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Leo Mai/Juni 2022

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MAI / JUNI 2022 І HEFT 179

MÜNCHEN

MÜNCHEN

20 Jahre

Koordinierungsstelle

Fetish Summer

Weekend

Queeres beim

DOK.fest

Ein Orden für

die „Eiche“

QUEERGOTTESDIENST

MUSIK

TASH

SULTANA

über Musik und Schubladendenken

Kardinal Marx sagt

SORRY

INTERVIEWS: MEGY B., CHRIS KOLONKO, HE/RO, HARRY STYLES, MICHELLE,

SAM VANCE-LAW, TILDA SWINTON


Ihre Wohlfühl-Apotheke in München

Schwerpunkt HIV

• Seit über 10 Jahren geben wir unser Bestes für die Beratung und

pharmazeutische Versorgung von HIV-Patienten. Wir haben Ihre

HIV-Medikamente auf Lager!

• Wir haben den „1. Preis für Gesundheitsvorsorge in der Apotheke

bei Beratung von HIV-Patienten“ vom WIPIG (Wissenschaftliches Institut für

Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapothekerkammer, www.wipig.de)

im November 2011 verliehen bekommen.

• Wir sind Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und

Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V. (DAHKA)

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Intro 3

Inhalt

SZENE

SZENE

REGIONAL

4 Szene

18 Sport

20 Stadtplan

22 Kultur

LEBEN

Musik

Film

Kunst

Buch

Mode

Reise

Gesellschaft

Gesundheit

Servus,

epaper.männer.media

Alle Magazine kostenlos

und digital!

Spätestens am Osterwochenende waren Minusgrade und

Kontaktbeschränkungen nur noch schemenhafte Erinnerung:

Straßenbahnen, Parks, Bars, Klubs, Galerien und Zuschauerräume

platzten aus allen Nähten. Das Leben ist zurück in der Stadt. Diese

energetische Hochstimmung für Schönes, Sinnvolles und Tolles zu

verwenden, wird euch mit dieser Ausgabe sicher noch leichter fallen.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken, genießt den Frühling und

bleibt gesund!

Deine LEO / männer* Redaktiom

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Felix Müller (fm), Christian K. L. Fischer (fis),

Michael Rädel (rä), Christian Knuth (ck),

Dagmar Leischow, Patrick Heidmann,

Lektorat (ausgewählte Texte):

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Grafik: Janis Cimbulis, Susan Kühner

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4 Szene

FOTO: MARK KAMIN

CSD MÜNCHEN

„Wir planen GROSSES!“

Zwei Jahre konnte es den CSD

nicht so geben, wie ihn München

und seine Community

gewohnt waren. In diesem Juli

soll er aber in altem Glanz erstrahlen und

sogar mehr beinhalten als je zuvor. „Wir

planen Großes“, so CSD-Cheforganisator

Alexander Kluge. Das ist der aktuelle

Stand der Planungen.

PRIDE VERLÄNGERT,

PARADESTRECKE NEU

Wichtigste Neuerung: Der CSD München

wird zeitlich verlängert und soll sich

erstmals vom 2. bis 17. Juli, also über drei

Wochenenden und zwei PrideWeeks,

erstrecken. Das Hauptwochenende mit

Parade und Straßenfest auf dem Marienplatz

ist am 16./17. Juli. Der Rindermarkt

steht als Partyarea wieder zur Verfügung,

das Regenbogenfamilien-Areal findet

ihr auf dem Frauenplatz vor dem Dom.

Die Parade startet erstmals auf dem

Mariahilfplatz in der Au und wird über

die Reichenbachbrücke in die Innenstadt

zum Marienplatz ziehen. Zum Redaktionsschluss

noch nicht entschieden war

das Schicksal des Rathaus-Clubbings,

hier hält sich die Stadt München noch

zurück. Auch die Finanzierung der

2019 erstmalig installierten Kultur- und

Talkbühne in der Fußgängerzone ist

noch nicht gesichert, ebenso wie die

Premiere eines Trans* March zu Beginn

der CSD-Wochen.

PRIDEGUIDE MACHT LUST

AUF COMMUNITY

Das CSD-Magazin „PrideGuide“ ist ab

Anfang Juni überall in der Szene und

online erhältlich. Darin gibt es nicht nur

Infos zum CSD, sondern auch spannende

Themen rund um die queere Community

und ihre Menschen. Hier erfahrt ihr

zudem mehr über die Situation in der

Ukraine und in Münchens Partnerstadt

Kiew, über queeres Leben auf dem Land,

über trans* und inter Personen, außerdem

ein Interview mit dem queerpolitischen

Sprecher der Bundesregierung Sven

Lehmann.

Nicht zuletzt: Anmeldungen zur Parade

und für Veranstaltungen der PrideWeeks

sind bereits möglich. *bm

Alle Infos dazu und zum Stand der Dinge

auf www.csdmuenchen.de. In der LEO-

Ausgabe Juli/August gibt’s natürlich

Ausführliches zum CSD München.


ORDEN FÜR DIETMAR HOLZAPFEL

Ehre für die

„Eiche“

Am 14. März erhielt Dietmar

Holzapfel, Wirt der „Deutschen

Eiche“, den Bayerischen Verdienstorden

„für hervorragende Verdienste um den

Freistaat“. Die Ehrung wurde ihm durch

Bayerns Ministerpräsidenten Markus

Söder für seinen Einsatz für Menschenrechte,

vor allem LGBTIQ*-Rechte,

überreicht. „Die Verleihung ist auch ein

Signal der Hoffnung in schwerer Zeit“, so

Söder. Alle 47 diesjährigen Preisträger

stünden für ein modernes und karitatives

Bayern. „Willkommen in diesem exklusiven

Club! Engagement lohnt sich“, so der

Ministerpräsident.

Für Dietmar Holzapfel und seinen Mann

Josef Sattler ist die Ehrung ein Höhepunkt

ihres jahrelangen Engagements

gegen Intoleranz in der Kirche und

Scheinheiligkeit in der Politik. „Wir haben

lange unter anderem für die Einführung

gleicher Rechte für alle, insbesondere für

die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen

Ehe sowie für die Einführung des

FOTO: BAYERISCHE STAATSKANZLEI

Adoptionsrechtes für LGBTQ-Paare

gekämpft“, so Dietmar. Dafür ernten sie

jetzt die exklusiven Lorbeeren, denn laut

Landesverfassung dürfen nur 2.000 Personen

mit Bayerischem Verdienstorden

im Freistaat leben. Einer davon ist jetzt

Dietmar Holzapfel. Wir sagen: Kompliment

und herzlichen Glückwunsch!

Szene 5

Übrigens: So ganz neu sind Ehrungen

für die beiden nicht: Bereits 2016 wurde

Dietmar mit dem Orden „München leuchtet

– Den Freundinnen und Freunden

Münchens“ ausgezeichnet. Jetzt fehlt

in seiner beeindruckenden Sammlung

eigentlich nur noch das Bundesverdienstkreuz

... *bm

CITY

CONTEST

2021

IN MÜNCHEN

PRIVATKUNDEN

BERATUNG & SERVICE

Test: Februar 2021

Im Test: 12 Banken

3 Jahre in Folge

CITY

CONTEST

2021

IN MÜNCHEN

GESCHÄFTSKUNDEN

BERATUNG & SERVICE

Test: Februar 2021

Im Test: 8 Banken

2 Jahre in Folge

Zum vierten Mal die Nummer 1:

Beste Bank in München!

Privat und geschäftlich.


6 Szene

In der Ecke eine angeschnittene

Torte, Knabberkram,

Salatreste, ein paar Saftgläser und

vermutlich irgendwo eine heimliche

Flasche Sekt: bescheidene Reste

eines bescheidenen Fests. Und das,

obwohl es wahrlich guten Grund

gegeben hätte, den 20. Geburtstag

der Koordinierungsstelle LGBTIQ*

groß zu feiern.

„Bei der Stadt würdigt man erst den 25.

Jahrestag und außerdem ist ja immer

noch Corona, da bleibt’s bei einem

kleinen Kreis“, so Ulrike Mößbauer,

die mit Thorsten Wiedemann und

Andreas Unterforsthuber das Team

der Koordinierungsstelle bildet. Als

städtische Einrichtung fördert sie die

Gleichstellung und Antidiskriminierung

von LGBTIQ* und wirkt primär in die

inneren Strukturen und die Verwaltung

hinein, hat aber, beispielsweise mit den

Geldern der Regenbogenstiftung, auch

einen spürbaren Effekt nach außen. Seit

ihrer Gründung im Jahre 2002 wird die

Einrichtung, um die viele bis heute die

bayerische Landeshauptstadt beneiden,

von Andreas Unterforsthuber geleitet.

Der erinnert sich auch noch daran, wie

es überhaupt dazu kam: „Wir waren eine

Folge des Klimas der 1990er-Jahre, einer

Zeit von Diskriminierung, Aids-Krise und

gesellschaftlichem Druck.“ Der Stadt sei

klar gewesen, dass sie die Community

unterstützen müsse, jedoch: „Einen konkreten

Plan für die Koordinierungsstelle

gab es nicht“, erinnert sich Unterforsthuber.

Der Vorteil: „Wir konnten tun, was wir

für richtig hielten!“

STUDIE „UNTERM REGENBOGEN“ ALS

TÜRÖFFNER

Eine Herangehensweise, die sich als

erfolgreich erweisen sollte, auch wenn die

Anfänge nicht leicht waren. „Zu Beginn

nannte man uns die ‚Schweinkramstelle‘“,

berichtet Andreas Unterforsthuber. „Alles,

was irgendwie mit Sex zu tun hatte,

landete bei uns.“ Doch auch wenn die

Verwaltung vor zwanzig Jahren mit diesem

Thema wenig am Hut hatte: Spätestens

mit der Einführung der eingetragenen

Lebenspartnerschaft 2001 musste

etwas geschehen. Der Durchbruch in

Sachen Akzeptanz und Aufmerksamkeit

gelang 2003 mit der Studie „Unterm

Regenbogen“ zur Situation von LGBTIQ* in

München, denn die förderte Spektakuläres

zutage: zum Beispiel, dass rund achtzig

Prozent der Befragten Diskriminierungserfahrungen

gemacht hatten. Seitdem

deren Ergebnisse die Titelseiten vieler

Tageszeitungen füllte, stellte niemand

mehr die Notwendigkeit dieser Institution

infrage. Der nächste Höhepunkt in der

Geschichte der Stelle: die Ausstellung

„Die Verzauberten“, die das Thema

LGBTIQ*-Senior*innen in den Mittelpunkt

rückte und unter anderem Fortbildungen

in den Alten- und Servicezentren sowie

das Engagement des größten Münchner

Trägers MÜNCHENSTIFT zur Folge hatte.

Es folgte der Lesbenschwerpunkt in den

Jahren 2009/2010, in denen per Stadtratsbeschluss

die Sichtbarkeit lesbischer

Frauen erhöht werden sollte. „Das war

ein enormer Schritt in die Öffentlichkeit“,

erinnert sich Ulrike Mößbauer. Der offizielle

Empfang bei der Stadt und die Ausstellung

„Sie war ganz schlimm schön“ waren

20 JAHRE

KOORDINIERUNGS-

STELLE LGBTIQ*

„Man nannte uns die

Schweinkramstelle“

nur die äußeren Zeichen. „Wir haben das

Thema auch innerhalb der Fraueneinrichtungen

großgemacht.“

DER AUSDIFFERENZIERUNG DER

COMMUNITY RECHNUNG TRAGEN

In den letzten Jahren standen vor allem

trans*, inter und non-binäre Personen im

Fokus. Auch wenn sie am Runden Tisch

schon früh beteiligt waren, dauert es bis

2016, dass die Stadt Personalressourcen

für trans* Themen bereitstellte und (als

erste Kommune Bayerns) 2017 die Trans-

Inter-Beratungsstelle bei der Münchner

Aids-Hilfe etablierte. „Die Community

hat sich immer stärker ausdifferenziert“,

bilanziert Thorsten Wiedemann, „und

wir haben dafür gesorgt, dass die Stadt

dieser Entwicklung Rechnung trägt.“

Nicht zuletzt ist die Errichtung der

Regenbogenstiftung zu erwähnen, die viele

queere Projekte fördert und als Münchner

Modell in ganz Deutschland noch heute

vorbildhaft wirkt.

In der Zukunft will sich die Koordinierungsstelle

stärker auf die Arbeit in

der Stadtverwaltung mit ihren 40.000

Mitarbeiter*innen konzentrieren. „Eine gute

psychosoziale Grundversorgung der Community

ist aus unserer Sicht hergestellt“,

so Andreas Unterforsthuber. Künftig soll es

also mehr um den strategischen Ausbau als

um ganz neue Themen gehen. Wenn auch

nicht mehr so öffentlich, werden die drei

von der Beratungsstelle natürlich weiterhin

für das Wohl der queeren Szene kämpfen:

„Das ist eine andere Dimension der Arbeit:

nicht so sichtbar, aber sehr effektiv!“ *bm

www.muenchen.de/koordinierungstelle

FOTO: BERND MÜLLER


SPENDENAKTION

Hilfe für Kiew

Seit zehn Jahren unterstützt die Kontaktgruppe

„Munich Kyiv Queer“ die LGBTIQ*-

Community in Münchens Partnerstadt

Kiew. Jetzt, da die Menschen in der

Ukraine unter den Folgen des Krieges mit

Russland leiden, ist diese Unterstützung

ganz besonders dringend nötig.

KyivPride 2018

Szene 7

FOTO: MUNICHKYIVQUEER

„Wenn die russische Armee erstmal die

Städte besetzt hat, ist zu befürchten, dass

sie gegen Menschenrechtsaktivist*innen

und auch gegen Personen aus dem

LGBTIQ*-Spektrum vorgeht“, so Conrad

Breyer, Sprecher von Munich Kyiv Queer

mit engem Kontakt zur ukrainischen

Szene. Wer die Gruppe und deren ukrainische

Freunde und Partner, mit denen sie

in den vergangenen zehn Jahren eng und

freundschaftlich zusammengearbeitet

hat, unterstützen möchte, kann jetzt

spenden. Als ehrenamtliche Initiative

kann Munich Kyiv Queer zwar keine

Spendenbescheinigungen ausstellen,

dafür sehr schnell und unbürokratisch

helfen. *bm

www.paypal.me/ConradBreyer

NACHBARSCHAFTSHILFE FÜR SENIOR*INNEN

Ausgezeichnetes Ehrenamt

Große Freude bei rosaAlter, der Beratungsstelle

für queere Senior*innen

bei der Münchner Aids-Hilfe: Deren

ehrenamtliches Projekt „Nachbarschaftshilfe“

wurde am Abend des

24. März beim Wettbewerb „Aktiv

für Demokratie und Toleranz“ ausgezeichnet.

Der Preis wird alljährlich vom „Bündnis

für Demokratie und Toleranz

– gegen Faschismus und Gewalt“

vergeben. Die Initiative, die

Teil der Bundeszentrale für

Politische Bildung ist, zeichnet

damit „Leuchttürme des

gesellschaftlichen Engagements

und der Menschlichkeit“ aus. Bei der

Nachbarschaftshilfe erhalten queere

Senior*innen Unterstützung im Alltag

durch andere queere Menschen.

„Viele Ältere haben eine Geschichte

voller Diskriminierungserfahrungen

und möchten Hilfe speziell aus

der LGBTIQ*-Community“, so

rosaAlter-Mitarbeiter Peter Priller.

„Unsere Ehrenamtlichen zeigen, dass

die sogenannte Community nicht

nur ein Teil der Gesellschaft, sondern

eine echte Gemeinschaft ist – und

darauf kommt es an!“ Wir gratulieren!

*bm

www.rosa-alter.de

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8 Szene

FOTO: VLADIMIR SHTANKOA / ANADOLU AGENCY / AFP

Sexualisierte Gewalt auf der Flucht

LGBTIQ*, Kinder und Jugendliche sind im Fluchtkontext besonderen Gefahren aussetzt. Eine Studie von Word-Vision warnt vor der

Möglichkeit sexueller Ausbeutung, die Schwulenberatung Berlin fordert im Zuge des Zustroms von LGBTIQ*-Geflüchteten aus der

Ukraine eine unverzügliche Umsetzung der seit Jahren ermittelten und zugesagten Kapazitäten zur Versorgung.

Und das nicht nur in Berlin, sondern als

Teil des bundesweiten „Bündnis queere

Nothilfe Ukraine“. Stephan Jäkel, Abteilungsleitung

Flucht dazu: „Es ist berührend

und ermutigend, welche Arbeit in der

Community gerade in Solidarität mit den

Menschen aus der Ukraine – unabhängig

von ihrer Staatsangehörigkeit – gestemmt

wird. Aber die Versorgung hier in Berlin

und Deutschland muss durch reguläre

Strukturen und Finanzierung abgesichert

werden und darf nicht abhängig von

Spendenaufkommen und ehrenamtlicher

Unterbringung sein.“

Dies unterstreicht auch eine fast zeitgleich

mit dem Appell der Schwulenberatung

erschienene Studie von World-Vision.

Sie konstatiert: „Vor Krieg fliehende

Kinder kommen in Deutschland mit vielen

helfenden Menschen in Kontakt und

sind dennoch unterschiedlichen Formen

sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Sowohl

Mädchen als auch Jungen werden fehlende

Schutzkonzepte und Kontrollen zum Verhängnis.“

In einem eigenen Kapitel mahnen

die Studienmacher*innen besonders die

Situation von LGBTIQ*-Jugendlichen im

Fluchtkontext an. hinnerk fragte diesbezüglich

bei Forschungsleiterin Dr. Caterina

Rohde-Abuba nach.

Über welche Zahlen sprechen wir im

LGBTIQ*-Bereich?

Meines Wissens gibt es bisher keine Erhebungen

dazu, wie viele queere Kinder und

Jugendliche im Fluchtkontext sexualisierte

Gewalt erleben. Die Kampagne „One in Five“

des Europarates nimmt an, dass eines von

fünf Kindern in Europa sexualisierte Gewalt

erfährt. Diese Zahl bezieht sich aber auf die

Mehrheitsgesellschaft. Für LGBTIQ* Kinder

auf der Flucht würde ich von einer noch

stärkeren Betroffenheit ausgehen: sie leben

in sehr unsicheren Kontexten, was auch

Unterkünfte in Deutschland miteinschließt.

In Bezug auf die Mehrheitsgesellschaft

wissen wir, dass Kinder und Jugendliche mit

nicht-heteronormativen Identitäten stärker

von sexualisierter Gewalt betroffen sind.

Vermutlich intersektionieren diese beiden

Ungleichheitslagen – Flucht und Queerness

– zu einer stärkeren Betroffenheit als das

Verhältnis eins von fünf angibt.

Was sind die spezifischen Besonderheiten

für queere Kinder und

Jugendliche auf der Flucht?

In vielen Herkunftskontexten, Transitländern

und auch in Deutschland fehlt ein

flächendeckendes Netz von Hilfsstellen

und Beratungsangeboten, die für LGBTIQ*-

Themen ausreichend sensibilisiert sind, und

damit die Bedarfe und Interessen queerer

Kinder vertreten könnten. Teilweise wurde

uns auch von Diskriminierung oder Gewalt

an queeren Kindern und Erwachsenen

durch haupt- und ehrenamtlich Helfende

oder Mitbewohnende berichtet. In einigen

Städten, wie in Berlin, gibt es sehr gute

spezialisierte LGBTIQ*-Angebote. Manche

Jugendliche befürchten aber, dass durch die

Inanspruchnahme dieser Hilfe ihre Identität

offenbart werden könnte. Beratungen für

queere Kinder und Jugendliche, egal ob sie

von Fachkräften durchgeführt werden, die

auf LGBTIQ*- Themen spezialisiert sind,

oder nicht, müssen daher sensibel dafür

sein, dass queere Identitäten im Kontakt

mit der Familie oder Herkunftsgemeinschaft

bestimmte Herausforderungen mit sich

bringen können. Hier geht es einerseits um

eine mögliche Stigmatisierung, andererseits

stammen einige Kinder und Jugendliche aber

auch aus Kontexten, in denen beispielsweise

Homosexualität strafbar ist. Es ist maßgeblich,

dass sie über ihre Rechte in Deutschland

aufgeklärt werden und auch verstehen,

dass eine Verfolgung aufgrund der sexuellen

Orientierung oder Geschlechtsidentität

ein anerkannter Asylgrund ist. Gleichzeitig

dürfen sie aber nicht dazu gedrängt werden,

sich zu outen. Das erfordert neben entsprechenden

Rechtskenntnissen eine sehr gute


Szene 9

Oberbürgermeister

Wir machen uns stark!

Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*,

inter* und queere Menschen

FOTO: VALERY MELNIKOV / SPUTNIK/ AFP

kultur- und gendersensible Beratung, um queere Kinder und

Jugendliche durch unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten

in ihrem Interesse zu navigieren.

Wie können Menschen aus der Szene vielleicht

mithelfen, um solches zu verhindern?

Selbst wenn man nur die Zahl eins von fünf zugrunde legt,

müssen wir alle davon ausgehen, dass es in unserem Umfeld

Kinder und Jugendliche gibt, die sexualisierte Gewalt erleben.

Alle Fachkräfte und Ehrenamtlichen, die mit (geflüchteten)

Kindern arbeiten, müssen für den gewaltfreien Umgang mit

Kindern geschult werden, müssen mögliche Betroffenheit

sexualisierter Gewalt erkennen können und über eine

grundlegende Verweisungskompetenz verfügen, welche

Hilfsstellen hinzugezogen werden können.

In Bezug auf queere Kinder finde ich den Aspekt der

Repräsentation besonders wichtig. Wenn sie aus Kontexten

stammen, in denen nicht-heteronormative Identitäten sehr

stark tabuisiert sind, muss ihnen umso mehr vermittelt

werden, dass sie nicht alleine sind, dass sie akzeptiert werden

und dass jede Gewalt, die sie erfahren, Unrecht ist.

Wenn sich Menschen aus der Szene in guten ehrenamtlichen

Projekten engagieren, ist das natürlich super, genauso wie

wir mehr queere Sozialarbeitende brauchen. Aber auch

schon vorhandene Präventions- und Hilfsangebote im

Bereich Flucht müssen mehr für die Anbelange von Kindern

mit LGBTIQ*-Identitäten geöffnet werden. Neben einer

Sensibilisierung von Fachkräften bedeutet das z.B. den

Einsatz von Bild-, Video- und Textmaterial, welches auch

Kinder mit queeren Identitäten repräsentiert, damit diese ihre

Situation identifizieren können. Diesbezüglich ist Lobbyarbeit

ganz wichtig, damit Angebote der Mehrheitsgesellschaft

für Kinder aller Geschlechter (und natürlich auch mit unterschiedlicher

ethnischer, kultureller oder religiöser Herkunft)

bedarfsgerecht gestaltet werden.

Als Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ*

ist es unser Ziel, die LGBTIQ*-Community in München

zu stärken und Benachteiligungen abzubauen.

Wir machen uns stark. Für LGBTIQ*.

Mehr Informationen unter:

muenchen.de/lgbti

*Interview: Christian Knuth

www.worldvision.de / www.schwulenberatung.de


10 Szene

Kämpfen für eine

queerfreundliche

Kirche

Sven und David Langenbuch

(Foto rechts) sind Mitorganisatoren

des queerGottesdienstes München,

der immer am zweiten Sonntag

des Monats in der Kirche St. Paul

gefeiert wird. Für sie markierte der

Besuch von Kardinal Reinhard Marx

zum 20. Jubiläum des queerGottesdienstes

München einen Wendepunkt

im Umgang der römisch-katholischen

Kirche mit LGBTIQ*.

Römisch-katholisch und queer – das

ging ja noch nie wirklich gut zusammen.

Wie bringt ihr diese beiden

Adjektive unter einen Hut?

Sven: Ja, natürlich das bis heute eine

Herausforderung, der man sich willentlich

stellen muss. Aber unsere persönlichen

Erfahrungen in der Kirche waren immer

gut – auch bei unserer Heirat.

David: Die Frage bewegt uns natürlich

schon. Wir sagen: Du kannst nur etwas

verändern, wenn du von innen heraus

daran arbeitest. Wenn alle austreten,

gewinnen die Ewiggestrigen. Ihnen dürfen

wir das Feld nicht überlassen.

Was bedeutet euch persönlich der

Glaube, welche Rolle spielt er in

eurem Leben?

Eine wichtige, denn wir empfinden den

Glauben als etwas sehr Stärkendes. Für

uns gilt das Primat der Liebe. Das leben

wir, sind seit 16 Jahren getraut und

wurden sogar von einem katholischen

Priester und einem evangelischen Pfarrer

gesegnet. Damals war uns übrigens

nicht klar, wie progressiv das Anfang der

2000er-Jahre war.

Was bedeutete euch der Besuch von

Kardinal Marx?

Allein durch seine Anwesenheit hat er

uns die Hand gereicht. Das war eine

Riesengeste seitens der Kirchenleitung.

Reinhard Marx war der erste Kardinal

überhaupt, der einen queeren Gottesdienst

geleitet hat. Neben dem Signal

nach außen war der Besuch für uns emotional

eine große Sache – denn

wir haben lange auf diesen

Moment hingearbeitet.

War das die erste

Einladung oder

warum ist er nicht

schon zu eurem

10. oder 15. Jubiläum

gekommen?

Es war tatsächlich die

erste Einladung. Wir

waren überzeugt, dass

vorher die Zeit noch nicht

reif war. Doch seit 2018 bricht

etwas in der Diözese auf und wir machen

zum Beispiel sichtbare Schritte auf dem

Weg zu einer LGBTIQ*-freundlichen Pastorale,

also einer Seelsorgestelle speziell

für queere Menschen. Auch Kardinal Marx

selbst hat seine liberale Sichtweise über

Jahre erst entwickelt und ist mittlerweile

davon überzeugt, dass LGBTIQ* Teil

des christlichen Glaubens und der

christlichen Norm sind. Wir finden das

glaubwürdig.

Welche Botschaften gingen von

seiner Predigt aus?

Die wichtigste war wohl die Entschuldigung

für den Umgang der Kirche

mit queeren Menschen – und damit

verbunden das Willkommen für sie. Eine

solche Botschaft aus diesem Mund zu

hören, ist einfach enorm. Denn endlich

sind auch LGBTIQ* bei den Grundwerten

des christlichen Glaubens, nämlich

Nächstenliebe, Nicht-Diskriminierung und

Miteinander, mitgemeint. Es gibt ja immer

noch Kräfte innerhalb der Kirche, die

versuchen, uns auszugrenzen

– diesen Kräften hat er

klar widersprochen.

Wie habt

ihr seine

Botschaften

aufgenommen?

Bei uns haben sie

für Aufbruchstimmung

gesorgt. Nach

dieser Anerkennung

kann die Arbeit jetzt

richtig losgehen. Wir

möchten, übrigens auch

zusammen mit der katholischen

Jugend, die auf uns zugekommen ist,

queerfreundliches Gemeindeleben in der

Kirche mitgestalten, also besonders mit

heteronormen Gemeinden zusammenarbeiten

und mehr queere Gottesdienste

etablieren.

Glaubt ihr an eine generelle

Verbesserung der Lage für queere

römisch-katholische Christ*innen?

Da gibt es national und international große


Unterschiede. Im deutschsprachigen Raum sehen wir

gute Chancen und hoffen, dass sich die Anerkennung

einer Segnung umsetzen lässt. Doch global ist das ein

noch viel schwierigerer Prozess, wie man an den Rückwärtsschritten

in Osteuropa und Afrika sehen kann. Und

machen wir uns nichts vor: Eine Gleichstellung mit der

Ehe werden wir in der römisch-katholischen Kirche wohl

nicht mehr erleben. Dennoch: Unser Ziel ist eine queerfreundliche

Kirche, die in der Vielfalt eine Bereicherung

erkennt – Liebe statt Angst. Darauf fußen alle Reformen

und wir sehen Deutschland in der Pflicht, auf Europa und

die Welt einzuwirken.

Let’s date

happy.

Woher nehmt ihr die Kraft, an diesem zähen

Prozess weiterzuarbeiten?

Natürlich aus dem Glauben. Hinzukommt: Wenn jemand

positiv eingestellt ist, wird es schwierig, ihm mit Hass zu

begegnen. Die Freude, mit der wir unsere Ehe ganz offen

leben, strahlt auf andere Menschen aus. Nach einem

Regenbogengottesdienst auf dem Petersberg in Erdweg

bei Dachau beispielsweise gab es Standing Ovations für

uns. Das bestärkt uns auf unserem Weg und in unserem

Tun. Da können uns selbst erzkonservative Christen nicht

aus der Bahn bringen.

*Interview: Bernd Müller

FOTOS: QUEERGOTTESDIENST


12 Szene

MAXYM MARUSENKO / NURPHOTO / AFP

FOTO: ANDREA RONCHIN / NURPHOTO / AFP

KOLUMNE VON

FELIX MÜLLER

SELTSAME ZEITEN:

Krieg, Tunnel und ein Stadion

AZ-Lokalchef Felix Müller über die

besondere Beziehung der Stadt

zu Kiew, Münchner Tunnel-Ärger und die

Frage, warum die Sanierung des Sechzgerstadions

doch noch scheitern könnte.

Der Krieg ist in diesen seltsamen Wochen

überall. Er hat so vieles verändert. Doch in

München ist er besonders präsent. Weil,

natürlich, in Großstädten erstmal besonders

viele Geflüchtete landen – übrigens

keineswegs nur wie im Klischee mit dem

Zug, ich sehe neuerdings auch sehr viele

Autos mit ukrainischen Kennzeichen.

Und im Münchner Fall auch deshalb, weil

sehr viele Menschen eine Beziehung zu

unserer Partnerstadt Kiew haben. Das gilt

natürlich auch und ganz besonders für die

Community, die gegenseitigen Besuche

bei den CSD-Paraden in den vergangenen

Jahren waren ja nur einer von vielen

Bezugspunkten.

In einer der beeindruckendsten Stadtrats-

Sitzungen überhaupt war nun Vitali

Klitschko, der Bürgermeister von Kiew,

(per Video-Schalte) dabei. Eine ganze

Dreiviertelstunde lang berichtete er eindrücklich

vom Kriegsgeschehen in seiner

Stadt. Eher er wieder Leben retten muss,

wie er es sagte. Im Norden der Stadt seien

gerade wieder Bomben gefallen. "Wieder

viele Verletzte, wieder viele Tote." Nach

Klitschkos Rede erhob sich der Stadtrat für

Applaus.

Doch es bleibt nicht bei symbolischen

Gesten. Viele Münchner spenden in diesen

Woche, helfen ehrenamtlich den Flüchtlingen

– etliche Initiativen, etwa auch aus der

Gastro-Szene – liefern selbstorganisiert

Sachspenden an die ukrainisch-polnische

Grenze. Und auch der Stadtrat beschließt

etliche Millionen Euro, insbesondere um

den Menschen zu helfen, die in München

landen.

Manchmal unwirklich, dass unterdessen

auch der ganz normale Alltag weitergeht,

natürlich auch der politische im Rathaus.

Ein großes Thema dabei auch in diesem

Monat wieder: Tunnel! Die Grünen wollen

weiter gar keine mehr bauen, OB Dieter

Reiter (SPD) zeigt recht deutlich, was er

davon hält – und erklärt in der AZ sogar, er

sorge sich davor, dass BMW irgendwann

den Standort aufgeben könne, wenn nicht

mal ein Tunnel gebaut wird im Münchner

Norden,

Gemeinsam begraben Grüne und

SPD iM Stadtrat hingegen das Projekt

Tunnel durch den Englischen Garten wohl

endgültig. Inzwischen führt man dafür insbesondere

die vielen Bäume ins Feld,

die dafür (mutmaßlich) gefällt

werden müssten. Die Aktivisten,

die jahrelang für

eine Wiedervereinigung

der beiden Park-Teile

gekämpft haben, ein

vorgeschobenes Argument.

Und auch der

Bezirksausschuss vor Ort

will sich nicht zufrieden

geben, fordert wenigstens

eine ausführliche Information

vom Rathaus über die Hintergründe ein.

Die Hintergründe sind auch bei einem

anderen Großprojekt etwas neubulös,

das in diesen Wochen wieder mal für

Schlagzeilen sorgte: die Sanierung des

Grünwalder Stadions. Das soll für stolze

80 Millionen Euro modernisiert werden.

Klingt viel. Aber die Stadt will es dauerhaft

in einen Zustand bringen, mit dem sich

auch im Profifußball Geld verdienen lässt.

Vip-Logen soll es geben, mehr Sitzplätze,

eine komplette Überdachung – und einen

deutlich bessseren Schutz vor Licht

und Lärm für die Nachbarschaft. Klingt

eigentlich gut und nach einem Geschenk

der Stadt insbesondere für den TSV 1860.

Doch offenbar knirscht es weiter gewaltig

zwischen den Löwen und dem Rathaus,

das Projekt könnte sogar noch ganz scheitern.

Und das, obwohl der Stadtrat sich in

diesen Wochen wieder parteiübergreifend

für das Projekt ausgesprochen hat.

Knackpunkt sind die künftige Miete und

die Frage, wie lang sich die Löwen an das

Stadion binden müssen, damit die Stadt

saniert. Sport-Bürgermeisteirn Verena Diet

(SPD) hat klargemacht dass sich der TSV

für zehn Jahre fest verpflichten müsste.

Nach Angaben der Stadt darf dort

aber kein Erstliga-Fußball mehr

gespielt werden. Vertragsbedingungen,

die Sechzig

nach eigenen Angaben

nicht akzeptieren

kann – wie soll man sich

dazu verpflichten, nicht

einmal in zehn oder

15 Jahren wieder in der

Ersten Liga zu kicken? Eine

Mitteilung der Löwen kurz

nach einem Stadtrats-beschluss

pro Ausbau kommt im Rathaus extrem

schlecht an. „Da gibt man doch gerne

77 Milllionen aus...“, twittert SPD-

Fraktionschefin Anne Hübner vielsagend.

Dann halt nicht, wenn ihr nur meckert,

soll das wohl heißen. Nun gibt es eine

Frist von einem Jahr. Bis dahin müssen

sich die Löwen und die Stadt geeinigt

haben, damit es weiter geht...

FOTO: PRIVAT


Szene 13

GRÜNE FORDERN STAATSREGIERUNG HERAUS

„Bereit für den gesellschaftlichen

Aufbruch“

Die Grünen im Bayerischen Landtag haben im

März eine Große Anfrage an die Staatsregierung

gestellt. Die soll nun zu 253 Fragen zur LGBTIQ*-Politik

Stellung beziehen.

„Bislang ist die Queerpolitik der Staatsregierung ein

Armutszeugnis“, so Florian Siekmann, queerpolitischer

Sprecher der bayerischen Grünen (Foto). Das soll sich

jetzt ändern. Sowohl die Sachverständigenanhörung

als auch die von den Grünen in Auftrag gegebene Studie

„Queeres Leben in Bayern“ hatten in den letzten

Jahren großen Handlungsbedarf ergeben. Um einen

Überblick über das bisher Geleistete, vor allem aber

über alle Missstände zu erhalten, reichten die Landtags-

Grünen eine Große Anfrage mit dem Titel „Queer in Bayern

– damals, heute und in Zukunft“ ein. Im Fokus der

neun Kapitel stehen die Förderung von Akzeptanz und

die Bekämpfung von Diskriminierung in allen Lebensbereichen.

„Leider erwarte ich hier kein allzu positives Bild

und noch sehr viele Baustellen“, so Siekmann. „Während

alle anderen Bundesländer mit Aktionsplänen die

Lebensbedingungen von queeren Bürger*innen verbessern,

steckt die Söder-Regierung gesellschaftspolitisch

noch im letzten Jahrtausend.“ Neben der schriftlichen

Antwort auf die Große Anfrage wird das Thema auch auf

der Tagesordnung des Plenums im Bayerischen Landtag

stehen. „Die Menschen in Bayern sind mehr als bereit

für den gesellschaftlichen Aufbruch“, ist Siekmann

überzeugt. „Jedes Ministerium muss jetzt seinen Beitrag

für mehr Vielfalt und Akzeptanz leisten und überall

müssen LSBTIQ* mitgedacht werden!“ *bm

MLC

16.-19. JUNI

2022

PROGRAMM

MIT DER WAHL DES

BAVARIAN MISTER LEATHER 2022

FETISH SUMMER WEEKEND

Do. 16. Juni

Meet & Greet u. Kandidatenvorstellung // @Self-Bar

Munich Fetish Pubcrawl // @JWAFOM

Fr. 17. Juni

BLUF Social Dinner // @KARE Kraftwerk

Piss Fist Fuck // @UnderGround

Sa. 18. Juni

Abendessen mit Krönung des BMrL // @Oberanger

Fetish Summer Party // @UnderGround

So. 19. Juni

Fetish Summer // @Augustiner Keller

Alle

Programmpunkte,

Uhrzeiten,

Locations

&

Vorverkauf

auf

WWW.MLC-MUNICH.DE

25 Jahre LFCD e.V.

30 Jahre BUNKER

Plakat by: www-gay-design.de

20.-22.05.2022

Dresden

3 Tage 4 Locations 5 Events

mit großer Fetischparty am

Samstag im angesagten

Club Arteum mit Dance

Floor, Cruising Area und

Lounge

FOTO: FLORIAN-SIEKMANN.DE

Tickets nur online unter

geburtstag.lfc-dresden.de


14 Szene

MAIBAUMFEIER AM 1. MAI

Rund ums Rosa

Stangerl

Auch am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz soll in

diesem Jahr endlich wieder gefeiert werden.

Unter dem Maibaum im Glockenbachviertel,

nicht von ungefähr als „Rosa Stangerl“

bezeichnet, steigt nicht das größte, aber eines

der stimmungsvollsten Maibaumfeste der

Stadt. Heuer sogar mit einem Motto: Schabernack.

Um 11 Uhr startet der Tag mit der Band

„Made4More“ aus Augsburg, tagsüber wird auf

der Bühne Travestie und Unterhaltung unter

anderem mit den Burschen der Fischbachauer

Goaßlschnoizer geboten, abends spielt ein DJ.

Durch das Programm führt Chantal G. (Foto).

Dazu gibt’s Bier, Cocktails und Schmankerl

aller Art. So lässt sich der Feiertag gut feiern!

*bm

MAIKÖNIGIN 2022

Auftakt zur Open-Air-Saison

Das erste queere Straßenfest der

Saison kann zwar stattfinden,

kommt aber etwas stiller daher als

in vergangenen Zeiten: Die Wahl

zur Seligen Münchner Maikönigin

ist ja eine laute, schrille, fröhliche

Veranstaltung. Das soll sie auch

heuer werden, aber natürlich

dämpft der Krieg in der Ukraine

auch hier die Stimmung. Daher

haben die beiden Organisatoren

Günter Kastner und Sebastian

Kroos (Nil) im Vorfeld nicht allzu viel

Aufhebens um den Event gemacht.

Dennoch wird er wieder Hunderte

auf die Hans-Sachs-Straße locken.

Die Kandidatinnen stehen jedenfalls

bereit! Und wenn die Wettergöttin

im Geiste eine Maikönigin ist, wird

auch sie mitspielen und den Start

in die Open-Air-Saison mit einem

wohltemperierten Tag verschönern.

Ein Hoch auf die Königin! *bm

30.4., Hans-Sachs-Straße, ab 15

Uhr, www.cafenil.com/maikoenigin

1.5. Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz,

11 bis 22 Uhr, Ersatztermin: 7.5.,

www.rosastangerl-muenchen.de

GRAFIK: CAFÉ NIL

#LOVEISLIVE – DIE SHOW

Haltung trifft auf Unterhaltung

FOTO: ROSASTANGERL-MUENCHEN.DE

Im Sommer 2021 wurde die weltweit erste lesbische Dating-Show „Princess

Charming“ auf dem Streamingportal TVNOW (mittlerweile RTL+) erstausgestrahlt

und mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2022 bringen deren

bekannte Protagonistinnen Irina Schlauch und Miriam Bouaouina diese Queerness

„live on stage“. Bei der Bühnenshow, die definitiv nicht pink gewaschen ist

und bei der es um das Feiern der Liebe in all ihren Formen geht, wartet eine bunte

Mischung aus Talk, Entertainment und spontanen Momenten auf das Publikum.

Hier trifft Haltung auf Unterhaltung! Gehostet wird die Show von Ricarda

Hofmann, Moderatorin von Deutschlands erfolgreichem Queer-Podcast

„Busenfreundin“. *bm

3.5., Alte Kongresshalle, Schwanthalerhöhe, 20 Uhr, Karten: www.eventim.de


SPENDENAKTION DER STREETBOYS

Tore für den guten

Zweck

Szene 15

FOTO: STREETBOYS

Es isteine ebenso ungewöhnliche wie

sportliche Spendenaktion: Die „Streetboys“,

die Fußballer des queeren Sportvereins

Team München, rufen Fans und

Freund*innen dazu auf, jedes ihrer erzielten

Tore in bare Münze zu verwandeln –

zugunsten der Münchner Aids-Hilfe!

Und so funktioniert’s: Zunächst registriert

man sich bei den Streetboys und gibt den

Betrag an, der für jedes Tor gespendet

werden soll. Am Ende des Jahres erhält

man eine Zusammenfassung aller

Spielergebnisse sowie eine Information,

welcher persönliche Spendenbetrag

zusammengekommen ist und dann zur

Überweisung ansteht. Für die Streetboys

bedeutet ihre Aktion ein Zeichen der

Solidarität innerhalb der LGBTIQ*-

Community: „Wir engagieren uns auch

neben dem Spielfeld für die queere Szene

in München und möchten durch diese

Tor-Spenden-Aktion die schon über

ein Jahrzehnt andauernde Kooperation

mit der Münchner Aids-Hilfe nach der

Corona-Pause wieder aufleben lassen“, so

Streetboys-Vorstandsmitglied Christoph

Hertzsch. „Die Jungs unterstützen nicht

nur unsere alltägliche Arbeit innerhalb der

LSBTIQ*-Community, sondern greifen uns

auch bei aktuellen Hilfemaßnahmen und

unserem sozialen Engagement unter die

Arme“, freut sich MüAH-Geschäftsführer

Dr. Tobias Oliveira Weismantel, selbst

begeisterter Fußballer. Dann hoffen wir

auf eine torreiche Saison! *bm

www.streetboys.de

KÖNIG LUDWIG CUP

Vorteil München!

FOTO: ALEXANDER DEEG

Nach zwei Jahren coronabedingter

Pause findet vom 17. bis 19. Juni wieder

ein internationales queeres Tennisturnier

in der bayerischen Landeshauptstadt

statt. Der König Ludwig Cup, übrigens

ein offizielles Weltranglistenturnier der

Gay and Lesbian Tennis Association

(GLTA), existiert seit 24 Jahren und wird

auf der beeindruckenden Anlage im

Olympiapark ausgetragen. Die Veranstalter

des queeren Tennisklubs „InsideOut

Munich“ erwarten rund hundert

Sportler*innen aus Deutschland, Europa

und Übersee. Neben dem Sport steht

das Miteinander im Mittelpunkt – auf

und neben dem Platz. Darum gibt’s

nicht nur Action auf der Asche, sondern

auch Gegrilltes oder ein Weißwurstfrühstück

auf der Anlage und am Samstag

eine Player’s Party. Hier gibt’s also immer

was zu sehen, Zuschauer sind herzlich

willkommen! *bm

www.insideoutmunich.de

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16 Szene

JUBILÄUM

25 Jahre LFCD e. V. und 30 Jahre BUNKER

FOTO: C. LORENZ, DRESDEN

Wir gratulieren zu diesem

schwulen Doppelgeburtstag!

Die Männer vom Leder- und

Fetischclub Dresden e. V. und

das Team vom BUNKER feiern jahrzehntelangen

Community- und Partyerfolg.

Und das wird vom 20. bis zum 22. Mai

groß in Dresden gefeiert: „Los geht’s

Freitagabend bei uns im BUNKER,

Samstag gibt’s tagsüber eine große

Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus, und

das Highlight wird die große Fetischparty

am Samstagabend ab 21 Uhr im Klub

Arteum, in dem bis zu 800 Leute feiern

und Spaß haben können. Dort gibt es eine

Lounge-Zone, einen Dancefloor mit drei

DJs und einen Cruising-Bereich“, so David

Zastrow vom LFCD via E-Mail. „Sonntag

lassen wir dann alles bei einem ausgiebigen

Brunch ausklingen, und abends gibt’s

noch die Abschlussparty im BUNKER.“

Über die Geschichte des Klubs und der

Location erzählt er auch etwas: „Bereits

1991 hat sich eine Gruppe innerhalb der

Aids-Hilfe Dresden in den Kellerräumen

der Aids-Hilfe getroffen und somit wurde

der BUNKER, unser Vereinslokal, geboren.

Der Leder- und Fetischclub Dresden e. V.,

früher nur Lederclub Dresden e. V., wurde

1996 gegründet, 1997 sind wir dann in

unseren neuen BUNKER in die Dresdner

Neustadt gezogen.“ Schwule Fetische

aller Art haben hier ein Zuhause gefunden:

Sportswear, Leder, Gummi und Neopren,

Pup Play, Scally, aber auch Unterwäsche,

Bären und Workwear … *rä geburtstag.

geburtstag.lfc-dresden.de

FETISH SUMMER WEEKEND

Schwuler Fetisch-Event

Im Januar musste der Münchner Löwen Club

(MLC) sein traditionelles, für März geplantes

„Starkbierfest“ coronabedingt absagen. Kürzlich gab

der Verein bekannt, statt des Frühjahrs-Fetisch-Treffens

vom 16. bis 19. Juni ein „Fetish Summer Weekend“

zu veranstalten.

FOTO: MLC MUNICH

Auch wenn es, wie der MLC-Vorstand betont, kein

verschobenes Starkbierfest, sondern ein eigenes

Format sein soll, ist es mit dem klassischen Programm

des seit zwanzig Jahren alljährlich stattfindenden

Frühlingsevents fast identisch – außer, dass statt des

saisonalen Starkbiers klassisches Helles fließen dürfte.

Höhepunkte der viertägigen Fetisch-Feierlichkeiten

sind die Partys im klubeigenen UnderGround, das große

Abschlussfest im Augustinerkeller sowie die Kür des

Bavarian Mr. Leather 2022 im Oberangertheater. Mit

Eddy und Hendrik (siehe Fotos) bewerben sich heuer

zwei erfahrene Kandidaten um das höchste Amt dieser

Community in Bayern an. Umrahmt wird das Ganze von

dem Meet & Greet in der Self-Bar, einem Fetisch-Pub-

Crawl und dem BLUF-Dinner in der Küche im KARE-

Kraftwerk. Karten für das „Fetish Summer Weekend“

sind über die Webseite des MLC zu haben. *bm

www.mlc-munich.de


17

GAYBOYS

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18 Sport

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KLARTEXT:

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Der Testosteronspiegel sinkt, das

Äußere verändert sich, die Muskeln

schrumpfen, der Bauch wächst … und hier

und da zwickt es gewaltig. Das passiert,

wenn „Mann“ langsam älter wird und kann

typische Beschwerden wie Übergewicht,

nachlassende Potenz sowie Prostata- und

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greifen solltest. Mit praxisorientierten

Tipps und Tricks wird Dir das leichtfallen:

Was esse ich zum Frühstück, um den

Fettstoffwechsel anzuheizen? Welches

Gericht wähle ich mittags in der Kantine

oder abends im Restaurant, um Muskeln

aufzubauen? So nimmt Mann heute ab -

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MAI / JUNI 20 2 І HEFT 179

MÜNCHEN

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20 STADTPLAN

CityGuide

10

Elisenstr.

Ottostr.

Maximilianspl.

36

APOTHEKEN

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Isartorplatz 6, (089) 2199290,

www.isartor-apotheke.de

2. Regenbogen Apotheke,

Sonnenstr. 33, (089) 593659,

www.hieristsgesund.de

3. Wittelsbacher Apotheke,

Lindwurmstr. 97, (089) 537844,

www.wittelsbacher-apotheke.de

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(Allgemein-, Männer- und

Innere Medizin, Infektiologie),

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Pauli, Dr. Marcel Lee,

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www.isarpraxis.de

5. Dr. Timo Bachmann (Zahnarzt)

Schweigerstr. 4, (089) 663242,

www.timobachmann.de

• Dr. Ulrich Kastenbauer (Allgemeinmedizin,

Infektiologie),

Ainmillerstr. 26, (089) 333863,

www.infektiologie-schwabing.de

• Wolf Schuck (Facharzt für

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde),

Nymphenburger

Str. 154, (089) 595131,

www.hno-wolf-schuck.de

PARTY

8. Garry Klein,

Sonnenstr. 8

• Klosterklub,

Lindwurmstr. 122

10. NY.C,

Elisenstr. 3

SHOPPING

11. Bruno‘s, GayLifeStyle,

Thalkirchner Str. 4

• Beschattungen München,

Waldeckstr. 24

12. Optik Vogel e.K., Optik,

Sonnenstr. 32

13. Reithofer Fachmarkt,

Elektrofachmarkt,

Reichenbachstr. 31

Mo.-Fr. 9-18 Uhr,

Sa. 10-14 Uhr

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14. Rosa-Reisen,

Hans-Sachs-Str. 22

15. Team7,

Herzogspitalstr. 3

MÜNCHEN HBF S

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Nächster Anzeigenschluss

ist der 17.6.2022

Erscheinungstermin

ist der29.6.2022

MAI / JUNI 20 2 І HEFT 179

MÜNCHEN

20 Jahre

Koordinierungsstelle

Fetish Summer

Weekend

Queeres beim

DOK.fest

Ein Orden für

die „Eiche“

MUSIK

TASH

SULTANA

über Musik und Schubladendenken

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18. CAMP, Bar, Reisingerstr.15

Lindwurmst.

19. Deutsche Eiche, GaySauna,

Reichenbachstr. 13

INTERVIEWS: MEGY B., CHRIS KOLONKO, HE/RO, HARRY STYLES, MICHELLE,

SAM VANCE-LAW, TILDA SWINTON

MAI / JUNI 20 2 І HEFT 179

MUSIK

MAI / JUNI 20 2 І HEFT 179

MÜNCHEN

Bayerstr.

Schwanthalerstr.

MÜNCHEN

20 Jahre

Koordinierungsstelle

Fetish Summer

Weekend

Queeres beim

DOK.fest

Ein Orden für

die „Eiche“

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Schillerstr.

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Landwehrstr.

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QUEERGOTTESDIENST

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Kardinal Marx sagt

SORRY

45

21

23

QUEERGOTTESDIENST

Kardinal Marx sagt

SORRY

INTERVIEWS: MEGY B., CHRIS KOLONKO, HE/RO, HARRY STYLES, MICHELLE,

SAM VANCE-LAW, TILDA SWINTON

35

34

8

Resingerstr.

Karlspl.

U S KARLSPLATZ (STACHUS)

18

Sonnenstr.

12

Thalkirchner Str.

• Duplexx, Theresienstr. 130

• Diburnium,

Thalkirchner Str. 5

• Erotixx, Poccistr. 2 und

Rosenheimer Str. 81

• Herrensauna am Hauptbahnhof,

Dachauerstraße 9a

• Schwabinger Mensauna,

GaySauna, Düsseldorfer Str. 7

20. Spexter Erotic-Store,

Müllerstr. 54

• UnderGround des MLC,

Machtlfingerstr. 28

UNTERKUNFT

19. Deutsche Eiche, Hotel,

Reichenbachstr. 13

21. Hotel Brunnenhof,

Schillerstr. 36,

www.brunnenhof.de

ESSEN & TRINKEN

22. Bar zur Feuerwache,

Blumenstrasse 21a

23. Café Regenbogen,

Lindwurmstr. 71

24. Café im Sub,

Müllerstr. 14

Herzog-Wilhelm-Str.

19. Deutsche Eiche,

Reichenbachstr. 13

25. Edelheiss Bar,

Pestalozzistr. 6

Pestalozzistr.

26. Eiscafé Eismeer,

Pestalozzistr. 21

27. Jenny was a friend of mine,

Holzstr. 14

28. Kiosk an der Reichenbachbrücke,

Fraunhoferstr. 46

2

29. Kraftwerk,

Thalkirchnerstr. 4

30. Moro Restaurant,

Müllerstr. 30

31. NiL,

Hans-Sachs-Str. 2

Neuhauser Str.

47

Damenstiftstr.

U SENDLINGER TOR

11 29 20

25

89

26

27

15

Blumenstr.

Müllerstr.

• Prosecco, Theklastr. 4,

www.prosecco-munich.de

Maxburgstr.

Hans-Sachs-Str.

Oberanger

Unter Anger

43

30

4246

9

31

39

14

Färbergraben

Blumenstr.

MARIENPLATZ U S

Rindermarkt

40

24

41

3948

22

Müllerstr.

Fraunhoferstr.

Corneliusstr.

Klenzestr.

FRAUENHOFERST. U

• Self Bar/Restaurant,

Schäftlarnstr. 62,

www.self-bar.de

Erhardtstr.

KULTUR

32. Bayerische Staatsoper,

Max-Joseph-Platz 2,

www.bayerische-staatsoper.de

33. City Filmtheater, Kino,

Sonnenstr. 12,

www.city-kinos.de

34. Deutsches Theater,

Schwanthalerstr. 13,

www.deutsches-theater.de

• Gasteig (Philharmonie),

Rosenheimer Str. 5,

www.gasteig.de

• GOP Varieté-Theater,

Maximilianstr. 47,

www.variete.de

• Kultur im Schlachthof,

Zenettistr. 9,

www.im-schlachthof.de

35. Kunsthalle München,

heatinerstr. 8

• Lenbachhaus -

Städtische Galerie,

Luisenstr. 33,

www.lenbachhaus.de

• Museum Brandhorst,

Theresienstr. 35a

36. Münchner Kammerspiele,

Maximilianstr. 26-28,

www.muenchnerkammerspiele.de

• Münchner

Philharmoniker,

Rosenheimer Str. 5

• Münchner Volkstheater,

Brienner Str. 50,

www.muenchnervolkstheater.de

37. Staatstheater am

Gärtnerplatz,

Gärtnerplatz 3, (089) 202411,

www.staatstheater-amgaertnerplatz.de

• Tierpark Hellabrun,

Tierparkstr. 20

Gärtnerplatz

38

Reichenbachstr. Reichenbachstr.

28

13

19

RAT & TAT

• Caritas Ambulanter Hospiz

Dienst, Queer-Sprechstunde,

jeden 1. Montag im Monat,

ASZ Isarvorstadt,

Hans-Sachs-Str. 14,

caritas-hospizdienst@

barmherzige-muenchen.de

Frauenstr.

Rumfordstr.

Buttermelcherstr.

17

Baaderstr.

Reichenbachbrücke

ISAR

33

Maximilianstr.

16

Tal

Steindorfstr.

Corneliusbrücke

5

38. Diversity Jugendzentrum,

Blumenstr. 11,

www.diversity-muenchen.de

39. Gay Outdoor Club

München e.V.,

Sportverein,

Müllerstr. 14,

www.gocmuenchen.de

• Isarhechte e.V.,

Sportverein, Meindlstr. 11a,

www.isarhechte.de

40. Koordinierungsstelle zur

Gleichstellung von LGBTI*,

Angertorstr. 7

(Eingang Müllerstraße)

41. LeTRa,

Blumenstr. 29,

www.letra.de

42. Marikas Beratungsstelle für

anschaffende junge Männer,

Dreimühlenstr. 1,

www.marikas.de

43. Münchner Aids-Hilfe,

Lindwurmstr. 71,

www.aidshilfe-muenchen.de

44. Münchner Regenbogen-

Stiftung, Angertorstr. 7

(Eingang Müllerstr.)

45. Rechtsanwälte Schuster

& Riedl, Eisenmannstr. 4

(Fußgängerzone),

(089) 23888930,

www.ra-srk.de

• Regenbogenfamilien,

Fach- und Beratungsstelle,

Saarstr. 5/II, (089) 46224606

www.regenbogenfamilienmuenchen.de

46. Sub e.V.,

Müllerstr. 14,

info@subonline.org

47. Team München, Sportverein,

Rumfordstr. 39

www.teammuenchen.de

• TransMann e.V.,

Parzivalstr. 41,

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22 Kultur

INTERVIEW

BIANCA

DEL RIO:

„Wenn Du es magst,

großartig. Wenn nicht:

halt die Klappe!“

Roy Haylock, ist ein grübchenbackiger,

überlebensgroßer

Mann, der als Drag Queen keine

Angst hat, zu schockieren und zu

beleidigen. Wild, lustig und fabelhaft,

hat sie ihren Namen in den Annalen

der Popkultur auf RuPaul’s Drag Race

sandgestrahlt und die sechste Staffel

für sich entschieden. Als selbsternannter

„Clown in einem Kleid“ weist

Bianca aber darauf hin, dass sie der

größte Witz von allen ist. Das ist der

Schlüssel zum Verständnis jener ersten

Dragqueen der Geschichte, die

Headliner*in in der Carnegie Hall und

der Wembley Arena war und beide

auch noch ausverkaufte. Im Frühjahr

2021 kündigte Bianca ihre Unsanitized

Comedy Tour an – in diesem

Sommer fegt sie über Hamburg und

Berlin hinweg.

Wie hast Du die Pandemie erlebt

und – wie ich sehe – auch überlebt?

Streaming?

Nein. Ich habe davor viele Jahre hintereinander

durchgearbeitet. Also war es

ehrlicherweise ein Art wohlverdiente Pause.

Ich hatte Zeit, mein Leben zu ordnen. Zeit

für einen Reset. Ich konnte wieder planen.

Online-Shows wollte ich nicht machen.

Ohne Publikum, ohne das Lachen, ist es

schwierig vor der Kamera aufzutreten. Ich

habe mich also in meinem Haus verkrochen

und versucht alles für die Tour zusammenzubekommen.

Ich hab mich neu geordnet

und dieses Programm, mit dem ich nach

Hamburg und Berlin komme, entwickelt

und geplant. Ich kann mich also wirklich

nicht beklagen.

Viele haben keine guten Erfahrungen

mit Online-Shows gemacht.

Ja.

Es wurde falsch zitiert, verkürzt

dargestellt. Sogar bei Netflix-

Produktionen. Wie gehst Du damit

um, dass Humor auch weh tun

kann, was aber keine*r mehr erträgt

heute? Du machst Witze, bei denen

ich mir vorstellen kann, dass sie

kritisiert werden …

Ich sehe das so: Entweder lacht man oder

man lacht nicht, entweder mag man mich

oder man mag mich nicht. Mit Menschen

die mich nicht mögen, beschäftige ich mich

nicht. Die, die mich hassen, werden das auch

weiterhin tun, und versuchen, etwas zu

finden, das falsch ist. Aber das ist nicht mein

Publikum. Also: Wenn Du es magst, großartig.

Wenn nicht: halt die Klappe! So sehe ich das.

Ich bekomme ja sowohl Komplimente als

auch Kritik. Ich höre mir aber beides nicht an.

Ich bin also nicht beunruhigt durch Leute,

die mich nicht mögen. Als Comedian macht

man manchmal Witze, die Menschen nicht

toll finden. Wenn Du dir Celine Dion ansiehst,

ist sie eine erfolgreiche Sängerin, aber nicht

jeder ihrer Songs ist ein Hit. Ist sie deshalb

keine Sängerin mehr oder sollten wir sie

canceln, weil nicht jedes Lied großartig ist?

Da fängt es ja schon an …Deshalb glaube ich,

kommt es darauf an, wie man sich damit

auseinandersetzt. Und darum bin ich auch

nicht beunruhigt durch die Woke-Kultur oder

deren Crowd online. Ich gebe da nichts drauf.

Hast Du rote Linien? Minderheiten-

Witze zum Beispiel?

Klar, natürlich ist es auch subjektiv. Und es

kommt ganz klar darauf an wo Du bist, worüber

Du redest und was Du machst. Aber

denk daran – Du sagst das Wort Witz: Es

ist ein Witz! Ich bin kein Politiker oder dein

Lehrer oder deine Mutter. Ich mache Witze

und wenn Du sie nicht magst, magst Du sie

nicht. So ist es halt. Die Sozialen Medien

und die pure Masse von Leuten mit ihren

Meinungen und dem ganzen vielen Klatsch:

jeder sagt etwas zu allem. Ich denke nicht,

dass es beängstigender geworden ist, aber

wenn ich etwas online stellen würde, wäre

es nicht mehr in dem von mir erdachten

Kontext und die Leute würden durchdrehen.

Die hören nur die Pointe. Sie hören

nicht den Aufbau. Sie hören nicht, über

was vorher geredet wurde. Das macht den

Umgang mit Sozialen Medien schwierig.

Ich bespiele sie deshalb auch gar nicht,

wenn ich eine Tour mache. Es gibt einen

Anfang und ein Ende. Wir gehen sozusagen

zusammen auf eine Comedy-Reise. Wenn


da jemand etwas aus der Show raus nimmt und es als kurzen

Witz nutzt, wird es sehr wahrscheinlich von irgendjemandem

als verletzend gesehen, da der Kontext fehlt. Wenn man also

mit mir auf den Trip kommt und sich nach der Show eine

Meinung macht, ist es das eine. Aber wenn man einzelne Witze

oder Dinge nimmt, ohne zu wissen woher sie kommen, wie sie

entstanden sind und das dann kritisiert, wird es problematisch.

Gehen wir zu Deiner neuen Show. Kannst Du sie

vielleicht für die unterschiedlich motivierten Leute

etwas aufteilen? Manche kommen sicher mehr

wegen der Drag-Kultur und andere eher wegen dem

Comedy-Part und dem politischen Humor - Du spielst

weltweit vor riesigem Publikum. Das sind doch nicht

alles nur Dragrace-Fans …

Weißt Du, ich hatte bisher immer eine gute Zeit in Deutschland

und deshalb freue ich mich sehr darauf wieder zu kommen. Ich

sage immer, erwarte das Unerwartete. Ich habe in den letzten

Monaten ein Musical in den USA und Großbritannien gemacht,

und deswegen komme ich gerade erst wieder zu diesem

Programm zurück. Und es ändert sich auch weiter. So viel ist

in den letzten Jahren passiert, natürlich ist Covid ein großes

Thema. Aber es geht vorallem darum, die Leute zum Lachen zu

bringen und Humor in all dem zu finden, wo wir nur können. Vor

allem: loslassen! Gerade weil eine Menge Sachen so ernst waren

in den letzten zwei Jahren. Wir brauchen auch wieder Freude in

unserem Leben. Ich bin bereit dazu, ich möchte wieder auf Tour

und die Menschen dazu bringen, mit mir zu lachen. Also kommt

mit auf den Trip und verbringt zwei Stunden mit mir. Ich glaube,

das brauchen wir gerade.

GLITTER

AND

*Interview: Christian Knuth

Bianca Del Rio – Unsanitized Comedy

7.6. Hamburg – Hamburg – Friedrich-Ebert-Halle,

18.6. Berlin – Admiralspalast,

www.thebiancadelrio.com/

unsanitized-tour#europe

BE GAY

CANDIDE

Operette von Leonard Bernstein

FOTOS: MATT CROCKETT

ab 5.5.2022

Tickets I Tel +49 (0)89 2185 1960

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24 Kultur

CHRIS

KOLONKO IST

„DIE LUSTIGE

WITWE“

FOTO: MARTIN HANGEN

„Eine Lady Gaga ihrer Zeit“

Zurzeit ist Entertainer Chris

Kolonko im Münchner Hofspielhaus

in Franz Lehárs „Die lustige

Witwe“ zu sehen. Wer konservative

Operettenklischees erwartet, dürfte

enttäuscht werden. Gut so!

Chris, wie bist du durch die schwierige

Corona-Zeit gekommen?

Anfangs war das ein Riesenschock, denn

wir mussten auch große Produktionen

wie den „Spiegelpalast“ in Augsburg

absagen. Glücklicherweise hatte ich

Eigentum zu verkaufen, das hat mich

finanziell gerettet. In der Krise war ich

zwar bald wieder auf Kreuzfahrtschiffen

unterwegs, habe kleinere Engagements

gehabt und bin mit einer Kochshow

auf Facebook neue Wege gegangen.

Zuletzt bin ich aber doch nach Gran

Canaria gezogen, wo ich mich mit Yoga-

Unterricht etablieren konnte – und einen

Mann kennengelernt habe, mit dem ich

mittlerweile zusammenlebe.

Wie kam es zur Kooperation mit

dem Hofspielhaus?

Schon vor Corona sollte ich die Titelrolle

in „La Cage aux Folles“ übernehmen, das

als Schauspielstück umgesetzt werden

sollte. Doch die Rechte waren nicht zu

bekommen, worauf die Direktion „Die

lustige Witwe“ plante und wiederum mich

dafür anfragte.

Hättest du zu Beginn deiner Karriere

vor dreißig Jahren gedacht, einmal

eine „lustige Witwe“ zu geben?

Ehrlich gesagt, noch vor drei Jahren nicht!

Ich komme ja vom Musical und mir war

immer klar, dass aus mir keine Sopranistin

würde. Ich hätte mich selbst nie für diese

Rolle beworben. In der Konzeption des

Hofspielhauses wollten wir aber weg von

den klassischen Interpretationen. Das war

meine Chance: Ich habe ich die Lieder

neu angelegt und persönlich interpretiert.

Lehár hat ja allen Stücken einen tieferen

Hintergrund, eine Sehnsucht verliehen –

das ist, was ich herausarbeite.

Was macht „Die lustige Witwe“ in

der aktuellen Version aus?

Das Publikum wird diese nicht mit den

gängigen Versionen vergleichen. Ich nenne

sie gern „Witwe unplugged“, weil sie eine

Mischung aus Schauspiel und Gesangskunst

ist. Die traditionelle Geschichte ist

zwar eingebunden, auch die bekannten

Figuren treten auf, doch es ist eher die

Fortsetzung der ursprünglichen Story und

fast schon sozialkritisch, denn ich lege die

Hanna als selbstbewusstes City-Girl an,

das in seiner Entwicklung auch Vorbild für

die Frauen heute sein kann. Aus meiner

Sicht war Hanna eine Art Lady Gaga ihrer

Zeit.

Manche sagen, Operette sei ein

aus der Zeit gefallenes Sujet mit

veraltetem Gesellschaftsbild …

… was zumindest auf unsere Version nicht

zutrifft. Die Geschichte zwischen Danilo

und Hanna passiert im Hier und Heute.

Natürlich schwelgen wir durch Rückblicke

schon mal in der Vergangenheit, aus

der wir aber immer wieder ausbrechen.

Zudem singen wir modern und nicht mit

den typischen Phrasierungen aus den

Anfängen des 20. Jahrhunderts. Es ist die

alte Operette, neu gemacht.

Welche Pläne verfolgst du danach?

Ich habe viele Pläne: ob im „Palazzo“ als

Conférencier und ein langes Engagement

im GOP Varieté-Theater. Auch Buchungen

für Galas ziehen wieder an, und nicht

zuletzt möchte ich mit „Berta schlagert

sich glücklich“ im nächsten Jahr ein spaßiges

Programm um mein alterndes Alter

Ego präsentieren. Aber zurzeit hängt alles

vom Ukraine-Krieg und von Corona ab.

*Interview: Bernd Müller

Ab 3.5. Hofspielhaus, Falkenturmstr. 8,

20 Uhr, www.hofspielhaus.de


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26 Kultur

STAATSBALLETT

Der Zukunft zugewandt

Heute ist auch 2022 für das Staatsballett wieder

morgen. Jedenfalls, wenn es um die Förderung der Stars

von Morgen geht, müssen diese in der Gegenwart

beginnen, sichtbar zu werden.Im Rahmen der

Opernfestspiele schafft das Bayerische Staatsballett

drei Tanzschaffenden, die am Anfang ihrer Karriere als

Choreographen stehen, dafür Raum und hoffentlich

Publikum. Der vom Aterballetto bekannte Tänzer Philippe

Kratz beschäftigt sich in seinem Tanzstück „to get

to become“ mit der Frage, aus welchen Schichten eine

persönliche Identität gebildet wird. Özkan Ayik kreiert

ein Werk, dessen Energie von der Spannung zwischen

Individuum und den räumlichen Verhältnissen herrührt.

Jonah Cook zeigt mit „Played“

seine erste Choreographie überhaupt. Sein Tanzstück zu

schwerem Gitarrenklängen ist als farbenreiche Studie über

Beziehungsverhältnisse angelegt.

FOTO: M. BRIANE

24. – 27.6., Heute ist morgen 2022, Zeitgenössische Choreographien,

Prinzregententheater, Infos und Karten unter

08921851920 und www.staatsballett.de

DEUTSCHES THEATER

CATS

Die berühmtesten Katzen aller Zeiten erobern wieder

die Bühne! Und zwar das Original vom Londoner West

End auf der Bühne des Deutschen Theaters München.

Sieben Tony Awards, drei Drama Desk Awards und einen

Laurence Olivier Award hat CATS bereits gewonnen.

Und auch diese Erfolgsproduktion in englischer Sprache

war 2015 als „Bestes Musical Revival“ für den Laurence

Olivier Award nominiert. Miau!

STAATSOPER

JA, MAI

BILD: PAUL ROUSTEAU

1. – 26.6., Deutsches Theater München, Schwanthalerstraße

13, Karten und Infos unter 08955234250 /

deutsches-theater.de

FOTO: ALESSANDRO PINNA

Im Zentrum der ersten Ausgabe

des neuen Musikfestivalformates

„Ja, Mai“ stehen

menschliche Extremsituationen.

Die Staatsoper kooperiert

dafür mit dem Residenztheater

und dem Münchener

Kammerorchester:

„Bluthaus und Thomas, zeitgenössische

Opern von Georg

Friedrich Haas und Händl Klaus,

werden verbunden mit Kompositionen

Claudio Monteverdis.

Die Bühnenwerke kreisen um

zutiefst existenzielle Themen

wie das Sterben, die Liebe,

familiäre Bindungen und seelische

Traumata. Georg Friedrich

Haas und Händl Klaus gelingt

es, mit ihrem Musiktheater den

Blick ins Innerste menschlichen

Fühlens zu wenden und so den

Schmerz genauso wie die Zartheit

emotionaler Verfasstheiten

einfühlsam und gleichzeitig

schonungslos erfahrbar zu

machen.“ Das klingt gehaltvoll

und das soll es auch. Wer noch

mehr will, für den gibt es das

Rahmenprogramm „Ja, Mai+“,

das eine intensive Auseinandersetzung

mit den wichtigen

Künstlerpersönlichkeiten Händl

Klaus und Georg Friedrich Haas

und ihrem umfangreichen

Schaffen sucht.

19.5. – 29.5. Ja, Mai,

diverse Spielstätten,

www.staatsoper.de/ja-mai


Kultur 27

FOTOS: CATHERINA HESS

Literaturhaus,

Brasserie OskarMaria

LANGE NACHT DER MUSIK

Haste Töne!

Nach langer Pause startet der Frühling endlich wieder mit der „Langen

Nacht der Musik“, die seit über zwanzig Jahren ein Fixpunkt im Kulturkalender

der Stadt ist. In diesem Jahr sind gut sechzig Spielstätten

mit dabei, die insgesamt 400 Konzerte präsentieren. Ob Konzerthaus,

Theater, Kirche oder Kneipe: In dieser Kombination und dieser Vielfalt

erlebt man Musik nur in dieser Nacht. Zum Entspannen während des

langen Konzerthoppings laden zahlreiche Bars, Restaurants und Hotels.

Von Ort zu Ort kommt man mit den Shuttlebussen, die von 20 bis 2 Uhr

die Spielorte auf verschiedenen Touren anfahren. Das Programmheft ist

in den teilnehmenden Häusern erhältlich, Tickets zu 20 Euro gibt es bei

MünchenTicket. *bm

7.5., 20 – 2 Uhr, www.muenchner.de/musiknacht

Gefördert

von:

BILD: RUPERT SMYTH

Müllersches Volksbad

FOTO: STEPHAN RUMPF

Gasthaus Isartor

FOTO: GASTHAUS ISARTOR

Eine berauschende Nacht an Land

6. Mai bis 3. Juli 2022


28 Kultur

NACHGEFRAGT

Zwei Jahrzehnte

MEGY B.

FOTOS: PR SCHÖNWETTER

Wir telefonierten mit dem Travestiekünstler

und Schauspieler Marc

Rudolf alias MEGY B. anlässlich ihres

20-jährigen Bühnenjubiläums.

Du bist auch „als Mann“ auf der

Bühne zu sehen, aber Megy B.

überwiegt, oder?

Bei meiner Ausbildung im Theater durfte

ich die Travestie lernen – Megy B. habe ich

für die Bühne entwickelt, sie ist ein schöner

Schein für das Theater.

Was fasziniert dich an der Zauberei?

Sie war mein Weg auf die Bühne, ähnlich wie

bei Jürgen von der Lippe oder auch Sascha

Grammel. Und sie war auch mein Weg zur

Travestie!

Wie das?

Es war vor vielen Monden auf einer Kreuzfahrt

mit meinen Eltern. Ein Künstler führte

dort Zaubertricks auf und zeigte mir einen

davon, den ich dann aufführte, das kam sehr

gut an! Der Moderator der Show, das Berliner

Original Peter Wieland, sagte zu meinen

Eltern: „Dit Kind ist ein Künstler, da können

Se nüscht gegen machen.“ Also förderten

sie mich, wie es nur ging … Ich ging dann auf

eine Zauberschule in Pullach, München, und

gewann auch in Berlin Preise. Dann bin ich

auf die Schauspielschule gegangen. Um mir

Geld dazuzuverdienen, habe ich das Münchner

Original Petra Dorén gefragt, ob ich bei

ihr arbeiten könnte, sie gastierte mit ihrem

Programm im Travestielokal Bel Étage. Und

sie sagte: Du kannst dein Zauberzeug gerne

machen, aber im Fummel! Und so passierte

es … Das Publikum war begeistert und ich

blieb dabei. Ich kam mit der Zauberei zur

Travestie und habe nun eine Show, in die

auch mal magische Momente einfließen.

Gerade ist Krieg in Europa, wir reden

über Spaß.

Theater muss stattfinden! Der Mensch

muss lachen können. Desto schlimmer die

Zeiten, desto wichtiger ist es, dass wir den

Menschen Lebensfreude geben. Freudentränen

sorgen dafür, dass die Scheibe vom

Auge gereinigt wird, dass wir wieder einen

klaren Blick auf die wunderschöne Welt

bekommen.

2022 feierst du nicht nur zwanzig

Jahre Megy B., du bist auch vierzig

geworden. Ist für dich 2022 also

bisher besonders schön?

Ja … Vierzig zu werden gibt

einem mehr Gelassenheit.

Man hat nicht mehr den

Druck, sich beweisen

zu müssen, immer zu

kämpfen. Was nicht

heißt, dass man

aufhört, an sich zu

arbeiten.

Du hast deinen

Mann in Freiburg

geheiratet, warum

dort?

Das war pandemiebedingt.

Freiburg war der einzige Ort, der

damals seine Hotels geöffnet hatte.

Weder in Berlin noch in München hätten

wir im Kreise der Familie feiern können.

Ich sagte damals: Entweder sind wir am

Ende des Tages verheiratet oder verhaftet.

(lacht) Die Pandemie hat uns – bei aller

Tragik – Ruhe gegeben und die Heirat

eigentlich erst möglich gemacht, davor

haben wir 18 Jahre durchgearbeitet. Ich

bin glücklich, im Hafen der Ehe gelandet

zu sein.

Du bist auch in deiner Heimatstadt

München populär, was magst du an

der Stadt?

Das Münchnerische! Das ist diese

Mischung aus den Bergen, dem Essen, den

Trachten, das Granteln der Münchner, das

übrigens nie böse gemeint ist. München

ist Gelassenheit und Heimat. Wir sind nach

Rosenheim gezogen und haben dort ein

kleines Paradies erschaffen.

Und an deiner Wahlheimat Berlin?

Berlin explodiert, Berlin sind Farben, Lichter,

Hektik, eine unglaubliche Energie … Berlin

ist ein Marathon, Bayern ist eine

Ruhephase.

Abschließend: Was

willst du noch

loswerden?

Ich will Danke sagen!

Danke meinem

Maskenbildner Stefan

Winkler, meinem lieben

Freund, der es seit

zwanzig Jahren schafft,

dass Megy B. so aussieht,

wie sie aussieht. Und

meinem Fotografen Sascha

Funke, der dafür sorgt, dass

die Person auf dem Plakat der

entspricht, die die Leute dann auch auf

der Bühne sehen, sowie meiner Mama, dass

sie seit zwanzig Jahren meine Kostüme

schneidert und natürlich meinem Mann

Dennis Schönwetter! Allein würde ich das

alles nicht schaffen.

*Interview: Michael Rädel

www.megy-b.com


Kultur 29

Archives in Residence:

Forum Queeres

Archiv München

— 4.8.22

Schwester Lucretia von den Schwestern der

Perpetuellen Indulgenz im Showroom

der AIDS-Hilfe, 2018, Foto: Sabrina Berndt


30 Kultur

FOTOS: UNIVERSAL MUSIC

Singt für Schweden: Cornelia

Jakobs mit „Hold me closer“

Vom 10. bis 14. Mai findet der

diesjährige Wettbewerb der europäischen

Pop- und Rockschlager

statt – it’s Eurovision time again!

Für Deutschland steigt Malik Harris in die

Arena des PalaOlimpico in Turin.

Mit seiner Power-Ballade „Rockstars“ und

seiner Mischung aus Pop, Rap, Folk und

elektronischer Musik möchte Malik Harris

beim großen Finale des ESC am 14. Mai im

italienischen Turin überzeugen. Der leidenschaftliche

Musiker hat sich das Spielen von

Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Bass selbst

beigebracht und veröffentlichte im August

vergangenen Jahres sein Debütalbum. Ihm

persönlich bedeute der Song unglaublich viel,

„der gerade in dieser für uns alle weltweit so

ESC

Mahmood & Blanco

singen „Brividi“ für Italien

GERMANY 12 POINTS

schwierigen Zeit einen Hoffnungsschimmer

bietet und gleichzeitig zeigen soll, dass wir

alle im selben Boot sitzen“, so der 24-Jährige

über „Rockstars“. ESC-Experte Bernd Ochs,

Leiter der Regionalgruppe Frankfurt des

Eurovision Club Germany e. V., meint: „Malik

Harris muss zeigen, dass er auch auf der

Bühne brilliert“; dann sieht Ochs eine sichere

Platzierung in der oberen Hälfte. „Nicht

wenige Insider glauben, dass die Ukraine

in diesem Jahr den ESC zum dritten Mal

gewinnen wird“, so Ochs weiter. „Auch wenn

ich das Lied ganz schrecklich finde, verstehe

ich, dass es zum einen Anhänger hat, aber

zum anderen sicherlich aus der aktuellen

Sympathie heraus ganz weit vorne landen

wird.“ Weitere Favoriten der ESC-Insider sind

die schwedische Sängerin Cornelia Jakobs

Malik Harris möchte für Deutschland mit seiner

Power-Ballade „Rockstars“ überzeugen

(„alles richtig gemacht“) sowie der Beitrag

des ESC-Gastgeberlands Italien, Mahmood

& Blanco: „‚Brividi‘ ist eine moderne Ballade,

in der die komplizierte Liebesbeziehung

zweier Personen beschrieben wird“, erklärt

Bernd Ochs. „Ein schwuler Bezug ist nicht

von der Hand zu weisen.“ Mahmood hatte

mit seinem Song „Soldi“ bereits beim ESC

2019 den zweiten Platz belegt. Let the votes

begin! *bjö

14.5., Eurovision Song Contest,

Liveübertragung des Finales ab 20:15 Uhr

über Das Erste.

Die ESC-Halbfinal-Shows am 10. und

12.5. gibt’s jeweils ab

21 Uhr live bei ONE zu sehen,

www.eurovision.de

FOTO: JAMES@WERKROOM

VILLA FLORA

ESC für alle und die ganze Nacht

Das wohl größte public

Viewing des Eurovision Song

Contest wird in der Villa Flora und

ihrem Garten zelebriert.

The Werkroom hat rund um das

eigentliche gemeinsam Fernsehen

ein volles Programm gezaubert.

Eine Stunde vor dem großen Finale

startet die ESC-Nacht mit der

Opening-Show, moderiert von Pinay

Colada und DJ JayRo! Freut euch auf

fantastische Performances von Barbie

Q, Janisha Jones, Pasta Parisa,

Eve n’more und vielen weiteren

Künstler*innen! So kann schon mal

Stimmung für die eigentliche ESC-

Sause, das public Viewing im großen

Garten der Villa Flora aufkommen.

Nachdem wir dann wissen, wer

dieses Jahr alles vor Deutschland

gepunktet hat, wird das gefeiert:

Auf der Aftershow-Party mixen

DJ James Munich und DJ JayRo

was das Zeug hält: Alle „Grand

Prix“-Schlager, Eurovision-Pop-Hits

und das Beste vom ESC heute – die

ganze Nacht! *ck

14.5., The Werkroom: Eurovision

Public Viewing 2022, Villa Flora,

Hansastr. 44, Einlass 19 Uhr,

Aftershowparty 0:30 Uhr,

Reservierung und Infos:

www.the-werkroom.com/ticketshop


Kultur 31

BILD: RUPERT SMYTH

KUNSTBAU

Mouse on Mars

Bis Mitte September ist der Kunstbau des Lenbachhauses

der künstlerische Schaffensort des

Musikprojektes Mouse on Mars.

Sie entwickeln dafür eine ortsspezifische Komposition,

die mit dem Ausstellungsraum arbeitet und auf

ihn reagiert. Der Kunstbau wird in ein riesiges Raumklanginstrument

verwandelt und selbst zum Resonanzkörper.

Das Publikum soll durch die Installation zu einem aktiven Hören

herausgefordert werden, bei dem allein die Grenzen der Aufmerksamkeit

die Grenzen des akustisch Möglichen bestimmen. Mouse on Mars möchten

durch gezielte Perspektivwechsel die Erkenntnis herausarbeiten, dass es bei

"Spatial Jitter" nicht um die eine gültige Komposition geht, sondern dass alle

Hörer*innen eigene "Spatial-Kompostruktionen" produzieren. Begleitend ist

eine LP mit umfassendem Booklet erschienen und damit das Paket komplett

ist: Der Eintritt ist frei und der Kunstbau von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

BILD: RUPERT SMYTH

BILD: WERNER TOMA

www.lenbachhaus.de / www.mouseonmars.com

3DVD &

3Blu-ray

ab 24. Juni

erhältlich!

2 CD

4 Vinyl (limitiert)

www.eurovision.tv · www.universal-music.de/eurovisionsongcontest

2 MC (limitiert)


32 Kultur

FOTOS: THOMAS DASHUBER

GÄRTNERPLATZ-

THEATER

Bernstein, Sondheim

und Voltaire

Leonard Bernstein nahm sich den philosophisch-satirischen

Roman „Candide oder der

Optimismus“ des französischen Aufklärers

Voltaire aus dem Jahr 1759 zur Vorlage für

seine „Comic Operetta“ in zwei Akten, die

1956 am New Yorker Broadway Premiere

hatte. In der Folge überarbeitete der Komponist

sein Werk unter Mithilfe verschiedener

Autoren mehrmals. Inspiriert von der beißenden,

gesellschaftskritischen Ironie Voltaires

schuf Bernstein für sein neben „West Side

Story" wohl bekanntestes Bühnenwerk

eine Musik, welche in ihrer bestechenden

Mischung aus Operette, Musical und Revue

zugleich eine – wie es der Komponist selbst

einmal ausdrückte – „Liebeserklärung an

die europäische Musik“ darstellt. Inklusive

Gavotte, Mazurka oder Polka und auch die

Traditionen der italienischen Belcanto-Oper

wird bedacht. Am 5. Mai in einer deutschen

Fassung von Stephan Kopf, Zelma und

Michael Millard erstmals auf der Bühne des

Gärtnerplatztheaters.

5., 7., 13., 15. & 16.5., Candide Operette,

Gärtnerplatztheater, Infos und Karten unter

089 21851960 und gaertnerplatztheater.de


Kultur 33

FOTO: EDUARDO PATINO

DEUTSCHES THEATER

Lizt Alfonso mit vibrierender Show

Die nach ihr benannte kubanische Dance

Company gehört zu den renommiertesten

Latein-Amerikas und feiert seit 30 Jahren

weltweit Erfolge. Mit der Show ¡Cuba Vibra!

kommt auch München in den Genuss

dieser einmaligen Künstler*innen-Truppe, die

scheinbar mühelos zwischen lateinamerikanischen

Klassikern wie dem Bolero, klassischem

Ballett oder auch zeitgenössischem

Performance-Tanz wechselt. In der neuen

Show tritt das Ensemble eine suggestive

und aufregende Reise durch die Kultur, die

der Insel von den 50er Jahren des letzten

Jahrhunderts bis zur Gegenwart Berühmtheit

verliehen hat. Die vier Solisten und 13

Ensemblemitglieder werden auf der Bühne

zu Protagonisten von Geschichten, die im

Rhythmus von Chachacha, Mambo, Conga

und Bolero erzählt werden und welche die

Herzen der Zuschauer vibrieren lassen. Für

den authentischen und vollen Sound sorgt

dabei eine achtköpfige Live-Band.

6. – 10.7., Deutsches Theater München,

Schwanthalerstraße 13, Karten und Infos

unter 08955234250 / deutsches-theater.de

Wir helfen und

informieren gerne.

OFFEN - FREUNDLICH - SYMPATHISCH

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag - Freitag: 08:00 - 18:30

Samstag: 9:00 - 13:00

Isartorplatz 6 | 80331 München

Telefon: (089) 21 99 29 - 0

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a bisserl was geht allerweil.

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34 Kultur

REALITÄT

statt

FIKTION

DOK.FEST

MÜNCHEN

Es ist eines der größten und renommiertesten

Dokumentarfilmfestivals

Deutschlands: Das DOK.fest München

zeigt zum 37. Mal internationale Beiträge

aus 41 Ländern. Neu ist, dass man sich

die Filme vom 5. bis 14. Mai live im Kino

ansehen und vom 9. bis 22. Mai auf die

digitale Leinwand nach Hause holen kann.

Unter den 117 Filmen sind auch einige

mit queerer Thematik, die wir euch kurz

vorstellen möchten.

ANIMA – DIE KLEIDER MEINES VATERS

Jahre nach dem Tod ihres Vaters bekommt

Uli von ihrer Mutter seine „geheime“

Kiste als Erbe ausgehändigt. Der Inhalt:

hochhackige Schuhe, künstliche Fingernägel,

Schminke, eine Echthaarperücke.

Es verändert schlagartig ihren Blick

GOP

LANDGANG

in München

Vom 6. Mai bis zum 3. Juli 2022 verwandelt

sich die GOP-Bühne in eine Hafenbar

der 1920er Jahre. Sehnsucht und

Hafenromantik auf die GOP-Bühne. Vor

dem Tresen begegnen sich Fischer und

Gestrandete, Seeleute, leichte Mädchen,

schöne Tänzerinnen und ein geheimnisvoller

Dichter. Der bärtige Mann hinter der

Bar, tätowiert bis zum Anschlag, verbirgt

sein gutes Herz hinter einer wahrhaft

rauen Schale. Und auch ein Musiker, bewaffnet

mit Ziehharmonika und Gitarre,

darf hier natürlich nicht fehlen.

Die Show „Sailors“ erzählt wundervolle

Abenteuer – eingebettet in eine

hochmoderne Artistik- Show, die die

Charaktere eine ganze Nacht lang bis in die

frühen Morgenstunden begleitet. Hier wird

auf den Vater, sich selbst, ihre Familie

und die Gesellschaft ihres bayerischen

Heimatortes.

GERMANY REPRESENT – JUNG,

WEIBLICH POLITISCH

Die Doku begleitet Nyke Slawik, trans* Frau

im Deutschen Bundestag, sowie Audrey

Dilangu und Lilli Fischer in den Monaten

ihrer Kandidatur bis zu ihrem Wahlerfolg.

Die drei Frauen engagieren sich trotz Hassbotschaften,

Sexismus und Rassismus

in einer bisher cis-männlich dominierten

politischen Welt.

ULTRAVIOLETTE AND THE BLOOD-

SPITTERS GANG

Nachlassbriefe und Filmmaterial aus

Schwarz-Weiß-Filmen erzählen eine

gefeiert, getrunken, gesungen, gestritten

und gelacht. Die seelenvollen Gestalten

in der Hafenbar sind junge Künstler:innen

von zukunftsweisenden Zirkusschulen in

Kanada und Australien. Weltklasse- Akrobatik,

Schauspiel und Musik zu gleichen Teilen.

Die beiden Künstler Gabriel Drouin und

Francis Gadbois machen übrigens nicht

nur auf der Bühne eine gute Figur, beide

ungewöhnliche Liebesgeschichte: Marcelle

und Emma begegnen sich in den 1920er-

Jahren als Teenager, müssen sich trennen

und leben in getrennten Welten – doch

Marcelles Briefe künden von grenzenloser

Liebe.

SEDIMENTOS

Adrián Silvestre begleitet sechs trans*

Frauen auf ihrer Reise in eine spanische

Kleinstadt, während der sie ungewohnte

Landschaften erkunden und nach

Antworten auf zwei Fragen suchen: was sie

als Gruppe verbindet, und wie sie mit ihren

Unterschieden zurechtkommen.

Alle Zeiten, Preise und Orte online:

www.dokfest-muenchen.de

beweisen auch als Regisseure ihr vielseitiges

Talent. Bereits bekannt aus diversen GOP-

Produktionen, feiern die beiden mit „Sailors“

ihr überaus vielversprechendes Regie-Debut.

„Sailors“ ist das maritime Spektakel der

Extraklasse!

6.5. – 3.7., Sailors, GOP Varieté-Theater

München, Maximilianstraße 47, variete.de

HASSAN MAHRAMZADEH FOTO: JAKOB SINSEL


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MUSIK

NACHGEFRAGT

TASH SULTANA

„Es geht nicht darum, anderen zu gefallen“

Tash Sultana ist eher unprätentiös.

Nicht einmal für ihre

MTV Unplugged Session im

vergangenen Jahr im Chapel

Off Chapel in Melbourne hat sich die

Singer/Songwriterin extra aufgebrezelt.

Sie trägt eine bequeme Hose, darüber ein

weites, schwarzes Hemd. Auf dem Kopf

hat sie die für sie obligatorische Baseballkappe.

Statt mit Äußerlichkeiten beeindruckt

die Multiinstrumentalistin lieber

mit ihrem Talent und ihrem Händchen für

ausdrucksstarke Lieder.

FOTO: BEN MCFADYEN

„Blame It On Society“ hebt einen in

höhere Sphären. „Dream My Life Away“

hat eine verträumte Note. Da möchte

man sofort Kerzen und Räucherstäbchen

anzünden. „Greed“ verführt mit seinem

souligen Touch. Vor allem ist jedoch

bemerkenswert, wie schnell Tash Sultana

zum Beispiel bei „Coma“ die Gitarren

wechselt. Wenn die 26-Jährige eingangs

zur akustischen Gitarre greift, wirkt der

Song puristisch, fast zerbrechlich. Er

lässt der Stimme genug Raum, damit sie

sich in ihrer vollen Schönheit entfalten

kann. Später werden die Riffs fetter, die

Nummer driftet ins Epische ab.

Dieses Stück mag Tash Sultana am liebsten,

das erzählt sie im Zoom-Interview, für

das sie allerdings die Kamera abgeschaltet

hat. „Coma“ stammt aus ihrer Frühphase.

Damals setzte sie auf akustische Musik

– ohne dass jemand Notiz von ihr nahm.

„Erst als ich zur elektrischen Gitarre

wechselte, interessierten sich die Leute

bei meinen Straßenkonzerten für mich“,

erzählt sie. Dabei wurde ein Element

essentiell: ihre Loopstation, die ihr Vater

ihr zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt

hatte. Sie brachte zum Beispiel ihren

Hit „Jungle“ hervor. „Plötzlich galt ich

als Looperin“, ereifert sie sich. „Dabei

finde ich gerade die Lieder am besten,

die meinen Gesang und die akustische

Gitarre in den Fokus rücken. Sie haben so

etwas Rohes, hinter ihnen kann ich mich

nicht verstecken.“

Hauptsächlich das Looping war allerdings

das, was Tash Sultana Vergleiche mit Ed

Sheeran einbrachte. Sie lacht, bevor sie

energisch klarstellt: „Wir spielen nicht

in derselben Liga. Ed Sheeran ist ein

Megastar, ich nicht.“ Das ist natürlich

tiefgestapelt. Zumindest in ihrer Heimat

hat die Australierin längst Popstarstatus.

Ihr Debüt „Flow State“ schaffte es 2018

auf Platz zwei der Albumcharts, „Terra

Firma“ schoss gut drei Jahre später auf

die Spitzenposition. Diese Platte nahm

Tash Sultana während der Pandemie

auf, außerdem produzierte sie ihr MTV

Unplugged Album während des Lockdowns

und mischte es sogar selber ab:

„Ich hatte Langeweile, darum musste ich

mich irgendwie beschäftigen.“

Ansonsten kümmerte sie sich in dieser

Phase um ihre Tiere, sie ging surfen oder

verbrachte Zeit mit ihrer Familie. Des

weiteren arbeitete sie an sich. „Man sollte

sein, wer man ist“, grübelt sie. „Um sich

tatsächlich des eigenen Ichs bewusst

zu werden, braucht man aber wohl ein

ganzes Leben.“ Eins hat sie immerhin

schon erkannt: „Es geht nicht darum,

anderen zu gefallen. Selbstakzeptanz

ist total wichtig.“ Gerade der LGBTQIA-

Community rät Tash Sultana deshalb:

„Liebt euch selber. Wer euch nicht so

annimmt, wie ihr seid, gehört nicht in

euren Freundeskreis.“ Da spricht die

Musikerin vermutlich aus persönlicher

Erfahrung. Was sie besonders stört, ist

das ewige Schubladendenken. „Es wird

viel zu viel gelabelt“, regt sie sich auf.

Oftmals auch noch falsch: „Ich bezeichne

mit nicht als nichtbinär, sondern als

genderfluid. Letztlich existiere ich aber

einfach als Person.“

*Dagmar Leischow


Harry’s House

Das neue Album von

HARRY STYLES

Ab dem 20. Mai überall


MUSIK

INTERVIEW

HE/ROs

FOTO: M. RÄDEL

Statement zur Diversität und gegen Homophobie

Wir telefonierten mit den

beiden Musikern Roman und

Heiko, die einst als „Die Lochis“

Social-Media-Rekorde brachen.

Seit letztem Jahr legen die Zwillinge

erfolgreich als HE/RO los. Gerade

erschien ihr Album „Teen Star

Dilemma“.

Definiert der Titel des Albums auch

gleich die Zielgruppe?

Roman: Nein, unsere Fans sind mit uns

älter geworden, sind nun auch keine

Teenager mehr. Die sind die Allerliebsten,

aufgeklärt und tolerant.

Heiko: Der Albumtitel beschreibt eher

das Klischee unseres früheren Lebens,

aber auch die Entwicklung, die jeder

auf dem Weg zum Erwachsenwerden

durchmacht.

„F___ U“ ist ein sehr ungewöhnliches

Liebeslied, oder? Eher eine

toxische Person, die da angehimmelt

wird, oder?

Roman: Fuck you! Ja, man kann manchmal

einer Person nicht widerstehen,

obwohl man weiß, dass sie einem nicht

guttut. Aber man hat eben immer wieder

eine geile Zeit zusammen! Dieser Song

hat etwas total Naives, er beschreibt den

Zustand der rosaroten Brille … (lacht)

Heiko: Gift kann so lange guttun, bis

es nachlässt. Man verliebt sich nach

Scheißsituationen immer wieder neu.

„Kuss an Dich“ hat das Zeug zum

Partykracher. Wie ist es entstanden?

Roman: Das Lied geht nicht an einen

Menschen.

Heiko: Es ist eine Hymne an die Leichtigkeit,

geschrieben 2021, als alle wegen

COVID-19 pissed waren.

Roman: Lasst uns alle miteinander küssen

war eine Metapher, dass wir uns alle wieder

mehr lieb haben sollten, auch wenn der

Alltag einen runterzieht.

Musikalisch pendelt ihr zwischen

Trap, Hip-Hop und auch mal Punk

Rock. Sind das auch privat eure

bevorzugten

Musikarten?

Heiko: Auf jeden

Fall. Wir lieben

Popmusik und sind

auch damit groß

geworden. Alles, was

man zwischen dem

8. und 14. Lebensjahr

hört, prägt einen ja

fürs ganze Leben.

Bei uns war das „The

golden age of Pop“,

wir lieben gute, freshe

Popmusik.

Roman: Was wir am Ende auf dem Album

mit diesen Einflüssen gemacht haben, ist,

sie mit anderen Musikarten, Elementen zu

verbinden. Metal, Hyper Pop, alles, was uns

gefällt, kam mit rein.

Heiko: Als wir fünf oder sechs waren,

hörten wir viel Rock, wir waren dann auch

in Deutschland eine der ersten Bands, die

wieder die echten Instrumente zurück in

aktuelle Musik gebracht haben.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit

LGoony?

Heiko: Ich war schon immer ein großer

Fan von ihm. Als 13-Jähriger habe ich

seine Mixtapes ständig gehört. Als wir mit

unseren Produzenten geredet haben, kam

dann auch LGoony ins Spiel …

Roman: Wir haben zusammen im Studio

Songs gehört und es hat sich ergeben,

dass er mit auf dem Album ist. Ihm ging es

einfach um die Musik, er fand das Lied gut,

bei dem er nun mit drauf

ist. Das fanden wir geil.

Wie politisch seid

ihr?

Roman: Wir sind nicht

die, die Politik krass zum

Thema machen. „Kuss

an Dich“ etwa, da hat

jeder mit jedem rumgemacht

im Video, das

war schon bewusst ein

Statement zur Diversität

und gegen Homophobie.

Heiko: Wenn es um Dinge wie Werte,

Toleranz und Mobbing geht, positionieren

wir uns auf jeden Fall. Dass Homophobie

und Ausgrenzung überhaupt noch so

ein Riesenthema ist, ist zum Kotzen. Wir

versuchen da etwas zu bewegen.

*Interview: Michael Rädel


SOUL

Würdigung einer Großen

Mary Wilson war 1959 bei der

The-Supremes-Gründung ** in

Detroit dabei, arbeitete mit den anderen

Sängerinnen und dem Team vom Plattenlabel

Motwon in der US-Autostadt daran,

dass man endlich den ersten Hit landen

konnte.

MUSIK

Das gelang 1962 mit „Let Me Go the

Right Way“ in den R ’n’ B-Charts. Ab

1964 folgten dann Nummer-eins-Hits

wie „Stop! In the Name of Love“, „I Hear a

Symphony“ oder auch „Someday We’ll Be

Together“.

Zur Frontfrau wurde Diana Ross aufgebaut,

die 1970 das Trio verließ und eine über alle

Maßen erfolgreiche Solokarriere startete,

Mary Wilson blieb der Band bis zur

Trennung 1977 treu und landete mit ihren

Kolleginnen weitere Hits, etwa „Floy Joy“.

Am 8. Februar 2021 verstarb Mary Wilson,

etwa ein Jahr später erscheint nun das

Album „The Motown Anthology“, das

ihre musikalische Karriere würdigt. Und

den Menschen hinter dem Star: die

Friedens- und HIV-Aktivistin, Autorin

und Modeikone, Schauspielerin und Kulturbotschafterin,

Rednerin und Tänzerin,

Mutter, Groß- und auch Urgroßmutter,

Freundin und Wegbereiterin. Unsere

Anspieltipps sind „Automatically Sunshine

(2021 Alternate Mix)“, „Pretty Baby“

und „Red Hot (The Eric Kupper Remix)“.

Eine klasse Zusammenstellung mit

vielen Liedern, die man (so) noch nicht

bekommen konnte. Und eine gelungene

Würdigung einer großen Soul-, Discound

Pop-Sängerin, deren Musik bis heute

dunkle Gedanken vertreibt. *rä

** Anfangs noch The Primettes

SAM VANCE-LAW

DAS NEUE ALBUM

„GOODBYE“

AB 06/05 ÜBERALL ERHÄLTLICH AUF

LIMITED COLOURED VINYL,

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MUSIK

SAM VANCE-LAW:

„Man kann hier

INTERVIEW

anders sein“

FOTO: ALEXANDER COGGIN

Er spricht ganz ausgezeichnet

Deutsch. Das zeigt sich beim

Interview im Konferenzraum seiner

Berliner Plattenfirma binnen weniger

Minuten. „Ich wohne seit zwölf

Jahren in Berlin und setzte es mir

zum Ziel, schnellstmöglich Deutsch

zu lernen“, sagt der Kanadier. „Außerdem

habe ich jetzt einen deutschen

Freundeskreis.“

Sam Vance-Law begeisterte sich bei seiner

allerersten Reise nach Berlin sofort für diese

Metropole. „Eigentlich wollte ich nur meinen

Kumpel für eine Woche besuchen“, erzählt

er. „Doch dann bin ich einfach geblieben.“

Die ersten beiden Nächte verbrachte er in

einem besetzten Haus in der Rigaer Straße.

Da er aus Paris kam, war er High-Fashionmäßig

gekleidet. Die Punks störte das indes

nicht. „Sie boten mir ein Bier an und hingen

mit mir ab“, erinnert sich der Musiker. „Da

habe ich gemerkt: Man kann hier anders

sein – und das ist gut so.“

In Berlin fand Sam Vance-Law als Schwuler

alsbald seine Community, er bekam einen

Plattenvertrag und veröffentlichte 2018

sein Debütalbum „Homotobia“. In seinen

Songs griff der 34-Jährige die Geschichten

anderer auf, er beschäftigte sich mit

unterschiedlichen Facetten des homosexuellen

Lebens. Sein zweiter Langspieler

„Goodbye“ ist dagegen autobiografisch – die

Stücke kreisen um eine Trennung. Das

hebt sie auf eine andere Ebene, denn

Liebeskummer ist ja universell. Das sieht

Sam Vance-Law zwar genauso, trotzdem ist

es ihm ein Anliegen, das Queersein immer

wieder zu thematisieren. „In Berlin oder

anderen Großstädten muss man sicher

nicht mehr darüber reden“, gibt er zu. „Doch

in den meisten Teilen dieser Welt würde

ich wegen meiner Sexualität im Gefängnis

sitzen, geächtet sein oder sogar getötet

werden.“ So etwas ist für ihn natürlich

inakzeptabel: „Ich wünschte, ich könnte

einfach lieben, wen ich liebe.“

Ein glückliches Händchen bei der Partnerwahl

scheint Sam Vance-Law allerdings

nicht unbedingt zu haben, diesen Eindruck

vermitteln zumindest seine neuen Songs.

„Icarus“ handelt davon, dass sein Ex sehr

freiheitsliebend war. Eben kein Beziehungsmensch.

Diese Erkenntnis wird mit

schwelgerischer Musik unterlegt, inklusive

Bläsern und Streichern. Ist das Kammerpop

par excellence? „Ich weigere mich, meine

Musik selber zu klassifizieren“, erklärt Sam

Vance-Law. Immerhin räumt er ein, dass

ihn klassische Werke, mit denen er als

Chorknabe in Oxford aufwuchs, bis heute

beeinflussen: „Ich kenne mich mit der Oboe

viel besser aus als mit der Gitarre.“

Im Endergebnis ist der Singer-Songwriter

musikalisch durchaus recht breit aufgestellt.

Während „Get Out“ als Pop mit Indie-Vibes

daherkommt, lehnt sich die puristische

Klavierballade „Blissful Times“ eher an das

traditionelle englische Volkslied an. „Too

Soon“ driftet dank des Saxofons und des

Fingerschnippens zum Jazz ab. Ist das Sam

Vance-Laws heimliche Leidenschaft? „Ich

höre selten Musik. Also auch keinen Jazz.“

Stattdessen zieht er Stille vor: „Wenn ich

den ganzen Tag mit meinen Ohren gearbeitet

habe, möchte ich danach ein bisschen

Ruhe haben.“

Aus der Großstadthektik zog sich Sam

Vance-Law auch zurück, während er an

seinem aktuellen Album tüftelte. Die

meisten Lieder schrieb er in den schottischen

Highlands, dort konnte er ungestört

komponieren und texten, ohne großartige

Ablenkungen. Er machte lediglich Wanderungen,

ansonsten widmete er sich seinen

Stücken: „Um mich herum waren Schnee,

Regen, Kälte, Depression – das war perfekt

für meine Platte.“ *Dagmar Leischow


MUSIK

KLUBMUSIK

Moby im Mai

Sein letztes Album „Reprise“ erreichte Platz 1 der Charts

in der Schweiz, Platz 4 bei uns in Deutschland und verkaufte

sich auch in UK und den USA sehr gut. Mit diesem Erfolg

im Gepäck präsentiert der Musiker nun zusammen mit anderen

Künstler*innen „Reprise – Remixes“.

Eine ganze Riege hervorragender Musiker*innen, darunter Efdemin

und Planningtorock, haben ihre kreativen Kräfte vereint und

aus Mobys Kompositionen Neues erschaffen. Der Meister selbst

hat aber natürlich auch Hand an manchen Track gelegt. Über

die Zusammenarbeit verrät die Berlinerin Planningtorock: „Ich

mochte die sanfte Coverversion von Heroes, die Moby gemacht

hat, sehr, besonders den weichen, ruhigen Gesang von Mindy

Jones. Für diesen Remix wollte ich diese wunderschönen Vocals

noch ruhiger und stattlicher machen, indem ich sie ein wenig

heruntergepitched habe. Dann wollte ich diese ruhige Energie

mit einem treibenden, tranceartigen Clubtrack kontrastieren,

der sowohl meine nordenglischen musikalischen Wurzeln als

auch meine zwanzig Jahre, in denen ich in Berlin lebe und Musik

produziere, verkörpern sollte.“

Das Duo Felsman + Tiley, das ebenfalls mitwirkte, zeigt sich

angetan: „Wir sind mit der Musik von Moby aufgewachsen, die

unseren Wunsch, (oft melancholische) elektronische Musik

zu produzieren, stark beeinflusst hat. Daher sind wir dankbar,

dass wir Jahrzehnte später offiziell eingeladen wurden, mit

einem seiner Tracks zu arbeiten. Unsere Neuinterpretation von

‚Extreme Ways‘ ist eine synthetische Meta-Beleuchtung seiner

organischen, orchestralen Reprise-Version. Niemand kann dem

Kreislauf entkommen, egal wie extrem der gewählte Weg auch

sein mag.“

Exklusive

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Ab dem 13.05.22 als CD, 2CD Deluxe,

Download und Stream erhältlich.

Für Efdemin, der auch schon beim „Berghain-Plattenlabel“

Ostgut Ton veröffentlichte, war es etwas völlig Neues, denn der

Musiker hatte sich zuvor nie mit dem seit 1990 erfolgreichen

bisexuellen Producer Moby beschäftigt. „Lustigerweise muss ich

zugeben, dass der größte Teil von Mobys Werk an mir vorbeigegangen

ist, bis ich vor Kurzem die Gelegenheit hatte, an Porcelain

mitzuwirken, das mir sehr gut gefallen hat. Während Moby natürlich

immer als Phänomen in den Medien präsent war, habe ich

es irgendwie geschafft, die meisten seiner für viele so wichtigen

Hits in den 90er-Jahren zu ignorieren. Diese Art von Amnesie hat

mir geholfen, mit großer Freiheit an neuen Versionen zu arbeiten,

da ich das Original von Porcelain nicht kannte, ob Sie es glauben

oder nicht.“

Das Album „Reprise Remixes“ erscheint am 20. Mai bei Deutsche

Grammophon als CD, LP und natürlich digital. Unsere Anspieltipps

sind „Why Does My Heart Feel So Bad? (Biscits Remix)“, „We

Are All Made Of Stars (Moby’s Ac@n Remix)“ und „Natural Blues

(Topic Remix)“. *rä

www.moby.com


MUSIK

Das Haus von

HARRY STYLES

POP

FOTO: LILLIE EIGER

Dass Mr. Harry Styles eine große Vergangenheit

hat, in der er noch nicht

als Solokünstler, sondern als Teil einer gewissen

Gruppe bekannt war, spielt mittlerweile

wirklich keine Rolle mehr. Wo andere sich

gerade noch so als Popstars etablieren können,

bevor sie mit den alten Hits und noch

älteren Bandmitgliedern wieder auf Tour

müssen, hat er es geschafft als eigenständiger

Künstler verstanden zu werden. Sein

bisher letztes, zweites Album „Fine Line“ war

daher nicht nur wieder Nummer eins in den

USA, auch die Kritiker waren völlig verzaubert

– und das bestimmt nicht, weil sie

schon immer heimlich One-Direction-Fans

gewesen sind. Es war ein selbstbewusstes

Statement mit mehr kreative Ideen als

irgendjemand von ihm erwartete hatte. So

wurde 2019 das Jahr von Harry Styles – und

es scheint, als würde er auch 2022 alles

überstrahlen wollen.

Schon „As It Was“, die erste Single, beweist

das. Er will zurecht ernst genommen werden.

Und auch mit einem Indie-Dance-Track

auf einem 80er-Fundament wie diesem,

gelingt ihm das. Ganz nebenbei kann er

die Welt damit auch noch zum Tanzen

bringen und das, obwohl es sich um einen

eher traurig-melancholischen Blick auf eine

Beziehung handelt. Genauer gesagt auf

ein Ende, das man jetzt vielleicht endlich

akzeptieren kann – einfach weil man muss.

So wurde „As It Was“ mit seiner Mischung

aus mitreißendem Sound und emotionalem

Text in kürzester Zeit zur meistgestreamten

Single des Jahres 2022.

Während es beim letzten Album „Fine Line“

vor allem um das Leben und das Erleben

alles Körperlichen ging, weißt die Richtung

dieses Mal also auf Introspektive und all die

ungewollten und gewollten Veränderungen,

die jede Seele seit 2019 durchgemacht

haben muss. Obwohl

er auch auf „As It Was“

wieder mit seinen treuen

Kollaborateuren Kid Harpoon

und Tyler Johnson

zusammengearbeitet

hat, scheint nicht nur

inhaltlich, sondern auch

musikalisch ein neuer

Horizont erobert zu werden.

Und ja, selbst wenn

ein alter Boomer wie

Noel Gallagher in seiner

typischen Art gegen

Harry austeilt und behauptet, dass dieser

seine Songs nicht schreibt, ist Mr. Styles

natürlich trotzdem an allem was erscheint

mindestens als Songwriter beteiligt. Auch

wenn Noel sich nie den Grund seiner Frustration

eingestehen wird: Klar ist sein Neid auf

den jungen Mann völlig berechtigt. Was Harry

ebenfalls bewusst sein wird, denn er hat

sich nicht zu einer Antwort herabgelassen.

Doch natürlich hegen nicht alle solch einen

Alt-Herren-Groll gegen ihn. Die legendäre

Joni Mitchell fühlte sich schon allein von Titel

seines kommenden Albums angesprochen:

„Harry‘s House“ wird das neue Werk nämlich

heißen. Kein Wunder, dass es ihr gefällt, denn

vielleicht bezieht er sich ja wirklich auf ihren

Song „Harry's House / Centerpiece“. Auch

sonst sammelt Harry Styles nur guten

Willen. Ob mit seiner genderneutralen

Beauty-Linie oder

der Selbstverständlichkeit

mit der er

Geschlechterregeln

und -grenzen ignoriert.

Dass er allerdings auch

noch so aufgeräumt

ist, und es ihm gelingt,

gleich zweimal täglich

zu meditieren, geht

dann schon fast zu

weit. Doch bloß, weil

wir nicht sehr viel von

seinen Abgründen und

kleinen Macken mitbekommen, heißt

das nicht, dass wir sie nicht doch finden

können – und wenn es nur als Ausdruck in

seiner Musik ist. Dafür ist sie ja letztlich da:

Dass wir mit ihm erleben, was er uns über

sein Inneres mitteilt. Genau deshalb lädt er

uns in sein „House“ ein. Schön, willkommen

zu sein.

*Christian K. L. Fischer


ELEKTRO

Stromae

„Multitude“

Da ist es, das neue Album des belgischen

Vollblut-Künstlers, der mit Hits

wie „Papaoutai“ und „Alors on danse“

die Dancefloors zum Beben brachte

und auch Kritiker begeisterte. Er macht

eben nicht „nur“ Eurodance, Stromae ist

und macht Kunst, queere Kunst. Unsere

Anspieltipps auf seinem neuen Album

sind „L‘enfer“ und „Santé“ – beides

Singles erreichten in seiner Heimat die

Chartsspitze. *rä

www.stromae.com

FOTO: PH. LEBRUMAN

KLASSIK

Maxence Cyrin:

„Melancholy Island“

Besondere Musik für jene Momente und Situationen im Leben,

in denen du deine Hörgewohnheiten durchbrechen solltest,

um mal ganz anders Ruhe und Entspannung zu finden.

Klassische Musik hilft dabei. Oder auch neue Musik mit klassischen

Instrumenten wie dem Piano – und einer Prise Elektro.

Der französische Pianist Maxence Cyrin komponierte genau

solche Musik für sein neues Album „Melancholy Island“, das vor

Kurzem erschienen ist.

Lieder wie „Soft Skin“, „Voyage“ oder auch „Faro Bay“ nehmen ab

der ersten Sekunde mit auf eine musikalische Reise weg vom

Stress hin zum hyggeligen Glück. Musikalische Inseln in einem

Meer von Stress und Sorgen. „Ich liebe das gedankliche Konzept

und die Definition von Inseln, da sie ein wunderbares Gefühl von

Zuflucht in mir hervorrufen“, so Maxence Cyrin. In seinen Liedern

beschäftigt sich der Künstler mit Themen wie Reisen, Exil, Reflexion

des Seins und dem Vergehen der Zeit. Jedes der Stücke

sei mit einer spezifischen Aufnahmetechnik produziert, die den

Klaviersound mit erlesenen Effekten kombiniere – bittersüße

Melancholie, die beruhigt. Alles wird gut. *rä

POP

Einmal alles bitte

Das Comeback von ABBA ist 2021

mehr als nur geglückt, höchste Platzierungen

und Verkäufe, begeisterte

Fans – und zufriedene Kritiker. 2022

wird nachgelegt, es gibt eine neue

allumfassende Box für CD- und

Vinyl-Sammler, die alle Studioalben

von 1973 bis 2021 und auch Hits wie

„Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After

Midnight)“ auf dem extra Tonträger

„ABBA Tracks“ vereint. Unsere Anspieltipps

sind „When I Kissed the Teacher“,

„Ring Ring“, „ Move On“ sowie „ Our

Last Summer“ und „ Bumble Bee“. *rä

MUSICAL

„Ku’damm 56 –

Das Berlin Musical“

MUSIK

TIPP

„Shiny Things“ –

KAT FRANKIE

Eigensinnigen Popmusik! Vier Jahre

nach ihrem hochgelobten Album

„Bad Behaviour“ veröffentlicht KAT

FRANKIE im Mai ihr neues Album.

„Shiny Things“ ist die Arbeit einer

gewachsenen Beobachterin, einer einfühlsamen

Denkerin, einer wütenden

Erzählerin. Vor allem aber: einer großen

Songwriterin. Die 43-Jährige scheint in

ihrem Kunsthandwerk über der Zeit zu

stehen, scheint von dort ihren sorgenvollen

Blick auf die Verflechtungen des

menschlichen Handelns zu richten.

Protestmusik? Ja, mitunter.

www.katfrankie.com

Nach mehr als elf Jahren haben sich AnNa R. und Peter

Plate wieder in einem Musikstudio getroffen und gemeinsame

Sache gemacht. Mit fünf Nummer-1-Alben allein

in Deutschland und mehr als sechs Millionen verkauften

Tonträgern galten sie unter dem Namen Rosenstolz als

eines der wohl erfolgreichsten Deutschpop-Phänomene

Deutschlands. Und unlängst veröffentlichten AnNa R. und

Peter Plate eine gänzlich neue und überaus bewegende

Interpretation des Songs „Ich tanz allein“ aus dem Musical

„Ku’damm 56“, welches Plate gemeinsam mit Ulf Leo

Sommer und Annette Hess schrieb. Die neue Interpretation

erschien nur zwei Wochen, nachdem

Annett Louisan mit ihrer

Version von „Wenn Du Dich

auflöst“ den Auftakt

für eine ganze Reihe

weiterer prominenter

Interpretationen

der großartigen

„Ku’damm 56“-

Songs gegeben

hat. Im Juni werden

diese unter dem

Titel „Ku’damm 56

– Das Musical (Deluxe

Edition)“ erscheinen.

FOTO: O. HEINE


MUSIK

INTERVIEW

MICHELLE:

30 Jahre Schlager

FOTO: A. JANEVA

Direkt nach ihrem verdienten

Urlaub nahm sich eine der

erfolgreichsten Deutsch-Pop- und

Schlagersängerinnen Zeit für einen

Chat, um sich mit uns über ihr neues

Album „30 Jahre Michelle – Das

war’s…noch nicht!“ auszutauschen.

Das neue Album ist mehr als nur

ein Blick zurück, immerhin finden

sich neben 18 Klassikern wie „Das

Hotel in St. Germain“ und „Wer Liebe

lebt“ – teilweise neu aufgenommen

– auch 12 neue Lieder drauf.

Drei Jahrzehnte Erfolg, macht dich

das stolz oder eher dankbar?

Ich bin für alles dankbar in meinem Leben.

Ich bin stolz auf die Menschen die seit 30

Jahren an meiner Seite stehen und durch

dick und dünn mit mir und meiner Musik

gehen.

Einige deiner Hits präsentierst du

in neuem Gewand. Hat es Spaß

gemacht, daran zu arbeiten?

Es hat großen Spaß gemacht, jedem Song

FOTO: UNIVERSAL MUSIC

ein neues Leben einzuhauchen. Und wir

haben während der Produktion mit viel

Begeisterung diese Entwicklung verfolgt,

das Ergebnis ist großartig.

Was macht man nun anders?

Wir haben uns natürlich in erster Linie der

neuen Technik bedient und die „alten Hits“

mit neuen Sounds ausgestattet, und so in

die Gegenwart geholt. Das war wirklich ein

spannender Prozess, der uns viel Freude

gemacht hat.

„Scheißkerl“ ist ein auf den ersten

Blick ungewöhnlicher Liedtitel.

Verrate mir etwas darüber.

Scheißkerl steht für sich ... Nicht nur

ich war schon mehrfach in solch einer

beschriebenen Situation. Dass ein sogenannter

Scheißkerl nicht nachvollziehbar

ist und dennoch diese Anziehung hat, jeder

kennt das, keiner versteht das.

Wie frech darf Deutsch-Pop denn

sein?

Für mich gibt es keine Tabus. Was „man

darf“, ist für mich nicht relevant. Ich

gehe nach meinem Gefühl und bleibe

authentisch.

Auch das Lied „Romeo und Julian“

fallt einem sofort auf, wenn man dein

Album anschaut.

„Romeo und Julian“ ist eine Liebeserklärung

an die Liebe zwischen Menschen.

Diese gibt es seit Menschengedenken

und ist ganz sicher nicht erfundenen

gesellschaftlichen „Regeln“ untergeordnet,

sondern verbindet Seelen. Dies mit der

bekanntesten Liebesgeschichte der Welt

zu verknüpfen und damit auch „Romeo

und Julia“ in die Gegenwart zu holen und

gewissermaßen upzudaten, hat mir mehr

als nur Spaß gemacht, das ist ein wichtiges

Statement und ich kann es kaum erwarten

den Song das erste Mal live aufzuführen.

Erinnerst du dich noch an deinen

ersten TV-Auftritt?

„Und heut Nacht will ich tanzen“, mein

erster Auftritt bei der ZDF Hitparade,

bleibt unvergessen – lange ist es her! Und

die neue Version des Songs kommt auch

wieder auf eine TV-Bühne.

Wie wichtig ist Social Media für eine

Künstlerin heute?

Social Media ist enorm wichtig geworden

für Künstler. Man ist so direkt im Kontakt

mit den Fans und auch anderen Künstlern,

diese Plattformen sind enorm wichtig und

entwickeln sich auch ständig weiter, da

muss man mitmachen.

Worauf freust du dich 2022

besonders?

Ich freue mich auf alles, was kommt. Mein

neues Album, endlich wieder live auftreten

und das Publikum spüren. Wir haben viel

vor, schließlich ist es mein Jubiläumsjahr!

*Interview: Michael Rädel


COMEBACK

Marius Müller-Westernhagen

Das eine Leben ist zu

kostbar, um es an den

Zeitgeist zu verschwenden.

So könnte der erste

Vorbote aus dem erwarteten

23. Studioalbum des

„Freiheit“-Sängers (1990)

wohl interpretiert werden.

Wütend klingt „Zeitgeist“,

allerdings nicht ohne

diese Wut über eine

zum Lebensprinzip erklärte Substanzlosigkeit in einer

algorithmusgetriebenen Scheinwelt auf Instagram und Co

auch als überwindbar zu brandmarken. Westernhagen über

den Text und Social Media: „Sie begünstigen Voyeurismus,

Exhibitionismus, Neid. Und sie promoten Banalitäten. Das

ist doch idiotisch.“ Marius Müller-Westernhagen ist mit

73 ein routinierter Liedermacher, der sich nicht mehr neu

erfinden mag und muss. Warum aber auch, wenn doch

immer noch dieser unerschütterliche Glaube an die Macht

des Aufstandes, die friedliche Revolution für ein gutes

Ende durch die Zeilen blitzt. Das macht um so gespannter

auf die anderen Werke auf „Das eine Leben“. *ck

FOTO: SONY MUSIC

CSD Frankfurt 15. - 17. Juli 2022

westernhagen.de

POP

Gesungene Selbstreflexion

„Das Gold Rush Kid? Das

bin ich. Was die Tracks alle

vereint, ist dass jeder einzelne

von ihnen genau nach

mir klingt“, erzählt George

Ezra über den Titel seines so

benannten dritten Albums.

„Es ist eine Figur, die ich verkörpern

will.“ Gespeist durch

den krassen Gegensatz

zwischen bewegtem Touralltag und lähmender Pandemie

hat er neue Songs zum Teil basierend auf Notizen aus

der Anfangszeit seiner Karriere so kombiniert, dass sie

Antworten geben. Eine Standortbestimmung sind und

optimistischer Wegpunkt auf dem Weg in die Zukunft. *ck

www.georgeezra.com

FOTOS: SONY MUSIC

Play Well,

Sleep Well

Mitten im Herzen von Frankfurt,

komplett renoviert und nur 50 m

vom Festplatz entfernt liegt das

Westin Grand Frankfurt!

Ob auf dem Paradewagen

oder im Heavenly Bed -

“Simply the Best” for you!

Mehr auf

staygayatwestin.com

The Westin Grand Frankfurt

Konrad-Adenauer-Str. 7, 60313 Frankfurt

westingrandfrankfurt.com


film

INTERVIEW

TILDA SWINTON

„ … die Magie des Kinos“

FOTOS: KICK THE MACHINE FILMS, BURNING, ANNA SANDERS FILMS, MATCH FACTORY PRODUCTIONS, ZDF/ARTE AND PIANO

Aufs Internat ging sie gemeinsam

mit Lady Di, in den Achtzigern

stand sie für filmische

Experimente von Künstlern wie

Derek Jarman oder Christoph Schlingensief

vor der Kamera und spätestens mit

dem Oscar für „Michael Clayton“ kam auch

der Mainstream-Erfolg dazu. Doch damit

sind Leben und Karriere von Tilda Swinton

noch lange nicht hinlänglich umrissen,

schließlich lag die 61-jährige Britin auch

schon in Glaskästen schlafend im Museum,

trat in Videos von David Bowie auf

oder gründete eigene kleine Filmfestivals.

Ganz zu schweigen davon, dass sie als

Schauspielerin immer wieder in den spannendsten

Filmen auftritt, von „The Beach“

und „Burn After Reading“ über „We Need

to Talk About Kevin“ und „Only Lovers Left

Alive“ bis hin zu „Snowpiercer“ und „The

Grand Budapest Hotel“. Vergangenes Jahr

war sie in Pedro Almodóvars „The Human

Voice“ (zu sehen bei Prime Video) und „The

French Dispatch“ von Wes Anderson (verfügbar

bei Disney+) zu sehen, nun meldet

sie sich mit „Memoria“ auf der Leinwand

zurück. Der Film des schwulen Regisseurs

Apichatpong Weerasethakul läuft ab dem

5.5. im Kino und ab dem 5.8. exklusiv bei

MUBI.

Ms. Swinton, der Regisseur Apichatpong

Weerasethakul hat bislang nur Filme in

seiner thailändischen Heimat gedreht.

„Memoria“ ist nun seine erste Zusammenarbeit

mit westlichen Schauspieler*innen

wie Ihnen. Wie leicht fiel es Ihnen, Teil seiner

künstlerischen Welt zu werden?

Interessantes Bild, das Sie da zeichnen, aber

darin erkenne ich mich nicht wieder. Was

schon mal damit anfängt, dass ich mich

selbst nicht in erster Linie als „westliche

Schriftstellerin“ fühle. Aber Joe, wie er ja

von Freund*en genannt wird, und seine

künstlerische Welt fühlen sich für mich

auch nicht fremd an. Ich fühlte mich ihm

schon verbunden, als ich vor vielen Jahren

erstmals seine Arbeit sah; später wurden wir

Freunde und fingen schließlich an, zusammenzuarbeiten.

Denn schon vor „Memoria“

haben wir bei verschiedenen Kunstwerken

kollaboriert. Jedenfalls fühlt es sich an, als

seien wir Brüder im Geiste, wir haben das

gleiche Empfinden für Kunst und teilen die

gleiche Kultur, nämlich die des Kinos.

Wie lange sind Sie beide denn schon

befreundet?

Unsere Wege kreuzten sich das erste Mal

2004, da saß ich in Cannes in der Jury

und er zeigte dort seinen Film „Tropical

Malady“. Ich bewunderte seine Arbeit sehr,

und zwischen uns entstand eine E-Mail-

Freundschaft. Irgendwann kuratierten wir

gemeinsam ein Festival und kollaborierten

bei einer Veranstaltung in Doha, und immer

wieder sprachen wir über Ideen, aus denen

letztlich „Memoria“ erwuchs. Ich kam also

nicht als Außenseiterin zu diesem Projekt,

sondern wir haben es von Anfang an

gemeinsam entwickelt. Diese enge, familiäre

künstlerische Zusammenarbeit erinnert

mich immer wieder an meine früheren

Arbeiten mit meinem guten Freund Derek

Jarman. Zu schade, dass er und Joe sich

nicht kennen lernen konnten. Die Filme der

beiden sind höchst unterschiedlich, keine

Frage. Aber in ihrer Annäherung an ihre

Kunst und ihrem Feinsinn sind sich beide

wirklich ähnlich.

Mit Jarman begannen Sie Ihre

Karriere, bis zu seinem AIDS-Tod

1994 arbeiteten Sie immer wieder

zusammen. Suchen Sie seither immer

wieder nach ähnlich engen künstlerischen

Beziehungen?

Die neun Jahre mit Derek haben mich

enorm geprägt und verwöhnt; eine bessere

Ausbildung hätte ich in Sachen Film nicht

genießen können. Als er dann starb, dachte

ich zunächst, das sei es jetzt gewesen. Ich

war mir sicher, dass die Sache mit dem

Kino und mir ohne ihn vorbei sei, obwohl ich

zweimal auch mit anderen Regisseur*innen

gedreht hatte, mit Peter Wollen bei „A

Friendship’s Death“ und mit Sally Potter bei

„Orlando“. Und selbst als sich dann doch

Optionen mit neuen Filmmacher*innen

ergaben, konnte ich mir nicht vorstellen,

nochmal dieses intensive, familiäre

Arbeitserlebnis wie mit Derek zu erfahren.

Aber ich irrte mich. Im Laufe der Jahre fand

ich meinen Weg in andere Filmfamilien, in

die von Wes Anderson oder Jim Jarmusch,

Joanna Hogg oder Bong Joon-ho. Auch mit

Joe werde ich weiterhin zusammenarbeiten.

Dass ich mehr als einmal solche kreativen


Wahlverwandtschaften erleben durfte,

ist mein großes Glück. Denn wenn ich

nicht immer wieder in solchen Kontexten

arbeiten könnte, hätte ich diesen Beruf

vermutlich längst an den Nagel gehängt.

Wie schnell fühlen Sie sich denn

bei solchen künstlerischen

Mitstreiter*innen wirklich zu

Hause?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich,

wie mit allen Freundschaften, aber mit

der Zeit hat man schnell ein Gespür dafür,

mit wem man gut harmoniert und mit

wem nicht. In manchen Fällen kenne ich

die Leute ewig, mit denen ich drehe, etwa

Joanna Hogg, mit der ich befreundet bin.

Joe und ich kennen uns, wie gesagt, auch

schon 17 Jahre, Luca Guadagnino sind

seit über 20 Jahren Weggefährten. Aber

dann gibt es auch Fälle wie Pedro Almodóvar.

Als der mich vor drei Jahren anrief,

um einen Kurzfilm zu drehen, kannten

wir uns eigentlich kaum, aber weil ich so

vertraut war mit seinem Werk, spürte ich

trotzdem eine enge Verbindung zu ihm.

Gerade habe ich mit Julio Torres einen

Film gedreht, der zum ersten Mal überhaupt

Regie geführt hat. Doch auch ihn

kannte ich zumindest als Comedy-Autor.

So ein Minimum an Bezug zu jemandem

muss ich schon haben, um mich darauf

einzulassen.

Lieben Sie denn alle Ihre Filmfamilien

gleichermaßen?

Ja, und ich habe Angst vor dem Tag,

an dem das für mich zum Problem

wird. Denn was mache ich,

wenn Joe und Bong und

Joanna alle gleichzeitig

mit mir drehen wollen?

Mich zwischen ihnen

entscheiden zu

müssen wäre mein

Albtraum. Bislang ging

das immer glatt, und wir

zeitlich immer alles so

geregelt bekommen, dass

ich in Ruhe von Haus zu Haus

wandern konnte, um es mal so

auszudrücken. Die Organisation meines

Kalenders ist in meinem Alltag wirklich

die größte Herausforderung von allen.

Denn natürlich hat man das Timing

nicht immer im Griff. Ich vergleiche

solche künstlerischen Kollaborationen

immer mit der Arbeit eines Gärtners.

Man pflanzt hier ein paar Rosen, dort

ein paar Tulpen und auch noch einige

Drillingsblumen – und dann wartet

man. Aus mancher Blumenzwiebel wird

nie etwas, andere Pflanzen brauchen

– so wie zum Beispiel Guadagninos

„Suspiria“-Projekt – 25 Jahre. Und

mitunter geht es auch mal viel schneller

als erwartet.

Um noch einmal auf „Memoria“

zurückzukehren: sind Sie denn

letztlich dafür verantwortlich,

dass Weerasethakul nun erstmals

außerhalb von Thailand gedreht

hat?

Ich hatte zumindest von Anfang an

gesagt, dass ich mir nicht wirklich

vorstellen kann, wie ich auf stimmige

Weise Teil seiner thailändischen Szenerie

werden könnte. Und auch Joe hatte kein

Interesse daran, mich als Fremdkörper

in dieser Welt zu inszenieren. Er wollte

nicht, dass ich „die Andere“ bin, sondern

dass wir auf Augenhöhe miteinander

arbeiten. So entstand die Idee, dass wir

irgendwo drehen, wo wir beide fremd

sind. Und so landeten wir letztlich in

Kolumbien.

Steckt in der Figur, die Sie nun

verkörpern, eigentlich auch etwas

von Ihnen? Oder denken Sie nicht

in solchen Kategorien über Ihre

Rollen nach?

Es gibt zumindest Elemente, die ich konkret

mit eingebracht habe. Die Schlaflosigkeit

dieser Frau habe ich, genau wie

übrigens auch Joe, schon selbst erlebt.

Ich weiß, in welchen seltsamen Zustand

man gerät, wenn man zwei Wochen lang

eigentlich nicht schläft. Das fühlt sich

fast an wie eine Art Drogentrip. Bei mir

war das damals eine Nebenerscheinung

von Trauer, eine Reaktion auf den Tod

meiner Eltern. Deswegen verarbeitet nun

auch die Figur in „Memoria“ einen Verlust

und ringt mit diesem Gefühl

der Entwurzelung. Diese

Trauer-Erfahrung als

Schwebezustand

hat mich selbst

sehr geprägt. Ich

weiß noch, wie

meine Mutter im

Sterben lag und

Luca Guadagnino

mit mir „A Bigger

Splash“ drehen wollte.

Eigentlich wollte ich in

dem Jahr keinen Film machen,

aber er konnte mich überreden, weil ich

Lust darauf hatte, Zeit mit ihm und dem

Team zu verbringen. Meine Bedingung

war nur, dass ich still sein kann, denn

damals konnte ich nicht sprechen und

wollte nichts sagen. Also verwandelten

wir die Rolle von einer Schauspielerin

in eine Rocksängerin nach einer

Stimmbandoperation.

*Interview: Patrick Heidmann

Im vollständigen Interview auf

männer.media erklärt Tilda Swinton,

warum sie das Kino für so gar nicht

tot hält. Trotz Netflix.

film

FREI INSPIRIERT

VOM LEBEN VON

Céline Dion

JETZT AUF BLU-RAY,

DVD & DIGITAL

/Aline.DerFilm


film

INTERVIEW

Marcus Günther: „… diese fürchterliche Machtlosigkeit“

Der in Düsseldorf beheimatete Künstler

Marcus Günther veröffentlichte

gerade einen Animationsfilm auf YouTube.

Worum geht es in „Vor nicht allzu

langer Zeit“?

Um den Mythos meiner selbst, also mein

eigener Schöpfungsmythos. Es ist meine

frühkindliche Vorstellung, wie ich auf die

Welt komme und die Welt um mich herum

wahrnehme. Ein Märchen, erstunken und

erlogen! (lacht) Es ist das allererste Mal, dass

ich mich mit Animation beschäftige.

Wie lange dauerte das?

Ich war fast zweieinhalb Monate – angefangen

von der Idee, basierend auf meinen

Linolschnitten – damit beschäftigt. Als

blutiger Anfänger musste ich immer wieder

Überlegungen und Versuche durchführen,

wie etwa dieses Reittier frontal oder

rückseitig aussieht, wie es sich bewegt und

welche Mimik es besitzt. Kommen meine

Traumlandschaften auch als Animationssequenz

rüber? All solche Dinge, eine

unglaublich aufwendige Arbeit.

Wirst du noch mehr in dieser Kunstform

machen?

Ich denke ja, weil es einfach ein neues

Feld ist, das es zu beackern gilt und mich

neugierig auf weitere Behauptungen dieser

Art macht.

Beeinflusst dich der Krieg in Europa?

Jeder Krieg auf der Welt ist verabscheuungswürdig.

Eine schreckliche Situation, diese

fürchterliche Machtlosigkeit, der man ausgesetzt

ist, weil man sie nicht unmittelbar

ändern kann. Aber auf lange Sicht gesehen

liegt es eben an uns allen, etwas zu ändern,

damit die Welt ein besserer Ort wird, wo wir

alle in Frieden und Freiheit leben können.

Was ist das große Thema deiner

Kunst?

Seitdem ich künstlerische Behauptungen

aufstelle, fließen weltpolitische Themen

in meine Arbeiten ein. Ich trenne das

nicht von meiner Kunst, da mich alles,

das mich umgibt, auch beeinflusst. Die

Auseinandersetzung mit dem Menschen in

seiner Umwelt steht dabei im Vordergrund.

Es gibt diabolische, tragikomische, aber auch

poetische Momente, die sich in meinen

Welten abspielen. Ich versuche das mal auf

humorvolle Weise, mal mit bitterbösem

Unterton zu konstruieren, fiktive Galaxien

einer fernen Vergangenheit oder Zukunft.

*Interview: Michael Rädel

www.marcusguenther-art.com

AVANTGARDE

2.500 Euro Filmförderung

Jedes Jahr schreibt QueerScope eine

Förderung für queere Kurzfilmprojekte

aus, die mit bis zu 2.500 Euro gefördert

werden können. Die Förderung wird in

Form eines Preisgeldes ausgezahlt, das für

Drehbuchentwicklung, Herstellung oder

Postproduktion genutzt werden kann. Die

Ausschreibung beginnt am 1.4.2022 und

endet am 15.6.2022, die Gewinner*innen

werden am 11.7.2022 bekannt gegeben.

Gefördert werden innovative queere

Kurzfilmprojekte mit einer Vorführdauer von

bis zu dreißig Minuten, die für die öffentliche

Vorführung im Kino oder auf Filmfestivals

bestimmt und geeignet sind, Kurzfilme mit

seriellem Charakter, Videoinstallationen,

Kurzfilme mit werbendem Charakter

(Imagefilme) oder immersive Formate sind

nicht förderfähig.

Von der Förderung

ausgeschlossen sind

Filmvorhaben, die

verfassungsfeindliche

oder gesetzwidrige

Inhalte enthalten, einen

pornografischen oder

gewaltverherrlichenden

Schwerpunkt haben oder

offenkundig religiöse

Gefühle tiefgreifend und

unangemessen verletzen.

QueerScope – Verband der unabhängigen

queeren Filmfestivals in Deutschland e. V.

ist eine Kooperation von 19 unabhängigen,

queeren Filmfestivals in Deutschland und

zwei Schweizer Festivals. Jedes Jahr erreichen

diese über 30.000 Besucher*innen

und vergeben zahlreiche Preise an

Kurzfilme, Langfilme und Debütfilme.

Gemeinsam verleihen die Festivals den

QueerScope-Debütfilmpreis.

queerscope.de

FOTO: M. RÄDEL


www.männer.media

immer aktuell

informiert


FILM

DVD

Letztes Jahr lief die äußerst spannende

Geschichte einer Band aus

Norwegen, die mit zu Klassikern gewordenen

Hits wie „The Sun Always Shines

on T.V.“, „Move to Memphis“, „Foot of the

Mountain“ und natürlich „Take On Me“ in

den internationalen Charts abräumte, mit

vielen Interviews, reich und schön retro

bebildert neu erzählt. Und jetzt gibt es

„a-ha – The Movie“ von Thomas Robsahm

und Aslaug Holm auf DVD und Blu-Ray.

„Es geht darum, gemeinsam große,

unrealistische Träume zu haben, wenn man

jung ist, und wenn die Träume dann wahr

werden, fangen auch die Probleme an. Der

Film erzählt die Geschichte, wie die Band

erfolgreich wurde und wie sie damit umgegangen

ist“, so Regisseur Thomas Robsahm

über den Film.

Drei Freunde, die eine Band gründen,

WÜRDIGUNG EINES

POP-PHÄNOMENS

das kann zu Spannungen führen. Als

„Hornissennest“ bezeichnete etwa Magne

Furuholmen den Vorgang, wenn das Trio

an neuer Musik arbeiten würde. Er wolle

nichts Neues mehr aufnehmen: „Am Ende

schlagen wir uns nur die Köpfe ein“. a-ha –

das waren/sind Pål Waaktaar-Savoy (Gitarre,

Chor), Magne Furuholmen (Keyboard, Chor)

und Sänger Morten Harket –, drei Musiker,

die 1982 eine Band gründeten, schon 1983

einen Plattenvertrag hatten – und den

Druck, einen Hit zu landen. Das schafften

sie dann kurz darauf mit „Take On Me“. Ab

1985 waren a-ha plötzlich Teenager-Idole

und Poster-Boys und sangen erfolgreich

für einen James-Bond-Streifen die Hymne

(„The Living Daylights“ 1987 für „James

Bond 007 – Der Hauch des Todes“). Die drei

Musiker landeten mit Singles wie „Crying

in the Rain“ und „Touchy!“ Hit auf Hit. Doch

Mitte der Neunziger wollten Magne, Pål

und Morten erst mal nicht mehr: zu groß

der Druck, der Stress, der Terz innerhalb der

Band ... Erst 2000 standen sie wieder an der

Spitze der norwegischen Charts, „Summer

Moved On“ läutete das Comeback ein, mit

„Forever Not Yours“ und „Celice“ schafften

sie bis zur immer noch andauernden –

immer mal wieder unterbrochenen – Pause

weitere Nummer-eins-Hits in Europa.

a-ha sind seit Mitte der 1980er vor allem

in Europa und UK in den Charts und

ein Phänomen – dieser Film erzählt ihre

Geschichte. *rä

www.salzgeber.de

FOTOS: SALZGEBER

VERLOSUNG

Dame Judi Dench – „Belfast“

Die Familie des neunjährigen Buddy lebt in einem überwiegend protestantischen Stadtteil

mit wenigen katholischen Bewohnern, als ihr Leben eines Tages durch die ausbrechenden

Turbulenzen auf den Kopf gestellt wird. Buddys Familie muss sich plötzlich entscheiden, ob

sie den einzigen Ort verlassen will, den sie jemals als ihr Zuhause betrachtet hat. Die leidenschaftlichen

Eltern des Jungen (Caitríona Balfe und Jamie Dornan) und seine schlagfertigen

Großeltern (Oscar-Gewinnerin Judi Dench und Ciarán Hinds) sorgen mit Musik und der Magie

von Filmen dafür, dass die Lebensfreude trotz allem nicht versiegt. Wir verlosen den Film!

www.männer.media/gewinne


„Ich bin

Mutter,

Rollerfahrerin,

Spirituell und

Weltenbummlerin.“

Sarah

# HIVersity

Weil ich mehr bin als

nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-210002; 07/2021


Kunst

EROTIK

Heimliche erotische FANTASIEN

Bild: Rinaldo Hopf „Surprise“ 2022

Jeder hat sie. Manch einer

denkt an den großbrustwarzigen

Tennislehrer, der andere an

Prager Burschen, der nächste an den

rothaarigen Bartmacho, der so herrlich

unfreundlich war an der Tanke,

andere ergötzen sich an beschwipsten

Punks ... Erotische Fantasien sind

so unterschiedlich wie die Menschen

selbst. Rinaldo Hopf plant ein

Kunstprojekt dazu. Und du kannst

mitmachen!

Was wäre unser aller Leben ohne die

heimlichen Gedanken erotischer Natur?

Das tabulose Träumen in aller Heimlichkeit.

Auch in den besten Beziehungen darf dafür

Raum sein, auch hier gilt: Erlaubt ist, was

niemandem schadet. Und man muss sie ja

auch nicht verraten, außer man plant, sie in

die Tat umzusetzen. Wer deine Fantasien

aber auf jeden Fall gerne erfahren und zu

Kunst verarbeiten will, ist der Wahl-Berliner

Künstler Rinaldo Hopf, der sich via E-Mail an

uns gewandt hat.

„Für ein Kunstprojekt, das im September an

mehreren Orten in Berlin ausgestellt wird (u.

a. The Ballery), suche ich Teilnehmer, die mir

einen kurzen Text (oder auch ein Gedicht

etc.) zu einer heimlichen erotischen Fantasie

schicken – ich werde diese Fantasien dann in

Bilder umsetzen“, so der international erfolgreiche

und wirkende Kurator, Verleger („Mein

schwules Auge“) und Maler. Wer mitmachen

will, kann sich bei Rinaldo Hopf melden. *rä

www.rinaldohopf.com

ERINNERUNG

Bob Mizer, Vorkämpfer mit

der Kamera

Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 30. Mal, sein Geburtstag

im März gar zum 100. Mal. Doch auf seine Kunst müssen

wir nicht verzichten: Bobs wegweisendes Magazin „Physique

Pictorial“ ist wieder zu haben – neu aufgelegt.

Bob Mizer (27. März 1922 – 12. Mai 1992) gründete 1945 seine

Fotoagentur „Athletic Model Guild“, 1951 erschien erstmals die

Zeitschrift „Physique Pictorial“. Der Fotograf erlangte mit seinen

homoerotischen Fotos und Filmen den Status einer Legende.

Mizers schwule und später auch explizite Bilder sind Bestandteil

der Sammlungen des Museum of Modern Art in New York und

des Museum of Contemporary Art in Los Angeles. Auch der

Kölner TASCHEN Verlag hat seine Kunst im Angebot. Es scheint,

als ob die Kunstwelt seine Fotografien zu schätzen gelernt hat.

Dabei zeigte Bob Mizer seit den 1940ern pure Homoerotik:

nackte Hintern, ausgebeulte Badehosen (später auch Glieder im

Sonnenlicht), Brusthaar, sich miteinander vergnügende Machos,

freche Jungs und kernige Kerle in derben und auch sexuellen

Posen. Das kann (leider) immer noch provozieren – und auf

verschiedene Weisen erregen. *rä

www.bobmizer.org, www.instagram.com/bobmizer,

www.facebook.com/BobMizerFoundation


In jeder

Stadt

zu Hause

Übernachten bei queeren

Gastgebern in über 70 Ländern!

29 €

AB

PRO NACHT

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/ SHAPECHARGE

Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


kunst

AUSSTELLUNG

DENI

HORVATIĆ:

Der Mensch

mal anders

Das kann auch mal erotisch sein! Vor allem aber ungewöhnlich,

denn wann sieht man schon einen Badenden aus der

Badewannenbodenperspektive?

Vom 3. Juni bis zum 16. Juli stellt der in Kroatien geborene

Künstler seine Kunst bei nüüd.berlin in Berlins Mitte aus.

Er lässt uns die Abgebildeten intim und nah erfahren, doch

eines gönnt er uns nicht: deren Gesicht. Ein wunderbarer und

kunstvoller Kontrapunkt zu den vielen, vielen Porträtaufnahmen,

die vor allem seit dem Siegeszug von Social Media die

Welt fluten. „Mich erinnern die lebensgroßen Fotografien, die

auch etwas Fetischmäßiges haben, an eine moderne Interpretation

alter holländischer Meister, das Bild LOCKER ROOM

ist ein modernes Stillleben, wenn man nicht genau hinschaut,

könnte es auch ein durcheinandergewirbeltes Wildbret mit

Tulpe sein. Die nackten Füße oder das Selbstporträt scheinen

eine Wiederbelebung der großen Renaissancemaler wie Caravaggio

oder Michelangelo zu sein“, so Galerist Henner Merle

über die Ausstellung. Ungewöhnliche Bilder, großes Können

eines noch jungen Künstlers, sicherlich einer der Höhepunkte

des Galerie-Sommers. *rä

3.6. – 16.7., Deni Horvatić „SCAN“, nüüd.berlin,

Kronenstr. 18, Berlin, www.nüüd.berlin


FOTOGRAFIE

Sinnlich und süß,

kernig und sexy

Regenbogen-Fabelwesen,

die für Unschuld, Magie, das

Gute und seit einigen Jahren

ebenfalls für das Queere

stehen, bereichern auch

unsere Kultur.

Wunderbar, dass ein

Feen-Regenbogen-

Pferdchen auch in dem

Bildband „MÄNNER 2“

von Anja Müller auftaucht.

Hier versammelt die

Künstlerin über siebzig

Männer zwischen zwanzig und

achtzig Jahren. Ganz im Sinne des von uns geförderten

Body-Positivity-Gedankens kommen viele Arten Mann

und Körper vor. Ein ungewöhnliches und mitunter auch

erotisches Buch, das einen kunstvollen Blick auf Männer in

vielen Facetten zulässt. Besonders sinnlich sind die Bilder

der sich (nicht nur) kuschelnden Paare … *rä

www.elite-contacts.com

Berlin-Hamburg-Köln-Düsseldorf-

Frankfurt-Stuttgart-München-Wien

Klaus & Peter

Traumhochzeit 2022

Johannes & Maik

glücklick verheiratet

Maximilian & David

anderthalb Jahre verlobt

Markus & Dennis

sind „endlich angekommen“

Philipp Schwarzenberg

Partnervermittler in 2.

Generation

Jonas & Kai

2 Jahre zusammen

Anja Müller „MÄNNER 2“, 208 Seiten,

Format: 27 x 20 cm, gebunden, Fadenheftung und

Schutzumschlag, Preis: 29,90 Euro,

ISBN 978-3-88769-307-7, www.konkursbuch.de,

anja-mueller-fotografie.de

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Email: mail@elite-contacts.com


BUCH

KULT

„Flash Gordon –

Der Untergang von Ming“

Ab 1934 begeisterte Zeichner und Autor

Alex Raymond (2.10.1909 – 6.9.1956)

mit seinen Comics über den Superhelden

weltweit eine große und bis heute wachsende

Fan-Gemeinschaft.

Schon in den 1930ern gab es fürs Kino

produzierte Kurzfilme (Serials), 1980

wurde der Superheld dann sogar ganz

pompös für die Kinoleinwand inszeniert,

den Soundtrack dazu stellten die queeren

Rock-Popper von Queen. Mit „Flash

Gordon – Der Untergang von Ming“

erschien unlängst eine weitere aufwendige

und hochwertige Comicsammlung (die

Originale waren in Zeitungen zu finden)

als gebundenes Buch. Der muskulöse

Aalglatte mit blonder Tolle setzt sich hier

einmal mehr für das Gute ein – und rettet

seine Mitstreiter*innen auch vor gefährlichen

Monstern. Zusammen mit seiner

Gefährtin Dale Arden und dem genialen

Wissenschaftler Dr. Zarkov macht sich der

Starke auf, um gegen Ming, den Unbarmherzigen,

zu kämpfen. Einmal mehr kehrt

das Trio zurück auf den Planeten Mongo …

Die hier versammelten Comics erschienen

erstmals von Januar 1941 bis August

1944 und waren die letzten, die Erfinder

Alex Raymond selbst zeichnete, bevor

er an seinen Kollegen Austin Briggs

übergab. Dessen Einstand, die ersten 15

Sonntagsseiten, erscheinen in diesem

Band als Bonus. Beim Lesen wird schnell

klar, wie groß der Einfluss dieser kultigen

Science-Fiction auf spätere Erzählwelten

wie „Dune“, „Masters of the Universe“,

„Captain Future“ und „Star Wars“ ist. Große

Kunst und ein tolles, auch heute noch

spannendes Zeitzeugnis. *rä

www.hannibal-verlag.de

FOTOGRAFIE

Die demokratische Kunst?!

Ist Fotografie immer Kunst? Dieses knackige Buch

voller Wissen für alle beschäftigt sich auch mit diesem

Gedanken.

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM_POIKE

Als in den 1820er-Jahren die Fotografie von Joseph

Nicéphore Niépce erfunden wurde – nach seinem Tod

setzte in den 1830ern Louis-Jacques-Mandé Daguerre

seine Arbeit fort –, war an Phänomene wie Instagram

oder Facebook noch nicht zu denken. Trotzdem war

schnell klar, dass mit der Kamera scheinbar jeder zum

Künstler werden kann. Heute weiß man es besser:

Fehlen die Idee und das Auge für den richtigen

Moment und Ausschnitt, helfen auch keine tausend Filter, es bleibt ein

Schnappschuss. Immerhin ein Zeitzeugnis, ein Tatsachendokument.

Das gerade im MIDAS Verlag erschienene Buch „Fotografie“ von David

Bate aus der Reihe „Art Essentials“ nimmt uns mit auf eine Reise zu den

Anfängen bis zum Heute. Auf über 170 Seiten werden Kunstströmungen

wie „Die Neue Sachlichkeit“, Konzeptkunst oder auch Piktorialismus

behandelt und Künstler*innen wie Nan Goldin werden gut verständlich und

informativ dargestellt. *rä

www.artessentials.de


BUCH

CINEMA

Mythos Hollywood

in der Kunst

Die Oscars mit ihrem

Glamour, die Stadt mit

ihren Stars und Skandalen, vor

allem aber die Filmkunst, die hier

erschaffen wird und weltweit

beflügelt. Der TASCHEN Verlag

in Köln und die Helmut Newton

Stiftung in Berlin widmen sich

dieses Jahr der Legende, die auch

schon Weltstars wie Amanda Lear

und Madonna inspirierte.

Am 2. Juni eröffnet die Ausstellung

der Helmut Newton Stiftung

„HOLLYWOOD“ mit einer Vernissage,

die Ausstellung ist bis zum 20.

November geöffnet. Gezeigt werden

Stars wie Liz Taylor, Judy Garland und

Marianne Faithfull, aber auch Kunst von

Künstler*innen wie Jens Liebchen, Eve

Arnold, Annie Leibovitz und natürlich

Helmut Newton.

Schon früher konnte man in Buchform

den Mythos ergründen, Jürgen Müller

präsentiert die Filme der Jahre 2011

– 2020. Mit dabei in dem Bildband „100

Filme der 2010er“ (19,6 x 25,5 cm, 2,77

kg, 880 Seiten) sind schwule Klassiker

wie „Moonlight“ und „Bohemian Rhapsody“

sowie Stars wie George MacKay

und Timothée Chalamet. *rä

www.helmutnewton.com,

www.taschen.com


BUCH

Wege zum Glück und Tipps, Trauer zu

überwinden. Zwei neue Bücher machen

Mut und geben Kraft an schweren Tagen.

Krieg in Europa, Jahre der Pandemie, der

Verlust geliebter Menschen oder Freunde,

Sorgen um den Arbeitsplatz. Viele Faktoren

können dazu führen, dass man sich

wie gelähmt vor Trauer, unglücklich und

einsam fühlt. Gerade erschienen sind zwei

Bücher, die sich zum einen mit der Trauer,

zum anderen mit den Wegen zum Glück

beschäftigen.

PSYCHOLOGIE

Das Glück, die Trauer und

die Lebensfreude

„endlich. Über Trauer reden“ von

Caroline Kraft und Susann Brückner,

den Macherinnen des gleichnamigen

erfolgreichen Podcasts, erscheint am 14.

März bei Goldmann und liest sich anders

als andere Bücher zum Thema Tod. „Uns

geht es um das Erkennen der Trauer in all

ihren seltsamen Erscheinungsformen, um

Funktionierenmüssen und Kapitulation,

echten Trost, um die Körperlichkeit der

Trauer, um Rituale und Sex“, wird vorab

verraten. So ist der Ton dann auch nicht

allzu pietätvoll, kirchlich oder betulich,

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/PHOTOSCHMIDT

nein, es werden ehrliche Worte gewählt

und praktische Tipps gegeben, die das

Loslassen und Verarbeiten leichter

machen. Beide Autorinnen mussten dies

schon: Susann Brückner verlor ihren Vater

und ihren Bruder durch Suizid, Caroline

Kraft, ausgebildete Sterbebegleiterin,

musste über den Tod des Ex-Freundes

hinwegkommen. endlich.cc

Natalie Jeanne Zonnekeins Buch „Komm

mit, wir gehen glücklich werden“ bietet

auch Rat und Lebenshilfe, allerdings ganz

anders, nicht von der Trauer ausgehend,

es geht um das Streben nach Glück – und

das mit ganz praktischen Denkanstößen

und Tipps in poppiger Aufmachung.

Schriftlich verrät der Verlag über das Buch

der studierten Psychologin und Yoga- und

Meditationslehrerin via E-Mail: „Es ist in

der heutigen von Wandlungen und Krisen

gezeichneten Welt nicht immer leicht zu

erkennen, was das eigene Glücklich-Sein

nun eigentlich genau ausmacht. Oft wird

die Suche von der Frage begleitet, wie man

nachhaltig die notwendigen Grundlagen

für das eigene Glück erschaffen kann.

Dieses Buch lädt ein, sich auf eine Reise

zum eigenen Glück zu begeben und das

eigene Glücks-Vermögen zu stärken.“

Natalie Jeanne Zonnekein betreibt ein

Meditationszentrum auf Korfu und

gibt dort und gibt Workshops und die

Möglichkeit zu spirituellen Ruhepausen in

der Natur. *rä

manto-corfu.com

KINDER

Zwei Regenbogenfamilien,

viel Hetze und ein Skandal

Kinder können glücklich in Regenbogenfamilien

aufwachsen oder bei Alleinerziehenden. Oder eben

bei heterosexuellen Paaren. Warum aber sorgt ein kindgerechtes

Buch über diese Möglichkeiten für einen Skandal?

FOTOS: LAWRENCE SCHIMEL, NORMUNDS BRASLIŅŠ

Nun, weil „Miscoda család!“ von Lawrence

Schimel und Elīna Brasliņa in Ungarn

erschienen ist, einem Land, dessen aktuelle

Regierung sich anscheinend auf einem

Kreuzzug gegen queere Lebenswelten

befindet. Irgendein Feindbild muss ja

sein, um von den eigentlichen Problemen

abzulenken. Hier war es der Umstand, dass

das Buch in zwei Geschichten einmal von

einem Mädchen mit zwei Vätern erzählt,

einmal von einem Jungen mit zwei Müttern.

Im Fokus steht übrigens nicht die homosexuelle

Liebe der Erziehenden, sondern zum

Beispiel die hellwache Katze Rosa und der

Familienhund, der den Teddy klaut …

Durch eine Crowdfundingaktion des

Projekt 100% MENSCH Verlages kann

dieses lustige gereimte Kinderbuch mit

dem Titel „Hundemüde & Hellwach“ nun

zweisprachig in Deutschland erscheinen,

auf Deutsch und auf Polnisch. „Für jedes

in Deutschland verkaufte Exemplar geht

eine polnische Version an die queere

Menschenrechtsorganisation Equality

Factory (Fabryka Równości) in Stuttgarts

polnischer Partnerstadt Łódź“, wird via

E-Mail vom in Stuttgart sitzenden Projekt

100% MENSCH verraten. *rä

www.100mensch.de


BILDBAND

Die Stadt des

Heiligen Franziskus

BUCH

Die legendäre Golden Gate Bridge,

Hippies, sichtbar schwules Leben

schon ab den späten 1960ern, pittoreske

viktorianische Häuser und eine malerische

Lage am Pazifik: San Francisco verzaubert

schon seit Generationen – und wurde

(deswegen) auch schon in vielen Liedern

besungen.

„San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in

Your Hair)“ von Scott McKenzie ist so eine

Hymne. Oder „Fake Tales of San Francisco“

der Arctic Monkeys, „San Francisco (You’ve

Got Me)“ der Village People und „I Left My

Heart in San Francisco“ von Tony Bennett.

Auch in der Kunstwelt wurde die Stadt, die

Franz von Assisi (um 1180 – 1226) gewidmet

ist, unzählige Male inszeniert – und

ist jetzt gern genutzter Hintergrund bei

schnöden Selfies.

Wie es besser geht, zeigt das Buch „San

Francisco. Porträt einer Stadt“ von Autor

Richie Unterberger und Herausgeber Reuel

Golden, das beim TASCHEN Verlag erschienen

ist. Es macht mit Fotografien unter

anderem von Steve Schapiro, Minor White,

Daniel Nicoletta „Enchantra at the Castro Street Fair“ 1976

Dorothea Lange, Albert Watson, Robert

Frank, Garry Winogrand, Fred Herzog und

Ansel Adams die spannende und bewegte

Geschichte der im 18. Jahrhundert gegründeten

und Mitte des 19. Jahrhunderts

auch durch den kalifornischen Goldrausch

erblühten Stadt erfahrbar. *rä

„San Francisco. Porträt einer Stadt“,

www.taschen.com

WELCOME TO THE

ONESUITS CLUB

WWW.ONESUITSCLUB.DE

WWW.ONESUITSCLUB.DE


mode

bademode

hingucker am

strand

Bunt und von den 1990ern geküsst, so

präsentiert sich die hier vorgestellte

Swimwear von der Urlaubsinsel Gran

Canaria. Ein Sehnsuchtsort für viele, der

nicht nur für Feierfreuden steht, sondern

auch für Strand und Meer.

Und wie man sich da am besten kleidet,

siehst du hier bei den aktuellen Kollektionen

der beiden auf der Insel beheimateten

Modelabels Palmas und Chela Clo. 2022 kam

die „Gran Canaria Swimwear Fashion Week“

zur Fashion Week nach Berlin. Dazu verrät

Christiane Arp, die Vorsitzende des Fashion

Council Deutschland: „Grenzen überschreitende

Zusammenarbeit ist in der Modewelt von heute

von großer Bedeutung. Kooperationen auf

kreativer Ebene, aber auch in der Produktion,

sind überlebenswichtig für lokale Talente und

Hersteller im globalen Wettbewerb. Diese zu

fördern ist eines der wichtigsten Anliegen des

Fashion Council Germany. Die Partnerschaft mit

der Gran Canaria Swimwear Fashion Week, der

einzigen professionellen Runwayshow für Swimwear

in Europa, ist ein wichtiges Signal und ein Schritt in

die Zukunft, um den Austausch zwischen deutschen

und internationalen Designern zu unterstützen.“ *rä

www.chelaclo.com, www.palmaswim.com


mode

TREND

ONESUITS CLUB

Jumpsuits für Männer werden

immer beliebter. Nicht nur bei

Hipstern hat sich dieser bequeme Trend

mittlerweile durchgesetzt.

Noch kein Outfit für den Sommer?

Onesuits Club hat die Lösung! Die

Marke hat den Jumpsuit für IHN

entworfen. Für mehr Freiheit und

Spaß auf Festivals, auf privaten

Feiern mit Freunden oder im

Urlaub, sorgt dieser bequeme

Ganzkörperanzug mit kurzen

Armen und Beinen. Jumpsuits

wurden ursprünglich als

Einsatzkleider für Fallschirmjäger

entworfen, mittlerweile kommen sie

bei normalen Fallschirmsportlern zum

Einsatz. Die Einteiler sind praktisch, da sie

einfach anzuziehen sind und bei starkem

Wind optimalen Sitz garantieren. Zudem

sind sie sehr angenehm zu tragen, da

beispielsweise kein Hosenbund drücken

oder zerren kann.

www.onesuitsclub.de


Reise

GAY CRUISE 2023

VON FRANKREICH NACH ITALIEN

Die Spartacus Cruise wird

auch 2023 wieder in See

stechen und hat nach der Ägäis

und den Kanaren ein neues,

vielseitiges Fahrgebiet. Im wunderschönen

Frühsommermonat Mai geht es

die französische und italienische Küste

entlang. Die französische Küstenstadt

Marseille ist Abfahrts- und Endpunkt der

sieben Nächte dauernde Kreuzfahrt mit

zwei Insel-Stopps. Von hier kann man

als Vor- oder Nachprogramm noch eine

Verlängerung mit Besuch der Côte d`Azur

planen. Außerdem ist Marseille sowohl

mit dem Flugzeug als auch mit der Bahn

hervorragend zu erreichen.

Die Route im Detail:

■ 13. Mai Marseille

■ 14. Mai See-Tag

■ 15. Mai Elba

■ 16. Mai Rom

■ 17. Mai Livorno (Florenz)

■ 18. Mai Villefranche-sur-Mer (Nizza)

■ 19. Mai Korsika

■ 20. Mai Marseille

Diese Route kombiniert kulturhistorisch

herausragende Städte wie Rom und

Florenz mit genug Zeit für Tagesausflüge.

Den Charme der französischen Lebensart

vermitteln die pittoresken Häfen von

Portoferraio (Elba) und Calvi (Korsika). Hier

locken Bergdörfer mit Wanderungen und

Strände zum Schnorcheln. 2023 gibt es

neben den touristisch geprägten Ausflügen

auch Führungen mit lokalen Guides, die

spezielle Kenntnisse über die Geschichte

und Lebensweise der schwulen Community

vor Ort vermitteln. Wer lieber an Bord

bleiben möchte, kann auch wunderbar auf

dem FKK-Deck relaxen.

UMWELTFREUNDLICHES

BOUTIQUE-SCHIFF

Als Schiff steht wieder die umweltfreundliche

Vasco da Gama mit ihrer überschaubaren

Gästezahl von unter 1.000 Reisenden

zur Verfügung. Das Schiff wurde mit einer

neuen Antriebsanlage ausgestattet, die

nicht mit Schweröl betrieben wird. Die

Vasco besticht durch ihre zwei Pools, von

denen der größere mit einem verschließbaren

Glasdach versehen ist und somit bei

jedem Wetter genutzt werden kann. Auch

gastronomisch spielt die Vasco da Gama

in der Oberliga. Sie verfügt über drei À-lacarte-Restaurants,

von denen das asiatisch

ausgelegte „Fusion“ mit besonderer Liebe

zum Detail überzeugt. Dazu gehören auch

stilechte japanische Tische auf Bodenhöhe.

Aber auch das Buffet-Restaurant

Pantry sticht konzeptionell hervor. Es

erinnert eher an einen Food-Court mit

unterschiedlichen kulinarischen Stationen.

Dieser konzeptionelle Ansatz findet sich

auch bei den zahlreichen Bars wieder und

erreicht seinen Höhepunkt in der rundum

verglasten Aussichtslounge The Dome.

ENTERTAINMENT

Neben dem bordeigenen Showprogramm

werden wieder zahlreiche Highlights für

Begeisterung sorgen. Für die Bars und

Lounges sind kleine abwechslungsreiche

Acts wie Karaoke, Lesungen und Quiz, aber

auch Aufführungen von Instrumentalkünstlern

und Akrobaten vorgesehen. Übrigens

kann sich jeder in das bunte Programm

einbringen, indem er sich am Contest zur

Dekoration der Kabinentüren beteiligt.

Höhepunkt werden die Pool Games mit

der Wahl des Mr. Cruise am See-Tag sein.


Medienpartner:

MÄNNER.

UND MEER.

DEINE GAY CRUISE

13. – 20. Mai 2023

Marseille – Elba – Rom – Livorno –

Nizza – Korsika – Marseille

FRÜHBUCHER-

RABATT

bis 31. August 2022

Die Kandidaten müssen hier verschiedene sportliche

Herausforderungen meistern und sich im Mehrkampf fast

jugendfreien Spielen unterziehen.

Auf vielfachen Wunsch unserer Gäste werden die beliebten

Themenparties ausgeweitet, bei denen die Gäste ihrer

Fantasie für Kostüme freien Lauf lassen können. Sie beginnen

mit dem Ablegen des Schiffes am dreigeschossigen

Heckpool, der mit einer aufwendigen Licht- und Soundtechnik

ausgestattet wird. Als Themen stehen White, Drag,

Uniform, Disco, Sports, Kinky und Rainbow fest. Sollte die

Wetterlage eine Heckparty nicht zulassen, steht der DOME

Club auf Deck 12 zur Verfügung. Musikalisch reicht die

Auswahl von Clubsounds über House bis zu Techno z. B.

durch unseren Resident DJ Chris Bekker. Um auch den

Bedürfnissen der Erholung gerecht zu werden, kann man

seine Kabine in der Party- oder Ruhezone auswählen.

Buchungen sind unter www.spartacus.cruises bis August

mit einem Frühbucherrabatt von 10 % möglich, so dass die

Preise für Vollpension schon bei 98 EUR pro Tag starten.

www.spartacus.cruises


Gesellschaft

INTERVIEW

HELMUT

METZNER:

„Diesem Anliegen

von Diversität, von

Vielfalt, wieder ein

Haus geben“

FOTO: CARO KADATZ

Zehn Jahre führte Jörg Litwinschuh-Barthel

als Gründungsvorstand

die Geschicke der einzigen

queeren Bundesstiftung. Die Suche

nach eine*m/einer*r Nachfolger*in

dauerte einige Zeit, Anfang April gab

das Kuratorium über den Kuratoriumsvorsitz

im Bundesjustizministerium

ihn bekannt. Helmut Metzner

ist der zweite geschäftsführende

Vorstand der Bundesstiftung Magnus

Hirschfeld. Wir sprachen telefonisch

mit ihm.

Erhoffst Du dir durch deine guten

Kontakte in die Politik auch mehr

Unterstützung aus dem Bundestag?

Erwartest Du persönlich von dort

mehr?

Es geht darum, die Finanzbasis für die

Arbeitsfähigkeit der Stiftung zu verbessern.

Dafür muss ein breiterer Blickwinkel eingenommen

werden. Ich freue mich, dass die

Koalition bei der Antidiskriminierungsarbeit

viel vor hat und die Architektur dieser auch

weiterentwickeln will wie zum Beispiel

mit dem Queerbeauftragten, mit einem

nationalen Aktionsplan oder im Projekt

„Mehr Demokratie“. Die Frage ist, wie sich

die Stiftung in dieser Landschaft positioniert

und was dabei ihren spezifischen Mehrwert

ausmacht. Ich bin guter Hoffnung, dass

das Bewusstsein dafür vorhanden ist,

dennoch dürfen uns nicht nur auf dieses

Feld verlassen und müssen breiter schauen.

Was können andere Ebenen leisten, welcher

Beitrag aus Mitteln der Europäischen Union

zum Beispiel ist möglich. Wir sollten auch den

privatwirtschaftlichen Sektor adressieren.

Welcher Hebel könnte dort wirken?

Bei dem, was die Stifter seinerzeit auch

motiviert hat, spielte der Gedanke einer

kollektiven Wiedergutmachung eine Rolle.

Einer Wiedergutmachung für das zerstörte

Lebenswerk von Magnus Hirschfeld. Von

politischer Seite haben wir dazu inzwischen

allerhand gesehen. In der Wirtschaft gibt es

zwar auch einiges im Bereich der Corporate

Responsibility, aber ich glaube, dass muss

noch stärker adressiert werden. Ich meine

übrigens, dass wir da auch am positiven

Vorbild von Magnus Hirschfeld anschließen

können. Hirschfeld hat ja – für seine Zeit

unglaublich innovativ – mit wirtschaftlichen

Playern zusammengearbeitet, um seine

Arbeit und seine Projekt wie das Institut für

Sexualwissenschaften, wirtschaftlich zu

betreiben.

„Entscheidend ist das

Programm, das dabei

raus kommt.“

Seit einigen Jahren ist pink Marketing

ein Megatrend. Kaum eine Marke, die

keine Pride-Kollektion oder ein Logo

in Regenbogenfahnen zur CSD-Saison

hat. Wirst Du da auch anklopfen?

Ja, durchaus. Im Grunde sehe ich dabei

zwei Aufgaben: Die Stiftung muss das

Selbstbewusstsein der Community stärken

und das Verantwortungsbewusstsein der

Gesamtgesellschaft. entwickeln Wir müssen

Solidarität organisieren, besonders auch bei

denen, die vielleicht denken, „Was hab ich

denn mit Diversität zu tun?“ Ihnen müssen

wir klar machen, dass Angriffe auf die

Freiheit von sexuellen und geschlechtlichen

Minderheiten, dass Homo-, Bi-; Inter-und

Transphobie Angriffe auf die Mitte der

Gesellschaft sind und diese Realität sind. In

Frankreich stehen rechtsnationale Parteien

bei 30 Prozent, wir haben die AfD im Bundestag

und von Polen und Ungarn muss ich

hier wohl erst gar nicht anfangen. Kurzum:

Die Mitte muss sich behaupten. Das zeigt,

dass Investitionen in das Selbstverständnis

und das Selbstbewusstsein der offenen

Gesellschaft unabdingbar sind.

Mal frech gefragt: Willst Du etwas

anders machen, als Dein Vorgänger?

Darum geht es nicht. Es wäre doch

unklug und anmaßend, über die Köpfe der

Entscheidungsträger*innen und über die

Köpfe der Community hinweg so zu tun,

als habe man das Rezept zur Glückseligkeit

schon gefunden. Ich setze sehr auf einen

dialogischen Prozess. Hineinhören in die

Community und dann sehen, was wir dort

stärken können mit Blick auf die Aufgaben,

die die Satzung der Stiftung vorgibt: Das

ist einmal die Erinnerung an die Arbeit

von Magnus Hirschfeld, die Erforschung

dessen, was LSBTIQ*-Verfolgung in der

Vergangenheit bedeutet hat und vor allem

Aufklärung und Prävention, dass sich so

etwas nie wieder einstellen kann. Da sind

Gespräche und Austausch glaube ich erst

einmal die grundlegenden Werkzeuge. Erst

danach muss man dann schauen, was zum

Beispiel mit dem Bund und den Ländern

über Bildung und Ausbildung als Basis für

die Fähigkeit mit Heterogenität umgehen zu

können, geleistet werden kann. Das ist eine

spannende Aufgabe, bei der es nicht darum

geht, alles anders oder neu zu gestalten,

sondern Bewährtes zu erhalten, anderes kritisch

zu hinterfragen und aus allem im engen

Austausch das Beste abzuleiten. Denn: Die

Stiftung ist nur so stark, wie die Menschen,

die sie gemeinsam tragen und unterstützen.

*Interview: Christian Knuth

Wie Helmut Metzner auf Kritiken reagiert

und wo er die Stiftung in zehn Jahren

sieht, lest ihr im vollständigen Interview

auf männer.media!


GESUNDHEIT

Warum der/die

richtige Ärzt*in

so wichtig ist

Was gilt es bei der

Arztsuche für HIVpositive

Menschen

zu beachten?

NP-DE-HVU-ADVR-220003

Die Suche nach einem/r Ärzt*in,

der/die gut zu einem passt,

kann man im Allgemeinen

ziemlich gut mit der Suche

nach einem/r passenden Friseur*in vergleichen.

Man entscheidet sich dabei auch

nicht gleich für die erstbeste Möglichkeit,

sondern probiert erst einmal verschiedene

aus, bevor man eine langfristige Entscheidung

trifft.

Auch für HIV-positive Menschen

gestaltet sich die Arztsuche so, denn

wie bei Friseur*innen muss auch bei

HIV-Schwerpunktärzt*innen nicht nur

die Fachkompetenz stimmen, auch auf

der Beziehungsebene sollte eine gewisse

Sympathie vorhanden sein. Schließlich

werden regelmäßige Termine bei diesem/r

Ärzt*in nach einer HIV-Diagnose zu einem

Teil des Lebens, auch wenn die Abstände

dazwischen Monate betragen.

DIE „RICHTIGE“ WAHL TREFFEN

Bei der Arztwahl kann es für HIV-positive

Menschen hilfreich sein, sich Empfehlungen

aus dem Freundeskreis, von Bekannten

oder auch aus dem Internet einzuholen.

Manchmal hat man ja im eigenen Umfeld

HIV-positive Freund*innen, die selbst

eine/n Ärzt*in haben, mit dem/der sie sehr

zufrieden sind.

Bei der Wahl sind natürlich praktische

Aspekte wie Lage, Erreichbarkeit oder Dauer

der Anfahrt relevant. Es gibt Menschen,

die nehmen für den/die für sie „richtige/n“

Ärzt*in auch einen längeren Anfahrtsweg

in Kauf, obwohl die nächstgelegene Praxis

sogar direkt bei ihnen ums Eck wäre.

All das sind wichtige Punkte, die natürlich

auch in die Entscheidung mit einfließen.

Letztendlich ist es aber gut, wenn man sich

als HIV-positiver Mensch den/die Ärzt*in

aussucht, der/die vom eigenen Gefühl

her am besten zu einem passt und so die

persönlich „richtige“ Wahl ist.

OFFEN ÜBER DIE EIGENEN BEDÜRFNISSE

SPRECHEN

Wenn man den/die richtige/n

Schwerpunktärzt*in gefunden hat und

sich dort wirklich wohlfühlt, dann ist damit

bereits ein großer Schritt geschafft. Das

Wohlfühlen ist hierbei so wichtig, weil man

mit dem/r Ärzt*in offen über alles sprechen

können sollte. Wenn sich beispielsweise

im Leben die eigenen Bedürfnisse

ändern oder einen etwas bezüglich der

HIV-Therapie beschäftigt, dann ist er/sie die

erste Ansprechperson und sollte für alles ein

offenes Ohr haben.

Manche Menschen wünschen sich im Arztgespräch,

dass sie über all das, was sich in

ihrem persönlichen Alltag abspielt, sprechen

können. Andere wiederum möchten mit

ihrem/r Ärzt*in auch ganz selbstverständlich

über bestimmte Sorgen und Ängste

reden, die sie bewegen. Es gibt aber auch

Menschen, die einfach nur das Nötigste mit

ihrem/r Ärzt*in teilen und den regelmäßigen

Termin nur zum Check der Laborwerte und

dem Abholen der Rezepte wahrnehmen.

Hier gibt es weder richtig noch falsch.

SENSIBLE THEMEN ANSPRECHEN

Ein gutes Verhältnis zum/r Ärzt*in macht

es allerdings deutlich leichter, wenn es

um ganz persönliche Bedürfnisse und

Herausforderungen im Umgang mit der

HIV-Therapie oder auch um sehr sensible

und intime Themen geht.

Auch wenn ein Thema im ersten Moment

vielleicht unangenehm erscheint, kann

es wichtig sein, darüber ganz offen zu

sprechen – es gibt keinen Grund sich

zu schämen. Beispielsweise kann die

Einstellung zur eigenen Sexualität eines

dieser Themen sein. Vielleicht hat man

vor kurzem dem/r neuen Partner*in von

der HIV-Infektion erzählt und diese/r

hat nun Fragen, wie sich HIV auf das

gemeinsame Sexualleben auswirkt?

HIV-Schwerpunktärzt*innen können hier

wertvolle Hilfestellung leisten.

ÄRZT*INNEN KÖNNEN UNTERSTÜTZEN

Ein weiterer Vorteil einer guten Beziehung

und dem offenen Austausch mit dem/r

Ärzt*in ist, dass er/sie mit wertvollen Tipps

und konkreten Ansprechpartner*innen

unterstützen kann.

GEMEINSAM LÖSUNGEN FINDEN

Wenn man als HIV-positiver Mensch den/

die für sich richtige/n Ärzt*in gefunden

hat, fällt es leichter, Veränderungen im

Alltag oder Herausforderungen mit der

Therapie offen anzusprechen. So findet

man gemeinsam Lösungen und kann mit

dem/r Ärzt*in eine Therapie wählen, die am

besten zum eigenen Leben passt.

Weitere Infos sowie persönliche Geschichten

zum Leben mit HIV findest du

unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


HEUTE IST MORGEN 24.6.22

Bayerisches Staatsballett

www.staatsballett.de


DIE LANGE NACHT

DER MUSIK

Sa 7. Mai 22 20-2 Uhr

Eine Stadt - Eine Nacht - 400 Konzerte

20 € zzgl. Gebühren · Verkauf nur über München Ticket · Inklusive MVG-Shuttlebusse

www.muenchner.de

HEIMATZEITUNGEN

merkur.de tz.de

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