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Die Malteser Zeitung 1/2022

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2022

„Pfarrer haben keine Ahnung vom echten Leben“

Der Weg zur Berufung

Pflege – Beruf mit Wertschöpfung


INHALT

IMFOKUS

04 Historisches und Organisatorisches:

die Kirchen und Kommenden des Großpriorats

von Österreich

09 Persönliches und Erfahrenes

RUNDSCHAU

16 „Es ist vernünftig, sich impfen zu lassen“

17 Impfen im Dom

PERSÖNLICHKEITEN

18 Der Weg zur Berufung

LEBENSWERT

21 Spüren, was im Augenblick Not tut.

Da sein, zuhören, mitfühlen.

24 Menschen mit Behinderung –

viele Daten und kein Gesamtbild

25 Für eine barrierefreie Digitalisierung

Spenden

Bitte verwenden

Sie den beiliegenden

Zahlschein!

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR

04

17

RELIGIONAKTUELL

26 Was Kardinal König mit dem

polnischen Kardinal Wyszyński verband

KULTURGUT

27 Die vergessene Pietà

27

29

MALTESERÖSTERREICH

29 Berichte aus den Bereichen:

vielfältige Initiativen und Dienste

MALTESERWELTWEIT

62 Sudan – „Ich habe durchaus Hoffnung für

dieses Land“

62 68

MEDIZINAKTUELL

66 „Es geht um Zuwendung – bis zuletzt“

GELESENEMPFOHLEN

68 Interessante Neuerscheinungen

TAGEBUCH

70 Auszeichnungen

71 Wir trauern um

Die MALTESER

wünschen ein

gesegnetes Osterfest !

2

DIE MALTESER 1/2022


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

„Wer glaubt, ist nie allein.“ Dieser Satz von Papst Benedikt XVI.

drückt einen besonders wichtigen Aspekt unseres christlichen

Glaubens aus: Gemeinschaft. Am Ende sind es immer Glaube,

Hoffnung, Liebe und Gemeinschaft, die wir tatsächlich

brauchen, um glücklich zu sein. Der Glaube, transformiert in

Gebete, kann Berge versetzen. Er gibt uns Zuversicht, Kraft

und hilft uns, Krankheit und Trauer zu überwinden. Gott voll

Vertrauen, um die Heilung von Kranken zu bitten und es ihm

zu überlassen, ob und wie er heilt – das ist das Spannungsfeld,

das es auszuhalten gilt. Im Gebet kann es überwunden

werden. Erst jüngst haben dies einige erschütternde Nachrichten

im Kreise der Malteser bezeugt: hier eine plötzliche

Erkrankung mit der Prognose, nur noch wenige Tage Lebenszeit

zu haben, dort eine Diagnose mit dem Erfordernis einer

sofortigen Organtransplantation. In solchen Fällen kann das

gemeinschaftliche Gebet helfen, stärken und sogar Wunder

wirken.

Ohne Glaube, Hoffnung, Liebe und Gemeinschaft haben

materielle Dinge keinen Wert. Einem anderen Menschen

Nächstenliebe und Hinwendung zuteilwerden zu lassen, ist

das wunderbarste Geschenk, das man anderen und gleichzeitig

sich selbst machen kann. Aneinander zu glauben, an die

Gemeinschaft, die Familie, die Kinder, die Freunde und daran,

dass Gott uns den richtigen Weg weist, wenn wir auf ihn

hören, wenn wir innehalten und in der Gemeinschaft und im

Gebet füreinander da sind – das ist es, was uns wahres Glück

erfahren lässt.

So wird es auch in unserem neuen Malteser Ordenshaus sein, das

im Herzen von Wien Glaube, Hoffnung, Liebe und Gemeinschaft

unter einem Dach vereint. Hier haben die fürsorgliche, empathische

und wertschätzende Pflege und die christliche Hinwendung

zum Menschen ihren Platz. Weil es vor allem Menschen im Alter

und in Krankheit verdienen, weiterhin als wertvolle Mitglieder

der Gesellschaft betrachtet zu werden. In ihrer schweren Situation

brauchen sie besonders viel Liebe und Zuwendung. Sie müssen

spüren und erfahren, dass sie nicht weggesperrt werden, sondern

Teil der Gesellschaft sind – bis zuletzt.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Freunden aus tiefstem

Herzen ein gesegnetes Osterfest. Beten Sie miteinander und

füreinander und feiern Sie in der Osternacht die Auferstehung

Jesu Christi als Zeichen des Lebens.

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat von Österreich, 1010 Wien, Johannesgasse 2,

T: 01/512 72 44, E: presse@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner

Lektorat: Edith Holzer, Franziska Holzheimer

Autoren: Wolfgang J. Bandion, Peter Bauer, Matthias Beck, Marie

Czernin, Elisabeth Eder, Annemarie Fenzl, Ulrich Glaunach, Bartolomäus

Khevenhüller, Katharina Kiecol, Lukas Krupitza, Fra` Gottfried

Kühnelt-Leddihn, Christian Lagger/ Die Furche, Christoph Martin,

Clara Mensdorff-Pouilly, Richard Mischak, Traude und Johannes

Mlczoch, Norbert Salburg-Falkenstein, Selma Sprajcer, Richard Steeb,

Peter Stellnberger, Katharina Stögner, Udo Thianich-Schwamberger,

Manuel Weinberger, Anna Weinkamer, Susanne Wick.

Bildrechte: Peter Bauer, BMKÖS/ Sardari, Bwag, CasarsaGuru Stock-

ID 637815906, Yannick Chaumont, Susanne Feischl, Die Fotografen,

Gerald Gugerel, Herbst POV, Mahir Jahmal, Fotograf Christian Jobst,

Pornpak Khunatorn ID 1218574217, Gloria Krenn, Land Steiermark/

Binder, Laikwunfai Stock-ID 588617906, Christian Lendl, Malteser

Austria, Malteser Care/Steinberger, Malteser International, NPO

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Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, 1050 Wien, Schloßgasse 10-12

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung über

nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner Werke,

sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art. Namentlich

gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der Redaktion

entsprechen. Redaktionsschluss: März 2022

DIE MALTESER 1/2022 3


IMFOKUS

HISTORISCHES UND ORGANISATORISCHES:

DIE KIRCHEN UND KOMMENDEN DES

GROSSPRIORATS VON ÖSTERREICH

Entlang der alten Heeres- und Pilgerstraßen gründete der Souveräne Malteser-Ritter-Orden ganz im Sinne seines Auftrages

Kommenden als selbstständige Verwaltungseinheiten und errichtete Kirchen und Hospitäler.

Von Richard Steeb

Ein mittelalterliches Hospital hatte dabei weit umfassendere

Aufgaben als eine Heilanstalt. Es nahm alle Schutzund

Hilfsbedürftigen auf und betreute neben Kranken

auch Arme, Waisen, Gebrechliche, Reisende und Pilger.

Das Spital lag dazu meist neben der Kapelle oder Kirche,

sodass die Betreuten aus dem Krankensaal auf den Altar

blicken oder zumindest akustisch die Gottesdienste mitfeiern

konnten. Im Ordensspital von Valletta auf Malta

befanden sich zwei Altäre sogar direkt im großen Krankensaal.

Die Kirchen wurden ursprünglich durch eigene

Pfarrer aus dem Priesterkonvent des Ordens in Prag besetzt.

Alle Besitzungen standen unter der Leitung des

Großpriorats von Böhmen und Österreich. Dieses hatte

bis 1938 seinen Sitz in Prag. Nach der Trennung in zwei

Großpriorate im Jahre 1938 wurde das Großpriorat von

Österreich mit Sitz in Wien unter kommissarische Leitung

des deutschen Auswärtigen Amtes gestellt, da der

Malteserorden das Dritte Reich nicht anerkannte. Der

Orden wurde jedoch nicht aufgelöst.

Nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg und der Wiederherstellung

der Republik Österreich erhielt der Orden

seine Besitzungen in Österreich zurück. Diese waren

vielfach vollkommen devastiert und geplündert. Die

Kommenden in Böhmen waren verloren, und da auch

der Priesterkonvent in Prag nicht mehr existierte, wurden

in weiterer Folge mit den jeweiligen Diözesen Übereinkommen

zur seelsorglichen Betreuung der Kirchen

und Pfarren geschlossen.

Mailberg

Im Jahr 1146 vermachte ein niederösterreichischer

Adeliger namens Chadolt seine Besitzungen in Mailberg

dem noch jungen Orden der Johanniter/Malteser, bevor

er sich auf den Kreuzzug nach Jerusalem begab. Seit dieser

Zeit ist Mailberg im Besitz des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens und damit der älteste Besitz des Ordens

weltweit. Durch weitere Schenkungen vergrößerte sich

der Besitz rasch. Ein Urbar von 1529 zählt 45 Orte auf,

in denen die Komture von Mailberg Abgaben einhoben

oder über Untertanen verfügten.

Die ältere Kirche in Mailberg ist die auf einem Hügel

nördlich des Schlosses gelegene Friedhofskirche der

Hl. Kunigunde. Wahrscheinlich im 12. Jahrhundert errichtet

wurde sie in der Hochgotik erweitert.

Im 13. Jahrhundert entstanden die jetzige Kirche sowie

ein Spital in der ursprünglichen Burganlage von

Mailberg. Um 1600 ließ der damalige Komtur Fra` Carl

Tettauer von Tettau (1594 – 1608) die schon sehr heruntergekommene

Burg bis auf die Vorwerke niederreißen

und begann einen großzügigen Neubau der Kommende

und der Kirche. Ursprünglich eine gotische Hallenkirche,

verdankt sie ihre jetzige Gestalt Fra` Anton von

Colloredo-Wallsee (1745 – 1760). Das Hochaltarbild

von Joseph Biedermann von 1752 zeigt den Ordenspatron,

wie er die aus dem Hafen von Malta zur Seeschlacht

von Lepanto (1751) auslaufende Flotte des Ordens dem

Schutz der Hl. Dreifaltigkeit empfiehlt. Das Spital fiel

allerdings schon vorher den zahlreichen Umbauten und

4

DIE MALTESER 1/2022


XXXX

Mailberg Grossharras Wien

Zerstörungen zum Opfer, wie auch der Kirchturm, den

ein Brand 1788 zerstörte und der nicht wiederaufgebaut

wurde. Bis ins 19. und 20. Jahrhundert erfolgten mehrere

kleinere Umbauten.

Die inkorporierte Schlosskirche, die wie die meisten Ordenskirchen

dem Ordenspatron Hl. Johannes dem Täufer

geweiht ist, dient heute als Pfarrkirche. Seit 2004

wirkt hier Hw. Geistl. Rat Lic. Dr. Christoph Martin segensreich.

In den Jahren 2006 und 2007 wurde die Kirche unter

Mithilfe der Erzdiözese Wien, des Ordens, des Denkmalamtes,

der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich

und der Marktgemeinde und Pfarre Mailberg generalsaniert.

2008 wurde die barocke Silberbauer-Orgel wiederhergestellt

und 2010 bis ins Jahr 2011 schließlich der

barocke Pfarrhof gerettet.

An der Straße Richtung Diepolz liegt eine Heilig-Grab-

Kapelle die, wie jene in Unterlaa, auf den Komtur Leopold

Karl Graf Kollonitsch zurückgehen dürfte. Seit 1. Jänner

2022 ist die Ordenskirche in den Pfarrverband Pulkautal

eingebunden, dem Hw. Pfarrer P. Placidus Leeb OSB vorsteht.

Grossharras

Östlich von Mailberg liegt der Ort Großharras mit der

Pfarrkirche zur Hl. Dreifaltigkeit. Der auf einer kleinen

Anhöhe errichtete Bau steht inmitten eines ummauerten

Friedhofs. Die Kirche wurde mit Schenkungsurkunde

von 1255 von Heinrich von Seefeld aus der Familie

der Chadolte dem Johanniterordenskonvent in

Mailberg übertragen. Das Kirchengebäude mit seinem

gotischen Chor wurde 1766 barockisiert. Betreut wird

die nun selbständige Pfarre mit ihren rund 600 Gläubigen

seit 30 Jahren von Hw. Moderator Mag. Edward

Pacyga, der auch für die Pfarren Stronsdorf und Zwingendorf

zuständig ist.

Wien

In Wien entstand in der Kärntnerstraße zwischen 1207

und 1217 eine Priesterkommende, deren Aufgabe die

Seelsorge und die Versorgung der Armen war. Bereits

1258 ist erstmals das „Haus der Prueder des Ordens

von Sand Joannis“ urkundlich erwähnt, gehörte aber

lange zur Kommende Mailberg. Die heutige Rektoratskirche

des Hl. Johannes des Täufers ist ein Bau aus der

Mitte des 14./15. Jahrhunderts. Um 1730 wurde die gotische

Kirche unter Komtur Fra` Michael Ferdinand von

Althann barock ausgestaltet. Er stiftete auch das Hoch-

DIE MALTESER 1/2022 5


XXXXX

St. Johann zu Unterlaa Fürstenfeld Altenmarkt b. Fürstenfeld

altarbild von Johann Georg Schmid sowie die schmucke

Orgel von Gottfried Sonnholz. Zuletzt wurden von 1806

bis 1808 die Fassade, der Innenraum und der Altar

durch Komtur Fra` Franz von Colloredo im Empirestil

umgestaltet sowie das Monument für den siegreichen

Großmeister auf Malta, Fra` Jean Parisot de La Valette

(1557-1568), errichtet. 1837-1839 wurde der Johanneshof

(Kommendenhaus des Johanniterordens, Kärntnerstraße

35/Johannesgasse 2) erweitert und das Kirchengebäude

in die Frontlinie der Häuser der Kärntnerstraße

einbezogen.

Nach den kostenintensiven Lazarettzügen des ersten

Weltkrieges sah sich der Orden 1933 gezwungen, den

Johanneshof und die Kirche an die Assicurazioni Generali

zu verkaufen. Die Kirche blieb jedoch in prekaristischer

Benützung des Ordens. 1938 wurde die Kommende

St. Johann zu Wien mit ihrer Kirche Sitz des neu errichteten

Großpriorates von Österreich. 1960 gelang Vikar

Dr. Johannes Graf Trapp, dem späteren Fürstgroßprior,

der Rückkauf der Kirche. Unter den jeweiligen Ordensoberen

erfolgten in den weiteren Jahren zahlreiche

Renovierungen und eine Generalsanierung. 2017 konnte

anhand einer dendrochronologischen Untersuchung

– einer Holzalterbestimmung des Kirchendachstuhls

festgestellt werden, dass dieser in das Jahr 1312 zu datieren

ist und somit einer der ältesten Dachstühle Wiens

ist. Umsichtiger Rektor ist seit 2003 Hw. Geistl. Rat Lic.

Dr. Christoph Martin.

Kirche St. Johann zu Unterlaa

Als eine der ältesten Sakralbauten im heutigen Wiener

Stadtgebiet gilt die kleine Kirche St. Johann zu Unterlaa.

Sie steht über den Fundamenten eines ehemaligen

römischen Villenbaus und wurde nach neuesten wissenschaftlichen

Erkenntnissen in der ersten Hälfte des

12. Jahrhunderts errichtet. 1272 kam die Johanneskirche

in den Besitz des Malteserordens. Das damals

errichtete Hospital wurde vermutlich gleichzeitig mit

der Burg von Unterlaa 1465 zerstört. 1683 im Zuge der

zweiten Türkenbelagerung wurde auch die Kirche stark

beschädigt und 1686 wiederaufgebaut. In unmittelbarer

Nähe wurde eine Grabeskapelle nach dem Vorbild

jener in Jerusalem errichtet. Das heutige Aussehen der

Kirche geht weitgehend auf einen Umbau von 1779

und die Renovierung von 2011/12 zurück.

Später eine Filialkirche der Malteserkirche zu Wien gehört

sie organisatorisch heute zur Pfarre von Oberlaa und wird

seit 2011 von Pfarrer Hw. Geistl. Rat Mag. Andreas Klein

SAC betreut. Während des Sommers wird hier einmal im

Monat die Hl. Messe gefeiert. Die Ausgrabungen aus der

Römerzeit und dem Mittelalter sowie ein archäologischer

Schauraum werden vom Bezirksmuseum Favoriten betreut

und können in den Sommermonaten besichtigt werden.

Fürstenfeld

In der Steiermark lagen die Niederlassungen in der Oststeiermark

und im heutigen Slowenien am Hauptverkehrsweg

zwischen Wien, Marburg, Cilli, Laibach und

weiter nach Triest. Von der wohl ältesten Gründung,

dem zwischen 1130 und 1140 entstanden und bis 1300

aktiven Hospiz in Spital am Hartberg, heute der Ortsteil

Spital der Gemeinde Schäffern am Wechsel, ist mittlerweile

nichts mehr zu erkennen. Im Jahre 1197 übergab

Erzbischof Adalbert von Salzburg die Pfarrkirche Übers-

6

DIE MALTESER 1/2022


IMFOKUS

Ligist Lebmach Pulst

bach in der Nähe von Fürstenfeld an die Johanniter. Im

Zuge des Festungsbaues und der Stadtgründung von

Fürstenfeld gründete der Orden zwischen 1170 und

1190 die Kommende Fürstenfeld, gab Übersbach auf,

verlegte seinen Sitz in den Hauptort und errichtete zwischen

1200 und 1220 dort selbst eine Kirche.

Durch die Grenznähe, die Lage an der Stadtmauer und

in Nachbarschaft zur landesfürstlichen Burg (heute ehemalige

Tabakfabrik) kam der Kommende auch bei der

Verteidigung gegen Magyaren und Türkeneinfälle eine

wichtige Rolle zu. Mehrfach, so etwa 1480 oder auch

durch einen Hajdukenüberfall 1605, wurde die Kirche

durch Kriegshandlungen vollkommen zerstört. Das

heutige Aussehen ist durch einen Umbau im Rokokostil

von 1773-79 geprägt. Der Zwiebelturm, das Kirchengebäude,

der Chor und Teile der Westfassade sind im Baukern

noch spätromanisch bzw. frühgotisch. 1945 wurde

die historische Kommende mit der inkorporierten

Stadtpfarrkirche zum Hl. Johannes dem Täufer durch

den Beschuss deutscher Artillerie schwerst beschädigt.

2018 gelang es Hw. Mag. Alois Schlemmer, dem seit 2010

zuständigen Pfarrer, in einem Jahrhundertprojekt ein

neues Geläut anzuschaffen. Irreparable Schäden hatten

umfassende Sanierungen am Glockenturm dringend erforderlich

gemacht. Dabei wurden auch die Stahlglocken,

die den Turmbrand von 1945 überstanden hatten, durch

Bronzeglocken ersetzt. Die südlich der Stadt gelegene

Wieskapelle (Gegeißelten Heiland) wurde 1770 gestiftet

und steht unter dem Patronat des Ordens. Mit Fürstenfeld

standen auch die Kommenden im heutigen Slowenien

Melling (Melje, 1217) bei Marburg und Heilenstein

(Polzela, urkundlich 1323) nordwestlich von Cilli in der

Untersteiermark sowie St. Peter im Krain (Komenda,

urkundlich 1256) in der Nähe von Stein (Kamnik) bzw.

nördlich von Laibach zumindest zeitweise in Verbindung.

Altenmarkt bei Fürstenfeld

Das Dorf Altenmarkt bei Fürstenfeld wurde 1234 den

Johannitern geschenkt. Die dem Hl. Donatus geweihte

inkorporierte Pfarrkirche (früher Maria in der Au) ist

ein romanischer Bau des 13. Jahrhunderts. Der Westturm

wurde im 15. Jahrhundert aufgemauert und das

Langhaus später barockisiert. In den 1980er Jahren

wurden bei Renovierungsarbeiten beachtenswerte

Wandmalereien im Chor der Kirche freigelegt, die auf

Grund ihres Stils in das beginnende 14. Jahrhundert

datiert werden konnten. Seit 2018, nach Auflösung der

Dekanate in der Diözese Graz-Seckau, gehört die Pfarre

von Altenmarkt zusammen mit der Pfarre von Fürstenfeld

zur Region Oststeiermark und zum Seelsorgeraum

Thermenland. Beide Pfarren werden von Pfarrer

Hw. Mag. Alois Schlemmer betreut.

Ligist

1928 kaufte das Großpriorat von Böhmen und Österreich

das Gut Ligist und die dazugehörige Kirche. Im

12. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet ist sie der

Hl. Katharina von Alexandrien, der Patronin aller arbeitenden

Frauen und der Wissenschaft, geweiht. Bis 1880

waren die Grafen von Saurau die Patronatsherren und

danach bis 1928 die Grafen von Goëss. Der Altarraum

wurde 1972 neugestaltet. 1997 entstanden in der Kirche

drei neue Deckengemälde. Seit 2019 ist der Pfarrprovisor

Hw. Mag. Gerald Krempl mit der Leitung beauftragt.

DIE MALTESER 1/2022 7


XXXXX

Kapelle Hebalm St. Nikolaus in Zitz St. Veit in Mechelsetten

Zur Grundherrschaft auf der Hebalm gehört auch die

Hebalmkapelle von 1685 der Pfarre Pack, die dem Fest

Mariae Heimsuchung geweiht wurde. Das Altarbild von

1974 zeigt die Bekehrungslegende des Hl. Hubertus.

Pulst und Lebmach

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Pulst war ursprünglich

eine Eigenkirche von Herzog Ulrich III. von

Spanheim, der das Patronatsrecht der Kirche 1263 den

Johannitern schenkte. Die Bestätigung der Schenkung

durch König Rudolf I. im Einvernehmen mit dem Bischof

von Gurk machte Pulst zur inkorporierten Ordenspfarre.

Die Pfarrkirche ist im Wesentlichen ein spätgotischer

Bau aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert unter Einschluss

älterer Bausubstanz. Die umgebende Kirchhofmauer

gehörte zur ehemaligen Wehranlage und weist

noch Schießscharten auf. In der Kirche blieben Wandmalereien

erhalten, darunter die Anbetung der Könige und

Szenen aus den Türkenkriegen.

Der südlich der Kirche liegende annähernd quadratische

Karner dürfte noch aus der Romanik stammen. Nördlich

erhebt sich der Pfarrhof, mit mittelalterlichem Kern, in

dem bis 1822 der Komtur von Pulst residierte.

Seit 1596 ist die Filialkirche des Hl. Bartholomäus in Lebmach

belegt. Sie weist einen barocken Hochaltar auf, der

Johann Pacher zugeschrieben wird. Zu Maria Pulst gehörten

früher auch die Kapellen der Burgruine Liebenfels

des südlich gelegenen Schlosses Hohenstein sowie eine

profanierte Kapelle im Weiler Pupitsch. Betreut wird die Kirche

seit November 2021 von Pfarrmoderator Mag. Robert

Katnik und Dipl. PAss Eva Schwarz-Dellemeschnig.

Ehemalige Malteserkirchen

Neben den Kirchen von Hohenau an der March (1266),

der Patronatskirche von Ebenfurth (1268) und jener

der Hl. Margaretha in Marchegg (1268) gehörte auch

die Kirche zum Hl. Veit in Michelstetten (1269) einmal

dem Malteserorden. Auch in Stroheim in Oberösterreich

(um 1230/35) bestand bis 1784 eine Priesterkommende

sowie ein Hospiz in Enns (14. Jhdt.) neben dem

sogenannten Frauenturm. In Südtirol gehörte Taufers im

Münstertal (1264) dem Großpriorat Lombardei-Venetien.

Weiters sind die Kirchen St. Peter und Paul in Latsch

(1218) und St. Medardus in Tarsch (1228) zu nennen. In

Vorarlberg waren die Kirche des Hl. Johannes des Täufers

in Feldkirch (um 1218) bis 1610, die Alte Pfarrkirche

zum Hl. Michael in Tisis von 1315 bis 1610, und die zu

Bludenz gehörende Filialkirche St. Nikolaus in Zitz von

1375 bis 1610 im Besitz des Ordens.

Zuletzt musste der Orden 1995 aus wirtschaftlichen

Gründen die Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem

Täufer in Spital bei Weitra (1227), die Pfarrkirche der

Hl. Margaretha in Walkenstein bei Sigmundsherberg

(1227) und die nördlich von Hohenau gelegene Pfarrkirche

zur Hl. Helena in Rabensburg (um 1250) exkorporieren.

Quellen: Weidenhoffer, Hansjörg: Zeugnisse der Baukunst des

Ordens in Österreich. In: Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden in

Österreich, Steeb/Strimitzer (Hrsg.), Graz 1999, S. 493ff.

Gregor Gatscher-Riedl und Fra` Ludwig Call: Weißes Kreuz auf rotem

Grund - Der Malteserorden zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa,

Innsbruck 2021, S. 77 ff.

8

DIE MALTESER 1/2022


IMFOKUS

PERSÖNLICHES UND ERFAHRENES

Pfarrer haben keine Ahnung vom echten Leben? Eine Antwort auf ein gängiges Vorurteil mit Eindrücken und Einblicken

aus einem echten Pfarrerleben.

Von Christoph Martin

Wer beinahe 20 Jahre lang zwei Kirchen betreut – eine

am Land, eine in der Stadt – der weiß sicher nicht alles

vom wahren Leben, aber doch so manches. Er bekommt

mit, wie sich eine Gesellschaft verändert und mit ihr

vielleicht auch der Glaube. Sehr persönliche Gedanken

und Erinnerungen von einem, der in den Malteserkirchen

Mailberg und Wien seinen Dienst tut.

Der Anfang in Mailberg

Gespenstische Stimmung, ein dunkler Winternachmittag,

auf den Straßen des Dorfes ist kein Mensch zu

sehen. Für mich stand zuerst ein Besuch beim mürrischen

Dechanten an. Er konnte die Ritter nicht leiden.

Dann zum Verwalter. Der sagte dem Kanzler: „Wenn der

so ist wie sein Vorgänger, kannst du ihn gleich wieder

mitnehmen!“ Der war ich und stand dabei. Danach zu

genanntem Vorgänger. Der sprach Französisch mit mir.

Durch sein Wohnzimmer war eine Leine gespannt, auf

der trocknete die Wäsche. Er lebte droben im Schloss.

Der Pfarrhof drunten im Dorf war eine kalte Ruine mit

offenen Fensterhöhlen. Die Kirche am Ende des Schlosshofes

war verkrustet mit dunkler Ölfarbe und billigen

Teppichen. So war der Anfang in Mailberg.

Heute ist die Schloss- und Pfarrkirche so hell und elegant,

wie sie es im 18. Jahrhundert war. Ein Ehepaar aus dem

Dorf hält sie spiegelnd sauber und die Mailberger Frauen

bringen Blumenschmuck, der aus London importiert sein

könnte. Der Pfarrhof ist geheizt. Er ist der schönste weit

und breit. Gastfreundlich. Die Leute kommen gerne zu

ihren Versammlungen, Jausen, Weihnachtsfeiern, was immer.

Sogar die roten Pensionisten. Oder sind die Senioren

rot und die Pensionisten schwarz? Ich werde es nie verstehen,

weil es mich nicht interessiert.

Mir reicht zu wissen: Es sind alte Menschen, die hart gearbeitet

haben. Viele davon noch „im Schloss“. Der Bürgermeister

ist eindeutig ein Roter. Ein Roter, der in der

Schola singt. Ich bin ja beinahe sicher, dass nicht jeder

Grüne ein Kommunist ist und kann mit allem arbeiten,

was kein Nazi ist und kein Bolschewik. Neben dem Pfarrhof,

dort, wo früher der Garten des Pfarrers war, ist heute

ein Kinderspielplatz. Wenn ich aus Wien ankomme, in

dem kleinen Auto, das die Ministranten dermaßen uncool

finden („z’kla!“), kommen die Kinder gelaufen und begrüßen

mich. Dann spielen sie weiter. Manchmal werfen

sie kleine Kieselsteine durchs offene Kanzleifenster. Ich

rede ein paar Worte mit den Müttern. Die meisten von

ihnen gehen nicht in die Kirche. Etliche sind Muslimas.

Die gibt es jetzt in Mailberg auch. Gott sein Dank regt sich

niemand darüber auf. Ein paar Flüchtlingsfamilien kann

ein kleines Dorf gut integrieren. Wir werden sie zur nächsten

Erstkommunion einladen.

DIE MALTESER 1/2022 9


IMFOKUS

Die Anfänge in Mailberg waren schwierig. Oft wollte

ich aufgeben. Ich fahre nicht gerne Auto und muss doch

zweimal in der Woche von Wien hinaus ins Dorf. Das

macht rund 300 Kilometer. Über Jahre hin hatte ich

nicht einmal ein Zimmer, in dem ich mir einen Kaffee

hätte kochen können. Von den zuständigen Vorgesetzten

half keiner. Der Dechant war misstrauisch. Der Bischofsvikar

war frostig, weil er mich für „einen Malteser

hielt. Der Weihbischof fand, ich solle mich gleich wieder

versetzen lassen. Ich hätte „die Sprache der Leute nicht

gefunden“, schrieb er. Dass ich das Kyrie aus der Missa

de Angelis auf den Liedplan setzte, war für ihn der letzte

Beweis meiner Unfähigkeit. Es gab halt Zeiten und Kreise,

wo der falsche Ritus mehr Empörung auslöste als der

Missbrauch von Kindern. Und der Pfarrgemeinderat? Der

sagte: „Der kann das nicht!“ Ich konnte es aber doch. Es

fuhren damals Abordnungen nach Wien ans Ordinariat,

Damals war der Glaube auch Frauen- und Kindersache.

Wurde ein Bub zum Mann, also gleich am Montag nach

seiner Firmung, kam er nicht mehr zum Ministrieren,

sondern ging zur Feuerwehr. Manchmal hätte ich mich

gefreut, sie hätten sich wenigstens verabschiedet. Heute

organisieren die Väter Kommunionunterricht und wenn

ich sie zum Essen in den Pfarrhof einlade, helfen sie

nachher, die Küche aufzuräumen. Moderne Männer. Ich

mag die. Die Mütter lieben ihre Kinder natürlich mehr als

den Herrgott, aber sie sind nicht mehr misstrauisch, seit

sie gemerkt haben, dass die Kinder den Pfarrer mögen.

Feuerwehr, Kameradschaft, Musik: alle hilfsbereit. Und

nicht mehr grundsätzlich und geschlossen draußen vor

der Kirche, sondern auch mal drinnen. Es sind gute Leute.

Die Sonntagsmesse dauert heute eine Stunde. Dass

der Pfarrer sich an die liturgischen Regeln hält (zwei

Lesungen!) und nicht labert, sondern predigt, das war

um mich loszuwerden. Hinter meinem Rücken. Gute katholische

Art halt. Sie hatten schlechte Erfahrungen mit

den Priestern gemacht, ganz gleich ob diese aus dem Orden

oder aus der Diözese gekommen waren. Ich selbst

war an der Hand des Ordenskanzlers gekommen. Damit

war ich nicht Dorf und Land, sondern Schloss und Stadt.

Und auch noch Ausländer! Damals war die Pfarre vor

allem damit beschäftigt, die Ritter nicht zu mögen. Ich

fand: Es gibt bessere Themen für Christen.

Heute kommen Dorf und Ritter gut miteinander aus. Eine

tiefe Liebe wird es nie werden, dafür sind die Welten zu

unterschiedlich. Aber sie halten zusammen, die Ordensritter

und die Mailberger. Irgendwie sind sie sogar stolz

aufeinander. Heute, wo alle Bindungen brüchig geworden

sind, ist Zusammenhalt so wichtig!

für sehr viele Mailberger schon ein sehr starkes Stück.

„Beim Dechant dauert sie nur 20 Minuten!“ Ja mei. Man

sagt mir, inzwischen hätten die Mailberger mich gern.

Manche grüßen halt grundsätzlich keine Pfarrer.

Zusammenhalt

Als ich draußen anfing, vor beinahe 20 Jahren, da gab

es in Mailberg eineinhalb Wirtshäuser und zwei Frühstückspensionen,

eine davon im Schloss. Das Dorf schien

müde und traurig. Heute gibt es zwei schöne Hotels, zwei

Restaurants (eines davon bekam 2021 drei Hauben),

mehrere sehr gute, innovative Weingüter, eine aktive

Gemeindeverwaltung und eine lebendige Pfarre. Heute

weiß auch der Mailberger Weinbauer, dass Vorgänge im

fernen China Auswirkungen auf ein Dorf in Österreich

haben können, weil er seinen Wein bis nach China lie-

10

DIE MALTESER 1/2022


IMFOKUS

fert. Globalisierung heißt: Eines wirkt aufs andere. In

einer kleinen Welt wie Mailberg hängt sowieso alles zusammen.

Eine Gemeinde geht heute auseinander, wenn Vereine,

junge Familien, Politik und Kirche nicht dagegenhalten.

Die Fremden, die nach Mailberg ziehen und bald

wieder wegziehen, die vielen Pendler, die täglich zur

Arbeit nach Wien fahren, die vielen Alten, die zuhause

sitzen und wegen Corona nicht mehr hinauskönnen – sie

können für den Zusammenhalt nicht viel tun. Deswegen

liegt es dem Seelsorger am Herzen, dass die Vereine

Nachwuchs haben und zusammenhalten. Auch, dass

das Schlosshotel des Ordens floriert. Die Gäste bringen

nicht nur Geld, sondern auch Leben in die Gemeinde.

Fremde sind wichtig! Der Pfarrer wäre entzückt, wenn

der Schlossheurige wieder offen wäre. Dann könnten die

Leute nach der Messe auf ein Glas einkehren. Manch einer

käme so leichter zur Kirche, und die Plauderei täte

der Dorfgemeinschaft gut.

Was noch fehlt: ein kleines Museum. Mailberg hütet seit

Jahrhunderten drei oder vier bedeutende spätgotische

Schnitzwerke. Zu sehen sind sie aber nicht. Ein kleines

Häuschen mit zwei Räumen und gutem Licht würde reichen,

und wir hätten noch einen Anziehungspunkt für

die Reisenden und etwas, worauf Dorf und Ritter gemeinsam

stolz sein könnten. Wenn es nach mir ginge,

wäre es ein ganz moderner Bau. Etwas Kühnes, das von

sich reden macht. Im 18. Jahrhundert haben die Ritter,

die Dörfer, die Grafen, die Klöster ja auch nicht gotisch

gebaut, sondern modern. Was ist aus unserer Kultur und

unserer Kirche geworden? Irgendwas zwischen mutlos,

Freizeitjacke und Katalogen für Kirchenbedarf.

Der mutige Orden

Es war der Orden, der die Initiative ergriff zur Restaurierung

der Schloss- und Pfarrkirche, zur Rettung des

historischen Pfarrhofes, zur Wiederinstandsetzung der

berühmten Silberbauer-Orgel. Ein mutiger Kanzler und

ein ängstlicher Pfarrer können zusammen schon ein

paar Berge versetzen und Erzdiözese, Gemeinde, Land

etc. mitziehen. Bei alldem entdeckte ich mein Talent

zum Spendensammeln. Das geht nicht ohne sehr viele

Briefe und Karten. Handschriftliche Post: ein wenig old

fashioned, aber pastoral sehr effizient. Kürzlich bekam

jedes Kind in Mailberg Post vom Hochwürden: Einladung

zum Mal-Wettbewerb. Wir dürften die einzige Kirche des

Landes sein, in der nun ein Star-Schnitt des hl. Johannes

hängt. Leo malte die Heuschrecke des Täufers!

Mit all der Post drücke ich aus, dass ich die Leute mag, an

sie denke und um sie weiß. Ich gehe nicht in die Keller,

weil ich die Gespräche dort nicht mag, aber sehr wohl

in die Häuser. Ich besuche die Alten und Kranken, ich

mache gerne eine Jause bei den jungen Eltern, erkenne,

ob die Jugend zu Recht stolz ist auf die neuen Sneakers

und weiß auch, was ein Wheely ist. Ich kenne die Namen

der Ministranten – was nicht überall selbstverständlich

ist – und vieler, vieler anderer Mailberger und ich hebe

mir, wenn es irgend geht, meine schlechte Laune für die

eigenen vier Wände auf. Das ist eine effizientere Seelsorge

als jedes Pastoralkonzept. Allerdings braucht sie viel

Zeit. Mit vier oder fünf Gemeinden ginge das nicht. Mit

dem Priestermangel und der Strukturreform geht eine

ganze Kultur der Seelsorge zugrunde. Aber die Kirche

hat schon die Westgoten und den Buonaparte überstanden.

Ich bin zuversichtlich.

Was übrigens den Priestermangel angeht: Solange Eltern

oder Kameraden oder ein ganzes Dorf die Idee, einer von

ihnen könne Priester werden oder ins Kloster gehen, für

völlig abstrus hält, wird sich nichts ändern. Ein junger

Mann müsste sich ja gegen alle anderen stellen, anstatt

sich getragen zu fühlen. Wer schafft das schon? Kurz:

Nicht nur der Zölibat schreckt ab, sondern auch die Haltung

der lieben Laien.

Feste

Wie schön, dass kein Priester bei Null beginnen muss!

Wenn ich hinaufgehe in die kleine Kunigundenkirche,

die schon dastand, als in Mailberg an die Ritter noch niemand

dachte, spüre ich eine solche Stärke der Geschichte

und des Glaubens! Ich muss gar nicht mehr viel machen.

Die Leute, die an den Wochentagen zur Hl. Messe hinaufkommen,

nachher noch zu einem Gebet aus dem neuen

Gotteslob bleiben und dann auch noch zu einem Glas

Wein, die spüren das auch. Man muss die Vergangenheit

hüten und die eigene Zeit lieben.

Als ich in Mailberg ankam, waren beide Kirchen verwahrlost.

Viel Kostbares war beschädigt oder vergessen und

DIE MALTESER 1/2022 11


IMFOKUS

nichts strahlte Liebe oder Andacht aus. Die Fronleichnamsprozession

etwa fand noch statt. Aber was soll ein

Fest, das nicht prächtig, froh, hochherzig und anstrengend

ist? Echte Feste machen erst sehr viel Arbeit, dann

sehr viel Freude. Heute gibt es an Fronleichnam wieder

Blumenteppiche, Kinder mit himmelblauen Schärpen,

Heiligenfiguren, die über den Köpfen schwanken und

neue Prozessionswege wie durch das neue Wohnviertel,

die „Maltesersiedlung“, wo viele junge Familien leben.

Da sind die Häuser zwar nicht geschmückt, aber das

kann ja noch werden. Nur locker lassen darf man nicht.

Keine Sekunde. Deswegen bin ich oft todmüde. Oder

liegt es daran, dass der ganze Schmuck an Blumen und

Birken nach der Prozession ins Auto gepackt, nach Wien

transportiert und in der Malteserkirche neu aufgestellt

wird? Damit zur Vesper des Hochfestes alles überwältigend

schön ist. Dumm nur, dass dann nur drei, vier Leute

kommen. Was zum Teufel mache ich falsch?

schöne Idee für eine Gemeinde, in der viele vom Weinbau

leben: den Segen Gottes für eine gute Ernte erbitten.

Wenn dann aber über die Jahre hin nie mehr als zehn

Leute mitgehen? Manches hat sich einfach überlebt, so

schade das ist.

Dafür entsteht Neues. Das geht folgendermaßen: Bibelgespräch?

Versucht, geht nicht. Eigentlich kein Wunder,

wenn sich sogar die Priester schwertun, über ihren Glauben

zu sprechen. Glaubensgespräch? Versucht, geht auch

nicht. Männerrunde? Wenn dann nur von früher erzählt

wird? Jetzt aber haben wir den „Glaubenskurzkurs für

Kinder und Erwachsene“, gleich nach der Vorabendmesse,

15 Minuten. Geht wunderbar. Die Leute müssen

nicht extra zu einem Termin kommen, sondern nur ein

wenig länger bleiben. Der Pfarrer fragt die Kinder, die

Erwachsenen sitzen dabei und lächeln, weil es lustig ist

und weil sie dabei selbst etwas über ihren katholischen

Glauben lernen. Ohne selbst abgefragt zu werden.

Seelsorge

Heute spricht man viel von „Achtsamkeit“. Einfache Aufmerksamkeit

tut es auch. Ich versuche, sehr aufmerksam

zu zelebrieren und den Menschen aufmerksam zu

begegnen. Das hat mich unter anderem auf die Idee gebracht,

dass Frauen sich tatsächlich zurückgesetzt fühlen

könnten, wenn sie die Männer reden hören. Manches

muss man eisern durchhalten, manches sein lassen. Das

gilt für die Seelsorge im Dorf ebenso wie für eine kleine

Kirche in der Stadt. Von den Maiandachten früher

schwärmen alle. Aber wenn man dann eine Maiandacht

hält, kommt niemand. Oder der Bittgang. Eigentlich eine

Überhaupt die Kinder! Ich habe bis heute die Bilder und

Klänge im Kopf, die mir die katholische Kirche in meiner

Kindheit geschenkt hat. Sie machen mich glücklich.

So will ich es weitergeben an die Kinder von heute. Sie

werden den „Clangor“, das „Erdbeben“ am Ende der Ölbergandacht

des Gründonnerstags, nie vergessen, da bin

ich sicher. Das habe ich aus Paris importiert. Sie werden

auch die Zeremonie der Türöffnung am Palmsonntag nie

vergessen, wenn das große Vortragekreuz gegen die verschlossene

Kirchentür schlägt. Das habe ich aus einem

alten Ceremoniale. Hinsehen, studieren und erleben:

So wird Seelsorge gut. Und die härtesten Typen werden

12

DIE MALTESER 1/2022


IMFOKUS

weich, wenn ihre Pfarrkirche in der Christnacht mit hunderten

Kerzen erleuchtet ist. Macht halt Arbeit.

Arbeit

Wir erleben in der Pfarre das, was die selbstständigen

Weinbauern, Maler oder Bierbrauer auch erleben: immer

mehr Vorschriften, immer mehr Verwaltung. Die

Zahl der kirchlichen Konferenzen und Meetings hat sich

in den letzten Jahren verdoppelt, verdreifacht, Tendenz

steigend. Aber man sagt uns: „PGR-Sitzungen sind ja

auch Seelsorge!“ Tricky, was? Der hl. Pfarrer von Ars hatte

eine andere Idee von Seelsorge. Aber das war ja vorgestern.

Besser als jedes Meeting: eine gut vorbereitete

Predigt. Oder ein Besuch in einem der stillen Häuser. Für

die Predigt muss man studieren, beim Besuch muss man

zuhören.

Die Strukturreform der Erzdiözese ist notwendig. Ein

Schuft, wer das nicht kapiert. Aber etliche Jahre nach

Gott stellt keine Bedingungen

Müssen Seelen noch gerettet werden? Offenbarung und

Tradition sagen ja, katholischer Mainstream sagt nein.

Werden ja eh alle gerettet, weil Gott keine Bedingungen

stellt. Das verkünden sogar Bischöfe. Am Evangelium

vorbei. So gesehen ist es nicht weiter schlimm, dass in

Mailberg viel gearbeitet, aber kaum gebetet wird; dass ich

kein Kind kenne, das gerne und von sich aus betet. „Beten

Sie für Ihre Kinder?“, fragte ich neulich einen Vater.

Großes Erstaunen. Was dem Pfarrer alles einfällt! Keiner

kommt, um zu beichten. Wozu beichtet man? Nein, nicht

um sich mal auszusprechen! Um von Gott und der Kirche

Verzeihung zu erlangen und so seine Seele zu retten. Je

mehr sich der Blick auf das Geistliche richtet, desto bedrückender

wird die Bilanz.

Es stimmt schon, der Kirchenbesuch in Mailberg hat

zugenommen. Sogar in Corona-Zeiten. Trotzdem bleibt

es wahr, dass neun Zehntel der Mailberger nicht jeden

ihrem Start sehe ich nur: Die Arbeit ist mehr geworden,

viel mehr. Fürs gleiche Geld. Das kennen heute ja viele

Menschen. Kandidaten und Kandidatinnen für den PGR

finden sich kaum, denn auch den reinsten Seelen ist klar:

Wer sich darauf einlässt, der wird viel Zeit hergeben müssen.

Und immer noch mehr, wenn es nach all den Wiener

Büros ginge. Weil aber schon der Job Zeit fordert und die

Familie und die Vereine, sitzen in den Gremien der Pfarre

fast nur noch die, die Zeit in Fülle haben: Pensionisten.

Die hören sich dann an, wie die Vertreter der „Jungen

Kirche“, die man uns aus Wien schickt, über Wochenstunden

referieren. Zur Rettung der Seelen kein Wort.

Sonntag die Messe feiern. Wir haben erreicht, dass manche

Jugendliche auch nach der Firmung noch zur Kirche

kommen. Aber das sind Ausnahmen. Wir erleben,

dass in Mailberg viele auswärtige Paare heiraten; wir

wissen aber auch alle, dass das öffentliche Versprechen,

eine christliche Ehe zu führen, leeres Wort ist. Dass in

Mailberg kaum ein junges Paar kirchlich verheiratet ist,

macht es nicht besser.

Soll ich auf Hochzeiten drängen? Soll ich unverheiratet

Zusammenlebenden die Kommunion verweigern, wie

mancher Mitbruder es von mir möchte? Soll ich durch-

DIE MALTESER 1/2022 13


IMFOKUS

greifen, wie mancher Ritter es möchte? Alle, die in der

Geschichte durchgegriffen haben, die alles konsequent

und logisch behandelt haben, alle die waren am Ende allein.

Die Aufgabe des Pfarrers ist es nicht, am Ende allein

vor dem Katechismus zu sitzen.

Wenn man all das nicht als statistisches Phänomen,

sondern als Frage von Gnade und Heil betrachtet, wird

es beklemmend. Jüngst hatten wir bischöfliche Visitation.

Anders als früher wollte der Weihbischof eine

Sonntagsmesse erleben, „wie wir sie normalerweise feiern“.

Also kein Empfang des Oberhirten mit Musikkapelle,

Feuerwehr- und Kameraden-Spalier, keine Beflaggung

und keine Gedicht aufsagenden Kinder im Sonntagsstaat.

Auch gut. Viel weniger Arbeit. Das bedeutet aber,

dass die Mehrzahl der Katholiken im Dorf sich um den

Bischof nicht schert. Eine private Geburtstagsfeier ist

wichtiger. Ihr gutes Recht? Ja gewiss. Aber auch ein Nein

zum Nachfolger der Apostel.

Ich frage: Haben wir Gegner? Die, die die Kreuze in öffentlichen

Räumen verbieten wollen und die Abtreibung

propagieren, sagt der Bischof. Gegner? Das sind Muster

aus längst vergangenen Zeiten, sagt ein Pfarrgemeinderat.

Und was sage ich? Jesus hatte Gegner. Jesus kam

nicht bei einem Fahrradunfall ums Leben. Jeder, der

sündigt, ist ein Gegner Gottes. Der Priester, der sich an

einem Kind vergreift, ist ein Gegner dieses kleinen Menschen

und ein Gegner Gottes. Der, der die hl. Kommunion

gedankenlos nimmt, ist ein Gegner Christi. Aber was

wissen wir wirklich von den Seelen und vom Gericht? So

gut wie nichts. Eine Bilanz der Gnade zu ziehen, ist unmöglich.

Das heißt nicht, dass es am Ende doch okay ist

zu sagen: „Der war ein guter Pfarrer.“

Das würde ich gerne mal zusammen mit Ihnen überlegen:

Was genau ist ein guter Priester? Der, der immer das

Kollar trägt? Oder warum werden beim Thema Hochaltar

alle ganz wuschig, während sie beim Thema Firmlinge

nur traurig aus der Wäsche schauen? Solche Dinge würde

ich gerne diskutieren!

Lange Reihe

Auf dem Steinboden vor dem Mailberger Hochaltar haben

sich die Fußspuren meiner Vorgänger eingegraben.

So viele Priester, so viele Namen! Die Pfarre Mailberg

gab es schon lange, sehr lange, bevor ich kam. Sie lebte

auch ohne mich. Die Pfarre wird es noch geben, wenn

ich schon lange weg bin und nur noch Historiker meinen

Namen kennen. Was macht das? Nichts. Was sagt der hl.

Franz von Sales? „Vive Jésus!“ – „Es lebe Jesus!“

Die Malteserkirche in Wien

Eine Rektoratskirche in der Stadt funktioniert anders als

eine Pfarrkirche am Land. In der Pfarrkirche muss Platz

sein für alle, der Pfarrer muss sammeln und integrieren.

Die Malteserkirche im ersten Bezirk Wiens ist eine von

vielen Kirchen der Großstadt. Sie hat ihr ganz eigenes

Gesicht oder muss es finden. Wer eine Kirche in der Stadt

zu einem echten Anziehungspunkt machen will, muss

überlegen: Was ist die Geschichte dieser Kirche? Was

brauchen die Menschen dieser Stadt, dieser Epoche? Die

Geschichte gibt einen Auftrag, der Zeitgeist tut es auch.

Wer das verkennt, bastelt ein Museum oder organisiert

einen Konzertsaal. Noch eines muss der überlegen, dem

eine Kirche in der Stadt anvertraut wurde: Wer bin ich?

Was kann ich, was kann ich nicht? Auch in den Begabungen

liegt ein Auftrag.

Hütchenspieler, Musikanten, Diebe und Demonstranten

Die Kärntnerstraße brandet an die Malteserkirche heran.

Hat die kleine Kirche den Geruch der Schafe angenommen?

Nein. Sie ist still und duftet nach Weihrauch.

Die Menschen der Großstadt sehnen sich nach Stille.

Und nach Schönheit.

Um Stille muss man kämpfen, denn die Leute reden.

Warum eigentlich? Ist es die Angst, die sie übertönen

wollen? Sie reden in der Sakristei, sie reden in der Kirche,

wenn die Seelenmesse aus ist und sie reden vor der

Kirche, wenn ich ihnen bei der Türe eine gute Woche

wünsche. Dort rede ich gerne mit ihnen, in der Sakristei

nicht. Denn ich muss mich sammeln. Dabei hilft mir

keiner. Die spanischen und italienischen Touristen reden

laut, trotz Gottesdienst; die Deutschen lassen merken,

dass sie alles besser wissen. Besser als die rückständigen

Katholiken. Die Chinesen kommen herein und gehen

wieder hinaus. Und so alle zwei Wochen schreit irgendeiner

herum, der die Priester hasst oder die Jungfrau

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DIE MALTESER 1/2022


Maria liebt. Am Altar bleibt alles gleich. Eine Kirche, die

so mitten im Wirbel steht, weiß irgendwann, wie wichtig

das Schweigen, die Sammlung, die stete Wiederholung

ist. Die Konzentration des Priesters trägt die Gemeinde.

Wenn er nachlässt, zerfließt die Stunde.

Durchhalten

Als ich in Wien ankam, gab es in der Malteserkirche

morgens eine Hl. Messe wie überall sonst auch. Die

Kirche war in serbisch-jesuitischem Geschmack geschmückt:

zwei Begonien im Plastiktopf. Am Mittwochmorgen

betraten drei oder vier Profess-Ritter

zusammen die Laudes. Nun gibt es seit bald 20 Jahren

eine Stille Anbetung am späten Samstagnachmittag,

zu der niemand kommt. Ich bin fast immer allein

mit der Monstranz. Am Sonntagnachmittag feierliche

Vesper. Mit Predigt und Segen und Orgel und Cantorin.

Ihr feiner Gesang hilft uns zum Beten. Manchmal

spielt auch ein Saxophon oder ein Cello. Zur Vesper

kommen wenige Menschen. Dass das Konzil gefordert

hatte, das Stundengebet solle auch von den Laien und

in den Pfarren gebetet werden, wollen nicht einmal die

guten Katholiken wissen. Dabei gibt es gegen die trübe

Laune des Sonntagnachmittags kein besseres Mittel

als eine gemeinsam gesungene Vesper! Montags um

zwölf Uhr Mittag eine Hl. Messe mit Musik und Predigt.

Hier hat sich das Durchhalten gelohnt. War ich

am Anfang oft beinahe allein, so kommen jetzt so viele

Menschen, dass die kleine Kirche gut gefüllt ist. Die

einen kommen wegen der Musik, die anderen wegen

der Predigt, wieder andere, weil die Liturgie still und

gesammelt vorangeht. Ich feiere sie so, wie das II. Vatikanische

Konzil es gewollt hat. Einmal im Monat feiern

die Ordensritter und ihre Familien zusammen den

Sonntag. „Ein Strom des Glaubens“ komme da aus der

Malteserkirche, sagte eine Dame. Das war das schönste

Lob. Seit Kurzem gibt es einmal im Monat auch eine

Kindermesse. Ohne rhythmische Lieder. Unglaublich,

aber wahr. Die Kinder sind begeistert.

Ich selbst habe neben der Vesper am liebsten die stille

Messe in der Früh. Oft fällt mir das Aufstehen schwer,

ich habe null Lust auf Messe, fühle mich krank. Dann

aber nehme ich mich zusammen, gehorche und will

bereit sein für Gott. Dieser echte Gewaltakt wird so

oft belohnt mit Momenten, die die Seele in Bewegung

bringen. In der Malteserkirche ist der Gottesdienst

nie hübsche Inszenierung, sondern immer ritterlicher

Kampf.

Erdung

Über Jahre hin habe ich die Kirche selbst aufgewaschen,

die Wäsche besorgt und auch den Blumenschmuck, der

der schönste in ganz Wien ist. Also, auf jeden Fall schöner

als in der Nachbarschaft. Nicht nur der Priester

dieser Kirche zu sein, sondern auch ihr Hauswart, zu

predigen, aber auch den ekelhaftesten Dreck wegzumachen,

mich von Irren beschimpfen und hochmütigen

Herren beleidigen zu lassen („Sie Würschtl!“), das hat

mir nicht geschadet. Im Gegenteil: Es erdet. Sogar die

Schläge, die ich mir ein paar Mal eingefangen habe, tun

das. Und nein, ich habe nicht angefangen, ich schwöre!

Jedes Mal die andächtigste Messe meines Lebens

feiern zu wollen, die beste Predigt halten und jedem

Gottesdienstbesucher mit der größten Aufmerksamkeit

begegnen zu wollen, jedes Fest zum allerschönsten

machen zu wollen – das reißt dann wieder in die Höhe.

Ist das Ehrgeiz? Will ich was werden? Wer Soutane

trägt, macht keine Karriere in der Kirche. Es ist eher

die Überzeugung, dass vom Priester sehr viel abhängt.

Womöglich sogar das Seelenheil anderer Menschen.

Ein Schreck erregender Gedanke. Aber Ritter sind ja

mutig.

DIE MALTESER 1/2022 15


RUNDSCHAU

„ES IST VERNÜNFTIG, SICH IMPFEN

ZU LASSEN“

Impfen verringert das Risiko einer schweren oder gar tödlichen Erkrankung und vermindert das Ansteckungsrisiko. Es ist

ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe.

Von Matthias Beck

Die Corona-Situation in Europa ist unübersichtlich: England,

Spanien und andere Länder lockern ihre Corona-

Bestimmungen, Österreich beschließt eine umfassende

Impfpflicht, Griechenland die Impfpflicht ab 60, Frankreich

erlässt Zugangsbeschränkungen für Ungeimpfte,

Italien hat längst eine berufsbezogene Impfpflicht und

jetzt eine ab 50. In England und Frankreich sind die

Impfquoten höher als in Österreich, daher wagt man Lockerungen.

Eine Impfung vermindert das Risiko einer schweren oder

gar tödlichen Erkrankung. Außerdem senkt sie das Risiko,

sich überhaupt anzustecken und den Nächsten zu

infizieren. Dadurch werden auch das Gesundheitssystem

und die Krankenhäuser vor Überlastung geschützt.

Abstand und Maske

Jeder Infizierte trägt das Risiko in sich, dass neue Mutationen

entstehen. Das Virus kann sich nur verändern,

wenn es Organismen findet, in denen es weiterexistieren

kann. Wenn man ihm diese Organismen durch Abstand

und Maske entzieht oder durch die Impfung das Immunsystem

so trainiert, dass es das Virus angreift, verliert es

seine Lebensfähigkeit. Je mehr Menschen geimpft sind,

desto eher kann man staatliche Maßnahmen lockern.

konnten die Impfstoffe unter Einhaltung aller Zulassungsbestimmungen

schnell zugelassen werden.

Respekt und Menschenwürde

Es ist vernünftig, sich impfen zu lassen: zum Schutz für

sich selbst sowie zum Schutz der anderen und der Gesellschaft.

Der Papst bezeichnet das Impfen als Akt der

Solidarität und Nächstenliebe. „Die Gnade setzt die Natur

voraus und vollendet sie“, so lautet ein zentraler Satz

der Theologie. „Natur“ meint hier die Vernunftnatur des

Menschen. Wenn jemand – aus welchen Gründen auch

immer – zu der Überzeugung kommt, sich nicht impfen

zu lassen, muss das auch respektiert werden. Im Kontext

der Menschenwürde hat jeder Mensch das Recht auf körperliche

Unversehrtheit. Insofern kann er oder sie eine

Impfung ablehnen, niemand kann dazu gezwungen werden.

Allerdings ist dann auch zu bedenken, dass damit

Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft verbunden

sind. Neuerliche Maßnahmen und Beschränkungen –

notwendig auch durch neue Mutationen – könnten wiederum

alle treffen.

Viele Menschen haben Angst, dass die Impfstoffe nicht

lange genug erprobt worden sind. Dazu ist zu bemerken,

dass gerade die mRNA-Impfstoffe bereits seit 20 Jahren

im Zusammenhang mit Krebserkrankungen erforscht

und jetzt schnell auf die Bekämpfung von SARS-CoV-2

umgestellt wurden. Eine sehr große Zahl von Probanden

und die weltweite Erhebung zahlreicher Daten haben

in kurzer Zeit zu einer großen Datenmenge geführt. So

Univ. Prof. Dr. med. Dr. theol.

Mag. pharm. Matthias Beck

ist Systematischer Theologe im Bereich Theologische

Ethik mit Schwerpunkt Medizinethik an der Universität

Wien sowie Mitglied der Bioethikkommission beim

Bundeskanzleramt.

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DIE MALTESER 1/2022


RUNDSCHAU

IMPFEN IM DOM

Gleich zwei prominente Orte stehen für eine ungewöhnliche Maßnahme zur Verfügung: der Stephansdom in Wien und der

Kapitelsaal der Erzdiözese Salzburg. Sie wurden kurzerhand zu Impfstraßen der MALTESER umfunktioniert.

Von Clara Mensdorff-Pouilly und Anna Weinkamer

Seit Mitte August 2021 wird im „Wiener Steffl“ geimpft, je

nach Bedarf in einer oder zwei Impfstraßen. Die sogenannten

Lines (Impfstraßen) sind je mit einem Arzt zur Aufklärung

und einer Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegekraft

für die Impfung sowie mit Sanitätern für die

medizinische Assistenz besetzt. Zusätzlich stehen zwei Administratoren,

ein Ordner und drei Securities bereit. Eine

Line kann bis zu 250 Personen pro Tag impfen. Im Dezember

2021 waren es fast täglich 700 Impfungen. Das Maximum

waren 825 Impfungen innerhalb von 10 Stunden. Bis

Ende Jänner 2022 wurden bereits mehr als 40.000 Impfungen

verabreicht. Die Impfstraßen im Steffl sind sieben Tage

die Woche von 10-21 Uhr durchgehend geöffnet (Änderungen

möglich). Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

In Salzburg-Stadt stand seit Dezember der Kapitelsaal der

Erzdiözese Salzburg als besondere „Impf-Location“ zur Verfügung.

Die Corona-Schutzimpfung wurde hier ebenfalls

ohne Voranmeldung verabreicht und fand hohen Zuspruch

in der Bevölkerung. Dank gebührt an dieser Stelle auch der

Katholischen Aktion Salzburg für die hervorragende Zusammenarbeit!

DIE MALTESER 1/2022 17


PERSÖNLICHKEITEN

DER WEG ZUR BERUFUNG

Wer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck zum Gespräch bittet, wird reichlich beschenkt. Man erfährt Inspirierendes

von einer eindrucksvollen Persönlichkeit.

Von Katharina Stögner

Welche Rolle hat der Glaube bzw. die Religion in

Ihrer Familie und Jugend gespielt?

Ich wurde vor allem von meinem Vater sehr geprägt.

Ihm verdanke ich viel im Glauben. Er hat mir und meinem

sieben Jahre älteren Bruder den Glauben auf einem

sehr hohen akademischen Niveau vermittelt, nähergebracht

und gut verständlich gemacht. Also kein simpler

„Kinderglaube“! Eine wichtige Priesterpersönlichkeit in

meiner Jugend war Pater Rudolf Reichlin-Meldegg SJ. Er

leitete in der Zeit, in der ich das Gymnasium in Klagenfurt

besuchte, als Priester die Katholische Mittelschuljugend.

Er war ein Mann der Technik und der Musik und

hat „Platten-Konzerte“ für uns veranstaltet. Darin hat

er uns die künstlerisch-ästhetischen, vor allem aber die

religiös-spirituellen Inhalte der Musik Anton Bruckners

in nüchterner und doch gewinnender Weise aufgezeigt.

Wie haben Sie die Zeit beim Bundesheer in

Erinnerung?

Nach der Matura in Klagenfurt war ich tatsächlich beim

Bundesheer – quasi als Überbrückung bis zu meinem

Studienstart an der Hochschule für Welthandel in Wien.

So hieß damals die heutige WU. Zum Thema Bundesheer

fällt mir eine Anekdote ein: Als es 2013 um die Volksbefragung

„Wehrpflicht oder Berufsheer“ ging, war ich

zunächst für ein Berufsheer. Bei einem Empfang an der

Deutschen Botschaft kam ich mit dem früheren General-Truppeninspektor

Majcen ins Gespräch und er sagte

mir, dass ich als Kirchenmann für die allgemeine Wehrpflicht

stimmen sollte, denn im Rahmen dieser und der

Militärseelsorge habe die Kirche die letzte Gelegenheit,

den Gesamtdurchschnitt der österreichischen Bevölkerung

zu erreichen. Hunderte jährliche Firmungen von

Soldaten und die starke Beteiligung an der Soldaten-

Pilgerfahrt nach Lourdes zeigten den Erfolg. Also habe

auch ich mit der Mehrheit der Österreicher für die

Wehrpflicht gestimmt.

Sie befürworten also den Militärdienst?

Ich vertrete den Grundsatz: „Si vis pacem, para bellum“ –

„Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor.“ Der

Militärdienst ist ein Dienst zur Vorbereitung des Friedens

– so sehe ich das tatsächlich. Nicht um Krieg zu führen,

sondern um Frieden zu erhalten.

Zurück zum Studium und zu Ihrem Berufseinstieg:

Der „Kirchenmann“ war Ihnen nicht in die Wiege

gelegt...

Ich habe mich im Welthandelsstudium durchaus wohl gefühlt.

Es war sehr praxisorientiert, was mir später zu Gute

kommen sollte. Mit 27 habe ich den Entschluss gefasst,

nicht weiter zu studieren, also keinen Doktor zu machen,

sondern in die Berufswelt einzusteigen. Ich habe einfach

eine Zeitung aufgeschlagen, 20 Inserate gefunden, zwölf

Bewerbungen verschickt und acht Angebote erhalten. Damals

hat das wirklich noch so funktioniert! Meine erste

Stelle war 1970 in Frankfurt bei der internationalen Zentralleitung

der Spedition Schenker & Co. Dort bekam ich

auch nach einigen Jahren die Möglichkeit, als Geschäftsführer

von Schenker-Spanien nach Barcelona zu gehen.

Mit 33 habe ich dann beschlossen, ins Kloster zu gehen.

Mein letzter Auftrag war die Verlegung der Geschäftsleitung

zu der großen Filiale nach Madrid.

Was genau war ausschlaggebend für diesen doch

abrupten Richtungswechsel?

Einerseits bemerkte ich bei mir ein Defizit an Religion.

Gerade noch die Sonntagsmesse war mir schlicht zu wenig,

daher der Weg ins Kloster. Andererseits hatte ich beobachtet,

dass ich oft mit verschiedenen Menschen auf

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DIE MALTESER 1/2022


PERSÖNLICHKEITEN

religiöse Themen kam und so spürte ich die Berufung,

Priester zu werden.

Wie und wann sind Sie nach Heiligenkreuz gekommen?

1976 war mein erster Besuch dort. Ein älterer Mitbruder

wurde mir vom Abt als Begleiter zugeteilt, um sich

um mich zu kümmern. Und das war einfach unglaublich!

Eben dieser Mitbruder – ein Spätberufener, der erst mit

60 Jahren ins Kloster eingetreten war – war niemand

Geringerer als der Erbe und Besitzer der Firma Schenker!

Das Unternehmen war in Konkurs gegangen und

dann an die Deutsche Bahn verkauft worden. Der Mitbruder

wurde allerdings weiterhin als Geschäftsführer

für Österreich im Unternehmen behalten, landete im

Konzentrationslager, wurde von den Amerikanern in einem

Prozess verurteilt, lebte dann lange Zeit in Afrika

und fand mit 60 Jahren in Heiligenkreuz seinen Frieden.

Eine abenteuerliche Geschichte! Gibt es besondere

Learnings und Erfahrungen aus der Wirtschaftswelt,

die Ihnen in Heiligenkreuz während

Ihrer Zeit als Abt geholfen haben?

Als Abt hat man keine Managementfunktion. Dafür hat

der Abt nach Kirchenrecht einen anderen Bruder zu bestimmen

und mit den Aufgaben zu betrauen. Die Aufgabe

des Abtes ist es, vorwiegend Begleiter, Erzieher,

geistlicher Beistand zu sein. Ein Abt soll sich in einer

Vaterrolle der Gemeinschaft widmen. Die Wirtschaftserfahrung

hat mir aber geholfen, als mir zum Beispiel

Verträge zu Grundstücken mit komplexen Klauseln vorgelegt

wurden.

Ist es hilfreich, vor der Entscheidung für den

speziellen Weg des Ordensmannes zuerst anderes

kennenzulernen?

Wenn man beruflich vorher schon Erfahrung gesammelt

hat, kann man die Entscheidung für das Leben im Kloster

besser überblicken. Man weiß, was die persönlichen

Prioritäten sind. Man kann abschätzen, wie man mit

den Themen, die hier auf einen zukommen, zurechtkommt.

Heute sind ein überwiegender Teil derjenigen,

die ins Kloster eintreten wollen, Menschen, die bereits

einen Beruf haben, diesen schon ausgeübt und auch

Lebenserfahrung haben. Die meisten empfangen die

Priesterweihe erst im Alter von um die 30.

Was würden Sie denn einem 35-Jährigen oder

Jüngeren raten?

Er sollte die Benediktsregel lesen, und sein Abt sollte

prüfen, ob der Anwärter wirklich Gott sucht. Ein Mönch

bleibt nämlich sein Leben lang ein Gottsuchender. Er

soll Freude am Gottesdienst haben, die Bereitschaft zu

gehorchen und sich nicht vom Streben nach Selbstverwirklichung

leiten lassen.

DIE MALTESER 1/2022 19


PERSÖNLICHKEITEN

Hochschule Benedikt XVI, Heiligenkreuz

Wie stand es mit Ihrem eigenen Gehorsam als

Ordensmann?

Ich denke, ich habe alle Aufträge im Gehorsam angenommen,

wenngleich ich meist als Troubleshooter eingesetzt

wurde. Doch dieser Gehorsam hat mir sehr viel gebracht.

Ich habe früh Erfahrung gesammelt und mich dadurch

weiterentwickelt. Rückblickend betrachtet haben mich

die Aufträge im Gehorsam auf allen Ebenen weiter gebracht

als die selbstbestimmten Entscheidungen in meinem

vorangegangenen Berufsleben.

Zwischen Ihnen und den Maltesern besteht eine

besondere Beziehung. Inwiefern?

Ich war von 1994 bis 1999 Bundesseelsorger im MHDA

und bin auf zahlreiche Wallfahrten nach Lourdes, Malta,

Rhodos und Rom mitgefahren. Da gibt es auch eine schöne

Anekdote im Zusammenhang mit dem MHDA: Im

Rahmen einer Bundesübung lautete die Anweisung einer

Einsatzleitung, dass bei Auffinden von Verletzten rasch

zu prüfen wäre, wer im Sterben läge und wer mit einer

unmittelbaren medizinischen Versorgung gute Chancen

hätte, zu überleben. Als dann in der Eile gesagt wurde

die Sterbenden seien „Hoffnungslose“, um die man sich

nicht kümmern brauche, schrillten bei mir die Alarmglocken.

Natürlich muss man mit dem Großteil des Teams

Verwundete versorgen, um Leben zu retten, aber zugleich

muss es bei einem Christlichen Orden eine kleine Gruppe

geben, die sich um jene kümmern, die der letzten großen

Hoffnung ihres Lebens durch den Tod hindurch entgegengehen!

Noch kurz ein Blick in Ihre Familiengeschichte:

Hier trifft man bei der Recherche auf mehrere Mitglieder

der Familie Henckel von Donnersmarck...

In der Tat! Es gibt enge Bande zwischen meiner Familie

und den Maltesern. Schon im 18. Jahrhundert gibt es

einen Profeßritter. Mein Onkel Lazy war Präsident der

Schlesischen Malteser, mein Bruder Leo-Ferdinand war

dann Präsident der nach 1989 vereinigten Deutschen

Assoziation und mein Vetter Winfried ist Mitglied des

Souveränen Rates in Rom.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gregor Henckel-Donnersmarck wurde 1943 in

Breslau/Schlesien geboren, ging in Klagenfurt zur

Schule und trat nach dem Dienst beim Bundesheer,

einem Wirtschaftsstudium

und seiner Tätigkeit

beim Speditionsunternehmen

Schenker als Ordensmann

in das Zisterzienserkloster

Heiligenkreuz ein.

1982 wurde er zum Priester

geweiht, stand einige Jahre

dem Zisterzienserkloster

Rein bei Graz vor, diente als

Assistent des Generalabts des Zisterzienserordens

in Rom und wurde Nationaldirektor von Missio

Austria. Am 14. März 1999 erfolgte die Weihe zum

Abt des Stiftes Heiligenkreuz. Seit 2011 ist Gregor

Henckel-Donnersmarck zwar im Ruhestand, jedoch

weiterhin mit Vortrags- und priesterlichen Tätigkeiten

aktiv. Der Altabt ist u. a. Autor der Bücher

„Über Gott und die Welt und das Paradies auf

Erden“, „Reich werden auf die gute Art“ und „Der

Spediteur Gottes“.

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DIE MALTESER 1/2022


© istockphoto.com

LEBENSWERT

SPÜREN, WAS IM AUGENBLICK NOT TUT.

DA SEIN, ZUHÖREN, MITFÜHLEN.

Cecili Corti, die Begründerin der Obdachlosenunterkunft VinziRast in Wien, hat ein bewegtes Leben hinter und wohl auch vor

sich. Seit rund einem Jahr engagiert sie sich in der Palliativ-Trauer-Sterbebegleitung. Ein Gespräch, das Trost spendet und zur

Ruhe kommen lässt.

Von Marie Czernin und Katharina Stögner

Ein prachtvoller Herbsttag, eine Wohnung mit dezentem

Charme und Charisma im Dachgeschoß eines Jugendstilhauses.

Wir sitzen gemütlich bei einer Tasse Tee mit Blick

durch ein Fenster auf die riesigen Bäume vor dem Haus,

deren Laub in der Sonne goldfarben glänzt. Es ist ein

wunderschönes Lichtspiel vor einem wolkenlosen blauen

Himmel, das wir von unserer Couch mit einem fast ebenso

blauen Überzug aus verfolgen.

Cecili Corti ist unsere fürsorgliche Gastgeberin. Sie ist

offenherzig, agil und hat einen dicht gedrängten Terminplan.

Dennoch zeigt sie keine Spur von Müdigkeit.

Unglaublich, was sie zu erzählen hat! Wir genießen das

Interview, das gerne sehr viel länger hätte dauern können.

Als Zuhörerinnen sind wir gebannt von Cecilis Erzählungen,

Erfahrung, ihrer Haltung, ihrem Wissen und

eingenommen von ihrem Wesen.

Schicksalhafte Geschichte

Cecili Corti wurde 1940 als Cäcilia Agnes Herberstein

geboren. In Slowenien aufgewachsen, musste sie 1945

mit ihrer Mutter und vier Geschwistern nach Österreich

zu Verwandten flüchten. Ihr Vater wurde zu Kriegsende

verschleppt. Sein Schicksal konnte im Detail nie geklärt

werden. Cecili ist in einem Internat und später in

Salzburg in die Schule gegangen, war mit dem Regisseur

und Publizisten Axel Corti 30 Jahre verheiratet

und hat aus dieser Ehe drei Söhne. Zahlreiche Preise

und Ehrungen, darunter das Goldene Ehrenzeichen für

Verdienste um die Republik Österreich und der Bruno

Kreisky Menschenrechtspreis, begleiten ihren wechselvollen

Lebenslauf.

Der breiten Öffentlichkeit ist Cecili vor allem durch ihren

Einsatz für Obdachlose in Wien bekannt. Als Gründerin

und Obfrau der VinziRast-Notschlafstelle und sieben weiterer

VinziRast-Einrichtungen in Wien hat sie Menschen

ohne Zuhause viele Jahre Unterkunft ermöglicht. Seit drei

Jahren hat sich die engagierte Therapeutin und Autorin

von der operativen Arbeit zurückgezogen. Im Gespräch

über Leben und Tod mit „Die Malteser“ gibt sie berührende

Einblicke in ihr Wirken als Sterbebegleiterin.

Liebe Cecili, Du hast Dich aus der VinziRast zurückgezogen.

Geht denn das so einfach?

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich dachte

immer, ich würde das bis an das Ende meiner Tage machen

– vor allem den Nachtdienst in der Notschlafstelle.

Es ist dann anders gekommen. Es hat eben alles seine

Zeit. Ich war mein ganzes Leben sehr aktiv. Sowohl die

Jahre in meiner Ehe wie auch mein Engagement für Obdachlose

haben mich oft bis an meine Grenze gefordert.

Ich will in der Zeit, die mir noch bleibt, eine ganz andere

Qualität des Lebens entdecken. Wie ist es, einen Tag zu

beginnen, den ich ohne stringente Verpflichtungen gestalten

kann? Eine Herausforderung ganz anderer Art.

Alle bisherigen Erfahrungen empfinde ich jedenfalls als

großes Geschenk. Sie begleiten mich in allem, was noch

auf mich zukommt.

DIE MALTESER 1/2022 21


LEBENSWERT

Du engagierst Dich in der Palliativ-Trauer-Sterbebegleitung.

Eine neue Perspektive?

Mit Sterben und Tod war ich oft in meinem Leben konfrontiert.

Mein Vater hat mir sehr gefehlt. Vor allem der

Schmerz meiner Mutter hat mich durch viele Jahre begleitet.

Viel später ist dann meine Mutter gestorben und

von meinen vier Geschwistern leben nur mehr zwei. Der

Tod meines Mannes vor fast 30 Jahren hat mein Leben

von Grund auf verändert. Es war die große Zäsur in meinem

Leben. Schließlich habe ich meine langjährige Seelenfreundin

in ihrem Sterbeprozess begleitet. All diese Erfahrungen

waren sehr schmerzhaft, sie haben mich aber

auch immer auf besondere Weise dem Leben, der Kostbarkeit

des Lebens, näher gebracht.

Warum ausgerechnet dieses Betätigungsfeld?

Orientierungslosigkeit, Einsamkeit, auch die Ungeborgenheit

des Menschen beschäftigen mich zunehmend.

Besonders in der letzten Phase des irdischen Daseins

wird das auch vielen Menschen bewusst. Es gibt die klassischen

Familienstrukturen nicht mehr. Früher war es

meist selbstverständlich, kranke und ältere Menschen im

Kreise der Familie zu pflegen, mit ihnen gemeinsam zu

leben. Geburt und Tod gehörten zum Alltag. Heute hat

sich das sehr gewandelt. Menschen, die erkranken oder

im Alter Hilfe benötigen, müssen von mobilen Pflegekräften

oder in Pflegeinrichtungen versorgt werden. Oft gibt

es keine Verwandten oder nur einen sporadischen Kontakt,

meist mangelt es an Zeit oder dem notwendigen

Platz. Somit fehlt die tragende Struktur – dieser Boden

des Glaubens, der Gemeinschaft und vor allem der Liebe.

Waren Sterben und Tod in der VinziRast ein Thema?

Natürlich! Hier haben wir alles erlebt – Freude, Wut, Verzweiflung,

Mutlosigkeit. Aber auch Zuversicht und Dankbarkeit.

Es wurden Feste gefeiert. Es ging um Krankheit,

Abhängigkeit, das ganze Spektrum an Gefühlen und

Lebenszyklen. Und natürlich sind hier auch Menschen

gestorben. Ein unvergessliches Ereignis war die Geburt

eines Babys am frühen Morgen mitten in der Notschlafstelle!

Eine gute Palliativ-Sterbe-Trauerbegleitung

braucht eine gute Ausbildung. Wie war Dein Weg?

Ohne eine entsprechende Ausbildung ist es unmöglich,

in öffentlichen Einrichtungen aktiv zu werden. Es

gibt unterschiedliche Angebote. Ich habe den Lehrgang

Sterbebegleitung der ÖBR besucht und abgeschlossen

(https://www.hospiz-oebr.at/wer-wir-sind/). Viele kostbare

Menschen sind mir in dieser Zeit begegnet, auch das

war eine große Bereicherung!

Wie ist Dein persönlicher Zugang zu Trauerbegleitung?

Ich habe da kein Konzept. Ich bemühe mich, ganz offen

zu sein, keine Vorstellung zu haben, nichts erreichen zu

wollen. Nur spüren, was im Augenblick Not tut. Menschen

sind so unterschiedlich. Das ist in der Verarbeitung von

Verlust und Schmerz nicht anders als im alltäglichen Leben.

Wie kann ich einen Raum schaffen, eine Atmosphäre,

in der alles, jede Empfindung möglich ist? Wut, Verzweiflung,

vielleicht auch Freude ebenso wie ein Gefühl der Leere

oder Sehnsucht, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen?

Da sein, zuhören, mitfühlen – wach sein für jede Regung,

die Hoffnung auf Zuversicht signalisiert und dies dann

nach bestem Wissen unterstützen. Die tiefen Ressourcen

im Menschen entdecken, darum kann es gehen.

Wie schaffst Du diesen Raum bzw. Rahmen für

Dich und Deine Patienten?

Ich denke, der hat sich im Lauf der Jahre entwickelt.

Ich hatte viele Herausforderungen zu meistern, so wie

andere Menschen auch. Die Jahre in der VinziRast mit

obdachlosen Menschen, die ihr unerhört schwieriges Leben

oft bewundernswert mutig bewältigen, haben mich

nachhaltig beeindruckt und geprägt. Meine Kindheit war

trotz Verlust des Vaters und der Heimat, trotz Flucht

und Armut von dem Gefühl der Zusammengehörigkeit

und tiefer Liebe erfüllt. Und da war der sehr authenti-

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DIE MALTESER 1/2022


LEBENSWERT

sche Glaube meiner Mutter. Daraus habe ich über viele

Jahre Kraft geschöpft.

Muss immer erst der tiefste Punkt einer Krise erreicht

sein, bevor es wieder bergauf geht oder gibt

es Abkürzungen?

Ich kann nur für mich sprechen. Aber ähnliche Erfahrungen

habe ich auch von anderen Menschen gehört. An Abkürzungen

glaube ich grundsätzlich nicht. Um die Mitte

meines Lebens habe ich eine mehrjährige existentielle Krise

durchlebt. Da war kein Glaube mehr und keine Kraft.

Weder gute Ratschläge noch Verlockungen zur Ablenkung

haben gefruchtet. Ich wollte wissen, worum geht es in meinem

Leben? Durch Zufall bin ich der Initiatischen Therapie

von Karlfried Graf Dürckheim und der Zen-Praxis begegnet.

Das war dann die Wende in meinem Leben.

Inwieweit hilft Dir Deine Erfahrung mit Zen-Meditation

in der Trauerbegleitung?

Im Sitzen in der Stille, in der Tradition des Zen öffnet

sich eine Dimension, in der es keine Fragen mehr gibt;

eine Dimension ohne Raum und Zeit – wenn es denn gelingt,

wirklich still zu werden. Für mich persönlich hat

sich im Lauf der Zeit durch das kontinuierliche Üben eine

sehr stabile Grundlage und ein tiefes Verständnis meines

Glaubens entwickelt. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch

eine neue Verbundenheit mit den Menschen und dem

Leid und Schmerz in der Welt war die Folge. Das war dann

ausschlaggebend für mich, tätig zu werden im Bereich

meiner Möglichkeiten. Einfach tun, was zu tun ist; dort

handeln, wo Handlung nötig ist. Zuerst hat sich mein Engagement

für Obdachlose ergeben und jetzt seit einem

Jahr begleite ich Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Da geht es weniger um Aktivität, vielmehr um Präsenz

und Anteilnahme. Nichts erreichen wollen, erscheint mir

ganz wichtig, nur zuzuhören, zu fühlen, was ansteht. Da

kann Vertrauen entstehen, eine ganz wichtige Voraussetzung,

um loszulassen, zur Ruhe zu kommen. In solchem

inneren Frieden kann der Mensch auch erkennen, was es

für ihn oder sie noch zu „erledigen“ gilt.

Was sind bisher Deine prägendsten Erfahrungen in

der Palliativ-Sterbe-Trauerbegleitung?

Eine Dame, die ich über mehrere Monate begleitet habe,

war zunächst sehr verschlossen. Sie hatte wohl ein schweres

Leben gehabt. Das war aus den wenigen Gesprächen

deutlich geworden. Immer wieder rannten Tränen über

ihre Wangen ohne äußeren Anlass, wie mir schien. Ich

half ihr bei den Mahlzeiten, ich massierte ihre Füße oder

saß einfach schweigend neben ihrem Bett. Irgendwann

verstand ich, dass sie gerne einen Priester sehen würde.

Er kam dann sogar noch zweimal, bevor sie gehen konnte.

Andere Menschen wollen von der Kirche nichts wissen.

Sehr oft erwähne ich auch den Glauben nicht. Ich warte,

ob ein Gespräch oder eine Frage vermuten lässt, dass ein

Wunsch in diesem Zusammenhang da ist.

Hilft der Glaube Deinen Patienten?

Das wage ich nicht zu beurteilen. Ich habe noch zu wenig

Erfahrung.

Ganz grundsätzlich gehe ich davon aus, vor allem, wenn

der Glaube einem gütigen, verzeihenden, liebenden Gott

vertraut hat. Daraus kann sich dann eine wunderbare Begegnung

ergeben, bereichernd für die Patientin oder den

Patienten und ebenso für mich.

Danke für das Gespräch, Cecili, und alles Gute!

Starke und stärkende Worte einer Frau, die tief

im christlichen Glauben verwurzelt ist. Mitte der

1980er Jahre hat Cecili Corti mit Zen-Meditation begonnen.

Zum Abschluss unseres Gesprächs hat sie uns noch

ein Zitat aus der Zen-Tradition mitgegeben:

Eines lege ich Euch ans Herz:

Leben und Tod sind eine ernste Sache.

Schnell vergehen alle Dinge.

Seid ganz wach,

Niemals achtlos,

Niemals nachlässig!

Lesetipp: In ihrem Buch „Man muss auf dem Grund gewesen

sein“ schreibt Cecili Corti über ihre wichtigsten

Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit schweren

Lebenssituationen. Prädikat: Unbedingt lesen!

Cecili Corti/Jacqueline Kornmüller. Man muss auf dem Grund

gewesen sein. Brandstätter Verlag, 160 Seiten,

ISBN: 978-3-85033-908-7, 19,90 Euro.

DIE MALTESER 1/2022 23


LEBENSWERT

MENSCHEN MIT BEHIN-

DERUNG – VIELE DATEN

UND KEIN GESAMTBILD

Wie viele Menschen mit Behinderungen leben in Österreich? Wie viele werden es in zehn Jahren sein? Welche Art und Anzahl an

Betreuungsplätzen benötigen wir zukünftig?

Von Selma Sprajcer

Solche Fragen haben uns am NPO Kompetenzzentrum

der WU Wien in den letzten zehn Jahre in Forschungsprojekten

mit Sozialabteilungen einiger Bundesländer,

die für die Förderung, Entwicklung und Qualitätssicherung

von Leistungen für Menschen mit Behinderungen

zuständig sind, beschäftigt. Mehrfach stellten wir dabei

fest, dass grundlegende Daten zu Menschen mit Behinderungen,

anhand derer systemverändernde Entscheidungen

getroffen werden könnten, fehlen.

Bestehende Daten ohne Aussagekraft

Ein Grund für die auch national schlechte Datenlage ist,

dass es sich um sensible Daten handelt, deren Verarbeitung

strengen datenschutzrechtlichen Bestimmungen

unterliegt. Dies erschwert Primärdatenerhebungen sowie

die Verknüpfung mit bestehenden Datenquellen, die

zudem oft nur indirekt Informationen zu Menschen mit

Behinderungen beinhalten. Daten zu Menschen mit Behinderungen

in Österreich finden sich bei Erhebungen

der Statistik Austria, aber auch in Statistiken zu Inhabern

des Behindertenpasses, zu Beziehern der erhöhten

Familienbeihilfe oder zu den unterschiedlichen Leistungen

der Sozialversicherungsträger wie Pflegegeld oder

Invaliditätspension. Jede dieser Statistiken beleuchtet

allerdings eine spezifische Gruppe mit eigener Definition

von Behinderung bzw. Beeinträchtigung und enthält

nur selektive Informationen zu den Personen selbst.

Neue Strategien zur Datengenerierung

In einem Projekt mit dem Land Niederösterreich haben

wir uns einer Anzahl an Menschen mit Körper- und

Sinnesbehinderung angenähert. Auf Basis vorliegender

Daten und Statistiken sowie einer von uns durchgeführten

Datenerhebung konnten wir rund 18.000 Personen

ermitteln, die aufgrund ihres Unterstützungsbedarfs

Leistungen der Behindertenhilfe wie beispielsweise Prothesen

oder assistierende Technologien in Anspruch

nehmen könnten. Dies entspricht 1,11 Prozent der niederösterreichischen

Bevölkerung. Bis zum Jahr 2030

prognostizieren wir eine Zunahme um zehn Prozent

vorwiegend älterer Personen über 65 Jahre. Diese Entwicklung

zeigt sich ebenso im Rahmen einer Studie zu

institutionell untergebrachten Menschen mit intellektueller

Behinderung. Auf Basis dieser Ergebnisse wurde

seitens der verantwortlichen Stellen eine neue Leistung

entwickelt, die besser an die Bedürfnisse der Altersgruppe

angepasst ist, was ein gutes Beispiel für datenbasiertes

Vorgehen ist.

Zukünftig wird es öfter eine Zusammenführung von

Daten zu Menschen mit Behinderungen benötigen, um

eine valide Datenbasis zu schaffen, die moderne Sozialplanung

zulässt und eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung

der Behindertenhilfe ermöglicht.

Informationen: www.wu.ac.at/npocompetence/

unsere-themen/menschen-mit-behinderungen

Mag. Selma Sprajcer ist Senior Researcher und seit 2011

am Kompetenzzentrum für Nonprofit-Organisationen und

Social Entrepreneurship an der Wirtschaftsuniversität

Wien tätig. Ihre

berufliche Laufbahn im Nonprofit-

Bereich begann sie am Institut für interdisziplinäre

Nonprofit-Forschung.

Der Fokus ihrer Tätigkeit liegt auf

den Bereichen Menschen mit Behinderungen

sowie Freiwilligenarbeit.

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DIE MALTESER 1/2022


LELEBENSWERT

© pixabay/Sabine van Erp

FÜR EINE

BARRIEREFREIE

DIGITALISIERUNG

In den entwickelten Ländern haben bereits 87 Prozent der Bevölkerung Zugang zu digitalen Technologien. Im Rest der Welt

sind es gerade einmal 19 Prozent. Die digitale Partizipation ist also höchst ungleich verteilt.

Von Susanne Wick

Eine ähnliche Schieflage lässt sich im Vergleich zwischen

Generationen und verschiedenen sozialen Gruppen zwischen

digital affinen Menschen und den sogenannten „Off-

Linern“ feststellen. Von der Nutzung digitaler Technologien

abgeschnitten sind bzw. deutlich erschwerten Zugang zur

digitalen Welt haben vor allem ältere Personen, Menschen

mit Beeinträchtigungen, Migranten und Menschen mit geringerer

Bildung. Dieses Ungleichgewicht kann diskriminierend

wirken und negative Folgen für das Leben dieser Personen

haben.

Die COVID-19-Pandemie hat den Bedarf an digitaler Teilhabe

verstärkt und gleichzeitig den Mangel an digitalen

Zugangsmöglichkeiten sichtbar gemacht. So konnten viele

ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen

während der Lockdowns weder Essen noch Lebensmittel

online bestellen und keine Buchungen von Test- und Impfterminen

vornehmen. Auch hatten sie keinen Zugang zu

Arzneimitteln und zu Bankgeschäften. Das zeigt: Es braucht

maßgeschneiderte und benutzerfreundliche Lösungen für

alle Online-Leistungen, die den täglichen Gebrauch betreffen.

Digitale Inklusion für mehr gesellschaftliche

Teilhabe

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitalisierung

und Wirtschaftsstandort sowie dem Österreichischen Seniorenrat

hat die Initiative „fit4internet“ Trainings für digitale

Basiskompetenzen der Generation 60+ gestartet. Das maßgeschneiderte

Angebot stellt darauf ab, den Teilnehmenden

die Möglichkeiten des mobilen Internets näherzubringen,

sodass sie digitale Anwendungen aktiv für sich nutzen und

auch für die Kommunikation verwenden können.

Eine immer älter werdende Gesellschaft stellt darüber hinaus

auch einen wachsenden Markt im digitalen Bereich dar.

Ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen

brauchen Lösungen für ihre Bedürfnisse. Das reicht von

Barrierefreiheit, Assistenzsystemen, Gesundheitsüberwachungssystemen

und adaptierten Wohnverhältnissen über

den Pflegebereich bis hin zur digitalen Kommunikation, um

am sozialen Leben teilhaben zu können.

Sicher, transparent und frei wählbar

Der digitale Fortschritt muss daher so gestaltet werden, dass

sich ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen

in einem sicheren und transparenten digitalen Umfeld

bewegen können und vor Angriffen, die ihre Würde, Integrität,

Privatsphäre und Autonomie betreffen, geschützt sind.

Die Wahl, auf digitale Technologien ganz zu verzichten,

muss für ältere Menschen immer als Möglichkeit bestehen

bleiben, ohne dass sie den menschlichen Kontakt zu anderen

oder zu wesentlichen Dienstleistungen verlieren.

Nähere Informationen:

www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/

nachhaltige-entwicklung-agenda-2030

www.fit4internet.at/view/generation_60plus

DIE MALTESER 1/2022 25


RELIGIONAKTUELL

WAS KARDINAL KÖNIG MIT DEM

POLNISCHEN KARDINAL WYSZYŃSKI

VERBAND

Die kürzlich erfolgte Seligsprechung des polnischen Primas ist ein wunderbarer Anlass, an besondere Begegnungen der

beiden Amtsbrüder zurückzudenken.

Von Annemarie Fenzl

schwierigen Jahren ausstrahlte“, wie König es Jahre

später formulierte.

Kardinal König und Kardinal Wyszyński

In der Mittagszeit des 7. Mai 1957 erreichte Kardinal

König die Nachricht, dass der ihm bis dato persönlich

nicht bekannte polnische Kardinal Stefan Wyszyński soeben

die tschechisch-österreichische Grenze überschritten

hatte. Er befände sich im Schnellzug nach Wien, um

weiter nach Rom zum Papst zu reisen. Die Nachricht verbreitete

sich in Windeseile und es stand zu befürchten,

dass der Primas bei seinem Eintreffen von zahlreichen

Journalisten und Reportern belagert werden würde.

Um dem hohen Gast einen solchen Wirbel zu ersparen,

fuhr Kardinal König kurz entschlossen nach Gänserndorf.

Dort stieg er in den Schnellzug, um den Kardinal

einzuladen, die Weiterreise in seinem Auto fortzusetzen.

Später meinte König in seinen Erinnerungen an das erste

Gespräch mit Wyszyński: „Seine äußere Gelassenheit

und innere Zurückhaltung erweckten in mir den Eindruck,

dass er mit seinen Gedanken noch in Warschau

und bei seiner verfolgten Kirche war.“ Doch schon bei

dieser Begegnung sei deutlich gewesen, dass der Kardinal

trotz aller persönlichen Bescheidenheit ein „Leuchtturm“

war, „der immer Hoffnung und Zuversicht in den

Historisches Konklave

Beim historischen Konklave 1978 kam es zu einer weiteren

denkwürdigen Begegnung zwischen König und

Wyszyński. Kurz vor Konklavebeginn hatte König den

Warschauer Kardinal in Rom gefragt, wer denn in seinen

Augen ein Kandidat für die nächste Papstwahl sei. Darauf

habe ihn Wyszyński erstaunt angesehen und gemeint,

er sehe keinen einzigen Kandidaten, von dem man jetzt

schon sagen könnte, er sei „papabile“. Als König entgegnete,

dass Polen vielleicht einen Kandidaten für das kommende

Konklave hätte, habe Wyszyński das auf sich bezogen

und abgewunken. Wenn er nach Rom ginge, wäre

das der größte Triumph für die Kommunisten, die ihn in

Polen loswerden wollten. Als König dann vom Krakauer

Kardinal Karol Wojtyła sprach, meinte Wyszyńksi, dass

dieser doch keine Chancen habe und auch noch etwas

jung sei.

Es kam anders. In dem Moment, als Wojtyła die Wahl

annahm, habe sich König zu Wyszyńksi umgedreht,

der nicht weit von ihm entfernt saß. Dieser sei zutiefst

betroffen und gerührt gewesen, als er hörte, dass sein

Landsmann die Wahl annehme, berichtete König später.

Wyszyński war dann einer der ersten Kardinäle, der aufstand

und auf den neugewählten Johannes Paul II. zuging,

um seinen Respekt, seine Freude und seine große

Wertschätzung für ihn zum Ausdruck zu bringen.

Über diesen Moment erinnerte sich König später in seiner

Rede im Polnischen Kulturinstitut: „In dem Augen-

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DIE MALTESER 1/2022


KULTURGUT

DIE

VERGESSENE

PIETÀ

Wien erlebte Anfang des 13. Jahrhunderts einen erstaunlichen

Aufschwung an Mobilität. Damit verbunden war

ein nie dagewesener wirtschaftlicher und kultureller Austausch

mit Ländern des Westens und des Orients.

Von Wolfgang J. Bandion

blick, als der neugewählte Papst Kardinal Wyszyński auf

sich zukommen sah, stand auch er auf, um ihn zu umarmen

und ihn als den großen Mann des Konzils und

der polnischen Nation zu begrüßen. Kardinal Wyszyński

wollte aber seine Reverenzbezeugung für den neuen

Papst in einer sehr sichtbaren Demutsgeste zeigen, was

der neugewählte Papst nicht zuließ. Dadurch ergab sich

fast ein kleines „Ringen“ vor den versammelten Konklave-Vätern.“

Primas des Jahrtausends

Kardinal Wyszynski starb am 28. Mai 1981. Sein Begräbnis

fand in Warschau statt und war eine der größten

religiösen und patriotischen Veranstaltungen im Nachkriegspolen.

Nach kommunistischen Angaben nahmen

etwa 120.000 Menschen an der Trauerfeier teil, während

unabhängige Beobachter die Zahl auf eine halbe Million

schätzten. In Polen wird Wyszyński noch immer als „Primas

des Jahrtausends“ verehrt.

Der vorliegende Artikel wurde mit

freundlicher Genehmigung der Autorin,

Dr. Annemarie Fenzl, gekürzt.

Der Beitrag kann in voller Länge

nachgelesen werden (kostenpflichtig):

www.kathpress.at

Dr. Annemarie Fenzl

Die Kreuzzüge, an denen sich die Babenberger, allen voran

Herzog Leopold V. (1177-1194) und Herzog Leopold

VI. (1198-1230), aktiv beteiligten, brachten nicht nur

eine wirtschaftliche Prosperität, sondern auch eine politische

Anerkennung der Stellung Österreichs. An den

großen Heeresstraßen entstanden die Niederlassungen

der neuen Ritterorden – in Wien an der alten Ausfallsstraße

Richtung Süden, der heutigen Kärntnerstraße.

Sowohl die Malteserkirche wie auch die Deutschordenskirche

in der Singerstraße verweisen darauf. Zugleich

ist diese Ära auch eine Zeit des Wandels. Die Hinwendung

zu einer menschlichen Betrachtung Christi ist für

die nachfolgenden Jahrhunderte von Bedeutung. Recht

allgemein wird diese Epoche mit dem Stil der Gotik verbunden.

Die Geburt im Stall von Bethlehem sowie die

Kindheit Jesu und die Passion rücken in den Mittelpunkt

der Betrachtung. Viele der nun wiederentdeckten

Erzählungen stammen von frommen Texten, die zumeist

in den frühen Jahrhunderten des Christentums

in Ägypten entstanden waren und keine Anerkennung

als authentische Evangelientexte erlangten.

Inniges Mitgefühl

Die Bezeichnung Pietà entspricht dem Begriff des „Inniges

Mitgefühls“, „Sich Hineinversetzen, Mitleid und

Mitleiden“. Dies sind Kernempfindungen. Zwischen

Kreuzverehrung und Grablegung in der Karwoche entstand

ein paraliturgischer Brauch der Betrachtung der

fünf Wundmale Christi, dessen Körper auf dem Schoß

seiner Mutter ruht. Besonders im 15. Jahrhundert wur-

DIE MALTESER 1/2022 27


KULTURGUT

© Shutterstock.com / Renata Sedmakova

de diese Darstellung vor allem in Bayern, Österreich und

Böhmen populär. Vermutlich in der ersten Hälfte des

15. Jahrhunderts entstand auch das ursprüngliche Gnadenbild

der Malteserkirche – eine Pietà. Es sollte der

Kontemplation dienen und den Menschen auf das noch

tiefere Leid Mariens hinführen. Das Antlitz Mariens ist

meist jugendlich oder alterslos. Ein Symbol und Hinweis

auf die Passion, die nicht Endpunkt ist, sondern die Auferstehung

ankündigt.

Unsere liebe Frau von Philermos

Die heute in der ganzen Malteserwelt verbreitete Darstellung

der Ikone der Mutter Gottes von Philermos, die

vermutlich um 1200 entstanden ist und Teil einer Deësis-Gruppe

war (Christus in der Mitte umgeben von Maria

und Johannes dem Täufer, die beide für die Menschheit

Fürbitte einlegen), war bis zum Fall von Rhodos

1522 ein zwar im Orden vertrautes Gnadenbild, aber

außerhalb von Rhodos nicht sehr bekannt. In den Niederlassungen

des Ordens wurden lokale und vertraute

Gnadenbilder verehrt sowie die hier vorgestellte Pietà,

die zwar heute nicht mehr die Originalfassung aufweist,

aber ansonsten sehr gut erhalten ist. Vermutlich im

Zuge der Umgestaltung der Kirche an der Kärntnerstraße

Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie abgegeben. In

der neuen Zuwendung an mittelalterliche Gnadenbilder

wurde sie von privater Seite im Jahre 1841 den Piaristen

bei Maria Treu in der Josefstadt geschenkt.

Obgleich die Darstellung der Pietà im Laufe des späten

Mittelalters unterschiedliche Formen aufweist, existieren

zwei exemplarische Darstellungen aus späteren Zeiten,

die fast jeder kennt oder auch schon gesehen hat.

Es ist dies die Pietà von Michelangelo in St. Peter, Rom

(1500) und die Pietà im Dom zu Gurk von Georg Raphael

Donner (1740). Auffallend bei beiden aus so unterschiedlichen

Kunstepochen ist das jeweilige jugendliche

Aussehen Mariens, das auf den schon erwähnten theologischen

Hintergrund von Erlösung und Auferstehung

hinweist.

Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit einen Abguss

zu nehmen und diese Kopie wieder in die Malteserkirche

rückzuführen. Die Inschrift am Sockel „St. Maria

de Malta“ sollte für uns ein Auftrag sein.

28

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

MALTESERORDEN

DIE MACHT DER FÜRSORGE

Es gibt sie noch immer: die Sklaverei, die Ausbeutung von Menschen. Am 8. Februar, dem internationalen Tag des Gebets und der

Reflexion gegen den Menschenhandel, wurde einmal mehr dessen Abschaffung gefordert.

2015 von Papst Franziskus ins Leben gerufen beging die

katholische Kirche am 8. Februar 2022 bereits zum achten

Mal diesen besonderen Gebets- und Reflexionstag – von

den Maltesern tatkräftig im Rahmen einer Heiligen Messe

unterstützt. Etwa 700 Personen nahmen via Internet-

Livestream an der Messe teil.

Von Udo Thianich-Schwamberger

Mädchen und Frauen überproportional betroffen

Im Fokus der gemeinsamen Gebete stand dieses Jahr das

Thema: „Die Macht der Fürsorge – Frauen, Wirtschaft,

Menschenhandel“. Menschenhandel ist vor allem in armen

Ländern weit verbreitet, wo beispielsweise der Verkauf eines

Kindes bedürftigen Familien aus finanzieller Not helfen

soll. Die COVID-19-Pandemie hat das Geschäft des Menschenhandels

verstärkt und das Leiden verschlimmert. Sie

hat die Möglichkeiten und sozioökonomischen Mechanismen

begünstigt, die dieser Geißel zugrunde liegen, und die

Verwundbarkeit der am stärksten gefährdeten Personen

verschlimmert: vor allem Frauen und Mädchen. Sie werden

durch das vorherrschende Wirtschaftsmodell besonders bestraft.

Die Kluft zwischen Männern und Frauen ist dadurch

gewachsen.

Agenten des Wandels

Laut Statistiken der Vereinten Nationen zum Menschenhandel

(UNODC Global Report on Trafficking in Persons

2020) sind 72 Prozent der identifizierten Opfer von Menschenhandel

Frauen und Mädchen. Zudem steigt der

Anteil von Frauen und Mädchen im Zusammenhang mit

Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung

deutlich an – ein Markt, der bereits zwei Drittel der durch

Ausbeutung erzielten Gewinne ausmacht.

Angesichts des vom Heiligen Vater beanstandeten Scheiterns

mancher Wirtschaftsmodelle sind alle Menschen

aufgerufen, eine führende Rolle als Agentinnen und Agenten

des Wandels zu übernehmen, um ein Wirtschaftssystem

zu schaffen, das auf der Fürsorge für Menschen und

die Sorge für das gemeinsame Haus gründet und alle einbezieht.

Fürsorge ist eine Lebensweise und die Art Jesu zu

lieben, wie er uns im Gleichnis vom barmherzigen Samariter

(Lk 10,25-37) erzählt, das von Papst Franziskus in seiner

Enzyklika Fratelli tutti aufgegriffen wurde.

Hinsehen und verändern statt wegsehen

Die Macht der Fürsorge ist der einzige Weg, Menschenhandel

und alle Formen der Ausbeutung zu bekämpfen.

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden beschäftigt zur Bekämpfung

dieses Leides zwei Sonderbotschafter: Michel

Veuthey, Botschafter zur Beobachtung und Bekämpfung

von Menschenhandel (Genf, Schweiz) und Romain Champierre

de Villeneuve, Generalbotschafter für Afrika (Lagos,

Nigeria), stärken das Engagement des Malteserordens bei

der Prävention von Menschenhandel und schützen die Opfer

mit Projekten auf lokaler und diplomatischer Ebene.

Auch der Botschafter des Ordens in Österreich, Sebastian

Prinz von Schoenaich-Carolath, ist Mitglied des „Runden

Tisches gegen Menschenhandel“, den die Österreichische

Bischofskonferenz ins Leben gerufen hat und der auch den

Gedenktag am 8. Februar mitinitiierte. „Die moderne Sklaverei

ist noch viel menschenunwürdiger als die frühere.

Der einzelne Mensch ist nichts mehr wert, wird vollkom-

DIE MALTESER 1/2022 29


MALTESERÖSTERREICH

men ausgeschlachtet und zuletzt manchmal einfach weggeworfen“,

so Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath.

Die unwürdige Behandlung findet auch in unserem Umfeld

statt. Wenn wir nicht beginnen, uns mit der würdigen

Behandlung von Menschen in unserem Umfeld zu beschäftigen,

machen auch wir uns mitschuldig. Durch Hinsehen

und Nicht-Wegsehen können wir viel verändern.“

PALLIATIVDIENST

AM WEG VOM LEBENSENDE ZUM STERBEN

Palliative Betreuung konzentriert sich nicht nur auf Sterbende, sondern auch auf chronisch kranke und schwerkranke Menschen

sowie auf Menschen mit Demenz. Hier einige philosophische und ganz praktische Gedanken.

Von Traude und Johannes Mlczoch

Die britische Krankenschwester, Sozialarbeiterin, spätere

Ärztin und Begründerin der Palliativmedizin, Cicely

Saunders hat den Begriff „Total Pain“ neu definiert: Demnach

besteht Schmerz aus vier Dimensionen: der physischen,

der psychischen, der sozialen und der spirituellen.

Schwerkranke Menschen verspüren Schmerzen, die über

das rein Körperliche hinausgehen und daher besondere

Aufmerksamkeit benötigen. In unserer Aufgabe der palliativen

Betreuung versuchen wir, diese Aufmerksamkeit zu

geben. Wir sehen uns als Teil des „Spiritual Care“-Gedanken.

Das heißt, offen zu sein für existenzielle, spirituelle und auch

theologische Fragen. Diesen und anderen Themen wollen

wir uns respektvoll nähern.

Die vollen Scheunen der Vergangenheit“

Krankheit oder herannahender Tod sind Grenzsituationen

des Lebens, die Trauer bedeuten und den Verlust des bisherigen

Daseins. Für das Bedürfnis, über Vergangenes zu reden

und es neu zu beleuchten, wird in unseren Gesprächen

viel Raum gegeben. Viktor Frankl, der berühmte Neurologe,

Psychiater und Begründer der Logotherapie, sei hier zitiert:

„Manche Menschen sehen die Stoppelfelder der Vergänglichkeit

und nicht die vollen Scheunen der Vergangenheit.“

Ehrenamtliche Tätigkeit mit Ausbildung

Unser Team besteht großteils aus Maltesern, die vor allem

im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, im Malteser

Ordenshaus (ehem. Haus Malta) sowie auf der

Palliativstation in der Klinik Ottakring in Wien tätig sind.

Diese Bereiche werden von Johannes Mlczoch koordiniert.

Alle Mitarbeitenden haben den verpflichtenden Kurs über

„Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung“ besucht. Dieser

findet für die Palliativtätigkeit in Wien im Kardinal König

Haus unter der Leitung von CS Schwester Mag. Karin

Weiler statt (nähere Informationen unter: www.kardinalkoenig-haus.at/bildungsprogramm/hospiz-palliative-caredemenz/programm).

Das im Anschluss erforderliche Praktikum

kann auf der Palliativstation der Klinik Ottakring

absolviert werden.

Die geplanten gesetzlichen Änderungen im Zusammenhang

mit Palliativbetreuung können für die Malteser eine

Chance sein, die Tätigkeiten auszuweiten und – getreu

dem Ordensmotto – „unseren Herren Kranken“ verstärkt

zu dienen.

Kontakt für Ehrenamtliche, die sich in der Palliativbetreuung

einbringen möchten:

Univ. Prof. Dr. med. Johannes Mlczoch

M: +43 664 411 88 69, E: johannes.mlczoch@hotmail.com

30

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

STEIERMARK

TUN, WAS

MÖGLICH IST

Für Menschen im Alter, mit dementieller Erkrankung, mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung ist die regelmäßige

Kommunikation und der kontinuierliche Kontakt mit vertrauten Personen besonders wichtig. Dies gibt Sicherheit

und Orientierung.

Von Elisabeth Eder

Mit der Corona-Pandemie wurde der persönliche Kontakt

zu den von uns Betreuten zu einer großen Herausforderung.

Wie viele andere mussten auch wir unser

aktives Dienstleben deutlich reduzieren, gehören doch

viele unserer Betreuten zur besonders gefährdeten Risikogruppe.

Nach einigen Ausflügen und wunderbaren

Kulturdiensten in der wärmeren Jahreszeit sind wir seit

Herbst 2021 wieder vermehrt auf telefonische und postalische

Kontakte angewiesen. So wurde nach den Lockdown-Briefen

erst fleißig Weihnachtspost geschrieben

und dann einige Neujahrsglückwünsche verteilt.

Liebevoll ausgesucht und verziert

Unsere traditionelle Weihnachtsfeier musste ebenso als

verantwortbare COVID-Version neu gedacht werden. In

der Pfarre St. Leonhard konnten unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

mehr als 70 Betreute, Mitglieder

und Gäste am letzten Samstag vor dem Heiligen Abend

nach der Messe und dem Liedersingen erstmals im Freien

eine Riesenportion Weihnachtsstimmung genießen.

Die traditionelle Packerlliste durfte aber trotz Corona

nicht fehlen. Alle Betreuten erhielten neben Keksen und

Blumen ein ganz persönliches Geschenk – liebevoll ausgesucht

und beschriftet, oftmals mit Kinderzeichnun-

gen verziert. Es gab eine ganze Reihe von Mitgliedern,

die quer durch Graz und auch in Teilen der Steiermark

unterwegs waren, um per kontaktloser Übergabe Wünsche

zu erfüllen. Auch auf dem Postweg konnten wir

sichtbare Freude in so manches Gesicht zaubern.

Vorfreude auf häufigere Treffen

Auch wenn die meisten unserer Sonderdienste derzeit

pausieren müssen: Ein monatlicher Messbesuch gemeinsam

mit Betreuten, Mitgliedern und Freunden

unseres Bereichs konnte dank Testung, Masken und

Abstandsregel in der Kirche außerhalb der Lockdown-

Zeiten immer wieder stattfinden. Auch die traditionelle

Lourdes-Messe anlässlich des Weltkrankentages im Februar

wurde in bewährter Zusammenarbeit mit der Pfarre

Mariahilf und in Anwesenheit vieler Delegations- und

MHDA-Mitglieder gefeiert.

Mit den länger werdenden Tagen und den wärmeren

Temperaturen steigt die Hoffnung auf die Rückkehr

eines abwechslungsreichen und regelmäßigen sozialen

Dienstlebens. Sobald die Maßnahmen es zulassen, freuen

wir uns auf den ersten gemeinsamen Kuchen und einen

netten Kaffeetratsch in unserem „Café Malta“. Bei

köstlichen Süßspeisen wird hier mit unseren Betreuten

DIE MALTESER 1/2022 31


MALTESERÖSTERREICH

Lourdes-Messe in der Steiermark

Lourdes-Messe in der Steiermark

über aktuelle Geschehnisse diskutiert, philosophiert

und über die neuesten Trends, aber auch über den Aufstieg

des Grazer Fußballvereins gefachsimpelt. Unser

Café Malta findet geplanterweise jeden ersten Mittwoch

im Monat in der Grazer Traditionsbäckerei Sorger statt.

EIN BISSCHEN NEU UND

IMMER WIEDER ANDERS

Dürfen wir vorstellen: Niklas Salm-Reifferscheidt, neuer Kommandant des

MALTESER Hospitaldienst Austria. Ihm zur Seite stehen weiterhin Sylvia Tuczka

und Christoph Calice als Vizekommandanten. Ein Gespräch mit dem

Trio über Ziele, Finanzen, PR und Glauben.

Von Manuel Weinberger

Herr Kommandant, ein neuer Besen kehrt gut,

weil …?

Niklas Salm-Reifferscheidt: Ohne sagen zu wollen, dass

nun alles anders oder besser wird: Ich sehe durch den

Wechsel im Kommando Chancen und Möglichkeiten für

den MHDA, den Malteser Hospitaldienst Austria. Neues

weckt zumeist Neugierde, eröffnet einen neuen Blickwinkel

und spornt zu Veränderungen an. Neues bringt Bewegung.

Gleichzeitig vertrauen wir auf die gute Zusammenarbeit

innerhalb des MHDA, die wir bereits in den

vergangenen Monaten seit dem Führungswechsel erleben

durften.

Welche Schwerpunkte setzen Sie für die nächste

Zeit?

Niklas Salm-Reifferscheidt: Wir nehmen uns die Strategiesitzungen

der letzten Zeit zu Herzen und haben aus

ihnen unsere Schlüsse gezogen. Fest steht jedenfalls, dass

es viel zu tun gibt, um den MHDA für die Zukunft gut

gerüstet und auf festen Beinen stehend zu wissen. Die

Dienste, die die Mitglieder des MHDA leisten, sollen wirkungsvoll

sein, Freude machen und aus unserem Glauben

heraus motiviert sein. So richten wir den Fokus auf gute

und gut besetzte Dienste und gelebte Spiritualität. Ein

besonderes Augenmerk legen wir auf die Finanzgebarung

des MHDA und den sorgsamen Umgang mit den uns an-

32

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

vertrauten Spenden. Und nicht zuletzt ist uns ein gutes

Einvernehmen mit dem Großpriorat wichtig.

Stichwort Finanzen: Wie können diese weiter

gestärkt werden?

Sylvia Tuczka: Die Ertragslage des MHDA stützt sich im

Wesentlichen auf drei Säulen – verrechenbare Dienste,

Spenden und Förderungen. Unsere Dienste im Sanitätsbereich

wollen wir weiter ausbauen, weil wir hier unsere

vorhandenen Ressourcen – z. B. unseren Kfz-Fuhrpark

und unser Personal wie Sanitäter und Fahrer – optimal

einsetzen können. Im Bereich der Spendenaufbringung

leistet jeder einzelne Malteser durch seine Dienstbereitschaft

einen wertvollen Beitrag dazu, unsere Spender

vom Wert und von der Nachhaltigkeit ihrer Spende zu

überzeugen. Förderungen der öffentlichen Hand sind

ein unverzichtbarer Beitrag, und mein Anliegen wäre es,

neue Dienste durch Förderungen zu finanzieren.

Worauf liegt Ihr Fokus beim MHDA?

Sylvia Tuczka: Wir wollen ein spezielles Augenmerk

auf die Ausbildung unserer Mitglieder legen. Viele Fertigkeiten

müssen regelmäßig aufgefrischt werden. Das

Thema ist jetzt besonders aktuell, da wir in den vergangenen

zwei Jahren pandemiebedingt kaum mehrtägige

Dienste absolvieren konnten. Im Kommando darf ich

mich mit großer Freude dem Bereich der Sozialdienste

widmen und wir alle können es kaum erwarten, wieder

eine Lourdes-Wallfahrt zu machen und unsere bereits

zweimal verschobene Pilgerreise nach Rom nachzuholen.

Weil wir Malteser mit unseren Betreuten vor allem

auf mehrtägigen Reisen „zusammenwachsen“ können,

sollen vermehrt auch kleine Reisen und Sonderdienste

organisiert werden. In diesem Bereich haben wir gutes

Know-how, auf das die jeweiligen Einsatzleiter zurückgreifen

können.

Was plant der MHDA in Sachen Öffentlichkeitsarbeit?

Christoph Calice: Die interessierte Öffentlichkeit hat

bereits ein – meist positiv besetztes – Bild des MHDA.

In dieser Hinsicht kann aber noch ungemein viel mehr

bewirkt werden. Unsere Zielgruppen sind zunächst die

Menschen, die bereit sein könnten, bei den Maltesern

mitzumachen. Ob Jung oder Alt, als Malteser im Sozialoder

Sanitätsdienst und als Pilger oder Betreuter bei unseren

Wallfahrten. Uns liegen klarerweise auch jene am

Herzen, die uns als Spender und Gönner unterstützen.

Letztlich gilt unsere PR aber auch der ganzen Öffentlichkeit,

um unsere Arbeit als Ausfluss christlicher Nächstenliebe

und spiritueller Glaubenstiefe in geeigneter Form

zu präsentieren. Heutzutage steht uns eine Vielzahl von

Medien und Möglichkeiten zur Verfügung. Wir haben

bereits ein tolles, internes Team hauptsächlich junger

Malteser gewonnen, die laufend gute Ideen entwickeln.

In den nächsten Wochen und Monaten wird man die Umsetzung

dieser Ideen bemerken.

Ihre persönlichen Ziele und Wünsche für den

MHDA?

Christoph Calice: Ich persönlich halte das ehrenamtliche

Engagement für das Funktionieren einer Gesellschaft

für unverzichtbar. Jedem, der seine Zeit in den

Dienst anderer Menschen stellt, sei gedankt. Nächstenliebe

ist etwas, das nicht delegiert werden kann, es

wirkt nur aus dem Einzelnen und seinen Taten heraus.

Im Kommando sehe ich meinen Beitrag darin, die Einsatzbereitschaft

unserer Malteser mit allem, was mir

zur Verfügung steht, zu unterstützen und zu begleiten.

Besonders liegt mir unser christliches Erbe und Charisma

am Herzen. Im Ergebnis wünsche ich mir eine Fortführung

dessen, was ohnehin seit gut 1000 Jahren für

die Malteser gilt: Stärkung und Bewahrung des Glaubens

und tatkräftige Nächstenliebe für die Schwächeren

in der Gesellschaft.

DIE MALTESER 1/2022 33


MALTESERÖSTERREICH

DÜRFEN WIR VORSTELLEN: TIROL UND

Vergangenes Jahr konnte der Bereich Tirol und Vorarlberg sein 50-jähriges Bestehen mit einem ausführlichen Rückblick und

einer eigenen Festschrift feiern. Nun wird es Zeit, ins Hier und Jetzt zu schauen.

Von Lukas Krupitza

Der Bereich Tirol ist nur scheinbar sehr klein. Tatsächlich sind wir

eine überaus aktive und eingeschworene Gemeinschaft. Das macht

uns zu dem Bereich mit der höchsten Anzahl von Dienststunden pro

Mitglied innerhalb der Malteser. Vor der Pandemie absolvierten wir

gemeinsam im Durchschnitt rund 18.000 ehrenamtliche Stunden

pro Jahr. Manche unserer Dienste sind historisch gewachsen, manche

Aufgaben haben sich erst in den letzten Jahren dazugesellt.

Bahn frei für Nr. 14-471

Das Jahr 2021 endete trotz Lockdown für

den Bereich Tirol/Vorarlberg sehr erfreulich.

Der neue Rettungstransportwagen

Nr. 14-471 konnte in den Dienst gestellt

werden. Vielen herzlichen Dank an unseren

Bereichsseelsorger Patrick Busskamp,

der das neue Rettungsfahrzeug vor der Inbetriebnahme

noch persönlich segnete. Im

Anschluss wurde das Amt der Leiterin Rettungsdienst,

welches bislang Nikola Schmidinger

neben der Hospitaldienstleitung innehatte,

an Michael Oppitz übergeben. Alles

Gute und viele unfallfreie, schöne Dienste!

Neben dem wöchentlichen Rettungsdienst, in dem die Tiroler

Malteser 20 Stunden pro Woche im Regelrettungsdienst in Tirol

eingesetzt sind, unterstützen wir Kultur- und Sportevents, bei denen

verpflichtende Ambulanzdienste vorgesehen sind. Für kirchliche

Einrichtungen und die Diözese Innsbruck bieten wir diese

Dienste selbstverständlich kostenfrei an.

Spirituelle Betreuung

Zusätzlich zum Rettungs- und Katastrophendienst sind uns der

Sozialdienst sowie die spirituelle Begleitung unserer Betreuten

FEST! SCHRIFT!

Die

MALTESER

TIROL UND VORARLBERG

FESTSCHRIFT 50 JAHRE

Gedruckte Exemplare unserer Festschrift anlässlich des 50-jährigen Bestehens

des Bereichs Tirol sind in unserem Sekretariat auf Anfrage jederzeit erhältlich:

E: tirol@malteser.at, T: +43 512 58 04 58. Lesen Sie die Festschrift online unter:

www.malteserorden.at/presse/downloads/

34

DIE MALTESER 1/2022

50 Jahre Bereich Tirol/Vorarlberg | 1970 - 2020

1


MALTESERÖSTERREICH

VORARLBERG!

ein wesentliches Anliegen. In der Bereichszentrale Innsbruck,

liebevoll „Malta“ genannt, feiern wir – außerhalb

von Pandemiezeiten – jeweils am ersten Freitag im Monat

die Heilige Messe. Messen und Ausflüge bieten wir

auch unseren Betreuten im benachbarten Vorarlberg.

Zur Bewegungsförderung haben jeweils donnerstags zwei

bis drei Betreute die Möglichkeit, mit uns im Hallenbad

schwimmen zu gehen. Da wir über Fahrzeuge verfügen,

in denen Rollstühle angeschnallt werden können, werden

wir auch immer wieder für Transportdienste gebucht.

Neben bundesweiten Reisen veranstalten wir jedes Jahr

eine kulturelle Sommerreise, um unseren Betreuten eine

kleine Auszeit von ihrem nicht immer einfachen Alltag zu

ermöglichen. Im Rahmen unserer ganz persönlichen und

sehr individuell gestalteten „Herzenswunsch“-Ausflüge

begleiten wir Menschen am Ende ihres Lebens zu einem

ihrer Sehnsuchtsorte.

Aus vollem Herzen dabei

Hinter all diesen Aktivitäten stehen ehrenamtlich Tätige,

die ihre Freizeit für den Dienst am Nächsten zur Verfügung

stellen. Organisiert und geleitet wird diese Gruppe

von Freiwilligen von einer ebenso engagierten Führungsriege,

die wir hier vor den Vorhang holen.

Verena Trentini ist die

Frau an der Spitze der Delegation

Tirol/Vorarlberg.

Im Hospitaldienst betreute

sie längere Zeit die

Ausbildungsgruppe, meldete

sich dann aus beruflichen

Gründen von den regelmäßigen

Diensten ab, nahm weiterhin

an den Bereichsgottesdiensten

teil und begleitete unsere Herren Kranken auf

den unterschiedlichsten Wallfahrten wie Lourdes, Rom

und dem Sonnenzug. Verena Trentini ist als Dame in

Obedienz Mitglied des Malteserordens. Vor drei Jahren

wurde sie zum Delegaten für Tirol/Vorarlberg ernannt.

Gemeinsam mit Lukas Krupitza ist sie für Pressearbeit

ernannt.

Nikola Schmidinger leitet den

Hospitaldienst. Bei ihr laufen

sämtliche Fäden zusammen.

Sie wird von den Bereichsleitern

Gregor Holfeld, Bernhard

Enzenberg und Michael Oppitz

sowie den Referatsleitern Pia

Schirmer und Thomas Schumacher

(Finanzen), Barbara

Leopold und Petra Zeillinger

(Soziales), Bereichsseelsorger

Patrick Christof Busskamp

OPraem sowie Sekretärin

Monika Reitmeir unterstützt.

DIE LEISTUNGEN DES BEREICHS

TIROL/VORARLBERG IM ÜBERBLICK

• Rettungsdienst im Rahmen des

Tiroler Rettungsdienstes

• Ausbildung zum Sanitäter, zur Sanitäterin

• Ambulanz- und Sanitätsdienste

(z. B. bei Sportveranstaltungen)

• Unterstützung im Katastrophenfall

• Herzenswunschfahrten für Menschen

am Ende ihres Lebens

• Begleit- und Betreuungsdienste

• Transportdienste mit rollstuhlfähigen

Fahrzeugen

• Therapieschwimmen

• Sozialdienste (z. B. Heilige Messe, Ausflüge)

• Reisen für Menschen mit Behinderung

(Pilger- und Kulturfahrten)

DIE MALTESER 1/2022 35


XXXXX

DAS SAGEN UNSERE MITGLIEDER UND

EHRENAMTLICHEN HELFER

„Motiviert wurde ich

durch Freunde und

Bekannte, die mir von

ihren Tätigkeiten bei

den Maltesern erzählten.

Für mich als

‚Branchenfremder‘ bot

sich nun eine gute Gelegenheit,

den eigenen Horizont zu erweitern

und dabei anderen zu helfen, ihnen beizustehen

und sie zu begleiten. Bei der feierlichen

Aufnahme in Innsbruck im Jahr 2015

wechselte ich aus der Ausbildungsgruppe in

den MHDA als aktives Mitglied.“

Bernhard Enzenberg,

Bereichsleiter-Stellvertreter

„Für die Malteser tätig zu sein,

bedeutet für mich, die Freude

des Evangeliums mitzuteilen und

mitgeteilt zu bekommen – in den

verschiedensten Facetten des

Zusammenseins.“

Patrick Christof Busskamp OPraem,

Bereichsseelsorger seit Sept. 2004

„Vor 50 Jahren waren alle meine Freunde bei

den Maltesern. Keiner von uns dachte daran,

wie sehr die Malteser unser Leben prägen

und beeinflussen würden und wie viele

gute Freundschaften bis heute bestehen

würden. Wir machten Dienste im Krankenhaus,

in Heimen für Schwerstbehinderte,

waren als Team beim Karwendel-Marsch,

fuhren bei Wallfahrten mit. Aus diesen Begegnungen mit Maltesern

und Betreuten entwickelten sich tiefe Freundschaften, verstreut über

weite Teile Europas. Alles ist mit einer großen Selbstverständlichkeit

im Glauben wohl gebettet. Einmal Malteser, immer Malteser!“

Verena Trentini, Delegat

„Ich bin seit 1999 im Malteser Hospitaldienst

tätig, aktuell in der Funktion als Stv. Referatsleiterin

für Soziales. Es gibt für mich

viele Gründe, Malteserin zu sein: die bunte

Gemeinschaft, das gemeinsame Erleben von

Ausflügen, Wallfahrten und Reisen, gemeinsam

zu lachen, einfach Zeit zu schenken.

Besonders freut es mich, dass ich all diese schönen Momente unseren

betreuten Freunden ermöglichen kann und diese mit ihnen teilen darf.“

Petra Zeillinger, Referat Soziales, Stellvertreterin

„Ich bin seit 2013 mit

Begeisterung bei den

Maltesern dabei. Die

vielen mitreißenden Geschichten

meiner Eltern

über die Malteser haben

mich dazu bewogen. Es

ist unglaublich erfüllend,

durch die vielschichtigen Tätigkeiten – sei

es auf Wallfahrten, bei Sommerlagern,

Monatsmessen, Sozialdiensten oder im

Rettungsdienst – im Geiste des Ordens dem

Nächsten, unseren Herren Kranken, zu

dienen.“

Philipp Anwander, Referatsleiter Sanität

Die Malteser sind eine tolle Gemeinschaft,

die zusammen scheinbar

Unmögliches möglich macht!“

Pia Schirmer, Finanzreferentin, MHDA-

Mitglied seit 1997

„Ich bin seit 2016 Malteserin und viel

als Sanitäterin und Einsatzfahrerin im

Rettungsdienst tätig. Seit Juni 2020

zuerst als Stellvertreterin in der Bereichsleitung

aktiv darf ich seit Februar 2022

den Bereich Tirol/Vorarlberg leiten. Ich

freue mich sehr über diese Aufgabe und

habe sie mit viel Demut und Respekt

übernommen.“

Nikola Schmidinger, Bereichsleiterin

36

DIE MALTESER 1/2022


DAS SAGEN UNSERE MITGLIEDER UND

EHRENAMTLICHEN HELFER

XXXX

„Ganz nach dem (Tiroler)

Motto: ‚Geht nicht, gibt’s

nicht!‘ schaffen wir Malteser

als Gemeinschaft unvergessliche,

manchmal unglaubliche

Augenblicke – nicht nur

für unsere Betreuten, die

mir, als Sozialreferentin,

besonders am Herzen liegen, sondern auch für uns.“

Barbara Leopold, Referatsleitung für Soziales im Bereich

Tirol, aufgenommen im Juni 2012

„Mit dem MHDA und seinen Mitgliedern habe ich schon lange zu

tun. 2018 habe ich mich entschlossen, die Ausbildungsgruppe zu

besuchen und war sofort angetan. Seither wurde ich mit vielen

unterschiedlichen Positionen innerhalb des Bereichs Tirol/Vorarlberg

betraut und durfte bis Februar 2022 auch als Bereichsleiter bei der

Leitung eines Vereins helfen. Die Arbeit mit

den Betreuten und die Herausforderung der

Führung sind für mich erfüllend und eine

Ehre. Die Motivation und Kraft, die man

aus dem Glauben heraus schöpft, beflügeln

genauso wie die dankbaren Reaktionen der

Betreuten.“

Gregor Holfeld, Bereichsleiter-Stellvertreter

„Man nehme eine seit 974 Jahren bewährte Gemeinschaft

und ein paar hochmotivierte Menschen von

heute und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Malteser zu sein, macht Spaß und Freude. Es ist

Freizeitgestaltung und ein wenig Lebensaufgabe. In

unserer Gemeinschaft ist man füreinander da und

niemand muss sich verlassen fühlen.“

Christoph Leopold, Gruppenleiter, aufgenommen 2011

MALTESER Ordenshaus - ERÖFFNUNG Februar 2022

Für das neu errichtete Senioren-, Pflegewohnheim im Zentrum von

Wien, suchen wir Verstärkung:

Diplomierte Gesundheits- und Krankepflege (DGKP)

Pflegefachassistenz (PFA)

Pflegeassistenz (PA)

Sie wollen im Herzen von Wien, in einem komplett neuen Haus,

in einem sehr harmonischen und kollegialen Umfeld arbeiten?

Dann gleich jetzt bewerben unter:

www.malteserjobs.at

DIE MALTESER 1/2022 37

#giveasmile


MALTESERÖSTERREICH

MALTESERÖSTERREICH

Haus Malta

ADVENT

Adventstimmung mit Abstand: Die weihnachtliche Stimmung kam auch heuer trotz coronabedingter

Einschränkungen für die von den Maltesern betreuten Menschen nicht zu kurz. Die Bereiche haben

fleißig gebacken, gebastelt und telefoniert. So konnte der Kontakt zu den Betreuten gehalten werden

und alle hatten eine große Freude – sowohl im Dialog als auch beim Beschenken und Beschenktwerden.

Salzburg

Steiermark

38

Tirol

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

Dompfarrer Toni Faber

Kardinal Christoph Schönborn

STRASSENSAMMLUNG WIEN

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig

Danke an alle Spenderinnen und Spender! Vom 16. Dezember bis 19. Dezember 2021 fand die traditionelle

Straßensammlung der Malteser in Wien statt. Zahlreiche ehrenamtliche Mitglieder waren vier Tage

lang in ihren Uniformen und mit ihren Sammelbüchsen in der ganzen Stadt unterwegs. Die Spenden aus der

Straßensammlung – eine unserer wichtigsten Einnahmequellen – kommen vollumfänglich unseren Sozialdiensten,

Hilfsprojekten und Aktivitäten in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen, Alten, Kranken

und Obdachlosen zugute. Diesmal konnten mehr als 56.000 Euro gesammelt werden. Wir sagen ein herzliches

Danke und Vergelt’s Gott!

Bezirksvorsteher Markus Figl

Abg.z.NR. Fiona Fiedler

Vizekanzler Werner Kogler

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka

Bundespräsident Van der Bellen und Doris Schmiedauer


MALTESERÖSTERREICH

Die Malteser im Einsatz: Mit unseren Rettungsautos sind unsere ehrenamtlichen Helfer in den Bundesländern

unterwegs.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Vielfältige Aktivitäten: In Tirol und Vorarlberg ist immer was los! Die Malteser und ihre Betreuten feierten nicht

nur die Monatsmessen miteinander, sondern unternahmen auch Ausflüge und Spaziergänge. Ein Highlight war mit

Sicherheit der Ausflug nach Bregenz.

Dienst mit Aussicht: Die Malteser durften ihr

Rettungsauto nach einem Einsatz im malerischen

Innsbruck-Land bei toller Aussicht aufbereiten.

40 DIE MALTESER 1/2022 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Gnadenwald: Bei traumhaftem Wetter erlebten Betreute einen Ausflug zum Minigolfplatz in Gnadenwald

Herzenswunsch: Der Bereich Tirol/Vorarlberg erfüllte auch in diesem Quartal wieder zahlreiche Herzenswünsche.

Unter anderem wurden langersehnte Familienbesuche, Friedhofsbesuche und gemeinschaftliche Aktivitäten ermöglicht.

Für die Malteser ist es immer eine große Freude zu beobachten, wie glücklich die Menschen sind, wenn ihr

großer Wunsch in Erfüllung geht.

Ein gelungener Theaterabend: Dank mitreißender

Musik und einer bewegenden Geschichte erwärmte das

Stück „Blues Brothers – Im Auftrag des Herren“ im Landestheater

Innsbruck die Herzen aller Zuschauer und auch die

unserer Betreuten.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Bettenspende: Das Göttlicher Heiland

Krankenhaus Wien übergab fünf elektrische

Spitals- und 25 Feldbetten sowie

Schutzausrüstung an das Hilfswerk der

ungarischen Malteser.

DIE MALTESER 1/2022 41


MALTESERÖSTERREICH

Musikschule in Perigovo: Für die Eröffnung einer

Musikschule im ukrainischen Perigovo konnten die

Malteser in Salzburg viele Instrumente sammeln und in

Zusammenarbeit mit dem Musikgeschäft KEY-WI in

Itzling restaurieren.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Salzburger Monatsmesse: Nach der Messe dürfen Jause und Plausch nicht fehlen.

Salzburger Virgilbus: Der Virgilbus ist an Sonntagen abends mit Ehrenamtlichen unterwegs und kümmert sich um

die medizinische Versorgung von Obdachlosen und Menschen ohne Sozialversicherung.

Eine Belohnung am Himmel: Das

ehrenamtliche Team des Malteser

Bruckfahrdienstes, das drei Kinder

mit Beeinträchtigung von Salzburg in

die Wochenbetreuung im Caritas Dorf

St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße

gebracht hatte, wurde auf dem

Rückweg mit einem überwältigenden

Farbenspiel am Himmel belohnt.

42

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

NEUES AUS DEM BEREICH

BURGENLAND

Der Malteser Bereich Burgenland bekommt Nachwuchs:

Unter der Ausbildungsleitung von Verena

Scharka und Bernhard Bachna freut sich eine nette

Gruppe von vier Damen und zwei Herren auf die Ausbildung

im Rahmen des MHDA und auf viele erfüllende

Dienste im Kampf gegen die acht Elende.

Erste ehrenamtliche Dienste im Rahmen der Straßensammlung

in Wien, an Punschständen, bei diversen

Besuchsdiensten sowie die gemeinsame Organisation

individueller Geschenke für die Bewohner des Hauses

Malta führten bereits zu einem starken Gemeinschaftsgefühl

und viel Vorfreude auf künftige Dienste bei den

Maltesern! Herzlich willkommen!

STEIERMARK

LOB VON

HOHER STELLE

Bei ihrem Antrittsbesuch bei Landeshauptmann

Hermann Schützenhöfer

bekamen Richard Wittek-Saltzberg

und Bernhardt Pauger stellvertretend

für alle Malteser Wunderbares zu hören:

„Mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz setzen

die Malteser ein wichtiges Zeichen

der Nächstenliebe und leisten damit einen

unverzichtbaren gesellschaftlichen Beitrag in unserem

Land“, so Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer

bei einem Empfang anlässlich des Führungswechsels bei

den Maltesern in der Steiermark.

„Durch die Aktivitäten im Sanitätsdienst, im Sozialdienst,

in der Ersten Hilfe und der Katastrophenhilfe

sind sie die größte Rettungs- und Behindertenbetreuungsorganisation

Österreichs. Ich wünsche dem neuen

v.l.n.r. Bernhardt Pauger, Heinrich Steeb, KR Martin Auer, Clemens Kanhäuser,

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Richard Wittek-Saltzberg, Clemens

Grill, OSB. © Land Steiermark/Binder

Bereichsleiter des Hospitaldienstes, Bernhardt Pauger,

und Richard Wittek-Saltzberg, dem neuen Delegaten

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, sowie dem gesamten

Team alles erdenklich Gute für die neue Aufgabe

und bedanke mich bei allen Mitgliedern für den unverzichtbaren

Einsatz für unsere Mitmenschen!“

Vielen herzlichen Dank für diese Anerkennung, Herr

Landeshauptmann!

DIE MALTESER 1/2022 43


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER ORDENSHAUS (ehem. Haus Malta) / MALTESER CARE

WIR SIND ÜBERSIEDELT

Eingang

MALTESER Care

Ungargasse 3A4

3 Eingang

MALTESER Ordenshaus

Landstr. Hauptstr. 4A

Das Malteser Ordenshaus – Pflege im Zentrum: Im

neuen Ordenshaus, dem ehemaligen Haus Malta, im

Herzen von Wien stehen Pflege, Fürsorge, sowie Nächstenliebe

im Zentrum. Als erste Einheit übersiedelte Anfang

Februar das Haus Malta in das neue Zuhause. Unter dem

neuen Namen Malteser Ordenshaus ist es jetzt in der

Landstraßer Hauptstr. 4A, 1030 Wien zu finden. Hier haben

33 Bewohner ihr neues Zuhause und 35 Mitarbeitende

ihren neuen Arbeitsplatz gefunden. Sechs LKW-Ladungen

mit Kleidung, persönlichen Gegenständen und Möbel-

stücken, Akten, Mappen, Ordnern und Pflegematerial

wurden von der Bürgerspitalgasse in den dritten Bezirk

überführt. Ganz besonders wichtig war neben dem professionellen

Einsatz der Übersiedlungsfirma die unschätzbare

Mithilfe zahlreicher Angehöriger sowie ehrenamtlicher

Helfer von Hospital- und Besuchsdienst. Und natürlich blicken

wir auch ein wenig wehmütig auf den alten Standort

zurück, denn mit ihm ist auch der Abschied von Norbert

Bercal, unserem langjährigen Pflegedienstleiter, verbunden.

Alles Gute und nochmal danke für alles!

44

DIE MALTESER 1/2022

www.malteser-ordenshaus.at


MALTESERÖSTERREICH

Das MALTESER Ordenshaus (ehem. Haus Malta) und MALTESER Care befinden sich ab sofort am gemeinsamen neuen Standort im

dritten Wiener Gemeindebezirk.

Aufregend waren die Vorbereitungen und der

Umzug, doch letztlich hat alles bestens geklappt!

Wunderschön sind die Räumlichkeiten im neuen

Ordenshaus der Malteser – und natürlich auch ein

bisschen gewöhnungsbedürftig. Wege, die man in

den früheren Wohnungen, Zimmern und Büros

ganz intuitiv gegangen ist, brauchen nun doch wieder

ein bisschen Aufmerksamkeit. Man will sich ja

nicht in der Tür irren! Bis zur offiziellen Eröffnung

im Sommer haben wir jedenfalls noch genug Zeit,

uns fertig einzurichten und richtig anzukommen.

Wir freuen uns!

Malteser Care am neuen Standort: Wer uns besuchen

möchte, findet uns nun an der Adresse Ungargasse

3a, 1030 Wien. Wir sind mit „leichtem Gepäck“ übersiedelt,

haben im Vorfeld viel ausgemustert und einen

Digitalisierungsprozess gestartet. Dennoch sind wir am

neuen Standort mit 230 Kartons, 18 Schreibtischen und

ebenso vielen Standcomputern und Telefonanschlüssen

für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angekommen.

Viele Laufmeter Ordner, Akten, Desinfektionsmittel,

Masken, Handschuhe und Dienstkleidung mussten

in den Büroschränken und Spinden neu sortiert und

untergebracht werden. Doch die Arbeit hat sich gelohnt

und wir sind froh und dankbar über diesen tollen neuen

Arbeitsort.

Weitere Informationen finden Interessierte unter:

www.malteser.care

DIE MALTESER 1/2022 45


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

GEDANKEN ZUR

PFLEGEREFORM

Die Pflegereform ist ein großes, komplexes, seit vielen

Jahren heiß diskutiertes Thema. MALTESER Care diskutiert

mit und bringt wichtige Aspekte zur 24-Stunden-Pflege

und -Betreuung ein – zum Nachdenken und Einfordern.

Von Susanne Wick

„Im Rahmen der österreichischen Pflegereform müssen

auch zur Sicherung der 24-Stunden-Pflege und

-Betreuung wichtige Maßnahmen getroffen werden.“

Die Fakten: Die 24-Stunden-Pflege und -Betreuung ist

mittlerweile ein fixer Bestandteil der österreichischen

Pflegelandschaft und muss unbedingt erhalten bleiben.

Jahr für Jahr werden mehr als 25.000 pflege- und betreuungsbedürftige

Personen in Österreich im Rahmen der

24-Stunden-Pflege und -Betreuung in ihrem eigenen Zuhause

von mehrheitlich ausländischen Betreuerinnen und

Betreuern versorgt und unterstützt. Das sind 5,5 Prozent

aller Pflegegeldbeziehenden in Österreich.

„Alte Menschen, junge Menschen und Kinder sind

froh, dort betreut werden zu können, wo sie selbst

es sich wünschen.“

Die Fakten: Größtenteils handelt es sich um ältere Menschen,

die ihren Lebensabend zu Hause in ihrer gewohnten

Umgebung verbringen möchten. Es gibt aber auch jüngere

Menschen bis hin zu Jugendlichen und Kindern, die

aufgrund einer Behinderung, einer schweren Erkrankung

oder eines chronischen Leidens auf die Hilfe und Unterstützung

einer 24-Stunden-Betreuung angewiesen sind.

Die einzige Alternative wäre für viele nur das Pflegeheim.

„Qualität und Sicherheit in der 24-Stunden-Betreuung

müssen durch eine Reform der Förderrichtlinie

und der Standards gewährleistet werden.“

Die Fakten: Im Rahmen der anstehenden Pflegereform

muss die monatliche staatliche Förderung ab Pflegegeldstufe

3 für die 24-Stunden-Betreuung, die seit ihrer Einführung

im Jahr 2007 maximal 550 Euro beträgt, unbedingt

erhöht werden. Die 550 Euro von damals sind aufgrund der

Inflation heute nur noch 430 Euro wert. Der Kaufkraftverlust

geht zu Lasten der betreuten Menschen und ihrer

Betreuungspersonen, deren Honorare stagnieren bzw. an

Wert verloren haben. Dies führt, neben anderen Aspekten,

zunehmend zu einem Mangel an Betreuungskräften.

„Das österreichische Qualitätszertifikat ÖQZ 24

dient der Sicherstellung und Einhaltung der Betreuungsstandards.“

Die Fakten: Es ist unbedingt erforderlich, transparente,

flächendeckende Qualitätsstandards durch das staatliche

Qualitätszertifikat ÖQZ 24 für Organisationen der Personenbetreuung

zu etablieren. Nur so kann die Sicherheit

aller in der 24-Stunden-Betreuung involvierten Personen

– Betreuter und Betreuender – gewährleistet werden. Regelmäßige

und engmaschige Pflege- und Qualitätsvisiten

tragen zu einer stabilen Betreuungssituation bei.

AUSGEZEICHNET!

MALTESER Care organisiert bereits seit elf Jahren die

Betreuung von Klientinnen und Klienten im Rahmen

der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung und ist mit dem

ÖQZ24 ausgezeichnet. „Mit der Verleihung des ÖQZ-24

Qualitätszertifikats sehen wir unsere seit vielen Jahren

qualitätsvolle und bedürfnisorientierte Arbeit für unsere

Klientinnen und Klienten sowie deren Angehörige

und Familien eindrucksvoll bestätigt. Das Zertifikat ist

eine Auszeichnung aller unserer Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter und gleichzeitig ein Auftrag, kontinuierlich

am Erhalt und an der Weiterentwicklung der Qualität

unseres Angebots zu arbeiten“, sagt Helmut Lutz, Geschäftsführer

von MALTESER Care.

46

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

SEHR GUTES GEFÜHL

UND GESPÜR

Bereits in der letzten Ausgabe unseres Magazins hatten

wir über das Thema „Männer in der Pflege“ berichtet.

Daraufhin folgte ein Dreh mit dem ORF Wien, den wir

begleiten durften. Hier die Kernaussagen des Beitrags

zusammengefasst.

Von Susanne Wick

Botschaft Nr. 1: „Männliche Vorbilder nehmen die

Angst vor der Berufswahl.“

Peter (59) ist Pflegefachassistent und Tivo (31) ist diplomierter

Gesundheits- und Krankenpfleger bei Malteser

Care. Beide sind im mobilen Dienst in Wien tätig. Auf die

Frage nach der Berufswahl meinte Peter, der bereits seit 35

Jahren diesen Beruf ausübt, dass Pflege für ihn eine Bereicherung

sei, weil er mit den unterschiedlichsten Menschen

gemeinsame Wege gehen kann und man viel mehr zurückbekommt,

als man geben kann.

„Pflege ist ein cooler Beruf“

Helmut Lutz

Geschäftsführer von Malteser Care

Für Tivo, der seit drei Jahren bei Malteser Care tätig ist,

gibt es neben der Pflege noch andere Herausforderungen,

wie mobil unterwegs zu sein oder mit unterschiedlichen

Handreichungen auch abseits der Pflege den Klientinnen

und Klienten zu helfen. Es brauche Flexibilität. Vielseitiges

Können und rasche Lösungen seien gefragt.

Botschaft Nr. 2: „Männer, die in der Pflege arbeiten,

sind mitfühlend und einfühlsam.“

Die acht Männer, die bei Malteser Care arbeiten, kommen

bei den Klientinnen und den Klienten gut an. So erklärt

uns Frau S., dass aus ihrer Erfahrung Männer ein sehr

gutes Gefühl und Gespür für die Pflege haben. Sie schätzt

„ihre zwei Männer“ sehr und würde es durchaus begrüßen,

wenn es noch mehr Männer in der Organisation gäbe.

Botschaft Nr. 3: „Pflege ist ein cooler Beruf – ähnlich

dem des Feuerwehrmannes.“

So sieht es Helmut Lutz, Geschäftsführer von Malteser

Care, als eine ganz wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft,

den Menschen zu helfen und sie dort zu unterstützen, wo

sie Hilfe und Pflege brauchen. Der Bedarf ist da, die Türen

stehen auch Quereinsteigern offen.

DIE MALTESER 1/2022 47


MALTESERÖSTERREICH

Botschaft Nr. 4: „Pflege ist ein Beruf mit Wertschätzung

und Wertschöpfung.“

Die Entlohnung ist kein Hindernis mehr, diesen Beruf

zu ergreifen. Das Einstiegsgehalt für eine Vollzeitstelle

liegt mittlerweile bei rund 2.700 Euro brutto

pro Monat.

Peter, der ja schon 35 Jahre in seinem Job tätig ist,

konnte immer gut von seinem Gehalt leben und das sei

auch jetzt so. Außerdem gehe es nicht nur ums Gehalt,

sondern vor allem darum, dass man sich mit dem Beruf

identifizieren könne.

Peter und Tivo können sich besonders gut mit ihrer Arbeit

als Pfleger identifizieren. Das spüren auch ihre Klientinnen

und Klienten. „Auf Wiedersehen und inzwischen Danke

und alles Gute, Tivo, Sie sind ja dann am Abend wieder bei

mir. Und Peter, Sie sehe ich dann morgen früh, ich freue

mich schon!“, sagt Frau S. zum Abschied.

Übrigens: Nach Erscheinen des Beitrags in „Wien Heute“

hatten wir mehrere Anfragen männlicher Interessenten,

die wir sehr gerne zu einem Gespräch eingeladen haben.

Sollten Sie ebenfalls Interesse haben, kontaktieren Sie

bitte unseren Pflegedienstleiter, Herrn DGKP Esmir

Kavazovic, per E-Mail unter: jobs@malteser.care

Man bekommt so viel zurück

Bei den Maltesern sind Männer in der Pflege fast schon

an der Tagesordnung. Von ihren Beweggründen für diese

Berufsentscheidung erzählen Gregor Zepharovich,

Gruppenleiter Ausbildungsgruppe Bereich Tirol, und

Szabolcs Csonka, Malteser in Ausbildung.

Gregor, Du hast gerade die formelle

Ausbildung zur Intensivpflege

begonnen. Was war Deine

Motivation dafür und hattest Du

Vorbilder in Deinem Umfeld?

Gregor Zepharovich: Erste Erfahrungen

mit der Pflege von Gregor Zepharovich

Kranken habe ich noch in der Schulzeit im Malteser

Hospitaldienst gemacht, ganz konkret auf einer Pilgerfahrt

nach Lourdes und beim Internationalen Malteser

Sommercamp. Dadurch ist mein Berufswunsch entstanden,

Menschen in ihrer Krankheit zu helfen und sie auf

dem Weg zur Genesung zu begleiten. Das selbstständige,

kompetente Arbeiten der leitenden Krankenschwester

bei diesen Diensten hat mich begeistert.

Szabolcs, was hat Dich zu Deiner Berufsentscheidung

bewogen?

Szabolcs Csonka: Bevor ich diese Ausbildung begann,

hatte ich Technische Mathematik, Bauingenieurwesen

und Elektrotechnik zu studieren

begonnen, diese Studien aber abgebrochen.

Als Patient hatte ich

erstmals näheren Kontakt zu Pflegenden.

Dies hat mein Interesse

geweckt. Ich bekam ein neues Bild

von diesem Beruf. Ich sah, dass Szabolcs Csonka

Pfleger weit mehr sind als „Helferlein“ der Ärzte.

Worin seht Ihr Eure Hauptaufgaben und was freut

Euch am meisten an Eurer Tätigkeit?

Gregor Zepharovich: Ich arbeite schon seit einigen

Jahren in der Intensivpflege. Leider wurde der entsprechende

Ausbildungskurs wegen der Pandemie mehrmals

verschoben, jetzt ist es aber soweit. Als Intensivpfleger

bin ich ständig am Patienten, beobachte ihn genau, nehme

alle Veränderungen in seinem Befinden wahr – sei

es mit Hilfe der eingesetzten Technik, sei es mit meinen

eigenen Sinnen. Dazu kommt natürlich auch die

Nahrungszufuhr, die Ausscheidung, die Mobilisation,

soweit diese nicht von den Physiotherapeuten gemacht

wird. Schön und motivierend sind die dankbaren Blicke

und natürlich jede Besserung des Zustandes der Patienten,

besonders wenn wir sie dann auf die Normalstation

weitergeben können. Die gute Teamarbeit auf der Intensivstation

– alle sind gleich gekleidet, es herrscht ein

amikaler, geradezu familiärer Umgang – hilft über die

belastenden Momente hinweg.

48

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

Szabolcs Csonka: Es kommt darauf an, die Patienten zu

begleiten, sie physisch und psychisch am Weg zur Wiederherstellung

der Gesundheit zu unterstützen. Die Arbeit

mit den Menschen, an den Menschen, treibt mich

an. Dankbarkeit, ein Lächeln, positive Rückmeldungen,

Erfolgserlebnisse – wenn z. B. ein Patient vom Rollstuhl

oder den Gehbehelfen loskommt – machen Freude und

bestätigen mir die Richtigkeit meiner Berufswahl. Zeit

spenden, Zuhören und Zuwendung geben gehören zu

den wichtigsten Tätigkeiten.

Als Mann im Pflege- und Betreuungsbereich gehört

Ihr – noch – einer Minderheit an. Was würdet

Ihr tun, um andere Männer davon zu überzeugen,

dass Pflege und Betreuung ein schöner und erfüllender

Beruf ist?

Gregor Zepharovich: Es ist die Arbeit mit Menschen,

an Menschen, die mich fasziniert. Im Heilungsprozess

kommt es auf alle daran Beteiligten – egal mit welcher

fachlichen Ausbildung – in gleichem Maße an. Gelebte

Nächstenliebe ist nicht an ein Geschlecht gebunden. Der

Beruf ist psychisch und physisch fordernd und bedarf

einer gründlichen Ausbildung. Man wird aber durch die

menschlichen Begegnungen mehr als entschädigt. Unsere

Aufgabe besteht in der Begleitung in allen Lebenslagen,

also Gesunden- und Krankenpflege, und ist daher

entsprechend vielseitig. Pflege ist ein erfüllender Beruf.

Er ist meine Berufung.

Szabolcs Csonka: In meinem Ausbildungsjahrgang ist

das Verhältnis zwischen Frauen und Männern etwa

10:1. Es ist wohl notwendig, die Pflege schon im Schulalter

den Burschen näherzubringen. Pflegepersonen

arbeiten ganz nahe an den Patienten. Ihnen steht daher

ein wichtiges Urteil über das Befinden zu. Arzt und

Pflege arbeiten zusammen, gehören zusammen. Pflege

ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Man

bekommt so viel zurück!

Danke Euch beiden und alles Gute weiterhin!

MALTESER Care hat langjährige Erfahrung im Bereich der

mobilen Pflege und Betreuung. Die Nachfrage nach Pflege

zu Hause wächst stetig, darum brauchen wir für unser Team

Verstärkung.

Aktuell suchen wir für die mobile Hauskrankenpflege in Wien

in Voll- und Teilzeit:

Pflegefachassistenten/innen

Pflegeassistenten/innen

Haben Sie Interesse in einem erfahrenen, kompetenten und

motivierten Team zu arbeiten?

Dann bewerben Sie sich bitte jetzt:

www.malteser.care/jobs

DIE MALTESER 3/2021 49

#giveasmile


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER KINDERHILFE

HOFFNUNG UND LEBENSFREUDE

IM HILDE UMDASCH HAUS

Den Kindern und Jugendlichen Hoffnung und Lebensfreude zu vermitteln, steht für die Pädagogen der MALTESER Kinderhilfe an

erster Stelle. Gemeinsame Projekte mit den Clini Clowns oder Brieffreundschaften tragen einen großen Teil zu einem mit Freude

erfüllten Leben bei. Durch unsere Spender können wir den Kindern maßgeschneiderte Therapien ermöglichen und ihnen die

passenden Geräte zur Verfügung stellen. Die Therapiemaßnahmen verbessern die Lebensqualität der Kinder und schenken ihnen

ein Stück mehr Selbstständigkeit. Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer, Unterstützer und Sponsoren!

Lachen ist Leben und bedeutet

Hoffnung!

Wer lachen kann, tut seinem

Körper etwas Gutes: Es

werden bestimmte Botenstoffe

im Gehirn aktiviert,

die positive Gefühle in uns

auslösen. Für unsere Kinderund

Jugendlichen im Hilde

Umdasch Haus ist das eine

ganz besondere Form der Therapie. Deshalb kommen die Clini Clowns in regelmäßigen Abständen zu Besuch und

zaubern den Kindern und Jugendlichen nicht nur ein Lachen ins Gesicht, sondern schenken auch Hoffnung und Lebensfreude.

Viel Musik, lustige Tänze und Späße machen diese gemeinsamen Nachmittage zu einem einzigartigen Erlebnis.

Man kann sehen und spüren, wie viel Freude unsere Kinder an diesen Tagen haben. Die Clowns haben kreative

Ideen, zaubern etwa Tiere aus Luftballons und so ein Strahlen in die Augen der Kinder. Das gefällt vor allem unseren

kleinsten Bewohnern besonders gut. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch der Clini Clowns!

Geschichten und Bilder zum Träumen

Die Stadtbücherei Amstetten veranstaltete im Hilde

Umdasch Haus ein Bücherkino: Dabei werden Illustrationen

aus einem Kinderbuch auf einer Leinwand gezeigt,

während eine Erzählerstimme die dazugehörigen

Texte spricht. Das kam gut an: Alle Kinder lauschten

gebannt der ruhigen Stimme, wie sie kindgerecht über

die Tierwelt und den Winterschlaf sprach. Die liebevoll

gestalteten Illustrationen wurden beim Zuhören von

den Kindern großäugig bestaunt. So leise wie beim Geschichtenvorlesen

ist es selten in unserem Haus.

M. Schuster (li) und K. Rafetzeder (re) Bilderbuchkino

50

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

Spenden der ÖVP Amstetten

Die ÖVP hat in den letzten Monaten die Malteser Kinderhilfe in Form von Geld- und Sachspenden unterstützt. Die

Aktion „Bettwäsche vom Christkind“ wurde von den ÖVP Frauen ins Leben gerufen. Um die Weihnachtszeit wurden

viele bunte Decken und Bettwäsche für das Hilde Umdasch Haus gesammelt. Außerdem wurde eine Spende über 250

Euro an unser Haus übergeben. Durch diese großartige Unterstützung wird den Kindern ein Stück Lebensfreude und

Geborgenheit geschenkt. Wir bedanken uns im Namen der Kinder und Jugendlichen für dieses tolle Engagement.

Brieffreundschaften

Im Hinblick auf COVID-19 zählen ausnahmslos alle Kinder und Jugendlichen im

Hilde Umdasch Haus zur Risikogruppe. Die Einhaltung der Corona-Regeln hat

dadurch einen hohen Stellenwert bei uns. Es fällt oft schwer, in Kontakt zu anderen

Kindern oder Schulen von auswärts zu bleiben. Eine Klasse der Volksschule

Preinsbacherstraße in Amstetten wollte alte Kontakte aufrecht erhalten und gerne

neue knüpfen. Gemeinsam haben wir daher das Projekt „Brieffreundschaften“

ins Leben gerufen. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse haben an unsere

Kinder und Jugendlichen fleißig Briefe geschrieben. Am Lesenachmittag haben

unsere Pädagoginnen die Briefe vorgelesen und eine gemeinsame Antwort auf

jeden Brief verfasst. Ein tolles Projekt für mehr Zusammenhalt in dieser schwierigen

Zeit!

Auf Rollen unterwegs – wir sind mobil!

Aufstehen und losgehen – das ist für die meisten Menschen das Normalste auf

der Welt. Für unsere Kinder und Jugendlichen ist es aber ein großes Privileg. Endlich

konnten wir Karin ihren größten Wunsch erfüllen und für sie einen hochmodernen

E-Rollstuhl anschaffen! Mit diesem Rollstuhl kann sie sich selbstständig

fortbewegen und sogar einige Alltagssituationen alleine bewältigen. Einmal in

der Woche erhält Karin ein individuelles Rollstuhltraining. Im Unterricht lernt

sie die optimale Steuerung und die richtige Fahrtechnik.

Auch unsere jüngsten BewohnerInnen werden zunehmend mobil und haben einen

ganz speziellen Laufwagen bekommen. Der Rollwiderstand, kann je nach

Bedarf eingestellt werden. Dadurch ist ein optimales Training für die Beine möglich.

Es ist uns ein besonderes Anliegen, die Kinder und Jugendlichen in Sachen

Mobilität zu unterstützen und zu fördern. Die Anschaffung solcher Geräte verbessert die Selbstständigkeit und somit

auch die Lebensqualität unserer Kinder enorm.

DIE MALTESER 1/2022 51


MALTESERÖSTERREICH

WEIHNACHTEN: SPENDENAKTIONEN ZUR

UNTERSTÜTZUNG DER MALTESER KINDERHILFE

Heuer wurden tolle vorweihnachtliche Spendenprojekte zur Unterstützung der MALTESER Kinderhilfe ins Leben gerufen.

Unter anderem unterstützten die Bäuerinnen aus Amstetten und die Mittelschule Mauer die Malteser Kinderhilfe mit

Keks- und Mehlspeisen, welche gegen eine freiwillige Spende verteilt werden konnten.

Eine ganz besondere Spendenaktion war die Baumspende von Carina Krenn aus Amstetten. Sie schaltete einen

Aufruf auf Facebook mit dem Titel „Christbaum zu verschenken“. In ihrem Garten war ein einst kleiner Lebendchristbaum

zu einer vier Meter hohen Nordmanntanne herangewachsen – zu groß für den Garten von Frau Krenn.

So wurde die Tanne an die Malteser Kinderhilfe gespendet, die sich sehr über den prächtigen Christbaum freute.

Unterwegs im Amstettener

Weihnachtswald

Landjugend überreicht

Nikolosackerl

Gemeinsames Adventsingen

52

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

Charity Golfturnier zur Unterstützung der Malteser Kinderhilfe: Die Startgelder und zusätzliche Spenden des

sechsten Early Morning Golfturniers des Legendario Men’s Club wurden der Kinderhilfe in Form einer Geldspende zur

Verfügung gestellt. Insgesamt wurden 3.000 Euro gesammelt. Diese großzügige Spende ermöglicht unseren Kindern

individuelle Therapien und Förderprogramme. Ein herzliches Dankeschön an den Legendario Men’s Club und den zahlreichen

Spendern für diese großartige Unterstützung!

Spendenübergabe

Antares Netlogix

Ein großes Dankeschön allen Unterstützern

der Malteser Kinderhilfe.

Kinderhilfelauf 2021

Spendenübergabe

Herr Breiteneder von der Autobörse

Breiteneder wanderte als Nikolaus

verkleidet durch Amstetten und sammelte

für die Malteser Kinderhilfe

Spenden im Wert von 500 Euro.

*Die Namen der genannten Kinder wurden von der Redaktion aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert.

VIRTUAL RUN von 29.09. - 2.10.2022

LAUFEVENT im Umdasch Stadion 2.10.2022

DIE MALTESER 1/2022 53


MALTESERÖSTERREICH

JOHANNESGEMEINSCHAFT

DIE KRAFT DES GEBETES

Die MALTESER bringen zum Ausdruck, was der Apostel Paulus mit seinen Charismen anspricht: die Dienste an den acht Elenden.

Ein solcher Dienst – nicht unmittelbar sichtbar, aber sehr wirkungsvoll – ist das Gebet. Diesem hat sich die MALTESER

Johannesgemeinschaft verschrieben.

Von Marie Czernin

DU INTERESSIERST DICH FÜR DIE

JOHANNESGEMEINSCHAFT?

Dann melde Dich gerne per E-Mail: mjg@malteser.at!

Wir freuen uns über neue Mitglieder. Die Voraussetzungen

für eine Aufnahme sind in dem Versprechen,

das bei der Aufnahme abgelegt wird, zusammengefasst.

Hier heißt es: „Im alltäglichen Leben und in der

Begegnung mit meinen Mitmenschen den Glauben

zu verteidigen, den Bedürftigen zu dienen und mit

Gottes Hilfe nach Vervollkommnung meines christlichen

Lebens zu streben.“

Mitglieder werden in erster Linie junge Katholiken,

die sich als Freunde des Malteserordens erweisen,

indem sie sich mit dessen Idealen identifizieren. Sie

führen ein treues Gebetsleben, bemühen sich, durch

den regelmäßigen Besuch der Heiligen Messe, monatliche

Beichte, geistliche Begleitung und die jährliche

Teilnahme an Exerzitien im geistlichen Leben zu

wachsen und sich auch in den karitativen Werken des

Ordens zu engagieren.

Interessierte können durch ihre Teilnahme an den Gebetsabenden

und an den Gemeinschaftsaktivitäten

das Leben der Johannesgemeinschaft kennenlernen.

Sie werden dem Rat der Gemeinschaft schließlich als

Kandidaten vorgeschlagen. Die Aufnahme findet einmal

jährlich im Rahmen einer Heiligen Messe statt.

Der Auftrag des Malteserordens – „die Verteidigung des

Glaubens und der Dienst an den Armen“ – fasst wunderbar

zusammen, worum es im Christsein eigentlich geht:

Gott und den Nächsten zu lieben und für diese Liebe einzutreten.

Im Jahr 2005 wurde die Malteser Johannesgemeinschaft

von Dominik Batthyány und Oktavian Eiselsberg ins

Leben gerufen, mit dem Wunsch, dieses Charisma des

Malteserordens im Alltag zu leben und viele Menschen

daran teilnehmen zu lassen. Dominik war gerade von

einem Einsatz der Malteser im Libanon zurückgekehrt.

Er stand noch unter dem Eindruck des „Libanonprojekts“

der „Gemeinschaft Junger Malteser“, die sich jeden

Sommer in Beirut geistig und körperlich schwerbehindeter

Kinder annehmen.

Seither versammelt sich die Johannesgemeinschaft regelmäßig

zum Gebet, um für die Anliegen der Malteser,

für ihre Werke, die Betreuten, Alten und Kranken wie

auch für eine gute Reform des Malteserordens zu beten.

Gleichzeitig bemühen sich ihre Mitglieder, den Glauben

im Alltag, in der Arbeit, der Familie und der Freundschaften

sichtbar werden zu lassen. Denn gerade dort, bei

unseren Nächsten, können wir dem „achtfachen Elend“

begegnen.

Wegweisende Impulse

Ursprünglich traf sich ein kleiner Gebetskreis jede Woche

in der Malteserkirche in Wien zum Abendgebet und

bald auch ebendort einmal im Monat zur heiligen Messe.

54

DIE MALTESER 1/2022


XXXX

Dass Pater Florian Calice CO von Anfang an die

Johannesgemeinschaft als Seelsorger mit wegweisenden

Impulsen zu einem Leben aus dem

Glauben begleitet hat, ist ein großes Geschenk.

So sind auch die alljährlichen Adventsexerzitien

mit Pater Florian in Maria Sorg zu einer wunderbaren

Tradition geworden, die viele nicht mehr

missen wollen.

Einer der Fixpunkte im Programm der Johannesgemeinschaft

ist das alljährliche „Friedensgebet“

im Wiener Stephansdom mit Kardinal

Christoph Schönborn, das seit 14 Jahren von

der „Oase des Friedens“ und einigen Mitgliedern der

Johannesgemeinschaft mit viel Elan organisiert wird.

Auch die Wander- und Ski-Retreats in Heiligenblut,

bei denen sich die Freude am Sport mit inspirierenden

Bergmessen und geistlichen Impulsen am Fuß des Großglockners

wunderbar verbinden lassen, oder die Gemeinschaftsnachmittage,

die bis zu viermal im Jahr stattfinden,

erfreuen sich großer Beliebtheit.

Wenn der Same Wurzeln schlägt und wächst

Die Begegnung mit den Bedürftigen, vor allem mit alten

und kranken Menschen, ist ein zentrales Anliegen der

Johannesgemeinschaft, weshalb wir in den vergangenen

Jahren verschiedene ehrenamtliche Dienste übernommen

haben, wie unter anderem die Besuche bei den Senioren

im Haus Malta.

Eine Frucht des beharrlichen Gebetes ist ein langsames

Wachsen unserer kleinen Gemeinschaft. Aus dem ursprünglichen

Gebetskreis in der Malteserkirche entstanden

neue Gebetskreise in privaten Wohnungen – zuerst

in Wien, danach in Innsbruck, Berlin, Salzburg und Köln.

Mit der Zeit bildeten sich kleine Hausgemeinschaften

und das beliebte Müttergebet. Darüber hinaus trifft sich

der Innsbrucker Bereich zum Beispiel alle zwei Wochen in

der Pfarrkirche Amras zum Rosenkranzgebet und zur Eucharistischen

Anbetung. Eine besondere Ehre und Freude

ist es, dass auch Fra` Ludwig Call immer treu an diesen

Gebetsabenden teilnimmt.

Treffpunkt Internet

Während der Corona-Pandemie wurde das gemeinsame

Beten zum Teil ins Internet verlagert. Durch den

Einsatz von ZOOM ist es möglich geworden, sich über

örtliche Grenzen hinweg jeden Monat zu einem Online-

Gebetsabend zu versammeln. Johannes Holfeld, der

Sprecher der Johannesgemeinschaft, hat dieses Online-

Gebet vor zwei Jahren ins Leben gerufen und dabei viele

Malteser und Freunde der Johannesgemeinschaft mobilisiert,

daran teilzunehmen.

Im vergangenen September fand im Stift Sankt Florian ein

Sommerfest für die Mitglieder der Johannesgemeinschaft

unter dem Motto „Kommt und seht…“ statt. Nach Zeiten

des „social distancing“ war die Freude des Wiedersehens

umso größer.

www.malteser-johannesgemeinschaft.at

DIE MALTESER 1/2022 55


MALTESERÖSTERREICH

EIN HERZLICHES WILLKOMMEN UNSEREN NEUEN MITGLIEDERN!

Mit einigen sehr persönlichen Worten stellen sich unsere jüngst gewonnenen Mitglieder vor. Sie beantworteten

jeweils die drei folgenden Fragen: „Was hat Dich bewogen, der MALTESER Johannesgemeinschaft (MJG) beizutreten?“,

„Was gefällt Dir besonders an der MJG?“ und „Was würdest Du Deinen Freunden erzählen, um sie für die MJG

zu gewinnen?“

„Ich habe mich der Johannesgemeinschaft angeschlossen, weil das eine für mich sehr wichtige

Möglichkeit des Gebets in Gemeinschaft ist. Mein tägliches Stundengebet verrichte ich ja –

von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen – immer allein. Bei den Gebetsabenden in der Pfarre

Amras darf ich hingegen erfahren, dass das Gebet in Gemeinschaft eine besondere Kraft hat.“

Fra` Ludwig Call,

als Professritter Ehrenmitglied der Johannesgemeinschaft

Die Malteser Johannesgemeinschaft ist für mich die perfekte Ergänzung zu meiner alltäglichen

beruflichen und meiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Malteser Hospitaldienst. Es ist

immer wieder erstaunlich und erbauend, wie viel Kraft man aus dem gemeinsamen Gebet

gewinnen kann. Der Heilige Geist wirkt hier besonders spürbar! Das fasziniert mich, neben

vielem anderem, am meisten an der Johannesgemeinschaft!“

Gregor Holfeld

„Gemeinsam mit anderen jungen Menschen und Familien zu beten und sich gegenseitig Kraft

zu schenken, ist für mich in der heutigen Zeit einfach großartig. In ihrem Tun einzigartige

Priester und geistliche Begleiter, wie Pater Florian Calice, Monsignore Leo Maasburg oder

Pfarrer Patrick Busskamp, um sich zu haben, ist zusätzlich eine Stütze und unglaubliche Gnade.“

Marie-Theres Holfeld

Die Malteser Johannesgemeinschaft zeichnet sich für mich durch eine solide katholische Spiritualität

aus. Ich darf dort interessanten Menschen begegnen, die aus unterschiedlichen Lebensbereichen

stammend eine religiöse Ernsthaftigkeit vereint. Die regelmäßigen Gebetsabende

helfen mir dabei, durch die Anbetung, das gemeinsame Gebet und theologisch ansprechende

Inputs immer wieder meinen geistlichen Fokus neu nachzujustieren.“

Clemens Danzl

Die Malteser Johannesgemeinschaft kenne ich nun bereits seit einigen Jahren, andere

Malteser-Aktivitäten, wie zum Beispiel das Sommercamp im Libanon, bereits wesentlich

länger. Es fühlt sich an, als hätte ich meinen Weg erst finden müssen. Aber nun habe ich hier

einen neuen Hafen von den Abenteuern dieser Welt gefunden. Ich bin dankbar für die Geborgenheit

und das betende Selbstverständnis in dieser Gemeinschaft und freue mich, dies mit

immer neuen Menschen teilen zu können.“

Cecilia Engels

56

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERÖSTERREICH

„Mir gefällt an der Johannesgemeinschaft das gemeinsame Gebet, das mir immer wieder viel

Kraft gibt. Auch die Betrachtungen zum Sonntagsevangelium von Pfarrer Patrick Busskamp,

dem Bereichsseelsorger des Malteser Hospitaldienstes Tirol, regen mich zum Nachdenken

an. Die alle zwei Wochen stattfindenden Gebetsabende motivieren und stärken mich auch bei

meinen Aufgaben im Hospitaldienst. Der nette Ausklang in einem nahegelegenen Restaurant

bietet immer Raum für gute Gespräche.“

Benedikt Anwander

„Nachdem ich schon ein paar Jahre aktives Mitglied des Malteser Hospitaldienstes bin, war es mir ein großes

Anliegen, das Motto des Malteserordens „Tuitio Fidei et Obsequium Pauperum – Wahrung des Glaubens und

Hilfe den Bedürftigen“ nicht nur durch mein ehrenamtliches Engagement im Hospitaldienst

zu leben, sondern auch durch das gemeinsame Gebet in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter.

Ich bin davon überzeugt, dass die Früchte jeglicher Art von Engagement nur durch das sie begleitende

Gebet voll zur Geltung kommen können, wie das auch der Apostel Paulus im Brief an

die Philipper zum Ausdruck bringt: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“ (Phil 4, 13).

Die Johannesgemeinschaft als Werk des Malteserordens bietet den perfekten Rahmen dazu.“

Philipp Anwander

„Eva und Johannes Holfeld haben uns eingeladen, die Johannesgemeinschaft kennenzulernen.

Für uns war die Suche nach einer Glaubensvertiefung im Sinne der Spiritualität der

Malteser ausschlaggebend dafür, dass wir dieser Gemeinschaft beigetreten sind. Sie bietet

uns die Möglichkeit, Glaubensfragen zu besprechen, zu vertiefen und weiterzugeben. Wir

erleben viel Entfaltungspotential in dieser jungen Gemeinschaft. Kommt und seht!“

Dorota und Josef Baittrok

GRATIS, aber leider nicht kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll es auch bleiben. Denn es

ist uns ein Anliegen, Sie über unsere Arbeit umfassend zu informieren.

Doch die Produktion und der Versand sind leider nicht kostenlos. Bitte

unterstützen Sie uns!

Konto lautend auf MALTESER Austria

Verwendungszweck: Zeitung, IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

Falls Sie, Ihre Freunde oder Ihre Familie über unsere Arbeit informiert

werden wollen, senden wir Ihnen die Zeitung gerne regelmäßig zu.

Schreiben Sie an: presse@malteser.at.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie uns, unsere Arbeit, unser

ehrenamtliches Engagement und unser Magazin. Danke!

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

Team Pflege: Arbeit mit Sinn

Ent-Fürchten wir uns: Leben im Alter

Wenn zwei gemeinsam Gutes tun

MALTESER

Sie können die Zeitung auch online lesen unter: www.malteserorden.at/presse/malteserzeitung/

DIE MALTESER 1/2022 57

Die

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

MALTESERORDEN

LEBENDIGE GESCHICHTE AUS STEIN

Auf Entdeckungsreise zur Burgruine Ligist: Was aktuelle wissenschaftliche Bauforschung mit modernen digitalen

Vermessungsmethoden für den Erhalt historischer Zeitzeugen leisten kann.

Von Peter Bauer

Das Landschaftsbild so mancher Region in Österreich ist

von der markanten Silhouette einer Burgruine geprägt.

Die stummen, teils recht schroffen Artefakte der Vergangenheit

zeugen von der äußerst wechselhaften Geschichte

dieser Orte. Aufgrund des durchwegs martialischen

Erscheinungsbildes der Ruinen und einer weitgehenden

Verklärung des Burgenbegriffs im 19. und 20. Jahrhundert

steht allzu oft die kriegerische Vergangenheit dieser

Anlagen oder deren Bezug zu Sagen und Märchen im Vordergrund.

Dabei wird vergessen, dass diese Anlagen in erster Linie

Herrschaftssitz, Versammlungsort, Lebensraum, Arbeitsplatz,

Verwaltungs- und Kulturzentrum waren. Erst

in zweiter Linie dienten sie zur Verteidigung. Vor allem

als Verwaltungssitz prägten sie das Umland und spielten

eine zentrale Rolle für die Region und deren Einwohner.

Es lohnt also, sich mit dem kulturellen Erbe zu beschäftigen

und den alten Gemäuern einen zeitgemäßen Platz in

der Gesellschaft einzuräumen – als Naherholungsgebiet,

als Forschungsobjekt, als Veranstaltungszentrum.

Die Herren „Lubgast“

Nehmen wir zum Beispiel die Burgruine Ligist. Maltesern

nicht unbekannt liegt diese Burgruine in der West-Steiermark

auf einem Ausläufer des 803 Meter hohen Wartensteins

oberhalb der gleichnamigen Marktgemeinde (392

m). Erbaut wurde sie ab Ende des 12. Jahrhunderts bis in

die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts und danach laufend

erweitert. 1222 wurden ein gewisser Ulrich und 1224 ein

Rudolf von Lubgast als Wildoner Dienstmannen auf der

Burg urkundlich genannt. Von ihnen stammt wohl der

Name Ligist. 1355 übernahmen die Ritter von Saurau im

Erbwege die Burg und 1442 das Gut Ligist in ihre Herrschaft.

1464 erwirkte Friedrich von Saurau, kaiserlicher

Truchsess, die Markterhebung von Ligist und sorgte damit

für Wachstum im Ort.

Nach mehreren Besitzerwechsel und einem Brand im 17.

Jahrhundert war die Burg bis ins ausgehende 18. Jahrhundert

bewohnt. Noch 1809/10 nutzten französische

Truppen die Burg als Unterkunft. 1820 stürzten Teile der

Burg ein und 50 Jahre später übernahmen schließlich die

Grafen Goëss von der Witwe des letzten Saurau, Anna-

Maria, geb. Goëss, die Ligister Güter mit den Resten der

Burg. 1928 ging die Anlage in den Besitz des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens über.

Großzügige Spenden zur Renovierung

Als der Burgenforscher Otto Piper um 1900 das Areal der

58

DIE MALTESER 1/2022


XXXX

Ruine Ligist zum ersten Mal betrat, um Skizzen

und Grundrisspläne anzufertigen, bot sich ihm

ein verwilderter Anblick. Es sollte bis zum Jahr

1975 dauern, bis Erhaltungsarbeiten an der Burgruine

vorgenommen wurden. Der dazu gegründete

Burgverein überdachte zunächst den mehrstöckigen

Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert.

Die Marktgemeinde Ligist, der Malteserorden

sowie der Burgverein unter Gründungsobmann

Hans Kürzl stellten beträchtliche finanzielle Mittel

zur Verfügung, um die Ruine zu erhalten.

Zusätzlich brachten viele Einzelpersonen, darunter

Burgvereinsobmann Rudolf Riedel, unzählige freiwillige

Arbeitsstunden als Spende zur Renovierung

der Burgruine ein. Im gemeinschaftlichen Zusammenwirken

von Orden, Marktgemeinde und Bevölkerung

konnte die vormals zugewachsene und

dem Verfall preisgegebene Anlage in den aktuellen

Zustand versetzt werden.

Hoher emotionaler Wert

Besichtigt man heute die Burg, fällt vor allem der

wieder gedeckte Bergfried ins Auge, der das Mauerwerk

vor weiterem Verfall schützt. Zahlreiche

weitere Sicherungsmaßnahmen und die wieder

aufgebaute Rundbogenbrücke ermöglichen einen

Besuch des gepflegten Areals und zeugen

vom noch immer bestehenden emotionalen Wert

der Anlage für Anrainer und Besucher.

Dennoch gehören Veränderungen zum Charakter

einer Ruine dazu. Der natürliche Prozess des

Verfalls lässt sich durch bauliche Maßnahmen

nur verlangsamen, aber nicht gänzlich stoppen.

Einem Besucher in weiteren 100 Jahren wird

sich ein vollkommen neuer Anblick bieten, als

wir ihn heute kennen. Der Besucher kann dann

den künftigen Ist-Zustand mit dem heutigen Ist-

Zustand, der mit Hilfe der Digitalisierung für ein

3D-Objekt vermessen wurde, vergleichen. Dieses

3D-Modell ist ein zentimetergetreues Abbild der

heutigen Burgruine Ligist und erlaubt auch späteren

Generationen einen objektiven Blick auf

den aktuellen Bestand.

Die Vermessung der Welt von Ligist

Im Spätherbst 2021 formierte sich ein Team ehrenamtlicher

Burgenforscher, um mittels Drohnenvermessung die Burgruine

Ligist zum ersten Mal in 3D zu dokumentieren. Das Verfahren

der Photogrammmetrie ermöglichte hier die virtuelle Rekonstruktion

des Objekts aus der Kombination einer Vielzahl von

Einzelbildern aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Mit hoher Sorgfalt wurden außerdem markante Punkte der

Ruine millimetergenau mit Vermessungsgeräten bestimmt und

in die Berechnungen eingebunden, um ein verlässliches Modell

daraus abzuleiten. Das so generierte 3D-Modell der Burgruine

Ligist dient als modernes Zeitzeugen-Dokument. Es ergänzt die

historischen Aufzeichnungen, bietet neue Ausgangspunkte für

die weitere Beforschung, zieht

die öffentliche Aufmerksamkeit

auf sich und verstärkt so das Bewusstsein

für die Werthaltigkeit

und Bedeutung von Historie.

Das Wappen von Ligist als herrschaftliches Zeugnis

Das Wappen ist ein von Gold und Grün geteilter Schild. Im oberen

Feld ist eine schwarze, goldgekrönte Eule mit ausgebreiteten

Flügeln zu sehen. Das untere Feld zieren zwei schräggekreuzte,

silberne Hämmer. Die Eule stammt aus dem Wappen

der Grafen von Saurau. Die Hämmer weisen auf die Bedeutung

der einstigen Hammerwerke hin, die in der

Ligister Gegend bis in das 19. Jahrhundert ein

wichtiger Wirtschaftsfaktor waren.

Über den Autor

DI Peter Bauer, Geodäsie, TU Graz ist Experte

für Ingenieurgeodäsie und Messsysteme.

E: peter.bauer@tugraz.at

Link zum Modell:

http://igms.3dworld.tugraz.at/HomepageLigist.html

DIE MALTESER 1/2022 59


ADVERTORIAL

MEDIEN-

KOMPETENZ IN

KOMPLEXEN ZEITEN

Peter Stellnberger im Interview mit Sophie Ernest.

Pressearbeit ist für Hilfsorganisationen wie die Malteser

ein wichtiges Instrument, um nach außen positiv aufzutreten

und potenzielle Spender anzusprechen. Der

ehrenamtliche Referatsleiter-PR aus dem Bereich Wien

traf die Medienwissenschafterin und ehrenamtliche

Geschäftsführerin des Friedrich-Funder-Instituts zum

Interview. Das Friedrich-Funder-Institut unterstützt

die Malteser in der Ausbildung der ehrenamtlichen

PR-Referenten.

Im Sekundentakt prasseln neue Nachrichten auf

uns ein. Wie kann man in dieser komplexen Welt

und im Zeitalter von Fake-News noch die Übersicht

bewahren?

Gerade in einer immer komplexer werdenden Welt

braucht es Einordnung, Interpretation und Kommentierung

– und somit Qualitätsjournalismus, auf den

wir uns verlassen können. Klassische journalistische

Tugenden und Kompetenzen bieten gerade in Zeiten

von zunehmender Desinformation im Netz, Deep-Fake-

Videos und Manipulationen jeglicher Art eine wichtige

Hilfestellung für unsere demokratische Gesellschaft.

Das bedeutet auch, dass technologische Kenntnisse

in diesem Zusammenhang immer wichtiger werden.

Das berücksichtigen wir auch im neuen Programm des

Friedrich-Funder-Instituts. Denn einerseits wächst die

Verantwortung für Redaktionen, andererseits ist dies

eine gewaltige Chance für Medien, mit Wahrhaftigkeit

und Verlässlichkeit zu punkten.

Die gedruckte Zeitung ist schon vielfach vom

Frühstückstisch verschwunden. E-Papers und

Online-Beiträge sind vielfach zur Informationsquelle

geworden. Wie hat sich die Digitalisierung

auf die Medienwelt ausgewirkt?

Mag. Sophie Ernest, Geschäftsführerin der

UBIT-Akademie incite und ehrenamtliche Geschäftsführerin

des Friedrich-Funder-Instituts (FFI).

Die Corona-Pandemie hat bekanntermaßen wie ein

Brennglas gewirkt und die Digitalisierung vorangetrieben.

Selbstverständlich werden sich daher auch die Anteile

in der Mediennutzung verschieben, denn der Konsument

hat nur ein begrenztes Zeitbudget. Die meisten

Medienunternehmen begegnen diesem Umstand mit

einer Multimedia-Multiplattform-Strategie und bereiten

Inhalte für alle Kanäle auf, um möglichst viele

Kontaktpunkte zum Rezipienten zu schaffen. Das muss

auch in der Medienausbildung abgedeckt werden.

Medienkompetenz ist zu einem vielfach geforderten

Schlagwort geworden. Was bedeutet das für

Sie persönlich und wie kann man diese Kompetenzen

erlernen?

Medienkompetenz ist in erster Linie die Fähigkeit,

Medien zu nutzen. Hier geht es auch darum, durch

Barrierefreiheit alle Mediennutzer grundsätzlich zu erreichen.

Ein weiterer Aspekt der Medienkompetenz ist

es, Medieninhalte zu verstehen und kritisch zu bewerten.

Hier sind wir alle gefordert, auch die nächsten Generationen

dafür fit zu machen. Aus- und Weiterbildung

in Journalismus und Medien heißt deshalb für uns, sich

mit dem, was ist, und dem, was kommt, auseinanderzusetzen.

Dies betrifft aber keineswegs nur professionelle

Journalisten, sondern jeden, der sich mit Medieninhalten

beschäftigen möchte.

60

DIE MALTESER 1/2022


ADVERTORIAL

Welche Aspekte sollten Hilfsorganisationen wie

die Malteser in ihrer eigenen Kommunikation

besonders berücksichtigen?

Die Malteser leisten einen großartigen Beitrag zur Inklusion

behinderter Menschen. Die ehrenamtlichen

Mitglieder leisten Besuchsdienste bei kranken und einsamen

Menschen, unterstützen HIV-Betroffene und begleiten

sterbenskranke Menschen und deren Angehörige.

Das sind per se Themen, die publiziert werden sollen

– am besten auch barrierefrei, Stichwort: Web Accessibility.

Man merkt ja schon in Gesprächen, Reden und auch

journalistischen Darstellungen, wie tabuisiert gewisse

Themen noch immer sind und wie häufig noch immer

verletzende oder gar falsche Begrifflichkeiten und Redewendungen

verwendet werden.

Sie sind nun seit einem Jahr Geschäftsführerin

des Friedrich-Funder-Instituts. Friedrich Funder

war ein bekennender Katholik und musste für

seine Überzeugungen in KZ-Haft. Welche Rolle

spielen der Glaube und Überzeugungen noch heute

in der Medienlandschaft?

Wir arbeiten aktuell zu unserem 40-jährigen Bestehen

auch die Lebensgeschichte unseres Namensgebers

auf. Ein Vermächtnis Funders ist sicherlich ein hohes

Maß an Integrität und an einem aufrichtigen Journalismus.

Das Berufsfeld des Journalisten ist für mich

aber ein sehr werteorientiertes. Der Ehrenkodex für die

österreichische Presse ist hier eine gute Richtschnur zur

Wahrung der journalistischen Berufsethik.

Das Friedrich-Funder-Institut

Das Friedrich-Funder-Institut (FFI) bietet Aus- und

Fortbildungsangebote für Journalismus an. Basisworkshops

zu Themen wie Recherche, Schreibhandwerk oder

Interviewführung ermöglichen einen Einstieg in den

Journalismus. Vertiefende Seminare u.a. zu Medienrecht,

Medienethik und Content-Producing decken vertiefende

handwerkliche Themen und Theorien ab.

www.ffi.at

„Ihr Neujahrsvorsatz für 2022

lautet: Weiterbilden?“

Hier sind sie richtig! Wir bieten Kurse an, damit Sie Ihre Ziele

erreichen können. Unsere Kurse finden Sie unter ffi.at

WIRF EINEN BLICK IN

UNSER PROGRAMM!

Zu unseren Basisworkshops, Schreibwerkstätten, journalistischer

beruflicher Weiterbildung & Webinaren geht es hier:

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DIE MALTESER 1/2022 61


© wikipedia Foto: © Malteser International

Der Schulleiter zeigt den Zaun. Die Ziegen der Nachbarn laufen frei auf dem Grundstück der Schule herum.

Nachts springen sie über die Zäune der Schulgärten und fressen, was von den Schülern und dem Lehrpersonal

angepflanzt wurde.

SUDAN

ICH HABE DURCHAUS

HOFFNUNG FÜR DIESES LAND

Der Südsudan zählt zu den besonders krisengeschüttelten Regionen des afrikanischen Kontinents.

Der Klimawandel und wiederholte gewaltsame Auseinandersetzungen machen den Menschen zu

schaffen. MALTESER International ist vor Ort und hilft, so gut es geht.

Von Katharina Kiecol

Im Dezember 2021 war ich als Referentin der Kommunikationsabteilung

von Malteser International zum ersten

Mal im Südsudan, um über unsere Arbeit zu berichten

– zunächst in der Gegend rund um die Hauptstadt Juba

und dann in der Umgebung der zweitgrößten Stadt Wau.

Das Land hat mich sehr beeindruckt. Für mich gehört der

Südsudan zu den vergessenen Krisen. Die Menschen dort

haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen,

werden immer wieder von Fluten und Dürren heimgesucht,

und noch immer schwelen gewaltsame Konflikte,

auch wenn es eigentlich einen Friedensvertrag gibt. Unsere

Hilfe ist sehr nachhaltig: Wir helfen den Menschen

beim Anbau von Nahrungsmitteln, haben sehr viele

Brunnen instand gesetzt und unterstützen die Menschen

im Friedensprozess über einen lokalen Partner. Für die

Menschen, die akute Hilfe benötigen, sind wir ebenfalls

da und verteilen Bargeld für besonders bedürftige Menschen

in einem Camp für intern Vertriebene.

Reden statt Kämpfen

Zäune um die Grundstücke, die die Bauern im Südsudan bepflanzen,

gibt es nur selten. Denn häufig sind die Grundstücke

so groß, dass die Kosten für einen Zaun zu hoch wären.

Und nicht alle Ziegen lassen sich von den einfachen Dornensträuchern,

die etwa der Schuldirektor einer Grundschule

im Juba-Distrikt um die Schulgärten aufstellte, zurückhalten.

Das führt immer wieder zu Konflikten zwischen Vieh-

62

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERWELTWEIT

Katharina Kiecol besucht regelmäßig Projekte

vor Ort.

Bei der Grundschule versorgt MALTESER International die Kinder und das Lehrpersonal

mit sauberem Trinkwasser. Das Abwasser wird direkt zur Bewässerung der

Schulgärten genutzt.

hirten und Landwirten – und seit einigen Jahren auch zu

gewaltsamen Auseinandersetzungen. Deshalb ist die Arbeit,

die wir mit unserer lokalen Partnerorganisation CARDO voranbringen

wollen, so wichtig.

Auf den ersten Blick wirkt an der Tokiman Community

Primary School in Rejaf Payam alles perfekt. Die Kinder

laufen lärmend über den Schulhof, der Unterricht wurde

für heute gerade beendet. Doch als unser Kollege Rume

William Kenyi an diesem heißen Tag den dunklen Raum

des Schulleiters betritt, ist dieser aufgebracht: „Wir brauchen

neue Zäune für die Schulgärten! Der Zaun, den

wir gebaut haben, nutzt gar nichts. Die Ziegen springen

nachts einfach drüber und fressen alles kahl.“

Mathedio Gubek Sanfino ist außer sich. Hinter der Tokiman

Community Primary School hat er gemeinsam mit

dem Lehrpersonal zwei Grundstücke zu Schulgärten umfunktioniert.

Über eine solarbetriebene Pumpe wird das

Land bewässert. Eigentlich sollte in der kommenden Woche

damit begonnen werden, das Unkraut zu entfernen

und das neue Saatgut, das unser Mitarbeiter mitgebracht

hat, einzusetzen. Aber so ergebe dies keinen Sinn, meint

Herr Sanfino, denn die Ziegen würden alles wieder abfressen,

wenn es keinen neuen Zaun gibt. Derzeit umrandet

ein provisorischer Zaun aus Dornengestrüpp die Gärten.

Zu niedrig, meint Sanfino. Der Zaun sei für die Ziegen

kein Hindernis. Auch jetzt stromern dutzende Ziegen

über den Schulhof, bleiben vor den Klassenzimmern stehen

und stören sich nicht an den lärmenden Kindern.

Konkurrenz um Acker- bzw. Weideland

Viele Menschen verlieren jedes Jahr durch gewaltsame

Auseinandersetzungen ihr Leben. Der Konflikt mit den

Nachbarn der Schule, die ihre Ziegen frei herumlaufen

lassen, steht sinnbildlich dafür, was im gesamten Südsudan

immer wieder zu Streit und gewaltsamen Auseinandersetzungen

führt: Die einen brauchen das Land,

um Landwirtschaft zu betreiben, die anderen benötigen

es für ihr Vieh. Oft passiert es, dass Viehzüchter ihre

Herde mit mehreren 100 Tieren auf fremdem Land grasen

lassen und dabei von Bauern bestellte Felder abgefressen

werden. Da es hier um die Lebensgrundlage der

Bauern geht, kann die Situation schnell eskalieren. Im

Südsudan besitzen mittlerweile viele Menschen Waffen

und so kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

Jedes Jahr verlieren auf diese Weise

viele Menschen ihr Leben.

Orasio Opiyo ist Direktor der südsudanesischen Organisation

CARDO, mit der Malteser International seit Mai

2021 zusammenarbeitet. Die Organisation hat sich genau

dieses Problems in ihrem Land angenommen: den

gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Landwirten

und Viehhirten. „Früher haben diese beiden Gruppen

hier friedlich zusammengelebt. Aber seitdem der

Bürgerkrieg im Jahr 2013 ausgebrochen ist, werden die

Konflikte oftmals gewaltsam ausgetragen. Der bewohnbare

Raum, der nicht von Dürre oder Überflutungen

betroffen ist, wird kleiner und viele Menschen werden

auch wegen der Gewalt der rivalisierenden bewaffneten

DIE MALTESER 1/2022 63


MALTESERWELTWEIT

Gruppen aus ihrer Heimat vertrieben und müssen sich in

neuen Gegenden niederlassen. Aber dort leben natürlich

auch schon andere Südsudanesen und diese Menschen

konkurrieren dann plötzlich um Land“, erklärt Opiyo.

Menschen zusammenbringen

Reden statt kämpfen, so will CARDO eines der Hauptprobleme

des Südsudan lösen. „Wir bringen die Menschen

zusammen, sowohl unterschiedliche zivile Gruppen

als auch Politiker. Alle setzen sich an einen Tisch

und besprechen die Probleme. Anschließend werden

unter anderem Kompensationszahlungen für abgefressene

Ernten und getötete Tiere vereinbart. So haben

die Südsudanesen früher die Streitigkeiten gelöst und

wir helfen ihnen dabei, zu diesen Wurzeln zurückzufinden“,

sagt Opiyo. Wichtig hierbei ist auch, dass die

Vereinbarungen in die entlegensten Dörfer übermittelt

werden. Dies ist in einem Land wie dem Südsudan,

mit schlechter Infrastruktur nur schwer möglich. Deshalb

haben wir 500 solarbetriebene Radios an Familien

verteilt.

Noch ist das friedensbildende Projekt, das Malteser International

unterstützt, auf die drei südsudanesischen

Bundesstaaten Western Bahr el Ghazal, Warrap und

Gogrial beschränkt. Aber das soll sich ändern. Wir wollen

die Arbeit mit CARDO weiter ausbauen. „Ich habe

durchaus Hoffnung für dieses Land, denn die Menschen

schaffen es immer wieder, sich etwas Neues aufzubauen.

Aber dies wird auf lange Sicht nur funktionieren, wenn

es Frieden gibt“, sagt Michael Fuchs, Büroleiter von

Malteser International in Wau.

Für den Direktor der Tokiman Community Primary

School in Rajaf Payam in der Nähe der Hauptstadt Juba

ist klar: Das Einzige, was die beiden Schulgärten vor den

Ziegen schützen kann, ist ein höherer Zaun, über den

sie nachts nicht mehr springen können. Darum will sich

unser Mitarbeiter Rume William Kenyi nun kümmern.

Mit der Wasserversorgung und den Latrinen, die Malteser

International installiert hat, ist Schuldirektor Sanfino

aber durchaus zufrieden. Das möchte er unbedingt

noch hinzufügen.

Ein Brunnen für das Dorf Momoi

Es sind fast 40 Grad im Schatten an diesem Samstagnachmittag

im Dezember. Es geht ein leichter Wind, der

nur wenig Abkühlung bringt. Wäre die Straße geteert,

würde sie jetzt flimmern, doch in dieser Gegend, wenige

Kilometer von der südsudanesischen Stadt Wau entfernt,

gibt es nur unbefestigte Straßen. Rote Erde weht über

die Landschaft. Einige wenige Bäume spenden Schatten,

denn Holz ist hier besonders wertvoll. Daraus wird Kohle

hergestellt, die zum Kochen benötigt wird.

Lucia Adu steht dort, wo noch vor einigen Jahren ihr

Haus stand: in ihrer alten Heimat, dem Dorf Momoi. Das

war, bevor die Rebellengruppen kamen und hier alles zerstörten.

Von ihrem Haus steht nur noch ein kleines Stück

Mauer, mehr ist nicht übriggeblieben. „Der Überfall war

2013. Sie kamen, töteten meine Nachbarn, nahmen sich

alles, was sie wollten, und zerstörten unsere Häuser, unsere

Schule – einfach alles“, berichtet Lucia. Die Ruinen

sind stille Zeugen dessen, was hier geschah.

Wo Wasser ist, gibt es eine Zukunft

Das Dorf Momoi war viele Jahre lang verlassen. Inzwischen

hat die Natur vieles überwuchert. Von der Straße ist

kaum noch ersichtlich, dass sich hier einst eine Siedlung

befand. Auch wenn Lucia ihr Dorf vor acht Jahren verlassen

musste, ist Momoi noch immer ihre Heimat. Hier

hat sie ein Stück Land, das sie wieder bebauen kann, auf

dem sie Obst und Gemüse anpflanzen möchte, um sich

selbst zu versorgen. Denn ihr Leben jetzt ist teuer. Sechs

Kilometer von hier hat sie eine einfache Hütte gemietet,

eine weitere für ihre drei Töchter und die Enkelkinder.

Geld verdient sie durch den Verkauf von Feuerholz. „Drei

meiner Kinder sind bei meinem Unfall auf der Flucht gestorben.

Mein Mann verstarb auch“, berichtet sie.

Nach und nach kehren einige Bewohner wieder zurück.

Vor einem halben Jahr haben wir von Malteser International

in diesem Dorf einen Brunnen gebohrt. Eine Woche

hat der Bau gedauert. Die Kosten betrugen 7.000 Dollar.

Für uns war dies einer von vielen Brunnen, die wir in

dieser Gegend rund zwölf Kilometer von der Stadt Wau

entfernt installiert haben. Für Lucia und die restlichen

64

DIE MALTESER 1/2022


MALTESERWELTWEIT

MEDIZINAKTUELL

Foto: © Malteser International

Lucia Adu steht vor ihrem zerstörten Haus im Dorf Momoi wenige Kilometer von der südsudanesischen Stadt Wau entfernt.

Der Brunnen im Dorf Momoi ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass die Menschen in ihre alte Heimat zurückkehren.

Dorfbewohner war dies ein Zeichen dafür, dass es hier

eine Zukunft geben kann. Dass nicht nur sie daran glauben,

dass sich die Sicherheitslage so verbessert hat, dass

sie nach Momoi zurückkehren können – denn wo Wasser

ist, dort können sie leben.

Noch gibt es zwar keine Häuser, die bewohnbar sind, aber

Strukturen, die eine Zukunft versprechen. Ein Wasserkommitee

wurde beispielsweise eingerichtet und täglich

kommt jemand hierher und schaut, dass das Wasser fließt

und die Pumpe im Brunnen funktioniert. Es gibt ein Jugend-

und ein Frauenkomitee. In den Komitees werden

die Probleme der gesellschaftlichen Gruppen besprochen

und nach Lösungen gesucht. Das, was auf Landesebene

nur schlecht funktioniert – die verlässliche Struktur politischer

Ebenen – klappt in der Zivilgesellschaft. Lucia ist

Vorsitzende des Frauenkomitees. Sie ist ruhig, besonnen

und trotz allem, was sie erlebt hat, weiter positiv. „Ihr

müsst unsere Schule wieder aufbauen, damit die Kinder

hier eine Zukunft haben. Das Dach ist zerstört und die

Türen der Schultoiletten sind weg. Dort, wo es eine Schule

gibt, gibt es auch eine Zukunft“, erklärt sie.

Mehr über die Arbeit von MALTESER International

erfahren Sie auf unserer Website:

www.malteser-international.org/de

Wollen Sie die internationale Arbeit und die zahlreichen

Hilfsprojekte der MALTESER unterstützen, dann freuen

wir uns sehr über Ihre Spende: www.malteser.at/waswir-tun/malteser-international/

Tätigkeitsbericht des Malteserordens 2021

Der alle zwei Jahre erscheinende „Activity Report“ fasst

die wichtigsten Momente und Ereignisse im Leben des

Ordens zusammen und gibt einen umfassenden Überblick

über seine zahlreichen humanitären, diplomatischen und

spirituellen Initiativen.

Link zum Bericht: https://bit.ly/areport2021

DIE MALTESER 1/2022 65


MEDIZINAKTUELL

„ES GEHT UM ZUWENDUNG – BIS

ZULETZT“

Im dritten Wiener Gemeindebezirk wurde kürzlich das neue Senioren- und Pflegewohnheim am Standort der

Elisabethinen eröffnet. Warum wir das erwähnen? Weil es seit Jahren eine hervorragende, sehr enge Kooperation

zwischen den Elisabethinen und den MALTESERN gibt.

Interview Redaktion - Quelle: Die Furche

Die Elisabethinen bieten hochprofessionelle medizinische

Versorgung, Pflege und Fürsorge in topmodern

ausgestatteten Häusern an und sind gleichzeitig stark

im Glauben, der Nächstenliebe und dem Dienst am

Nächsten verbunden. Wie bei den Maltesern geht es

auch bei den Elisabethinen um Zuwendung – und zwar

bis zuletzt. „Gerade auf ihrem letzten Weg dürfen wir

unsere Mitmenschen nicht alleine lassen. Es wäre nicht

richtig“, wie Cecili Corti sagt (siehe auch Beitrag in diesem

Heft ab Seite 21).

Passend zum Thema „Zuwendung bis zuletzt“ dürfen

wir hier Auszüge aus einem Interview abdrucken, das

Christian Lagger, ehemaliger Büroleiter von Bischof

Egon Kapellari und nun Sprecher der 23 österreichischen

Ordensspitäler, im Dezember 2021 der Wochenzeitung

Die Furche“ gegeben hat.* Er spricht offen über Triage

im Zusammenhang mit COVID-Infektionen, die Corona-

Impfpflicht, das geplante Sterbeverfügungsgesetz und

die Pflegereform.

Gab es schon die Situation, in der Menschen nicht

mehr so behandelt werden konnten, wie das sonst

üblich ist – Stichwort Triage?

Lagger: Triagiert wird de facto immer – nämlich insofern,

als man sich fragt, ob für einen Patienten oder eine

Patientin das Ausschöpfen des gesamten medizinischen

Behandlungssettings sinnvoll ist, oder ob, wie etwa bei

onkologischen Patienten ab einem gewissen Stadium, die

Lebensqualität im Mittelpunkt steht. Diese Entscheidungen,

in denen es um Dringlichkeiten geht, Operationen

gereiht werden und auch die Patientenautonomie

eine wichtige Rolle spielt, gehören zu unserem täglich

Brot. Aber das ist etwas

anderes als jene „Triage“,

wie sie zuletzt medial

[Anm.: im Zusammenhang

mit COVID]

transportiert worden

ist – dass man entscheiden

muss, wer nicht behandelt

werden kann.

So weit sind wir noch

nicht. Aber die Situation

ist und bleibt ernst,

MMag. Dr. Christian Lagger, MBA

vereinzelt kann es bei

wichtigen Spezialoperationen schon zu Verschiebungen

kommen. Wir haben aber im ersten Lockdown auch

miterlebt, dass viele Menschen aus Angst, sich anzustecken,

nicht ins Spital gekommen sind. Das hat auch zu

fortgeschritteneren Erkrankungsstadien geführt. Daraus

haben wir alle gelernt.

Und was hat man hinsichtlich der Abschottung

von Schwerkranken und Sterbenden im ersten

Lockdown gelernt?

Lagger: Natürlich gibt es in jedem unserer Spitäler

einen Eingangsbereich, der den geltenden Regeln entspricht

und wo man auch einen Test vorweisen muss.

Und in den Einrichtungen selbst müssen Masken getragen

werden. Aber ansonsten bemühen wir uns darum,

dem Prinzip der Ordensspitäler treu zu bleiben – nämlich

dass es um Zuwendung geht, bis zuletzt.

Was heißt das konkret?

Lagger: Das sind immer Abwägungsfragen. Wir haben

etwa während der Pandemie die Option entwickelt, mit

66

DIE MALTESER 1/2022


MEDIZINAKTUELL

istockphoto.com

Tablets über Video mit den Nächsten zu kommunizieren.

Aber das ist natürlich kein Ersatz für eine persönliche

Begegnung. Wenn Menschen schwer erkrankt sind

und um Nähe rufen, versuchen wir das immer zu organisieren.

Und das ist auch unser Anspruch: kreativ in der

Pflege und der Zuwendung zu sein. Was hier bisher von

den Ärztinnen und Ärzten, aber auch von den Pflegekräften

geleistet wurde, ist wirklich großartig.

Mit welchen Gefühlen [sehen] Sie die Impfpflicht?

Lagger: Ich halte sie als pädagogisches Momentum insofern

für gut, als man sich dadurch leichter zur Impfung

durchringt. Als Demokrat, der den Menschenrechten

verbunden ist, sehe ich aber auch, dass man

Menschen nicht gegen ihren Willen impfen lassen kann.

Es geht ja auch tatsächlich nicht um einen Impfzwang,

sondern um eine Verwaltungsstrafe. Aber viele haben

das noch nicht verstanden. Insofern gibt es noch sehr

viel Aufklärungsbedarf – gerade auch in sozial schwächeren

Milieus. Nicht alle, die noch nicht geimpft sind,

sind ja Hardcore-Weltverschwörer.

Aufklärungsbedarf wird es auch beim Sterbeverfügungsgesetz

geben, das ab 1. Jänner in Kraft

tritt. Was sagen Sie zum Argument der evangelischen

Diakonie, dass es einen „Spielraum für das

Gewissen bzw. Barmherzigkeit“ geben müsse?

Lagger: Wir müssen eines klarmachen: Wo katholisch

draufsteht, ist Leben drin. Das gilt sowohl für die Menschen,

die dort arbeiten wie auch für jene, die umsorgt

werden. Dass hochaltrige oder schwerkranke Menschen

den Wunsch äußern, sterben zu wollen, darf uns nicht

wundern. Aber oft ist damit gemeint, dass sie so, unter

diesen Bedingungen und mit diesen Schmerzen, nicht

weiterleben wollen. Und wir bemühen uns, sie in multiprofessionellen

Teams schmerzmedizinisch, psychotherapeutisch,

sozialarbeiterisch und seelsorglich zu unterstützen.

Zugleich wollen wir aber auch allen, die zu uns

kommen, klarmachen, dass wir uns als Orte des Lebens

bis zuletzt verstehen – wo es auch verlässlich Schutz

gibt. Dieses klare Wort erwarten sich übrigens auch die

Pflegenden in unseren Häusern – zu ihrem Schutz.

Verbunden mit dem Sterbeverfügungsgesetz ist

ein Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung

geplant – aber ohne Rechtsanspruch und Regelversorgung.

Sind Sie damit zufrieden?

Lagger: Ja, ich bin sehr zufrieden! Seit 15 Jahren hat

noch jede Regierung davon gesprochen, das auszubauen

– und nun wurde eine Summe hinterlegt, die wirklich

den Vollausbau im Fokus hat.

Und was erwarten Sie von der Pflegereform?

Lagger: Es gibt Ordensspitäler, die eigene Pflegeschulen

betreiben. Hier könnte man sicher noch mehr investieren.

Gesamtgesellschaftlich wünsche ich mir, dass wir endlich

klarmachen, dass Pflege mehr ist als nur Waschen und Essenbringen.

Zur Pflege gehört heute sehr viel Know-how.

Community Nursing kommt ebenso dazu wie hausärztliche

Tätigkeiten. Dieser Beruf wird also zunehmend interessant.

Sinnstiftend ist er ja ohnehin.

* Der Beitrag stammt aus der Wochenzeitung „Die Furche“ Nr. 48 vom

2. Dezember 2021. Er wurde mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Doris Helmberger und ihres Gesprächspartners Christian Lagger abrufbar.

DIE MALTESER 1/2022 67


GELESENEMPFOHLEN

LEPRA, AHNENGLAUBE

UND KROKODILE

Wien 1990: Enzo und Elisabeth Caruso gehen nach einem arbeitsreichen Leben als

Krankenpfleger in Pension. Doch es ist nicht der Schritt in das, was man üblicherweise

als „Ruhestand“ bezeichnet.

Von Udo Thianich-Schwamberger

Ganz im Gegenteil. Die beiden folgten ihrem inneren

Ruf aufzubrechen und wagten sich in ein Abenteuer, aus

dem schließlich 15 Jahre Arbeit in Afrika wurden. Enzo

und Elisabeth lebten in Lepradörfern und Missionsstationen

und halfen, wo sie nur konnten. Auf die Frage,

warum sie das taten, antworten sie ohne verzücktes Pathos

nüchtern und klar: „Weil wir in den Kranken Jesus

sehen und weil wir ihm dienen wollen!“

Eindrucksvolle Erinnerungen gaben dem Buch den

Titel, etwa wenn Enzo die faulen Gliedmaßen von Leprakranken

verband und durch Flüsse voller Krokodile

schwimmen musste. Oder Elisabeth, die in Hütten neben

fiebernden Kindern die Nächte durchwachte und

beide das armselige Leben der Madagassen teilten. Enzo

infizierte sich sogar einmal selbst mit Lepra.

Viele Fotos im Buch

zeigen, dass man

mit Gottes Hilfe

Wunder erleben

und Jesus in den

Armen begegnen kann. Wichtig ist Elisabeth und Enzo

Caruso zudem die Überzeugung, dass man „gemeinsam

viel bewirken kann, um die Not dieser Menschen zu lindern,

und dadurch zu mehr Gerechtigkeit auf diesem

Planeten beitragen kann.“

Elisabeth & Enzo Caruso, mit Beiträgen von Marie Czernin &

P. Karl Wallner. Lepra, Ahnenglaube und Krokodile. Unsere

Mission für Jesus in Afrika. Be&Be Verlag, 2020, 217 Seiten,

ISBN: 978-3-903602-16-8, 16,90 Euro.

BARMHERZIGKEIT MIT DEM GEGEBENEN

Von der Suche des richtigen Klangholzes in den Bergwäldern bis zum letzten Feinschliff

und finalen Lackanstrich: Geigenbau ist ein wunderbar sinnlicher Schaffensprozess –

ähnlich dem Gebet.

Von Gloria Krenn

Bei der geduldigen Arbeit mit dem Holz und im Einklang mit sich selbst erschafft der

in Stuttgart geborene Baumeister Martin Schleske Instrumente, die eine eigene Sprache

sprechen. Er folgt seiner Intuition, seiner Kreativität und der Mystik. Die Klänge

seiner Geigen sollen durch seine Hingabe eine Seele bekommen und eine Stimme für

Musikerinnen und Musiker werden.

Schleske widmet sein Leben der Suche nach dem perfekten Klang und dem Geheimnis

Gottes. Immer wieder werden ihm Zusammenhänge zwischen dem Leben und dem

Glauben neu bewusst. Er hebt diese in seinem Buch „Herztöne: Lauschen auf den

68

DIE MALTESER 1/2022


GELESENEMPFOHLEN

ORIENTIERUNG UND GEBORGENHEIT

Wozu brauchen wir Rituale? Was unterscheidet sie von Routine? Welche besondere Wirkung können sie bei regelmäßiger Übung

im Alltag entfalten? Viele Fragen und klare Antworten gibt es im neuen Buch des ehemaligen Schweizer Jesuitenpaters und

Philosophen Lukas Niederberger.

Die Begriffsklärung gleich zu Beginn: „Ein Ritual ist

eine Handlung oder Handlungsfolge – aber nicht jede

sich wiederholende Routinehandlung ist ein Ritual.“ Rituale

unterscheiden sich von bloßen Handlungen durch

ihren Symbol- und besonderen Bedeutungsgehalt. Sie

stiften Gemeinschaft. Indem wir gemeinsam in Form eines

Rituals etwas tun, stellen wir Gemeinschaft her. Das

Individuum wird sich im Ritual der Tatsache bewusst,

Teil von etwas zu sein.

oder der Maturaball. Es

sind vor allem die Rituale

im Alltag, wie gemeinsame

Mahlzeiten

oder das Vorlesen vor

dem Einschlafen, die

Orientierung, Struktur,

Sicherheit, Halt und Geborgenheit

geben.

Von Richard Mischak

„Rituale sind wie Leuchttürme.

Sie helfen uns beim Navigieren durch

das Leben.“

Einladung zum inneren Dialog

Rituale sind vor allem für den Erhalt und die Qualität

des menschlichen Zusammenlebens, insbesondere auch

in der Familie, wichtig. Es sind nicht nur die Feste, die

damit gemeint sind – zum Beispiel der erste Schultag

Klang des Lebens“ hervor und erzählt dabei, wie er „Zulassen

und Gestalten“ verbindet. Seine kräftige und poetische

Sprache regt zum Nachdenken an. Mit großem

Einfühlungsvermögen beschreibt er in Metaphern, wie

die mechanischen Arbeitsschritte und die Glaubensfrage

im Einklang stehen: „Als Geigenbauer weiß ich: Jedes

Holz hat seinen Faserverlauf, seine Geschichte, seine Eigenheiten

und Verletzungen. Das muss ich spüren, um

das Holz zum Klingen zu bringen. Doch dazu braucht es

Barmherzigkeit mit dem Gegebenen.“

Martin Schleske. Herztöne: Lauschen auf den Klang des

Lebens. Adeo Verlag in der Gerth Medien GmbH, 2016, 368

Seiten, ISBN: 978-3-863340-76-6, 22,99 Euro.

In jedem Kapitel lädt

Lukas Niederberger

dazu ein, anhand von

Impulsfragen der Bedeutung

von Ritualen

für sich selbst, für das eigene Leben, für die eigene Familie

auf den Grund zu gehen. Die Leserschaft wird zu

einem inneren Dialog angeregt, der dabei hilft, unterschiedliche,

vielleicht sogar zwiespältige Erfahrungen

mit Ritualen bewusst zu machen und für sich zu klären.

Stärkende Symbolkraft

Die Kapitel des Buches sind relativ unabhängig voneinander

und können in beliebiger Reihenfolge gelesen

werden. Den thematischen Reigen eröffnen Alltagsrituale

gefolgt von religiösen Ritualen. Der Autor gibt auch

eindrucksvolle Beispiele für besonders wirkungsstarke

Rituale: Am 24. Dezember 1914, also mitten im Ersten

Weltkrieg, verließen deutsche und britische Soldaten

an einigen Abschnitten an der Westfront in Flandern

ihre Schützengräben, um Weihnachten gemeinsam – als

Friedensfest – zu feiern.

Lukas Niederberger. Rituale – Dem Tag, dem Jahr, dem

Leben Struktur geben. Patmos-Verlag, 2020, 192 Seiten,

ISBN: 978-3-8436-1264-7, 19,54 Euro.

DIE MALTESER 1/2022 69


TAGEBUCH

AUSZEICHNUNGEN

Am 15. Oktober 2021 überreichte der Prokurator

S. Exz. dem Hochmeister und

Generalabt des Deutschen Ordens,

P. Frank Bayard OT, anlässlich des Dankgottesdienstes

zu dessen 50. Geburtstag

in der Patronats-Pfarrkirche von Gumpoldskirchen

das ihm von unserer Ordensregierung

verliehene Großkreuz der Verdienstauszeichnung

„pro Piis Meritis“. Der Deutsche Orden ist mit rund 100 Ordenspriestern, 200 Ordensschwestern und

etwa 700 Familiaren in Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien, Tschechien und der Slowakei tätig und widmet sich

neben der Seelsorge auch der Sorge um Kranke, Behinderte und alte Menschen.

Im Rahmen der Hl. Messe vor der Generalversammlung

des Großpriorates am 16. Oktober 2021 in der Pfarrkirche

von St. Rochus und St. Sebastian in Wien zeichnete

der Prokurator S. Exz. dem ao. u. bev. Botschafter unseres

Ordens bei der Republik Österreich, Sebastian

Prinz von Schoenaich-Carolath, für seine jahrzehntelange

Unterstützung und Mitarbeit in Vorstands- und

Leitungsfunktionen in unserem Orden mit dem durch

die Ordensregierung verliehenen Großkreuz der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“ aus.

Am 18. Oktober 2021 wurde ein neuer Delegat für die

Delegation Steiermark gewählt. Im Zuge der Heiligen

Messe im Grazer Mausoleum zeichnete der Prokurator

den ehemaligen Kommandanten und neuen Delegaten

für Steiermark Mag. Richard Wittek-Saltzberg mit

dem Kommandeurskreuz der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“ aus.

Im Zuge der bischöflichen

Visitation in

Mailberg am 6. November

2021 wurde

Leonhard Graf von

Deym das Kommandeurskreuz

der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“ überreicht. Graf

Deym wurde am 1. Oktober 2004 zum Wirtschaftsführer

bestellt und leitet seit September 2007 die älteste Kommende

unseres Ordens als Kommende- und Gutsverwalter

zur vollsten Zufriedenheit als äußerst korrekter und

verlässlicher Verwalter.

Am 17. Dezember 2021

verabschiedete der Kanzler

in Mailberg Frau Eveline

Brandstötter nach über 18

Jahren im Sekretariat der

Kommende und Gutsverwaltung

in ihren wohlverdienten

Ruhestand und überreichte

ihr die ihr verliehene Silberne

Verdienstmedaille des

Großpriorates.

Am 18. Dezember 2021 konnte der Prokurator auch bei

der Hl. Messe des MHDA Bereiches Wien in der Schottenkirche

die ehemaligen Vizekommandanten Dr. Georg

Male und Mag. (FH) Elisa Stadlinger mit den ihnen

von der Ordensregierung zugedachten Offizierskreuz

bzw. Verdienstkreuz mit Schild der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“ überraschen.

In diesem feierlichen Rahmen wurden durch das

Kommando des MHDA auch erstmalig die von der

Ordensregierung in Rom gestiftete „Erinnerungsmedaille

für den Einsatz gegen die COVID-19-Pandemie“

an einige besonders engagierte MHDA-Mitglieder

verliehen und Fotograf Christian Lendl mit der

„Goldene Verdienstmedaille des MHDA“ ausgezeichnet.

70

DIE MALTESER 1/2022


TAGEBUCH

+ 11.11.2021

Dipl.-Ing. Dr. techn. Werner von Tursky

Magistralritter des Souveränen Malteser-Ritter-

Ordens

WIR TRAUERN UM


+ 17.11.2021

Llewellyn Freiherr Kast von Ebelsberg

Ehren- und Devotionsritter des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

+ 02.12.2021

Clotilde Prinzessin von Auersperg

Ehren- und Devotionsdame des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

+ 13.12.2021

Bailli Fra` Roggero Caccia Dominioni

ehm. Großprior des Großpriorates von Lombardei

und Venetien

+ 28.12.2021

Bailli Fra` Elie de Comminges

ehm. Archivar des Großmagisteriums sowie

Mitglied im Souveränen Rat und Delegat für die

Assoziationen

R.I.P.

+ 10.01.2022

Margherita Erzherzogin von Österreich-

Este, Prinzessin von Savoyen

Ehren- und Devotionsdame des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

+ 11.01.2022

Fritz Fischer

Langjähriger Betreuter

+ 23.01.2022

Bailli Fra` Silvio Goffredo Martelli

ehm. Prokurator und Großprior des Großpriorates

von Lombardei und Venetien

+ 07.02.2022

Botschafter i.R. Dkfm. Dr. Gustav Ortner

Magistral-Großkreuz-Ritter des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

R.I.P.

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

MALTESER International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline:

0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@malteser.care

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon, Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

MALTESER Ordenshaus

Dir. Mag. (FH) Thomas Kissich

T: +43 1 597 59 91

E: office@malteser-ordenshaus.at

I: www.malteser-ordenshaus.at

MALTESER Johannesgemeinschaft

Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld

T: +43 1 512 72 44

E: mjg@malteser.at

I: www.malteser-johannesgemeinschaft.at

DIE MALTESER 1/2022 71


MALTESER BETEN FÜR DEN FRIEDEN

Die Menschen

in der Ukraine

brauchen jetzt

unsere Hilfe.

MALTESER

UKRAINE HILFE

Die MALTESER in Österreich unterstützen vor Ort, mit Ihrer Spende helfen Sie den

Menschen in der Ukraine.

Bitte jetzt spenden mit dem Verwendungszweck: Ukraine Hilfe

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800, BIC: GIBAATWWXXX

Informationen zu den Malteser Hilfsaktivitäten unter:

www.malteserorden.at I www.malteser.at

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

E: presse@malteser.at

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MALTESER Austria

Bundeszentrale

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E: zentrale@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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DIE MALTESER 1/2022

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