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moneyeditorial

EDITORIAL

Vorbild

Nordeuropa

Neid ist eine der sieben Todsünden. Neid ist aber auch die aufrichtigste Form

der Anerkennung, laut Wilhelm Busch. Jedenfalls bin ich in vielerlei Hinsicht

neidisch auf die Bevölkerung in den skandinavischen Ländern. Deren Regierungen

machen vieles richtig – welch ein Kontrast zu Deutschland.

Der Neid auf die skandinavische Regierungskunst reicht weit zurück. Schon seit

Jahrzehnten lesen wir, dass die Bildungssysteme der Nordeuropäer dem unseren

häufig überlegen sind, zum Beispiel in Finnland. In den globalen Glücksrankings

liegen Finnen, Schweden, Dänen oder Norweger meist auf vorderen Plätzen, der gesellschaftliche

Zusammenhalt gilt oft als vorbildlich. Deutschland, so heißt es derzeit

ständig, sei das reichste Land Europas. Wirklich? Beim Bruttoinlandsprodukt

(BIP) pro Kopf rangieren alle vier skandinavischen Staaten unter den Top Ten des

Kontinents, nicht aber die Bundesrepublik. Das ist sicher auch darauf zurückzuführen,

dass Nordeuropa in Sachen Digitalisierung Deutschland meist abhängt. Im

Index der digitalen Lebensqualität rangieren Dänemark und Schweden auf den Plätzen

eins und zwei, Norwegen erobert den fünften Rang (Deutschland: Platz 16).

Überdies kann man als aktueller oder künftiger Rentner nur neidisch sein auf den

norwegischen Staatsfonds, in den die Öl- und Gaseinnahmen des Landes fließen:

eine 1,3 Billionen Dollar schwere Absicherung für die Zukunft, beteiligt an mehr als

9000 Unternehmen, die im vergangenen Jahr mehr als 14 Prozent Rendite erzielte.

Das Konzept übertragen wir immer wieder auf eine Investmentstrategie mit wenigen

ETFs, zuletzt erst vor zwei Wochen (FOCUS-MONEY 20/2022).

Aber auch Schweden sind im Alter besser abgesichert als Deutsche: Dort fließen

2,5 Prozent der Beiträge in die sogenannte Prämienrente und werden über Fonds

mit geringen Kosten gewinnbringend angelegt.

Und jetzt wächst der Neid sogar noch: Ich lerne gerade anhand des geplanten

schnellen Beitritts von Schweden und Finnland zum Verteidigungsbündnis Nato,

dass die beiden Länder auch starke militärische Fähigkeiten einbringen. Man kann

also einen funktionierenden Sozialstaat haben, ohne seine Armee über Jahrzehnte

kaputtzusparen. In Schweden und Finnland wird nach dem Schock des russischen

Angriffs auf die Ukraine auch nicht von Zeitenwende gesprochen, um dann alles

zerfasern zu lassen, sondern dort wird gehandelt. Die Anträge auf den Nato-Beitritt

haben beide Staaten vergangene Woche eingereicht.

Der Bundeskanzler hat im Wahlkampf immer gesagt: „Wer bei mir Führung bestellt,

muss wissen, dass er sie dann auch bekommt.“ Davon ist derzeit nichts

zu sehen. Wenn Olaf Scholz schon nicht nach Kiew fährt, dann möge er doch

wenigstens Lehr-Reisen nach Kopenhagen, Oslo, Stockholm und Helsinki

unternehmen, damit Deutschland künftig etwas skandinavischer

regiert wird.

Ihr

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur

FOCUS-MONEY

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte,

in Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf

die Notenbanken: Kommt die Zinswende mit noch größeren

Schritten als bereits erwartet? Wie geht es weiter mit den Aktienkursen,

wenn die expansive Geldpolitik rückabgewickelt wird? Mein

Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in FOCUS-MONEY. Den portofreien

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FOCUS-MONEY 22/2022

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3


moneyinhalt

8

Rendite ohne

Kopfschmerzen

Amundi-Experte Vincent Mortier

analysiert die Lage. FOCUS-MONEY sagt,

wie tief die Kurse fallen können – und stellt

sichere Investments für Rendite ohne Reue

selbst in schwierigen Zeiten vor

58

Gegessen wird immer

Steigende Verbraucherpreise

bremsen den Konsum? Nicht bei

den Lebensmittelherstellern.

Diese Konzerne (auch aus

dem Umfeld) profitieren

moneykompakt

6 Bier-Comeback: Nach langer

Corona-Durststrecke legen Aktien

großer Brauereien wieder zu

98 Andis Börsenbarometer: Darum

sind aktiv gemanagte Fonds kein

Auslaufmodell

moneytitel

8 Interview: Amundi-Experte

Vincent Mortier rät davon ab,

schon in den breiten Markt

einzusteigen

12 Wie tief fallen die Märkte noch?

Lieber aussteigen oder abwarten?

Mit dieser Strategie klappt es in

jeder Phase

18 Anti-Risiko-Zertifikate: Mit

diesen fünf Anlagen gehen Sie

gerade jetzt auf Nummer sicher

22 Interview: Deutschlands Star-

Fondsmanagerin der 80er und

90er Elisabeth Weisenhorn verrät,

wie man durch unruhige Anlagezeiten

kommt

25 Mischfonds: Mit diesen drei

Kandidaten streuen Sie das Risiko

optimal und können entspannt

Gewinne kassieren

22

„Anleger

sollten im

aktuellen Umfeld in Aktien

investieren. Mit Anleihen ist nichts

zu gewinnen“

ELISABETH WEISENHORN,

AUFSICHTSRÄTIN DWS INVESTMENT

28 Dollar wertet auf: Die Zinspolitik

pusht die US-Währung. So können

Sie diese Chance für sich nutzen

30 Kick it like Buffett: Mit dem

Omaha-Zertifikat investieren Sie

wie die Börsenlegende persönlich

moneymarkets

34 Female Finance Award: FOCUS-

MONEY kürt die weibliche Finanzelite.

Das ist die Jury

36 Schwarz-Rot-Geld-Chancen: Hier

ist Deutschland spitze

44 Hit & Shit: Buffett setzt auf Öl,

während düstere Wolken über der

deutschen Bauindustrie aufziehen

4 Titelfoto: Bloomberg Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 22/2022


25. MAI 2022 www.money.de

46

Wer ist Elon Musk?

Der reichste Mensch der Welt

polarisiert wie kein Zweiter. Wir

haben ihn durchleuchtet und

verraten Ihnen alles,

was Sie zum

aktuellen

Twitter-Chaos

und zu Tesla

wissen müssen

53

Grüner Wasserstoff

Nel in der Analyse: Noch immer keine

Großaufträge und die Zahlen sind

durchwachsen. Viele Experten sehen

jetzt trotzdem den besten Zeitpunkt zum

Einsteigen. Was ist dran an diesem Rat?

45 Deere & Co.: Auch die Landwirtschaft

wird digital – dieses

Unternehmen spielt vorn mit

46 Elon Musk: Das große Porträt

inmitten seines Twitter-Chaos

50 Fischfarming: Diese Konzerne

profitieren vom Zuchtlachs-Boom

56 Musterdepots: Fischer zeigt sich

für die Börsen verhalten optimistisch.

Sperch setzt weiter auf den

Green Deal der EU

58 Lebensmittel-Boom: Selbst bei

Inflation profitieren diese Lebensmittelhersteller

weiter

moneydigital

52 Social Trends: Biden und Bezos

zoffen sich auf Twitter

53 Analyse: Nel will den Markt für

grünen Wasserstoff dominieren.

Kann der Konzern es trotz mauer

Auftragslage schaffen?

63 Chartsignal: Einstiegschance

beim TecDax?

63 Börsenwissen: Was war noch

gleich die Quellensteuer?

dswanlegerschutz

64 ProSiebenSat.1: Vorstandsvorsitzender

Rainer Beaujean gibt

Einblicke

64 2 Cent je Aktie? Das rät Anwältin

Jella Benner-Heinacher Gazprom-

Aktionären zu Kaufangeboten

moneyservice

66 Zuverlässige Retter: Diese

Assistance-Leistungen von

Versicherern sind besonders fair

70 Höchste Kompetenz: FOCUS-

MONEY kürt die Top-Anbieter

verschiedenster Branchen

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

FOCUS-MONEY 22/2022

Fotos: Depositphotos, Bloomberg, Adobe Stock Composing: FOCUS-MONEY

5


moneytitel

TITEL

Wie tief fallen

die Märkte noch?

BÖRSEN-ACHTERBAHN:

Verkaufen am Tiefstand?

Bloß nicht!

12 Illustration: iStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 22/2022


Jetzt raus, bevor die Börsen womöglich weiter fallen? Warum Anleger ruhig bleiben sollten, statt

Panik zu schieben. Plus: eine Strategie, die immer passt – in Bären- wie in Bullenphasen

von MARC BÄCHLE und BERND JOHANN

Die Finanzwelt ist die reinste Kirmes. Und was ist die

größte Attraktion für die Marktteilnehmer in diesem

Jahr? Die 2022er-Börsen-Achterbahn, die sturzartig

nach unten rauscht und den Anlegern das Adrenalin durch

den Körper jagt, ehe sie wieder nach oben dreht, um die Mitfahrenden

etwas durchatmen zu lassen, um dann anschließend

erneut hinunterzusausen. Nein, das ist nichts für schwache

Nerven, weshalb zahlreiche Anleger aus dem Kick aussteigen

wollen und sich in der aktuellen Gemengelage fragen,

ob sie sich von ihren Aktienpaketen oder zumindest Teilen davon

trennen sollen. Der Verkaufspreis erscheint dabei vielen –

trotz so manchem Minus im Depot – nebensächlich. Schließlich

kann die Achterbahn auf dem Weg nach unten noch

deutlich mehr an Geschwindigkeit zulegen. Nicht selten heißt

derzeit die Devise: einfach nur raus aus dem irren Ritt!

Bären mit Oberwasser. Schuld an diesen Überlegungen

sind die Bärenwochen der US-Indizes, allen voran des Dow Jones.

Der amerikanische Leitindex patzte ganze sieben Wochen

hintereinander. Im Zeitraum zwischen dem 28. März und dem

13. Mai setzte es in jeder Handelswoche unterm Strich ein Minus;

der Wochenschlusskurs notierte stets unter der Wochenerstnotiz.

Deutlich besser schlug sich der Dax, der in derselben

Zeitspanne fünfmal als Wochengewinner und nur zweimal als

-verlierer vom Platz ging. Das die Börsen-Schwächephase in der

jüngeren Vergangenheit vor allem in Übersee stattfand, belegen

obendrein die beiden anderen US-Barometer, S&P-500

und die Technologiebörse Nasdaq. Sie verabschiedeten sich jeweils,

beginnend mit dem 4. April, an sechs darauffolgenden

Handelswochen mit einem Minus ins Wochenende. Die Gründe

für die Durststrecken sind hinlänglich bekannt: Ukraine-

Krieg, das Ende der expansiven Geldpolitik der Notenbanken

und Lieferkettenproblematik. Und diese Abverkaufsstimmung

der vergangenen Wochen wirkt nach, zehrt weiter an den Nerven

vieler Anleger und sät bei nicht wenigen Zweifel an den eigenen

Aktienpositionen. Die entscheidende Frage in diesen

turbulenten Zeiten, die auch FOCUS-MONEY umtreibt, lautet

demnach: Wie tief kann es im schlimmsten Fall noch gehen?

Auf Regen . . . Um zumindest zu erahnen, wohin die Reise

an den Märkten in den nächsten Wochen und Monaten gehen

könnte, hat FOCUS-MONEY auf den nachfolgenden Seiten Fakten

zusammengetragen. Eines vorneweg: Genügend Potenzial

für weitere Kursverluste ist vorhanden. Kurzfristig erscheint

dieses Szenario aufgrund der globalen Spannungen sogar am

realistischsten, ist häufiger doch die Rede von einem „perfekten

Sturm“, der auf die Märkte zukommen könnte. Und das,

obwohl Dax und Dow Jones seit Jahresanfang bereits je rund

15 Prozent verloren und S&P-500 und Nasdaq-100 bis Mitte

Mai sogar 22 bzw. 37 Prozent eingebüßt haben.

. . . folgt Sonnenschein. Die gute Nachricht: Trotz des Horrortrips

der vergangenen Wochen ist Pessimismus nicht angebracht.

Denn zum einen gehen die Analysten am Beispiel des

Dax (europäische Aktien werden attraktiver als US-Aktien,

s. S. 16) bis Jahresende von einem höheren Stand als heute aus.

So erwarten die Mitgliedsinstitute des Bundesverbands Öffentlicher

Banken Deutschlands beim deutschen Leitindex eine

stabile Entwicklung und schätzen einen Punktestand am Jahresende

von 14 000 und 16 200 Punkten (Stand: 27. April).

Zum anderen, weil FOCUS-MONEY auf Seite 17 eine Strategie

vorstellt, mit der sich Anleger das mögliche Performance-Motto

„Es wird schlimmer, bevor es besser wird“ zunutzemachen

können. Was die Strategie ausmacht: das Pyramidisieren. Es

muss den Anlegern bei der Achterbahnfahrt also nicht schlecht

werden, vielmehr sollten sie sich die turbulenten Zeiten clever

zu eigen machen, um höhere Renditen zu erzielen.

Immer noch über dem Vor-Corona-Niveau

Nasdaq-100

+80

+60

S&P-500

Dow Jones

Entwicklung seit 1.1.2020 in Prozent, auf Euro-Basis

Dax-Kurs-Index

2020 2021 2022

+40

+20

0

–20

–40

Quelle: Bloomberg

FOCUS-MONEY 22/2022

13


moneyservice

STUDIE

Siegreich mit

wahrer Kompetenz

Nur ein Werbeslogan oder

echter Sachverstand? Wer hat

es wirklich drauf? Auf Basis von

rund 206000 Kundenurteilen

kürt FOCUS-MONEY zum vierten

Mal die kompetentesten

Anbieter

von STEFANIE HABERSTOCK

Eine neue Heizung fürs Haus

ist fällig? Mit Sicherheit

wird das eine teure Investition

und eine Entscheidung für die

nächsten Jahrzehnte. Eigenheimbesitzer,

die hier vor dem Kauf stehen,

müssen sich über Hersteller und Modelle

informieren, Angebote einholen und vergleichen.

Putins Krieg und der Klimawandel

machen das Thema noch komplexer: In Zeiten

rasant steigender Energiepreise ist nachhaltige

Heiztechnik gefragt und der Blick in aktuelle Gesetzestexte

enorm wichtig. Verbraucher sind deshalb

auf Expertenwissen angewiesen.

Es kommt auf kompetente Beratung, reibungslosen

Service und zeitgemäße Top-Produkte an. Kein Wunder, dass

das Schlagwort „Kompetenz“ als Werbebotschaft zieht.

„Heizungen kaufen: Nutzen Sie die Kompetenz von Buderus!“,

trommelt etwa Hersteller Bosch Thermotechnik. Buderus

als Vertreter der Haustechnik-Branche ist dabei nur ein Beispiel

von vielen. „Qualität und Kompetenz aus einer Hand“,

„Ihr kompetenter Partner“, „Umweltkompetenz mit Zukunft“

– Slogans wie diese begegnen Verbrauchern an jeder Ecke.

Tatsächlich halten Firmen in der Praxis aber längst nicht

immer, was sie versprechen: Ob schlechte Beratung, inkompetenter

Service oder reparaturanfällige Produkte – Kunden

werden hin und wieder bitter enttäuscht. Wer aber bietet

wahren

Sachverstand?

Auf

welche Unternehmen

und ihre Mitarbeiter können sich Verbraucher am

Ende wirklich verlassen?

Mehr als 200 000 Urteile. Das wollte FOCUS-MONEY erneut

wissen und beauftragte das Beratungs- und Analyseinstitut

ServiceValue im April zum vierten Mal mit der

Befragung eines repräsentativen Online-Panels. Konkret

fragten die Kölner Fachleute, ob die Verbraucher dem untersuchten

Unternehmen eine hohe Kompetenz zuschreiben.

Anschließend werteten sie rund 206 000 Urteile zu 1168 Un-

70 Foto: Adobe Stock

FOCUS-MONEY 22/2022


ERSTKLASSIG:

Nahezu 300

Unternehmen

verdienten sich

2022 das Siegel

für „Höchste

Kompetenz“

ternehmen aus 59 Branchen aus. Diese sind drei Oberkategorien

zugeordnet: „Banken und Finanzen“, „Versicherungen

und Beratung“ sowie „Haus, Energie und

Kommunikation“. Kernergebnisse der Studie sind 298 Unternehmen

mit dem Siegel „Höchste Kompetenz“ sowie 311

Anbieter mit „Hoher Kompetenz“. Die Rankings ab S. 72 listen

sie auf.

Ein Blick in die Kategorien zeigt zudem, welche Branchen

hier jeweils am besten abgeschnitten haben. Bei den „Banken

und Finanzen“ liegen die Bausparkassen mit einem

Durchschnittswert von 2,60 vorn. Unter den „Versicherern

und Beratern“ punkten besonders die Vergleichsportale mit

2,56 und im Bereich „Haus, Energie und Kommunikation“

heimsten die Haustechniker mit 2,53 das meiste Lob ein – sie

sind damit auch die Nummer eins unter allen Branchen.

BEWERTUNG

HÖCHSTE

KOMPETENZ

Ranglisten: wie die

Wissenschaftler die

Kompetenz ermitteln

FOCUS-MONEY hat zum vierten Mal die Kompetenz

von Unternehmen unter die Lupe genommen.

Dazu führte das Beratungs- und

Analysehaus ServiceValue eine große branchenübergreifende

Studie durch. Auf Basis

von Kundenangaben haben die Kölner Experten

für jedes der berücksichtigten Unternehmen

einen individuellen Kompetenzwert

ermittelt und ihn mit denen der Mitbewerber

verglichen (s. Ranglisten ab S. 72).

Zunächst wurde jedes Unternehmen je

1000 Teilnehmer eines Online-Panels angezeigt.

Die Verbraucher bewerteten 1168 Anbieter

aus 59 Branchen. Waren die Konsumenten

in den letzten 24 Monaten dort

Kunde, sollten sie angeben, inwieweit das

jeweilige Unternehmen als Anbieter von

Produkten oder Dienstleistungen insgesamt

eine hohe Kompetenz aufweist.

Dabei kann sich die aus

Kundensicht zugeschriebene

Kompetenz allein auf

das wahrgenommene Ergebnis

als Qualitätsmerkmal

beziehen oder sie kann

weitere Aspekte wie Fähigkeiten,

Eignungen oder Wissen

von Mitarbeitern berücksichtigen.

Die möglichen Antworten

reichen von „stimme voll und

ganz zu“ (Note 1), „stimme zu“

(2), „stimme eher zu“ (3), „stimme eher nicht

zu“ (4) und „stimme nicht zu“ (5).

Aus allen Antworten errechneten die

Experten einen Mittelwert – den individuellen

Kompetenzwert für jedes Unternehmen.

Einen Platz in der Rangliste erhielten alle

Firmen, die besser als der Branchendurchschnitt

bewertet wurden.

Die Auszeichnung „Hohe Kompetenz“

bekamen alle Anbieter, die innerhalb ihrer

Branche/Kategorie besser als der Gesamtmittelwert

aller ausgewerteten Stimmen

abschnitten. Unternehmen, die wiederum einen

besseren Kompetenzwert als der Durchschnitt

der gekennzeichneten Unternehmen

aufweisen, erhielten die Auszeichnung

„Höchste Kompetenz“.

FOCUS-MONEY 22/2022

71


moneyrating-spezial

WÜRFEL: Auch kompakte

Gebilde lassen sich in

Einzelteile aufspalten

SOFORTRENTE

Lebenslange

Teil-Leistungen

Aus hohen einmaligen Summen dauerhaft Rentenzahlungen kassieren – das ist das Konzept von

Sofortrenten und Aufschubrenten mit Anspareffekt. Welche Modelle und Anbieter überzeugen

von WERNER MÜLLER

Wer bereits sein gesamtes Arbeitsleben absolviert hat

und nun im Ruhestand ist, darf sich freuen: Deutsche

Rentner erhalten von der gesetzlichen Rentenversicherung

ab 1. Juli dieses Jahres deutlich mehr Geld. Um

5,35 Prozent erhöhen sich die Bezüge im Westen, im Osten

sogar um 6,12 Prozent. Dass dies in vielen Fällen dennoch

nicht reicht, um den erarbeiteten Lebensstandard auch im

Alter halten zu können, ist inzwischen eine viel zitierte Binsenweisheit.

Jeder Euro zusätzlich dürfte insofern herzlich

willkommen sein.

Doch wegen der teils drastischen Versorgungslücken investieren

viele Bundesbürger zudem in private Rentenversicherungen,

die ebenfalls lebenslange Zahlungen bieten.

Ganz gleich, wie alt der Kunde dann tatsächlich wird, auf die

regelmäßige finanzielle Leistung der Rentenpolice ist Verlass.

Dabei kann die Privatrente mit fortlaufenden Beitragszahlungen

abgeschlossen werden, ist aber auch gegen Einmalbeitrag

zu haben. Dann werden größere Summen etwa

aus Erbschaften, beruflichen Bonuszahlungen, Abfindungen,

fälligen Versicherungen, Spardepots oder sonstigen frei werdenden

Geldern in die Police eingezahlt und in dauerhafte

Rentenzahlungen umgewandelt. Sei es sofort, um den Ruhestandsbeginn

unmittelbar einzuläuten beziehungsweise die

gesetzliche Rente ordentlich aufzustocken. Oder erst später,

um das Kapital zunächst weiterhin in der Police zu vermehren

und die Zahlungen nach einer frei vereinbarten Aufschubzeit

zu starten.

Private Rentensteigerung. Dabei profitieren auch Privatrentner

von teils kräftigen Rentenerhöhungen. Nämlich

dann, wenn sie als Auszahlungsvariante die volldynamische

Steigerung der Rente wählen. So geht es mit den Leistungen

in den kommenden Jahren nur nach oben. Denn auch bei Privatrenten

gibt es zwar eine Grundkalkulation, aber die konkrete

Leistung und deren Erhöhung sind nicht wie beim gesetzlichen

Pendant an die Lohnentwicklung gekoppelt,

sondern hängen von dem gewählten Policenmodell sowie

dem konkreten Kapitalanlageergebnis des jeweiligen Versicherungsunternehmens

ab. Sei es etwa bei den klassischen

Modellen von der Garantierente und den jährlichen Überschüssen,

sei es bei Fondspolicen vom festen Rentenfaktor je

10 000 Euro angesparten Guthabens oder bei den diversen

Hybridmodellen von einer Mischform beider Konzepte.

So oder so, stets gibt es einen feststehenden und einen variablen

Anteil, der sich nach der erwirtschafteten Rendite

richtet. Die in aller Regel zu empfehlenden volldynamischen

Renten sind damit anfangs zwar etwas geringer, erhöhen sich

aber stetig um die tatsächlich bereits erwirtschafteten Gewinne.

Dagegen werden bei den ebenfalls wählbaren kons-

2 Titelfoto: 123RF

Foto: Depositphotos

FOCUS-MONEY 22/2022

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