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Der Prophet (Leseprobe)

Khalil Gibran DER PROPHET – Illustrierte Ausgabe für Kinder 44 Seiten, Hardcover, Euro (D) 18 | Euro (A) 18.90 | CHF 25 ISBN 978-3-03876-194-5 (Midas Kinderbuch) Ein Klassiker der Weltliteratur – jetzt erstmals in einer wundervoll illustrierten Ausgabe für Kinder Khalil Gibrans Meisterwerk »Der Prophet« gehört zu den beliebtesten Texten unserer Zeit und ist ein millionenfach verkaufter Bestseller. 1923 veröffentlicht, ist das Buch auch heute noch aktuell und populär, weil es grundlegende Einsichten in eine große Bandbreite an menschlichen Erfahrungen gibt. Die vorliegende Kinderbuch-Ausgabe bietet eine sorgfältige kindgerechte Auswahl der wichtigsten Passagen, ist in kurze Kapitel unterteilt und wunderschön ausgestattet. Die poetischen und inspirierenden Illustrationen sprechen Kinder und Erwachsene zugleich an und visualisieren die in »Der Prophet« enthaltenen Lehren und Maximen auf kongeniale Weise.

Khalil Gibran
DER PROPHET – Illustrierte Ausgabe für Kinder
44 Seiten, Hardcover, Euro (D) 18 | Euro (A) 18.90 | CHF 25
ISBN 978-3-03876-194-5 (Midas Kinderbuch)

Ein Klassiker der Weltliteratur – jetzt erstmals in einer wundervoll illustrierten Ausgabe für Kinder

Khalil Gibrans Meisterwerk »Der Prophet« gehört zu den beliebtesten Texten unserer Zeit und ist ein millionenfach verkaufter Bestseller. 1923 veröffentlicht, ist das Buch auch heute noch aktuell und populär, weil es grundlegende Einsichten in eine große Bandbreite an menschlichen Erfahrungen gibt. Die vorliegende Kinderbuch-Ausgabe bietet eine sorgfältige kindgerechte Auswahl der wichtigsten Passagen, ist in kurze Kapitel unterteilt und wunderschön ausgestattet.
Die poetischen und inspirierenden Illustrationen sprechen Kinder und Erwachsene zugleich an und visualisieren die in »Der Prophet« enthaltenen Lehren und Maximen auf kongeniale Weise.

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Der

Khalil Gibran

Illustriert von Anna Pirolli

Midas


Der Prophet


© 2022 Midas Verlag AG

ISBN 978-3-03876-194-5

Übersetzung: Gregory C. Zäch

Lektorat: Claudia Koch

Cover: Agentur 21

© Konzept: Beside Books, 2020

© Illustrationen: Anna Pirolli

Midas Verlag AG, Dunantstrasse 3, CH 8044 Zürich


Khalil Gibran

Der Prophet

Illustrationen Anna Pirolli

Textauswahl Balthazar Pagani

MIDAS


Die Ankunft des Schiffs

Almustafa, der Auserwählte und Geliebte, hatte in der Stadt

Orphalese zwölf Jahre auf sein Schiff gewartet, das ihn zurück

zur Insel seiner Geburt bringen sollte.

Im zwölften Jahr stieg er auf den Hügel vor den Mauern der

Stadt und schaute hinaus aufs Meer. Und er entdeckte das

Schiff im Nebel. Da öffnete sich sein Herz, und seine Freude

flog weit hinaus über den Ozean.

Doch als er den Hügel hinabstieg, überkam ihn eine Traurigkeit,

und er dachte bei sich: »Wie soll ich in Frieden gehen

und ohne Trauer? Nein, ich werde diese Stadt nicht ohne eine

Wunde im Geiste verlassen. Aber ich kann nicht länger bleiben.

Das Meer ruft mich, und ich muss an Bord gehen.«

5


Auf seinem Weg sah er von Weitem, wie Männer und Frauen

ihre Felder und Weinberge verließen und zu den Toren

der Stadt eilten. Und er hörte ihre Stimmen, die seinen Namen

riefen, und wie sie riefen, von Feld zu Feld, und einander von

der Ankunft seines Schiffes erzählten.

Als er in die Stadt kam, strömten die Menschen herbei ihn zu

treffen, und sie riefen ihm zu wie mit einer Stimme.

Und die Stadtältesten traten vor und sagten: »Geh noch nicht weg

von uns. Du warst ein Lichtblick der Mittagsstunde in unserer

Dämmerung, und deine Jugend hat uns Träume gegeben, die wir

gerne träumen.«

Und die Priester und die Priesterinnen sagten zu ihm:

»Die Wellen des Meeres sollen uns nicht heute schon trennen

und die Jahre, die du bei uns verbracht hast, zu einer Erinnerung

verblassen lassen. Du hast unter uns gelebt wie ein Geist, und

dein Schatten war Licht auf unseren Gesichtern.«

Und es war schon immer so, dass die Liebe ihre eigene Tiefe bis zur

Stunde der Trennung nicht kennt.

6


Aus der heiligen Stätte trat eine Frau mit Namen Almitra.

Sie war eine Seherin. Und sie rief ihn herbei mit den Worten:

»Prophet Gottes, Sucher des Unendlichen, lange hast du

am Horizont Ausschau gehalten nach deinem Schiff. Und nun

ist dein Schiff gekommen, und du musst gehen. Doch wir bitten

dich, bevor du uns verlässt, dass du zu uns sprichst und uns von

deiner Wahrheit erzählst. Und wir werden sie unseren Kindern

weitergeben, und diese ihren Kindern, und sie soll nicht vergehen.«

Und er antwortete:

»Ihr Menschen von Orphalese, wovon kann ich sprechen, wenn

nicht von dem, was gerade jetzt eure Seelen bewegt?«

9


Liebe

Dann sagte Almitra: »Sprich zu uns von der Liebe.«

Und er hob sein Haupt und blickte auf die Menschen,

und es legte sich eine Stille auf sie.

Mit kräftiger Stimme sagte er:

»Wenn die Liebe dir winkt, so folge ihr,

auch wenn ihre Wege schwer sind und steil.

Und wenn ihre Flügel dich umschlingen,

so gib dich ihr hin, auch wenn das Schwert, das unter

ihren Flügeln verborgen ist, dich verwunden kann.

Und wenn sie zu dir spricht, so glaube an sie,

auch wenn ihre Stimme deine Träume zerschmettert

wie der Nordwind, der den Garten verwüstet.

Denn wie die Liebe dich krönt, so wird sie dich kreuzigen.

Und wie sie dich wachsen lässt, so kann sie dich beschneiden.

Die Liebe gibt nur sich selbst und nimmt nur von sich selbst.

Die Liebe besitzt nicht und will nicht besessen werden.

Denn die Liebe ist sich selbst genug.

Und glaube nicht, du könntest den Kurs der Liebe lenken, denn

wenn sie dich für würdig hält, so lenkt sie deinen Weg.«

11


Ehe

Dann sprach Almitra erneut und sagte:

»Und was ist mit der Ehe, Meister?«

Und er antwortete und sagte:

»Ihr wurdet zusammen geboren, und ihr werdet für immer

zusammen sein. Aber gebt eurer Zweisamkeit Raum

und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.

Liebt einander, aber macht keine Fesseln aus der Liebe.

Lasst sie ein wogendes Meer sein zwischen den Ufern eurer Seelen.

Füllt gegenseitig eure Becher, aber trinkt nicht aus dem gleichen

Becher. Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich.

Aber lasst jeden von euch auch allein sein, so wie auch die Saiten

einer Laute allein sind, obwohl sie dieselbe Melodie spielen.

Und steht zusammen, aber nicht zu nahe beieinander.

Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln, und die Eiche und

die Zypresse wachsen nicht im Schatten des anderen.«

12


Kinder

Eine Frau, die einen Säugling an ihrer Brust hielt, sagte:

»Sprich zu uns von Kindern.«

Und er sagte:

»Eure Kinder sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht

des Lebens nach sich selbst.

Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,

und obwohl sie bei euch sind, gehören sie euch nicht.

Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht

deine Gedanken, denn sie haben ihre eigenen.

Du kannst ihren Körpern ein Zuhause geben, aber nicht ihren

Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,

das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Ihr mögt danach streben, wie sie zu sein,

aber versucht nicht, sie euch gleich zu machen.

Denn das Leben geht nicht rückwärts und

verweilt nicht im Gestern.

15


Ihr seid der Bogen, von dem eure Kinder

wie lebende Pfeile ausgesandt werden.

Der Schütze sieht das Ziel auf dem Weg

des Unendlichen, und ER lässt euch mit seiner

Macht den Bogen spannen, damit seine Pfeile

schnell und weit fliegen können.

Vertraut darauf, dass ER als Schütze euren Bogen

spannt, denn wie er den fliegenden Pfeil liebt,

so liebt er auch den stabilen Bogen.«

16


Freundschaft

Ein Jugendlicher sagte: »Sprich zu uns von der Freundschaft.«

Und er antwortete und sagte:

»Dein Freund ist die Antwort auf deine Bedürfnisse. Er ist das Feld,

das du mit Liebe säst und mit Dankbarkeit erntest. Er ist deine

Speise und deine Feuerstelle. Denn du gehst zu ihm mit deinem

Hunger und deinem Verlangen nach Frieden.

Wenn du Abschied nimmst von deinem Freund, dann trauere

nicht. Denn das, was du am meisten an ihm liebst, kann in seiner

Abwesenheit klarer hervortreten, so wie ein Berg, der von der

Ebene aus für den Bergsteiger klarer erscheint.

Und bewahre dein Bestes stets für deinen Freund. Denn was ist

dein Freund für dich, wenn du ihn nur aufsuchst, um mit ihm die

Zeit totzuschlagen? Suche ihn immer auf, um mit ihm Stunden

zu leben. Denn es ist seine Aufgabe, deine Bedürfnisse zu stillen,

aber nicht deine Leere. Lass die Süße der Freundschaft mit Lachen

erfüllt sein und mit geteilten Freuden. Denn im Tau der kleinen

Dinge findet das Herz seinen Morgen und wird erfrischt.«

32


Ein Klassiker der Weltliteratur in einer

Auswahl der schönsten Passagen – zeitlos

und wundervoll poetisch illustriert.

ISBN: 978-3-03876-194-5

www.midas.ch

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