Hinter dem Horizont - Nord-Handwerk

nord.handwerk.de

Hinter dem Horizont - Nord-Handwerk

krise!!! … und wie weiter?

Frank Glücklich,

Hauptgeschäftsführer der

Handwerkskammer

Hamburg.

Die Euro-Krise beherrscht die Medien.

Unsere Währung steht auf dem Spiel. Was

wird aus dem Euro? Stehen wir vor der

nächsten Finanzkrise? Ist der wirtschaftliche

Aufschwung schon bald wieder vorbei?

Und wer ist Schuld an dem ganzen Schlamassel?

Griechenland? Die Banken? Die

Politik? Oder gar die renditesüchtigen

Anleger?

Das Wort „Krise“ kommt aus dem Griechischen

und bedeutet „entscheidende

Wende“ (Duden). Eine Entscheidung zur

Wende oder zum Neuanfang wird erforderlich,

wenn sich die Rahmenbedingungen

geändert haben oder die Weichen nicht

frühzeitig richtig gestellt wurden. Krisen

beinhalten auch immer Chancen. Nutzt

man sie, kann die Krise überwunden werden.

Handelt man nicht oder zu spät, folgt

unweigerlich der Niedergang.

1992 bei der Gründung der Währungsunion

wollten die Politiker übermäßiges

Schuldenmachen einzelner Länder unterbinden,

da dies die neue Währung gefährden

würde. Es gab zwei Alternativen:

Entweder eine gemeinsame Wirtschaftspolitik

aller beteiligten Staaten oder die

(Selbst-)Regulierung durch die „effizienten

Finanzmärkte“. Die Nationalstaaten wollten

keinen Machtverlust und setzten daher auf

die Finanzmärkte – auf das falsche Pferd,

wie heute angesichts der Realität sogar die

Neoliberalen einräumen müssen.

Was wir gerade im Großen durchleben,

müssen wir leider auch immer wieder in

viel zu vielen Einzelfällen beobachten. Gut

beleumundete Handwerksbetriebe geraten

unversehens in die Krise. Die Ursachen sind

vielfältig. Das reicht von zu hoher Risikobereitschaft

wie z. B. einseitiger Abhängigkeit

von Großkunden bis zu Schicksalsschlägen

wie z. B. Tod des Inhabers oder

Vernichtung des Betriebs durch Feuer. Die

Insolvenz ist dann quasi die zwangsläufige

Folge, sofern nicht frühzeitig Vorsorge getroffen

wurde.

Lernen kann man daraus, die Weichen

rechtzeitig richtig zu stellen. Der Kern

ist eine vorausschauende Geschäftspolitik.

Dazu gehört, die Marktentwicklung

zu beobachten, die Kundenzielgruppen

entsprechend den eigenen Stärken klar zu

definieren, einseitige Abhängigkeiten zu

vermeiden, Fachkräfte für den eigenen Betrieb

durch Ausbildung und Weiterbildung

der Mitarbeiter zu sichern, angemessene

Versicherungen abzuschließen, früh die

eigene Nachfolge zu regeln, Kooperationen

mit anderen Handwerksbetrieben

einzugehen, um das Kundenspektrum zu

erweitern und vieles andere mehr. Sicher,

das ist für einen kleinen oder auch mittelgroßen

Handwerksbetrieb ohne eigene

Stabsabteilungen und mit häufig fehlendem

Fach-Know-how nicht leicht. Doch wer

es nicht tut, den bestraft (allzu oft) das

Leben.

Wer die Themen angeht, kann allerdings

auf Unterstützung rechnen. Im Rahmen

der Solidargemeinschaft bieten die Handwerkskammern

Hilfe in fast allen Fällen. Ihr

Angebot ist breit gefächert. Die Betriebsberatung

betreut bei der Existenzgründung,

über Finanzierungsfragen, Technologieentwicklung,

Wachstumsstrategien oder

Insolvenzabwehr. Unterstützung gibt es

ferner durch die Rechtsberatung, Inkassostelle

oder bei der Suche nach geeigneten

Gewerbeflächen. Auch bei der Lehrlingsgewinnung

sind die Kammern aktiv und

natürlich bieten sie ein breites Spektrum

an marktbezogener Weiterbildung.

Je früher man die Themen angeht, umso

besser. Aber besser spät als nie!

Herzlich grüßt Sie

Ihr

Ihre Meinung unter E-Mail

fgluecklich@hwk-hamburg.de

Standpunkt

november 2011 NordHandwerk 3

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine