17.05.2022 Aufrufe

WOLL Elternratgeber Ausbildung + Karriere 2022/2023 Kreis Olpe

WOLL Elternratgeber Ausbildung + Karriere 2022/2023 Kreis Olpe

WOLL Elternratgeber Ausbildung + Karriere 2022/2023 Kreis Olpe

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Sonderausgabe

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Elternratgeber

Elternratgeber

2022/2023

2022/2023

Worte, Orte, Land und Leute.

Elternratgeber

Über 380

Ausbildungsplatzangebote

im Heft

Kreis Olpe

Ausbildung + Karriere

2022/2023

Praktikum?

Ausbildung?

FSJ?

Duales

Studium?

Der Elternratgeber zur

Berufsorientierung und

Ausbildungsplatzsuche

WOLL - mit Herz und Hand von


BEWIRB DICH JETZT!

Talente entdecken und fördern –

gemeinsam die Zukunft gestalten

Offene Ausbildungsplätze

findest Du unter:

EIBACH.DE/KARRIERE


Dirk Bannenberg

Herausgeber

Liebe Eltern,

Paul Senske

Chefredakteur

Vanessa Schulte

Projektleiterin

Sie sind der erste Ansprechpartner, wenn Ihr Kind die ger, auch Gewerkschaften, Handwerkskammern, IHKs

Schule abschließt und vor der (lebens-) entscheidenden und Unternehmensverbände setzen sich mit Nachdruck

Frage steht, was es jetzt machen soll. Um Ihr Kind dann dafür ein.

bestens beraten zu können, müssen Sie sich vorab natürlich

selbst informieren. Dazu können Sie sich entspre-

keine Kritik an der Entscheidung zu einem Studium. Des-

Das Fürsprechen für eine Duale Ausbildung ist allerdings

chende Fachliteratur besorgen und/oder viele Internetseiten

durchkämmen und Stellenanzeigen durchforsten. Das Fachbereich Ihr Kind eine akademische Laufbahn einhalb

zeigen wir auch einige Wege auf, wo und in welchem

kann sehr, sehr zeitaufwändig, manchmal auch überflüssig schlagen kann. Interessant war es zu erfahren, wie viele

sein.

Studiengänge auch ohne Abitur möglich sind. Denn nach

Jetzt halten Sie unseren Elternratgeber in der Hand – und dem Abschluss einer Berufsausbildung kann es in viele

sind damit auf dem besten Weg. Zwar können Sie Ihrem Richtungen weitergehen.

Kind die Entscheidung der Berufswahl nicht abnehmen Ausgerüstet mit unseren Informationen über finanzielle

- die muss es noch immer selbst fällen - aber mit Hilfe Aussichten, den Fachkräftebedarf, die Situation auf dem

dieser Lektüre und gemeinsamen Gesprächen können Sie Ausbildungsmarkt u.v.m. werden Sie als Eltern zum besten

Ratgeber für Ihr Kind und können, wie es die Schul-

ihm die Entscheidung auf jeden Fall erleichtern.

Nachdem wir schon mit dem ersten Elternratgeber vielen psychologin Dr. Jutta Padberg beschreibt, „den Jugendlichen

Schritt für Schritt in die Lage versetzen, selbst zu

Eltern und Jugendlichen bei dieser wichtigen Entscheidung

helfen konnten, haben wir uns dazu entschieden, entscheiden“. Denn darum geht es.

eine weitere Ausgabe herauszubringen. Was ist neu? Zum

Beispiel unser gut sortiertes Stellenverzeichnis. In unserem Wir wünschen Ihnen viel Freude an

Magazin finden Sie nicht nur umfangreiche Informationen

zu verschiedenen Berufen, sondern auch die passen-

einen guten Start in das Berufsleben.

unserem Magazin und Ihrem Kind

den Jobangebote.

Bei unseren Recherchen hat sich ganz klar herauskristallisiert,

dass es – unbedingt - eine gute Entscheidung ist, eine

www.imsauerland.de/elternratgeber

Duale Ausbildung zu machen. Dafür plädiert nicht nur

unsere Bundesbildungsministerin Bettina Stark Watzin-Kontakt:

Dirk Bannenberg

Paul Senske

Vanessa Schulte

redaktion-woll@axo.media

www.imsauerland.de/elternratgeber

WOLL Elternratgeber 2022 - 3


Inhalt

Praktikum?

Ausbildung?

FSJ?

Duales

Studium?

ELTERNINFORMATIONEN

06 Junge Menschen in Ausbildung bringen

10 WOLL wirkt!

14 Schulpsychologin Dr. Jutta Padberg

17 Eltern: Akademiker, Sohn: Handwerker

20 Podcast "Orientierbar"

22 Studieren vor der Haustür - FH Südwestfalen

24 Sterne im Sauerland

26 Azubi für Azubis

27 Josefsheim Bigge

28 Handwerkskammerpräsident Hendrik Schmitt

30 Gap Year Südwestfalen

32 Wollen Sie die Stelle oder Ihr Kind?

34 Studienausstieg als Chance

35 Vom Stift zum Azubi

36 Freie Ausbildungsplätze

im Kreis Olpe und Umland

50 Ausbildungsbegleiter Lothar Molin

52 Förderprogramm "Erasmus +"

54 Die rechte Hand des Apothekers

59 Präsident der IHK Siegen, Felix G. Hensel

75 Digitalisierung

85 Die Facetten des Praktikums

94 KAOA

96 Wo willst du was studieren?

98 Ausbildungsbotschafter

100 Schulverweigerer verlieren Lebenschancen

102 Geld ist längst nicht alles

104 Auszubildene starten in eine neue Ära

105 Fachkräftebedarf in Südwestfalen

ALLGEMEINES

03 Vorwort

04 Inhalt

106 Impressum

92 Wie wird man eigentlich...

34 - WOLL Elternratgeber

2022


3

1Elternratgeber

selbst lesen

2Berufswunsch

mit Ihrem Kind

ausgiebig

besprechen

Anzeigen und

Firmenportraits

gemeinsam

studieren

BERUFSFELDER

BAU, ARCHITEKTUR UND VERMESSUNG

38 Ausbildung zum Stuckateur

40 Ausbildung zum Straßenbauer - Trippe

41 Ausbildung bei Zimmermann Haus

ELEKTROTECHNIK

42 Ausbildung zum Elektroniker

PFLEGE UND GESUNDHEITSPRÄVENTION

44 Endlich kein Schulgeld mehr

45 Traumberuf Kinderkrankenpfleger

46 Start ins Berufsleben - auch mit

Handicap

PRODUKTION UND FERTIGUNG

48 Lehre als Gießereimechaniker

55 Mit Hammer, Beißzange

und CAD-System

METALL UND MASCHINENBAU

56 Ein Paradebeispiel für Integration

LANDWIRTSCHAFT, NATUR UND UMWELT

70 Hendrik wird Forstwirt

GASTRONOMIE UND DIENSTLEISTUNG

72 Vielfältiges Lernen in Hotellerie

und Gastronomie

76 Hauswirtschaft - Ein moderner Beruf

KUNST, GESTALTUNG, MEDIEN

79 Studiengang Design- und

Projektmanagement

COMPUTER UND IT

99 Ausbildung zum Gamedesigner

82 Ausbildung zum Informatiker

SOZIALES UND PÄDAGOGIK

86 Ausbildung Erzieher PIA

88 Ausbildung Erzieher

- Gemeindeverband Mitte

WIRTSCHAFT, VERWALTUNG UND HANDEL

62 Ausbildung zum Industriekaufmann

66 Von Beruf Polizistin

68 Einzelhandel bietet glänzende Chancen

WOLL WOLL Elternratgeber Elternratgeber 2022 - 54


Adobe Stock

Rund 330 Ausbildungsberufe: Plädoyer für die duale Ausbildung

JUNGE MENSCHEN IN

AUSBILDUNG BRINGEN

Es

ist ein eindringliches Plädoyer: „Jeder

junge Mensch, der ohne Ausbildung bleibt,

ist einer zu viel. Unser Ziel ist es, deutlich

mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen“, sagte

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger

Ende letzten Jahres bei der Präsentation der Ausbildungsmarktbilanz

2021, die mit 473.100 neuen Verträgen

eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr

aufweist. Die Zahl der noch offenen Ausbildungsstellen

stieg aber um gut fünf Prozent auf 63.200. „Mich

besorgt, dass Betriebe weiterhin von Schwierigkeiten

bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen berichten“,

so die FDP-Ministerin, die selbst in einer Handwerker-Familie

in Bad Soden (Taunus) aufgewachsen ist.

In der Tat: Der Arbeitsmarkt ist - auch wenn Corona die

Tendenz abgeschwächt hat – aufnahmefähig wie seit Jahrzehnten

nicht. Das gilt auch und besonders für unsere

Region mit der starken industriellen und handwerklichen

Infrastruktur und über 100 Weltmarktführern. Allein der

Blick auf die Stellenangebote zeigt: Die Arbeitgeber buhlen

buchstäblich um Nachwuchs mit einer dualen Ausbildung.

Die Verhältnisse haben sich umgekehrt: Noch

vor rund 20 Jahren hatten es Schulabgänger schwer, einen

Ausbildungsplatz zu bekommen. Heute findet eine Vielzahl

an Betrieben keine Kandidaten mehr oder sie müssen

auf die „Wartebank“, ehe sie vor allem geeignete Bewerberinnen

und Bewerber finden. Die Folgen sind volkswirtschaftlich

groß: „Fehlende Auszubildende von heute sind

der Fachkräftemangel von morgen. Unser Land braucht

schon heute dringend mehr Fachkräfte“, betont die Bundesbildungsministerin.

„Ich kann jungen Menschen daher

nur raten, die Chance einer Ausbildung zu ergreifen.“

6 - WOLL Elternratgeber 2022


Foto: Adobe Stock_300103402

Paul Senske

Berufliche Orientierung hat die Schulen

lebensnäher gemacht

Mit diesem Appell ist Stark-Watzinger nicht allein. Unternehmensverbände,

Gewerkschaften, Handwerkskammern,

IHks, um nur einige Player zu nennen, nehmen

sich mit Nachdruck dieses Themas an. Das gilt auch für

die Schulen wie die in NRW mit der Initiative „Kein

Abschluss ohne Anschluss – Übergang Schule – Beruf

(KAoA)“. Diese berufliche Orientierung hat die Schulen

lebendiger und vor allem lebensnäher gemacht.

Dennoch ist die Zahl der Schüler, die ein Studium beginnen,

weiterhin auf einem hohen Niveau. Das Bundesinstitut

für Berufsbildung hatte vor Jahren einen wachsenden

Mangel an Azubis und einen deutlichen Überhang

an Akademikern prognostiziert. Auch wenn die Zahlen

schwanken und Prognosen eben nur „Prognosen“ sind: Im

Zeitraum 2020 - 2030, so das Institut, könnten rund vier

Millionen Arbeitsplätze der nicht-akademischen Fachkräfte

nicht wieder besetzt werden. Demgegenüber werde

der Bedarf an Akademikern weit übertroffen. Diese

Prognosen decken sich in etwa mit Schätzungen anderer

Institute und Einrichtungen. Eine mögliche Folge: Das

Wirtschaftswachstum könnte (dramatisch) einbrechen

mit Konsequenzen für den Standort Deutschland. Andreas

Rother, der Präsident der IHK Hellweg-Sauerland,

hatte zuletzt im WOLL-Interview klargestellt, „dass wir

in der Wirtschaft im Verhältnis einen Akademiker und

zehn Facharbeiter benötigen. Dabei machen 50 Prozent

der Jugendliche Abitur und studieren. Die Ausbildung

muss jungen Menschen auch Spaß machen.“

„Akademisierungswahn“

In der Wirtschaft wird zunehmend von einem „Akademisierungswahn“

gesprochen. Der Münchner Philosoph

WOLL Elternratgeber 2022 - 7


Julia Nida-Rümelin hatte schon vor Jahren darauf hingewiesen

und mit dieser Formulierung für Gesprächsstoff

gesorgt. Anders ausgedrückt: Die duale Ausbildung mit

immerhin rund 330 anerkannten Ausbildungsberufen hat

offensichtlich ein Imageproblem. Hintergrund ist eine -

so Bildungsexperten - lange einseitig geführte Bildungsdebatte:

Dabei geht es auch und besonders um Wertmaßstäbe:

„Heutzutage befinden sich viele Eltern in dem

Irrglauben, nur ein Studium sichere ihren Sprösslingen

eine gute Startposition ins Berufsleben“, hatte Dorothea

Siems, promovierte Volkswirtin und Chefökonomin der

„WELT“ in einem Beitrag Mitte 2018 geschrieben. „Fast

jedem zweiten jungen Erwachsenen steht die Hochschule

offen. Häufig allerdings folgt später der Realitätsschock.

Denn das Abitur bedeutet zwar eine Studienberechtigung,

aber anders als früher keineswegs immer auch die Studienbefähigung.“

Durch den Trend zum Studium habe die

klassische Ausbildung zunehmend an Ansehen verloren.

Festzustellen ist zudem, dass die Betriebe bei der Rekrutierung

der Auszubildenden nicht nur gegenüber den Universitäten

Probleme haben. Auch die Berufsfachschulen mit

ihrer meist dreijährigen Ausbildung des Nachwuchses zu

Pflegefachkräften oder Erziehern erfahren immer mehr an

Akzeptanz, der Fachkräftemangel in diesen vorwiegend

sozialen Berufen ist immens. Zudem geht auch die Akademisierung

besonders im Handwerkerbereich voran, ein

Bachelor-Abschluss ist eine nicht seltene Voraussetzung.

Extratipp zur Berufsfindung

„Wir wollen eine Exzellenzinitiative Berufliche

Bildung auf den Weg bringen“ (Bundesbildungsministerin

Bettina Stark-Watzinger)

„Das Studium ist keineswegs der einzige Weg.

Bildung hat viele Facetten“ (Dorothea Siems,

Chefkorrespondentin für Wirtschaft und Politik

der WELT)

Unabhängig von diesem Konkurrenzkampf ist und bleibt

die duale Ausbildung mit Schule und Berufspraxis ein

Erfolgsmodell. Sie gehört zu den Stärken des deutschen

Bildungssystems. Eine Folge, so Arbeitsmarktexperten, ist

die extrem niedrige Jugendarbeitslosigkeit. Ein Vergleich:

Großbritannien mit zwei Spitzenuniversitäten, einer wesentlich

höheren Akademikerquote als Deutschland, hat

bei ähnlichen ökonomischen Bedingungen eine deutlich

höhere Jugendarbeitslosigkeit. Nicht nur im europäischen

Ausland zeichnet sich die Tendenz ab, das deutsche duale

Berufssystem zumindest in Grundzügen zu etablieren.

Ein wesentliches, insbesondere soziales Kriterium kommt

in der Bundesrepublik hinzu: Hier erhalten auch lernschwache

Jugendliche eine Chance. Viele Unternehmen

bereiten diese jungen Menschen u. a. durch Nachhilfekurse

auf die Lehrzeit vor. Auch Sozialarbeiter stehen bereit.

Die angehenden Lehrlinge werden in diesem Übergangssektor

für die Ausbildung vorbereitet. Insgesamt zeichnet

sich folgende Tendenz ab: Unternehmen begreifen sich

auch als Bildungsstätten mit lebenslangem Lernen in

Theorie und Praxis.

8 - WOLL Elternratgeber 2022


Auslandsaufenthalte bringen Vorteile, gerade vor dem

Hintergrund der Globalisierung, die auch den deutschen

Mittelstand zunehmend betrifft.

Viel diskutiert wird auch die Frage: Wer verdient später

mehr, ein Facharbeiter oder ein Akademiker? „Ein akademischer

Abschluss bietet keinesfalls die Gewähr dafür,

dass man später ein höheres Einkommen oder einen krisenfesteren

Beruf hat“, betont WELT-Chefökonomin Dorothea

Siems. „Ein Facharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie

verdient im Lauf der Jahre rund 55.000 Euro“,

sagt Dr. Volker Verch, Geschäftsführer des heimischen

Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte und spricht von

„auskömmlichen Einkommen“ in dieser Branche. Insgesamt

bleibt aber zu konstatieren, dass man mit einer akademischen

Ausbildung später in „höhere Positionen mit

entsprechendem Verdienst“ kommen kann. Auch die Einstiegsgehälter

sind in der Regel höher.

Foto: Adobe Stock_288563548

Was vielen Jugendlichen besonders gefüllt, ist die frühe

Einbindung der Praxis, in der sich gerade lernschwache

Azubis wohl fühlen. Die Schulexperten der Arnsberger

Bezirksregierung sind sich einig: Es gibt niemanden, der

nichts kann. Es gibt nur den individuellen Weg. Egbert

Neuhaus, Chef des Unternehmensverbandes Westfalen-

Mitte mit Sitz in Neheim und Hamm, bezeichnet die soziale

Verantwortung so: „Die soziale Herkunft darf kein

Kriterium sein.“

In der Politik hat man die Zeichen der Zeit erkannt: „Die

Bundesregierung wird ihren Beitrag leisten, dass sich mehr

Jugendliche für eine Ausbildung entscheiden“, erklärt Bundesbildungsministerin

Stark-Watzinger. „So wollen wir

eine Exzellenzinitiative Berufliche Bildung auf den Weg

bringen, um Ausbildung deutlich attraktiver zu machen.

Darüber hinaus wollen wir einen Pakt zur Stärkung und

Modernisierung berufsbildender Schulen auflegen und

die Berufsorientierung flächendeckend ausbauen.“ Mit der

Exzellenzinitiative sollen die besten Ideen zur Zukunft der

beruflichen Bildung mit hochrangigen Auszeichnungen

und mehrjährigen Zuschüssen gefördert werden.

Übrigens: 2005 war eine Exzellenzinitiative des Bundes

und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung

ins Leben gerufen worden. Das Studium als ein

Weg zu einer hohen beruflichen Qualifizierung. „Das

Studium ist aber keineswegs der einzige Weg“, erklärt Dorothea

Siems. „Bildung hat viele Facetten.“ Dazu gehört

auch die duale berufliche Ausbildung. ■

Ein starkes Kriterium beim Plädoyer für die duale berufliche

Ausbildung ist die Möglichkeit, sich weiterzubilden.

Die Berufsausbildung, in der die Jugendlichen schon früh

Geld verdienen, ist eine sehr gute Basis, um später die

Karriereleiter zu erklimmen. Es gibt viele Optionen. Auch

WOLL Elternratgeber 2022 - 9


WOLL WIRKT!

Matthias Koprek

Annkristin Brunnert wurde durch den WOLL Elternratgeber

auf den Ausbildungsbetrieb aufmerksam.

Als Annkristin von der Schule heimkehrt, zeigt

ihre Mutter ihr einen Artikel im WOLL Elternratgeber

Ausbildung + Karriere. Das Magazin

wurde bereits kurz nachdem der Postbote es ins

Haus gebracht hat, eifrig studiert. Annkristins Mutter

deutet auf einen Artikel, in dem Andrea Kemper von

ihrer Ausbildung als Zerspanungsmechanikerin bei

IMI Hydronic Engineering in Erwitte berichtet. „Hier

kannst du dich doch auch mal bewerben!“ – mit diesen

Worten nahm alles seinen Lauf.

Ausbildung statt Abitur

Annkristin wusste da schon, was sie wollte. „Ich habe

versucht mein Abitur zu machen, in der 11. Klasse aber

festgestellt, dass das nichts für mich ist. Ich wollte eine

Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin machen und

eigenes Geld verdienen, da kam der Artikel gerade gelegen“,

erzählt sie.

Obwohl Annkristin da schon unzählige Bewerbungen geschrieben

hatte und durch ihren Abgang vom Gymnasium

spät dran war, klappte nach der Bewerbung bei IMI alles

wie am Schnürchen. Sie wurde zum Vorstellungsgespräch

eingeladen und hat am Einstellungstest teilgenommen.

Nach einem zweiten Gespräch erhielt sie die Zusage für

ihren Wunsch-Ausbildungsplatz. In den Sommerferien

machte sie vorab ein zweiwöchiges Praktikum und konnte

dabei bereits tiefer in ihr zukünftiges Tätigkeitsfeld eintauchen.

„Der Beruf der Zerspanungsmechanikerin ist ziemlich

deckungsgleich mit dem des Industriemechanikers. Man

lernt in der Ausbildung dasselbe. Nach der Ausbildung befassen

sich Zerspanungsmechaniker aber eher mit CNC-

Maschinen und müssen dafür auch Programme schreiben.

Das finde ich wirklich spannend und freue mich schon

darauf“, erklärt Annkristin.

„Ich will etwas mit meinen Händen schaffen“

Ihre Lieblingsbeschäftigung ist bisher das Drehen. „Ich

stehe vor einer riesengroßen Maschine, spanne dort mein

Metallteil in das Futter ein und starte die Maschine. Das

Teil dreht sich dann sehr schnell und ich kann es mit verschiedenen

Bearbeitungsstählen formen. Im Moment bin

ich dabei, einen Fernsehturm zu drehen“, beschreibt Annkristin

ihre Aufgabe in der Dreherei. „Mein Dreher kann

wirklich richtig gut erklären und hilft mir bei allen Schritten.

Das macht Spaß!“

Für Annkristin war klar: „Ich möchte nicht jeden Tag dasselbe

machen und etwas mit meinen Händen schaffen.“

Dank WOLL hat sie dafür nicht nur den richtigen Ausbildungsberuf,

sondern auch den passenden Ausbildungsbetrieb

gefunden. ■

10 - WOLL Elternratgeber 2022


Dauer Art Gehalt (rd.) Voraussetzug Status

Verwaltungswirt*in 2 Jahre Ausbildung 1.300 € Fachoberschulreife Beamte*r

Regierungsinspektor*in (LL.B.) 3 Jahre duales Studium 1.350 € FH-Reife/Abitur Beamte*r

Verwaltungsfachangestellte*r 3 Jahre Ausbildung 1.100 € Fachoberschulreife Tarifbeschäftige*r

Fachinformatiker*in 3 Jahre Ausbildung 1.100 € Fachoberschulreife Tarifbeschäftige*r

Verwaltungsinformatiker*in (B. A.) 3 Jahre duales Studium 1.350 € FH-Reife/Abitur Beamte*r

Verwaltungsinformatiker*in (B. Sc.) 4 Jahre duales Studium 1.350 € FH-Reife/Abitur Beamte*r

Vermessungstechniker*in 3 Jahre Ausbildung 1.100 € Fachoberschulreife Tarifbeschäftige*r

WOLL Elternratgeber 2022 - 11


12 - WOLL Elternratgeber 2022


WOLL Elternratgeber 2022 - 13


Berufs- und Ausbildungswahl

als Thema für die Schulpsychologie

„Den Jugendlichen Schritt für Schritt

in die Lage zu versetzen, selbst zu

entscheiden - darum geht es.“

Christel Zidi

Vanessa Schulte

Auch, wenn bei der Arbeit der Schulpsychologen

die Frage nach der Ausbildungswahl

nur selten im Mittelpunkt steht, haben sie

bei der Vorbereitung doch eine wichtige Funktion.

Dr. Jutta Padberg, seit 2014 Leiterin der Regionalen

Schulberatungsstelle für den Hochsauerlandkreis, hat

uns von ihren Erfahrungen berichtet.

„Schulpsychologische Beratung ist nicht Berufsberatung“,

stellt die Schulpsychologin denn auch gleich zu Beginn

klar. „Wir Schulpsychologen beraten gemeinsam mit

Lehrkräften und Eltern eher über Fragen wie: Wie können

Schülerinnen und Schüler gestärkt und unterstützt

werden? Wie können hilfreiche Bedingungen für eine

möglichst gesunde Entwicklung geschaffen werden? Wie

helfen wir jungen Menschen dabei, Lernmotivation beizubehalten

und die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters

zu bewältigen? Was braucht es, wenn der Prozess der

Berufsfindung in einer Sackgasse gelandet ist? Mit „wir“

schließt Dr. Jutta Padberg die Fachkräfte der Schulsozialarbeit

ein, die an vielen Schulen tätig sind und die die

Schüler nicht benoten müssen. In der Beratungsstelle steht

nur selten die konkrete Frage nach einer bestimmten Ausbildungswahl

im Mittelpunkt. „Hier sind andere Akteure

gefragt und auch näher an der Thematik. Schülerinnen

und Schüler finden in ihren Schulen in der Regel gute

Angebote und Ansprechpartner, z. B. auch die Koordinatorinnen

und Koordinatoren für Berufliche Orientierung,

die an jeder Schule benannt sind.“

14 - WOLL Elternratgeber 2022


„Lehrkräfte unterstützen Kinder und Jugendliche

darin, eine Art ‘Wissen über sich selbst’

zu gewinnen“

„Der schulische Unterstützungsbeitrag zur Berufswahl hat

sich in den vergangenen Jahren systematisch weiterentwickelt“,

so Dr. Padberg. „Das Ziel ‚Kein Abschluss ohne

Anschluss’ wird durch das landesweite Übergangssystem

Schule-Beruf flächendeckend verfolgt. Schüler aller Schulformen

und Schulen in NRW können somit durch Potentialanalysen,

Berufsfelderkundung und Praktika Schritt

für Schritt herausfinden, worin die eigenen Stärken und

Neigungen bestehen und in welchen Berufsbereich diese

Stärken möglicherweise besonders gut eingesetzt werden

können.“

Zunächst einmal geht es allerdings oft darum, die Lust

der Jugendlichen an der Berufsorientierung zu wecken

und ihre Berufswahlkompetenz zu fördern: „Lehrkräfte

unterstützen Kinder und Jugendliche auch unabhängig

von konkreten Berufswahlprojekten und schon früh im

schulischen Alltag durch persönliche, stärkenorientierte

Rückmeldungen darin, eine Art ‚Wissen über sich selbst’

zu gewinnen und zu erkennen, wo andere sie als kompetent

und bereichernd wahrnehmen.“

Damit sie dies später mit dem Wissen über bestimmte Berufe

zusammenbringen können, ist es wichtig, so die Schulpsychologin,

„dass die Jugendlichen sich als selbstwirksam

erleben, also grundsätzlich die Erfahrung machen,

handlungsfähig zu sein, gute Entscheidungen treffen und

auch mit kleinen Rückschlägen umgehen

zu können. Diese Erfahrungen

werden

Dr. Jutta Padberg ist Leiterin der Regionalen

Schulberatungsstelle für den Hochsauerlandkreis

gleichermaßen über Kindheit und Jugend hinweg

in Schule und Elternhaus gemacht.“ Grundsätzlich

ergänzen sich dabei zwei „Expertensysteme“:

„Lehrkräfte bringen ihr pädagogisches Wissen und ihre

Erfahrung mit vielen Jugendlichen in Gruppen- und

Leistungssituationen in die Begleitung der Schülerinnen

und Schüler ein. Zusammengeführt wird dies mit den

Beobachtungen und Einschätzungen der Eltern, die immer

Experten für ihr eigenes Kind sind. Beides zusammen

kann eine hilfreiche Ausgangsbasis für die Jugendlichen

sein, sich mit den nicht immer einfach zu überblickenden

Möglichkeiten auf dem Berufs- und Ausbildungsmarkt

auseinanderzusetzen.“

Eltern als „Expertinnen und Experten für ihr Kind“

Neben den schulischen Unterstützungsstrukturen und

Expertinnen kommt den Eltern der Jugendlichen als

„Experten für ihr Kind“ also eine besondere Bedeutung

zu. Sie sind in dieser Phase wichtige „Prozessbegleiter“ für

ihr Kind. „Das heißt, dass sie nicht die Entscheidung über

den geeigneten Beruf oder Ausbildungsplatz treffen, sondern

als Unterstützer ihrem Kind helfen, die Rahmenbedingungen

zu schaffen, die es braucht, um eine gute Entscheidung

treffen zu können“, so Jutta Padberg.

Diese Unterstützung kann sich z. B. auf den informationellen

Bereich beziehen (Woher kannst Du notwendige

Informationen bekommen? Wen könntest Du fragen?

Wie kannst Du mit Schwierigkeiten auf diesem Weg

umgehen?), aber auch ganz praktisch instrumentellermaterieller

Natur sein (Ich fahre Dich zum Praktikum,

helfe Dir dabei, Unterlagen zusammenzustellen, vermittle

Dir einen Kontakt usw.). „Nicht zu unterschätzen ist darüber

hinaus die emotionale Unterstützung durch die Eltern

(Zuhören, über Sorgen sprechen können und Verständnis

und Trost erfahren). Das gibt Jugendlichen

Sicherheit, ebenso wie die Rückmeldungen der Eltern

darüber, welche Stärke, Fähigkeiten und Bedürfnisse

sie bei ihrem Kind sehen. Die Erfahrung, dass ihre

Eltern ihnen die erfolgreiche Bewältigung der einzelnen

Schritte zutrauen und gleichzeitig quasi die

Leitplanken und manchmal den Anstoß dafür liefern,

dass der Prozess weiter vorangeht, hilft. Den

Jugendlichen Schritt für Schritt in die Lage zu versetzen,

selbst zu entscheiden, darum geht es.“

WOLL Elternratgeber 2022 - 15


„Nicht zu unterschätzen ist die

emotionale Unterstützung der Eltern“

(Dr. Jutta Padberg)

„Der Druck, die beste Entscheidung treffen zu

müssen, kann Unsicherheit auslösen“

Eltern sind also wichtige Akteure in diesen Fragen. Dr.

Padberg weiß, dass das Thema Berufswahl auch häufig

eher von den Eltern als von den Jugendlichen angestoßen

wird. Und zwar meistens dann, wenn die Kinder 14 bis 15

Jahre alt sind: „Für viele Jugendliche scheint das Berufsleben

dann noch weit entfernt zu sein. Die nächste Klassenarbeit

ist konkret und drängend, die Frage, welchen der

vielen potenziell zur Auswahl stehenden Berufe man in einigen

Jahren oder einem Jahr ergreifen möchte, erscheint

unkonkreter und schwerer zu greifen zu sein. Insbesondere

dann, wenn viele Optionen offen zu stehen scheinen, kann

der Druck, „die beste Entscheidung“ treffen zu müssen,

Unsicherheit auslösen. Oft ist auch die Selbsteinschätzung

darüber schwierig, welcher Beruf wirklich zu einem passt.

Allerdings können wir hierbei nicht von „den“ Jugendlichen

allgemein sprechen, denn unterschiedliche Jugendliche

gehen den Prozess der

Berufswahl selbstverständlich

auch unterschiedlich an. Studien zu

den Lebenswelten von Jugendlichen (wie die Sinus-Studie,

2020) zeigen aber, dass es der Mehrzahl der Jugendlichen

wichtig ist, einen Beruf zu haben, der Spaß macht und

abgesicherte Lebensverhältnisse sowie Gesundheit und

die Vereinbarkeit mit dem Privatleben ermöglicht – das

ist den meisten Jugendlichen heute wichtiger als Status,

Erfolg und Aufstieg. ■

Die Beratungsstelle steht in gemeinsamer Trägerschaft

von Land NRW und Hochsauerlandkreis,

derzeit versorgen vier Schulpsycholog:innen

und eine Lehrkraft alle Schulformen und Schulen

im HSK

Zeit, das Richtige zu tun.

Beim Bundesfreiwilligendienst haben alle die Chance, das Richtige zu tun:

für Kinder und Jugendliche, für Flüchtlinge, Senioren, Menschen mit

Behinderung, für Kultur, Sport, Integration und Umweltschutz.

Seien Sie dabei!

www.bundesfreiwilligendienst.de

16 - WOLL Elternratgeber 2022


„HANDWERK

IST MEIN

DING“

Eltern: Akademiker

Sohn: Handwerker

Sabina Butz

Tom Linke

F

elix Wildermann, 17 Jahre

alt, im zweiten Lehrjahr

Auszubildender zum Anlagemechaniker

für Sanitär-, Heizungs-

und Klimatechnik strahlt

und wiederholt gern seine Aussage:

„Handwerk ist mein Ding“. Man

nimmt es dem Sohn einer Lehrerin

und eines Mitarbeiters des größten

deutschen Bildungsunternehmens,

ebenfalls studierter Lehrer, gern

ab, zumal er offen und voller Engagement

berichtet, wie es dazu kam:

„Schon als Kind habe ich gern gebastelt

und mich handwerklich beschäftigt,

später am PC getüftelt und

für IT interessiert. Meine Eltern fanden

das erstaunlich, weil sie selber eher

keine Tüftler und nicht hand werklich

interessiert sind. Sie haben mich immer

unterstützt und mir das Gefühl

gegeben, meine Neigungen und

Vorlieben seien etwas Wunderbares.

Meine Eltern haben mir vorge lebt,

dass Handwerk und akademische Bildung

keine Gegensätze, sondern eine

sich ergänzende Einheit bilden. Eine

Wertung oder gar Abwertung des

einen oder anderen Berufszweiges ist

mir bis heute fremd!“

Die beste Ausbildung für Kinder

muss nicht die Ausbildung der

Eltern widerspiegeln

Diese Einstellung scheint nicht mit

der Statistik deutscher Berufsausbildungen

zu korrespondieren: Insgesamt

gibt es 2021 ca. 2,94 Millionen

Studierende in Deutschland und rund

363.000 Auszubildende im Handwerk.

Das Verhältnis von Studenten aus

akademischen und nicht akademischen

Elternhäusern nähert sich erfreulicherweise

an. Aber die zugrunde

liegenden Zahlen relativieren diese

gute Nachricht, denn von 100 Grundschulkindern

nichtakademischer Familien

nehmen nur 21 ein Studium auf,

bei den Kindern aus akademischen

Familien sind es 74. Die Gründe sollen

hier nicht diskutiert werden, aber

es gilt als sicher, dass die familiäre Herkunft

immer noch über den Bildungsweg

mitentscheidet.

WOLL Elternratgeber 2022 - 17


Anne und Tobias Wildermann mit ihrem Sohn Felix

Es ist also überwiegend so, dass ein

Kind, dessen Eltern eine akademische

Ausbildung abgeschlossen haben, eher

eine Hochschulausbildung anstrebt,

während ein Kind aus einer nicht

akademischen Familie eher eine entsprechende

z. B. handwerkliche Ausbildung

wählt.

Unser Bildungssystem ist vielfältig

und immer nach oben offen

Vater Tobias Wildermann ergänzt:

„Unser Bildungssystem ist extrem

vielfältig und immer für weitere Bildungsmöglichkeiten

offen. Niemand

muss sich in jungen Jahren auf einen

Beruf festlegen und den dann für

den Rest seines Lebens ausüben. Ein

Ausbildungsberuf steht doch nicht

in Konkurrenz zu einem Studium,

sondern ist einfach eine Option von

vielen, die leider viel zu selten genutzt

wird. Deshalb ist es wichtig, einen jungen

Menschen bei seiner Berufs- bzw.

Ausbildungs wahl zu begleiten und zu

unterstützen, ohne ihn mit den eigenen

Wunschvorstellungen unter

Druck zu setzen.“

Mutter Anne Wildermann sieht das

ganz ähnlich: „Für uns war es wichtig,

Felix bei seiner Ausbildungswahl mit

Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir

haben ihn ermutigt, so viele Einblicke

in verschiedene Berufe zu nehmen,

wie irgend möglich. Praktika und

Schnuppertage in den verschiedensten

Bereichen sind der beste Weg,

herauszufinden, wo man hinmöchte.

Die Entscheidungen hat Felix aber

allein getroffen, und darauf sind wir

auch ein wenig stolz.“

Ein erstaunlich reifer und verantwortungsbewusster

junger Mann

Sohn Felix bestätigt die Aussagen

seiner Eltern: „Bei mir ist schon mit

14 Jahren die Entscheidung für eine

hand werkliche Ausbildung gefallen,

die ich mit 16 begonnen habe.

Besonders hilfreich ist:

www.karriere-hier.de

Extratipp von Felix:

Macht so früh wie möglich verschiedene

Praktika und sammelt

alle Zertifikate und Vereinsbescheinigungen.

Sie helfen bei der

Bewerbung!

In meinem Betrieb fühle ich mich

ausgesprochen wohl. Besonders die

wöchentlich wechselnde Teamarbeit

gefällt mir gut. Auch in die Berufsschule

gehe ich gern. Unter 17

Azubi-Kollegen, die alle etwas lernen

wollen, herrscht ein ganz anderer

Ton und eine verantwortungsvollere

Arbeitseinstellung als auf der

Regelschule. Wir wissen, was wir wollen,

und dann macht das Lernen auf

einmal richtig Spaß.“

18 - WOLL Elternratgeber 2022


1. APRIL

1. AUGUST

1.OKTOBER

KARRIERESTART

IM KLINIKUM

WIR SUCHEN AUSZUBILDENDE

Nebenbei engagiert sich Felix in der Freiwilligen Feuerwehr,

ein Hobby, das zu diesem zielstrebigen und erwachsenen

jungen Mann passt.

„Das ist doch Unsinn“

Von negativen Reaktionen im sozialen Umfeld wissen weder

Vater, Mutter noch Sohn zu berichten: Tobias Wildermann:

„Das ist doch Unsinn. Es geht doch um die Zukunft unseres

Sohnes und nicht um ein vermeintliches Sozialprestige

akademisch gebildeter Eltern.“ Seine Frau assistiert: „Zum

Glück haben wir so etwas überhaupt nicht erlebt, und das

ist gut so.“

Reden, reden, reden

Tipps für Eltern und Jugendliche auf der Suche nach einem

Ausbildungsplatz:

Reden, reden, reden, herausfiltern, was den jungen Menschen

tatsächlich interessieren könnte. Ihm immer die

Entscheidung überlassen, konstant an seiner Seite stehen.

Felix Wildermann: „Wichtig ist, jede, wirklich jede Gelegenheit

zum Kennenlernen eines Berufs wahrzunehmen.

Heute gibt es so viele Angebote, man muss sie nur finden

(siehe Infokasten) und dann mutig loslegen.“ ■

Ausbildung zum Pflegefachmann /

zur Pflegefachfrau (m/w/d) in Voll- und Teilzeit

Was bringst Du mit?

• Du hast die Fachoberschulreife oder eine sonstige

zehnjährige allgemeine Schulbildung

• Den richtigen Mix aus Teamgeist, Flexibilität, Empathie

und Offenheit im Umgang mit unseren Patient:innen

• Du bist mobil, um die Standorte erreichen zu können

Was erwartet Dich bei uns?

• Du arbeitest mit Menschen, daher ist kein Tag wie der

andere. Zudem übernimmst Du unterschiedliche Aufgaben

– von der Pflege über medizinische Tätigkeiten bis

hin zu sozialen Interaktionen

• Teamwork ist in der Pflege unverzichtbar. Du arbeitest

mit Deinen Patient:innen, Kolleg:innen, Gesundheitsexpert:innen

eng zusammen

• Du lernst die vielfältigen Aufgabenfelder des Pflegeberufs

kennen, arbeitest mit modernster Pflege und Medizin

• Wir bieten Dir einen sicheren Arbeitsplatz mit hoher

Übernahmechance im Anschluss an Deine Ausbildung

Ausbildungsvergütung Pflege in Vollzeit: 1.190,69 €

(1. Ausbildungsjahr), 1.252,07 € (2. Ausbildungsjahr)

1.353,38 € (3. Ausbildungsjahr)

• Wir bieten Dir zahlreiche Benefits (Details über QR-Code)

Bitte bewirb Dich online

unter www.klinikumhochsauerland.de/jobs

oder per E-Mail an:

Welche Perspektiven gibt es für Dich?

Wenn Du höher hinaus willst, stehen Dir viele Möglichkeiten

offen. So unterstützen wir die Ziele unserer Auszubildenden

und fördern mit umfassenden Fort- und Weiterbildungmöglichkeiten.

NEU ist das Studium Pflege B.A. am FOM Hochschulzentrum

in Arnsberg. Das Studium kann ausbildungsund

berufsbegleitend erfolgen und dauert (bei Anrechnung

der Ausbildung) 5 Semester. Ein Start ist nach dem ersten

Ausbildungsjahr oder im Anschluss

an die abgeschlossene

Ausbildung möglich. Bei geeigneter

Qualifikation bieten wir Dir

ein Stipendium.

Ansprechpartnerin

Frau Anna Wiese

Personalentwicklung

02932 980-248140

A.Wiese@klinikumhochsauerland.de

Zum 1.8. und 1.10. startet zusätzlich die einjährige

Ausbildung zur Pflegefachassistenz! Weitere Infos

findest Du auf unserer Homepage!

Alle Infos: www.klinikum-hochsauerland.de/karriere

WOLL Elternratgeber 2022 - 19


Podcast „Orientierbar“ des Netzwerks Karriere-hier

IN GEDANKEN SCHON

EINEN SCHRITT VORAUS

Ganz im Hier und Jetzt zu sein, unbeschwert den Augenblick genießen – das hört

sich verlockend an. Und ist meistens auch durchaus sinnvoll. Gedanken an die

Zukunft, speziell an die berufliche Zukunft, sind hingegen oft schwer. Vor allen

Dingen, weil sie besonders für junge Menschen - noch - mit Ungewissheit verbunden

sind.

Wenn es um die berufliche

Entscheidungsfindung

geht,

kann der Podcast

„Orientierbar“, der

am 15.03.2021 an

den Start gegangen ist,

weiterhelfen. Azubis, Ausbilder,

Lehrer und viele weitere

Experten aus der Praxis

zeigen Wege in die Karriere

auf und beantworten Fragen,

auch für die engsten Begleiter.

Authentisch, echt und ausführlich

werden in kurzen,

spannenden Folgen sämtliche

Themen rund um Beruf, Bewerbung

und Azubi-Alltag hörbar gemacht. Aktuell gibt es

im Podcast 18 Folgen. Gedanklich einen Schritt voraus zu

sein, hilft bei der Entscheidungsfindung. Denn wer sich für

einen Beruf entscheidet, denkt nicht nur an die nächsten

drei Jahre, sondern auch an die Zeit nach der Ausbildung.

Da kommen Fragen auf wie:

• Welche Möglichkeiten bieten sich mir mit meinen neu

erworbenen Fähigkeiten?

• Welche Perspektiven und erfolgreichen Karrierewege gibt

es in der Region?

• Kann ich mich auch selbständig machen?

Nehmen wir nur einmal das Thema Selbstständigkeit. Wie

alt muss ein Firmenchef sein? Mindestens Ende Zwanzig,

wahrscheinlich noch älter. Nach der Ausbildung direkt in

die Selbständigkeit zu gehen? Für diesen Schritt muss man

kein Träumer sein, sondern eher realistisch mit klaren Zielen.

In Folge 13 - „Nach der Ausbildung geht´s selbständig

weiter“ - unterhalten sich zwei junge Sauerländer mit Ines

Holtmann darüber, wie sie diesen Weg erfolgreich gehen

konnten: Christian Schulte vom Hofladen Sauerland in

Arnsberg und Niklas Fleischhauer von der Alleslöser Eventagentur

aus Sundern. In dieser Folge geht es auch darum,

welche Inhalte der Ausbildung für die jungen Gründer

hilfreich waren. Und ob es wirklich stimmt, dass man als

Selbstständige:r selbst und ständig arbeiten muss. Neu ist

die Rubrik: ElternFragen (Folge 16 und 17) Hier gibt es

die Möglichkeit, interaktiv Fragen zu stellen, die dann in

einer der nächsten Folgen von Experten des Netzwerks beantwortet

werden. -> www.karriere-hier/elternfragen

Mit dem Podcast geht es gemeinsam den „Schritt voraus“.

„Orientierbar“ gibt Hilfestellung und Orientierung auf dem

Weg in die berufliche Zukunft. In dem Podcast gibt es für

Schüler/-innen sowie deren Begleitern (Eltern, Lehrkräfte

etc.) Informationen und Spannendes live aus der Praxis

rund um die Themen Berufsorientierung und Übergang

Schule/Ausbildung. Auf der Website www.karriere-hier.de

gibt es zudem Informationen über Ausbildungsbetriebe in

der Region Hellweg-Sauerland und welche vielfältigen und

zukunftsorientierte Chancen diese für einen erfolgreichen

Karrierestart bieten.

Der Podcast ist bei allen Podcastern verfügbar und seit

neustem auch auf den regionalen Podcastern Lopodio Soest

und Lopodio HSK verfügbar. ■

20 - WOLL Elternratgeber 2022


BERUFSORIENTIERUNG HÖRBAR GUT

FÜR ELTERN, LEHRKRÄFTE & SCHÜLER/-INNEN

Überall wo es

Podcasts gibt

oder auf karriere-hier.de

Fotoquelle:

pixabay.com 3718534

OrientierBar

Beruf.Leben.Zukunft

13 : 10 - 09 : 21

ZukunftsChancen | ElternFragen | SchulPraxis

AzubiAlltag | BewerbungsTipps | KarriereWege

EINE INITIATIVE DES AUSBILDUNGSKONSENS HELLWEG-SAUERLAND

WOLL Elternratgeber 2022 - 21


Anzeige

TOP AUSBILDUNG OHNE UMWEGE

– STUDIEREN VOR DER HAUSTÜR

Fachhochschule Südwestfalen

Ein Hochschulstudium erhöht die Chancen auf bessere

Verdienst- und Karrieremöglichkeiten. Angesichts

der wachsenden Wohnungsnot in Großstädten und

steigenden Lebenshaltungskosten scheitern aber viele Berufsträume

bereits an der Studienfinanzierung. Dabei ist ein

„teures Pflaster“ kein Garant für eine gute Ausbildung – und

die gibt es schließlich auch ganz in der Nähe, zum Beispiel an

der Fachhochschule Südwestfalen. Allein am Standort Soest

sind 27 Studiengänge studierbar. Von Agrarwirtschaft über

Frühpädagogik, Designmanagement und Wirtschaft bis hin

zu Technik ist für (fast) jeden etwas dabei. Anders als eine

klassische Universität, legt die Fachhochschule größten Wert

auf ein praxisnahes und anwendungsorientiertes Studium.

So geht es schon in der Lehre um „echte“ Aufgaben aus der

Praxis. Das schafft viele Berührungspunkte mit Unternehmen

in der Region und kann Türen für spätere Jobs öffnen.

Die Wege sind kurz – das gilt für die tägliche Anreise zur FH

ebenso wie für den „kurzen Draht“ zum Prof.

Solide Spezialisten und hippe Allrounder

Zu den Klassikern zählen Bachelorstudiengänge wie Agrarwirtschaft,

Elektrotechnik und Maschinenbau. Vor allem

mit Blick auf technische und naturwissenschaftliche Inhalte

stellen sich Interessierte oft die bange Frage: „Muss ich dafür

Mathe und Physik auf Leistungskursniveau draufhaben?“

Die klare Antwort lautet: Nein! Natürlich ist das Studium

anspruchsvoll und eine kontinuierliche Lernbereitschaft von

Anfang an mehr als empfehlenswert, aber die Aufgaben sind

weniger theoretisch und mehr anwendungsbezogen. Wenn

es doch mal hakt, Studi-Coaches und Mitarbeiter*innen in

den Lernzentren verhelfen geduldig zum fachlichen und organisatorischen

Durchblick.

Wer lieber „irgendwas mit Wirtschaft“ studieren möchte, für

den sind so genannte Schnittstellen-Studiengänge interessant.

Design- und Projektmanagement beispielsweise kombiniert

Design mit Wirtschaft und Technik und versetzt

Absolvent*innen in die Lage, als „Allrounder“ im Unternehmen

zwischen den einzelnen Disziplinen zu vermitteln.

Wirtschaftsingenieurwesen ist die Fusion aus Wirtschaft

und Technik. Wirtschaftsingenieur*innen besitzen das

Know-how, Antworten auf die alltäglichen Herausforderungen

zu finden und haben damit sehr gute Aussichten auf

Jobs in nahezu allen Branchen.

22 - WOLL Elternratgeber 2022


Experimental, international, digital

Technik und Naturwissenschaften sind faszinierend,

vielfältig und elementar wichtige Basis, um Lösungen

für die größten Aufgaben unserer Zeit wie den Klimawandel

oder die Energiewende zu finden. Begeisterungsfähig

sind Kinder durchaus schon im KiTa-Alter. Daher vermittelt

der Bachelorstudiengang Frühpädagogik zusätzlich

zu den pädagogischen Inhalten Bildungselemente aus dem

MINT-Bereich.

Business Administration with Informatics kann für Studierende

der Eintritt in die internationale Arbeitswelt sein.

Dabei geht es um die Grundlagenausbildung in Wirtschaftswissenschaften

in Verbindung mit angewandter Informationstechnologie.

Das Besondere: Hier lernen und

arbeiten Studierende aus gut 60 Nationen gemeinsam.

Unterrichtssprache ist 100 % Englisch.

Noch ganz neu im Angebot ist der Bachelorstudiengang

Digitale Technologien. Hier liegt der Fokus auf den

Informatik- und IT-Themen der Zukunft, kombiniert mit

Ingenieurwissen aus den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau.

Die Digitalisierung betrifft nahezu alle Lebensbereiche,

das Wissen über digitale Technologien zählt also

zu den wichtigsten Kompetenzen des 21. Jahrhunderts.

Kleine Hürden, vielfältige Möglichkeiten

Alle Bachelorstudiengänge in Soest sind zulassungsfrei

(ohne NC), für Design- und Projektmanagement ist allerdings

die erfolgreiche Teilnahme am künstlerisch-kreativen

Eignungsfeststellungsverfahren Voraussetzung. Frühpäda-

Fachgebiete mit 18 Bachelorund

9 Master-Studiengängen

• Agrarwirtschaft

• Designmanagement- und Produktentwicklung

• Informatik und Digitalisierung

• Pädagogik und Psychologie

• Technik und Ingenieurwesen

• Umwelt und Nachhaltigkeit

• Wirtschaft und Recht

gogik und Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau sind

berufsbegleitend studierbar – sehr attraktiv für Studieninteressierte,

die bereits eine Ausbildung absolviert haben. Elektrotechnik,

Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und

Digitale Technologien sind auch dual studierbar. Für alle,

die noch zwischen beruflicher Ausbildung und Fachhochschulstudium

schwanken, ist dies ein optimales Modell.

Denn parallel zum Studium sind eine Ausbildung oder umfangreiche

Praxisphasen im Unternehmen möglich.

Für jene, die nach dem Bachelor mehr wollen: In allen

Fachgebieten sind nahtlos im Anschluss vertiefende

Masterstudiengänge möglich, die meisten davon berufsbegleitend.


Das Team der Allgemeinen Studienberatung

hilft Ihnen gerne weiter.

Per Mail an:

studienberatung@fh-swf.de

Per Telefon: 02371 566 538 oder 02331 9330 6256

Fragen zum dualen Studium Soest

beantwortet Yvonne Fuchs.

Per Mail an:

fuchs.yvonne@fh-swf.de

Per Telefon: 02921 - 378 3344

www.fh-swf.de/cms/dual

http://www.fh-swf.de/cms/campus-so

Fachhochschule Südwestfalen

Lübecker Ring 2 . 59494 Soest

WOLL Elternratgeber 2022 - 23


Anzeige

„Die Sterne im Sauerland“

bewerben sich als TOP-Ausbildungsbetriebe

GASTFREUNDSCHAFT

IM SAUERLAND

Sonja Nürnberger

sabrinity

Arbeiten und leben, wo andere ihren Urlaub

verbringen – warum also nicht direkt „vor der

Haustür“ seinen Beruf erlernen? Die Hotels

der „Sterne im Sauerland“ sind erfahrende Ausbildungsbetriebe.

Der Zusammenschluss aus acht familiengeführten

4- und 5-Sterne-Hotels, die seit Generationen

die Hotellerie und Gastronomie lieben und

leben, tragen seit Jahrzehnten zum Wohlbefinden vieler

Menschen bei: „Wir sind Glücklichmacher!“ ist das

Motto ihrer Arbeit.

Langeweile ist hierbei ein Fremdwort – ganz egal, um

welchen der Ausbildungsberufe es geht. Im Hotel ist kein

Tag wie der andere. Neue, spannende Menschen kommen

und gehen. Und mit ihnen interessante und abwechslungsreiche

Aufgaben. Durch diese große Vielfalt entwickelt sich

ganz nebenbei die eigene Persönlichkeit und die Lebenserfahrung

im Umgang mit Menschen und Situationen. Alle

Mitarbeitenden der Häuser sind Teil der „Hotel-Großfamilie“,

Respekt und Wertschätzung gehören zur Arbeitskultur.

Das starke Wir-Gefühl im Zusammenspiel der

Hotelteams motiviert jeden Tag aufs Neue. Möglichkeiten

zur Weiterbildung und zur persönlichen Entfaltung eröffnen

immer neue Perspektiven. Und auch nach der Ausbildung

bieten sich interessante Perspektiven in diesen Betrieben

mit Zukunft.

Als DEHOGA-zertifizierte „TOP-Ausbildungsbetriebe“

stehen in allen Abteilungen erfahrene Ausbilderinnen und

24 - WOLL Elternratgeber 2022


Rahmenbedingungen

Mit der Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb wird

der Grundstein für den beruflichen Werdegang gelegt.

Die zwei- bzw. dreijährige duale Ausbildung besteht aus

der praktischen Berufsausbildung im Hotel sowie dem

schulischen Teil mit wöchentlich ein bzw. zwei Schultagen

in einem Berufskolleg, z.B. in Meschede.

Ausbildungsvergütung:1. Jahr € 1.000

2. Jahr € 1.100

3. Jahr € 1.200

nach Ausbildung ab ca. € 2.350

Ausbilder zur Seite, die auch bei der Prüfungsvorbereitung

intensiv unterstützen. Regelmäßige Inhouse-Schulungen

und gemeinsame Ausflüge zu Lieferanten erlauben einen

noch umfassenderen Einblick in den Hotelbetrieb. Beim

jährlichen Azubi-Austausch sogar in den eines anderen

„Sterne“-Hotels.

Arbeiten im Hotel ist Arbeiten mit Herz und Verstand.

Praktisch und nah am Menschen – eine Arbeit mit Sinn.

„Die Sterne im Sauerland“ bieten die Basis für eine

TOP-Ausbildung, die die Türen zu TOP-Hotels in der

ganzen Welt öffnen wird.

Weitere Infos und Kontakt:

www.die-sterne-im-sauerland.de/jobs/duale-berufsausbildung

ausbildung@die-sterne-im-sauerland.de ■

Ausbildungsberufe

2-jährige Ausbildung

· Fachkraft Küche (m/w/d)

· Fachkraft für Gastronomie (m/w/d)

3-jährige Ausbildung

· Koch (m/w/d)

· Fachkraft für Restaurants

und Veranstaltungsgastronomie (m/w/d)

· Hotelfachmann (m/w/d)

· Kaufmann für Hotelmanagement (m/w/d)

Weitere Ausbildungsberufe für Abiturient:innen sowie

in spezifischen Sparten (z. B. Fitness, Kosmetik) siehe

www.die-sterne-im-sauerland.de/jobs/ausbildungsberufe

„Sterne“-Ausbildungsbetriebe

Landhotel Gasthof Schütte, Schmallenberg-Oberkirchen

Hotel Deimann, Schmallenberg-Winkhausen

DIEDIRCH Wellnesshotel & SPA – Adults only, Hallenberg

Romantik Landhotel Knippschild, Rüthen-Kallenhardt

Romantik Hotel Haus Platte, Attendorn-Niederhelden

Hotel Rimberg, Schmallenberg-Rimberg

Hotel Jagdhaus Wiese, Schmallenberg-Jagdhaus

Waldhaus Ohlenbach, Schmallenberg-Ohlenbach

WOLL Elternratgeber 2022 - 25


Dustin Rapćan steuert im ersten

Ausbildungsjahr eine Werbekampagne

Andreas Melliwa

sabrinity

AZUBI FÜR AZUBIS

Der Briloner Kunststoff-

Verarbeiter NP Germany

steht in vielen Dingen

für ein typisches Sauerländer

Unternehmen: Hightech-Produkte,

heimatverbundene Mitarbeiter

und flache Hierarchien. Bei NP

Germany ist der Weg zwischen Management

und Auszubildenden allerdings

besonders kurz: Bereits im

ersten Ausbildungsjahr darf Dustin

Rapćan selbstständig eine Anzeigenkampagne

planen und entwerfen:

Gesucht werden junge Frauen und

Männer, die eine Ausbildung in

„seinem Betrieb“ machen möchten.

Der 23-jährige aus Kallenhardt absolviert

seit August vergangenen Jahres

bei NP Germany eine Lehre zum Industriekaufmann.

Er zuckte erstmal

zusammen, als NP-Personalmanagerin

Seda Yüksel im Frühjahr auf ihn

zukam, mit der Bitte, eine Werbekampagne

für Ausbildungsplätze zu

entwerfen. „Er kann sich am besten in

die Jugendlichen reinversetzen“, sagt

die ebenfalls junge Manager. „Wir

wollen außerdem unsere Azubis nicht

nur über die Schulter blicken lassen,

sondern aktiv mit einbeziehen.“

Suche nach dem

besten Werbeträger

Zunächst ging’s darum, sprachlich

ganz nah an die Zielgruppe ranzukommen.

„Da war schnell klar, dass

wir das „Du“ in der Anzeige nutzen“,

erinnert sich Dustin an die ersten Besprechungen

mit Seda Yüksel, „zumal

sich auch bei uns im Unternehmen

die Duz-Kultur immer stärker

durchsetzt“. Dann analysierte Dustin

die verschiedenen Medien, verglich

Kosten, Preise und optimale Verbreitung

in der Region. „Da hat sich

das WOLL-Magazin deutlich an die

Spitze gesetzt, und nach meiner Präsentation

hat sich die Geschäftsleitung

dann auch entsprechend dafür

entschieden“, sagt Dustin nicht ohne

Stolz. Es soll nicht der letzte Schritt

auf seiner Karriereleiter sein: Ein Jahr

im Ausland ist ebenso geplant wie ein

anschließendes Studium. Möglichst

in Meschede oder Paderborn – im

Dunstkreis „seines“ Briloner Unternehmens

eben… ■

26 - WOLL Elternratgeber 2022


SINNSTIFTENDE AUSBILDUNG

IM BEREICH INKLUSION

Ausbildung in der Eingliederungshilfe

mit besonderen Menschen macht glücklich

Britta Melgert

sabrinity

Anzeige

E

ine gute Perspektive im

Rahmen der Arbeit mit behinderten

Menschen und zudem

ein strategischer Karriereaufbau

– für viele Menschen klingt diese

Kombination ideal. Soziales Engagement

im Bereich Inklusion ist enorm

wichtig, wird wertgeschätzt und gibt

einem persönlich sehr viel. In der Josefsheim

gGmbH, die zur bundesweit

agierenden JG-Gruppe gehört, haben

junge Menschen an den Standorten

Olsberg-Bigge, Sundern und Lipperode

eine Chance auf vielfältige Ausbildung

in verschiedenen Bereichen.

Wir unterhielten uns über dieses Thema

mit Nadja Kohlwey, Leiterin des

Josefsheim-Personalmanagemts.

Woll: „Frau Kohlwey, welche Berufe

werden aktuell beim Josefsheim ausgebildet?“

Kohlwey: „Wir bieten sowohl die

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger

(m/w/d) als auch zum Erzieher

(m/w/d) an. Auch ein Duales Studium

im Fachbereich Soziales, Pädagogik,

Gesundheit oder Rehabilitation ist bei

uns möglich. Alternativ bieten wir individuell

beginnende Praktika oder die

Mitarbeit während eines Freiwilligen

Sozialen Jahres bzw. im Bundesfreiwilligendienst

an, um Einblicke in die

alltäglichen Aufgaben verschiedener

Berufe aus dem Sozial- und Gesundheitswesen

zu erhalten.“

Woll: „Worin sehen Sie die Besonderheit

der Ausbildung im Josefsheim?“

digende Ausbildung begonnen haben

oder die zunächst Berufserfahrung im

Rahmen einer Nebentätigkeit während

des Abiturs oder des Studiums suchen.“

WOLL: „Wo erhalten Interessierte

mehr Informationen?“

Kohlwey: „Eine ausführliche Beschreibung

unseres Ausbildungs-Angebots

findet man auf unserer Homepage.

Auch ein direkter Kontakt zu unserer

Ausbildungskoordinatorin Andrea Asshauer

ist möglich. Egal, um welche Art

der Ausbildung es geht, wir freuen uns

darauf, interessierte junge Menschen

kennenzulernen und für das Josefsheim

zu begeistern.“ ■

JETZT INFORMIEREN

Andrea Asshauer,

Josefsheim-Ausbildungskoordinatorin

ist

Ansprechpartnerin für

interessierte Schüler,

Studenten, Eltern oder

Lehrer.

Kohlwey: „Unsere Mitarbeiter, natürlich

auch die Auszubildenden, begrüßen

die Möglichkeit der beruflichen

Begleitung von Menschen mit Behinderung

in ein selbstbestimmtes Leben und

zugleich unser Motto „Im Mittelpunkt

der Mensch“ mitzutragen. Umfassende

Fort- und Weiterbildungsaussichten

nach der eventuellen späteren Übernahme

in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis

sind weitere Vorteile. Nicht zuletzt

möchte ich die faire Entlohnung nebst

Zusatzleistungen sowie das kollegiale

Miteinander in motivierten Teams erwähnen.“

Woll: „Welche Fähigkeiten und

Kenntnisse sollte ein junger Mensch

für eine dieser Ausbildungen mitbringen?“

Kohlwey: „Ein freundliches Auftreten

und gute Umgangsformen sind für

uns elementar, daneben Offenheit und

Freude am Umgang mit Menschen.

PC-Grundkenntnisse, große Lernbereitschaft

und Motivation sind grundsätzlich

wichtig für jede Berufsausbildung,

so auch bei uns. Es ist aber auch

die erforderliche Bereitschaft zu an den

Bedürfnissen angepasste Arbeitszeiten

von Bedeutung.“

Woll: „Kommt eine Ausbildung

im Josefsheim nur für Schulabgänger

infrage?“

Kohlwey: „Aber nein. Als moderner

Dienstleister der Eingliederungshilfe

richtet sich das Josefsheim mit seinem

Angebot bewusst auch an junge Menschen,

die bereits eine andere, unbefriephone

02962 800-2080

envelope a.asshauer@josefsheim-bigge.de

josefsheim-bigge.de

josefsheim-bigge.de

WOLL Elternratgeber 2022 - 27


Hendrik Schmitt: Handwerk bietet

„tolle Angebote mit neuen Herausforderungen“ für Jugendliche

AUSBILDUNG IST HERZENSTHEMA

Paul Senske

Tom Linke

Es

ist ein beeindruckendes und bestechendes

Plädoyer für die duale Ausbildung: „Geh

in den Betrieb, lerne das Arbeiten, beweise

Dich bei den Kollegen sowie Kunden – und

mach was aus Deinem Leben“, sagt Hendrik Schmitt.

„Mit der Ausbildung kannst Du ein erfülltes und

kreatives Leben führen. Die Ausbildung mit den vielen

Möglichkeiten, sich beruflich fortzubilden, ist ein

Herzenzthema.“

Hendrik Schmitt ist seit dem 1. Januar 2022 als Nachfolger

von Meinolf Niemand neuer Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer Südwestfalen. Der 45-jährige

Betriebswirt und Master of Business Consulting war

zuvor u. a. Hauptgeschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft

der sieben Industrie- und Handelskammern

Niedersachsens in Hannover, stammt aus Wetzlar

(„Wetzlarer Bub“) und war früher oft mit dem Motorrad

im Sauerland und Siegen-Wittgensteiner Land

auf Tour. „Diese Region verbinde ich mit Heimat“, so

der Vater dreier Kinder, der mittlerweile in Brilon wohnt.

„Die Menschen hier sind fleißig, bodenständig und

weltoffen, die Betriebe nahe am Puls der Zeit.“

Schmitt stammt aus einer Handwerkerfamilie und hat eine

Ausbildung im Einzelhandel (Wirtschaftsassistent) und

parallel dazu ein Betriebswirtschafts-Studium absolviert.

Er weiß also aus eigener Erfahrung, worüber er spricht.

„Die Ausbildung ist der Markenkern der Handwerkskammern.

Sie ist wie eine Eintrittskarte ins Berufsleben.“

Die Wertschätzung des Handwerks ist für Schmitt ein

28 - WOLL Elternratgeber 2022


weiteres, wichtiges Herzensanliegen. „Das Handwerk

hat tolle Angebote für junge Menschen mit neuen

Berufsbildern und neuen Herausforderungen.“ Als Stichpunkte

nennt Schmitt u. a. Digitalisierung, technischer

Fortschritt, demografischer Wandel, Klimawandel oder

Ressourcenknappheit. „Wir haben florierende Betriebe

am Markt. Die Meister und Mitarbeiter sind Persönlichkeiten,

die genau wissen, was sie können. Das Handwerk

hat allen Grund, sich selbstbewusst zu präsentieren.“

Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Handwerk als

Wirtschaft aus der Region ein eigenes, berufliches Bildungssystem

aufweist. Das Berufsbildungszentrum (bbz)

als Technologietransfer-Stelle für Auszubildende und

Meister (14 Meisterkurse) „bildet als Kernaufgabe die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren beruflichen

Fähigkeiten aus und weiter, wo sie in ihrem beruflichen

Lebenszyklus stehen“. Die Elektromobilität beispielsweise

erfordere die Beherrschung neuer Techniken. „Wir

machen die Leute fit.“

Unabhängig von den beruflichen Perspektiven weiß

Schmitt, dass das Handwerk einiges aufzuarbeiten hat.

Ein bedeutender Aspekt sei, dass „viele Kinder und

Jugendliche den Alltagskontakt zum Handwerk verloren

haben“. Das traditionell ortsgebundene Handwerk sei bis

auf das Lebensmittelhandwerk weitgehend verschwunden.

„Das tägliche Erleben fehlt.“

„Das tägliche Erleben des Handwerks fehlt“

(Hendrik Schmitt)

Daher gelte es, das verlorene Terrain zurückzugewinnen.

Die HWK sei auf diesem Weg u.a. mit dem Team Fachkräftesicherung,

mit Ausbildungsbotschaftern, Willkommenslotsen,

mit Betriebsberatern für die Firmen sowie

mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit breit aufgestellt.

„Auch die Betriebe sind inzwischen bei der Nachwuchsgewinnung

kreativ unterwegs“, betont Dirk Berkemeyer,

Abteilungsleiter Marketing und Kommunikation.

„Mit den Kindern die W-Fragen erörtern”

Was die Rekrutierung des Handwerker-Nachwuchses angeht,

haben Studien herausgefunden, dass die Eltern die

wichtigsten Ratgeber für ihre Kinder sind. „Was die Eltern

beruflich machen, bestimmt nicht selten die Berufswahl

der Kinder“, meint Schmitt. Der Trend, ein Studium zu

„Meister und Mitarbeiter im Handwerk

sind Persönlichkeiten“ (Hendrik Schmitt)

Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Südwestfalen: Hendrik Schmitt

beginnen, sei zuletzt zwar ein wenig rückläufig, aber immer

noch hoch, aber ebenso die Zahl der Studium-Abbrecher.

Schmitt rät den Eltern, mit ihren Kindern nicht über

einen Beruf zu reden, sondern vielmehr mit den Kindern

die sogenannten „W-Fragen“ zu erörtern: Wie stellt Ihr

Euch die eigene Lebenswirklichkeit im Beruf vor? Wie, wo

und wann wollt Ihr arbeiten? Mit wem wollt Ihr den Beruf

ausüben? Wo wollt Ihr als Mensch hin?

Dass junge Menschen mit einem Studium und anschießendem

Berufseinstieg ein ebenso erfülltes Leben

führen können, sei natürlich auch möglich, so Schmitt,

aber: „Wenn ein junger Mensch ein selbstbestimmtes,

kreatives und erfolgreiches (Berufs-)Leben führen will,

dann ist eine duale Ausbildung im Handwerk ein erfolgversprechender

Weg. Dafür gebe ich eine Garantie.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 29


Saskia Haardt-Cerff,

Südwestfalen Agentur GmbH

Newcomerin Nina Sondermann / Unternehmen Julian

Nöll / Nöll Landschaft und Garten– Unternehmen und

Nachwuchskräfte finden zusammen

Mehr als nur eine Überbrückung

„GAP YEAR SÜDWESTFALEN“

– Ein Praxisjahr in der Region

Christel Zidi

Patrick Bonzel / Südwestfalen Agentur GmbH

K

aum etwas hilft einem jungen Menschen bei

der Berufswahl mehr als praktische Berufserfahrung.

Das Schulpraktikum ist bereits eine

gute Möglichkeit. Aber was, wenn man in dieser Zeit nur

festgestellt hat, dass es genau dieser Beruf doch nicht ist?

Wer noch immer unsicher ist, für welchen Beruf er sich

entscheiden soll, ist selten gut damit bedient, sich halbherzig

für irgendeine Ausbildung zu entscheiden. Lieber lässt

man sich mit der Berufswahl noch etwas Zeit und nutzt

diese durch ein „Gap Year“, ein Überbrückungsjahr.

Mit dem „Gap Year Südwestfalen“-Programm der

Südwestfalen Agentur erhält man vielseitige Einblicke

in unterschiedliche Unternehmen und verschiedene Arbeitsbereiche.

Mit drei Praktika bei drei Top-Arbeitgebern

kann man in neun Monaten jede Menge Praxiserfahrung

sammeln. Mit einer umfassenden Betreuung und guter

Vergütung. Nach dieser Zeit bleiben dann noch drei Monate,

die man ganz nach Wunsch nutzen kann. Das Gap Year

Südwestfalen startet jeweils zum 01. Juli eines Jahres und

endet am 30. Juni des Folgejahres. Erste Praktika-Einsätze

finden in der Regel ab August/September statt.

Bewerben können sich Schulabgängerinnen und Schulabgänger


• die bis zum Beginn ihres ersten Gap Year Praktikums

das 18. Lebensjahr vollendet haben oder

• mit erfolgreichem Abschluss der gymnasialen Ober

stufe oder

• mit erfolgreichem Abschluss eines vollzeitschulischen

Bildungsgangs des Berufskollegs.

Saskia Haardt-Cerff betreut das Programm, gemeinsam

mit Niklas Jung. Sie hat uns erklärt, wie das Bewerbungsund

Auswahlverfahren abläuft: „Das Bewerbungsverfahren

ist ganz einfach. Mit nur einer Online-Bewerbung kann

man sich für mehrere Unternehmen gleichzeitig bewerben.

Man gibt ganz einfach an, wieso man ein Gap Year machen

möchte, welche Unternehmen einen interessieren und

welche Berufseinblicke man dort gerne erwerben möchte.

Die Bewerbungen werden dann an die ausgewählten Unternehmen

weitergeleitet. Bei Interesse der Unternehmen

koordiniert die Südwestfalen Agentur kurzweilige Bewerbungsgespräche,

die in angenehmer Atmosphäre online

30 - WOLL Elternratgeber 2022


stattfinden. Finden Unternehmen und Bewerber so zusammen,

wird ein individuelles Praxisjahr nach den Wünschen

der Bewerber zusammengestellt. Denn: jedes Gap Year ist

einzigartig.“

Und weiter berichtet Saskia Haardt-Cerff, was während

des Jahres geboten wird: „Die Bewerber erhalten in den

dreimonatigen Praktikumseinsätzen vielfältige Berufs- und

Unternehmenseinblicke. Ein Rahmenprogramm ermöglicht

den Teilnehmenden sich zu Beginn des Programmes

kennenzulernen und im Laufe des Jahres ihre Erfahrungen

untereinander auszutauschen. Zusätzlich wird ein Winterund

Sommerevent geboten. Alle Veranstaltungen werden

durch ein Persönlichkeitscoaching begleitet. Hier werden

beispielsweise Themen wie Kommunikation, Durchhaltevermögen

oder auch Körpersprache angesprochen – alles

natürlich freiwillig, aber die Teilnehmenden fanden das

Angebot immer toll. Zudem werden zweimal im Jahr

weitere Treffen an einem attraktiven Ort in Südwestfalen

angeboten, so kann zudem noch die eigene Region erkundet

werden und man tauscht sich aus, wie das jeweilige

„Jahr“ so verläuft.“

Newcomer Robin Sondermann

bei Effexx Unternehmensgruppe

Derzeit bieten 35 Unternehmen Praktikumsplätze

an. Die Unternehmen

kommen aus verschiedenen

Branchen: Industrie,

Handwerk, Soziales, Gesundheit,

Dienstleistung,

IT und Verwaltung. Das

Programm ist fortlaufend

auf der Suche nach neuen

Unternehmen. Auch die

südwestfälischen Kreise

und Kommunen wurden

als Partner eingeladen ihre Betriebe

vor Ort zum Mitmachen

zu gewinnen: „Interessierte Arbeitgeber

sind herzlichst eingeladen am Programm

mitzuwirken, denn das Programm zahlt sich für beide Seiten

aus“, so die Leiterin des Regionalmarketings.

Das „Gap Year Südwestfalen“-Programm gibt es seit 2018

und wurde auf Anregung der Utopia-Jugendkonferenz

umgesetzt: „Der Wunsch junger Südwestfalen war es, die

vielfältigen beruflichen Perspektiven in Südwestfalen erlebbarer

zu machen und Unternehmen und junge Menschen

auf eine andere Weise

zusammenzubringen.

Für das Regionalmarketing

war dies eine

Selbstverständlichkeit,

denn das Programm

trägt dazu

bei, Nachwuchs

und Fachkräfte

in der Region zu

binden“, so Saskia

Haardt-Cerff. Durch

die dreimonatigen

Praktikumslaufzeiten

können sich Unternehmen

und Praktikanten noch besser

kennenlernen, sich aufeinander einlassen und bestens

ausloten, ob man zusammenpassen könnte. Und das mit

Erfolg: „Das Programm hat dazu beigetragen, dass einige

Teilnehmer bei einem der Unternehmen einen Ausbildungsvertrag

angenommen haben oder ein duales Studium

begonnen haben“, freut sich die Projektmanagerin.

„Anderen Teilnehmern wurden die Augen für die Vielfalt

der Ausbildungsberufe und Betriebe in der Region geöffnet.

Diese haben sich für eine Ausbildung und gegen ein

Weggehen entschieden.“

Das Programm, das fortlaufend evaluiert und gemeinsam

mit den Unternehmen weiterentwickelt wird, stößt bei

allen Seiten gleichermaßen auf positive Resonanz. Saskia

Haardt-Cerff und Ihr Kollege Niklas Jung hoffen deshalb

auf noch mehr Unternehmen, die mitmachen, „denn umso

mehr Unternehmen dabei sind, umso erfolgreicher kann

das Programm die jungen Menschen bei ihrer Berufsorientierung

unterstützen.“ ■

Mehr Informationen zum Programm unter:

www.gapyear-suedwestfalen.com

Newcomer Joshua Krawitz

bei Andreas Schulte

Bedachungen GmbH

Die Bewerbungsmasken sind geöffnet. Bewerbungen

sind nun fast ganzjährig geöffnet. Frühzeitige Bewerbungen

zahlen sich aus.

WOLL Elternratgeber 2022 - 31


Allein oder mit den Eltern zum Vorstellungsgespräch

WOLLEN SIE DIE STELLE

ODER IHR KIND?“

Christel Zidi

Anke Kemper

P

ersonalsachbearbeiter haben im Laufe ihres

Berufslebens sicherlich schon so manches

erlebt. Bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz

lässt das auffallend „erwachsenes“ Anschreiben

eines 16-jährigen Bewerber auf Helikopter-

Eltern schließen - oder auf einen besonders strebsamen

Jugendlichen. Aufschlussreicher sind dann die Vorstellungsgespräche.

Bewerber 1

„Gucken Sie sich nur mal diese Zeichnungen

an, echte Kunstwerke“, setzt sich Frau

Schulte-Meier für ihren Sohn ein,

„das müssen Sie doch auch zugeben.“

Während die Mutter

seine Kinderzeichnungen vorlegt, sitzt Sven-Thorsten

zusammengesunken auf dem Bürostuhl zwischen den Eltern

und verdreht die Augen. Ein leichter Knuff von der

Seite und die lautlose, nur mit den Lippen der Mutter geformte

Ansage: „Sitz gerade!“. Der Sachbearbeiter wendet

sich direkt an den jungen Bewerber: „Warum möchtest Du

denn diesen Beruf lernen?“ „Äh, ja, also…“ Das hat schon

viel zu lange gedauert, Herr Meier springt ein: „Mein

Sohn rechnet nämlich auch ganz gut. Das ist doch wichtig

in Ihrer Firma. Kenn ich auch von mir. Wissen Sie,

ich habe einen Handwerksbetrieb…“ Frau Schulte-Meier

greift ein: „Hermann, das tut hier nicht zur Sache.“

Und sie zählt weitere Eigenschaften

ihres Sohnes auf: „Na, im

32 - WOLL Elternratgeber 2022


Sport ist unser Sven-Thorsten nicht so gut – hat er wohl

von seinem Vater (zu dem sie stirnrunzelnd blickt). Aber

er ist immer freundlich zu unseren Nachbarn, besonders

zu der hübschen Frau Müller, die letzte Woche eingezogen

ist.“ „Mama!!!“ - endlich auch ein Kommentar des Sohnemanns.

„Stimmt doch“, ergänzt Frau Schulte Meier leise.

„Der Sachbearbeiter macht sich Notizen: „Eltern sehr

aktiv im Bewerbungsprozess. Bewerber eher zurückhaltend.“

Plötzlich geht die Tür auf: der Firmenchef persönlich

kommt herein: „Ach, Frau Schulte, Herr Schulte. Wie

geht es Ihnen? Der Eichen-Parkettboden, den Ihre Leute

verlegt haben, passt wirklich super in unser bescheidenes

Zuhause. Bin sehr zufrieden.“ Schon wendet er sich wieder

zur Tür, dreht sich aber noch einmal halb um und macht

dem Sachbearbeiter ein zustimmendes Zeichen. Als die

Familie Schulte sich wieder auf den Rückweg macht, sind

sich die Eltern einig: „Siehst Du, war doch gut, dass wir

mitgekommen sind.“ Und war doch gut, dass sie nicht auf

die Frau am Telefon gehört haben, die fragte: „Wollen Sie

jetzt die Stelle oder Ihr Kind?“

Bewerber 2

Felix, 16 Jahre alt. Ziemlich nervös sitzt er mit seiner dicken

Bewerbungsmappe auf dem Flur. Schon eine halbe

Stunde vor dem Termin war er da. Endlich wird er aufgerufen.

Er spürt den Blick des Sachbearbeiters, der vom

Scheitel bis zur Sohle geht. Markenklamotten besitzt er

keine, aber seine Haare sind gekämmt, seine Kleidung sauber

und ordentlich. Ein wenig einschüchternd wirkt sein

Gegenüber schon. Aber was soll´s. „Wenn Du etwas erreichen

willst, musst Du auch dafür kämpfen. Und kämpfen

muss man meist allein. Gewöhn dich dran“, hatte ihm sein

Vater mit auf den Weg gegeben. Ein wenig hätte er sich

schon gewünscht, wenn er ihn wenigstens bis zur Firma

gefahren hätte… Der Sachbearbeiter will wissen, warum

er sich gerade für diesen Beruf entschieden hat. Und weil

es sein Traumberuf ist, kann er ihm das auch ganz genau

erklären. Die Worte sprudeln nur so aus ihm heraus,

das Gesicht des Sachbearbeiters wird immer offener und

freundlicher. Jetzt ist er es, der einen Zustimmungsvermerk

auf die Akte setzt. ■

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DEINEN

WEG

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Dein Tag – Deine Zukunft

am 21.05.22 von 9:30-12:30 Uhr

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Für 2023 suchen wir:

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WOLL Elternratgeber 2022 - 33


Quelle: AdobeStock_277985361_tadamichi

Kooperation von Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammer:

„Spurwechsel“ zeigt Perspektiven auf

Allein die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

Fast jeder dritte Studierende bricht vor allem an

Universitäten das Studium ab. Das betrifft auch

junge Erwachsene aus Akademikerfamilien, die offensichtlich

unter besonderem Druck der Eltern stehen. „Es gibt

einen großen Ehrgeiz unter Akademikern nach dem Motto:

Wir haben alle studiert und Du studierst auch“, sagte Ricarda

Steinmayr in einem Gespräch mit der WELT am 21.

März 2021. Aber nicht alle Kinder seien in der Lage, eine

akademische Laufbahn einzuschlagen. Die Eltern müssten

auch die Kompetenzen der Kinder berücksichtigen, betont

die Professorin für pädagogische Psychologie an der Technischen

Universität Dortmund. „Es ist eine große Fehlannahme

des Bildungsbürgertums, dass nur der eigene, akademische

Weg zum Erfolg führt.“

Auch wenn der sogenannte „Akademisierungswahn“ (Münchner

Philosoph Julian Nida-Rümelin) weiter anhält, Industrie,

Handwerk und Gewerbe haben längst das große Potenzial

der Studienabbrecher erkannt. „Auch Studienabbrecher sind

willkommen“, heißt es vermehrt in Stellenanzeigen der Betriebe.

Die „Absteiger“ mit einer hohen schulischen Qualifikation

können für die Wirtschaft ein attraktives Führungs- und

Fachkräftepotenzial entwickeln. Und vor allem: Die jungen

Paul Senske

STUDIENAUSSTIEG AUCH ALS CHANCE

Erwachsenen wissen nach dem Abbruch und dem vermeintlichen

Abstieg, was sie wollen.

Vor diesem Hintergrund und auch des Fachkräftemangels haben

sich die Netzwerke „Spurwechsel“ gegründet. Im Hochsauerlandkreis

und Kreis Soest wurde das Netzwerk – Agentur

für Arbeit, Handwerkskammer und IHK – 2015 aus der Taufe

gehoben. Es zeigt mit großem Erfolg Anschluss-Perspektiven

auf und ermöglicht den vermeintlichen „Absteigern einen Aufstieg“.

Studienfachwechsel, duale Ausbildung, duales Studium

oder Seiteneinstieg: Die Palette der Angebote und Vermittlungen

ist vielfältig. Viele Wege führen im breitgefächerten

deutschen Bildungssystem zum beruflichen Erfolg: „Karriere

anders denken“, nach Enttäuschungen, die sich bietenden

Chancen zu ergreifen und das eigene Potenzial zu entfalten,

wie beim Spurwechsel. ■

E-Mail HSK:

Meschede.Spurwechsel-HSK@arbeitsagentur.de

E-Mail Soest:

Meschede-Soest.Spurwechsel-Kreis-Soest@arbeitsagentur.de

E-Mail Olpe:

Siegen.Navi@arbeitsagentur.de

34 - WOLL Elternratgeber 2022


Vom Stift...

Christel Zidi

U

nsere

Sprache ist

lebendig.

Sie reagiert auf

Einflüsse aus anderen

Sprachen, auf eine

geänderte Lebensweise

oder –einstellung. So ist unser

Wortschatz schon durch den

Gebrauch von Smartphones und

Computern erweitert worden, durch

Worte wie App, Cloud, Chat, leaken etc.; die

Verwendung vieler französischer Begriffe hingegen ist

im Schwinden. Kein Wunder: Statt sich für ein Rendezvous

ins Kostüm zu zwängen, reichen für ein Date oft

Hoodie und Skinny oder auch Leggins. Schade, wenn

mit den Wörtern auch gleich der „Chic“ verlorengeht.

Es gibt aber definitiv sehr viele Wörter, die wir nicht vermissen.

Zum Beispiel das Wort „Stift“. So nannte man die

Auszubildenden noch vor wenigen Jahrzehnten. Woher

der Ausdruck kommt, lässt sich nicht mehr genau feststellen.

Manche meinen aus der Zimmermanns-Branche.

Dort ist ein Stift ein kurzes Holzstück. Da Lehrlinge im

ersten Jahr (damals manchmal mit 14, 15 Jahren) noch

nicht ausgewachsen waren, waren sie auch meist klein bzw.

kurz. Eine andere Erklärung ist die, das Stifte auch mal

„angespitzt“ werden müssen. Dazu kann man sich den

Kommentar ersparen. Dass das Wort Stift mit „stiften gehen“,

also verschwinden, sich vor der Arbeit drücken, zu

tun hat, erscheint aber nicht ganz schlüssig. Sicherlich gab

es auch ältere Arbeitnehmer, die sich vor der Arbeit drückten

und die man deshalb nicht als Stift bezeichnet hat. Die

letzte Erklärung ist die am häufigsten genannte: Ein Stift

ist ein Nagel ohne Kopf – also nicht besonders gut zu gebrauchen,

kopflos eben.

1971 wurden aus Lehrlingen ganz offiziell „Auszubildende“.

Mit dem Namen änderte sich auch ein Teil der

...zum Azubi

Gewerbeordnung. Das aus dem

Jahr 1900 stammende Recht der

Lehrherren zur „väterlichen Zucht“ wurde

abgeschafft: „Die körperliche Züchtigung sowie jede die

Gesundheit des Lehrlings gefährdende Behandlung sind

verboten“ hieß es dort. In diesem Zusammenhang ist es

interessant, dass das Züchtigungsrecht der Pädagogen erst

1972 bundesweit abgeschafft wurde. Heute ist es strafbar,

den Auszubildenden „eins hinter die Löffel zu hauen“, ihm

„die Ohren lang zu ziehen“ oder ihm „was auf die Finger

zu geben“. Allein die Nachsilbe des Wortes Lehrling zeugt

von Geringschätzung. Ähnliche Beispiele wie Neuling,

Primitivling, Naivling, Feigling, Wüstling haben gleichfalls

einen abwertenden Charakter. Nebenbei bemerkt gibt

es Wörter mit der Endung -linge nur in der männlichen

Form.

Oft wird statt Auszubildender die Abkürzung Azubi verwendet.

Das klingt positiv, in der weiblichen Form – Azubine

– gar schon wie ein neckisches Kosewort. Tatsache ist,

dass in fast allen Unternehmen das Ansehen der Auszubildenden

gewachsen ist, der Ausbildungsauftrag ist in den

Vordergrund gerückt. Was nicht bedeutet, dass die Azubis

keine Pflichten hätten. Eine davon ist, die Weisungen

des Ausbilders zu befolgen. Wenn der dann gelegentlich

anordnet, den Besen in die Hand zu nehmen, muss der

Azubi dem nachgehen. Aber wie gesagt: gelegentlich. Das

Säubern des Arbeitsplatzes muss im richtigen zeitlichen

Verhältnis zum Rest der Ausbildung stehen. ■

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WOLL Elternratgeber 2022 - 35


FREIE

AUSBILDUNGSSTELLEN

VON A BIS Z

Ausbildungsberuf

Unternehmen (auf Seite)

Bauzeichner/in Zimmermann Haus (41)

Elektroniker/in

Krah-Gruppe (87), Ohrmann Montagetechnik (56),

Olsberg 42), Heinrich Eibach

Erzieher/in Josefsheim (46)

Fachinformatiker/in Krah-Gruppe (87), Olsberg 42)

Fachkraft für Gastronomie

Hotel Diedrich (73), Jagdhaus Wiese, Hotel Deimann

(73)

Fachkraft für Metalltechnik

Heinrich Eibach

Fachkraft für Restaurants +Veranstaltungsservice Hotel Deimann (73)

Fachkraft Küche Hotel Diedrich (72), Hotel Deimann (73)

Fachkraft Lagerlogistik

Gedia (53), Grosshaus (83), HMT Automotive (55),

Via Oberflächentechnik (49), Heinrich Eibach

Finanzwirt/in Finanzverwaltung NRW (63)

Gießereimechaniker/in Olsberg (42)

Hauswirtschafter/in GFO (90)

Hotelfachleute

Hotel Diedrich (72), Hotel Rimberg (73), Hotel Platte

(73), Hotel Schütte (74) Waldhaus Ohlenbach (73)

Industriekaufleute

Constab (62), Gedia (53)m Grosshaus (83), Krah-

Gruppe (87); Olsberg (42), Heinrich Eibach

Gedia (53), Grosshaus (83), HMT Automotive (55)

Industriemechaniker/in

Ohrmann Montagetechnik (56), Olsberg (42), Via

Oberflächentechnik (49), HMT Automotive (55),

Heinrich Eibach

Kaufleute Büromanagement

Gedia (53), GFO (90), Via Oberflächentechnik (49),

Zimmermann Haus (41), Heinrich Eibach

GFO (90), Hotel Deimann (73), Hotel Diedrich (72)

Koch/Köchin

Hotel Platte (73), Hotel Rimberg (73), Hotel Schütte

(74), Jagdhaus Wiese (73), Waldhaus Ohlenbach (73)

Maschinen- und Anlagenführer/in

Gedia (53), Grosshaus (83), HMT Automotive (55)

Via Oberflächentechnik (49)

Pflegeausbildung

GFO (90), Caritas Olpe

Restaurantfachkräfte

Hotel Rimberg (73), Waldhaus Ohlenbach (73), Hotel

Schütte (74)

Stanz- und Umformmechaniker/in Olsberg (42)

Straßenbauer/in Trippe (40)

36 - WOLL Elternratgeber 2022


Ausbildungsberuf

Unternehmen (auf Seite)

Stuckateur/in Heitschötter (39)

Technische/r Modellbauer/in Olsberg (42)

Technische/r Produktdesigner/in Ohrmann Montagetechnik (56)

Verfahrensmechaniker/in

Constab (62), Heinrich Eibach

Werkzeugmechaniker/in Grosshaus (83), HMT Automotive (55)

Zerspanungsmechaniker/in

Grosshaus )83), Ohrmann Montagetechnik (56),

Heinrich Eibach

Zimmerer/in Zimmermann Haus (41)

WOLL Elternratgeber 2022 - 37


BAU, ARCHITEKTUR

UND VERMESSUNG

Top Berufe:

• Feinwerkmechaniker/in

• Bauzeichner/in

• Beton- und Stahlbetonbauer/in

• Dachdecker/in

• Fachkraft - Straßen- und Verkehrstechnik

• Geomatiker/in

• Gerüstbauer/in

• Gleisbauer/in

• Hochbaufacharbeiter/in

• Straßenbauer/in

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

aus der Region auf

imsauerland.de

Dieses Berufsfeld erkunden

auf karriere-hier.de

Foto:AdobeStock_85267199

Stuckateure machen schöne Wände

SGRAFFITI

STATT GRAFFITI

Christel Zidi

Foto:AdobeStock_85267199

Es

gibt wirklich gute Graffiti-Künstler, die aus

Wänden Kunstwerke machen. Aber mal ab-

gesehen davon, dass Graffiti nicht jedermanns

Geschmack sind, reichen den meisten Hausbesitzern

gut verputzte und gedämmte Hauswände.

Die Arbeit eines Stuckateurs ist sehr abwechslungsreich

und reicht weit über das „Verputzen“ hinaus.

38 - WOLL Elternratgeber 2022


STARKES HANDWERK · STARKES TEAM

Stuckateurmeisterbetrieb

Christian Heitschötter

Grüterstr. 25 · 59759 Arnsberg

Tel: 0151 11 66 40 25

info@heitschoetter-stuck.de

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Reine „Gipsbildhauer“, wie man die Stuckateure früher

auch nannte, gibt es eher wenige. Oft arbeiten diese in

der Denkmalpflege oder bei Kirchenbauämtern. Natürlich

führen die meisten Stuckateure auch die reinen

Stuckarbeiten aus, also diese ornamentalen Verzierungen,

wie sie noch an historischen Gebäuden zu finden sind,

doch das Berufsbild hat sich gewandelt.

Heute sind Stuckateure die Experten, wenn es um

Hauswände geht. Viele von ihnen wie z B. Stuckateurmeister

Christian Heitschötter aus Arnsberg-Bruchhausen,

haben sich auf Innenausbau & Co. spezialisiert:

„Um für die Kunden immer auf dem neuesten Stand der

Technik zu sein, wird bei uns großer Wert auf Weiterbildung

gelegt, zum Beispiel wenn es um Dübeltechniken

geht.“ Sein Team kümmert sich nicht nur um

schöne Gebäudehüllen, sondern auch um Vollwärmeschutz,

Wärmedämm-Verbund-Systeme (WDV-Systeme),

Innen- und Außenputz, Trockenbau, Fassadenanstrich,

Altbausanierung, Sanierputz und Reparaturarbeiten an

Häusern geht.

Ein äußerst abwechslungsreicher Handwerksberuf mit

besten Aussichten, bei dem sich der Fachmann auch mal

wie ein Künstler fühlen kann: Während der Ausbildung

lernen die Stuckateure verschiedene Putztechniken kennen:

Fein- und Scheibenputz, Landhausputz und eben

auch die Sgraffitotechnik. Das ist eine alte Kratz- und

Ritztechnik, die, verbunden mit der Farbgestaltung eines

Edelputzes, wahre Meisterwerke an Wände zaubert. ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 39


Gesucht

Straßenbauer!

Das sind wir!

Die Franz Trippe GmbH mit Sitz in

Schmallenberg wurde 1972 gegründet

und ist heute mit 100 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern ein kompetenter

und gefragter Partner für öffentliche,

gewerbliche und private Auftraggeber

im Sauerland und darüber hinaus. In

allen Bereichen des Straßen-, Tief- und

Landschaftsbau stellen wir täglich unsere

Leistungsstärke unter Beweis.

Das bist du!

Du arbeitest gerne unter freiem Himmel, bist motiviert, einsatzfreudig

und hast keine Scheu vor körperlicher Arbeit. Du

besitzt handwerkliches Geschick, technisches Interesse und

räumliches Vorstellungsvermögen. Du hast einen Hauptschulabschluss,

Realschulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur.

Das bieten wir!

Du kannst Dich auf eine abwechslungsreiche Ausbildung mit

vielseitigen Einsatzgebieten und neuen Herausforderungen

freuen. Mit Dir zusammen sind wir ein junges, motiviertes

Team und können auf einen modernen Maschinen- und

Fuhrpark zurückgreifen. Wenn Du willst, ist die erfolgreich

absolvierte Abschlussprüfung der Grundstein für Deinen verantwortlichen

Werdegang in unserem Unternehmen.

Straßenbauer!

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

„Während der Ausbildung bekommst Du Einblicke in die

vielfältigen Arbeiten auf einer Baustelle. Wir sind in verschiedenen

Bereichen des Straßenbaus tätig, wie z.B. Pflasterarbeiten,

Kanalarbeiten sowie Maschinen- und Gerätebedienung.

Durch die Fachkompetenz und kollegiale Art der Mitarbeiter

wirst Du super unterstützt und als wichtiger Kollege bei der

Arbeit auf der Baustelle integriert. Du erlebst den Fortschritt

von Baubeginn bis zur Fertigstellung und Einweihung hautnah

mit. Das gibt Dir ein super gutes Gefühl, weil Du siehst,

was Du mit Deinen Händen Arbeit geschafft hast. Mir macht

die Arbeit an der frischen Luft sehr viel Spaß und ich freue

mich besonders auf die verschiedenen, abwechslungsreichen

Franz Trippe GmbH · Im Brauke 8c · 57392 Schmallenberg

Tätigkeiten.“

40 - WOLL Elternratgeber 2022

Advertorial

Lukas Grothof, 19 Jahre – im

3. Ausbildungsjahr, spielt in der

Freizeit beim FC Arpe/Wormbach

Fußball und trifft sich,

wann immer möglich, mit seinen

Kumpels.

Das ist noch wichtig!

Ausbildungsort: Schmallenberg

Ausbildungsart: Ausbildung im Betrieb, Unterrichtsblöcke

in der Berufsschule und im

Ausbildungszentrum

Ausbildungsdauer: 3 Jahre

Ausbildungs- 890,00 Euro / 1.230,00 Euro /

vergütung: 1.495,00 Euro

Arbeitszeit: 40 Stunden pro Woche

Urlaub:

30 Tage pro Jahr

Schultage: Blockunterricht

Schule:

Berufskolleg Meschede oder Attendorn

Wir bauen auf Dich. Und Du auf Deine Zukunft! Schick

Deine Bewerbung an: Franz Trippe GmbH, Stefan Trippe, Im

Brauke 8c, 57392 Schmallenberg

Bodenständig, erfahren und zuverlässig

Franz Trippe GmbH

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Fon (0 29 72) 9 77 6-0

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Architektin zu werden, das war immer Laura Stöbers großer

Traum. Ein Schülerpraktikum in unserem Unternehmen

zeigte ihr dann aber eine für sie noch viel interessantere Alternative

auf: den Beruf der

Bauzeichnerin. Heute absolviert

die gebürtige Winterbergerin

bei uns die dazugehörige

Ausbildung und

ist mit ihrer Entscheidung

sehr zufrieden. Vor allem

die Tatsache, dass wir jedes

Gebäude individuell planen,

macht die Berufsausbildung

für die 20-jährige

immer wieder interessant

und herausfordernd.

Als Lauras Ausbildungsunternehmen freuen wir uns darüber,

Laura und andere zukünftige Bauzeichner, Zimmerer

und Bürokaufleute umfassend und praxisnah auszubilden

zu können, sie für die beruflichen Herausforderungen der

Zukunft zu wappnen und die Erfahrungen, die wir in unserem

Berufsleben erworben

haben, an die nächste

Generation weitergeben

zu können. Die familiäre

Atmosphäre unseres traditionsreichen,

finanziell

stabilen Unternehmens ermöglicht

es unserem Team

dabei, unseren Auszubildenden

bei Problemen stets

unterstützend zur Seite zu

stehen und sie ein Stück

weit auf diesem für sie so

wichtigen Abschnitt auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben

zu begleiten.

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Wir suchen:

- Bauzeichner (m/w/d)

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WOLL Elternratgeber 2022 - 41


ELEKTROTECHNIK

Top Berufe:

• Elektroniker/in

• Automatisierungstechnik

• Betriebstechnik

• Energie- und Gebäudetechnik

• Geräte und Systeme

• Fertigungsmechaniker/in

• Hörakustiker/in

• IT-Systemelektroniker/in

• Mechatroniker/in

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

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Foto:Iris Böning

„OHNE SIE

GEHT NICHTS!“

Elektroniker für Betriebstechnik

sind stets und überall zur Stelle

Sonja Funke

Iris Böning

O

lsberg. Ohne das Team, in dem Silas Lausen

arbeitet, geht nichts. Das sagt der Chef, Ulrich

Herrmann, über seine Elektroniker für Betriebstechnik.

Silas ist einer von ihnen, er hat seinen Abschluss

seit Januar 2022 frisch in der Tasche und wurde

direkt in der Elektrowerkstatt übernommen. Damit ist

er nun Teil des Servicebereiches Instandhaltung der Olsberg

GmbH. Besonderes Kennzeichen: stets zur Stelle

sein. Und schon klingelt das Telefon.

„Man muss bereit sein, schnell eigenständig zu arbeiten“,

sagt der 20-jährige Madfelder über seinen Job. „Ich fand

es schon immer interessant, einen technischen Beruf zu erlernen.

Bei Störungen an den Anlagen die Ursache herauszufinden

und schnell zu beheben, das steht hier jeden Tag

an.“ Wenn sie nicht gerade Probleme lösen, die bei so vielen

Maschinen jederzeit auftauchen können, dann entwickeln

die fünf Facharbeiter und drei Azubis auch immer wieder

Neues, zum Beispiel aktuell ganze Schaltschränke für eine

neue Beleuchtung.

42 - WOLL Elternratgeber 2022


„Im ersten Lehrjahr ist die Ausbildung ähnlich wie bei den

Elektronikern im Handwerk. Danach geht es bei uns zum

Beispiel mehr ums Programmieren als um Haustechnik“,

sagt Silas Lausen. „Der Elektroniker für Betriebstechnik ist

sicherlich unter den handwerklichen Berufen einer der anspruchsvollsten

und bringt viel Verantwortung mit sich“,

ergänzt Personalleiterin Dagmar Srajek. Es gilt schließlich,

die millionenschweren Maschinen am Laufen zu erhalten

und dafür zu sorgen, dass alle anderen im Betrieb durcharbeiten

können. „Außerdem lernt der Betriebselektroniker

bei uns die Gießerei und die Feinblechtechnik kennen, zwei

grundverschiedene Bereiche mit je einem großen teil- und

vollautomatisierten Maschinenpark“, so Dagmar Srajek.

Gönn Dir

HANDWERK!

In der Ausbildung gibt die Projektarbeit, mit der Stefan

Wahle, Industriemeister für Elektrotechnik, seine Azubis

betreut, einen festen Tagesablauf. Immer wieder gehen die

Azubis aber auch mit, um zu schauen, was bei einer Störung

zu tun ist. Oder sie ziehen – im letzten Ausbildungsjahr –

allein los. „Wir haben zwar eine Lehrwerkstatt, aber dort

werden die Auszubildenden nicht festgebunden. Es ist ein

hoher Anteil an Eigeninitiative gefragt, die Ausbildung ist

sehr praxisnah. Ich gucke den Azubis nicht ständig über die

Schulter“, betont der Ausbilder. Darüber hinaus gibt es verschiedene

Programmier-Tools, an denen ausprobiert werden

kann, ohne direkt schon in die echten Maschinenabläufe

einzugreifen. Besonders ist, dass die Auszubildenden auch

andere fachliche Dinge lernen und die Ausbildung breit

aufgestellt ist. „Wir machen zum Beispiel eine Grundausbildung

für die Metallbearbeitung.“

Es wird nie langweilig in diesem Beruf. Ein Unternehmen

wie die Olsberg GmbH hat überall Elektronik verbaut –

von der Beleuchtung bis hin zur großen Maschine. „Darum

zeichnet es die Elektroniker für Betriebstechnik aus, dass

sie teils gerade dann arbeiten, wenn die anderen Kollegen

ins Wochenende gehen oder Betriebsferien haben“, hebt

Dagmar Srajek noch einen wesentlichen Aspekt hervor.

„Wir richten dann alles her, damit die Elektronik steht, sobald

die Maschinen wieder hochgefahren werden“, ergänzt

Stefan Wahle. Zu diesen Zeiten ist richtig Dampf im Teamkessel.

„Auf der anderen Seite können wir zu allen anderen

Zeiten untereinander und unabhängig vom Rest des Betriebes

planen, wann wer frei macht“, sagt Silas Lausen. Das

bringe große Flexibilität innerhalb der ansonsten geregelten

Arbeitszeiten. „Es macht Spaß, Teil dieses Teams zu sein“,

sagt Silas und zieht los. Das Telefon hat wieder geklingelt. ■

• Berufsorientierung

• Lehrstellen - und

Praktikumsbörse

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Informiere dich jetzt!

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WOLL Elternratgeber 2022 - 43


PFLEGE UND

GESUNDHEITSPRÄVENTION

Top Berufe:

• Augenoptiker/in

• Fachangestellte/r für Bäderbetriebe

• Kaufmann/frau Gesundheitswesen

• Pflegefachmann/frau

• Orthopädieschuhmacher/in

• Sport- und Fitnesskaufmann/frau

• Medizinische/r Fachangestellte/r

• Tiermedizinische/r Fachangestellte/r

• Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r

• Fachangestellte/r Zahntechnik/in

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

aus der Region auf

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Dieses Berufsfeld erkunden

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Foto: sabrinity

ENDLICH KEIN

SCHULGELD

MEHR

Christel Zidi

AdobeStock_217829602

Z

umindest nicht in Gesundheitsfachberufen.

Diese positive Nachricht kam zu Beginn des letzten

Jahres und gilt für das Land NRW. Von dieser

Entscheidung, die rückwirkend zum 01.01.21 gilt, profitieren

allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 8.000 Auszubildende.

Wer nie verstanden hat, warum der Staat das Studium von

Apothekern und Ärzten bezahlt, die Ausbildung im Bereich

der Gesundheitsfachberufe allerdings nicht, muss sich seit

dem letzten Jahr keine Gedanken mehr darum machen. Mehr

denn je ist es wichtig, dass sich genügend Menschen für einen

Beruf im Gesundheitsfach entscheiden. Das wegfallende

Schulgeld ist ein Schritt in die richtige Richtung. Für folgende

Berufe ist jetzt diese finanzielle Zuwendung möglich:

• Ergotherapeut

• Logopäde

• Masseur*innen und medizinische Bademeister*innen

• Pharmazeutisch-technischen Assistent*innen

• Medizinisch-technischen

Laboratoriumsassistent* innen

• Medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen

und –assistenten

• Medizinisch-technischen Assistent*innen und

Assistenten für Funktionsdiagnostik

€€

Ein ganz wichtiger Job im Gesundheitswesen ist der des Notfall-

oder Rettungssanitäters. Während früher die Kommunen

die Ausbildung zu Rettungsaassisten finanzierten, sind

jetzt die Krankenkassen verpflichtet, alle Ausbildungskosten

zu tragen. Teuer wird aber die Ausbildung zum Heilpraktiker

bleiben. Bis zu 10.000 Euro kostet die 1,5 bis zweijährige

Ausbildung. Die Abschlussprüfung muss durch einen Amtsarzt

erfolgen. ■


44 - WOLL Elternratgeber 2022


Traumberuf Kinderkrankenpfleger/in

JUNGS KÖNNEN DAS GENAUSO GUT!

Christel Zidi

Kann man sich Säuglinge ansehen, ohne dass einem

das Herz aufgeht? Ganz egal wie verknautscht

das kleine Gesicht ist. Auch außerhalb der Säuglingsstation,

auf der Kinderstation wirkt das „Kindchenschema“,

also die typischen Proportionen des Kleinkindgesichtes.

Die großen, runden Augen, die kleine Nase und

das Kinn lösen sofort ein Schutz- und Fürsorgeverhalten

aus. Das ist evolutionsbiologisch bedingt – und es wirkt.

Bei den Mädels steht dieser Beruf nach wie vor besonders

ganz hoch im Kurs. Jungs gibt es in diesem Ausbildungsberuf

– bisher - nur sehr wenige. Liegt es vielleicht daran,

dass man gerade in diesem Beruf viel mit körperlicher

Nähe zu tun hat? Ein Kriterium, mit dem sich vor allem

männliche Jugendliche etwas schwertun. Definitiv ist es

so, dass Männer in Pflegeberufen qualitativ gleichwerte

Leistungen erbringen und die Anerkennung seitens

der Patienten mindestens genauso hoch ist.

Männer sind in der Pflege generell in der Unterzahl.

Im Jahr 2020 waren, so ein Bericht der Bundesagentur

für Arbeit im Mai 2021, 80 Prozent der in der Krankenpflege

Beschäftigten ohnehin Frauen, in der Altenpflege

lag der Anteil gar bei 83 %. Zuwächse sind kaum zu

verzeichnen. Außerdem fand man heraus, dass die Geschlechterverteilung

in den Metropolen ausgeglichener

ist als in den ländlichen Regionen.

Um Kinderkrankenpfleger/in zu werden, muss man zunächst

eine generalistische Ausbildung als Pflegefachmann/-frau

an einer Pflegeschule beginnen. Im letzten

Ausbildungsjahr kann man dann den Schwerpunkt

auf die Pflege von Kindern legen, um dann den Abschluss

Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in zu

erwerben.

Später kann man dann sowohl in Krankenhäusern, in

Kinderkliniken und Kinderheimen, bei ambulanten

Pflegediensten und in Facharztpraxen für Kinder und

Jugendliche tätig werden. Auch im Rahmen eines dualen

Studiums (Abschluss Bachelor) kann der Beruf erlernt

werden, dann mit der Option auf Tätigkeiten mit Leitungsfunktion.


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WOLL Elternratgeber Adobe Stock 2022 - 45


Für Kreative: Ausbildung zum Medien gestalter/zur Mediengestalterin

Für handwerklich Begabte: Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher/

zur Orthopädieschumacherin

Ausbildung im Berufsbildungswerk Josefsheim Bigge

START INS

BERUFSLEBEN –

AUCH MIT HANDICAP

Britta Melgert

sabrinity

J

eder Mensch lernt in seinem eigenen Tempo.

Was für gesunde junge Menschen kein echtes

Hindernis darstellt, ist für Menschen mit einer

körperlichen oder Lernbeeinträchtigungen eine

echte Herausforderung. Je näher das Ende der Schulzeit

rückt, desto intensiver muss man sich mit den Möglichkeiten

befassen, wie diese Jugendliche ihren beruflichen

Weg finden können. Unter dem Dach des Bigger Josefsheims,

gemeinsam mit dem zuständigen Reha-Berater

der Agentur für Arbeit, ist das hiesige Berufsbildungswerk

(BBW) der richtige Ansprechpartner, um mit engagierter

Unterstützung gemeinsam mit den Jugendlichen

und deren Eltern eine gute Perspektive zu

entwickeln.

„Der bevorstehende Schritt ins Berufsleben fällt Menschen

mit Beeinträchtigung oft schwer“ weiß Martin Künemund,

Leiter des Bigger BBW. „Ohne eine besondere, individuelle

46 - WOLL Elternratgeber 2022


Förderung haben sie kaum Chancen, erfolgreich eine Berufsausbildung

zu absolvieren und anschließend eine Arbeitsstelle

zu finden und zu halten. Wir begleiten unsere Auszubildenden

fachgerecht und engagiert. Unsere Case Manager

kümmern sich wie Coaches beispielsweise darum, dass der

junge Mensch pünktlich in der Schule oder am Arbeitsplatz

erscheint oder das Führen des Berichtsheftes nicht vergisst.“

Ausbildung in acht Berufsfeldern

Klaus-Peter Körner und Christiane Gottschalk sind als Sozialpädagogen

und Integrationsmanager zwei der künftigen

Begleiter. „Wir bieten den jungen Leuten die Ausbildung

in 30 verschiedenen Berufen in acht unterschiedlichen

Berufsfeldern an, beispielsweise im handwerklichen und

technischen Bereich, in der Hauswirtschaft oder der Agrarwirtschaft,

aber auch in kaufmännischen oder verwaltenden

Berufen“, informiert Körner.“

„Die Ausbildung im BBW dauert im Normalfall genauso

lang wie in der freien Wirtschaft“, ergänzt Christiane

Gottschalk. „Auch die Abschlussprüfung vor den Kammern,

z.B. der IHK, ist dieselbe. Die Besonderheit bei uns ist, dass

wir, im Gegensatz zu herkömmlichen Ausbildungsbetrieben,

dank Stütz- und Förderunterricht viel mehr Zeit für

individuelles Lernen haben, um letztlich das erforderliche

Bildungsniveau zu erzielen.“

Das Berufsbildungswerk Bigge gehört zur

JS-Gruppe und ist eins von ca. 50 BBWs in

Deutschland. Zielgruppen in Bigge sind junge

Menschen mit Körper-, Lern- und Hörbehinderungen

oder weiteren Einschränkungen, wie z.B.

Autismus oder ADHS.

Die vorberuflichen Bildungsmaßnahmen, Berufsausbildung

und Unterbringung im Internat werden

gefördert durch die Agentur für Arbeit, die einen

Nachweis für den erforderlichen REHA-Status

ausstellt.

Weiterführende Infos gibt es hier:

www.bbw-bigge.de

Kontakt:

BBW Bigge

Josefsheim gGmbH

Heinrich-Sommer-Str. 13

59939 Olsberg

Telefon: 02962 800-5590

Gelebte Inklusion

Die Jugendlichen sollen möglichst betriebsnah für den ersten

Arbeitsmarkt qualifiziert werden. Martin Künemund

erklärt: „Bis zu einen Jahr der Ausbildungszeit mit dem BBW

findet als Praktikum in heimatnahen Betrieben statt. Viele

unserer Azubis hinterlassen dabei gute Eindrücke und schaffen

sich damit wertvolle Kontakte für die spätere Arbeitsplatzsuche.

Und die Betriebe haben die Möglichkeit, sich

den Azubi in aller Ruhe anzusehen und zu prüfen, ob er

ins Team passen würde. Oft wird daraus eine kleine Erfolgsgeschichte,

die ohne die Ausbildung im BBW nicht stattgefunden

hätte. Inklusive Berufsbildung pur!“

Vorberuflicher Bildungsbereich

zur Orientierung

Viele Eltern sind sich unsicher, ob ihr Kind den Herausforderungen

einer Ausbildung gewachsen ist. Welche wäre

die Richtige? Ist der junge Körper stark genug für die An­

forderungen in der Hauswirtschaft oder für Arbeiten im

Garten und Wald? Käme die Ausbildung zum Mediengestalter

am PC oder als technischer Produktdesigner in Frage?

Klaus-Peter Körner kennt diese Sorgen und kann beruhigen:

„Generell empfiehlt sich unser vorberuflicher Bildungsbereich.

Die jungen Menschen durchlaufen dabei mehrere Ausbildungsbereiche.

Während dieser Zeit zeigt sich, was zu

ihrem Behinderungsgrad und ihren Fähigkeiten passt und

wie es danach weitergehen kann. Und wird es tatsächlich

die klassische Berufsausbildung, oder sind dabei die Anforderungen

vielleicht (noch) zu hoch? Meist besteht auch

die Möglichkeit, sich mit weniger Theorie als Fachpraktiker

in anerkannten Berufen ausbilden zu lassen. So kann

beispielsweise in der Holztechnik sowohl der Tischlerberuf

erlernt werden, aber auch der des Fachpraktikers für Holztechnik.

Erfolgversprechende Chancen auf dem Ersten Arbeitsmarkt

haben Beide, insbesondere im handwerklichen

Bereich.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 47


PRODUKTION

UND FERTIGUNG

Top Berufe:

• Bäcker/-in

• Brauer/in und Mälzer/-in

• Chemikant/-in

• Fleischer/-in

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• Holzbearbeitungsmechaniker/-in

• Produktionstechnologe/-in

• Medientechnologe/-in

• Packmitteltechnologe/-in

• Verfahrensmechaniker/-in

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Ausbildungsangebote

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Dieses Berufsfeld erkunden

auf karriere-hier.de

Foto:Iris Böning

Der besondere Moment,

wenn das heiße Eisen fließt….

Warum Jonas Tebbe der Beruf als „Gießereimechaniker,

Schwerpunkt Handformguss“ begeistert

Sonja Funke

Iris Böning

O

lsberg. „Wenn ich am Ende des Arbeitstages

etwas abgieße und das heiße Eisen fließen

sehe, dann ist das jedes Mal etwas Besonderes“,

sagt Jonas Tebbe. Der Siedlinghauser, der 2021 seine

Ausbildung beendete, hat mit dem „Gießereimechaniker

– Schwerpunkt Handformguss“ seinen Traumberuf

gefunden. Das sagt er nicht, das spürt man und sieht

es ihm an. Wir müssen schauen, direkt vor Ort, was

diesen 25-Jährigen so begeistert. Ab in die Gießerei der

Olsberg GmbH!

Die Tür öffnet sich. Zwei, drei Schritte und da steht Jonas

Tebbe schon: ausgerüstet mit Schutzbrille, Schutzkleidung

und vor einem Kessel, aus dem die Funken sprühen. Er gießt

kleine Eisen-Taler für die Materialprobe. Qualitätsmanagement

muss sein. Mit einem riesigen Thermometer misst er

die Temperatur dieser eisernen Flüssigkeit und ist zufrieden.

1380 Grad! Geschmolzen im großen Kupol-Ofen. Dieses

Haptische fasziniert auch die WOLL-Reporter sofort.

Erst die Form zu bauen, dann Kerne einzusetzen, damit

der Guss später auch Hohlräume für zum Beispiel Elektro­

48 - WOLL Elternratgeber 2022


WIR BILDEN AUS

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motoren oder Pumpen hat. Endlich zu gießen und schließlich

das oft riesige Endprodukt zu sehen. All dies gibt

Jonas Tebbe eine große Zufriedenheit. „Manchmal habe ich

über alle Arbeitsschritte die Verantwortung für ein ganzes

Stück“, freut sich der 25-Jährige. Er identifizierte sich von

Anfang an mit diesem Job. Was an Fähigkeiten mitzubringen

ist? „Man sollte rechnen können, naturwissenschaftlich

interessiert sein und auch technisches Zeichnen gut finden.“

Zwischen 50 Kilogramm und bis zu 8 Tonnen sind die Einzelanfertigungen

schwer. Die Auftraggeber liefern die Modelle,

anhand derer erst die Form aus Sand gefertigt und in

diese dann das Eisen gegossen wird. Drei bis vier Stücke

stellen die Handformer am Tag her - vom Kontergewicht

für den Industrieroboter bis zum Pumpengehäuse.

Vor Ort, in der Gießerei, geht es nun ans Eingemachte. Wie

große Schubladen wirken die Formkästen. Der große Topf

mit dem flüssigen Eisen fährt heran. „Bitte ein paar Schritte

zurückgehen!“ Schon fließt das Eisen in die Negativform

aus Sand und bahnt sich seinen Weg. „Wenn ich als Former

Mist mache, kann ich schon mal locker 20.000 Euro im

wahrsten Sinne in den Sand setzen. Ich passe auf, bei jedem

Arbeitsschritt“, sagt Jonas Tebbe. Erst am nächsten Tag,

wenn alles abgekühlt ist, kann er sehen, ob das 2 x 2 Meter

große Getriebegehäuse gut gelungen ist. Hat alles geklappt?

Muss möglichst wenig nachgeschliffen werden? Die Handformer

tragen die Verantwortung.

„Der Beruf ist leider nicht so bekannt, dabei ist er sehr vielfältig.

Noch dazu brauchen viele Unternehmen in unserer

Region zwischen Hallenberg und Soest die Gießereimechaniker“,

unterstreicht Personalleiterin Dagmar Srajek. An

der Ausbildung bei der Olsberg GmbH ist besonders, dass

hier noch viele handgeformte Gussteile hergestellt werden.

„Unsere Handformerei hat schon eine gute Größe. Wir nehmen

nach vier Wochen Grundausbildung hier im Betrieb

auch die Prüfung für Azubis anderer Unternehmen ab - ein

echter Vertrauensbeweis.“ Und: Wer einmal die Handformerei

erlernt hat, ist begehrt, denn er kommt mit dieser Basis

auch an jeder Maschine klar.

Jonas Tebbe war ein Selbstläufer. „Schon nach zwei Wochen

Praktikum habe ich auf ein halbes Jahr verlängert. Hier sehe

ich, wofür ich Mathe oder Physik gebraucht habe.“ Dabei

hatte der 25-Jährige es erst als Chemisch-Technischer Assistent

probiert. „Die Theorie war spannend, aber die Praxis

im Labor war nichts für mich. Hier sehe ich jeden Abend,

was ich gemacht habe. Dies ist das Passende.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 49


Lothar Molin, Ausbildungsbegleiter

HILFESTELLUNG GEBEN,

WO SIE GERADE BENÖTIGT WIRD

Sabina Butz

Tom Linke

W

as trieb einen Diplomingenieur dazu,

beruflich zum Ausbilder beim Kolpingbildungswerk

umzusatteln und sich über Jahrzehnte

als ehrenamtlicher Mentor, Ausbildungspate

oder Ausbildungsbegleiter in der Engagementsförderung

der Stadt Arnsberg einzusetzen?

Lothar Molin legt sofort los, nicht etwa mit seinem Lebenslauf,

seiner beruflichen Karriere oder seinen anderen

ehrenamtlichen Verdiensten, sondern mit der Feststellung:

„Einem Jugendlichen auf den beruflichen Weg geholfen

zu haben, ist ein sehr bereicherndes Gefühl. Da war

z.B….“ und dann folgt eine kurze Schilderung, wie ein

etwas hilfloser Schüler für sich selbst zur beruflichen Entscheidungsfindung

gelangte und diese dann auch erfolgreich

umsetzen konnte.

Im Mittelpunkt stehen die Berufssuchenden

Unsere Frage, wie das alles anfing, wird ebenfalls mehr aus

der Perspektive der Schüler als der „Helfer“ geschildert:

„Die Engagementförderung der Stadt Arnsberg betreibt

mit der Grimme-Schule ein Projekt mit dem Titel Ausbildungspaten.

Dafür wurden ehrenamtliche Mentoren

gesucht, um die Hauptschüler ab der neunten Klasse auf

den Beruf vorzubereiten, bzw. sich für einen Beruf zu ent­

50 - WOLL Elternratgeber 2022


scheiden. Das war genau mein Ding. Im Mittelpunkt steht

für mich jedes Mal der oder die Schüler/in: Wo liegen die

Stärken und wo sind Schwächen? Wie kann ich den jungen

Menschen dabei begleiten, seine eigene Entscheidung

zu treffen? Viele sind einfach nur nicht informiert. Sie

wissen nicht, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen.

Da setze ich an. Jeder einzelne „schwierige“ Schüler ist für

mich eine Herausforderung: Sie sind ja nicht „schwierig“

geboren. Irgendwie hat doch jeder Schwierigkeiten, die

dazu da sind, überwunden zu werden. Ich glaube, meine

Schüler merken, dass ich sie wertschätze, sie ernst nehme

und vor allem, dass ich zuhören kann.“

Jeder Mensch braucht eine Perspektive

Einen guten Ausbildungsbegleiter zeichnen Verständnis

für die individuellen Sorgen und Probleme bei der Berufsentscheidung

junger Menschen aus. Geduld, Einfühlungsvermögen

und der Glaube, dass jeder Mensch eine

Chance und Perspektive verdient hat, gehören sicherlich

auch dazu. „Wir sind keine ausgebildeten Lehrer, Sozialarbeiter

oder Psychotherapeuten, sondern engagierte Menschen,

die sich den oft komplizierten Lebensbedingungen

Jugendlicher widmen, um Hilfestellung zu geben, wo sie

gerade benötigt wird. Das kann dann auch mal eine Nachhilfe

in bestimmten Fächern sein oder Unterstützung bei

der Bewältigung sozialer Schwächen. Auch Verhaltensmuster,

die aus dem Rahmen fallen, können wir zumindest

erkennen, benennen und vielleicht bewusst machen.

Insgesamt könnte man unsere Arbeit auch als ein Stück

Lebenshilfe bezeichnen“

Berufsberatung verblüffte mich selbst, dass ich ganz offensichtlich

mehr für technische Bereiche geeignet sein

sollte. Mein Vater entschied, ich solle erst einmal etwas

Vernünftiges lernen und suchte mir einen Ausbildungsplatz

als Werkzeugmacher. Danach absolvierte ich mein

Diplomingenieursstudium in Iserlohn und war als Betriebs-

und Personalleiter tätig. Schließlich entdeckte ich

meine wahre Berufung: Technisches Knowhow mit sozialer

Komponente zu verbinden und wurde bis zu meinem

Ruhestand Sozialpädagoge und Pädagoge beim Kolping-

Bildungswerk für Schulabgänger, die noch nicht ausbildungsfähig

waren.

Einen Extratipp für den Einstieg in die Berufsausbildung

kann ich allen empfehlen, bei denen die Ausbildungsfähigkeit

noch fraglich ist: Das Kolping-Bildungszentrum

bietet eine einjährige Berufsvorbereitung an.

Wenn jemand während der Ausbildung Schwierigkeiten

in der Berufsschule hat, dem empfehle ich die Teilnahme

an der ausbildungsbegleitenden Hilfe beim Kolping-Bildungszentrum.“


Extratipp zur Berufsfindung

Was Lothar Molin zu einem qualifizierten Ausbildungsbegleiter

macht, erklärt er so: „Nach meinem Realschulabschluss

wollte ich Bankkaufmann werden. Bei der

Lothar Molin, Jahrgang 1932, engagiert sich neben

seiner ehrenamtlichen Arbeit als Ausbildungsbegleiter

bei den Pfadfindern, der Interessenvertretung

der Behindertenhilfe und Tischtennisspielern

in ihren jeweiligen Aktionen, als Stiftungsvorstand

beim Deutschen Jugendherbergswerk und in vielen

weiteren Aktionen

WOLL Elternratgeber 2022 - 51


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Paul Senske

Förderprogramm Erasmus+ wertet berufliche Ausbildung deutlich auf

„INTERNATIONALE

BERUFLICHE MOBILITÄT“

Erasmus+ oder auch Erasmus plus ist ein Förderprogramm

der Europäischen Union (EU)

für die Schul-, Berufs- und Hochschuldbildung.

Ursprünglich war das Förderprojekt - zunächst als Sokrates-

und Erasmus-Programm bezeichnet - für den

internationalen Studentenaustausch vorgesehen, nach

Zwischenstufen ist es unter der Prämisse des lebenslangen

Lernens und unter dem Begriff Erasmus+ auch für

Schülerinnen und sowie für Auszubildende offen und

findet in der heimischen Region in Berufsschulen und in

Betrieben vermehrt Anklang.

Betriebspraktika im europäischen Ausland oder weltweit

(Förderprogramm „Ausbildung weltweit“) sind angesichts

der weltweiten, wirtschaftlichen Verflechtungen Teile des

beruflichen Anforderungsprofils und werten den Lebenslauf

der Auszubildenden auf. Aus- und Weiterbildung im

Ausland bieten glänzende Möglichkeiten, internationale

Berufskompetenzen und Berufserfahrungen zu erwerben.

Das Lernen von Fremdsprachen, der Erwerb interkultureller

Kompetenzen, Kontakte und Freundschaften sind

weitere Pluspunkte. Dass Betriebspraktika im Ausland die

Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Azubis steigern,

sind ebenfalls nicht zu unterschätzende Aspekte.

52 - WOLL Elternratgeber 2022


Ausbildungsbetrieb muss zustimmen

Die Voraussetzungen für ein Auslandspraktikum sehen

im Wesentlichen ein Mindestalter von 17 Jahren, das Absolvieren

einer staatlich anerkannten Berufsausbildung

sowie mittlere Kenntnisse der Sprache des Ziellandes vor.

Eine Grundvorrausetzung ist die Zustimmung des Ausbildungsbetriebes.

Erasmus+ bietet auch Auszubildenden

mit besonderem Bedarf ein Praktikum im Ausland an.

Der Großteil der Kosten wird durch das Förderprogramm

gedeckt. Auch viele Betriebe zeigen sich kulant.

Die Berufsschulen bzw. Berufskollegs sind die ersten Ansprechpartner

und informieren über Voraussetzungen

und Möglichkeiten für interessierte Azubis, Schülerinnen

und Schüler. Einige Schulen, wie zum Beispiel das

Berufskolleg am Berliner Platz in Neheim-Hüsten oder

das Berufskolleg Meschede, bieten zudem den Erwerb des

Zertifikats „Internationale berufliche Mobilität“ an. Dafür

ist ein jeweils 20-Stündiges Vor- und Nachbereitungsseminar

erforderlich. Dazwischen liegt ein mindestens

zweiwöchiges Praktikum im Ausland. Bei den Kursen,

die im Abendunterricht oder am Wochenende angeboten

werden, geht es vor allem um berufliche Orientierung im

Ausland, um die Kommunikation mit digitalen Medien

oder um Selbstentwicklung und Selbstorganisation.

Berufskolleg am Berliner Platz

in Neheim-Hüsten ist Vorreiter

Ein Vorreiter in Sachen Auslandspraktikum ist das Berufskolleg

am Berliner Platz in Neheim-Hüsten. Das Kolleg

hat sich vor einem Jahr erfolgreich am Verfahren zur

Akkreditierung durch die Nationale Agentur (NA) für

Berufsbildung in Bonn beworben und ist akkreditierter

Erasmus+ Partner. Für die Schule stellt die erfolgreiche

Akkreditierung einen Meilenstein auf dem Weg in eine

verstärkte Internationalisierung der Schule. Ziel ist es,

ihren Lernenden künftig noch mehr Möglichkeiten der

Beteiligung an internationalen Projekten sowie an Praktikumsaufenthalten

im Ausland zu bieten, so das Berufskolleg

des HSK. ■

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Teil – weil wir gemeinsam mit nahezu allen großen

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weitere Infos zu den Berufen und kannst im Blog

einen Blick hinter die Kulissen werfen.

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WOLL Elternratgeber 2022 - 53


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Ausbildung zur PTA

DIE RECHTE HAND

DES APOTHEKERS

Christel Zidi

Arzneimittel herstellen, Ausgangsstoffe für die

Herstellung der Rezepturen zu prüfen – das

lernt man in der zweijährigen Ausbildung

zur/zum Pharmazeutisch-Technischen AssistentIn

(PTA). Doch damit ist es längst nicht genug an Fachwissen:

PTAs wissen, wie Arzneimittel in unserem

Körper wirken und wie man durch sie Krankheiten bekämpft.

Mit diesem Wissen unterstützen sie den Apotheker

in sehr vielen Bereichen..

Wenn es um Arzneimittel geht, haben Apotheker sowieso,

manchmal auch PTAs mit langjähriger Erfahrung, einen

noch besseren Überblick als so mancher Arzt. Sie wissen,

wie und wann die Arzneien am besten wirken. Mit der

Zeit kennen sie ihre Kunden und haben dann im Hinterkopf

gespeichert, welche Arzneimittel der ein oder andere

nicht verträgt – speziell im Zusammenspiel mit scheinbar

harmlosen Mitteln.

Mit Verantwortungsbewusstsein und

ganz viel Fingerspitzengefühl

Verantwortungsbewusstsein steht für PTAs ganz weit

oben. Schließlich geht es um die Gesundheit der

Kunden. Und denen ist z. B. ein übermäßiger Konsum

oftmals gar nicht mal bewusst, z. B. bei der Einnahme

von Nasentropfen, Abführ- oder Schmerzmitteln. Wenn

die/der PTA Kunden darauf hinweist, ist manchmal

nicht nur Fachkenntnis gefragt, sondern auch Fingerspitzengefühl.

Bei der Kundenberatung kann es um die Selbstmedikation,

um die Zusammenstellung der Reiseapotheke, um Ernährung

oder Kosmetik, aber auch mal um Schädlingsbekämpfung

gehen. Ein enormes Fachwissen ist da gefragt.

Pillendrehen und Rezepturen prüfen

Die Prüfung auf Qualität und Reinheit (chemisch, physikalisch

und mikroskopisch) der Ausgangsstoffe von

Rezepturen und Tees wird schon vom Gesetz her gefordert;

Pharmazeutische Gesetzeskunde ist daher ein

eigenes Fach auf der PTA-Fachschule.

Nicht selten wird Patienten ein Arzneimittel verordnet,

das speziell auf deren Bedürfnisse abgestimmt ist. Dann

stellt die/der PTA – meist hinter dem Verkaufsraum der

Apotheke - auch eine Salbe oder eine Lösung her. Oder

sie dreht – ganz klassisch – eine Pille.

Die Ausbildung zur/zum PTA dauert insgesamt 2,5 Jahre,

zwei Jahre davon an einer Berufsfachschule, danach folgt

die sechsmonatige praktische Ausbildung in einer Apotheke.

Sauerlandnah sind die PTA-Fachschulen in Paderborn

und Siegen.

In der boomenden Gesundheitsbranche haben PTA gute

Berufsaussichten. Auch können sie sich zum z. B. zum

Meister oder Technik weiterbilden.■

54 - WOLL Elternratgeber 2022


Mit Hammer, Beißzange und

CAD-System

Meister kommt ihren Kunden zugute. Aber sie

geben es auch gern an ihren aktuellen und künftige

Auszubildende weiter.

Der Trand geht zum

Orthopädieschuhmacher

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PLÄDOYER FÜR EINEN

WUNDERSCHÖNEN

ALTEN

HANDWERKSBERUF

Helmut Gaida

D

er Lehrlingswart der „Schuhmacher-Innung

Hellweg-Lippe“ sieht mit Sorge auf die Zukunft

eines alten Handwerksberufes. Der

Lippstädter Jens Haasmann ist Orthopädie-Schuhmachermeister

und übt seinen Beruf schon seit gut 23

Jahren aus. Mit viel Leidenschaft zu dem Handwerk.

Was ihm als Lehrlingswart - und damit der gesamten

Innung - allerdings fehlt, sind die Auszubildenden.

Jens Haasmann hat einen wunderschönen, alten Handwerksberuf

gelernt und dazu einen nachhaltigen. Als

Orthopädie-Schuhmachermeister weiß er alles über die

Herstellung, Pflege und Reparatur von Schuhen. Anders

als der „normale“ Schuhmacher, ist er auch der Experte für

den Fuß. Spätestens dann, wenn doch einmal der Schuh

drückt oder Fußfehlstellungen zu Knie- und Rückschmerzen

führen, wenn bzw. die Füße Probleme machen und

eine eigens für sie gefertigte Einlage brauchen, weiß man

wie wichtig dieser alte Handwerksberuf doch ist.

In Lippstadt befindet sich seine kleine, orthopädische

Meisterwerkstatt und dass schon seit 50 Jahren. Zwei Orthopädie-Schuhmachermeister,

Jens Haasmann und Frederik

Holtmann kümmern sich dort mit Leidenschaft um

Schuhe und auch Füße. Das geballte Fachwissen der beiden

„Leider fehlen im Schumacher-Handwerk gänzlich

viele Auszubildende und das schon seit

Jahren“, berichtet Haasmann. „Der

Trend geht, wenn überhaupt, zum

Orthopädieschuhmacher. Diesen Beruf hat auch

sein jetziger Azubi gewählt, der voraussichtlich

2025 die Prüfung zum Orthopädieschuhmacher

ablegen wird.

Tradition und Hightech

Wie auch in vielen anderen Handwerksbereichen

verbinden sich im Beruf des

Schuhmachers Tradition und Hightech.

Hammer, Beißzange und Raspel sind zwar die wichtigsten

Handwerkszeuge des Schuhmachers, aber

wenn Einlagen und Schuhe entwickelt und gefertigt

werden, kommt modernste Orthopädietechnik (CAD-

System z. B. für den 4-D-Wirbelsäulenscan) zum

Adobe Stock

Einsatz. Ein regelmäßiger Austausch mit Orthopäden,

Chirurgen und Medizinern gehört natürlich auch dazu.

Während der dualen Ausbildung zum Orthopädie-

Schuhmacher, die 3,5 Jahre dauert, lernt man auch alles

über den menschlichen Bewegungsapparat. Mit diesem

Beruf kann man später auch in Sanitätshäusern,

Kliniken und Schuhfachgeschäften arbeiten. Oder

man macht den Meisterbrief und eröffnet dann seinen

eigenen Betrieb.

Nicht zuletzt hat der Beruf des Schuhmachers auch viel

mit Nachhaltigkeit zu tun. Ein bisher noch schwacher

Trend geht hin zur Reparatur von Schuhen. Nichts gegen

die allseits beliebten Sneaker, aber Haasmann wundert

sich schon länger, dass ausgerechnet junge Menschen,

die mit dem Bewusstsein für Nachhaltigkeit aufgewachsen

sind, mit „Plastik-Schaumhülsen unter ihren Füßen“

zu „Fridays for Future“-Demos gehen. ■

Sneaker sind praktisch,

aber nicht nachhaltig

WOLL Elternratgeber 2022 - 55


METALL UND

MASCHINENBAU

Top Berufe:

• Feinwerkmechaniker/in

• Industriemechaniker/in

• Maschinen- und Anlagenführer/in

• Metallbauer/in

• Konstruktionstechnik

• Metallgestaltung

• Stanz- und Umformmechaniker/in

• Technischer Produktgestalter/in

• Verfahrenstechnologe/in

• Werkzeugmechaniker/in

• Zerspanungsmechaniker/in

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Foto: Matthias Koprek

Sabri Khudida wird Industriemechaniker

Matthias Koprek

EIN PARADEBEISPIEL

FÜR INTEGRATION –

DANK DUALER AUSBILDUNG

N

och vor wenigen Jahren wusste Sabri Khudida

nicht, was eine duale Ausbildung ist. Der

23-Jährige flüchtete 2016 mit seiner Familie

vor der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS),

die in seinem Heimatland Irak für einen verheerenden

Bürgerkrieg sorgte. Nach einer Odyssee durch die Aufnahmeeinrichtungen

in München, Berlin und Köln ist

die Familie in Bad Sassendorf gelandet. Hier konnte

Sabri zunächst seinen Hauptschul- und direkt im Anschluss

seinen Realschulabschluss machen.

Bei einem Tag der offenen Tür für Schüler und Eltern lernte

Sabri 2018 zum ersten Mal das Unternehmen Ohrmann

Montagetechnik in Möhnesee-Wippringsen kennen. „Ich

war fasziniert von den großen Maschinen, die hier gebaut

werden“, sagt er. Noch am selben Tag vereinbarte Sabri

ein Praktikum, um wenig später zwei Wochen lang in den

Familienbetrieb und den Ausbildungsberuf des Industriemechanikers

hinein zu schnuppern.

56 - WOLL Elternratgeber 2022


„Für mich war das wie ein Traum.“

„Die Ankunft in Deutschland war für mich voller Überraschungen.

Im Irak sind die Schule und die Ausbildung

komplett anders. Als ich angekommen bin, habe ich mich

bei der Agentur für Arbeit über Berufe informiert. Für

mich war das wie ein Traum, als ich gemerkt habe, dass

mir hier in Deutschland alle Möglichkeiten offenstehen

und ich mir aussuchen kann, was ich beruflich machen

möchte.“

Die Ausbildung zum Industriemechaniker hat bei Ohrmann

eine lange Tradition. Bereits 1990 – und damit nur

drei Jahre nach Unternehmensgründung – begann hier

der erste Lehrling, wie man damals noch sagte. Der Lehrling

von damals arbeitet noch heute in dem Betrieb, der

Maschinen für komplexe Montageaufgaben in die ganze

Welt verkauft. Angefangen hat 1986 alles mit der Frage,

wie man Dichtungen automatisch in Wasserhähne montieren

kann.

Sabris Einstieg in die duale Ausbildung gelang über ein

Einstiegsqualifizierungsjahr, das ihm die Gelegenheit gab,

seine sprachlichen Defizite wettzumachen. Dieses Jahr

WOLL Elternratgeber 2022 - 57


Industriemechaniker (m/w/d)

Fachrichtung Maschinen- und Anlagenbau

Sabri Khudida war von Anfang an von

den großen Maschinen fasziniert

In der Ausbildung zum Industriemechaniker bei Ohrmann

Montagetechnik lernen Auszubildende Baugruppe,

Stationen und Maschinen bis hin zu ganzen

Produktionsanlagen nach Konstruktionszeichnungen

zusammen zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Besondere

Abwechslung gibt es durch Einsätze vor Ort

bei Kunden, bei denen die Maschinen installiert, repariert

oder gewartet werden. Neben handwerklichem

Geschick sind technisches Verständnis und logisches

Denken gefragt.

verbrachte er gemeinsam mit den anderen Auszubildenden

im Betrieb und besuchte als Gast bereits die Berufsschule.

So konnte er sich in Ruhe mit den Begrifflichkeiten vertraut

machen, die in keinem Deutschkurs gelehrt werden.

„In diesem Jahr konnten alle Seiten ihre Bedenken ausräumen

– ganz ohne Leistungsdruck“, sagt Tanja Beringer

aus der Personalabteilung. „Uns war schnell klar, dass das

klappt und wir nach dem Jahr mit der Ausbildung durchstarten

können.“

Hobby zum Beruf gemacht

Mittlerweile hat Sabri den ersten Teil der Abschlussprüfung

absolviert. Das heißt auch, dass er zunehmend in

komplexe Bauprojekte eingebunden wird und verantwortungsvolle

Aufgaben an Kundenprojekten übernimmt.

„Seit meiner Prüfung werde ich im Standardbereich eingesetzt,

wo halbautomatisierte Stationen für kleinere Maschinen

gebaut werden“, sagt der Azubi.

In den ersten eineinhalb Jahren wurden ihm die Berufsgrundlagen

beigebracht. Dazu gehören der Umgang mit

handgeführten Werkzeugen und das Maschinenarbeiten.

Die Auszubildenden lernen bohren, feilen, drehen, fräsen.

„Natürlich üben sie erst einmal an Lehrprojekten.

Sie werden dann allerdings schnell in den Produktionsprozess

mit einbezogen, indem sie reale Bauteile fertigen,

die später in Maschinen verbaut werden“, erklärt Ausbilder

Ralf Hottmann. „Für mich ist das nicht nur Arbeit,

sondern auch mein Hobby“, erzählt Sabri. Schon im Irak

hat er Fahrräder und Haushaltsgeräte repariert. „Ich habe

defekte Geräte immer auseinandergebaut, weil ich wissen

wollte, wie die von innen aussehen und funktionieren. Im

Praktikum habe ich gesehen, dass bei Ohrmann richtig

große Maschinen gebaut werden, was mich fasziniert hat.“

Erstmals weibliche Azubis zur

Industriemechanikerin

Und so ist die praktische Arbeit mit Werkzeugen und an

den Maschinen weiterhin Sabris Lieblingsaufgabe. Am

Computer hingegen sitzt er eher ungern. „Es ist einfach

toll zu sehen, was man am Ende des Tages mit seinen

Händen geschafft hat“, sagt er.

Auch wenn bis zum Ausbildungsende noch einige Handgriffe

getätigt und Prüfungen absolviert werden müssen,

stehen die Übernahmechancen für Sabri gut. Ohrmann

möchte seine eigenen Fachkräfte ausbilden und behalten.

Neben der Integration von Jugendlichen mit Migrationserfahrung

ist es den beiden Gesellschafterinnen ein großes

Anliegen, auch Mädchen für Technik zu begeistern. Seit

dem Sommer 2021 gibt es erstmals zwei weibliche Auszubildende

zur Industriemechanikerin im Betrieb.

Nach Abschluss der Ausbildung freut sich Sabri vor allem

auf die Montageeinsätze im Ausland. Denn als Industriemechaniker

ist er auch dafür verantwortlich, die fertigen

Maschinen beim Kunden zu montieren. „Das ist wieder

etwas Neues für mich und das finde ich sehr spannend“,

sagt er motiviert. Seit einem Jahr lebt Sabri in seiner eigenen

Wohnung in Möhnesee und ist in seiner neuen Heimat

längst bestens integriert. ■

58 - WOLL Elternratgeber 2022


Felix G. Hensel, Präsident

der IHK Siegen, mit starkem

Plädoyer für berufliche Bildung

UNTERNEHMEN MÜSSEN

VERSTÄRKT RESSOURCEN

IN DIE GEWINNUNG VON

PERSONAL STECKEN

Paul Senske

Vanessa Schulte

Weitblick als Unternehmer und IHK-Präsident: Felix G. Hensel.

ist ein starkes Plädoyer für die duale

Ausbildung: „Nicht von ungefähr hat

Es Deutschland die geringste Jugendarbeitslosigkeit

in Europa“, sagt Felix G. Hensel. „Die berufliche

Bildung vermittelt Basiswissen, man kann in der

beruflichen Laufbahn immer zu den Wurzeln zurück.

Sie ist unverzichtbar.“ Hensel ist persönlich haftender

Gesellschafter der Hensel GmbH & Co. KG in Lennestadt,

einem marktführenden, weltweit agierenden

Unternehmen im Bereich innovativer Produkte und

Dienstleistungen für die elektrotechnische Gebäudeausrüstung.

Seit 2014 ist er Präsident der Industrieund

Handelskammer Siegen, die in Siegen-Wittgenstein

und Olpe rund 25.000 Betriebe vertritt. „Wir

sind eine kleine, aber schlagkräftige IHK.“

Ein bedeutendes Thema der Kammer ist die berufliche

Bildung in der mittelständisch und industriell geprägten,

stabilen Region, die mit rund 180.000 sozialversicherungspflichtigen

Beschäftigten zu den wachstumsstärksten in

NRW gehört, in einigen Bereichen – Schwerindustrie,

Maschinenbau oder Automobilzulieferer – aber Probleme

mit „volatilen Beschäftigungsverhältnissen“ aufweist.

Die IHK berät und unterstützt Ausbildungsbetriebe und

Auszubildende. Corona hat den Ausbildungsmarkt hart

getroffen. In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe

wurden 20 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen.

„Wichtig ist, dass u. a. die Ausbildungsmessen

wieder als Präsenzveranstaltungen anlaufen. Zudem

müssen die Unternehmen die Kontakte zu den allgemeinbildenden

Schulen pflegen und intensivieren“, betont der

75-jährige IHK-Präsident, der nach der Schule zunächst

WOLL Elternratgeber 2022 - 59


eine Banklehre absolvierte, ein Studium als Diplom-Betriebswirt

abschloss, im Marketing sowie bei einer Wirtschaftsprüfungs-

und Steuerberatungsgesellschaft arbeitete,

ehe er ins von seinem Vater gegründete Unternehmen

einstieg und 42 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter

wirkte.

„Marketing mit Substanz“

Ein weiteres drängendes Problem ist das „Finden und

Binden“ von Fach- und Führungskräften. Der Engpass

an Personal: Hensel spricht in diesem Zusammenhang

von einem „virulent großen Thema“, wobei er differenziert.

Hensel, mit rund 900 Beschäftigten, darunter 600

am Standort in Lennestadt, „kommt klar, unser Personal

stammt auch aus dem benachbarten Hochsauerlandkreis“.

Das gelte auch für andere Betriebe im Ostkreis des Kreises

Olpe. Insgesamt seien die Unternehmen aber gezwungen,

verstärkt Ressourcen in die Gewinnung von Personal zu

stecken. „Sie müssen aktiver werden, auch ihr Image stärken.“

Hensel bezeichnet es als „Marketing mit Substanz“

und denkt dabei unter anderem an die Gewährung betrieblicher

Leistungsanreize, sogenannter Incentives wie

Bonuszahlungen, betriebliches Gesundheitsmanagement,

Altersversorgung, Familienfreundlichkeit und anderer Sozialleistungen.

Seit Jahren setzt sich die IHK auch für eine deutliche Verbesserung

der Verkehrsinfrastruktur ein. Während der

Kreis Olpe weitgehend „gut versorgt“ ist, sieht es vor allem

im Wittgensteiner Land anders aus. Die mangelnde

Verkehrsanbindung gilt als die Achillesferse der Wittgensteiner

Wirtschaft. „Das Wittgensteiner Land leidet darunter“,

so Hensel. Für eine Lösung des drängenden Problems

soll eigentlich die sogenannte „Route 57“ sorgen:

Eine Kette von Ortsumgehungen - Kreuztal, Ferndorf,

Hilchenbach, Erndtebrück – soll das Siegerland und das

Wittgensteiner Land besser verbinden. „Das Thema steht

seit 25 Jahren auf der Agenda, bisher ist nicht ein Stein

verbaut worden.“

Das gilt auch für den Bürokratieabbau, ein Kernthema der

IHK. „Die Bürokratie muss so flach wie möglich gehalten

werden“, so Hensel. Wichtig sei, die Planungs- und

Ausbildung bei Viega

GESTALTE MIT UNS DIE ZUKUNFT –

AUCH DEINE EIGENE.

Viega gestaltet mit innovativen Produkten die Zukunft, auch

die unserer Auszubildenden. Seit mehr als 80 Jahren bilden wir

junge Talente in unterschiedlichen Berufen aus.

Gehörst auch Du bald dazu?

Dann freuen wir uns über Deine Bewerbung, die Du uns bevor

zugt online über azubiblog.viega.de zukommen lässt.

Kein Wunder also, dass Auszubildende bei Viega beste Voraus

setzungen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben finden.

Eine fundierte Ausbildung ist für uns genauso selbstverständlich

wie die Aussicht auf langfristige persönliche Entwicklungspers

pektiven und ein fairer, menschlicher Umgang miteinander.

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60 - WOLL Elternratgeber 2022


„Die Route 57 steht seit 25 Jahren

auf der Agenda, bisher ist aber kein Stein

verbaut worden“ (Felix G. Hensel)

Genehmigungsverfahren wie jetzt im Zusammenhang

mit Abriss und Neubau der Rahmede-Brücke

auf der A45 zu vereinfachen oder die

Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten

der Unternehmen zu reduzieren.

Ein weiteres Problem stellt der Flächenmangel

dar. Fehlende Flächen hindern Unternehmen

an der Erweiterung. „Die Topografie der Landschaft

schränkt schon die Möglichkeiten ein,

anderseits gibt es Widerstände seitens einiger

Kommunen und von Naturschutz- bzw. Umweltverbänden,

auch wenn es gute Beispiele für

interkommunale Gewerbegebiete gibt“, betont

Hensel, der weiter von einem „sehr zähen Prozess“

spricht.

Sorgen macht sich Hensel um die künftige

Energieversorgung: „Wie soll eine grundlastsichere,

nachhaltige Energieversorgung aussehen?“.

Diese Frage sei auch und besonders

„Fach- und Führungskräftemangel

ist ein virulent großes Thema“

(Felix G. Hensel)

angesichts des brisanten Weltgeschehens ein

Kernthema sowie Herzensanliegen und „gehe

weit über die Region hinaus“. Hensel, der neben

dem Amt als IHK-Chef noch ehrenamtlich

als Beiratsvorsitzender der LEWA Attendorn

GmbH tätig ist und 2019 das Bundesverdienstkreuz

erster Klasse erhalten hat, glaubt

an ein leichtes Wirtschaftswachstum, „wenn

die Politik die Fäden in den Händen behält. ■

Felix G. Hensel

WOLL Elternratgeber 2022 - 61


WIRTSCHAFT,

VERWALTUNG UND HANDEL

Top Berufe:

• Automobilkaufmann/frau

• Bankkaufmann/frau

• Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk

• Industriekaufmann/frau

• Kaufmann/frau

• für Büromanagement

• für Versicherungen & Finanzen

• im Groß- und Außenhandelsmanagement

• im Einzelhandel

• im E-Commerce

• Steuerfachangestellte/r

• Verkäufer/in

• Verwaltungsfachangestellte/r

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

aus der Region auf

imsauerland.de

Dieses Berufsfeld erkunden

auf karriere-hier.de

Foto: AdobeStock_413731822

„ALS

INDUSTRIEKAUFMANN

IST MAN IN EINER

SEHR GUTEN

AUSGANGSSITUATION“

Monika Loerchner

Georg Giannakis

W

enn Torben Schäfer aus dem Fenster zu seiner Linken

schaut, sieht er eine wunderschöne, grüne Landschaft.

Schaut er an seinem Kollegen vorbei aus dem Fenster

hinten rechts, fällt sein Blick auf riesige Fertigungsanlagen. Hier

produziert die Firma Constab in Rüthen Granulate („Masterbatch“

und „Compound“), aus denen später Folien gefertigt werden.

Als Industriekaufmann gibt es hier kaum einen Bereich, mit

dem Torben Schäfer nichts zu tun hat.

62 - WOLL Elternratgeber 2022


Bei uns

Bei uns

bekommst Du beides.

bekommst Du beides.

im Finanzamt

im Finanzamt

Ausgezeichnete berufliche Perspektiven

Ausgezeichnete Vielseitige Tätigkeitsfelder berufliche Perspektiven

Vielseitige Gute Vereinbarkeit Tätigkeitsfelder von Familie und Beruf

Karrierestart Gute Vereinbarkeit im Beamtenberuf

von Familie und Beruf

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Ausbildung Finanzwirt/in (m/w/d)

Studium Diplom-Finanzwirt/in FH (m/w/d)

MEHR INFOS

MEHR INFOS

Ausbildungsbeginn

Ausbildung Finanzwirt/in

September

(m/w/d)

2023

Studienbeginn

Studium Diplom-Finanzwirt/in

September 2023

FH (m/w/d)

MEHR INFOS

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Wir Ausbildungsbeginn erwarten: September 2023

Wir Studienbeginn erwarten: September 2023

Fachoberschulreife

Wir erwarten:

oder einen

Allgemeine

Wir erwarten:

Hochschulreife

vergleichbaren

Fachoberschulreife

Bildungsabschluss

oder einen

oder

Allgemeine

Fachhochschulreife

Hochschulreife

Wir vergleichbaren bieten: Bildungsabschluss

Wir oder bieten: Fachhochschulreife


Wir

eine

bieten:

zweijährige duale Ausbildung im


Wir

ein

bieten:

dreijähriges duales Studium


Finanzamt

eine zweijährige

kombiniert

duale Ausbildung

mit Unterricht

im


an

ein

der

dreijähriges

Hochschule

duales

für Finanzen

Studium

NRW

an

Finanzamt

der Landesfinanzschule

kombiniert mit Unterricht

NRW

in

an

Nordkirchen,

der Hochschule

Hamminkeln

für Finanzen

oder

NRW

Herford –

in

an

Wuppertal

der Landesfinanzschule

oder Bonn

NRW

mit

in Nordkirchen,

Praxisteilen

Hamminkeln

im Finanzamt

oder Herford –

• berufliche

in Wuppertal

Sicherheit

oder Bonn

• berufliche

mit Praxisteilen

Sicherheit

im Finanzamt

• mtl.

berufliche

Ausbildungsbezüge

Sicherheit

• mtl.

berufliche

Ausbildungsbezüge

Sicherheit

von ca. 1.350,- Euro


von

mtl.

ca.

Ausbildungsbezüge

1.300,- Euro


auch

mtl. Ausbildungsbezüge

während der Studienzeiten

von ca. 1.350,- Euro

von ca. 1.300,- Euro

Erwünscht sind auch Bewerbungen von Schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen. Diese Ausschreibung auch wendet während sich ebenfalls der Studienzeiten

ausdrücklich an Menschen mit

Einwanderungsgeschichte. Du solltest im Zeitpunkt der Einstellung eine Staatsangehörigkeit eines EU-Staates bzw. eines Staats mit einem EU-Rechtsabkommen besitzen.

Erwünscht sind auch Bewerbungen von Schwerbehinderten und ihnen gleichgestellten Menschen. Diese Ausschreibung wendet sich ebenfalls ausdrücklich an Menschen mit

Einwanderungsgeschichte. Du solltest im Zeitpunkt der Einstellung eine Staatsangehörigkeit eines EU-Staates bzw. eines Staats mit einem EU-Rechtsabkommen besitzen.

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„Ich sitze hier im Customer Support“, erzählt Torben Schäfer,

zu Deutsch: im Kundendienst. Der 22-Jährige hat von

2018 bis 2021 seine Ausbildung in dem Unternehmen gemacht

und ist danach geblieben. Als Industriekaufmann

könnte er aber in fast jeder Branche Fuß fassen.

Zu Schulzeiten hatte Torben Schäfer ein Praktikum im

Automobilbereich gemacht, aber schnell gemerkt, dass das

nichts für ihn ist. Über eine Anzeige war er dann auf den

Ausbildungsberuf Industriekaufmann aufmerksam geworden.

„Ich habe mir die Tätigkeitsfelder angeschaut und gedacht:

Das ist es!“ Während seiner Ausbildung hat er das

Berufskolleg Hubertus Schwarz in Soest besucht. „Da waren

Finanz- und Steuerwesen, Controlling, Wirtschafts- und

Sozialwesen sehr wichtig, aber auch Marketing, Vertrieb

und eben Englisch.“

die der junge Mann mit Bravour gemeistert hat. „Als Industriekaufmann

muss man alles im Blick behalten können,

denn wir hängen mit zig Prozessen zusammen. Und wenn

etwas mal nicht planmäßig läuft, muss man alles schnell

umkoordinieren können.“ Neben Organisationstalent und

Teamfähigkeit spielt es auch eine große Rolle, keine Scheu

zu zeigen. So war es selbst für Torben Schäfer, der sich als

offenen Menschen beschreibt, anfangs schwierig, mit ihm

vollkommen unbekannten Kunden am Telefon zu sprechen.

Am meisten schätzt der Industriekaufmann seine Kolleginnen

und Kollegen, dass ihm das Unternehmen ermöglicht,

das zu tun, was ihm Spaß macht und dass nie ein Arbeitstag

dem vorherigen gleicht.

Ausbildung als Basis fürs Studium

Zahlen, Kreativität, Organisation und ganz

viel mit Menschen

„Natürlich war die Ausbildung schwieriger als früher die

Schule“, erzählt er. „Wir mussten sehr viel mehr Eigenverantwortung

und Disziplin aufweisen.“ Eine Herausforderung,

Torben Schäfer liebt seinen Beruf. Er sieht sich selbst eher als

Praktiker und hat noch Großes vor: Seit Januar 2022 studiert

er an der Fernuni Göttingen BWL. „Dafür bekomme ich

von der Firma viel Unterstützung“, erzählt der junge Mann

erfreut. Auch kann er bei Fragen immer praxiserfahrene

Kollegen und Kolleginnen um Rat bitten. Seine Ausbildung

WOLL Elternratgeber 2022 - 63


verkürzt werden. Die praktische Ausbildung

umfasst viele Bereiche eines

Unternehmens: Einkauf und Materialwirtschaft,

die Personalabteilung,

Marketing, Rechnungswesen/

Controlling und den Vertrieb. Oft

werden auch Einblicke in die Produktion

gegeben. Um zur Ausbildung

zugelassen zu werden, bedarf

es keines vorgeschriebenen Schulabschlusses,

jedoch bevorzugen Unternehmen

Bewerber/-innen mit einem

mittleren- oder hohen Bildungsabschluss.

Nach erfolgreichem Berufsabschluss stehen

der/dem Industriekauffrau/-frau viele

Branchen als Tätigkeitsfelder offen. In Sachen

Weiterbildung kann man den Fachwirt machen

oder ein berufsbegleitendes Studium aufnehmen. ■

wird ihm übrigens in Form der ersten drei Semester angerechnet.

Ist parallel zu einer 37,5h-Arbeitswoche

noch zu studieren nicht zu viel? Torben Schäfer

zuckt mit den Schultern und lächelt. „Ja.

Aber ich habe halt meine Ziele.“

Für angehende Auszubildende hat der

zielstrebige junge Mann einen besonderen

Tipp: „Man muss immer

auch selbst sagen, was man sich

wünscht und wo man sich sieht.

Dann wird einem meist vieles ermöglicht.“

Industriekauffrau/-man

Die Ausbildung zur/zum Industriekauffrau/-mann

dauert

3 Jahre, kann aber bei besonders

guter Leistung auf 2,5 Jahre

64 - WOLL Elternratgeber 2022


Endlich

mal eine

Endlich

mal eine

Ausbildung,

die Eltern

UND

die Eltern Nachwuchs

gefällt.

UND

Nachwuchs

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Jetzt bewerben für eine

Ausbildung oder ein duales Studium

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WOLL Elternratgeber 2022 - 65


VON BERUF

POLIZISTIN

Gisela Wilms

Sandra Peetz

F

ragt man kleine Kinder nach ihrem Berufswunsch,

rangiert der der Polizistin oder

des Polizisten in den ersten Reihen. Tolle

Uniform und mit Tatü Tata durch die Straßen

rasen, diese Vorstellungen begeistern die Kleinen.

Aber wie sieht es in der Realität aus? Oberkommissarin

Deborah Flues klärt uns auf.

Offenbar haben Sie sie dann nicht nur begleitet, sondern

sind selbst auf den Zug aufgesprungen?

In der Tat. Als wir in Münster im Bildungszentrum Carl

Severin einen ersten Eindruck von der Polizeiarbeit bekamen,

war für mich klar, dass ich diesen Weg einschlagen

wollte.

Wie lief das Aufnahmeverfahren ab, welche Voraussetzungen

mussten erfüllt sein?

Frau Flues, kommen wir zunächst zu der Aufnahme

Ihrer Personalien, um die berufsspezifische Sprache

zu verwenden.

Deborah Flues: Ich bin 34 Jahre alt, wohne in Arnsberg-

Oeventrop und arbeite als Oberkommissarin in Meschede.

Wollten Sie schon immer Polizistin werden?

Nein. Eine Freundin von mir hat mich damals gebeten, sie

zum Test zu begleiten.

Zunächst habe ich verschiedene Prüfungen in einem

Assessment-Center abgelegt. Es wurden u.a. Rollenspiele,

Rechtschreib- und IQ-Tests gemacht. Damals musste ich

noch einen Sporttest absolvieren, heute reicht das Deutsche

Sportabzeichen, mindestens in Bronze. Die erforderliche

Körpergröße von 1,63 m habe ich mit meinen 1,83 m auch

locker erfüllt. Das dreijährige Duale Studium habe ich in

Münster als Diplom-Verwaltungswirtin abgeschlossen.

Schulische Voraussetzung für den Beginn des Studiums

ist eine Allgemeine Hochschulreife oder ein gleichwertiger

Abschluss. Auf der Seite www.genau-mein-fall.de

der Polizei NRW findet man hierzu genauere

Informationen.

66 - WOLL Elternratgeber 2022


„Es ist die Zufälligkeit eines jeden Tages,

die mir Spaß macht.“

(Deborah Flues)

Wie ging es dann weiter?

Ich wurde zum Wach- und Wechseldienst, wie der Streifendienst

korrekt bezeichnet wird, in Köln eingesetzt, was

eine tolle und erfahrungsreiche Zeit war. Das Einsatzspektrum

ist sehr groß, wovon man auch noch im späteren Berufsleben

profitiert.

Apropos Erfahrungen. Was belastet Sie einerseits, was

gibt Ihnen andererseits das Gefühl, den richtigen Beruf

gewählt zu haben?

Belastungen stellen für mich die Fälle dar, bei denen

Kindern etwas zugestoßen ist. Zum Beispiel durch

einen Verkehrsunfall. Das sind schwer zu verkraftende

Ereignisse, die auch lange im Gedächtnis bleiben. Ein

gutes Gefühl entsteht hingegen, wenn man der Ehefrau

den dementen Mann wiederbringt, der sich verlaufen

hatte, oder man innerhalb einer Familie Konflikte lösen

konnte.

Muss man für die vielfältigen Aufgaben ein persönliches

Rüstzeug mitbringen, damit man mit den verschiedenen

Situationen fertig wird?

Über Empathie sollte man verfügen, sozial eingestellt und

stressresistent sein.

Wie würden Sie mit wenigen Worten beschreiben, was

das Interessante an dem Beruf der Polizistin ist?

Es ist die Zufälligkeit eines jeden Tages, die mir Spaß

macht. Nur ein Bruchteil meiner Tätigkeit kann als Routine

bezeichnet werden. Wenn diese Tätigkeit dann noch

gemeinsam mit einem tollen Team erledigt wird, weiß

man, dass die damalige Entscheidung für den Beruf der

Polizistin richtig war. ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 67


Praxis in der Ausbildung unersetzlich:

Einzelhandel bietet glänzende Chancen

VON DER „PIKE AUF*“

KARRIERE STARTEN

AdobeStock_413731822

Paul Senske

zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen

mit großer volkswirtschaftlicher

Er Bedeutung: Der Einzelhandel ist die wichtigste

Kraft der Binnenwirtschaft, die Umsatzentwicklung

gilt als bedeutender Indikator zur Beurteilung

der Konjunktur. Der Anteil des Einzelhandels mit

bundesweit rund 339.000 Unternehmen an den privaten

Konsumausgaben liegt über 30 Prozent. Gleichzeitig

bietet der Handel glänzende berufliche Perspektiven:

Viele Führungskräfte haben von der Pike auf*

ihre Karriere gestartet. „Karriere mit Lehre“: Dies

trifft besonders auf den Handel zu.

Die Zahlen sind eindeutig: Über 80 Prozent der Führungskräfte

der Branche haben ihre Karriere mit profunder Praxis-Erfahrung

als Auszubildende und der anschließenden

Fort- und Weiterbildung begonnen. Die „Karriere mit

Lehre“ gilt im Einzelhandel nach wie vor als Regel. Praktische

Erfahrungen, die Kenntnisse der Aufgaben am Point

of Sale, der Umgang mit Kundinnen und Kunden sind

und bleiben als Basis unentbehrlich für eine Karriere in

einem Unternehmen oder als selbstständige Händler. Der

Handel ist wie kein anderer Wirtschaftszweig nah am Verbraucher

und trägt zur Attraktivität der Städte und Gemeinden

bei – das gilt nicht nur für die Fußgängerzonen,

die in Südwestfalen teilweise attraktiver als in manchen

Großstädten sind.

Zwei Kernberufe bleiben „Renner“

Von den rund 330 Ausbildungsberufen in Deutschland

entfielen Mitte des letzten Jahres rund 12 Prozent der

68 - WOLL Elternratgeber 2022


angebotenen Ausbildungsstellen allein auf die beiden

Kernberufe. 33.700 Stellen wurden von den Handelsunternehmen

für eine Ausbildung zum Kaufmann oder zur

Kauffrau im Einzelhandel angeboten. 24.000 waren es

für die Ausbildung zum Verkäufer oder zur Verkäuferin.

Fast drei Viertel aller Azubis im Einzelhandel erlernen

diese beiden klassischen Berufe, sie sind und bleiben ein

Renner.

Große Anzahl an Ausbildungs-Berufen

im Handel

Neben diesen beiden Einzelhandelsberufen bietet die

Branche weitere 60 Ausbildungs-Berufe an. Vom Kaufmann/Kauffrau

im E-Commerce mit steigender Tendenz,

Drogist/Drogistin, Tankwart/Tankwartin (für technisch

geprägte Aufgaben an Tankstellen) über Fahrradmonteur/

Fahrradmonteurin bis zur Fachkraft für Möbel-, Küchenund

Umzugsservice: Das Angebot ist reichhaltig.

Die Aufstiegschancen im Einzelhandel sind nach einer

Ausbildung und nachfolgenden Qualifizierungsprogrammen

und einer sogenannten „Aufstiegsfortbildungsprüfung“

gut. Die Karriereleiter umfasst u. a.

folgende Stufen: Substitut/Substitutin, Filialleiter/Filialleiterin,

Bezirksleiter/Bezirksleiter oder Geschäftsführer/

Geschäftsführerin.

Eine Tendenz zeichnet sich in den letzten Jahren ab:

Der Akademikeranteil im Handel steigt, u.a. aufgrund

der wachsenden Internationalisierung. Der Handel bietet

jungen Leuten mit Hochschulreife attraktive Ausbildungswege,

sogenannte berufsintegrierte

Bildungsgänge an: Nach dem Abschluss

der Ausbildung kann

die Fortbildung (Handelsfachwirt/Handelsfachwirtin

bzw. Fachwirt/Fachwirtin

für Vertrieb im

Einzelhandel) folgen.

Ein anderer, ebenso erfolgsversprechender

Einstieg

und Weg, ist das

duale Studium. Es wird

an einer Berufsakademie

oder Fachhochschule mit einer betrieblichen Ausbildung

kombiniert. Natürlich bietet auch ein Studium

der Betriebswirtschaft an einer Universität oder Fachhochschule

gute Einstiegsmöglichkeiten. ■

Der Einzelhandel erlebt durch die zunehmende

Digitalisierung derzeit einen tiefgreifenden Strukturwandel.

Die Umsätze im Online-Handel wachsen

Jahr für Jahr zweistellig. Mittlerweile werden zehn

Prozent des Gesamtumsatzes im Einzelhandel online

erzielt. Auch immer mehr bisher rein stationäre

Unternehmen sind im Internet für Ihre Kunden erreichbar

und werden zu Mulitchannel-Händlern.

Quelle: Handelsverband Deutschland (HDE)

*Von der Pike auf:

Die Redewendung stammt aus dem Militärischen: Die Pike war

eine Lanze und damit die einfachste Waffe eines Rekruten. Er begann

seine Laufbahn mit der Pike als Waffe. Heute wird die Redewendung

folgerichtig gebraucht, wenn jemand etwas von Anfang

an lernt.

Akademikeranteil im Handel steigt

Jetzt für

Oktober

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sofort in der Praxis

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Wirtschaft & IT

WOLL Elternratgeber 2022 - 69


LANDWIRTSCHAFT, NATUR

UND UMWELT

Top Berufe:

• Fachkraft Agrarservice

• Forstwirt/in

• Florist/in

• Gärtner/in

• Garten- und Landschaftsbauer/in

• Landwirt/in

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Ausbildungsangebote

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Foto: Vanessa Schulte

Hendrik wird Forstwirt

IM HERZEN

SCHON IMMER EIN

WALD

ARBEITER

Christel Zidi

Vanessa Schulte

H

endrik Pütter (16) aus Antfeld

weiß schon lange genau, was er beruflich

machen will: Forstwirt. Ein

entsprechendes dreiwöchiges Praktikum bestätigte

ihn in seiner Entscheidung. Am 1.

August beginnt seine Ausbildung: beim Forstamt

der Stadt Brilon.

Während die einen sich zwischen den vielfältigen

Ausbildungsmöglichkeiten kaum entscheiden

können, gibt es die anderen, die schon sehr

früh und sehr genau wissen, was sie wollen. „Ich

habe schon von klein auf immer gern im Wald

gespielt“, berichtet Hendrik. Ob da schon die

Gedanken an den späteren Beruf aufkeimten?

Wenn man Hendrik bei der Arbeit zuschaut,

kommen da nicht die geringsten Zweifel auf.

Über die Aufgaben, die bald auf ihn zukommen,

weiß Hendrik schon bestens Bescheid: Das

70 - WOLL Elternratgeber 2022


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Aufforsten von Flächen mit selbst gezogenen Bäumen.

Das Pflegen und Schützen von Waldflächen, aber auch

von Biotropen, Mooren und Gewässern. Für die Walderneuerung

ernten Forstwirte Tannenzapfen oder sammeln

den Samen von Laubbäumen. „Umweltschutz ist mir extrem

wichtig“, sagt Hendrik. Forstwirte bauen und unterhalten

auch Wald- und Forstwege, montieren Hochsitze,

bringen Nistkästen an und kümmern sich um Wildfutterplätze.

„Und die körperliche Arbeit ist ja auch gut für die

Gesundheit, besonders ab einem gewissen Alter“, sagt der

16-Jährige und grinst, sich seiner Jugend bewusst. Das Fitness-Studio

kann er sich sparen. Besondere Freude macht

Hendrik die Arbeit mit der Kettensäge. Bei der Holzernte

müssen Bäume gefällt, die Stämme entastet, gemessen

und markiert werden. Hendrik freut sich schon darauf,

dass er schon in wenigen Jahren auch Harvester fahren

darf, die großen Holzerntemaschinen. Die bringen sogar

ein wenig Digitales in den Wald, denn während diese die

Bäume verarbeiten und messen, übermitteln sie die dabei

gewonnenen Daten direkt an forstwirtschaftliche Informationssysteme.

Mit soviel Computer im Wald kann,

kann Hendrik – bei aller Liebe zur Natur - gut leben. ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 71


GASTRONOMIE UND

DIENSTLEISTUNGEN

Top Berufe:

• Drogist/in

• Fachkraft im Gastgewerbe

• Friseur/in

• Hauswirtschafter/in

• Hotelfachmann/frau

• Koch/Köchin

• Restaurantfachmann/frau

• Sport- und Fitnesskaufmann/frau

• Tourismuskaufmann/frau

• Veranstaltungskaufmann/frau

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Foto: sabrinity

Vielfältiges Lernen in Hotellerie und Gastronomie

AZUBIS ERZÄHLEN

Sonja Nürnberger

sabrinity/Hotel Knippschild

Roxana Engemann

72 - WOLL Elternratgeber 2022


F

Für eine Ausbildung im Gastgewerbe muss

man das Sauerland nicht verlassen, denn tolle

Hotels gibt es schließlich auch bei uns. Das

Angebot an Ausbildungsplätzen ist breitgefächert und

Menschen, die auf der Suche nach Ruhe und Erholung

sind, wird es wohl immer geben. Das Sauerland hat

genau dafür eine Menge zu bieten. Vielleicht vergisst

man das, wenn man es jeden Tag vor Augen hat…

Es gibt Abwechslung und anspruchsvolle Aufgaben in

jedem Beruf – und diese können ganz unterschiedlich sein:

Nui Kesper

Handwerk und Kunst in

der Küche

Dass der Beruf des Kochs

körperlichen Einsatz bedeutet,

ist jedem bekannt. Die

Ausbildung ist jedoch vor allem

spannend und vielseitig:

Arbeitstechniken und allerlei

Wissenswertes über Lebensmittel

werden erlernt, Fisch und Fleisch stehen auf dem

Lehrplan genauso wie Pflanzliches und Desserts. Kreativität

und handwerkliches Geschick sind hier gefragt und das

ist auch das, was Nui Kesper besonders an diesem Ausbildungsberuf

reizte. Die 20-Jährige hat im vergangenen

Herbst ihre Ausbildung im Hotel Diedrich in Hallenberg

begonnen. Und diese beinhaltet natürlich noch viel mehr:

Einkauf, Lagerverwaltung, die Erstellung der Speisekarte.

Außerdem müssen alle Abläufe und Planungen rund um

die Küche organisiert werden. Ein typischer Arbeitstag

startet bei Nui um 13 Uhr und endet gegen 21 Uhr. Arbeitszeiten,

an die sie sich erst einmal gewöhnen musste: drei

bis vier Tage im Betrieb, ein bis zwei Tage Berufsschule,

zwei Tage frei. „Man muss viel Durchhaltevermögen haben

für diese Ausbildung und mit Leidenschaft dabei sein.

Kochen muss man mögen. Es ist ein körperlich anstrengender,

oft stressiger Job – der aber eben auch richtig viel

Spaß macht und mit dem ich am Ende überall auf der Welt

arbeiten kann.“

Echte Hotel-Allrounder

Besonders vielschichtig ist die Ausbildung als Hotelfachmann/-frau.

„Mich hat schon immer das Reisen interessiert

und dazu gehört oft eben auch ein Hotel. Ein Job, bei dem

ich von morgens bis abends

nur im Büro sitze, kam für

mich nicht infrage.“ Seit zwei

Jahren macht die 19-jährige

Laura Küsgen nun ihre Ausbildung

zur Hotelfachfrau im

Hotel Rimberg und überlegt,

danach ein Studium im Hotel-

oder Restaurantmanagement

anzuschließen. „Viel Bewegung und Kontakt zu den

Gästen waren mir auch besonders wichtig“, ergänzt Leonie

Fisch (20), die ihre Ausbildung im Hotel Knippschild in

Rüthen macht.

Tessa Japes, die kurz vor

ihrer Abschlussprüfung im

Jagdhaus Wiese steht, erklärt:

„Man durchläuft viele Bereiche

wie Küche, Rezeption,

Housekeeping und Service.“

Es ist wichtig, die Schnittstellen

zwischen den Abteilungen

zu überblicken und

zu schauen, ob die Qualität

in den Bereichen stimmt.

Die Arbeit nah am Gast verlangt viel Kommunikation:

„Am einfachsten haben es natürlich Menschen, die

nicht schüchtern sind. Dabei

müssen sie ihre eigenen

Belange auch mal zurückstellen

können“, stellt Laura

fest und Tessa fügt hinzu:

„Ich war zu Beginn der Ausbildung

eher zurückhaltend,

bin aber schnell aufgeschlossener

geworden. Es ist also

möglich, in die Aufgabe

hineinzuwachsen. Das ist etwas, was mir auch nach meiner

Ausbildung hilft.“ Teamfähig sollte man sein, denn:

„Ohne ein gutes Team funktioniert im Hotel gar nichts,

hier ziehen alle an einem Strang“, sagt Leonie.

Tessa Japes

Servicespezialisten

Laura Heuwes (26) ist schon in der Gastronomie großgeworden

und im Studium merkte sie schnell, dass sie

eher genau dort hingehört. So begann sie stattdessen

eine Ausbildung als Restaurantfachfrau im Hotel Dei­

Laura Küsgen

Leonie Fisch

WOLL Elternratgeber 2022 - 73


mann mit einer Zusatzqualifikation im Küchen- und

Servicemanagement. „In der Schule lerne ich die Theorie

sowohl für das Restaurantfach als auch für die

Küche.“ Im Betrieb hat sie schon die verschiedenen Restaurants

für Haus- beziehungsweise À-la-carte-Gäste

sowie das Sternerestaurant kennengelernt. Weiter geht

es über die Küche und die Reservierung hin zur Bankettabteilung.

Als Restaurantfachfrau beherrscht Laura alle

Abläufe im Service. Immer im Blick: Das Wohlergehen der

Gäste. „Dafür muss man aufgeschlossen und auch mal hart

im Nehmen sein. Die Arbeit ist anstrengend, gleichzeitig

kann sie dich auch sehr glücklich machen – umso mehr,

wenn du die Möglichkeit bekommst, einmal in einem

Sternerestaurant zu arbeiten.“

Organisationstalente

Auch Roxana Engemann (20) ist die Liebe zum Gastgewerbe

quasi in die Wiege gelegt worden. Ihr Vater führt ein Hotel

in dritter Generation und hat im Waldhaus Ohlenbach

in Schmallenberg seine Ausbildung gemacht – genauso wie

Roxana heute: „In meiner Ausbildung zur Hotelkauffrau

lerne ich die ganzen Facetten eines Hotels kennen. Die

Rezeption ist das erste und letzte, was ein Gast sieht. Wir

stehen vor und nach dem Aufenthalt in Kontakt mit den

Gästen, beraten sie, organisieren Extras“, erklärt sie. Auch

kaufmännische Dinge wie etwa die Buchhaltung stehen

auf dem Plan, genauso wie die Menügestaltung oder die

Veranstaltungsplanung. „Wir koordinieren das Zusammenspiel

aus Wellness, Service, Küche und Verwaltung. In

der Ausbildung lernt man aber auch die anderen Bereiche

eines Hotels kennen.“

Diese Vielseitigkeit gefiel auch Kemal Akgün (21).

Er beendet bald seine Ausbildung im Hotel Platte:

„Ich hatte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann

begonnen; das war mir aber zu monoton. Etwas

Kaufmännisches sollte es aber

trotzdem sein, weil ich gut

mit Zahlen umgehen kann.

Und so kam ich schließlich

auf den Beruf des Hotelkaufmanns.“

Auch nach drei

Jahren sagt er: „Ich nutze

jeden Tag, um etwas Neues

zu lernen und mich weiterzubilden.

Diese Ausbildung ist

Kemal Akgün

eine, bei der es nie langweilig wird. Wer offen, aktiv und

kreativ ist, der hat hier tolle Möglichkeiten.“

Merle Schmidt

Sportlich im Arbeitsalltag

„Eigentlich war mir schon

immer klar, dass ich die Leidenschaft

zum Sport auch

beruflich ausleben möchte“,

erinnert sich Merle Schmidt.

„Ich wollte etwas mit

Abwechslung, Bewegung und

Begeisterung.“ Und das bekam sie. Die 21-Jährige macht

seit vergangenem Jahr eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau

im Hotel Deimann. „Schon nach wenigen

Monaten Ausbildung konnte ich meinen Trainerschein

machen und somit eigenständig Kurse geben, mit Gästen

des Hotels an den Geräten trainieren oder individuelle Fragen

beantworten.“ Kaufmännisch wird es im SPA an der

Rezeption: Termine buchen, Mails beantworten und organisieren,

was zu organisieren ist. „Man sollte selbst Spaß

an Bewegung haben und gerade im sportlichen Bereich ist

Motivation und ein sicheres Auftreten von Vorteil.“ Was

Merle später einmal vor hat? „Ein Studium im Sportbereich

könnte ich mir gut vorstellen. Ein klarer Vorteil ist,

dass man mit diesem Beruf sehr viel von der Welt sehen

kann. Diese Möglichkeit möchte ich nutzen.“

Ein Auge für Ästhetik

Sophie Seeger ist 21 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr als

Kosmetikerin im Hotel Deimann. „Schon während meines

Fachabis habe ich zwischendurch ein Praktikum in einem

Kosmetikstudio absolviert und schließlich entdeckt, dass

ich auch im Hotel eine solche Ausbildung machen kann“,

erzählt sie. „Anders als im Kosmetikstudio hat man es im

Hotel mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und kann

so noch mehr Erfahrungen sammeln.“ Auch ihre Kollegin

Leonie Hübel (19) lernt Kosmetikerin: „Unsere Aufgaben

sind sehr vielseitig: von kosmetischen Behandlungen für

Gesicht und Körper bis Maniküre und Pediküre, Wellnessmassagen,

Make-Up, Hamam-Behandlungen und was es

sonst noch für Angebote gibt.“ Sophie stellt fest: „Man

muss für diesen Beruf offen auf Menschen zugehen können,

keine Angst vor Körperkontakt haben und einen Blick

für Schönheit und Ästhetik haben.“ Neben den Behand­

74 - WOLL Elternratgeber 2022


lungen beraten die beiden die Gäste, verkaufen Produkte

und unterstützen bei der Vor- und Nachbereitung diverser

Behandlungen. Zudem sorgen sie und ihre Kolleginnen

dafür, dass der Wellness- und Behandlungsbereich immer

ein Wohlfühlort für die Gäste darstellt.

Das Sauerland ruft

Kaum eine Branche ist so international wie die Hotelbranche.

Hast du hier eine gute Ausbildung absolviert,

kannst du auf der ganzen Welt arbeiten, denn die Skills,

die du hier lernst, sind dieselben. Firuz Eshonov (26)

und Jahongir Muhamadiev (18) sind Auszubildende zum

Hotelfachmann im Gasthof Schütte. Sie sind aus Tadschikistan

nach Deutschland

gekommen.

Firuz ist schon eine Weile

hier. Er wollte nach seinem

Wirtschaftsstudium in Tadschikistan

ursprünglich eine

Ausbildung zum Landwirt

machen, merkte aber schnell,

dass er lieber mit Menschen

arbeiten möchte – und das

geht ganz wunderbar im Hotel. Das fand auch Jahongir,

der nicht nur wegen der Ausbildung, sondern auch wegen

der Sprache ins Sauerland gekommen ist. „Während

meiner Schulzeit habe ich bereits drei Jahre Deutsch gelernt,

aber es ist schwer, das

Sprechen zu lernen, wenn

du niemanden außerhalb des

Unterrichts hast, mit dem

du dich auf Deutsch unterhalten

kannst“, stellt er fest.

Im November 2021 kam er

daher nach Deutschland. Erfahrung

in der Gastronomie

hatte er schon im Restaurant

seines Onkels gesammelt. Dort fühlte er sich frei und es

fiel ihm leicht, mit den Gästen in Kontakt zu sein.

Firuz fand den Gasthof Schütte über das Internet. Jahongir,

sein Cousin, schließlich über Firuz, der nur Gutes zu

berichten hatte. „Wenn die Sprache ausreicht, dann ist es

eigentlich kein Problem, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Dann kann man sich bewerben, wie alle anderen

das auch tun.“

Janhongir Muhamadiev

Firuz Eshonov

Natürlich war und ist das Thema Sprache immer präsent.

Jahongir erzählt: „Es dauerte eine Weile, bis ich mich an

die Sprache gewöhnt hatte. Aber dann wurde es leichter.“

Firuz ging es ähnlich. Der Google-Übersetzer war ständiger

Begleiter in der Berufsschule und vor allem Fächer wie Religion

oder Politik fielen schwer. Hilfreich war es da, dass

sie mit anderen Nicht-Muttersprachlern in einer Klasse

waren: Mitschüler und Mitschülerinnen verschiedener Nationalitäten

stehen vor ähnlichen Schwierigkeiten, können

so ihre Erfahrungen teilen und sich helfen. Im Hotel selbst

war das von Anfang an kein großes Problem. „Unsere Kollegen

und auch der Chef und die Chefin sind sehr verständnisvoll

und wenn wir einmal etwas nicht verstehen,

dann wiederholen sie es geduldig“, so Firuz. Und: „Egal,

wie gut die Sprache ist, es ist wichtig, dass einem die Arbeit

Spaß macht, der Rest kommt von allein.“

Arbeiten im Team und auf Augenhöhe

Eine Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie bringt

Abwechslung und Expertise in einem Beruf mit Zukunft.

Die Auszubildenden sind sich einig: Es ist vor allem die

Arbeit im Team, die Freude bereitet und eine Ausbildung

in einem familiären Umfeld mit Chefs und Chefinnen, mit

denen man auf Augenhöhe sprechen kann. Und dann ist

da noch das Sauerland. Kemal sagt: „Man muss nicht nach

Hamburg oder ins Allgäu, um diesen Beruf zu erlernen.

Unsere Gäste kommen aus der ganzen Welt hierher. Das

hat mir die Augen dafür geöffnet, wie schön das Sauerland

ist.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 75


Melina Kasten ist mit Freude bei der Arbeit

HAUSWIRTSCHAFT -

EIN MODERNER BERUF

Christel Zidi

Privat

N

icht wirklich bekannt, oft auch ein wenig

verkannt, ist ihr Beruf noch immer. Von einigen

wird er oft noch mit dem „im Haushalt

arbeiten“ in Verbindung gebracht. Was wirklich hinter

dem Beruf der Hauswirtschafterin steht, hat Melina

Kasten erfahren. Sie ist stellv. Hauswirtschaftsleiterin

im Seniorenzentrum St. Gerhardus in Drolshagen.

Durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Pflegeeinrichtung

entdeckte sie den Beruf für sich. Nach

Abschluss ihrer Ausbildung und mit einigen Jahren

Berufserfahrung kann sie ganz klar sagen: „Hauswirtschaft

ist ein moderner Beruf, der sich immer wieder

an neue Gegebenheiten anpassen muss.“

„Ohne die Hauswirtschaft wäre der Alltag im Pflegeheim

undenkbar.“ Melina Kasten ist es wichtig zu betonen, was

für ein wertvoller und wichtiger Bereich die Hauswirtschaft

ist. Viele Arbeitsabläufe in dem Seniorenzentrum,

in dem sie tätig ist, sind nicht für alle ersichtlich. Von der

Wäscheversorgung, bis hin zur Reinigung, über die Speisenversorgung

und die Dekoration des Hauses, hinter alle

dem und mehr stecken die Hauswirtschafter*innen. Ein

abwechslungsreicher Beruf, Langeweile kennt man hier

nicht.

Dabei wollte Melina diesen Beruf eigentlich gar nicht ergreifen.

Erst durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer

Pflegeeinrichtung, im Bereich der Hauswirtschaft, hat sie

die Freude für diesen Beruf entdeckt. Da sie zuvor das Abitur

gemacht hatte, konnte sie quer in die Ausbildung zur

Hauswirtschafterin einsteigen. Heute, sieben Jahre später,

sagt sie: „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.“

76 - WOLL Elternratgeber 2022


„Ich kann mir keinen schöneren Beruf

vorstellen“ (Melina Kasten)

Es geht manchmal etwas turbulent und immer herrlich

abwechslungsreich an ihrem Arbeitsplatz zu. Besonders

dann, wenn Feste und Veranstaltungen anstehen:

„Die Planung und Gestaltung

und der Ablauf bereiten mir immer

wieder viel Freude. Ich genieße

es, den direkten Kontakt zu den

Bewohnern, Angehörigen oder

Gästen zu haben.“

Spannend war es für sie, die verschiedenen

Bereiche der Hauswirtschaft

(Küche, Wäscherei, Reinigung,

Service etc.) kennenzulernen

und zu entdecken, wie vielseitig dieser

Beruf ist. Ein Beruf, bei dem sie sich aktiv

in die Arbeitseinläufe einbringen kann: „Wir im Team

versuchen immer wieder, neue Wege zu gehen. Derzeit

sind die Themen Nachhaltigkeit

und Umweltschutz ganz

groß. Das versuchen

wir in unserer täglichen

Arbeit umzusetzen.“

Dabei

arbeitet sie nicht

nur mit anderen

Teams zusammen,

sondern steht auch

immer in Kontakt

mit Bewohnern und

Kunden: „Auch über die

eigentliche Arbeit hinaus hat

man als Hauswirtschafterin immer

ein offenes Ohr und ist Ansprechpartner.“ Deshalb sind

auch persönliche Eigenschaften wie Empathie, Teamfähigkeit,

Kontaktfähigkeit, Flexibilität und Freude an

der Arbeit mit und für Menschen unerlässlich für diesen

Beruf.

Immer neue Herausforderungen zeichnen ihren Beruf

aus, Fähigkeiten müssen stetig erweitert werden. Melina

Kasten hat ihre Ausbildung in einem Alten- und Pflegeheim

in Nümbrecht absolviert. Hier war sie hauptsächlich

im Küchen- und Servicebereich tätig, zudem auch in

der Wäscherei und Reinigung. Sogar ein Praktikum bei

einer Floristin war Teil der Ausbildung. Anschließend

wechselte sie in ein Pflegeheim für junge Menschen in

Nümbrecht, wo sie in Teilzeit in Küche und Service tätig

war. „Es war sehr spannend auch die Arbeit mit jüngeren

Menschen kennenzulernen.“ Während dieser

Zeit machte sie die Weiterbildung zur

Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin.

Überhaupt gefallen Melina Kasten

die vielen Möglichkeiten, die sich

nach der Ausbildung ergeben: Eine

Option ist die Weiterbildung zum

Hauswirtschaftsmeister*in, eine

andere die zum Hauswirtschaftlichen

Betriebsleiter*in, einschließlich

der Qualifizierung zum Ausbilder/in

der Hauswirtschaft.

Mit dem Abitur, oder aufbauend auf einer der eben genannten

Weiterbildungen, ist auch ein Studium zur Ökotrophologin/Ökotrophologe

o. ä. möglich. Eine weitere

Möglichkeit ist, nach dem Studium Hauswirtschaft an

Berufsschulen zu unterrichten. „Mittlerweile werden

auch weitere Studiengänge angeboten, bei denen ein

Bachelor-Abschluss inkludiert ist. Zum Beispiel

Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaften.

Zudem können diverse Fortbildungen absolviert

werden, um sich zu spezialisieren und das

Wissen ständig zu aktualisieren“, ergänzt Melina.

Melina Kasten trat nach ihrem Weiterbildungsabschluss

die Stelle als stellvertretende Hauswirtschaftsleiterin

im Seniorenzentrum St. Gerhardus

an. Den Wert ihrer Tätigkeit weiß sie sehr gut einzuordnen:

„Mir ist wichtig zu betonen, was für ein wertvoller

und wichtiger Bereich die Hauswirtschaft ist.“ Man

spürt ganz deutlich, wie viel Freude ihr die Arbeit bereitet,

nicht zuletzt dann, wenn sie sagt: „Ich habe einen wirklich

schönen Beruf“. ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 77


KUNST, GESTALTUNG,

MEDIEN

Top Berufe:

• Gestalter für visuelles Marketing

• Mediengestalter/in

• Digital und Print

• Gestaltung und Technik

• Raumausstatter/in

• Schilder- und Lichtreklamehersteller/in

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

aus der Region auf

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Foto: FH Südwestfalen

78 - WOLL Elternratgeber 2022


Studierende der Fachhochschule in Soest

Studiengang Design- und Projektmanagement

an der FH Südwestfalen

MIT DEM WEITBLICK

EINES GENERALISTEN

Christel Zidi

FH Südwestfalen

W

er sich bisher nicht zwischen einem Design-,

einem Wirtschafts- und einem Technikstudium

entscheiden konnte, braucht das

auch nicht mehr. Denn in Soest kann man einen Studiengang

belegen, der alle drei Fachbereiche beinhaltet.

Einzigartig in Deutschland – und mit dem Standort in

Soest auch ganz nah für die Sauerländer.

Sich zunächst ein breites Wissen aneignen, dann die Konzentration

auf eine Disziplin. Wer den Studiengang Designund

Projektmanagement absolviert, geht genau diesen Weg.

Seit 2007 kann man in Soest einen Studiengang belegen,

bei dem es nicht allein um das Designen, sondern auch um

Wirtschaft und Technik geht: Design- und Projektmanagement,

kurz dpm. Die Spezialisierung erfolgt nach Abschluss

des Studiums in den Unternehmen. Dominic Glinka von

der Fachhochschule Südwestfalen kann uns genau erklären,

worum es bei dpm geht.

Dominic Glinka: Der Studiengang Design- und Projektmanagement

(Bachelor of Science) verbindet die Kompetenzfelder

Design, Technik und Wirtschaft zu einem ganzheitlichen

Konzept, bei dem der Mensch im Mittelpunkt

aller Überlegungen steht. Wir versuchen also mit einem

breiten Wissensansatz die Probleme aus Kundensicht methodisch

zu lösen und entsprechende Produkte innovativ

weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Im Grunde genommen konzentrieren wir uns auf den Produktentstehungsprozess:

Von der ersten Idee bis hin zum

fertigen Produkt. Die Studierenden sind Kommunikationstalent,

Problem- und Konfliktlöser sowie Schnittstellenmanager

in einer Person und treten nicht zwingend selbst als

WOLL Elternratgeber 2022 - 79


Gestalter auf. Sie entwickeln stattdessen eine hohe Affinität

zu kreativem Denken und Arbeiten.

WOLL: Aber ist das nicht ein bisschen viel auf einmal:

Man lernt kreativ, strategisch und zugleich wirtschaftlich

zu agieren? Kann man da wirklich noch in

die Tiefe gehen – oder werden alle Bereiche nur angeschnitten?

Glinka: Einen ganzheitlichen Blick auf die Prozesse eines

Unternehmens zu haben, ist aus strategischer Sicht unerlässlich.

Es befähigt zum richtigen Zeitpunkt in den

richtigen Bereichen die richtigen Hebel in Bewegung zu

setzen. Besitze ich in schwierigen Situationen eine breite

Wissensbasis, verbunden mit einer kreativen Problemlösungskompetenz

habe ich einen entsprechenden Vorsprung

gegenüber anderen Mitbewerbern.

Auf der anderen Seite kann es von Vorteil sein, in viele

unterschiedliche Disziplinen hineinzublicken und erst im

späteren Verlauf seines Studiums zu entscheiden, welcher

Themenbereich mir wirklich liegt und welchen ich in Zukunft

weiterverfolgen möchte.

WOLL: Wie können die Absolventen später im Unternehmen

eingesetzt werden?

Glinka: Die Studierenden werden als Generalisten ausgebildet,

was im Beruf für Flexibilität und Wissensbreite

steht. Sie können demnach in den Bereichen Design,

Technik oder Management beziehungsweise übergreifend

als Schnittstellenmanager*innen zwischen den Disziplinen

eingesetzt werden.

Diesem Arbeitnehmertyp wird hinter vorgehaltener

Hand nachgesagt, dass sie durch die fehlende Vertiefung

kein Alleinstellungsmerkmal besitzen und austauschbar

sind. Diese Lücke schließen wir mit dem Kompetenzfeld

„Designmanagement“. Die Studierenden lernen hier

komplexe Problemstellungen aus allen Lebensbereichen

kreativ und methodisch zu lösen, zum Beispiel mit dem

„Design Thinking“-Ansatz. Die typischen Einsatzgebiete

Die Befähigung, zum richtigen

Zeitpunkt in den richtigen Bereichen

die richtigen Hebel in Bewegung zu setzen

Dominic Glinka,

Lehrkraft für besondere

Aufgaben an der FH

nach dem Studium sind vielfältig, können aber auf die Bereiche

Designmanagement, Projektmanagement, Produktmanagement,

Innovationsmanagement oder das klassische

Consulting näher eingegrenzt werden.

WOLL: Das bedeutet: Kein modernes Unternehmen

kann es sich noch leisten, auf entsprechende Fachkräfte

zu verzichten?

Glinka: In Zukunft werden sowohl Generalisten als auch

Spezialisten gefragte Arbeitnehmertypen sein. Welcher Typ

dabei das Rennen macht, lässt sich pauschal leider nicht beantworten.

Internationale Studien weisen darauf hin, dass

Generalisten mitunter leicht im Vorteil sind, dies aber immer

an die vorherige Ausbildung, Qualifizierung und Berufserfahrung

gekoppelt ist.

Schaut man sich die Berufswege der dpm-Alumni in den

letzten 15 Jahre etwas genauer an, so wird schnell klar, dass

sich viele Design- und Projektmanager*innen nach dem

Studium zunächst auf eine Disziplin konzentrieren, ihre

Wissensbasis in diesem Bereich verbreitern und schlussendlich

eine Art von Spezialisierung erreichen. Grundlage dafür

ist aber immer noch der Weitblick eines Generalisten.

Insbesondere dann, wenn Führungspositionen besetzt oder

angestrebt werden.

WOLL: Gibt es schon viele, die sich dazu angemeldet

haben? Speziell aus dem Hochsauerlandkreis?

Glinka: Der Studiengang ist seit seiner ersten Akkreditierung

im Jahr 2007 vor allem durch seine Lokalität gewachsen.

Über 60 % der Studierenden kommen aus einem 100

km-Gürtel rund um unseren Standort in Soest, wo der Studiengang

beheimatet ist. Im Hochsauerlandkreis sind wir

zudem seit vielen Jahren an den Schulen präsent und informieren

die Schülerinnen und Schüler über diesen spannenden

Berufsweg.

80 - WOLL Elternratgeber 2022


„Einen ganzheitlichen Blick auf die

Prozesse eines Unternehmens zu haben,

ist aus strategischer Sicht unerlässlich“

(Dominic Glinka)

Einer, der diesen Weg eingeschlagen hat, ist Julian Franzen

aus Arnsberg. Er befindet sich im siebten Semester seines

dpm-Studiums und schreibt bei der Firma Miele in Gütersloh

seine Bachelorarbeit. Nach drei Jahren Studium in Soest

ist sein Fazit:

„Der Studiengang Design- und Projektmanagement ist

nicht nur durch seine vermittelten Inhalte einzigartig, sondern

auch durch den Umgang und das Miteinander von

Kommilitonen und Lehrenden. Für mich gab es keinen

Tag im Studium, an dem ich nicht gerne aufgestanden bin,

um nach Soest zu fahren.

Als ein Absolvent des Studiengangs verfüge ich über einen

sehr breiten Wissensstand

und habe die Möglichkeit

dadurch in vielen Branchen

und Bereichen tätig zu

werden. Ich bin oft überrascht,

wie unterschiedlich

sich die Karrierewege der

Absolventen entwickeln.

Julian Franzen

Inhaltlich beschäftige ich mich mit der Entwicklung eines

Produktes und dem dazugehörigem Geschäftsmodell, das

mit der Vision startet und mit der Vermarktung endet. Hier

werden die Vorteile von Generalisten besonders offenbart,

da bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells eine sehr

fundierten Wissensbasis in allen Bereichen benötigt wird.

Tauchen doch Wissenslücken auf, können diese in der Regel

durch das Aneignen von Wissen, das optimal auf der

geschaffenen Basis aufbauen kann, geschlossen werden. ■

Beim Studiengang dpm kann man aus einer Vielzahl von Modulen vier nach eigenen Interessen und Schwerpunkten

auszuwählen: Online-Marketing, Industrie 4.0 oder Angewandte Produktentwicklung sind nur einige

häufig belegte Beispiele.

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info@i-dexe.net

Digital

und

Print

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WOLL Elternratgeber 2022 - 81


COMPUTER

UND IT

Top Berufe:

• Fachinformatiker/in

• Anwendungsentwicklung

• Daten & Prozessanalyse

• digitale Vernetzung

• Systemintegration

• Informatikkaufmann/frau

• IT-Systemelektroniker/in

Firmenportraits und

Ausbildungsangebote

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Fachinformatiker/in für Systemintegration

INFORMATIKER

– IMMER UNENTBEHRLICHER

Christel Zidi

Privat

Kevin Müller hat sich

schon immer sehr für die IT interessiert.

82 - WOLL Elternratgeber 2022


M

it dem Computer kann heute fast jeder

umgehen, der im Berufsleben steht. Schwierig

kann es aber werden, wenn Soft- oder

Hardware Probleme machen. „Stecker raus / Stecker

rein“ – hilft leider nicht immer. Spätestens dann, wenn

sich der Computer gar nicht mehr starten lässt, muss

der Fachmann gerufen werden, idealerweise der interne

Fachinformatiker für Systemintegration.

Spätestens bei der Auswahl der Server und Fragen nach

Netzerweiterungen kommt ein „normaler“ Anwender

nicht mehr mit. Ein Fachinformatiker hingegen kennt

sich nicht nur in den technischen Bereichen aus, sondern

erstellt auch genaue Bedarfspläne – angepasst an

das Budget und die Bedürfnisse des Unternehmens.

Überhaupt hat ein solcher ein weites Einsatzgebiet:

Installation neuer Software, der Einbau von Hardware

(Computer, Telefonanlagen und Drucker), Auswahl

der Server u.v.m.

Bei der Egon Grosshaus GmbH & Co. KG in Lennestadt

hat man sich auf Stanz-, Feinstanz- und Stanzbiegetechnik

spezialisiert. Wenn hier mal ein Computer nicht das

macht, was er soll, hat man gleich den Spezialisten zur

Seite, einer davon ist Kevin Müller (22), Fachinformatiker

für Systemintegration.

Kevin hat im letzten Sommer seine dreijährige Ausbildung

bei der Firma Grosshaus abgeschlossen. Schon

als Kind hatte er Interesse an der IT und sich in seiner

Freizeit damit beschäftigt. Nach entsprechenden Praktika

hat er auch seinen schulischen Werdegang entsprechend

ausgerichtet: „Ich habe mein Fachabi in der Fachrichtung

Informatik gemacht und bin so schon tiefer in das

IT-Thema eingestiegen.“

Wer sich jetzt einen Computer-Nerd vorstellt, irrt: „Was

man von der IT vielleicht gar nicht vermutet: Man kommt

viel mit Menschen in Kontakt. 80 % unserer Tätigkeit

besteht aus Kommunikation.“

Kevin hat das Unternehmen schon während seiner Ausbildung

„intensiv kennengelernt“. Seine beruflichen

Kenntnisse hat er hier erlernt und sich beruflich weiterentwickelt:

„Das möchte ich weiter nutzen und einbringen.

Außerdem ist die Atmosphäre hier in unserem

WOLL Elternratgeber 2022 - 83


Als Fachinformatiker hat man auch

die Möglichkeit sich zu spezialisieren, z. B.

auf Anwendungsentwicklung oder als Fachinformatiker

für Daten- und Prozessanalyse

bzw. für Digitale Vernetzung.

Familienunternehmen super, wir haben ein tolles Team

und ich fühle mich sehr wohl.“

Unter dem Motto „Expedition Ausbildung“ bietet die Firma

Grosshaus den Auszubildenden die unterschiedlichsten

Berufe im gewerblichen und kaufmännischen Bereich

und eben auch im IT-Bereich an. Nach der fundierten

und gut betreuten Ausbildung ergeben sich für die Nachwuchskräfte

zahlreiche Aufstiegschancen. Den Grund für

diesen Einsatz in Sachen Ausbildung erklärt uns Michaela

Springmann, die Leiterin der Personalabteilung so:

„Wir haben das Ziel vor Augen, unsere Auszubildenden

mit ihrer Ausbildung optimal auf die Berufswelt vorzubereiten

und dann natürlich auch als Fachkräfte in den

verschiedenen Bereichen langfristig an uns zu binden.“ ■

Bei KRAH produzieren wir für die Technologien der

Zukunft wie erneuerbare Energien oder E-Mobilität.

Mit 17 Standorten weltweit, über 2000 Mitarbeitern und

mehr als 50 Jahren Erfahrung sind wir außerdem der

Weltmarktführer in der Automobilindustrie.

An unserem Hauptsitz in Drolshagen bilden wir die Fachkräfte

von morgen aus:

Mach KRAH iere!

• Industriekaufleute erlernen in zwei Jahren alle kaufmännischen

Tätigkeiten, die am Stammsitz der global

agierenden Unternehmensgruppe angesiedelt sind.

• Elektroniker für Betriebstechnik arbeiten in interdisziplinären

Teams an der Soft- und Hardware

unserer Produktionsmaschinen.

• Fachinformatiker bearbeiten im Team je nach Schwerpunkt

Aufgabenstellungen im Bereich Industrie 4.0

oder IT-Infrastruktur.

Alle Infos zur Ausbildung:

84

www.krah-gruppe.de/de/karriere

- WOLL Elternratgeber 2022


Die Facetten des Praktikums

Ein Fuß

in der Tür

Nele Ramspott

Vanessa Schulte

K

affee kochen, Werkzeug reinigen und am

Ende des Tages die Werkstätten fegen… Das

sind die typischen Aufgaben für einen

Praktikanten. Wer eine solche Vorstellung von einem

Praktikum hat, liegt völlig falsch. Praktika dienen in

erster Linie der Berufserkundung. Und sie bieten für

Praktikant und Betrieb die Möglichkeit des gegenseitigen

Kennenlernens und Prüfens.

„Mein Praktikum hat mir besonders

gut gefallen, weil ich viele verschiedene

Aufgaben erledigen durfte, die mir

viel Spaß gemacht haben.“ (Thea Rother)

Bei der Vielzahl an Ausbildungsberufen ist es für junge

Menschen mehr als schwierig, zu wissen, welche Ausbildung

die für sie richtige ist. Mit einem Praktikum

bietet sich eine gute Möglichkeit, in die jeweiligen

Branchen und Ausbildungsberufe hineinzuschnuppern.

Die Praktikanten erfahren, welche Aufgaben im

beruflichen Alltag auf sie zukommen würden, welche

Fähigkeiten und Qualifikationen dafür benötigt werden

und welches Arbeitsklima in dem jeweiligen Betrieb

besteht.

Sie können in dieser Zeit kleinere Aufgaben übernehmen

und sich einzelnen Herausforderungen stellen.

Am Ende haben sie einen guten Gesamteindruck, ob

ihnen die Branche und das Arbeitsklima des jeweiligen

Betriebes überzeugt hat und auch, ob sie die

nötigen Fähigkeiten besitzen. Nicht selten kommt es

während oder zum Ende des Praktikums vor, dass über

die Möglichkeit einer Ausbildung in dem Betrieb gesprochen

wird. Schließt man das Praktikum also erfolgreich

ab, so hat man oft bereits einen Fuß in der

Tür des Unternehmens.

Überzeugt der Praktikant, erhöht sich die Chance auf

eine anschließende Ausbildungsstelle oft enorm. Ist

das Praktikum nicht so gut gelaufen, der Beruf oder

Betrieb nicht überzeugend gewesen, so ist man immerhin

mit seiner Berufswahl einen Schritt weiter.

Was hat aber nun das Unternehmen davon, einen

Praktikanten im Unternehmen „mitlaufen“ zu lassen?

Schließlich sind Praktikanten keine vollwertigen

Arbeitskräfte und somit auch keine große Arbeitserleichterung?

Noch nicht, aber das können sie vielleicht

werden.

Thea Rother, 15 Jahre, Schüler-Praktikantin bei axo.media im März und April

Während des Praktikums entsteht auch für den Betrieb

bzw. das Unternehmen ein Gesamteindruck über

die Arbeitseinstellung, die Fähigkeiten, die Persönlichkeit

des Praktikanten. Eigenschaften wie Loyalität,

Teamfähigkeit, Auffassungsgabe und vor allem

Motivation lassen sich bereits während dieser kurzen

Wochen feststellen. Wenn der Praktikant den Anforderungen

des Berufs gewachsen ist und gut in das

Unternehmen und dessen Team passt, kann ein langwieriger

Bewerbungsprozess manchmal sogar übersprungen

werden. ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 85


SOZIALES UND

PÄDAGOGIK

Top Berufe:

• Erzieher/in

• Erzieher/in - Jugend und Heimerziehung

• Fachlehrer/in - musisch-technische Fächer

• Förderlehrer/in

• Sozialpädagogische/r Assistent/in

• Kinderpfleger/in

• Sportlehrer/in

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Ausbildungsangebote

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Foto: Georg Giannakis

Hannah Ostermann (19)

absolviert die praxisintegrierte

Ausbildung

zur Erzieherin

„Kinder brauchen

nicht viel, um

glücklich zu sein“

Daniela Weber

Matthias Koprek

Hannah Ostermann liebt die Arbeit in der Kita.

86 - WOLL Elternratgeber 2022


Das Hobby zum Beruf machen – für Hannah

Ostermann aus Welver ist dieser Wunsch in

Erfüllung gegangen. Die 18-Jährige absolviert

im zweiten Jahr die praxisintegrierte Ausbildung zur

Erzieherin in der Katholischen Kita St. Vinzenz in Büderich.

Erzieherin zu werden, „das war von klein auf

schon mein Traumjob.“

Wenn Hannah über ihre Ausbildung spricht, gerät die junge

Frau ins Schwärmen. Die funkelnden Kinderaugen, die

sie schon morgens um 7.00 Uhr erwartungsvoll anschauen,

geben ihr das Gefühl: „Hier gehöre ich hin. Hier fühle

ich mich wohl.“ Schon seit frühester Jugend wusste sie, was

sie werden möchte: „Ich habe schon vor circa acht Jahren

mit dem Babysitten bei meinen Nachbarn angefangen. Mit

Kindern zusammen zu sein, das macht mir einfach Spaß.“

Ihr Taschengeld aufbessern, wollte Hannah damit nicht.

Im Gegenteil: „Ich wollte dafür kein Geld haben, ich wollte

einfach nur auf die Kinder aufpassen“, erinnert sie sich mit

einem Lächeln im Gesicht. Auch in ihrer Ausbildung spielt

der finanzielle Aspekt keine übergeordnete Rolle. „Es ist natürlich

schön, dass ich in der praxisintegrierten Ausbildung

von Anfang an Geld bekomme. Aber das ist für mich nicht

das Wichtigste, auch wenn man so natürlich das Gefühl hat,

auf eigenen Beinen zu stehen.“ Hannah Ostermann möchte

möglichst praxisnah ausgebildet werden. Daher kam die

schulische Ausbildung zur Erzieherin mit anschließendem

Anerkennungsjahr für sie nicht in Frage. Ihr gefällt die Mischung

aus Theorie und Praxis. Im zweiten Ausbildungsjahr

ist sie jede Woche drei Tage in der Kita und zwei Tage in der

Berufsschule. „Man lernt Dinge in der Schule und kann sie

dann im Arbeitsalltag sofort austesten. Das finde ich super.“

Praxisintegrierte Ausbildung

zur Erzieherin

Die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin

bietet eine Kombination von Theorie

und Praxis. Die gelernte Theorie wird direkt

in der fachpraktischen Ausbildung in der Kita

angewendet. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

„Kinder in ihrer Entwicklung begleiten“

In ihrer Ausbildung betreut sie hauptsächlich Vorschulkinder,

für die sie die verschiedensten Projekte austüftelt. Ob

Sport und Bewegung in der Turnhalle oder Plätzchen backen,

Hannah hat immer wieder neue Ideen, um für Spaß

und Abwechslung zu sorgen. Wichtig dabei: Sie zeigt den

Kindern, dass sie selber voll hinter ihren Angeboten steht.

„Nur so fällt es einem leicht, die Kinder zu motivieren.“ Der

Enthusiasmus und die Freude der Kinder begeistern Hannah

jeden Tag aufs Neue. Und sie schätzt auch, wie dankbar

diese schon über Kleinigkeiten sind: „Ich habe ihnen letztens

zum Beispiel Sticker mitgebracht. Und sie haben sich

gefreut wie Bolle. Daran merkt man, dass Kinder gar nicht

viel brauchen, um glücklich zu sein.“

Ihre Zukunft hat die sympathische Auszubildende auch schon

genau vor Augen. Sie möchte sich auf die Betreuung von U3

Gruppen spezialisieren. „Ich finde es schön, die Kinder in

ihrer Entwicklung zu begleiten und ihnen etwas beizubringen.

Bei den ganz Kleinen kann man die Fortschritte genau

beobachten.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 87


Anzeige

Christel Zidi

Georg Giannakis

Aileen Lorenz

mit Kita-Kindern

„DAS WAR DIE BESTE ENTSCHEIDUNG,

DIE ICH JE GETROFFEN HABE“NICLAS NÜRENBERG

Abitur, Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Altenpflege, Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen

und anschließende Tätigkeit als Kaufmännischer Angestellter. Der Belecker Niclas Nürenberg

(27) hat beruflich schon einige Stationen durchlaufen. Jetzt ist er angekommen: Er wird Erzieher.

Die Erst-Ausbildung in einem guten Beruf – aber noch

nicht der Traumberuf, noch nicht das berufliche Ziel.

„Ich habe immer schon mit dem Gedanken gespielt,

Erzieher zu werden. Das hat mich einfach interessiert.“

Und dann ergab sich die Möglichkeit,

im August 2019 begann er seine

Ausbildung. Heute, zum Ende des

2. Ausbildungsjahres kann er sagen:

„Das war die beste Entscheidung, die

ich je getroffen habe.“

Während der Praxisintegrierten Ausbildung

(PIA) gibt es für Niclas zwei

Tage in der Woche theoretischen Unterricht

am Berufskolleg Marienschule Lippstadt

in Lipperbruch, den praktischen Teil absolviert er an

den restlichen drei Tagen in der St. Pankratius Kita in

Warstein-Belecke.

Die Einführung der PIA vor vier Jahren war auch für

Quereinsteiger ein Anreiz, diesen Weg zu gehen. Auch für

solche, für die die Ausbildung nur in Teilzeit möglich

ist. Im Gegensatz zur schulischen Erzieherausbildung

bekommen die Auszubildenden

ein Gehalt gezahlt.

In welche Richtung es später geht,

kann jeder für sich entscheiden, denn

der Erzieherberuf ist sehr weitläufig.

Entsprechende Praktika können bei

der Entscheidungsfindung helfen. Niclas

machte ein vierwöchiges Praktikum

in der Jugendhilfe: „Das war spannend

und interessant, aber eine ganz andere Herausforderung.“

Wechsel- und Aufstiegsmöglichkeiten

gibt es für Erzieher reichlich. Nach der Berufsausbildung

kann man z. B. auch Sozialpädagogik und Management

Niclas Nürenberg, Ausbildender

88 - WOLL Elternratgeber 2022


studieren, so wie es Aileen Lorenz gemacht hat, die Leiterin

der Kindertageseinrichtung.

Erzieher ist ein Beruf, den man gut bis zur Rente ausüben

kann. Auch in der Kath. Kita St. Pankratius ist eine Fachkraft

beschäftigt, die mit ihren knapp 60 Jahren in allen

Bereichen tätig ist. Ihr geht es wahrscheinlich genau

wie Niclas, der, wenn er in der Kita ist, keine Chance auf

schlechte Laune hat, selbst wenn er mal mit dem linken

Bein aufgestanden ist: „Bei der Interaktion mit den Kindern

vergeht das schnell. Die Kinder versprühen so viel

gute Laune.“ Niclas Nürenberg ebenfalls. Seinen guten

Draht zu Kindern hat die Kita-Leitung schnell erkannt:

„Niclas kam am Tag 1 an und die Kinder flogen sofort auf

ihn. Man kann schon sagen, er ist ein geborener Erzieher.“

Die Kita auf dem Propsteigelände in der malerischen Belecker

Altstadt wurde 1969 eingeweiht. Dort, wo jetzt die

Zwei- bis Sechsjährigen fröhlich toben, stand bis 1967 eine

alte Scheune, von der jetzt noch der Baukörper und das

Dach erhalten sind. Sprichwörtlich unter diesem Dach

fördert das Kita-Team Fantasie und Kreativität der Kinder,

stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Selbständigkeit.

Auf Sprachförderung legt man hier großen Wert und auf

musikalische Früherziehung. Eine zertifizierte Liedergartenlehrerin

unterrichtet die zwei- bis dreijährigen Kinder.

Bewegung ist ebenfalls ein wichtiger Part der Erziehung.

Es wird oft draußen gespielt, auf dem Spielplatz, in Feld,

Wald und Wiese.

Neben diesen wichtigen Aspekten vermittelt das Erzieherteam

der Kita St. Pankratius auch die christlichen Werte

und die Bedeutung des Glaubens an die Kinder.

Niclas übernimmt - zusammen mit seiner Praxisanleitung

- die Turnstunden mit den Kindern. Verwaltungsarbeit

gehört auch zum Job und die Gespräche mit den Eltern,

bei denen diese über die Entwicklung ihres Kindes informiert

werden.

Dass Erzieher eigentlich ein frauentypischer Beruf ist,

war für Niclas Nürenberg nie ein Problem: „Als ich noch

im Büro gearbeitet hatte, habe ich schon mal zu meinen

Kumpels gesagt, dass ich das gern machen würde. Und sie

haben mich alle in der Entscheidung bestärkt. Ich habe

immer nur Zuspruch erfahren.“

Leider gibt es noch immer nur sehr wenige Männer in seinem

Beruf. Dazu Aileen Lorenz: „Es ist so, dass fast jeder es

akzeptiert und auch gut findet, dass es männliche Erzieher

gibt. Trotzdem können sich das viele noch nicht für sich

selbst vorstellen.“ So sieht es auf jeden Fall aus, wenn man

einen Blick in die von Frauen dominierten Klassenräume

wirft.“ Auch Niclas plädiert dafür, dass mehr Männer den

Beruf des Erziehers erlernen: „Ich würde den Leuten, die

schon mal mit dem Gedanken gespielt haben, Erzieher zu

werden, unbedingt zu diesem Beruf raten. Wenn man darauf

Lust hat, sollte man den Schritt wagen. Man hat viele

positive Erlebnisse und es macht sehr viel Spaß.“ ■

Katholische Kindertageseinrichtungen

Siegerland-Südsauerland gem. GmbH

Tim Nicksteit

Tel.: 0291-9916 83760

Stiftsplatz 13 I 59872 Meschede

Katholische Kindertageseinrichtungen

Hellweg gem. GmbH

Christine Sauermann

Tel.: 0291-9916 82760

Stiftsplatz 13 | 59872 Meschede

Katholische Kindertageseinrichtungen

Hochsauerland-Waldeck gem. GmbH

Anna Kampert

Tel.: 0291-9916 81760

Stiftsplatz 13 | 59872 Meschede

WOLL Elternratgeber 2022 - 89


azubi

[a ̍ tsuːbi] bei der GFO im Kreis Olpe

GFO, die; [Abk. für Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe]; vorbildl. als

starker Verbund mit kapp 70 sozialen Einrichtungen; Krankenhäuser, Altenhilfe, Kinder- und

Jugendhilfe, Bildung; herausrag. 12.000 Mitarbeitende; Leistungen auf höchstem Niveau;

charakt. »christliches Wertefundament«; Non Profit. # füreinanderda.

Dein GFO Berufsstart 2022 / 2023

Ausbildung [ m/w/d ] zum / zur

» Pflegefachmann / -frau

» Koch / Köchin

» Hauswirtschafter / -in

» Kaufmann /-frau für Büromanagement

praxisintegrierte Ausbildung [ m/w/d ]

oder Praktikum im Anerkennungsjahr

zum / zur

» Erzieher / -in

» Heilerziehungspfleger / -in

Bundesfreiwilligendienst [ BFD ] oder

Freiwilliges Soziales Jahr [ FSJ ]

Weitere Möglichkeiten:

Praktikum im Rahmen des Studiums

» Pädagogik: Entwicklung und Inklusion

[BAStEI]

» Soziale Arbeit

» Sozialpädagogik

Praktikum

» in der Klasse 11 Fachoberschule Fachrichtung

„Sozial- und Gesundheitswesen“

» während der schulischen Ausbildung

als Erzieher [ m/w/d ] oder Sozialassistent

[ m/w/d ]

Alle Standorte und Ansprechpartner findest

Du in unserer Ausbildungsbroschüre.

Wir freuen uns über

Deine Bewerbung an:

Liane Scheele · Tel. 02761 9265-20

liane.scheele@gfo-online.de

90 - WOLL Elternratgeber 2022


Christel Zidi

HILFE, MEIN

KIND HÄNGT

STÄNDIG

VORM COMPUTER!

I

hr Kind liebt seinen Computer und verbringt den

größten Teil seiner Freizeit damit? Computerspiele

von morgens bis abends. Was soll aus ihm nur mal

werden? Nun, vielleicht Mediendesigner?!

Haben Sie vielleicht schon bemerkt, dass Computerspiele für

Ihr Kind mehr sind als nur ein Zeitvertreib? Stolz hat es Ihnen

vielleicht schon einige eigene Programmierungen vorgeführt.

Wenn das so ist, sollten Sie den Berufswunsch ihres Kindes

nicht einfach vom Tisch wischen. Möglicherweise wenden

Sie jetzt ein, dass Ihr Kind ja schließlich noch nicht einmal

das Abitur hat und Privatschulen eh viel zu teuer sind... Doch

selbst dann ist die Situation alles andere als hoffnungslos.

Möglichkeiten mit Mittlere Reife

Für die Ausbildung zum Game Artisten, Game Developer

oder Mediendesigner reicht z. B. am “bib international College”

in Paderborn der Realschulabschluss. Hier können Realschul-Absolventen

während ihrer dreijährigen Ausbildung

auch gleichzeitig den Fachhochschulabschluss erwerben. Mit

der Fachhochschulreife bzw. mit Abitur kann man auch einen

Bachelor im Bereich Mediendesign oder Game machen.

Privatschulen - nur für Privilegierte?

Solch eine Ausbildung ist allerdings nicht umsonst. Ein

monatliches Schulgeld von 362 bzw. 445 Euro ist schon zu

errichten. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch

Förderungen möglich: BAföG, KfW-Bildungskredit, BfD

oder auch Finanzierungsmodelle des “bib”. Zudem kann das

Schulgeld zum Teil auch als Sonderausgabe von der Steuer

abgesetzt werden. 30 Prozent, höchstens aber 5.000 Euro pro

Jahr sind möglich. Vielleicht ist Ihr Kind auch bereit, für seinen

Traumberuf auf einen Teil seines Taschengelds zu verzichten?

Allein dieses Entgegenkommen zeigt schon, wie viel

ihm seine Ausbildung wert ist.

Und würden Sie sich nicht auch freuen, wenn eines Tages ein

junger Designer bei Ihnen am Tisch sitzt?

Quelle: bib international college

Game Designer entwickeln neue Spielkonzepte

und entwerfen alle Systeme und Regeln des Spiels.

Zu den weiteren Aufgaben gehören das Schreiben

der Geschichte des Spiels und das Level Design.

Game Artisten erschaffen die Charaktere und die

Umgebung des Spiels.

Game Developer entwickeln und programmieren

Games und sind für die technische Umsetzung des

Spieledesigns verantwortlich. Sie sind es, die dafür

sorgen, dass das Spiel nach den Vorgaben der Designer

auch läuft.

Game Producer managen und überwachen Spielprojekte

als Hauptverantwortliche. Sie kümmern

sich um die Einhaltung des Projektfortschritts und

um die Finanzen.

Mediendesigner entwickeln kreative Konzepte

und begleiten Projekte. Zum Beispiel bei der Gestaltung

von Magazinen, Flyern, Plakaten, Firmenlogos

oder Anzeigen.

WOLL Elternratgeber 2022 - 91


Foto: Adobe Stock_139571196

Foto: Adobe Stock_339074092

Von TV und Internet inspiriert

WIE WIRD MAN EIGENTLICH…

Christel Zidi

N

icht jedes Kind möchte einen „normalen“

Beruf ergreifen. An Vorbildern aus TV oder

Internet mangelt es nicht. Aber wie kann man

diese Berufe eigentlich lernen?

…Make-up-Artist

Um als Makeup-Artist in der Jury neben einem Supermodel

wie Heidi Klum zu sitzen, muss man schon besonders

gut sein und sich einen Namen in der Branche gemacht

haben. Auch bei Fashionweeks sind sie gefragt. Aber wie

wird man eigentlich Make-up-Artist?

Nicht besonders lang, aber meist recht teuer ist eine entsprechende

Ausbildung. Mehrere tausend Euro verlangen

private Einrichtungen, wie man sie meist in größeren

Städten findet. Nach erfolgreicher Teilnahme ist man

dann zertifizierter Make-up-Artist. Auch verschiedene

Cosmetics-Stores bieten Ausbildungen (auch mit Zusatzqualifikationen)

an.

Um Erfolg zu haben, macht es Sinn, zunächst eine staatlich

anerkannte, dreijährige Ausbildung in einem Beruf

wie z. B. dem der Kosmetikerin zu absolvieren. Möglich

ist dies z. B. in Wellness-Hotels. Wenn echtes Talent und

die Leidenschaft fürs Schminken zusammenkommen,

kann Boris Entrups Thron vielleicht in ein paar Jahren

wackeln. Zuvor lässt sich als Make-up-Artistin oder Kosmetikerin

natürlich auch nebenher Geld verdienen, z. B.

auf Hochzeiten.

Wer sich und andere gern mal ganz ausgefallen schminkt

und sich gern verkleidet, liegt vielleicht mit dem Beruf

des Maskenbildners richtig. Die staatliche Ausbildung ist

möglich und auch eine private Ausbildung an einer Maskenbildner-Schule.

Auch ein entsprechendes Studium ist

möglich, um die vielfältigen Gestaltungsmittel zu beherrschen

und die Vorgaben der Regisseure umzusetzen. Ein

äußerst kreativer Beruf, der zum Bereich Kunsthandwerk

gehört.

92 - WOLL Elternratgeber 2022


…Influencer

Influencer zeigen ihren eigenen Stil – meist in den Bereichen

Fitness, Mode oder Reisen. Eine Ausbildung zum

Influencer, gibt es nicht. Die Inszenierung des Alltags

eines Influencers in den digitalen Medien (eigener Blog

oder soziale Netzwerke) ist allerdings mit wesentlich mehr

Aufwand verbunden, als es den Anschein hat. Alles ist geplant,

überarbeitet, optimiert. Zum Erstellen von Blogs,

Fotoshootings und Videodrehs kommen noch organisatorische

Arbeiten und der ständige Austausch mit den Fans

und Kunden.

Wer dazu bereit ist, sein eigenes Leben öffentlich zu machen,

muss lange und beständig an seinem Netzwerk arbeiten,

um Erfolg zu haben. Das Smartphone an die Seite

zu legen, geht nur selten.

Erst wer eine sehr hohe Zahl an Followern hat - Macro

Influencer haben 100.000 bis 1.000.000 Follower, Mega

Influencer über eine Million -, erhält auch Angebote von

Unternehmen. Bis man einen Manager engagieren kann,

der diese Aufgaben übernimmt, wird es aber meist noch

eine Weile dauern. Wie lange der Erfolg dann anhält, ist

ungewiss.

… Fußball-Profi

Der Werdegang von Fußballprofis beginnt meist schon in

sehr jungen Jahren. Ab einem Alter von sechs Jahren kann

man in einer Bambini-Mannschaft mittrainieren. Es gibt

in manchen Vereinen auch „Mini-Mannschaften“, bei denen

schon die kleinsten Nachwuchsfußballer (ab 4 Jahre)

mit dabei sein können. Sogenannte Sichter erkennen Talente

schon sehr früh, die werden dann in Förderprogrammen

aufgenommen. Talentscouts der größeren Vereine

sehen sich in der D- bis B-Jugend um. Wer außergewöhnliches

Talent besitzt, wird zum Probetraining eingeladen.

So ist es auch einem Daniel Ginczek aus Neheim gegangen,

der derzeit bei Fortuna Düsseldorf spielt oder Julian

Schwermann aus Sundern-Brenschede, der in der 3. Liga

spielt. Oder auch ein Nuri Şahin aus Lüdenscheid, der zunächst

bei Borussia Dortmund und Real Madrid spielte

und seit Oktober 2021 bei Antalyaspor als Teamchef unter

Vertrag steht.

Wer ernsthaft Fußballprofi werden möchte, muss nicht

nur das entsprechende Talent mitbringen, sondern auch

sehr diszipliniert sein. Und dann muss er das Glück haben,

dass ein Verein auf ihn aufmerksam wird und ihn unter

Vertrag nehmen will. Spätestens ab diesem Zeitpunkt

muss der Fußball stets im Vordergrund stehen. Also kein

Alkohol, eine strenge Ernährung, jede Menge Leistungsdruck

– und die Aussicht auf recht gute Gehälter.

… Schauspieler

Ryan Gosling, Brad Pitt und Jennifer Lawrence haben es

ganz nach oben geschafft, ohne eine Schauspielschule besucht

zu haben. Klar ist das möglich – aber nicht ohne

sehr viel Glück und die richtigen Beziehungen.

Wer diesen Traum trotzdem verfolgen will und schon bei

Theateraufführungen in der Schule oder auf Laienbühnen

festgestellt hat, dass diese Bretter für ihn die Welt bedeuten,

soll davon nicht abgehalten werden. Bei einer privaten

Schauspielschule muss die Ausbildung selbst finanziert

werden. Es gibt auch die Möglichkeit, eine staatliche

Hochschule zu besuchen, an der Schauspiel unterrichtet

wird. Allerdings sind die Plätze heiß begehrt und die Aufnahmeprüfungen

sehr anspruchsvoll. Da diese Schulen

vom Staat finanziert werden, sind die Studiengebühren

niedrig und die Chance auf ein Erstengagement sehr hoch.

Die Aussicht, irgendwann mal über den roten Teppich zu

laufen, ist leider nur minimal. Überhaupt können nur zwei

Prozent der Schauspieler in Deutschland von ihrer Arbeit

leben. Die meisten müssen sich mit Nebenjobs über Wasser

halten. Es macht wohl mehr Sinn, eine „ganz normale“

Ausbildung zu machen und die Schauspielerei nebenher

zu betreiben. Macht auch Spaß und wer weiß, vielleicht

kommt ja doch noch der große Durchbruch… ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 93


„ES GIBT NIEMANDEN, DER

NICHTS KANN“

Mit KAoA Perspektiven aufzeigen und Kompetenzen entfalten:

Berufliche Orientierung ein Kernbereich an NRW-Schulen

Foto: Adobe Stock_201252546

Paul Senske

S. Droste

J

unge Menschen frühzeitig auf lebenslanges

Lernen vorbereiten, berufliche Perspektiven

aufzeigen und vor allem Kompetenzen

erkennen und entfalten: Die Berufliche Orientierung

nimmt an allen NRW-Schulen der Sekundarstufe

I und II inzwischen eine überragende Rolle ein, hat

große gesellschaftliche Relevanz und macht die Schulen

lebensnäher und lebendiger. Mit der NRW-Landes

initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss – Übergang

Schule - Beruf in NRW“ (KAoA) ab der 8. Klasse

aller Schulformen wurde ein einheitliches und effizientes

Übergangssystem von der Schule in Ausbildung

und Studium geschaffen. Ein Schwerpunkt ist die

Steigerung der Attraktivität der dualen Ausbildung.

„Die jungen Menschen sollen bei der Beruflichen Orientierung

so früh wie möglich in den Schulen unterstützt werden“, sagt

Maria Büse-Dallmann, Leitende Regierungsschuldirektorin

bei der Bezirksregierung Arnsberg. „Sie sollen ihre Kompetenzen,

Talente und Ressourcen erkennen. Ihnen sollen Wege

der dualen Ausbildung, des Studiums und berufliche Perspektiven

aufgezeigt werden. Dabei geht es um die Entfaltung

der eigenen Persönlichkeit und auch um Wertschätz ung für

Berufe und Tätigkeiten jeder Art.“ Ingo Maschoty, Fachberater

der „Koordinierungsstelle Berufliche Orientierung“ der

Arnsberger Behörde, die gemeinsam mit den zwölf Kommunalen

Koordinierungen den KAoA-Prozess begleitet und unterstützt,

bezeichnet den Ansatz so: „Für die Jugendlichen ist

es wichtig, den Blick darauf zu werfen, was er kann. Denn

egal, welche berufliche Ausbildung er macht, sie ist immer

der Startpunkt in eine erfolgreiche Karriere. Es gibt nur den

richtigen individuellen Weg.“ Für Dezernent Andreas Kremer,

zuständig für die Gesamt- und Sekundarschulen im

Kreis Olpe und Siegen-Wittgenstein, steht fest: „Es gibt niemanden,

der nichts kann.“

KAoA bei der Bezirksregierung hoch angesiedelt

Das Landesvorhaben KAoA, 2011 vom Ausbildungskonsens

NRW („Jeder junge Mensch in NRW, der ausgebildet

werden will, wird ausgebildet“) ins Leben gerufen, ist bei

der Bezirksregierung hoch angesiedelt und wird gemeinsam

mit den kommunalen Akteuren mit großem Engagement

umgesetzt. Die rasche Integration aller Jugendlichen

mit und ohne Förderbedarf in Ausbildung, Arbeitswelt

oder Studium ist gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels

von großer Bedeutung. „Mit dem Elternhaus

und der Schule gibt es zwei Leitplanken für die

Entwicklung der Jugendlichen. Den größten Einfluss haben

die Eltern, die Schule berät und informiert“, so Maria

Büse-Dallmann. „Die Einbindung der Eltern in den Prozess

der Beruflichen Orientie rung ist für uns elementar.“

Mit KAoA geht NRW neue Wege. „Ein Lebensweltbezug

und damit auch die Arbeitswelt

ist eine Grundlage für jeden

Unterricht“, betont Andreas Kremer.

„Die Berufliche Orientierung mit Erkennen

und Entwicklung von überfachli-

Andreas Kremer

94 - WOLL Elternratgeber 2022


chen Kompetenzen ist Querschnitts- und Gemeinschaftsaufgabe

für alle Schulfächer, in denen auch diese Kompetenzen

vermittelt werden.“ Wichtig seien soziale Kompetenzen. „In

allen Unterrichtsfächern werden auch soziale Kompetenzen

(Teamgeist, Fairness …) entwi ckelt, die im Berufsleben

wichtig sind. Und der Besuch eines Bauernhofes im Erdkundeunterricht

der 5. Klasse beinhaltet auch erste Einblicke in

die Lebens- und Arbeitswelt“, so Kremer. Für die Berufliche

Orientierung gibt es an jeder Schule eine Koordinatorin bzw.

einen Koordinator (StuBo) oder ein Stubo-Team.

Potenzialanalyse ist

wichtige Säule

Der Berufsorientierungs-Prozess

an allen Schulen ab der Klasse 8

ist strukturiert, standardisiert und

verbindlich. Nach der Elterninformation

startet der Prozess mit einer

Potenzialanalyse der Schülerinnen und

Schüler. Sie findet eintägig bei außerschulischen

Bildungsträgern statt. In der

Analyse werden persönliche Potenziale wie Motivation

oder Leistungsbereitschaft, praktische Kompetenzen

(Handgeschicklichkeit, Sprachkompetenz), methodische Potenziale

(strukturiertes Vorgehen oder Aufgabenverständnis)

und soziale Potenziale wie Team- und Kommunikationsfähigkeit

beobachtet. Die Potenzialanalyse wird durch die Schule

vor- und nachbereitet. Die Eltern und die Bundesagentur für

Arbeit werden miteinbezogen. Die Ergebnisse sind Grundlage

für den weiteren Prozessverlauf. Dieser wird mit einer

dreitätigen betrieblichen Berufsfelderkundung in mindestens

drei Berufsfeldern fortgesetzt. „Die Schülerinnen und Schüler

schnuppern in der Berufswelt“, betont Maria Büse-Dallmann.

„Sie erhalten erste praxisnahe Einblicke.“

Maria Büse-Dallmann

Als weitere Stufe folgt in der Jahrgangsstufe 9 oder auch

10 ein zwei- bis dreiwöchiges Betriebspraktikum in Betrieben,

Verwaltung oder Institutionen. Es besteht zudem die

Möglich keit eines zweiten verbindlichen Schülerbetriebspraktikums,

die Ent scheidung darüber fällt die Schulkonferenz.

Weitere Kurzzeitpraktika sind an allen Schulformen möglich.

Schülerinnen und Schüler mit gymnasialer Oberstufe können

ein Praktikum durchführen, das akade mische Berufsfelder oder

entsprechend ge eignete duale Ausbildungskurse in den Blick

nimmt. Jugendliche mit Handicaps können an Praxiskursen

teilnehmen und die KAoA-STAR-Angebote nutzen, die sie

entsprechend ihrer individuellen Bedarfe begleiten.

Konkrete

Anschlussvereinbarung

Der Prozess wird mit der Erarbeitung

einer individuellen Anschlussperspektive

abgeschlossen. Diese wird mit

einer konkreten Anschlussvereinbarung

dokumentiert.

Ingo Maschoty

Ein „persönlicher und zugleich wichtiger Begleiter“ im Orientierungsprozess

der Jugendlichen ist der Berufswahl-Pass,

ein Ordner mit farbigen Registerblättern. Er ist ein wichtiges

Informations-, Planungs- und Dokumentations-Instrument,

mit dem die Jugendlichen ihr Lernen eigenverantwortlich

gestalten und sich vor allem ihr Kompetenz-Profil bewusst

machen. Er richtet sich auch an die Eltern.

Kein Abschluss ohne Anschluss: KAoA gilt inzwischen als

Erfolgsmo dell mit Vorbildcharakter in den unterschiedlichen

(Aus-)Bildungswegen. „Wir haben in NRW vor dem

Hintergrund des lebenslangen Lernens ein hervorragendes

Bildungssystem mit vielen Säulen,

Übergängen und großer Durchlässigkeit“,

sagt Andreas Kremer.

„Vor allem wegen der

dualen Ausbildung werden

wir weltweit beneidet.“ ■

„Unabhängig von Corona ist eine Ausbildung auch in

den nächsten Jahren eine der besten Voraussetzungen für

einen erfolgreichen Berufs einstieg und ein sicheres berufliches

Weiterkommen. Weniger junge Leute und mehr

Ältere, die in Rente gehen, führen gerade in den Krei sen

Hochsauerland, Soest und Olpe im Vergleich mit anderen

Regionen zu besonders guten Chancen, einen Ausbildungsplatz

zu finden. Ausbildungsbetriebe einerseits

und Schülerinnen und Schüler andererseits sollten alle

Möglichkeiten nutzen, sich gegenseitig kennenzulernen

und vorzustellen zum Beispiel auch durch Praxisphasen

in den Betrieben oder durch Videokonferenzen. Die

Betriebe können dem Fachkräftemangel entgegenwirken,

wenn sie sich mit ihren beruflichen Angeboten den

jungen Nachwuchskräften präsentieren, sich um sie bemühen

und den Wert der dualen Ausbildung oder eines

dualen Studiums aufzeigen.“


Hans-Josef Vogel, Regierungspräsident Arnsberg

WOLL Elternratgeber 2022 - 95


Fachhochschulen und Universitäten in der Nähe

WO WILLST DU

WAS STUDIEREN?

Christel Zidi

einen treibt es in die weite Welt,

den anderen ist es wichtig, Familie

„Die

und Freunde möglichst immer in erreichbarer

Nähe zu haben. Für ein Studium suchen

sie sich dann möglichst eine Fachhochschule oder Uni,

für die sie keine langen Anfahrtswege in Kauf nehmen

oder gar umziehen müssen. In unmittelbarer Nähe des

Sauerlandes gibt es so einige Möglichkeiten, seinen Bachelor

oder Master zu machen oder gar zu promovieren.

Oft auch ohne Abitur.

Wer darüber nachdenkt, ein Studium zu beginnen, hat

im Sauerland und in unmittelbarer Umgebung so einige

Möglichkeiten dazu. Auf jeden Fall sollte man vorher

unbedingt von dem Beratungsangebot der Fachhochschulen

bzw. Universitäten Gebrauch machen. Viele bieten

auch die Möglichkeit des Studiums ohne Abitur. So

kann man mit der entsprechenden Ausbildung auch ohne

Zugangsprüfung fachverwandte Studiengänge beginnen.

Das wird im Einzelfall entschieden, manchmal ist

noch eine Zugangsprüfung nötig. Mit dem Meisterbrief

öffnen sich viele Zugänge zum Studium.

„Dortmund“

Schnell und gut vom Sauerland aus erreichbar, ist Dortmund.

An der dortigen Fachhochschule kann man folgende

Fächer studieren: Angewandte Sozialwissenschaften,

Architektur, Design, Elektrotechnik, Informatik,

Informationstechnik, Maschinenbau und Wirtschaft.

„Hagen – Lüdenscheid – Iserlohn –

Meschede - Soest “

In diesen Sauerländer Städten kann man an der

FACHHOCHSCHULE SÜDWESTFALEN sehr

unterschiedliche Fächer studieren: Agrarwirtschaft,

Designmanagement und Naturwissenschaften, Informatik

und Digitalisierung, Pädagogik und Psychologie,

Technik und Ingenieurwesen, Umwelt und

Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Recht. Und das als

Duales, berufsbegleitendes oder klassisches Studium.

Es ist auch möglich, sich durch ein Zertifikatsstudium

fundierte Kenntnisse in einem Themengebiet anzueignen,

ohne direkt ein ganzes Studium aufzunehmen.

„Paderborn“

Wer Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Angewandte

Informatik studieren möchte, kann das an der

FACHHOCHSCHULE DER WIRTSCHAFT in Paderborn

Bachelor, Master sind teils dual oder berufsbegleitend

möglich. Und wer sich später auch den Doktorhut

aufsetzen möchte, kann das als „Doctor of Business Administration“.

Unter 70 Studiengängen kann man an der

UNIVERSITÄT PADERBORN wählen. Naturwissenschaften,

Sport und Gesundheit, Wirtschaftswissenschaften,

Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik,

Sprache und Literatur, Geistes- und Gesellschaftswissenschaft,

Kunst, Medien, Musik stehen auf dem Programm.

96 - WOLL Elternratgeber 2022


Foto: Hochsauerlandkreis

„Hamm“

Hamm und Münster gelten als

ein Campus, beide Städte sind mit

der Bahn in weniger als 30 Minuten

erreichbar. In Münster kann man

Psychologie & HR, Wirtschaft & IT, Logistik

und Sozialwissenschaften studieren.

Wer richtig fit in der englischen Sprache oder

Muttersprachler ist, kann die Studiengänge auch in

englischer Sprache absolvieren: Business Management,

Supply Chain Management und Business Analytics.

„Hagen“

Daneben gibt es noch das Studium an

der Fernuni in Hagen. Schon seit über 45 Jahren

gibt es dieses Angebot – also lange bevor sich das

Homeoffice etabliert hat. Hier gibt es die Rechtswissenschaftliche

und die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft,

für Psychologie, für Mathematik und Informatik

und für Kultur- und Sozialwissenschaften. ■

„Siegen“

Ein breites Spektrum an Studienmöglichkeiten gibt es

an der Universität Siegen. Hier befindet sich die Philosophische

Fakultät, die der Wirtschaftswissenschaften,

Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht, die Fakultät

Bildung, Architektur, Künste, die Naturwissenschaftlich-Technische

und die Lebenswissenschaftliche

Fakultät. Außerdem kann man hier auch auf Lehramt

studieren. In Siegen sind Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengänge

möglich.

WOLL Elternratgeber 2022 - 97


AUSZUBILDENDE MIT

ÜBERZEUGENDER BOTSCHAFT

Christel Zidi

sabrinity

Die Ausbildungsbotschafter Leonie Schlesiger (20),

Marielen Grossmann (17), Yagmur Yilmaz (20) , Ahmad Saidi (21) (v.l.)

Seit Kurzem sind vier Auszubildende des Krankenhauses

Maria Hilf in Brilon als „Ausbildungsbotschafter“

im Einsatz. Bestens auf den Einsatz an

Schulen vorbereitet, haben wir die Vier – Ahmad Saidi,

Leonie Schlesiger, Marielen Großmann und Yagmur

Yilmaz - einmal zu dieser besonderen Position befragt:

Welche Aufgaben habt Ihr als Ausbildungsbotschafter?

Yagmur: Als Ausbildungsbotschafter haben wir die Aufgabe,

unsere Ausbildung zur Pflegefachmann/-frau, Schülerinnen

und Schülern vorzustellen.

Marielen: Wir beantworten alle offenen Fragen und sprechen

aus unserer Sicht über die Ausbildung.

Ahmad: Dabei präsentieren wir unsere Werdegänge, den

Beruf und unser Unternehmen. Wir wollen den Schüler-

Innen auch ein bisschen Sicherheit und Orientierung bei

der Berufsauswahl vermitteln.

Ist es ein Vorteil, wenn man selbst noch Azubi ist?

Yagmur: Absolut. Auch ich habe mich damals mit Auszubildenden

über die Ausbildung unterhalten und offene

Fragen geklärt. Fragen können offener und mutiger gestellt

98 - WOLL Elternratgeber 2022


werden. In den meisten Fällen denkt und spricht man aus

derselben Sicht.

Leonie: Weil man sich eher selbst noch in die Lage der

Schüler versetzen kann. Und da wir alle fast im gleichen

Alter sind, harmoniert das auch.

Wenn man andere Menschen begeistern möchte, muss

man selbst davon überzeugt sein. Was begeistert Euch

an den Pflegeberufen?

Leonie: Der Beruf ist vielseitig und abwechslungsreich.

Und es ist ein Beruf, der immer gebraucht wird.

Yagmur: Neben der Arbeit an sich, begeistern mich am

meisten die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Davon

gibt es jede Menge. Neue Dinge zu lernen und sie

dann zu beherrschen ist etwas Tolles. Lebenslanges Lernen

ist wichtig, nicht stehenzubleiben.

Ahmad: Und dann auch das gute Gefühl, wenn man Menschen

hilft, die nicht mehr oder kaum allein klarkommen.

Auch die vielseitigen Tätigkeiten, die durch den Umgang

mit anderen Menschen große Freude bereiten.

Marielen: Natürlich muss man selbst davon überzeugt

sein und dies wirklich mit Leidenschaft machen, um auch

authentisch zu wirken. Mich begeistert jeden Tag wieder

die Dankbarkeit der Patienten, die man zurück bekommt.

Außerdem ist es besonders spannend, in viele Arbeitsfelder

einmal reinzuschauen, um festzustellen, wo eigene Stärken

oder auch Schwächen liegen.

Wie habt Ihr selbst zu dieser Ausbildung gefunden?

Marielen: Viele meiner Familienmitglieder arbeiten in der

Pflege. Daher hatte ich einen ganz guten Einblick in das

Berufsfeld. Für mich war klar, dass dies auf jeden Fall das

Richtige für mich ist.

Ahmad: Meinen Weg zu dieser Ausbildung habe ich

durch viele Kontakte zu Pflegekräften aus verschiedenen

Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und verschiedenen

Fachgebieten gefunden. Dabei habe ich immer viele Pflegeartikel

gelesen und nachgeschaut, welche mir die Sicherheit

geben und meine Entscheidung unterstützt haben.

Leonie: Bei mir war es der Berufsberater

Yagmur: Für mich war das schon von Anfang an klar. Ich

stand mit sechs Jahren beim Karneval auf der Bühne und

habe gesagt, dass ich Krankenschwester werden möchte. Es

begeisterte mich schon immer Menschen weiterzuhelfen.

Im Jahr 2018 habe ich ein Jahrespraktikum im Krankenhaus

gemacht, mich dort mit vielen Fachbereichen vertraut

gemacht. Und danach habe mich für die Ausbildung

entschieden.

Zum Schluss erklärt Yagmur, stellvertretend für alle vier

Ausbildungsbotschafter: „Wir freuen uns auf neue Auszubildende,

die sich vielleicht auch durch unsere Leidenschaft

für den Pflegeberuf entscheiden.“ ■

Ahmad Saidi bei einer Patientin

Yagmur Yilmaz beim Einsortieren der Medikamente

Praktische Anleitung durch

die hauptamtliche Praxisanleitung Christiane Mester

WOLL Elternratgeber 2022 - 99


Ein Gespräch

mit Hans Werner Rötzmeier

SCHULVERWEIGERER

VERLIEREN

LEBENSCHANCEN

Sabina Butz

Privat

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In

Deutschland besuchen aufgrund der Allgemeinen

Schulpflicht, die 1919 in der

Weimarer Verfassung festgeschrieben

wurde, ca. acht Millionen Kinder und Jugendliche

eine allgemeinbildende Schule. Allerdings halten sich

nicht alle Schüler und Eltern an diese Vorgabe: Man

schätzt, dass sich jedes Jahr ca. 300.000 Schülerinnen

und Schüler nicht regelmäßig im Unterricht einfinden.

Was sind die Motive der „Schulverweigerer“ und

wie kann gegengesteuert werden?

Hans-Werner Rötzmeier, Förderschulrektor i. R.

mit den Schwerpunkten Emotionale und

Soziale Entwicklung, beantwortet

für WOLL Fragen zum Thema

Schulverweigerer:

Da müssen vorab ein paar Begriffe

geklärt werden: Wir

unterscheiden zwischen gelegentlichem

Schulschwänzen,

langfristiger Schulverweigerung

und dem Zurückhalten der Kinder

vom Schulbesuch durch die Eltern. Wichtig ist zudem

die Unterscheidung zwischen aktiver Schulverweigerung,

der Schule also fern zu bleiben, und passiver Schulverweigerung,

das bedeutet körperlich anwesend, aber teilnahmslos

zu sein, weil die Konsequenzen unterschiedlich

sind. Das Schulschwänzen dürfte jedem Erwachsenen

aus der eigenen Schulzeit bekannt sein, den meisten aus

eigener Erfahrung: Man glaubte, das müsse man einmal

gemacht haben, und wenn es die Sportstunde war,

die man am Ende des Tages notfalls einfach vergessen

haben könnte. Ein paar Mal Schulstunden zu schwänzen

ist genauso wenig Besorgnis erregend wie das Vorschieben

einer Erkrankung, was gehäuft vor

Tests und Klassenarbeiten auftaucht.

Problematisch wird es, wenn aus

dem Schwänzen eine generelle

Verweigerung wird.“

100 - WOLL Elternratgeber 2022


Ab wann genau spricht man von

Schulverweigerung?

Wenn aus gelegentlichem Schwänzen ein dauerndes Unterrichtsfernbleiben

wird, also tage- oder sogar monatelang.

Sobald eine Schülerin oder ein Schüler sich in diese Richtung

begibt, müssen sowohl bei Eltern als auch Lehrerinnen

und Lehrern alle Alarmglocken

schrillen. Die Gründe für Schulverweigerer

sind so vielschichtig wie die

Schülerpersönlichkeiten, aber man

kann doch ein paar Kriterien feststellen:

finden meistens schnell Gehör, während man für die „Leisen“

ein besonderes Ohr entwickeln muss. Genau dieser

Gruppe bietet sich unsere besondere Schule mit all ihren

pädagogischen Möglichkeiten an. Ein Schulverweigerer,

ob aktiv oder passiv, verpasst ja nicht nur ein Klassenziel

oder einen Schulabschluss, sondern vor allem die Chance

auf eine angemessene Berufsausbildung; ihm

entstehen Nachteile, die ihn sein Leben

lang begleiten werden. Das ist doch die

eigentliche Problematik, so dass hier

früh gegengesteuert werden muss,

um einem geregelten Leben Platz

zu geben.

Oftmals sind Schulverweigerer

vollkommen entmutigt wegen

fehlender Erfolgserlebnisse

oder sie können keine Einsicht in

die Sinnhaftigkeit der Lerninhalte

entwickeln oder sie haben wegen

negativer Erlebnisse in der Schule Ängste

aufgebaut. Sie fürchten, Mobbingopfer zu werden

oder waren es bereits. Auch familiäre und soziale

Probleme sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Häufig findet man bei Schülerinnen und Schülern zudem

ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Ohnmacht

mit den genannten Folgen, weil klare Strukturen und verlässliche

Regeln im Schulalltag fehlen.

Welche Hilfen gibt es für Schulverweigerer?

Hans-Werner Rötzmeier

Welche Tipps können Sie Betroffenen

in einer

ähnlichen Situation geben?

Zeigen sie ihrem Kind, dass Sie es

lieben und bedingungslos unterstützen

und gehen Sie offen und ruhig mit der Situation

um; nutzen sie nötigenfalls die angebotenen

Hilfen. Die wirkungsvollste Prophylaxe sind Familiengespräche,

die ein Interesse der Eltern an der persönlichen

Entwicklung ihrer Kinder im Zusammenhang von

Schule widerspiegeln und sich nicht auf die Abfrage des

Leistungsstandes beschränken. Wenn Eltern zudem die

Bedeutung von Schule und die Arbeit von Lehrerinnen

und Lehrern wertschätzen, prägt das die Einstellung der

Kinder.

Inzwischen gibt es vielerorts besondere Klassen oder

Schulprojekte für Betroffene. Erste Ansprechpartner sollten

jedoch Klassenlehrer, Schulleiter und Schulsozialarbeit

sein und darüber hinaus die Schulberatung beim HSK.

Als ehemaliger Rektor der Hans-Zulliger-Schule in Brilon

habe ich über Jahrzehnte Erfahrungen mit Schulverweigerern,

gesammelt und erkannt, dass es keinen „klassischen“

Schulverweigerer gibt. Es sind individuelle Schicksale, die

individuell betrachtet werden müssen, um gezielt verarbeitet

werden zu können.

An die Lehrerinnen und Lehrer: Bleibt neugierig, kreativ

und mutig, wie ihr es euch im Studium vorgenommen

hattet; wertschätzt die euch Anvertrauten, und denkt daran,

egal ob in Klasse 1, 5, 10 oder 13: Ihr unterrichtet

Menschen, nicht Fächer.

An die Schülerinnen und Schüler: Bleibt nicht passiv, sondern

werdet aktiv für den Aufbau eines besseren Schul- Lebens. ■

Warum haben Sie sich auf „Schulverweigerer“

spezialisiert?

Auffälliges und herausforderndes Verhalten ist ein Hilferuf

von Schülerinnen und Schülern. Die „laut“ Rufenden

WOLL Elternratgeber 2022 - 101


GELD IST LÄNGST NICHT ALLES

Christel Zidi

W

as erwarten Jugendliche von ihrer Ausbildung?

Steht das Geldverdienen an erster Stelle?

Wir haben uns dazu einige Studien angesehen

- die doch recht überraschend sind.

Sehr stabil sind die Ergebnisse verschiedener Jugendstudien.

Und das schon seit Jahren. Demnach steht für die jungen

Menschen an erster Stelle – und das sogar bis zu 90 % -

dass „der Arbeitsplatz Sicherheit bietet, ihnen ermöglicht

etwas Sinnvolles zu tun, ihnen das

Gefühl gibt, etwas zu leisten sowie dass

genügend Freizeit (…) bleibt.“ Wichtig

ist ihnen ebenfalls, dass der Betrieb nicht

allzu weit von ihrem Zuhause entfernt

ist. Weitere Studien geben an, dass der Beruf

den jungen Menschen Spaß machen und

ihren Fähigkeiten entsprechen soll. Und das

Betriebsklima soll stimmen. Sie wünschen sich

einen Beruf mit Zukunft, Anerkennung und

eine abwechslungsreiche Tätigkeit.

Geht es den jungen Leuten von heute

tatsächlich so wenig ums Geld?

Auch das zeigen die Studien ganz deutlich: Das Monetäre

ist und bleibt wichtig, aber steht ganz klar hinter den erstgenannten

Aspekten. Immerhin ca. 80 Prozent halten ein

leistungsgerechtes Gehalt für wichtig und wünschen sich

gute Aufstiegsmöglichkeiten. Eine Befragung des BIBB

(Bundesinstitut für Berufsbildung) unter 6.000 Azubis

gab an, dass 71 % der Auszubildenden die Ausbildungsvergütung

„wichtig“ oder „sehr wichtig“ sei. Vergleich man

Schüler, die eine Ausbildung anstreben, mit denen die studieren

wollen, sind Ernstgenannten angenehme Arbeitsbedingungen

überdurchschnittlich wichtig. Eher weniger

hoch ist der Anteil der „Konsum-Materialisten“, die ihren

Job vor allem als Notwendigkeit betrachten und daher ein

Gehalt als Notwendigkeit für ein „anständiges Leben“ ansehen.

Die größte Rolle spielt das Einkommen für prekäre

Jugendliche, also für Jugendliche, die aus schwierigen

Lebenssituationen kommen.

Ein bisschen Geschichte…

Im Mittelalter gab es für Lehrlinge im Handwerk

erst gar keine Vergütung. Ganz im

Gegenteil: Es musste ein Lehrgeld an den

Meister gezahlt werden. Erst im Zuge der

Industrialisierung, als der Bedarf an gut ausgebildeten

Arbeitskräften wuchs, erkämpften

die Gewerkschaften den Lehrlingslohn oder die Ausbildungsvergütung,

wie wir heute sagen würden. Ab den

1950er-Jahren wurde diese auch tarifvertraglich geregelt.

Heute sieht das Berufsbildungsgesetz vor, dass Auszubildende

eine „angemessene Vergütung“ erhalten sollen. Die

Beurteilung dessen, was „angemessen“ ist, bleibt dabei den

einzelnen Betrieben bzw. den Tarifpartner überlassen. Dabei

ergeben sich recht beträchtliche Unterschiede bei der

Höhe der Vergütung, wie wir der nachfolgenden Tabelle

entnehmen können. ■

Quellen: Shell-Jugendstudie // McDonalds-Ausbildungsstudie 2019.

www.bibb.de

Sarah Straub/Iris Baumgart: Berufs- und Arbeitswelt in der politischen Bildung

TIPP:

Wer nicht länger bei den Eltern wohnen kann,

weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt ist,

kann unter Umständen Berufsausbildungsbeihilfe

(BAB) von der Agentur für Arbeit erhalten.

Tarifliche

Ausbildungsvergütungen

102 - WOLL Elternratgeber 2022


Ausbildungsberuf

Ausbildungsjahr Ausbildungsjahr Nach der Ausbildung

Apotheken 732 840 kaufm. Angest. 1.806 // techn. Assist. 2.078

Architektur-, Ingenieur- und Planungsbüros 643 967 2.034

Arzthelferinnen 880 995 1.970

Bäckerhandwerk 645 850 Bäckereifachverk. 1.883 // Bäckergeselle 2.302

Bankgewerbe, privates 1.036 1.160 2.604

Baugewerbe (gewerbliche) 890 1.580 19,36

Baugewerbe (kaufmännisch) 885 1.384 2.718

Bekleidungsindustrie 863 1.009 1.968

Beton- und Fertigteilindustrie, Betonsteinhandwerk 1.015 1.522 3.298

Bewachungsgewerbe 748 974 2.461

Brauereien 921 1.233 3.707

Brot- und Backwarenindustrie 879 1.218 2.616

Buch- und Zeitschriftenverlage 883 1.010 1.988

Chemische Industrie Nordrhein 1.056 1.301 3.203

Dachdeckerhandwerk 780 1.200 2.789-3.869

Druck- und Medienindustrie (gewerblich) 987 1.140 2087

Einzelhandel 900 1.200 2.124- 2.410

Eisen- und Stahlindustrie 980 1.197 2.181

Elektrohandwerk 770 920 14,88

Entsorgungswirtschaft 671 880 2.417

Erwerbsgartenbau, Friedhofsgärtnereien, Forstpflanzbetriebe 630 800

Verkäufer 2.057

k. /t. Angestellte 2.191

Fleischerhandwerk 600 800 Verkäufer 1.800 // Geselle 2.018

Florist- Fachbetriebe 634 737 1.809

Forstbetriebe, privat 690 790 Forstwirt 2.207 // Revierforstwart 2.485

Friseurhandwerk 610 815 1.727

Galvaniseur-Handwerk 790 880 2.623

Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau 930 1.135 k/t AN 2.578 / 3.080

Gaststätten- und Hotelgewerbe 930 1.135 2.019

Gebäudereiniger-Handwerk (gewerblich) 810 1.100 15,12

Gerüstbaugewerbe 865 1.335 17,04

Glaserhandwerk 420 600 1.823

Groß- und Außenhandel 1.031 1.184 2.305

Herrenschneiderhandwerk 165 280 14,22

IT Dienstleistungen 987 1.206 2.867

Ital. Eiscafé 800 1.050 12,64

Kalk- und Dolomitindustrie 847 1.285 3.297

Kraftfahrzeuggewerbe (IGM) 784 946 2.357

Kunststoffverarbeitende Industrie 797 1.033 1.962-2.127

Lampenschirm-, Wohnraumleuchten- u. Zubehörindustrie 615 1.015 1.572

Landwirtschaft 690 790 14,99

Land- und forstwirtschaftliche Unternehmen 680 775 2.300

Landmaschinenmechaniker-Handwerk 585 695 1.973

Maler- und Lackiererhandwerk 710 945 15,44

Metall- und Elektroindustrie 981 1.197 2.741

Metallbauerhandwerk 765 945 2.390

Milch-, Käse- und Schmelzkäseindustrie kaufm. und techn. Auszubildende 822 1.130 2.576

Modellbauer-Handwerk 680 922 2.456

Molkereien und Käsereien 926 1.331 2.933

Naturstein- und Naturwerkstein-Industrie 860 1.065 2.994

Obst- und Gemüseverarbeitungsindustrie 896 1.331 3.050

Öffentlicher Dienst - Pflege (Land) 1.061 1.233 Richtet sich

Öffentlicher Dienst (Bund/ Kommune) 1.018 1.178

nach der ausübenden

Öffentlicher Dienst (Land) 937 1.110

Tätigkeit

Omnibusgewerbe, privates 719 1.048 Werkstatt 1.725 // Fahrdienst 1.835

Orthopädieschuhmacherhandwerk 450 820 13,00

Papiererzeugende Industrie 992 1.218 2.789

Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe 560 680 13,78

Raumausstatter 480 650 12,60

Reisebüro und Reiseveranstalter 797 1.052 2.142

Sanitär-, Installateur-, Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-, Klempner- und

730 893 2.331

Kupferschmiede-Handwerk

Schornsteinfegerhandwerk 520 690 14,06

Schrott- und Industrieabbruchbetriebe 959 1.119 2.575

Speditions-Logistik-Transportgewerbe 810 980 2.309

Spirituosenindustrie und Kornbrennereien 590 890 2.163

Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk gewerbl. 530 720 15,05

Systemgastronomie (DEHOGA) 710 840 2.059

Tageszeitungenverlage (kaufmännisch) 764 1.046 2.062

Textilindustrie 940 1.164 2.322

Tiermedizinische Fachangestellte 700 800 1.890

Tischlerhandwerk 680 880 2.941

Transportbetonindustrie 763 1.004 2.248

Umweltschutz, Dienstleistung, Reinigung und Sanierung 733 1.319 2.932

Versicherungsgewerbe, privates 1.070 1.230 2.833

Wach- und Sicherheitsgewerbe (gewerblich) 823 1.024

Wach- und Sicherheitsgewerbe (kaufmännisch) 786 1.190

2.461

Wand- und Bodenfliesen-, keramische Fliesenindustrie 811 1.034 1.815

Wohnungswirtschaft 1.020 1.240 2.620

Zahnmedizinische Fachangestellte 870 970 2.105

Alle Werte in Euro (Stundenlöhne im zweistelligen Bereich, Monatsgehälter aufgerundet).

Stand: Dezember 2021 / Quellen: http://www.tarifregister.nrw.de - www.mags.nrw

erstes letztes anfangsgehalt

WOLL Elternratgeber 2022 - 103


Digitales Lernen in der Werkstatt:

AUSZUBILDENDE STARTEN

IN EINE NEUE ÄRA

Dieter Berndt

Hier hat eine neue Ära der Berufsbildung

begonnen: Digitales Lernen in der Werkstatt

Lernaufträge in digitaler Form – so sieht die Praxis

der Martinrea-Honsel-Auszubildenden aus. Die

Aufträge enthalten technische Zeichnungen und

zum Großteil selbst erstellte Erklärvideos, zur nachhaltigen

Unterstützung der Trainingseinheiten durch die Ausbilder.

Dafür bekamen die 25 neuen Auszubildenden, die am

1. September letzten Jahres im Werk Meschede in über zehn

verschiedenen Berufsbildern ihre Karriere starteten, jeweils

einen hochmodernen 2-in-1-Tablet-PC für Schulungs- und

Kommunikationszwecke.

Für Martinrea Honsel hat damit eine neue Ära der Berufsbildung

begonnen. Sämtliche Trainingsmodule werden

künftig digital unterstützt. Digitales Lernen als Kombination

aus Technologie, digitalen Inhalten und Anleitung - ein

Mehr an Kontrolle über Zeit, Ort, Weg oder Lerntempo für

die Auszubildenden. Um sicherzustellen, dass diese möglichst

effizient lernen und auf dem richtigen Weg bleiben,

bieten Ausbilder mit dem digitalen Lernen personalisierte

Anleitungen und Unterstützung,

Darüber hinaus bringt das Unternehmen auf jeder Maschine,

jedem Gerät und Werkzeug - wo es Sinn macht - einen

QR-Code an. Über diesen erhält der Lernende alle benötigten

Informationen zu Arbeitssicherheit, Fertigungsverfahren,

Qualitätsprüfung, Betriebsanleitung, Arbeits- und

Betriebsanweisung. Außerdem werden die Tablet PC zum

Lernen in der Berufsschule genutzt und die Berichtshefte

digital geführt.

Digitales Lernen ist nicht nur papierlos, umweltfreundlich

und nachhaltig, es gibt generell mehr Flexibilität und

die Möglichkeit von verschiedenen Orten aus zu arbeiten

und zu lernen. Das motiviert die Mitarbeiter, erhöht die Arbeitszufriedenheit

und stärkt am Ende des Tages die Wettbewerbsfähigkeit

des Unternehmens.

Bei Martinrea Honsel werden kontinuierlich über 100 junge

Leute in Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen

qualifiziert. Personalleiter Bill Kreis und Dieter Berndt,

Leiter Personalentwicklung, freuen sich mit dem Ausbilderteam,

dass das Unternehmen in diesem Jahre gleich 40 neue

Ausbildungsplätze anbieten kann.

Lernen hört für Martinrea Honsel nicht mit dem Abschluss

der Berufsausbildung aus, sondern für alle betriebszugehörigen

Mitarbeiter:innen gibt es ein breites Angebot an Fortbildungen

und Qualifizierungen. ■

Mit 57 Standorten und über 15.000 Mitarbeitern ist

MARTINREA eines der am schnellsten wachsenden Automobilzulieferer

weltweit.

MARTINREA HONSEL in Meschede, ist mit 1500 Mitarbeitern,

davon 100 Auszubildende in über 10 verschiedenen

Ausbildungsberufen, einer der größten Arbeitgeber

und Ausbildungsbetriebe in der Region. In der Branche

der Leichtmetall- und Automobilindustrie gehören Aluminium-Motorblöcke,

Fahrwerks- und Struk-turteile sowie

Komponenten für die Elektro-Mobilität zu den Kernprodukten

des Unternehmens.

104 - WOLL Elternratgeber 2022


Sabine Bechheim

Quelle: IHK Siegen/Carsten Schmale

Fachkräftebedarf in Südwestfalen

Christel Zidi

W

er in heutiger Zeit einen Ausbildungsplatz

finden möchte, muss sich quälen. Aber nicht,

um einen Ausbildungsplatz zu bekommen,

sondern nur bei der Auswahl. Denn die ist so gut und so

vielfältig wie nie zuvor. Auch was die Zeit danach angeht,

sieht es für die künftigen Fachkräfte sehr gut aus.

Der Fachkräftebedarf (Grafik: Stand April 2021) zeigt

„rosige“ Aussichten, speziell für den Hochsauerland.

Deuten die Experten das ebenso?

„Aus Azubi-Sicht ist das so“, sagt Andre Habrock, Referent

für Bildung, Fachkräfte und NextStep der IHK NRW.

„Azubis haben super Aussichten einen Ausbildungsplatz zu

bekommen“. Und sie sind mit erfolgreichem Abschluss begehrt

wie nie zuvor. Anders sieht das aus Perspektive der

Unternehmer aus: „Fachkräfte werden in ganz NRW und

auch bundesweit dringend gebraucht – auch berufsgruppenübergreifend“,

berichtet der Bildungsreferent weiter.

„Eine Berufsausbildung, vielleicht sogar

mit einer daran anschließenden Fortbildungsprüfung,

das bleibt

das Erfolgsgeheimnis in dieser Region“

(Sabine Bechheim)

Quelle: www.ihk-fachkraefte-nrw.de

Sabine Bechheim von der IHK Siegen, die dort den Geschäftsbereich

Berufliche Bildung und Gründung leitet, hat

für uns einen Blick auf den südwestfälischen Bereich geworfen

hat, wo die Situation in den drei IHK-Bezirken in

weiten Teilen vergleichbar ist: „Legt man die aktualisierten

Daten vom April 2022 zugrunde, ist bereits überall ein Engpass

zu verzeichnen. Das entspricht auch der prognostizierten

Entwicklung, trotz aller Krisen.“ Für beide Experten ist

die Fachkräftesituation in erster Linie der demographischen

Entwicklung geschuldet. Und Sabine Bechheim ergänzt:

„In Südwestfalen stoßen eine in weiten Teilen prosperierende

Wirtschaft und ein geringer werdendes Fachkräftepotenzial

aufeinander.“

Und weiter fährt sie fort: „Das Potenzial der am Arbeitsmarkt

verfügbaren Personen wird in Zukunft immer kleiner.

Gleichzeitig sinkt der Anteil der beruflich qualifizierten

Personen, da sich immer mehr Schülerinnen und Schüler

für das Abitur und ein daran anschließendes Studium entscheiden.

Der wirtschaftliche Erfolg in Südwestfalen wird

jedoch weiterhin überwiegend mit beruflich Qualifizierten

erzielt, insofern wird hier die Lücke in Zukunft immer größer

werden. Eine Berufsausbildung, vielleicht sogar mit einer

daran anschließenden Fortbildungsprüfung, das bleibt

das Erfolgsgeheimnis in dieser Region.“ ■

WOLL Elternratgeber 2022 - 105


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106 - WOLL Elternratgeber 2022


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Der Caritasverband ist einer der größten und zukunftssichersten

Arbeitgeber im Kreis Olpe. In unseren mehr als 60

Einrichtungen beschäftigen

wir über 1.800

Mitarbeitende mit einer

verantwortungsvollen

und sinnhaften Aufgabe.

Wir bilden jährlich zwischen

30-40 Auszubildende

in den Bereichen

Pflege, Hauswirtschaft,

Verwaltung und Heilerziehungspflege

aus und

ermöglichen somit zahlreichen

Berufseinsteigern

einen ersten Schritt

in das Berufsleben. Eine

gute Ausbildung bildet

die Grundlage einer

erfolgreichen Zukunft

und liegt damit nicht

nur unseren Auszubildenden,

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Die Ausbildung beim Caritasverband Olpe ist vielseitig,

spannend und bietet viele Möglichkeiten, sich persönlich und

beruflich weiterzuentwickeln – kein Tag ist wie der andere.

Gerade im Bereich der Pflege bieten sich immer wieder neue

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zu den verschiedenen Menschen bleibt der Azubi-Alltag

abwechslungsreich. Unsere Pflege-Azubis durchlaufen während

ihrer generalistischen Ausbildung verschiedene Einsatzbereiche,

wie die stationäre und ambulante Pflege oder

Einsätze im Bereich der Psychotherapie oder Pädiatrie. Die

Ausbildung zum / zur Pflegefachmann / -frau dauert in der

Regel 3 Jahre und wird sehr gut mit einem durchschnittlichen

Gehalt von 1.215

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Unsere Azubis tragen

eine angemessene Verantwortung

und werden

von uns stetig gefördert

und gefordert. Gerne

übernehmen wir unsere

Auszubildenden mit

unbefristeten Arbeitsverträgen

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Auch Jugendliche, die

vielleicht noch keine

genauen Vorstellungen

zu ihrer beruflichen Zukunft

haben, können

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Denn bei uns kann

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Weitere Infos findest du unter: www.caritas-olpe.de/

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