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hinnerk Juni/Juli 2022

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HAMBURG І BREMEN І HANNOVER

JUNI / JULI 2022 І HEFT 323

GESELLSCHAFT

Queerpolitischer

Aufbruch:

ABER WANN?

SZENE

BÜHNE

Hamburger

KULTUR-

SOMMER

CSD

Sichtbarkeit

im Norden

INTERVIEWS: MEGY B., TASH SULTANA, HE/RO, HARRY STYLES,

MICHELLE, SAM VANCE-LAW, TILDA SWINTON


Howard Panter for Rocky Horror Company Limited and Ralf Kokemüller for BB Promotion GmbH present

03. - 07.08.22 · BARCLAYS ARENA HAMBURG

09. - 14.08.22 · METROPOL THEATER BREMEN

www.rocky-horror-show.de


Intro 3

Inhalt

LIEBE LESER*INNEN,

raus! Auf die Straßen! Nach zwei Jahren Zwangspause mit

kreativen Neuerfindungen, startet die CSD-Saison durch.

Wie nötig sie ist, zeigen unter anderem die Situation

geflüchteter Queers und das lange Warten auf den Start

des sogenannten queerpolitischen Aufbruchs der Ampel-

Koalition in Berlin. Wir erhöhen den Druck und zeigen noch

einmal explizit, wo Handlungsbedarf ist und Handeln versprochen

wurde. Neben der Gesellschaftspolitik haben wir

aber auch einen ausgiebigen Blick auf den Kulturbetrieb

geworfen und bieten euch von Theater über Konzerte bis

hin zu Popmusik und Kino eine feine Auswahl zur Inspiration

für einen Sommer der Liebe.

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken,

bleibt gesund!

Eure hinnerk

Redaktion

Kostenlos

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männer.

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IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) &

Michael Rädel (rä)

Chefredakteur:

Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

Stellv. Chefredakteur:

Christian Knuth (ck)

KONTAKT:

Hamburg: T: 040 280081-76 /-77,

F: 040 28008178,

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Frankfurt: T: 069 83044510

Fax: 069 83040990,

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MITARBEITER:

Redaktion: Mathias Rätz (mr),

Patrick Heidmann, Dagmar Leischow,

Michael Rädel (rä), Steffen

Rüth, Christian K. L. Fischer (fis)

Lektorat (ausgewählte Texte):

Tomas M. Mielke,

www.sprachdesign.de

Sabine Hannakampf,

lektorat-hannakampf.business.site

Grafik: Susan Kühner,

Janis Cimbulis

Cover:

Kiuikson / istockphoto.com

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Berlin: Christian Fischer (cf):

christian.fischer@blu.fm

Martin Naujoks:

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unterliegt der IVW-

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JAN UND PETER WISSEN,

WIE WICHTIG EIN LIEBE-

VOLLES ZUHAUSE IST.

DAS WOLLEN SIE

WEITERGEBEN.

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und Zukunft - mit Deinem Testament:

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sos-kinderdoerfer.de


4 Szene

Community

HAMBURG ZEIGT

FLAGGE

Mehr, wir wollen mehr.

Jedes Jahr denkt sich der

Flaggenbeauftragte von

Hamburg Pride, Oliver

Greve wieder Aktionen

und Kampagnen aus, um

noch mehr Queers und

die Mehrheitsgesellschaft

dazu zu bewegen, ganz

Hamburg in Regenbogenfarben

erstrahlen zu

lassen. Nach dem durch

Ungarn und die FIFA 2021

trotz Corona geradezu

explodierten Flaggenmeer,

geht daher jetzt schon

der Aufruf raus: Wir

wollen mehr Flaggenmeer.

Kauft euch jetzt

schon eure Pridefahne,

sprecht schon jetzt mit

euren Chef*innen und

Kolleg*innen, eurer Familie

und euren Freund*innen.

Wenn am 29. Juli ganz

offiziell der Startschuss

durch die Hissung der

Bewegungsfahne fällt, seit

ihr gut vorbereitet.

HINNERK GRATULIERT

Auf zwei weitere Jahre!

Seit 2008 führen sie die

Geschicke des LSVD

Hamburg: Barbara Mansberg

und Wolfgang Preußner.

Im Mai wurden sie auf der

Mitgliederversammlung des

Vereins erneut zum Vorstand

gewählt. Herzlichen Glückwunsch

und Dank für euren

Einsatz!

FOTO: LSVD HAMBURG

Wie in jedem Jahr stehen Redaktion

und Verantwortliche aufgrund der

zeitlichen Besonderheit des Hamburg Pride

vor schier unüberwindlichen Gewissensbissen:

Eigentlich wollen wir doch so früh

wie möglich ALLES von Norddeutschlands

größter queerer Demonstration verraten.

Nur ist das irgendwie nicht zielführend,

denn dann kommt die eigentlich CSD-

Ausgabe raus und kann nur noch Wiederkäuen.

Darum heute und hier: Die große

Eröffnungsgala am 30. Juli, dem letzten

Gültigkeitstag dieser Ausgabe des hinnerk.

PRIDE NIGHT 2022.

Die offizielle CSD-Eröffnung live auf

Kampnagel. Talks, Musik und die Verleihung

der Pride Awards mit anschließender

großer Party für alle. Mit der Pride Night

HAMBURG

PRIDE

ERÖFFNUNGSREIGEN

auf Kampnagel startet ganz offiziell die

Pride Week. Neben politischen Talks, wird

es Live-Musik und eine Tanzperformance

geben. Angekündigt sind bisher die

wunderbare Lucy Diakovska zusammen

mit der flamboyanten Marcella Rockefeller,

der engagierte Gianni Jovanovic und das

Kollektiv „House of Brownies“. Als inhaltlicher

Höhepunkt werden die Pride Awards

verliehen, die besonderes Engagement für

die Community würdigen. Nominierung

und Voting wie immer über hamburg-pride.

de. Karten für die große Gala und die

nachfolgende Party mit zwei Tanzflächen

und zusätzlichem Lounge-Bereich sind

ebenfalls am einfachsten über das Internet

zu bestellen.

www.hamburg-pride.de

DARE! zum CSD

Ja, am 6. August darf mit und zu High Energy getanzt

werden. Soviel stand zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe

schon (fast!) fest. Feste Feiern zu Pet Shop Boys, Yazoo und

Depeche Mode könnt ihr aber vorher noch mal üben, wenn

DARE! am 11. Juni und

am 9. Juli ebenfalls ins

Nachtasyl über dem

Thalia Theater lädt. Los

geht’s am Alstertor 1

immer um 22:30 Uhr

und hinnerk wünscht

sich „You Spin Me

Round (Like a Record)“

– ist Bill Kaulitz eigentlich

Fan? – für alle! Let’s

dance! *ck

FOTO: OLAF BLECKER


ST. GEORG

Zurück im Viertel

Es war hier ungewohnt ruhig für ein paar Monate.

Steffen Meyers Geschäftsräume in der Soester

Straße schienen in einen Winterschlaf gefallen zu sein,

sogar die Firmenschilder seiner Versicherungsagentur

waren verschwunden. Ein weiterer queerer Unternehmer,

der Hamburgs schwules Zentrum verlassen muss?

Nein. Im Gegenteil. Steffen hat sich nach vielen Jahren

umorientiert und hat sein Geschäft mit der Gothaer als

starken Partner an seiner Seite neu aufgestellt. Seine

Kund*innen erwartet ab sofort der gewohnte Service

mit Expertise aus einer 32jährigenBerufserfahrung im

Haifischbecken der Versicherungsbranche. An alter Stelle,

mit alter Telefonnummer, nur eben unter neuem Logo. Was

ändert sich dadurch? Nichts! Versicherungen und Vorsorge

sind Vertrauensfragen. Viel mehr als nur auf den Anbieter

des Produktes kommt es nämlich auf die Bedürfnisse

des*der Kund*innen an. Bei einer für Laien schier unüberschaubaren

Tarifauswahl braucht es einen Beratenden, der

sich die Lebenswirklichkeit seiner Klienten genau anschaut.

Das verspricht Steffen Meyer natürlich um so expliziter für

die speziellen Anforderungen der queeren Community,.

Schaut mal rein! *ck

Gothaer Generalagentur, Soester Straße 55, Hamburg,

040-180 09 336, www.steffen-meyer.gothaer.de

ÄRZTE

■ Andreas Britz,

Dr. med.Praxisklinik am Rothenbaum,

Privatpraxis, Haut- und Geschlechtskrankheiten,

Lasertherapie, Kosm.-

ästhet. Behandlungen, Allergologie,

Heimhuder Str. 38, & 44809812,

www.dr-britz.de

■ Dammtorpraxis, Dr. Linnig,

Allgemeinmedizin, Reise-Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Damnmtorstr. 27, & 35715638,

www.dammtorpraxis.de

■ ICH Grindel,

Dr. med. Thomas Buhk,

Dr. med. Stefan Fenske,

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen

Stellbrink,

All gemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Grindelallee 35, & 4132 420,

www.ich-hamburg.de

■ ICH Stadtmitte,

Dr. med. Axel Adam,

Stefan Hansen,

PD Dr. med. Christian Hofmann,

Dr. med. Michael Sabranski,

Dr. med. Carl Knud Schewe,

Allgemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Glockengießerwall 1,

& 28004200,

www.ich-hamburg.de

■ Medizinisches Versorgungszentrum

Hamburg,

Prof. Andreas Plettenberg,

Dr. Albrecht Stoehr,

Prof. Jörg Petersen,

Dr. Peter Buggisch,

HIV, Hepatitis, STD, Infek tiologie,

Lohmühlenstr. 5, Am AK St. Georg

Haus L, & 28407600,

www.ifi-medizin.de

■ Urologische Praxis

Oliver Neubauer,

Facharzt für Urologie,

Herthastr. 12, & 64224500,

www.urologe-hamburg.com

■ Josef Stuch,Dr.

All gemeinmedizin,

Ida-Ehre-Platz 12, & 37510060

■ Ambulanzzentrum des UKE,

Bereich Infektiologie:

Dr. med. Olaf Degen,

Dr. med. Anja Hüfner,

Dr. med. Sabine Jordan,

Dr. med. Guido Schäfer,

Dr. med. Stefan Schmiedel,

Fachärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Spezialsprechstunde PrEP, Impfungen,

Infektions- & Tropenkrankheiten,

Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf, Martinistr. 52,

& 741052831, infektionen@uke.de,

www.uke-infektionen.de

Szene 5

GESUNDHEIT

IN HAMBURG

■ Dr. med. Martin Eichenlaub,

Facharzt für Neurologie,

Nervenheilkunde, Psychiatrie u.

Psychotherapie,

Elbgaustr. 112., & 841084,

www.nervenarzt-eichenlaub.de

■ Dr. Roy Heller,

Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin,

Suchtmedizin, Psychotherapie,

HIV, Hepatitis, STD, Juliusstr. 36,

& 4300890

■ Dr. med. Welf Prager & Partner,

Dermatologie,

ästhetische Dermatologie,

operative Dermatologie,

Allergologie, Phlebologie,

Lasermedizin,

Hemmingstedter Weg 168,

& 040 81 991 991

www.derma-hamburg.de

ZAHNÄRZTE

■ Martin Schuh,

Eidelstedter Platz 6a, & 5709385,

www.zahnaerzte-eidelstedt.de

■ Zahnarztpraxis Rainer Witt,

Holsteiner Chausee 267, & 55505962,

www.zahnaerzte-schnelsen.de

COACHING

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie.de/psychotherapie/

bundschuh

■ Ruthemann Coaching,

Heilpraktiker f. Psychotherapie,

Professor-Brix-Weg 4, & 31171492,

www.ruthemann-coaching.de

■ Dipl Päd. Volkmar Suhr,

Systemischer Berater&Therapuet

DSGF, Neue Str. 24, 22942 Bargteheide,

& 04532-2045500,

www.familyspirits.de

APOTHEKEN

■ Apotheke am H auptbahnhof,

Steindamm 2, Ecke Adenauerallee,

& 241241

■ Apotheke Zum Ritter St. Georg,

Lange Reihe 39, & 245044

■ Epes Apotheke,

Lange Reihe 58, & 245664

■ Engel Apotheke,

Steindamm 32, 20099 Hamburg,

& 245350, info@engelapotheke.net

PSYCHOTHERAPIE

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie .de/psychotherapie/

bundschuh

■ Christian Perro, Dr. med.,

Psychiatrie, Eppendorfer Landstr. 37,

& 464554

■ Kurt Strobeck,

Dr. med. Facharzt Psychiatrie und

Psychotherapie, Ferdinandstr. 35,

& 32527214

ukeprep.de

Buchen Sie ihren Listing Eintrag:

christian.fischer@blu.fm


6 Szene

FOTOS: LSVD / FES

PODIUMS-

DISKUSSION

MEHRFACH UNTER DRUCK

Angesichts des russischen Angriffskrieges

auf die Ukraine und der

daraus resultierenden Flucht von Millionen

von Menschen in die EU, ist das Thema

Flucht und Vertreibung nach einer – leider

– medial längeren Ignoranzphase, wieder

in aller Munde. Anlässlich des IDAHOBIT

luden LSVD und Friedrich-Ebert-Stiftung

im Mai zu einer Podiumsdiskussion ins

Basch*Barmbek.

Lesben, Schwule, Bi-, Trans*, intergeschlechtliche

und queere Personen

(LSBTIQ*) sind häufig durch Repressionen

und Verfolgung im Heimatland zur Flucht

gezwungen. Zugleich können andere

Fluchtursachen auf sie besonders stark

einwirken, wie gerade im Ukrainekrieg zu

sehen ist. Doch auch in Deutschland angekommen,

stehen LSBTIQ*-Geflüchtete

oftmals unter besonderem Druck, weil die

spezifische Hilfe, die sie benötigen, nicht

angeboten wird. In der Diskussion kamen

Perspektiven aus der Politik und der

zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation

zusammen und binnen einer guten Stunde

konnten Erfolge und Bedarfe benannt

und herausgearbeitet werden. Alissa von

Malachowski, Projektleiterin Refugee

Sisters Hamburg, brachte besonders

die speziellen psychotherapeutischen

Anfoderungen zur Sprache, die im Kontext

queerer Geflüchteter festzustellen sind.

Einen besonderer Fokus legte sie dabei

auf die Auswirkungen intersektionaler

Verfolgung und Diskriminierung. So hat

eine lesbische, muslimische trans Frau aus

dem Iran aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu

mehreren marginalisierten Minderheiten

zum Teil völlig andere Bedarfe in der

Beratung und spezifische Anforderungen

an Unterbringung, als beispielsweise

ein schwuler Kriegsflüchtling aus der

Ukraine. An Simon Kuchinke,

Mitglied der SPD-Fraktion

in der Hamburgischen

Bürgerschaft gerichtet,

forderte sie daher vor

allem mehr Einsatz

in der Schaffung von

sicheren Erstunterbringungsorten.

Ein Punkt,

dem sich Lilith Raza,

Queer Refugees Deutschland

auch auf Bundesebene

nur anschließen konnte. Sie

beschrieb leidenschaftlich die

Unterschiede der Qualität und Quantität

spezifischer Hilfsangebote zwischen den

Bundesländern und erinnerte eindringlich

daran, dass ihr eigenes, beim LSVD

angesiedeltes Projekt zurzeit wieder

einmal um die Folgefinanzierung zittern

müsse. Hinter diese Forderung konnten

sich alle drei Teilnehmer*innen und das ca.

40-köpfige Auditorium stellen. Zwar sei

in der Folge der Zuwanderungsbewegung

von 2014/2015 einiges an Modell- und

Leuchtturmprojekten auf den Weg

gebracht worden, eine Verstetigung und

Ausweitung sei aber dringend erforderlich.

Insbesondere die Sensibilisierung des

Bundesamtes für Migration und Flucht

(BAMF) und der Justiz für die geltende

deutsche und europäische Gesetzeslage

wurde deutlich angemahnt. Dass immer

noch queere Menschen ihre sexuelle

Orientierung oder geschlechtliche

Identität im Asylprozess

„beweisen“ müssen,

wurde nach emotional

aufwühlender

Beschreibung mit

sichtbar ungläubigem

Kopfschütteln

und Entsetzen zur

Kenntnis genommen.

Hier wurde

von Simon Kuchinke

neben laufenden

landespolitischen Entscheidungsprozessen

auch auf den

diesbezüglichen Passus im Koalitionsvertrag

der Berliner Ampel verwiesen, der

explizit eine Verbesserung der Strukturen

für queere Geflüchtete in Aussicht stellte.

Aus Sicht des hinnerk, der über Christian

Knuth als Moderator der Diskussion beiwohnte,

wäre eine Bestandsaufnahme in

einem Jahr wünschenswert, um zu sehen,

ob den Worten auch Taten folgen. Es geht

um Menschenrechte und in Abschiebefall

im Zweifel um Menschenleben. *ck

hamburg.lsvd.de | fes.de


IDAHOBIT

Rainbowflash

in Hamburg –

neue Perspektive

Am 17. Mai, dem Internationalen

Tag gegen Homo, Bi-, Inter- und

Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) wurden

seit 2008 zunächst in wenigen Städten,

darunter Hamburg, Luftballons mit

Grußkarten in den Himmel gesendet. Die

Perspektive hat sich geändert!

In diesem Jahr schickten die ca. 300

Teilnehmenden nämlich keine bunten

Luftballons in die Welt, sondern performten

mit farbigen Pappen eine große

Regenbogenflagge. Mit der Aktion sollte

ein sichtbares Zeichen gesetzt und darauf

aufmerksam gemacht werden, dass tagtäglich

Menschenrechtsverletzungen an

LSBTIQ* weltweit stattfinden. Toll sah es

aus! Das Team um #hamburgzeigtflagge

kletterte für die passenden Impressionen

hoch hinaus. Nach einer Ansprache des

Grünenpolitikers Farid Müller, erinnerte der

LSVD Hamburg daran, dass diese Verletzungen

nicht nur in den über 70 Verfolgerstaaten

geschehen – in 11 Ländern droht

FOTO: CHRISTIAN FRICKE / #HAMBURGZEIGTFLAGGE

Szene 7

die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche

Liebe, darunter in Katar, dem Austragungsland

der Fußballweltmeisterschaft

2022. Der Angriff gegen die LSBTIQ*-

Community passiert auch direkt vor

unserer Haustür durch rechtspopulistische

Regierungen in Ungarn und Polen. Und in

Deutschland werden jeden Tag Menschen

angepöbelt, bedroht und angegriffen, weil

die Täter*innen ihren Hass auf Lesben,

Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche

und queere Menschen in

Gewalt ausleben. Der russische Angriffskrieg

auf die Ukraine mache deutlich, wie

sehr die Menschenrechte unter Druck

stehen – auch und gerade für LSBTIQ*.

Putin bezeichnet seinen Krieg auch als

einen Kampf gegen westliche „Entartung“

und Werte, die angeblich „gegen die

menschliche Natur selbst gerichtet sind“.

Wanja Kilber berichtete über die aktuelle

Situation der LSVD-Partnerorganisationen

in St. Petersburg sowie die Unterstützung

für geflüchtete LSBTIQ* aus der Ukraine.

Die Aktion auf dem Rathausmarkt wurde

von einem breiten Bündnis getragen

– über 80 Hamburger Initiativen und Organisationen,

darunter auch hinnerk und

blu, hatten zur Teilnahme aufgerufen.

Du bist Coach, Lehrkraft, Ausbilder*in,

Psycholog*in, Sozialpädagog*in oder Sozialarbeiter*in?

Du brennst für Deine Aufgabe und Dein Beruf ist Dir Berufung?

Dann komm zu uns!

Wir sind ein kleines Bildungszentrum im Harburger Hafengebiet. Seit etwa 40

Jahren sind wir in und für Harburg aktiv. Unsere Mission? Menschen zu helfen,

die aus dem Tritt geraten sind. Wie wir das machen? Mit Herzblut, Kreativität

und vollen Segeln!

Unsere Schwerpunkte: Coaching, Umschulung, Aktivierung Benachteiligter

Wenn das Dein Ding ist, freuen wir uns, Dich kennenzulernen.

Schreib uns: jobs@jia-hamburg.de


8

GESELLSCHAFT

Wie die Jungfrau zum Kind:

FAMILIENRECHT

in Deutschland

FAMILIE

Das Familien- und Abstammungsrecht

der Bundesrepublik

hinkt der gesellschaftlichen

Realität um Jahrzehnte

hinterher und gleicht einer langen

Liste von aufgeschobenen Fragen.

Was von den Que(e)rdenker*innen

der 1968er noch als völlig revolutionär

ausprobiert wurde, ist heute

vielfach Lebensrealität: Mehrere

Eltern eines Kindes, die Austragung

eines Kindes durch die lesbische

Freundin als Leihmutter, die

Samenspende des besten schwulen

Freundes an das lesbische

Ehepaar. Das waren nur einige der

gelebten Möglichkeiten.

FOTO: KAROLINA GABROWSKA / PEXELS


Szene 9

Wie sieht der rechtliche Rahmen aktuell aus, was

geht, was nicht. Und was – denn das vergessen die,

denen es sonst vorgeblich um das Kindeswohl geht,

offenbar immer am schnellsten – ist das Beste für den

Nachwuchs. Welche rechtliche Lösung kann maximale

Sicherheit und Absicherung für Kinder bieten?

BESTANDSAUFNAHME: MARIA HATTE ES GUT

Seit Jahren stellt die Politik die Reproduktionsmedizin

und ihre Patient*innen ins Abseits. Gesetzliche

Änderungen folgen meist nur dem Zwang höchstrichterlicher

Entscheidungen, Eigeninitiative ist

kaum ersichtlich. Noch immer muss zum Beispiel

bei verheirateten lesbischen Eltern ein Elternteil das

Kind adoptieren. Wunschelternschaften sind nicht

anerkannt und die gewerbliche Leihmutterschaft

ist verboten. Medizinische Hilfestellung steht für

behandelnde Ärzt*innen unter Strafe. Selbst die

Leihmutterschaftsvermittlung ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz

strafbar. Kreative queere Paare

mit Kinderwunsch haben aber einige Tipps und Tricks

gefunden, um dennoch zum Wunschkind zu kommen.

Ein Paar, das sich seinen Kinderwunsch erfüllen

konnte, erzählt im Anschluss an diesen Artikel seine

Geschichte. Gesetzlich liegen gravierende Steine im

Weg, unter anderem gefährlich rechtsfreie Zeiträume

für ein neugeborenes, von allen Beteiligten absolut

gewolltes Leben. Das Auswärtige Amt schreibt dazu:

Nicht strafbar machen sich hingegen die

„Wunscheltern“. Im Ausland ist die Rechtslage

zur Leihmutterschaft unterschiedlich, in einigen

Ländern ist die Leihmutterschaft erlaubt oder mit

bestimmten Einschränkungen erlaubt, in anderen

Staaten verboten. Die genetische Abstammung

eines Kindes aus einer Leihmutterschaft begründet

nach deutschem Recht grundsätzlich kein

rechtliches Abstammungsverhältnis zu den sog.

„Wunscheltern“. Mutter eines Kindes ist nach deutschem

Recht die Frau, die es geboren hat, also die

Leihmutter und nicht die „Wunschmutter“. Damit

ist eine deutsche Wunschmutter nach deutschem

Recht nicht mit dem Kind verwandt und vermittelt

dem Kind folglich nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

Ein deutscher „Wunschvater“ kann

aus einem Vertrag über Leihmutterschaft nach

deutschem Recht nicht wirksam seine Vaterschaft

begründen; auch im Fall einer Leihmutterschaft

kann aber der „Wunschvater“ aber nach deutschem

Recht unter bestimmten Voraussetzungen durch

eine Vaterschaftsanerkennung oder durch eine

gerichtliche Feststellung seiner Vaterschaft seine

rechtliche Vaterschaft begründen. Der Bundesgerichtshof

hat am 10.12.2014 zu einem ausländischen

Leihmutterschaftsfall entschieden, dass

ausländische Gerichtsentscheidungen, die den

Wunscheltern die rechtliche Elternschaft zuweisen,

in Deutschland anerkannt werden können – jedenfalls

dann, wenn ein Wunschelternteil mit dem Kind

genetisch verwandt ist, die Leihmutter aber nicht.

Nur wenn eine rechtswirksame Abstammung von

einem deutschen Elternteil vorliegt, hat das Kind

die deutsche Staatsangehörigkeit zweifelsfrei vermittelt

bekommen und folglich einen Anspruch auf

einen deutschen Reisepass. Ohne entsprechende

Ausweispapiere ist eine Ausreise des Kindes nach

Deutschland nicht möglich.

Let’s date

happy.


10 GESELLSCHAFT

Bundeskanzler Olaf Scholz stellte bei der Klausur auf Schloss Meseberg klar, dass trotz Ukraine-Krise auch die Reformvorhaben des Koalitionsvertrages

umgesetzt werden sollen, das Treffen solle „gerade auch in diesen schwierigen Zeiten“ dazu beitragen, „dass die Regierung ihren Kurs zur Modernisierung

Deutschlands weiter fortsetzen kann“. Ergebnisse waren im Bezug auf das Familienrecht aber nicht zu finden.

DIE WISSENSCHAFT HAT

FESTGESTELLT …

Wissenschaftlich fundierte Einschätzungen

und Forderungen stellte die

forschende Elite unseres Landes 2019

dezidiert zusammen. Eine interdisziplinäre

Arbeitsgruppe von Nationaler Akademie

der Wissenschaften Leopoldina und Union

der deutschen Akademien der Wissenschaften

hat sich mit den medizinischen,

rechtlichen und ethischen Fragen der Fortpflanzungsmedizin

beschäftigt und die

Ergebnisse veröffentlicht. Ein ganzes Buch

ist es geworden. Zum Beispiel wird konstatiert,

dass Männer nach deutschem Recht

Sperma spenden dürfen, Frauen jedoch

keine Eizellen. Eine Ungleichbehandlung.

Auch sei das von 1990 stammende

Embryonenschutzgesetz veraltet, weshalb

ein neues Fortpflanzungsmedizingesetz

gefordert wird. Weiteren Regelungsbedarf

sehen sie für Kinder, die im Ausland von

einer Leihmutter geboren wurden und in

Deutschland aufwachsen, und insistieren

auf mehr Rechtsklarheit.

Das Embryonenschutzgesetz von 1990

regelt bis heute weitgehend unverändert

den Umgang mit der Fortpflanzungsmedizin.

Diese Rechtslage zwingt die Behandelnden

nicht selten zu einer dem heutigen

internationalen medizinischen Stand nicht

mehr angemessenen Behandlung und führt

zu unnötigen Risiken für Mutter und Kind.

Darüber hinaus wird das Embryonenschutzgesetz

dem gesellschaftlichen Wandel und

der Vielfalt heutiger Familienformen nicht

mehr gerecht. Besonderes Augenmerk

widmen die Autor*innen der Aufklärung und

Beratung einschließlich der psychosozialen

Beratung der betroffenen Paare sowie

der Organisation und Finanzierung der

Fortpflanzungsmedizin.

… UND EINEN KATALOG ERSTELLT

Folgende Punkte werden in der resultierenden

Stellungnahme als besonders

regelungsbedürftig benannt:

Elective Single-Embryo-Transfer: Hierbei

wird aus einer größeren Zahl von Embryonen

geplantermaßen nur derjenige mit der

größten Entwicklungsfähigkeit ausgewählt

und nur dieser der Frau übertragen.

Dieses in vielen Ländern angewendete

Verfahren vermeidet risikobehaftete und

gesundheitsgefährdende Mehrlingsschwangerschaften,

ohne die individuelle Chance

auf eine Schwangerschaft nennenswert zu

verringern. Die Koalition plant diesbezüglich

allerdings Anpassungen, so soll der „elektive

Single Embryo Transfer“ zugelassen werden.

Eizellspende: Die Samenspende ist in

Deutschland erlaubt, die Eizellspende

verboten. Während also infertile Männer

mithilfe einer Keimzellspende eine Familie

gründen können, ist dies Frauen, die etwa

infolge einer Krebserkrankung keine

eigenen Eizellen mehr bilden können,

verwehrt. Diese Ungleichbehandlung lässt

sich schwerlich rechtfertigen. Aufgrund

der Gesetzeslage sehen sich viele Paare

veranlasst, eine Eizellspende im Ausland

in Anspruch zu nehmen. Dort wird oft die

anonyme Spende praktiziert, wodurch dem

Kind das verfassungsrechtlich verbriefte

Recht auf Kenntnis seiner Abstammung

versagt bleibt. Insofern beeinträchtigt das

Verbot der Eizellspende in Deutschland

indirekt das Kindeswohl.

Embryospende: Das geltende Recht

erlaubt in Ausnahmefällen die Embryospende.

Eine klare gesetzliche Regelung für

die Spende und den Empfang gespendeter

Embryonen fehlt allerdings. Insbesondere

die familienrechtlichen Implikationen

bedürfen einer klaren Regelung.

Leihmutterschaft: Besonders schwierige

ethische und rechtliche Fragen wirft die in

Deutschland verbotene Leihmutterschaft

auf. Hier besteht in jedem Fall Regelungsbedarf

für die im Ausland von einer Leihmutter

geborenen, jedoch in Deutschland

aufwachsenden Kinder.

Kryokonservierung von Eizellen: An vielen

fortpflanzungsmedizinischen Zentren

werden Eizellen kryokonserviert. Dies

geschieht zum Beispiel aus medizinischen

Gründen, etwa vor einer Chemotherapie.

Im Interesse der Frau, des Paares und

des zukünftigen Kindes sollten die Rahmenbedingungen

für die Aufbewahrung,

Befruchtung und Übertragung geregelt

werden.

Erstattung von Kosten für fortpflanzungsmedizinische

Maßnahmen: Eine

Beschränkung der Finanzierung bei


gesetzlich versicherten Paaren auf

Ehepaare sowie auf enge Altersgrenzen ist

medizinisch und gesellschaftlich kaum zu

rechtfertigen. Die nur teilweise Erstattung

der erheblichen Kosten der Behandlungen

schafft zudem soziale Ungerechtigkeiten.

WAS SETZT DIE AMPEL DAVON UM?

Der Koalitionsvertrag gibt mit einigen

wesentlichen Veränderungen zum Thema

künstliche Befruchtung leichten Anlass zur

Hoffnung. Auf der Seite 116 des Vertrags

findet sich unter der Überschrift „Reproduktive

Selbstbestimmung“ folgender Text:

FOTO: KAY NIETFELD / AFP

„Wir wollen ungewollt Kinderlose besser

unterstützen. Künstliche Befruchtung

wird diskriminierungsfrei auch bei

heterologer Insemination, unabhängig

von medizinischer Indikation,

Familienstand und sexueller Identität

förderfähig sein. Die Beschränkungen

für Alter und Behandlungszyklen werden

wir überprüfen. Der Bund übernimmt

25 Prozent der Kosten unabhängig von

einer Landesbeteiligung. Sodann planen

wir, zu einer vollständigen Übernahme

der Kosten zurückzukehren. Die Kosten

der Präimplantationsdiagnostik werden

übernommen. Wir stellen klar, dass Embryonenspenden

im Vorkernstadium legal

sind [gemeint sind befruchtete Eizellen,

Anm. d. Red.] und lassen den ‚elektiven

Single Embryo Transfer‘ zu.“

Aufmerksamen Leser*innen wird aufgefallen

sein dass das zwar einiges ist, bei weitem

aber nicht alles. Im Interview verriet uns

einer der Verhandler des Koalitionsvertrags,

Michael Kauch (FDP):

„Im Bereich des Familienrechts war es

mit SPD und Grünen nicht möglich, das

Thema rechtliche Mehrelternschaft im

Koalitionsvertrag zu verankern. Und es

war nicht möglich, eine endgültige Position

zum Thema Leihmutterschaft und

Eizellenspende zu finden. Zu letzterem

wird es aber eine Regierungskommission

geben. Hier wird es also auf jeden Fall

länger dauern bis zu einer gesetzgeberischen

Antwort.“

Was Leihmutterschaft und Eizellenspende

betrifft, soll also eine Kommission

eingesetzt werden, die Regulierungen für

den Schwangerschaftsabbruch außerhalb

des Strafgesetzbuchs sowie Möglichkeiten

GESELLSCHAFT 11

zur Legalisierung der Eizellspende und der

altruistischen Leihmutterschaft prüfen will.

Heißt im Klartext: Wenngleich ein Gestaltungswille

erkennbar ist, wird das wohl noch

dauern. Wer helfen will, das zu beschleunigen,

erinnert sich an die Tipps im Kampf um die

Ehe für alle: protestieren, nerven, schreiben,

anrufen. Organisiert euch und macht Druck

auf die Regierung, ihren wohlfeilen Worten

auch Taten folgen zu lassen. *ck / sah

TIPPS UND QUELLEN

Information und Beratung für Eltern in spe:

https://www.lsvd.de/de/ct/1442-Leihmutterschaft-Rechtslage-in-Deutschland

„Fortpflanzungsmedizin in Deutschland –

für eine zeitgemäße Gesetzgebung“.

Stellungnahme der Nationalen Akademie

der Wissenschaften Leopoldina und Union

der deutschen Akademien der Wissenschaften.

2019, ISBN: 978-3-8047-3423-

4. Online unter https://www.leopoldina.org/

uploads/tx_leopublication/2019_Stellungnahme_Fortpflanzungsmedizin_web_01.pdf

Koalitionsvertrag:

https://www.spd.de/fileadmin/

Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf

Leihmutterschaft im europäischen und

internationalen Vergleich (Deutscher

Bundestag):

https://www.bundestag.de/resource/

blob/592446/b04363cfd1cf5f-

6fa65c94b8c48495d9/WD-9-039-18-

pdf-data.pdf

Leihmutterschaftshinweise des Auswärtigen

Amtes: https://www.auswaertiges-amt.

de/de/service/fragenkatalog-node/

06-leihmutterschaft/606160

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Der Standort unserer Praxis in Los Angeles wurde nicht zufällig

gewählt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in Kalifornien

ermöglichen uns alle modernen reproduktionsmedizinischen

Maßnahmen optimal für unsere Patienten zu nutzen.

In Sachen Kinderwunschbehandlung ist Kalifornien einer der

weltweit liberalsten Staaten. Somit ist die Erfüllung eines

Kindeswunsches für alle Familienmodelle, unabhängig vom

Familienstand, sexueller Orientierung oder Herkunft, möglich.


12 GESELLSCHAFT

FAMILIE

FOTO: LAURET VERDIER / CO0

Deutsch-französische Achse

Ein Kind, zwei Mütter: Lesbische Paare

können in Deutschland auf eine gemeinsame

Anerkennung als Eltern hoffen. Bundesjustizminister

Marco Buschmann (FDP)

kündigte an, die sogenannte Ko-Mutterschaft

rechtlich verankern zu wollen. Auch

auf europäischer Ebene sollen Regenbogenfamilien

Erleichterungen erhalten – so

sich Länder wie Polen und Ungarn nicht

querstellen.

LESBISCHE UND BISEXUELLE FRAUEN-

EHEN SIND NUR EHE LIGHT

Justizminister Buschmann sagte am

Rande von Beratungen mit seinen EU-

Kollegen im nordfranzösischen Lille:

„Wenn ein Mann und eine Frau miteinander

verheiratet sind, ist der Mann immer

automatisch der rechtliche Vater, auch

wenn er nicht der biologische ist.“

Das müsse künftig auch für verheiratete

Frauen gelten, die gemeinsam ein

Kind eines der beiden Partnerinnen

großzögen. Entscheidend sei für ihn,

„dass sich zwei Menschen um das Kind

kümmern, Liebe und Geborgenheit

spenden, und auch rechtlich als Gemeinschaft

für das Kind einstehen“, sagte

Buschmann dazu der „Rheinischen Post“

und dem „General-Anzeiger“ vom Freitag.

MICHAEL

§

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GESELLSCHAFT 13

In Lille ergänzte er, verschiedene Untersuchungen hätten

gezeigt, dass dies „sehr liebevolle Beziehungen seien“, die

Kindern zugute kämen. Schon länger wird in Deutschland

an einer Reform des Abstammungsrechts gearbeitet.

Derzeit gibt es zur Elternschaft keine gesetzliche Regelung

für ein verheiratetes Frauen-Paar, weshalb ein adoptionsähnliches

Verfahren für die nicht-leibliche Mutter

erforderlich ist, bevor das Neugeborene zwei Elternteile

hat. Mit dieser Ungleichbehandlung beschäftigt sich

derzeit auch das Verfassungsgericht in Karlsruhe.

FOTO: DURSUN AYDEMIR / ANADOLU

AGENCY / ANADOLU AGENCY VIA AFP

DRUCK AUF POLEN UND UNGARN NACH

EUGH-URTEIL

Deutschland unterstützt nach den Worten Buschmanns

zudem eine EU-Initiative, die Elternschaft in

Regenbogenfamilien europaweit anzuerkennen. „Das ist

eine Frage der Menschlichkeit und auch eine Frage der

Akzeptanz“, betonte der FDP-Politiker. Frankreich will

das Thema in diesem Halbjahr unter seinem EU-Ratsvorsitz

vorantreiben. Der französische Justizminister Eric

Dupond-Moretti sagte am Rande der Beratungen in Lille,

dies sei vor allem zum Wohl der betroffenen Kinder:

„Wenn eine Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern

in ein anderes europäisches Land umzieht, muss die

Elternschaft auch dort anerkannt werden.“

Das erleichtere es dem Paar etwa, ihr Kind in einer Schule

in dem jeweiligen Land anzumelden oder im Notfall eine

Krankenhaus-Behandlung zu veranlassen. Widerstand bei

dem Vorhaben droht aus Ungarn und Polen. Beide Länder

hatten in der Vergangenheit Gesetze gegen Regenbogenfamilien

und Homosexuelle erlassen. Auch auf EU-Ebene

blockierten die beiden Länder wiederholt entsprechende

Initiativen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hatte

erst vor Weihnachten die Rechte gleichgeschlechtlicher

Ehepaare und von deren Kindern gestärkt. In dem

Fall ging es beispielhaft um ein bulgarisch-britisches

lesbisches Ehepaar. Die Frauen lebten zusammen in

Spanien, eine von ihnen bekam dort 2019 ein Kind.

Der EuGH wies Bulgarien an, ebenfalls die rechtliche

Elternschaft beider Mütter anzuerkennen. Das südosteuropäische

Land hatte argumentiert, es widerspreche

den Regeln des Landes, eine Geburtsurkunde mit zwei

Müttern auszustellen.

KINDESWOHL STEHT AN ERSTER STELLE

Justizminister Buschmann rief alle Gegner des Vorhabens

auf, die europäische Rechtsprechung zu achten, denn:

Der EuGH wird letztlich auch Ungarn und Polen zwangsweise

davon überzeugen, dass mehr Familie immer besser

ist als weniger Familie. Jedenfalls aus der Perspektive

ihrer Schutzbefohlenen, also derjenigen, für deren Wohl

sich doch besonders Konservative immer mit Verve in die

Bresche schmeißen: die Kinder. *AFP/ck


14 GESELLSCHAFT

FOTOS: B. GONZALES

Zusammen mit seinem

Partner hat Christian sich

entschieden, Vater zu werden. Wir

chatteten und telefonierten mit dem

glücklichen Elternteil.

Wann kam der Kinderwunsch auf?

Nach einigen Jahren unserer Beziehung

kam unser Kinderwunsch immer mehr ins

Gespräch und war immer mehr thematisiert

worden. Wir sind zusammen seit 12 Jahren

und seit dem Oktober 2011 verheiratet.

Wie reagiert euer Umfeld auf das

Glück?

In unserem Umfeld sind wir voll integriert

und leben als Regenbogenfamilie komplett

offen. Wir leben in einer Stadt im Allgäu mit

50.000 Einwohner in einem Rand-Stadtteil

mit dörflichem Charakter. Wir gehen zusammen

zum Einkaufen und leben voll integriert

als Regenbogenfamilie. Mein Mann Stefan

ist überwiegend zu Hause, er arbeitet, seit

unsere Tochter ein Jahr ist, wieder Teilzeit

9 Std/Woche. Ich bin Vollzeit angestellt bei

einer Lebensmittelfirma im Außendienst.

Sehr früh, als es die Corona-Bestimmungen

wieder zuließen, waren wir mit unserer

Tochter in einer Kindergruppe, dass sie mit

gleichaltrigen Kindern zusammenkommt,

auch hier waren wir bei den anderen

Familien mit offenen Armen empfangen

worden und schnell integriert. Seitdem

hatte es im Umfeld viele gemeinsame

Kinder-Unternehmungen gegeben, bei

denen wir immer dabei sind. Andere Eltern

erklären ihren Kinder unsrige Regenbogen-

Konstellation bei aufkommenden Fragen,

was dann schnell vom kindlichem Verständnis

zufrieden hingenommen wird. Unser

Umfeld hat uns von Beginn zu unserem

Glück gratuliert und uns in allem bestärkt,

was wir bisher zusammen getan haben. Mit

dem ersten Tag, als wir aus den USA zurück

sind, Maja war 10 Tage alt, hatten wir großartige

Unterstützung von einer sehr netten

Hebamme, die uns hin und wieder besucht

hat und nur staunen konnte, wie prächtig

und rasant sich unsere Maja entwickelt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit

der Klinik?

Wir hatten uns aktiv im Herbst/Winter 2018

damit befasst, mithilfe des Jugendamtes

ein Kind über die Pflege zu bekommen mit

der Aussicht, dass wir ein Kind auch adoptieren

können. Aber hier sind die Hürden

sehr schwer und leider die Diskriminierung

von Amtsseiten immer noch immens. So

entschieden wir uns zuerst, den Weg zu

gehen über Osteuropa, was aber auch

schnell wegen der Homophobie in den

Ländern abschreckte, und so fanden wir

den Weg in die USA, nach Kalifornien.

Hier wurden wir schnell fündig, hatten

einen ersten einstündigen Video-Call

mit einem deutschen Arzt, der uns

alles näherbrachte und uns sehr

gerne helfen wollte, unseren

gemeinsamen Kinderwunsch

zu erfüllen. Durch eine

NACHGEFRAGT

Zwei Papas, eine Familie und

eine wunderbare Reise

Samenspende mit Kryokonservierung

hier in Deutschland und anschließendem

Versand in die USA, Kalifornien, ging die

Kinderwunschreise los. Anfang 2020 kam

die Coronapandemie, die Geburt unserer

Tochter war erwartet Anfang Mai. Trump

machte am 13.3.2020 um null Uhr die

USA auf unbestimmte Zeit für alle Nicht-

USA-Bürger dicht. Am 13.3.2020 um 21:30

Ortszeit JFK New York haben wir es noch

geschafft, in die USA reinzukommen, und

machten uns auf einen abenteuerlichen

Weg nach Kalifornien, was wir auch

schafften, um pünktlich dabei zu sein bei

der Geburt unserer Tochter.

*Interview: Michael Rädel

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16 GESELLSCHAFT

POLITIK

FOTO: ABDUL HAMID HOSBAS ANADOLU AGENCY / AFP

FÜNF FORDERUNGEN

Die neue Bundesregierung hat für

die Legislatur einen queerpolitischen

Aufbruch versprochen. Dieser muss laut

LSVD nun endlich an Fahrt aufnehmen. Mit

den im Koalitionsvertrag vereinbarten zentralen

Vorhaben für eine spürbare Verbesserung

der Rechte von LGBTIQ* müsse zügig

begonnen werden.

1. FACHKOMMISSION GEGEN LGBTIQ-

FEINDLICHE HASSKRIMINALITÄT UND

NATIONALEN AKTIONSPLAN STARTEN

Tagtäglich werden in Deutschland Menschen

angepöbelt, bedroht und angegriffen, weil die

Täter*innen ihren Hass auf LSBTI in Gewalt

ausleben. Im vergangenen Jahr wurden von

den Behörden über 1.000 LSBTI-feindliche

Taten registriert. Das sind drei Fälle jeden

Tag und mehr als doppelt so viel wie im Jahr

zuvor. Und die Dunkelziffer dürfte beim Vielfachen

davon liegen. Innenministerin Faeser

muss LSBTI-feindliche Hasskriminalität

auf die innenpolitische Agenda setzen und

die von der Innenminister*innenkonferenz

geforderte unabhängige Fachkommission

unverzüglich einsetzen. Der erste Bericht

mit konkreten Handlungsempfehlungen soll

bereits für die Herbstkonferenz vorliegen.

Doch bislang ist noch nichts passiert!

Der LSVD setzt große Hoffnungen in den

von der Bundesregierung vereinbarten

ressortübergreifenden und finanziell unterlegten

Nationalen Aktionsplan für Akzeptanz

und Schutz sexueller und geschlechtlicher

Vielfalt. Der Queerbeauftragte Lehmann

hat den Startschuss für diesen Sommer

angekündigt. Ein wirksamer, nachhaltiger

und auf die Zukunft gerichteter Aktionsplan

muss in enger Abstimmung zwischen den

Ministerien und der Community erarbeitet

werden. Wichtig ist zudem, dass Maßnahmen

zur Bekämpfung von LSBTI-Feindlichkeit

nicht isoliert, sondern im Zusammenhang

mit der Prävention und Bekämpfung anderer

Erscheinungsformen gruppenbezogener

Menschenfeindlichkeit angegangen werden.

Das eröffnet eine intersektionale Perspektive,

die der Vielfalt von LSBTI Rechnung trägt

und auch Mehrfachdiskriminierungen in

den Blick nimmt. Notwendig sind konkrete

Maßnahmen, eindeutige Zielvereinbarungen

und belastbare Selbstverpflichtungen.

2. EFFEKTIVES

DEMOKRATIEFÖRDERGESETZ

Die offene Gesellschaft braucht offensive

Vorwärtsverteidigung, ein ständiges

Bemühen, Menschen für eine Kultur des

Respekts zu gewinnen. Der LSVD unterstützt

das geplante Demokratiefördergesetz

und erwartet, dass sich dort die im

Koalitionsvertrag bei der Bekämpfung

gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit

vereinbarten wichtigen Schwerpunkte

wiederfinden. Hierzu gehören die Arbeit

gegen Antisemitismus, Antiziganismus,

Rassismus, Muslimfeindlichkeit, Frauenhass

und Queerfeindlichkeit sowie Angriffe gegen

Geflüchtete und Engagierte.

Ein erstes Diskussionspapier bleibt

jedoch bei den Themen Empowerment,

Intersektionalität und Stärkung der Beratung

für Betroffene von Hasskriminalität noch

deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Für ein effektives Demokratiefördergesetz

müssen das Empowerment marginalisierter

Gruppen und die Förderung intersektional

arbeitender Projekte als klare Gesetzesziele

formuliert werden. Zudem müssen bestehende,

erfolgreich arbeitende Strukturen zur

Förderung von Demokratie und Akzeptanz

vielfältiger Lebensweisen langfristig abgesichert

werden.

3. ABSICHERUNG VON REGENBOGENFA-

MILIEN IM ABSTAMMUNGSRECHT

Regenbogenfamilien warten seit vielen

Jahren auf eine rechtliche Gleichstellung.

Fast fünf Jahre nach der #EheFürAlle und

über zwei Jahre nach Einführung des dritten

Geschlechtseintrags „divers“ fehlt es nun

aber noch immer an den erforderlichen

rechtlichen Reformen im Familien- und

Abstammungsrecht. Wir fordern die

gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche

Absicherung der Vielfalt an gelebten

Familienformen wie Zwei-Mütter-Familien,

Zwei-Väter-Familien, Mehrelternfamilien

oder Familien mit trans- und intergeschlechtlichen

Eltern.

Justizminister Dr. Marco Buschmann hat

angekündigt, dass die im Koalitionsvertrag

verabredete umfangreiche Reform im

Abstammungs- und Familienrecht im Herbst

2023 im Kabinett der Bundesregierung


18 GESELLSCHAFT

verabschiedet wird. Die Reform soll in zwei

Schritten erfolgen: eine Interimsreform

soll die drängendsten Probleme lösen,

bevor in einem weiteren Reformschritt

eine grundlegende Neuordnung familienrechtlicher

Beziehungen erfolgt. Am

vergangenen Donnerstag versprach er, in

einem schnellen ersten Schritt „möglichst

viel Ungleichbehandlung zu vermeiden“ und

„bei den etwas unproblematischeren Fällen

jetzt sehr schnell das Abstammungsrecht

anpassen“. Dieser erste Schritt muss das

Ende der unsäglichen Stiefkindadoptionen

bedeuten! Der LSVD fordert für alle Fragen,

die einer kurzfristigen Lösung zugänglich

sind, umgehend neue Regelungen zur

gesellschaftlichen Anerkennung und rechtliche

Absicherung der Vielfalt an gelebten

Familienformen. In einem weiteren Reformschritt

können dann Themen verhandelt

werden, die einer intensiven Diskussion

bedürfen, wie etwa die Entwicklung von

Elternschaftsvereinbarungen für Mehrelternfamilien,

in denen die Väter gerade keine

Samenspender sein wollen, sondern soziale

und rechtliche Elternteile, die Einführung

von Verantwortungsgemeinschaften und

die Regulierung in anderen verwandten

Rechtsgebieten, wie die Entscheidung über

die Regulierung von Eizellenspende und

Leihmutterschaft.

4. SELBSTBESTIMMTER GESCHLECHT-

SEINTRAG FÜR TRANS- UND INTERGE-

SCHLECHTLICHE MENSCHEN

Trans*- und intergeschlechtlichen sowie

nichtbinären Menschen wird in Deutschland

Selbstbestimmung immer noch

massiv erschwert. In einer demokratischen

Gesellschaft muss Grundlage staatlichen

Handelns der Schutz der persönlichen

Freiheit sein und nicht

ideologisch aufgeladene

Ordnungsvorstellungen über Geschlechtszugehörigkeit.

Der Kampf um Selbstbestimmung

für nichtbinäre, trans*- und

intergeschlechtliche Menschen ist die

konsequente Fortsetzung feministischer,

emanzipatorischer und der Freiheit verpflichteter

bürgerrechtlicher Politik. Deshalb

setzen wir uns mit Nachdruck für ein echtes

Selbstbestimmungsgesetz ein. Das ist seit

Jahrzehnten überfällig. Die Änderung des

Geschlechtseintrags im Personenstandsrecht

darf nicht länger an demütigende und

langwierige Fremdbegutachtungen geknüpft

sein. Die Verwirklichung der Menschenrechte

für nichtbinäre, trans*- und intergeschlechtliche

Menschen duldet keinen Aufschub.

Jeder Tag des Wartens

bringt Gefahr.

5. RECHTE QUEERER GEFLÜCHTETER

SICHERSTELLEN

In vielen Staaten ist die Menschenrechtssituation

für LSBTI grausam. Einige

wenige schaffen es, vor Unterdrückung,

Gewalt, Folter und Todesdrohung zu uns

flüchten. Dem Bundesamt für Migration

und Flüchtlinge (BAMF) scheint es weiterhin

ein großes Anliegen zu sein, LSBTI in

Verfolgerstaaten abschieben zu können.

Prognoseentscheidungen über das Verhalten

queerer Schutzsuchender im Heimatland

oder die Aufforderung, sich dort „diskret“

zu verhalten, sind unzulässig und verstoßen

gegen die bereits seit 2013 bestehende

Rechtsprechung des Europäischen

Gerichtshofs (EuGH). Trotzdem findet das

sogenannte „Diskretionsgebot“ weiterhin

Anwendung in der Bescheidungspraxis des

BAMF. Dem muss Innenministerin Faeser

endlich Einhalt gebieten und für faire,

rechtskonforme Asylentscheidungen Sorge

tragen. Die Richtlinien des Bundesamts für

Migration und Flüchtlinge (BAMF) müssen

entsprechend und zügig angepasst werden,

damit die offensichtlich rechtswidrigen Verhaltensprognosen

bei queeren Geflüchteten

endlich ein Ende haben.

Die Aufnahme queerer Menschen aus

Afghanistan muss energisch vorangetrieben

werden. Die Zusagen der Bundesregierung

bezüglich der Aufnahme gefährdeter

Afghan*innen dürfen nicht in Vergessenheit

geraten. Außenministerin Baerbock muss

endlich ihre Blockadehaltung aufgeben und

eine klare Zusage zur Aufnahme gefährdeter

LSBTI aus Afghanistan geben. Jeder Tag des

Wartens bringt die betroffenen Personen

weiter in Gefahr. Ausdrücklich begrüßen wir

die Bemühungen der Bundesregierung, die

Einreise und die Aufnahme von Personen

aus der Ukraine möglichst unbürokratisch zu

gestalten. In Deutschland angekommen, ist

es wichtig, dass aus der Ukraine geflüchtete

LSBTI bedarfsgerechte Beratung und

Unterstützung erhalten. Die Verteilung der

Geflüchteten muss sich daher auch nach

diesen Kriterien richten. Bei der unbürokratischen

Aufnahme Geflüchteter aus der

Ukraine fordern wir die Bundesregierung

überdies auf, sich dafür einzusetzen, dass

auch möglichst vielen Drittstaatler*innen ein

Aufenthaltsstatus nach § 24 Aufenthaltsgesetz

zuteil wird und sie nicht in klassische

Asylverfahren samt Unterbringung in

Sammelunterkünften gedrängt werden. Viele

dieser Drittstaatler*innen sind LSBTI aus Verfolgerstaaten,

die ebenso wie Ukrainer*innen

Schutz bedürfen. *LSVD

www.lsvd.de

FOTO: JOHN MACDOUGALL / AFP


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20 Norddeutschland

FOTO: M. RÄTZ

VOLKSVERHETZUNG

BERUFUNGSVERFAHREN

Vor dem Bremer Landgericht

hat am Montag ein Berufungsprozess

um mutmaßlich

volksverhetzende Äußerungen

eines evangelischen Pastors über Homosexuelle

begonnen. Der Geistliche einer

sich selbst als „bibeltreu“ bezeichnenden

Gemeinde wurde dafür im vergangenen

Jahr vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe

von 8100 Euro verurteilt. Dagegen ging er

vor dem Landgericht in Berufung.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft

hatte der 54-jährige Pastor in einem sogenannten

Eheseminar in seiner Gemeinde

im Herbst 2019 mit Blick auf Homosexualität

unter anderem von „Degenerationsformen

der Gesellschaft“ gesprochen

und Teilnehmerinnen und Teilnehmer

an Christopher-Street-Day-Paraden

als „Verbrecher“ tituliert. Auch sprach er

von „Genderdreck“ und nannte diesen

„zutiefst teuflisch“.

Die Verteidigung des Manns, der seine

damaligen Ausführungen auch als Tondatei

im Internet veröffentlichte, forderte

im dem damaligen Verfahren einen

Freispruch. Der Fall des Pastors und seiner

Gemeinde beschäftigt die evangelische

Kirche schon seit langem. Der Mann

ist ein bundesweit bekannter Vertreter

einer betont fundamentalistischen

Glaubensauslegung und aufgrund seiner

PASTOR L.

Äußerungen heftig umstritten. Seine

Gemeinde unterstützt ihn. Nach Angaben

eines Gerichtssprechers begründete die

Verteidigung des Pastors die Berufung

zum Prozessauftakt unter anderem damit,

dass die Äußerungen von der Religionsfreiheit

gedeckt seien. Der Vorwurf der Volksverhetzung

laufe demnach zudem auch

deshalb ins Leere, weil der Mann lediglich

abstrakt von „Homosexualität“ und nicht

etwa konkret von bestimmten Menschen

gesprochen habe.

EVANGELISCHE KIRCHE UNTER DRUCK

Am Montag wurden vor Gericht

demnach unter anderem auch Teile des

damaligen Audiomitschnitts abgespielt

und zwei Teilnehmer des Seminars als

Zeugen gehört. Im weiteren Verlauf des

Verfahrens sollen auch zwei theologische

Sachverständige befragt werden.

Für das Verfahren sind insgesamt vier Termine

bis zum 20. Mai angesetzt. Die evangelische

Kirche in der Hansestadt leitete

gegen den Pastor 2020 zwischenzeitlich

auch ein Disziplinarverfahren wegen der

Äußerungen ein und enthob ihn vorläufig

des Diensts. Dagegen wehrte sich der

Geistliche vor dem zuständigen Disziplinargericht,

das starke Bedenken gegen die

vorläufige Dienstenthebung äußerte. Im

April 2021 einigten sich die evangelische

Kirche in Bremen, der Pastor und seine

Gemeinde auf eine einvernehmliche Regelung

bis zum Abschluss des laufenden

strafrechtlichen Verfahrens. Demnach darf

der Mann weiter arbeiten. Im Gegenzug

entschuldigte er sich für die fraglichen

Äußerungen während des sogenannten

Eheseminars.

Kirchenrechtlich ist der Fall nach Angaben

der Kirche kompliziert, weil sich Pastoren

in einem beamtenähnlichen Anstellungsverhältnis

befinden. Eine Versetzung

kommt demnach lediglich auf Antrag

der Gemeinde in Frage, wovon im vorliegenden

Fall allerdings nicht auszugehen

ist. Möglich bleibt noch ein Disziplinarverfahren,

das bei schweren Straftaten unter

Umständen eine Entfernung aus dem

Dienst zur Folge haben kann. Während laufender

strafrechtlicher Verfahren werden

Disziplinarverfahren aber üblicherweise

ausgesetzt. *AFP/bro/cfm/ck


DEMO

You can’t pray the

gay away!

Im Zuge des Berufungsverfahrens gegen Olaf L.

formierte sich in Bremen lauter Protest. Wir dokumentieren

den Aufruf des Kollektiv Queerlobby.

„Erneut steht der Bremer Hassprediger Olaf Latzel vor

Gericht. Nach seiner Verurteilung wegen Volksverhetzung

legte er Berufung ein, die am Freitag, 13.05. vor dem Landgericht

Bremen verhandelt wird. Latzel hatte Queers als

‚Verbrecher‘ und Homosexualität, als „Degenerationsform

von Gesellschaft“ bezeichnet. Der ‚Genderdreck‘ sei ‚ein

Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung‘. Das Problem ist

nicht, dass Leute wie Latzel menschenfeindliche Typen

sind — quasi Ausrutscher oder gar Einzeltäter. Latzel ist die

Gallionsfigur einer ganzen Bewegung rechter politischer

evangelikaler Christ*innen — und vertritt deren menschenfeindliche

Werte. Feminismus, Abtreibungen, Queers — in

den Augen der Evangelikalen alles Teufelszeug. Und das ist

gefährlich: Gerade weil es neben Latzel noch viele andere

von der Sorte gibt, die eingebunden sind in ein europaweites

Netzwerk ähnlicher rechter, christlicher Organisationen.

Die rechten christlichen Parteien Europas wie z.B. die

AfD arbeiten inzwischen an der Bildung eines einheitlichen

Blocks. Den Evangelikalen geht es um die Umformung

der ganzen Gesellschaft im Sinne einer wortgetreuen

Bibelauslegung. Dabei verfolgen sie insbesondere einen

gesamtgesellschaftlichen antifeministischen, queerfeindlichen

Rollback. Sie kämpfen gegen die Thematisierung von

Homo- und Transsexualität in Bildungseinrichtungen und

gegen fortschrittliche und geschlechtersensible Sexualpädagogik,

gegen die Ehe für alle und gegen die bestehende

(teilweise) Straffreiheit von Abtreibungen. Ihrer Hetze

gegen Regenbogenfamilien, trans- und intergeschlechtliche

Menschen, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Queere

Menschen ist ein Angriff gegen die Errungenschaften und

Forderungen von LSBTIQ+-Personen, gegen Frauenrechte

und gegen eine offene Gesellschaft! Entschlossen treten

wir, die Queerlobby, Ihnen daher entgegen und sagen: You

Can’t Pray the Gay Away! Wir treten ein für die Rechte

von LSBTIQ+-Personen, für ein vollständiges Verbot

von sogenannten Konversionstherapien, für ein Recht

auf legalen und sichereren Schwangerschaftsabbruch,

für eine

Sexualpädagogik, die sexueller

Vielfalt gerecht wird und für

eine offene Gesellschaft in

der kein Platz für religiösen

Fanatismus, Faschismus

und Queerfeindlichkeit

ist! Bringt gerne

Regenbogenfahnen,

Schilder, Trillerpfeifen

mit. Unsere Vielfalt

gegen ihre Einfalt!“

PRIDE

NIGHT

DIE OFFIZIELLE CSD-ERÖFFNUNG

MODERIERT VON MARKUS TIROK

TALKS PRIDE AWARD VERLEIHUNG MUSIK

HOUSE OF

BROWNIES

SAMSTAG

30. JULI

LUCY DIAKOVSKA &

MARCELLA ROCKEFELLER

GIANNI

JOVANOVIC

KAMPNAGEL

Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

EINLASS: 19:30 Uhr | BEGINN: 20:00 Uhr

DIREKT IM ANSCHLUSS:

DIE OFFIZIELLE CSD-ERÖFFNUNGSPARTY

TICKETS

25 € (TICKETS SIND INKL. PARTY)

ERMÄSSIGUNG AUF 15 € FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNG,

SCHÜLER:INNEN UND STUDIERENDE

TICKETS UNTER: WWW.KAMPNAGEL.DE

FOTOS: MATHIAS RÄTZ


22 Norddeutschland

Kulturticker

PERLEN

Nach der Corona-Pause ist es

wieder so weit: Das Team des

Perlen – Queer Film Festival

Hannover präsentiert im Kino

im Künstlerhaus unter dem

neuen Motto „Sommerperlen“

drei queere Filmhighlights mit

Leichtigkeit, Charme, aber auch

Tiefgang.

14., 15. + 16.5., jeweils 20:15

Uhr, www.filmfest-perlen.de

QUEERE

RECHTE

FOTO: UNIVERSAL MUSIC

CSDs im Norden

VERMÄCHTNIS

Am 5. und am 18. Juni zeigt

das Schauspiel Hannover

noch einmal das Meisterwerk

von Matthew Lopez „Das

Vermächtnis“ in der Inszenierung

von Ronny Jakubaschk. Für

jede*n Liebhaber*in queerer

Geschichtsschreibung und

intensiver Schauspielkunst.

www.staatstheaterhannover.de

HAFENKULTUR

Was Hamburg kann … kann

Wilhelmshaven auch. Vom 30.

Juni bis 3. Juli 2022 kehrt das

WilhemsHavenFest an der Jade

zurück und man glaube es kaum:

Auch hier heißt es alles bleibt

anders. Ganz viel Schiffe, Kultur

und Genuss bei hoffentlich

tollem Wetter sind aber Schin

gesetzt. Mehr Infos hier:

www.wilhelmshaventouristik.de

FOTO: RAINER GANSKE

Zwei Jahre war alles anders. Nun

bleibt alles anders – damit sei dann

auch das Albumcover mit dem Konterfeit

des Herrn Grönemeyer hinreichend

erklärt. Jedenfalls hat zum Beispiel der

CSD Hannover diesen Satz – mit anderer

Wortstellung – als sein Motto für den ersten

„Nach-Coronamaßnahmen-CSD“ gewählt.

Warum und wann, wo, was für die Gleichberechtigung

sexueller und geschlechtlicher

Minderheiten gezeigt und gefordert wird,

fassen wir hier für dich zusammen. *ck

HANNOVER MACHT ES ANDERS

Das Team von andersraum organisiert nun

schon einige Jahre den CSD Hannover, der

traditionell am Pfingstwochenende (4. + 5.

Juni) mit Demonstration (Samstag, 12 Uhr

ab Opernplatz), Straßenfest und kulturellem

wie partiösem Begleitprogramm

für bis zu 25.000

Besucher*innen aufwartet.

„Alles bleibt anders“ ist das

wohl beste CSD-Motto

dieser Pride-Saison,

denn mitnichten ist alles

wieder gut, oder war es

je für LGBTIQ* noch ist

sicher, dass die Probleme,

die Corona wie ein Brennglas

beleuchtete, nachhaltig gelöst

sind oder werden. Stichwort Nachhaltigkeit:

Auch hier geht der CSD Hannover

neue Wege und verzichtet unter anderem

auf Dieseltrucks, Plastikluftballons und

vieles mehr. Mehr Infos unter hannovercsd.

de/klimagerechtigkeit_massnahmen/. There

is no pride on a dead planet!

SZENEMACHER*INNEN BEIM CSD

NORDWEST

Was wäre die Szene ohne die Szene?

Am CSD-Wochenende (17. – 19.6., csdnordwest.de)

ist zum Beispiel die K13

Sauna (k13-sauna.de) mit Bierwagen auf

dem Festplatz vorm Schloss vertreten.

Außerdem ist am CSD-Samstag schon

eine Stunde früher als normal geöffnet. Die

Macher der K13 dazu gegenüber hinnerk:

„Falls es regnen sollte, können sich die

Leute unmittelbar nach der Parade schon

mal aufwärmen ... hoffentlich nicht nötig!“

Und natürlich wird in der beliebten Sauna

das ganze Wochenende durchgehend

eingeheizt. Let’s wellness with pride!

CSD PRIGNITZ IN WITTENBERGE

Der CSD Prignitz findet am 18. Juni in

Wittenberge statt. Unter dem Motto „LOVE

IS LOVE“ wird von 12 – 14 Uhr demonstriert

und danach unter anderem mit Julian FM

Stoeckel und Electra Pain gezeigt, was

queere Subkultur kulturtechnisch

drauf hat. Das ganze Programm,

Route und Infos auf facebook.

com/csd.prignitz!

BREMEN /

BREMERHAVEN

Das / ist ein Trennstrich.

Denn erstmals wird

Bremerhaven am 9. Juli

eine eigene CSD Demonstration

abhalten. Alle Infos

dazu auf csd-bremerhaven.

de. Über den CSD in Bremen (27. +

28. August) gibt es mehr in der kommenden

Ausgabe.

UND DER GANZE NORDEN?

Neben Cloppenburg (25.6.), Schwerin

(25.6.), Kiel (9.7.) und Lübeck (20.8.) findet

zum Beispiel in Walsrode auf Initiative von

Thorsten Lampe aka Miss Ginger am 4. Juni

erstmals der „Tag der Vielfalt“ statt. Noch viel

mehr Termine aus dem Norden, Deutschland

und der ganzen Welt:

www.spartacus.gayguide.travel/de/prides


Norddeutschland 23

FOTOS: MATHIAS RÄTZ

RESTAURANT

PLANTENKÖÖK in Bremen

Bremen hat eine neue – queere – Adresse für

bestes Essen aus regionaler Produktion. „Aus

frischen und guten Zutaten machen wir alles

selbst. Dabei achten wir darauf, so viel wie

möglich von regionalen Gemüsebäuer*innen

aus der Umgebung zu beziehen. Wir

versuchen, soweit es geht, mit Biozutaten

zu arbeiten oder von Produzent*innen zu

kaufen, die nach Biostandards arbeiten.

Dabei achten wir auf die Nachhaltigkeit im

Herstellungsprozess“, verrät das Team des

neu eröffneten Restaurants in Bremen. *rä

Plantenköök, Am Wall 201, 28195 Bremen,

www.plantenkoek.de

Deine Men-Sauna in Oldenburg

Di.-So. ab 15 Uhr geöffnet

www.K13-sauna.de

Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir

Kfz-Mechatroniker/in (m/w/d)

Serviceberater/in (m/w/d)

Lagerist/in (m/w/d)

jeweils mit erfolgreich abgeschlossener

Ausbildung. Selbstständige Arbeitsweise,

sicheres Auftreten und Teamfähigkeit sind

genau so von Vorteil wie Berufserfahrung.

Zudem suchen wir noch Auszubildende ab

dem 01.08. für die Ausbildungswege

Automobilkaufmann/-frau (m/w/d)

KFZ-Mechatroniker/in (m/w/d)

Bewerbung an:

jan.jordan@rudeloff-automobile.de,

Tel. 040/ 742 12 806

Köterdamm 30 • 21129 Hamburg

Telefon: (040) 7428331,

info@rudeloff-automobile.de


24 STYLE

BEACHWEAR

EIN TAG AM MEER...

... ist eigentlich schon perfekt, wenn man

ihn zusammen mit Freunden oder der

Familie bei bestem Wetter genießen kann.

Ein paar Dinge können allerdings helfen,

ihn zusätzlich noch angenehm und komfortabel

zu machen.

Hier finden sich schöne Accessoires

wie Outdoor-Kissen, Badetücher oder

Sonnenschirme, aber auch luftig-leichte

Kleidung von Badeshorts bis Poloshirts.

Das Highlight ist aber ganz sicher das aufblasbare

Stand-Up-Paddle-Board! Durch

die einfache Handhabung und ein sicheres,

stabiles Design ist es auch für Einsteiger

prima geeignet – einfach auspacken,

aufpumpen und lospaddeln!

Ab 14.Juni auf www.tchibo.de

ACCESSOIRE

EINE

GEHT

REIN

Wer es gerne trendig hat, der ist manchmal

am Zweifeln, welche Vase denn in die durchgestylte

Wohnung passt. Zu unverputzten

Wänden und Industrial Chic passt fast alles,

wer aber noch ganz klassisch Tapeten hat,

der muss mitunter aufpassen, dass das

blumengefüllte gute Stück dann nicht

einfach konservativ und spießig ausschaut.

Diese Vase hier kann dein Problem lösen

– wenn du ohnehin immer nur eine Blume

in deiner Wohnung platzieren willst. Denn

diese schicke Vase von haoshi kann genau

EINE Blume, Blüte, ein Zweigchen fassen.

„Chipmunk X Vase“ ist 15 cm hoch und 250

Gramm leicht. Ein drolliger Hingucker, aber

nicht das einzige, was haoshi anbietet. Hier

gibt es Uhren, Kunst und Lampen.

„Wir glauben, dass das Leben voller Glück

und interessanter Dinge ist“, so die Designschmiede

aus Taiwan auf ihrer Homepage.

„Betrachte alles aus verschiedenen

Blickwinkeln und konzentriere dich auf alles

aus dieser geschäftigen Welt. Alles kann gut

sein. Jedes exquisite Design repräsentiert

haoshis einzigartige Lebensphilosophie. Die

Welt ist einfach, solange unser Geist einfach

ist. haoshi entdeckt alles Gute in unserem

Leben und erschafft im Lauf der Zeit neue

Geschichten. Lass dich von dem einfachen

und exquisiten Detail beruhigen, lass dir gute

Dinge geschehen!“ *rä

www.haoshi.us


DESIGN

Wellness-Oase und

Zeitreise

Das Badezimmer ist in jeder Wohnung neben der Küche der

mit wichtigste Raum. Hier kommt man mehrmals am Tag

zur Ruhe, hier macht man sich sauber, frisch und schön.

CANE-LINE

PEACOCK

SCHAUKELSTUHL

inkl. Kissen

ab 2.275,00 €

Schade nur, dass so viele Badezimmer immer noch eher

lieblos befüllt sind und mitunter eher an eine Abstellkammer

mit Duschmöglichkeit erinnern. Das geht ganz anders! Mit

wenigen – ausgesuchten – Accessoires und Möbeln, etwa

von home24.de, kannst du dafür sorgen, dass deine Badezimmer

zum Schmuckstück wird. Mit passenden Regalen

zum Beispiel, oder wenn du es ganz neu einrichten kannst,

mit ausgefallenen Retro-Badewannen und -Waschbecken,

die etwas an das 19. Jahrhundert erinnern, die klassische

„gute alte Zeit“. Bilder, persönliche Gegenstände und gut

verstaute Putzmittel runden dann das Bild ab und sorgen

dafür, dass du dich hier wohlfühlen und entspannen kannst.

Wer gerne badet und eine solche Möglichkeit besitzt, dem

seien zudem auch die aktuellen Badebomben von lush.com

empfohlen. Das Unternehmen, das einst die Badebombe

erfunden hat – 27. April 1990 wurde das Patent für die sprudelnden

Badezusätze angemeldet – hat wieder viel Neues

im Angebot. Zum Beispiel die Badebombe PEACHY mit

antibakteriell wirkendem Grapefruitöl und aphrodisierendem

Davanaöl, die an das Po-Symbol in Chats erinnert, aber

natürlich einen Pfirsich darstellen soll. Auch toll: Die Badebombe

„No. 1 Dad“ (auch von LUSH) für ein Schaumbad, das

minzig duftet und dich in verwöhnenden Schaumbergen

versinken lässt. *rä

CANE-LINE

LATERNE

LIGHTLUX

ab 195,00 €

GIFT COMPANY

TEELICHT

MADRAS

ab 4,95 €

BONDEP

KKNEKKI

HAARGUMMIS

ab 2,50 €

Schulze Outdoor Living GmbH & Co.KG | Waldweg 95 | 22393 Hamburg-Sasel

Tel.: 040 / 601 2012 | Mobil: 0176 / 4715 2035 | www.schulze-outdoorliving.de


26 EYECANDY

FOTOGRAFIE

Skater, Model

und Influencer

aus Heiligenhafen

Steve Anton ist 19 Jahre jung und

begeistert seine wachsende Zahl an

Followern auf Social Media mit Bildern

wie diesen, die wir dir nicht vorenthalten

wollen. Der schwimmbegeisterte

Skateboarder aus Heiligenhafen ist

natürlich auf Instagram zu finden:

www.instagram.com/hst_sa1999. Die

Fotos kommen von www.instagram.

com/men_moment, mehr Features wie

dieses gibt es auf www.instagram.com/

blu_germany. *rä


27

GAYBOYS

LIVE AM

TELEFON

RUF AN!

Aktuelle Club- & Dance-Hits aus den Charts.

www.GAYFM.de

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28 Kultur

SHOW

FOTO: KERSTIN SCHOMBURG

1920er

DIE GOLDENEN

Wie oft denken wir, dass die Zeit,

die wir gerade erleben, den 20er

Jahren des letzten Jahrhunderts immer

ähnlicher wird? Das Wiedererstarken des

Nationalismus, der langsame Zerfall einer

Weltordnung, die Zweifel an der regierenden

politischen Klasse. Das alles kommt einem

bekannt vor. Kein anderes Musik-Theaterstück

beschreibt dieses Lebensgefühl, das

auch gerade mit Serien wie BABYLON BER-

LIN ein großes Publikum begeistert, so gut,

wie die amerikanische Musical-Legende

CABARET.

Anhand gleich zweier Geschichten erzählt

sie von der Liebe und ihrem Scheitern in

politisch schwierigen Zeiten. Der amerikanische

Schriftsteller Cliff Bradshaw (Sven

Mattke) wird hineingerissen in das noch

flirrende, doch sich schon mehr und mehr

verdüsternde Berlin der späten 20er Jahre.

Sally Bowles (Anneke Schwabe), eine junge

englische Sängerin, die im verruchten

KIT-KAT-CLUB (das altehrwürdige HANSA-

Theatersaal) auftritt (auch diesen gibt

es trotz Corona wieder und immer noch

in Babylon Berlin) und bisher gewohnt

war, wochenweise ihr Liebesleben neu zu

sortieren, wird seine neue Flamme. Doch

die junge Liebe dieser beiden Fremden in

Berlin bekommt, nicht nur wegen ständiger

Existenzprobleme, kaum Luft zum Atmen.

Schwer zu vereinbarende Lebenskonzepte

und die völlig unterschiedliche Einschätzung

der Lage in Deutschland führen schließlich

zur Trennung. Noch heftiger greifen die

politischen Umstände in die späten, zarten

Liebesbande zwischen der Pensionswirtin

Fräulein Schneider und dem jüdischen

Gemüsehändler Herrn Schultz ein. Schon

beim Verlobungsfest der beiden tauchen

junge Menschen auf, die eine ganz andere

Weltordnung wollen. Und spätestens nach

einem ganz handfesten Angriff auf Schultz´

Laden wird klar, dass auch diese Liebe im

damaligen Deutschland keine Zukunft

haben kann.

Durch diese Geschichten führt ein

dämonischer Conferencier (Tim Fischer

(!)), der mit seinen KIT-KAT-Girls mehr und

mehr die Grenzen zwischen Show und

Realität verwischt. „LIFE IS A CABARET“

heißt darum auch der Titelsong. Für das

kulinarische 1920er-Gefühl sorgt übrigens

„Strauchs Falko“ aus der Hafencity mit

eigens kreierten Köstlichkeiten.

31.5. – 6.6., 8. – 12.6., 14. – 19.6., 21. –

26.6., 28.6. – 3.7. , Cabaret, HANSA-

Theatersaal, Steindamm 17, Hamburg,

19:30 Uhr, Karten und Infos unter

cabaret-hamburg.de

WIR SUCHEN:

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(40 Stunden/Woche, unbefristet,

Dienstort ist Berlin)

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die zum Leben passen

Ihre Bewerbung mit aussagekräftigen

Unterlagen inkl. Ihrer Arbeitszeugnisse /

Tätigkeitsnachweise senden Sie bitte

digital (in einer Datei) bis zum 10. Juni

an LSVD-Geschäftsführer Klaus Jetz:

klaus.jetz@lsvd.de

WWW.LSVD.DE

Telefon: 040 398 06 74-0

info@lotsenhaus-bestattungen.de

Kostenlose

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Stichwort:

Bestattung


ABSCHIED

Polittbüro ohne Politt

(und Schmidt)?

FOTOS: POLITTBÜRO

Von Ende Mai bis zum 3. Juli verabschieden sich

Lisa Politt und Gunter Schmidt von „ihrer“ Bühne

mit einem Festival des guten Polittheaters. Dazu die

beiden in ihrer Einladung zur Abschiedspressekonferenz:

„Wir verlassen das Polittbüro zum Saisonende. War

’ne geile Zeit. Zugegeben: Auch für uns kommt der

Abschied etwas plötzlich. Aber in den letzten Jahren

haben wir gemerkt, dass uns diese Doppelfunktion

körperlich zunehmend überfordert: Betreiber einer

Bühne und auf der Bühne zu sein. Jetzt ist es soweit: Wir

haben nicht nur ideale Nachfolger gefunden, sondern

sind jetzt auch in allen Ehren feddich. Fix& Foxi, einfach

durch. Wir würden mal so sagen: Punktlandung.

Die künftigen Betreiber werden das „Polittbüro“ unter

anderem Namen, aber auch ein wenig in unserem Sinne

weiterführen. Das freut uns maßlos. MICHEL ABDOL-

LAHI und ROBERT OSCHATZ haben unseren Antrag

angenommen- und das Beste ist: sie wollen nicht nur,

sie können auch. Wir arbeiten mit den Beiden seit

Jahren vertrauensvoll und erfolgreich zusammen. Durch

ihre Agentur haben Künstler wie The Fuck Hornisschen

Orchestra, Hazel Brugger, Felix Lobrecht, David Friedrich,

Patrick Salmen, Moritz Neumeier oder Till Reiners ihre

Hamburger Anfänge auf unserer Bühne genommen.

… Aber wir lassen es auch noch mal ordentlich krachen

nach dem Motto: Feierabend machen, solange man

noch feiern kann..! AB JETZT. Unser Abschieds-

Programm ist gespickt mit lauter Lieblingskünstlern,

die uns die große Freude machen, unseren Auszug

gemeinsam mit uns zu feiern. Und die allerletzten Tage

gehen wir selbst mit Band auf die Bühne- möge das

Werk gelingen..!“

Wir sagen Danke für die tolle Zeit und sind gespannt, was

Michael Abdollahi und Robert Oschatz aus Hamburgs

politischster Bühne machen. *ck

www.polittbuero.de


30 Kultur

FOTO: RACHELE PEDROCCHI

ANDREAS LANGSCH

ROBERT ALAN

SCHMIDT & C0

DON CLARKE

WOLFGANG TREPPER

FOTO: JOHANNES KIEFER

FOTO: INGO BOELTER

PREMIEREN!

Offenbar wurde die in der

Zwangspause sich anzustauen

drohende kreative Energie der

Kulturschaffenden doch auch

in viel Neues abgeleitet. Neben der neuen

Eigenproduktion „Die Königs schenken

nach“ (Premiere am 2. Juni), sind alleine

im Juni vier Hamburg-Premieren bekannter

und weniger bekannter Helden der

Bühne zu bestaunen. *ck

ANDREAS LANGSCH

„Der Kavalier der Zukunft“ nennt Andreas

Langsch sein aktuelles Programm. Im

Ankündigungstext steht, er gehöre der

Generation Y an. Piano-Yoga ist seine

Antwort auf die Probleme dieser stressgeplagten

Selbstoptimierfetischisten.

Was das ist, zeigt er vielleicht Anfang Juni

auf der Bühne. Oder er zeigt Fotos aus

Australien.

3. + 4.6.

WOLFGANG TREPPER

Ein bisschen erinnert er an Oliver Kalkofe.

Jedenfalls liebt er das TV-Programm

mindestens so stark, wie dieser. Auch im

neuen Programm werden Schlager und

Co wieder heftig und berechtigt aufs

Schärfste verballhornt.

12. – 14.6.

ROBERT ALAN

„Ich bin Batman“ heißt das neue Programm

des 1986 in einer Hüpfburg zur Welt

gekommenen Comedians. Seine Mutter

sei der Urknall gewesen und sein Vater

taub. So steht es geschrieben. Robert Alan

verdient das Geld für seine Drogen seit

Jahren u. a. im Quatsch Comedy Club, bei

„Nightwash“ oder eben hier, im legendären

Schmidt Theater. Er ist außerdem ein

begnadeter Tänzer, dessen Balzverhalten

an den großen Dieter Hildebrandt erinnert.

19.6.

DON CLARKE

In seinem brandneuen Programm „Fett

and Furious!“ nimmt der preisgekrönte

Comedian im eng anliegenden schwarzen

Hoodie das Publikum mit auf einen wilden

Ritt. Als fünffacher Vater will er immer

noch Party machen – und weiß auch, wie

das geht! Einer der wenigen, der ein Alsterwasser

so trinkt, dass die Zitronenlimo im

Glas bleibt. Ein Mann mit einem gespannten

Verhältnis zu Mozzarella und Pute und

einer Vorliebe für Raufaser mit scharfem

Senf. Er hat das Essen beim Imbiss für sich

entdeckt, geht vorsichtshalber aber nur

noch fünfmal die Woche hin. Herrje!

20.6.

Nichts dabei? Noch queerer wird’s mit

Elke Winter (5. + 6.6.) und Gustav Peter

Wöhler am 13.6. Und alle Infos und Karten

dafür gibt es hier:

www.tivoli.de


AUSGEZEICHNET

Privates Theater in

Deutschland

Vom 21. Juni bis 03. Juli 2022

werden zum zehnten Mal die

bundesweiten PRIVATTHEATERTAGE in

Hamburg ausgerichtet. Gezeigt werden

zwölf herausragende Inszenierungen

von Privattheatern aus dem gesamten

Bundesgebiet. Diese haben sich für den

Wettbewerb mit ihren Produktionen beworben.

Eine neunköpfige Jury hat diese

Theater besucht und unter den vielen

Bewerbungen die Produktionen für die

Monica Bleibtreu Preise nominiert.

Zum zehnjährigen Jubiläum lässt sich

ein Bewerbungsrekord verbuchen:

insgesamt haben sich die Privattheater

mit 119 Inszenierungen in den drei

Kategorien „(Moderner) Klassiker“,

„(Zeitgenössisches) Drama“ sowie

„Komödie“ beworben – damit sind 26

Bewerbungen mehr eingegangen als bei

den 9. PRIVATTHEATERTAGEN. Über

147 000 Kilometer hat die neunköpfige

Expertenjury daraufhin zurückgelegt,

um die zwölf besten Produktionen auszuwählen.

Diese werden im Rahmen der

FOTO: ANDREAS PRAEFCKE, CC BY 3.0,COMMONS.WIKIMEDIA.ORG

10. PRIVATTHEATERTAGE sowohl einem

kulturinteressierten Publikum als auch

einer unabhängigen, namhaften Jury in

Hamburg präsentiert.

Eröffnet wird das Festival im Altonaer

Theater. Den Abschluss bildet die Gala

mit der Verleihung der Monica Bleibtreu

Preise in den drei Kategorien am 3. Juli in

den Hamburger Kammerspielen. In der

Kultur 31

Zwischenzeit wird jeden Abend an einer

der acht Hamburger Spielstätten eine

Inszenierung zu sehen sein. Neben den

drei Preisen in den einzelnen Kategorien

wird ein weiterer Preis ausgelobt: der

Publikumspreis.

www.privattheatertage.de

“SEXY, SPECTACULAR,

SPARKLING“

The Advertiser Adelaide

Arrangement by Peter Rix, Organised Pandemonium Pty Ltd and RGM Productions

VERFÜHRERISCH - SEXY - LAUT

“SENSATIONALLY

ENTERTAINING... A HIT!”

The London Times

WELCOME TO WONDERLAND... BOOGIE WONDERLAND!

Das DISCO-VARIETE-INFERNO aus Sydney

DIRECTOR: Craig Ilott

MUSIC DIRECTOR: Joe Accaria

CHOREOGRAPHER: Amy Campbell

TICKETS: 040/4711 0 644 oder velvettheshow.de


32 Kultur

Herbert List: „Unter dem Poseidontempel“, Sounion, um 1937, Münchner Stadtmuseum,

Sammlung Fotografie © Herbert List Estate / Magnum Photos / Agentur Focus

AUSSTELLUNG

HERBERT

LIST

zweimal in Hamburg

Die Ausstellung „Das magische Auge“ im Bucerius

Kunst Forum lässt dich vom 14. Mai bis zum 11.

September in die surrealistische und auch homoerotische

Welt von Herbert List (1903 – 1975)

eintauchen. Und das ist noch nicht alles!

Sinnliche Erotik, schwarz-weiße Kunst, surrealistische

Inszenierungen. Der Hamburger Künstler war

zeitlebens Avantgardist und auch queerer Aktivist,

der mit provokanter Kunst – Männerakte waren

einst skandalös – und umfassenden Bildreportagen

außereuropäischer Kulturen begeisterte. Diese

Ausstellung ist bei der „Triennale der Photographie

Hamburg 2022“ der Beitrag des Bucerius Kunst

Forums. Lists Fotografie ziert auch aktuell die

Neuausgabe des Romans „Der Tempel“ von Stephen

Spender – in dem Buch selbst spielt Herbert List

eine der zentralen Rollen. Und das ist noch nicht

alles! Das Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert

vom 20. Mai bis zum 18. September – ebenfalls

im Rahmen der 8. „Triennale der Photographie

Hamburg“ – das noch nie gezeigte Fotobuchprojekt

„Präuschers Panoptikum. Ein Bilderbuch von Herbert

List“. Große queere Kunst, die (neu) entdeckt

werden sollte. *rä

Herbert List (1903 – 1975), Santorin, 1937, Silbergelatinepapier, 30,6 x 23,8 cm, Museum für Kunst

und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg

14.5. – 11.9., Herbert List: „Das magische Auge“,

Bucerius Kunst Forum, Alter Wall 12, 20.5. – 18.9.,

Herbert List „Präuschers Panoptikum. Ein Bilderbuch

von Herbert List“, Museum für Kunst und

Gewerbe, Steintorplatz, Hamburg, www.buceriuskunstforum.de,

www.mkg-hamburg.de


SHOW

VELVET

„VELVET“ ist Party, ist Show, ist ein sinnlich-lustvolles

Erlebnis für alle, die gern in der Disco-Zeit schwelgen

und auch für diejenigen, die das bisher versäumt haben.

Von den packenden Disco-Beats eines DJs getragen,

präsentieren elf Künstler, Artisten und Sänger aus den

USA, Australien und Europa eine schillernde und freche

Show mit Akrobatik, Tanz und Gesang und nehmen das

Publikum mit in ihren glamourösen Nachtclub. Mit dabei

ist auch das einstige „Weather Girl“ Ingrid Arthur, die mit

ihrer einzigartigen Stimme das Publikum allabendlich

fesseln wird.

Kultur 33

Die mehrfach ausgezeichnete Show feierte ihr Debüt

2015 beim Adelaide Fringe Festival und begeisterte im

Anschluss über Wochen mit ausverkauften Shows u.

a. beim Edinburgh Fringe Festival in Schottland, beim

Brisbane Festival und im Sydney Opera House.

19., 20., 21.7., Voraufführungen, 22.7. Premiere, dann

Vorstellungen bis 18. September, Velevet – die Show,

HANSA-Theatersaal, Steindamm 17, Hamburg, 19:30

Uhr, www.velvettheshow.de

FOTO: DANIEL LINNET FOTO: VELVET

ST. PAULI THEATER, HAMBURGER ABENDBLATT UND STRAUCHS FALCO PRÄSENTIEREN

TIM FISCHER IN

CABARET

Musical von

Joe Masteroff

John Kander

Fred Ebb

Leitung:

Waller/Stötzel/Weibrich/

Bauer/Hohmann/Welter/

Duddy

im HANSA-Theatersaal

31.5. – 3.7.2022

Tickets: 040/4711 0 644 und cabaret-hamburg.de


34 KULTUR

NACHGEFRAGT

Zwei Jahrzehnte

MEGY B.

FOTOS: PR SCHÖNWETTER

Wir telefonierten mit dem Travestiekünstler

und Schauspieler Marc

Rudolf alias MEGY B. anlässlich ihres

20-jährigen Bühnenjubiläums.

Du bist auch „als Mann“ auf der

Bühne zu sehen, aber Megy B.

überwiegt, oder?

Bei meiner Ausbildung im Theater durfte

ich die Travestie lernen – Megy B. habe ich

für die Bühne entwickelt, sie ist ein schöner

Schein für das Theater.

Was fasziniert dich an der Zauberei?

Sie war mein Weg auf die Bühne, ähnlich wie

bei Jürgen von der Lippe oder auch Sascha

Grammel. Und sie war auch mein Weg zur

Travestie!

Wie das?

Es war vor vielen Monden auf einer Kreuzfahrt

mit meinen Eltern. Ein Künstler führte

dort Zaubertricks auf und zeigte mir einen

davon, den ich dann aufführte, das kam sehr

gut an! Der Moderator der Show, das Berliner

Original Peter Wieland, sagte zu meinen

Eltern: „Dit Kind ist ein Künstler, da können

Se nüscht gegen machen.“ Also förderten

sie mich, wie es nur ging … Ich ging dann auf

eine Zauberschule in Pullach, München, und

gewann auch in Berlin Preise. Dann bin ich

auf die Schauspielschule gegangen. Um mir

Geld dazuzuverdienen, habe ich das Münchner

Original Petra Dorén gefragt, ob ich bei

ihr arbeiten könnte, sie gastierte mit ihrem

Programm im Travestielokal Bel Étage. Und

sie sagte: Du kannst dein Zauberzeug gerne

machen, aber im Fummel! Und so passierte

es … Das Publikum war begeistert und ich

blieb dabei. Ich kam mit der Zauberei zur

Travestie und habe nun eine Show, in die

auch mal magische Momente einfließen.

Gerade ist Krieg in Europa, wir reden

über Spaß.

Theater muss stattfinden! Der Mensch

muss lachen können. Desto schlimmer die

Zeiten, desto wichtiger ist es, dass wir den

Menschen Lebensfreude geben. Freudentränen

sorgen dafür, dass die Scheibe vom

Auge gereinigt wird, dass wir wieder einen

klaren Blick auf die wunderschöne Welt

bekommen.

2022 feierst du nicht nur zwanzig

Jahre Megy B., du bist auch vierzig

geworden. Ist für dich 2022 also

bisher besonders schön?

Ja … Vierzig zu werden gibt

einem mehr Gelassenheit.

Man hat nicht mehr den

Druck, sich beweisen

zu müssen, immer zu

kämpfen. Was nicht

heißt, dass man

aufhört, an sich zu

arbeiten.

Du hast deinen

Mann in Freiburg

geheiratet, warum

dort?

Das war pandemiebedingt.

Freiburg war der einzige Ort, der

damals seine Hotels geöffnet hatte.

Weder in Berlin noch in München hätten

wir im Kreise der Familie feiern können.

Ich sagte damals: Entweder sind wir am

Ende des Tages verheiratet oder verhaftet.

(lacht) Die Pandemie hat uns – bei aller

Tragik – Ruhe gegeben und die Heirat

eigentlich erst möglich gemacht, davor

haben wir 18 Jahre durchgearbeitet. Ich

bin glücklich, im Hafen der Ehe gelandet

zu sein.

Du bist auch in deiner Heimatstadt

München populär, was magst du an

der Stadt?

Das Münchnerische! Das ist diese

Mischung aus den Bergen, dem Essen, den

Trachten, das Granteln der Münchner, das

übrigens nie böse gemeint ist. München

ist Gelassenheit und Heimat. Wir sind nach

Rosenheim gezogen und haben dort ein

kleines Paradies erschaffen.

Und an deiner Wahlheimat Berlin?

Berlin explodiert, Berlin sind Farben, Lichter,

Hektik, eine unglaubliche Energie … Berlin

ist ein Marathon, Bayern ist eine

Ruhephase.

Abschließend: Was

willst du noch

loswerden?

Ich will Danke sagen!

Danke meinem

Maskenbildner Stefan

Winkler, meinem lieben

Freund, der es seit

zwanzig Jahren schafft,

dass Megy B. so aussieht,

wie sie aussieht. Und

meinem Fotografen Sascha

Funke, der dafür sorgt, dass

die Person auf dem Plakat der

entspricht, die die Leute dann auch auf

der Bühne sehen, sowie meiner Mama, dass

sie seit zwanzig Jahren meine Kostüme

schneidert und natürlich meinem Mann

Dennis Schönwetter! Allein würde ich das

alles nicht schaffen.

*Interview: Michael Rädel

www.megy-b.com


DATES . FREUNDE . LIEBE

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MUSIK

NACHGEFRAGT

TASH SULTANA

„Es geht nicht darum, anderen zu gefallen“

Tash Sultana ist eher unprätentiös.

Nicht einmal für ihre

MTV Unplugged Session im

vergangenen Jahr im Chapel

Off Chapel in Melbourne hat sich die

Singer/Songwriterin extra aufgebrezelt.

Sie trägt eine bequeme Hose, darüber ein

weites, schwarzes Hemd. Auf dem Kopf

hat sie die für sie obligatorische Baseballkappe.

Statt mit Äußerlichkeiten beeindruckt

die Multiinstrumentalistin lieber

mit ihrem Talent und ihrem Händchen für

ausdrucksstarke Lieder.

FOTO: BEN MCFADYEN

„Blame It On Society“ hebt einen in

höhere Sphären. „Dream My Life Away“

hat eine verträumte Note. Da möchte

man sofort Kerzen und Räucherstäbchen

anzünden. „Greed“ verführt mit seinem

souligen Touch. Vor allem ist jedoch

bemerkenswert, wie schnell Tash Sultana

zum Beispiel bei „Coma“ die Gitarren

wechselt. Wenn die 26-Jährige eingangs

zur akustischen Gitarre greift, wirkt der

Song puristisch, fast zerbrechlich. Er

lässt der Stimme genug Raum, damit sie

sich in ihrer vollen Schönheit entfalten

kann. Später werden die Riffs fetter, die

Nummer driftet ins Epische ab.

Dieses Stück mag Tash Sultana am liebsten,

das erzählt sie im Zoom-Interview, für

das sie allerdings die Kamera abgeschaltet

hat. „Coma“ stammt aus ihrer Frühphase.

Damals setzte sie auf akustische Musik

– ohne dass jemand Notiz von ihr nahm.

„Erst als ich zur elektrischen Gitarre

wechselte, interessierten sich die Leute

bei meinen Straßenkonzerten für mich“,

erzählt sie. Dabei wurde ein Element

essentiell: ihre Loopstation, die ihr Vater

ihr zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt

hatte. Sie brachte zum Beispiel ihren

Hit „Jungle“ hervor. „Plötzlich galt ich

als Looperin“, ereifert sie sich. „Dabei

finde ich gerade die Lieder am besten,

die meinen Gesang und die akustische

Gitarre in den Fokus rücken. Sie haben so

etwas Rohes, hinter ihnen kann ich mich

nicht verstecken.“

Hauptsächlich das Looping war allerdings

das, was Tash Sultana Vergleiche mit Ed

Sheeran einbrachte. Sie lacht, bevor sie

energisch klarstellt: „Wir spielen nicht

in derselben Liga. Ed Sheeran ist ein

Megastar, ich nicht.“ Das ist natürlich

tiefgestapelt. Zumindest in ihrer Heimat

hat die Australierin längst Popstarstatus.

Ihr Debüt „Flow State“ schaffte es 2018

auf Platz zwei der Albumcharts, „Terra

Firma“ schoss gut drei Jahre später auf

die Spitzenposition. Diese Platte nahm

Tash Sultana während der Pandemie

auf, außerdem produzierte sie ihr MTV

Unplugged Album während des Lockdowns

und mischte es sogar selber ab:

„Ich hatte Langeweile, darum musste ich

mich irgendwie beschäftigen.“

Ansonsten kümmerte sie sich in dieser

Phase um ihre Tiere, sie ging surfen oder

verbrachte Zeit mit ihrer Familie. Des

weiteren arbeitete sie an sich. „Man sollte

sein, wer man ist“, grübelt sie. „Um sich

tatsächlich des eigenen Ichs bewusst

zu werden, braucht man aber wohl ein

ganzes Leben.“ Eins hat sie immerhin

schon erkannt: „Es geht nicht darum,

anderen zu gefallen. Selbstakzeptanz

ist total wichtig.“ Gerade der LGBTQIA-

Community rät Tash Sultana deshalb:

„Liebt euch selber. Wer euch nicht so

annimmt, wie ihr seid, gehört nicht in

euren Freundeskreis.“ Da spricht die

Musikerin vermutlich aus persönlicher

Erfahrung. Was sie besonders stört, ist

das ewige Schubladendenken. „Es wird

viel zu viel gelabelt“, regt sie sich auf.

Oftmals auch noch falsch: „Ich bezeichne

mit nicht als nichtbinär, sondern als

genderfluid. Letztlich existiere ich aber

einfach als Person.“

*Dagmar Leischow


Harry’s House

Das neue Album von

HARRY STYLES

Ab dem 20. Mai überall


MUSIK

INTERVIEW

HE/ROs

FOTO: M. RÄDEL

Statement zur Diversität und gegen Homophobie

Wir telefonierten mit den

beiden Musikern Roman und

Heiko, die einst als „Die Lochis“

Social-Media-Rekorde brachen.

Seit letztem Jahr legen die Zwillinge

erfolgreich als HE/RO los. Gerade

erschien ihr Album „Teen Star

Dilemma“.

Definiert der Titel des Albums auch

gleich die Zielgruppe?

Roman: Nein, unsere Fans sind mit uns

älter geworden, sind nun auch keine

Teenager mehr. Die sind die Allerliebsten,

aufgeklärt und tolerant.

Heiko: Der Albumtitel beschreibt eher

das Klischee unseres früheren Lebens,

aber auch die Entwicklung, die jeder

auf dem Weg zum Erwachsenwerden

durchmacht.

„F___ U“ ist ein sehr ungewöhnliches

Liebeslied, oder? Eher eine

toxische Person, die da angehimmelt

wird, oder?

Roman: Fuck you! Ja, man kann manchmal

einer Person nicht widerstehen,

obwohl man weiß, dass sie einem nicht

guttut. Aber man hat eben immer wieder

eine geile Zeit zusammen! Dieser Song

hat etwas total Naives, er beschreibt den

Zustand der rosaroten Brille … (lacht)

Heiko: Gift kann so lange guttun, bis

es nachlässt. Man verliebt sich nach

Scheißsituationen immer wieder neu.

„Kuss an Dich“ hat das Zeug zum

Partykracher. Wie ist es entstanden?

Roman: Das Lied geht nicht an einen

Menschen.

Heiko: Es ist eine Hymne an die Leichtigkeit,

geschrieben 2021, als alle wegen

COVID-19 pissed waren.

Roman: Lasst uns alle miteinander küssen

war eine Metapher, dass wir uns alle wieder

mehr lieb haben sollten, auch wenn der

Alltag einen runterzieht.

Musikalisch pendelt ihr zwischen

Trap, Hip-Hop und auch mal Punk

Rock. Sind das auch privat eure

bevorzugten

Musikarten?

Heiko: Auf jeden

Fall. Wir lieben

Popmusik und sind

auch damit groß

geworden. Alles, was

man zwischen dem

8. und 14. Lebensjahr

hört, prägt einen ja

fürs ganze Leben.

Bei uns war das „The

golden age of Pop“,

wir lieben gute, freshe

Popmusik.

Roman: Was wir am Ende auf dem Album

mit diesen Einflüssen gemacht haben, ist,

sie mit anderen Musikarten, Elementen zu

verbinden. Metal, Hyper Pop, alles, was uns

gefällt, kam mit rein.

Heiko: Als wir fünf oder sechs waren,

hörten wir viel Rock, wir waren dann auch

in Deutschland eine der ersten Bands, die

wieder die echten Instrumente zurück in

aktuelle Musik gebracht haben.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit

LGoony?

Heiko: Ich war schon immer ein großer

Fan von ihm. Als 13-Jähriger habe ich

seine Mixtapes ständig gehört. Als wir mit

unseren Produzenten geredet haben, kam

dann auch LGoony ins Spiel …

Roman: Wir haben zusammen im Studio

Songs gehört und es hat sich ergeben,

dass er mit auf dem Album ist. Ihm ging es

einfach um die Musik, er fand das Lied gut,

bei dem er nun mit drauf

ist. Das fanden wir geil.

Wie politisch seid

ihr?

Roman: Wir sind nicht

die, die Politik krass zum

Thema machen. „Kuss

an Dich“ etwa, da hat

jeder mit jedem rumgemacht

im Video, das

war schon bewusst ein

Statement zur Diversität

und gegen Homophobie.

Heiko: Wenn es um Dinge wie Werte,

Toleranz und Mobbing geht, positionieren

wir uns auf jeden Fall. Dass Homophobie

und Ausgrenzung überhaupt noch so

ein Riesenthema ist, ist zum Kotzen. Wir

versuchen da etwas zu bewegen.

*Interview: Michael Rädel


SOUL

Würdigung einer Großen

Mary Wilson war 1959 bei der

The-Supremes-Gründung ** in

Detroit dabei, arbeitete mit den anderen

Sängerinnen und dem Team vom Plattenlabel

Motwon in der US-Autostadt daran,

dass man endlich den ersten Hit landen

konnte.

MUSIK

Das gelang 1962 mit „Let Me Go the

Right Way“ in den R ’n’ B-Charts. Ab

1964 folgten dann Nummer-eins-Hits

wie „Stop! In the Name of Love“, „I Hear a

Symphony“ oder auch „Someday We’ll Be

Together“.

Zur Frontfrau wurde Diana Ross aufgebaut,

die 1970 das Trio verließ und eine über alle

Maßen erfolgreiche Solokarriere startete,

Mary Wilson blieb der Band bis zur

Trennung 1977 treu und landete mit ihren

Kolleginnen weitere Hits, etwa „Floy Joy“.

Am 8. Februar 2021 verstarb Mary Wilson,

etwa ein Jahr später erscheint nun das

Album „The Motown Anthology“, das

ihre musikalische Karriere würdigt. Und

den Menschen hinter dem Star: die

Friedens- und HIV-Aktivistin, Autorin

und Modeikone, Schauspielerin und Kulturbotschafterin,

Rednerin und Tänzerin,

Mutter, Groß- und auch Urgroßmutter,

Freundin und Wegbereiterin. Unsere

Anspieltipps sind „Automatically Sunshine

(2021 Alternate Mix)“, „Pretty Baby“

und „Red Hot (The Eric Kupper Remix)“.

Eine klasse Zusammenstellung mit

vielen Liedern, die man (so) noch nicht

bekommen konnte. Und eine gelungene

Würdigung einer großen Soul-, Discound

Pop-Sängerin, deren Musik bis heute

dunkle Gedanken vertreibt. *rä

** Anfangs noch The Primettes

SAM VANCE-LAW

DAS NEUE ALBUM

„GOODBYE“

AB 06/05 ÜBERALL ERHÄLTLICH AUF

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MUSIK

SAM VANCE-LAW:

„Man kann hier

INTERVIEW

anders sein“

FOTO: ALEXANDER COGGIN

Er spricht ganz ausgezeichnet

Deutsch. Das zeigt sich beim

Interview im Konferenzraum seiner

Berliner Plattenfirma binnen weniger

Minuten. „Ich wohne seit zwölf

Jahren in Berlin und setzte es mir

zum Ziel, schnellstmöglich Deutsch

zu lernen“, sagt der Kanadier. „Außerdem

habe ich jetzt einen deutschen

Freundeskreis.“

Sam Vance-Law begeisterte sich bei seiner

allerersten Reise nach Berlin sofort für diese

Metropole. „Eigentlich wollte ich nur meinen

Kumpel für eine Woche besuchen“, erzählt

er. „Doch dann bin ich einfach geblieben.“

Die ersten beiden Nächte verbrachte er in

einem besetzten Haus in der Rigaer Straße.

Da er aus Paris kam, war er High-Fashionmäßig

gekleidet. Die Punks störte das indes

nicht. „Sie boten mir ein Bier an und hingen

mit mir ab“, erinnert sich der Musiker. „Da

habe ich gemerkt: Man kann hier anders

sein – und das ist gut so.“

In Berlin fand Sam Vance-Law als Schwuler

alsbald seine Community, er bekam einen

Plattenvertrag und veröffentlichte 2018

sein Debütalbum „Homotobia“. In seinen

Songs griff der 34-Jährige die Geschichten

anderer auf, er beschäftigte sich mit

unterschiedlichen Facetten des homosexuellen

Lebens. Sein zweiter Langspieler

„Goodbye“ ist dagegen autobiografisch – die

Stücke kreisen um eine Trennung. Das

hebt sie auf eine andere Ebene, denn

Liebeskummer ist ja universell. Das sieht

Sam Vance-Law zwar genauso, trotzdem ist

es ihm ein Anliegen, das Queersein immer

wieder zu thematisieren. „In Berlin oder

anderen Großstädten muss man sicher

nicht mehr darüber reden“, gibt er zu. „Doch

in den meisten Teilen dieser Welt würde

ich wegen meiner Sexualität im Gefängnis

sitzen, geächtet sein oder sogar getötet

werden.“ So etwas ist für ihn natürlich

inakzeptabel: „Ich wünschte, ich könnte

einfach lieben, wen ich liebe.“

Ein glückliches Händchen bei der Partnerwahl

scheint Sam Vance-Law allerdings

nicht unbedingt zu haben, diesen Eindruck

vermitteln zumindest seine neuen Songs.

„Icarus“ handelt davon, dass sein Ex sehr

freiheitsliebend war. Eben kein Beziehungsmensch.

Diese Erkenntnis wird mit

schwelgerischer Musik unterlegt, inklusive

Bläsern und Streichern. Ist das Kammerpop

par excellence? „Ich weigere mich, meine

Musik selber zu klassifizieren“, erklärt Sam

Vance-Law. Immerhin räumt er ein, dass

ihn klassische Werke, mit denen er als

Chorknabe in Oxford aufwuchs, bis heute

beeinflussen: „Ich kenne mich mit der Oboe

viel besser aus als mit der Gitarre.“

Im Endergebnis ist der Singer-Songwriter

musikalisch durchaus recht breit aufgestellt.

Während „Get Out“ als Pop mit Indie-Vibes

daherkommt, lehnt sich die puristische

Klavierballade „Blissful Times“ eher an das

traditionelle englische Volkslied an. „Too

Soon“ driftet dank des Saxofons und des

Fingerschnippens zum Jazz ab. Ist das Sam

Vance-Laws heimliche Leidenschaft? „Ich

höre selten Musik. Also auch keinen Jazz.“

Stattdessen zieht er Stille vor: „Wenn ich

den ganzen Tag mit meinen Ohren gearbeitet

habe, möchte ich danach ein bisschen

Ruhe haben.“

Aus der Großstadthektik zog sich Sam

Vance-Law auch zurück, während er an

seinem aktuellen Album tüftelte. Die

meisten Lieder schrieb er in den schottischen

Highlands, dort konnte er ungestört

komponieren und texten, ohne großartige

Ablenkungen. Er machte lediglich Wanderungen,

ansonsten widmete er sich seinen

Stücken: „Um mich herum waren Schnee,

Regen, Kälte, Depression – das war perfekt

für meine Platte.“ *Dagmar Leischow


MUSIK

KLUBMUSIK

Moby im Mai

Sein letztes Album „Reprise“ erreichte Platz 1 der Charts

in der Schweiz, Platz 4 bei uns in Deutschland und verkaufte

sich auch in UK und den USA sehr gut. Mit diesem Erfolg

im Gepäck präsentiert der Musiker nun zusammen mit anderen

Künstler*innen „Reprise – Remixes“.

Eine ganze Riege hervorragender Musiker*innen, darunter Efdemin

und Planningtorock, haben ihre kreativen Kräfte vereint und

aus Mobys Kompositionen Neues erschaffen. Der Meister selbst

hat aber natürlich auch Hand an manchen Track gelegt. Über

die Zusammenarbeit verrät die Berlinerin Planningtorock: „Ich

mochte die sanfte Coverversion von Heroes, die Moby gemacht

hat, sehr, besonders den weichen, ruhigen Gesang von Mindy

Jones. Für diesen Remix wollte ich diese wunderschönen Vocals

noch ruhiger und stattlicher machen, indem ich sie ein wenig

heruntergepitched habe. Dann wollte ich diese ruhige Energie

mit einem treibenden, tranceartigen Clubtrack kontrastieren,

der sowohl meine nordenglischen musikalischen Wurzeln als

auch meine zwanzig Jahre, in denen ich in Berlin lebe und Musik

produziere, verkörpern sollte.“

Das Duo Felsman + Tiley, das ebenfalls mitwirkte, zeigt sich

angetan: „Wir sind mit der Musik von Moby aufgewachsen, die

unseren Wunsch, (oft melancholische) elektronische Musik

zu produzieren, stark beeinflusst hat. Daher sind wir dankbar,

dass wir Jahrzehnte später offiziell eingeladen wurden, mit

einem seiner Tracks zu arbeiten. Unsere Neuinterpretation von

‚Extreme Ways‘ ist eine synthetische Meta-Beleuchtung seiner

organischen, orchestralen Reprise-Version. Niemand kann dem

Kreislauf entkommen, egal wie extrem der gewählte Weg auch

sein mag.“

Exklusive

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Edition

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Ab dem 13.05.22 als CD, 2CD Deluxe,

Download und Stream erhältlich.

Für Efdemin, der auch schon beim „Berghain-Plattenlabel“

Ostgut Ton veröffentlichte, war es etwas völlig Neues, denn der

Musiker hatte sich zuvor nie mit dem seit 1990 erfolgreichen

bisexuellen Producer Moby beschäftigt. „Lustigerweise muss ich

zugeben, dass der größte Teil von Mobys Werk an mir vorbeigegangen

ist, bis ich vor Kurzem die Gelegenheit hatte, an Porcelain

mitzuwirken, das mir sehr gut gefallen hat. Während Moby natürlich

immer als Phänomen in den Medien präsent war, habe ich

es irgendwie geschafft, die meisten seiner für viele so wichtigen

Hits in den 90er-Jahren zu ignorieren. Diese Art von Amnesie hat

mir geholfen, mit großer Freiheit an neuen Versionen zu arbeiten,

da ich das Original von Porcelain nicht kannte, ob Sie es glauben

oder nicht.“

Das Album „Reprise Remixes“ erscheint am 20. Mai bei Deutsche

Grammophon als CD, LP und natürlich digital. Unsere Anspieltipps

sind „Why Does My Heart Feel So Bad? (Biscits Remix)“, „We

Are All Made Of Stars (Moby’s Ac@n Remix)“ und „Natural Blues

(Topic Remix)“. *rä

www.moby.com


MUSIK

Das Haus von

HARRY STYLES

POP

FOTO: LILLIE EIGER

Dass Mr. Harry Styles eine große Vergangenheit

hat, in der er noch nicht

als Solokünstler, sondern als Teil einer gewissen

Gruppe bekannt war, spielt mittlerweile

wirklich keine Rolle mehr. Wo andere sich

gerade noch so als Popstars etablieren können,

bevor sie mit den alten Hits und noch

älteren Bandmitgliedern wieder auf Tour

müssen, hat er es geschafft als eigenständiger

Künstler verstanden zu werden. Sein

bisher letztes, zweites Album „Fine Line“ war

daher nicht nur wieder Nummer eins in den

USA, auch die Kritiker waren völlig verzaubert

– und das bestimmt nicht, weil sie

schon immer heimlich One-Direction-Fans

gewesen sind. Es war ein selbstbewusstes

Statement mit mehr kreative Ideen als

irgendjemand von ihm erwartete hatte. So

wurde 2019 das Jahr von Harry Styles – und

es scheint, als würde er auch 2022 alles

überstrahlen wollen.

Schon „As It Was“, die erste Single, beweist

das. Er will zurecht ernst genommen werden.

Und auch mit einem Indie-Dance-Track

auf einem 80er-Fundament wie diesem,

gelingt ihm das. Ganz nebenbei kann er

die Welt damit auch noch zum Tanzen

bringen und das, obwohl es sich um einen

eher traurig-melancholischen Blick auf eine

Beziehung handelt. Genauer gesagt auf

ein Ende, das man jetzt vielleicht endlich

akzeptieren kann – einfach weil man muss.

So wurde „As It Was“ mit seiner Mischung

aus mitreißendem Sound und emotionalem

Text in kürzester Zeit zur meistgestreamten

Single des Jahres 2022.

Während es beim letzten Album „Fine Line“

vor allem um das Leben und das Erleben

alles Körperlichen ging, weißt die Richtung

dieses Mal also auf Introspektive und all die

ungewollten und gewollten Veränderungen,

die jede Seele seit 2019 durchgemacht

haben muss. Obwohl

er auch auf „As It Was“

wieder mit seinen treuen

Kollaborateuren Kid Harpoon

und Tyler Johnson

zusammengearbeitet

hat, scheint nicht nur

inhaltlich, sondern auch

musikalisch ein neuer

Horizont erobert zu werden.

Und ja, selbst wenn

ein alter Boomer wie

Noel Gallagher in seiner

typischen Art gegen

Harry austeilt und behauptet, dass dieser

seine Songs nicht schreibt, ist Mr. Styles

natürlich trotzdem an allem was erscheint

mindestens als Songwriter beteiligt. Auch

wenn Noel sich nie den Grund seiner Frustration

eingestehen wird: Klar ist sein Neid auf

den jungen Mann völlig berechtigt. Was Harry

ebenfalls bewusst sein wird, denn er hat

sich nicht zu einer Antwort herabgelassen.

Doch natürlich hegen nicht alle solch einen

Alt-Herren-Groll gegen ihn. Die legendäre

Joni Mitchell fühlte sich schon allein von Titel

seines kommenden Albums angesprochen:

„Harry‘s House“ wird das neue Werk nämlich

heißen. Kein Wunder, dass es ihr gefällt, denn

vielleicht bezieht er sich ja wirklich auf ihren

Song „Harry's House / Centerpiece“. Auch

sonst sammelt Harry Styles nur guten

Willen. Ob mit seiner genderneutralen

Beauty-Linie oder

der Selbstverständlichkeit

mit der er

Geschlechterregeln

und -grenzen ignoriert.

Dass er allerdings auch

noch so aufgeräumt

ist, und es ihm gelingt,

gleich zweimal täglich

zu meditieren, geht

dann schon fast zu

weit. Doch bloß, weil

wir nicht sehr viel von

seinen Abgründen und

kleinen Macken mitbekommen, heißt

das nicht, dass wir sie nicht doch finden

können – und wenn es nur als Ausdruck in

seiner Musik ist. Dafür ist sie ja letztlich da:

Dass wir mit ihm erleben, was er uns über

sein Inneres mitteilt. Genau deshalb lädt er

uns in sein „House“ ein. Schön, willkommen

zu sein.

*Christian K. L. Fischer


ELEKTRO

Stromae

„Multitude“

Da ist es, das neue Album des belgischen

Vollblut-Künstlers, der mit Hits

wie „Papaoutai“ und „Alors on danse“

die Dancefloors zum Beben brachte

und auch Kritiker begeisterte. Er macht

eben nicht „nur“ Eurodance, Stromae ist

und macht Kunst, queere Kunst. Unsere

Anspieltipps auf seinem neuen Album

sind „L‘enfer“ und „Santé“ – beides

Singles erreichten in seiner Heimat die

Chartsspitze. *rä

www.stromae.com

FOTO: PH. LEBRUMAN

KLASSIK

Maxence Cyrin:

„Melancholy Island“

Besondere Musik für jene Momente und Situationen im Leben,

in denen du deine Hörgewohnheiten durchbrechen solltest,

um mal ganz anders Ruhe und Entspannung zu finden.

Klassische Musik hilft dabei. Oder auch neue Musik mit klassischen

Instrumenten wie dem Piano – und einer Prise Elektro.

Der französische Pianist Maxence Cyrin komponierte genau

solche Musik für sein neues Album „Melancholy Island“, das vor

Kurzem erschienen ist.

Lieder wie „Soft Skin“, „Voyage“ oder auch „Faro Bay“ nehmen ab

der ersten Sekunde mit auf eine musikalische Reise weg vom

Stress hin zum hyggeligen Glück. Musikalische Inseln in einem

Meer von Stress und Sorgen. „Ich liebe das gedankliche Konzept

und die Definition von Inseln, da sie ein wunderbares Gefühl von

Zuflucht in mir hervorrufen“, so Maxence Cyrin. In seinen Liedern

beschäftigt sich der Künstler mit Themen wie Reisen, Exil, Reflexion

des Seins und dem Vergehen der Zeit. Jedes der Stücke

sei mit einer spezifischen Aufnahmetechnik produziert, die den

Klaviersound mit erlesenen Effekten kombiniere – bittersüße

Melancholie, die beruhigt. Alles wird gut. *rä

POP

Einmal alles bitte

Das Comeback von ABBA ist 2021

mehr als nur geglückt, höchste Platzierungen

und Verkäufe, begeisterte

Fans – und zufriedene Kritiker. 2022

wird nachgelegt, es gibt eine neue

allumfassende Box für CD- und

Vinyl-Sammler, die alle Studioalben

von 1973 bis 2021 und auch Hits wie

„Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After

Midnight)“ auf dem extra Tonträger

„ABBA Tracks“ vereint. Unsere Anspieltipps

sind „When I Kissed the Teacher“,

„Ring Ring“, „ Move On“ sowie „ Our

Last Summer“ und „ Bumble Bee“. *rä

MUSICAL

„Ku’damm 56 –

Das Berlin Musical“

MUSIK

TIPP

„Shiny Things“ –

KAT FRANKIE

Eigensinnigen Popmusik! Vier Jahre

nach ihrem hochgelobten Album

„Bad Behaviour“ veröffentlicht KAT

FRANKIE im Mai ihr neues Album.

„Shiny Things“ ist die Arbeit einer

gewachsenen Beobachterin, einer einfühlsamen

Denkerin, einer wütenden

Erzählerin. Vor allem aber: einer großen

Songwriterin. Die 43-Jährige scheint in

ihrem Kunsthandwerk über der Zeit zu

stehen, scheint von dort ihren sorgenvollen

Blick auf die Verflechtungen des

menschlichen Handelns zu richten.

Protestmusik? Ja, mitunter.

www.katfrankie.com

Nach mehr als elf Jahren haben sich AnNa R. und Peter

Plate wieder in einem Musikstudio getroffen und gemeinsame

Sache gemacht. Mit fünf Nummer-1-Alben allein

in Deutschland und mehr als sechs Millionen verkauften

Tonträgern galten sie unter dem Namen Rosenstolz als

eines der wohl erfolgreichsten Deutschpop-Phänomene

Deutschlands. Und unlängst veröffentlichten AnNa R. und

Peter Plate eine gänzlich neue und überaus bewegende

Interpretation des Songs „Ich tanz allein“ aus dem Musical

„Ku’damm 56“, welches Plate gemeinsam mit Ulf Leo

Sommer und Annette Hess schrieb. Die neue Interpretation

erschien nur zwei Wochen, nachdem

Annett Louisan mit ihrer

Version von „Wenn Du Dich

auflöst“ den Auftakt

für eine ganze Reihe

weiterer prominenter

Interpretationen

der großartigen

„Ku’damm 56“-

Songs gegeben

hat. Im Juni werden

diese unter dem

Titel „Ku’damm 56

– Das Musical (Deluxe

Edition)“ erscheinen.

FOTO: O. HEINE


MUSIK

INTERVIEW

MICHELLE:

30 Jahre Schlager

FOTO: A. JANEVA

Direkt nach ihrem verdienten

Urlaub nahm sich eine der

erfolgreichsten Deutsch-Pop- und

Schlagersängerinnen Zeit für einen

Chat, um sich mit uns über ihr neues

Album „30 Jahre Michelle – Das

war’s…noch nicht!“ auszutauschen.

Das neue Album ist mehr als nur

ein Blick zurück, immerhin finden

sich neben 18 Klassikern wie „Das

Hotel in St. Germain“ und „Wer Liebe

lebt“ – teilweise neu aufgenommen

– auch 12 neue Lieder drauf.

Drei Jahrzehnte Erfolg, macht dich

das stolz oder eher dankbar?

Ich bin für alles dankbar in meinem Leben.

Ich bin stolz auf die Menschen die seit 30

Jahren an meiner Seite stehen und durch

dick und dünn mit mir und meiner Musik

gehen.

Einige deiner Hits präsentierst du

in neuem Gewand. Hat es Spaß

gemacht, daran zu arbeiten?

Es hat großen Spaß gemacht, jedem Song

FOTO: UNIVERSAL MUSIC

ein neues Leben einzuhauchen. Und wir

haben während der Produktion mit viel

Begeisterung diese Entwicklung verfolgt,

das Ergebnis ist großartig.

Was macht man nun anders?

Wir haben uns natürlich in erster Linie der

neuen Technik bedient und die „alten Hits“

mit neuen Sounds ausgestattet, und so in

die Gegenwart geholt. Das war wirklich ein

spannender Prozess, der uns viel Freude

gemacht hat.

„Scheißkerl“ ist ein auf den ersten

Blick ungewöhnlicher Liedtitel.

Verrate mir etwas darüber.

Scheißkerl steht für sich ... Nicht nur

ich war schon mehrfach in solch einer

beschriebenen Situation. Dass ein sogenannter

Scheißkerl nicht nachvollziehbar

ist und dennoch diese Anziehung hat, jeder

kennt das, keiner versteht das.

Wie frech darf Deutsch-Pop denn

sein?

Für mich gibt es keine Tabus. Was „man

darf“, ist für mich nicht relevant. Ich

gehe nach meinem Gefühl und bleibe

authentisch.

Auch das Lied „Romeo und Julian“

fallt einem sofort auf, wenn man dein

Album anschaut.

„Romeo und Julian“ ist eine Liebeserklärung

an die Liebe zwischen Menschen.

Diese gibt es seit Menschengedenken

und ist ganz sicher nicht erfundenen

gesellschaftlichen „Regeln“ untergeordnet,

sondern verbindet Seelen. Dies mit der

bekanntesten Liebesgeschichte der Welt

zu verknüpfen und damit auch „Romeo

und Julia“ in die Gegenwart zu holen und

gewissermaßen upzudaten, hat mir mehr

als nur Spaß gemacht, das ist ein wichtiges

Statement und ich kann es kaum erwarten

den Song das erste Mal live aufzuführen.

Erinnerst du dich noch an deinen

ersten TV-Auftritt?

„Und heut Nacht will ich tanzen“, mein

erster Auftritt bei der ZDF Hitparade,

bleibt unvergessen – lange ist es her! Und

die neue Version des Songs kommt auch

wieder auf eine TV-Bühne.

Wie wichtig ist Social Media für eine

Künstlerin heute?

Social Media ist enorm wichtig geworden

für Künstler. Man ist so direkt im Kontakt

mit den Fans und auch anderen Künstlern,

diese Plattformen sind enorm wichtig und

entwickeln sich auch ständig weiter, da

muss man mitmachen.

Worauf freust du dich 2022

besonders?

Ich freue mich auf alles, was kommt. Mein

neues Album, endlich wieder live auftreten

und das Publikum spüren. Wir haben viel

vor, schließlich ist es mein Jubiläumsjahr!

*Interview: Michael Rädel


COMEBACK

Marius Müller-Westernhagen

Das eine Leben ist zu

kostbar, um es an den

Zeitgeist zu verschwenden.

So könnte der erste

Vorbote aus dem erwarteten

23. Studioalbum des

„Freiheit“-Sängers (1990)

wohl interpretiert werden.

Wütend klingt „Zeitgeist“,

allerdings nicht ohne

diese Wut über eine

zum Lebensprinzip erklärte Substanzlosigkeit in einer

algorithmusgetriebenen Scheinwelt auf Instagram und Co

auch als überwindbar zu brandmarken. Westernhagen über

den Text und Social Media: „Sie begünstigen Voyeurismus,

Exhibitionismus, Neid. Und sie promoten Banalitäten. Das

ist doch idiotisch.“ Marius Müller-Westernhagen ist mit

73 ein routinierter Liedermacher, der sich nicht mehr neu

erfinden mag und muss. Warum aber auch, wenn doch

immer noch dieser unerschütterliche Glaube an die Macht

des Aufstandes, die friedliche Revolution für ein gutes

Ende durch die Zeilen blitzt. Das macht um so gespannter

auf die anderen Werke auf „Das eine Leben“. *ck

FOTO: SONY MUSIC

CSD Frankfurt 15. - 17. Juli 2022

westernhagen.de

POP

Gesungene Selbstreflexion

„Das Gold Rush Kid? Das

bin ich. Was die Tracks alle

vereint, ist dass jeder einzelne

von ihnen genau nach

mir klingt“, erzählt George

Ezra über den Titel seines so

benannten dritten Albums.

„Es ist eine Figur, die ich verkörpern

will.“ Gespeist durch

den krassen Gegensatz

zwischen bewegtem Touralltag und lähmender Pandemie

hat er neue Songs zum Teil basierend auf Notizen aus

der Anfangszeit seiner Karriere so kombiniert, dass sie

Antworten geben. Eine Standortbestimmung sind und

optimistischer Wegpunkt auf dem Weg in die Zukunft. *ck

www.georgeezra.com

FOTOS: SONY MUSIC

Play Well,

Sleep Well

Mitten im Herzen von Frankfurt,

komplett renoviert und nur 50 m

vom Festplatz entfernt liegt das

Westin Grand Frankfurt!

Ob auf dem Paradewagen

oder im Heavenly Bed -

“Simply the Best” for you!

Mehr auf

staygayatwestin.com

The Westin Grand Frankfurt

Konrad-Adenauer-Str. 7, 60313 Frankfurt

westingrandfrankfurt.com


film

INTERVIEW

TILDA SWINTON

„ … die Magie des Kinos“

FOTOS: KICK THE MACHINE FILMS, BURNING, ANNA SANDERS FILMS, MATCH FACTORY PRODUCTIONS, ZDF/ARTE AND PIANO

Aufs Internat ging sie gemeinsam

mit Lady Di, in den Achtzigern

stand sie für filmische

Experimente von Künstlern wie

Derek Jarman oder Christoph Schlingensief

vor der Kamera und spätestens mit

dem Oscar für „Michael Clayton“ kam auch

der Mainstream-Erfolg dazu. Doch damit

sind Leben und Karriere von Tilda Swinton

noch lange nicht hinlänglich umrissen,

schließlich lag die 61-jährige Britin auch

schon in Glaskästen schlafend im Museum,

trat in Videos von David Bowie auf

oder gründete eigene kleine Filmfestivals.

Ganz zu schweigen davon, dass sie als

Schauspielerin immer wieder in den spannendsten

Filmen auftritt, von „The Beach“

und „Burn After Reading“ über „We Need

to Talk About Kevin“ und „Only Lovers Left

Alive“ bis hin zu „Snowpiercer“ und „The

Grand Budapest Hotel“. Vergangenes Jahr

war sie in Pedro Almodóvars „The Human

Voice“ (zu sehen bei Prime Video) und „The

French Dispatch“ von Wes Anderson (verfügbar

bei Disney+) zu sehen, nun meldet

sie sich mit „Memoria“ auf der Leinwand

zurück. Der Film des schwulen Regisseurs

Apichatpong Weerasethakul läuft ab dem

5.5. im Kino und ab dem 5.8. exklusiv bei

MUBI.

Ms. Swinton, der Regisseur Apichatpong

Weerasethakul hat bislang nur Filme in

seiner thailändischen Heimat gedreht.

„Memoria“ ist nun seine erste Zusammenarbeit

mit westlichen Schauspieler*innen

wie Ihnen. Wie leicht fiel es Ihnen, Teil seiner

künstlerischen Welt zu werden?

Interessantes Bild, das Sie da zeichnen, aber

darin erkenne ich mich nicht wieder. Was

schon mal damit anfängt, dass ich mich

selbst nicht in erster Linie als „westliche

Schriftstellerin“ fühle. Aber Joe, wie er ja

von Freund*en genannt wird, und seine

künstlerische Welt fühlen sich für mich

auch nicht fremd an. Ich fühlte mich ihm

schon verbunden, als ich vor vielen Jahren

erstmals seine Arbeit sah; später wurden wir

Freunde und fingen schließlich an, zusammenzuarbeiten.

Denn schon vor „Memoria“

haben wir bei verschiedenen Kunstwerken

kollaboriert. Jedenfalls fühlt es sich an, als

seien wir Brüder im Geiste, wir haben das

gleiche Empfinden für Kunst und teilen die

gleiche Kultur, nämlich die des Kinos.

Wie lange sind Sie beide denn schon

befreundet?

Unsere Wege kreuzten sich das erste Mal

2004, da saß ich in Cannes in der Jury

und er zeigte dort seinen Film „Tropical

Malady“. Ich bewunderte seine Arbeit sehr,

und zwischen uns entstand eine E-Mail-

Freundschaft. Irgendwann kuratierten wir

gemeinsam ein Festival und kollaborierten

bei einer Veranstaltung in Doha, und immer

wieder sprachen wir über Ideen, aus denen

letztlich „Memoria“ erwuchs. Ich kam also

nicht als Außenseiterin zu diesem Projekt,

sondern wir haben es von Anfang an

gemeinsam entwickelt. Diese enge, familiäre

künstlerische Zusammenarbeit erinnert

mich immer wieder an meine früheren

Arbeiten mit meinem guten Freund Derek

Jarman. Zu schade, dass er und Joe sich

nicht kennen lernen konnten. Die Filme der

beiden sind höchst unterschiedlich, keine

Frage. Aber in ihrer Annäherung an ihre

Kunst und ihrem Feinsinn sind sich beide

wirklich ähnlich.

Mit Jarman begannen Sie Ihre

Karriere, bis zu seinem AIDS-Tod

1994 arbeiteten Sie immer wieder

zusammen. Suchen Sie seither immer

wieder nach ähnlich engen künstlerischen

Beziehungen?

Die neun Jahre mit Derek haben mich

enorm geprägt und verwöhnt; eine bessere

Ausbildung hätte ich in Sachen Film nicht

genießen können. Als er dann starb, dachte

ich zunächst, das sei es jetzt gewesen. Ich

war mir sicher, dass die Sache mit dem

Kino und mir ohne ihn vorbei sei, obwohl ich

zweimal auch mit anderen Regisseur*innen

gedreht hatte, mit Peter Wollen bei „A

Friendship’s Death“ und mit Sally Potter bei

„Orlando“. Und selbst als sich dann doch

Optionen mit neuen Filmmacher*innen

ergaben, konnte ich mir nicht vorstellen,

nochmal dieses intensive, familiäre

Arbeitserlebnis wie mit Derek zu erfahren.

Aber ich irrte mich. Im Laufe der Jahre fand

ich meinen Weg in andere Filmfamilien, in

die von Wes Anderson oder Jim Jarmusch,

Joanna Hogg oder Bong Joon-ho. Auch mit

Joe werde ich weiterhin zusammenarbeiten.

Dass ich mehr als einmal solche kreativen


Wahlverwandtschaften erleben durfte,

ist mein großes Glück. Denn wenn ich

nicht immer wieder in solchen Kontexten

arbeiten könnte, hätte ich diesen Beruf

vermutlich längst an den Nagel gehängt.

Wie schnell fühlen Sie sich denn

bei solchen künstlerischen

Mitstreiter*innen wirklich zu

Hause?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich,

wie mit allen Freundschaften, aber mit

der Zeit hat man schnell ein Gespür dafür,

mit wem man gut harmoniert und mit

wem nicht. In manchen Fällen kenne ich

die Leute ewig, mit denen ich drehe, etwa

Joanna Hogg, mit der ich befreundet bin.

Joe und ich kennen uns, wie gesagt, auch

schon 17 Jahre, Luca Guadagnino sind

seit über 20 Jahren Weggefährten. Aber

dann gibt es auch Fälle wie Pedro Almodóvar.

Als der mich vor drei Jahren anrief,

um einen Kurzfilm zu drehen, kannten

wir uns eigentlich kaum, aber weil ich so

vertraut war mit seinem Werk, spürte ich

trotzdem eine enge Verbindung zu ihm.

Gerade habe ich mit Julio Torres einen

Film gedreht, der zum ersten Mal überhaupt

Regie geführt hat. Doch auch ihn

kannte ich zumindest als Comedy-Autor.

So ein Minimum an Bezug zu jemandem

muss ich schon haben, um mich darauf

einzulassen.

Lieben Sie denn alle Ihre Filmfamilien

gleichermaßen?

Ja, und ich habe Angst vor dem Tag,

an dem das für mich zum Problem

wird. Denn was mache ich,

wenn Joe und Bong und

Joanna alle gleichzeitig

mit mir drehen wollen?

Mich zwischen ihnen

entscheiden zu

müssen wäre mein

Albtraum. Bislang ging

das immer glatt, und wir

zeitlich immer alles so

geregelt bekommen, dass

ich in Ruhe von Haus zu Haus

wandern konnte, um es mal so

auszudrücken. Die Organisation meines

Kalenders ist in meinem Alltag wirklich

die größte Herausforderung von allen.

Denn natürlich hat man das Timing

nicht immer im Griff. Ich vergleiche

solche künstlerischen Kollaborationen

immer mit der Arbeit eines Gärtners.

Man pflanzt hier ein paar Rosen, dort

ein paar Tulpen und auch noch einige

Drillingsblumen – und dann wartet

man. Aus mancher Blumenzwiebel wird

nie etwas, andere Pflanzen brauchen

– so wie zum Beispiel Guadagninos

„Suspiria“-Projekt – 25 Jahre. Und

mitunter geht es auch mal viel schneller

als erwartet.

Um noch einmal auf „Memoria“

zurückzukehren: sind Sie denn

letztlich dafür verantwortlich,

dass Weerasethakul nun erstmals

außerhalb von Thailand gedreht

hat?

Ich hatte zumindest von Anfang an

gesagt, dass ich mir nicht wirklich

vorstellen kann, wie ich auf stimmige

Weise Teil seiner thailändischen Szenerie

werden könnte. Und auch Joe hatte kein

Interesse daran, mich als Fremdkörper

in dieser Welt zu inszenieren. Er wollte

nicht, dass ich „die Andere“ bin, sondern

dass wir auf Augenhöhe miteinander

arbeiten. So entstand die Idee, dass wir

irgendwo drehen, wo wir beide fremd

sind. Und so landeten wir letztlich in

Kolumbien.

Steckt in der Figur, die Sie nun

verkörpern, eigentlich auch etwas

von Ihnen? Oder denken Sie nicht

in solchen Kategorien über Ihre

Rollen nach?

Es gibt zumindest Elemente, die ich konkret

mit eingebracht habe. Die Schlaflosigkeit

dieser Frau habe ich, genau wie

übrigens auch Joe, schon selbst erlebt.

Ich weiß, in welchen seltsamen Zustand

man gerät, wenn man zwei Wochen lang

eigentlich nicht schläft. Das fühlt sich

fast an wie eine Art Drogentrip. Bei mir

war das damals eine Nebenerscheinung

von Trauer, eine Reaktion auf den Tod

meiner Eltern. Deswegen verarbeitet nun

auch die Figur in „Memoria“ einen Verlust

und ringt mit diesem Gefühl

der Entwurzelung. Diese

Trauer-Erfahrung als

Schwebezustand

hat mich selbst

sehr geprägt. Ich

weiß noch, wie

meine Mutter im

Sterben lag und

Luca Guadagnino

mit mir „A Bigger

Splash“ drehen wollte.

Eigentlich wollte ich in

dem Jahr keinen Film machen,

aber er konnte mich überreden, weil ich

Lust darauf hatte, Zeit mit ihm und dem

Team zu verbringen. Meine Bedingung

war nur, dass ich still sein kann, denn

damals konnte ich nicht sprechen und

wollte nichts sagen. Also verwandelten

wir die Rolle von einer Schauspielerin

in eine Rocksängerin nach einer

Stimmbandoperation.

*Interview: Patrick Heidmann

Im vollständigen Interview auf

männer.media erklärt Tilda Swinton,

warum sie das Kino für so gar nicht

tot hält. Trotz Netflix.

film

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VOM LEBEN VON

Céline Dion

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film

INTERVIEW

Marcus Günther: „… diese fürchterliche Machtlosigkeit“

Der in Düsseldorf beheimatete Künstler

Marcus Günther veröffentlichte

gerade einen Animationsfilm auf YouTube.

Worum geht es in „Vor nicht allzu

langer Zeit“?

Um den Mythos meiner selbst, also mein

eigener Schöpfungsmythos. Es ist meine

frühkindliche Vorstellung, wie ich auf die

Welt komme und die Welt um mich herum

wahrnehme. Ein Märchen, erstunken und

erlogen! (lacht) Es ist das allererste Mal, dass

ich mich mit Animation beschäftige.

Wie lange dauerte das?

Ich war fast zweieinhalb Monate – angefangen

von der Idee, basierend auf meinen

Linolschnitten – damit beschäftigt. Als

blutiger Anfänger musste ich immer wieder

Überlegungen und Versuche durchführen,

wie etwa dieses Reittier frontal oder

rückseitig aussieht, wie es sich bewegt und

welche Mimik es besitzt. Kommen meine

Traumlandschaften auch als Animationssequenz

rüber? All solche Dinge, eine

unglaublich aufwendige Arbeit.

Wirst du noch mehr in dieser Kunstform

machen?

Ich denke ja, weil es einfach ein neues

Feld ist, das es zu beackern gilt und mich

neugierig auf weitere Behauptungen dieser

Art macht.

Beeinflusst dich der Krieg in Europa?

Jeder Krieg auf der Welt ist verabscheuungswürdig.

Eine schreckliche Situation, diese

fürchterliche Machtlosigkeit, der man ausgesetzt

ist, weil man sie nicht unmittelbar

ändern kann. Aber auf lange Sicht gesehen

liegt es eben an uns allen, etwas zu ändern,

damit die Welt ein besserer Ort wird, wo wir

alle in Frieden und Freiheit leben können.

Was ist das große Thema deiner

Kunst?

Seitdem ich künstlerische Behauptungen

aufstelle, fließen weltpolitische Themen

in meine Arbeiten ein. Ich trenne das

nicht von meiner Kunst, da mich alles,

das mich umgibt, auch beeinflusst. Die

Auseinandersetzung mit dem Menschen in

seiner Umwelt steht dabei im Vordergrund.

Es gibt diabolische, tragikomische, aber auch

poetische Momente, die sich in meinen

Welten abspielen. Ich versuche das mal auf

humorvolle Weise, mal mit bitterbösem

Unterton zu konstruieren, fiktive Galaxien

einer fernen Vergangenheit oder Zukunft.

*Interview: Michael Rädel

www.marcusguenther-art.com

AVANTGARDE

2.500 Euro Filmförderung

Jedes Jahr schreibt QueerScope eine

Förderung für queere Kurzfilmprojekte

aus, die mit bis zu 2.500 Euro gefördert

werden können. Die Förderung wird in

Form eines Preisgeldes ausgezahlt, das für

Drehbuchentwicklung, Herstellung oder

Postproduktion genutzt werden kann. Die

Ausschreibung beginnt am 1.4.2022 und

endet am 15.6.2022, die Gewinner*innen

werden am 11.7.2022 bekannt gegeben.

Gefördert werden innovative queere

Kurzfilmprojekte mit einer Vorführdauer von

bis zu dreißig Minuten, die für die öffentliche

Vorführung im Kino oder auf Filmfestivals

bestimmt und geeignet sind, Kurzfilme mit

seriellem Charakter, Videoinstallationen,

Kurzfilme mit werbendem Charakter

(Imagefilme) oder immersive Formate sind

nicht förderfähig.

Von der Förderung

ausgeschlossen sind

Filmvorhaben, die

verfassungsfeindliche

oder gesetzwidrige

Inhalte enthalten, einen

pornografischen oder

gewaltverherrlichenden

Schwerpunkt haben oder

offenkundig religiöse

Gefühle tiefgreifend und

unangemessen verletzen.

QueerScope – Verband der unabhängigen

queeren Filmfestivals in Deutschland e. V.

ist eine Kooperation von 19 unabhängigen,

queeren Filmfestivals in Deutschland und

zwei Schweizer Festivals. Jedes Jahr erreichen

diese über 30.000 Besucher*innen

und vergeben zahlreiche Preise an

Kurzfilme, Langfilme und Debütfilme.

Gemeinsam verleihen die Festivals den

QueerScope-Debütfilmpreis.

queerscope.de

FOTO: M. RÄDEL


www.männer.media

immer aktuell

informiert


FILM

DVD

Letztes Jahr lief die äußerst spannende

Geschichte einer Band aus

Norwegen, die mit zu Klassikern gewordenen

Hits wie „The Sun Always Shines

on T.V.“, „Move to Memphis“, „Foot of the

Mountain“ und natürlich „Take On Me“ in

den internationalen Charts abräumte, mit

vielen Interviews, reich und schön retro

bebildert neu erzählt. Und jetzt gibt es

„a-ha – The Movie“ von Thomas Robsahm

und Aslaug Holm auf DVD und Blu-Ray.

„Es geht darum, gemeinsam große,

unrealistische Träume zu haben, wenn man

jung ist, und wenn die Träume dann wahr

werden, fangen auch die Probleme an. Der

Film erzählt die Geschichte, wie die Band

erfolgreich wurde und wie sie damit umgegangen

ist“, so Regisseur Thomas Robsahm

über den Film.

Drei Freunde, die eine Band gründen,

WÜRDIGUNG EINES

POP-PHÄNOMENS

das kann zu Spannungen führen. Als

„Hornissennest“ bezeichnete etwa Magne

Furuholmen den Vorgang, wenn das Trio

an neuer Musik arbeiten würde. Er wolle

nichts Neues mehr aufnehmen: „Am Ende

schlagen wir uns nur die Köpfe ein“. a-ha –

das waren/sind Pål Waaktaar-Savoy (Gitarre,

Chor), Magne Furuholmen (Keyboard, Chor)

und Sänger Morten Harket –, drei Musiker,

die 1982 eine Band gründeten, schon 1983

einen Plattenvertrag hatten – und den

Druck, einen Hit zu landen. Das schafften

sie dann kurz darauf mit „Take On Me“. Ab

1985 waren a-ha plötzlich Teenager-Idole

und Poster-Boys und sangen erfolgreich

für einen James-Bond-Streifen die Hymne

(„The Living Daylights“ 1987 für „James

Bond 007 – Der Hauch des Todes“). Die drei

Musiker landeten mit Singles wie „Crying

in the Rain“ und „Touchy!“ Hit auf Hit. Doch

Mitte der Neunziger wollten Magne, Pål

und Morten erst mal nicht mehr: zu groß

der Druck, der Stress, der Terz innerhalb der

Band ... Erst 2000 standen sie wieder an der

Spitze der norwegischen Charts, „Summer

Moved On“ läutete das Comeback ein, mit

„Forever Not Yours“ und „Celice“ schafften

sie bis zur immer noch andauernden –

immer mal wieder unterbrochenen – Pause

weitere Nummer-eins-Hits in Europa.

a-ha sind seit Mitte der 1980er vor allem

in Europa und UK in den Charts und

ein Phänomen – dieser Film erzählt ihre

Geschichte. *rä

www.salzgeber.de

FOTOS: SALZGEBER

VERLOSUNG

Dame Judi Dench – „Belfast“

Die Familie des neunjährigen Buddy lebt in einem überwiegend protestantischen Stadtteil

mit wenigen katholischen Bewohnern, als ihr Leben eines Tages durch die ausbrechenden

Turbulenzen auf den Kopf gestellt wird. Buddys Familie muss sich plötzlich entscheiden, ob

sie den einzigen Ort verlassen will, den sie jemals als ihr Zuhause betrachtet hat. Die leidenschaftlichen

Eltern des Jungen (Caitríona Balfe und Jamie Dornan) und seine schlagfertigen

Großeltern (Oscar-Gewinnerin Judi Dench und Ciarán Hinds) sorgen mit Musik und der Magie

von Filmen dafür, dass die Lebensfreude trotz allem nicht versiegt. Wir verlosen den Film!

www.männer.media/gewinne


„Ich bin

Mutter,

Rollerfahrerin,

Spirituell und

Weltenbummlerin.“

Sarah

# HIVersity

Weil ich mehr bin als

nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-210002; 07/2021


Kunst

EROTIK

Heimliche erotische FANTASIEN

Bild: Rinaldo Hopf „Surprise“ 2022

Jeder hat sie. Manch einer

denkt an den großbrustwarzigen

Tennislehrer, der andere an

Prager Burschen, der nächste an den

rothaarigen Bartmacho, der so herrlich

unfreundlich war an der Tanke,

andere ergötzen sich an beschwipsten

Punks ... Erotische Fantasien sind

so unterschiedlich wie die Menschen

selbst. Rinaldo Hopf plant ein

Kunstprojekt dazu. Und du kannst

mitmachen!

Was wäre unser aller Leben ohne die

heimlichen Gedanken erotischer Natur?

Das tabulose Träumen in aller Heimlichkeit.

Auch in den besten Beziehungen darf dafür

Raum sein, auch hier gilt: Erlaubt ist, was

niemandem schadet. Und man muss sie ja

auch nicht verraten, außer man plant, sie in

die Tat umzusetzen. Wer deine Fantasien

aber auf jeden Fall gerne erfahren und zu

Kunst verarbeiten will, ist der Wahl-Berliner

Künstler Rinaldo Hopf, der sich via E-Mail an

uns gewandt hat.

„Für ein Kunstprojekt, das im September an

mehreren Orten in Berlin ausgestellt wird (u.

a. The Ballery), suche ich Teilnehmer, die mir

einen kurzen Text (oder auch ein Gedicht

etc.) zu einer heimlichen erotischen Fantasie

schicken – ich werde diese Fantasien dann in

Bilder umsetzen“, so der international erfolgreiche

und wirkende Kurator, Verleger („Mein

schwules Auge“) und Maler. Wer mitmachen

will, kann sich bei Rinaldo Hopf melden. *rä

www.rinaldohopf.com

ERINNERUNG

Bob Mizer, Vorkämpfer mit

der Kamera

Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 30. Mal, sein Geburtstag

im März gar zum 100. Mal. Doch auf seine Kunst müssen

wir nicht verzichten: Bobs wegweisendes Magazin „Physique

Pictorial“ ist wieder zu haben – neu aufgelegt.

Bob Mizer (27. März 1922 – 12. Mai 1992) gründete 1945 seine

Fotoagentur „Athletic Model Guild“, 1951 erschien erstmals die

Zeitschrift „Physique Pictorial“. Der Fotograf erlangte mit seinen

homoerotischen Fotos und Filmen den Status einer Legende.

Mizers schwule und später auch explizite Bilder sind Bestandteil

der Sammlungen des Museum of Modern Art in New York und

des Museum of Contemporary Art in Los Angeles. Auch der

Kölner TASCHEN Verlag hat seine Kunst im Angebot. Es scheint,

als ob die Kunstwelt seine Fotografien zu schätzen gelernt hat.

Dabei zeigte Bob Mizer seit den 1940ern pure Homoerotik:

nackte Hintern, ausgebeulte Badehosen (später auch Glieder im

Sonnenlicht), Brusthaar, sich miteinander vergnügende Machos,

freche Jungs und kernige Kerle in derben und auch sexuellen

Posen. Das kann (leider) immer noch provozieren – und auf

verschiedene Weisen erregen. *rä

www.bobmizer.org, www.instagram.com/bobmizer,

www.facebook.com/BobMizerFoundation


In jeder

Stadt

zu Hause

Übernachten bei queeren

Gastgebern in über 70 Ländern!

29 €

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PRO NACHT

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/ SHAPECHARGE

Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


kunst

AUSSTELLUNG

DENI

HORVATIĆ:

Der Mensch

mal anders

Das kann auch mal erotisch sein! Vor allem aber ungewöhnlich,

denn wann sieht man schon einen Badenden aus der

Badewannenbodenperspektive?

Vom 3. Juni bis zum 16. Juli stellt der in Kroatien geborene

Künstler seine Kunst bei nüüd.berlin in Berlins Mitte aus.

Er lässt uns die Abgebildeten intim und nah erfahren, doch

eines gönnt er uns nicht: deren Gesicht. Ein wunderbarer und

kunstvoller Kontrapunkt zu den vielen, vielen Porträtaufnahmen,

die vor allem seit dem Siegeszug von Social Media die

Welt fluten. „Mich erinnern die lebensgroßen Fotografien, die

auch etwas Fetischmäßiges haben, an eine moderne Interpretation

alter holländischer Meister, das Bild LOCKER ROOM

ist ein modernes Stillleben, wenn man nicht genau hinschaut,

könnte es auch ein durcheinandergewirbeltes Wildbret mit

Tulpe sein. Die nackten Füße oder das Selbstporträt scheinen

eine Wiederbelebung der großen Renaissancemaler wie Caravaggio

oder Michelangelo zu sein“, so Galerist Henner Merle

über die Ausstellung. Ungewöhnliche Bilder, großes Können

eines noch jungen Künstlers, sicherlich einer der Höhepunkte

des Galerie-Sommers. *rä

3.6. – 16.7., Deni Horvatić „SCAN“, nüüd.berlin,

Kronenstr. 18, Berlin, www.nüüd.berlin


FOTOGRAFIE

Sinnlich und süß,

kernig und sexy

Regenbogen-Fabelwesen,

die für Unschuld, Magie, das

Gute und seit einigen Jahren

ebenfalls für das Queere

stehen, bereichern auch

unsere Kultur.

Wunderbar, dass ein

Feen-Regenbogen-

Pferdchen auch in dem

Bildband „MÄNNER 2“

von Anja Müller auftaucht.

Hier versammelt die

Künstlerin über siebzig

Männer zwischen zwanzig und

achtzig Jahren. Ganz im Sinne des von uns geförderten

Body-Positivity-Gedankens kommen viele Arten Mann

und Körper vor. Ein ungewöhnliches und mitunter auch

erotisches Buch, das einen kunstvollen Blick auf Männer in

vielen Facetten zulässt. Besonders sinnlich sind die Bilder

der sich (nicht nur) kuschelnden Paare … *rä

www.elite-contacts.com

Berlin-Hamburg-Köln-Düsseldorf-

Frankfurt-Stuttgart-München-Wien

Klaus & Peter

Traumhochzeit 2022

Johannes & Maik

glücklick verheiratet

Maximilian & David

anderthalb Jahre verlobt

Markus & Dennis

sind „endlich angekommen“

Philipp Schwarzenberg

Partnervermittler in 2.

Generation

Jonas & Kai

2 Jahre zusammen

Anja Müller „MÄNNER 2“, 208 Seiten,

Format: 27 x 20 cm, gebunden, Fadenheftung und

Schutzumschlag, Preis: 29,90 Euro,

ISBN 978-3-88769-307-7, www.konkursbuch.de,

anja-mueller-fotografie.de

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Ihr Glück ist unser Ziel!

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Inh. Philipp Schwarzenberg

Email: mail@elite-contacts.com


BUCH

KULT

„Flash Gordon –

Der Untergang von Ming“

Ab 1934 begeisterte Zeichner und Autor

Alex Raymond (2.10.1909 – 6.9.1956)

mit seinen Comics über den Superhelden

weltweit eine große und bis heute wachsende

Fan-Gemeinschaft.

Schon in den 1930ern gab es fürs Kino

produzierte Kurzfilme (Serials), 1980

wurde der Superheld dann sogar ganz

pompös für die Kinoleinwand inszeniert,

den Soundtrack dazu stellten die queeren

Rock-Popper von Queen. Mit „Flash

Gordon – Der Untergang von Ming“

erschien unlängst eine weitere aufwendige

und hochwertige Comicsammlung (die

Originale waren in Zeitungen zu finden)

als gebundenes Buch. Der muskulöse

Aalglatte mit blonder Tolle setzt sich hier

einmal mehr für das Gute ein – und rettet

seine Mitstreiter*innen auch vor gefährlichen

Monstern. Zusammen mit seiner

Gefährtin Dale Arden und dem genialen

Wissenschaftler Dr. Zarkov macht sich der

Starke auf, um gegen Ming, den Unbarmherzigen,

zu kämpfen. Einmal mehr kehrt

das Trio zurück auf den Planeten Mongo …

Die hier versammelten Comics erschienen

erstmals von Januar 1941 bis August

1944 und waren die letzten, die Erfinder

Alex Raymond selbst zeichnete, bevor

er an seinen Kollegen Austin Briggs

übergab. Dessen Einstand, die ersten 15

Sonntagsseiten, erscheinen in diesem

Band als Bonus. Beim Lesen wird schnell

klar, wie groß der Einfluss dieser kultigen

Science-Fiction auf spätere Erzählwelten

wie „Dune“, „Masters of the Universe“,

„Captain Future“ und „Star Wars“ ist. Große

Kunst und ein tolles, auch heute noch

spannendes Zeitzeugnis. *rä

www.hannibal-verlag.de

FOTOGRAFIE

Die demokratische Kunst?!

Ist Fotografie immer Kunst? Dieses knackige Buch

voller Wissen für alle beschäftigt sich auch mit diesem

Gedanken.

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM_POIKE

Als in den 1820er-Jahren die Fotografie von Joseph

Nicéphore Niépce erfunden wurde – nach seinem Tod

setzte in den 1830ern Louis-Jacques-Mandé Daguerre

seine Arbeit fort –, war an Phänomene wie Instagram

oder Facebook noch nicht zu denken. Trotzdem war

schnell klar, dass mit der Kamera scheinbar jeder zum

Künstler werden kann. Heute weiß man es besser:

Fehlen die Idee und das Auge für den richtigen

Moment und Ausschnitt, helfen auch keine tausend Filter, es bleibt ein

Schnappschuss. Immerhin ein Zeitzeugnis, ein Tatsachendokument.

Das gerade im MIDAS Verlag erschienene Buch „Fotografie“ von David

Bate aus der Reihe „Art Essentials“ nimmt uns mit auf eine Reise zu den

Anfängen bis zum Heute. Auf über 170 Seiten werden Kunstströmungen

wie „Die Neue Sachlichkeit“, Konzeptkunst oder auch Piktorialismus

behandelt und Künstler*innen wie Nan Goldin werden gut verständlich und

informativ dargestellt. *rä

www.artessentials.de


BUCH

CINEMA

Mythos Hollywood

in der Kunst

Die Oscars mit ihrem

Glamour, die Stadt mit

ihren Stars und Skandalen, vor

allem aber die Filmkunst, die hier

erschaffen wird und weltweit

beflügelt. Der TASCHEN Verlag

in Köln und die Helmut Newton

Stiftung in Berlin widmen sich

dieses Jahr der Legende, die auch

schon Weltstars wie Amanda Lear

und Madonna inspirierte.

Am 2. Juni eröffnet die Ausstellung

der Helmut Newton Stiftung

„HOLLYWOOD“ mit einer Vernissage,

die Ausstellung ist bis zum 20.

November geöffnet. Gezeigt werden

Stars wie Liz Taylor, Judy Garland und

Marianne Faithfull, aber auch Kunst von

Künstler*innen wie Jens Liebchen, Eve

Arnold, Annie Leibovitz und natürlich

Helmut Newton.

Schon früher konnte man in Buchform

den Mythos ergründen, Jürgen Müller

präsentiert die Filme der Jahre 2011

– 2020. Mit dabei in dem Bildband „100

Filme der 2010er“ (19,6 x 25,5 cm, 2,77

kg, 880 Seiten) sind schwule Klassiker

wie „Moonlight“ und „Bohemian Rhapsody“

sowie Stars wie George MacKay

und Timothée Chalamet. *rä

www.helmutnewton.com,

www.taschen.com


BUCH

Wege zum Glück und Tipps, Trauer zu

überwinden. Zwei neue Bücher machen

Mut und geben Kraft an schweren Tagen.

Krieg in Europa, Jahre der Pandemie, der

Verlust geliebter Menschen oder Freunde,

Sorgen um den Arbeitsplatz. Viele Faktoren

können dazu führen, dass man sich

wie gelähmt vor Trauer, unglücklich und

einsam fühlt. Gerade erschienen sind zwei

Bücher, die sich zum einen mit der Trauer,

zum anderen mit den Wegen zum Glück

beschäftigen.

PSYCHOLOGIE

Das Glück, die Trauer und

die Lebensfreude

„endlich. Über Trauer reden“ von

Caroline Kraft und Susann Brückner,

den Macherinnen des gleichnamigen

erfolgreichen Podcasts, erscheint am 14.

März bei Goldmann und liest sich anders

als andere Bücher zum Thema Tod. „Uns

geht es um das Erkennen der Trauer in all

ihren seltsamen Erscheinungsformen, um

Funktionierenmüssen und Kapitulation,

echten Trost, um die Körperlichkeit der

Trauer, um Rituale und Sex“, wird vorab

verraten. So ist der Ton dann auch nicht

allzu pietätvoll, kirchlich oder betulich,

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/PHOTOSCHMIDT

nein, es werden ehrliche Worte gewählt

und praktische Tipps gegeben, die das

Loslassen und Verarbeiten leichter

machen. Beide Autorinnen mussten dies

schon: Susann Brückner verlor ihren Vater

und ihren Bruder durch Suizid, Caroline

Kraft, ausgebildete Sterbebegleiterin,

musste über den Tod des Ex-Freundes

hinwegkommen. endlich.cc

Natalie Jeanne Zonnekeins Buch „Komm

mit, wir gehen glücklich werden“ bietet

auch Rat und Lebenshilfe, allerdings ganz

anders, nicht von der Trauer ausgehend,

es geht um das Streben nach Glück – und

das mit ganz praktischen Denkanstößen

und Tipps in poppiger Aufmachung.

Schriftlich verrät der Verlag über das Buch

der studierten Psychologin und Yoga- und

Meditationslehrerin via E-Mail: „Es ist in

der heutigen von Wandlungen und Krisen

gezeichneten Welt nicht immer leicht zu

erkennen, was das eigene Glücklich-Sein

nun eigentlich genau ausmacht. Oft wird

die Suche von der Frage begleitet, wie man

nachhaltig die notwendigen Grundlagen

für das eigene Glück erschaffen kann.

Dieses Buch lädt ein, sich auf eine Reise

zum eigenen Glück zu begeben und das

eigene Glücks-Vermögen zu stärken.“

Natalie Jeanne Zonnekein betreibt ein

Meditationszentrum auf Korfu und

gibt dort und gibt Workshops und die

Möglichkeit zu spirituellen Ruhepausen in

der Natur. *rä

manto-corfu.com

KINDER

Zwei Regenbogenfamilien,

viel Hetze und ein Skandal

Kinder können glücklich in Regenbogenfamilien

aufwachsen oder bei Alleinerziehenden. Oder eben

bei heterosexuellen Paaren. Warum aber sorgt ein kindgerechtes

Buch über diese Möglichkeiten für einen Skandal?

FOTOS: LAWRENCE SCHIMEL, NORMUNDS BRASLIŅŠ

Nun, weil „Miscoda család!“ von Lawrence

Schimel und Elīna Brasliņa in Ungarn

erschienen ist, einem Land, dessen aktuelle

Regierung sich anscheinend auf einem

Kreuzzug gegen queere Lebenswelten

befindet. Irgendein Feindbild muss ja

sein, um von den eigentlichen Problemen

abzulenken. Hier war es der Umstand, dass

das Buch in zwei Geschichten einmal von

einem Mädchen mit zwei Vätern erzählt,

einmal von einem Jungen mit zwei Müttern.

Im Fokus steht übrigens nicht die homosexuelle

Liebe der Erziehenden, sondern zum

Beispiel die hellwache Katze Rosa und der

Familienhund, der den Teddy klaut …

Durch eine Crowdfundingaktion des

Projekt 100% MENSCH Verlages kann

dieses lustige gereimte Kinderbuch mit

dem Titel „Hundemüde & Hellwach“ nun

zweisprachig in Deutschland erscheinen,

auf Deutsch und auf Polnisch. „Für jedes

in Deutschland verkaufte Exemplar geht

eine polnische Version an die queere

Menschenrechtsorganisation Equality

Factory (Fabryka Równości) in Stuttgarts

polnischer Partnerstadt Łódź“, wird via

E-Mail vom in Stuttgart sitzenden Projekt

100% MENSCH verraten. *rä

www.100mensch.de


BILDBAND

Die Stadt des

Heiligen Franziskus

BUCH

Die legendäre Golden Gate Bridge,

Hippies, sichtbar schwules Leben

schon ab den späten 1960ern, pittoreske

viktorianische Häuser und eine malerische

Lage am Pazifik: San Francisco verzaubert

schon seit Generationen – und wurde

(deswegen) auch schon in vielen Liedern

besungen.

„San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in

Your Hair)“ von Scott McKenzie ist so eine

Hymne. Oder „Fake Tales of San Francisco“

der Arctic Monkeys, „San Francisco (You’ve

Got Me)“ der Village People und „I Left My

Heart in San Francisco“ von Tony Bennett.

Auch in der Kunstwelt wurde die Stadt, die

Franz von Assisi (um 1180 – 1226) gewidmet

ist, unzählige Male inszeniert – und

ist jetzt gern genutzter Hintergrund bei

schnöden Selfies.

Wie es besser geht, zeigt das Buch „San

Francisco. Porträt einer Stadt“ von Autor

Richie Unterberger und Herausgeber Reuel

Golden, das beim TASCHEN Verlag erschienen

ist. Es macht mit Fotografien unter

anderem von Steve Schapiro, Minor White,

Daniel Nicoletta „Enchantra at the Castro Street Fair“ 1976

Dorothea Lange, Albert Watson, Robert

Frank, Garry Winogrand, Fred Herzog und

Ansel Adams die spannende und bewegte

Geschichte der im 18. Jahrhundert gegründeten

und Mitte des 19. Jahrhunderts

auch durch den kalifornischen Goldrausch

erblühten Stadt erfahrbar. *rä

„San Francisco. Porträt einer Stadt“,

www.taschen.com

WELCOME TO THE

ONESUITS CLUB

WWW.ONESUITSCLUB.DE

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mode

bademode

hingucker am

strand

Bunt und von den 1990ern geküsst, so

präsentiert sich die hier vorgestellte

Swimwear von der Urlaubsinsel Gran

Canaria. Ein Sehnsuchtsort für viele, der

nicht nur für Feierfreuden steht, sondern

auch für Strand und Meer.

Und wie man sich da am besten kleidet,

siehst du hier bei den aktuellen Kollektionen

der beiden auf der Insel beheimateten

Modelabels Palmas und Chela Clo. 2022 kam

die „Gran Canaria Swimwear Fashion Week“

zur Fashion Week nach Berlin. Dazu verrät

Christiane Arp, die Vorsitzende des Fashion

Council Deutschland: „Grenzen überschreitende

Zusammenarbeit ist in der Modewelt von heute

von großer Bedeutung. Kooperationen auf

kreativer Ebene, aber auch in der Produktion,

sind überlebenswichtig für lokale Talente und

Hersteller im globalen Wettbewerb. Diese zu

fördern ist eines der wichtigsten Anliegen des

Fashion Council Germany. Die Partnerschaft mit

der Gran Canaria Swimwear Fashion Week, der

einzigen professionellen Runwayshow für Swimwear

in Europa, ist ein wichtiges Signal und ein Schritt in

die Zukunft, um den Austausch zwischen deutschen

und internationalen Designern zu unterstützen.“ *rä

www.chelaclo.com, www.palmaswim.com


mode

TREND

ONESUITS CLUB

Jumpsuits für Männer werden

immer beliebter. Nicht nur bei

Hipstern hat sich dieser bequeme Trend

mittlerweile durchgesetzt.

Noch kein Outfit für den Sommer?

Onesuits Club hat die Lösung! Die

Marke hat den Jumpsuit für IHN

entworfen. Für mehr Freiheit und

Spaß auf Festivals, auf privaten

Feiern mit Freunden oder im

Urlaub, sorgt dieser bequeme

Ganzkörperanzug mit kurzen

Armen und Beinen. Jumpsuits

wurden ursprünglich als

Einsatzkleider für Fallschirmjäger

entworfen, mittlerweile kommen sie

bei normalen Fallschirmsportlern zum

Einsatz. Die Einteiler sind praktisch, da sie

einfach anzuziehen sind und bei starkem

Wind optimalen Sitz garantieren. Zudem

sind sie sehr angenehm zu tragen, da

beispielsweise kein Hosenbund drücken

oder zerren kann.

www.onesuitsclub.de


Reise

GAY CRUISE 2023

VON FRANKREICH NACH ITALIEN

Die Spartacus Cruise wird

auch 2023 wieder in See

stechen und hat nach der Ägäis

und den Kanaren ein neues,

vielseitiges Fahrgebiet. Im wunderschönen

Frühsommermonat Mai geht es

die französische und italienische Küste

entlang. Die französische Küstenstadt

Marseille ist Abfahrts- und Endpunkt der

sieben Nächte dauernde Kreuzfahrt mit

zwei Insel-Stopps. Von hier kann man

als Vor- oder Nachprogramm noch eine

Verlängerung mit Besuch der Côte d`Azur

planen. Außerdem ist Marseille sowohl

mit dem Flugzeug als auch mit der Bahn

hervorragend zu erreichen.

Die Route im Detail:

■ 13. Mai Marseille

■ 14. Mai See-Tag

■ 15. Mai Elba

■ 16. Mai Rom

■ 17. Mai Livorno (Florenz)

■ 18. Mai Villefranche-sur-Mer (Nizza)

■ 19. Mai Korsika

■ 20. Mai Marseille

Diese Route kombiniert kulturhistorisch

herausragende Städte wie Rom und

Florenz mit genug Zeit für Tagesausflüge.

Den Charme der französischen Lebensart

vermitteln die pittoresken Häfen von

Portoferraio (Elba) und Calvi (Korsika). Hier

locken Bergdörfer mit Wanderungen und

Strände zum Schnorcheln. 2023 gibt es

neben den touristisch geprägten Ausflügen

auch Führungen mit lokalen Guides, die

spezielle Kenntnisse über die Geschichte

und Lebensweise der schwulen Community

vor Ort vermitteln. Wer lieber an Bord

bleiben möchte, kann auch wunderbar auf

dem FKK-Deck relaxen.

UMWELTFREUNDLICHES

BOUTIQUE-SCHIFF

Als Schiff steht wieder die umweltfreundliche

Vasco da Gama mit ihrer überschaubaren

Gästezahl von unter 1.000 Reisenden

zur Verfügung. Das Schiff wurde mit einer

neuen Antriebsanlage ausgestattet, die

nicht mit Schweröl betrieben wird. Die

Vasco besticht durch ihre zwei Pools, von

denen der größere mit einem verschließbaren

Glasdach versehen ist und somit bei

jedem Wetter genutzt werden kann. Auch

gastronomisch spielt die Vasco da Gama

in der Oberliga. Sie verfügt über drei À-lacarte-Restaurants,

von denen das asiatisch

ausgelegte „Fusion“ mit besonderer Liebe

zum Detail überzeugt. Dazu gehören auch

stilechte japanische Tische auf Bodenhöhe.

Aber auch das Buffet-Restaurant

Pantry sticht konzeptionell hervor. Es

erinnert eher an einen Food-Court mit

unterschiedlichen kulinarischen Stationen.

Dieser konzeptionelle Ansatz findet sich

auch bei den zahlreichen Bars wieder und

erreicht seinen Höhepunkt in der rundum

verglasten Aussichtslounge The Dome.

ENTERTAINMENT

Neben dem bordeigenen Showprogramm

werden wieder zahlreiche Highlights für

Begeisterung sorgen. Für die Bars und

Lounges sind kleine abwechslungsreiche

Acts wie Karaoke, Lesungen und Quiz, aber

auch Aufführungen von Instrumentalkünstlern

und Akrobaten vorgesehen. Übrigens

kann sich jeder in das bunte Programm

einbringen, indem er sich am Contest zur

Dekoration der Kabinentüren beteiligt.

Höhepunkt werden die Pool Games mit

der Wahl des Mr. Cruise am See-Tag sein.


Medienpartner:

MÄNNER.

UND MEER.

DEINE GAY CRUISE

13. – 20. Mai 2023

Marseille – Elba – Rom – Livorno –

Nizza – Korsika – Marseille

FRÜHBUCHER-

RABATT

bis 31. August 2022

Die Kandidaten müssen hier verschiedene sportliche

Herausforderungen meistern und sich im Mehrkampf fast

jugendfreien Spielen unterziehen.

Auf vielfachen Wunsch unserer Gäste werden die beliebten

Themenparties ausgeweitet, bei denen die Gäste ihrer

Fantasie für Kostüme freien Lauf lassen können. Sie beginnen

mit dem Ablegen des Schiffes am dreigeschossigen

Heckpool, der mit einer aufwendigen Licht- und Soundtechnik

ausgestattet wird. Als Themen stehen White, Drag,

Uniform, Disco, Sports, Kinky und Rainbow fest. Sollte die

Wetterlage eine Heckparty nicht zulassen, steht der DOME

Club auf Deck 12 zur Verfügung. Musikalisch reicht die

Auswahl von Clubsounds über House bis zu Techno z. B.

durch unseren Resident DJ Chris Bekker. Um auch den

Bedürfnissen der Erholung gerecht zu werden, kann man

seine Kabine in der Party- oder Ruhezone auswählen.

Buchungen sind unter www.spartacus.cruises bis August

mit einem Frühbucherrabatt von 10 % möglich, so dass die

Preise für Vollpension schon bei 98 EUR pro Tag starten.

www.spartacus.cruises


Gesellschaft

INTERVIEW

HELMUT

METZNER:

„Diesem Anliegen

von Diversität, von

Vielfalt, wieder ein

Haus geben“

FOTO: CARO KADATZ

Zehn Jahre führte Jörg Litwinschuh-Barthel

als Gründungsvorstand

die Geschicke der einzigen

queeren Bundesstiftung. Die Suche

nach eine*m/einer*r Nachfolger*in

dauerte einige Zeit, Anfang April gab

das Kuratorium über den Kuratoriumsvorsitz

im Bundesjustizministerium

ihn bekannt. Helmut Metzner

ist der zweite geschäftsführende

Vorstand der Bundesstiftung Magnus

Hirschfeld. Wir sprachen telefonisch

mit ihm.

Erhoffst Du dir durch deine guten

Kontakte in die Politik auch mehr

Unterstützung aus dem Bundestag?

Erwartest Du persönlich von dort

mehr?

Es geht darum, die Finanzbasis für die

Arbeitsfähigkeit der Stiftung zu verbessern.

Dafür muss ein breiterer Blickwinkel eingenommen

werden. Ich freue mich, dass die

Koalition bei der Antidiskriminierungsarbeit

viel vor hat und die Architektur dieser auch

weiterentwickeln will wie zum Beispiel

mit dem Queerbeauftragten, mit einem

nationalen Aktionsplan oder im Projekt

„Mehr Demokratie“. Die Frage ist, wie sich

die Stiftung in dieser Landschaft positioniert

und was dabei ihren spezifischen Mehrwert

ausmacht. Ich bin guter Hoffnung, dass

das Bewusstsein dafür vorhanden ist,

dennoch dürfen uns nicht nur auf dieses

Feld verlassen und müssen breiter schauen.

Was können andere Ebenen leisten, welcher

Beitrag aus Mitteln der Europäischen Union

zum Beispiel ist möglich. Wir sollten auch den

privatwirtschaftlichen Sektor adressieren.

Welcher Hebel könnte dort wirken?

Bei dem, was die Stifter seinerzeit auch

motiviert hat, spielte der Gedanke einer

kollektiven Wiedergutmachung eine Rolle.

Einer Wiedergutmachung für das zerstörte

Lebenswerk von Magnus Hirschfeld. Von

politischer Seite haben wir dazu inzwischen

allerhand gesehen. In der Wirtschaft gibt es

zwar auch einiges im Bereich der Corporate

Responsibility, aber ich glaube, dass muss

noch stärker adressiert werden. Ich meine

übrigens, dass wir da auch am positiven

Vorbild von Magnus Hirschfeld anschließen

können. Hirschfeld hat ja – für seine Zeit

unglaublich innovativ – mit wirtschaftlichen

Playern zusammengearbeitet, um seine

Arbeit und seine Projekt wie das Institut für

Sexualwissenschaften, wirtschaftlich zu

betreiben.

„Entscheidend ist das

Programm, das dabei

raus kommt.“

Seit einigen Jahren ist pink Marketing

ein Megatrend. Kaum eine Marke, die

keine Pride-Kollektion oder ein Logo

in Regenbogenfahnen zur CSD-Saison

hat. Wirst Du da auch anklopfen?

Ja, durchaus. Im Grunde sehe ich dabei

zwei Aufgaben: Die Stiftung muss das

Selbstbewusstsein der Community stärken

und das Verantwortungsbewusstsein der

Gesamtgesellschaft. entwickeln Wir müssen

Solidarität organisieren, besonders auch bei

denen, die vielleicht denken, „Was hab ich

denn mit Diversität zu tun?“ Ihnen müssen

wir klar machen, dass Angriffe auf die

Freiheit von sexuellen und geschlechtlichen

Minderheiten, dass Homo-, Bi-; Inter-und

Transphobie Angriffe auf die Mitte der

Gesellschaft sind und diese Realität sind. In

Frankreich stehen rechtsnationale Parteien

bei 30 Prozent, wir haben die AfD im Bundestag

und von Polen und Ungarn muss ich

hier wohl erst gar nicht anfangen. Kurzum:

Die Mitte muss sich behaupten. Das zeigt,

dass Investitionen in das Selbstverständnis

und das Selbstbewusstsein der offenen

Gesellschaft unabdingbar sind.

Mal frech gefragt: Willst Du etwas

anders machen, als Dein Vorgänger?

Darum geht es nicht. Es wäre doch

unklug und anmaßend, über die Köpfe der

Entscheidungsträger*innen und über die

Köpfe der Community hinweg so zu tun,

als habe man das Rezept zur Glückseligkeit

schon gefunden. Ich setze sehr auf einen

dialogischen Prozess. Hineinhören in die

Community und dann sehen, was wir dort

stärken können mit Blick auf die Aufgaben,

die die Satzung der Stiftung vorgibt: Das

ist einmal die Erinnerung an die Arbeit

von Magnus Hirschfeld, die Erforschung

dessen, was LSBTIQ*-Verfolgung in der

Vergangenheit bedeutet hat und vor allem

Aufklärung und Prävention, dass sich so

etwas nie wieder einstellen kann. Da sind

Gespräche und Austausch glaube ich erst

einmal die grundlegenden Werkzeuge. Erst

danach muss man dann schauen, was zum

Beispiel mit dem Bund und den Ländern

über Bildung und Ausbildung als Basis für

die Fähigkeit mit Heterogenität umgehen zu

können, geleistet werden kann. Das ist eine

spannende Aufgabe, bei der es nicht darum

geht, alles anders oder neu zu gestalten,

sondern Bewährtes zu erhalten, anderes kritisch

zu hinterfragen und aus allem im engen

Austausch das Beste abzuleiten. Denn: Die

Stiftung ist nur so stark, wie die Menschen,

die sie gemeinsam tragen und unterstützen.

*Interview: Christian Knuth

Wie Helmut Metzner auf Kritiken reagiert

und wo er die Stiftung in zehn Jahren

sieht, lest ihr im vollständigen Interview

auf männer.media!


GESUNDHEIT

Warum der/die

richtige Ärzt*in

so wichtig ist

Was gilt es bei der

Arztsuche für HIVpositive

Menschen

zu beachten?

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Die Suche nach einem/r Ärzt*in,

der/die gut zu einem passt,

kann man im Allgemeinen

ziemlich gut mit der Suche

nach einem/r passenden Friseur*in vergleichen.

Man entscheidet sich dabei auch

nicht gleich für die erstbeste Möglichkeit,

sondern probiert erst einmal verschiedene

aus, bevor man eine langfristige Entscheidung

trifft.

Auch für HIV-positive Menschen

gestaltet sich die Arztsuche so, denn

wie bei Friseur*innen muss auch bei

HIV-Schwerpunktärzt*innen nicht nur

die Fachkompetenz stimmen, auch auf

der Beziehungsebene sollte eine gewisse

Sympathie vorhanden sein. Schließlich

werden regelmäßige Termine bei diesem/r

Ärzt*in nach einer HIV-Diagnose zu einem

Teil des Lebens, auch wenn die Abstände

dazwischen Monate betragen.

DIE „RICHTIGE“ WAHL TREFFEN

Bei der Arztwahl kann es für HIV-positive

Menschen hilfreich sein, sich Empfehlungen

aus dem Freundeskreis, von Bekannten

oder auch aus dem Internet einzuholen.

Manchmal hat man ja im eigenen Umfeld

HIV-positive Freund*innen, die selbst

eine/n Ärzt*in haben, mit dem/der sie sehr

zufrieden sind.

Bei der Wahl sind natürlich praktische

Aspekte wie Lage, Erreichbarkeit oder Dauer

der Anfahrt relevant. Es gibt Menschen,

die nehmen für den/die für sie „richtige/n“

Ärzt*in auch einen längeren Anfahrtsweg

in Kauf, obwohl die nächstgelegene Praxis

sogar direkt bei ihnen ums Eck wäre.

All das sind wichtige Punkte, die natürlich

auch in die Entscheidung mit einfließen.

Letztendlich ist es aber gut, wenn man sich

als HIV-positiver Mensch den/die Ärzt*in

aussucht, der/die vom eigenen Gefühl

her am besten zu einem passt und so die

persönlich „richtige“ Wahl ist.

OFFEN ÜBER DIE EIGENEN BEDÜRFNISSE

SPRECHEN

Wenn man den/die richtige/n

Schwerpunktärzt*in gefunden hat und

sich dort wirklich wohlfühlt, dann ist damit

bereits ein großer Schritt geschafft. Das

Wohlfühlen ist hierbei so wichtig, weil man

mit dem/r Ärzt*in offen über alles sprechen

können sollte. Wenn sich beispielsweise

im Leben die eigenen Bedürfnisse

ändern oder einen etwas bezüglich der

HIV-Therapie beschäftigt, dann ist er/sie die

erste Ansprechperson und sollte für alles ein

offenes Ohr haben.

Manche Menschen wünschen sich im Arztgespräch,

dass sie über all das, was sich in

ihrem persönlichen Alltag abspielt, sprechen

können. Andere wiederum möchten mit

ihrem/r Ärzt*in auch ganz selbstverständlich

über bestimmte Sorgen und Ängste

reden, die sie bewegen. Es gibt aber auch

Menschen, die einfach nur das Nötigste mit

ihrem/r Ärzt*in teilen und den regelmäßigen

Termin nur zum Check der Laborwerte und

dem Abholen der Rezepte wahrnehmen.

Hier gibt es weder richtig noch falsch.

SENSIBLE THEMEN ANSPRECHEN

Ein gutes Verhältnis zum/r Ärzt*in macht

es allerdings deutlich leichter, wenn es

um ganz persönliche Bedürfnisse und

Herausforderungen im Umgang mit der

HIV-Therapie oder auch um sehr sensible

und intime Themen geht.

Auch wenn ein Thema im ersten Moment

vielleicht unangenehm erscheint, kann

es wichtig sein, darüber ganz offen zu

sprechen – es gibt keinen Grund sich

zu schämen. Beispielsweise kann die

Einstellung zur eigenen Sexualität eines

dieser Themen sein. Vielleicht hat man

vor kurzem dem/r neuen Partner*in von

der HIV-Infektion erzählt und diese/r

hat nun Fragen, wie sich HIV auf das

gemeinsame Sexualleben auswirkt?

HIV-Schwerpunktärzt*innen können hier

wertvolle Hilfestellung leisten.

ÄRZT*INNEN KÖNNEN UNTERSTÜTZEN

Ein weiterer Vorteil einer guten Beziehung

und dem offenen Austausch mit dem/r

Ärzt*in ist, dass er/sie mit wertvollen Tipps

und konkreten Ansprechpartner*innen

unterstützen kann.

GEMEINSAM LÖSUNGEN FINDEN

Wenn man als HIV-positiver Mensch den/

die für sich richtige/n Ärzt*in gefunden

hat, fällt es leichter, Veränderungen im

Alltag oder Herausforderungen mit der

Therapie offen anzusprechen. So findet

man gemeinsam Lösungen und kann mit

dem/r Ärzt*in eine Therapie wählen, die am

besten zum eigenen Leben passt.

Weitere Infos sowie persönliche Geschichten

zum Leben mit HIV findest du

unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


Kollektion 2022

Mexikoring 27-29, 22297 HH / www.die-waescherei.de

Sessel IKARIA Leder/Teddy

Sofakombination BRIOS / Tapete WALLPEPPER

Outdoormöbel

LIFESTYLE

Summerglobe POSITIVE

Tapete POP IT von WALLPEPPER

Wandleuchte FLYING PENIS

Stühle WAVE CHAIR

Esstisch BACCARAT


Andi Schmidt, Molotow

Clubbesitzer & Mitglied Clubkombinat

CHARAKTER SEIT 1845

Englisches Kleidermagazin Ladage & Oelke | Alter Wall 22 | 20457 Hamburg

www.ladage-oelke.de | ladage.oelke

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