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vsao Journal Nr. 2 - April 2022

Tier - Ein ambivalentes Verhältnis Pneumologie Lufthygiene als Erfolgsfaktor Allergene - Die Gesichter der Ekzeme Politik - Qualitätsentwicklung – amtlich verfügt

Tier - Ein ambivalentes Verhältnis
Pneumologie Lufthygiene als Erfolgsfaktor
Allergene - Die Gesichter der Ekzeme
Politik - Qualitätsentwicklung – amtlich verfügt

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<strong>vsao</strong><br />

<strong>Nr</strong>. 2, <strong>April</strong> <strong>2022</strong><br />

<strong>Journal</strong><br />

Das <strong>Journal</strong> des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte<br />

Tier<br />

Ein ambivalentes<br />

Verhältnis<br />

Seite 18<br />

Pneumologie<br />

Lufthygiene als<br />

Erfolgsfaktor<br />

Seite 32<br />

Allergene<br />

Die Gesichter der<br />

Ekzeme<br />

Seite 36<br />

Politik<br />

Qualitätsentwicklung –<br />

amtlich verfügt<br />

Seite 6


Individualität.<br />

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Inhalt<br />

Tier<br />

Ein ambivalentes Verhältnis<br />

Coverbild: Stephan Schmitz<br />

Editorial<br />

5 Von «jöh» bis «grusig»<br />

Politik<br />

6 Qualität – jetzt amtlich beglaubigt<br />

9 Auf den Punkt gebracht<br />

Weiterbildung /<br />

Arbeitsbedingungen<br />

10 Teilzeit auf dem Prüfstand<br />

<strong>vsao</strong><br />

12 Neues aus den Sektionen<br />

16 <strong>vsao</strong>-Inside<br />

17 <strong>vsao</strong>-Rechtsberatung<br />

Perspektiven<br />

32 Lufthygiene als Erfolgsfaktor<br />

36 Aus der «Therapeutischen Umschau» –<br />

Übersichtsarbeit: Die verschiedenen<br />

Gesichter der Ekzeme<br />

45 Im Einsatz in Kirgistan<br />

mediservice<br />

46 Kochen für Gaumen und Gesundheit<br />

49 Briefkasten<br />

50 Impressum<br />

Fokus: Tier<br />

18 Rätselhafte Steinwürfe<br />

21 «Wir sind ein Team»<br />

25 Huch – eine Spinne!<br />

28 Warmes Herz und kühler Kopf<br />

30 Embryonal entwicklung in Zeitlupe<br />

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<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 3


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Editorial<br />

Von «jöh»<br />

bis «grusig»<br />

Catherine Aeschbacher<br />

Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

Das Quokka hat es gut. Das australische Beuteltier entzückt<br />

die Menschheit und hat als Internetstar den offiziellen<br />

Titel «süssestes Tier der Welt» erhalten. Die Spinne hat<br />

es weniger gut. Wegen ihres Äusseren wird sie gefürchtet,<br />

als abstossend empfunden und oftmals gnadenlos und qualvoll<br />

ge tötet. Quokkas und Spinnen zeigen exemplarisch unser ambivalentes<br />

Verhältnis zu Tieren. Oder wie es der Tierrechtsanwalt Antoine<br />

Goetschel zu sagen pflegt: «Die Katze landet auf dem Schoss, der Fisch<br />

auf dem Teller.» Das Interview mit ihm ist in unserem Schwerpunkt<br />

nachzulesen.<br />

Egal, ob wir sie süss oder abstossend finden: Tiere überraschen uns<br />

immer wieder, je mehr wir über sie wissen. Das Reh, ein hierzulande<br />

nicht unbedingt exotisches Tier, verfügt über eine aussergewöhnlich<br />

lange Keimruhe, d.h., der Embryo entwickelt sich sozusagen in Zeitlupe.<br />

Wie das geht, wird im Fokus erklärt. Noch unerklärt ist das erst<br />

kürzlich dokumentierte Verhalten von Schimpansen: Diese suchen<br />

Steine und werfen oder legen sie dann in hohle Bäume. Der Vorgang<br />

erfüllt keinen nachvollziehbaren Zweck, sondern lässt sich am ehesten<br />

als eine Art Ritual begreifen. Welche Verhaltensvielfalt Schimpansen<br />

aufweisen, beschreibt der Forscher Hjalmar Kühl in einem weiteren<br />

Beitrag.<br />

Vor 15 000 Jahren, vielleicht sogar schon vor 30 000 Jahren kam es<br />

zur ersten Annäherung zwischen Mensch und Wolf. Die daraus entstandene<br />

Freundschaft zwischen Mensch und Hund ist die mit Abstand<br />

älteste Beziehung zwischen Tier und Mensch. Diese Vertrautheit<br />

bildet die Grundlage der tiergestützten Psychotherapie. Elisabeth<br />

Frick Tanner und ihr Ehemann zählen zu den Pionieren auf diesem<br />

Gebiet. Im Interview erzählt die Psychologin, welchen Stellenwert<br />

Hunde in ihrer Arbeit einnehmen und welche Rolle Katzen spielen.<br />

Schliesslich wenden wir uns noch den Spinnen zu. Eine an der Universität<br />

Basel entwickelte App soll dank erweiterter Realität helfen,<br />

die Arachnophobie zu mildern und so dem einen oder andern achtbeinigen<br />

Gliederfüssler das Leben zu retten.<br />

In der Rubrik «Politik» geht es um die Qualitätsentwicklung. Die<br />

Verbände der Leistungserbringer müssen mit Versicherern entsprechende<br />

Verträge abschliessen und sie dem Bundesrat unterbreiten.<br />

Was in diesen Verträgen genau vereinbart wird, wird im Artikel zur<br />

Gesundheitspolitik analysiert.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 5


Politik<br />

Qualität – jetzt<br />

amtlich beglaubigt<br />

Bis 1. <strong>April</strong> <strong>2022</strong> mussten die Verbände der Leistungserbringer<br />

und Versicherer dem Bundesrat Verträge über die Qualitätsentwicklung<br />

unterbreiten. Was steckt dahinter? Wo liegen Chancen und wo Risiken?<br />

Der <strong>vsao</strong> liefert Antworten.<br />

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer <strong>vsao</strong><br />

Der Bund will noch mehr Qualität bei den medizinischen Leistungen. Ob mit den neuen Zielen, Vorgaben und Kontrollen<br />

ein weiteres teures Bürokratiemonster geboren wurde, muss sich noch zeigen.<br />

Im Sommer 2019 hat das Parlament<br />

die Änderung des Bundesgesetzes<br />

über die Krankenversicherung<br />

(KVG) zur Stärkung von Qualität<br />

und Wirtschaftlichkeit verabschiedet.<br />

Seit gut einem Jahr ist der revidierte Artikel<br />

58 KVG nun in Kraft. Sein Ziel: eine<br />

systematische und strukturierte Verbesserung<br />

der Qualität der medizinischen<br />

Leistungen. Das Vorgehen:<br />

1. Der Bundesrat legt die strategische Ausrichtung<br />

der nationalen Qualitätsentwicklung<br />

mit Vierjahreszielen fest.<br />

2. Eine eidgenössische Qualitätskommission<br />

(EQK) setzt die zur Verfügung gestellten<br />

finanziellen Mittel gezielt zur<br />

Qualitätsentwicklung ein und berät die<br />

betroffenen Akteure.<br />

3. Die Verbände der Leistungserbringer<br />

und der Versicherer schliessen gesamtschweizerisch<br />

geltende Verträge zur<br />

Qualitätsentwicklung ab.<br />

4. Die Leistungserbringer müssen die darin<br />

festgelegten Regeln einhalten, damit sie<br />

zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung<br />

tätig sein können.<br />

Eine Stimme für die Ärzte<br />

Unter den 15 EQK-Mitgliedern, die inzwischen<br />

vom Bundesrat gewählt worden<br />

sind, vertreten vier die Leistungserbringer.<br />

Für die Ärzteschaft Einsitz hat Christoph<br />

Bosshard, früher <strong>vsao</strong>-Präsident und<br />

heute als Leiter des Departements Daten,<br />

Demographie und Qualität der FMH deren<br />

Vizepräsident.<br />

Bosshard und seine Abteilung waren<br />

seitens des Ärztedachverbands federführend,<br />

um die unter Punkt 3 erwähnten<br />

Qualitätsverträge für den praxis-ambu-<br />

Bild: amnaj /Adobe Stock<br />

6<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Politik<br />

lanten Bereich mit santésuisse und curafutura<br />

auszuhandeln. Für den stationären<br />

Bereich hingegen stand der Spitalverband<br />

H+ mit den beiden Versicherungs-Dachverbänden<br />

im Dialog. Die Einreichung der<br />

Verträge beim Bundesrat als Genehmigungsinstanz<br />

musste bis 1. <strong>April</strong> <strong>2022</strong> erfolgen.<br />

Sonst hätte dieser selber eingreifen<br />

und Regelungen festlegen können.<br />

In den Qualitätsverträgen war Folgendes<br />

zu klären:<br />

––<br />

Qualitätsmessungen<br />

––<br />

Massnahmen zur Qualitätsentwicklung<br />

––<br />

Zusammenarbeit der Vertragspartner bei<br />

der Festlegung von Verbesserungsmassnahmen<br />

––<br />

Überprüfung der Einhaltung der Verbesserungsmassnahmen<br />

––<br />

Veröffentlichung der Qualitätsmessungen<br />

und der Verbesserungsmassnahmen<br />

––<br />

Sanktionen bei Verletzungen des Vertrags.<br />

Während die FMH (und damit der <strong>vsao</strong>)<br />

bei der Lösungserarbeitung für die Spitäler<br />

und Spitalambulatorien nicht eingebunden<br />

waren, gab es zum Qualitätskonzept<br />

im praxis-ambulanten Bereich mehrfach<br />

breit geführte Diskussionen und eine<br />

Vernehmlassung. Das Konzept bildet einen<br />

zentralen Baustein der Qualitätsverträge.<br />

«Die zentralen Eckpfeiler sind die<br />

Schaffung einer Lern- und Vertrauenskultur<br />

sowie ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess<br />

auf allen Ebenen», schreibt<br />

die FMH.<br />

Sichern nicht vergessen<br />

In seiner letzten Stellungnahme äusserte<br />

sich der Verband der Assistenz- und Oberärztinnen<br />

und -ärzte nochmals vor allem<br />

zu grundsätzlichen Punkten. «Dazu gehört,<br />

dass die Qualitätssicherung aus unserer<br />

Sicht genauso wichtig ist wie die<br />

Qualitätsentwicklung», erklärt Co-Vizepräsidentin<br />

Nora Bienz. Was unter anderem<br />

heisst, bereits bestehende Massnahmen,<br />

welche die Kriterien Wirksamkeit,<br />

Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit<br />

(WZW) erfüllen, mitzuberücksichtigen.<br />

Zum einen, um den Aufwand bei der Erfüllung<br />

der gesetzlichen Vorgaben in vernünftigem<br />

Rahmen zu halten, zum andern<br />

als Chance, bewährte Ansätze zu<br />

fördern.<br />

Mehr Bürokratie gehört denn für den<br />

<strong>vsao</strong> auch zu den Hauptrisiken. Zumal das<br />

Verhältnis von Aufwand und Ertrag vorläufig<br />

mit einem grossen Fragezeichen zu<br />

versehen ist. «Die ohnehin vielfach<br />

schwierigen Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen<br />

würden sich unter Umständen<br />

weiter verschlechtern. Dabei sind genau<br />

sie die Basis für eine hohe Behandlungsqualität<br />

und Patientensicherheit»,<br />

erläutert Bienz. «Beide Aspekte müssten<br />

deshalb explizit bei allen Qualitätsverbesserungs-<br />

und Qualitätsentwicklungsmassnahmen,<br />

Fehlermeldesystemen und<br />

Sanktionen berücksichtigt und gewichtet<br />

werden.» Schliesslich seien junge Ärztinnen<br />

und Ärzte zunehmend im praxis-ambulanten<br />

Bereich angestellt und würden<br />

einen wichtigen Teil der ärztlichen Weiterbildung<br />

bei Arbeitgebern ausserhalb<br />

des Spitals absolvieren. «Solche Arbeitgeber<br />

unterliegen jedoch weniger Kontrollen,<br />

weil es zum Beispiel keine Visitationen<br />

gibt.» Die Forderung fand jedoch<br />

keinen Eingang in die finale und von der<br />

Delegiertenversammlung der FMH am<br />

2. Februar <strong>2022</strong> verabschiedete Version<br />

des Qualitätskonzepts.<br />

Auch eine Geldfrage<br />

Bei den Verhandlungen mit den Verbänden<br />

der Versicherer erwiesen sich primär<br />

die Finanzierung, der Umgang mit Daten<br />

sowie die Veröffentlichung der Ergebnisse<br />

und die Berichterstattung als Knacknüsse.<br />

«Aus unserer Sicht ist eine angemessene<br />

Abgeltung des Zusatzaufwands, der heute<br />

nicht in Tarifpositionen abgebildet wird,<br />

entscheidend für die Umsetzbarkeit des<br />

Qualitätskonzepts bzw. -vertrags», sagt<br />

Nora Bienz. Als Beispiele nennt sie die<br />

Kosten für die Implementierungsmessung<br />

sowie für die Umsetzung und Überprüfung<br />

der Qualitätsverbesserungsmassnahmen.<br />

Für die Implementierung und<br />

Überprüfung soll es laut Konzept eine fixe<br />

Basispauschale pro Leistungserbringer<br />

und Jahr geben und für die Umsetzung<br />

von Qualitätsverbesserungsmassnahmen<br />

eine spezifische aufwandsabhängige Vergütung.<br />

Offen bleibt freilich, ob dieses Modell<br />

angesichts des Primats der Kostenneutralität<br />

politisch mehrheitsfähig sein<br />

wird. Selbst bei der erhofften Ablösung<br />

des aktuellen ambulanten Tarifsystems<br />

TARMED durch TARDOC.<br />

Bezüglich der Glaubwürdigkeit der<br />

Überprüfung in der Aussenwahrnehmung<br />

fragt sich der <strong>vsao</strong>, wie viele Leistungserbringer<br />

dabei erfasst sind und in welcher<br />

Regelmässigkeit die Kontrollen stattfinden.<br />

Nach seiner Beurteilung braucht es<br />

beim ganzen Qualitätsentwicklungsprozess<br />

eine gewisse Standardisierung zwischen<br />

den Fachgesellschaften, einschliesslich<br />

der Prüfverfahren (Stichwort Vergleichbarkeit).<br />

Und erst recht eine Abstimmung<br />

des Vorgehens im stationären<br />

und im praxis-ambulanten Bereich, da die<br />

Fachgesellschaften als zentrale Akteure<br />

doppelt betroffen sind.<br />

Gemäss Konzept werden die aggregierten<br />

Ergebnisse der Qualitätsmessungen<br />

aufgeschlüsselt nach Fachbereichen<br />

jährlich analysiert und veröffentlicht. Die<br />

Ergebnisse will man auf einer geeigneten<br />

Plattform öffentlich zugänglich machen.<br />

Ausserdem können die Leistungserbringer<br />

freiwillig und aktiv angeben, ob sie mit<br />

der Veröffentlichung ihrer Angaben zur<br />

Implementierung der Massnahmen einverstanden<br />

sind. Bienz erachtet dieses<br />

Vorgehen als gut, weil es einen klaren Willen<br />

zur Transparenz erkennen lasse. Ihr<br />

Verband erwarte nun vom Bundesrat mit<br />

der raschen Genehmigung der Verträge<br />

ein klares Zeichen, dass noch mehr Qualität<br />

nicht nur gefordert, «sondern mit angemessenen<br />

administrativen und finanziellen<br />

Rahmenbedingungen auch wirklich<br />

gefördert und umsetzbar wird. Zeit- und<br />

nervenraubende Papiertiger hat es im Gesundheitswesen<br />

nämlich schon genug.»<br />

Mehr zum Thema unter<br />

<strong>vsao</strong>.ch/arbeitsbedingungen/<br />

meldestelle<br />

@<strong>vsao</strong>asmac<br />

Bitte melden!<br />

Der <strong>vsao</strong> setzt neue Hebel in Bewegung,<br />

damit Verletzungen des Arbeitsgesetzes<br />

bzw. -vertrags stärker geahndet<br />

werden und die Arbeitszeiten<br />

sinken. Eine der zusätzlichen Massnahmen<br />

ist die Schaffung einer Meldestelle.<br />

Ab Ende <strong>April</strong> steht auf der<br />

Website des Dachverbands ein Formular<br />

zur Verfügung. Man kann damit<br />

Verstösse gegen das Arbeitsrecht und/<br />

oder die Vereinbarungen zur ärztlichen<br />

Weiterbildung rasch und unkompliziert<br />

melden. Was dann? «Im Normalfall<br />

nehmen wir im Zentralsekretariat<br />

die Mitteilung entgegen und erörtern<br />

mit der meldenden Person und der<br />

betroffenen Sektion die nächsten<br />

Schritte», führt <strong>vsao</strong>-Geschäftsführer<br />

Simon Stettler aus. «Wenn die meldende<br />

Person allerdings nicht will, dass<br />

ihre Information an die Sektion oder<br />

sonst jemanden geht, können wir nicht<br />

direkt aktiv werden. Die Meldung<br />

fliesst dann in allgemeiner Form in<br />

unsere Verbandsarbeit ein.»<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 7


Ihre Bedürfnisse<br />

im Mittelpunkt<br />

Visitationen<br />

Bewertungen, Löhne, Arbeitszeiten,<br />

Kitas, Jobs - und noch viel<br />

mehr: Medicus ist das umfassende<br />

Portal für Ihre Karriere. Dort<br />

finden Sie die optimal zu Ihnen<br />

passende Stelle!<br />

Die Spitäler und <strong>vsao</strong>-Sektionen<br />

bieten Ihnen wichtige Informationen<br />

zu den Arbeitsbedingungen. Den<br />

wichtigsten Beitrag leisten jedoch<br />

Sie: Bewerten Sie anonym Ihren<br />

bisherigen Arbeitgeber. Damit<br />

helfen Sie anderen – und profitieren<br />

selber von deren Erfahrungen.<br />

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Wie gut ist die Weiterbildung in<br />

den Kliniken? Dieser Frage gehen<br />

die Visitationen auf den Grund. Zu<br />

den Expertenteams gehört immer<br />

jemand vom <strong>vsao</strong>. Die Besuche vor<br />

Ort dienen dazu, Verbesserungsmöglichkeiten<br />

zu erkennen. Denn<br />

Sie als unser Mitglied sollen von<br />

einer hohen Weiterbildungsqualität<br />

profitieren.<br />

Falls Sie selber Visitationen<br />

begleiten möchten: eine E-Mail<br />

an ribeaud@<strong>vsao</strong>.ch, und Sie<br />

erfahren mehr!<br />

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Feedback-<br />

Pool<br />

Für Sie als Mitglied ist sie zentral:<br />

die Weiterbildung. Deshalb fühlen<br />

wir unserer Basis mit Umfragen<br />

regelmässig den Puls dazu. Dank<br />

dieses Feedback-Pools können wir<br />

unsere Verbandsarbeit gezielt auf<br />

Ihre Anliegen ausrichten.<br />

Wollen Sie mitmachen? Dann<br />

schreiben Sie an ribeaud@<strong>vsao</strong>.ch.<br />

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Arztberuf<br />

und Familie<br />

• Wie bringe ich Familie, Freizeit und<br />

Beruf unter einen Hut?<br />

• Wie steige ich nach der Babypause<br />

wieder ein?<br />

• Wie meistere ich die täglichen<br />

Herausforderungen?<br />

Antworten auf solche Fragen erhalten Sie<br />

als <strong>vsao</strong>-Mitglied bei unserem kostenlosen<br />

Coaching. Die Beratung erfolgt telefonisch<br />

durch die Fachstelle UND.<br />

044 462 71 23<br />

info@und-online.ch<br />

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Politik<br />

Unwissen ist Macht<br />

«Ist doch ganz normal», so lautet der Slogan<br />

der aktuellen Imagekampagne eines Schweizer<br />

Finanzinstituts. Seine Botschaft: Vieles, womit<br />

sich die Konkurrenz rühmt, ist für uns schlicht<br />

selbstverständlich.<br />

Oder sprechen Sie sich bei der Fachstelle UND aus. Was immer<br />

Sie tun: Sie durchbrechen das Gesetz des Schweigens und<br />

Erduldens. Nur so kann sich etwas ändern. Und je mehr zu<br />

reden beginnen, umso mehr Gewicht erhalten ihre Stimmen.<br />

Ihre Stimme.<br />

Mir kommen bei dieser Devise allerdings nicht gleich Banknoten<br />

oder Investitionspläne in den Sinn. Sondern – pardon,<br />

déformation professionnelle! – Spitäler. Ich stelle mir nämlich<br />

als Erstes vor, wie wunderbar sie sich so als Arbeitgeber profilieren<br />

könnten. Kostproben:<br />

«Das Arbeitsgesetz einhalten? Ist doch ganz<br />

normal!»<br />

«Genug Zeit für die Weiterbildung – bei<br />

uns ganz …!»<br />

«Beruf und Privatleben vereinbaren?<br />

Logo, ist doch …!»<br />

Und so weiter, und so fort.<br />

Als Zweites fällt mir aber schnell<br />

mal ein und auf, dass meine Ummünzung<br />

des Slogans weitgehend<br />

Tagträumerei ist. Denn «ist doch<br />

ganz normal» heisst für viele unserer<br />

Mitglieder heute noch immer ganz<br />

anderes: Arbeitszeiten jenseits von Gut<br />

und Böse, schlechte und schlecht nutzbare<br />

Weiterbildungsangebote, nicht erfasste<br />

oder nicht erlaubte Pausen.<br />

Und so weiter, und so fort.<br />

Ist doch nicht normal!<br />

Und so weiter?<br />

Das haben Sie in der Hand. Sie als Ärztin oder Arzt, wenn Ihnen<br />

No-Gos als normal verkauft werden. Weil sein muss, was nicht<br />

sein darf. Angeblich. Sie sind gefordert, vom Achselzucken zum<br />

Agieren überzugehen. Melden Sie uns, Ihrem <strong>vsao</strong>, Missstände,<br />

sei es über unsere neue Meldestelle (vgl. den Beitrag auf Seite 6)<br />

oder über Ihre Sektion.<br />

Auf den<br />

Punkt<br />

gebracht<br />

Dafür braucht es Mut. Ihren Mut, die heissen Eisen anzusprechen.<br />

Trotz der Befürchtung, sich daran die Finger zu verbrennen.<br />

Diese ganz persönliche Hürde können wir nicht für Sie<br />

überspringen. So gern wir das auch täten. Was wir aber machen:<br />

für Sie da sein und vor Sie und hinter Ihnen stehen, wenn es<br />

darum geht, Unrecht richtig zu benennen und<br />

Ihnen zu Ihrem Recht zu verhelfen.<br />

In diesem Sinn werden wir im laufenden<br />

Jahr unsere Anstrengungen zur<br />

Durchsetzung des Arbeitsgesetzes<br />

und der Weiterbildung verstärken.<br />

Ziel muss eine spürbare Reduktion<br />

der Arbeitsbelastung sein, auf dem<br />

Papier und im Alltag, damit Sie<br />

sich (wieder) mehr auf die Dienstleistung<br />

am Patienten konzentrieren<br />

können. Zum Beispiel dank<br />

besserer Dienstplanung, weniger<br />

Bürokratie und Doppelspurigkeit,<br />

vollständiger und korrekter Zeiterfassung.<br />

Und so weiter, und so fort.<br />

Ginge es alleine um uns, wären solche Verbesserungen<br />

rasch an noch mehr Orten realisiert. Geht es allerdings nicht –<br />

(zu) oft erfahren wir noch (zu) viel Widerstand und Unverständnis.<br />

Deshalb führt der Weg zum Ziel bergauf, ist länger und<br />

immer wieder mit Steinen übersät. Diese Hürden wollen wir<br />

überspringen – und können es auch, Sie und der <strong>vsao</strong> zusammen.<br />

Denn gemeinsam machen wir vieles möglich.<br />

Sie wissen jetzt, wie.<br />

Bild: zvg<br />

Dafür braucht es Wissen. Wissen darüber, was Ihnen zusteht<br />

und was erlaubt ist. Weil Unwissen Macht ist – die Macht der<br />

andern. Auf unserer Website können Sie sich über alle arbeitsrechtlichen<br />

und für die Weiterbildung wichtigen Fragen informieren.<br />

Lesen Sie, was unsere Haltung ist, was wir unternehmen<br />

und empfehlen. Holen Sie sich bei der Sektionsjuristin Rat.<br />

Marcel Marti,<br />

Leiter Politik und Kommunikation /<br />

stv. Geschäftsführer <strong>vsao</strong><br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 9


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

Teilzeit auf dem<br />

Prüfstand<br />

Der <strong>vsao</strong> will Teilzeitstellen fördern. Mit einem Test auf der Website kann<br />

man feststellen, wie gut das eigene Spital für reduzierte Pensen gerüstet ist.<br />

Erste Auswertungen zeigen: Es gibt viel Luft nach oben.<br />

Marcel Marti, Leiter Politik und Kommunikation / stv. Geschäftsführer <strong>vsao</strong><br />

Entscheidend für attraktive Arbeitsbedingungen<br />

sind auch<br />

Teilzeitjobs. «Bei unseren Mitgliedern<br />

wächst die Nachfrage<br />

seit Langem. Vielfach hinkt das Angebot<br />

jedoch noch hinterher. Deshalb haben wir<br />

das Heft in die Hand genommen», sagt<br />

Sarina Keller.<br />

Die Leiterin Recht im <strong>vsao</strong>-Zentralsekretariat<br />

war verantwortlich für das Projekt<br />

Förderung Teilzeit, welches letzten<br />

Sommer seinen Abschluss fand. Die<br />

Haupterkenntnis? «Drei Faktoren geben<br />

den Ausschlag, um in Spitälern mehr Teilzeitarbeit<br />

zu ermöglichen: Kultur, Struktur<br />

und Organisation.» Für diese Themenbereiche<br />

habe der Verband konkrete Hilfestellungen<br />

entwickelt, gemeinsam mit der<br />

Medizinischen Klinik des Spitalzentrums<br />

Biel, dem Interdisziplinären Notfallzentrum<br />

am Kantonsspital Baden sowie dem<br />

Departement Chirurgie des Kantonsspitals<br />

Winterthur. Zusammengefasst ist das<br />

Ganze in einem umfassenden Leitfaden<br />

für die Mitglieder, Sektionen und Spitalverantwortlichen.<br />

«Er vermittelt unter anderem,<br />

worauf es bei der Dienstplanung<br />

mit Teilzeitpensen ankommt und was es<br />

bei Schwangeren und Müttern zu beachten<br />

gilt», erzählt Keller. Zusätzliche Anund<br />

Einsichten vermitteln verschiedene<br />

Videoclips.<br />

Ausserdem hilft ein kleiner Test,<br />

schnell und einfach zu eruieren, wie es<br />

beim eigenen Arbeitgeber um die Teilzeitarbeit<br />

bestellt ist. Mehrere Dutzend Personen<br />

haben den Check bereits gemacht.<br />

Rund 80 Prozent davon stammen aus der<br />

Deutschschweiz, etwa zwei Drittel sind<br />

Frauen, was auch dem Anteil der antwortenden<br />

Assistenzärztinnen und -ärzte entspricht.<br />

Gut die Hälfte arbeitet Vollzeit<br />

und an Unispitälern. Das Durchschnittsalter<br />

liegt bei 34 Jahren.<br />

Förderung? Eher Fehlanzeige …<br />

Bei den Zwischenresultaten springen diverse<br />

Punkte ins Auge. So vertreten ebenfalls<br />

gegen zwei Drittel der Teilnehmenden<br />

die Ansicht, in ihrem Spital werde<br />

Teilzeit nicht gefördert. Manche wüssten<br />

gar nicht, dass solche Lösungen möglich<br />

seien, verweist die Leiterin Recht des <strong>vsao</strong><br />

auf einen der Kommentare bei der Antwort.<br />

Oder man werde scheel und als Problemverursacher/in<br />

angesehen. Und jemand<br />

schreibt: «Es gibt von 23 Assistenzärztinnen/-ärzte<br />

im Team eine Person, die<br />

nach monatelangen Verhandlungen ihr<br />

Pensum auf 70 Prozent reduzieren konnte.<br />

Natürlich hat das ganze Team diesen Prozess<br />

mitbekommen …» Trocken auf den<br />

Punkt bringt es die Rückmeldung «toleriert,<br />

manchmal akzeptiert – aber nicht<br />

ermutigt».<br />

Um Teilzeitangebote zu fördern, müssen<br />

mehrere Kriterien erfüllt sein. Darunter<br />

schneiden bei der persönlichen Beurteilung<br />

besonders folgende schlecht ab:<br />

«Es gibt verschiedene, klar definierte Arbeitszeitmodelle»<br />

und «Die meisten Stellen<br />

meines Spitals werden in Teilzeit angeboten».<br />

Was das oben skizzierte Bild<br />

bestätigt. Erfreulicher: Die Dienstplanung<br />

scheint individuelle Bedürfnisse vermehrt<br />

aufzunehmen und eine Änderung des Beschäftigungsgrads<br />

zumindest kein unüberwindbares<br />

Hindernis zu bilden.<br />

Sarina Keller betont indes, dass öfters Angaben<br />

fehlen – «offenbar aus Unkenntnis<br />

der Situation am Arbeitsort». Was sie erstaune,<br />

da das Thema nicht erst bei der<br />

Familienplanung aktuell werde. «Viele<br />

jüngere Ärztinnen und Ärzte möchten<br />

kleinere Pensen, um ihre Work-Life-Balance<br />

zu verbessern.»<br />

Keine Sonderbehandlung<br />

Zum eher getrübten Eindruck passt die<br />

häufig begrenzte Rücksichtnahme auf<br />

Teilzeitangestellte und deren persönliche<br />

Lebensumstände, wenn es um die Arbeitsbelastung<br />

geht. Einiges liegt offenbar gerade<br />

bei der regelmässigen Information<br />

über die Einhaltung der vertraglichen<br />

bzw. gesetzlichen Arbeitszeiten im Argen.<br />

Deren Überprüfung findet aber zumindest<br />

in fast 40 Prozent der Fälle statt – ein auf<br />

den ersten Blick magerer Wert, doch der<br />

höchste im Vergleich zu den Fragen nach<br />

der Verteilung von Wochenend- und<br />

Nachtdiensten sowie der Einplanung von<br />

Bild: <strong>vsao</strong> (Titelbild Broschüre «Zeit für Beruf und Familie»<br />

10<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Weiterbildung / Arbeitsbedingungen<br />

eventuellen Personalausfällen, um Engpässe<br />

zu vermeiden.<br />

Es erstaunt somit nicht, dass die Vereinbarkeit<br />

von Beruf und Privatleben kritisch<br />

eingeschätzt wird. Etwas über die<br />

Hälfte stellt dem Arbeitgeber dafür ein<br />

schlechtes Zeugnis aus. Aus der Liste an<br />

illustrierenden Aussagen herausgepickt:<br />

«An Arbeitstagen ist das Arbeitsende unabsehbar.<br />

Es bleibt keine Zeit für andere<br />

Dinge ausser essen und schlafen zwischen<br />

einzelnen Schichten. Oft sogar zu wenig<br />

Schlaf.» «Beides gleichwertig ist nicht<br />

möglich» oder gar «Ich sehe meine Familie<br />

kaum» gehören zu den weiteren Beispielen.<br />

Die für Veränderungen wichtigen Voraussetzungen<br />

wie Mutter- und Vaterschaftsurlaub<br />

plus Lohnfortzahlung oder<br />

Unterstützung/Erleichterung bei der Kinderbetreuung<br />

sehen zwischen 49 und 62<br />

Prozent erfüllt.<br />

Immerhin ist jedoch eine klare Mehrheit<br />

der Meinung, reduzierte Pensen<br />

liessen sich an ihrem Arbeitsort mit der<br />

Weiterbildung vereinbaren. Als hilfreich<br />

erweist sich dabei in erster Linie, wenn es<br />

zeitlich klar abgegrenzte/strukturierte<br />

Weiterbildungssequenzen gibt oder Gelegenheiten<br />

für individuelles zeitversetztes<br />

bzw. virtuelles Lernen.<br />

Was nun, Sarina Keller?<br />

«Die Erkenntnisse fliessen zum einen in<br />

die Sektionsarbeit ein, denn unsere Sektionen<br />

stehen permanent im Dialog mit den<br />

Spitälern», erwidert die Leiterin Recht.<br />

«Zum andern nehmen wir sie bei unseren<br />

Massnahmen zur Durchsetzung des Arbeitsgesetzes<br />

sowie zur Arbeitszeitsenkung<br />

auf – und in ein von uns unterstütztes<br />

Projekt der Fachhochschule Nordwestschweiz<br />

(FHNW) zur Vereinbarkeit.»<br />

Wobei Keller bei diesem «Wir» bald nicht<br />

mehr dabei sein wird: Sie wechselt auf<br />

1. Mai <strong>2022</strong> als Geschäftsleiterin zur Stiftung<br />

zur Förderung der Weiterbildung in<br />

Hausarztmedizin WHM.<br />

Mehr zum Thema unter<br />

<strong>vsao</strong>.ch/arztberuf-familie/foerderungteilzeit<br />

@<strong>vsao</strong>asmac<br />

Die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, ist ein zentraler<br />

Faktor, um als Arbeitgeber auf dem Stellenmarkt attraktiv<br />

zu sein. Was (zu) viele Spitäler noch nicht gemerkt haben.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 11


<strong>vsao</strong><br />

Neues aus<br />

den Sektionen<br />

Bern<br />

Lohnmassnahmen<br />

per 1. <strong>April</strong> <strong>2022</strong><br />

Die jährlichen Lohnverhandlungen mit<br />

den GAV-Betrieben konnten kurz vor<br />

Weihnachten abgeschlossen werden. Insbesondere<br />

mit den regionalen Spitalzentren/psychiatrischen<br />

Kliniken mussten wir<br />

sehr hart verhandeln, damit das Personal<br />

eine spürbare Lohnentwicklung erfährt.<br />

Nach hartem Ringen konnten wir uns<br />

auf Lohnmassnahmen von rund 1 Prozent<br />

der GAV-Gesamtlohnsumme einigen. Wir<br />

sind der Meinung, dass das Personal dieser<br />

Arbeitgeberinnen in diesen sehr herausfordernden<br />

Zeiten mehr Wertschätzung<br />

verdient hätte, mussten unsere<br />

Forderungen aber den wirtschaftlichen<br />

Gegebenheiten anpassen.<br />

Mitgliederversammlung <strong>2022</strong><br />

Die beiden Resultate des Spitalzentrums<br />

Biel (2,8 Prozent) und der Inselgruppe<br />

AG (1,5 Prozent) setzen für uns<br />

wichtige Zeichen, dass die Arbeit, ins besondere<br />

in der Nacht und am Wochenende,<br />

zusätzlich honoriert und die Arbeitsbedingungen<br />

stetig verbessert werden<br />

müssen.<br />

Auf unserer Website finden Sie die<br />

detaillierte Gesamtübersicht der Massnahmen.<br />

Jubiläumsaktivitäten<br />

Aufgrund der unsicheren Pandemieentwicklung<br />

haben wir im Januar <strong>2022</strong> unsere<br />

Jubiläumsaktivitäten abgesagt und<br />

freuen uns schon jetzt, mit Ihnen dafür<br />

2025 das 80-Jahre-Jubiläum unserer Sektion<br />

zu feiern!<br />

Janine Junker, Geschäftsführerin VSAO Bern<br />

Wir freuen uns sehr, unsere Mitgliederversammlung wieder im gewohnten Rahmen durchführen<br />

zu können, und laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen! Termin und Ort:<br />

Zentralschweiz<br />

Mitgliederversammlung<br />

<strong>2022</strong><br />

Am Donnerstag, 5. Mai, findet die Mitgliederversammlung<br />

der Sektion Zentralschweiz<br />

statt. Wir treffen uns um 18.30 Uhr<br />

auf dem Kulturhof Hinter Musegg in Luzern.<br />

Es wird ein abwechslungsreiches<br />

Programm mit einem spannenden Referat,<br />

Zeit für Diskussionen und Austausch<br />

sowie einem Apéro riche mit leckeren Hofprodukten<br />

geben.<br />

Die Einladung ist Anfang <strong>April</strong> per<br />

E-Mail an unsere Mitglieder versandt worden.<br />

Hast Du sie nicht erhalten, möchtest<br />

aber gerne auch dabei sein? Dann melde<br />

Dich so bald wie möglich per E-Mail an<br />

(sekretariat@<strong>vsao</strong>-zentralschweiz.ch).<br />

Wir freuen uns, Dich an der MV zu begrüssen!<br />

Helen Manser und Mirjam Ulmi,<br />

Co-Präsidentinnen <strong>vsao</strong> Zentralschweiz<br />

Donnerstag, 28. <strong>April</strong> <strong>2022</strong>, Berner Generationenhaus,<br />

Bahnhofplatz 2, 3011 Bern<br />

Programm:<br />

Ab 18.30 Uhr Apéro<br />

19.00 Uhr Mitgliederversammlung<br />

20.00 Uhr Nachtessen und Tombola<br />

Traktanden:<br />

1. Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2021<br />

2. Jahresbericht 2021 des Präsidiums<br />

3. Jahresrechnung 2021<br />

4. Budget <strong>2022</strong><br />

5. Mitgliederbeiträge 2023<br />

6. Wahlen (Präsidium, Vorstand)<br />

7. Lohnverhandlungen <strong>2022</strong><br />

8. Kampagne <strong>2022</strong> und Social Media<br />

9. Fragen und Diskussion<br />

Die Einladung wird per Post verschickt und ist neben dem Jahresbericht des Präsidiums<br />

auf unserer Website aufgeschaltet. Das Anmeldefenster (Frist bis 21. <strong>April</strong> <strong>2022</strong>) ist ebenfalls<br />

unter <strong>vsao</strong>-bern.ch zu finden.<br />

12<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


<strong>vsao</strong><br />

Zürich /<br />

Schaffhausen<br />

Vereinbarkeit und Chancengerechtigkeit<br />

Das Sektionsressort Vereinbarkeit und<br />

Chancengleichheit erhält eine neue Leitung.<br />

Tabea Cincera unterhält sich mit<br />

ihrer Vorgängerin Laura Münst über die<br />

Herausforderungen als Ärztin, Mutter und<br />

Vorstandsmitglied – und ihre Wünsche<br />

betreffend Vereinbarkeit.<br />

Laura, was hat dir bei deiner Arbeit für<br />

den VSAO Zürich am besten gefallen?<br />

Vor allem die Zusammenarbeit im Vorstand<br />

mit tollen, intelligenten und engagierten<br />

Leuten, die am gleichen Strick ziehen<br />

– das macht Spass und war immer<br />

wieder sehr motivierend! Dabei konnte<br />

ich vieles über die Strukturen im Gesundheitswesen<br />

lernen, über die Wichtigkeit<br />

der Politik und darüber, wie viel trotz eingefahrener<br />

Strukturen mit genügend Beharrlichkeit<br />

und eigener Überzeugung erreicht<br />

werden kann.<br />

Was ist deine persönliche Vision<br />

bezüglich der Vereinbarkeit und der<br />

Chancengerechtigkeit bei Ärztinnen<br />

und Ärzten? Was muss sich ändern und<br />

wie können wir dies erreichen?<br />

Ein grosses Thema ist die vermehrte Einführung<br />

von Teilzeitstellen. Wichtig finde<br />

ich nicht nur, dass solche Angebote immer<br />

selbstverständlicher werden, sondern<br />

auch, dass es für alle eine Option ist, in reduziertem<br />

Pensum zu arbeiten; unabhängig<br />

vom Geschlecht und davon, ob man<br />

Familie hat oder die Zeit für anderes einsetzen<br />

möchte.<br />

Ein anderer wichtiger Punkt scheint<br />

mir die Einführung der Elternzeit: Wenn<br />

bei Ärzten auch davon ausgegangen werden<br />

muss, dass sie zeitweise ausfallen,<br />

wenn sie Väter werden, oder dass sie das<br />

Pensum reduzieren möchten, ist dies ein<br />

Fortschritt für beide Geschlechter und ein<br />

wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung.<br />

Erreichen können wir das<br />

wohl nur, wenn wir uns gemeinsam und<br />

beharrlich dafür einsetzen. Es braucht ein<br />

Umdenken auf allen Ebenen. Die jungen<br />

Ärztinnen und Ärzten müssen wagen, Veränderungen<br />

zu fordern. Und die Vorgesetzten<br />

können lernen, dass neue Modelle<br />

möglich und umsetzbar sind und am Ende<br />

für alle von Vorteil sein können.<br />

Wie liessen sich bei dir persönlich dein<br />

Arbeits- und dein Privatleben als<br />

Ärztin, Mutter und Vorstandsmitglied<br />

vereinbaren?<br />

Das ist die Frage, die ich mir täglich neu<br />

stelle. Es ist eine grosse Herausforderung,<br />

gleichzeitig berufstätig und Elternteil zu<br />

sein. Dabei den eigenen Ansprüchen zu<br />

genügen, finde ich das Schwierigste. Früher<br />

blieb ich so lange im Spital, bis ich alles<br />

Nötige erledigt hatte und meistens zufrieden<br />

war mit mir und dem Ergebnis.<br />

Nun muss ich abends pünktlich gehen,<br />

einerseits, um meine Tochter abzuholen,<br />

und andererseits, da meine Arbeitszeit<br />

wegen der Schwangerschaft aktuell auf<br />

9 Stunden pro Tag beschränkt ist. Das<br />

heisst, ich gebe den ganzen Tag Vollgas<br />

und muss abends dennoch Dinge liegen<br />

lassen, die nicht ganz so dringend sind.<br />

Man wird bestimmt speditiver und effizienter<br />

dadurch und lernt, Prioritäten zu<br />

setzen. Aber es ist auch stressig und belastend<br />

zu wissen, was eigentlich auch noch<br />

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Engagiert, motiviert, kompetent.<br />

So sind wir beim Rotkreuzdienst SRK.<br />

Wollen auch Sie Ihre fachlichen Qualifikationen und Ihr Engagement<br />

beim Rotkreuzdienst einbringen?<br />

Informieren Sie sich beim Schweizerischen Roten Kreuz:<br />

Rotkreuzdienst SRK, 058 400 41 70<br />

info@rkd-scr.ch, www.rkd-scr.ch<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 13


<strong>vsao</strong><br />

anstehen würde. Gleichzeitig möchte ich<br />

eine gute und präsente Mutter sein und<br />

habe oft das Gefühl, dass ich mehr bei<br />

meiner Tochter sein sollte. Ich glaube, das<br />

ist ein Dilemma, das viele berufsstätige Eltern<br />

kennen – das Gefühl, an allen Ecken<br />

und Enden etwas zu wenig da zu sein.<br />

Dennoch bin ich froh, dass ich die Chance<br />

habe, beides zu kombinieren, und möchte<br />

weder die Arbeit noch die Familie missen.<br />

Die Arbeit für den VSAO Zürich finde<br />

ich wichtig und spannend. Gerne würde<br />

ich auch dafür mehr Zeit und Energie investieren.<br />

Aber ich glaube, dass dies in<br />

den nächsten Jahren und mit dem zweiten<br />

Kind, das unterwegs ist, nicht einfacher<br />

wird. Es scheint mir deshalb sinnvoller,<br />

meine Position jemandem zu übergeben,<br />

der mehr Zeit investieren kann. Ich glaube,<br />

dass der VSAO Zürich mit dir, Tabea, eine<br />

sehr geeignete und engagierte Nachfolgerin<br />

gefunden hat.<br />

Was würdest du Assistenzärztinnen<br />

für den Berufseinstieg raten?<br />

Dinge speziell den Frauen zu raten, finde<br />

ich schwierig, da man sofort in Stereotype<br />

verfällt. Es ist leider weiterhin so, dass es<br />

für Frauen schwieriger ist, Karriere zu machen,<br />

weil sie weniger gefördert werden,<br />

sich weniger aufzudrängen wagen oder<br />

das Pensum reduzieren, wenn sie Mütter<br />

werden. Ich hoffe, dass diese Art von Fragen<br />

der nächsten Generation nicht mehr<br />

gestellt werden muss.<br />

Jungen Kolleginnen und Kollegen<br />

würde ich, unabhängig vom Geschlecht,<br />

folgende drei Ratschläge mitgeben:<br />

1. Egal, womit man beginnt, ob im Spital<br />

oder sonst wo: Es ist normal, am Anfang<br />

keine Ahnung zu haben. Ich habe die Erfahrung<br />

gemacht, dass wir als Ärztinnen/Ärzte<br />

hohe Ansprüche an uns selbst<br />

haben und uns schämen, wenn wir etwas<br />

nicht wissen. Dabei gibt es an jeder<br />

neuen Stelle ganz viel zu lernen, was<br />

man vorgängig nicht wissen konnte.<br />

Eine gute Arbeitskultur sollte es zulassen,<br />

die Lücken zu finden und gemeinsam<br />

zu schliessen.<br />

2. Lasst euch nicht einschüchtern. Selbstsicheres<br />

Auftreten wird oft mit fachlichem<br />

Können verwechselt. Mir persönlich<br />

sind die Ärztinnen und Ärzte lieber,<br />

die ihre eigenen Grenzen kennen und<br />

zugeben.<br />

3. Kinder sind nicht gut für die Karriere.<br />

Entscheidet euch trotzdem dafür, wenn<br />

ihr eine Familie möchtet. Es wird euch<br />

nie jemand dafür danken, dass ihr auf<br />

eine Familie verzichtet habt. Und es wird<br />

sich immer ein Weg finden lassen, Arbeit<br />

und Familie zu kombinieren, je mehr<br />

dies zur Selbstverständlichkeit wird.<br />

Was wünschst du dem VSAO Zürich für<br />

die Zukunft?<br />

Viel Biss, immer wieder neue Ideen und<br />

natürlich viel Erfolg beim Umsetzen der<br />

Anliegen unserer Mitglieder. Und weiterhin<br />

viel Spass bei der Arbeit!<br />

«Coach my Career» -<br />

Seminar <strong>2022</strong><br />

Am 14. Mai findet das beliebte «Coach<br />

my Career»-Seminar für Medizinstudierende<br />

ab dem 4. Studienjahr (Fokus<br />

5. und 6. Jahr) statt. Wir geben Tipps<br />

und Ratschläge für den Berufseinstieg<br />

und beantworten eure Fragen dazu.<br />

In interaktiven Workshops lernt ihr<br />

konkrete Lösungen zu Problemen im<br />

Klinikalltag kennen.<br />

Mehr Informationen und Anmeldung<br />

via <strong>vsao</strong>-zh.ch<br />

Anmeldeschluss ist am 15. <strong>April</strong> <strong>2022</strong>!<br />

Dominique Iseppi,<br />

Kommunikationsassistentin, VSAO Zürich<br />

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14<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


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für Treuhand, Versicherungen, Vorsorge<br />

Schweizweit in Ihrer Nähe<br />

BERATUNGSSTELLEN für Versicherungs-, Vorsorge- und Finanzberatung<br />

• Allcons AG 4153 Reinach • Assidu 2800 Delémont, 6903 Lugano • BTAG Versicherungsbroker AG 3084 Wabern<br />

• UFS Insurance Broker AG 8810 Horgen • VM-F Frank insurance brokers GmbH 9300 Wittenbach • Vorsorge<br />

Wirz 4058 Basel<br />

TREUHANDPARTNER für Finanzbuchhaltung, Steueroptimierung, Wirtschaftsberatung<br />

• Axios Fiduciaire Sàrl 1920 Martigny • B+A Treuhand AG 6330 Cham • Brügger Treuhand AG 3097 Liebefeld/Bern<br />

• contrust finance ag 6004 Luzern • Fiduciaire Leitenberg & Associés SA 2301 La Chaux-de-Fonds<br />

• GMTC Treuhand & Consulting AG 9014 St. Gallen • KONTOMED Ärztetreuhand AG 8808 Pfäffikon • LLK Treuhand<br />

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3006 Bern • W&P AG Treuhand Steuern Wirtschaftsprüfung 7001 Chur<br />

Alle Beratungspartner finden Sie auch online oder rufen Sie uns an.<br />

Für unsere Mitglieder ist ein einstündiges Erstgespräch zur gezielten Bedürfnisabklärung kostenlos.<br />

mediservice <strong>vsao</strong>-asmac<br />

Telefon 031 350 44 22<br />

info@mediservice-<strong>vsao</strong>.ch<br />

www.mediservice-<strong>vsao</strong>.ch


<strong>vsao</strong><br />

<strong>vsao</strong>-Inside<br />

Beatrice Bleuer<br />

Wohnort: Innerberg BE<br />

Beim <strong>vsao</strong> seit: Oktober 2021<br />

Der <strong>vsao</strong> für Dich in Kürze:<br />

Kompetent, professionell, menschlich<br />

An dieser Frau kommt im <strong>vsao</strong><br />

keine(r) vorbei. Also zumindest<br />

niemand, der im Zentralsekretariat<br />

arbeitet oder sonst<br />

in irgendeiner Form in den Rechnungsbüchern<br />

und Budgettabellen des Verbands<br />

auftaucht. Denn Beatrice Bleuer ist<br />

seit einem halben Jahr Leiterin Finanzen<br />

und Personal.<br />

Ihre Funktion hat es an sich, dass<br />

man von der Trägerin in der Regel wenig<br />

sieht und hört, wenn alles rund läuft.<br />

Man darf die 54-Jährige also in uneingeschränkt<br />

positivem Sinn als noch recht<br />

unbekannt in der <strong>vsao</strong>-Welt bezeichnen.<br />

Was zusätzlich mit ihrem 40-Prozent-<br />

Pensum zusammenhängt: «Meist bin ich<br />

nur dienstags im Büro. Den Rest meiner<br />

Aufgaben erledige ich von zu Hause aus.»<br />

Und es hat seine Bewandtnis wohl<br />

auch ein wenig mit der Person selber.<br />

Wer sieht, wie Beatrice Bleuer an ihrem<br />

Schreibtisch am Berner Bollwerk jeweils<br />

in ihre Tätigkeit vertieft ist, merkt:<br />

Da geht jemand ganz in seinem Metier<br />

auf und genügt sich dabei. «Buchhaltung,<br />

Zahlen und vernetztes Denken haben<br />

mich halt schon immer angesprochen»,<br />

erklärt die Mutter von drei erwachsenen<br />

Töchtern in ihrer freundlich-zurückhaltenden<br />

und klaren Art.<br />

Was sich in ihrer beruflichen Biographie<br />

ohne Brüche nachzeichnen<br />

lässt – von der Wirtschaftsmittelschule<br />

in der Bundesstadt über Vollzeit-Buchhaltungsstellen<br />

in der Privatwirtschaft<br />

bis hin zur Teilzeit-Sachbearbeiterin<br />

und -Rechnungsführerin an Schulen im<br />

Umfeld von Bern. Der familiäre Hintergrund<br />

deutet aber an, dass da noch mehr<br />

ist, was das Leben der passionierten<br />

Brotbäckerin («mit Sauerteig») aus- und<br />

erfüllt. Eines der wichtigsten Stichworte<br />

dazu ist unterwegs sein. Entweder hierzulande<br />

auf mehrtägigen Bergtouren von<br />

Hütte zu Hütte oder dann in der Ferne.<br />

«Nach einer einjährigen Reise durch<br />

Südostasien 1994/95 – insbesondere<br />

durch Pakistan, Nepal und Tibet – zieht<br />

es mich und meinen Mann noch einmal<br />

in den Himalaya. Im Sommer wollen<br />

wir uns mit einem Trekking im nordindischen<br />

Ladakh einen lang gehegten<br />

Wunsch erfüllen.» Die Liste der Hobbys<br />

komplett machen Tennis, Schwimmen,<br />

Fahrradfahren und Lesen.<br />

Das letzte Stichwort führt nochmals<br />

zum <strong>vsao</strong> zurück. Was hat Beatrice Bleuer<br />

bei der Lektüre der Stellenanzeige bewogen,<br />

sich zu bewerben? «Der Eindruck<br />

eines modernen, sozialen und verantwortungsbewussten<br />

Arbeitgebers. Nach sechs<br />

Monaten kann ich sagen: Er stimmt!<br />

Für mich ist unser Verband deshalb der<br />

richtige Ort, um mein Wissen sinnvoll<br />

einzusetzen.»<br />

Bild: zvg<br />

16<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


<strong>vsao</strong><br />

<strong>vsao</strong>-Rechtsberatung<br />

Teilzeitverträge:<br />

Risiko einer indirekten<br />

Diskriminierung von<br />

Mann und Frau<br />

Arbeitsverhältnisse dürfen keine<br />

Diskriminierung zwischen<br />

Frau und Mann beinhalten.<br />

Dies wird durch das Bundesgesetz<br />

über die Gleichstellung von Frau<br />

und Mann ausdrücklich verboten (siehe<br />

Art. 3 GIG).<br />

Davon betroffen ist nicht nur die<br />

direkte Diskriminierung (die bereits aus<br />

einer schlichten Gegenüberstellung<br />

evident wird), sondern auch die «indirekte»,<br />

d. h. jene nachteiligen Umstände,<br />

in denen Frau und Mann scheinbar<br />

gleich behandelt werden, die Frau jedoch<br />

deutlich häufiger der Diskriminierung<br />

ausgesetzt ist.<br />

Diese indirekte Diskriminierung<br />

finden wir beispielsweise ganz konkret<br />

bei Arbeitsverträgen mit jährlicher,<br />

dienstjahrebasierter Gehaltsanpassung,<br />

wenn der betroffenen Mitarbeiterin ein<br />

Umstieg auf Teilzeit angeboten wird.<br />

Häufig erfolgen die Anpassungen nicht<br />

jährlich auf der Grundlage der prozentual<br />

geleisteten Arbeitszeit, sondern vielmehr<br />

auf der Basis der absolvierten Dienstjahre,<br />

d. h., im Falle einer Halbtagsbeschäftigten<br />

(50 %) wird diese Anpassung<br />

(nur) alle zwei Jahre vorgenommen. Die<br />

Konsequenzen sind evident und zeitigen<br />

erhebliche wirtschaftliche Nachteile.<br />

Die Praxis – sie ist in den Arbeitsverträgen<br />

häufig nicht klar geregelt – scheint<br />

hier ihre eigene Logik zu entwickeln:<br />

Jährliche Anpassungen «belohnen» die<br />

gesammelte Berufserfahrung, so dass der<br />

zu 50 Prozent Beschäftigte für die gleiche<br />

Erfahrung doppelt so viel Zeit benötigt<br />

wie der Vollzeitbeschäftigte.<br />

Nun ist es aber eine Tatsache, dass<br />

durch diese Praxis ein potenzieller Lohnbzw.<br />

Gehaltsanstieg weniger wahrscheinlich<br />

wird, ohne entsprechenden Nachweis<br />

dafür, dass Teilzeitbeschäftigung zu einer<br />

geringeren gleichwertigen Berufserfahrung<br />

führt. Fakt ist ausserdem, dass diese<br />

Benachteiligung vor allem Frauen trifft,<br />

die häufiger (hauptsächlich aus familiären<br />

Gründen) in Teilzeit arbeiten.<br />

Auch das Bundesgericht hat sich mit<br />

dieser Frage befasst und festgestellt, dass<br />

eine indirekte Diskriminierung dann<br />

gegeben ist, wenn die Anwendung<br />

formell neutraler Regelungen tatsächlich<br />

Ergebnisse zeitigt, die – ohne triftigen<br />

Grund – für Angehörige des einen<br />

Geschlechts signifikant negativer sind als<br />

für Angehörige des anderen. Dies – so das<br />

Hohe Gericht – gilt insbesondere für den<br />

Fall, dass Kriterien wie Dienstalter oder<br />

Berufserfahrung eine zu starke Bedeutung<br />

beigemessen wird, wodurch jene<br />

Frauen benachteiligt werden, die ihre<br />

berufliche Laufbahn unterbrechen/<br />

verlangsamen, um sich der Erziehung<br />

ihrer Kinder zu widmen (siehe BGE 142 II<br />

49, Erwägung 6.1; BGE 124 II 409, Erwägung<br />

9d).<br />

Konfrontiert mit einer konkreten<br />

Situation, bestätigte die Delegierte des<br />

Tessiner Staatsrats im <strong>April</strong> 2021 unter<br />

Bezugnahme auf das vorgenannte<br />

BG-Urteil, dass bei der Berechnung der<br />

Gehaltsanpassungen für teilzeitbeschäftigte<br />

Krankenhausmitarbeitende eine<br />

indirekte Diskriminierung gegeben war,<br />

wenn besagte Anpassungen den Arbeitsanteil<br />

zu stark berücksichtigten.<br />

Lorenza Pedrazzini Ghisla,<br />

Rechtsanwältin Sektion Tessin<br />

Luigi Pedrazzini,<br />

Rechtsanwalt Sektion Tessin<br />

Bilder: zvg<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 17


Fokus<br />

Rätselhafte<br />

Steinwürfe<br />

Wie entstehen Verhaltensweisen bei Schimpansen? Und was bewirkt<br />

den Verlust von Verhaltensvielfalt? Sicher ist, dass Umwelt und Mensch<br />

das Leben unserer nahen Verwandten in hohem Masse mitbestimmen.<br />

Aber es gibt Verhaltensweisen, die bislang unerklärlich sind.<br />

Dr. Hjalmar Kühl, Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.<br />

Bild: Cedric Girard-Buttoz.<br />

Die Forscher trauten ihren<br />

Augen nicht, als sie mit Kamerafallen<br />

aufgenommene<br />

Videos aus Guinea in Westafrika<br />

sichteten und dabei Aufnahmen<br />

vorfanden, in denen Schimpansen grössere<br />

Steine sammelten und sehr gezielt an<br />

einen Baum warfen. Die Wissenschaftler<br />

waren gerade Zeugen einer bis dato unbeschriebenen<br />

Verhaltensweise von Schimpansen<br />

geworden. Die am Boden liegenden<br />

angehäuften Steine deuteten darauf<br />

hin, dass dieses viele Fragen aufwerfende<br />

Verhalten wohl sehr regelmässig praktiziert<br />

wird.<br />

Die Arbeit in Guinea war Teil eines<br />

grossangelegten Projektes zur Erforschung<br />

der biologischen und kulturellen Vielfalt<br />

unserer nächsten Verwandten. Nach dieser<br />

aufregenden Beobachtung wurde an<br />

über 40 Standorten im gesamten Verbreitungsgebiet<br />

der Schimpansen, von Senegal<br />

in Westafrika bis Tansania in Ostafrika,<br />

nach diesem und anderen Verhaltensweisen<br />

gesucht. Schimpansengruppen, die<br />

dieses Verhalten praktizieren, wurden jedoch<br />

ausschliesslich in Westafrika in Savannenregionen<br />

bzw. in Waldgebieten, die<br />

an diese Regionen angrenzen, gefunden.<br />

Da dieses Verbreitungsmuster ausserdem<br />

nicht mit der Häufigkeit von Steinen zu erklären<br />

war, wurde daraus geschlossen,<br />

dass dieses Verhalten eine starke kulturelle<br />

Komponente aufweisen muss und von<br />

Generation zu Generation übertragen und<br />

erlernt wird. Welche Bedeutung dieses<br />

Verhalten hat, ist bisher nicht geklärt. Es<br />

ist jedoch naheliegend, dass Kommunikation<br />

eine wichtige Rolle dabei spielt.<br />

Eigene Wurzeln verstehen<br />

Dies ist nur ein Beispiel des umfangreichen<br />

Verhaltensrepertoires der Schimpansen.<br />

Zahlreiche andere Verhaltensweisen<br />

wurden beschrieben, wie das Angeln<br />

von Termiten und Ameisen, das Knacken<br />

von Nüssen mit Holz- oder Steinhämmern<br />

oder das Fischen von Algen. Wissenschaftler<br />

schätzen, dass bisher nur ein kleiner<br />

Teil der tatsächlich vorhandenen Verhaltensvielfalt<br />

beobachtet und beschrieben<br />

wurde, da mit praktisch jeder neuen Studie<br />

bisher unbekannte Verhaltensweisen<br />

entdeckt werden. Viele Verhaltensweisen<br />

von Schimpansen sind nicht in allen Populationen<br />

zu finden, wie das beschriebene<br />

Steinewerfen in Westafrika. Das Verhaltensrepertoire<br />

der verschiedenen Schimpansenpopulationen<br />

unterscheidet sich<br />

sehr stark voneinander. Neben der Dokumentation<br />

neuer Verhaltensweisen ist es<br />

daher natürlich auch sehr spannend, zu<br />

untersuchen, welche Faktoren die Entstehung<br />

von Verhaltensvielfalt bei unseren<br />

nächsten Verwandten begünstigen. Neben<br />

einem besseren Verständnis der<br />

Schimpansenbiologie und -kultur trägt<br />

die Beantwortung dieser Frage natürlich<br />

auch zu einem besseren Verständnis der<br />

menschlichen Evolution und damit unserer<br />

eigenen Wurzeln bei.<br />

Umwelt und Verhalten<br />

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt,<br />

dass die tropische Regenwaldzone<br />

und die Baumsavannen im äquatorialen<br />

Afrika nicht immer die heutige Verbreitung<br />

hatten. Vielmehr gab es einen wiederholten<br />

Wechsel von Rückzug und Expansion<br />

der Waldflächen und gegenläufig<br />

dazu eine Ausdehnung und einen Rückgang<br />

der Savannen. Dieser Wechsel ging<br />

einher mit den Eiszeiten während des<br />

Pleistozäns in polwärts gelegenen Gebieten.<br />

Die Regionen, in denen Waldgebiete<br />

bestehen blieben, werden daher auch<br />

pleistozäne Waldrefugien genannt. Hat<br />

die heute beobachtete Verhaltensvielfalt<br />

möglicherweise etwas mit diesen Habitats<br />

veränderungen zu tun? Wirken sich<br />

wechselnde Umweltbedingungen möglicherweise<br />

förderlich auf die Verhaltensvielfalt<br />

aus, da dadurch ein erhöhtes Mass<br />

an Anpassung an neue Situationen und<br />

Herausforderungen erforderlich ist? Um<br />

dieser Frage nachzugehen, trugen Wissenschaftler<br />

Informationen zum Verhaltensrepertoire<br />

von mehr als 140 Schimpansengruppen<br />

zusammen. Als Mass für die<br />

Stabilität der Umwelt ermittelten sie die<br />

Distanz jeder einzelnen Schimpansengruppe<br />

zu dem nächstgelegenen pleistozänen<br />

Waldrefugium. Und tatsächlich:<br />

Schimpansengruppen, die nahe oder gar<br />

in einem Waldrefugium leben, weisen im<br />

Durchschnitt ein bis zu 50 Prozent geringeres<br />

Verhaltensrepertoire auf als Artgenossen,<br />

die fernab der Waldrefugien, zumeist<br />

in trockenen Baumsavannen, existieren.<br />

Man kann sich leicht vorstellen,<br />

dass das Leben in Savannen mit den dortigen<br />

grossen saisonalen Unterschieden<br />

ganz andere Anpassungen erforderlich<br />

macht als das Leben in dichten Regenwäldern,<br />

die nur durch geringfügige saisonale<br />

Unterschiede gekennzeichnet sind. Die<br />

Ergebnisse der Studien über den Zusammenhang<br />

von veränderter Umwelt und<br />

18<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Schimpansen verschiedener Populationen weisen unterschiedlich grosse Repertoires an<br />

Verhaltensweisen auf, die auch von Ressourcen, von der Umwelt und vom Einfluss des Menschen<br />

abhängen. So werden z.B. Nüsse nicht überall geknackt. Das ganze Verhaltensrepertoire der<br />

Schimpansen ist noch längst nicht bekannt.<br />

Verhaltensvielfalt sind natürlich auch im<br />

Kontext der menschlichen Evolution<br />

spannend, da sich zumindest ein Teil davon<br />

auch in den offenen Baum- und Graslandschaften<br />

abgespielt hat.<br />

Einfluss des Menschen<br />

Während diese Untersuchungen ein erster<br />

Schritt zum besseren Verständnis der evolutionären<br />

Entstehung von Verhaltensvielfalt<br />

unserer nächsten Verwandten<br />

sind, stellt sich auch die Frage, wie es um<br />

dieses evolutionäre und kulturelle Erbe<br />

im 21. Jahrhundert bei der gleichzeitigen<br />

Dominanz des Menschen bestellt ist.<br />

Welchen Einfluss haben die vielfältigen<br />

menschlichen Aktivitäten, die Zerstörung<br />

von Ressourcen, die Rodung und Fragmentierung<br />

des Waldes, die Jagd, die Infrastrukturentwicklung<br />

und der Klimawandel?<br />

Um dieser Frage nachzugehen,<br />

wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang<br />

zwischen der Verhaltensvielfalt<br />

von Schimpansen und dem kumulativen<br />

menschlichen Einfluss gibt. Doch wie<br />

kann nun menschlicher Einfluss gemessen<br />

werden? Dazu gibt es das Mass des<br />

«menschlichen Fussabdrucks». Damit<br />

kann für jeden Punkt auf unserer Erde ermittelt<br />

werden, wie stark menschliche Aktivitäten<br />

die Umwelt verändert haben.<br />

Dieser «menschliche Fussabdruck» wurde<br />

daher auch genutzt, um zu untersuchen,<br />

inwieweit Unterschiede im Verhaltensrepertoire<br />

verschiedener Schimpansengruppen<br />

erklärbar sind. Und tatsächlich,<br />

der «menschliche Fussabdruck» hat inzwischen<br />

nicht nur zum Rückgang und<br />

zur Bedrohung zahlreicher Arten geführt,<br />

er hat inzwischen auch seine Spur in der<br />

Verhaltensvielfalt unserer nächsten Verwandten<br />

hinterlassen, und zwar eine besonders<br />

intensive. In den Gebieten mit<br />

den stärksten menschlichen Einflüssen<br />

hat sich die Verhaltensvielfalt von Schimpansen<br />

um bis zu 90 Prozent reduziert im<br />

Vergleich zu den Gebieten, die nahezu intakt<br />

und unberührt sind.<br />

Was bedeutet das nun für die Zukunft<br />

unserer nahen Verwandten? Über die letzten<br />

zwei Jahrzehnte wurden zahlreiche<br />

und sehr grosse Gebiete, in denen Menschenaffen<br />

vorkommen, unter Schutz gestellt.<br />

Das ist sehr beispielhaft, und es geht<br />

jetzt darum, diese Gebiete erfolgreich zu<br />

managen und damit den Schutz von<br />

Schimpansen und anderen grossen Menschenaffen<br />

zu gewährleisten. Mit dem<br />

Schutz unserer nächsten Verwandten werden<br />

gleichzeitig zehntausende weitere Arten<br />

geschützt. Wenn wir das schaffen, sind<br />

wir auf einem guten Weg, das evolutionäre<br />

und kulturelle Erbe unserer nächsten Verwandten<br />

zu erhalten und es damit auch<br />

zukünftigen Generationen zu ermöglichen,<br />

weitere faszinierende Einblicke in<br />

ihr vielfältiges Leben zu bekommen.<br />

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Fokus<br />

Bild: Adobe Stock<br />

20<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus<br />

«Wir sind ein<br />

Team»<br />

Elisabeth Frick Tanner und ihr Mann zählen zu den Pionieren<br />

der tiergestützten Psychotherapie. Aus anfänglich eher zufälligen<br />

Beobachtungen und Erfahrungen hat sich ein wissenschaftlich<br />

fundierter Lehrgang entwickelt, der als CAS absolviert werden kann.<br />

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

Sie setzen Tiere in der Psychotherapie<br />

ein. Wie sind Sie dazu gekommen?<br />

Eigentlich geschah es ganz spontan. Mein<br />

Mann und ich haben die Praxis im Wohnhaus<br />

und hatten immer Hunde. Diese<br />

wollten natürlich wissen, wer da kommt<br />

und begrüssten jeweils die Patienten. Dabei<br />

fiel uns auf, wie stark die Menschen auf<br />

Hunde reagieren. Die Begegnung löst<br />

meist Freude und eine gewisse Entspannung<br />

aus. So begangen wir zunächst aufgrund<br />

eigener Erfahrungen und Beobachtungen,<br />

ohne grosse wissenschaftliche<br />

Basis, die Hunde einzubeziehen.<br />

Bild: zVg<br />

Heute arbeiten Sie bewusst mit Tieren.<br />

Auf welchen theoretischen Überlegungen<br />

basiert dieses Vorgehen?<br />

Wir wollten, dass unser Vorgehen auch wissenschaftlich<br />

abgestützt ist. Dass Fallbeispiele<br />

beschrieben werden usw. Deshalb<br />

haben wir ein Seminar des Verhaltensforschers<br />

Dennis Turner besucht. Er ist Spezialist<br />

für Mensch-Tier-Beziehungen. Zusammen<br />

mit ihm haben wir vor über 20<br />

Jahren einen ersten Kurs zu tiergestützten<br />

Interventionen aufgebaut. Unsere Lehrgänge<br />

richtet sich an Menschen, die einen<br />

Grundberuf haben (Psychologen, Lehrerinnen,<br />

Sozialarbeiterinnen, Theologen usw.)<br />

und mit Tieren arbeiten möchten. Seit Kurzem<br />

kann man an den Universitäten Freiburg<br />

und Basel auch ein entsprechendes<br />

CAS absolvieren. (www.psychologie.unibas.<br />

ch/de/weiterbildung/cas-in-tiergestuetzter-therapie)<br />

/ (www.heds-fr.ch/de/weiterbildung/cas-das-heds/cas-tiergestuetzte-interventionen).<br />

Wie gehen Sie beim ersten Patientenkontakt<br />

vor?<br />

Bereits bei der Anmeldung weisen wir darauf<br />

hin, dass wir Tiere in die Therapie<br />

einbeziehen. Da werden allfällige Allergien,<br />

aber auch Ängste usw. abgeklärt. Die<br />

meisten Patienten reagieren sehr positiv<br />

darauf. Viele wenden sich auch an uns,<br />

weil sie wissen, dass Tiere da sein werden.<br />

Ob Tiere zum Einsatz kommen, hängt<br />

nicht so sehr vom Alter der Patienten ab,<br />

sondern von ihrer Neigung.<br />

Was genau ist die Rolle des Hundes<br />

oder der Katzen?<br />

Ich arbeite genau wie alle andern Fachleute<br />

mit den herkömmlichen Methoden der<br />

Psychotherapie. Die Tiere sind einfach<br />

anwesend, können sich aber immer auch<br />

zurückziehen. Besonders bei Kindern und<br />

Jugendlichen wird der Hund natürlich<br />

stärker einbezogen. Sie dürfen auch mal<br />

ein Spiel mit ihm spielen usw. Diese Interaktion<br />

bildet dann Bestandteil der Therapie.<br />

Hauptsächlich aber sind Tiere Tür­<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 21


Fokus<br />

öffner, sie bieten spontan eine Bindung<br />

an, erlauben Körperkontakt, die Beziehung<br />

zu ihnen ist unbelastet usw. Abgesehen<br />

davon ist der Hund auch für die Therapeutin<br />

eine Hilfe. Er steht an meiner<br />

Seite und unterstützt mich. Wir sind ein<br />

Team und können uns aufeinander verlassen.<br />

Bei welchen Krankheitsbildern<br />

eignen sich Tiere besonders?<br />

Bei sehr vielen. Auffällig ist der Erfolg bei<br />

selektivem Mutismus. Kinder, welche nur<br />

im engsten Umfeld ungehemmt sprechen,<br />

öffnen sich dem Hund gegenüber meist<br />

schnell und bauen eine Beziehung zu ihm<br />

auf. Vielfach beginnen sie zuerst mit den<br />

Tieren zu sprechen, bevor sie zu uns Kontakt<br />

aufnehmen. Auch bei Angststörungen<br />

oder bei Depressionen sehen wir, dass<br />

die Betroffenen oftmals Freude zeigen,<br />

Vertrauen fassen, die Wärme und den Körperkontakt<br />

geniessen. In der Regel ist<br />

nicht das Krankheitsbild ausschlaggebend,<br />

sondern der Patient und seine Beziehung<br />

zu Tieren.<br />

Und wann sehen Sie vom Einsatz<br />

der Tiere ab?<br />

Natürlich bei Allergien oder Phobien.<br />

Letztere versuchen wir zu bearbeiten. Und<br />

in Ausnahmefällen, bei schweren Bindungsstörungen,<br />

die sich destruktiv äussern,<br />

müssen wir die Tiere schützen. Beim<br />

Versuch, ein Tier zu manipulieren oder zu<br />

quälen, greifen wir sofort ein. Die Art der<br />

Kontaktaufnahme, der Bindung macht jedoch<br />

sehr schnell klar, wohin die Diagnose<br />

zielt.<br />

Haben Ihre Tiere eine spezielle<br />

Ausbildung?<br />

Unser Hund hat eine Bisspräventionsausbildung<br />

und einen Wesenstest absolviert.<br />

Er könnte auch als «Klassenhund» eingesetzt<br />

werden, d.h., wir könnten mit ihm<br />

Schulklassen besuchen, um den Kindern<br />

das richtige Verhalten im Umgang mit<br />

Hunden beizubringen. Ich selbst habe<br />

natürlich auch eine entsprechende Ausbildung,<br />

um speziell den Kindern zu zeigen,<br />

was sie tun dürfen und was nicht. Die<br />

Katzen kann man aufgrund ihres viel<br />

selbstbestimmteren Naturells nicht ausbilden.<br />

Sie kommen und gehen, wie es<br />

ihnen gefällt. Auch das ist für Kinder eine<br />

wichtige Erfahrung: Sie lernen, den Willen<br />

eines andern Lebewesens zu respektieren<br />

und entwickeln eine bessere Frustrationstoleranz<br />

und Affektkontrolle.<br />

Wie kommen Sie zu geeigneten Tieren?<br />

Unser derzeitiger Hund, ein in jeder Hinsicht<br />

wunderbarer Grosspudel, kommt<br />

aus einer sehr guten Zucht und wurde absolut<br />

artgerecht sozialisiert. Natürlich habe<br />

ich mit ihm die Welpen- und Hundeschule<br />

sowie die oben angesprochene<br />

Ausbildung absolviert. Unsere zwei Katzen<br />

sind Siam-Thai-Katzen, bekannt für<br />

ihre «Sprechfreudigkeit». Sie sind sehr gut<br />

sozialisiert, bestimmen aber selbst, ob sie<br />

kommen wollen oder nicht. Wichtig ist bei<br />

allen Tieren, dass sie keine Instrumente<br />

sind, sondern artgerecht gehalten werden<br />

müssen. Alle können sich jederzeit zurückziehen,<br />

und das muss von allen respektiert<br />

werden.<br />

Bindung ist in der Psychotherapie<br />

ein wichtiges Thema. Im Falle der<br />

tiergestützten Therapie ist eine zweite<br />

Bindung vorhanden. Wie gehen Sie<br />

damit am Therapieende um?<br />

Das ist unterschiedlich. Manchmal wird<br />

die Ablösung speziell vom Tier schwierig.<br />

Da die Kinder über einen längeren Zeitraum<br />

kommen, entwickeln sie im Laufe<br />

der Zeit jedoch andere Neigungen, machen<br />

häufiger mit Kollegen ab, erhalten<br />

evtl. ein eigenes Haustier, nehmen Reitstunden<br />

usw. Der Stellenwert der Therapie<br />

nimmt ab, die Bindung zur Therapeutin<br />

wird schwächer. Da Tier und Therapeutin<br />

oftmals als Einheit wahrgenommen werden,<br />

löst sich die Bindung parallel. Wir gestalten<br />

für jedes Kind und jeden Jugendlichen<br />

einen richtigen Abschied und geben<br />

ihnen jeweils ein Foto der Tiere mit.<br />

Raten Sie Eltern oder auch Institutionen,<br />

Tiere anzuschaffen?<br />

Wenn Eltern sich mit dem Gedanken tragen,<br />

bespreche ich das sehr genau mit<br />

ihnen. Die Dimension des Entscheids<br />

muss in jeder Hinsicht klar sein, bezüglich<br />

Verantwortung, Angebundensein, finanzieller<br />

und zeitlicher Aspekte, Wohnsituation<br />

usw. Wir versuchen gemeinsam die<br />

passende Tierart auszuwählen. In Institutionen<br />

muss gewährleistet sein, dass eine<br />

Bezugsperson vorhanden ist, die für die<br />

Tiere langfristig zuständig ist. Das ist oftmals<br />

schwierig zu gewährleisten. In allen<br />

Fällen muss sichergestellt sein, dass die<br />

Tiere artgerecht gehalten und ihre Bedürfnisse<br />

erfüllt werden.<br />

Zur Person<br />

Elisabeth Frick Tanner (geb. 1955),<br />

aufgewachsen in St. Gallen, studierte<br />

nach der Ausbildung zur Primarlehrerin<br />

Psychologie und Pädagogik an der<br />

Universität Zürich und absolvierte die<br />

Jung’sche Therapieausbildung. Seit<br />

über 30 Jahren führt sie mit ihrem<br />

Ehemann Robert Tanner-Frick die selbständige<br />

psychotherapeutische Praxis<br />

Altamira. Von 2000 bis 2019 leitete sie<br />

zusammen mit Dennis Turner und<br />

Robert Tanner-Frick den berufsbegleitenden<br />

Weiterbildungskurs in tiergestützten<br />

Interventionen. Bis heute ist<br />

sie Dozentin für tiergestützte Psychotherapie<br />

an mehreren Institutionen.<br />

Veröffentlichung:<br />

Praxis der tiergestützten<br />

Psychotherapie, 2016.<br />

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Fokus<br />

Bild: Adobe Stock<br />

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Fokus<br />

Bild: Adobe Stock<br />

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Fokus<br />

Huch – eine<br />

Spinne!<br />

Wohl kaum ein anderes Tier löst so viel Angst und Abscheu aus wie<br />

eine absolut harmlose Spinne. Wie andere Phobien lässt sich<br />

auch die Arachnophobie behandeln. Neu sogar dank erweiterter Realität<br />

und einer App auf dem Handy.<br />

Anja Zimmer, Doktorandin, Abteilung für Kognitive Neurowissenschaften (DCN), Universität Basel<br />

Eine Spinne auf der Hand – für alle, die unter Angst vor Spinnen leiden, eine Horrorvorstellung. Dank erweiterter Realität kann man sich schrittweise der<br />

Angst nähern und sie abbauen, auch in der realen Welt.<br />

Bilder: zVg<br />

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Fokus<br />

Spinnenangst plagt viele Menschen,<br />

sie zählt denn auch zu<br />

den häufigsten Phobien. Die<br />

Angst vor Spinnen äussert sich<br />

in leichtem Unbehagen, Ekelgefühlen bis<br />

hin zu panischer Angst mit körperlichen<br />

Symptomen. Zudem zeigen Betroffene<br />

ein starkes Vermeidungsverhalten, was zu<br />

Einschränkungen im Alltag und psychischer<br />

Belastung führen kann.<br />

Angst kennen wir alle. Es ist eine<br />

menschliche Grundemotion, um uns vor<br />

Gefahren zu schützen. Doch ist dies bei<br />

Spinnen auch angebracht? Betroffene wissen<br />

meistens, dass ihre Angst – rational<br />

betrachtet – übertrieben ist, und doch<br />

sind sie ihr ausgeliefert.<br />

Die Ursachen von Arachnophobie sind<br />

individuell sehr unterschiedlich, und es<br />

gibt diverse Theorien zu ihrer Entstehung.<br />

Vielleicht hatten unsere Vorfahren mit viel<br />

gefährlicheren Spinnen zu tun, und uns<br />

wurde diese Angst evolutionär mitgegeben.<br />

Phobien entstehen häufig in jungen<br />

Jahren, die Angst kann durch Beobachtung<br />

erlernt worden sein. Oder es gab ein<br />

traumatisches Erlebnis, das sich ins Gedächtnis<br />

eingebrannt hat. Frauen sind<br />

häufiger betroffen als Männer, was sicherlich<br />

auch an der Erziehung liegen kann.<br />

Mädchen werden eher in Schutz genommen,<br />

Jungen zur Konfrontation animiert.<br />

Zudem werden Spinnen in Filmen und Geschichten<br />

gerne als angsteinflössende und<br />

ekelerregende Monster dargestellt. Doch<br />

Spinnen sind faszinierende Tiere und spielen<br />

in unserem Ökosystem eine wichtige<br />

Rolle. Nur gehören sie für uns in die Natur<br />

und nicht in unsere Häuser.<br />

Sich der Angst stellen<br />

Zur Überwindung der Spinnenangst gibt<br />

es wirksame Behandlungsverfahren wie<br />

die Expositionstherapie. Betroffene nähern<br />

sich therapeutisch angeleitet den<br />

gefürchteten Tieren, um die Angst schrittweise<br />

abzubauen. Denn bleibt man länger<br />

in der Situation, wird die Angst von ganz<br />

alleine abnehmen. So werden korrektive<br />

Erfahrungen gesammelt, und man lernt,<br />

neu mit der Angst umzugehen.<br />

Diese Therapieform wird jedoch selten<br />

in Anspruch genommen. Betroffene<br />

setzen sich nur ungern echten Spinnen<br />

aus, zudem ist die Durchführung logistisch<br />

aufwändig. Daher wird vermehrt mit<br />

virtueller Realität (VR) gearbeitet, mit der<br />

sich die angsteinflössenden Situationen<br />

simulieren lassen und die Annäherung<br />

virtuell geübt werden kann. Doch die<br />

VR-Brillen haben noch lange nicht alle<br />

unsere Haushalte oder Therapiepraxen erreicht.<br />

Was wir mittlerweile jedoch fast<br />

alle besitzen, ist ein Smartphone. Mit der<br />

Technologie der erweiterten Realität<br />

(Augmented Reality, AR), die mit der VR<br />

verwandt ist, lassen sich die virtuelle und<br />

die reale Welt verbinden. Hier setzt die<br />

App Phobys an.<br />

Phobys basiert auf der Expositionstherapie<br />

und verwendet ein realistisches<br />

3-D-Spinnenmodell, das mit der Kamera<br />

des Smartphones in die reale Umgebung<br />

projiziert wird. Wie in einer Therapie kann<br />

die schrittweise Annäherung an Spinnen<br />

virtuell, aber eben in der realen Welt geübt<br />

werden – auf dem Sofa, im Keller oder im<br />

Therapieraum. Die zehn Trainingslevel<br />

mit spielerischen Elementen nehmen<br />

graduell an Intensität und Schwierigkeit<br />

zu. Jedes Level endet mit einer Bewertung<br />

von Angst und Ekel. So wird entschieden,<br />

ob das Level wiederholt werden sollte<br />

oder ob zum nächsten fortgeschritten<br />

werden kann.<br />

Phobys wurde in einer klinischen Studie<br />

mit 66 Spinnenängstlichen untersucht,<br />

von denen die Hälfte in Eigenregie<br />

für zwei Wochen zu Hause mit der App<br />

trainierte. Vor und nach der Trainingsphase<br />

wurde der Schweregrad der Spinnenangst<br />

durch klinische Interviews und<br />

Fragebögen erfasst. Zudem gab es einen<br />

Verhaltenstest mit einer echten Spinne.<br />

Dabei näherten sich die Teilnehmenden<br />

so weit möglich einer Spinne und bewerteten<br />

Angst und Ekel. Die Ergebnisse der<br />

Studie zeigten, dass ein Konfrontationstraining<br />

mit der App die Spinnenangst reduziert<br />

und das Verhalten in einer realen<br />

Spinnensituation positiv verändert. Zudem<br />

übertrugen sich diese Effekte auch<br />

auf den Alltag.<br />

Eigene Betroffenheit schafft<br />

Innovation<br />

Die Entwicklung einer solchen App verlangt<br />

ein interdisziplinäres Team, um psychologisches<br />

Fachwissen und App-Design<br />

zu verbinden. Doch die Idee entwickelte<br />

sich nicht nur aus Interesse an diesem innovativen<br />

Forschungsfeld, sondern auch<br />

aus Betroffenheit.<br />

Ich litt jahrelang selbst unter Arachnophobie<br />

und wurde dann im Masterstudium<br />

in einem Forschungsprojekt zu VR<br />

und Spinnenangst hart damit konfrontiert.<br />

Also unternahm ich diverse Selbstexpositionsversuche<br />

mit Bildern, in VR<br />

und mit echten Spinnen. Es war anstrengend<br />

und herausfordernd, doch es gab<br />

auch Erfolgserlebnisse, und heute begegne<br />

ich Spinnen fast angstfrei. Nebst dem<br />

Interesse an der Forschung zu Apps war<br />

dieser Abbau meiner eigenen Spinnenangst<br />

eine grosse Motivation, in meinem<br />

Doktorat Phobys zu entwickeln, so dass<br />

sich auch andere Personen ihrer Spinnenangst<br />

stellen können.<br />

Seit September 2021 ist die App für<br />

iOS und Android mit zwei Gratistestlevel<br />

und dem Training für CHF 5.– erhältlich.<br />

Seitdem liessen sich über 55 000 Downloads<br />

verzeichnen. Etwa 20 Prozent der<br />

interessierten Personen kaufen auch das<br />

Training, um sich ihrer Spinnenangst zu<br />

stellen. Das Prinzip der App birgt grosses<br />

Potential. Es kann auch auf weitere Phobien<br />

angewendet werden; die Pläne dafür<br />

sind schon in Bearbeitung.<br />

Phobys ersetzt keine Therapie und soll<br />

bei zu starker Spinnenangst auch nicht alleine<br />

genutzt werden. Aber die App bietet<br />

eine niederschwellige Alternative für<br />

Spinnenängstliche, Expositionsübungen<br />

in Eigenregie durchführen oder auch als<br />

Ergänzung oder Auffrischung einer Therapie.<br />

Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe und<br />

motiviert zur Auseinandersetzung mit der<br />

Angst in der erweiterten Realität, bis Begegnungen<br />

mit Spinnen auch in der realen<br />

Welt leichter werden.<br />

Mehr Informationen zu Studie und zur<br />

App auf www.phobys.com<br />

26<br />

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Fokus<br />

Bild: Adobe Stock<br />

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Fokus<br />

Warmes Herz<br />

und kühler Kopf<br />

Antoine F. Goetschel setzt sich als Jurist seit Jahrzehnten für<br />

den Schutz der Tiere durch das Recht ein. Seine Tätigkeit hat Spuren<br />

in der Rechtsetzung und Rechtsprechung hinterlassen.<br />

Heute kämpft er auf internationaler Ebene für schärfere<br />

Bestimmungen beim Tierschutz.<br />

Catherine Aeschbacher, Chefredaktorin <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong><br />

Sie beschäftigen sich als Anwalt<br />

hauptsächlich mit dem Tier im Recht<br />

und dem Tierschutz durch das Recht.<br />

Wie ist es dazu gekommen?<br />

Schon als Kind und während des Studiums<br />

hatte ich ein starkes Gerechtigkeitsgefühl<br />

und fühlte mich von Grundrechten und<br />

Minderheitenschutz angezogen. Als ich<br />

gegen Ende des Studiums die Möglichkeit<br />

hatte, einem Freund bei dessen Buch über<br />

das Tier im Schweizer Recht behilflich<br />

zu sein, wurde mir klar: Dem Tier wird<br />

im Recht nicht gerecht beigekommen. Die<br />

Rechtsstellung ist zu schwach, und im<br />

Vollzug braucht das Tier zusätzliche Hilfe<br />

durch Organisationen oder Rechtsvertreter.<br />

So widmete ich vor meiner Dissertation<br />

über Tierschutz und Grundrechte<br />

bereits zwei Bücher dem Tierschutzrecht<br />

und durfte für einen darauf spezialisierten<br />

Verein tätig sein. 1995 errichtete ich die<br />

Stiftung für das Tier im Recht und 2016<br />

den Verein Global Animal Law (GAL)<br />

(www.globalanimallaw.org) mit internationaler<br />

Strahlkraft (s. Kasten). Daneben<br />

führe ich meine u.a. auf Erbrecht spezialisierte<br />

Anwaltskanzlei in Zürich.<br />

Während dreier Jahre waren Sie vom<br />

Kanton Zürich als «Rechtsanwalt für<br />

Tierschutz in Strafsachen» beauftragt.<br />

Ein Amt, das auf Ihre Initiative zurückging.<br />

Wie muss man sich Ihre Tätigkeit<br />

vorstellen?<br />

In rund 700 Straffällen wegen Tierquälerei<br />

und anderer Verstösse hatte ich vollständige<br />

Akteneinsicht, konnte an einem ordentlichen<br />

Gang der Strafuntersuchung<br />

mitwirken, Ergänzungsanträge stellen<br />

und tierunfreundliche Verfügungen und<br />

Entscheide zu Gunsten einer härteren<br />

Bestrafung anfechten. Dabei unterstützte<br />

ich die in Tierschutzfällen häufig wenig<br />

bewanderten Staatsanwaltschaften, Gerichte<br />

und Behörden mit Fachwissen und<br />

den Präjudizien, welche ich mit der damals<br />

von mir geführten Stiftung für das<br />

Tier im Recht systematisch gesammelt<br />

habe. Verschiedentlich konnte ich – als<br />

weltweit einziger Amtsträger – Fälle wenden<br />

und auf eine allenfalls abschreckendere<br />

Bestrafung von Tierquälern hinwirken.<br />

Die Strafuntersuchungsbehörden<br />

zeigten sich offen und dankbar für die<br />

Hilfe im Tierschutz-Strafrecht.<br />

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders<br />

in Erinnerung geblieben ist?<br />

Der qualvoll lange gedrillte, also mit der<br />

Fischerrute an Land gezogene Hecht ging<br />

durch die Weltpresse. Der vom Staatsanwalt<br />

wegen Tierquälerei gebüsste Fischer<br />

wurde vom Gericht zwar freigesprochen.<br />

Doch wurde der Öffentlichkeit die<br />

Schmerz- und Stressempfindlichkeit von<br />

Fischen bewusst. Auch erinnere ich mich<br />

an die kaltschnäuzige Haltung eines<br />

Schweinetransporteurs, welcher absichtlich<br />

35 statt die zulässigen 30 Tiere geladen<br />

hatte, weshalb im Transportstress<br />

einige verstarben oder verletzt wurden.<br />

Schliesslich habe er ja 30 unversehrte<br />

Tiere abgeliefert, meinte der Transporteur<br />

ungerührt.<br />

Welche juristischen Spuren hat Ihre<br />

Tätigkeit hinterlassen?<br />

Mitwirken durfte ich am Einbringen der<br />

«Würde der Kreatur» in die Bundesverfassung<br />

und in die Tierschutzgesetzgebung,<br />

womit u.a. der sexuelle Umgang mit dem<br />

Tier ausdrücklich untersagt wurde. Während<br />

zwölf Jahren habe ich mich mit<br />

Gleichgesinnten letztlich erfolgreich für<br />

die Abkehr vom Sachbegriff beim Tier<br />

im Zivil- und Strafrecht eingesetzt. Mit<br />

meinem «Kommentar zum Eidg. Tierschutzgesetz»<br />

(1986) und dem seitherigen<br />

Bild: zVg<br />

28<br />

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Fokus<br />

Schrifttum konnte ich die Rechtsprechung<br />

tierfreundlicher beeinflussen und<br />

zahlreiche Juristinnen und Juristen in<br />

der Schweiz und weltweit für das Tier im<br />

Recht begeistern. So entstand denn auch<br />

der Verein Global Animal Law (GAL).<br />

Die Schweiz hat ein sehr strenges<br />

Tierschutzgesetz. Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?<br />

In der Tat leisten wir uns in der Schweiz<br />

im Vergleich zu vielen Staaten in der EU<br />

und weltweit einen recht hohen Tierwohlstandard.<br />

Die Konsumentenschaft zieht<br />

im Fleischbereich recht gut mit und gönnt<br />

sich mehr Tierwohl und damit ebenso<br />

einen gesünderen Lebensstil, auch durch<br />

allmählich zunehmenden Fleisch- und<br />

Fischverzicht. Von unserem Verein angestellte<br />

Analysen erkennen einen – kantonal<br />

unterschiedlich – hohen Verbesserungsbedarf<br />

im verwaltungsrechtlichen<br />

Vollzug des Tierschutzes gegenüber<br />

Nutz-, Versuchs-, Wild-, Sport- und Heimtieren.<br />

Der politische Wille, gut dotierte,<br />

fachkundige Vollzugsbehörden einzusetzen,<br />

ist teils gering; tierwidrige Zustände<br />

werden dadurch in Kauf genommen. Globale<br />

Tierschutzwidrigkeiten können nur<br />

global gelöst werden. Die Schweiz mit ihrer<br />

vergleichsweise sehr hohen Tieraffinität<br />

wäre dazu prädestiniert, den globalen<br />

Schutz der Tiere und die Tiergesundheit<br />

noch wesentlich stärker voranzutreiben,<br />

etwa Tiergesundheit und Tierschutz in<br />

den Vereinten Nationen zu fordern und<br />

einzubringen. Und als Finanzplatz drängt<br />

es sich für die Schweiz ebenfalls auf, tierfreundliche<br />

Finanzanlagen vorzufinanzieren<br />

und global anzubieten. So könnte<br />

Tierwohl als «New Swissness» neben<br />

Uhren, Schoggi, Bergen und Banken platziert<br />

werden.<br />

Sprechen wir von Tierversuchen.<br />

Wie stellen Sie sich dazu?<br />

Juristisch gesehen sind Tierversuche in<br />

der Schweiz meiner Beurteilung nach,<br />

weil tierbelastend, verboten, ausser es<br />

wird in einem aufwändigen Verfahren<br />

ausnahmsweise eine Bewilligung erteilt,<br />

wenn Versuche für Mensch, Tier und Umwelt<br />

angeblich besonders wichtig sind. Ich<br />

halte den Tierschutzaspekt in den Bewilligungsverfahren<br />

für untervertreten. Zudem<br />

ist die einmal erteilte Bewilligung<br />

(ausserhalb von Zürich) nicht gerichtlich<br />

anfechtbar, wenn es sich um weniger belastende<br />

Versuche handelt. Schliesslich<br />

wird der 3-R-Ansatz «Reduce, Replace and<br />

Refine» von Wirtschaft und Hochschulen<br />

zu wenig vehement verfolgt, und dies<br />

weltweit. Wären die erheblichen Mittel der<br />

letzten Jahrzehnte statt in Tierversuche<br />

in tierfreundliche Alternativen investiert<br />

worden mit Blick auf die Stärkung der<br />

Gesundheit anstelle der Bekämpfung der<br />

Krankheit, so sähen die (Spital-)Apotheken<br />

und Drogerien anders aus.<br />

Unser Umgang mit Tieren ist ein<br />

hochemotionales Thema. Auf der<br />

einen Seite stehen bisweilen fanatische<br />

Tierschützer, auf der andern<br />

gleichgültige «Tiernutzer». Wie treten<br />

Sie mit all diesen Gruppen in einen<br />

Dialog?<br />

In der Tat ist unser Umgang mit Tieren<br />

komplex und paradox, und auf Seiten der<br />

Schützer wie auch der Nutzer von Tieren<br />

teilweise ausgrenzend und menschenunfreundlich.<br />

Bei der Auseinandersetzung<br />

mit Tierquälereien aller Art ist es manchmal<br />

anspruchsvoll, ruhig und überlegt zu<br />

bleiben, weshalb ich für schrille Töne<br />

durchaus Verständnis aufbringe. Wenn es<br />

um rechtliche Anliegen geht im Bereich<br />

von Rechtsetzung, Vollzug und Ausbildung,<br />

sei’s in der Schweiz oder eben weltweit,<br />

erscheint uns der sachbezogene Weg<br />

erfolgversprechender zu sein. Ich habe<br />

meine Mitarbeitenden im Verein Global<br />

Animal Law (GAL) angehalten, mit warmem<br />

Herzen und kühlem Kopf zu argumentieren.<br />

Die Klimaerwärmung hat unsern<br />

Umgang mit Natur wieder ganz oben<br />

auf die politische Traktandenliste<br />

gesetzt. Zunehmend mehr Menschen<br />

ernähren sich vegetarisch oder gar<br />

vegan. Hat auch der Tierschutz Hochkonjunktur?<br />

Tierschutz hat derzeit meiner Wahrnehmung<br />

nach in der Öffentlichkeit nicht gerade<br />

Hochkonjunktur. Fleischverzicht –<br />

bei einer prognostizierten weltweiten<br />

dras tischen Zunahme an Fleischproduktion<br />

– ist aus meiner Sicht nicht das Allerheilmittel,<br />

gerade auch was den Schutz<br />

der weiterhin zu eng gehaltenen, übermässig<br />

gezüchteten, überlang transportierten<br />

und unwürdig geschlachteten<br />

sog. Nutztiere anbelangt. Von Tierwidrigkeiten<br />

gegenüber den Heim-, Versuchs-,<br />

Sport- und Wildtieren ganz zu schweigen.<br />

So erstaunt nicht, dass Tierschutz in die<br />

17 Sustainable Development Goals (SDGs)<br />

der UNO keinen Eingang gefunden hat.<br />

Dem will unser Verein mit seiner<br />

UNO-Konvention zu Tiergesundheit und<br />

Tierschutz entgegentreten. Auch fehlen<br />

tierfreundliche Finanzanlagen praktisch<br />

völlig, und wir prüfen nun, wie solche<br />

glaubwürdig aussähen, und versprechen<br />

uns eine enorme tierfreundliche Wirkung<br />

in der tiernutzenden Wirtschaft. Allerdings<br />

erscheint mir manchmal, potenzielle<br />

und potente Gesprächspartner seien<br />

für Visionen aktuell noch nicht besonders<br />

affin.<br />

Wenn Sie die Macht hätten, eine<br />

einzige, sofortige Änderung herbeizuführen.<br />

Welche wäre das?<br />

Unsere UNO-Konvention zu Tiergesundheit<br />

und Tierschutz (www.uncahp.org)<br />

würde bald von der UNO angenommen<br />

und, gepaart mit tierfreundlichen Finanzanlagen,<br />

wuchtig umgesetzt: Dies liesse<br />

mich und viele Tierfreundinnen, Finanzanleger<br />

und vor allem Tiere wieder ruhig<br />

schlafen.<br />

Global Animal Law (GAL)<br />

Meinem 2016 gegründeten Verein<br />

Global Animal Law (GAL) (www.global<br />

animallaw.org) haben sich bis jetzt 110<br />

Rechtsprofessoren sowie Anwältinnen<br />

und Anwälte aus dem Bereich des<br />

Tier(schutz)rechts aus der ganzen Welt<br />

angeschlossen. Unsere Datenbank<br />

umfasst sämtliche nationalen Tierschutzgesetze<br />

und weitere Bestimmungen.<br />

Damit bieten wir Studierenden<br />

und der Fachwelt globale Dienste beim<br />

Rechtsvergleich. Mit unserer GAL-Matrix<br />

regen wir Diskussion an, wie dem<br />

Tier in den Bereichen Rechtsetzung,<br />

Vollzug und Ausbildung geholfen<br />

werden kann. Die von uns erarbeitete<br />

UNO-Konvention wird von der Zielrichtung<br />

her bereits von über 200 Tierschutzorganisationen<br />

wie auch dem<br />

US-amerikanischen Anwaltsverband<br />

unterstützt. Darin fordern wir u.a.<br />

strengere nationale Tierschutzgesetze<br />

und deren transparente Durchsetzung<br />

sowie Ausbildungsprogramme, u.a. zur<br />

Förderung der Gesundheit von Tieren<br />

und damit auch von Menschen.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 29


Fokus<br />

Embryonalentwicklung<br />

in<br />

Zeitlupe<br />

Als eines von wenigen Säugetieren legt der Rehembryo eine besonders<br />

lange Keimruhe ein. Mit modernen molekularen Methoden zeigen<br />

ETH-Forschende erstmals auf, was im Embryo während dieser Phase<br />

tatsächlich abläuft. Und sie finden Signale, die sein Erwachen steuern.<br />

Peter Rüegg, ETH Kommunikation 1<br />

Gewöhnliches Tier mit aussergewöhnlicher Embryonalentwicklung: das heimische Reh (Capreolus capreolus).<br />

1<br />

Dieser Beitrag erschien erstmals am 27.8.2021<br />

in den ETH-News.<br />

Bild: Adobe Stock<br />

30<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Fokus<br />

Alle kennen das Reh, in vielen<br />

Kreuzworträtseln wird nach<br />

ihm gefragt, man trifft es auf<br />

der Joggingrunde oder bei einem<br />

Spaziergang im Wald an – ein filigranes<br />

Tier, mit seinen grossen schwarzen<br />

Augen geradezu elegant.<br />

So gewöhnlich das Reh in unseren<br />

Wäldern erscheinen mag: Es weist eine Besonderheit<br />

auf, die unter Geweihträgern<br />

einmalig ist. Nach der Paarung und der<br />

Befruchtung des Eis im Hochsommer nistet<br />

sich der stecknadelkopfgrosse Embryo<br />

nicht in der Gebärmutter ein, sondern legt<br />

eine Keimruhe, embryonale Diapause genannt,<br />

ein. Diese hält über vier Monate bis<br />

Dezember an. Erst danach setzt der Embryo<br />

seine Entwicklung in normaler Geschwindigkeit<br />

fort und nistet sich im Uterus<br />

ein. Im Mai bringt die Ricke nach<br />

viereinhalb Monaten «echter» Tragzeit ein<br />

bis drei Kitze zur Welt.<br />

Bekannt ist das Phänomen seit mehr<br />

als 150 Jahren. Doch der Forschung gibt<br />

dieser ungewöhnliche Vorgang nach wie<br />

vor Rätsel auf. Über 130 Säugetierarten<br />

mit unterschiedlich ausgeprägter Diapause<br />

sind bekannt. Selten dauern sie indes so<br />

lange wie beim Reh. Bei fast keiner anderen<br />

Art tritt statt dem vollständigen Anhalten<br />

eine so ausgeprägte, anhaltende<br />

Verlangsamung ein. Bei Mäusen können<br />

Wissenschaftler die Diapause künstlich<br />

auslösen. Nach wie vor ist aber unklar,<br />

welche natürlichen Faktoren beim Reh die<br />

Keimruhe steuern und den Embryo dabei<br />

am Leben erhalten.<br />

Mit dem Rätsel der Rehdiapause befasst<br />

sich auch die Forschungsgruppe von<br />

Susanne Ulbrich, Professorin für Tierphysiologie<br />

der ETH Zürich, seit längerem. In<br />

einer neuen Studie zeigen die Forschenden<br />

auf, welche molekularen Vorgänge im<br />

Embryo während seiner Keimruhe ablaufen:<br />

Die embryonalen Zellen teilen sich<br />

während der Diapause weiterhin, wenn<br />

auch sehr langsam. Die Zahl der Zellen,<br />

auch der embryonalen Stammzellen, verdoppelt<br />

sich dabei nur alle zwei bis drei<br />

Wochen. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift<br />

PNAS. Daran beteiligt sind<br />

nebst der ETH-Gruppe auch Forschende<br />

der Universitäten Zürich und Bern sowie<br />

deutscher und französischer Forschungseinrichtungen.<br />

Gentranskripte und Signalmoleküle<br />

untersucht<br />

Um die Frage zu klären, was die Zellen des<br />

Embryos an der normalen Teilungsgeschwindigkeit<br />

hindert, untersuchten die<br />

Forschenden zum einen die molekulare<br />

Zusammensetzung der Uterusflüssigkeit.<br />

Zum anderen nahmen sie das Transkriptom,<br />

also die Gesamtheit aller Boten-RNA-Moleküle,<br />

der Embryonen und<br />

der Schleimhautzellen aus dem Uterus<br />

genauer unter die Lupe.<br />

In der Uterusflüssigkeit fanden die<br />

Forschenden tatsächlich Signalstoffe, welche<br />

die Teilungsgeschwindigkeit regulieren<br />

könnten. Besonders auffällig war die<br />

Aminosäure Serin. Die ETH-Forschenden<br />

zeigten auf, dass sich gegen Ende der Diapause<br />

die Konzentration bestimmter Aminosäuren<br />

in der Uterusflüssigkeit ändert.<br />

Daraufhin setzt die Rate der Zellteilung<br />

mit normaler Geschwindigkeit ein.<br />

Mit im Spiel ist dabei der Molekülkomplex<br />

mTOR, der auf die Aminosäuren reagiert.<br />

Dieser Proteinkomplex spielt bei<br />

vielen anderen Signalwegen in Säugetierzellen<br />

bei der Regulation des zellulären<br />

Stoffwechsels eine entscheidende Rolle,<br />

unter anderem auch im Zusammenhang<br />

mit Krebserkrankungen. mTORC1 reguliert<br />

zum Beispiel die Proteinsynthese<br />

und somit das Zellwachstum und die Zellteilung.<br />

Laut den neuen Erkenntnissen ist<br />

nur die Aktivität des Molekülkomplexes<br />

mTORC1 (aber nicht mTORC2) in den Embryonen<br />

des Rehs während der gesamten<br />

Diapause unterdrückt. Dies im Unterschied<br />

zur Diapause der Maus, bei der<br />

die Zellteilung vollständig durch die<br />

Hemmung beider mTORC-Komplexe angehalten<br />

wird.<br />

Wenn gegen ihr Ende hin der Aminosäurenpegel<br />

in der Uterusflüssigkeit deutlich<br />

ansteigt, aktiviert dies mTORC1. Dies<br />

wiederum setzt Stoffwechsel- und Zellzyklusgene<br />

in Gang. Die Embryonalentwicklung<br />

wird angetrieben. Die Forschenden<br />

vermuten zudem, dass im Gegenzug<br />

mTORC2 während der Diapause von Rehembryonen<br />

nicht gehemmt wird, wodurch<br />

die langsame kontinuierliche Zellteilung<br />

aufrechterhalten bleiben könnte.<br />

Ob nebst den diversen Aminosäuren<br />

weitere Signalmoleküle involviert sind,<br />

haben die Forschenden in dieser Studie<br />

nicht untersucht. Ebenfalls bleibt unklar,<br />

ob die Aminosäuren tatsächlich für die<br />

Fortsetzung der Embryoreifung verantwortlich<br />

sind oder ob auch der Embryo<br />

Moleküle absondert, die auf mütterliche<br />

Zellen und Signalwege einwirken. Es<br />

könnte sein, dass der Embryo seine Präsenz<br />

mit speziellen Signalmolekülen dem<br />

Mutterorganismus anzeigt. Diese Wissenslücke<br />

möchte Ulbrich in künftigen<br />

Studien schliessen.<br />

Neues Licht auf Fortpflanzungsbiologie<br />

Die neuen Erkenntnisse werfen ein Licht<br />

auf die Reproduktions- und Entwicklungsbiologie<br />

im Allgemeinen. Eine der<br />

grundlegenden Fragen ist, wie es bei Säugetieren<br />

zu einer Schwangerschaft respektive<br />

Trächtigkeit kommt. So können sich<br />

beispielsweise bei Mensch und Rind Embryonen<br />

oft nicht in der Gebärmutter<br />

einnisten und sterben. «Dies hat mit vielschichtigen<br />

Wechselwirkungen zwischen<br />

Embryo und Mutter zu tun», sagt Ulbrich.<br />

Für eine erfolgreiche Schwangerschaft<br />

bedürfe es einer engen zeitlichen<br />

Abstimmung. Der Embryo müsse sich<br />

zum rich tigen Zeitpunkt durch entsprechende<br />

(molekulare) Signale bemerkbar<br />

machen und den Zyklus der Mutter unterbrechen.<br />

«Diese Interaktion zwischen<br />

Embryo und Mutter wollen wir besser<br />

verstehen», erklärt die ETH-Professorin.<br />

Dafür sei das Reh als Modell ideal. Dessen<br />

Embryonalentwicklung sei derjenigen des<br />

Rindes sehr ähnlich, laufe aber in Zeitlupe<br />

ab. «Dadurch können wir die einzelnen<br />

Schritte besser zeitlich auflösen und ursächliche<br />

Zusammenhänge finden.»<br />

Die Erkenntnisse könnten auch dazu<br />

beitragen, die In-vitro-Fertilisation beim<br />

Menschen so zu verbessern, dass Embryonen<br />

nicht mehr eingefroren werden müssten.<br />

Zudem könnte mit natürlichen Faktoren<br />

die Geschwindigkeit der Teilung<br />

von Zellen, einschliesslich embryonaler<br />

Stammzellen, gesteuert werden.<br />

Literatur<br />

van der Weijden V. A., Bick J. T.,<br />

Bauersachs S., Rüegg A. B., Hildebrandt T.<br />

B., Goeritz F., Jewgenow K., Giesbertz P.,<br />

Daniel H., Derisoud E., Chavatte-Palmer P.,<br />

Bruckmaier R. M., Drews B., Ulbrich S. E.<br />

(2021). Amino acids activate mTORC1 to<br />

release roe deer embryos from decelerated<br />

proliferation during diapause. PNAS,<br />

publiziert 27.8.2021. DOI: 10.1073/<br />

pnas.2100500118call_made<br />

Rüegg A. B., Bernal S., Moser F. N.,<br />

Rutzen I., Ulbrich S. E. (2020). Trophectoderm<br />

and embryoblast proliferate at slow<br />

pace in the course of embryonic diapause<br />

in the roe deer (Capreolus capreolus)<br />

(2020). Bioscientifica Proceedings 10<br />

ISEDISED13 | DOI: 10.1530/biosciprocs.10.<br />

013call_made<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 31


Perspektiven<br />

Aktuelles aus der Pneumologie / Umweltmedizin:<br />

saubere Luft – mehr Gesundheit<br />

Lufthygiene als<br />

Erfolgsfaktor<br />

Die neuen Luftqualitätsleitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO)<br />

fordern saubere Luft. Aus Public-Health-Sicht ist jedes Mikrogramm<br />

weniger Luftverschmutzung ein grosser Gesundheitsgewinn. Die Luftqualität<br />

muss sich national und international weiter verbessern.<br />

Meltem Kutlar Joss, Leiterin Dokumentationsstelle Luftverschmutzung und Gesundheit (LUDOK);<br />

Prof. Nicole Probst-Hensch, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut,<br />

Assoziiertes Institut der Universität Basel<br />

Am 22. September 2021 hat die<br />

WHO die Welt mit ihrer Vorstellung<br />

von gesunder Luft<br />

konfrontiert [1]. Dabei hat sie<br />

mit dem Beitrag von Forschenden des<br />

Schweizerischen Tropen- und Public<br />

Health- Instituts (Swiss TPH), basierend<br />

auf der aktuellen Evidenz aus hunderten<br />

von epidemiologischen Studien, neue Luftgüteleitlinien<br />

(AQG) publiziert. In systematischen<br />

Übersichtsarbeiten zu Sterblichkeit,<br />

Notfällen wegen Asthma oder Herzinfarkten<br />

haben die Forschenden festgestellt,<br />

dass die Evidenz für negative Gesundheitsfolgen<br />

selbst bei tiefen Belastungen noch<br />

besteht. Sie fordern daher für den Gesundheitsschutz,<br />

die langfristige Schadstoffbelastung<br />

mit Feinstaub (Partikel mit einem<br />

Durchmesser von 2,5 Mikrometern oder<br />

weniger PM 2,5 ) auf 5 μg/m 3 pro Jahr zu reduzieren,<br />

jene mit NO 2 auf 10 μg/m 3 und jene<br />

mit Ozon auf ein Mittel von 60 μg/m 3 in<br />

den warmen Monaten. Diese Werte sollen<br />

gemäss den Expertinnen und Experten<br />

eingehalten werden, um die Bevölkerung<br />

vor schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung<br />

zu schützen.<br />

32<br />

Tabelle. Empfohlene AQG-Werte für 2021 im Vergleich zu den Luftgüteleitlinien von 2005 [1]<br />

Schadstoff Mittelungszeit AQG-Richtwert<br />

2005<br />

Luftverschmutzung und<br />

Gesundheitsfolgen<br />

Luftverschmutzung ist die Verunreinigung<br />

der von uns eingeatmeten Innenund<br />

Aussenluft durch chemische, physikalische<br />

oder biologische Wirkstoffe mit<br />

potenziell bedrohlichen Folgen für die<br />

Gesundheit des Menschen und des<br />

Ökosystems. Zu den Schadstoffen, bei denen<br />

es die deutlichsten Belege für gesundheitliche<br />

Bedenken gibt, zählen Feinstaub<br />

(PM), Ozon (O ), Stickstoffdioxid (NO 2 )<br />

und Schwefeldioxid (SO 2 ) sowie Kohlenmonoxid<br />

(CO). Die durch Feinstaub bedingten<br />

Gesundheitsrisiken sind für die<br />

öffentliche Gesundheit von besonderer<br />

Bedeutung. PM 2,5 und PM 10 können bis tief<br />

in die Lunge vordringen, ultrafeine Partikel<br />

können sogar in den Blutkreislauf<br />

gelangen. Es gibt mittlerweile viele biologische<br />

Wirkungsmechanismen, welche<br />

AGQ-Richtwert<br />

2021<br />

PM 2, 5 , μg/m 3 Jahr 10 5<br />

24 Stunden a 25 15<br />

PM 10 , μg/m 3 Jahr 20 15<br />

24 Stunden a 50 45<br />

O 3 , μg/m 3 Warme Jahreszeit b – 60<br />

8 Stunden a 100 100<br />

NO 2 , μg/m 3 Jahr 40 10<br />

24 Stunden a – 25<br />

SO 2 , μg/m 3 24 Stunden a 20 40<br />

CO, mg/m 3 24 Stunden a – 4<br />

die beobachteten Gesundheitseffekte in<br />

den Atemwegen, dem Herz-Kreislauf-<br />

System und anderen Organen erklären [2].<br />

2013 wurde Aussenluftverschmutzung<br />

und Fein staub vom Internationalen Krebsforschungszentrum<br />

der WHO (IARC) als<br />

krebserregend eingestuft. Die lufthygienische<br />

Dokumentationsstelle am Swiss TPH<br />

hat die gesicherten Gesundheitsfolgen der<br />

Luftschadstoffe in einer Infografik zusammengetragen<br />

(Grafik 1 [3], https://www.<br />

swisstph.ch/de/projects/ludok/healthef<br />

fects/). Es gibt also mittlerweile kein Organsystem,<br />

welches nicht von den schädlichen<br />

Auswirkungen der Luftverschmutzung<br />

betroffen wäre.<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Bild: Adobe Stock<br />

Grafik 1. Gesicherte Gesundheitsfolgen der Luftschadstoffe (Quelle: Swiss TPH).<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 33


Perspektiven<br />

Luftverschmutzung stammt aus einer<br />

Vielzahl von natürlichen und anthropogenen<br />

(vom Menschen verursachten) Emissionsquellen.<br />

Die wichtigsten Quellen der<br />

anthropogenen Luftverschmutzung in<br />

der Schweiz umfassen den motorisierten<br />

Verkehr (NO 2 , PM), die Holzverbrennung<br />

(PM), die Landwirtschaft (NH 3 , ein Vorläufer<br />

von Feinstaub, PM) und die Industrie<br />

(flüchtige organische Kohlenwasserstoffe<br />

VOC, NO X , PM) [4].<br />

Luftverschmutzung in der Schweiz<br />

Nun sind Regierungen weltweit gefordert,<br />

ihre Anstrengungen zur Reduktion der<br />

Emissionen zu intensivieren, um die Luftbelastung<br />

kontinuierlich zu verringern.<br />

Die Schweiz war in den letzten 30 Jahren<br />

sehr erfolgreich und konnte die Luftbelastung<br />

aller regulierten Schadstoffe bis auf<br />

Ozon unter die in der Schweiz heute geltenden<br />

Grenzwerte reduzieren (Grafik 2<br />

bis 4 [5]).<br />

Massgeblich zu diesem Erfolg hat die<br />

Schweizer SAPALDIA-Kohortenstudie beigetragen<br />

(siehe Kasten). Sie untersucht seit<br />

den frühen 1990er Jahren die Zusammenhänge<br />

zwischen Luftverschmutzung und<br />

anderen Faktoren und der Gesundheit in<br />

der Schweizer Bevölkerung und konnte<br />

Politikerinnen und Politiker überzeugen,<br />

ambitionierte Ziele zu formulieren und<br />

griffige Massnahmen zu ergreifen.<br />

Die Herausforderung heute besteht<br />

darin, Synergien von Klimaschutz und<br />

Lufthygiene zu nutzen und klimaneutrale<br />

Strategien nicht zu Lasten der Luftqualität<br />

zu verfolgen. Die Förderung der klimaneutralen<br />

Holzverbrennung kann ohne weitere<br />

Massnahmen zu einer Zunahme von<br />

Feinstaub und krebserregenden Substanzen<br />

führen, was Erfolge der Luftreinhaltepolitik<br />

gefährdet. Des Weiteren sollte<br />

das Mobilitätsverständnis ganzheitlich<br />

weitergedacht werden hin zu lebenswerten<br />

Städten statt nur die Elektrifizierung<br />

der Fahrzeugflotte als Lösung zu betrachten.<br />

Denn auch Elektroautos emittieren<br />

noch gesundheitsschädliche Nicht-Abgas-Bestandteile<br />

durch Brems- und Reifenabrieb<br />

[6] und verbrauchen eine grosse<br />

Fläche.<br />

Bedeutung der Luftverschmutzung<br />

Die wichtigste und wirksamste Massnahme<br />

zur Bekämpfung der luftbedingten<br />

Krankheitslast ist die nachhaltige Verbesserung<br />

der Luftqualität durch Verminderung<br />

der Emissionen. Ein wichtiges Instrument<br />

ist die Festlegung von bindenden<br />

Luftqualitätsgrenzwerten. Die USA und<br />

µg/m 3<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

1998<br />

2000<br />

2002<br />

2004<br />

Feinstaub PM2,5<br />

Bern-Bollwerk Basel-Binningen Payerne<br />

Zürich Lugano Grenzwert<br />

2006<br />

2008<br />

Grafik 2. Verlauf der Jahresmittel von Feinstaub PM2,5 an repräsentativen Standorten des<br />

NABEL-Messnetzes, verkehrsexponiert (Bern-Bollwerk), städtisch (Zürich und Lugano), vorstädtisch<br />

(Basel-Binningen) und ländlich (Payerne). Seit 2018 ist in der Luftreinhalten-Verordnung ein<br />

Immissionsgrenzwert für PM2,5 festgelegt.<br />

µg/m 3<br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

1991<br />

1993<br />

1995<br />

1997<br />

1999<br />

2010<br />

2012<br />

Stickstoffdioxid (NO 2 )<br />

Bern-Bollwerk Lausanne Härkingen<br />

Sion<br />

2001<br />

Immissionsgrenzwert<br />

2003<br />

2005<br />

Grafik 3. Verlauf der Jahresmittel von Stickstoffdioxid an den vier verkehrsexponierten Standorten<br />

des NABEL-Messnetzes: städtisch (Bern-Bollwerk und Lausanne); ländlich an der Autobahn<br />

(Härkingen und Sion).<br />

µg/m 3<br />

300<br />

250<br />

200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

1991<br />

1993<br />

1995<br />

2007<br />

2009<br />

2011<br />

2014<br />

2013<br />

Ozon, max. monatlicher 98-Perzentilwert<br />

Lugano Zürich Basel-Binningen<br />

Dübendorf<br />

1997<br />

1999<br />

2001<br />

Immissionsgrenzwert<br />

2003<br />

2005<br />

Grafik 4. Verlauf der höchsten monatlichen 98 %-Werte an den vier städtischen und vorstädtischen<br />

Standorten des NABEL-Messnetzes: Lugano, Zürich, Basel-Binningen und Dübendorf.<br />

2007<br />

2009<br />

2011<br />

2013<br />

2016<br />

2015<br />

2015<br />

2018<br />

2017<br />

2017<br />

2019<br />

2019<br />

2020<br />

2021<br />

2021<br />

Grafiken: zvg<br />

34<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Europa haben zudem gezeigt, dass Umwelt-<br />

und damit Gesundheitsschutz mit<br />

wirtschaftlichem Wachstum vereinbar ist<br />

[7]. Das individuelle Risiko, durch Luftverschmutzung<br />

zu erkranken, ist zwar klein<br />

gegenüber anderen Faktoren wie beispielsweise<br />

dem Lebensstil (Rauchen, Bewegung).<br />

Da jedoch alle Personen von Jung<br />

bis Alt ständig dieser Belastung ausgesetzt<br />

sind, summieren sich diese Risiken zu<br />

einem grossen Risiko auf Bevölkerungsebene.<br />

Weltweit ist die Luftverschmutzung<br />

der wichtigste Umweltrisikofaktor, verantwortlich<br />

für über 6,5 Millionen vorzeitige<br />

Todesfälle [8]. Die europäische Umweltagentur<br />

beziffert in ihrer Gesundheitsfolgenabschätzung<br />

für das Jahr 2018 die<br />

Zahl der vorzeitigen Todesfälle aufgrund<br />

der Feinstaub, NO 2 - und Ozonbelastung in<br />

der Schweiz auf 3500, 270 sowie 350 vorzeitige<br />

Todesfälle [9].<br />

Saubere Luft ist ein wichtiger Faktor<br />

für die Gesundheit. In diesem Sinne<br />

kommt den Ärztinnen und Ärzten eine<br />

wichtige Aufklärungsrolle auf individueller,<br />

aber auch struktureller Ebene zu.<br />

Einer seits können sie ihre Patienten und<br />

Patientinnen beraten und beispielsweise<br />

zu körperlicher Aktivität an weniger belasteten<br />

Strassen raten oder, in Bezug auf<br />

Lärm, zur Wahl des Schlafzimmers weg<br />

von stark befahrenen Strassen raten. Die<br />

Meinung der Fachleute in Gesundheitsfragen<br />

kann ebenfalls politische Entscheidungsprozesse<br />

beeinflussen und Massnahmen<br />

zur Belastungsreduktion stützen.<br />

SAPALDIA – die Quelle für Gesundheitsdaten<br />

In der Schweizer Langzeitstudie SAPALDIA («Swiss Cohort Study on Air Pollution and<br />

Lung and Heart Diseases in Adults»), der bislang grössten Studie, untersuchen Forschende<br />

des Swiss TPH, wie sich die Umwelt, der Lebensstil, die sozialen Umstände und<br />

die Gene auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung auswirken. Sie sammeln biologisches<br />

Material und erheben seit 1991 Gesundheitsdaten von knapp 10 000 zufällig ausgewählten<br />

Personen, die 1991 in Aarau, Basel, Davos, Genf, Lugano, Montana, Payerne oder<br />

Wald lebten. In Zehn-Jahres-Abständen werden die Untersuchungen bei den gleichen<br />

Personen wiederholt und teilweise ergänzt.<br />

Heute sind die Teilnehmenden mehr als ein Vierteljahrhundert älter als bei Studienbeginn<br />

und viele von ihnen haben das Rentenalter erreicht und weit überschritten. Dies<br />

bietet die Gelegenheit, in der vierten SAPALDIA-Phase von 2014 bis 2017 die Untersuchungen<br />

auf den Einfluss von Lebensstil, Sozial-, Umwelt- und Erbfaktoren auf die Gesundheit<br />

des Alterns zu konzentrieren. SAPALDIA will damit wissenschaftliche Grundlagen<br />

zur Förderung der Lebensqualität im Alter liefern und mehr Verständnis für die<br />

zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen erhalten bzw. entwickeln.<br />

Prof. Dr. phil. II et PhD Nicole Probst-Hensch, MPH, ist Leiterin des Departments<br />

Epidemiologie und Public Health am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut<br />

Basel und leitet die SAPALDIA-Langzeitstudie.<br />

Literatur<br />

[1] World Health Organization (WHO).<br />

WHO Global Air Quality Guidelines. Particulate<br />

matter (PM2.5 and PM10), ozone, nitrogen<br />

dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxide.<br />

Geneva: World Health Organization; 2021.<br />

[2] Peters A., Nawrot T. S., Baccarelli A. A.<br />

Hallmarks of environmental insults. Cell 2021;<br />

184: 1455–68.<br />

[3] Swiss Tropical and Public Health<br />

Institute (Swiss TPH), Dokumentationsstelle<br />

Luftverschmutzung und Gesundheit (LUDOK).<br />

Interaktive Grafik zu den Auswirkungen der<br />

Luftverschmutzung auf die Gesundheit. Basel:<br />

LUDOK, Swiss TPH; 2020.<br />

Accessed 28.1.<strong>2022</strong>:<br />

https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/<br />

dokumente/luft/fachinfo-daten/nabelrevue-2019.pdf.download.pdf/nabel-rueck<br />

blick-2021.pdf<br />

https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/fr/<br />

dokumente/luft/fachinfo-daten/nabel-revue-<br />

2019.pdf.download.pdf/nabel-revue-2021.pdf<br />

[6] Timmers, V. R., Achten. Non-exhaust<br />

PM emissions from electric vehicles. Atmospheric<br />

Environment 2016; 134: 10–17.<br />

[7] Greenbaum D. S. The Clean Air Act:<br />

Substantial Success and the Challenges Ahead.<br />

Ann Am Thorac Soc. 2018; 15(3): 296–7.<br />

[4] Bundesamt für Umwelt (BAFU). Luft:<br />

Fachinformationen. Accessed 5.1.<strong>2022</strong> https://<br />

www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/<br />

luft/fachinformationen.html<br />

[5] Bundesamt für Umwelt (BAFU),<br />

Eidgenössische Materialprüfungs- und<br />

Forschungsanstalt (Empa), NABEL Rückblick<br />

2021, Bern: Bundesamt für Umwelt; 2021.<br />

[8] GBD Risk Factors Collaborators. Global<br />

burden of 87 risk factors in 204 countries and<br />

territories, 1990–2019: a systematic analysis for<br />

the Global Burden of Disease Study 2019.<br />

Lancet 2020; 396: 1223–49.<br />

[9] EEA. Air quality in Europe – 2020<br />

report: European Environment Agency; 2020.<br />

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<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 35


Perspektiven<br />

Aus der «Therapeutischen Umschau»* – Übersichtsarbeit<br />

Die verschiedenen<br />

Gesichter der<br />

Ekzeme<br />

Antonio Cozzio und Ieva Saulite<br />

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Kantonsspital St. Gallen<br />

* Der Artikel erschien ursprünglich in der<br />

«Therapeutischen Umschau» (2019), 76(2), 55–63.<br />

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Der Begriff «Ekzem» umschreibt<br />

auf den ersten Blick<br />

eine Serie morphologisch sehr<br />

heterogener, entzünd licher<br />

Hautbilder, die aber einem regelhaften<br />

zeitlichen Ablauf unterliegen und deshalb<br />

oftmals nur unterschiedliche Stadien derselben<br />

Krankheit bezeichnen. Die Beschränkung<br />

des Ekzembegriffes auf «rote,<br />

schuppende Haut» wäre irreführend, können<br />

doch Ekzeme im Wesentlichen (fast)<br />

alle Primär- und Sekun där efflores zenzen<br />

auf der Haut zeigen: Erythem (makulös bis<br />

erythrodermatisch), Vesikel (Bläschen) bis<br />

Bullae (Blasen), Papeln bis Plaques und<br />

Knoten (> 1 cm Durchmesser) sowie Pusteln<br />

sind möglich als Primäreffloreszenzen,<br />

aber auch sekundäre Morphen sind<br />

regelhaft beim Ekzem: Krusten (eingetrocknete<br />

Bläschenflüssigkeit) und Schuppen<br />

(verhornte Keratinozyten), Erosionen,<br />

Ulzerationen, Lichenifikationen, Exkoriationen,<br />

Rhagaden sowie Vernarbungen.<br />

Als Spätfolgen treten zudem Hypo- und<br />

Hyper pigmentier ungen auf.<br />

Der Begriff «Ekzem» aus dem Griechischen<br />

ἔκζεμα umschreibt am ehesten die<br />

akute Phase des heraufbrodelnden, aufwallenden<br />

Ekzems mit der akuten serösen<br />

Blasenbildung, und stellt in der deutschsprachigen<br />

Dermatologie den typischen<br />

Begriff dar für diese Krankheitsgruppe. Im<br />

Englischen sowie in der (englischsprachigen)<br />

Literatur setzt sich zunehmend der<br />

generalisierend weitgefasste Begriff der<br />

Dermatitis durch, der eigentlich auch andere<br />

Entzündungen der Haut umfasst, wie<br />

den Lichen ruber oder die Lupusdermatitis.<br />

Im Begriff der atopischen Dermatitis<br />

ist aber ausschliesslich das atopische Ekzem<br />

gemeint. Der Begriff der Neurodermitis<br />

ist veraltet, auch wenn er gerade in der<br />

Bevölkerung verbreitet ist und manchmal<br />

nützlich erscheint, um eine mögliche Verbindung<br />

zwischen psychischer Verfassung<br />

und Ekzemakti vität zu postulieren.<br />

Nach der Pathogenese unterscheiden<br />

wir die folgenden Ekzemgruppen:<br />

• Atopisches Ekzem, atopische Dermatitis<br />

(AD)<br />

• Kontaktekzem / Kontaktdermatitis (KD)<br />

von allergischen und vom toxischen<br />

Typ, mit oder ohne Lichteinwirkung<br />

(phototoxische KD, photoallergische KD)<br />

• Seborrhoisches Ekzem<br />

• Nummulär-mikrobielles Ekzem<br />

• Exsikkationsekzem<br />

• Stauungsekzem<br />

Ekzeme können auch nach Lokalisationen<br />

unterteilt werden (Hand- / Fuss- / Skrotal- /<br />

Analekzem, Intertriginöses Ekzem, Kopfhautekzem<br />

und andere). Während die<br />

Kenntnis der pathogenetischen / ätiologischen<br />

Unterteilung wichtig ist für gezielte<br />

Abklärung und Diagnostik, ist das Verständnis<br />

der lokalisationsabhängigen<br />

Ekzeme sowie der Ekzemstadien wichtig<br />

für eine galenisch korrekte Therapiewahl<br />

(Galenik: Darreichungsform des Arzneimittels,<br />

in der Haut z. B. Lösungen, Lotion,<br />

Creme, Salben, Fettsalben).<br />

In der Folge werden wir dem häufigen<br />

atopischen Ekzem etwas mehr Platz einräumen,<br />

um die Basistherapie zu erklären,<br />

aber auch um auf das stark verbesserte<br />

Verständnis in der Pathogenese hinzuweisen,<br />

welches verbesserte systemische Behandlungen<br />

zulässt, falls die hautgerichteten<br />

Therapien versagen. Für die Juckreizbekämpfung<br />

verweisen wir auf den<br />

Artikel von Dr. Markus Streit in dieser Ausgabe<br />

der Therapeutischen Umschau und<br />

fokussieren mehr auf die Entzündungsbehandlung<br />

der Ekzeme. Weiter geben wir<br />

eine kurze Übersicht über kontakttoxische<br />

und kontaktallergische Ekzeme, seborrhoische<br />

Ekzeme und das nummulärmikrobielle<br />

Ekzem. Nicht genauer erläutert<br />

werden aus Platzgründen das Exsikkationsekzem<br />

sowie das Stauungsekzem.<br />

Das atopische Ekzem (die Juckflechte,<br />

atopische Dermatitis,<br />

Neurodermitis, endogenes Ekzem,<br />

Prurigo Besnier)<br />

Das atopische (nicht zuzuordnende, nicht<br />

lokalisierbare) Ekzem oder die atopische<br />

Dermatitis (AD) ist mit 10 – 15 % Prävalenz<br />

eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter,<br />

welches sich häufig mit dem Erwachsenwerden<br />

verliert (Prävalenz Erwachsene<br />

ca. 3 %). Kleinkinder zeigen die<br />

Symptome meist im ersten Lebensjahr,<br />

36<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

typischerweise nach der Neonatalperiode<br />

(ab 4. Lebensmonat). Die Vererbung ist polygenetisch,<br />

bei einem betroffenen Elternteil<br />

muss von einem Risiko von ca. 15 %,<br />

bei beiden Elternteilen von bis zu 80 %<br />

ausgegangen werden. Die beste genetische<br />

Evidenz für eine ursächliche Mutation<br />

besteht für das Filaggrin-Gen: Das<br />

mutierte epitheliale Eiweiss führt zu Störungen<br />

der Hautbarriere mit einem entsprechenden<br />

erhöhten Wasserverlust mit<br />

nachfolgender Hautaustrocknung. Ein<br />

gängiges Modell postuliert, dass trockene<br />

Haut zu Juckreiz führt mit konsekutivem<br />

Kratzen und Mikroverletzungen, welche<br />

die dermale Entzündung aktiviert, die<br />

dann den Pruritus verstärkt – ein Circulus<br />

vitiosus entsteht. Allerdings finden sich<br />

Filaggrinmutationen nur in etwa der Hälfte<br />

aller Patienten mit AD. Eine Substitution<br />

mit einer gesunden Filaggrinvariante<br />

ist (wie bei allen loss of function Mutationen)<br />

genetisch und immunologisch<br />

schwierig zu bewerkstelligen, und es gibt<br />

aktuell auch keine Studienaktivitäten in<br />

dieser Richtung.<br />

Die zweite Stossrichtung der Forschung<br />

befasst sich mit der Immunologie<br />

des AD. Bereits seit Jahrzehnten war bekannt,<br />

dass die Behandlung mit Cyclosporin<br />

A bei organtransplantierten Patienten<br />

auch eine gleichzeitig bestehende AD<br />

verbesserte. Anders als die restlichen Erkrankungen<br />

aus dem atopischen Formenkreis<br />

(Rhinokonjunktivitis, Asthma bronchiale)<br />

wurde bei der AD gezeigt, dass sie<br />

nicht zwingend eine IgE-vermittelte, sondern<br />

eine T-zelluläre Entzündung darstellt,<br />

im Frühstadium v. a. eine Th2-gewichtete,<br />

im weiteren Verlauf dann eine<br />

gemischt Th1 / Th2 / Th22-aktivierte Entzündung<br />

der Haut. Die Aufschlüsselung<br />

der Entzündungskaskade der AD hat aktuell<br />

die IL-4 / 13 Zytokine in den Fokus gerückt:<br />

die Hemmung der Effekte dieser Interleukine<br />

führt zu einem deutlichen Aktivitätsrückgang<br />

der AD und entsprechende<br />

Antikörper sind in Europa bereits zugelassen<br />

und werden bald auch in der Schweiz<br />

in den klinischen Alltag Einzug halten<br />

(s. unten). Viele weitere zusätzliche intraund<br />

extrazelluläre Faktoren der Entzündungskaskaden<br />

sind in den Fokus des<br />

Forschungs interesses gerückt, und die<br />

nächsten Jahre werden hoffentlich weitere<br />

Fortschritte in der Behandlung der mittelschweren<br />

/ schweren AD mit sich bringen.<br />

Provokationsfaktoren spielen bei der<br />

Aktivierung der AD eine grosse Rolle.<br />

Durch wiederholte mechanische Reizungen,<br />

z. B. durch Feuchtarbeiten, aber auch<br />

durch Schwitzen oder zu häufiges Duschen<br />

/ Baden, kann eine atopische Dermatitis<br />

bei Veranlagung getriggert werden.<br />

Ebenfalls sind Alkohol und psychischer<br />

Stress als mög liche Auslöser beschrieben.<br />

Nahrungsmittel sind vor allem<br />

im Säuglings- und Kleinkindesalter bei<br />

einer AD- Verschlechterung zu evaluieren<br />

(v. a. Milch, Ei, Nüsse, Fisch, Soja, Weizen),<br />

bei Erwachsenen sind diese bedeutend<br />

seltener. Diese leiden dafür eher unter Aeroallergenerkrankungen<br />

durch Hausstaubmilben,<br />

Pollen oder Tierhaare, die<br />

neben häufigen Atemwegsproblemen<br />

durchaus auch eine AD-Verschlechterung<br />

auslösen können. In diesem Falle sind<br />

Massnahmen wie Encasing oder Desensibilisierungen<br />

somit doppelt sinnvoll. Für<br />

eine zielgerichtete und wirtschaftliche<br />

Aufarbeitung der allergologischen Zusammenhänge<br />

ist eine Zusammenarbeit mit<br />

einem Allergologiezentrum hilfreich, damit<br />

können auch übertriebene oder wissenschaftlich<br />

sinnlose Allergieabklärungen<br />

(z. B. IgG Abklärungen auf Nahrungsmittel),<br />

mit denen vielen Patienten Geld<br />

aus den Taschen gezogen wird, vermieden<br />

werden.<br />

Klinische Zeichen der AD<br />

Die Atopiestigmata erlauben die Feststellung<br />

einer atopischen Diathese, welche bei<br />

entsprechendem Ekzembild die Diagnose<br />

der AD unterstützen. Zu den Atopiestigmata<br />

gemäss Diepgen-Score gehören (mit<br />

Punkteangaben, müssen addiert werden):<br />

• Juckreiz beim Schwitzen 3<br />

• Unverträglichkeit von Wolle 3<br />

• Xerosis cutis 3<br />

• Dermographismus albus 3<br />

• Hertoghe Zeichen 3<br />

• Milchschorf anamnestisch 2<br />

• Perlèche, Cheilitis 2<br />

• Ichthyosis, vermehrte / vertiefte<br />

Handlinien2<br />

• Pityriasis alba 2<br />

• Positive FA 1<br />

• Rhinitis1<br />

• Konjunktivitis1<br />

• Asthma1<br />

• Dyshidrosis1<br />

• Dennie-Morgan Falte 1<br />

• Nickel Allergie 1<br />

• Nahrungsmittelunverträglichkeit1<br />

• Gesichtserythem1<br />

• Lichtempfindlichkeit1<br />

• Keratosis pilaris 1<br />

0 – 6 Punkte Atopie unwahrscheinlich<br />

7 – 10 Punkte Atopie möglich<br />

> 10 Punkte Atopie wahrscheinlich<br />

Eine IgE Erhöhung ist nicht zwingend nötig<br />

zur Diagnose der AD: ist sie vorhanden,<br />

sprechen wir von einer extrinsischen AD<br />

(ca. 2 /3 aller Patienten), bei normalen IgE<br />

Werten von einer intrinsischen atopischen<br />

Dermatitis.<br />

Das klinische Bild der atopischen Dermatitis<br />

ist vielfältig, und umfasst je nach<br />

Altersgruppe andere Prädilek tionsstellen:<br />

Während im Säuglingsalter häufig Kopf<br />

und Stamm betroffen sind und die Beugen<br />

sowie Windelregion ausgespart werden,<br />

werden im Kindes- und Jugendalter vorwiegend<br />

beugenbetonte Ekzemherde gesehen<br />

(Hals, Ellenbeugen, Kniebeugen,<br />

aber auch Anogenitalregion). Im Erwachsenenalter<br />

wiederum sind vor allem<br />

Kopf / Hals sowie Schulterregion sowie die<br />

Hände von der AD betroffen. Aufgrund<br />

der speziellen Exposition im Kindesalter<br />

(z. B. Spielen im Sand) werden bei Kindern<br />

gerade im Sommer Knie- und Ellenbogen<br />

stärker belastet und zeigen dann die typische<br />

Sandbox-Dermatitis, ein mechanisch<br />

getriggertes Ekzem (oft im Rahmen der<br />

AD). Im Erwachsenenalter kommt es viel<br />

häufiger als bei Kindern zu den pruriginösen<br />

Ekzemformen mit Ausbildung von papulovesikulösen<br />

und knotigen, ev. hämorrhagisch-exulzerierten<br />

Herden, die<br />

maximal therapieresistent verlaufen können<br />

mit entsprechend hohem Leidensdruck.<br />

Das AD folgt einem phasenhaften, regelmässigem<br />

Verlauf der Ekzemreaktion<br />

und deren Erkennen ist entscheidend für<br />

die Wahl der galenischen Form der topischen<br />

Behandlung.<br />

Zu den akuten Stadien des Ekzems gehören<br />

das a) ini tiale Erythem, b) die vesikulös-bullös<br />

nässende Phase, sowie die c)<br />

eintrocknende, krustöse Phase. Bei länger<br />

anhaltender Entzündung kommen<br />

schliesslich die chronischen Ekzemstadien<br />

zur Ausprägung mit c) hyperkeratotischen,<br />

ev. rhagadiformen Bild bis zur e)<br />

lichenifizierten Phase. Die Einschätzung<br />

der Entzündungsphase (s. Abbildungen)<br />

ist wichtig zur Behandlung gemäss des<br />

dermatologischen Grundsatzes: nässende<br />

Läsionen feucht behandeln, trockene Läsionen<br />

fett behandeln!<br />

Prinzipiell baut sich die AD Behandlung<br />

stufenweise wie folgt auf:<br />

1. Basisbehandlung<br />

2. antientzündliche / antimikrobielle<br />

Lokaltherapie<br />

3. Lichttherapie<br />

4. Systemische Therapie<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 37


Perspektiven<br />

Abbildung 1. Klinische Ekzemstadien. a: Erythematöse Phase; b: Vesikulobullöse Phase; c: Krustöse Phase; d: Squamöse Phase; e: Lichenifizierte Phase.<br />

Basisbehandlung<br />

Die Behandlungsstufen schliessen sich<br />

nicht gegenseitig aus, können kombiniert<br />

werden, und aufgrund der rein morbostatischen<br />

Effekte der Behandlungen muss<br />

zwischen ihnen oftmals hin und her gewechselt<br />

werden bzw. müssen sie wiederholt<br />

angewandt werden. Nur die Basisbehandlung<br />

soll kontinuierlich durchgeführt<br />

werden! Das bedingt, dass sie sich<br />

gut anfühlen muss, wenn wir vom Patienten<br />

einfordern, dass er sie kontinuierlich<br />

durchführt – die Basistherapie muss also<br />

personalisiert werden! Die Beschreibung<br />

der spezifischen Pflegeprodukte sprengt<br />

den Rahmen dieses Reviews, und ist eine<br />

der Kernkompetenzen des dermatologisch<br />

tätigen Facharztes. Je nach individuellem<br />

Empfinden des Patienten und ev.<br />

vorliegender kontaktallergischer Komorbiditäten<br />

können Pflegeprodukte auf<br />

Harnstoffbasis, Glycerin-, Milchsäure-,<br />

Vaseline-, Ceramid oder andere Basis erfolgen.<br />

Für Harnstoff / Urea, einem natürlichen<br />

Bestandteil des natural moisturizing<br />

factors der Haut, liegen sehr gute Untersuchungsresultate<br />

hinsichtlich Reduktion<br />

des Wasserverlustes, der Trockenheit,<br />

Rötung und Juckreiz vor, und sogar das<br />

Hautmikrobiom soll sich unter Harnstoff<br />

weg von den prädominanten Staphylokokken<br />

hin zum normalisiertem, vielfältigerem<br />

Mikrobiom entwickeln. Häufig<br />

wird jedoch die Erfahrung gemacht, dass<br />

gerade im Kindesalter oder bei stark xerotischer<br />

Komponente Urea-haltige Produkte<br />

initial nicht gut vertragen werden (stinging<br />

effect), hier können andere Topika<br />

eingesetzt werden. Die wichtigste Erkenntnis<br />

jeder Basistherapie: mindestens<br />

1 x täglich durchführen, sich Zeit nehmen,<br />

und vor allem GENUG auftragen. Das<br />

heisst auch für uns Ärzte: GENUG verschreiben!<br />

Eine tägliche Ganzkörpertherapie<br />

bei einem erwachsenen Patienten<br />

bedingt, ein Rezept über ca. 300 gr / Woche<br />

zu verschreiben. Leider werden diese<br />

Mengen nur selten verschrieben, noch<br />

seltener von den Krankenkassen übernommen,<br />

und schliesslich auch leider von<br />

den Patienten nicht regelmäs sig angewandt.<br />

Dabei ist es erwiesen, dass die<br />

Basistherapie, eine angepasste Hygiene<br />

(nicht zu häufiges Duschen), der (zurückhaltende)<br />

Einsatz eines Syndet als Seifenersatz,<br />

sowie die Wahl wenig irritierender<br />

Kleidungsstücke (Seidenunterwäsche besser<br />

als Baumwolle, synthetische Stoffe<br />

oder gar Wolle) bereits dazu führen, dass<br />

häufig auf Kortikosteroide verzichtet werden<br />

kann. Darüber hinaus mehren sich<br />

Studienhinweise, dass die tägliche Ganzkörperbehandlung<br />

von Risikosäuglingen<br />

(Risiko für AD bei vorbelasteten Eltern)<br />

mit Ölbädern oder Öl in Wasser Emulsionen<br />

ab der 1. Lebenswoche im Sinne einer<br />

Primärprävention zu einer singifikanten<br />

Reduktion von Ekzemerkrankungen im<br />

späteren Leben führt.<br />

Antientzündliche / antimikrobielle<br />

Lokaltherapie<br />

Kommt es trotz sorgfältiger Basistherapie<br />

zu einem entzündlichen Schub (lokal oder<br />

generalisiert), so ist der Einsatz eines Klasse<br />

II-IV topischen Kortikosteroides (TCS)<br />

gerechtfertigt, wobei es ausserhalb des<br />

Gesichtsbereiches (Klasse II) in der Regel<br />

besser ist, kurz und heftig ein starkes Kortikosteroid<br />

einzusetzen, als überlang ein<br />

schwaches. Je nach Ekzemphase sollten<br />

als Galenik eine Lotion, Creme oder Salbe<br />

verwendet werden, Hersteller und Produkte<br />

gibt es unzählige, am besten arbeiten<br />

Grundver sorger mit einer kleinen Palette<br />

an Produkten, die sie gut kennen. Eine<br />

typische Verschreibung für einen Ekzemschub<br />

beim Erwachsenen bedingt<br />

eine ordentliche Menge an TCS: pro Prozent<br />

befallene und zu therapierende Haut<br />

muss pro Tag (bei Einmalanwendung) ca.<br />

0.2 g angewandt werden. Bei 40 % KOF Befall<br />

also 8 g / Tag, bei einer Dauer von 10<br />

Tagen Behandlung also ca. 80 g TCS. Nach<br />

einer Therapiedauer von typischerweise<br />

7 – 14 Tagen (täglich) kann eine proaktive<br />

Dauertherapie erfolgen für mindestens<br />

2 Monate mit 1 – 2 × / Woche topische Steroidanwendung<br />

auf die abgeheilten Herde.<br />

Unter dieser sekundärprophylaktischen<br />

Anwendung werden – v. a. bei sorgfältiger<br />

Basistherapie – weniger Rezidive,<br />

und über den längeren Verlauf gesamthaft<br />

weniger topische Steroide auf die Haut<br />

aufgetragen bei Patienten mit chronisch-rezidivierender,<br />

aktiver AD und reaktiver<br />

Steroidgabe. Die Steroidtherapie<br />

erfolgt zusätzlich zur Basistherapie, die<br />

Patienten müssen darauf aufmerksam gemacht<br />

werden, dass sie > 1 h / Tag für die<br />

Hautpflege aufwenden müssen. Bei<br />

Nicht-Beherrschen der (ausgedehnten)<br />

Entzündungsherde ist eine ambulante Betreuung<br />

mittels Tuchtherapie in vielen<br />

dermatologischen Zentren möglich und<br />

sinnvoll. Topische Calcineurininhibitoren<br />

(TCI) können TCS in vielen Situationen ersetzen,<br />

auch hier sollen fettigere Galeniken<br />

bevorzugt an trockenen Hautstellen<br />

eingesetzt werden. Bei nicht genügender<br />

Krankheitskontrolle kann auf TCS umgestiegen<br />

werden.<br />

Lichttherapie<br />

Falls die Basistherapie und die topische<br />

antientzündliche Therapie nicht zum gewünschten<br />

Erfolg führen, oder aufgrund<br />

der starken Ausprägung / Ausdehnung<br />

nicht mehr möglich sind, kann eine Kombination<br />

mit der Lichttherapie, in der Regel<br />

UVB311nm, bei einer Dermatologin<br />

oder am Spital eine deutliche Verbesserung<br />

des Hautzustandsbildes mit sich<br />

bringen. Zeitlich ist mit wöchentlich idealerweise<br />

3 Sitzungen (Aufenthaltsdauer<br />

beim Dermatologen kurz, ca. 2 – 5 Min.)<br />

über ca. 8 – 12 Wochen zu rechnen, eine Ferienunterbrechung<br />

ist möglich in Absprache<br />

mit dem behandelnden Dermatologen.<br />

Einen besonders grossen Stellenwert<br />

hat die Lichttherapie bei den Hand- /Fussekzemen,<br />

dort wird mit Erfolg v. a. die<br />

Hand- / Fuss-Bade-PUVA Therapie eingesetzt<br />

mit gleichem Rhythmus wie die<br />

UVB311nm Therapie. Rund 2 /3 der Patienten<br />

profitieren deutlich von der Lichttherapie<br />

mit oft längerer Wirkungsdauer als<br />

mit TCS. Auch hier ist die Basistherapie<br />

(mit-)entscheidend für den langanhaltenden<br />

Erfolg.<br />

38<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Systemische Therapien<br />

Bei den systemischen Therapien kommen<br />

immunsuppressive Medikamente wie Cyclosporin<br />

A (CsA), Methotrexat (MTX), Azathioprin<br />

(AZA), und ev. Mycophenolat<br />

Mofetil (MMF) zum Einsatz, wobei nur<br />

CsA in-label angewendet werden darf in<br />

der Schweiz, und dieses aufgrund der<br />

Nephrotoxizität auch nur für relativ kurze<br />

Zeitdauer von 6 bis höchstens 12 Monaten.<br />

Es wird initial eine Dosis von 3 – 5 mg / kg<br />

KG und danach ein rasches Reduzieren<br />

auf die minimal wirksame Dosis angestrebt<br />

unter regelmässiger Nieren-/Blutdruckparameter<br />

und vorherigem Ausschluss<br />

von chronischen Infektionserkrankungen.<br />

Das Ansprechen auf CsA ist<br />

in der Regel rasch, was von den Patienten<br />

mit mittelschwerer bis schwerer AD sehr<br />

geschätzt wird. Leider sind die Rezidive<br />

nach Absetzen sehr häufig. Für die off-label<br />

Einsätze von MTX, AZA, MMF gelten<br />

die in dividuellen Vorsichtsmassnahmen<br />

für die immunsup pressiven Therapien.<br />

Zusätzlich müssen diese Patienten einen<br />

konsequenten Sonnenschutz durchführen,<br />

da unter Immunsuppression allgemein,<br />

aber v. a. unter AZA, ein deutlich<br />

erhöhtes Hautkrebsrisiko besteht. Aktuell<br />

ist das erste Biologikum Dupilumab (Antikörper<br />

gegen IL4-Rezeptor-alpha-Untereinheit)<br />

in Europa für die mittelschwere /<br />

schwere AD zugelassen, das Zulassungsverfahren<br />

in der Schweiz ist am Laufen.<br />

Erste Erfahrungen sind gerade für schwere<br />

AD Formen sehr gut, und es bleibt zu<br />

hoffen, dass das Wissen um die immunologischen<br />

Prozesse bei der AD dazu führen<br />

werden, dass Dupilumab nur der erste<br />

Vertreter einer grösseren Gruppe neuer<br />

Therapeutika für diese schwer leidenden<br />

AD Patienten sein wird. Analog wie bei der<br />

schweren Psoriasis könnten Antikörpertherapien<br />

und small molecular compounds<br />

ein neues Zeitalter in der spezifischen<br />

immunologischen Therapie der AD<br />

einläuten. Aktuell sind entsprechend<br />

mehrere internationale Phase II und III<br />

Studien zur Therapie von AD in der<br />

Schweiz und weltweit am Laufen.<br />

Nach wie vor ist aber leider keine Heilung<br />

möglich, insbesondere auch nicht<br />

mit alternativen Heilmethoden oder teils<br />

unmöglichen Diätvorschriften. Im Gegenteil<br />

müssen schulmedizinisch tätige Ärztinnen<br />

und Ärzte darauf schauen, dass wir<br />

unsere AD Patienten vor unnützen, teuren<br />

Tests und sogar schädlichen Behandlungen<br />

schützen. Diesbezüglich ist m. E. eine<br />

ausführliche Schulung der Patienten bzgl.<br />

Therapiepläne sowie eine zeitlich regelmässige<br />

Kontrolle der AD Patienten beim<br />

Hautarzt viel effizienter als die vom Schweregrad<br />

abhängige rein situative Kontrolle.<br />

Damit wird die Arzt-Patientenbeziehung<br />

weggeführt von der Patienten- und Arzteinschätzung<br />

«das ist eine nicht-behandelbare,<br />

frustrierende Erkrankung» hin zur<br />

Einschätzung «die ärztlichen Therapiepläne<br />

und mein Verhalten beeinflussen die<br />

Erkrankung positiv», hin also zu einem<br />

eigentlichen Empowerment der Patienten<br />

mit AD.<br />

Kontaktekzem von allergischen<br />

und vom toxischen Typ, mit oder<br />

ohne Lichteinwirkung<br />

Kontaktekzeme treten auf nach Kontakt<br />

mit einer auslösenden Substanz, die meist<br />

direkt oder aerogen mit einer Haut- oder<br />

Schleimhautoberfläche in Berührung<br />

kommt. Ist die Substanz per se irritierend<br />

(z. B. starke Säuren / Basen, oder toxische<br />

Substanzen wie 5-FU oder andere), kommt<br />

es zu einer kontakttoxischen Schädigung<br />

ohne primäre Involvierung des Immunsystems.<br />

Diese Substanzen führen obligat<br />

bei allen Menschen zu einer kontakttoxischen<br />

Schädigung, ohne dass vorher<br />

eine Sensibilisierungsphase erfolgen<br />

muss; die Entzündung bleibt sehr strikte<br />

auf die Kontaktfläche beschränkt. Ist hingegen<br />

die Substanz nicht per se toxisch,<br />

kann je nach individueller T-Zell-Repertoire<br />

jedes Menschen die molekulare<br />

Struktur der Substanz als immunologisch<br />

«fremd» interpretiert werden und eine<br />

Stadiengerechte Behandlung angepasst von European Dermatology Forum<br />

EDF Guidelines 2018.<br />

Allergen Anteil der Sensibilisierungen in %<br />

Nickelsulfat 15,9<br />

Duftstoff-Mix 6,5<br />

Perubalsam 5,5<br />

Kobaltchlorid 5,1<br />

Methyisothiazolinon 4,5<br />

Duftstoff-Mix II 4,2<br />

Methylisothiazolinon 3,9<br />

Kaliumdichromat 3,7<br />

Kolophonium 3,4<br />

Propolis 3,1<br />

Thiuram Mix 2,6<br />

Wollwachsalkohole 2,2<br />

Tabelle 1. Häufigste kontaktallergisierende Substanzen 2016, DACH (Daten: IVDK, Informationsverbund<br />

dermatologischer Kliniken, aus Braun Falco 2018).<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 39


Perspektiven<br />

(zelluläre) Immunantwort induziert werden,<br />

eine sogenannte Typ IV Reaktion<br />

nach Coombs. Bei dieser kontaktallergischen<br />

Dermatitis bleibt typischerweise der<br />

Erstkontakt kurzfristig ohne Entzündung,<br />

erst bei Zweit- oder Mehrfachkontakt<br />

kommt es zur entzündlichen Reaktion, die<br />

dann klassischerweise auch über das eigentliche<br />

Kontaktfeld hinausreicht (Streuphänomen).<br />

Naturgemäss lässt sich eine<br />

Kontaktallergie nicht oder nur beschränkt<br />

voraussagen, eine kontakttoxische Reaktion<br />

ist jedoch voraussagbar und manchmal<br />

auch erwünscht (z. B. 5-FU Applikation<br />

zur Behandlung von aktinischen Keratosen).<br />

Einen Spezialfall stellen die photoallergischen<br />

oder phototoxischen Kontaktekzeme<br />

dar, bei welchen die jeweiligen<br />

Substanzen erst durch photobiologische<br />

/ -chemische Prozesse in allergisierende,<br />

bzw. toxische Substanzen umgewandelt<br />

werden.<br />

Wie auch die atopische Dermatitis<br />

durchlaufen Kontaktekzeme die typischen<br />

Stadien des a) Erythems, der b)<br />

vesikulös-bullös nässenden Phase, der c)<br />

krustösen und schliesslich c) hyperkeratotischen<br />

und d) rhagadiformen bis e) lichenifizierten<br />

Phasen. Je nach Aspekt unterscheiden<br />

wir deshalb das akute (a – c) vom<br />

chronischen (d – e) Kontaktekzem. Je nach<br />

Kontaktfläche können prinzipiell alle Körperregionen<br />

betroffen sein, wobei Hände,<br />

Kopf- und Gesichtshaut sowie die Anogenitalregion<br />

überhäufig betroffen sind.<br />

Kontakttoxische Ekzeme<br />

Akute irritative Ekzeme sind nicht selten<br />

Unfallereignisse (z. B. Säure- / Basenunfälle<br />

bei der Arbeit). In den meisten Fällen<br />

sind Hände betroffen. Die Therapie besteht<br />

in der sofortigen Entfernung der<br />

stark irritierenden Noxe durch langanhaltendes<br />

Abspülen mit Wasser und danach<br />

durch die phasengerechte topische antiphlogistische<br />

Behandlung. Häufiger sind<br />

aber die chronisch irritativen Kontaktekzeme<br />

oder kumulativ-toxischen Kontaktekzeme,<br />

bei denen subtoxisch wirksame<br />

Substanzen, z. B. überhäufiger Wasserund<br />

/ oder Seifenkontakt, Desinfektionsmittelgebrauch,<br />

Tenside, Öle, Zement und<br />

andere irritier ende Stoffe längerfristig die<br />

Haut schädigen; bevorzugt erkranken Personen<br />

aus Raumpflege-, Haushaltsberuf<br />

oder Friseure und Menschen aus dem Gesundheitswesen<br />

oder Bauindustrie an diesen<br />

Ekzemen. Allen diesen Ek zemen gemeinsam<br />

sind eine Überforderung der<br />

Haut- Pufferkapazität sowie eine chronische<br />

Schädigung des Wasserretentionsvermögens<br />

sowie des normalen Lipidfilmes<br />

der Haut. Kumulativ-toxische Handekzeme<br />

sind oft Berufsdermatosen, die jedoch<br />

bei entsprechender Aufklärung und<br />

Verhaltensanpassung eine recht gute Abheilung<br />

zeigen: Meiden der Kontakt noxe,<br />

Tragen von Schutzhandschuhen (bei bestehendem<br />

Handekzem nur naturlatexfreie<br />

Handschuhe), phasengerechte<br />

Entzündungsbehandlung und häufiges,<br />

regelmässiges Rückfetten. Trotz klinisch<br />

manchmal sehr rascher Retablierung eines<br />

normalen Hautbildes kann die Hautbarrierefunk<br />

tion über mehrere Wochen<br />

und Monate gestört sein, sodass Rezidive<br />

sehr häufig sind bei Reduktion der Hautpflege<br />

und erneuter (beruflicher) Exposition.<br />

Je nach Schweregrad ist die Betreuung<br />

in einer spezialisierten dermatologischen<br />

(Hand-) Ekzem-Berufssprechstunde<br />

sinnvoll, da oftmals längere<br />

Arbeitsunfähigkeiten aus den Ekzemen<br />

resultieren, und sich im Verlauf auf der<br />

chronisch-irritativen Schädigung ein allergisches<br />

Ekzem aufpfropfen kann, das<br />

durch entsprechende Tests gesucht werden<br />

muss.<br />

Kontaktallergische Ekzeme<br />

Für ein kontaktallergisches Ekzem braucht<br />

es eine ini tiale Sensibilisierungsphase, in<br />

welcher das Immunsystem spezifische<br />

T-Zellen aktiviert gegen eine nicht notwendigerweise<br />

toxische Substanz. Eine<br />

Vorschädigung der Haut, z. B. durch ein<br />

irritatives Kontaktekzem oder aber auch<br />

durch eine atopische Dermatitis, kann die<br />

Penetration solcher Substanzen durch die<br />

ansonsten sehr dichte und selektiv-permeable<br />

Epidermisbarriere erleichtern,<br />

weshalb irritativ-toxische und kontaktallergische<br />

Ekzem überhäufig kombiniert<br />

auftreten und dann die Unterscheidung<br />

nicht immer einfach fällt. Nach der Sensibilisierung<br />

werden beim erneuten Kontakt<br />

mit der Substanz die spezifischen memory<br />

T-Zellen aktiviert und induzieren in<br />

der Haut nach minimal 4 – 8 h, eher aber<br />

innert 24 – 48 h nach Kontakt eine ekzematöse<br />

Kaskade mit dem typischen metachronen<br />

Ablauf. Da sich hier immunologische,<br />

und nicht toxisch-entzündliche<br />

Reaktionen abspielen, ist die Reaktion<br />

nicht unbedingt strikt auf die Kontaktstelle<br />

limitiert: kontaktallergische Ekzeme<br />

neigen somit zur sogenannten Streuung.<br />

Anders als bei der Typ-I-Allergie (allergische<br />

Rhinokonjunktivitis, Bienen- / Wespenallergie)<br />

ist bei dieser Typ IV Reaktion<br />

leider keine Desensibilisierung zu erreichen<br />

durch nachträgliche z. B. perorale<br />

Antigenexposition. Allerdings scheinen<br />

vorgängige perorale Allergenexpositionen<br />

einen präventiven Effekt auf spätere Kontaktallergien<br />

zu besitzen (z. B. nickelhaltige<br />

Zahnspangen und spätere seltenere<br />

Nickelallergien). Interessant ist in diesem<br />

Zusammenhang auch, dass Patienten mit<br />

Nickel-kontaktallergischen Handekzemen<br />

unter fortgesetztem Zigarettenabusus<br />

(mit Nickelkontamination) einen deutlich<br />

schlechteren Verlauf zeigen als Nichtraucher.<br />

Kontaktallergien sind häufige Konsultationsgründe<br />

bei den Dermatologen, die<br />

Prävalenz von Kontaktsensibilisierungen<br />

wird auf > 20 % der Erwachsenen geschätzt,<br />

und eigentliche kontaktallergische<br />

Ekzeme machen ca. 2 – 4 % aller Konsultationen<br />

in einer dermatologischen<br />

Keratolyse Salicylsäure Lotio decapans®<br />

Magistralrezeptur 3 – 5 % in Olivenöl<br />

Antientzündliche Behandlungen<br />

Antimykotische Behandlung<br />

Zinkpyrithion-haltige Externa<br />

Calcineurin topisch (off label)<br />

Selendisulfid<br />

Lithiumsuccinat / Zinksulfat<br />

Zinkpyrithion topisch<br />

Azolderivate topisch<br />

Squa-Med®, Sebo Shampoo®,<br />

Elidel®<br />

Ektoselen®, Selsun®<br />

Efalith®<br />

Squa-Med®<br />

Meto-med®, Ketozol-Mepha®, Lur®,<br />

Nizoral®, Terzolin®<br />

Tabelle 2. Keratolytische Therapiestrategien, besonders bei Pityriasis capitis.<br />

40<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

Nässende<br />

entzündliche<br />

Dermatosen<br />

flüssig<br />

z.B alkoholische oder wässrige Eosin<br />

0.5 – 2 % Lösung, Tannosynt Bäder<br />

Betadine Sitzbäder, Schwarzteeumschläge<br />

Intertriginöse<br />

trockene<br />

Dermatosen<br />

Schüttelmixtur<br />

(Lotion)<br />

fest<br />

Hydrogel<br />

Emulsion<br />

Crème<br />

Salbe<br />

fett<br />

trockene<br />

entzündliche<br />

Dermatosen<br />

Puder<br />

z. B. Talkum, Zinkoxid<br />

Fettsalbe<br />

z. B. Fette, Öle, Wachse<br />

Grafik. Ekzemstadiengerechte Galenikwahl gemäss «dermatologischem Dreieck».<br />

Praxis aus. Erfreulicherweise hat der<br />

Rückgang von Nickelgehalt in täglichen<br />

Bedarfsgegenständen oder Schmuckstücken<br />

dazu geführt, dass die Nickelkontaktallergieproblematik<br />

in den letzten<br />

Jahren regredient war in der Gesamtbevölkerung.<br />

Die Hitliste der häufigsten sensibilisierenden<br />

Substanzen ändern sich mit der<br />

Zeit, weil durch die Erfassung der Substanzen<br />

und deren ev. Sperrung im Einsatz von<br />

Körperpflegeprodukten die Expositionsfrequenzen<br />

sich ändern können. So sinkt<br />

z. B. die Kontaktallergiefrequenz auf Dibromdicyanobutan<br />

seit dessen Einsatzverbot<br />

in Kosmetika in Europa deutlich ab.<br />

Waschmittel werden u. E. als Kontaktallergiequelle<br />

überschätzt, aber Kleidungsstücke<br />

können sehr wohl, gerade bei<br />

engem Anliegen, als Allergiequelle in Frage<br />

kommen. Hier sind neben den bekannten<br />

Jeans-Nickelknöpfen auch Farbstoffe,<br />

Gummihilfstoffe, Chromate in dunklen<br />

(Leder-)Kleidungsstücken oder in Lederschuhen<br />

zu erwähnen. Im Schmuckbereich<br />

sind neben dem nickel- haltigen<br />

Modeschmuck auch Kobalt, Palladium<br />

oder Gold als Allergen möglich – teurer<br />

Schmuck schützt also nicht immer vor<br />

Kontaktallergien. Im tieferen Preissegment<br />

sind v. a. dunkle Henna-Tätowierungen,<br />

die neben Kaffeefärbstoffen, Urin<br />

und andere Färbstoffen häufig das hochallergene<br />

para-Phenylendiamin (PPD) enthalten,<br />

als Temptoos (passagere Schmucktätowierungen)<br />

relativ häufige Kontaktallergene<br />

in der dermatologischen Praxis,<br />

v. a. nach Ferienaufenthalten. PPD ist<br />

auch eines der häufigsten Kontaktallergene<br />

im Haarfärbebereich, PPD-freie Dunkelfärbungen<br />

sind immer noch in der<br />

Minderzahl im Einsatz. Entsprechend leiden<br />

Berufstätige in Haarpflegeberufen<br />

sehr oft unter Berufsallergien.<br />

Pflanzen können stark allergisierende<br />

Substanzen enthalten, am bekanntesten<br />

und häufigsten sind der Giftefeu (poison<br />

ivy) oder Giftsumach (poison sumach).<br />

Aber auch Ringelblumen, Mutterkraut,<br />

Tulpen, Primeln oder Hyazinthen enthalten<br />

relativ häufige Kontaktallergene, die<br />

gerade im Gärtnerarbeitsbereich als Ursache<br />

neben einer möglichen irritativ-toxischen<br />

Ekzemursache in Betracht gezogen<br />

werden müssen. Primin, eine Benzochinonverbindung<br />

in der Primel, ist ein<br />

derart starkes Kontaktallergen, dass es<br />

auch in flüchtiger Form bei einem Sensibilisierten,<br />

der in ein Zimmer tritt, in welchem<br />

sich eine entsprechende Pflanze befindet,<br />

nach wenigen Stunden eine akute<br />

Kontaktdermatitis auslösen kann. Auch<br />

Pflanzen- oder Naturprodukte wie Teebaumöle,<br />

Arnika, Propolis (von Bienen),<br />

Perubalsam und andere Stoffe können als<br />

häufig eingesetzte Aromaduftstoffe gerade<br />

in Naturheilprodukten eingesetzt eine<br />

relevante Quelle für Kontaktal lergien darstellen,<br />

die anamnestisch unbedingt erfragt<br />

werden muss.<br />

Methylisothiazolinon ist in vielen<br />

Feuchttüchern für die perianale Hygiene<br />

enthalten, die gerade bei Patienten mit<br />

chronischer Diarrhoe häufig eingesetzt<br />

werden; neben einer kumulativ toxischen<br />

Perianaldermatitis ist deshalb an eine ev.<br />

aufgepfropftes kontaktallergisches Analekzem<br />

zu denken in dieser Situation. Da<br />

Wollwachsalkohol oder Amerchol häufige<br />

Grundlagen von Cremen und Salben darstellen,<br />

und andere wichtige Kontaktallergene<br />

wie Bufexamac, Neomycin, Benzocain,<br />

Cinchocain, Imidazol häufig in Externaapplikationen<br />

verordnet werden,<br />

sind auch iatrogen unterhaltene Kontaktallergien<br />

zu evaluieren bei hartnäckigem<br />

Verlauf! Gerade für Bufexamac (Par-<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 41


Perspektiven<br />

fenac®) sehen wir häufig eine ärztlich verschriebene<br />

Anwendung bei Analekzemen,<br />

obwohl vor der Analregionanwendung<br />

explizit im Compendium gewarnt wird.<br />

Aufgrund der Vielzahl der auslösenden<br />

Substanzen sowie der nicht selten lückenhaften<br />

oder unklaren Patientenanamnese<br />

und der versteckten Verbreitung<br />

der Allergene ist die Diagnose der<br />

Kontaktallergie oftmals eine Detektiv-Arbeit,<br />

die stark auf einer möglichst vollständigen<br />

Anamnese (Beruf, Freizeit, Umgebungskontakte,<br />

je nach Lokalisation<br />

auch Sexualanamnese, Reinigungsgewohnheiten)<br />

beruht, deren Erhebung in<br />

keiner Weise in Berset-gerechter Zeitspanne<br />

erfasst werden kann, Kontaktallergiepatienten<br />

sind keine 20-Minuten-Patienten.<br />

Neben der Anamnese ist der Epikutantest<br />

das wichtigste Werkzeug der<br />

Dermatologin, dessen korrekte Durchführung,<br />

insbesondere auch die Austestung<br />

von Eigensubstanzen, ein grosses Know-<br />

How voraussetzt, welches oft nur an den<br />

dermatologischen Kliniken vorhanden ist.<br />

Bei diesem kontrollierten Provokationstest<br />

muss insbesondere auch eine irritative<br />

von einer allergischen Reaktion unterschieden<br />

werden. Nicht alle vermuteten<br />

Kontaktallergien lassen sich auf diese<br />

Weise feststellen, für die Proteinkontaktdermatitis<br />

(z. B. bei Bäckerlehre) müssen<br />

andere Testsets durchgeführt werden.<br />

Grundsätzlich sollte aber ein Epikutantest<br />

zur Suche einer Kontaktallergie bei therapieresistentem<br />

Ekzem unklarer Genese<br />

unbedingt durchgeführt werden. Für die<br />

Patienten ist es wichtig zu wissen, dass die<br />

Testung mehrere Tage innerhalb einer<br />

Woche beansprucht, an denen sie im Testzentrum<br />

ambulant untersucht werden.<br />

Als einfacher, aber deutlich weniger aussagekräftiger<br />

Alltagstest ist der sogenannte<br />

ROAT nützlich (repeated open application<br />

test), in welchem eine Substanz 1 – 2 ×<br />

täglich für ca. eine Woche an einer bestimmten<br />

Stelle, z. B. Unterarm, aufgetragen<br />

wird. Der Test kann v. a. nützlich sein<br />

zur groben Abschätzung, ob eine neu verordnete<br />

Externabehandlung vertragen<br />

wird. Eine mittels Epikutantest bestätigte<br />

Kontaktallergie muss in einem Allergiepass<br />

hinterlegt sein, dessen Abgabe mit<br />

einem Aufklärungsgespräch verbunden<br />

sein soll und welcher der Patientin helfen<br />

soll, den kontaktallergischen Substanzen<br />

auszuweichen in Beruf und täglichem Leben.<br />

Die Besprechung berufsallergologischer<br />

und versicherungstechnischer Fragen<br />

sprengt den Rahmen dieses Kurzreviews<br />

über Ekzeme. Die Beratung betroffener<br />

Patienten in dieser Beziehung ist<br />

jedoch die Hauptaufgabe der Berufssprechstunden<br />

in dermatologischen Zentren.<br />

Seborrhoisches Ekzem<br />

Das seborrhoische Ekzem ist in der milden<br />

Ausprägung derart häufig, dass es von vielen<br />

Dermatologen als eine Normvariante<br />

der Haut angeschaut wird; diese Haltung<br />

wird sicher auch dadurch unterstützt,<br />

dass es keine eigent liche Heilung (aber<br />

durchaus Therapeutika mit passagerer<br />

Wirksamkeit) gibt. Bei ca. 3 – 5 % der Bevölkerung<br />

ist jedoch das seborrhoische<br />

Ekzem derart ausgeprägt, dass eine Behandlung<br />

gewünscht wird. Den ersten Alterspeak<br />

sehen wir im Säuglingsalter in<br />

den ersten drei Monaten im Rahmen der<br />

Hormonumstellung nach der Geburt (mit<br />

guter Prognose), einen zweiten bei Erwachsenen<br />

im jungen und mittleren Alter<br />

(20- bis 40-jährige). Unter Immunsuppression,<br />

iatrogen oder bei einer<br />

HIV / AIDS-Erkrankung, beobachten wir<br />

nicht selten eine Verschlechterung des<br />

Ekzems. Diese Assoziation ist wichtig,<br />

und bei einer schweren Form von seborrhoischem<br />

Ekzem sollte an die Möglichkeit<br />

einer HIV Infektion gedacht werden. Pathogenetisch<br />

ist die Krankheit nicht gut<br />

verstanden, aber eine Talgdrüsenfunktionsdys<br />

balance wird diskutiert, da das<br />

Ekzem typischerweise im Kopfhaar- / Gesichtsbereich<br />

sowie in der oberen Thoraxapertur<br />

und in anderen stärker behaarten<br />

Arealen auftritt; die Assoziation mit lipophilen<br />

Hefepilzerregern (v. a. Candida und<br />

Malassezia) unterstützt diese Ansicht.<br />

Klinisch unterscheidet sich das seborrhoische<br />

Ekzem von den anderen Ekzemformen,<br />

in dem es nur äusserst selten<br />

eine akut-exsudative Phase durchläuft<br />

(praktisch nur bei der disseminierten, erythrodermatischen<br />

Form oder bei falscher,<br />

okklusiver Behandlung). Viel häufiger<br />

und klassischerweise auftretend ist die<br />

kleinschuppige, gelblich belegte trocken-fettige<br />

Form der Hautentzündung<br />

insbesondere in der paranasalen Gesichtsmitte,<br />

den seitlichen Halsregionen, im<br />

oberen Brust- und Rückenbereich, Mamillen<br />

sowie im Anogenitalbereich (s. Abbildung<br />

2). Die Diagnose bereitet bei der typischen<br />

Ausprägung wenig Schwierigkeiten,<br />

allerdings kann die Unterscheidung<br />

zu einer nicht-pustulösen ekzematösen<br />

Rosazea im Gesichtsbereich schwerfallen.<br />

Auch eine stark schuppende Variante gerade<br />

im Kopfhaarbereich kann differentialdiagnostisch<br />

an eine Psoriasis capillitii<br />

Abbildung 2. Seborrhoisches Ekzem.<br />

denken lassen – tatsächlich können diese<br />

Krankheiten überlappend auftreten, was<br />

auch als Seborrhiasis bezeichnet wird. Die<br />

Untersuchung des Restintegumentes, die<br />

histologische Aufarbeitung eines Herdes,<br />

sowie ev. die Angabe von Gelenksschmerzen<br />

helfen zur Unterscheidung der beiden<br />

Erkrankungen.<br />

Therapeutisch ist zu beachten, dass<br />

das seborrhoische Ekzem eine sogenannt<br />

köbnerisierbare, also durch Hautreizung<br />

verstärkt auftretende Dermatose ist. Die<br />

Wahl falscher, zu okklusiver oder reizender<br />

Externa kann kon traproduktiv sein.<br />

Bewährt haben sich keratolytische, antientzündliche<br />

und antimikrobiell wirksame<br />

Topika in geeigneter Kombination. Die<br />

Keratolyse/-stase kann mit Shampoos<br />

/ Waschlösungen mit Zinkpyrithion,<br />

Selendisulfid oder Salizylsäure erfolgen,<br />

wobei Zinkpyrithion und Selendisulfid zusätzlich<br />

noch eine antientzündliche und<br />

antimikrobielle bzw. sebostatische Wirkung<br />

entfalten und deshalb auch gerne<br />

längerfristig angewandt werden. Die antientzündliche<br />

Phase nach der Keratolyse<br />

soll nicht mit topischen Steroiden durchgeführt<br />

werden, die kurzfristig zwar lindernd<br />

wirken können, aber im weiteren<br />

Verlauf oftmals zu einem noch stärkeren<br />

Ekzemschub führen. Trotz des off-label<br />

Einsatzes sind u. E. die topischen Calcineurininhibitoren<br />

(insbesondere Pimecrolimus-haltige<br />

Externa) besser zur<br />

Entzündungsreduktion geeignet; die Patienten<br />

sollen darauf auf die Selbstkostenübernahme<br />

hingewiesen werden. Parallel<br />

zur antientzündlichen Therapie erfolgt<br />

42<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


Perspektiven<br />

eine antimykotische topische Therapie<br />

mit Azol-haltigen Lotionen und Cremen,<br />

im Anogenitalbereich auch Cremepasten.<br />

Eine systemische Behandlung mit<br />

Itraconazol über 1 – 2 Wochen kann in<br />

Kombination mit einer topischen antientzündlichen<br />

Behandlung rasche Besserung<br />

bringen, die durch Weiterführung der antimykotischen<br />

topischen Behandlung unterstützt<br />

werden soll. Bei ausgeprägter<br />

Seborrhoe ist auch eine Niedrigdosisgabe<br />

(5 – 20 mg / Tag) von Isotretinoin unter den<br />

bekannten Kautelen oft längerfristig sehr<br />

erfolgreich.<br />

Das seborrhoische Ekzem beim Neugeborenen<br />

ist v. a. während der Phase zu<br />

beobachten, in welcher die residuellen<br />

mütterlichen Hormone die infantilen<br />

Talgdrüsen stimuliert und zu einer passageren<br />

Seborrhoe führen kann. Sie ist typischerweise<br />

auf die ersten drei Lebensmonate<br />

beschränkt, kann aber auch über die<br />

Phase aktiv sein. Der Gneis ist die als<br />

Milchschorf bezeichnete fettig dicke<br />

gelbliche Schuppung v. a. im vorderen<br />

Fontanellenbereich. Durch eine Okklusion<br />

durch Kleidung und fettige Externa<br />

kann dieser, aber auch die seborrhoischen<br />

Ekzemherde im Windelbereich, stark exsudativ<br />

aktiviert werden, und selten in eine<br />

seborrhoische desquamative Erythrodermie<br />

übergehen. Gerade die anogenitalen<br />

und inguinalen ekzematösen Herde,<br />

manchmal mit Beteiligung der retroaurikulären<br />

Zonen, sollten bei zusätzlicher<br />

Gedeihstörung an die differentialdiagnostische<br />

Möglichkeit der Histiozytose denken<br />

lassen – die Biopsie kann hier Klarheit<br />

schaffen.<br />

Therapeutisch sollen Windeln / Kleidung<br />

häufig gewechselt werden, gerade<br />

bei warmer Witterung. Kopfhautschuppen<br />

bei Termingeborenen können in<br />

1 × / Tag maximal 2 % Salizylat / Olivenöllösung<br />

oder in 1 × / Tag maximal 1 % Salizylat<br />

/ Salbengrundlage über maximal drei<br />

Tage abgelöst werden – höhere Applikationsdosen<br />

/ Frequenzen sind wegen der<br />

Nierenunreife und der Gefahr eines Salizylismus<br />

bei Neugeborenen und v. a. Frühgeburten<br />

gefährlich. Ketoconazol-haltige<br />

Cremen sind gemäss den Herstellern bei<br />

Säuglingen nicht untersucht worden und<br />

deshalb wegen der un klaren möglichen<br />

Absorption nicht empfohlen. Trotzdem<br />

werden sie nicht selten eingesetzt für kurze<br />

Zeit (z. B. 3 x / Woche über zwei Wochen,<br />

off label). Hartnäckige oder schwere Ekzemvarianten<br />

sollen durch eine pädiatrisch-dermatologisch<br />

erfahrene Ärztin<br />

beurteilt werden.<br />

Nummulär-mikrobielles Ekzem<br />

Diese Ekzemform des Erwachsenen zeichnet<br />

sich durch eine münzartig runde Ausprägung<br />

mit Prädilektion der Extremitäten<br />

aus, die dem Ekzem den Namen gaben.<br />

Der Zusatz «mikrobiell» wird manchmal<br />

weggelassen (nummuläres Ekzem),<br />

aber ein Staphylokokken / Streptokokken-Bakteriennachweis<br />

gelingt oft. Die<br />

Ursache dieser oft exsudativen Dermatose<br />

bleibt aber nach wie vor unbekannt, eine<br />

Sensibilisierung auf Bakterienantigene<br />

konnte bisher nicht nachgewiesen werden.<br />

Patienten mit atopischem Ekzem<br />

können auch nummuläre Herde aufweisen,<br />

aber das nummulär-mikrobielle Ekzem<br />

kann auch unabhhängig von einer<br />

atopischen Diathese auftreten. Beginn<br />

und stärkere Ausprägung sind oft im Unterschenkelbereich,<br />

insbesondere auf<br />

dem Boden einer Xerosis cutis, danach<br />

kann die Erkrankung gerne streuen auf<br />

Stamm und insbesondere obere Extremitäten<br />

(s. Abbildung 3). Differentialdiagnostisch<br />

muss an eine Mykose mit möglicher<br />

Dissemination, eine Kontaktallergie<br />

(mit entsprechender Anamnese) sowie an<br />

eine Parapsoriasis en plaques gedacht<br />

werden, wobei bei dieser keine Vesikel<br />

/ exsudative Phase zu beobachten ist.<br />

Obwohl die Pathogenese unbekannt<br />

bleibt, kann die Suche nach einem Infektfokus<br />

manchmal Resultate bringen: Nasalbesiedelung,<br />

ev. Zahnapparat, Tonsillen,<br />

Lungen, selten Prostata.<br />

Therapeutisch ist nach den Grundsätzen<br />

der Ekzemstadientherapie vorzugehen,<br />

in der exsudativen Phase sind somit<br />

fett-feuchte Verbände oftmals rasch lindernde<br />

Therapien gerade bei stark pruriginösen<br />

Herden. Neben der ev. Herdsanierungen<br />

(insbesondere nasal) können phlebologische<br />

Massnahmen (Kompression)<br />

im Unterschenkelbereich mit konsequenter<br />

täglich mehrfacher Rückfettung einem<br />

Rezidiv den Boden entziehen.<br />

Zusammenfassend gehören Ekzeme<br />

zu den häufigsten Konsultationsgründen<br />

Abbildung 3. Nummulär-mikrobielles Ekzem.<br />

einer dermatologischen Sprechstunde,<br />

die Ursachensuche ist eine medizinische<br />

Herausforderung erster Güte mit potentiell<br />

grossen persönlichen und sozialen<br />

Kosten bei drohender Arbeitsunfähigkeit.<br />

Der Leidensdruck kann unerhört gross<br />

sein, und es ist eine wichtige, aber auch<br />

oft befriedigende Aufgabe der dermatologisch<br />

tätigen Ärztin, die Patienten mit<br />

einer stadiengerechten Ekzemtherapie<br />

kompetent zu beraten.<br />

Literatur beim Verfasser<br />

Prof. Dr. Dr. Antonio Cozzio<br />

Chefarzt / Klinikleitung<br />

Klinik für Dermatologie, Venerologie und<br />

Allergologie Kantonsspital St. Gallen<br />

Rorschacher Strasse 95<br />

9000 St. Gallen<br />

antonio.cozzio@kssg.ch<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 43


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Perspektiven<br />

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Rebecca Meier, Physiotherapeutin Bern<br />

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Uplift ist eine Organisation, die<br />

sich in Kirgistan um Kinder<br />

in Heimen kümmert. Kinder<br />

landen aus verschiedensten<br />

Gründen im Heim: Wegen einer Behinderung,<br />

weil die Mütter alleinerziehend<br />

und/oder minderjährig sind usw. 94 Prozent<br />

von ihnen sind denn auch Sozialwaisen.<br />

Welche Beeinträchtigungen auch<br />

immer diese Kinder haben, ob richtig<br />

diagnostiziert oder nicht, es mangelt<br />

ihnen vor allem an körperlichem und<br />

emotionalem Kontakt. Die in den ersten<br />

Lebensjahren entscheidende Zuwendung<br />

und Liebe fehlt, so dass Entwicklungsstörungen<br />

oder -verzögerung die Regel<br />

und nicht die Ausnahme sind.<br />

Ich bin Physiotherapeutin mit ein<br />

paar Jahren Berufserfahrung, zwar nicht<br />

in der Pädiatrie, aber ich wollte schon<br />

immer mit Kindern arbeiten. Vor allem<br />

jedoch bin ich flexibel in Bezug auf meine<br />

Tätigkeit vor Ort, aber auch hinsichtlich<br />

der Lebensumstände in einer fremden<br />

Umgebung. So kam es, dass ich nach dem<br />

ersten Skype-Kontakt mit der Mitbegründerin<br />

von Uplift kurzentschlossen nach<br />

Kirgistan reiste, um in einem Waisenhaus<br />

Physiotherapie und Feldenkrais für<br />

betroffene Kinder anzubieten und das<br />

Personal weiterzubilden.<br />

Mit einer kirgisischen SIM-Karte<br />

ausgerüstet und mehreren Telefonnummern<br />

einheimischer Mitarbeiterinnen<br />

von Uplift für den 24-Std.-Support für<br />

Übersetzungen und Organisation fühlte<br />

ich mich sicher genug, um in die Provinz<br />

zu reisen. In eine Region Kirgistans, die<br />

nicht so fortschrittlich ist wie die Hauptstadt<br />

Bischkek und in der Uplift selber<br />

noch nicht wirklich Fuss gefasst hatte.<br />

Zwei Monate hatten wir Zeit, um die<br />

Heimleitung und die Mitarbeiter davon<br />

zu überzeugen, dass regelmässige Therapien<br />

den Zustand der Kinder verbessern.<br />

Denn je weniger behindert die Kinder<br />

aussehen, d.h., wenn sie nur schon laufen<br />

können, besteht die Wahrscheinlichkeit,<br />

dass sie adoptiert werden. Was im Sinne<br />

aller Betroffenen wäre. Wir bekamen eine<br />

Dolmetscherin zur Seite gestellt und<br />

fingen sofort mit unseren Einzel- und<br />

Gruppentherapien an. Weil es sich<br />

schnell rumsprach, dass zwei ausländische<br />

Therapeutinnen im Heim arbeiten,<br />

kamen auch Familien aus umliegenden<br />

Dörfern mit ihren Kindern zur Beratung<br />

oder direkt zur Therapie. Ich lernte so gut<br />

es ging Kirgisisch, um mich mit den Kindern,<br />

den Mitarbeitern, aber auch mit<br />

den Menschen ausserhalb des Heims<br />

unterhalten zu können.<br />

Unsere Patienten waren sehr motiviert,<br />

die Mitarbeiter teilweise. Letztere –<br />

das wurde sehr schnell klar – waren vor<br />

allem unwissend. «Wieso können diese<br />

Kinder nicht laufen? Sie haben ja Beine»,<br />

bekamen wir oft zu hören. Und dass diese<br />

Kinder vom Teufel besessen und ansteckend<br />

seien. Folglich waren Aufklärung<br />

und Wissensvermittlung ein wichtiger Teil<br />

unserer Arbeit. Höflich, aber bestimmt,<br />

teilweise fordernd und vor allem repetitiv<br />

haben wir einiges erreichen können, so<br />

die Montage einer Sprossenwand. Aber<br />

auch ein Umdenken bei einem Teil der<br />

Mitarbeiter in Bezug auf die Lagerung und<br />

das Füttern der Kinder, das Erkennen der<br />

Ressourcen der Kinder, ihrer Motivation<br />

und Lernbegeisterung. Ungefähr vier<br />

Monate nach meinem Aufenthalt habe ich<br />

erfahren, dass man am Projekt festhalten<br />

möchte und weitere therapeutische Angebote<br />

prüft, da die Resultate nachhaltig<br />

sichtbar sind. Um Konstanz zu gewährleisten,<br />

hat Uplift eine Schulung für einheimische<br />

Therapeuten, Heimmitarbeiter,<br />

Uplift-Mütter und betroffene Eltern ins<br />

Leben gerufen. Ich durfte mithelfen, den<br />

Inhalt der Schulung zu gestalten, war<br />

beim ersten Kurs 2019 als Instruktorin<br />

dabei und werde voraussichtlich im Mai<br />

<strong>2022</strong> zu Beginn des zweiten Kurses wieder<br />

nach Kirgistan fahren.<br />

Weder ansteckend noch vom Teufel besessen,<br />

sondern massiv vernachlässigt und stigmatisiert:<br />

Kinder in kirgisischen Waisenhäusern<br />

lernen dank Physiotherapie stehen und gehen.<br />

Uplift<br />

Die Organisation Uplift versucht seit<br />

25 Jahren, auf verschiedenen Wegen das<br />

Leben der Heimkinder in Kirgistan zu<br />

verbessern, aber auch prophylaktisch<br />

zu wirken. Dazu gehört Aufklärung der<br />

Eltern schon vor der Geburt, medizinische<br />

Hilfe, Vorsorgeuntersuchungen,<br />

finanzielle Unterstützung, z.B. Einbezug<br />

lokaler Mitarbeiterinnen, die sich<br />

um die Kinder kümmern und so einen<br />

Zusatzverdienst erzielen. Ärztinnen<br />

und Ärzte, die einen Einsatz leisten<br />

wollen, sind höchst willkommen.<br />

Informationen unter:<br />

www.uplift-aufwind.org<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 45


mediservice<br />

Kochen<br />

für Gaumen und<br />

Gesundheit<br />

Weil Gesundheit und Genuss eng miteinander verbunden sind,<br />

ist es naheliegend, dass die Gesundheitsorganisation SWICA<br />

mit der Schweizer Kochnationalmannschaft als Vertreterin von<br />

Gaumenfreuden und Kochkunst zusammenarbeitet.<br />

Martina Novak, Fachspezialistin SWICA Unternehmenskommunikation<br />

46<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


mediservice<br />

Bild: zvg<br />

Wussten Sie, dass es auch in<br />

der Disziplin Kochen eine<br />

Schweizer Nationalmannschaft<br />

und eine Junioren-Nationalmannschaft<br />

gibt? Sie besteht<br />

aus Kochtalenten aus dem ganzen Land –<br />

aus zehn Mitgliedern in der «erwachsenen»<br />

Kochnationalmannschaft und acht<br />

Mitgliedern in der Junioren-Kochnationalmannschaft.<br />

Diese «Kochnati» trägt<br />

den gastronomischen Namen der Schweiz<br />

in die Welt hinaus und beweist auch im Inland<br />

ihr Können. «Mit der Gründung der<br />

Kochnationalmannschaft und der Junioren-Kochnationalmannschaft<br />

bezweckte<br />

der Schweizer Kochverband, das Ansehen<br />

des Kochberufs national und international<br />

zu fördern», erklärt Reto Walther, Geschäftsführer<br />

Schweizer Kochverband.<br />

Viele renommierte Auszeichnungen<br />

wurden seither eingeheimst. Zum Beispiel<br />

an der Kocholympiade 2020 in Stuttgart<br />

mit mehr als 2000 Köchen aus 70 Ländern:<br />

Da holte sich die Schweizer Juniorenmannschaft<br />

in der Gesamtwertung Bronze.<br />

Wer Teil einer Kochnationalmannschaft<br />

werden will, muss sich bewähren<br />

und wird erst nach einem Auswahlverfahren<br />

und nach einer Probezeit definitiv ins<br />

Team aufgenommen. Die Mitglieder sind<br />

alles in der Gastronomie tätige Fachleute<br />

und bringen oft zwei verschiedene Ausbildungen<br />

mit, als Koch und als Konditor.<br />

Mit viel Leidenschaft fürs Handwerk<br />

Aktuell bereiten sich die Kochnationalmannschaften<br />

auf die Weltmeisterschaften,<br />

den Culinary World Cup <strong>2022</strong> vor, die<br />

im nächsten November in Luxemburg<br />

stattfinden. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit<br />

in namhaften Betrieben engagieren<br />

sich die Teammitglieder in der Freizeit.<br />

Sie müssen zahlreiche Trainingseinheiten<br />

und Testläufe absolvieren, damit am Tag<br />

X die Teams gut harmonieren und jeder<br />

Handgriff sitzt. Die Trainings finden alle<br />

sechs Wochen während mehrerer Tage<br />

statt. Dabei entwickeln die Köchinnen<br />

und Köche Menüs für die Wettbewerbe,<br />

nach Vorgaben wie beispielsweise die Anzahl<br />

Gänge oder Anzahl Gäste. Präzision<br />

ist wie in anderen Berufen oberstes Gebot,<br />

damit das Resultat höchsten Ansprüchen<br />

gerecht wird.<br />

Ausser Herzblut und kulinarischem<br />

Können der Teilnehmer braucht die Vorbereitung<br />

auf Grossanlässe auch Finanzhilfe.<br />

Seit 2013 unterstützt SWICA als<br />

Hauptsponsor die Schweizer Kochnationalmannschaft<br />

und das Juniorenteam.<br />

«Für SWICA als Gesundheitspartner der<br />

Frühsommerlicher Spargelsalat mit Burrata,<br />

Quinoa und Bärlauchmayonnaise<br />

Menge: 4 Personen / Zeit: ca. 1 Std 30 Minuten<br />

Zutaten<br />

2 St. Burrata gross<br />

Fleur de Sel<br />

250 g Quinoa rot-weiss gemischt<br />

20 g Aceto Balsamico Bianco<br />

30 g Olivenöl<br />

3 dl Rapsöl zum Frittieren<br />

250 g Bärlauch frisch<br />

200 g Traubenkernöl<br />

150 g Bärlauchöl<br />

50 g Eigelb<br />

15 g Aceto Balsamico Bianco<br />

Salz<br />

Pfeffer<br />

17 St. Grüne Spargeln<br />

1 St. Rote Zwiebel<br />

100 g Aceto Balsamico Bianco<br />

100 g Zucker<br />

100 g Wasser<br />

Und so wirds gemacht<br />

Burrata<br />

Die Burrata halbieren und die Schnittfläche<br />

mit wenig Olivenöl beträufeln, mit<br />

Salz und Pfeffer würzen. Die vorbereiteten<br />

Burratahälften zur Seite stellen.<br />

Quinoa<br />

Die Quinoa kochen, 4/5 der fertig gekochten<br />

Quinoa herausnehmen und mit<br />

kaltem Wasser abschrecken. 1/5 der<br />

Quinoa weiterkochen, bis sie verkocht<br />

ist (ca. 15 min länger kochen) danach im<br />

Ofen bei 80° C für 30 min trocknen.<br />

Die gekochte Quinoa mit dem Olivenöl<br />

und dem Aceto marinieren und würzen.<br />

Die getrocknete Quinoa im Öl bei 220° C<br />

sehr kurz frittieren. Durch ein Sieb abgiessen,<br />

auf Küchenpapier abtropfen und<br />

etwas salzen.<br />

Bärlauchmayonnaise<br />

16 kleine Bärlauchblätter zum Garnieren<br />

zur Seite stellen.<br />

Das Traubenkernöl im Thermomix auf<br />

Varoma erhitzen, den Bärlauch hinzufügen<br />

und für 2 min auf Stufe 10 mixen.<br />

Danach sofort die Bärlauchmasse durch<br />

ein Passiertuch passieren und auf Eiswasser<br />

kaltstellen.<br />

Eigelb und Aceto mischen. Langsam das<br />

Bärlauchöl mit einem Stabmixer einmixen.<br />

Die Mayonnaise abschmecken mit Salz<br />

und Pfeffer, danach in einen Spritzsack<br />

abfüllen.<br />

Grüner Spargel<br />

Einen rohen Spargel mit dem Sparschäler<br />

der kompletten Länge nach schälen,<br />

die schönen Spargelscheiben zur Seite<br />

stellen.<br />

Bei den restlichen Spargeln die Enden<br />

abschneiden, danach die Spargeln im<br />

Salzwasser ca. 3 min knackig blanchieren.<br />

Sofort im Eiswasser abschrecken. Auf<br />

Küchenpapier abtropfen lassen, die<br />

Spargelspitzen abschneiden, den Rest in<br />

kleine runde Stücke schneiden und die<br />

Spargelstücke unter die Quinoa mischen.<br />

Rote Zwiebel<br />

Aceto, Zucker und Wasser zusammen<br />

aufkochen.<br />

Die rote Zwiebel schälen und in kleine<br />

Spickel schneiden. In die kochende<br />

Flüssigkeit geben, diese mit den Zwiebelstücken<br />

nochmals zum Kochen bringen,<br />

danach in ein Weckglas abfüllen und<br />

kühlstellen.<br />

Tipp<br />

Statt eines Passiertuchs ein Kaffeefilterpapier<br />

verwenden.<br />

Rote Zwiebeln halten sich im Kühlschrank<br />

für mehrere Wochen und eignen<br />

sich hervorragend für Salate oder für<br />

Raclette.<br />

Anrichten<br />

Die Burrata in die Mitte des Tellers legen.<br />

Den Quinoa-Spargel-Salat darauf verteilen.<br />

Die Spargelspitzen darauf verteilen.<br />

Mit der Bärlauchmayonnaise mehrere<br />

Punkte daraufspritzen.<br />

Die roten Zwiebelstücke darauf verteilen.<br />

Die geschälten Spargelscheiben wild<br />

darauf verteilen.<br />

Den Quinoa-Crunch mit einem Löffel<br />

darüberstreuen.<br />

Mit den restlichen Bärlauchblättern<br />

ausgarnieren.<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 47


mediservice<br />

Hotel & Gastro Union ist es ein grosses Anliegen,<br />

dass der Kochverband Talente fördern<br />

und so die Zukunft der Branche auf<br />

hohem Niveau sichern kann», sagt Marco<br />

Scalabrin, Leiter Key Account Services bei<br />

SWICA.<br />

Die Rezepte der Profis zum<br />

Nachkochen<br />

Auf höchstem Niveau Kochwettbewerbe<br />

zu bestreiten, ist der Auftrag der Kochnationalmannschaft,<br />

die Kochkunst auch<br />

an Hobbyköchinnen und -köche weiterzugeben,<br />

ein anderer. Dazu der Kochverband-Geschäftsführer<br />

Reto Walther:<br />

«Für unsere Teams ist die Gesundheit und<br />

somit auch eine ausgewogene Ernährung<br />

ein wichtiger Aspekt in der Ausgestaltung<br />

der Wettkampfgerichte. Die Rezepte, die<br />

wir für SWICA ausarbeiten, sollen dazu<br />

beitragen, dass feine und gesunde Gerichte<br />

zu Hause nachgekocht werden können.»<br />

Damit Sie zu Hause Ihre Gäste stets<br />

kulinarisch überraschen können, stellen<br />

Ihnen mediservice und SWICA ab sofort in<br />

jeder Ausgabe des <strong>vsao</strong> <strong>Journal</strong>s ein Rezept<br />

zur Verfügung. Überzeugen Sie sich<br />

selbst davon, dass kulinarische Gaumenfreuden<br />

und gesunde Ernährung perfekt<br />

Hand in Hand gehen können. Die detailliert<br />

beschriebenen und appetitanregend<br />

präsentierten Gerichte aus der kalten und<br />

warmen, vegetarischen, fleischbasierten<br />

oder süssen Küche lassen sich mit ein bisschen<br />

Planung – dank mitgelieferter Einkaufsliste<br />

– auch im durchgetakteten Berufsalltag<br />

gut nachkochen und bereichern<br />

jeden Menüplan. Auf der vorangehenden<br />

Seite finden Sie das <strong>April</strong>-Rezept der<br />

Schwei zer Kochnationalmannschaft.<br />

Mehrfache Prämienrabatte<br />

Als Mitglied von mediservice <strong>vsao</strong>-asmac<br />

profitieren Sie bei SWICA dank<br />

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auf Spital- und Zusatzversicherungen.<br />

Zudem unterstützt SWICA<br />

Ihre Aktivitäten in den Bereichen<br />

Bewegung, Ernährung und Entspannung<br />

mit bis zu 800 Franken pro Jahr.<br />

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10:00 – 16:00<br />

Saturday, August 20, <strong>2022</strong><br />

10:00 – 16:00<br />

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Chairs:<br />

Basel: Prof. Dr. Michael Tamm<br />

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Prof. Dr. Dr. Hans-Uwe Simon<br />

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Prof. Dr. Peter Schmid-Grendelmeier/<br />

PD Dr. Thomas Neumann,<br />

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2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


mediservice<br />

Briefkasten<br />

Gestohlenes Paket – so<br />

sind Sie abgesichert<br />

Welch eine Freude: Die<br />

langersehnte Warenlieferung<br />

wird heute endlich<br />

eintreffen. Doch dann ist<br />

vom Paket weit und breit nichts zu sehen.<br />

Offensichtlich wurde es aus dem Briefkasten,<br />

Hauseingang oder Treppenhaus<br />

gestohlen. Und nun?<br />

Wenn eine bestellte Ware nicht<br />

eintrifft, ist die Enttäuschung gross. Mit<br />

einem Anruf beim Hersteller bzw.<br />

Onlinehändler lässt sich eine Verzögerung<br />

beim Versand ausschliessen. Kann<br />

auch die Post oder ein privater Paketlieferdienst<br />

die Zustellung bestätigen? Hat<br />

kein hilfsbereiter Nachbar das Paket für<br />

Sie angenommen? Dann spricht vieles für<br />

einen Diebstahl aus Briefkasten, Hauseingang<br />

oder Treppenhaus.<br />

mediservice<br />

<strong>vsao</strong>-Mitglieder profitieren<br />

bei Zurich von<br />

Vorzugskonditionen<br />

Hausratversicherung zahlt bei<br />

Paketdiebstahl<br />

In dieser Situation lohnt sich eine<br />

Hausratversicherung: In den allermeisten<br />

Fällen enthält sie den Deckungsbaustein<br />

«einfacher Diebstahl zuhause». Diese<br />

Deckung greift auch beim Paketdiebstahl:<br />

Die angelieferten Waren sind entsprechend<br />

versichert und werden zum vollen<br />

Preis ersetzt. Allerdings beträgt bei den<br />

meisten Versicherungen der Selbstbehalt<br />

200 Schweizer Franken. Bei Zurich fällt<br />

nach drei Jahren ohne Schaden der<br />

Selbstbehalt weg.<br />

Das Paket kommt nicht an – was muss<br />

ich tun?<br />

Schritt 1: Rufen Sie beim Hersteller<br />

oder beim Onlinehändler an, prüfen Sie<br />

den Lieferstatus oder schicken Sie eine<br />

E-Mail: Ist das Paket pünktlich abgesendet<br />

worden? Oder hat es bei der Sendung<br />

eine Verzögerung gegeben?<br />

Schritt 2: Prüfen Sie anhand der<br />

Versandnummer bei Ihrem Versanddienst<br />

wie der Post oder dem privaten<br />

Paketlieferdienst, ob das Paket noch<br />

unterwegs ist oder ob die Sendung bereits<br />

zugestellt worden ist. Falls die Zustellung<br />

bereits fällig war, aber nicht stattgefunden<br />

hat, können Sie einen Nachforschungsauftrag<br />

stellen.<br />

Schritt 3: Falls das Paket ausgeliefert<br />

wurde, aber nicht auffindbar ist: Fragen<br />

Sie Ihre Nachbarn, ob sie das Paket in<br />

Empfang genommen bzw. die Zustellung<br />

beobachtet haben.<br />

Schritt 4: Wenn das Paket offensichtlich<br />

gestohlen wurde, melden Sie dies<br />

bei der Polizei und nehmen Sie Kontakt<br />

mit Ihrer Hausratversicherung auf. Dort<br />

erfahren Sie, ob Sie den Schaden anmelden<br />

können.<br />

Falls Sie den Zusatzbaustein «Elektrokasko»<br />

in Ihrer Hausratversicherung<br />

eingeschlossen haben, können Sie<br />

beschädigte Elektronikgeräte dort als<br />

Schadenfall anmelden.<br />

Spezielle Versicherung für<br />

Elektrogeräte<br />

Insbesondere für elektronische Geräte<br />

kann die Zusatzversicherung «Elektrokasko»<br />

interessant sein: Denn Ihr neues<br />

Smartphone kann nicht nur im Paket<br />

gestohlen werden, sondern das Handy<br />

kann später auch herunterfallen, irgendwo<br />

anstossen, im Kaffee ertrinken<br />

oder im Regen liegen bleiben. Auch<br />

andere Schäden durch Beschädigung<br />

oder Zerstörung sind mit der Elektrokaskoversicherung<br />

versichert, selbst wenn<br />

Sie sie aus Versehen selbst verursacht<br />

haben. Im Gegensatz zur reinen Handyversicherung<br />

sind auch Ihr Tablet,<br />

Fernseher und PC versichert – immer mit<br />

einem Selbstbehalt von mindestens 200<br />

Schweizer Franken.<br />

Bild: zvg<br />

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Montags bis freitags, 8.00 bis 18.00 Uhr<br />

Bitte erwähnen Sie Ihre mediservice<br />

<strong>vsao</strong>-Mitgliedschaft.<br />

Das Paket ist beschädigt – was nun?<br />

Prüfen Sie nach, ob nur das Paket oder ob<br />

auch der Inhalt beschädigt wurde.<br />

Sie haben bis acht Tage nach der<br />

Zustellung Zeit, um den Schaden bei<br />

Ihrer nächsten Postfiliale zu melden.<br />

Dazu sollten Sie das Paket samt Inhalt in<br />

die Filiale bringen, wo der Schaden<br />

beurteilt und ein Schadenprotokoll<br />

erstellt wird.<br />

Julia Lenz<br />

Key Account Managerin<br />

Partnerships, Zürich<br />

Versicherungs-Gesellschaft AG<br />

<strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong> 2/22 49


Impressum<br />

Kontaktadressen der Sektionen<br />

<strong>Nr</strong>. 2 • 41. Jahrgang • <strong>April</strong> <strong>2022</strong><br />

Herausgeber/Verlag<br />

AG<br />

VSAO Sektion Aargau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

mediservice <strong>vsao</strong>-asmac<br />

Bollwerk 10, Postfach, 3001 Bern<br />

Telefon 031 350 44 88<br />

journal@<strong>vsao</strong>.ch, journal@asmac.ch<br />

www.<strong>vsao</strong>.ch, www.asmac.ch<br />

Im Auftrag des <strong>vsao</strong><br />

Redaktion<br />

Catherine Aeschbacher (Chefredaktorin),<br />

Kerstin Jost, Fabian Kraxner, Léo Pavlopoulos,<br />

Lukas Staub, Anna Wang, Bianca Molnar<br />

Geschäfts ausschuss <strong>vsao</strong><br />

Angelo Barrile (Präsident), Nora Bienz<br />

(Co-Vize präsidentin), Patrizia Kündig<br />

(Co-Vize präsidentin), Severin Baerlocher,<br />

Christoph Bosshard (Gast), Marius Grädel,<br />

Helen Manser, Richard Mansky, Gert<br />

Printzen, Svenja Ravioli, Patrizia Rölli,<br />

Martin Sailer, Miodrag Savic (Gast),<br />

Jana Siroka, Clara Ehrenzeller (swimsa)<br />

Druck, Herstellung und Versand<br />

Stämpfli AG, Kommunikationsunternehmen,<br />

Wölflistrasse 1, 3001 Bern<br />

Telefon +41 31 300 66 66<br />

info@staempfli.com, www.staempfli.com<br />

BL/BS<br />

VSAO Sektion beider Basel, Geschäftsleiterin und Sekretariat:<br />

lic. iur. Claudia von Wartburg, Advokatin, Hauptstrasse 104,<br />

4102 Binningen, Tel. 061 421 05 95, Fax 061 421 25 60,<br />

sekretariat@<strong>vsao</strong>-basel.ch, www.<strong>vsao</strong>-basel.ch<br />

BE VSAO Sektion Bern, Schwarztorstrasse 7, 3007 Bern, Tel. 031 381 39 39,<br />

info@<strong>vsao</strong>-bern.ch, www.<strong>vsao</strong>-bern.ch<br />

FR<br />

ASMAC Sektion Freiburg, Gabriela Kaufmann-Hostettler,<br />

Wattenwylweg 21, 3006 Bern, Tel. 031 332 41 10, Fax 031 332 41 12,<br />

info@gkaufmann.ch<br />

GE Associations des Médecins d’Institutions de Genève, Postfach 23,<br />

Rue Gabrielle-Perret-Gentil 4, 1211 Genf 14, amig@amig.ch, www.amig.ch<br />

GR<br />

JU<br />

NE<br />

VSAO Sektion Graubünden, 7000 Chur, Samuel B. Nadig, lic. iur. HSG,<br />

RA Geschäftsführer/Sektionsjurist, Tel. 081 256 55 55, info@<strong>vsao</strong>-gr.ch,<br />

www.<strong>vsao</strong>-gr.ch<br />

ASMAC Jura, 6, chemin des Fontaines, 2800 Delémont,<br />

marie.maulini@h-ju.ch<br />

ASMAC Sektion Neuenburg, Joël Vuilleumier, Jurist,<br />

Rue du Musée 6, Postfach 2247, 2001 Neuenburg,<br />

Tel. 032 725 10 11, vuilleumier@valegal.ch<br />

SG/AI/AR VSAO Sektion St. Gallen-Appenzell, Bettina Surber, Oberer Graben 44,<br />

9000 St. Gallen, Tel. 071 228 41 11, Fax 071 228 41 12,<br />

Surber@anwaelte44.ch<br />

Layout<br />

Oliver Graf<br />

Titelillustration<br />

Stephan Schmitz<br />

Inserate<br />

Zürichsee Werbe AG, Fachmedien,<br />

Markus Haas, Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa<br />

Telefon 044 928 56 53<br />

E-Mail <strong>vsao</strong>@fachmedien.ch<br />

SO<br />

TI<br />

TG<br />

VSAO Sektion Solothurn, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

ASMAC Ticino, Via Cantonale 8-Stabile Qi, 6805 Mezzovico-Vira,<br />

segretariato@asmact.ch<br />

VSAO Sektion Thurgau, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

Auflagen<br />

Druckauflage: 21 900 Expl.<br />

WEMF/KS-Beglaubigung 2021: 21 778 Expl.<br />

Erscheinungshäufigkeit: 6 Hefte pro Jahr.<br />

Für <strong>vsao</strong>-Mitglieder im Jahresbeitrag<br />

inbegriffen.<br />

ISSN 1422-2086<br />

Ausgabe <strong>Nr</strong>. 3/<strong>2022</strong> erscheint im<br />

Juni <strong>2022</strong>. Thema: Underground<br />

© <strong>2022</strong> by <strong>vsao</strong>, 3001 Bern<br />

Printed in Switzerland<br />

VD<br />

VS<br />

ASMAV, case postale 9, 1011 Lausanne-CHUV,<br />

asmav@asmav.ch, www.asmav.ch<br />

ASMAVal, p.a. Maître Valentine Gétaz Kunz,<br />

Ruelle du Temple 4, CP 20, 1096 Cully, contact@asmaval.ch<br />

Zentralschweiz (LU, ZG, SZ, GL, OW, NW, UR)<br />

VSAO Sektion Zentralschweiz, Geschäftsstelle: lic. iur. Eric Vultier,<br />

Auf der Mauer 2, 8001 Zürich, vultier@schai-vultier.ch,<br />

Tel. 044 250 43 23, Fax 044 250 43 20<br />

ZH/SH<br />

VSAO ZH/SH, RA lic. iur. Susanne Hasse,<br />

Geschäftsführerin, Nordstrasse 15, 8006 Zürich, Tel. 044 941 46 78,<br />

susanne.hasse@<strong>vsao</strong>-zh.ch, www.<strong>vsao</strong>-zh.ch<br />

Publikation<strong>2022</strong><br />

FOKUSSIERT<br />

KOMPETENT<br />

TRANSPARENT<br />

Gütesiegel Q-Publikation<br />

des Verbandes Schweizer Medien<br />

50<br />

2/22 <strong>vsao</strong> /asmac <strong>Journal</strong>


ALLGEMEINE<br />

INNERE MEDIZIN<br />

17. – 21.05.<strong>2022</strong>, Zürich 40 h<br />

16. – 19.11.<strong>2022</strong>, Zürich 32 h<br />

INNERE MEDIZIN<br />

21. – 25.06.<strong>2022</strong>, Zürich 40 h<br />

20. – 24.09.<strong>2022</strong>, livestream<br />

(aus Basel) 40 h<br />

06. – 10.12.<strong>2022</strong>, Zürich 40 h<br />

hAusArZt<br />

Fortbildungstage<br />

08. – 09.09.<strong>2022</strong>, Bern 14 h<br />

08. – 09.09.<strong>2022</strong>, Basel 14 h<br />

23. – 24.09.<strong>2022</strong>, luzern 14 h<br />

AllergologIe<br />

14. – 15.11.<strong>2022</strong>, Zürich 13 h<br />

AnästhesIologIe<br />

und IntensIvmedIZIn<br />

14. – 15.06.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

16 Credits SSAPM / 12 Credits SGNOR<br />

dermAtologIe<br />

09. – 10.12.<strong>2022</strong>, Zürich 14 h<br />

dIABetes<br />

03. – 05.11.<strong>2022</strong>, Zürich 21 h<br />

gynäkologIe<br />

12. – 14.05.<strong>2022</strong>, Zürich 24 h<br />

24. – 26.11.<strong>2022</strong>, Zürich 24 h<br />

kArdIologIe<br />

04. – 05.11.<strong>2022</strong>, Zürich 14 h<br />

nephrologIe<br />

24. – 25.06.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

14 Credits SGN<br />

neurologIe<br />

06. – 07.05.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

16 Credits SNG<br />

ophthAlmologIe<br />

20. – 21.05.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

14 Credits SOG<br />

pädIAtrIe<br />

24. – 26.10.<strong>2022</strong>, Zürich 21 h<br />

pneumologIe<br />

06. – 07.05.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

14 Credits SGAIM / SGP Credits angefragt<br />

psychIAtrIe<br />

und<br />

psychotherApIe<br />

16. – 18.06.<strong>2022</strong>, Zürich 21 h<br />

27. – 29.10.<strong>2022</strong>, livestream<br />

(aus Zürich) 21 h<br />

psychologIe<br />

23. – 26.11.<strong>2022</strong>, livestream<br />

(aus Zürich) 28 h<br />

rheumAtologIe<br />

24. – 25.06.<strong>2022</strong>, Zürich 15 h<br />

urologIe<br />

13.05.<strong>2022</strong>, Zürich<br />

6 Credits SGU<br />

Update Refresher<br />

Information / Anmeldung<br />

Tel.: 041 567 29 80 | info@fomf.ch<br />

www.fomf.ch<br />

– Teilnahme vor Ort oder via livestream<br />

ZERTIFIZIERT FÜR<br />

HOHE QUALITÄT:<br />

<strong>vsao</strong><br />

<strong>Journal</strong><br />

<strong>Nr</strong>. 1, Februar <strong>2022</strong><br />

Das <strong>Journal</strong> des Verbandes Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte<br />

Norm<br />

Von Schrauben<br />

bis Sellerie<br />

Seite 18<br />

Publikation<strong>2022</strong><br />

KOMPETENT<br />

TRANSPARENT<br />

Das Gütesiegel für Qualität<br />

• Etabliert und anerkannt mit fokussierter Leserschaft<br />

• Inhaltlich kompetent und publizistisch unabhängig<br />

• Werbung ohne Streuverlust<br />

Psycholeptika<br />

Manager des eigenen<br />

Schlafes<br />

Seite 28<br />

Demenz<br />

Früherkennung in der Praxis<br />

Seite 32<br />

Politik<br />

Zulassungsstopp: das Zahlenrätsel<br />

Seite 6<br />

www.ihrepublikation.ch<br />

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