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Grimselwelt-Magazin 2022

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DAS MAGAZIN 2022

Mondbasis Grimselpass

Simulation im Stollen

Alpabzug Gental

Spektakel mit Strahlkraft

Simonetta Sommaruga

Die Bundesrätin im

Interview


grimselwelt3 3

editorial

Es geht uns in diesen Tagen

allen ähnlich: Wir sehen

fassungslos mit an, was auf der

Welt geschieht, fühlen uns ohnmächtig

angesichts des Leids,

das der Krieg in der Ukraine

mit sich bringt. Eine ganz neue

Situation verlangt Aufmerksamkeit,

stellt uns vor Fragen, die

noch stärker als die Pandemie

an unseren Grundwerten rütteln. Was eint

uns? Was ist verhandelbar, was nicht? Wie

gehen wir mit der Wahrheit um?

Der Krieg rückt auch die Diskussion um

die Energieversorgung in ein neues Licht.

Wie vielleicht in jeder Krise verschärfen

sich Probleme, die bereits vorher da waren.

Die Schweiz ist nicht so unabhängig, wie

sie es sich manchmal wünscht. In den

Wintermonaten sind wir stark von Stromimporten

abhängig, weil unsere Stromproduktion

zu bestimmten Zeiten nicht ausreicht,

um die Nachfrage zu decken. Im

vergangenen Jahr ist Dynamik in die Debatte

gekommen: Versorgungssicherheit

wird plötzlich als effektives Problem

wahrgenommen. Bundesrätin Simonetta

Sommaruga hat mit ihrem Runden Tisch

Wasserkraft erreicht, dass sich verschiedene

Interessengruppen auf konkrete Projekte

einigen konnten, was bisher kaum

denkbar war (siehe Interview Seite 16).

Weitere Entscheide, wie etwa die Ankündigung,

Verfahren für künftige Grossbauprojekte

zu vereinfachen, halten wir für

genau so wichtige Meilensteine. Ich bin

überzeugt, dass die Wasserkraft ein Teil

der Lösung sein kann für die Herausforderungen,

vor denen wir stehen.

Willkommen in der Grimselwelt

Alpabfahrt Seite 8–11

Mit den Kühen vom Gental nach Innertkirchen

Ein Alpabzug ist eine logistische Meisterleistung und ein Spektakel,

das unter die Haut geht. Ein Blick hinter die Kulissen auf der Alp

Gental ob Innertkirchen.

Langlaufen in Gadmen Seite 22–25

Der Nordische Skiclub im Portrait

Der Nordische Skiclub Oberhasli (NSCO) kümmert sich jedes

Jahr im Spätherbst mit viel Manpower um bauliche Massnahmen,

die für eine vernünftige Streckenführung der Loipe nötig sind.

Auch hier wird es nicht ohne vielleicht heftige

Diskussionen und schmerzhafte Erkenntnisse

gehen. Wir sind gefordert, einige

unserer Vorstellungen zu überdenken:

Was stellen wir uns unter Natur vor?

Schützen wir Wildnis oder schützen wir

eine von Menschen geprägte Kulturlandschaft?

Lassen sich Kraftwerksanlagen

vielleicht sogar in Einklang mit der Landschaft

denken und planen?

Ich wünsche mir eine gute Portion Mut für

uns alle, sich auf den Dialog einzulassen,

Offenheit und Weitsicht, um das zu sehen,

was uns verbindet – in Hinsicht auf die

hitzige Energiedebatte, genau wie auf ein

friedliches Zusammenleben in Europa. Ich

hoffe mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,

dass wir diesen Weg gemeinsam packen.

Herzlich Ihr

Die Studentin Sophie Lismore von der EPFL Lausanne bei ihrem Einsatz als

«Test-Astronautin» in einem Stollen der KWO.

Persönlich Seite 12–13

Portraits aus der Grimselwelt

Wie die Landschaft Menschen inspiriert – drei kleine Portraits

von Personen, die viel Kraft aus der alpinen Natur schöpfen.

Im Gespräch Seite 16–19

Simonetta Sommarugas Strategie für die Energiewende

Versorgungssicherheit ist in aller Munde. Welche Massnahmen

Bundesrätin Simonetta Sommaruga für dringlich hält und wie sie

Wasserkraftprojekte konkret voranbringen will, erklärt sie im

Interview.

Baustelle Spitallamm Seite 26–31

Das Grossprojekt nimmt Form an

Die neue Staumauer ist in der dritten Bausaison im Sommer 2021

kräftig in die Höhe gewachsen. Wie eine Burg präsentiert sich die

Mauer mit ihren unterschiedlichen Blöcken, die in Etappen betoniert

werden.

Impressum

Herausgeber KWO Kommunikation, Innertkirchen

Gestaltung und Realisation Alain Gruber, Panache AG

Konzept und Projektleitung Thomas Huber

Bilder David Birri

Texte Annette Marti und KWO

Druck Jordi AG, Belp

Auflage 20’000 Exemplare

Die Grimselwelt ist ein Engagement der

KWO, Kraftwerke Oberhasli AG

Daniel Fischlin

Titelgeschichte Seite 4–7

In den Stollen anstatt auf den Mond

Eine Gruppe von Studentinnen und Studenten haben den Nagra-

Stollen am Grimselpass zu einer Mondbasis umgebaut. Im Sommer

2021 simulierten sie dort das Leben auf dem Mond.

Das Guttanner «Wohn-Ei» Seite 20–21

Eine Übernachtung der anderen Art

Den Sommer über steht ein futuristisches Häuschen mitten im

Dorf Guttannen: Die Ecocapsule versorgt sich selber mit Energie

und kann für Übernachtungen gebucht werden.

Mix

Produktgruppe aus vorbildlicher

Waldwirtschaft und

anderen kontrollierten Herkünften

Cert no. SQS-COC-023903, www.fsc.org

© 1996 Forest Stewardship Council


4 grimselwelt4

· mondbasis grimselpass

grimselweltgrimselwelt · mondbasis · grimselpass 5

Astronauten mitten in Guttannen – während sieben Tagen

simulierten Studentinnen und Studenten im Sommer

2021 eine Mondmission am Grimselpass. Sie lebten im

Nagra Felslabor, so, als wären sie auf dem Mond.

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

AM

«Und Sie? Was machen Sie so auf dem

Mond?» Würden Sie das einen Menschen

fragen, der gerade in einem Raumfahrtanzug

entlang der Staumauer des Räterichsbodensees

spaziert? Oder – was würde

man fragen? Gute Frage. Ende Juli 2021

wäre es möglich gewesen, tatsächlich zwei

Astronauten zu begegnen, die sich von ihrer

Mondbasis aus auf eine Erkundungstour

am Grimselpass begeben hatten. Einige

Studentinnen und Studenten simulierten

unter dem Begriff «Asclepios 1» eine Mission

auf den Mond. Eine Woche lang lebten sie

in einem Stollen des Nagra Felslabors unter

dem Räterichsbodensee so, wie wenn

sie effektiv auf dem Mond wären. Diese

sogenannte Analog-Mission (mit Analog-

Astronauten) wurde vom Raumfahrtzentrum

der EPFL Lausanne und anderen

Partnern getragen. Im Grundsatz setzten

aber Studenten das Vorhaben um: Vorbereitung,

Durchführung und wissenschaftliche

Begleitung lagen in ihrer Verantwortung.


6

grimselwelt · mondbasis grimselpass

grimselwelt · mondbasis grimselpass 7

urz bevor die sechs Analog-Astronautinnen und Astronau-

ihre Basis bezogen, gewährten sie den Medien Einblick

Kten

in ihre Unterkunft. Manche Dinge im gesamten Setting konnten

nicht sehr realistisch umgesetzt werden, etwa der «Flug» in der

Raumfähre vom Kontrollzentrum (Schulhaus Guttannen) zum

Mond (Nagra Felslabor). Dazu musste ein

irdisches «Büssli» dienen, in dem nicht nur

die Raumfahrer Platz nahmen, sondern

auch die eingeladenen Presseleute. Die Begeisterung

der jungen Menschen schwappte

aber bald auf die ganze Gruppe über und

spätestens als das Fahrzeug im Stollen

Gerstenegg stoppte, wähnte man sich tatsächlich

auf einem anderen Planeten. Die

junge Astronautin Sophie Lismore öffnete

in Vollmontur die Türe der Schleuse und

bat die Gäste herein in die gute Mondbasis-

Stube. Beim Eintreten schlug einem der typisch

erdige, feuchte Duft der Felsstollen

entgegen. Natürlich gab es nirgends auch

nur ein Fünkchen Tageslicht und die Temperaturen

waren eher frisch. Den Stollen

hatten die Studenten in Zusammenarbeit

mit den Verantwortlichen des Nagra Felslabors

zu einer tatsächlichen Basis umgebaut:

Mit Versuchslaboren, Aufenthaltsraum,

Sportraum, Schlafstätte und Küche,

verteilt auf verschiedene Etagen. Eines der

Ziele der Asclepios Mission war, ein Gefühl

der Lebensbedingungen im Weltall zu

erhalten, beispielsweise Hygiene ohne

Wasser, Kommunikation nur über das

Kontrollzentrum, komplette Autarkie für

die sieben Tage Versuchszeit. Ebenso, so erklärte Lismore, sollten

auch die wissenschaftlichen Experimente unter Weltraumbedingungen

durchgeführt werden.

Willkommen auf dem Mond! Der Eingang zur Basis

im Nagra-Stollen tief unter dem Räterichsbodensee.

Aubin Antonsanti arbeitete im temporären Kontrollzentrum im Schulhaus

Guttannen.

hloé Carrière, Co-Leiterin des Projekts, führte aus: «Wir

Csuchten einen möglichst abgelegenen Ort und einen, der

möglichst ähnlich ist wie eine mögliche Basis in einem Lavastollen

auf dem Mond.» Das Setting im Nagra Felslabor sei ideal.

Julien Corsin, einer der Analog-Astronauten, schmunzelte und

meinte: «Es wird sicher nicht so komfortabel sein, wir können

acht Tage nicht duschen, aber ich mache mir keine Sorgen.» Sie

hätten einen genauen Fahrplan und viele Aufgaben, jeder wisse,

was zu tun sei. Und für alle Fälle habe er seine Gitarre dabei. Die

Studentinnen und Studenten hatten sich monatelang sorgfältig

vorbereitet, sowohl jene, die auf der Basis lebten, wie auch jene

im Kontrollzentrum unten in Guttannen. Vor ihrer simulierten

Reise musste die Gruppe viele technische Fragen lösen, nicht nur

zur Einrichtung der Behausung, sondern beispielsweise auch zur

Kommunikation. Was würde man zum Beispiel tun, wenn das Internet

nicht mehr verfügbar wäre oder sonst etwas Wichtiges aus-

ein

für

gefühl

le b e n

d a s

i m

w e lt a l l

e r h a lt e n

fallen würde? Ein weiterer Teil der Vorbereitung waren psychologische

Trainings, so campierte die Crew im Schnee oder unternahm

Tauchexpeditionen unter Eis.

ach zwei Stunden «auf dem Mond» verabschieden sich die

NJournalisten und die Crew unternimmt die letzten Vorbereitungen

für den effektiven take-off. Zurück bleiben spezielle

Eindrücke aus einer anderen Welt, die man leicht als Science-Fiction

abtun könnte. Wären da nicht die enthusiastischen Asclepios-

Studenten, für die die Erkundung des Weltalls und ein mögliches

Leben auf dem Mond keine Fiktion ist, sondern ein Traum, für

den es sich zu kämpfen lohnt.

Julien Corsin am Computer in der Mondbasis – hier noch in zivil.

Ein Klo, das auch auf dem Mond funktionieren

würde.

Für die wenigen Pausen im Stundenplan konnten die

Studentinnen und Studenten dieses «Wohnzimmer» benutzen.

Engagement

Die Mission Asclepios 1 wurde von Grimsel Hydro,

dem Technologiezentrum Wasserkraft der KWO,

unterstützt. Zwar haben die Raumfahrt und die

Wasserkraft auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam

und doch sind in beiden Feldern technisch

hochstehende Lösungen gefragt, clevere Ideen

und innovative Ansätze. Vor diesem Hintergrund

lag es für Grimsel Hydro nahe, den jungen Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftlern fachliches

und ortsspezifisches Knowhow

zur Verfügung zu stellen.

i nte rvi e w

Rückblick von Sebasthian Ogalde, Mechatronik Ingenieur aus Chile

In eurer Mondbasis im Nagra-Stollen war es kalt und feucht, ihr

habt eine Woche lang kein Tageslicht gesehen. Wie bist du mit

den Umständen klargekommen?

Wir hatten tatsächlich nur so zwischen 14 und 16 Grad und die

Luftfeuchtigkeit war hoch. Obwohl ich die Kälte persönlich nicht

so mag, ging es gut. Die ersten beiden Nächte konnte ich kaum

schlafen. Aber der Körper gewöhnte sich daran. Ich hatte auch

nicht das Gefühl, das Tageslicht zu vermissen, aber als wir nach

der Mission an die Oberfläche kamen, war das Grün der Wiesen

und Bäume überwältigend.

Ihr wart zu sechst auf der Basis, wie hat das Zusammenleben

funktioniert?

Wir kommen sehr gut zusammen aus, aber das hat mich nicht erstaunt.

Wir kennen uns unterdessen von den langen Vorbereitungen

und wissen, wie wir ticken. Wichtig waren die psychologischen

Trainings, in denen wir analysiert haben, welche Faktoren

unser Verhalten beeinflussen, insbesondere

unter Stress oder in Isolation.

Was war dein persönliches Highlight unter

der Erde, beziehungsweise «auf dem

Mond»?

Wir hatten ein Problem mit der elektrischen

Versorgung. In den Stollen wäre es

ohne Heizkörper nur etwa 10 Grad warm.

Zwei Sicherungen sind durchgebrannt.

Wir haben sie ersetzt und es passierte wieder.

Danach hatten wir nur noch eine Ersatzsicherung

übrig. Wir konnten nicht riskieren,

diese zu verschwenden und mussten

also den Grund für die Probleme herausfinden.

Die Verantwortung wurde mir zugeschrieben

und ich begann in Absprache

mit dem Kontrollzentrum nach Gründen

zu suchen. Irgendwann gelang es, den Verbrauch

der Geräte festzulegen

und einen Automatismus auszuarbeiten,

der uns zeigte, was wir

gleichzeitig anschliessen konnten.

Es war super spannend, dieses

Problem zu lösen. Niemand

hatte damit gerechnet und so entstand

noch viel mehr das Gefühl

einer echten Mission.

Möchtest du tatsächlich in einer

echten Basis auf dem Mond

wohnen?

Ich könnte mir gut vorstellen, für

eine Weile auf dem Mond zu leben.

Da habe ich keine Bedenken

und die Mission Asclepios hat dies bestätigt. Ich würde gerne weitere

Erfahrungen sammeln. In dieser Woche am Grimselpass habe

ich so viel gelernt über Teamgeist, Leadership und Verantwortung

kann mir

g ut vo r -

ste l l e n

auf de m

mond zu -

leben

wie nie zuvor in meinem Leben.

Das ist fantastisch.

Wie willst du nun weitermachen,

um tatsächlich Astronaut zu

werden?

«Echter» Astronaut zu werden ist

ein sehr komplexes Unterfangen.

Es gibt keine genau festgelegte

Karriere. Das Einzige, was man

machen kann, ist seine Fähigkeiten

laufend zu verbessern. Ich

habe Mikroelektronik in Chile

studiert, dann in Italien einen

Masterabschluss gemacht in Mechatronik,

für ein Jahr war ich

auch in Russland – russisch ist wichtig für die Raumfahrt.

Jetzt sammle ich Arbeitserfahrungen beim Projekt Satellit

«Euclid» der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Ich

fühle mich bereit dazu, an einer echten

Mission teilzunehmen, aber klar muss

man das Glück haben, an die richtige Person

oder die richtige Organisation zu gelangen.

Gerne wäre ich der erste chilenische

Astronaut im All. Wenn es mir nicht

gelingt, so möchte ich auf jeden Fall den

Weg ebnen. Vielleicht

schafft es jemand

nach mir!


8 grimselwelt8

· alpabzug gental

grimselweltgrimselwelt · alpabzug gental 9

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

Wie ein Feuerwerk steht der Alpabzug am

Ende des Alpsommers. Es ist ein Tag der

Wehmut und der Freude, für Älpler und

Tiere gleichermassen. Ein Blick hinter die Kulissen

auf der Alp Gental ob Innertkirchen.


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· alpabzug gental

grimselweltgrimselwelt · alpabzug gental 11

Jeweils am Nationalfeiertag vom 1. August

bietet die Alpgenossenschaft für Gäste einen

reichhaltigen Älplerbrunch. Der Alpabzug findet

jeweils in der zweiten Hälfte September statt.

www.alp-gental.ch


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· persönlich

grimselwelt · persönlich

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Barbara Luchs

ERZÄHLEN MACHT GLÜCKLICH

Jessica Banholzer

ARCHITEKTIN MIT HERZBLUT

Sie braucht wenig, um ihr Publikum glücklich zu machen: Eine

Geschichte und sich selbst. Barbara Luchs entführt die Zuhörerinnen

und Zuhörer an ihren Erzählabenden in eine andere Welt.

In ihren Worten werden Figuren lebendig, es entstehen eindrückliche

Bilder und Stimmungen. Gebannt folgt man den Erzählungen,

die so direkt und natürlich wirken, als wären sie aus dem

Moment entstanden. Doch bei genauerem Hinhören zeigt sich,

wie gross der Aufwand ist und wie ausgereift die Fähigkeiten der

Erzählerin sein müssen. Bis eine gute Geschichte gefunden ist, kann

es lange dauern. Barbara Luchs sucht in verschiedenen Quellen,

hört zu, liest und liest, bis sie etwas Passendes gefunden hat. Zum

Repertoire der Geschichtenerzählerin gehören Sagen, Geschichten,

die das Leben schrieb, Mythen oder Märchen. Nach der Auswahl

folgt der Prozess des Einübens. Luchs lernt keine Texte auswendig,

sondern befasst sich so lange mit Figuren und Szenen, bis

sie sie vor sich sieht. «Ich arbeite immer mit Bildern», erklärt Barbara

Luchs, «damit kann ich die Geschichten verinnerlichen.» Die

gesprochenen Worte nimmt sie auf, löscht sie wieder, formt neue

Sätze, sucht nach noch passenderen Worten – so lange, bis sich

Barbara Luchs richtig wohl fühlt in ihrer Geschichte und sie frei

erzählen kann. Dann erst ist sie bereit, vor ein Publikum zu treten.

Junge Menschen in den Tälern im Oberhasli müssen zuweilen

erfinderisch sein, um ihren Lebensentwurf zu realisieren. Nicht

alle Ausbildungsmöglichkeiten liegen gerade um die Ecke. Jessica

Banholzer aus Innertkirchen hat sich ihren beruflichen Werdegang

dennoch genauso zusammengezimmert, wie sie es sich erträumt

hatte. Für die 23-Jährige war bereits in der 7. Klasse klar,

dass sie Architektin werden wollte. Sie absolvierte zuerst eine

Lehre als Zeichnerin, danach wechselte sie an die Fachhochschule

in Chur und schloss vor einem knappen Jahr ihr Studium ab.

Seither arbeitet sie als Architektin bei der Werkunion in Sarnen

und ist von ihrem derzeitigen Job- und Wohn-Arrangement begeistert.

«Ich möchte unbedingt in Innertkirchen wohnen, hier

bin ich zuhause, hier fühle ich mich wohl», sagt Banholzer. Sie

mochte die Zeit in Graubünden und sammelte viele Erfahrungen,

aber ihr Herz schlägt für das Oberhasli mit seiner grossartigen

Landschaft. «An den Wochenenden fahren

Menschen von weit her, um sich bei

uns zu erholen – ich bin schon da!» Die

Baubranche liegt Jessica Banholzer im

Blut: Ihr Vater führt in Innertkirchen eine

Holzbauunternehmung, die zuvor in den

Händen von Jessicas Grossvater und Urgrossvater

lag. Der Bezug zur Praxis war

der jungen Architektin immer wichtig,

dennoch will sie sich für ihre Zukunft

nicht festlegen. «Keine Ahnung, vielleicht

ist eine Selbständigkeit mal ein Thema,

vielleicht sogar in Verbindung mit Holzbau

– aber dies zu sagen, ist noch viel zu

früh.»

«Es steckt viel von mir selbst in diesen Geschichten», sagt Barbara

Luchs. Nicht nur die Bezüge zu ihrer eigenen Kindheit in

Gadmen fliessen in die Erzählungen ein, überhaupt ist die Auseinandersetzung

mit den Geschichten eine ganz persönliche. «Die

Person schwingt mit», sagt sie. Und: «Du gibst immer alles von

dir, wenn du dort vorne stehst und erzählst.»

Rita und Roland Weber

DIE «NEUEN» IN GUTTANNEN

Ich bin Geschichtenerzählerin

und mit

grosser Freude teile

ich mit meinem

Publikum Geschichten

aus aller Welt.

So ist es nicht verwunderlich, dass Barbara Luchs ihr Publikum

automatisch mitnimmt in die Welt, die sie am meisten geprägt hat:

Gadmen und die Berge rundherum. Luchs ist in Gadmen aufgewachsen,

zwischen «Zwergensteinen und Riesenbäumen», wie sie

es beschreibt. In einigen Geschichten ist es nur ein Einstieg, der

nach Gadmen führt, zum Beispiel ihre Erinnerung an den Schulweg

im tiefen Schnee. Manchmal verpflanzt Luchs aber auch eine

ganze Geschichte ins Bergtal. Ihre eigene Verbindung zu diesem

Ort ist stark, auch wenn sie Gadmen bereits als junge Erwachsene

verlassen hat und heute mit ihrer Familie in Oppligen wohnt.

«Diese ursprüngliche Landschaft lebt in mir», sagt sie und lacht.

Ihre Augen glänzen, wenn sie vom Trycheln in der Altjahrswoche

erzählt oder von den ruhigen Wochenenden im Alphüttli unter

den Wendenstöcken. Fast am meisten schätzt sie an dieser Umgebung,

wie die Natur dem Menschen zeigt, dass er nicht so gross

ist. «In Gadmen erlebt man die Naturgewalten sehr direkt. Dieses

Raue empfinde ich als prägend», sagt sie.

Selbst wenn Barbara Luchs vor einem Publikum in Berlin erzählt

– wo sie derzeit eine Weiterbildung im künstlerischen Erzählen

absolviert – spricht fast immer eine Person im Haslitaler-Dialekt.

«Viele Menschen in Deutschland lieben das», weiss sie unterdessen,

«auch wenn ich jeweils übersetzen muss.» Vor Schweizer

Publikum erzählt Barbara Luchs meistens die ganze Geschichte

im Hasli-Dialekt. Seit einigen Jahren ist sie nicht nur solo unterwegs,

sondern auch mit dem Musiker Martin Kettler, beispielsweise

mit ihrer aktuellen Tour «Vogelfrii». Dabei erzählt sie in

Gärten oder Wohnzimmern, in Kapellen, auf der Heubühne oder

im Schloss, egal wo. Das Einzige was für sie zählt: «Die Geschichten

sind ein Glück! Wenn sie weitergehen an andere Menschen, ist

dies das Schönste für mich.»

www.barbaraluchs.com

Für Guttannen ist die Familie Weber

ein Glücksfall und für die Familie ist Guttannen

ein Glücksfall – so sieht die Bilanz

zumindest nach einem guten halben Jahr

aus. So lange leben Rita und Roland Weber

nämlich mit ihren fünf Kindern im Bergdorf.

Sie sind von aussen zugezogen. «Wir

suchten die Ruhe», sagt Rita Weber, «hier

haben wir sie gefunden. Es stimmt für

alle.» Weder sie noch ihr Mann Roland

hatten vor dem Abenteuer eine Ahnung,

wo genau Guttannen liegt. Sie interessierten

sich für ein Haus, das ausgeschrieben

war, und als Rita noch eine passende Stelle

auf der Gemeindeverwaltung fand, nahm

ihr Vorhaben Form an. «Bei meinem ersten Besuch war ich beeindruckt

von der Gegend», schwärmt sie. Ihrem Mann und den Kindern

ging es ähnlich. Alle gemeinsam wagten den Schritt und lebten

sich bald schon gut ein. Das grösste Plus sehen Rita und

Roland in der Nähe zur Natur. «Im Winter können die Kinder an

einem Schultag in den Pausen Schlittschuh laufen, die Skis oder

die Langlaufskis anschnallen – wo kann man das schon.» Die drei

Primarschulkinder wurden in der Dorfschule herzlich willkommen

geheissen, denn allzu oft waren die Schülerzahlen in Guttannen

in den letzten Jahren eher tief. Die beiden älteren Kinder besuchen

die Schule in Innertkirchen. Weder Rita noch Roland

können sich unterdessen etwas Anderes vorstellen als Guttannen:

«Früher haben wir uns gefreut, wenn wir einmal Schnee sahen.

Jetzt finden wir es komisch, wenn es keinen hat. Wir mögen es, so

mit der Natur zu leben.»


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· aussicht grimselweltgrimselwelt · impressionen 15

Ein verregneter Ausflug in die Lauteraarhütte

ermöglichte Fotograf Patrick Luchs

diesen mystischen Ausblick auf den

Grimselsee. «Ich halte immer Ausschau, was

es so gibt», sagt der 34-Jährige aus Innertkirchen,

der seit einiger Zeit als selbständiger Fotograf

arbeitet. Seine Leidenschaft für das Fotografieren

hat sich wie von selbst ergeben. Beim Skifahren

mit seinen Kollegen habe er immer

eine Kamera dabei gehabt zum Filmen. Bald

entwickelte sich aus den ersten Ski-Videos

eine Leidenschaft dafür, was sich mit dem Medium

Video oder Fotografie erreichen lässt.

Weil sich «Paedii» Luchs gerne in der Natur

bewegt und den Outdoorsport wie auch das

Reisen liebt, spiegeln seine Aufnahmen diese

Faszination. «Die Bilder entstehen manchmal

ganz von alleine, wie hier am Grimselsee», erzählt

Luchs. «Wir sind am Vortag 4 Stunden

durch den Regen gewandert, haben in der

Lauteraarhütte übernachtet und trafen am

nächsten Morgen auf diese besonders schöne

Stimmung.»

www.plpictures.com


16 grimselwelt16

· im gespräch

grimselweltgrimselwelt · im gespräch 17

Interview: Annette Marti, Fotos: David Birri

Simonetta Sommaruga erklärt, wie sie die am

Runden Tisch vereinbarten 15 Projekte in der

Wasserkraft voranbringen will – darunter drei

Vorhaben der KWO. Die Bundesrätin pocht auf

Dialog, Umsicht und Transparenz.

Annette Marti: Frau Bundesrätin, Sie haben am Runden Tisch

eine Einigung erzielt über Wasserkraft-Projekte, die Sie fördern

wollen. Wie geht es weiter, damit diese Projekte effektiv

realisiert werden können?

Simonetta Sommaruga: Diese Einigung ist ein Meilenstein.

Die Wasserwirtschaft, Umweltorganisationen und die Kantone

haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt und

15 vielversprechende Projekte benannt, die sich umweltfreundlich

realisieren lassen. Und sie haben

vereinbart, bei jedem Projekt frühzeitig zusammenzukommen

und nach Lösungen zu

suchen. Das ist für die Umsetzung zentral.

Nun liegt der Ball bei jenen, die bauen

wollen und bei den Kantonen,

welche die Projekte bewilligen.

Die Zeit eilt, um das Szenario einer Strommangellage zu

verhindern und die Umsetzung der Energiestrategie

2050 nicht zu gefährden. Welche Möglichkeiten haben

Sie, Einfluss zu nehmen, sollte es lokal doch zu Widerständen

kommen?

Bei den nächsten Schritten sind Umsicht und Transparenz

gefragt: Es ist wichtig, die Bevölkerung frühzeitig

einzubeziehen und sie offen zu informieren. Im

Dialog können sinnvolle Lösungen entstehen, wenn

zum Beispiel Eingriffe in die Natur mit Massnahmen

zum Schutz der Natur ausgeglichen werden. Einsprachen

bleiben auch in Zukunft möglich. Das gehört zur

Schweiz. Gleichzeitig wollen wir die erneuerbaren einheimischen

Energien rasch ausbauen. Deshalb will der Bundesrat

die Verfahren straffen und beschleunigen. Dieser

Vorschlag ist jetzt in der Vernehmlassung.

Nach welchem Massstab sind bei den 15

Projekten die Schutzkriterien festgelegt

worden?

Wenn wir in erneuerbare Energien investieren,

tun wir auch etwas für den Klimaschutz.

Schmelzende Gletscher, Bergstürze

und Wetterextreme treffen gerade die

Menschen in den Bergen hart. Wenn es immer

wärmer wird, schwindet zudem die

Artenvielfalt; Tiere verlieren ihre Nahrungsgrundlage

und ihren Lebensraum.

Darum müssen alle Akteure immer wieder

den Blick auf das Ganze richten. Das ist

am Runden Tisch gelungen: Wir haben neben

den wirtschaftlichen Überlegungen

auch dem Naturschutz Rechnung getragen

und nur Projekte berücksichtigt, welche die

Biodiversität und die Landschaft möglichst

wenig beeinträchtigen.

Keines der vorgeschlagenen Projekte ist so

weit fortgeschritten in der Planung wie das

Vorhaben der KWO in der Trift. Dort sind

auch keine bestehenden Schutzperimeter

betroffen. Und trotzdem gibt es erbitterten

Widerstand. Welche Lösung sehen Sie?

RUNDER TISCH WASSERKRAFT

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat im August 2020 den Runden Tisch

Wasserkraft einberufen, um sich über die besonderen Herausforderungen

auszutauschen und konkrete Massnahmen festzulegen. Im 13-köpfigen

Gremium haben Vertreterinnen und Vertreter der Kantone, Akteure

aus Umweltschutzorganisationen und aus dem Bereich Wasserkraft

Einsitz genommen. Ziel der gemeinsamen Sitzungen war, Projekte zu

identifizieren, die als besonders vielversprechend gelten. Dies in Hinsicht

auf ihren energetischen Nutzen und die gleichzeitig einen möglichst

guten Schutz von Biodiversität und Landschaft erlauben. Die

Dringlichkeit dieses Anliegens ist im Kontext der Energiestrategie 2050

zu verstehen, die einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien

beinhaltet, darunter auch der Produktion von Strom aus Wasserkraft.

Das Trift-Projekt ist sinnvoll für die Stromproduktion

und es erfüllt die Ansprüche

an den Landschafts- und Umweltschutz.

Es ist an der Kraftwerke Oberhasli AG und

dem Kanton, dies noch besser aufzuzeigen.

Daneben braucht es auch in der Bevölkerung

das Verständnis, dass wir die Versorgungssicherheit

nur dann stärken, wenn

wir aufeinander zugehen. Dass wirtschaftliche

Interessen und der Klima- und Umweltschutz

vereinbar sind, zeigt der Ausbau

des Wasserkraftwerks Nant de Drance.

Dort wurde der Eingriff in die Natur mit

Massnahmen zugunsten der Umwelt ausgeglichen,

etwa mit einem breiteren Flussbett

und neuen Waldflächen. Auch die

KWO hat Ausgleichsmassnahmen für die

Natur umgesetzt.

15 AUSGEWÄHLTE PROJEKTE

Mitte Dezember 2021 präsentierte Bundesrätin Simonetta Sommaruga

eine gemeinsame Erklärung der Vertreterinnen und Vertreter des Runden

Tischs Wasserkraft. Darin schlägt das Gremium 15 Wasserkraft-Ausbauprojekte

vor, die als besonders vielversprechend gelten. Gleichzeitig, so

ist sich eine grosse Mehrheit der Akteure einig, wären die Auswirkungen

auf Biodiversität und Landschaft zu verkraften, beziehungsweise müssten

diese Einflüsse mit entsprechenden Ausgleichsmassnahmen kompensiert

werden. Untersucht wurden insgesamt 33 Vorhaben. Würden

die 15 identifizierten und vorgeschlagenen Projekte umgesetzt, so hält

der Runde Tisch fest, wäre es möglich, bis ins Jahr 2040 eine zusätzliche

saisonale Speicherproduktion im Umfang von zwei Terawattstunden zu

erreichen. Nun sollen für die ausgewählten Projekte vertiefte energiewirtschaftliche

und ökologische Abklärungen vorgenommen werden.

Die identifizierten Projekte

Chummensee VS, 165 GWh; Curnera-Nalps GR, 99 GWh; Gorner VS,

650 GWh; Gougra VS, 120 GWh; Griessee VS, 46 GWh; Grimselsee BE,

240 GWh; Lac d’Emosson VS, 58 GWh; Lac de Toules VS, 53 GWh; Lago

del Sambuco TI, 46 GWh; Lai da Marmorera GR, 55 GWh; Mattmarksee

VS, 65 GWh; Oberaarsee BE, 65 GWh; Oberaletsch klein VS, 50 GWh;

Reusskaskade UR 96 GWh; Trift BE, 215 GWh.

weiter auf der nächsten Seite...

ZUR PERSON

Simonetta Sommaruga ist die

Vorsteherin des Eidgenössischen

Departementes für Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation

(UVEK). Die 62-jährige gebürtige

Aargauerin ist seit dem Jahr

2010 Mitglied des Bundesrats. Die ausgebildete

Pianistin verfolgte zunächst ihre Konzerttätigkeit

und pädagogische Arbeit am Konservatorium

Fribourg, danach arbeitete sie als Geschäftsführerin

der Stiftung Konsumentenschutz. Ihre

politische Karriere begann als Gemeinderätin

von Köniz. Von 1999 bis 2003 war sie Nationalrätin,

von 2003 bis 2010 vertrat sie den Kanton

Bern im Ständerat. Acht Jahre stand die Bundesrätin

dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement

(EJPD) vor. Das Interview mit der

Bundesrätin wurde schriftlich geführt.


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· im gespräch

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ENERGIESTRATEGIE 2050

Die Energiestrategie 2050 legt dar, wie der Ausstieg aus der Atomenergie

gelingen kann. Die Strategie zielt darauf ab, den Gesamtenergieverbrauch

zu senken und die erneuerbaren Energien deutlich auszubauen.

Konkret ist der Bundesrat daran, verbindliche Zielwerte im Ausbau der

Wasserkraft und anderer erneuerbaren Energien festzulegen. Bis ins Jahr

2040 sollen zudem 2 Terawattstunden klimaneutrale Stromproduktion

zugebaut werden, die im Winter sicher abrufbar sind. Dies betrifft in

erster Linie grosse Speicherkraftwerke. Die Knappheit im Winter, die

bisher stets mit Importen überbrückt werden konnte, verschärft sich insofern,

als auch andere europäische Länder den Ausstieg aus Atomenergie

und Kohlekraft versuchen. Im Juni 2017 hat das Schweizer Stimmvolk

in einer Abstimmung «Ja» gesagt zur Energiestrategie 2050.

Es gibt unternehmerische Risiken, derzeit

in die Wasserkraft zu investieren, weil es

langfristige Investitionen sind, aus denen

nicht heute und morgen Profit zu schlagen

ist. Sie haben die Idee eines Pflichtlagers

für Winterstrom aufgebracht. Wie würde

dies konkret funktionieren?

BESCHLEUNIGTE VERFAHREN

Der Bundesrat will Verfahren beschleunigen, die für den Bau von

grossen Wasserkraft- und Windanlagen erforderlich sind. Dies hat

Bundesrätin Simonetta Sommaruga Anfang Februar 2022 bekannt gegeben.

Für grosse Projekte verstreichen zwischen Projektierungsbeginn

und Realisierung manchmal über zwanzig Jahre. Dies sei zu lang.

Es soll künftig auf Kantonsebene nur noch ein Plangenehmigungsverfahren

für die Bau-, Rodungs- und Gewässerschutzbewilligung geben.

Bisher lief dies in unterschiedlichen Etappen und jede einzelne konnte

bis vor Bundesgericht angefochten werden. Der Bundesrat will die

Verfahren so beschleunigen, ohne dass deshalb Abstriche bei Natur-,

Umwelt- oder Denkmalschutz erfolgen.

Diese Idee einer Wasserkraftreserve ist im

Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung

mit erneuerbaren Energien enthalten,

das derzeit im Parlament beraten

wird. Die Behandlung dauert aber. Damit

keine Zeit verloren geht, habe ich dem

Bundesrat vorgeschlagen, die Wasserkraftreserve

per Verordnung vorzuziehen, und

so hätten wir bereits nächsten Winter eine

Versicherung für den Notfall – eine Reserve,

auf die wir schnell zurückgreifen können.

Die Versorger müssen eine bestimmte

Menge Wasser in den Speicherseen zurückhalten

und werden dafür entschädigt. So

haben wir den Strom auf sicher, falls wir

ihn brauchen.

Die Versorgungssicherheit hängt zu einem

Teil davon ab, in welchem Umfang die

Schweiz in den nächsten Jahren in der Lage

ist, eigenen Strom zu produzieren. Wenn

es nicht gelingt, schnellere Verfahren in den

einzelnen Kantonen anzustossen, kann es

dann ein nationales Interesse geben, das

über den spezifischen Interessen steht?

Es wäre falsch, den Schutz der Natur gegen

wirtschaftliche Interessen auszuspielen.

Damit es nicht soweit kommt, setze ich auf

folgende Strategie: Erstens wollen wir die

einheimischen erneuerbaren Energien –

also Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse,

Wind und Geothermie – rasch und konsequent

ausbauen. Damit stärken wir unsere

Unabhängigkeit. Zweitens gilt es die Verfahren

zu beschleunigen, damit grosse

Wind- und Wasserkraftanlagen schneller

gebaut werden können. Drittens wollen

wir die Versorgungssicherheit im Winter

mit zusätzlichen Stauseen gewährleisten.

Viertens mit der Wasserkraftreserve rasch

eine Versicherung für Notfälle schaffen

und fünftens Gaskraftwerke als Rückversicherung

für ausserordentliche Engpässe

vorsehen. Was es nun braucht, ist das Bekenntnis

und das Engagement der Bevölkerung,

der Politik und der Wirtschaft,

diese Strategie für eine sichere, klima- und

landschaftsschonende Energieversorgung

umzusetzen. Gute Lösungen sind möglich,

wenn man aufeinander zugeht. Das hat der

Runde Tisch Wasserkraft gezeigt.

PFLICHTLAGER WASSERKRAFT

Im Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung

mit erneuerbaren Energien, das der

Bundesart im Juni 2021 verabschiedet hat, ist

eine strategische Energiereserve enthalten.

Dabei geht es um ein Pflichtlager für Strom

im Winter. Vorgesehen ist, dass die Speicherkraftwerke

Wasser für die Stromproduktion

im Winter zurückbehalten und dafür eine Entschädigung

erhalten. Vor Winterbeginn wird

diese Reserve vom Markt genommen und

darf nur bei Versagen der Marktmechanismen

eingesetzt werden.

DIE DEBATTE NIMMT FAHRT AUF

SOMMER 2020

JUNI 2020 MAI 2021 JUNI 2021 JUNI 2021 OKTOBER 2021 OKTOBER 2021 DEZEMBER 2021 FEBRUAR 2022 FEBRUAR 2022

START

Runder Tisch

WASSERKRAFT

Einberufen von

Energieministerin

Simonetta

Sommaruga

ENDE

MAI

MITTE JUNI

A N F A N G

OKTOBER 21

FEBRUAR 22

Netzbetreiberin

GESETZ

2021

BUNDESRAT

bricht die Verhandlungen

zu den bilateralen

Verträgen mit der EU ab.

Damit wird auch das

Stromabkommen auf

EIS gelegt.

ANFANG JUNI 2021

Elektrizitätskommission

ELCOM

warnt zum wiederholten

Male vor Versorgungsengpässen

im

WINTER

ERNEUERBARE

ENERGIEN

wird vom Parlament

genehmigt und im

Bundesrat verabschiedet

STUDIE

Departement

OKTOBER 21

Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation

UVEK

Das Resultat ernsthafte

Knappheit ab 2025

SWISSGRID

warnt zum wiederholten

Male vor

Versorgungsengpässen

im Winter.

DEZEMBER 2021

RESULTATE

Runder Tisch

WASSERKRAFT

Einigung auf

15 PROJEKTE,

um das festgelegte

Ziel in der Energiestrategie

zu erreichen.

Medienkonferenz

Energieministerin

SOMMARUGA

Verfahren sollen

beschleunigt werden,

um den Ausbau der

erneuerbaren

Energien schneller

vorwärts zu treiben.

24. FEBRUAR 2022

AUSBRUCH

Ukraine-Krieg

Gas und Rohöl

aus Russland?

VERSORGUNGSSICHERHEIT

WAS BISHER GESCHAH

Die Diskussion um die Versorgungssicherheit in der Schweiz hat

sich seit dem Sommer 2021 grundlegend verändert. Zwar gilt eine

anhaltende Strommangellage schon länger als eine der grössten

Bedrohungen für die Schweiz. Die Stromnetzbetreiberin Swissgrid

wie auch die Eidgenössische Elektrizitätskommission Elcom

warnten wiederholt vor Versorgungsengpässen. Dennoch schien

die Frage nach einer sicheren Stromversorgung weder die breite

Öffentlichkeit noch die Politik stark zu beschäftigen. Seit einigen

Monaten wird intensiv über das Thema debattiert.

Die Stauseen in den Alpen sind ein sehr

taugliches Mittel, um Schwankungen in

der Stromversorgung auszugleichen. Sie

dienen als Speicher, die besonders dann

unersetzlich sind, wenn Energie aus anderen

erneuerbaren Quellen stocken: Bei längeren

Wind-Flauten oder in düsteren Perioden

ohne viel Sonnenlicht. Diese wichtige

Funktion der Wasserkraft gerade in den

Wintermonaten ist mit der aktuellen Debatte

in den Fokus geraten (siehe Grafik).

Als Systemdienstleisterin steht die KWO

mittendrin, wenn das Stromnetz in der

Schweiz ausser Takt zu geraten droht. Sie muss dann entweder ihre

Maschinen anwerfen, um sofort Strom zu produzieren oder überschüssigen

Strom vernichten, indem die Pumpspeicherung hinaufgefahren

wird. Beides kann das Netz lahmlegen: Zu wenig Strom

oder zu viel Strom. Die KWO weiss, wie sehr sich die kritischen

Situationen häufen. Sie weist deshalb seit Jahren auf die Limiten

des Systems hin. Ohne zusätzliches Speichervolumen in den Seen

sind die Kapazitäten der KWO als «Troubleshooterin» limitiert.

Nach dem Nothalt in Sachen bilateraler Beziehungen im Sommer

2021 ist ein Stromabkommen mit der EU in weite Ferne gerückt.

Ohne dies kann die Schweiz weder bei den Marktregeln mitreden,

noch in den wichtigen Gremien Einsitz nehmen. Des Weiteren

dürften je länger je mehr Importbeschränkungen auftreten, so

verlangt die EU zum Beispiel, dass 70 Prozent der grenzüberschreitenden

Stromkapazitäten für den Handel zwischen EU-Mitgliedstaaten

frei bleiben. So wird die Schweiz nicht nur Probleme haben,

in knappen Zeiten Strom zu importieren, sie muss ebenso mit ungeplanten

Stromflüssen durch die Schweiz klarkommen, was zusätzlichen

Stress für das Stromsystem bedeutet.

Unterdessen sind nicht nur zahlreiche Medien, sondern auch Politikerinnen

und Politiker hellhörig geworden. Die Einigung am

Runden Tisch Wasserkraft im Dezember 2021 war bis dahin in

ihrer Art undenkbar. Russlands Invasion in der Ukraine verleiht

dem Thema Energieversorgung im März 2022 eine weitere Dimension:

Wollen die westeuropäischen

Länder tatsächlich von Erdöl- und Gasimporten

aus einem Land wie Russland abhängig

sein? Diese Frage dürfte auch die

Diskussion um mögliche Gaskraftwerke

als Notnagel in der Stromversorgung wesentlich

beeinflussen. Die Wasserkraft ist

ein wichtiges Puzzle-Stück in der Umsetzung

der Energiestrategie 2050. Die KWO

mit ihren acht Speicherseen und den 13

Kraftwerken ist eines der grössten Wasserkraftwerke

der Schweiz. Das Einzugsgebiet

liegt im Herzen der Schweiz und

drängt der Unternehmung ihre Rolle als

Systemdienstleisterin auch deswegen auf.

Was die Produktion von Winterstrom angeht,

sind die Kapazitäten derzeit aber beschränkt.

Nur gerade 25 Prozent der anfallenden

Wassermenge können zwischengespeichert

werden. Ein Teil der Lösung

liegt im Ausbau der Speicherkapazitäten.

Die drei vom Runden Tisch hervorgehobenen

Ausbauvorhaben Trift, Grimselsee

und Oberaarsee liessen sich ideal ins bereits

bestehende System der KWO einbinden.


20 grimselwelt · ecocapsule

grimselweltgrimselwelt · ecocapsule 21

Für die meisten Gäste sei dies kein Problem. Auch mit dem im

Tank gesammelten und aufbereiteten Regenwasser kommen die

Gäste klar. In regenarmen Zeiten wird es mit Wasser aus dem nahen

Brunnen ergänzt. «Viele Gäste sagen mir, es sei interessant,

die Zusammenhänge zu sehen», so Zuberbühler. Zum Glück ist

der Föhn ein häufiger Begleiter in Guttannen und bringt mit seiner

Energie das Windrad auf Touren, auch wenn die Sonne mal

nicht scheint.

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

Wie ein freundliches Alien steht die Ecocapsule mitten

in Guttannen – das futuristische Mini-Häuschen ist ein

ganz besonderer Übernachtungsort. Die Ecocapsule

versorgt sich selber mit Energie und verbraucht nur ein

Minimum an Platz.

Die Besucherinnen und Besucher sind rundum begeistert vom

Leben im Mini-Häuschen, das unterdessen in vielen Social-Media-Beiträgen

sowie anderen Medienberichten erschienen ist. Urs

Zuberbühler, Lehrer an der Dorfschule und Initiant der Ecocapsule,

erhoffte sich genau dies. Er hatte die kleine Wohnkapsel mit

ihrem Hightech-Innenleben auf einer Webseite entdeckt und steht

mit den Entwicklern aus der Slowakei schon länger in Kontakt.

Weltweit gibt es etwa 50 der Design-Wohn-Eier, dasjenige in Guttannen

ist eines der einzigen, das der Öffentlichkeit zugänglich ist.

«Ich war von Anfang an begeistert und bin überzeugt, Guttannen

hat nun ein aussergewöhnliches Angebot», so Zuberbühler. Er hat

die Kapsel erworben und stellt sie als Darlehen dem Verein «Guttannen

bewegt» zur Verfügung. Den Sommer über amtet er als

eine Art Hüttenwart und kann von den Gästen bei Problemen

herbeigerufen werden. In den Wintermonaten sorgt er dafür, dass

die Ecocapsule einen anderen Standort findet – im Winter 2021/22

Das Häuschen erinnert ein bisschen an eine Figur aus einem

animierten Kinderfilm. Es hat ein ovales Gesicht mit grossen,

dunklen Augen, die freundlich in die Welt hinausblicken,

eine etwas grosse Nase und kurze Beinchen, die den Rest

des Körpers ersetzen. Vielleicht ist es ein Wesen von einem anderen

Stern, das zufällig mitten in Guttannen abgestellt worden ist,

oder sonst ein Tierchen, das sich hierhin verirrt hat. Was immer

es ist – es fühlt sich im Bergdorf wohl. Es macht neugierig und

das ist genau das, was die Guttanner wollten. «Die Ecocapsule, unser

Wohn-Ei, soll die Gäste einladen, innezuhalten und einzukehren.

Wir möchten Aufmerksamkeit für unser Dorf erzielen», erklärt

Gemeindepräsident Werner Schläppi. Er sehe die Ecocapsule

auch als Symbol für Themen wie Klima, Energie und Wasser. Diese

Themen seien für das Dorf Guttannen von zentraler Bedeutung.

Die Kapsel, oder das «Wohn-Ei», wie es auch liebevoll genannt

wird, steht auf einer idyllischen Parzelle mitten im Dorf und kann

für Übernachtungen gebucht werden. Es ist ein energieautarkes

Mini-Haus, das zwei Personen Platz bietet und sowohl ein kleines

Badezimmer wie eine Kochnische enthält. Mithilfe eines Solarpanels

und eines kleinen Windgenerators auf dem Dach erzeugt die

Ecocapsule so viel Energie, wie für den Verbrauch nötig ist. Daraus

werden Heizung, Lüftung, Wasseraufbereitung, Dusche,

Kochherd und Beleuchtung betrieben. Unbeschränkte Energie

steht nicht zur Verfügung, obschon im Notfall ein Kabel an die

externe Stromversorgung angeschlossen werden kann. «Das ist

nicht der Sinn, aber manchmal geht es nicht anders», erklärt Urs

Zuberbühler, der so etwas wie der Vater der Ecocapsule ist. «Es

ist interessant zu sehen, wie sich unsere Gäste verhalten. Auf dem

Display im Haus sieht man zu jeder Zeit, was wieviel Strom verbraucht

und wieviel überhaupt zur Verfügung steht», führt er aus.

Urs Zuberbühler (links), Erika und Werner Schläppi sehen das

Wohn-Ei als eines von verschiedenen Projekten, um Aufmerksamkeit

für Guttannen zu erzielen.

stand sie am Hafen von Genf. Für den Verein ist das Häuschen

ein Glücksfall. «Guttannen bewegt» engagiert sich mit verschiedenen

Projekten für die Dorfentwicklung, mit Veranstaltungen

oder Projekten wie einem Themenweg und einer Eis-Stupa im

Winter. «Wir wollen das Dorf lebendig halten und den Dialog mit

den Gästen pflegen», sagt Vorstandsmitglied Erika Schläppi.

«Auch wenn Klimawandel oder Naturereignisse schwierige Themen

sind, wir wollen zeigen, dass man sich anpassen kann.»

Unterdessen hat die Dämmerung eingesetzt und eine riesige

Blumenkohl-Wolke türmt sich im goldenen Abendlicht über den

Bergen auf. Aus dem Wohn-Ei strömt warmes Licht. Gemütlich

und zufrieden wirkt dieses futuristische Ding. Hat es etwas gesagt?

Das Häuschen? Hat es sich bewegt? Man könnte sich gut

vorstellen, dass es unter Umständen sprechen kann oder auch ein

paar Schritte hinter dem Strauch hervor machen kann, um besser

zu sehen, was abgeht. Sein Interesse am Lauf der Welt in Guttannen

ist offensichtlich.

www.ig-ecocapsule.ch


22 grimselwelt22

· langlaufen in gadmen

grimselweltgrimselwelt · trift-projekt 23

Für eine Loipe braucht es mehr als Schnee, ein Pistenfahrzeug

und den dazugehörigen Fahrer. Im November hat der Nordische

Skiclub Oberhasli NSCO in Gadmen seine Heinzelmännchen

entsandt, um Vorbereitungen zu treffen.

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

In manchen Situationen im Leben würde

man sich so eine Handvoll Heinzelmännchen

wünschen, die – schwupps –

auf der Matte stehen, alles erledigen und

– schwupps – wieder weg sind. Genau so

funktioniert der Bautrupp des Nordischen

Skiclubs Oberhasli NSCO. Der Club der

Langläuferinnen und Langläufer im Haslital

ist für den Betrieb der Loipe in Gadmen

zuständig und damit auch für bestimmte

Unterhaltsarbeiten. Bevor die

Saison losgeht, versammeln sich einige

Freiwillige für einen Arbeitseinsatz, den

sogenannten Loipentag. Es ist ein klirrend

Die Kurssetzer: Sven Reber, Marc Wyss, Karl Kühner und

Didi Scheib (vlnr).


24 grimselwelt · langlaufen in gadmen

grimselwelt · langlaufen in gadmen 25

Langlaufen in Gadmen

Die Hausloipe des NSCO in Gadmen ist seit Jahren ein Geheimtipp. Die

abwechslungsreiche Strecke verläuft in verschiedenen Schlaufen, insgesamt

sind normalerweise 15 Kilometer Skating und Klassisch gespurt.

Die Loipe weist einfachere und anstrengendere Abschnitte auf, sodass

Neulinge wie Profis und alle dazwischen auf ihre Rechnung kommen.

Der grosse Trumpf der Gadmer Loipe ist die hochalpine Szenerie – die

Strecke führt mitten durch die wilde Natur des Gadmentals. Während

im Sommer im Tal viel Betrieb herrscht, sind die Wintertage von grosser

Ruhe geprägt und bieten ein fantastisches Ambiente für Outdoorsport.

Abends steht eine 7 Kilometer lange, beleuchtete Nachtloipe zur Verfügung.

Loipenbericht: www.loipe-gadmen.ch / 033 975 14 26

nicht nur den Streckenverlauf, sondern erinnern die Pistenbully-

Fahrer an bestimmte Hindernisse wie grosse Steine, die nahe an

der Loipe liegen. Deshalb sind in dieser Gruppe die beiden Pistenfahrzeugfahrer

Didi Scheib und Kari Kühner mit dabei, die im

Winter die Loipe präparieren. Sie kennen das Terrain wie ihre Hosentasche.

«Gute Vorbereitung ist alles», sagt Alex Heimann, der die Arbeiten

koordiniert und das Material bereitstellt. Besonders wichtig

war dies für das Grossprojekt des Tages: Den Neubau einer

Brücke, die in ihrer früheren Form einen Flaschenhals der Loipe

darstellte. Der Bautrupp kommt zügig voran. Mit Hilfe des Gadmer

Bauern Andi Luchs und seinem Bagger sind die Stahlträger

bald einmal über dem Bachlauf platziert. Holzbretter werden herbeigetragen,

zugesägt und verankert, Nahtstellen verschweisst.

Die meisten Clubmitglieder, die hier zupacken, sind versierte

Handwerker. So sitzen denn auch die Handgriffe und es geht ruckzuck

vorwärts. Schon bald ist die neue Brücke im Rohbau erstellt.

nahmen aus dem Verkauf von Loipenpässen.

Ein grosses Thema ist stets, wie der

Vorstand Projekte für die Zukunft realisieren

kann. Die Vorstandsmitglieder haben

sich auch schon mit einer möglichen künstlichen

Beschneiung befasst und klären derzeit

die Finanzierung für den Ersatz des

heutigen Pistenfahrzeugs. Um dieses grosse

Projekt zu stemmen, braucht es wohl neben

den eigenen Mitteln des Clubs finanzielle

Unterstützung in Form von Spenden oder

Beiträgen der öffentlichen Hand. Auch ein

Crowdfunding für Privatpersonen ist angedacht.

«Irgendeine Lösung werden wir

finden», sagt der Präsident und blickt zur

neuen Brücke. Die frisch eingebauten

Holzbretter leuchten fast heller als der

Schnee. In Freiwilligenarbeit wird sich ein

Die Holzer- und Rasenmäher-Truppe: Lars Marti, Kilian Marty,

Daniel Kienholz, Hanspeter Bodmer und Fabian Mentzner (vlnr).

Die Brückenbauer: Alex Heimann, Markus Fuchs, Reto Wyss, Kaspar Kunz,

Werner Schläppi Engel, Christian Locher und Andi Luchs (vlnr).

kalter Novembertag, bereits ist in Gadmen

Schnee gefallen – wenn das kein gutes

Omen ist für die Langlaufsaison! Die Sonne

lässt die Felswände hoch über dem Tal

aufleuchten, das Tal liegt vorerst noch im

Schatten. Die Helfer sind in drei Gruppen

aufgeteilt worden. Die «Rasenmäher»

marschieren die Loipe ab mit Motorsäge

und Handmäher ausgerüstet. Sie entfernen

Unterholz, säubern und mähen die Strecke.

Die «Kurssetzer» haben sich einen fahrbaren

Untersatz zu Hilfe genommen. Zuerst

sind sie mit einem alten Brügiwagen unterwegs,

der irgendwann streikt, danach mit

einem geländegängigen Aebi samt Anhänger.

Es gilt, auf dem gesamten Loipennetz

an den richtigen Stellen die Markierungspfosten

einzuschlagen und die Wegweiser

anzubringen. Die hellblauen Pfosten zeigen

Sie ist viel breiter als ihre Vorgängerin und fügt sich gut ins Gelände

ein. Nur die Übergänge müssen noch verfeinert werden, sodass

sich auch hier mit dem Pistenfahrzeug ein perfekter Loipenteppich

präparieren lässt.

NSCO-Präsident Markus Fuchs freut sich: «Ich bin selbst

nicht vom Bau, aber mit diesen Leuten hier habe ich lauter Profis

rund um mich. So geht es einfach!» Fuchs ist überhaupt glücklich,

dass sich begeisterte Sportlerinnen und Sportler in «seinem» Club

engagieren. Wie in vielen Vereinen gab es in der 50-jährigen Geschichte

des NSCO auch einige Auf und Abs. Derzeit befindet sich

der Club im Aufwind. Langlauf erfreut sich zunehmender Beliebtheit

und im Vorstand zetteln initiative junge Leute Projekte an.

Das Herzstück des Vereins, so sagt Fuchs mit einigem Stolz, ist

der Nachwuchs. Die JO verzeichnete in den letzten Jahren ein

starkes Wachstum. JO-Chef Reto Wyss, der ebenfalls tatkräftig

im Bautrupp mitwirkt, und sein Leiterteam geben dabei die eigene

Begeisterung für den Sport an die nächste Generation weiter.

Die Kosten für den Loipenunterhalt berappt der Club mit den Ein-

Pistenfahrzeug auf alle Fälle nicht zusammenbauen

lassen – Zuversicht vermitteln

die Taten der fleissigen Loipen-Heinzelmännchen

trotzdem.

50 Jahre NSCO Oberhasli

Im Jahr 2021 hat der Nordische Skiclub Oberhasli NSCO seinen 50. Geburtstag

gefeiert. Leider konnten viele Ideen für die Jubiläumsaktivitäten

aufgrund der Pandemie nicht umgesetzt werden. Wer sich für die Anfänge

des Langlaufsports im Oberhasli interessiert, kann auf der Webseite

des Clubs die Jubiläumsschrift einsehen (www.loipe-gadmen.ch). Darin

ist etwa zu lesen, wie die «manuelle» Loipenpräparation vor 50 Jahren

funktionierte, was die Motivation der Gründer Peter Eggler, Werner Krump

und Hans Streich war oder welche Rolle die Langlauf-Familie Mühlematter

in der Vereinsgeschichte spielte. Schon früh organisierte der Club zudem

verschiedene Rennen, wobei sich die Organisatoren stets kreativ

zeigten: Einmal, bei zu wenig Schnee, wurde ein BOSV-Rennen auf die

Engstlenalp verlegt (1988), ein anderes Mal, im gegenteiligen Fall, bei

zu grosser Lawinengefahr, mitten auf die Hauptstrasse in Meiringen

(Nachtsprint Interbancario, 2005). Ein ebenfalls seit Jahren beliebter

Anlass des NSCO ist der Langlauf Schnuppertag vom 2. Januar.


26 grimselwelt26

· spitallamm baustelle

grimselweltgrimselwelt · erlebnis natur 27

Seit Juni 2021 prägen zwei riesige rote

Kräne die Baustelle an der Staumauer Spitallamm.

Ohne die beiden Giganten wäre Funkstille

am Fusse der neuen Staumauer. Im Sommer geben

die Kräne einen hohen Takt an beim Betonieren, im

Winter vollführen die zwei Giganten täglich eine Kür,

um im Winterschlaf nicht steif zu werden.

Text: Annette Marti, Fotos: David Birri

Während an der Olympiade in Peking die Eiskunstläuferinnen ihre

Kür zeigen, vollführen zwei rote Riesen andernorts still und unbeachtet

ein Synchron-Ballett der besonderen Art: Immer morgens um 4 Uhr und

mittags ungefähr um 13 Uhr drehen sich die roten Wolff-Kräne auf der

Baustelle an der Staumauer Spitallamm am Grimselpass um ihre eigene

Achse. Nicht nur im Olympiade-Februar, sondern den ganzen Winter

über vollführen die Kräne ihre Nummer. Es dreht jeweils der oberste Teil

mit Kabine und Ausleger. Der Grund für diese stumme Kran-Kür, die

höchstens vom Pfeifen des Winds begleitet wird, ist natürlich nicht ein

Wettkampf, sondern die regelmässige Bewegung gewährleistet, dass die

Kräne nicht vereisen und somit unbeschadet über den Winter kommen.

Die Konstruktion der zwei 90 Meter hohen, freistehenden Kräne hat den

Planungsingenieuren von Wolffkran alles abverlangt. Vieles musste von

Grund auf neu berechnet und geprüft werden. Windgeschwindigkeiten

von bis zu 200 Kilometern pro Stunde oder der Druck von Schnee und

Eis machten es unmöglich, auf die üblichen Komponenten zurückzugreifen.

So entwickelte die Firma neue, speziell robuste und grosse Turmstücke

für die Basis der beiden Kräne. Auch die Kranfundamente

waren aussergewöhnlich stark betoniert und verankert

worden. «Wir bewegen uns am Grimselpass

in ganz anderen

Dimensionen als bei einer Standardbaustelle», fasst es Rolf

Mathys, Managing Director Wolffkran Schweiz, zusammen.

Gearbeitet wird auf der Baustelle den Winter über nicht. Dennoch

sah man davon ab, wie bei anderen Baustellen üblich, die Kräne zu demontieren

und im Frühjahr wieder neu aufzubauen. Das Auseinandernehmen

der Teile, der Abtransport und die Lagerung wären zu aufwendig

und nicht wirtschaftlich gewesen, erklärt Mathys. Immerhin werden die

beiden 90 Meter hohen Wippkräne vom Typ 1250 B bis zur Fertigstellung

der Mauer im Jahr 2024 im Einsatz bleiben. Man hätte sie also

mehrmals auseinandernehmen und wieder aufbauen müssen. Anlieferung

und Aufbau der Kräne im Juni 2021 war ein logistisches Meisterwerk.

Allein für den Transport standen insgesamt 70 Lastwagen im Einsatz.

Mithilfe eines gigantisch grossen 500-Tonnen-Mobilkrans der Emil

Egger AG und eines zweiten 150-Tonnen-Mobilkrans wurden die verschiedenen

Teile auf der engen Baustelle zusammengesetzt. Dabei schien

es fast unwirklich, wie die Kräne Stück für Stück in die Höhe wuchsen

und wie es die im Vergleich zu den grossen Stahlteilen winzig kleinen

Menschen schafften, Hand und Kopf so einzusetzen, dass zum Schluss

alles stimmte. Es brauchte Präzision und Teamarbeit, um voranzukommen,

einerseits bei Mobilkran-Profi Jonas Bösch, andererseits beim Team

der Kranmonteure. «Wenn man gut zusammenarbeitet, ist es schon einfacher.

Trotzdem muss man den Kopf beieinanderhaben», sagt Kranmonteur

Robert Bürgi, der mit seinen Kollegen in höchster Höhe auf den

Kranelementen herumtanzt, als wäre nichts dabei. «Da oben vergisst du

die Höhe», schmunzelt er. Das sei nicht für alle. Aber wer mal dabei ist

und die strenge Arbeit bewältigt, wird so wie es aussieht von einer Art

Kran-Virus erfasst. Am meisten Angst habe er anfänglich gehabt, etwas

fallen zu lassen, so Bürgi, der praktisch täglich irgendwo in der Schweiz

einen Kran aufstellt oder wieder abbaut. «Aber das passiert nicht, da

lässt du nichts fallen», sagt er. «Diejenigen, die da

oben sind, wissen, was sie tun.»


28 grimselwelt · erlebnis

grimselwelt · spitallamm baustelle 29

Der Kran muss auch im Winter erreichbar sein: Ein Arbeiter

testet die Tyrolienne für den Zugang.

Zuhause auf dem Kran: Das Team von Wolffkran mit Robert Bürgi,

Jannik Haller, Tomor Hyseni und Pascal Joho (von links).

Nach dem Aufbau im Frühsommer galt es für die zwei Kräne den Sommer über ernst: Sie sind

Dreh- und Angelpunkt der Baustelle. In hoher Kadenz befördern sie die grossen Betonkübel zu

den jeweiligen Blöcken der Mauer, die Schritt für Schritt in die Höhe wachsen. Die täglichen Arbeiten

müssen so ausgelegt sein, dass die Kräne stets ungehindert arbeiten können und auch nicht

stillstehen. Die zwei roten Riesen heissen nicht etwa Max und Moritz, sondern die Spitallamm-

Crew verpasste ihnen die Bezeichnung Juchlikran und Nollenkran (näher beim Nollen). Beide

leisten Akkordarbeit. Laut Plan dürfen sie nicht mehr als sieben Minuten haben, um den Kübel

mit Beton zu füllen, ihn zur Mauer zu fahren,

dort die sieben Kubikmeter auszugiessen und

wieder zurückzuschwenken. Um den Prozess

zu optimieren, ist ein sogenanntes Beton-Taxi

in Betrieb gegangen, das den Betonkübel bei

der Betonanlage füllen lässt und ihn einige Meter

von der Betonanlage wegkarrt. Im freien

Gelände kann der Kranführer den Kübel leichter

aufgreifen und absetzen als in unmittelbarer

Nähe der Anlage.

am grimselpass

bewegen wir uns

in ganz anderen

dimensionen

Die roten Riesen wurden im Frühsommer in Einzelteilen

angeliefert – schon dies war eine logistische Meisterleistung.

Nichts für schwache Nerven: die Montage der beiden Kräne,

die höchsten der Schweiz.

Zweimal am Tag drehen

sich die Kräne während

der Winterpause

automatisch um ihre

eigene Achse, damit sie

nicht vereisen.

Die Mauer wird in Etappen betoniert, ganz

unten begann man mit drei Blöcken, Ende der

Saison 2021 waren es bereits sieben. Oben werden

es zum Schluss 15 Blöcke sein, die im Mittel

13 bis 14 Meter breit sind. Dabei gibt es die

sogenannten Vorläufer, die wie Türme vorausgehen,

wobei darauf geachtet werden muss,

dass der Unterschied zwischen den verschiedenen

«Stockwerken» weder zu gross noch zu

klein ist. Die Schalungen klettern mit den Blöcken

empor, das heisst, sie werden an einer unteren

Etappe fixiert und später weiter hochgezogen.

Pascal Reber, einer der

Bauleiter der KWO, erklärt: «Die

Planung ist recht knifflig, es wird

immer irgendwo geschalt und irgendwo

betoniert. Die Abfolge

muss stimmen, so dass alle stets

vorwärtsmachen können.» Es sei

wie eine Art Tetris-Spiel für Baufachleute.

In die Planung fliesst

auch die Festigkeitsentwicklung

des Betons ein, so muss eine untere Etappe fest

genug sein, damit die Schalung angebracht werden

kann. Anspruchsvoll ist auch die stets nach

zwei Seiten leicht gekrümmte Form der Staumauer,

sie schwingt sich erst leicht nach hinten

und wird gegen oben hin schlanker (siehe Interview).

Kommt hinzu, dass ein Teil der Blöcke

nicht kompakte Klötze sind, sondern ein

Innenleben aufweisen, was die Betonarbeiten

verkompliziert. So gibt es etwa mehrere horizontale

Kontrollgänge sowie schräge Verbindungsgänge,

die sich durch die Staumauer hindurchziehen

und die entsprechend ausgespart

werden müssen.

Auch sämtliche Kabel der Kräne müssen

so eingepackt werden, damit sie den

Winter gut überstehen.

Gegen Ende der Bausaison hin mussten verschiedene

Massnahmen getroffen werden, um

die Bauwerke für die Wintermonate zu schützen.

Im engen Einschnitt der Spitallamm-Sperre

liegen im Winter schnell einmal zehn Meter

Schnee, auf dem sich oft noch zusätzliche

Schneemassen auftürmen, die von den steilen

Bergflanken und Felswänden abrutschen. So

mussten beispielsweise die obersten Etappen

der bereits betonierten Blöcke der Staumauer

mit Isoliermatten abgedeckt und Kühlleitungen

winterfest verlegt werden, da der Beton

über Monate und auch im Winter gekühlt wird.

Ebenfalls platzierte man Sonden im Beton der

obersten Türme, um überprüfen zu können,

welche Einwirkungen der Frost auf die Temperatur

des Betons hat. Viel Aufwand bewältigten

im November wiederum die Kranmonteure.

Bestimmte Teile wurden winterfest verpackt,

etwa das Drehwerksgetriebe und die Schwenkmotoren,

die zusätzlich mit Heizmatten bestückt

wurden. Schaltschränke für die Steuerung und die Kabinen weisen ebenfalls eine Heizung

auf. Kranelektriker Pascal Joho weiss: Das Drehkreuz des Krans darf auf keinen Fall vereisen, deshalb

die automatischen Rotationen. «Wenn der Kran in einem Sturm nicht aus dem Wind drehen

kann, dann wird es problematisch wegen der Angriffsfläche», so Joho. Eine Überwachungskamera

zeigt auf, ob das Rotationsprogramm tatsächlich ausgeführt wird oder ob sonst irgendein Problem

erkennbar ist. Um auch mitten im Winter notfalls Zugang zu den Kränen zu haben, ist eine

Tyrolienne installiert worden. Dabei erhielten die Kranmonteure Unterstützung durch die auf Seile

spezialisierten Firma Jakob. «Im Ernstfall müssten wir uns also von der Krone der alten Staumauer

aus zum Nollenkran seilen oder noch weiter zum Juchlikran», erklärt Joho. Sollte dies nötig

werden, würden sich ein Kranmonteur und ein Begleiter der Seilspezialisten gemeinsam auf den

abenteuerlichen Weg machen. «Das wäre bestimmt lustig», meint Pascal Joho und schmunzelt,

während sein Blick zu dem Männchen schwenkt, das weit oben zwischen den Kränen am Seil

hängt, um den Zugang zu testen.


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grimselwelt · spitallamm baustelle 31

EIN BAUWERK

WIE DIESES IST

IMMER EIN

PROTOTYP

Baustelle, andererseits werden Prüfkörper auch in einem externen Labor getestet. Dort wird unter

anderem die Druckfestigkeit unter die Lupe genommen, aber auch die verschiedenen Zutaten des

Betons wie Flugasche, Zement und Zusatzmittel werden geprüft. Diese Prüfungen sind nicht nur

wichtig, um Abweichungen festzustellen, sondern wir müssen diese genaue Dokumentation auch

dem Bundesamt für Energie, dem BFE, vorlegen. Das BFE ist letztlich die Bewilligungsbehörde,

dort wird entschieden, ob wir tatsächlich einstauen dürfen oder nicht.

Grosser Kran – grosse Maschine: ein 500-Tonnen-Mobilkran

hilft beim Aufbau.

In Etappen wachsen die einzelnen Betonblöcke

der neuen Staumauer empor.

Vorausgesetzt, Sie haben Ihren Job sorgfältig gemacht und die Mauer wird abgenommen, wann können

Sie einstauen?

Wenn alles nach Plan geht, können wir im Sommer 2025 mit dem Füllen beginnen. Durch

den neu gebauten Ausgleichsstollen kann das Grimselwasser durch die verbleibende alte

Mauer hindurchfliessen und den Zwischenraum füllen. Der See wird voraussichtlich in 4 Etappen

gefüllt. Dazwischen sind Messungen nötig. Ab Herbst 2025 sollte die neue Mauer definitiv in Betrieb

gehen.

Mobilkranführer Jonas Boesch (Mitte) und die Monteure von

Wolffkran müssen gut zusammenarbeiten, sonst klappt´s nicht.

Andres Fankhauser, Abteilungsleiter

Bau und Ökologie der KWO,

über die Kunst des Betonierens

Annette Marti: Sie haben im Sommer 2020 umfangreiche

Versuche gemacht, um den richtigen

Beton für die neue Spitallamm-Mauer zu finden.

Bewähren sich die Mischungen?

Andres Fankhauser: Die Herausforderung

für unsere neue Mauer liegt darin, dass wir

mit dem Beton arbeiten müssen, der die richtigen

Eigenschaften aufweist. Eine solche Betonmischung

findet man nicht auf den üblichen Bestell-Listen, aus diesem Grund mussten wir die

eigene Betonrezeptur finden. Deshalb auch die umfangreichen Versuche im 2020. Die Grundrezepturen

stimmen, dennoch gibt es kleine Anpassungen. Daneben versuchen wir natürlich, Abläufe

zu optimieren. Man darf nicht vergessen, ein Bauwerk wie diese Staumauer ist immer ein

Prototyp, da taugen Standardlösungen nicht.

Das eigentliche Betonieren ist eine Kunst, weil die Form der Mauer ja auch nicht gerade ist.

Tatsächlich, diese Form der doppelt gekrümmten Bogenstaumauer bringt es mit sich, dass wir

zwar ohne Armierungen arbeiten können, jedoch ist kein Stück gerade, alles krümmt sich leicht –

wie der Name besagt. Das heisst, die Mauer hängt leicht nach vorne, darf aber keineswegs nach

vorne kippen, sonst gibt es Risse und man muss die Mauer im schlimmsten Fall stützen. Was die

Teams hier leisten, ist absolute Massarbeit!

Welche Faktoren spielen bei der Betonqualität eine Rolle?

Druckfestigkeit und Frostempfindlichkeit sind hier oben am Grimselpass wichtige Stichworte

wie auch die Geologie des verwendeten Materials, das bei uns ja vom Ausbruch der Fundamente

stammt. Weiter müssen wir auf den Wassergehalt und die Temperaturen achten. Wenn beispielsweise

das Temperaturgefälle von aussen nach innen bei einem Betonblock zu gross ist, dann

können Risse entstehen. Darum ist es wichtig, den Beton auch im Winter zu kühlen, was man

vielleicht nicht denken würde. Aufgrund des Erhärtungsprozesses ist die Innentemperatur des Betons

Ende Bausaison immer noch erhöht. Mit der Kühlung können wir die Temperatur im Blockinnern

verringern und innerhalb dem erlaubten Temperaturgefälle halten.

Das tönt nach einer sehr heiklen Angelegenheit. Wie stellen Sie die Qualität sicher?

Während der Jahre, in denen die Staumauer langsam nach oben wächst, dokumentieren wir

alles und machen regelmässige Prüfungen. Dies geschieht einerseits im Prüflabor auf der

Was muss bis dahin alles noch geschehen, abgesehen

von den laufenden Betonarbeiten?

Eine Herausforderung wird der Injektionsschirm

sein, damit müssen wir Klüfte

und Hohlstellen gegen den Felsen hin abdichten

indem Zement eingepresst wird. Unten am

tiefsten Punkt der Mauer zum Beispiel werden

wir Injektionen bis 50 Meter in den Fels hinein

ausführen. Heikel ist auch die Verfüllung der

Fugen zwischen den einzelnen Blöcken. Da

werden wir nochmals sehr sorgfältig vorgehen

müssen, der Beton muss erst noch «atmen», beziehunsgweise

vollständig auskühlen. Die Fugen

werden erst in der vorletzten Bausaison abgedichtet.

was die teams

hier leisten,

ist absolute

massarbeit

Staumauerbau hautnah!

Samstag, 20. August 2022

Wir öffnen für Sie die imposante Hochgebirgsbaustelle

auf knapp 2000 m ü. M. Besuchen Sie

uns und schauen Sie sich das Jahrhundertprojekt

vor Ort an. Wir empfehlen Ihnen die Anreise mit

dem öffentlichen Verkehr bis nach Innertkirchen,

KWO. Vom Hauptsitz der KWO bieten wir einen

Bustransport zur Baustelle an.

Lösen Sie Ihr Event-Ticket unter

www.grimselstrom.ch/staumauerbauhautnah.

Die Personenzahl

ist beschränkt.

Plant bereits die nächsten Bausaisons:

Andres Fankhauser, Abteilungsleiter Bau

und Ökologie der KWO.

Baustellenführung

Spitallamm

Möchten Sie zwischen Juni und Oktober die Bau-

stelle vor Ort besichtigen? Begleitet von einem

Besucherführer und gespickt mit

vielen interessanten Informationen.

Dann empfehlen wir Ihnen

dieses Angebot.

Die spezifische Form der neuen Mauer stellt hohe Ansprüche, sie krümmt

sich in verschiedene Richtungen, kommt dafür aber ohne Armierungen aus.


Lösen Sie Ihr Event-Ticket unter

www.grimselstrom.ch/staumauerbauhautnah.

Die Personenzahl ist

aufgrund der engen Platzverhältnisse

beschränkt.

Als Ersatz für die 90-jährige, sanierungsbedürftige Spitallammmauer

baut die KWO seit Juni 2019 eine neue, 114 Meter hohe

Bogenstaumauer.

Am Samstag, 20. August 2022 von 9 – 16 Uhr erhalten Interessierte

die einmalige Gelegenheit, die Grossbaustelle im

Hochgebirge so zu besichtigen, wie es sonst nicht möglich ist.

Besucherinnen und Besucher sehen direkt vor Ort die Dimensionen

der Jahrhundertbaustelle und erfahren auf einem

Rundgang Spannendes über den Staumauerbau.

Ab Innertkirchen, dem Hauptsitz der KWO, und ab dem Grimselpass

besteht ein Shuttlebetrieb zur Baustelle und zurück. Wir

empfehlen die Anreise zu den Ausgangspunkten mit dem ÖV.

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