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moneyeditorial

EDITORIAL

Auf dem Weg zum

EZB-Offenbarungseid

Drei Krisen werden derzeit immer in einem Atemzug genannt: die Covid-/China-Lockdown-/Lieferketten-Krise,

der russische Überfall auf die Ukraine, die

in vielen Ländern weltweit anziehende Inflation (Nahrungsmittelkrise in

Schwellenländern inbegriffen). Eng mit Letzterer verbunden: der Zinsanstieg, der

den Finanzmärkten zu schaffen macht. Eine Krise könnte wieder aufleben, die derzeit

kaum jemand auf dem Schirm hat: die Euro-Schuldenkrise.

Der Zinsanstieg war schon rasant. Zehnjährige Bundesanleihen, das Maß aller

Dinge in der Euro-Zone, notierten im Tief auf Monatssicht mit einer Negativrendite

von 0,6 Prozent, kürzlich hat die Rendite 1,1 Prozent übertroffen. Eine Rendite von

zwei Prozent, die lange Zeit erst in fernerer Zukunft wieder vorstellbar schien, ist

plötzlich wieder denkbar, wenn die Inflation hartnäckig hoch bleibt oder gar noch

zulegt. Bei den Nahrungsmitteln zum Beispiel haben die Preissteigerungen offenbar

erst begonnen.

Und dann ist da noch der immer höher verschuldete Euro-Mitgliedsstaat Italien,

dessen öffentliche Schuldenlast inzwischen auf 157 Prozent der Wirtschaftsleistung

(Bruttoinlandsprodukt, BIP) angewachsen ist. Wenn das Misstrauen gegenüber Italien

am Markt größer wird, wächst der Renditeabstand der italienischen zehnjährigen

Staatspapiere gegenüber den Bundesanleihen, zuletzt in der Spitze auf über zwei

Prozentpunkte. Stiege die Rendite der zehnjährigen deutschen Benchmark-Anleihe

auf zwei Prozent, kämen die Italiener sicher bei über vier Prozent an – und schon

auf dem Weg dorthin würde die Tragfähigkeit der italienischen Schuldenlast immer

stärker infrage gestellt: „Zwischen vier und fünf Prozent ist für italienische Staatsbonds,

wenn man zehnjährige Laufzeiten nimmt, der Punkt erreicht, an dem man

sagen muss: Da ist dann ‚game over‘.“ So warnt im Interview unserer „Mission Money“

Vermögensverwalter und Fondsmanager Bert Flossbach. Natürlich reiche es

nicht, wenn das Zinsniveau eine Woche oder einen Monat dort ist, sondern es müsste

jahrelang dort sein. „Aber so doof ist der Markt ja nicht und guckt sich das erst mal

jahrelang an“, urteilt Flossbach. „Wenn wir dieses Niveau erreicht haben, kommt

ein großes Fragezeichen hinter die Bonität Italiens.“

Die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat wiederum

ziemlich deutlich gemacht, dass man eine solche Zinsfragmentierung in Euro-Land

(völlig unterschiedliche Zinssätze in einem eigentlich einheitlichen Währungsraum)

nicht dulden werde. Flossbach kann sich vorstellen, dass die EZB dann wieder

Bonds kauft. Für ihn wäre das der Offenbarungseid der Zentralbank – „damit

zeigt man jedem offen und klar, dass die Inflationsbekämpfung dort ihre

Grenzen findet, wo der Staat Probleme bekommen könnte“.

Dann also keine Inflationsbekämpfung. Und jetzt fragen Sie sich mal,

was das bedeutet – angesichts der Spannungen, die die massive Verteuerung

der Lebenshaltung auf breiter Front heute schon auslöst,

nicht nur in Deutschland.

Ihr

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur FOCUS-MONEY

Spread noch zahm

Noch geht die Schere zwischen

Deutschland und Italien nicht so

auf wie in der Euro-Schuldenkrise –

wehe, das ändert sich wieder.

Zehnjährige Staatsanleihen

Rendite in Prozent

Italien

Deutschland

2012 14 16 18 20 2022

Quelle: Bloomberg

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte, in

Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die

Notenbanken: Kommt die Zinswende noch schneller als bereits

erwartet? Wie geht es weiter mit den Aktienkursen, wenn die

Liquidität schnell reduziert wird? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige

in FOCUS-MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug (Print und Digital)

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FOCUS-MONEY 21/2022

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moneyinhalt

moneykompakt

6 Brennpunkt: Die Energiezukunft

Deutschlands erfordert Alternativen

zu Putins Gas – auch Anleger

wittern hier ihre Chance

98 Andis Börsenbarometer: Mit

Goldminen den Goldpreis hebeln

moneytitel

8 Auf zur Million: Alles, was Sie

dazu brauchen – einfache Mathematik,

Ausdauer und den S&P-500

12 200-Tage-Strategie mal anders:

In Kombination mit dem MDax ein

geniales Rendite-Rezept

16 Interview: Stefan Freytag,

Vorstand von Deutsche Oppenheim,

über Rezessionsängste und

den Weg zur Million

19 Fonds-Strategie: In 35 Jahren zum

Millionär – mit sechs Euro pro Tag!

22 Investieren nach Homm: Auf

welche Strategien der Ex-Hedge-

Fonds-Manager setzt

24 Dividenden-Strategie: Die

10-11-12-Methode lockt jährlich mit

elf Prozent Dividendenrendite

28 Interview: „Arbeiterlosigkeit“ am

deutschen Arbeitsmarkt – Stepstone-CEO

Sebastian Dettmers im

Gespräch

32 Kolumne: Roland Koch über den

Irrglauben, politische und ökonomische

Ziele trennen zu können

FLORIAN HOMM,

EX-HEDGE-FONDS-MANA-

GER, BESTSELLERAUTOR

22

19

Der Weg zur Million

Sie tragen ihn täglich in Ihrem Portemonnaie:

Den Beginn auf dem Weg zu Ihrer

Million. Schon mit ein paar Münzen pro

Tag ist der Weg zur Million frei. Voraussetzung:

Große Ausdauer

„Ein Kursverfall muss nicht

geduldet und ausgesessen werden,

wenn es nachhaltige

Gründe für den Verkauf gibt“

4 Titelfoto: Depositphotos

FOCUS-MONEY 21/2022


18. MAI 2022 www.money.de

moneymarkets

34 ESG: Grün und rentabel geht

nicht? Geht doch!

38 Biotech: Das breite Spektrum

bietet vielseitige Chancen

42 Bayer: Hält der Turnaround?

43 Deutsche Telekom: Stabilität und

eine attraktive Bewertung? Hier

bekommen Anleger beides

44 SMT Scharf: Ein Urgestein im

Kohlebergbau – und bald auf

neuen Wegen

46 Interview: Fondsmanagerin

Birgitte Olsen setzt auf Familienbetriebe

– gerade in Krisen

49 Hit & Shit: Während die ING ihre

Kunden entlastet, implodiert der

Kryptomarkt

51 Musterdepots: Gegenwind für

die Sommerrally

52 Defensivwerte: Vierfache

Abwehr gegen die Krise gefällig?

Ein Blick in den CDax lohnt

60 Öl: Explodierende Preise an den

Zapfsäulen? Diese Ölkonzerne

profitieren langfristig

moneydigital

50 Chartsignal: Der Dax im Check

50 Börsenwissen: Was steckt hinter

der „Poison Pill“?

56 Social Trends: Wie NFTs die Welt

erobern

57 Aktienanalyse: Lohnt sich der

Einstieg bei Hensoldt noch?

dswanlegerschutz

64 Wirecard: Die Folgen

der nichtigen Bilanzen

moneyservice

66 Energetisch sanieren: Wie

der Staat Sanierer fördert

72 E-Health: Die besten digitalen

Helfer

76 Finanzvertriebe: Vertrauen muss

man sich verdienen – diese

Akteure haben das geschafft

66

Schaffe, schaffe,

Häusle saniere! Wenn

nicht jetzt, wann

dann? Die Regierung

wirbt mit

Unterstützung – und die

Umwelt dankt es Ihnen auch.

Welche vielfältigen Förderungen

Immobilieneigner in Anspruch

nehmen können

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

60

Rally geht weiter

34

Gut, besser, nachhaltig!

Schmerzhaft beim Tanken, wohltuend

im Depot – Öl. Trotz der jüngsten

Preisrally haben viele Ölkonzerne

weiterhin Luft nach oben. Wo es jetzt

Halten oder Zukaufen heißt

Wer auf Grün setzt, tut nicht nur der Umwelt etwas Gutes,

sondern maximiert auch noch seine Gewinnchancen. Der

Schlüssel hat drei Buchstaben: ESG!

FOCUS-MONEY 21/2022

Fotos: Dreamstime, 123RF, B. Morrisy/Unsplash, iStock Illustration: VectorStock Composing: FOCUS-MONEY 5


moneytitel

TITEL

HIER

Wer weniger ausgibt, als er einnimmt, und

frühzeitig spart, hat die halbe Miete im Sack.

Der Rest bis zur Million ist simple Mathematik.

FOCUS-MONEY zeigt vier Wege in die finanzielle

Freiheit – realistisch, leicht umsetzbar

und mit wertvollen Expertentipps im Interview

GEH

M

von JENS MASUHR

8

Illustration: iStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 21/2022


Wer wird Millionär? Ganz klar: derjenige,

der bei Günter Jauch 15-mal die richtige

Antwort gibt. Oder der Lottogewinner

von nebenan. Oder der, der das Glück hat,

eine stattliche Immobilie zu erben. Und

wir anderen? Wir grübeln weiter – im

Ohr das gesprochene Wort des Automagnaten Ferdinand

Piëch. „Reiche Menschen sind dadurch reich, dass sie weniger

ausgeben, als sie einnehmen“, lautete die Philosophie des

verstorbenen VW-Patriarchen und milliardenschweren Vorstandschefs.

Klingt einfach, erweist sich aber für die meisten

Menschen als hohe Hürde auf dem Weg zum Millionär.

Denn viel Geld in der Tasche zu haben, heißt für viele seiner

Besitzer auch: viel davon (und größtenteils sinnfrei) zu

verprassen. Cayenne statt Corsa, Malediven statt Mallorca,

Austern statt Aldi – insbesondere dort, wo die dicken Gehälter

fließen, gehört Sparsamkeit nicht gerade zu den gelebten

Tugenden. „Fast alle glauben, dass sie durch ihre Gehaltssteigerungen

zwangsläufig vermögend werden“, sagt Rolf

Tilmes, Professor für Private Finance & Wealth Management

an der European Business School in Oestrich-Winkel. „Gutverdiener

verbrennen das Geld geradezu“, weiß der Experte.

Von null auf eine Million. Eine Untersuchung des Instituts

der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt das Phänomen. Demnach

haben selbst die zehn Prozent einkommensstärksten

Haushalte oft kaum nennenswertes Vermögen. Bei einem

Nettoverdienst von durchschnittlich mehr als 80 000 Euro

im Jahr besitzt die Hälfte weniger als 250 000 Euro – inklusive

der eigenen Immobilie. Wer dagegen eisern spart, legt

damit den Grundstein für die erfolgversprechendste Strategie

zur ersten Million – keine Phrase, sondern Fakt. Mit dem

Vorurteil jedenfalls, dass heutige Millionäre deswegen reich

seien, nur weil sie mit einem goldenen Löffel im Mund geboren

wurden, räumten die Wissenschaftler Thomas Stanley

und William Danko vor einigen Jahren auf. In einer Untersuchung

zeigten die beiden Experten, dass 80 Prozent der

US-Millionäre Vermögende der ersten Generation waren,

also weder geerbt noch Gast bei Günter Jauch waren, sondern

bei null angefangen hatten. Besser noch: Der Großteil von

ihnen verdiente weit unterhalb der „Piëch’schen“ Dimen-

T’S ZUR

ILLION!

Nächste Ausfahrt: Millionär

Über die letzten Jahrzehnte legte

der S&P-500 im Schnitt um zehn Prozent

pro Jahr zu. Setzt man für die

Zukunft lediglich neun Prozent Zuwachs

an, wird aus jährlich 7200 Euro

Einzahlsumme nach 30 Jahren eine

Million. Bei 1500 Euro pro Monat

ist die Millionenschwelle bereits nach

20 Jahren in greifbarer Nähe.

9 % Wachstum

über (Jahre)

Quellen: JustETF, eigene Recherche

jährlicher Sparbetrag:

7200 Euro

jährlicher Sparbetrag:

12 000 Euro

jährlicher Sparbetrag:

18 000 Euro

5 45410 75680 113520

10 115980 193300 290000

15 225650 376000 564120

20 396080 660130 990200

25 660945 1101580 1652360

30 1072560 1787600 2681400

FOCUS-MONEY 21/2022

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moneytitel

KÖLSCH-KRANZ: Je mehr

Bier Anleger weglassen –

und richtig investieren, desto

größer das Vermögen

STRATEGIE

Ohne

drei

Kölsch

zur Million

Langfristiges Anlegen zahlt sich aus: Mit den

richtigen aktiv gemanagten Aktienfonds schaffen

Anleger mit kleinen Beträgen ein Vermögen.

Sechs Euro pro Tag können Millionäre machen

von MIKA HOFFMANN

Mit – oder besser ohne – drei Kölsch zum Millionär.

Anleger, die die täglichen drei kleinen Stangen

weglassen und stattdessen an der Börse investieren,

bekommen im besten Fall 1,6 Millionen Euro. So viel

brachte der beste Aktienfonds in den vergangenen 35 Jahren

bei täglich investierten 6,20 Euro. Wer gleich auf fünf

Kölsch verzichtet, hat eine noch größere Auswahl. Und

besser für die Gesundheit und die schlanke Linie ist das

Weglassen allemal.

Langfristig an der Spitze

Trotz eines Kursrückgangs um ein Drittel seit Anfang 2021 legte der Barings Hong Kong China Fund seit 1983 mehr als 10 000 Prozent

zu. Wer in den vergangenen 35 Jahren 6,20 Euro pro Tag investierte, ist heute Millionär.

Barings Hong Kong China Fund Class A

Entwicklung seit 28.2.1983 in Prozent, auf Euro-Basis

+16 000

+12 000

+8 000

Quelle: Morningstar

1983 1985 1990 1995 2000

2005 2010

2015 2020

+4 000

0

FOCUS-MONEY 21/2022

Foto: Gaffel 19


moneytitel

Stetiges Anlegen in einen guten Fonds bringt Top-Ergebnisse.

Durch die monatlichen Einzahlungen profitieren Anleger

nicht nur von einer guten Wertentwicklung. Sie bekommen

auch mehr Anteile in Phasen, in denen es an der Börse

nicht ganz so gut läuft. Heraus kommt am Ende ein ansehnliches

Vermögen – und das nicht nur mit dem topplatzierten

China-Fonds, sondern auch mit Produkten, die viele Deutsche

in ihren Depots liegen haben.

Zehn Prozent pro Jahr. Zum Millionär in 35 Jahren – dafür

braucht es Disziplin. Jeden Tag 10 Euro oder 300 Euro

pro Monat. Das ergibt auf 35 Jahre eine Anlagesumme von

126 000 Euro – bis zur Million ist da noch ein weiter Weg.

Rund zehn Prozent jährliche Rendite müssen da schon sein,

In den vergangenen 35 Jahren schafften das ganz fünf Fonds.

In den vergangenen zehn Jahren lagen mehr als 300 Fonds

im zweistelligen Prozentbereich für die jährliche Rendite –

einen Treffer zu landen, war da nicht schwer. Und das trotz

des jüngsten Kursrückschlags an den internationalen Aktienmärkten.

Kurzfristige Schwankungen, gar Crashs bereiten

Langfrist-Investoren keine Kopfschmerzen. In Charts,

die bis in die 80er-Jahre zurückgehen, sind selbst das Platzen

der Technologieblase zu Beginn des Jahrtausends, die

Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2008/2009 oder der Corona-Absturz

2019 nur kleinere Zacken nach unten.

Insbesondere in der aktuellen Situation mit explodierenden

Inflationsraten macht langfristiges Aktiensparen viel

Sinn. Dabei können aktive Manager ihre Fähigkeiten gerade

jetzt voll ausspielen. Die besten schaffen es durchaus über

längere Zeiträume, ihre Vergleichsindizes zu übertreffen –

und zwar deutlich. Auch nach Abzug der Kosten. Zwar schlagen

ETFs viele oder sogar die meisten aktiven Fonds. Die besten

aktiven sind aber trotzdem um Längen besser. Wer sich

nicht die Mühe macht, die besten Manager auszuwählen und

ihre Arbeit kritisch zu begleiten, ist mit Indexfonds wahrscheinlich

besser bedient. Allerdings gilt: Je schwieriger die

Börsenphase, desto mehr können aktive Manager herausholen.

Das zeigt sich in den Ergebnissen der besten Fonds.

Mitten in der Zeitenwende. Die internationalen Finanzmärkte

stehen mitten in einer Zeitenwende. Nach Jahrzehnten

mit niedrigen Inflationsraten und niedrigen Zinsen deutet

sich eine Trendumkehr an: Die amerikanische Notenbank

hat schon mit ersten deutlichen Zinserhöhungen begonnen.

Die Europäische Zentralbank wird wohl im Juli folgen. Die

Hüter der Preisstabilität haben (zu) lange gezögert. Umso beherzter

greifen sie jetzt ein – und sammeln die langjährig

großzügig verteilte Liquidität wieder ein. Für Anleger heißt

das: Der sogenannte Zentralbank-Put ist weg. Der hatte immer

dafür gesorgt, dass die Kurse an den Aktienmärkten sich

schnell von Problemen erholten. Die Flut hob meistens alle

Boote oder zumindest viele. Auf Qualität der Unternehmen

zu achten, war nicht so wichtig. Jetzt ist das anders: Nur wer

eine gute Strategie hat, seine Hausaufgaben macht und auf

die richtigen Aktien setzt, wird zu den Gewinnern gehören –

die besten Fondsmanager werden da dabei sein.

BARINGS HONG KONG CHINA FUND

Kurzfristiges Risiko – langfristige Chance?

Die Zahlen: Dass es sich auszahlt, langfristig zu investieren, ist eine Binsenweisheit.

Aber eine, die wirklich stimmt und die man nicht oft genug wiederholen

kann. Das zeigt der Barings Hong Kong China Fund eindrucksvoll. Obwohl

das Produkt seit Anfang 2021 rund ein Drittel an Wert eingebüßt hat,

steht es in der 35-Jahres-Sparplanwertung immer noch ganz oben: Aus zehn

Euro pro Tag wurden stolze 1,6 Millionen Euro. Das entspricht einer durchschnittlichen

jährlichen Rendite von 12,7 Prozent.

Die Strategie: Die vergangenen Monate waren alles andere als einfach für

China-Anleger: Staatliche Eingriffe – insbesondere im Technologie- und Immobiliensektor

–, nachlassendes Wachstum und zuletzt die Folgen der

Zero-Covid-Politik mit ganzen Großstädten im Lockdown führten zu zum

Teil deutlichen Verlusten. China wird der Wachstumsmotor der Welt bleiben

– das ist klar. Aber ob gerade ausländische Aktionäre in den nächsten

Jahren zu den Gewinnern gehören? Diese Frage muss sich jeder Anleger

selbst beantworten. Wer die Frage mit Ja beantwortet, ist in dem Barings-

Fonds angesichts der Management-Qualität langfristig auf jeden Fall gut

aufgehoben.

Die Favoriten: Die drei größten Positionen waren Ende März die großen

Tech-Konzerne Tencent, Alibaba und Meituan. Diese Papiere sind in den vergangenen

Wochen kräftig unter die Räder gekommen. Mutige Anleger können

durchaus auf eine schnelle Erholung setzen, die Risiken sind aber weiterhin

beträchtlich. Vorsichtige warten deshalb eher ab.

Quelle: Morningstar Direct

Ein Drittel verloren

Seit Anfang 2021 verlor der Barings-Fonds

ein Drittel an Wert, bleibt aber langfristig an

der Spitze. Anleger brauchen derzeit einigen

Mut, um in die chinesischen Aktienmärkte

einzusteigen.

Barings Hong Kong China

Entwicklung seit 1.1.2012

in Prozent, auf Euro-Basis

+200

+150

+100

+50

–50

2012 13 14 15 16 17 18 19 20 21 2022

WKN/ISIN (aussch.) 972840/IE0000829238

Fondsvolumen 1,4 Mrd. €

jährliche Kosten 1,7 %

Fondswährung

US-Dollar

Wertentwicklung 10/20/35 Jahre p. a. 7,3/10,5/12,7 %

Wertentwicklung 10/20/35 Jahre 102/531/6360 %

0

Wertentwicklung auf Euro-Basis

20 FOCUS-MONEY 21/2022


moneyservice

STUDIE

Gesund mit digitalen Helfern

Für Körper und Geist, für zu Hause und unterwegs: Spätestens seit Corona sind E-Health-

Anwendungen aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Eine neue Studie hat die besten ermittelt

Von STEFANIE HABERSTOCK

Fitnessstudios und Sportvereine geschlossen, Patienten

in Isolation, zu wenig Bewegung im Home-Office und

zu viel Stress-Essen bei der Home-Schooling-Betreuung

der Kinder – die Liste der ungesunden Nebenwirkungen

der Corona-Eindämmungsmaßnahmen ließe sich noch lange

fortsetzen. Als Helfer in der Lockdown-Not haben sich in

den vergangenen gut zwei Jahren zunehmend digitale Gesundheitsanwendungen

erwiesen. „Viele Digital-Health-Anwendungen

wie die Videosprechstunde oder elektronische

Terminservices haben in der Corona-Krise einen regelrechten

Boom erlebt“, stellt Expertin Anne Wolf im „TrendGuide

2021 Digitale Gesundheit“ fest.

„Die Digitalisierung hat den Gesundheitsmarkt erreicht.

Neue Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten, Online-

Tutorials oder Apps zur Unterstützung gesunder Lebensgewohnheiten

sind Beispiele dafür“, meint auch Claus Dethloff,

72 Illustration: Adobe Stock

FOCUS-MONEY 21/2022

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