CDU-Magazin Einblick (Ausgabe 15) - Thema: Handwerk
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
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MAGAZIN DER <strong>CDU</strong>-FRAKTION DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES AUSGABE <strong>15</strong><br />
AUS TRADITION<br />
DAS HANDWERK IN SACHSEN<br />
Wertig<br />
<strong>Handwerk</strong> hat immer<br />
noch goldenen Boden<br />
Mutig<br />
Sie führen das Geschäft<br />
ihrer Eltern fort<br />
Anständig<br />
Was es bedeutet,<br />
Unternehmer zu sein
Hand|werk, das<br />
Wortart: Substantiv, Neutrum [das]<br />
Wortherkunft: von mittelhochdeutsch hantwerc, althochdeutsch hantwerc „Handarbeit“, belegt<br />
seit dem 11. Jahrhundert.<br />
Bedeutung: Unter <strong>Handwerk</strong> versteht man traditionelle, mit Handarbeit verbundene gewerbliche<br />
Tätigkeiten oder Berufe wie zum Beispiel Schreiner, Bäcker oder Schneider. Der Begriff bezeichnet auch<br />
den gesamten Berufsstand.<br />
Meist fertigen die <strong>Handwerk</strong>er Produkte oder erbringen Dienstleistungen auf Bestellung und Nachfrage.<br />
Die handwerkliche Tätigkeit steht der industriellen Massenproduktion gegenüber. Das handwerkliche<br />
Gewerbe wird in Deutschland verbindlich durch die <strong>Handwerk</strong>sordnung geregelt. Der <strong>Handwerk</strong>s-Meister<br />
ist dabei gewöhnlich Arbeiter, Kapitalgeber und Unternehmer in einer Person. <strong>Handwerk</strong>s-Gesellen<br />
und Auszubildende des gleichen Gewerbezweigs unterstützen ihn bei seiner Tätigkeit.<br />
Man unterscheidet zwischen zulassungspflichtigen <strong>Handwerk</strong>en, zulassungsfreien <strong>Handwerk</strong>en<br />
und handwerksähnlichen Gewerben. Die <strong>Handwerk</strong>s-Ordnung (HandwO) regelt, welche Betriebe<br />
zulassungspflichtig sind. Für sie gilt grundsätzlich der Meisterzwang. Aber auch andere Abschlüsse<br />
können unter Umständen anerkannt werden, wenn sie gleichwertig zur Meisterprüfung sind. Die<br />
Voraussetzung für den Betrieb eines zulassungspflichtigen <strong>Handwerk</strong>s ist die Eintragung in die <strong>Handwerk</strong>s-Rolle.<br />
Das <strong>Handwerk</strong> bildet mit seinen vorwiegend kleinen und mittleren Betrieben das Kernstück der deutschen<br />
Wirtschaft. Es ist und bleibt Deutschlands Ausbilder Nr. 1.
EDITORIAL<br />
Sachsens <strong>Handwerk</strong>er sind das Rückgrat<br />
unserer mittelständisch geprägten Wirtschaft.<br />
In Zahlen: 56.000 Betriebe mit<br />
etwa 300.000 Beschäftigten, die rund<br />
25,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.<br />
Nun können diese Zahlen aber nicht<br />
ausdrücken, wofür das <strong>Handwerk</strong> wirklich<br />
steht: für Tradition, Leidenschaft,<br />
Kreativität und Erfindungsgeist.<br />
Das <strong>Handwerk</strong> ist ein Teil<br />
unserer Kultur.<br />
Die Produkte und Dienstleistungen<br />
von <strong>Handwerk</strong>ern sind ein wichtiger<br />
Teil unseres Alltags, auch wenn wir sie<br />
vielfach als selbstverständlich wahrnehmen.<br />
Sei es nun die funktionierende<br />
Heizung, das exakt gefertigte Möbelstück<br />
oder der neuen Haarschnitt<br />
– all das ist <strong>Handwerk</strong> und es prägt<br />
unser aller Leben.<br />
Beispielhaft hierfür gewährt Ihnen, liebe<br />
Leser, unsere Landtags-Vizepräsidentin<br />
Andrea Dombois einen Blick in ihr<br />
Büro und zeigt, welche Gewerke dort<br />
ihre Spuren hinterlassen haben: vom<br />
Glaser über Elektriker bis zum Tischler.<br />
Mit seiner starken regionalen Verwurzelung<br />
ist das <strong>Handwerk</strong> der Ausbilder<br />
der Nation. Dank der vielen – zumeist familiengeführten<br />
Ausbildungsbetriebe –<br />
ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering.<br />
Über 5.400 Lehrverträge wurden im vergangenen<br />
Jahr allein in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />
geschlossen!<br />
Das <strong>Handwerk</strong> produziert vor<br />
Ort zumeist für Kunden aus<br />
der Region! Rund 90 Prozent<br />
der hervorragenden Produkte<br />
und Dienstleistungen sind für den sächsischen<br />
Markt bestimmt. Das sächsische<br />
<strong>Handwerk</strong> ist damit Teil unserer Kultur,<br />
schafft Identität und regionale Verbundenheit.<br />
Gleichwohl ist das deutsche<br />
<strong>Handwerk</strong> weltberühmt. Viele Länder<br />
blicken mit Bewunderung auf das duale<br />
Ausbildungssystem in den <strong>Handwerk</strong>sberufen.<br />
Unsere Berufsschulen sind<br />
spitze, die Gesellen als Fachkräfte international<br />
gefragt und der Meisterbrief ist<br />
stets ein Garant für Qualität.<br />
<strong>Handwerk</strong> ist mehr als nur Tradition<br />
und reine Handarbeit. Wir stellen Ihnen,<br />
liebe Leser, in diesem <strong>Magazin</strong> spannende<br />
Beispiele für Innovation, technischen<br />
Fortschritt und Neuinterpretationen alter<br />
Gewerke vor. Zeigen, wie der Generationenwechsel<br />
in Familienbetrieben<br />
gelingen kann und wie das <strong>Handwerk</strong><br />
seinen Weg in die Zukunft geht.<br />
Übrigens: Auf der Titelseite sehen Sie<br />
einen Uhrmacher aus Glashütte. Die<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion hat sich dafür starkgemacht,<br />
dass Sachsen im Bundesrat den<br />
Schutz der geografischen Herkunftsangabe<br />
„Glashütte“ voranbringt. Das ist<br />
uns jetzt gelungen! Ein Erfolg unserer<br />
<strong>Handwerk</strong>s-Politik!<br />
Ihr Christian Hartmann<br />
Fraktionsvorsitzender<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />
INHALT<br />
12<br />
16<br />
21<br />
22<br />
26<br />
Auf der Suche nach dem goldenen Boden<br />
Kay Ritter im Gespräch mit Jörg Dittrich vom Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stag<br />
Werkstatt-Besuch<br />
Schüler bei den Deutschen Werkstätten in Hellerau<br />
Meine rollende Fahrradwerkstatt<br />
Elektrische Fahrräder sind im Trend<br />
Was bedeutet es, Unternehmer zu sein?<br />
<strong>Handwerk</strong>er sprechen über Tatendrang und Kreativität<br />
Gemeinsam Berufsschule gestalten<br />
Zu Besuch im BSZ Kamenz<br />
30<br />
36<br />
44<br />
50<br />
54<br />
Profis leisten was<br />
Sächsische Azubis gehören zu den Besten ihres <strong>Handwerk</strong>s<br />
Ich bin Meister!<br />
Diese Frauen lieben ihr <strong>Handwerk</strong><br />
Wie sich die Lausitz neu erfindet<br />
<strong>Handwerk</strong>er meistern den Strukturwandel<br />
Wir übernehmen einen Familienbetrieb<br />
Nachwuchs für sächsische Betriebe ist bereit<br />
Ohne <strong>Handwerk</strong>er läuft nichts<br />
Zimmerer Enrico Stritzl ist im Ehrenamt aktiv<br />
IMPRESSUM Herausgeber: <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden, Telefon 0351 493-5501, www.cdu-fraktion-sachsen.de Redaktion: Christian Fischer (V.i.S.d.P.), STAWOWY, Dr. Christopher M. Brinkmann<br />
Fotos: Alexander Fuhrmann (Titel, 4-5, 8-9,21,39,40-41, 53, 54-55, 56-57); AdobeStock: 279photo (U2), Björn Wylezich (49); Claudia Jaquemin (3); Basti Winterscheid (6-7, 24, 30-32, 36-38, 42,50-53); PR DZH-Schepitz (11); Thomas Schlorke (12-<strong>15</strong>); DW/Vincent Seifert<br />
(16); Frank Harnack (17); Norbert Neumann (18-19); PR Catering Herzog (20); Fleischerei Lothar Franke (20); PR Fleischerei Schempp (22); PR Raumausstattung & Lederwaren Gallitzdorfer (23); Eric Münch (26-27, 34-35); Tomas Rodriguez (28); Helmut Franke (29);<br />
Leon Petzoldt (33,60-61); <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden (43); Paul Glaser (44-47); Nomos Glashütte (48); Benjamin Jenak (48); Wikipedia Gernek (49); Tobias Ritz (49); Ekkard Seidl (49); Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen (49); Nora Seitz (53); <strong>Handwerk</strong>skammer<br />
Chemnitz (58); PR BMF (59); Eric-Kemnitz.com (66-67); Infografik Basti Winterscheid (10) Druck: Druckerei Oskar Görner GmbH, Melanchthonstraße 1–7, 09126 Chemnitz Veröffentlichung: Mai 2022 Diese Publikation dient der Information über die<br />
parlamentarische Arbeit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages. Eine Verwendung für Parteienwerbung oder im Wahlkampf ist nicht zulässig.
MIT LEIDENSCHAFT<br />
FOTOSERIE: 3 DOPPELSEITEN-BILDER;<br />
Vor 20 Jahren kaufte Familie Bauer ihren Hof in Langebrück, einem Stadtteil von<br />
Dresden. Mit viel Eigenleistung bauten sie ihn nach ihren Vorstellungen um.<br />
Ein Ziel: artgerechte Rinderaufzucht. „Wir haben schon lange für den privaten<br />
Bedarf geschlachtet. Meinen Eltern ist dann die Idee zur Direktvermarktung<br />
gekommen“, erinnert sich Friederike Bauer, die Tocher der Familie. Bauer´s Hofladen<br />
eröffnete 2018. „Uns ist die Wertschätzung für die Produkte wichtig. Die handwerkliche<br />
Eigenproduktion dauert vielleicht etwas länger, die Lebensmittel sind<br />
allerdings hochwertiger“, sagt die junge Frau. Die Bauers sind eine Familie von<br />
Quereinsteigern. „Mein Vater ist eigentlich Maschinenbauer und arbeitet heute<br />
als Landwirt. Meine Mutter war ursprünglich Medizinisch-technische Assistentin<br />
und hat vergangenes Jahr ihren Meister absolviert. Ich studiere BWL, habe über<br />
Praktika viel Wissen gesammelt. Nach dem Studium werde ich auch den Meister<br />
abschließen“, verrät Friederike Bauer.<br />
4
Friederike Bauer ist durch die Familie zu<br />
ihrem Beruf gekommen. Neben dem Studium<br />
hat sie Fleischerin gelernt. Dieses<br />
Jahr will sie ihren Meister machen.<br />
IDEE: INNOVATION IM HANDWERK<br />
5
AUS TRADITION<br />
„Was wir machen, ist erzgebirgische Volkskunst“, sagt Björn Köhler, „aber neu<br />
interpretiert.“ Der gelernte Holzdrechsler aus Eppendorf im Erzgebirge hat Anfang<br />
der 90er-Jahre seinen ganz eigenen Stil bei der Herstellung der bunten<br />
Holzfiguren entwickelt: Runde und glatte Formen statt zackiger Bärte und geraffter<br />
Mützen zeichnen seine Figuren aus. Mehrfach hat er damit Designpreise<br />
gewonnen, heute gilt er als der Begründer der modernen erzgebirgischen Holzkunst.<br />
2013 ernannte ihn der Landrat sogar zum „Botschafter des Erzgebirges“.<br />
Dass es so kommt, war für Köhler nicht absehbar: Nach der Lehre als Drechsler<br />
wagte er sich 1989 in die Selbstständigkeit, fuhr anfangs noch selbst mit dem<br />
Trabi zu den Märkten in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. „Begeisterung<br />
und Ablehnung halten sich vorerst die Waage“, ist auf der Webseite des<br />
Unternehmens über die Vorstellung des runden Designs im Jahr 1991 zu lesen.<br />
Heute beschäftigt Köhler 46 Mitarbeiter, seine Ware ist in der ganzen Welt zu<br />
kaufen. Aber nach wie vor entstehen die Figuren vorwiegend von Hand, von der<br />
ersten Entwurfsskizze bis zum letzten Feinschliff. Die Corona-Zeit haben er und<br />
seine Frau Peggy mit einem Kredit und der Investition in den Webshop und das<br />
Marketing überbrückt: Inzwischen läuft die Herstellung wieder auf Hochtouren.<br />
Sein Erfolg liege auch am Prinzip des „Bewahrens und Erhaltens“, sagt er.<br />
„Was unsere Vorfahren uns überliefert haben, wollen wir erhalten.“<br />
Seine Figuren entstehen nach wie vor von<br />
Hand. Denn für Björn Köhler ist die Pflege der<br />
Tradition wichtiger Auftrag, da sieht er sich<br />
in der Pflicht und kümmert sich. Am liebsten<br />
sitzt er abends in der Werkstatt: „Wenn Ruhe<br />
ist, habe ich Zeit für Entwurf, Entwicklung<br />
und Design“, erzählt er.<br />
Stolz präsentieren Björn Köhler und seine Frau Peggy ihre Weihnachtsmänner mit den<br />
runden Nasen in der Werkstatt. Wenn Köhler Holz kauft, zählt er mit dem Auszubildenden<br />
die Jahresringe: „Der Baum hat achtzig Jahre im Wald gestanden. Es ist unsere Verantwortung,<br />
dass wir damit das Bestmögliche machen: gestalterisch und langlebig.“<br />
6
Susann Leithoff<br />
stellv. Fraktionschefin<br />
EINZIGARTIG<br />
„Kaum einer verbindet Tradition<br />
und modernes Design so einzigartig<br />
wie dieser Eppendorfer Kunsthandwerker.<br />
Ich bin begeisterter Fan und<br />
leidenschaftlicher Sammler.“<br />
7
FÜR DIE OUALITÄT<br />
Michael Friedrich ist sich sicher: „Brauen ist eine Kunstform und Bier komplexer<br />
als das einfache Pilsner zum Feierabend“, sagt der Diplom-Braumeister. In<br />
seinem Ein-Mann-Betrieb, der Stonewood Braumanufaktur in Chemnitz, braut<br />
er 20 verschiedene Craft-Beer-Sorten. „Besonders Ale, Stout und Sauerbier kommen<br />
bei den Kunden an“, sagt der Brauer. Neben dem Verkauf im Online-Shop,<br />
auf Veranstaltungen und in lokalen Geschäften bietet er Biertastings und Braukurse<br />
an. „Die Events sind sehr gefragt“, freut er sich. Als zertifizierter Biersommelier<br />
hat Michael Friedrich viel zu erzählen. „Ich versuche den Kunden<br />
andere Biersorten aufzuzeigen und präsentiere verschiedene Bierstile“, verrät<br />
der Braumeister. Auch zur Geschichte und aktuellen Biertrends kann Michael<br />
Friedrich <strong>Einblick</strong>e geben. „Bier war schon immer vielfältig. Erst mit der Pilsrevolution<br />
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Abwechslung weniger. Derzeit<br />
ist vor allem das bayerische Helle angesagt“, verrät Friedrich.<br />
8
Michael Friedrich kennt sich mit dem<br />
<strong>Handwerk</strong> rund ums Bier aus. Der<br />
Diplom-Braumeister ist einer der<br />
besten Biersommeliers Deutschlands.<br />
Bei seinen eigenen Craft-Beer-Sorten<br />
wagt der Brauer gern Experimente.<br />
9
ZAHLEN UND FAKTEN<br />
Das <strong>Handwerk</strong> ist ein wichtiges Standbein der sächsischen<br />
Wirtschaft. Die wichtigsten Zahlen und Fakten im Überblick<br />
3.553 NEUE UNTERNEHMEN<br />
wurden im Jahr 2021 mit Bezug zu<br />
einem <strong>Handwerk</strong> angemeldet<br />
DURCHSCHNITTLICH 25,8<br />
Milliarden Euro erwirtschaftet das<br />
sächsische <strong>Handwerk</strong> jährlich<br />
56.335 UNTERNEHMEN<br />
waren 2021 mit einem <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />
in Sachsen registriert<br />
50 JAHRE<br />
ist das Durchschnittsalter der <strong>Handwerk</strong>sunternehmer<br />
im Freistaat<br />
40.420 BETRIEBE<br />
sind in Sachsen als zulassungspflichtige<br />
Meisterbetriebe registriert<br />
MEHR ALS 900<br />
Lehrstellen in Sachsen sind online für das<br />
Lehrjahr 2022/23 ausgeschrieben<br />
www.ich-kann-etwas.de<br />
ca. 320.000 MENSCHEN<br />
arbeiteten im vergangenen Jahr landesweit<br />
in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />
ca. 90 PROZENT<br />
der in Sachsen hergestellten handwerklichen<br />
Produkte sind für den lokalen Markt<br />
5.444 NEU-LEHRVERTRÄGE<br />
wurden zum vergangenen Ausbildungjahr<br />
im <strong>Handwerk</strong> unterschrieben<br />
FAST JEDES 2.<br />
sächsische <strong>Handwerk</strong>sunternehmen ist<br />
im Bau- und Ausbau tätig<br />
10
Das <strong>Handwerk</strong> mag sich<br />
verändert haben, die Einstellung<br />
nicht: die Mitarbeiter<br />
der DZH-Schepitz.<br />
SEIT<br />
90<br />
JAHREN<br />
FÜR DIE KUNDEN UNTERWEGS<br />
Das Dresdner Unternehmen DZH-Schepitz feiert 2022 ein<br />
ungewöhnliches Jubiläum: Vor 90 Jahren, im Juni 1932,<br />
gründete Emil Schepitz den Betrieb. Damals hieß die Firma<br />
für Energie- und Gebäudetechnik noch Dresdner Zentralheizungsbau<br />
Schepitz und Müller, womit sich die Abkürzung<br />
DZH erklärt. Seitdem ist der Betrieb mit seinen Beschäftigten<br />
für die Dresdner Kundschaft im Einsatz und überstand<br />
dabei Höhen und Tiefen: So starb der Firmengründer bei<br />
den Bombenangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945. Seine<br />
Frau Frieda und Sohn Heinz führten das Unternehmen<br />
weiter, was in der DDR zeitweise ganz schön schwierig war.<br />
Noch vor der Wiedervereinigung rettete Heinz Schepitz<br />
seine Firma, indem er sich mit der Maurer-Gruppe aus<br />
Baden-Württemberg verband. 60 Beschäftigte kümmern<br />
sich heute um Planung, Ausführung und<br />
Service von Heizung-, Klima- und Sanitäranlagen. „Unsere<br />
Mitarbeiter leisten seit Jahrzehnten schon tagtäglich einen<br />
Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Geschäftsführer Tobias<br />
Maurer stolz. „Mit jedem alten Heizkessel, den sie durch ein<br />
modernes, energieeffizientes Heizsystem ersetzen, sinkt<br />
der CO2-Ausstoß.“ 90 Jahre – eine lange Firmengeschichte,<br />
die in Fotos und Texten dokumentiert ist. „Zum Jubiläum<br />
bringen wir Mitte dieses Jahres eine Chronik heraus“, freut<br />
sich der Chef. „Ohne das sächsische <strong>Handwerk</strong> wären wir<br />
in vielen Lebenslagen aufgeschmissen. Das gilt auch für die<br />
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von DZH-Schepitz“, sagt<br />
der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Martin Modschiedler. „Egal, ob modernste<br />
Badtechnik oder Heizen mit erneuerbaren Energien:<br />
Das Unternehmen verbindet mittelständische<br />
Tradition mit innovativen Technologien.“<br />
Martin Modschiedler<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
11
AUF DER SUCHE<br />
NACH DEM<br />
GOLDENEN<br />
BODEN<br />
„Als meine Berufskollegen vor<br />
mehr als 30 Jahren den Beruf erlernten,<br />
waren sie froh, den Fahrradanhänger<br />
als Transportmittel<br />
zu den Baustellen losgeworden zu<br />
sein“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Kay Ritter. Bei der Besichtigung der<br />
Übungsanlagen im njumii – dem<br />
Bildungszentrum des <strong>Handwerk</strong>s –<br />
zeigt er sich sehr beeindruckt.<br />
„Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten.<br />
Aber das ist auch eine<br />
Aufgabe“, sagt er.<br />
Der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Kay Ritter, selbst Gas-Wasser-Installateur,<br />
spricht mit dem Präsidenten des Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stags<br />
Jörg Dittrich über Wertschätzung und Herausforderungen<br />
Hat das <strong>Handwerk</strong> noch goldenen Boden?<br />
Kay Ritter: „Der goldene Boden, der hat aus meiner Sicht gerade<br />
einen doppelten Boden bekommen. <strong>Handwerk</strong> lohnt sich nach<br />
wie vor. Allein die Tatsache, dass wir aktuell an der Energiewende<br />
arbeiten: Das geht nicht ohne <strong>Handwerk</strong>er!“<br />
Jörg Dittrich: „Goldener Boden klingt so monetär. Goldener Boden<br />
ist für mich Perspektive und Sinn. Das war schon immer so.<br />
Dass es auf diesen Wegen einen großen Wandel gibt, ist vollkommen<br />
klar. Aber ich sage häufig: Jesus und Josef waren auch<br />
Zimmererleute. Und das <strong>Handwerk</strong> gibt es immer noch. Also<br />
warum soll das die nächsten 2000 Jahre anders sein?<br />
Wir leben aber in schwierigen Zeiten ...<br />
Ritter: „Als Politiker, der seine Wurzeln im <strong>Handwerk</strong> hat, sage ich:<br />
So schwer die Dinge auch sind, das <strong>Handwerk</strong> steht immer bereit!<br />
Wir tun einiges dafür: Als meine Berufskollegen vor mehr als 30<br />
Jahren den Beruf erlernten, waren sie froh, den Fahrradanhänger<br />
als Transportmittel zu den Baustellen losgeworden zu sein! Und<br />
jetzt haben wir Möglichkeiten wie in diesem Bildungszentrum!“<br />
12
„Ich bin jetzt bei uns in der Firma<br />
die vierte Generation“, sagt Jörg<br />
Dittrich, Präsident des sächsischen<br />
<strong>Handwerk</strong>stags und der Dresdner<br />
<strong>Handwerk</strong>skammer. Sein Sohn und<br />
sein Neffe sind genau wie seine<br />
Frau ebenfalls in der Firma engagiert.<br />
„Diese Erfüllung, in der Familie<br />
zu arbeiten, ist eine äußerst<br />
befriedigende Sache“, sagt er.<br />
Dittrich: „Ich bin jetzt bei uns in der Firma die vierte Generation<br />
und habe heute schon die langfristige Perspektive: Die<br />
fünfte Generation ist in der Firma tätig. Auch meine Frau leitet<br />
die Firma mit. Diese Erfüllung, in der Familie zu arbeiten,<br />
wenn du das von Kleinauf so lernst, dann ist das eine äußerst<br />
befriedigende Sache.“<br />
Wird das <strong>Handwerk</strong> denn genug wertgeschätzt?<br />
Ritter: „Ich würde sagen: wieder. Wir hatten mal eine Zeit, wo<br />
diese „Geiz ist geil“-Mentalität unterwegs war und da hatte das<br />
<strong>Handwerk</strong> aus meiner Sicht nicht den Stellenwert, den es tatsächlich<br />
benötigt. Das ist erst gekommen, als die Leute gemerkt<br />
haben: Ups, jetzt gibt es ja gar keinen Nachwuchs mehr. Früher<br />
hatten wir 5.000 Lehrstellen und <strong>15</strong>.000 Bewerber, heute sieht<br />
das ganz anders aus. Und das müssen wir natürlich angehen.<br />
Dittrich: „Die prinzipielle Wertschätzung ist da. Was wir hier<br />
wunderbar anfügen können: Ich würde mir manchmal mehr<br />
politisches Handeln wünschen, das sich an diesen wertschätzenden<br />
und -erhaltenden Kriterien orientiert. Also wenn ein<br />
13
Zur Person<br />
Kay Ritter ist <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneter im Wahlkreis 26<br />
(Leipziger Land 4). Der Sohn schlesischer Heimatvertriebener<br />
kam 1971 in Wurzen zur Welt. Er ist verheiratet und hat zwei<br />
Kinder. Nach der Oberschule lernte er zunächst Facharbeiter<br />
für Werkzeugmaschinen. Es folgten eine Ausbildung zum<br />
Gas-Wasser-Installateur und der Abschluss zum Betriebswirt.<br />
Seit 2009 ist er Mitglied im Kreisvorstand der <strong>CDU</strong> Landkreis<br />
Leipzig, seit 2013 Stadtrat in Wurzen, seit 2019 dort auch<br />
Fraktionsvorsitzender. Nachdem er von 2016 bis 2019 Mitglied<br />
des Kreistages Landkreis Leipzig war, zog er 2019 als Direktkandidat<br />
in den Landtag ein. Dort ist er u.a. Mitglied im<br />
Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.<br />
neues Gesetz kommt, sollten sich alle fragen, ob es geeignet ist,<br />
Familienbetriebe zu fördern. Das ist etwas, wo wir im ständigen<br />
Austausch sind und ich mich freue, mit Herrn Ritter einen kompetenten<br />
Gesprächspartner zu haben.“<br />
Wie steht es denn um das <strong>Thema</strong> Ausbildung?<br />
Dittrich: „Es ist ein Vorzug meines Ehrenamtes, dass ich mitbekomme,<br />
wie es in andern Ländern läuft. Dort heißt es oft: Eure<br />
duale Berufsbildung, die wollen wir auch! Aber eine gesetzliche<br />
Mitgliedschaft in Kammern, die nicht! Dabei ist es doch ein riesiger<br />
Erfolg, dass die duale Berufsbildung den Kammern übertragen<br />
wurde. Als Unternehmer hätten wir sonst noch viel mehr<br />
Bürokratie am Hals. Für viele Betriebe sind aber auch Kultur und<br />
Berufsehre ein Grund, junge Leute auszubilden. Das sind Dinge,<br />
die mich sehr berühren!“<br />
Damit sind wir beim <strong>Thema</strong> Fachkräftemangel ...<br />
Dittrich: „... ein <strong>Thema</strong>, das uns beide, Herrn Ritter und mich,<br />
gleichermaßen umtreibt. Zum einen gibt es die politische Forderung,<br />
dass die duale Ausbildung gestärkt werden muss. Das<br />
<strong>Handwerk</strong> hat schon immer über Bedarf ausgebildet. Da wir zu<br />
viele universitäre Absolventen haben, müssen wir schauen: Wie<br />
kannst du jene fördern, die ausbilden? Und wie kannst du Menschen<br />
dazu bewegen, diesen Weg zu gehen und zu erkennen,<br />
dass das eine erfüllende Aufgabe sein kann?“<br />
Ritter: „Landespolitik wie auch Kommunen haben verstanden, dass<br />
da Handlungsbedarf besteht. Wir haben gerade die Verteilung der<br />
Berufsschulzentren so arrangiert, dass wir auch in der Fläche gut<br />
aufgestellt sind. Außerdem werden wir wieder verstärkt fördern,<br />
dass in den Schulen das <strong>Handwerk</strong> beworben wird.“<br />
Was kann die Politik noch tun?<br />
Ritter: „Wir haben den Meister-Bonus eingeführt. Und mit der<br />
,kleinen Bauvorlage‘ dürfen <strong>Handwerk</strong>er künftig viel mehr als<br />
bisher – das dürfte einiges für die Betriebe im Baubereich verbessern.<br />
Das trägt sicher auch dazu bei, dass die <strong>Handwerk</strong>sberufe<br />
wieder mehr Anerkennung erfahren.“<br />
14
„So schwer die Dinge auch sind,<br />
das <strong>Handwerk</strong> steht bereit.“<br />
Kay Ritter, <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
Dittrich: „Das belegt die Wertschätzung der Politik fürs <strong>Handwerk</strong>.<br />
Trotzdem scheuen zu viele Menschen davor zurück, eine Firma zu<br />
gründen, Verantwortung zu übernehmen. Offenkundig brauchen<br />
wir mehr Anreize für Wagemutige, weniger Bürokratie.“<br />
Welche Rolle spielt da die Digitalisierung?<br />
Ritter: „Ich bin ja selber auch noch als Stadtrat in Wurzen aktiv.<br />
Die Stadt ist gerade mit 27 anderen Städten in einem Projekt,<br />
das nennt sich Rathaus-Cloud. Wo jede Kommune<br />
eine bestimmte Entwicklungsaufgabe für einen Schritt der<br />
Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen übernommen hat.<br />
Damit nicht jeder den kompletten Werkzeugkoffer neu erfinden<br />
muss, sondern jeder nur ein Werkzeug umsetzt. So etwas<br />
müssen wir mehr fördern!“<br />
Zur Person<br />
Der Dresdner Dachdeckermeister Jörg Dittrich ist seit 2012<br />
Präsident der <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden. 2021 wurde er<br />
außerdem zum Präsidenten des Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stages<br />
gewählt, der höchsten politischen Interessenvertretung<br />
des <strong>Handwerk</strong>s im Freistaat. Dittrich absolvierte zunächst<br />
eine Lehre zum Dachdecker im väterliche Betrieb, den er inzwischen<br />
in vierter Generation führt. 1995 legte er erfolgreich<br />
die Meisterprüfung ab. Im selben Jahr beendete er ein berufsbegleitendes<br />
Fernstudium zum Diplom-Ingenieur (FH) für<br />
Hochbau an der Fachhochschule Zittau. Der Sächsische <strong>Handwerk</strong>stag<br />
vertritt aktuell mehr als 56.000 Betriebe, in denen es<br />
insgesamt etwa 300.000 Beschäftigte gibt.<br />
Dittrich: „Ein gutes Beispiel. Kannte ich noch gar nicht. Und<br />
doch: In meinen Augen sind viele Verwaltungsprozesse zu<br />
langsam. Wir müssen die Chance nutzen, die Prozesse neu zu<br />
strukturieren, komplett neu aufzusetzen und damit zu beschleunigen.<br />
Dass die Bürokratie nicht bremst!“<br />
Ritter: „Und mit dem graue Flecken-Programm, mit dem wir den<br />
Breitbandausbau weiter voranbringen, gehen wir gleich den<br />
nächsten Schritt!“<br />
Eine Frage zum Abschluss: Würden Sie sich gegenseitig<br />
empfehlen, beruflich die Seite zu wechseln?<br />
Ritter: „Als ehrenamtlicher Kammerpräsident ist er ja im<br />
Grunde schon in der Politik aktiv. Zutrauen würde ich es ihm<br />
auf jeden Fall. Ob es seine Welt ist, kann ich aber nicht beantworten<br />
...“ (lacht)<br />
Dittrich: „Richtig. Ich bin nicht parteipolitisch gebunden, aber<br />
handwerkspolitisch unterwegs. Es ist natürlich schön, einen<br />
Kollegen zu treffen. Er ist <strong>Handwerk</strong>er, ich bin <strong>Handwerk</strong>er. Das<br />
ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht. Ich würde mir<br />
wünschen, dass sich noch mehr Leute engagieren. Politisch,<br />
gesellschaftlich, in Innungen, in Parteien, bei der Feuerwehr.“<br />
<strong>15</strong>
Lehrlinge werden zu Lehrern: In den Deutschen<br />
Werkstätten in Hellerau können Schüler<br />
der angrenzenden Oberschulen mehr<br />
über das <strong>Handwerk</strong> erfahren und sogar eigene<br />
kleine Projekte realisieren.<br />
WERKSTATT-BESUCH<br />
Das <strong>Handwerk</strong> sorgt sich um den Nachwuchs, die Zahl der Bewerber ist zurückgegangen. Die<br />
Deutschen Werkstätten in Hellerau holen Oberschüler in die Werkstätten<br />
Zweimal die Woche herrscht ganz schönes Treiben in den<br />
Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH): Dann werden<br />
die Lehrlinge des Unternehmens selbst zu „Lehrern“. Im<br />
Rahmen eines Ganztagsangebotes (GTA) sind zwei Gruppen<br />
mit sechs Schüler am Hauptsitz des Unternehmens<br />
in Dresden-Hellerau zu Gast. Dort erhalten sie von den<br />
Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres Unterricht in der<br />
Arbeit mit Holz. Das Ziel: interessierte Jugendliche frühzeitig<br />
an das Tischlerhandwerk heranführen. Erstmals<br />
2021 hat das Unternehmen das Ganztagsangebot an<br />
der 82. Oberschule am Flughafen, der Oberschule<br />
Weixdorf und der Kurfürst-Moritz-Oberschule in<br />
16<br />
Boxdorf vorgestellt und ist gleich auf reges Interesse gestoßen.<br />
Die Gruppen sind bis zu anderthalb Stunden im<br />
Unternehmen, nach der regulären Unterrichtszeit. Sie<br />
werden dabei von ein bis zwei Lehrlingen unterrichtet<br />
und lernen die Grundlagen des <strong>Handwerk</strong>s, etwa das traditionelle<br />
Zinken, kennen. Während der GTA-Stunden können<br />
auch kleine Werkstücke entstehen, wie Fußbänke oder<br />
Werkzeugkisten. Die Teilnehmer dürfen aber auch gern<br />
selbst kreativ werden und eigene Entwürfe entwickeln.<br />
Kompetenzen stärken und Fachkräfte der Zukunft<br />
gewinnen, das sind die Ziele des Unternehmens<br />
bei dem GTA-Projekt. Möglicherweise entsteht so<br />
Christian Hartmann<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktionschef
ja der Kontakt zu einem späteren Lehrling, auch wenn die<br />
Personalgewinnung nicht das erste Ziel ist. Zwar ist die<br />
Bewerberzahl nach wie vor recht hoch, wie Betriebsleiter<br />
Michael Dupke verrät. Zumal die Werkstätten Hellerau<br />
eine der bekanntesten Ost-Marken überhaupt sind. Trotzdem<br />
ist sich Dupke sicher: Langfristig müsse die gesamte<br />
Branche mehr tun, um Bewerber zu gewinnen. Von dem<br />
GTA-Projekt profitieren aber auch die Lehrlinge, die in die<br />
Rolle der Lehrer schlüpfen dürfen, ist sich der Geschäftsführende<br />
Gesellschafter Fritz Straub sicher: „Wir haben<br />
uns zu einem Hochtechnologie-Unternehmen entwickelt,<br />
das sehr komplexe und anspruchsvolle Projekte bearbeitet.<br />
Dafür benötigen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,<br />
die sehr eigenverantwortlich agieren, kommunikationsstark<br />
und lösungsorientiert sind“, sagt er. „Diese Denkund<br />
Arbeitsweisen werden bei unseren Lehrlingen durch<br />
diese neue Aufgabe gefördert.“<br />
MEIN TAG ALS<br />
PRAKTIKANT<br />
Ein Landtagsabgeordneter berichtet<br />
Bei Friseurmeister Edgar Krug<br />
lernt Alexander Dierks an einem<br />
Modellpuppenkopf, Lockenwickler<br />
fachgerecht einzudrehen.<br />
„Die Werkstätten Hellerau haben sich von einer Möbelfabrik<br />
zu einem Hochtechnologie-Unternehmen entwickelt,<br />
das weltweit komplexe Projekte bearbeitet“, lobt der<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktionsvorsitzende Christian Hartmann. „Dafür<br />
braucht es top ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.<br />
Das ist auch der Grund, weshalb Bildung und Ausbildung<br />
bei den Werkstätten Hellerau seit jeher einen hohen<br />
Stellenwert besitzen. Fritz Straub hat das früh erkannt und<br />
investiert viel Zeit, Geld und Herzblut in den Nachwuchs<br />
– mit Erfolg!“, so der Dresdner <strong>CDU</strong>-Abgeordnete. Die Deutschen<br />
Werkstätten sind auf eine von Karl Schmidt 1898 gegründete<br />
Tischlerei zurückzuführen. Nach Jahrzehnten, in<br />
denen das Unternehmen überwiegend Möbel gebaut hat,<br />
hat es sich inzwischen auf die Anfertigung von exklusiven,<br />
maßgefertigten Innenräumen für Mega-Jachten und Luxusvillen<br />
spezialisiert. Die Kundschaft stammt dabei aus<br />
der ganzen Welt. Von den rund 400 Beschäftigten sind allein<br />
320 am Sitz in Hellerau tätig, weitere arbeiten im Werk<br />
in Großröhrsdorf, das im Mai 2020 eröffnet wurde.<br />
Alexander Dierks ist Landtagsabgeordneter aus<br />
Chemnitz. Der studierte Politikwissenschaftler hatte<br />
mit <strong>Handwerk</strong> eigentlich wenig zu tun. Deswegen<br />
ist es ihm besonders wichtig, den regelmäßigen<br />
Austausch mit den Betrieben seines Wahlkreises zu<br />
suchen. Regelmäßig wird er deswegen für einen Tag<br />
zum Praktikanten. Ob beim Friseur, bei einem Bäcker,<br />
in einer Fleischerei oder einem Klempnerbetrieb.<br />
„Mich reizt die Chance, ein Gefühl für die Gewerke<br />
zu bekommen“, sagt er. „Dabei tauscht man sich über<br />
den Arbeitsalltag aus. Das vergrößert den <strong>Einblick</strong> in<br />
die tägliche Arbeit des anderen – für mich in die der<br />
<strong>Handwerk</strong>erinnen und <strong>Handwerk</strong>er und für sie in die<br />
des Landtagsabgeordneten.“<br />
Auch andere Betriebe in Sachsen bemühen sich, Schüler für das<br />
<strong>Handwerk</strong> zu begeistern und in das eigene Unternehmen zu<br />
holen. Im Rahmen des Projektes „SCHAU REIN! Woche der offenen<br />
Unternehmen Sachsen“ etwa haben Schüler einmal im<br />
Jahr die Möglichkeit, Unternehmen von innen kennenzulernen<br />
und mehr über ihren Traumberuf zu erfahren. Die Themenwoche<br />
ist immer im März und Sachsens größte Initiative<br />
zur Berufsorientierung. Die nächste SCHAU-<br />
REIN!-Woche findet vom 13. bis 18. März 2023 statt.<br />
Mehr Infos unter www.schau-rein-sachsen.de<br />
17
Weil der Rücken ihm zu schaffen macht, arbeitet<br />
Günter Ottiger lieber an der Werkbank.<br />
„Beim Werkzeug hat sich im Grunde nicht<br />
viel verändert“, sagt er auf die Frage, was sich<br />
seit seiner Lehre 1945 geändert hat.<br />
HANDWERK<br />
„In der Ausbildung haben wir vom Schmieden bis zu Metallarbeiten alles gelernt“, erzählt<br />
Günter Ottiger. Nachdem er zu DDR-Zeiten immer mehrere Beschäftigte hatte, steht er heute<br />
nur noch allein in der Werkstatt.<br />
18
DER RUHESTAND IST<br />
NICHTS FÜR MICH<br />
Günter Ottiger aus Bautzen ist 92 Jahre alt. Eigentlich hätte er 1994 in Rente gehen können.<br />
Doch der Kraftfahrzeug-Elektromeister kann nicht von seinem <strong>Handwerk</strong> lassen<br />
Jeden Tag begibt sich der 92-jährige Günter Ottiger in seine<br />
IM WANDEL<br />
Werkstatt in der Thomas-Müntzer-Straße in Bautzen. Dort repariert<br />
er defekte Lichtmaschinen, kümmert sich um nicht<br />
funktionierende Anlasser und ersetzt kaputte Zündmagnete.<br />
„Vom Oldtimer bis zu aktuellen Autos repariere ich alles“, sagt<br />
der gelernte Kraftfahrzeug-Elektromeister. Dabei müsste er in<br />
seinem Alter schon lange nicht mehr in der Werkstatt stehen.<br />
Der Witwer liebt seinen Beruf, steht dafür jeden Morgen<br />
um 4.30 Uhr auf und steht spätestens um 7 Uhr in der<br />
Werkstatt. „Mich treibt die Freude an der Arbeit an. Der<br />
Ruhestand ist nicht zufriedenstellend“, sagt er. „Wenn ich<br />
jemandem helfen kann, dann freut mich das.“ Seine Wohnung<br />
liegt direkt über der Werkstatt. Der Vater baute das<br />
Haus 1953, nachdem er den 1901 gegründeten Betrieb vorher<br />
schon an anderen Stellen in Bautzen betrieben hatte.<br />
Ottiger hatte schon während des Krieges immer nach der<br />
Schule in der Werkstatt ausgeholfen. Damit unterstützte er<br />
seine Mutter, die den Betrieb während der Kriegsjahre allein<br />
weiterführen musste. Für Sohn Günter folgte 1945 bis<br />
1948 die Lehre im elterlichen Betrieb. Nach dem Studium<br />
an der Technikerschule in Bautzen und der Ingenieurschule<br />
in Köthen arbeitete er eine Weile in einem Industriebetrieb<br />
im heutigen Chemnitz. Später übernahm er dann die Werkstatt<br />
des Vaters. Seine eigene Tochter ist heute 62 Jahre alt<br />
und betreibt ein eigenes Unternehmen in Thüringen.<br />
„Früher waren die Regler in den Kfz mechanisch. Heute wird<br />
sehr viel mit Elektronik gearbeitet“, antwortet er auf die Frage,<br />
was sich im Laufe der Zeit in seinem Beruf geändert hat.<br />
„Beim Werkzeug aber hat sich im Grunde nichts geändert.<br />
Früher war viel in Zoll. Heute wird das metrische System<br />
verwendet. Die Amerikaner haben nochmal besondere<br />
Maße.“ Ab und an gibt es mal keine Ersatzteile mehr, weil die<br />
Maschinen schon so viele Jahre auf dem Buckel haben. Dann<br />
ist sein Erfindergeist gefragt. Eine Eigenschaft, die die Kundschaft<br />
sehr schätzt.<br />
Über mangelnde Aufträge und Anfragen kann sich der 92-Jährige,<br />
der schon 1994 in Rente hätte gehen können, nicht beklagen.<br />
Das zeigt ihm, wie wichtig sein Beruf auch heute noch<br />
ist. Heimische Landwirte bringen gern mal ihre Maschinen zu<br />
ihm, regelmäßig tauchen auch Liebhaber von Oldtimern auf,<br />
um seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Ein Rückenleiden<br />
macht ihm das Bücken schwer; deswegen arbeitet er lieber an<br />
einzelnen Aggregaten und nicht mehr direkt an Autos. „Ich<br />
bin gut ausgelastet. Den Bedarf kann ich teilweise gar nicht<br />
zeitgerecht erledigen“, verrät er.<br />
„Das <strong>Handwerk</strong> ist seit jeher eine tragende Säule unserer<br />
Gesellschaft. Was Herr Günter Ottiger Tag für Tag in seiner<br />
Werkstatt in Bautzen vollbringt, ist bemerkenswert“, sagt<br />
der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Marko Schiemann aus Bautzen. „Mit<br />
über 90 Jahren als Meister im <strong>Handwerk</strong> aktiv zu sein, ist<br />
ein Beweis für sein Ansehen, sein fachliches Können und<br />
seine qualifizierte Arbeit. Immer in Bewegung zu bleiben,<br />
hält ihn fit. Ich ziehe meinen Hut vor ihm“, so Schiemann.<br />
Und lobt noch weiter: „Seine meisterhaften handwerklichen<br />
Fähigkeiten und vor allem die Freude an der Arbeit hat<br />
er an Generationen von jungen Leuten weitergegeben. Dafür<br />
möchte ich ihm ganz herzlich danken und wünsche<br />
ihm weiterhin alles Gute!“<br />
Marko Schiemann<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
19
Als Fleischsommelier kennt sich<br />
Sebastian Herzog bestens aus<br />
mit Rind, Schwein, Lamm und<br />
Geflügel und neuen, internationalen<br />
Zuschnitten.<br />
GESCHMACK IST<br />
MEIN BERUF<br />
Fleischermeister Sebastian Herzog verbindet<br />
Qualität mit Innovation und kreativen Ideen<br />
Als einer der Ersten in Sachsen hat Fleischermeister Sebastian<br />
Herzog aus Spitzkunnersdorf die Spezialausbildung<br />
zum Fleischsommelier absolviert. Sein dabei gelerntes<br />
Wissen kommt seitdem jeden Tag in seiner Landfleischerei<br />
& Catering Karl Herzog zum Einsatz. „Wir Fleischsommeliers<br />
sehen uns als Genussbotschafter für eine gesunde<br />
und hochqualitative Ernährung mit Fleisch und in Kombination<br />
mit regionalen Lebensmitteln“, sagt der <strong>Handwerk</strong>er.<br />
Das Familienunternehmen im Landkreis Görlitz<br />
kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken.<br />
Sebastian Herzog, der auch einen Abschluss als Betriebswirt<br />
hat, leitet das Unternehmen in vierter Generation.<br />
Gemeinsam mit seinem Vater Karl Herzog arbeitet er<br />
weiter am Ausbau: Neben mehreren Filialen gehören inzwischen<br />
auch Herzog's Fleischmanufaktur und die Fürstlich-Tafeln<br />
Events- & Catering GmbH dazu. Qualität mit<br />
kreativen Ideen verbinden, das ist ihnen wichtig.<br />
BESUCH AUS FRANKREICH<br />
Französische Azubis zu<br />
Gast in Dresden.<br />
Anfang März 2022 konnte die <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden<br />
wieder eine Gruppe französischer Auszubildender begrüßen.<br />
Die angehenden Fleischer aus Bordeaux absolvierten ein<br />
Auslandspraktikum in ostsächsischen Fleischerei-Betrieben.<br />
Gleichzeitig war eine Gruppe mit künftigen Mechatronikern<br />
für Kältetechnik aus Toulouse in der Region als Praktikanten<br />
in Betrieben. Auslandsaufenthalte von deutschen Azubis sind<br />
auch im <strong>Handwerk</strong> inzwischen weit verbreitet. Ob Gruppenfahrten<br />
für Azubis, Einzelentsendungen von Gesellen oder<br />
Bildungsreisen für Ausbilder: Bei Aufenthalten in der ganzen<br />
Welt können Fremdsprachenkenntnisse vertieft und neue<br />
Fachkompetenzen und Arbeitstechniken erworben werden.<br />
Über mögliche finanzielle Unterstützungen informieren die<br />
Kammern. Bei der Organisation und Förderung eines Auslandspraktikums<br />
unterstützt die <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden gern.<br />
20
In seiner mobilen Werkstatt repariert Sebastian<br />
Brauer unterwegs Zweiräder. Das<br />
<strong>Handwerk</strong> verbindet er mit der Entwicklung<br />
neuer Teile für E-Fahrräder. „Der Mensch will<br />
immer höher und weiter. Das E-Bike ist der<br />
nächste Schritt“, sagt er.<br />
MEINE ROLLENDE FAHRRAD-WERKSTATT<br />
Fahrräder sind im Trend, besonders die mit elektrischem Motor. Sebastian Brauer ist<br />
Zweiradexperte aus Delitzsch und kennt jede Schraube<br />
Bereits seit der Kindheit lebt Sebastian Brauer auf zwei<br />
Rädern. „Mein Vater hat mich häufig mit dem Motorrad<br />
mitgenommen. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden“,<br />
erzählt der 33-Jährige. Für ein kleines Taschengeld macht<br />
er als Jugendlicher alte DDR-Mopeds wieder fit. In der Freizeit<br />
fährt er Motocross und schraubt an den Maschinen.<br />
„Auf dem Zweirad unterwegs zu sein ist ein anderes Gefühl<br />
als im Auto. Man ist der Natur wesentlich näher“, sagt<br />
er. Seine Leidenschaft machte er schließlich zum Beruf,<br />
erst mit einer Lehre zum KFZ-Mechatroniker und später<br />
mit dem Studium im Maschinenbau.<br />
Heute ist Sebastian Brauer Maschinenbauingenieur und<br />
Zweirad-Mechatroniker und engagiert sich bei der mitteldeutschen<br />
Zweiradinnung im Vorstand. Spezialisiert<br />
ist er auf E-Fahrräder. In seiner E-Rides-Werkstatt<br />
in Delitzsch verkauft er E-Mountainbikes und entwickelt<br />
Zubehör und Serienteile für die modernen Zweiräder.<br />
Mit einer mobilen Fahrradwerkstatt, einem umgebauten<br />
Anhänger, ist der Zweiradexperte zudem auf Events<br />
unterwegs. „Bei mir gehen <strong>Handwerk</strong> und Entwicklung<br />
Hand in Hand“, erzählt er. E-Bikes sind derzeit bei den Kunden<br />
besonders beliebt. Das Geschäft in der Mikromobilität<br />
läuft gut. Dennoch wünscht sich Sebastian Brauer auch<br />
Unterstützung. „Gerade mit Blick auf die Mobilitätswende<br />
sollte überlegt werden, ob Subventionen für Zweiräder angemessen<br />
sind“, schlägt der Fahrradexperte vor.<br />
Jörg Kiesewetter ist direkt gewählter Abgeordneter aus<br />
Nordsachsen. Der Wirtschaftspolitiker sagt: „Besonders<br />
das <strong>Handwerk</strong> hat die innovative Kraft, auf gesellschaftliche<br />
Entwicklungen schnell und kundenorientiert reagieren<br />
zu können. Sebastian Brauer beweist dies<br />
mit seinem Geschäft.“<br />
Jörg Kiesewetter<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
21
WAS BEDEUTET ES,<br />
UNTERNEHMER<br />
ZU SEIN?<br />
Die Fleischerei Schempp wurde 1905 als Landfleischerei<br />
gegründet. Vor sieben Jahren hat<br />
Christoph Schempp das Unternehmen von seinen<br />
Eltern übernommen. Seitdem entwickelt<br />
der das Angebot der Fleischerei stetig weiter.<br />
22
Kreativität, Tatendrang und Leidenschaft gehören<br />
dazu: In ihrem Unternehmen sind diese<br />
<strong>Handwerk</strong>er ihr eigener Chef<br />
Mit der eigenen Firma kommen Freiheiten, aber auch Verpflichtungen.<br />
Christoph Schempp weiß das ganz genau. Der<br />
junge Fleischermeister hat 2016 die Land- und Wildfleischerei<br />
der Familie im Thiendorfer Ortsteil Tauscha im Landkreis<br />
Meißen übernommen, nachdem er bereits seit 2011 die Filiale<br />
in Radebeul geleitet hatte. Mit weiteren Geschäften in<br />
Ottendorf-Okrilla, Königsbrück, Schönfeld, Radeburg und<br />
Coswig ist die Land- und Wildfleischerei Schempp überregional<br />
aktiv. „Der Anspruch ist es, die Firma immer weiterzuentwickeln,<br />
uns selbst weiterzubilden und so den Kunden immer<br />
etwas Besonders bieten zu können“, sagt der <strong>Handwerk</strong>er.<br />
BBQ im Trend sind. „Die Grillkurse sind bundesweit beliebt.<br />
Vor Kurzem waren zum Beispiel Kunden aus Bayern oder<br />
Schleswig-Holstein bei uns zu Besuch“, freut sich Grillmeister<br />
Schempp. Der Landtagspräsident und Meißener <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Matthias Rößler lobt das Engagement des jungen<br />
Unternehmers. „Früher hatte <strong>Handwerk</strong> ,goldenen Boden',<br />
in Zukunft werden junge <strong>Handwerk</strong>smeister wie Christoph<br />
Schempp ,mit Gold aufgewogen'“, sagt er. „Christoph<br />
Schempp sichert in seiner Landfleischerei Arbeitsplätze, bildet<br />
Lehrlinge aus und setzt mit Nachhaltigkeit und regionalen<br />
Genussprodukten ein modernes Unternehmenskonzept<br />
um“, sagt der <strong>CDU</strong>-Politiker.<br />
Ebenfalls Chef im Familienunternehmen ist Thomas<br />
Gallitzdorfer. Der 55-Jährige übernahm 2011 den Betreib<br />
von seinen Eltern. Gegründet wurde die Raumausstat-<br />
Nach Abschluss zum Diplom-Wirtschaftsingenieur war<br />
Christoph Schempp ab 2010 zunächst Vertriebsleiter<br />
in der elterlichen Fleischerei. Sein Wissen aus<br />
dem Studium konnte er so in der Betriebs-<br />
praxis vertiefen. Seine Leidenschaft zum<br />
<strong>Handwerk</strong> zeigte er schließlich 2016 mit<br />
der erfolgreichen Fleischermeisterprüfung<br />
in Leipzig. Zielstrebig arbeitet<br />
Christoph Schempp seitdem für den<br />
Erfolg seines Unternehmens. Der<br />
junge <strong>Handwerk</strong>er spricht nicht<br />
nur über das Weiterbilden – er tut<br />
es auch. Um den Kunden noch<br />
bessere Produkte bieten zu können,<br />
legte er vor drei Jahren<br />
die Prüfung zum Fleischsommelier<br />
ab. „Als solcher bin ich<br />
Botschafter für gutes Fleisch.<br />
In der Weiterbildung habe ich<br />
viel über die Tierproduktion<br />
gelernt und alles, was man für<br />
gutes Fleisch braucht“, erklärt<br />
Christoph Schempp.<br />
Thomas Gallitzdorfer leitet in dritter Generation<br />
die Raumausstatterfirma Gallitzdorfer.<br />
Neben dem <strong>Handwerk</strong> zählt für ihn<br />
auch das Unternehmertum. Individuellen<br />
Vorstellungen und Wünschen der Kunden<br />
zu entsprechen ist dabei wichtig.<br />
Sein Wissen gibt er gerne weiter.<br />
Neben der Fleischproduktion vermarktet<br />
Christoph Schempp Rinder<br />
vom benachbarten Bauern und betreibt<br />
einen Catering-Service. In Grillkursen zeigt<br />
der Fleischsommelier zudem Anfängern und<br />
Grillmeistern, welche Fleischspezialitäten beim<br />
23
terfirma Gallitzdorfer 1946 in Riesa durch Großvater Kurt<br />
Gallitzdorfer. Dieser kaufte den ehemaligen Sattlerei- und<br />
Tapeziererhandwerksbetrieb Robert Deutschmann auf der<br />
Goethestraße. Noch heute ist die Werkstatt von Thomas<br />
Gallitzdorfer hier. „Ich habe einen Gesellenbrief und seit<br />
1990 einen Meister im Raumausstatterhandwerk“, erklärt<br />
der Unternehmer.<br />
Als Firmenchef ist Thomas Gallitzdorfer der Ausgleich zwischen<br />
dem <strong>Handwerk</strong> und dem Kontakt zu Kunden wichtig.<br />
„Durch die Tradition unseres Familienbetriebes bin ich von<br />
Kindheit an mit dem <strong>Handwerk</strong> vertraut. Mich begeistern<br />
die Vielfalt der zum Raumaustatterhandwerk gehörenden<br />
Teilgebiete, die Möglichkeit zur Verarbeitung von unterschiedlichsten<br />
Materialien und der direkte Kontakt mit unserer<br />
Kundschaft“, sagt der Raumausstatter. Seinen Kunden<br />
bietet er neben der Polsterei von Stühlen, Couchgarnituren<br />
oder Fahrzeugsitzen auch Beratung für eine individuelle Gestaltung<br />
mit Rollos, Jalousien und Gardinen sowie Fußböden.<br />
Alles mit einer klaren Firmenphilosophie: Der Anspruch an<br />
die Ästhetik und Funktionalität des eigenen Wohnraums<br />
steigt stetig. Mit langjähriger Erfahrung, Tradition und handwerklichem<br />
Geschick erfüllt Thomas Gallitzdorfer die Wünsche<br />
seiner Kunden.<br />
„Die Zeiten für die <strong>Handwerk</strong>sbetriebe haben sich in den<br />
letzten Jahren sehr verändert. Die Auftragsbücher sind gut<br />
gefüllt und die Kunden müssen meistens geduldig sein“, sagt<br />
der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Geert Mackenroth aus Großenhain.<br />
„Auch bei Thomas Gallitzdorfer ist es ähnlich. Aber wie weiter<br />
mit dem Familienunternehmen? Mit Sorge blicken wir<br />
in die Zukunft und daher ist der Nachwuchs umso wichtiger“,<br />
führt der Landtagsabgeordnete weiter aus.<br />
„Unser Ziel sind gut ausgebildete Gesellen und<br />
Meister, die die Kniffe der Betriebe kennen und<br />
später ebenfalls weitergeben können, zum<br />
Wohle der Kunden und für Qualität in<br />
den Arbeitsergebnissen. Damit es auch<br />
künftig heißt: <strong>Handwerk</strong> hat goldenen<br />
Boden!“<br />
24<br />
Ausgefallene Torten, Gebäck und Brote:<br />
Isabel Bolz ist Konditormeisterin und<br />
liebt das Backen. In dem Unternehmen,<br />
in dem sie gelernt hat, ist sie jetzt Chefin.<br />
Mit Menschen arbeiten und sie glücklich<br />
zu machen ist ihr dabei sehr wichtig.<br />
Ihre eigene Chefin ist jetzt auch<br />
Isabel Bolz. Die Konditormeisterin<br />
lernte von 2002 bis 2005<br />
in dem Familienunternehmen<br />
der Bäckerei und Konditorei<br />
Schrader im vogtländischen<br />
Falkenstein. Vom Lehrling ist<br />
sie nun zur Meisterin geworden.<br />
Im April 2019 übernahm<br />
Isabel Bolz das Geschäft von<br />
Matthias Schrader und seiner<br />
Frau Andrea. „Als Selbstständige<br />
kann ich mich ausleben<br />
und kreativ sein“, sagt Isabel<br />
Bolz heute. Mit ihrem Team gestaltet<br />
sie individuelle Hochzeitstorten,<br />
Torten für Firmenfeiern<br />
und Geburtstage sowie andere –<br />
auch unkonventionelle – Kreationen.<br />
Außerdem backt das Team von Isabel<br />
Bolz täglich Plunder- und Blätterteigteil-
chen, Brot aus mehrstufigem Natursauerteig und vieles<br />
mehr. Alles hausgemacht. „Es macht einfach Spaß mit Menschen<br />
zusammenzuarbeiten und Menschen mit den eigenen<br />
Produkten glücklich zu machen“, freut sich Isabel Bolz.<br />
Ronald Pohle ist selbstständiger<br />
<strong>Handwerk</strong>er<br />
und <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneter.<br />
„<strong>Handwerk</strong>smeister zu sein bedeutet, große Verantwortung<br />
für die Mitarbeiter und das Unternehmen auf den eigenen<br />
Schultern zu tragen. Es erfordert immer neue, kreative Ideen<br />
und Mut“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Sören Voigt. „Jeder<br />
von uns kennt Menschen, für die die traditionelle Handarbeit<br />
nicht nur ein Beruf, sondern Berufung ist“, so der parlamentarische<br />
Geschäftsführer der <strong>CDU</strong>-Fraktion weiter. Er betont<br />
den Stellenwert des <strong>Handwerk</strong>s für die gesamte Gesellschaft:<br />
„Wir brauchen ein starkes <strong>Handwerk</strong> und das <strong>Handwerk</strong><br />
braucht dringend Nachwuchs. Es ist wichtiger Stabilisator<br />
in unserer Gesellschaft, besonders im ländlichen Raum.<br />
Deshalb wollen wir handwerklich arbeitende Menschen unterstützen,<br />
damit aus ihren Plänen auch Wirklichkeit wird.“<br />
Als Unternehmer und Selbstständige nehmen die <strong>Handwerk</strong>er<br />
das wirtschaftliche Risiko auf sich. Jeden Tag stehen sie<br />
vor neun kleineren und größeren Herausforderungen. Besonders<br />
der Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und die<br />
Corona-Pandemie bereiten in den Unternehmen Schwierigkeiten.<br />
Es zeigt sich aber auch: Kreativität, Tatendrang und<br />
Leidenschaft zahlen sich langfristig aus. Als Ergebnis der<br />
Konjunkturumfrage Ende vergangenen Jahres lobte Matthias<br />
Forßbohm, Präsident der HWK Leipzig, das <strong>Handwerk</strong>:<br />
„Unterm Strich hat sich das Gesamthandwerk einmal<br />
mehr als systemrelevant und Stabilitätsanker erwiesen“,<br />
sagt der Kammerpräsident.<br />
Matthias Rößler<br />
Landtagspräsident<br />
GOLDENES HANDWERK<br />
„Früher hatte <strong>Handwerk</strong> 'goldenen<br />
Boden', in Zukunft werden junge<br />
<strong>Handwerk</strong>smeister 'mit Gold aufgewogen'.<br />
“<br />
„FREIHEIT UND<br />
VERANTWORTUNG“<br />
Herr Pohle, Sie sind selbstständiger Unternehmer und<br />
Politiker: Wie geht das zusammen?<br />
„Ein gutes Zeitmanagement ist die Grundlage für die<br />
Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Mandat. Durch<br />
die Erteilung einer Prokura in meinem Betrieb habe ich<br />
mir die Freiheit geschaffen, mich politisch zu betätigen.<br />
Es ist mir ein großes Anliegen, mit meinem handwerklichen<br />
Hintergrund eine gute Grundlage für mein politisches<br />
Handeln zu haben.“<br />
Was ist das Besondere daran, Unternehmer zu sein?<br />
„Für mich sind die Freiheit der Gestaltung und die persönliche<br />
Verantwortung für mein Umfeld das Besondere,<br />
was das <strong>Handwerk</strong> ausmacht. Dadurch bleibe ich<br />
im direkten Kontakt mit den Bürgern und ihren alltäglichen<br />
Problemen. Der gesellschaftliche Wert und das<br />
Ansehen des persönlich haftenden Unternehmers kommen<br />
meines Erachtens immer noch vielerorts zu kurz.<br />
Nur wenn wir das ändern, werden wieder mehr Menschen<br />
den Mut zur Selbstständigkeit finden!“<br />
Was tut die <strong>CDU</strong>-Fraktion dafür, dass mehr Menschen<br />
das Unternehmer-Sein wagen?<br />
„Dem Wahlergebnis entsprechend ist das Wirtschaftsressort<br />
wiederholt nicht in der Verantwortung der <strong>CDU</strong>,<br />
sodass uns nur eine mahnende und bestenfalls korrektiv<br />
verhandelnde Position bleibt. Unter meiner Federführung<br />
ist ein bürokratiearmes Vergabegesetz eingeführt<br />
worden. Mit dem Meisterbonus und der Gründungsförderung<br />
InnoStartBonus haben wir in der laufenden Legislaturperiode<br />
eigene Akzente setzen können.“<br />
25
Schulleiter Christoph Koban trifft sich regelmäßig<br />
mit Schülersprecherin Hanna Pollack,<br />
um sich über die Entwicklung der Schule und<br />
Verbesserungsmöglichkeiten auszutauschen.<br />
Früher hat er selbst Elektriker unterrichtet.<br />
GEMEINSAM<br />
BERUFSSCHULE<br />
GESTALTEN<br />
Die Berufsschulen sind in Sachsen wichtiger Partner für das <strong>Handwerk</strong>.<br />
Ein Besuch im beruflichen Schulzentrum Kamenz<br />
Alle Schüler gleichzeitig am Berufsschulzentrum (BSZ)<br />
Kamenz, das kommt praktisch nicht vor. 800 Schüler und<br />
60 Lehrer hat Schulleiter Christoph Koban in seiner Verantwortung.<br />
„Bei uns sind ja nie alle gleichzeitig da“, erzählt<br />
er.“ Dabei ist die Schülerzahl des BSZ Kamenz zusammen<br />
mit der Außenstelle in Demitz-Thumitz, wo die Steinmetze<br />
ausgebildet werden, noch recht überschaubar. Andere<br />
Berufsschulen im Freistaat kommen auf Zahlen von über<br />
2.000 Schülern.<br />
Gerade erst hat Sachsen das Netz aus Berufsschulen den rückläufigen<br />
Schülerzahlen angepasst. So gehörte die Außenstelle<br />
26
Demitz-Thumitz früher zum BSZ Bautzen. Bis Ende 2030 soll<br />
der Umbau des Berufsschulnetzes im Freistaat vollständig<br />
vollzogen sein, heißt es aus dem Kultusministerium. Dem vorausgegangen<br />
ist ein schwieriger politischer Prozess, bei dem<br />
Landräte, Bürgermeister, aber auch <strong>Handwerk</strong>skammern und<br />
Betriebe ihre Bedarfe angemeldet hatten und mitreden wollten.<br />
„Mit dem aktualisierten Berufsschulnetz haben wir eine<br />
solide Basis insbesondere auch für die duale Ausbildung in<br />
Sachsen geschaffen“, sagt der <strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker Holger<br />
Gasse. „Jetzt muss es uns gemeinsam mit den Kommunen gelingen,<br />
die nun sicheren Standorte durch kluge Investitionen<br />
in Gebäude und Ausstattung zu wahren Leuchttürmen ihres<br />
Fachs weiterzuentwickeln. Der Bedarf an Fachkräften macht<br />
die duale Berufsausbildung zu einem attraktiven Einstieg ins<br />
Berufsleben und eröffnet nach dem erfolgreichen Abschluss<br />
alle Möglichkeiten bis hin zum Studium.“<br />
Die duale Ausbildung ist dabei immer Herzstück der BSZ in<br />
Sachsen. Darin bekommen die Lehrlinge die theoretische<br />
Ausbildung für ihren jeweiligen Fachbereich. Das<br />
sind in Kamenz neben den Steinmetzen die Tischler<br />
und Holzmechaniker, Maler sowie die Kaufleute für<br />
Büromanagement. Jeder Auszubildende in einem <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />
muss die Berufsschule besuchen und erfolgreich<br />
absolvieren. „Da müssen alle durch“, sagt Schulleiter<br />
Koban. Und erzählt, dass im Gegensatz zu früher nun auch<br />
immer mal Azubis dabei sind, die ohne vorherigen Schulabschluss<br />
starten. Mit erfolgreicher Lehre einschließlich<br />
Berufsschulprüfungen erhalten diese Schüler dann den<br />
Hauptschulabschluss. Oder, bei besonders guten Noten,<br />
sogar den Realschulabschluss.<br />
Das ist aber nur ein möglicher Weg an der Berufsschule:<br />
Da für alle Kinder bis 18 Jahre die gesetzliche Schulpflicht<br />
gilt, können sie an den BSZ ein Berufsgrundbildungsjahr<br />
absolvieren. Das bereitet ein Jahr lang auf eine Ausbildung<br />
in einem bestimmten Fachgebiet vor. Manche dieser<br />
Schüler haben einen Vorvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb,<br />
der lieber volljährige Azubis mit auf die Baustelle<br />
nimmt. Am BSZ Kamenz kommen außerdem noch Schüler<br />
der Berufsfachschule, der Fachoberschule, des beruflichen<br />
Gymnasiums sowie der Fachschule dazu. Außerdem gibt<br />
es eine Vorbereitungsklasse, in der Schüler Deutsch als<br />
Zweitsprache (DAZ) lernen können.<br />
Die Fachoberschule besucht auch Hanna Pollack, Schülersprecherin<br />
des BSZ Kamenz. Die 18-Jährige aus Bischheim/<br />
Haselbachtal ist im Abschlussjahrgang der Fachoberschule<br />
mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung. „In der Berufsschule<br />
ist es immer etwas schwierig, einen funktionierenden<br />
Schülerrat zu etablieren“, erzählt Schulleiter Koban.<br />
„Die einzelnen Schüler und Azubis haben häufig nicht viel<br />
miteinander zu tun.“ Umso mehr freut er sich, dass Hanna<br />
Pollack auch eigene Ideen über das klassische Schulfest und<br />
den Basar hinaus einbringt. Wasserspender für die Schule,<br />
flächendeckendes W-Lan und Hygieneartikel auf den Frauen-WCs<br />
sind solche Punkte. Was sie gern an der Schule ändern<br />
würde? „Manchmal würde ich mir etwas größere Nähe<br />
zum Alltag wünschen. Statt trockener Theorie könnte die<br />
Schule auch vermitteln, wie man Rechnungen schreibt oder<br />
eine Steuererklärung macht“, sagt sie. Schulleiter Koban<br />
muss gleich einschränken: „Naja, grundsätzlich ist die Fachoberschule<br />
schon dafür da, aufs Studium vorzubereiten, auch<br />
wenn nicht jeder den Weg später einschlägt.“ Sein Wunsch:<br />
weniger Verwaltungsaufgaben und -vorgaben und mehr<br />
Freiheit. „Man muss die Schulen einfach mal machen<br />
lassen, wir machen das schon“, sagt er.<br />
Holger Gasse<br />
<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker<br />
27
Franz Zschornack tippelte ab 2009 drei Jahre<br />
lang durch Deutschland, die Schweiz, Österreich,<br />
Rumänien bis nach Paraguay. Seine<br />
Erfahrungen hat er in dem Buch „Franz im<br />
Glück – Meine Wanderjahre auf der Walz“<br />
niedergeschrieben, das im Verlag Bastei-<br />
Lübbe erschienen ist und <strong>15</strong>,50 Euro kostet.<br />
AUF DER<br />
WALZ<br />
Drei Jahre lang war Franz Zschornack<br />
aus Crostwitz auf der Walz. Nach<br />
vielen Vorträgen ist daraus<br />
ein Buch entstanden<br />
„Wird schon, Franz, das wird schon.“ Mit diesen<br />
Worten machte sich Franz Zschornack<br />
gleich zu Beginn seiner Reise Mut. Der im<br />
sorbischen Crostwitz geborende Metallbauer<br />
mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik<br />
Metall-Schiffbautechnik startete seine Walz<br />
2009. Drei Jahre lang war er unterwegs, bereiste<br />
dabei über zehn Länder und sammelte reichlich Erfahrungen.<br />
Zschornack ist einer, der gern darüber redet, was er auf der<br />
Reise erlebt hat: Und so ergab es sich, dass nach einer ganzen<br />
Reihe von Vorträgen gemeinsam mit dem Journalisten<br />
Rainer Schäfer ein Buch mit dem Titel „Franz im Glück“ entstand,<br />
das seine Geschichte erzählt.<br />
In der Anfangszeit bekommen die jungen Wandergesellen,<br />
die an ihrer auffälligen Kluft zu erkennen sind, noch einen<br />
erfahrenen Tippelbruder an die Seite gestellt, der ihnen das<br />
Leben unterwegs näherbringen. Dafür haben sie sich einer<br />
Gesellschaft angeschlossen, in der die Wandergesellen organisiert<br />
sind, Schacht genannt. Während der Walz entstehen<br />
Freundschaften fürs Leben, denn häufig sind die Wandergesellen<br />
in kleinen Gruppen verschiedener <strong>Handwerk</strong>e<br />
unterwegs. Das Leben unterwegs ist dabei nicht immer<br />
einfach: Die Wandergesellen müssen sich immer wieder<br />
neue Arbeit suchen, sie dürfen je nach Schacht nicht länger<br />
als drei oder sechs Monate bei einem Arbeitgeber<br />
bleiben – falls sie überhaupt einen finden. Dort bekommen<br />
sie zusätzlich zum Lohn Kost und Logie.<br />
28<br />
Jan Hippold<br />
<strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitiker
Finden sie keine Arbeit, müssen sie sich selbst um Unterkunft<br />
kümmern: Da kommt auch schon mal eine Überachtung<br />
im Wald oder in einer Tiefgarage vor. Dagegen<br />
erleben sie jede Menge Abenteuer, wie sie auch Franz<br />
Zschornack in seinem Buch festgehalten hat: Als er im<br />
dritten Jahr beschloss, nach Paraguay zu fliegen, staunte<br />
die junge Frau am Flugschalter nicht schlecht, weil er nur<br />
vier Kilo Gepäck dabei hatte. Und beim Zwischenstopp in<br />
Brasilien stießen er und seine beiden Begleiter auf einiges<br />
Erstaunen, ist in Südamerika die Walz als Findungsreise<br />
doch nicht so bekannt: „Vermutlich hielten uns die meisten<br />
für eine Metal-Band auf Tournee“, schreibt Zschornack,<br />
„verwegen genug sahen wir jedenfalls aus.“<br />
Die Walz hat ihn Bescheidenheit und Dankbarkeit gelehrt:<br />
Heute weiß er die einfachen Dinge zu schätzen, etwa in<br />
einem warmen Bett zu schlafen oder sich duschen zu können.<br />
„Wandergeselle werde ich ein Leben lang bleiben und<br />
dabei helfen, die nächsten Generationen von uns auf die<br />
Straße zu bringen“, schließt er sein Buch.<br />
Auch der <strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitiker Jan Hippold sieht in der<br />
Walz eine Chance für junge Gesellen. Er sagt: „Diese alte<br />
Tradition ist auch heute noch von unschätzbarem Wert. Die<br />
jungen Menschen erfahren auf ihrer Walz viel über ihr <strong>Handwerk</strong>,<br />
können neue Techniken von anderen Meistern erlernen<br />
und sich bestmöglich weiterbilden. Dazu sehen sie etwas von<br />
der Welt, werden selbstbewusster und eigenständiger. Ein<br />
gutes Rüstzeug für das weitere <strong>Handwerk</strong>erleben!“<br />
SO TIPPELN GESELLEN<br />
Wer auf die Walz geht, muss einige Regeln beachten. Wichtigste<br />
Voraussetzung: ein Gesellenbrief. Dazu müssen die<br />
Tippelbrüder und -schwestern unter 30 Jahre alt und ohne<br />
Verpflichtungen sein, also etwa unverheiratet und schuldenfrei.<br />
Die Walz muss mindestens drei Jahre und einen Tag<br />
dauern. Während dieser Zeit dürfen sie sich dem eigenen<br />
Heimatort nicht mehr als 50 Kilometer nähern. Ausnahme:<br />
Todesfälle. Eine vergleichsweise junge Regel gilt noch dazu:<br />
Es herrscht striktes Handy-Verbot. Gereist wird gewöhnlich<br />
zu Fuß oder per Anhalter. Zu erkennen sind die Wandergesellen<br />
an ihrer Kluft: Dazu gehören gewöhnlich Hut, ein weißes<br />
Hemd, Schlaghose, Weste, eine Krawatte, der Ohrring und der<br />
Stanz, ein Wanderstock. Je nach <strong>Handwerk</strong>sberuf variieren<br />
die Farben und die Kleidungsstücke.<br />
1958 WAR DAS<br />
EIN ABENTEUER<br />
Als Helmut Franke, Jahrgang 1936, auf die Walz ging,<br />
war alles noch ein bisschen anders. Nach dem Abschluss<br />
der 10. Klasse im Jahr 1952 war er im väterlichen<br />
Betrieb in Coswig in die Lehre gegangen, lernte<br />
zunächst Bäcker und dann Konditor. Doch er wollte<br />
auch andere Betriebe sehen und dort lernen. Über den<br />
Vater und die Kirche bekam er Kontakt zu einem Betrieb<br />
in Stuttgart. Zwar untersagten die Behörden die<br />
Ausreise, aber Franke stieg im Sommer 1958 einfach in<br />
den Zug. Ein halbes Jahr blieb er im Betrieb in Stuttgart,<br />
bevor er weiter nach Bern in der Schweiz zog. Im September<br />
1959 wechselte er zurück nach Stuttgart, um<br />
dort die Konditormeisterschule zu absolvieren. Anfang<br />
1960 kehrte er in die DDR zurück, misstrauisch beäugt<br />
vom Staat. „Allerdings konnte ich glaubhaft versichern,<br />
kein westlicher Spion zu sein“, schreibt Franke in einem<br />
Bericht über die Zeit. Gemeinsam mit dem Vater<br />
und später seinem Sohn rettete er den Familienbetrieb<br />
durch die Jahre. Heute noch hat er Kontakt zu den Betrieben<br />
in Stuttgart und Bern. „Wozu eine Walz so alles<br />
gut sein kann …“, schwärmt er.<br />
„Mit dem Messerschmidt Rollermobil<br />
bin ich über den Gotthardpass<br />
gefahren und später<br />
hat mich die BMW Isetta sogar<br />
bis nach Rom gebracht“, berichtet<br />
Franke in seinen Erinnerungen.<br />
Ein alter Meister berichtet<br />
In der Konditorei in Bern absolvierte<br />
Franke immer wieder<br />
exklusive Aufträge für die Botschaften.<br />
„Für den Staatsbesuch<br />
der Königin Friederike von Griechenland<br />
stellte ich die Bonbonniere<br />
mitsamt den beinhalteten<br />
Pralinen selber her“.<br />
29
PROFIS LEISTEN WAS<br />
Konzentriert sitzt Charlotte Günz über<br />
einem neuen Paar Schuhe. Mit einer kleinen<br />
Klinge passt sie die Sohle an.<br />
30
<strong>Handwerk</strong>er suchen händeringend nach Lehrlingen.<br />
In sächsischen Betrieben sind die<br />
Bedingungen für eine Ausbildung sehr gut.<br />
Manche Azubis gewinnen sogar Preise<br />
Unter <strong>Handwerk</strong>ern gibt es eine ungeschriebene Regel: Seinen<br />
Beruf kann man erst nach sieben bis zehn Jahren richtig gut.<br />
Der sächsische Nachwuchs stellt diesen Grundsatz allerdings<br />
immer wieder auf die Probe: Regelmäßig gewinnen die Azubis<br />
Preise und Auszeichnungen im bundesweiten Vergleich. Einer<br />
der wichtigsten Leistungswettbewerbe im <strong>Handwerk</strong> ist „Profis<br />
leisten was“ (PLW). Der Wettkampf wird seit 1951 in über<br />
130 <strong>Handwerk</strong>sberufen durchgeführt. Die Teilnehmer müssen<br />
in ihrer Ausbildung mindestens die Note „Gut“ erreicht haben<br />
und dürfen nicht älter als 27 sein. Sie müssen sich gegen ihre<br />
Mitbewerber in der Innung, im Gebiet der <strong>Handwerk</strong>sammer,<br />
auf Landes- und schließlich auf Bundesebene durchsetzen.<br />
Die Bundessieger treffen bei einer Abschlussveranstaltung<br />
den Bundespräsidenten und haben die Chance, zur Weltmeisterschaft<br />
zu fahren. „Der Leistungswettbewerb des<br />
Deutschen <strong>Handwerk</strong>s hat für uns eine so große Bedeutung,<br />
weil er eindrucksvoll zeigt, was unsere jungen Profis<br />
zu leisten imstande sind: Sie zeigen die Zukunftsfähigkeit<br />
des <strong>Handwerk</strong>s“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des<br />
Zentralverbands des Deutschen <strong>Handwerk</strong>s (ZDH).<br />
Im bundesweiten Vergleich sind sächsische Azubis bei<br />
„Profis leisten was“ immer wieder erfolgreich. So auch<br />
Charlotte Günz. Die 23-Jährige hat 2021 gewonnen und ist<br />
somit Deutschlands beste Maßschuhmacherin in der Fachrichtung<br />
Schaftbau. Die junge Frau aus Meißen lernte ihr<br />
<strong>Handwerk</strong> in der Maßschuhmacherei von Alexander Preiß<br />
in Dresden. „Ich habe meinen Traumberuf im <strong>Handwerk</strong><br />
gefunden“, freute sich Charlotte Günz nach ihrem Bundessieg.<br />
Drei Jahre hat sie gelernt, um den perfekten Schuh zu<br />
fertigen. „Die Herausforderung ist, von einer 2-D-Ansicht<br />
zu einem dreidimensionalen Schuh zu kommen“, verrät die<br />
junge <strong>Handwerk</strong>erin und ergänzt: „Im Durchschnitt sitzen<br />
wir 80 Stunden an einem Paar Schuhe.“<br />
Die Holzvorlage für den Maßschuh wird aufgehoben. In der Werkstatt<br />
hängen sie gesammelt an der Wand. Wenn ein Kunde neue Schuhe haben<br />
will, so muss nicht extra eine neue Vorlage angefertigt werden.<br />
Für die Zukunft bereitet sich Charlotte Günz auf die Selbstständigkeit<br />
vor. „Das Stipendium, das ich gewonnen<br />
haben, hilft dabei“, verrät sie. Obwohl<br />
die junge Frau Maßschuhmacherin ist,<br />
möchte sie dann in ihrem eigenen Unter-<br />
31
nehmen aber Konfektionsschuhe herstellen. „Der Markt ist<br />
einfach größer. In meiner Ausbildung habe ich das nötige<br />
<strong>Handwerk</strong> gelernt. Nun bereite ich mich auf den nächsten<br />
Schritt vor“, ist Charlotte Günz zielstrebig. Ihr Plan: Ein<br />
Online-Shop mit nachhaltigen Schuhen für jedermann. „Ich<br />
möchte mit Bauern und Gerbern aus der Region zusammenarbeiten.<br />
Transparente Lieferketten sind mir wichtig“, erzählt<br />
die Schuhexpertin. Sie ist bei ihrem Vorhaben nicht allein. „Ich<br />
möchte mit einer Kollegin aus dem Schwarzwald gründen“,<br />
schaut Charlotte Günz in die Zukunft.<br />
Charlotte Günz hat bei Alexander Preiß in Dresden gelernt. Durch das Schaufenster<br />
können Passanten die beiden <strong>Handwerk</strong>er bei der Arbeit sehen.<br />
Während in der Werkstatt Alexander Preiß in Dresden konzentriert<br />
an einem neuen Paar Schuhe gearbeitet wird,<br />
formt in Chemnitz Paul Heil eine Schieferplatte – sein Lieblingsmaterial.<br />
„Schiefer ist meine Leidenschaft. Es wird nie<br />
eintönig. Jeden Schiefer muss man einzeln in die Hand nehmen<br />
und bearbeiten. Nur so ergibt es ein schönes Deckbild!“<br />
Der 22-Jährige arbeitet bei der Firma Heil Bedachung und<br />
Gerüstbau aus Burgstädt. „Die Leidenschaft für das Dachdecken<br />
habe ich von klein auf entwickelt. Schon als Kind hat<br />
mich mein Papa mit auf das Gerüst genommen. Ich mag den<br />
Ausblick und man ist immer an der frischen Luft“, sagt der<br />
Dachdecker. Eine Ausbildung im Betrieb seines Vaters war<br />
daher eine abgemachte Sache. „Die Ausbildung geht drei<br />
Jahre. Man lernt in allen Bereichen. Es gibt Steil- und Flachdächer,<br />
senkrechte Flächen, die verkleidet werden können,<br />
sowie Metall- und Holzarbeiten“, schaut Paul Heil zurück.<br />
Maßschuhe sind Maßarbeit, die viel Zeit und Liebe erfordern. 80 Stunden und<br />
mehr braucht die <strong>Handwerk</strong>erin bis zum fertigen Schuh.<br />
Charlotte Günz ist auch an der Nähmaschine erfahren. Das Leder für die Schuhe<br />
bearbeitet sie sehr genau.<br />
„Das <strong>Handwerk</strong> hat es nicht leicht, den dringend<br />
benötigten Nachwuchs zu finden“, weiß die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Iris Firmenich aus Frankenberg. „Vielleicht liegt<br />
es daran, dass die meisten Schülerinnen und Schüler<br />
gar keine Vorstellung von der Vielfalt handwerklicher<br />
Berufe haben. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen<br />
einen <strong>Einblick</strong> in Werkstätten und <strong>Handwerk</strong>sbetriebe<br />
zu ermöglichen, ihnen die Gelegenheit zu geben, sich<br />
auszuprobieren oder bei einem Praktikum schon erste<br />
Kontakte zum zukünftigen Ausbildungsbetrieb zu knüpfen“,<br />
rät die Politikerin. Sie sagt: „Besonderen Wert auf<br />
enge Kontakte zur Praxis legen wir an unseren Oberschulen.<br />
Praxisberater und Berufseinstiegsbegleiter helfen<br />
bei der Berufswahl. Wer sich für einen <strong>Handwerk</strong>sberuf<br />
entscheidet, wird am Ende seiner fundierten Ausbildung<br />
in modern ausgestatteten Ausbildungszentren der<br />
Kammern und der praktischen Arbeit im Unternehmen<br />
stolz seinen Gesellenbrief in den Händen halten – und<br />
vielleicht schon über einen Meisterlehrgang, den der<br />
Freistaat mit einem Meisterbonus fördert, und den an-<br />
32
schließenden Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken“,<br />
ist ihre Empfehlung.<br />
Iris Firmenich<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Sein gesamtes Wissen und viel Leistungskraft führten Paul<br />
Heil 2019 bei „Profis leisten was“ zum Bundessieg im Dachdeckerhandwerk.<br />
„Nachdem ich die sachsenweite Meisterschaft<br />
gewonnen hatte, durfte ich mich in einem zweiwöchigen Kurs<br />
auf die Bundesmeisterschaft vorbereiten. Der Sieg hat mir sehr<br />
viel Erfahrung gebracht“, ist Paul Heil dankbar. Jetzt wartet<br />
er auf die Einladung zur Weltmeisterschaft. Wegen der Corona-Pandemie<br />
fiel diese immer wieder aus. „Eigentlich wäre ich<br />
zur Weltmeisterschaft nach Peking gefahren. Leider kam die<br />
Pandemie dazwischen, sodass bisher noch keine Einladung<br />
dazu gekommen ist“, bedauert der Dachdecker.<br />
FUNDIERTE AUSBILDUNG<br />
„Wer sich für ein <strong>Handwerk</strong> entscheidet,<br />
wird am Ende seiner Ausbildung<br />
vielleicht über einen Meisterlehrgang<br />
und den Schritt in die<br />
Selbstständigkeit nachdenken.“<br />
Paul Heil liebt Schiefer. Er ist sicher: Jedes<br />
Dach trägt die Handschrift des Dachdeckers.<br />
Nach seinem Sieg im Leistungswettbewerb<br />
steht demnächst die Teilnahme an der Weltmeisterschaft<br />
an.<br />
33
SO VIEL HANDWERK<br />
STECKT IN MEINEM BÜRO<br />
Es sind nicht nur Maurer und Maler, die dafür sorgen, dass die sächsischen<br />
Landtagsabgeordneten ein Büro haben. Ein Blick in das Büro der Vize-<br />
Landtagspräsidentin Andrea Dombois<br />
Glaser werden unterschieden in Fensterund<br />
Glasfassadenbauer sowie Verglaser und<br />
Glasbauer. Beide Bereiche bearbeiten Flachglas,<br />
entwerfen verschiedene Produkte und<br />
kümmern sich auch um Reparaturarbeiten.<br />
Das Gebäude des Sächsischen Landtags in<br />
Dresden hat etwa 750 Fenster.<br />
Installateure und Heizungsbauer sind für die<br />
Installation, Inbetriebnahme und Reparatur<br />
von heizungs-, lüftungs- und sanitärtechnischen<br />
Anlagen zuständig. Im Sächsischen<br />
Landtag befinden sich etwa 680 Heizkörper.<br />
Es gibt zwei Wärmeerzeuger mit einer Gesamtwärmeleistung<br />
von 2.500 kW.<br />
Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer<br />
sorgen für die Dämmung von Gebäuden und<br />
Anlagen. Damit wird Wärme- oder auch Kälteverlust<br />
vermieden. Sie sorgen im Zweifel<br />
auch für vorbeugenden Brandschutz.<br />
Fotograf ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf.<br />
Bis 2004 war es allerdings<br />
unzulässig, Fotografie als selbstständiges<br />
<strong>Handwerk</strong> ohne einen Meisterbrief auszuüben.<br />
Inzwischen ist Fotografie aber ein zulassungsfreies<br />
<strong>Handwerk</strong>.<br />
Früher hießen sie Töpfer, Keramiker mit Spezialisierung<br />
„Töpfer“ oder Scheibentöpfer, heute<br />
spricht man nur noch von Keramikern. Damit<br />
sind vor allem die Kunsthandwerker gemeint,<br />
deren bildende Kunst sehr gefragt ist.<br />
Es gibt noch weit mehr <strong>Handwerk</strong>sberufe, die<br />
zum Betrieb eines Büros unerlässlich sind.<br />
Beispielsweise kümmern sich Buchbinder<br />
um die Einbände von Büchern und Druckerzeugnissen,<br />
die von ausgebildeten Druckern<br />
erstellt werden.<br />
34
Die Tätigkeit des Raumausstatters umfasst u. a. das Verlegen<br />
von textilen oder elastischen Bodenbelägen, den<br />
Entwurf und die Verwirklichung von Vorhängen sowie das<br />
Bekleiden von Wänden mit textilen Wandbespannungen<br />
oder Tapeten. Auch das Rahmen von Bildern gehört dazu.<br />
Raumausstatter zählt zu den zulassungsfreien <strong>Handwerk</strong>en,<br />
zur Gründung und Führung eines Betriebs ist also keine<br />
Meisterprüfung notwendig. Die grundlegende Ausstattung<br />
der Büros im Landtag orientiert sich übrigens an einer<br />
Festlegung, die vom Architekten Peter Kulka gemeinsam<br />
mit der damaligen Baukommission bei der Sanierung des<br />
Altbaus getroffen wurde.<br />
Ohne Maurer- und Betonbauer dürfte es wohl viele<br />
Gebäude so nicht geben: Sie müssen Kenntnisse über<br />
künstliche und natürliche Baustoffe wie Ziegel, Kalksandstein,<br />
Bimssteine, Betonsteine sowie Gipskartonplatten<br />
mitbringen. Neben technischem Verständnis und handwerklichem<br />
Geschick sind auch Augenmaß und ein gutes<br />
räumliches Vorstellungsvermögen nötig. Die Außenwände<br />
des Landtagsgebäudes sind traditionelles Ziegelmauerwerk.<br />
Die Innenwände bestehen sowohl aus Ziegelmauern<br />
als auch teils aus Kalksandstein und Trockenbau.<br />
Ein <strong>Handwerk</strong> mit Spannung: Elektroniker<br />
kümmern sich um alles, was mit Strom zu tun<br />
hat. Sie kümmern sich um die Stromversorgung<br />
von Gebäuden, Versorgungssystemen,<br />
Automaten und Industrieanlagen oder Telefonsystemen.<br />
Der Beruf ist in zwei Fachrichtungen<br />
unterteilt: Energie- und Gebäudetechnik sowie<br />
Automatisierungs- und Systemtechnik.<br />
Holz und Holzwerkstoffe sind das Material, mit<br />
dem sich Tischler beschäftigen. Dazu gehört<br />
auch der Möbelbau. Auch wenn viele Büromöbel<br />
heutzutage industriell gefertigt werden, der<br />
Einsatz eines Tischlers erlaubt die Umsetzung<br />
von individuellen Wünschen und Bedarfen. Die<br />
Büros der sächsischen Landtagsabgeordneten<br />
sind mit Möbeln sächsischer Hersteller ausgestattet<br />
– dazu gehört auch dieser Schreibtisch,<br />
der in Hellerau gefertigt wurde.<br />
Die erzgebirgische Holzkunst, hergestellt von<br />
Kunsthandwerkern, hat ebenfalls ihren festen<br />
Platz im Büro von Andrea Dombois. Die künstlerische<br />
Holzverarbeitung im Erzgebirge gibt es<br />
seit dem 12. Jahrhundert, sie ist eng verbunden<br />
mit der Entwicklung des Bergbaus.<br />
Was die Maurer für die Wände sind die<br />
Estrichleger für den Fußboden. Sie bereiten<br />
den Untergrund vor, stellen Estrichmörtel her<br />
und verarbeiten ihn. Zum Einsatz kommen<br />
schwimmende Estriche, Verbundestriche<br />
oder Estriche auf Trennschichten. Sie tragen<br />
aber auch Kunstharzschichten auf und bauen<br />
Hohlraum- und Doppelböden ein. Auch<br />
verlegen sie Oberböden aus Platten, Bahnen<br />
und Laminaten. Falls erforderlich bauen sie<br />
auch Dämmstoffe für den Wärme-, Kälteund<br />
Schallschutz ein.<br />
35
ICH BIN MEISTER!<br />
Das sächsische <strong>Handwerk</strong> lebt von Einsatz,<br />
Kreativität und Machergeist. Diese Frauen<br />
zeigen, wie es geht<br />
Das Unternehmen von Annett Thalheim im mittelsächsischen<br />
Seelitz hat Geschichte. Der Steinmetzbetrieb wurde<br />
vor 127 Jahren gegründet. „Ich arbeite immer noch in der<br />
Werkstatt meiner Vorfahren. Ich bin keiner, der große Hallen<br />
bauen würde“, sagt sie.<br />
Annett Thalheim hat sich auf die Gestaltung von Grabmalen<br />
spezialisiert. „Wir haben es viel mit Emotionen zu tun.<br />
Zu uns kommen Eltern, die haben ihre Kinder verloren,<br />
oder ältere Menschen, die nach vielen Jahren ihren Partner<br />
nicht mehr an der Seite haben“, gibt Annett Thalheim<br />
einen <strong>Einblick</strong>. Für die <strong>Handwerk</strong>erin ist es wichtig, das<br />
Individuelle eines Verstorbenen in seinem Grabmal<br />
zu verewigen. „Die Persönlichkeit eines Menschen<br />
soll über sein Leben hinaus festgehalten werden.<br />
Aus dem, was die Angehörigen berichten, entwickle<br />
ich die Idee für das Grabmal“, verrät<br />
Thalheim. Sie arbeitet dabei viel mit Symbolen.<br />
Für die sächsische Landesgartenschau<br />
in Torgau fertigte sie mehrere Mustergrabanlagen.<br />
So auch eine Sternekinderanlage<br />
mit wasserblauen Glasperlen, die<br />
auf runde helle Kalksteine auftreffen, in<br />
die sie ringförmige Wellen einarbeitete.<br />
„Wie Tropfen, die sacht auf eine Wasseroberfläche<br />
fallen, Kreise ziehen, berühren<br />
die kurzen Leben der Kinder die<br />
Herzen der Eltern“, sagt sie.<br />
Annett Thalheim ist in sechster Generation<br />
Steinmetz. „Mich inspiriert, was die die Generationen<br />
vor mir geschaffen haben“, sagt sie.<br />
Die Begeisterung für das Steinmetz-<strong>Handwerk</strong><br />
kam bei Annett Thalheim durch die<br />
Familie. Den Betrieb betreibt sie in vierter Generation.<br />
Ihre Vorgänger schätzt Annett Thalheim.<br />
„Mich inspiriert, was die Generationen vor mir geschaffen<br />
haben. Ich betreibe hier ein <strong>Handwerk</strong> mit viel Tradition“,<br />
ist sich die <strong>Handwerk</strong>erin bewusst. Sie als Meisterin zu bezeichnen,<br />
ist ihr gar nicht recht. „‚Meisterin‘ ist historisch<br />
gesehen die Bezeichnung für die Frau des Meisters. Ich<br />
habe eine Steinmetzausbildung absolviert und die Meis-<br />
36
Thomas Schmidt<br />
Regionalminister und <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
terprüfung im Steinmetz- und Steinbildhauerwerk<br />
abgelegt“, sagt Annett Thalheim. An ihrem Meisterstück,<br />
einer Gartenbank aus Postaer Sandstein,<br />
arbeitete sie mehrere Wochen. Dabei lernte sie auch viel<br />
über die Materialien aus der Region. „In Sachsen gibt es<br />
viele verschiedene Steinarten. Wir haben den Mittweidaer<br />
und den Meißner Granit, den Dresdner Sandstein und – in<br />
dem Stein habe ich gelernt – den Rochlitzer Porphyr“, erklärt<br />
die <strong>Handwerk</strong>erin und ergänzt: „Ich arbeite am liebsten<br />
mit gleichmäßigen Materialien.“ Thomas Schmidt findet<br />
als Regionalminister und Wahlkreisabgeordneter dazu<br />
anerkennende Worte: „Annett Thalheim begegnet modernen<br />
Marktanforderungen erfolgreich mit einer Symbiose<br />
aus Tatkraft, traditionellem <strong>Handwerk</strong> und zeitgemäßer<br />
Ausgestaltung. Diese bodenständige Variante des soliden<br />
Unternehmertums verdient Respekt und hat meine volle<br />
Unterstützung. Annett Thalheims Meisterbetrieb zeigt,<br />
wie <strong>Handwerk</strong> durch Kreativität und unternehmerischen<br />
Mut auch den ländlichen Raum stärkt", sagt er.<br />
Wie Annett Thalheim bietet auch Barbara Oehlke<br />
individuelle Gestaltung. Die Dresdnerin arbeitet allerdings<br />
mit anderen Materialien: Edelmetallen und<br />
Edelsteinen. Barbara Oehlke ist Goldschmiedin und hat<br />
ihre Werkstatt in der Neustadt von Dresden. Ihren Kunden<br />
bietet sie Schmuckstücke vom Entwurf bis zur Fertigung.<br />
„In meiner Werkstatt kommen neben den Neuanfertigungen<br />
noch Umarbeitungen und Reparaturen hinzu“,<br />
erklärt die Goldschmiedin. Kreativität und <strong>Handwerk</strong><br />
finden bei ihr zusammen. „Für mich sind Schmuckstücke<br />
kleine Skulpturen, die sich an den Körper anschmiegen.<br />
Durch Form, Bewegung und Klang, mit Struktur, Farbe<br />
und Glanz berühren sie die Sinne des Menschen“, verrät<br />
Barbara Oehlke. Der Entwurf, die Wahl des Materials und<br />
die Gestaltung bis hin zum fertigen Schmuckstück ist immer<br />
eine Reise gemeinsam mit der Kundschaft. „Schmuck<br />
als ein wichtiges Accessoire der Persönlichkeit. In Silber-<br />
und Goldschmuck sehe ich Lust an Geschichte und<br />
Geschichten“, sagt die Goldschmiedin.<br />
Barbara Oehlke ist Goldschmiedin aus<br />
Dresden. In ihrer Werkstatt gestaltet<br />
sie individuellen Schmuck für selbstbewusste<br />
Träger.<br />
37
Die schweren Maschinen machen Susann<br />
Urlaß-Wolf Spaß. Die Unternehmerin war<br />
lange Zeit in Sachsen die einzige Frau mit<br />
Ausbildung als Straßenbaumeister.<br />
„Es sind die kleinen und mittelständischen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe,<br />
die unser aller Alltagsleben am Laufen halten. Sei<br />
es die Autowerkstatt oder die Heizungsinstandsetzung<br />
– ohne die tüchtigen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe, die auch während<br />
Wind, Wetter und Pandemien arbeiten, stünde unser<br />
aller Leben still“, sagt der Dresdner Landtagsabgeordnete<br />
Ingo Flemming. Er sieht auch die Politik in der Pflicht: „Ein<br />
<strong>Handwerk</strong> bedeutet aber auch immer persönliches Risiko<br />
und wirtschaftliche Herausforderungen. Hier müssen<br />
wir aufmerksam zuhören und unterstützen. Ganz aktuell<br />
streiten wir zum Beispiel in Dresden mit den <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />
für dringend notwendige Parkerleichterungen<br />
für <strong>Handwerk</strong>er und Dienstleister“, so Flemming.<br />
Ortswechsel. Susann Urlaß-Wolf leitet das Bauunternehmen<br />
Wolf Straßen- und Tiefbau in Reinsdorf bei Zwickau.<br />
Die Geschäftsführung übernahm sie 2003 von ihrem Vater.<br />
„Wir sind ein Familienbetrieb. Mein Opa hat die<br />
Firma gegründet. Bei zwei Töchtern in der Familie<br />
war schon immer die Frage, wer den Betrieb weiterführen<br />
wird“, verrät die Unternehmerin. Als <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />
ist Wolf Straßen- und Tiefbau auf Asphaltarbeiten und<br />
Pflaster legen spezialisiert. „Wir betreiben zudem gemeinsam<br />
mit der TU Dresden Forschung im Bereich Bau“, erklärt<br />
Susann Urlaß-Wolf. Die engagierte Geschäftsführerin<br />
machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung in<br />
der Baubetriebswirtschaft. „Später habe ich dann meinen<br />
Straßenbaumeister gemacht. In Sachsen war ich damit<br />
lange Zeit die einzige Frau mit dieser Ausbildung“, freut<br />
sich Susann Urlaß-Wolf.<br />
Wolf Straßen- und Tiefbau ist über die Jahre eine feste<br />
Größe im Raum Zwickau geworden. „Das wollen wir auch<br />
bleiben“, ist Urlaß-Wolf entschlossen. Die Treue der Mitarbeiter<br />
ist ein gutes Zeichen dafür. „Wir haben vor Kurzem<br />
einen Mitarbeiter verabschiedet, der war 49 Jahre bei<br />
uns. Bald haben wir sogar einen Mitarbeiter, der<br />
wird die 50 Jahre voll machen“, freut sie sich.<br />
38<br />
Ingo Flemming<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter
Einen besonderen Schritt hat Janine Näwie gemacht. Mit<br />
35 Jahren entschied sie sich vergangenes Jahr für eine<br />
Umschulung. Im njumii – das Bildungszentrum des <strong>Handwerk</strong>s<br />
in Dresden belegte sie eine Weiterbildung. Von Speditionskauffrau<br />
lernte sie um zur Schweißfachfrau. „Mein<br />
Lebensgefährte hat das schon vorher beruflich gemacht<br />
und ich konnte in der Freizeit reinschnuppern“, verrät<br />
Janine Näwie. „Es ist einfach toll, am Ende eines Tages zu<br />
sehen, was man geschafft hat. Bei meinem alten Beruf<br />
hatte ich am Ende des Tages nicht Fassbares in der Hand“.<br />
Heute verschickt Janine Näwie keine Luftfracht mehr, sondern<br />
steht mit ihrem Freund in der gemeinsamen Werkstatt<br />
ihrer Firma Schöne Schmiedearbeiten und Metallbau<br />
in Radebeul. „Es ist interessant, aus einzelnen<br />
Teilen ein Produkt zusammenzufügen“, erklärt die<br />
Fachfrau. Am besten gefällt ihr das MAG-Schweißen.<br />
„Werkstoffe mit hoher Temperatur verbinden<br />
macht Spaß“, sagt Janine Näwie.<br />
Laut neuen Studien haben Frauen, die im <strong>Handwerk</strong><br />
lernen, besonders gute Berufsaussichten.<br />
Am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung<br />
der Universität Göttingen<br />
wurden 2000 <strong>Handwerk</strong>erinnen und werker befragt. In der Kategorie <strong>Handwerk</strong>erstolz<br />
zeigten sich knapp 87 Prozent der Frauen<br />
Hand-<br />
sehr zufrieden. Ebenso viele der <strong>Handwerk</strong>erinnen<br />
gaben an, dass sie ihren Beruf mit Leidenschaft<br />
ausüben. Die Zufriedenheit zeigt<br />
Wirkung: Jeder fünfte <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />
wird laut dem Deutschen <strong>Handwerk</strong>skammertag<br />
von einer Frau übernommen.<br />
Brigitte Lochner-Beyala ist Friseur-Meisterin<br />
und betreibt zwei Läden in Bautzen. Das<br />
<strong>Handwerk</strong> liegt ihr sehr am Herzen, wie sie<br />
am Beispiel ihrer Mitarbeiterin zeigt.<br />
Von der Speditionskauffrau zur Schweißerin: Janine<br />
Näwie liebt das <strong>Handwerk</strong>. Mit ihrem Freund baut<br />
sie zum Beispiel Vordächer oder Balkongeländer.<br />
39
VATER UND TÖCHTER<br />
Andreas Althammer eröffnete die Kunstschmiede<br />
1977. Heute haben die Töchter Elisabeth und Claudia<br />
das Sagen. Beratend steht der Altmeister aber immer<br />
noch zur Seite. Gerade, wenn es um historische Fakten<br />
geht, hat Andreas Althammer langjährige Erfahrung.<br />
40
Daniela Kuge<br />
<strong>CDU</strong>-Frauenpolitikerin<br />
STARKE FRAUEN<br />
„Ich habe großen Respekt davor, wie<br />
die Töchter den Betrieb vom Vater<br />
übernommen haben und erfolgreich<br />
weiterführen. Wir brauchen mehr<br />
solche starke Frauen im <strong>Handwerk</strong>.“<br />
In der Leipziger Kunstschmiede Althammer haben heute die Töchter des Gründers das Sagen.<br />
Das Interesse am <strong>Handwerk</strong> kam durch den Vater<br />
Andreas Althammer holt weit aus und lässt den Hammer<br />
auf das glühend heiße Eisen fallen. Funken sprühen.<br />
Der Kunstschmied eröffnete sein Unternehmen 1977 im<br />
ehemaligen Kirchschullehen Baalsdorf bei Leipzig. Heute<br />
ist er immer noch dabei. Die Verantwortung haben<br />
aber seine Töchter übernommen. Elisabeth Althammer-<br />
Kluge führt das Unternehmen. Ihre Schwester Claudia ist<br />
Schmiedegeselle. Andreas Althammer ist froh, sein Unternehmen<br />
an die eigenen Töchter weitergegeben zu haben. „Es<br />
ist doch im <strong>Handwerk</strong> schwierig, dass die Betriebe weitergeführt<br />
werden“, weiß der Kunstschmied. Ein Drittel der <strong>Handwerk</strong>sunternehmen<br />
in Sachsen benötigt in den kommenden<br />
Jahren eine Nachfolge. Bei der Leipziger Kunstschmiede Althammer<br />
ist diese bereits geregelt. Die Übergabe innerhalb<br />
der Familie ist laut <strong>Handwerk</strong>skammer Leipzig die meist gewünschte<br />
Variante. „Solche Übergaben erscheinen auf den<br />
ersten Blick die organisatorisch einfachsten zu sein“, sagt<br />
Sprecherin Andrea Wolter. Doch nicht immer funktioniert<br />
die Nachfolge dann auch reibungslos. Verschiedene Vorstellungen<br />
von der Zukunft des Betriebes oder Uneinigkeit in<br />
der Familie macht manche Übergabe schwer oder unmöglich.<br />
Bei der Kunstschmiede Althammer gab es solche Probleme<br />
allerdings nicht. Das Firmenerbe anzutreten war für<br />
Elisabeth Althammer-Kluge eine klare Sache. „Ich komme mit<br />
meinem Vater beruflich gut zurecht“, sagt sie und ist dankbar,<br />
dass ihr Vater weiterhin beratend zur Seite steht. „Solche<br />
Bereiche, die mit Historie zu tun haben, die leben einfach von<br />
der langjährigen Erfahrung“, weiß Andreas Althammer. Die<br />
Arbeit der Kunstschmiede Althammer ist international nachgefragt.<br />
Neben künstlerische Metallarbeiten im Großraum<br />
Leipzig gingen aufwendig geschmiedete Balkonbrüstungen,<br />
Treppengeländer und Tore in die USA oder die Niederlande.<br />
Und in Norwegen (Oslo) führt die Kunstschiede sämtliche<br />
Restaurationsarbeiten im Bereich Metall an der Domkirche<br />
Oslo durch. Vieles ist dabei nur durch Schmieden per Hand zu<br />
erledigen. Zuletzt arbeiteten die Althammers beispielsweise<br />
am großen grauen Hund aus der Figurengruppe „Besiegter<br />
Hirsch“ aus Mägdesprung im Harz. Die Landtagsabgeordnete<br />
Daniela Kuge, Beauftragte für Frauenpolitik der <strong>CDU</strong>-<br />
Fraktion, freut sich über den Erfolg der Familie Althammer:<br />
„Ich finde es bewundernswert, wie die beiden Töchter in die<br />
Fußstapfen des Vaters treten und das Unternehmen weiterentwickeln.<br />
Wir brauchen mehr solche starke Frauen im<br />
sächsischen <strong>Handwerk</strong>.“<br />
41
Brigitte Lochner-Beyala ist Friseur-Meisterin<br />
und betreibt zwei Läden in Bautzen. Das <strong>Handwerk</strong><br />
liegt ihr sehr am Herzen, wie sie am Beispiel<br />
ihrer Mitarbeiterin zeigt.<br />
VON KAMERUN NACH<br />
GÖRLITZ, UM MEISTER<br />
ZU WERDEN<br />
... UND UM HIER ZU BLEIBEN<br />
42
Wer eine Ausbildung in einem anderen Land gemacht hat, muss in Deutschland mitunter an<br />
einem Anerkennungsverfahren teilnehmen – oder entscheidet sich für einen neuen Beruf<br />
Brigitte Lochner-Beyala war schon immer willensstark. Als ihr<br />
Berufsabschluss aus Kamerun in Deutschland nicht anerkannt<br />
wurde, beschloss sie, eine neue Ausbildung zu machen. Von<br />
Schneiderin lernte sie um zu Friseurin. Ihren Meister schloss sie<br />
2017 ab. Heute führt die Mitdreißigerin zwei Läden in Görlitz.<br />
Coiffeur la fleur d'or ist in der Stadt bereits ein bekannter Name.<br />
„Als Unternehmerin habe ich Freiheiten, die ich als Angestellte<br />
nicht habe. Ich kann meinem Wissen freien Lauf lassen und<br />
es so machen, wie ich denke, dass es richtig ist“, freut sich die<br />
engagierte Ladeninhaberin. Neben dem Geschäftlichen liegt<br />
ihr auch das <strong>Handwerk</strong> am Herzen. „Es ist schön, die Kunden<br />
glücklich aus dem Laden gehen zu sehen. Mich erstaunt es immer,<br />
was etwas Einfaches – wie ein Haarschnitt oder eine Farbveränderung<br />
– Positives mit einem Menschen macht“, sagt sie.<br />
Für Brigitte Lochner-Beyala ist der Kontakt zu den Kunden das<br />
Wichtigste: „Es macht Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Gerade<br />
die ältere Kundschaft freut sich auf das Gespräch in der Stunde<br />
während ihres Termins“, weiß die Friseurin.<br />
Das Anerkennungsverfahren für bestehende Berufsabschlüsse<br />
aus anderen Ländern kann in Sachsen bei den <strong>Handwerk</strong>skammern<br />
durchgeführt werden. Reham Kabbani aus Dresden<br />
und Maha Rouidhan aus Leipzig waren hier erfolgreich. Um<br />
die Gleichwertigkeit zur Berufsausbildung des Maßschneiders<br />
zu erlangen, mussten die beiden Schneiderinnen aus Syrien<br />
zusätzliche Kompetenzen nachweisen. Mit ihrer erfolgreichen<br />
Arbeitsprobe bei der <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden zeigten sie<br />
ihr handwerkliches Können.<br />
„Das <strong>Handwerk</strong> braucht zupackende, einfallsreiche und engagierte<br />
Menschen“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und Sachsens<br />
Ministerpräsident Michael Kretschmer, aus dessen Wahlkreis<br />
Brigitte Lochner-Beyala kommt. „Hier wird konkret im Alltag<br />
geholfen und das Leben erleichtert – ob bei der reparierten<br />
Waschmaschine oder der neuen Frisur. Es geht ums Machen<br />
und um sichtbare Ergebnisse. Menschen lernen sich kennen<br />
und schätzen – und erfahren dabei, wie verschieden das Leben<br />
spielen kann“, führt er weiter aus. Für ihn sind alle drei<br />
<strong>Handwerk</strong>erinnen echte Vorbilder, von denen der Freistaat in<br />
Zeiten des Fachkräftemangels noch mehr braucht. „Bei den<br />
sächsischen <strong>Handwerk</strong>skammern können Menschen ihr Können<br />
unter Beweis stellen, berufliche Veränderungen angehen<br />
oder in anderen Ländern erworbene Abschlüsse anerkennen<br />
lassen. Hürden beim Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt<br />
können gemeistert werden – die <strong>Handwerk</strong>skammern sind<br />
ein verlässlicher Partner dabei. Geschichten wie die von Brigitte<br />
Lochner-Beyala, Reham Kabbani und Maha Rouidhan<br />
stehen für viele erfolgreiche Lebenswege im <strong>Handwerk</strong>.“<br />
Michael Kretschmer<br />
Ministerpräsident<br />
und <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
FACHKRÄFTE<br />
„Hürden beim Eintritt in den deutschen<br />
Arbeitsmarkt können gemeistert<br />
werden – die <strong>Handwerk</strong>skammern<br />
sind ein verlässlicher<br />
Partner dabei.“<br />
Die Syrerinnen Reham Kabbani aus Dresden und Maha Rouidhan aus Leipzig haben beide eine Schneiderausbildung<br />
in Syrien absolviert. Beim Nähen einer Bluse sowie bei der Durchführung von Änderungsarbeiten<br />
haben sie ihr handwerkliches Können gezeigt und so die Anerkennung erreicht.<br />
43
44<br />
René Kruner in seiner Werkstatt in Weißwasser.<br />
270 Quadratmeter groß ist die<br />
alte Dreherei auf dem Telux-Gelände.<br />
„<strong>Handwerk</strong> ist für mich Geduldsarbeit,<br />
die mit den Händen entsteht“, sagt er.
WIE SICH DIE LAUSITZ<br />
NEU ERFINDET<br />
Die Braunkohle-Region Lausitz verändert sich. Das stellt auch das <strong>Handwerk</strong> vor große<br />
Herausforderungen. Ein Besuch in der Werkstatt von René Kruner in Weißwasser<br />
Alexander Bastian greift in den Stapel. So ein altes Brett, das<br />
krumm und schief ist, das ist schon faszinierend. „Wenn man<br />
das hernimmt und überlegt, was daraus werden kann. Und<br />
dann baut man ein Möbelstück daraus, das sich jemand in die<br />
Ecke stellt, das wirklich genutzt wird.“ Bastian ist 32 und hat<br />
lange gebraucht, bis er die Faszination seines <strong>Handwerk</strong>s wiederentdecken<br />
konnte. In der Lehre und in seinen ersten Jahren<br />
als ausgelernter Tischler war dafür wenig Raum. Da war<br />
er manchmal wochenlang auf Montage, hat auf Großbaustellen<br />
Fenster eingebaut. Da gab es keine krummen Bretter, nur<br />
Industrieholz. Was er jetzt macht, hat damit wenig zu tun.<br />
Bastian arbeitet mit knorrigen alten Brettern in der Werkstatt<br />
von René Kruner. Der ist zwar nicht vom Fach, sondern gelernter<br />
Glasmacher, aber er betreibt die coolste Holzwerkstatt in<br />
Ostsachsen. Unter dem Label Saf Artifex erfinden die beiden<br />
Männer in Weißwasser das Tischlerhandwerk neu.<br />
Saf Artifex ist Kruners Künstlername. Die Geschichte des gleichnamigen<br />
Betriebs zeigt, wie verschlungen die Wege des <strong>Handwerk</strong>s<br />
heute sind. Kruner und Bastian lieben Holz. Sie können<br />
Maschinen bedienen und erkennen auf den ersten Blick das<br />
Potenzial in jedem Brett. Aber das, was sie machen, sind eigentlich<br />
Kunstobjekte, die jenseits der Ordnung von Zunft und Kammer<br />
entstehen und ihre Kunden finden. Gerade hat Kruner ein<br />
Plattenregal ausgeliefert, das ein bekannter Lausitzer Politiker<br />
bestellt hat. Für die knorrigen Holzobjekte gibt es eine wachsende<br />
Kundschaft in der Region. Die findet das, was sie sucht, in der<br />
Telux in Weißwasser. In der alten Leuchtstoffröhrenfabrik ist ein<br />
vibrierendes Zentrum der Kreativkultur entstanden. Hier füllt<br />
neues <strong>Handwerk</strong> die alten Hallen.<br />
Klar ist das <strong>Handwerk</strong>, was er macht, sagt Kruner. „<strong>Handwerk</strong><br />
ist für mich Geduldsarbeit, die mit den Händen entsteht.“ Glas<br />
René Kruner hat lange Zeit Wände und Fassaden<br />
in Innen- und Außenbereich auf Kundenwunsch<br />
mit Graffiti und Airbrush gestaltet.<br />
Jetzt verbindet er <strong>Handwerk</strong> und Kunst.<br />
45
akkurat in Form zu blasen, hat ihn damals Jahre an Training gekostet.<br />
Eine Fertigkeit, die er seit Jahren nicht mehr braucht. Sein<br />
Leben verlief anders, als die <strong>Handwerk</strong>erlaufbahn es vorgesehen<br />
hätte. Kreativ war er schon immer, seine Graffitis waren schnell<br />
gefragt. Und Holz liegt irgendwie in seiner DNA, das hat ja jeder<br />
gemacht. In jedem Hinterhof gab es eine Holzwerkstatt, wo<br />
Leute Möbel zusammengebaut haben. „<strong>Handwerk</strong> stirbt aus“,<br />
sagt Kruner. Dem will er etwas entgegensetzen.<br />
Saf Artifex steht für ein <strong>Handwerk</strong> 2.0, das nicht mehr über<br />
die duale Ausbildung in den inhabergeführten Meisterbetrieb<br />
führt. Sondern das auf Kreativität setzt und über Umwege neue<br />
Werkstätten hervorbringt. Während die klassischen Ausbildungsgänge<br />
unter Nachwuchsmangel leiden, strömt aus einer<br />
anderen Richtung etwas ins <strong>Handwerk</strong> ein. Da sind etwa Leute,<br />
die aus Bürojobs kommen oder mal studiert haben und etwas<br />
anderes machen wollen. Auf diese Weise entstehen Schneiderateliers<br />
in Dresden-Neustadt oder eben Tischlereien in leeren<br />
Fabrikhallen in der Oberlausitz. Da erleben alte Techniken eine<br />
Renaissance für neue Produkte. Und im Notfall hilft ein You-<br />
Tube-Video, um zu lernen, wie man gebogenes Holz verleimt.<br />
Kruners Umweg führte über Glas und Graffiti-Kunst. Das hat<br />
ihn zum schöpferischer Multi-<strong>Handwerk</strong>er gemacht.<br />
René Kruner ist 42. Seine Laufbahn als Industrieglaswerker begann<br />
Mitte der 1990er-Jahre mit einer einzigen Bewerbung, die angenommen<br />
wurde. Als Weißwasser noch eine Glasmacher-Stadt<br />
war, fingen ganze Jahrgänge ihre Lehre in dem Beruf an – des-<br />
„Wenn man das Holz hernimmt und man ein<br />
Möbelstück daraus baut, das sich jemand<br />
in die Ecke stellt, das wirklich genutzt wird.<br />
Das ist schon faszinierend“, sagt Alexander<br />
Bastian, gelernter Tischler.<br />
Holz liegt irgendwie in seiner DNA, sagt René<br />
Kruner über sich selbst. „Ich kann mit 100-prozentiger<br />
Sicherheit sagen, woher mein Holz<br />
kommt“, sagt er stolz.<br />
46
sen meiste Werkstätten heute fast alle abgewickelt sind. Kruners<br />
Familie ist in der Stadt verwurzelt, beide Großväter waren Glasmacher.<br />
Ein Relikt dieser Industrie ist die Werkstatt in der Telux,<br />
dort war mal die Dreherei des Leuchtstoffröhrenwerks. Kruner<br />
hat die Räume 2020 gemietet und umgebaut. Er brauchte Platz für<br />
sein wachsendes Graffiti-Geschäft. Aufs Holz kam er über seine<br />
damalige Freundin. Die Telux ist das schlagende Herz der Oberlausitzer<br />
Kreativwirtschaft. Weiter hinten auf dem Gelände ist ein<br />
Café. Dazwischen haben sich Künstler und Designer eingemietet.<br />
MEIN KOMMENTAR<br />
Die Leute schätzen wieder echte Sachen, auch in der ländlichen<br />
Oberlausitz, wo die Einkommen nicht üppig sind. René Kruner<br />
ist stolz darauf, hier etwas anbieten zu können, das echt und<br />
hochwertig ist. „Ich kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen,<br />
woher mein Holz kommt“, sagt er. Draußen vor der Werkstatt<br />
liegt eine Ladung alter Balken. Eine ganze Scheune voller Holz<br />
war das. Kruner wird immer öfter angerufen, wenn wieder eine<br />
Scheune dem Tagebau zum Opfer fällt. Dann fragen ihn die Besitzer,<br />
ob er das Holz brauchen kann. Seine Kunst, alte Bretter<br />
zu neuem Leben zu verhelfen, hat sich herumgesprochen. Dabei<br />
macht er nicht einmal Werbung. „Ich vermarkte mich zu<br />
schlecht“, sagt er. „Ich bin meistens in meiner Werkstatt und<br />
alle in der Stadt wissen, dass sie mich hier treffen können.“<br />
Die Autorin Christine Keilholz ist Gründerin<br />
und Chefredakteurin von Neue Lausitz – Das<br />
Leitmedium für den Wandel. Mehr Infos unter<br />
neuelausitz.com.<br />
DER ABGEORDNETE DR. STEPHAN MEYER<br />
AUS DER LAUSITZ SAGT:<br />
Der Strukturwandel bietet für die Lausitz viele Chancen,<br />
stellt die Region aber auch vor große Herausforderungen.<br />
Strukturwandel bedeutet eben auch,<br />
die Denk- und Herangehensweise zu wandeln. Der<br />
demografischen Entwicklung ist es teilweise geschuldet,<br />
dass es zu wenige <strong>Handwerk</strong>er für zu viele<br />
Aufgaben gibt. Die Praxis aus erster Hand ist aber<br />
wichtig, um junge Menschen für das <strong>Handwerk</strong> zu<br />
begeistern. Meiner Meinung nach sollten Ansätze<br />
wie „produktives Lernen“ vorzugsweise an Oberschulen<br />
gestärkt werden. Den Auszubildenden muss<br />
aber auch die Möglichkeit geboten werden, eine Berufsschule<br />
im Umfeld zum Ausbildungsbetrieb besuchen<br />
zu können. Das erfordert die Stärkung der<br />
Berufsschulen im ländlichen Raum. Wir brauchen<br />
außerdem Lösungen, um das <strong>Handwerk</strong> in der Lausitz<br />
zukunftsfähig zu gestalten. Die Vernetzung, effizientere<br />
Einheiten im technischen Bereich und der<br />
Einsatz von innovativen Technologien sind gefragt.<br />
So wird die Robotik auch Einzug in das traditionelle<br />
<strong>Handwerk</strong> finden. Ein guter Ansprechpartner ist hier<br />
das Kompetenzzentrum Robotik der <strong>Handwerk</strong>skammer<br />
Dresden. Auch der Einsatz von Exoskeletten<br />
kann die Arbeits- und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten<br />
an Produktionsarbeitsplätzen erhalten<br />
sowie leistungsgewandelte Personen wieder in den<br />
Arbeitsprozess integrieren. Es muss schließlich gelingen,<br />
grundsätzlich familienfreundliche Arbeitsplätze<br />
zu schaffen, um die Kohleregionen in lebendige<br />
und lebenswerte Regionen umzuwandeln.<br />
47
HEIMAT<br />
ALS<br />
MARKE<br />
Sachsen ist <strong>Handwerk</strong>erland. Diese Produkte<br />
aus dem Freistaat sind über die Region hinaus<br />
bekannt und weltweit beliebt<br />
Uhren aus Glashütte<br />
Weltweit begehrt: die edlen Armbanduhren aus Glashütte.<br />
So haben Roger Moore und Bill Clinton eine Uhr<br />
aus Sachsen. Zusammengesetzt werden sie in Manufakturen<br />
wie Nomos in präziser Handarbeit. Ab 950 Euro<br />
Plauener Spitze<br />
Vor <strong>15</strong>0 Jahren wurden die ersten Stickereien in<br />
Plauen produziert. Heute schützt der Branchenverband<br />
Plauener Spitzen und Stickereien die weltweiten<br />
bekannten Textilprodukte als Marke. Die Preise sind<br />
abhängig vom fertigen Produkt.<br />
Biere aus Sachsen<br />
Es gibt eine ganze Reihe von Biermarken aus Sachsen,<br />
in denen Brauer und Mälzer einem der ältesten und<br />
traditionsreichsten <strong>Handwerk</strong>e unserer Kultur nachgehen:<br />
der Braukunst. Dazu zählt auch die Stadtbrauerei<br />
Wittichenau bei Hoyerswerda. Eine Kiste ab 12 Euro<br />
Holzkunst aus dem Erzgebirge<br />
Räuchermännchen aus dem Erzgebirge sind weltweit<br />
bekannt. Die Holzkunst ist dabei nicht nur was<br />
für Weihnachten. Figuren wie der Koch sind das ganze<br />
Jahr aktuell. Ab 30 Euro<br />
48
Blaudruck in der Oberlausitz<br />
Der Blaudruck gehört zum seltenen <strong>Handwerk</strong> in<br />
der Oberlausitz. Die Stoffe werden dabei eigentlich<br />
nicht bedruckt, sondern gefärbt. Das Muster wird<br />
beim Färben abgedeckt und bleibt daher weiß. Stoff<br />
40 x 40, <strong>15</strong> Euro<br />
Christstollen aus Dresden<br />
Der Christstollen wird jedes Jahr nach einem jahrhundertalten<br />
handwerklichen Rezept in rund 110<br />
Bäckereien in Dresden gebacken. Regional geschützt<br />
ist das Spezialgebäck durch den Schutzverband<br />
Dresdner Stollen. 1 kg ca. 21 Euro<br />
Instrumente aus dem Vogtland<br />
Die Instrumente aus dem Vogtland sind bei Musikern<br />
sehr beliebt. Diese Geige wurde von Ekkard<br />
Seidl in seiner Werkstatt in Markneukirchen gebaut.<br />
Sie ist ein Modell nach Stradivari und wurde 2021<br />
gefertigt. Ab 800 Euro<br />
Stuhlbau in Rabenau<br />
Bereits im 19. Jahrhundert wurden im sächsischen<br />
Rabenau Stühle hergestellt. Dieser Salonstuhl wurde<br />
in den Werkstätten feiner Polstermöbel Alfred Münch,<br />
heute Raumausstattung Reichert, gebaut. Ab 300 Euro<br />
Leipziger Lerche<br />
Schon lange eine Spezialität und jetzt auch rekordverdächtig:<br />
162,5 Kilogramm wiegt die schwerste<br />
Leipziger Lerche von zwei Bäckern der Messestadt.<br />
Das Original aus der Backstube ist wesentlich<br />
kleiner. 100 g ab 2,70 Euro<br />
Pfefferkuchen in Pulsnitz<br />
Pfefferkuchen sind eine süße Verführung – nicht nur zu<br />
Weihnachten. In Pulsnitz werden verschiedene Sorten<br />
der Lebkuchenart noch traditionell handwerklich in<br />
Pfefferküchlereien hergestellt. 100g ab 1,50 Euro<br />
49
WIR ÜBERNEHMEN<br />
EINEN FAMILIENBETRIEB<br />
Gut ein Drittel der sächsischen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe steht vor der Übergabe an die nächste<br />
Generation. Diese <strong>Handwerk</strong>er haben die „freundliche Übernahme“ erfolgreich geschafft<br />
Ein Großteil der Unternehmen in Sachsen wurde nach der<br />
Friedlichen Revolution gegründet. Jetzt – nach über 30 Jahren<br />
– stehen die Betriebe vor der Übergabe. Die <strong>Handwerk</strong>skammer<br />
Leipzig schätzt, dass ein Drittel der sächsischen<br />
<strong>Handwerk</strong>sunternehmen in den kommenden Jahren eine<br />
Nachfolge braucht. Selbst wenn der geeignete Kandidat<br />
für die Nachfolge gefunden ist, kann es noch fünf bis zehn<br />
Jahre dauern, bis er auch richtig eingearbeitet ist.<br />
Gut, wenn das <strong>Handwerk</strong> Familiensache ist und der Nachwuchs<br />
bereits die nötige Erfahrung mitbringt. Anna<br />
Dyroff arbeitet seit 2006 in dem Restaurierungsatelier ihres Vaters<br />
Klaus-Peter. Die Werkstatt und Ausstellungsräume des Betriebes<br />
befinden sich seit 1986 im historischen Bahnhof Schmiedeberg.<br />
Klaus-Peter Dyroff ist gelernter Fliesenleger und hat einen<br />
Abschluss als Diplom-Designer und Restaurator. Anna Dyroff ist<br />
Mosaizistin. „Ich habe in Italien studiert. Der Abschluss musste<br />
in Deutschland erst anerkannt werden“, erinnert sie sich. Vater<br />
und Tochter restaurieren und gestalten Mosaike. „Das Grundprinzip<br />
im Restaurierungsatelier hat sich über Jahre erhalten<br />
und stetig weiterentwickelt. Wir leisten eine fachgerechte und<br />
substanzschonende Restaurierung im Sinne der Denkmalpflege<br />
zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgütern“, erklärt<br />
Anna Dyroff. Die Dyroffs restaurierten bereits den Mosaikbrunnen<br />
im Großen Garten Dresden, ein Wandmosaik<br />
an der Siegessäule in Berlin oder historische Fliesen aus<br />
dem 17. Jahrhundert im UNESCO Weltkulturerbe Schloss<br />
Augustusburg in Brühl bei Köln.<br />
„Das <strong>Handwerk</strong> der Mosaikkunst ist in Sachsen einmalig“,<br />
sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und Landtagsvizepräsidentin<br />
Andrea Dombois. „Durch das Atelier von Anna und<br />
Klaus-Peter Dyroff sind seit mehr als 30 Jahren zahlreiche<br />
Sanierungs- bzw. Restaurationsarbeiten der sich in<br />
Sachsen befindlichen Mosaikkunst, aber auch weltweit,<br />
durchgeführt worden. Diese <strong>Handwerk</strong>stradition gilt es zu<br />
bewahren und an die junge Generation weiterzugeben“,<br />
so die Landtagsabgeordnete aus Dippoldiswalde. Die Dyroffs<br />
gestalten auch Ausstellungen und bieten Workshops<br />
an. „Es kommen Menschen von überall, um bei uns die<br />
Mosaikkunst zu lernen“, sagt Anna Dyroff. Sie hat schon<br />
viel Erfahrung im Betrieb gesammelt. Bereits heute vertritt<br />
sie ihren Vater, wenn er mal nicht kann. Eine Übernahme<br />
des gesamten Betriebs ist damit bei den Dyroffs<br />
bereits gut vorbereitet.<br />
50
Konzentriert arbeitet Anna Dyroff an einem<br />
Mosaik. Mit penibler Handarbeit gestaltet sie<br />
ein eindrucksvolles Kunstwerk. Bei Workshops<br />
kann man sich die Arbeit vor Ort anschauen.<br />
DIE KUNST DES MOSAIKS<br />
Mosaike sind seit dem Altertum eine beliebte Form in<br />
der bildenden Kunst. Die ältesten bekannten Kunstwerke<br />
stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus.<br />
Durch das Zusammensetzen verschiedenfarbiger und<br />
unterschiedlich geformter Einzelstücke entsteht ein<br />
Muster oder Bild. Verwendet werden unterschiedliche<br />
Materialien. Am häufigsten sind Stein- oder Glasmosaike<br />
an Wänden oder Böden.<br />
51
Aloysius Mikwauschk<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
Einen besonderen Weg ist Therese Martin gegangen.<br />
Die junge Bäckerin arbeitete in der Bäckerei<br />
Wippler in Dresden. Vergangenes Jahr kehrte sie in ihren<br />
Heimatort Räckelwitz in der Oberlausitz zurück. „Es ist<br />
mein Zuhause und meine Familie ist hier“, sagt Therese<br />
Martin. Sie kommt auch für einen Traum zurück: das eigene<br />
Geschäft. „Ich wollte schon immer meine eigene Bäckerei<br />
haben“, sagt die 38-Jährige. Da kommt es gelegen,<br />
dass Bäckermeister Michael Schlappa auf Weltreise gehen<br />
will und seine Bäckerei übergeben möchte. „Wir kennen<br />
uns privat gut“, sagt Therese Martin, die also keinen<br />
Familien-, aber einen Freundesbetreib übernimmt. Die<br />
Bäckerei Schlappa ist seit 1968 in zweiter Generation in<br />
der Region um Räckelwitz bekannt. Nun übernimmt die<br />
neue Chefin. „Ich möchte natürlich die Tradition weiterführen<br />
und Arbeitsplätze erhalten. Aber ich habe auch<br />
neue Ideen und das Sortiment soll erweitert werden“, verrät<br />
Therese Martin. In Zukunft kommt noch eine Konditorei<br />
dazu: „Wir wollen den schönen Ort erhalten, aber auch<br />
eine offene Werkstatt aufbauen, in der man uns bei der<br />
Arbeit zuschauen kann“, sagt sie. „Therese Martin hat in der<br />
Region ihres Geburtsortes ein wichtiges Markenzeichen<br />
von Lebensqualität erhalten“, lobt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Aloysius Mikwauschk aus Kamenz. „Ihre Erfahrungen<br />
in der deutschen Nationalmannschaft als beste Auszubildende<br />
und ihr beruflicher Weg zeigen: <strong>Handwerk</strong> im<br />
ländlichen Raum hat Zukunft. Beispielhaft wurde frühzeitig<br />
über Monate die Nachfolgeregelung vorbereitet, ein<br />
Erfolgsmodell, wenn Verantwortung und Tradition übereinstimmen“,<br />
lobt Mikwauschk.<br />
Die Brüder Dominik und Fabian Böhme haben im Januar<br />
das Sanitärunternehmen ihres Vaters im mittelsächsischen<br />
Mühlau übernommen. Aus der Heizung-Sanitär<br />
GmbH & Co. KG Steffen Böhme wurde die Böhme GmbH<br />
& Co. KG. „Die Übernahme hat fünf Jahre gedauert“, erinnert<br />
sich Fabian Böhme. Sein Bruder Dominik ergänzt:<br />
„Unser Vater ist damals auf uns zugekommen und wir<br />
haben vereinbart, dass wir zunächst schauen, ob wir miteinander<br />
arbeiten können. Er hat sich jetzt dazu entschieden,<br />
sich ganz aus dem Unternehmen zurückzuziehen und<br />
uns übernehmen zu lassen.“. Die Übernahme war für die<br />
beiden Nachfolger allerdings gar nicht so klar. Die Steuerlast<br />
bei Unternehmensübernahmen und die Bedingung,<br />
trotz Renteneintritten das Lohnniveau in der Firma über<br />
Jahre gleich zu halten, machte die Nachfolge zunächst<br />
unattraktiv. „Warum sollen wir ein Unternehmen<br />
übernehmen, wenn es steuerlich einfacher wäre,<br />
wenn man neu gründet? Start-ups werden gefördert.<br />
Nachfolger in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben haben<br />
zunächst Schulden“, fragen sich die Brüder Böhme. Sie<br />
entschieden sich dennoch, die Firma weiterzuführen. „Wir<br />
haben seit 2018 bereits Anteile am Unternehmen gehalten<br />
– da denkst du einfach anders“, sagt Dominik Böhme. Und:<br />
„Wir wollten Arbeitsplätze erhalten. Neu gründen und die<br />
alten Fachkräfte einstellen, das geht nicht“, weiß Fabian<br />
Böhme. Mit der Übernahme haben die Brüder Böhme das<br />
Familienunternehmen umgekrempelt. Ein neuer Markenauftritt<br />
wurde gestaltet und die Digitalisierung vorangetrieben.<br />
„Viele Kessel, die in den 90er-Jahren eingebaut<br />
wurden müssen jetzt gewechselt werden. Die Auftragslage<br />
ist gut, der Nachwuchs geht uns allerdings aus“, verrät<br />
Dominik Böhme. Für engagierte Auszubildende ist das<br />
Unternehmen daher offen.<br />
Ein paar Kilometer von Mühlau entfernt steht Nora Seitz<br />
in der Fleischerei Thiele. Der Betrieb wurde 1932 von<br />
ihrem Urgroßvater gegründet. Heute leitet Nora Seitz das<br />
Geschäft gemeinsam mit ihrer Mutter Elke. „Meine erste<br />
Ausbildung als Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk<br />
habe ich von 2001 bis 2004, die zum Fleischer von<br />
2004 bis 2006 gemacht. Anschließend habe ich meine<br />
Meisterausbildung in Teilzeit absolviert“, erinnert sich<br />
die junge Fleischerin. Ihr fachliches Können fällt schnell<br />
auf. Ihre erste Berufung in das Team der deutschen Nationalmannschaft<br />
des Fleischerhandwerks erhielt sie 2017.<br />
Heute ist sie Teamchefin. In Zukunft will sie das Geschäft<br />
in Chemnitz übernehmen. „Eine Betriebsübergabe im<br />
<strong>Handwerk</strong> ist ein wahnsinnig dynamischer Prozess. Es ist<br />
nicht mehr wie früher, dass man sagt: ‚An Tag X bekommst<br />
du das Unternehmen‘. Man bereitet das vor. Steigt in Teilbereichen<br />
ein, übernimmt Verantwortung und wächst in<br />
alle Aufgaben hinein“, weiß die junge Unternehmerin.<br />
„Nora Seitz ist Unternehmerin durch und durch, also mit<br />
Herz und Seele. Als Meisterin im Fleischerhandwerk setzt<br />
sie auf Tradition und Innovation gleichermaßen“, sagt<br />
die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ines Saborowski aus Chemnitz. „Sie<br />
engagiert sich für die Akzeptanz ihrer Branche und den<br />
Fortbestand sowie die Weiterentwicklung des sächsischen<br />
<strong>Handwerk</strong>s in Kammern und Verbänden mit ganz viel ehrenamtlichem<br />
Engagement. Unternehmerin zu sein, heißt<br />
für sie Verantwortung zu übernehmen, für ihr<br />
Unternehmen und auch ihr Team, täglich!“<br />
52<br />
Ines Saborowski<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete
Der Traum von der eigenen Bäckerei: Therese<br />
Martin hat sich diesen erfüllt. Bäckermeister<br />
Michael Schlappa gibt seinen Betrieb auf, um<br />
die Welt zu sehen, und Therese Martin tritt die<br />
Nachfolge an. Das Ziel: Tradition sowie Arbeitsplätze<br />
erhalten und neue Ideen einbringen.<br />
Neu gründen oder Nachfolge antreten?<br />
Über diese Frage haben Dominik und Fabian<br />
Böhme lange gegrübelt. Die Steuern und Schulden<br />
machen die Betriebsübernahme schwierig.<br />
Aus Verbundenheit zur Region und den Mitarbeitern<br />
wagen sie den Schritt trotzdem. Sie<br />
lernen über Jahre das Geschäft kennen. Anfang<br />
dieses Jahres übernehmen sie schließlich das<br />
Geschäft. „Die Familie stand immer hinter uns“,<br />
sagen die Brüder heute.<br />
Nora Seitz liebt ihr <strong>Handwerk</strong>. „Das Fleischerhandwerk<br />
ist meine Berufung. Wir haben viele<br />
interessante und anspruchsvolle Teilbereiche<br />
in unserem täglichen Arbeitsalltag, dass man<br />
sich gar nicht wirklich auf einen speziellen Teil<br />
festlegen kann“, sagt die Chemnitzerin.<br />
53
Enrico Stritzl aus Niederalbertsdorf in seinem<br />
eigenen Betrieb für Holzmontagen und<br />
Zimmerei. Mit <strong>15</strong> begann er seine Lehre, 2005<br />
machte er sich selbstständig. Aber auch sein<br />
Ehrenamt bei der Feuerwehr ist ihm wichtig.<br />
Seit 2009 ist Stritzl Kreisjugendwart im<br />
Zwickauer Land, außerdem stellvertretender<br />
Wehrleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr<br />
Niederalbertsdorf. Mit zehn Jahren kam er<br />
selbst zur Freiwilligen Feuerwehr.<br />
54
OHNE HANDWERKER<br />
LÄUFT NICHTS<br />
Sachsens <strong>Handwerk</strong>er sind unerlässlich für das Ehrenamt.<br />
Egal ob bei Feuerwehr, im Sportverein oder bei der<br />
Blaskapelle – sie kümmern sich mit Leidenschaft<br />
„Für viele ist es selbstverständlich, dass die Feuerwehr<br />
kommt, wenn es brennt. Sie vergessen aber, dass es auch<br />
die geben muss, die zum Einsatz ausrücken“, sagt Enrico<br />
Stritzl. Der 43-Jährige aus Niederalbertsdorf, einem Ortsteil<br />
von Langenbernsdorf im Zwickauer Land, ist selbstständig<br />
mit der eigenen Zimmerei. „Das ist tagsüber mein<br />
<strong>Handwerk</strong>. In der Freizeit widme ich mich dem Ehrenamt<br />
bei der Feuerwehr“, erzählt er. Enrico Stritzl liebt sein Ehrenamt.<br />
Als stellvertretender Wehrleiter bei der Freiwilligen<br />
Feuerwehr Niederalbertsdorf verbringt er viel Zeit mit seinen<br />
Kameraden. Außerdem wurde er Ende März erneut zum<br />
Kreisjugendfeuerwehrwart im Zwickauer Land gewählt. Diese<br />
Position übernimmt Enrico Stritzl seit 2009. „Die Aufgaben<br />
sind abwechslungsreich und ich lerne ständig neue Menschen<br />
kennen. Die Kameradschaftlichkeit und der Zusammenhalt in<br />
der Gruppe ist gut“, freut sich der Feuerwehrmann. Bereits mit<br />
zehn Jahren war er bei der Jugendfeuerwehr dabei. „Man<br />
sieht schon häufig das Elend anderer“, weiß der <strong>Handwerk</strong>er.<br />
„Da wird einem klar, dass es auch einen selbst treffen<br />
kann.“ Ehrenamt und Beruf lassen sich für ihn meist gut<br />
vereinen: „Klar muss ich auch während der Arbeitszeit raus.<br />
Aber sonst lassen sich viele Aufgaben bei der Feuerwehr<br />
auch nach Feierabend oder am Wochenende erledigen“, erklärt<br />
er. Mit <strong>15</strong> begann Enrico Stritzl seine Lehre. Selbstständig<br />
machte er sich 2005. „Mich begeistert die Kreativität. Ich<br />
mag es, mit Kunden Ideen zu besprechen, an Projekten zu<br />
tüfteln und die Umsetzung zu planen“, schwärmt er.<br />
„Feuerwehren zu unterhalten, gehört zu den sogenannten<br />
kommunalen Pflichtaufgaben“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Kerstin Nicolaus. „Doch keine Gemeinde kann sie ohne ihre<br />
freiwilligen Feuerwehrleute erfüllen. Bei den vielen anfallenden<br />
Aufgaben sind <strong>Handwerk</strong>er mit ihren Kenntnissen und<br />
Fähigkeiten eine große Stütze. Als Kameradin weiß ich nur zu<br />
gut, wie oft handwerkliche Leistung gefragt ist. Es zeigt sich<br />
also auch hier: Ohne <strong>Handwerk</strong> läuft nicht viel.“<br />
Kerstin Nicolaus<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
GROSSE STÜTZE<br />
„Als Kameradin weiß ich nur zu gut,<br />
wie oft handwerkliche Leistung gefragt<br />
ist. Es zeigt sich auch hier: Ohne<br />
<strong>Handwerk</strong> läuft nicht viel.“<br />
55
Mit dem mobilen Scanner können die Ihles<br />
Statuen und Figuren digitalisieren. Die Daten<br />
werden am Computer weiterverarbeitet.<br />
56
INNOVATIONSMOTOR HANDWERK<br />
DIESE FIRMEN<br />
SETZEN TRENDS<br />
3-D-Druck, Smart Home und Kleinserienfertigung – sächsische <strong>Handwerk</strong>er<br />
sind innovativ und arbeiten schon lange mit moderner Technik<br />
Die Maschinen summen leise, während UV-Licht das Material<br />
aushärtet. „Das sind unsere Resindrucker. Mit diesen fertigen<br />
wir unsere 3-D-Vorlagen für den Guss an“, erklärt Wilhelm Ihle.<br />
Der 24-Jährige ist seit drei Jahren im Unternehmen seines Vaters<br />
und verantwortlich für den 3-D-Druck. So werden Statuen<br />
und Figuren mithilfe modernster Technik hergestellt. Gerade<br />
bei Künstlern sind die GEBR Ihle Bildguss aus Dresden bekannt.<br />
Aber auch Privatpersonen lassen hier Figuren anfertigen.<br />
Die digitale Technik gibt der Kunstgießerei neue Möglichkeiten<br />
und birgt viele Vorteile. „Nachdem wir ein Objekt<br />
einmal eingescannt haben, können wir Entwürfe auch<br />
mehrfach drucken und müssen nicht aufwendig neue Formen<br />
bauen. Zudem lassen sich die Figuren am Computer<br />
beliebig größer oder kleiner machen“, erklärt der gelernte<br />
Schmied. Zwar dauert der Druck 20 bis 30 Stunden. Die Arbeit<br />
mit Resin, einer Art Harz, ergibt allerdings sehr feine<br />
Strukturen und eignet sich daher gut als Formvorlage für<br />
den späteren Guss, etwa von Bronze-Figuren.<br />
„Eine Ausbildung für den 3-D-Druck gibt es in unserem Gewerk<br />
nicht. Mein Vater hatte einfach Interesse an der Technik<br />
und wir haben vieles über Videos im Internet selbst gelernt“,<br />
schaut Wilhelm Ihle auf die Anfangszeit zurück. Die Digitalisierung<br />
hat viel Dynamik in den Technikmarkt gebracht. Auch der<br />
3-D-Druck entwickelt sich stetig weiter. „Wir haben sehr früh<br />
damit angefangen, da war die Technik noch nicht so bekannt.<br />
Heute gibt es regelmäßig etwas Neues zu lernen“, weiß Ihle.<br />
Am Rechner prüft Wilhelm Ihle, ob<br />
beim Scannen alle Stellen richtig<br />
aufgenommen wurden. Fehlt etwas,<br />
dann wird digital nachbearbeitet.<br />
57
Im E-Haus der <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />
können Lehrlinge und Gesellen die neueste<br />
Technik für Smart-Home-Anwendungen kennenlernen<br />
und damit üben.<br />
Digitale Technik verändert auch den Hausbau – innen wie<br />
außen. Längst können über Computer Dinge wie Heizung<br />
einschalten, Licht regulieren oder auch Badewasser einlassen<br />
geregelt werden. Dafür kommen Sensoren und Aktoren<br />
zum Einsatz, um den individuellen Wünschen der Bauherren<br />
zu entsprechen.<br />
Damit <strong>Handwerk</strong>er den Einsatz der Technik lernen können,<br />
hat die <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz ein komplettes E-Haus<br />
zum Üben errichtet. Dort können Azubis wie auch angehende<br />
Meister der Elektronik und Anlagenmechaniker für Sanitär,-<br />
Heizungs- und Klimatechnik ganz praktisch lernen, wie die<br />
intelligenten Systeme funktionieren und eingerichtet werden.<br />
Das Projekt ist ein Novum und sucht bundesweit seinesgleichen.<br />
Unterstützung hat die <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />
dabei vom Bundeministerium für Bildung und Forschung erhalten,<br />
das das Projekt im Rahmen des Sonderprogramms Digitalisierung<br />
gefördert hat.<br />
Fachlich angeleitet wurde die Planung und Umsetzung von<br />
Ausbilder und Experte Hendrik Morgner: „Das Zusammenspiel<br />
von Digitalstrom, KNX, Photovoltaik, Heizung, Lüftung, Haushaltsgeräten,<br />
Beleuchtung, Jalousien, Wetterstation, Glasfasertechnologie,<br />
Elektromobilität, Rasenbewässerung und Einbruchschutz<br />
ist auf diese Weise einzigartig“, schwärmt er. Wie<br />
ein richtiges Haus besteht das E-Haus aus einem Eingangsbereich<br />
mit Haustür, einem großen Technikraum, Bad, Schlafzimmer<br />
und einem Wohn-Ess-Bereich. In der Außenanlage werden<br />
eine E-Ladesäule und ein Rasenbewässerungssystem angeschlossen<br />
sein. Ein Tablet hilft dabei, alle Geräte zu steuern, wobei<br />
die Prozesse möglichst automatisiert ablaufen sollen. Aber<br />
die Steuerung wird für die künftigen Bewohner auch über Geräte<br />
wie Smartphone oder -speaker möglich sein.<br />
58
Ein Kollege von Ronny Bernstein setzt Werkstücke<br />
in den Twister ein. Sie drehen sich um die<br />
eigene Achse und werden aus der Mitte mit<br />
einer Art Sand bestrahlt.<br />
Der Erfindergeist von Ronny Bernstein wurde 20<strong>15</strong> mit dem<br />
Sächsischen Staatspreis für Innovation gewürdigt. Der<br />
Metallbauer aus Chemnitz entwickelte in seiner Firma<br />
BMF eine neue Art der Oberflächenbehandlung von metallischen<br />
Kleinteilen. Dadurch sinken die Kosten beim Sandstrahl-Vorgang,<br />
während die Qualität ordentlich steigt.<br />
In dem BMF-Sandstrahlautomaten Twister rotieren die<br />
Werkstücke um ein Schleuderrad. Wie auf einem Karussell<br />
drehen sie sich um die eigene Achse. Durch die gezielte Bestrahlung<br />
fällt die aufwendige Nachbearbeitung per Hand<br />
weg. Dank der geschickten Aufteilung der Werkstücke im<br />
Twister lassen sich zudem zehnmal so viele Teile bearbeiten<br />
wie in den bisherigen Verfahren. Das spart Energie und<br />
sichert die Qualität.<br />
„Hier im Haus betreiben wir in der 3. Generation Maschinenbau.<br />
2007 haben wir die BMF neu gegründet,<br />
mit dem Ziel, Prototypen und Einzelteile zu produzieren und<br />
Finalprodukte herzustellen. Wir sind schon immer<br />
erfinderisch gewesen, immer auf der Suche nach innovativen<br />
Produkten“, sagt Ronny Bernstein. „Ich denke,<br />
das ist uns mit dieser Anlage gelungen.“ Der Chemnitzer<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete Peter Wilhelm Patt ist begeistert von<br />
der Entwicklung der BMF. Er betont, wie wichtig solche Innovationen<br />
für die sächsische Wirtschaft sind: „Es sind die<br />
Tüftler aus der Praxis, die uns nach vorne bringen“, sagt er.<br />
„Wissen und Können schaffen Lösungen. Ich bin stolz auf<br />
unsere Praxiselite.“<br />
Die Twister-Idee ist inzwischen patentiert. Für die Entwicklung<br />
arbeiteten Ronny Bernstein und seine Kollegen<br />
von BMF mit dem Steinbeis-Innovationszentrum<br />
für Antriebs- und Handhabungstechnik aus<br />
Chemnitz zusammen.<br />
Peter Wilhelm Patt<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
59
DAS MACHT<br />
EINEN GUTEN<br />
LEHRLING AUS<br />
Der Azubi von Zimmermeister Ralf Peukert<br />
absolviert mit der Ausbildung gleich auch das<br />
Studium zum Bauingenieur<br />
Die Digitalisierung verändert das <strong>Handwerk</strong> und die Ausbildung.<br />
Ob das 3-D-Modell vom Endprodukt, die Kalkulation eines<br />
neuen Auftrages oder das Bestellen von Rohstoffen: Das<br />
<strong>Handwerk</strong> profitiert von der neuen Technik. Das weiß auch<br />
Zimmerermeister Ralf Peukert aus Albrechtshain im Landkreis<br />
Leipzig. „Ein guter Auszubildender soll Meister im <strong>Handwerk</strong><br />
werden und ein technisches Verständnis haben“, sagt er. In der<br />
Ausbildung seines Lehrlings Friedrich Thalmann verschmelzen<br />
das traditionelle Wissen und die neuen Möglichkeiten<br />
noch mehr als gewöhnlich: Der 18-jährige Thalmann macht ein<br />
duales Studium zum Bauingenieur und Zimmerer. Dabei hilft<br />
dem Betrieb eine Kooperation mit der Hochschule für Technik,<br />
Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Verteilt über vier Jahre<br />
besucht der Azubi insgesamt sechs Semester die Hochschule,<br />
um moderne Methoden der Informatik im Bauwesen kennenzulernen<br />
und sich Wissen über Baustatik oder Hochbau<br />
anzueignen. Am Ende ist der Bachelor das Ziel. Meister Ralf<br />
Peukert ist die Kombination wichtig. „Wer nur studiert hat,<br />
weiß es nicht besser. Auch nur mit dem Computer zu arbeiten<br />
ist nicht gut. Einen guten Auszubildenden macht aus, dass er<br />
die Theorie kennt und in der Praxis anzuwenden weiß“, sagt<br />
60
Auch wenn sein Azubi die Digitalisierung<br />
im Unternehmen vorantreiben soll, legt<br />
Meister Ralf Peukert Wert auf die Ausbildung<br />
im <strong>Handwerk</strong>. Theorie und Praxis<br />
gehen für ihn Hand in Hand.<br />
er. Azubi Friedrich Thalmann stimmt zu: „Die Ausbildung im<br />
Betrieb ist für mich wichtig. Der Austausch mit den Kollegen<br />
und die Praxis bringen viel. Gerade in einem kleinen Betrieb,<br />
wie hier, ist es sehr abwechslungsreich“, freut er sich. Meister<br />
Peukert schätzt es, wenn er bei seinen Auszubildenden<br />
den „Aha-Effekt“ sieht: „Wir haben einmal einen Dachstuhl<br />
saniert. In den Balken waren kleine Löcher – sah eigentlich<br />
nicht so schlimm aus. Friedrich hat dann mit einem Hammer<br />
gegen den Balken gehauen und war von oben bis unten mit<br />
Holzstaub voll. Dadurch hat er kennengelernt, welche Anzeichen<br />
für holzfressende Insekten es gibt“, erinnert er sich.<br />
„Die Erfahrung kommt durch die Arbeit auf Baustellen<br />
und durch selber machen. Das Interesse daran muss<br />
ein Auszubilder also unbedingt mitbringen“, verrät er. Die digitale<br />
Technik kommt in seinem Holzbaubetrieb schon länger<br />
zum Einsatz. Bevor ein Projekt umgesetzt wird, erfolgt die Baukonstruktion<br />
bereits am Computer. Verschnitt vom Material,<br />
Längen und Maße sind damit bereits vorher bekannt. „Mein<br />
Ansinnen ist, dass wir bereits vor dem Bau unnötige Abweichungen<br />
ausschließen können“, sagt Meister Peukert. „Im<br />
Landkreis Leipzig arbeiten rund 2.500 <strong>Handwerk</strong>sbetriebe mit<br />
reichlich 18.000 Beschäftigten“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Svend-Gunnar Kirmes. „Sie alle sind und bleiben existienziell<br />
für das wirtschaftliche Leben in ihrer Verknüpfung von<br />
Tradition und neuesten Technologien“, so Kirmes weiter.<br />
„Was wären wir ohne sie!“<br />
Svend-Gunnar Kirmes<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
61
DIESEN HANDWERKER<br />
MÖCHTE ICH NICHT MISSEN<br />
Sie gehören einfach dazu! Abgeordnete der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages haben<br />
bei Facebook <strong>Handwerk</strong>er aus ihrem Wahlkreis vorgestellt. Hashtag: #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />
Dagmar Müllers Motto heißt „Licht und Farbe das ganze<br />
Jahr.“ Seit fast 25 Jahren kümmert sie sich in ihrer Kunstglaserwerkstatt<br />
in Reichenbach im Vogtland um die Aufarbeitung<br />
und Restaurierung alter Bleiverglasungen. Sie<br />
arbeitet dabei an historischen Verglasungen und Kirchenfenstern<br />
genauso wie an individuellen Geschenk- und Dekoideen.<br />
Für den <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Stephan Hösl ein<br />
faszinierendes <strong>Handwerk</strong>, für das er größten Respekt hat.<br />
„Ich denke gern an meine Hochzeit in der Peter-Paul-Kirche<br />
in Reichenbach zurück, die Fenster in der Kirche haben es<br />
mir angetan“, sagt er. „Besonders der Vers ,Was der Mensch<br />
sät, das wird er ernten' ist mir in Erinnerung geblieben: Liebe,<br />
Freude, Dankbarkeit und Treue waren die Dinge, die ich<br />
in meinem Leben säen und ernten wollte.“<br />
62
Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen!<br />
Kay Arnswald von „manchemögensholz“ ist nicht nur ein <strong>Handwerk</strong>er mit Herz fürs Fachwerk,<br />
sondern zeigt auch der Öffentlichkeit seine Liebe zum Holz.<br />
Herzlichen Dank für die <strong>Einblick</strong>e und Dein Engagement für das Weitergeben Deiner Erfahrungen!<br />
Hier gibt’s mehr zu erfahren:<br />
https://www.holzschutzgutachten.eu/<br />
#EINBLICK #handwerk #fachwerkhaus #fachwerk #handwerksachsen #danielakuge #wilsdruff<br />
#sachsen #heimat #holz #manchemögensholz<br />
Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses war ich heute Abend bei der #kreishandwerkerschaft<br />
des Landkreises #Görlitz, wo die Potenziale & Herausforderungen des #<strong>Handwerk</strong>s im<br />
Mittelpunkt standen. Bei den Rothenburger Eisenbahn-Freunden konnten wir uns zunächst vom<br />
starken ehrenamtlichen Engagement der Fleischerhandwerks-Familie Eichler beim Erhalt der<br />
Kleinbahnen überzeugen.<br />
Die Potenzialstudie für das <strong>Handwerk</strong> des Wirtschaftsministeriums macht deutlich, dass besondere<br />
Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge & der Attraktivitätssteigerung für<br />
<strong>Handwerk</strong>sberufe bereits in der Schule bestehen. Die Ausbildungsmesse #Insider ist hierfür<br />
eine wichtige Plattform.<br />
Als Gesellschaft ist es in unser aller Interesse, das <strong>Handwerk</strong> zu stärken und ihm mehr Gehör<br />
zu verschaffen, weil gerade diese regionalen Wirtschaftskreisläufe unsere ländliche Heimat<br />
lebenswert machen. #weilwirhierlebenwollen<br />
Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen: Reifen Lorenz GmbH<br />
Mein Favorit, wenn es um unsere Autos geht. Ganz gleich, ob Radwechsel, Ölwechsel oder<br />
Kundendienst: Bei Reifen Lorenz in der Torgauer Straße 24–26 wird alles zuverlässig und<br />
schnell zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt. Bei der freien Kfz-Meisterwerkstatt für alle<br />
Fabrikate können auch Kfz-Reparaturen aller Art durchgeführt werden. So sind unsere Lieferfahrzeuge<br />
nach einer Panne oft schon am nächsten Tag wieder einsatzbereit. So ein Nachbar<br />
ist einfach klasse!<br />
Reifen Lorenz blickt auf eine über 90-jährige Firmengeschichte zurück. Seit 2020 leitet Maximilian<br />
Lorenz in der vierten Generation, gemeinsam mit seinem Vater Hermann Lorenz, das<br />
inhabergeführte Familienunternehmen.<br />
#EINBLICK<br />
#<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />
Das neue #EINBLICK-<strong>Magazin</strong> zum <strong>Thema</strong> #handwerksachsen erscheint in Kürze. Dabei<br />
stehen traditionelles <strong>Handwerk</strong> und Familienbetriebe im Fokus. 2021 war das Jahr der Orgel<br />
und ich habe das Familienunternehmen Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH in meinem Wahlkreis<br />
#sltwk47 kennengelernt. Hier trifft Innovation auf Tradition in einem seltenen und kaum<br />
bekannten <strong>Handwerk</strong>sberuf. Dieser Betrieb präsentiert die sächsische <strong>Handwerk</strong>skunst in der<br />
ganzen Welt, sogar bis ins japanische Tokio.<br />
#sachsen #handwerk #innovation #tradition #familienunternehmen<br />
Fotos: Crispin-Iven Mokry<br />
63
Immer wieder dankbar über die fachkundige und freundliche Unterstützung, die uns unsere<br />
vielen lokalen <strong>Handwerk</strong>er geben. Heute zum Beispiel beim Check in der Kfz-Werkstatt im<br />
Autohaus Goldmann in Aue.<br />
#EINBLICK #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />
Die familiengeführte Schlosserei Rißmann ist ein Garant für hochwertige Schlosserarbeiten,<br />
Alu- und Stahlkonstruktionen in Verbindungen mit Glaselementen.<br />
Die Firma wurde 1967 von Henning Rißmann gegründet und ständig weiterentwickelt. Das<br />
neue <strong>Magazin</strong> #EINBLICK befasst sich mit dem <strong>Thema</strong> #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />
Auch wenn die Temperaturen es im Augenblick eher wieder nach Winter als nach Frühling<br />
aussehen lassen: die neue Motorradsaison steht vor der Tür. Die Brüder Gerd und Frank<br />
Bernhardt von der gleichnamigen Suzuki-Werkstatt in Lübschütz, einem Ortsteil der Gemeinde<br />
Machern, sind da <strong>Handwerk</strong>er, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ein Problem am<br />
Bike und man kann sich darauf verlassen, die lösen das! #EINBLICK #handwerksachsen<br />
#opensaison #motorbike<br />
Unser <strong>Handwerk</strong> kompetent und zuverlässig. Zimmerei Ralf Peukert mit Kompetenz und<br />
Engagement im Holzbau. Einer von vielen <strong>Handwerk</strong>ern, die ich nicht in meinem Wahlkreis<br />
missen möchte.<br />
#svendgunnarkirmes #EINBLICK #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />
Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen!<br />
Überzeugt euch vom traditionellen <strong>Handwerk</strong> in der Fleischerei Günter Geißler in Dippoldiswalde.<br />
Bereits seit 44 Jahren bietet der <strong>Handwerk</strong>sbetrieb Produkte und Dienstleistungen für<br />
die Kunden an. Die Fleischerei ist zugleich Ausbildungsbetrieb und engagiert sich seit vielen<br />
Jahren im sozialen und gesellschaftlichen Bereich.<br />
64
Perlen des <strong>Handwerk</strong>s, in Sachsen sind eine ganze Reihe tätig. Der Leuchtenbauer #PaulLorenz<br />
gehört seit 1926 dazu, und man findet einen solchen Betrieb des Kunsthandwerks kaum in Europa<br />
wieder. Die hohe Kompetenz bildet sich aus der Erfahrungsweitergabe der Inhaberfamilie (eine<br />
weitere Generation bereitet sich vor) und dem hochqualifi zierten Mitarbeiterteam als #Praxiselite.<br />
Die vielen herrlichen Leuchten in den Schlösser, Burgen, Kirchen, Villen wollen strahlen. Restaurierung,<br />
Rekonstruktion, Neuherstellung, Sakralbeleuchtung – auf der Website www.Lorenz-Leuchten.de<br />
finden sich großartige Beispiele. Aktuelle Arbeiten erfolgen für das Klinikum und die Reichenbrander<br />
Kirche. Wir sind #stolz auf unsere sächsischen <strong>Handwerk</strong>er.<br />
#EINBLICK<br />
#handwerksachsen<br />
Im neuen EINBLICK-<strong>Magazin</strong> der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages beschäftigen<br />
wir uns mit dem #<strong>Handwerk</strong>. Wir stellen positive Beispiele dar, zeigen, was <strong>Handwerk</strong> leistet,<br />
und haben mit Praktikern gesprochen, wie wir als sächsische #Politik das <strong>Handwerk</strong> stärken<br />
können.<br />
Bei der Gelegenheit wurden wir auch nach dem #<strong>Handwerk</strong>er gefragt, den wir persönlich<br />
nicht vermissen möchten. Natürlich gibt’s da viele tolle #Beispiele.<br />
Aber ich habe mich für meinen #Friseur, Swen #Hennewadl, aus #Auerbach entschieden,<br />
der seit mehr als 20 Jahren dafür sorgt, dass ich ordentlich aussehe. Er hat kundenfreundliche<br />
Abendtermine für mich und begleitet meinen „Ergrauungsprozess“ immer mit einem<br />
Schmunzeln. Danke Swen.<br />
Habt ihr auch so einen <strong>Handwerk</strong>er, den ihr nicht missen möchtet? Dann kommentiert und<br />
verlinkt. Das <strong>Handwerk</strong> <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />
65
MIT LECKER<br />
BROT ZUM<br />
TIKTOKSTAR<br />
Ricardo Fischer ist Bäcker aus Leidenschaft. Dass er<br />
eines Tages Influencer wird, daran hat er selber<br />
nicht gedacht<br />
Über 340.000 Menschen folgen<br />
Bäcker Ricardo Fischer aus Lossatal<br />
bei Leipzig auf der Videoplattform<br />
TikTok im Internet.<br />
Backen ist Kunst – davon ist Ricardo Fischer aus Leipzig bis<br />
heute überzeugt. Der 40-Jährige hat 1997 seine Ausbildung<br />
begonnen. „Als Teenie wusste ich nicht, was ich werden<br />
will. Ich habe allerdings früh mein Talent fürs Backen und<br />
die Liebe zum Brot erkannt. Meine Mutter meinte dann: Gegessen<br />
wird immer. Somit habe ich mich für eine Ausbildung<br />
als Bäcker beworben“, erinnert sich der Bäckermeister<br />
mit einem Schmunzeln.<br />
Nur beim <strong>Handwerk</strong> sollte es allerdings nicht bleiben. Im<br />
Nebenberuf ist Ricardo Fischer heute auch eine Berühmtheit<br />
im Internet. Über 340.000 sogenannte Follower begeistern<br />
sich auf TikTok für die Videos des „Brotprofis“. „In einem Podcast<br />
einer <strong>Handwerk</strong>erzeitung hatte ein Experte über TikTok<br />
gesprochen. Ich kannte die Plattform noch nicht, war aber<br />
neugierig und habe die App heruntergeladen. Zunächst<br />
gab es nur Tanzvideos zu sehen, weshalb ich TikTok<br />
wieder zur Seite legte. Das Ganze hat mir aber keine<br />
Ruhe gelassen. Bei einer genaueren Stichwortsuche entdeckte<br />
ich schließlich Food-Blogger, aber keine Bäcker. Da dachte<br />
ich mir: Das machst du selbst!“, erinnert sich Ricardo Fischer.<br />
In seinen Videos verbindet der Brotprofi Spaß mit Informationen.<br />
„Ich fahre bei meinen Videos zweigleisig. Erstens<br />
möchte ich die Wertschätzung für Brot und das Bäckerhandwerk<br />
steigern. Zweitens richte ich mich an Hobbybäcker, von<br />
denen vielleicht der eine oder andere zu einer Ausbildung<br />
in meinem <strong>Handwerk</strong> inspiriert wird“, erklärt der Social-<br />
Media-Bäcker.<br />
Der <strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker Eric Dietrich lobt das Engagement<br />
des <strong>Handwerk</strong>ers aus Leipzig: „Es ist ein tolles Beispiel, wie<br />
man Tradition mit Digitalisierung verbinden kann und davon<br />
einen Marketingnutzen für sich gewinnt. Bäckermeister<br />
Ricardo Fischer hat mehr Follower und sinnvolleren<br />
Content als mancher hipper Mode-Influencer.“<br />
66<br />
Eric Dietrich<br />
<strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker
Genau wie bei seinem Brot legt Ricardo<br />
Fischer bei seinen Videos Wert auf Qualität.<br />
„Mir ist es wichtig, meine Ideen gut in Szene<br />
zu setzen“, sagt er.<br />
67
„Handarbeit hat Seele.“<br />
Frank Dommenz, Malermeister<br />
„Wer sein <strong>Handwerk</strong> von der Pike auf gelernt<br />
hat, hat bestes Rüstzeug für das Leben.“<br />
Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D.<br />
„Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker,<br />
sondern die <strong>Handwerk</strong>er.“<br />
Alfred Dregger, Politiker<br />
„Ein Land voller Soziologen nützt nichts,<br />
es muss auch jemand einen Hammer<br />
halten können.“<br />
Reinhold Würth, Unternehmer<br />
„Jedem Tun, jedem Handeln, jeder<br />
Kunst geht stets das <strong>Handwerk</strong> voraus,<br />
welches nur in der Beschränkung erworben<br />
wird.“<br />
Johann Wolfgang von Goethe<br />
„Ackerbau und <strong>Handwerk</strong> sind das Fundament<br />
der Kultur.“<br />
Albert Schweitzer<br />
cdu-fraktion-sachsen.de<br />
Tacheles! Politik im Klartext<br />
cdulandtagsfraktionsachsen<br />
@cdu_slt<br />
cdu_slt