individualisten. Die verlassenen Steillagen an Rhein und Mosel zeigen

ja, dass Professionalisierung immer auch wirtschaftliche Optimierung

bedeutet – und damit viele Traditionen und die Bedeutung des Einzelnen

entsorgt werden. Der Weinwelt wird etwas fehlen. Das merkt jetzt

nur noch keiner.

DIRK WÜRTZ Das sehe ich anders. Weder muss etwas fehlen, noch wird

Individualität verloren gehen. Im Gegenteil. Was früher mehr schlecht

als recht funktioniert hat, wird nun im Optimalfall professionalisiert.

Das beste Beispiel sind die Steillagen: Für ein kleines Weingut sind sie

nur extrem aufwendig zu bewirtschaften, und nur in den seltensten

Fällen steht diesem Arbeitsaufwand ein wirtschaftlich sinnvoller Erlös

gegenüber. Große Betriebe mit schlagkräftigen Strukturen können

dagegen Steil- und Steilstlagen hervorragend bearbeiten – und vor

allem können sie die Weine von dort auch super vermarkten, erzielen

immerhin angemessene Preise. So bleibt am Ende kein Weinberg

brach liegen. Schau dir die Entwicklung an der Mosel an, beispielsweise

die der Betriebe von Ernie Loosen oder Markus Molitor. Sie

wachsen kontinuierlich und leisten genau damit einen wesentlichen

Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft. Ich bin fest überzeugt:

Ein Strukturwandel im deutschen Weinbau ist nichts Schlechtes.

UWE KAUSS Nun ja. In Spanien gibt’s bei knapp einer Million Hektar Rebfläche

– das ist rund zehnmal mehr als in Deutschland – nicht mal 4500

Weinbaubetriebe, die ihren Wein verkaufen. Wenn die Professionalisierung

hierzulande im jetzigen Tempo weitergeht, bleiben in 20 oder 30 Jahren

vielleicht noch 5000 Weingüter in Deutschland übrig. Tja, dann wird aus

dem Weinbauverband eine Vereinigung von Mittelstandsunternehmen.

Wie langweilig! Können da noch genügend Verrückte, Spinner, Sturköpfe

und Verweigerer überleben, die den deutschen Wein so interessant

machen, weil ein paar von ihnen mit grandiosem Spitzenwein außerhalb

des Mainstreams überraschen?

UWE KAUSS Die günstigen Preise für die anspruchsvollen Margen der

Onlinehändler können nur die Großen bieten. Die Kleinen müssen irgendwie

mithalten, die Zähne zusammenbeißen und manchmal drauflegen.

Was sollen sie auch machen? Das kann lang fristig nicht gut gehen.

DIRK WÜRTZ Ich verstehe gar nicht, warum man in Deutschland immer

so viel Angst vor Größe hat. Schau dir mal die berühmten Châteaux

im Bordelais an. Mouton Rothschild gehören 82 Hektar Weinberge,

Lafite sogar 103 Hektar. Doch das finden alle toll. 150 000 Flaschen

Bordeaux Premier Grand Cru – wow, klasse! 20 000 Flaschen Riesling

Großes Gewächs? Pfui Teufel, das muss doch Industriewein sein!

Es ist so lächerlich, welche Vorstellungen über Qualität beim Wein

in Deutschland herrschen.

UWE KAUSS Es gibt hier so viel internationalen Wein wie in keinem anderen

EU-Land. Aber andere Weinkulturen und Sichtweisen sind höchstens für

die Profis in der Weinszene relevant, der nächste Kirchturm ist schließlich

schon weit genug weg. Und trotzdem: 2020 gab es hier rund 20 Prozent

weniger Weinbaubetriebe als 2010! Irgendwann sind die professionell

aufgestellten Betriebe unter sich, erzielen schicke Renditen und sind

zufrieden. Haben all die anderen nur deswegen aufgegeben, weil sie zu

alt waren und keine Nachfolger gefunden haben, nicht rechnen konnten

oder untalentiert waren? Das ist mir zu einfach.

DIRK WÜRTZ Ob das, was hier getrunken wird, von vielen oder von

wenigen Betrieben kommt, ist mir vollkommen egal. Die Qualität

muss stimmen und dazu der Preis. Den Rest regelt der Markt. Mir ist

es lieber, wenn nur drei Betriebe auf 30 Hektar Steillage produzieren,

bevor 25 Hektar davon brach liegen, weil 25 Betriebe mit ihren Miniflächen

nicht überleben können.

DIRK WÜRTZ Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir vergleichbare

Strukturen wie Spanien bekommen werden, und die deutschen Weingüter

entwickeln sich niemals zum Mittelstandsunternehmer-Club!

Es wird in Deutschland auch in Zukunft noch sehr kleine Weingüter

geben, nämlich die gut aufgestellten, wirtschaftlich vernünftig

arbeitenden Familienbetriebe. Es ist ja nicht so, dass Weinbau hierzulande

ruinös wäre, wenn man weniger als 20 Hektar bearbeitet. Das

Gegenteil ist sogar der Fall. Man kann damit ein gutes Auskommen

erzielen. Dazu muss man aber eine Struktur aufbauen – und wissen,

was man tut. Weinbau ist ein durch und durch professionelles Geschäft.

Einfach Wein machen und darauf hoffen, dass den irgendeiner kauft,

funktioniert nicht. Nicht mehr, muss man sagen.

UWE KAUSS Ich beobachte, dass im Stillen vor allem diese kleinen Familienbetriebe

deutlich weniger werden, und das finde ich schade. In Zeitlupe

verschwindet die Weinkultur. Kräftige Zuwächse verzeichnen seit

Jahren vor allem Betriebe mit mehr als 20 Hektar. Alle bestellen online,

aber Onlinehändler erwarten knackige Margen, um im Preiskampf

was verdienen zu können. Und einer muss zahlen. Ich vermute, viele

traditionell arbeitende Winzer haben noch gar nicht verstanden, was

bald auf sie zukommt.

DIRK WÜRTZ Gute Onlinehändler bieten uns Winzern eine tolle bundesweite

Distribution. Sie erreichen nämlich die Weinfreunde vor allem

dort, wo keiner eben mal schnell zum Weingut fahren kann. Auf den

Hof kommen immer noch genug Kunden, aber halt nur noch die aus

der näheren Umgebung.

UWE KAUSS Die deutsche Weinkultur ist tief geprägt von den letzten

kleinbäuerlichen Strukturen, die es selbst in der Landwirtschaft schon

fast nicht mehr gibt. In den Städten sterben die Fachgeschäfte aus, die

letzten handwerklich arbeitenden Schuhmacher, Schneider, Metzger

und Bäcker werden heute unter Hipstern wie Geheimtipps gehandelt.

Tja, diesen Weg werden bald auch die kleinen Winzer gehen, befürchte

ich. Und tschüs!

DIRK WÜRTZ Das alte bäuerliche Selbstverständnis: »Wir ernähren euch,

kauft gefälligst«, hat in Zeiten der Globalisierung mit Amazon & Co

keine Grundlage mehr. Lässt sich nicht ändern.

UWE KAUSS Wenn der Trend in diesem Tempo weitergeht: Was wirst du

am meisten vermissen?

DIRK WÜRTZ Ich vermisse gar nichts. Wieso auch?

WORTWECHSEL FINE 1 | 2022 129


DANIEL DECKERS

ÜBER DIE QUÄLENDEN ANFÄNGE DES VDP

IN DEN 1970ER- UND 80ER-JAHREN

Im Herbst dieses Jahres möchte der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) mit

großem Aplomb ein kleines Jubiläum begehen. 20 Jahre werden dann vergangen sein, seit

in Berlin jene Weine vorgestellt wurden, die endlich wieder die Aufmerksamkeit der internationalen

Weinwelt auf Deutschland richten sollten. Tatsächlich präsentierte der Dachverband

von etwa 200 Gütern aus allen Anbaugebieten im September 2002 eine neue Kategorie

deutscher Spitzenweine: das »Große Gewächs«, kurz »GG«.

Abbildungen: Landeshauptarchiv Koblenz

130 FINE 1 | 2022 WEIN & ZEIT


WEIN & ZEIT XLII

Dabei hatte es schon früher Weine aus Deutschland

gegeben, die es an Ansehen mit den

»grands vins« aus Frankreich hätten aufnehmen

sollen. Aber wenn André Simon noch

1950 (!) feststellen konnte, dass »hocks« die

vielleicht besten Stillweine der Welt seien, dann

bezog sich der Doyen der englischen Weinschriftstellerei

nur auf Weißweine. Außerdem waren diese

»fine wines« im Unterschied zu den Crus aus dem

Bordelais und der Bourgogne zumeist entweder

fruchtsüße, rassige Weine von Mosel und Saar oder

Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen

aus der Pfalz, Rheinhessen und dem Rheingau.

Die Weine, die zu Beginn des neuen Jahrhunderts

unter dem Signet »GG« auftraten, stellten

damit das Gegenstück zu all jenem dar, das man seit

Menschengedenken als »deutscher Spitzenwein«

kannte. Geschmacklich und analytisch waren sie

das, was nach dem seit 1971 geltenden Weingesetz

unter »trocken« zu verstehen war. Als Weißweine

sollten sie in dieser Kategorie zu den großen weißen

Weinen aus Frankreich aufschließen, allen voran zu

den burgundischen Chardonnays. Damit aber nicht

genug: Auch trocken ausgebaute Spätburgunder und

Lemberger (Blaufränkisch) aus den nördlichsten

Weinbauregionen der Welt sollten es nun mit der

internationalen Konkurrenz aufnehmen. Alles in

allem, so der Plan, würde mit Einführung der weißen

und roten Großen Gewächse nicht weniger als ein

neues Kapitel in der Geschichte des Weinbaus in

Europa, ja der gesamten Weinwelt aufgeschlagen

werden.

»Trockene Auslesen« waren rar –

und bei Top-Gastronomen begehrt

Doch wäre dieses Vorhaben unvollständig

beschrieben, wollte man nur den Gegensatz zwischen

den neuen GG und den klassischen Spitzenweinen

aus Deutschland herausstellen. Noch stärker war der

Gegensatz zwischen den Großen Gewächsen und den

lieblichen, oft mit Süßreserve frisierten Spät- oder

Auslesen, die noch in den 80er-Jahren den Ton in

Deutschland angegeben hatten – von den lieblichen

Massenweinen aus Rebsorten wie Müller-Thurgau

oder auch Blauem Portugieser gar nicht zu reden.

Am nächsten unter den besseren Weinen der 1960er--

und 70er-Jahre kamen den GG noch die »trockenen

Auslesen«. Die gab es allerdings nur in den seltenen

guten Jahrgängen wie 1964 oder zuletzt 1971 und

1976. In den wenigen Spitzenrestaurants jener Zeit

waren sie umso begehrter.

Daher liegt es nahe, die Geschichte der Großen

Gewächse auch, wenn nicht vor allem als Teil

jener Entwicklung zu schreiben, die in der Mitte

der 70er-Jahre einsetzte und als das »deutsche

Küchenwunder« bezeichnet wird (siehe FINE

3|2021). Spitzenköche wie Eckart Witzigmann,

Heinz Winkler, Hans-Peter Wodartz oder Herbert

Schönberner, aber auch die ersten Sommeliers in

Deutschland, darunter der Herausgeber dieser Zeitschrift

Ralf Frenzel, mussten damals die Nachfrage

nach trockenen deutschen Weinen erst schaffen. Im

vorigen Heft (FINE 4/2021) haben wir zudem den

englischen Visionär Hugh Johnson gewürdigt, der

mit dem Blick von außen die weithin traditionsvergessenen

Spitzengüter langsam, aber sicher lehrte,

dass Wein im Grunde »geography in a bottle« sein

müsse. Diese Maxime hatte man in Deutschland in

den 60er-Jahren bei der Erarbeitung eines neuen

Weingesetzes für entbehrlich gehalten.

An dieser Stelle soll nun eine dritte Facette ausgeleuchtet

werden, ohne die es wohl niemals zu einer

Kategorie namens GG gekommen wäre. Es geht

um die quälend langsame Verwandlung des 1910

gegründeten »Verbands Deutscher Naturweinversteigerer«

(VDNV) in eine Marketingorganisation

namens VDP. Bei diesem Prozess, der um 1970 einsetzte

und dessen im Folgenden beschriebene erste

Phase mit dem Rückzug des Präsidenten Erwein Graf

Matuschka-Greiffenclau im Jahr 1989 endete, wurden

die Grundlagen dafür gelegt, dass trockene Spitzenweine

aus Deutschland in der ersten Dekade des

21. Jahrhunderts die Weltbühne betreten konnten.

Zwangsläufig oder auch nur wahrscheinlich war

diese Entwicklung nicht – im Rückblick kommt

es eher einem Wunder gleich, dass es heute Große

Gewächse gibt. Denn der Fortbestand eines Verbands

von Spitzenweingütern als solchem war 1971

alles andere als gewiss.

Nahezu alles in der Welt des deutschen Weins

hatte schon lange darauf hingedeutet, dass

die Zeit jener Vereinigung von Gütern

abgelaufen war, die seit 1930 mit dem Motto »Unsere

Mitglieder besitzen Lagen von Weltruf« für sich

geworben hatten. Vordergründig war es der Gesetzgeber,

der den Untergang dieses oft als elitär verschriebenen

Klubs herbeigeführt hatte. Der Begriff

»Naturwein«, so hatte es sich seit den frühen 60er-

Jahren abgezeichnet, sollte im längst überfälligen

neuen Weingesetz verboten werden. Freilich sollte

die in der Weinwelt einmalige und sehr deutsche

Idee, dass durch Zusatz von Zucker »verbesserte«

Weine nicht als Spitzenweine durchgehen könnten,

in der Kategorisierung von »Qualitätsweinen mit

Prädikat« fortleben. Der Untergang des VDNV war

daher nicht zwangsläufig. Vielmehr lag schon früh

die Option auf dem Tisch, den Begriff »Naturwein«

durch »Prädikatswein« oder allgemein »Qualitätswein«

zu ersetzen.

Gegen ein Überleben sprach aber, dass der Verband

sich in den ausgehenden 60er-Jahren in einem

Zustand fortgeschrittener Selbstauflösung befand.

Nominell bestand der VDNV aus sieben Regionalvereinen.

Tatsächlich aber war das Vereinsleben in

Südbaden wie an der Nahe längst erloschen, und wer

sich im Rheingau, in der Rheinpfalz, in Rheinhessen,

in Franken sowie an Mosel, Saar und Ruwer dem Verein

zugehörig fühlte, war 1971 nicht zu ermitteln. Der

damalige Vorsitzende des VDNV, Wolfgang Michel

vom Weingut Domdechant Werner in Hochheim

am Main, wusste es jedenfalls nicht.

Warum also überhaupt an einem Zopf namens

Bundesverband festhalten, wenn die meisten

Güter mit dem neuen Weingesetz und seinem

Bezeichnungsrecht gut glaubten leben zu können?

Die weinbaupolitische Lobbyorganisation, als die

der VDNV 1910 entstanden und vor allem vor der

Verabschiedung des Weingesetzes von 1930 in

Erscheinung getreten war, hatte sich offenkundig

überlebt, und das nicht allein, weil schon seit den

späten 50er-Jahren europäisches (Wein-)Recht den

Handlungsspielraum des deutschen Gesetzgebers

zunehmend einschränkte. Der VDNV hatte, wie

man während einer Vorstandssitzung Mitte der 70er-

Jahre rückblickend feststellte, auch aus anderen

Gründen schon lange keine eigene Weinbaupolitik

mehr betrieben. Der Bundesverband bestand nämlich

nur aus dem Vorsitzenden, die Macht lag – wenn

überhaupt – bei den Vorständen der Regionalvereine.

In der Weinbaupolitik wiederum führte kein Weg

an den Gremien des Deutschen Weinbauverbandes

(DWV) vorbei. Dass dort die Genossenschaften und

Die Mitgliederversammlung

am 22. März 1971 unter dem

Vorsitz von Wolfgang Michel

war spärlich besucht. Peter

von Weymarn verhinderte

mit einer Rede die Auflösung

des Verbands, dessen Leitung

er im Jahr darauf übernahm

WEIN & ZEIT FINE 1 | 2022 131


DIE GROSSEN

UNBEKANNTEN

EINE SAMMLUNG VON SPITZENLAGEN, UND TROTZDEM

KEINE BERÜHMTHEIT? DAS KANN EIGENTLICH NICHT

SEIN. UNTER DER LEITUNG VON JULIA LÜBCKE SOLLEN

DIE BISCHÖFLICHEN WEINGÜTER TRIER IHR POTENZIAL

JETZT ENDLICH VOLL AUSSCHÖPFEN

Von MICHAEL SCHMIDT

Fotos ARNE LANDWEHR

136 FINE 1 | 2022 MOSEL


In der FINE-Ausgabe 2|2021 veröffentlichten wir eine Würdigung des legendären Scharzhofbergs samt einer

Probe mit Weinen aus dieser Lage von allen Gütern, die dort Besitzungen haben – außer einem. Das war

allerdings keiner bösen Absicht, sondern logistischen Problemen geschuldet. Dabei besitzen die bei der Verkostung

nicht vertretenen Bischöflichen Weingüter in Trier mit sechs von 28 Hektar nicht bloß einen ansehnlichen

Anteil am Scharzhofberg, sie sind mit 130 Hektar Rebfläche sogar der größte Weinbergs-Eigner an der

gesamten Mosel. Anlass genug, uns einmal näher mit diesem auch historisch tief in der Region verwurzelten

Unternehmen zu beschäftigen.

Den Betrieb Bischöfliche Weingüter Trier als solchen gibt

es erst seit 1966, als sich die geschichtsträchtigen drei

Vorgänger Bischöfliches Konvikt, Bischöfliches Priesterseminar

und Hohe Domkirche zusammenschlossen. Die Verbindung

von Klerus und Weinbau reicht aber viel weiter in die

Vergangenheit zurück. Eine erste einschlägige Erwähnung findet

sich in Dokumenten aus dem Jahr 1249, in denen Mitglieder

des Erzbistums für die Zeit der Lese von ihren religiösen Verpflichtungen

freigestellt wurden.

Das Bischöfliche Priesterseminar wurde 1773 vom Kurfürsten

und Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen, einem

der ranghöchsten Fürsten im Heiligen Römischen Reich, als

Ausbildungsstätte des katholischen Bistums Trier für Priesteramtskandidaten

gegründet. 1787 erließ Wenzeslaus eine Verordnung

zur Qualitätssteigerung des heimischen Weinbaus: Überall an

der Mosel solle man innerhalb von sieben Jahren die »minderwertigen«

Varianten »aushauen« und durch Riesling ersetzen.

Als sich die drei klerikalen Güter 1966 vereinigten, bestand die

Mitgift des Bischöflichen Priesterseminars aus 34 Hektar Rebfläche

mit Anteilen an den Spitzenlagen Ürziger Würzgarten,

Erdener Treppchen, Trittenheimer Apotheke und Trittenheimer

Altärchen an der Mosel, Kaseler Nies’chen und Kaseler Kehrnagel

an der Ruwer sowie Kanzemer Altenberg, Wiltinger Kupp und

Ayler Kupp an der Saar.

MOSEL

FINE 1 | 2022 137


FINE DAS WEINMAGAZIN 2|2022 erscheint

im Juni 2022

... voraussichtlich mit diesen Themen: ÖSTERREICH Schloss Gobelsburg im

Kamptal BORDEAUX Château Tertre Roteboeuf in Saint-Émilion SAUTERNES

Château Rieussec TOSKANA Der Loto von Villa Santo Stefano KATALONIEN

Mas de la Rosa: Die Familie Torres im Priorat RHEINHESSEN Weingut Wittmann

VERKOSTUNGEN 90 Jahrgänge Spätburgunder aus drei Jahrhunderten vom

Kloster Eberbach, 49 Jahrgänge L’Église Clinet sowie Bordeaux aus den 70ern

WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase bei Thomas Kellermann in den »Egerner Höfen« am

Tegernsee SPIRITUOSEN Die Brennerei Ziegler in Freudenberg CHAMPAGNER

Die fünfte Folge unserer Serie DAS GROSSE DUTZEND Château de Lamarque

im Médoc WEIN & ZEIT Das »deutsche Weinwunder« in Rot WEINHAMMER Die

Auktionen von 2021 KOLUMNEN von Ursula Heinzelmann, Stuart Pigott sowie den

Kombattanten Uwe Kauss und Dirk Würtz

144 FINE 1 | 2022


DAS MAGAZIN FÜR WEIN UND GENUSS

Viermal im Jahr richtet FINE Das Weinmagazin einen faszinierenden Blick auf die

großen Weine der Welt – mit wissenswerten Infor mationen, fesselnden Reportagen,

spannen den Porträts, exklu siven Verkostungen und vielem mehr, geschrieben und

recherchiert von sachkundigen, sprachmächtigen Autoren, bebildert mit ausdrucksstarker,

lebendiger Fotografie, präsentiert in groß zügiger, prächtiger Auf machung:

ein unverzichtbares Lesevergnügen für Weinliebhaber, Sammler und Genießer.

FINE DAS WEINMAGAZIN IST ERHÄLTLICH IM AUSGEWÄHLTEN BUCH- UND

ZEITSCHRIFTENHANDEL IN DEUTSCHLAND, ÖSTERREICH UND DER SCHWEIZ.

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Generation« und »New Generation« zum Gesamtpreis von € 570,– zzgl. Versandkosten

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FINE 1 | 2022 145


FINEABGANG

SONNE AM ENDE

DES TUNNELS

Der Frühling kommt, die Welt erwacht zu neuem Leben, und dieses Mal

gilt das zum Glück auch wieder für die Weinwelt. Das Rheingau Gourmet

& Wein Festival zum Beispiel konnte nach einem Jahr Zwangspause sein

Jubiläum begehen: Um den 1. März herum fand es zum 25. Mal statt, mit all den

großartigen Köchen und Winzern, die eigentlich schon 2021 hätten dabei sein

sollen. Die ProWein in Düsseldorf ist zwar nochmals um knapp zwei Monate verschoben

worden, damit der Corona-Winter dann auch sicher vorbei ist. Aber das

bisschen Warten steigert jetzt nur noch die Vorfreude, und Mitte Mai ist ja wahrlich

keine schlechte Zeit zum Genießen.

Zugleich schweift der Blick so weit in die Vergangenheit zurück wie lange

nicht mehr, beim FINE CLUB zum Beispiel bis 1955: Eine Vertikalverkostung

wie die mit 49 Jahrgängen aus dem legendären Pomerol-Château L’Eglise Clinet,

die uns im Februar im Hotel »Post« in Lech am Arlberg begeistert hat, kann es in

dieser Tiefe kaum mehr geben – allmählich sind die historischen Meisterwerke

einfach ausgetrunken. Bis 1949 zurück reichte ein Querschnitt mit 60 Weinen

vom Kabinett trocken bis zum Eiswein aus den Bischöflichen Weingütern Trier

im Hattenheimer »Kronenschlösschen«, und später im Jahr wollen wir uns beim

Kloster Eberbach sogar durch Kellergeschichte aus drei Jahrhunderten probieren,

mit 90 Spätburgundern vom Assmannshäuser Höllenberg von 1882 bis 2020. Auch

eine große Pétrus-Probe ist geplant, als ebenbürtige Fortsetzung unserer Tournee

mit Château Smith Haut Lafitte Anfang März, sowie ein exklusiver Besuch von

Gaia Gaja. Dass wir alle darüber hinaus im Restaurant oder daheim Spannendes

im Glas haben, wann immer sich die Gelegenheit bietet, versteht sich ohnehin

von selbst. Kurzum: Es geht wieder los – seien Sie bereit!

Ihr Ralf Frenzel

Herausgeber und Verleger

146 FINE 1 | 2022 ABGANG

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