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Atlas der Brutvögel Tirols | Verbreitung, Häufigkeit, Lebensräume

Der Atlas der Brutvögel Tirols gibt auf Basis umfassender und systematischer Erhebungen (2010–2018) einen Überblick über die Verbreitung, Häufigkeit und Bestandsgröße der in Tirol vorkommenden Brutvogelarten und deren Lebensräume. Es handelt sich um den ersten Brutvogelatlas für Tirol, der durch die Lage im Herz der Alpen wertvolle Grundlagen für Gebirgsvogelarten liefert. In diesem Buch werden insgesamt 180 Vogelarten dargestellt, wobei 140 davon als Brutvogelarten und 26 als mögliche oder unregelmäßige Brutvogelarten zu bewerten waren. Daneben sind auch in Tirol anzutreffende, faunenfremde Vögel sowie Arten beschrieben, die nicht mehr in Tirol brüten, aber in früheren Jahren als Brutvögel galten. Als Ergebnis der landesweiten Erfassung konnte auch erstmals die Anzahl der Brutpaare für Tirol geschätzt werden – für die gesamte Landesfläche wird ein Brutvogelbestand zwischen 2,4 und 2,9 Millionen Brutpaaren angenommen. Buchfink gefolgt von Tannenmeise und Rotkehlchen sind die häufigsten Brutvogelarten. Die Analysen zeigen auch die hohe Bedeutung der Gebirgslagen und Bergwälder Tirols für die österreichische Brutvogelfauna, ähnliches gilt im Alpen und EU-Vergleich. Der Atlas bietet eine solide Datengrundlage für Verfahren, Planungen und für die praktische Naturschutzarbeit. Zu hoffen ist, dass diese neuen Erkenntnisse als Auftrag an alle verstanden werden, diese wunderbare Tiergruppe und ihre Lebensräume für zukünftige Generationen nachhaltig zu bewahren.

Der Atlas der Brutvögel Tirols gibt auf Basis umfassender und systematischer Erhebungen (2010–2018) einen Überblick über die Verbreitung, Häufigkeit und Bestandsgröße der in Tirol vorkommenden Brutvogelarten und deren Lebensräume. Es handelt sich um den ersten Brutvogelatlas für Tirol, der durch die Lage im Herz der Alpen wertvolle Grundlagen für Gebirgsvogelarten liefert. In diesem Buch werden insgesamt 180 Vogelarten dargestellt, wobei 140 davon als Brutvogelarten und 26 als mögliche oder unregelmäßige Brutvogelarten zu bewerten waren. Daneben sind auch in Tirol anzutreffende, faunenfremde Vögel sowie Arten beschrieben, die nicht mehr in Tirol brüten, aber in früheren Jahren als Brutvögel galten. Als Ergebnis der landesweiten Erfassung konnte auch erstmals die Anzahl der Brutpaare für Tirol geschätzt werden – für die gesamte Landesfläche wird ein Brutvogelbestand zwischen 2,4 und 2,9 Millionen Brutpaaren angenommen. Buchfink gefolgt von Tannenmeise und Rotkehlchen sind die häufigsten Brutvogelarten. Die Analysen zeigen auch die hohe Bedeutung der Gebirgslagen und Bergwälder Tirols für die österreichische Brutvogelfauna, ähnliches gilt im Alpen und EU-Vergleich. Der Atlas bietet eine solide Datengrundlage für Verfahren, Planungen und für die praktische Naturschutzarbeit. Zu hoffen ist, dass diese neuen Erkenntnisse als Auftrag an alle verstanden werden, diese wunderbare Tiergruppe und ihre Lebensräume für zukünftige
Generationen nachhaltig zu bewahren.

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Reinhard Lentner

Florian Lehne

Andreas Danzl

Barbara Eberhard

ATLAS DER

brutvögel

TIROLS

Verbreitung

Häufigkeit

Lebensräume


Alle Rechte vorbehalten

© 2022

Berenkamp Buch- und Kunstverlag

Wattens

www.berenkamp-verlag.at

ISBN 978-3-85093-419-0

Erstellt und herausgegeben mit freundlicher Unterstützung

des Landes Tirol, Abteilung Umweltschutz

Bildnachweis Umschlag: Steinhuhn (Alectoris graeca),

Pitztal, 22.03.2014 (Foto: Elmar Mayr, Imst).

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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ATLAS DER

brutvögel

TIROLS

Verbreitung, Häufigkeit, Lebensräume

Reinhard Lentner | Florian Lehne | Andreas Danzl | Barbara Eberhard

mit Beiträgen von

Georg H. Niedrist | Stephanie Vallant

Alois Masoner | Felix Lassacher

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Waldohreule (Asio otus) Foto: Florian Lehne


VORWORT

Sehr geehrte Leserin! Sehr geehrter Leser!

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts singen Generationen

von Kindern „Alle Vögel sind schon da …!“ Genau

dieser Frage – welche Vögel in Tirol vorkommen

und dort noch „singen, musizieren, pfeifen, zwitschern

und tirilieren“ – geht der Atlas der Tiroler Brutvögel

nach. Durch die systematisch und methodisch einheitlich

durchgeführten Erhebungen gibt es nun erstmals

eine umfangreiche Datengrundlage über das Brutvogelvorkommen

für die gesamte Landesfläche Tirols.

In eigenen Kapiteln werden 180 verschiedene Vogelarten

ausführlich behandelt und über deren Vorkommen

in Tirol, die geschätzte Bestandsgröße sowie Flächen-

und Höhenverbreitung textlich wie auch grafisch

informiert. Dabei wird einmal mehr die Bedeutung

der Tiroler Gebirgslagen, Bergwälder und noch vorhandenen

Auwälder als wesentliche Lebensräume für

Alpenschneehuhn, Mauerläufer, Flussuferläufer & Co.

augenscheinlich. Für den Erhebungszeitraum von 2010

bis 2018 wurde ein jährlicher Brutvogelbestand von

2,4 bis 2,9 Millionen Brutpaaren, Revieren oder Hähnen

ermittelt. Neben bekannten Brutvögeln wie Buchfink,

Rotkehlchen oder Amsel wurden auch neue Mitglieder

wie Graugans, Mornellregenpfeifer, Schafstelze

und Rotmilan oder längst als verschollen eingestufte

Arten wie Bartgeier und Schwarzmilan neu oder wieder

in die Tiroler Vogelschar aufgenommen. Analysen

zeigen, welch hohe Bedeutung Tirol vor allem in Bezug

auf Gebirgsvogelarten für Österreich, die Alpen und

für die gesamte Europäische Union besitzt. Stellvertretend

sei das Alpenschneehuhn erwähnt: Etwa 10 %

der europäischen Vorkommen liegen in Tirol.

Mit dem neuen Brutvogelatlas liegt nun eine deutlich

verbesserte Datenübersicht zu Vorkommen und Verbreitung

der in Tirol heimischen Brutvogelarten vor,

die eine solide Grundlage für naturschutzrelevante Planungen

auf Gemeinde- wie auch auf Landesebene, für

die praktische Naturschutzarbeit in Schutzgebieten, in

Naturschutzverfahren sowie bei der Planung und Durchführung

von land- und forstwirtschaftlichen bzw. jagdlichen

Maßnahmen bietet. Der Brutvogelatlas wird mit

seinen über 600 Seiten zu einem Standardwerk für den

Tiroler Naturschutz werden.

Geschätzte LeserInnen! Als Naturschutzlandesrätin darf

ich mich bei den MitarbeiterInnen des Tiroler Brutvogelatlas

und bei der Abteilung Umweltschutz im Amt

der Tiroler Landesregierung für die Erstellung dieser

umfangreichen „Vogelkartei“ bedanken und wünsche Ihnen

beim Studium der Lektüre viel Vergnügen, auf dass

in Tirol noch viele weitere Generationen das Lied, „Alle

Vögel sind schon da!“ – nachzulesen im Tiroler Brutvogelatlas

– singen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Felipe

Naturschutzlandesrätin

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ATLAS DER BRUTVÖGEL TIROLS

ZUSAMMENFASSUNG

Der Atlas der Brutvögel Tirols bietet eine umfangreiche

und systematisch erfasste Datengrundlage über das Vorkommen

der Tiroler Brutvögel, die in den Jahren 2010

bis 2018 gewonnen wurde. Somit stehen diese Informationen

erstmals für die gesamte Landesfläche Tirols zur

Verfügung. Im Atlas finden sich Angaben zu Verbreitung,

Häufigkeit und Bestandsgröße der Brutvogelarten

sowie eine Beschreibung der Vogellebensräume in Tirol.

Wie schon beim ersten Österreichischen Brutvogelatlas

in den 1980er-Jahren war auch beim Start für dessen

Neuauflage im Jahr 2013 durch BirdLife Österreich

zu erwarten, dass weite Teile Tirols – insbesondere die

Gebirgsregionen – erneut nicht vollständig durch ehrenamtliches

Kartierpersonal bearbeitet werden können.

Daher wurde unter Federführung des Amts der Tiroler

Landesregierung, Abteilung Umweltschutz, im Rahmen

einer Kooperation mit BirdLife Österreich eine umfassende

Erhebung der Brutvögel in Tirol geplant und

schließlich auch umgesetzt.

In den Jahren 2014 bis 2017 fanden intensive Felderhebungen

für den Tiroler Brutvogelatlas statt. Dazu wurden

auf Basis des österreichweiten 10-x-10 km-Atlasquadrantennetzes

176 vollständig oder teilweise in Tirol

liegende Atlasquadranten hinsichtlich der dort vorkommenden

Brutvogelarten bearbeitet. Für den innerhalb

von Tirol liegenden Teil der Atlasquadranten wurden

in jeweils bis zu 25 systematisch verteilten Sextanten

(ca. 600 x 600 m) methodisch einheitliche Erhebungen

durchgeführt. Die Siedlungsdichte wurde zusätzlich in

speziellen „T-Rastern“ mit einer Flächengröße von jeweils

ca. 350 ha erfasst. Die Untersuchung von Vorkommen

und Dichte der Brutvögel erfolgte mithilfe von beauftragtem,

qualifiziertem Kartierpersonal. Dies schloss

in ausgewählten Landesteilen auch zusätzliche Erhebungen

der Nachtvogelarten mit ein. Zum Vorkommen

der speziell zu erfassenden Raufußhuhnarten Auerhuhn

und Birkhuhn wurde auf die seit 2011 in vier Referenzgebieten

durchgeführten Untersuchungen des Landes

Tirol und die landesweiten Balzplatzzählungen durch

die Tiroler Jägerschaft zurückgegriffen. Zusätzlich wurden

die Ergebnisse der ornithologischen Erhebungen im

Karwendel (2010–2012) und im Ötztal (2013–2014), die

auch als Vorarbeiten zur Etablierung der im Rahmen des

Tiroler Brutvogelatlas angewandten Methodik dienten,

sowie jene Daten, die im Zuge der Kooperation mit Bird-

Life Österreich für die Erhebungen zum neuen Österreichischen

Brutvogelatlas (2013–2018) gesammelt wurden,

miteinbezogen und analysiert. Von Art zu Art gebot die

Datenlage verschiedene Herangehensweisen zur Ermittlung

der Dichteverteilung, Vorkommenswahrscheinlichkeit

und Bestandsgröße, um eine bestmögliche Genauigkeit

der Ergebnisse zu erreichen.

Im Tiroler Brutvogelatlas werden 180 Vogelarten in einem

eigenen Kapitel behandelt.

Neben dem Status jeder Art, ihrem europäischen

Schutzstatus, der geschätzten Bestandsgröße und der

Höhenverbreitung zeigt eine Karte die geografische Verbreitung

im Bundesland. Außerdem werden die Tiroler

Vorkommen sowie die besiedelten Lebensräume und

Höhenlagen detailliert beschrieben. Des Weiteren wird

die Häufigkeit jeder Art in Form einer Bestandschätzung

und der erhobenen Siedlungsdichten dargelegt. All diese

Informationen werden in Relation zu den umliegenden

Regionen, insbesondere im Vergleich zu Gesamt-Österreich

und zur Schweiz, gesetzt. Bei den meisten Arten

ermöglichen zusätzliche Karten eine detailliertere Abbildung

des Vorkommens und der Häufigkeit in Tirol.

Ein Höhendiagramm zeigt darüber hinaus das Auftreten

in den verschiedenen Höhenlagen. Jenen Arten, die derzeit

nicht bzw. nur möglicherweise oder unregelmäßig in

Tirol brüten, wurden verkürzte Kapitel gewidmet. Zuletzt

gibt es noch eine kurze englische Zusammenfassung

der wichtigsten Informationen zur jeweiligen Art.

Auf Basis der Datenanalysen der Kartierungsjahre 2010

bis 2018 ergeben sich 166 bestätigte oder mögliche Brutvogelarten

in Tirol. Davon sind 140 als Brutvogelarten

und 26 als mögliche beziehungsweise unregelmäßige

Brutvogelarten einzustufen; zu Letzteren zählen auch

acht in Tirol anzutreffende, faunenfremde Arten. Zusätzlich

werden auch 13 Arten behandelt, die nicht mehr

in Tirol brüten, aber in früheren Jahren als Brutvögel gewertet

wurden.

Die Bestandschätzungen 2010 bis 2018 für Tirol erbrachten

einen Brutvogelbestand zwischen 2,4 und 2,9 Millionen

Revieren bzw. Brutpaaren oder Hähnen. Buchfink,

Tannenmeise, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig,

Amsel, Zilpzalp, Wintergoldhähnchen, Heckenbraunelle

und Singdrossel sind die zehn häufigsten Brutvögel

in Tirol und machen zusammen knapp 70 % der

Brutvogelpaare aus. Allein der Buchfink stellt einen An-

12


teil von ca. 13 % aller in Tirol vorkommenden Vogelpaare.

Der höchste Vogelnachweis betraf eine Alpendohle, die

im Gipfelbereich der Wildspitze auf 3760 m Seehöhe angetroffen

wurde; ähnlich hoch wurden auch Turmfalke

und Schneesperling noch nachgewiesen. Das höchstgelegene

Nest gehörte einer Alpenbraunelle und wurde auf

3080 m gefunden.

Als neue Brutvögel im Vergleich zu den Jahren 1989 bis

1999 wurden Graugans, Rotmilan, Mornellregenpfeifer

und Schafstelze nachgewiesen. Die Beutelmeise war

während der Atlasperiode zwar anwesend, eine erneute

Brut – die letzte war 2003 entdeckt worden – konnte

nicht festgestellt werden. Möglicherweise sind nun auch

Tafelente, Schellente, Schwarzstorch, Mittelmeermöwe,

Habichtskauz, Grünlaubsänger, Zitronenstelze und

Kappenammer neue Brutvögel in Tirol. Für diese Arten

steht ein konkreter Brutnachweis noch aus. Erfreulich

ist, dass Arten die 1989 bis 1999 als verschwunden/verschollen

eingestuften wurden, wie Schilfrohrsänger und

Drosselrohrsänger, wieder in Tirol nachgewiesen werden

konnten und eventuell auch dort brüten. Leider musste

auch das Verschwinden von bisher in Tirol angesiedelten

Arten festgestellt werden; dazu zählen Bekassine, Heidelerche

und Ortolan. Mit dem Ausbleiben des Ortolans

seit 2016 ist auch das bislang letzte Brutvorkommen in

Österreich erloschen. Zumindest für die Bekassine besteht

aufgrund von Beobachtungen singender Exemplare

nach Abschluss der Atlasperiode Hoffnung.

Die diesem Atlas zugrunde liegenden Analysen zeigten

auch die Bedeutung der Gebirgslagen und Bergwälder

Tirols für die österreichische Brutvogelfauna auf. Ca.

60 % der Tiroler Brutvogelbestände befinden sich in

den Bergwäldern. Bedeutende Anteile der österreichischen

Brutbestände von Alpenschneehuhn, Birkhuhn,

Mornellregenpfeifer, Felsenschwalbe, Mauerläufer, Alpendohle,

Bergpieper, Baumpieper, Trauerschnäpper,

Hausrotschwanz, Berglaubsänger, Schneesperling, Birkenzeisig

und Zitronenzeisig liegen in Tirol. Auch der

Flussuferläufer, ein Brutvogel naturnaher Flussabschnitte,

und die Bestände des Braunkehlchens, vor allem jene

der höher gelegenen, extensiven Bergmähwiesen, die

mehr als ein Drittel des Österreichbestands ausmachen,

sind hier zu nennen. Die Bedeutung der Niederungen

großer Täler und Becken für gefährdete Tiroler Brutvogelarten

wurde ebenfalls augenscheinlich. In den noch

vorhandenen Auwaldresten und traditionellen Kulturlandschaften

befindet sich die höchste Artenvielfalt an

Brutvögeln in Tirol. Hinsichtlich der Vogeldichten sind

neben den Auwäldern die Bergwälder und dort vor allem

edellaubholzreiche Laub- und Laubmischwälder sowie

Buchen-Tannenwälder von besonderer Bedeutung. Auch

die Bergnadelwälder der Fichten-Tannen- und Fichten-

Föhrenwälder sind ein Diversitäts-Hotspot der Brutvogelarten

in Tirol.

Ein grober Vergleich mit den Brutvogelbeständen der

Europäischen Union um die Jahrtausendwende zeigt

sich die Bedeutung der Tiroler Bestände der Gebirgsvogelarten.

Alpenbraunelle und Bergpieper erreichen einen

Anteil von mehr als einem Fünftel des EU-Bestands.

Schneesperling, Alpenschneehuhn und Ringdrossel folgen

mit Anteilen von ca. zehn Prozent. Setzt man die

Brutvogelbestände Tirols mit jenen der Alpenländer in

Beziehung, zeigt sich die herausragende Bedeutung der

Vorkommen von Mornellregenpfeifer, Alpenbraunelle

und Birkhuhn. Auch bei Alpenschneehuhn, Schneesperling

und Bergpieper sowie in etwas geringerem Ausmaß

bei Auerhuhn, Sperlingskauz und Tannenhäher finden

sich in den Tiroler Hochgebirgen und Bergwäldern überproportionale

Anteile an den Brutvogelbeständen der

Alpen.

Durch die systematischen und umfassenden Erhebungen

und unter Einbeziehung der Ergebnisse unterschiedlicher

im Atlaszeitraum durchgeführter Grundlagen- und

Monitoringerhebungen konnte eine deutlich verbesserte

Datenlage zu Vorkommen und Verbreitung der in Tirol

heimischen Brutvogelarten erreicht werden. Damit wurde

eine solide Datengrundlage für naturschutzrelevante

Planungen, sowohl auf Landes- wie auch Gemeindeebene,

geschaffen. Für die praktische Naturschutzarbeit in

Schutzgebieten, bei Naturschutzverfahren sowie bei der

Planung und Durchführung von land- und forstwirtschaftlichen

sowie jagdlichen Maßnahmen liegen nun

solide Fakten vor. Wir haben den Atlas in der Hoffnung

erstellt, dass diese Erkenntnisse nicht nur genutzt und

angewendet, sondern auch als Auftrag an uns alle verstanden

werden, diese wunderbare Tiergruppe und ihre

Lebensräume für die zukünftigen Generationen nachhaltig

zu bewahren.

Das Atlasteam

13


16

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) Foto: Otto Samwald


1. EINFÜHRUNG, MATERIAL UND METHODEN

1.1 Der Tiroler Brutvogelatlas – von

der Projektidee zur Umsetzung

1.1.1 Ausgangslage

Die Brutvogelfauna Tirols war im Vergleich

zu angrenzenden Regionen Österreichs, der

Schweiz, Italiens und Deutschlands wenig untersucht.

Mit den Arbeiten von Dalla Torre und Anzinger

aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

57 und dem Tiroler Vogelbuch von Walde

und Neugebauer 285 aus dem beginnenden 20. Jahrhundert

standen uns die ersten umfassenden historischen

Beschreibungen der Tiroler Vogelwelt

zur Verfügung. Die Veröffentlichung einer Artenliste

und Statusübersicht der Vögel Tirols im Jahr

1996 stellte eine weitere wichtige Grundlage über

die in Tirol nachgewiesenen Vogelarten und deren

Status dar. AST Nach wie vor fehlte jedoch eine systematische

Beschreibung von Verbreitung und Bestandsgröße

der einzelnen Brutvögel. Die Herausgabe

der Publikation „Die Brutvögel Tirols“ im Jahr

2001 war ein erster Schritt, die vorhandene Lücke

zumindest für Arten mit einem angenommenen

sowie erwarteten Aussterberisiko etwas zu füllen.

In Form einer Roten Liste wurde das vorhandene

Wissen über Bestand, Bestandsentwicklung, Verbreitung,

Gefährdung und Schutzmaßnahmen für

die 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts verbal zusammengefasst.

RLT Eine systematische landesweite

Erhebung in Atlasform fehlte jedoch weiterhin.

Auch der Österreichische Brutvogelatlas, der Erhebungen

aus den Jahren 1981 bis 1985 umfasste,

konnte diese Lücke nicht füllen. Er wies in Tirol

selbst bei häufigen und leicht zu erfassenden Vogelarten

erhebliche Datenmängel auf und gab kein

realistisches Verbreitungsbild der Brutvogelarten

Tirols wieder. ABÖ Auch bei der Vorbereitung für

den österreichischen Bericht an die Europäische

Kommission nach Artikel 12 der EU-Vogelschutzrichtlinie

im Jahr 2007 wurden diese erheblichen

Datendefizite, vor allem in Bezug auf die in Tirol

vorkommenden Gebirgsvogelarten, nochmals besonders

augenscheinlich und konnten auch zur

Fertigstellung des Berichts im Jahr 2013 nicht behoben

werden. ÖBI

1.1.2 Die ersten Planungsschritte

Im Jahr 2007 wurde durch den Erstautor mit der

Planung für einen Tiroler Brutvogelatlas begonnen.

Der hohe Gebirgsanteil, die teilweise schwierige

und mit Gefahren verbundene Zugänglichkeit

in der für Brutvogelkartierungen sehr wichtigen

frühen Brutperiode sowie eine im österreichischen

Vergleich geringe Anzahl an geländeerfahrenen

Ornithologinnen und Ornithologen erforderten

umfassende Überlegungen und Diskussionen über

Anforderungen an systematische Kartierungen

von Brutvögeln in Gebirgslagen auf großer Fläche

und mögliche Wege zu einem Tiroler Brutvogelatlas.

Ein ausführlicher fachlicher Austausch mit

BirdLife Österreich, der Vogelwarte Sempach,

der Vogelwarte Radolfzell und den Garmischer

Kolleginnen und Kollegen des Landesamts für

Umwelt waren Teil der frühen Planungsphase.

Diese Diskussionsergebnisse flossen in ein erstes

Methodenkonzept ein. Festgehalten wurde darin

vor allem die Frage der geeigneten Flächengröße

der Atlasquadranten (25 km² oder 100 km²),

weiters ob 1 km² eine ausreichend große Fläche

für die Erhebung von Brutpaardichten darstellt

sowie die Anzahl der notwendigen Kartierungsdurchgänge

(zwei oder drei). Darauf aufbauend

war der damit verbundene Kartierungsumfang

abzuschätzen. Eine Überprüfung dieser Fragestellungen

erfolgte in zwei großen Landschaftsausschnitten

der Nördlichen Kalkalpen und des

Alpenhauptkamms zwischen 2010 und 2014. Im

Zuge der ornithologischen Grundlagenerhebungen

in den EU-Vogelschutzgebieten Karwendel

und Ötztal (im Ötztal wurde das Untersuchungsgebiet

auf das gesamte Tal ausgedehnt) konnten

2010 bis 2012 im Karwendel und 2013 bis 2014

17


im Ötztal neben anderen Fragenstellungen auch

unterschiedliche Herangehensweisen für die systematische

Kartierung des gesamten Bundeslandes

Tirol getestet werden. 93, 198 Im Zuge dieser Erhebungen

stellte sich heraus, dass Kartierungen auf

Basis einer Rasterflächengröße von 25 km² innerhalb

einer geplanten vierjährigen Kartierungszeit

– unter anderem wegen ungenügend verfügbarem

Kartierpersonal – nicht machbar sind. Auch

zeigte sich, dass die Rastergröße von einem Quadratkilometer

vor allem für Arten mit größeren

Raumansprüchen wie Spechte wenig geeignet ist.

All diese Ergebnisse, Erfahrungen und insbesondere

die finanziellen Kosten für die beauftragen

Felderhebungen in der Testphase wurden in der

Konzeption des Brutvogelatlas Tirol am 24. Februar

2014 zusammengefasst. 167 Dieses Konzept war

die Basis für den Start der Pilotphase im Jahr 2014.

Sehr schnell wurde bei der Konzepterstellung

klar, dass eine systematische, möglichst vollständige

und in vier Brutperioden machbare Kartierung

des gesamten Bundeslandes, einschließlich der

schwer zugänglichen Gebirgslagen und der Erhebung

nachtaktiver Arten, nur mit professionellem

und auf Vertragsbasis arbeitendem Kartierpersonal

zuzüglich einer unterstützenden Projektkoordination

realisierbar ist. Des Weiteren waren die

Bereitschaft des Landes Tirols, einen Atlas samt

damit verbundener Projektleitung und fachlicher

Verantwortung erstellen zu lassen, sowie die Finanzierung

durch Naturschutzgelder des Landes

Tirol als auch der Europäischen Union und ferner

eine Kooperation mit BirdLife Österreich Voraussetzungen

für die Realisierung.

Bei der Frage des Kartierpersonals kam dem Erstautor

seine lange Lehrtätigkeit und Möglichkeit

der Betreuung von Abschlussarbeiten an der Leopold-Franzens-Universität

Innsbruck zugute. Dadurch

konnte eine größere Zahl von ZoologInnen

und ÖkologInnen im Bereich der Feldornithologie

ausgebildet werden. Erst durch diese Personalressource

und die Bereitschaft zur Mitarbeit waren

die Kartierungen für den Tiroler Brutvogelatlas

im erforderlichen Umfang und in ausreichender

Qualität möglich.

1.1.3 Zielsetzung und Projektidee

Nach längerer Diskussionsphase und methodischen

Überlegungen über einen neuen Österreichischen

Brutvogelatlas wurde 2013 von

BirdLife Österreich mit den österreichweiten

Erhebungen begonnen. Nach Auskunft der Projektverantwortlichen

waren Ende 2013 nur 20 %

der Tiroler Atlasquadranten zur Bearbeitung vergeben;

auch im Folgejahr wurde nur mit einem

geringen Zuwachs gerechnet. Daher lag die Vermutung

nahe, dass es auch bei der Erstellung eines

neuen Österreichischen Brutvogelatlas für weite

Teile Tirols zu keiner vollständigen Erfassung der

Brutvogelfauna und folglich auch zu keiner maßgeblichen

Verbesserung der Datenlage kommen

würde. Vor allem aufgrund des hohen Anteils an

schwer zugänglichen und damit aufwendig zu bearbeitenden

Berggebieten war abzusehen, dass

keine ausreichenden Informationen über die regionalen

Brutvorkommen der verschiedenen Vogelarten

Tirols gesammelt werden würden.

Dies führte zum Entschluss, einen eigenen Tiroler

Brutvogelatlas unter Federführung des Landes Tirol

(Abteilung Umweltschutz) in Kooperation mit

BirdLife Österreich zu erstellen. Wesentliche Zielsetzung

war, durch systematische und flächendeckende

Erhebungen aller Landesteile und Höhenstufen

Tirols sowohl die bestehenden Datenlücken

zu füllen, als auch Datengrundlagen über Verbreitung,

Vorkommenswahrscheinlichkeit und Dichte

der einzelnen Arten auf Kartenebene zu erstellen.

Darüber hinaus sollten Bestandschätzungen als

Basis für Naturschutzmaßnahmen, Planungen und

Begutachtungen erarbeitet werden. Für alle erhobenen

Daten war eine Integration in den Österreichischen

Brutvogelatlas vorgesehen. Die Aufnahmemethodik

wurde für die Ermittlung von

Dichtewerten der Brutvögel um eine vereinfachte

Revierkartierung (zwei Kartierungsdurchgänge

während einer Brutperiode) erweitert. Außerdem

sollten in ausgewählten Landesteilen systematische

Erhebungen speziell für Nachtvogelarten

durchgeführt werden. Um breite Zugänglichkeit,

Transparenz und rasche Verwendung der Ergebnisse

in der Naturschutzarbeit zu ermöglichen,

wurden die Daten in jährlichen Ergebnisberichten

auf dem Portal des Landes Tirol, Abt. Umweltschutz,

zur Verfügung gestellt. Der Tiroler Brutvogelatlas

wird von der Abteilung Umweltschutz

des Amtes der Tiroler Landesregierung erstellt

und herausgegeben. Die Projektleitung und fachliche

Verantwortung für diesen Atlas liegen beim

Land Tirol.

Die angewandte Methodik baut auf den Erhebungen

für den neuen Österreichischen Brutvogelatlas

43 auf und war für die Erfassung von Vogel-

18


dichten und unterschiedlichen Artengruppen,

beispielsweise Nachtvogelarten oder seltene und

schwer zu erfassende Arten, anzupassen, um eine

ausreichende Datenlage für sämtliche Brutvogelarten

zu erlangen. Weitere Details sind dem Kap.

1.5.2 „Erfassungsmethoden“ zu entnehmen.

Durch die vorgesehenen systematischen und umfassenden

Erhebungen und unter Einbeziehung

der Ergebnisse unterschiedlicher, im Atlaszeitraum

durchgeführter Grundlagen- und Monitoringerhebungen

sollte eine deutlich verbesserte

Datenlage zu Vorkommen und Verbreitung der in

Tirol heimischen Brutvogelarten erreicht werden.

Durch die Bereitstellung dieser Daten sollen diese

wunderbare Tiergruppe und ihre Lebensräume

auch für zukünftige Generationen nachhaltig erhalten

werden.

1.1.4 Kooperation Land Tirol mit BirdLife

Österreich – eine Win-win-Situation

Im Vorfeld der Konzepterstellung für einen Tiroler

Brutvogelatlas fanden mehrere Besprechungen

mit Vertretern von BirdLife Österreich und von

BirdLife Tirol statt. Schnell wurde klar, dass die

Tiroler Brutvogelfauna auch beim neuen Österreichischen

Brutvogelatlas nicht ausreichend erfasst

werden dürfte. Aus diesem Grund wurde eine Zusammenarbeit

zwischen dem Land Tirol (Abteilung

Umweltschutz) und BirdLife Österreich für

den Österreichischen Brutvogelatlas und die Erstellung

eines eigenen Tiroler Brutvogelatlas mit

erweiterter Methodik im Rahmen einer vertraglichen

Kooperation vereinbart.

Im Kooperationsvertrag festgehalten waren die

Aufteilung der Kartierungsgebiete, der gegenseitige

Datenaustausch der erhobenen ornithologischen

Daten inklusive Nutzungsrechte und

die Verwendung der Plattform www.ornitho.at

für die Eingabe von Felddaten. Darüber hinaus

regelte die Kooperationsvereinbarung auch die

methodischen Abstimmungen sowie die Koordination

der Kartierungsarbeiten. Im Detail waren

176 Atlasquadranten zu bearbeiten, die vollständig

oder zumindest teilweise in Tirol lagen. Die zu

bearbeitenden Atlasquadranten wurden zwischen

den Kooperationspartnern aufgeteilt. 23 vorwiegend

in Tallagen unterhalb von 1400 m liegende

Atlasquadranten wurden von BirdLife Öster-

Abb. 1: Aufteilung der Bearbeitungsgebiete zwischen BirdLife Österreich und dem Land Tirol

19


eich bearbeitet. Weitere 30 wurden zu unterschiedlich

großen Anteilen gemeinsam von Land

Tirol und BirdLife Österreich kartiert, die restlichen

123 Atlasquadranten wurden über das Land

Tirol bearbeitet und mit ergänzter Methodik, insbesondere

zur Erfassung von Siedlungsdichtewerten

der einzelnen Vogelarten, untersucht.

Durch diese Zusammenarbeit konnten wertvolle

Synergien ermöglicht und unnötige Doppelgleisigkeiten

verhindert werden. Damit hat sich die

Datenlage in Tirol um ein Vielfaches verbessert

und zählt nun zu den besten in Österreich. Somit

entstand eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten

und den Vogelschutz.

Reinhard Lentner

1.2 Tirol im Überblick

1.2.1 Naturräumliche Gliederung

Tirol ist nach Vorarlberg das westlichste Bundesland

Österreichs und hat eine Fläche von ca.

12.648 km², 20 wobei die maximale Länge (Ost–

West-Richtung) 219 km und die maximale Breite

122 km betragen. 121 Die Landschaft ist vor allem

durch eine große vertikale Gliederung – die Abfolge

von Tälern und Gebirgen – geprägt (vgl.

Abb. 2). Das Inntal bildet den längsten Talraum

in Nordtirol und verläuft von Pfunds im Südwesten

über 212 km bis Erl im Nordosten des

Landes. 121 Dort liegt mit ca. 460 m auch der niedrigste

Punkt Tirols. 145 Grundsätzlich kann das

Inntal in Ober- und Unterinntal gegliedert werden,

wobei die Einmündung der Melach in den

Inn wenige Kilometer westlich von Innsbruck als

Grenze gilt. Die Gliederung verschiedener Regionen

ist neben der folgenden Unterscheidung nach

geologischen Gesichtspunken auch nach klimatischen

Aspekten und der dort vorherrschenden

Vegetation möglich (Innenalpen – Zwischenalpen

– Randalpen; s. Forstliche Wuchsgebiete).

Geografisch liegt Tirol in den Ostalpen. Nördlich

des Inntals befinden sich die Nördlichen Kalkalpen;

größere Gebirgsgruppen sind – von West nach

Ost – die Allgäuer Alpen, die Lechtaler Alpen, das

Mieminger Gebirge, das Wettersteingebirge, das

Karwendel, die Brandenberger Alpen (Rofan), das

Kaisergebirge und die Loferer Steinberge. Kennzeichnend

sind meist schroffe Geländeformen und

ein Habitatmosaik aus Felswänden, Geröllfluren,

alpinen Rasen und Latschenflächen. Die größten

Erhebungen in den Gebirgsstöcken bilden die

Abb. 2: Physische Karte von Tirol 263

20


Höhenstufe Höhe Anteil an Gesamtfläche

Submontan 460–800 m 7 %

Montan 800–1000 m 8 %

Hochmontan 1000–1400 m 19 %

Subalpin 1400–1800 m 21 %

Subalpin-Unteralpin 1800–2200 m 19 %

Alpin 2200–2600 m 16 %

Hochalpin-Nival 2600–3768 m 10 %

Tab. 1: Höhenstufen in Tirol und deren Flächenanteile (Gesamtfläche 12.648 km²) 145

Parseierspitze (3036 m, Lechtaler Alpen), die Zugspitze

im Grenzgebiet Österreich-Deutschland im

Wettersteingebirge (2962 m; Gipfel in Deutschland),

die Birkkarspitze (2749 m, Karwendel) und

die Ellmauer Halt (2344 m, Kaisergebirge) 49, 121 .

Größere, ornithologisch interessante Taleinschnitte

sind das Lechtal, das Gurgltal, das Rißtal, das

Achental mit dem Achensee (größter See Tirols

mit 6,8 km²) 121 sowie das Brandenbergtal.

Die Zentralalpen befinden sich hingegen südlich

des Inntals (bzw. des Stanzertals bis zum Arlberg),

der Alpenhauptkamm stellt im Wesentlichen die

Grenze zu Italien (Südtirol) dar. Große Gebirgsstöcke

bilden die Verwall- und Samnaungruppe,

die Ötztaler Alpen, die Stubaier Alpen und die

Zillertaler Alpen. In den Zentralalpen gibt es

mehrere hundert Gipfel über 3000 m sowie Gletscher.

203 In den Ötztaler Alpen befinden sich sowohl

der höchste Gipfel (Wildspitze: 3768 m) als

auch der flächenmäßig größte Gletscher Nordtirols

(Gepatschferner: ca. 16 km²). 121 Die Haupttäler

der Nordtiroler Zentralalpen sind das Paznauntal,

das Oberinntal zwischen Landeck und Pfunds,

das Kaunertal, das Pitztal, das Ötztal, das Stubaital,

das Wipptal und das Zillertal.

Östlich des Wipptals und nördlich der Zentralalpen

gelegen befinden sich die Tuxer Alpen. Östlich

daran anschließend erheben sich die Kitzbüheler

Alpen; beide Gebirgszüge sind geologisch der Grauwackenzone

zuzuordnen. Die höchsten Gipfel sind

der Lizumer Reckner (2886 m) in den Tuxer Alpen

und das Kreuzjoch (2558 m) in den Kitzbüheler

Alpen. 49, 121 Im Gegensatz zu den Nördlichen Kalkalpen

weisen diese Gebirge oft eine sanftere Geländemorphologie

mit ausgedehnten Almflächen auf.

Ein wichtiger Talraum im Osten Nordtirols (Bezirk

Kitzbühel) ist das Nord–Süd-gerichtete Leukental

mit der Großache, die in den Chiemsee in Bayern

entwässert.

Osttirol liegt im Gegensatz zu Nordtirol südlich des

Alpenhauptkamms. Der Norden Osttirols hat Anteil

an den Zentralalpen, wobei die Hohen Tauern

dort zahlreiche Gletscher und Berge über 3000 m

Höhe aufweisen. 203 Der Großglockner, dessen Gipfel

an der Grenze zu Kärnten liegt, bildet mit 3798 m

die höchste Erhebung Tirols und zugleich auch Österreichs.

121 Das südliche Osttirol umfasst Teile der

Südlichen Kalkalpen (Lienzer Dolomiten, Karnische

Alpen). Die zwei größten Flüsse in Osttirol

sind die Isel und die Drau. Die Isel fließt ausgehend

vom Virgental von Nordwesten über das Iseltal

nach Südosten bis Lienz und mündet dort in die

von Südwesten aus dem Pustertal kommende Drau.

Von dort verläuft das Drautal weiter nach Südosten

Richtung Kärnten.

Dass Tirol ein Gebirgsland ist, wird daran ersichtlich,

dass ca. 45 % der Landesfläche über 1800 m liegen

(vgl. Abb. 3, Tab. 1); 573 Gipfel sind über 3000 m

hoch. 203 Nur ca. 15 % der Fläche befindet sich unter

1000 m Seehöhe. Bereiche unterhalb 600 m (ca. 2 %)

gibt es vor allem im Unterinntal und Zillertal (ca.

flussabwärts von Schwendau). Im Oberinntal liegt

diese Höhengrenze bei Inzing (z. B. Naturschutzgebiet

Gaisau auf ca. 600 m).

Die Seehöhe hat entscheidenden Einfluss auf das

vorherrschende Klima und die Vegetation. Entsprechend

können verschiedene Höhenstufen unterschieden

werden. Je nach geografischer Lage

(Rand-, Zwischen-, Innenalpen) kommt es zu regionalen

Unterschieden in den Höhengradienten.

In den Randalpen liegen die jeweiligen Höhenstufen

niedriger als in den Innenalpen. So reicht

die subalpine Stufe in den nördlichen Randalpen

nur bis ca. 1800 m, während die Obergrenze

in den Innenalpen bei 2200–2300 m

liegt. Tabelle 1 gibt einen groben Überblick über

die jeweiligen Höhenstufen.

21


DIE

BRUTVÖGEL

TIROLS

Bartgeier (Gypaetus barbatus) Foto: Florian Egger

85


2. DIE BRUTVÖGEL TIROLS

Für alle Vogelarten, die 2010–2018 in Tirol gebrütet

haben, sowie für jene Arten, die – basierend

auf der verwendeten Datengrundlage – zwar nicht

mit Sicherheit, aber zumindest möglicherweise

zur Brut geschritten sind, wurde im folgenden

Kapitel jeweils ein Artkapitel verfasst. Zusätzlich

wurden auch Arten mit historischen Brutbelegen

behandelt, die weiterhin als verschwunden und

verschollen gelten. Darüber hinaus wird auch die

Zwergdommel betrachtet, die zwar zur Brutzeit

anwesend war, eine Brut jedoch als unwahrscheinlich

eingestuft wurde. Aus all diesen Kriterien

(nachzulesen auch in Kap. 1, Tab. 6) ergibt sich

eine 180 Arten umfassende Liste der Brutvögel

Tirols. Im Tiroler Brutvogelatlas wird als Referenz

die aktuelle Nomenklatur der Europäischen

Union „List of birds of the European Union – August

2018“ EUL einschließlich der wissenschaftlichen

und englischen Namen verwendet („Handbook of

the Birds of the World“ und „BirdLife International

Illustrated Checklist of the Birds of the World,

Volume 1 72 and Volume 2 71 ). Damit soll eine möglichst

hohe Vergleichbarkeit im EU-Raum und

Anwendbarkeit im Naturschutz erreicht werden.

Die deutschen Artnamen richten sich, mit Ausnahme

Tirol-spezifischer Anpassungen, nach den

„Deutschen Namen der Vögel der Erde“ aus der

Kommission „Deutsche Namen für die Vögel der

Erde“ (Standing Committee for German Names

of the Birds of the World) der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft

und der International Ornithologists‘

Union 32 . Aufgrund der Geläufigkeit

der Namen in Tirol werden statt Felsentaube und

Nachtschwalbe die Bezeichnungen Straßentaube

und Ziegenmelker verwendet.

Unterarten erhalten keine eigenen Arttexte. Abweichend

von der Nomenklatur der Europäischen

Union werden Rabenkrähe und Nebelkrähe wie

separate Arten behandelt. Das Kapitel Blaukehlchen

umfasst sowohl das Rotsternige als auch das

Weißsternige Blaukehlchen. Auch bei der Schafstelze

sind die in Tirol vorkommenden Unterarten

enthalten (v. a. „Wiesenschafstelze“ und „Aschköpfige

Schafstelze“ sowie Hybride zwischen beiden).

Der Aufbau der einzelnen Artkapitel wird nachfolgend

genauer erläutert.

Erläuterungen zu den Artkapiteln

Erläuterungen zu den Karten

Atlaskarte qualitativ

In der qualitativen Atlaskarte ist das Auftreten einer Art im Bezug

auf die 10-x-10-km-Atlasquadranten dargestellt (erkennbar an einem

Rautensymbol).

Atlaskarte semiquantitativ

Die semiquantitative Atlaskarte beschreibt die relative Häufigkeit

pro Atlasquadrant und ergibt sich aus der Sextantenfrequenz.

Diese Karten sind erkennbar an ihren runden, in drei Klassen unterteilten

Symbolen (klein – selten, mittel – mäßig häufig, groß

– häufig).

86


Atlaskarte 50 x 50 km

Die Atlaskarten der Arten Bartgeier, Habichtskauz, Mornellregenpfeifer

und Ziegenmelker werden in einem Abbildungsmaßstab

von 50 x 50 km dargestellt.

Dichtekarte

Dichtekarten stellen die modellierte Revierdichte einer Art dar.

Auf den Karten ist die Anzahl der Reviere pro km² dargestellt.

Dichtekarten unterscheiden sich farblich von den Karten zu

Vorkommenswahrscheinlichkeiten. Darüber hinaus variiert die

Skala in Abhängigkeit von der behandelten Art. Die Karten sollen

veranschaulichen, in welchen Gebieten es Dichtezentren gibt und

welche Regionen weniger dicht besiedelt sind.

Karte der Vorkommenswahrscheinlichkeit

Mit den Methoden GLM bzw. MaxEnt konnte die Vorkommenswahrscheinlichkeit

dargestellt werden. Die Karten zeigen, mit

welcher Wahrscheinlichkeit eine Art während der Atlasperiode

aufgetreten ist. Ein Wert von 0,5 bedeutet, dass die Art mit einer

Wahrscheinlichkeit von 50 % als Brutvogel vorkam. Im Zuge von

GLM wurde die Vorkommenswahrscheinlichkeit pro Sextant, bei

MaxEnt auf Basis eines 50-x-50-m-Rasters (0,25 ha) berechnet.

Punktkarte

Die Darstellung seltener Arten mit spärlichen Nachweisen und

Koloniebrütern erfolgt in einer Punktkarte. Beobachtungen

wurden zu Brutpaaren zusammengefasst und in einem 5-x-5-

km-Quadrat, dem Viertel eines Atlasquadranten, aggregiert. Die

Symbolik entspricht bis zu vier verschiedenen Größenklassen.

Nur effektive Nachweise und berechtigte Vermutungen wurden

für die Erstellung von Punktkarten herangezogen.

Sextantenfrequenzkarte

Die Verbreitungsdarstellung beschränkt sich auf die Summe der

Sextanten pro 5-x-5-km-Quadrat, in denen die jeweilige Art nachgewiesen

wurde und heißt hier Sextantenfrequenzkarte. Artspezifisch

kann auf den Karten zwischen einer hohen und vereinzelten

Anzahl von Sextanten mit Nachweisen innerhalb von je

25 km² unterschieden werden.

Höhendiagramme

Für die Darstellung der Höhenverbreitung kommen

drei verschiedene Höhendiagramme zum

Einsatz (s. Kap. 1.6.3). Bei den ersten beiden Diagrammtypen

sind Unterschiede zwischen den

Rand- und Zwischenalpen sowie den Innenalpen

enthalten. Die Abgrenzung stellt eine Vereinfachung

der in Abb. 4 abgebildeten forstlichen

Wuchsgebiete dar.

Innenalpen

3200

Rand− und Zwischenalpen

3000

2500

Höhenverbreitung blau

Bei Dichtemodellierungen ist der prozentuale Anteil am Bestand pro 100 m

Höhenstufe in blauen Farbtönen abgebildet. Die Summe aller Balken ergibt

also 100 %.

Höhe (m)

2000

1500

1000

500

0 3 6 9 12

Anteil am Bestand (%)

87


Innenalpen

3200

Rand− und Zwischenalpen

3000

Höhenverbreitung grün

War die Datenqualität für eine Dichtemodellierung nicht ausreichend, wird

im Höhendiagramm die mittlere Vorkommenswahrscheinlichkeit pro 100 m

Höhenstufe in grünen Farbtönen illustriert. Hier ist das Aufsummieren der

Prozentanteile der einzelnen Balken nicht möglich bzw. nicht sinnvoll.

Höhe (m)

2500

2000

1500

1000

500

0 5 10 15 20 25

Vorkommenswahrscheinlichkeit (%)

3200

3000

Höhenverbreitung gelb

Bei seltenen Arten ist die Seehöhe der effektiven Nachweispunkte in orange

gehalten, die Anzahl der Nachweise befindet sich in der Beschriftung

der x-Achse. Dargestellt sind nur genau exakt verortete Nachweise mit

exakten Höhenangaben, nicht aber jene Beobachtungen, die ohne genaue

Lokalisierung einem Sextanten zugeordnet wurden. Bei diesem Diagramm

entspricht die Summe aller Balken also 100 % aller exakt lokalisierten Sichtungen.

Höhe (m)

2500

2000

1500

1000

500

0 5 10 15 20 25

Anteil aller Nachweise (%)

n = 16

Basisdaten

Die in den jeweiligen Artkapiteln enthaltenen

Basisdaten umfassen den geschätzten Brutvogelbestand

für Tirol während der Atlasperiode

2010–2018 und werden zu Beginn der Artkapitel

in einheitlicher Form präsentiert. Zu Vergleichszwecken

wurden auch die Bestandszahlen aus dem

Schweizer Brutvogelatlas (2013–2016) angeführt. ABC

Die Zahlen werden in Brutpaaren angegeben, sind

im Fall des Tiroler Brutvogelatlas bei Hochrechnungen

jedoch bei den meisten Arten auf Revierdichtewerte

zurückzuführen. Des Weiteren sind

Eckdaten zur Höhenverbreitung und Informationen

zum phänologischen Auftreten und Brutstatus

der Art enthalten. Neben dem EU-Code werden

die Basisdaten durch Angaben zum Vorkommen

in Tirol, der Atlas- und der Sextantenfrequenz

abgerundet. Die beiden Letzteren beschreiben

den prozentualen Anteil an Atlasquadranten bzw.

Sextanten mit gültigen (zumindest Brut möglich)

Nachweisen gemäß den Aufnahmekriterien für

die Atlasperiode 2010–2018. Die Atlasfrequenz

bezieht sich auf die 176 untersuchten Atlasquadranten,

die Sextantenfrequenz auf die 3.360

untersuchten Sextanten im Rahmen der Atlasfrequenzkartierung

inkl. der Kartierungen in den

T-Rastern und Kilometerquadraten.

Die Beschreibung des räumlichen Auftretens ergibt

sich aus der Zahl der besiedelten Atlasquadranten.

Von einer flächendeckenden oder flächigen

Verbreitung wird ab einer Besiedlung von

allen Landesteilen (Bezirke) und mehr als 50 %

der Atlasquadranten gesprochen (z. B. Buchfink).

Der Begriff „flächendeckend“ bezieht sich nicht

auf die Fläche, sondern auf das Auftreten in den

Atlasquadranten. Kommt eine Art zwar in allen

Landesteilen aber in weniger als 50 % der Atlasquadranten

vor, gilt sie als regelmäßig (z. B. Baumpieper).

Artspezifisch kann es teilweise zu Abweichungen

kommen; so wurde etwa die Goldammer

als regelmäßig eingestuft, obwohl sie zwar in mehr

als der Hälfte der Atlasquadranten anwesend ist,

diese jedoch mitunter nur lokal besiedelt. Ist keine

flächendeckende oder regelmäßige Verbreitung in

allen Landesteilen erkennbar, wird die Art als zerstreut

eingestuft. Als lückig gilt eine Art, wenn

größere, besiedelte Gebiete von größeren unbesiedelten

unterbrochen sind (Cluster). Einige Arten

wie etwa typische Brutvögel von Siedlungsgebieten

(z. B. Haussperling, Rauchschwalbe, Girlitz)

wurden aufgrund des eher begrenzten möglichen

Lebensraums in Tirol als zerstreut bzw. lückig verbreitet

eingestuft, obwohl die Atlasfrequenz > 50 %

und somit eigentlich „flächendeckend“ war. Begrenzen

sich Nachweise auf einzelne Landesteile

(z. B. Osttirol), gilt die Art als regional. Für den

Fall, dass nur einzelne Atlasquadranten und diese

in großem Abstand zueinander besetzt sind, wird

die Art als lokal eingestuft (z. B. Pirol).

Die Häufigkeitsklasse der Brutvögel richtet sich

nach Bestandsgröße und wird nach Größenklassen

getrennt. Als Kleinvögel gelten alle Vogelarten

bis zur Drosselgröße. Alle Arten, die schwerer als

eine Misteldrossel (130 g) sind, werden als Groß-

88


Kategorie

Kleinvögel

Brutpaare

Großvögel

sehr häufig > 50.000 > 10.000

häufig > 10.000-50.000 > 1.000-10.000

mäßig häufig > 1.000-10.000 > 100-1.000

selten 100-1.000 20-100

sehr selten < 100 < 20

Tab. 10: Häufigkeitsklassen der Tiroler Brutvögel

vögel bezeichnet. Auch hier kam es teilweise zu

pragmatischen Modifikationen; so wurden z. B.

alle Spechte (bis auf Kleinspecht und Wendehals)

als Großvögel eingestuft. Die Einteilung ist Tabelle

10 zu entnehmen.

Neben der Basisinformation finden sich die Beschreibungen.

Zu Beginn wird das Vorkommen

in Mitteleuropa, den Alpen und in Österreich

sowie gegebenenfalls der Schweiz einschließlich

der Höhenverbreitung dargestellt. Daran schließt

eine kurze Beschreibung der Lebensraumansprüche

der Art an, bevor auf die aktuelle geografische

Verbreitung und besiedelte Habitate in Tirol eingegangen

wird. Darauf folgend wird die Höhenverbreitung

in Tirol angeführt, wobei hier auch

– sofern vorhanden – auf den höchsten belegten

Brutnachweis einschließlich Beobachtungsjahr

Bezug genommen wird. Teilweise wird auf die

höchsten Brutnachweise in Nachbarländern (z. B.

Schweiz) verwiesen. Abschließend werden die Bestandsschätzung

für Tirol erläutert und – wenn

möglich – Angaben zur Siedlungsdichte gemacht,

wobei Höchstwerte und teilweise auch Mittelwerte

angegeben werden. Gegebenenfalls werden

diese Daten mit Siedlungsdichteangaben aus Mitteleuropa,

der Schweiz und Österreich in Bezug

gesetzt. Zusätzlich befindet sich in jedem Artkapitel

eine englische Zusammenfassung, in der aktuelle

Verbreitung, besiedelte Habitate in Tirol,

Höhenverbreitung, Bestandschätzung und Siedlungsdichte

kurz beschrieben werden.

Bei Arten ohne rezentes Brutvorkommen in Tirol

bzw. mit unregelmäßigen Bruten verkürzt sich der

jeweilige Arttext um besiedelte Habitate, Höhenverbreitung

sowie Auftreten in Tirol und wird

durch einen Umriss der gegenwärtigen Situation

und gegebenenfalls einen Ausblick ersetzt.

A guide to the species chapters

The following overview provides a guide on the respective

information given in the species chapters of the

present atlas. Each confirmed breeding bird species is

described in a complete, full-length chapter; all others

(possible/missing/lost/non-native breeding bird species)

are covered in short chapters of different length.

Basic information & short summary:

The introductory text passages describe the respective

breeding bird species in terms of distribution in Europe,

in the Alpine region and in Austria as well as – specific

for the Tyrolean population – the basic habitat

requirements, the distribution and populated habitats,

the altitudinal distribution and population estimation

as well as population densities.

Each of these passages closes with a short English summary,

outlining the most important information on the

regarding species.

A three-part info box sums up the information outlined

below; depending on the status of the different species,

the extent of the info boxes varies.

Maps:

Depending on the occurrence and status of the different

Tyrolean breeding bird species, a selection of different

maps and charts give further, more detailed information

on their distribution, population densities or probability

of occurrence.

Status in Tirol

Zugverhalten [1]

Brutstatus [2]

Atlasfrequenz [3]

Sextantenfrequenz [4]

EU–Code [5]

Geschätzter Bestand [6]

Tirol (2010–2018) [a]

Schweiz (2013–2016) [b]

Höhenverbreitung in Tirol [7]

MW [a]

Min [b]

Max [c]

89


[1] Migratory behaviour

[2] Breeding status in Tyrol status

Standvogel

sedentary species

Zugvogel

migratory species

Brutvogel

breeding bird

Teilzieher

partially migratory species

Neozoon

non-native species

[3] Atlas frequency

percentage of atlas grids where the

species was recorded

distribution

möglicher Brutvogel

possible breeding bird

flächendeckend

widespread occurrence

verschwunden/verschollen

missing/lost species

lückig

fragmented occurrence

[4] Sextant frequency

percentage of sextants where the

species was recorded

regelmäßig

regular occurrence

zerstreut

scattered occurrence

regional

regional occurrence

lokal

local occurrence

[5] EU Code

including information on the species-relevant

annexes of the Birds

Directive

abundance

sehr häufig

very frequent

selten

rare

historic context

häufig

frequent

mäßig häufig

moderately frequent

sehr selten

very rare

ohne eindeutigen historischen Brutbeleg

former breeding unconfirmed

mit eindeutigem historischen Brutbeleg

former breeding confirmed

[6] Population estimate

Brutpaare = breeding pairs; Hähne =

males; for [a] Tyrol and [b] Switzerland

[7] Altitudinal distribution [a] mean, [b] min and [c] max

Atlas map qualitative

In case no quantification of the records was feasible, a simple

illustration with purple rhombuses was chosen, attributing each

square to at least one valid record of the species.

Atlas map semiquantitative

Atlas grid maps are used for each species for which at least one

valid record during the specific breeding season was available.

If feasible, the map gives semi-quantitative information on the

frequency of occurrence per 10-km square, indicated in purple

circles of varying size (small = rare = "selten”; medium = moderately

frequent = “mäßig häufig”; large = frequent = “häufig”).

Atlas map 50 x 50 km

For Bearded Vulture, Ural Owl, Eurasian Dotterel and European

Nightjar, this information is shown at a larger scale where 50-km

grids are indicated in red.

Density map

For frequent and widely distributed species, modelling of the respective

population density was possible. The density maps show

the number of territories or breeding pairs per km 2 . Density maps

are differing colour-wise from maps describing probability of occurrence.

The scales used in the maps are varying, depending on

the respective species.

Probability of occurrence

For those species where a density map was not feasible, the distribution

map shows the probability of occurrence. This probability

is either based on a Generalized Linear Model (GLM) or

MaxEnt, which is indicated in the caption of each map. There is

no colour differentiation between the two types of maps, but the

regarding scales are differing: in GLM-based maps, the probability

of occurrence refers to a sextant; in MaxEnt-based maps to a 50

m grid (0.25 ha).

90


Point map

For those species with only sparse records as well as colony

breeders, point maps are used to show their occurrences. The

records are assembled to breeding pairs in a 5-km square, which

corresponds to a quarter of an atlas grid. The maps illustrate up

to four different point sizes. For those maps, only actual records

or eligible expert assumptions on occurrences were used; there

is no claim to completeness for those maps.

Sextant frequency map

Sextant frequency maps were used for Rock Dove, Eurasian Collared-dove,

Black Stork, Yellow-legged Gull and Wallcreeper; they

refer to the sum of sextants per 5-km grid, in which the species

was recorded. The varying colour saturation indicates the number

of sextants with valid records within the regarding 25-km 2 area.

Charts on the altitudinal distribution:

Depending on the available data on the distribution

and population density of each species, different charts

to illustrate the altitudinal distribution are used.

Altitudinal distribution in blue

If a sufficient density model was possible, the percentage of the population

is shown per 100 m in a blue-coloured graph. The values of all bars sum up

to 100 %. The light blue bars stand for the inner Alps, the dark blue ones for

the peripheral and intermediate alpine regions.

3200

3000

2500

Innenalpen

Rand− und Zwischenalpen

Höhe (m)

2000

1500

1000

500

0 3 6 9 12

Anteil am Bestand (%)

Altitudinal distribution in green

If the distribution of a species was modelled, the mean probability of occurrence

per 100 m is illustrated in green tones. The bars may not be added

up to 100 %. In this case, it’s important to consider that not only the altitude,

but also many other environmental variables have been included for

the modelling. The light green bars stand for the inner Alps, the dark green

ones for the peripheral and intermediate alpine regions.

Höhe (m)

3200

3000

2500

2000

1500

Innenalpen

Rand− und Zwischenalpen

1000

500

0 5 10 15 20 25

Vorkommenswahrscheinlichkeit (%)

Altitudinal distribution in yellow

In the case of rare species, the altitude of each detection point is shown in

orange; the number of sightings is shown along the x-axis. Only precisely

located records with exact altitudinal information were used for these diagrams.

The sum of all bars corresponds to 100 % of all precisely localised

sightings.

Höhe (m)

3200

3000

2500

2000

1500

1000

500

0 5 10 15 20 25

Anteil aller Nachweise (%)

n = 16

91


Braunkehlchen (Saxicola rubetra) Foto: Elmar Mayr

92


ARTKAPITEL

93


WACHTEL

Coturnix coturnix | Common Quail

Foto: Heinz Kolland

Die Wachtel ist ein verbreiteter Brutvogel in Mitteleuropa

mit Bestandsschwerpunkt im Osten (Ungarn,

Polen). KVM In Österreich ist die Art außeralpin relativ

weit verbreitet, im Bergland gibt es hingegen oft

nur zerstreute oder lokale Vorkommen. ABÖ, ÖBI Inneralpine

Verbreitungsschwerpunkte sind z. B. im Salzburger

Lungau, in der Steiermark das Enns- und Murtal

und der Neumarkter Sattel und in Kärnten das

Klagenfurter Becken, das Krappfeld und das untere

Gurktal. ABÖ, AFK Der Großteil der Vorkommen befindet

sich unter 1000 m, in den Alpen kann die Verbreitung

teilweise aber bis in die subalpine Stufe reichen

(z. B. Vorarlberg). ABÖ In der Schweiz kommt die Wachtel

vor allem im Mittelland und im Jura zwischen 400 und

1200 m vor, es sind jedoch auch Vorkommen bis in die alpine

Stufe bekannt. ABC In Deutschland ist die Art überwiegend

bis ca. 700 m verbreitet, die höchsten Sänger

wurden im Schwarzwald und in den Bayerischen Alpen

bis 1100–1180 m nachgewiesen. ABD

Lebensraumansprüche

Der bevorzugte Lebensraum der Wachtel ist offenes,

baumarmes Kulturland, wobei sie sowohl in Ackerbaugebieten

als auch Gegenden mit extensiver Grünlandnutzung

ABC, KVM, ABÖ, ÖBI

vorkommt.

In ackerdominierten Regionen werden hauptsächlich

Getreidefelder (zunächst Wintergetreide, im späteren

Brutverlauf auch Sommergetreide) sowie Hackfrucht-

ABC, KVM, ABÖ, 162

äcker, Luzerne- und Kleeschläge besiedelt.

Das Vorhandensein von größeren Brachen kann ein Vorkommen

begünstigen. AFK, 87 Wiesen sind vor allem dann

als Habitat geeignet, wenn sie wenig intensiv bewirtschaftet

werden wie Streuwiesen in tieferen Lagen oder

ABC, ABÖ

spät gemähte Wiesen in Hochlagen.

Aktuelle geografische Verbreitung

und besiedelte Habitate in Tirol

In Tirol besiedelt die Wachtel ähnliche Lebensräume wie

die Feldlerche, sie ist allerdings viel seltener, und ihre Vorkommen

sind auf tiefere Lagen beschränkt. Der Verbreitungsschwerpunkt

befindet sich in Ackerbaugebieten breiter

Alpentäler und Mittelgebirgsterrassen bis ca. 1000 m, RLT

wobei vor allem Getreideanbau für eine Ansiedelung in

Tallagen wichtig ist. 62 Aktuelle Registrierungen in solchen

Lebensräumen gab es im mittleren Inntal zwischen

94


Status in Tirol

Zugverhalten Zugvogel

Brutstatus

lokal verbreiteter, sehr seltener Brutvogel

Atlasfrequenz 7 %

Sextantenfrequenz -

EU–Code

A113, Anhang II B (auch in Österreich)

Geschätzter Bestand (Hähne)

Tirol (2010–2018) 15–30

Schweiz (2013–2016) ABC 500–2.000

Höhenverbreitung in Tirol

MW

900 m

Min

570 m

Max

1480 m

Innsbruck und Mils (bei Hall), im Oberinntal bei Silz,

am Mieminger Plateau (Untermieming), im Gurgltal

bei Tarrenz, im Lienzer Becken (Lienz, Nußdorf-Debant,

Dölsach, Iselsberg) und im unteren Drautal (Nikolsdorf).

Auch das Mittelgebirge südlich von Innsbruck

(Sistrans–Patsch) weist geeignete Habitate auf,

aktuelle Beobachtungen gab es dort aber nicht. Nachweise

in extensiven Grünlandgebieten sind während

der Atlasperiode in Nordtirol aus den folgenden Gebieten

dokumentiert: Nauders, Serfaus, Stanz, Ehrwalder

Becken und Gries am Brenner. In Osttirol wurden

– abseits des Drautals – singende Männchen in einem

Wiesengebiet im Talboden bei Matrei in Osttirol und

im hinteren Defereggental bei Ladstatt (St. Jakob i. D.)

registriert.

Höhenverbreitung in Tirol

Von 16 exakt lokalisierten Nachweisen lagen neun unter

800 m, drei zwischen 800 und 1100 m, und vier zwischen

1300 und 1500 m. 14 Nachweise waren nicht genau verortet,

bei einer weiteren Registrierung eines singenden

Männchens am 26. 06. 2014 im Bereich des Heubergs

(Lechtal) wurde jedoch die Höhe von 1800 m notiert. Bei

dieser sehr isolierten Registrierung dürfte es sich wahrscheinlich

aber nur um einen Durchzügler gehandelt haben,

vielleicht kam es auch zu einer Verwechslung mit

Punktkarte - point map

95


dem dort vorkommenden Steinhuhn, weshalb die Meldung

nicht gewertet wurde. Vermutlich befindet sich im

weitläufigen Wiesengebiet von Nauders das höchstgelegene,

regelmäßige Vorkommen in Tirol (Nachweise bis

1480 m). In der Schweiz gelang der höchste Brutnachweis

auf 940 m im Oberengadin, die höchsten Sänger

wurden bei 2350–2400 m registriert. ABC

großen Gebiet auf Basis von Linientaxierungen hohe

Dichten ermittelt werden (8,5–13 Rev./100 ha, auf 152,5

ha Untersuchungsfläche), wobei acht von zehn Revieren

in Getreidefeldern festgestellt wurden. AFK, 162 Siedlungsdichten

in Mitteleuropa liegen meist bei 0,1–4 singenden

Männchen/100 ha. KVM

Andreas Danzl

Bestandschätzung für Tirol und Siedlungsdichte

Die Bestandserfassung dieser sehr versteckt lebenden

Art ist schwierig, und die Anwesenheit singender Männchen

lässt keine gesicherten Rückschlüsse auf tatsächliche

Brutvorkommen zu. Als „Invasionsvogelart“ kann es

zu sehr starken jährlichen Bestandsschwankungen kommen;

auch größere Verlagerungen der Reviere innerhalb

der Brutzeit sind möglich. KVM, RLT, MBD Telemetrie-Untersuchungen

zeigten etwa in Brandenburg, dass 20 von 28

besenderten Männchen weniger als 15 Tage im Untersuchungsgebiet

verblieben. 87 Daher sind Angaben zur Siedlungsdichte

mit Vorsicht zu betrachten. In Tirol gelang in

der Atlasperiode kein Brutnachweis. Insgesamt wird die

Anzahl singender Männchen in Tirol unter Berücksichtigung

der arttypischen großen Schwankungen auf 15–30

Hähne geschätzt. Der tatsächliche Brutbestand dürfte

wohl darunter liegen, da in Mitteleuropa der Nichtbrüteranteil

hoch sein kann bzw. teilweise auch mit singenden

Durchzüglern zu rechnen ist. KVM In der Atlasperiode

wurden in Tirol meist nur einzelne Sänger angetroffen,

sodass Angaben zur Abundanz nicht sinnvoll sind. Frühere

Untersuchungen ergaben z. B. in einem Ackerbaugebiet

bei Stams–Silz–Haiming mit vielen Getreidefeldern

(13–15 % der Fläche) 3–5 singende Männchen auf 3,78 km². 62

Im Krappfeld (Kärnten) konnten in einem ca. 28 km 2

Höhe (m)

3200

3000

2500

2000

1500

1000

500

0 5 10 15 20 25

Anteil aller Nachweise (%)

n = 16

Höhenverbreitung exakt verorteter Nachweise -

altitudinal distribution of precisely located records

Summary

The Common Quail inhabits open cultural landscapes

with arable fields or extensively used grassland.

In Tyrol, it is mainly distributed in broad valleys up

to 1000 m, where its preferred habitat are cornfields.

In higher altitudes up to 1500 m, it mainly occurs in

meadows. In North Tyrol, singing males were found

between Innsbruck and Hall, at Silz, Untermieming,

Tarrenz, Biberwier, Stanz, Serfaus, Nauders, Gries am

Brenner and Häselgehr. In East Tyrol, the species was

detected in the surroundings of Lienz, Matrei i. O. and

St. Jakob i. Defereggen. The population includes an estimated

15–30 singing males; large fluctuations can be

expected between years.

Wachtel (Foto: Otto Samwald)

96


STEINHUHN

Alectoris graeca | Rock Partridge

Foto: Elmar Mayr

Das Steinhuhn kommt in Europa von Sizilien über den

Apennin und die Alpen weiter bis über den Balkan nach

Griechenland vor. In Mitteleuropa ist die Unterart saxatilis

ein Gebirgsvogel der Subalpin- bis Alpinstufe

mit einem Bestand (Jahrtausendwende) von 3.900–5.200

Brutpaaren. KVM In der Schweiz wird aktuell (2013–2016)

von 2.500–4.500 Paaren ausgegangen, der Verbreitungsschwerpunkt

liegt zwischen 1700 und 2500 m. Familien

wurden bis zu einer Höhe von 2860 m beobachtet, singende

Hähne konnten noch in tiefen Lagen zwischen

600 und 1000 m registriert werden. ABC In Österreich lag

in den 1980er-Jahren der Schwerpunkt der Vorkommen

zwischen 1600 und 2100 m. ABÖ

Der aktuelle Bestand (2013–2018) ÖBII wird unter Einbeziehung

der 500 Brutpaare für Kärnten AFK (Schätzung Jahrtausendwende)

und ohne den neuen Tiroler Auswertungen

mit 700–1.200 Brutpaaren für Gesamtösterreich

wohl deutlich unterschätzt. ÖBII

Aktuelle

Lebensraumansprüche

In den Alpen besiedelt das Steinhuhn vorzugsweise

strukturreiche, sonnenexponierte Steilhänge mit abwechslungsreichem

Mosaik aus grasdominierten Rasengesellschaften,

Zwergstrauchheiden, Blockfeldern, Felsen,

einzelnen Sträuchern oder

AFK, KVM, ABÖ, ABC

Bäumen.

geografische Verbreitung

und besiedelte Habitate in Tirol

In Tirol kommt das Steinhuhn vor allem im Zentralalpenbereich

der Ötztaler und Stubaier Alpen, im Brennergebiet

sowie in Osttirol vor. Erst in den letzten zehn

Jahren wurden mehrere neue Vorkommen in den Nördlichen

Kalkalpen (oberes Lechtal zwischen Häselgehr und

Bach bzw. Nordkette, Karwendeltäler, Tuxer Alpen) entdeckt.

Die nicht einfach nachzuweisende Art ist als mäßig

häufig mit lückiger Verbreitung einzustufen. Hohe

Vorkommenswahrscheinlichkeiten entlang der eher

südexponierten Talflanken der Samnaungruppe über

die Ötztaler und Stubaier Alpen bis zum Defereggengebirge,

den Hohen Tauern und der Schobergruppe sind

auffällig. Vielfach dürften grenznahe Vorkommen wie

im Brennergebiet, dem hinteren Zillertal und im Paznauntal

(Fimbatal bei Ischgl) stark mit Beständen der

südlich angrenzenden Regionen Südtirols oder Engadins

im Austausch stehen. Im Zuge der Atlasperiode konnten

auch mehrere Brutnachweise erbracht werden, sie

stammen aus dem Defereggengebirge (Villgratental) und

der Schobergruppe (Iseltal) sowie den östlichen Seitentälern

des Wipptals in den Finaulmähdern bei Vals und

dem hinteren Schmirntal. Frühzeitig schneefreie und

sonnenexponierte Steilhänge sowie Lawinenrinnen, die

97


Status in Tirol

Zugverhalten

Brutstatus

Atlasfrequenz 33 %

Sextantenfrequenz 1,1 %

EU–Code

Standvogel

lückig verbreiteter,

mäßig häufiger Brutvogel

A109, Anhang I & II A

Geschätzter Bestand (Brutpaare)

Tirol (2010–2018) 800–1.100

Schweiz (2013–2016) ABC 2.500–4.500

über große Distanz bis in Tallagen reichen, sind wichtige

Merkmale der Bruthabitate in Tirol. Steindurchsetzte,

alpine Rasen und vielfach bewirtschaftete oder kürzlich

aufgelassene Bergmähwiesen sind bevorzugte Brutgebiete.

Durch verstärkte Wiederbewaldung und Verbuschung,

z. B. durch Krummholzbestände (Grünerlen,

Latschen) infolge Aufgabe und Änderung der landwirtschaftlichen

Nutzung oder Lawinenverbauungen, gehen

sukzessive geeignete Lebensräume verloren.

Höhenverbreitung in Tirol

MW

Min

Max

2240 m

1570 m

2760 m

Höhenverbreitung in Tirol

Der Großteil des Tiroler Bestands kommt in einer Höhe

von 2000 bis 2400 m (MW 2240 m) vor, wobei die Vorkommen

in den Nördlichen Kalkalpen ca. 200 m tiefer

liegen. Die niedrigsten Reviere sind auf 1570 m in den

Mähdern oberhalb von Vals zu finden, die höchsten

Nachweise wurden auf 2760 m am Hohen Gemeindekopf

(Pitztal) getätigt. Der höchste Brutnachweis konnte

im Jahr 2013 auf 2240 m oberhalb von Ainet gefunden

werden, der niedrigste im Jahr 2018 auf 1630 m in den

Bergmähdern nördlich von Vals.

Bestandschätzung für Tirol und Siedlungsdichte

Der Brutbestand dieser eher heimlichen Art wird für Tirol

vorsichtig auf 800–1.100 Paare geschätzt, wobei aufgrund

der Vorkommen im Oberinntal die Bestände in

Vorkommenswahrscheinlichkeit – probability of occurrence (MaxEnt)

98


Höhe (m)

3200

3000

2500

2000

1500

1000

500

Innenalpen

Rand− und Zwischenalpen

0 5 10 15

Vorkommenswahrscheinlichkeit (%)

Höhenverbreitung, Vorkommenswahrscheinlichkeit –

altitudinal distribution, probability of occurrence (MaxEnt)

Nordtirol mit geschätzten 500 bis 700 Paaren über den

Vorkommen in Osttirol (300–400 Paare) liegen dürften.

In Tirol wurden Dichtewerte von 0,1–1,4 Revieren/100 ha

(Mittelwert 0,8 Rev./100 ha) ermittelt, mit Maximalwerten

von 1,4 Revieren/100 ha in den Stubaier Alpen (St.

Sigmund im Sellrain), östlich von Sölden (1,2 Rev./100

ha) sowie in den Hohen Tauern (0,9 Rev./100 ha Matrei

i. O.). In sehr gut geeigneten Gebieten Kärntens wurden

zur Jahrtausendwende 1–2 Reviere/100 ha gefunden. AFK

In der Schweiz (1993–1996) lag die Brutpaardichte bei

0,05–1 Revieren/100 ha, wobei in Graubünden 4 Reviere/100

ha gezählt wurden.

179, 242

Reinhard Lentner

Summary

As a moderately frequent breeding bird, the Rock

Partridge is mainly found in the central alpine region

of Tyrol in the Ötztal and Stubai Alps as well as the

region around Brenner Pass and East Tyrol. During

the last ten years, a number of smaller occurrences in

the Northern Limestone Alps was detected. Rock Partridges

mainly breed in warm mountain slopes facing

south. As the species is rather difficult to detect, the

population calculation was done quite conservatively,

resulting in an estimated 800–1,100 breeding pairs.

Densities of 0.1–1.4 territories/100 ha were found. The

majority of Rock Partridges are located between 2000

and 2400 m. Territories in general ranged from 1570

to 2760 m with highest breeding events at 2240 m and

lowest at 1630 m.

Steinhuhn (Foto: Elmar Mayr)

99


JAGDFASAN

Phasianus colchicus | Common Pheasant

Foto: Florian Lehne

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Jagdfasans erstreckt

sich vom Schwarzen Meer ostwärts bis China.

Bereits seit der Antike wird die Art weltweit aus jagdlichen

Gründen ausgesetzt. In West- und Mitteleuropa ist

der Jagdfasan aufgrund vieler Aussetzungen unterschiedlichster

Unterarten und Kreuzungen in den Niederungen

unterhalb von 600 m weit verbreitet. Die Populationen

sind weitgehend von Hege abhängig. Der mitteleuropäische

Bestand um die Jahrtausendwende wird auf 0,8–1,3

Millionen Paare geschätzt. KVM

Auch in Österreich wurde und wird die Art aus jagdlichen

Gründen in großer Zahl ausgesetzt. Der Großteil

aller Brutvorkommen liegt unterhalb von 500 m im Osten

Österreichs außerhalb der Alpen sowie im Rheintal.

ÖBI In der Schweiz beschränkt sich das Vorkommen

auf wenige Kantone, vor allem auf die Region um Genf.

Jagdfasane besiedeln vorwiegend offenes und halboffenes

Kulturland mit Hecken und Flurgehölzen.

Während der Atlasperiode wurden vor allem Nachweise

in Osttirol (Lienzer Becken) gefunden, die bis auf 810 m

bei Grafendorf in der Gemeinde Gaimberg reichen. Am

31. 03. 2018 wurde im Bereich der Iselmündung ein balzender

Hahn gehört; es kann dabei nicht ausgeschlossen

werden, dass es sich um ein Exemplar aus einem Gehege

handelte. Weitere Beobachtungen finden sich in Nordtirol

bei Flaurling sowie bei Tumpen im Ötztal mit dem

höchsten Nachweis auf 930 m Seehöhe.

Der Jagdfasan gilt in Tirol als faunenfremder Gefangenschaftsflüchtling

mit fallweisem Auftreten im Freiland

in Nord- und Osttirol. Aussetzungen kamen immer wieder

vor, z. B. Terfens 1988. Ob Fasane in Tirol jemals

erfolgreich gebrütet haben, ist nicht belegt. AST Die aktuellen

Nachweise dürften allesamt auf entkommene Tiere

aus Gehegehaltungen oder Aussetzungen zu jagdlichen

Zwecken zurückzuführen sein. Von einem aktuellen

Brutbestand wird nicht ausgegangen.

Reinhard Lentner

Summary

In Tyrol, as in the rest of Austria, the Common Pheasant

was introduced mainly in the course of hunting

activities; some individuals may have also escaped

from captivity. Although the species was found both in

North and East Tyrol, there is no proof that the species

ever bred here.

100


Status in Tirol

Brutstatus

EU–Code

möglicher Brutvogel ohne eindeutigen

historischen Brutbeleg (Neozoon)

A115, Anhang II A

Geschätzter Bestand (Brutpaare)

Tirol (2010–2018) 0–1

Schweiz (2013–2016) ABC 40–60

Jagdfasan (Foto: Felix Lassacher)

101


REBHUHN

Perdix perdix | Grey Partridge

Foto: Christian Ragger

Das Rebhuhn ist in Mitteleuropa ein Brutvogel offener,

reich gegliederter Agrargebiete. Wichtig sind kleinflächige

Nutzung mit unterschiedlichen Kulturen und das

Vorhandensein von Feldrainen, Brachen und Hecken, sodass

ganzjährig ausreichend Nahrung und Deckung verfügbar

sind.

KVM, ABÖ

In Österreich liegen die Vorkommen im Osten, im nördlichen

Alpenvorland und in der Böhmischen Masse sowie

vereinzelt auch in südlichen Landesteilen. ABÖ, ÖBI Der

Großteil der Brutgebiete befindet sich unter 600 m, in der

Böhmischen Masse z. T. bis 950 m Seehöhe. ÖBI Inneralpin

sind kaum Nachweise bekannt, rezent gab es einen bemerkenswerten

Brutnachweis im Lungau auf 1000 m. ÖBI

Der österreichische Bestand wird auf 5.000–10.000 Paare

geschätzt. ÖBII

In Deutschland kommt die Art noch relativ verbreitet

vor, fehlt jedoch im südlichen Teil des Alpenvorlands

und in den Alpen. Im nördlichen Alpenvorland ist das

Rebhuhn z. B. im Donaugebiet und der Hallertau zu finden.

ABD In der Schweiz gab es zwischen 2013 und 2016

nur mehr einen sehr kleinen Restbestand von 5–10 Paaren,

ABC 2019 konnten keine Wildvögel mehr festgestellt

werden, sodass dort nicht mehr mit einem Wiederaufkommen

der Art gerechnet wird. 129

Seit den 1980er-/1990er-Jahren kam es in der Schweiz,

Österreich und Deutschland zu sehr großen Bestandsrückgängen

von 80–90 %.

ABC, ABD, 129, 258

In Osttirol gelang am 06. 06. 2013 die Beobachtung von

zwei Exemplaren im Talboden östlich von Lienz, wobei

es sich um ausgesetzte Tiere gehandelt haben dürfte. 313

Um 1900 war das Rebhuhn in Tirol noch Brutvogel in

der Talsohle des Inntals und seiner Mittelgebirgsterrassen

(z. B. in der Umgebung von Innsbruck) sowie auch in

Osttirol (z. B. Lienzer Becken). Bereits zur Mitte des 20.

Jahrhunderts war die Art aber schon beinah ausgestorben.

1967 wurde in Arzl bei Innsbruck der letzte Brutnachweis

erbracht, und 1979 konnte bei Nassereith noch

ein singendes Männchen registriert werden. RLT

Summary

Andreas Danzl

In Tyrol, the last brood of the Grey Partridge was

recorded in 1967. In 2013, two individuals were seen

near Lienz, but they were attributed to birds that had

been released.

102


Status in Tirol

Brutstatus

EU–Code

verschwundener/verschollener Brutvogel

A112, Anhang II A

Geschätzter Bestand (Brutpaare)

Tirol (2010–2018) 0

Schweiz (2013–2016) ABC 5–10

Rebhuhn (Foto: Otto Samwald)

103


HASELHUHN

Bonasa bonasia | Hazel Grouse

Foto: Elmar Mayr

Das Haselhuhn ist ein Brutvogel der borealen Nadelwälder

Eurasiens, es sind aber auch Vorkommen in reinen

Laubwäldern bekannt. In Europa liegen die Vorkommen

zwischen dem 40. und 70. nördlichen Breitengrad und

reichen von Norwegen bis Frankreich, im Westen bis

zum südlichen Alpenrand und am Balkan bis Nordgriechenland.

Der Verbreitungsschwerpunkt Mitteleuropas

liegt in den Alpen, weitere Vorkommen gibt es auch in

den Mittelgebirgen. Der mitteleuropäische Bestand umfasst

53.000–83.000 Brutpaare; die Vorkommen liegen

ABEI, KVM

zwischen 400 und 2100 m Seehöhe.

In Österreich kommt die Art im gesamten Alpenraum

und in Teilen der Böhmischen Masse vor. Der aktuelle

Bestand wird auf 10.000–20.000 Brutpaare geschätzt. ÖBII

In den 1980er-Jahren lag der Großteil der Verbreitung

in der montanen Stufe (800–1300 m). Die zu dieser Zeit

höchste bekannte Brut Österreichs befand sich auf 1800 m

in den Schladminger Tauern/Salzburg. In Oberösterreich

wurden tiefgelegene Randvorkommen zwischen

380 und 600 m nachgewiesen. ABÖ

In der Schweiz sind die Alpen und Voralpen sowie der

westliche und zentrale Jura besiedelt. Der Schwerpunkt

der Höhenverbreitung in der Schweiz befindet sich zwischen

1000 und 1900 m. Der tiefstgelegene Brutnachweis

lag dort bei 540 m, der höchste Nachweis konnte auf 2160 m

getätigt werden. ABC

Lebensraumansprüche

Die Art besiedelt artenreiche Nadel-, Misch- oder Laubwälder

mittlerer und höherer Lagen mit gut strukturierter

Kraut- und Strauchschicht, die ausreichend Deckung

bietet. KVM, ABÖ, ABC Besonders hoch aufsteigende Populationen

treten in älteren Sukzessionsinseln nach Windwürfen

oder Lawinenabgängen sowie in Übergangszonen

unterschiedlicher Waldtypen auf. ABEI

Aktuelle geografische Verbreitung

und besiedelte Habitate in Tirol

Über die Verbreitung dieses heimlichen Raufußhuhns

in Tirol war bisher wenig bekannt. Die Erhebungen im

Zuge des Tiroler Brutvogelatlas und des Raufußhühnermonitorings

ermöglichen nun eine wesentlich genauere

Abschätzung über Verbreitung und Dichte. Generell ist

die Art sowohl in Nord- als auch in Osttirol ein mäßig

häufiger Brutvogel mit regelmäßiger Verbreitung. Im

Rofangebirge und Brandenbergtal in Nordtirol sowie

im Lesachtal im Süden Osttirols sind Haselhühner weit

verbreitet. Im Zuge spezieller Kartierungen im Natu-

104


Status in Tirol

Zugverhalten

Brutstatus

Atlasfrequenz 49 %

Sextantenfrequenz 1,5 %

EU–Code

Standvogel

Geschätzter Bestand (Brutpaare)

regelmäßig verbreiteter,

mäßig häufiger Brutvogel

Tirol (2010–2018) 1.200–2.000

Schweiz (2013–2016) ABC 3.000–5.500

A104, Anhang I & II B (auch in Österreich)

Höhenverbreitung in Tirol

MW

1520 m

Min

680 m

Max

2220 m

ra 2000-Gebiet Karwendel wurden im Bereich Vomper

Loch und Vorberg nördlich von Terfens großflächig

Haselhühner nachgewiesen. 198 Auch im Gebiet Achenwald

konnten im Zuge des Raufußhühnermonitorings

2016 gute Bestände mit Brutnachweis festgestellt werden.

Ähnliches gilt für das hintere Brandenbergtal, die

Kelchsau und die Wildschönau sowie das hintere Defereggental.

Laubmischwälder mit reicher Kraut- und

Strauchschicht sind besonders beliebte Habitate. In

den Nadelwaldgebieten der Innenalpen sind vor allem

feuchte Gräben mit Laubgehölzen an störungsarmen

Talflanken besiedelt. Dort können Haselhühner von den

Talböden bis an die Waldgrenze auftreten. Kleinflächige

Dickungen, z. B. mit Fichten, sind wichtige Rückzugsbereiche.

Vorkommen von Eberesche und anderen Sorbus-Arten

sowie von Lärchen, Buchen u. a. werden gern

aufgesucht; die Territorien werden ganzjährig gehalten.

Höhenverbreitung in Tirol

Der Großteil des Tiroler Bestands kommt in den Innenalpen

zwischen 1400 und 1900 m, in den nördlichen Randund

Zwischenalpen in einer Höhe von 1000–1500 m

vor. Die niedrigsten Reviere lagen auf 680 m in der Taxaklamm

nördlich von Erpfendorf, die höchsten Nachweise

auf 2220 m bei der Bergkastelalpe/Nauders. Die tiefsten

Brutnachweise wurden 2013 auf 820 m bei Oberlienz,

die höchsten im Jahr 2014 bei Zwieselstein im Ötztal auf

1920 m gefunden.

Vorkommenswahrscheinlichkeit – probability of occurrence (MaxEnt)

105


Bestandschätzung für Tirol und Siedlungsdichte

Der Bestand in Tirol (2010–2018) liegt bei 1.200–2.000 Paaren.

Bestandserhebungen in vier Gebieten erbrachten in

Tirol (2011–2014, auf 8.497 ha) 0,45–0,61 Reviere/100 ha,

mit Unterschieden zwischen den Gebieten (Nördliche

Kalkalpen: 2.154 ha, 0,32 Rev./100 ha; inneralpine Lagen des

Oberinntals: 2.257 ha, 0,40–0,58 Rev./100 ha; Kitzbüheler

Alpen: 2.048 ha, 0,73–0,88 Rev./100 ha, Südabdachung der

Hohen Tauern: 2.038 ha, 0,34–0,69 Rev./100 ha). 172 Auf 350

ha in Jochberg bei Kitzbühel wurden 0,86 Reviere/100

ha, im hinteren Ötztal auf 100 ha Untersuchungsfläche

2,0 Reviere/100 ha und im Karwendel 1,14 Reviere/100

ha festgestellt. Bei speziellen Kartierungen in fünf Referenzgebieten

im Karwendel mit ausreichender Waldfläche

wurden 2011 bis 2012 Siedlungsdichten von 0,87–1,14

Revieren/100 ha (Vomper Loch, 917 ha Untersuchungsfläche),

0,43–0,57 (Achenwald, 1.392 ha), 0,34 (Zirl, 722

ha), 0,24 (Arzl–Rum–Thaur, 820 ha) und 0,15 (Falzthurntal,

510 ha) ermittelt. In der Schweiz liegen die Siedlungsdichten

großflächig bei 2–5 Revieren/100 ha, in

Optimalgebieten bei bis zu 5,7 Revieren/100 ha, im Jura

bei 3,3–3,7 Revieren/100 ha. ABC

Reinhard Lentner

3200

Innenalpen

Rand− und Zwischenalpen

3000

2500

Höhe (m)

2000

1500

1000

500

0 5 10 15 20 25

Vorkommenswahrscheinlichkeit (%)

Höhenverbreitung, Vorkommenswahrscheinlichkeit –

altitudinal distribution, probability of occurrence (MaxEnt)

Haselhuhn (Foto: Elmar Mayr)

Summary

The Hazel Grouse is a moderately frequent breeding bird in both North and East Tyrol. It was most frequently found in the

area of Rofan and Brandenbergtal in North Tyrol as well as in Lesachtal in East Tyrol. The species prefers mixed deciduous

forests with well-developed herbaceous and shrub layers. The population includes an estimated 1,200–2,000 breeding pairs.

In the inner Alps, most of the territories lie at altitudes between 1400–1900 m; in the peripheral alpine regions, they are

mainly found between 1000 and 1500 m. The altitudes of found breeding sites ranged from 820 to 1920 m. In four Tyrolean

reference areas (8,497 ha in total), population densities between 0.45 and 0.61 territories/100 ha were found.

106


ALPENSCHNEEHUHN

Lagopus muta | Rock Ptarmigan

Foto: Christian Ragger

Das Alpenschneehuhn ist zirkumpolar verbreitet und

besiedelt auch abgelegene Inseln (z. B. Spitzbergen) und

Gebirge. ABEI Es tritt in Mitteleuropa im Hochgebirge

oberhalb der Waldgrenze mit der alpinen Unterart L. m.

helveticus isoliert als Eiszeitrelikt in den Alpen sowie in den

Pyrenäen auf. Der Bestand in Mitteleuropa (Jahrtausendwende)

wird auf 20.000–30.000 Brutpaare geschätzt. KVM

In Österreich kommt die Art im gesamten Alpenanteil

oberhalb der Baumgrenze vor. Der aktuelle Bestand

liegt bei 14.000–18.000 Paaren. ÖBII In der Atlasperiode

1981–1985 gab es in Österreich die meisten Nachweise

zwischen 1700 und 2200 m, wobei die tiefsten Brutnachweise

in den Randalpen auf 1500 m (Totes Gebirge,

Steiermark) und die höchsten in Kärnten auf 2740 m

(Kreuzeckgruppe) gefunden wurden. ABÖ In der Schweiz

liegen die meisten Registrierungen zwischen 2000 und

2800 m, wobei auf 2980 m die höchsten und auf 1560 m

die niedrigsten Nistplätze festgestellt wurden. ABC

In Zusammenhang mit der Verbreitung der Art ist auf die

zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels hinzuweisen.

So war die Art Anfang der 1990er-Jahre in Südtirol

weiter verbreitet als heute. In zahlreichen Randgebieten

ist das Alpenschneehuhn mittlerweile verschwunden. ABS

Ähnliche Hinweise gibt es auch aus der Schweiz; auch

dort scheint die Art stark unter der Klimaerwärmung zu

leiden und dürfte wesentliche Teile des einstigen Areals

verlieren. 229

Lebensraumansprüche

Die Bruthabitate liegen in der baumfreien Hochgebirgstundra

mit unterschiedlichen Hangneigungen und Expositionen

sowie lückiger Vegetationsdecke aus Zwergstrauchheiden,

kleinwüchsigen Salix-Arten und alpinen

Rasen, die mit steinigen und felsigen Bereichen durchsetzt

KVM, 214

sind.

Aktuelle geografische Verbreitung

und besiedelte Habitate in Tirol

Der Schwerpunkt der aktuellen Verbreitung Tirols befindet

sich in den Zentralalpen in Nord- und Osttirol

oberhalb der Waldgrenze; in diesen Gebieten ist das

Alpenschneehuhn als häufiger Brutvogel der alpinen

Zone zu bezeichnen. Vor allem der Alpenhauptkamm,

von den Ötztaler über die Stubaier Alpen bis zu den

Hohen Tauern, zeichnet sich durch hohe Dichten aus.

Die Nördlichen und Südlichen Kalkalpen sind geringer

besiedelt, da die reliefbedingt geeigneten Habitate

deutlich kleinflächiger vorkommen. In den Lechtaler

107


Status in Tirol

Zugverhalten

Brutstatus

Atlasfrequenz 86 %

Standvogel

Sextantenfrequenz 10,2 %

EU–Code

flächendeckend verbreiteter,

häufiger Brutvogel

A106, Anhang I & II A

Geschätzter Bestand (Brutpaare)

Tirol (2010–2018) 9.000–10.000

Schweiz (2013–2016) ABC 12.000–18.000

Alpen und im Karwendel bestehen großräumig etwas

höhere Revierdichten als in den restlichen Tiroler Kalkgebieten.

Das Alpenschneehuhn ist eine Charakterart

der Lebensräume oberhalb der Baumgrenze mit mäßig

geneigten alpinen Rasen, vielfältigen Expositionen

und Kleinreliefs wie abgeschliffenen Felsbereichen,

vegetationsfreien Bereichen oder Zwergstrauchheiden.

Zwergweiden (Salix) und Gämsheide (Loiseleuria)

sind wichtige Nahrungspflanzen; Flächen mit

höherem Baum- und Strauchbewuchs werden gemieden.

90

Höhenverbreitung in Tirol

Der Großteil des Tiroler Bestands kommt in einer Höhe

von 2000–2600 m vor. Die niedrigsten Reviere sind auf

Höhenverbreitung in Tirol

MW

Min

Max

2300 m

1790 m

3160 m

1790 m im Kaisergebirge (Going) zu finden, die höchsten

Nachweise auf 3160 m am Großen Happ (Venedigergruppe).

Die höchstgelegenen Brutnachweise wurden in der

Nähe des Schrankogels (Stubaier Alpen) 2014 auf 2990 m

festgestellt. Auf 2000 m im Bereich Vorderes Sonnwendjoch

(Rofan) wurde 2017 die am tiefsten gelegene Brut

nachgewiesen.

Bestandschätzung für Tirol und Siedlungsdichte

Der aktuelle Bestand für Tirol wird auf 9.000–10.000

Brutpaare geschätzt. In der Lasörlinggruppe (353 ha) wurden

Siedlungsdichten von 4,3 Revieren/100 ha, in kleineren

Untersuchungsflächen (100 ha) Dichten von 6,3

Revieren/100 ha im Ötztal nachgewiesen. Im Karwendel

wurden bei Referenzflächenkartierungen auf 190 ha 3,21

Dichtekarte - density map

108


Alpenschneehuhn (Foto: Felix Lassacher)

Reviere/100 ha (Brunnenstein) und 3,02–4,55 Reviere/100

ha auf 249 ha (Gramaijoch) ermittelt. 198 Im Zuge aktueller

Forschungen konnten 2019 auf der Nordkette (Karwendel)

auf 230 ha bei frühmorgendlichen Zählungen fünf

Reviere/100 ha gezählt werden. 90 In den Zillertaler Alpen

wurden im Frühjahr 2020 auf 959 ha Probefläche (11 Teilflächen)

5,3 Reviere/100 ha, in Optimalgebieten (109 ha)

bis zu 14,7 Reviere/100 ha kartiert. In der Schweiz liegen

die Dichten im Kanton Schwyz bei 3–5 Revieren/100 ha

und im Aletschgebiet (Wallis) in Kerngebieten bei 6,6

Revieren/100 ha. ABC

Reinhard Lentner

Höhe (m)

3200

3000

2500

2000

1500

1000

500

Innenalpen

Rand− und Zwischenalpen

Summary

The Rock Ptarmigan is most frequently occurring in the

central alpine regions of North and East Tyrol. High

densities were found along the main chain of the Alps

from Ötztal and Stubaital to the Hohe Tauern. Lower

densities were observed in the Northern and Southern

Limestone Alps. The habitats are usually located above

the forest line and are characterised by alpine grasslands,

varying slope expositions and small-scaled reliefs

with rocky elements and dwarf shrub vegetation. The

population includes an estimated 9,000–10,000 breeding

pairs. Depending on the size of the reference areas,

densities between 3.0 and 6.3 territories/100 ha were

found, with maximum values in optimal habitats of

up to 14.7 territories/100 ha. Most of the territories are

located between 2000 and 2600 m, ranging from 1610–

3160 m. Breeding sites lay between 2000 and 2990 m.

0 3 6 9 12

Anteil am Bestand (%)

Höhenverbreitung, Anteil am Bestand –

altitudinal distribution, proportion of population

109


Reinhard Lentner Florian Lehne Andreas Danzl Barbara Eberhard

Der Atlas der Brutvögel Tirols gibt auf Basis umfassender

und systematischer Erhebungen (2010–2018) einen

Überblick über die Verbreitung, Häufigkeit und Bestandsgröße

der in Tirol vorkommenden Brutvogelarten

und deren Lebensräume. Es handelt sich um den ersten

Brutvogelatlas für Tirol, der durch die Lage im Herz der

Alpen wertvolle Grundlagen für Gebirgsvogelarten liefert.

In diesem Buch werden insgesamt 180 Vogelarten

dargestellt, wobei 140 davon als Brutvogelarten und 26

als mögliche oder unregelmäßige Brutvogelarten zu bewerten

waren. Daneben sind auch in Tirol anzutreffende,

faunenfremde Vögel sowie Arten beschrieben, die

nicht mehr in Tirol brüten, aber in früheren Jahren als

Brutvögel galten. Als Ergebnis der landesweiten Erfassung

konnte auch erstmals die Anzahl der Brutpaare

für Tirol geschätzt werden – für die gesamte Landesfläche

wird ein Brutvogelbestand zwischen 2,4 und 2,9

Millionen Brutpaaren angenommen. Buchfink gefolgt

von Tannenmeise und Rotkehlchen sind die häufigsten

Brutvogelarten. Die Analysen zeigen auch die hohe Bedeutung

der Gebirgslagen und Bergwälder Tirols für die

österreichische Brutvogelfauna, ähnliches gilt im Alpenund

EU-Vergleich. Der Atlas bietet eine solide Datengrundlage

für Verfahren, Planungen und für die praktische

Naturschutzarbeit. Zu hoffen ist, dass diese neuen

Erkenntnisse als Auftrag an alle verstanden werden, diese

wunderbare Tiergruppe und ihre Lebensräume für zukünftige

Generationen nachhaltig zu bewahren.

ISBN 978-3-85093-419-0

www.berenkamp-verlag.at

www.kraftplatzl.com

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