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FINE Das Weinmagazin, 57. Ausgabe - 02/2022

ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG ZEITREISE MIT SPÄTBURGUNDERN Das Hauptthema dieser Ausgabe ist: WEIN & ZEIT Der Assmannshäuser Höllenberg TASTING Höllenberg-Spätburgunder ab 1882 Weitere Themen dieser Ausgabe: EDITORIAL Von Geschmack und Perspektiven CHARTA Die FINE-Weinbewertung TOSKANA Loto: Der Traum des Ingenieurs BORDEAUX Tertre Roteboeuf: Feinste Aromenmusik TASTING Bordeaux des Jahrgangs 1970 SAUTERNES Château Rieussec: Umbruch in Sauternes TASTING Château de Lamarque im Haut-Médoc DIE PIGOTT-KOLUMNE Châteauneuf-du-Pape und Côtes du Rhône CHAMPAGNE Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 5 WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im »Atelier« in München WHISKY Glenmorangie: Im Zeichen der Giraffe KATALONIEN Torres, Teil 5: Priorat – Klasse aus der Einöde INNOVATION Willkommen im Metaversum! NEUE REBSORTEN Piwi-Rebsorten: Wehrhafte Weinstöcke WORTWECHSEL Alkoholfreie Weine? Nun ja ... DAS GROSSE DUTZEND Gereifte Rosés TASTING Schätze der Bischöflichen Weingüter Trier GENIESSEN Hefe im Wein: Ungeklärte Verhältnisse OBSTBRAND Ziegler: Frucht ohne Verfallsdatum RHEINHESSEN Weingut Wittmann: Triumph des Charakters ABGANG Die Kraft der Visionen

ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG
ZEITREISE MIT SPÄTBURGUNDERN

Das Hauptthema dieser Ausgabe ist:
WEIN & ZEIT Der Assmannshäuser Höllenberg
TASTING Höllenberg-Spätburgunder ab 1882

Weitere Themen dieser Ausgabe:

EDITORIAL Von Geschmack und Perspektiven
CHARTA Die FINE-Weinbewertung
TOSKANA Loto: Der Traum des Ingenieurs
BORDEAUX Tertre Roteboeuf: Feinste Aromenmusik
TASTING Bordeaux des Jahrgangs 1970
SAUTERNES Château Rieussec: Umbruch in Sauternes
TASTING Château de Lamarque im Haut-Médoc
DIE PIGOTT-KOLUMNE Châteauneuf-du-Pape und Côtes du Rhône
CHAMPAGNE Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 5
WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase im »Atelier« in München
WHISKY Glenmorangie: Im Zeichen der Giraffe
KATALONIEN Torres, Teil 5: Priorat – Klasse aus der Einöde
INNOVATION Willkommen im Metaversum!
NEUE REBSORTEN Piwi-Rebsorten: Wehrhafte Weinstöcke
WORTWECHSEL Alkoholfreie Weine? Nun ja ...
DAS GROSSE DUTZEND Gereifte Rosés
TASTING Schätze der Bischöflichen Weingüter Trier
GENIESSEN Hefe im Wein: Ungeklärte Verhältnisse
OBSTBRAND Ziegler: Frucht ohne Verfallsdatum
RHEINHESSEN Weingut Wittmann: Triumph des Charakters
ABGANG Die Kraft der Visionen

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ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG

ZEITREISE MIT SPÄTBURGUNDERN

Toskana Bordeaux-Probe Rheinhessen Spirituosen Saint-Émilion

Wolfgang Reitzle Der unterschätzte Philipp Wittmanns Obstbrände Auf Tertre Roteboeuf

und sein Loto Jahrgang 1970 große Rieslinge von Ziegler gelten eigene Regeln


DAS WEINMAGAZIN 2|2022

VILLA SANTO STEFANO 14

BORDEAUX 1970 58

CHÂTEAU DE LAMARQUE 70

ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG 32

11 FINE EDITORIAL _________________ Von Geschmack und Perspektiven

13 FINE CHARTA ____________________ Die FINE-Weinbewertung

14 FINE TOSKANA __________________ Loto: Der Traum des Ingenieurs

26 FINE WEIN & ZEIT ________________ Der Assmannshäuser Höllenberg

32 FINE TASTING ____________________ Höllenberg-Spätburgunder ab 1882

50 FINE BORDEAUX _________________ Tertre Roteboeuf: Feinste Aromenmusik

58 FINE TASTING ____________________ Bordeaux des Jahrgangs 1970

64 FINE SAUTERNES ________________ Château Rieussec: Umbruch im Traditionshaus

70 FINE TASTING ____________________ Château de Lamarque im Haut-Médoc

74 FINE DIE PIGOTT-KOLUMNE _____ Châteauneuf-du-Pape und Côtes du Rhône

78 FINE CHAMPAGNE _______________ Die 100 wichtigsten Champagner, Teil 5

84 FINE WEIN & SPEISEN ___________ Jürgen Dollase im »Atelier« in München

90 FINE WHISKY ____________________ Glenmorangie: Im Zeichen der Giraffe

96 FINE KATALONIEN _______________ Torres, Teil 5: Priorat – Klasse aus der Einöde

102 FINE INNOVATION _______________ Willkommen im Metaversum!

106 FINE NEUE REBSORTEN _________ Piwi-Züchtungen: Wehrhafte Weinstöcke

110 FINE WORTWECHSEL ____________ Alkoholfreie Weine? Nun ja …

112 FINE DAS GROSSE DUTZEND ___ Gereifte Rosés

120 FINE TASTING ____________________ Schätze der Bischöflichen Weingüter Trier

126 FINE GENIESSEN ________________ Hefe im Wein: Ungeklärte Verhältnisse

128 FINE OBSTBRAND _______________ Ziegler: Frucht ohne Verfallsdatum

136 FINE RHEINHESSEN _____________ Weingut Wittmann: Triumph des Charakters

146 FINE ABGANG ___________________ Die Kraft der Visionen

INHALT

FINE 2 | 2022 9


LIEBE LESERINNEN,

LIEBE LESER,

außergewöhnliche Anlässe erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Eine Weinprobe wie die

mit 91 Jahrgängen vom Assmannshäuser Höllenberg bis zurück ins Jahr 1882 dürfte kaum mehr

zu wiederholen sein, und vielen der dabei ausgeschenkten Rheingauer Spätburgunder werden Sie

wahrscheinlich niemals selber begegnen. Damit Sie dennoch möglichst intensiv an diesem Ereignis

teilhaben können, haben wir statt wie üblich einen Autor gleich zwei erfahrene Kollegen ihre

Eindrücke schildern lassen, und zusätzlich widmet sich Daniel Deckers ausführlich der Geschichte

dieser berühmten Lage.

Beim Lesen der Verkostungsnotizen könnte Ihnen auffallen, dass Stuart Pigott und Stephan

Reinhardt die Höllenberg-Weine nicht nur mit jeweils individuellem Blick und eigenen Schwerpunkten

beschreiben, sondern in der Regel auch beide strenger über die Qualität urteilen als der

Rest der Verkosterrunde. Das zeugt nicht etwa von Willkür oder schlechter Laune, sondern von

verschiedenen, dabei gleichermaßen berechtigten Perspektiven. Die eine ist die des Kritikers –

sachlich, manchmal auch überschwänglich, doch stets ganz auf das konzentriert, was in Glas und

Mund wahrzunehmen ist. Dies in Worte und Punkte zu übersetzen, gehört zu unserem Job, zeigt

in diesem Fall aber nur einen Teil der Wahrheit. Denn was da aus der Schatzkammer von Kloster

Eberbach hervorgeholt wurde, hat über Farbe, Duft und Geschmack hinaus einen unschätzbaren

Wert als kulturhistorisches Zeugnis, nicht bloß, weil Assmannshausen zum Welterbe Oberes Mittelrheintal

gehört. Wer das mitempfindet, kann schon einmal zu höheren Punktzahlen kommen, als

das rein sinnliche Erlebnis hergäbe. Umso schöner, wenn sich dann beim ältesten Wein der Probe

doch alle bei der Gewissheit treffen: Ein Spätburgunder aus Charles Darwins Todesjahr kann noch

heute nicht bloß trink-, sondern sogar im besten Sinn genießbar sein.

Kaum weniger eindrucksvoll war unsere Probe bei den Bischöflichen Weingütern Trier, selbst

wenn deren Parade von Riesling-Meisterwerken statt 14 nur gut sieben Jahrzehnte zurückreichte.

Dafür bot sie ein breites Panorama jener Spitzenlagen an Mosel, Saar und Ruwer, für die das

Portfolio des Betriebs berühmt ist, und das Niveau der besten vorgestellten Weine war über jeglichen

Zweifel erhaben – solch einhellige Begeisterung wie bei der 1949er Beerenauslese vom Trittenheimer

Laurentiusberg und dem 1988er Eiswein vom Kaseler Nies’chen hatte Michael Schmidt

in über 40 Jahren Jury-Erfahrung noch nie erlebt. Ähnlich beglückt war Dirk Notheis bei seinem

Bordeaux-Rundblick vom Château Petrus als dem nicht einmal einsamen Gipfel von 1970. Vielen

Weinen dieses herausragenden, aber im Vergleich mit 1961 und 1982 oft unterschätzten Jahrgangs

sagt er noch immer ein längeres erfülltes Leben voraus.

Selbst das Große Dutzend von Rosés ist stärker gereift als bei diesem Weintyp üblich, aber den

Verdacht, diese FINE-Ausgabe sei womöglich eher rückwärtsgewandt ausgefallen, zerstreuen zum

Beispiel Berichte über sehr gegenwärtige französische Güter und aktuelle Trends. Einen echten

Neustart gab es im Münchner Top-Restaurant »Atelier«, dessen kürzlich runderneuertes Team in

Küche und Keller von Jürgen Dollase auf die Probe gestellt wurde, ebenso wie nach dem Wechsel des

Investors beim renommierten fränkischen Obstbrenner Ziegler, wo es neben Klassikern bereits erste

Ergebnisse origineller Experimente zu kosten gibt. Besonders weite Perspektiven eröffnen schließlich

die Porträts von Philipp Wittmann, der im rheinhessischen Westhofen die Entwicklung eines

der wichtigsten Güter Deutschlands vorantreibt, und von Wolfgang Reitzle, in dessen Villa Santo

Stefano der Loto als eine Art Supertoskaner 2.0 entsteht – beiden gemeinsam ist der kompromisslose

Wille zu Stil und höchster Klasse. Spätestens hier sind wir nach den Reisen in die große Vergangenheit

bei spannenden Blicken in eine nicht minder große Zukunft angelangt.

Ihre Chefredaktion

EDITORIAL FINE 2 | 2022 11


DER TRAUM

DES INGENIEURS

WAS WOLFGANG REITZLE ANFÄNGT, DAS TUT ER

GRÜNDLICH. DER AUTOBAUER UND MANAGER

MACHT IN SEINER VILLA SANTO STEFANO SCHON

DEN BESTEN WEIN AUS DER GEGEND VON LUCCA.

JETZT SOLLEN REBBERGE IN DER MAREMMA

SEINEN LOTO NACH GANZ OBEN BRINGEN

Von RAINER SCHÄFER

Fotos ANDREAS HANTSCHKE

14 FINE 2 | 2022 TOSKANA


TOSKANA

FINE 2 | 2022 15


DANIEL DECKERS

Foto: Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

RHEINWEIN AUS

BURGUNDERTRAUBEN?

ROTER BURGUNDER

VOM RHEIN?

DER ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG

IM STREIT DER MEINUNGEN

Es gibt nicht viele Weinberge in Deutschland, deren Namen einen fast mythischen Klang haben. Eines ist ihnen

bei allen Unterschieden gemein: Sie bieten dem spät reifenden Riesling ideale Bedingungen. Ob Steinberger oder

Marcobrunner, ob Scharzhofberger, Bernkasteler Doctor oder Forster Ungeheuer – es waren ausnahmslos Weißweine,

die im 19. Jahrhundert den Ruf der »Hocks« und »Moselles« begründeten. Sowohl die Amerikaner Tom Marvel und

Frank Schoonmaker in ihrem »Complete Wine Book« von 1935 als auch anderthalb Jahrzehnte später der gebürtige

Franzose André Simon, Mitbegründer der Wine and Food Society, sahen deutsche Weißweine an der Weltspitze.

26 FINE 2 | 2022 WEIN & ZEIT


Abbildung: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Hiesigen Rotwein hingegen erwähnte

Simon gar nicht erst, und auch Marvel

und Schoonmaker fanden keine allzu

freundlichen Worte dafür: Ihnen sei in Deutschland

kein Roter von Rang aufgefallen, obwohl die

besseren Weine aus der »aristokratischen« Pinot-

Traube gekeltert und nach dem Stand der (weltweit

bewunderten) Wissenschaft vinifiziert würden.

Doch das reiche bestenfalls für »dünne, instabile und

damit im Grunde uninteressante« Weine. Welch

ein Kontrast zu dem Lob, das Rudolf Gareis, seit

1918 Direktor der Preußischen Staatsdomänen im

Rheingau, wenige Jahre zuvor für »seine« roten

Assmannshäuser Spätburgunder übrig gehabt hatte:

»Je nach dem Reifezustand der Traube liefert sie einen

feurig-roten bis dunkelgranatroten, gut gedeckten

Edelrotwein mit einem leichten charakteristischen

Mandelgeschmack von samtig milder, feiner Herbe

und vollendet harmonischer Abrundung.«

Die so gepriesenen Weine hatten im 19. Jahrhundert

im Angebot keines Grandhotels in Berlin,

Baden-Baden oder Bad Ems fehlen dürfen. Gleich

drei Assmannshäuser standen 1904 auf der legendär

voluminösen Weinkarte im Wiesbadener Kurhaus:

eine Originalabfüllung des herausragenden Jahrgangs

1893 aus der Königlich-Preußischen Domäne zum

Preis von neun Mark, eine Auslese von 1890 aus der

Lage Hinterkirch (»Blume von Assmannshausen«)

zu sieben und ein 1897er aus der Domäne zu

fünf Mark – alles freilich deutlich günstiger als

Riesling-Auslesen aus dem Rheingau oder von Mosel,

Saar und Ruwer. Auch mit »echten« Burgundern

konnten die Assmannshäuser »Edelrotweine« nicht

mithalten. Sonst hätte Wilhelm Ruthe, der Pächter

der Restaurationsbetriebe des von Kaiser Wilhelm

II. hochgeschätzten Kurhauses, wohl kaum Spitzenweine

aus Burgund zu entschieden höheren Preisen

auf die Karte gesetzt, zum Beispiel einen 1897er

Chambertin für zehn Mark oder einen La Tâche für

13 Mark. Die Preise für Schlossabzüge stiegen gar

bis in schwindelerregende Höhen von 50 Mark und

mehr. Damals stand der Assmannshäuser selbst in

Deutschland nicht in einem solchen Ruf, dass man

für Weine aus den besten Fässern der besten Jahrgänge

so viel Geld hätte anlegen müssen wie für

französische vins fins.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Schoonmakers

Urteil über deutsche Rotweine nicht günstiger aus.

Sie glichen doch eher französischen Landweinen,

hielt er 1957 in seinem erfahrungsgesättigten Buch

»German Wines« fest. Sogar die Spätburgunder von

der Ahr und aus der hochgelobten Staatsdomäne in

Assmannshausen entsprächen selbst in den besten

Fällen ziemlich leichten und gewöhnlichen Weinen

aus den weniger berühmten Ecken der Côte d’Or

oder guten Burgundern eines schwächeren Jahrgangs.

Nun mag man den Vergleich zwischen Weinen

aus einem kleinen Seitental des Rheins nördlich

von Rüdesheim und der viel südlicher gelegenen

1886 wurde die fiskalische Übersichtskarte der

Assmannshäuser Weinberge erstellt. Die Luftaufnahme

des Gebietes entstand nach dem Zweiten Weltkrieg

WEIN & ZEIT XLIII

Côte d’Or für unpassend halten, zumal aus dem

Mund eines Amerikaners. Doch Schoonmaker

war kein Außenseiter. Aus der Innensicht des

Weinhändlers Fritz Hallgarten, im Rheingau als

Sohn eines jüdischen Weinkommissionärs aufgewachsen

und 1933 nach London emigriert, war

der regionalen Assmannshausen-Propaganda ebenfalls

nicht zu trauen. Was da oft als bester deutscher

Rotwein bejubelt werde, stellte der Exilant 1951

in seinem Buch »Rhineland – Wineland« ganz

unsentimental fest, sei halt kein Burgunder, auch

wenn er von Burgunderreben stamme. Es sei vielmehr

ein Rheinwein, der einige burgundische Qualitäten

besitze. Den Unterschied mache der Boden:

Was das Rheinische Schiefergebirge hervorbringe,

sei weniger fein als die französischen Burgunder, aber

vielleicht aus denselben Gründen zugleich kräftiger.

Wenn aber keiner dieser Blicke von außen

sonderlich vorteilhaft ausfiel: Führt die »deutsche«

Sicht auf den Assmannshäuser möglicherweise noch

immer zu einem Selbstbetrug – angefangen mit

der Legende, die Deutschen hätten den »roten«

Burgundern damit wenigstens in guten Jahren die

Stirn bieten können?

Ob schon die Zisterzienser rote

Trauben angebaut haben, ist unklar

Zunächst ist die weit verbreitete Ansicht ins Reich

der Fabel zu verweisen, die Zisterzienser hätten im

12. Jahrhundert die Pinot-Trauben von Burgund an

den Rhein geholt und Assmannshausen zu einem

Rotwein-Dorado gemacht. Von dem Problem

abgesehen, für Mittelalter und frühe Neuzeit rückblickend

Rebsorten zu bestimmen (die Ampelografie

ist ein Kind des 19. Jahrhunderts): In einer

Preisliste der Staatsdomäne von 1968 hieß es in aller

Nüchternheit, zwar sei Weinbau in Assmannshausen

schon im Jahr 1108 und damit vor der Ankunft der

Zisterzienser urkundlich belegt, der »Anbau von

Rotweinsorten« lasse sich jedoch erst ab 1740

nachweisen. Tatsächlich fehlt bis heute ein Nachweis,

dass sich unter den Spitzenweinen der Abtei

(rote) Weine aus Assmannshausen befunden hätten.

Gewiss ist hingegen, dass die Eberbacher Zisterzienser

mit einer zusammenhängenden Fläche von

17 (nassauischen?) Morgen imstande gewesen wären,

ähnlich wie im Steinberg und in anderen herausragenden

Rheingauer Lagen Qualitäts weinbau zu

treiben und »Cabinet-Weine« zu erzeugen.

1806 kam dann Friedrich August von Nassau-

Usingen als Oberhaupt des neuen, von den Franzosen

errichteten Herzogtums Nassau in der Rechtsnachfolge

der Abtei über Nacht zu Weinbergsbesitz in

Assmannshausen. Aber als Grundbesitzer war er

nur einer von vielen: Eine wohl erheblich größere

Rebfläche hatte sich vor der Säkularisierung in den

Händen des Mainzer Domkapitels und des Zisterzienserinnenklosters

Marienhausen im nahen

Aulhausen befunden, und auch andere Adlige waren

in Assmannshausen reich begütert. Als Graf Hugo

von Waldbott-Bassenheim, offenkundig in Geldnöten,

dem nassauischen Fiskus neben anderen

Rebbergen 35 mit »rothem Wein« bepflanzte

Morgen in Assmannshausen verkaufte, stieg der

WEIN & ZEIT FINE 2 | 2022 27


ZEITREISE MIT

EIN JAHRHUNDERTEREIGNIS: DIE

VERKOSTUNG VON 91 JAHRGÄNGEN

VOM ASSMANNSHÄUSER HÖLLENBERG

ERLAUBTE EINEN BLICK ZURÜCK

IN DIE WEINGESCHICHTE BIS 1882

SPÄT

Fotos ARNE LANDWEHR

32 FINE 2 | 2022 TASTING


BURGUNDER

Höllenberg – was für ein Name! Doch mit dem Inferno hat die berühmte Lage

oberhalb von Assmannshausen am Ostufer des Mittelrheins zum Glück überhaupt

nichts zu tun, weder in der Qualität der Weine, die sie hervorbringt, noch

sprachhistorisch: Vermutlich ist die Bezeichnung mit dem Wort »Halde« verwandt

und verweist auf den Steilhang mit seinen bis zu 65 Prozent Neigung.

Da der Höllenberg überdies nach Süden bis Südwesten ausgerichtet ist und

der Phyllitschiefer in seinem Boden die Sonnenwärme hervorragend speichert,

reiften und reifen hier mitten im Rheingauer Riesling-Land außergewöhnliche

Spätburgunder heran.

Dem besonderen Rang dieser auch im Ausland geschätzten deutschen Rotweinlage entsprechend

hat FINE schon mehrfach Höllenberg-Verkostungen durchgeführt, noch nie

aber eine solche Punktbohrung wie jetzt am 25. und 26. April: Ging es bei früheren Gelegenheiten

auch um den Vergleich verschiedener an diesem Hang vertretener Güter, konzentrierte

sich diese Probe ganz auf die kaum fassbare Jahrgangstiefe, die in den Kellern des Weinguts

Kloster Eberbach zu finden ist. Gewissermaßen als Aperitif gab es im barocken Wiesbadener

Schloss Biebrich zunächst einen Flight vom Rüdesheimer Berg Schlossberg, danach bekamen

die versammelten internationalen Experten 91 Jahrgänge Assmannshäuser Höllenberg mit

unterschiedlichstem Charakter auf den Tisch. Große Gewächse aus jüngerer Zeit standen da

neben den Spätlesen, Auslesen oder Eisweinen, die – vielfach als Weißherbst – in den 1970erbis

90er-Jahren entstanden sind, aber auch verblüffend gut erhaltene historische Beispiele der

1920er- bis 60er-Jahre, eine Edelbeerenauslese aus John F. Kennedys Geburtsjahr 1917 (die dem

Präsidenten selbst 1963 serviert wurde) sowie schließlich ein nach Ehrfurcht erweckenden

140 Jahren noch immer fruchtig-vitaler 1882er.

Für FINE waren auf Schloss Biebrich neben dem Herausgeber Ralf Frenzel die erprobten

Verkoster Stuart Pigott und Stephan Reinhardt dabei. Ihre Eindrücke und durchaus verschiedenen

Blickwinkel sind auf den folgenden Seiten zusammengefasst.

TASTING

FINE 2 | 2022 33


DIRIGENT

DER

AROMENMUSIK

BEI TERTRE ROTEBOEUF IN SAINT-ÉMILION GELTEN EIGENE

GESETZE – ANGEFANGEN DAMIT, DASS DER WINZERPHILOSOPH

FRANÇOIS MITJAVILE SEIN MITTLERWEILE LEGENDÄRES GUT

NICHT ALS »CHÂTEAU« BEZEICHNEN MAG

Von RAINER SCHÄFER

Fotos JOHANNES GRAU

François Mitjavile gilt als ein Philosoph unter den Winzern, der mit enzyklopädischem Wissen, ungewöhnlichen

Gedankenspielen und Zusammenhängen überrascht; wegen seines ausgeprägten Sendungsbewusstseins

wurde er auch schon Apostel und Prediger genannt. Er kann zu langwierigen Monologen ansetzen und

Gesprächspartner in die Verzweiflung treiben, weil seine Ideenschleifen weiter und weiter mäandern und

er sich fortwährend wegzubewegen scheint vom eigentlichen Thema. Einfache oder gar banale Antworten

bekommt man von ihm nie. Aber der wortgewaltige Feingeist aus Saint-Émilion versichert: »Ich komme

auf das Eigentliche zurück, auch wenn es nicht danach aussieht.«

Der Besitzer des Guts Tertre Roteboeuf ist eine der

profiliertesten Persönlichkeiten im Bordelais und längst

eine lebende Legende der internationalen Weinwelt.

Es gibt nur wenige Winzer, die sich über die Reben und ihre

Früchte so viele Gedanken gemacht haben, kaum jemand kann

die Kurven der Vegetationsverläufe und die Auswirkungen der

Wetterkomponenten auf den Wein so exakt analysieren wie

François Mitjavile. Es braucht Winzer wie ihn, die laufend den

Status quo infrage stellen und sich immer neue Ziele stecken.

»Ich arbeite immer an der Grenze des Möglichen«, sagt der

73-Jährige, »ich kenne es gar nicht anders.« Mitjavile hat eine

treue, über die ganze Welt verstreute Fangemeinde, die ihn und

seine Weine verehrt – Tertre Roteboeuf kann es sich leisten,

vieles anders anzugehen.

Im Südosten der Appellation liegt das Weingut, in Nachbarschaft

der Châteaux Ausone, Pavie und Troplong Mondot,

dessen grobklotziger Wasserturm zwangsläufig die Blicke

auf sich lenkt. Tertre Roteboeuf ist ein eher bescheidenes

Anwesen aus dem frühen 18. Jahrhundert, ein Landhaus im

traditionellen Stil und keiner der üblichen Protzbauten. Zum

50 FINE 2 | 2022 BORDEAUX


BORDEAUX

FINE 2 | 2022 51


BORDEAUX

VERKOSTUNG EINES UNTERSCHÄTZTEN GROSSEN JAHRGANGS

Abseits des Bordelais war 1970 ein ereignisreiches Jahr. Andreas Baaders spektakuläre

Flucht aus der Berliner Haft wurde zur Geburtsstunde der RAF, die Beatles gaben unter

den Tränen ihrer Fans ihre endgültige Trennung bekannt, der tschechoslowakische

Ministerpräsident Oldřich Černík verlor als letzter Vertreter des Prager Frühlings sein

Amt, und Willy Brandt leitete mit seinem Warschauer Kniefall symbolhaft die neue Ostpolitik

ein. In den Rebzeilen rechts wie links der Gironde hingegen reifte bei geradezu

perfekten Bedingungen in aller Ruhe ein wahrhaft großer Jahrgang heran. Die Witterung

in der Region Bordeaux wurde sowohl im Sommer als auch während der Lese von viel

Sonne und nur gelegentlichen milden Niederschlägen geprägt. Dass die Winzer zudem

in jenem Jahr von Frost wie von schweren Regenfällen verschont blieben, ergab eine der

gesündesten und größten Ernten ihrer Zeit.

Noch als Tourist und Gast im Bordelais unterwegs

war damals ein junger Amerikaner, der

später die Weinwelt revolutionieren und ihr

seinen gutachterlichen Stempel aufdrücken sollte.

Im Jahr darauf kehrte Robert Parker Jr. zurück und

verkostete entzückt zum ersten Mal einen Jahrgang

vom Fass – es war der 1970er. Der Legende nach

soll dieses Erweckungserlebnis Parkers besondere

Bordeaux-Liebe begründet haben, auf jeden Fall aber

markiert der Jahrgang den Beginn einer Zeitenwende

in der globalen Aufmerksamkeit für die Weine der

Region, die bis heute nachwirkt.

Eine Auswahl von 21 der wichtigsten Bordeaux

von 1970 zu einer Verkostung zusammenzustellen,

erlaubt sowohl eine analytisch-holistische Rückschau

als auch eine Bewertung der Einzelleistungen

58 FINE 2 | 2022 TASTING


1970

Von DIRK NOTHEIS

Fotos GUIDO BITTNER

der Châteaux aus heutiger Genussperspektive. Nach

mehr als einem halben Jahrhundert ist die Qualität

dabei durchweg konsistent, und der Reifezustand

der Weine, von denen manche immer noch Entwicklungspotential

zeigen, überrascht doch sehr

positiv. Selbst Zweitweine wie Château Latour Les

Forts de Latour beeindrucken durch Präsenz und

Frische. Alle Appellationen des Bordelais haben

1970 Spitzenweine hervorgebracht, und auch vermeintlich

kleinere, heute weniger beachtete Güter

haben Herausragendes geliefert. So zählte Château

Giscours aus Margaux, für Kenner nicht völlig überraschend,

sogar zur absoluten Spitze der Verkostung.

Im horizontalen Vergleich trinken sich die

Weine des rechten Ufers aktuell mit leichtem Vorteil

gegenüber ihren vom Cabernet Sauvignon geprägten

linksseitigen Brüdern. Wer den Merlot zum richtigen

Zeitpunkt ernten und dann schonend verarbeiten

konnte, steuerte zu den 70ern neben dem eh vorhandenen

robusten und für Langlebigkeit bürgenden

Tanningerüst noch ein Plus an Frucht, Fülle und

Fleischigkeit bei. Das zeigt nicht nur der Petrus,

ein reiner Merlot und zugleich der beste Wein der

Verkostung, sondern etwa auch die herausragende

Leistung von Château Pichon Comtesse de Lalande

aus dem nördlichen Médoc: Die Comtesse mit ihrem

etwas größeren Merlot-Anteil stellte jetzt auf hohem

Niveau alle benachbarten Premier-Grand-Cru-Güter

aus Pauillac in den Schatten. Aber auch der Cabernet

erreichte 1970 annähernd perfekte Qualität, was

im durchgängig hohen Niveau der Verkostung zum

Ausdruck kam.

Insgesamt wird der Jahrgang 1970 in Vertikalverkostungen

oft zu wenig gewürdigt und damit aus

Kritikerperspektive unter Wert gehandelt. Dies gilt

vor allem im direkten Vergleich mit den Jahrgängen

1945, 1947, 1959, 1961 oder den großen Weinen

der 1980er-Jahre. Dabei war 1970 im Bordelais

zweifelsfrei ein großes Jahr, das Weine von langer

Lebensdauer und Kraft hervorgebracht hat – aus

heutiger Sicht für die gesamte Region der Höhepunkt

zwischen den beiden Jahrhundertjahrgängen 1961

und 1982. Viele Weine haben im Übrigen immer

noch ein längeres Leben vor sich und können bei

guter Lagerung weiter reifen. Die eine oder andere

selektive Anschaffung lohnt sich daher für Kenner

durchaus, falls sich die seltene Gelegenheit dazu

ergeben sollte.

TASTING

FINE 2 | 2022 59


BRUCH MIT

DEN CODES

VON

SAUTERNES

SÜSS, ALKOHOLREICH, VOLUMINÖS: DIESE EIGENSCHAFTEN

LIEGEN NICHT GERADE IM TREND. DAZU SIND DIE WEINE

KONSERVATIV IM AUFTRITT, KAPRIZIÖS IN DER ERZEUGUNG UND

STEHEN UNTER STARKEM DRUCK DURCH DIE ERDERWÄRMUNG –

VON EINER KRISE DES SAUTERNES ZU SPRECHEN, IST DA

BEINAHE SCHON EINE UNTERTREIBUNG. AUF CHÂTEAU RIEUSSEC

ANTWORTET MAN DARAUF MIT EINER OFFENSIVE

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos GUIDO BITTNER und MARCO GRUNDT

So manche Revolution ereignet sich im Hinterzimmer. Auf Château Rieussec findet sie in

einem kleinen Nebenraum statt. Auf dem Programm steht der zweite Teil der Flaschenabfüllung

des 2019er-Jahrgangs, konkret: Etikettierung, Verkapselung und Verpackung.

Dabei stellt eine Mitarbeiterin die frisch abgefüllten und verkorkten Flaschen auf ein

Förderband, das diese zu einer automatischen Kombi-Anlage aus Laserkodierer, Kapselaufsetzer

und Etikettierer bringt. Am Ende der Strecke nimmt eine Kollegin die Flaschen

in Empfang und packt sie schließlich in handliche Kartons.

So weit, so normal. Doch die Flaschen sind

nicht wie einst klar und schlank, sondern

dunkelgrün und gedrungen, die Etiketten

nicht vornehm in Weiß und Gold gehalten, sondern

knallgelb, und aus den vertrauten Sechser-Holzkisten

sind Viererkartons geworden. Bei so viel Wandel

fragt man sich unwillkürlich: Und was ist mit dem

Wein? Rieussec ist immerhin seit 1855 ein Premier

Grand Cru Classé, Nachbar des legendären Château

d’Yquem und selbst einer der großen Süßweine dieser

Welt. Schmeckt Rieussec noch nach Rieussec?

Tatsächlich war die Verblüffung groß, als Saskia

de Rothschild im Oktober 2021 die neue Verpackung

für den jüngsten Jahrgang präsentierte. »Wir mussten

mit den Codes des Sauternes brechen«, diktierte die

junge Präsidentin der Domaines Barons de Rothschild

(Lafite), zu der Rieussec gehört, in die Mikrofone

der Journalisten, »weil seine Aura verblasst

und sein Konsum selten geworden ist und sich auf

die Feierlichkeiten zum Jahresende beschränkt.«

Der Wein habe es sich, so de Rothschild weiter, »in

der Tradition, der Folklore und der Konvention

bequem gemacht, ohne sich um die übrige Welt

zu kümmern« – ein Wein für einen »Klassizismus«

von gestern, der weder in der Lebensart noch in der

Gastronomie von heute angekommen sei.

Also hat ihr Team den Auftritt von Rieussec neu

definiert, indem es ihn zum einen verjüngt und zum

anderen konsequent in Richtung Nachhaltigkeit ausgerichtet

hat. Wie auf diesem Niveau üblich, gab man

sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Weil sich

64 FINE 2 | 2022 SAUTERNES


SAUTERNES FINE 2 | 2022 65


VON DER BURG

Vor rund 950 Jahren setzte man am linken Gironde-Ufer andere Prioritäten als heute: Als damals das ursprüngliche

Château de Lamarque errichtet wurde, diente es nicht etwa dem Weinbau, sondern als Festung gegen

die Wikinger. Es folgte eine bewegte Historie, in deren Verlauf im 15. Jahrhundert auch mal der englische

Herzog von Gloucester zum Schlossherrn wurde. Nach der Französischen Revolution erwarb wieder ein Mitglied

der Gründerfamilie das Château, und so kann der heutige Besitzer Pierre-Gilles Gromand d’Evry, der

das Gut gemeinsam mit seiner Frau Marie-Hélène betreibt, seinen Stammbaum in nicht ganz gerader Linie

25 Generationen weit bis zum Erbauer zurückverfolgen.

70 FINE 2 | 2022 TASTING


ZUM GRAND CRU

Auch wenn Lamarque wegen dieser Geschichte

als ältestes Château der Region gelten kann,

wurde der Weinbau auf seinen Ländereien

bis zu den 1960er-Jahren lange vernachlässigt.

Inzwischen aber wird das Haut-Médoc-Gut seinem

Anspruch als Mitglied der Union des Grands Crus

de Bordeaux voll gerecht und steht durchaus auf

Augenhöhe mit den Grands Crus Classés. Dank einer

parzellengenauen Kartierung der verschiedenen

Schwemmkiesböden mit Lehm und Sandstein im

Untergrund werden die insgesamt 35 Hektar Weinberge

optimal genutzt, die mit 45 Prozent Cabernet

Sauvignon, 35 Prozent Merlot, 15 Prozent Cabernet

Franc und fünf Prozent Petit Verdot bepflanzt sind.

Im Keller arbeitet Pierre-Gilles Gromand d’Evry mit

dem Önologen Eric Boissenot zusammen, der auch

so berühmte Châteaux wie Lafite, Latour, Margaux

und Mouton Rothschild berät.

Der Grand Vin, von dem das Gut pro Jahrgang

im Schnitt 180 000 Flaschen abfüllt, besteht in der

Regel gut zur Hälfte aus Cabernet Sauvignon von

etwa 40-jährigen Rebstöcken, ergänzt durch Merlot

und etwas Petit Verdot, dessen Bedeutung zuletzt

deutlich gewachsen ist. Der Anteil von Cabernet

Franc hingegen ist seit 1998 immer weiter verringert

worden; die Sorte geht mittlerweile größtenteils in

den Zweitwein Donjon de Lamarque ein, der von

bis zu 60 Prozent Merlot dominiert wird.

TASTING

FINE 2 | 2022 71


JÜRGEN DOLLASE

NEU DABEI UND

SCHON VOLL DA

JÜRGEN DOLLASE ISST BEI ANTON GSCHWENDTNER

IM MÜNCHNER »ATELIER«

Fotos GUIDO BITTNER

Als Anton Gschwendtner im vorigen August

die Küche des Münchner »Ateliers« übernahm,

lag die Latte dort hoch, schließlich

war das Restaurant im Hotel »Bayerischer Hof« in

den letzten Jahren vom kometenhaften Aufstieg

seines Vorgängers Jan Hartwig geprägt worden.

Der war bis 2014 Sven Elverfelds Souschef im

Wolfsburger »Aqua« gewesen und hatte dann in

München schon 2015 den zweiten und 2017 den

dritten Michelin-Stern erhalten. Dass er mit einer

solchen Auszeichnung das »Atelier« 2021 aus

freien Stücken wieder verließ, um demnächst in

München ein eigenes Restaurant zu eröffnen, ist

auch international ein seltener Vorgang und löste

wie üblich allerlei Spekulationen aus, zumal deutlich

wurde, dass die Hotelchefin Innegrit Volkhardt

auf hohem Niveau weitermachen wollte. Dem entsprach

dann Anton Gschwendtner als Nachfolger, der

im Stuttgarter »Olivo« bereits mit zwei Michelin-

Sternen ausgezeichnet worden war. Was viele

Beobachter nicht wissen: Neben Hartwig hatte in

den schwierigen Corona- und Lockdown-Zeiten

fast die gesamte Küchen- und Servicebrigade das

»Atelier« verlassen, darunter der Sommelier Jochen

Benz und die Restaurantleiterin Barbara Engelbrecht.

Trotz dieses radikalen Umbruchs sitzt das

derzeitige Team schon wenige Monate nach der

Wiedereröffnung im November 2021 fest im Sattel

und hat gleich vom Start weg im Guide Michelin

erneut zwei Sterne bekommen.

Der 37-jährige ANTON GSCHWENDTNER

(im Foto links) stammt aus Freising und hat im

»Forsthaus am See« in Possenhofen gelernt. Sein

Weg führte ganz klar in Richtung Spitzenküche,

mit Stationen im »Bareiss« in Baiersbronn, im

»Acquarello« in München, in »Johann Lafers Stromburg«,

in »Petermann’s Kunststuben« in Küssnacht

und schon einmal von 2006 bis 2014 (also vor der

Hartwig-Zeit) im »Atelier« im »Bayerischen Hof«,

zuletzt als Souschef. Chef de Cuisine war er danach

im Münchner »Délice La Brasserie«, im Wiener

»Das Loft« und von 2018 bis 2021 im Stuttgarter

»Olivo«, ehe er als Küchenchef ins »Atelier« zurückkehrte.

Gschwendtner verfügt über sehr gute handwerkliche

Grundlagen und hat sich vor allem auf

den virtuosen Umgang mit Aromen aus aller Welt

spezialisiert, die er in oft komplexen und kreativen

Gerichten zusammenführt.

Neuer Sommelier im »Atelier« ist seit Januar

dieses Jahres der 1987 geborene SHAHZAD

TALUKDER (rechts im Bild). Er ist erst durch

Studentenjobs auf diesen Beruf gekommen, hat dann

aber konsequent und vielseitig interessiert an seiner

Ausbildung gearbeitet: Noch vor dem Abschluss

als Sommelier legte er eine Tea-Master-Prüfung

ab, und vor Kurzem gewann er eine Auszeichnung

beim Sake-Pairing-Contest der japanischen Sake

and Shochu Makers Association. Seine Stationen

waren das Hotel »The Chedi« im schweizerischen

Andermatt, das »Falkenstein Grand Kempinski«

in Königstein im Taunus, das Dresdner »Bean &

Beluga« und zuletzt das Restaurant »Léa Linster«

im luxemburgischen Frisange.

84 FINE 2 | 2022 WEIN & SPEISEN


WEIN & SPEISEN

WEIN & SPEISEN FINE 2 | 2022 85


KLASSE

AUS DER

EINSAMKEIT

ALS SPÄTSTARTER UNTER SPANIENS GROSSEN WEINREGIONEN

HAT SICH DAS PRIORAT AB 1989 IN KÜRZESTER ZEIT EINEN

BEINAH MYTHISCHEN RUF ERWORBEN. FAMILIA TORRES HATTE

HIER SCHON VOR GUT 100 JAHREN WEIN ERZEUGT, BEVOR

BÜRGERKRIEG UND DIKTATUR SIE AUS DER ABGELEGENEN

GEGEND AM FUSSE DES MONTSANT-MASSIVS VERTRIEBEN.

INZWISCHEN IST TORRES ZURÜCKGEKEHRT UND PRODUZIERT

HIER DEN EXKLUSIVEN MAS DE LA ROSA

Von STEFAN PEGATZKY

Fotos JOHANNES GRAU

Wie ein Tigerfell schimmert das Gestein in der Sonne mit seinen Streifen von Orange,

Gold und Schwarz. »Llicorella« nennen die Katalanen den quarzhaltigen Schiefer, der

hier in der Gemarkung von Porrera im Osten des Priorats besonders hart und durch etwas

Eisenanteil auch rötlich ausfallen kann. Es ist ein Sediment vom Boden des Urmeeres

Thetys, das bei der Entstehung der Pyrenäen durch die Kollision von Afrikanischer und

Eurasischer Erdplatte nach oben gefaltet und nach Jahrmillionen der Erosion schließlich

nahezu blank an der Erdoberfläche freigelegt wurde – die ältesten Steinschichten in

Katalonien. Den Weinreben liegt der Schiefer, weil er Sonnenwärme speichert und nachts

wieder abgibt, so wie an Mosel und Ahr oder im portugiesischen Duoro. Llicorella-Böden

finden sich vereinzelt auch im Penedès, mit Lehm vermengt zudem in der benachbarten

Appellation Montsant, in dieser Dichte aber einzig im Priorat.

Miguel Torres Maczassek liebt dieses

spektakulär unwirtliche Land und seine

Böden, das schon vor gut 100 Jahren

zur Geschichte des Familienweinguts gehörte.

Das belegen Flaschen aus den 1920er-Jahren im

Firmenarchiv, etwa ein Coronas Priorato Superior

Abocado (also halbtrocken) 1923 oder ein vermutlich

trockener Tres Torres Priorato Superior 1928. Das

war nicht selbstverständlich, lagen doch gut 100 Kilometer

(und wegen der schwierigen Straßenverhältnisse

eine stundenlange Reise) zwischen dem Torres-

Hauptsitz Vilafranca del Penedès und Escaladei,

dem Ursprungsort der Weinproduktion im Priorat.

Doch was der von den Römern begonnene und von

Kartäusermönchen im 12. Jahrhundert wiederbelebte

Weinbau hervorbrachte, hatte sich bereits

96 FINE 2 | 2022 KATALONIEN


WILLKOMMEN IM

METAVERSUM!

KRYPTOWÄHRUNG, BLOCKCHAIN, NFTS – SOLCHE BEGRIFFE

AUS DER DIGITALEN WELT FALLEN IMMER ÖFTER AUCH DANN,

WENN ES UM WEIN GEHT. ABER WIE SOLLEN DAS SINNLICHE

GETRÄNK UND DIE VIRTUELLE SPHÄRE DES INTERNETS

ZUSAMMENKOMMEN? VIELLEICHT UNGEFÄHR SO WIE IN

UNSEREM KLEINEN SZENARIO AUS DEM JAHR 2025

Von STEFAN PEGATZKY

Gleich war es neun Uhr, Eva wartete

sicher schon. Adam kam aus dem Bad

und lockerte den Hemdkragen. Gerade

ging die Sonne unter, und das adaptive Fensterglas

passte seine Durchlässigkeit an den orange

glühenden Himmel an. »Hey Siri, intim«, flüsterte

Adam in Richtung HomePod, und kurz darauf entsprachen

Hintergrundmusik und Beleuchtung

seinem Wunsch. Auf dem Tisch stand eine Flasche

Wein, die Adam bereits vor einer Stunde geöffnet

hatte. Auch ihre Echtheit hatte er geprüft, obwohl

sein Händler zu den renommiertesten in der City

gehörte. Aber es machte ihm einfach Spaß, mit

der App die Blockchain-Einträge zu durchstöbern.

Nun scannte Adam den QR-Code auf dem Rückenetikett

mit seinem Amazon-Fire-Stick und stellte

dann sein Smartphone auf einen schmalen Ständer

vor der Flasche, direkt auf das Label mit dem Porträt

einer jungen Frau gerichtet. »Mal sehen …«, murmelte

er, schaltete den Flachbildschirm an der Wand an und

öffnete dann das Kameramenü seines Handys. Jetzt

war endlich der Moment für sein Romance-Token

gekommen, das er vor drei Jahren beim Kauf erhalten

hatte − einer der kleinen Boni zu seiner nicht ganz

unerheblichen Bestellung. Wie fast alle ihrer Freunde

lebten Adam und Eva in einer »LDR«, einer »longdistance

relationship«, und viele Weingüter hatten

sich mit speziellen Angeboten darauf eingestellt.

Eine kleine pulsierende LED in der Statusanzeige

seines Handys signalisierte Adam, dass

auch Eva sich online eingeloggt hatte. Nur wenige

Augenblicke später erschien sie auf dem Bildschirm,

und das Porträt auf der Flasche nahm ihre Züge an.

102 FINE 2 | 2022 INNOVATION


MEHR ALS NUR EIN

ROSÉ ENTWICKELT SICH

112 FINE 2 | 2022 DAS GROSSE DUTZEND


TREND:

ZUM NEUEN CHAMPAGNER

DAS GROSSE DUTZEND FINE 2 | 2022 113


OBST OHNE

VERFALLSDATUM

DIE FRUCHT INS GLAS ZU BRINGEN, IST LAUT BRENNMEISTER

PAUL MAIER DAS ZIEL DER EDELBRENNEREI ZIEGLER. DER

TRADITIONSBETRIEB ERREICHT ES SO ZUVERLÄSSIG, DASS

SELBST BEI DEN FAST HUNDERTJÄHRIGEN RARITÄTEN AUS

SEINEM KELLER DIE ZWETSCHGEN NOCH PRÄSENT SIND

Von UWE KAUSS

Fotos ARNE LANDWEHR

128 FINE 2 | 2022 OBSTBRAND


Eine halbe Stunde östlich von Frankfurt beginnt ein unbekanntes Genießerland. Der Spessart entlang des

Mains bildet ein über Jahrhunderte zusammengefügtes Patchwork mit Obstwiesen und Feldern, Orten voll

von barockem Fachwerk und Rebzeilen in den Weinbergen am Fluss. Hier scheinen die Uhren in einem etwas

ruhigeren Takt als woanders zu schlagen. Das Dreiländereck von Baden-Württemberg, Hessen und Bayern

ist vor allem eine Geschmacksregion: In Klingenberg hebt der frühere Sternekoch Ingo Holland mit seinem

»Alten Gewürzamt« das Würzen von Speisen auf ein neues Niveau, nebenan in Bürgstadt hat das fränkische

VDP-Spitzenweingut Rudolf Fürst seinen Sitz, und noch ein paar Kilometer weiter den Fluss hinauf wird in

der Edelbrennerei Ziegler seit Generationen der Obstbrand gepflegt.

Die feinen Destillate entstehen zwischen Mainufer, Hauptstraße

und Waldrand in Freudenberg, am nördlichsten

Zipfel Baden-Württembergs. 1865 von Gustav Joseph

Ziegler als Brauerei mit Brennrecht gegründet, produziert der

Betrieb seit 1985 Deutschlands wohl bekanntesten Edelbrand:

Der »No. 1 Wildkirsch« hat in der Spitzengastronomie den

Standard gesetzt. Paul Maier ist heute einer der ältesten Mitarbeiter

von Ziegler, aber mit seinen erst 32 Jahren zugleich der

jüngste Destillateurmeister Deutschlands. Der Bartträger mit

T-Shirt über der Arbeitshose schaut hoch zur Bergkuppe, wo

die Mauern der Burg Freudenberg die Baumwipfel überragen,

Fahnen flattern. Dem Buntsandstein haben die verschiedenen

Eigner der Brennerei im Laufe der vergangenen 157 Jahre immer

mehr Raum abgetrotzt.

Paul Maier zeigt aufs Dach der in den Berg gebauten Lagerhalle

hinter dem ehemaligen Brauerei-Gasthaus. Dort warten

26 große Gärtanks mit eingebauten Rührwerken auf das Obst

des nächsten Sommers. »Wir produzieren zwischen 130 000

und 140 000 Flaschen pro Jahr und verarbeiten dabei etwa

800 Tonnen Obst«, erzählt Maier und blinzelt in die Frühlingssonne:

»Unser Konzept ist, die Frucht ins Glas zu bringen.« Damit

dies so intensiv wie möglich gelinge, werde bei der Gärung durch

OBSTBRAND FINE 2 | 2022 129


CHARAKTER

SIEGT ÜBER DIE

GEFÄLLIGKEIT

PHILIPP WITTMANN IST SEIT ZWEI JAHRZEHNTEN EINE PRÄGENDE

KRAFT DER DEUTSCHEN RIESLING-KULTUR. DER RHEINHESSE HAT MIT

WEITSICHT UND DER RÜCKENDECKUNG SEINER FAMILIE MASSSTÄBE

DAFÜR GESETZT, WIE DIE REBSORTE SCHMECKEN KANN UND SOLL –

NICHT ZULETZT, INDEM ER SICH SELBSTBEWUSST GEGEN SCHEINBAR

ÜBERMÄCHTIGE STILDIKTATE AUS ÜBERSEE ZUR WEHR SETZTE

Von STUART PIGOTT

Fotos CHRISTOF HERDT

Ein geschichtsträchtiger Moment steht mir noch quicklebendig

vor Augen: Berlin am 2. Oktober 1990, der Vorabend

der deutschen Wiedervereinigung. Die friedliche

Menschenmenge wird von der Polizei auf fast eine Million

Personen geschätzt. Bei heiterem Herbstwetter herrscht Hochstimmung,

als ich mich mit Tausenden Menschen vom Brandenburger

Tor in Richtung Fernsehturm bewege. Eine Reihe von

Bühnen ist entlang der Straße Unter den Linden aufgebaut,

und auf jeder davon spielen Musiker etwas ganz anderes als

ihre Nachbarn – im Vorbeilaufen mischen sich die unterschiedlichsten

Klänge auf wunderbare und witzige Weise. Dann stehe

ich auf dem Bebelplatz und traue meinen Augen kaum: Einen

der kleinen Stände dort betreibt das Weingut Wittmann aus

dem rheinhessischen Westhofen.

»Das ist ja eine schöne Überraschung!«, ruft Elisabeth

Wittmann hinter dem Tresen und stellt mir ihren 16-jährigen

Sohn Philipp vor, der ihr am Stand hilft. Sie hat recht! Fast zwölf

Stunden bin ich heute von Bernkastel an der Mosel nach Berlin

gefahren, nachdem ich sehr früh am Morgen das Nötigste in

meine Taschen geworfen hatte – und etwas Unnötiges: meine

letzte Flasche Krug 1975 Vintage-Champagner. Ähnlich bunt

ist die Mischung von Gedanken in meinem Kopf, darunter

auch Erinnerungen an meinen ersten Besuch bei Wittmanns

vor wenigen Wochen. Die trockene 1989er Riesling-Spätlese

aus der Lage Morstein, die Elisabeth und ihr Mann Günter mir

eingeschenkt haben, hat sich mir eingeprägt, ein richtig guter

Wein für die damals noch ziemlich unbekannte Ecke von Rheinhessen.

Er bleibt jedoch deutlich hinter den besten Gewächsen

136 FINE 2 | 2022 RHEINHESSEN


RHEINHESSEN FINE 2 | 2022 137


FINE DAS WEINMAGAZIN 3|2022 erscheint

im September 2022

… voraussichtlich mit diesen Themen: ÖSTERREICH Schloss Gobelsburg im Kamptal

BORDEAUX Château Cheval Blanc und Château Duhart-Milon in Pomerol, Château

Beauregard in Saint-Émilion KATALONIEN Das Wein- und Olivengut Purgatori der

Familie Torres in den Costers del Segre NAHE Dönnhoff – Spitzenriesling in vierter

Generation VERKOSTUNGEN 49 Jahrgänge L’Église Clinet aus Pomerol sowie Edles

vom Adel – frucht- und edelsüße Rieslinge der Jahrgänge 1971 bis 1990 von Rheingauer

Domänen WEIN & SPEISEN mit Jürgen Dollase DAS GROSSE DUTZEND •

WEIN & ZEIT Das »deutsche Weinwunder« in Rot WEINHAMMER Die Auktionen von

2021 KOLUMNEN von Ursula Heinzelmann, Stuart Pigott sowie den Kombattanten

Uwe Kauss und Dirk Würtz

144 FINE 2 | 2022


FINEABGANG

DIE KRAFT

DER VISIONEN

Es gibt ja erfreulich viele Winzer, die Jahr für Jahr eine hohe, teils auch

großartige Qualität auf die Flasche bringen. Manchmal aber triff man in

der Branche auf einzelne Menschen, die durch ihre Persönlichkeit noch

besonders herausragen. Sie werden getrieben von einem inneren Bild dessen, was

werden könnte, und von ihrer Leidenschaft, Dinge zu entwickeln – auf diese Art

hat Robert Mondavi einst das Napa Valley wiederbelebt und Kalifornien zurück

auf die Weinkarten gebracht. Ein solcher Visionär kann aus einer traditionsreichen

Winzerfamilie stammen, deren Arbeit er plötzlich auf eine neue Stufe hebt und

das Image der ganzen Region gleich mit, so wie das Lamberto Frescobaldi in der

Toskana, Erwin Sabathi in der Steiermark oder Wilhelm Weil im Rheingau getan

haben. Ebenso gut jedoch taugen Quereinsteiger für diese Rolle, das beweisen

etwa Michael Moosbrugger mit dem Kamptaler Schloss Gobelsburg und Georg

Weber mit seinem südtoskanischen Monteverro.

In Zukunft, davon bin ich überzeugt, wird man auch Wolfgang Reitzle zu

diesem illustren Kreis zählen können – was er auf seinem Gut Villa Santo Stefano

leistet, das wir ab Seite 14 vorstellen, beobachte ich seit den Anfängen vor zwei

Jahrzehnten mit großer Freude. Zwar wirkt der Weg zum Weinbau für den Ingenieur

und Manager noch weiter als für den Hotelierssohn Moosbrugger oder den

Gartenmarkt-Unternehmer Weber. Aber wie der Perfektionist Reitzle danach

strebt, den besten Wein Italiens zu machen, das ist einfach beeindruckend. In

den Hügeln von Lucca ist ihm schon sehr viel gelungen, und mit der jüngsten

Expansion in die Maremma könnte er das Ziel tatsächlich erreichen. Vorerst ist

sein Loto immerhin schon das Beste, was die Region hergibt, so wie auf seinem

Gebiet das Olivenöl der Villa.

Ihr Ralf Frenzel

Herausgeber und Verleger

146 FINE 2 | 2022


POLNISCHER ROGGEN

REINES WASSER

ÜBER FEUER DESTILLIERT

Belvedere empfiehlt massvoll-geniessen.de

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