Zukunft Arbeit & Wirtschaft

Mediaplanet.Oesterreich

Die Wirtschaft und die Arbeitswelt befinden im ständigen Wandel. Wie können Unternehmen aktuelle Trends nutzen, um Fachkräften langfristig Krisensicherheit zu garantieren? Diese Kampagne bietet Inspiration und Unterstützung.

EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Inspiration für nachhaltiges Wirtschaften

Lesen Sie die gesamte Kampagne auf unternehmensratgeber.info

Zukunft Arbeit

& Wirtschaft

FOTO:DANIEL WILLINGER | DWPHOTO.AT

Daniela Knieling

Die Geschäftsführerin von respACT über das

Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz und

Kreislaufwirtschaft

the female factor

Mahdis Gharaei und Tanja

Sternbauer verkünden das Ende

der Tischfußball-Ära

Franz Kühmayer

Disruption ist nicht die Ausnahme,

sondern die Regel!


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IN DIESER AUSGABE

VORWORT

04

Das Ende der Tischfußball-Ära

Mahdis Gharaei und Tanja Sternbauer

über die Employer-Branding-Trends

der Zukunft

08

Alles Walzer!

Die Kreislaufwirtschaft bittet die

Künstliche Intelligenz zum Tanz

FOTOS: SHUTTERSTOCK

„Es mangelt an

Personal an allen

Ecken und Enden“

Mit 270.000 offenen Stellen zeigt der WB-Stellenmonitor

ein erneutes Rekordhoch an offenen Stellen auf.

Heimische Betriebe suchen händeringend nach

Personal. Zeitgleich sind die Arbeitslosenzahlen seit

Monaten unverändert hoch. Um die Lücke zu schließen,

braucht es rasch die nötige Arbeitsmarktreform und

Anreize, damit sich Arbeit wieder lohnt.

10

So gelingt die Zukunft

Franz Kühmayer spricht über

Feigenblattaktionen und einen

notwendigen Perspektivenwechsel

Project Manager: Anna Deisenhammer

Senior Business Developer: Florian Rohm, BA

Content and Production Manager: Viktoria Pisker, BA

Layout: Daniela Fruhwirth Lektorat: Sophie Müller, MA

Managing Director: Bob Roemké

Medieninhaber: Mediaplanet GmbH · Bösendorferstraße

4/23 · 1010 Wien · ATU 64759844 · FN 322799f FG Wien

Impressum: https://mediaplanet.com/at/impressum/

Distribution: Der Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.

Druck: Mediaprint Zeitungsdruckerei Ges.m.b.H. & Co.KG

Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 676 847785 – 104

E-Mail: hello-austria@mediaplanet.com

ET: 30.03.2022

Bleiben Sie in Kontakt:

Mag. (FH) Kurt Egger

Wirtschaftsbund

Generalsekretär und

Abg. z. Nr.

FOTO: JULIUS_HIRTZBERGER

Kaum scheint die Corona-

Pandemie zu einem Ende

zu kommen, stellt uns die

Invasion in der Ukraine vor wirtschaftliche

Herausforderungen,

die in ihrem Ausmaß noch nicht

definierbar sind. Steigende Energiepreise

und ein drohender Engpass

der russischen Gaslieferungen

bringen unsere Unternehmen

zusätzlich unter Druck. Zudem

mangelt es in allen Branchen an

Arbeitskräften – Unternehmen

können Aufträge teilweise nicht

mehr erfüllen, Restaurants müssen

schließen, der wirtschaftliche

Aufschwung wird gebremst. Auch

die Mitarbeiter:innen der Unternehmen

leiden unter der Situation

und müssen aufgrund fehlender

Arbeitskräfte Mehrarbeit leisten.

Damit unsere Wirtschaft nicht

im Krisenmodus hängen bleibt,

brauchen wir deshalb die dringend

notwendigen Reformen am

Arbeitsmarkt. Dazu zählt ein

degressiv gestaffeltes Arbeitslosengeld,

das mit der Dauer des

Bezuges sinkt. Alles andere würde

Langzeitarbeitslosigkeit fördern,

weil der Arbeitsanreiz weiter

geschwächt wird. Zudem müssen

Zuverdienstgrenzen gestrichen

werden, ansonsten befeuern wir

ein System, indem es lukrativer ist,

Arbeitslosengeld zu beziehen und

dieses mit diversen Nebenjobs aufzubessern,

als aktiv am Erwerbsleben

teilzunehmen. Um unseren

Arbeitsmarkt generell dynamischer

und flexibler zu gestalten,

muss sich auch die Mobilität innerhalb

Österreichs erhöhen.

Wir brauchen also einen großen

Werkzeugkasten an Maßnahmen,

der dem aktuellen Arbeitskräftemangel

entgegenwirkt und

strukturelle Probleme behebt.

Dabei muss unser gemeinsames

Ziel stets sein, möglichst viele

Menschen in Beschäftigung zu

bringen. Schließlich macht eine

höhere Erwerbsquote unsere

Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort

Österreich stärker.

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unter

wirtschaftsbund.at

@Mediaplanet Austria

@austriamediaplanet


MEDIAPLANET | 3

Entgeltliche Einschaltung

Zwei Jahre Pandemie:

Zwischen Jobboom und

„Great Resignation“

Der Arbeitsmarkt boomt, Arbeitskräfte sind gefragt wie nie. Doch

wie nehmen Beschäftigte den Wandel zum Bewerber:innenmarkt

wahr und was bedeutet das für Unternehmen?

FOTO: SHUTTERSTOCK

Eine repräsentative Studie

von StepStone zeigt: Der

Jobboom führt zu höherer

Kündigungsbereitschaft

und beruflicher Zufriedenheit in

Wachstumsbranchen. Für sich

selbst sieht jedoch im Schnitt nur

jede:r Zweite gute Chancen am

Jobmarkt. Auch gefragte Berufsgruppen

unterschätzen ihren

Marktwert – die Jobsuche wird

weiterhin als äußerst schwierig

wahrgenommen.

Neue Bedürfnisse festigen sich

76 % der Befragten möchten

mehrere Tage pro Woche im

Homeoffice arbeiten, davon 22 %

ausschließlich von zuhause aus.

73 % sagen, dass ihnen eine gute

Work-Life-Balance wichtiger

geworden ist.

Jobwechsel

16 % geben im Jänner 2022 an, dass

sie erst kürzlich den Job gewechselt

haben oder konkret beabsichtigen,

in naher Zukunft ihren Job

aufzugeben. Überdurchschnittlich

hoch ist die Kündigungsbereitschaft

bei unter 30-Jährigen (28 %),

mit steigendem Alter nimmt sie

ab. Nikolai Dürhammer, StepStone

Österreich Geschäftsführer,

meint, es

handle sich dabei aber angesichts

der Zahlen eher um pandemiebedingt

aufgestaute Kündigungen,

die sich jetzt auflösen würden,

nicht um die „Great Resignation“.

Deutlich über dem Schnitt

liegen Marketing/PR/Werbung:

24 % haben hier kürzlich ihren Job

gewechselt und 15 % planen es –

vermutlich aufgrund der hohen

Nachfrage. 2021 wurden 60 % mehr

Marketing-Jobs ausgeschrieben als

2020. Im Gastgewerbe haben 13 %

erst kürzlich den Job gewechselt,

weitere 16 % haben vor, demnächst

zu kündigen.

Beschäftigte unterschätzen

ihren Marktwert

Etwa die Hälfte der Befragten

nimmt die eigenen Chancen am

Arbeitsmarkt als sehr gut oder

eher gut wahr, wobei Männer ihre

Chancen tendenziell besser einschätzen.

Beschäftigte im Handel,

der Hotellerie und Gastro sehen

eher schwarz. Im Gastgewerbe

mag das nicht verwundern, im

Verkauf jedoch schon: Obwohl

sie zu den Top 5 der gefragtesten

Fachkräften 2021 gehörten, sind 23 %

der im Handel Beschäftigten der

Meinung, ihre Chancen am Jobmarkt

seien derzeit (sehr)

schlecht.

Jobsuche

Gute Arbeitskräfte sind gefragter

denn je. Dennoch empfinden über

40 % der Befragten ohne Beschäftigung

die Jobsuche als sehr schwierig,

63 % sagen, es sei jedenfalls

schwieriger als vor der Pandemie,

und nur 4 % schätzen ihre aktuellen

Chancen optimistischer ein,

weil mehr Stellen frei sind. Die

größten Hürden bei der Jobsuche:

Geschlecht und Alter. Jede zweite

Frau empfindet es aktuell als

äußerst schwierig, einen Job zu

finden (im Vergleich nur 37 %

der Männer).

Konsequenzen für das

Personalwesen

„Die schrumpfende und alternde

Erwerbsbevölkerung in Österreich

muss zu einem Mind Shift bei den

Unternehmen führen. Ansonsten

werden sie den War for Talents

verlieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Es ist Zeit, alte

Glaubensätze niederzureißen und

neue zu entwickeln“, so

Dürhammer, wie etwa:

• Unternehmen müssen sich

bei Kandidat:innen bewerben,

nicht umgekehrt.

• Die Generation 50+ ist eine

großartige Zielgruppe bei der

Kandidat:innensuche.

• Frauen können Führung.

• Deutsch als Erstsprache ist keine

Voraussetzung für künftige

Mitarbeiter:innen.

Über den Jobreport

Der aktuelle StepStone Jobreport

beleuchtet den Einfluss von

COVID-19 auf den österreichischen

Arbeitsmarkt. Für die vorliegende

Studie wurden im Jänner 2022

repräsentativ für Österreich 2.058

Personen durch die Marktforschungsagentur

MindTake im

Auftrag von StepStone befragt.

FOTO: PHILIPPLIPIARSKI

Nikolai Dürhammer

Geschäftsführer

StepStone Österreich

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unter

stepstone.at/

e-recruiting/blog


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EXPERTISE

Das Ende der Tischfußball-Ära:

Die Employer-Branding-

Trends der Zukunft

Ein Blick auf Google, Tesla und Co. zeigt klar die Vorteile

einer eindrucksvollen Arbeitgeber:in-Marke: Diese

Unternehmen holen sich buchstäblich die besten der

besten Bewerber:innen und bleiben so innovativ und

am Puls der Zeit. Employer Branding ist überall,

doch auf welche Trends lohnt es sich jetzt zu

setzen, um auch in Zukunft im „War for

Talents” die Nase vorne zu haben?

Tanja Sternbauer &

Mahdis Gharaei

Co-CEOs the female factor

FOTOS: GOLDENHOUR PICTURES


MEDIAPLANET | 5

Was gehört zu einer (guten)

Employer Brand?

Nach HBR versteht man unter der

Employer Brand die Wahrnehmung

eines Unternehmens sowohl durch

aktuelle als auch durch zukünftige

Mitarbeiter:innen.

Konkret sind damit alle Aktivitäten

gemeint, die in die Mitarbeiter:innenakquise

und -bindung einfließen –

von Website-Auftritt und Social-

Media-Aktivitäten über Bewerbungsprozesse

bis hin zu Maßnahmen zur

Mitarbeiter:innenbindung.

Das Ende der Ära von Tischfußball

als Büro-Highlight?

Im Bemühen, „hip“ zu erscheinen,

greifen Unternehmen auf eine

Bandbreite von Goodies zurück. Vom

Obstkorb, über den Tischfußball bis

hin zum Freitagsbier – der Kreativität

sind dabei keine Grenzen gesetzt;

oder doch?

Sind diese Maßnahmen tatsächlich

die Zukunft, um im War for Talents

mithalten zu können?

Die richtigen Maßnahmen

setzen – man muss das Rad nicht

neu erfinden

Studien belegen, dass die nächste

Generation der Mitarbeiter:innen

auf ganz andere Arbeitsplatzfaktoren

Wert legt. Besonders für das noch

unausgeschöpfte Potenzial der weiblichen

Talente stehen unter anderem

Selbstverwirklichung, Orts- und

Zeitunabhängigkeit, eine vielfältige

Führungskultur, Entwicklungsmöglichkeiten

und faire (und transparente)

Entlohnung im Vordergrund.

Um im Kampf um Talente wettbewerbsfähig

zu bleiben, ist es wichtig,

die Bedürfnisse dieser zu verstehen.

Bereits zu Beginn des Prozesses empfiehlt

es sich daher, bestehende aber

auch potenzielle neue Mitarbeiter:innen

miteinzuschließen, um gemeinsam

den Status Quo zu erfassen und

Eine attraktive Employer Brand ist schon längst

kein „Nice to have” mehr. Sie ermöglicht den

Zugang zu besseren Talenten, Einsparungen

bei Rekrutierungskosten und eine erhöhte

Mitarbeiter:innenbindung und stellt somit einen

unfairen Vorteil am Markt dar.

Mahdis Gharaei,

Co-CEO von the female factor

ein passendes Werteversprechen des

Unternehmens abzuleiten.

„Eine inklusive Employer Brand

kann nur dann entstehen, wenn a) das

Management die Ziele unterstützt, b)

alle Mitarbeiter:innen entsprechend

zu Wort kommen, c) das erhaltene

Feedback auch entsprechend umgesetzt

wird und d) all dies stimmig

nach außen getragen wird“, erklärt

Tanja Sternbauer, Co-CEO von the

female factor.

Die Karriere- und Leadership-Plattform

the female factor hat 2021

Europas erste Job-Plattform gegründet,

die weibliche Talente mit

inklusiven Unternehmen vernetzt. the

female factor unterstützt andere

Unternehmen bei der Erreichung

ihrer Diversitätsziele sowie der

Ansprache weiblicher Talente.

Quellen: Accenture inclusion report, McKinsey,

the female factor study, Statistik Austria


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INSIGHT

FOTO: UNSPLASH.COM/@DIOGOASCENSO

Megatrends

managen

Die Krisen unserer Zeit, von Armut bis Klima,

beschäftigen Wirtschaft und Gesellschaft

in gleicher Weise. In den letzten Jahren

haben sich entsprechende Megatrends

herausgebildet, die Unternehmen vor neue

Managementaufgaben stellen.

Dr. Ramona Maria

Kordesch

Direktorin für

Internationale

Kooperationen &

Entwicklung

Dr. Markus Bürger

Generalsekretär

Österreichischer

Rat für Nachhaltige

Entwicklung

FOTO: PRIVAT

FOTO: ÖSTERREICHISCHER RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Vor der Herausforderung

immer knapper

werdender Ressourcen

und der Notwendigkeit

einer alternativen Fortentwicklung

des Wirtschaftssystems fasst

das Schlagwort „New Economy“

einige Megatrends zusammen,

die die Art und Weise des Gütertausches

selbst, das Management

und die Führung von Organisationen

massiv verändern. Unter

diese Trends fallen beispielsweise

das Teilen von Konsumgütern

(„Sharing“), die Digitalisierung von

Produkten und Dienstleistungen

als Ganzes oder deren Handel über

digitale Plattformen. Insbesondere

aber verändern zivilgesellschaftliche

Ansprüche, z. B. hinsichtlich

ethisch einwandfreier Produktionsbedingungen

und Lieferketten, die

Logik klassischer Geschäftsmodelle.

Entsprechende Richtlinien und

wertebasierte Rahmenordnungen,

wie sie etwa in den Sustainable

Development Goals (SDGs) der UN

verwirklicht sind, zielen darauf ab,

das kapitalistische Wirtschaftssystem

in Richtung nachhaltiger

Entwicklung zu verändern. Als

hehres Ziel betrifft die Evolution

des Wirtschaftssystems vor allem

Unternehmen, die sich zu den

normativen Veränderungen erst

positionieren müssen.

Weltweit haben sich Allianzen

gebildet, die das Thema der nachhaltigen

Entwicklung für Wirtschaftsakteurinnen

und -akteure,

insbesondere für Führungskräfte,

aufbereiten.

In Österreich agiert die „Allianz

für Entwicklung und Klima“ als

Partner dieser Unternehmen,

indem sie Instrumente und

Lösungen an die Hand gibt, die

nachhaltige Entwicklung unterstützen.

So haben sich auf dieser

Ebene Communities gebildet, die

den Drang zur Veränderung als

eine gesamtgesellschaftliche

Herausforderung sehen. Allianz-

Expert:innen empfehlen eine

dreistufige Roadmap: Erstens

braucht es ein tiefgründiges

Verständnis des Themas im

Unternehmen, das von sämtlichen

Stakeholdern, insbesondere von

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,

getragen werden muss. Zweitens

empfiehlt es sich, die Rolle einer

Nachhaltigkeitsmanagerin oder

eines -managers zu definieren, der/

die sämtliche Geschäftsbereiche

und -prozesse in eine nachhaltige

Ausrichtung lenkt. Drittens ist der

interessierte und regelmäßige

Austausch zum Status quo des

Themas im Betrieb entscheidend,

der Führungskräfte, Mitarbeiter:innen,

Partner, Lieferant:innen und

Kund:innengruppen dazu animieren

soll, sich aus eigener Perspektive

mit dem Thema Nachhaltigkeit

intensiv auseinanderzusetzen. Aus

den Handlungsempfehlungen geht

hervor: Nachhaltige Entwicklung

ist kein Statement, sondern ein

Prozess mit offenem Ausgang.

Diesen Vorgang zu moderieren und

für das Unternehmen aufzubereiten

ist und bleibt Aufgabe umsichtiger

und zukunftsgewandter

Unternehmensführung.

Mehr Informationen unter:

nachhaltigkeits-rat.at/


MEDIAPLANET | 7

Entgeltliche Einschaltung

Ferrari-Mangel in Österreich?

Mit aktuellen Bestrebungen, nachhaltiges Wirtschaften sowie

die digitale Transformation voranzutreiben, geht häufig die

Frage einher, welche Auswirkungen diese Trends letztlich auf

Arbeitnehmer:innen haben. Darüber haben wir uns mit Agnes

Streissler-Führer von der Gewerkschaft GPA

unterhalten.

FOTO: ZVG

MMag. Agnes

Streissler-Führer

Stv. Bundesgeschäftsführerin

GPA

Welchen Einfluss hat Ihrer Ansicht

nach Digitalisierung auf

die Arbeitswelten von morgen?

Es gibt heute kaum mehr Berufe

ohne den Einsatz von Digitalisierung:

ob es sich um Roboter in der

Fabrikhalle handelt, Buchhaltungsprogramme,

digitale Auswertungen

des Kundenverhaltens, Scanner-

Kassen oder die Social-Media-

Bewerbung der eigenen Aktivitäten.

Diese Entwicklung setzt sich fort,

beschleunigt und vertieft sich.

Inwiefern trifft die Aussage zu,

dass digitale Transformation

eine Gefährdung von Arbeitsplätzen

bedeutet? Wenn dem

so ist, wie kann entgegengesteuert

werden?

Durch die Digitalisierung fallen

einerseits manche Tätigkeiten weg,

andererseits entstehen auch neue.

Wichtig für uns als Gewerkschaft

ist: Wir müssen darauf achten, dass

auch die neu entstehenden Arbeitsplätze

gut bezahlt und gut abgesichert

sind. Außerdem müssen die

Menschen gut auf die Arbeitswelt

von morgen vorbereitet und mit

entsprechenden Qualifikationen

ausgestattet werden.

Welche Auswirkungen hat der

Megatrend „Nachhaltigkeit“

auf die Unternehmenskultur

und wie kann er mit Digitalisierung

in Verbindung gebracht

werden?

Unternehmen stellen immer mehr

fest, dass Nachhaltigkeit nicht nur

ein Thema für Sonntagsreden und

Hochglanzprospekte ist, sondern

tatsächlich gelebt werden muss.

Nachhaltigkeit heißt dabei, in

längerfristiger Verantwortung für

die Umwelt und Gesellschaft zu

handeln. Digitalisierung kann hier

insofern unterstützen, als dass

Ressourcen effizienter eingesetzt

werden können – beispielsweise

durch die digitale Aussteuerung

von Energie, das heißt, zu steuern

wann und wo sie tatsächlich gerade

gebraucht wird (kein Heizen oder

keine Beleuchtung von leeren Räumen);

oder durch die punktgenaue

Produktion mit möglichst wenig

Abfallerzeugung.

Die Wirtschaft beklagt den

Fachkräftemangel. Welche

Lösungsvorschläge haben Sie

hier?

Wer einen Ferrari um 2.000 Euro

kaufen möchte und keinen auftreiben

kann, kann auch nicht vom

Ferrari-Mangel sprechen. Heißt:

Wer Fachkräfte will, muss entsprechende

Gehälter zahlen und attraktive

Arbeitsbedingungen schaffen.

Unternehmen können sich darüber

hinaus nicht darauf verlassen, dass

qualifizierte Arbeitskräfte einfach

vom Himmel fallen, sondern sie

müssen selbst aktiv in die Qualifizierung

und Weiterentwicklung

ihrer Beschäftigten investieren.

Ein Blick in die Glaskugel: Wie

sieht Ihre ideale (aber realistische)

Arbeitswelt in zehn

Jahren aus?

Die ideale Arbeitswelt ist eine, in

der Beschäftigte gerne arbeiten.

Gute Arbeit bedeutet, dass jede und

jeder sich wertgeschätzt fühlt,

durch materielle wie durch

immaterielle Anerkennung.

Beschäftigte kennen ihre Rechte

und wissen, an wen sie sich bei

Problemen wenden können.

Digitalisierung und Technik

unterstützen die Arbeit und

machen sie gesünder – die

Kontrolle hat allerdings immer

noch der Mensch.

FOTO: SHUTTERSTOCK

Lesen Sie mehr

unter

gpa.at


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INSIGHT

Alles Walzer!

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sind die größten

Hoffnungsträger der Forschung im Kampf gegen den Klimawandel.

Sie bieten uns eine Chance, unsere Arbeits- und Lebensweise neu zu

definieren.

Daniela Knieling

Geschäftsführung

respACT

Network Representative

Global Compact

Netzwerk Österreich

FOTO: © DANIEL WILLINGER | DWPHOTO.AT


MEDIAPLANET | 9

FOTO: ISTOCK

Wir müssen dringend

von unserem

linearen Wirtschaftssystem

zu

einer Kreislaufwirtschaft kommen.

Das besagt eine Studie der

Ellen MacArthur Foundation zum

Thema „Künstliche Intelligenz

und Kreislaufwirtschaft“. Bis 2030

sollte Europa bei einem Umstieg

auf Kreislaufwirtschaft einen

Nettonutzen von 1,8 Billionen Euro

schaffen können, rechnet die Studie

vor, denn: „ein regeneratives

System bezieht die wachsenden

rohstoffbezogenen Herausforderungen

ein, schafft Arbeitsplätze,

treibt Innovationen voran und

generiert Vorteile für die Umwelt.

Nur, wenn wir den Rohstoffverbrauch

bremsen, Produkte und

Materialien im Gebrauch halten,

Abfälle und Umweltverschmutzung

vermeiden und Treibhausgasemissionen

eindämmen,

werden wir in Europa die Klimaziele

erreichen können.

Die Kreislaufwirtschaft bittet

die Künstliche Intelligenz (KI)

zum Tanz. Denn sie befasst sich

mit Modellen und Systemen, die

Funktionen ausführen, die im

Allgemeinen mit menschlicher

Intelligenz in Verbindung gebracht

werden. Sie ermöglicht Menschen,

schneller aus Feedback zu lernen,

effektiver mit Vielschichtigkeit

umzugehen und reichlich vorhandene

Daten besser zu verstehen.

Unterstützend für den Menschen

können Kreislaufwirtschaft

und KI im Walzertakt Echtzeit-

und historische Daten von

Produkten und Benutzerinnen

und Benutzern kombinieren und

den Produktkreislauf und die

Anlagennutzung durch Preis- und

Nachfrageprognose, vorausschauende

Wartung und intelligente

Bestandsverwaltung steigern. Die

KI erkennt vorausschauend Probleme,

vermeidet Kostenüberschreitungen

und spart Ressourcen. In

der Abfallwirtschaft unterstützt

sie zum Beispiel die automatische

Trennung von Müll in verschiedene

Materialien wie Glas, Plastik,

Papier und Metall.

Ein Beispiel: Brantner Green

Solutions hat in Zusammenarbeit

mit dem Linz Center of Mechatronics

und der Kunstuniversität

Linz einen Roboter entwickelt, der

zeigt, wie moderne Müllentsorgung

aussehen kann: Der Roboter

sucht sich in einer per 3D-Laser

generierten Karte selbständig

seinen Weg zum Abfallbehälter, in

den ein Füllstandsensor integriert

ist. Erreicht der Füllstand einen

bestimmten Wert, setzt sich der

Roboter in Bewegung und erledigt

seine Aufgabe.

Alles Walzer!

respACT entwickelt im Projekt

DIGI FOR SDG einen praxisnahen

Leitfaden, um anhand von konkreten

Beispielen zu zeigen, wie österreichische

Unternehmen digitale

Technologien jetzt schon nutzen, um

einen Beitrag zur Bekämpfung der

Klimakrise und zur Förderung einer

nachhaltigen Entwicklung zu leisten.


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EXPERTISE

So gelingt die Zukunft

Franz Kühmayer

Trendforscher am

Zukunftsinstitut

2050

ist das Jahr, in dem die Welt das

Ziel der Dekarbonisierung erreicht

haben will: kein Öl, kein Gas und

keine Kohle mehr – und dennoch

Wohlstand. Schon ein kurzer Blick

auf die Tragweite dieser künftigen

Transformation offenbart, wie tiefschürfend

der Wandel sein wird,

welche Branchen davon betroffen

sein werden und wie sehr sich

unser Alltag und unser Konsumverhalten

bis dahin verändert

haben werden. Und hier sprechen

wir erst von einer der großen

Transformationen, die uns bevorstehen

– wissentlich, dass parallel

dazu auch viele andere längst

nicht mehr nur in den Startlöchern

warten. Digitalisierung, Globalisierung,

Biotechnologie, Demografie

und weitere Fortschrittsthemen

haben enorme Fahrt aufgenommen

und münden in die ESG-Strategie.

Kann dieser vielschichtige

Wandel tatsächlich gelingen?

Noch dazu, so rasch, wie es

nötig ist?

In diesen Fragen steckt eine Kernproblematik

von Strategiearbeit:

Wir denken von den aktuellen

Problemen ausgehend, anstatt die

Zukunft als grundsätzlich offenen

Möglichkeitsraum zu sehen. Daher

unterliegen wir auch häufigen Planungsfehlern,

wie etwa dem Linearismus:

die Zukunft als Variante der

Gegenwart, sich bloß in Nuancen

unterscheidend. Absatzzahlen werden

über historische Wachstumsannahmen

in die Zukunft projiziert,

Budgetzahlen über Inflationsraten

nach vorne gerechnet und Kund:innenverhalten

wird über Produktversionen

extrapoliert. Was dabei

vollkommen ausgeblendet wird,

sind sprunghafte Veränderungen,

Disruptionen und Wandel, was

einer völlig anderen Dynamik

unterliegt.

Dabei zeigt uns der Alltag, dass

die Welt alles andere als linear

strukturiert ist. Nur knapp mehr

als die Hälfte aller Unternehmen in

Österreich werden älter als sieben

Jahre; die gegenwärtig gefragtesten

Berufe gab es vor zehn Jahren noch

nicht, und es ist fraglich, ob es sie

in zehn Jahren noch geben wird.

Von den zehn wertvollsten Unternehmen

im Jahr 1990 hat es nur ein

einziges in die Rangliste des Jahres

2021 geschafft.

Disruption ist nicht die Ausnahme,

sondern die Regel

Auf dem Prüfstand steht also nichts

Geringeres als die Zukunftsfähigkeit

von Unternehmen – oder

anders ausgedrückt: ihre Lernfähigkeit

im Umgang mit radikalem

Wandel. Für das Management geht

es um die Planung einer Zukunft,

die heute unvorstellbar erscheint;

für Aufsichtsratsmitglieder um

die Frage, wie man die Zukunft

kontrollieren kann.

FOTO: UNSPLASH


MEDIAPLANET | 11

FOTOS: FRANZ KÜHMAYER, ZUKUNFTSINSTITUT

Die ESG-Agenda kann dazu

wertvolle Orientierung stiften –

wenn sie ernsthaft verfolgt wird

Unter dem wachsenden Druck von

Stakeholdern und Regulator:innen

steigt zwar der Handlungsbedarf

bei heimischen Unternehmen –

aber gleichzeitig auch ihre Neigung

zur Symbolpolitik. Dann wird

eine Frauenquote genannt, ohne

tatsächlich Diversity als Unternehmensgrundsatz

zu leben; dann

passiert Greenwashing statt echter

Nachhaltigkeit; dann werden Feigenblattaktionen

gesetzt, um sich

nicht ernsthaft mit dem dringend

notwendigen Wandel auseinandersetzen

zu müssen.

Damit die Zukunft gelingt,

braucht es also einen Perspektivenwechsel.

Nur aus innerem Antrieb

entsteht dauerhaft echter Mehrwert.

2050 wird eine neue Welt

existieren und wir werden staunend

zurückblicken. Es wird uns

unglaublich erscheinen, wie wir

noch im Jahr 2022 gelebt und

gearbeitet haben. Wir werden aber

auch überrascht feststellen, was

uns in vergleichsweise kurzer Zeit

gelungen ist.

Dieser Rückblick voller Staunen

und konkreter Antworten muss das

Ziel von Strategiearbeit sein.

Vielleicht ist es daher sinnvoller,

anstelle von Prognosen auf

Regnosen zu setzen; nicht vom

problembehafteten Heute in ein

unmöglich erscheinendes Morgen

hochzurechnen, sondern unsere

Wahrnehmung und unsere Planung

von Anfang an am gelungenen

Morgen zu orientieren.


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INSIGHT

FOTO: SHUTTERSTOCK

Explodierende

Energiekosten

gefährden den Handel

Der Ukraine-Krieg hat eine humanitäre Krise ausgelöst.

Die Wirtschaftssanktionen treffen dabei nicht nur die

russische Wirtschaft, sie dämpfen auch den Welthandel.

Rainer Will

Geschäftsführer

Handelsverband

Österreich

FOTO: AIT/BÖSENDORFER

Krieg in Europa. Was

jahrzehntelang unvorstellbar

war, ist in der

Ukraine traurige Realität

geworden. Die EU hat mit harten

Wirtschaftssanktionen gegen

Russland reagiert. Diese treffen

allerdings nicht nur die russische

Wirtschaft, sie dämpfen auch den –

nach Corona gerade wieder in

Fahrt gekommenen – Welthandel.

Aktuell steigen die Rohöl- und Gaspreise

auf historische Höhen an;

Heizen und Tanken sind in Europa

so teuer wie selten zuvor.

Ukraine-Krise

befeuert Inflation

Laut Wifo wirkt der Krieg

massiv inflationstreibend und

wachstums abschwächend, wir

bewegen uns Richtung „Stagflation“.

Hinzu kommen etwa im

Handel Lieferengpässe bei Produktgruppen

wie Speiseöl, Reis,

Konserven und Mehl, immerhin

zählen Russland und die Ukraine

zu den weltgrößten Getreideproduzenten.

Auch die Liste mit

den Sekundärfolgen ist besorgniserregend.

Schon die Pandemie

hat gezeigt, wie fragil die globalen

Lieferketten sind. Steigende

Energiepreise und fehlendes

Logistikpersonal verstärken diese

Effekte und können unvorhersehbare

Kettenreaktionen auslösen.

Jeder Strompreisanstieg und jede

Treibstoffkostensteigerung führen

unweigerlich zu einer Erhöhung

der Betriebskosten. Das betrifft

alle Wirtschaftsbereiche, von der

Industrie über die Landwirtschaft

und den Handel bis hin zum

Tourismus.

Eine aktuelle Studie des Handelsverbandes

hat ergeben, dass

bereits 13 % aller Händler:innen

kriegsbedingte Lieferverzögerungen

verzeichnen, die Hälfe der

Betriebe erwartet in den kommenden

Wochen teils dramatische

Kostensteigerungen. Nur ein Drittel

der heimischen Unternehmen

sieht sich gegen die steigenden

Kosten gerüstet, bei zu vielen geht

der Kostenanstieg an die Substanz.

Handel fordert

Energiepreisbremse

Eines ist klar: Ohne Preiserhöhungen

werden die meisten Handelsbetriebe

2022 nicht überstehen.

Gleichzeitig frisst die Teuerung im

Bereich Strom, Gas und Treibstoffe

die Kaufkraft der Konsument:innen,

d. h. die gesamte Branche

wird doppelt getroffen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt

Krisenresilienz eine völlig neue

Bedeutung. Österreich muss

seine Abhängigkeit von Öl und

Gas reduzieren, den Selbstversorgungsgrad

etwa bei Lebensmitteln

weiter steigern und Produktionskapazitäten

zurück ins Land

holen. Auch die Bundesregierung

ist jetzt gefordert. Wir brauchen

ein transparentes, bundesweites

Energie-Monitoring. Es reicht

nicht, nur die energieintensiven

Industriebetriebe zu entlasten.

Der Handel hat ebenfalls hohe

Energiekosten und muss daher

analog zu den Produktionsbetrieben

zumindest einen Teil der

bezahlten Energieabgaben vom

Finanzamt zurückbekommen.

„Financial Long Covid“ muss

durch zusätzliche eigenkapitalstärkende

Maßnahmen bekämpft

werden. Langfristig brauchen wir

einen New Deal zur Ankurbelung

der Kaufkraft der Bevölkerung und

zur Entlastung der Wirtschaft.

Hierzu zählen die Abschaffung der

kalten Progression, eine substanzielle

Senkung der Lohnnebenkosten

sowie strukturelle

Einsparungen im staatlichen und

staatsnahen Bereich als Gegenfinanzierung.

Mehr Informationen

unter

handelsverband.at

Handelsverband

Task-Force „DER

HANDEL HILFT“

handelsverband.at/

ukraine

Über die Zukunft

der Arbeit und der

Wirtschaft wird

auch am 21. April

beim HANDELS-

KOLLOQUIUM in

Wien diskutiert.

Mehr auf

handels

kolloquium.at


MEDIAPLANET | 13

Entgeltliche Einschaltung

Familienfreundlichkeit –

weil es sich lohnt!

Das Netzwerk „Unternehmen für Familien“ setzt sich für

ein familienfreundlicheres Österreich ein. Mit offenem

Austausch leistet es einen aktiven Beitrag zum Thema

Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Spätestens seit der Corona-

Pandemie und dem damit

entstandenen hybriden

Arbeitsalltag hat die

Frage nach der Vereinbarkeit von

Familie und Beruf einen neuen

Stellenwert erhalten. Homeoffice,

Homeschooling, mobiles Arbeiten

und flexible Lebensumgebungen

stellten Beschäftigte in gleichem

Maß vor neue Herausforderungen

wie Unternehmen. Das Netzwerk

„Unternehmen für Familien“

nimmt sich unter anderem dieser

Themen an und bietet die Möglichkeit,

offen in einen Austausch über

die Vereinbarkeit von Familie und

Beruf sowie die Auswirkungen des

hybriden Arbeitens zu treten.

Geht’s a bissl familienfreundlicher? Na klar!

Neue Ideen und Angebote für

Österreich

Ins Leben gerufen wurde das Netzwerk

„Unternehmen für Familien“

im Jahr 2015, um die Vereinbarkeit

von Familie und Beruf zu verbessern

und darüber hinaus Familienfreundlichkeit

als Markenzeichen

Österreichs zu etablieren. Dabei

vernetzt „Unternehmen für Familien“

sowohl Unternehmen als

auch Institutionen und Gemeinden

in ihren Bestrebungen, sich

für mehr Familienfreundlichkeit

einzusetzen. Die Initiative

engagiert sich zudem für mehr

Bewusstsein dafür, dass Familienfreundlichkeit

ein zentraler Standort-

und Wettbewerbsfaktor sowie

Neu im Netzwerk „Unternehmen für Familien“ ist seit 2021 der Podcast

„Geht’s a bissl familienfreundlicher?“. Elisabeth Wenzl, Geschäftsführerin

der Familie & Beruf Management GmbH, diskutiert darin aktuelle Themen

und Fragestellungen mit Expertinnen und Experten. Im Fokus steht

neben der Vereinbarkeit auch die Gestaltung eines familienfreundlichen

Lebensumfelds. Die Gespräche bieten die

Gelegenheit, wichtige Einblicke und aktuelle Ideen

kennenzulernen und weiterzutragen. „Geht’s a bissl

familienfreundlicher?“ ist jetzt auf Spotify und Apple

Podcast verfügbar.

Weiterführende Informationen finden Sie unter

www.unternehmen-fuer-familien.at

FOTOS: ZVG

gleichzeitig eine gesellschaftliche

Aufgabe ist. Partner des Netzwerks

erhalten kostenlosen Zugang zu

Events, Vernetzungstreffen, Workshops

und Informationsveranstaltungen,

bei denen sie mit anderen

Partnern sowie Expertinnen und

Experten aus Wissenschaft und

Praxis ins Gespräch kommen und

so gemeinsam neue Ideen für ein

familienfreundlicheres Österreich

generieren können. Insgesamt

sind bereits über 700 Partner Teil

des Netzwerks „Unternehmen für

Familien“.

Die Palette an Maßnahmen zum

Thema Vereinbarkeit ist bunt. In

den unterschiedlichsten Bereichen

von Unternehmen und Gemeinden

sollten Angebote so gesetzt

werden, dass sie dem jeweiligen

Bedarf entsprechen und auch

wirklich genutzt werden. Das

Netzwerk bietet daher die

Möglichkeit, sich von Erfahrungsberichten

und Best-Practice-Beispielen

von zertifiziert

familienfreundlichen Unternehmen

und Gemeinden inspirieren

zu lassen. Dieser Austausch und

diese Anregungen sind essenziell,

um aufgrund des pandemiebedingten

verstärkten Strukturwandels

und neuer, flexiblerer

Arbeitsumgebungen auch in

Zukunft die Vereinbarkeit von

Beruf und Familie weiter zum

Positiven verändern zu können.


14 | Lesen Sie mehr unter unternehmensratgeber.info

INSIGHT

FOTO: NATHAN ANDERSON VIA UNSPLASH

So gelingt Inklusion ...

Text

Redaktion

Arbeit und gerechte Entlohnung

sind ein Menschenrecht.

Nach Artikel 27 der UN-Konvention

haben Menschen mit

Behinderungen dasselbe Recht

auf Arbeit wie alle anderen auch.

Dies beinhaltet auch das Recht,

sich selbst den Lebensunterhalt

zu verdienen. Daher fordert die

Lebenshilfe eine gerechte Entlohnung

für Menschen mit intellektuellen

Behinderungen in den

Werkstätten und volle Einbindung

in die gesetzliche Kranken- und

Pensionsversicherung.

Inklusive Arbeit auf zwei Säulen

Menschen mit Behinderungen werden

am österreichischen Arbeitsmarkt

stark benachteiligt. Während

es einige wenige Vorzeigebetriebe

gibt, die diesen Menschen Chancengleichheit

bieten und ebenso davon

profitieren, sieht das Gesetz für

Menschen mit Behinderungen, die

in Behindertenwerkstätten arbeiten,

lediglich ein Taschengeld vor.

Um dies zu ändern, wird von der

Lebenshilfe ein „2-Säulen-Modell“

vorgeschlagen, das nicht nur die

Existenzen der Betroffenen sichern

soll, sondern ihnen auch ein selbstbestimmtes

Leben ermöglicht.

Gehalt statt Taschengeld

Menschen mit intellektuellen

Behinderungen fordern seit vielen

Jahren „Gehalt statt Taschengeld“.

Sie wollen als Erwachsene

und gleichwertige Personen am

Arbeitsmarkt teilhaben. Besonders

oft sind sie in Werkstätten

beschäftigt und können dort nur

ein Taschengeld statt tatsächlichem

Gehalt erwirtschaften.

Sie sind somit de facto als eigene

Person weder sozial-, krankennoch

pensionsversichert.


MEDIAPLANET | 15

... mithilfe des 2-Säulen-Modells:

Das 2-Säulen-Modell schafft Grundlagen, wie Menschen mit Behinderungen durch den

Zugang zu einem inklusiven und durchlässigen Arbeitsmarkt Chancengleichheit erfahren.

Säule 1

„Existenzsicherung“

Für ein gutes Leben brauchen

Menschen mit Behinderungen

Geld zur Existenzsicherung, um

beispielsweise Wohnkosten, Essen

oder Kleidung abzudecken. Dieses

Geld soll als Lohn für die eigene

Arbeit in einem Betrieb selbst verdient

werden. Sollte dies gar nicht

möglich sein, sollen die Betroffenen

mit einer Grundsicherung

abgesichert sein. In beiden Fällen

können sie jedoch selbst bestimmen,

wofür sie ihr Geld ausgeben.

Säule 2

„Bedarfssicherung“

Um am gesellschaftlichen Leben

gleichberechtigt, gleichwertig

und aktiv teilnehmen zu können,

brauchen Menschen aufgrund

ihrer Behinderungen zusätzliche

Unterstützung. Mithilfe von

Pflege geld, persönlichem Budget

oder Förderungen sollen Menschen

mit Behinderungen Assistenz

und Begleitung, Hilfsmittel

und Pflegeleistungen in Anspruch

nehmen können.

Von inklusivem Personalmanagement

profitieren

Dass von inklusivem Personalmanagement

nicht nur die

Bewerber:innen selbst profitieren,

sondern auch die Unternehmen,

zeigen unzählige Erfahrungsberichte

von Partnern der Lebenshilfe.

Wichtig ist allerdings, für

die Anstellung von Menschen

mit Behinderungen Anreize wie

einen Lohnkostenzuschuss entsprechend

dem Unterstützungsbedarf

zu schaffen, um Ängste der

Unternehmer:innen abzubauen.

Im Nachhinein stellten sich diese

Ängste bislang immer als

unbegründet heraus. Es lernen

alle in der Zusammenarbeit und

im Umgang mit Menschen mit

Behinderungen, und außerdem

tragen diese auch ihren Mehrwert

zur Unternehmenskultur bei.

FOTO: ZVG


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September 2022.

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FOTO: UNSPLASH

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