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vsao Journal Nr. 2 - April 2022

Tier - Ein ambivalentes Verhältnis Pneumologie Lufthygiene als Erfolgsfaktor Allergene - Die Gesichter der Ekzeme Politik - Qualitätsentwicklung – amtlich verfügt

Tier - Ein ambivalentes Verhältnis
Pneumologie Lufthygiene als Erfolgsfaktor
Allergene - Die Gesichter der Ekzeme
Politik - Qualitätsentwicklung – amtlich verfügt

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vsao

Nr. 2, April 2022

Journal

Das Journal des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Tier

Ein ambivalentes

Verhältnis

Seite 18

Pneumologie

Lufthygiene als

Erfolgsfaktor

Seite 32

Allergene

Die Gesichter der

Ekzeme

Seite 36

Politik

Qualitätsentwicklung –

amtlich verfügt

Seite 6


Individualität.

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Jede Arzt- oder Therapiepraxis ist anders. Das ist gut so. Darum sind die Software- und

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Inhalt

Tier

Ein ambivalentes Verhältnis

Coverbild: Stephan Schmitz

Editorial

5 Von «jöh» bis «grusig»

Politik

6 Qualität – jetzt amtlich beglaubigt

9 Auf den Punkt gebracht

Weiterbildung /

Arbeitsbedingungen

10 Teilzeit auf dem Prüfstand

vsao

12 Neues aus den Sektionen

16 vsao-Inside

17 vsao-Rechtsberatung

Perspektiven

32 Lufthygiene als Erfolgsfaktor

36 Aus der «Therapeutischen Umschau» –

Übersichtsarbeit: Die verschiedenen

Gesichter der Ekzeme

45 Im Einsatz in Kirgistan

mediservice

46 Kochen für Gaumen und Gesundheit

49 Briefkasten

50 Impressum

Fokus: Tier

18 Rätselhafte Steinwürfe

21 «Wir sind ein Team»

25 Huch – eine Spinne!

28 Warmes Herz und kühler Kopf

30 Embryonal entwicklung in Zeitlupe

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vsao /asmac Journal 2/22 3


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Editorial

Von «jöh»

bis «grusig»

Catherine Aeschbacher

Chefredaktorin vsao Journal

Das Quokka hat es gut. Das australische Beuteltier entzückt

die Menschheit und hat als Internetstar den offiziellen

Titel «süssestes Tier der Welt» erhalten. Die Spinne hat

es weniger gut. Wegen ihres Äusseren wird sie gefürchtet,

als abstossend empfunden und oftmals gnadenlos und qualvoll

ge tötet. Quokkas und Spinnen zeigen exemplarisch unser ambivalentes

Verhältnis zu Tieren. Oder wie es der Tierrechtsanwalt Antoine

Goetschel zu sagen pflegt: «Die Katze landet auf dem Schoss, der Fisch

auf dem Teller.» Das Interview mit ihm ist in unserem Schwerpunkt

nachzulesen.

Egal, ob wir sie süss oder abstossend finden: Tiere überraschen uns

immer wieder, je mehr wir über sie wissen. Das Reh, ein hierzulande

nicht unbedingt exotisches Tier, verfügt über eine aussergewöhnlich

lange Keimruhe, d.h., der Embryo entwickelt sich sozusagen in Zeitlupe.

Wie das geht, wird im Fokus erklärt. Noch unerklärt ist das erst

kürzlich dokumentierte Verhalten von Schimpansen: Diese suchen

Steine und werfen oder legen sie dann in hohle Bäume. Der Vorgang

erfüllt keinen nachvollziehbaren Zweck, sondern lässt sich am ehesten

als eine Art Ritual begreifen. Welche Verhaltensvielfalt Schimpansen

aufweisen, beschreibt der Forscher Hjalmar Kühl in einem weiteren

Beitrag.

Vor 15 000 Jahren, vielleicht sogar schon vor 30 000 Jahren kam es

zur ersten Annäherung zwischen Mensch und Wolf. Die daraus entstandene

Freundschaft zwischen Mensch und Hund ist die mit Abstand

älteste Beziehung zwischen Tier und Mensch. Diese Vertrautheit

bildet die Grundlage der tiergestützten Psychotherapie. Elisabeth

Frick Tanner und ihr Ehemann zählen zu den Pionieren auf diesem

Gebiet. Im Interview erzählt die Psychologin, welchen Stellenwert

Hunde in ihrer Arbeit einnehmen und welche Rolle Katzen spielen.

Schliesslich wenden wir uns noch den Spinnen zu. Eine an der Universität

Basel entwickelte App soll dank erweiterter Realität helfen,

die Arachnophobie zu mildern und so dem einen oder andern achtbeinigen

Gliederfüssler das Leben zu retten.

In der Rubrik «Politik» geht es um die Qualitätsentwicklung. Die

Verbände der Leistungserbringer müssen mit Versicherern entsprechende

Verträge abschliessen und sie dem Bundesrat unterbreiten.

Was in diesen Verträgen genau vereinbart wird, wird im Artikel zur

Gesundheitspolitik analysiert.

vsao /asmac Journal 2/22 5


Politik

Qualität – jetzt

amtlich beglaubigt

Bis 1. April 2022 mussten die Verbände der Leistungserbringer

und Versicherer dem Bundesrat Verträge über die Qualitätsentwicklung

unterbreiten. Was steckt dahinter? Wo liegen Chancen und wo Risiken?

Der vsao liefert Antworten.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer vsao

Der Bund will noch mehr Qualität bei den medizinischen Leistungen. Ob mit den neuen Zielen, Vorgaben und Kontrollen

ein weiteres teures Bürokratiemonster geboren wurde, muss sich noch zeigen.

Im Sommer 2019 hat das Parlament

die Änderung des Bundesgesetzes

über die Krankenversicherung

(KVG) zur Stärkung von Qualität

und Wirtschaftlichkeit verabschiedet.

Seit gut einem Jahr ist der revidierte Artikel

58 KVG nun in Kraft. Sein Ziel: eine

systematische und strukturierte Verbesserung

der Qualität der medizinischen

Leistungen. Das Vorgehen:

1. Der Bundesrat legt die strategische Ausrichtung

der nationalen Qualitätsentwicklung

mit Vierjahreszielen fest.

2. Eine eidgenössische Qualitätskommission

(EQK) setzt die zur Verfügung gestellten

finanziellen Mittel gezielt zur

Qualitätsentwicklung ein und berät die

betroffenen Akteure.

3. Die Verbände der Leistungserbringer

und der Versicherer schliessen gesamtschweizerisch

geltende Verträge zur

Qualitätsentwicklung ab.

4. Die Leistungserbringer müssen die darin

festgelegten Regeln einhalten, damit sie

zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung

tätig sein können.

Eine Stimme für die Ärzte

Unter den 15 EQK-Mitgliedern, die inzwischen

vom Bundesrat gewählt worden

sind, vertreten vier die Leistungserbringer.

Für die Ärzteschaft Einsitz hat Christoph

Bosshard, früher vsao-Präsident und

heute als Leiter des Departements Daten,

Demographie und Qualität der FMH deren

Vizepräsident.

Bosshard und seine Abteilung waren

seitens des Ärztedachverbands federführend,

um die unter Punkt 3 erwähnten

Qualitätsverträge für den praxis-ambu-

Bild: amnaj /Adobe Stock

6

2/22 vsao /asmac Journal


Politik

lanten Bereich mit santésuisse und curafutura

auszuhandeln. Für den stationären

Bereich hingegen stand der Spitalverband

H+ mit den beiden Versicherungs-Dachverbänden

im Dialog. Die Einreichung der

Verträge beim Bundesrat als Genehmigungsinstanz

musste bis 1. April 2022 erfolgen.

Sonst hätte dieser selber eingreifen

und Regelungen festlegen können.

In den Qualitätsverträgen war Folgendes

zu klären:

––

Qualitätsmessungen

––

Massnahmen zur Qualitätsentwicklung

––

Zusammenarbeit der Vertragspartner bei

der Festlegung von Verbesserungsmassnahmen

––

Überprüfung der Einhaltung der Verbesserungsmassnahmen

––

Veröffentlichung der Qualitätsmessungen

und der Verbesserungsmassnahmen

––

Sanktionen bei Verletzungen des Vertrags.

Während die FMH (und damit der vsao)

bei der Lösungserarbeitung für die Spitäler

und Spitalambulatorien nicht eingebunden

waren, gab es zum Qualitätskonzept

im praxis-ambulanten Bereich mehrfach

breit geführte Diskussionen und eine

Vernehmlassung. Das Konzept bildet einen

zentralen Baustein der Qualitätsverträge.

«Die zentralen Eckpfeiler sind die

Schaffung einer Lern- und Vertrauenskultur

sowie ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess

auf allen Ebenen», schreibt

die FMH.

Sichern nicht vergessen

In seiner letzten Stellungnahme äusserte

sich der Verband der Assistenz- und Oberärztinnen

und -ärzte nochmals vor allem

zu grundsätzlichen Punkten. «Dazu gehört,

dass die Qualitätssicherung aus unserer

Sicht genauso wichtig ist wie die

Qualitätsentwicklung», erklärt Co-Vizepräsidentin

Nora Bienz. Was unter anderem

heisst, bereits bestehende Massnahmen,

welche die Kriterien Wirksamkeit,

Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit

(WZW) erfüllen, mitzuberücksichtigen.

Zum einen, um den Aufwand bei der Erfüllung

der gesetzlichen Vorgaben in vernünftigem

Rahmen zu halten, zum andern

als Chance, bewährte Ansätze zu

fördern.

Mehr Bürokratie gehört denn für den

vsao auch zu den Hauptrisiken. Zumal das

Verhältnis von Aufwand und Ertrag vorläufig

mit einem grossen Fragezeichen zu

versehen ist. «Die ohnehin vielfach

schwierigen Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen

würden sich unter Umständen

weiter verschlechtern. Dabei sind genau

sie die Basis für eine hohe Behandlungsqualität

und Patientensicherheit»,

erläutert Bienz. «Beide Aspekte müssten

deshalb explizit bei allen Qualitätsverbesserungs-

und Qualitätsentwicklungsmassnahmen,

Fehlermeldesystemen und

Sanktionen berücksichtigt und gewichtet

werden.» Schliesslich seien junge Ärztinnen

und Ärzte zunehmend im praxis-ambulanten

Bereich angestellt und würden

einen wichtigen Teil der ärztlichen Weiterbildung

bei Arbeitgebern ausserhalb

des Spitals absolvieren. «Solche Arbeitgeber

unterliegen jedoch weniger Kontrollen,

weil es zum Beispiel keine Visitationen

gibt.» Die Forderung fand jedoch

keinen Eingang in die finale und von der

Delegiertenversammlung der FMH am

2. Februar 2022 verabschiedete Version

des Qualitätskonzepts.

Auch eine Geldfrage

Bei den Verhandlungen mit den Verbänden

der Versicherer erwiesen sich primär

die Finanzierung, der Umgang mit Daten

sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse

und die Berichterstattung als Knacknüsse.

«Aus unserer Sicht ist eine angemessene

Abgeltung des Zusatzaufwands, der heute

nicht in Tarifpositionen abgebildet wird,

entscheidend für die Umsetzbarkeit des

Qualitätskonzepts bzw. -vertrags», sagt

Nora Bienz. Als Beispiele nennt sie die

Kosten für die Implementierungsmessung

sowie für die Umsetzung und Überprüfung

der Qualitätsverbesserungsmassnahmen.

Für die Implementierung und

Überprüfung soll es laut Konzept eine fixe

Basispauschale pro Leistungserbringer

und Jahr geben und für die Umsetzung

von Qualitätsverbesserungsmassnahmen

eine spezifische aufwandsabhängige Vergütung.

Offen bleibt freilich, ob dieses Modell

angesichts des Primats der Kostenneutralität

politisch mehrheitsfähig sein

wird. Selbst bei der erhofften Ablösung

des aktuellen ambulanten Tarifsystems

TARMED durch TARDOC.

Bezüglich der Glaubwürdigkeit der

Überprüfung in der Aussenwahrnehmung

fragt sich der vsao, wie viele Leistungserbringer

dabei erfasst sind und in welcher

Regelmässigkeit die Kontrollen stattfinden.

Nach seiner Beurteilung braucht es

beim ganzen Qualitätsentwicklungsprozess

eine gewisse Standardisierung zwischen

den Fachgesellschaften, einschliesslich

der Prüfverfahren (Stichwort Vergleichbarkeit).

Und erst recht eine Abstimmung

des Vorgehens im stationären

und im praxis-ambulanten Bereich, da die

Fachgesellschaften als zentrale Akteure

doppelt betroffen sind.

Gemäss Konzept werden die aggregierten

Ergebnisse der Qualitätsmessungen

aufgeschlüsselt nach Fachbereichen

jährlich analysiert und veröffentlicht. Die

Ergebnisse will man auf einer geeigneten

Plattform öffentlich zugänglich machen.

Ausserdem können die Leistungserbringer

freiwillig und aktiv angeben, ob sie mit

der Veröffentlichung ihrer Angaben zur

Implementierung der Massnahmen einverstanden

sind. Bienz erachtet dieses

Vorgehen als gut, weil es einen klaren Willen

zur Transparenz erkennen lasse. Ihr

Verband erwarte nun vom Bundesrat mit

der raschen Genehmigung der Verträge

ein klares Zeichen, dass noch mehr Qualität

nicht nur gefordert, «sondern mit angemessenen

administrativen und finanziellen

Rahmenbedingungen auch wirklich

gefördert und umsetzbar wird. Zeit- und

nervenraubende Papiertiger hat es im Gesundheitswesen

nämlich schon genug.»

Mehr zum Thema unter

vsao.ch/arbeitsbedingungen/

meldestelle

@vsaoasmac

Bitte melden!

Der vsao setzt neue Hebel in Bewegung,

damit Verletzungen des Arbeitsgesetzes

bzw. -vertrags stärker geahndet

werden und die Arbeitszeiten

sinken. Eine der zusätzlichen Massnahmen

ist die Schaffung einer Meldestelle.

Ab Ende April steht auf der

Website des Dachverbands ein Formular

zur Verfügung. Man kann damit

Verstösse gegen das Arbeitsrecht und/

oder die Vereinbarungen zur ärztlichen

Weiterbildung rasch und unkompliziert

melden. Was dann? «Im Normalfall

nehmen wir im Zentralsekretariat

die Mitteilung entgegen und erörtern

mit der meldenden Person und der

betroffenen Sektion die nächsten

Schritte», führt vsao-Geschäftsführer

Simon Stettler aus. «Wenn die meldende

Person allerdings nicht will, dass

ihre Information an die Sektion oder

sonst jemanden geht, können wir nicht

direkt aktiv werden. Die Meldung

fliesst dann in allgemeiner Form in

unsere Verbandsarbeit ein.»

vsao /asmac Journal 2/22 7


Ihre Bedürfnisse

im Mittelpunkt

Visitationen

Bewertungen, Löhne, Arbeitszeiten,

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Wie gut ist die Weiterbildung in

den Kliniken? Dieser Frage gehen

die Visitationen auf den Grund. Zu

den Expertenteams gehört immer

jemand vom vsao. Die Besuche vor

Ort dienen dazu, Verbesserungsmöglichkeiten

zu erkennen. Denn

Sie als unser Mitglied sollen von

einer hohen Weiterbildungsqualität

profitieren.

Falls Sie selber Visitationen

begleiten möchten: eine E-Mail

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Pool

Für Sie als Mitglied ist sie zentral:

die Weiterbildung. Deshalb fühlen

wir unserer Basis mit Umfragen

regelmässig den Puls dazu. Dank

dieses Feedback-Pools können wir

unsere Verbandsarbeit gezielt auf

Ihre Anliegen ausrichten.

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schreiben Sie an ribeaud@vsao.ch.

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Arztberuf

und Familie

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Beruf unter einen Hut?

• Wie steige ich nach der Babypause

wieder ein?

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Herausforderungen?

Antworten auf solche Fragen erhalten Sie

als vsao-Mitglied bei unserem kostenlosen

Coaching. Die Beratung erfolgt telefonisch

durch die Fachstelle UND.

044 462 71 23

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Politik

Unwissen ist Macht

«Ist doch ganz normal», so lautet der Slogan

der aktuellen Imagekampagne eines Schweizer

Finanzinstituts. Seine Botschaft: Vieles, womit

sich die Konkurrenz rühmt, ist für uns schlicht

selbstverständlich.

Oder sprechen Sie sich bei der Fachstelle UND aus. Was immer

Sie tun: Sie durchbrechen das Gesetz des Schweigens und

Erduldens. Nur so kann sich etwas ändern. Und je mehr zu

reden beginnen, umso mehr Gewicht erhalten ihre Stimmen.

Ihre Stimme.

Mir kommen bei dieser Devise allerdings nicht gleich Banknoten

oder Investitionspläne in den Sinn. Sondern – pardon,

déformation professionnelle! – Spitäler. Ich stelle mir nämlich

als Erstes vor, wie wunderbar sie sich so als Arbeitgeber profilieren

könnten. Kostproben:

«Das Arbeitsgesetz einhalten? Ist doch ganz

normal!»

«Genug Zeit für die Weiterbildung – bei

uns ganz …!»

«Beruf und Privatleben vereinbaren?

Logo, ist doch …!»

Und so weiter, und so fort.

Als Zweites fällt mir aber schnell

mal ein und auf, dass meine Ummünzung

des Slogans weitgehend

Tagträumerei ist. Denn «ist doch

ganz normal» heisst für viele unserer

Mitglieder heute noch immer ganz

anderes: Arbeitszeiten jenseits von Gut

und Böse, schlechte und schlecht nutzbare

Weiterbildungsangebote, nicht erfasste

oder nicht erlaubte Pausen.

Und so weiter, und so fort.

Ist doch nicht normal!

Und so weiter?

Das haben Sie in der Hand. Sie als Ärztin oder Arzt, wenn Ihnen

No-Gos als normal verkauft werden. Weil sein muss, was nicht

sein darf. Angeblich. Sie sind gefordert, vom Achselzucken zum

Agieren überzugehen. Melden Sie uns, Ihrem vsao, Missstände,

sei es über unsere neue Meldestelle (vgl. den Beitrag auf Seite 6)

oder über Ihre Sektion.

Auf den

Punkt

gebracht

Dafür braucht es Mut. Ihren Mut, die heissen Eisen anzusprechen.

Trotz der Befürchtung, sich daran die Finger zu verbrennen.

Diese ganz persönliche Hürde können wir nicht für Sie

überspringen. So gern wir das auch täten. Was wir aber machen:

für Sie da sein und vor Sie und hinter Ihnen stehen, wenn es

darum geht, Unrecht richtig zu benennen und

Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen.

In diesem Sinn werden wir im laufenden

Jahr unsere Anstrengungen zur

Durchsetzung des Arbeitsgesetzes

und der Weiterbildung verstärken.

Ziel muss eine spürbare Reduktion

der Arbeitsbelastung sein, auf dem

Papier und im Alltag, damit Sie

sich (wieder) mehr auf die Dienstleistung

am Patienten konzentrieren

können. Zum Beispiel dank

besserer Dienstplanung, weniger

Bürokratie und Doppelspurigkeit,

vollständiger und korrekter Zeiterfassung.

Und so weiter, und so fort.

Ginge es alleine um uns, wären solche Verbesserungen

rasch an noch mehr Orten realisiert. Geht es allerdings nicht –

(zu) oft erfahren wir noch (zu) viel Widerstand und Unverständnis.

Deshalb führt der Weg zum Ziel bergauf, ist länger und

immer wieder mit Steinen übersät. Diese Hürden wollen wir

überspringen – und können es auch, Sie und der vsao zusammen.

Denn gemeinsam machen wir vieles möglich.

Sie wissen jetzt, wie.

Bild: zvg

Dafür braucht es Wissen. Wissen darüber, was Ihnen zusteht

und was erlaubt ist. Weil Unwissen Macht ist – die Macht der

andern. Auf unserer Website können Sie sich über alle arbeitsrechtlichen

und für die Weiterbildung wichtigen Fragen informieren.

Lesen Sie, was unsere Haltung ist, was wir unternehmen

und empfehlen. Holen Sie sich bei der Sektionsjuristin Rat.

Marcel Marti,

Leiter Politik und Kommunikation /

stv. Geschäftsführer vsao

vsao /asmac Journal 2/22 9


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen

Teilzeit auf dem

Prüfstand

Der vsao will Teilzeitstellen fördern. Mit einem Test auf der Website kann

man feststellen, wie gut das eigene Spital für reduzierte Pensen gerüstet ist.

Erste Auswertungen zeigen: Es gibt viel Luft nach oben.

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer vsao

Entscheidend für attraktive Arbeitsbedingungen

sind auch

Teilzeitjobs. «Bei unseren Mitgliedern

wächst die Nachfrage

seit Langem. Vielfach hinkt das Angebot

jedoch noch hinterher. Deshalb haben wir

das Heft in die Hand genommen», sagt

Sarina Keller.

Die Leiterin Recht im vsao-Zentralsekretariat

war verantwortlich für das Projekt

Förderung Teilzeit, welches letzten

Sommer seinen Abschluss fand. Die

Haupterkenntnis? «Drei Faktoren geben

den Ausschlag, um in Spitälern mehr Teilzeitarbeit

zu ermöglichen: Kultur, Struktur

und Organisation.» Für diese Themenbereiche

habe der Verband konkrete Hilfestellungen

entwickelt, gemeinsam mit der

Medizinischen Klinik des Spitalzentrums

Biel, dem Interdisziplinären Notfallzentrum

am Kantonsspital Baden sowie dem

Departement Chirurgie des Kantonsspitals

Winterthur. Zusammengefasst ist das

Ganze in einem umfassenden Leitfaden

für die Mitglieder, Sektionen und Spitalverantwortlichen.

«Er vermittelt unter anderem,

worauf es bei der Dienstplanung

mit Teilzeitpensen ankommt und was es

bei Schwangeren und Müttern zu beachten

gilt», erzählt Keller. Zusätzliche Anund

Einsichten vermitteln verschiedene

Videoclips.

Ausserdem hilft ein kleiner Test,

schnell und einfach zu eruieren, wie es

beim eigenen Arbeitgeber um die Teilzeitarbeit

bestellt ist. Mehrere Dutzend Personen

haben den Check bereits gemacht.

Rund 80 Prozent davon stammen aus der

Deutschschweiz, etwa zwei Drittel sind

Frauen, was auch dem Anteil der antwortenden

Assistenzärztinnen und -ärzte entspricht.

Gut die Hälfte arbeitet Vollzeit

und an Unispitälern. Das Durchschnittsalter

liegt bei 34 Jahren.

Förderung? Eher Fehlanzeige …

Bei den Zwischenresultaten springen diverse

Punkte ins Auge. So vertreten ebenfalls

gegen zwei Drittel der Teilnehmenden

die Ansicht, in ihrem Spital werde

Teilzeit nicht gefördert. Manche wüssten

gar nicht, dass solche Lösungen möglich

seien, verweist die Leiterin Recht des vsao

auf einen der Kommentare bei der Antwort.

Oder man werde scheel und als Problemverursacher/in

angesehen. Und jemand

schreibt: «Es gibt von 23 Assistenzärztinnen/-ärzte

im Team eine Person, die

nach monatelangen Verhandlungen ihr

Pensum auf 70 Prozent reduzieren konnte.

Natürlich hat das ganze Team diesen Prozess

mitbekommen …» Trocken auf den

Punkt bringt es die Rückmeldung «toleriert,

manchmal akzeptiert – aber nicht

ermutigt».

Um Teilzeitangebote zu fördern, müssen

mehrere Kriterien erfüllt sein. Darunter

schneiden bei der persönlichen Beurteilung

besonders folgende schlecht ab:

«Es gibt verschiedene, klar definierte Arbeitszeitmodelle»

und «Die meisten Stellen

meines Spitals werden in Teilzeit angeboten».

Was das oben skizzierte Bild

bestätigt. Erfreulicher: Die Dienstplanung

scheint individuelle Bedürfnisse vermehrt

aufzunehmen und eine Änderung des Beschäftigungsgrads

zumindest kein unüberwindbares

Hindernis zu bilden.

Sarina Keller betont indes, dass öfters Angaben

fehlen – «offenbar aus Unkenntnis

der Situation am Arbeitsort». Was sie erstaune,

da das Thema nicht erst bei der

Familienplanung aktuell werde. «Viele

jüngere Ärztinnen und Ärzte möchten

kleinere Pensen, um ihre Work-Life-Balance

zu verbessern.»

Keine Sonderbehandlung

Zum eher getrübten Eindruck passt die

häufig begrenzte Rücksichtnahme auf

Teilzeitangestellte und deren persönliche

Lebensumstände, wenn es um die Arbeitsbelastung

geht. Einiges liegt offenbar gerade

bei der regelmässigen Information

über die Einhaltung der vertraglichen

bzw. gesetzlichen Arbeitszeiten im Argen.

Deren Überprüfung findet aber zumindest

in fast 40 Prozent der Fälle statt – ein auf

den ersten Blick magerer Wert, doch der

höchste im Vergleich zu den Fragen nach

der Verteilung von Wochenend- und

Nachtdiensten sowie der Einplanung von

Bild: vsao (Titelbild Broschüre «Zeit für Beruf und Familie»

10

2/22 vsao /asmac Journal


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen

eventuellen Personalausfällen, um Engpässe

zu vermeiden.

Es erstaunt somit nicht, dass die Vereinbarkeit

von Beruf und Privatleben kritisch

eingeschätzt wird. Etwas über die

Hälfte stellt dem Arbeitgeber dafür ein

schlechtes Zeugnis aus. Aus der Liste an

illustrierenden Aussagen herausgepickt:

«An Arbeitstagen ist das Arbeitsende unabsehbar.

Es bleibt keine Zeit für andere

Dinge ausser essen und schlafen zwischen

einzelnen Schichten. Oft sogar zu wenig

Schlaf.» «Beides gleichwertig ist nicht

möglich» oder gar «Ich sehe meine Familie

kaum» gehören zu den weiteren Beispielen.

Die für Veränderungen wichtigen Voraussetzungen

wie Mutter- und Vaterschaftsurlaub

plus Lohnfortzahlung oder

Unterstützung/Erleichterung bei der Kinderbetreuung

sehen zwischen 49 und 62

Prozent erfüllt.

Immerhin ist jedoch eine klare Mehrheit

der Meinung, reduzierte Pensen

liessen sich an ihrem Arbeitsort mit der

Weiterbildung vereinbaren. Als hilfreich

erweist sich dabei in erster Linie, wenn es

zeitlich klar abgegrenzte/strukturierte

Weiterbildungssequenzen gibt oder Gelegenheiten

für individuelles zeitversetztes

bzw. virtuelles Lernen.

Was nun, Sarina Keller?

«Die Erkenntnisse fliessen zum einen in

die Sektionsarbeit ein, denn unsere Sektionen

stehen permanent im Dialog mit den

Spitälern», erwidert die Leiterin Recht.

«Zum andern nehmen wir sie bei unseren

Massnahmen zur Durchsetzung des Arbeitsgesetzes

sowie zur Arbeitszeitsenkung

auf – und in ein von uns unterstütztes

Projekt der Fachhochschule Nordwestschweiz

(FHNW) zur Vereinbarkeit.»

Wobei Keller bei diesem «Wir» bald nicht

mehr dabei sein wird: Sie wechselt auf

1. Mai 2022 als Geschäftsleiterin zur Stiftung

zur Förderung der Weiterbildung in

Hausarztmedizin WHM.

Mehr zum Thema unter

vsao.ch/arztberuf-familie/foerderungteilzeit

@vsaoasmac

Die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, ist ein zentraler

Faktor, um als Arbeitgeber auf dem Stellenmarkt attraktiv

zu sein. Was (zu) viele Spitäler noch nicht gemerkt haben.

vsao /asmac Journal 2/22 11


vsao

Neues aus

den Sektionen

Bern

Lohnmassnahmen

per 1. April 2022

Die jährlichen Lohnverhandlungen mit

den GAV-Betrieben konnten kurz vor

Weihnachten abgeschlossen werden. Insbesondere

mit den regionalen Spitalzentren/psychiatrischen

Kliniken mussten wir

sehr hart verhandeln, damit das Personal

eine spürbare Lohnentwicklung erfährt.

Nach hartem Ringen konnten wir uns

auf Lohnmassnahmen von rund 1 Prozent

der GAV-Gesamtlohnsumme einigen. Wir

sind der Meinung, dass das Personal dieser

Arbeitgeberinnen in diesen sehr herausfordernden

Zeiten mehr Wertschätzung

verdient hätte, mussten unsere

Forderungen aber den wirtschaftlichen

Gegebenheiten anpassen.

Mitgliederversammlung 2022

Die beiden Resultate des Spitalzentrums

Biel (2,8 Prozent) und der Inselgruppe

AG (1,5 Prozent) setzen für uns

wichtige Zeichen, dass die Arbeit, ins besondere

in der Nacht und am Wochenende,

zusätzlich honoriert und die Arbeitsbedingungen

stetig verbessert werden

müssen.

Auf unserer Website finden Sie die

detaillierte Gesamtübersicht der Massnahmen.

Jubiläumsaktivitäten

Aufgrund der unsicheren Pandemieentwicklung

haben wir im Januar 2022 unsere

Jubiläumsaktivitäten abgesagt und

freuen uns schon jetzt, mit Ihnen dafür

2025 das 80-Jahre-Jubiläum unserer Sektion

zu feiern!

Janine Junker, Geschäftsführerin VSAO Bern

Wir freuen uns sehr, unsere Mitgliederversammlung wieder im gewohnten Rahmen durchführen

zu können, und laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen! Termin und Ort:

Zentralschweiz

Mitgliederversammlung

2022

Am Donnerstag, 5. Mai, findet die Mitgliederversammlung

der Sektion Zentralschweiz

statt. Wir treffen uns um 18.30 Uhr

auf dem Kulturhof Hinter Musegg in Luzern.

Es wird ein abwechslungsreiches

Programm mit einem spannenden Referat,

Zeit für Diskussionen und Austausch

sowie einem Apéro riche mit leckeren Hofprodukten

geben.

Die Einladung ist Anfang April per

E-Mail an unsere Mitglieder versandt worden.

Hast Du sie nicht erhalten, möchtest

aber gerne auch dabei sein? Dann melde

Dich so bald wie möglich per E-Mail an

(sekretariat@vsao-zentralschweiz.ch).

Wir freuen uns, Dich an der MV zu begrüssen!

Helen Manser und Mirjam Ulmi,

Co-Präsidentinnen vsao Zentralschweiz

Donnerstag, 28. April 2022, Berner Generationenhaus,

Bahnhofplatz 2, 3011 Bern

Programm:

Ab 18.30 Uhr Apéro

19.00 Uhr Mitgliederversammlung

20.00 Uhr Nachtessen und Tombola

Traktanden:

1. Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2021

2. Jahresbericht 2021 des Präsidiums

3. Jahresrechnung 2021

4. Budget 2022

5. Mitgliederbeiträge 2023

6. Wahlen (Präsidium, Vorstand)

7. Lohnverhandlungen 2022

8. Kampagne 2022 und Social Media

9. Fragen und Diskussion

Die Einladung wird per Post verschickt und ist neben dem Jahresbericht des Präsidiums

auf unserer Website aufgeschaltet. Das Anmeldefenster (Frist bis 21. April 2022) ist ebenfalls

unter vsao-bern.ch zu finden.

12

2/22 vsao /asmac Journal


vsao

Zürich /

Schaffhausen

Vereinbarkeit und Chancengerechtigkeit

Das Sektionsressort Vereinbarkeit und

Chancengleichheit erhält eine neue Leitung.

Tabea Cincera unterhält sich mit

ihrer Vorgängerin Laura Münst über die

Herausforderungen als Ärztin, Mutter und

Vorstandsmitglied – und ihre Wünsche

betreffend Vereinbarkeit.

Laura, was hat dir bei deiner Arbeit für

den VSAO Zürich am besten gefallen?

Vor allem die Zusammenarbeit im Vorstand

mit tollen, intelligenten und engagierten

Leuten, die am gleichen Strick ziehen

– das macht Spass und war immer

wieder sehr motivierend! Dabei konnte

ich vieles über die Strukturen im Gesundheitswesen

lernen, über die Wichtigkeit

der Politik und darüber, wie viel trotz eingefahrener

Strukturen mit genügend Beharrlichkeit

und eigener Überzeugung erreicht

werden kann.

Was ist deine persönliche Vision

bezüglich der Vereinbarkeit und der

Chancengerechtigkeit bei Ärztinnen

und Ärzten? Was muss sich ändern und

wie können wir dies erreichen?

Ein grosses Thema ist die vermehrte Einführung

von Teilzeitstellen. Wichtig finde

ich nicht nur, dass solche Angebote immer

selbstverständlicher werden, sondern

auch, dass es für alle eine Option ist, in reduziertem

Pensum zu arbeiten; unabhängig

vom Geschlecht und davon, ob man

Familie hat oder die Zeit für anderes einsetzen

möchte.

Ein anderer wichtiger Punkt scheint

mir die Einführung der Elternzeit: Wenn

bei Ärzten auch davon ausgegangen werden

muss, dass sie zeitweise ausfallen,

wenn sie Väter werden, oder dass sie das

Pensum reduzieren möchten, ist dies ein

Fortschritt für beide Geschlechter und ein

wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung.

Erreichen können wir das

wohl nur, wenn wir uns gemeinsam und

beharrlich dafür einsetzen. Es braucht ein

Umdenken auf allen Ebenen. Die jungen

Ärztinnen und Ärzten müssen wagen, Veränderungen

zu fordern. Und die Vorgesetzten

können lernen, dass neue Modelle

möglich und umsetzbar sind und am Ende

für alle von Vorteil sein können.

Wie liessen sich bei dir persönlich dein

Arbeits- und dein Privatleben als

Ärztin, Mutter und Vorstandsmitglied

vereinbaren?

Das ist die Frage, die ich mir täglich neu

stelle. Es ist eine grosse Herausforderung,

gleichzeitig berufstätig und Elternteil zu

sein. Dabei den eigenen Ansprüchen zu

genügen, finde ich das Schwierigste. Früher

blieb ich so lange im Spital, bis ich alles

Nötige erledigt hatte und meistens zufrieden

war mit mir und dem Ergebnis.

Nun muss ich abends pünktlich gehen,

einerseits, um meine Tochter abzuholen,

und andererseits, da meine Arbeitszeit

wegen der Schwangerschaft aktuell auf

9 Stunden pro Tag beschränkt ist. Das

heisst, ich gebe den ganzen Tag Vollgas

und muss abends dennoch Dinge liegen

lassen, die nicht ganz so dringend sind.

Man wird bestimmt speditiver und effizienter

dadurch und lernt, Prioritäten zu

setzen. Aber es ist auch stressig und belastend

zu wissen, was eigentlich auch noch

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vsao /asmac Journal 2/22 13


vsao

anstehen würde. Gleichzeitig möchte ich

eine gute und präsente Mutter sein und

habe oft das Gefühl, dass ich mehr bei

meiner Tochter sein sollte. Ich glaube, das

ist ein Dilemma, das viele berufsstätige Eltern

kennen – das Gefühl, an allen Ecken

und Enden etwas zu wenig da zu sein.

Dennoch bin ich froh, dass ich die Chance

habe, beides zu kombinieren, und möchte

weder die Arbeit noch die Familie missen.

Die Arbeit für den VSAO Zürich finde

ich wichtig und spannend. Gerne würde

ich auch dafür mehr Zeit und Energie investieren.

Aber ich glaube, dass dies in

den nächsten Jahren und mit dem zweiten

Kind, das unterwegs ist, nicht einfacher

wird. Es scheint mir deshalb sinnvoller,

meine Position jemandem zu übergeben,

der mehr Zeit investieren kann. Ich glaube,

dass der VSAO Zürich mit dir, Tabea, eine

sehr geeignete und engagierte Nachfolgerin

gefunden hat.

Was würdest du Assistenzärztinnen

für den Berufseinstieg raten?

Dinge speziell den Frauen zu raten, finde

ich schwierig, da man sofort in Stereotype

verfällt. Es ist leider weiterhin so, dass es

für Frauen schwieriger ist, Karriere zu machen,

weil sie weniger gefördert werden,

sich weniger aufzudrängen wagen oder

das Pensum reduzieren, wenn sie Mütter

werden. Ich hoffe, dass diese Art von Fragen

der nächsten Generation nicht mehr

gestellt werden muss.

Jungen Kolleginnen und Kollegen

würde ich, unabhängig vom Geschlecht,

folgende drei Ratschläge mitgeben:

1. Egal, womit man beginnt, ob im Spital

oder sonst wo: Es ist normal, am Anfang

keine Ahnung zu haben. Ich habe die Erfahrung

gemacht, dass wir als Ärztinnen/Ärzte

hohe Ansprüche an uns selbst

haben und uns schämen, wenn wir etwas

nicht wissen. Dabei gibt es an jeder

neuen Stelle ganz viel zu lernen, was

man vorgängig nicht wissen konnte.

Eine gute Arbeitskultur sollte es zulassen,

die Lücken zu finden und gemeinsam

zu schliessen.

2. Lasst euch nicht einschüchtern. Selbstsicheres

Auftreten wird oft mit fachlichem

Können verwechselt. Mir persönlich

sind die Ärztinnen und Ärzte lieber,

die ihre eigenen Grenzen kennen und

zugeben.

3. Kinder sind nicht gut für die Karriere.

Entscheidet euch trotzdem dafür, wenn

ihr eine Familie möchtet. Es wird euch

nie jemand dafür danken, dass ihr auf

eine Familie verzichtet habt. Und es wird

sich immer ein Weg finden lassen, Arbeit

und Familie zu kombinieren, je mehr

dies zur Selbstverständlichkeit wird.

Was wünschst du dem VSAO Zürich für

die Zukunft?

Viel Biss, immer wieder neue Ideen und

natürlich viel Erfolg beim Umsetzen der

Anliegen unserer Mitglieder. Und weiterhin

viel Spass bei der Arbeit!

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2/22 vsao /asmac Journal


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vsao

vsao-Inside

Beatrice Bleuer

Wohnort: Innerberg BE

Beim vsao seit: Oktober 2021

Der vsao für Dich in Kürze:

Kompetent, professionell, menschlich

An dieser Frau kommt im vsao

keine(r) vorbei. Also zumindest

niemand, der im Zentralsekretariat

arbeitet oder sonst

in irgendeiner Form in den Rechnungsbüchern

und Budgettabellen des Verbands

auftaucht. Denn Beatrice Bleuer ist

seit einem halben Jahr Leiterin Finanzen

und Personal.

Ihre Funktion hat es an sich, dass

man von der Trägerin in der Regel wenig

sieht und hört, wenn alles rund läuft.

Man darf die 54-Jährige also in uneingeschränkt

positivem Sinn als noch recht

unbekannt in der vsao-Welt bezeichnen.

Was zusätzlich mit ihrem 40-Prozent-

Pensum zusammenhängt: «Meist bin ich

nur dienstags im Büro. Den Rest meiner

Aufgaben erledige ich von zu Hause aus.»

Und es hat seine Bewandtnis wohl

auch ein wenig mit der Person selber.

Wer sieht, wie Beatrice Bleuer an ihrem

Schreibtisch am Berner Bollwerk jeweils

in ihre Tätigkeit vertieft ist, merkt:

Da geht jemand ganz in seinem Metier

auf und genügt sich dabei. «Buchhaltung,

Zahlen und vernetztes Denken haben

mich halt schon immer angesprochen»,

erklärt die Mutter von drei erwachsenen

Töchtern in ihrer freundlich-zurückhaltenden

und klaren Art.

Was sich in ihrer beruflichen Biographie

ohne Brüche nachzeichnen

lässt – von der Wirtschaftsmittelschule

in der Bundesstadt über Vollzeit-Buchhaltungsstellen

in der Privatwirtschaft

bis hin zur Teilzeit-Sachbearbeiterin

und -Rechnungsführerin an Schulen im

Umfeld von Bern. Der familiäre Hintergrund

deutet aber an, dass da noch mehr

ist, was das Leben der passionierten

Brotbäckerin («mit Sauerteig») aus- und

erfüllt. Eines der wichtigsten Stichworte

dazu ist unterwegs sein. Entweder hierzulande

auf mehrtägigen Bergtouren von

Hütte zu Hütte oder dann in der Ferne.

«Nach einer einjährigen Reise durch

Südostasien 1994/95 – insbesondere

durch Pakistan, Nepal und Tibet – zieht

es mich und meinen Mann noch einmal

in den Himalaya. Im Sommer wollen

wir uns mit einem Trekking im nordindischen

Ladakh einen lang gehegten

Wunsch erfüllen.» Die Liste der Hobbys

komplett machen Tennis, Schwimmen,

Fahrradfahren und Lesen.

Das letzte Stichwort führt nochmals

zum vsao zurück. Was hat Beatrice Bleuer

bei der Lektüre der Stellenanzeige bewogen,

sich zu bewerben? «Der Eindruck

eines modernen, sozialen und verantwortungsbewussten

Arbeitgebers. Nach sechs

Monaten kann ich sagen: Er stimmt!

Für mich ist unser Verband deshalb der

richtige Ort, um mein Wissen sinnvoll

einzusetzen.»

Bild: zvg

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2/22 vsao /asmac Journal


vsao

vsao-Rechtsberatung

Teilzeitverträge:

Risiko einer indirekten

Diskriminierung von

Mann und Frau

Arbeitsverhältnisse dürfen keine

Diskriminierung zwischen

Frau und Mann beinhalten.

Dies wird durch das Bundesgesetz

über die Gleichstellung von Frau

und Mann ausdrücklich verboten (siehe

Art. 3 GIG).

Davon betroffen ist nicht nur die

direkte Diskriminierung (die bereits aus

einer schlichten Gegenüberstellung

evident wird), sondern auch die «indirekte»,

d. h. jene nachteiligen Umstände,

in denen Frau und Mann scheinbar

gleich behandelt werden, die Frau jedoch

deutlich häufiger der Diskriminierung

ausgesetzt ist.

Diese indirekte Diskriminierung

finden wir beispielsweise ganz konkret

bei Arbeitsverträgen mit jährlicher,

dienstjahrebasierter Gehaltsanpassung,

wenn der betroffenen Mitarbeiterin ein

Umstieg auf Teilzeit angeboten wird.

Häufig erfolgen die Anpassungen nicht

jährlich auf der Grundlage der prozentual

geleisteten Arbeitszeit, sondern vielmehr

auf der Basis der absolvierten Dienstjahre,

d. h., im Falle einer Halbtagsbeschäftigten

(50 %) wird diese Anpassung

(nur) alle zwei Jahre vorgenommen. Die

Konsequenzen sind evident und zeitigen

erhebliche wirtschaftliche Nachteile.

Die Praxis – sie ist in den Arbeitsverträgen

häufig nicht klar geregelt – scheint

hier ihre eigene Logik zu entwickeln:

Jährliche Anpassungen «belohnen» die

gesammelte Berufserfahrung, so dass der

zu 50 Prozent Beschäftigte für die gleiche

Erfahrung doppelt so viel Zeit benötigt

wie der Vollzeitbeschäftigte.

Nun ist es aber eine Tatsache, dass

durch diese Praxis ein potenzieller Lohnbzw.

Gehaltsanstieg weniger wahrscheinlich

wird, ohne entsprechenden Nachweis

dafür, dass Teilzeitbeschäftigung zu einer

geringeren gleichwertigen Berufserfahrung

führt. Fakt ist ausserdem, dass diese

Benachteiligung vor allem Frauen trifft,

die häufiger (hauptsächlich aus familiären

Gründen) in Teilzeit arbeiten.

Auch das Bundesgericht hat sich mit

dieser Frage befasst und festgestellt, dass

eine indirekte Diskriminierung dann

gegeben ist, wenn die Anwendung

formell neutraler Regelungen tatsächlich

Ergebnisse zeitigt, die – ohne triftigen

Grund – für Angehörige des einen

Geschlechts signifikant negativer sind als

für Angehörige des anderen. Dies – so das

Hohe Gericht – gilt insbesondere für den

Fall, dass Kriterien wie Dienstalter oder

Berufserfahrung eine zu starke Bedeutung

beigemessen wird, wodurch jene

Frauen benachteiligt werden, die ihre

berufliche Laufbahn unterbrechen/

verlangsamen, um sich der Erziehung

ihrer Kinder zu widmen (siehe BGE 142 II

49, Erwägung 6.1; BGE 124 II 409, Erwägung

9d).

Konfrontiert mit einer konkreten

Situation, bestätigte die Delegierte des

Tessiner Staatsrats im April 2021 unter

Bezugnahme auf das vorgenannte

BG-Urteil, dass bei der Berechnung der

Gehaltsanpassungen für teilzeitbeschäftigte

Krankenhausmitarbeitende eine

indirekte Diskriminierung gegeben war,

wenn besagte Anpassungen den Arbeitsanteil

zu stark berücksichtigten.

Lorenza Pedrazzini Ghisla,

Rechtsanwältin Sektion Tessin

Luigi Pedrazzini,

Rechtsanwalt Sektion Tessin

Bilder: zvg

vsao /asmac Journal 2/22 17


Fokus

Rätselhafte

Steinwürfe

Wie entstehen Verhaltensweisen bei Schimpansen? Und was bewirkt

den Verlust von Verhaltensvielfalt? Sicher ist, dass Umwelt und Mensch

das Leben unserer nahen Verwandten in hohem Masse mitbestimmen.

Aber es gibt Verhaltensweisen, die bislang unerklärlich sind.

Dr. Hjalmar Kühl, Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

Bild: Cedric Girard-Buttoz.

Die Forscher trauten ihren

Augen nicht, als sie mit Kamerafallen

aufgenommene

Videos aus Guinea in Westafrika

sichteten und dabei Aufnahmen

vorfanden, in denen Schimpansen grössere

Steine sammelten und sehr gezielt an

einen Baum warfen. Die Wissenschaftler

waren gerade Zeugen einer bis dato unbeschriebenen

Verhaltensweise von Schimpansen

geworden. Die am Boden liegenden

angehäuften Steine deuteten darauf

hin, dass dieses viele Fragen aufwerfende

Verhalten wohl sehr regelmässig praktiziert

wird.

Die Arbeit in Guinea war Teil eines

grossangelegten Projektes zur Erforschung

der biologischen und kulturellen Vielfalt

unserer nächsten Verwandten. Nach dieser

aufregenden Beobachtung wurde an

über 40 Standorten im gesamten Verbreitungsgebiet

der Schimpansen, von Senegal

in Westafrika bis Tansania in Ostafrika,

nach diesem und anderen Verhaltensweisen

gesucht. Schimpansengruppen, die

dieses Verhalten praktizieren, wurden jedoch

ausschliesslich in Westafrika in Savannenregionen

bzw. in Waldgebieten, die

an diese Regionen angrenzen, gefunden.

Da dieses Verbreitungsmuster ausserdem

nicht mit der Häufigkeit von Steinen zu erklären

war, wurde daraus geschlossen,

dass dieses Verhalten eine starke kulturelle

Komponente aufweisen muss und von

Generation zu Generation übertragen und

erlernt wird. Welche Bedeutung dieses

Verhalten hat, ist bisher nicht geklärt. Es

ist jedoch naheliegend, dass Kommunikation

eine wichtige Rolle dabei spielt.

Eigene Wurzeln verstehen

Dies ist nur ein Beispiel des umfangreichen

Verhaltensrepertoires der Schimpansen.

Zahlreiche andere Verhaltensweisen

wurden beschrieben, wie das Angeln

von Termiten und Ameisen, das Knacken

von Nüssen mit Holz- oder Steinhämmern

oder das Fischen von Algen. Wissenschaftler

schätzen, dass bisher nur ein kleiner

Teil der tatsächlich vorhandenen Verhaltensvielfalt

beobachtet und beschrieben

wurde, da mit praktisch jeder neuen Studie

bisher unbekannte Verhaltensweisen

entdeckt werden. Viele Verhaltensweisen

von Schimpansen sind nicht in allen Populationen

zu finden, wie das beschriebene

Steinewerfen in Westafrika. Das Verhaltensrepertoire

der verschiedenen Schimpansenpopulationen

unterscheidet sich

sehr stark voneinander. Neben der Dokumentation

neuer Verhaltensweisen ist es

daher natürlich auch sehr spannend, zu

untersuchen, welche Faktoren die Entstehung

von Verhaltensvielfalt bei unseren

nächsten Verwandten begünstigen. Neben

einem besseren Verständnis der

Schimpansenbiologie und -kultur trägt

die Beantwortung dieser Frage natürlich

auch zu einem besseren Verständnis der

menschlichen Evolution und damit unserer

eigenen Wurzeln bei.

Umwelt und Verhalten

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt,

dass die tropische Regenwaldzone

und die Baumsavannen im äquatorialen

Afrika nicht immer die heutige Verbreitung

hatten. Vielmehr gab es einen wiederholten

Wechsel von Rückzug und Expansion

der Waldflächen und gegenläufig

dazu eine Ausdehnung und einen Rückgang

der Savannen. Dieser Wechsel ging

einher mit den Eiszeiten während des

Pleistozäns in polwärts gelegenen Gebieten.

Die Regionen, in denen Waldgebiete

bestehen blieben, werden daher auch

pleistozäne Waldrefugien genannt. Hat

die heute beobachtete Verhaltensvielfalt

möglicherweise etwas mit diesen Habitats

veränderungen zu tun? Wirken sich

wechselnde Umweltbedingungen möglicherweise

förderlich auf die Verhaltensvielfalt

aus, da dadurch ein erhöhtes Mass

an Anpassung an neue Situationen und

Herausforderungen erforderlich ist? Um

dieser Frage nachzugehen, trugen Wissenschaftler

Informationen zum Verhaltensrepertoire

von mehr als 140 Schimpansengruppen

zusammen. Als Mass für die

Stabilität der Umwelt ermittelten sie die

Distanz jeder einzelnen Schimpansengruppe

zu dem nächstgelegenen pleistozänen

Waldrefugium. Und tatsächlich:

Schimpansengruppen, die nahe oder gar

in einem Waldrefugium leben, weisen im

Durchschnitt ein bis zu 50 Prozent geringeres

Verhaltensrepertoire auf als Artgenossen,

die fernab der Waldrefugien, zumeist

in trockenen Baumsavannen, existieren.

Man kann sich leicht vorstellen,

dass das Leben in Savannen mit den dortigen

grossen saisonalen Unterschieden

ganz andere Anpassungen erforderlich

macht als das Leben in dichten Regenwäldern,

die nur durch geringfügige saisonale

Unterschiede gekennzeichnet sind. Die

Ergebnisse der Studien über den Zusammenhang

von veränderter Umwelt und

18

2/22 vsao /asmac Journal


Schimpansen verschiedener Populationen weisen unterschiedlich grosse Repertoires an

Verhaltensweisen auf, die auch von Ressourcen, von der Umwelt und vom Einfluss des Menschen

abhängen. So werden z.B. Nüsse nicht überall geknackt. Das ganze Verhaltensrepertoire der

Schimpansen ist noch längst nicht bekannt.

Verhaltensvielfalt sind natürlich auch im

Kontext der menschlichen Evolution

spannend, da sich zumindest ein Teil davon

auch in den offenen Baum- und Graslandschaften

abgespielt hat.

Einfluss des Menschen

Während diese Untersuchungen ein erster

Schritt zum besseren Verständnis der evolutionären

Entstehung von Verhaltensvielfalt

unserer nächsten Verwandten

sind, stellt sich auch die Frage, wie es um

dieses evolutionäre und kulturelle Erbe

im 21. Jahrhundert bei der gleichzeitigen

Dominanz des Menschen bestellt ist.

Welchen Einfluss haben die vielfältigen

menschlichen Aktivitäten, die Zerstörung

von Ressourcen, die Rodung und Fragmentierung

des Waldes, die Jagd, die Infrastrukturentwicklung

und der Klimawandel?

Um dieser Frage nachzugehen,

wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang

zwischen der Verhaltensvielfalt

von Schimpansen und dem kumulativen

menschlichen Einfluss gibt. Doch wie

kann nun menschlicher Einfluss gemessen

werden? Dazu gibt es das Mass des

«menschlichen Fussabdrucks». Damit

kann für jeden Punkt auf unserer Erde ermittelt

werden, wie stark menschliche Aktivitäten

die Umwelt verändert haben.

Dieser «menschliche Fussabdruck» wurde

daher auch genutzt, um zu untersuchen,

inwieweit Unterschiede im Verhaltensrepertoire

verschiedener Schimpansengruppen

erklärbar sind. Und tatsächlich,

der «menschliche Fussabdruck» hat inzwischen

nicht nur zum Rückgang und

zur Bedrohung zahlreicher Arten geführt,

er hat inzwischen auch seine Spur in der

Verhaltensvielfalt unserer nächsten Verwandten

hinterlassen, und zwar eine besonders

intensive. In den Gebieten mit

den stärksten menschlichen Einflüssen

hat sich die Verhaltensvielfalt von Schimpansen

um bis zu 90 Prozent reduziert im

Vergleich zu den Gebieten, die nahezu intakt

und unberührt sind.

Was bedeutet das nun für die Zukunft

unserer nahen Verwandten? Über die letzten

zwei Jahrzehnte wurden zahlreiche

und sehr grosse Gebiete, in denen Menschenaffen

vorkommen, unter Schutz gestellt.

Das ist sehr beispielhaft, und es geht

jetzt darum, diese Gebiete erfolgreich zu

managen und damit den Schutz von

Schimpansen und anderen grossen Menschenaffen

zu gewährleisten. Mit dem

Schutz unserer nächsten Verwandten werden

gleichzeitig zehntausende weitere Arten

geschützt. Wenn wir das schaffen, sind

wir auf einem guten Weg, das evolutionäre

und kulturelle Erbe unserer nächsten Verwandten

zu erhalten und es damit auch

zukünftigen Generationen zu ermöglichen,

weitere faszinierende Einblicke in

ihr vielfältiges Leben zu bekommen.

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Fokus

Bild: Adobe Stock

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2/22 vsao /asmac Journal


Fokus

«Wir sind ein

Team»

Elisabeth Frick Tanner und ihr Mann zählen zu den Pionieren

der tiergestützten Psychotherapie. Aus anfänglich eher zufälligen

Beobachtungen und Erfahrungen hat sich ein wissenschaftlich

fundierter Lehrgang entwickelt, der als CAS absolviert werden kann.

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin vsao Journal

Sie setzen Tiere in der Psychotherapie

ein. Wie sind Sie dazu gekommen?

Eigentlich geschah es ganz spontan. Mein

Mann und ich haben die Praxis im Wohnhaus

und hatten immer Hunde. Diese

wollten natürlich wissen, wer da kommt

und begrüssten jeweils die Patienten. Dabei

fiel uns auf, wie stark die Menschen auf

Hunde reagieren. Die Begegnung löst

meist Freude und eine gewisse Entspannung

aus. So begangen wir zunächst aufgrund

eigener Erfahrungen und Beobachtungen,

ohne grosse wissenschaftliche

Basis, die Hunde einzubeziehen.

Bild: zVg

Heute arbeiten Sie bewusst mit Tieren.

Auf welchen theoretischen Überlegungen

basiert dieses Vorgehen?

Wir wollten, dass unser Vorgehen auch wissenschaftlich

abgestützt ist. Dass Fallbeispiele

beschrieben werden usw. Deshalb

haben wir ein Seminar des Verhaltensforschers

Dennis Turner besucht. Er ist Spezialist

für Mensch-Tier-Beziehungen. Zusammen

mit ihm haben wir vor über 20

Jahren einen ersten Kurs zu tiergestützten

Interventionen aufgebaut. Unsere Lehrgänge

richtet sich an Menschen, die einen

Grundberuf haben (Psychologen, Lehrerinnen,

Sozialarbeiterinnen, Theologen usw.)

und mit Tieren arbeiten möchten. Seit Kurzem

kann man an den Universitäten Freiburg

und Basel auch ein entsprechendes

CAS absolvieren. (www.psychologie.unibas.

ch/de/weiterbildung/cas-in-tiergestuetzter-therapie)

/ (www.heds-fr.ch/de/weiterbildung/cas-das-heds/cas-tiergestuetzte-interventionen).

Wie gehen Sie beim ersten Patientenkontakt

vor?

Bereits bei der Anmeldung weisen wir darauf

hin, dass wir Tiere in die Therapie

einbeziehen. Da werden allfällige Allergien,

aber auch Ängste usw. abgeklärt. Die

meisten Patienten reagieren sehr positiv

darauf. Viele wenden sich auch an uns,

weil sie wissen, dass Tiere da sein werden.

Ob Tiere zum Einsatz kommen, hängt

nicht so sehr vom Alter der Patienten ab,

sondern von ihrer Neigung.

Was genau ist die Rolle des Hundes

oder der Katzen?

Ich arbeite genau wie alle andern Fachleute

mit den herkömmlichen Methoden der

Psychotherapie. Die Tiere sind einfach

anwesend, können sich aber immer auch

zurückziehen. Besonders bei Kindern und

Jugendlichen wird der Hund natürlich

stärker einbezogen. Sie dürfen auch mal

ein Spiel mit ihm spielen usw. Diese Interaktion

bildet dann Bestandteil der Therapie.

Hauptsächlich aber sind Tiere Tür­

vsao /asmac Journal 2/22 21


Fokus

öffner, sie bieten spontan eine Bindung

an, erlauben Körperkontakt, die Beziehung

zu ihnen ist unbelastet usw. Abgesehen

davon ist der Hund auch für die Therapeutin

eine Hilfe. Er steht an meiner

Seite und unterstützt mich. Wir sind ein

Team und können uns aufeinander verlassen.

Bei welchen Krankheitsbildern

eignen sich Tiere besonders?

Bei sehr vielen. Auffällig ist der Erfolg bei

selektivem Mutismus. Kinder, welche nur

im engsten Umfeld ungehemmt sprechen,

öffnen sich dem Hund gegenüber meist

schnell und bauen eine Beziehung zu ihm

auf. Vielfach beginnen sie zuerst mit den

Tieren zu sprechen, bevor sie zu uns Kontakt

aufnehmen. Auch bei Angststörungen

oder bei Depressionen sehen wir, dass

die Betroffenen oftmals Freude zeigen,

Vertrauen fassen, die Wärme und den Körperkontakt

geniessen. In der Regel ist

nicht das Krankheitsbild ausschlaggebend,

sondern der Patient und seine Beziehung

zu Tieren.

Und wann sehen Sie vom Einsatz

der Tiere ab?

Natürlich bei Allergien oder Phobien.

Letztere versuchen wir zu bearbeiten. Und

in Ausnahmefällen, bei schweren Bindungsstörungen,

die sich destruktiv äussern,

müssen wir die Tiere schützen. Beim

Versuch, ein Tier zu manipulieren oder zu

quälen, greifen wir sofort ein. Die Art der

Kontaktaufnahme, der Bindung macht jedoch

sehr schnell klar, wohin die Diagnose

zielt.

Haben Ihre Tiere eine spezielle

Ausbildung?

Unser Hund hat eine Bisspräventionsausbildung

und einen Wesenstest absolviert.

Er könnte auch als «Klassenhund» eingesetzt

werden, d.h., wir könnten mit ihm

Schulklassen besuchen, um den Kindern

das richtige Verhalten im Umgang mit

Hunden beizubringen. Ich selbst habe

natürlich auch eine entsprechende Ausbildung,

um speziell den Kindern zu zeigen,

was sie tun dürfen und was nicht. Die

Katzen kann man aufgrund ihres viel

selbstbestimmteren Naturells nicht ausbilden.

Sie kommen und gehen, wie es

ihnen gefällt. Auch das ist für Kinder eine

wichtige Erfahrung: Sie lernen, den Willen

eines andern Lebewesens zu respektieren

und entwickeln eine bessere Frustrationstoleranz

und Affektkontrolle.

Wie kommen Sie zu geeigneten Tieren?

Unser derzeitiger Hund, ein in jeder Hinsicht

wunderbarer Grosspudel, kommt

aus einer sehr guten Zucht und wurde absolut

artgerecht sozialisiert. Natürlich habe

ich mit ihm die Welpen- und Hundeschule

sowie die oben angesprochene

Ausbildung absolviert. Unsere zwei Katzen

sind Siam-Thai-Katzen, bekannt für

ihre «Sprechfreudigkeit». Sie sind sehr gut

sozialisiert, bestimmen aber selbst, ob sie

kommen wollen oder nicht. Wichtig ist bei

allen Tieren, dass sie keine Instrumente

sind, sondern artgerecht gehalten werden

müssen. Alle können sich jederzeit zurückziehen,

und das muss von allen respektiert

werden.

Bindung ist in der Psychotherapie

ein wichtiges Thema. Im Falle der

tiergestützten Therapie ist eine zweite

Bindung vorhanden. Wie gehen Sie

damit am Therapieende um?

Das ist unterschiedlich. Manchmal wird

die Ablösung speziell vom Tier schwierig.

Da die Kinder über einen längeren Zeitraum

kommen, entwickeln sie im Laufe

der Zeit jedoch andere Neigungen, machen

häufiger mit Kollegen ab, erhalten

evtl. ein eigenes Haustier, nehmen Reitstunden

usw. Der Stellenwert der Therapie

nimmt ab, die Bindung zur Therapeutin

wird schwächer. Da Tier und Therapeutin

oftmals als Einheit wahrgenommen werden,

löst sich die Bindung parallel. Wir gestalten

für jedes Kind und jeden Jugendlichen

einen richtigen Abschied und geben

ihnen jeweils ein Foto der Tiere mit.

Raten Sie Eltern oder auch Institutionen,

Tiere anzuschaffen?

Wenn Eltern sich mit dem Gedanken tragen,

bespreche ich das sehr genau mit

ihnen. Die Dimension des Entscheids

muss in jeder Hinsicht klar sein, bezüglich

Verantwortung, Angebundensein, finanzieller

und zeitlicher Aspekte, Wohnsituation

usw. Wir versuchen gemeinsam die

passende Tierart auszuwählen. In Institutionen

muss gewährleistet sein, dass eine

Bezugsperson vorhanden ist, die für die

Tiere langfristig zuständig ist. Das ist oftmals

schwierig zu gewährleisten. In allen

Fällen muss sichergestellt sein, dass die

Tiere artgerecht gehalten und ihre Bedürfnisse

erfüllt werden.

Zur Person

Elisabeth Frick Tanner (geb. 1955),

aufgewachsen in St. Gallen, studierte

nach der Ausbildung zur Primarlehrerin

Psychologie und Pädagogik an der

Universität Zürich und absolvierte die

Jung’sche Therapieausbildung. Seit

über 30 Jahren führt sie mit ihrem

Ehemann Robert Tanner-Frick die selbständige

psychotherapeutische Praxis

Altamira. Von 2000 bis 2019 leitete sie

zusammen mit Dennis Turner und

Robert Tanner-Frick den berufsbegleitenden

Weiterbildungskurs in tiergestützten

Interventionen. Bis heute ist

sie Dozentin für tiergestützte Psychotherapie

an mehreren Institutionen.

Veröffentlichung:

Praxis der tiergestützten

Psychotherapie, 2016.

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Fokus

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Fokus

Huch – eine

Spinne!

Wohl kaum ein anderes Tier löst so viel Angst und Abscheu aus wie

eine absolut harmlose Spinne. Wie andere Phobien lässt sich

auch die Arachnophobie behandeln. Neu sogar dank erweiterter Realität

und einer App auf dem Handy.

Anja Zimmer, Doktorandin, Abteilung für Kognitive Neurowissenschaften (DCN), Universität Basel

Eine Spinne auf der Hand – für alle, die unter Angst vor Spinnen leiden, eine Horrorvorstellung. Dank erweiterter Realität kann man sich schrittweise der

Angst nähern und sie abbauen, auch in der realen Welt.

Bilder: zVg

vsao /asmac Journal 2/22 25


Fokus

Spinnenangst plagt viele Menschen,

sie zählt denn auch zu

den häufigsten Phobien. Die

Angst vor Spinnen äussert sich

in leichtem Unbehagen, Ekelgefühlen bis

hin zu panischer Angst mit körperlichen

Symptomen. Zudem zeigen Betroffene

ein starkes Vermeidungsverhalten, was zu

Einschränkungen im Alltag und psychischer

Belastung führen kann.

Angst kennen wir alle. Es ist eine

menschliche Grundemotion, um uns vor

Gefahren zu schützen. Doch ist dies bei

Spinnen auch angebracht? Betroffene wissen

meistens, dass ihre Angst – rational

betrachtet – übertrieben ist, und doch

sind sie ihr ausgeliefert.

Die Ursachen von Arachnophobie sind

individuell sehr unterschiedlich, und es

gibt diverse Theorien zu ihrer Entstehung.

Vielleicht hatten unsere Vorfahren mit viel

gefährlicheren Spinnen zu tun, und uns

wurde diese Angst evolutionär mitgegeben.

Phobien entstehen häufig in jungen

Jahren, die Angst kann durch Beobachtung

erlernt worden sein. Oder es gab ein

traumatisches Erlebnis, das sich ins Gedächtnis

eingebrannt hat. Frauen sind

häufiger betroffen als Männer, was sicherlich

auch an der Erziehung liegen kann.

Mädchen werden eher in Schutz genommen,

Jungen zur Konfrontation animiert.

Zudem werden Spinnen in Filmen und Geschichten

gerne als angsteinflössende und

ekelerregende Monster dargestellt. Doch

Spinnen sind faszinierende Tiere und spielen

in unserem Ökosystem eine wichtige

Rolle. Nur gehören sie für uns in die Natur

und nicht in unsere Häuser.

Sich der Angst stellen

Zur Überwindung der Spinnenangst gibt

es wirksame Behandlungsverfahren wie

die Expositionstherapie. Betroffene nähern

sich therapeutisch angeleitet den

gefürchteten Tieren, um die Angst schrittweise

abzubauen. Denn bleibt man länger

in der Situation, wird die Angst von ganz

alleine abnehmen. So werden korrektive

Erfahrungen gesammelt, und man lernt,

neu mit der Angst umzugehen.

Diese Therapieform wird jedoch selten

in Anspruch genommen. Betroffene

setzen sich nur ungern echten Spinnen

aus, zudem ist die Durchführung logistisch

aufwändig. Daher wird vermehrt mit

virtueller Realität (VR) gearbeitet, mit der

sich die angsteinflössenden Situationen

simulieren lassen und die Annäherung

virtuell geübt werden kann. Doch die

VR-Brillen haben noch lange nicht alle

unsere Haushalte oder Therapiepraxen erreicht.

Was wir mittlerweile jedoch fast

alle besitzen, ist ein Smartphone. Mit der

Technologie der erweiterten Realität

(Augmented Reality, AR), die mit der VR

verwandt ist, lassen sich die virtuelle und

die reale Welt verbinden. Hier setzt die

App Phobys an.

Phobys basiert auf der Expositionstherapie

und verwendet ein realistisches

3-D-Spinnenmodell, das mit der Kamera

des Smartphones in die reale Umgebung

projiziert wird. Wie in einer Therapie kann

die schrittweise Annäherung an Spinnen

virtuell, aber eben in der realen Welt geübt

werden – auf dem Sofa, im Keller oder im

Therapieraum. Die zehn Trainingslevel

mit spielerischen Elementen nehmen

graduell an Intensität und Schwierigkeit

zu. Jedes Level endet mit einer Bewertung

von Angst und Ekel. So wird entschieden,

ob das Level wiederholt werden sollte

oder ob zum nächsten fortgeschritten

werden kann.

Phobys wurde in einer klinischen Studie

mit 66 Spinnenängstlichen untersucht,

von denen die Hälfte in Eigenregie

für zwei Wochen zu Hause mit der App

trainierte. Vor und nach der Trainingsphase

wurde der Schweregrad der Spinnenangst

durch klinische Interviews und

Fragebögen erfasst. Zudem gab es einen

Verhaltenstest mit einer echten Spinne.

Dabei näherten sich die Teilnehmenden

so weit möglich einer Spinne und bewerteten

Angst und Ekel. Die Ergebnisse der

Studie zeigten, dass ein Konfrontationstraining

mit der App die Spinnenangst reduziert

und das Verhalten in einer realen

Spinnensituation positiv verändert. Zudem

übertrugen sich diese Effekte auch

auf den Alltag.

Eigene Betroffenheit schafft

Innovation

Die Entwicklung einer solchen App verlangt

ein interdisziplinäres Team, um psychologisches

Fachwissen und App-Design

zu verbinden. Doch die Idee entwickelte

sich nicht nur aus Interesse an diesem innovativen

Forschungsfeld, sondern auch

aus Betroffenheit.

Ich litt jahrelang selbst unter Arachnophobie

und wurde dann im Masterstudium

in einem Forschungsprojekt zu VR

und Spinnenangst hart damit konfrontiert.

Also unternahm ich diverse Selbstexpositionsversuche

mit Bildern, in VR

und mit echten Spinnen. Es war anstrengend

und herausfordernd, doch es gab

auch Erfolgserlebnisse, und heute begegne

ich Spinnen fast angstfrei. Nebst dem

Interesse an der Forschung zu Apps war

dieser Abbau meiner eigenen Spinnenangst

eine grosse Motivation, in meinem

Doktorat Phobys zu entwickeln, so dass

sich auch andere Personen ihrer Spinnenangst

stellen können.

Seit September 2021 ist die App für

iOS und Android mit zwei Gratistestlevel

und dem Training für CHF 5.– erhältlich.

Seitdem liessen sich über 55 000 Downloads

verzeichnen. Etwa 20 Prozent der

interessierten Personen kaufen auch das

Training, um sich ihrer Spinnenangst zu

stellen. Das Prinzip der App birgt grosses

Potential. Es kann auch auf weitere Phobien

angewendet werden; die Pläne dafür

sind schon in Bearbeitung.

Phobys ersetzt keine Therapie und soll

bei zu starker Spinnenangst auch nicht alleine

genutzt werden. Aber die App bietet

eine niederschwellige Alternative für

Spinnenängstliche, Expositionsübungen

in Eigenregie durchführen oder auch als

Ergänzung oder Auffrischung einer Therapie.

Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe und

motiviert zur Auseinandersetzung mit der

Angst in der erweiterten Realität, bis Begegnungen

mit Spinnen auch in der realen

Welt leichter werden.

Mehr Informationen zu Studie und zur

App auf www.phobys.com

26

2/22 vsao /asmac Journal


Fokus

Bild: Adobe Stock

vsao /asmac Journal 2/22 27


Fokus

Warmes Herz

und kühler Kopf

Antoine F. Goetschel setzt sich als Jurist seit Jahrzehnten für

den Schutz der Tiere durch das Recht ein. Seine Tätigkeit hat Spuren

in der Rechtsetzung und Rechtsprechung hinterlassen.

Heute kämpft er auf internationaler Ebene für schärfere

Bestimmungen beim Tierschutz.

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin vsao Journal

Sie beschäftigen sich als Anwalt

hauptsächlich mit dem Tier im Recht

und dem Tierschutz durch das Recht.

Wie ist es dazu gekommen?

Schon als Kind und während des Studiums

hatte ich ein starkes Gerechtigkeitsgefühl

und fühlte mich von Grundrechten und

Minderheitenschutz angezogen. Als ich

gegen Ende des Studiums die Möglichkeit

hatte, einem Freund bei dessen Buch über

das Tier im Schweizer Recht behilflich

zu sein, wurde mir klar: Dem Tier wird

im Recht nicht gerecht beigekommen. Die

Rechtsstellung ist zu schwach, und im

Vollzug braucht das Tier zusätzliche Hilfe

durch Organisationen oder Rechtsvertreter.

So widmete ich vor meiner Dissertation

über Tierschutz und Grundrechte

bereits zwei Bücher dem Tierschutzrecht

und durfte für einen darauf spezialisierten

Verein tätig sein. 1995 errichtete ich die

Stiftung für das Tier im Recht und 2016

den Verein Global Animal Law (GAL)

(www.globalanimallaw.org) mit internationaler

Strahlkraft (s. Kasten). Daneben

führe ich meine u.a. auf Erbrecht spezialisierte

Anwaltskanzlei in Zürich.

Während dreier Jahre waren Sie vom

Kanton Zürich als «Rechtsanwalt für

Tierschutz in Strafsachen» beauftragt.

Ein Amt, das auf Ihre Initiative zurückging.

Wie muss man sich Ihre Tätigkeit

vorstellen?

In rund 700 Straffällen wegen Tierquälerei

und anderer Verstösse hatte ich vollständige

Akteneinsicht, konnte an einem ordentlichen

Gang der Strafuntersuchung

mitwirken, Ergänzungsanträge stellen

und tierunfreundliche Verfügungen und

Entscheide zu Gunsten einer härteren

Bestrafung anfechten. Dabei unterstützte

ich die in Tierschutzfällen häufig wenig

bewanderten Staatsanwaltschaften, Gerichte

und Behörden mit Fachwissen und

den Präjudizien, welche ich mit der damals

von mir geführten Stiftung für das

Tier im Recht systematisch gesammelt

habe. Verschiedentlich konnte ich – als

weltweit einziger Amtsträger – Fälle wenden

und auf eine allenfalls abschreckendere

Bestrafung von Tierquälern hinwirken.

Die Strafuntersuchungsbehörden

zeigten sich offen und dankbar für die

Hilfe im Tierschutz-Strafrecht.

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders

in Erinnerung geblieben ist?

Der qualvoll lange gedrillte, also mit der

Fischerrute an Land gezogene Hecht ging

durch die Weltpresse. Der vom Staatsanwalt

wegen Tierquälerei gebüsste Fischer

wurde vom Gericht zwar freigesprochen.

Doch wurde der Öffentlichkeit die

Schmerz- und Stressempfindlichkeit von

Fischen bewusst. Auch erinnere ich mich

an die kaltschnäuzige Haltung eines

Schweinetransporteurs, welcher absichtlich

35 statt die zulässigen 30 Tiere geladen

hatte, weshalb im Transportstress

einige verstarben oder verletzt wurden.

Schliesslich habe er ja 30 unversehrte

Tiere abgeliefert, meinte der Transporteur

ungerührt.

Welche juristischen Spuren hat Ihre

Tätigkeit hinterlassen?

Mitwirken durfte ich am Einbringen der

«Würde der Kreatur» in die Bundesverfassung

und in die Tierschutzgesetzgebung,

womit u.a. der sexuelle Umgang mit dem

Tier ausdrücklich untersagt wurde. Während

zwölf Jahren habe ich mich mit

Gleichgesinnten letztlich erfolgreich für

die Abkehr vom Sachbegriff beim Tier

im Zivil- und Strafrecht eingesetzt. Mit

meinem «Kommentar zum Eidg. Tierschutzgesetz»

(1986) und dem seitherigen

Bild: zVg

28

2/22 vsao /asmac Journal


Fokus

Schrifttum konnte ich die Rechtsprechung

tierfreundlicher beeinflussen und

zahlreiche Juristinnen und Juristen in

der Schweiz und weltweit für das Tier im

Recht begeistern. So entstand denn auch

der Verein Global Animal Law (GAL).

Die Schweiz hat ein sehr strenges

Tierschutzgesetz. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

In der Tat leisten wir uns in der Schweiz

im Vergleich zu vielen Staaten in der EU

und weltweit einen recht hohen Tierwohlstandard.

Die Konsumentenschaft zieht

im Fleischbereich recht gut mit und gönnt

sich mehr Tierwohl und damit ebenso

einen gesünderen Lebensstil, auch durch

allmählich zunehmenden Fleisch- und

Fischverzicht. Von unserem Verein angestellte

Analysen erkennen einen – kantonal

unterschiedlich – hohen Verbesserungsbedarf

im verwaltungsrechtlichen

Vollzug des Tierschutzes gegenüber

Nutz-, Versuchs-, Wild-, Sport- und Heimtieren.

Der politische Wille, gut dotierte,

fachkundige Vollzugsbehörden einzusetzen,

ist teils gering; tierwidrige Zustände

werden dadurch in Kauf genommen. Globale

Tierschutzwidrigkeiten können nur

global gelöst werden. Die Schweiz mit ihrer

vergleichsweise sehr hohen Tieraffinität

wäre dazu prädestiniert, den globalen

Schutz der Tiere und die Tiergesundheit

noch wesentlich stärker voranzutreiben,

etwa Tiergesundheit und Tierschutz in

den Vereinten Nationen zu fordern und

einzubringen. Und als Finanzplatz drängt

es sich für die Schweiz ebenfalls auf, tierfreundliche

Finanzanlagen vorzufinanzieren

und global anzubieten. So könnte

Tierwohl als «New Swissness» neben

Uhren, Schoggi, Bergen und Banken platziert

werden.

Sprechen wir von Tierversuchen.

Wie stellen Sie sich dazu?

Juristisch gesehen sind Tierversuche in

der Schweiz meiner Beurteilung nach,

weil tierbelastend, verboten, ausser es

wird in einem aufwändigen Verfahren

ausnahmsweise eine Bewilligung erteilt,

wenn Versuche für Mensch, Tier und Umwelt

angeblich besonders wichtig sind. Ich

halte den Tierschutzaspekt in den Bewilligungsverfahren

für untervertreten. Zudem

ist die einmal erteilte Bewilligung

(ausserhalb von Zürich) nicht gerichtlich

anfechtbar, wenn es sich um weniger belastende

Versuche handelt. Schliesslich

wird der 3-R-Ansatz «Reduce, Replace and

Refine» von Wirtschaft und Hochschulen

zu wenig vehement verfolgt, und dies

weltweit. Wären die erheblichen Mittel der

letzten Jahrzehnte statt in Tierversuche

in tierfreundliche Alternativen investiert

worden mit Blick auf die Stärkung der

Gesundheit anstelle der Bekämpfung der

Krankheit, so sähen die (Spital-)Apotheken

und Drogerien anders aus.

Unser Umgang mit Tieren ist ein

hochemotionales Thema. Auf der

einen Seite stehen bisweilen fanatische

Tierschützer, auf der andern

gleichgültige «Tiernutzer». Wie treten

Sie mit all diesen Gruppen in einen

Dialog?

In der Tat ist unser Umgang mit Tieren

komplex und paradox, und auf Seiten der

Schützer wie auch der Nutzer von Tieren

teilweise ausgrenzend und menschenunfreundlich.

Bei der Auseinandersetzung

mit Tierquälereien aller Art ist es manchmal

anspruchsvoll, ruhig und überlegt zu

bleiben, weshalb ich für schrille Töne

durchaus Verständnis aufbringe. Wenn es

um rechtliche Anliegen geht im Bereich

von Rechtsetzung, Vollzug und Ausbildung,

sei’s in der Schweiz oder eben weltweit,

erscheint uns der sachbezogene Weg

erfolgversprechender zu sein. Ich habe

meine Mitarbeitenden im Verein Global

Animal Law (GAL) angehalten, mit warmem

Herzen und kühlem Kopf zu argumentieren.

Die Klimaerwärmung hat unsern

Umgang mit Natur wieder ganz oben

auf die politische Traktandenliste

gesetzt. Zunehmend mehr Menschen

ernähren sich vegetarisch oder gar

vegan. Hat auch der Tierschutz Hochkonjunktur?

Tierschutz hat derzeit meiner Wahrnehmung

nach in der Öffentlichkeit nicht gerade

Hochkonjunktur. Fleischverzicht –

bei einer prognostizierten weltweiten

dras tischen Zunahme an Fleischproduktion

– ist aus meiner Sicht nicht das Allerheilmittel,

gerade auch was den Schutz

der weiterhin zu eng gehaltenen, übermässig

gezüchteten, überlang transportierten

und unwürdig geschlachteten

sog. Nutztiere anbelangt. Von Tierwidrigkeiten

gegenüber den Heim-, Versuchs-,

Sport- und Wildtieren ganz zu schweigen.

So erstaunt nicht, dass Tierschutz in die

17 Sustainable Development Goals (SDGs)

der UNO keinen Eingang gefunden hat.

Dem will unser Verein mit seiner

UNO-Konvention zu Tiergesundheit und

Tierschutz entgegentreten. Auch fehlen

tierfreundliche Finanzanlagen praktisch

völlig, und wir prüfen nun, wie solche

glaubwürdig aussähen, und versprechen

uns eine enorme tierfreundliche Wirkung

in der tiernutzenden Wirtschaft. Allerdings

erscheint mir manchmal, potenzielle

und potente Gesprächspartner seien

für Visionen aktuell noch nicht besonders

affin.

Wenn Sie die Macht hätten, eine

einzige, sofortige Änderung herbeizuführen.

Welche wäre das?

Unsere UNO-Konvention zu Tiergesundheit

und Tierschutz (www.uncahp.org)

würde bald von der UNO angenommen

und, gepaart mit tierfreundlichen Finanzanlagen,

wuchtig umgesetzt: Dies liesse

mich und viele Tierfreundinnen, Finanzanleger

und vor allem Tiere wieder ruhig

schlafen.

Global Animal Law (GAL)

Meinem 2016 gegründeten Verein

Global Animal Law (GAL) (www.global

animallaw.org) haben sich bis jetzt 110

Rechtsprofessoren sowie Anwältinnen

und Anwälte aus dem Bereich des

Tier(schutz)rechts aus der ganzen Welt

angeschlossen. Unsere Datenbank

umfasst sämtliche nationalen Tierschutzgesetze

und weitere Bestimmungen.

Damit bieten wir Studierenden

und der Fachwelt globale Dienste beim

Rechtsvergleich. Mit unserer GAL-Matrix

regen wir Diskussion an, wie dem

Tier in den Bereichen Rechtsetzung,

Vollzug und Ausbildung geholfen

werden kann. Die von uns erarbeitete

UNO-Konvention wird von der Zielrichtung

her bereits von über 200 Tierschutzorganisationen

wie auch dem

US-amerikanischen Anwaltsverband

unterstützt. Darin fordern wir u.a.

strengere nationale Tierschutzgesetze

und deren transparente Durchsetzung

sowie Ausbildungsprogramme, u.a. zur

Förderung der Gesundheit von Tieren

und damit auch von Menschen.

vsao /asmac Journal 2/22 29


Fokus

Embryonalentwicklung

in

Zeitlupe

Als eines von wenigen Säugetieren legt der Rehembryo eine besonders

lange Keimruhe ein. Mit modernen molekularen Methoden zeigen

ETH-Forschende erstmals auf, was im Embryo während dieser Phase

tatsächlich abläuft. Und sie finden Signale, die sein Erwachen steuern.

Peter Rüegg, ETH Kommunikation 1

Gewöhnliches Tier mit aussergewöhnlicher Embryonalentwicklung: das heimische Reh (Capreolus capreolus).

1

Dieser Beitrag erschien erstmals am 27.8.2021

in den ETH-News.

Bild: Adobe Stock

30

2/22 vsao /asmac Journal


Fokus

Alle kennen das Reh, in vielen

Kreuzworträtseln wird nach

ihm gefragt, man trifft es auf

der Joggingrunde oder bei einem

Spaziergang im Wald an – ein filigranes

Tier, mit seinen grossen schwarzen

Augen geradezu elegant.

So gewöhnlich das Reh in unseren

Wäldern erscheinen mag: Es weist eine Besonderheit

auf, die unter Geweihträgern

einmalig ist. Nach der Paarung und der

Befruchtung des Eis im Hochsommer nistet

sich der stecknadelkopfgrosse Embryo

nicht in der Gebärmutter ein, sondern legt

eine Keimruhe, embryonale Diapause genannt,

ein. Diese hält über vier Monate bis

Dezember an. Erst danach setzt der Embryo

seine Entwicklung in normaler Geschwindigkeit

fort und nistet sich im Uterus

ein. Im Mai bringt die Ricke nach

viereinhalb Monaten «echter» Tragzeit ein

bis drei Kitze zur Welt.

Bekannt ist das Phänomen seit mehr

als 150 Jahren. Doch der Forschung gibt

dieser ungewöhnliche Vorgang nach wie

vor Rätsel auf. Über 130 Säugetierarten

mit unterschiedlich ausgeprägter Diapause

sind bekannt. Selten dauern sie indes so

lange wie beim Reh. Bei fast keiner anderen

Art tritt statt dem vollständigen Anhalten

eine so ausgeprägte, anhaltende

Verlangsamung ein. Bei Mäusen können

Wissenschaftler die Diapause künstlich

auslösen. Nach wie vor ist aber unklar,

welche natürlichen Faktoren beim Reh die

Keimruhe steuern und den Embryo dabei

am Leben erhalten.

Mit dem Rätsel der Rehdiapause befasst

sich auch die Forschungsgruppe von

Susanne Ulbrich, Professorin für Tierphysiologie

der ETH Zürich, seit längerem. In

einer neuen Studie zeigen die Forschenden

auf, welche molekularen Vorgänge im

Embryo während seiner Keimruhe ablaufen:

Die embryonalen Zellen teilen sich

während der Diapause weiterhin, wenn

auch sehr langsam. Die Zahl der Zellen,

auch der embryonalen Stammzellen, verdoppelt

sich dabei nur alle zwei bis drei

Wochen. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift

PNAS. Daran beteiligt sind

nebst der ETH-Gruppe auch Forschende

der Universitäten Zürich und Bern sowie

deutscher und französischer Forschungseinrichtungen.

Gentranskripte und Signalmoleküle

untersucht

Um die Frage zu klären, was die Zellen des

Embryos an der normalen Teilungsgeschwindigkeit

hindert, untersuchten die

Forschenden zum einen die molekulare

Zusammensetzung der Uterusflüssigkeit.

Zum anderen nahmen sie das Transkriptom,

also die Gesamtheit aller Boten-RNA-Moleküle,

der Embryonen und

der Schleimhautzellen aus dem Uterus

genauer unter die Lupe.

In der Uterusflüssigkeit fanden die

Forschenden tatsächlich Signalstoffe, welche

die Teilungsgeschwindigkeit regulieren

könnten. Besonders auffällig war die

Aminosäure Serin. Die ETH-Forschenden

zeigten auf, dass sich gegen Ende der Diapause

die Konzentration bestimmter Aminosäuren

in der Uterusflüssigkeit ändert.

Daraufhin setzt die Rate der Zellteilung

mit normaler Geschwindigkeit ein.

Mit im Spiel ist dabei der Molekülkomplex

mTOR, der auf die Aminosäuren reagiert.

Dieser Proteinkomplex spielt bei

vielen anderen Signalwegen in Säugetierzellen

bei der Regulation des zellulären

Stoffwechsels eine entscheidende Rolle,

unter anderem auch im Zusammenhang

mit Krebserkrankungen. mTORC1 reguliert

zum Beispiel die Proteinsynthese

und somit das Zellwachstum und die Zellteilung.

Laut den neuen Erkenntnissen ist

nur die Aktivität des Molekülkomplexes

mTORC1 (aber nicht mTORC2) in den Embryonen

des Rehs während der gesamten

Diapause unterdrückt. Dies im Unterschied

zur Diapause der Maus, bei der

die Zellteilung vollständig durch die

Hemmung beider mTORC-Komplexe angehalten

wird.

Wenn gegen ihr Ende hin der Aminosäurenpegel

in der Uterusflüssigkeit deutlich

ansteigt, aktiviert dies mTORC1. Dies

wiederum setzt Stoffwechsel- und Zellzyklusgene

in Gang. Die Embryonalentwicklung

wird angetrieben. Die Forschenden

vermuten zudem, dass im Gegenzug

mTORC2 während der Diapause von Rehembryonen

nicht gehemmt wird, wodurch

die langsame kontinuierliche Zellteilung

aufrechterhalten bleiben könnte.

Ob nebst den diversen Aminosäuren

weitere Signalmoleküle involviert sind,

haben die Forschenden in dieser Studie

nicht untersucht. Ebenfalls bleibt unklar,

ob die Aminosäuren tatsächlich für die

Fortsetzung der Embryoreifung verantwortlich

sind oder ob auch der Embryo

Moleküle absondert, die auf mütterliche

Zellen und Signalwege einwirken. Es

könnte sein, dass der Embryo seine Präsenz

mit speziellen Signalmolekülen dem

Mutterorganismus anzeigt. Diese Wissenslücke

möchte Ulbrich in künftigen

Studien schliessen.

Neues Licht auf Fortpflanzungsbiologie

Die neuen Erkenntnisse werfen ein Licht

auf die Reproduktions- und Entwicklungsbiologie

im Allgemeinen. Eine der

grundlegenden Fragen ist, wie es bei Säugetieren

zu einer Schwangerschaft respektive

Trächtigkeit kommt. So können sich

beispielsweise bei Mensch und Rind Embryonen

oft nicht in der Gebärmutter

einnisten und sterben. «Dies hat mit vielschichtigen

Wechselwirkungen zwischen

Embryo und Mutter zu tun», sagt Ulbrich.

Für eine erfolgreiche Schwangerschaft

bedürfe es einer engen zeitlichen

Abstimmung. Der Embryo müsse sich

zum rich tigen Zeitpunkt durch entsprechende

(molekulare) Signale bemerkbar

machen und den Zyklus der Mutter unterbrechen.

«Diese Interaktion zwischen

Embryo und Mutter wollen wir besser

verstehen», erklärt die ETH-Professorin.

Dafür sei das Reh als Modell ideal. Dessen

Embryonalentwicklung sei derjenigen des

Rindes sehr ähnlich, laufe aber in Zeitlupe

ab. «Dadurch können wir die einzelnen

Schritte besser zeitlich auflösen und ursächliche

Zusammenhänge finden.»

Die Erkenntnisse könnten auch dazu

beitragen, die In-vitro-Fertilisation beim

Menschen so zu verbessern, dass Embryonen

nicht mehr eingefroren werden müssten.

Zudem könnte mit natürlichen Faktoren

die Geschwindigkeit der Teilung

von Zellen, einschliesslich embryonaler

Stammzellen, gesteuert werden.

Literatur

van der Weijden V. A., Bick J. T.,

Bauersachs S., Rüegg A. B., Hildebrandt T.

B., Goeritz F., Jewgenow K., Giesbertz P.,

Daniel H., Derisoud E., Chavatte-Palmer P.,

Bruckmaier R. M., Drews B., Ulbrich S. E.

(2021). Amino acids activate mTORC1 to

release roe deer embryos from decelerated

proliferation during diapause. PNAS,

publiziert 27.8.2021. DOI: 10.1073/

pnas.2100500118call_made

Rüegg A. B., Bernal S., Moser F. N.,

Rutzen I., Ulbrich S. E. (2020). Trophectoderm

and embryoblast proliferate at slow

pace in the course of embryonic diapause

in the roe deer (Capreolus capreolus)

(2020). Bioscientifica Proceedings 10

ISEDISED13 | DOI: 10.1530/biosciprocs.10.

013call_made

vsao /asmac Journal 2/22 31


Perspektiven

Aktuelles aus der Pneumologie / Umweltmedizin:

saubere Luft – mehr Gesundheit

Lufthygiene als

Erfolgsfaktor

Die neuen Luftqualitätsleitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

fordern saubere Luft. Aus Public-Health-Sicht ist jedes Mikrogramm

weniger Luftverschmutzung ein grosser Gesundheitsgewinn. Die Luftqualität

muss sich national und international weiter verbessern.

Meltem Kutlar Joss, Leiterin Dokumentationsstelle Luftverschmutzung und Gesundheit (LUDOK);

Prof. Nicole Probst-Hensch, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut,

Assoziiertes Institut der Universität Basel

Am 22. September 2021 hat die

WHO die Welt mit ihrer Vorstellung

von gesunder Luft

konfrontiert [1]. Dabei hat sie

mit dem Beitrag von Forschenden des

Schweizerischen Tropen- und Public

Health- Instituts (Swiss TPH), basierend

auf der aktuellen Evidenz aus hunderten

von epidemiologischen Studien, neue Luftgüteleitlinien

(AQG) publiziert. In systematischen

Übersichtsarbeiten zu Sterblichkeit,

Notfällen wegen Asthma oder Herzinfarkten

haben die Forschenden festgestellt,

dass die Evidenz für negative Gesundheitsfolgen

selbst bei tiefen Belastungen noch

besteht. Sie fordern daher für den Gesundheitsschutz,

die langfristige Schadstoffbelastung

mit Feinstaub (Partikel mit einem

Durchmesser von 2,5 Mikrometern oder

weniger PM 2,5 ) auf 5 μg/m 3 pro Jahr zu reduzieren,

jene mit NO 2 auf 10 μg/m 3 und jene

mit Ozon auf ein Mittel von 60 μg/m 3 in

den warmen Monaten. Diese Werte sollen

gemäss den Expertinnen und Experten

eingehalten werden, um die Bevölkerung

vor schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung

zu schützen.

32

Tabelle. Empfohlene AQG-Werte für 2021 im Vergleich zu den Luftgüteleitlinien von 2005 [1]

Schadstoff Mittelungszeit AQG-Richtwert

2005

Luftverschmutzung und

Gesundheitsfolgen

Luftverschmutzung ist die Verunreinigung

der von uns eingeatmeten Innenund

Aussenluft durch chemische, physikalische

oder biologische Wirkstoffe mit

potenziell bedrohlichen Folgen für die

Gesundheit des Menschen und des

Ökosystems. Zu den Schadstoffen, bei denen

es die deutlichsten Belege für gesundheitliche

Bedenken gibt, zählen Feinstaub

(PM), Ozon (O ), Stickstoffdioxid (NO 2 )

und Schwefeldioxid (SO 2 ) sowie Kohlenmonoxid

(CO). Die durch Feinstaub bedingten

Gesundheitsrisiken sind für die

öffentliche Gesundheit von besonderer

Bedeutung. PM 2,5 und PM 10 können bis tief

in die Lunge vordringen, ultrafeine Partikel

können sogar in den Blutkreislauf

gelangen. Es gibt mittlerweile viele biologische

Wirkungsmechanismen, welche

AGQ-Richtwert

2021

PM 2, 5 , μg/m 3 Jahr 10 5

24 Stunden a 25 15

PM 10 , μg/m 3 Jahr 20 15

24 Stunden a 50 45

O 3 , μg/m 3 Warme Jahreszeit b – 60

8 Stunden a 100 100

NO 2 , μg/m 3 Jahr 40 10

24 Stunden a – 25

SO 2 , μg/m 3 24 Stunden a 20 40

CO, mg/m 3 24 Stunden a – 4

die beobachteten Gesundheitseffekte in

den Atemwegen, dem Herz-Kreislauf-

System und anderen Organen erklären [2].

2013 wurde Aussenluftverschmutzung

und Fein staub vom Internationalen Krebsforschungszentrum

der WHO (IARC) als

krebserregend eingestuft. Die lufthygienische

Dokumentationsstelle am Swiss TPH

hat die gesicherten Gesundheitsfolgen der

Luftschadstoffe in einer Infografik zusammengetragen

(Grafik 1 [3], https://www.

swisstph.ch/de/projects/ludok/healthef

fects/). Es gibt also mittlerweile kein Organsystem,

welches nicht von den schädlichen

Auswirkungen der Luftverschmutzung

betroffen wäre.

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

Bild: Adobe Stock

Grafik 1. Gesicherte Gesundheitsfolgen der Luftschadstoffe (Quelle: Swiss TPH).

vsao /asmac Journal 2/22 33


Perspektiven

Luftverschmutzung stammt aus einer

Vielzahl von natürlichen und anthropogenen

(vom Menschen verursachten) Emissionsquellen.

Die wichtigsten Quellen der

anthropogenen Luftverschmutzung in

der Schweiz umfassen den motorisierten

Verkehr (NO 2 , PM), die Holzverbrennung

(PM), die Landwirtschaft (NH 3 , ein Vorläufer

von Feinstaub, PM) und die Industrie

(flüchtige organische Kohlenwasserstoffe

VOC, NO X , PM) [4].

Luftverschmutzung in der Schweiz

Nun sind Regierungen weltweit gefordert,

ihre Anstrengungen zur Reduktion der

Emissionen zu intensivieren, um die Luftbelastung

kontinuierlich zu verringern.

Die Schweiz war in den letzten 30 Jahren

sehr erfolgreich und konnte die Luftbelastung

aller regulierten Schadstoffe bis auf

Ozon unter die in der Schweiz heute geltenden

Grenzwerte reduzieren (Grafik 2

bis 4 [5]).

Massgeblich zu diesem Erfolg hat die

Schweizer SAPALDIA-Kohortenstudie beigetragen

(siehe Kasten). Sie untersucht seit

den frühen 1990er Jahren die Zusammenhänge

zwischen Luftverschmutzung und

anderen Faktoren und der Gesundheit in

der Schweizer Bevölkerung und konnte

Politikerinnen und Politiker überzeugen,

ambitionierte Ziele zu formulieren und

griffige Massnahmen zu ergreifen.

Die Herausforderung heute besteht

darin, Synergien von Klimaschutz und

Lufthygiene zu nutzen und klimaneutrale

Strategien nicht zu Lasten der Luftqualität

zu verfolgen. Die Förderung der klimaneutralen

Holzverbrennung kann ohne weitere

Massnahmen zu einer Zunahme von

Feinstaub und krebserregenden Substanzen

führen, was Erfolge der Luftreinhaltepolitik

gefährdet. Des Weiteren sollte

das Mobilitätsverständnis ganzheitlich

weitergedacht werden hin zu lebenswerten

Städten statt nur die Elektrifizierung

der Fahrzeugflotte als Lösung zu betrachten.

Denn auch Elektroautos emittieren

noch gesundheitsschädliche Nicht-Abgas-Bestandteile

durch Brems- und Reifenabrieb

[6] und verbrauchen eine grosse

Fläche.

Bedeutung der Luftverschmutzung

Die wichtigste und wirksamste Massnahme

zur Bekämpfung der luftbedingten

Krankheitslast ist die nachhaltige Verbesserung

der Luftqualität durch Verminderung

der Emissionen. Ein wichtiges Instrument

ist die Festlegung von bindenden

Luftqualitätsgrenzwerten. Die USA und

µg/m 3

30

25

20

15

10

5

0

1998

2000

2002

2004

Feinstaub PM2,5

Bern-Bollwerk Basel-Binningen Payerne

Zürich Lugano Grenzwert

2006

2008

Grafik 2. Verlauf der Jahresmittel von Feinstaub PM2,5 an repräsentativen Standorten des

NABEL-Messnetzes, verkehrsexponiert (Bern-Bollwerk), städtisch (Zürich und Lugano), vorstädtisch

(Basel-Binningen) und ländlich (Payerne). Seit 2018 ist in der Luftreinhalten-Verordnung ein

Immissionsgrenzwert für PM2,5 festgelegt.

µg/m 3

70

60

50

40

30

20

10

0

1991

1993

1995

1997

1999

2010

2012

Stickstoffdioxid (NO 2 )

Bern-Bollwerk Lausanne Härkingen

Sion

2001

Immissionsgrenzwert

2003

2005

Grafik 3. Verlauf der Jahresmittel von Stickstoffdioxid an den vier verkehrsexponierten Standorten

des NABEL-Messnetzes: städtisch (Bern-Bollwerk und Lausanne); ländlich an der Autobahn

(Härkingen und Sion).

µg/m 3

300

250

200

150

100

50

0

1991

1993

1995

2007

2009

2011

2014

2013

Ozon, max. monatlicher 98-Perzentilwert

Lugano Zürich Basel-Binningen

Dübendorf

1997

1999

2001

Immissionsgrenzwert

2003

2005

Grafik 4. Verlauf der höchsten monatlichen 98 %-Werte an den vier städtischen und vorstädtischen

Standorten des NABEL-Messnetzes: Lugano, Zürich, Basel-Binningen und Dübendorf.

2007

2009

2011

2013

2016

2015

2015

2018

2017

2017

2019

2019

2020

2021

2021

Grafiken: zvg

34

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

Europa haben zudem gezeigt, dass Umwelt-

und damit Gesundheitsschutz mit

wirtschaftlichem Wachstum vereinbar ist

[7]. Das individuelle Risiko, durch Luftverschmutzung

zu erkranken, ist zwar klein

gegenüber anderen Faktoren wie beispielsweise

dem Lebensstil (Rauchen, Bewegung).

Da jedoch alle Personen von Jung

bis Alt ständig dieser Belastung ausgesetzt

sind, summieren sich diese Risiken zu

einem grossen Risiko auf Bevölkerungsebene.

Weltweit ist die Luftverschmutzung

der wichtigste Umweltrisikofaktor, verantwortlich

für über 6,5 Millionen vorzeitige

Todesfälle [8]. Die europäische Umweltagentur

beziffert in ihrer Gesundheitsfolgenabschätzung

für das Jahr 2018 die

Zahl der vorzeitigen Todesfälle aufgrund

der Feinstaub, NO 2 - und Ozonbelastung in

der Schweiz auf 3500, 270 sowie 350 vorzeitige

Todesfälle [9].

Saubere Luft ist ein wichtiger Faktor

für die Gesundheit. In diesem Sinne

kommt den Ärztinnen und Ärzten eine

wichtige Aufklärungsrolle auf individueller,

aber auch struktureller Ebene zu.

Einer seits können sie ihre Patienten und

Patientinnen beraten und beispielsweise

zu körperlicher Aktivität an weniger belasteten

Strassen raten oder, in Bezug auf

Lärm, zur Wahl des Schlafzimmers weg

von stark befahrenen Strassen raten. Die

Meinung der Fachleute in Gesundheitsfragen

kann ebenfalls politische Entscheidungsprozesse

beeinflussen und Massnahmen

zur Belastungsreduktion stützen.

SAPALDIA – die Quelle für Gesundheitsdaten

In der Schweizer Langzeitstudie SAPALDIA («Swiss Cohort Study on Air Pollution and

Lung and Heart Diseases in Adults»), der bislang grössten Studie, untersuchen Forschende

des Swiss TPH, wie sich die Umwelt, der Lebensstil, die sozialen Umstände und

die Gene auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung auswirken. Sie sammeln biologisches

Material und erheben seit 1991 Gesundheitsdaten von knapp 10 000 zufällig ausgewählten

Personen, die 1991 in Aarau, Basel, Davos, Genf, Lugano, Montana, Payerne oder

Wald lebten. In Zehn-Jahres-Abständen werden die Untersuchungen bei den gleichen

Personen wiederholt und teilweise ergänzt.

Heute sind die Teilnehmenden mehr als ein Vierteljahrhundert älter als bei Studienbeginn

und viele von ihnen haben das Rentenalter erreicht und weit überschritten. Dies

bietet die Gelegenheit, in der vierten SAPALDIA-Phase von 2014 bis 2017 die Untersuchungen

auf den Einfluss von Lebensstil, Sozial-, Umwelt- und Erbfaktoren auf die Gesundheit

des Alterns zu konzentrieren. SAPALDIA will damit wissenschaftliche Grundlagen

zur Förderung der Lebensqualität im Alter liefern und mehr Verständnis für die

zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen erhalten bzw. entwickeln.

Prof. Dr. phil. II et PhD Nicole Probst-Hensch, MPH, ist Leiterin des Departments

Epidemiologie und Public Health am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut

Basel und leitet die SAPALDIA-Langzeitstudie.

Literatur

[1] World Health Organization (WHO).

WHO Global Air Quality Guidelines. Particulate

matter (PM2.5 and PM10), ozone, nitrogen

dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxide.

Geneva: World Health Organization; 2021.

[2] Peters A., Nawrot T. S., Baccarelli A. A.

Hallmarks of environmental insults. Cell 2021;

184: 1455–68.

[3] Swiss Tropical and Public Health

Institute (Swiss TPH), Dokumentationsstelle

Luftverschmutzung und Gesundheit (LUDOK).

Interaktive Grafik zu den Auswirkungen der

Luftverschmutzung auf die Gesundheit. Basel:

LUDOK, Swiss TPH; 2020.

Accessed 28.1.2022:

https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/

dokumente/luft/fachinfo-daten/nabelrevue-2019.pdf.download.pdf/nabel-rueck

blick-2021.pdf

https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/fr/

dokumente/luft/fachinfo-daten/nabel-revue-

2019.pdf.download.pdf/nabel-revue-2021.pdf

[6] Timmers, V. R., Achten. Non-exhaust

PM emissions from electric vehicles. Atmospheric

Environment 2016; 134: 10–17.

[7] Greenbaum D. S. The Clean Air Act:

Substantial Success and the Challenges Ahead.

Ann Am Thorac Soc. 2018; 15(3): 296–7.

[4] Bundesamt für Umwelt (BAFU). Luft:

Fachinformationen. Accessed 5.1.2022 https://

www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/

luft/fachinformationen.html

[5] Bundesamt für Umwelt (BAFU),

Eidgenössische Materialprüfungs- und

Forschungsanstalt (Empa), NABEL Rückblick

2021, Bern: Bundesamt für Umwelt; 2021.

[8] GBD Risk Factors Collaborators. Global

burden of 87 risk factors in 204 countries and

territories, 1990–2019: a systematic analysis for

the Global Burden of Disease Study 2019.

Lancet 2020; 396: 1223–49.

[9] EEA. Air quality in Europe – 2020

report: European Environment Agency; 2020.

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vsao /asmac Journal 2/22 35


Perspektiven

Aus der «Therapeutischen Umschau»* – Übersichtsarbeit

Die verschiedenen

Gesichter der

Ekzeme

Antonio Cozzio und Ieva Saulite

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Kantonsspital St. Gallen

* Der Artikel erschien ursprünglich in der

«Therapeutischen Umschau» (2019), 76(2), 55–63.

mediservice vsao-Mitglieder können die

«Therapeutische Umschau» zu äusserst

günstigen Konditionen abonnieren.

Details s. unter www.hogrefe.ch/downloads/vsao.

Der Begriff «Ekzem» umschreibt

auf den ersten Blick

eine Serie morphologisch sehr

heterogener, entzünd licher

Hautbilder, die aber einem regelhaften

zeitlichen Ablauf unterliegen und deshalb

oftmals nur unterschiedliche Stadien derselben

Krankheit bezeichnen. Die Beschränkung

des Ekzembegriffes auf «rote,

schuppende Haut» wäre irreführend, können

doch Ekzeme im Wesentlichen (fast)

alle Primär- und Sekun där efflores zenzen

auf der Haut zeigen: Erythem (makulös bis

erythrodermatisch), Vesikel (Bläschen) bis

Bullae (Blasen), Papeln bis Plaques und

Knoten (> 1 cm Durchmesser) sowie Pusteln

sind möglich als Primäreffloreszenzen,

aber auch sekundäre Morphen sind

regelhaft beim Ekzem: Krusten (eingetrocknete

Bläschenflüssigkeit) und Schuppen

(verhornte Keratinozyten), Erosionen,

Ulzerationen, Lichenifikationen, Exkoriationen,

Rhagaden sowie Vernarbungen.

Als Spätfolgen treten zudem Hypo- und

Hyper pigmentier ungen auf.

Der Begriff «Ekzem» aus dem Griechischen

ἔκζεμα umschreibt am ehesten die

akute Phase des heraufbrodelnden, aufwallenden

Ekzems mit der akuten serösen

Blasenbildung, und stellt in der deutschsprachigen

Dermatologie den typischen

Begriff dar für diese Krankheitsgruppe. Im

Englischen sowie in der (englischsprachigen)

Literatur setzt sich zunehmend der

generalisierend weitgefasste Begriff der

Dermatitis durch, der eigentlich auch andere

Entzündungen der Haut umfasst, wie

den Lichen ruber oder die Lupusdermatitis.

Im Begriff der atopischen Dermatitis

ist aber ausschliesslich das atopische Ekzem

gemeint. Der Begriff der Neurodermitis

ist veraltet, auch wenn er gerade in der

Bevölkerung verbreitet ist und manchmal

nützlich erscheint, um eine mögliche Verbindung

zwischen psychischer Verfassung

und Ekzemakti vität zu postulieren.

Nach der Pathogenese unterscheiden

wir die folgenden Ekzemgruppen:

• Atopisches Ekzem, atopische Dermatitis

(AD)

• Kontaktekzem / Kontaktdermatitis (KD)

von allergischen und vom toxischen

Typ, mit oder ohne Lichteinwirkung

(phototoxische KD, photoallergische KD)

• Seborrhoisches Ekzem

• Nummulär-mikrobielles Ekzem

• Exsikkationsekzem

• Stauungsekzem

Ekzeme können auch nach Lokalisationen

unterteilt werden (Hand- / Fuss- / Skrotal- /

Analekzem, Intertriginöses Ekzem, Kopfhautekzem

und andere). Während die

Kenntnis der pathogenetischen / ätiologischen

Unterteilung wichtig ist für gezielte

Abklärung und Diagnostik, ist das Verständnis

der lokalisationsabhängigen

Ekzeme sowie der Ekzemstadien wichtig

für eine galenisch korrekte Therapiewahl

(Galenik: Darreichungsform des Arzneimittels,

in der Haut z. B. Lösungen, Lotion,

Creme, Salben, Fettsalben).

In der Folge werden wir dem häufigen

atopischen Ekzem etwas mehr Platz einräumen,

um die Basistherapie zu erklären,

aber auch um auf das stark verbesserte

Verständnis in der Pathogenese hinzuweisen,

welches verbesserte systemische Behandlungen

zulässt, falls die hautgerichteten

Therapien versagen. Für die Juckreizbekämpfung

verweisen wir auf den

Artikel von Dr. Markus Streit in dieser Ausgabe

der Therapeutischen Umschau und

fokussieren mehr auf die Entzündungsbehandlung

der Ekzeme. Weiter geben wir

eine kurze Übersicht über kontakttoxische

und kontaktallergische Ekzeme, seborrhoische

Ekzeme und das nummulärmikrobielle

Ekzem. Nicht genauer erläutert

werden aus Platzgründen das Exsikkationsekzem

sowie das Stauungsekzem.

Das atopische Ekzem (die Juckflechte,

atopische Dermatitis,

Neurodermitis, endogenes Ekzem,

Prurigo Besnier)

Das atopische (nicht zuzuordnende, nicht

lokalisierbare) Ekzem oder die atopische

Dermatitis (AD) ist mit 10 – 15 % Prävalenz

eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter,

welches sich häufig mit dem Erwachsenwerden

verliert (Prävalenz Erwachsene

ca. 3 %). Kleinkinder zeigen die

Symptome meist im ersten Lebensjahr,

36

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

typischerweise nach der Neonatalperiode

(ab 4. Lebensmonat). Die Vererbung ist polygenetisch,

bei einem betroffenen Elternteil

muss von einem Risiko von ca. 15 %,

bei beiden Elternteilen von bis zu 80 %

ausgegangen werden. Die beste genetische

Evidenz für eine ursächliche Mutation

besteht für das Filaggrin-Gen: Das

mutierte epitheliale Eiweiss führt zu Störungen

der Hautbarriere mit einem entsprechenden

erhöhten Wasserverlust mit

nachfolgender Hautaustrocknung. Ein

gängiges Modell postuliert, dass trockene

Haut zu Juckreiz führt mit konsekutivem

Kratzen und Mikroverletzungen, welche

die dermale Entzündung aktiviert, die

dann den Pruritus verstärkt – ein Circulus

vitiosus entsteht. Allerdings finden sich

Filaggrinmutationen nur in etwa der Hälfte

aller Patienten mit AD. Eine Substitution

mit einer gesunden Filaggrinvariante

ist (wie bei allen loss of function Mutationen)

genetisch und immunologisch

schwierig zu bewerkstelligen, und es gibt

aktuell auch keine Studienaktivitäten in

dieser Richtung.

Die zweite Stossrichtung der Forschung

befasst sich mit der Immunologie

des AD. Bereits seit Jahrzehnten war bekannt,

dass die Behandlung mit Cyclosporin

A bei organtransplantierten Patienten

auch eine gleichzeitig bestehende AD

verbesserte. Anders als die restlichen Erkrankungen

aus dem atopischen Formenkreis

(Rhinokonjunktivitis, Asthma bronchiale)

wurde bei der AD gezeigt, dass sie

nicht zwingend eine IgE-vermittelte, sondern

eine T-zelluläre Entzündung darstellt,

im Frühstadium v. a. eine Th2-gewichtete,

im weiteren Verlauf dann eine

gemischt Th1 / Th2 / Th22-aktivierte Entzündung

der Haut. Die Aufschlüsselung

der Entzündungskaskade der AD hat aktuell

die IL-4 / 13 Zytokine in den Fokus gerückt:

die Hemmung der Effekte dieser Interleukine

führt zu einem deutlichen Aktivitätsrückgang

der AD und entsprechende

Antikörper sind in Europa bereits zugelassen

und werden bald auch in der Schweiz

in den klinischen Alltag Einzug halten

(s. unten). Viele weitere zusätzliche intraund

extrazelluläre Faktoren der Entzündungskaskaden

sind in den Fokus des

Forschungs interesses gerückt, und die

nächsten Jahre werden hoffentlich weitere

Fortschritte in der Behandlung der mittelschweren

/ schweren AD mit sich bringen.

Provokationsfaktoren spielen bei der

Aktivierung der AD eine grosse Rolle.

Durch wiederholte mechanische Reizungen,

z. B. durch Feuchtarbeiten, aber auch

durch Schwitzen oder zu häufiges Duschen

/ Baden, kann eine atopische Dermatitis

bei Veranlagung getriggert werden.

Ebenfalls sind Alkohol und psychischer

Stress als mög liche Auslöser beschrieben.

Nahrungsmittel sind vor allem

im Säuglings- und Kleinkindesalter bei

einer AD- Verschlechterung zu evaluieren

(v. a. Milch, Ei, Nüsse, Fisch, Soja, Weizen),

bei Erwachsenen sind diese bedeutend

seltener. Diese leiden dafür eher unter Aeroallergenerkrankungen

durch Hausstaubmilben,

Pollen oder Tierhaare, die

neben häufigen Atemwegsproblemen

durchaus auch eine AD-Verschlechterung

auslösen können. In diesem Falle sind

Massnahmen wie Encasing oder Desensibilisierungen

somit doppelt sinnvoll. Für

eine zielgerichtete und wirtschaftliche

Aufarbeitung der allergologischen Zusammenhänge

ist eine Zusammenarbeit mit

einem Allergologiezentrum hilfreich, damit

können auch übertriebene oder wissenschaftlich

sinnlose Allergieabklärungen

(z. B. IgG Abklärungen auf Nahrungsmittel),

mit denen vielen Patienten Geld

aus den Taschen gezogen wird, vermieden

werden.

Klinische Zeichen der AD

Die Atopiestigmata erlauben die Feststellung

einer atopischen Diathese, welche bei

entsprechendem Ekzembild die Diagnose

der AD unterstützen. Zu den Atopiestigmata

gemäss Diepgen-Score gehören (mit

Punkteangaben, müssen addiert werden):

• Juckreiz beim Schwitzen 3

• Unverträglichkeit von Wolle 3

• Xerosis cutis 3

• Dermographismus albus 3

• Hertoghe Zeichen 3

• Milchschorf anamnestisch 2

• Perlèche, Cheilitis 2

• Ichthyosis, vermehrte / vertiefte

Handlinien2

• Pityriasis alba 2

• Positive FA 1

• Rhinitis1

• Konjunktivitis1

• Asthma1

• Dyshidrosis1

• Dennie-Morgan Falte 1

• Nickel Allergie 1

• Nahrungsmittelunverträglichkeit1

• Gesichtserythem1

• Lichtempfindlichkeit1

• Keratosis pilaris 1

0 – 6 Punkte Atopie unwahrscheinlich

7 – 10 Punkte Atopie möglich

> 10 Punkte Atopie wahrscheinlich

Eine IgE Erhöhung ist nicht zwingend nötig

zur Diagnose der AD: ist sie vorhanden,

sprechen wir von einer extrinsischen AD

(ca. 2 /3 aller Patienten), bei normalen IgE

Werten von einer intrinsischen atopischen

Dermatitis.

Das klinische Bild der atopischen Dermatitis

ist vielfältig, und umfasst je nach

Altersgruppe andere Prädilek tionsstellen:

Während im Säuglingsalter häufig Kopf

und Stamm betroffen sind und die Beugen

sowie Windelregion ausgespart werden,

werden im Kindes- und Jugendalter vorwiegend

beugenbetonte Ekzemherde gesehen

(Hals, Ellenbeugen, Kniebeugen,

aber auch Anogenitalregion). Im Erwachsenenalter

wiederum sind vor allem

Kopf / Hals sowie Schulterregion sowie die

Hände von der AD betroffen. Aufgrund

der speziellen Exposition im Kindesalter

(z. B. Spielen im Sand) werden bei Kindern

gerade im Sommer Knie- und Ellenbogen

stärker belastet und zeigen dann die typische

Sandbox-Dermatitis, ein mechanisch

getriggertes Ekzem (oft im Rahmen der

AD). Im Erwachsenenalter kommt es viel

häufiger als bei Kindern zu den pruriginösen

Ekzemformen mit Ausbildung von papulovesikulösen

und knotigen, ev. hämorrhagisch-exulzerierten

Herden, die

maximal therapieresistent verlaufen können

mit entsprechend hohem Leidensdruck.

Das AD folgt einem phasenhaften, regelmässigem

Verlauf der Ekzemreaktion

und deren Erkennen ist entscheidend für

die Wahl der galenischen Form der topischen

Behandlung.

Zu den akuten Stadien des Ekzems gehören

das a) ini tiale Erythem, b) die vesikulös-bullös

nässende Phase, sowie die c)

eintrocknende, krustöse Phase. Bei länger

anhaltender Entzündung kommen

schliesslich die chronischen Ekzemstadien

zur Ausprägung mit c) hyperkeratotischen,

ev. rhagadiformen Bild bis zur e)

lichenifizierten Phase. Die Einschätzung

der Entzündungsphase (s. Abbildungen)

ist wichtig zur Behandlung gemäss des

dermatologischen Grundsatzes: nässende

Läsionen feucht behandeln, trockene Läsionen

fett behandeln!

Prinzipiell baut sich die AD Behandlung

stufenweise wie folgt auf:

1. Basisbehandlung

2. antientzündliche / antimikrobielle

Lokaltherapie

3. Lichttherapie

4. Systemische Therapie

vsao /asmac Journal 2/22 37


Perspektiven

Abbildung 1. Klinische Ekzemstadien. a: Erythematöse Phase; b: Vesikulobullöse Phase; c: Krustöse Phase; d: Squamöse Phase; e: Lichenifizierte Phase.

Basisbehandlung

Die Behandlungsstufen schliessen sich

nicht gegenseitig aus, können kombiniert

werden, und aufgrund der rein morbostatischen

Effekte der Behandlungen muss

zwischen ihnen oftmals hin und her gewechselt

werden bzw. müssen sie wiederholt

angewandt werden. Nur die Basisbehandlung

soll kontinuierlich durchgeführt

werden! Das bedingt, dass sie sich

gut anfühlen muss, wenn wir vom Patienten

einfordern, dass er sie kontinuierlich

durchführt – die Basistherapie muss also

personalisiert werden! Die Beschreibung

der spezifischen Pflegeprodukte sprengt

den Rahmen dieses Reviews, und ist eine

der Kernkompetenzen des dermatologisch

tätigen Facharztes. Je nach individuellem

Empfinden des Patienten und ev.

vorliegender kontaktallergischer Komorbiditäten

können Pflegeprodukte auf

Harnstoffbasis, Glycerin-, Milchsäure-,

Vaseline-, Ceramid oder andere Basis erfolgen.

Für Harnstoff / Urea, einem natürlichen

Bestandteil des natural moisturizing

factors der Haut, liegen sehr gute Untersuchungsresultate

hinsichtlich Reduktion

des Wasserverlustes, der Trockenheit,

Rötung und Juckreiz vor, und sogar das

Hautmikrobiom soll sich unter Harnstoff

weg von den prädominanten Staphylokokken

hin zum normalisiertem, vielfältigerem

Mikrobiom entwickeln. Häufig

wird jedoch die Erfahrung gemacht, dass

gerade im Kindesalter oder bei stark xerotischer

Komponente Urea-haltige Produkte

initial nicht gut vertragen werden (stinging

effect), hier können andere Topika

eingesetzt werden. Die wichtigste Erkenntnis

jeder Basistherapie: mindestens

1 x täglich durchführen, sich Zeit nehmen,

und vor allem GENUG auftragen. Das

heisst auch für uns Ärzte: GENUG verschreiben!

Eine tägliche Ganzkörpertherapie

bei einem erwachsenen Patienten

bedingt, ein Rezept über ca. 300 gr / Woche

zu verschreiben. Leider werden diese

Mengen nur selten verschrieben, noch

seltener von den Krankenkassen übernommen,

und schliesslich auch leider von

den Patienten nicht regelmäs sig angewandt.

Dabei ist es erwiesen, dass die

Basistherapie, eine angepasste Hygiene

(nicht zu häufiges Duschen), der (zurückhaltende)

Einsatz eines Syndet als Seifenersatz,

sowie die Wahl wenig irritierender

Kleidungsstücke (Seidenunterwäsche besser

als Baumwolle, synthetische Stoffe

oder gar Wolle) bereits dazu führen, dass

häufig auf Kortikosteroide verzichtet werden

kann. Darüber hinaus mehren sich

Studienhinweise, dass die tägliche Ganzkörperbehandlung

von Risikosäuglingen

(Risiko für AD bei vorbelasteten Eltern)

mit Ölbädern oder Öl in Wasser Emulsionen

ab der 1. Lebenswoche im Sinne einer

Primärprävention zu einer singifikanten

Reduktion von Ekzemerkrankungen im

späteren Leben führt.

Antientzündliche / antimikrobielle

Lokaltherapie

Kommt es trotz sorgfältiger Basistherapie

zu einem entzündlichen Schub (lokal oder

generalisiert), so ist der Einsatz eines Klasse

II-IV topischen Kortikosteroides (TCS)

gerechtfertigt, wobei es ausserhalb des

Gesichtsbereiches (Klasse II) in der Regel

besser ist, kurz und heftig ein starkes Kortikosteroid

einzusetzen, als überlang ein

schwaches. Je nach Ekzemphase sollten

als Galenik eine Lotion, Creme oder Salbe

verwendet werden, Hersteller und Produkte

gibt es unzählige, am besten arbeiten

Grundver sorger mit einer kleinen Palette

an Produkten, die sie gut kennen. Eine

typische Verschreibung für einen Ekzemschub

beim Erwachsenen bedingt

eine ordentliche Menge an TCS: pro Prozent

befallene und zu therapierende Haut

muss pro Tag (bei Einmalanwendung) ca.

0.2 g angewandt werden. Bei 40 % KOF Befall

also 8 g / Tag, bei einer Dauer von 10

Tagen Behandlung also ca. 80 g TCS. Nach

einer Therapiedauer von typischerweise

7 – 14 Tagen (täglich) kann eine proaktive

Dauertherapie erfolgen für mindestens

2 Monate mit 1 – 2 × / Woche topische Steroidanwendung

auf die abgeheilten Herde.

Unter dieser sekundärprophylaktischen

Anwendung werden – v. a. bei sorgfältiger

Basistherapie – weniger Rezidive,

und über den längeren Verlauf gesamthaft

weniger topische Steroide auf die Haut

aufgetragen bei Patienten mit chronisch-rezidivierender,

aktiver AD und reaktiver

Steroidgabe. Die Steroidtherapie

erfolgt zusätzlich zur Basistherapie, die

Patienten müssen darauf aufmerksam gemacht

werden, dass sie > 1 h / Tag für die

Hautpflege aufwenden müssen. Bei

Nicht-Beherrschen der (ausgedehnten)

Entzündungsherde ist eine ambulante Betreuung

mittels Tuchtherapie in vielen

dermatologischen Zentren möglich und

sinnvoll. Topische Calcineurininhibitoren

(TCI) können TCS in vielen Situationen ersetzen,

auch hier sollen fettigere Galeniken

bevorzugt an trockenen Hautstellen

eingesetzt werden. Bei nicht genügender

Krankheitskontrolle kann auf TCS umgestiegen

werden.

Lichttherapie

Falls die Basistherapie und die topische

antientzündliche Therapie nicht zum gewünschten

Erfolg führen, oder aufgrund

der starken Ausprägung / Ausdehnung

nicht mehr möglich sind, kann eine Kombination

mit der Lichttherapie, in der Regel

UVB311nm, bei einer Dermatologin

oder am Spital eine deutliche Verbesserung

des Hautzustandsbildes mit sich

bringen. Zeitlich ist mit wöchentlich idealerweise

3 Sitzungen (Aufenthaltsdauer

beim Dermatologen kurz, ca. 2 – 5 Min.)

über ca. 8 – 12 Wochen zu rechnen, eine Ferienunterbrechung

ist möglich in Absprache

mit dem behandelnden Dermatologen.

Einen besonders grossen Stellenwert

hat die Lichttherapie bei den Hand- /Fussekzemen,

dort wird mit Erfolg v. a. die

Hand- / Fuss-Bade-PUVA Therapie eingesetzt

mit gleichem Rhythmus wie die

UVB311nm Therapie. Rund 2 /3 der Patienten

profitieren deutlich von der Lichttherapie

mit oft längerer Wirkungsdauer als

mit TCS. Auch hier ist die Basistherapie

(mit-)entscheidend für den langanhaltenden

Erfolg.

38

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

Systemische Therapien

Bei den systemischen Therapien kommen

immunsuppressive Medikamente wie Cyclosporin

A (CsA), Methotrexat (MTX), Azathioprin

(AZA), und ev. Mycophenolat

Mofetil (MMF) zum Einsatz, wobei nur

CsA in-label angewendet werden darf in

der Schweiz, und dieses aufgrund der

Nephrotoxizität auch nur für relativ kurze

Zeitdauer von 6 bis höchstens 12 Monaten.

Es wird initial eine Dosis von 3 – 5 mg / kg

KG und danach ein rasches Reduzieren

auf die minimal wirksame Dosis angestrebt

unter regelmässiger Nieren-/Blutdruckparameter

und vorherigem Ausschluss

von chronischen Infektionserkrankungen.

Das Ansprechen auf CsA ist

in der Regel rasch, was von den Patienten

mit mittelschwerer bis schwerer AD sehr

geschätzt wird. Leider sind die Rezidive

nach Absetzen sehr häufig. Für die off-label

Einsätze von MTX, AZA, MMF gelten

die in dividuellen Vorsichtsmassnahmen

für die immunsup pressiven Therapien.

Zusätzlich müssen diese Patienten einen

konsequenten Sonnenschutz durchführen,

da unter Immunsuppression allgemein,

aber v. a. unter AZA, ein deutlich

erhöhtes Hautkrebsrisiko besteht. Aktuell

ist das erste Biologikum Dupilumab (Antikörper

gegen IL4-Rezeptor-alpha-Untereinheit)

in Europa für die mittelschwere /

schwere AD zugelassen, das Zulassungsverfahren

in der Schweiz ist am Laufen.

Erste Erfahrungen sind gerade für schwere

AD Formen sehr gut, und es bleibt zu

hoffen, dass das Wissen um die immunologischen

Prozesse bei der AD dazu führen

werden, dass Dupilumab nur der erste

Vertreter einer grösseren Gruppe neuer

Therapeutika für diese schwer leidenden

AD Patienten sein wird. Analog wie bei der

schweren Psoriasis könnten Antikörpertherapien

und small molecular compounds

ein neues Zeitalter in der spezifischen

immunologischen Therapie der AD

einläuten. Aktuell sind entsprechend

mehrere internationale Phase II und III

Studien zur Therapie von AD in der

Schweiz und weltweit am Laufen.

Nach wie vor ist aber leider keine Heilung

möglich, insbesondere auch nicht

mit alternativen Heilmethoden oder teils

unmöglichen Diätvorschriften. Im Gegenteil

müssen schulmedizinisch tätige Ärztinnen

und Ärzte darauf schauen, dass wir

unsere AD Patienten vor unnützen, teuren

Tests und sogar schädlichen Behandlungen

schützen. Diesbezüglich ist m. E. eine

ausführliche Schulung der Patienten bzgl.

Therapiepläne sowie eine zeitlich regelmässige

Kontrolle der AD Patienten beim

Hautarzt viel effizienter als die vom Schweregrad

abhängige rein situative Kontrolle.

Damit wird die Arzt-Patientenbeziehung

weggeführt von der Patienten- und Arzteinschätzung

«das ist eine nicht-behandelbare,

frustrierende Erkrankung» hin zur

Einschätzung «die ärztlichen Therapiepläne

und mein Verhalten beeinflussen die

Erkrankung positiv», hin also zu einem

eigentlichen Empowerment der Patienten

mit AD.

Kontaktekzem von allergischen

und vom toxischen Typ, mit oder

ohne Lichteinwirkung

Kontaktekzeme treten auf nach Kontakt

mit einer auslösenden Substanz, die meist

direkt oder aerogen mit einer Haut- oder

Schleimhautoberfläche in Berührung

kommt. Ist die Substanz per se irritierend

(z. B. starke Säuren / Basen, oder toxische

Substanzen wie 5-FU oder andere), kommt

es zu einer kontakttoxischen Schädigung

ohne primäre Involvierung des Immunsystems.

Diese Substanzen führen obligat

bei allen Menschen zu einer kontakttoxischen

Schädigung, ohne dass vorher

eine Sensibilisierungsphase erfolgen

muss; die Entzündung bleibt sehr strikte

auf die Kontaktfläche beschränkt. Ist hingegen

die Substanz nicht per se toxisch,

kann je nach individueller T-Zell-Repertoire

jedes Menschen die molekulare

Struktur der Substanz als immunologisch

«fremd» interpretiert werden und eine

Stadiengerechte Behandlung angepasst von European Dermatology Forum

EDF Guidelines 2018.

Allergen Anteil der Sensibilisierungen in %

Nickelsulfat 15,9

Duftstoff-Mix 6,5

Perubalsam 5,5

Kobaltchlorid 5,1

Methyisothiazolinon 4,5

Duftstoff-Mix II 4,2

Methylisothiazolinon 3,9

Kaliumdichromat 3,7

Kolophonium 3,4

Propolis 3,1

Thiuram Mix 2,6

Wollwachsalkohole 2,2

Tabelle 1. Häufigste kontaktallergisierende Substanzen 2016, DACH (Daten: IVDK, Informationsverbund

dermatologischer Kliniken, aus Braun Falco 2018).

vsao /asmac Journal 2/22 39


Perspektiven

(zelluläre) Immunantwort induziert werden,

eine sogenannte Typ IV Reaktion

nach Coombs. Bei dieser kontaktallergischen

Dermatitis bleibt typischerweise der

Erstkontakt kurzfristig ohne Entzündung,

erst bei Zweit- oder Mehrfachkontakt

kommt es zur entzündlichen Reaktion, die

dann klassischerweise auch über das eigentliche

Kontaktfeld hinausreicht (Streuphänomen).

Naturgemäss lässt sich eine

Kontaktallergie nicht oder nur beschränkt

voraussagen, eine kontakttoxische Reaktion

ist jedoch voraussagbar und manchmal

auch erwünscht (z. B. 5-FU Applikation

zur Behandlung von aktinischen Keratosen).

Einen Spezialfall stellen die photoallergischen

oder phototoxischen Kontaktekzeme

dar, bei welchen die jeweiligen

Substanzen erst durch photobiologische

/ -chemische Prozesse in allergisierende,

bzw. toxische Substanzen umgewandelt

werden.

Wie auch die atopische Dermatitis

durchlaufen Kontaktekzeme die typischen

Stadien des a) Erythems, der b)

vesikulös-bullös nässenden Phase, der c)

krustösen und schliesslich c) hyperkeratotischen

und d) rhagadiformen bis e) lichenifizierten

Phasen. Je nach Aspekt unterscheiden

wir deshalb das akute (a – c) vom

chronischen (d – e) Kontaktekzem. Je nach

Kontaktfläche können prinzipiell alle Körperregionen

betroffen sein, wobei Hände,

Kopf- und Gesichtshaut sowie die Anogenitalregion

überhäufig betroffen sind.

Kontakttoxische Ekzeme

Akute irritative Ekzeme sind nicht selten

Unfallereignisse (z. B. Säure- / Basenunfälle

bei der Arbeit). In den meisten Fällen

sind Hände betroffen. Die Therapie besteht

in der sofortigen Entfernung der

stark irritierenden Noxe durch langanhaltendes

Abspülen mit Wasser und danach

durch die phasengerechte topische antiphlogistische

Behandlung. Häufiger sind

aber die chronisch irritativen Kontaktekzeme

oder kumulativ-toxischen Kontaktekzeme,

bei denen subtoxisch wirksame

Substanzen, z. B. überhäufiger Wasserund

/ oder Seifenkontakt, Desinfektionsmittelgebrauch,

Tenside, Öle, Zement und

andere irritier ende Stoffe längerfristig die

Haut schädigen; bevorzugt erkranken Personen

aus Raumpflege-, Haushaltsberuf

oder Friseure und Menschen aus dem Gesundheitswesen

oder Bauindustrie an diesen

Ekzemen. Allen diesen Ek zemen gemeinsam

sind eine Überforderung der

Haut- Pufferkapazität sowie eine chronische

Schädigung des Wasserretentionsvermögens

sowie des normalen Lipidfilmes

der Haut. Kumulativ-toxische Handekzeme

sind oft Berufsdermatosen, die jedoch

bei entsprechender Aufklärung und

Verhaltensanpassung eine recht gute Abheilung

zeigen: Meiden der Kontakt noxe,

Tragen von Schutzhandschuhen (bei bestehendem

Handekzem nur naturlatexfreie

Handschuhe), phasengerechte

Entzündungsbehandlung und häufiges,

regelmässiges Rückfetten. Trotz klinisch

manchmal sehr rascher Retablierung eines

normalen Hautbildes kann die Hautbarrierefunk

tion über mehrere Wochen

und Monate gestört sein, sodass Rezidive

sehr häufig sind bei Reduktion der Hautpflege

und erneuter (beruflicher) Exposition.

Je nach Schweregrad ist die Betreuung

in einer spezialisierten dermatologischen

(Hand-) Ekzem-Berufssprechstunde

sinnvoll, da oftmals längere

Arbeitsunfähigkeiten aus den Ekzemen

resultieren, und sich im Verlauf auf der

chronisch-irritativen Schädigung ein allergisches

Ekzem aufpfropfen kann, das

durch entsprechende Tests gesucht werden

muss.

Kontaktallergische Ekzeme

Für ein kontaktallergisches Ekzem braucht

es eine ini tiale Sensibilisierungsphase, in

welcher das Immunsystem spezifische

T-Zellen aktiviert gegen eine nicht notwendigerweise

toxische Substanz. Eine

Vorschädigung der Haut, z. B. durch ein

irritatives Kontaktekzem oder aber auch

durch eine atopische Dermatitis, kann die

Penetration solcher Substanzen durch die

ansonsten sehr dichte und selektiv-permeable

Epidermisbarriere erleichtern,

weshalb irritativ-toxische und kontaktallergische

Ekzem überhäufig kombiniert

auftreten und dann die Unterscheidung

nicht immer einfach fällt. Nach der Sensibilisierung

werden beim erneuten Kontakt

mit der Substanz die spezifischen memory

T-Zellen aktiviert und induzieren in

der Haut nach minimal 4 – 8 h, eher aber

innert 24 – 48 h nach Kontakt eine ekzematöse

Kaskade mit dem typischen metachronen

Ablauf. Da sich hier immunologische,

und nicht toxisch-entzündliche

Reaktionen abspielen, ist die Reaktion

nicht unbedingt strikt auf die Kontaktstelle

limitiert: kontaktallergische Ekzeme

neigen somit zur sogenannten Streuung.

Anders als bei der Typ-I-Allergie (allergische

Rhinokonjunktivitis, Bienen- / Wespenallergie)

ist bei dieser Typ IV Reaktion

leider keine Desensibilisierung zu erreichen

durch nachträgliche z. B. perorale

Antigenexposition. Allerdings scheinen

vorgängige perorale Allergenexpositionen

einen präventiven Effekt auf spätere Kontaktallergien

zu besitzen (z. B. nickelhaltige

Zahnspangen und spätere seltenere

Nickelallergien). Interessant ist in diesem

Zusammenhang auch, dass Patienten mit

Nickel-kontaktallergischen Handekzemen

unter fortgesetztem Zigarettenabusus

(mit Nickelkontamination) einen deutlich

schlechteren Verlauf zeigen als Nichtraucher.

Kontaktallergien sind häufige Konsultationsgründe

bei den Dermatologen, die

Prävalenz von Kontaktsensibilisierungen

wird auf > 20 % der Erwachsenen geschätzt,

und eigentliche kontaktallergische

Ekzeme machen ca. 2 – 4 % aller Konsultationen

in einer dermatologischen

Keratolyse Salicylsäure Lotio decapans®

Magistralrezeptur 3 – 5 % in Olivenöl

Antientzündliche Behandlungen

Antimykotische Behandlung

Zinkpyrithion-haltige Externa

Calcineurin topisch (off label)

Selendisulfid

Lithiumsuccinat / Zinksulfat

Zinkpyrithion topisch

Azolderivate topisch

Squa-Med®, Sebo Shampoo®,

Elidel®

Ektoselen®, Selsun®

Efalith®

Squa-Med®

Meto-med®, Ketozol-Mepha®, Lur®,

Nizoral®, Terzolin®

Tabelle 2. Keratolytische Therapiestrategien, besonders bei Pityriasis capitis.

40

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

Nässende

entzündliche

Dermatosen

flüssig

z.B alkoholische oder wässrige Eosin

0.5 – 2 % Lösung, Tannosynt Bäder

Betadine Sitzbäder, Schwarzteeumschläge

Intertriginöse

trockene

Dermatosen

Schüttelmixtur

(Lotion)

fest

Hydrogel

Emulsion

Crème

Salbe

fett

trockene

entzündliche

Dermatosen

Puder

z. B. Talkum, Zinkoxid

Fettsalbe

z. B. Fette, Öle, Wachse

Grafik. Ekzemstadiengerechte Galenikwahl gemäss «dermatologischem Dreieck».

Praxis aus. Erfreulicherweise hat der

Rückgang von Nickelgehalt in täglichen

Bedarfsgegenständen oder Schmuckstücken

dazu geführt, dass die Nickelkontaktallergieproblematik

in den letzten

Jahren regredient war in der Gesamtbevölkerung.

Die Hitliste der häufigsten sensibilisierenden

Substanzen ändern sich mit der

Zeit, weil durch die Erfassung der Substanzen

und deren ev. Sperrung im Einsatz von

Körperpflegeprodukten die Expositionsfrequenzen

sich ändern können. So sinkt

z. B. die Kontaktallergiefrequenz auf Dibromdicyanobutan

seit dessen Einsatzverbot

in Kosmetika in Europa deutlich ab.

Waschmittel werden u. E. als Kontaktallergiequelle

überschätzt, aber Kleidungsstücke

können sehr wohl, gerade bei

engem Anliegen, als Allergiequelle in Frage

kommen. Hier sind neben den bekannten

Jeans-Nickelknöpfen auch Farbstoffe,

Gummihilfstoffe, Chromate in dunklen

(Leder-)Kleidungsstücken oder in Lederschuhen

zu erwähnen. Im Schmuckbereich

sind neben dem nickel- haltigen

Modeschmuck auch Kobalt, Palladium

oder Gold als Allergen möglich – teurer

Schmuck schützt also nicht immer vor

Kontaktallergien. Im tieferen Preissegment

sind v. a. dunkle Henna-Tätowierungen,

die neben Kaffeefärbstoffen, Urin

und andere Färbstoffen häufig das hochallergene

para-Phenylendiamin (PPD) enthalten,

als Temptoos (passagere Schmucktätowierungen)

relativ häufige Kontaktallergene

in der dermatologischen Praxis,

v. a. nach Ferienaufenthalten. PPD ist

auch eines der häufigsten Kontaktallergene

im Haarfärbebereich, PPD-freie Dunkelfärbungen

sind immer noch in der

Minderzahl im Einsatz. Entsprechend leiden

Berufstätige in Haarpflegeberufen

sehr oft unter Berufsallergien.

Pflanzen können stark allergisierende

Substanzen enthalten, am bekanntesten

und häufigsten sind der Giftefeu (poison

ivy) oder Giftsumach (poison sumach).

Aber auch Ringelblumen, Mutterkraut,

Tulpen, Primeln oder Hyazinthen enthalten

relativ häufige Kontaktallergene, die

gerade im Gärtnerarbeitsbereich als Ursache

neben einer möglichen irritativ-toxischen

Ekzemursache in Betracht gezogen

werden müssen. Primin, eine Benzochinonverbindung

in der Primel, ist ein

derart starkes Kontaktallergen, dass es

auch in flüchtiger Form bei einem Sensibilisierten,

der in ein Zimmer tritt, in welchem

sich eine entsprechende Pflanze befindet,

nach wenigen Stunden eine akute

Kontaktdermatitis auslösen kann. Auch

Pflanzen- oder Naturprodukte wie Teebaumöle,

Arnika, Propolis (von Bienen),

Perubalsam und andere Stoffe können als

häufig eingesetzte Aromaduftstoffe gerade

in Naturheilprodukten eingesetzt eine

relevante Quelle für Kontaktal lergien darstellen,

die anamnestisch unbedingt erfragt

werden muss.

Methylisothiazolinon ist in vielen

Feuchttüchern für die perianale Hygiene

enthalten, die gerade bei Patienten mit

chronischer Diarrhoe häufig eingesetzt

werden; neben einer kumulativ toxischen

Perianaldermatitis ist deshalb an eine ev.

aufgepfropftes kontaktallergisches Analekzem

zu denken in dieser Situation. Da

Wollwachsalkohol oder Amerchol häufige

Grundlagen von Cremen und Salben darstellen,

und andere wichtige Kontaktallergene

wie Bufexamac, Neomycin, Benzocain,

Cinchocain, Imidazol häufig in Externaapplikationen

verordnet werden,

sind auch iatrogen unterhaltene Kontaktallergien

zu evaluieren bei hartnäckigem

Verlauf! Gerade für Bufexamac (Par-

vsao /asmac Journal 2/22 41


Perspektiven

fenac®) sehen wir häufig eine ärztlich verschriebene

Anwendung bei Analekzemen,

obwohl vor der Analregionanwendung

explizit im Compendium gewarnt wird.

Aufgrund der Vielzahl der auslösenden

Substanzen sowie der nicht selten lückenhaften

oder unklaren Patientenanamnese

und der versteckten Verbreitung

der Allergene ist die Diagnose der

Kontaktallergie oftmals eine Detektiv-Arbeit,

die stark auf einer möglichst vollständigen

Anamnese (Beruf, Freizeit, Umgebungskontakte,

je nach Lokalisation

auch Sexualanamnese, Reinigungsgewohnheiten)

beruht, deren Erhebung in

keiner Weise in Berset-gerechter Zeitspanne

erfasst werden kann, Kontaktallergiepatienten

sind keine 20-Minuten-Patienten.

Neben der Anamnese ist der Epikutantest

das wichtigste Werkzeug der

Dermatologin, dessen korrekte Durchführung,

insbesondere auch die Austestung

von Eigensubstanzen, ein grosses Know-

How voraussetzt, welches oft nur an den

dermatologischen Kliniken vorhanden ist.

Bei diesem kontrollierten Provokationstest

muss insbesondere auch eine irritative

von einer allergischen Reaktion unterschieden

werden. Nicht alle vermuteten

Kontaktallergien lassen sich auf diese

Weise feststellen, für die Proteinkontaktdermatitis

(z. B. bei Bäckerlehre) müssen

andere Testsets durchgeführt werden.

Grundsätzlich sollte aber ein Epikutantest

zur Suche einer Kontaktallergie bei therapieresistentem

Ekzem unklarer Genese

unbedingt durchgeführt werden. Für die

Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die

Testung mehrere Tage innerhalb einer

Woche beansprucht, an denen sie im Testzentrum

ambulant untersucht werden.

Als einfacher, aber deutlich weniger aussagekräftiger

Alltagstest ist der sogenannte

ROAT nützlich (repeated open application

test), in welchem eine Substanz 1 – 2 ×

täglich für ca. eine Woche an einer bestimmten

Stelle, z. B. Unterarm, aufgetragen

wird. Der Test kann v. a. nützlich sein

zur groben Abschätzung, ob eine neu verordnete

Externabehandlung vertragen

wird. Eine mittels Epikutantest bestätigte

Kontaktallergie muss in einem Allergiepass

hinterlegt sein, dessen Abgabe mit

einem Aufklärungsgespräch verbunden

sein soll und welcher der Patientin helfen

soll, den kontaktallergischen Substanzen

auszuweichen in Beruf und täglichem Leben.

Die Besprechung berufsallergologischer

und versicherungstechnischer Fragen

sprengt den Rahmen dieses Kurzreviews

über Ekzeme. Die Beratung betroffener

Patienten in dieser Beziehung ist

jedoch die Hauptaufgabe der Berufssprechstunden

in dermatologischen Zentren.

Seborrhoisches Ekzem

Das seborrhoische Ekzem ist in der milden

Ausprägung derart häufig, dass es von vielen

Dermatologen als eine Normvariante

der Haut angeschaut wird; diese Haltung

wird sicher auch dadurch unterstützt,

dass es keine eigent liche Heilung (aber

durchaus Therapeutika mit passagerer

Wirksamkeit) gibt. Bei ca. 3 – 5 % der Bevölkerung

ist jedoch das seborrhoische

Ekzem derart ausgeprägt, dass eine Behandlung

gewünscht wird. Den ersten Alterspeak

sehen wir im Säuglingsalter in

den ersten drei Monaten im Rahmen der

Hormonumstellung nach der Geburt (mit

guter Prognose), einen zweiten bei Erwachsenen

im jungen und mittleren Alter

(20- bis 40-jährige). Unter Immunsuppression,

iatrogen oder bei einer

HIV / AIDS-Erkrankung, beobachten wir

nicht selten eine Verschlechterung des

Ekzems. Diese Assoziation ist wichtig,

und bei einer schweren Form von seborrhoischem

Ekzem sollte an die Möglichkeit

einer HIV Infektion gedacht werden. Pathogenetisch

ist die Krankheit nicht gut

verstanden, aber eine Talgdrüsenfunktionsdys

balance wird diskutiert, da das

Ekzem typischerweise im Kopfhaar- / Gesichtsbereich

sowie in der oberen Thoraxapertur

und in anderen stärker behaarten

Arealen auftritt; die Assoziation mit lipophilen

Hefepilzerregern (v. a. Candida und

Malassezia) unterstützt diese Ansicht.

Klinisch unterscheidet sich das seborrhoische

Ekzem von den anderen Ekzemformen,

in dem es nur äusserst selten

eine akut-exsudative Phase durchläuft

(praktisch nur bei der disseminierten, erythrodermatischen

Form oder bei falscher,

okklusiver Behandlung). Viel häufiger

und klassischerweise auftretend ist die

kleinschuppige, gelblich belegte trocken-fettige

Form der Hautentzündung

insbesondere in der paranasalen Gesichtsmitte,

den seitlichen Halsregionen, im

oberen Brust- und Rückenbereich, Mamillen

sowie im Anogenitalbereich (s. Abbildung

2). Die Diagnose bereitet bei der typischen

Ausprägung wenig Schwierigkeiten,

allerdings kann die Unterscheidung

zu einer nicht-pustulösen ekzematösen

Rosazea im Gesichtsbereich schwerfallen.

Auch eine stark schuppende Variante gerade

im Kopfhaarbereich kann differentialdiagnostisch

an eine Psoriasis capillitii

Abbildung 2. Seborrhoisches Ekzem.

denken lassen – tatsächlich können diese

Krankheiten überlappend auftreten, was

auch als Seborrhiasis bezeichnet wird. Die

Untersuchung des Restintegumentes, die

histologische Aufarbeitung eines Herdes,

sowie ev. die Angabe von Gelenksschmerzen

helfen zur Unterscheidung der beiden

Erkrankungen.

Therapeutisch ist zu beachten, dass

das seborrhoische Ekzem eine sogenannt

köbnerisierbare, also durch Hautreizung

verstärkt auftretende Dermatose ist. Die

Wahl falscher, zu okklusiver oder reizender

Externa kann kon traproduktiv sein.

Bewährt haben sich keratolytische, antientzündliche

und antimikrobiell wirksame

Topika in geeigneter Kombination. Die

Keratolyse/-stase kann mit Shampoos

/ Waschlösungen mit Zinkpyrithion,

Selendisulfid oder Salizylsäure erfolgen,

wobei Zinkpyrithion und Selendisulfid zusätzlich

noch eine antientzündliche und

antimikrobielle bzw. sebostatische Wirkung

entfalten und deshalb auch gerne

längerfristig angewandt werden. Die antientzündliche

Phase nach der Keratolyse

soll nicht mit topischen Steroiden durchgeführt

werden, die kurzfristig zwar lindernd

wirken können, aber im weiteren

Verlauf oftmals zu einem noch stärkeren

Ekzemschub führen. Trotz des off-label

Einsatzes sind u. E. die topischen Calcineurininhibitoren

(insbesondere Pimecrolimus-haltige

Externa) besser zur

Entzündungsreduktion geeignet; die Patienten

sollen darauf auf die Selbstkostenübernahme

hingewiesen werden. Parallel

zur antientzündlichen Therapie erfolgt

42

2/22 vsao /asmac Journal


Perspektiven

eine antimykotische topische Therapie

mit Azol-haltigen Lotionen und Cremen,

im Anogenitalbereich auch Cremepasten.

Eine systemische Behandlung mit

Itraconazol über 1 – 2 Wochen kann in

Kombination mit einer topischen antientzündlichen

Behandlung rasche Besserung

bringen, die durch Weiterführung der antimykotischen

topischen Behandlung unterstützt

werden soll. Bei ausgeprägter

Seborrhoe ist auch eine Niedrigdosisgabe

(5 – 20 mg / Tag) von Isotretinoin unter den

bekannten Kautelen oft längerfristig sehr

erfolgreich.

Das seborrhoische Ekzem beim Neugeborenen

ist v. a. während der Phase zu

beobachten, in welcher die residuellen

mütterlichen Hormone die infantilen

Talgdrüsen stimuliert und zu einer passageren

Seborrhoe führen kann. Sie ist typischerweise

auf die ersten drei Lebensmonate

beschränkt, kann aber auch über die

Phase aktiv sein. Der Gneis ist die als

Milchschorf bezeichnete fettig dicke

gelbliche Schuppung v. a. im vorderen

Fontanellenbereich. Durch eine Okklusion

durch Kleidung und fettige Externa

kann dieser, aber auch die seborrhoischen

Ekzemherde im Windelbereich, stark exsudativ

aktiviert werden, und selten in eine

seborrhoische desquamative Erythrodermie

übergehen. Gerade die anogenitalen

und inguinalen ekzematösen Herde,

manchmal mit Beteiligung der retroaurikulären

Zonen, sollten bei zusätzlicher

Gedeihstörung an die differentialdiagnostische

Möglichkeit der Histiozytose denken

lassen – die Biopsie kann hier Klarheit

schaffen.

Therapeutisch sollen Windeln / Kleidung

häufig gewechselt werden, gerade

bei warmer Witterung. Kopfhautschuppen

bei Termingeborenen können in

1 × / Tag maximal 2 % Salizylat / Olivenöllösung

oder in 1 × / Tag maximal 1 % Salizylat

/ Salbengrundlage über maximal drei

Tage abgelöst werden – höhere Applikationsdosen

/ Frequenzen sind wegen der

Nierenunreife und der Gefahr eines Salizylismus

bei Neugeborenen und v. a. Frühgeburten

gefährlich. Ketoconazol-haltige

Cremen sind gemäss den Herstellern bei

Säuglingen nicht untersucht worden und

deshalb wegen der un klaren möglichen

Absorption nicht empfohlen. Trotzdem

werden sie nicht selten eingesetzt für kurze

Zeit (z. B. 3 x / Woche über zwei Wochen,

off label). Hartnäckige oder schwere Ekzemvarianten

sollen durch eine pädiatrisch-dermatologisch

erfahrene Ärztin

beurteilt werden.

Nummulär-mikrobielles Ekzem

Diese Ekzemform des Erwachsenen zeichnet

sich durch eine münzartig runde Ausprägung

mit Prädilektion der Extremitäten

aus, die dem Ekzem den Namen gaben.

Der Zusatz «mikrobiell» wird manchmal

weggelassen (nummuläres Ekzem),

aber ein Staphylokokken / Streptokokken-Bakteriennachweis

gelingt oft. Die

Ursache dieser oft exsudativen Dermatose

bleibt aber nach wie vor unbekannt, eine

Sensibilisierung auf Bakterienantigene

konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Patienten mit atopischem Ekzem

können auch nummuläre Herde aufweisen,

aber das nummulär-mikrobielle Ekzem

kann auch unabhhängig von einer

atopischen Diathese auftreten. Beginn

und stärkere Ausprägung sind oft im Unterschenkelbereich,

insbesondere auf

dem Boden einer Xerosis cutis, danach

kann die Erkrankung gerne streuen auf

Stamm und insbesondere obere Extremitäten

(s. Abbildung 3). Differentialdiagnostisch

muss an eine Mykose mit möglicher

Dissemination, eine Kontaktallergie

(mit entsprechender Anamnese) sowie an

eine Parapsoriasis en plaques gedacht

werden, wobei bei dieser keine Vesikel

/ exsudative Phase zu beobachten ist.

Obwohl die Pathogenese unbekannt

bleibt, kann die Suche nach einem Infektfokus

manchmal Resultate bringen: Nasalbesiedelung,

ev. Zahnapparat, Tonsillen,

Lungen, selten Prostata.

Therapeutisch ist nach den Grundsätzen

der Ekzemstadientherapie vorzugehen,

in der exsudativen Phase sind somit

fett-feuchte Verbände oftmals rasch lindernde

Therapien gerade bei stark pruriginösen

Herden. Neben der ev. Herdsanierungen

(insbesondere nasal) können phlebologische

Massnahmen (Kompression)

im Unterschenkelbereich mit konsequenter

täglich mehrfacher Rückfettung einem

Rezidiv den Boden entziehen.

Zusammenfassend gehören Ekzeme

zu den häufigsten Konsultationsgründen

Abbildung 3. Nummulär-mikrobielles Ekzem.

einer dermatologischen Sprechstunde,

die Ursachensuche ist eine medizinische

Herausforderung erster Güte mit potentiell

grossen persönlichen und sozialen

Kosten bei drohender Arbeitsunfähigkeit.

Der Leidensdruck kann unerhört gross

sein, und es ist eine wichtige, aber auch

oft befriedigende Aufgabe der dermatologisch

tätigen Ärztin, die Patienten mit

einer stadiengerechten Ekzemtherapie

kompetent zu beraten.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. Dr. Antonio Cozzio

Chefarzt / Klinikleitung

Klinik für Dermatologie, Venerologie und

Allergologie Kantonsspital St. Gallen

Rorschacher Strasse 95

9000 St. Gallen

antonio.cozzio@kssg.ch

vsao /asmac Journal 2/22 43


Lachen und Träume für

unsere Kinder im Spital

Foto: Pierre-Yves Massot. Anzeige offeriert.

Jede Woche erhalten die Kinder im Spital Besuch

von den Traumdoktoren.

Ihre Spende schenkt Lachen.

PC 10-61645-5

Herzlichen Dank.


Perspektiven

Im Einsatz in Kirgistan

Neugier, Fachwissen

und eine SIM-Karte

Rebecca Meier, Physiotherapeutin Bern

Bild: zvg

Uplift ist eine Organisation, die

sich in Kirgistan um Kinder

in Heimen kümmert. Kinder

landen aus verschiedensten

Gründen im Heim: Wegen einer Behinderung,

weil die Mütter alleinerziehend

und/oder minderjährig sind usw. 94 Prozent

von ihnen sind denn auch Sozialwaisen.

Welche Beeinträchtigungen auch

immer diese Kinder haben, ob richtig

diagnostiziert oder nicht, es mangelt

ihnen vor allem an körperlichem und

emotionalem Kontakt. Die in den ersten

Lebensjahren entscheidende Zuwendung

und Liebe fehlt, so dass Entwicklungsstörungen

oder -verzögerung die Regel

und nicht die Ausnahme sind.

Ich bin Physiotherapeutin mit ein

paar Jahren Berufserfahrung, zwar nicht

in der Pädiatrie, aber ich wollte schon

immer mit Kindern arbeiten. Vor allem

jedoch bin ich flexibel in Bezug auf meine

Tätigkeit vor Ort, aber auch hinsichtlich

der Lebensumstände in einer fremden

Umgebung. So kam es, dass ich nach dem

ersten Skype-Kontakt mit der Mitbegründerin

von Uplift kurzentschlossen nach

Kirgistan reiste, um in einem Waisenhaus

Physiotherapie und Feldenkrais für

betroffene Kinder anzubieten und das

Personal weiterzubilden.

Mit einer kirgisischen SIM-Karte

ausgerüstet und mehreren Telefonnummern

einheimischer Mitarbeiterinnen

von Uplift für den 24-Std.-Support für

Übersetzungen und Organisation fühlte

ich mich sicher genug, um in die Provinz

zu reisen. In eine Region Kirgistans, die

nicht so fortschrittlich ist wie die Hauptstadt

Bischkek und in der Uplift selber

noch nicht wirklich Fuss gefasst hatte.

Zwei Monate hatten wir Zeit, um die

Heimleitung und die Mitarbeiter davon

zu überzeugen, dass regelmässige Therapien

den Zustand der Kinder verbessern.

Denn je weniger behindert die Kinder

aussehen, d.h., wenn sie nur schon laufen

können, besteht die Wahrscheinlichkeit,

dass sie adoptiert werden. Was im Sinne

aller Betroffenen wäre. Wir bekamen eine

Dolmetscherin zur Seite gestellt und

fingen sofort mit unseren Einzel- und

Gruppentherapien an. Weil es sich

schnell rumsprach, dass zwei ausländische

Therapeutinnen im Heim arbeiten,

kamen auch Familien aus umliegenden

Dörfern mit ihren Kindern zur Beratung

oder direkt zur Therapie. Ich lernte so gut

es ging Kirgisisch, um mich mit den Kindern,

den Mitarbeitern, aber auch mit

den Menschen ausserhalb des Heims

unterhalten zu können.

Unsere Patienten waren sehr motiviert,

die Mitarbeiter teilweise. Letztere –

das wurde sehr schnell klar – waren vor

allem unwissend. «Wieso können diese

Kinder nicht laufen? Sie haben ja Beine»,

bekamen wir oft zu hören. Und dass diese

Kinder vom Teufel besessen und ansteckend

seien. Folglich waren Aufklärung

und Wissensvermittlung ein wichtiger Teil

unserer Arbeit. Höflich, aber bestimmt,

teilweise fordernd und vor allem repetitiv

haben wir einiges erreichen können, so

die Montage einer Sprossenwand. Aber

auch ein Umdenken bei einem Teil der

Mitarbeiter in Bezug auf die Lagerung und

das Füttern der Kinder, das Erkennen der

Ressourcen der Kinder, ihrer Motivation

und Lernbegeisterung. Ungefähr vier

Monate nach meinem Aufenthalt habe ich

erfahren, dass man am Projekt festhalten

möchte und weitere therapeutische Angebote

prüft, da die Resultate nachhaltig

sichtbar sind. Um Konstanz zu gewährleisten,

hat Uplift eine Schulung für einheimische

Therapeuten, Heimmitarbeiter,

Uplift-Mütter und betroffene Eltern ins

Leben gerufen. Ich durfte mithelfen, den

Inhalt der Schulung zu gestalten, war

beim ersten Kurs 2019 als Instruktorin

dabei und werde voraussichtlich im Mai

2022 zu Beginn des zweiten Kurses wieder

nach Kirgistan fahren.

Weder ansteckend noch vom Teufel besessen,

sondern massiv vernachlässigt und stigmatisiert:

Kinder in kirgisischen Waisenhäusern

lernen dank Physiotherapie stehen und gehen.

Uplift

Die Organisation Uplift versucht seit

25 Jahren, auf verschiedenen Wegen das

Leben der Heimkinder in Kirgistan zu

verbessern, aber auch prophylaktisch

zu wirken. Dazu gehört Aufklärung der

Eltern schon vor der Geburt, medizinische

Hilfe, Vorsorgeuntersuchungen,

finanzielle Unterstützung, z.B. Einbezug

lokaler Mitarbeiterinnen, die sich

um die Kinder kümmern und so einen

Zusatzverdienst erzielen. Ärztinnen

und Ärzte, die einen Einsatz leisten

wollen, sind höchst willkommen.

Informationen unter:

www.uplift-aufwind.org

vsao /asmac Journal 2/22 45


mediservice

Kochen

für Gaumen und

Gesundheit

Weil Gesundheit und Genuss eng miteinander verbunden sind,

ist es naheliegend, dass die Gesundheitsorganisation SWICA

mit der Schweizer Kochnationalmannschaft als Vertreterin von

Gaumenfreuden und Kochkunst zusammenarbeitet.

Martina Novak, Fachspezialistin SWICA Unternehmenskommunikation

46

2/22 vsao /asmac Journal


mediservice

Bild: zvg

Wussten Sie, dass es auch in

der Disziplin Kochen eine

Schweizer Nationalmannschaft

und eine Junioren-Nationalmannschaft

gibt? Sie besteht

aus Kochtalenten aus dem ganzen Land –

aus zehn Mitgliedern in der «erwachsenen»

Kochnationalmannschaft und acht

Mitgliedern in der Junioren-Kochnationalmannschaft.

Diese «Kochnati» trägt

den gastronomischen Namen der Schweiz

in die Welt hinaus und beweist auch im Inland

ihr Können. «Mit der Gründung der

Kochnationalmannschaft und der Junioren-Kochnationalmannschaft

bezweckte

der Schweizer Kochverband, das Ansehen

des Kochberufs national und international

zu fördern», erklärt Reto Walther, Geschäftsführer

Schweizer Kochverband.

Viele renommierte Auszeichnungen

wurden seither eingeheimst. Zum Beispiel

an der Kocholympiade 2020 in Stuttgart

mit mehr als 2000 Köchen aus 70 Ländern:

Da holte sich die Schweizer Juniorenmannschaft

in der Gesamtwertung Bronze.

Wer Teil einer Kochnationalmannschaft

werden will, muss sich bewähren

und wird erst nach einem Auswahlverfahren

und nach einer Probezeit definitiv ins

Team aufgenommen. Die Mitglieder sind

alles in der Gastronomie tätige Fachleute

und bringen oft zwei verschiedene Ausbildungen

mit, als Koch und als Konditor.

Mit viel Leidenschaft fürs Handwerk

Aktuell bereiten sich die Kochnationalmannschaften

auf die Weltmeisterschaften,

den Culinary World Cup 2022 vor, die

im nächsten November in Luxemburg

stattfinden. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit

in namhaften Betrieben engagieren

sich die Teammitglieder in der Freizeit.

Sie müssen zahlreiche Trainingseinheiten

und Testläufe absolvieren, damit am Tag

X die Teams gut harmonieren und jeder

Handgriff sitzt. Die Trainings finden alle

sechs Wochen während mehrerer Tage

statt. Dabei entwickeln die Köchinnen

und Köche Menüs für die Wettbewerbe,

nach Vorgaben wie beispielsweise die Anzahl

Gänge oder Anzahl Gäste. Präzision

ist wie in anderen Berufen oberstes Gebot,

damit das Resultat höchsten Ansprüchen

gerecht wird.

Ausser Herzblut und kulinarischem

Können der Teilnehmer braucht die Vorbereitung

auf Grossanlässe auch Finanzhilfe.

Seit 2013 unterstützt SWICA als

Hauptsponsor die Schweizer Kochnationalmannschaft

und das Juniorenteam.

«Für SWICA als Gesundheitspartner der

Frühsommerlicher Spargelsalat mit Burrata,

Quinoa und Bärlauchmayonnaise

Menge: 4 Personen / Zeit: ca. 1 Std 30 Minuten

Zutaten

2 St. Burrata gross

Fleur de Sel

250 g Quinoa rot-weiss gemischt

20 g Aceto Balsamico Bianco

30 g Olivenöl

3 dl Rapsöl zum Frittieren

250 g Bärlauch frisch

200 g Traubenkernöl

150 g Bärlauchöl

50 g Eigelb

15 g Aceto Balsamico Bianco

Salz

Pfeffer

17 St. Grüne Spargeln

1 St. Rote Zwiebel

100 g Aceto Balsamico Bianco

100 g Zucker

100 g Wasser

Und so wirds gemacht

Burrata

Die Burrata halbieren und die Schnittfläche

mit wenig Olivenöl beträufeln, mit

Salz und Pfeffer würzen. Die vorbereiteten

Burratahälften zur Seite stellen.

Quinoa

Die Quinoa kochen, 4/5 der fertig gekochten

Quinoa herausnehmen und mit

kaltem Wasser abschrecken. 1/5 der

Quinoa weiterkochen, bis sie verkocht

ist (ca. 15 min länger kochen) danach im

Ofen bei 80° C für 30 min trocknen.

Die gekochte Quinoa mit dem Olivenöl

und dem Aceto marinieren und würzen.

Die getrocknete Quinoa im Öl bei 220° C

sehr kurz frittieren. Durch ein Sieb abgiessen,

auf Küchenpapier abtropfen und

etwas salzen.

Bärlauchmayonnaise

16 kleine Bärlauchblätter zum Garnieren

zur Seite stellen.

Das Traubenkernöl im Thermomix auf

Varoma erhitzen, den Bärlauch hinzufügen

und für 2 min auf Stufe 10 mixen.

Danach sofort die Bärlauchmasse durch

ein Passiertuch passieren und auf Eiswasser

kaltstellen.

Eigelb und Aceto mischen. Langsam das

Bärlauchöl mit einem Stabmixer einmixen.

Die Mayonnaise abschmecken mit Salz

und Pfeffer, danach in einen Spritzsack

abfüllen.

Grüner Spargel

Einen rohen Spargel mit dem Sparschäler

der kompletten Länge nach schälen,

die schönen Spargelscheiben zur Seite

stellen.

Bei den restlichen Spargeln die Enden

abschneiden, danach die Spargeln im

Salzwasser ca. 3 min knackig blanchieren.

Sofort im Eiswasser abschrecken. Auf

Küchenpapier abtropfen lassen, die

Spargelspitzen abschneiden, den Rest in

kleine runde Stücke schneiden und die

Spargelstücke unter die Quinoa mischen.

Rote Zwiebel

Aceto, Zucker und Wasser zusammen

aufkochen.

Die rote Zwiebel schälen und in kleine

Spickel schneiden. In die kochende

Flüssigkeit geben, diese mit den Zwiebelstücken

nochmals zum Kochen bringen,

danach in ein Weckglas abfüllen und

kühlstellen.

Tipp

Statt eines Passiertuchs ein Kaffeefilterpapier

verwenden.

Rote Zwiebeln halten sich im Kühlschrank

für mehrere Wochen und eignen

sich hervorragend für Salate oder für

Raclette.

Anrichten

Die Burrata in die Mitte des Tellers legen.

Den Quinoa-Spargel-Salat darauf verteilen.

Die Spargelspitzen darauf verteilen.

Mit der Bärlauchmayonnaise mehrere

Punkte daraufspritzen.

Die roten Zwiebelstücke darauf verteilen.

Die geschälten Spargelscheiben wild

darauf verteilen.

Den Quinoa-Crunch mit einem Löffel

darüberstreuen.

Mit den restlichen Bärlauchblättern

ausgarnieren.

vsao /asmac Journal 2/22 47


mediservice

Hotel & Gastro Union ist es ein grosses Anliegen,

dass der Kochverband Talente fördern

und so die Zukunft der Branche auf

hohem Niveau sichern kann», sagt Marco

Scalabrin, Leiter Key Account Services bei

SWICA.

Die Rezepte der Profis zum

Nachkochen

Auf höchstem Niveau Kochwettbewerbe

zu bestreiten, ist der Auftrag der Kochnationalmannschaft,

die Kochkunst auch

an Hobbyköchinnen und -köche weiterzugeben,

ein anderer. Dazu der Kochverband-Geschäftsführer

Reto Walther:

«Für unsere Teams ist die Gesundheit und

somit auch eine ausgewogene Ernährung

ein wichtiger Aspekt in der Ausgestaltung

der Wettkampfgerichte. Die Rezepte, die

wir für SWICA ausarbeiten, sollen dazu

beitragen, dass feine und gesunde Gerichte

zu Hause nachgekocht werden können.»

Damit Sie zu Hause Ihre Gäste stets

kulinarisch überraschen können, stellen

Ihnen mediservice und SWICA ab sofort in

jeder Ausgabe des vsao Journals ein Rezept

zur Verfügung. Überzeugen Sie sich

selbst davon, dass kulinarische Gaumenfreuden

und gesunde Ernährung perfekt

Hand in Hand gehen können. Die detailliert

beschriebenen und appetitanregend

präsentierten Gerichte aus der kalten und

warmen, vegetarischen, fleischbasierten

oder süssen Küche lassen sich mit ein bisschen

Planung – dank mitgelieferter Einkaufsliste

– auch im durchgetakteten Berufsalltag

gut nachkochen und bereichern

jeden Menüplan. Auf der vorangehenden

Seite finden Sie das April-Rezept der

Schwei zer Kochnationalmannschaft.

Mehrfache Prämienrabatte

Als Mitglied von mediservice vsao-asmac

profitieren Sie bei SWICA dank

Kollektivvertrag und BENEVITA Bonusprogramm

von attraktiven Prämienrabatten

auf Spital- und Zusatzversicherungen.

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Respiratory Science Course

Basel / St. Gallen

Eosinophilic Science Course A

Bern

Eosinophilic Science Course B

Zürich

Eosinophilic Science Course C

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Thursday, May 05, 2022

09:30 – 16:30

Saturday, May 14, 2022

10:00 – 16:00

Saturday, August 20, 2022

10:00 – 16:00

Thursday, October 27, 2022

10:00 – 16:00

Chairs:

Basel: Prof. Dr. Michael Tamm

St. Gallen: Prof. Dr. Martin Brutsche

Chair:

Prof. Dr. Dr. Hans-Uwe Simon

Chair/Co-Chairs:

Prof. Dr. Peter Schmid-Grendelmeier/

PD Dr. Thomas Neumann,

PD Dr. Urs Steiner

Chair:

Prof. Dr. Alain Schoepfer

Course specific Accreditation

Supported by

Information & Registration

– SGAI/SSAI

– SGP/SSP

– SGAIM/SSMIG/SSGIM

– SGG/SSG

– SGDV/SSDV

Mainsponsor

Co-Sponsors

Medworld AG

6312 Steinhausen

Phone: +41 41 748 23 00

Mail: registration@medworld.ch

www.swiss-masterclasses.ch

48

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2/22 vsao /asmac Journal


mediservice

Briefkasten

Gestohlenes Paket – so

sind Sie abgesichert

Welch eine Freude: Die

langersehnte Warenlieferung

wird heute endlich

eintreffen. Doch dann ist

vom Paket weit und breit nichts zu sehen.

Offensichtlich wurde es aus dem Briefkasten,

Hauseingang oder Treppenhaus

gestohlen. Und nun?

Wenn eine bestellte Ware nicht

eintrifft, ist die Enttäuschung gross. Mit

einem Anruf beim Hersteller bzw.

Onlinehändler lässt sich eine Verzögerung

beim Versand ausschliessen. Kann

auch die Post oder ein privater Paketlieferdienst

die Zustellung bestätigen? Hat

kein hilfsbereiter Nachbar das Paket für

Sie angenommen? Dann spricht vieles für

einen Diebstahl aus Briefkasten, Hauseingang

oder Treppenhaus.

mediservice

vsao-Mitglieder profitieren

bei Zurich von

Vorzugskonditionen

Hausratversicherung zahlt bei

Paketdiebstahl

In dieser Situation lohnt sich eine

Hausratversicherung: In den allermeisten

Fällen enthält sie den Deckungsbaustein

«einfacher Diebstahl zuhause». Diese

Deckung greift auch beim Paketdiebstahl:

Die angelieferten Waren sind entsprechend

versichert und werden zum vollen

Preis ersetzt. Allerdings beträgt bei den

meisten Versicherungen der Selbstbehalt

200 Schweizer Franken. Bei Zurich fällt

nach drei Jahren ohne Schaden der

Selbstbehalt weg.

Das Paket kommt nicht an – was muss

ich tun?

Schritt 1: Rufen Sie beim Hersteller

oder beim Onlinehändler an, prüfen Sie

den Lieferstatus oder schicken Sie eine

E-Mail: Ist das Paket pünktlich abgesendet

worden? Oder hat es bei der Sendung

eine Verzögerung gegeben?

Schritt 2: Prüfen Sie anhand der

Versandnummer bei Ihrem Versanddienst

wie der Post oder dem privaten

Paketlieferdienst, ob das Paket noch

unterwegs ist oder ob die Sendung bereits

zugestellt worden ist. Falls die Zustellung

bereits fällig war, aber nicht stattgefunden

hat, können Sie einen Nachforschungsauftrag

stellen.

Schritt 3: Falls das Paket ausgeliefert

wurde, aber nicht auffindbar ist: Fragen

Sie Ihre Nachbarn, ob sie das Paket in

Empfang genommen bzw. die Zustellung

beobachtet haben.

Schritt 4: Wenn das Paket offensichtlich

gestohlen wurde, melden Sie dies

bei der Polizei und nehmen Sie Kontakt

mit Ihrer Hausratversicherung auf. Dort

erfahren Sie, ob Sie den Schaden anmelden

können.

Falls Sie den Zusatzbaustein «Elektrokasko»

in Ihrer Hausratversicherung

eingeschlossen haben, können Sie

beschädigte Elektronikgeräte dort als

Schadenfall anmelden.

Spezielle Versicherung für

Elektrogeräte

Insbesondere für elektronische Geräte

kann die Zusatzversicherung «Elektrokasko»

interessant sein: Denn Ihr neues

Smartphone kann nicht nur im Paket

gestohlen werden, sondern das Handy

kann später auch herunterfallen, irgendwo

anstossen, im Kaffee ertrinken

oder im Regen liegen bleiben. Auch

andere Schäden durch Beschädigung

oder Zerstörung sind mit der Elektrokaskoversicherung

versichert, selbst wenn

Sie sie aus Versehen selbst verursacht

haben. Im Gegensatz zur reinen Handyversicherung

sind auch Ihr Tablet,

Fernseher und PC versichert – immer mit

einem Selbstbehalt von mindestens 200

Schweizer Franken.

Bild: zvg

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Montags bis freitags, 8.00 bis 18.00 Uhr

Bitte erwähnen Sie Ihre mediservice

vsao-Mitgliedschaft.

Das Paket ist beschädigt – was nun?

Prüfen Sie nach, ob nur das Paket oder ob

auch der Inhalt beschädigt wurde.

Sie haben bis acht Tage nach der

Zustellung Zeit, um den Schaden bei

Ihrer nächsten Postfiliale zu melden.

Dazu sollten Sie das Paket samt Inhalt in

die Filiale bringen, wo der Schaden

beurteilt und ein Schadenprotokoll

erstellt wird.

Julia Lenz

Key Account Managerin

Partnerships, Zürich

Versicherungs-Gesellschaft AG

vsao /asmac Journal 2/22 49


Impressum

Kontaktadressen der Sektionen

Nr. 2 • 41. Jahrgang • April 2022

Herausgeber/Verlag

AG

VSAO Sektion Aargau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

mediservice vsao-asmac

Bollwerk 10, Postfach, 3001 Bern

Telefon 031 350 44 88

journal@vsao.ch, journal@asmac.ch

www.vsao.ch, www.asmac.ch

Im Auftrag des vsao

Redaktion

Catherine Aeschbacher (Chefredaktorin),

Kerstin Jost, Fabian Kraxner, Léo Pavlopoulos,

Lukas Staub, Anna Wang, Bianca Molnar

Geschäfts ausschuss vsao

Angelo Barrile (Präsident), Nora Bienz

(Co-Vize präsidentin), Patrizia Kündig

(Co-Vize präsidentin), Severin Baerlocher,

Christoph Bosshard (Gast), Marius Grädel,

Helen Manser, Richard Mansky, Gert

Printzen, Svenja Ravioli, Patrizia Rölli,

Martin Sailer, Miodrag Savic (Gast),

Jana Siroka, Clara Ehrenzeller (swimsa)

Druck, Herstellung und Versand

Stämpfli AG, Kommunikationsunternehmen,

Wölflistrasse 1, 3001 Bern

Telefon +41 31 300 66 66

info@staempfli.com, www.staempfli.com

BL/BS

VSAO Sektion beider Basel, Geschäftsleiterin und Sekretariat:

lic. iur. Claudia von Wartburg, Advokatin, Hauptstrasse 104,

4102 Binningen, Tel. 061 421 05 95, Fax 061 421 25 60,

sekretariat@vsao-basel.ch, www.vsao-basel.ch

BE VSAO Sektion Bern, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern, Tel. 031 381 39 39,

info@vsao-bern.ch, www.vsao-bern.ch

FR

ASMAC Sektion Freiburg, Gabriela Kaufmann-Hostettler,

Wattenwylweg 21, 3006 Bern, Tel. 031 332 41 10, Fax 031 332 41 12,

info@gkaufmann.ch

GE Associations des Médecins d’Institutions de Genève, Postfach 23,

Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genf 14, amig@amig.ch, www.amig.ch

GR

JU

NE

VSAO Sektion Graubünden, 7000 Chur, Samuel B. Nadig, lic. iur. HSG,

RA Geschäftsführer/Sektionsjurist, Tel. 081 256 55 55, info@vsao-gr.ch,

www.vsao-gr.ch

ASMAC Jura, 6, chemin des Fontaines, 2800 Delémont,

marie.maulini@h-ju.ch

ASMAC Sektion Neuenburg, Joël Vuilleumier, Jurist,

Rue du Musée 6, Postfach 2247, 2001 Neuenburg,

Tel. 032 725 10 11, vuilleumier@valegal.ch

SG/AI/AR VSAO Sektion St. Gallen-Appenzell, Bettina Surber, Oberer Graben 44,

9000 St. Gallen, Tel. 071 228 41 11, Fax 071 228 41 12,

Surber@anwaelte44.ch

Layout

Oliver Graf

Titelillustration

Stephan Schmitz

Inserate

Zürichsee Werbe AG, Fachmedien,

Markus Haas, Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa

Telefon 044 928 56 53

E-Mail vsao@fachmedien.ch

SO

TI

TG

VSAO Sektion Solothurn, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

ASMAC Ticino, Via Cantonale 8-Stabile Qi, 6805 Mezzovico-Vira,

segretariato@asmact.ch

VSAO Sektion Thurgau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

Auflagen

Druckauflage: 21 900 Expl.

WEMF/KS-Beglaubigung 2021: 21 778 Expl.

Erscheinungshäufigkeit: 6 Hefte pro Jahr.

Für vsao-Mitglieder im Jahresbeitrag

inbegriffen.

ISSN 1422-2086

Ausgabe Nr. 3/2022 erscheint im

Juni 2022. Thema: Underground

© 2022 by vsao, 3001 Bern

Printed in Switzerland

VD

VS

ASMAV, case postale 9, 1011 Lausanne-CHUV,

asmav@asmav.ch, www.asmav.ch

ASMAVal, p.a. Maître Valentine Gétaz Kunz,

Ruelle du Temple 4, CP 20, 1096 Cully, contact@asmaval.ch

Zentralschweiz (LU, ZG, SZ, GL, OW, NW, UR)

VSAO Sektion Zentralschweiz, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20

ZH/SH

VSAO ZH/SH, RA lic. iur. Susanne Hasse,

Geschäftsführerin, Nordstrasse 15, 8006 Zürich, Tel. 044 941 46 78,

susanne.hasse@vsao-zh.ch, www.vsao-zh.ch

Publikation2022

FOKUSSIERT

KOMPETENT

TRANSPARENT

Gütesiegel Q-Publikation

des Verbandes Schweizer Medien

50

2/22 vsao /asmac Journal


ALLGEMEINE

INNERE MEDIZIN

17. – 21.05.2022, Zürich 40 h

16. – 19.11.2022, Zürich 32 h

INNERE MEDIZIN

21. – 25.06.2022, Zürich 40 h

20. – 24.09.2022, livestream

(aus Basel) 40 h

06. – 10.12.2022, Zürich 40 h

hAusArZt

Fortbildungstage

08. – 09.09.2022, Bern 14 h

08. – 09.09.2022, Basel 14 h

23. – 24.09.2022, luzern 14 h

AllergologIe

14. – 15.11.2022, Zürich 13 h

AnästhesIologIe

und IntensIvmedIZIn

14. – 15.06.2022, Zürich

16 Credits SSAPM / 12 Credits SGNOR

dermAtologIe

09. – 10.12.2022, Zürich 14 h

dIABetes

03. – 05.11.2022, Zürich 21 h

gynäkologIe

12. – 14.05.2022, Zürich 24 h

24. – 26.11.2022, Zürich 24 h

kArdIologIe

04. – 05.11.2022, Zürich 14 h

nephrologIe

24. – 25.06.2022, Zürich

14 Credits SGN

neurologIe

06. – 07.05.2022, Zürich

16 Credits SNG

ophthAlmologIe

20. – 21.05.2022, Zürich

14 Credits SOG

pädIAtrIe

24. – 26.10.2022, Zürich 21 h

pneumologIe

06. – 07.05.2022, Zürich

14 Credits SGAIM / SGP Credits angefragt

psychIAtrIe

und

psychotherApIe

16. – 18.06.2022, Zürich 21 h

27. – 29.10.2022, livestream

(aus Zürich) 21 h

psychologIe

23. – 26.11.2022, livestream

(aus Zürich) 28 h

rheumAtologIe

24. – 25.06.2022, Zürich 15 h

urologIe

13.05.2022, Zürich

6 Credits SGU

Update Refresher

Information / Anmeldung

Tel.: 041 567 29 80 | info@fomf.ch

www.fomf.ch

– Teilnahme vor Ort oder via livestream

ZERTIFIZIERT FÜR

HOHE QUALITÄT:

vsao

Journal

Nr. 1, Februar 2022

Das Journal des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte

Norm

Von Schrauben

bis Sellerie

Seite 18

Publikation2022

KOMPETENT

TRANSPARENT

Das Gütesiegel für Qualität

• Etabliert und anerkannt mit fokussierter Leserschaft

• Inhaltlich kompetent und publizistisch unabhängig

• Werbung ohne Streuverlust

Psycholeptika

Manager des eigenen

Schlafes

Seite 28

Demenz

Früherkennung in der Praxis

Seite 32

Politik

Zulassungsstopp: das Zahlenrätsel

Seite 6

www.ihrepublikation.ch

220523_VSAO_1_#DE_(01-09)_Edito-Politik.indd 1 04.02.22 07:29

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