Hinter dem Horizont - Nord-Handwerk

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egioNales aus lübeck / schleswig-holsteiN

Unsere Themen

26 Handwerk ist interkulturell

Neues Projekt der handwerks-

kammer lübeck

29 Willkommen bei den Profis

einschreibung bei der kreishand-

werkerschaft mittelholstein

Weitere Themen

24 Deutsch-dänische Ausbildung

rückt näher

Projekt „2 länder – 1 ausbildung“

25 elite des Handwerks

betriebswirte des handwerks

erhielten Zeugnisse

27 Soziales Ausbildungsengagement

gewürdigt

hohe ehrung für horst kruse

30 ein echtes Wertpapier

meisterfeier 2011

32 Inbegriff von kreativität

und Phantasie

modisten und schneider

34 Wachwechsel an der Spitze

landesverbandstag der

dachdecker

Technische betriebswirte

„Theorie und

Praxis verbinden“

unternehmensnachfolge sichern, Fachkräfte halten oder

Führungspersonal ausbilden – die gründe für betriebe, auf

die anspruchsvolle ausbildung zum technischen betriebswirt

zu setzen, sind so vielfältig wie das handwerk selbst. Nordhandwerk

sprach mit drei unternehmen, die sich für einen

zukunftsweisenden weg entschieden haben.

Wer einmal ihren Betrieb übernimmt,

steht für die 47-jährige

Brigitte Grafke, Inhaberin der Firma

Dallmann Heizungsbau und Sanitärtechnik

aus Neumünster, bereits fest. Schon

frühzeitig hat sich die vierfache Mutter

mit dem Thema Betriebsnachfolge auseinandergesetzt

und

gemeinsam mit ihrer

Familie die Entscheidung

getroffen: Tochter

Marie-Christin Prost

soll einmal das Ruder

übernehmen.

„Es ist wichtig, rechtzeitig

über die Zukunft

nachzudenken“, sagt

Brigitte Grafke. Die

Weichen hat die Familie bereits gestellt: Im

Oktober startete Marie-Christin Prost eine

Qualifizierung zur Technischen Betriebswirtin

im Fortbildungszentrum der Handwerkskammer

Lübeck. Es bereitet sie auf die

Aufgaben als künftige Führungskraft vor.

Früh genug an die Zukunft denken

Doch der Reihe nach: Von 1992 an war

Brigitte Grafke als angestellte Buchhalterin

bei der Heizungsbaufirma Dallmann

20 NordHandwerk November 2011

„Es ist wichtig,

rechtzeitig über die

Zukunft seines Betriebes

nachzudenken.“

Brigitte Grafke

tätig – bis zu deren Insolvenz im Jahr 2008.

Grafke, gerade mitten in der Weiterbildung

zur Betriebswirtin, entschloss sich, die Firma

aus der Insolvenz zu kaufen.

Eine turbulente Zeit. Die Prüfungen

zur Betriebswirtin legte sie mitten in der

Übernahmephase des Betriebes ab – ein

Kraftakt. Doch es hat

sich gelohnt: Inzwischen,

rund drei Jahre

später, hat sie die Mitarbeiterzahl

mehr als

verdoppelt und den

Betrieb aus seiner Krise

geführt. „Ich habe mir

die Betriebsübernahme

und Leitung zugetraut“,

erzählt die Unterneh-

merin.

Die traut sich auch Tochter Marie-

Christin Prost zu und legt dabei die

gleiche Tatkraft wie ihre Mutter an den

Tag. Im August hat die 22-Jährige im

Betrieb ihrer Mutter ihre Ausbildung

zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-,

Heizungs- und Klimatechnik begonnen –

„nach einem Langzeitpraktikum, denn ich

wollte wissen, ob es wirklich das richtige

für mich ist“, erzählt sie.

Während der Praktikumszeit überlegten

Mutter und Tochter bereits, wie Marie-

Christin für eine spätere Betriebsübernahme

fit gemacht werden könnte. Bei der

Handwerkskammer hörten sie zum ersten

Mal von der Qualifizierung zum Technischen

Betriebswirt – eine vierjährige

Zusatzqualifikation für Auszubildende, die

auf Führungsaufgaben in Handwerksbetrieben

vorbereitet. „Genau diese Verbindung

von Lehre und Weiterqualifizierung

hat mich gereizt“, sagt Marie-Christin

Prost. Das anspruchsvolle Pensum für die

nächsten Jahre schreckt sie nicht ab. Im

Gegenteil: „Ich suche immer die Herausforderung.“

Als zukünftige Betriebsinhaberin muss

Marie-Christin Prost mit Zahlen umgehen

können, sie muss kalkulieren und organisieren.

Das alles lernt sie als Technische

Betriebswirtin. Marie-Christin ist zuversichtlich:

„Ich schaffe das!“

Führungskräfte halten

Auch Fabian Arndt hat in diesem Jahr parallel

zu seiner Lehre zum Kfz-Mechatroniker

die Qualifizierung zum Technischen

Betriebswirt begonnen. Dabei hätte seine

berufliche Zukunft eigentlich ganz anders

aussehen sollen. Nach dem Abitur begann

Fabian Arndt ein Jura-Studium in Kiel,

merkte aber nach einigen Semestern, dass

dieses Studium nichts für ihn ist.

„Mir hat an der Uni der Praxisbezug

völlig gefehlt“, erzählt Arndt. Der Student

interessierte sich für eine handwerkliche

Ausbildung, am liebsten im Kfz-Bereich.

Während seiner Suche nach einem geeigneten

Ausbildungsplatz erfuhr Arndt bei

der Handwerkskammer von der Qualifizierung

zum Technischen Betriebswirt

und war sofort begeistert. „Ich fand die

Idee gut, Theorie und Praxis miteinander

zu verbinden“, sagt Arndt.

Beim Audi Zentrum Kiel wurde der Ex-

Student dann fündig. Das Unternehmen

hatte großes Interesse daran, den jungen

Mann nicht nur handwerklich auszubilden,

sondern ihm eine langfristige Perspektive

zu geben. „Für uns ist zukunftsorientiertes

Arbeiten sehr wichtig“, meint

Heino Christiansen, Serviceleiter beim

Audi Zentrum Kiel. „Wir können jungen

Fachkräften durch den Technischen

Betriebswirt interessante Entwicklungsmöglichkeiten

in unserem Unternehmen

haNdwerkskammer :: Lübeck

Der Funke sprang über: TBW-Lehrling Simon Haßler (li.) und Metallbauermeiser Thorsten Przybyl (re.)

Nehmen die Zukunft in die Hand: Betriebsinhaberin Brigitte Grafke (re.) und Tochter Marie-Christin Prost.

Heino Christiansen vom Audi Zentrum Kiel (li.) mit TBW-Lehrling Fabian Arndt (Mitte) sowie Marc Lode von

der Handwerkskammer Lübeck.

November 2011 NordHandwerk 21

Fotos: Schomakers (2); Grünke (1)

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