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haNdwerkskammer :: Lübeck

Projekt „Zwei Länder – eine Ausbildung“

Deutsch-dänische

Ausbildung rückt näher

Noch ist sie Zukunftsmusik, die grenzübergreifende

berufsausbildung in der Fehmarnbelt-region. doch

hinter den kulissen arbeiten arbeitsmarktakteure, darunter die

handwerkskammer lübeck, bereits an einem konzept

für eine dänisch-deutsche Verbundausbildung.

In der Fehmarnbelt-Region soll

es für junge Menschen in Zukunft

selbstverständlich werden, Teile ihrer Ausbildung

im Nachbarland zu absolvieren.

Ein ambitioniertes Vorhaben. Denn bevor

die ersten Lehrlinge tatsächlich Praxisluft

im Ausland schnuppern können, gilt es,

die Rahmenbedingungen festzulegen. Es

geht um die Frage, wie Auslandsaufenthalte

während der Ausbildung für Lehrlinge und

deren Betriebe gewinnbringend und unkompliziert

gestaltet werden können.

Hohe berufliche Mobilität

Das Projekt „VET Qualification System: 2

Länder – 1 Ausbildung“ hat sich genau das

auf die Fahnen geschrieben.

Die Handwerkskammer Lübeck

startete es gemeinsam

mit deutschen und dänischen

Projektpartnern im Jahr 2010.

Vier Ausbildungsberufe wählten

die Projektbeteiligten in

einem ersten Schritt exemplarisch

aus, anhand derer

die Möglichkeiten für eine

Verbundausbildung getestet

werden sollten: Metallbauer/

in, Maurer/in, Koch/Köchin

sowie Kaufmann bzw. Kauffrau

im Einzelhandel.

„Wir haben uns für diese

Berufe entschieden, weil sie

entweder maßgeblich am Bau der Fehmarnbelt-Querung

beteiligt sein werden oder

unmittelbar zur Infrastruktur rund um die

Bauarbeiten beitragen“, sagt Projektkoordi-

„Jetzt gilt es, die

Jugendlichen für das

Projekt längerfristiger

Auslandsaufenthalt zu

motivieren.“

Georg Carstensen

natorin Helena Konrad. Erwartet werde, so

Konrad, dass mit dem ab 2014 geplanten

Bau der Querung die berufliche Mobilität in

der Region zunimmt. Langfristig soll sich die

Grenzregion zu einem zusammenhängenden

Wirtschaftsmarkt entwickeln. „Damit das ge-

lingt, ist es wichtig, dem deutschen und däni-

schen Fachkräftenachwuchs bereits während

der Ausbildung Arbeitsaufenthalte im Nachbarland

zu ermöglichen“, sagt Konrad.

„Dänemark liegt vor der Tür“

In den vergangenen Monaten nahm das dä-

nisch-deutsche Projektteam Ausbildungsinhalte,

-verlauf und -organisation in den vier

Ausbildungsberufen unter die Lupe. Auf

freiwilliger Basis beteiligten

sich daran auch 40 Ausbilder,

Berufsschullehrer und

Betriebsinhaber. Einer von

ihnen ist Georg Carstensen,

Geschäftsführer des Lübecker

Bauunternehmens Denker &

Carstensen. „Ich habe mich am

Projekt beteiligt, weil ich in

erster Linie etwas für die Zukunft

der Auszubildenden tun

möchte“, sagt Carstensen.

Der Bau der Fehmarnbelt-

Querung spielt für ihn dagegen

kaum eine Rolle. „Dänemark

liegt vor der Tür, ob mit oder

ohne Querung“, meint der

Bauunternehmer. Wichtig sei, den Lehrlingen

verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten

in der Arbeitswelt aufzuzeigen. „Das

ist schließlich der europäische Gedanke“,

Montage: Shutterstock (3)

meint Carstensen,

„unkompliziert

dorthin zu gehen, wo es Aufträge gibt, auch

über Landesgrenzen hinweg.“

Praxistest im Jahr 2012

Einen geeigneten Zeitpunkt für den Auslandsaufenthalt

während der Ausbildung

legten die Arbeitsgruppen für alle vier Berufe

fest. Jetzt soll das Konzept praktisch

erprobt werden. Geplant ist das für 2012.

Deutsche und dänische Auszubildende aus

den vier untersuchten Berufen werden dann

für drei Monate ins jeweilige Nachbarland

gehen. Ihre Erfahrungen werden maßgeblich

in die weiteren Planungen einfließen.

Georg Carstensen hält es jetzt für die

wichtigste Aufgabe, die Jugendlichen für

einen längerfristigen Auslandsaufenthalt

zu motivieren. „Umfragen haben zwar

ergeben, dass sich eine Mehrheit von ihnen

einen längeren Auslandsaufenthalt während

der Ausbildung gut vorstellen kann. Doch

es gibt auch Bedenken und Hemmschwellen.

Wir werden also auch Überzeugungsarbeit

leisten müssen.“

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