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CDU-Magazin Einblick (Ausgabe 15) - Thema: Handwerk

Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages

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MAGAZIN DER <strong>CDU</strong>-FRAKTION DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES AUSGABE <strong>15</strong><br />

AUS TRADITION<br />

DAS HANDWERK IN SACHSEN<br />

Wertig<br />

<strong>Handwerk</strong> hat immer<br />

noch goldenen Boden<br />

Mutig<br />

Sie führen das Geschäft<br />

ihrer Eltern fort<br />

Anständig<br />

Was es bedeutet,<br />

Unternehmer zu sein


Hand|werk, das<br />

Wortart: Substantiv, Neutrum [das]<br />

Wortherkunft: von mittelhochdeutsch hantwerc, althochdeutsch hantwerc „Handarbeit“, belegt<br />

seit dem 11. Jahrhundert.<br />

Bedeutung: Unter <strong>Handwerk</strong> versteht man traditionelle, mit Handarbeit verbundene gewerbliche<br />

Tätigkeiten oder Berufe wie zum Beispiel Schreiner, Bäcker oder Schneider. Der Begriff bezeichnet auch<br />

den gesamten Berufsstand.<br />

Meist fertigen die <strong>Handwerk</strong>er Produkte oder erbringen Dienstleistungen auf Bestellung und Nachfrage.<br />

Die handwerkliche Tätigkeit steht der industriellen Massenproduktion gegenüber. Das handwerkliche<br />

Gewerbe wird in Deutschland verbindlich durch die <strong>Handwerk</strong>sordnung geregelt. Der <strong>Handwerk</strong>s-Meister<br />

ist dabei gewöhnlich Arbeiter, Kapitalgeber und Unternehmer in einer Person. <strong>Handwerk</strong>s-Gesellen<br />

und Auszubildende des gleichen Gewerbezweigs unterstützen ihn bei seiner Tätigkeit.<br />

Man unterscheidet zwischen zulassungspflichtigen <strong>Handwerk</strong>en, zulassungsfreien <strong>Handwerk</strong>en<br />

und handwerksähnlichen Gewerben. Die <strong>Handwerk</strong>s-Ordnung (HandwO) regelt, welche Betriebe<br />

zulassungspflichtig sind. Für sie gilt grundsätzlich der Meisterzwang. Aber auch andere Abschlüsse<br />

können unter Umständen anerkannt werden, wenn sie gleichwertig zur Meisterprüfung sind. Die<br />

Voraussetzung für den Betrieb eines zulassungspflichtigen <strong>Handwerk</strong>s ist die Eintragung in die <strong>Handwerk</strong>s-Rolle.<br />

Das <strong>Handwerk</strong> bildet mit seinen vorwiegend kleinen und mittleren Betrieben das Kernstück der deutschen<br />

Wirtschaft. Es ist und bleibt Deutschlands Ausbilder Nr. 1.


EDITORIAL<br />

Sachsens <strong>Handwerk</strong>er sind das Rückgrat<br />

unserer mittelständisch geprägten Wirtschaft.<br />

In Zahlen: 56.000 Betriebe mit<br />

etwa 300.000 Beschäftigten, die rund<br />

25,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.<br />

Nun können diese Zahlen aber nicht<br />

ausdrücken, wofür das <strong>Handwerk</strong> wirklich<br />

steht: für Tradition, Leidenschaft,<br />

Kreativität und Erfindungsgeist.<br />

Das <strong>Handwerk</strong> ist ein Teil<br />

unserer Kultur.<br />

Die Produkte und Dienstleistungen<br />

von <strong>Handwerk</strong>ern sind ein wichtiger<br />

Teil unseres Alltags, auch wenn wir sie<br />

vielfach als selbstverständlich wahrnehmen.<br />

Sei es nun die funktionierende<br />

Heizung, das exakt gefertigte Möbelstück<br />

oder der neuen Haarschnitt<br />

– all das ist <strong>Handwerk</strong> und es prägt<br />

unser aller Leben.<br />

Beispielhaft hierfür gewährt Ihnen, liebe<br />

Leser, unsere Landtags-Vizepräsidentin<br />

Andrea Dombois einen Blick in ihr<br />

Büro und zeigt, welche Gewerke dort<br />

ihre Spuren hinterlassen haben: vom<br />

Glaser über Elektriker bis zum Tischler.<br />

Mit seiner starken regionalen Verwurzelung<br />

ist das <strong>Handwerk</strong> der Ausbilder<br />

der Nation. Dank der vielen – zumeist familiengeführten<br />

Ausbildungsbetriebe –<br />

ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering.<br />

Über 5.400 Lehrverträge wurden im vergangenen<br />

Jahr allein in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />

geschlossen!<br />

Das <strong>Handwerk</strong> produziert vor<br />

Ort zumeist für Kunden aus<br />

der Region! Rund 90 Prozent<br />

der hervorragenden Produkte<br />

und Dienstleistungen sind für den sächsischen<br />

Markt bestimmt. Das sächsische<br />

<strong>Handwerk</strong> ist damit Teil unserer Kultur,<br />

schafft Identität und regionale Verbundenheit.<br />

Gleichwohl ist das deutsche<br />

<strong>Handwerk</strong> weltberühmt. Viele Länder<br />

blicken mit Bewunderung auf das duale<br />

Ausbildungssystem in den <strong>Handwerk</strong>sberufen.<br />

Unsere Berufsschulen sind<br />

spitze, die Gesellen als Fachkräfte international<br />

gefragt und der Meisterbrief ist<br />

stets ein Garant für Qualität.<br />

<strong>Handwerk</strong> ist mehr als nur Tradition<br />

und reine Handarbeit. Wir stellen Ihnen,<br />

liebe Leser, in diesem <strong>Magazin</strong> spannende<br />

Beispiele für Innovation, technischen<br />

Fortschritt und Neuinterpretationen alter<br />

Gewerke vor. Zeigen, wie der Generationenwechsel<br />

in Familienbetrieben<br />

gelingen kann und wie das <strong>Handwerk</strong><br />

seinen Weg in die Zukunft geht.<br />

Übrigens: Auf der Titelseite sehen Sie<br />

einen Uhrmacher aus Glashütte. Die<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion hat sich dafür starkgemacht,<br />

dass Sachsen im Bundesrat den<br />

Schutz der geografischen Herkunftsangabe<br />

„Glashütte“ voranbringt. Das ist<br />

uns jetzt gelungen! Ein Erfolg unserer<br />

<strong>Handwerk</strong>s-Politik!<br />

Ihr Christian Hartmann<br />

Fraktionsvorsitzender<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />

INHALT<br />

12<br />

16<br />

21<br />

22<br />

26<br />

Auf der Suche nach dem goldenen Boden<br />

Kay Ritter im Gespräch mit Jörg Dittrich vom Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stag<br />

Werkstatt-Besuch<br />

Schüler bei den Deutschen Werkstätten in Hellerau<br />

Meine rollende Fahrradwerkstatt<br />

Elektrische Fahrräder sind im Trend<br />

Was bedeutet es, Unternehmer zu sein?<br />

<strong>Handwerk</strong>er sprechen über Tatendrang und Kreativität<br />

Gemeinsam Berufsschule gestalten<br />

Zu Besuch im BSZ Kamenz<br />

30<br />

36<br />

44<br />

50<br />

54<br />

Profis leisten was<br />

Sächsische Azubis gehören zu den Besten ihres <strong>Handwerk</strong>s<br />

Ich bin Meister!<br />

Diese Frauen lieben ihr <strong>Handwerk</strong><br />

Wie sich die Lausitz neu erfindet<br />

<strong>Handwerk</strong>er meistern den Strukturwandel<br />

Wir übernehmen einen Familienbetrieb<br />

Nachwuchs für sächsische Betriebe ist bereit<br />

Ohne <strong>Handwerk</strong>er läuft nichts<br />

Zimmerer Enrico Stritzl ist im Ehrenamt aktiv<br />

IMPRESSUM Herausgeber: <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden, Telefon 0351 493-5501, www.cdu-fraktion-sachsen.de Redaktion: Christian Fischer (V.i.S.d.P.), STAWOWY, Dr. Christopher M. Brinkmann<br />

Fotos: Alexander Fuhrmann (Titel, 4-5, 8-9,21,39,40-41, 53, 54-55, 56-57); AdobeStock: 279photo (U2), Björn Wylezich (49); Claudia Jaquemin (3); Basti Winterscheid (6-7, 24, 30-32, 36-38, 42,50-53); PR DZH-Schepitz (11); Thomas Schlorke (12-<strong>15</strong>); DW/Vincent Seifert<br />

(16); Frank Harnack (17); Norbert Neumann (18-19); PR Catering Herzog (20); Fleischerei Lothar Franke (20); PR Fleischerei Schempp (22); PR Raumausstattung & Lederwaren Gallitzdorfer (23); Eric Münch (26-27, 34-35); Tomas Rodriguez (28); Helmut Franke (29);<br />

Leon Petzoldt (33,60-61); <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden (43); Paul Glaser (44-47); Nomos Glashütte (48); Benjamin Jenak (48); Wikipedia Gernek (49); Tobias Ritz (49); Ekkard Seidl (49); Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/Sachsen (49); Nora Seitz (53); <strong>Handwerk</strong>skammer<br />

Chemnitz (58); PR BMF (59); Eric-Kemnitz.com (66-67); Infografik Basti Winterscheid (10) Druck: Druckerei Oskar Görner GmbH, Melanchthonstraße 1–7, 09126 Chemnitz Veröffentlichung: Mai 2022 Diese Publikation dient der Information über die<br />

parlamentarische Arbeit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages. Eine Verwendung für Parteienwerbung oder im Wahlkampf ist nicht zulässig.


MIT LEIDENSCHAFT<br />

FOTOSERIE: 3 DOPPELSEITEN-BILDER;<br />

Vor 20 Jahren kaufte Familie Bauer ihren Hof in Langebrück, einem Stadtteil von<br />

Dresden. Mit viel Eigenleistung bauten sie ihn nach ihren Vorstellungen um.<br />

Ein Ziel: artgerechte Rinderaufzucht. „Wir haben schon lange für den privaten<br />

Bedarf geschlachtet. Meinen Eltern ist dann die Idee zur Direktvermarktung<br />

gekommen“, erinnert sich Friederike Bauer, die Tocher der Familie. Bauer´s Hofladen<br />

eröffnete 2018. „Uns ist die Wertschätzung für die Produkte wichtig. Die handwerkliche<br />

Eigenproduktion dauert vielleicht etwas länger, die Lebensmittel sind<br />

allerdings hochwertiger“, sagt die junge Frau. Die Bauers sind eine Familie von<br />

Quereinsteigern. „Mein Vater ist eigentlich Maschinenbauer und arbeitet heute<br />

als Landwirt. Meine Mutter war ursprünglich Medizinisch-technische Assistentin<br />

und hat vergangenes Jahr ihren Meister absolviert. Ich studiere BWL, habe über<br />

Praktika viel Wissen gesammelt. Nach dem Studium werde ich auch den Meister<br />

abschließen“, verrät Friederike Bauer.<br />

4


Friederike Bauer ist durch die Familie zu<br />

ihrem Beruf gekommen. Neben dem Studium<br />

hat sie Fleischerin gelernt. Dieses<br />

Jahr will sie ihren Meister machen.<br />

IDEE: INNOVATION IM HANDWERK<br />

5


AUS TRADITION<br />

„Was wir machen, ist erzgebirgische Volkskunst“, sagt Björn Köhler, „aber neu<br />

interpretiert.“ Der gelernte Holzdrechsler aus Eppendorf im Erzgebirge hat Anfang<br />

der 90er-Jahre seinen ganz eigenen Stil bei der Herstellung der bunten<br />

Holzfiguren entwickelt: Runde und glatte Formen statt zackiger Bärte und geraffter<br />

Mützen zeichnen seine Figuren aus. Mehrfach hat er damit Designpreise<br />

gewonnen, heute gilt er als der Begründer der modernen erzgebirgischen Holzkunst.<br />

2013 ernannte ihn der Landrat sogar zum „Botschafter des Erzgebirges“.<br />

Dass es so kommt, war für Köhler nicht absehbar: Nach der Lehre als Drechsler<br />

wagte er sich 1989 in die Selbstständigkeit, fuhr anfangs noch selbst mit dem<br />

Trabi zu den Märkten in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. „Begeisterung<br />

und Ablehnung halten sich vorerst die Waage“, ist auf der Webseite des<br />

Unternehmens über die Vorstellung des runden Designs im Jahr 1991 zu lesen.<br />

Heute beschäftigt Köhler 46 Mitarbeiter, seine Ware ist in der ganzen Welt zu<br />

kaufen. Aber nach wie vor entstehen die Figuren vorwiegend von Hand, von der<br />

ersten Entwurfsskizze bis zum letzten Feinschliff. Die Corona-Zeit haben er und<br />

seine Frau Peggy mit einem Kredit und der Investition in den Webshop und das<br />

Marketing überbrückt: Inzwischen läuft die Herstellung wieder auf Hochtouren.<br />

Sein Erfolg liege auch am Prinzip des „Bewahrens und Erhaltens“, sagt er.<br />

„Was unsere Vorfahren uns überliefert haben, wollen wir erhalten.“<br />

Seine Figuren entstehen nach wie vor von<br />

Hand. Denn für Björn Köhler ist die Pflege der<br />

Tradition wichtiger Auftrag, da sieht er sich<br />

in der Pflicht und kümmert sich. Am liebsten<br />

sitzt er abends in der Werkstatt: „Wenn Ruhe<br />

ist, habe ich Zeit für Entwurf, Entwicklung<br />

und Design“, erzählt er.<br />

Stolz präsentieren Björn Köhler und seine Frau Peggy ihre Weihnachtsmänner mit den<br />

runden Nasen in der Werkstatt. Wenn Köhler Holz kauft, zählt er mit dem Auszubildenden<br />

die Jahresringe: „Der Baum hat achtzig Jahre im Wald gestanden. Es ist unsere Verantwortung,<br />

dass wir damit das Bestmögliche machen: gestalterisch und langlebig.“<br />

6


Susann Leithoff<br />

stellv. Fraktionschefin<br />

EINZIGARTIG<br />

„Kaum einer verbindet Tradition<br />

und modernes Design so einzigartig<br />

wie dieser Eppendorfer Kunsthandwerker.<br />

Ich bin begeisterter Fan und<br />

leidenschaftlicher Sammler.“<br />

7


FÜR DIE OUALITÄT<br />

Michael Friedrich ist sich sicher: „Brauen ist eine Kunstform und Bier komplexer<br />

als das einfache Pilsner zum Feierabend“, sagt der Diplom-Braumeister. In<br />

seinem Ein-Mann-Betrieb, der Stonewood Braumanufaktur in Chemnitz, braut<br />

er 20 verschiedene Craft-Beer-Sorten. „Besonders Ale, Stout und Sauerbier kommen<br />

bei den Kunden an“, sagt der Brauer. Neben dem Verkauf im Online-Shop,<br />

auf Veranstaltungen und in lokalen Geschäften bietet er Biertastings und Braukurse<br />

an. „Die Events sind sehr gefragt“, freut er sich. Als zertifizierter Biersommelier<br />

hat Michael Friedrich viel zu erzählen. „Ich versuche den Kunden<br />

andere Biersorten aufzuzeigen und präsentiere verschiedene Bierstile“, verrät<br />

der Braumeister. Auch zur Geschichte und aktuellen Biertrends kann Michael<br />

Friedrich <strong>Einblick</strong>e geben. „Bier war schon immer vielfältig. Erst mit der Pilsrevolution<br />

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Abwechslung weniger. Derzeit<br />

ist vor allem das bayerische Helle angesagt“, verrät Friedrich.<br />

8


Michael Friedrich kennt sich mit dem<br />

<strong>Handwerk</strong> rund ums Bier aus. Der<br />

Diplom-Braumeister ist einer der<br />

besten Biersommeliers Deutschlands.<br />

Bei seinen eigenen Craft-Beer-Sorten<br />

wagt der Brauer gern Experimente.<br />

9


ZAHLEN UND FAKTEN<br />

Das <strong>Handwerk</strong> ist ein wichtiges Standbein der sächsischen<br />

Wirtschaft. Die wichtigsten Zahlen und Fakten im Überblick<br />

3.553 NEUE UNTERNEHMEN<br />

wurden im Jahr 2021 mit Bezug zu<br />

einem <strong>Handwerk</strong> angemeldet<br />

DURCHSCHNITTLICH 25,8<br />

Milliarden Euro erwirtschaftet das<br />

sächsische <strong>Handwerk</strong> jährlich<br />

56.335 UNTERNEHMEN<br />

waren 2021 mit einem <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />

in Sachsen registriert<br />

50 JAHRE<br />

ist das Durchschnittsalter der <strong>Handwerk</strong>sunternehmer<br />

im Freistaat<br />

40.420 BETRIEBE<br />

sind in Sachsen als zulassungspflichtige<br />

Meisterbetriebe registriert<br />

MEHR ALS 900<br />

Lehrstellen in Sachsen sind online für das<br />

Lehrjahr 2022/23 ausgeschrieben<br />

www.ich-kann-etwas.de<br />

ca. 320.000 MENSCHEN<br />

arbeiteten im vergangenen Jahr landesweit<br />

in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />

ca. 90 PROZENT<br />

der in Sachsen hergestellten handwerklichen<br />

Produkte sind für den lokalen Markt<br />

5.444 NEU-LEHRVERTRÄGE<br />

wurden zum vergangenen Ausbildungjahr<br />

im <strong>Handwerk</strong> unterschrieben<br />

FAST JEDES 2.<br />

sächsische <strong>Handwerk</strong>sunternehmen ist<br />

im Bau- und Ausbau tätig<br />

10


Das <strong>Handwerk</strong> mag sich<br />

verändert haben, die Einstellung<br />

nicht: die Mitarbeiter<br />

der DZH-Schepitz.<br />

SEIT<br />

90<br />

JAHREN<br />

FÜR DIE KUNDEN UNTERWEGS<br />

Das Dresdner Unternehmen DZH-Schepitz feiert 2022 ein<br />

ungewöhnliches Jubiläum: Vor 90 Jahren, im Juni 1932,<br />

gründete Emil Schepitz den Betrieb. Damals hieß die Firma<br />

für Energie- und Gebäudetechnik noch Dresdner Zentralheizungsbau<br />

Schepitz und Müller, womit sich die Abkürzung<br />

DZH erklärt. Seitdem ist der Betrieb mit seinen Beschäftigten<br />

für die Dresdner Kundschaft im Einsatz und überstand<br />

dabei Höhen und Tiefen: So starb der Firmengründer bei<br />

den Bombenangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945. Seine<br />

Frau Frieda und Sohn Heinz führten das Unternehmen<br />

weiter, was in der DDR zeitweise ganz schön schwierig war.<br />

Noch vor der Wiedervereinigung rettete Heinz Schepitz<br />

seine Firma, indem er sich mit der Maurer-Gruppe aus<br />

Baden-Württemberg verband. 60 Beschäftigte kümmern<br />

sich heute um Planung, Ausführung und<br />

Service von Heizung-, Klima- und Sanitäranlagen. „Unsere<br />

Mitarbeiter leisten seit Jahrzehnten schon tagtäglich einen<br />

Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Geschäftsführer Tobias<br />

Maurer stolz. „Mit jedem alten Heizkessel, den sie durch ein<br />

modernes, energieeffizientes Heizsystem ersetzen, sinkt<br />

der CO2-Ausstoß.“ 90 Jahre – eine lange Firmengeschichte,<br />

die in Fotos und Texten dokumentiert ist. „Zum Jubiläum<br />

bringen wir Mitte dieses Jahres eine Chronik heraus“, freut<br />

sich der Chef. „Ohne das sächsische <strong>Handwerk</strong> wären wir<br />

in vielen Lebenslagen aufgeschmissen. Das gilt auch für die<br />

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von DZH-Schepitz“, sagt<br />

der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Martin Modschiedler. „Egal, ob modernste<br />

Badtechnik oder Heizen mit erneuerbaren Energien:<br />

Das Unternehmen verbindet mittelständische<br />

Tradition mit innovativen Technologien.“<br />

Martin Modschiedler<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

11


AUF DER SUCHE<br />

NACH DEM<br />

GOLDENEN<br />

BODEN<br />

„Als meine Berufskollegen vor<br />

mehr als 30 Jahren den Beruf erlernten,<br />

waren sie froh, den Fahrradanhänger<br />

als Transportmittel<br />

zu den Baustellen losgeworden zu<br />

sein“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Kay Ritter. Bei der Besichtigung der<br />

Übungsanlagen im njumii – dem<br />

Bildungszentrum des <strong>Handwerk</strong>s –<br />

zeigt er sich sehr beeindruckt.<br />

„Heute gibt es ganz andere Möglichkeiten.<br />

Aber das ist auch eine<br />

Aufgabe“, sagt er.<br />

Der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Kay Ritter, selbst Gas-Wasser-Installateur,<br />

spricht mit dem Präsidenten des Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stags<br />

Jörg Dittrich über Wertschätzung und Herausforderungen<br />

Hat das <strong>Handwerk</strong> noch goldenen Boden?<br />

Kay Ritter: „Der goldene Boden, der hat aus meiner Sicht gerade<br />

einen doppelten Boden bekommen. <strong>Handwerk</strong> lohnt sich nach<br />

wie vor. Allein die Tatsache, dass wir aktuell an der Energiewende<br />

arbeiten: Das geht nicht ohne <strong>Handwerk</strong>er!“<br />

Jörg Dittrich: „Goldener Boden klingt so monetär. Goldener Boden<br />

ist für mich Perspektive und Sinn. Das war schon immer so.<br />

Dass es auf diesen Wegen einen großen Wandel gibt, ist vollkommen<br />

klar. Aber ich sage häufig: Jesus und Josef waren auch<br />

Zimmererleute. Und das <strong>Handwerk</strong> gibt es immer noch. Also<br />

warum soll das die nächsten 2000 Jahre anders sein?<br />

Wir leben aber in schwierigen Zeiten ...<br />

Ritter: „Als Politiker, der seine Wurzeln im <strong>Handwerk</strong> hat, sage ich:<br />

So schwer die Dinge auch sind, das <strong>Handwerk</strong> steht immer bereit!<br />

Wir tun einiges dafür: Als meine Berufskollegen vor mehr als 30<br />

Jahren den Beruf erlernten, waren sie froh, den Fahrradanhänger<br />

als Transportmittel zu den Baustellen losgeworden zu sein! Und<br />

jetzt haben wir Möglichkeiten wie in diesem Bildungszentrum!“<br />

12


„Ich bin jetzt bei uns in der Firma<br />

die vierte Generation“, sagt Jörg<br />

Dittrich, Präsident des sächsischen<br />

<strong>Handwerk</strong>stags und der Dresdner<br />

<strong>Handwerk</strong>skammer. Sein Sohn und<br />

sein Neffe sind genau wie seine<br />

Frau ebenfalls in der Firma engagiert.<br />

„Diese Erfüllung, in der Familie<br />

zu arbeiten, ist eine äußerst<br />

befriedigende Sache“, sagt er.<br />

Dittrich: „Ich bin jetzt bei uns in der Firma die vierte Generation<br />

und habe heute schon die langfristige Perspektive: Die<br />

fünfte Generation ist in der Firma tätig. Auch meine Frau leitet<br />

die Firma mit. Diese Erfüllung, in der Familie zu arbeiten,<br />

wenn du das von Kleinauf so lernst, dann ist das eine äußerst<br />

befriedigende Sache.“<br />

Wird das <strong>Handwerk</strong> denn genug wertgeschätzt?<br />

Ritter: „Ich würde sagen: wieder. Wir hatten mal eine Zeit, wo<br />

diese „Geiz ist geil“-Mentalität unterwegs war und da hatte das<br />

<strong>Handwerk</strong> aus meiner Sicht nicht den Stellenwert, den es tatsächlich<br />

benötigt. Das ist erst gekommen, als die Leute gemerkt<br />

haben: Ups, jetzt gibt es ja gar keinen Nachwuchs mehr. Früher<br />

hatten wir 5.000 Lehrstellen und <strong>15</strong>.000 Bewerber, heute sieht<br />

das ganz anders aus. Und das müssen wir natürlich angehen.<br />

Dittrich: „Die prinzipielle Wertschätzung ist da. Was wir hier<br />

wunderbar anfügen können: Ich würde mir manchmal mehr<br />

politisches Handeln wünschen, das sich an diesen wertschätzenden<br />

und -erhaltenden Kriterien orientiert. Also wenn ein<br />

13


Zur Person<br />

Kay Ritter ist <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneter im Wahlkreis 26<br />

(Leipziger Land 4). Der Sohn schlesischer Heimatvertriebener<br />

kam 1971 in Wurzen zur Welt. Er ist verheiratet und hat zwei<br />

Kinder. Nach der Oberschule lernte er zunächst Facharbeiter<br />

für Werkzeugmaschinen. Es folgten eine Ausbildung zum<br />

Gas-Wasser-Installateur und der Abschluss zum Betriebswirt.<br />

Seit 2009 ist er Mitglied im Kreisvorstand der <strong>CDU</strong> Landkreis<br />

Leipzig, seit 2013 Stadtrat in Wurzen, seit 2019 dort auch<br />

Fraktionsvorsitzender. Nachdem er von 2016 bis 2019 Mitglied<br />

des Kreistages Landkreis Leipzig war, zog er 2019 als Direktkandidat<br />

in den Landtag ein. Dort ist er u.a. Mitglied im<br />

Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.<br />

neues Gesetz kommt, sollten sich alle fragen, ob es geeignet ist,<br />

Familienbetriebe zu fördern. Das ist etwas, wo wir im ständigen<br />

Austausch sind und ich mich freue, mit Herrn Ritter einen kompetenten<br />

Gesprächspartner zu haben.“<br />

Wie steht es denn um das <strong>Thema</strong> Ausbildung?<br />

Dittrich: „Es ist ein Vorzug meines Ehrenamtes, dass ich mitbekomme,<br />

wie es in andern Ländern läuft. Dort heißt es oft: Eure<br />

duale Berufsbildung, die wollen wir auch! Aber eine gesetzliche<br />

Mitgliedschaft in Kammern, die nicht! Dabei ist es doch ein riesiger<br />

Erfolg, dass die duale Berufsbildung den Kammern übertragen<br />

wurde. Als Unternehmer hätten wir sonst noch viel mehr<br />

Bürokratie am Hals. Für viele Betriebe sind aber auch Kultur und<br />

Berufsehre ein Grund, junge Leute auszubilden. Das sind Dinge,<br />

die mich sehr berühren!“<br />

Damit sind wir beim <strong>Thema</strong> Fachkräftemangel ...<br />

Dittrich: „... ein <strong>Thema</strong>, das uns beide, Herrn Ritter und mich,<br />

gleichermaßen umtreibt. Zum einen gibt es die politische Forderung,<br />

dass die duale Ausbildung gestärkt werden muss. Das<br />

<strong>Handwerk</strong> hat schon immer über Bedarf ausgebildet. Da wir zu<br />

viele universitäre Absolventen haben, müssen wir schauen: Wie<br />

kannst du jene fördern, die ausbilden? Und wie kannst du Menschen<br />

dazu bewegen, diesen Weg zu gehen und zu erkennen,<br />

dass das eine erfüllende Aufgabe sein kann?“<br />

Ritter: „Landespolitik wie auch Kommunen haben verstanden, dass<br />

da Handlungsbedarf besteht. Wir haben gerade die Verteilung der<br />

Berufsschulzentren so arrangiert, dass wir auch in der Fläche gut<br />

aufgestellt sind. Außerdem werden wir wieder verstärkt fördern,<br />

dass in den Schulen das <strong>Handwerk</strong> beworben wird.“<br />

Was kann die Politik noch tun?<br />

Ritter: „Wir haben den Meister-Bonus eingeführt. Und mit der<br />

,kleinen Bauvorlage‘ dürfen <strong>Handwerk</strong>er künftig viel mehr als<br />

bisher – das dürfte einiges für die Betriebe im Baubereich verbessern.<br />

Das trägt sicher auch dazu bei, dass die <strong>Handwerk</strong>sberufe<br />

wieder mehr Anerkennung erfahren.“<br />

14


„So schwer die Dinge auch sind,<br />

das <strong>Handwerk</strong> steht bereit.“<br />

Kay Ritter, <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

Dittrich: „Das belegt die Wertschätzung der Politik fürs <strong>Handwerk</strong>.<br />

Trotzdem scheuen zu viele Menschen davor zurück, eine Firma zu<br />

gründen, Verantwortung zu übernehmen. Offenkundig brauchen<br />

wir mehr Anreize für Wagemutige, weniger Bürokratie.“<br />

Welche Rolle spielt da die Digitalisierung?<br />

Ritter: „Ich bin ja selber auch noch als Stadtrat in Wurzen aktiv.<br />

Die Stadt ist gerade mit 27 anderen Städten in einem Projekt,<br />

das nennt sich Rathaus-Cloud. Wo jede Kommune<br />

eine bestimmte Entwicklungsaufgabe für einen Schritt der<br />

Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen übernommen hat.<br />

Damit nicht jeder den kompletten Werkzeugkoffer neu erfinden<br />

muss, sondern jeder nur ein Werkzeug umsetzt. So etwas<br />

müssen wir mehr fördern!“<br />

Zur Person<br />

Der Dresdner Dachdeckermeister Jörg Dittrich ist seit 2012<br />

Präsident der <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden. 2021 wurde er<br />

außerdem zum Präsidenten des Sächsischen <strong>Handwerk</strong>stages<br />

gewählt, der höchsten politischen Interessenvertretung<br />

des <strong>Handwerk</strong>s im Freistaat. Dittrich absolvierte zunächst<br />

eine Lehre zum Dachdecker im väterliche Betrieb, den er inzwischen<br />

in vierter Generation führt. 1995 legte er erfolgreich<br />

die Meisterprüfung ab. Im selben Jahr beendete er ein berufsbegleitendes<br />

Fernstudium zum Diplom-Ingenieur (FH) für<br />

Hochbau an der Fachhochschule Zittau. Der Sächsische <strong>Handwerk</strong>stag<br />

vertritt aktuell mehr als 56.000 Betriebe, in denen es<br />

insgesamt etwa 300.000 Beschäftigte gibt.<br />

Dittrich: „Ein gutes Beispiel. Kannte ich noch gar nicht. Und<br />

doch: In meinen Augen sind viele Verwaltungsprozesse zu<br />

langsam. Wir müssen die Chance nutzen, die Prozesse neu zu<br />

strukturieren, komplett neu aufzusetzen und damit zu beschleunigen.<br />

Dass die Bürokratie nicht bremst!“<br />

Ritter: „Und mit dem graue Flecken-Programm, mit dem wir den<br />

Breitbandausbau weiter voranbringen, gehen wir gleich den<br />

nächsten Schritt!“<br />

Eine Frage zum Abschluss: Würden Sie sich gegenseitig<br />

empfehlen, beruflich die Seite zu wechseln?<br />

Ritter: „Als ehrenamtlicher Kammerpräsident ist er ja im<br />

Grunde schon in der Politik aktiv. Zutrauen würde ich es ihm<br />

auf jeden Fall. Ob es seine Welt ist, kann ich aber nicht beantworten<br />

...“ (lacht)<br />

Dittrich: „Richtig. Ich bin nicht parteipolitisch gebunden, aber<br />

handwerkspolitisch unterwegs. Es ist natürlich schön, einen<br />

Kollegen zu treffen. Er ist <strong>Handwerk</strong>er, ich bin <strong>Handwerk</strong>er. Das<br />

ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht. Ich würde mir<br />

wünschen, dass sich noch mehr Leute engagieren. Politisch,<br />

gesellschaftlich, in Innungen, in Parteien, bei der Feuerwehr.“<br />

<strong>15</strong>


Lehrlinge werden zu Lehrern: In den Deutschen<br />

Werkstätten in Hellerau können Schüler<br />

der angrenzenden Oberschulen mehr<br />

über das <strong>Handwerk</strong> erfahren und sogar eigene<br />

kleine Projekte realisieren.<br />

WERKSTATT-BESUCH<br />

Das <strong>Handwerk</strong> sorgt sich um den Nachwuchs, die Zahl der Bewerber ist zurückgegangen. Die<br />

Deutschen Werkstätten in Hellerau holen Oberschüler in die Werkstätten<br />

Zweimal die Woche herrscht ganz schönes Treiben in den<br />

Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH): Dann werden<br />

die Lehrlinge des Unternehmens selbst zu „Lehrern“. Im<br />

Rahmen eines Ganztagsangebotes (GTA) sind zwei Gruppen<br />

mit sechs Schüler am Hauptsitz des Unternehmens<br />

in Dresden-Hellerau zu Gast. Dort erhalten sie von den<br />

Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres Unterricht in der<br />

Arbeit mit Holz. Das Ziel: interessierte Jugendliche frühzeitig<br />

an das Tischlerhandwerk heranführen. Erstmals<br />

2021 hat das Unternehmen das Ganztagsangebot an<br />

der 82. Oberschule am Flughafen, der Oberschule<br />

Weixdorf und der Kurfürst-Moritz-Oberschule in<br />

16<br />

Boxdorf vorgestellt und ist gleich auf reges Interesse gestoßen.<br />

Die Gruppen sind bis zu anderthalb Stunden im<br />

Unternehmen, nach der regulären Unterrichtszeit. Sie<br />

werden dabei von ein bis zwei Lehrlingen unterrichtet<br />

und lernen die Grundlagen des <strong>Handwerk</strong>s, etwa das traditionelle<br />

Zinken, kennen. Während der GTA-Stunden können<br />

auch kleine Werkstücke entstehen, wie Fußbänke oder<br />

Werkzeugkisten. Die Teilnehmer dürfen aber auch gern<br />

selbst kreativ werden und eigene Entwürfe entwickeln.<br />

Kompetenzen stärken und Fachkräfte der Zukunft<br />

gewinnen, das sind die Ziele des Unternehmens<br />

bei dem GTA-Projekt. Möglicherweise entsteht so<br />

Christian Hartmann<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktionschef


ja der Kontakt zu einem späteren Lehrling, auch wenn die<br />

Personalgewinnung nicht das erste Ziel ist. Zwar ist die<br />

Bewerberzahl nach wie vor recht hoch, wie Betriebsleiter<br />

Michael Dupke verrät. Zumal die Werkstätten Hellerau<br />

eine der bekanntesten Ost-Marken überhaupt sind. Trotzdem<br />

ist sich Dupke sicher: Langfristig müsse die gesamte<br />

Branche mehr tun, um Bewerber zu gewinnen. Von dem<br />

GTA-Projekt profitieren aber auch die Lehrlinge, die in die<br />

Rolle der Lehrer schlüpfen dürfen, ist sich der Geschäftsführende<br />

Gesellschafter Fritz Straub sicher: „Wir haben<br />

uns zu einem Hochtechnologie-Unternehmen entwickelt,<br />

das sehr komplexe und anspruchsvolle Projekte bearbeitet.<br />

Dafür benötigen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,<br />

die sehr eigenverantwortlich agieren, kommunikationsstark<br />

und lösungsorientiert sind“, sagt er. „Diese Denkund<br />

Arbeitsweisen werden bei unseren Lehrlingen durch<br />

diese neue Aufgabe gefördert.“<br />

MEIN TAG ALS<br />

PRAKTIKANT<br />

Ein Landtagsabgeordneter berichtet<br />

Bei Friseurmeister Edgar Krug<br />

lernt Alexander Dierks an einem<br />

Modellpuppenkopf, Lockenwickler<br />

fachgerecht einzudrehen.<br />

„Die Werkstätten Hellerau haben sich von einer Möbelfabrik<br />

zu einem Hochtechnologie-Unternehmen entwickelt,<br />

das weltweit komplexe Projekte bearbeitet“, lobt der<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktionsvorsitzende Christian Hartmann. „Dafür<br />

braucht es top ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.<br />

Das ist auch der Grund, weshalb Bildung und Ausbildung<br />

bei den Werkstätten Hellerau seit jeher einen hohen<br />

Stellenwert besitzen. Fritz Straub hat das früh erkannt und<br />

investiert viel Zeit, Geld und Herzblut in den Nachwuchs<br />

– mit Erfolg!“, so der Dresdner <strong>CDU</strong>-Abgeordnete. Die Deutschen<br />

Werkstätten sind auf eine von Karl Schmidt 1898 gegründete<br />

Tischlerei zurückzuführen. Nach Jahrzehnten, in<br />

denen das Unternehmen überwiegend Möbel gebaut hat,<br />

hat es sich inzwischen auf die Anfertigung von exklusiven,<br />

maßgefertigten Innenräumen für Mega-Jachten und Luxusvillen<br />

spezialisiert. Die Kundschaft stammt dabei aus<br />

der ganzen Welt. Von den rund 400 Beschäftigten sind allein<br />

320 am Sitz in Hellerau tätig, weitere arbeiten im Werk<br />

in Großröhrsdorf, das im Mai 2020 eröffnet wurde.<br />

Alexander Dierks ist Landtagsabgeordneter aus<br />

Chemnitz. Der studierte Politikwissenschaftler hatte<br />

mit <strong>Handwerk</strong> eigentlich wenig zu tun. Deswegen<br />

ist es ihm besonders wichtig, den regelmäßigen<br />

Austausch mit den Betrieben seines Wahlkreises zu<br />

suchen. Regelmäßig wird er deswegen für einen Tag<br />

zum Praktikanten. Ob beim Friseur, bei einem Bäcker,<br />

in einer Fleischerei oder einem Klempnerbetrieb.<br />

„Mich reizt die Chance, ein Gefühl für die Gewerke<br />

zu bekommen“, sagt er. „Dabei tauscht man sich über<br />

den Arbeitsalltag aus. Das vergrößert den <strong>Einblick</strong> in<br />

die tägliche Arbeit des anderen – für mich in die der<br />

<strong>Handwerk</strong>erinnen und <strong>Handwerk</strong>er und für sie in die<br />

des Landtagsabgeordneten.“<br />

Auch andere Betriebe in Sachsen bemühen sich, Schüler für das<br />

<strong>Handwerk</strong> zu begeistern und in das eigene Unternehmen zu<br />

holen. Im Rahmen des Projektes „SCHAU REIN! Woche der offenen<br />

Unternehmen Sachsen“ etwa haben Schüler einmal im<br />

Jahr die Möglichkeit, Unternehmen von innen kennenzulernen<br />

und mehr über ihren Traumberuf zu erfahren. Die Themenwoche<br />

ist immer im März und Sachsens größte Initiative<br />

zur Berufsorientierung. Die nächste SCHAU-<br />

REIN!-Woche findet vom 13. bis 18. März 2023 statt.<br />

Mehr Infos unter www.schau-rein-sachsen.de<br />

17


Weil der Rücken ihm zu schaffen macht, arbeitet<br />

Günter Ottiger lieber an der Werkbank.<br />

„Beim Werkzeug hat sich im Grunde nicht<br />

viel verändert“, sagt er auf die Frage, was sich<br />

seit seiner Lehre 1945 geändert hat.<br />

HANDWERK<br />

„In der Ausbildung haben wir vom Schmieden bis zu Metallarbeiten alles gelernt“, erzählt<br />

Günter Ottiger. Nachdem er zu DDR-Zeiten immer mehrere Beschäftigte hatte, steht er heute<br />

nur noch allein in der Werkstatt.<br />

18


DER RUHESTAND IST<br />

NICHTS FÜR MICH<br />

Günter Ottiger aus Bautzen ist 92 Jahre alt. Eigentlich hätte er 1994 in Rente gehen können.<br />

Doch der Kraftfahrzeug-Elektromeister kann nicht von seinem <strong>Handwerk</strong> lassen<br />

Jeden Tag begibt sich der 92-jährige Günter Ottiger in seine<br />

IM WANDEL<br />

Werkstatt in der Thomas-Müntzer-Straße in Bautzen. Dort repariert<br />

er defekte Lichtmaschinen, kümmert sich um nicht<br />

funktionierende Anlasser und ersetzt kaputte Zündmagnete.<br />

„Vom Oldtimer bis zu aktuellen Autos repariere ich alles“, sagt<br />

der gelernte Kraftfahrzeug-Elektromeister. Dabei müsste er in<br />

seinem Alter schon lange nicht mehr in der Werkstatt stehen.<br />

Der Witwer liebt seinen Beruf, steht dafür jeden Morgen<br />

um 4.30 Uhr auf und steht spätestens um 7 Uhr in der<br />

Werkstatt. „Mich treibt die Freude an der Arbeit an. Der<br />

Ruhestand ist nicht zufriedenstellend“, sagt er. „Wenn ich<br />

jemandem helfen kann, dann freut mich das.“ Seine Wohnung<br />

liegt direkt über der Werkstatt. Der Vater baute das<br />

Haus 1953, nachdem er den 1901 gegründeten Betrieb vorher<br />

schon an anderen Stellen in Bautzen betrieben hatte.<br />

Ottiger hatte schon während des Krieges immer nach der<br />

Schule in der Werkstatt ausgeholfen. Damit unterstützte er<br />

seine Mutter, die den Betrieb während der Kriegsjahre allein<br />

weiterführen musste. Für Sohn Günter folgte 1945 bis<br />

1948 die Lehre im elterlichen Betrieb. Nach dem Studium<br />

an der Technikerschule in Bautzen und der Ingenieurschule<br />

in Köthen arbeitete er eine Weile in einem Industriebetrieb<br />

im heutigen Chemnitz. Später übernahm er dann die Werkstatt<br />

des Vaters. Seine eigene Tochter ist heute 62 Jahre alt<br />

und betreibt ein eigenes Unternehmen in Thüringen.<br />

„Früher waren die Regler in den Kfz mechanisch. Heute wird<br />

sehr viel mit Elektronik gearbeitet“, antwortet er auf die Frage,<br />

was sich im Laufe der Zeit in seinem Beruf geändert hat.<br />

„Beim Werkzeug aber hat sich im Grunde nichts geändert.<br />

Früher war viel in Zoll. Heute wird das metrische System<br />

verwendet. Die Amerikaner haben nochmal besondere<br />

Maße.“ Ab und an gibt es mal keine Ersatzteile mehr, weil die<br />

Maschinen schon so viele Jahre auf dem Buckel haben. Dann<br />

ist sein Erfindergeist gefragt. Eine Eigenschaft, die die Kundschaft<br />

sehr schätzt.<br />

Über mangelnde Aufträge und Anfragen kann sich der 92-Jährige,<br />

der schon 1994 in Rente hätte gehen können, nicht beklagen.<br />

Das zeigt ihm, wie wichtig sein Beruf auch heute noch<br />

ist. Heimische Landwirte bringen gern mal ihre Maschinen zu<br />

ihm, regelmäßig tauchen auch Liebhaber von Oldtimern auf,<br />

um seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Ein Rückenleiden<br />

macht ihm das Bücken schwer; deswegen arbeitet er lieber an<br />

einzelnen Aggregaten und nicht mehr direkt an Autos. „Ich<br />

bin gut ausgelastet. Den Bedarf kann ich teilweise gar nicht<br />

zeitgerecht erledigen“, verrät er.<br />

„Das <strong>Handwerk</strong> ist seit jeher eine tragende Säule unserer<br />

Gesellschaft. Was Herr Günter Ottiger Tag für Tag in seiner<br />

Werkstatt in Bautzen vollbringt, ist bemerkenswert“, sagt<br />

der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Marko Schiemann aus Bautzen. „Mit<br />

über 90 Jahren als Meister im <strong>Handwerk</strong> aktiv zu sein, ist<br />

ein Beweis für sein Ansehen, sein fachliches Können und<br />

seine qualifizierte Arbeit. Immer in Bewegung zu bleiben,<br />

hält ihn fit. Ich ziehe meinen Hut vor ihm“, so Schiemann.<br />

Und lobt noch weiter: „Seine meisterhaften handwerklichen<br />

Fähigkeiten und vor allem die Freude an der Arbeit hat<br />

er an Generationen von jungen Leuten weitergegeben. Dafür<br />

möchte ich ihm ganz herzlich danken und wünsche<br />

ihm weiterhin alles Gute!“<br />

Marko Schiemann<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

19


Als Fleischsommelier kennt sich<br />

Sebastian Herzog bestens aus<br />

mit Rind, Schwein, Lamm und<br />

Geflügel und neuen, internationalen<br />

Zuschnitten.<br />

GESCHMACK IST<br />

MEIN BERUF<br />

Fleischermeister Sebastian Herzog verbindet<br />

Qualität mit Innovation und kreativen Ideen<br />

Als einer der Ersten in Sachsen hat Fleischermeister Sebastian<br />

Herzog aus Spitzkunnersdorf die Spezialausbildung<br />

zum Fleischsommelier absolviert. Sein dabei gelerntes<br />

Wissen kommt seitdem jeden Tag in seiner Landfleischerei<br />

& Catering Karl Herzog zum Einsatz. „Wir Fleischsommeliers<br />

sehen uns als Genussbotschafter für eine gesunde<br />

und hochqualitative Ernährung mit Fleisch und in Kombination<br />

mit regionalen Lebensmitteln“, sagt der <strong>Handwerk</strong>er.<br />

Das Familienunternehmen im Landkreis Görlitz<br />

kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken.<br />

Sebastian Herzog, der auch einen Abschluss als Betriebswirt<br />

hat, leitet das Unternehmen in vierter Generation.<br />

Gemeinsam mit seinem Vater Karl Herzog arbeitet er<br />

weiter am Ausbau: Neben mehreren Filialen gehören inzwischen<br />

auch Herzog's Fleischmanufaktur und die Fürstlich-Tafeln<br />

Events- & Catering GmbH dazu. Qualität mit<br />

kreativen Ideen verbinden, das ist ihnen wichtig.<br />

BESUCH AUS FRANKREICH<br />

Französische Azubis zu<br />

Gast in Dresden.<br />

Anfang März 2022 konnte die <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden<br />

wieder eine Gruppe französischer Auszubildender begrüßen.<br />

Die angehenden Fleischer aus Bordeaux absolvierten ein<br />

Auslandspraktikum in ostsächsischen Fleischerei-Betrieben.<br />

Gleichzeitig war eine Gruppe mit künftigen Mechatronikern<br />

für Kältetechnik aus Toulouse in der Region als Praktikanten<br />

in Betrieben. Auslandsaufenthalte von deutschen Azubis sind<br />

auch im <strong>Handwerk</strong> inzwischen weit verbreitet. Ob Gruppenfahrten<br />

für Azubis, Einzelentsendungen von Gesellen oder<br />

Bildungsreisen für Ausbilder: Bei Aufenthalten in der ganzen<br />

Welt können Fremdsprachenkenntnisse vertieft und neue<br />

Fachkompetenzen und Arbeitstechniken erworben werden.<br />

Über mögliche finanzielle Unterstützungen informieren die<br />

Kammern. Bei der Organisation und Förderung eines Auslandspraktikums<br />

unterstützt die <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden gern.<br />

20


In seiner mobilen Werkstatt repariert Sebastian<br />

Brauer unterwegs Zweiräder. Das<br />

<strong>Handwerk</strong> verbindet er mit der Entwicklung<br />

neuer Teile für E-Fahrräder. „Der Mensch will<br />

immer höher und weiter. Das E-Bike ist der<br />

nächste Schritt“, sagt er.<br />

MEINE ROLLENDE FAHRRAD-WERKSTATT<br />

Fahrräder sind im Trend, besonders die mit elektrischem Motor. Sebastian Brauer ist<br />

Zweiradexperte aus Delitzsch und kennt jede Schraube<br />

Bereits seit der Kindheit lebt Sebastian Brauer auf zwei<br />

Rädern. „Mein Vater hat mich häufig mit dem Motorrad<br />

mitgenommen. Dadurch ist die Leidenschaft entstanden“,<br />

erzählt der 33-Jährige. Für ein kleines Taschengeld macht<br />

er als Jugendlicher alte DDR-Mopeds wieder fit. In der Freizeit<br />

fährt er Motocross und schraubt an den Maschinen.<br />

„Auf dem Zweirad unterwegs zu sein ist ein anderes Gefühl<br />

als im Auto. Man ist der Natur wesentlich näher“, sagt<br />

er. Seine Leidenschaft machte er schließlich zum Beruf,<br />

erst mit einer Lehre zum KFZ-Mechatroniker und später<br />

mit dem Studium im Maschinenbau.<br />

Heute ist Sebastian Brauer Maschinenbauingenieur und<br />

Zweirad-Mechatroniker und engagiert sich bei der mitteldeutschen<br />

Zweiradinnung im Vorstand. Spezialisiert<br />

ist er auf E-Fahrräder. In seiner E-Rides-Werkstatt<br />

in Delitzsch verkauft er E-Mountainbikes und entwickelt<br />

Zubehör und Serienteile für die modernen Zweiräder.<br />

Mit einer mobilen Fahrradwerkstatt, einem umgebauten<br />

Anhänger, ist der Zweiradexperte zudem auf Events<br />

unterwegs. „Bei mir gehen <strong>Handwerk</strong> und Entwicklung<br />

Hand in Hand“, erzählt er. E-Bikes sind derzeit bei den Kunden<br />

besonders beliebt. Das Geschäft in der Mikromobilität<br />

läuft gut. Dennoch wünscht sich Sebastian Brauer auch<br />

Unterstützung. „Gerade mit Blick auf die Mobilitätswende<br />

sollte überlegt werden, ob Subventionen für Zweiräder angemessen<br />

sind“, schlägt der Fahrradexperte vor.<br />

Jörg Kiesewetter ist direkt gewählter Abgeordneter aus<br />

Nordsachsen. Der Wirtschaftspolitiker sagt: „Besonders<br />

das <strong>Handwerk</strong> hat die innovative Kraft, auf gesellschaftliche<br />

Entwicklungen schnell und kundenorientiert reagieren<br />

zu können. Sebastian Brauer beweist dies<br />

mit seinem Geschäft.“<br />

Jörg Kiesewetter<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

21


WAS BEDEUTET ES,<br />

UNTERNEHMER<br />

ZU SEIN?<br />

Die Fleischerei Schempp wurde 1905 als Landfleischerei<br />

gegründet. Vor sieben Jahren hat<br />

Christoph Schempp das Unternehmen von seinen<br />

Eltern übernommen. Seitdem entwickelt<br />

der das Angebot der Fleischerei stetig weiter.<br />

22


Kreativität, Tatendrang und Leidenschaft gehören<br />

dazu: In ihrem Unternehmen sind diese<br />

<strong>Handwerk</strong>er ihr eigener Chef<br />

Mit der eigenen Firma kommen Freiheiten, aber auch Verpflichtungen.<br />

Christoph Schempp weiß das ganz genau. Der<br />

junge Fleischermeister hat 2016 die Land- und Wildfleischerei<br />

der Familie im Thiendorfer Ortsteil Tauscha im Landkreis<br />

Meißen übernommen, nachdem er bereits seit 2011 die Filiale<br />

in Radebeul geleitet hatte. Mit weiteren Geschäften in<br />

Ottendorf-Okrilla, Königsbrück, Schönfeld, Radeburg und<br />

Coswig ist die Land- und Wildfleischerei Schempp überregional<br />

aktiv. „Der Anspruch ist es, die Firma immer weiterzuentwickeln,<br />

uns selbst weiterzubilden und so den Kunden immer<br />

etwas Besonders bieten zu können“, sagt der <strong>Handwerk</strong>er.<br />

BBQ im Trend sind. „Die Grillkurse sind bundesweit beliebt.<br />

Vor Kurzem waren zum Beispiel Kunden aus Bayern oder<br />

Schleswig-Holstein bei uns zu Besuch“, freut sich Grillmeister<br />

Schempp. Der Landtagspräsident und Meißener <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Matthias Rößler lobt das Engagement des jungen<br />

Unternehmers. „Früher hatte <strong>Handwerk</strong> ,goldenen Boden',<br />

in Zukunft werden junge <strong>Handwerk</strong>smeister wie Christoph<br />

Schempp ,mit Gold aufgewogen'“, sagt er. „Christoph<br />

Schempp sichert in seiner Landfleischerei Arbeitsplätze, bildet<br />

Lehrlinge aus und setzt mit Nachhaltigkeit und regionalen<br />

Genussprodukten ein modernes Unternehmenskonzept<br />

um“, sagt der <strong>CDU</strong>-Politiker.<br />

Ebenfalls Chef im Familienunternehmen ist Thomas<br />

Gallitzdorfer. Der 55-Jährige übernahm 2011 den Betreib<br />

von seinen Eltern. Gegründet wurde die Raumausstat-<br />

Nach Abschluss zum Diplom-Wirtschaftsingenieur war<br />

Christoph Schempp ab 2010 zunächst Vertriebsleiter<br />

in der elterlichen Fleischerei. Sein Wissen aus<br />

dem Studium konnte er so in der Betriebs-<br />

praxis vertiefen. Seine Leidenschaft zum<br />

<strong>Handwerk</strong> zeigte er schließlich 2016 mit<br />

der erfolgreichen Fleischermeisterprüfung<br />

in Leipzig. Zielstrebig arbeitet<br />

Christoph Schempp seitdem für den<br />

Erfolg seines Unternehmens. Der<br />

junge <strong>Handwerk</strong>er spricht nicht<br />

nur über das Weiterbilden – er tut<br />

es auch. Um den Kunden noch<br />

bessere Produkte bieten zu können,<br />

legte er vor drei Jahren<br />

die Prüfung zum Fleischsommelier<br />

ab. „Als solcher bin ich<br />

Botschafter für gutes Fleisch.<br />

In der Weiterbildung habe ich<br />

viel über die Tierproduktion<br />

gelernt und alles, was man für<br />

gutes Fleisch braucht“, erklärt<br />

Christoph Schempp.<br />

Thomas Gallitzdorfer leitet in dritter Generation<br />

die Raumausstatterfirma Gallitzdorfer.<br />

Neben dem <strong>Handwerk</strong> zählt für ihn<br />

auch das Unternehmertum. Individuellen<br />

Vorstellungen und Wünschen der Kunden<br />

zu entsprechen ist dabei wichtig.<br />

Sein Wissen gibt er gerne weiter.<br />

Neben der Fleischproduktion vermarktet<br />

Christoph Schempp Rinder<br />

vom benachbarten Bauern und betreibt<br />

einen Catering-Service. In Grillkursen zeigt<br />

der Fleischsommelier zudem Anfängern und<br />

Grillmeistern, welche Fleischspezialitäten beim<br />

23


terfirma Gallitzdorfer 1946 in Riesa durch Großvater Kurt<br />

Gallitzdorfer. Dieser kaufte den ehemaligen Sattlerei- und<br />

Tapeziererhandwerksbetrieb Robert Deutschmann auf der<br />

Goethestraße. Noch heute ist die Werkstatt von Thomas<br />

Gallitzdorfer hier. „Ich habe einen Gesellenbrief und seit<br />

1990 einen Meister im Raumausstatterhandwerk“, erklärt<br />

der Unternehmer.<br />

Als Firmenchef ist Thomas Gallitzdorfer der Ausgleich zwischen<br />

dem <strong>Handwerk</strong> und dem Kontakt zu Kunden wichtig.<br />

„Durch die Tradition unseres Familienbetriebes bin ich von<br />

Kindheit an mit dem <strong>Handwerk</strong> vertraut. Mich begeistern<br />

die Vielfalt der zum Raumaustatterhandwerk gehörenden<br />

Teilgebiete, die Möglichkeit zur Verarbeitung von unterschiedlichsten<br />

Materialien und der direkte Kontakt mit unserer<br />

Kundschaft“, sagt der Raumausstatter. Seinen Kunden<br />

bietet er neben der Polsterei von Stühlen, Couchgarnituren<br />

oder Fahrzeugsitzen auch Beratung für eine individuelle Gestaltung<br />

mit Rollos, Jalousien und Gardinen sowie Fußböden.<br />

Alles mit einer klaren Firmenphilosophie: Der Anspruch an<br />

die Ästhetik und Funktionalität des eigenen Wohnraums<br />

steigt stetig. Mit langjähriger Erfahrung, Tradition und handwerklichem<br />

Geschick erfüllt Thomas Gallitzdorfer die Wünsche<br />

seiner Kunden.<br />

„Die Zeiten für die <strong>Handwerk</strong>sbetriebe haben sich in den<br />

letzten Jahren sehr verändert. Die Auftragsbücher sind gut<br />

gefüllt und die Kunden müssen meistens geduldig sein“, sagt<br />

der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Geert Mackenroth aus Großenhain.<br />

„Auch bei Thomas Gallitzdorfer ist es ähnlich. Aber wie weiter<br />

mit dem Familienunternehmen? Mit Sorge blicken wir<br />

in die Zukunft und daher ist der Nachwuchs umso wichtiger“,<br />

führt der Landtagsabgeordnete weiter aus.<br />

„Unser Ziel sind gut ausgebildete Gesellen und<br />

Meister, die die Kniffe der Betriebe kennen und<br />

später ebenfalls weitergeben können, zum<br />

Wohle der Kunden und für Qualität in<br />

den Arbeitsergebnissen. Damit es auch<br />

künftig heißt: <strong>Handwerk</strong> hat goldenen<br />

Boden!“<br />

24<br />

Ausgefallene Torten, Gebäck und Brote:<br />

Isabel Bolz ist Konditormeisterin und<br />

liebt das Backen. In dem Unternehmen,<br />

in dem sie gelernt hat, ist sie jetzt Chefin.<br />

Mit Menschen arbeiten und sie glücklich<br />

zu machen ist ihr dabei sehr wichtig.<br />

Ihre eigene Chefin ist jetzt auch<br />

Isabel Bolz. Die Konditormeisterin<br />

lernte von 2002 bis 2005<br />

in dem Familienunternehmen<br />

der Bäckerei und Konditorei<br />

Schrader im vogtländischen<br />

Falkenstein. Vom Lehrling ist<br />

sie nun zur Meisterin geworden.<br />

Im April 2019 übernahm<br />

Isabel Bolz das Geschäft von<br />

Matthias Schrader und seiner<br />

Frau Andrea. „Als Selbstständige<br />

kann ich mich ausleben<br />

und kreativ sein“, sagt Isabel<br />

Bolz heute. Mit ihrem Team gestaltet<br />

sie individuelle Hochzeitstorten,<br />

Torten für Firmenfeiern<br />

und Geburtstage sowie andere –<br />

auch unkonventionelle – Kreationen.<br />

Außerdem backt das Team von Isabel<br />

Bolz täglich Plunder- und Blätterteigteil-


chen, Brot aus mehrstufigem Natursauerteig und vieles<br />

mehr. Alles hausgemacht. „Es macht einfach Spaß mit Menschen<br />

zusammenzuarbeiten und Menschen mit den eigenen<br />

Produkten glücklich zu machen“, freut sich Isabel Bolz.<br />

Ronald Pohle ist selbstständiger<br />

<strong>Handwerk</strong>er<br />

und <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneter.<br />

„<strong>Handwerk</strong>smeister zu sein bedeutet, große Verantwortung<br />

für die Mitarbeiter und das Unternehmen auf den eigenen<br />

Schultern zu tragen. Es erfordert immer neue, kreative Ideen<br />

und Mut“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Sören Voigt. „Jeder<br />

von uns kennt Menschen, für die die traditionelle Handarbeit<br />

nicht nur ein Beruf, sondern Berufung ist“, so der parlamentarische<br />

Geschäftsführer der <strong>CDU</strong>-Fraktion weiter. Er betont<br />

den Stellenwert des <strong>Handwerk</strong>s für die gesamte Gesellschaft:<br />

„Wir brauchen ein starkes <strong>Handwerk</strong> und das <strong>Handwerk</strong><br />

braucht dringend Nachwuchs. Es ist wichtiger Stabilisator<br />

in unserer Gesellschaft, besonders im ländlichen Raum.<br />

Deshalb wollen wir handwerklich arbeitende Menschen unterstützen,<br />

damit aus ihren Plänen auch Wirklichkeit wird.“<br />

Als Unternehmer und Selbstständige nehmen die <strong>Handwerk</strong>er<br />

das wirtschaftliche Risiko auf sich. Jeden Tag stehen sie<br />

vor neun kleineren und größeren Herausforderungen. Besonders<br />

der Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und die<br />

Corona-Pandemie bereiten in den Unternehmen Schwierigkeiten.<br />

Es zeigt sich aber auch: Kreativität, Tatendrang und<br />

Leidenschaft zahlen sich langfristig aus. Als Ergebnis der<br />

Konjunkturumfrage Ende vergangenen Jahres lobte Matthias<br />

Forßbohm, Präsident der HWK Leipzig, das <strong>Handwerk</strong>:<br />

„Unterm Strich hat sich das Gesamthandwerk einmal<br />

mehr als systemrelevant und Stabilitätsanker erwiesen“,<br />

sagt der Kammerpräsident.<br />

Matthias Rößler<br />

Landtagspräsident<br />

GOLDENES HANDWERK<br />

„Früher hatte <strong>Handwerk</strong> 'goldenen<br />

Boden', in Zukunft werden junge<br />

<strong>Handwerk</strong>smeister 'mit Gold aufgewogen'.<br />

“<br />

„FREIHEIT UND<br />

VERANTWORTUNG“<br />

Herr Pohle, Sie sind selbstständiger Unternehmer und<br />

Politiker: Wie geht das zusammen?<br />

„Ein gutes Zeitmanagement ist die Grundlage für die<br />

Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Mandat. Durch<br />

die Erteilung einer Prokura in meinem Betrieb habe ich<br />

mir die Freiheit geschaffen, mich politisch zu betätigen.<br />

Es ist mir ein großes Anliegen, mit meinem handwerklichen<br />

Hintergrund eine gute Grundlage für mein politisches<br />

Handeln zu haben.“<br />

Was ist das Besondere daran, Unternehmer zu sein?<br />

„Für mich sind die Freiheit der Gestaltung und die persönliche<br />

Verantwortung für mein Umfeld das Besondere,<br />

was das <strong>Handwerk</strong> ausmacht. Dadurch bleibe ich<br />

im direkten Kontakt mit den Bürgern und ihren alltäglichen<br />

Problemen. Der gesellschaftliche Wert und das<br />

Ansehen des persönlich haftenden Unternehmers kommen<br />

meines Erachtens immer noch vielerorts zu kurz.<br />

Nur wenn wir das ändern, werden wieder mehr Menschen<br />

den Mut zur Selbstständigkeit finden!“<br />

Was tut die <strong>CDU</strong>-Fraktion dafür, dass mehr Menschen<br />

das Unternehmer-Sein wagen?<br />

„Dem Wahlergebnis entsprechend ist das Wirtschaftsressort<br />

wiederholt nicht in der Verantwortung der <strong>CDU</strong>,<br />

sodass uns nur eine mahnende und bestenfalls korrektiv<br />

verhandelnde Position bleibt. Unter meiner Federführung<br />

ist ein bürokratiearmes Vergabegesetz eingeführt<br />

worden. Mit dem Meisterbonus und der Gründungsförderung<br />

InnoStartBonus haben wir in der laufenden Legislaturperiode<br />

eigene Akzente setzen können.“<br />

25


Schulleiter Christoph Koban trifft sich regelmäßig<br />

mit Schülersprecherin Hanna Pollack,<br />

um sich über die Entwicklung der Schule und<br />

Verbesserungsmöglichkeiten auszutauschen.<br />

Früher hat er selbst Elektriker unterrichtet.<br />

GEMEINSAM<br />

BERUFSSCHULE<br />

GESTALTEN<br />

Die Berufsschulen sind in Sachsen wichtiger Partner für das <strong>Handwerk</strong>.<br />

Ein Besuch im beruflichen Schulzentrum Kamenz<br />

Alle Schüler gleichzeitig am Berufsschulzentrum (BSZ)<br />

Kamenz, das kommt praktisch nicht vor. 800 Schüler und<br />

60 Lehrer hat Schulleiter Christoph Koban in seiner Verantwortung.<br />

„Bei uns sind ja nie alle gleichzeitig da“, erzählt<br />

er.“ Dabei ist die Schülerzahl des BSZ Kamenz zusammen<br />

mit der Außenstelle in Demitz-Thumitz, wo die Steinmetze<br />

ausgebildet werden, noch recht überschaubar. Andere<br />

Berufsschulen im Freistaat kommen auf Zahlen von über<br />

2.000 Schülern.<br />

Gerade erst hat Sachsen das Netz aus Berufsschulen den rückläufigen<br />

Schülerzahlen angepasst. So gehörte die Außenstelle<br />

26


Demitz-Thumitz früher zum BSZ Bautzen. Bis Ende 2030 soll<br />

der Umbau des Berufsschulnetzes im Freistaat vollständig<br />

vollzogen sein, heißt es aus dem Kultusministerium. Dem vorausgegangen<br />

ist ein schwieriger politischer Prozess, bei dem<br />

Landräte, Bürgermeister, aber auch <strong>Handwerk</strong>skammern und<br />

Betriebe ihre Bedarfe angemeldet hatten und mitreden wollten.<br />

„Mit dem aktualisierten Berufsschulnetz haben wir eine<br />

solide Basis insbesondere auch für die duale Ausbildung in<br />

Sachsen geschaffen“, sagt der <strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker Holger<br />

Gasse. „Jetzt muss es uns gemeinsam mit den Kommunen gelingen,<br />

die nun sicheren Standorte durch kluge Investitionen<br />

in Gebäude und Ausstattung zu wahren Leuchttürmen ihres<br />

Fachs weiterzuentwickeln. Der Bedarf an Fachkräften macht<br />

die duale Berufsausbildung zu einem attraktiven Einstieg ins<br />

Berufsleben und eröffnet nach dem erfolgreichen Abschluss<br />

alle Möglichkeiten bis hin zum Studium.“<br />

Die duale Ausbildung ist dabei immer Herzstück der BSZ in<br />

Sachsen. Darin bekommen die Lehrlinge die theoretische<br />

Ausbildung für ihren jeweiligen Fachbereich. Das<br />

sind in Kamenz neben den Steinmetzen die Tischler<br />

und Holzmechaniker, Maler sowie die Kaufleute für<br />

Büromanagement. Jeder Auszubildende in einem <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />

muss die Berufsschule besuchen und erfolgreich<br />

absolvieren. „Da müssen alle durch“, sagt Schulleiter<br />

Koban. Und erzählt, dass im Gegensatz zu früher nun auch<br />

immer mal Azubis dabei sind, die ohne vorherigen Schulabschluss<br />

starten. Mit erfolgreicher Lehre einschließlich<br />

Berufsschulprüfungen erhalten diese Schüler dann den<br />

Hauptschulabschluss. Oder, bei besonders guten Noten,<br />

sogar den Realschulabschluss.<br />

Das ist aber nur ein möglicher Weg an der Berufsschule:<br />

Da für alle Kinder bis 18 Jahre die gesetzliche Schulpflicht<br />

gilt, können sie an den BSZ ein Berufsgrundbildungsjahr<br />

absolvieren. Das bereitet ein Jahr lang auf eine Ausbildung<br />

in einem bestimmten Fachgebiet vor. Manche dieser<br />

Schüler haben einen Vorvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb,<br />

der lieber volljährige Azubis mit auf die Baustelle<br />

nimmt. Am BSZ Kamenz kommen außerdem noch Schüler<br />

der Berufsfachschule, der Fachoberschule, des beruflichen<br />

Gymnasiums sowie der Fachschule dazu. Außerdem gibt<br />

es eine Vorbereitungsklasse, in der Schüler Deutsch als<br />

Zweitsprache (DAZ) lernen können.<br />

Die Fachoberschule besucht auch Hanna Pollack, Schülersprecherin<br />

des BSZ Kamenz. Die 18-Jährige aus Bischheim/<br />

Haselbachtal ist im Abschlussjahrgang der Fachoberschule<br />

mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung. „In der Berufsschule<br />

ist es immer etwas schwierig, einen funktionierenden<br />

Schülerrat zu etablieren“, erzählt Schulleiter Koban.<br />

„Die einzelnen Schüler und Azubis haben häufig nicht viel<br />

miteinander zu tun.“ Umso mehr freut er sich, dass Hanna<br />

Pollack auch eigene Ideen über das klassische Schulfest und<br />

den Basar hinaus einbringt. Wasserspender für die Schule,<br />

flächendeckendes W-Lan und Hygieneartikel auf den Frauen-WCs<br />

sind solche Punkte. Was sie gern an der Schule ändern<br />

würde? „Manchmal würde ich mir etwas größere Nähe<br />

zum Alltag wünschen. Statt trockener Theorie könnte die<br />

Schule auch vermitteln, wie man Rechnungen schreibt oder<br />

eine Steuererklärung macht“, sagt sie. Schulleiter Koban<br />

muss gleich einschränken: „Naja, grundsätzlich ist die Fachoberschule<br />

schon dafür da, aufs Studium vorzubereiten, auch<br />

wenn nicht jeder den Weg später einschlägt.“ Sein Wunsch:<br />

weniger Verwaltungsaufgaben und -vorgaben und mehr<br />

Freiheit. „Man muss die Schulen einfach mal machen<br />

lassen, wir machen das schon“, sagt er.<br />

Holger Gasse<br />

<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker<br />

27


Franz Zschornack tippelte ab 2009 drei Jahre<br />

lang durch Deutschland, die Schweiz, Österreich,<br />

Rumänien bis nach Paraguay. Seine<br />

Erfahrungen hat er in dem Buch „Franz im<br />

Glück – Meine Wanderjahre auf der Walz“<br />

niedergeschrieben, das im Verlag Bastei-<br />

Lübbe erschienen ist und <strong>15</strong>,50 Euro kostet.<br />

AUF DER<br />

WALZ<br />

Drei Jahre lang war Franz Zschornack<br />

aus Crostwitz auf der Walz. Nach<br />

vielen Vorträgen ist daraus<br />

ein Buch entstanden<br />

„Wird schon, Franz, das wird schon.“ Mit diesen<br />

Worten machte sich Franz Zschornack<br />

gleich zu Beginn seiner Reise Mut. Der im<br />

sorbischen Crostwitz geborende Metallbauer<br />

mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik<br />

Metall-Schiffbautechnik startete seine Walz<br />

2009. Drei Jahre lang war er unterwegs, bereiste<br />

dabei über zehn Länder und sammelte reichlich Erfahrungen.<br />

Zschornack ist einer, der gern darüber redet, was er auf der<br />

Reise erlebt hat: Und so ergab es sich, dass nach einer ganzen<br />

Reihe von Vorträgen gemeinsam mit dem Journalisten<br />

Rainer Schäfer ein Buch mit dem Titel „Franz im Glück“ entstand,<br />

das seine Geschichte erzählt.<br />

In der Anfangszeit bekommen die jungen Wandergesellen,<br />

die an ihrer auffälligen Kluft zu erkennen sind, noch einen<br />

erfahrenen Tippelbruder an die Seite gestellt, der ihnen das<br />

Leben unterwegs näherbringen. Dafür haben sie sich einer<br />

Gesellschaft angeschlossen, in der die Wandergesellen organisiert<br />

sind, Schacht genannt. Während der Walz entstehen<br />

Freundschaften fürs Leben, denn häufig sind die Wandergesellen<br />

in kleinen Gruppen verschiedener <strong>Handwerk</strong>e<br />

unterwegs. Das Leben unterwegs ist dabei nicht immer<br />

einfach: Die Wandergesellen müssen sich immer wieder<br />

neue Arbeit suchen, sie dürfen je nach Schacht nicht länger<br />

als drei oder sechs Monate bei einem Arbeitgeber<br />

bleiben – falls sie überhaupt einen finden. Dort bekommen<br />

sie zusätzlich zum Lohn Kost und Logie.<br />

28<br />

Jan Hippold<br />

<strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitiker


Finden sie keine Arbeit, müssen sie sich selbst um Unterkunft<br />

kümmern: Da kommt auch schon mal eine Überachtung<br />

im Wald oder in einer Tiefgarage vor. Dagegen<br />

erleben sie jede Menge Abenteuer, wie sie auch Franz<br />

Zschornack in seinem Buch festgehalten hat: Als er im<br />

dritten Jahr beschloss, nach Paraguay zu fliegen, staunte<br />

die junge Frau am Flugschalter nicht schlecht, weil er nur<br />

vier Kilo Gepäck dabei hatte. Und beim Zwischenstopp in<br />

Brasilien stießen er und seine beiden Begleiter auf einiges<br />

Erstaunen, ist in Südamerika die Walz als Findungsreise<br />

doch nicht so bekannt: „Vermutlich hielten uns die meisten<br />

für eine Metal-Band auf Tournee“, schreibt Zschornack,<br />

„verwegen genug sahen wir jedenfalls aus.“<br />

Die Walz hat ihn Bescheidenheit und Dankbarkeit gelehrt:<br />

Heute weiß er die einfachen Dinge zu schätzen, etwa in<br />

einem warmen Bett zu schlafen oder sich duschen zu können.<br />

„Wandergeselle werde ich ein Leben lang bleiben und<br />

dabei helfen, die nächsten Generationen von uns auf die<br />

Straße zu bringen“, schließt er sein Buch.<br />

Auch der <strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitiker Jan Hippold sieht in der<br />

Walz eine Chance für junge Gesellen. Er sagt: „Diese alte<br />

Tradition ist auch heute noch von unschätzbarem Wert. Die<br />

jungen Menschen erfahren auf ihrer Walz viel über ihr <strong>Handwerk</strong>,<br />

können neue Techniken von anderen Meistern erlernen<br />

und sich bestmöglich weiterbilden. Dazu sehen sie etwas von<br />

der Welt, werden selbstbewusster und eigenständiger. Ein<br />

gutes Rüstzeug für das weitere <strong>Handwerk</strong>erleben!“<br />

SO TIPPELN GESELLEN<br />

Wer auf die Walz geht, muss einige Regeln beachten. Wichtigste<br />

Voraussetzung: ein Gesellenbrief. Dazu müssen die<br />

Tippelbrüder und -schwestern unter 30 Jahre alt und ohne<br />

Verpflichtungen sein, also etwa unverheiratet und schuldenfrei.<br />

Die Walz muss mindestens drei Jahre und einen Tag<br />

dauern. Während dieser Zeit dürfen sie sich dem eigenen<br />

Heimatort nicht mehr als 50 Kilometer nähern. Ausnahme:<br />

Todesfälle. Eine vergleichsweise junge Regel gilt noch dazu:<br />

Es herrscht striktes Handy-Verbot. Gereist wird gewöhnlich<br />

zu Fuß oder per Anhalter. Zu erkennen sind die Wandergesellen<br />

an ihrer Kluft: Dazu gehören gewöhnlich Hut, ein weißes<br />

Hemd, Schlaghose, Weste, eine Krawatte, der Ohrring und der<br />

Stanz, ein Wanderstock. Je nach <strong>Handwerk</strong>sberuf variieren<br />

die Farben und die Kleidungsstücke.<br />

1958 WAR DAS<br />

EIN ABENTEUER<br />

Als Helmut Franke, Jahrgang 1936, auf die Walz ging,<br />

war alles noch ein bisschen anders. Nach dem Abschluss<br />

der 10. Klasse im Jahr 1952 war er im väterlichen<br />

Betrieb in Coswig in die Lehre gegangen, lernte<br />

zunächst Bäcker und dann Konditor. Doch er wollte<br />

auch andere Betriebe sehen und dort lernen. Über den<br />

Vater und die Kirche bekam er Kontakt zu einem Betrieb<br />

in Stuttgart. Zwar untersagten die Behörden die<br />

Ausreise, aber Franke stieg im Sommer 1958 einfach in<br />

den Zug. Ein halbes Jahr blieb er im Betrieb in Stuttgart,<br />

bevor er weiter nach Bern in der Schweiz zog. Im September<br />

1959 wechselte er zurück nach Stuttgart, um<br />

dort die Konditormeisterschule zu absolvieren. Anfang<br />

1960 kehrte er in die DDR zurück, misstrauisch beäugt<br />

vom Staat. „Allerdings konnte ich glaubhaft versichern,<br />

kein westlicher Spion zu sein“, schreibt Franke in einem<br />

Bericht über die Zeit. Gemeinsam mit dem Vater<br />

und später seinem Sohn rettete er den Familienbetrieb<br />

durch die Jahre. Heute noch hat er Kontakt zu den Betrieben<br />

in Stuttgart und Bern. „Wozu eine Walz so alles<br />

gut sein kann …“, schwärmt er.<br />

„Mit dem Messerschmidt Rollermobil<br />

bin ich über den Gotthardpass<br />

gefahren und später<br />

hat mich die BMW Isetta sogar<br />

bis nach Rom gebracht“, berichtet<br />

Franke in seinen Erinnerungen.<br />

Ein alter Meister berichtet<br />

In der Konditorei in Bern absolvierte<br />

Franke immer wieder<br />

exklusive Aufträge für die Botschaften.<br />

„Für den Staatsbesuch<br />

der Königin Friederike von Griechenland<br />

stellte ich die Bonbonniere<br />

mitsamt den beinhalteten<br />

Pralinen selber her“.<br />

29


PROFIS LEISTEN WAS<br />

Konzentriert sitzt Charlotte Günz über<br />

einem neuen Paar Schuhe. Mit einer kleinen<br />

Klinge passt sie die Sohle an.<br />

30


<strong>Handwerk</strong>er suchen händeringend nach Lehrlingen.<br />

In sächsischen Betrieben sind die<br />

Bedingungen für eine Ausbildung sehr gut.<br />

Manche Azubis gewinnen sogar Preise<br />

Unter <strong>Handwerk</strong>ern gibt es eine ungeschriebene Regel: Seinen<br />

Beruf kann man erst nach sieben bis zehn Jahren richtig gut.<br />

Der sächsische Nachwuchs stellt diesen Grundsatz allerdings<br />

immer wieder auf die Probe: Regelmäßig gewinnen die Azubis<br />

Preise und Auszeichnungen im bundesweiten Vergleich. Einer<br />

der wichtigsten Leistungswettbewerbe im <strong>Handwerk</strong> ist „Profis<br />

leisten was“ (PLW). Der Wettkampf wird seit 1951 in über<br />

130 <strong>Handwerk</strong>sberufen durchgeführt. Die Teilnehmer müssen<br />

in ihrer Ausbildung mindestens die Note „Gut“ erreicht haben<br />

und dürfen nicht älter als 27 sein. Sie müssen sich gegen ihre<br />

Mitbewerber in der Innung, im Gebiet der <strong>Handwerk</strong>sammer,<br />

auf Landes- und schließlich auf Bundesebene durchsetzen.<br />

Die Bundessieger treffen bei einer Abschlussveranstaltung<br />

den Bundespräsidenten und haben die Chance, zur Weltmeisterschaft<br />

zu fahren. „Der Leistungswettbewerb des<br />

Deutschen <strong>Handwerk</strong>s hat für uns eine so große Bedeutung,<br />

weil er eindrucksvoll zeigt, was unsere jungen Profis<br />

zu leisten imstande sind: Sie zeigen die Zukunftsfähigkeit<br />

des <strong>Handwerk</strong>s“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des<br />

Zentralverbands des Deutschen <strong>Handwerk</strong>s (ZDH).<br />

Im bundesweiten Vergleich sind sächsische Azubis bei<br />

„Profis leisten was“ immer wieder erfolgreich. So auch<br />

Charlotte Günz. Die 23-Jährige hat 2021 gewonnen und ist<br />

somit Deutschlands beste Maßschuhmacherin in der Fachrichtung<br />

Schaftbau. Die junge Frau aus Meißen lernte ihr<br />

<strong>Handwerk</strong> in der Maßschuhmacherei von Alexander Preiß<br />

in Dresden. „Ich habe meinen Traumberuf im <strong>Handwerk</strong><br />

gefunden“, freute sich Charlotte Günz nach ihrem Bundessieg.<br />

Drei Jahre hat sie gelernt, um den perfekten Schuh zu<br />

fertigen. „Die Herausforderung ist, von einer 2-D-Ansicht<br />

zu einem dreidimensionalen Schuh zu kommen“, verrät die<br />

junge <strong>Handwerk</strong>erin und ergänzt: „Im Durchschnitt sitzen<br />

wir 80 Stunden an einem Paar Schuhe.“<br />

Die Holzvorlage für den Maßschuh wird aufgehoben. In der Werkstatt<br />

hängen sie gesammelt an der Wand. Wenn ein Kunde neue Schuhe haben<br />

will, so muss nicht extra eine neue Vorlage angefertigt werden.<br />

Für die Zukunft bereitet sich Charlotte Günz auf die Selbstständigkeit<br />

vor. „Das Stipendium, das ich gewonnen<br />

haben, hilft dabei“, verrät sie. Obwohl<br />

die junge Frau Maßschuhmacherin ist,<br />

möchte sie dann in ihrem eigenen Unter-<br />

31


nehmen aber Konfektionsschuhe herstellen. „Der Markt ist<br />

einfach größer. In meiner Ausbildung habe ich das nötige<br />

<strong>Handwerk</strong> gelernt. Nun bereite ich mich auf den nächsten<br />

Schritt vor“, ist Charlotte Günz zielstrebig. Ihr Plan: Ein<br />

Online-Shop mit nachhaltigen Schuhen für jedermann. „Ich<br />

möchte mit Bauern und Gerbern aus der Region zusammenarbeiten.<br />

Transparente Lieferketten sind mir wichtig“, erzählt<br />

die Schuhexpertin. Sie ist bei ihrem Vorhaben nicht allein. „Ich<br />

möchte mit einer Kollegin aus dem Schwarzwald gründen“,<br />

schaut Charlotte Günz in die Zukunft.<br />

Charlotte Günz hat bei Alexander Preiß in Dresden gelernt. Durch das Schaufenster<br />

können Passanten die beiden <strong>Handwerk</strong>er bei der Arbeit sehen.<br />

Während in der Werkstatt Alexander Preiß in Dresden konzentriert<br />

an einem neuen Paar Schuhe gearbeitet wird,<br />

formt in Chemnitz Paul Heil eine Schieferplatte – sein Lieblingsmaterial.<br />

„Schiefer ist meine Leidenschaft. Es wird nie<br />

eintönig. Jeden Schiefer muss man einzeln in die Hand nehmen<br />

und bearbeiten. Nur so ergibt es ein schönes Deckbild!“<br />

Der 22-Jährige arbeitet bei der Firma Heil Bedachung und<br />

Gerüstbau aus Burgstädt. „Die Leidenschaft für das Dachdecken<br />

habe ich von klein auf entwickelt. Schon als Kind hat<br />

mich mein Papa mit auf das Gerüst genommen. Ich mag den<br />

Ausblick und man ist immer an der frischen Luft“, sagt der<br />

Dachdecker. Eine Ausbildung im Betrieb seines Vaters war<br />

daher eine abgemachte Sache. „Die Ausbildung geht drei<br />

Jahre. Man lernt in allen Bereichen. Es gibt Steil- und Flachdächer,<br />

senkrechte Flächen, die verkleidet werden können,<br />

sowie Metall- und Holzarbeiten“, schaut Paul Heil zurück.<br />

Maßschuhe sind Maßarbeit, die viel Zeit und Liebe erfordern. 80 Stunden und<br />

mehr braucht die <strong>Handwerk</strong>erin bis zum fertigen Schuh.<br />

Charlotte Günz ist auch an der Nähmaschine erfahren. Das Leder für die Schuhe<br />

bearbeitet sie sehr genau.<br />

„Das <strong>Handwerk</strong> hat es nicht leicht, den dringend<br />

benötigten Nachwuchs zu finden“, weiß die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Iris Firmenich aus Frankenberg. „Vielleicht liegt<br />

es daran, dass die meisten Schülerinnen und Schüler<br />

gar keine Vorstellung von der Vielfalt handwerklicher<br />

Berufe haben. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen<br />

einen <strong>Einblick</strong> in Werkstätten und <strong>Handwerk</strong>sbetriebe<br />

zu ermöglichen, ihnen die Gelegenheit zu geben, sich<br />

auszuprobieren oder bei einem Praktikum schon erste<br />

Kontakte zum zukünftigen Ausbildungsbetrieb zu knüpfen“,<br />

rät die Politikerin. Sie sagt: „Besonderen Wert auf<br />

enge Kontakte zur Praxis legen wir an unseren Oberschulen.<br />

Praxisberater und Berufseinstiegsbegleiter helfen<br />

bei der Berufswahl. Wer sich für einen <strong>Handwerk</strong>sberuf<br />

entscheidet, wird am Ende seiner fundierten Ausbildung<br />

in modern ausgestatteten Ausbildungszentren der<br />

Kammern und der praktischen Arbeit im Unternehmen<br />

stolz seinen Gesellenbrief in den Händen halten – und<br />

vielleicht schon über einen Meisterlehrgang, den der<br />

Freistaat mit einem Meisterbonus fördert, und den an-<br />

32


schließenden Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken“,<br />

ist ihre Empfehlung.<br />

Iris Firmenich<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Sein gesamtes Wissen und viel Leistungskraft führten Paul<br />

Heil 2019 bei „Profis leisten was“ zum Bundessieg im Dachdeckerhandwerk.<br />

„Nachdem ich die sachsenweite Meisterschaft<br />

gewonnen hatte, durfte ich mich in einem zweiwöchigen Kurs<br />

auf die Bundesmeisterschaft vorbereiten. Der Sieg hat mir sehr<br />

viel Erfahrung gebracht“, ist Paul Heil dankbar. Jetzt wartet<br />

er auf die Einladung zur Weltmeisterschaft. Wegen der Corona-Pandemie<br />

fiel diese immer wieder aus. „Eigentlich wäre ich<br />

zur Weltmeisterschaft nach Peking gefahren. Leider kam die<br />

Pandemie dazwischen, sodass bisher noch keine Einladung<br />

dazu gekommen ist“, bedauert der Dachdecker.<br />

FUNDIERTE AUSBILDUNG<br />

„Wer sich für ein <strong>Handwerk</strong> entscheidet,<br />

wird am Ende seiner Ausbildung<br />

vielleicht über einen Meisterlehrgang<br />

und den Schritt in die<br />

Selbstständigkeit nachdenken.“<br />

Paul Heil liebt Schiefer. Er ist sicher: Jedes<br />

Dach trägt die Handschrift des Dachdeckers.<br />

Nach seinem Sieg im Leistungswettbewerb<br />

steht demnächst die Teilnahme an der Weltmeisterschaft<br />

an.<br />

33


SO VIEL HANDWERK<br />

STECKT IN MEINEM BÜRO<br />

Es sind nicht nur Maurer und Maler, die dafür sorgen, dass die sächsischen<br />

Landtagsabgeordneten ein Büro haben. Ein Blick in das Büro der Vize-<br />

Landtagspräsidentin Andrea Dombois<br />

Glaser werden unterschieden in Fensterund<br />

Glasfassadenbauer sowie Verglaser und<br />

Glasbauer. Beide Bereiche bearbeiten Flachglas,<br />

entwerfen verschiedene Produkte und<br />

kümmern sich auch um Reparaturarbeiten.<br />

Das Gebäude des Sächsischen Landtags in<br />

Dresden hat etwa 750 Fenster.<br />

Installateure und Heizungsbauer sind für die<br />

Installation, Inbetriebnahme und Reparatur<br />

von heizungs-, lüftungs- und sanitärtechnischen<br />

Anlagen zuständig. Im Sächsischen<br />

Landtag befinden sich etwa 680 Heizkörper.<br />

Es gibt zwei Wärmeerzeuger mit einer Gesamtwärmeleistung<br />

von 2.500 kW.<br />

Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer<br />

sorgen für die Dämmung von Gebäuden und<br />

Anlagen. Damit wird Wärme- oder auch Kälteverlust<br />

vermieden. Sie sorgen im Zweifel<br />

auch für vorbeugenden Brandschutz.<br />

Fotograf ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf.<br />

Bis 2004 war es allerdings<br />

unzulässig, Fotografie als selbstständiges<br />

<strong>Handwerk</strong> ohne einen Meisterbrief auszuüben.<br />

Inzwischen ist Fotografie aber ein zulassungsfreies<br />

<strong>Handwerk</strong>.<br />

Früher hießen sie Töpfer, Keramiker mit Spezialisierung<br />

„Töpfer“ oder Scheibentöpfer, heute<br />

spricht man nur noch von Keramikern. Damit<br />

sind vor allem die Kunsthandwerker gemeint,<br />

deren bildende Kunst sehr gefragt ist.<br />

Es gibt noch weit mehr <strong>Handwerk</strong>sberufe, die<br />

zum Betrieb eines Büros unerlässlich sind.<br />

Beispielsweise kümmern sich Buchbinder<br />

um die Einbände von Büchern und Druckerzeugnissen,<br />

die von ausgebildeten Druckern<br />

erstellt werden.<br />

34


Die Tätigkeit des Raumausstatters umfasst u. a. das Verlegen<br />

von textilen oder elastischen Bodenbelägen, den<br />

Entwurf und die Verwirklichung von Vorhängen sowie das<br />

Bekleiden von Wänden mit textilen Wandbespannungen<br />

oder Tapeten. Auch das Rahmen von Bildern gehört dazu.<br />

Raumausstatter zählt zu den zulassungsfreien <strong>Handwerk</strong>en,<br />

zur Gründung und Führung eines Betriebs ist also keine<br />

Meisterprüfung notwendig. Die grundlegende Ausstattung<br />

der Büros im Landtag orientiert sich übrigens an einer<br />

Festlegung, die vom Architekten Peter Kulka gemeinsam<br />

mit der damaligen Baukommission bei der Sanierung des<br />

Altbaus getroffen wurde.<br />

Ohne Maurer- und Betonbauer dürfte es wohl viele<br />

Gebäude so nicht geben: Sie müssen Kenntnisse über<br />

künstliche und natürliche Baustoffe wie Ziegel, Kalksandstein,<br />

Bimssteine, Betonsteine sowie Gipskartonplatten<br />

mitbringen. Neben technischem Verständnis und handwerklichem<br />

Geschick sind auch Augenmaß und ein gutes<br />

räumliches Vorstellungsvermögen nötig. Die Außenwände<br />

des Landtagsgebäudes sind traditionelles Ziegelmauerwerk.<br />

Die Innenwände bestehen sowohl aus Ziegelmauern<br />

als auch teils aus Kalksandstein und Trockenbau.<br />

Ein <strong>Handwerk</strong> mit Spannung: Elektroniker<br />

kümmern sich um alles, was mit Strom zu tun<br />

hat. Sie kümmern sich um die Stromversorgung<br />

von Gebäuden, Versorgungssystemen,<br />

Automaten und Industrieanlagen oder Telefonsystemen.<br />

Der Beruf ist in zwei Fachrichtungen<br />

unterteilt: Energie- und Gebäudetechnik sowie<br />

Automatisierungs- und Systemtechnik.<br />

Holz und Holzwerkstoffe sind das Material, mit<br />

dem sich Tischler beschäftigen. Dazu gehört<br />

auch der Möbelbau. Auch wenn viele Büromöbel<br />

heutzutage industriell gefertigt werden, der<br />

Einsatz eines Tischlers erlaubt die Umsetzung<br />

von individuellen Wünschen und Bedarfen. Die<br />

Büros der sächsischen Landtagsabgeordneten<br />

sind mit Möbeln sächsischer Hersteller ausgestattet<br />

– dazu gehört auch dieser Schreibtisch,<br />

der in Hellerau gefertigt wurde.<br />

Die erzgebirgische Holzkunst, hergestellt von<br />

Kunsthandwerkern, hat ebenfalls ihren festen<br />

Platz im Büro von Andrea Dombois. Die künstlerische<br />

Holzverarbeitung im Erzgebirge gibt es<br />

seit dem 12. Jahrhundert, sie ist eng verbunden<br />

mit der Entwicklung des Bergbaus.<br />

Was die Maurer für die Wände sind die<br />

Estrichleger für den Fußboden. Sie bereiten<br />

den Untergrund vor, stellen Estrichmörtel her<br />

und verarbeiten ihn. Zum Einsatz kommen<br />

schwimmende Estriche, Verbundestriche<br />

oder Estriche auf Trennschichten. Sie tragen<br />

aber auch Kunstharzschichten auf und bauen<br />

Hohlraum- und Doppelböden ein. Auch<br />

verlegen sie Oberböden aus Platten, Bahnen<br />

und Laminaten. Falls erforderlich bauen sie<br />

auch Dämmstoffe für den Wärme-, Kälteund<br />

Schallschutz ein.<br />

35


ICH BIN MEISTER!<br />

Das sächsische <strong>Handwerk</strong> lebt von Einsatz,<br />

Kreativität und Machergeist. Diese Frauen<br />

zeigen, wie es geht<br />

Das Unternehmen von Annett Thalheim im mittelsächsischen<br />

Seelitz hat Geschichte. Der Steinmetzbetrieb wurde<br />

vor 127 Jahren gegründet. „Ich arbeite immer noch in der<br />

Werkstatt meiner Vorfahren. Ich bin keiner, der große Hallen<br />

bauen würde“, sagt sie.<br />

Annett Thalheim hat sich auf die Gestaltung von Grabmalen<br />

spezialisiert. „Wir haben es viel mit Emotionen zu tun.<br />

Zu uns kommen Eltern, die haben ihre Kinder verloren,<br />

oder ältere Menschen, die nach vielen Jahren ihren Partner<br />

nicht mehr an der Seite haben“, gibt Annett Thalheim<br />

einen <strong>Einblick</strong>. Für die <strong>Handwerk</strong>erin ist es wichtig, das<br />

Individuelle eines Verstorbenen in seinem Grabmal<br />

zu verewigen. „Die Persönlichkeit eines Menschen<br />

soll über sein Leben hinaus festgehalten werden.<br />

Aus dem, was die Angehörigen berichten, entwickle<br />

ich die Idee für das Grabmal“, verrät<br />

Thalheim. Sie arbeitet dabei viel mit Symbolen.<br />

Für die sächsische Landesgartenschau<br />

in Torgau fertigte sie mehrere Mustergrabanlagen.<br />

So auch eine Sternekinderanlage<br />

mit wasserblauen Glasperlen, die<br />

auf runde helle Kalksteine auftreffen, in<br />

die sie ringförmige Wellen einarbeitete.<br />

„Wie Tropfen, die sacht auf eine Wasseroberfläche<br />

fallen, Kreise ziehen, berühren<br />

die kurzen Leben der Kinder die<br />

Herzen der Eltern“, sagt sie.<br />

Annett Thalheim ist in sechster Generation<br />

Steinmetz. „Mich inspiriert, was die die Generationen<br />

vor mir geschaffen haben“, sagt sie.<br />

Die Begeisterung für das Steinmetz-<strong>Handwerk</strong><br />

kam bei Annett Thalheim durch die<br />

Familie. Den Betrieb betreibt sie in vierter Generation.<br />

Ihre Vorgänger schätzt Annett Thalheim.<br />

„Mich inspiriert, was die Generationen vor mir geschaffen<br />

haben. Ich betreibe hier ein <strong>Handwerk</strong> mit viel Tradition“,<br />

ist sich die <strong>Handwerk</strong>erin bewusst. Sie als Meisterin zu bezeichnen,<br />

ist ihr gar nicht recht. „‚Meisterin‘ ist historisch<br />

gesehen die Bezeichnung für die Frau des Meisters. Ich<br />

habe eine Steinmetzausbildung absolviert und die Meis-<br />

36


Thomas Schmidt<br />

Regionalminister und <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

terprüfung im Steinmetz- und Steinbildhauerwerk<br />

abgelegt“, sagt Annett Thalheim. An ihrem Meisterstück,<br />

einer Gartenbank aus Postaer Sandstein,<br />

arbeitete sie mehrere Wochen. Dabei lernte sie auch viel<br />

über die Materialien aus der Region. „In Sachsen gibt es<br />

viele verschiedene Steinarten. Wir haben den Mittweidaer<br />

und den Meißner Granit, den Dresdner Sandstein und – in<br />

dem Stein habe ich gelernt – den Rochlitzer Porphyr“, erklärt<br />

die <strong>Handwerk</strong>erin und ergänzt: „Ich arbeite am liebsten<br />

mit gleichmäßigen Materialien.“ Thomas Schmidt findet<br />

als Regionalminister und Wahlkreisabgeordneter dazu<br />

anerkennende Worte: „Annett Thalheim begegnet modernen<br />

Marktanforderungen erfolgreich mit einer Symbiose<br />

aus Tatkraft, traditionellem <strong>Handwerk</strong> und zeitgemäßer<br />

Ausgestaltung. Diese bodenständige Variante des soliden<br />

Unternehmertums verdient Respekt und hat meine volle<br />

Unterstützung. Annett Thalheims Meisterbetrieb zeigt,<br />

wie <strong>Handwerk</strong> durch Kreativität und unternehmerischen<br />

Mut auch den ländlichen Raum stärkt", sagt er.<br />

Wie Annett Thalheim bietet auch Barbara Oehlke<br />

individuelle Gestaltung. Die Dresdnerin arbeitet allerdings<br />

mit anderen Materialien: Edelmetallen und<br />

Edelsteinen. Barbara Oehlke ist Goldschmiedin und hat<br />

ihre Werkstatt in der Neustadt von Dresden. Ihren Kunden<br />

bietet sie Schmuckstücke vom Entwurf bis zur Fertigung.<br />

„In meiner Werkstatt kommen neben den Neuanfertigungen<br />

noch Umarbeitungen und Reparaturen hinzu“,<br />

erklärt die Goldschmiedin. Kreativität und <strong>Handwerk</strong><br />

finden bei ihr zusammen. „Für mich sind Schmuckstücke<br />

kleine Skulpturen, die sich an den Körper anschmiegen.<br />

Durch Form, Bewegung und Klang, mit Struktur, Farbe<br />

und Glanz berühren sie die Sinne des Menschen“, verrät<br />

Barbara Oehlke. Der Entwurf, die Wahl des Materials und<br />

die Gestaltung bis hin zum fertigen Schmuckstück ist immer<br />

eine Reise gemeinsam mit der Kundschaft. „Schmuck<br />

als ein wichtiges Accessoire der Persönlichkeit. In Silber-<br />

und Goldschmuck sehe ich Lust an Geschichte und<br />

Geschichten“, sagt die Goldschmiedin.<br />

Barbara Oehlke ist Goldschmiedin aus<br />

Dresden. In ihrer Werkstatt gestaltet<br />

sie individuellen Schmuck für selbstbewusste<br />

Träger.<br />

37


Die schweren Maschinen machen Susann<br />

Urlaß-Wolf Spaß. Die Unternehmerin war<br />

lange Zeit in Sachsen die einzige Frau mit<br />

Ausbildung als Straßenbaumeister.<br />

„Es sind die kleinen und mittelständischen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe,<br />

die unser aller Alltagsleben am Laufen halten. Sei<br />

es die Autowerkstatt oder die Heizungsinstandsetzung<br />

– ohne die tüchtigen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe, die auch während<br />

Wind, Wetter und Pandemien arbeiten, stünde unser<br />

aller Leben still“, sagt der Dresdner Landtagsabgeordnete<br />

Ingo Flemming. Er sieht auch die Politik in der Pflicht: „Ein<br />

<strong>Handwerk</strong> bedeutet aber auch immer persönliches Risiko<br />

und wirtschaftliche Herausforderungen. Hier müssen<br />

wir aufmerksam zuhören und unterstützen. Ganz aktuell<br />

streiten wir zum Beispiel in Dresden mit den <strong>Handwerk</strong>sbetrieben<br />

für dringend notwendige Parkerleichterungen<br />

für <strong>Handwerk</strong>er und Dienstleister“, so Flemming.<br />

Ortswechsel. Susann Urlaß-Wolf leitet das Bauunternehmen<br />

Wolf Straßen- und Tiefbau in Reinsdorf bei Zwickau.<br />

Die Geschäftsführung übernahm sie 2003 von ihrem Vater.<br />

„Wir sind ein Familienbetrieb. Mein Opa hat die<br />

Firma gegründet. Bei zwei Töchtern in der Familie<br />

war schon immer die Frage, wer den Betrieb weiterführen<br />

wird“, verrät die Unternehmerin. Als <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />

ist Wolf Straßen- und Tiefbau auf Asphaltarbeiten und<br />

Pflaster legen spezialisiert. „Wir betreiben zudem gemeinsam<br />

mit der TU Dresden Forschung im Bereich Bau“, erklärt<br />

Susann Urlaß-Wolf. Die engagierte Geschäftsführerin<br />

machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung in<br />

der Baubetriebswirtschaft. „Später habe ich dann meinen<br />

Straßenbaumeister gemacht. In Sachsen war ich damit<br />

lange Zeit die einzige Frau mit dieser Ausbildung“, freut<br />

sich Susann Urlaß-Wolf.<br />

Wolf Straßen- und Tiefbau ist über die Jahre eine feste<br />

Größe im Raum Zwickau geworden. „Das wollen wir auch<br />

bleiben“, ist Urlaß-Wolf entschlossen. Die Treue der Mitarbeiter<br />

ist ein gutes Zeichen dafür. „Wir haben vor Kurzem<br />

einen Mitarbeiter verabschiedet, der war 49 Jahre bei<br />

uns. Bald haben wir sogar einen Mitarbeiter, der<br />

wird die 50 Jahre voll machen“, freut sie sich.<br />

38<br />

Ingo Flemming<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter


Einen besonderen Schritt hat Janine Näwie gemacht. Mit<br />

35 Jahren entschied sie sich vergangenes Jahr für eine<br />

Umschulung. Im njumii – das Bildungszentrum des <strong>Handwerk</strong>s<br />

in Dresden belegte sie eine Weiterbildung. Von Speditionskauffrau<br />

lernte sie um zur Schweißfachfrau. „Mein<br />

Lebensgefährte hat das schon vorher beruflich gemacht<br />

und ich konnte in der Freizeit reinschnuppern“, verrät<br />

Janine Näwie. „Es ist einfach toll, am Ende eines Tages zu<br />

sehen, was man geschafft hat. Bei meinem alten Beruf<br />

hatte ich am Ende des Tages nicht Fassbares in der Hand“.<br />

Heute verschickt Janine Näwie keine Luftfracht mehr, sondern<br />

steht mit ihrem Freund in der gemeinsamen Werkstatt<br />

ihrer Firma Schöne Schmiedearbeiten und Metallbau<br />

in Radebeul. „Es ist interessant, aus einzelnen<br />

Teilen ein Produkt zusammenzufügen“, erklärt die<br />

Fachfrau. Am besten gefällt ihr das MAG-Schweißen.<br />

„Werkstoffe mit hoher Temperatur verbinden<br />

macht Spaß“, sagt Janine Näwie.<br />

Laut neuen Studien haben Frauen, die im <strong>Handwerk</strong><br />

lernen, besonders gute Berufsaussichten.<br />

Am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung<br />

der Universität Göttingen<br />

wurden 2000 <strong>Handwerk</strong>erinnen und werker befragt. In der Kategorie <strong>Handwerk</strong>erstolz<br />

zeigten sich knapp 87 Prozent der Frauen<br />

Hand-<br />

sehr zufrieden. Ebenso viele der <strong>Handwerk</strong>erinnen<br />

gaben an, dass sie ihren Beruf mit Leidenschaft<br />

ausüben. Die Zufriedenheit zeigt<br />

Wirkung: Jeder fünfte <strong>Handwerk</strong>sbetrieb<br />

wird laut dem Deutschen <strong>Handwerk</strong>skammertag<br />

von einer Frau übernommen.<br />

Brigitte Lochner-Beyala ist Friseur-Meisterin<br />

und betreibt zwei Läden in Bautzen. Das<br />

<strong>Handwerk</strong> liegt ihr sehr am Herzen, wie sie<br />

am Beispiel ihrer Mitarbeiterin zeigt.<br />

Von der Speditionskauffrau zur Schweißerin: Janine<br />

Näwie liebt das <strong>Handwerk</strong>. Mit ihrem Freund baut<br />

sie zum Beispiel Vordächer oder Balkongeländer.<br />

39


VATER UND TÖCHTER<br />

Andreas Althammer eröffnete die Kunstschmiede<br />

1977. Heute haben die Töchter Elisabeth und Claudia<br />

das Sagen. Beratend steht der Altmeister aber immer<br />

noch zur Seite. Gerade, wenn es um historische Fakten<br />

geht, hat Andreas Althammer langjährige Erfahrung.<br />

40


Daniela Kuge<br />

<strong>CDU</strong>-Frauenpolitikerin<br />

STARKE FRAUEN<br />

„Ich habe großen Respekt davor, wie<br />

die Töchter den Betrieb vom Vater<br />

übernommen haben und erfolgreich<br />

weiterführen. Wir brauchen mehr<br />

solche starke Frauen im <strong>Handwerk</strong>.“<br />

In der Leipziger Kunstschmiede Althammer haben heute die Töchter des Gründers das Sagen.<br />

Das Interesse am <strong>Handwerk</strong> kam durch den Vater<br />

Andreas Althammer holt weit aus und lässt den Hammer<br />

auf das glühend heiße Eisen fallen. Funken sprühen.<br />

Der Kunstschmied eröffnete sein Unternehmen 1977 im<br />

ehemaligen Kirchschullehen Baalsdorf bei Leipzig. Heute<br />

ist er immer noch dabei. Die Verantwortung haben<br />

aber seine Töchter übernommen. Elisabeth Althammer-<br />

Kluge führt das Unternehmen. Ihre Schwester Claudia ist<br />

Schmiedegeselle. Andreas Althammer ist froh, sein Unternehmen<br />

an die eigenen Töchter weitergegeben zu haben. „Es<br />

ist doch im <strong>Handwerk</strong> schwierig, dass die Betriebe weitergeführt<br />

werden“, weiß der Kunstschmied. Ein Drittel der <strong>Handwerk</strong>sunternehmen<br />

in Sachsen benötigt in den kommenden<br />

Jahren eine Nachfolge. Bei der Leipziger Kunstschmiede Althammer<br />

ist diese bereits geregelt. Die Übergabe innerhalb<br />

der Familie ist laut <strong>Handwerk</strong>skammer Leipzig die meist gewünschte<br />

Variante. „Solche Übergaben erscheinen auf den<br />

ersten Blick die organisatorisch einfachsten zu sein“, sagt<br />

Sprecherin Andrea Wolter. Doch nicht immer funktioniert<br />

die Nachfolge dann auch reibungslos. Verschiedene Vorstellungen<br />

von der Zukunft des Betriebes oder Uneinigkeit in<br />

der Familie macht manche Übergabe schwer oder unmöglich.<br />

Bei der Kunstschmiede Althammer gab es solche Probleme<br />

allerdings nicht. Das Firmenerbe anzutreten war für<br />

Elisabeth Althammer-Kluge eine klare Sache. „Ich komme mit<br />

meinem Vater beruflich gut zurecht“, sagt sie und ist dankbar,<br />

dass ihr Vater weiterhin beratend zur Seite steht. „Solche<br />

Bereiche, die mit Historie zu tun haben, die leben einfach von<br />

der langjährigen Erfahrung“, weiß Andreas Althammer. Die<br />

Arbeit der Kunstschmiede Althammer ist international nachgefragt.<br />

Neben künstlerische Metallarbeiten im Großraum<br />

Leipzig gingen aufwendig geschmiedete Balkonbrüstungen,<br />

Treppengeländer und Tore in die USA oder die Niederlande.<br />

Und in Norwegen (Oslo) führt die Kunstschiede sämtliche<br />

Restaurationsarbeiten im Bereich Metall an der Domkirche<br />

Oslo durch. Vieles ist dabei nur durch Schmieden per Hand zu<br />

erledigen. Zuletzt arbeiteten die Althammers beispielsweise<br />

am großen grauen Hund aus der Figurengruppe „Besiegter<br />

Hirsch“ aus Mägdesprung im Harz. Die Landtagsabgeordnete<br />

Daniela Kuge, Beauftragte für Frauenpolitik der <strong>CDU</strong>-<br />

Fraktion, freut sich über den Erfolg der Familie Althammer:<br />

„Ich finde es bewundernswert, wie die beiden Töchter in die<br />

Fußstapfen des Vaters treten und das Unternehmen weiterentwickeln.<br />

Wir brauchen mehr solche starke Frauen im<br />

sächsischen <strong>Handwerk</strong>.“<br />

41


Brigitte Lochner-Beyala ist Friseur-Meisterin<br />

und betreibt zwei Läden in Bautzen. Das <strong>Handwerk</strong><br />

liegt ihr sehr am Herzen, wie sie am Beispiel<br />

ihrer Mitarbeiterin zeigt.<br />

VON KAMERUN NACH<br />

GÖRLITZ, UM MEISTER<br />

ZU WERDEN<br />

... UND UM HIER ZU BLEIBEN<br />

42


Wer eine Ausbildung in einem anderen Land gemacht hat, muss in Deutschland mitunter an<br />

einem Anerkennungsverfahren teilnehmen – oder entscheidet sich für einen neuen Beruf<br />

Brigitte Lochner-Beyala war schon immer willensstark. Als ihr<br />

Berufsabschluss aus Kamerun in Deutschland nicht anerkannt<br />

wurde, beschloss sie, eine neue Ausbildung zu machen. Von<br />

Schneiderin lernte sie um zu Friseurin. Ihren Meister schloss sie<br />

2017 ab. Heute führt die Mitdreißigerin zwei Läden in Görlitz.<br />

Coiffeur la fleur d'or ist in der Stadt bereits ein bekannter Name.<br />

„Als Unternehmerin habe ich Freiheiten, die ich als Angestellte<br />

nicht habe. Ich kann meinem Wissen freien Lauf lassen und<br />

es so machen, wie ich denke, dass es richtig ist“, freut sich die<br />

engagierte Ladeninhaberin. Neben dem Geschäftlichen liegt<br />

ihr auch das <strong>Handwerk</strong> am Herzen. „Es ist schön, die Kunden<br />

glücklich aus dem Laden gehen zu sehen. Mich erstaunt es immer,<br />

was etwas Einfaches – wie ein Haarschnitt oder eine Farbveränderung<br />

– Positives mit einem Menschen macht“, sagt sie.<br />

Für Brigitte Lochner-Beyala ist der Kontakt zu den Kunden das<br />

Wichtigste: „Es macht Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Gerade<br />

die ältere Kundschaft freut sich auf das Gespräch in der Stunde<br />

während ihres Termins“, weiß die Friseurin.<br />

Das Anerkennungsverfahren für bestehende Berufsabschlüsse<br />

aus anderen Ländern kann in Sachsen bei den <strong>Handwerk</strong>skammern<br />

durchgeführt werden. Reham Kabbani aus Dresden<br />

und Maha Rouidhan aus Leipzig waren hier erfolgreich. Um<br />

die Gleichwertigkeit zur Berufsausbildung des Maßschneiders<br />

zu erlangen, mussten die beiden Schneiderinnen aus Syrien<br />

zusätzliche Kompetenzen nachweisen. Mit ihrer erfolgreichen<br />

Arbeitsprobe bei der <strong>Handwerk</strong>skammer Dresden zeigten sie<br />

ihr handwerkliches Können.<br />

„Das <strong>Handwerk</strong> braucht zupackende, einfallsreiche und engagierte<br />

Menschen“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und Sachsens<br />

Ministerpräsident Michael Kretschmer, aus dessen Wahlkreis<br />

Brigitte Lochner-Beyala kommt. „Hier wird konkret im Alltag<br />

geholfen und das Leben erleichtert – ob bei der reparierten<br />

Waschmaschine oder der neuen Frisur. Es geht ums Machen<br />

und um sichtbare Ergebnisse. Menschen lernen sich kennen<br />

und schätzen – und erfahren dabei, wie verschieden das Leben<br />

spielen kann“, führt er weiter aus. Für ihn sind alle drei<br />

<strong>Handwerk</strong>erinnen echte Vorbilder, von denen der Freistaat in<br />

Zeiten des Fachkräftemangels noch mehr braucht. „Bei den<br />

sächsischen <strong>Handwerk</strong>skammern können Menschen ihr Können<br />

unter Beweis stellen, berufliche Veränderungen angehen<br />

oder in anderen Ländern erworbene Abschlüsse anerkennen<br />

lassen. Hürden beim Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt<br />

können gemeistert werden – die <strong>Handwerk</strong>skammern sind<br />

ein verlässlicher Partner dabei. Geschichten wie die von Brigitte<br />

Lochner-Beyala, Reham Kabbani und Maha Rouidhan<br />

stehen für viele erfolgreiche Lebenswege im <strong>Handwerk</strong>.“<br />

Michael Kretschmer<br />

Ministerpräsident<br />

und <strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

FACHKRÄFTE<br />

„Hürden beim Eintritt in den deutschen<br />

Arbeitsmarkt können gemeistert<br />

werden – die <strong>Handwerk</strong>skammern<br />

sind ein verlässlicher<br />

Partner dabei.“<br />

Die Syrerinnen Reham Kabbani aus Dresden und Maha Rouidhan aus Leipzig haben beide eine Schneiderausbildung<br />

in Syrien absolviert. Beim Nähen einer Bluse sowie bei der Durchführung von Änderungsarbeiten<br />

haben sie ihr handwerkliches Können gezeigt und so die Anerkennung erreicht.<br />

43


44<br />

René Kruner in seiner Werkstatt in Weißwasser.<br />

270 Quadratmeter groß ist die<br />

alte Dreherei auf dem Telux-Gelände.<br />

„<strong>Handwerk</strong> ist für mich Geduldsarbeit,<br />

die mit den Händen entsteht“, sagt er.


WIE SICH DIE LAUSITZ<br />

NEU ERFINDET<br />

Die Braunkohle-Region Lausitz verändert sich. Das stellt auch das <strong>Handwerk</strong> vor große<br />

Herausforderungen. Ein Besuch in der Werkstatt von René Kruner in Weißwasser<br />

Alexander Bastian greift in den Stapel. So ein altes Brett, das<br />

krumm und schief ist, das ist schon faszinierend. „Wenn man<br />

das hernimmt und überlegt, was daraus werden kann. Und<br />

dann baut man ein Möbelstück daraus, das sich jemand in die<br />

Ecke stellt, das wirklich genutzt wird.“ Bastian ist 32 und hat<br />

lange gebraucht, bis er die Faszination seines <strong>Handwerk</strong>s wiederentdecken<br />

konnte. In der Lehre und in seinen ersten Jahren<br />

als ausgelernter Tischler war dafür wenig Raum. Da war<br />

er manchmal wochenlang auf Montage, hat auf Großbaustellen<br />

Fenster eingebaut. Da gab es keine krummen Bretter, nur<br />

Industrieholz. Was er jetzt macht, hat damit wenig zu tun.<br />

Bastian arbeitet mit knorrigen alten Brettern in der Werkstatt<br />

von René Kruner. Der ist zwar nicht vom Fach, sondern gelernter<br />

Glasmacher, aber er betreibt die coolste Holzwerkstatt in<br />

Ostsachsen. Unter dem Label Saf Artifex erfinden die beiden<br />

Männer in Weißwasser das Tischlerhandwerk neu.<br />

Saf Artifex ist Kruners Künstlername. Die Geschichte des gleichnamigen<br />

Betriebs zeigt, wie verschlungen die Wege des <strong>Handwerk</strong>s<br />

heute sind. Kruner und Bastian lieben Holz. Sie können<br />

Maschinen bedienen und erkennen auf den ersten Blick das<br />

Potenzial in jedem Brett. Aber das, was sie machen, sind eigentlich<br />

Kunstobjekte, die jenseits der Ordnung von Zunft und Kammer<br />

entstehen und ihre Kunden finden. Gerade hat Kruner ein<br />

Plattenregal ausgeliefert, das ein bekannter Lausitzer Politiker<br />

bestellt hat. Für die knorrigen Holzobjekte gibt es eine wachsende<br />

Kundschaft in der Region. Die findet das, was sie sucht, in der<br />

Telux in Weißwasser. In der alten Leuchtstoffröhrenfabrik ist ein<br />

vibrierendes Zentrum der Kreativkultur entstanden. Hier füllt<br />

neues <strong>Handwerk</strong> die alten Hallen.<br />

Klar ist das <strong>Handwerk</strong>, was er macht, sagt Kruner. „<strong>Handwerk</strong><br />

ist für mich Geduldsarbeit, die mit den Händen entsteht.“ Glas<br />

René Kruner hat lange Zeit Wände und Fassaden<br />

in Innen- und Außenbereich auf Kundenwunsch<br />

mit Graffiti und Airbrush gestaltet.<br />

Jetzt verbindet er <strong>Handwerk</strong> und Kunst.<br />

45


akkurat in Form zu blasen, hat ihn damals Jahre an Training gekostet.<br />

Eine Fertigkeit, die er seit Jahren nicht mehr braucht. Sein<br />

Leben verlief anders, als die <strong>Handwerk</strong>erlaufbahn es vorgesehen<br />

hätte. Kreativ war er schon immer, seine Graffitis waren schnell<br />

gefragt. Und Holz liegt irgendwie in seiner DNA, das hat ja jeder<br />

gemacht. In jedem Hinterhof gab es eine Holzwerkstatt, wo<br />

Leute Möbel zusammengebaut haben. „<strong>Handwerk</strong> stirbt aus“,<br />

sagt Kruner. Dem will er etwas entgegensetzen.<br />

Saf Artifex steht für ein <strong>Handwerk</strong> 2.0, das nicht mehr über<br />

die duale Ausbildung in den inhabergeführten Meisterbetrieb<br />

führt. Sondern das auf Kreativität setzt und über Umwege neue<br />

Werkstätten hervorbringt. Während die klassischen Ausbildungsgänge<br />

unter Nachwuchsmangel leiden, strömt aus einer<br />

anderen Richtung etwas ins <strong>Handwerk</strong> ein. Da sind etwa Leute,<br />

die aus Bürojobs kommen oder mal studiert haben und etwas<br />

anderes machen wollen. Auf diese Weise entstehen Schneiderateliers<br />

in Dresden-Neustadt oder eben Tischlereien in leeren<br />

Fabrikhallen in der Oberlausitz. Da erleben alte Techniken eine<br />

Renaissance für neue Produkte. Und im Notfall hilft ein You-<br />

Tube-Video, um zu lernen, wie man gebogenes Holz verleimt.<br />

Kruners Umweg führte über Glas und Graffiti-Kunst. Das hat<br />

ihn zum schöpferischer Multi-<strong>Handwerk</strong>er gemacht.<br />

René Kruner ist 42. Seine Laufbahn als Industrieglaswerker begann<br />

Mitte der 1990er-Jahre mit einer einzigen Bewerbung, die angenommen<br />

wurde. Als Weißwasser noch eine Glasmacher-Stadt<br />

war, fingen ganze Jahrgänge ihre Lehre in dem Beruf an – des-<br />

„Wenn man das Holz hernimmt und man ein<br />

Möbelstück daraus baut, das sich jemand<br />

in die Ecke stellt, das wirklich genutzt wird.<br />

Das ist schon faszinierend“, sagt Alexander<br />

Bastian, gelernter Tischler.<br />

Holz liegt irgendwie in seiner DNA, sagt René<br />

Kruner über sich selbst. „Ich kann mit 100-prozentiger<br />

Sicherheit sagen, woher mein Holz<br />

kommt“, sagt er stolz.<br />

46


sen meiste Werkstätten heute fast alle abgewickelt sind. Kruners<br />

Familie ist in der Stadt verwurzelt, beide Großväter waren Glasmacher.<br />

Ein Relikt dieser Industrie ist die Werkstatt in der Telux,<br />

dort war mal die Dreherei des Leuchtstoffröhrenwerks. Kruner<br />

hat die Räume 2020 gemietet und umgebaut. Er brauchte Platz für<br />

sein wachsendes Graffiti-Geschäft. Aufs Holz kam er über seine<br />

damalige Freundin. Die Telux ist das schlagende Herz der Oberlausitzer<br />

Kreativwirtschaft. Weiter hinten auf dem Gelände ist ein<br />

Café. Dazwischen haben sich Künstler und Designer eingemietet.<br />

MEIN KOMMENTAR<br />

Die Leute schätzen wieder echte Sachen, auch in der ländlichen<br />

Oberlausitz, wo die Einkommen nicht üppig sind. René Kruner<br />

ist stolz darauf, hier etwas anbieten zu können, das echt und<br />

hochwertig ist. „Ich kann mit 100-prozentiger Sicherheit sagen,<br />

woher mein Holz kommt“, sagt er. Draußen vor der Werkstatt<br />

liegt eine Ladung alter Balken. Eine ganze Scheune voller Holz<br />

war das. Kruner wird immer öfter angerufen, wenn wieder eine<br />

Scheune dem Tagebau zum Opfer fällt. Dann fragen ihn die Besitzer,<br />

ob er das Holz brauchen kann. Seine Kunst, alte Bretter<br />

zu neuem Leben zu verhelfen, hat sich herumgesprochen. Dabei<br />

macht er nicht einmal Werbung. „Ich vermarkte mich zu<br />

schlecht“, sagt er. „Ich bin meistens in meiner Werkstatt und<br />

alle in der Stadt wissen, dass sie mich hier treffen können.“<br />

Die Autorin Christine Keilholz ist Gründerin<br />

und Chefredakteurin von Neue Lausitz – Das<br />

Leitmedium für den Wandel. Mehr Infos unter<br />

neuelausitz.com.<br />

DER ABGEORDNETE DR. STEPHAN MEYER<br />

AUS DER LAUSITZ SAGT:<br />

Der Strukturwandel bietet für die Lausitz viele Chancen,<br />

stellt die Region aber auch vor große Herausforderungen.<br />

Strukturwandel bedeutet eben auch,<br />

die Denk- und Herangehensweise zu wandeln. Der<br />

demografischen Entwicklung ist es teilweise geschuldet,<br />

dass es zu wenige <strong>Handwerk</strong>er für zu viele<br />

Aufgaben gibt. Die Praxis aus erster Hand ist aber<br />

wichtig, um junge Menschen für das <strong>Handwerk</strong> zu<br />

begeistern. Meiner Meinung nach sollten Ansätze<br />

wie „produktives Lernen“ vorzugsweise an Oberschulen<br />

gestärkt werden. Den Auszubildenden muss<br />

aber auch die Möglichkeit geboten werden, eine Berufsschule<br />

im Umfeld zum Ausbildungsbetrieb besuchen<br />

zu können. Das erfordert die Stärkung der<br />

Berufsschulen im ländlichen Raum. Wir brauchen<br />

außerdem Lösungen, um das <strong>Handwerk</strong> in der Lausitz<br />

zukunftsfähig zu gestalten. Die Vernetzung, effizientere<br />

Einheiten im technischen Bereich und der<br />

Einsatz von innovativen Technologien sind gefragt.<br />

So wird die Robotik auch Einzug in das traditionelle<br />

<strong>Handwerk</strong> finden. Ein guter Ansprechpartner ist hier<br />

das Kompetenzzentrum Robotik der <strong>Handwerk</strong>skammer<br />

Dresden. Auch der Einsatz von Exoskeletten<br />

kann die Arbeits- und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten<br />

an Produktionsarbeitsplätzen erhalten<br />

sowie leistungsgewandelte Personen wieder in den<br />

Arbeitsprozess integrieren. Es muss schließlich gelingen,<br />

grundsätzlich familienfreundliche Arbeitsplätze<br />

zu schaffen, um die Kohleregionen in lebendige<br />

und lebenswerte Regionen umzuwandeln.<br />

47


HEIMAT<br />

ALS<br />

MARKE<br />

Sachsen ist <strong>Handwerk</strong>erland. Diese Produkte<br />

aus dem Freistaat sind über die Region hinaus<br />

bekannt und weltweit beliebt<br />

Uhren aus Glashütte<br />

Weltweit begehrt: die edlen Armbanduhren aus Glashütte.<br />

So haben Roger Moore und Bill Clinton eine Uhr<br />

aus Sachsen. Zusammengesetzt werden sie in Manufakturen<br />

wie Nomos in präziser Handarbeit. Ab 950 Euro<br />

Plauener Spitze<br />

Vor <strong>15</strong>0 Jahren wurden die ersten Stickereien in<br />

Plauen produziert. Heute schützt der Branchenverband<br />

Plauener Spitzen und Stickereien die weltweiten<br />

bekannten Textilprodukte als Marke. Die Preise sind<br />

abhängig vom fertigen Produkt.<br />

Biere aus Sachsen<br />

Es gibt eine ganze Reihe von Biermarken aus Sachsen,<br />

in denen Brauer und Mälzer einem der ältesten und<br />

traditionsreichsten <strong>Handwerk</strong>e unserer Kultur nachgehen:<br />

der Braukunst. Dazu zählt auch die Stadtbrauerei<br />

Wittichenau bei Hoyerswerda. Eine Kiste ab 12 Euro<br />

Holzkunst aus dem Erzgebirge<br />

Räuchermännchen aus dem Erzgebirge sind weltweit<br />

bekannt. Die Holzkunst ist dabei nicht nur was<br />

für Weihnachten. Figuren wie der Koch sind das ganze<br />

Jahr aktuell. Ab 30 Euro<br />

48


Blaudruck in der Oberlausitz<br />

Der Blaudruck gehört zum seltenen <strong>Handwerk</strong> in<br />

der Oberlausitz. Die Stoffe werden dabei eigentlich<br />

nicht bedruckt, sondern gefärbt. Das Muster wird<br />

beim Färben abgedeckt und bleibt daher weiß. Stoff<br />

40 x 40, <strong>15</strong> Euro<br />

Christstollen aus Dresden<br />

Der Christstollen wird jedes Jahr nach einem jahrhundertalten<br />

handwerklichen Rezept in rund 110<br />

Bäckereien in Dresden gebacken. Regional geschützt<br />

ist das Spezialgebäck durch den Schutzverband<br />

Dresdner Stollen. 1 kg ca. 21 Euro<br />

Instrumente aus dem Vogtland<br />

Die Instrumente aus dem Vogtland sind bei Musikern<br />

sehr beliebt. Diese Geige wurde von Ekkard<br />

Seidl in seiner Werkstatt in Markneukirchen gebaut.<br />

Sie ist ein Modell nach Stradivari und wurde 2021<br />

gefertigt. Ab 800 Euro<br />

Stuhlbau in Rabenau<br />

Bereits im 19. Jahrhundert wurden im sächsischen<br />

Rabenau Stühle hergestellt. Dieser Salonstuhl wurde<br />

in den Werkstätten feiner Polstermöbel Alfred Münch,<br />

heute Raumausstattung Reichert, gebaut. Ab 300 Euro<br />

Leipziger Lerche<br />

Schon lange eine Spezialität und jetzt auch rekordverdächtig:<br />

162,5 Kilogramm wiegt die schwerste<br />

Leipziger Lerche von zwei Bäckern der Messestadt.<br />

Das Original aus der Backstube ist wesentlich<br />

kleiner. 100 g ab 2,70 Euro<br />

Pfefferkuchen in Pulsnitz<br />

Pfefferkuchen sind eine süße Verführung – nicht nur zu<br />

Weihnachten. In Pulsnitz werden verschiedene Sorten<br />

der Lebkuchenart noch traditionell handwerklich in<br />

Pfefferküchlereien hergestellt. 100g ab 1,50 Euro<br />

49


WIR ÜBERNEHMEN<br />

EINEN FAMILIENBETRIEB<br />

Gut ein Drittel der sächsischen <strong>Handwerk</strong>sbetriebe steht vor der Übergabe an die nächste<br />

Generation. Diese <strong>Handwerk</strong>er haben die „freundliche Übernahme“ erfolgreich geschafft<br />

Ein Großteil der Unternehmen in Sachsen wurde nach der<br />

Friedlichen Revolution gegründet. Jetzt – nach über 30 Jahren<br />

– stehen die Betriebe vor der Übergabe. Die <strong>Handwerk</strong>skammer<br />

Leipzig schätzt, dass ein Drittel der sächsischen<br />

<strong>Handwerk</strong>sunternehmen in den kommenden Jahren eine<br />

Nachfolge braucht. Selbst wenn der geeignete Kandidat<br />

für die Nachfolge gefunden ist, kann es noch fünf bis zehn<br />

Jahre dauern, bis er auch richtig eingearbeitet ist.<br />

Gut, wenn das <strong>Handwerk</strong> Familiensache ist und der Nachwuchs<br />

bereits die nötige Erfahrung mitbringt. Anna<br />

Dyroff arbeitet seit 2006 in dem Restaurierungsatelier ihres Vaters<br />

Klaus-Peter. Die Werkstatt und Ausstellungsräume des Betriebes<br />

befinden sich seit 1986 im historischen Bahnhof Schmiedeberg.<br />

Klaus-Peter Dyroff ist gelernter Fliesenleger und hat einen<br />

Abschluss als Diplom-Designer und Restaurator. Anna Dyroff ist<br />

Mosaizistin. „Ich habe in Italien studiert. Der Abschluss musste<br />

in Deutschland erst anerkannt werden“, erinnert sie sich. Vater<br />

und Tochter restaurieren und gestalten Mosaike. „Das Grundprinzip<br />

im Restaurierungsatelier hat sich über Jahre erhalten<br />

und stetig weiterentwickelt. Wir leisten eine fachgerechte und<br />

substanzschonende Restaurierung im Sinne der Denkmalpflege<br />

zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgütern“, erklärt<br />

Anna Dyroff. Die Dyroffs restaurierten bereits den Mosaikbrunnen<br />

im Großen Garten Dresden, ein Wandmosaik<br />

an der Siegessäule in Berlin oder historische Fliesen aus<br />

dem 17. Jahrhundert im UNESCO Weltkulturerbe Schloss<br />

Augustusburg in Brühl bei Köln.<br />

„Das <strong>Handwerk</strong> der Mosaikkunst ist in Sachsen einmalig“,<br />

sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und Landtagsvizepräsidentin<br />

Andrea Dombois. „Durch das Atelier von Anna und<br />

Klaus-Peter Dyroff sind seit mehr als 30 Jahren zahlreiche<br />

Sanierungs- bzw. Restaurationsarbeiten der sich in<br />

Sachsen befindlichen Mosaikkunst, aber auch weltweit,<br />

durchgeführt worden. Diese <strong>Handwerk</strong>stradition gilt es zu<br />

bewahren und an die junge Generation weiterzugeben“,<br />

so die Landtagsabgeordnete aus Dippoldiswalde. Die Dyroffs<br />

gestalten auch Ausstellungen und bieten Workshops<br />

an. „Es kommen Menschen von überall, um bei uns die<br />

Mosaikkunst zu lernen“, sagt Anna Dyroff. Sie hat schon<br />

viel Erfahrung im Betrieb gesammelt. Bereits heute vertritt<br />

sie ihren Vater, wenn er mal nicht kann. Eine Übernahme<br />

des gesamten Betriebs ist damit bei den Dyroffs<br />

bereits gut vorbereitet.<br />

50


Konzentriert arbeitet Anna Dyroff an einem<br />

Mosaik. Mit penibler Handarbeit gestaltet sie<br />

ein eindrucksvolles Kunstwerk. Bei Workshops<br />

kann man sich die Arbeit vor Ort anschauen.<br />

DIE KUNST DES MOSAIKS<br />

Mosaike sind seit dem Altertum eine beliebte Form in<br />

der bildenden Kunst. Die ältesten bekannten Kunstwerke<br />

stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus.<br />

Durch das Zusammensetzen verschiedenfarbiger und<br />

unterschiedlich geformter Einzelstücke entsteht ein<br />

Muster oder Bild. Verwendet werden unterschiedliche<br />

Materialien. Am häufigsten sind Stein- oder Glasmosaike<br />

an Wänden oder Böden.<br />

51


Aloysius Mikwauschk<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

Einen besonderen Weg ist Therese Martin gegangen.<br />

Die junge Bäckerin arbeitete in der Bäckerei<br />

Wippler in Dresden. Vergangenes Jahr kehrte sie in ihren<br />

Heimatort Räckelwitz in der Oberlausitz zurück. „Es ist<br />

mein Zuhause und meine Familie ist hier“, sagt Therese<br />

Martin. Sie kommt auch für einen Traum zurück: das eigene<br />

Geschäft. „Ich wollte schon immer meine eigene Bäckerei<br />

haben“, sagt die 38-Jährige. Da kommt es gelegen,<br />

dass Bäckermeister Michael Schlappa auf Weltreise gehen<br />

will und seine Bäckerei übergeben möchte. „Wir kennen<br />

uns privat gut“, sagt Therese Martin, die also keinen<br />

Familien-, aber einen Freundesbetreib übernimmt. Die<br />

Bäckerei Schlappa ist seit 1968 in zweiter Generation in<br />

der Region um Räckelwitz bekannt. Nun übernimmt die<br />

neue Chefin. „Ich möchte natürlich die Tradition weiterführen<br />

und Arbeitsplätze erhalten. Aber ich habe auch<br />

neue Ideen und das Sortiment soll erweitert werden“, verrät<br />

Therese Martin. In Zukunft kommt noch eine Konditorei<br />

dazu: „Wir wollen den schönen Ort erhalten, aber auch<br />

eine offene Werkstatt aufbauen, in der man uns bei der<br />

Arbeit zuschauen kann“, sagt sie. „Therese Martin hat in der<br />

Region ihres Geburtsortes ein wichtiges Markenzeichen<br />

von Lebensqualität erhalten“, lobt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Aloysius Mikwauschk aus Kamenz. „Ihre Erfahrungen<br />

in der deutschen Nationalmannschaft als beste Auszubildende<br />

und ihr beruflicher Weg zeigen: <strong>Handwerk</strong> im<br />

ländlichen Raum hat Zukunft. Beispielhaft wurde frühzeitig<br />

über Monate die Nachfolgeregelung vorbereitet, ein<br />

Erfolgsmodell, wenn Verantwortung und Tradition übereinstimmen“,<br />

lobt Mikwauschk.<br />

Die Brüder Dominik und Fabian Böhme haben im Januar<br />

das Sanitärunternehmen ihres Vaters im mittelsächsischen<br />

Mühlau übernommen. Aus der Heizung-Sanitär<br />

GmbH & Co. KG Steffen Böhme wurde die Böhme GmbH<br />

& Co. KG. „Die Übernahme hat fünf Jahre gedauert“, erinnert<br />

sich Fabian Böhme. Sein Bruder Dominik ergänzt:<br />

„Unser Vater ist damals auf uns zugekommen und wir<br />

haben vereinbart, dass wir zunächst schauen, ob wir miteinander<br />

arbeiten können. Er hat sich jetzt dazu entschieden,<br />

sich ganz aus dem Unternehmen zurückzuziehen und<br />

uns übernehmen zu lassen.“. Die Übernahme war für die<br />

beiden Nachfolger allerdings gar nicht so klar. Die Steuerlast<br />

bei Unternehmensübernahmen und die Bedingung,<br />

trotz Renteneintritten das Lohnniveau in der Firma über<br />

Jahre gleich zu halten, machte die Nachfolge zunächst<br />

unattraktiv. „Warum sollen wir ein Unternehmen<br />

übernehmen, wenn es steuerlich einfacher wäre,<br />

wenn man neu gründet? Start-ups werden gefördert.<br />

Nachfolger in <strong>Handwerk</strong>sbetrieben haben<br />

zunächst Schulden“, fragen sich die Brüder Böhme. Sie<br />

entschieden sich dennoch, die Firma weiterzuführen. „Wir<br />

haben seit 2018 bereits Anteile am Unternehmen gehalten<br />

– da denkst du einfach anders“, sagt Dominik Böhme. Und:<br />

„Wir wollten Arbeitsplätze erhalten. Neu gründen und die<br />

alten Fachkräfte einstellen, das geht nicht“, weiß Fabian<br />

Böhme. Mit der Übernahme haben die Brüder Böhme das<br />

Familienunternehmen umgekrempelt. Ein neuer Markenauftritt<br />

wurde gestaltet und die Digitalisierung vorangetrieben.<br />

„Viele Kessel, die in den 90er-Jahren eingebaut<br />

wurden müssen jetzt gewechselt werden. Die Auftragslage<br />

ist gut, der Nachwuchs geht uns allerdings aus“, verrät<br />

Dominik Böhme. Für engagierte Auszubildende ist das<br />

Unternehmen daher offen.<br />

Ein paar Kilometer von Mühlau entfernt steht Nora Seitz<br />

in der Fleischerei Thiele. Der Betrieb wurde 1932 von<br />

ihrem Urgroßvater gegründet. Heute leitet Nora Seitz das<br />

Geschäft gemeinsam mit ihrer Mutter Elke. „Meine erste<br />

Ausbildung als Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk<br />

habe ich von 2001 bis 2004, die zum Fleischer von<br />

2004 bis 2006 gemacht. Anschließend habe ich meine<br />

Meisterausbildung in Teilzeit absolviert“, erinnert sich<br />

die junge Fleischerin. Ihr fachliches Können fällt schnell<br />

auf. Ihre erste Berufung in das Team der deutschen Nationalmannschaft<br />

des Fleischerhandwerks erhielt sie 2017.<br />

Heute ist sie Teamchefin. In Zukunft will sie das Geschäft<br />

in Chemnitz übernehmen. „Eine Betriebsübergabe im<br />

<strong>Handwerk</strong> ist ein wahnsinnig dynamischer Prozess. Es ist<br />

nicht mehr wie früher, dass man sagt: ‚An Tag X bekommst<br />

du das Unternehmen‘. Man bereitet das vor. Steigt in Teilbereichen<br />

ein, übernimmt Verantwortung und wächst in<br />

alle Aufgaben hinein“, weiß die junge Unternehmerin.<br />

„Nora Seitz ist Unternehmerin durch und durch, also mit<br />

Herz und Seele. Als Meisterin im Fleischerhandwerk setzt<br />

sie auf Tradition und Innovation gleichermaßen“, sagt<br />

die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ines Saborowski aus Chemnitz. „Sie<br />

engagiert sich für die Akzeptanz ihrer Branche und den<br />

Fortbestand sowie die Weiterentwicklung des sächsischen<br />

<strong>Handwerk</strong>s in Kammern und Verbänden mit ganz viel ehrenamtlichem<br />

Engagement. Unternehmerin zu sein, heißt<br />

für sie Verantwortung zu übernehmen, für ihr<br />

Unternehmen und auch ihr Team, täglich!“<br />

52<br />

Ines Saborowski<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete


Der Traum von der eigenen Bäckerei: Therese<br />

Martin hat sich diesen erfüllt. Bäckermeister<br />

Michael Schlappa gibt seinen Betrieb auf, um<br />

die Welt zu sehen, und Therese Martin tritt die<br />

Nachfolge an. Das Ziel: Tradition sowie Arbeitsplätze<br />

erhalten und neue Ideen einbringen.<br />

Neu gründen oder Nachfolge antreten?<br />

Über diese Frage haben Dominik und Fabian<br />

Böhme lange gegrübelt. Die Steuern und Schulden<br />

machen die Betriebsübernahme schwierig.<br />

Aus Verbundenheit zur Region und den Mitarbeitern<br />

wagen sie den Schritt trotzdem. Sie<br />

lernen über Jahre das Geschäft kennen. Anfang<br />

dieses Jahres übernehmen sie schließlich das<br />

Geschäft. „Die Familie stand immer hinter uns“,<br />

sagen die Brüder heute.<br />

Nora Seitz liebt ihr <strong>Handwerk</strong>. „Das Fleischerhandwerk<br />

ist meine Berufung. Wir haben viele<br />

interessante und anspruchsvolle Teilbereiche<br />

in unserem täglichen Arbeitsalltag, dass man<br />

sich gar nicht wirklich auf einen speziellen Teil<br />

festlegen kann“, sagt die Chemnitzerin.<br />

53


Enrico Stritzl aus Niederalbertsdorf in seinem<br />

eigenen Betrieb für Holzmontagen und<br />

Zimmerei. Mit <strong>15</strong> begann er seine Lehre, 2005<br />

machte er sich selbstständig. Aber auch sein<br />

Ehrenamt bei der Feuerwehr ist ihm wichtig.<br />

Seit 2009 ist Stritzl Kreisjugendwart im<br />

Zwickauer Land, außerdem stellvertretender<br />

Wehrleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr<br />

Niederalbertsdorf. Mit zehn Jahren kam er<br />

selbst zur Freiwilligen Feuerwehr.<br />

54


OHNE HANDWERKER<br />

LÄUFT NICHTS<br />

Sachsens <strong>Handwerk</strong>er sind unerlässlich für das Ehrenamt.<br />

Egal ob bei Feuerwehr, im Sportverein oder bei der<br />

Blaskapelle – sie kümmern sich mit Leidenschaft<br />

„Für viele ist es selbstverständlich, dass die Feuerwehr<br />

kommt, wenn es brennt. Sie vergessen aber, dass es auch<br />

die geben muss, die zum Einsatz ausrücken“, sagt Enrico<br />

Stritzl. Der 43-Jährige aus Niederalbertsdorf, einem Ortsteil<br />

von Langenbernsdorf im Zwickauer Land, ist selbstständig<br />

mit der eigenen Zimmerei. „Das ist tagsüber mein<br />

<strong>Handwerk</strong>. In der Freizeit widme ich mich dem Ehrenamt<br />

bei der Feuerwehr“, erzählt er. Enrico Stritzl liebt sein Ehrenamt.<br />

Als stellvertretender Wehrleiter bei der Freiwilligen<br />

Feuerwehr Niederalbertsdorf verbringt er viel Zeit mit seinen<br />

Kameraden. Außerdem wurde er Ende März erneut zum<br />

Kreisjugendfeuerwehrwart im Zwickauer Land gewählt. Diese<br />

Position übernimmt Enrico Stritzl seit 2009. „Die Aufgaben<br />

sind abwechslungsreich und ich lerne ständig neue Menschen<br />

kennen. Die Kameradschaftlichkeit und der Zusammenhalt in<br />

der Gruppe ist gut“, freut sich der Feuerwehrmann. Bereits mit<br />

zehn Jahren war er bei der Jugendfeuerwehr dabei. „Man<br />

sieht schon häufig das Elend anderer“, weiß der <strong>Handwerk</strong>er.<br />

„Da wird einem klar, dass es auch einen selbst treffen<br />

kann.“ Ehrenamt und Beruf lassen sich für ihn meist gut<br />

vereinen: „Klar muss ich auch während der Arbeitszeit raus.<br />

Aber sonst lassen sich viele Aufgaben bei der Feuerwehr<br />

auch nach Feierabend oder am Wochenende erledigen“, erklärt<br />

er. Mit <strong>15</strong> begann Enrico Stritzl seine Lehre. Selbstständig<br />

machte er sich 2005. „Mich begeistert die Kreativität. Ich<br />

mag es, mit Kunden Ideen zu besprechen, an Projekten zu<br />

tüfteln und die Umsetzung zu planen“, schwärmt er.<br />

„Feuerwehren zu unterhalten, gehört zu den sogenannten<br />

kommunalen Pflichtaufgaben“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Kerstin Nicolaus. „Doch keine Gemeinde kann sie ohne ihre<br />

freiwilligen Feuerwehrleute erfüllen. Bei den vielen anfallenden<br />

Aufgaben sind <strong>Handwerk</strong>er mit ihren Kenntnissen und<br />

Fähigkeiten eine große Stütze. Als Kameradin weiß ich nur zu<br />

gut, wie oft handwerkliche Leistung gefragt ist. Es zeigt sich<br />

also auch hier: Ohne <strong>Handwerk</strong> läuft nicht viel.“<br />

Kerstin Nicolaus<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

GROSSE STÜTZE<br />

„Als Kameradin weiß ich nur zu gut,<br />

wie oft handwerkliche Leistung gefragt<br />

ist. Es zeigt sich auch hier: Ohne<br />

<strong>Handwerk</strong> läuft nicht viel.“<br />

55


Mit dem mobilen Scanner können die Ihles<br />

Statuen und Figuren digitalisieren. Die Daten<br />

werden am Computer weiterverarbeitet.<br />

56


INNOVATIONSMOTOR HANDWERK<br />

DIESE FIRMEN<br />

SETZEN TRENDS<br />

3-D-Druck, Smart Home und Kleinserienfertigung – sächsische <strong>Handwerk</strong>er<br />

sind innovativ und arbeiten schon lange mit moderner Technik<br />

Die Maschinen summen leise, während UV-Licht das Material<br />

aushärtet. „Das sind unsere Resindrucker. Mit diesen fertigen<br />

wir unsere 3-D-Vorlagen für den Guss an“, erklärt Wilhelm Ihle.<br />

Der 24-Jährige ist seit drei Jahren im Unternehmen seines Vaters<br />

und verantwortlich für den 3-D-Druck. So werden Statuen<br />

und Figuren mithilfe modernster Technik hergestellt. Gerade<br />

bei Künstlern sind die GEBR Ihle Bildguss aus Dresden bekannt.<br />

Aber auch Privatpersonen lassen hier Figuren anfertigen.<br />

Die digitale Technik gibt der Kunstgießerei neue Möglichkeiten<br />

und birgt viele Vorteile. „Nachdem wir ein Objekt<br />

einmal eingescannt haben, können wir Entwürfe auch<br />

mehrfach drucken und müssen nicht aufwendig neue Formen<br />

bauen. Zudem lassen sich die Figuren am Computer<br />

beliebig größer oder kleiner machen“, erklärt der gelernte<br />

Schmied. Zwar dauert der Druck 20 bis 30 Stunden. Die Arbeit<br />

mit Resin, einer Art Harz, ergibt allerdings sehr feine<br />

Strukturen und eignet sich daher gut als Formvorlage für<br />

den späteren Guss, etwa von Bronze-Figuren.<br />

„Eine Ausbildung für den 3-D-Druck gibt es in unserem Gewerk<br />

nicht. Mein Vater hatte einfach Interesse an der Technik<br />

und wir haben vieles über Videos im Internet selbst gelernt“,<br />

schaut Wilhelm Ihle auf die Anfangszeit zurück. Die Digitalisierung<br />

hat viel Dynamik in den Technikmarkt gebracht. Auch der<br />

3-D-Druck entwickelt sich stetig weiter. „Wir haben sehr früh<br />

damit angefangen, da war die Technik noch nicht so bekannt.<br />

Heute gibt es regelmäßig etwas Neues zu lernen“, weiß Ihle.<br />

Am Rechner prüft Wilhelm Ihle, ob<br />

beim Scannen alle Stellen richtig<br />

aufgenommen wurden. Fehlt etwas,<br />

dann wird digital nachbearbeitet.<br />

57


Im E-Haus der <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />

können Lehrlinge und Gesellen die neueste<br />

Technik für Smart-Home-Anwendungen kennenlernen<br />

und damit üben.<br />

Digitale Technik verändert auch den Hausbau – innen wie<br />

außen. Längst können über Computer Dinge wie Heizung<br />

einschalten, Licht regulieren oder auch Badewasser einlassen<br />

geregelt werden. Dafür kommen Sensoren und Aktoren<br />

zum Einsatz, um den individuellen Wünschen der Bauherren<br />

zu entsprechen.<br />

Damit <strong>Handwerk</strong>er den Einsatz der Technik lernen können,<br />

hat die <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz ein komplettes E-Haus<br />

zum Üben errichtet. Dort können Azubis wie auch angehende<br />

Meister der Elektronik und Anlagenmechaniker für Sanitär,-<br />

Heizungs- und Klimatechnik ganz praktisch lernen, wie die<br />

intelligenten Systeme funktionieren und eingerichtet werden.<br />

Das Projekt ist ein Novum und sucht bundesweit seinesgleichen.<br />

Unterstützung hat die <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />

dabei vom Bundeministerium für Bildung und Forschung erhalten,<br />

das das Projekt im Rahmen des Sonderprogramms Digitalisierung<br />

gefördert hat.<br />

Fachlich angeleitet wurde die Planung und Umsetzung von<br />

Ausbilder und Experte Hendrik Morgner: „Das Zusammenspiel<br />

von Digitalstrom, KNX, Photovoltaik, Heizung, Lüftung, Haushaltsgeräten,<br />

Beleuchtung, Jalousien, Wetterstation, Glasfasertechnologie,<br />

Elektromobilität, Rasenbewässerung und Einbruchschutz<br />

ist auf diese Weise einzigartig“, schwärmt er. Wie<br />

ein richtiges Haus besteht das E-Haus aus einem Eingangsbereich<br />

mit Haustür, einem großen Technikraum, Bad, Schlafzimmer<br />

und einem Wohn-Ess-Bereich. In der Außenanlage werden<br />

eine E-Ladesäule und ein Rasenbewässerungssystem angeschlossen<br />

sein. Ein Tablet hilft dabei, alle Geräte zu steuern, wobei<br />

die Prozesse möglichst automatisiert ablaufen sollen. Aber<br />

die Steuerung wird für die künftigen Bewohner auch über Geräte<br />

wie Smartphone oder -speaker möglich sein.<br />

58


Ein Kollege von Ronny Bernstein setzt Werkstücke<br />

in den Twister ein. Sie drehen sich um die<br />

eigene Achse und werden aus der Mitte mit<br />

einer Art Sand bestrahlt.<br />

Der Erfindergeist von Ronny Bernstein wurde 20<strong>15</strong> mit dem<br />

Sächsischen Staatspreis für Innovation gewürdigt. Der<br />

Metallbauer aus Chemnitz entwickelte in seiner Firma<br />

BMF eine neue Art der Oberflächenbehandlung von metallischen<br />

Kleinteilen. Dadurch sinken die Kosten beim Sandstrahl-Vorgang,<br />

während die Qualität ordentlich steigt.<br />

In dem BMF-Sandstrahlautomaten Twister rotieren die<br />

Werkstücke um ein Schleuderrad. Wie auf einem Karussell<br />

drehen sie sich um die eigene Achse. Durch die gezielte Bestrahlung<br />

fällt die aufwendige Nachbearbeitung per Hand<br />

weg. Dank der geschickten Aufteilung der Werkstücke im<br />

Twister lassen sich zudem zehnmal so viele Teile bearbeiten<br />

wie in den bisherigen Verfahren. Das spart Energie und<br />

sichert die Qualität.<br />

„Hier im Haus betreiben wir in der 3. Generation Maschinenbau.<br />

2007 haben wir die BMF neu gegründet,<br />

mit dem Ziel, Prototypen und Einzelteile zu produzieren und<br />

Finalprodukte herzustellen. Wir sind schon immer<br />

erfinderisch gewesen, immer auf der Suche nach innovativen<br />

Produkten“, sagt Ronny Bernstein. „Ich denke,<br />

das ist uns mit dieser Anlage gelungen.“ Der Chemnitzer<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete Peter Wilhelm Patt ist begeistert von<br />

der Entwicklung der BMF. Er betont, wie wichtig solche Innovationen<br />

für die sächsische Wirtschaft sind: „Es sind die<br />

Tüftler aus der Praxis, die uns nach vorne bringen“, sagt er.<br />

„Wissen und Können schaffen Lösungen. Ich bin stolz auf<br />

unsere Praxiselite.“<br />

Die Twister-Idee ist inzwischen patentiert. Für die Entwicklung<br />

arbeiteten Ronny Bernstein und seine Kollegen<br />

von BMF mit dem Steinbeis-Innovationszentrum<br />

für Antriebs- und Handhabungstechnik aus<br />

Chemnitz zusammen.<br />

Peter Wilhelm Patt<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

59


DAS MACHT<br />

EINEN GUTEN<br />

LEHRLING AUS<br />

Der Azubi von Zimmermeister Ralf Peukert<br />

absolviert mit der Ausbildung gleich auch das<br />

Studium zum Bauingenieur<br />

Die Digitalisierung verändert das <strong>Handwerk</strong> und die Ausbildung.<br />

Ob das 3-D-Modell vom Endprodukt, die Kalkulation eines<br />

neuen Auftrages oder das Bestellen von Rohstoffen: Das<br />

<strong>Handwerk</strong> profitiert von der neuen Technik. Das weiß auch<br />

Zimmerermeister Ralf Peukert aus Albrechtshain im Landkreis<br />

Leipzig. „Ein guter Auszubildender soll Meister im <strong>Handwerk</strong><br />

werden und ein technisches Verständnis haben“, sagt er. In der<br />

Ausbildung seines Lehrlings Friedrich Thalmann verschmelzen<br />

das traditionelle Wissen und die neuen Möglichkeiten<br />

noch mehr als gewöhnlich: Der 18-jährige Thalmann macht ein<br />

duales Studium zum Bauingenieur und Zimmerer. Dabei hilft<br />

dem Betrieb eine Kooperation mit der Hochschule für Technik,<br />

Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Verteilt über vier Jahre<br />

besucht der Azubi insgesamt sechs Semester die Hochschule,<br />

um moderne Methoden der Informatik im Bauwesen kennenzulernen<br />

und sich Wissen über Baustatik oder Hochbau<br />

anzueignen. Am Ende ist der Bachelor das Ziel. Meister Ralf<br />

Peukert ist die Kombination wichtig. „Wer nur studiert hat,<br />

weiß es nicht besser. Auch nur mit dem Computer zu arbeiten<br />

ist nicht gut. Einen guten Auszubildenden macht aus, dass er<br />

die Theorie kennt und in der Praxis anzuwenden weiß“, sagt<br />

60


Auch wenn sein Azubi die Digitalisierung<br />

im Unternehmen vorantreiben soll, legt<br />

Meister Ralf Peukert Wert auf die Ausbildung<br />

im <strong>Handwerk</strong>. Theorie und Praxis<br />

gehen für ihn Hand in Hand.<br />

er. Azubi Friedrich Thalmann stimmt zu: „Die Ausbildung im<br />

Betrieb ist für mich wichtig. Der Austausch mit den Kollegen<br />

und die Praxis bringen viel. Gerade in einem kleinen Betrieb,<br />

wie hier, ist es sehr abwechslungsreich“, freut er sich. Meister<br />

Peukert schätzt es, wenn er bei seinen Auszubildenden<br />

den „Aha-Effekt“ sieht: „Wir haben einmal einen Dachstuhl<br />

saniert. In den Balken waren kleine Löcher – sah eigentlich<br />

nicht so schlimm aus. Friedrich hat dann mit einem Hammer<br />

gegen den Balken gehauen und war von oben bis unten mit<br />

Holzstaub voll. Dadurch hat er kennengelernt, welche Anzeichen<br />

für holzfressende Insekten es gibt“, erinnert er sich.<br />

„Die Erfahrung kommt durch die Arbeit auf Baustellen<br />

und durch selber machen. Das Interesse daran muss<br />

ein Auszubilder also unbedingt mitbringen“, verrät er. Die digitale<br />

Technik kommt in seinem Holzbaubetrieb schon länger<br />

zum Einsatz. Bevor ein Projekt umgesetzt wird, erfolgt die Baukonstruktion<br />

bereits am Computer. Verschnitt vom Material,<br />

Längen und Maße sind damit bereits vorher bekannt. „Mein<br />

Ansinnen ist, dass wir bereits vor dem Bau unnötige Abweichungen<br />

ausschließen können“, sagt Meister Peukert. „Im<br />

Landkreis Leipzig arbeiten rund 2.500 <strong>Handwerk</strong>sbetriebe mit<br />

reichlich 18.000 Beschäftigten“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Svend-Gunnar Kirmes. „Sie alle sind und bleiben existienziell<br />

für das wirtschaftliche Leben in ihrer Verknüpfung von<br />

Tradition und neuesten Technologien“, so Kirmes weiter.<br />

„Was wären wir ohne sie!“<br />

Svend-Gunnar Kirmes<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

61


DIESEN HANDWERKER<br />

MÖCHTE ICH NICHT MISSEN<br />

Sie gehören einfach dazu! Abgeordnete der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages haben<br />

bei Facebook <strong>Handwerk</strong>er aus ihrem Wahlkreis vorgestellt. Hashtag: #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />

Dagmar Müllers Motto heißt „Licht und Farbe das ganze<br />

Jahr.“ Seit fast 25 Jahren kümmert sie sich in ihrer Kunstglaserwerkstatt<br />

in Reichenbach im Vogtland um die Aufarbeitung<br />

und Restaurierung alter Bleiverglasungen. Sie<br />

arbeitet dabei an historischen Verglasungen und Kirchenfenstern<br />

genauso wie an individuellen Geschenk- und Dekoideen.<br />

Für den <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Stephan Hösl ein<br />

faszinierendes <strong>Handwerk</strong>, für das er größten Respekt hat.<br />

„Ich denke gern an meine Hochzeit in der Peter-Paul-Kirche<br />

in Reichenbach zurück, die Fenster in der Kirche haben es<br />

mir angetan“, sagt er. „Besonders der Vers ,Was der Mensch<br />

sät, das wird er ernten' ist mir in Erinnerung geblieben: Liebe,<br />

Freude, Dankbarkeit und Treue waren die Dinge, die ich<br />

in meinem Leben säen und ernten wollte.“<br />

62


Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen!<br />

Kay Arnswald von „manchemögensholz“ ist nicht nur ein <strong>Handwerk</strong>er mit Herz fürs Fachwerk,<br />

sondern zeigt auch der Öffentlichkeit seine Liebe zum Holz.<br />

Herzlichen Dank für die <strong>Einblick</strong>e und Dein Engagement für das Weitergeben Deiner Erfahrungen!<br />

Hier gibt’s mehr zu erfahren:<br />

https://www.holzschutzgutachten.eu/<br />

#EINBLICK #handwerk #fachwerkhaus #fachwerk #handwerksachsen #danielakuge #wilsdruff<br />

#sachsen #heimat #holz #manchemögensholz<br />

Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses war ich heute Abend bei der #kreishandwerkerschaft<br />

des Landkreises #Görlitz, wo die Potenziale & Herausforderungen des #<strong>Handwerk</strong>s im<br />

Mittelpunkt standen. Bei den Rothenburger Eisenbahn-Freunden konnten wir uns zunächst vom<br />

starken ehrenamtlichen Engagement der Fleischerhandwerks-Familie Eichler beim Erhalt der<br />

Kleinbahnen überzeugen.<br />

Die Potenzialstudie für das <strong>Handwerk</strong> des Wirtschaftsministeriums macht deutlich, dass besondere<br />

Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge & der Attraktivitätssteigerung für<br />

<strong>Handwerk</strong>sberufe bereits in der Schule bestehen. Die Ausbildungsmesse #Insider ist hierfür<br />

eine wichtige Plattform.<br />

Als Gesellschaft ist es in unser aller Interesse, das <strong>Handwerk</strong> zu stärken und ihm mehr Gehör<br />

zu verschaffen, weil gerade diese regionalen Wirtschaftskreisläufe unsere ländliche Heimat<br />

lebenswert machen. #weilwirhierlebenwollen<br />

Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen: Reifen Lorenz GmbH<br />

Mein Favorit, wenn es um unsere Autos geht. Ganz gleich, ob Radwechsel, Ölwechsel oder<br />

Kundendienst: Bei Reifen Lorenz in der Torgauer Straße 24–26 wird alles zuverlässig und<br />

schnell zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt. Bei der freien Kfz-Meisterwerkstatt für alle<br />

Fabrikate können auch Kfz-Reparaturen aller Art durchgeführt werden. So sind unsere Lieferfahrzeuge<br />

nach einer Panne oft schon am nächsten Tag wieder einsatzbereit. So ein Nachbar<br />

ist einfach klasse!<br />

Reifen Lorenz blickt auf eine über 90-jährige Firmengeschichte zurück. Seit 2020 leitet Maximilian<br />

Lorenz in der vierten Generation, gemeinsam mit seinem Vater Hermann Lorenz, das<br />

inhabergeführte Familienunternehmen.<br />

#EINBLICK<br />

#<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />

Das neue #EINBLICK-<strong>Magazin</strong> zum <strong>Thema</strong> #handwerksachsen erscheint in Kürze. Dabei<br />

stehen traditionelles <strong>Handwerk</strong> und Familienbetriebe im Fokus. 2021 war das Jahr der Orgel<br />

und ich habe das Familienunternehmen Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH in meinem Wahlkreis<br />

#sltwk47 kennengelernt. Hier trifft Innovation auf Tradition in einem seltenen und kaum<br />

bekannten <strong>Handwerk</strong>sberuf. Dieser Betrieb präsentiert die sächsische <strong>Handwerk</strong>skunst in der<br />

ganzen Welt, sogar bis ins japanische Tokio.<br />

#sachsen #handwerk #innovation #tradition #familienunternehmen<br />

Fotos: Crispin-Iven Mokry<br />

63


Immer wieder dankbar über die fachkundige und freundliche Unterstützung, die uns unsere<br />

vielen lokalen <strong>Handwerk</strong>er geben. Heute zum Beispiel beim Check in der Kfz-Werkstatt im<br />

Autohaus Goldmann in Aue.<br />

#EINBLICK #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />

Die familiengeführte Schlosserei Rißmann ist ein Garant für hochwertige Schlosserarbeiten,<br />

Alu- und Stahlkonstruktionen in Verbindungen mit Glaselementen.<br />

Die Firma wurde 1967 von Henning Rißmann gegründet und ständig weiterentwickelt. Das<br />

neue <strong>Magazin</strong> #EINBLICK befasst sich mit dem <strong>Thema</strong> #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />

Auch wenn die Temperaturen es im Augenblick eher wieder nach Winter als nach Frühling<br />

aussehen lassen: die neue Motorradsaison steht vor der Tür. Die Brüder Gerd und Frank<br />

Bernhardt von der gleichnamigen Suzuki-Werkstatt in Lübschütz, einem Ortsteil der Gemeinde<br />

Machern, sind da <strong>Handwerk</strong>er, die ich auf keinen Fall missen möchte. Ein Problem am<br />

Bike und man kann sich darauf verlassen, die lösen das! #EINBLICK #handwerksachsen<br />

#opensaison #motorbike<br />

Unser <strong>Handwerk</strong> kompetent und zuverlässig. Zimmerei Ralf Peukert mit Kompetenz und<br />

Engagement im Holzbau. Einer von vielen <strong>Handwerk</strong>ern, die ich nicht in meinem Wahlkreis<br />

missen möchte.<br />

#svendgunnarkirmes #EINBLICK #<strong>Handwerk</strong>Sachsen<br />

Diesen <strong>Handwerk</strong>er möchte ich nicht missen!<br />

Überzeugt euch vom traditionellen <strong>Handwerk</strong> in der Fleischerei Günter Geißler in Dippoldiswalde.<br />

Bereits seit 44 Jahren bietet der <strong>Handwerk</strong>sbetrieb Produkte und Dienstleistungen für<br />

die Kunden an. Die Fleischerei ist zugleich Ausbildungsbetrieb und engagiert sich seit vielen<br />

Jahren im sozialen und gesellschaftlichen Bereich.<br />

64


Perlen des <strong>Handwerk</strong>s, in Sachsen sind eine ganze Reihe tätig. Der Leuchtenbauer #PaulLorenz<br />

gehört seit 1926 dazu, und man findet einen solchen Betrieb des Kunsthandwerks kaum in Europa<br />

wieder. Die hohe Kompetenz bildet sich aus der Erfahrungsweitergabe der Inhaberfamilie (eine<br />

weitere Generation bereitet sich vor) und dem hochqualifi zierten Mitarbeiterteam als #Praxiselite.<br />

Die vielen herrlichen Leuchten in den Schlösser, Burgen, Kirchen, Villen wollen strahlen. Restaurierung,<br />

Rekonstruktion, Neuherstellung, Sakralbeleuchtung – auf der Website www.Lorenz-Leuchten.de<br />

finden sich großartige Beispiele. Aktuelle Arbeiten erfolgen für das Klinikum und die Reichenbrander<br />

Kirche. Wir sind #stolz auf unsere sächsischen <strong>Handwerk</strong>er.<br />

#EINBLICK<br />

#handwerksachsen<br />

Im neuen EINBLICK-<strong>Magazin</strong> der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages beschäftigen<br />

wir uns mit dem #<strong>Handwerk</strong>. Wir stellen positive Beispiele dar, zeigen, was <strong>Handwerk</strong> leistet,<br />

und haben mit Praktikern gesprochen, wie wir als sächsische #Politik das <strong>Handwerk</strong> stärken<br />

können.<br />

Bei der Gelegenheit wurden wir auch nach dem #<strong>Handwerk</strong>er gefragt, den wir persönlich<br />

nicht vermissen möchten. Natürlich gibt’s da viele tolle #Beispiele.<br />

Aber ich habe mich für meinen #Friseur, Swen #Hennewadl, aus #Auerbach entschieden,<br />

der seit mehr als 20 Jahren dafür sorgt, dass ich ordentlich aussehe. Er hat kundenfreundliche<br />

Abendtermine für mich und begleitet meinen „Ergrauungsprozess“ immer mit einem<br />

Schmunzeln. Danke Swen.<br />

Habt ihr auch so einen <strong>Handwerk</strong>er, den ihr nicht missen möchtet? Dann kommentiert und<br />

verlinkt. Das <strong>Handwerk</strong> <strong>Handwerk</strong>skammer Chemnitz<br />

65


MIT LECKER<br />

BROT ZUM<br />

TIKTOKSTAR<br />

Ricardo Fischer ist Bäcker aus Leidenschaft. Dass er<br />

eines Tages Influencer wird, daran hat er selber<br />

nicht gedacht<br />

Über 340.000 Menschen folgen<br />

Bäcker Ricardo Fischer aus Lossatal<br />

bei Leipzig auf der Videoplattform<br />

TikTok im Internet.<br />

Backen ist Kunst – davon ist Ricardo Fischer aus Leipzig bis<br />

heute überzeugt. Der 40-Jährige hat 1997 seine Ausbildung<br />

begonnen. „Als Teenie wusste ich nicht, was ich werden<br />

will. Ich habe allerdings früh mein Talent fürs Backen und<br />

die Liebe zum Brot erkannt. Meine Mutter meinte dann: Gegessen<br />

wird immer. Somit habe ich mich für eine Ausbildung<br />

als Bäcker beworben“, erinnert sich der Bäckermeister<br />

mit einem Schmunzeln.<br />

Nur beim <strong>Handwerk</strong> sollte es allerdings nicht bleiben. Im<br />

Nebenberuf ist Ricardo Fischer heute auch eine Berühmtheit<br />

im Internet. Über 340.000 sogenannte Follower begeistern<br />

sich auf TikTok für die Videos des „Brotprofis“. „In einem Podcast<br />

einer <strong>Handwerk</strong>erzeitung hatte ein Experte über TikTok<br />

gesprochen. Ich kannte die Plattform noch nicht, war aber<br />

neugierig und habe die App heruntergeladen. Zunächst<br />

gab es nur Tanzvideos zu sehen, weshalb ich TikTok<br />

wieder zur Seite legte. Das Ganze hat mir aber keine<br />

Ruhe gelassen. Bei einer genaueren Stichwortsuche entdeckte<br />

ich schließlich Food-Blogger, aber keine Bäcker. Da dachte<br />

ich mir: Das machst du selbst!“, erinnert sich Ricardo Fischer.<br />

In seinen Videos verbindet der Brotprofi Spaß mit Informationen.<br />

„Ich fahre bei meinen Videos zweigleisig. Erstens<br />

möchte ich die Wertschätzung für Brot und das Bäckerhandwerk<br />

steigern. Zweitens richte ich mich an Hobbybäcker, von<br />

denen vielleicht der eine oder andere zu einer Ausbildung<br />

in meinem <strong>Handwerk</strong> inspiriert wird“, erklärt der Social-<br />

Media-Bäcker.<br />

Der <strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker Eric Dietrich lobt das Engagement<br />

des <strong>Handwerk</strong>ers aus Leipzig: „Es ist ein tolles Beispiel, wie<br />

man Tradition mit Digitalisierung verbinden kann und davon<br />

einen Marketingnutzen für sich gewinnt. Bäckermeister<br />

Ricardo Fischer hat mehr Follower und sinnvolleren<br />

Content als mancher hipper Mode-Influencer.“<br />

66<br />

Eric Dietrich<br />

<strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker


Genau wie bei seinem Brot legt Ricardo<br />

Fischer bei seinen Videos Wert auf Qualität.<br />

„Mir ist es wichtig, meine Ideen gut in Szene<br />

zu setzen“, sagt er.<br />

67


„Handarbeit hat Seele.“<br />

Frank Dommenz, Malermeister<br />

„Wer sein <strong>Handwerk</strong> von der Pike auf gelernt<br />

hat, hat bestes Rüstzeug für das Leben.“<br />

Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D.<br />

„Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker,<br />

sondern die <strong>Handwerk</strong>er.“<br />

Alfred Dregger, Politiker<br />

„Ein Land voller Soziologen nützt nichts,<br />

es muss auch jemand einen Hammer<br />

halten können.“<br />

Reinhold Würth, Unternehmer<br />

„Jedem Tun, jedem Handeln, jeder<br />

Kunst geht stets das <strong>Handwerk</strong> voraus,<br />

welches nur in der Beschränkung erworben<br />

wird.“<br />

Johann Wolfgang von Goethe<br />

„Ackerbau und <strong>Handwerk</strong> sind das Fundament<br />

der Kultur.“<br />

Albert Schweitzer<br />

cdu-fraktion-sachsen.de<br />

Tacheles! Politik im Klartext<br />

cdulandtagsfraktionsachsen<br />

@cdu_slt<br />

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