DVS_Bericht_375LP
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2022<br />
<strong>DVS</strong>-BERICHTE<br />
Elektronische<br />
Baugruppen und<br />
Leiterplatten<br />
EBL 2022<br />
Intelligentes Design, intelligente<br />
Fertigung, Prüfung und Applikation
Nachhaltig, an die Umwelt gedacht.<br />
Mehr Infos unter:
Elektronische<br />
Elektronische<br />
Baugruppen und<br />
Baugruppen Leiterplatten und<br />
Leiterplatten<br />
EBL 2022<br />
EBL 2022<br />
Intelligentes Design, intelligente<br />
Fertigung, Prüfung und Applikation<br />
Intelligentes Design, intelligente<br />
Intelligentes Design, intelligente<br />
Fertigung, Prüfung und Applikation<br />
Fertigung, Prüfung und Applikation<br />
Langfassung der Vorträge der 11. <strong>DVS</strong>/GMM-Tagung<br />
Kurzfassung der Vorträge der 11. <strong>DVS</strong>/GMM-Tagung<br />
in Fellbach am 14. und 15. Juni 2022<br />
in Fellbach am 14. und 15. Juni 2022<br />
(Langfassung der Vorträge auf USB-Karte)<br />
Gemeinschaftsveranstaltung von<br />
Gemeinschaftsveranstaltung von<br />
<strong>DVS</strong> Deutscher Verband für Schweißen und<br />
<strong>DVS</strong> – Deutscher Verband für Schweißen und<br />
verwandte Verfahren e. V. und<br />
verwandte Verfahren e. V. und<br />
GMM VDE/VDI-Gesellschaft Mikroelektronik,<br />
GMM – VDE/VDI-Gesellschaft Mikroelektronik,<br />
Mikrosystem- und Feinwerktechnik<br />
Mikrosystem- und Feinwerktechnik
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek<br />
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;<br />
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.<br />
Titelbild:<br />
Gelebte Kooperation von Ingenieur und künstlicher Intelligenz im Dienst von Forschung und Entwicklung<br />
(© SEMIKRON International GmbH, Nürnberg)<br />
<strong>DVS</strong>-<strong>Bericht</strong>e Band 375<br />
ISBN 978-3-96144-166-2 (Print)<br />
ISBN 978-3-96144-167-9 (E-Book)<br />
Alle Rechte, einschließlich Übersetzungsrecht, vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung dieses<br />
Bandes oder von Teilen desselben nur mit Genehmigung der <strong>DVS</strong> Media GmbH, Düsseldorf.<br />
© <strong>DVS</strong> Media GmbH, Düsseldorf ⋅ 2022<br />
Herstellung: Print Media Group GmbH, Hamm
Vorwort<br />
DATEN – Fluch oder Segen?<br />
Begriffe wie „Data-Mining, Cloud Solutions, Artificial Intelligence (künstliche Intelligenz) etc.“ sind heute<br />
aus dem Zeitalter der Digitalen Transformation nicht mehr wegzudenken. So ist es kein Geheimnis, dass<br />
in der modernen Baugruppentechnologie riesige Datenmengen anfallen. Bereits bei der Entwicklung und<br />
Konstruktion, der Materialbeschaffung und Lagerung, während der Fertigung, in der Qualitätskontrolle,<br />
beim Vertrieb und beim Anwender werden hier mit allen Kräften Daten generiert. Die Digitalisierung hat<br />
es möglich gemacht, diese Datenmengen zu erfassen, schnell weiterzuleiten und zu sammeln. Aber was<br />
machen wir mit diesen Daten?<br />
Die Forschung hat große Fortschritte gemacht und ermöglicht mit ihrem Spezialwissen das Verständnis<br />
vieler Phänomene und die zielgerichtete Entwicklung neuer Lösungen. Einige Generalisten haben auch<br />
einen guten Überblick über die Zusammenhänge der gesamten Prozesskette. Aber bei der Auswertung<br />
dieser Informationsfülle in der gesamten Breite und Tiefe bedarf es der Unterstützung durch künstliche<br />
Intelligenz, die in der Lage ist, aus diesen Daten typische Muster und bisher unbekannte<br />
Zusammenhänge aufzuspüren. Dabei besitzt die KI weder Phantasie noch Problembewusstsein, von<br />
moralischen und ethischen Abwägungen ganz zu schweigen. Hier bedarf es der menschlichen<br />
Intelligenz, die im besten Fall mit der künstlichen Intelligenz kooperiert.<br />
Wie wichtig dieses Problembewusstsein ist, zeigen uns aktuelle Diskussionen. So sollte die Gewinnung<br />
der Rohstoffe für elektronische Bauelemente und Baugruppen ökologische und humanitäre<br />
Mindeststandards erfüllen. Strategisch wichtige Technologien müssen auch in Europa verfügbar sein,<br />
das haben wir spätestens in der Pandemie erkennen müssen. Bereits mit Industrie 4.0 wurden die<br />
Arbeitsabläufe von Mensch und Maschine harmonisiert, so dass der Mensch von dieser Kooperation<br />
profitieren kann. Ebenso muss auch die Informationsverarbeitung zwischen Mensch und Computer<br />
harmonisiert werden, um eine effiziente und nachhaltige Fertigung innovativer und zuverlässiger<br />
Produkte zu optimieren. Es ist also essentiell, dass Anwender und Nutzer die Systematik verstehen,<br />
Chancen erkennen aber auch Möglichkeiten zur konkreten Umsetzung vermittelt bekommen.<br />
Dazu will diese Tagung auf dem Gebiet der elektronischen Baugruppen und Leiterplatten ihren Beitrag<br />
leisten und zur Diskussion anregen.<br />
Bernd Enser<br />
Vorsitzender der Programmkommission<br />
Prof. Dr. Mathias Nowottnick<br />
Wissenschaftlicher Tagungsleiter
Neue Steuerung Version 4<br />
Absauganlagen GmbH<br />
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‣ Extrem leise ca. 50 dB(A)<br />
Pfandsystem<br />
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‣<br />
‣ Extrem Extrem<br />
ATEX leise leise ca.<br />
Version ca. 50<br />
50 dB(A)<br />
‣ Extrem<br />
dB(A)<br />
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Bürolautstärke<br />
Bürolautstärke leise ca. 50 dB(A)<br />
– Bürolautstärke verfügbar<br />
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Inhaltsverzeichnis<br />
Vorwort<br />
EBL-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs I<br />
Automatische Detektion und Klassifikation elektronischer Bauelemente in Röntgenaufnahmen<br />
auf Basis neuronaler Netze ......................................................................................................... 1<br />
J. Schmitz-Salue, O. Albrecht, M. Oppermann, T. Zerna<br />
Implementierung einer FE2-Multiskalensimulation zur Analyse von thermomechanischen<br />
Belastungen in Leiterplatten ........................................................................................................ 8<br />
A. Stegmaier, M. van Dijk, H. Walter, O. Wittler, W.H. Müller, M. Schneider-Ramelow<br />
Technologieentwicklung zur gezielten Manipulation elektronischer Bauelemente hinsichtlich<br />
definierter Strukturfehler............................................................................................................ 18<br />
V. C. Köst, M. Oppermann, T. Zerna<br />
Hochstrombelastbarkeit einer Multilagenkeramik (LTCC) für den Einsatz in<br />
leistungselektronischen Anwendungen ..................................................................................... 26<br />
L. Wolz, S. Käßner, J. Weber, M. Nowottnick<br />
EBL-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs II<br />
Flexible sensor electronic for conditional monitoring of timing belts ......................................... 37<br />
D. Großkurth, L. Mennicke, K. Hofmann<br />
Thermal impedance evaluation of optimized PCB-based GaN HEMT Single-Chip-Prepackage<br />
using VGS Method .................................................................................................................... 43<br />
M. Ghebreslassie, B. Sharma, T. Huesgen<br />
Development of a 12 V/48 V bidirectional DC/DC converter for mild hybrid applications using<br />
PCB embedded MOSFET half-bridge prepackages ................................................................. 49<br />
K. B. Rawal, V. Polezhaev, T. Huesgen<br />
Intelligente Systemkonzepte und Designtools<br />
3D Luft- und Kriechstreckenanalyse für Multi-Board-Systeme .................................................. 55<br />
T. Bartels, D. Choy und B. Stube, Berlin; O. Müller<br />
HF-Charakterisierung der Embedding-PCB-Technologie-Toleranzen für Radar-<br />
Anwendungen .......................................................................................................................... 61<br />
C. Tschoban; O. Schwanitz, I. Ndip, H. Pötter, M. Schneider-Ramelow, Berlin; M. Schmied, R. Fiehler
Mit Kompetenz in die Zukunft – Die Analyse der Anforderungen an elektronische Baugruppen<br />
formuliert das erforderliche Wissen für die erfolgreiche Konstruktion langfristig zuverlässiger<br />
Leiterplatten .............................................................................................................................. 71<br />
A. Wiemers<br />
Automatisierte Datenaufbereitung für AOI / AXI Systeme ......................................................... 86<br />
M. Zistler<br />
Trends, Roadmaps, Sustainability<br />
Herausforderung Klimaneutralität: Handlungsoptionen für die Baugruppen- und Leiterplattenfertigung<br />
........................................................................................................................ 93<br />
K. Schischke, J. Rückschloss, M. Proske, D. Sánchez<br />
Additive Herstellungsprinzipien in der Elektronikfertigung, Herausforderungen und<br />
Möglichkeiten ........................................................................................................................... 99<br />
M. Schleicher<br />
Beispiel zur Umsetzung der Technischen Sauberkeit in der Leistungselektronik<br />
(Power Modul) ........................................................................................................................ 107<br />
N. Damak, M. Schleicher<br />
The Missing Link - Traceability beim Handlötprozess! ........................................................... 112<br />
J. Greß<br />
Zuverlässigkeit und Analytik I<br />
Vergleichsstudie zur Untersuchung partikulärer Verunreinigungen auf Oberflächen<br />
mithilfe von trockenen und nassen Extraktionsverfahren ....................................................... 115<br />
S. Höfs, Y. Müller, V. Burger, F. Petri, D. Werdelhoff, A. Zitz<br />
Verbesserung der Qualität von Schutzlacken ........................................................................ 120<br />
S. Strixner, H. Schweigart<br />
Detektierung von ionischer Kontamination unter Low-Standoff Bauteilen – Teil II ................. 128<br />
F. Gilbert, H. Schweigart<br />
Kondensat - Ursachen, Entstehung und Polymerisation ........................................................ 134<br />
V. Rawinski<br />
Intelligente Systemkonzepte und Simulation<br />
AgSn20 als neue Legierungsabscheidung für die Einpresstechnologie in automobilen<br />
elektrischen Anwendungen ..................................................................................................... 141<br />
W. Hügel, P. Jäckle, R. Paul
Analysen der thermisch-mechanischen Beanspruchungen an Hochleistungs-<br />
Fahrzeugcomputersystemen ................................................................................................... 147<br />
R. Dudek, R. Döring, H. Möller, S. Rzepka, P. Gromala, J. Mateus Bagetti, M. Eichhorst, B. Vandevelde, R. Lauwaert<br />
Neuartige thermische Analyse beim Layout von Leistungselektronik .................................... 157<br />
B. Schröder, B. Stube, S. Hoffmann; E. Hoene, Berlin; O. Müller<br />
Numerische Untersuchung des lastabhängigen Lötstellenversagens von Vielschichtkondensatoren<br />
für Automotive-Anwendungen ............................................................................. 162<br />
J. Gleichauf, Y. Maniar, Renningen; S. Wiese<br />
Traceability und Compliance<br />
Erkennung gefälschter elektronischer Bauelemente durch Auswertung von Röntgenbildern mit<br />
Convolutional Neural Networks (CNN) ................................................................................... 168<br />
J. Wilde, S. Dharani Parasuraman<br />
Vertrauenswürdige Elektronik – Keramikmodule und Baugruppen gegen Fälschung und<br />
Manipulation sichern .............................................................................................................. 176<br />
U. Krieger, F. Bechtold, C. Lehnberger, C. Lenz, P. Uhlig<br />
Änderung der Lötparameter und weltweite Folgen für die Leiterplattenindustrie und<br />
deren Bestücker ..................................................................................................................... 181<br />
E. Bojarski<br />
Industrie 4.0 /Machine Learning I<br />
Echtzeitkontrolle 4.0 - Wie die KI bei der Prozessregelung unterstützt .................................. 183<br />
A. Lindloff<br />
Predictive Maintenance und Condition Monitoring für Lötanlagen – KI4Service Cloud .......... 191<br />
J. Fleischmann, J. Göhringer, A. Reinhardt, A. Neiser<br />
Erzeugung von Bilddaten defekter THT-Lötstellen mittels Generative Adversarial<br />
Networks ................................................................................................................................ 196<br />
N. Thielen, F. Schröder, K. Schmidt, R. Seidel, C. Voigt, J. Franke, A. Reinhardt<br />
Industrie 4.0 / Machine Learning II<br />
Machine Learning für robuste Modellierung in der Material- und Prozessoptimierung<br />
von Leiterplattenbeschichtungen ........................................................................................... 203<br />
C. Schmitz, D. Schucht, J. Tekath<br />
Detektion mechanischer Fehleinstellungen an einem Drahtbonder mit Hilfe von Machine<br />
Learning Algorithmen ............................................................................................................. 210<br />
M. Brüggemann, K. Igl, J. Papadoudis, F. Klingert, M. Schellenberger, H. Gerlach, E. Stadler
Neue Materialien und innovative Bauweisen<br />
High Reliable Solders for Safety Automotive Applications – New Approaches for<br />
Cost-Effective Manufacturing ................................................................................................. 225<br />
J. Strüben, S. Fritzsche, M. Neidert, P. Prenosil, A. Goedecke, M. N. Vaidya<br />
Hochtemperaturstabile Lötverbindungen durch die Anwendung von Verbundlotmaterialien . 222<br />
A. Novikov, M. Nowottnick<br />
Beschreibung und Kalibrierung eines neuartigen Platinsensors für die hochdynamische<br />
Gastemperaturanalyse ........................................................................................................... 231<br />
L. Mennicke, D. Großkurth und K. Hofmann<br />
AVT – Silbersintern<br />
Silber-Sintern als Verbindungstechnik für Sensoren und Aktoren .......................................... 238<br />
M. Feißt, J. Wilde<br />
Temperaturabhängigkeit mechanischer Eigenschaften von Niedertemperatur-Silber-<br />
Sinterschichten und deren Modellierung für die Nutzung in FiniteElemente-Simulationen .... 244<br />
M. Lederer, Z. Gökdeniz, G. Khatibi, J. Nicolics<br />
Stabilität und Zuverlässigkeit von kupfergesinterten Leistungsmodulen mit dem Klett-Welding-<br />
Tape ....................................................................................................................................... 252<br />
D. Strahringer, S. Quednau, J. Wilde<br />
AVT – Weichlöten<br />
Entwicklung eines selektiven Lötprozesses für mikroelektronische Bauteile durch den Einsatz<br />
der Induktionserwärmung an in den Lotwerkstoff integrierten Suszeptoren ........................... 257<br />
D. Seehase, A. Novikov, F. Lange und M. Nowottnick<br />
Vorhersage des Lotdurchstiegs beim Miniwellenlöten im industriellen Umfeld mit Hilfe von<br />
maschinellen Lernverfahren ................................................................................................... 267<br />
R. Seidel, J. Franke, C. Kästle<br />
Neuer technologischer Ansatz für die Löttechnik auf Argumentation thermodynamischer<br />
Einflüsse bei Lötprozessen .................................................................................................... 275<br />
L. Skoda<br />
Funktions- und Schaltungsträger<br />
LogiPow – Leiterplattentechnologieentwicklung zur Integration von Leistungselektronik und<br />
Logik ...................................................................................................................................... 283<br />
J. Meyer, K. Meier, K. Bock, G. Lautenschläger, M. Röllig, R. Kuntsch, T. Rammer, M. Peuckert
Herstellung räumlicher Schaltungsträger mit keramischen Materialien mittels digitaler<br />
Fertigungsverfahren ............................................................................................................... 291<br />
D. Utsch, M. Ankenbrand, N. Milich, J. Franke<br />
Korrosion und Migration<br />
Untersuchung der Auswirkung ionischer Verunreinigungen in dünnen Spalten an realitätsnahen<br />
Aufbauten mit neuen miniaturisierten Bauelementen ............................................................. 297<br />
H. Schimanski, T. Fladung<br />
Feuchte- und Material-induzierte Fehlermechanismen in der Leistungselektronik ................. 303<br />
M. R. Meier, H. Schweigart<br />
Performance von Dünnschicht-Widerständen unter Schutzbeschichtungen .......................... 310<br />
E. Stern und T. Asperger<br />
Zuverlässigkeit und Analytik II<br />
Statistische Auswertung von Lebensdaueruntersuchungen an elektronischen Baugruppen mit<br />
Python .................................................................................................................................... 316<br />
F. Keil, D. Riehl und K. Hofmann<br />
Lebensdaueranalyse und -vorhersage von Leistungs-MOSFETs .......................................... 321<br />
J. Maxa, M. Nowottnick<br />
Produktionsbegleitende Dichtheitsprüfung von elektronischen Steuergeräten mit Druckluft . 328<br />
J. Lapsien<br />
Zuverlässigkeit und Analytik III<br />
Bewertung des Werkstoffverhaltens von Leiterplattenmaterialien unter Anwendung von<br />
beschleunigten Alterungstests ............................................................................................... 334<br />
H. Walter; M. van Dijk; O. Wittler; S. Huber; M. Schneider-Ramelow<br />
Möglichkeit der Frittspannungsanalyse zur Risikobeurteilung elektronischer Baugruppen bei<br />
Partikelbelastung ................................................................................................................... 344<br />
H. Schweigart, F. Gilbert, M. Kövi<br />
Autorenverzeichnis .............................................................................................................. 348
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Automatische Detektion und Klassifikation elektronischer Bauelemente in<br />
Röntgenaufnahmen auf Basis neuronaler Netze<br />
J. Schmitz-Salue, O. Albrecht, M. Oppermann, T. Zerna, Dresden, Zentrum für mikrotechnische Produktion<br />
Die Bewertung von Röntgenaufnahmen elektronischer Baugruppen im Rahmen der Qualitätssicherung, aber insbesondere<br />
bei der Fehlersuche, ist bis dato zumeist ein aufwendiger manueller Prozess, bei dem die individuelle<br />
Erfahrung des Bewertenden eine entscheidende Rolle spielt. Im Rahmen einer Graduierungsarbeit wurde an der<br />
TU Dresden ein System entwickelt, mit dem Convolutional Neural Networks (CNN) trainiert werden können, um in<br />
Röntgenaufnahmen elektronische Bauelemente sicher zu erkennen. Für das Training der CNNs wird das Konzept<br />
des Transfer Learning verwendet.<br />
Zunächst wurde der Stand der Technik der Objekterkennung im Bereich der Aufbau- und Verbindungstechnik und<br />
artverwandter Fragestellungen ermittelt. Außerdem wurden unterschiedliche Ansätze zur Durchführung von Transfer<br />
Learning betrachtet. Zur Erzeugung geeigneter Trainingsdatensätze wurde ein Verfahren entworfen und umgesetzt.<br />
Mithilfe der Trainingsdatensätze konnten verschiedene Netzarchitekturen für die Bildklassifikation und Objektdetektion<br />
trainiert und evaluiert werden. Für das Transfer Learning wurden frei verfügbare Modelle einer anderen<br />
Domäne verwendet.<br />
Die Ergebnisse dieser Arbeit werden in diesem Paper vorgestellt. Sie zeigen, dass Transfer Learning eine geeignete<br />
Methode zur Reduzierung des Aufwands (Zeit, Datenmenge) bei der Erstellung von Klassifizierungs- und Objektdetektor-Modellen<br />
ist. Die erstellten Modelle zeigen dabei eine hohe Genauigkeit bei der Klassifikation und<br />
Objektdetektion auch bei unbekannten Ausgangsdaten.<br />
Anwendungen, die mit der Auswertung radiografischer Aufnahmen elektronischer Baugruppen in Zusammenhang<br />
stehen, können durch die vorliegenden Erkenntnisse effektiver gestaltet werden. Die vorgestellten Ergebnisse sollen<br />
als Grundlage für weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet dienen.<br />
1 Einleitung<br />
Die zerstörungsfreie Prüfung und Beurteilung elektronischer Baugruppen und Bauelemente ist ein Teilbereich der<br />
Aufbau- und Verbindungstechnik (AVT). Häufig wird bei der Untersuchung der Lötstellen von Ball-Grid-Arrays oder<br />
gehäusten Modulen mit unbekannten Bauelementen Röntgenbildgebung verwendet, um verdeckte Strukturen<br />
sichtbar zu machen. Da sich Röntgenbilder der untersuchten Elemente bzw. Baugruppen jedoch deutlich von deren<br />
äußeren Erscheinungsbildern unterscheiden, kann es für den Betrachter mitunter schwierig sein, Strukturen zu<br />
identifizieren und ergänzend festzustellen, ob diese Störungen oder andere Auffälligkeiten aufweisen. Daher rührt<br />
die Überlegung, Aufnahmen automatisch mit zusätzlichen Informationen anzureichern, die dem Betrachter die Erkennung<br />
und Beurteilung erleichtern.<br />
Die automatische Objekterkennung in Bildern ist ein aktuelles Thema und erfährt durch die Verwendung von Methoden<br />
des maschinellen Lernens eine rasante Entwicklung [2]. In dieser Arbeit wurden insbesondere Verfahren,<br />
die auf der Nutzung von Convolutional Neural Networks (CNNs) basieren, untersucht. CNNs lassen sich als ein<br />
Teilbereich des Konzepts Künstliche Intelligenz verstehen und gehören dabei zu dem Gebiet des Deep Learnings.<br />
Dabei handelt es sich um Systeme, die mehrschichtig (deep) aufgebaut sind und die Informationsverarbeitung des<br />
Menschen nachahmen. Diese können im Gegensatz zum Machine Learning ohne äußere Anleitung lernen. Dafür<br />
benötigt das Training neuronaler Netze grundsätzlich eine große Menge annotierter Datensätze, um zugrundeliegende<br />
Strukturen und Muster erkennen zu können. Dies stellt im vorliegenden Kontext jedoch eine besondere<br />
Schwierigkeit dar, da bisher keine geeigneten Datensätze zur Verfügung stehen. Das Erzeugen eines Datensatzes<br />
gilt wiederum als aufwendigster und teuerster Prozess bei dem Entwurf derartiger Systeme. Um diesem Problem<br />
zu begegnen, wird das Konzept Transfer Learning vorgestellt. Mit diesem soll zumindest theoretisch die benötigte<br />
Datenmenge deutlich reduziert werden können. Ähnlich wie beim Menschen lässt sich das „Wissen“ über Strukturen<br />
von einer Domäne in eine andere übertragen. Dies ist beispielsweise mit dem Lernen einer neuen Sprache<br />
vergleichbar. Im Kontext von Bildverarbeitung mit CNNs wird sich dabei die Ähnlichkeit des Bildaufbaus zunutze<br />
gemacht. Ein Bild kann als Ansammlung vieler Ecken, Kanten, Kreise, Farben usw. gesehen werden. Diese groben<br />
Strukturen bilden Formen, die Kombination aus Formen bildet Objekte. Es ist bekannt, dass CNNs Bilder auf diese<br />
Art und Weise verarbeiten und so zunächst sehr grobe Merkmale extrahieren, die im weiteren Verlauf zu spezifischen<br />
Merkmalen heranwachsen. Für die Bildverarbeitung von alltäglichen Objekten stehen heute eine Vielzahl<br />
unterschiedlicher Modelle zur Verfügung, die direkt verwendet werden können.<br />
2 Bildklassifikation und Transfer Learning<br />
Der Ablauf einer Bildklassifikation mittels CNN ist in Bild 1 dargestellt. Dabei besteht das Modell aus dem sog.<br />
Backbone und dem Head. Der Backbone generiert durch Anwendung von Filtern Merkmale (Features) aus den<br />
Eingangsdaten und erzeugt Feature Maps. Diese werden im Head klassifiziert. Bei einem neu initialisierten neuro-<br />
<strong>DVS</strong> 375 1
nalen Netz sind die Filter zunächst sehr unspezifisch und werden im Rahmen des Trainings verfeinert. Dabei werden<br />
Datenpaare bestehend aus Bild und Klasse und einem Optimierungsalgorithmus angewendet.<br />
Bild 1. Ablauf einer Bildklassifikation<br />
Das Transfer Learning läuft prinzipiell gleich ab, wobei hier ein bereits trainiertes Modell modifiziert und weiter optimiert<br />
wird. Für die meisten Netzwerkarchitekturen zur Bildklassifikation werden Modelle auf Basis des Image-Net-<br />
Datensatzes angeboten.<br />
Für das Transfer Learning stehen grundsätzlich unterschiedliche Szenarien der Modifikation zur Verfügung (Bild 2)<br />
und folgen dabei dem Schema:<br />
1. Auswahl eines Basisnetzwerks<br />
2. Kopieren der ersten n Schichten (Filter-Kernel)<br />
3. Trainieren des Netzwerks mit dem Zieldatensatz<br />
Die Konfiguration des Zielnetzwerks (Wahl des Basisnetzwerks, die Zahl der transferierten bzw. neu initialisierten<br />
Schichten) ist frei in der Gestaltung und bleibt dem Anwender überlassen. Die genannten Parameter hängen jedoch<br />
von der Größe des Datensatzes, der Ähnlichkeit mit der Quelldomäne und der Anwendung ab und müssen in<br />
der Regel experimentell ermittelt werden. Generell wird empfohlen, vor allem bei sehr kleinen Datensätzen, lediglich<br />
die letzte Schicht auszutauschen und durch einen linearen Klassifikator zu ersetzen [3].<br />
a) Ausgangspunkt: Vortrainiertes Netz für eine bestimmte<br />
Aufgabe<br />
b) Szenario 1: Die vortrainierte Netzarchitektur wird vollständig<br />
transferiert. Die einzelnen Schichten können während des<br />
Trainings optimiert werden.<br />
c) Szenario 2: Es werden die ersten n Schichten transferiert<br />
und die letzten zwei mit zufälligen Werten initialisiert. Die<br />
transferierten Schichten können, die neu initialisierten Schichten<br />
müssen trainiert werden.<br />
d) Szenario 3: Das Netzwerk wird transferiert, nach der dritten<br />
Schicht abgeschnitten und zwei neue Schichten werden angehängt.<br />
Bild 2. Darstellung unterschiedlicher Transfer Learning Optionen. Grün entspricht der Quelldomäne und Violett der Zieldomäne.<br />
Die transferierten Gewichte sind mit WAi notiert. Die Kreise links und rechts repräsentieren die Ein- bzw. Ausgabeschicht. Die<br />
Schlösser zeigen die Option des Fine Tuning der Schichten an. (nach [3])<br />
3 Datensatz<br />
Die Anforderungen an einen Datensatz für das Training werden maßgeblich durch den Anwendungszweck festgelegt.<br />
Im Rahmen dieser Arbeit wurden zwei Anwendungen im Bereich der maschinellen Bildverarbeitung betrachtet.<br />
Dies ist zum einen die Bildklassifikation und zum anderen die Objektdetektion. Für die Bildklassifikation reicht<br />
es aus, Datenpaare (Bild und Klasse) zur Verfügung zu stellen. Für die Objektdetektion (Lokalisieren und Klassifizieren<br />
von Objekten in Bildern) sind die Trainingsdaten deutlich aufwendiger zu erstellen. In diesem Fall müssen<br />
sämtliche relevanten Objekte korrekt gekennzeichnet werden. Neben der Menge der Daten ist die Vielfalt der Aufnahmen<br />
ein wichtiger Faktor.<br />
Die Datensätze, die für das Training und die Versuche erzeugt wurden, basieren zum einen auf bereitgestellten<br />
Bilddaten eines Industriepartners (siehe Tabelle 1) und zum anderen auf eigens aufgenommenen Bildern an Testbaugruppen.<br />
Zur Beschleunigung des Prozesses wurden Röntgenbilder von Baugruppen mit den entsprechenden<br />
Entwurfsdaten automatisch annotiert. Um dies zu realisieren, wurden 2D-Codes in der Kupferschicht der Leiterplatte<br />
strukturiert, welche im Röntgenbild sichtbar sind und so eine eindeutige Zuordnung zwischen Bildausschnitt und<br />
Entwurfsdaten ermöglichen.<br />
Bei der Erstellung des Datensatzes wurden eine möglichst ausgewogene Klassenverteilung sowie eine hohe Vielfalt<br />
in den Aufnahmen berücksichtigt. Auf diese Weise wurden verschiedene Datensätze für das Training von Bildklassifikatoren<br />
sowie Objektdetektoren erzeugt.<br />
2 <strong>DVS</strong> 375
Mithilfe von Data Augmentation kann der Datensatz künstlich erweitert werden. Dabei handelt es sich um Bildtransformationen<br />
wie beispielsweise Spiegelungen, Verzerrungen, Hinzufügen von Bildrauschen.<br />
Tabelle 1. Informationen zu den Baugruppen der bereitgestellten Datensätze.<br />
Datensatz Baugruppe 1 Baugruppe 2<br />
Bestückung einseitig beidseitig<br />
Lagen einlagig mehrlagig<br />
Technologien SMT, THT SMT, THT<br />
Bauelemente<br />
Häufigste<br />
Bauelemente<br />
Besonderheiten<br />
1492 Objekte<br />
9 unterschiedliche<br />
Bauelement-Typen<br />
77 Package- / Footprint-Varianten<br />
Widerstand – 37%<br />
Kapazität – 22%<br />
Diode – 17%<br />
Kundenprodukt<br />
(Testbaugruppe)<br />
783 Objekte<br />
11 Bauelement-<br />
Typen<br />
57 Package- / Footprint-Varianten<br />
Widerstand – 56%<br />
Kapazität – 24%<br />
Diode – 8,3%<br />
Kundenprodukt, Aufnahme<br />
mit längerer<br />
Expositionszeit,<br />
dadurch geringeres<br />
Bildrauschen<br />
Für das eigene Testboard wurden sechs unterschiedliche (SMD) Bauelement- und Packagetypen verwendet. Dazu<br />
gehören im konkreten Fall:<br />
• Chip-Widerstand Gr. 0603<br />
• Chip-Kondensator Gr. 0603<br />
• Chip-Induktivität Gr. 0402<br />
• TVS Diode - Bidirektional, Package: SOD-882<br />
• Transistor, Package: HUSON3 (QFN / SON)<br />
• Schottky Diode, Package: SOT-143R<br />
Damit eine unausgeglichene Klassenverteilung vermieden wird, werden auf dem Testboard von allen o. g. Bauelement-Typen<br />
jeweils 50 Stück platziert (insgesamt 300 Bauelemente). Um dabei eine möglichst hohe Variation in<br />
den Aufnahmen zu erhalten, werden die Bauelemente nicht regelmäßig, sondern zufällig auf dem Board platziert.<br />
Im konkreten Fall hat das Board Abmessungen von 80mm x 100mm. Die zufällige Anordnung der Bauelemente ist<br />
im Bild 3 links anhand der Board-Datei aus dem Entwurfssystem zu sehen.<br />
In Kupfer strukturierte Aruco-Marken, Testplatine zur Untersuchung verschiedener<br />
Strukturgrößen (je Pixel: 0,25mm, 0,5mm, 0,75mm, 1mm und<br />
2mm)<br />
Bild 3. Board-Datei des Testboards (links) und integrierte Aruco-Marken (rechts).<br />
Damit die automatische Annotation der Bilddaten später leichter durchführbar ist, wurden zusätzlich spezielle Referenzmarken<br />
in Form von Aruco-Marken manuell auf der Leiterplatte platziert. Dabei handelt es sich um eine quadratische<br />
Struktur, mit der eine Zahl in Form einer Pixelmaske codiert wird. Diese Struktur wurde später zusammen<br />
mit den Bauelement-Anschlusspads in die Kupferschicht der Leiterplatte strukturiert. Ein Beispiel dieser Strukturen<br />
ist in Bild 3 rechts dargestellt. Bei Aruco-Marken handelt es sich um ein Referenzmarkensystem, das ursprünglich<br />
für den Bereich der Roboter-Navigation und Augmented Reality-Anwendungen entwickelt wurde und dort auch<br />
eingesetzt wird.<br />
<strong>DVS</strong> 375 3
Zur Vergrößerung der Datenmenge werden mehrere Aufnahmen pro Board durchgeführt, wobei das Testboard mit<br />
unterschiedlichen Strukturen überlagert wird (Bild 4).<br />
Bild 4. Testboard ohne und mit überlagerten Strukturen im Röntgenbild<br />
Damit eine automatische Annotation der Bilddaten gelingt, ist es notwendig, dass im Bild mindestens eine der Referenzmarken<br />
detektiert werden kann, besser wären jedoch zwei. Eine weitere Voraussetzung ist die Bereitstellung<br />
der zu dem Board gehörigen CAD-Daten in Form eines Board-Files. Die Verwendung von Aruco-Marken bietet<br />
gegenüber den gebräuchlichen Referenzmarken in Form von Kreisen, Quadraten oder Kreuzen einige Vorteile für<br />
die automatisierte Annotation. Es werden häufig nur Einzelaufnahmen von Teilen einer Baugruppe angefertigt.<br />
Obwohl auf diesen Bildern Referenzmarken abgebildet sein können, sind diese nicht einzigartig. Daher kann es<br />
schwierig sein, die betrachtete Bildregion der korrekten Position in den CAD-Daten zuzuordnen. Aruco-Marken<br />
besitzen neben der codierten Zahl auch ein Koordinatensystem, welches über die Kanten aufgespannt wird. Diese<br />
sind zumindest theoretisch in Subpixel-Genauigkeit detektierbar.<br />
Die auf der Leiterplatte platzierten Referenzmarken erlauben es, die Pixelgröße im Mikrometerbereich zu ermitteln.<br />
Darüber hinaus geben sie Auskunft über die Lage des betrachteten Bildausschnitts. Anhand der Lage der Referenzmarke<br />
im Bild und der berechneten Pixelgröße kann die Position und der betrachtete Ausschnitt in den CAD-<br />
Daten zugeordnet werden. Anschließend muss das Koordinaten-System der Bild- und CAD-Daten transformiert<br />
werden, so dass die Positionen korrespondieren und ein Offset berechnet werden kann. Danach lässt sich ermitteln,<br />
welche Bauelemente im Bildausschnitt sichtbar sind. Die so gewonnenen Informationen für das Bild werden<br />
anschließend in einer Tabelle gespeichert.<br />
Weitere Bearbeitungen zur Verbesserung und Erweiterung des Datensatzes wurden durchgeführt, z.B. die bereits<br />
erwähnte Data Augmentation unter Nutzung der Online-Plattform Roboflow. Tabelle 2 zeigt die Übersicht der erstellten<br />
Datensätze.<br />
Tabelle 2. Übersicht der erstellten Datensätze für Klassifikation und Detektion.<br />
Datensatz Quelle Klassen Kategorien & Instanzen Gesamt<br />
Klassifikation Intern 6 CC 380 SOD 294 2226 Bilder<br />
CR 361 SOT 417<br />
CL 376 SON 398<br />
Detektion 1 Intern 6 CC 398 SOD 391 144 Bilder<br />
CR 388 SOT 470 2459 Annotierungen<br />
CL 390 SON 422 Ø 17 Label / Bild<br />
Detektion 2<br />
Detektion 3<br />
Intern,<br />
Extern<br />
Intern,<br />
Extern<br />
4 Versuche und Ergebnisse<br />
1 Bauelement 3170 175 Bilder<br />
3164 Annotierungen<br />
Ø 18 Label / Bild<br />
7 CC 575 SOD 402 175 Bilder<br />
CR 775 SOT 579<br />
CL 393 SON 429<br />
andere 11<br />
3164 Annotierungen<br />
Ø 18 Label / Bild<br />
Zur Überprüfung, ob Transfer Learning und vortrainierte Modelle sich in diesem Anwendungsgebiet verwenden<br />
lassen, wurden Versuche im Bereich der Bildklassifikation und Objektdetektion durchgeführt. Hierbei wurde hauptsächlich<br />
der Einfluss von sogenannten Hyperparametern auf das Trainingsverhalten untersucht. Diese werden<br />
ausgehend von Standardwerten experimentell bestimmt. In dieser Arbeit standen folgende Hyperparameter im<br />
Mittelpunkt:<br />
4 <strong>DVS</strong> 375
• Learning Rate (Lernrate) – bestimmt, wie stark die Parameter im Optimierungsschritt geändert werden. Je<br />
höher sie ist, desto schneller „vergisst“ das Modell alte Informationen. Sie liegt typischerweise im Bereich<br />
von 10 −5 . . . 10 −3 .<br />
• Batch Size – Anzahl der Samples pro Trainingsschritt. Die Anzahl wird durch den Grafikspeicher limitiert,<br />
da dieser alle Zwischenergebnisse speichern muss.<br />
Wurde das Modell mit den Hyperparametern und der gewünschten Architektur konfiguriert, kann das Training<br />
durchgeführt werden. In einem Trainingsschritt erfolgt die Optimierung in Form der Minimierung einer Kosten- bzw.<br />
Verlustfunktion. Die Qualität des Modells lässt sich parallel zum Training mit dem Testdatensatz ermitteln. Eine<br />
regelmäßige Zwischenevaluation kann dabei eine Überanpassung des Netzwerks erkennen lassen.<br />
4.1 Bildklassifikation<br />
Die hier genutzten CNN-Modelle stammen von PyTorch [4]. Folgende Softwareversionen und Hardware wurden<br />
während der Versuche verwendet:<br />
• Python Version: 3.7.10<br />
• Grafikkarte: Tesla V100-SXM2-16GB<br />
• PyTorch Version: 1.8.1<br />
• Driver Version: 460.32.03<br />
• Torchvision Version: 0.9.1<br />
• CUDA Version: 11.2<br />
• W&B CLI Version: 0.10.32<br />
Für das Training der CNNs wird der Datensatz Klassifikation genutzt. Von jeder Klasse werden 60 Samples für das<br />
Testset (N = 360) zufällig ausgewählt, die verbleibenden Elemente werden für das Training verwendet.<br />
Es wurden mehrere Versuche mit unterschiedlichen Netzarchitekturen für die Bildklassifikation durchgeführt. Dabei<br />
wurden die Netze als “fixed-feature-extractor” verwendet. Das bedeutet, dass nur der Klassifikator (Head) trainiert<br />
wurde und der Backbone unverändert blieb. Die Versuche sollten Erkenntnisse liefern, ob sich bestimmte Architekturen<br />
in dieser Konstellation besser eignen als andere, welchen Einfluss “Hyperparameter” auf das Ergebnis haben<br />
und wie viele Trainingssamples erforderlich sind.<br />
Nach der Aufnahme von Referenzwerten und entsprechender Konfiguration des Modells - Auswahl der Netzarchitektur,<br />
Festlegung der Iterationen („Epochen“), Batch Size etc. - werden die Daten vorbereitet und anschließend<br />
das Modell trainiert und getestet. Die Erstellung des Trainingsskripts wird durch die Verwendung von PyTorch vereinfacht.<br />
Viele Funktionen sind bereits in einer hohen Abstraktionsebene verfügbar und lassen sich direkt verwenden,<br />
ohne dass detaillierte Kenntnisse in der Programmiersprache oder der Implementation neuronaler Netze notwendig<br />
sind.<br />
Bild 5. Einfluss unterschiedlicher Batch Sizes auf das Training am Beispiel von ResNet-152.<br />
Bild 6. Einfluss verschiedener Learn Rates auf das Training (links: AlexNet, rechts: ResNet-152)<br />
Es wurden praktische Versuche mit einer Reihe gängiger CNNs durchgeführt. Diese wurden dabei speziell auf ihre<br />
Eignung als Fixed Feature Extractor überprüft, da hierfür besonders wenig Trainingsdaten erforderlich sind. Dabei<br />
zeigte es sich, dass die meisten der getesteten Modelle in diesem Fall gute bis sehr gute Resultate liefern und<br />
andere ungeeignet sind. Die Modelle der VGG-, DenseNet-Familien sowie AlexNet zeigten in dieser Konfiguration<br />
die besten Resultate. Es stellte sich dabei heraus, dass der Parameter Learn Rate einen starken Einfluss auf die<br />
Trainingsqualität hat (Bild 6). Gegenüber Änderungen der Batch Size waren die Modelle unempfindlich (Bild 5). Die<br />
Untersuchung des Einflusses der benötigten Daten für das Training offenbarte, dass der veranschlagte Wert von<br />
<strong>DVS</strong> 375 5
100 Samples pro Klasse mehr als ausreichend war. Bereits nach 50 Samples waren keine wesentlichen Verbesserungen<br />
des Modells mehr erkennbar.<br />
4.2 Objektdetektion<br />
Im vorhergehenden Abschnitt konnte gezeigt werden, dass CNNs zur Klassifikation elektronischer Bauelemente in<br />
radiografischen Aufnahmen gut geeignet sind. Da die dort untersuchten Netze in Objektdetektoren häufig als<br />
Backbone eingesetzt werden, liegt die Vermutung nahe, dass sich auch für diesen Anwendungsfall gute Ergebnisse<br />
erzielen lassen. Für das Training des Objektdetektors wird in dieser Arbeit neben Detectron2 auch die YOLOv5-<br />
PyTorch-Implementation [6] genutzt. Aus dem Detectron Model Zoo [5] wurden hier die Architekturen Faster R-<br />
CNN (zweistufig, Two-Stage) und RetinaNet (einstufig, One-Stage) genutzt.<br />
Es wurde erneut der Einfluss der Batch Size auf den Trainingsprozess und die Ergebnisse untersucht. Dabei zeigte<br />
sich, dass die Reduzierung der Batch Size auf 2 (0,5x Startwert) oder Erhöhung auf 8 (2x Startwert) nur einen geringen<br />
Effekt auf das Training hat. Tabelle 3 zeigt dies beispielhaft für das Modell RetinaNet. AP (Average Precision)<br />
ist eine gängige Metrik zur Bewertung der Ergebnisse. APs, APm bzw. APl sind dabei bezogen auf Small Objects<br />
(Objektfläche < 1025 Pixel), Medium Objects (1025 bis 9216 Pixel) bzw. Large Objects (> 9216 Pixel).<br />
Tabelle 3. Einfluss der Batch Size<br />
Modell Batch Size AP APs APm APl<br />
RetinaNet (ResNet-101-FPN-3x) 4 (Startwert) 58,90 47,07 58,94 62,47<br />
2 60,25 50,54 60,72 62,14<br />
8 58,96 42,42 59,06 64,42<br />
In einem weiteren Experiment wurde der Einfluss von Frozen Layers untersucht. Darunter wird die Anzahl der<br />
Schichten verstanden, die während des Trainingsvorganges nicht optimiert werden. Die Grundeinstellung ist das<br />
„Einfrieren“ der ersten zwei Schichten. In den Versuchen wurden nun {3, 4, 6, 10} Schichten „eingefroren“. Dies<br />
hatte einen sehr starken Einfluss auf die Genauigkeit, insbesondere bei der Erkennung kleiner und großer Objekte<br />
(Tabelle 4).<br />
Tabelle 4. Einfluss „eingefrorener“ Schichten<br />
Modell Frozen Layers AP APs APm APl<br />
RetinaNet (ResNet-101-FPN-3x) 2 60,25 50,54 60,72 62,14<br />
3 58,86 41,57 59,64 60,75<br />
4 54,18 50,08 54,54 55,46<br />
6 47,03 23,03 50,33 39,18<br />
10 44,13 21,91 47,71 36,18<br />
Untersuchungen zum Einfluss der Learn Rate ergaben, dass eine Erhöhung derselben die Genauigkeit des Modells<br />
allgemein steigert.<br />
Abschließend sollte der Einfluss der „Qualität“ der bereitgestellten Trainingsdatensätze auf das Ergebnis bei der<br />
Objekterkennung an einem unbekannten Untersuchungsobjekt bewertet werden. Dazu wurden folgende Datensätze<br />
herangezogen und am Modell YOLOv5l trainiert:<br />
• Datensatz Detektion 1 (intern) mit 6 Klassen (Mehrklassen-Detektion)<br />
• Datensatz Detektion 1 (intern), wobei alle Klassen zu einer Klasse zusammengefasst wurden<br />
• Datensatz Detektion 2 (intern + extern) mit 1 Klasse<br />
• Datensatz Detektion 3 (intern + extern), mit 7 Klassen<br />
Es zeigte sich, dass die Qualität der Objektdetektion durch eine höhere Vielfalt und Datensatzgröße verbessert<br />
werden kann (Tabelle 5). Im Bild 7 sind die Ergebnisse der Objektdetektion aller vier Varianten für dasselbe Eingangsbild<br />
dargestellt. Dabei handelt es sich um den Ausschnitt einer Röntgenaufnahme einer realen Baugruppe<br />
(Einplatinencomputer Arduino), der zuvor in keinem der Datensätze enthalten war. Die Sicherheit und Menge der<br />
Detektionen ist in beiden Fällen nach dem Training mit einem kombinierten Datensatz erhöht.<br />
Tabelle 5. Einfluss der Datensatzqualität.<br />
Modell Datenquelle Klassen AP<br />
YOLOv5l intern 6 62,11<br />
1 65,31<br />
intern + extern 1 66,61<br />
7 68,01<br />
6 <strong>DVS</strong> 375
intern, k = 1 intern + extern, k = 1<br />
intern, k = 6 intern + extern, k = 7<br />
Bild 7. Einfluss der Datensatzqualität auf die Objektdetektion an unbekannten Eingangsdaten<br />
5 Zusammenfassung<br />
Es konnte gezeigt werden, dass das Transfer Learning eine geeignete Methode sowohl für die Klassifikation als<br />
auch für die Objekterkennung elektronischer Bauelemente in radiografischen Aufnahmen darstellt.<br />
Mit diesem Verfahren ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit ein leistungsfähiges Modell zu trainieren, welches sich<br />
schon jetzt für verschiedene Anwendungszwecke in der automatischen Bildbewertung einsetzen lässt.<br />
Geeignete Trainingsdatensätze lassen sich mit einigem Aufwand generieren, werden aber zunehmend auch allgemein<br />
verfügbar sein. Es existieren eine Vielzahl geeigneter Softwareplattformen und vorgefertigter Modelle, die<br />
sich auch ohne tiefergehende Programmierkenntnisse auf die spezifischen Anforderungen anpassen lassen.<br />
Eine ausführliche Darstellung aller Arbeiten und erzielten Ergebnisse ist in [1] zu finden.<br />
Schrifttum<br />
[1] SCHMITZ-SALUE, Justin. Systementwurf zum Transfer Learning neuronaler Netze zur Objekterkennung von<br />
elektronischen Bauelementtypen in radiografischen Aufnahmen. Diplomarbeit. 2021. TU Dresden<br />
[2] SCHMIDT, Konstantin, et al. Enhanced X-Ray Inspection of Solder Joints in SMT Electronics Production using<br />
Convolutional Neural Networks. In: 2020, IEEE 26th International Symposium for Design and Technology in<br />
Electronic Packaging (SIITME). IEEE, 2020. S. 26-31.<br />
[3] YOSINSKI, Jason, et al. How transferable are features in deep neural networks?<br />
arXiv preprint arXiv:1411.1792, 2014<br />
[4] torchvision.models — Torchvision master documentation. [online].<br />
https://pytorch.org/vision/stable/models.html (18.06.2021)<br />
[5] facebookresearch/detectron2: Detectron2 is FAIR’s next-generation platform for object detection, segmentation<br />
and other visual recognition tasks. [online], https://github.com/facebookresearch/detectron2 (18.06.2021)<br />
[6] ultralytics/yolov5: YOLOv5 in PyTorch. [online]. https://github.com/ultralytics/yolov5 (18.06.2021)<br />
<strong>DVS</strong> 375 7
Implementierung einer FE 2 -Multiskalensimulation zur Analyse<br />
von thermomechanischen Belastungen in Leiterplatten<br />
A. Stegmaier, M. van Dijk, H. Walter, O. Wittler, W.H. Müller, M. Schneider-Ramelow, Berlin<br />
Die Mikrostruktur der in der Aufbau- und Verbindungstechnik eingesetzten Werkstoffe hat einen Einfluss auf das<br />
thermomechanische Verhalten. Dies in FEM-Simulationen zu berücksichtigen kann aufgrund der großen Skalenunterschiede<br />
eine große Herausforderung sein. Als neuer Lösungsansatz wird in dieser Arbeit eine Multiskalenmethode<br />
untersucht. Ziel dieser Arbeit ist die Implementierung der FE 2 -Multiskalenmethode, bei der das untersuchte Bauteil<br />
auf zwei miteinander gekoppelten Größenebenen simuliert wird. Diese Methode wird anschließend auf das Beispiel<br />
der Verwölbung einer Demonstratorprobe in Form einer Leiterplatte mit eingebetteten Komponenten erfolgreich angewandt.<br />
Die Leiterplatte ist ein Verbund aus Glasfasern und einer Matrix aus Epoxidharz. Für die Simulation werden<br />
die thermomechanischen Materialeigenschaften benötigt, wobei für das Epoxidharz ein linear viskoelastisches Materialmodell<br />
gewählt wird und die zugehörigen Materialparameter in dieser Arbeit experimentell bestimmt werden.<br />
Dazu werden Harzproben hergestellt, die aus Prepreg-Material extrahiert wurden. Mit diesen Proben wird mittels<br />
dynamisch-mechanischer Analyse (DMA) die temperatur- und zeitabhängige Steifigkeit in Form einer Prony-Serie<br />
bestimmt. Außerdem wird die Steifigkeit bei Raumtemperatur mittels eines Nanoindenterversuchs bestimmt. Zur Implementierung<br />
der FE 2 -Methode wird für die FEM-Software ANSYS eine User Material Subroutine in Fortran geschrieben.<br />
Mittels einfacher Beispiele (Einelementtests) wird die Implementierung validiert. Es zeigt sich, dass die<br />
periodischen Randbedingungen bessere Ergebnisse liefern, insbesondere bei Belastung senkrecht zur Faserrichtung.<br />
Anschließend wird ein repräsentatives Volumenelement (RVE) für eine reale Leiterplattenstruktur anhand von<br />
Schliffbildern modelliert. Nach geeigneter Vernetzung wird dieses RVE mit den bestimmten Materialparametern für<br />
die FE 2 -Simulation genutzt. Mit dieser Vorgehensweise wird eine vereinfachte Prozesssimulation der Demonstratorprobe<br />
mittels FE 2 durchgeführt. Es wird die Verwölbung der Probe ausgewertet und mit Messwerten verglichen. Es<br />
zeigte sich eine gute Übereinstimmung von Simulation und Messung.<br />
1 Einleitung<br />
Im Zuge der Miniaturisierung von elektronischen Systemen wird die Einbettung von sowohl aktiven als auch passiven<br />
Komponenten in Leiterplatten bereits seit mehreren Jahren industriell angewendet [1]. Damit sollen die Wärmeableitung<br />
verbessert und durch kürzere Signalwege parasitäre Effekte reduziert werden. Ein aktueller Trend ist die Einbettung<br />
bei Leistungselektronik, um dort die hohen Anforderungen an Miniaturisierung und Zuverlässigkeit zu erfüllen<br />
[2, 3, 4]. Eine Herausforderung bei dieser neuen Technologie besteht darin, die Verwölbung, welche beim Herstellungsprozess<br />
auftritt, in Grenzen zu halten, um somit die Qualität und Zuverlässigkeit der Folgeprozesse zu gewährleisten.<br />
Die Verwölbungseffekte entstehen durch unterschiedliche thermomechanische Eigenschaften der verwendeten<br />
Materialien (Kupfer, glasfaserverstärktes Epoxidharz), der Mikrostuktur der Leiterplatte (z.B. Volumenanteil<br />
und Ausrichtung der Glasfasern, Schichtaufbau) und chemischen Vernetzungsschrumpf während des Aushärtens<br />
[5].<br />
Um Einflüsse des Prozesses und der Mikrostruktur auf die Verwölbung zu untersuchen, werden Finite Elemente<br />
Simulationen durchgeführt. Um jedoch den wichtigen Einfluss der Glasfaserstruktur bei Leiterplatten zu berücksichtigen,<br />
werden die Eigenschaften typischerweise in einem homogenisierten anisotropen Werkstoffmodell zusammengefasst<br />
[6]. Dieser Ansatz beinhaltet jedoch das Problem, dass für jeden neuen Laminatwerkstoff für mehrere Richtungen<br />
Versuche durchgeführt werden müssen. Um den experimentellen Aufwand zu reduzieren, könnte die Mikrostruktur<br />
explizit berücksichtigt und gleichzeitig die Genauigkeit der Simulationen erhöht werden [7]. Für große und<br />
komplexe Modelle müsste jedoch wiederum eine Homogenisierung eingesetzt werden, um den Vernetzungsaufwand<br />
und die Rechenzeit in Grenzen zu halten. Ein einfacher Homogenisierungsansatz hätte jedoch den Nachteil, dass er<br />
keine bidirektionale Kopplung der mechanischen Belastungen berücksichtigen kann, welche für nichtlineares Werkstoffverhalten,<br />
wie bspw. Viskoelastizität oder chemischer Schrumpf, jedoch zwingend nötig wäre. Außerdem gehen<br />
dabei alle Informationen auf der Ebene der Mikrostruktur verloren. Einen möglichen Lösungsweg verspricht der<br />
FE 2 Ansatz [8], eine Multiskalenmethode, bei der die FEM-Modellierung auf zwei verschiedenen Größenskalen ausgeführt<br />
wird. Neben dem Gesamtaufbau (Abmessung im cm-Bereich), bei dem die Leiterplatte als homogen betrachtet<br />
wird, wird auch auf Mikroebene (µm-Bereich) ein Repräsentatives Volumenelement (RVE) modelliert, welches<br />
direkt mit dem Makromodell gekoppelt ist. Beide Skalen werden in der Simulation parallel gelöst, wobei die Ergebnisse<br />
der Mikroebene das makroskopische Verhalten bestimmen.<br />
Zur Anwendung des Modells werden die thermomechanischen Materialeigenschaften der einzelnen Komponenten<br />
des Verbundwerkstoffes (Harz und Glasfaser) benötigt. Mittels Standardverfahren werden die zeit- und temperaturabhängigen<br />
Eigenschaften des Harzes ermittelt. Dazu wurden spezielle Proben hergestellt. Durch Materialcharakterisierung<br />
des Verbunds (Leiterplattenmaterial) wird eine Validierung durchgeführt. Schließlich wird die FE 2 -Methode<br />
implementiert, an einfachen Beispielen validiert und auf eine Demonstratorprobe angewendet. Das Modell soll in<br />
Zukunft ermöglichen, den Einfluss der Mikrostruktur auf das thermisch-mechanische Verhalten eines Aufbaus zu<br />
untersuchen.<br />
8 <strong>DVS</strong> 375
2 Probenherstellung<br />
Für die Multiskalensimulation werden die Materialparameter der einzelnen Komponenten (Harz und Glasfaser) der<br />
Leiterplatte benötigt. Während die Glasfasern mit Literaturwerten hinreichend modelliert werden können, sind für das<br />
Harz auch die viskoelastischen Materialeigenschaften von Interesse. Da weder Materialdaten noch Proben des reinen<br />
Harzes zur Verfügung standen, wurden für die Materialcharakterisierung eigens Proben hergestellt. Dazu wird<br />
das Harz aus den Prepreg-Lagen extrahiert. Hierzu wird ein spezieller Schichtaufbau verpresst, der Kavitäten enthält<br />
(Bild 1). Dieser Prozess basiert auf der Veröffentlichung von Schmidt [9], jedoch vereinfacht, ohne strukturierte Kupferschichten<br />
zwischen den Lagen.<br />
Bild 1. Schichtaufbau für die Herstellung von reinen Harzproben.<br />
Bild 2. Röntgenaufnahme einer der Harzproben, die Defekte<br />
durch Lufteinschlüsse und Glasfasern zeigt.<br />
Ober- und unterhalb der Kavität befinden sich Prepregschichten, dazwischen Core- und Prepregschichten abwechselnd.<br />
Beim Verpressen unter erhöhter Temperatur kann so das verflüssigte Harz aus den Prepregschichten in die<br />
Kavitäten fließen. Die Coreschichten dienen zur Stabilisierung des Aufbaus. Nach dem Aushärten werden die einzelnen<br />
Proben aus der Leiterplatte gefräst. Auf einer Leiterplatte kann somit eine große Anzahl an Proben gewonnen<br />
werden.<br />
Um die Qualität der Proben zu beurteilen, wurden Röntgenaufnahmen erstellt. Der Ausschnitt einer Aufnahme ist in<br />
Bild 2 zu sehen. In dieser Probe sind zwei verschiedene Defekte erkennbar, die auch bei anderen Proben vorhanden<br />
waren. Zum einen sind in einigen Proben Lufteinschlüsse zu erkennen (weiß/hell in Bild 2). Diese Lufteinschlüsse<br />
sind allerdings auch mit bloßem Auge erkennbar und nicht in allen Proben vorhanden. Diese können also für nachfolgende<br />
Untersuchungen leicht aussortiert werden. Der zweite Defekt sind vereinzelte Rückstände von Glasfasern<br />
oder Faserbündeln (dunkle Streifen in Bild 2), die in den Proben noch zu finden sind. Mit bloßem Auge sind diese<br />
Defekte nur bei sehr dicken Faserbündeln zu erkennen, kleinere Defekte (also dünne Faserbündel) sind erst auf den<br />
Röntgenbildern erkennbar. Eine komplett faserfreie Probe konnte nicht gefunden werden. Dies muss also bei den<br />
folgenden Untersuchungen der Materialeigenschaften berücksichtigt werden. Eine mögliche Verbesserung der Probenherstellung<br />
könnte durch strukturierte Kupferlagen in den Coreschichten erreicht werden, wie in [9] beschrieben.<br />
3 Werkstoffcharakterisierung<br />
Zur Bestimmung der viskoelastischen Eigenschaften des Harzes wird die temperatur- und zeitabhängige Steifigkeit<br />
mittels dynamisch-mechanischer Analyse bestimmt. Um den Einfluss des Restfaseranteils zu berücksichtigen wird<br />
zusätzlich die lokale Steifigkeit bei Raumtemperatur mittels Nanoindentation gemessen.<br />
Die Nanoindentation wird an einem faserfreien Bereich der Probe durchgeführt. Dieser wird anhand der Röntgenbilder<br />
identifiziert. Bei diesem Versuch wird an der Probe mit einer Diamantspitze ein Krafteindruckversuch durchgeführt<br />
und eine Krafteindringkurve wie in Bild 4 (links) aufgenommen. Die Auswertung der elastischen Eigenschaften<br />
erfolgt nach [11] mit den Gleichungen<br />
1<br />
= 1 − νν2<br />
+ 1 − νν i 2<br />
(1)<br />
EE rr EE EE i<br />
und<br />
SS = dPP<br />
dh = 2<br />
√ππ EE r√AA. (2)<br />
Dabei ist EE rr der relative Modul, EE ii , νν ii sind der E-Modul bzw. die Poissonzahl des Indenters und EE, νν der E-Modul und<br />
die Poissonzahl der Probe. SS ist die Steigung der Entladekurve der Kraft-Eindringkurve (Bild 4, links).<br />
<strong>DVS</strong> 375 9
Es wurde hier die Partial-Unload Methode verwendet. Es werden mehrere Datenpunkte an einem Ort der Probe<br />
aufgenommen, in dem mehrere Kraft-Eindringkurven gemessen werden. Dazu wird die Indentation nicht in einem<br />
Schritt bis zur Maximalkraft gefahren (wie in Bild 4, links), sondern nur zu einem Teil der Maximalkraft, eine Entlastungskurve<br />
wird aufgenommen und dann an derselben Stelle erneut mit höherer Eindringtiefe indentiert. So werden<br />
mehrere Messpunkte für den E-Modul in einem Durchgang und an einem Ort aufgenommen werden. Diese werden<br />
über die maximal Eindringtiefe aufgetragen (Bild 4, rechts).<br />
Die sehr hohen Werte bei niedrigen Eindringtiefen lassen sich durch den sog. indentation size effect erklären, welcher<br />
zu erhöhten Steifigkeits- bzw. Härtewerten bei sehr niedrigen Eindringtiefen führt (einstelliger μm-Bereich) [12]. Der<br />
E-Modul im Nanoindenterversuch bewegt sich oberhalb einer Eindringtiefe von 2 µm im Bereich von 4-5 GPa. So<br />
wurde z.B. in [13] wurde für ein ähnliches Material ein Wert von ca. 5 GPa im Zugversuch ermittelt.<br />
Bild 3. Links: Schematische Darstellung des Indenterversuchs zur Ermittlung des E-Moduls (aus [11]). Rechts: Ergebnisse des<br />
Partial-Unload Indenterversuchs für die Harzprobe.<br />
Bild 4. Ergebnisse der dynamisch-mechanischen Analyse (DMA).<br />
Zur Bestimmung der viskoelastischen Eigenschaften des Harzes wird die dynamisch-mechanische Analyse (DMA)<br />
angewendet. Die Probe wird mit einer sinusförmigen mechanischen Zugbelastung bei verschiedenen Frequenzen<br />
und Temperaturen beansprucht. Es wird bei Temperaturen zwischen -40 °C und 250 °C in 5 K Schritten gemessen.<br />
Bei jeder Temperatur wird bei mehreren Frequenzen zwischen 0,5 Hz und 35 Hz gemessen. Das Ergebnis für Speichermodul<br />
E‘, Verlustmodul E‘‘ und Dämpfungsfaktor tan αα ist in Bild 5 aufgetragen. Es ist hier das Ergebnis der<br />
Probe mit der geringsten Steifigkeit aufgetragen, unter der Annahme, dass hier der geringste Anteil an Restfasern<br />
vorhanden ist. Mittels des Prinzips der Zeit-Temperatursuperposition wird eine Masterkurve konstruiert. Diese beschreibt<br />
zusammen mit einer Shiftfunktion das viskoelastische Verhalten für einen großen Temperatur- und Zeitbereich.<br />
Bild 6 zeigt die Konstruktion der Masterkurve. Unter der Annahme, dass die Restfasern sehr geringen Einfluss<br />
auf die viskoelastischen Eigenschaften haben, werden nur die Relaxationskoeffizienten und -zeiten für das Modell<br />
aus dieser Kurve extrahiert. Der Modul EE 0 (Relaxationsmodul zum Zeitpunkt t = 0) wird aus dem Nanoindenterversuch<br />
abgeleitet und zu 5 GPa gewählt. Die Gültigkeit wird im Folgenden numerisch validiert.<br />
10 <strong>DVS</strong> 375
Bild 5. Konstruktion der Masterkurve bei der Referenztemperatur 25 °C. Für eine bessere Übersichtlichkeit wurden die Kurven<br />
nicht für alle Temperaturen aufgetragen.<br />
4 Modell der Leiterplattenstruktur und numerische Validierung der Materialeigenschaften<br />
Für die numerischen Untersuchungen wird zunächst die Mikrostruktur der Leiterplatte modelliert. Dazu werden<br />
Schliffbilder der Leiterplattenstruktur ausgewertet. Die Bilder wurden mit einem Rasterelektronenmiskroskop aufgenommen.<br />
Mittels Bildbearbeitungssoftware wurden jeweils Ellipsen an die Faserbündel angepasst und deren Durchmesser<br />
sowie die Abstände zwischen den Faserbündeln vermessen (Bild 7). Da die Fasern nicht einzeln modelliert<br />
werden, wird der Durchmesser der Ellipsen proportional reduziert, um den Harzanteil zwischen den Fasern zu berücksichtigen.<br />
Dazu wurde der Flächenanteil der Fasern im Verhältnis zur Ellipsenfläche berechnet.<br />
Bild 6. Schliffbilder der Leiterplatte.<br />
Bild 7. 3D-Modell der Leiterplattenstruktur (links, Harzmatrix ausgeblendet) und Detail der Vernetzung für die numerische Simulation<br />
(rechts).<br />
Das finale 3D-Modell ist in Bild 8 (links) dargestellt. Nach einer Netzstudie wurde die Vernetzung in Bild 8 (rechts)<br />
für weitere numerische Simulation genutzt.<br />
Zunächst wird das Modell genutzt um die Materialeigenschaften mittels numerischer Simulation zu validieren. Für<br />
den Verbund (Laminate des Leiterplattenmaterials) liegen bereits Messdaten der temperatur- und zeitabhängigen<br />
Steifigkeit aus DMA-Messungen in Form von Masterkurven vor [5]. Daraus kann der zeitabhängige Relaxationsmodul<br />
EE(tt) für verschiedene Temperaturen bestimmt werden. In der Simulation wird ein Relaxationsversuch abgebildet,<br />
um EE(tt) zu ermitteln. Da sich die Eigenschaften des Verbunds in Kett- und Schussrichtung unterscheiden, werden<br />
Simulation und Experiment für beide in-plane Richtungen (Kett/x- und Schuss/y-Richtung) ausgeführt. Die<br />
Ergebnisse sind in Bild 9 aufgetragen.<br />
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Bild 8. Ergebnisse von FEM-Simulation und Messung (DMA) des Verbunds. Es wurde der Relaxationsmodul E(t) über der Zeit<br />
bei verschiedenen Temperaturen aufgetragen. x-Richtung (links) und y-Richtung (rechts).<br />
Es ist zu sehen, dass das zeit- und temperaturabhängige Verhalten durch das Modell gut abgebildet wird. Es sind<br />
zwar Abweichungen vorhanden, vor allem in x-Richtung. Im Hinblick auf die getroffenen Annahmen wird das Modell<br />
dennoch als zufriedenstellend betrachtet. Damit ist gezeigt, dass das Mikrostrukturmodell die Eigenschaften der<br />
untersuchten Leiterplatte vorhersagen kann.<br />
5 Multiskalensimulation FE 2<br />
Das zuvor beschriebene Modell soll nun in einer Multiskalensimulation mit der FE 2 -Methode genutzt werden. Die<br />
Ausführungen in diesem Kapitel basieren auf der Veröffentlichung von Miehe [14] und dem Vorlesungsskript von<br />
Kochmann [15]. Bei der FE 2 -Methode wird die FEM-Simulation auf zwei Größenskalen berechnet, Mikroskala und<br />
Makroskala. Beide Skalen werden über im folgenden beschriebene Gleichungen gekoppelt. Das Grundprinzip der<br />
Methode ist, dass jedem Element des Makromodells Mikromodelle zugeordnet werden (ein Mikromodell pro Integrationspunkt,<br />
Bild 10). Es werden dann auf der Makroebene keine Materialgleichungen berechnet, sondern der Verzerrungstensor<br />
jedes Integrationspunktes wird durch geeignete Wahl der Randbedingungen auf ein Mikromodell<br />
übertragen.<br />
Bild 9. Schematische Darstellung des Prinzips der FE 2 -Methode. Jedem Element des Makromodells (links) wird ein Mikromodell<br />
(rechts) pro Integrationspunkt zugeordnet. Das Mikromodell ist hier vereinfacht als vernetzter Würfel dargestellt.<br />
Für eine geeignete Übertragung zwischen Mikro- und Makroskala muss die Hill-Bedingung [16]<br />
⟨σσ m ⋅ εε m ⟩ = ⟨σσ m ⟩ ⋅ ⟨εε m ⟩ (3)<br />
gelten. Die eckigen Klammern stehen für Volumenmittelung wie in der folgenden Gleichung (4) (analog für εε mm ). Für<br />
die Übertragung der Spannungen des Mikromodells auf das Makromodell wird die Volumenmittelung<br />
σσ MM = ⟨σσ mm ⟩ = 1 VV σσ mm dVV (4)<br />
Ω<br />
definiert. Hier bezeichnet σσ MM die Spannung auf der Makroebene am Ort des Integrationspunktes, σσ mm das Spannungsfeld<br />
im Mikromodell, VV das Gesamtvolumen des Mikromodells und Ω das Volumengebiet des Mikromodells.<br />
Die Übertragung des Verzerrungstensors auf das Mikromodell erfolgt mittels spezieller Randbedingungen, die auf<br />
dem gesamten Rand des Mikromodells definiert werden. In dieser Arbeit werden lineare und periodische Randbedingungen<br />
angewendet. Für die linearen Randbedingungen gilt auf dem gesamten Rand des Mikromodells<br />
uu = εε 0 ⋅ xx. (5)<br />
12 <strong>DVS</strong> 375
Dabei ist εε 0 der Verzerrungstensor aus dem Makromodell, der auf das Mikromodell übertragen wird. Für die periodischen<br />
Randbedingungen wird der Rand der Einheitszelle zunächst in zwei Bereiche ∂∂Ω = ∂∂Ω + ∪ ∂∂Ω − eingeteilt. Jedem<br />
Punkt xx + ist einem Punkt xx − zugeteilt, wobei für die Normalen an diesen Punkten nn + = −nn − gilt. Die Randbedingungen<br />
für den gesamten Rand der Einheitszelle erfüllen dann für jedes Paar die Gleichungen<br />
uu + − uu − = εε 0 ⋅ (xx + m − xx − m ) und<br />
tt − = −tt + (6)<br />
,<br />
mit dem Cauchy’schen Spannungsvektor tt. Die beiden Randbedingungsvorschriften sind schematisch in Bild 11<br />
dargestellt. Beide Randbedingungen erfüllen zusammen mit Gleichung (6) die Hill-Bedingung.<br />
Bild 10. Lineare Randbedingungen (links) und periodische Randbedingungen (rechts) für das Mikromodell.<br />
Da es bei dieser Multiskalenmethode keine analytischen Gleichungen für die Materialantwort gibt, werden die FE-<br />
Gleichungen (wie bei allen nichtlinearen Materialmodellen) iterativ mit dem Newton-Raphson-Verfahren gelöst. Um<br />
die Gleichungen in möglichst wenig Iterationen zu lösen, wird eine zum Materialmodell passende Tangentensteifigkeit<br />
(Materialtangente) benötigt:<br />
CC TT = ∂Δσσ<br />
∂Δεε . (7)<br />
Im Multiskalenmodell kann hierfür keine analytische Lösung gefunden werden. Eine Möglichkeit diese zu bestimmen,<br />
ist mittels numerischer Simulation. Es gilt in Voigt-Notation<br />
⎡ CC 11 CC 12 CC 13 CC 14 CC 15 CC 16<br />
CC<br />
⎢ 21 CC 22 CC 23 CC 24 CC 25 CC<br />
⎤<br />
26<br />
⎡ εε 1<br />
εε<br />
⎥ 2<br />
⎤ ⎡ σσ 1<br />
σσ 2<br />
⎤<br />
⎢<br />
CC 31 CC 32 CC 33 CC 34 CC 35 CC<br />
⎢<br />
36<br />
εε ⎥ ⎢<br />
⎥ ⎢ 3 σσ ⎥<br />
⎥<br />
⎢CC 41 CC 42 CC 43 CC 44 CC 45 CC 46 ⎥ ⎢εε = ⎢ 3<br />
⎥<br />
4 ⎥ ⎢σσ , (8)<br />
4 ⎥<br />
⎢CC 51 CC 52 CC 53 CC 54 CC 55 CC 56 ⎥ ⎢εε 5 ⎥ ⎢σσ 5 ⎥<br />
⎣CC 61 CC 62 CC 63 CC 64 CC 65 CC 66 ⎦ ⎣εε 6 ⎦ ⎣σσ 6 ⎦<br />
wobei hier das Δ weggelassen wurde. Werden dann bis auf eine Komponente alle Komponenten von Δεε auf Null<br />
gesetzt, so kann je eine Spalte von CC TT bestimmt werden. Die Komponenten von Δσσ werden dann durch Simulation<br />
der RVE und Mittelung erhalten, wie bereits für die jeweiligen Randbedingungen beschrieben. Somit kann durch<br />
sechs Simulationen am Mikromodell die Materialtangente bestimmt werden. Da in dieser Arbeit viskoelastisches<br />
Materialverhalten im Mikromodell genutzt wird, müssten diese sechs Simulationen in jedem Iterationsschritt zur Bestimmung<br />
der Tangente durchgeführt, was den Berechnungsaufwand erheblich erhöht. Es hat sich jedoch gezeigt,<br />
dass gute Konvergenz auch erreicht werden kann, wenn die Tangente nur einmalig berechnet und wiederverwendet<br />
wird, wobei im Mikromodell die Annahme von linearer Elastizität getroffen wird. Der E-Modul für das viskoelastische<br />
Material wird dabei zu EE = EE(tt = 0) gesetzt. Es wird also die elastische Tangente benutzt, um die Verschiebungsinkremente<br />
der nächsten Iteration zu berechnen, während die Spannungen mit dem viskoelastischen Modell berechnet<br />
werden. Dies führt zu mehr Iterationen, aber weniger Rechenaufwand in jeder Iteration.<br />
6 Implementierung und Validierung der FE 2 -Methode<br />
Die beschriebene Methode wurde in der FEM-Software ANSYS Workbench implementiert. Dazu wurde eine User<br />
Material Subroutine programmiert. Diese Funktion erlaubt dem Benutzer eigene Materialmodelle in Fortran zu implementieren.<br />
Die ANSYS Software übergibt in jeder Iteration den Verzerrungstensor (und andere Werte wie die aktuelle<br />
Zeit und Temperatur) als Eingabegrößen an die Subroutine. Aus diesen werden dann Randbedingungen, wie im<br />
vorherigen Abschnitt beschrieben, abgeleitet und das Mikromodell damit gelöst. Dann werden die Spannung und die<br />
Materialtangente zurückgegeben.<br />
Um die Funktion der implementierten FE 2 -Methode zu testen, werden einfache Einelementtests an repräsentativen<br />
Einheitsvolumen simuliert. Das Makromodell ist ein einzelnes würfelförmiges lineares Element mit 1 mm Kantenlänge.<br />
An jedem Integrationspunkt wird mittels der implementierten Subroutine ein Mikromodell berechnet. So kann<br />
die Materialantwort der FE 2 -Simulation betrachtet und mit erwarteten Ergebnissen verglichen werden. Es wird ein<br />
<strong>DVS</strong> 375 13
vereinfachtes Mikromodell verwendet, wie in Bild 12 gezeigt ist. Es wird linear elastisches Materialverhalten mit einem<br />
E-Modul von 5 GPa für die Matrix und 72 GPa für die Faser angenommen, sowie eine Poissonzahl von 0,3.<br />
Bild 11. Das Mikromodell für den Einelementtest.<br />
Um die Implementierung der FE 2 -Methode validieren zu können, muss ein geeignetes Modell zum Vergleich gewählt<br />
werden. Dazu wird ein FEM-Modell erstellt, das aus periodischer Fortsetzung des Mikromodells besteht und so ohne<br />
FE 2 -Methode auskommt. Es werden Zug- und Scherbelastungen in verschiedenen Richtungen simuliert. In Bild 13<br />
wurde die Reaktionskraft pro Fläche an den Randbedingungen für die verschiedenen Belastungen aufgetragen. Dabei<br />
wurde jeweils die relevante Komponente aufgetragen, die x-Komponente für Zug in x-Richtung, die y-Komponente<br />
für die zy-Scherung etc. Dabei wurden zum Vergleich die Werte des Einelementtests mit der FE 2 -Methode,<br />
sowie des Vergleichsmodells, mit drei periodisch fortgesetzten Mikromodellen in alle drei Raumrichtungen, dargestellt.<br />
Es ist zu sehen, dass die Werte gut übereinstimmen, mit nur leichten Abweichungen. Die Ergebnisse mit den linearen<br />
Randbedingungen überschätzen die Steifigkeit stets, was den erwarteten Ergebnissen entspricht. Die periodischen<br />
Randbedingungen liefern in allen Belastungsarten bessere Ergebnisse.<br />
Bild 12. Ergebnisse des Einelementtests für lineare Randbedingungen (LRB) und periodische Randbedingungen (PBC).<br />
Es wird außerdem die Verformung und Spannung des Mikromodells mit dem vollen Modell verglichen. Bild 14 zeigt<br />
die Verformung und die von Mises Vergleichsspannung. Es ist deutlich zu sehen, dass die Deformation auch im<br />
vollen Modell periodisch ist. Das Spannungsfeld im Vergleichsmodell und im Mikromodell stimmen gut überein. Bei<br />
den linearen Randbedingungen stimmen Verformung und Spannungsfeld nicht gut überein. An der Abbildung lässt<br />
sich gut erkennen, warum die linearen Randbedingungen die Steifigkeit des Makromodells überschätzen: durch die<br />
linear steigende Verschiebung auf dem Rand werden auch die steiferen Fasern stark gestreckt und nehmen so den<br />
Großteil der Spannungen auf. Dieser Effekt ist besonders stark bei Belastungen senkrecht zur Faser, da bei paralleler<br />
Belastung tatsächlich der Großteil der Spannungen durch die Fasern aufgenommen wird. Das ist auch in Bild 13<br />
daran zu sehen, dass die Zugbelastung in y-Richtung auch bei linearen Randbedingungen sehr gute Ergebnisse<br />
liefert.<br />
Die gemittelte Spannung (und damit die Reaktionskraft in Bild 13) liefert dennoch ähnliche Werte, so dass diese<br />
Randbedingungen auch geeignet sein können. Im Allgemeinen sollten die periodischen Randbedingungen aber bessere<br />
Ergebnisse liefern, weshalb diese auch im Folgenden genutzt werden.<br />
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