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WIKO 2023 – Das Wirtschaftsmagazin für Altmühlfranken

Der Wirtschaftskompass Altmühlfranken stellt leistungsfähige Unternehmen der Region vor und widmet sich in Reportagen, Interviews und Meinungsbeiträgen der Gegenwart und Zukunft der regionalen Wirtschaftswelt.

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www.wiko-wug.de<br />

AUSGABE <strong>2023</strong><br />

WIRTSCHAFTSKOMPASS ALTMÜHLFRANKEN


MARATHON<br />

DES JAHRES<br />

2019 *<br />

16./17. SEPTEMBER <strong>2023</strong><br />

Pleinfeld / Brombachsee<br />

* In Mittelfranken und der Metropolregion Nürnberg (marathon4you.de).<br />

Der Seenlandmarathon rund um den Brombachsee ist einer der schönsten Marathons, die Bayern zu bieten hat. Die einzigartige Panoramalaufstrecke<br />

sowie die herzliche und familiäre Atmosphäre machen das Laufevent zu einem unvergesslichen Erlebnis. Hier kann man laufen, wo andere Urlaub<br />

machen. Neben der Königsdisziplin Marathon werden auch Marathon-Staffeln, Halbmarathon, (Nordic) Walking, Hobbylauf und verschiedene<br />

Nachwuchswettbewerbe angeboten. <strong>Das</strong> bunte Rahmenprogramm mit Messe, Festzelt, Foodmeile und vielem mehr garantiert einzigartige Stimmung<br />

und beste Unterhaltung <strong>für</strong> Läufer, Fans und Besucher.<br />

www.seenlandmarathon.de


Editorial<br />

Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

was wir in diesem Heft vorhaben? <strong>Das</strong> lassen wir Max Frisch erklären. Eine Krise<br />

sei grundsätzlich ein produktiver Zustand, hat der Schweizer Schriftsteller mal<br />

erklärt. „Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“<br />

Genau das ist unsere Aufgabe in der vorliegenden Ausgabe des Wirtschaftskompass<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>: dem aktuellen Zustand den Beigeschmack der Katastrophe<br />

zu nehmen.<br />

Objektiv ist eine solche Katastrophe auch nirgendwo in Sicht. Weder Arbeitsmarkt<br />

noch Gewerbesteuerzahlen, Konjunkturbarometer oder Insolvenzstatistiken geben<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> Anlass <strong>für</strong> ganz große Sorgen. Aber wie kann das sein? Wo<br />

doch die Welt von einer historischen Krise in die nächste stolpert und man vor<br />

lauter Angst haben kaum mehr zum Durchatmen kommt?<br />

Es gibt da<strong>für</strong> einige Gründe. Ein Staat, der bereit ist, seine Bürger nicht im Regen stehen zu lassen. Eine<br />

Wirtschaft, die stabil aufgestellt ist und sich auch mal durch ein Rezensiönchen hungern kann. Und: die beruhigende<br />

Einsicht, dass die Menschen schon auch geneigt sind, auf ein paar Dinge zu verzichten, wenn es hart<br />

auf hart kommt.<br />

Im Moment ist die Krise am offensichtlichsten in den Köpfen zu finden. Viele machen sich Sorgen. Wird alles<br />

so weitergehen, wie man es die vergangenen Jahrzehnte kannte? Stets nach oben und von dem Vielen immer<br />

mehr. Es kommen Zweifel auf.<br />

Die Menschen spüren diese Krise. Sie merken, dass ihr Geld weniger wert wird. Und sie machen sich Sorgen,<br />

ob bei Döner <strong>für</strong> 7,50 Euro und einer Gurke <strong>für</strong> 2 Euro langsam mal Schluss ist mit der Inflation. Derlei Sorgen<br />

sind vernünftig. Aber: Sie dürfen nicht zur Starre führen. Denn <strong>–</strong> und das ist eine Einsicht dieses Hefts <strong>–</strong> auch<br />

wenn diese Krise uns nicht umwerfen wird, eine Zeitenwende kommt. Und der Moment, sich darauf einzustellen,<br />

ist jetzt. Bevor der Baum brennt.<br />

Der Fachkräftemangel und der Klimawandel werden die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte sein.<br />

Der aktuelle Flüchtlingszustrom und die Energiekrise können hier sogar Teil der Lösung oder zumindest ihr<br />

Katalysator sein.<br />

Und damit wäre man wieder bei Max Frisch und den Krisen als produktiven Zustand. Oder anders, ein bisschen<br />

emotionaler und mit den Worten von Kraftklub-Frontmann Kummer ausgedrückt: „Die Menschen sind schlecht<br />

und die Welt ist am Arsch, aber alles wird gut. (…) Fühlt sich nicht danach an, aber alles wird gut.“<br />

In diesem Sinne viel Freude beim Kraftklub-Hören und Lesen dieses Hefts.<br />

Ihr Jan Stephan<br />

Wiko-Redaktionsleiter<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

3


HERAUSGEBER<br />

Braun & Elbel GmbH & Co. KG,<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Wildbadstraße 16-18 | 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90<br />

www.wiko-wug.de | info@wiko-wug.de<br />

PROJEKTMANAGEMENT<br />

Felix Oeder<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 25<br />

oeder@wiko-wug.de<br />

REDAKTION<br />

Jan Stephan (Leitung) | Uwe Ritzer (Berater)<br />

Ina Brechenmacher | Kathrin Lucia Meyer<br />

Celine Ritzer<br />

LAYOUT UND DESIGN<br />

be media <strong>–</strong> Werbeagentur<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Sven Katheder | Erik Körner<br />

Tanja Meyerhöfer<br />

braun-elbel@be-media.de<br />

LEKTORAT<br />

Ingrid Philipp<br />

DRUCK UND VERTEILUNG<br />

Buch- und Offsetdruckerei<br />

Braun & Elbel GmbH & Co. K.G.<br />

Verlag Weißenburger Tagblatt<br />

Wildbadstraße 16-18 | 91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90<br />

Erscheinung als Beilage im Weißenburger Tagblatt,<br />

Treuchtlinger Kurier und Altmühl-Bote<br />

Auflage: ca. 20.000 Exemplare<br />

Die lokale Wirtschaft in all ihren Facetten<br />

schauen wir uns in diesem Heft an.<br />

Von der Krise der Nahversorgung bei<br />

Bäckern und Metzgern über die Frage,<br />

ob man in Zeiten der Inflation eigentlich<br />

lokal investieren kann, bis hin zur<br />

Zukunft unserer Region zwischen<br />

digitalen Rechenzentren und<br />

Wassermangel. Ein spannendes Heft,<br />

das hinter die Kulissen blickt.<br />

4<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Inhaltsverzeichnis<br />

Auf der Suche nach der Krise!<br />

Die Welt in Flammen, aber in<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> kein<br />

Weltuntergang in Sicht<br />

Von Jan Stephan<br />

Im Land der Nein-Sager:<br />

Der Umweltschutz ist oft nur Feigenblatt<br />

<strong>für</strong> ganz andere Interessen<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Industrie: Hetzner Online,<br />

Reinle Gummi, EVS, Schwan-Stabilo,<br />

ASP, Härtha, SAR<br />

Bis zum letzten Tropfen?<br />

Dem Landkreis geht das Wasser aus <strong>–</strong><br />

die Verteilungskämpfe beginnen<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Handwerk: Fliesen Wolf, Mory,<br />

Göttler Bau, Autohaus Neulinger,<br />

Rudi Bau, Riebel & Oeder<br />

<strong>Das</strong> Ende des großen Bauens:<br />

Einfamilienhäuser sind so teuer, dass<br />

sie sich keiner mehr leisten kann<br />

Von Jan Stephan<br />

Den Kommunen geht das Geld aus<br />

<strong>–</strong> den Firmen die Arbeit:<br />

Der Straßenbau leidet unter dem<br />

Sparzwang der Gemeinden<br />

Von Jan Stephan<br />

Genuss & Kulinarik: Fürst Carl,<br />

Metzgerei Wörlein<br />

06<br />

10<br />

13<br />

22<br />

27<br />

32<br />

36<br />

38<br />

Es geht um die Wurst!<br />

Immer mehr Metzger und Bäcker<br />

schließen <strong>–</strong> hat die Branche Zukunft?<br />

Von Jan Stephan<br />

Mit Playstation-Style zum Metzger-<br />

Azubi?<br />

Der Fachkräftemangel sorgt <strong>für</strong><br />

Kreativität <strong>–</strong> und Verzweiflung<br />

Von Jan Stephan<br />

Einzelhandel: Büro Kaiser,<br />

Möbel Rachinger<br />

Mit Laptops gegen Leerstand:<br />

Die Co-Working-Spaces breiten sich<br />

auch auf dem Land aus<br />

Von Kathrin Lucia Meyer<br />

Banken & Behörden:<br />

Stadt Weißenburg, Sparkasse Mittelfranken-Süd,<br />

Raiffeisenbank<br />

Weißenburg-Gunzenhausen<br />

Lokal investieren <strong>–</strong> geht das?<br />

Auf der Suche nach regionalen<br />

Geldanlagen in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

Von Ina Brechenmacher<br />

Dienstleistung:<br />

Kühleis Group, BABOONS,<br />

AMRO, da-Folientechnik/be media<br />

<strong>Das</strong> Internet sucht eine Heimat <strong>–</strong><br />

und klingelt in Ellingen:<br />

Hetzner will Zigtausende Server in<br />

die Deutschordensstadt stellen<br />

Von Jan Stephan<br />

Impressum<br />

41<br />

45<br />

48<br />

50<br />

55<br />

58<br />

63<br />

69<br />

73<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

5


Auf der Suche<br />

nach der Krise!<br />

Von Jan Stephan<br />

Gefühlt steht die Welt in<br />

Flammen <strong>–</strong> und das seit<br />

Jahren. Aber das Leben<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> geht<br />

einfach weiter wie bisher.<br />

Aus gutem Grund: In der<br />

lokalen Wirtschaft Zeichen<br />

<strong>für</strong> eine Krise zu finden,<br />

damit tut man sich nämlich<br />

einigermaßen schwer.<br />

Was <strong>für</strong> ein Jahrzehnt?! Die 2020er-<br />

Jahre fingen damit an, dass alles aufhörte.<br />

Corona, Lockdown, das Ende<br />

des öffentlichen Lebens. Dann Querdenker,<br />

Impfgegner … Sie kennen das.<br />

Als man endlich zu glauben wagte,<br />

dass die Welt doch nicht sofort untergeht,<br />

der nächste Schock.<br />

Ein bleicher Wahnsinniger bombte<br />

die europäische Nachkriegsordnung<br />

in Schutt und Asche.<br />

Der Soundtrack zum<br />

Ukraine-Krieg: aberwitzige<br />

Geschichtsseminare<br />

unterlegt mit<br />

Atomkriegs-Drohungen.<br />

Und der Krieg blieb<br />

diesmal kein moralisches<br />

Problem, dem man in der<br />

Tagesschau beim Schlimm-<br />

Sein zusah. Er wurde spürbar.<br />

Stichwort Energiekrise.<br />

Erst an der Tankstelle, dann beim<br />

Heizen. Stichwort Inflation. Erst im<br />

Supermarkt, dann bei eigentlich allem.<br />

Stichwort Flüchtlinge. Erst im öffentlichen<br />

Leben, dann auch bei den öffentlichen<br />

Haushalten.<br />

Eine bemerkenswerte Häufung an<br />

Zumutungen, die dieses Jahrzehnt<br />

der Welt eingebrockt hat. Und man<br />

muss wissen: Es ist noch jung, dieses<br />

Jahrzehnt. Angesichts all dieser Katastrophen<br />

muss die altmühlfränkische<br />

Wirtschaft doch in Schutt und Asche<br />

liegen?! Tut sie aber nicht <strong>–</strong> auch wenn<br />

man noch so genau hinschaut.<br />

Fällt der Weltuntergang aus?<br />

Und damit wäre man beim verblüffenden<br />

Teil dieser Doppelt-, Dreifach-<br />

oder vielleicht auch Dauerkrise.<br />

Sieht man sich den Arbeitsmarkt an,<br />

die Beschäftigungsstatistik, das Gewerbesteueraufkommen,<br />

die Zahl der Insolvenzen<br />

... Dann gibt es zwar ausrei-<br />

6<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


chend Belege <strong>für</strong> das ein oder andere<br />

Strukturproblem des Landkreises, aber<br />

eine existenzielle Krise, die finden man<br />

im Reich der Fakten definitiv nicht.<br />

Fällt der Weltuntergang also aus? Es<br />

spricht einiges <strong>–</strong> wenn auch nicht alles<br />

<strong>–</strong> da<strong>für</strong>.<br />

„Was uns signalisiert<br />

wird, deutet nicht auf<br />

eine große Krise hin„<br />

hausen zuständig ist. „Vielleicht erreicht<br />

die Krise die Realwirtschaft<br />

auch nie“, setzt sie nach, um ein paar<br />

Sätze später ihr „Vielleicht“ auf ein<br />

„Wahrscheinlich“ zu erhöhen.<br />

Bucher ist jobbedingt eine Art Anwältin<br />

<strong>für</strong> die Interessen der regionalen<br />

Wirtschaft. Aus ihrem Munde wird<br />

man eher nicht zu hören bekommen,<br />

dass alles glänzend läuft, die Wirtschaft<br />

keinerlei politische Unterstützung<br />

braucht und man ruhig mal die<br />

Gewerbesteuer erhöhen sollte. Ein<br />

bisschen Trommeln gehört als Interessenvertreterin<br />

nun mal zum Job. <strong>Das</strong>s<br />

die IHK-Expertin die Krise an <strong>Altmühlfranken</strong><br />

vorbeirollen sieht, ist aus<br />

diesen Gründen aber inhaltlich nur<br />

umso mehr wert.<br />

Aber wie wollte man die Zahlen auch<br />

anders interpretieren? Obwohl die<br />

Welt in Flammen steht, präsentiert<br />

sich der Arbeitsmarkt in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

wie ein pittoreskes Bauerngärtchen<br />

auf dem Lande. Hübsch gepflegt<br />

und sauber geharkt.<br />

Im Jahresschnitt lag man 2022 bei einer<br />

Arbeitslosenquote von 2,7 Prozent.<br />

Ein Wert, den man in den 2000er-Jahren<br />

noch ohne Bedenken als Zeichen<br />

<strong>für</strong> Vollbeschäftigung gewertet hätte.<br />

In absoluten Zahlen verzeichnete man<br />

sogar einen Rekord. Noch nie gab es so<br />

viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte<br />

in der Region Ansbach-Weißenburg<br />

wie 2022. Ein Allzeit-Hoch<br />

inmitten des Weltenbrands?!<br />

„Die Arbeitslosigkeit liegt auf einem<br />

stabil niedrigen Niveau.“, bestätigt Flo-<br />

„Die Krise hat die Realwirtschaft noch<br />

nicht erreicht“, formuliert Karin Bucher<br />

vorsichtig. Die studierte Volkswirtin<br />

leitet die IHK-Geschäftsstelle in<br />

Ansbach, die auch <strong>für</strong> die Wirtschaft<br />

im Landkreis Weißenburg-Gunzenrian<br />

Braunreuther, der Pressesprecher<br />

der Arbeitsagentur Ansbach-Weißenburg.<br />

„Und unsere Prognosen sagen,<br />

dass das in diesem Jahr auch eher<br />

so bleiben wird.“ Braunreuther<br />

und seine Behörde sind eine<br />

solide Quelle <strong>für</strong> derlei Einschätzungen.<br />

Die Agentur<br />

<strong>für</strong> Arbeit ist bei Entlassungen<br />

und Insolvenzen involviert und<br />

pflegt eine Vielzahl von Gesprächskanälen<br />

in die regionale<br />

Wirtschaft.<br />

Und das Raunen auf den Fluren der<br />

Führungsetagen der Unternehmen<br />

bestätigt, was die Zahlen nahelegen:<br />

Die ganz große Krise, sie fällt vielleicht<br />

einfach aus. „So schlecht sieht es mit<br />

Blick auf unsere Wirtschaft nicht aus“,<br />

gibt der Agentursprecher zu Protokoll.<br />

„<strong>Das</strong> ist die Einschätzung, die wir von<br />

den Arbeitgebern bekommen. Was uns<br />

signalisiert wird, deutet nicht auf eine<br />

große Krise hin.“<br />

Und der frisch im Februar erschienene<br />

mittelfränkische Konjunkturklimaindex<br />

der IHK ist weiteres Wasser<br />

auf die Mühlen. Alle Indikatoren in<br />

dem Stimmungsbild haben sich zum<br />

Jahresbeginn <strong>2023</strong> massiv verbessert.<br />

Die Unternehmen beurteilen die Lage<br />

deutlich positiver als noch im dunklen<br />

Herbst, als man in Deutschland über<br />

Blackouts debattierte und die Weißenburger<br />

FDP Pläne <strong>für</strong> öffentliche Wärmestuben<br />

forderte.<br />

All das Krisengerede also Stuss? Panikmache<br />

der Medien oder doch gar<br />

von oben gesteuert, um die Menschen<br />

unter Angst und Druck zu halten?<br />

Nein, natürlich nicht. Die Krisen sind<br />

ja objektiv da <strong>–</strong> und sie lassen sich auch<br />

nicht einfach wegatmen. Der springende<br />

Punkt ist aber: Die Krisen von heute<br />

wirken sich auf andere Art und Weise<br />

aus, als das früher der Fall war. Auch<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong>.<br />

„Es gibt eine gewisse Entkoppelung<br />

der wirtschaftlichen Entwicklung vom<br />

Arbeitsmarkt“, glaubt Florian Braunreuther.<br />

<strong>Das</strong> liegt vor allem am Fachkräftemangel.<br />

In früheren Krisen war<br />

es ein probates Mittel, Arbeitskräfte<br />

zu entlassen, um sinkenden Umsätzen<br />

sinkende Kosten zur Seite zu stellen.<br />

Die Zeiten aber sind vorbei: Es gibt<br />

heute kaum einen Bereich, in dem es<br />

nicht an Arbeitskräften mangelt. Jedes<br />

Unternehmen weiß: Der nächste<br />

Aufschwung kommt bestimmt, der<br />

Fachkräftemangel aber, der bleibt. Die<br />

Spezialisten, die man in einer Krise<br />

entlässt, heuern im schlimmsten Fall<br />

bei der Konkurrenz an und verarbeiten<br />

den nächsten Aufschwung zu dicken<br />

Unternehmensgewinnen.<br />

<strong>Das</strong> Ende der Arbeitslosigkeit?<br />

Positives Zwischenfazit also: Die Sorge<br />

um den eigenen Arbeitsplatz gehört<br />

in der Breite der Bevölkerung mit einiger<br />

Wahrscheinlichkeit der bundesrepublikanischen<br />

Vergangenheit an.<br />

Zumindest <strong>für</strong> die nächsten ein, zwei<br />

Jahrzehnte. Denn selbst, wenn die regionale<br />

Wirtschaft nicht wachsen sollte,<br />

Hunger nach Arbeitskräften hätte sie<br />

trotzdem. Und zwar, weil der Arbeitsmarkt<br />

ein strukturelles Loch hat. Egal,<br />

ob in Schulen, in Behörden oder Unternehmen<br />

…<br />

In den nächsten Jahren geht die geburtenstarke<br />

Babyboomer-Generation in<br />

Rente oder Pension. <strong>Das</strong> waren nicht<br />

nur viele, das waren auch diejenigen,<br />

die den Laden über Jahrzehnte hinweg<br />

geschmissen haben. Der Wirtschaft<br />

steht also ein gewaltiger, personeller<br />

Umbau bevor <strong>–</strong> auch in den Führungsriegen.<br />

Kleiner Beleg da<strong>für</strong>, wie groß der Umbruch<br />

wird? Gerne: Die Gruppe der<br />

50- bis unter 65-Jährigen macht laut<br />

Demografiebericht des Landesamts<br />

<strong>für</strong> Statistik rund ein Viertel der Bevölkerung<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>s aus. <strong>Das</strong><br />

sind diejenigen, die die nächsten Jahre<br />

in Rente gehen werden. Die 15- bis<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

7


30-Jährigen dagegen bringen es in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

gemeinsam<br />

nur auf gute 15 Prozent der Landkreisbevölkerung.<br />

Diejenigen, die nachrücken, sind also<br />

weniger, und sie sind auch anders.<br />

Bei der folgenden Generation hat sich<br />

längst ein grundlegender Zweifel an<br />

der Arbeitsbegeisterung der Babyboomer<br />

breitgemacht. Müssen es die Arbeit<br />

und der Erfolg im Job sein, die die<br />

eigene Identität prägen und das Leben<br />

bestimmen? Verantwortung, Leitung,<br />

Zuständigkeit wird nicht mehr um<br />

ihrer selbst willen als erstrebenswert<br />

betrachtet.<br />

Die Demografie auf der einen, der<br />

mentale Paradigmenwechsel auf der<br />

anderen Seite könnten gemeinsam in<br />

den kommenden ein, zwei Jahrzehnten<br />

die eigentliche Herausforderung <strong>für</strong><br />

die regionale Arbeitswelt sein. Schon<br />

jetzt stellt man fest: Die Zeiten des<br />

fraglosen Weiter, Schneller, Mehr und<br />

Immer sind auch in Weißenburg-Gunzenhausen<br />

vorbei.<br />

Metzger legen unter der Woche Ruhetage<br />

ein, Bäcker verzichten auf den<br />

offenen Sonntag, Apotheken lassen am<br />

Samstag die Lichter aus … Handwerker<br />

bekam man zuletzt nur mit mehrmonatigem<br />

Vorlauf, Termine bei Physiotherapeuten<br />

sind Gold wert, und wer<br />

einen neuen Hausarzt sucht, kann mitunter<br />

schon mal zum Bewerbungsgespräch<br />

geladen werden. Der Kunde ist<br />

nicht mehr der unangefochtene König,<br />

der bei Unzufriedenheit einfach zum<br />

nächsten geht. Den nächsten gibt es<br />

nämlich vielleicht gar nicht mehr.<br />

<strong>Das</strong> Ende des Überflusses hat sich<br />

auch im Handel zuletzt immer mal<br />

wieder angekündigt. Nicht nur im<br />

Zusammenhang mit der <strong>für</strong> manche<br />

„Die Menschen<br />

verlieren zwar nicht ihre<br />

Jobs, aber sehr wohl ihr<br />

Geld„<br />

offenbar traumatischen Erfahrung von<br />

Corona und Klopapier. Auch Fahrräder,<br />

Autos, Antibiotika waren und<br />

sind zwischendurch knapp. Alles jetzt<br />

sofort und wie man will <strong>–</strong> diese Überzeugung<br />

der westlichen Industriegesellschaft<br />

hat zuletzt ein paar Treffer<br />

abbekommen. Und vielleicht waren es<br />

mehr als die Streifschüsse einer Krise,<br />

vielleicht sind es die Vorboten eines<br />

grundlegenden Wandels.<br />

Und hier docken wir wieder an die Krise<br />

der Gegenwart an, die in der großen<br />

Wirtschaft zwar nicht so richtig auffällt,<br />

aber deswegen ja nicht einfach<br />

verschwunden ist. Punkt eins: Die<br />

Menschen verlieren zwar nicht ihre<br />

Jobs, aber sehr wohl ihr Geld. Weil<br />

von Diesel bis Butter alles mehr kostet.<br />

Weil die Ersparnisse auf den Konten<br />

dank Inflation von Monat zu Monat<br />

weniger wert sind.<br />

Punkt zwei: Einen Teil der Krise hat<br />

der Staat vom Tisch geräumt <strong>–</strong> wir erinnern<br />

uns an Bazookas und Doppel-<br />

Wumms <strong>–</strong> aber nicht ohne langfristige<br />

Folgen. „Die Kosten der jüngsten Krisen<br />

sind zu einem hohen Grad auch<br />

sozialisiert worden“, bestätigt Agentur-<br />

Sprecher Braunreuth und verweist als<br />

Beispiel auf die Kurzarbeit. Die sei ein<br />

ganz wichtiges Instrument gewesen<br />

und habe „massenhafte Arbeitslosigkeit“<br />

verhindert.<br />

Denn auch, wenn die Bereitschaft,<br />

Arbeitnehmer zu halten, gewachsen<br />

ist, gehen Firmen pleite, sind die Jobs<br />

trotzdem weg. Und genau diese Pleiten<br />

hat der Staat mit seinen Eingriffen<br />

verhindert. Zwischenzeitlich lagen<br />

50 000 Anträge auf Kurzarbeit bei der<br />

Arbeitsagentur Ansbach-Weißenburg<br />

vor. Fast jeder dritte Arbeitnehmer<br />

blieb damit zumindest zum Teil auf<br />

Staatskosten zu Hause.<br />

Die Sozialisierung von Kosten allerdings<br />

bedeutet nicht, dass die Rechnung<br />

einfach verschwunden wäre, sie<br />

wird nur später gezahlt <strong>–</strong> und am Ende<br />

von allen. Wie schmerzhaft das wird,<br />

hängt von der allgemeinen weiteren<br />

Entwicklung ab. Etwa davon, wie sich<br />

die Gewinne der Unternehmen reduzieren.<br />

„<strong>Das</strong> ist grundsätzlich zu erwarten“,<br />

denkt Karin Bucher von der<br />

IHK. „Die gestiegenen Energiekosten,<br />

die müssen sich irgendwo bemerkbar<br />

machen.“ Die meisten Unternehmen<br />

können das allerdings durchaus wegstecken,<br />

weil man etwa in der Industrie<br />

und am Bau hervorragende Jahre hinter<br />

sich hat und mit einigem Speck in<br />

die Krise geht.<br />

Weniger Gewinne bedeuten aber auch<br />

weniger Gewerbesteuer. Und bei der<br />

handelt es sich um eine der wichtigsten<br />

Einnahmequellen der größeren Städte<br />

und Gemeinden. Sollten die bröckeln,<br />

kommen schwere Zeiten auf die Kommunen<br />

zu. Denn auch sie leiden ja<br />

direkt unter Inflation und gestiegenen<br />

Energiekosten. Rathäuser, Turnhallen,<br />

Schulen und Kindergärten wollen geheizt<br />

und beleuchtet werden. Allein<br />

der Landkreis rechnet in seinen Liegenschaften<br />

mit Heizkosten von rund<br />

1,3 Millionen Euro. Bislang lag man<br />

bei gut 300 000.<br />

8<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


<strong>Das</strong>s man sich in der kommunalen Familie<br />

Sorgen macht, ist unschwer zu<br />

erkennen. Dazu brauchte man nur ein<br />

paar Haushaltsverhandlungen der Gemeinden<br />

zu verfolgen. Auf Landkreisebene<br />

lieferte man sich ein Hauen und<br />

Stechen um den Etat wie seit mindestens<br />

drei Jahrzehnten nicht mehr.<br />

Verantwortlich da<strong>für</strong> sind die großen<br />

Städte. Weißenburg, Gunzenhausen<br />

und zunächst auch Treuchtlingen<br />

„Wenn man mit einer<br />

Katastrophe rechnet,<br />

ist ein bisschen Blechschaden<br />

eine erfreuliche<br />

Nachricht„<br />

liefen Sturm gegen eine geplante Erhöhung<br />

der Kreisumlage. Sie haben<br />

Angst, wichtige Projekte vor der eigenen<br />

Haustür nicht mehr umgesetzt zu<br />

bekommen, weil das Geld nicht langt.<br />

Dabei sind die Be<strong>für</strong>chtungen im Moment<br />

vor allem das, Be<strong>für</strong>chtungen.<br />

Kreiskämmerer Peter Nebert stellt auf<br />

die Frage nach der Krise jedenfalls erst<br />

mal markig fest: „Es gibt keine Krise.“<br />

Später relativiert er das, weil die vergangenen<br />

Jahre natürlich einzelne<br />

Unternehmen und Bereiche der Wirtschaft<br />

schwer getroffen haben. Denn<br />

wie bei so vielen Dingen gab es auch<br />

hier Gewinner und Verlierer. Der stationäre<br />

Handel gerade in den Innenstädten<br />

sei in der Region schon unter<br />

Druck geraten und sicher ein Sorgenkind,<br />

stellt auch IHK-Expertin Bucher<br />

fest.<br />

Der Durchschnitt der wirtschaftlichen<br />

Entwicklung aber gibt dem Kämmerer<br />

recht. „Auf den gesamten Landkreis<br />

betrachtet hat die Gewerbesteuer 2022<br />

um 5,7 Prozent zugelegt“, so Nebert.<br />

Zwar gab es einen Rückgang im vierten<br />

Quartal, aber das war der Höhepunkt<br />

der allgemeinen Krisenerwartung. Inzwischen<br />

schauen die Unternehmer<br />

wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft,<br />

bestätigen alle, mit denen man<br />

redet. Klar, wenn man mit einer Katastrophe<br />

rechnet, ist ein bisschen Blechschaden<br />

im Grunde eine erfreuliche<br />

Nachricht. „Ich sehe es nicht so negativ<br />

<strong>für</strong> dieses Jahr“, zeigt sich der Kreiskämmerer<br />

daher optimistisch. Und damit<br />

liegt er im Trend all derer, die sich<br />

tiefer mit den Zahlen beschäftigen.<br />

„Die Tendenz ist eher aufwärtsgehend,<br />

die meisten Unternehmen sehen<br />

die Lage optimistischer als noch im<br />

Herbst,“ so Nebert. Es stellt sich die<br />

Frage, wie schlecht es den Betrieben<br />

wirklich geht, sagt auch Agentur-Sprecher<br />

Braunreuther. Im Moment sehe<br />

man eher den Effekt von Gewinnmitnahmen<br />

… Und es ist ein offenes Geheimnis,<br />

das manch Gastronom mit<br />

gutem Steuerberater sehr ordentlich<br />

durch die Krise gekommen ist. Hat der<br />

Staat überreagiert, den Unternehmen<br />

zu viel geholfen? An manchen Stellen<br />

ist das wohl in der Eile passiert.<br />

Der Sack Reis in China<br />

Vielleicht also fällt sogar die vermutete<br />

Gewerbesteuerkrise aus. Im Bereich<br />

des Möglichen liegt das. Aber zu viele<br />

Unwägbarkeiten seien im Spiel <strong>für</strong><br />

stabile Prognosen, stellt der Kreiskämmerer<br />

fest. Denn ob eine Gemeinde<br />

in Weißenburg-Gunzenhausen ihre<br />

Turnhalle sanieren kann, hängt inzwischen<br />

auch ein bisschen davon ab, ob<br />

China seine Null-Covid-Politik endgültig<br />

aufgegeben hat, die Lieferketten<br />

wieder stabil funktionieren und die<br />

Unternehmen in <strong>Altmühlfranken</strong> wieder<br />

Geschäfte machen. Nur ein Beispiel<br />

<strong>für</strong> ein globalisierte Wirtschaft, in<br />

der ein umfallender Sack Reis in China<br />

nicht so unspannend ist, wie es das<br />

Sprichwort behauptet.<br />

Allerdings gibt es durchaus Ansätze,<br />

sich ein bisschen weniger global aufzustellen.<br />

<strong>Das</strong> gilt <strong>für</strong> die Energieversorgung,<br />

wo man vielerorts jetzt auf eigene<br />

erneuerbare Energien setzen will,<br />

aber durchaus auch <strong>für</strong> Lieferanten.<br />

Nähe und Verlässlichkeit sind wieder<br />

Werte, die etwas zählen.<br />

Der Fachkräftemangel der kommenden<br />

Jahre wird da<strong>für</strong> sorgen, dass die<br />

Leistungsdaten des regionalen Arbeitsmarkts<br />

wohl dauerhaft stabil aussehen.<br />

Er könnte aber zu einer Krise der Wertschöpfung<br />

führen. Wenn keiner da ist,<br />

um <strong>für</strong> steigende Umsätze zu sorgen,<br />

dann wird es sie schlicht nicht geben.<br />

Dann sinkt die Wirtschaftskraft, dann<br />

sinken die Steuereinnahmen und dann<br />

gibt es bald sehr konkrete Schmerzen.<br />

Schlechte Straßen, verschobene Turnhallensanierungen,<br />

geschlossenene Bäder,<br />

schlecht ausgestattete Schulen …<br />

Und mangelnde Investitionen der<br />

öffentlichen Hand können einen<br />

Schneeballeffekt erzeugen und sich<br />

direkt im lokalen Baugewerbe niederschlagen,<br />

wie Vertreter der Branche<br />

auch in diesem Heft schon mit Blick<br />

auf die nächsten Jahre <strong>für</strong>chten.<br />

„Ich bin kein Freund davon, jetzt hier<br />

die nächste Krise herbeizureden“, fährt<br />

die IHK-Expertin Bucher hier gleich<br />

in die Argumentation. „Die Wirtschaft<br />

wird sich hier was einfallen lassen“, ist<br />

sie in puncto Fachkräftemangel überzeugt.<br />

Zum Beispiel, indem weitere<br />

Potenziale in der Automatisierung gehoben<br />

werden. „Ich bin da wirklich zuversichtlich.“<br />

Und wer wollte ihr das verdenken?<br />

Man kam mit ein paar Schrammen<br />

durch den Weltenbrand. Da wird man<br />

den Fachkräftemangel schon moderiert<br />

kriegen. Tatsächlich gab es schon<br />

schlechtere Zeiten <strong>für</strong> Optimismus.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

9


Im Land der Nein-Sager<br />

Von Uwe Ritzer<br />

Wenn Naturschutz zum<br />

Feigenblatt <strong>für</strong> Egoismus<br />

wird <strong>–</strong> die Ellinger Hetzner-Debatte<br />

wirft<br />

exemplarisch die Frage<br />

auf, wer am Ende<br />

entscheiden sollte: die<br />

Bevölkerung direkt oder<br />

die gewählten Gremien.<br />

Ellingen wächst und wächst. 2019 lebten<br />

3851 Menschen in der Deutschordensstadt,<br />

2022 wurde die 4000er<br />

Marke übersprungen und einer Prognose<br />

des Freistaats Bayern zufolge<br />

wird es in zehn Jahren 4200 Ellingerinnen<br />

und Ellinger geben. Die Zunahme<br />

ist vor allem dem Umstand geschuldet,<br />

dass die Kommune seit Jahrzehnten ein<br />

Baugebiet nach dem anderen ausweist<br />

und mit günstigen Grundstücken Zuzügler<br />

anlockt. In Rathaus und Stadtrat<br />

ist man darüber verständlicherweise<br />

froh; klammheimlich freut man<br />

sich auch, wenn die exzessive Ellinger<br />

Baulandpolitik bei politischen Debatten<br />

in der benachbarten Kreisstadt<br />

Weißenburg bisweilen als vorbildlich<br />

dargestellt wird. In den vielen Jahren,<br />

in denen Ellingen günstige Baugebiete<br />

am Fließband entwickelte, spielte ein<br />

Thema nie eine nennenswerte Rolle:<br />

Flächenfraß.<br />

Weder mahnte eine Bürgerinitiative,<br />

noch stellte der Bund Naturschutz<br />

öffentlichkeitswirksam infrage, ob es<br />

ökologisch verträglich und nachhaltig<br />

ist, die Landschaft mit einer Siedlung<br />

nach der anderen zuzubauen. <strong>Das</strong> Argument<br />

Flächenfraß wird in Ellingen<br />

erst bemüht, seit die Firma Hetzner<br />

sich <strong>für</strong> das Gewerbegebiet am Karlshof<br />

interessiert, um dort ein Rechenzentrum<br />

samt großem Solarpark zu<br />

bauen. Nun lehnen plötzlich selbst solche<br />

Ellinger, die beim eigenen Hausbau<br />

gehörig vom Ellinger Flächenfraß<br />

profitierten, Hetzner als schrecklichen<br />

Flächenfresser ab und machen gegen<br />

die Ansiedelung mobil. Was <strong>für</strong> eine<br />

auf absurde Weise verkehrte, kleine<br />

Welt.<br />

„In den Jahren, in<br />

denen die Stadt Bauland<br />

auswies, spielte ein<br />

Argument nie eine Rolle:<br />

Flächenfraß„<br />

Dergleichen kommt landauf, landab<br />

immer häufiger vor. <strong>Das</strong> hohe Gut des<br />

Umwelt-, Natur- und Artenschutzes<br />

wird immer häufiger als Scheinargument<br />

missbraucht, um etwas zu verhindern.<br />

Um zu kaschieren, dass man aus<br />

höchst eigennützigen Motiven seine<br />

Aussicht in die Landschaft bewahren,<br />

oder auch nur den Weg bewahren will,<br />

auf dem man selbst gerne entlangradelt,<br />

joggt oder den Hund Gassi führt.<br />

Mit Natur- und Artenschutz hat das<br />

nichts zu tun. Aber viel damit, dass es<br />

im wohlhabenden Deutschland ein<br />

auch durch die demoskopische Entwicklung<br />

wachsendes, saturiertes<br />

Kleinbürgertum gibt, dem sein Einfamilienhausidyll,<br />

die eigene Ruhe und<br />

Beschaulichkeit über alles gehen. Und<br />

<strong>für</strong> das wirtschaftliche Wertschöpfung<br />

wenig oder gar keine Bedeutung mehr<br />

haben. Da lehnt man dann selbst Investitionen<br />

ab, die der Gesellschaft dienen<br />

und die nicht stinken, lärmen oder verkehrsintensiv<br />

sind. <strong>Das</strong> Sankt-Florians-<br />

Prinzip greift um sich in dieser Gesellschaft,<br />

neudeutsch heißt der Slogan:<br />

„Not in my backyard“.<br />

Nur ist kaum jemand so ehrlich, diese<br />

eigennützigen Motive auch zuzugeben.<br />

Gegnerschaft wird als Naturschutz<br />

getarnt. Ökologie wird zum<br />

Totschlagargument, gerade so wie früher<br />

Arbeitsplätze herhalten mussten,<br />

um Unangenehmes durchzudrücken.<br />

Also wird selbst der intensivst bewirtschaftete<br />

Maisacker zum angeblich<br />

unverzichtbaren, weil ökologisch wertvollen<br />

Biotop gehypt. Und Menschen,<br />

die sich vorher nie nennenswert <strong>für</strong> die<br />

Nöte unserer Bauern interessierten,<br />

warnen plötzlich mit Inbrunst davor,<br />

den armen, gebeutelten Landwirten<br />

10<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anbauflächen wegzunehmen. Mein<br />

Gott, dieser böse Flächenfraß!<br />

Diese argumentative Unwucht beginnt<br />

ganz im Norden Deutschlands mit<br />

dem Fehmarnbelttunnel (eine Straßenund<br />

Schienenverbindung unter der<br />

Ostsee hindurch, die in Dänemark so<br />

ziemlich jeder klasse findet, während<br />

er auf deutscher Seite bekämpft wird)<br />

und zieht sich durch die Republik bis<br />

Südbayern, zur Ablehnung jedweder<br />

Eisenbahntrasse <strong>für</strong> den Brennerbasistunnel.<br />

Die Deutschen sind ein Volk<br />

der Nein-Sager geworden. Gerade der<br />

Klimawandel offenbart die Scheinheiligkeit.<br />

Energiewende? Ja, aber keine<br />

Windräder oder Photovoltaikanlagen<br />

vor der Tür (man muss wissen, es gibt<br />

in Deutschland Hunderte Bürgerinitiativen<br />

gegen Windräder). Verkehrswende?<br />

Mehr Verkehr auf die Schiene?<br />

Ja, natürlich. Aber um Himmelswillen<br />

kein ICE-Werk in der Nähe. Diese<br />

Nein-Sagerei ist ein Grund, weshalb<br />

Energiewende und Klimaschutz hierzulande<br />

nicht vorankommen.<br />

Für viele Menschen spielt es keine<br />

Rolle, ob ein Projekt tatsächlich tiefgreifend<br />

Natur zerstört und mehr<br />

negative als positive Folgen hat. Bekämpft<br />

wird auch, was gesellschaftlich<br />

und ökologisch Mehrwert schafft. Der<br />

Kollateralnutzen des ICE-Werkes bei<br />

Nürnberg wären 450 tarifgebundene<br />

Facharbeitsplätze. Immer mehr deutet<br />

inzwischen darauf hin, dass sie in<br />

Baden-Württemberg gebaut werden.<br />

Kommt es so weit, hat die Sattheit derer,<br />

die nicht gestört werden wollen,<br />

einmal mehr gesiegt über die Allgemeininteressen.<br />

Denn, ja, 450 tarifgebundene,<br />

gewerbliche Arbeitsplätze<br />

und der Klimaschutz-Effekt sind im<br />

Interesse der Allgemeinheit.<br />

„Ein Rechenzentrum<br />

in der Nachbarschaft?<br />

Gott bewahre„<br />

Ähnlich läuft es bei der Digitalisierung,<br />

siehe Ellingen. Tadellose,<br />

schnelle Mobilfunk- und Internetverbindungen<br />

wollen alle, aber keinesfalls<br />

Funkmasten in der Nähe. Gemeinhin<br />

wird zu Recht beklagt, dass dieses große<br />

und reiche Deutschland in puncto<br />

Digitalisierung in bemitleidenswertem<br />

Tempo dahinkriecht und international<br />

abgehängt zu werden droht. Aber ein<br />

<strong>für</strong> die Digitalisierung unverzichtbares<br />

Rechenzentrum in der Nachbarschaft?<br />

Gott bewahre!<br />

Es ist eine Form von rabiatem, ökologisch<br />

verbrämten Egoismus auf Kosten<br />

der Allgemeinheit, der da um sich<br />

greift. Und es führt mindestens in die<br />

Irre, wenn Protestler auf ein Schild am<br />

Rande der B 2 nördlich von Ellingen<br />

schreiben: „Skandal <strong>–</strong> Stadtrat verwei-<br />

gert Bürgern Mitsprache“. Wo, bitteschön,<br />

war das denn der Fall? Als der<br />

Ellinger Stadtrat ein Bürgerbegehren<br />

abgelehnt hat, das handwerklich einfach<br />

miserabel schlecht und nicht gesetzeskonform<br />

war? Und woraus leitet<br />

sich eigentlich der plakative Anspruch<br />

ab, die Bürgerinteressen zu vertreten,<br />

also die Interessen aller, mindestens<br />

aber von 50 Prozent plus eins der Ellinger<br />

Bevölkerung?<br />

Direkte Demokratie ist ein hohes Gut.<br />

Es setzt Respekt voraus. Der Slogan<br />

„Wir sind das Volk“ hatte beim Aufstand<br />

in der DDR seine Berechtigung.<br />

Damals opponierten mutige Demokraten<br />

gegen gefährliche Diktatoren<br />

und riskierten Kopf und Kragen dabei.<br />

Seither wird der Slogan inflationär<br />

missbraucht, von Pegidisten,<br />

Coronaschwurblern und Verschwörungsphantasten<br />

zum Beispiel, <strong>für</strong> die<br />

daraus keine Risiken erwachsen, wie<br />

weiland den Demonstranten in der<br />

DDR. Der Maßstab in einem freien,<br />

demokratischen Rechtsstaat ist im Übrigen<br />

nicht allein und ausschließlich<br />

Volkes Stimme (ich mag mir nicht ausmalen,<br />

was sonst vielerorts Migranten<br />

widerfahren würde), sondern vor allem<br />

Recht und Gesetz, die wiederum auf<br />

Beschlüsse demokratischer Gremien<br />

beruhen, der Parlamente. <strong>Das</strong> sind<br />

Spielregeln, nach denen ein Land<br />

funktioniert.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

11


Grundbestandteil dieses Regelwerkes<br />

ist die repräsentative Demokratie. Bürgerinnen<br />

und Bürger wählen Vertreter<br />

in Parlamente, die dort entscheiden,<br />

mit Mehrheiten oder einstimmig. Die<br />

Ergebnisse gilt es grundsätzlich zu respektieren.<br />

Nur in Ausnahmen greift<br />

das Korrektiv des Bürgerentscheids.<br />

Abgesehen davon, dass es per se anmaßend<br />

ist, wenn einige Lautstarke <strong>für</strong><br />

sich reklamieren, die Interessen aller<br />

zu vertreten <strong>–</strong> mit direkter Demokratie<br />

hat das nicht zwangsläufig zu tun. Bürgerinnen<br />

und Bürger müssen in Planungsprozesse<br />

eingebunden werden,<br />

die sie betreffen. Sie haben das Recht<br />

auf kritische Fragen und darauf, ernst<br />

genommen und gehört zu werden, sowie<br />

eigene Vorschläge einzubringen.<br />

Doch wo ist die rote Linie, ab der basisdemokratische<br />

Instrumente missbraucht<br />

werden, um Entwicklungen<br />

auszuhebeln, die dem Gemeinwesen<br />

dienen?<br />

Prof. Dieter Rucht: Die Bereitschafft<br />

zum Einmischen ist gewachsen.<br />

Energiewende? Jawohl! Aber: Not in my backyard.<br />

Unter Experten gehen die Meinungen<br />

darüber, ob Bürgerbeteiligung zunehmend<br />

missbraucht wird, um Einzelinteressen<br />

durchzusetzen, auseinander.<br />

Professor Dieter Rucht, der am Wissenschaftszentrum<br />

Berlin <strong>für</strong> Sozialforschung<br />

seit Jahrzehnten zum Thema<br />

gesellschaftlicher Protest forscht,<br />

sieht in Deutschland keinen generellen<br />

Trend zu mehr Widerstand gegen Projekte.<br />

Die Menschen seien nur besser<br />

informiert und dank der digitalen Medien<br />

besser vernetzt, sagt er. Deshalb<br />

sei ihre Bereitschaft gewachsen, sich<br />

auch in öffentliche Diskurse einzubringen.<br />

Ein Trend sei es dabei, dass<br />

Debatten immer grundsätzlicher würden,<br />

so Rucht, über die konkrete Problemstellung<br />

hinaus. Wie auch in Ellingen,<br />

wo aus der an sich banalen Frage<br />

„Ansiedelung einer Firma in einem<br />

Gewerbegebiet, ja oder nein“ Grundsatzdebatten<br />

über die Sinnhaftigkeit<br />

von Photovoltaik im Allgemeinen oder<br />

die Gefahr von Grundstücksspekulationen<br />

im Besonderen mitentfacht wurden.<br />

Trotzdem werde Bürgerbeteiligung,<br />

so das Fazit des Wissenschaftlers<br />

Rucht, immer wichtiger, sie verzögere<br />

allerdings auch viele Projekte.<br />

Unter Soziologen und Politikwissenschaftlern<br />

gibt es jedoch auch andere<br />

Stimmen. Jene von Christoph Bernstiel<br />

zum Beispiel, der seine wissenschaftliche<br />

Expertise mit praktischer<br />

Erfahrung als Stadtrat in Halle an der<br />

Saale (seit 2014) und als CDU-Abgeordneter<br />

im Bundestag von 2017 bis<br />

2021 kombiniert. Er ist keineswegs<br />

ein Gegner der direkten Demokratie;<br />

2020 strengte er in Halle ein Bürgerbegehren<br />

gegen den Stadtratsbeschluss<br />

einer autofreien Innenstadt an; beim<br />

anschließenden Bürgerentscheid hatte<br />

er 61 Prozent der Bevölkerung auf seiner<br />

Seite. Dennoch warnt Bernstiel davor,<br />

in direkter Demokratie eine alleingültige<br />

Herrschaftsform zu sehen. Sie<br />

sei eine hervorragende Ergänzung zu<br />

demokratisch gewählten Parlamenten<br />

wie etwa einem Stadtrat. Mehr aber<br />

auch nicht.<br />

Bernstiel argumentiert aus seiner Zeit<br />

im Bundestag heraus. Der verabschiede<br />

jedes Jahr im Schnitt etwa 150 Gesetze.<br />

Nicht auszudenken, würde er<br />

über das ohnehin meist umfangreiche<br />

Anhörungs- und Debattenverfahren<br />

hinaus jedes Mal die Bevölkerung<br />

abstimmen lassen; der Staat und das<br />

Gemeinwesen wären blockiert. Aus<br />

guten Gründen entschlossen sich die<br />

Verfassungsväter der Bundesrepublik<br />

<strong>für</strong> das Prinzip der repräsentativen<br />

Demokratie. Es sieht nicht nur vor,<br />

dass ein Gemeinde- oder Stadtrat, ein<br />

Kreis-, Land- oder Bundestag mehrheitlich<br />

entscheidet. Ihr wohnt auch<br />

das Prinzip inne, das gewählte Volksvertreterinnen<br />

und -vertreter eine<br />

Gesamtbetrachtung bezogen auf ihr<br />

Gemeinwesen anlegen, dass sie Argumente<br />

abwägen und Meinungen bündeln<br />

und ein Vorhaben eben nicht isoliert<br />

<strong>für</strong> sich betrachten.<br />

Deshalb ist es weder anmaßend noch<br />

undemokratisch, wenn der Ellinger<br />

Bürgermeister erklärtermaßen eine<br />

Entscheidung in Sachen Hetzner-Ansiedelung<br />

als Aufgabe zunächst einmal<br />

<strong>für</strong> den Stadtrat reklamiert. Der ist<br />

das demokratisch legitimierte Organ,<br />

um eine Frage wie jene des Rechenzentrums<br />

zu diskutieren und zu entscheiden.<br />

Es ist auch sein Recht, die<br />

Entscheidung per Ratsentscheid auf<br />

die Bevölkerung zu übertragen. Der<br />

Stadtrat kann das tun, er muss es aber<br />

nicht. Umgekehrt ist es das unbestrittene<br />

Recht der Kritiker, einen Bürgerentscheid<br />

anzustrengen. Idealerweise mit<br />

fundierten Argumenten, nicht mit dem<br />

Totschlagargument Ökologie und auch<br />

nicht mit wirren, skandalisierenden<br />

Vorwürfen an Verantwortliche unter<br />

der Gürtellinie.<br />

Und über den Flächenfraß könnte man<br />

in Ellingen ja mal ganz grundsätzlich<br />

nachdenken.<br />

12<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Industrie<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

13


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Hetzner Online: Rechenzentren<br />

als Grundpfeiler<br />

der Digitalisierung<br />

Chats, Online-Shopping, Video-Streaming und Sprachassistenten<br />

gehören zunehmend zu unserem täglichen<br />

Leben. Die Digitalisierung hat mittlerweile nahezu alle<br />

Lebens- und Wirtschaftsbereiche erreicht. Smart-City-Konzepte<br />

machen unsere Städte nachhaltiger und<br />

fortschrittlicher, Smart-Home-Lösungen lassen die<br />

Zimmertemperatur in den eigenen vier Wänden per<br />

Sprachsteuerung aus der Ferne regulieren, Health-Care-<br />

Technologien übernehmen komplexe wissenschaftliche<br />

Berechnungen in der Krebsforschung und digitale Plattformen<br />

fördern den sozialen Austausch.<br />

Die boomende Digitalisierung benötigt immer mehr<br />

energieeffiziente Rechenzentren.<br />

Komplexe Anwendungen und neue Dienste führen zu exponentiell<br />

wachsenden Datenmengen und einem stark<br />

steigenden Bedarf an Rechenleistung. Während die<br />

Kapazitäten gemessen an der IT-Leistung von 2010 bis<br />

2020 bereits um 84 Prozent gestiegen sind, werden sie<br />

bis 2025 voraussichtlich noch einmal um rund 30 Prozent<br />

anwachsen, so eine Studie des Branchenverbands<br />

Bitkom. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Rechenzentren<br />

ist es notwendig, ihre Errichtung und ihren<br />

Betrieb so energieeffizient und klimafreundlich wie möglich<br />

zu gestalten, denn Datacenter benötigen viel Strom.<br />

Bei Hetzner Online werden grundsätzlich Investitionsentscheidungen<br />

durch die Frage der Energieeffizienz bestimmt.<br />

Durch die ausgeklügelte Bauweise der Rechenzentren<br />

und den Einsatz innovativer Klimatechnik kann<br />

an durchschnittlich 97 % der Jahresstunden mit Außenluft<br />

gekühlt werden. Monitoring-Systeme überwachen<br />

den Energieverbrauch in Echtzeit und zeigen Optimierungspotenziale<br />

auf. Die <strong>für</strong> die Stromnutzungseffizienz<br />

etablierte Kennzahl „Power Usage Effectiveness“ (PUE)<br />

von 1,15 bestätigt die besonderen Anstrengungen von<br />

Hetzner Online. <strong>Das</strong> bedeutet, dass nur ein Bruchteil der<br />

elektrischen Gesamtleistung <strong>für</strong> Infrastruktur wie Kühlung,<br />

Lüftung und Beleuchtung benötigt wird und der<br />

allergrößte Teil der Energie direkt in die Rechenleistung<br />

<strong>für</strong> Kundenanwendungen fließt. Im Vergleich zum Branchendurchschnitt<br />

von 1,57 ist das ein beachtlicher Wert.<br />

Hetzner Online setzt zudem <strong>für</strong> die Stromversorgung<br />

seiner Rechenzentren seit vielen Jahren auf 100 % Ökostrom.<br />

Datacenter werden zudem benötigt, um viele Nachhaltigkeitsziele<br />

überhaupt erst zu erreichen. Die in Rechenzentren<br />

laufenden digitalen Anwendungen ermöglichen<br />

nicht nur Einsparungen an Energie in vielen Bereichen,<br />

sondern fördern auch eine ressourcenschonende Industrialisierung<br />

sowie Innovationen in diesem Bereich. So<br />

führen beispielsweise die verstärkte Nutzung von Video-<br />

14<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

telefonie und E-Commerce zu wesentlichen Einsparungen von Treibhausgasen<br />

oder Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft zu einer<br />

effizienteren Bewirtschaftung von Feldern.<br />

Jede E-Mail, jede App und jede Website läuft über ein Rechenzentrum.<br />

Rechenzentren haben ihre Wurzeln in den frühen Tagen der Computertechnologie.<br />

Die ersten Rechenzentren wurden in den 1950er- und<br />

1960er-Jahren eingerichtet, um Computerressourcen <strong>für</strong> wissenschaftliche<br />

und militärische Anwendungen bereitzustellen. Mitte der<br />

1990er-Jahre wurde das Internet massentauglich und gewann in<br />

den folgenden Jahren rasant an Beliebtheit. Immer mehr Websites<br />

waren aufrufbar und die E-Mail übernahm die Kommunikation. Den<br />

nötigen Speicherplatz da<strong>für</strong> stellen Webhoster und Rechenzentren-<br />

Betreiber auf Servern in den Rechenzentren bereit. Mit der aufkommenden<br />

Digitalisierung wurden Serversysteme nun auch <strong>für</strong> die Entwicklung<br />

von Applikationen, Maschinelles Lernen oder <strong>für</strong> Künstliche<br />

Intelligenz eingesetzt. Genau <strong>für</strong> diese und weitere Anwendungsfälle<br />

bietet Hetzner Online Start-ups, KMUs, Bildungseinrichtungen, Organisationen,<br />

Privatpersonen sowie Web-, App- und Gaming-Entwicklern<br />

aus aller Welt seine Dienste an. Doch wie funktioniert ein solches<br />

Rechenzentrum?<br />

Im Internet<br />

zu Hause<br />

<strong>Das</strong> inhabergeführte Familienunternehmen<br />

Hetzner Online ist seit 1997<br />

mit Leidenschaft <strong>für</strong> IT und Technik<br />

im Internet zu Hause und betreibt in<br />

drei Datacenter-Parks in Nürnberg,<br />

Falkenstein/Vogtland und im finnischen<br />

Helsinki sowie an Standorten<br />

in Ashburn und Hillsboro, USA,<br />

mehrere Hunderttausend Server und<br />

gehört somit zu den größten Unternehmen<br />

der Branche.<br />

Innovative Technik ist gefragt.<br />

Ein Rechenzentrum ist eine Einrichtung, in der Daten und Anwendungen<br />

auf Serversystemen gespeichert, verwaltet und bereitgestellt werden.<br />

Bei diesen Serversystemen handelt es sich einfach ausgedrückt<br />

um Computer, die mit leistungsstarken Prozessoren, schnellem Arbeitsspeicher,<br />

großen Datenträgern und weiteren technischen Komponenten<br />

ausgestattet sind. Diese Server werden über Switche und Router<br />

an das Netzwerk angeschlossen und sind über Glasfaserleitungen<br />

mit dem Internet verbunden und weltweit erreichbar. Hetzner Online<br />

betreibt einen eigenen Glasfaserring zwischen den Rechenzentrumsstandorten<br />

und ist direkt an wichtige Internetknoten angebunden.<br />

Da der Betrieb der empfindlichen IT-Hardware Wärme erzeugt, muss<br />

dem Datacenter kühle Luft zugeführt werden. Neben der ressourcenschonenden<br />

Kühlung mit Außenluft werden in den Hetzner-Rechenzentren<br />

gezielt kalte und warme Luft zwischen den Serverreihen getrennt<br />

und gelenkt. Durch diese Maßnahmen kann der Energiebedarf<br />

deutlich gesenkt und die Leistungsdichte in den Serverschränken erhöht<br />

werden.<br />

Damit Server und Kundenanwendungen rund um die Uhr erreichbar<br />

sind, ist eine permanente Stromversorgung essenziell. Hetzner Online<br />

bezieht seinen Strom deshalb redundant vom benachbarten Umspannwerk.<br />

Im Falle eines Stromausfalls übernimmt die Netzersatzanlage<br />

die Stromversorgung der Rechenzentren. Bis die durch Verbrennungsmotoren<br />

angetriebenen redundanten Notstromaggregate anspringen,<br />

sorgen Tausende Batterien da<strong>für</strong>, dass der Serverbetrieb nicht unterbrochen<br />

wird.<br />

Die im Rechenzentrum befindlichen hochsensiblen und wichtigen Daten<br />

müssen zudem gut vor äußeren Einflüssen abgesichert werden.<br />

<strong>Das</strong> geschieht durch Brandschutzmaßnahmen und Vorkehrungen, mit<br />

denen Unberechtigten der Zutritt verwehrt wird. Hetzner Online setzt<br />

hier auf ausgeklügelte Brandfrühesterkennungssysteme sowie auf<br />

elektronische Zugangskontrollen und umfangreiche Überwachungssysteme.<br />

Zudem betreibt das Unternehmen ein Informationssicherheits-Managementsystem,<br />

das nach ISO 27001 zertifiziert ist.<br />

Hetzner Online GmbH<br />

Industriestraße 25<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 5 05 - 0<br />

www.hetzner.com<br />

career.hetzner.com<br />

info@hetzner.com<br />

Unternehmensgründung: 1997<br />

MitarbeiterInnen: > 400<br />

Geschäftsführer: Martin Hetzner,<br />

Stephan Konvickova, Günther Müller<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

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Zukunft<br />

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Langfristig partnerschaftlich<br />

nach vorn<br />

Die Reinle Gummi & Kunststoff<br />

GmbH ist führender Anbieter von<br />

technischen Gummi- und Kunststoffprodukten.<br />

<strong>Das</strong> 1981 gegründete<br />

Unternehmen mit Sitz in Pleinfeld-<br />

Mischelbach hat sich dank seiner modernen<br />

Technologie, Forschung und<br />

Entwicklung in seinem Fachgebiet<br />

als einer der führenden Zulieferer der<br />

Automobilindustrie etabliert. Hohe<br />

Qualitätsstandards und jahrzehntelange<br />

Erfahrung führten zu einem<br />

umfangreichen Produktportfolio.<br />

Kundenbeziehungen und Mitarbeiterführung<br />

werden bei Reinle offen,<br />

wertschätzend und fair aufgebaut, um<br />

langfristige und partnerschaftliche<br />

Beziehungen zu schaffen.<br />

Die Reinle Gummi & Kunststoff GmbH beeindruckt auf vielfältige<br />

Art und Weise. Da ist zum einen die große Vielfalt, mit der<br />

das Unternehmen aus dem Pleinfelder Ortsteil Mischelbach<br />

glänzt.<br />

Seit mehr als 40 Jahren entwickelt und produziert es Gummiund<br />

Kunststoffprodukte. Außerdem ist da die Tatsache, dass<br />

die Firma komplett CO2-neutral arbeitet. Und weil man bei Reinle<br />

die Zukunft fest im Blick hat, begreift man die Energiewende<br />

nicht nur als große Herausforderung in puncto Energiequellen,<br />

industrielle Herstellung, Verarbeitung und In frastruktur, sondern<br />

vor allem als Chance. Der Fokus bei Reinle liegt auf Nachhaltigkeit.<br />

Zum Beispiel auf Dichtungen, Dämpfungen, Isolationen<br />

und Antirutschbelägen, die dem Energiemanagement<br />

dienen. Reinle ist zudem auch Teilelieferant in Bereichen der<br />

Elektromobilität, <strong>für</strong> Brennstoffzellen oder auch <strong>für</strong> Batterieund<br />

Speichertechnik. „Kurz zusammengefasst tragen wir mit<br />

unseren Produkten zur regenerativen Energieerzeugung bei“,<br />

so Geschäftsführer Edwin Koller.<br />

Die Anwendungsgebiete sind vielfältig. Man findet Reinle-Bauteile<br />

in Wasserstoffautos ebenso wie in Wärme- und Kälteisolationen<br />

in der Solartechnik. Dichtungen und Elektroinstallationen<br />

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Auch der eigene Standort in Pleinfeld-Mischelbach wurde in<br />

Sachen Nachhaltigkeit<br />

weiterentwickelt. So hat<br />

Reinle eine E-Tankstelle<br />

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Mitarbeitern aber auch<br />

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91785 Pleinfeld-Mischelbach<br />

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In die Werkshalle der Firma EVS ist Ende 2022 ein neuer Bewohner<br />

eingezogen. Er ist etwa zehn Meter lang, ein paar Tonnen<br />

schwer, kommt aus der Schweiz und ist der ganze Stolz<br />

von Junior-Geschäftsführer Benjamin Schatz: eine Laser-<br />

Schneideanlage <strong>für</strong> Metallbleche. Wobei ein „Blech“ in dem Fall<br />

auch 2,5 Zentimeter dick und 1,5 mal 3 Meter groß sein kann.<br />

Der Faserlaser ist eine enorme Investition <strong>für</strong> das mittelständische<br />

Unternehmen aus Pleinfeld, doch Schatz ist sich sicher,<br />

dass sie sich lohnen wird.<br />

EVS hat mehrere Standbeine. <strong>Das</strong><br />

Unternehmen reinigt und entfettet<br />

Teile, die aus der Metallverarbeitung<br />

kommen. Öl-, Fett- oder<br />

Partikelrückstände aus Fräs- oder<br />

Stanz- und Biegeteilen werden in<br />

speziellen Anlagen entfernt. Wichtig<br />

ist diese penible Sauberkeit etwa<br />

<strong>für</strong> die Automobilindustrie: Dort, wo<br />

zum Beispiel die Batterie eines E-<br />

Autos untergebracht ist, dürfen nur<br />

mikroskopisch kleine Partikel im<br />

My-Bereich vorhanden sein. Zu große<br />

Partikel könnten im schlimmsten<br />

Fall über einen Funken ein Feuer auslösen. Im hauseigenen<br />

Labor überprüfen und bestätigen EVS-Mitarbeiter die Sauberkeit<br />

und führen eine Restschmutzanalyse durch.<br />

EVS führt auch Blech- und Schweißarbeiten durch, baut beispielsweise<br />

Filterkassetten <strong>für</strong> Drahtgestricke. Hier wurde<br />

das Auftragsvolumen zuletzt immer größer. Die bestehende<br />

Wasserstrahl-Schneidemaschine konnte das Volumen trotz<br />

Dreischichtbetrieb nicht mehr<br />

bewältigen, Benjamin Schatz<br />

musste Aufträge an andere<br />

Firmen auslagern. „<strong>Das</strong>,<br />

was wir zunehmend extern<br />

vergeben haben, wollen wir<br />

nun wieder intern machen.“<br />

Und idealerweise selbst zum<br />

Dienstleister <strong>für</strong> andere Unternehmen<br />

in der Region werden.<br />

Denn der neue Laser schafft<br />

nicht nur das bisherige Auftragsvolumen,<br />

sondern auch<br />

noch mehr: Er ist etwa 20-mal<br />

so schnell wie der bisherige<br />

Wasserstrahl-Schneider. -miz-<br />

Metallverarbeitung<br />

aus Profihand<br />

Erwin Schatz gründete EVS im Jahr<br />

2005 zunächst als reinen Metallverarbeitungsbetrieb<br />

in Pleinfeld.<br />

Gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen<br />

DGS Drahtgestricke in Ellingen<br />

konnte man nun Filterkassetten<br />

und Tropfenabschneider aus einer<br />

Hand anbieten: Die Drahtgestricke<br />

kommen aus Ellingen, die Gehäuse<br />

aus Pleinfeld. Juniorchef Benjamin<br />

Schatz kam 2016 auf die Idee, auch<br />

die industrielle Teilereinigung im<br />

eigenen Betrieb durchzuführen. Und<br />

so wurde EVS zum Dienstleister <strong>für</strong><br />

die professionelle Reinigung von<br />

Industrieteilen. Mit der Anschaffung<br />

der neuen Laser-Schneidemaschine<br />

ist die Mitarbeiterzahl von 17 auf<br />

19 angewachsen.<br />

EVS Technology GmbH<br />

Postleitenstraße 3 • 91785 Pleinfeld<br />

Tel. 0 91 44 / 6 08 99 - 30<br />

www.evs-gmbh.de<br />

info@evs-gmbh.de<br />

MitarbeiterInnen: 19<br />

Geschäftsführer: Erwin Schatz,<br />

Benjamin Schatz<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

17


Schwan Stabilo<br />

FELIX<br />

Made by ASP Automation<br />

ASP Automation GmbH<br />

An der Heusteige 8<br />

91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 0 91 42 / 2 04 59 - 0<br />

info@asp-automation.de<br />

www.asp-automation.de<br />

Es ist ein kleines, aber spannendes<br />

Unternehmen, gerade auch <strong>für</strong> junge<br />

Menschen, die eine Herausforderung<br />

suchen. Die Treuchtlinger<br />

ASP Automation GmbH ist hoch<br />

spezialisiert auf die Entwicklung<br />

und Herstellung individueller Anlagen<br />

sowie Beratung rund um die<br />

Themen Fördertechnik, Automatisierung<br />

und Sondermaschinenbau.<br />

ASP hat sich auf Automatisierungslösungen<br />

im industriellen Umfeld<br />

spezialisiert und seit der Firmengründung<br />

im Jahr 2000 durch Geschäftsführer<br />

Werner Schramm<br />

kontinuierlich weiterentwickelt.<br />

Von der Konstruktion an modernen<br />

CAD-Arbeitsplätzen über die Herstellung<br />

auf CNC-Bearbeitungsmaschinen<br />

bis hin zur Programmierung<br />

der Steuerungssysteme bietet<br />

ASP seinen Kunden höchste Qualität<br />

in vollem Umfang. ASP zählt 15<br />

Mitarbeiter, darunter CNC-Fräser,<br />

Industriemechaniker, Konstrukteure<br />

und Mechatroniker.<br />

Besonders stolz ist man bei ASP<br />

auf das patentierte Vario Puffer<br />

Förderband, das es dem Kunden<br />

ermöglicht, Puffer und Staustrecken<br />

in den Produktionsablauf zu<br />

integrieren und so durch effektive<br />

Entzerrung der Produktionsabläufe<br />

<strong>für</strong> mehr Teiledurchlauf zu sorgen.<br />

<strong>Das</strong> innovative Förderband mit umlaufenden<br />

Kettensegmenten ist so<br />

flexibel wie ASP selbst und lässt<br />

sich auf unterschiedlichste Produktionsumgebungen<br />

und Produkte<br />

problemlos applizieren. Die Herstellung<br />

der Förderbänder erfolgt nach<br />

dem Baukastenprinzip vollständig<br />

im Haus. ASP hat sich im Anlagenbau<br />

längst einen Namen gemacht.<br />

Die innovativen Lösungen made in<br />

Treuchtlingen und der hohe Qualitätsanspruch<br />

überzeugen nationale<br />

und internationale Kunden aus den<br />

unterschiedlichsten Branchen, von<br />

namhaften Herstellern der Autobranche<br />

bis hin zu Global Playern<br />

der Bau- und Lebensmittelindustrie.<br />

18<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

HÄRTHA<br />

und der<br />

grüne Strom<br />

Mit rund 400 Beschäftigten an zehn Standorten in Deutschland,<br />

Italien und den Niederlanden gehört die HÄRTHA GROUP<br />

zu den erfolgreichsten Unternehmensgruppen <strong>für</strong> Metallveredelung<br />

durch Wärmebehandlungsverfahren und Beschichtungslösungen.<br />

Seit 1997 gehört auch die Weißenburger Niederlassung<br />

in der Dettenheimer Straße zum Firmenverbund.<br />

Der Hauptstandort steht<br />

<strong>für</strong> perfekte Metallveredelung<br />

und führt die<br />

größte Anlagenkapazität<br />

in Süddeutschland im<br />

Bereich Plasmanitrieren.<br />

Den Schlüssel zur perfekten<br />

Wärmebehandlung<br />

scheint HÄRTHA gefunden zu haben. Denn nicht nur die Werkstücke<br />

erfreuen sich hoher Nachfrage, auch die Produktionsprozesse<br />

und das Know-how dahinter sind stark gefragt. Und<br />

das bei größtmöglicher Nachhaltigkeit.<br />

Die spezifischen Anforderungen der Kunden erfüllen und<br />

ihnen dabei helfen, die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen<br />

zu bewältigen <strong>–</strong> das schafft HÄRTHA durch<br />

die optimale Einstellung von Werkstückeigenschaften mittels<br />

Wärmebehandlungsund<br />

Beschichtungstechniken.<br />

Ausgetüftelte<br />

Prozesse und eine<br />

effiziente Anlagentechnik<br />

sind Grundvoraussetzungen<br />

<strong>für</strong> den<br />

Veredelungsprozess.<br />

HÄRTHA glänzt in diesen<br />

Bereichen.<br />

CO2-Neutralität<br />

fest im Blick<br />

HÄRTHA Hardening Industries ist<br />

ein führendes Unternehmen in der<br />

Metallverarbeitungs- und Oberflächenhärtetechnikbranche.<br />

<strong>Das</strong> Weißenburger Unternehmen<br />

gehört zur HÄRTHA GROUP,<br />

welche im Jahr 1990 gegründet<br />

wurde. HÄRTHA ist auf schonende<br />

Produktionsprozesse spezialisiert<br />

und besticht durch eine effiziente<br />

und moderne Anlagentechnik. Als<br />

verantwortungsvolles Unternehmen<br />

hat die HÄRTHA GROUP den<br />

Umwelt- und Klimaschutz fest ins<br />

Auge gefasst.<br />

„2022 haben wir insgesamt<br />

4,5 Millionen<br />

Kilogramm und 30 Millionen Teile gehärtet“, so Geschäftsführer<br />

Thomas Bückert. Ein Auftragsvolumen, welches mit<br />

75 % grünem Strom erledigt werden konnte. Die Prozesskette<br />

nachhaltig zu optimieren, bedeutet bei einer energieintensiven<br />

Produktion eines: Eigeninitiative. Nämlich CO2-Emissionen<br />

senken und am eigenen Footprint arbeiten. Umweltschutz und<br />

Nachhaltigkeit sind HÄRTHA ein großes Anliegen, das strategisch<br />

verankert ist und schnell umgesetzt wird. Derzeit fehlt<br />

nur noch knapp ein Viertel der aufzuwendenden Energie, um<br />

sagen zu können, dass HÄRTHA zu 100 Prozent mit grünem<br />

Strom fertigt. Grüner Strom übrigens, der aus Photovoltaikanlagen<br />

gewonnen wird.<br />

-cr-<br />

HÄRTHA <strong>–</strong> WEISSENBURG GmbH<br />

Dettenheimer Straße 28<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 89 - 0<br />

www.haertha.de<br />

weissenburg@haertha.de<br />

Unternehmensgründung:1997<br />

MitarbeiterInnen<br />

Standort Weißenburg: 94<br />

Geschäftsführer: Thomas Bückert<br />

HLX-1-BEHANDLUNG<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

19


Anzeige<br />

Laptop und Lederhose<br />

„Wir sind Industrie 4.0“<br />

Ein starkes, breit ausgebautes Lieferantennetz, eine flache<br />

Hierarchiestruktur und das Know-how der MitarbeiterInnen<br />

<strong>für</strong> optimale Kundenlösungen. <strong>Das</strong> ist der Dreiklang,<br />

der die SAR Group weltweit so erfolgreich macht.<br />

Nach der Zentrale im niederbayerischen Dingolfing ist<br />

die SAR Elektronic GmbH in Gunzenhausen der zweitgrößte<br />

Standort der Firmengruppe. <strong>Das</strong> Produktionswerk<br />

in der Richard-Stücklen-Straße 15 besticht durch<br />

seine Kompetenz in Sachen Kunststoffautomation und<br />

hat sich als Entwicklungslieferant auf Handhabungsund<br />

Montagesysteme <strong>für</strong> hochwertige Kunststoffwerkstücke<br />

mit komplexen, Roboter-gestützten Produktionslinien<br />

spezialisiert.<br />

Gegründet wurde die SAR im Jahr 1985 durch Konrad<br />

Sigl, welcher heute noch immer aktiv im Unternehmen<br />

als Geschäftsführer tätig ist. Der Bereich Kunststoffautomation<br />

in Gunzenhausen kam 2005 dazu. Die<br />

SAR Elektronic GmbH ist eine der Hidden Champions<br />

im Landkreis. Ein Industrieunternehmen, das nicht viel<br />

öffentliches Aufheben um sich macht, jedoch außerordentlich<br />

erfolgreich und technisch auf Weltniveau unterwegs<br />

ist.<br />

Die Auftraggeber-Liste ist lang und zeichnet sich durch<br />

ihren bunten Branchen-Mix aus. <strong>Das</strong> Kundenspektrum<br />

umfasst viele Global Player wie die Automobilhersteller<br />

BMW und Volkswagen, das Spielwaren- und Pflanzgefäßeunternehmen<br />

geobra Brandstätter („Playmobil“, „Lechuza“)<br />

sowie große Zulieferkonzerne wie Continental,<br />

Faurecia, Leoni und Plastic Omnium. Sie alle klopfen<br />

bei SAR an, wenn es um die <strong>für</strong> sie maßgeschneiderte<br />

Lösung geht. „Unsere Kunden fertigen hochwertige<br />

Kunststoffteile in automatisierten, kundenspezifischen<br />

Prozessen mit Sechs-Achs-Knickarm-Robotern“, erklärt<br />

Jürgen Schwarz, Leiter der Geschäftsentwicklung SAR<br />

Elektronic in Gunzenhausen. „Ob Teile <strong>für</strong> die Autoindustrie,<br />

Haushaltsgeräte, Bierkästen, Lechuza Pflanzgefäße<br />

oder Babyschnuller <strong>–</strong> alles, was aus Hochleistungskunststoff<br />

besteht, kann auf unseren Anlagen zum gewünschten<br />

und perfekten Endprodukt produziert werden.“<br />

Über 30 Jahre an Erfahrung weist SAR Elektronic in<br />

den Bereichen Spritzgussautomatisierung, Blasformautomatisierung<br />

und Montageautomatisierung auf.<br />

Seit 2005 wurden allein am Standort Gunzenhausen<br />

über 2.000 Roboterprojekte ausgeliefert, 37.000.000<br />

SPS-Zeilencodes geschrieben und 1.100 integrierte<br />

Steuerungen verbaut. Kunden profitieren von erprobter<br />

Kompetenz; nicht verwunderlich, dass 95 % der Ge-<br />

20<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

schäftspartner langjährige Bestandskunden sind. Dem demografischen<br />

Wandel mit all seinen Herausforderungen begegnet die SAR<br />

mit Optimismus, Digitalisierung und Automation und sieht darin große<br />

Chancen, gerade <strong>für</strong> junge MitarbeiterInnen. SAR setzt bei Industrie 4.0<br />

auf einen hohen Automatisierungsgrad und Künstliche Intelligenz; die<br />

intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen, Anlagen und Produkten.<br />

„Alle Anlagen sind Unikate und somit Sondermaschinenbau“,<br />

so Schwarz weiter.<br />

SAR Elektronic hat bei alledem die Nachhaltigkeitsbrille aufgesetzt.<br />

Alle Produktionsanlagen entstehen mit Blick auf die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele.<br />

Es mag in der heutigen Zeit verwunderlich klingen, doch<br />

<strong>für</strong> die SAR Elektronic GmbH stellt das Thema Energiesicherheit keine<br />

Herausforderung dar. Über eigene Photovoltaikanlagen produziert die<br />

SAR Group weltweit mehr Strom, als sie <strong>für</strong> die Produktion der Automatisierungsanlagen<br />

benötigt, und speist die überschüssig erzeugte Energie<br />

in das Netz ein. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft wird im Sinne<br />

des Nachhaltigkeitsgedankens sehr ernst genommen. Unter der Devise<br />

„Second Life“ werden z. B. Schulungsroboter in bestimmten zeitlichen<br />

Abständen ausgetauscht, überholt und bei Kundenprojekten wiederverwendet.<br />

Standardisierte, wiederverwendbare Komponenten bei<br />

Automatisierungslösungen verringern den CO2-Fußabdruck. Und auch<br />

der Werkstoff selbst, der Hochleistungskunststoff also, ist vollständig<br />

recycelbar. „Circular Economy. Kunststoff ist <strong>für</strong> uns dann Kunststoff,<br />

wenn wir damit den Kreislauf bedienen können“, sagt Jürgen Schwarz.<br />

Durch aktuelle Neubauten am Standort in Dingolfing wächst das Unternehmen<br />

auch in der Mitarbeiterzahl. SAR expandiert, nicht nur am niederbayerischen<br />

Stammsitz, sondern auch in Gunzenhausen. Etwa 100<br />

neue Arbeitsplätze entstehen weltweit. „Einige davon haben wir bereits<br />

auf unsere Internetseite eingestellt, man kann sich also schon darauf<br />

bewerben“, sagt Christine Schönweiß, Personalexpertin bei SAR Elektronic<br />

Gunzenhausen. Was die Arbeit bei SAR gerade in Gunzenhausen<br />

interessant macht, ist nicht<br />

nur die innovative Technologie<br />

dort. Da dem Unternehmen die<br />

Mitarbeiterzufriedenheit sehr<br />

wichtig ist, bietet es eine breite<br />

Palette an Mitarbeiterbenefits.<br />

Dazu gehören auch beste berufliche<br />

Entwicklungsmöglichkeiten.<br />

„Vor allem die jungen<br />

MitarbeiterInnen schätzen es<br />

sehr, dass sie durch die verschiedenen<br />

Standorte und die<br />

gute Auftragslage sowohl im<br />

Ausland als auch innerhalb<br />

Deutschlands die Möglichkeit<br />

haben, sich zumindest mal<br />

eine Zeit lang auch außerhalb<br />

unseres Standorts Gunzenhausen<br />

zu entfalten und zu beweisen“,<br />

so Schönweiß weiter.<br />

In Franken daheim, in der<br />

ganzen Welt zu Hause. SAR<br />

Elektronic GmbH setzt auf<br />

Tradition, Beständigkeit, aber<br />

vor allem auch auf Arbeiten im<br />

Zeichen der Zeit <strong>–</strong> Laptop und<br />

Lederhose. <br />

-cr-<br />

SAR-<br />

Kunststoffsysteme<br />

Über 700 Mitarbeiter zählt die SAR<br />

Group und erzielte 2022 einen<br />

Umsatz von über 120 Millionen €.<br />

Die SAR Group bietet maßgeschneiderte<br />

Automatisierungslösungen mit<br />

zertifizierter Systemqualität. Sie hat<br />

sich weltweit aufgestellt und verfügt<br />

außerhalb Europas über Standorte in<br />

Südafrika, den Vereinigten Staaten,<br />

den Niederlanden, in Großbritannien<br />

und der Schweiz. Acht Kerngeschäftsfelder<br />

bilden den Erfolg: Automation,<br />

Sondermaschinenbau, IT-Services,<br />

Oberflächensysteme, Prozess- und<br />

Umwelttechnik, Mikromontage und<br />

Bauteilkonstruktion <strong>–</strong> und natürlich<br />

Kunststoffsysteme, in Gunzenhausen.<br />

SAR Elektronic GmbH<br />

Richard-Stücklen-Straße 15<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 88 11 - 0<br />

www.sar.biz<br />

gunzenhausen@sar.biz<br />

Unternehmensgründung: 1985<br />

MitarbeiterInnen: rund 100<br />

Geschäftsführer: Konrad Sigl<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

21


Bis zum letzten Tropfen?<br />

Von Uwe Ritzer<br />

22<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Nie war Wasserversorgung<br />

ein großes Thema;<br />

waren oberflächennahe<br />

Grundwasserschichten<br />

verunreinigt, bohrte man<br />

einfach tiefer. Nun aber<br />

verändert der Klimawandel<br />

die Lage drastisch. Die<br />

Verteilungskämpfe haben<br />

begonnen. Und sie betreffen<br />

nicht nur Altmühltaler.<br />

Bevor er in Treuchtlingen sesshaft<br />

wurde, ist Erhard Bendig 23 mal umgezogen.<br />

1975 haben er und seine Frau<br />

sich dieses Haus am Hang gekauft, etwas<br />

oberhalb der Stadt. Vom Balkon<br />

aus schweift der Blick Richtung Süden<br />

über Treuchtlingen hinweg, aus dessen<br />

Zentrum graue Tanks in die Höhe ragen.<br />

Die Kirchtürme daneben wirken<br />

klein. Am anderen Ende des Tals steht<br />

ein unübersehbar großer, grauer Kasten.<br />

Beides, die Tanks mitten in der<br />

Stadt und der Kasten an der Heusteige,<br />

gehören zum Unternehmen Altmühltaler.<br />

Bis vor wenigen Monaten gehörte die<br />

Firma zum verschachtelten Konglomerat<br />

der Familie Schäff, einem der<br />

größten Mineralwasser- und Soft-<br />

Drink-Hersteller Deutschlands. Bis<br />

die Schäffs im vergangenen Jahr daran<br />

gingen, ihren Wasser-Riesen zu zerstückeln<br />

und die Einzelteile zu verkaufen.<br />

Zuerst war die in Warburg (Nordrhein-Westfalen)<br />

angesiedelte Heilund<br />

Mineralquellen Germete GmbH<br />

dran; sie ging an die Brauerei Krombacher.<br />

Dann, welch ein Zufall, scheiterten<br />

Preisverhandlungen mit Netto und<br />

Edeka, woraufhin die Schäffs auch ihre<br />

Brandenburger Urstromquelle, aus der<br />

heraus die beiden Handelsketten beliefert<br />

wurden, an den österreichischen<br />

Red-Bull-Konzern und dessen Vorarlberger<br />

Partner Rauch verkauften.<br />

Und zu guter Letzt war der Stammsitz<br />

dran. Die Altmühltaler Mineralbrunnen<br />

Gruppe mit den Standorten<br />

Treuchtlingen und Breuna in Hessen<br />

ging an Aldi Nord. Ein, wenn man so<br />

will, auf Käuferseite historischer Deal.<br />

Zum ersten Mal <strong>–</strong> abgesehen von ein<br />

wenig Kaffee-Rösterei <strong>–</strong> ist Aldi nicht<br />

nur Händler, sondern auch Produzent<br />

von Lebensmitteln.<br />

Red Bull, Rauch, Aldi, Krombacher<br />

und (wenn man die südbayerische<br />

Siegsdorfer Petrusquelle mit einbezieht)<br />

auch Edeka <strong>–</strong> ganz große Player<br />

im Lebensmittelgeschäft kaufen<br />

sich Zugänge zu Mineralbrunnen. Sie<br />

wollen ihre Wasser- und Getränkegeschäfte<br />

<strong>für</strong> die Zukunft absichern.<br />

Es ist ein Indiz da<strong>für</strong>, dass ein bis dato<br />

selbstverständliches Gut hierzulande<br />

immer knapper und damit begehrter<br />

wird: Wasser. Deutschland hatte davon<br />

stets im Übermaß. Nun allerdings<br />

schwinden die Vorräte rasant. Der<br />

Klimawandel ist da<strong>für</strong> hauptsächlich<br />

verantwortlich. Je mehr sich das Klima<br />

erwärmt, je heißer die Sommer werden<br />

und je länger Dürreperioden, desto<br />

mehr Wasser benötigen Menschen,<br />

Flora und Fauna.<br />

Die Niederschläge gleichen das nicht<br />

mehr aus. Entweder regnet es zu wenig<br />

oder zur falschen Zeit oder in Form<br />

von Starkregen, dessen Wassermassen<br />

der Boden nicht aufnehmen kann. Was<br />

dann geschieht, vergleicht der Würzburger<br />

Klimaforscher Professor Heiko<br />

Paeth mit einem Blumentopf. Wer eine<br />

ausgetrocknete Pflanze gieße, könne<br />

beobachten, dass die bröseltrockene<br />

Erde nicht in der Lage sei, das Wasser<br />

sofort aufzunehmen. Es fließt einfach<br />

weg.<br />

Als Folge davon sind die Grundwasservorkommen<br />

Bayerns Umweltminister<br />

Thorsten Glauber zufolge binnen<br />

10 Jahren um etwa 20 Prozent geschrumpft.<br />

Wasser, diese Vorhersage<br />

sei erlaubt, wird nach Gas und Strom<br />

das nächste große Thema in Sachen<br />

<strong>Das</strong>einsvorsorge werden. Zeit also,<br />

sich rechtzeitig ein paar grundlegende<br />

Gedanken zu machen <strong>–</strong> auch über die<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

23


In riesigen Hochbehältern lagert die Ressource Wasser, bis sie zuhause aus dem Wasserhahn kommt.<br />

Situation in Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

Erhard Bendig macht sich diese Gedanken<br />

schon lange. Er verfolgt das Thema<br />

seit Jahrzehnten mit besonderer Aufmerksamkeit.<br />

Man kann sagen, Wasser<br />

treibt ihn sein ganzes Leben schon auf<br />

eine außergewöhnlich intensive Weise<br />

um. Nicht nur als profilierter Umweltschützer<br />

und Kreisvorsitzender des<br />

Bund Naturschutz von 1991 bis 2012;<br />

Bendig hat sogar Gedichte zum Thema<br />

Wasser geschrieben und mit einer<br />

Spezialoptik, speziell beschichteten,<br />

bunten Glasscherben und Sonnenlicht<br />

beeindruckende abstrakte Fotobilder<br />

geschaffen. Als Paddler und Segler hat<br />

er Wasser genutzt und als Umweltschützer<br />

stets da<strong>für</strong> gekämpft, Grundwasser<br />

und Flüsse besser zu schützen.<br />

„Wasser ist nicht nur Hauptnahrungsmittel<br />

und Handelsgut, sondern Urquell<br />

jedweder Wertschöpfungskette“,<br />

sagt Bendig. „Ob bezahlt oder nicht,<br />

Wasser ist durch nichts ersetzbar,<br />

durch gar nichts. Alles andere schon.“<br />

„Es gibt keinen zweiten<br />

Landkreis in Bayern,<br />

der seine eigenen<br />

Wasserressourcen seit<br />

Jahrzehnten so übernutzt„<br />

Im September 2022 hat er eine sehr<br />

kundige Analyse verfasst, basierend<br />

auf Mengentabellen, Grafiken und<br />

den Pegelständen von Grundwassermessstellen<br />

im Landkreis. Bendigs<br />

Fazit: „Es gibt keinen zweiten Landkreis<br />

in Bayern, der gleichzeitig so viel<br />

Flusswasser in den Norden Bayerns<br />

leitet, so viel Fernwasser benötigt und<br />

dennoch seine eigenen Wasserressourcen<br />

seit Jahrzehnten so übernutzt wie<br />

unser Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.“<br />

Die Überleitung <strong>–</strong> sie findet<br />

hauptsächlich durch das ja zuvörderst<br />

auch zu diesem Zweck und nicht <strong>für</strong><br />

touristische Zwecke geschaffene Fränkische<br />

Seenland statt.<br />

<strong>Das</strong> Fernwasser, von dem Bendig<br />

schrieb <strong>–</strong> viele Kommunen sind von<br />

dieser Art der Versorgung abhängig.<br />

Ein besonderes Kuriosum ist dabei die<br />

Stadt Treuchtlingen. Deren Trinkwasser<br />

kommt ausschließlich aus dem<br />

Gebiet der Lech-Donau-Mündung bei<br />

Genderkingen über Fernleitungen.<br />

Obwohl Treuchtlingen selbst genug<br />

Wasser hätte. <strong>Das</strong> schöpft allerdings<br />

Altmühltaler ab. Ein an sich absurder<br />

Zustand, mit der Folge, dass ein<br />

Treuchtlinger, der Treuchtlinger Wasser<br />

kaufen will, dieses im Supermarkt<br />

viel teurer kaufen muss als das Fernwasser,<br />

das aus der Leitung kommt.<br />

Und schließlich Bendigs dritter Punkt:<br />

die Wasser-Übernutzung. <strong>Das</strong> Ansbacher<br />

Wasserwirtschaftsamt warnte<br />

davor schon vor mehr als einem Dutzend<br />

Jahren. Ohne allerdings wirklich<br />

gehört zu werden. Viele Politiker, aber<br />

auch die breite Öffentlichkeit interessierten<br />

sich nicht wirklich. War ja stets<br />

genug Wasser da. Also verhallten die<br />

Warnungen ungehört und die Grundwasser-<br />

und Tiefengrundwasservorräte<br />

schrumpften weiter. Beim zweiten<br />

mittelfränkischen Wasserforum,<br />

im Herbst 2022 veranstaltet von der<br />

Regierung von Mittelfranken, nannte<br />

ein Vertreter des bayerischen Umweltministeriums<br />

unmissverständliche<br />

Zahlen. 90 Prozent des Trinkwassers<br />

im Freistaat wird aus Grundwasser<br />

gewonnen. Und seit 2018 gibt es eine<br />

bedenkliche Zahl staatlicher Grundwasserstellen,<br />

die Niedrigststände aufweisen.<br />

Vier Stressfaktoren <strong>für</strong> unser<br />

Grundwasser nannte Roland Kriegsch<br />

24<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


vom Umweltministerium bei dem<br />

Symposium: rückläufiges Wasserdargebot<br />

(also die zur Verfügung stehende<br />

Wassermenge), einen erhöhten Bedarf<br />

an Wasser in Trockenzeiten, intensive<br />

Landnutzung und zunehmend qualitative<br />

Probleme, etwa durch Nitrateinträge<br />

oder andere chemische Belastungen.<br />

Die Wasserversorgung nach dem Krieg<br />

war auch im heutigen Weißenburg-<br />

Gunzenhausen geprägt vom Irrglauben<br />

pausenloser und uneingeschränkter<br />

Nutzbarkeit. Als die oberflächennahen<br />

Wasserschichten zunehmend vor allem<br />

durch Einträge aus der Landwirtschaft<br />

(Nitrat!) in Mitleidenschaft gezogen<br />

wurden, nahm man die entsprechenden<br />

Quellen und Brunnen vom Netz,<br />

bohrte einfach tiefer und zapfte solche<br />

Grundwasserschichten an, die von Nitrat<br />

und anderen Einflüssen verschont<br />

geblieben waren. Tiefengrundwasser<br />

schien die Lösung zu sein.<br />

Nicht nur die Stadt Weißenburg, die<br />

etwa zwei Drittel ihres Trinkwassers<br />

daraus schöpft, sondern auch andere<br />

bedienen sich in diesen stellenweise<br />

200 Meter unter der Erde liegenden<br />

Vorkommen: von der Jura-Schwarzach-<br />

Thalach-Gruppe (sie pumpt nach Angaben<br />

des Umweltministeriums 770<br />

000 Kubikmeter pro Jahr ab) über die<br />

Gemeinden Alesheim und Ettenstatt,<br />

die Zweckverbände Burgsalacher Jurawassergruppenversorgung<br />

bis hin zur<br />

Pfofelder und Gnotzheimer Gruppe.<br />

Insgesamt knapp 7,2 Millionen Kubikmeter<br />

Tiefengrundwasser werden<br />

in unserer Region jährlich entnommen;<br />

drei Millionen davon entfallen<br />

auf Nutzer aus dem Landkreis. <strong>Das</strong><br />

ist allein deshalb ein Problem, weil<br />

sich diese Tiefengrundwasserstöcke<br />

im überdeckten Sandsteinkeuper nur<br />

sehr langsam regenerieren. <strong>Das</strong> Wasser<br />

dort ist außergewöhnlich rein und<br />

obendrein Zehntausend Jahre alt. Die<br />

Vorräte werden immer weniger.<br />

<strong>Das</strong>s Kommunen, ob im Alleingang<br />

oder gemeinsam in Zweckverbänden,<br />

ihre Wasserversorgung selbst organisieren,<br />

ist vom Gesetz gewünscht. Jede<br />

Gemeinde oder Stadt sollte erst einmal<br />

versuchen, ihre eigene Trinkwasserversorgung<br />

zu betreiben. Fernwassersysteme<br />

waren ursprünglich nur <strong>für</strong> solche<br />

Regionen gedacht, die das aus hauptsächlich<br />

hydrogeologischen Gründen<br />

nicht können. Für alle anderen gilt:<br />

Sich einfach an eine Fernwasserversorgung<br />

anzuschließen, ist der bequemste<br />

Weg. Ob es aber auf Dauer auch der<br />

nachhaltigste und sinnvollste Weg ist,<br />

darf bezweifelt werden.<br />

Im Zuge der gesellschaftlichen und öffentlichen<br />

Debatten über all dies, die<br />

erst mit den durch den Klimawandel<br />

bedingten Hitzesommern einsetzten,<br />

sehen immer mehr Menschen das Geschäftsmodell<br />

von Mineralwasserherstellern<br />

kritisch. Ist es statthaft, wenn<br />

ein Privatunternehmen ein Allgemeingut,<br />

das allen gehört (das tut Wasser<br />

nämlich) entnimmt, abfüllt und verkauft,<br />

wobei die Gewinne selbstverständlich<br />

ausschließlich beim Unternehmen<br />

und dessen Eigentümern<br />

hängen bleiben? Noch dazu, wenn es<br />

sich, wie im Fall der Firma Altmühltaler,<br />

um wertvolles Tiefengrundwasser<br />

handelt?<br />

Es war mehr als eine Klatsche <strong>für</strong> Altmühltaler,<br />

nämlich ein bundesweites<br />

Signal, als 2019 etwas geschah, das<br />

bis dahin undenkbar schien. Früher<br />

waren Bayerns Politiker und auch<br />

jene im Landkreis, sowie in der Folge<br />

die beteiligten Behörden, den Schäffs<br />

gegenüber meist sehr behilflich, wenn<br />

es um deren Wünsche ging. 2019 aber<br />

untersagte das Landratsamt auf Geheiß<br />

des Landesamtes <strong>für</strong> Umwelt Probebohrungen<br />

der Mineralwasserfirma<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

25


mit dem Ziel, am Ende zu den 250 000<br />

Kubikmetern weitere 300 000 Kubikmeter<br />

Tiefengrundwasser jährlich ausbeuten<br />

zu dürfen. Der Schutz des Tiefengrundwassers<br />

gehe vor, so die klare<br />

Botschaft hinter der Absage.<br />

In der Region, vor allem aber in<br />

Treuchtlingen, freuten sich darüber<br />

viele Menschen, die das verschlossene<br />

und wenig transparente Gebaren des<br />

Unternehmens und auch des damaligen<br />

Stadtrats so misstrauisch gemacht<br />

hatte, dass sie ein Bürgerbegehren vorbereiteten.<br />

Dazu kam es nach dem behördlichen<br />

„Nein“ nicht mehr.<br />

4 Jahre später steht die Frage danach,<br />

woher Altmühltaler in Zukunft wie<br />

viel Wasser bezieht, wieder im Raum.<br />

Der neue Eigentümer Aldi Nord plant<br />

erklärtermaßen Investitionen, was auf<br />

Mehrentnahmen hinauslaufen könnte.<br />

Andererseits lockt das Unternehmen<br />

mit einem Versprechen: Es glaubt, ausreichend<br />

große Vorkommen an oberflächennahen<br />

und weit jüngeren Grundwasserschichten<br />

entdeckt zu haben,<br />

die sich zur Verarbeitung als Mineralwasser<br />

eignen.<br />

Die ersten Probebohrungen waren<br />

nach Angaben aus dem Landratsamt<br />

vielversprechend. Es ist also unter Umständen<br />

möglich, dass die Firma ihre<br />

Zusage einhält und künftig ganz auf<br />

Tiefengrundwasser verzichtet. Wie<br />

ressourcenschonend die neuen Vorkommen<br />

sind, muss (Stand bei Redaktionsschluss<br />

dieses <strong>WIKO</strong>) noch fachlich<br />

geklärt werden. <strong>Das</strong> monatelange<br />

Schweigen von Altmühltaler und die<br />

ausweichenden Floskeln von Aldi<br />

Nord auf alle Fragen zum Thema erweckten<br />

wenig Vertrauen, da<strong>für</strong> umso<br />

mehr Misstrauen in der Öffentlichkeit.<br />

Doch auch über diese Debatte hinaus<br />

geht es ab <strong>2023</strong> ans Eingemachte.<br />

Zwischen 2025 und 2039 laufen die<br />

Entnahmerechte auch der öffentlichen<br />

Versorger <strong>für</strong> das Tiefengrundwasser<br />

aus. Über die künftigen Kontingente<br />

wird bereits verhandelt; spätestens<br />

2026 soll die Neuvergabe geregelt<br />

sein. Angeblich müssen 800 000 Kubikmeter<br />

pro Jahr eingespart werden,<br />

um die Neubildung und die Entnahme<br />

des Tiefengrundwassers wieder in die<br />

Balance zu bringen. Es ist völlig klar,<br />

dass sich die Versorger, zu denen maßgeblich<br />

auch die Weißenburger Stadtwerke<br />

gehören, auf geringere Kontingente<br />

einstellen müssen. <strong>Das</strong> ist auch<br />

gut so, denn wer Tiefengrundwasser<br />

<strong>für</strong> zu wertvoll hält, um es beim Discounter<br />

zu verramschen, muss es auch<br />

<strong>für</strong> fragwürdig halten, wenn es <strong>für</strong><br />

Toilettenspülungen, Autopflege oder<br />

Rasensprengen verwendet wird. Klar<br />

muss aber auch sein: Die öffentliche<br />

Wasserversorgung muss eindeutig und<br />

unmissverständlich Vorrang haben vor<br />

privatwirtschaftlichen Interessen.<br />

Wasser wird knapper werden <strong>–</strong> das<br />

steht außer Frage. Deutschland<br />

braucht schnell und dringend ein integriertes<br />

Wassermanagement, das die<br />

Versorgung langfristig gewährleisten<br />

muss. Es durchzusetzen, bedeutet,<br />

viele Knöpfe zu drücken <strong>–</strong> nicht die<br />

Bundes-, die Landes- oder die Kommunalpolitik<br />

können das Problem <strong>für</strong><br />

sich lösen. Genauso wenig wie die<br />

Behörden oder die Privathaushalte<br />

oder die Landwirte. Alle müssen den<br />

Umgang mit Wasser überdenken und<br />

korrigieren. Und Großabnehmer, etwa<br />

Industrie und die Energieversorger, die<br />

gewaltige Mengen Wasser <strong>für</strong> die Kühlung<br />

von Kraftwerken und anderen<br />

technischen Anlagen benötigen, müssen<br />

zur Kasse gebeten werden. Allein<br />

schon, um Anreize <strong>für</strong> Spar- und Wasserkreislaufsysteme<br />

zu schaffen.<br />

Steuern muss diesen Prozess die Politik,<br />

von oben, sozusagen. Es ist zuvörderst<br />

eine nationale Aufgabe. Aber<br />

eben nicht nur. Ein Beispiel: Es kann<br />

nicht sein, dass in Bayern Unternehmen,<br />

Landwirte und eben auch Mineralwasserhersteller<br />

das Allgemeingut<br />

Grundwasser umsonst entnehmen<br />

und wirtschaftlich <strong>für</strong> ihren eigenen<br />

Profit verwenden dürfen, ohne dass<br />

die Allgemeinheit davon etwas hat.<br />

Bayern, Hessen und Thüringen sind<br />

die einzigen Bundesländer, die keinen<br />

Wassercent verlangen, kein Wasserentnahmeentgelt,<br />

wie das im Bürokratenduktus<br />

heißt. Was ein Grund<br />

ist, weshalb immer mehr Firmen im<br />

Freistaat Mineralwasser herstellen<br />

wollen. Die Staatsregierung aus CSU<br />

und FW wollte den Wassercent eigentlich<br />

in dieser Legislaturperiode bereits<br />

einführen. Geschehen ist bislang<br />

nichts.<br />

Von unserem Autor Uwe Ritzer erscheint<br />

im April das Buch „Zwischen<br />

Dürre und Flut <strong>–</strong> Deutschland vor<br />

dem Wassernotstand. Was jetzt getan<br />

werden muss“ (Penguin-Verlag). Es beschäftigt<br />

sich auch mit der Situation im<br />

Altmühltal.<br />

26<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Handwerk<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

27


Anzeige<br />

Qualität aus Tradition<br />

Rundum gelungenes<br />

Konzept<br />

Die Fliesen Wolf GmbH aus Weißenburg<br />

ist ein renommiertes Familienunternehmen,<br />

das sich auf hochwertige<br />

Fliesen- und Bodenbeläge sowie<br />

Estrichverlegung spezialisiert hat.<br />

Kaminöfen <strong>für</strong> eine besondere Atmosphäre<br />

im eigenen Zuhause runden<br />

das Portfolio ab. Ein ansprechender<br />

Showroom, in Kombination mit einer<br />

kompetenten Beratung, bietet das<br />

Rundumkonzept. Der Fokus liegt auf<br />

der Schaffung von Lösungen, die ein<br />

einzigartiges Erscheinungsbild, eine<br />

edle Ästhetik und eine lebenslange<br />

Haltbarkeit bieten. Die Fliesen Wolf<br />

GmbH setzt auf Qualität, Innovation<br />

und Kundenzufriedenheit.<br />

Fliesen | Naturstein | Öfen | Holzböden | Estriche<br />

Fliesen Wolf GmbH<br />

Richard-Stücklen-Straße 16<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 90 12 50<br />

www.woconcept.de<br />

info@woconcept.de<br />

Unternehmensgründung: 1928<br />

MitarbeiterInnen: 15<br />

Geschäftsführer: Matthias<br />

Heidrich-Wolf<br />

Zum dritten Mal ist die Fliesen Wolf GmbH im Wirtschaftskompass<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> vertreten, und das hat einen guten<br />

Grund. Der Handwerksbetrieb in der Richard-Stücklen-Straße<br />

16 in Weißenburg erweitert sein Angebot im Privatsektor<br />

sowie im Objektbereich stetig. Neben Parkett und Laminat<br />

liegt der Fokus selbstverständlich vor allem im Bereich rund<br />

um Fliesen und Naturstein. Wolf bietet seinen Kunden eine<br />

breite Palette <strong>für</strong> jeden gewünschten Einsatzbereich ihrer Produkte<br />

an. Stets up to date. <strong>Das</strong> Traditionsunternehmen bietet<br />

mit seinen 15 Mitarbeitern und 25 Nachunternehmern zudem<br />

kompetente und zuverlässige Beratung sowie die fachgerechte<br />

Verlegung und Montage seiner Produkte.<br />

„Wir haben unser Portfolio aber auch erweitert“, sagt Firmenchefin<br />

Carolyn Wolf. Estrich ist das neue, große Thema. „Von<br />

langer Hand bis ins Detail geplant, konnte unsere Firma um<br />

eine eigene Estrichabteilung erweitert werden“, erklärt Wolf.<br />

„Wir können nun im Bodenbereich, sei es im häuslichen<br />

Badezimmer, sei es im großen Industrie- oder Hotelkomplex<br />

mit mehreren Hundert Zimmern, ganzheitlich alles abdecken.<br />

Vom Untergrund bis hin zum fertigen Oberbelag“, so Carolyn<br />

Wolf. Die Fliesen Wolf GmbH bietet somit ein vollumfängliches<br />

Angebot, ganz nach der Devise: alles aus einer Hand.<br />

Daneben hat die aktuelle Energiekrise das Geschäft von Fliesen<br />

Wolf auftragsseitig verändert. „Die Nachfrage speziell<br />

nach Holzöfen ist in der letzten Zeit um 100 Prozent angestiegen.<br />

<strong>Das</strong> bedeutet <strong>für</strong> uns einerseits eine gute Auftragslage,<br />

andererseits gibt es speziell im Holzofenbereich derzeitige<br />

Lieferengpässe. Daher ist richtiges Zeitmanagement vor<br />

allem in diesem Gewerk sehr essenziell“, so die Chefin weiter.<br />

Gute Planung sei hier wichtig. <strong>Das</strong> ehemalige Pleinfelder<br />

Unternehmen legt großen Wert auf Qualität, Kundenservice<br />

und Kreativität. „Wir möchten einfach sicherstellen, dass das<br />

Zuhause der Kunden am Ende unserer Arbeit nicht nur stilvoll,<br />

sondern auch sicher ist.“<br />

-cr-<br />

28<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

Erfolgreich in<br />

rauen Zeiten<br />

Sich dem Wandel der Zeit anpassen und dabei Qualitätsanspruch<br />

und Kundenzufriedenheit hochhalten. Nicht immer<br />

leicht, aber die Firma Mory beweist sich darin seit 140 Jahren.<br />

<strong>Das</strong> Pleinfelder Traditionsunternehmen mit rund 100 Mitarbeitern<br />

hat es verstanden, nicht nur in guten Zeiten zu bestehen,<br />

sondern auch in<br />

der Krise. In fünfter<br />

Generation bieten<br />

die Mory-Experten<br />

alles rund um effiziente<br />

Haustechnik.<br />

Heizung, Bad<br />

und Sanitär, digitale<br />

Smart-Home-<br />

Lösungen, Photovoltaik<br />

und Elektronik. Der Familienbetrieb arbeitet ganz im<br />

Zeichen der Zeit, um den Kundinnen und Kunden ein rundum<br />

energieeffizientes Zuhause zu schaffen. <strong>Das</strong> ganzheitliche Angebot<br />

ist es, was die Firma von anderen unterscheidet.<br />

„Durch die Hauptgeschäftsstelle in Pleinfeld und Niederlassungen<br />

in Schwabach und Georgensgmünd arbeiten wir an der<br />

B 2 entlang <strong>–</strong> von Treuchtlingen bis Nürnberg“, sagt Rainer<br />

Mory, einer der drei Geschäftsführer neben Bernd Mory und<br />

Gerhard Schrank. „Man muss sich immer an Wandel und Herausforderungen<br />

anpassen“,<br />

sagt er. Auch die aus<br />

dem Ukraine-Krieg resultierende<br />

Energiekrise beeinflusst<br />

die Arbeit. Allein<br />

die Nachfrage nach erneuerbaren<br />

Energien und<br />

energieeffizienter Wärmebeschaffung<br />

stieg um das<br />

Dreifache. „Von fünf auf<br />

15 Anfragen pro Tag“, so<br />

Rainer Mory. Also muss<br />

vorausschauend geplant<br />

werden, um Kundenwünsche<br />

jederzeit erfüllen zu<br />

können: Eine Lagerhalle<br />

wurde angemietet, um<br />

Platz <strong>für</strong> Materialvorrat zu<br />

schaffen und so Knappheit, schwankenden Rohstoffkosten<br />

und langen Lieferzeiten zu trotzen. „Aufgrund der stark angestiegenen<br />

Preise hat sich auch die Auftragslage verändert. Die<br />

Neubauanfragen sinken derzeit, die Sanierung von Altbauten<br />

ist weiterhin stark angefragt“, so Mory. Die Umstellung von<br />

Gas- oder Ölheizung auf Pellets, Wärmepumpe oder Photovoltaik<br />

ist das häufigste Anfragethema. So oder so <strong>–</strong> die individuelle,<br />

maßgeschneiderte Lösung <strong>für</strong> Kunden ist und bleibt die<br />

Stärke Morys. Auch und gerade in der Krise.<br />

-cr-<br />

Fünfte Generation<br />

Handwerk<br />

Bereits 1882 hatte Wilhelm Mory<br />

die Vision einer eigenen Schlosserei.<br />

Der erste Meilenstein war das eigene<br />

Ladengeschäft in Pleinfeld in den<br />

1920er-Jahren. Aus bescheidenen<br />

Anfängen entwickelte sich das Unternehmen<br />

zu einem Handwerksbetrieb,<br />

den Fritz Mory im Jahr 2003 an<br />

seine beiden Söhne Bernd und Rainer<br />

Mory weitergab. Der über 140 Jahre<br />

alte Traditionsbetrieb wird seitdem in<br />

bereits fünfter Generation am Hauptstandort<br />

in Pleinfeld weitergeführt.<br />

Mory GmbH<br />

Nordring 8 • 91785 Pleinfeld<br />

Tel. 0 91 44 / 9 29 40<br />

www.mory-haustechnik.de<br />

info@mory-haustechnik.de<br />

Unternehmensgründung: 1882<br />

MitarbeiterInnen: 100<br />

Geschäftsführer: Bernd Mory,<br />

Rainer Mory und Gerhard Schrank<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

29


Anzeige<br />

Bauen bedeutet Vertrauen<br />

Wer kennt sie nicht, unsere beiden<br />

Weißenburger Römermasken. Nur<br />

wenige wissen, dass diese wohl<br />

nicht ohne die Firma Göttler Bau<br />

GmbH stehen würden. Im wahrsten<br />

Sinne. Denn beide Masken stehen<br />

auf einem Fundament, gegossen<br />

von Göttler Bau.<br />

Göttler Bau GmbH<br />

Lehenwiesenweg 88<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 67 00<br />

info@goettler-bau.de<br />

www.goettler-bau.de<br />

Geführt wird das Familienunternehmen,<br />

welches seit 2003 besteht,<br />

von dem Vater-Sohn-Duo<br />

Herbert und René Göttler. Es zählt<br />

derzeit 14 MitarbeiterInnen. <strong>Das</strong><br />

seit über 20 Jahren auf Planung<br />

und Umsetzung von Bauprojekten<br />

spezialisierte Unternehmen bietet<br />

seinen Kunden ein breites Spektrum<br />

an Um- und Neubauprojekten,<br />

Einfamilienhäusern, Gewerbe- und<br />

Industriebauten bis hin zu grundlegenden<br />

Modernisierungsarbeiten<br />

an. Auf den großen Anteil von<br />

Stammkunden und deren langjähriges<br />

Vertrauen ist man besonders<br />

stolz. „Denn Bauen bedeutet Vertrauen,<br />

und genau das bieten wir<br />

mit unserem Team aus erfahrenen<br />

Baufachleuten, welche die nötigen<br />

Fähigkeiten und Kompetenzen haben,<br />

um Projekte professionell und<br />

zuverlässig abzuschließen“, so Junior-Geschäftsführer<br />

René Göttler.<br />

„Wir leisten einen umfassenden<br />

Service und legen großen Wert auf<br />

die Betreuung unserer Kunden.“-cr-<br />

Autohaus Neulinger GmbH & Co.KG<br />

Adolph-Kolping-Straße 4<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 68 00<br />

www.auto-neulinger.de<br />

Weißenburger Straße 86<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 90 01<br />

www.opel-neulinger-gunzenhausen.de<br />

info@auto-neulinger.de<br />

30<br />

AUTOHAUS<br />

NEULINGER<br />

Wir reparieren ALLE Fabrikate zum günstigen Preis<br />

Ihr freundlicher OPEL- und 1a-Partner im Fränkischen Seenland<br />

Adolph-Kolping-Str. 4<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 68 00<br />

www.auto-neulinger.de<br />

Weißenburger Straße 86<br />

91710 Gunzenhausen<br />

Tel. 0 98 31 / 90 01<br />

www.opel-neulingergunzenhausen.de<br />

Mit der Firma aufgewachsen<br />

Begonnen hat alles im Stadtkern<br />

von Weißenburg. 1920 gründete<br />

Albert Neulinger das gleichnamige<br />

Autohaus in der Inneren Türkengasse.<br />

Fünf Jahre später bot er dort<br />

das erst Modell des Herstellers<br />

Opel an. Später zog das Unternehmen<br />

in die Eichstätter Straße um.<br />

Im Jahr 2000 kam mit Gunzenhausen<br />

ein weiterer Standort dazu.<br />

Im Jahr 2018 hat sich die Familie<br />

Neulinger dazu entschlossen, in<br />

Weißenburg eine sehr gut geführte<br />

freie Werkstatt in der Adolph-Kolping-Straße<br />

4 zu übernehmen, und<br />

zog daraufhin mit all seinen Mitarbeitern<br />

erneut um. Eine Win-win-Situation<br />

<strong>für</strong> alle Beteiligten. In all den<br />

Jahrzehnten ist die Firma Neulinger<br />

immer ein familiengeführtes Autohaus<br />

geblieben. Seit geraumer Zeit<br />

weist dieses an seiner Spitze eine<br />

Seltenheit auf <strong>–</strong> eine Chefin, Stefanie<br />

Neulinger. Statistisch gesehen<br />

ist es de facto eher die Ausnahme,<br />

dass eine Frau ein Autohaus führt,<br />

und das mittlerweile in dritter Generation.<br />

Gemeinsam mit ihrem<br />

Vater Karl Albert Neulinger ist die<br />

Kfz-Meisterin und Autokauffrau die<br />

starke Spitze des Unternehmens.<br />

„Ich bin in und mit der Firma aufgewachsen.<br />

Meine Mitarbeiter liegen<br />

mir am Herzen, deswegen mache<br />

ich diesen Job auch mit großer Begeisterung“,<br />

so Stefanie Neulinger.<br />

An beiden Standorten bietet das<br />

Autohaus <strong>für</strong> alle Fabrikate einen<br />

professionellen Werkstattservice<br />

und ein umfangreiches Angebot<br />

im Verkauf an. Insgesamt arbeiten<br />

in dem Traditionsunternehmen<br />

20 kompetente Mitarbeiter. Die<br />

Automobilindustrie in Deutschland<br />

wächst und wird in Zukunft mehr<br />

in Innovationen wie Wasserstoffantriebe<br />

und die Entwicklung von<br />

Elektroautos und autonomen Fahrzeugen<br />

investieren. <strong>Das</strong> Autohaus<br />

Neulinger ist bestrebt diese Entwicklungen<br />

mitzugehen und sich<br />

<strong>für</strong> die Zukunft aufzustellen. -cr-<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Know-how auf dem neuesten Stand<br />

<strong>Das</strong> Weißenburger Traditionsunternehmen<br />

Riebel & Oeder GmbH &<br />

Co. KG existiert seit über 100 Jahren<br />

und wird in vierter Generation<br />

von Michael Oeder und seiner Frau<br />

Anita Oeder-Flierler geführt. Zehn<br />

Spezialisten im Sanitär-, Spengler-,<br />

Solar- und Heizungssektor arbeiten<br />

<strong>für</strong> die Firma. „Wir haben uns so<br />

aufgestellt, dass alle Aufträge so<br />

schnell wie möglich erledigt werden“,<br />

sagt Michael Oeder. „Gerade<br />

in diesen turbulenten Zeiten ändern<br />

sich Preise und Auftragslage<br />

sehr schnell und Lieferengpässe in<br />

einzelnen Segmenten sind derzeit<br />

leider normal. Ziel ist immer dem<br />

Kunden das <strong>für</strong> ihn bestmögliche<br />

und schnellste Angebot zu unterbreiten,<br />

bestenfalls innerhalb von<br />

14 Tagen.“<br />

Ein großes Thema ist die Umstellung<br />

auf energiesparende<br />

Heizungsanlagen. Meist in enger<br />

Zusammenarbeit mit einem Energieberater<br />

und eng angepasst an<br />

die Kundenwünsche und die räumlichen<br />

Gegebenheiten sorgt Riebel<br />

& Oeder <strong>für</strong> das optimale Ergebnis.<br />

„Es gibt kein Allheilmittel und auch<br />

nicht die eine perfekte Heizung.<br />

Sicher ist aber: Wenn die Heizung<br />

älter als 30 Jahre ist, dann sollte<br />

sie ausgetauscht werden“, sagt Michael<br />

Oeder weiter.<br />

Auch die Nachfrage nach dem<br />

Bau/Umbau von barrierefreien Bädern<br />

hat in letzter Zeit stark zugenommen.<br />

Große Duschen mit einer<br />

Sitzmöglichkeit sind besonders gefragt.<br />

„Die Menschen werden immer<br />

älter und möchten so lange es geht<br />

im eigenen Heim wohnen können“,<br />

erklärt Anita Oeder-Flierler. Für ihr<br />

Unternehmen ist Zeitmanagement<br />

sehr wichtig, denn es kommt oft<br />

vor, dass der Badumbau besonders<br />

bei den älteren Menschen schnell<br />

gehen muss. Ob Heizung oder barrierefreies<br />

Bad: In beiden Fällen ist<br />

Riebel & Oeder ein kompetenter<br />

Partner.-cr-<br />

Zwei-Mann-Betrieb <strong>für</strong> Haus und Garten<br />

Anzeige<br />

Riebel & Oeder Heizung • Sanitär<br />

Bgm.-Fleischmann-Straße 24-26<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 67 80<br />

www.riebelundoeder.de<br />

info@riebelundoeder<br />

Zwei Männer, ein Betrieb. „Bei uns<br />

spricht der Kunde immer mit dem<br />

Chef“, sagt Rudaj Faton schmunzelnd.<br />

Gemeinsam mit seinem Onkel<br />

Rudi Sokol betreibt er die Firma<br />

Rudi Bau mit Sitz in Stopfenheim.<br />

Die beiden gelernten Maurer bieten<br />

ihre fachmännischen Dienstleistungen<br />

im Bereich Außenanlage und<br />

Sanierung an. Ob Erdarbeiten auf<br />

dem eigenen Grundstück oder Instandsetzungen<br />

im Innenbereich<br />

<strong>–</strong> sie haben sich zusammengetan<br />

und bilden ein starkes Familienduo,<br />

wenn es darum geht, gewünschte<br />

Veränderungen an Eigenheim oder<br />

der Firmenimmobilie umzusetzen.<br />

<strong>Das</strong> Stopfenheimer Unternehmen<br />

bietet Hilfe in den Bereichen Gartengestaltung,<br />

Pflasterarbeiten, Abbrucharbeiten,<br />

beim Fliesenlegen<br />

oder auch beim Verputzen an. Die<br />

notwendige Ausstattung mit allen<br />

notwendigen Gerätschaften ist vorhanden.<br />

Rudi Bau will wachsen und<br />

hält nach Mitarbeitern Ausschau.<br />

Bei der Kundschaft seien vor allem<br />

Pflasterarbeiten momentan sehr<br />

gefragt, sagt Rudaj Faton. „Viele<br />

Kunden möchten sich ihren Garten<br />

als Wohlfühloase gestalten<br />

lassen.“ Aber auch den „Rahmen<br />

des Gartens“ zu setzen, ist stark<br />

nachgefragt. Randsteine, Schotterabgrenzungen,<br />

Kiesbegradigungen,<br />

Erdarbeiten <strong>–</strong> das Angebotsspektrum<br />

ist groß und die Nachfrage<br />

wächst.<br />

Ein Vorteil von Rudi Bau bei alledem:<br />

<strong>Das</strong> Unternehmen kennt keine<br />

Lieferengpässe, da es nicht durch<br />

Rahmenverträge an bestimmte<br />

Zulieferer gebunden ist. „Von dieser<br />

Flexibilität profitieren unsere<br />

Kunden“, so Faton. „Und auch davon,<br />

dass wir ein kleiner Betrieb<br />

sind.“ Eine direkte Absprache und<br />

schnelle Kommunikation, flexi ble<br />

Beschaffungsmaßnahmen und<br />

fachmännische Umsetzung bieten<br />

Auftraggebern einen interessanten<br />

Dreiklang. Fazit: ein kleines Unternehmen<br />

mit großen Möglichkeiten.<br />

Rudi Bau<br />

Störzelbacher Straße 6<br />

91792 Ellingen-Stopfenheim<br />

Tel. 01 78 / 6 27 37 72<br />

rudisokol31@gmail.com<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

31


<strong>Das</strong> Ende<br />

des großen<br />

Bauens<br />

Von Jan Stephan<br />

32<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Bauen ist so teuer wie<br />

nie, und auf einmal<br />

kosten auch Kredite<br />

wieder Geld. Die mögliche<br />

Folge: ein Ende<br />

des Einfamilienhauses<br />

auf dem Land. Vielleicht<br />

aber sind das gar keine<br />

schlechten Aussichten.<br />

K-R-I-S-E <strong>–</strong> dem ein oder anderen jüngeren<br />

Handwerker wird man das Wort<br />

in Ruhe buchstabieren müssen. Die<br />

vergangenen eineinhalb Jahrzehnte<br />

hat diese fünf Buchstaben am Bau keiner<br />

in den Mund genommen. Warum<br />

auch? Wenn es wo gebrummt hat, dann<br />

hier.<br />

Die größte Herausforderung war es,<br />

schneller neue Auftragsbücher zu kaufen,<br />

als man die alten vollgeschrieben<br />

hatte. Na ja, und natürlich Leute zu<br />

finden, die einem die viele Arbeit auch<br />

erledigten. Aber dazu später mehr.<br />

Jetzt muss man erst mal die sich überschlagenden<br />

Weltuntergangsszenarien<br />

verdauen, die seit Monaten kursieren.<br />

Denn eines ist klar: Die Zeit des Baubooms<br />

scheint vorbei. Von einem „dramatischen<br />

Einbruch“ ist die Rede, von<br />

der „vielleicht ganz, ganz großen Krise“,<br />

von „einem abrupten Stopp des<br />

Baubooms“. Und all das ist richtig <strong>–</strong> zumindest<br />

ein bisschen.<br />

Aber jetzt sitzt man erst mal im rundum<br />

gefliesten Büro der Firma Kamm<br />

Bau in Ellingen. Am Tisch hat Klaus<br />

Weber Platz genommen, der nicht nur<br />

hier der Chef ist, sondern auch in der<br />

Bauinnung Weißenburg-Gunzenhausen<br />

als Obermeister den Hut aufhat.<br />

Wenn es den Bach runtergeht, dann<br />

sollte Klaus Weber den nahenden<br />

Wasserfall als Erster hören.<br />

Weber schaut nachdenklich aus dem<br />

Fenster. Sein Blick fällt auf das Betonwerk<br />

seiner Firma, das im Winterschlaf<br />

verlassen vor sich hindöst. Er<br />

sucht nach einer Antwort auf die Frage,<br />

die sich am Bau gerade alle stellen:<br />

Wie schlimm wird es? Jetzt scheint er<br />

sie in diesem nassen Januarmorgen<br />

gefunden zu haben. Er gibt sich einen<br />

Ruck, strafft sich und diktiert dem<br />

Journalisten in den Block: „Ich sehe es<br />

eigentlich positiv!“, sagte er. „Wenn es<br />

jemand schafft, dann wir, das Handwerk.“<br />

Dann wird er wieder ein bisschen<br />

kleiner: „Ich muss es ja positiv sehen“,<br />

setzt er hinzu und zuckt mit den<br />

Schultern. „Aus Angst vor dem Tod<br />

Selbstmord begehen, das machen wir<br />

sicher nicht …“<br />

Was Weber da die nächste Stunde an<br />

Fakten auf den Tisch packt, das ist<br />

aber auch tatsächlich viel mehr als nur<br />

Durchhalteparole. Da ist doch ziemlich<br />

viel Licht am Ende eines vielleicht<br />

nicht ganz so dunklen Tunnels. Denn<br />

bei aller aufziehenden Krise <strong>–</strong> eines betont<br />

fast jeder in der Branche: Es konnte<br />

nicht so weitergehen wie im vergangenen<br />

Jahrzehnt. Immer noch mehr<br />

Arbeit, noch mehr Aufträge, noch<br />

mehr Bauen … „<strong>Das</strong> Problem ist nur,<br />

dass wir nach einer Zeit mit 150 Prozent<br />

jetzt nicht bei 100 Prozent landen,<br />

sondern das Pendel gleich komplett zurückschwingt“,<br />

sagt Klaus Weber.<br />

Aber: Die Firmen haben nach diesen<br />

fetten Jahren Speck auf den Rippen.<br />

Und das ist nicht die schlechteste Voraussetzung,<br />

um eine Krise durchzustehen.<br />

Auch wenn sie diesmal vielleicht<br />

grundlegender ausfällt.<br />

Die Gründe <strong>für</strong> das Ende des Baubooms<br />

sind schnell zusammengefasst.<br />

Erstens: Corona und der Krieg in der<br />

Ukraine haben Lieferketten reißen lassen,<br />

was Material knapp macht. Zweitens:<br />

Die Energiepreise sind extrem<br />

gestiegen, was Material teuer macht.<br />

Drittens: Die kräftig gestiegenen Zinsen<br />

haben da<strong>für</strong> gesorgt, dass man das<br />

viele Geld, das Bauen kostet, am besten<br />

auch wieder selbst haben sollte.<br />

In Kombination verdichten sich diese<br />

Faktoren zu einem Ergebnis: Bauen<br />

kann sich kaum mehr einer leisten.<br />

Auch <strong>–</strong> und vielleicht sogar erst recht <strong>–</strong><br />

nicht in Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

Im privaten Haus- und Wohnungsbau<br />

hörte man die Schüsse am schnellsten.<br />

„Acht Tage nach der Entscheidung der<br />

Europäischen Zentralbank, die Zinsen<br />

erstmalig zu erhöhen, hatten wir zwei<br />

private Stornierungen“, erzählt Klaus<br />

Weber. Und nicht nur ihm geht es so …<br />

Ortswechsel: Indernbuch, ein kleines<br />

Dorf auf dem Weißenburger Jura. Da<br />

liegt im Juli noch Schnee, scherzten<br />

früher die Weißenburger über das<br />

Hochplateau, wo die Äcker ein bisschen<br />

steiniger und die Menschen ein<br />

bisschen ruhiger sind. Hier hat die<br />

Baufirma von Horst Beckstein ihren<br />

Sitz. Der Unternehmer hat das vergangene<br />

Vierteljahrhundert damit verbracht,<br />

seine Baufirma aus dem Nichts<br />

aufzubauen. Er hat in der Branche<br />

schon vieles und viele kommen und<br />

gehen sehen.<br />

Beckstein ist ein zupackender Typ,<br />

praktisch, pragmatisch, stets mit einem<br />

Lächeln im Gesicht. So leicht wirft<br />

ihn nichts um. Auch nicht die aktuelle<br />

Krise auf dem Bau. „Jammern auf hohem<br />

Niveau“, stellt er fest. Man habe<br />

so starke Jahre gehabt, da müsse man<br />

jetzt auch mal durch schwierige Monate<br />

hindurch. „Wobei es schon krass ist,<br />

wie schnell sich das jetzt gedreht hat“,<br />

räumt er ein. Aufträge von zwei, drei<br />

Millionen habe er Anfang eines Jahres<br />

normalerweise <strong>für</strong> den Sommer in den<br />

Büchern, stellt er fest. „Jetzt sind es<br />

vielleicht 300 000 Euro <strong>–</strong> und die sind<br />

noch nicht sicher.“<br />

„Ein normales Einfamilienhaus,<br />

da braucht<br />

man unter 800 000 nicht<br />

mehr anzufangen„<br />

Aber wen wundert‘s?! „Ein normales<br />

Einfamilienhaus auf zeitgemäßem<br />

Standard, da braucht man unter<br />

800 000 nicht mehr anzufangen“,<br />

erzählt Beckstein. Was das bedeutet,<br />

weiß er aus Gesprächen mit seinen<br />

Kunden: „<strong>Das</strong> heißt, dass du da dann<br />

erst mal zehn Jahre kein Kind kriegen<br />

brauchst, weil beide voll verdienen<br />

müssen. Und zwar so, dass da auch<br />

4000 bis 5000 Euro netto übrig bleiben.“<br />

Jobs dieser Art liegen in Weißenburg-<br />

Gunzenhausen aber nicht auf der Straße<br />

<strong>–</strong> anders als vielleicht in Eichstätt<br />

oder Ingolstadt. Während in <strong>Altmühlfranken</strong><br />

die große Flaute auf dem Baumarkt<br />

angekommen ist, geht das große<br />

Bauen beim oberbayerischen Nachbarn<br />

<strong>für</strong>s Erste weiter. Wenn auch mit<br />

verminderter Geschwindigkeit. Und<br />

das, obwohl man hier noch mal 20 bis<br />

30 Prozent mehr <strong>für</strong>s Haus einplanen<br />

darf. Wegen hoher Grundstückskosten<br />

und des allgemeinen Preisniveaus.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

33


Für Weißenburg-Gunzenhausen aber<br />

bedeuten 800 000 Euro <strong>für</strong> den Neubau<br />

faktisch den Anfang vom Ende des<br />

Einfamilienhauses <strong>für</strong> alle. (H)Ausgeträumt<br />

<strong>–</strong> sozusagen.<br />

Vertriebsdirektor Werner Ziegler von<br />

der Sparkasse Mittelfranken-Süd<br />

kennt das. „Zuletzt sind bei uns einige<br />

Träume geplatzt“, erzählt er. Ziegler ist<br />

<strong>für</strong> Immobilien und Immobilienkredite<br />

bei der Regionalbank zuständig. Er<br />

sitzt sozusagen an der vorgezogenen<br />

Front des Häuslebauens. Denn: wo<br />

kein Geld, da kein Haus.<br />

Und genau das ist immer öfter der Fall.<br />

„Die Zeit, wo sich Leute ein Haus leisten<br />

konnten, das sie mit einer Zahlung<br />

in Höhe einer vergleichbaren Miete<br />

abzahlen konnten, die sind vorbei“,<br />

sagt der Sparkassen-Mann. „Aktuell ist<br />

Mieten wieder günstiger als kaufen.“<br />

Woran das liegt, kann einem Ziegler<br />

schnell vorrechnen. Jahrelang hatte<br />

man Zinsen um die ein Prozent, mittlerweile<br />

sind 3,5 Prozent realistisch.<br />

Allein dieser Anstieg sorgt da<strong>für</strong>, dass<br />

man <strong>für</strong> 100 000 Euro, die man finanziert,<br />

pro Monat gut 200 Euro mehr<br />

Zinsen zahlt. Braucht jemand 500 000<br />

Euro Kredit <strong>für</strong> seine Immobilie, hat er<br />

vor gut einem Jahr 500 Euro pro Monat<br />

gezahlt, jetzt sind es 1500 Euro.<br />

Nur die Zinsen wohlgemerkt.<br />

Rechnet man die Tilgung drauf, wird<br />

es schnell frustrierend. Mit einer Ein-<br />

Prozent-Tilgung landet man bei einer<br />

Rate von 1900 Euro im Monat, die<br />

man runde 44 Jahre zahlen muss, bis<br />

das Haus schuldenfrei ist. Mit zwei<br />

Prozent Tilgung schießt die Rate auf<br />

knappe 2300 Euro. Zur Belohnung ist<br />

man schon nach knappen 30 Jahren<br />

durch mit der Häuslefinanzierung.<br />

„Im Moment muss man schon sagen,<br />

dass sich jetzt ein bisschen ein Fenster<br />

geschlossen hat“, erklärt Ziegler.<br />

„Die vergangenen Jahre war es einfach<br />

so, dass auch Durchschnittsverdienern<br />

der Hausmarkt offenstand.“<br />

Der Banker drückt sich vorsichtig aus,<br />

will nicht zu hart formulieren, will<br />

vielleicht nicht schon wieder derjenige<br />

sein, der Träume zum Platzen bringt.<br />

Aber im Grunde ruft auch er das Ende<br />

des Einfamilienhauses <strong>für</strong> die Mitte<br />

der Gesellschaft aus.<br />

„Billiger wird es nicht<br />

mehr werden. <strong>Das</strong> hat<br />

sich auf einem hohen<br />

Niveau stabilisert„<br />

Gut, aber das geht doch auch wieder<br />

vorbei, die Preise sinken doch auch irgendwann<br />

wieder? Die Experten vor<br />

Ort schütteln den Kopf. „Billiger wird<br />

es nicht mehr werden. <strong>Das</strong> hat sich<br />

jetzt auf einem hohen Niveau stabilisiert“,<br />

glaubt Horst Beckstein. Und<br />

Immobilienexperte Ziegler gibt dem<br />

Bau-Praktiker recht: „Warten ist <strong>für</strong><br />

Bauwillige keine gute Strategie“, sagt<br />

er. „<strong>Das</strong>s die Preise weiter runtergehen,<br />

das wird man im Neubaubereich<br />

nicht erleben.“<br />

Aber wenn man sich ein Einfamilienhaus<br />

nicht leisten kann und Warten<br />

keine Option ist, was soll man dann<br />

tun? „<strong>Das</strong> Beste wäre es jetzt, seinen<br />

Immobilienwunsch nachzuqualifizieren“,<br />

sagt Ziegler. Eine sehr hübsche<br />

Formulierung <strong>für</strong>s Kleiner-Träumen<br />

der eigenen vier Wände. Doppelhaushälfte<br />

statt Einfamilienhaus, vielleicht<br />

nur eine Wohnung oder was<br />

Gebrauchtes … Anders wird es in der<br />

Masse nicht gehen. Und das ist <strong>für</strong> die<br />

meisten schon eine Herausforderung.<br />

Für ein Reihenhaus in 1B-Lage wür-<br />

den immerhin 600 000 bis 650 000<br />

Euro fällig, <strong>für</strong> eine Neubauwohnung<br />

350 000 bis 400 000 Euro. Auch keine<br />

Summen, die man mal so eben auf dem<br />

Festgeldkonto liegen hat.<br />

So hart das manche Lebensplanung<br />

trifft, so sehr kann das vielleicht auch<br />

eine Chance <strong>für</strong> das große Ganze sein.<br />

Denn dass es nicht immer so weiter<br />

gehen kann, das gilt auch <strong>für</strong> die Ausdehnung<br />

der Städte und Dörfer. Die<br />

vergangenen Jahrzehnte wucherten<br />

die Siedlungen immer weiter in die<br />

Landschaft. Regelmäßig neues Bauland<br />

zur Verfügung zu stellen, gilt auf<br />

dem Land immer noch als eine der<br />

Basis-Aufgaben <strong>für</strong> Bürgermeister. Flächenfraß<br />

hin, Flächenfraß her.<br />

Wie so oft gilt aber vielleicht auch hier:<br />

Verhalten ändert sich in der Masse<br />

selten aufgrund von tieferer Einsicht,<br />

ziemlich schnell geht es dagegen übers<br />

Geld. Und so könnte auch der Hunger<br />

nach den Bauplätzen in den kommenden<br />

Jahren nachlassen. Auch wenn die<br />

Geschichten von massenhaft an die<br />

Kommunen zurückgegebenen Grundstücken,<br />

die seit Monaten schon in<br />

der Region kursieren, offenbar nur<br />

gut erfunden sind. „Bei uns ist noch<br />

gar nichts zurückgegeben worden“,<br />

so Ellingens Bürgermeister Matthias<br />

Obernöder. Die Deutschordensstadt<br />

in der Mitte des Landkreises ist eine<br />

Art Mekka der Bauwilligen. Um die<br />

200 Häuser dürften dort auf dem sogenannten<br />

Karlshofplateau in den vergangenen<br />

Jahren entstanden sein. Für<br />

das nächste Gebiet habe man immer<br />

noch 180 Anfragen <strong>für</strong> nur 50 Plätze.<br />

Aber auch in Ellingen hat die Freude<br />

am Bauen ein paar Kratzer im Lack<br />

bekommen. Die ersten fangen sich an<br />

zu fragen, ob es der Stadt denn so guttut,<br />

immer weiter in die Landschaft zu<br />

34<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


wachsen. Die Straßen, die Kanäle, die<br />

Beleuchtung, all das müsse man über<br />

Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte<br />

hinweg erhalten. Dabei stehe im historischen<br />

Ortskern doch vieles leer.<br />

Womit man zurück bei den Alternativen<br />

wäre. „Grundsätzlich wird man<br />

verstärkt auf ein Bauen im Bestand<br />

gehen müssen“, sagt Innungsobermeister<br />

Klaus Weber zur Zukunft des<br />

Bauens auf dem Land. „Auch Mehrgenerationenhäuser<br />

sollten verstärkt<br />

neu gedacht werden“, findet er. „<strong>Das</strong><br />

kann Kosten sparen, weil man sich<br />

viel Infrastruktur durch gemeinsame<br />

Nutzung spart.“ Auch Horst Beckstein<br />

hat sich so seine Gedanken über<br />

die Zukunft des Bauens gemacht. „Es<br />

wird vielleicht in Zukunft einfach verschiedenes<br />

Wohnen <strong>für</strong> verschiedene<br />

Lebensphasen geben“, spekuliert er.<br />

Warum muss man sich ein Haus <strong>für</strong>s<br />

Leben bauen, wenn man es ohnehin<br />

nur in einer Phase von vielleicht 20<br />

Jahren braucht, wenn die Familie im<br />

Haus ist? Würde da nicht auch Mieten<br />

gehen? Oder Tauschen? Oder mit<br />

Schulden wieder weiterverkaufen <strong>–</strong><br />

wie das auf den Immobilienmärkten<br />

anderer Länder durchaus verbreitet<br />

ist? Und wenn die Kinder aus dem<br />

Haus sind, verkauft man die Burg,<br />

zahlt den Kredit ab und zieht in eine<br />

barrierefreie Wohnung.<br />

Dann bräuchte es aber flexiblere<br />

Wohnangebote auch auf dem Land.<br />

Beckstein hat sich deswegen schon<br />

mal mit dem Thema Tiny Houses beschäftigt.<br />

Warum nicht drei günstige<br />

Tiny-House-Einheiten auf einem Bauplatz<br />

unterbringen und <strong>für</strong> Singles,<br />

Familien ohne Kinder oder auch Senioren<br />

anbieten? Die aktuelle Antwort<br />

hat er unglücklicherweise auch gleich<br />

mit im Gepäck. „Zu kompliziert. <strong>Das</strong><br />

geben die Bebauungspläne nicht her.“<br />

Die Idee hat er erst mal wieder auf Eis<br />

gelegt. Aber vielleicht muss erst der Bedarf<br />

und der Druck wachsen, bis solche<br />

Dinge möglich werden.<br />

Die Baubürokratie ist leider auch <strong>für</strong><br />

das Bauen im Bestand ein Problem.<br />

„Will man ein Haus aufstocken, kommt<br />

man schnell in eine andere Gebäudeklasse,<br />

und dann wird es so kompliziert,<br />

dass es keinen Sinn mehr macht“, gibt<br />

Beckstein ein Beispiel. <strong>Das</strong> hat man<br />

aber auch beim Landkreis schon gemerkt<br />

und ist dabei, die Gemeinden<br />

mit sanftem Druck dazu zu bringen,<br />

ihre Baupläne zu modernisieren, um so<br />

mehr Möglichkeiten <strong>für</strong> Nachverdichtungen<br />

und Ausbauten zuzulassen.<br />

Geht es 2024 wieder aufwärts?<br />

Hier könnten auch die Chancen <strong>für</strong><br />

die Baubranche liegen. Die Zeiten<br />

müssten jetzt genutzt werden, um sich<br />

auf einen verändernden Markt einzustellen.<br />

Es werden andere Wohntypen<br />

gefragt sein, andere Modelle der Bauumsetzung.<br />

Die Zeit des schlüsselfertigen<br />

Bauens sei vielleicht vorbei, glaubt<br />

Beckstein, der damit groß geworden ist.<br />

Aber wenn Altes geht, bedeutet das ja<br />

nur, dass Platz wird <strong>für</strong> neue Modelle.<br />

Tiny-House-Siedlungen mit Gemeinschaftsräumen,<br />

Mehrgenerationenhäuser<br />

in leer stehenden Bauernhöfen in<br />

den Ortskernen, Eigentumswohnungen<br />

in Familiengrößen mit Gemeinschaftsgärten.<br />

Grundsätzlich könnten<br />

großstädtischere Wohnformen aus der<br />

Not heraus auch aufs Land kommen.<br />

Denn in den urbanen Zentren ist man<br />

erfahren im Umgang mit extrem hohen<br />

Baukosten.<br />

All das wird nicht von heute auf morgen<br />

geschehen. Denn dass die Krise<br />

völlig neue Dimensionen annimmt,<br />

das glaubt man im lokalen Baugewerbe<br />

nicht. Schon ab dem Sommer hofft<br />

Beckstein, dass es langsam wieder aufwärtsgehen<br />

könnte. Auch deswegen,<br />

weil er die Immobilien weiter als stabile<br />

Wertanlage sieht <strong>–</strong> auch und gerade in<br />

Zeiten der Inflation. Jetzt aber könnte<br />

die Zeit <strong>für</strong> die Baufirmen der Region<br />

sein, die eigenen Geschäftsmodelle zu<br />

überdenken, sich neue Kompetenzen<br />

an Bord zu holen und gezielt in die Zukunft<br />

zu planen.<br />

<strong>Das</strong>s das gelingen wird, da ist sich<br />

Klaus Weber sicher. „Wir haben bei<br />

uns im Landkreis viele typische Mittelständler,<br />

mit vielleicht fünf bis zehn<br />

Angestellten. Die tun sich leichter, da<br />

schnell zu reagieren, und deren Stärke<br />

liegt auch in der Vielseitigkeit.“ <strong>2023</strong><br />

werde schwierig, aber er hoffe, dass<br />

man spätestens 2024 vielleicht schon<br />

wieder nach vorne schauen können.<br />

Und bei aller Krise der Auftragslage,<br />

eines sagt Weber auch: „Der Fachkräftemangel<br />

wird die größte Krise<br />

bleiben.“ Wer jetzt gute Leute gehen<br />

lässt, werde das später sicher bereuen,<br />

wenn der Markt wieder anzieht. Und<br />

das ist <strong>für</strong> die Gesamtlage dann doch<br />

eine gute Nachricht. <strong>Das</strong>s die Bauwirtschaft<br />

ihre Mitarbeiter auf die Straße<br />

setzt und sie auf dem Arbeitsmarkt landen,<br />

das steht <strong>–</strong> im Gegensatz zu früheren<br />

Krisen <strong>–</strong> eher nicht zu be<strong>für</strong>chten.<br />

Da<strong>für</strong> sind Arbeitskräfte heute einfach<br />

ein zu rares Gut. <strong>Das</strong> bedeutet aber<br />

auch, dass die Baufirmen in Zukunft<br />

gar nicht so einfach mit Verkleinerung<br />

durch die Krise kommen können, sondern<br />

mehr Kreativität an den Tag legen<br />

müssen, um ihre Mitarbeiter mit neuen<br />

Modellen mit Arbeit zu versorgen.<br />

Nicht die schlechtesten Perspektiven<br />

<strong>für</strong> die Region … Bei allen Weltuntergangsszenarien.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

35


<strong>Das</strong> Geld liegt nicht mehr<br />

auf der Straße. Denn die<br />

Kommunen sparen in<br />

Krisenzeiten vor allem<br />

an der Infrastruktur. Den<br />

Straßenbaufirmen macht<br />

das nur kurzfristig Sorgen.<br />

Der Haus- und Wohnungsbau hat ein<br />

paar Risse im Beton bekommen (siehe<br />

den Artikel „<strong>Das</strong> Ende des großen Bauens“),<br />

aber gebaut werden ja auch noch<br />

andere Dinge. Zum Beispiel Straßen.<br />

Im Unterschied zum Wohnungsbau,<br />

wo das Gros der Betriebe im Landkreis<br />

zwischen fünf und 15 Angestellten<br />

liegt, gibt es im Straßenbau noch<br />

einige größere Firmen. Zum Beispiel<br />

Fiegl in Pleinfeld oder Hirschmann in<br />

Treuchtlingen.<br />

Bei Letzterem dürfte es sich mit seinen<br />

120 Mitarbeitern um das größte Bauunternehmen<br />

im Landkreis handeln.<br />

Beste Voraussetzungen, um sich bei<br />

einem Ortstermin die Lage erläutern<br />

zu lassen. Man trifft sich im Besprechungsraum<br />

in Treuchtlingen. An der<br />

Wand ein großformatiges Bild der Baustelle<br />

der BMW-Welt in München, wo<br />

man mit Spezialbeton ein besonderes<br />

Fundament gegossen hat.<br />

Ein Prestigeprojekt, aber nicht der Alltag<br />

der Treuchtlinger Firma. „Wir sind<br />

in einem Radius von 80 Kilometern tätig.<br />

Unsere Überzeugung ist, dass alle<br />

unsere Mitarbeiter am Ende des Tages<br />

in ihrem eigenen Bett schlafen sollen“,<br />

sagt Markus Nelkel. Er ist derzeit als<br />

Prokurist bei der Hirschmann KG tätig<br />

und steigt ab 2024 in die technische<br />

Geschäftsführung der Firma auf.<br />

In der Hackordnung des Straßenbaus<br />

sortiert sich die Firma Hirschmann in<br />

der Regionalklasse ein. Eine Ebene<br />

unter den großen Mittelständlern wie<br />

einem Max Bögl. Und damit wäre man<br />

bei einem der Probleme, die man hierzulande<br />

hat. Denn die großen Mittelständler<br />

sind von noch Größeren von<br />

ihren Fleischtrögen vertrieben worden.<br />

Und jetzt sind sie auf der Suche nach<br />

neuen Futterstellen.<br />

„<strong>Das</strong> Problem ist die A3“, sagt Nelkel<br />

Die 73 Kilometer zwischen Würzburg<br />

und Nürnberg sind Deutschlands<br />

größte Autobahnbaustelle. Zugleich<br />

sind sie auch das größte Public-Private-<br />

Partnership-Projekt der Bundesrepublik.<br />

Dabei finanziert ein Großinvestor<br />

den Ausbau und setzt ihn auch gleich<br />

um <strong>–</strong> da<strong>für</strong> erhält er über Jahrzehnte<br />

hinweg Gebühren vom Staat. Zwar<br />

hat der Rechnungshof schon gerügt,<br />

dass derlei Zusammenarbeiten beileibe<br />

nicht immer billiger <strong>für</strong> die öffentliche<br />

Hand kommen, aber sie werden trotzdem<br />

immer beliebter.<br />

Und das wirkt sich auch auf regionale<br />

Unternehmen im Straßenbau wie<br />

Hirschmann aus. Denn die Folge dieser<br />

Zusammenarbeit sind immer gigantischere<br />

Ausschreibungsvolumen, die<br />

36<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


selbst die vermeintlich großen Mittelständler<br />

nicht mehr gestemmt kriegen.<br />

Im Falle der A3 geht man mittlerweile<br />

von Kosten von 2,8 Milliarden Euro<br />

aus. Den Zuschlag hat am Ende unter<br />

anderem Eiffrage bekommen, ein börsennotierter<br />

französischer Baukonzern<br />

mit 69 000 Mitarbeitern.<br />

Die Konsequenz ist, dass sich ganze 70<br />

Kilometer Autobahnbau nun <strong>für</strong> Firmen<br />

wie Bögl und Co. erledigt haben<br />

und sie jetzt eine Ebene darunter bei<br />

Bundes- und Staatstraßen nach Baustellen<br />

suchen. Verschärft wird die<br />

Situation dadurch, dass die Autobahn<br />

GmbH des Bundes sich in einer Neuorierentierung<br />

befinde und im Moment<br />

mehr mit sich als mit dem Ausbau der<br />

Infrastruktur beschäftigt sei, so Nelkel.<br />

All das macht regional engagierten<br />

Unternehmen wie Hirschmann, Fiegl<br />

und Co. Probleme. Denn die Großen<br />

drängen mit Macht auf die untere<br />

Ebene. „Die fahren da Preise hin, da<br />

kann niemand mehr etwas dran verdienen“,<br />

sagt Friedrich Engelhard, der<br />

Geschäftsführer der Hirschmann KG.<br />

Klar, der große Apparat aus Personal<br />

und Maschinenpark muss irgendwie<br />

unterhalten und mit Arbeit versorgt<br />

werden.<br />

Die Entwicklung trifft die regionalen<br />

Straßenbauer in einem unglücklichen<br />

Moment, denn zu der neuen Konkurrenz<br />

gesellt sich auch noch eine allgemein<br />

schlechte Auftragslage. <strong>Das</strong><br />

lässt sich mit Zahlen belegen. Etwa mit<br />

einem Blick in den Bayerischen Staatsanzeiger.<br />

Hier werden die Ausschreibungen<br />

aller öffentlichen Bauprojekte<br />

veröffentlicht. Und das sind im Straßenbau<br />

die allermeisten.<br />

„Vor Corona hatte man da 300 bis 400<br />

Ausschreibungen pro Woche“, erklärt<br />

Engelhard. „Während Corona waren<br />

es 160 bis 200 <strong>–</strong> und jetzt sind es noch<br />

mal deutlich weniger.“ Die Zurückhaltung<br />

hat ihre Gründe. Den Kommunen<br />

fehlt zunehmend das Geld, sagen<br />

die beiden Bauexperten.<br />

„Kurzfristig würde ich<br />

sagen, dass die Situation<br />

schwierig wird ...<br />

Vielleicht sogar sehr<br />

schwierig„<br />

Die gestiegenen Energie- und Baukosten<br />

schlagen auch bei Landkreisen<br />

und Gemeinden durch, zugleich<br />

bekommen sie von übergeordneten<br />

staatlichen Ebenen beständig mehr<br />

Aufgaben zugeteilt, die oft aber nur<br />

unzureichend bezahlt werden. Hinzu<br />

gesellt sich noch die allgemeine Sorge<br />

um die wirtschaftliche Entwicklung<br />

der kommenden Jahre. All das ergibt<br />

zusammengenommen eine Bauflaute<br />

im öffentlichen Sektor.<br />

Eine Einschätzung, die dem Realitätscheck<br />

gut standhält. In vielen Ge-<br />

meinden des Landkreises wurden<br />

Anfang des Jahres Bauprojekte infrage<br />

gestellt, nach hinten gestellt oder<br />

Sanierungsmaßnahmen verschoben.<br />

Der Landkreis etwa strich zuallererst<br />

den Straßen- und Gebäudeunterhalt<br />

zusammen, als es darum ging, Mittel<br />

einzusparen.<br />

Aus Sicht der Bauexperten kann das<br />

allerdings teuer werden. „Wenn man<br />

die Verschleißschicht erst mal runter<br />

hat, dann ist es mit einer kleinen Sanierung<br />

nicht mehr getan, dann braucht es<br />

vielleicht einen Vollausbau, und das ist<br />

dann wesentlich teurer“, erklärt Engelhard.<br />

Langfristig machen sie sich bei<br />

Hirschmann KG nicht nur deswegen<br />

auch keine Sorgen um die Arbeit. „Es<br />

gibt noch so viele Kanäle, die saniert<br />

werden müssen, so viele Leitungen, die<br />

teils Hundert Jahre und mehr alt sind,<br />

so viele Straßen, die saniert werden<br />

müssen …“, sagt Nelkel. Früher oder<br />

später werde all das kommen.<br />

Nur muss man bis dahin eben die Zähne<br />

zusammenbeißen. Und das könnte<br />

anstrengend werden. „Kurzfristig würde<br />

ich sagen, dass die Situation schwierig<br />

wird“, glaubt Nelkel. „Vielleicht<br />

sogar sehr schwierig.“ Auch weil Entlassungen<br />

kein Thema seien und selbst<br />

Kurzarbeit kein gutes Mittel. „Wenn<br />

Mitarbeiter zu Hause ihre finanziellen<br />

Verpflichtungen haben, dann können<br />

sie nicht so einfach mit zwei Drittel des<br />

Gehalts nach Hause gehen“, so Engelhard.<br />

Im schlimmsten Fall suchen sie<br />

sich eben einen neuen Arbeitgeber, bei<br />

dem sie voll arbeiten können. Und da<br />

auch im Bau die Fachkräftelage angespannt<br />

ist, kann das <strong>für</strong> ein Unternehmen,<br />

das an ausreichend Arbeit in der<br />

Zukunft glaube, keine Option sein.<br />

Wie lange diese schwierige Phase<br />

andauert? Der Prokurist zuckt mit<br />

den Schultern. „<strong>Das</strong> kann man ganz<br />

schwer sagen. Wir sind stark von der<br />

öffentlichen Hand abhängig und wir<br />

haben einfach keine Erfahrungen mit<br />

einer solchen Regierung.“ Er meint das<br />

in der bundesrepublikanischen Geschichte<br />

bislang einzigartige Ampelbündnis,<br />

von dem sich schlecht vorhersagen<br />

lässt, in welche Richtung es die<br />

nächsten Jahre gehen wird. Und politische<br />

Entscheidungen sind in einem<br />

Geschäft, das stark von öffentlichen<br />

Aufträgen abhängt, nun mal ein ziemlich<br />

zentraler Faktor.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

37


GENUSS & KULINARIK<br />

38<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


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Die Momente<br />

unter der<br />

Kastanie<br />

Die alte Kastanie zwischen Schloss und Brauerei. Hier schlägt<br />

das Herz von Fürst Carl. Einer Brauerei, die sich vor Jahren auf<br />

den Weg gemacht hat, mehr zu sein als nur Getränkehersteller.<br />

Im Sommer sitzt man unter dieser Kastanie im schönsten<br />

Biergarten <strong>Altmühlfranken</strong>s. Die Biere, die man verkostet, sind<br />

ein paar Meter entfernt gebraut und reifen in den historischen<br />

Kellern. Unter dieser Kastanie nehmen die Menschen Platz,<br />

wenn sie das Bierfest feiern oder bei Musik und Bier Festivalflair<br />

genießen.<br />

Und an dieser Kastanie gehen die Menschen vorbei, wenn<br />

sie im Winter zum Feierabendbier ins Sudhaus kommen, ins<br />

Bräustüberl einkehren, im Bräuladen einkaufen oder durch den<br />

Lichterglanz der Weihnachtswelt spazieren.<br />

Fürst Carl erleben<br />

ist das Motto<br />

Die Brauerei ist der Mittelpunkt,<br />

aber Fürst Carl ist bereits jetzt viel<br />

mehr. Auf dem Gelände in Nachbarschaft<br />

des Ellinger Schlosses befinden<br />

sich Bräuladen und Bräustüberl mit<br />

einem großen Biergarten unter alten<br />

Kastanien. Dazu kommt die Sommerrodelbahn<br />

in Pleinfeld mit der neuen<br />

Gastronomie im Rodel Inn und das<br />

Seebräu in Ramsberg direkt am Großen<br />

Brombachsee. Weitere Ideen sind<br />

am Entstehen ...<br />

Als wäre das nicht genug, wartet zwei Kastanienwürfe entfernt<br />

von diesem Baum die Fürstliche Ökonomie mit ihren<br />

historischen Veranstaltungsräumlichkeiten. Am besten lernt<br />

man Ochsenstall und Co. vielleicht beim Josefi-Bock-Anstich<br />

kennen, dem fränkischen Bruder des Nockherbergs.<br />

„Es ist immer wieder eine Erleichterung, kurz aus dem Alltag<br />

herauszutreten, da<strong>für</strong> reichen oft kleine Momente“, erklärt Katalin<br />

Fürstin von Wrede, die die Brauerei leitet. Ein Abend mit<br />

Freunden, ein dunkles Bier mit den letzten Sonnenstrahlen des<br />

Tages, eine persönliche Begegnung, eine bereichernde Erfahrung<br />

bei einer Veranstaltung.<br />

All das ist Fürst Carl <strong>–</strong> ein Ort <strong>für</strong> Erlebnisse, ein Umfeld <strong>für</strong><br />

Momente. Immer noch Brauerei <strong>–</strong> aber längst viel mehr. <strong>–</strong>js<strong>–</strong><br />

Fürst Carl Schlossbrauerei Ellingen<br />

Schloßstraße 10 • 91792 Ellingen<br />

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www.fuerst-carl.de<br />

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Unternehmensgründung: 1690 erste<br />

urkundliche Erwähnung der Brauerei<br />

MitarbeiterInnen: 18<br />

Geschäftsführer: Carl Friedrich Fürst<br />

von Wrede, Carl Christian Fürst von<br />

Wrede, Katalin Fürstin von Wrede<br />

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<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

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in Bieswang und wird mittlerweile<br />

in dritter Generation von Fritz und<br />

Friedrich Wörlein geführt.<br />

<strong>Das</strong> Traditionsunternehmen wurde<br />

im Jahr 1949 gegründet und wuchs<br />

seitdem stetig <strong>–</strong> mittlweile verkauft<br />

die Metzgerei an 10 Standorten.<br />

Zudem können Fleisch- und Wurstspezialitäten<br />

im eigenen Webshop<br />

bestellt oder rund um die Uhr über einen<br />

Verkaufsautomaten in Bieswang<br />

erworben werden. Die Metzgerei legt<br />

viel Wert auf Nachhaltigkeit und<br />

kontrollierte Herkunft der Zutaten.<br />

In jeder Scheibe Wurst, in jedem Stück Fleisch stecken über 70<br />

Jahre Handwerkserfahrung, verfeinert mit überlieferten Familienrezepten<br />

des Großvaters. Die Traditionsmetzgerei Wörlein<br />

ist bekannt <strong>für</strong> ihre hochwertigen Fleisch- und Wurstspezialitäten<br />

aus eigener Herstellung. Über 150 Produkte umfasst ihr<br />

Sortiment und alle werden unter nachhaltigen Gesichtspunkten<br />

hergestellt. 90 % der Energie <strong>für</strong> Warmwasser und Heizung<br />

werden durch die benachbarte Biogasanlage erzeugt. Photovoltaikanlagen<br />

werden künftig <strong>für</strong> 85 % des benötigten Stroms<br />

sorgen. Und im Versandhandel kommen bereits isolierende<br />

Kühlverpackungen aus Stroh und Hanf anstatt Styropor zum<br />

Einsatz.<br />

Fränkische Fleisch- und<br />

Wurstspezialitäten<br />

ENÜPLAN<br />

Friedrich Wörlein GmbH & Co. KG<br />

Am Solnhofer Weg 3 <strong>–</strong> Bieswang<br />

91788 Pappenheim<br />

Tel. 0 91 43 / 83 84 - 0<br />

www.metzgerei-woerlein.de<br />

23.01.<br />

info@metzgerei-woerlein.de<br />

28.01.<strong>2023</strong><br />

vom 22.06. bis 16.06.2018<br />

3.01.<br />

Allergenverzeichnis MitarbeiterInnen: 92siehe Aushang<br />

Geschäftsführer: Friedrich Wörlein,<br />

Fritz Wörlein<br />

Spare Ribs<br />

dazu Kartoffelgurkensalat<br />

6,80 €<br />

Auch beim Thema Regionalität punktet das Unternehmen<br />

in Sachen Nachhaltigkeit, nämlich durch regionale Kreisläufe.<br />

Die Schweine, Rinder, Kälber und Lämmer, die verarbeitet<br />

werden, stammen von über 40 Bauernhöfen in der nächsten<br />

Umgebung. Eine bewusste Entscheidung, denn den Inhabern<br />

Fritz und Friedrich Wörlein liegen Tierschutz und Tierwohl sehr<br />

am Herzen. Sie besuchen regelmäßig ihre Zuliefer-Bauernhöfe,<br />

um sich von der artgerechten Tierhaltung zu überzeugen,<br />

und achten auf Transportwege von maximal 30 Minuten, um<br />

unnötigen Stress <strong>für</strong> das Tier zu vermeiden. „Aus Respekt gegenüber<br />

den Tieren und im Hinblick auf unseren ökologischen<br />

Fußabdruck achten wir auch sehr darauf, dass möglichst jedes<br />

Teil Verwendung findet“, sagt Juniorchef Fritz Wörlein. „<strong>Das</strong><br />

Zusammenspiel aus Regionalität, vertrauenswürdigen Partnerschaften,<br />

frischen Zutaten, einer artgerechten Tierhaltung<br />

sowie der hauseigenen Schlachtung und Produktion führt zur<br />

besten Qualität, die man mit gutem Gewissen genießen kann.“<br />

4.01.<br />

40<br />

Makkaroni-Auflauf<br />

dazu grünen Salat<br />

7,00 €<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Es geht um die Wurst!<br />

Von Jan Stephan<br />

Früher selbstverständlich,<br />

heute Ausnahme: Auf dem<br />

Land gibt es immer weniger<br />

Bäcker und Metzger.<br />

Und das, obwohl doch alle<br />

regionale Lebensmittel so<br />

wichtig finden. Wie geht es<br />

weiter mit dem regionalen<br />

Lebensmittelhandwerk?<br />

Wo arbeiten in Bayern die meisten<br />

Metzger?<br />

Klingt wie der Auftakt zu einem Witz,<br />

ist aber keiner. Oder wenn, dann ein<br />

schlechter. Zumindest aus Sicht eines<br />

aufrechten Metzgermeisters. Und so<br />

einer ist Willy Böbel. Der Obermeister<br />

der Metzgerinnung, die auch <strong>für</strong><br />

Weißenburg-Gunzenhausen zuständig<br />

ist, sitzt jetzt in einem hellen Besprechungsraum<br />

und löst mit leicht bitterer<br />

Miene die Frage auf, wo denn nun die<br />

meisten Metzger in Bayern arbeiten.<br />

In Ingolstadt. Bei Audi. Am Band.<br />

Damit ein herzliches Willkommen an<br />

der langen Sichttheke an Problemen,<br />

die das regionale Nahrungsmittelhandwerk<br />

auf dem fränkischen Land zu<br />

bieten hat. Sehr weit vorne und prominent<br />

platziert: der Personalmangel. Direkt<br />

daneben und hübsch ausgeleuchtet:<br />

die Billigheimer-Konkurrenz vom<br />

Discounter. Und an den Rändern üppig<br />

aufgeschlichtet: mangelnde Nachfolger<br />

in den Familienunternehmen,<br />

hohe Investitionskosten, bürokratische<br />

Vorschriften, ein bisschen Energiekrise<br />

und persönliche Überarbeitung. Darf's<br />

ein bissl mehr sein?! Äh, lieber nicht …<br />

Wobei es immer darauf ankommt,<br />

wen man fragt. Bei Claus Böbel etwa,<br />

bei dem es sich nicht nur um einen<br />

weiteren aufrechten Metzgermeister,<br />

sondern auch um den Sohn des gleichnamigen<br />

Innungsobermeisters handelt,<br />

darf es immer ein bissl mehr sein. Der<br />

Mann ist Enthusiast aus Berufung.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

41


<strong>Das</strong> sieht man schon daran, dass er sich<br />

stramm weigert, irgendwo in der Branche<br />

Probleme zu sehen.<br />

Er möchte ausschließlich von „Herausforderungen“<br />

reden. Gut, das<br />

klingt ein bisschen wie eine Melange<br />

aus FDP-Parteiprogramm und Ratgeber-Literatur,<br />

aber der Metzger mit<br />

dem Vokuhila hat schon auch ein paar<br />

Fakten auf seiner Seite. Etwa die Tatsache,<br />

dass es seine Metzgerei in dem<br />

350-Einwohner-Ort Rittersbach bei<br />

Georgensgmünd noch gibt. Tatsächlich<br />

waren es genau diese Läden, die<br />

die vergangenen Jahrzehnte zusperren<br />

mussten. Zu kleiner Einzugsbereich,<br />

zu wenig Frequenz und in die Supermärkte<br />

abwandernde Kunden …<br />

Aber nicht mit Böbel. In atemberaubendem<br />

Tempo haut der seit rund 15<br />

Jahren eine Idee nach der anderen<br />

auf die Theke seiner Metzgerei, die<br />

Kunden durch die Silhouette eines<br />

Schweins betreten. Er produziert Spezialitäten-Bratwürste<br />

mit Kaffee, Schokolade<br />

oder Rosinen, er hat ein Online-<br />

Wurstportal mit deutschlandweitem<br />

Versand und sein Wurst-Taxi liefert<br />

in der Umgebung bis an die Haustür.<br />

Es gibt Bratwurstkurse, -vorträge, -führungen<br />

und eine Homepage auf Chi-<br />

nesisch. Und dann wäre da natürlich<br />

noch das einzige Bratwursthotel der<br />

Welt, das er neben seiner Metzgerei in<br />

einem alten Landgasthaus betreibt.<br />

„Wenn wir natürlich<br />

warten, dass die Hausfrau<br />

mit Kittelschürze<br />

zurückkommt, dann wird<br />

das nichts werden„<br />

Böbel wurde wegen seines Innovationseifers<br />

schon als „Daniel Düsentrieb der<br />

Fleischbranche“ bezeichnet, was nicht<br />

nur ein eigenwilliger Vergleich ist,<br />

sondern auch ein Titel, den der Rittersbacher<br />

Metzger mit Stolz führt. Er<br />

glaubt daran, dass die Metzger eine Zukunft<br />

haben <strong>–</strong> zumindest, wenn sie bereit<br />

sind, sich neu zu erfinden. „Wenn<br />

wir natürlich darauf warten, dass die<br />

Hausfrau mit der Kittelschürze zurückkommt,<br />

die 90 Prozent des Essensbedarfs<br />

ihrer Familie in der Metzgerei<br />

besorgt, dann wird das nichts werden“,<br />

sagt er aber auch.<br />

Die Begeisterung des Rittersbacher<br />

Metzgers ist ansteckend, aber sie<br />

deckt sich nur in Teilen mit der Realität<br />

der Branche. Dazu ein Blick in die<br />

Statistik. Um das Jahr 2000 gab es 71<br />

Bäckereien und 81 Metzgereien. Ein<br />

knappes Vierteljahrhundert später<br />

sind weniger als die Hälfte übrig. 28<br />

Bäcker, 37 Metzger. In Weißenburg-<br />

Gunzenhausen, dem Landkreis Roth<br />

und der Stadt Schwabach.<br />

Vermutlich ist das nicht das Ende der<br />

Entwicklung, <strong>für</strong>chtet Sebastian Dörr,<br />

der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft<br />

Mittelfranken-Süd. „Den<br />

Sockel, auf dem sich das stabilisiert,<br />

den haben wir noch nicht erreicht“,<br />

sagt er und schaut ein wenig unglücklich<br />

drein. „Da wird noch was kommen.“<br />

Schon wegen der Altersstruktur<br />

bei vielen Betrieben.<br />

Dabei sind die Bäcker und Metzger<br />

mit den Brauereien doch das, was von<br />

der lokalen Lebensmittelproduktion<br />

<strong>für</strong> den Verbraucher übrig geblieben<br />

ist. Bis in die 1950er-Jahre aß man regional<br />

und direkt vom Erzeuger. Nicht<br />

aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit.<br />

Gab halt auch nix anderes.<br />

<strong>Das</strong> Brot vom Bäcker, das Fleisch vom<br />

Metzger, die Kartoffeln und Eier vom<br />

Bauern, das Mehl aus der Mühle, das<br />

Bier aus der Brauereigaststätte. Heute<br />

kauft man die meisten Lebensmittel<br />

bei einem Zwischenhändler namens<br />

Supermarkt, der von Handelsketten<br />

betrieben wird, die von der Nahrungsmittelindustrie<br />

beliefert werden.<br />

<strong>Das</strong> darf man nicht nur bejammern:<br />

Die Spezialisierung hat Lebensmittel<br />

günstig gemacht. Sie hat da<strong>für</strong> gesorgt,<br />

dass Armut nicht mehr durch den<br />

Magen geht. Sie hat aber auch da<strong>für</strong><br />

gesorgt, dass die Schaufenster von Bäckereien<br />

und Metzgereien heute oft<br />

blind auf die Marktplätze schauen.<br />

Kaum ein größeres Dorf im Landkreis,<br />

wo man nicht nach einiger Suche auf<br />

den verblassten Schriftzug einer Metzgerei<br />

oder das notdürftig mit Gardinen<br />

verhängte Schaufenster einer Bäckerei<br />

trifft.<br />

42<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Dabei haben die Menschen doch einen<br />

emotionalen Bezug zu dem, was sie<br />

essen. Die Frage, wo es die beste Bratwurst,<br />

die beste Semmel, das beste<br />

Bier gibt, kann religiöse Dimensionen<br />

annehmen. Ähnlich wie das fußballerische<br />

Glaubensbekenntnis Club,<br />

Ferth oder die Bayern? <strong>Das</strong> ist hier auf<br />

hiesiger Metzgerebene Wörlein, Struller<br />

oder Storchenfischer oder bei den<br />

Bäckern Lehner, Herzog oder Ettenstatter<br />

Beck?<br />

Aber zurück an den Konferenztisch.<br />

Metzgermeister Willy Böbel, der Vater<br />

des Bratwurst-Hoteliers, schüttelt<br />

sacht den Kopf. Er kennt all diese<br />

Geschichten über die Liebe der Menschen<br />

zu ihren Bäckern und Metzgern.<br />

Aber möglicherweise hat er zu viele davon<br />

gehört, während er über die Jahre<br />

vielen seiner Kollegen beim Zusperren<br />

zusehen musste. „Wenn wieder eine<br />

Metzgerei, eine Bäckerei zumacht,<br />

dann schreien alle“, weiß Böbel. „Aber<br />

das sind die gleichen Leute, die man<br />

im Supermarkt trifft, wenn sie ihre<br />

Semmeln und ihr Fleisch holen.“ Von<br />

den Kunden, die sich einmal im Jahr<br />

zu Weihnachten ihr Rinderfilet, ihren<br />

Stollen holen, von denen kann eine Bäckerei,<br />

eine Metzgerei halt nicht leben.<br />

Womit sich die Frage stellt, wovon man<br />

denn in Zukunft leben können soll.<br />

Immerhin dürfte der Markt <strong>für</strong> Bratwürste<br />

mit Kaffee endlich sein. Und<br />

von einer gemeinerweise auch noch<br />

„Bäckerbrötchen“ genannten Semmel,<br />

die beim Discounter <strong>für</strong> 15 Cent aus<br />

dem Automaten fällt, kommt kein Bäcker<br />

über die Runden, weiß Gerhard<br />

Paul. Der Büchenbacher ist das, was<br />

Böbel bei den Metzgern ist: Obermeister<br />

der Innung. Wie man auf Preise<br />

wie bei Aldi und Co. kommt, ist ihm<br />

schleierhaft. „Die müssen das ja auch<br />

kühlen und transportieren und backen,<br />

das kostet alles Energie“, sagt er und<br />

schüttelt sich. „Da komme ich nicht<br />

mehr mit.“<br />

Begibt man sich auf die Reise durch<br />

die lokale Welt der Bäcker und Metzger,<br />

stellt man bald fest, dass Paul da<br />

nicht der Einzige ist, der bei manchen<br />

Dingen nicht mehr mitkommt. Die<br />

Zeiten, als man einfach gute Lebensmittel<br />

machte, morgens die Ladentüre<br />

auf- und abends wieder zusperrte, die<br />

sind vorbei. Wohl <strong>für</strong> immer. Wer heute<br />

auf diesem Markt mitspielen will,<br />

der braucht vor allem eine Idee. Einen<br />

Grund, warum es ihn neben den Supermärkten<br />

auch in Zukunft noch geben<br />

soll. Irgendwas, was er besser oder<br />

doch zumindest anders macht.<br />

Und das überfordert manch kleinen<br />

Betrieb. Wie soll man sich nach einem<br />

endlosen Arbeitstag zwischen Backstube,<br />

Büro und Steuerberater auch noch<br />

um Produktentwicklung, Kundensegmentierung<br />

und Werbestrategien<br />

kümmern? Deswegen hat manch einer<br />

die Flucht in die Größe angetreten, um<br />

sich ein bisschen mehr Expertentum<br />

leisten zu können.<br />

Ortswechsel. Mitten im fränkischen<br />

Winter, ein Gewerbegebiet bei Bieswang.<br />

Felder, Wiesen, Wälder <strong>–</strong> mittendrin<br />

die Hallen einiger Unternehmen.<br />

Darunter auch der Sitz der<br />

Metzgerei Wörlein. Zehn Filialen,<br />

über 100 Mitarbeiter, Millionenumsatz.<br />

Der Betrieb ist einer der Überlebenden<br />

bei den Metzgern.<br />

Ein paar Hundert Meter von hier hat<br />

der Großvater des jetzigen Chefs,<br />

Friedrich Wörlein, mitten im Dorf<br />

einen kleinen Viehhandel eröffnet.<br />

Im Jahr 1949. Später kam ein kleines<br />

Schlachthaus dazu. Alle Woche ein<br />

Schwein, alle zwei Wochen ein Rind.<br />

70 Jahre später produziert man zu Spitzenzeiten<br />

15 000 fränkische Bratwürste<br />

die Woche.<br />

Juniorchef Fritz Wörlein verzieht das<br />

Gesicht, als er die Zahl nennt. Er weiß,<br />

wie das wirkt: 15 000 Bratwürste die<br />

Woche … Ist das noch Handwerk, ist<br />

das nicht schon Industrie? Die Antwort<br />

darauf: Es ist ein bisschen von<br />

beidem. Aber der Reihe nach.<br />

Jetzt erst mal ein weißer Stoffanzug<br />

über die Alltagskleidung, Plastiküber-<br />

zieher über die Schuhe und ein Haarnetz<br />

auf den Kopf. Dann geht es zur<br />

Führung durch ein Labyrinth aus weiß<br />

gekachelten Räumen. Man merkt Fritz<br />

Wörlein beim Gang durch die Hallen<br />

den Stolz auf das Konzept an. Hier hatte<br />

man eine Idee <strong>–</strong> und man erzählt sie<br />

gern.<br />

An zwei Tagen die Woche wird geschlachtet<br />

<strong>–</strong> einmal Rind, einmal<br />

Schwein. Die restlichen drei Tage wird<br />

zerlegt und verarbeitet, was man getötet<br />

hat. Die Tiere kommen aus einem<br />

Umkreis von maximal 40 Kilometern.<br />

Wörlein: „Von normalen mittelständischen<br />

Bauern, wie wir sie hier halt<br />

haben." Hier in Bieswang glaubt man<br />

an den Grundsatz, dass Regional dass<br />

bessere Bio ist.<br />

Die Schweine und Rinder kommen an<br />

und beruhigen sich in einem Stall auf<br />

dem Gelände. Dann werden sie unter<br />

veterinärärztlicher Aufsicht betäubt,<br />

geschlachtet, in einem Wasserbad gesäubert,<br />

in Hälften gesägt und laufen<br />

an einem Förderband durch die Hallen.<br />

Hier steht gerade Friedrich Wörlein<br />

und klatscht einen Brocken Fleisch<br />

auf das weiße Schneidebrett. Mit Messer<br />

und flinken Händen schneidet er<br />

Sehnen und Silberhaut von dem Filetbrocken.<br />

Im Hintergrund sorgen zwei<br />

serbische Metzger da<strong>für</strong>, dass Wörlein<br />

Nachschub bekommt. Sie hebeln Knochen<br />

aus den Schweinehälften, die<br />

von der Decke hängen, und lösen die<br />

Fleischstücke aus den Tieren.<br />

Die Pointe bei dem Bieswanger Unternehmen<br />

ist, dass man manch Handwerkliches<br />

nur noch deswegen tun<br />

kann, weil man an anderen Stellen ein<br />

bisschen industriell geworden ist. Die<br />

Hausschlachtung etwa haben viele<br />

Kleine längst aufgeben müssen, weil<br />

die Vorschriften zu streng wurden.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

43


Und kaum ein Metzger in der Region<br />

dürfte noch sein komplettes Sortiment<br />

an 200 bis 300 Produkten selbst herstellen.<br />

Bei Wörlein ist das der Fall. Was<br />

man in den Metzgertheken des Familienunternehmens<br />

von Allersberg über<br />

Treuchtlingen nach Ingolstadt findet,<br />

stammt aus den Produktionshallen in<br />

Bieswang. Schwein und Rind vorne<br />

rein, Salami, Wiener, Bauchspeck und<br />

Bratwurst hinten raus. Zugekauft wird<br />

nichts. Vom Stall bis zum Teller hat<br />

man sich als Alleinstellungsmerkmal<br />

auf die Fahnen geschrieben. <strong>Das</strong> Konzept<br />

hat allerdings Konsequenzen. Um<br />

im eigenen Haus schlachten zu können<br />

und alles selbst herzustellen, braucht<br />

es eine gewisse Größe. Für eine gewisse<br />

Größe brauchte es ein Netz an eigenen<br />

Filialen und Abnehmern. All das<br />

zusammen bedeutet, dass man Standardisierung<br />

braucht.<br />

„Ohne eine genaue Vorbereitung und<br />

Strukturierung geht bei uns nichts“,<br />

erklärt der Juniorchef. „<strong>Das</strong> ist anders<br />

als bei einer kleinen Metzgerei, wo<br />

der Chef bei allem immer dabei ist.“<br />

Man befinde sich hier genau zwischen<br />

Handwerk und Industrie, sagt Wörlein.<br />

Hier hat der Markt eine Nische.<br />

Hier ist man groß genug, um Zertifizierungen,<br />

Qualitätsmanagement und<br />

Dokumentation sauber abzuarbeiten,<br />

hier ist man aber noch klein genug, dass<br />

die Mitarbeiter und nicht die Technik<br />

entscheiden, ob ein Schinken fertig ist<br />

oder noch mal in den Rauch muss.<br />

Ist Flucht in die regionale Größe eine<br />

Option <strong>für</strong> das Nahrungsmittelhandwerk?<br />

Nicht <strong>für</strong> jeden und nicht an<br />

jeder Stelle, aber grundsätzlich hat die<br />

Idee Charme. Sich ein paar Vorteile<br />

der größeren Einheit zu sichern und<br />

dabei die der regionalen Verwurzelung<br />

nicht zu verlieren …<br />

Anderer Ort, anderes Handwerk,<br />

ähnliche Idee. Die Bäckerei Herzog,<br />

direkt an der B 13 bei Muhr am See.<br />

Man sitzt mit Chef Alexander Herzog<br />

im hauseigenen Cafe. Ein moderner,<br />

lichter Betonbau mit hohen Räumen,<br />

der mit dezent eingesetzten alten Materialien<br />

arbeitet. Es ist ein Montag im<br />

ausgehenden Winter und der Laden<br />

brummt. Herzog wirft einen kurzen<br />

Blick durch den Laden. „<strong>Das</strong> passt<br />

schon so“, sagt er und nickt. Er hat eine<br />

gute Saison hinter sich und es wird immer<br />

klarer, dass er mit seinen Eltern<br />

vor zehn Jahren die richtige Entscheidung<br />

getroffen hat.<br />

Die Wurzeln der Bäckerei Herzog liegen<br />

in Absberg, wo die Eltern Otto und<br />

Helena bereits in den 1980er-Jahren<br />

zusätzlich zur Bäckerei ein Café eröffnet<br />

hatten und damit genau den Mut<br />

zur Weiterentwicklung zeigten, den<br />

knapp 30 Jahre später auch ihr Sohn<br />

Alexander beweisen sollte. Denn mittlerweile<br />

war die kleine Keller-Backstube<br />

der Herzogs aus der Zeit gefallen.<br />

„Es war klar, dass man was machen<br />

musste, sonst wäre das irgendwann<br />

ausgelaufen.“ Also machte man was.<br />

Die grüne Wiese als Rettung?<br />

Eine Investition auf die grüne Wiese.<br />

Backstube, Konditorei, Snackwerkstatt,<br />

Logistik-Zentrum hinten, vorne<br />

Café und Bäckerei. Seit 2012 schlägt<br />

in Muhr das neue Herz des Familienbetriebs.<br />

Dazu eröffnete man neue Filialen<br />

und sicherte sich weitere Wiederverkaufsstellen.<br />

Der Anfang war<br />

nicht leicht, erinnert sich Herzog. „Auf<br />

einmal waren das völlig neue Dimensionen<br />

und Mengen. Und deine alten<br />

Strukturen passen da<strong>für</strong> überhaupt<br />

nicht.“ Jede Menge Fehler habe man<br />

gemacht <strong>–</strong> und dann daraus gelernt.<br />

Drei bis fünf Jahre habe es gedauert,<br />

bis man sich neu ausgerichtet hatte.<br />

„Irgendwas ist eigentlich trotzdem<br />

immer“, stellt Herzog lachend fest.<br />

Während des Firmenrundgangs hat er<br />

gerade erst unter Einsatz eines Kochlöffels<br />

eine mit Schokolade verstopfte<br />

Maschine repariert und sich erst vor<br />

wenigen Minuten intensiv mit Fehler<br />

11 des Kaffeeautomaten auseinandergesetzt.<br />

Business as usual an einem<br />

ganz normalen Montagmorgen.<br />

Auch in Muhr am See ist Handwerk<br />

in größerem Gebinde die Idee <strong>für</strong> die<br />

Zukunft. Technik setzt man da ein,<br />

wo es sich lohnt. Und wo es von der<br />

Qualität her Sinn macht. So werden<br />

in Muhr am See in der Snackwerkstatt<br />

Semmeln und Brezen von Maschinen<br />

aufgeschnitten und gleich mit Butter<br />

bestrichen. Und der Teigportionierer<br />

kann jetzt dank einer neuen Station die<br />

Brezen auch gleich fertig falten.<br />

Und trotzdem sieht man überall Menschen<br />

arbeiten. Hier wird der Teig gemischt,<br />

dort in der Konditorei werden<br />

Gebäcktaler mit Schokolade bestrichen<br />

und dort schiebt jemand einen<br />

Wagen voller Brot. Da ist immer noch<br />

jedes von Hand geformt“, sagt Herzog<br />

und nickt in Richtung der krossen<br />

Krusten. Maschinen würde es da<strong>für</strong><br />

zwar auch geben, aber denen vertraut<br />

der Chef nicht. „<strong>Das</strong> würde mich Qualität<br />

kosten <strong>–</strong> und das will ich nicht.“<br />

Die Wagen voller Backwaren werden<br />

nun in Richtung Logistik gerollt. Die<br />

Körbe <strong>für</strong> Filialen und Wiederverkäufer<br />

stehen in langer Schlange aufgereiht.<br />

Eine Digitalanzeige gibt an,<br />

wie viel Semmeln, Brezen und andere<br />

Dinge noch nach Weißenburg oder<br />

Absberg müssen … Ein ausgefeiltes<br />

Softwaresystem weiß genau, welcher<br />

Transport mit welcher Bestellung als<br />

Nächstes kommt, und lässt die aktuelle<br />

Produktion so auf die Körbe verteilen,<br />

dass keine Wartezeiten entstehen.<br />

Gelernt hat Herzog selbst in einer<br />

Münchner Biobäckerei. Seinen Ausbilder<br />

von damals kennt er noch heute<br />

und schätzt ihn. Richtig überzeugt<br />

hat das Kind vom Land der Biobetrieb<br />

aber nie. Wichtiger als Bio von irgendwoher<br />

ist ihm Regional von direkt vor<br />

der Haustür. Seine Lieferanten kennt<br />

er in aller Regel persönlich, und die allermeisten<br />

seiner Zutaten kommen aus<br />

Mittelfranken.<br />

Herzog sitzt jetzt mal <strong>für</strong> einige Minuten<br />

ruhig am Tisch, grüßt nur zwischendurch<br />

ein paar Stammkunden.<br />

Man fragt ihn nach der Zukunft der<br />

Bäcker in der Region. Muss es die Größe<br />

sein? Er überlegt … und verneint.<br />

„Wenn du einen Laden an einem guten<br />

Ort mit viel Frequenz hast, dann kann<br />

auch das gehen“, sagt er. Oder auch ein<br />

Biobäcker, der viel auf Märkten verkauft.<br />

Warum nicht?!<br />

„Es muss halt passen!“, stellt er dann<br />

noch fest. Und damit wäre man bei der<br />

zentralen Erkenntnis dieses Textes angelangt.<br />

Am Ende ist es nicht nur eine<br />

Idee, die es braucht, um eine Bäckerei<br />

und eine Metzgerei in die Zukunft zu<br />

führen, es muss auch noch eine sein,<br />

die zu dem Betrieb passt, den man in<br />

diese Zukunft bekommen will. So gesehen<br />

ist „Es muss halt passen“ die Erfolgsformel.<br />

In bestem Business-Fränkisch<br />

von einem Best-Practice-Bäcker<br />

formuliert.<br />

44<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Mit Playstation-Style<br />

zum Metzger-Azubi?<br />

Von Jan Stephan<br />

Metzgereien und Bäckereien<br />

kämpfen wirtschaftlich,<br />

aber das größere<br />

Problem ist der mangelnde<br />

Nachwuchs. Dabei<br />

haben die beiden alten<br />

Handwerksberufe bereits<br />

kräftig nachgesteuert.<br />

Warum keiner mehr Keulen-Krieger<br />

oder Roggen-Ritter<br />

werden will.<br />

Keulen-Krieger, Beef-Beschwörer, Filet-Fee.<br />

Drei Kunstfiguren, mit denen<br />

der Fleischerverband Bayern um<br />

Nachwuchs an den Wursttheken des<br />

Freistaats kämpfen will. Die Charaktere<br />

sehen aus, als wären sie aus World<br />

of Warcraft geflüchtet. Und genauso<br />

sollen sie auch aussehen. Denn: Wo<br />

treiben sich all die Jugendlichen rum,<br />

die gerade nicht Metzgerin oder Metzgereifachverkäufer<br />

werden wollen?<br />

Eben, sie sind am Zocken.<br />

<strong>Das</strong> zumindest glaubt offenbar der<br />

Fleischerverband Bayern und hat mal<br />

eben eine Kampagne rund um Keulen-<br />

Krieger und Co. auf die Beine gestellt.<br />

Im Rahm ihrer Mission „Butcher‘s<br />

Tale <strong>–</strong> Die Wächter des Handwerks“<br />

sind sie zu nichts weniger angetreten<br />

als zur Rettung eines Berufsbilds. Immerhin<br />

wäre das womöglich tatsächlich<br />

eine Aufgabe <strong>für</strong> Superhelden ...<br />

Fehlendes Personal ist in fast allen<br />

Arbeitsfeldern ein Problem <strong>–</strong> aber im<br />

Lebensmittelbereich ist die komplizierte<br />

Lage noch ein bisschen komplizierter.<br />

Bäcker haben Probleme mit den in<br />

vielen Fällen immer noch nachtschlafenden<br />

Arbeitszeiten ihres Gewerks.<br />

„<strong>Das</strong> sieht alles so<br />

aus wie in der Playstation,<br />

aber so ist es hier<br />

halt nicht„<br />

Bei den Metzgern schreckt das Arbeitsumfeld.<br />

<strong>Das</strong> Fleischerhandwerk<br />

ist nichts <strong>für</strong> Zartbesaitete. Ohne Blut,<br />

Fleisch und Tod kommt man auch in<br />

der nettesten Metzgerei nicht vom<br />

Schwein zum Wienerle.<br />

Aber ob Filet-Feen und Beef-Beschwörer<br />

die Probleme lösen? In Bieswang<br />

hat man da so seine Zweifel. Friedrich<br />

Wörlein, Seniorchef der gleichnamigen<br />

Metzgerei, schnaubt nur, wenn<br />

man ihn auf die Aktion aufmerksam<br />

macht. Was soll es bringen, wenn man<br />

den Jungen eine bunte Fantasiewelt<br />

verkauft, wenn die Realität aus weißen<br />

Fliesen und Edelstahltischen besteht?<br />

„<strong>Das</strong> sieht alles so aus wie in der Playstation“,<br />

sagt Fritz Wörlein, „aber so ist<br />

es hier halt nicht.“<br />

Den beiden Wörleins wäre es lieber,<br />

man würde mit den Argumenten um<br />

Nachwuchs werben, die auch sie an<br />

diesen Beruf glauben lassen. Mit dem<br />

Sinn etwa, der hinter ihrer täglichen<br />

Arbeit steckt. Metzger produzieren<br />

Lebensmittel direkt <strong>für</strong> den Verbraucher.<br />

Der Sinn einer solchen Tätigkeit<br />

leuchtet unmittelbarer ein, als<br />

im Schichtbetrieb die immergleichen<br />

Schrauben in einen Autorohling zu<br />

drehen. Außerdem ist man in mittel-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

45


ständischen, oft familiengeführten Betrieben<br />

zu Hause, wo die Drähte zu<br />

den Chefs kurz sind und der Umgang<br />

oft familiär. Und nicht zuletzt spricht<br />

man von Berufsbildern mit Tradition:<br />

Bäcker und Metzger gab es schon in<br />

den mittelalterlichen Städten, Fabrikarbeiter<br />

eher nicht.<br />

Aber dreht sich gerade nicht ohnehin<br />

die Stimmung? Sind Metzger nicht auf<br />

dem Weg dazu, cool zu werden? Dieses<br />

Butcher-Ding? Typen mit wilden<br />

Bärten, schwer tätowiert, mit Fleisch-<br />

Sommelier-Zertifikat und mit Whiskey<br />

verfeinerten Dry-Aged-Keulen im<br />

Reifeschrank? Immer wieder tauchen<br />

sie im Fernsehen auf. Und irgendwer<br />

muss ja die ganzen ambitionierten Profigriller<br />

in den Vorgärten der Region<br />

mit Stoff versorgen? Hilft das nicht<br />

beim Ansehen eines Berufsbilds?<br />

Fritz Wörlein grätscht derlei Hoffnungen<br />

humorlos ab. „Im Fernsehen gibt<br />

es schon seit Jahren unglaublich viele<br />

Fernsehköche, die wie Popstars bejubelt<br />

werden“, stellt er fest. „Aber gibt es<br />

deswegen auch mehr Köche?!“<br />

Kaum <strong>–</strong> da hat Wörlein schon recht.<br />

Aber immerhin: Eine neue Lust aufs<br />

Regionale, die sei schon festzustellen,<br />

sagt etwa der Innungsmeister der Bäcker,<br />

Gerhard Paul. „Ich merke schon,<br />

dass es etwas mehr Wertschätzung gibt<br />

<strong>für</strong> Produkte vor Ort.“ Da hat die Corona-Pandemie<br />

einen Schub gegeben.<br />

Viele Verbraucher stellten fest, dass es<br />

nicht so schlecht ist, wenn es Lebensmittelhandwerker<br />

vor der Haustür<br />

gibt, die <strong>für</strong> ihr Produkt keine Lieferketten<br />

bis nach China brauchen. Ein<br />

bisschen Zeitgeist scheint also schon<br />

in die Richtung der Nahrungsmittel-<br />

Handwerker vor Ort zu drehen.<br />

„Die Frage ist nun:<br />

Kommt der Zeitgeist<br />

noch rechtzeitig<br />

genug?„<br />

Die Frage ist nun: Kommt der Zeitgeist<br />

noch rechtzeitig genug? Denn bei aller<br />

Hoffnung: <strong>Das</strong> Ausmaß des aktuellen<br />

Fachkräftemangels ist beeindruckend.<br />

Um das festzustellen, reicht ein Blick<br />

in die Statistik des Beruflichen Schulzentrums<br />

<strong>Altmühlfranken</strong>. Hier können<br />

Bäcker und Metzger sowie die<br />

entsprechenden Fachverkäufer den<br />

Schulanteil ihrer Ausbildung absolvieren.<br />

Vier Ausbildungsberufe mit jeweils<br />

drei Schuljahren sind das. Vor zehn<br />

Jahren hatte die Berufsschule in diesem<br />

Bereich noch rund 200 Schüler.<br />

Im Schuljahr 2021/2022 waren es<br />

noch 50. Eigene Klassen <strong>für</strong> Metzger<br />

und Metzgereifachverkäufer beziehungsweise<br />

Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen<br />

gibt es schon lange<br />

nicht mehr. Und im zweiten und dritten<br />

Lehrjahr müssen Bäcker wie Metzger<br />

zur Berufsschule Fürth pendeln.<br />

Die zuständigen Fachlehrer Volkmar<br />

Steffanides (Metzger) und Bianca Eggebrecht<br />

(Bäcker) bedauern das, aber<br />

sie richten den Unterricht mit getrennten<br />

Teilen so aus, dass es in der Praxis<br />

funktioniert. Und sie haben Hoffnung,<br />

dass es vielleicht bald besser wird. Weil<br />

die Menschen das Nahrungsmittelhandwerk<br />

wieder mehr schätzen, aber<br />

auch, weil die Umstände sich verbessern.<br />

Zumindest bei den Bäckern.<br />

Schulleiter Thomas Grad erklärt die<br />

Hintergründe. Die Bäcker und Metzger<br />

werden von Weißenburg nach<br />

Gunzenhausen ziehen, wo man ein<br />

Zentrum <strong>für</strong> die Nahrungshandwerker<br />

schaffen will, in das dann auch die<br />

bereits dort angesiedelten Hauswirtschafter,<br />

Köchinnen oder Restaurantfachmänner<br />

integriert. Als Zuckerl<br />

gibt es ein neues Einzugsgebiet <strong>für</strong><br />

die Bäcker. Die Berufsschule in Ansbach<br />

streicht die Segel und schickt<br />

ihre Schüler in Zukunft nach Gunzenhausen.<br />

So hofft man an der hiesigen<br />

Berufsschule, höhere Schülerzahlen<br />

erreichen zu können, wieder eigene<br />

Klassen <strong>für</strong> Bäcker und Bäckereifach-<br />

46<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


verkäuferinnen zusammenzubekommen<br />

und alle drei Berufsschuljahre in<br />

Gunzenhausen anbieten zu können.<br />

„Wir haben das Glück, dass unser<br />

Landrat hinter uns steht“, stellt Schulleiter<br />

Grad fest. Tatsächlich lässt sich<br />

der Landkreis die Zukunft der Bäcker<br />

und Metzger etwas kosten. Zuletzt war<br />

von 9,3 Millionen Euro die Rede, die<br />

man <strong>für</strong> einen Anbau und die Sanierung<br />

der Berufsschule in Gunzenhausen<br />

bräuchte. Eine der größten Investitionen<br />

im Kreishaushalt <strong>–</strong> in einer Zeit,<br />

in der jeder Euro in dem Zahlenwerk<br />

doppelt umgedreht wurde. Für die<br />

hiesigen Bäcker wäre eine Beschulung<br />

vor Ort sicher ein Standortvorteil, weil<br />

Auszubildende leichter zu gewinnen<br />

sind, wenn die Wege kurz sind.<br />

Im Moment aber ist die Lage mau:<br />

„Früher hatten wir vielleicht fünf oder<br />

sechs Auszubildende, im Moment haben<br />

wir eine einzige“, sagt Linda Wörlein.<br />

Sie ist in dem Metzgerbetrieb <strong>für</strong>s<br />

Personal zuständig. Inzwischen muss<br />

man immer wieder kreative Lösungen<br />

finden. <strong>Das</strong>s die Metzgerei viele ihrer<br />

Fleischstücke etikettiert, liegt auch daran,<br />

dass man damit dem Personal im<br />

Laden hilft, das nicht auf Anhieb erkennt,<br />

ob man hier ein Stück aus der<br />

Schulter oder ein Filet vor sich hat.<br />

Bei der Suche nach Metzgern ist man<br />

inzwischen in Serbien fündig geworden.<br />

Über eine Agentur hat man zwei<br />

ausgebildete Metzger nach Bieswang<br />

geholt. Es habe zwar ein Jahr gedauert,<br />

bis die Ausbildung anerkannt worden<br />

sei, erinnert sich Friedrich Wörlein,<br />

aber die Mühe hat sich gelohnt. Die<br />

beiden Serben wollen dauerhaft bleiben.<br />

Ein klassisches Beispiel <strong>für</strong> den<br />

gezielten Zuzug von Fachkräften, ohne<br />

den es in Zukunft in vielen Bereichen<br />

kaum gehen wird.<br />

Warum aber will hierzulande keiner<br />

Metzger werden, warum keiner Bäcker?<br />

Sebastian Dörr, der Geschäftsführer<br />

der Kreishandwerkerschaft<br />

Mittelfranken-Süd, sieht ein strukturelles<br />

Problem. Er erklärt es anhand<br />

eines Beispiels: „In Roth hatten wir vor<br />

30 Jahren 1374 Geburten, vor 15 Jahren<br />

waren es noch 905. <strong>Das</strong> sind 400<br />

Jugendliche, die uns fehlen, die jetzt<br />

Metzger oder Bäcker hätten werden<br />

können.“ <strong>Das</strong> ist Problem Nummer<br />

eins <strong>–</strong> das allerdings alle Bereiche haben,<br />

wenn es um den Nachwuchs geht.<br />

Problem Nummer zwei: Immer mehr<br />

der immer weniger Jugendlichen<br />

machen Abitur oder Fachhochschulreife<br />

und studieren. So gehen weitere<br />

Azubis <strong>für</strong> Bäckereien und Metzgereien<br />

verloren. Die Akademisierung<br />

ist allerdings ein Problem, das immerhin<br />

alle Ausbildungsberufe haben.<br />

Problem drei hat man dann endgültig<br />

exklusiv und ist sozusagen die Sahne<br />

auf der Torte oder, wenn man mag, die<br />

Schwarte auf dem Schäufele: „Bäcker<br />

und Metzger haben nicht das Umfeld,<br />

in der Spitze mit den Gehältern mithalten<br />

zu können“, erklärt Dörr. Zumindest<br />

nicht im Vergleich zur Automobilindustrie.<br />

„Bäcker und Metzger<br />

haben nicht das Umfeld,<br />

in der Spitze mit den<br />

Gehältern mithalten<br />

zu können„<br />

Dagegen kann man innerhalb gewisser<br />

Grenzen etwas tun <strong>–</strong> und in vielen<br />

Fällen wurde das getan. 2500 Euro<br />

brutto, plus Weihnachts- und Urlaubsgeld<br />

und Sonderleistungen seien bei<br />

Bäckern und Metzgern drin, erklären<br />

die Innungsobermeister im Gespräch.<br />

Es fehle aber auch in den Köpfen der<br />

Eltern, glauben die beiden. „Wenn<br />

wir auf Ausbildungsmessen sind, ziehen<br />

die Eltern die Kinder von unseren<br />

Ständen manchmal fast weg“, erzählt<br />

Willy Böbel, der Obermeister der<br />

Metzgerinnung. Lieber ein Bürojob<br />

als mit den eigenen Händen arbeiten,<br />

scheint die Einstellung zu sein.<br />

Dabei stimmen die Klischees über die<br />

Jobs bei Metzgern und Bäckern längst<br />

nicht mehr. Die Arbeitsbedingungen<br />

sind den Angestellten entgegengekommen.<br />

Bäcker müssen mitten in der<br />

Nacht aufstehen? Zumindest in größeren<br />

Betrieben ist das nicht mehr unbedingt<br />

der Fall. „Wir haben Anfang<br />

2020 umgestellt“, erzählt Alexander<br />

Herzog von der Bäckerei Herzog. „<strong>Das</strong><br />

Schwierigste war dabei die Einstellung<br />

im Kopf“, sagt der junge Bäckermeister<br />

und lacht. Denn technisch ist es kein<br />

großes Problem, wenn die Logistik<br />

passt und die Öfen darauf ausgelegt<br />

sind. „Es gibt bei uns nur noch zwei<br />

Bäcker, die in der Nacht backen, der<br />

Rest arbeitet ab 5 Uhr." <strong>Das</strong> ist nicht<br />

weit von der Frühschicht eines Fabrikjobs<br />

entfernt.<br />

Ähnliche Arbeitszeiten hat man bei<br />

den Metzgern im Schlachthof der<br />

Metzgerei Wörlein. „<strong>Das</strong> ist hier auch<br />

kein Knochenjob mehr“, erklärt Fritz<br />

Wörlein. „Fakt ist, dass bei uns keiner<br />

mehr schwer heben muss, und die<br />

Arbeitszeiten sind längst absolut verträglich.<br />

Wir arbeiten von Montag bis<br />

Freitag von 5 bis 14 Uhr.“ Und hier<br />

werden auch nicht in Akkordarbeit<br />

Tiere zersägt, sondern sie nach altem<br />

Metzgerhandwerk Stück <strong>für</strong> Stück auseinandergenommen.<br />

Trotz aller Bemühungen: „Fachkräfte<br />

kommen zu wenig nach“, sagt Alexander<br />

Herzog, der allerdings selbst gar<br />

nicht klagen will. Zehn Azubis hat er<br />

im Betrieb, was bei manch anderem<br />

<strong>für</strong> große Augen sorgen dürfte. Aber<br />

Herzog gibt sich hier eben auch Mühe.<br />

Er legt ein paar Hunderter auf die Tariflöhne<br />

der Auszubildenden drauf,<br />

und wer die Berufsschule mit einem<br />

ordentlichen Notenschnitt abschließt,<br />

bekommt ein teures Smartphone geschenkt.<br />

Flexible Arbeitszeitmodelle<br />

und ein familiäres Betriebsklima tun<br />

das Ihrige. „Wir sind da in den letzten<br />

Jahren schon neue Wege gegangen und<br />

haben Maßstäbe gesetzt“, so Herzog.<br />

Wenn die Umstände passen, der Betrieb<br />

gut aufgestellt ist und sich Mühe<br />

um den Nachwuchs macht, dann geht<br />

also schon was. Und das haben die Berufe<br />

im Lebensmittelhandwerk auch<br />

verdient <strong>–</strong> finden alle, mit denen man<br />

spricht. Man sei nah am Kunden und<br />

bekomme direkte Rückkoppelung,<br />

erzählen die Berufsschullehrer. Die<br />

Innungsobermeister verweisen auf die<br />

Karrierechancen: „Die Aufstiegschancen<br />

im Handwerk, die werden gerne<br />

übersehen. Da kann ich mit 19 oder 20<br />

Jahren ein fertiger Meister sein und in<br />

die Selbstständigkeit“, stellt Dörr fest.<br />

Und dann eröffnet ein so bodenständiger<br />

Beruf wie Metzger oder Bäcker<br />

auch noch internationale Karrierechancen.<br />

„Deutsche Bäcker sind weltweit<br />

gefragt, da können Sie sofort auf<br />

jedem Kreuzfahrtschiff anfangen“,<br />

erzählt Berufsschullehrerin Bianca Eggebrecht.<br />

Für Berufe, die vermeintlich<br />

nicht viel Perspektive haben, sind das<br />

ziemlich sonnige Aussichten <strong>für</strong> all die<br />

Keulen-Krieger und Roggen-Ritter.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

47


Einzelhandel<br />

48<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

Verkaufen kann jeder <strong>–</strong> bei<br />

uns werden Kunden betreut<br />

<strong>Das</strong> 1976 von Inhaber Hermann<br />

Kaiser gegründete Unternehmen<br />

mit Hauptsitz in Ansbach umfasst<br />

mittlerweile eine Anzahl von 130<br />

Mitarbeitern. Niederlassung Kaiser<br />

Bürotechnik in Weißenburg<br />

besteht seit nunmehr 23 Jahren<br />

und ist der kompetente Ansprechpartner<br />

in der Region, wenn es<br />

ums Thema Büro geht. „Bei Kaiser<br />

ist der Kunde König.“ Ein Leitspruch,<br />

den die Geschäftsleitung,<br />

bestehend aus Hermann und<br />

Matthias Kaiser, nicht nur selbst<br />

vorlebt, sondern auch in die gesamte<br />

Belegschaft übertragen hat.<br />

Als typischer Vollsortimenter deckt<br />

Kaiser Bürotechnik alle Bereiche,<br />

von Bürotechnik über Büromöbel,<br />

Bürobedarf, technischen Kundendienst<br />

bis hin zu IT-Lösungen und<br />

Kassensystemen vollständig ab.<br />

Ein Bürobedarfs-Abholmarkt, auch<br />

in Weißenburg, rundet das Portfolio<br />

des Unternehmens ergänzend ab.<br />

Persönliche Betreuung, individuelle<br />

Lösungen und vor allem auch<br />

Ortsnähe sind <strong>für</strong> eine langjährige,<br />

zuverlässige und kontinuierliche<br />

Geschäftsverbindung gerade in der<br />

heutigen, schnelllebigen Zeit der<br />

Schlüssel zum Erfolg.<br />

Gerade bei Beratung, Service und<br />

technischem Kundendienst zeigt<br />

sich hier die Stärke von Kaiser Bürotechnik,<br />

denn nur verkaufen kann<br />

jeder. Die Belegschaft in Weißenburg<br />

um Vertriebsleiter Werner<br />

Gottwald und Service-Leiter Peter<br />

Leitel sind gerne <strong>für</strong> die jeweiligen<br />

Belange und Anforderungen ihrer<br />

Kunden und Geschäftspartner da.<br />

Kaiser Bürotechnik<br />

Augsburger Straße 1<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 8 50 33<br />

www.kaiser-buerotechnik.de<br />

info@kaiser-buerotechnik.de<br />

<strong>Das</strong> Qualitätssiegel „Möbel Rachinger“<br />

Die Firma Rachinger hat ihre Ursprünge<br />

im Jahr 1912. Gegründet<br />

wurde sie als Schreinerei mit Holzlager.<br />

Der Einstieg in den Möbelhandel<br />

kam Mitte der 1950er-Jahre. Seit<br />

rund 70 Jahren ist man der Partner<br />

im Altmühltal <strong>für</strong> hochwertige Möbel<br />

und Einrichtung.<br />

Aktuell arbeiten 50 Beschäftigte <strong>für</strong><br />

das Möbelhaus, das von Brigitte<br />

Güllich und Jörg Schmidt geführt<br />

wird. Auf 5000 Quadratmeter können<br />

sich Interessierte in der Ausstellung<br />

in Solnhofen moderne Einrichtungsideen<br />

ansehen. Von der Küche<br />

bis zum Kinderzimmer, von der Tür<br />

bis zum Parkett.<br />

Brigitte Güllich und Jörg Schmidt<br />

führen ein Team aus Profis: Einrichtungsberater,<br />

Küchenfachberater<br />

sowie Fachberater <strong>für</strong> Möbel- und<br />

Innenausbau stehen den Kunden<br />

mit ihrer Expertise zur Verfügung.<br />

<strong>Das</strong> Unternehmen bleibt darüber<br />

hinaus seinen Wurzeln treu und beherbergt<br />

eine Werkstatt mit hauseigenen<br />

Schreinern. <strong>Das</strong> sorgt da<strong>für</strong>,<br />

dass die Wünsche des Kunden auch<br />

eins zu eins in die Tat umgesetzt<br />

werden können.<br />

„Bei Möbel Rachinger findet der<br />

Kunde alles unter einem Dach“, verspricht<br />

Geschäftsführerin Brigitte<br />

Güllich. „Es ist uns ein großes Anliegen,<br />

eng mit dem Kunden in Kontakt<br />

zu stehen und die bestmöglichen<br />

Lösungen zu finden.“ Der schnelle<br />

Draht zu den Kunden ist einer der<br />

Gründe, warum Möbel Rachinger<br />

seit Jahrzehnten die Adresse <strong>für</strong><br />

hochwertige Möbel in der Region ist.<br />

„Es zeigt sich, dass die Kunden bei<br />

uns kaufen, weil sie Vertrauen in uns<br />

haben, und wissen, dass sie sich auf<br />

uns verlassen können.“ Eine wertige<br />

Einrichtung ist immerhin auch eine<br />

gute Geldanlage, zeigt sich Brigitte<br />

Güllich überzeugt. Die Möbel des<br />

eigenen Zuhauses sind die Dinge,<br />

mit denen man täglich umgeht. -cr-<br />

Möbel Rachinger GmbH & Co. KG<br />

Industriestraße 1<br />

91807 Solnhofen<br />

Tel. 0 91 45 / 4 67<br />

www.moebel-rachinger.de<br />

info@moebel-rachinger.de<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

49


Mit Laptops<br />

gegen<br />

Leerstand<br />

Von Kathrin Lucia Meyer<br />

Sind gemischte Gemeinschaftsbüros,<br />

wie es sie in<br />

der Stadt zuhauf gibt, ein<br />

Konzept, das im ländlichen<br />

Raum funktionieren kann?<br />

Wer arbeitet eigentlich in<br />

diesen „Co-Working-Spaces“<br />

und warum? Wir haben<br />

mal bei den Pionieren<br />

in Eichstätt und Treuchtlingen<br />

vorbeigeschaut.<br />

Eine Menge hat sich seit der Corona-<br />

Pandemie in Sachen „New Work“<br />

getan. Für viele Büroangestellte hat<br />

sich die Arbeitswelt verändert. <strong>Das</strong><br />

Homeoffice oder hybride Arbeitsmodelle<br />

mit tageweisen Homeoffice-Optionen<br />

haben selbst bei Kommunalverwaltungen<br />

oder Handwerksbetrieben<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong> Einzug gehalten.<br />

Pendelwege entfallen und die Tagesplanung<br />

gewinnt an Flexibilität. Doch<br />

<strong>für</strong> manche kann das Homeoffice belastend<br />

sein, wenn etwa der Kontakt<br />

zu Kolleginnen und Kollegen fehlt, die<br />

Küche zum Büro wird oder das Internet<br />

auf dem Dorf lahmt. Spätestens<br />

dann verliert manch einer den Spaß an<br />

der schönen neuen Arbeitswelt.<br />

Hier kommen nun flexibel anmietbare<br />

Arbeitsplätze in Co-Working-Spaces<br />

(übersetzt Raum <strong>für</strong> Zusammenarbeit)<br />

ins Spiel: wie der jüngst eröffnete in<br />

Treuchtlingen. Im „Spacs“, kurz <strong>für</strong><br />

die Verbindung aus „Space“ und „Social“,<br />

treffen nun die Mitarbeiter des<br />

Treuchtlinger Kuriers auf den selbstständigen<br />

Software-Entwickler, der etwas<br />

Abwechslung vom Homeoffice in<br />

den eigenen vier Wänden sucht.<br />

Mehrmals im Monat bucht er sich flexibel<br />

einen Schreibtisch ab 20 Euro pro<br />

Tag <strong>–</strong> die Flatrate <strong>für</strong> Kaffee und Tee<br />

sowie eine kleine Küche zur Selbstversorgung<br />

sind inklusive. Den fest buchbaren<br />

Arbeitsplatz zur Dauernutzung<br />

(Fix Desk) gibt‘s <strong>für</strong> 270 Euro netto<br />

pro Monat. Außerdem schnelles Internet<br />

(bis zu 1 GBit/s), einen klassischen<br />

Bürostuhl, Monitor und kostenlose<br />

Veranstaltungen. In den beiden Büroräumen<br />

und dem separat buchbaren<br />

Meetingraum können bis zu 18 Personen<br />

gleichzeitig arbeiten. Und auch<br />

Bürohunde sind willkommene Gäste.<br />

Der Eintritt in den Space erfolgt komplett<br />

digital: Der Co-Worker reserviert<br />

sich über die Website einen Platz und<br />

bekommt über eine App einen digitalen<br />

Schlüssel (NFC) <strong>für</strong>s Büro. Den<br />

kann er dann rund um die Uhr nutzen.<br />

Geht es nach den Plänen von Alexander<br />

Mayr und Manuel Reuter, den jungen<br />

Betreibern, sollen weitere Büros in<br />

Weißenburg, Ellingen und Pleinfeld<br />

folgen. Derzeit laufen Bewerbungen<br />

um Fördermittel aus unterschiedlichen<br />

Fonds. Die Gründer, die beide Vollzeit<br />

in festen Jobs tätig sind, lernten sich bei<br />

einem Unternehmernetzwerktreffen<br />

der Zukunftsinitiative <strong>Altmühlfranken</strong><br />

(ZIA) kennen und verstanden sich auf<br />

Anhieb. Mayr verfasste damals seine<br />

Abschlussarbeit im Masterstudiengang<br />

Business Consulting & Digital<br />

Management an einer Hochschule in<br />

München. <strong>Das</strong> Thema: „Co-Working<br />

im ländlichen Raum <strong>–</strong> bestehende Modelle<br />

und künftige Perspektiven“.<br />

Förderung aus Sonderfonds<br />

Nach monatelangen Recherchen,<br />

zahlreichen Interviews und der Auseinandersetzung<br />

mit dem Thema ist<br />

der 27-Jährige überzeugt, dass ein derartiges<br />

Bürokonzept auch in Treuchtlingen<br />

funktionieren kann. In Manuel<br />

Reuter, Berater <strong>für</strong> digitales Marketing<br />

und stellvertretender Vorsitzender der<br />

Wirtschaftsjunioren in Gunzenhausen,<br />

findet Mayr den perfekten Geschäftspartner.<br />

Gemeinsam entwerfen<br />

sie einen Businessplan und sichern<br />

sich eine Förderung des Sonderfonds<br />

„Innenstädte beleben“.<br />

50<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Was bringen<br />

Co-Working-<br />

Spaces <strong>für</strong> die<br />

wirtschaftliche<br />

Entwicklung<br />

einer ländlichen<br />

Region?<br />

Eine Studie des Forschungsinstituts<br />

zur Zukunft<br />

der Arbeit GmbH<br />

(IZA) hat im Auftrag des<br />

Bundesministeriums<br />

<strong>für</strong> Arbeit und Soziales<br />

(BMAS) die „Bedeutung<br />

von Co-Working-Spaces<br />

als Dritter Arbeitsort in<br />

Deutschland“ untersucht.<br />

Ergebnis: Die Wirkung<br />

der öffentlich geförderten<br />

Co-Working-Spaces im<br />

ländlichen Raum, sowohl<br />

auf der Ebene der Nutzer<br />

als auch auf der Ebene<br />

der lokalen Wirtschaft, ist<br />

kaum messbar. Die Empfehlung<br />

des BMAS: <strong>Das</strong><br />

vorhandene, unübersichtliche<br />

System der öffentlichen<br />

Förderung in diesem<br />

Bereich müsse überprüft<br />

und eher „zurückhaltend“<br />

ausgeweitet werden.<br />

Die Folge: Treuchtlingen hat einen<br />

Co-Working-Space <strong>–</strong> und die Stadt<br />

eine leer stehende Gewerbeimmobilie<br />

weniger. Auf 100 Quadratmetern ist<br />

hier nun Platz <strong>für</strong> Zusammenarbeiter.<br />

„Wir wollen einen Ort schaffen <strong>für</strong><br />

Freiberufler, Angestellte, Studierende,<br />

einfach einen Treffpunkt <strong>für</strong> coole<br />

Leute, <strong>für</strong> Events oder eine willkommene<br />

Abwechslung zum öden Arbeitsalltag<br />

im Homeoffice“, erklären sie im<br />

Vorfeld der Eröffnung. Und sie stoßen<br />

offenbar auf offene Ohren.<br />

Schon einige Monate nach der Eröffnung<br />

arbeite man mit dem Spacs<br />

Treuchtlingen kostendeckend, erklärt<br />

Alexander Mayr <strong>–</strong> dank Förderung<br />

und vergünstigtem Mietvertrag.<br />

Co-Working als Win-win-Situation<br />

„Die Chance ist auf alle Fälle gegeben,<br />

dass wir Gewinn erwirtschaften“, ist<br />

Mayr zuversichtlich. Per Kampagne in<br />

Social Media und Anzeigen im Netz<br />

versuche man <strong>2023</strong> verstärkt, potenzielle<br />

Nutzer auf das Angebot aufmerksam<br />

zu machen. Die Zielgruppe<br />

sei dabei völlig offen: „Aktuell haben<br />

wir eine ziemlich bunte Mischung aus<br />

Festangestellten, Selbstständigen, Unternehmern<br />

und Tagesgästen, die nur<br />

mal stundenweise den Meetingraum<br />

buchen.“ Gerade der Besprechungsraum<br />

würde bereits gut angenommen:<br />

Mittelständische Unternehmen aus<br />

der Umgebung buchten Workshops,<br />

Vereine wie der Landesbund <strong>für</strong> Vogelschutz<br />

oder lokale Parteien hielten<br />

dort Sitzungen ab.<br />

Zukünftig wollen die beiden Gründer<br />

vor allem auch Festangestellte<br />

aus Unternehmen, ansprechen, die<br />

in Großstädten wie Ingolstadt und<br />

München arbeiten. Für Firmen werden<br />

diese „Dritten Orte“ vor allem in<br />

Zeiten steigender Mietkosten immer<br />

relevanter. Während ein Münchner<br />

Unternehmen laut Studien <strong>für</strong> einen<br />

Arbeitsplatz in einem Büro in der<br />

Landeshauptstadt über 1000 Euro hinblättert,<br />

sind es <strong>für</strong> einen Büroplatz in<br />

einer Kleinstadt wie Treuchtlingen nur<br />

rund 300 Euro.<br />

Mayr ist überzeugt, dass die Erweiterung<br />

des Co-Working-Angebots auf<br />

dem Land <strong>für</strong> Unternehmen wie Arbeitnehmende<br />

eine Win-win-Situation<br />

darstellt: „Gut ausgebildete Fachkräfte<br />

werden nicht mehr dort arbeiten, wo<br />

die Jobs sind, sondern, wo es den Menschen<br />

am besten gefällt und sie günstig<br />

leben können. Da ist der ländliche<br />

Raum besonders attraktiv.“ Zwar sei<br />

die Büropflicht in vielen Firmen abgeschafft,<br />

im Homeoffice müsse man aber<br />

dennoch repräsentativ auftreten.<br />

„Diese professionelle Umgebung können<br />

Co-Working-Spaces bieten.“ Zudem<br />

fänden Menschen, die aus der<br />

Stadt aufs Land ziehen, dort schnell<br />

Anschluss. <strong>Das</strong> Netzwerken unter den<br />

Co-Workern steht auch bei „Spacs“<br />

im Mittelpunkt <strong>–</strong> ob beim gemeinsamen<br />

Weißwurstfrühstück oder dem<br />

Gründerworkshop am Abend: „Unsere<br />

Mission ist es, den ländlichen Raum<br />

voranzubringen und Menschen die<br />

Möglichkeit zu geben, sich zu vernetzen“,<br />

sagt Spacs-Mitbegründer Manuel<br />

Reuter.<br />

Zwei Büroräume und ein Meetingraum stehen den Gästen im neuen öffentlichen<br />

Gemeinschaftsbüro „Spacs Coworking“ in Treuchtlingen zur Verfügung. <br />

Die Kommunen profitieren in wirtschaftlicher<br />

und sozialer Hinsicht von<br />

mehr Lebendigkeit, wenn die Menschen<br />

tagsüber nicht den Ort verlassen<br />

müssen, um ihrer Arbeit nachzugehen.<br />

Laut der Studie „Co-Working<br />

im ländlichen Raum“ birgt die neue<br />

Arbeitsform und das Netzwerken in<br />

gemeinschaftlich genutzten Räumen<br />

Potenzial <strong>für</strong> die Belebung strukturschwacher<br />

Regionen. Im Auftrag der<br />

Bertelsmann Stiftung hat die Genossenschaft<br />

CoWorkLand zusammen<br />

mit dem Netzwerk Zukunftsorte über<br />

200 Interviews mit Nutzern sowie<br />

Gründern von Co-Working-Orten<br />

bundesweit geführt. Die geschilderten<br />

Erfahrungen zeigen, dass der Erfolg<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

51


der neuen Arbeitsorte insbesondere<br />

auf dem Land von der sozialen Vernetzung<br />

der Gründerinnen und Gründer<br />

abhängt, die entsprechende finanzielle<br />

Unterstützung, zumindest <strong>für</strong> eine bestimmte<br />

Zeit, mobilisieren können.<br />

Die Eröffnung des Treuchtlinger<br />

Co-Working-Spaces war <strong>für</strong> die Mitarbeiterin<br />

des dort ansässigen Treuchtlinger<br />

Kuriers nach dem Umzug der<br />

Geschäftsstelle nach Gunzenhausen<br />

im vergangenen Jahr eine glückliche<br />

Fügung: sie konnte einfach auf die gegenüberliegende<br />

Straßenseite ziehen.<br />

„Die Lage ist <strong>für</strong> mich optimal, da ich<br />

hier in der Hauptstraße mitten im Geschehen<br />

bin und um die Ecke des Rathauses“,<br />

sagt Lokalredakteurin Lidia<br />

Piechulek, die seit Mitte 2020 aus der<br />

Stadt Treuchtlingen samt Ortsteilen<br />

berichtet.<br />

Leitfaden <strong>für</strong><br />

GründerInnen<br />

Mit der Broschüre „Coworking<br />

auf dem Land“ stellt<br />

das Bundesministerium<br />

<strong>für</strong> Ernährung und Landwirtschaft<br />

(BMEL) einen<br />

kostenlosen Leitfaden <strong>für</strong><br />

GründerInnen zur Verfügung,<br />

die eine moderne<br />

Bürogemeinschaft auf<br />

dem Land planen. Diese<br />

gibt‘s zum Download<br />

unter https://www.bmel.<br />

de/<br />

Die Nürnbergerin genießt die Abwechslung<br />

im Gemeinschaftsbüro:<br />

„Die zwei Jahre der Coronapandemie<br />

waren mit viel Homeoffice verbunden,<br />

deswegen sehe ich das nun als positiv,<br />

mit anderen beim Kaffeetrinken zu<br />

quatschen und auch mal neue Leute<br />

kennenzulernen.“ Einen Aspekt des<br />

gemeinschaftlichen Arbeitens findet<br />

Piechulek besonders spannend: dass<br />

man in einem Gemeinschaftsbüro viel<br />

„Der Return on Investment<br />

ist natürlich<br />

schneller gegeben,<br />

wenn man bereits andere<br />

Spaces am Laufen<br />

hat„<br />

voneinander lernen kann. Schließlich<br />

arbeiteten im Spacs Leute aus unterschiedlichen<br />

Branchen. „Manu, einer<br />

der Gründer, hat mir zum Beispiel<br />

gezeigt, wie er die Website <strong>für</strong> den Co-<br />

Working-Space gebaut hat. Ich bin als<br />

Journalistin an der Quelle des Polizeiberichts<br />

und kann den anderen schon<br />

vor Erscheinen der Zeitung erzählen,<br />

wenn zum Beispiel irgendwo rund um<br />

Treuchtlingen eine Kuh entlaufen ist“,<br />

erzählt Piechulek schmunzelnd.<br />

Die Spacs-Gründer Reuter und Mayr<br />

sind überzeugt, dass das Co-Working-<br />

Konzept in der Region Erfolg haben<br />

wird. Auch wenn sie die Erfahrung<br />

machen mussten, dass viele Banken<br />

dem Geschäftsmodell kritisch gegenüberstehen:<br />

„Die Anfangsfinanzierung<br />

ist schwierig“, weiß Mayr. Was die beiden<br />

Jungunternehmer allerdings nicht<br />

davon abhält, größer zu denken: „Der<br />

Return on Investment ist natürlich<br />

schneller gegeben, wenn man bereits<br />

andere Spaces am Laufen hat.“ Neben<br />

der Bewerbung um weitere Förderungen<br />

hoffen die Gründer, Geld über<br />

eine geplante Crowdfunding-Kampagne<br />

im Netz zu generieren.<br />

Mit dem neuen Arbeitsmodell wurde<br />

in den letzten Jahren an mehreren<br />

Standorten in der Region experimentiert.<br />

Im „Zuber-Haus“ am Marktplatz<br />

in Gunzenhausen etwa bietet Imke<br />

Götz, Osteopathin, Coach und Speakerin,<br />

barrierefreie Arbeitsräume <strong>für</strong><br />

Einzelpersonen und Seminarräume<br />

<strong>für</strong> bis zu 30 Personen an. Auch der<br />

Markt Weiltingen im Landkreis Ansbach<br />

schuf einen dauerhaften Ort zum<br />

Co-Worken <strong>für</strong> die Gemeindebürger:<br />

Im historischen Rathaus der Gemeinde<br />

gibt’s vorerst fünf kostenlose Einzelarbeitsplätze<br />

sowie einen Meeting- und<br />

Telefonraum mit schnellem Wlan und<br />

Büroausstattung. „Ziel ist es schon, das<br />

Ganze so zu etablieren, dass es sich auf<br />

Dauer wirtschaftlich darstellen lässt“,<br />

sagt Bürgermeister Christoph Schmidt.<br />

Der Co-Working-Space als neue<br />

Ortsmitte?<br />

Frederik Fischer, Gründer und Geschäftsführer<br />

der Neulandia UG, berät<br />

Kommunen in Transformationsprozessen<br />

und beschäftigt sich seit Langem<br />

mit neuen Lebens- und Arbeitsmodellen<br />

im ländlichen Raum. Er sieht die<br />

Entwicklung von Co-Working-Spaces<br />

auf dem Land ambivalent: „Anfangs<br />

war ich überzeugt, dass sich Co-Working-Spaces<br />

durch die zunehmende<br />

Digitalisierung der Arbeitswelt rasch<br />

durchsetzen werden.“ Seine Annahme:<br />

Viele Menschen würden <strong>für</strong> höhere<br />

Lebensqualität in ländliche Räume<br />

ziehen und ihre Jobs mitnehmen. Um<br />

vor Ort Anschluss zu finden, nutzten<br />

sie Co-Working-Spaces.<br />

Die Realität aber sei eine andere. „Klassische<br />

Co-Working-Spaces funktionieren<br />

nicht in ländlichen Räumen. Wirtschaftlich<br />

ohnehin nicht, aber auch<br />

sozial blieben sie zumindest hinter<br />

meinen Erwartungen zurück. An keinem<br />

unserer Standorte wurden die Co-<br />

Working-Spaces von der Bevölkerung<br />

nennenswert nachgefragt <strong>–</strong> zumindest<br />

nicht als Orte der Arbeit.“ Während<br />

Co-Working-Spaces in Großstädten<br />

eine günstige Alternative zu einem<br />

eigenen Arbeitszimmer oder Büro<br />

sind, sei Raummangel in ländlichen<br />

Regionen meist kein Thema. Auch das<br />

Bedürfnis nach Austausch sei auf dem<br />

Land weniger stark ausgeprägt.<br />

Menschen vor Ort hätten bereits über<br />

Jahrzehnte Netzwerke geknüpft, seien<br />

Mitglied in Feuerwehren oder Sportvereinen<br />

und seltener auf der Suche<br />

nach neuen Kontakten. „Für Zuziehende<br />

bleiben Co-Working-Spaces dagegen<br />

weiter wichtig“, betont Fischer.<br />

Auch Tobias Kremkau, ehemals Co-<br />

Manager des St. Oberholz, eines der<br />

bekanntesten Co-Working Cafés in<br />

Berlin, und heute Referent <strong>für</strong> Entwicklung<br />

und Beratung bei CoWork-<br />

Land, weiß: „Zugezogene aus der Stadt<br />

sind eine wichtige erste Zielgruppe, da<br />

52<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


sie kaum von den Vorteilen eines Co-<br />

Working-Spaces überzeugt werden<br />

müssen.“ In einer repräsentativen Umfrage<br />

von Bitkom Research 2020 gaben<br />

21 % der befragten Berufstätigen an,<br />

dass sie gerne aus der Stadt ins Grüne<br />

ziehen würden, wenn ihr Job dauerhaft<br />

oder zum Großteil im Homeoffice<br />

durchführbar wäre. Liegt in den Umzugswilligen<br />

also tatsächlich das größte<br />

Potenzial <strong>für</strong> Co-Working-Spaces in<br />

der Kleinstadt?<br />

Nicht nur, glaubt Transformationsberater<br />

Fischer. Damit Co-Working-Spaces<br />

in ländlichen Räumen ihr Potenzial<br />

entfalten könnten, müssten sie neu gedacht<br />

werden. Nicht länger als ein Ort<br />

der digitalen Arbeit, der die meisten<br />

Menschen noch ausschließe <strong>–</strong> hin zu<br />

einem sozialen Mittelpunkt, der viele<br />

verschiedene Nutzungen kombiniere.<br />

Zum Beispiel Co-Working plus Werkstätten,<br />

Bücherei, einem Saal <strong>für</strong> Feste,<br />

einer Gemeinschaftsküche oder einer<br />

Kita.<br />

Co-Working unterm Dom<br />

Der damals im Entstehen befindliche<br />

Co-Working-Space in Eichstätt war <strong>für</strong><br />

Filip Groß ein Grund mehr, 2021 mit<br />

seiner Frau und den beiden Kindern<br />

aus Hamburg Altona in die beschauliche<br />

Domstadt zu ziehen. Als Digitalarbeiter<br />

in der Großstadt kannte er<br />

das Konzept des Co-Workings bereits.<br />

Während der Umzugsplanung ins Altmühltal<br />

suchte er gezielt nach einem<br />

Ort <strong>für</strong> gemeinschaftliches Arbeiten in<br />

Eichstätt <strong>–</strong> und landete auf der Ankündigungsseite<br />

des geplanten „Oaktown<br />

Office“ am Domplatz der 14 000-Einwohner-Stadt.<br />

Nur wenige Monate später ist er<br />

einer der ersten Co-Worker, die in<br />

dem Gemeinschaftsbüro regelmäßig<br />

anzutreffen sind. Die Kosten <strong>für</strong> das<br />

professionelle Arbeitsumfeld übernimmt<br />

sein Arbeitgeber in Hamburg.<br />

Noch während der Corona-Pandemie<br />

wird das Oaktown seine erste Anlaufstelle,<br />

um Kontakte mit Leuten in der<br />

Domstadt zu knüpfen. „Im Rückblick<br />

kann ich nur sagen, dass das Arbeiten<br />

„Im Rückblick kann<br />

ich nur sagen, dass das<br />

Arbeiten hier im<br />

Coworking mein Ankommen<br />

in Eichstätt wirklich<br />

erleichtert hat„<br />

hier im Co-Working mein Ankommen<br />

in Eichstätt wirklich erleichtert hat.<br />

Wir kannten ja, bis auf zwei Freunde,<br />

in Eichstätt niemanden.“ Vor allem<br />

die Kontakte des jungen, engagierten<br />

Gründerteams, nicht nur zu lokalen<br />

Business-Netzwerken wie den Wirtschaftsjunioren,<br />

hätten dazu beigetragen.<br />

Auch der Austausch unter den<br />

Co-Workern: ob beim Mittagessen<br />

an den hohen Tischen im Eingangsbereich<br />

oder nach Feierabend auf ein<br />

Hofmühl-Bier aus dem gut befüllten<br />

Kühlschrank in der Co-Working-Küche.<br />

Durch einen Aushang am Fenster sowie<br />

den Austausch mit Bürokollegen<br />

und Wirtschaftsinformatiker Martin<br />

Egerer erfährt Groß von einer ausgeschriebenen<br />

Stelle in dessen IT-Beratung.<br />

Groß passt mit Background im<br />

Martin Egerer und Filip Groß beim Coworken im Eichstätter „Oaktown Office“.<br />

Digital- und IT-Bereich gut zu Egerers<br />

Unternehmen.<br />

Einige Monate später kündigt Groß<br />

seine Stelle bei der Hamburger Werbeagentur<br />

und steigt bei Egerer im<br />

Projektmanagement ein. Heute sind<br />

sie zwei von fünf fest eingebuchten<br />

Co-Arbeitern, die sich im „Oaktown<br />

Office“ Schreibtische in einem separaten<br />

Büroraum mit quietschgrüner<br />

Mooswand und riesigen Faltblumen<br />

an der Decke gesichert haben. Richtig<br />

großstädtisch wirkt der Space im Industrial<br />

Style mit großen Metallrohren<br />

an der Decke und rustikalen Backsteinmauern.<br />

„Ich komme jeden Morgen gerne hierher,<br />

das gibt meinem Tag mehr Struktur<br />

als im Homeoffice“, so Groß. Und<br />

<strong>für</strong> Egerer, der sich mit seiner IT-Firma<br />

Egerer Consulting 2020 erfolgreich<br />

selbstständig gemacht hatte, sei mit<br />

dem Oaktown Office genau der Ort<br />

entstanden, den er sich <strong>für</strong> die Gründungsphase<br />

gewünscht hätte: „Eine<br />

Homebase mit professionellen Arbeitsbedingungen<br />

und inspirierender Community.“<br />

Für ihn als Selbstständigen<br />

sei es wichtig, Videokonferenzen mit<br />

stabiler Internetverbindung in einem<br />

professionellen Umfeld stattfinden<br />

lassen zu können. Auch das fokussierte<br />

Arbeiten falle ihm im Co-Working<br />

deutlich leichter als zu Hause mit zwei<br />

Kleinkindern im Alter von fünf und<br />

acht Jahren, so Egerer.<br />

Und wie arbeitet man heute in dem Gemeinschaftsbüro,<br />

wo einst der Kräuterladen<br />

„Kreuter Doni“ zu finden war?<br />

Möglich ist das im Eingangsbereich an<br />

den flexiblen Arbeitsplätzen, die es <strong>für</strong><br />

10 bis 20 Euro pro Tag, je nach Paket,<br />

zu buchen gibt, oder im abgeschlossenen<br />

Büro mit Fix-Desks <strong>für</strong> 350 Euro<br />

pro Monat. Für längere Gespräche und<br />

mehr Privatsphäre gibt‘s eine Telefonkabine,<br />

ähnlich der Zellen, wie man<br />

sie noch von der Telekom kennt. Den<br />

Meetingraum im Zentrum des 120<br />

Quadratmeter großen Spaces gibt‘s<br />

<strong>für</strong> 20 Euro pro Stunde zu mieten.<br />

Und der sei rege gebucht, wie Thomas<br />

Hirsch, einer der vier jungen Gründer<br />

verrät: etwa von Einzelunternehmern,<br />

die einen Raum <strong>für</strong> Meetings oder<br />

Workshops suchten, <strong>für</strong> Vorstellungsgespräche,<br />

Elternabende, Architekten,<br />

die dort Beratungsgespräche führten,<br />

Universitätsprofessoren oder auch mal<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

53


von einer lokalen Bastelgruppe.<br />

Was ist<br />

Co-Working?<br />

Co-Working (engl.) heißt<br />

übersetzt nichts anderes<br />

wie zusammenarbeiten.<br />

In den 2000er-Jahren entstanden<br />

in Deutschland<br />

die ersten Co-Working-<br />

Spaces. Die Idee: einen<br />

Arbeitsort zu schaffen, in<br />

dem Menschen aus unterschiedlichen<br />

Branchen<br />

unabhängig voneinander<br />

und doch gemeinsam<br />

arbeiten können. Damals<br />

wie heute finden sich<br />

die meisten Co-Working-<br />

Spaces in den Metropolen<br />

<strong>–</strong> zum einen sind es<br />

die hohen Mieten und<br />

langen Mietbindungen in<br />

den Zentren, die Selbstständige<br />

und Start-ups<br />

nach alternativen, flexibleren<br />

Arbeitsorten suchen<br />

lassen. Zum anderen ist<br />

es der Wunsch nach Gemeinschaft,<br />

der von Co-<br />

Working-Spaces erfüllt<br />

wird. Im Fall ländlichen<br />

Co-Workings ist Platzmangel<br />

nicht das Problem<br />

<strong>–</strong> hier ist es umso<br />

mehr der Zugang zu<br />

Netzwerken, Begegnung<br />

und gegenseitiger Unterstützung,<br />

der das Modell<br />

attraktiv macht. Durch<br />

den stärkeren Austausch<br />

der Nutzer ist es leichter,<br />

quasi nebenbei neue Aufträge<br />

zu generieren oder<br />

aber Ansprechpersonen<br />

<strong>für</strong> verschiedene Themen<br />

in direkter Nähe zu finden.<br />

<strong>Das</strong> Interesse sei trotz der Eröffnung<br />

während der Pandemie groß gewesen,<br />

freuen sich Thomas Hirsch und Markus<br />

Meier, die mit Stefan Schramm<br />

und Carina Schöffner den Co-Working-Space<br />

betreiben. Starthilfe gab es<br />

2021 sowohl durch die Innenstadtförderung<br />

in als auch den Europäischen<br />

Landwirtschaftsfonds <strong>für</strong> die Entwicklung<br />

des ländlichen Raums. „Den<br />

Aufwand rund um das Erstellen von<br />

Förderanträgen und die anschließende<br />

Dokumentation hatten wir tatsächlich<br />

etwas unterschätzt“, verrät Meier.<br />

Dennoch habe es sich gelohnt: „Der<br />

Space sollte sich nach zwei Jahren<br />

tragen, das haben wir nun erreicht.“<br />

Entstanden sei die Idee während einer<br />

Geschäftsreise ins Silicon Valley im<br />

Jahr 2019. „Wir wollen hier Innovationen<br />

fördern und einen Nährboden <strong>für</strong><br />

neue Ideen schaffen“, sagt Co-Gründer<br />

Markus Meier, der hauptberuflich in<br />

der Geschäftsführung der Eichstätter<br />

Baufamilie Martin Meier tätig ist.<br />

Und so fanden bereits einige Netzwerktreffen<br />

der Eichstätter Wirtschaftsjunioren<br />

im neuen Co-Working-Space<br />

statt. „<strong>Das</strong> Oaktown Office<br />

ist ein Ort, den wir auch <strong>für</strong> uns selber<br />

kreiert haben“, so Hirsch, Geschäftsführer<br />

der Hirsch Engineering Solutions.<br />

Einer seiner Angestellten arbeite<br />

an einem der Fixdesks am Domplatz,<br />

Hirsch selbst miete regelmäßig den<br />

Meetingraum <strong>für</strong> Kundengespräche.<br />

Für Andreas Zucker, Entwickler von<br />

Hochvolt-Batterien bei einem Kemptener<br />

Unternehmen, kam der Co-Working<br />

in Eichstätt wie gerufen.<br />

Zusammen mit einem Kollegen<br />

arbeitet er an einem der<br />

fest gemieteten Arbeitsplätze,<br />

den die Firma <strong>für</strong> ihn bezahlt.<br />

Die Zweitwohnung in Kempten<br />

konnte er dank eröffneter<br />

Homeoffice-Möglichkeiten<br />

kündigen und durch den<br />

Wegfall der Pendelzeiten zur<br />

Arbeitsstelle seine Work-Life-Balance<br />

erheblich steigern.<br />

„Ich habe nun viel mehr Zeit<br />

<strong>für</strong> andere Dinge“, sagt der<br />

Gaimersheimer.<br />

Pendelstrecken, Zeit und<br />

weite Arbeitswege einsparen<br />

mit dem Angebot eines zentralen<br />

Arbeitsplatzes inmitten<br />

der Altstadt Eichstätts:<br />

Auch diesen Gedanken der<br />

Nachhaltigkeit wollte man<br />

unterstützen, so die Oaktown-<br />

Gründer. Und tatsächlich<br />

ist das Office am einfachsten<br />

per Fahrrad zu erreichen. Die<br />

zentrale Lage fordert auch<br />

ihren Tribut: Günstige Dauerparkplätze<br />

liegen fußläufig<br />

rund zehn Minuten entfernt.<br />

Hirsch und Meier sind sich sicher, dass<br />

der Erfolg ländlicher Co-Working-Spaces<br />

nicht nur mit der richtigen Lage,<br />

sondern vor allem mit den Unternehmerpersönlichkeiten<br />

zusammenhängt,<br />

die dahinterstehen: „Ländliches Co-<br />

Working kann funktionieren, muss es<br />

aber nicht. Zum Scheitern verurteilt<br />

sind Konzepte, bei denen ich einen leer<br />

stehenden Laden habe, drei Tische<br />

reinstelle und das als Co-Working-Space<br />

verkaufe.“ Viel wichtiger sei es, den<br />

Leuten einen Mehrwert zu bieten: ein<br />

Netzwerk, gegenseitige Unterstützung<br />

und soziale Kontakte mit Gleichgesinnten.<br />

<strong>Das</strong> Geschäftsmodell Co-Working-<br />

Space hat sich bisher ü berwiegend<br />

in Städten etabliert, weil dort eine<br />

große Nachfrage durch die bisherigen<br />

Hauptzielgruppen <strong>–</strong> Freelancer und<br />

Selbstständige, insbesondere im Startup-Umfeld<br />

der Digital- und Kreativwirtschaft<br />

<strong>–</strong> gegeben ist. Inwieweit Co-<br />

Working Spaces auch auf dem Land<br />

und insbesondere <strong>für</strong> die Gruppe der<br />

Büroangestellten als Alternative zum<br />

Arbeitsplatz oder Homeoffice bedeutsamer<br />

werden, wird sich in den nächsten<br />

Jahren zeigen.<br />

Der „Flurfunk“ im Oaktown Office funktioniert.<br />

54<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


& Behörden<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> 55<br />

Banken<br />

<strong>WIKO</strong><br />

55


Anzeige<br />

Kann der<br />

Landkreis<br />

Krise?<br />

38 Türme und eine<br />

schiefe Wand<br />

Die Stadtmauer mit ihren 38 Türmen<br />

ist ein Symbol <strong>für</strong> die lange und<br />

reiche Stadtgeschichte Weißenburgs.<br />

Der östliche Teil davon, die Seeweihermauer,<br />

bedarf nun einer aufwendigen<br />

und ausgetüftelten<br />

Rettung. Errichtet wurde sie im<br />

14./15. Jahrhundert und ist nun eine<br />

der großen Zukunftsaufgaben unserer<br />

Stadt <strong>–</strong> zumindest <strong>für</strong> die nächsten<br />

Jahre. Denn ein Teil der Mauer am<br />

Seeweiher neigt sich gefährlich und<br />

muss stabilisiert werden, damit er<br />

nicht in den Seeweiher stürzt. Der<br />

technische Aufwand hier<strong>für</strong> ist<br />

enorm, und niemand kennt im<br />

Moment die genauen Kosten, die auf<br />

die Stadt zukommen. Aber eines ist<br />

klar: Billig wird es nicht.<br />

Wer, wie diese Ausgabe des <strong>WIKO</strong>, dieser Frage nachgeht,<br />

kommt unwillkürlich zu einer weiteren: Wie gut ist die Kreisstadt,<br />

wie gut ist Weißenburg im Umgang mit den vielen<br />

Schwierigkeiten unserer Tage? Oberbürgermeister Jürgen<br />

Schröppel hält es in diesem Zusammenhang mit dem Heerführer<br />

Hannibal: „Entweder wir werden einen Weg finden oder<br />

wir machen einen.“<br />

Bisher fährt die Stadt gut mit dieser Devise. Bestes Beispiel ist<br />

das Jahr 2022. Ein Blick auf Zahlen, die bekanntlich nicht lügen:<br />

1,1 Millionen Euro mehr Gewerbesteuereinnahmen, statt<br />

6,3 Millionen Euro neue Darlehen, kein einziger Cent Neuverschuldung.<br />

Statt der 2019 noch prognostizierten 26,26 Millionen<br />

Euro Schulden waren es zum Jahreswechsel 11,07 Millionen.<br />

„Wir können beruhigt die Herausforderungen, die das Jahr<br />

<strong>2023</strong> <strong>für</strong> uns bereithält, angehen“, sagt OB Schröppel. Nicht<br />

zuletzt in seiner Neujahrsrede hat der Oberbürgermeister dargestellt,<br />

warum ihm um die Zukunft der Stadt nicht bange ist.<br />

Stadt Weißenburg i. Bay.<br />

Marktplatz 19<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 07 - 0<br />

www.weissenburg.de<br />

stadt@weissenburg.de<br />

MitarbeiterInnen: 300<br />

Oberbürgermeister:<br />

Jürgen Schröppel<br />

in Bayern<br />

Von Schulweg- bis zu Flüchtlingshelfern, von ehrenamtlich<br />

Aktiven in Sport- und vielen anderen Vereinen bis zu denen in<br />

Feuerwehren, von Alten- und Krankenpflegerinnen und -pflegern<br />

bis zu anderweitig sozial und kirchlich Engagierten <strong>–</strong> „wir<br />

erleben ein großes bürgerschaftliches Engagement, und das<br />

macht mich stolz und ich danke allen da<strong>für</strong> von ganzem Herzen“,<br />

sagt Jürgen Schröppel, denn: „Ein soziales Miteinander<br />

sorgt <strong>für</strong> Sicherheit und stärkt die Gesellschaft <strong>–</strong> und dies über<br />

die Stadtgrenzen hinaus.“ Und ganz konkret? 150 neue Hortplätze<br />

gilt es zu schaffen, Großprojekte wie die Sanierung eines<br />

Stadtmauer-Teils, der Umbau der Energieversorgung oder<br />

die „Herkulesaufgabe“ (Schröppel) des Sigwart-Umbaus werfen<br />

ihre Schatten voraus. Für Krisenstimmung ist da kein Platz.<br />

„Wir alle, der Stadtrat und die Verwaltung, wir gehen das mit<br />

Optimismus und Entschlossenheit an.“ Hannibal lässt grüßen!<br />

56 <strong>WIKO</strong><br />

Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

Für eine enkeltaugliche Zukunft<br />

Wie kann man Nachhaltigkeit implementieren,<br />

nicht nur in eigenen<br />

Finanzprodukten, sondern auch im<br />

Service <strong>für</strong> Kunden und im eigenen<br />

Geschäftsgebaren? Die Sparkasse<br />

Mittelfranken-Süd zeigt, wie facettenreich<br />

Nachhaltigkeit umgesetzt<br />

werden kann. Sie setzt dabei auf<br />

langfristige Strategien, bei denen<br />

ökonomische, soziale und ökologische<br />

Ziele im Einklang stehen. <strong>Das</strong><br />

zeigt sich dort, wo die Sparkasse<br />

ihre regionale Verwurzelung lebt.<br />

2022 hat sie 425.000 € <strong>für</strong> Soziales,<br />

Bildung, Umwelt, Kultur und Sport<br />

in ihrem Geschäftsgebiet eingesetzt.<br />

Die Förderung des Nachhaltigkeitsverständnisses<br />

bei der<br />

jungen Generation stand dabei im<br />

Mittelpunkt. Nämlich, ein Grundverständnis<br />

zu verankern, das <strong>für</strong> einen<br />

bewussten Umgang mit Natur und<br />

Ressourcen steht. Beispiel „Klimakoffer“.<br />

Ein Koffer, den die Sparkasse<br />

<strong>für</strong> Schulen sponsert. Er ist ausgestattet<br />

mit Lehrmaterialien und<br />

Experimenten. Zudem werden die<br />

Lehrkräfte <strong>für</strong> den Einsatz des Koffers<br />

entsprechend geschult. <strong>Das</strong> ist<br />

nur ein Projekt von vielen, mit dem<br />

das Geldinstitut die Nachhaltigkeit<br />

in der Gesellschaft implementiert.<br />

Ein zweites Betätigungsfeld ist die<br />

Arbeit mit Gewerbekunden. Für<br />

viele Unternehmen wird eine nach<br />

vorne gewandte ökologische, aber<br />

gleichzeitig wirtschaftliche Ausrichtung<br />

immer wichtiger. „Den<br />

Firmen dabei zu helfen, ihren Geschäftsbetrieb<br />

nachhaltiger zu<br />

gestalten, um die Wettbewerbsfähigkeit<br />

zu erhalten, ist <strong>für</strong> uns ein<br />

großes Thema“, sagt Stefanie Mehringer,<br />

Nachhaltigkeitsbeauftragte<br />

der Sparkasse Mittelfranken-Süd.<br />

„Um hierbei kompetent zur Seite<br />

zu stehen, qualifizieren wir derzeit<br />

unsere Berater.“ Aber auch Privatkunden<br />

legen mehr Wert darauf, ihr<br />

Vermögen sozial korrekt und umweltbewusst<br />

anzulegen. Auch auf<br />

diesem Feld ist die Sparkasse aktiv;<br />

das Angebot reicht vom „grünen“<br />

Sparbrief bis hin zum Klimakredit.<br />

Sparkasse Mittelfranken-Süd<br />

Westring 38<br />

91154 Roth<br />

Tel. 0 91 71 / 82 - 0<br />

www.sparkasse-mittelfranken-sued.de<br />

info@spkmfrs.de<br />

Regional nah dran<br />

Krise? Wenn eine Bank wie die<br />

Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen<br />

auf 143 Jahre zurückblicken<br />

kann, bringt sie so schnell<br />

nichts aus der Ruhe. Gewiss, räumt<br />

Gerd Reißlein ein, die diversen Krisen<br />

gingen auch an den Menschen<br />

hier im Landkreis nicht spurlos vorbei.<br />

Aber: „Uns als regional verankerter<br />

Bank liegt es ganz besonders<br />

am Herzen, genau in solchen Zeiten<br />

sichtbar zu erscheinen, an der Seite<br />

unserer Kunden zu stehen und<br />

unsere Hilfe aktiv anzubieten“, sagt<br />

der Bereichsleiter Firmenkunden<br />

der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen.<br />

<strong>Das</strong> heißt konkret, nicht erst<br />

dann zu reagieren, wenn<br />

nach Hilfe gefragt wird, sondern<br />

proaktiv vorzubeugen.<br />

„Deshalb gehen wir auf<br />

unsere Kunden zu und<br />

nehmen Kontakt auf“,<br />

so Reißlein. „Hilfe anzubieten,<br />

um vorausschauend und<br />

zukunftsgestaltend vorzugehen,<br />

stärkt das jeweilige Unternehmen,<br />

die Privatperson und somit auch<br />

den Landkreis.“ Gegründet im April<br />

1881, ist die Raiffeisenbank ein<br />

stabiler, zuverlässiger Partner des<br />

regionalen Wirtschaftslebens. Die<br />

Genossenschaftsbank bietet eine<br />

Vielzahl an Finanzdienstleistungen,<br />

von Konten <strong>für</strong> Privatkunden und<br />

Unternehmen bis hin zu Vorsorgeprodukten,<br />

Versicherungen und<br />

Baufinanzierungen. Ein spezieller<br />

Fokus liegt auf der lokalen Verankerung<br />

und der Pflege von Kundennähe.<br />

Getreu der Devise: regional<br />

nah dran. „Wir betiteln uns<br />

als starken Partner der Region,<br />

<strong>für</strong> Menschen in der Region<br />

<strong>–</strong> und das soll nicht nur so<br />

dahingesagt sein“, sagt<br />

Reißlein. „Wir leben<br />

diesen Anspruch<br />

Tag <strong>für</strong> Tag.“ -cr-<br />

Firmenkundenabteilung der Raiffeisenbank<br />

Raiffeisenbank<br />

Weißenburg-Gunzenhausen eG<br />

Luitpoldstraße 13<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 70 - 0<br />

www.rb-wug.de<br />

info@rb-wug.de<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

57


Lokal investieren <strong>–</strong><br />

geht das?<br />

Von Ina Brechenmacher<br />

Mit Investmentfonds das<br />

Ersparte zu Unternehmen<br />

auf dem ganzen Globus<br />

schicken <strong>–</strong> eine Möglichkeit,<br />

die eigene Altersvorsorge<br />

anzugehen. Um<br />

die Wertschöpfung vor<br />

Ort zu halten, müsste das<br />

Geld jedoch regional oder<br />

sogar lokal investiert sein.<br />

Geht das? Oder ist das nur<br />

etwas <strong>für</strong> karitativ veranlagte<br />

Großverdiener<br />

oder die wenigen mit einer<br />

guten betrieblichen Altersvorsorge,<br />

die sich etwas<br />

Risiko leisten können?<br />

So einfach kann es sein: Man kauft<br />

einen ETF und schon gehören einem<br />

1000 Unternehmen auf der ganzen<br />

Welt. Zumindest ein bisschen. Will<br />

man heutzutage <strong>für</strong> das Alter vorsorgen,<br />

also der Inflation mit dem Ersparten<br />

entkommen und die geringe<br />

gesetzliche Rente aufstocken, stößt<br />

man schnell auf Fonds, beispielsweise<br />

ETFs, also „Exchange-Traded Funds“.<br />

Die bilden ganze Börsenindizes wie<br />

den DAX oder den MSCI World nach.<br />

<strong>Das</strong> geschieht passiv, die Kosten eines<br />

aktiven Fondsmanagements entfallen.<br />

Relativ bequem ist das Ganze: einmal<br />

Sparplan erstellen, monatlich einzahlen,<br />

den Gewinn automatisch reinvestieren<br />

lassen. Kommen die investitionsfreudigen<br />

Digital Natives mal ins<br />

Rentenalter, zahlen sie sich dann monatlich<br />

aus ihrem Online-Depot eine<br />

zusätzliche Rente aus.<br />

Klingt zu einfach?<br />

Ein gewisses Grundvertrauen in die<br />

kryptischen Titel der ETFs braucht<br />

man und in die eigenen Fähigkeiten,<br />

aus den Datenblättern der Produkte<br />

schlau zu werden. Bei über Tausend<br />

weltweiten Unternehmen ist es unmöglich,<br />

einen genaueren Überblick<br />

zu behalten.<br />

Versteckt sich im beworbenen Nachhaltigkeits-ETF<br />

doch eine Fast-Fashion-Marke<br />

oder hält er den Kurs mit<br />

Pharmaunternehmen? Der Fonds hat<br />

eine super Wertentwicklung, ein paar<br />

Rüstungsunternehmen sind aber auch<br />

mit dabei?<br />

Resigniert man irgendwann angesichts<br />

von Portfolios, Online-Ratings und<br />

stichprobenartigen Google-Suchen,<br />

könnte einem der Gedanken kommen:<br />

58<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Wie wäre es, in Unternehmen vor Ort<br />

zu investieren <strong>–</strong> Firmen, die man kennt,<br />

an denen vielleicht sogar der tägliche<br />

Arbeitsweg vorbeiführt? Wie wäre es,<br />

das Ersparte in ein Projekt zu stecken,<br />

dass die lokale Wirtschaft unterstützt?<br />

Ist es möglich, mit einem normalen<br />

Einkommen Geld gewinnbringend<br />

lokal anzulegen? Also sogar innerhalb<br />

der Landkreisgrenzen?<br />

In der frisch renovierten Weißenburger<br />

Sparkassen-Geschäftsstelle er-<br />

Jacqueline Nass: Lokal ist gut, aber<br />

man muss das Risiko im Blick halten.<br />

klärt die stellvertretende Filialdirektorin<br />

Jacqueline Nass die nötigen Zusammenhänge.<br />

Mit 27 Jahren hat sie<br />

als Sparkassen-Eigengewächs jetzt<br />

schon eine steile Karriere hinter sich:<br />

2011 begann sie ihre Ausbildung zur<br />

Bankkauffrau, dann folgte die Weiterbildung<br />

zur Fach- und Betriebswirtin.<br />

Nach ihrer Zeit als Vermögensberaterin<br />

ist sie nun seit drei Jahren stellvertretende<br />

Filialdirektorin und arbeitet<br />

nebenbei als Dozentin <strong>für</strong> Steuerrecht<br />

an der Sparkassenakademie in Landshut.<br />

Kann ich lokal investieren?<br />

„Na ja, es ist schwierig“, lacht sie,<br />

die Rechercheergebnisse vor sich im<br />

vorab gebuchten Beratungszimmer.<br />

Die Sparkassen-Bonbons scheinen<br />

in Reichweite zu stehen, um über die<br />

platzende Illusion hinwegzutrösten.<br />

„Lokal ist ja schön und gut, man muss<br />

sich halt immer über das Risiko bewusst<br />

sein.“<br />

„Wir haben hier in der Region nicht so<br />

wirklich viele große Unternehmen.“<br />

Der Boden der Tatsachen ist schnell<br />

erreicht. „Also die Region ist schon<br />

gut aufgestellt“, räumt Jacqueline Nass<br />

ein, „aber jetzt nicht so, dass ich hier<br />

auf einzelne Werte allein meine Altersvorsorge<br />

investieren würde.“<br />

„Lokal ist ja schön<br />

und gut, man muss sich<br />

halt immer über das<br />

Risiko bewusst sein„<br />

Leoni, Schaeffler, Sanmina, Plastic<br />

Omnium, KraussMaffei: Will man<br />

nicht ganz so weit von der ursprünglichen<br />

Idee eines Investmentfonds<br />

abweichen, bleiben Aktien von Unternehmen<br />

mit lokalen Niederlassungen.<br />

Schnell stellt sich aber die Frage: Wie<br />

regional ist es, wenn mitunter nur einer<br />

von mehreren deutschland-, wenn<br />

nicht weltweiten Standorten im Landkreis<br />

liegt oder das Unternehmen hinter<br />

der Niederlassung nur über ein Firmengeflecht<br />

zum börsennotierten Teil<br />

gehört? Es fällt dann schon eher unter<br />

Liebhaberei, einen kleinen Teil des Ersparten<br />

in Aktien dieser Unternehmen<br />

zu stecken <strong>–</strong> rein aus Verbundenheit<br />

zum Standort einer Niederlassung.<br />

Die Rente mit Mieten aufstocken<br />

Nachgesagt wird den Deutschen, dass<br />

sie Aktienmuffel sind und lieber in<br />

Betongold investieren. Eine Wohnung<br />

zur Altersvorsorge kaufen und vermieten<br />

ist eine Variante: Vor wenigen Jahren<br />

war das schon fast ein Trend, nicht<br />

nur unter Jungen Liberalen. Den vielen<br />

Immobilien-Podcasts nach zu urteilen,<br />

ist das immer noch ein Gedanke,<br />

der Menschen umtreibt.<br />

Auch im Landkreis haben einige dieses<br />

Modell <strong>für</strong> sich entdeckt. Ein lokaler<br />

Experte erklärt, wie es funktionieren<br />

kann. Er besitzt und vermietet mittlerweile<br />

mehrere Dutzend Wohnungen<br />

im Landkreis. Ihm ist es lieber, anonym<br />

zu bleiben.<br />

„Nein, das lohnt sich nicht“, kommt es<br />

wie aus der Pistole geschossen, wenn<br />

man ihn fragt, ob es sich als Einzelperson<br />

lohnt, in eine Wohnung zu investieren.<br />

„Die Rechnung geht nur auf,<br />

wenn du selbst Handwerker bist oder<br />

Handwerker kennst.“<br />

<strong>Das</strong> ist sein Geschäftsmodell: Er kauft<br />

alte Häuser und renoviert sie. Er kennt<br />

viele Handwerker und kommt so leichter<br />

an freie Termine. Vieles macht er<br />

aber selbst. Man trifft ihn, wenn er<br />

Briefkästen an seinen Häusern repariert.<br />

Zeigt er potenziellen neuen Mietern<br />

eine Wohnung, fällt schon mal der<br />

Satz: „Die Küchenarbeitsfläche haben<br />

wir selbst gebaut. Meine Frau hatte die<br />

Idee.“<br />

„Einkauf ist alles“, erklärt er tiefenentspannt<br />

in seinem Büro nahe einer grünen<br />

Wiese, vor sich eine Tasse Kaffee,<br />

an den Wänden hängen Pläne von Renovierungsarbeiten<br />

<strong>für</strong> seine Wohnungen.<br />

„Was du vorwiegend brauchst, ist<br />

Glück. Du streckst einfach deine Fühler<br />

aus. Du hast ja keinen Stress.“<br />

Einfach die Fühler ausstrecken … Direkt<br />

vom Verkäufer finden sich immer<br />

wieder Wohnungen auf Kleinanzeigenportalen.<br />

Mit dem Landkreis als<br />

Suchradius erscheinen einige Optionen.<br />

Überschlägt man es grob, geht<br />

die Rechnung aber bei keinem Objekt<br />

wirklich auf.<br />

„Die Rechnung geht<br />

nur auf, wenn du selbst<br />

Handwerker bist oder<br />

Handwerker kennst„<br />

Zurück im Beratungsraum der Sparkasse<br />

fasst Jacqueline Nass zusammen:<br />

„Da ist man ein Jahr zu spät dran.“<br />

<strong>Das</strong> verdeutlicht sie anhand einer Immobilie,<br />

die die Bank vor Kurzem im<br />

Verkauf hatte: 100 Quadratmeter in<br />

Weißenburg <strong>für</strong> 300 000 Euro, Baujahr<br />

1985. Vor nur einem Jahr hätte<br />

man einen Darlehenszins von 1,5 Prozent<br />

bekommen. Mit einer Tilgung von<br />

ebenfalls 1,5 Prozent müsste man monatlich<br />

eine Miete von mindestens 750<br />

Euro verlangen. Dabei sind die Steuern<br />

auf die Mieteinnahmen, notwendige<br />

Rücklagen <strong>für</strong> künftige Sanierungsarbeiten<br />

und Nebenkosten, die man<br />

nicht auf die Mieter umlegen kann,<br />

noch nicht miteinberechnet. Alles in<br />

allem aber ein realistischer Mietpreis.<br />

Heute bekommen Kaufwillige einen<br />

Zinssatz von 3,5 Prozent. Somit müssten<br />

also bei gleicher Tilgung auf einmal<br />

mindestens 1250 Euro pro Monat über<br />

die Miete hereinkommen, um den Kre-<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

59


dit monatlich abbezahlen zu können.<br />

12,5 Euro <strong>für</strong> den Quadratmeter sind<br />

in Weißenburg jedoch utopisch. Gerade<br />

liegt der Preis bei rund 8 Euro.<br />

„Google, Microsoft,<br />

das sind Riesenunternehmen,<br />

die haben<br />

aber fast keinen Sachwert„<br />

Selbst wenn man Glück hat und ein<br />

günstiges Objekt findet: <strong>Das</strong>s eine vermietete<br />

Wohnung kein Selbstläufer<br />

ist, wird im Gespräch mit dem handwerklich<br />

begabten Vermieter klar. „Ich<br />

arbeite nach jedem Mieterwechsel<br />

nach, die Wohnung wird immer weniger<br />

wert.“ Backöfen müssen gereinigt,<br />

Wände gestrichen, Abnutzungen ausgebessert,<br />

alte Bausubstanz geprüft<br />

werden. „Altbau ist unberechenbar.“<br />

Ob er Angst hat, so viel auf Wohnungen<br />

zu setzen? „Die Preise gingen kontinuierlich<br />

nach oben. Keine Ahnung,<br />

was jetzt passiert“, gesteht er ein. Aber<br />

sein Credo bleibt: „Wohnungen brauchen<br />

die Leute immer.“ „Google, Microsoft,<br />

das sind Riesenunternehmen,<br />

die haben aber fast keinen Sachwert.<br />

Betongold ist die sicherste Währung.“<br />

Mit einer Wohnung vor Ort jemandem<br />

ein Zuhause zu bieten und so<br />

einen Teil der eigenen Altersvorsorge<br />

zu bestreiten <strong>–</strong> diese Idee kann viele<br />

überzeugen und <strong>für</strong> ein paar auch der<br />

richtige Weg sein. In den meisten Fällen<br />

machen die derzeitigen Finanzierungskosten<br />

einen solchen Schritt aber<br />

unmöglich.<br />

Ähnlich verhält es sich bei kleinteiligen<br />

Tourismusobjekten als Kapitalanlage.<br />

Vor wenigen Jahren konnte man<br />

über kleine Ferienwohnungen in den<br />

Tourismusstandort Fränkisches Seenland<br />

investieren: Ein schwimmendes<br />

Ferienhaus im „Floating Village“ auf<br />

dem Brombachsee gab es <strong>für</strong> rund<br />

270 000 Euro. Ein paar Kilometer weiter<br />

und eine Stufe günstiger standen<br />

Tiny Houses auf dem Campingplatz<br />

zum Verkauf.<br />

Als Genosse Geld verdienen<br />

Damals waren die Zinsen noch erschwinglich.<br />

Corona und die damit<br />

verbundenen Einschränkungen im<br />

Gastgewerbe müssen den damaligen<br />

Renditeerwartungen aber einen Strich<br />

durch die Rechnung gemacht haben.<br />

Nicht überall bekommt man als Kleinanleger<br />

den Fuß in die Tür. Ein Weg<br />

führt über Genossenschaften, die es<br />

auch bei uns im Landkreis in nicht unerheblicher<br />

Zahl gibt.<br />

Thomas Hanke hatte schonmal Investoren<br />

aus Hamburg am Telefon.<br />

„Kein Witz. Bei mir hat jemand aus<br />

Hamburg angerufen. Der wollte Anteile<br />

<strong>für</strong> eine Million kaufen und das<br />

Geld morgen überweisen“, lacht Thomas<br />

Hanke, geschäftsführender Vorstand<br />

der Wohnungsgenossenschaft<br />

(WG) Eigenheim in Weißenburg.<br />

Die Möglichkeit wird kaum beworben,<br />

aber bei vielen der rund 2000<br />

Wohnungsbaugenossenschaften in<br />

Deutschland kann man auch als Nicht-<br />

„Der wollte Anteile <strong>für</strong><br />

eine Million kaufen und<br />

das Geld morgen überweisen„<br />

Mieter Anteile kaufen und damit eine<br />

jährliche Dividende erwirtschaften.<br />

Dabei erzielt man teilweise eine höhere<br />

Rendite als mit Anlageklassikern.<br />

Bei der WG Eigenheim waren es über<br />

Jahre hinweg 4 Prozent.<br />

Die Höhe der Dividende wird in der<br />

jährlichen Mitgliederversammlung<br />

bestimmt. „<strong>Das</strong> ist relativ basisdemokratisch<br />

bei uns“, erklärt Hanke. Jeder<br />

Anteilseigner hat bloß eine Stimme,<br />

egal wie viele Anteile er besitzt. Vorwiegend<br />

sind Mieterinnen und Mieter<br />

vertreten, die mit ihrem Einzug verpflichtet<br />

sind, Anteile zu erwerben.<br />

Dahinter steckt der genossenschaftli-<br />

60<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


che Grundgedanke: Gemeinschaftlich<br />

Häuser bauen und verwalten und somit<br />

<strong>für</strong> den Einzelnen eine bezahlbare<br />

Wohnung schaffen.<br />

Als „externer“ Akteur kann man sich<br />

jedoch nicht unbegrenzt einkaufen,<br />

was bei stabilen 4 Prozent schon sehr<br />

verlockend wäre. „Die benutzen uns<br />

praktisch als Bank.“, erklärt Hanke<br />

das Verhalten vom Typ „Hamburger<br />

Großanleger“ und spielt auf die stabile<br />

Rücklage der WG Eigenheim von 807<br />

Wohnungen an. „So sicher ist das Geld<br />

nirgends.“<br />

Um diesem Verhalten entgegenzusteuern,<br />

hat der Vorstand reagiert. Sonst<br />

bestünde die Gefahr, dass sich die<br />

Großanleger von einem Tag auf den<br />

anderen ihre Anteile ausbezahlen lassen<br />

wollen <strong>–</strong> das Risiko wäre <strong>für</strong> eine<br />

Wohnungsbaugenossenschaft kaum<br />

tragbar. Maximal 20 Mitgliedsanteile<br />

kann nun jede Person <strong>für</strong> jeweils 150<br />

Euro erwerben. Somit kann man maximal<br />

3000 Euro in Anteile an der WG<br />

Eigenheim investieren. Wenn Leute<br />

aus der Region 20 Anteile kaufen wollen,<br />

kann Hanke gut damit leben. „Damit<br />

steigt natürlich auch unser Eigenkapital.“<br />

Den jährlichen Gewinn in mehr Anteile<br />

investieren und somit den sogenannten<br />

Zinseszinseffekt nutzen <strong>–</strong> das<br />

geht durch die Deckelung der Genossenschaftsanteile<br />

nicht. Bleibt die<br />

Frage, inwiefern es der administrative<br />

Aufwand wert ist, in mehrere lokale<br />

Wohnungsbaugenossenschaften zu investieren.<br />

Einige monatliche Sparraten<br />

könnte man jedoch auf diese Weise<br />

unterbringen.<br />

Wer mit der Genossenschaftsidee liebäugelt,<br />

hat auch die Möglichkeit, Mitglied<br />

einer Genossenschaftsbank zu<br />

werden. Bei der Volksbank Weißenburg<br />

Gunzenhausen eG gibt es maximal<br />

20 Anteile <strong>für</strong> jeweils 50 Euro.<br />

Die jährliche Dividende belief sich<br />

2021 auf 2,75 Prozent, 2018 waren<br />

es zum Vergleich 3,5 Prozent. 28 516<br />

Miteigentümer der Bank, also Anteilseigner,<br />

gibt es derzeit, nach der Fusion<br />

mit der Raiffeisenbank Heilsbronn-<br />

Windsbach und der VR-Bank Feuchtwangen-Dinkelsbühl<br />

werden es deutlich<br />

mehr sein.<br />

Energiewende<br />

Auch Teile der Energiewende sind<br />

genossenschaftlich organisiert. Im<br />

Landkreis gibt es nach den Zahlen<br />

des Genossenschaftsverbands Bayern<br />

allein 26 Nahwärmenetze, die als Genossenschaften<br />

in Dörfern organisiert<br />

sind. Dazu kommen sieben Genossenschaften,<br />

die „Bioenergie“ im Namen<br />

tragen.<br />

Dörfer schaffen mit Beteiligung ihrer<br />

Bürgerinnen und Bürger Nahwärmenetze<br />

und investieren in Sonnen- und<br />

Windenergie. Mit solchen Projekten<br />

soll auch die Akzeptanz vor Ort steigen:<br />

Die PV-Anlage steht nicht auf<br />

einmal unangekündigt auf dem Feld<br />

hinter dem Haus, sondern man wurde<br />

im Vorhinein eingebunden und kann<br />

finanziell von ihr profitieren.<br />

Während bei vielen Energiegenossenschaften<br />

nur direkt Beteiligte einsteigen<br />

können, gibt es auch Projekte, in<br />

die man rein über den Wohnsitz einsteigen<br />

kann. Neben Immobilien liegt<br />

damit die wohl am weitesten verbreitete<br />

lokale Anlageform <strong>für</strong> Normalverdiener<br />

im Bereich der erneuerbaren<br />

Energien.<br />

Im Langenaltheimer Gemeindeteil<br />

Rehlingen baut die N-Ergie gerade auf<br />

rund zwei Hektar eine Photovoltaik-<br />

Freiflächenanlage. Über Nachrangdarlehen<br />

sollen sich Bürgerinnen und Bürger<br />

vor Ort an der Anlage beteiligen<br />

können. Der Mindestbetrag soll bei<br />

1000 Euro liegen, der Maximalbetrag<br />

bei 25 000 Euro. Laut N-Ergie beträgt<br />

die Laufzeit mindestens fünf Jahre bei<br />

einer Verzinsung von 3,5 Prozent.<br />

Auch in Treuchtlingen tut sich etwas<br />

in Sachen lokale Energiewende mit<br />

Bürgerbeteiligung:<br />

Die Neue Energien Treuchtlingen<br />

GmbH wurde von der Stadt Treuchtlingen<br />

zusammen mit GP Joule, einem<br />

Anbieter im Bereich der erneuerbaren<br />

Energien, als Gesellschaft gegründet.<br />

Die Beteiligung liegt jeweils bei 50<br />

Prozent. <strong>Das</strong> Ziel sei, eine ganzheitliche<br />

und nachhaltige Energieversorgung<br />

mit Wasserstoff-Lösungen, PV-<br />

Anlagen und Windrädern zu schaffen.<br />

Gerade werden geeignete Flächen<br />

gesucht. Die Webseite wirbt schon<br />

jetzt mit langfristigen Zinseinnahmen<br />

<strong>für</strong> Bürgerinnen und Bürger, die sich<br />

beteiligen wollen. Auf die konkrete<br />

Umsetzung wird man aber wohl noch<br />

etwas warten müssen.<br />

Baukosten und Zinsen sind mittlerweile zu hoch: Die WG Eigenheim musste vorerst ein<br />

Neubauprojekt stoppen.<br />

Jacqueline Nass ist grundsätzlich offen<br />

<strong>für</strong> Anlageformen im Bereich der<br />

erneuerbaren Energien. Bevor man<br />

investiert, rät sie, sollte man genauer<br />

hinschauen, wer hinter dem Projekt<br />

steckt: „Da würde ich mir immer an<br />

erster Stelle anschauen, wie das Unternehmen<br />

rankt.“ Im Falle einer Insolvenz<br />

könnte es passieren, dass man leer<br />

ausgeht und nicht mehr an sein eingesetztes<br />

Geld kommt.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

61


Crowdinvesting<br />

Den Fuß als Kleinanleger in die Tür<br />

bekommen: Eine Lösung könnte<br />

Crowdinvesting sein, ein relativ neuer,<br />

direkter und leicht zugänglicher Weg,<br />

auch mit geringen Summen in Unternehmen<br />

zu investieren. Dabei kann<br />

es sich um Start-ups, Immobilien und,<br />

oft besonders beworben, nachhaltige<br />

Projekte handeln. Online-Plattformen<br />

wie Companisto und Seedmatch und<br />

deren „grüne“ Sparte Econeers stellen<br />

die Finanzpläne ausgewählter Projekte<br />

vor und versuchen, mit geringen Einzel-Anlagen<br />

auf große Investitionssummen<br />

zu kommen.<br />

Mit Crowdfunding darf man das allerdings<br />

nicht verwechseln: Dabei werden<br />

Spenden gesammelt, und als kleines<br />

Dankeschön winkt zum Beispiel ein<br />

frühzeitiger Zugang zum unterstützten<br />

Musikalbum oder ein Rabatt in der<br />

erfolgreich finanzierten Craft-Beer-<br />

Brauerei. Beim Crowdinvesting leiht<br />

man Geld mit einer Renditeaussicht.<br />

Projekte, die durch ein Crowdinvesting<br />

unterstützt wurden, finden sich außerhalb<br />

des Landkreises bei Kulmbach<br />

und in Augsburg. (Mit)finanziert wurde<br />

ein neues Mutter-Kind-Zen trum<br />

der Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband<br />

GmbH in Hutschdorf<br />

und der Umzug der offenen Werkstatt<br />

„<strong>Das</strong> Habitat“, in der Augsburgerinnen<br />

und Augsburger Ideen praktisch<br />

umsetzen können. Bei den zwei bereits<br />

finanzierten Vorhaben reicht der<br />

Festzins von 1,4 bis 2,3 Prozent mit<br />

einer Laufzeit zwischen sechs und<br />

acht Jahren.<br />

Dahinter steht die Plattform Xavin<br />

aus Stuttgart, die sich eine kleine Nische<br />

geschaffen hat: Crowd-Darlehen<br />

<strong>für</strong> gemeinnützige Projekte. „Man<br />

weiß genau, <strong>für</strong> was das Geld eingesetzt<br />

wird und was es in unserer Gesellschaft<br />

vor Ort bewirkt“, antwortet<br />

der Gründer Tobias Ungerer auf die<br />

Frage nach dem regionalen Aspekt der<br />

Investitionen. Ab 500 Euro kann man<br />

Vorhaben von sozialen Trägern mitfinanzieren<br />

<strong>–</strong> mit einem Festzins von bis<br />

zu 3,5 Prozent. Insgesamt wurden über<br />

die Plattform schon 11 Millionen Euro<br />

an Crowd-Darlehen gezeichnet.<br />

„Wichtig wäre mir, dass auch das Risiko<br />

einer Geldanlage nicht unerwähnt<br />

bliebe“, betont Ungerer. „<strong>Das</strong> will ich<br />

nicht unter den Tisch fallen lassen.“<br />

Bei Xavin vergibt man sogenannte qualifizierte<br />

Nachrangdarlehen. Bei einer<br />

Insolvenz, oder schon einer drohenden<br />

„Man weiß genau, <strong>für</strong><br />

was das Geld eingesetzt<br />

wird und was es in unserer<br />

Gesellschaft vor<br />

Ort bewirkt„<br />

Insolvenz, kann der Anleger leer ausgehen.<br />

Auch werden in diesem Fall<br />

zuerst die Forderungen anderer Gläubiger,<br />

wie einer Bank, bedient. Anleger<br />

gehen also ein größeres Risiko ein.<br />

Dem will Xavin mit der Wahl solider<br />

Projektpartner entgegenwirken.<br />

Fazit<br />

Die Möglichkeiten <strong>für</strong> Kleinanleger im<br />

Landkreis sind begrenzt. Dazu kommt<br />

die derzeitige Wirtschaftslage, die es<br />

mit hohen Zinsen erschwert, sich selbst<br />

mit einer Immobilie langfristig ein zusätzliches<br />

Einkommen zu schaffen.<br />

Die übrigen Optionen sind entweder<br />

sehr kleinteilig oder risikoreich.<br />

Lokal in die Wirtschaftsregion investieren<br />

<strong>–</strong> trotzdem ist das eine Idee, die<br />

sich lohnt, weitergedacht zu werden.<br />

Vielleicht gibt es in Zukunft überregionale<br />

Plattformen, die das regionale<br />

Investieren erleichtern. Will man heute<br />

schon tätig werden und mit eigenen<br />

Investitionen die Region unterstützen,<br />

kommt man nicht umhin, den Begriff<br />

„Investition“ weiter zu fassen:<br />

Regionale Unternehmen kann man<br />

durch tägliche Kaufentscheidungen<br />

unterstützen. Für den teilweise etwas<br />

höheren Preis trägt man zur langfristigen<br />

Versorgungssicherheit bei und<br />

hält die Wertschöpfung vor Ort. <strong>Das</strong><br />

Potenzial <strong>für</strong> die regionale Wirtschaft<br />

ist nicht zu unterschätzen.<br />

Eine zweite Möglichkeit, die auch<br />

Jacqueline Nass zur Altersvorsorge<br />

empfiehlt, ist eine eigene Immobilie.<br />

Klingt angestaubt, soll aber im Rentenalter<br />

<strong>–</strong> wenn sie bis dahin abbezahlt<br />

ist <strong>–</strong> die Miete ersetzen und eine solide<br />

Rücklage darstellen. „<strong>Das</strong> ist eine der<br />

besten Säulen der Altersvorsorge“, sagt<br />

Nass. Auch kann man so wiederum in<br />

die energetische Sanierung des eigenen<br />

Hauses investieren und so einen<br />

Teil der Energiewende vor Ort mitbestreiten.<br />

Für weitere Säulen der Altersvorsoge<br />

sollte man dann laut Nass aber die<br />

Grenzen des Landkreises hinter sich<br />

lassen. „<strong>Das</strong> Geld so gut es geht streuen“,<br />

gibt sie noch mit auf den Weg.<br />

Ihre Altersvorsorge hat sie weltweit<br />

aufgestellt.<br />

62<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Dienstleistung<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

63


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Neuer Spirit<br />

bei BABOONS<br />

Die zerklüftete Berglandschaft oberhalb des legendären<br />

Bergpasses „Baboons“ war Namensgeber<br />

und Motivator <strong>für</strong> die Firmengründer.<br />

Der viel zierte Begriff „Zeitenwende“, den Bundeskanzler Olaf<br />

Scholz vor einem Jahr prägte, trifft irgendwie auch auf den<br />

Sportpromoter Nummer eins in der Region zu <strong>–</strong> glücklicherweise<br />

in einer friedlichen und positiven Form. Bei BABOONS<br />

sind markante Veränderungen im Gange, denn die Gründer<br />

und Macher <strong>–</strong> Ulrich Hanus und Hubert Stanka <strong>–</strong> haben sich<br />

nach über 25 Jahren mit dem Jahreswechsel aus der operativen<br />

Geschäftsführung zurückgezogen.<br />

Begonnen hatten die beiden bereits Mitte der 1990-er Jahre<br />

mit professionell durchführten Sicherheitstrainings <strong>für</strong> Motorräder.<br />

Wenige Jahre später und bis heute wurden und werden<br />

auch nationale und internationale Motorrad-Rennsportwettbewerbe<br />

organisiert. Die Rennen in mehreren europäischen Ländern<br />

und sogar in Südafrika beschleunigten das Wachstum<br />

der BABOONS GmbH.<br />

Im Jahr 2010 wurde gemeinsam mit dem Partnerverband OAI<br />

e.V. ein weiterer Geschäftsbereich, der Laufsport, mit in das<br />

Portfolio aufgenommen. Der Seenlandmarathon war geboren.<br />

2013 folgte ein weiterer Meilenstein mit der Entwicklung der<br />

MTB-Rennserie Enduro One, die inzwischen mit über 2.500<br />

Teilnehmern die größte MTB-Serie im gesamten deutschsprachigen<br />

Raum darstellt.<br />

Die markante und gezielte Entwicklung hin zu ökologisch orientierten<br />

Breitensportevents zeigt sich auch im Sportsegment<br />

Trailrunning. Der Altmühltrail in Dollnstein ist regelmäßig innerhalb<br />

kürzester Zeit ausgebucht. Neuestes Baby der rührigen<br />

Macher bei BABOONS ist der GaPa Trail, eine Trailrunning-Veranstaltung<br />

mit Start und Ziel im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen,<br />

die im April Premiere feiert.<br />

Für die Region hat BABOONS seit mittelweile über zehn Jahren<br />

den Seenlandmarathon im Angebot <strong>–</strong> die größte Sportveranstaltung<br />

in <strong>Altmühlfranken</strong>. Hier hat sich Katja Kunerth als<br />

Managerin bereits im Vorjahr einen Namen gemacht<br />

Insgesamt eine bemerkenswerte Entwicklung und Zeit <strong>für</strong><br />

die Gründer, die Geschäfte in jüngere Hände zu übergeben.<br />

Mit Christoph Marowsky und Bastian Schöner als weitere Geschäftsführer<br />

rückt nun eine neue Generation in die erste Reihe,<br />

bringt neue Ideen ein und kann dabei aber auch auf die<br />

Erfahrung der „Alten“ jederzeit zugreifen.<br />

Alle Signale <strong>für</strong> eine weitere positive Entwicklung des Unternehmens<br />

stehen auf Grün. Die Veranstaltungen <strong>–</strong> egal ob Motorsport,<br />

Radsport oder Laufsport <strong>–</strong> sind bestens frequentiert,<br />

und das BABOONS-Team mit der neuen Führungsmannschaft<br />

blickt optimistisch ins neue Jahr und die Zukunft. -bb-<br />

Mit Hightech zum<br />

WM-Titel<br />

2006 wurde BABOONS mit dem<br />

Gründerpreis der IHK Mittelfranken<br />

ausgezeichnet. Große Motorradhersteller<br />

wie BMW oder Honda<br />

waren damals wegen durchdachter<br />

Marketing-Ansätze auf das junge<br />

und innovative Unternehmen aufmerksam<br />

geworden. Zur Umsetzung<br />

wurde eine neue Firma ausgegründet,<br />

die sich im internationalen Werksrennsport<br />

einen Namen machte und<br />

Experte <strong>für</strong> Fahrzeugentwicklung im<br />

Zweiradbereich wurde. Die innovative<br />

Arbeit wurde im Jahr 2013<br />

mit dem Titel Rallye-Weltmeister<br />

belohnt.<br />

BABOONS GmbH<br />

Treuchtlinger Straße 33<br />

91781 Weißenburg<br />

info@baboons.de<br />

world.baboons.de<br />

Unternehmensgründung: 1995<br />

MitarbeiterInnen: 10<br />

Geschäftsführer:<br />

Christoph Marowsky<br />

und Bastian Schöner<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

65


Anzeige<br />

Sicher ist sicher <strong>–</strong><br />

AMRO gegen IT-Gefahren<br />

Bei AMRO IT-Systeme stehen Kundenbedürfnisse im<br />

Mittelpunkt und können dank des qualifizierten Teams<br />

und des großen Erfahrungsschatzes individuell und<br />

ganzheitlich bearbeitet werden. Die AMRO IT-Systeme<br />

GmbH ist auf alle gängigen Betriebssystemplattformen<br />

und -anwendungen spezialisiert und das Angebotsspektrum<br />

ist breit gefächert. Es bietet eine große Palette von<br />

Dienstleistungen von komplexen IT-Beratungsprojekten<br />

bis hin zu effizienten IT-Support-Lösungen oder der<br />

passgenauen Software-Entwicklung, die sich an die spezifischen<br />

Anforderungen des Kunden orientiert.<br />

Hinzu kommen eine umfassende Beratung und eine<br />

Systemintegration. „Ein kundenorientierter Ansatz beinhaltet<br />

<strong>für</strong> uns, neben der optimalen Lösung, auch die<br />

IT-Infrastruktur und die Sicherheit zu verbessern. „Cyber-<br />

Security steht mehr denn je im Fokus“, so Jürgen Reutelhuber.<br />

Es geht darum, vor unerwünschten Eindringlingen<br />

zu schützen und sicherzustellen, dass sensibles Datenmaterial<br />

nicht an Unbefugte gelangen kann. Es geht darum,<br />

vor unerwünschten Eindringlingen zu schützen und<br />

sicherzustellen, dass sensibles Datenmaterial nicht an<br />

Unbefugte gelangen kann. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen,<br />

die Firmen ergreifen können, um ihre IT-Sicherheit<br />

zu verbessern.<br />

Ransomware <strong>–</strong> längst ein weltweites Problem.<br />

Ransomware ist eine Form von Schadsoftware, mit<br />

der Angreifer Unternehmen den Zugriff auf wichtige<br />

Unternehmensdaten entziehen <strong>–</strong> um dann ein Lösegeld<br />

<strong>für</strong> die Freigabe zu fordern. Schadsoftware wiederum<br />

wird hier als Oberbegriff <strong>für</strong> alle Formen von<br />

Computercode verwendet, die auf fremden Rechnern<br />

Schaden anrichten sollen. Dazu zählen die bekannten<br />

Computerviren, aber auch Würmer und Trojaner.<br />

Längst hat sich Ransomware zu einer der größten Cybergefahren<br />

<strong>für</strong> Unternehmen entwickelt. Der Grund:<br />

Im Laufe der letzten Jahre haben Kriminelle nicht nur<br />

immer neue und perfidere Formen der Malware entwickelt.<br />

Auch „Ransomware-as-a-Service“, also die<br />

66<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


Anzeige<br />

IT-Sicherheit<br />

betrifft alle<br />

Bereitstellung verschiedenster Angriffsformen als Dienstleistung<br />

durch Dritte, wird immer verbreiteter. Die Attacken werden so immer<br />

gezielter und gleichzeitig immer schwerer zu quantifizieren.<br />

„Deshalb haben wir uns mit ESET einen starken Partner zur Seite genommen“,<br />

sagt AMRO-Chef Reutelhuber. ESET ist ein europäisches<br />

Unternehmen und seit seiner Gründung inhabergeführt. Leidenschaft,<br />

Perspektive, starke Werte und Mut <strong>für</strong> neue Wege machen es aus. Ob<br />

Lösungen <strong>für</strong> Privat-PCs und komplexe Firmenstrukturen, ESET bietet<br />

<strong>für</strong> jegliche Kunden die richtige Sicherheitslösung.<br />

Auch die Anforderungen der Kunden haben sich seit der Corona-Krise<br />

drastisch verändert. Die Nachfrage <strong>für</strong> Homeoffice- und Homeschooling-Lösungen<br />

ist sehr stark gestiegen. Mit der Wortmann AG und<br />

deren Eigenmarke TERRA konnte AMRO trotz Lieferengpässen allen<br />

Kundenwünschen nachkommen.<br />

Mit Tablets, Notebooks, PCs, Workstations, Servern, Storagesystemen,<br />

Thin Clients und LCDs kann über Wortmann alles abgebildet werden.<br />

Die Geräte werden in Deutschland assembliert und der komplette Support<br />

kann über AMRO abgewickelt werden. Mit der aktiven Echtzeitüberwachung<br />

und dem 24-Stunden-Hardware-Service können auch<br />

kritische Infrastrukturen abgesichert werden.<br />

„Sowohl ESET als auch die Wortmann AG sind überaus wichtige Partner,<br />

um den Kunden die perfekte Rundumbetreuung bieten zu können“,<br />

so Reutelhuber.<br />

Die AMRO IT-Systeme GmbH ist<br />

ein erfahrener IT-Berater und<br />

-Dienstleister mit Sitz in Weißenburg.<br />

<strong>Das</strong> Unternehmen ist ein<br />

fester Begriff in der Region. Seit mehr<br />

als 25 Jahren unterstützt AMRO<br />

Unternehmen jeder Größe und<br />

Branche dabei, ihre IT-Systeme zu<br />

optimieren und zu modernisieren.<br />

<strong>Das</strong> IT-Unternehmen besteht neben<br />

Geschäftsführer Jürgen Reutelhuber<br />

aus vier festen MitarbeiterInnen. IT-<br />

Sicherheit ist ein großes Thema <strong>für</strong><br />

jedes Unternehmen. Deshalb zählen<br />

zu den Kunden von AMRO IT-<br />

Systeme Industrieunternehmen ebenso<br />

wie öffentliche Verwaltungen und<br />

der Handel. Es gibt keine spezielle<br />

Branche, die IT-Sicherheit nicht<br />

in Anspruch nimmt. Querbeet von<br />

Kirche über die Industrie bis hin<br />

zum Privatkunden. Die individuell<br />

angepasste Lösung wird von AMRO<br />

IT-Systeme gefunden und umgesetzt.<br />

AMRO stellt auch ein, nämlich „Fachinformatiker/innen der Fachrichtung<br />

Systemintegration“. <br />

-cr-<br />

AMRO IT-Systeme GmbH<br />

Treuchtlinger Straße 1<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 9 01 90<br />

www.amro.de<br />

info@amro.de<br />

MitarbeiterInnen: 4<br />

Geschäftsführer: Jürgen Reutelhuber<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

67


Anzeige<br />

Doppelte Kompetenz<br />

<strong>für</strong> den Kunden<br />

Zwei junge dynamische Unternehmen<br />

aus der Region haben sich 2021<br />

zu einer Kooperation zusammengefunden.<br />

Die Weißenburger Werbeagentur<br />

be media und die Treuchtlinger<br />

Werbetechnik-Experten von<br />

da-Folientechnik. Dank perfekter<br />

Ergänzung von Kompetenzen gelingt<br />

eine effiziente, schnelle und unkomplizierte<br />

Umsetzung von Projekten<br />

mit festen Ansprechpartnern vor Ort.<br />

Ein professioneller Werbeauftritt<br />

komplett made in <strong>Altmühlfranken</strong>.<br />

media<br />

BRAUN&ELBEL<br />

be media <strong>–</strong> Werbeagentur<br />

Wildbadstraße 16-18<br />

91781 Weißenburg<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 25<br />

www.be-media.de<br />

braun-elbel@be-media.de<br />

Unternehmensgründung: 2020<br />

Geschäftsführer: Ralf Braun<br />

da<br />

FOLIENTECHNIK<br />

da-Folientechnik<br />

Johann-Lindner-Straße 3b<br />

91757 Treuchtlingen<br />

Tel. 01 77 / 4 55 20 19<br />

www.da-folientechnik.de<br />

info@da-folientechnik.de<br />

Geschäftsführer:<br />

Daniel Angermaier<br />

Einfacher geht<br />

Werbung nicht!<br />

ARBEITSSCHUTZ •<br />

STICKEREI •<br />

BERUFSKLEIDUNG<br />

TEXTILDRUCK<br />

CHWIMMER<br />

ARBEITSSCHUTZ<br />

www.schwimmer-arbeitsschutz.de • info@schwimmer-arbeitsschutz.de<br />

<br />

Tel. 0 91 41 / 87 78 - 0 • Fax: 0 91 41 / 87 78 - 22<br />

Folierung ist die wohl günstigste<br />

Art, auf sich und sein Unternehmen<br />

aufmerksam zu<br />

machen. Man zahlt nur<br />

einmal <strong>für</strong> Erstellung<br />

und Anbringung und darf<br />

sich dann über die steten<br />

Früchte der Dauerwerbung freuen. Denn beschriftet wird<br />

in aller Regel etwas, was ohnehin schon da ist. Die firmeneigenen<br />

Autos, die Schaufenster, die Fassade oder mittels Schilder<br />

auch Zäune und andere technische Bauten.<br />

Damit die Werbeflächen auch Aufträge bringen, sind nun zwei<br />

Sachen entscheidend. Erstens: Es braucht einen kreativen<br />

Ansatz, um die zentrale Botschaft an den Mann und die Frau<br />

zu bringen. Zweitens: Es braucht jemanden, der die Folierung<br />

technisch erstklassig umsetzt.<br />

Beides gibt es in der Kooperation<br />

der Weißenburger<br />

Werbeagentur<br />

be media mit den<br />

Spezialisten von da-<br />

Folientechnik aus<br />

Treuchtlingen.<br />

Für den Kunden<br />

läuft das extrem<br />

unkompliziert. Aus<br />

einer Hand und mit<br />

Vor-Ort-Service. Die<br />

Grafiker von be media entwickeln<br />

in Zusammenarbeit mit dem<br />

Kunden das Design der Werbung. <strong>Das</strong> Logo auf wertigem Hintergrund?<br />

Eine freche Werbebotschaft mit Witz? Vieles ist in<br />

Zusammenspiel aus Grafik, Foto und Text möglich.<br />

Im nächsten Schritt wird das Design auf das zu beschriftende<br />

Objekt angepasst. Bei Fahrzeugfolierungen braucht es dazu<br />

etwa Zugriff auf eine Datenbank, in der sich die Abmessungen<br />

aller in Deutschland zugelassenen Autotypen befinden. Nur so<br />

ist klar, welche Flächen mit welchen Zuschnitten <strong>für</strong> das Design<br />

genutzt werden können.<br />

<strong>Das</strong> fertige Layout geht nach der Freigabe des Kunden dann<br />

an da-Folientechnik, der mit eigener technischen Ausrüstung<br />

die Folienschriften oder Digitaldruck-Aufkleber herstellt. Angebracht<br />

werden sie dann von da-Folientechnik fachgerecht<br />

beim Kunden vor Ort.<br />

Von der Gestaltung bis zur Montage einer Folienbeschriftung<br />

<strong>–</strong> alles aus einer Hand, mit einem Ansprechpartner. Auf<br />

Wunsch in wenigen Tagen unkompliziert umgesetzt. Einfacher<br />

geht Werbung wirklich nicht.<br />

-js-<br />

<br />

68<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


<strong>Das</strong> Internet sucht<br />

eine Heimat <strong>–</strong> und<br />

klingelt in Ellingen<br />

Von Jan Stephan<br />

Ellingen muss in den<br />

nächsten Monaten eine<br />

der größten Entscheidungen<br />

der jüngeren<br />

Vergangenheit treffen.<br />

Es geht um die Zukunft,<br />

das Internet, Flächenverbrauch<br />

und die Frage:<br />

Demo oder Blumenstrauß<br />

Es ist eine dieser Garagen-Geschichten<br />

aus den Anfängen des Internets.<br />

Als das World Wide Web noch Wilder<br />

Westen war. Als es noch unabgesteckte<br />

Claims gab, Möglichkeitsspielräume<br />

<strong>für</strong> Menschen, die tief drin waren in<br />

einer Materie, von der nicht klar war,<br />

dass sie die Welt aus den Angeln heben<br />

würde.<br />

Wie weit diese Zeit von heute entfernt<br />

ist? Nun, als Hetzner 1997 in Gunzenhausen<br />

gegründet wurde, ging im<br />

selben Jahr eine amerikanische Suchmaschine<br />

online. Ihr Name: Google.<br />

Mark Zuckerberg war damals ein<br />

13-jähriger Teenager in New York,<br />

der sich vermutlich mit seinen drei<br />

Schwestern stritt und nicht ahnte, dass<br />

er mal Facebook erfinden und einer der<br />

mächtigsten Menschen der Welt werden<br />

würde …<br />

Und Martin Hetzner, der war 1997<br />

ein 26 Jahre alter studierter Elektrotechniker<br />

aus Gunzenhausen, der sich<br />

wunderte. Er wunderte sich, warum<br />

man in den USA Speicherplatz und<br />

Rechenkapazität viel günstiger bekam<br />

als in Deutschland. Wo es doch den<br />

Daten egal war, ob sie in Schlungenhof<br />

oder Kalifornien auf Festplatten lagen.<br />

Hetzner hatte früh verstanden, dass<br />

das neue Online-Business ein weitgehend<br />

ortloses Geschäft war. Und diese<br />

schlichte Erkenntnis nutzte er dazu,<br />

den größten Rechenzentrumsanbieter<br />

Europas aufzubauen. In seiner Heimatstadt<br />

Gunzenhausen, mitten im<br />

digitalen World Wide Web sozusagen.<br />

Der Gunzenhäuser kaufte in den<br />

USA Webspace ein, verkaufte ihn in<br />

Deutschland teuer weiter und war<br />

immer noch der Günstigste auf dem<br />

Markt. Die Anzeige im Wert eines<br />

Kleinwagens, die Hetzner in einem<br />

großen deutschen Computermagazin<br />

schaltete, gehört heute zum Gründungsmythos<br />

der Firma. Sie war der<br />

Beginn eines Ansturms, der sich bis<br />

heute nicht so richtig gelegt hat.<br />

So fing sie an, die Geschichte, die gute<br />

25 Jahre später auf ein verschneites<br />

Feld im Göltzschtal im sächsischen<br />

Vogtland führt. Man ist dorthin gefahren,<br />

um über die Zukunft Ellingens<br />

nachzudenken. Denn aus der metaphorischen<br />

Gründergarage von einst<br />

sind mächtige Industriehallen geworden.<br />

Weil Hetzner irgendwann klar<br />

wurde, dass es langfristig besser ist, den<br />

Speicherplatz, den man verkauft, auch<br />

selbst zu besitzen.<br />

Hier stehen sie also die Hallen: grau<br />

und rot, in Beton, Stahl und Wellblech,<br />

in Reihe, mitten auf der sächsischen<br />

Scholle. Mit der energiesparenden<br />

Luftkühlung hat man einen Umweltpreis<br />

gewonnen, auf den Architekturpreis<br />

dürfte man allerdings noch länger<br />

warten. Eine Zierde sind die Hallen<br />

nicht. Industrielle Zweckbauten, mit<br />

stacheldrahtbewehrten Zäunen rundherum.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

69


In ihrem Inneren befinden sich rund<br />

285 000 Server. Festplatte an Festplatte,<br />

Ventilator an Ventilator, Kabel an<br />

Kabel. Betritt man die Hallen, glaubt<br />

man sich in einer Kathedrale des Computerzeitalters.<br />

Sie haben diesen leicht<br />

hallenden Raumklang, der von der<br />

schieren Höhe des Gebäudes kommt.<br />

<strong>Das</strong> beständige Surren der Ventilatoren<br />

klingt wie der Grundton eines<br />

Ameisenhaufens, der niemals schläft.<br />

Und genau so einen digitalen Ameisenhaufen<br />

soll Ellingen bekommen. Denn<br />

ein bisschen Ort braucht das stetig<br />

vor sich hinwachsende Internet dann<br />

eben doch. <strong>Das</strong> Vorbild <strong>für</strong> Ellingen<br />

ist Falkenstein. Nahezu eins zu eins.<br />

Auf 150 000 Quadratmetern, eine<br />

Halle neben der anderen. Nur dass in<br />

Ellingen noch 350 000 Quadratmeter<br />

Photovoltaikanlagen dazukommen<br />

würden. Die Energiekrise lässt grüßen.<br />

Der Hetzner-Online-Standort in Falkenstein<br />

gilt als größtes Rechenzentrum<br />

Deutschlands und dürfte in Europa<br />

in der Top Five mitspielen. Hier<br />

liegen Daten und Anwendungen, die<br />

jeder täglich nutzt. Die App auf dem<br />

Handy, die Fotos in der Cloud, die<br />

Homepage des Schützenvereins oder<br />

die Suchfunktion nach günstigen Flügen.<br />

All das läuft über die schwarzen<br />

Kästen, die hier zu Zigtausenden zusammengespannt<br />

sind. In einem Gewirr<br />

an Kabeln und blinkenden Lichtern.<br />

„Wenn wir Probleme haben, bei<br />

uns etwas ausfällt, dann merkt das die<br />

ganze Welt“, sagt Andreas Fischer. Der<br />

Head of Marketing ist zusammen mit<br />

Unternehmenssprecher Christian Fitz<br />

zuständig <strong>für</strong> die Führung durch diese<br />

heiligen Hallen des Internets.<br />

Technik ohne Menschen<br />

Obwohl vermutlich gerade Millionen<br />

von Menschen in genau diesem Moment<br />

auf die Daten des Serverzentrums<br />

zugreifen, vor Ort ist kaum ein<br />

lebendes Wesen unterwegs. Ein paar<br />

Techniker und eine einsame Putzfrau,<br />

die zwischen den endlosen Reihen der<br />

surrenden Server-Schränke die Gänge<br />

putzt. Sie wirkt wie ein Relikt aus einer<br />

untergegangenen Welt.<br />

Rund 130 Menschen arbeiten in Falkenstein.<br />

Für den reinen Betrieb und<br />

die Wartung der Server bräuchte es<br />

viel weniger. Aber im Vogtland werden<br />

noch die Server <strong>für</strong> weitere Standorte<br />

zusammengebaut und es gibt eine<br />

Entwicklungsabteilung. In Ellingen<br />

geht man im Startbetrieb eher von<br />

20 Menschen aus, die sich um die<br />

Technik kümmern. Diese Zahl hatte<br />

man auch in Falkenstein am Anfang<br />

ausgegeben, wie ein Blick ins Archiv<br />

der Freien Presse aus dem nahen<br />

Chemnitz zeigt.<br />

Mit Prognosen sind sie bei Hetzner<br />

aber generell vorsichtig. Die eigene<br />

Geschichte hat sie skeptisch werden<br />

lassen. Wer hätte schon 1997 geahnt,<br />

dass man 25 Jahre später zusammen<br />

mit dem französischen Konzern OVH<br />

der größte europäische Rechenzentrumsbetreiber<br />

sein würde. Mit Standorten<br />

in Deutschland, Finnland und<br />

den USA. Mit 400 MitarbeiterInnen<br />

und einem Umsatz von 350 Millionen<br />

Euro. Die Industriehallen, durch<br />

die man hier spaziert, sie sind nur ein<br />

Vierteljahrhundert von dem Moment<br />

entfernt, als sich ein junger Mann in<br />

Gunzenhausen über ein paar Dinge<br />

wunderte.<br />

Eine Halle neben der anderen. So wie in Falkenstein soll es nach den Plänen des<br />

Unternehmens auch in Elllingen eines Tages aussehen.<br />

70<br />

<strong>WIKO</strong><br />

Ausgabe <strong>2023</strong>


Der Geist der Gründerzeit hat bei<br />

Hetzner das Wachstum überlebt.<br />

Nicht nur, weil viele MitarbeiterInnen<br />

der ersten Stunde noch an Bord sind.<br />

Der Grundansatz des Unternehmens<br />

war es immer, sich vorhandene Dinge<br />

genau anzusehen, sie etwas besser zu<br />

machen und sie günstig auf dem Markt<br />

zur Verfügung zu stellen. Unkonventionelle<br />

Lösungen sind dabei ausdrücklich<br />

erwünscht.<br />

„Wir verwenden in vielen Fällen Consumer-Elektronik“,<br />

erklärt Andreas<br />

Fischer, als man in der Werkstatt des<br />

Rechenzentrums steht. „Einfach weil<br />

sie billiger ist und oft unsere Anforderungen<br />

erfüllt, wenn wir sie anpassen.“<br />

Deswegen steht das Paketklebeband<br />

in der Serverschmiede. Mit dem wird<br />

standardmäßig der Lüftungskanal einer<br />

Consumer-Hardware-Komponente<br />

nach oben zugeklebt, weil damit die<br />

Hetzner‘sche Luftstromkühlung besser<br />

arbeitet.<br />

Sieht als Standard eines internationalen<br />

Top-Unternehmens seltsam aus,<br />

funktioniert aber und ist unschlagbar<br />

günstig. „Wir basteln hier einfach<br />

immer noch gerne“, stellt Fischer mit<br />

einem Lächeln fest. Etwas Garagen-<br />

Geist in der Industriehalle.<br />

Treu geblieben ist man bei Hetzner<br />

auch der Region. Obwohl Martin<br />

Hetzner inzwischen Multimillionär<br />

ist. Überlegungen, den Firmensitz von<br />

Gunzenhausen zu verlegen, gab es nie,<br />

stellt Christian Fitz fest. Man fühle<br />

sich dort wohl und alle Führungskräfte<br />

lebten auch in der Gegend.<br />

Diese Heimatverbundenheit sorgt nun<br />

aber <strong>für</strong> ein Problem. Denn Hetzner<br />

will ein neues Falkenstein. Nur diesmal<br />

vor der eigenen Haustür. Und dabei<br />

hat man sich offenbar verkalkuliert.<br />

„Wir hatten es nicht erwartet, dass Gegenwind<br />

kommt, das hatten wir nicht<br />

auf dem Schirm“, gesteht Fitz. „Auch<br />

als sich die Bürgerinitiativen gegründet<br />

haben, dachten wir, dass sich das wieder<br />

legen wird.“<br />

Proteste statt Blumen<br />

Nun, gelegt hat es sich eher nicht. Die<br />

überzeugten Gegner sind laut. Wobei<br />

<strong>–</strong> wie immer bei Bürgerprotesten<strong>–</strong><br />

schwer einzuschätzen ist, wie die Stimmung<br />

bei der schweigenden Mehrheit<br />

aussieht. Bei Hetzner Online allerdings<br />

hatte man wohl eher mit Blumen<br />

denn mit Protesten gerechnet.<br />

So kannte man das ja aus Falkenstein,<br />

wo man vor lauter Dankbarkeit dem<br />

Unternehmen gleich eine Martin-<br />

Hetzner-Straße vor die Füße legen<br />

wollte. Dem scheuen und zurückhaltenden<br />

Firmengründer war das jedoch<br />

eher ein Graus. Man einigte sich<br />

schließlich auf die Adresse „Am Datacenter-Park“.<br />

Marco Siegemund: Der Bürgermeister<br />

der Stadt Falkenstein verliert kein<br />

schlechtes Wort über Hetzner.<br />

Von Dankbarkeit war beim Heimspiel<br />

der Hetzner-Leute bislang nicht viel zu<br />

spüren. Obwohl sich die Kommunalpolitik<br />

stets mühte. In Gunzenhausen<br />

flog dem Unternehmen der geplante<br />

Standort um die Ohren, weil die Bauern<br />

ihr Land nicht hergeben wollten.<br />

Dann sagte Weißenburg aus eigenen<br />

Stücken ab und Treuchtlingen hätte<br />

zwar gerne gewollt, fand aber partout<br />

keine Flächen. Übrig blieb Ellingen,<br />

wo sich die Stadt vor einigen Jahrzehnten<br />

schwer verschuldet hatte, um<br />

zig Hektar an Grund zu kaufen. Erst<br />

träumte man dort von einem Golfplatz<br />

mit Hotel, dann von einem Freizeitpark<br />

und war jahrelang chronisch<br />

klamm, bis man den Bauboom nutzte<br />

und Teile der Flächen sukzessive mit<br />

Eigenheimen bebauen ließ. Jetzt streitet<br />

man über das Rechenzentrum.<br />

Klar ist, dass es um viel Geld geht.<br />

Allein der Grundstücksverkauf würde<br />

Millionensummen in die Ellinger<br />

Stadtkasse spülen. Bei den Be<strong>für</strong>wortern<br />

träumt man zudem von Millionen<br />

an Gewerbesteuer pro Jahr, die<br />

Ellingen zur reichsten Gemeinde im<br />

Landkreis machen könnte. Kritiker allerdings<br />

warnen vor einem Ausverkauf<br />

der Heimat, Flächenfraß und werfen<br />

den Be<strong>für</strong>wortern naive Träumerei mit<br />

Blick auf die Steuereinnahmen vor.<br />

Wer recht hat? Für die Zukunft schwer<br />

zu sagen. Aber vielleicht lässt sich das<br />

mit Blick auf Vergangenheit und Gegenwart<br />

feststellen. Am besten fragt<br />

man einen, der es wissen muss. Den<br />

Bürgermeister von Falkenstein, der<br />

rund vier Kilometer von der grünen<br />

Hetzner-Online-Wiese in seinem Rathaus<br />

sitzt. Wobei genau genommen<br />

sitzt er in einer Interimslösung. <strong>Das</strong><br />

Rathaus <strong>–</strong> ein „Prunkbau“ aus der<br />

Gründerzeit <strong>–</strong> wird gerade saniert.<br />

Und weil man schon dabei ist, spendiert<br />

man dem Backsteinmonument<br />

einen modernen Anbau aus Glas und<br />

Stahl.<br />

In Ellingen formiert sich Protest: Frank Strixner (Mitte) ist einer der Vertreter der Bürgerinitiative,<br />

Ellingens Bürgermeister Matthias Obernöder (re.) hat sich bislang offen<br />

<strong>für</strong> eine Ansiedlung gezeigt.<br />

Wo das Geld <strong>für</strong> die Sanierung herkommt?<br />

„Da gibt es Zuschüsse“, sagt<br />

Marco Siegemund (CDU) und lächelt.<br />

„Natürlich braucht es da<strong>für</strong> trotzdem<br />

Eigenmittel, und die kommen unter<br />

anderem über die Gewerbesteuer.“ Er<br />

weiß schon, warum man fragt und dass<br />

es ums Geld geht. Der Ellinger Stadtrat<br />

war auch schon zum Hausbesuch in<br />

Falkenstein und saß bei Siegemund auf<br />

den Besucherstühlen.<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong> 71


Besuch nicht unwesentlich damit zu<br />

tun hat, dass der Ellinger Stadtrat seitdem<br />

ziemlich geschlossen hinter dem<br />

Projekt steht. „Ich habe denen das<br />

Gleiche erzählt wie Ihnen“, lässt Siegemund<br />

gerade wissen. Der 50-Jährige<br />

ist ein kleiner, kompakter Mann mit<br />

rötlichem Haar und einem freundlich-amüsierten<br />

Lächeln im bartbestoppelten<br />

Gesicht. Er kann einem aus<br />

dem Stegreif die Unterschiede in den<br />

Kompostierverordnungen Sachsens<br />

und Bayerns bezüglich Straßengrün<br />

referieren und nahtlos zu einem Werbeblock<br />

<strong>für</strong> eine nahe gelegene Mountainbike-Route<br />

überleiten.<br />

Der Mann ist Kommunalpolitiker<br />

durch und durch. Ihm geht es darum,<br />

<strong>für</strong> seinen Heimatort etwas zu erreichen.<br />

Egal, ob beim Kompost oder der<br />

Digitalisierung. Nur, dass ihm die Digitalisierung<br />

die Mittel beschert, die<br />

Sache mit dem Kompost zu regeln. Na<br />

ja, und auch noch das mit der Rathaussanierung,<br />

der neuen Tourismusinfo<br />

und einer ganzen Reihe anderer Sonderprojekte<br />

...<br />

<strong>Das</strong>s man sich in Ellingen Sorgen um<br />

die Zukunft der Stadt macht, wenn<br />

Hetzner ein Rechenzentrum auf die<br />

grüne Wiese stellen sollte, nimmt Siegemund<br />

höflich zur Kenntnis. „Bei<br />

uns gab es damals keine Proteste. Im<br />

Gegenteil, es war eine große Neugier,<br />

was die da wohl machen.“ Vermutlich<br />

hätte man sich in Falkenstein eher<br />

Sorgen um die Zukunft der Stadt gemacht,<br />

wenn Hetzner kein Rechenzentrum<br />

auf die grüne Wiese gestellt<br />

hätte …<br />

„Wir sind eine wirtschaftlich schwache<br />

Region, wo es nicht so viele Arbeitsplätze<br />

gibt, da war man eigentlich froh<br />

über die Ansiedelung“, erklärt auch<br />

Lutz Hergert. Der Journalist bei der<br />

Freien Presse hat die Ansiedelung<br />

in Falkenstein seit den Anfängen begleitet.<br />

„Grundsätzlich sind sie sehr<br />

präsent auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt<br />

immer wieder Stellenanzeigen, sie gehen<br />

auch in die Schulen und werben<br />

<strong>für</strong> ihren Beruf“, berichtet er. „Viele<br />

der Azubis kommen auch von hier und<br />

konnten dadurch dann in der Region<br />

bleiben.“<br />

Was nicht funktioniert habe, sei allerdings,<br />

rund um das Rechenzentrum<br />

weitere IT-Unternehmen anzusiedeln.<br />

„<strong>Das</strong> liegt aber wohl auch daran, dass<br />

diese Firmen auch qualifiziertes Personal<br />

bräuchten, und da sind wir dann<br />

halt doch ein bisschen ab vom Schuss.<br />

Wenn du vorher in Berlin warst, dann<br />

sind Falkenstein und Plauen halt schon<br />

ein Kaff.“<br />

Es gibt durchaus gewisse Parallen<br />

zwischen dem Vogtland als dem ländlichen<br />

Teil des Freistaats Sachsens und<br />

<strong>Altmühlfranken</strong> als dem ländlichen<br />

Teil des Freistaats Bayern. In beiden<br />

Fällen handelt es sich um die eher<br />

arme Verwandtschaft in der Großfamilie.<br />

Nur dass man als arme Verwandtschaft<br />

aus Bayern bei den Sachsen vermutlich<br />

am Tisch der Großkopferten<br />

Platz nehmen dürfte. Die Not, das<br />

Verlangen nach zukunftsgerichteten<br />

Arbeitsplätzen war im Vogtland sicher<br />

größer, als es in Ellingen der Fall ist.<br />

Nicht ohne Grund kam damals zur<br />

Eröffnung der ersten Hetzner-Halle<br />

in Falkenstein 2009 kein Demonstrationszug,<br />

sondern der sächsische Ministerpräsident<br />

Stanislaw Tillich angereist.<br />

Und zwar zum Gratulieren.<br />

Erst im Januar war nun sein Nachfolger<br />

Michael Kretschmer bei einem<br />

Bürgerdialog in Falkenstein. „Ich freue<br />

mich wie Bolle, dass es das Vogtland<br />

ist, das beim Thema Internet ganz<br />

vorne dabei war“, lobte er das Hetzner-<br />

Rechenzentrum gleich in seinen ersten<br />

Worten. „<strong>Das</strong> haben Sie, das habt Ihr<br />

„Ich kann aus Sicht<br />

von Falkenstein wirklich<br />

nichts Negatives<br />

sagen„<br />

da hingestellt, und alle haben gestaunt,<br />

wie das geht.“<br />

Ein bisschen gestaunt hat man nun in<br />

Falkenstein über die Bedenken der fernen<br />

Ellinger. „Ich kann aus Sicht von<br />

Falkenstein wirklich nichts Negatives<br />

sagen“, stellt Siegemund fest und zuckt<br />

fast ein wenig bedauernd die Schultern.<br />

Alle Versprechen des Unternehmens<br />

seien eingehalten worden. Probleme<br />

mit Anwohnern? Gebe es nicht,<br />

obwohl einige Häuser relativ nah an<br />

den Serverhallen stehen.<br />

Arbeitsplätze? Die Firma bilde aus und<br />

sei auch in den Schulen vor Ort aktiv.<br />

Und die Verankerung in der Region?<br />

Der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft<br />

spiele <strong>für</strong> das Unternehmen<br />

eine große Rolle, sagt Siegemund. <strong>Das</strong><br />

Unternehmen bringe selbst die Leute<br />

immer wieder zusammen und sorge so<br />

<strong>für</strong> neue Netzwerke. Außerdem trete<br />

man als Sponsor <strong>für</strong> Vereine auf, fördere<br />

soziale Projekte und gebe IT-Ausrüstung<br />

an Schulen.<br />

Und das Thema aller Themen: die<br />

Gewerbesteuer? „Wir bekommen keine<br />

Schlüsselzuweisungen vom Freistaat,<br />

sondern zahlen im Rahmen des<br />

Finanzausgleichs selbst Abgaben. Im<br />

Vogtland gibt es meines Wissens nur<br />

noch zwei andere Gemeinden, bei<br />

denen es so ist.“ Den Satz lässt der Bürgermeister<br />

mal kurz wirken und setzt<br />

dann nach: „<strong>Das</strong> liegt zu 100 Prozent<br />

an Hetzner Online.“<br />

Aber dauert es nicht, bis eine so gewaltige<br />

Investition steuerlich abgeschrieben<br />

ist? Siegemund: „Hier hat<br />

das nicht lange gedauert. <strong>Das</strong> Unternehmen<br />

ist hochprofitabel und die<br />

Zahlungen wurden von Jahr zu Jahr<br />

mehr.“<br />

Der Ball liegt nun in Ellingen. Im<br />

Frühjahr sollen dort konkrete Pläne<br />

der Öffentlichkeit vorgestellt werden.<br />

Dann soll es endlich Antworten geben,<br />

wie die Anlage auf dem Karlshofplateau<br />

aussehen könnte. Wo genau die<br />

PV-Flächen liegen, wo die Hallen stehen,<br />

welche Abstände es gibt, vielleicht<br />

auch, welche Grundstückspreise das<br />

Unternehmen zahlt. <strong>Das</strong>s man bislang<br />

nur spärlich informierte, <strong>–</strong> und meist<br />

erst dann, wenn die Dinge ohnehin<br />

schon öffentlich waren, hat seinen Teil<br />

dazu beigetragen, dass es auch Misstrauen<br />

in der Stadt gibt.<br />

Bei Hetzner tut man ohnehin, was<br />

man in Sachen Öffentlichkeitsarbeit<br />

eigentlich immer tut: Man hält sich zurück<br />

und überlässt anderen das Reden.<br />

Also verweist Unternehmenssprecher<br />

Fitz darauf, dass die Stadt das Heft<br />

des Handelns in der Hand habe und<br />

den weiteren Prozess bestimme. Der<br />

große zeitliche Druck sei inzwischen<br />

ohnehin aus der Sache heraus, weil die<br />

härtesten Spitzen des Digitalisierungsschubs<br />

während Corona abgearbeitet<br />

seien und man sich jetzt wieder in<br />

einem „gesunden Wachstum“ befinde,<br />

wie Andreas Fischer feststellt. Aber<br />

72<br />

<strong>WIKO</strong> Ausgabe <strong>2023</strong>


auch, wenn man in Frankfurt ein neues<br />

Rechenzentrum plant und in Falkenstein<br />

die Wiese auf der anderen Straßenseite<br />

auch noch gekauft hat, man<br />

will Ellingen weiterhin und vor allem<br />

endlich eine Entscheidung.<br />

Um das eigene Geschäft macht man<br />

sich mittelfristig wenig Sorgen. <strong>Das</strong>s<br />

die Digitalisierung erst am Anfang<br />

steht, da sind sich alle Experten einig.<br />

Und die unsichere internationale Lage<br />

hat gerade erst Argumente geliefert,<br />

dass es vielleicht doch nicht so egal ist,<br />

wo die eigenen Daten physisch auf den<br />

Servern liegen. <strong>Das</strong> stabile Deutschland<br />

mit seinem strengen Datenschutz<br />

finden immer mehr Unternehmen zunehmend<br />

sympathisch.<br />

Eine prägende Entscheidung<br />

Die Entscheidung wird sicherlich eine<br />

der größten und bedeutendsten in den<br />

vergangenen Jahrzehnten <strong>für</strong> Ellingen.<br />

Es gibt drei Szenarien da<strong>für</strong>. Erstens:<br />

Der Stadtrat traut sich, selbst zu entscheiden.<br />

Zweitens: Der Stadtrat ruft<br />

die Bürger an die Urne. Drittens: Die<br />

Bürgerinitiative reicht ein Bürgerbegehren<br />

ein, das ausreichend Unterschriften<br />

hat und rechtlich korrekt<br />

formuliert ist. Beim ersten Versuch<br />

scheiterte es an der Formulierung,<br />

beim zweiten fehlte zuletzt offenbar<br />

noch die benötigte Zahl an Unterschriften.<br />

Egal, welches der genannten Szenarioen<br />

sich ergibt: Sollte die Deutschordensstadt<br />

absagen, wäre die Suche<br />

seitens Hetzner Online in der Region<br />

endgültig beendet, stellt Fitz fest. Man<br />

würde sich wieder deutschlandweit<br />

nach einem Standort umschauen. „Wir<br />

müssen das nicht machen, es hat <strong>für</strong><br />

uns keine direkten Vorteile. Aber Martin<br />

Hetzner wollte der Region eben<br />

etwas Gutes tun“, stellt der Unternehmenssprecher<br />

klar.<br />

Sollte sich das weiterhin als sehr kompliziert<br />

herausstellen, würde man andere<br />

Gegenden in der Republik finden,<br />

die einen mit offenen Armen empfangen.<br />

<strong>Das</strong> spricht Fitz nicht offen aus<br />

<strong>–</strong> das ist aber genau das, was er meint.<br />

Und vermutlich hat er recht. In Falkenstein<br />

hat man Hetzner Online gerade<br />

die Wiese auf der anderen Straßenseite<br />

dazu verkauft. Und Bürgermeister<br />

Siegemund hätte den Notarvertrag<br />

wahrscheinlich zur Not auch mit dem<br />

Handkarren an die Firmenzentrale<br />

nach Gunzenhausen gefahren.<br />

Herausgeber/Verlag: Braun & Elbel GmbH & Co. K.G., Verlag Weißenburger Tagblatt, Wildbadstraße 16-18, 91781 Weißenburg,<br />

Tel. 0 91 41 / 85 90 90, info@wiko-wug.de; Projektmanagement: Felix Oeder (Kontakt: oeder@wiko-wug.de); Redaktionsleiter:<br />

Jan Stephan; Layout & Design: Sven Katheder, Erik Körner, Tanja Meyerhöfer (be media); Lektorat: Ingrid Philipp; Verteilung:<br />

Beilage im Weißenburger Tagblatt, Treuchtlinger Kurier und Altmühl-Bote; Erscheinung: 1 x jährlich (März); Auflage: ca. 20.000;<br />

Druck: Buch- und Offsetdruckerei Braun & Elbel GmbH & Co. K.G., Wildbadstraße 16-18, 91781 Weißenburg, Tel. 0 91 41 / 85 90 90,<br />

druckerei@druckinwug.de. www.druckinwug.de; Bildnachweise: Titel (Fotomontage: Erik Körner), S. 3 Jan Stephan (Onur<br />

Alagöz); S. 4 Gutkauf (Jan Stephan)/Raiffeisenbank (Archiv Weißenburger Tagblatt); S. 6 Envato Elements; S. 7 (Envato Elements);<br />

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Solutions; S. 45 Metzgerhandwerk Bayern; s. 46 Archiv Weißenburger Tagblatt; S. 48 Felix Oeder; S. 49 Felix Oeder/Möbel<br />

Rachinger; S. 50 Stefan Schramm; S. 51 Spacs Treuchtlingen; S. 52 Cover Bundeministerium <strong>für</strong> Ernährung und Landwirtschaft;<br />

S. 53 Kathrin Lucia Meyer; S. 54 Kathrin Lucia Meyer; S. 55 Felix Oeder; S. 56 Archiv Weißenburger Tagblatt; S. 57<br />

Sparkasse Mittelfranken-Süd/Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen; S. 58 Walter König; S. 59 Ina Brechenmacher; S.<br />

60 Ina Brechenmacher/Bastian Mühling (Thomas Hanke); S. 61 Felix Oeder; S. 62 Archiv Weißenburger Tagblatt; S. 63 Felix<br />

Oeder; S. 64 Felix Oeder/Amro; S. 66 Kühleis Group; S. 67 Baboons; S. 68 be media/Felix Oeder; S. 69 Hetzner Online; S. 70<br />

Hetzner Online; S. 71 Marco Siegemund (David Rötschke/Archiv Weißenburger Tagblatt); S. 73 Archiv Weißenburger Tabglatt;<br />

S. 74 Onur Alagöz/Privat/Felix Oeder.<br />

Die mit Namen oder Zeichen versehenen Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der <strong>WIKO</strong>-Redaktion wieder. Aus Gründen<br />

der einfacheren Lesbarkeit wird auf die geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Sämtliche Rollenbezeichnungen<br />

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Aktualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Alle Angaben sind ohne Gewähr.<br />

Impressum<br />

<strong>Wirtschaftsmagazin</strong> <strong>WIKO</strong><br />

73


Team<br />

Hinter den<br />

<strong>WIKO</strong>-Kulissen<br />

Hinter einem Magazin steckt immer<br />

ein Team <strong>–</strong> und ganz viel Arbeit. Deshalb<br />

hier die Köpfe unseres <strong>WIKO</strong> und<br />

ein kleiner Blick hinter die Kulissen.<br />

Im <strong>WIKO</strong>-Jahreslauf gibt es drei Dinge, die es zu überleben<br />

gilt. <strong>Das</strong> eine ist die Blattkritik mit unserem Autor<br />

und Berater Uwe Ritzer. Ein paar Wochen nach der<br />

Erscheinung wird das Heft in seine Einzeltelteile zerlegt<br />

und detailliert unter die Lupe genommen.<br />

Der Prozess ist nicht immer schmerzfrei, trägt aber<br />

dazu bei, sich zu entwickeln. Und da Uwe Ritzer nicht<br />

nur ein lieber Kollege ist, sondern auch noch einer der<br />

renommiertesten Wirtschaftsjournalisten des Landes,<br />

hören wir ihm auch dann gerne zu, wenn es unerfreulich<br />

wird.<br />

Jan Stephan<br />

Redaktionsleitung<br />

Felix Oeder<br />

Projektmanagement<br />

Uwe Ritzer<br />

Berater und Redaktion<br />

Der nächste anstrengende <strong>WIKO</strong>-Moment ist die<br />

Auswahl des Titelblatts <strong>für</strong> das Heft. Mindestens 30<br />

bis 40 Entwürfe des Grafikteams wanderten in einem<br />

Zeitraum von mehreren Wochen durch unsere Hände<br />

<strong>–</strong> und wurden selbstverständlich meinungsfroh diskutiert.<br />

Wir hatten eine Hürdenläuferin, einen platzenden<br />

Ballon, eine Wüste, ein Sparschwein, Hütchenspieler<br />

und viele, viele andere Dinge mehr. Am Ende wurde<br />

der Slogan aus dem einen Cover mit der Bildidee eines<br />

anderen verheiratet und alle waren zufrieden. Gott sei<br />

Dank!<br />

Kathrin Lucia Meyer<br />

Redaktion<br />

Erik Körner<br />

Layout und Design<br />

Sven Katheder<br />

Layout und Design<br />

Ingrid Philipp<br />

Lektorat<br />

Ina Brechenmacher<br />

Redaktion<br />

Celine Ritzer<br />

Redaktion<br />

Tanja Meyerhöfer<br />

Layout und Design<br />

Moment Nummer drei ist die<br />

Abgabeparty des <strong>WIKO</strong>. In<br />

der Woche vor Druckbeginn<br />

ist immer Stress. Da noch<br />

letzte Umformulierungen,<br />

hier noch Korrekturen und irgendwo<br />

fehlt immer noch ein<br />

Komma … Wenn dann zwei<br />

Wochen später die fertigen<br />

Magazine in der Zeitung sind,<br />

gibt es eine kleine Party <strong>–</strong> und<br />

am nächsten Tag in Ausnahmefällen<br />

auch ein ganz kleines<br />

bisschen Kopfweh.<br />

74 6<br />

<strong>WIKO</strong><br />

Ausgabe <strong>2023</strong>


VON WEGEN LISBETH<br />

MONTEZ · DAS LUMPENPACK<br />

ENNIO · LOSTBOI LINO · DILLA · FOLKSHILFE · ALC<br />

DAMONA · TROPIKEL LTD · MUCKEMACHER · SUTCLIFFE<br />

STRASSENMUSIK: GOODBYE LOONA · AMIRA ROSA · LAURA HELLER<br />

FOODTRUCKS · FAMILIEN- UND KINDERPROGRAMM<br />

13. MAI <strong>2023</strong><br />

BERGWALDTHEATER WEISSENBURG<br />

TICKETS:<br />

WWW.BERGWALDTHEATER.DE<br />

Präsentiert von:<br />

Gefördert von:


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