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moneyeditorial

EDITORIAL

Ist die Zeitenwende in

Berlin angekommen?

Dass es zugig wird, auch für Deutschland, das war die Überschrift meines Editorials,

das ich genau eine Woche vor dem russischen Überfall auf die Ukraine

geschrieben habe. Dominierendes Thema war ein Papier des Brüsseler

Thinktanks Bruegel zu der Frage, welche Folgen ein Ausfall der Lieferungen russischen

Öls und Erdgases für Europa haben könnte.

Nach dem Stopp der russischen Gaslieferungen an Polen und Bulgarien vom Mittwoch

vergangener Woche lauteten die Überschriften am nächsten Morgen: „Gaslieferstopp

akutes Risiko“ (LBBW Morgeninfo) oder „Russia cuts off gas to two European

countries. Who’s next?“ (The Economist today). Die Gaspreise haben sich auf Jahressicht

bereits versechsfacht (siehe dazu auch Seite 98).

In der Tat stellt sich die Frage, ob Kriegstreiber Putin nicht auch noch Deutschland

das Gas abdreht. Welche Folgen das hätte, hat der Vorstandschef des weltgrößten

Chemiekonzerns BASF, Martin Brudermüller, im FOCUS-MONEY-Interview (Ausgabe

15/2022) deutlich gemacht. Er warnte für den Fall eines Gasembargos davor,

„unsere Wirtschaft in den Abgrund zu stoßen“.

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur

FOCUS-MONEY

120 Terawattstunden Gas NICHT brauchen

Was ich damals im Bericht über die Bruegel-Studie nicht untergebracht hatte, dort

aber zumindest erwähnt war, ist die Frage: Welchen Beitrag könnte die Kernenergie

leisten, um die Zeit zu überbrücken, bis sich Europa und Deutschland von Russlands

Lieferungen fossiler Energie unabhängig gemacht haben? In der Bruegel-Studie

heißt es: „Eine technisch und politisch schwierige Entscheidung, die Schließung der

deutschen Atomkraftwerke zu verschieben, die bis Ende 2021 gelaufen sind, könnte

120 Terawattstunden Gas freimachen.“ Bis Ende 2021 waren noch sechs Kernkraftwerke

in der Bundesrepublik am Netz. Zur Dimension: Laut Bruegel müssen

auf Jahresbasis 1900 Terawattstunden Gas in Europa ersetzt werden, sollte Russland

die Lieferungen komplett einstellen (das war die Gesamtlieferung 2021; mögliche

Einsparungen sind hier nicht berücksichtigt). Deutschland verbrauchte im Vor-

Corona-Jahr 2019 noch 982 Terawattstunden Gas.

Die Frage hat die Bundesregierung auch geprüft, aber dann als zu schwierig verworfen

– und das bringe wenig, um den Preis hoher Sicherheitsrisiken. Sie (vor allem

ihr grüner Teil) wird sich darin bestätigt gefühlt haben, als Russland im Krieg

ausgerechnet das Katastrophen-AKW Tschernobyl eingenommen hat. Auch die Betreiber

der Kernkraftwerke lehnen es ab, die drei derzeit noch laufenden Meiler

über das Jahresende 2022 hinaus am Netz zu halten. Aber deswegen auf die

Option verzichten, mit einigen der doch nach allen deutschen Beteuerungen

sichersten Kernkraftwerke der Welt auf ein, zwei, drei Jahre ökonomische

Widerstandsfähigkeit gegen den Stalinismus des 21. Jahrhunderts

zu sichern? Von Zeitenwende wird in Berlin viel gesprochen,

begriffen wird sie offenbar nicht.

Ihr

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

Krieg, Corona, Inflation – es sind ungemütliche Zeiten für

Anleger. Viele Börsianer blicken bange in die Zukunft. Wie

geht es weiter mit den Aktienkursen? Wie schnell erhöhen die

Notenbanken die Zinsen? Was kann die Politik in dieser Gemengelage

ausrichten? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in FOCUS-

MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug (Print und Digital) für 1 Jahr erhalten

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FOCUS-MONEY 19/2022

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lesen Sie als einer der Ersten einen Tag früher – dienstags ab 8.00

Uhr. Wenn Sie FOCUS-MONEY nach Bezug wieder im Handel kaufen möchten:

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moneyinhalt

4. MAI 2022 www.money.de

moneykompakt

6 Brennpunkt: Wind säen, Gewinne

ernten – wer vom Ökostrom

profitiert

98 Andis Börsenbarometer:

Explodierende Heiz- und

Spritkosten clever absichern

moneytitel

8 Tenbagger: Sechs Aktien mit der

Chance auf 900 Prozent Gewinn

12 Halbleiter: Wer mit den begehrten

kleinen Chips die größten

Gewinne macht

16 Twitter: Was der Coup von

Tesla-Gründer Elon Musk für

Anleger bedeutet

18 Tesla: Die Aktie polarisiert – ein

Pro & Contra aus der Redaktion

21 FAANG-Aktien: Welche der

Tech-Schwergewichte sich jetzt

noch lohnen

24 Telemedizin: Drei Top-Favoriten

für den Megatrend

26 FOCUS-MONEY Female Finance

Award: Women-Power vom

Feinsten

27 Kolumne: Denkt endlich an die

junge Generation, fordert Sarna

Röser

8

Die neuen Verzehnfacher

Tech-Aktien unter Druck. Der Nasdaq

verliert gegenüber dem Hoch mehr als

20 Prozent. Kehrseite: Selbst Wachstumswerte

mit heißen Schlüsseltechnologien

und hohen Cashflows sind im Angebot.

Hier sind neue Verzehnfacher – mit bis

zu 200 Prozent Kurschance gleich im

ersten Jahr

moneymarkets

28 Notenbanken, Inflation und

Konjunktur: Die Federal Reserve

macht Ernst mit höheren Leitzinsen

– die Folgen für Anleger

32 Dividendenfonds und -ETFs:

Hohe Ausschüttungen, niedrige

Volatilität und die Aussicht auf

satte Kursgewinne

36 ESG-Fonds: Women for Women

– mit dem Potenzial, den MSCI-

World zu schlagen

38 Insider: Welche eigenen Aktien

Vorstände und Aufsichtsräte jetzt

kaufen

41 Interview: Finanzvorstand

Michael Pistauer über die schwierigen

Zeiten beim Flugzeugzulieferer

Montana Aerospace

44 E-Commerce: Ein ETF mit den

geheimen Gewinnern der Digitalisierung

47 Hit & Shit: Coca-Cola legt zu, kein

Freispruch erster Klasse bei Adler

48 Biokraftstoffe: Sparen Autofahrern

Kosten und können Anlegern

Gewinne bringen

52 Chartsignal: Nasdaq-Erholung

nach dem Absturz

52 Börsenwissen: Was Anleger über

die Taylor Rule wissen sollten

53 Musterdepots: Starker Dollar

stützt die Börse

54 Interview: Finanz-Professor

Andreas Hackethal über die

Denkfehler bei der Geldanlage

64 MLP: Chef Uwe Schroeder-Wildberg

kritisiert die Regierung und

verteidigt die Riester-Rente

4 Titelfotos: Adobe Stock, SPACEX

Fotos: Adobe Stock, DWS, Lufthansa, MLP, VectorStock

FOCUS-MONEY 19/2022


moneydigital

60 Kolumne: Ist der Sinn des Lebens

unser Geld?

61 Analyse: Kommt jetzt der

Turnaround bei der Lufthansa?

36

Frauen-Power hoch 14

Zwölf Fondsmanagerinnen und zwei Produktspezialistinnen stellen

in einem neuen Produkt soziale Faktoren in den Vordergrund

moneysteuern&recht

68 Erben und vererben: Die größten

Fehler vermeiden – alles zu

Planung, Testament und Steuern

sparen

moneyservice

74 Buchhaltungssoftware: Alle

Finanzen im Griff – die besten

Programme im MONEY-Test

dswanlegerschutz

61

Alle Zeichen auf Pandemie-Erholung

Die Reiselust ist wieder da, die Flieger sind gut gebucht.

Doch geht es so weiter? Bei der Lufthansa-Aktie brauchen

Anleger aufgrund vieler Unsicherheiten starke Nerven

80 Handelsplätze: Die dunklen

Seiten des Marktes – Handelsplätze

ohne Zugang und Transparenz

80 Standpunkt: Können Vorstände

Inflation?

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

38

Lohnender Blick

Wenn Vorstände und

Aufsichtsräte die Aktien des

eigenen Unternehmens

kaufen, ist das ein gutes

Zeichen. Wo die Manager

jetzt zugreifen

moneyrubriken

3 Editorial

79 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

64

„Die Riester-Rente wird pauschal verunglimpft,

dabei ist sie für viele sinnvoll“

UWE SCHROEDER-WILDBERG, MLP-CHEF

FOCUS-MONEY 19/2022

5


moneytitel

TENBAGGER

SECHS MAL

Wer mit Thomas Rappold spricht, sollte hellwach

sein – die Sinne geschärft, die Konzentration am

Anschlag. Der Mann ist ein exzellenter Kenner

der Hightech-Szene, erstklassig mit dem Silicon Valley

vernetzt, ein Start-up-Investor der ersten Stunde, Unternehmensberater

und Bestsellerautor („Silicon Valley Investing“,

„Peter Thiel“). In der Vergangenheit waren Rappolds

Aktientipps für FOCUS-MONEY-Leser bares Geld wert.

„Karten neu gemischt.“ Jetzt meldet sich die „schwäbische

Spürnase“ wieder zu Wort. Und Achtung: Laut Rappold

steckt die Branche mitten im Umbruch. „Die Karten

werden neu gemischt“, erklärt der Kenner die zur Jahreswende

losgebrochene Verkaufswelle an den Technologiemärkten.

Die Zeiten, in denen Anleger quasi blind den

Sammelinvestments viel beklatschter „Anlage-Ikonen“

wie Cathie Wood und Konsorten folgen, sind vorbei. „Kluges

Stock-Picking ist jetzt oberstes Gebot“, sagt Rappold.

Chancen sieht der Insider insbesondere bei Firmen, deren

Geschäftsmodelle in der „neuen Welt“ unverzichtbar

sind. Eine Welt, in der die Globalisierung zum Auslaufmodell

wird und die großen Wirtschaftsblöcke auseinanderdriften,

sprich: die Staaten nach Autarkie streben, um

sich künftig unabhängiger von brüchigen Lieferketten

und teuren Rohstoffimporten zu machen. Eine Welt, in

der Milliardensummen in die Digitalisierung fließen, um

etwa mithilfe superschneller Quantencomputer Vorreiter

bei der Prognose neuer Killerepidemien zu werden; in

der erneuerbare Energien schneller zu den Haushalten

kommen und die Netze daher schlauer werden müssen

(„Smart Grid“); in der die Verteidigungspolitik über ungeahnt

hohe Budgets und damit neue Möglichkeiten zur

Cyberabwehr verfügt. Und: eine Zukunft, in der höhere

Inflationsraten Alltag werden und Firmen wie Verbraucher

zum Kostensparen zwingen. Allesamt Trends, die

über Jahre Bestand haben dürften und jenen Anbietern

überdurchschnittliches Wachstum verheißen, deren

Lösungen helfen, Abläufe zu optimieren, Kosten zu

senken – und Kunden zu binden.

Eine Schatztruhe für Stock-Picker, die nun davon profitieren,

dass beim großen Tech-Ausverkauf eine Vielzahl

hochkarätiger Hoffnungsträger gleich mit in die Tombola

gingen. Unter ihnen findet sich laut Rappold eine Reihe

von Tenbagger-Kandidaten – Aktien, die das Zeug haben,

sich in fünf bis zehn Jahren zu verzehnfachen (siehe Kästen

ab Seite 10). Wie bitte? Herr Rappold: Wir hören!

„Pures Gold.“ „Nehmen Sie Gitlab, einen Software-Anbieter,

dessen webbasierte Lösungen die Zusammenarbeit zwischen

IT-Unternehmen und den Entwicklern effizienter

machen“, erklärt Rappold. Das Zauberwort heißt Virtualisierung,

der Schlüssel zur Fabrik der Zukunft. Ganze Ab-

8 Illustration: VectorStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 19/2022


läufe werden durch Programme simuliert und kostengünstig

auf Effizienz getrieben. „Build the machine for the

machine“ (zu Deutsch: „Bau die Maschine für die Maschine“),

lautet das Leitmotiv von Tesla-Chef Elon Musk – Ikone und

Vorbild in Sachen Effizienz im Autobau. Und: Die jüngsten

Inflationsraten erhöhen den Druck zur Automatisierung weiter.

„Wir haben eine Knappheit an Entwicklern und wir haben

steigende Kosten“, erklärt Rappold. Anders gesagt: Es

gibt einerseits wenig Fachkräfte, die andererseits immer

mehr Geld verdienen wollen. „Wir müssen also effizienter

werden“, betont der Experte. „Als Hersteller solcher Plattformen,

die die Entwickler produktiver machen, ist Gitlab ein

klarer Inflationsgewinner – pures Gold!“

Kapital ohne Ende. Die Börse sieht das offenbar anders. Im

Sog des großen Tech-Sell-off verlor die Gitlab-Aktie seit ihrem

Höchststand im November fast 60 Prozent an Wert.

Grund: die Wende der US-Zinspolitik. Künftige Gewinne sind

welche Lücken sich aktuell ohne Quantencomputing auftun.

„Corona ist ein gutes Beispiel, das zeigt, wie schief die Politik

mit ihren Pandemieprognosen lag“, beklagt Rappold. „Dagegen

sind Quantenrechner aufgrund ihrer nahezu unbegrenzten

Rechenpower in der Lage zu simulieren, wie sich

eine Pandemie tatsächlich entwickelt, wie auf Lieferkettenprobleme

richtig reagiert werden kann oder wie sich ein Gasembargo

auf die Wirtschaftsleistung eines Landes bis auf die

Nachkommastelle genau auswirkt“, sagt der Kenner. Sein

Tipp: der US-Anbieter Rigetti. „Rigetti ist Chip-Fertiger,

Cloud-Betreiber und Software-Anbieter in einem“, erklärt

Rappold – „sozusagen eine Kombi aus Intel und Microsoft im

Bereich Quantencomputing.“ Anleger brauchen allerdings

gute Nerven. Das Unternehmen kam im Oktober per Spac

(Special Purpose Acquisition Company) an die US-Börse und

verlor seither rund die Hälfte an Wert. Für Rappold kein

Grund zu klagen – im Gegenteil. „Es kann plötzlich sehr

900 PROZENT!

Das Gute am großen Tech-Ausverkauf:

Selbst Wachstumsschmieden mit heißen

Schlüsseltechnologien und hohen Cashflows

stürzen ab. Wer hier einsteigt, hat die

Chance auf einen Verzehnfacher

von JENS MASUHR

bei steigenden Renditen zum heutigen Tag weniger wert. Je

weiter die Gewinne in der Zukunft liegen, desto größer ist der

Effekt. Und: Höhere Zinsen verteuern die Kredite. Vor allem

unprofitable Hightech-Highflyer, deren explosives Wachstum

weit in der Zukunft liegt, stürzen ab wie Bleienten. Für Rappold

die Stunde der Stock-Picker! „Tech-Unternehmen sind

in der Regel nicht kreditfinanziert, sondern erhalten das Geld

von Private-Equity- und Venture-Capital-Firmen“, klärt der

Insider auf. Dazu kommt: Bei vielen der gefallenen Engel lenken

die Verluste von den nach wie vor hohen Cashflows ab.

An Kapital mangelt es also nicht – erst recht nicht vonseiten

der Finanzinvestoren. „Warum sollte ein Venture-Capital-Anleger,

der ein Interesse daran hat, jährlich 20 Prozent Rendite

zu machen, US-Staatsanleihen kaufen, nur weil der Zins

um einen Prozentpunkt steigt?“, gibt Rappold zu bedenken.

Sieg der Superhirne. Ebenfalls unterschätzt wird laut Rappold

das Potenzial einiger Quantenspezialisten. Experten erwarten

den Durchbruch der Technologie 2023. Bereits jetzt

wird deutlich, was die Superhirne leisten oder andersherum:

schnell gehen, dass die Technologie reif für den Massenmarkt

ist“, weiß Rappold. Das Dumme an der Börse: Wenn die Story

klar ist, ist es in der Regel sehr spät, um dabei zu sein. „Wenn

ich jetzt also einen Tenbagger über die nächsten fünf, zehn

Jahre suche, dann kann man über eine Rigetti sagen: Mit der

Aktie stehst du da wie mit einer Intel Ende der 70er-Jahre.“

Gutes Geld in schlechten Zeiten. Aktuell fließt das Geld

vor allem im Geschäft mit Quantenverschlüsselung aus Regierungs-

und Militärprojekten. So gesehen, passt auf Rigetti

das Zitat von Alex Karp, mit dem der Chef des US-Software-

Herstellers Palantir eigentlich sein eigenes Unternehmen

beschreibt (das nicht ganz zufällig an Rigetti beteiligt ist).

„We are the company for the bad times – and we have bad

times.“ Karp gilt in der Branche als nerdhafter Sonderling,

seine Firma, ein Spezialist für Sicherheitslösungen, als „das

meistgehasste Unternehmen im Silicon Valley“. Der Grund

dafür liegt auf der Hand: Weil Palantir seine Software zur Terrorabwehr

und Verbrechensbekämpfung vor allem Regierungen,

Militär und Polizeibehörden zur Verfügung stellt, tut

sich das Unternehmen mit der Veröffentlichung von Geschäftsinterna

naturgemäß schwer. Sei’s drum: In Anbetracht

der wachsenden geopolitischen Krisen rund um den

Globus hat das Unternehmen auf Jahre hinaus gut zu tun. Der

Haken: Während die Aktien klassischer Rüstungskonzerne

wie Rheinmetall fast senkrecht durch die Decke schießen,

ging die Palantir-Aktie zuletzt in die Knie. „Und das, obwohl

Software-Firmen in diesem Bereich aufgrund von Skalierungseffekten

deutlich schneller wachsen können“, sagt Rappold

– im Fall Palantir etwa mit 30 bis 40 Prozent pro Jahr.

Warum mit Keysight, Nubank und Docusign drei weitere

Tenbagger-Kandidaten auf Rappolds Liste stehen, lesen Sie

auf Seite 11.

FOCUS-MONEY 19/2022

9


moneymarkets

Starke Branchen

Aktien aus den Bereichen der Informationstechnologie,

des Finanzsektors, des Gesundheitswesens und der

dauerhaften Konsumgüter sind im DWS Invest ESG

Women for Women derzeit am höchsten gewichtet.

Größte Branchen im Portfolio

Anteil am Fondsvermögen in Prozent

IT 19,7

Finanzen 16,3

Gesundheit 13,6

dauerhafte

Konsumgüter

11,9

Industrien 11,9

Hauptverbrauchsgüter

Quelle: DWS Investment

8,3

VON LINKS NACH RECHTS: Lilian Haag, Sabrina Reeh, Sylwia Szczepek, Mi Dya

Quelle: DWS Investment

Größte Positionen

Aktie WKN Sektor Anteil

in %

Microsoft 870747 Informationstechnologie 3,6

Baker Hughes A2DUAY Energie 2,6

Apple 865985 Informationstechnologie 2,5

Toronto-Dominion Bank 852684 Finanzsektor 2,2

Procter & Gamble 852062 Hauptverbrauchsgüter 2,1

Merck & Co. A0YD8Q Gesundheitswesen 2,1

Progressive Corp 865496 Finanzsektor 2,0

Koninklijke Ahold Delhaize A2ANT0 Hauptverbrauchsgüter 1,9

Hasbro 859888 dauerhafte Konsumgüter 1,7

Visa A0NC7B Informationstechnologie 1,7

DWS INVEST ESG WOMEN FOR WOMEN

Frauenpower

hoch 14

„Women for Women“ – das klingt nach einem

Marketing-Schachzug. Doch der Fonds hat das

Zeug, den MSCI-Welt-Aktien-Index zu schlagen

Quelle: Morningstar

Schwierige Startbedingungen

DWS Invest ESG Women for Women LD

Entwicklung seit 17.1.2022 in Prozent, auf Euro-Basis

36

JAN

Aktien weltweit,

Standardwerte

FEB

MSCI-ACW-Index

MÄR

APR

0

–2

–4

–6

–8

–10

WKN/ISIN (ausschüttend) DWSW4W/LU2420982188

WKN/ISIN (thesaurierend) DWSWFW/LU2420982006

laufende Kosten 1,78 %

Fondswährung

EUR

Wertentwicklung 3 Monate –3,15 %

Auflagedatum 17.1.2022

Wertentwicklung auf Euro-Basis

von HEIKE BANGERT

Nachhaltiges Wirtschaften wirkt sich positiv auf das Geschäftsergebnis

aus. Unternehmen, die nicht effizient mit

ihren Ressourcen umgehen, ziehen nicht nur am Verhandlungstisch,

sondern oft auch an der Börse den Kürzeren. ESG

heißt das Zauberwort. Das Akronym für das englische Environmental,

Social and Governance steht für einen nachhaltigen Umgang

mit der Umwelt, Sozialem und für eine gute Unternehmensführung.

„In der Vergangenheit wurde besonders viel Wert auf

das ,E‘ und weniger auf das ,S‘ gelegt“, gibt Katharina Seiler allerdings

zu bedenken, „dabei übersehen viele, dass vor allem die

soziale Ausrichtung zu einer Verbesserung der Profitabilität bei

Unternehmen führt.“

Die Portfolio-Managerin bei der DWS wollte dem Sozialen bei

der Investmentstrategie mehr Gewicht einräumen. Mit dem von

ihr initiierten und Mitte Januar neu aufgelegten Fonds DWS Invest

ESG Women for Women ist ihr das bestens gelungen. Nie zu-

FOCUS-MONEY 19/2022


Kim, Denise Kißner, Noushin Irani, Valerie Schüler, Katharina Seiler, Vidya Anant, Christina Resin, Nezhla Mehmed, Alicia Ansorg, Daniela Gombert, Madeleine Ronner

vor steckte so viel Frauenpower in einem einzigen Fonds. Das

als Gemeinschaftsprodukt von zwölf Fondsmanagerinnen

und zwei Produktspezialistinnen verantwortete globale Aktienportfolio

stellt bei der Auswahl der Aktien soziale Faktoren

in den Vordergrund. Ein eigens berechneter „Social Commitment

Score“ misst die Sozialkompetenz der Unternehmen.

Diversität ist der Schlüssel dazu.

Unternehmen mit Sozialkompetenz

„Der Score reicht von guten Arbeitsbedingungen in der gesamten

Wertschöpfungskette bis hin zu einem flexiblen Arbeitsumfeld“,

erläutert Lead-Managerin Seiler. Gemessen

wird die Gleichberechtigung und Chancengleichheit in einem

Unternehmen, die ausgewogene Geschlechterverteilung

auf der Führungsebene und die Vereinbarkeit für Mitarbeiter

von Familie und Beruf. Der „Social Commitment

Score“ setzt sich zu 70 Prozent aus Diversitätskriterien und

zu 30 Prozent aus Kriterien zu sonstigen Arbeitsbedingungen

zusammen. Das geht über die Genderfrage und die Frauenquote

in den Führungspositionen hinaus. „Wir wollen genau

wissen, wie ein Unternehmen zu seinen Mitarbeitern

steht, wie es sie motiviert, wie es mit Talenten und Menschen

mit unterschiedlichen Besonderheiten umgeht“, sagt Seiler.

Mehr Erfolg durch Diversität

Dahinter stecken einfache Erkenntnisse. Glückliche und motivierte

Mitarbeiter setzen sich mehr für die Belange des Unternehmens

ein. Diversität führt zu ausgewogeneren und

deshalb besseren Entscheidungen. Wissenschaftliche Studien

stützen das. So erzielten Unternehmen mit mindestens

30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen im Schnitt

eine stärkere Verbesserung der Eigenkapitalrendite. Das

zahlte sich wiederum an der Börse aus, wie eine Rückrechnung

des US-Index S&P-500, gemessen an den relevanten

ESG-Kriterien in den vergangenen fünf Jahren bis Ende 2021,

zeigt. Dabei wiesen Aktien von Unternehmen mit hoher Diversität

unter ihren Mitarbeitern ein besseres Ergebnis und

zudem ein geringeres Risiko und eine geringere Wertschwankung

auf.

Nicht alle Branchen und Regionen haben das Thema gleichermaßen

auf dem Schirm. „Gemessen an unserem Score,

hat der Technologiesektor oder die Industrie Nachholbedarf,

der Gesundheitssektor hingegen liegt vorn“, berichtet Seiler.

Europa schneidet besser ab als Amerika. Die Schwellenländer

hinken erwartungsgemäß hinterher. Nachhaltigkeitskriterien

im Umweltbereich finden im Women-for-Women-

Fonds gleichfalls ihren Niederschlag. Unternehmen, die

beispielsweise Umsätze mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel, fossilen

Brennstoffen oder Waffen erzielen, sind tabu. Dass der

Fonds, der in einer schwierigen Börsenphase an den Start gegangen

ist, selbst den Gleichheitsgrundsatz wahrt, davon

sollte ausgegangen werden. Er steht auch Männern offen.

Das Interview auf YouTube

Sie wollen das Interview mit Katharina Seiler in

voller Länge als Video sehen? Dann surfen Sie

einfach auf YouTube

und genießen Sie die

Ausführungen kostenlos!

Hier geht’s

zum Video

FOCUS-MONEY 19/2022

Foto: iStock Composing: FOCUS-MONEY 37


moneymarkets

GRÜNE WELT: Aktien

profitieren von der

Entwicklung

BIOFUEL

Ein (un)moralisches Angebot

In den Tanks landet Ethanol, in den Depots der Anleger die Aktien der Treibstoffproduzenten. Das

spart Autofahrern Kosten und kann Anlegern viel Geld bringen. Und wo liegt der Haken?

Quelle: Bloomberg

Enormer Anstieg

Der Biofuel-Index konnte dem SP-500-Index lange

nicht das Wasser reichen. 2020 änderte sich das.

Global-Biofuel-Valuation-Peers-Index

Entwicklung seit 1.1.2017 in Prozent

S&P-500

2017 18 19 20 21 2022

+300

+200

+100

0

–100

von DIRK REICHMANN

Jetzt ist der Chemiker gefragt. Mit einer Kombination der

Bioethanolproduktion aus nachwachsenden Rohstoffen

mit Technologien zur Kohlenstoffspeicherung kann eine

deutliche Reduzierung der Treibhausgase erreicht werden.

Das haben Forscher der Universität Hohenheim entdeckt,

heißt es bei biofuelsdigest.com. Dazu nutzt man das Riesengras

Miscanthus. Wie Zuckerrohr gehört das Gras zur Familie

der Süßgräser.

Bioethanol fällt wie Biodiesel in die Gruppe der Biokraftstoffe.

„Ethanol ist ein Alkohol, der dem Benzin beigemischt

wird, um die Oktanzahl zu erhöhen und den Ausstoß von

48 Illustration: iStock

FOCUS-MONEY 19/2022

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