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JukeBox Ausgabe 02/2022

Die JukeBox ist eine Musiksendung im Bürgerfunk bei Radio Köln auf der 107.1 MHz. Dirk Conrads (Conny) präsentiert Studiogäste, Interviews, News aus der Musik – und Kulturszene und Musik, die anmacht. Das Sendeformat ist sehr stark an das Sendeformat AOR - Album Oriented Rock angelehnt, dass ein Gegenpol zum Mainstream sein soll. Wir setzten unser Sendeformat gemäß den Worten von Radiolegende John Peel um, der einst über sein Konzept sagte: „A balance between things that you know people will like and things that you think people will like.“ (Eine Balance zwischen Stücken, von denen man weiß, dass die Leute sie mögen werden, und Stücken, von denen man denkt, dass die Leute sie mögen werden). Die Jukebox ist eine Produktion des FLoK, dem freien Lokalrundfunk Köln. Weitere Infos online unter: www.jukebox.koeln oder facebook.com/JukeBox.Koeln

Die JukeBox ist eine Musiksendung im Bürgerfunk bei Radio Köln auf der 107.1 MHz.

Dirk Conrads (Conny) präsentiert Studiogäste, Interviews, News aus der Musik – und Kulturszene und Musik, die anmacht.
Das Sendeformat ist sehr stark an das Sendeformat AOR - Album Oriented Rock angelehnt, dass ein Gegenpol zum Mainstream sein soll.

Wir setzten unser Sendeformat gemäß den Worten von Radiolegende John Peel um, der einst über sein Konzept sagte: „A balance between things that you know people will like and things that you think people will like.“
(Eine Balance zwischen Stücken, von denen man weiß, dass die Leute sie mögen werden, und Stücken, von denen man denkt, dass die Leute sie mögen werden).

Die Jukebox ist eine Produktion des FLoK, dem freien Lokalrundfunk Köln.
Weitere Infos online unter: www.jukebox.koeln oder facebook.com/JukeBox.Koeln

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02/2022

Das Radiomagazin

Dirty Sound Magnet

Alles Retro oder was?

J.B.O

Metal Was My First Love

Wir richten den Blick nach Frankreich

Das neue Album von LALU ist da

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Rare & Vintage: Das Projekt Telecaster

PLUS

Musikpps | Buchpps | News

Interviews |Playlist der aktuellen Sendung


Editorial

Musikprojekt oder doch eine komplee Band? Wir richten den Blick

wiederholt nach Frankreich und checken das neue Album der Prog

Rocker von LALU. Für mich ist Vivien Lalu ein begnadeter Komponist,

Keyboarder und Songwriter. Das neue Album „Paint The Sky“ ist mit Abstand das

erfolgreichste und ausgereieste Album, das er bisher in seiner Karriere zusammengestellt hat. Und

um die am Anfang gestellte Frage zu beantworten: Für mich ist LALU ganz klar ein Musikprojekt.

Wolfgang „Wolli“ Schmidder stellt uns „Neues“ aus seiner Plaenkiste vor und erklärt uns den Blues.

Alles Retro oder was? Diese Frage stellte ich Stavros Dzodzos von der Schweizer Psychedelic Rock

Band Dirty Sound Magnet im Interview. Und seine Antwort hat mich mehr als überrascht.

playlist

Die JukeBox on air:

Montag, 18. April 2022 20:00 bis 21:00 Uhr - UKW 107.1 bei Radio Köln

Dirty Sound Magnet - Heavy Hours

The Knack - My Sharona

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan. Unsere Geschichte mit dem Thema „Rare & Vintage“

erzählt, wie aus einer alten, hässlichen Klampfe eine schöne und edle Gitarre wurde.

Clawfinger aus dem hohen Norden kommen mit einer neuen Single „Enviromental Paents“ um die

Ecke. In dem Song finden die Musiker um Sänger und Rapper Zak Tell mehr als deutliche Worte zur

Klimakrise. Wie man es von den Schweden gewohnt ist, halten sie uns dabei auch nicht zu knapp den

Spiegel vor: Im Song geht es darum, dass wir alle zwar für Klimaschutz sind, diesen aber schnell

vergessen, wenn es an unsere eigene Komfortzone geht. Vieles, von dem, was wir in punkto

Umweltschutz leisten, ist sehr viel weniger konsequent als es sein müsste, um wirklich etwas

bewirken zu können.

In unserem neuen YouTube-Kanal JukeBox 107,1 können alle Interviews in voller Länge gehört

werden und wir arbeiten derzeit an weiteren neuen Formaten für diesen Kanal.

Weiterhin gibt es in dieser Ausgabe wieder jede Menge Tipps rund um die Musik.

Und unsere Playlist für die nächste Sendung kann sich sehen und hören lassen. Die nächste

Radiosendung ist am Ostermontag, den 18. April wie gewohnt ab 20:00 Uhr auf der „107Komma1“

bei Radio Köln.

Das JukeBox-Team wünscht allen Hörer*innen und Leser*innen frohe Ostern und viel Spaß beim

Lesen und Hören.

Dirty Sound Magnet - Toxic Monkeys

LALU - The Chosen Ones

Kudu Blue - December

Sly And The Family Stone -

Family Affair

Danny Hynes Band - Love & Affecon

Clawfinger-Environmental Paents

The So Hills -

Blow Away Your Sad Balloon

Ten Years Aer -

I´d Love To Change The World

Treshold - Pilot In The Sky Of Dreams

Ohrwurm gefällig?

JukeBox UKW 107.1

Neu bei YouTube - Der JukeBox Musikkanal - JukeBox 107,1

The Who - Behind Blue Eyes

2 3



Was ist eigentlich Blues?

Mit Wolfgang „Wolli“ Schmidder

Vor einiger Zeit wurde ich, nach einem Konzert meiner Band “Mother’z Boyzz”, von

einer Zuschauerin gefragt, ob das denn noch Blues sei und nicht schon Hard Rock. Ich

antwortete: “Weder noch, es ist Bluesrock. Aber eigentlich ist es das, was du dabei

fühlst.“ Trotzdem ließ mich ihre Frage nicht los.

Was ist Blues eigentlich… und wann ist es Blues und wann nicht?

Hier ein Erklärungsversuch, so wie ich den Blues empfinde.

Achtung! Jetzt wird’s kurz trocken.

Es gibt für mich zwei Herangehensweisen:

Eine wissenschalich-mathemasche und eine

sehr persönliche, aus dem Herzen.

Die mathemasche basiert meist auf dem

klassischen 12-Takt Schema bestehend aus

Tonika, Dominante und Subdominante. Gerne

werden diese noch durch die dazugehörigen

Sexten und Sepmen, unabhängig von Dur oder

Moll, ergänzt. Ist dies bei einem Song gegeben,

ist es, nüchtern betrachtet Blues.

Textlich spielt der Blues in der Vergangenheit und

in der Gegenwart… so gut wie nie in der Zukun

und wird meist in der Ich-Form vorgetragen. Die

Tempi variieren, er ist sehr simpel und für

gewöhnlich im 4/4 Takt gehalten. Wird dieses

sogenannte Bluesschema noch durch weitere

Akkord- oder Tonfolgen, ggfs. auch Taktwechsel

ergänzt, ist es Bluesrock.

Das ist bei beiden Varianten völlig unabhängig

vom Härtegrad. Die Grenzen sind jedoch fließend

und verschwimmen manchmal.

Achtung! Jetzt wird’s feucht.

Für manche ist Blues auch einfach nur ein Tanz

auf ein langsames Lied, wo man sich, eng

umschlungen, unter Einbeziehung seines

Tastsinns, auf der Suche nach besmmten

Körperregionen seines Partners oder seiner

Partnerin befindet.

Da ich jedoch, aus vielerlei Gründen, ein

begeisterter Nichänzer bin, sei dies hier nur am

Rande erwähnt.

Ich empfinde den Blues als eine universelle

Sprache, eine Ausdrucksform von persönlichen

Erlebnissen oder von Dingen, die einen

beschäigen. Diese Sprache kann jeder

verstehen, der es möchte. Inhaltlich geht es

dabei meist um das Thema Nummer eins… Sex.

Aber auch um enäuschte Liebe, um einen One-

Night-Stand, um den betrogenen Ehemann oder

die betrogene Ehefrau, um Dinge oder Personen,

die einen enäuscht haben, die einen nerven

oder Dinge, die einen bewegen, um Gewalt, um

Missbrauch, um Kirche, Go, und Religion, um

Tod und Teufel, um Alkohol, ums Zocken, um

Reich und Arm, um Kummer und Depressionen,

um Verluste und um Trauerbewälgung.

“Was ist los mit dem?” Ich glaub der hat

den Blues.”

Meist werden diese recht traurigen Themen und

Erlebnisse jedoch mit einem Augenzwinkern und

mit viel Selbsronie, Galgenhumor und einer

gehörigen Poron Frivolität verarbeitet. Oder

glaubt irgendwer ernstha, dass es sich bei Willie

Dixon’s “Lile Red Rooster” um einen Hahn auf

einem Hof handelt? Auch Bessie Smith’ “Need a

lile sugar in my bowl” sagt eigentlich alles. Bei

Elmore James’ “Dust my Broom” handelt es sich

um den Besensel eines Protagonisten, welcher

entstaubt werden muss. Noch Fragen?

Das Ganze kommt hübsch geschlechtsneutral

daher und den enthaltenen Sexismus dürfen sich

Männlein wie Weiblein gleichermaßen auf die

Fahnen schreiben. (Bessie Smith, immerhin die

“Kaiserin des Blues”, sah sich sogar dem Vorwurf

der Verbreitung pornographischer Inhalte

ausgesetzt.) Diese Art des Humors und die

eindeuge Zweideugkeit helfen natürlich

immens bei dem Kampf gegen seine Dämonen,

sowie bei der Bewälgung und Aufarbeitung von

Problemen. Ist der Interpret männlich, muss

auch schon mal gerne das Auto oder “die

Scheisskarre, die nicht anspringt” für einen Text

herhalten. Männer lieben halt ihre Frau und ihr

Auto. Und den Hund. Aber im Gegensatz zu

Ersteren, zickt dieser nicht, weswegen er

eigentlich, wenn überhaupt, nur als Randfigur in

Erscheinung tri.

Die “Sprache Blues” ist global, hat aber

durchaus regionale Dialekte.

Es gibt den Chicago Blues, den New Yorker Blues,

den Texas Blues, den Delta Blues, den Swamp

Blues, den aus Mississippi, den Brish Blues, ja

sogar Irish bzw. Celc Blues und und und…

Selbst in Skandinavien gibt es, dank Leuten wie

Bjørn Berge, Ben Granfelt oder der umwerfenden

Erja Lyynen, eine beachtenswerte Szene. Der

brische Sänger, Songwriter und Gitarrist

(übrigens ein ganz hervorragender Slide-Gitarrist)

Chris Rea hat das 2005 auf seinem Werk “Blue

Guitars” versucht zu katalogisieren. Das

Gesamtwerk besteht aus sage und schreibe 11 (!)

einzelnen Alben, wobei jedes für eine besmmte

regionale Spielweise steht. Ich gehe zwar nicht

bei allen seinen musikalischen Ansichten mit,

aber grundsätzlich ist das schon großarg

gemacht.

Die Besetzung eines Bluesband ist

genauso vielseig, wie seine Spielweisen.

Ursprünglich waren es die Solokünstler, die sich,

manchmal mit Harp, auf der Gitarre oder am

Piano begleiteten: Ma Rainey, Bessie Smith, der

unsterbliche Robert Johnson, Blind Lemon

Jefferson, Leadbelly… später dann begleiteten

Bands Leute wie Big Mama Thornton, Howlin’

Wolf, Muddy Waters, John Lee Hooker und viele,

viele mehr… über Stevie Ray Vaughn, Johnny

Winter, Rory Gallagher, Gary Moore, Buddy Guy,

Walter Trout, Keb Mo, Eric Bibb, bis hin zu Kenny

Wayne Shepherd, Eric Gales, Christone “Kingfish

“ Ingram und Joe Bonamassa. Die Liste könnte

man bis ins Unendliche ergänzen. Bei den Bands

und Big Bands kamen neben Gesang, Gitarre und

Piano dann noch Schlagzeug, Bass, Streicher,

Orgel, Bläser und eigentlich alles was sonst noch

so möglich ist oder gerade zufällig zur Hand war,

hinzu. Bands wie die Stones, Led Zeppelin und

sogar Black Sabbath begannen als Bluesbands.

Der Blues ist die Muer jeglicher Formen

moderner Musik. Egal ob Jazz, Country, Swing,

Folk, Schlager, Rock and Roll, Hard & Heavy,

Funk, Punk, Soul, Pop, Rap und so weiter. R&B

hat zwar nicht mehr viel damit zu tun, steht aber

für Rhythm & Blues. Der Blues ist neben der

Klassik, die einzige Musik, die Jahrhunderte

überdauert hat. Milerweile ist er im drien

Jahrhundert angekommen und wohl auch,

solange es Musik gibt, da sein wird. Egal ob auf

großen Bühnen, kleinen Clubs, verrauchten Bars,

Kneipen oder einfach zu Hause auf der Veranda

oder im Garten, bei der Arbeit und nach

Feierabend. Er funkoniert überall. Und warum?

Weil ihn jeder, der sich auf ihn einlässt, versteht

und weil ihm jeder schon, in irgendeiner Form

begegnet ist und weil ihn jeder schon gehabt hat.

Mich lässt er jedenfalls nicht mehr los! Ich will

das auch gar nicht, denn für mich ist er eine

Konstante in verrückten Zeiten, in guten wie in

schlechten, ein Trost, eine Hoffnung, ein Hafen

und ein Anker, ein Zuhause und eine große Liebe.

Und um die Frage vom Anfang zu beantworten:

Wann ist es Blues? Immer!

4 5



Neues aus Wolli’s Plattenkiste

Mit Wolfgang „Wolli“ Schmidder

Eric Gales - Crown

Mein Name ist Eric Gales-noch Fragen?

Mit diesen Worten beginnt die lange

angekündigte neue Scheibe von Eric

Gales.

Seine Kollaboraon mit dem allgegenwärgen

Joe B. und Josh Smith ließ mich eigentlich einen,

auf Perfekon getrimmten, scheckhegepflegten

Bausparkassenblues erwarten bzw. befürchten.

Go sei Dank hält sich das in durchaus

annehmbaren Grenzen, was an Mr. Gales himself

liegt… immer wenn er seine Strat (der Marke

Magneto) fauchen lässt, kommt die, von mir so

geliebte, Poron dreckiger Virtuosität in seinem

funkgetränkten Bluesrock voll zur Geltung.

Sae 16 Stücke befinden sich auf der Scheibe,

allerdings sind da auch ein paar mehrsekündige

Instrumentals vertreten, die auch

vielversprechend anfangen, deren Sinn sich mir

jedoch nicht erschließt.

Der Rest der Scheibe ist gut bis herausragend.

Herausragend wird’s immer dann, wenn Eric

Gales das tut, was er am besten kann… stragfunkigen

Bluesrock mit einer gehörigen Poron

Soul spielen und das macht er auf “Crown” zur

Genüge.

Der Opener “Death of me” ist großes Kino, inkl.

leichter Hip Hop-Einflüsse. Über “The

Storm”(coole Nummer mit Bläsersatz) geht’s zu

“I want my crown”. In einem packendem

Gitarrenduell fordert er hier augenzwinkernd die

Herausgabe “seiner” Krone von Mr. JB

persönlich. Klasse gemacht.

Mein Lieblingssong ist “Put that back”, der alle

Stärken von Gales hervorhebt… und die Ballade

”I found her” mit schönem Akkordeon und

spanischer Gitarre, aber auch der Rest macht

echt Spaß und wächst mit jedem Hördurchgang.

Unbedingt reinhören!!!

Eric Gales ist übrigens ein Linkshänder der eine

Rechtshänder-Gitarre spielt.

Die Basssaiten befinden sich also “unten”. Dies

fordert einen einzigargen Spielsl und das

macht ihn auch besonders!

checkout

J.B.O.

“Metal Was My First Love“

Erste Single vom neuen Album der Erlanger

Comedy Metaller ist eine Liebeserklärung an den

Heavy Metal

Jetzt mal ganz im Ernst: War die Erde je ein

gemütlicher oder gar freundlicher Ort?

Pandemien, Umweltkatastrophen, steigende

Bierpreise, da kann sich die Menschheit ja nur in

den Eskapismus flüchten. Also ab in den

Raumgleiter und hinauf zu den Sternen, wo ab

dem 18. März 2022 der „Planet Pink“ seine

Bahnen dreht. In Form eines neuen Albums der

Erlanger Spaß-Metaller von J.B.O.

J.B.O. sind seit über 30 Jahren die anerkannten

Fachkräe für lautstarken Eskapismus auf

allerhöchstem Niveau.

Edelmetallauszeichnungen und Chartposionen

in den Top Ten pflastern ihren Weg, „Planet Pink“

wird da keine Ausnahme machen.

Nun veröffentlichten die Franken ihre erste Single

aus dem Album – „Metal Was My First Love“.

Eine fantassche Neuinterpretaon des

weltberühmten Songs „Music“ von John Miles.

Der Song enterte im Jahr 1976 die Charts

und gehört seitdem zum

Kanon der Populärmusik.

J.B.O. verwandeln das

Orchesterarrangement

in eine Gitarrenarmee,

wobei Vitos Sammlung alter Amps

zum Einsatz kommt. Und auch

wenn der Titel in englischer Sprache gesungen

ist, haben die rosa Franken jetzt nicht plötzlich

vor, internaonale Superstars zu werden. Na gut,

ein bisschen vielleicht.

Auch wenn das Album unter gänzlich anderen

Umständen zustande kam als seine Vorgänger.

Normalerweise treffen sich die beiden Band-

Kapitäne Vito C. und Hannes „G.Laber“

Holzmann nämlich zum gemeinsamen

Ideenaustausch auf einer Couch. Dieses Mal

erfolgte selbiger pandemiebedingt durch das

Telefon, was aber erstaunlich gut funkonierte,

weil sich Vito und Hannes besser kennen als

eineiige Zwillinge. Auch wenn sie nicht unbedingt

so aussehen.

Aufgenommen wurde „Planet Pink“ einmal mehr

mit Christoph Beyerlein im Sound and Groove

Studio in Nürnberg. Beyerlein ist seit 1994 Teil

der rosa J.B.O.-Familie und im Studio längst das

füne Bandmitglied. Unter seinen

aufmerksamen Ohren wurden

die diversen Demos, die im

Vorfeld entstanden,

sorert und veredelt,

damit am Ende nur ein Planet am

Firmament in den

schrillsten Farben leuchtet: „Planet Pink“.

Foto: © Gregor Wiebke

6 7



8 9



2007 veröffentlichten sie ihr siebtes

Studioalbum. Prägnant für die erste Generaon

an kommerziell erfolgreichen Crossover-Bands

war der inhaltlich sozialkrische Bezug.

Clawfingers große Hits stammen aus dem

Zeitraum 1992–1996 (Nigger, The Truth, Pin Me

Down, Do What I Say). Anschließend landete die

Band noch zwei Charterfolge mit

Singleauskopplungen (Biggest and the best und

Out to Get Me) sowie bekannte Remixes für

Bands wie Rammstein oder Die Krupps. Durch

das Betreiben ihres eigenen Fear-and-Loathing-

Tonstudios in Schweden zusammen mit der Band

Meshuggah sind Clawfinger auch als

Produzenten zahlreicher Rap- und Metal-

Produkonen hinter der Bühne akv.

Am 4. März veröffentlichte die Kultband ihre

neue Single „Enviromental Paents“.

In dem Song finden die Musiker um Sänger und

Rapper Zak Tell mehr als deutliche Worte zur

Klimakrise. Wie man es von den Schweden

gewohnt ist, halten sie uns dabei auch nicht zu

knapp den Spiegel vor: im Song geht es darum,

dass wir zwar alle für Klimaschutz sind, diesen

aber schnell vergessen, wenn es an unsere

eigene Komfort-Zone geht. Vieles, von dem, was

wir in puncto Umweltschutz leisten, ist sehr viel

weniger konsequent als was es sein müsste, um

wirklich etwas bewirken zu können.

„Lasst uns mal echt mit uns selbst ehrlich sein“,

so Zak Tell. „Wir sind echt nicht so smart, wie wir

alle denken. Und wir sind auch nicht so bemüht

und umsichg, wie wir selbst von uns denken

und wie wir generell denken, dass der Mensch

sei.

Environmental Patients

Clawfinger ist eine Crossover-Band aus Schweden und Norwegen. Zu großer Bekanntheit im

europäischen Raum gelangte die Band Anfang der 1990er Jahre im aueimenden Crossover-

Trend. Die Skandinavier galten mit als Pioniere dieses Genres. Beim Abflauen der Crossover-

Welle büßten sie jedoch an Bekanntheit ein.

Offenbar fehlt uns die Einsicht, dass wir von

unseren Fehlern lernen müssen oder zumindest

mal komple begreifen, wie schlecht wir wirklich

mit uns und unserer Umwelt umgehen. Wir

haben großes Glück, diesen Planeten bevölkern

zu dürfen, aber wir wertschätzen es nicht. Ehrlich

gesagt wundert es mich fast, dass wir es

überhaupt so weit gescha haben.“

Eine starke Message, mit der sich Clawfinger

zurückmelden. „Wir haben immer versucht, die

Dinge zu sagen wie wir sie denken und dabei kein

Bla vor den Mund zu nehmen“, so Zak weiter.

„Unglücklicherweise ist vieles von dem, was wir

vor Jahren schon angeprangert haben, nach wie

vor aktuell.“

Viele Fans düre es mehr als nur freuen, eine

neue Single der Skandinavier auf die Ohren zu

bekommen, machte sich die Band zuletzt eher

rar. Seit 2007 erschien kein neues Album mehr.

Nun melden sich die Musiker mit neuer Single

und neuen Tourdaten im Gepäck zurück. Die, so

ho man im Moment, können nach über zwei

Jahren des permanenten Verlegens und

Verschiebens nun auch endlich stainden. „Wir

haben uns beim Altern sehr gut geschlagen“,

bringt Zak Tell seine ironische Seite hervor. „Mal

abgesehen von einigen grauen Haaren und

schlechten Knien. Falls ihr also ein paar Jungs in

ihren besten Jahren sehen wollt, die immer noch

riesig Spaß haben und auf der Bühne

herumspringen, dann holt euch ein Ticket und

kommt vorbei!“

10 11



pp

Sex, Drugs & Symphonies

Eine Buchrezension von Chrizz B. Reuer

über „SEX, DRUGS & SYMPHONIES“ von Bernd Franco Hoffmann

Ich höre im Geiste die Smme von Marcel Reich-

Ranicki, wie er zu Lebzeiten sein Urteil

abgegeben häe: „Ein außergewöhnliches

Buch!“ – und ich klappe selbiges zu.

In der Tat ist es ein besonderes Werk, das mich

über das letzte halbe Jahr beschäigt und: in

Atem! gehalten hat... mit 560 Seiten und großem

Format ein regelrechter Wälzer. Darin vermochte

bei parallelem Lesen anderer Bücher in gleicher

Zeit die Spannung und das Interesse nie

nachlassen. Was etwas heißen mag, ein solcher

literarischer Brocken im vorliegenden Ausmaß

MUSS fesseln, denn sonst würde er nach

spätestens 100 Seiten ad acta gelegt!

Was macht es so besonders?

Zum einen ist es bei "Sex, Drugs & Symphonies"

das Thema, das hier anhand der Geschichte (der

prägenden Jahre) einer fikven Rock-Band ART -

Adrian, Riggbert & Theyler - behandelt wird: wir

begleiten dieses Triumvirat, das voller

hochtrabender Umstände Rekorde in

Plaenumsätzen und Zuschauerzahlen bei

bombassch inszenierten Konzerten erringt,

durch die gesellschalich-polischen Wirren der

1970er Jahre. Das bedeutet: höchst progressive

Erwartungen an populäre Musik. Sie machen

KUNST (s. Bandname) auf sich zu Doppelalben

erweiternden Konzeptwerken, Vergleiche

anregend zu den realen Heroen jener Sphäre,

Pink Floyd, Yes oder besonders ELP - Emerson,

Lake & Palmer...

Auffallend ist jedoch, dass hier nicht lediglich

eine besmmte Fanszene von Musik-Nerds und

Checkern angesprochen und mit Spezialwissen

angefüert wird. Vielmehr kann sich, spannend

erzählt, in zeitgeschichtliche Begebenheiten

vere werden, die sich zu jener Epoche

ereigneten. Der Leser kann sich freuen auf

dramasche polische Verstrickungen (Fidel

Castro, CIA, Ceausescu...) und romansche

Episoden (u.a. Romy Schneider...), und alles in

allem wird der kokainbefeuerte Größenwahn

unserer Protagonisten auf jeder einzelnen Seite

miterfühlt. Sprich: wir sind nicht nur dabei

sondern darin!

Unsere 3 musikalischen Muskeere könnten

gleichzeig unterschiedlicher nicht sein, vom Typ

her.

Bandleader Michael Riggbert kokeert

zeitgeistsmmig mit allem was polisch links ist,

knüp Kontakte und bereitet die Weltrevoluon

vor! Eine einnehmende Persönlichkeit und ein

Abenteurer, dem man wohlwollend verzeiht,

dass sein Gesang und Gitarrenspiel gelegentlich

in den Hintergrund geraten. Jedoch nimmt er gar

zur Verfeinerung seiner Bühnenqualitäten eigens

Schauspielunterricht beim berühmten

Impressario Lee Strasberg...

...wie überhaupt vom zuweilen aufstöhnenden

Management der Band keine Mühen und Kosten

gespart werden, Ruhm und Erfolg zu mehren. Es

werden Burgen auf der Bühne aufgebaut,

Schienen quer durch die Halle verlegt und Licht-/

Explosions- Effekte sind noch das Mindeste, was

zur Freude der Fans aufgeboten wird!

Riggbert ist das Aushängeschild, das 'Gesicht' der

Band. Der kluge, charismasche Held mit

Abgründen, und es wird klar, dass Romy

Schneider auf einer Party mit ihm und keinem

anderen anbändelt.

Wolfgang Adrian, der Keyboard spielende

Sensible, ist das krasse Gegenteil zu Riggbert. Ein

in sich zurückgezogener Künstler, der sich die

Umsetzung seiner klassischen Ideale in der

Musik der Band zum hehren Ziel genommen hat,

den aber gleichzeig die wachsenden

finanziellen Möglichkeiten praksch 'zwingen',

immer teurere Synthesizer und Spezial-

Instrumente anzuschaffen und immer größere

Perfekon anzustreben!

Er findet keine Ruhe, da er sich immer mehr in

sein Instrumentarium vergräbt und sein Konsum

des elektrisierenden weißen Pulvers bald jegliche

Dimension sprengt.

Gleichzeig findet Adrian echte Liebe in der

Beziehung zum transsexuellen Showgirl Candy,

leidet aber in seiner Künstlerseele unter der

Eigendynamik der Ereignisse und den

egogetriebenen Eskapaden unter der 'Fuchtel'

von Michael Riggbert...

Drier im Bunde ist Schlagzeuger Stefan

Theyler, der durch hedonissche Lebensfreude

die Band-Geschichte mirägt. Er genießt das

Star-Sein in vollen Zügen! Auch seine Schlagzeug-

Ausrüstung wird immer größer und

bombasscher, doch was ihn am meisten

umtreibt, ist, als unkomplizierter Typ alles

mitzunehmen, was sich dem reichen

prominenten Rocker bietet, von schnellen Autos,

hin zu ausschweifenden Sex-Vergnügungen.

Was den Schreibsl von Bernd Franco Hoffmann

ausmacht, ist, über die lange literarische Strecke

Sympathie und Verständnis für jeden der drei

Typen, so verschieden sie sind, aufzubauen und

aufrecht zu erhalten.

Dem Rezensenten war es vergönnt,

in behaglichen Lesestunden das infernalische

Trio kennen zu lernen und sie lieb zu gewinnen!

Sie werden über die 560 Seiten zu guten

Bekannten!

Das ist sehr viel, nimmt man zur Kenntnis,

dass Hoffmann als zusätzliche Schwierigkeit auf

sich genommen hat, das ganze Werk als großes

vergnügliches Drama in Rede und Widerrede zu

verfassen. Ein Ding, was mein vorgestellter

Reich-Ranicki (s.o.) vermutlich besonders lobend

herausstellte: "Wir haben es hier mit einem

Dialog-Roman zu tun!", könnte man jenen als

innere Smme hören... was dem Ganzen im

Lesen keinen Hochkultur-Abbruch tut, denn nach

den ersten Seiten ist man bereits so in die

Handlung vere, dass der technische 'Kniff'

nicht mehr bemerkt wird, in den Hintergrund

tri. Ganz im Gegenteil: die wörtliche Rede in

Interviews (auch mit anderen Beteiligten wie

dem Manager und dem Plaenboss) macht es

lebendig und lässt immer mehr das Profil jedes

Band- (oder auch: Gang- :-)) Members erkennen.

Was mich definiv zwang, es bis zum furiosen

Ende... (nichts sei verraten... vorläufig, denn ein

zweiter Teil ist in Arbeit...) zu lesen.

Meine Empfehlung!

Gebundene Ausgabe:

ISBN-13: ISBN: 978-3-347-20683-0

Verlag/Herausgeber: Tredion Erscheinungsdatum:

2021-03-11

Seitenzahl: 564 Seiten

Buchpreis: 29,99 Euro

Taschenbuch:

ISBN-13: ISBN: 978-3-347-20682-3

Verlag/Herausgeber: Tredion Erscheinungsdatum:

2021-03-11

Seitenzahl: 564 Seiten

Buchpreis: 19,99 Euro

eBook:

ISBN-13: ISBN: 978-3-347-20684-7

Verlag/Herausgeber: tredion Erscheinungsdatum:

2021-03-11

Seitenzahl: 564 Seiten

Buchpreis: 2,99 Euro

12 13



pp

Stereo Total's

Party Anticonformiste

10 Comics zu Lieblingssongs aus über 25 Jahren Bandgeschichte

Auf insgesamt 16 Alben haben Stereo Total seit 1995 ihr musikalisches Konzept zwischen

überdrehtem Chanson, Punk und Elektronik ausgelebt. Sängerin Françoise Cactus und

Mulinstrumentalist Brezel Göring haben als Traumpaar der deutschen Musikszene jenseits

des Mainstreams stets die Waage zwischen Albernheit und Ernst, Irrsinn und Popappeal gehalten.

Als im Februar 2021 Françoise Cactus verstarb, wurde deutlich, welche Lücke die Sängerin in der

deutschen Poplandscha hinterlässt.

Um der Erinnerung an die Band und an Françoise Cactus eine weitere Facee hinzuzufügen, haben

wir zehn Comiczeichner:innen und Illustrator:innen gebeten, jeweils einen Song von Stereo Total in

Bilder zu übersetzen. Freund:innen, Fans und Bewunderer haben in sehr persönlichen Zugängen

ihren Lieblingssong aus über 25 Jahren Bandgeschichte umgesetzt. Und auch von Cactus selbst ist

ein Comic im Buch – eine von ihr gezeichnete Umsetzung des Liedes »Comic Striptease Girl«.

Darüber hinaus hat Brezel Göring zu jedem Song persönliche Erinnerungen an Françoise Cactus

beigesteuert.

Das Line-up:

Milk and Wodka: »Dactylo Rock« (Von: »Oh Ah«, 1995)

Françoise Cactus/Anton: »Comic Striptease Girl« (Von: »Juke-Box Alarm«, 1998)

Christopher Tauber: »Tout le monde se fout des fleurs« (Von: »My Melody«, 1999)

Mia Oberländer: »Die Krise« (Von: »My Melody«, 1999)

Eva Müller: »Babystrich« (Von: »Do the Bambi«, 2005).

Pam: »Ich bin nackt« (Von: »Do the Bambi«, 2005)

Ricaleo: »Divines Handtasche« (Von: »Baby Ouh«, 2010)

Jule K.: »Doktor Kaktus« (Von: »Les Hormones«, 2016)

Ulla Loge: »Ich bin cool« (Von: »Ah, Quel Cinéma«, 2019)

Gunther Buskies, Jonas Engelmann (Hg.)

Venl Verlag, ca. 128 Seiten

Hardcover, farbig

VÖ: 14. März 2022

25,00 €(D)

ISBN 9783955751708

14 15



Dirty Sound Magnet

DSM III

DIRTY SOUND MAGNET ist ein Psychedelic Rock-Power-Trio aus Fribourg, Schweiz. Ihr Sound

atmet den atmosphärischen Rock der 60er/70er Jahre. Aufgrund ihres intensiven Grooves,

ihrer Energie und ihrer instrumentalen Virtuosität wird die Band o mit Led oder einer

energiegeladeneren Version von Pink Floyd verglichen-ihre Mysk erinnert stellenweise an The

Doors. Mit etlichen moderneren Einflüssen (Tame Impala, King Gizzard und The Lizzard Wizard)

und teils sarkasschen Texten, die sich mit sozialen Missständen beschäigen, besitzen Dirty

Sound Magnet ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Die Vintage-Psychedelic-Rocker DIRTY SOUND

MAGNET brachten mit ihrer Blues-Rock-Single

"Heavy Hours" einen neuen Vorboten aus ihrem

Anfang 2022 über Hummus Records

erscheinenden Album an den Start. "Heavy

Hours" präsenert die Band dabei in einem völlig

neuen Licht. Der psychedelische und

experimentelle Soundcharakter der Band wird

darin auf das Wesentliche reduziert. Stadessen

dominiert eine süchg machende Blues-Rock-

Melodie, angetrieben von Stavros Dzodzosz‘

charismascher Slide-Gitarre den Sound.

Schmutzig, rau und magnesch kämp sich die

Single sofort in alle Gehörgänge.

Stavros Dzodzosz (Gitarre/Gesang) kommenert:

„Auf unserem vorherigen Album Transgenic

haben wir konzeponell sehr ef gegraben. Es

steckt viel Symbolik drin und die Soundscapes

sind sehr aufwendig. Ich sehe dieses Album als

abstraktes Gemälde, das viel über die Welt zu

sagen hat. Wir haben damit genau das Gegenteil

von dem gemacht, was wir noch beim letzten

Werk zeigten.

Das ganze Album basiert auf purer Energie und

Elektrizität. Die neue Single „Heavy Hours“ ist

intensiver, lebendiger Blues Rock’n’Roll, etwas

sehr greif-und fühlbares. Wir haben uns komple

auf das fokussiert, was von jeher unsere

Leidenscha ist.

Der Song erzeugt sofort eine ungeschliffene,

pure Livesmmung."

Das kommende Album von DIRTY SOUND

MAGNET atmet Blues-Rock- und Boogie, und

verleiht dem Vintage-Psychedelic-Rock-Sound

der Band eine ganz neue Handschri. Der Band

war ein natürlicher und authenscher Klang

wichg und reduzierte sich daher auch bei der

Produkon aufs Wesentliche - nur wenige Mikros

und ein Vintage-Mischpult sind das

Geheimrezept für den organischen und

kravollen Sound. Alle Songs wurden von Stavros

Dzodzos geschrieben, von Marco Moolini

aufgenommen, von Stéphane Chapelle gemischt

und von Paul Gold von Salt Mastering, New York

(USA) gemastert.

2017 veröffentlichten DSM ihr Debütalbum

„Western Lies“ beim Berliner Plaenlabel

Noisoluon. Kurz darauf gewann die Band für

ihre Single "Homo Economicus" den Preis "Best

Swiss Rock Song". Nach einer ausgiebigen Tour

mit mehr als 350 Shows in ganz Europa erschien

2019 ihr episches Konzeptalbum „Transgenic“.

Während einer zwangsweisen Covid-19-entstand

das im November 2020 veröffentlichte Live-

Session-Album "Live Alert". Das Album macht die

enorme Improvisaonsfähigkeiten des Trios

deutlich.

16 17



Interview: Dirk Conrads

Text: Sören Worofsky

Alles Retro oder was?

Das Interview mit Stavros Dzodzos von der Band

Dirty Sound Magnet

Dirk Conrads: Ihr nennt euch selbst Psychedelic

Rock Power Trio mit dem Vorsatz »Vintage«.

Das klingt für mich erst mal Retro – seid ihr

selber Retro oder steht ihr darauf?

Stavros: Ich würde sagen, dass unsere Einflüsse

so sind. Was mir in den 60er- und 70er-Jahren

sehr gefallen hat, es gab damals viele Freiheiten

in der Musik; das Album war quasi das Konzert

und die Musiker haen viel Platz sich

musikalisch auszudrücken.

Darum war sie auch sehr kreav. Heute ist es

eher Single orienert. Darum sind wir so

»vintage«, also irgendwie Retro, weil wir noch

der Philosophie folgen der musikalischen

Kreavität viel Platz zu geben und nicht alte

Musik machen. Wir nehmen gerne live auf, wir

produzieren noch das klassische Album, wir

nehmen uns die Freiheit und beschränken uns

nicht nur auf einen musikalischen Sl. Daher

»Retro« aber nur in philosophischer Hinsicht

gemeint.

Könnte man euch als Band als myssche

Reisende auf den Weg auf die Zukun nennen?

Stavros: Unsere Lyrik ist sehr polisch, aktuell

und orienert sich auch an die Zukun.

Wir verwenden Loops und Effekte, die auch in

der elektronischen Musik zu finden sind.

Wenn du auf einem unserer Live-Konzerte bist,

wirst du es merken. Das musikalische Feeling bei

uns ist schon eine Mischung aus Vergangenheit

und Zukun.

Der vorab veröffentliche Track »Heavy Hours«

ist sehr Slide-Gitarren lasg – also nicht

Psychedelic. War das so geplant?

Stavros: Eigentlich ist es ein alter Song. Es war

aus unserer Sicht fast ein Album-Killer, dann gab

es aber Leute, denen hat er gefallen. Und es ist

cool zu spielen: einfacher Blues-Rock, nicht

kompliziert – es ist halt einer unserer Sle. Da

sind wir echt klassisch und weniger Psychedelic.

Jetzt hat COVID-19 vielen Bands einen ganz

dicken Strich beim Thema Planung der Touren

gemacht. Ihr habt 2020 eure Europa-Tour

absagen müssen, seid dafür aber in das Studio

gegangen. Herausgekommen sind zwei tolle

Alben: Einmal das Album »Live Alert« und

»DSM III«, was jetzt im März erscheint. Kannst

du mir verraten, was die Fans auf diesen Alben

erwarten können?

Stavros: Unsere zwei ersten beiden Alben

(»Western Lies« und »Transgenic«) waren sehr

konzeptuell. Es gab sehr viel Arbeit im Studio –

es sind experimentelle Alben.

Unsere Fans haben uns dann gefragt: Warum gibt

es diese Energie (die wir live machen) nicht auch

in den Alben? Das macht Sinn haben wir uns

gedacht und das Album »Live Alert« produziert.

Eigentlich sollten die Aufnahmen dafür auf den

Touren produziert werden aber das war wegen

den etwa 100 abgesagten Konzerten nicht

möglich. Dann haben wir unsere Titel im Studio

produziert.

Die Produkon von »Live Alert« ist eine schöne

Überraschung für uns gewesen, denn es war

bislang das erfolgreichste Alben von uns.

Dann haben wir uns bei dem Album »DSM III«

gedacht: Wieso machen wir das neue Album

nicht auch so – also nicht experimentell, sondern

live zu dri im Studio. Das ist ja eigentlich auch

unsere Stärke: Live zu spielen. Wir spielen seit

einer Ewigkeit zusammen, proben seit 10 Jahren

jeden Tag. Warum sollten wir auf dem neuen

Album also nicht zeigen, dass wir zusammen

diese Energie haben? Das Album »Live Alert« hat

uns erst gezeigt, dass wir auch im Studio live

spielen können. »Live Alert« ist zwar im Studio

produziert worden und ein Studio-Album aber

eben »live«. Viele Songs haben wir schon seit

Jahren auf der Bühne gespielt, somit sind sie gut

eingeübt. Darum war es auch so einfach das

Album zu produzieren. Wir haben dabei viel Spaß

gehabt. Wir freuen uns echt auf dieses Album.

Ich habe gehört, dass du Social Media und das

Internet nicht so toll findest. Sind die Songs

»Social Media Boy« und »Social Media Girl« auf

dem Album »Live Alert« eine Abrechnung zu

dem Thema?

Stavros: Es ist eine Krik und auch ein Paradox,

weil wir dort eben auch »beliebt« sein müssen.

Wir verwenden diese Möglichkeit ja auch, denn

es ist eben eine wichge Gelegenheit darüber

unsere Musik zu veröffentlichen. Es ist schon

eine Krik, doch wir sind letzten Endes auch

darauf angewiesen. Es gibt so viele Sachen, die

krisiert werden können. Social Media ist auch

nicht immer einfach (zu verstehen). Viele sagen,

es sei über das Internet einfacher seine Musik an

die Fans zu bringen.

Wenn du einen Song hast der 20 Minuten dauert

ist es nicht opmal für Musiker, wenn im Internet

eine Hörprobe von 20 Sekunden darüber

entscheidet, ob jemanden der Song gefällt oder

nicht. Das Internet, Social Media und Spofy sind

dafür nicht geeignet. In bin mir auch nicht sicher,

wenn in der heugen Zeit zum Beispiel Pink

Floyd neu erfunden worden wäre, sie auch den

gleichen Erfolg gehabt häen. Das Format

»Internet« ist dafür nicht geeignet. Wenn du

etwas musikalisch Komplizierteres machst mit

mehr Emoonen ist es schon schwer. Heute

braucht man Musik für Katzenvideos zum

Beispiel.

Ich bin schon ein bisschen enäuscht wie sich die

Musik entwickelt. Aber für uns ist es ganz wichg

so zu bleiben, wie wir sind und auf dem gleichen

Level zu sein. Wir werden die Musik nicht

verändern, weil es das Internet und Social Media

gibt. Das macht es vielleicht schwerer für eine

Promoon aber es ist wichg zu seiner Musik zu

stehen.

Ihr habt sehr komplexe Texte in euren Songs.

Wenn ihr jetzt live spielt, werden diese Texte

vom Publikum auch verstanden?

Stavros: In England schon eher aber ich würde

sagen, bei der Rock-Musik hörst du bei einem

Live-Konzert die Texte normalerweise nicht so

gut. Es ist eine gute Frage, wir kommen aus der

Schweiz und aus der französischen Seite der

Schweiz. Da war es schon frustrierend für mich,

wenn die Fans meine Texte nicht gut verstanden

haben.

18 19



Es ist schon wichg für unsere Musik. Dadurch,

dass wir internaonal und auch in England

spielen verstehen die Fans vielleicht nicht alles

live aber dafür besser auf dem Album daheim.

Es ist schon gut, dass wir ein bisschen mehr

Publikum haben, das auch Englisch versteht. Auf

so einem Live-Konzert ist es aber immer

schwierig Texte deutlich zu verstehen.

Das denke ich mir. Habt ihr schon mal daran

gedacht Songs auf Französisch zu

veröffentlichen?

Stavros: Wir sind zwar internaonal, ich bin halb

Grieche, halb Ungar und in der Schweiz

aufgewachsen. Bassist Marco ist Italiener, der

Schlagzeuger ist auch aus der Schweiz. Wir haben

immer englischen Rock gehört aber noch nie an

so etwas gedacht. Aber man weiß nie. Vielleicht

werde ich mal einen Song auf Ungarisch

schreiben, keine Ahnung.

Oder vielleicht auf Französisch oder auf Deutsch

– mit französischem Akzent! Vielleicht hat das ja

ein bisschen Charme ...

Es hat Charme – absolut! Dieser französische

Akzent kommt bei den weiblichen Fans

unheimlich gut an, denke ich mir. Wie geht’s

weiter nach der Veröffentlichung eures Albums

»DSM III«. Was steht noch alles an bei euch?

Stavros: Wir werden wieder auf Tour sein, wenn

es möglich ist. Von März bis Juni wollten wir

unterwegs sein, dann kommen wir auch nach

Deutschland. Ich habe immer gerne dort

gespielt. Ich finde, das Publikum schätzt diese

Musik. Zurzeit nehmen wir schon ein neues

Album auf. Wir haben noch ein paar Wochen zu

spielen, dann können wir es mischen.

Von jetzt an probieren wir ein Album pro Jahr zu

veröffentlichen, weil wir sehr viele Songs

geschrieben haben.

Es ist frustrierend, wenn du fünf Jahre wartest

bevor du die Songs live spielst und auch auf der

Plae hast.

Jetzt geben wir beim Aufnehmen Vollgas. Das

Studio hat uns während der Pandemie unter

diesen Umständen gereet.

Normalerweise sind wir es gewöhnt häufig auf

der Bühne zu sein und das brauchen wir auch,

um die Fans zu begeistern. Hoffentlich wird alles

wieder normal.

Ich drücke euch ganz, ganz fest die Daumen,

Stavros. Vielleicht kommt ihr auch irgendwann

mal nach Köln und dann können wir uns mal

kennen lernen. Das wäre toll.

Vielen Dank für das Interview! Es war wirklich

sehr charmant – vor allen Dingen auf Deutsch!

Stavros: Ich habe sonst nie die Gelegenheit mein

Deutsch mal zu üben. Es war zwar schwer, aber

es war schon ok. Wenn wir uns sehen, dann geht

das mit dem Sprechen besmmt schneller.

Dirk Conrads: Ich fand’s toll, große Klasse!

20 21



LALU

Paint The Sky

Es ist mit Abstand das erfolgreichste und ausgereieste Album, das Vivien Lalu bisher

in seiner Karriere zusammengestellt hat. Als Sohn zweier progressiver Musiker aus

den 70er Jahren und umgeben von progressiver Musik aufgewachsen, wollte Vivien

schon immer ein rootsgetreues Progressive-Rock-Album machen.

Er verbrachte viel Zeit damit, die Grundlagen für das neue Werk festzulegen und

zusammen mit diesem neuen Album kommt eine Änderung des Sängers, die speziell

für diese progressivere Version von LALU entwickelt wurde.

Vivien Lalu hat eine Kurzbiografie für alle diejenigen geschrieben, die sich die Zeit nehmen

möchten, in seine Fantasiewelt einzutauchen.

"Ich wurde am 2.Dezember 1978 in Paris,

Frankreich, geboren. Meine Eltern spielten in

einer französischen Progressive-Band namens

Polène. Sie gewannen viele Rockwebewerbe

und ihre Musik wurde von YES und KANSAS

inspiriert, aber leider mussten sie mit ihrem

ersten Vertrag aufgeben, weil ich geboren wurde

und meine Muer (Keyboards) sich um mich

kümmern musste. Mein Vater (Gitarre & Gesang)

wollte nicht ohne sie weitermachen und hat-in

gewisser Weise-seinen Traum für mich geopfert.

Ich hae eine glückliche Kindheit. Ich habe spät

angefangen, Synthesizer zu spielen und hae nie

die Gelegenheit, am Konservatorium zu

studieren. Soweit ich mich erinnern kann, habe

ich im Alter von zehn Jahren mit der Musik

angefangen, als ich im Zimmer meines Cousins

ein kleines Keyboard entdeckte. Jedes Mal, wenn

ich meinen Onkel besuchte, konnte ich nicht

widerstehen, in den Raum zu gehen und zu

spielen.

Zu Weihnachten, als ich zwölf war, bekam ich

mein erstes Keyboard von meinen Eltern

geschenkt.

Es war ein Yamaha PSR-28, ein sehr altes kleines

Keyboard, aber es war der Anfang vom allem was

noch kommen sollte. Meine erste Absicht (wie

damals, als ich bei meinem Onkel spielte) war es,

eigene Musik zu komponieren. Ich liebte es, alles

auf Band aufzunehmen und mit Freunden zu

teilen. Aber der Sound war zu beschissen, so

dass ich nicht wirklich begeistert davon war,

Musik zu machen. Die «Leidenscha» kam viel

später...

Am Ende meiner Junior-High-School-Zeit hae

ich einen befreundeten Gitarristen, mit dem ich

Schlagzeug spielte und das sogar auf Pfannen (ha

ha)!!!

Ich habe es immer geliebt, Drums zu spielen.

Auch wenn ich ein beschissener Schlagzeuger

war und bin. Ich war zu dieser Zeit nicht daran

interessiert, Keyboards zu spielen. Ich habe mit

einem "sehr kleinen bisschen" Gitarre spielen

angefangen, da ich ein Fan von Megadeth und

Sepultura bin. Auch muss ich erwähnen, dass

meine ersten Schlagzeug-Tryouts von Metallica

waren.

22 23



Später, während meines High-School-Studiums,

zeichnete einer meiner besten Freunde Mangas.

Ich war wirklich aufgeregt, Musik für seine

Geschichten zu komponieren, also begann die

wahre Leidenscha für Keyboards hier. Wir

haen zu dieser Zeit davon geträumt, einen

Anime-Film zu machen. Ich habe viele Opener

und Hintergrundmusik (BGMs) für diesen Zweck

gemacht, aber wir haen leider nie die Chance,

dies zu erreichen.

Zu dieser Zeit bekam ich mein Keyboard, ein

PSR-620. Natürlich ein weiteres beschissenes

Teil, aber viel besser als das Alte. Noch in der

High School fragte mich ein anderer Freund, ob

ich seiner "Coverband" als Keyboarder beitreten

möchte. Ich sagte JA, und wir bekamen den

ersten Gig ziemlich schnell! Nach kurzer Zeit

fingen wir an, eigenes Material zu komponieren,

und die Band bekam den Namen: TIME FOR A

CHANGE

Es war ein Dark-Metal/Black-Metal-Projekt, aber

ich verließ die Band schnell. Ich habe meine

erste Dream Theater CD, das Meisterwerk

Images and Words, zu meinem Geburtstag

bekommen und es hat meine Vorstellung von

Musik total verändert.

Zu meiner großen Überraschung dachte ich nie

daran, Metal mit der Art von Musik zu mischen,

die mein Vater spielte... Progressive Rock, mit

diesen verträumten Keyboards und so... WOAW!

Ich verließ die Band mit einem der Gitarristen, da

wir all das Heavy-Progressive-Zeug spielen

wollten, das wir in der Doom-Metal-Band nicht

spielen konnten (einige unserer Ideen klangen

wahrscheinlich zu glücklich).

So endete die Geschichte und wir beschäigten

uns mit der Gründung von SAD WARDEN, meiner

ersten progressiven Band überhaupt! Ich erinnere

mich, dass ich auch Klavierunterricht bei einem

erstaunlichen Musiker namens Emmanuel David

(Schüler von Thelonius Monk) nahm.

Die Wahrheit ist, dass ich nicht ernst genug war,

um das Instrument zu üben und zu dieser Zeit

wurde mir klar, dass ich mehr ein Komponist als

ein echter "Live-Musiker" war. Ich weiß, dass ich

ein bisschen mehr arbeiten sollte, um ein

"Tastatur-Zauberer" zu werden, aber ich habe

einfach nicht genug Zeit oder Movaon dafür!

Ich kann einfach nicht auören zu komponieren

und meinen eigenen Scheiß zu üben. Hey! In

diesem goldenen Zeitalter habe ich die Maschine

meiner Träume bekommen, die unverzichtbare

Roland Xp-80 Workstaon und jetzt kann ich nicht

mehr ohne sie leben!

Nach einigen Enäuschungen und erfolglosen

Versuchen mit unserem ersten Sänger bekam

Sad Warden einen echten Schlagzeuger, also

verabschiedeten wir uns von Mrs. Drum Machine

und ein neuer Sänger Gilles Petersen / ANKH.

Kam zu uns.

Die Band änderte ihren Namen in MIND'S

ORCHARD, und das war eine sehr coole Zeit

voller Proben. Gleichzeig studierte und

arbeitete ich teilweise als Webmaster.

An diesem Punkt angelangt, hörte ich mit der

Arbeit auf, nur um zu Hause Musik machen zu

können. Bald war ich gezwungen, meinen Job zu

kündigen. Sie können sich die Situaon leicht

vorstellen, weil ich etwas Ernstes aus meiner

Kunst machen wollte. Und weil ich erkannte,

dass ich nur süchg nach Musik war. Ich habe ein

Demo mit einigen meiner Songs aufgenommen,

außerdem habe ich ein selbstbeteltes Demo mit

3 Tracks mit Mind's Orchard gemacht. Alles im

Sommer 2001.

Leider dauerte Mind's Orchard nur eine Weile.

Die meisten Jungs verloren das Interesse, weil

die Zeit fehlte und dergleichen. Alles in allem

wurde es für mich zu einer Gelegenheit, etwas

Persönliches zu machen, ein ernsthaes

"Lebensprojekt". So habe ich Ende 2001

SHADRANE gegründet.

In der Zwischenzeit lernte ich Hubi Meisel im

Internet kennen und komponierte zwei Alben für

ihn. Ich komponierte die gesamte Musik,

während Hubi Meisel das Konzept und seine

Vocalines und Texte schrieb.

Nun, da die Produkon von Shadrane immer

noch viel Zeit in Anspruch nahm, vor allem

wegen des fehlenden Budgets und der Anzahl

der musikalischen Gäste, habe ich mir die Zeit

genommen, Oniric Metal auszuarbeiten und

einige originelle Ideen aufzunehmen, die ich

hae und die ich nie für Hubi Meisel

veröffentlicht habe, sowie einige neue Songs, die

im Winter 2003/2004 komponiert wurden.

OK genug jetzt... Ich mag es, einige dunkle Dinge

über mich, mein Leben und meine Projekte zu

hinterlassen, falls Sie mich an dem Tag, an dem

Sie mich treffen werden, etwas zu fragen haben,

ha ha!

Heute bin ich entschlossen, meine Plaen zu

veröffentlichen. Es wird meinem größten Traum,

Musik zu machen, einen Sinn geben!

Denn das ist genau das, was ich bin. Noch ein

Kind, das Musik macht..."

Aus dem englischen übersetzt von Dirk Conrads

Quelle: lalusworld.com und www.metalinside.de

Foto: © elia für Pexels

24 25



LALU`s Progressive Metal Recordings

ONIRIC METAL (2005)

Zu dieser Zeit begann Lalu, seine eigenen

Mitarbeiter aus großen Prog- und Metal-Bands

zu rekrueren – von denen einige zeitgleich

Musik im Progressive-Metal-Act Shadrane

komponierten – und gründete sein eigenes

Soloprojekt: LALU. Auf dem ersten Album "Oniric

Metal" traten unter anderem Gitarrist Joop

Wolters, Ryan Van Poederooyen (Devin

Townsend Band) am Schlagzeug, Bassist Russel

Bergquist (ex-Annihilator) und Marn LeMar

(Mekong Delta, Nachtgeschrei) am Gesang auf.

Das Album wurde 2005 auf Lion Music

veröffentlicht und markierte ein neues Kapitel für

diesen Komponisten und sein unersäliches

Bedürfnis, bewusstseinserweiternde, filmische

Musik zu schaffen.

Diese Leistungen halfen Lalu, Score- und

Soundtrack-Arbeiten für Film und Fernsehen zu

sichern. In den letzten Jahren hat er viele Cues

für den orchestralen Soundtrack für den Warner

Bros-Film Seuls Two und für die Show Science X

in Zusammenarbeit mit Lucasfilm Ltd.

geschrieben.Zusätzlich trat er dem

Produkonsteam hinter Laszlo Jones bei, um die

Aufnahme und Produkon von Banana Naon

(Universal Music Group) zu unterstützen. Lalu hat

viele Soundtracks für das französische

Fernsehen, Musik und Soundeffekte für Neko

Entertainment komponiert, neben der Arbeit als

Sounddesigner für Ubiso Entertainment und

vieles mehr.

ATOMIC ARK (2013)

Nach der Zusammenarbeit mit Shadow Gallery

für einen Song auf ihrem Album "Digital Ghosts"

und der Zusammenarbeit mit dem kanadischen

Schlagzeuger Chris Nalbandian für sein

Soloalbum "Paralysis of Analysis" – bei dem er

alle Tasten aufnahm und Soli mit Derek Sherinian

und Alex Argento teilte – ließ sich Vivien

schließlich nieder und begann mit der Arbeit am

zweiten LALU-Opus. Vivien übernahm alle

Komposions- und Songwring-Aufgaben sowie

alle Keyboards und webte zusammen mit Sänger

Marn LeMar, Bassist Mike LePond (Symphony

X), Gitarrist Simone Mularoni (DGM) und dem

renommierten Schlagzeuger Virgil Dona (Planet

X, Allan Holdsworth) das Gewebe des neuen

Albums.

Die Aufnahmen fanden in mehreren Ländern

sta, darunter die Vereinigten Staaten (Los

Angeles und New York), Deutschland und Italien.

Das Album wurde von Lalu in seinem eigenen

Studio produziert und im Boumbox Studio in

Paris von Yan Memmi gemischt (Dios "Lock Up

The Wolves", Marcus Millers "The Sun Don't Lie"

usw.). Weitere Beiträge kamen von Jens

Johansson (Stratovarius), Joop Wolters

(Shadrane), Jordan Rudess (Dream Theater),

Marco Sfogli (James LaBrie), Mike Andersson

(Cloudscape) und Peter Wildoer (James LaBrie).

Das Endprodukt mit über fünfzig Minuten

außergewöhnlichem, massivem filmischem,

atmosphärischem Metall wurde

"Atomic Ark" genannt.

Das Album wurde sofort nach dem Hören des

Opus von Sensory Records unter Vertrag

genommen und 2013 weltweit veröffentlicht.

Live At P60

Die besten Songs von 'Oniric Metal' und 'Atomic

Ark' wurden nun lebendig eingefangen. Im

Frühjahr 2014 wagte sich Vivien Lalu auf eine

einzigarge Live-Tour und spielte nur wenige

ausgewählte Shows mit dem All-Star-Line-up von

Atomic Ark von Marn LeMar, Mike LePond,

Simone Mularoni und Virgil Dona und fügte

Joop Wolters als zweiten Gitarristen auf der

Bühne hinzu. Nach einigen Wochen Übung

gipfelte die kurze Tour im Live-Mitschni am

Finalabend im holländischen Club P60.

Produziert von Vivien Lalu selbst, gemischt und

gemastert von Simone Mularoni im Dominaon

Studio, wurde das digitale only 'Live at P60'

offiziell am 29. Juni 2015 über Bandcamp, iTunes,

Google Play und Amazon veröffentlicht.

Paint The Sky (TBR, 2022)

Als Sohn zweier Musiker aus den 70er Jahren und

umgeben von progressiver Musik aufgewachsen,

wollte Vivien Lalu schon immer ein rootsgetreues

Progressive-Rock-Album machen. Er verbrachte

viel Zeit damit, aufzuschreiben, was diese neue

Anstrengung seiner Meinung nach mit sich

bringen sollte, und glaubt wirklich, dass das

Endergebnis so aufrichg wie es nur geht. Er

konnte sich einfach nicht vorstellen, im Moment

etwas anderes zu machen. Zusammen mit

diesem neuen Album kam ein Wechsel des

Sängers speziell für diese leichtere, progressivere

Version von LALU". Im Mai 2020 veröffentlichte

Lalu die folgende Erklärung auf seiner offiziellen

Facebook-Seite:

"Ich bin so stolz darauf, Damian Wilson als

Leadsänger von 'Paint The Sky' ankündigen zu

können. Ich bin seit Ewigkeiten ein Fan von

Damian und schon lange sein Freund. Während

der MySpace-Jahre haben wir darüber diskuert,

gemeinsam ein Album über Märchen und so zu

schreiben, aber es ist nie passiert. Es bedeutet

mir sehr viel, dass Damian und ich heute das

richge Projekt, die richge Zeit und das richge

Seng gefunden haben, um endlich

zusammenzuarbeiten. Seine Smme ist wirklich

einzigarg, sofort erkennbar und sehr gut für

Progressive Rock geeignet. Damian ist so ein

vielseiger und emoonaler Sänger. Ich bin

begeistert von unserer Partnerscha."

"Und keine Sorge – ich habe noch ein paar

Überraschungen für diese neue Plae von

Namen, die ihr alle kennt und liebt!"

Quelle: hp://www.vivienlalu.com

Aus dem englischen übersetzt von Dirk Conrads

26 27



pp

Sisters With Transistors

Die verkannten Heldinnen der

elektronischen Musik

Die Dokumentaon bei arte tv erzählt die verblüffende Geschichte der Pionierinnen

der elektronischen Musik. In einer virtuosen Mischung aus Archivmaterial, Interviews

und visionärer Musik entsteht ein unterhaltsames Zeit- und Sienbild von den

Kriegsjahren bis heute, das von der befreienden Kra neuer Technologien erzählt.

Erzählerin ist die Musik-Ikone Laurie Anderson.

Die Nische der elektronischen Musik hat sich seit

ihren Anfängen im frühen 20. Jahrhundert zur

musikalischen Weltmacht entwickelt. Von den

unbegrenzten Möglichkeiten digitaler

Synthesizer bis zur Demokrasierung des

Musikmachens für eine Generaon sogenannter

Schlafzimmerproduzennnen und -produzenten,

die am Computer Musik erzeugen: Jede dieser

Entwicklungen steht in direktem Zusammenhang

mit der Arbeit und dem künstlerischen Schaffen

der Frauen, die in "Sisters with Transistors" ihren

Auri haben.

Clara Rockmore, Daphne Oram, Bebe Barron,

Delia Derbyshire, Maryanne Amacher, Pauline

Oliveros, Wendy Carlos, Eliane Radigue, Suzanne

Ciani, und Laurie Spiegel gehören zu den

Pionierinnen des modernen Klangs – und

dennoch haben die allermeisten Menschen noch

nie von ihnen gehört.

Der Film verknüp die Geschichten dieser

Frauen zu einem Zeit- und Sienbild über bald

ein Jahrhundert hinweg. Ihre Faszinaon für

elektronisch erzeugte Klänge eröffnete ihnen die

Möglichkeit, im Schaen der Männer einen

eigenen Weg zu finden – und unbemerkt an

ihnen vorbeizuziehen.

Viele ihrer Errungenschaen haben Einzug

erhalten in die aktuelle Musik, von der

Avantgarde bis zum Charts-Pop. Oder sie werden

gar selbst zu Stars – wie Suzanne Ciani, die in

Philharmonien wie auf Popfesvals gefragt ist.

Regisseurin Lisa Rovner ist ein unterhaltsamer

Film gelungen, der mit seiner Fülle an

Archivmaterial auch jene Zuschauerinnen und

Zuschauer anspricht, die glauben, mit

elektronischer Musik nicht viel am Hut zu haben.

Musik-Ikone Laurie Anderson leiht dem Film als

Erzählerin ihre Smme.

Regie: Lisa Rovner

Land: Großbritannien

Jahr: 2021

Herkun: ZDF

Quelle: arte Mediathek - Verfügbar bis 31.03.2025

Text: arte tv

Foto: © MARYANNE AMACHER PHOTOGRAPHED BY PEGGY WEIL

Infos im Netz unter: www.sisterswithtransistors.com

28 29



Rare & Vintage

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Von Dirk Conrads

Fotos: Dirk Conrads

Stolz wie Oskar- und das zu Recht.

Peter Brün mit der fergen Gitarre

Vintage Gitarren sind der Inbegriff für jeden

Sammler, Gitarren - Fan und Musiker. Je älter die

Gitarren sind, umso teurer werden sie meistens.

Gebrauchsspuren sind dabei willkommen. Aber

was eine Vintage Gitarre schließlich ausmacht,

sind die "Zutaten" wie Verarbeitung, Hölzer,

Lacke und Bauteile.

Googelt man den Begriff "Vintage - Gitarre",

stößt man auf eine Beschreibung im Internet:

"Die Bezeichnung Vintage wird bei

Musikinstrumenten, die in der Zeit nach dem

Zweiten Weltkrieg hergestellt wurden, häufig als

werbender Markengbegriff verwendet, der auf

einer Bevorzugung besmmter klanglicher

Eigenschaen basiert. Diese Klangeigenschaen

sind ungenau definiert und stehen häufig im

Zusammenhang mit dem musikalischen Schaffen

populärer Künstler aus dieser Zeit. Folglich ist

Vintage zwar ein markechnischer Begriff, er

bezieht sich jedoch auf rein geschmackliche

Vorlieben und häufig auf das musikalische

Schaffen einer besmmten Periode. Bei

Musikinstrumenten meint Vintage besonders

ausgesuchte alte Jahrgänge oder aber ältere,

besonders erlesene Einzelinstrumente oder

Baureihen. O wird in diesem Zusammenhang

jedes alte Instrument als „Vintage“ bezeichnet;

dies ist aber ein falscher Gebrauch des

Begriffes."

Soweit die Beschreibung im Internet. Tatsache

ist aber, dass für den Body der Vintage Gitarren

Hölzer benutzt wurden, die heute nicht mehr

verfügbar sind oder unter Naturschutz stehen.

Da der Body der Gitarre für das

Schwingungsverhalten entscheidend ist, spricht

man gerne auch von Tonhölzern. Man benutzte

für die Gitarren nur Hölzer, die 20, 30 oder sogar

mehr Jahre abgelagert und getrocknet wurden.

Heute werden die Hölzer für die

Serienprodukon überwiegend maschinell

getrocknet und das innerhalb kürzester Zeiten.

Die Verarbeitung der Hölzer, das "Shaping",

geschah miels einer Schablone noch von Hand.

Entsprechende Werkzeuge und Schablonen

wurden auf der Vintage - Show zum Kauf

angeboten. In den 50iger und 60iger Jahren hat

sich das "Shaping" permanent verändert. So

wurden auch verschiedene Hölzer verwendet,

wie zum Beispiel Erle, Esche, Sumpfesche, Ahorn,

Palisander und Mahagoni. Diese Handarbeit war

auch für die gewalgen Unterschiede in Gewicht

und Ton verantwortlich.

Bei der Lackierung der Gitarren wurde Nitrolack

verwendet. Diese Art von Lack ist sehr weich und

das Holz kann unter der Lackierung weiter

arbeiten. Deshalb gibt es auch die markanten

Lackrisse bei alten Gitarren. Nitrolack ist heute

aus Gesundheitsgründen verboten und auch die

Verarbeitung der Hölzer für den Body geschieht

maschinell.

Für den Gitarrenhals / Grire wurde gerne

Brazilian Rosewood, bei uns als Palisander

bekannt, verwendet. Heute steht das Holz unter

Naturschutz. Auch die Pickups sind wichg bei

Vintage Gitarren. Fender benutzte seinerzeit

schon Magnete für die PU´s aus ALNICO V, einer

Legierung aus Eisen, Aluminium, Nickel, Kupfer

und Cobalt. Man unterscheidet bei

Tonabnehmern zwischen Single - Coil

(Einzelspule) und Humbuckern (Doppelspule).

Auch die Materialien der Bridge, Tremolo und

den anderen Bauteilen dieser Gitarren sind

entscheidend. All diese "Zutaten" zusammen

machen die Faszinaon und den Ton einer

Vintage Gitarre aus.

30 31



Die Gitarre auf Seite 26 ist ein solch edles, altes

Teil. Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir fragte

mich eines Tages, ob ich Interesse an einer alten

Gitarre häe. Sie wäre allerdings in einem

erbärmlichen Zustand.

Ich kann sie mir ja mal anschauen, war meine

Antwort. Und sie war in der Tat in einem

grauenvollen Zustand. Ihr Vorbesitzer hae sich

mit einem schwarzen Filzs künstlerisch an

dem Instrument ausgelassen und kunstvoll

verziert.

Mit einem Nagel hae er Löcher in den Korpus

geschlagen. Was um alles in der Welt musste

dieser Typ geraucht haben, fragte ich mich.

Ein guter Freund von mir hae zu dieser Zeit in

meiner Nachbarscha eine Schreinerei. Und

Peter Brün kannte sich mit alten

Musikinstrumenten aus. Es hae schon

mehrfach Restauraonen durchgeführt.

„Das wird eine schöne Arbeit für den

kommenden Winter“, war seine Antwort auf

meine Frage, ob wir das alte Schätzchen reen

könnten.

Mein Arbeitskollege vermutete, das es sich bei

dieser Gitarre um eine Hoyer Telecaster handeln

könnte. Das Logo an der Kopfplae wurde leider

enernt, sodass nicht mit absoluter Sicherheit

die Marke erkannt werden konnte.

Peter Brün, der Holzfachmann, war sich sicher,

dass die Gitarre sehr alt war. Er vermutete, dass

sie Anfang der 60er Jahre gebaut wurde.

Peter Brün und ich haen uns vorgestellt, dass

die Gitarre das Aussehen einer Fender Telecaster

mit der legendären Lackfarbe „Fiesta Red“

bekommen sollte.

Früher wurde Gitarren gerne mit Nitro Lacken

der Firma DuPont lackiert. Ich recherchierte,

dass es eine Lackfirma im Kölner Süden gab, die

Im Aurag von DuPont Lacke vertrieb. Also rief

ich bei DuPont Refinish an und erklärte mein

Vorhaben, eine alte Gitarre zu restaurieren und

das ich einen Lack im Farbton „Fiesta Red“

benögte.

Man erklärte mir am Telefon, dass es diesen Lack

nicht mehr gäbe, aber man versicherte mir,

einen Lack ausfindig zu machen, der den

gleichen Rotanteil häe. Man würde mich

alsbald zurückrufen. Zu meiner Verwunderung

geschah das sehr schnell und man lud mich zum

persönlichen Gespräch in die Firma ein. Die

Geschäsleitung häe großes Interesse an

meinem Projekt.

Ich bekam tatsächlich einen Lack, der nun aber

Race Red hieß, aber die gleichen Farbanteile wie

Fiesta Red besaß. Darüberhinaus erstand ich

noch einen Fülllack für unser Projekt.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die

Firma DuPont Refinish, die jetzt Cromax heißt.

Wir begannen mit dem Projekt „Telecaster“ im

Dezember 2012. Die Gitarre wurde komple

zerlegt: Die Elektrik und die Mechaniken wurden

ausgebaut. Danach wurden alle Holzteile

abgeschliffen. Die Gitarre erhielt aufgrund ihres

schlimmen Zustands mehrer Schichten Fülllack,

die immer wieder abgeschliffen wurden.

Nach der letzten Füllung bekam die Gitarre

mehrere Schichten des Racing Red Lacks.

Bis zum Finish vergingen fast zwei Jahre. Aber die

Zeit war spannend. Im Dezember 2014

schraubten wir die Gitarre wieder zusammen.

Die Tonabnehmer blieben die alten und die

Verkabelung wurde ebenfalls nicht erneuert, da

sie in einem guten Zustand war. Lediglich die

Lötstellen wurde erneuert.

Am Ende des Projekts hielten wir eine

wunderschöne Gitarre in den Händen. So

mancher Gitarrenspieler hae beim Spielen

große Augen. Die Gitarre klingt richg „fe“ und

hat einen mega Twang. Wir haben nie

herausgefunden, um welche Marke es sich bei

diesem alten Schätzchen handelt. Wir blieben

bei Hoyer.

Aber es könnte auch eine Fender sein ….

Zu Anfangs in einem erbärmlichen Zustand.

Mit einem Filzs bemalt und übersät mit

Löchern und Lackschäden.

Am Anfang war der Lack.

DuPont Refinish Lack in der Farbe Race Red.

Links Im Bild ein Lack für das nächste Projekt:

Eine Fender Stratocaster in der Farbe

Sherwood Green: Opal Grün

Auch hier hat DuPont bei der Farbfindung

ganze Arbeit geleistet.

Beginn der ersten Schicht Fülllack.

Viele weitere sollten folgen.

Die letzte Füllung und der finale Schliff.

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Die erste Schicht Race Red verspricht viel!

Unser Bastelsch. Es sieht wüst aus.

Und …. ferg!

Ein Traum in Race Red.

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negav-dekadent

PuPunk in der DDR

Von Anne Hahn und Frank Willmann

Als Punk etwa im Jahr 1980 in der DDR ankam, verunsicherte er nicht nur die

sogenannten Staatsorgane, auch die Spießer und Biedermänner liefen Amok.

Bereits opsch als Provokaon gewollt und verstanden, bildete sich in einigen

Zentren eine ganze Gegenkultur samt Lifestyle und Musik heraus, der es um Freiräume

und Freiheit ging.

Und genau wie Punk in der DDR eine von Stadt zu Stadt, von Kaff zu Kaff ganz

unterschiedliche Szene jeweils mit ganz eigenen Protagonist:innen und Eigenheiten

war, zeichnet sich dieser Sammelband durch Vielsmmigkeit aus, Stories stehen neben

Anekdoten, sachliche Analysen neben ganz persönlichen Reflekonen. „negavdekadent“

versteht sich als eine Zeitklammer, die möglichst viel von dem wiedergeben

will, was für zehn Jahre in diesem diktatorisch regierten Teil Deutschlands für

zumindest etwas Farbe und viel Verwirrung sorgte.

Mit Texten von Cornelia Schleime, Franziska Hause, Jan Müller, Anne Hahn, Tim Mohr,

Alexander Pehlemann, Jan Off, Roland Galenza, Jochen Schmidt, Peter Wawerzinek,

Heinz Havemeister, Iron Henning und vielen anderen mehr. Einige der hier

versammelten Texte sind bereits in vergriffenen Publikaonen erschienen, einige

wurden extra für dieses Buch verfasst. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie möglichst

viel von der Lebenswirklichkeit made in GDR abbilden, die in die Geschichte einging.

272 Seiten

21. März 2022

20,00 €(D)

ISBN 9783955751685

Venl Verlag - www.venl-verlag.de

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Kudu Blue sind das in Brighton ansässige Kollekv Clem (Gesang), Owen

(Keyboards), Tom (Bass) und Creed amr (Schlagzeug). Mit Wurzeln in Brighton,

Birmingham und Bristol, alles Städte, die im Laufe der Jahre ihre eigene

musikalische Nische genossen haben, kombiniert die Gruppe einen breiten

Schmelzegel von Einflüssen (von Trip Hop bis Garage und Rock bis Reggae) zu

ihrer eigenen Marke von hellen, strukturierter und melodiegetriebenem Dance-

Pop. KBVOL.4 ist die vierte EP von Kudu Blue.

Es folgt Are You With Me? aus dem Jahr 2020, vier Tracks, die den Grundstein

für einen Wechsel in einen mehr auf Tanzflächen ausgerichteten Raum legten.

Wo sie sich früher vielleicht von der welligen Atmosphäre von Bonobo

inspirieren ließen, sehen sie sich jetzt den Bizeps und den Four Tets der

Tanzmusikwelt zugewandt, Künstler, die kollekve Momente der Club-Euphorie

gemeistert haben.

KBVOL.4 bietet so etwas wie eine Einführung in Kudu Blue: die Club Edion. Es

ist eine Darstellung ihrer kombinierten Einflüsse und worum es ihnen geht. Die

knackige Produkon und die eingängigen Vocal-Hooks erinnern an Bondax,

Blonde und TCTS von Anfang 2010 – es ist lebhae, farbenfrohe Tanzmusik mit

einer ansteckenden Pop-Sensibilität.

Infos unter: www.facebook.com/kudublue

© Newerk Music Group

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Der Sound der Jahre

Der Sound der Jahre: Westdeutschlands Reise von Jazz und Schlager zu

Krautrock und darüber hinaus – Ein Trip durch fünf Musikjahrzehnte

Die Entwicklung der Rockmusik in

Westdeutschland ist eine Reise mit

Hindernissen. Obwohl viele der

progressiven Krautrock- und NDW-Bands wie

Amon Düül II, Can, Krawerk, NEU!, DAF, Ideal

u.a. heute weltweit als Kult-Phänomene und

Klang-Pioniere gefeiert werden, halten die

Hintergründe und Geschichten um ihre

musikalischen Wurzeln große Überraschungen

bereit. „In Wirklichkeit war die deutsche Rockund

Schlagerszene ziemlich klein, jeder kannte

jeden, und jeder wusste, wer welche Leichen im

Keller hae …“ Der Sound der Jahre bietet einen

umfassenden Einblick in die Mechanismen der

Musikindustrie des Nachkriegsdeutschlands und

beleuchtet die vielfälgen Musiksle sowie deren

bisher wenig beachtete gegenseige Einflüsse

und Verbindungen: Von den Anfängen deutscher

Jazz- und Swing-Orchester über die ersten Rock

’n’ Roll-Bands rund um den Hamburger Star-Club

bis hin zu den Pionieren des Synthesizers. Von

der heilen Welt des Schlagers bis zu Agitprop und

linken Protestsongs. Von avantgardisschen

Komposionen Karlheinz Stockhausens und

seinen vermeintlichen Jüngern des Krautrocks bis

hin zur Neuen Deutschen Welle.

Über den Autor und weitere Mitwirkende:

Jan Reetze wurde 1956 in Hamburg geboren. Er absolvierte ein Toningenieurprakkum, später

studierte er Soziologie, Polikwissenscha und Systemasche Musikwissenscha an der Universität

Hamburg. Er ist Autor mehrerer Bücher, Dokumentaonen und Radiobeiträge über Musik,

Mediengeschichte, Medienforschung und Kunshemen. Er war geschäsführender Gesellschaer

eines Musikverlags, 2008 zog er nach Pisburgh, Pennsylvania, wo er mit seiner Frau lebt.

Hans-Joachim Roedelius ist ein deutscher Musiker von Experimental-, Ambient- und Elektronikmusik.

Er ist bekannt vor allem als Mitbegründer der Krautrock-Bands Cluster und Harmonia sowie für sein

Mitwirken an dem Ambient-Jazz-Trio Aquarello.

Überdies betägt er sich seit Beginn seiner musikalischen Karriere auch als Schristeller/Poet und im

Bereich bildender Kunst, als Fotograf und Filmer.

Herausgeber: Halvmall; 1. Edion (19. Januar 2022)

Sprache: Deutsch

Gebundene Ausgabe: 536 Seiten

ISBN-10: 398221002X

ISBN-13: 978-3982210025

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HOCHGEKÄMPFT

KAMPFGEIST ÜBER MAUERN HINWEG

Eko Fresh erzählt im Audible Original Hörbuch die außergewöhnliche

Lebensgeschichte der erfolgreichen Berliner

Wrestler Ahmed und Hussen Chaer

Sie zählen zu den mit Abstand erfolgreichsten Wrestlern Deutschlands und haben die Sportart hierzulande

überhaupt erst salonfähig gemacht: Ahmed und Hussen Chaer. Am 22. Februar 2022 veröffentlicht Audible ihre

Geschichte im Original Hörbuch HOCHGEKÄMPFT. Gelesen wird sie von Kult-Rapper Eko Fresh, der selbst eine

Leidenscha für Wrestling hegt. Das Ergebnis ist ein authensches Hörbuch über den Umgang mit Minderheiten, die

Verwirklichung von Träumen und über die wichgste Kra im Leben – die Familie.

Die Karriere der beiden Brüder, deren Bemühen

schließlich dazu beiträgt, dass Deutschland heute der

drigrößte Markt für Wrestling im nordamerikanischen

Sl ist – nach den USA und Großbritannien, startet hinter

hohen grauen Mauern: „Unser Vater kam als Geflüchteter

aus dem Libanon“, erinnern sich die beiden. „Wir wuchsen

in den 80ern in Berlin-Kreuzberg auf. Für alle, die nicht

wissen, was das damals bedeutet hat: Das Viertel zählte

zum äußersten Eck des amerikanischen Sektors und war

von drei Seiten von der Mauer umgeben. Ein relav

trostloses, eingeengtes Eck. Viel Weitblick ab es in der

Gegend, die vorwiegend von der Arbeiterklasse bewohnt

wurde, nicht. Eine echte Perspekve hae da kaum

jemand.“

Genau dort kämpfen Ahmed und Hussen Chaer einen

Kampf, der sich zwischen zwei Kulturen, zwei Identäten

und den rauen Straßen ihres Viertels abspielt. Dort

werden sie Jahre später schließlich auch zu zwei der

berühmtesten und erfolgreichsten Wrestler, die es in

Deutschland gibt, und zu einem ganz besonderen Beispiel

für Kampfgeist über alle polischen Grenzen hinweg.

Durch die Gründung ihrer German Wrestling Federaon

(GWF) schaffen die Brüder eine professionelle

Grundstruktur für diesen Sport hierzulande. In ihrer

eigenen Wrestling-Schule in Berlin-Neukölln fördern und

trainieren sie außerdem ambioniert den Nachwuchs,

sind gleichermaßen Halt und Anker für viele Jugendliche

und engagieren sich gegen Rassismus und Sexismus.

Der türkischstämmige Rapper und Schauspieler Eko Fresh

leiht dem Hörbuch seine Smme. Der Musiker ist

Wrestling-Fan und verfolgt akv die Kämpfe der beiden,

kennt sie auch persönlich. „Ich finde die Lebensgeschichte

der zwei wirklich besonders“, sagt r. „Wenn man sie als

Zuhörer – oder wie ich als Sprecher – durchlebt, bekommt

man echte Gänsehaut. Die Story ist eigentlich sowas wie

ein modernes Märchen, quasi der ‚German Dream‘.

Wahrscheinlich häen die allermeisten von uns an

irgendeinem Punkt aufgegeben. Ahmed und Hussen

hingegen zeigen, wie sehr es sich lohnen kann, sich nicht

beirren zu lassen und für das zu stehen, was man wirklich

will. Sie sind damit eine echte Inspiraon.“

INHALTSANGABE

Ahmed und Hussen Chaer wachsen in den 80er Jahren in Berlin-Kreuzberg auf – mit Migraonshintergrund und einer

ungewöhnlichen Leidenscha fürs Wrestling. Der Sport befähigt sie, ihr Leben trotz der erschwerten Ausgangssituaon

über alle Hindernisse hinweg in die eigene Hand zu nehmen. Er ist Antrieb, Zuversicht und Trost – und führt die beiden

Brüder schließlich zum Erfolg. Mit der Eröffnung ihrer eigenen Wrestling-Schule werden sie weit über die Grenzen des

Landes berühmt und zu gefragten Stunt-Doubles für große, internaonale Filmprodukonen.

Hinter der harten Fassade von Ahmed und Hussen Chaer stecken zwei warmherzige, loyale Menschen, die jedem die

Hand reichen und allen eine Chance geben, an ihren Erfahrungen teilzuhaben und davon zu profieren.

Fotos:

Eko Fresh: © Eko Fresh

Ahmed und Hussen Chae© Dirk Mathesius / Audible GmbH

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Impressum

Die JukeBox eine Musiksendung im Bürgerfunk bei Radio Köln UKW 107.1 MHz.

Dirk Conrads präsenert Studiogäste, Interviews, News aus der Musik- und Kulturszene und den beszten Sound

der Stadt.

Wir setzen unser Sendeformat gemäß den Worten von Radiolegende JohnPeel um, der einst über sein Konzept

sagte:„A balance between things that you know people will like and things that you think people will like.“

(Eine Balance zwischen Stücken, von denen man weiß, dass die Leute sie mögen werden, und Stücken, von denen

man denkt, dass die Leute sie mögen werden).

Produziert vom FLoK, dem freien Lokalrundfunk Köln.

Weitere Infos im Netz unter: www.flok.de

Herausgeber:

JukeBox.Koeln

Dirk Conrads

V.i.S.d.P: Dirk Conrads - Medienprojekt 2005 - www.medienprojekt2005.de

Mitglied im Deutschen Fachjournalisten Verband

Das JukeBox Radiomagazin ist ein nicht kommerzielles Magazin. Die Veröffentlichung erfolgt ohne Gewinnabsicht.

Kölner Schallplaenbörse

22.05. 2022

Stadthalle Köln-Mülheim

Geöffnet 11-16 Uhr, Eintri: 5€

Nach der aktuellen Coronaschutzverordnung können unsere Veranstaltungen

stainden. Bie informiert euch regelmäßig über die aktuelle Lage. Aktuell:

Eintri unter der 2G-Regel (geimp/genesen, bie entsprechende Bescheinigung

mitbringen) und Beachtung der AHA-Regeln.

www.schallplaen-boersen.de

Redakonsanschri:

Medienprojekt 2005 | Scharffensteinstraße 13 | 51061 Köln

E-Mail: info@medienprojekt2005.de

Telefon: +49 (0)171-2123000

Internet: www.jukebox.koeln

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Redakon: Dirk Conrads u. Waltraud Thiel

Redakonelle Mitarbeit dieser Ausgabe: Sören Worofsky

Gastautoren dieser Ausgabe: Wolfgang Schmidder, Sören Worofsky, Chrizz B. Reuer

Bildredakon: Dirk Conrads u. Waltraud Thiel

Layout: Dirk Conrads u. Waltraud Thiel - Medienprojekt2005

Das Copyright für den gesamten Inhalt liegt bei den Herausgebern.

Nachdruck oder Veröffentlichung nur mit ausdrücklicher und schrilicher Genehmigung des Herausgebers.

Für unverlangt eingesendete Manuskripte wird keine Haung übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge

geben nicht unbedingt die Meinung der Redakon wieder.

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Originaltexte und Texte aus der Wikipedia wurden von Dirk Conrads aus dem Englischen übersetzt.

Titelfoto: © Waltraud Thiel, Skulptur im Kölner Rheinauhafen

Sonsge Fotos: Dirk Conrads, Pixabay, I-Stock, Pexels, Steffi Brewe

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46 Foto: © Steffi Brewe

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