22.06.2022 Aufrufe

Ausgabe 03/2022 (53 MB)

| Weiterwachsen: Coverinterview mit Karina Schunker| Zu Tisch mit … Jenni Wenkel | Kommentare von unter anderem Michael Pisecky, Hans Jörg Ulreich, Otmar Lahodynsky, Georg Flödl, Louis Obrowsky, Martin Prunbauer, Alexander Passer, Stefan Schleicher, Martina Maly-Gärtner, Mikis Waschl, Henrik von Bothmer | Exklusiv im Interview Alexander Bosak, Matthias Grosse und Maximilian Rath | RoundTable: Digitalisierung im Facility Management | RoundTable: Dach, Fenster, Beschattung und Fassade| Kolumnen von Jasmin Soravia, Wolfgang Fessl, Anita Körbler | Real Circle – Gesundheitsimmobilien | Über den Terrand: Der Gin und sein Tonic |

| Weiterwachsen: Coverinterview mit Karina Schunker| Zu Tisch mit … Jenni Wenkel
| Kommentare von unter anderem Michael Pisecky, Hans Jörg Ulreich, Otmar Lahodynsky, Georg Flödl, Louis Obrowsky, Martin Prunbauer, Alexander Passer, Stefan Schleicher, Martina Maly-Gärtner, Mikis Waschl, Henrik von Bothmer | Exklusiv im Interview Alexander Bosak, Matthias Grosse und Maximilian Rath | RoundTable: Digitalisierung im Facility Management | RoundTable: Dach, Fenster, Beschattung und Fassade| Kolumnen von Jasmin Soravia, Wolfgang Fessl, Anita Körbler | Real Circle – Gesundheitsimmobilien | Über den Terrand: Der Gin und sein Tonic |

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Mit

14 Seiten

extra!

Weiterwachsen

Coverinterview mit

Karina Schunker

Wir leben Immobilien.

Vermittlung | Verwaltung | Bewertung | Baumanagement

ehl.at


jpi.at

Wir stellen uns jeden Tag der spannenden

Herausforderung, maßgeschneiderte

Lösungen zu finden, um jedes individuelle

Wohnbedürfnis zu befriedigen – von

500 Euro Miete bis zum 10-Millionen-

Penthouse, vom Hotelzimmer bis zum

Serviced Apartment.

→ +43 1 596 60 20


VON

EG

BIS

PALAIS


Event

REAL ESTATE MEDIA GROUP

ImmoFokus

Digital Edition

Den ImmoFokus

immer und überall lesen

LESEN SIE DEN IMMOFOKUS in der für alle Mobile Devices wie

Mobile Phones und Tablets optimierten App. Mit der App lassen sich

die interaktiven E-Paper-Magazine der „Real Estate Media Group“

per Smartphone, Tablet durchblättern und im Volltext durchsuchen.

Erhalten Sie auf Knopfdruck Zugriff:

# ... auf die aktuellen E-Paper Ausgaben des ImmoFokus

# ... auf www.immo-timeline.at – das Newsportal für die Immobilien- und Baubranche

# ... das ImmoFokus Magazin-Archiv der letzten Jahre

# ... auf die integrierte Archiv-Volltextsuche

Laden Sie die E-Paper-App – am besten noch heute.

04 ImmoFokus


FÜR ALLE, DIE DINGE GERNE GENAUER UNTER DIE LUPE NEHMEN.

Hier die App downloaden!

Mit unseren Newslettern sind Sie immer aktuell informiert.

immo-timeline.at

Ausgabe 03|2022

05


ImmoFokus.Rubrik

14

Wohnen im Alter

Luxuriöse Alterssitze

Weiterwachsen

38

COVERINTERVIEW

MIT KARINA SCHUNKER

INHALT

Rubriken

AUSGABE

Positionen & Meinungen

08 VOM HERAUSGEBER

10 EDITORIAL

178 VORSCHAU/IMPRESSUM

Unternehmen & Projekte

14 BILDERSTRECKE LUXUSALTERSSITZE

30 START-UP

32 TOP DEAL

33 PROBLEMLÖSER

34 IMMOBILIE IM FOKUS

35 AUFSTEIGER

38 COVERINTERVIEW MIT ...

Karina Schunker

50 ZU TISCH MIT ...

Jenni Wenkel

56 WEIN UND IMMOBILIEN

58 DER NATO-AMTSSITZ IN BRÜSSEL

Kommentar von Otmar Lahodynsky

60 LIVESTYLEALLERGENE

Kommentar von Frank Brün

61 DIE BOTSCHAFT HÖR ICH WOHL …

Kommentar von Georg Flödl

62 WIE WERDEN IMMOBILIEN WERTHALTIG?

Kommentar von Stefan Schleicher

63 KLIMASCHUTZ JETZT ENDLICH!

Kommentar von Alexander Passer

64 VOX FEMINA

Kommentar von Martina Maly-Gärtner

65 DIGITALISIERUNG IM FM

Kommentar von Mikis Waschl

66 BEWEGTE IMMOBILIENWIRTSCHAFT

Kommentar von Philipp Kaufmann

67 ANREIZE SCHAFFEN!

Kommentar von Michael Pisecky

68 KEIN SCHERZ

Kommentar von Hans Jörg Ulreich

70 DER MARKETER

Kommentar von Philipp Kaufmann

72 EIGENTUM BENÖTIGT RENDITE

Kommentar von Louis Obrowsky

74 ZIELSCHEIBE MITTELSTAND

Kommentar von Martin Prunbauer

76 INSEL DER SELIGEN?

Kommentar von Wolfgang Fessl

ImFokus:

Gesundheitsimmobilien

88 REAL CIRCLE

Gesundheitsimmobilien

94 STEIGENDER BEDARF

Kommentar von Jasmin Soravia

96 BLICK AUF DIE ASSETKLASSE

Stabile Renditen und Sicherheit

100 DIE GOLDENE GENERATION

Kommentar von Henrik von Bothmer

Fotos: Tertianum, Christian Meixner, Caroline Minjolie, Adobe Stock

06 ImmoFokus


88

Der 26. Real Circle

Gesundheitsimmobilien

118

Über den Tellerrand

Gin und Tonic aus Österreich

50

Zu Tisch mit ...

Jenni Wenkel

03|2022

101 INVESTMENTMARKT 2022

Kommentar von Markus Mendel

102 FRECH GESAGT

Kolumne von Anita Körbler

118 ÜBER DEN TELLERRAND

Der Gin und sein Tonic

123 IMMO FUTURELAB

Blueprint

106 VORWORT

Thomas Malloth

108 DAS CO 2

KOSTAUFG?

Magdalena Weißmann

110 INFLATION

Franz Gschiegl

114 PATIENT ZERO?

Christian Janisch

116 ILLMITZER GESPRÄCHE 2022

Das Programm

126 RECYCLING-BAUSTOFFE 2030

128 DIE NULL EMISSIONSTHERME

130 ÖSTERREICH IST ZU KLEIN

Interview mit Silvia Schmitten-Walgenbach

134 DAS TRIUMVIRAT

Interview mit Alexander Bosak,

Matthias Grosse und Maximilian Rath

138 HOMEOFFICE FÜR MAKLER

140 ROUND TABLE

Digitalisierung im Facility Management

146 DIALOGFORUM BAU

Abriss nur als Ultima Ratio

152 ROUND TABLE

Dach, Fenster, Beschattung und Fassade

156 MINERALWOLLE IN DER VERGABE

Kommentar von Berthold Hofbauer

157 RECHTSSICHER DÄMMEN

Kommentar von David Suchanek

158 COPA REAL 2022

166 30 JAHRE EHL

168 EVENTS

175 BUCHTIPPS

176 OBSERVER

Ausgabe 03|2022

07


Falsche

Signale!

„Sind auf einmal die

CO2-Emissionen durch

die Verfeuerung von

Braunkohle kein

Problem mehr?“

E

ergieministerin Leonore Gewessler

berichtet von Plänen, das derzeit

stillgelegte Fernheizkraftwerk Mellach

in der Steiermark so umzurüsten,

dass dort im Notfall wieder aus Kohle Strom

und Wärme erzeugt werden kann. Mellach,

gelegen südlich von Graz, war das letzte Kohlekraftwerk

Österreichs. Im Frühjahr 2020 wurde

dort zum letzten Mal aus Kohle Strom erzeugt.

Ziel sei es, die Abhängigkeit von Russland zu

verringern, um nicht erpressbar zu sein, sagte

die Ministerin. Sie betonte aber gleichzeitig, dass

dies „für Österreich Jahre dauern“ könne. Auch

in Deutschland wird überlegt, Strom wieder

vermehrt mit Kohle- statt mit Graskraftwerken

zu erzeugen.

abgedreht. Damals wurde vor allem das CO2-

Argument ins Treffen geführt, von der Reduzierung

der Abhängigkeit von fossilem und

russischem Gas war damals noch keine Rede.

Vielleicht wäre das für das Hochfahren des

Fernheizkraftwerks Mellach notwendige Kapital

in gezielten Förderungen besser eingesetzt.

Nachdem Leonore Gewessler den (genehmigten)

Lobautunnel einer neuerlichen Überprüfung

unterzogen hat, stellt sich natürlich auch

die Frage, ob dies auch bei Mellach passieren

wird. Braucht’s da vielleicht eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung?

Man fragt sich: Sind auf einmal die höheren

CO2-Emissionen durch die Verfeuerung der

Braunkohle kein Problem mehr? Der Immobilienwirtschaft

wurden erst vor einigen Wochen

in einem Handstreich die Gasheizungen

Michael Neubauer

Herausgeber

Fotos: Adobe Stock

08 ImmoFokus


Wir leben

Immobilien.

30 Jahre.

Vertrauen. Kompetenz.

Leidenschaft. Und immer

gerne für unsere Kunden da.

ehl.at


Endlich

Sommer … oder?

„Ganz im Zeichen

der Assetklasse

Gesundheitsimmobilien:

unsere Sommerausgabe.“

N

aturgemäß freuen wir uns alle

auf den Sommer, verbinden wir

doch damit Sonne, im Gastgarten

sitzen, Urlaub und viele andere

angenehme Gefühle. Was dabei etwas stört, sind

die Wetterkapriolen, Stürme und sintflutartigen

Regenfälle. Was uns die Natur damit sagen will:

Es ist fünf nach zwölf. ESG, EU-Taxonomie und

ein in Aussicht gestelltes Aus für Autos mit

Verbrennungsmotor schwirren immer noch zu

sehr als Begriffe herum. Es braucht Taten. Allen

voran von der Bau- und Immobilienwirtschaft.

Und es braucht Alternativen, vor allem bei den

Heizsystemen. Die Endverbraucher schauen mit

Entsetzen auf die Kosten. Galoppierende Gaspreise,

95 Prozent Steigerung bei der Fernwärme (diese

wird zu 60 Prozent mit Gas beheizt) etc. Jetzt, da

es kein billiges Gas mehr gibt, will auch der

Endverbraucher raus aus Öl und Gas. Damit

wären wir wieder bei ESG und der EU-Taxonomie

und der nächsten Frage: Wer baut die Alternativen

ein? Arbeitskräfte, die wir nicht haben?

Doch damit zum nächsten Thema, das uns beschäftigt:

die Gesundheit und in unserem Fall

die Gesundheitsimmobilien.

dem Coverinterview mit EHL-Shootingstar

Karina Schunker. Sie spricht über Expansion,

Entwicklungen am Wohnungsmarkt, ein Jahr

Geschäftsführung und private Ziele. Beim 26.

Real Circle wurde mit Immobilienexperten

die Assetklasse Gesundheitsimmobilien aus

verschiedenen Blickwinkeln diskutiert und in

einer weiteren Geschichte von Investmentseite

betrachtet. Bei zwei Round Tables zu den Themen

Facility Management und Dach, Fassade,

Fenster debattierten die eingeladenen Gäste

über aktuelle Themen, Herausforderungen

und Nachhaltigkeit. Beim Blick über den

Tellerrand haben wir uns mit Gin, hergestellt

in Österreich, auseinandergesetzt und festgestellt,

Gin boomt nicht nur bei den Genießern,

sondern auch bei den Herstellern. Jedenfalls ist

er ein herrliches Sommergetränk mit unzähligen

Facetten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme

Lektüre und einen wunderschönen

Sommer.

Herzlichst

Gesundheitsimmobilien

In dieser Ausgabe haben wir den Schwerpunkt

Gesundheitsimmobilien gewählt. Warum?

Weil es eine spannende Assetklasse ist und

uns das Thema irgendwann selbst betreffen

wird. Ins Heft steigen wir mit einer Fotostrecke

über Luxusalterssitze ein. Weiter geht es mit

Lisa Grüner

Chefredakteurin

Foto: Adobe Stock

10 ImmoFokus


Digital

Spezialisiert auf Digitalisierung in der Immobilienbranche

Bernadette Fellner | Senior Manager

Assurance

Spezialisiert auf die Prüfung von Immobilienunternehmen

Marius Richter | Partner

Legal

Spezialisiert auf Immobilienrecht

Karl Koller | Partner - PwC Legal

Advisory

Spezialisiert auf Immobilienberatung

Peter Fischer | Director

Tax

Spezialisiert auf Immobilienrecht

Franz Rittsteuer | Director

Karl Koller

Peter Fischer

Bernadette Fellner Marius Richter Franz Rittsteuer

Dedicated to Real Estate,

focused on solutions.

www.pwc.at/real-estate

„PwC“ bezeichnet das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere seiner Mitgliedsfirmen. Jedes Mitglied dieses Netzwerks ist ein selbstständiges Rechtssubjekt.

Weitere Informationen finden Sie unter pwc.com/structure.


Unternehmen & Projekte

14

BILDSTRECKE LUXUSALTERSSITZE

Best-Ager, Master-

Consumer, Silver-Surfer,

Generation 50Plus – viele

Unternehmen haben

längst ältere Menschen

als eigene Zielgruppe

erkannt. Der Bedarf an

Wohnraum für ältere

Menschen steigt und

damit die Nachfrage. Ein

Blick auf das Angebot im

Premiumbereich zeigt,

wo luxuriös gealtert

werden kann.

33

PROBLEMLÖSER: NEVISQ

NevisQ entwickelt unter der Marke

nevisCura Sensorlösungen mit dem Fokus

auf Sturzprävention, Sturzerkennung

und Sturzanalyse, die die Lebens- und

Arbeitssituation der Menschen im Pflegesektor

erheblich verbessern.

34

IMMOBILIE IM FOKUS: OWP 12

Drees & Sommer zeigt mit seinem selbst

genutzten Bürogebäude in den Oberen

Waldplätzen 12 in Stuttgart (OWP12), wie

innovative Technologien ideal kombiniert

werden können. Im neuen Bürogebäude

werden Zukunftstechnologien der Baubranche

selbst erprobt und vorgelebt, um sie künftig

für Kunden zu realisieren.

Foto: Adobe Stock

12 ImmoFokus


Unternehmen & Projekte

Luxuriöses

Wohnen im Alter

14 ImmoFokus

Foto: Tertianum Premium Group


Zielgruppe Senioren. Best-Ager, Master-Consumer, Silver-Surfer, Generation 50Plus viele Unternehmen

haben längst ältere Menschen als eigene Zielgruppe erkannt und definieren diese liebevoll als „Menschen mit

Lebenserfahrung“. Dabei ermöglicht genau diese Lebenserfahrung, knallhart kompromisslose Entscheidungen

zu treffen. Mit steigendem Bedarf an Wohnraum für ältere Menschen steigt auch die Nachfrage. Das Angebot im

Premiumbereich hingegen hinkt hinterher: ein Wachstumsmarkt.

Autor: Amelie Miller

Ausgabe 03|2022

15


Unternehmen & Projekte

BESTE AUSSICHT

Nur wenige Minuten von Luzern entfernt, mitten im Grünen zwischen See und

Bergen, befindet sich die Seniorenresidenz Sonnmatt. Im November 1999 wurde

die Residenz nach eineinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. Die Pläne für den zeitgenössischen

Bau stammen vom Architekturbüro Scheitlin-Syfrig und Partner mit Sitz

in Luzern. Heute beherbergt die Residenz Sonnmatt insgesamt 33 Ein-Zimmer-

Apartments zwischen 79 und 106 Quadratmetern mit Rundblick ins Alpenpanorama.

Neben einem umfassenden Serviceangebot punktet die Residenz mit einer

24-Stunden-Präsenz von Arzt und Pflege im Haus. Zudem können die Bewohner

alle Angebote des angrenzenden Kurhotels frei nutzen, wie zum Beispiel die Wellnesszone.

Sonnmatt Luzern wurde 1908 als Kurhotel gegründet und im Jugendstil

erbaut. Das Hotel wurde 2005 stilgerecht renoviert und verfügt über jeden nur

erdenklichen Komfort der Vier-Sterne-Kategorie.

Standort: Luzern, Schweiz

Betreiber: keine Angabe

Preise: 2½-Zimmer-Apartment mit 79 Quadratmetern

und 15 Quadratmetern Balkon ab CHF 6.050

www.sonnmatt.ch

Fotos: Judith Stadler und André Uster

16 ImmoFokus


Fotos: Tertianum, Christian Meixner, Caroline Minjolie

DOLCE VITA AM ZÜRICHSEE

Ein mediterranes Lebensgefühl verspricht die Parkresidenz Meilen in bester Lage zwischen

Zürichsee und Pfannenstiel. Nicht nur die Aussicht auf viele herrliche Sonnenstunden und den

See fördern dieses Versprechen, sondern auch die Farbakzente sowohl im Inneren als auch

am Äußeren des Gebäudes. So verleiht die Fassade aus hellem Sirkwitzer Sandstein dem

Haus an der Zürcher Goldküste eine ganz besondere Ausstrahlung. Im Inneren ist eine von

Konrad Knebel inspirierte Wandmalerei nur einer vieler Farbtupfer, die im Zuge der Sanierung

2021 umgesetzt wurden. Neben 53 Apartments und 27 Pflegezimmern, davon acht Pflegesuiten,

bietet die Residenz unter anderem einen privaten Weinkeller zu jedem Apartment sowie

ein umfassendes Wellness- und Sportangebot, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Standort: Meilen, Schweiz

Betreiber: Tertianum AG

Preise: Ab CHF 6.850 für eine Person pro Monat

www.tertianum.ch

Ausgabe 03|2022

17


Unternehmen & Projekte

KOSMOPOLITISCHES FLAIR

First-Class-Pflege dafür steht auch die Seniorenresidenz der Tertianum Premium Group im

Münchener Glockenbachviertel. Neben einem großen Garten und einer Dachterrasse beherbergt

das pastellfarbene Wohnhaus in unmittelbarer Nähe des Gärtnerplatzes 106 Wohnungen und

20 Einzelpflegeapartments. Auch diese Pflegeimmobilie bietet wie die beiden Häuser in Berlin

und Konstanz einen Fünf-Sterne-Service für ihre Bewohner. So sorgt der Zwei-Sterne-Koch Tim

Raue mit einer modern interpretierten französischen Küche für das leibliche Wohl. Zahlreiche

Kulturveranstaltungen sowie ein eigener Spabereich inklusive Schwimmbad und Physiotherapie

runden das Angebot ab.

Standort: München, Deutschland

Betreiber: Tertianum Premium Group

Preise: Zwei-Zimmer-Wohnung mit 56 Quadratmeter ab 5.490 Euro pro Monat

www.tertianum-muenchen.de

18 ImmoFokus


Fotos: Tertianum Premium Group

Ausgabe 03|2022

19


Unternehmen & Projekte

20 ImmoFokus


Fotos: Tertianum Premium Group

ZUHAUSE AM BODENSEE

Mitten in der Konstanzer Altstadt unmittelbar am

Bodensee befindet sich die Tertianum Premium

Residenz in Konstanz mit 83 Wohnungen und 23

Einzelpflegeapartments. Die Wohnungen verfügen über

zwei bis vier Zimmer und eine Wohnfläche von 44 bis

132 Quadratmetern. Die Einzelpflegeapartments sind

jeweils bis zu circa 30 Quadratmeter groß. Für den

Fünf-Sterne-Service vor Ort sorgen rund 87 Mitarbeiter,

wobei das Angebot zahlreiche Annehmlichkeiten bietet:

angefangen von modern interpretierter französischer

Küche bis hin zum Concierge- und Post-Service sowie

zahlreichen Kulturveranstaltungen vor Ort. 2020 wurde

die Residenz Konstanz zum Haus des Jahres gekürt

und zählt damit zu den besten Häusern der Premium

Residenzen.

Standort: Konstanz, Deutschland

Betreiber: Tertianum Premium Group

Preise: Zwei-Zimmer-Wohnung mit

53 Quadratmetern inklusive Terrasse

ab 3.700 Euro

www.tertianum-konstanz.de

Ausgabe 03|2022

21


Unternehmen & Projekte

Fotos: Tertianum Premium Group

URBAN UND SELBSTBESTIMMT LEBEN

Bei Kerzenschein und französischer Haute Cuisine vis-à-vis

dem KaDeWe in Berlin dinieren? Nein, es handelt sich

keineswegs um ein nobles Hotelrestauraunt, sondern um

die Premium Residenz der Tertianum Premium Group mit

Hauptsitz in Berlin. Hier können Senioren wie im Fünf-Sterne-Hotel

residieren. Dafür sorgen nicht nur ein Conciergeund

Room-Service sowie ein hauseigenes Schwimmbad

inklusive Spa, sondern auch die zeitlos elegante Architektur

des Hauses mit lichtdurchfluteten Wintergärten und offenen

Loggien. Die Residenz in zentraler Innenstadtlage verfügt

über 78 Wohnungen und 25 Einzelpflegeapartments

mit jeweils bis zu 156 Quadratmetern Wohnfläche. Neben

betreutem Wohnen inklusive ambulantem Pflegedienst

beherbergt das Haus einen stationären Pflegewohnbereich.

Standort: Berlin, Deutschland

Betreiber: Tertianum Premium Group

Preise: Möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung mit circa

70 Quadratmetern ab 4.950 Euro

www.tertianum-berlin.de

22 ImmoFokus


Fotos: Vamed Care gemeinnützige Betriebs-GmbH

BESTENS UMSORGT

Genießen, während man bestens umsorgt

wird? Das bietet der Rundumservice in der

Vitality Residenz Veldidenapark umgeben

von der atemberaubenden Bergkulisse in

Innsbruck. Die Gesundheitseinrichtung der

Vamed in Tirol verfügt über 109 größtenteils

neu sanierte Apartments sowie ein Restaurant,

das Café Veldidena mit Terrasse,

einen Clubraum, eine Bibliothek und eine

Weinstube. Darüber hinaus gibt es im Haus

einen eigenen Physiotherapeuten sowie

eine Arztordination. Zusätzliche Services,

die den Bewohnern das Leben erleichtern,

unterstützen bei der Bewältigung des

Alltags: zum Beispiel Verwaltungshilfen im

Behördenverkehr, Therapien und Krankentransporte,

kulturelle Veranstaltungen,

Ausflüge und Konzerte oder Maniküre und

Pediküre im Haus.

Standort: Innsbruck, Österreich

Betreiber: Vamed Care

Preise: Ein-Zimmer-Apartment mit

25 Quadratmetern

ab 1.802 Euro pro Monat

www.innsbruck.vitalityresidenz.at

Ausgabe 03|2022

23


Unternehmen & Projekte

Fotos: Bettina Futter, www.detailsinn.at, Mischa Nawrata

24 ImmoFokus


DER WOHLFÜHLFAKTOR

In der Seniorenresidenz im Herzen Wiens, genau

genommen in der Josefstadt, wird der Wohlfühlfaktor

groß geschrieben. Ein Punkt, der bereits bei

der Planung des Gebäudes und dessen Infrastruktur

eine entscheidende Rolle spielte: barrierefreie Wegstrecken,

eine hauseigene Gartenanlage, Bibliothek,

Restaurant, Mehrzweckraum und Therapie- und

Bewegungsraum sind selbstverständlich. Jedes

einzelne der 57 Apartments mit Wohnflächen von

40 bis 103 Quadratmetern kann individuell nach

den Wünschen der Bewohner gestaltet werden.

Unterstrichen wird das Ambiente eines Fünf-Sterne-

Hotels in der Residenz durch einen ganztägigen

Concierge-Service.

Standort: Wien, Österreich

Betreiber: Residenz Josefstadt GmbH

Preise: Zwei Zimmer ohne Balkon mit

40 Quadratmetern

ab 2.670 Euro pro Monat

www.residenz-josefstadt.at

Ausgabe 03|2022

25


Unternehmen & Projekte

NEUES WOHNGEFÜHL

Selbstständig und unabhängig wohnen, mit

dem sicheren Gefühl, jederzeit Unterstützung

zu bekommen, wenn nötig ¬ das verspricht

die Kursana Residenz am Tivoli in unmittelbarer

Nähe des Schlossparks Schönbrunn. Wer

nicht in Schönbrunn flanieren will, kann dies

in der hauseigenen rund 17.000 Quadratmeter

großen Grünanlage mit Teich tun. Das Angebot

der Seniorenresidenz umfasst aber auch die

Möglichkeit, betreutes Wohnen mit Hilfestellungen

und intensive Betreuung in der Pflege in

Anspruch zu nehmen. Neben einem Reinigungs-,

Wäsche- und Einkaufsservice bietet die

Residenz ein abwechslungsreiches kulturelles

Veranstaltungsprogramm sowie kreative

Freizeit-Aktivtäten.

Standort: Wien, Österreich

Betreiber: Kursana

Preise: Ein-Zimmer-Apartment mit circa

28 Quadratmetern

ab 2.519 Euro pro Monat

www.kursana.at

Fotos: Kursana, Bildagentur Zolles KG/Christian Hofer

26 ImmoFokus


MIT BLICK AUF DEN KALHLENBERG

Die Park Residenz Wien Döbling des Fonds der

Wiener Kaufmannschaft besticht mit einem

traumhaften Blick auf die Wiener Hausberge

und die Stadt. Über 400 Senioren finden in der

Seniorenresidenz inmitten einer 17.000 Quadratmeter

großen Parkanlage im grünen Herzen

des Döblinger Cottageviertels ein Zuhause

und das auch für befristete Aufenthalte, etwa

nach Spitalaufenthalten, um danach wieder in

die eigenen vier Wände zurückzukehren. Die

Residenz beherbergt 282 Einzel- und Doppelapartments

und Luxuswohnungen zwischen 30

und 80 Quadratmetern mit Balkonen, Terrassen

und Wintergärten. Neben der Naturnähe spielt

auch das Miteinander eine große Rolle. Platz

für einen entspannten Plausch bietet das hauseigene

Café, das auch für externe Besucher

zugänglich ist.

Standort: Wien, Österreich

Betreiber: Fonds der Wiener Kaufmannschaft

Preise: Ein-Zimmer-Apartment mit circa

30 Quadratmetern

ab 1.858 Euro im Monat

www.park-residenz.at

Fotos: Fonds der Wiener Kaufmannschaft

Ausgabe 03|2022

27


Advertorial

Fotos: ROBIN CONSULT Moni Fellner/Lepsi, Wien Mitte

Kontakt

Tel.: +43 1 890 72 51-0

E-mail: centermanagement@wienmitte.at

Facebook: www.facebook.com/WIENMITTE.TheMall

Instagram: www.instagram.com/wienmittethemall/

YouTube: www.youtube.com/user/WIENMITTETheMall

www.wienmitte-themall.at

Honig für den guten Zweck fließt in WIEN MITTE The Mall, wenn

280.000 neue Bienen zu Gunsten der Stiftung Kindertraum ausschwärmen.

WIEN MITTE The Mall

ist Vorreiter beim Thema

Nachhaltigkeit

Vorbildlich. WIEN MITTE The Mall setzte weitere Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Nach der Errichtung des

„BürgerInnen-Solarkraftwerks“, der mit 3100m² größten innerstädtische Photovoltaik-Anlage Wiens, und einer

hochmodernen E-Tankstelle wird am Dach nun sogar Stadthonig produziert.

S

eit der Eröffnung 2012 setzt WIEN

MITTE The Mall auf zukunftsorientierte

Lösungen, die schadstofffrei,

klimafreundlich und nachhaltig sind.

„Unser ,BürgerInnen-Solarkraftwerk` am Dach

der Mall versorgt nicht nur bis zu 130 Haushalte

sondern auch 10 E-Ladestationen am Parkdeck

mit sauberem Strom. 130 Tonnen CO2 können

so im Jahr eingespart werden. Dank einer Leistung

von 11 KW garantiert die Tankstelle nicht nur

schnelle Ladezeiten, sie ist auch via Wien

Energie-Ladekarte bzw. App komfortabel zu

bedienen“, so Roland Pinz, Managing Director

CC Real. CC Real ist ein international tätiges

Unternehmen, das alle integrierten Dienstleistungen

im Bereich Bau, Immobilienentwicklung

und -management mit Fokus auf Shopping

Center anbietet. Der Fokus liegt primär auf Asset

Management, Projektentwicklung, Projektleitung,

Centermanagement, Revitalisierung und Vermietung

von Einkaufscentern. Neben WIEN

MITTE The Mall betreibt CC Real das Center West

in Graz sowie die Millennium City in Wien.

280.000 neue „Bewohner“ sammeln

Honig am Dach für kranke Kids

Die neueste Innovation in Sachen Nachhaltigkeit

sind vier Bienenstöcke mit 280.000

Insekten, die am Dach des größten, innerstädtischen

Einkaufzentrums Honig zur Erfüllung

28 ImmoFokus


Über CC Real

Seit 2015 ist CC Real für das Center Management von WIEN MITTE The Mall

verantwortlich. Das 2006 gegründete Unternehmen CC Real mit Hauptsitz im

Wiener Millennium Tower und 180 Mitarbeitern in mehreren Ländern, ist ein

Investor und Betreiber von Gewerbeimmobilien mit verwalteten Assets von

2,7 Milliarden Euro und einem dynamischen und ständig wachsenden Portfolio.

CC Real bietet ein Full-Service-Paket aus umfassenden INVESTMENT- (Transaktions-,

Fonds- und Portfoliomanagement, einschließlich eigener AIFM-

Gesellschaft) und REAL ESTATE MANAGEMENT- (Asset-, Center-/Property-,

Facility-, Construction-Management, Leasing) Dienstleistungen an. Darüber hinaus

verfügt das Unternehmen über nachgewiesene Erfahrung bei Co-Investitionen

in europäische Vermögenswerte mit internationalen institutionellen Investoren

sowie mit Family Offices. Anfang 2021 hat sich CC Real zudem mit 50 Prozent am

Non-Banking Debt Fund Manager Madigan Capital (Sydney, Australien) beteiligt.

der Herzenswünsche schwerkranker Kinder

sammeln. Erwartet werden ca. 160 kg Honig,

der direkt in The Mall verkauft wird. Der Erlös

geht an die Stiftung Kindertraum, die schwerkranken

Kindern und Kindern mit Handicap

Herzenswünsche erfüllt. Der so gewonnene

Stadthonig ist nicht nur nachhaltig, sondern

auch gesund. „Parks, Dachterrassen, Alleen,

große und kleine Gärten mit Blumen sind ein

Paradies für meine Völker. Es war auch für

mich als Imker eine erstaunliche Entdeckung,

wie gut dieser Stadthonig schmeckt und wieviel

Nektar die Bienen an so einem urbanen

Standort sammeln können. Da in der Stadt

weniger Insektizide zum Einsatz kommen, ist

der Stadthonig auch gesund!“, freut sich Imker

Thomas Zelenka schon auf die süße Ernte.

Gastronomie wird weiter ausgebaut

Viel Neues gab es in den letzten Monaten

auch im Food-Courts. So nützt „Fat Monk“ die

hohe Frequenz der Verkehrsdrehscheibe im

Herzen der Stadt, um die Besucher mit Bowls

zu verwöhnen. Eine enorme Auswahl an

Bubble-Teas findet sich bei TEEAMO, wo man

individuellen Milk Tea, Fruit Tea, Soda, Pure

Tea oder Smoothie mixen lassen kann. Viele

der bereits bestehenden Betriebe setzen auf ein

Refreshment. So erstrahlen der Asia-Spezialist

„Sternzeichen“ oder die beliebte RAUCH Juice

Bar im Foodcourt des Einkaufszentrums auf

Ebene 1 in neuem Glanz. Roland Pinz: „Im

Herbst werden wir unsere Besucher mit einem

neuen Gastrokonzepten überraschen. Zwei

neue Shopkonzepte sind ebenfalls in Planung.

Mehr möchte ich aber noch nicht verraten.“

Factbox

Daten und Fakten

∙ 30.000 m 2 Geschäftsflächen

∙ 70.000 m 2 Büroflächen

∙ ca. 60 Shops

∙ 470 Auto-Stellplätze

(täglich ab 17:00 Uhr und am Wochenende

nur 2,50 Euro pro Stunde)

∙ E-Tankstelle auf Deck 5 mit 10

Schnelladern der WIEN ENERGIE

Architektur von WIEN MITTE THE Mall:

Büro Neumann + Steiner und

Ortner & Ortner

Kernöffnungszeiten der Shops:

Mo - Fr 09:00 - 20:00 Uhr

Sa 09:00 - 18:00 Uhr

Interspar:

Mo - Fr 08:00 – 20:00 Uhr

Sa 08:00 – 18:00 Uhr

10 Wallboxen auf Parkdeck 5 sorgen für kurze Ladezeiten

v.li.: Johannes Stadler, David Berger von Wien Energie und Centermanager Florian Richter

Interspar-pronto:

Mo - So 06:00 – 23:00 Uhr

Ausgabe 03|2022

29


Start-Up

ImFokus

Gründung

Das PropTech Animus wurde 2014 in

Ratingen bei Düsseldorf gegründet mit

der Idee, durch digitale Unterstützung

lebenswerte Immobilien zu erschaffen.

Ihre Mission: Das Wohnen und Arbeiten

in Immobilien zu einem neuen Erlebnis

machen – durch digitale Services, automatisierten

Datenfluss, moderne Kommunikation

und soziale Gemeinschaft.

Gründer

Das Start-up hat seine Wurzeln in der

Projektentwicklung und wurde von

Dr. Thomas Götzen (Co-CEO) und Dr.

Chris Richter (Co-CEO) gegründet.

Beide sind nach wie vor Geschäftsführer

des Unternehmens.

Quartiersapp

vernetzt urbane

Lebensräume

Voll digitalisiert. Mit der App von Animus wird Leben und Arbeiten mittels

einer B2B2C-Software verknüpft und Verwaltungsprozesse vereinfacht.

Animus ist ein PropTech aus Ratingen,

das mit seiner Quartiersapp dafür

sorgt, dass urbane Lebensräume

digital vernetzt, nachbarschaftlich,

komfortabel und nachhaltig werden. Aus einem

Stadtquartier entsteht so ein digitales Ökosystem

rund um die Immobilie. Das junge Unternehmen

Animus hat sich auf die Fahnen geschrieben, die

Immobilienwirtschaft zu revolutionieren. Mit

ihrer Quartierssoftware richten sie sich an Entwickler,

Verwalter, Eigentümer und Betreiber

moderner, hochwertiger Quartiere. Verwaltungsprozesse

werden optimiert, digitale Kommunikation

ermöglicht und spürbarer Mehrwert für

die Bewohner durch die Anbindung von quartiersnahen

Services geschaffen. Der Fokus liegt

auf innovativen Wohn- und Mixed-Quartieren in

urbaner Lage mit Service- und Community-Aspekt.

Eine App, viele Möglichkeiten

Die Software umfasst die vier Module Verwal-

tung, Social, Services und Urban Living. Der

Bereich Verwaltung sichert einen reibungslosen

Informations- und Datenfluss zwischen

Verwalter und Nutzer. Hier können wichtige

Dokumente digital verwaltet und Beanstandungen

schnell und effizient abgewickelt werden.

Ebenso fördert die App die Gemeinschaft

im Quartier: Nutzer können miteinander über

einen Chat in Kontakt treten oder im Homefeed

Beiträge veröffentlichen. Für eine gesteigerte

Lebensqualität sorgt ein umfangreiches

Serviceangebot, das über die App buchbar ist.

Möglich sind z. B. ein Wäscheservice oder die

Abbildung von Informationen zum ÖPNV.

Im Bereich Urban Living werden zukunftsweisende

Themen adressiert. Nutzer können

Smart-Home-Elemente direkt über die App

steuern oder E-Mobilitätsangebote buchen.

Zudem liefert die App wichtige Daten für Projektentwickler

oder Eigentümer und generiert

Insights für zukünftige Projekte.

Marktvolumen

Animus hat über 50 Kunden im DACH-

Raum, die insgesamt über 150 Immobilien

mit der Software ausgestattet haben.

Die Meinung des Profis

Die Digitalisierung macht auch vor

klassischen B2B/B2C Themen in einem

Wohnquartier nicht halt. Ob eine weitere

Kommunikations-App hier tatsächlich

den großen Nutzen bringt, muss das Entwicklerteam

aber erst unter Beweis stellen.

Die Lösung, die die meisten Extrameilen

geht, und sich letzten Endes durchsetzt

wird uns allen eine große Hilfe sein.

IDEE

GESCHÄFTSMODELL

TIMING

Mitarbeiter

30

Nicolas Oberlik,

PicMyPlace

Foto: Animus, EyeCandy

30 ImmoFokus


Raum und

Wirklichkeit

Wir haben Gegenwart und Zukunft von

Architektur, Bauen und Wohnen im Blick.

Jeden Samstag in Ihrer „Presse“ oder

jederzeit unter:

DiePresse.com/immobilien

Winter 2021

31


ImmoFokus.Rubrik

Top Deal

ImFokus

Xior kauft

Studentenheim-Portfolio

um eine Milliarde Euro

Landmark. Mit dem Deal kräftigt der belgische Bestandshalter von

Studentenheimen die Marktführerschaft in Kontinentaleuropa.

A

ufsehenerregende Immobilientransaktionen

hat es in den vergangenen

Wochen in Europa nicht

viele gegeben. Die Zinswende lässt

grüßen. Zur Veranschaulichung: In Deutschland

hat Savills im Mai weniger als hundert Transaktionen

gezählt – wie zuletzt im März 2011. Vor

allem große Portfoliodeals wären zurückgegangen,

so die Experten des Immobiliendienstleisters.

Wie immer gibt es jedoch Ausnahmen: Xior

Student Housing hat sich von seinen ambitionierten

Expansionsplänen nicht abbringen lassen

und ein knapp eine Milliarde schweres Portfolio

mit Studentenheimen in Deutschland, Polen,

Dänemark und Schweden erworben.

Konkret setzt sich das Portfolio aus

insgesamt elf hochwertigen Studentenheimen

mit 5.341 Einheiten

in Top-Studentenstädten der vier

Länder zusammen. Davon sind

acht mit 3.635 Wohnungen und

einer Gesamtauslastung von 97

Prozent in Deutschland, Dänemark

und Polen bereits in Betrieb. Drei

weitere mit 1.706 Einheiten werden

gerade in Deutschland, Dänemark

und Schweden entwickelt. Die Anfangsrendite

soll bei 5,21 Prozent

liegen. Bei den Verkäufern handelt

es sich um die Basecamp Group,

einem europaweiten Betreiber

und Entwickler von Studentenheimen, dem

European Student Housing Fund I und dem

European Student Housing Fund II. Betrieben

werden die Häuser weiterhin von Basecamp.

Marktführerschaft ausgebaut

Der Deal bedeutet für Xior den Markteintritt in

Deutschland, Dänemark und Schweden und

nachfolgend die uneingeschränkte Marktführerschaft

bei Studentenheimen in Kontinentaleuropa.

Damit umfasst das Portfolio des belgischen

Bestandshalters 26.526 Einheiten in 43

Top-Universitätsstädten in acht Ländern. Der

Zielmarkt soll sich auf 8,5 Millionen Studenten

belaufen. Die Wachstums-Story von Xior

CHART: Basecamp-Portfolio

STATUS: Objekt Land Einheiten

Potsdam Deutschland 263

Leipzig Deutschland 385

Lodz I Polen 487

In Betrieb

Lodz II Polen 631

Kattowitz Polen 733

South Campus (Kopenhagen) Dänemark 350

Lyngby Student Dänemark 639

Lyngby Residential Dänemark 147

Aarhus Dänemark 663

In Entwicklung Malmö Schweden 583

Aachen BlueGate Deutschland 460

Gesamt 5.341

Quelle: Xior Student Housing

ist mit der Transaktion nicht vorbei, wie CEO

Christian Teunissen erklärt. Er sei davon überzeugt,

dass die Zusammenarbeit mit Basecamp

erfolgreich verlaufen und sein Unternehmen

auf das „nächste Level“ bringen werde.

Xior machte den Deal auf Basis einer weitverbreiteten

Unterversorgung an Studentenheimen

in Deutschland, Polen und den nordischen

Ländern aus. Vor allem Deutschland sei mit 2,9

Millionen Studenten ein hochattraktiver Markt.

Im vergangenen Jahrzehnt ist dort der Anteil

internationaler Studierender auf 60 Prozent

angestiegen. Dahinter stünden hochqualitative

Curricula, ein steigendes Angebot an englischsprachigen

Studiengängen sowie

nicht zuletzt Studiengebührenfreiheit,

so Xior. Der polnische Markt,

der sich noch in einer frühen Entwicklungsphase

befinde, soll hohes

Wachstumspotenzial aufweisen.

In den nordischen Ländern gebe

es wiederum bei der Qualität des

Angebots Luft nach oben.

Dass die erworbenen Studentenheime

ESG-Anforderungen entsprechen,

versteht sich in Zeiten

wie diesen von selbst: Sie wurden

mit der BREEAM-Zertifizierung

„Sehr gut“ oder vergleichbaren

Standards ausgezeichnet.

Foto: Xior

32 ImmoFokus


Problemlöser

ImFokus

Christian

Kind

Mitgründer und Geschäftsführer

nevisQ

1. DAS PROBLEM

Laut der letzten offiziellen Pflegestatistik von 2019 gibt es mittlerweile

4,1 Millionen pflegebedürftige Personen in Deutschland, davon werden

818.317 Menschen vollstationär betreut – Tendenz steigend.

Demgegenüber steht der Fachkräftemangel, der Pflegeeinrichtungen

neben den hohen Krankenständen jeden Tag vor neue Herausforderungen

stellt. Den Spagat zwischen einer leistungsstarken, sicheren Pflege und

einer wirtschaftlichen Organisation zu schaffen, ist für die meisten

Einrichtungen eine herausfordernde Aufgabe.

2. DIE LÖSUNG

Der Schlüssel zur Bewältigung dieser Herausforderungen

liegt in der Pflege. Aus diesem Grund

unterstützt nevisQ Pflege- und Gesundheitseinrichtungen

dabei, die Pflege mithilfe von intelligenten

Technologien effektiver und effizienter zu gestalten.

Unter der Marke nevisCura entwickeln sie seit 2016

Sensorlösungen mit dem Fokus auf Sturzprävention,

Sturzerkennung und Sturzanalyse, die die Lebensund

Arbeitssituation der Menschen im Pflegesektor

erheblich verbessern. Die technischen Assistenzsysteme

wurden dabei speziell für Pflegeeinrichtungen

entwickelt, um ihnen eine kostengünstige und

effiziente Lösung für mehr Entlastung und Sicherheit

bieten zu können. Das Feedback aus zahlreichen

Pilotprojekten mit langjährigen Kunden ist dabei immer

wieder in die Weiterentwicklung eingeflossen,

um sicherzugehen, dass die Lösungen Pflegekräfte

im Alltag unterstützten und sie nachhaltig entlasten.

50

DIE ZAHL

50 Prozent der

Heimbewohner stürzen

einmal im Jahr,

30 Prozent sogar

mehrmals. Jedes Jahr

erleiden 4 Prozent

der Bewohner

Knochenbrüche nach

einem Sturz. Stürze sind

traumatische Situationen

für ältere Menschen,

insbesondere wenn

keine direkte

Hilfe erfolgt.

Fotos: nevisQ

Ausgabe 03|2021

33


Immobilie

ImFokus

7.500

Bei der Errichtung von zukunftsfähigen Gebäuden

müssen auf Themen wie Klimawandel,

Rohstoffknappheit und zurückgehende

Biodiversität Antworten gefunden werden.

Drees & Sommer zeigt mit seinem selbst

genutzten Bürogebäude in den Oberen Waldplätzen

12 in Stuttgart (OWP12), wie innovative

Technologien ideal kombiniert werden

können. Im neuen Bürogebäude werden auf

7.500 Quadratmetern Zukunftstechnologien

der Baubranche selbst erprobt und vorgelebt,

um sie künftig für Kunden zu realisieren.

Fotos: Drees & Sommer OWP12

7

Das neue Headquarter

beherbergt auf zwei

Untergeschossen,

dem Erdgeschoss,

auf drei Obergeschossen

und dem

Dachgeschoss viele

Büromodule, mehrere

Konferenzräume,

eine Caféteria, eine

Kantine sowie eine

Tiefgarage.

22.000.000

Die Errichtung des Customized Smart Buildings hat 22 Millionen Euro

gekostet. Besonderer Fokus lag auf Nachhaltigkeit, einem geringen

Abfallaufkommen, einer „Cradle to Cradle®“-Konzeption und der Prüfung

aller Baustoffe auf Herkunft, Recyclingfähigkeit oder Trennbarkeit.

2

Durch den Einsatz von

vormodularisierten Bauelementen

und erstmalige

Verknüpfung der digitalen

Planungsmethoden

LCM digital und BIM

(Level 2) konnte

die Effizienz auf der

Baustelle gesteigert

werden. Die Bauzeit

betrug genau zwei

Jahre.

100

Eine rund 100 Quadratmeter große

Fläche an der Außenfassade bietet

Platz für heimische Pflanzen. Dies

wirkt sich positiv auf Faktoren wie

Mikroklima und Biodiversität aus.

250

Das OWP12 ist ein Plusenergiehaus.

Die hybride

Energieversorgung erfolgt

aus Erd- und Luftwärmepumpen

sowie Photovoltaik

auf Dach und Fassade. Die

Photovoltaikanlage erzeugt

250 kWp.

200

Im OWP12 finden 200

Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

Diese können per App

reserviert beziehungsweise

gebucht werden. In den

kleinen Büroeinheiten kann

die Raumtemperatur per App

vorab eingestellt werden.

Ausgabe 03|2022

34


Aufsteiger

Absteiger

Herr der Dächer

Top Job. Alexander Rössler verantwortet bei der Immofinanz die

operative Umsetzung der neuen Marke On Top Living.

1 1998

Nach dem Abschluss seines Studiums der

Rechtswissenschaften an der Universität Wien

und eines MBA an der Johannes Kepler Universität

Linz sowie ersten beruflichen Erfahrungen

als Konzipient in einer Wiener Anwaltskanzlei

und als Kundenbetreuer bei der GiroCredit

Bank wird Rössler Vorstand und später CEO

der S-Tourismusfonds Management, einer auf

Eigenmittelfinanzierungen im Tourismus spezialisierten

Tochter der Erste Group.

2 2001

Der gebürtige Wiener wird darüber hinaus CEO

der S-Tourismus Services und ist unter anderem

für Restrukturierungen für Landesbanken

und Sparkassen im Erste Bank Konzern sowie

die Restrukturierung und Durchführung von

Hotel-Verkaufsprozessen zuständig.

5 2020

Rössler startet als selbständiger Rechtsanwalt in der Kanzlei Felfernig & Graschitz und

deckt dabei unter anderem die Bereiche Immobilientransaktionen und -development,

Insolvenzrecht und Sanierungen und ausgewählte Fragen des Zivilrechts ab.

Mit September übernimmt Rössler die Rolle des Head of Group Development bei der

Immofinanz. Damit verantwortet er abgesehen vom Aus- und Umbau der Stop Shop-

Fachmärkte die Entwicklung sämtlicher neuer Development-Projekte beziehungsweise

das laufende Refurbishment der Bestandsobjekte im Konzern und ist maßgeblich für

die weitere Stärkung der Portfolioqualität und für die Kooperation mit anderen Entwicklern

zuständig.

3

4

5

1

2

3 2010

Rössler wechselt in den Vorstand der Falkensteiner Michaeler Tourism Group, wo er das

operative Geschäft des Konzerns einschließlich Budgetierung, Reporting und Controlling

verantwortet, ebenso wie die operative Führung der eigenen und gemanagten Hotelbetriebe

und die Entwicklung neuer Immobilienprojekte im In- und Ausland.

Foto: Immofinanz

4 2013

Als Restructuring Manager Corporate & Real Estate verantwortet Rössler den Abbau

großvolumiger Non-performing loans sowie die Restrukturierung von problematischen

Geschäftskunden bei der Erste Group. Daneben beschäftigt er sich mit der Thematik und

dem Roll-out von Finanzierungen mittels sogenannter Pay-per-Use-Kredite als zukunftsorientiertes

Finanzierungsvehikel.

Ausgabe 02|2022

35


Positionen & Meinungen

38

COVERINTERVIEW

Karina Schunker, Geschäftsführerin der

EHL Wohnen erzählt im Coverinterview

über Expansion, Entwicklungen am

Wohnungsmarkt, ein Jahr Geschäftsführung

und private Ziele. Sie freut sich über die

Marktentwicklungen im Bereich Wohnen und

möchte ihr Team weiter verstärken.

56

WEIN UND IMMOBILIEN

teamneunzehn setzt auf eine umfassende

Betreuung von Vermittlung bis

Hausverwaltung. Warum das für ein

nachhaltiges Wachstum gesorgt hat,

erzählen die Geschäftsführer Markus

Ringsmuth und Kevin Dzieza bei ein

paar guten Achterln vom Weingut Hagn,

Domaines Kilger und Schwertführerinnen.

50

ZU TISCH MIT ...

Beim Lunch im

Restaurant Hansen

spricht Jenni Wenkel über

ihren Wechsel zur Union

Investment, welche

Herausforderungen

auf sie warten, wie sie

dort ihre Kompetenzen

einbringen kann,

über das Thema

Nachhaltigkeit und

warum sie ihr Gemüse

selber anbaut.

Foto: Adobe Stock

36 ImmoFokus


SIEMENSSTRASSE 89 1210 WIEN

WWW.TWENTYONE.IMMO

48° 16' 15.052"

CENTRAL HUB

„1010 IST COOL,

ABER TWENTY ONE

IST COOLER.“

EIN PROJEKT VON BONDI CONSULT


Positionen & Meinungen

Weiterwachsen

Ambitioniert. Karina Schunker im Coverinterview über Expansion,

Entwicklungen am Wohnungsmarkt, ein Jahr Geschäftsführung und private Ziele.

Das Gespräch führte: Lisa Grüner

Wie ist die momentane Lage am

Immobilienmarkt?

Karina Schunker: Der Immobilienmarkt

ist sehr vielfältig, weshalb die Frage nicht

pauschal beantwortet werden kann. Aber für

den Wohnimmobilienbereich ist die Lage, egal

ob Miete oder Eigentum, jedenfalls erfreulich.

Wir haben in den vergangenen beiden Jahren

nicht trotz, sondern wegen der Pandemie eine

starke Nachfrage von Menschen registriert,

die ihre Wohnsituation optimieren wollen.

Eine Wohnung muss nämlich veränderten

und neuen Anforderungen gerecht werden –

Wohnen, Arbeiten und Freizeit verschmelzen

immer mehr. Daher wird uns beispielsweise

das Thema Homeoffice weiterhin begleiten,

weshalb die Nachfrage nach Wohnungen mit

einem zusätzlichen Zimmer zum Arbeiten gestiegen

ist. Natürlich, wer mehr Zeit zu Hause

verbringt, wünscht sich mehr Wohnraum und

auch die private Freifläche hat einen großen

Stellenwert wie nie zuvor.

Hat sich der Markt verändert?

Der Markt verändert sich ständig. Was besonders

auffällt, ist, dass viele neue Wohnprojekte,

die auch ursprünglich für den Einzelverkauf

vorgesehen waren, als Pakete an institutionelle

Investoren verkauft werden. Daher entfällt ein

unerwartet hoher Teil der Wohnungen, die

während der letzten starken Baujahre entstanden

sind, auf den Mietbereich. Für Mietwohnungssuchende

ist das ein großer Vorteil, da

ein besonders vielfältiges und großes Wohnungsangebot

zur Auswahl steht. Ob das noch

lange so anhält, ist abzuwarten, da wir durch

die steigenden Herstellungskosten verstärkt

registrieren, dass Bauträger beim Baustart

zurückhaltender sind. Außerdem sind die

Baubewilligungszahlen seit Pandemiebeginn

rückläufig. Ich rechne daher damit, dass sich

das Angebot in den nächsten Jahren wieder

deutlich verknappen wird.

Gibt es bereits Projekte, die aufgrund der

Marktsituation nicht umgesetzt werden?

Abgesagt werden Projekte, die in einem

bereits fortgeschrittenen Planungsstadium

sind, nicht so schnell. Was es aber sehr wohl

und gar nicht so wenig gibt, sind Verzögerungen.

Diese sind schon allein deswegen

„Die Nachfrage und die

Preisentwicklung bei

Vorsorgewohnungen

korrelieren immer mit der

Situation bei eigengenutzten

Eigentumswohnungen.“

Karina Schunker,

EHL Wohnen

unvermeidlich, weil es nicht mehr leicht

ist, seitens der Bauunternehmen Preise zu

bekommen, mit denen ein Entwickler positiv

kalkulieren kann. In einigen Fällen müssen

38 ImmoFokus


Ausgabe 03|2022

39


Positionen & Meinungen

deutlich mehr Bauausschreibungen, zum

Teil mit mehreren Runden gemacht werden.

Dazu kommt, dass immer öfter Angebote mit

Preisänderungsklauseln vorgelegt werden,

und falls doch noch Fixpreise vereinbart werden,

bleibt die Verunsicherung, ob am Ende

alle vertraglichen Bedingungen eingehalten

werden können. Unter diesen Umständen ist

es wenig verwunderlich, dass es den einen

oder anderen Entwickler gibt, der jetzt lieber

auf bessere Zeiten wartet und ein Projekt für

ein, zwei Jahre verschiebt.

Für Private ändern sich ab Juli die Kreditbedingungen.

Können sich Normalverdiener

noch eine Eigentumswohnung leisten?

Die Leistbarkeit großer Anschaffungen ist

im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld mit

Konjunktursorgen und hoher Inflation

natürlich generell ein großes Thema, aber

ich denke nicht, dass die Änderung der

Kreditbedingungen eine wesentliche Zäsur

darstellen wird. Bei den Personen, die sich für

eine Eigentumswohnung interessieren, ist

die Kapitalbeschaffung meist kein besonders

großes Thema, da grundsätzlich viel Eigenkapital

im Umlauf ist.

Wie geht es mit den Preisen für

Eigentum weiter?

Die Preise haben vor allem im städtischen

Raum eine starke Dynamik entwickelt und

ich gehe von einem weiteren, wenn auch

nicht steilen Aufwärtstrend bei Eigentumswohnungen

aus. Und zwar deswegen, weil

bei den meisten Investoren Sicherheit nach

wie vor wichtiger ist als die Rendite. Schaut

man sich das Umfeld an, das wenig attraktive

Alternativveranlagungen etwa auf Anleihenoder

Aktienmärkten, hohe Inflation sowie

steigende Baukosten und Grundstückspreise

bietet, dann kann man auch ganz objektiv

festhalten, dass Immobilien nach wie vor eine

hochinteressante Investmentklasse darstellen

– auch wenn sich die Preise im Miet- und

Eigentumsbereich unterschiedlich stark

entwickeln.

Sieht man wieder einen verstärkten

Trend zur Miete?

Die Nachfrage am Mietwohnungsmarkt ist

stark und das hat mehrere Gründe. Zuerst

einmal ganz klar finanzielle: Die Mieten sind

bei Weitem nicht so stark gestiegen wie die

Kaufpreise, daher gibt es viele Interessenten,

die auch bewusst jetzt erst einmal mieten und

dann weiterschauen, ob sie später Eigentum

erwerben möchten. Und dann ist es der in volatilen

Zeiten vielleicht noch stärkere Wunsch,

flexibel zu bleiben. Wer nicht sicher ist, wie

40 ImmoFokus


sich die berufliche Situation entwickelt, oder

wer sich vielleicht auch örtlich verändern

könnte, möchte sich ungern an eine Eigentumswohnung

binden.

Es wurden sehr viele Wohnungen fertiggestellt.

Werden dadurch die Mieten sinken?

Das nehmen wir derzeit nicht wahr. Wir

haben letztes Jahr ca. 1100 Mietwohnungen

vermittelt, davon auch zahlreiche Nachbezugswohnungen.

Unabhängig von der Lage

müssen wir die Preise der Vormieter nicht

senken, um neue Mieter ansprechen zu

können. Allenfalls beobachten wir, dass die

Mieten nicht ganz so stark steigen werden

wie die allgemeine Inflationsrate. Wir haben

in den letzten zwei Jahren in Wien sehr viele

Fertigstellungen verzeichnet, für heuer sind

um die 19.000 Wohnungen, davon 60 Prozent

freifinanzierte Miete, prognostiziert. Mietwohnungssuchende

haben also eine sehr große

und hochwertige Auswahl, aber die Mietpreise

sinken nicht, sondern bewegen sich nur etwas

zurückhaltender. In den nächsten Jahren

erwarten wir ohnehin wieder deutlich weniger

Fertigstellungen und dadurch wird sich auch

das Angebot verknappen und der Preisauftrieb

wieder etwas stärker werden.

Dennoch gibt es Angebote wie den

Verzicht auf die Mieterprovision oder

eine Gratis-Miete.

Diese Angebote gibt es bei großen Objekten,

bei denen mit einem Schlag viele Wohnungen

auf den Markt kommen. Da will man

myhive am Wienerberg | myhive Ungargasse

Eine Marke der IMMOFINANZ

Ausgabe 03|2022 41


Positionen & Meinungen

natürlich für Wohnungssuchende einen

besonderen Anreiz schaffen, um zugleich die

Vermarktungszeit bis zur Vollverwertung zu

verkürzen. Wir sehen nämlich, dass Wohnungssuchende

das derzeit große Angebot

nutzen und umfassend vergleichen, sodass

wir mit Kunden oft mehrmals eine Wohnung

besichtigen, bis sie sich definitiv entscheiden.

Mit den angesprochenen Incentives kann die

Vermarktung natürlich befeuert werden.

Stichwort Vorsorgewohnungen: Wie ist die

Nachfrage und wie entwickeln sie sich?

Die Nachfrage und die Preisentwicklung bei

Vorsorgewohnungen korrelieren immer sehr

stark mit der Situation bei eigengenutzten

Eigentumswohnungen. Da der Eigentumsmarkt

knapper geworden ist, sehen wir hier

auch Preissteigerungen. Auch zu den aktuellen

Marktbedingungen sind sie für Anleger

immer noch eine attraktive Anlageform, da

sie den bestmöglichen Schutz gegen Inflation

darstellen, den man derzeit finden kann.

Wie sieht die Situation in den

Bundesländern aus?

In Graz wurde in den letzten Jahren sehr viel

gebaut und große Objekte wurden fertiggestellt.

Daraus hat sich kurzfristig ein Angebotsüberhang

ergeben. Mittlerweile hat sich

das aber wieder relativiert, sodass Angebot

und Nachfrage wieder ausgeglichener sind. Es

sind aber weitere größere Stadtentwicklungsgebiete

wie beispielsweise das Brauquartier

geplant, wo künftig wieder ein größeres

Angebot verfügbar sein wird. Natürlich

sind aber auch andere Landeshauptstädte

für Investoren und Anleger sehr spannend,

beispielsweise Linz und Innsbruck, die stärker

in den Fokus rücken.

Wir sind jetzt im „The Metropolitan“. Wie

lange ist es schon in der Vermarktung?

Seit letztem Spätsommer. Das Projekt liegt direkt

beim Hauptbahnhof mit einem phänomenalen

Ausblick und 19 Stockwerken, mit Blickachsen

in alle vier Himmelsrichtungen, sodass

sich Mieter ihre Aussicht aussuchen können.

Abgerundet werden die hochwertig ausgestatteten

Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen

wie einem Co-Working-Bereich, Fitnessstudio

und einer großzügigen Dachterrasse mit Blick

zum Stephansdom. Also eine ideale Kombination

aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit,

was immer stärker nachgefragt wird. Perfekt

ist natürlich auch die öffentliche Anbindung

durch den Hauptbahnhof mit den S-, U- und

42 ImmoFokus


Ihr schnellster Weg zur

individuellen Bürolösung:

myhive-offices.com

myhive am Wienerberg | myhive Ungargasse

Eine Marke der IMMOFINANZ

Ausgabe 03|2022

43


Positionen & Meinungen

„Wir wollen noch digitaler werden und

gehen demnächst mit einer

Kundenserviceplattform online.“

Straßenbahnen sowie Bushaltestellen. Mit

dem nahegelegenen Schweizergarten oder

Helmut-Zilk-Park ist hier also eine perfekte

Kombination aus Nähe zum Stadtzentrum

und zu Naherholungsräumen. Das Haus hat

einiges zu bieten und ist mittlerweile trotz der

beachtlichen Dimension – immerhin haben

wir hier 360 Wohnungen – zum Großteil

vermarktet.

Welche Großprojekte sind derzeit noch in

der Vermarktung?

Wir dürfen bei der Vermarktung von tollen

Projekten in unterschiedlichen Lagen unterstützen.

Neben dem „The Metropolitan“ haben

wir im 22. Bezirk bei der Großenzersdorfer

Straße das Projekt „Der Ballon“ mit über 200

Wohneinheiten in der Vermarktung. Hier

sind neben Single- und Pärchenwohnungen

auch Familienwohnungen bis zu 108 Quadratmeter

Wohnfläche verfügbar. Oder auch im 11.

Bezirk das Projekt „Wohngarten“ – ein Areal

mit ca. 17.900 Quadratmetern und einem

großzügig begrünten Innenhof als unmittelbare

Naherholungsfläche. Dort wurden ca.

680 Wohnungen errichtet, die zwischen 31

und 80 Quadratmeter groß sind.

Karina Schunker,

EHL Wohnen

das Anfang 2023 der Fall sein wird. Wir haben

uns demnach bereits auf eine Umstellung gut

vorbereiten können, indem wir verstärkt und

etwas abgeändert unsere Serviceleistungen

kommunizieren sowie unsere Maßnahmen an

die Bedürfnisse des Auftraggebers anpassen

müssen. Auf der anderen Seite bieten wir

bereits einige Objekte ohne mieterseitige

Provision an, dort bedarf es auch keiner

Umstellung mehr.

Wie empfinden Sie die Leerstandsabgabe?

Auf der einen Seite sehe ich hier einen

immensen Eingriff in die Eigentumsrechte.

Auf der anderen Seite frage ich mich, wer

tatsächlich davon betroffen sein wird. Es wird

nämlich pauschal vermutet, dass Eigentümer

ihre Wohnungen bewusst bestandsfrei halten.

Ich kenne nämlich tatsächlich keinen Investor

oder Anleger, der nicht höchst interessiert

ist, seine Wohnung zu vermieten und einen

etwaigen Leerstand so kurz wie möglich zu

halten. Denn das ist immer ein wirtschaftliches

Thema, da monatlich Betriebskosten zu bezahlen

sind. Außerdem muss aus steuerlicher

Sicht in den meisten Fällen schon aufgrund der

Liebhaberei-Regelung vermietet werden.

Womit haben Sie Ihr

erstes Geld verdient?

Samstags als

Verkäuferin in

einer Drogerie

während der

Schulzeit.

Wenn Sie das Radio

im Auto aufdrehen,

was läuft?

Meist eine eigene

Playlist mit einer

bunten Vielfalt aus

Pop, Rap und

Rock.

Mit welcher Person

(lebend oder bereits

verstorben) würden Sie

gerne einen Abend

verbringen?

James Corden,

denn Lachen ist

gesund.

Wie ist Ihre Meinung zum

Bestellerprinzip?

Es ist in den letzten Jahren immer wieder

darüber gesprochen worden und damit

war es keine große Überraschung, dass das

Bestellerprinzip kommen wird. Die Frage war

eigentlich nur wann, und jetzt wissen wir, dass

Hat sich die Zeitdauer, bis etwas vermietet

oder verkauft wird, verlängert oder

verkürzt?

Wie schon erwähnt, dauert es bei großen

Projekten natürlich immer etwas länger, bis

auch die letzte Wohnung verwertet ist. Bei

Nachvermietungen ist immer unser Ziel,

Ihr größtes Laster?

Zu wenig

Wasser zu

trinken.

44 ImmoFokus


WORDRAP MIT KARINA SCHUNKER

Morgen- oder

Abendmensch?

Abendmensch

In den nächsten

zehn Jahren möchte

ich unbedingt…

Möglichst viele

besondere

Momente mit

meinen Liebsten

verbringen.

Welches Buch liegt

auf Ihrem Schreibtisch?

Bestandsgebäude.

Chancen und

Herausforderungen

der Zukunft.

Lieblingshobby?

Städte bereisen

und Rätsel in

Escape Rooms

lösen.

Nehmen Sie

gerne Risiko in Kauf?

Kommt immer

auf die Situation

drauf an, aber

grundsätzlich

ja.

Meinen Kaffee trinke

ich am liebsten…

Obwohl ich

Wienerin bin und

es hier eine tolle

Kaffeehauskultur

gibt, trinke ich

keinen Kaffee.

Wenn Sie zehn Millionen

Euro im Lotto gewinnen würden,

was machen Sie damit?

Karitative Organisationen

unterstützen und in

zukunftsweisende Projekte

gegen den Klimawandel

investieren.

Ausgabe 03|2022

45


Positionen & Meinungen

innerhalb der dreimonatigen Kündigungsfrist

einen Nachmieter zu finden. Corona hat die

Besichtigungsmöglichkeiten während der

Kündigungsfrist leider etwas erschwert – da

sind wir natürlich auf die Kooperation des

Vormieters angewiesen. Im Eigentumsbereich

hingegen ist das Angebot zurzeit sehr

klein, weshalb sich die Vermarktungsdauer

bei guten Projekten deutlich verkürzt hat.

Die Themen Verdichten, Versiegeln,

Flächenfraß sind Dauerbrenner. Wie ist

Ihre Meinung dazu?

Es braucht immer eine Ausgewogenheit.

Einerseits müssen wir neuen Wohnraum

schaffen, um den Bedarf an Wohnraum zu

decken. Das ist durch die Bebauung von

Greenfields möglich, aber noch wichtiger wäre

andererseits die Aktivierung von Brownfields.

In diesem Zusammenhang bedarf es einfach

neuer grüner Konzepte, die das Thema Nachhaltigkeit

mit einem langfristigen Nutzungsgedanken

vereinen. Wenn beispielsweise

Flächen neu bebaut und versiegelt werden,

sollte gleichzeitig eine angemessene grüne

Maßnahme gesetzt werden, wie beispielsweise

eine Begrünung von Dächern.

Ist Homeoffice noch Thema?

Das Thema Homeoffice ist durch die Coronapandemie

jedenfalls sehr groß geworden,

jedoch sehen wir wieder einen deutlichen

Rückgang bei der Anzahl der Wochentage.

Der Trend und Wunsch nach hybriden und

flexibleren Arbeitsmodellen ist aber deutlich

spürbar. So verschmelzen die Themen Wohnen

und Arbeiten immer mehr ineinander.

Daher sind Projekte mit Co-Working-Spaces

sehr attraktiv, aber auch ein zusätzliches

Arbeitszimmer in der Wohnung ist weiterhin

gefragt.

Angeblich werden vermehrt AirBnB-

Wohnungen zum Arbeiten angemietet …

Das führe ich verstärkt auf den Trend

„Workation“– sprich arbeiten und zugleich

Urlaub machen – zurück. Je nach Möglichkeit

und Arbeitsbereich haben wir nämlich in

den letzten Monaten jedenfalls gelernt, wie

ortsunabhängiges Arbeiten funktioniert.

Daher ist es möglich, von jedem Ort oder jeder

46 ImmoFokus


Energiequellen und raus aus fossilen Brennstoffen

neue Bedeutung. Die besondere Herausforderung

in der Zukunft wird dabei sein,

Bestandsgebäude entsprechend auszurichten

und damit auch zukunftsfit zu machen.

Stadt aus zu arbeiten und nach getaner Arbeit

die jeweilige Umgebung zu erkunden bzw.

Urlaub zu machen.

Wie sehen Sie die Auswirkungen

des Ukraine-Kriegs auf den Wiener

Immobilienmarkt?

Das ist keine einfache Frage und erfordert

einen Blick in die Glaskugel. Jedenfalls hofft

man jeden Tag, dass sich die Situation wieder

bessert und Friede einkehrt. Wir spüren natürlich

den Zustrom von ukrainischen Menschen

und helfen bei der Wohnungssuche, wo wir

nur können. Andererseits sehen wir starke

Auswirkungen im Immobiliensektor durch

die steigenden Energiekosten, von denen jeder

betroffen ist. Dadurch bekommen Themen

wie Energieunabhängigkeit, erneuerbare

Sind Wohnungen mit Gasheizungen

schwerer zu vermieten?

In Kundenterminen wird die Gesamtsituation

vermehrt hinterfragt, auch wie ein Haus

oder eine Wohnung beheizt wird. Dabei ist

das Feedback durchwegs positiv, wenn es

keine Gasheizung gibt bzw. falls doch mit Gas

geheizt wird, wird deutlich öfter eine zukünftig

notwendige Umrüstung bei der Miet- oder

Kaufentscheidung zum Thema. Zurzeit fehlt

es jedoch gerade im urbanen Raum wie

Wien, vor allem bei Altbauobjekten, an einer

gesamtheitlichen Lösung und Alternativen.

Nicht überall sind ein Fernwärmeanschluss,

Tiefenbohrungen oder die Installation einer

Wärmepumpe möglich. Es fehlt hier noch an

Lösungen. Zumindest bis dahin werden auch

weiterhin Wohnungen mit Gasheizungen

verkauft und vermietet werden.

Die EHL nimmt derzeit viele Mitarbeiter

auf. Wie ist die Wachstumsstrategie?

Das Schöne ist, wir dürfen wachsen. Im

Zentrum unserer Dienstleistungserbringung

stehen immer der Mensch und seine Zufriedenheit.

Wir arbeiten täglich daran, mit viel

Ausgabe 03|2022

47


Positionen & Meinungen

„Mieter können

derzeit aus

einem großen

Angebot wählen

und sich das

passende Objekt

aussuchen.“

Karina Schunker,

EHL Wohnen

Freude unsere Dienstleistungsqualität hochzuhalten

und unsere Kunden ganz individuell

zu betreuen. Wir reflektieren sehr viel, sind

dynamisch und stellen unsere Prozesse um,

wenn es bedeutet, ein noch besseres Service

anbieten zu können. Sind nämlich unsere

Kunden zufrieden, bin ich davon überzeugt,

dass der Erfolg von selbst kommt.

Insgesamt dürfen wir eine ganze Reihe von

kleinen und großen Projekten sowie zahlreiche

einzelne Wohnungen vermarkten – in

Summe also eine sehr gute Auftragslage.

Derzeit habe ich mit 21 Mitarbeitern ein

schlagkräftiges Team, bin aber immer auf der

Suche nach weiteren motivierten, engagierten

Mitarbeitern. Auch Young Professionals sind

bei uns herzlich willkommen.

Sie sind jetzt ein Jahr Geschäftsführerin.

Wie lautet Ihr Resümee?

Ich konnte mit der Übernahme der Geschäftsführung

meine große Leidenschaft

für Immobilien noch stärker vertiefen.

Mein Zuständigkeitsfeld ist gewachsen

und damit ist mein Berufsalltag noch

vielseitiger und interessanter geworden. Die

größte Freude habe ich jedenfalls daran, in

engem Austausch mit unseren Kunden und

Geschäftspartnern zu sein und mit einem

hoch motivierten Team gemeinsame Ziele

zu verfolgen. Wir wollen uns stets verbessern,

uns neu positionieren und dabei auch

moderner, digitaler werden. Beispielsweise

gehen wir demnächst mit einer Kundenserviceplattform

online, mit der unsere Kunden

schon während des Anmietungs- und Kaufprozesses

mit Zusatzservices und Produkten

rund um den Umzug begleitet werden. Von

Umzugsfirmen und Versicherungsmaklern

über Finanzierungsservices, Internetanbieter

bis Küchen- und Möbelausstatter – wir haben

hier für unsere Kunden ganz besondere

Rabatte und Gutscheine mit den jeweiligen

Unternehmen ausverhandeln können. Damit

möchten wir unsere Dienstleistung optimal

abrunden und Kunden noch intensiver bei

der gesamten Umzugsplanung unterstützen.

All das mitgestalten zu können, macht mir

sehr viel Spaß, und ich darf diesen Sommer

darauf anstoßen, bereits zehn Jahre ein Teil

der EHL-Familie sein zu dürfen.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf

Jahre, sowohl beruflich als auch privat?

Beruflich freue ich mich auf weiterhin

spannende und erfolgreiche Jahre bei der EHL

und darauf, gemeinsam mit herausragenden

Kollegen ganz viel Neues zu gestalten. Ich

komme wirklich tagtäglich mit sehr viel

Freude zur Arbeit, was ja auch nicht selbstverständlich

ist. Privat plane ich derzeit vor allem

meine Hochzeit, die im kommenden Jahr

stattfinden soll.

48 ImmoFokus


Karina Schunker

Karina Schunker startete ihre Karriere in der EHL-Gruppe vor zehn Jahren

im Vertrieb von Miet- und Eigentumswohnungen. 2019 wurde ihr für

EHL Wohnen die Prokura verliehen und übernahm die Bereichsleitung

des Eigentums- und Vorsorgewohnungsvertriebs und im Juni 2021 die

Geschäftsführung der EHL Wohnen.

Schunker studierte berufsbegleitend an der FH Wien Immobilienwirtschaft

und Immobilienmanagement und schloss dort auch ihr Masterstudium

erfolgreich ab. Sie ist Member of the Royal Institution of Chartered

Surveyors, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für

Nachhaltige Immobilienwirtschaft sowie Mentorin an der FH Wien.

Ausgabe 03|2022

49


Positionen & Meinungen

Zu

Tisch

mit …

Jenni

Wenkel

Gedanken zu einem Menü verfasst

50 ImmoFokus


Herausforderung

angenommen

Karriereschritt. Im Interview spricht Jenni Wenkel über ihren

Wechsel zur Union Investment, Nachhaltigkeit und warum sie ihr

Gemüse selber anbaut.

Das Gespräch führte: Lisa Grüner

I

m Hansen herrscht geschäftiges Treiben.

Obwohl es bereits 14 Uhr ist, ist das

Lokal gesteckt voll. Eine Duftwolke des

Blumengeschäfts Lederleitner, mit dem

sich das Restaurant das Untergeschoss der alten

Börse teilt, hüllt uns bereits beim Betreten ein

und mischt sich mit dem Geruch frisch gekochten

Essens. Ein flinker Kellner huscht an uns

vorbei, während uns ein weiterer begrüßt und

zu unserem Tisch bringt. Schnell sind wir Teil

der ungewohnten Geräuschkulisse. Jenni Wenkel

ist hier Stammgast. „Das Hansen ist quasi

meine Kantine“, zwinkert sie mir zu, die Speisekarte

kennt sie auswendig.

Nach 13 Jahren in unterschiedlichen Positionen

in der ERSTE Bank Group, ist sie im September

2021 als Vorstandsmitglied in die Union Investment

Real Estate Austria gewechselt. Nach

den ersten Monaten im neuen Job zieht sie ein

positives Resümee: „Ich bin sehr froh, dass ich

den Schritt gemacht habe, und fühle mich beruflich

angekommen, der Job ist wie auf mich

zugeschnitten.“ Auf ihrem Wunschzettel an

die neue berufliche Herausforderung standen

selbständiges Arbeiten, Entscheidungen treffen

zu können und ein Team zu führen. Auch

wollte sie weiter in Wien leben und arbeiten.

Ihr deutscher Akzent ist auch nach 20 Jahren

unüberhörbar. „Das ist auch was Schönes“,

lacht die gebürtige Rheinländerin. „Ich kann

jetzt weiter dieses korrekte, strenge und

manchmal pingelige Deutsche mit dem österreichischen

Entspannteren, Gemütlicheren

verbinden.“ 2021 wurde sie von ihrem jetzigen

Vorgesetzten angesprochen, ob sie nicht Teil

des Teams werden wollte. „Und ich wollte“, so

Wenkel. „Einige Kollegen in der Union Investment

kenne ich seit zehn Jahren. Sie haben mir

von Anfang an das Gefühl vermittelt, dass es

Spaß macht, mit ihnen und für die Union Investment

zu arbeiten. Schließlich sind manche

Kollegen selber seit knapp 20 Jahren im Unternehmen.“

Wenig Fluktuation, ein Mutterkonzern

in Hamburg, ein Mega-Karriereschritt

und die Sichtbarkeit des Vorstandspostens

überzeugten sie schnell, wechseln zu wollen.

Wir stoßen mit einem Gläschen Prosecco darauf

an.

Neue Aufgaben

Unsere Vorspeise wird gebracht. Wenkel hat

einen orientalischen Teller mit Hummus,

Falafel, Oliven und Paprikadip bestellt, ich

ein Rote-Rüben-Risotto. Während ich genüsslich

mein Risotto esse, ist Wenkel mit dem

Beantworten weiterer Fragen beschäftigt.

„Seitens der Union Investment bin ich mit

Ausgabe 03|2022

51


Positionen & Meinungen

„Wir haben uns

mit allen Mietern

gut einigen

können.“

Jenni Wenkel

Union Investment Real Estate Austria

Wenkel. „Aber das sind nicht meine Lorbeeren,

das haben die Kollegen sehr gut gemanagt.“

Im Vorstand hat sich ein neues, junges Team

zusammengefunden. Die drei Vorstände sind

letztes Jahr in diese Positionen gewechselt.

„Ich betreue das Investment-Management,

meine Kollegin Petia Zeiringer ist schon lange

im Konzern und hat intern Karriere gemacht,

sie ist für das Fondsmanagement zuständig.

Stefan Süschetz, der auch einmal in der Erste

Immobilien KAG war, hat das Risikomanagement

über. Wir passen gut zusammen, und das

erzeugt eine unglaubliche Dynamik.“

zwei Aufgaben losgeschickt worden: einerseits

deutlich mehr am Markt anzukaufen

und zu investieren, aber auch die Union Investment

in Österreich sichtbarer zu machen“,

erklärt Wenkel ihre Doppelfunktion. „Ich bin

Vorstand im immofonds 1 und damit direkt

verantwortlich vor Ort, aber auch Investmentmanagerin

für alle anderen Union-Investmentfonds,

die hier in Österreich investieren.

Das ist schon eine Bandbreite.“

Zittern in der Pandemie

Wie der immofonds 1 durch die Pandemie gekommen

sei, will ich wissen. „Erstaunlich gut“,

antwortet Wenkel. „Wir sind divers aufgestellt.

Die große Sorge am Anfang der Pandemie waren

die Büromieten und dass diese hinuntergehen,

wenn Flächen zurückgegeben werden.

Man hat von großen Veränderungen in der

Bürolandschaft gesprochen und dass man in

Zukunft nur noch 50 Prozent der Büros brauchen

wird. Die große Sorge war da berechtigt,

weil wir über 50 Prozent in Büros investiert

sind. Gott sei Dank hat sich das Szenario nicht

bewahrheitet. Es ist nicht eingetreten, dass wir

weniger Flächenabsatz haben. Mittlerweile

sind aber die Anforderungen an die Flächen

andere. Auch wenn vermehrt im Homeoffice

gearbeitet wird, so wird nicht weniger Fläche

gebraucht, sie wird nur anders genutzt.“

Die Union Investment ist auch in den Assetklassen

Logistik, Retail, Fachmarkt, Wohnen und Hotel

investiert. „Im immofonds 1 haben wir uns in

der Pandemie in den Bereichen Hotel und Retail

mit allen Mietern gut einigen können“, erzählt

Nachdem die Union Investment Real Estate

Austria AG ein Sonderkreditinstitut ist und

wir FMA-zertifiziert sind, musste ich bei der

FMA den Fit-&-Proper-Test machen“, lacht

Wenkel „Ich habe schon lange nicht mehr so

viel gelernt, aber das neue Wissen hat mich

auch gereizt.“

Die Dynamik des ESG

Wenkel sieht derzeit eine starke Dynamik im

Markt, die durch die EU-Taxonomie und ESG

ausgelöst worden ist. „Es ist vergleichbar mit

dem Bio-Trend, das hat vor 20 Jahren mit den

Bio-Läden angefangen, und jetzt ist Bio in allen

Supermärkten vertreten“, so Wenkel. „Jetzt

heißt der Trend ESG, da stehen wir auch am

Anfang, und wir müssen einen einheitlichen

Standard finden, der fehlt noch.“

Nachhaltigkeit

„Wir sind seit letztem Juli auch Artikel-8-Fonds

und unterstellen uns den Nachhaltigkeitskriterien“,

so Wenkel weiter. „Ich glaube ernsthaft,

52 ImmoFokus


Ausgabe 03|2022

53


Positionen & Meinungen

Jenni Wenkel

Studium der Architektur, Immobilienökonomie, Certified Real Estate

Investment Analyst. Seit 1. September 2021 ist Jenni Wenkel Mitglied

des Vorstandes der Union Investment Real Estate Austria AG und für das

Investment Management des „immofonds 1“ und der weiteren Immobilienfonds

von Union Investment in Österreich verantwortlich. Die gebürtige

Rheinländerin lebt und arbeitet seit über 21 Jahren in Wien. Darüber

hinaus ist sie Vorstandsvorsitzende der Royal Institution of Chartered

Surveyors (RICS).

Die Zukunft

Während unsere Hauptspeisen serviert werden,

frage ich, wo Wenkel die größte Dynamik

sehe. Meine Interviewpartnerin hat ein Chorizo-Risotto

bestellt, ich einen im Ganzen gebratenen

Freiner-Biosaibling mit Petersilerdäpfeln

und kleinem grünen Salat. „Vor dem

Ukraine-Krieg hätte ich gesagt, dass es einen

starken Fokus auf Umwelt und Nachhaltigkeit

gibt und auch bei der Verwendung von Plastik,

beim Tierwohl, bei den Lieferwegen, und wie

das alles zusammenhängt, weitergeht“, so

Wenkel. „Das wird jetzt alles ausgebremst und

überschattet, aber ich hoffe sehr, dass dieser

Trend weitergeht.“ Die Vorständin selbst setzt

auf Umweltschutz und Bio-Lebensmittel. „Ich

habe ein Selbstversorgerbeet und baue mein

Gemüse selber an“, verrät die begeisterte Hobbygärtnerin.

„Das macht mir großen Spaß und

erdet mich im wahrsten Sinne des Wortes.“

dass wir um das Thema nicht herumkommen.

Hätten wir, wie vorher erwähnt, einheitliche

Standards, dann könnten wir als Branche

am gleichen Strang ziehen.“ Das ESG-Thema

treibt bereits erste Blüten. „Wir haben jetzt

eine Immobilie verkauft, weil sie ESG-mäßig

nicht weiter zu uns passt, gekauft hat sie ein

Nachhaltigkeitsfonds“, so die Vorständin.

„Das hat uns natürlich überrascht. Aber es hat

jeder andere Kriterien, nach denen er kauft.“

Wenkel ist auch RICS-Vorstandsvorsitzende.

„Da diskutieren wir unter anderem, wie sich

ESG-Kriterien auf die Bewertungen auswirken

werden. Unsere erste Interpretation war, dass

der Markt auseinanderfallen wird, und sich

verschiedene Lager bilden. Für uns gesprochen

können wir gar keine Objekte mit C-/- oder

D-Rating ankaufen, sehen aber, dass es den

privaten Investoren derzeit noch nicht wichtig

ist. Sollte es aber, denn die Immobilie soll ja

handelbar sein.“

Doch zurück zu den Finanzen. Offene Immobilienfonds

erzielen hierzulande Jahr für Jahr

Rekordmittelzuflüsse. Warum die Beliebtheit?

„Wir hatten in den letzten Jahren dieses konstant

niedrige Zinsniveau“, antwortet Wenkel.

„Damit waren die Fonds eine klassische Alternative

zum Sparbuch.“ Interessant wird es,

wenn die EZB in nächster Zeit die Zinsen anheben

wird. „Dann wird sich zeigen, wie sich das

auf die Mittelzuflüsse auswirken wird“, erzählt

sie weiter. „In den letzten Jahren mussten wir

Kontingentphasen einführen, weil wir nicht

hinterherkamen, die Gelder gewinnbringend

und wirtschaftlich sinnvoll zu veranlagen.“

Hat es im Fonds gröbere Änderungen bei

der Gewichtung der Assetklassen gegeben?

Wurde vielleicht etwas Risiko rausgenommen?

„Rausgenommen nicht“, so Wenkel.

„Nachdem die Märkte immer überlasteter

sind und immer mehr Privat-Institutionelle

in die Märkte drängen, haben wir versucht,

unsere Asset-Location zu erweitern. Die

Union Investment achtet darauf, dass die

54 ImmoFokus


Lokal

„Die Kombination aus Asset- und

Investmentmanagement verlangt

nach Expertise und die kann ich

miteinbringen.“

Jenni Wenkel

Union Investment Real Estate Austria

DAS SAGT DER FALSTAFF

Seit Jahren eine verlässliche Adresse für

moderne Regionalküche mit internationalen

Akzenten. Anita und Leo Doppler sind

perfekte Gastgeber, und das Ambiente in

der ehemaligen Börse ist ohnehin ein Traum.

(86 Punkte, 2 Gabeln)

DAS SAGT DER IMMOFOKUS

Es gibt eine kleine, feine Auswahl an Speisen,

Spezialität des Hauses sind die verschiedenen

Risottos. Das Ambiente ist außergewöhnlich,

durch die hohe Decke hallt es ein bisschen,

und es hat einen entsprechenden Geräuschpegel.

Alles in allem eine angenehme Stimmung

und gutes Essen.

Restaurant Hansen

Wipplingerstraße 34 – 1010 Wien

treuhändisch verwalteten Gelder optimal

und risikoarm veranlagt werden. Ideal wäre

die Core-Büroimmobilie, innerstädtisch und

langfristig vermietet. Da es die aber immer

seltener gibt, müssen wir uns breiter aufstellen.

Derzeit sehen wir uns zum Beispiel die

Assetklasse Seniorenimmobilien an.“

Neue Assetklassen

Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen

ist es in Deutschland einfacher, in eine Seniorenimmobilie

einzusteigen. „In Österreich

ist es noch schwierig, ich bin aber fest davon

überzeugt, dass immer mehr Projektentwickler

sich auf das Thema setzen.“

Beim Granny-Smith-Apfelsorbet mit Prosecco

sprechen wir über das Thema Revitalisierung

im Bestand, also selber sanieren statt

rausdrehen. Das ist ein Thema, das immer

mehr auf die Branche zukommt, vor allem

unter der Prämisse, das Renditeniveau zu

halten. „Die Punkte Manage-to-Green und

Manage-to-Core sehe ich als herausfordernd

und spannend. Mit dem Bestand zu arbeiten,

die Kombination aus Asset- und Investmentmanagement

verlangt nach Expertise,

und die kann ich nach der Zeit in der Erste

Bank miteinbringen“, so Wenkel. Ein heißes

Thema, denn vor ein paar Jahren hätte jeder

gesagt, die Renditen können nicht weiter

runter gehen.

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag: 9 bis 23 Uhr

(Küche bis 21.30 Uhr)

Samstag: 9 bis 16 Uhr

(Küche bis 15 Uhr)

Sonn- und Feiertag geschlossen.

www.hansen.co.at

ImmoFokus Restaurantguide

17

PUNKTE

Essen:

Service:

Weinkarte:

Ambiente:

Ausgabe 03|2022

55


ImmoFokus.Rubrik

Wein &

Immobilien

Frisch von der Leber weg

Ein lockeres Gespräch bei einem Weinstreifzug im 44. Stock

des Millennium-Towers mit den Geschäftsführern der teamneunzehn-Gruppe

Markus Ringsmuth und Kevin Dzieza.

Kunden wünschen

sich Gesamtpakete

Streben nach Erfolg. teamneunzehn setzt eine umfassende Betreuung von Vermittlung bis

Hausverwaltung. Warum das für ein nachhaltiges Wachstum gesorgt hat, erzählen die Geschäftsführer

bei ein paar guten Achterln.

Kolumne: Lisa Grüner

Pe rspektivenwechsel sind spannend,

vor allem, wenn es sich um ein paar

Stockwerke handelt. Und so brachte

die „Reise“ vom 17. Stock des Millennium-Towers

in den 44. nicht nur interessante

Gesprächspartner, sondern auch besondere

Ausblicke. Das Interview mit Weinverkostung

im Büro von teamneunzehn durchzuführen,

erwies sich als gute Idee mit neuen Rundumblicken

in höchster Höhe bei strahlendem Sonnenschein.

Als ersten Wein öffnen wir einen Weinviertel

DAC Classic, 2021 vom Weingut Hagn.

Der elegante, fruchtige Weißwein zeigt sich

würzig in der Nase und am Gaumen, mit einem

typischen „Veltlinerpfefferl“ und einem angenehmen

Abgang mit animierender Säure und

passt perfekt zum frühlingshaften Wetter.

Auswirkungen des Bestellerprinzips

Als erstes Thema drängt sich die Neueinführung

des Bestellerprinzips auf. „Wie wird der

Markt reagieren?“, will ich wissen. Markus

Ringsmuth, Gesellschafter und Geschäftsführer

von teamneunzehn geht von einem

weiterführenden, guten Geschäft aus: „Wir

haben uns auf die Situation gut vorbereitet“,

erzählt er. „Kurzfristig werden wir das alle

spüren, aber mittel- und langfristig wird der

Vertrieb eine höhere Wertschätzung bekommen.“

Teamneunzehn vermittelt jetzt schon

viele institutionelle Objekte für den Mieter

provisionsfrei.

„Zukünftig ist es zu wenig, nur Vermittler

sein zu wollen“, so Kevin Dzieza, Geschäftsführer

von teamneunzehn. „Deswegen setzen

wir verstärkt auf Beratung. Das sichert

uns Folgegeschäfte mit den Abgebern.“

Dzieza geht davon aus, dass viele versuchen

werden, anfangs ihre Immobilie selbst

zu vermarkten, und dann lernen werden,

wie aufwändig das ist. „Es ist auch davon

auszugehen, dass die Fluktuation höher

wird, denn für viele Mieter war die bezahlte

Maklerprovision ein Grund, länger in einer

Wohnung zu bleiben.“

Eine weitere Auswirkung des Bestellerprinzip

wird sein, dass sich viele Anleger aus dem

Vermietungsmarkt, der dem Mietrechtsgesetz

(MRG) unterliegt, zurückziehen. „Es

wird starke Portfolioumstrukturierungen

geben“, so Ringsmuth. „Raus aus dem Altbau,

rein in den Neubau.“

Neue Projekte

„Am Donaukai, ein Mietwohnprojekt mit

über 400 Wohnungen, sind die Übergaben

unserer Hausverwaltung nach erfolgreicher

Vermietung an die ersten Mieter erfolgt, viele

weitere spannende Projekte befinden sich bereits

in den Startlöchern“, so Dzieza. „Bei der

Seeoase Velm haben wir bereits den Großteil

verkauft.“ Wasser und die Möglichkeit des

Homeoffice zieht immer mehr Menschen aufs

Land. In Grafenwörth entsteht ein privat angelegter

See und Häuser auf Eigengrund. „300

Lkw Aushub waren für den See notwendig.

Jetzt entsteht dort ein sehr spannendes Projekt

mit 207 Häusern. Vor allem im Frühjahr

und Sommer wird der Verkauf dort boomen.“

Derzeit wird der erste Bauabschnitt gebaut,

insgesamt sind fünf geplant.

Darauf stoßen wir mit einem Sauvignon

blanc, 2021 Südsteiermark DAC von Domaines

Kilger an. Bei diesem Wein haben Hans

Kilger und Walter Polz im Zeichen des steirischen

Weins ihre Kräfte gebündelt. Der Sauvignon

blanc ist trocken, würzig, mit einer

floralen Note und holzig im Abgang. Dabei

erzählt Ringsmuth stolz über das Jahr 2021:

56 ImmoFokus


Die Weine

Weinviertel DAC Classic, 2021,

Weingut Hagn

www.hagn-weingut.at

Sauvignon blanc, 2021,

Südsteiermark DAC, Domaines Kilger

www.domaines-kilger.com

Rotgipfler Ried Saxerl, 2019,

Die Schwertführerinnen

www.dieschwertfuehrerinnen.at

Top Sigrid, 2017,

Die Schwertführerinnen

www.dieschwertfuehrerinnen.at

„Wir haben 2350 Objekte vermittelt, im

freifanzierten Bereich ist das Marktrekord.

Dieses Jahr wollen wir die 3000er-Marke

knacken.“ Bei teamneunzehn setzt man auf

gute Kundenbeziehungen und Stammkundenpflege.

„Wirtschaftliche Nachhaltigkeit

ist uns sehr wichtig“, so Dzieza. „Wir werden

in Kauf- und Verkaufstransaktionen

eingebunden und können unsere Expertise

abgeben, wenn ein Projekt in Planung geht

bzw. bei der technischen Planung für die

Hausverwaltung.“ Dzieza sieht sich hierbei

als Sparringspartner für den Kunden.

Ausbau der Hausverwaltung

Der nächste zu verkostende Wein ziert sich

mit dem klingenden Namen „Die Schwertführerinnen“.

Die Schwestern Kerstin und

Sigrid Schwertführer aus Soos/Thermenregion

geben dem Wein eine weibliche Note

und betreiben auch einen Heurigen. Wir

öffnen einen Rotgipfler Ried Saxerl, der sich

im Glas strahlend Gelb, am Gaumen mineralisch

und mit einer feinen Frucht nach

reifen Äpfeln und Mango zeigt. Ringsmuth

schwenkt zum Thema Hausverwaltung.

„Wir konnten knapp 400.000 Quadratmeter

dazugewinnen“, erzählt er. „Eine Million

Quadratmeter haben wir in der aktiven Verwaltung,

daher haben wir im 10. Stock des

Millennium-Towers für unsere 50 Mitarbeiter

noch eine Bürofläche dazu genommen.“

Insgesamt sind derzeit 104 Mitarbeiter in der

Gruppe beschäftigt. Froh ist man, mit Michaela

Hofbauer (MRG-Abteilung) und Markus

König (WEG-Abteilung) zwei sehr erfahrende

leitende Immobilienmanager an Bord geholt

zu haben. Neu ist auch der Einsatz der eigenen

Teamneunzehn-Immobilien-App, um mehr

Transparenz in der Immobilienverwaltung zu

schaffen. Stolz sind die beiden Geschäftsführer

auch auf den Teamgeist ihrer Mitarbeiter.

„Fehler werden von allen gemeinsam ausgebessert,

das schätzen unsere Kunden“, so

Dzieza. Das Zusammenspiel wird auch beim

Copa Real des ImmoFokus unter Beweis gestellt.

„Da sind wir als Team wieder fix dabei

und streben den Titel an.“

Zum Ausklang öffnen wir einen Top Sigrid,

2017, ebenfalls von Die Schwertführerinnen.

Der Duft nach reifen Zwetschken und

Kirschen erfreut bereits vor dem ersten

Schluck. Im Glas präsentiert sich der Top

Sigrid mit dunklen Beerenfarben und überzeugt

mit einem kräftigen Körper und feiner

Mineralik. „Ich glaube, dass die nächsten

Jahre spannend werden“, so Ringsmuth.

„Die EU-Richtlinien, ESG und Klimaziele,

neue österreichische Gesetze und die starke

Nachfrage nach Immobilien erzeugen Veränderung

und neue Marktvoraussetzungen

und verlangen Anpassung und Dynamik

von den Playern. Vor allem da ein gewisser

Veranlagungsdruck vorhanden ist.“

Ausgabe 03|2022

57


GEBÄUDE

mit Geschichte -

GESCHICHTEN

über Gebäude

(Folge 3)

Zum Autor

Otmar Lahodynsky war Journalist beim „profil“, EU-Korrespondent

der „Presse“ und Außenpolitik-Chef beim

„Kurier“. Er ist Ehrenpräsident der „Association of European

Journalists“ (AEJ) und Dr-Karl-Renner-Preisträger.

Der Nato-Amtssitz in Brüssel

Das neue Hauptquartier der Nato in Brüssel ist groß genug für die Aufnahme neuer Mitglieder.

Kommentar: Otmar Lahodynsky

Errichtet als niedriger Plattenbau nach der Übersiedlung aus Paris 1967,

entsprach das alte Hauptquartier der Nato in Brüssel längst nicht mehr

den Anforderungen an ein modernes Bürogebäude. Zudem hatte sich die

Zahl der Mitglieder des Nordatlantik-Paktes über die Jahrzehnte von 15

auf 30 verdoppelt. Daher wurde gleich gegenüber nahe dem Flughafen

Zaventem ein modernes Verwaltungszentrum gebaut und 2017 eröffnet.

Das neue Gebäude beherbergt auf rund 245.000 Quadratmetern Büros

für 4.000 Mitarbeiter und Diplomaten, ein Rechen- und Konferenzzentrum,

Restaurants sowie Sport- und Freizeitanlagen. Über Sicherheitseinrichtungen

wie Luftabwehr wird nichts verraten. Doch was bekannt ist,

ist, dass es ausreichend Platz für Neuzugänge gibt. Seit dem Krieg Russlands

gegen die Ukraine wollen auch die bislang neutralen Länder Finnland

und Schweden dem westlichen Verteidigungsbündnis beitreten.

Das US-amerikanische Architekturbüro Skidmore, Owings and Merrill

LLP und die belgische Architektenvereinigung ASSAR Architects

gewannen 2003 den internationalen Wettbewerb für das neue Nato-

Hauptquartier. Das Gebäude besteht aus ineinander verschränkten

Bauteilen und soll so Kooperation symbolisieren. Die Baukosten betrugen

750 Millionen Euro, die Gesamtkosten über 1,1 Milliarden Euro.

Sie wurden von den Mitgliedsstaaten anteilig übernommen. Auch Österreich

ist in dem Gebäude mit einer Vertretung präsent, da wir an der

militärischen Kooperation, etwa im Rahmen der „Partnerschaft für den

Frieden“, teilnehmen.

Mein erster Besuch im alten Hauptquartier erfolgte im Jahr 1988, als

noch die Sowjetunion, der langjährige Hauptgegner des Bündnisses,

existierte. Ich fragte damals, wie viele der zu dieser Zeit 2.000 Beamten

russisch beherrschten. Insgesamt fünf, hieß es, was mich damals doch

erstaunte. Nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 ging

alles sehr schnell. Eröffnet wurden Kooperationsbüros mit den alten

Mitgliedern des aufgelösten „Warschauer Pakts“, die bald darauf Nato-

Mitglieder wurden. Österreichs Außenminister Alois Mock besuchte die

Nato erstmals 1991 mit großen Berührungsängsten: Das Treffen mit dem

damaligen Nato-Chef Manfred Wörner fand nicht im Hauptquartier,

sondern auf neutralem Boden in der bilateralen Botschaft Österreichs in

Brüssel statt.

Ende 1991 nahm ich an der historischen Pressekonferenz im alten Nato-

Hauptquartier teil, bei der ein russischer Diplomat das Ende der Sowjetunion

verkündete und einen Brief von Boris Jelzin verlas. Dieser nannte

darin eine spätere Mitgliedschaft Russlands in der Nato ausdrücklich als

Option. Es sollte anders kommen.

Bei der Eröffnung des Gebäudes im Mai 2017 forderte der damalige

US-Präsident Donald Trump bei seinem ersten Nato-Gipfel von allen

Mitgliedsländern mehr Verteidigungsausgaben. Wladimir Putin beendete

bald darauf die militärische Kooperation Russlands im Rahmen

der „Partnerschaft für den Frieden“. Inzwischen herrscht zwischen

Russland und der Nato wieder Eiszeit. Und das westliche Bündnis erlangte

durch Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder höchste

Bedeutung.

Fotos: Nato

58 ImmoFokus


Advertorial

Mieterinvestition

Die Umsatzsteuer. Sie sollte nicht vergessen werden.

Fotos: zhu difeng/AdobeStock, Michael Königshofer

Abschlüsse von Mietverträgen inkludieren

häufig auch Regelungen

zu Mieterinvestitionen. Sind beide

Parteien umsatzsteuerliche Unternehmer

(zum Beispiel bei Vermietung, Geschäftslokal

oder Büro), stellt sich die Frage, ob es durch

die Mieterinvestition zu einem (zusätzlichen)

Leistungsaustausch zwischen Mieter und Vermieter

kommt.

Ein Leistungsaustausch liegt jedenfalls vor,

wenn der Mieter die Investition durchführt,

um den Mietvertrag zu bekommen. Wird

vereinbart, dass für die Mieterinvestition

das monatliche Mietentgelt reduziert wird,

so liegt ein tauschähnlicher Umsatz vor. Der

Vermieter hat daher in die Bemessungsgrundlage

nicht nur die in Geld vereinbarte

Miete, sondern auch den anteiligen monatlichen

Tauschwert einzubeziehen. Umgekehrt

erbringt der Mieter an den Vermieter ebenfalls

eine Leistung. Die Leistung des Mieters

an den Vermieter wird im Regelfall mit Übertragung

der Verfügungsmacht erbracht (zum

Beispiel bei Beendigung des Mietverhältnis-

www.leitnerleitner.com

ses und Rückstellung des Mietobjekts samt

der Mieterinvestition).

Eigenverbrauch bei Zurücklassen

von Gegenständen

Aber auch wenn keine Verpflichtung vorliegt,

kann ein umsatzsteuerlicher Tatbestand vorliegen.

In einem kürzlich entschiedenen Fall

hatte ein Restaurantbetreiber das Recht, aber

nicht die Verpflichtung, bestimmte Investitionen

durchzuführen (Bundesfinanzgericht

(BFG) 17.1.2022, GZ RV/7101588/2015). Eine

Reduktion der Miete oder eine Ablöse bei

Beendigung des Mietvertrags waren nicht

vereinbart. Der Mieter errichtete auf eigene

Kosten einen Wintergarten und schaffte eine

Buffetanlage und dazugehörige Maschinen

(zum Beispiel einen Dunstabzug) an. Bei

der (vorzeitigen) Beendigung des Mietvertrags

sind die Gegenstände dann ohne

Ablöse zurückgeblieben. Wäre eine Ablöse

vereinbart gewesen, so wäre es zu einer umsatzsteuerpflichtigen

Lieferung in Höhe des

vereinbarten Entgelts (Ablöse) gekommen.

Da die Gegenstände im vorliegenden Fall

+43 1 718 98 90

harald.galla@leitnerleitner.com

A 1030 Wien, Am Heumarkt 7

unentgeltlich übergegangen sind, lag laut

Bundesfinanzgericht ein Eigenverbrauch vor.

Ein Eigenverbrauch liegt nicht nur bei Überführung

ins Privatvermögen vor, sondern bei

jeglicher Verwendung eines Gegenstands für

Zwecke außerhalb des Unternehmens oder

bei unentgeltlichen Zuwendungen für Zwecke

des Unternehmens. Der Mieter musste

daher nachträglich 20 Prozent Umsatzsteuer

abführen. Die Bemessungsgrundlage sind die

Selbstkosten zum Zeitpunkt des Eigenverbrauchs

(das heißt in der Regel der Restwert).

Um die grundsätzliche Neutralität der

Umsatzsteuer zu erreichen, kann in einem

solchen Fall nach Paragraph 12 Absatz 15

des Umsatzsteuergesetzes die auf den Eigenverbrauch

entfallende Umsatzsteuer dem

Vermieter in Rechnung gestellt werden. Dieser

hat nach den allgemeinen Regeln einen

Vorsteuerabzug.

Harald Galla,

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei

LeitnerLeitner Wien. Er ist spezialisiert auf

Immobilientransaktionen.

Ausgabe 03|2022

59


Zum Autor

Frank Brün ist Managing Partner bei Phorus Management

und Gründungsvorsitzender der AREAMA - Austrian Real

Estate Asset Management Association.

Livestyle-Allergene

Kommentar: Frank Brün

Ich habe quasi keine Unverträglichkeiten: ich bin gluten- und

laktosetolerant, Nüsse und Sojaprodukte tun mir nichts- das Menü

Nummer S23 mit scharfer Soße beim Chinesen um die Ecke schmeckt

mir folgenlos.

Alleinig bei zwei Ereignissen bekomme ich einen stark juckenden

inneren Ausschlag: Volksmusik und politisch korrekte Rechthaberei.

Umpapamusik muss nicht näher beschrieben werden. Wenn jedoch

jeder woke Checker bei dem Versuch etwas Besonderes zu sein, seine

Wortspende mit diversen flashy Hashtags versieht, um andere zu belehren,

fehlt mir das Verständnis.

Wo fängt Diskriminierung an?

In der Identitätsdebatte wird manchen

unterstellt, der Grad einer Diskriminierung

träte an die Stelle des Leistungsprinzips,

der darüber entscheiden solle,

an welcher Stelle im Leben man landet.

Es hat lange genug gedauert, bis die

Ständegesellschaft des Mittelalters

überwunden war und die Erkenntnis

kam, dass es völlig egal ist, wo man herkommt,

welche Hautfarbe man hat oder

welchem Geschlecht jemand zugehörig

ist. Und das ist gut so. Kompliziert wird

es oft in Detail: Letztens, als ich im Zoo

bei den Erdmännchen vorbeigekommen

bin, habe ich mich gefragt, ob die

Beschilderung des Geheges nicht die

Gefühle der Erdweibchen verletzt. Oder

die des süßen Erdmännchens, das eigentlich

lieber ein Pinguin-Weibchen

wäre.

Hippe Randgruppenzugehörigkeit?

Mittlerweile erliegen einige bei der Identitätsfindung der Versuchung,

sich einer besonderen Randgruppe zuzuordnen: Ich beispielsweise

könnte da vielleicht den einen oder anderen Joker ziehen, da selbst,

möglicherweise zwei in Wien als diskriminiert empfundene Gruppen

zugehörig: Migrationshintergrund. Zwar nur EU-Bürger, aber immerhin.

Wobei das Land der Verlierer von Cordoba wiederum einen Punktabzug

bedeuten könnte. Und „alter weißer Mann“. Kein Witz. Was? Zählt nicht?

Unfair? Fragen Sie mal die noch älteren Herren der Schöpfung. Ständig

kommen blöde Witze über Boomer von eigentlich ahnungslosen Rotzlöffeln

- vereinzelt leider sogar von den eigenen, um dann zusehen zu

dürfen, wie andere gefühlt vorgereiht

an einem vorbeiziehen. Was hat der normale,

in Wien eingeborene weiße Mann

noch für Möglichkeiten? Er könnte sich

als Indigener auf die Menschenrechtskonventionen

berufen. Eher nicht, aber

ein interessanter Gedanke ist das schon.

Im nächsten Leben werde ich Förster,

ein Job ohne Menschen: Im Wald sind

Bäume, die stehen fest verwurzelt,

laufen nicht weg, wenn ich sie brauche

und widersprechen nicht. Wenn ich sie

umarme, geben sie mir positive Energie

und kein Covid. Die Luft ist gut und

das manchmal vorbeiziehende Wildschwein

ist eine Bereicherung. Zurzeit

habe ich eher mit Menschen zu tun, die

blöd rumstehen, wenn ich sie nicht gebrauchen

kann und weglaufen, wenn es

was zu tun gibt. Eine Wildsau ist öfters

auch dabei.

Fotos: Stephan Huger, Adobe Stock

Ausgabe 03|2022

60


Zum Autor

ÖVI Präsident Georg Flödl ist geschäftsführender Partner

von Funk Immobilien, seit langem in unterschiedlichen

Funktionen in der Immobilienbranche tätig und

Mitbegründer der ÖVI Young Professionals.

Die Botschaft hör ich wohl…

Kommentar: Georg Flödl

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Dennoch – der Weg von der Idee

zur Umsetzung ist noch weit. Das zeigt sich nicht nur, wenn konkrete

Projekte für die Umrüstung von Heizsystemen im großen Wiener Althausbestand

diskutiert werden. Auch die Asset-Management--Umfrage,

die der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft gemeinsam

mit RICS Austria, Areama und dem Beratungsunternehmen Drees und

Sommer jährlich durchführt, hinterlässt einen gemischten

Eindruck.

Erste Auswirkungen erkennbar

Und dennoch: Erstmalig ist auch am Markt zu beobachten, dass die Auswirkungen

der ESG-Kriterien und der Taxonomie-Verordnung wahrnehmbar

sind. Bislang war der Tenor der Immobiliensachverständigen

vor allem, dass, solange diese Maßnahmen am Markt nicht eingepreist

werden, sie als Sachverständiger keine andere Aussage treffen können ¬

ganz nach dem Motto: „Ich bilde nur den Markt ab, ich mache

den Markt nicht.“

Fotos: Stephan Huger, Adobe Stock

Alibi-Handlungen

Peter Fischer von PricewaterhouseCoopers,

ein engagierter Vertreter der Sustainability-

Thematik, konnte und wollte seine Enttäuschung

darüber anlässlich der jüngsten

Präsentation der Studienergebnisse nicht

verbergen. Der Eindruck, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen

bisweilen zu Alibi-

Aktionen degradiert werden, ist nicht

von der Hand zu weisen. Eine eindeutige

Bewegung gibt es hin zu zwingenden

Mindeststandards für Nachhaltigkeit.

Immerhin für rund die Hälfte der Portfolios

sind verpflichtende Mindeststandards für die

Nachhaltigkeit bei Ankauf oder Betrieb definiert.

Im Vorjahr war dies lediglich bei 40 Prozent der Fall.

Dieses Ergebnis steht aber nach wie vor im Gegensatz

zum Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und deutet weiter auf den

Nachholbedarf in der Branche hin. Bei den Mindeststandards selbst

dominiert klima:aktiv, die Klimaschutzinitiative des österreichischen

Klimaschutzministeriums, gefolgt von unternehmensinternen Standards.

Erstaunlich ist auch, dass etliche Studienteilnehmer schon ein

Überengagement beim Thema Nachhaltigkeit erkennen…

Seit so manche große Bank in ihren internen

Kreditvergabe-Prozessen bei der Projektprüfung

von Bauträgern auch einen Sustainability-Officer

mit Vetorecht in den jeweiligen

Gremien installiert hat, ist Bewegung in

die Sache gekommen. Es wird aber nicht

ausreichen, zentnerschwere Nachhaltigkeitsberichte

zu produzieren, die anstatt

auf Hochglanzpapier nun auf edlem

Öko-Papier daherkommen.

Wesentlich wird sein, messbare Kriterien

zu identifizieren, über die ein Konsens der

Marktteilnehmer besteht. So warten wir alle

noch auf eine Reihe von verbindlichen Dokumenten,

Rechtsakten und Gesetzesvorhaben auf europäischer

und nationaler Ebene, die den weiteren Weg

verbindlich aufzeigen. Allein die Diskussion um das Erneuerbare-Wärme-Gesetz

in Österreich zeigt, dass es offensichtlich mühsam

ist, einen Kompromiss, ja, vielleicht sogar einen für viele Stakeholder

sinnvollen Konsens zu schaffen. Wenn zum x-ten Mal vorbereitende Dokumente

groß im auflagenstärksten kleinformatigen Medium zu finden

sind, ist das Ziel offenbar noch lange nicht erreicht.

Ausgabe 03|2022

61


Zum Autor

Stefan Schleicher ist Professor am Wegener Center für Klima

und Globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität

Graz. Er begleitet seit Jahren die österreichische und internationale

Energie- und Klimapolitik.

Wie werden Immobilien werthaltig?

Kommentar: Stefan Schleicher

2.

Werthaltigkeit: Was sie bei einer Immobilie bedeutet, hängt sehr von

den Interessen der Eigentümer ab. Worst Case ist ein Investor, der seine

Rendite aus billigem Bauen und teurem Verkaufen an den nächsten Eigentümer

schöpft. Dessen Rendite wiederum resultiert aus hohen Mieten

und – wie in vielen Großstädten sichtbar – einem erneuten Verkauf der

Immobilie schon nach wenigen Jahren an den nächsten Eigentümer, der

oftmals allein an der Lage der Immobilie ein Interesse hat. Nach dem Abriss

des Baubestandes wiederholt sich dieser Eigentümer-Zyklus.

Noch ist dieser unter vielen Aspekten destruktive Umgang mit Immobilien

bei uns eher eine Ausnahme. Die Entdeckung von Innovationen, die einen

anderen Umgang mit Immobilien sichtbar machen, der ihnen mehr Werthaltigkeit

verleiht, lohnt sich aber. Darüber gibt das internationale Forschungsprojekt

ReConstruct Orientierung (www.rethinkconstruction.net).

1.

Multifunktionales Design von Bauten.

Nicht zuletzt die Lockdowns der Covid-Pandemie machten darauf aufmerksam,

dass die Grenzen der bisherigen Baustrukturen verwischen.

Wohnungen sollten auf einmal auch die Funktion eines Home-Offices

erfüllen, waren dazu aber meist nicht ausreichend vorbereitet. Künftig

sollten sich Wohnungen nicht nur den Arbeitsbedingungen, sondern

auch den Lebensabschnitten der nutzenden Personen besser anpassen,

von den Phasen Single über Partnerschaften mit Kindern bis zu den Herausforderungen

einer Aging Society.

Aktive Rolle von Bauten im Energiesystem.

Derzeit geltende Rollen von Energie in Gebäuden beschränken sich

weitgehend auf ein passives Verhalten mit Empfehlungen für eine hohe

thermische Qualität bei der Gebäudehülle und einem Energiebezug aus

erneuerbaren Quellen. Radikal innovativ ist die Erkenntnis, dass Gebäude

eine aktive Rolle in einem lokalisierten Energiesystem übernehmen können.

Unter der Bezeichnung von Energy Hubs ergänzen sich Gebäude hinsichtlich

der Verwendung und Bereitstellung von erneuerbarer Energie

über Sonne, Wind und Geothermie.

3.

Integration von mit Gebäuden verbundenen Abläufen.

Die Integration ist eine Erweiterung des multifunktionalen Designs einzelner

Gebäude auf einen Komplex solcher Gebäude, erkennbar unter

den Bezeichnungen „Quartiere“ und „Areale“. In diesen findet sich in

fußläufiger Distanz von Kinderbetreuung bis zum Golfklub und von der

Elementarpädagogik bis zu universitären Forschungseinrichtungen die

Infrastruktur für die täglichen Abläufe. Mit der Technologie von 3D-Printing

könnten außerdem viele Produkte in kurzen geografischen Distanzen

bereitgestellt werden.

Wegen ihres Verlustes an Werthaltigkeit werden heute gebaute Immobilien

schon bald umgebaut oder sogar rückgebaut werden müssen, wenn

sie diese zukunftsfähigen Perspektiven nicht erfüllen.

Foto: AdobeStock

Ausgabe 03|2022

62


Zum Autor

Alexander Passer ist Professor für nachhaltiges Bauen und

Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats der TU Graz und

ist im Vorstand des Climate Change Centre Austria (CCCA).

Klimaschutz jetzt endlich!

Kommentar: Alexander Passer

Der erste Teil des neuen IPCC-Berichts (AR6) zeigte mehr als deutlich,

dass es den Klimawandel gibt und dass er menschengemacht ist. Der

zweite Teil führt uns die Folgen drastisch vor Augen. Der jüngste dritte

Teil des Berichts zeigt uns auf, was wir tun können und müssen, um die

Klimakrise zu vermeiden. Wir kennen die Mittel und Wege, haben das

Wissen sowie die notwendigen Technologien, um die von uns gesteckten

und vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Doch selbst vor einer

drohenden Versorgungskrise werden die Weichen nicht eindeutig und

unausweichlich in die richtige Richtung gestellt.

Foto: Lunghammer, Adobe Stock

Die Bau- und Immobilienwirtschaft gilt als großer Einzelverursacher

von Treibhausgasen und hat somit großes Potenzial im Kampf gegen

die Klimakrise. Die wissenschaftliche Forderung seit Jahren ist: keine

fossilen Energieträger im Neubau und Bestand (jedenfalls beim ohnehin

anstehenden Tausch von Heizungen), idealerweise gleich in Kombination

mit einer bestmöglichen thermischen Sanierung.

Maßnahmenbündelung

Für das 1,5-Grad-Ziel von Paris müssen die globalen Treibhausgasemissionen

(und damit auch die in Österreich) bis 2030 um ca. 45 Prozent

unter das Niveau von 2019 und bis 2050 um ca. 90 Prozent sinken. Hier

braucht es dringend eine Bündelung aller erforderlichen Maßnahmen in

Neubau und Sanierung, um diesen Zielen näherzukommen, geschweige

denn sie zu erreichen.

Um die Dekarbonisierung im Gebäudesektor voranzutreiben, wurde von

der Europäischen Kommission ein gemeinsamer europäischer Ansatz

zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von Gebäuden über deren Lebenszyklus

entwickelt. Hierzu wurde das Bewertungssystem Level(s) als

EU-einheitlicher Berichtsrahmen für Büro- und Wohngebäude entwickelt.

Level(s) ist Teil der übergeordneten europäischen Strategie. So legt

es den Fokus auf die Themenfelder Umwelt, Gesundheit und Wohlbe-

finden sowie Kosten, Wert und Risiko. Die Nachhaltigkeitsperformance

zu sechs zentralen umweltpolitischen Makrozielen wird mit nur neun

Kernindikatoren für Gebäude messbar.

Thema Lebenszyklus

Last but not least, Level(s) wird die (neue) Grundlage im Rahmen der

Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

(EPBD). Im Entwurf ist festgelegt, dass neue Gebäude ab 2030

Nullemissionsgebäude sein müssen; neue öffentliche Gebäude müssen

ab 2027 emissionsfrei sein. Das Lebenszyklus-Treibhauspotenzial muss

dann im Einklang mit dem Level(s)-Rahmen berechnet werden. Eine

spannende Aufgabe, auf die man sich besser jetzt schon vorbereiten

sollte. Denn im EU-Klimaschutzplan ist dargelegt, dass die Richtlinie ein

wichtiges Rechtsinstrument zur Verwirklichung der Dekarbonisierungsziele

für 2030 und 2050 ist. Gebäudezertifizierungen und -deklarationen

können schon heute den Planungsprozess unterstützen.

Ausgabe 03|2022

63


ImmoFokus.Rubrik

Zum Autor

Martina Maly-Gärtner ist COO, Member of the Board bei UBM AG.

Sie verantwortet den Hotelbereich, Human Resources sowie Versicherungen

und ist Mitglied im Salon Real, dem Verein von Frauen in

Führungspositionen der österreichischen Immobilienwirtschaft.

Der Zahn der Zeit

Kommentar: Martina Maly-Gärtner

Der üppig gefüllte Korb mit knackigem Obst zur freien Entnahme?

Längst schon Standard. Ein Firmenauto, gerne auch elektrobetrieben?

Maximiertes Einkommen? Muss nicht sein. Die neue Generation strebt

nach Jobs mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung sowie einer gesunden

Work-Life-Balance. Und: die Arbeit soll sinnstiftend sein, sie soll

einen „Purpose“ bieten.

Wie wir in den letzten Monaten beim Recruiting feststellen durften,

trifft dieser „Purpose“ auf dem Arbeitsmarkt exakt den Zahn der Zeit.

Junge Menschen suchen eine sinnhafte Tätigkeit, mit der sie aktiv einen

Beitrag zur Gesellschaft leisten können. Auf der Payroll eines glaubwürdig

auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmens können sie diesen

„Purpose“ finden.

Die Personalabteilungen stellt die Arbeitswelt 4.0 vor völlig

neue Herausforderungen. Im sogenannten „War for

talents“, dem Wettbewerb um die besten (Nachwuchs-)Köpfe

am Arbeitsmarkt, ist mehr

denn je eine konsequente und konsistente

Unternehmensstrategie gefragt. Im digitalen

Zeitalter muss diese auch klar

und zeitgemäß kommuniziert werden.

Das Zauberwort heißt „Employer

Branding“, die Positionierung

eines Unternehmens als attraktiver

Arbeitgeber, nach außen wie nach

innen. UBM Development tut dies

primär über Social-Media-Kanäle

wie LinkedIn oder Instagram, um

auch tatsächlich die richtige Zielgruppe

am richtigen Ort zu treffen.

green. smart. and more.

UBM hat ihre Konzernstrategie in der Folge

der Pandemie kompromisslos auf „green. smart.

and more.“ ausgerichtet: auf die Entwicklung nachhaltiger,

intelligenter und ästhetisch anspruchsvoller Immobilien.

Nachhaltigkeit darf keine Modeerscheinung, sondern eine

Haltung eines Unternehmens sein. Und diese Haltung gibt den Jobs bei

der UBM Sinn, ökologisch wie letztlich auch ökonomisch.

Community statt Work from home

Wir glauben aber nicht nur daran, dass ein Unternehmen

sinnstiftende Jobs offerieren muss, um

im „War for talents“ letztlich siegreich sein

zu können. Sondern wir wollen unseren

Kolleginnen und Kollegen auch Gemeinschaft

bieten. Die Pandemie hat

durch die schier endlosen Lockdowns

und monatelangen Home-Office-

Zeiten die Mitarbeiter voneinander

entfremdet. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl

und manchmal wohl

auch die Loyalität gegenüber dem

Arbeitgeber gingen zumindest teilweise

verloren.

Das muss nicht so sein. Die UBM tritt

dem entgegen, indem sie versucht, eine

„Community“ zu schaffen, die menschliche

Interaktion und kreativen Spirit fördert.

Räumlich haben wir weite Teile des Büros zu

attraktiven Arbeitsbereichen mit offenen Büros und

gemütlichen Gemeinschaftsflächen umgestaltet. Auch die

Gemeinschaftsterrasse wurde neu geplant, trendig möbliert und mit

einem mächtigen Griller bestückt. Insofern könnte das „and more.“ unseres

Firmenclaims auch als „inspirierend“ gedeutet werden.

Fotos: Adobe Stock, UMB

64 ImmoFokus


Zum Autor

Mikis Waschl ist Unternehmer im Bereich der Digitalisierung

der Bau- und Immobilienwirtschaft, Vizepräsident der IFMA

Austria und Working Group Chair für BIM im Facility Management

bei buildingSMART Austria.

Digitalisierung im Facility Management

Kommentar: Mikis Waschl

Foto: Kkhoss, Adobe Stock

Aufgepasst: It´s crunch time! Nach teilweise

opulenter Beobachtungs- und Evaluierungszeit

scheint es nun schnell zu gehen. Nach den vielbesungenen

Möglichkeiten und Potenzialen

der Digitalisierung wurden diese nun um Notwendigkeiten

ergänzt, wie beispielsweise um

steigenden Kostendruck und das Thema ESG (Environment,

Social, Governance). Der Rahmen der

Betrachtung hat sich dadurch erweitert. Hieß es

lange „ohne Daten kein (Computer-Aided) Facility

Management (CAFM)“, wird dies nun ergänzt

um „ohne Daten keine Nachhaltigkeit“.

ESG hat sich in Windeseile zu einem maßgeblichen

Digitalisierungstreiber im Facility Management

entwickelt. Die Fülle und Vielseitigkeit der

Anforderungen ist mit Excel nicht zu bewältigen,

schnell geborene Proptechs einerseits und etablierte

CAFM-Systeme andererseits bekommen dadurch einen völlig

anderen Stellenwert. Sie bilden die Klammer, um die Fülle der (Daten-)

Anforderungen für ESG zu sammeln, zu aggregieren und zu berichten.

E von ESG

Insbesondere das E von ESG ist dabei eng mit der Gebäudeausstattung

verbunden. Gebäudeautomation, Smart Meter oder Sensorik beziehungsweise

das Internet der Dinge (IoT) stellen in diesem Kontext eine

wesentliche Datenquelle dar.

Weniger „laut“, aber nicht minder konsequent findet auch die Methodik

Building Information Modeling (BIM) im Facility Management Verbreitung.

Naheliegend ist, dass man mit Daten und Informationen (beispielsweise

aus einem Gebäudemodell) effizienter,

nachhaltiger und transparenter wirtschaften

kann als ohne Daten. Seit begonnen wurde, die

Frage zu stellen, wie hoch dieser Kostenvorteil ist

und in welchen Bereichen er sich einstellt, ist die

Innovationskraft in der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle

und -prozesse deutlich gestiegen.

Optimierung

Kürzlich wurde von den Fachverbänden FMA

(Facility Management Austria) und IFMA Austria

(International Facility Management Association

Austria) gemeinsam mit der Plattform für

digitale Innovationen der Bau- und Immobilienwirtschaft

„Digital Findet Stadt“ eine Umfrage

zu den „Anforderungen an den digitalen Immobilienlebenszyklus

Planen, Bauen und Betreiben

aus Sicht des Gebäudebetriebes“ durchgeführt.

Die Teilnehmenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz sahen

neben Kosten/Nutzen-Betrachtungen und fehlenden Ressourcen auch

den Aspekt fehlender Daten beziehungsweise Standards und fehlendes

Bewusstsein und spezifisches Know-how als größte Hürden. Die

Optimierung der Maßnahmenplanung und des Auftragsmanagements

wurde mit großem Abstand als größte Chance gesehen, gefolgt von der

Verbesserung der Bau- und Gebäudedokumentation und des Ressourcenverbrauchs

beziehungsweise Energiemanagements.

Nützlich für alle Interessierten: Bald veröffentlichen FMA und IFMA

Austria das Leitdokument „Digitalisierung für das Facility Management“,

ein Nachschlagewerk zu den vielfältigen und weitreichenden

Aspekte eines Digitalisierungsprojekts. www.ifma.at

Ausgabe 03|2022

65


Die bewegte

ImmoWirtschaft

Regelmäßige Kolumne

über Fakten und Inhalte, die

verändern und prägen.

#31

Reisen „nach“ Corona

Kommentar: Philipp Kaufmann

Ich war letzte Woche mit meiner jungen Familie in Florenz. Nach der

Coronakrise war die Vorfreude riesig. Endlich wieder Toskana, endlich

wieder mit der gesamten Familie fliegen und endlich wieder gemeinsam

Urlaub ohne Maske, ohne Einschränkungen. Gleich vorweg: die Tage waren

anstrengend, erholsam und ich würde es jedes Mal wieder machen.

Es hat sich aber gleichzeitig gezeigt, dass Urlaub auch etwas mit Routine

zu tun hat, und diese haben wir über die letzten Monate seit 2020 gänzlich

verloren. Dies begann beim Einpacken und änderte sich nicht bei der

Vorbereitung beziehungsweise der Anreise. Doch es hat einfach gut getan,

endlich wieder schulfreie Zeit gemeinsam nicht zu Hause, sondern

unter Menschen zu verleben. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder Lust

an Neuem haben und offen für andere Kulturen und Lebensweisen sind.

Diesen Tatendrang haben wir in vollen Zügen genießen können. Schön

war es, wie die Kinder dies genossen haben. Sie haben es wie Schwämme

aufgesogen und spielerisch verstanden, warum es so wichtig ist, Sprachen

zu lernen. In anderen Ländern ist Deutsch einfach nicht genug und

auch Englisch ist immer nur die zweitbeste Wahl. So richtig ins Reden

sind wir in Florenz mit Italienisch gekommen, und die Herzen fliegen einem

zu, wenn das ernsthafte Interesse am anderen wahrgenommen und

die Sprache so recht und schlecht gesprochen wird. Aber das Bemühen

wird geschätzt und gewürdigt.

Die wenigen Tage, in Wahrheit sollten wir besser von Stunden sprechen,

haben kulinarisch gezeigt, wie einzigartig Italien ist: fast jedes Lokal ist

einen Besuch wert, guten Kaffee gibt es an jeder Ecke und das Leben

spielt sich im öffentlichen Raum ab. Wir haben es genossen: Endlich

wieder italienisch zu essen, Nudeln, deren Geschmack mir noch im

Traum unterkommen wird, und als krönenden Abschluss ein Steak, für

das Florenz berühmt ist, und das ich vor allem mit meinem ältesten Sohn

genossen habe.

Corona: vorher versus nachher?

Eine Frage hat mich auf dem Kurzurlaub auch noch beschäftigt: Ist nach

Corona alles besser oder zumindest wieder so, wie es vorher war? Ich wäre

gespannt, wie Sie diese Frage beantworten. Ich für meinen Teil bin zum

Entschluss gekommen, die Chance des Stillstandes, des Lockdowns,

des Neustarts ist eindeutig verpasst worden. In dem Hotel, in dem ich

immer gerne abgestiegen bin, ist eindeutig erkennbar, dass die CapEx

heruntergefahren waren. Statt die Zeit ohne Gäste für notwendige Reparaturen

zu nutzen, war der Pool ausgelassen und das Haus in einem

durchaus tristen Zustand, an dem der Investitionskostenrückstau

deutlich erkennbar ist. Dank der Lockerungen sind die Gäste aber jetzt

da, das Hotel, wie ich vor Ort erfahren habe, seit Wochen ausgebucht

– Reservierungen gibt es bis über den Sommer hinaus. Das Geschäft

brummt und alle sind hungrig aufs Leben, aufs Reisen, auf das Schöne,

und viele sind offensichtlich bereit, Geld dafür auszugeben. Haben die

Verantwortlichen damit nicht gerechnet? War eine schnelle Erholung

nicht eingeplant? Dieses Hotel ist in bester Lage, trägt eine internationale

Marke und hat die einmalige Chance verpasst. Jetzt zu reparieren,

heißt, Gäste zu verärgern beziehungsweise auf Umsatz zu verzichten.

Nicht zu investieren, verärgert die Kunden aber noch mehr. Zumindest

ich werde nicht mehr kommen. Gleiche Erfahrungen haben wir

bei so manchem Lokal machen dürfen. Dort waren wir aber dank dem

Essen und dem Alkohol in der Beurteilung großzügiger. In Summe

ist es nach Corona noch nicht wie früher, wie ein Erlebnis am Flughafen

eindrücklich zeigte: Beim Gate vom Flughafen Toscana (Florenz)

mussten wir erneut unsere Reisepässe abgeben. Unsere Tickets wurden

abgerissen, was ich seit Jahren nicht mehr erlebt habe, und dieses

Prozedere dauerte ewig. Die zuständige Person war völlig überfordert

und ich hatte den Eindruck, sie rechnete einfach nicht mit Gästen,

die an diesem Tag wegfliegen wollten. Die gesamte Abfertigung aller

Passagiere dauerte derart lange, dass wir mehr als eine halbe Stunde

Zeit verloren haben, und unser Pilot die Zeit nicht mehr zur Gänze

aufholen konnte. Der Höhepunkt war aber die Ansage, dass wir für

den Transfer-Bus zum Flugzeug erstmals wieder eine Maske tragen

müssen. Nach langem Suchen haben wir eine gefunden und durften

diese für eine Fahrt von wenigen Minuten und einigen hundert Metern

bis zum Flugzeug am Rollfeld direkt vor dem Terminal aufsetzen.

Was für ein Schildbürgerstreich und was für Verwirrungen, die sich

hoffentlich bald auflösen werden.

Fotos: Gottfried Poessl

66 ImmoFokus


Zum Autor

Michael Pisecky ist Geschäftsführer der s Real und

Obmann der Wiener Fachgruppe der Immobilien- und

Vermögenstreuhänder.

Nicht regulieren, sondern Anreize schaffen!

Kommentar: Michael Pisecky

Mietervertreter in Sachen Mieten und

Wohnkosten zu verstehen, ist schwer.

Wobei es schon damit beginnt, ob sie

wirklich die Konsumenten vertreten.

Da stehen die Forderungen im

Raum, das Bestellerprinzip als Beitrag

zur Kostensenkung einzuführen,

die gesetzliche Anpassung der

Kategorie- und Richtwertmieten

nicht durchzuführen, den Lagezuschlag

beziehungsweise dessen Reste

im Richtwertsystem abzuschaffen und

am besten überhaupt für den gesamten

Mietwohnungsbereich gesetzlich die Preise

zu regeln.

Wenn wir also dann den Wünschen der Mietervertreter entsprechend

das preislich geregelte Einheitswohnen erreicht hätten, wer vergibt

dann die Wohnungen nach welchen Kriterien und, vor allem, wer schafft

dann das ausreichende Angebot und wer stemmt die eigentliche Herausforderung,

die vor uns steht, nämlich die enormen Investitionen, die

erforderlich sind, damit wir auch im Immobilienbereich die Umweltziele

erreichen?

Kritik an der Vergabe im sozialen Wohnbau

Wie die Vergabe im sozialen Wohnbau, also im durchgängig mit öffentlichen

Mitteln gebauten Bereich funktioniert, soll nicht Vorbild sein.

Zum Beispiel müssen Menschen in Wien schon mindestens zwei Jahre

an einer Adresse gewohnt haben, um einen Vormerkschein für sozialen

Wohnbau zu erhalten. Immerhin werden 15 Prozent der Wohnungen

von Wiener Wohnen an sehr einkommensschwache, das heißt im unteren

Einkommensquartil befindliche Personen vergeben. Mehr als 50

Prozent dieser Personen leben jedoch im gewerblichen, privaten Wohnbau.

Ein anderes Beispiel ist, dass ausbezahlte, ehemals wohnbaugeförderte

Wohnungen, die überwiegend von gemeinnützigen Bauvereinigungen

errichtet werden, zwar preisgeregelt und wirklich sehr günstig

sind, es aber der Bauvereinigung obliegt, an wen sie diese sehr günstigen

Mietwohnungen vergibt.

Die Forderungen der Mietervertretungen treffen nahezu ohne Einkommenskorrelation

vor allem Personen, die bereits privilegiert wohnen. Das

gefährdet die Planbarkeit seitens der Vermieter und damit die Investitionsbereitschaft.

Es verhindert den gewerblichen Neubau. Es führt zu einem

Ansteigen von Befristungen wegen steigender Rechtsunsicherheit.

Es führt zu einer laufenden Verschlechterung des Bestands an mehrgeschossigen

Wohnhäusern. Es wird ein größerer Teil der Wohnungen

leistbar sein, aber irgendwann nicht mehr beheizbar. Preisregelungen

per Region, Alter, Stichtagsdaten und andere Kriterien können nicht

treffsicher sein und lösen nicht die Probleme für einkommensschwache

Gruppen in der Bevölkerung. Wir brauchen eine Subjetförderung, um

sozial ins Schwarze zu treffen. Die günstigen Wohnungen bekommen

bisher nämlich eher die mittleren und höheren Einkommensbezieher.

Aktuelle Forderungen helfen den Mietern nicht

Ausstattung, Lage, vor allem aber der ökologische Zustand von Wohnung,

Haus und Wärmequelle sollte preisbildend und investitionsfördernd

sein. Dazu brauchen wir neue Rahmenbedingungen, und nicht

mehr Regulierungen.

Wir haben ein weltweit beachtetes System der dualen Wohnungswirtschaft:

den sozialen und den gewerblichen Wohnbau. Das System

funktioniert gut und trägt zur Lebensqualität in unserem Land bei. Es

sollte uns aber nicht davon abhalten, im sozialen Wohnbau treffsicherer

zu werden und den gewerblichen Bereich weniger zu regulieren. Wir

brauchen alle im Boot, um die Herausforderungen, die vielfältig auf uns

zukommen, zu meistern.

Foto: AdobeStock

Ausgabe 03|2022

67


Zum Autor

Hans Jörg Ulreich, Gründer und geschäftsführender

Gesellschafter der Ulreich Bauträger GmbH, Bauträgersprecher

Österreich, Lektor an der TU Wien und FH Wien.

Kein Scherz

Kommentar: Hans Jörg Ulreich

Aber das liegt nicht an Chatskandalen oder an der besagten Nacht auf

Ibiza. Es liegt schlicht und ergreifend an dem täglichen Blödsinn, der – Sie

entschuldigen – verzapft wird um uns Weiß für Schwarz zu verkaufen.

Reform gefordert

Und ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in der unsere Politik nur mehr oberflächlich,

kurzsichtig und populistisch agiert, ausgerechnet jetzt steht

eine Reform des österreichischen Mietrechts in ihren Startlöchern. Dass

ich, als einer, der seit Jahrzehnten eine solche Reform einfordert, gerade

jetzt eine solche wirklich nicht will, sollte auch Ihnen einen Denkanstoß

zu dem aktuellen Unzustand der österreichischen Volksvertreter geben.

Aber ich kann leider nicht anders. Täglich ist vom systematischen

Marktversagen am Immobilienmarkt die Rede, immer wieder werden

Leerstandsabgaben und Mietpreisregulierungen gefordert, ob es nun

Sinn macht oder nicht.

Mit vernünftigen Argumenten, auch gegenüber Meinungsbildnern, ist

man erstens alleine und zweitens fällt es schwer, damit durch die jahrzehntelang

aufgebauten falschen Meinungen durchzudringen.

Während in der durch einen Angriffskrieg zutiefst erschütterten

Ukraine ein Komiker zu politischen Höchstleistungen aufläuft, passiert

bei uns täglich aufs Neue genau das Gegenteil.

Als am Sonntag zu bester Lesezeit der jüngste Altkanzler unserer Geschichte

mit einem exklusiven Interview einen Einblick in sein neues

Leben und seine zukünftigen politischen Pläne gab, hielt ich kurz inne,

aber blätterte mit einer traurigen Gewissheit weiter: Ich glaube ihm und

allen anderen österreichischen Politikerinnen und Politikern genau gar

nichts mehr.

Hausverstand wäre gefragt

Dabei würde ein einziger Blick über den eingefleischten Tellerrand, vielleicht

eine Stunde Recherche, genügen, um die alten Denkmuster einmal

neu zu überdenken. Man könnte sich zum Beispiel die tatsächliche

Situation am Immobilienmarkt genauer ansehen, statt – getrieben durch

Schlagzeilen, dass Wohnen nicht mehr leistbar ist – gleich mit Begriffen

wie Marktversagen um sich zu werfen.

In Wien zum Beispiel gibt es derzeit rund 900.000 Mietwohnungen.

43 Prozent aller Wienerinnen und Wiener wohnen in rund 200.000

Gemeindewohnungen und in gemeinnützig erbauten Mietwohnungen,

also in Genossenschaftswohnungen. Ein Drittel aller Wienerinnen und

Wiener mietet am privaten Wiener Wohnungsmarkt. 50 Prozent der

Fotos: Sebastian Philipp, Adobe Stock

68 ImmoFokus


| MT12-02G |

Medien- und Steuerungstechnik

auf einer Plattform:

mit PC-based Control

Beleuchtung

Ärmsten in Wien mieten – wegen diverser Zugangshürden

-privat. Das Meridianjahreseinkommen in Wien liegt

bei rund 21.500 Euro netto, eine Person mit bis zu 49.000

Euro Nettojahreseinkommen hat das Recht, eine Gemeindewohnung

zu bekommen. Dafür bekommen Menschen,

die weniger als 997 Euro netto im Monat verdienen, keine

Wohnbeihilfe. Wohnbeihilfe kann auch nur beantragt werden,

wenn eine Wohnung bereits bewohnt wird.

Control

Panel

Audio

Fassade

Heizung,

Lüftung,

Klima

Im Wiener Wohnungsanzeiger, in dem freie oder freiwerdende

Gemeindewohnungen zu finden sind, wird eine

45 Quadratmeter große Ein-Zimmer Wohnung mit 3500

Euro Ablöse und 460 Euro Bruttomiete inseriert, allerdings

inklusive eines Heizwärmebedarfes von 226 HWB – ein

solcher ist in Frankreich zukünftig sogar verboten! Im

gegenüberliegenden, privat vermieteten, topsanierten

Erstbezugsaltbau kostet eine nur 42 Quadratmeter große

Wohnung, die dafür aber 1,5 Zimmer hat, 590,00 Euro – zu

einem Heizwärmebedarf von weniger als 40 HWB!

Nur ein kleiner Blick über den Rand zeigt, dass es beim

Thema Wohn- und Wohnbaupolitik um so vieles geht,

doch übrig bleiben wird eine medial gut zu verkaufende

Robin-Hood-Mietrechtsreform gegen eine vermeintlich

geldgierige Branche, statt der Versuch, echte Probleme,

soziale wie ökologische, mutig anzugehen.

Wir als Branche haben schon viele solcher Konzepte ausgearbeitet.

Immer auch mit dem umsichtigen Blick für sozialen

Ausgleich und ökologische Nachhaltigkeit, natürlich

unter der Prämisse, unternehmerisch sorgfältig und wirtschaftlich

sinnvoll zu handeln.

Und ja, wir sind gegen Preisregulierungen am privaten Wohnungsmarkt,

weil dieser nämlich bestens funktioniert. Die

Mieten werden, angesichts des Überangebots, in Wien im

Neubau in den nächsten Jahren weiter nach unten gehen.

Gerätemanagement

Video

Mediensteuerung

Medientechnik neu gedacht: Als Spezialist für PC-basierte Steuerungssysteme

ermöglicht es Beckhoff mit einem umfassenden und

industrieerprobten Automatisierungsbaukasten, Multimedia,

Gebäudeautomation sowie Entertainmentkonzepte vernetzt und

integriert umzusetzen. Mit der modularen Steuerungssoftware

TwinCAT und direkter Cloud- und IoT-Anbindung werden alle

Gewerke von der A/V-Technik über die Gebäudeautomation

bis hin zu Digital Signage Control, Device Management und

Condition Monitoring, auf einer Plattform kombiniert. Hinzu kommt

die maximale Skalierbarkeit aller Komponenten und die Unterstützung

aller gängigen Kommunikationsstandards. So schafft Beckhoff die

Grundlage für neue mediale und architektonische Erlebniswelten.

Scannen und die

Beckhoff-Highlights

für die AV- und

Medientechnik

entdecken

IoT

Aber von langfristigen, weitsichtigen Lösungen profitieren

Komiker nun einmal nicht. Nur vom Applaus in der aktuellen

Show.

Ausgabe 03|2022

69


Präsent, um gefunden zu werden

Kommentar: Philipp Kaufmann

Marketer dürfen seit der endgültigen Etablierung von Marketing in

den 60er Jahren die Entscheidung zwischen Kontinuität und Werbedruck

treffen. Seitdem mich Marketing begeistert, beschäftigt auch

mich diese Fragestellung und ich frage oft Partner, Werbeagenturen und

Experten, wie sie dieses Verhältnis einschätzen. Die Antworten sind so

vielfältig wie das Leben: Sehen die einen einzig in der Kontinuität, sprich

der regelmäßigen Präsenz der Werbebotschaften, das Geheimnis für den

langfristigen Erfolg, schwören andere auf möglichst geballte Aktivitäten

über alle Kanäle, um einen maximalen Werbedruck zu erzeugen und die

Zielgruppe auch tatsächlich mehrmals gleichzeitig zu erreichen. Patentrezepte

dürfte noch keiner erfunden haben, und wie man beim Erfolg

von unterschiedlichen Marken sieht, sind auch durchaus unterschiedliche

Vorgehensweisen zielführend.

Kontinuität versus Werbedruck

Ich habe für mich nach Jahrzehnten in der Praxis die Entscheidung getroffen,

dass Kontinuität wichtiger als Werbedruck ist, und es für fast

alle Marken gilt, laufend präsent zu sein. Dies ist insbesondere auf den

Social Media-Kanälen sinnvoll und notwendig. Ein Facebook-Auftritt

ohne laufende Postings ist einfach undenkbar und eine permanente

Interaktion mit der Community ist das Fundament der täglichen Arbeit.

In Abwägung der Möglichkeiten ist es aber darüber hinaus mehr als

sinnvoll, Aktivitäten zu bündeln und zu konzentrieren. Ich vertrete den

Ansatz, sich zu fokussieren und Schwerpunkte zu setzen, bei denen mit

voller Kraft die Zielgruppen zu erreichen sind, bevor das Jahresbudget

fürs Marketing in vielen kleinen Blöcken ausgegeben wird und zum Teil

damit verpufft. Meine Gedanken ausformuliert, ist mir selber bewusst,

dass auch in meiner Brust zwei Seelen wohnen und der Konflikt Kontinuität

versus Werbedruck nicht schlüssig aufgelöst ist.

Handlungsempfehlungen

Lassen Sie mich das Problem mit folgenden Empfehlungen angehen:

• Kontinuität ist King: Wenn es das Budget ermöglicht, ist Kontinuität

zu wählen. Unternehmen Sie alles, um möglichst regelmäßig bei Ihren

Kunden präsent zu sein und sich immer wieder in Erinnerung zu rufen.

• Schwerpunkte setzen: Planen Sie das Jahr mit Schwerpunkten und

konzentrieren Sie alles Geld darauf, das Sie nicht für die Kontinuität

brauchen. Abhängig von Ihren Möglichkeiten setzen Sie einen oder

mehrere Schwerpunkte pro Jahr. Bei diesen Schwerpunkten gilt es,

die Zielgruppen über möglichst viele Kanäle zu erreichen.

• Kreativität siegt: Langweilen Sie nicht mit einer faden Werbung. Seien

Sie kreativ und überraschen Sie Ihre Kunden. Gute Ideen sind gefragt,

und diese kosten oftmals nicht mehr als schlechte.

• Guerilla-Marketing: Oftmals hilft es, unorthodoxe Ideen umzusetzen

und auf überraschende Ideen zu bauen; beispielsweise können Sie mit

Gegengeschäften den Werbedruck erhöhen und mehr Werbeleistung

in Anspruch nehmen, als wenn Sie die Gegenleistungen nur mit Geld

eingekauft hätten. Diese Aktivitäten sind jedoch nicht immer planbar

und es gilt, offen für Neues zu sein und auch einmal etwas auszuprobieren,

was nicht funktionieren könnte.

• Hausaufgaben erledigen: Wie in dieser Kolumne in den letzten Jahren

ausgeführt, ist die Einrichtung eines Newsrooms notwendig und

laufende Medienarbeit ein Muss. Hier nur Schwerpunkte zu setzen, ist

einfach unvorstellbar.

• Immobilien nutzen: Beim Immobilienmarketing haben wir spezielle

Chancen, und diese nicht zu nutzen, wäre eine Schande. So

kann ich in keiner Weise nachvollziehen, warum es immer noch

Bauträger beziehungsweise Makler gibt, die nicht auf Baustellenmarketing

setzen. Es ist nichts einfacher, als bei der jeweiligen

Immobilie, die es zu bewerben gilt, präsent zu sein. Nichts funktioniert

besser und fast immer kommen (Teil-)Zielgruppen an unseren

Immobilien vorbei.

Eine finale Antwort auf eine der entscheidenden Fragen konnte ich

Ihnen leider doch nicht geben, aber vielleicht den einen oder anderen

Gedanken. Bleiben Sie interessiert und erfolgreich.

70 ImmoFokus


Event

REAL ESTATE MEDIA GROUP

Mit den Newslettern

der Real Estate Media Group

immer aktuell informiert

Wählen Sie die Newsletter die Sie empfangen wollen. Selbstverständlich können

Sie das jederzeit ändern. Wenn Sie Newsletter abbestellen wollen, finden Sie einen

entsprechenden Link in jeder von uns verschickten E-Mail.

EARLY-BIRD IMMO-NEWS

Die wichtigsten Immobilienthemen auf einen

Blick – Der Start in den Tag - von Montag bis

Donnerstag um 7 nach 7.

IMMO FAKTEN

Zahlen, Daten und Fakten zur Immobilienwirtschaft.

Jetzt auch mit dem Immo-Fakten-Check.

JedenDienstag um 14 Uhr in Ihrem Postfach.

PEOPLE IN MOTION

Personalmeldungen aus der Immobilien- und

Baubranche. Aufsteiger und Absteiger.

News & Hintergründe. Jeden Mittwoch um 14 Uhr

in ihrer Mailbox.

POSITIONEN & MEINUNGEN

Kommentare und Analysen zum aktuellen

Marktgeschehen. Kurz-Interviews und

Immo-Fokus-Umfragen.

DIE REGISTRIERUNG

Gehen Sie auf:

https://www.immo-timeline.at/subscribe.

Geben Sie Ihre Daten und die Auswahl der

Newsletter an - anschließend erhalten Sie

ein Mail, um Ihre Newsletter-Bestellung

DSGV-konform zu bestätigen und damit

Ihr Newsletter- Abonnement zu aktivieren.

CLOSING THE WEEK

Ein kritischer Blick auf die Woche. Zum

Wochenausklang jeden Freitag um 7 nach 7.

71 ImmoFokus

Sie haben noch Fragen –

Melden Sie sich bitte bei uns:

office@media-group.immo


Zum Autor

Louis Obrowsky ist Präsident des Verbandes der Institutionellen

Immobilieninvestoren und Geschäftsführer der LLB

Immo Kapitalanlagegesellschaft.

Eigentum benötigt Rendite

Kommentar: Louis Obrowsky

Die Folgen

Was passiert aber, wenn diese Eingriffe vorgenommen werden? Institutionelle

Vermieter – dazu zählen unter anderem Versicherungen, Pensions-

und Vorsorgekassen sowie offene Immobilienfonds – veranlagen in

Immobilien nicht zum Selbstzweck, sondern halten diese treuhändig für

und managen diese im Interesse ihrer Kunden. Diese Kunden sind bei den

genannten Institutionen die sprichwörtlichen kleinen Leute, deren Abfertigungen

aufgrund gesetzlicher Vorgaben veranlagt werden, oder jene, die

für ihre private Zusatzpension vorsorgen. Es ist also ein Treuhandauftrag

einer Anlagegemeinschaft. Das Pensionskassengesetz zum Beispiel sagt

auch ganz präzise: Die Pensionskasse hat die Pensionskassengeschäfte im

Interesse der Anwartschafts- und Leistungsberechtigten zu führen und

hierbei insbesondere auf die Sicherheit, Rentabilität und auf den Bedarf

an flüssigen Mitteln sowie auf eine angemessene Mischung und Streuung

der Vermögenswerte Bedacht zu nehmen.

Betrachten wir das Inflationsmilderungsgesetz: bereits dreimal wurde

in den letzten Jahren die Indexierung von Richtwertmieten ausgesetzt.

Diese stellt aber nicht ein „Körberlgeld“ für Immobilieninvestoren und

Eigentümer dar, sondern ist eine gesetzlich geregelte Indexanpassung der

Mieten, die alle zwei Jahre erfolgen und unter anderem Instandhaltung

und Sanierung ermöglichen soll. Das Aussetzen von gesetzlich vorgesehenen

Indexanpassungen ¬ Immobilienbesitzer sollen im Sinne der

„Solidarität“ auf Einkünfte verzichten ¬ schädigen jenes Klientel, welches

Politiker und sonstige Institutionen zu unterstützen vorgeben. Der Immobilieneigentümer

braucht eine gewisse Mindest-Rendite, um seinen Verpflichtungen

nachkommen zu können, ebenso wie die öffentliche Hand,

die ohne Wimpernzucken jährlich valorisiert und Gebühren für Wasser,

Müllabfuhr et cetera ohne zu zögern anhebt, mit dem Argument, dass

alles teurer werde. Dem Immobilieneigentümer wird dies aber, wie oben

beschrieben, immer wieder durch rechtspolitisch bedenkliche gesetzliche

Eingriffe verwehrt.

Wichtige Einkünfte

Das Aussetzen von gesetzlich vorgesehenen Indexanpassungen, wonach

Immobilienbesitzer auf Einkünfte verzichten sollen, schädigt in Wahrheit

und hindert rechtschaffene Marktteilnehmer daran, gesetzliche Vorgaben

zu erfüllen. Die durch gesetzliche Eingriffe bedingte geringere Rendite

wird dann zum Vorwurf erhoben und der Kapitalmarkt per se schlechtgeredet.

Vergessen wird auch nicht, dass es die Immobilieninvestoren sind,

die das österreichische Bau- und Baunebengewerbe maßgeblich beauftragen.

Wenn es aber weniger Einkünfte gibt, von denen ein beträchtlicher

Teil reinvestiert wird, gibt es auch weniger Sanierungen. Das schlägt sich

wiederum negativ auf den Arbeitsmarkt nieder.

Wir stehen am Ende eines langen Zinssenkungszyklus, in Zukunft ist wohl

mit tendenziell höheren Zinsen zu rechnen. Davon werden auch Kapitalisierungszinssätze

und damit die Bewertung von Immobilien betroffen

sein. Ein kontinuierlicher realer Werterhalt der Mieteinkünfte kann diese

Schwankungen zumindest teilweise ausgleichen. Wird dieser durch politische

Intervention sabotiert, wird dies den von institutionellen Immobilieninvestoren

vertretenen Kleinanlegern nicht zum Vorteil gereichen.

Die Politik wird dann wieder mit dem Finger auf die Immobilienbranche

zeigen, hat jedoch in Wahrheit das Dilemma selbst zu verantworten.

Foto: AdobeStock

72 ImmoFokus


ADVERTORIAL

Um den historischen

Charakter des Gebäudes

zu bewahren, wurde

behutsam restauriert

und adaptiert.

Der Glanz der Monarchie

kehrt zurück nach Prag

Zurück in die Zukunft.

Das jüngst eröffnete Andaz Prague gleicht einer Schatztruhe, gefüllt mit Mythen

und Legenden. Ein wahres Schmuckstück mit Geschichte ist aber auch das Gebäude selbst.

© CRISTINA GARCÍA LEE, WOOW

E

in Rundgang durch das Andaz Prague

gleicht einer Entdeckungsreise. Immer

wieder begegnen einem auf den Fluren

und in den Zimmern ein Löwenkopf oder ein

Schwert, die gleichsam aus den Wänden wachsen.

All das ist eine Reminiszenz an die Geschichte

Prags, die wie kaum eine andere Stadt

Europas von Mythen und Legenden geprägt ist.

Das im März eröffnete Hotel bringt aber auch

den Glanz der Monarchie zurück in die tschechische

Hauptstadt – eine Ära, in der Prag das

intellektuelle und industrielle Zentrum Österreich-Ungarns

war. In nur zweieinhalb Jahren

verwandelte der Immobilienentwickler UBM Development

ein neoklassizistisches Palais in ein

Lifestyle-Luxury-Hotel der Marke „Andaz“. Das

vom Hotelgiganten Hyatt betriebene exklusive

Fünf-Sterne-Haus liegt im historischen Zentrum

von Prag direkt am Heuwaagsplatz (Senovážné

náměstí) und bietet 152 Zimmer, 24 Suiten und

fünf Konferenzräume. Die Marke „Andaz“ steht

als designbetontes Hotel „für das Unkonventionelle,

das Überraschende, das Außergewöhnliche“,

so Hotel-Direktorin Doris Hecht.

Geschichte und Kultur

Den Gästen stehen statt einer herkömmlichen

Lobby drei gemütliche „Wohnzimmer“ zur Verfügung,

die jeweils ein anderes Thema umsetzen:

eine Bibliothek, die Bezug auf die bekannte

Kloster-Bibliothek Strahov nimmt. Ein weiteres

Zimmer spielt mit der Glasbläser-Kunst Tschechiens,

die den Gast auch schon beim Eintritt

in das Hotel in Form einer Glas-Installation

von der Decke begrüßt. Und der dritte Raum ist

den Alchimisten gewidmet, die im Auftrag von

Kaiser Rudolf II. nach Prag geholt wurden, um

aus verschiedenen Metallen „künstlich“ Gold

herzustellen. Kurz: ein Haus als Spiegelbild von

Geschichte und Kultur.

Ein wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzept

war ein Food & Beverage-Angebot, das auch die

lokale Bevölkerung ansprechen soll. Im von der

Straße separat zugänglichen Restaurant „ZEM“,

das die Design-Handschrift von Blue Sky Hospitality

trägt, wird die traditionelle tschechische

Küche modern interpretiert, und in der Bar

„MEZ“ gibt es neben exquisiten Cocktails unter

anderem auch das „Pioneer“-Bier aus der lokalen

Braue rei Žatec. Ein perfekter Ort zum Entspannen

ist das „Klára Rott“-Spa, das mit Produkten

der tschechischen Bio-Kosmetikmarke Klára

Rott verwöhnt.

Das Gebäude selbst ist ein freistehender Komplex

mit zwei Innenhöfen, der zwei Straßen und einen

Platz prägt. Und das Hotel hat eine imposante

Historie. Errichtet wurde es 1912 bis 1916 für

die „Versicherung der Zuckerindustrie“, damals

eine überaus bedeutende und profitable Branche,

und daher auch bekannt als „Zuckerpalast“.

Das Gebäude hat als „Zuckerpalast“

eine imposante Historie.

Die Zuckerbarone hatten einen Stellenwert,

der dem der heutigen Internet- und Digital-

Unternehmer entsprach. Später waren erst das

Ernährungsministerium, dann die tschechische

Postsparkasse in dem Gebäude untergebracht.

An Letztere erinnern etwa „Tresortüren“ in den

Badezimmern. Seit 1993 steht das Gebäude teilweise

unter Denkmalschutz.

Marmor und Wintergärten

Die Umgestaltung des historischen Gebäudes

war durchaus eine Herausforderung. Die Fassade

und die Marmor-Treppenhäuser mussten

erhalten bleiben, die Innenhöfe in das Hotel einbezogen

werden. So kommt es, dass einige Eckzimmer

eigene kleine Wintergärten haben, was

in Prag schon etwas Besonderes darstellt. Die

originalen Fenster wurden behutsam restauriert,

um den historischen Charakter des Gebäudes zu

erhalten. Auch in den Konferenzräumen ist die

alte Holzvertäfelung weitgehend erhalten.

Das Andaz Prague ist aber auch ein sichtbares

Zeichen für das geänderte Verständnis von

Tourismus und Reisen. Viele Jahrzehnte waren

Sicherheit, Sauberkeit und Bequemlichkeit die

zentralen Bedürfnisse von Touristen. Mittlerweile

sind aus Touristen Entdecker geworden,

die nicht in gesichts- und geschichtslosen

Nächtigungsbetrieben absteigen wollen, sondern

authentische Erlebnisse und Erfahrungen

suchen und sich auf die jeweilige Stadt einlassen

wollen. Insofern müssten die Gäste das Hotel für

Entdeckungsreisen gar nicht verlassen – was

dann aber auch wieder schade wäre, weil Prag

derart viel zu bieten hat.


Zum Autor

Martin Prunbauer ist seit 2012 Präsident des Österreichischen

Haus- und Grundbesitzerbundes (ÖHGB), seit 2020

Präsident des Zentralverband Haus und Eigentum und im

Zivilberuf als Rechtsanwalt in Wien tätig.

Zielscheibe Mittelstand

Kommentar: Martin Prunbauer

Die Diskussionen rund um eine Besteuerung von Leerstand und

Zweitwohnsitzen reißen nicht ab. Einige Bundesländer haben bereits

entsprechende Landesgesetze beschlossen beziehungsweise sind solche

in Umsetzung begriffen. Stimmen werden laut, sogar eine Änderung der

Kompetenzverteilung der österreichischen Bundesverfassung durchzuführen,

um höhere (Leerstands-)Steuern lukrieren zu können. Es gibt

keine Definition des Leerstandes; deshalb ist es den Legisten des Landes

praktisch nicht möglich, Regelungen zu formulieren.

Gebrochene Versprechen

Das politische Versprechen „Keine neuen Steuern“ scheint bei Landespolitikern

vergessen. Es gibt viele Gründe, warum eine Wohnung unbenützt

ist. Diese reichen von einem Mieterwechsel, aufwendigen Umbauten und

Sanierungen bis zu einer längeren

Abwesenheit aus beruflichen Gründen.

Eine Wohnung steht auch dann

leer, wenn jemand in ein Altersheim

zieht und sich die Türe offenhalten

möchte, wieder in die eigene Wohnung

zurückzukehren, oder einen

längeren Spitalsaufenthalt hat beziehungsweise

ein Auslandssemester im

Studium absolviert.

Mangels Definition von Leerstand

können auch die kolportierten Zahlen

über leerstehende Wohnungen

keine seriöse Grundlage abgeben.

Abgesehen davon ist mit einem

enormen bürokratischen und zeitlichen

Aufwand zu rechnen. Dies

stellte auch das Finanzministerium

fest. Die vom Ministerium ins Treffen

geführten Indizien ohne Beweiskraft – etwa anhand einer Stromrechnung

– sagen nichts über die reale Situation eines Leerstandes aus.

Showpolitik und Geldbeschaffung

Leerstandsbesteuerung ist reine Showpolitik und Geldbeschaffung. Wer

sich eine Wohnung – auch als Ferienwohnsitz – über viele Jahre mühsam

erspart hat, also nicht vermögend ist, und berechtigte Gründe hat, diese

nicht ständig zu benützen, den trifft die Steuer mit aller Wucht, denn so

viele Ausnahmen lassen sich nicht in ein Gesetz gießen. Hatte die Politik

noch vor Jahren Eigentum als Sicherheit im Alter propagiert, wird

es jetzt mit Füßen getreten, anstatt dort anzusetzen, wo die Probleme

liegen: Eine eklatante Fehlbelegung im sozialen Wohnbau und der massive

mieterbedingte Leerstand durch Horten von günstigen Wohnungen

für den Opernbesuch, Liederabende

oder die Enkelkinder. Diese Punkte

bleiben aber undiskutiert.

Die österreichische Bundesverfassung

ist ein wohldurchdachtes und

mit äußerster Sorgsamkeit erstelltes

Regelwerk, das man aus Gründen von

Showpolitik nicht zum Spielball von

Anlassgesetzgebung machen darf.

Leerstand kann viele Gründe haben

und dessen Besteuerung ist ein unzulässiger

Eingriff ins Eigentum. Getroffen

werden nicht diejenigen, die

spekulativ leer stehen lassen, sondern

der Mittelstand.

Letztlich muss es jedem Eigentümer

überlassen sein, was er mit seinem

Eigentum macht.

Fotos: Michael Büchling, Adobe Stock

74 ImmoFokus


Advertorial

Nachhaltiger und

lebenswerter Holzwohnbau

Weiter gedacht. Trotz derzeit hoher Rohstoffpreise setzt DIE WOHNKOMPANIE auf nachhaltigen Holzwohnbau.

Dabei orientiert sie sich nicht an der Pflicht, sondern fokussiert auf die Kür.

Foto: DIE WOHNKOMPANIE

G

rößere Projekte in Holzbauweise:

wie kann man sie umsetzen?

Dieser Aufgabenstellung hat sich

DIE WOHNKOMPANIE gewidmet.

Nun sind ihre beiden ersten Projekte

in der Klederinger Straße in 1100 Wien und in

der Ketzergasse in 1230 Wien bereits in der

Umsetzung beziehungsweise in der finalen

Planungsphase. Roland Pichler, Geschäftsführer

von DIE WOHNKOMPANIE: „Mit unseren

beiden Projekten nehmen wir in Österreich

sicher eine Vorreiterrolle ein. Der Baustart von

TIMBER*LAA in Wien Favoriten ist bereits im

Frühjahr erfolgt. Daraus lassen sich schon jetzt

viele Schlüsse für weitere Projekte ziehen.”

Eine wesentliche Erkenntnis des Wohnbauträgers:

Holzwohnbau ist noch viel stärker von

schwankenden Rohstoffpreisen abhängig als

herkömmliche Bauweisen. Aber auch damit

lässt sich arbeiten. „Wir haben Partner und

Lieferanten, die an unsere Projekte glauben

langfristige Partnerschaften sind die Grundlage,

gemeinsam auch in schwierigen Zeiten

Lösungen zu finden, die für alle Projektbeteiligten

annehmbar sind”, so Roland Pichler weiter.

Für DIE WOHNKOMPANIE liegt der Fokus in

der Schaffung von nachhaltigem und dennoch

leistbarem Wohnraum. Pichler erklärt: „Holzwohnbau,

besonders der Vollholzwohnbau, ist

für die zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen

in der Anschaffung etwas teurer. In der

langfristigen Betrachtung amortisiert sich aber

der höhere Anschaffungspreis durch die im

Lebenszyklus der Immobilie durchgerechnet

niedrigeren Betriebskosten.”

Nachhaltigkeit

Beim Wohnprojekt TIMBER*LAA bestehen alle

Wände und Decken aus Vollholzelementen.

Damit ist dieses Projekt nicht nur nachhaltig,

Roland Pichler,

Geschäftsführer

sondern setzt auch Maßstäbe beim positiven

Wohngefühl für die zukünftigen Bewohner

und Bewohnerinnen inklusive einer hervorragenden

Raumakustik. Die 38 freifinanzierten

Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit

großzügigen Freiflächen werden mittels Luftwärmepumpen

beheizt und mit Warmwasser

versorgt, Photovoltaik-Anlagen optimieren

den erforderlichen Stromverbrauch. Die Fertigstellung

im zehnten Bezirk ist für das zweite

Quartal 2023 vorgesehen.

Hoher Vorfertigkeitsgrad

Roland Pichler schildert die Vorteile des Projekts:

„Alleine durch die Konstruktionsweise

mit einem hohen Grad an Vorfertigung entstehen

viele positive Effekte: Durch die Herstellung

in einem Werk ist die Passgenauigkeit

deutlich besser, zudem ist die Standfestigkeit

der Holzwände selbst durch die Konstruktionsart

deutlich höher. Das bringt einige Vorteile

mit sich: Zunächst einmal wird der Verkehr

rund um die Baustelle deutlich reduziert, was

für die Anrainer eine geringere Lärm- und

Staubbelastung bedeutet. Zusätzlich leisten

wir auch damit einen Beitrag zu einem gerin-

geren CO2-Ausstoß nicht nur durch die geringere

Anzahl an Fahrzeugen, sondern auch

beim Maschinenbetrieb vor Ort.”

In der Ketzergasse in Wien Liesing setzt

DIE WOHNKOMPANIE ab dem dritten Quartal

2022 bereits ein weiteres Projekt mit 38 Einheiten

in Holzbauweise um. „Bei diesem Bauvorhaben

gehen wir noch einen Schritt weiter“,

kündigt Pichler an, „Neben der Holzbauweise

und der hochmodernen Energieversorgung soll

eine Fassadenbegrünung und Grauwassernutzung

zum Einsatz kommen. Das Projekt wird

außerdem während der gesamten Bauphase

von einem Chemiker begleitet, um sicherzustellen,

dass die Bewohner und Bewohnerinnen

ein schadstoffarmes Zuhause erhalten.”

Über DIE WOHNKOMPANIE

DWK Die Wohnkompanie GmbH entwickelt

als inhabergeführter, unabhängiger

Wohnbauträger nachhaltige urbane Lebensräume.

Der Fokus liegt dabei in der

Realisierung freifinanzierter, nachhaltiger

Wohnbauprojekte.

Als Tochterunternehmen der Zech Group

– eines der stärksten Bau- und Immobilienunternehmen

Deutschlands – steht

DIE WOHNKOMPANIE für umfassende

Kompetenz im Wohnungsbau, einzigartige

Expertise und sichere Bonität.

www.wohnkompanie.at

www.zech-group.com

Ausgabe 03 | 2022

75


ImmoFokus.Rubrik

Bewertung

ImFokus

Insel der

Seligen?

Nachgedacht. Nach den sinnlosen Aggressionen an der

osteuropäischen Außengrenze ist man geneigt, Österreich

weiterhin als ein sicheres Land mit hohem Wohlfühlfaktor zu

betrachten.

Kolumne: Wolfgang M. Fessl

D

ie letzte Pressekonferenz der Regierung

zum Bestellerprinzip wirft

auf diese Annahme ein anderes

Licht. Ich kann dem Bestellerprinzip

durchaus viel abgewinnen aber deswegen

gleich eine ganze Branche zu diskreditieren, ist

auch ein starkes Stück. Und wie tun sich andere

Länder in Europa mit ihren Regierungen?

Da gibt es zum Beispiel Länder, in denen die

Parteienfinanzierung nicht auf Spenden oder

Mitgliedsbeiträgen basiert, sondern sich die

jeweils regierenden Parteien das Geld aus den

Steuertöpfen selbst zuteilen, ohne Kontrolle

von außen. Auch die Besetzung von Aufsichtsratsposten

des staatlichen Rundfunks mit

Mitgliedern der aktuellen Regierungsparteien

passiert nicht nur in totalitären Regimen. Es

ist auch schon vorgekommen, dass ein Parlamentspräsident

(gegen den aktuell wegen

Amtsmissbrauch ermittelt wird) eine Untersuchung

gegen die eigene Fraktion geleitet hat.

Dann gibt es Länder, in denen die Korruptionsanfälligkeit

von Regierungsmitgliedern

besonders hoch sein dürfte und in denen seit

76 ImmoFokus


Wolfgang M. Fessl

Wolfgang M. Fessl ist Geschäftsführer bei Reinberg & Partner. Insgesamt verfügt er über

mehr als 20 Jahre Erfahrung im nationalen und internationalen Immobiliengeschäft. Fessl

ist allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, Immobilientreuhänder

(Makler), Member der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), zertifiziert

nach CIS Immozert und Recognised European Valuer (REV).

dem Jahr 2000 mehr als ein Drittel der Minister

Gegenstand von Ermittlungen der örtlichen

Staatsanwaltschaft waren, nämlich exakt 32

von 89 Regierungsmitgliedern.

Das kann andernorts dann auch so weit gehen,

dass hohe Beamte in der Justiz die eigene

Staatsanwaltschaft (nämlich jene für Korruption

zuständige) überwachen lassen möchten.

Anderswo wurden im letzten Jahr nicht weniger

als drei Kanzler und drei Gesundheitsminister

verbraucht.

Besonders in Zeiten der Pandemie, in der man

der Gesellschaft einen drastischen Lockdown

auferlegt hat, konnte sich ein Land dadurch

profilieren, dass sich die Regierungsspitze in

entlegenen Bergtälern feiern ließ, während

man dem gewöhnlichen Volk die öffentlichen

Grünflächen versperrte.

Andernorts hatte der Arbeitsminister während

der Corona-Krise sogar Zeit, sein Studium

voranzutreiben und seine Doktorarbeit zu

schreiben. Als Entschuldigungsgrund könnte

nur gelten, dass die Arbeit gekauft war und

er daher recht wenig Aufwand damit gehabt

haben dürfte.

Es gibt auch Länder, in denen der Kanzler offen

im Fernsehen zugibt, das man sich dessen

bewusst ist, dass die jüngsten Entschlüsse der

Legislative in krassem Widerspruch zur Verfassung

stehen, man dies aber als Spitzfindigkeit

betrachte und man davon ausgehe, dass

die Rüge des Verfassungsgerichtes ohnehin

länger dauert als die Gültigkeit des Gesetzes.

Nein, ich spreche hier nicht von einer Diktatur.

In einigen Ländern spielt der Postenschacher

eine große Rolle, da kann es schon passieren,

dass ein kleiner Vermögensberater die staatliche

Gesellschaft für Glücksspiel (Umsatz 1,2

Milliarden Euro) leiten soll. Oder dass ein eigenes

Ressort für Daseinsvorsorge geschaffen

wird, bei welchem der örtliche Rechnungshof

jedoch keine Aktivitäten feststellen kann. Einmal

ist es vorgekommen, dass ein Finanzbeamter,

der für den Vorstand der größten staatlichen

Beteiligungsgesellschaft (diese verwaltet

fast 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes)

kandidiert hat, nicht nur die Stellenausschreibung

auf seine Person zugeschnitten hat, sondern

– wie sich nachträglich herausgestellt hat

– nicht einmal sein Mobiltelefon richtig bedienen

konnte. Vor allem mit der Löschfunktion

soll er so seine Probleme gehabt haben.

Es gab auch schon Politiker, die, schon bevor

sie Regierungsmitglied wurden, konkrete Vorstellungen

hinsichtlich ihrer zukünftigen Korruption

hatten und versucht haben, Teile der

Infrastruktur, wie zum Beispiel ganze Tageszeitungen,

zu verkaufen. Es soll auch Länder

geben, in denen die jeweilige Regierung nicht

von Meinungsumfragen abhängig ist, sondern

solche Umfragen – inklusive einem günstigen

Ergebnis selbst gestaltet.

All das würde ich gerne im Ausland verortet sehen,

dem ist aber nicht so. Sind das wirklich jene

Leute, die über andere Berufe urteilen? Leben

wir wirklich auf einer Insel der Seligen?

www.cerhahempel.com

CERHA HEMPEL ist eine der führenden Rechtsanwaltskanzleien Österreichs mit

integrierter Praxis in Mittel- und Osteuropa. Seit fast 100 Jahren steht der Anspruch

höchster Qualität im Mittelpunkt unserer Beratung.

Ausgabe 03|2022

77


ImFokus

80

REAL CIRCLE

Beim 26. Real Circle stand auf Einladung

von ERSTE BANK, ERSTE Immobilien KAG,

IMMOunited, PwC Österreich und ImmoFokus

ein Thema auf dem Programm, das zuletzt

unter deutschen Investoren einen Boom

verzeichnet hat: Gesundheitsimmobilien.

118

ÜBER DEN TELLERRAND

Seit Gin als Trendgetränk immer mehr

trinkfreudige Anhänger findet, versuchen

zahlreiche heimische Hersteller

dem Wacholderschnaps feinste

Geschmacksnuancen abzuringen. Beim

Brennen des perfekten Gins mischen auch

immer mehr Frauen mit. Und Tonic-Hersteller

ziehen mit.

158

COPA REAL

Beim Fußballevent der

Immobilienbranche,

organisiert vom

ImmoFokus, traten

17 Teams gegeneinander

an. Als Sieger konnte

sich die Örag durchsetzen.

Foto: Adobe Stock

78 ImmoFokus


www.kollitsch.eu

GRUNDLAGE.

Wir suchen Liegenschaften im Raum Wien,

Wien Umgebung und in den Ballungszentren

Niederösterreichs, die für die Entwicklung von

hochwertigem Wohnraum geeignet sind.

Haben Sie ein geeignetes Grundstück für uns?

Dann rufen Sie uns doch gleich an oder schreiben

uns unter: immobilien.wien@kollitsch.eu

Die KOLLITSCH & SORAVIA Immobilien

GmbH ist eine neue, strategische

Partnerschaft zweier bekannter Namen:

dem Traditionsunternehmen Kollitsch und

der Immobilienentwicklerin Jasmin Soravia.

Gemeinsam sind wir noch effektiver, um in

Wien, Niederösterreich und dem Burgenland

neue Märkte zu erschließen.

Mehr zur KOLLITSCH Unternehmensgruppe

erfahren Sie auf www.kollitsch.eu

KOLLITSCH & SORAVIA Immobilien GmbH, Schwindgasse 6/3A, 1040 Wien, T +43 1 226 2600, www.kollitsch.eu


ImFokus

Real Circle

#26

Nischeninvestment

mit Potenzial

Newcomer-Assetklasse. Beim 26. Real Circle stand auf Einladung von ERSTE BANK,

ERSTE Immobilien KAG, IMMOunited, PwC Österreich und ImmoFokus ein Thema

auf dem Programm, das zuletzt vor allem in Deutschland unter Investoren

einen Boom verzeichnet hat: Gesundheitsimmobilien.

Autoren: Patrick Baldia, Gerhard Fritz, Lisa Grüner, Amelie Miller, Rudolf Oezelt und Charles Steiner

W

ährend sich Gesundheitsimmobilien,

zu denen auch

Seniorenimmobilien gezählt

werden, am deutschen Investmentmarkt

in den letzten Jahren zu einer

gefragten Assetklasse entwickelt haben, was von

hohen Transaktionsvolumina unterstrichen wird,

feiern sie in Österreich bestenfalls ein Nischendasein.

Allerdings auch mit einigen Ausreißer-

Jahren, wie zuletzt 2020, als allein in Pflegeimmobilien

anstatt der üblichen plus/minus 30

Millionen Euro pro Jahr aufgrund eines Portfolioverkaufs

130 Millionen Euro investiert wurden

(siehe dazu Artikel auf Seite 124).

Anders als beim Real Circle normalerweise

üblich, wurde diesmal nicht an jedem Tisch

ein anderer Aspekt des Themas des Abends

behandelt, sondern alle Teilnehmer mehr oder

weniger mit denselben Fragen konfrontiert.

Da Gesundheitsimmobilien beziehungsweise

Seniorenimmobilien ein Fall für Spezialisten

sind und hierzulande bislang auch von den

meisten Fachmedien eher stiefmütterlich behandelt

wurden, ging es beim 26. Real Circle

darum, grundlegenden Fragen auf den Grund

zu gehen. Dazu gehört unter anderem, wie viel

Potenzial diese Immobilieninvestments wirklich

haben, wieso sie nach wie vor eher nicht

im Anlegerfokus stehen und ob sie vielleicht

vom sich anbahnenden ESG-Boom „wachgeküsst“

werden.

So viel darf bereits jetzt gesagt werden: Auch

wenn viele Teilnehmer im Vorfeld nicht müde

wurden zu betonen, dass sie nicht viel Erfahrung

mit der Assetklasse gemacht hätten, so lieferten

sie dennoch überaus interessanten Input.

Stabile Renditen

Bei der Bank Gutmann verfügt man über einige

Erfahrung mit Investments in Pflege- und

Seniorenimmobilien. Vor mehr als 20 Jahren

hat man erstmals einen entsprechenden Fonds

aufgelegt. In Kürze soll ein weiterer folgen.

„Aus unserer Erfahrung, haben gut geführte

Seniorenimmobilien seit 2005 auch in Krisen

immer stabile Erträge geliefert“, sagt Kurt Hafenscher

von der Bank Gutmann. Investiert sei

man zu fast 95 Prozent in Deutschland und die

Vorgehensweise sehr ähnlich: Man investiert

in qualitativ hochwertige und gut geführte

Objekte, um diese zu halten beziehungsweise

nach einer gewissen Haltedauer wieder am

Markt zu platzieren. Bei zwei Fonds ist das

bereits erfolgt und eine IRR (Internal Rate of

Return) von mehr als acht Prozent konnte realisiert

werden.

„Gut geführte

Seniorenimmobilien haben

seit 2005 auch in Krisen

immer stabile Erträge

geliefert.“

Kurt Hafenscher,

Bank Gutmann

80 ImmoFokus


Gute und stabile langfristige Renditen sind

auch nach Einschätzung von Harald Galla

von LeitnerLeitner der Grund dafür, dass Klienten

der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei,

wie eben deutsche Investoren

aus dem Fondsbereich, versuchen, auch

in Österreich geeignete Objekte zu finden.

„So verschieden die Rahmenbedingungen in

„Ich sehe auch in Österreich einen

Markt für private Investoren abseits des

Angebots der öffentlichen Hand“

Harald Galla,

LeiterLeitner

beiden Ländern auch sein mögen, sehe ich

durchaus auch hierzulande einen Markt für

private Investoren abseits des breiten Angebots

der öffentlichen Hand“, sagt der Steuerberater

und Wirtschaftsprüfer und führt

als Beispiel Häuser an, die über das normale

Angebot hinaus einen gewissen Luxus bieten

würden.

„Alleine schon aufgrund der demographischen

Entwicklung ist der Bedarf an Seniorenimmobilien

gegeben beziehungsweise weiter

im Steigen begriffen“, bringt es Peter Vcelouch

von Cerha Hempel Rechtsanwälte auf den

Punkt. Selbst im Zuge der Corona-Pandemie

in den letzten zwei Jahren habe die Nachfrage

weiter angehalten und ältere Menschen wären

weiterhin aufgenommen worden. Allerdings

könnte gerade im aktuellen von hoher Inflation

geprägten Umfeld die Frage der Leistbarkeit

für weite Bevölkerungskreise zum Thema werden,

räumt der Rechtsanwalt ein. „Alles, was

in Richtung echte Pflegebedürftigkeit geht, ist

für viele Menschen ohne die Unterstützung der

öffentlichen Hand nicht zu finanzieren.“

Treiber ESG

Christoph Gutknecht von der United Benefits

Holding glaubt, dass mit der zunehmenden

Ausgabe 03|2022

81


ImFokus

„Im aktuellen Umfeld

könnte die Frage der

Leistbarkeit für viele zum

Thema werden.“

Peter Vcelouch,

Cerha Hempel Rechtsanwälte

„Mit der zunehmenden

Bedeutung von ESG

könnten Pflegeimmobilien

einen weiteren Boost

erfahren.“

Christoph Gutknecht,

United Benefits Holding

„Ich bin optimistisch,

dass das Thema

Pflegeimmobilien künftig an

Professionalität gewinnen

wird.“

Marvin Stallinger,

ERSTE Immobilien KAG

Bedeutung von ESG, Pflegeimmobilien einen

weiteren Boost erfahren könnten. Denn grundsätzlich

sei es bei Immobilienprojekten relativ

leicht, das Kriterium Umwelt beziehungsweise

Ökologie abzudecken. Anders schaut die Ausgangslage

beim „S“, sprich dem Sozialen aus.

„Die Beimengung von solchen Objekten würde

sich daher positiv auf das Nachhaltigkeits-

Reporting der Investoren auswirken, die das

auch benötigen“, hält Gutknecht fest.

„Ich bin optimistisch, dass das Thema Pflegeimmobilien

künftig mehr und mehr an Professionalität

gewinnen und auch das Angebot an

Objekten zunehmen wird“, so Marvin Stallinger

von der ERSTE Immobilien KAG, die 2020 für

ihren nachhaltig orientierten Immobilienfonds

eine Seniorenresidenz im Ortskern von Fischamend

gekauft hat. Auch habe die Pandemie

gezeigt, dass sich die allgemeine Wertschätzung

von Pflegearbeit in der Gesellschaft deutlich

verbessert habe. Nichtsdestotrotz waren sich

die Diskutanten auf Tisch E einig, dass der Personalmangel

ein Problem bleiben würde, für

das dringend Lösungen benötigen werden. Klar

sei, dass nur ein ganzheitliches Konzept von

Erfolg gekrönt sein werde, so der Grundtenor.

Unterschiedliche Pflegesysteme

Dass es in Deutschland im Gegensatz zu Österreich

einen relevanten Markt für Seniorenimmobilien

gibt beziehungsweise ein größeres

Angebot an Investmentmöglichkeiten, liegt

auf der Hand: Laut Hafenscher macht allein

der Marktanteil der kommunalen Betreiber

hierzulande rund 40 Prozent aus. In Deutschland

hingegen vier Prozent. Zudem sei der

österreichische Markt aufgrund der Rahmenbedingungen

ungleich politischer als der Deutsche.

Dazu kommen völlig unterschiedliche

Finanzierungssysteme der Pflege: Während in

Österreich bekanntlich der Pflegeregress abgeschafft

wurde, ist in Deutschland verpflichtend

Pflegeversicherung abzuschließen. „Reicht das

nicht aus, so greift der Staat ein“, spricht Hafenscher

von einer Mindestabsicherung.

„Ich befürchte, da wird man sich bei den Menschen

nicht besonders beliebt machen, wenn

man ihnen zusätzlich zur Sozialversicherungspflicht

vorschreibt, wie in Deutschland ihr

ganzes Leben lang in eine Pflegeversicherung

einzuzahlen“, so Vcelouch zur Frage, wieso die

Politik in Österreich seit Jahrzehnten einen großen

Bogen um das Thema macht und bislang

verabsäumt hat, entsprechende Gesetze und

rechtliche Regelungen in die Wege zu leiten.

Mehr Nachfrage

Wolfgang Fessl von Reinberg & Partner hat in

der jüngeren Vergangenheit die Erfahrung gemacht,

dass die Nachfrage nach der Bewertung

82 ImmoFokus


„Wir werden auch bei uns große

Healthcare-Deals jenseits der

Seniorenobjekte sehen. “

Gernot Ressler,

EY Österreich

von Gesundheitsimmobilien massiv gestiegen

ist. „Schließlich reden wir vom Prinzip her von

Betreiberimmobilien mit einer gesicherten

Nachfrage“, erklärt er den Hintergrund. „Im

Gegensatz zu Hotels.“ Dass Gesundheitsimmobilien

kein Nischenprodukt mehr sind und die

„Die Nachfrage nach der Bewertung

von Gesundheitsimmobilien ist massiv

gestiegen“

Wolfgang M. Fessl,

Reinberg & Partner

Assetklasse bei Investoren angekommen ist,

sieht man auch bei den Renditen. Vor einigen

Jahren wären mit Pflegeheimen noch um die

sechs bis 6,5 Prozent zu lukrieren gewesen.

Heute ist man auf dem Renditeniveau von

Wohnimmobilien angekommen.

Auch Gernot Ressler von EY hat in den letzten

Jahren einige Transaktionen von Pflegeheimen

mit mehr oder weniger betreutem Wohnen

beobachtet. „Dabei hat es sich um kleinere,

strukturierte Einheiten in den Bundesländern

gehandelt. Sprich Portfolios, die auf den

Tischen von internationalen Investoren

gelandet sind. Diese Fonds aus Übersee investieren

beispielsweise an der US-Ostküste in

Luxus-Altersheime,“, berichtet er. Ganz große

Healthcare-Deals, „jenseits der Seniorenobjekte“,

wie in anderen Ländern üblich, habe er

dagegen nicht erlebt. Nachsatz: „Das wird aber

früher oder später wahrscheinlich auch bei uns

kommen.“

Bei Arnold Immobilien unterteilt man Healthcare

in Kliniken, Ärztezentren, Senior Living

und Pflegeimmobilien, erklärt Marcel Weber.

Zu Letzteren zählt der Leiter der Abteilung

Hospitality-Pflegeheime beziehungsweise Altersheime,

in denen alle Pflegestufen abgehandelt

würden, die vom Senior Living nicht abgedeckt

werden. Was die Renditen betrifft, sieht

er Senior Living auf demselben Niveau wie

Wohnen. Mit klassischen Pflegeheimen wären

in Österreich mehr als vier Prozent drinnen.

„Aber die Tendenz geht wie in Deutschland

Richtung 3,8 Prozent“, sagt er. Die meisten

Deals wären wiederum im Bereich betreutes

Wohnen auszumachen.

Ausgabe 03|2022

83


ImFokus

„Mit Pflegeheimen sind in

Österreich mehr als vier

Prozent Rendite drinnen.“

Marcel Weber, Arnold Immobilien

3,8 bis 4,3 Prozent Rendite

Laut Alexander Kornfeld hat man sich bei der

ERSTE Immobilien KAG in letzter Zeit viele

Pflegeheime in Österreich angeschaut. „Und

zwar nicht nur Bestandsobjekte, sondern auch

neue Projekte“, sagt er. Je nach Standort und

Betreibervertrag – die meisten wären auf 25

Jahre abgeschlossen, einige auch auf 30 Jahre

mit namhaften und bonitätsstarken Betreibern

– würden die derzeitigen Angebots-Renditen

bei 3,8 bis 4,3 Prozent liegen. „Es ist uns dabei

auch ganz wichtig, dass die Wirtschaftlichkeit

und Nachhaltigkeit des Betreiberkonzepts

(inkl. öffentliche Bzuschussung) gesichert ist“,

erklärt er.

„Ohne öffentliche

Zuschüsse

könnten stationäre

Pflegeeinrichtungen nicht

überleben.“

Alexander Kornfeld,

ERSTE Immobilien KAG

„Das Gebot der

Stunde ist nicht nur

neu zu bauen,

sondern auch

umzunutzen.“

Matthias Prichzi,

Turner & Townsend

„Beim Bauen wird sich die Entwicklung wahrscheinlich

in Richtung eines systematisierten

und elementierten Bauens bewegen“, meint

Matthias Prichzi von Turner & Townsend.

Dafür würden sich Gesundheitsimmobilien

sehr gut eignen, weil man schöne Raster, Zimmer

und daher auch einen entsprechenden

Vervielfältigungsgrad verwirklichen könne.

Auf der anderen Seite sei es mit Hinblick auf

das Thema ESG ein Gebot der Stunde, nicht

nur neu zu bauen, sondern auch umzunutzen.

Beispielsweise könnte man so manches Hotel

gut in ein Pflegeheim verwandeln. Eventuell

sei das auch bei Bürogebäuden möglich. Letztlich

wären Pflegeimmobilien jedenfalls auch

aus ESG-Überlegungen – vor allem, was das „S“

betreffe – ein wichtiges Thema.

Auch Andreas Hawlik von Hawlik Gerginski

Architekten kann sich vorstellen, dass Hotels

für Senior Living umgenutzt werden. Grundsätzlich

wären die baulichen Anforderungen

84 ImmoFokus


echt ähnlich. Natürlich komme es darauf an,

wie das betreffende Objekt organisiert sein

soll und in welchen Abteilungsgrößen man

denke. „Es werden sicher Umbaumaßnahmen

erforderlich sein, um Gruppen beziehungsweise

Stationen schaffen zu können“, so der

Architekt.

Architekt Hawlik plädiert jedenfalls dafür,

geclusterte Projekte zu entwickeln – sprich

kleinere Einheiten, die aber von einer gemeinsamen

zentralen Infrastruktur und einer Zentrale

für den Betreiber profitieren. So würden

für die Bewohner nicht einfach nur große

Kästen entstehen, sondern eine familiäre

Umgebung. Wichtig sei auch, dass sich diese

Einheiten in Zentrumsnähe befänden. „Ich

denke, dass Ortskerne im städtischen Umfeld

eine gute Lage wären“, so Hawlik. Vielleicht

sei das auch eine Chance für Ortskerne, die

sich auf der wirtschaftlichen Seite mit Handel

und ähnlichen Dingen schwertäten, aber viel-

leicht mit einer Pflegeimmobilie wieder Leben

bekommen könnten.

Begrenztes Angebot

„Viele Institutionelle halten in Österreich nach

Pflege- oder Healthcare-Immobilien Ausschau,

stoßen jedoch auf ein sehr begrenztes Angebot“,

so Weber. Wäre das Angebot da, so wäre

„Es ist vorstellbar, dass Hotels für

Senior Living umgenutzt werden.“

Andreas Hawlik,

Hawlik Gerginski Architekten

auch das Transaktionsvolumen viel höher. In

Deutschland würden sich Investoren Städte ab

hunderttausend Einwohner anschauen. „Wie

viele größere Städte haben wir dagegen in Österreich,

in denen sich betreutes Wohnen für

Institutionelle wirklich lohnen würde? Ganz

zu schweigen von der kleinteiligen Ticketgröße“,

so der Investmentexperte. Ein weiterer

Ausgabe 03|2022

85


ImFokus

Hemmschuh sei die Tatsache, dass Betreiber

hierzulande zwar gerne den Betrieb von Objekten

übernehmen, aber keine Pachtverträge

eingehen wollen. „Das ist für Institutionelle

meist nicht interessant.“

„Bei all der Euphorie für stationäre Pflegeeinrichtungen

darf man nicht vergessen, dass

diese ohne öffentliche Zuschüsse nicht überleben

können“, spricht Kornfeld die Realität an.

Deswegen gebe es auch in den Bundesländern,

die ja in Österreich für die einschlägige Gesetzgebung

verantwortlich wären, Tendenzen, verstärkt

auf die mobile Pflege umzuschwenken.

„Beim Generationenwohnen ist die

räumliche Durchmischung der verschiedenen

Altersgruppen oft nicht

gewünscht.“

Walter Eichinger,

Silver Living

Für Fessl wird bei Gesundheits- und Pflegeimmobilien

gerne auf ein Thema vergessen, das

eigentlich von zentraler Bedeutung sei: das

Problem, geeignetes Personal zu finden. Er

beruft sich auf einschlägige Studien, wie etwa

vom IFO-Institut für Wirtschaftsforschung, die

in den kommenden Jahrzehnten eine Lücke

von zehntausenden Pflegekräften ausmachen.

„Es gibt kaum gute Ideen, wie diese Lücke ge-

schlossen werden könnte“, so Fessl. Nachsatz

des Experten: „Ich warte darauf, dass da endlich

angesetzt wird.“

Schwellen-Assetklasse?

Was es für Walter Eichinger von Silver Living

schwer macht, Gesundheits- beziehungsweise

Sozialimmobilien als eigene Assetklasse zu

bezeichnen, ist das geringe Transaktionsvolumen.

„Wenn man sehr positiv denken möchte,

könnte man von einer Schwellen-Assetklasse

sprechen, die vielleicht auf längere Sicht zu einer

eigenen Assetklasse werden könnte“, sagt

er. Treffender sei die Bezeichnung Serviceim-

86 ImmoFokus


„In anderen Ländern sind

Gesundheitsimmobilien

seit vielen Jahren eine klar

definierte Assetklasse.“

Andreas Millonig,

IMMOunited

„Im Vergleich zu anderen

Ländern ist unser

Sozialsystem dermaßen

gut, dass eigentlich jeder

versorgt ist.“

Peter Fischer,

PwC Österreich

„Für Pflegeimmobilien

ist unglaublich viel

Spezialwissen gefragt.“

Johannes Endl,

ÖRAG

mobilie. „Solche Objekte ¬ und die Bandbreite,

die darunterfällt, ist sehr groß ¬ benötigen zur

Umsetzung immer einen dritten Partner mit

an Bord – sprich einen Betreiber oder eine betreuende

Organisation“, so Eichinger.

Andreas Millonig von IMMOunited hat nach

eigenen Angaben im Vorfeld des Real Circle

noch einmal nachgeschaut, ob es zuletzt nennenswerte

Transaktionen im Bereich Healthcare-Immobilien

gegeben hat. „Es ist so wenig,

dass wir das nicht einmal explizit erfassen“,

hält er fest und gibt zu, dass ihn dies etwas

verwundert hat. Denn es sei ja bekannt, dass es

Länder gebe, wie zum Beispiel die USA, in denen

das Thema präsenter sei, beziehungsweise

Gesundheitsimmobilien seit vieln Jahren eine

klar definierte Assetklasse wären und die

Betreuung von älteren Menschen seitens der

Anbieter als Service gelebt werde.

Spezialwissen gefragt

Peter Fischer von PricewaterhouseCoopers

(PwC) spricht im Falle von Seniorenwohnen,

betreutem Wohnen und Alten- und Pflegeheimen

von einem „hochspezialisierten Gewerbe,

das sich hinter dem Mantel der Immobilie verbirgt“.

„Von anderen Immobilienklassen grenzen

sich solche Objekte völlig ab, weil sie einerseits

stark abhängig von Förderungen sind und

andererseits Spezialwissen beziehungsweise

Spezialpersonal voraussetzen“, erklärt Fischer.

Nachsatz: „In Österreich kann man aus einem

bestimmten Grund nicht von einer Assetklasse

sprechen: Im Vergleich zu anderen Ländern ist

unser Sozialsystem dermaßen gut, dass eigentlich

jeder versorgt ist.“

„Für Pflegeimmobilien ist unglaublich viel

Spezialwissen gefragt“, sagt auch Johannes

Endel von der ÖRAG. Die meisten Investoren,

mit denen er über das Thema Gespräche

geführt habe, hätten dies schlichtweg nicht

gehabt – etwa, was Themen wie Förderungen,

einschlägige Technik oder die Abhängigkeit

von Betreibern betrifft. Sehr wohl räumt er ein,

dass neue Ideen im Bereich altersgerechten

Wohnens gefragt wären. Denn viele Woh-

Ausgabe 03|2022

87


ImFokus

nungen, vor allem in Altbauten, wären für die

Bedürfnisse älterer Menschen einfach nicht

zugeschnitten. Ganz zu schweigen vom durch

die demographische Entwicklung getriebenen

erhöhten Bedarf an Pflegeimmobilien.

Alternative Wohnkonzepte

„In den letzten Jahren ist es ein paar Mal vorgekommen,

dass man uns auf alternative Wohnkonzepte

angesprochen hat, wie zum Beispiel

kleine Wohnungen neben mehreren größeren

zu realisieren, um dort später einmal bei Bedarf

Pflegekräfte unterbringen zu können“, berichtet

Evgeni Gerginski von Hawlik Gerginski

Architekten. Persönlich würde er durchaus

vermehrt solche Projekte begrüßen, bei denen

ältere Menschen so lange wie möglich in ihren

Wohnungen bleiben könnten, beziehungsweise

dort betreut werden. „Diese Dezentrali-

„Begrüßenswert wären mehr Projekte

bei denen ältere Menschen so lange wie

möglich in ihren Wohnungen bleiben

könnten.“

Evgeni Gerginski,

Hawlik Gerginski Architekten

88 ImmoFokus


sierung halte ich für den besseren Zugang als

am Stadtrand vier-, fünf- oder sechsgeschossige

Altenheime zu bauen“, so Gerginski.

So schön manche Hybridmodelle auch wirken

mögen, die in Österreich realisiert wurden und

die sich beispielsweise aus Betreutem Wohnen

und Pflege zusammensetzen ¬ die Erfahrung

habe gezeigt, dass viele nicht funktionieren,

weil das Land schlichtweg zu klein für einen

kostendeckenden Betrieb sei, meint Eichinger.

In Deutschland schaue das schon anders aus.

Beim Generationenwohnen gebe es in Österreich

hingegen andere Möglichkeiten, auch

wenn es besonders wichtig wäre, mit einem

guten Architekten zusammenzuarbeiten.

„Denn oft ist eine räumliche Durchmischung

der verschiedenen Altersgruppen einfach

nicht gewünscht“, berichtet Eichinger aus seinem

Erfahrungsschatz. Mit Silver Living habe

er einige solcher Modelle für Tirol konzipiert,

die einfach nicht Fuß gefasst hätten.

„Was wir machen müssen ist, uns in der Architektur

eine gewisse Flexibilität zu geben“,

regt Fischer an. Noch wichtiger sei es jedoch,

ganz offen mit dem Thema Älterwerden umzugehen.

Auch er berichtet von spannenden

Healthcare-Konzepten wie Reha-Kliniken oder

Ärztezentren. „Assetklassen, in denen der

Fokus auf Gesundheit liegt, können durchaus

interessant sein“, hält der PwC-Experte fest

und verweist im selben Atemzug auf bestehende

gesetzliche Rahmenbedingungen, die

die Realisierung von einschlägigen Projekten

erschweren würden. Für Endel bedarf es insgesamt

eines Masterplans seitens der Politik

– auch, um dem Problem des Pflegekraftmangels

entgegenzutreten: „Wenn hier nicht

rechtzeitig begonnen wird, werden wir sehr

bald nicht genügend Pflegekräfte haben.“

Neue Lösungen benötigt

Kein Zweifel bestand für die Experten bei

dem von Charles Steiner moderierten Tisch

hinsichtlich der Frage, ob die 24-Stunden-

Betreuung pflegebedürftiger Menschen in

ihren Wohnungen überhaupt leistbar bleiben

würde. Für Petra Grell-Kunzinger, Gründerin

der Pflegeplattform miazorgo, ist die Leistbarkeit

aktuell noch aus nur einem Grund der Fall:

„Die Eins-zu-eins-Betreuung funktioniert deshalb,

weil wir Menschen aus osteuropäischen

Ländern beschäftigen, deren Gehaltsgefüge

noch unter dem unseren liegt.“ Künftig müssten

also neue Lösungen für die Betreuung zu

Hause gefunden werden, wie etwa die einer

Grätzelbetreuung.

„Künftig müssen neue

Lösungen für die

24-Stunden-Betreuung

gefunden werden.“

Petra Grell-Kunzinger,

miazorgo

Ausgabe 03|2022

89


ImFokus

Auch Michael Priebsch, Leiter der Abteilung

Großvolumiger Wohnbau bei der ERSTE

BANK, hält die 24-Stunden-Pflege nicht für

langfristig leistbar und spricht sich daher

ebenfalls für eine Versorgung im Grätzel aus,

um sicherzustellen, dass die Menschen möglichst

lange selbstbestimmt leben können. „Ich

glaube, dass hier der Verbund beziehungsweise

die Gemeinschaft eine entscheidende

Rolle spielen werden, weshalb Generationenwohnen

beziehungsweise Generationenhäuser

an Bedeutung gewinnen werden.“

Insgesamt sei in diesem Zusammenhang mehr

Mut gefragt, was die Entwicklung solcher Immobilien

betrifft. Zwar gebe es auch in Österreich

Generationen-Wohnprojekte, diese wären

allerdings bisher nur Einzelfälle. In Deutschland

geschehe da deutlich mehr – sprich einschlägige

Baugruppen oder Bauherrenmodelle

stoßen auf mehr Nachfrage – und das auch,

weil mehr gefördert werde. Allerdings gibt sich

Priebsch optimistisch, dass sich der Status Quo

ändern wird: „Ich sehe auf meinem Tisch schon

„Private Initiativen im

Pflegebereich müssen

einzigartig sein.“

Michael Priebsch,

ERSTE BANK

viel Marktbewegung beziehungsweise mache

zu dem Thema viele Gedanken aus.“

Vermehrt Kundenanfragen

„Bei solchen Wohnkonzepten sind andere Länder,

wie etwa die Niederlande oder Deutschland,

schon viel weiter, da gibt es sehr schöne

Projekte beziehungsweise Wohnungen“, sagt

auch Gerald Kerbl, Partner und Steuerberater

bei TPA. Er sei seit 20 Jahren im Immobilienbereich

tätig und Gesundheitsimmobilien wären

bis vor kurzem alles andere als eine gefragte

Assetklasse gewesen. Aktuell merke man

jedoch schön langsam, dass zu dem Thema

vermehrt Anfragen von Kunden (Developern

sowie Investoren, wie internationale Fonds)

kommen würden“, so Kerbl.

Die Experten waren sich jedenfalls einig, dass

hinsichtlich der Wohnformen in verschiedenen

Lebensabschnitten nicht in starren Kategorien

gedacht werden sollte – sprich, dass von

der Studenten- in die Familienwohnung und in

weiterer Folge über die Zwei- und Ein-Perso-

90 ImmoFokus


„Bis vor kurzem waren

Gesundheitsimmobilien

nicht die gefragteste

Assetklasse.“

Gerald Kerbl,

TPA

„In Deutschland wurde das

Errichten und Betreiben von

Pflegeheimen an die private

Hand ausgelagert.“

Martin Scheiber,

Bank Gutmann

„Die Abschaffung des

Pflegeregresses hat

sich massiv auf die

Finanzierbarkeit der Pflege

ausgewirkt.“

Harald Kopertz,

AURIS Immo Solutions

nen-Wohnung ins Pflegeheim gezogen wird.

Da würden sich die Grenzen mehr und mehr

verschieben. So oder so stehe jedenfalls fest:

Bedingt durch die demographische Entwicklung

müsse in den nächsten zehn, 15 beziehungsweise

20 Jahren massiv gebaut werden,

um den Bedarf an Pflegeplätzen zu decken.

Deutschland: Mehr Planungssicherheit

„In Deutschland hat der Gesetzgeber gesagt,

dass das Errichten und Betreiben von Pflegeheimen

nicht Aufgabe des Staates ist, und hat

das an die private Hand ausgelagert“, erklärt

Martin Scheiber von der Bank Gutmann. Die

heimische Privatbank investiert seit mehr als 15

Jahren erfolgreich in Pflegeheime sowie auch

in Betreutes Wohnen, und zwar überwiegend

in Deutschland, wo sich rund 95 Prozent der

Assets befinden. Dort sei auch die Planungssicherheit

um einiges größer – und vor allem

wären weniger politische Risiken gegeben.

In Österreich erschwert neben der ohnehin

schon weit verbreiteten Skepsis gegenüber

privaten Aktivitäten im Pflegebereich die

Gesetzeslage die Situation für institutionelle

Anleger. So bedürfen etwa neue Projekte

des Sanktus der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise

des Bürgermeisters. Dennoch

sehen Experten Platz für private Initiativen.

„Diese müssen allerdings einzigartig sein“,

hält Priebsch fest. Ein Beispiel: ein Kärntner

Demenzzentrum, das ein Fonds der Bank

Gutmann gekauft hat. „Bei solchen Nischen

ist es fast nicht möglich, ein Konkurrenzangebot

aufzubauen“, bringt es Scheiber auf den

Punkt.

Mehrgenerationen-Wohnen Lösung?

Eine Folge des demographischen Wandels ist,

dass die Pflege zu Hause, die früher im Familienverband

erfolgte, heute zunehmend von der

Gesellschaft erledigt werden muss. Daher plant

Harald Kopertz von Auris Immo Solutions, in

Purkersdorf ein Projekt für Mehrgenerationen-

Wohnen zu realisieren. „Jeder soll dort einbringen,

was er am besten kann: Ältere passen

beispielsweise auf die Kinder auf und Jüngere

gehen für alle einkaufen“, sagt er. Das würde

die älteren Menschen jung und fit halten und

Ausgabe 03|2022

91


ImFokus

„Im Sinne der

Nachhaltigkeit muss der

Fokus künftig auf der

Nachnutzung von alten

Strukturen liegen.“

Daniel Thum,

ERSTE Immobilien KAG

das Gefühl verstärken, in der Gesellschaft noch

eine Funktion zu haben.

Daniel Thum von der ERSTE Immobilien KAG

bekräftigt, dass bei solchen Projekten sehr auf

die soziale Durchmischung geachtet werden

muss – sprich: von Kindergärten über Schulen

bis hin zu betreutem Wohnen müsse alles

Platz finden. Für ihn steht jedenfalls fest, dass

einerseits die demographische Entwicklung

und andererseits der Mangel an Produkten, die

nachhaltig Rendite abwerfen, die Assetklasse

Healthcare durchaus interessant machen. „Dabei

ist aber privates Kapital gefragt, da die öffentliche

Hand den Bedarf an Pflegeimmobilien

langfristig nicht finanzieren kann“, so Thum.

Mehr private Investments

Für mehr private Investments im Pflegebereich

plädiert auch Franz Pöltl von EHL

Immobilien. Um dies zu forcieren, und

damit letztlich auch die Produktion von

Pflegeheimen zu steigern, wären allerdings

einige Maßnahmen notwendig. Dazu zählt

der Immobilieninvestment-Experte vor allem

die Vereinheitlichung der Gesetzeslage

– bekanntlich gelten in Österreich neun unterschiedliche

regulatorische Rahmenbedingungen.

Förderlich für private Investitionen

wäre auch, wenn die öffentliche Hand die

Betreiber von Pflegeimmobilien besser unterstützt.

„Diese verfügen oft nicht über eine

kapitalmarktfähige Bonität“, hält Pöltl fest

und verweist auf die wichtige Rolle der Zuzahlungsvereinbarungen

durch die Länder.

„Die Betreiber von

Pflegeimmobilien

verfügen oft nicht über

eine kapitalmarktfähige

Bonität.“

Franz Pöltl,

EHL Investment Consulting

Als gebürtige Steirerin kann Anita Körbler von

trovato noch immer große Unterschiede zwischen

Stadt und Land feststellen. Früher habe

es am Land die Seniorenresidenzen gegeben,

die vor allem für diejenigen gedacht waren, die

keine Kinder hatten, die sie einmal versorgen

würden. Für sie sei das Angebot heute breit ge-

92 ImmoFokus


Hier geht‘s

zum Video

www.immo-timeline.at

fächert. Typisch für die heutigen Senioren sei,

dass diese sehr fit und rüstig wären und oft das

halbe Jahr auf Reisen. „Viele ältere Menschen

wollen nicht mehr alleine wohnen, daher gibt

es heute überraschend viele Anfragen für

Alters-WGs“, sagt Körbler. Vor allem seit der

Coronakrise sei vielen die soziale Einbettung

wichtiger geworden.

Tabuthema Pflege

Für Körbler ist es bedeutend, über das Tabuthema

Pflege hinwegzudenken, da es nicht

mit einem speziellen Alter verbunden sei.

„Man muss klar zwischen Seniorenbedürfnissen

und Pflegebedürfnissen

unterscheiden.“

Anita Körbler,

trovato

„Man muss klar zwischen Seniorenbedürfnissen

und Pflegebedürfnissen unterscheiden“,

meint sie. Auch Pöltl betont, dass der Aspekt

der Pflege beim Seniorenwohnen meist erst in

den letzten Lebensjahren wirklich wichtig sei.

„Die überwiegende Zeit sollte ein seniorengerechtes

Leben mit diversen Freizeit- und Gesundheitsdienstleistungen

im Fokus stehen“,

sagt er. Derselben Meinung ist auch Kopertz:

„Die Frage ist, ob man pflegebedürftige Menschen

dann nicht lieber in ihren Quartieren

pflegen soll“, stellt er in den Raum. Schließlich

gebe es genügend mobile Pflegedienste. Er beklagt

in diesem Zusammenhang die Abschaffung

des Pflegeregresses. „Das hat sich massiv

auf die Finanzierbarkeit der Pflege ausgewirkt,

die in Österreich vor allem in der Hand gemeinnütziger

Betreiber liegt.“

Was den Bedarf an zusätzlichen Pflegeplätzen

betrifft, sind für Kopertz die hohen Grundstücks-

und Baukosten wenig hilfreiche,

ebenso wie die steigenden Ansprüche älterer

Menschen. Früher hätte ein Bett Investitionskosten

von weniger als 100.000 Euro

verursacht, heute sei von 150.000 bis 170.00

Euro die Rede. Ein Problem in diesem Zusammenhang:

Als Spezialimmobilie sei eine Alternativnutzung

von Pflegeheimen sowie eine

Umnutzung anderer Immobilien zu Pflegeeinrichtungen

so gut wie nie möglich. ERSTE

Immobilien KAG-Experte Thum hat hingegen

gute Erfahrungen mit der Umrüstung von

Büro- beziehungsweise Verwaltungsobjekten

zu Pflegeimmobilien gemacht. Vor allem aus

Gründen der Nachhaltigkeit sei das zu begrüßen.

„Um gute Lösungen zu finden, müssen

sich Projektentwickler und Architekten

anstrengen. Das ist jedoch nicht immer der

einfache Weg, aber in Zukunft der gefragtere“,

bringt es Thum auf den Punkt.

Ausgabe 03|2022

93


ImFokus

Zum Autor

Jasmin Soravia ist seit 2019 Vorsitzende des Urban Land

Institut Austria. Sie ist Geschäftsführerin bei der Kollitsch &

Soravia Immobilien, Beirat im Advisory Board GRÜNSTATT-

GRAU und Vorstand beim Travel Industry Club Austria.

Steigender Bedarf an Gesundheitsimmobilien

Kommentar: Jasmin Soravia

In Österreich nimmt der Anteil an älteren Personen weiter zu.

Aufgrund des damit verbundenen Bedarfs an medizinischen und

Pflegedienstleistungen steigt auch die Nachfrage nach Gesundheitsimmobilien,

was sich bereits seit Jahren deutlich abzeichnet. Damit

folgt diese Entwicklung auch einem starken internationalen Trend.

Zudem bieten in Österreich Primärversorgungszentren vor allem

in ländlichen Bereichen einen Lösungsansatz zur Sicherung einer

flächendeckenden medizinischen Versorgung und werden entsprechend

gefördert. Insgesamt sind Healthcare-Investments damit auf

lange Sicht empfehlenswert.

Die Bandbreite bei Gesundheitsimmobilien ist groß und reicht von Alten-

und Pflegeheimen und betreutem Wohnen bis zu medizinischen

Gemeinschaftspraxen, interdisziplinären Primärversorgungszentren,

Rehabilitationszentren und Kliniken. Die Abbildung 1 zeigt die Prognose

für die Zunahme an älteren und pflegebedürftigen Personen bis

2030, wobei auch darüber hinaus bis zum Jahr 2050 mit steigenden

Zahlen zu rechnen ist. Damit erweist sich der Bedarf an Pflegeimmobilien

in der Zukunft als besonders hoch – wie auch die Bereitschaft

von Investoren zu Healthcare-Investments. Auch für die großen

Immobilien-Investoren wie beispielsweise Fonds sind die Healthcare-

Investments nicht mehr wegzudenken: In den letzten Emerging

Trends notierten die Healthcare-Immobilien bereits auf Platz 5 der

Top-Investment-Assets. In einer Umfrage zeigten sich 92 Prozent der

befragten Experten davon überzeugt, dass Healthcare ein langfristig

wichtiger Faktor bleiben wird (PWC 2022, S. 14).

Dennoch ist Österreich bis dato nicht im Fokus von größeren Investoren.

Dazu sind die Projekte hierzulande tendenziell zu klein. Interessante

Projekte werden am ehesten in Wien in Angriff genommen.

Dazu kommt, dass bei Pflegeimmobilien die Bundesländer eine entscheidende

Rolle spielen. Deshalb ist es für Bauträger oft schwierig,

auf eigene Initiative solche Immobilien zu entwickeln. Ausländische

Investoren werden oft gänzlich abgeschreckt. Doch viele Aspekte

sprechen für diese Projekte.

Vorteile bei der Lage können genutzt werden

Während bei Wohn- und Gewerbeimmobilien in guten Lagen weiterhin

mit steigenden Preisen für die Grundstücke zu rechnen ist,

können vor allem Pflegeimmobilien auch in bislang weniger stark

genutzten Lagen entwickelt werden. Ein weiteres vorteilhaftes Lagekriterium

ist die Verfügbarkeit von Personal: Auch hier ist bei einer

entsprechenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr im Vergleich

mit dem Wohnbau ein weiter Umkreis rund um Ballungsgebiete und

Städte möglich. Damit ergibt sich ein erheblich größerer Suchradius.

Zudem sollte die Auswahl eines Standorts mit dem bestehenden Angebot

an Gesundheitseinrichtungen abgestimmt werden. Insgesamt

zeigt sich jedoch, dass es bei Pflegeimmobilien erheblich leichter ist,

erschwingliches Bauland zu erwerben – vor allem auch, wenn die regionalen

Vertreter der Kommunen Interesse zeigen. Dafür spricht nicht

nur der nachhaltig steigende Bedarf an diesen Einrichtungen. Auch

die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Gemeinde ist ein Thema, das

für erfolgreiche Kooperationen mit Projektentwicklern sorgen sollte.

Angesichts des langfristigen Bedarfs und der positiven Effekte sollten

diese Kooperationen also entsprechend gefördert werden.

Primärversorgungszentren als attraktive

Alternative zum Gemeindearzt

Vor allem am Land zeigen sich immer mehr Lücken in der Gesundheitsversorgung,

hauptsächlich bei Hausärzten. Aktuell gehen viele

Mediziner der Babyboomer-Generation in Pension und verschärfen

das Problem mittelfristig. Jedoch gilt es auch hier, dieses Problem

langfristig zu lösen. Der wichtigste Ansatz dabei ist, die Attraktivität

des Berufs für junge Ärzte und Ärztinnen zu steigern. Einen wichtigen

94 ImmoFokus


Quelle: Bundesministerium für Arbeit , Soziales und Konsumentenschutz

Beitrag dafür können Primärversorgungszentren leisten, in denen

mehrere Ärzte mit Therapeuten zusammenarbeiten. Dadurch wird

der hohe Arbeitsdruck der Landärzte deutlich gemindert. Das sorgt für

physische und psychische Entlastung beim gesamten medizinischen

Personal. Zudem wird die medizinische Betreuung der Menschen im

Sinne eines „One-Stop-Shops“ erheblich verbessert.

So ist es auch das Ziel des Bundes, bis 2023 zumindest 75 Primärversorgungseinheiten

(PVE) zu schaffen. Daraus resultiert ein erheblicher

Bedarf an Neubau, da laut dem Dachverband der Sozialversicherungsträger

aktuell bundesweit erst 36 PVEs in Betrieb sind – in Tirol und

Vorarlberg gibt es sogar noch keine einzige dieser Einrichtungen.

Für Investoren und Entwickler bedeutet dieser Umstand, dass die

öffentliche Hand erheblich an neuen Projekten interessiert ist und

jegliche Initiative aktiv unterstützen wird ¬ und das zusätzlich zur

neuen Projektförderung von bis zu 200.000 Euro, die seit März 2022

in Kraft ist.

Quellen: Bundesministerium für Arbeit , Soziales und Konsumentenschutz (2019): Pflegepersonal-Bedarfsprognose für Österreich. Wien: Gesundheit Österreich GmbH.

Bundesministerium für Arbeit , Soziales und Konsumentenschutz (2022): Projektförderung PVE

Förderungsrichtlinie für den österreichischen Aufbau- und Resilienzplan gemäß VO 2021/241. Wien: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und

Konsumentenschutz; Sektion VII, Gruppe B, Abteilung 5.

Dachverband der Sozialversicherungsträger (2020): Teambasierte Primärversorgung. URL: https://www.sv-primaerversorgung.at/

PWC – PricewaterhouseCoopers (2022): Emerging Trends in Real Estate. London: Urban Land Institute.

Riedel, M. (2021): Ausbau der Pflege aus gesamtwirtschaftlicher Sicht. Policy Brief Nr. 2/2021. Wien: Institut für Höhere Studien.

Ausgabe 03|2022

95


ImFokus

Stabile Renditen

bei hoher

Investitionssicherheit

Gesundheitsimmobilien. Während die Assetklasse in Deutschland seit einigen Jahren heiß begehrt ist,

führt sie am österreichischen Investmentmarkt noch ein Schattendasein. Nach und nach genießt sie

aber immer mehr Aufmerksamkeit.

Autor: Patrick Baldia

G

esundheitsimmobilien haben sich

in Deutschland in den letzten

Jahren zu einer relevanten Assetklasse

gemausert. Vor allem seit

Mitte der Zehnerjahre, als innerhalb von kurzer

Zeit zuerst die Zwei- und dann die Drei-Milliarden-

Euro-Grenze geknackt wurde, hat das Investoreninteresse

sichtlich zugenommen. Auch die

Pandemie konnte diesen Trend nicht aufhalten:

Sowohl 2020 als auch 2021 wurden mit 3,4 beziehungsweise

3,76 Milliarden Euro neue Rekord-

Transaktionsvolumen erzielt. Und dass im ersten

Quartal 2022 mit 600 Millionen Euro um fast

ein Drittel weniger investiert wurde als im Startquartal

2021, ist nur dem Produktmangel und

nicht einem Nachfragerückgang geschuldet.

Szenenwechsel nach Österreich. Laut CBRE

wurden im Vorjahr hierzulande rund 75

Millionen Euro in Healthcare-Immobilien

investiert. Streng genommen handelte es sich

ausschließlich um Pflege- und Seniorenheime.

Den Besitzer wechselten unter anderem ein

„Wir sehen eine sehr gute

und professionelle Nachfrage

nach heimischen Pflegeimmobilien

– auch seitens

internationaler Anleger.“

Georg Fichtinger,

CBRE

Pflegeheim in Maria Lanzendorf und ein weiteres

in Pernegg an der Mur sowie zwei Seniorenzentren

in Seeboden am Millstätter See und

in Purkersdorf bei Wien. Auch in Deutschland

sind Pflegeheime im langjährigen Durchschnitt

die dominante Sub-Assetklasse unter

den Gesundheitsimmobilien, wenngleich der

Transaktionskuchen dort breiter gefächert ist

und betreutes Wohnen, Ärztehäuser sowie Kliniken

und Reha-Kliniken eine vergleichsweise

größere Rolle spielen.

Seit Anfang 2022 wurde im heimischen

Healthcare-Sektor noch keine Transaktion

verzeichnet, so CBRE. Wie aus dem Bericht

„Pflegeimmobilien in Österreich“ des Immobiliendienstleisters

hervorgeht, wurden seit 2015

jährlich um die 30 Millionen Euro in Pflegeobjekte

investiert. 2018 waren es sogar nur sechs

Millionen Euro. Mit Investitionsvolumina

von rund 85 beziehungsweise 130 Millionen

Euro stechen nur 2016 und 2020 hervor. Das

allerdings nur wegen zweier großer Portfolio-

Fotos: CBRE, Adobe Stock

96 ImmoFokus


Deals. „Pflegeimmobilien sind in Österreich

noch eine totale Nische“, bringt es Georg

Fichtinger, Head of Investment Properties bei

CBRE Österreich, auf den Punkt.

Interesse steigt

Selbst wenn Gesundheits- beziehungsweise

Pflegeimmobilien noch Nischeninvestments

sind, so ist es für Experten nicht zu leugnen,

dass das Interesse an der Assetklasse zuletzt

merklich zugenommen hat. „Wir sehen eine

sehr gute und professionelle Nachfrage nach

heimischen Pflegeimmobilien – auch seitens

internationaler Anleger“, berichtet Fichtinger.

Vor allem letztere würden sich nach größeren

Tickets von 15 Millionen Euro oder mehr

umsehen, die hierzulande noch schwerer zu

finden wären als solche um die zehn Millionen

Euro. Aber auch insgesamt ist das Angebot an

einschlägigen Immobilien nicht umfangreich

und für Franz Pöltl, Geschäftsführer EHL Investment

Consulting, der Grund für die normalerweise

überschaubaren Investmentumsätze.

Was vor allem Pflegeimmobilien so attraktiv

macht, liegt auf der Hand. Es sind die zu lukrierenden

sicheren und stabilen Renditen

bei gleichzeitig hoher Investitionssicherheit.

Dahinter steht der maßgebliche Treiber für

das mittel- und langfristige Wachstum der

dominanten Sub-Assetklasse unter den Gesundheitsimmobilien:

die demographische

Entwicklung beziehungsweise die sukzessive

steigende Lebenserwartung der Bevölkerung.

„Pflege ist ein Thema, das uns früher oder später

alle beschäftigen wird“, hält Fichtinger fest.

Laut Prognosen der Statistik Austria wird die

österreichische Gesamtbevölkerung zwischen

2020 und 2030 um drei Prozent wachsen, die

Altersgruppe der ab 80-Jährigen hingegen um

30 Prozent. Über den Betrachtungszeitraum

2020 bis 2040 soll letztere sogar um fast 65

Prozent ansteigen (Gesamtbevölkerung: plus

sechs Prozent). 2040 soll sich der Anteil der ab

80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung dann

auf knapp zehn Prozent belaufen.

Mit der steigenden Lebenserwartung wird auch

die Zahl der Pflegebedürftigen zunehmen und

damit in weiterer Folge auch der Bedarf an

stationären Pflegeplätzen. In diesem Zusammenhang

spielt sicherlich auch der Anstieg der

Ein-Personen-Haushalte oder die zunehmende

Vollzeit-Berufstätigkeit unter Frauen eine Rolle,

die noch großteils für die Pflege von Angehörigen

im häuslichen Bereich verantwortlich sind.

Schätzungen zufolge werden in Österreich bis

2030 rund 30.000 zusätzliche Pflegeplätze benötigt,

bis 2040 sogar 63.000. Allein bis 2030

würden – bei einer durchschnittlichen Zahl von

86 Plätzen je Objekt – nicht weniger als 350 Pflegeheime

benötigt, um diesen Bedarf zu decken,

heißt es im CBRE-Report.

Hohe Auslastung

Für die konstant hohe Auslastung von 90 bis

95 Prozent in stationären Pflegeheimen, und

damit auch für Investitionssicherheit, sorgt in

Österreich auch das Fördersystem. Mithilfe der

Einnahmen aus dem laufenden Betrieb sowie

Ausgabe 03|2022

97


ImFokus

Renditenentwicklungen

5,25

5,00

5,25

5,00

4,25

4,25

3,45

3,20

3,00

3,45

3,20

3,00

„Dass es in Österreich

neun unterschiedliche

regulatorische Rahmenbedingungen

gibt, stellt für viele

Investoren durchaus eine

Herausforderung dar.“

Franz Pöltl,

EHL Investment Consulting

öffentlichen Förderungen begleichen die Betreiber

die Pachtzahlungen an die Eigentümer.

Im Falle einer Insolvenz würde entweder ein

anderer Betreiber einspringen oder das Land

beziehungsweise die Gemeinde übernehmen.

Die Pflegebedürftigen zahlen die Heimkosten

wiederum mithilfe ihrer Pensionen (bis zu

80 Prozent), sonstigen Einkommen und dem

staatlichen Pflegegeld. Sollte das nicht ausreichen,

kommt der Staat für den fehlenden

Betrag auf.

Für Pöltl sind auch gewisse Herausforderungen,

die mit Investments in Pflegeimmobilien

verbunden sind, nicht zu leugnen. Dazu zählt

sicherlich, dass die Pflege in Österreich Ländersache

ist, was neun unterschiedliche regulatorische

Rahmenbedingungen bedeutet.

„Eine weitere Herausforderung für viele Investoren

ist, dass die Betreiber oft bonitätsmäßig

schwer zu beurteilen sind und es noch wenig

etablierte Ketten mit starkem Rating, wie beispielsweise

im Hotelbereich, gibt“, erklärt der

EHL-Experte. Ein weiteres Problem, das sich

in Zukunft noch verschärfen könnte: akuter

Personalmangel.

Zu den relevanten Playern im Bereich Seniorenimmobilien

im deutschsprachigen Raum hat

sich in den letzten Jahren die Bank Gutmann

entwickelt. Die Wiener Privatbank hat die Assetklasse

2005 für sich entdeckt und seitdem

ein Transaktionsvolumen von mehr als einer

Milliarde Euro bewegt. Aktuell werden für

institutionelle Investoren und Family Offices

drei Gesellschaften verwaltet, die in Österreich

und Deutschland Pflegeimmobilien halten. Ein

weiterer ausfinanzierter Alternative Investment

Fonds (Startkapital: 50 Millionen Euro)

mit Seniorenimmobilien, betreutem Wohnen

und Schwerpunkt Deutschland startet im Juli.

Intensive Diskussionen

„Als wir 2005 begonnen haben, war nicht allen

institutionellen Anlegern klar, dass Pflegeeinrichtungen

gute Investments sind, die sich

sehr gut als Ergänzung für ein Portfolio mit

anderen Immobilienarten eignen“, so Adolf

Hengstschläger, CFO der Bank Gutmann. Er

erinnert sich an „sehr intensive“ Diskussionen

im Aufsichtsrat darüber, ob diese Investments

Sinn machen. Mit der Zeit sei dann das Vertrauen

gestiegen und die dahinterstehende

Systematik besser verstanden worden. „Überzeugungsarbeit“

dürften wohl auch die guten

Renditen geleistet haben. Diese lagen laut

Hengstschläger im Durchschnitt um 400 Basispunkte

über jenen von Anleihen. Pflegeimmobilien

hätten aber auch aus einem weiteren

Grund an Bedeutung gewonnen: der Tatsache,

Fotos: EHL. Bank Gutmann , Adobe Stock

98 ImmoFokus


Investmentmarkt in Mio. Euro

130

„Pflegeheime haben auch

an Bedeutung gewonnen,

weil nachhaltige und

soziale Investments einen

immer größeren Stellenwert

einnehmen.“

Adolf Hengstschläger,

Bank Gutmann

42

83

32

34

28

6

dass nachhaltige und soziale Investments einen

immer größeren Stellenwert einnehmen.

Wie groß muss ein Objekt mindestens sein,

damit es sich rechnet? Für Hengstschläger ist

das immer etwas von der Lage abhängig. „Aber

die Erfahrung der letzten 16 Jahre hat gezeigt,

dass die Untergrenze bei rund 80 Betten liegt“,

erklärt er. Die meisten klassischen Pflegeeinrichtungen

hätten 100 bis 120 Betten. Und

im städtischen Raum wären die Kapazitäten

teilweise noch größer. In einigen Großstädten

im deutschsprachigen Raum gehe es auch

in Richtung 200 Betten und mehr. Nachsatz

von Hengstschläger: „In solchen Fällen muss

man darauf achten, dass so ein Haus nicht nur

in betriebswirtschaftlicher, sondern auch in

menschlicher und atmosphärischer Hinsicht

attraktiv wirkt.“

2015 2016 2017 2018 2019 2020 Juli 2021

*

Hintergrund

* Zahl der Pflegeheim-Transaktionen für das Gesamtjahr 2021 nicht verfügbar.

Aktuell gibt es laut der CBRE-Studie „Pflegeimmobilien in Österreich“ in der

Alpenrepublik mehr als 900 Pflegeheime mit knapp 80.000 Betten. Davon

werden 38 Prozent von der öffentlichen Hand, 32 Prozent von gemeinnützigen

Vereinen und Organisationen und 30 Prozent von privaten Betreibern geführt.

Die meisten Pflegeheime gibt es in Ostösterreich, wo auch der Pflegebedarf

am größten ist und in den kommenden 20 Jahren am schnellsten wachsen wird.

Laut der CBRE-Analyse werden 2030 in ganz Österreich um rund 30.000 Pflegebetten

mehr benötigt als heute, im Jahr 2040 dann rund 63.000. Für die Sub-

Assetklasse Pflegeimmobilien sprechen die sicheren und stabilen Renditen von

rund fünf Prozent bei hoher Investitionssicherheit. Die Auslastung liegt konstant

bei 90 bis 95 Prozent.

Kennzahlenvergleich zwischen den Regionen

Ostregion Südregion Region Nordwest Westregion Österreich

Pflegeheime/100.000 Einwohner | 2021 7,4 14,5 10,3 12,9 10,2

Pflegebetten/100.000 Einwohner | 2021 780 1.150 830 800 870

Zusätzlich benötigte Pflegebetten

bis 2030 | bis 2040

11.800 | 24.300 8.000 |16.500 6.600 | 13.700 3.600 | 7.500 30.000 | 62.000

Wachstum der Bevölkerung ab 80 Jahren

2020 – 2030 | 2020 – 2040

32 % | 74 % 25 % | 60 % 29 % | 70 % 35 % | 72 % 30 % | 64 %

Ausgabe 03|2022

99


Zum Autor

Henrik von Bothmer ist Functional Head of Investment Management

Healthcare bei Union Investment Real Estate. Er ist studierter Wirtschaftsjurist

sowie gelernter Immobilienkaufmann und verfügt über mehr als 20

Jahre Berufserfahrung, mehr als zehn Jahre davon bei Union Investment.

Die goldene Generation

Kommentar: Henrik von Bothmer

Die Asset-Klasse Senior-Living rückt immer stärker in den Fokus von

Immobilien-Investoren. Warum liegt liegt auf der Hand - die Bevölkerung

altert zunehmend. Allein in Deutschland leben laut Statistischem

Bundesamt aktuell rund 18,3 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder

älter sind. Die Senioren kommen damit auf einen Anteil von rund 22

Prozent an der deutschen Gesamtbevölkerung. In Österreich liegt ihr

Anteil bei 19,5 Prozent. Tendenz steigend: Laut Prognose wird ihr Anteil

im Jahr 2030 in Deutschland bereits bei 29 Prozent zur verorten sein, in

Österreich bei 23 Prozent. Zusätzliche Dynamik in den demografischen

Wandel bringt die steigende Lebenserwartung. Allein bis 2030 wird sie

sich um zehn Jahre erhöhen. Auch die Zahl der Haushalte mit Mobilitätseinschränkungen

steigt dementsprechend deutlich: In Deutschland

beispielsweise wächst sie laut Institut Wohnen und Umwelt (IWU) bis

zum Jahr 2035 um 25 Prozent auf 3,7 Millionen Menschen an.

ziehen. Die kommende Generation der Ruheständler ist wohlhabend.

Doch auch hier ist das Angebot knapp, insbesondere im gehobenen

Segment: In Deutschland gibt es laut Terragon, einem auf den Bau von

Seniorenwohnungen spezialisierten Unternehmen, rund 30.000 Servicewohneinheiten

im gehobenen Segment. Nach seiner Schätzung

werden jedoch noch 80.000 bis 90.000 weitere Einheiten benötigt.

Bei Anlegern bleiben diese Entwicklungen nicht unbemerkt. Sie diversifizieren

ihre Immobilienportfolios mit der Asset-Klasse Senior Living,

um sie so noch besser gegen künftige Krisen abzusichern. Zumal die Renditen

auch in schwierigen Zeiten wie diesen vergleichsweise attraktiv

sind: Analysen von Savills zufolge liegen die Spitzenrenditen für selbst

vermietete Senior-Living-Immobilien zwischen 3,5 und fünf Prozent.

Die Folgen?

Allein im Segment des barrierefreien Wohnens entsteht eine Versorgungslücke

von rund zwei Millionen Wohnungen im Jahr 2035, haben die

Experten des IWU berechnet. Hinzu kommt, dass die große Mehrheit der

älteren Menschen ihren Lebensabend selbstbestimmt in den eigenen vier

Wänden verbringen und im Falle des Falles durch Pflegedienstleistungen

unterstützt werden möchte. Auch dafür wird passender Wohnraum benötigt.

Angesichts der Knappheit ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich

diese Asset-Klasse während der Corona-Pandemie als recht stabil erwiesen

hat, ¬ zumal die aktuelle Gemengelage aus Zinserhöhungen und steigenden

Baukosten die Angebotsseite noch zusätzlich unter Druck setzt.

Nachfrage nach Servicewohnungen

Laut einer Studie des Entwicklers Pantera können sich zudem 54 Prozent

der Deutschen vorstellen, in höherem Alter in eine Servicewohnung zu

Foto: Adobe Stock

100 ImmoFokus


Zum Autor

Markus Mendel ist Geschäftsführer der EHL Investment

Consulting und in dieser Funktion ganzheitlich für den

Bereich Investment/Capital Markets verantwortlich.

Investmentmarkt 2022 – Starke Nachfrage

bei Trendinvestments Gesundheitsimmobilien

Kommentar: Markus Mendel

Foto: AdobeStock

Sowohl vergangenes Jahr als auch im ersten

Quartal 2022 verzeichnete der österreichische

Immobilieninvestmentmarkt ein hohes Transaktionsgeschehen

und eine starke Nachfrage

seitens privater und institutioneller Investoren.

Trotz der Nachwirkungen der Pandemie und

der Ukrainekrise ist das Interesse der Investoren

an österreichischen Immobilien ungebrochen.

Neben der stetig wachsenden Nachfrage

in den Top-Segmenten Wohnen, Büro und

Logistik entsteht auch ein immer stärkeres

Interesse der Investoren im Segment der sogenannten

„Gesundheitsimmobilien“. Dazu

zählen unter anderem Pflegeheime, betreutes

und betreubares Wohnen sowie Ärztehäuser.

Fehlendes Angebot

Die stetig wachsende Nachfrage in diesem Bereich von Seiten privater

Investoren und Family Offices, als auch insbesondere von institutioneller

Seite, übersteigt das vorhandene Angebot seit Monaten bei

Weitem. Eine Entspannung ist nicht in Sicht.

Die hohen Baulandpreise und die signifikant gestiegenen Baukosten

führen dazu, dass die Neubauaktivität weiterhin auf einem äußerst

geringen Niveau liegt. Die gestiegene Nachfrage kann somit trotz des

verfügbaren Kapitals für diese Assetklasse und der gesellschaftlichen

Nachfrage von Seiten der Nutzer nicht befriedigt werden.

Die fundamentale Nachfrage nach Gesundheitsimmobilien führt jedoch

auch dazu, dass in neuen Entwicklungsprojekten diese Nutzung

in einem immer stärkeren Ausmaß bedacht wird. Neue, hochwertige

und integrative Konzepte entstehen oftmals

in gemischt genutzten Immobilienentwicklungen,

die dem Wunsch einer wachsenden

Zahl älterer Menschen nach einem flexiblen

Serviceangebot und einer gewissen Betreuung

entgegenkommen.

Nachfrage nach Dienstleistung

Der fortschreitende demographische Wandel

sowie das stark gewachsene Gesundheitsbewusstsein

auch der jüngeren Bevölkerung

beflügeln die Nachfrage nach Dienstleistungen

und Serviceangeboten im Gesundheitswesen

zusätzlich. Das führt zu deutlichen Umsatzsteigerungen

und einer fortschreitenden Professionalisierung

und Institutionalisierung dieses

Bereichs.

Mit der steigenden Anzahl professioneller Betreiber und der Langfristigkeit

der in diesem Segment abgeschlossenen Verträge sowie der

daraus resultierenden sicheren Cashflows nehmen die Vorbehalte von

Investoren gegenüber den Betreibern zunehmend ab, und das trotz

der oft nicht final einschätzbaren Bonität von Seiten der Investoren.

Gesundheitsimmobilien haben sich dadurch mittlerweile einen festen Platz

im Portfolio-Mix einer steigenden Zahl von Käufern gesichert. Das Interesse

auf Investorenseite wird demzufolge nicht nur anhalten, sondern mit großer

Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen. Aufgrund des begrenzten Neubauvolumens

spricht jedoch vieles dafür, dass die Angebotsseite das Nadelöhr

bleiben wird. Das wird folglich zu sinkenden Renditen führen, die auch das

gewachsene Vertrauen der Anleger reflektieren.

Ausgabe 03|2022

101


ImmoFokus.Rubrik

Frech

gesagt

„... Gesundheit!

Zum Nachdenken. Solange alles funktioniert, wird sie als Selbstverständlichkeit gesehen. Erst wenn sie

schwindet, wird sie als höchstes Gut empfunden. Warum nur gehen wir so leichtfertig mit ihr um?

Kolumne: Anita Körbler

A

uch den härtesten Kalibern unter

uns haben die zwei vergangenen

Jahre gezeigt, dass alles nichts

ist, wenn eine Krankheit oder in

dem Fall eine Pandemie uns eiskalt erwischt und

wir erkennen, dass Attribute wie Arbeit, Erfolg

und Ruhm verschwindend geringwertig erscheinen,

wenn die Gesundheit plötzlich geht.

Zeit, um das Gesundheitslevel unserer Branche,

die sich als (noch) krisenresistent entpuppt

hat und sich scheinbar im ständigen

Wachstumsmodus befindet, einmal näher zu

betrachten: Wo „krankt“ es in unseren Systemen,

wo sehen wir akuten Bedarf an entsprechender

Medikation?

Vorsorgen ist preiswerter als Heilen

Der Boom in Richtung Neubau erwies sich in

den vergangenen Jahren als anhaltend. Der

reale Zeitpunkt der schlüsselfertigen Übergabe

eines Objekts allerdings entspricht wie erste

Auswertungen für 2021/2022 belegen – immer

seltener dem geplanten.

Neben der schon länger bekannten Schwierigkeit,

qualifizierte Fachkräfte zu finden, kommen

nun die enormen Kostenerhöhungen für

Rohstoffe und Energie geballt hinzu. Das wird

die Wohnraumkosten nicht unbedingt senken.

Zudem wird der Platz für Neubau in großen

Ballungszentren nicht nur teurer, sondern

gleichzeitig immer knapper. Höchste Zeit also,

sich vermehrt dem Bestand zu widmen, was ja

in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich

realisiert worden ist ¬ etwa mit dem Ausbau

von Dachgeschoßen.

Rund um Umnutzungen, Sanierungen oder

Nachverdichtungen werden dem Eigentümer

nachhaltige Anreizsysteme geboten, um

sinnvoll in seinen Bestand zu investieren.

Allerdings wird er dafür längerfristig etwas

erhalten müssen. Die jüngsten Diskussionen

hinsichtlich brisanter Themen wie Mietbremse

oder Leerstandsrate sehe ich hier eher als

Schwächung der Attraktivität einer raschen

Umsetzung.

Künftig werden wir wohl auch „gesündere“

Konzepte in der Projektentwicklung finden

spätestens mit der Umsetzung der Kriterien,

welche die EU-Taxonomie-Verordnung enthält.

Cradle to Cradle bleibt somit nicht nur

ein moderner Begriff unserer Zeit. Die konsequente

Kreislauffähigkeit wird vielmehr im

Rahmen von qualifizierten Zertifizierungen

auch durchgängig gelebt.

Jeder Wert hat seinen Preis

Wie heißt es so treffend: der Gesunde hat

tausend Wünsche, der Kranke nur einen. In

meinen Teenagerjahren habe ich aus nächster

Nähe mitbekommen wie ein Mensch sich

fühlt, der in seiner Arbeit aufgeht, diese allerdings

quasi von heute auf morgen nicht mehr

ausführen kann, weil sich ein unangenehmer

Zeitgenosse namens Krebs genau seine Zellen

ausgesucht hat, um sich dort recht hartnäckig

anzusiedeln. Die Verzweiflung über den Gesundheitszustand

gepaart mit dem Gefühl der

Nutzlosigkeit, der Hilfsbedürftigkeit und darüber

hinaus die Welle des Mitleids der Umgebung,

obwohl man ja eigentlich so normal wie

möglich weiterleben möchte – mit all dem gilt

es erstmal, fertig zu werden. Da sind nicht nur

Familienmitglieder und Freunde gefordert,

auch ein starkes Netz im Kollegenkreis und

die Unterstützung des Arbeitgebers kann in so

einem Fall zumindest vieles erleichtern.

Leben neuere Generationen heute von Haus

aus gesünder, weil sie natürlich mit voller

Fotos: REMG/trovato GmbH

102 ImmoFokus


Ganz frech gesagt:

Erst die Arbeit UND das Vergnügen: Wir dürfen

hoffentlich noch lange unserer Passion nachgehen.

Gestalten wir diese Zeit doch gemeinsam mit

unseren Arbeitgebern, Kunden und Mitarbeitern so

gesundheitsfördernd wie möglich.

Anita Körbler

trovato.immo

Wucht mitbekommen haben, wohin eine ungenügende Achtsamkeit ihre Eltern

teilweise geführt hat? Die Arbeitsweise und der Lebensstil meiner Altersklasse

stellen sich gerade jetzt als nicht unbedingt die gesündesten heraus. Ich

bin meinem wissbegierigen Wesen, dem resilienten Geist und meinem belastungsfähigen

Körper sehr dankbar, welches Leistungsausmaß ich erbringen

kann. Gleichzeitig darf man auch gewisse Zeichen nicht übersehen. Denn

egal, ob es sich um physische oder psychische Beschwerden handelt: Je eher

man sich selbst erlaubt, diese wahrzunehmen, desto rascher kann (re-)agiert

werden, um das Leben langfristig energiereich und freudig zu gestalten.

Anita Körbler

Managing Partner trovato.immo

Anita Körbler ist ideenreiche Branchenkennerin

und Managerin mit Herz und Hirn. Körbler kann auf

langjährige Erfahrung in Immobilienunternehmen

sowie exklusive Projekte im öffentlichen Bereich

(PPP) zurückblicken. Berufsbegleitend absolvierte

sie erfolgreich zwei Studien im Bereich Wirtschaft

und Public Communications, zeichnete jahrelang

für verschiedene PropTech-Unternehmen als

Geschäftsführerin verantwortlich und widmet sich

der Beratung und Immobilienvermarktung sowie der

Realisierung von Digitalisierungsprozessen in der

Immobilienbranche.

Und hilft es nicht auch einem Unternehmen, wenn Mitarbeiter achtsam mit

ihrer Gesundheit, ihrer Ernährung und ihrer Lebensweise umgehen? Verstehen

erfolgreiche Betriebe es besser, ihre Mitarbeiter entsprechend zu fördern

und so gemeinsam an den Unternehmenszielen zu arbeiten?

Wie wir wissen, stellen Personalaufwendungen einen großen Bestandteil der

Unternehmenskosten dar. Insofern gilt es hier, sinnvoll in Vorsorgeprozesse

zu investieren und gemeinsam mit dem Mitarbeiter, beispielsweise hinsichtlich

einer bewussteren Wahrnehmung des Verhältnisses Workload zu

Arbeitszeit, bestmöglich einen Weg zu einer langfristigen, gesunden Zusammenarbeit

zu finden. Das scheint besser zu sein, als mit langen Ausfallszeiten

zu jonglieren und im schlimmsten Fall auf die Leistung großartiger, talentierter

Mitarbeiter vorzeitig verzichten zu müssen.

Hard Facts wie Arbeitsplatz-Optimierung rund um die Behaglichkeit treffen

auf immer signifikanter werdendes empathisches Führungsverhalten sowie

die Fähigkeit, optimale Team-Gruppierungen zusammenzustellen. Je nach

Archetyp-Muster der operierenden Führungskräfte werden sich manche Unternehmen

früher, manche später umorientieren.

IMMOBILIENBEWERTUNG.

Warum wir?

Weil wir´s können.

www.reinberg-partner.com

Ausgabe 03|2022

103


RAUS AUS

DEN SILOS!

Führen Sie die Daten zusammen

und dokumentieren Sie Ihren

Kommunikationserfolg umfassend.

Market Intelligence

Media Intelligence

Opinion Tracking

Market Intelligence

Social Listening

Opinion Tracking

Media Intelligence

Opinion Tracking

Market Intelligence

Media Intelligence

Mit der integrierten Analyse von öffentlicher und veröffentlichter Meinung verbessern Sie Ihre

strategische Einschätzung Ihrer Marke. So können Sie Ihre Kommunikationserfolge noch besser

dokumentieren und die Wirkungen überzeugender darstellen.

IBI hilft Ihre Kommunikationsstrategie zu verbessern.


Illmitzer

Gespräche

Creating the Future now

31. August - 02. September 2022

Inflation

Gekommen um zu bleiben

Illmitzer Gespräche

31. August - 02. September 2022

CO2KostAufG

Verteilung der Kosten für CO2

Frühling 2021

105


ImmoFokus.Rubrik

Verdammt nochmal -

Jetzt!!!

Farbe bekennen. Während der letzten Jahre ertappe ich mich aber dabei,

auf einmal klarer zu werden, stringenter, dort und da auch unbeugsamer.

Autor: Thomas Malloth

Z

eit meines bisherigen, nunmehr annähernd 60 Jahre

dauernden Lebens wurde mir immer wieder, wohin

ich auch gestellt wurde oder mich gestellt habe, vorgeworfen,

ich würde immer den Mittelweg gehen, zu

konsensorientiert sein, keine Entscheidungen treffen.

Nun, das entspricht meinem Sternzeichen – der Waage. Für mich sind

Dissonanzen, negativ aufgeladene Situationen, furchtbar und ich versuche,

ihnen aus dem Weg zu gehen. Während der letzten Jahre ertappe

ich mich aber dabei, auf einmal klarer zu werden, stringenter, dort und

da auch unbeugsamer. Ist es das Älterwerden oder sind es die Umstände,

die uns veranlassen müssen deutlicher zu werden, Farbe zu bekennen,

das Gerede auszulassen zugunsten nicht des kleinsten gemeinsamen

Nenners, sondern der unabdingbaren Lösung?

Coca Cola erzeugt pro Jahr 88 Milliarden Einwegflaschen ¬ nicht Millionen,

Milliarden! In den Ozeanen befinden sich aktuell 275 Millionen

Tonnen Plastik. Es gibt eine „Plastikinsel“ so groß wie Frankreich und wir

können Plastikweichmacher bereits im menschlichen Blut nachweisen.

In Österreich sind 600.000 Menschen übergewichtig, 24 Prozent der

sieben- bis 14-jährigen krankhaft adipös, und das Zuckerkarussel dreht

sich weiter. Fünf bis sieben Bauern geben täglich ihre Betriebe auf. Die

Selbstmordrate im landwirtschaftlichen Bereich ist vor allem in Schwellenländern

signifikant erhöht, drei Prozent der bäuerlichen Betriebe bewirtschaften

in Europa 50 Prozent des Ackerlandes, und es gibt Betriebe

mit bis zu 50.000 Tieren.

Seit 1970 sind 88 Prozent der großen Süßwassertiere ausgestorben,

40 Prozent der Insekten werden in den kommenden Jahrzehnten

aussterben. Die Frage der natürlichen Bestäubung – und damit des

Erhalts der menschlichen Nahrungskette – steht unmittelbar vor der

Türe. Es wird nicht möglich sein, Roboter zu schaffen, die die Bienenarbeit

übernehmen.

30 bis 40 Prozent der Treibhausgasemissionen werden in Gebäuden

verursacht, zwei Drittel der CO2-Menge geht auf das Konto der Verbrennung

fossiler Brennstoffe.

Fotos: REMG, Adobe Stock

106


Das ist keine Jammer-Litanei, das ist der Befund.

Und vor diesem Befund erdreisten sich tatsächlich Politiker, weiteren

Straßen, weiteren Flughäfen, einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft

das Wort zu reden. Das einzige was wir hören, ist, dass das

Wirtschaftswachstum nicht mehr so stark ist wie früher. Nie, exakt nie,

hören wir, dass es Formen des alternativen Wachstums gibt: Umdenken,

Umplanen, anderes anbauen, die Fruchtfolge ändern, diversifizieren.

Wirtschaftswachstum im bislang gekannten Sinn ist keine Alternative.

Ich wiederhole: Verdammt nochmal – jetzt! Kettet euch an wie damals in

Hainburg, glaubt nicht an die Schlagkraft irgendeines – politisch-wirtschaftlichen

– Systems, glaubt euren eigenen Sinnen, wenn ihr hinunter

zum See fahrt und die Schilfinseln mangels Wasser aus dem Schlamm

herauswachsen, die Lacken längst gestorben sind und der Schilfgürtel

das Wasser verdeckt.

Ein namhafter Wissenschaftler hat vor wenigen Tagen zu mir gesagt:

„Wissen sie, wenn wir das 1,5- bis Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen, und

die Chance ist sehr gering, dann ist es ziemlich egal, was wir weiter tun!“

Warum ist der Ort, an dem ich lebe – Illmitz, das Herz des Seewinkels und

des Unesco-Weltkulturerbes – so einzigartig? Früher hätten wir gesagt:

„Wegen der Fauna und Flora, des pannonischen Klimas, des Weines“,

heute bleibt übrig: „Weil es ein Ort ist an dem wir ¬ vor vielen anderen

Orten ¬ die Auswirkungen unseres (Nicht-)Tuns fußfrei beobachten

können.“

Ich zitiere Paragraph 1 des Bundesverfassungsgesetzes zur Nachhaltigkeit:

„Die Republik Österreich…bekennt sich zum Prinzip der Nachhaltigkeit

bei der Nutzung von natürlichen Ressourcen, um auch zukünftigen

Generationen bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.“

Verdammt noch mal – JETZT!

Ihr Thomas Malloth

P.S. Lesen sie das Buch „Das leise Sterben“ von Martin Grassberger, aus

diesem habe ich viel an Datenmaterial und Anregungen übernommen.

Und kommen Sie zu den Illmitzer Gesprächen, Martin Grassberger wird

auch da sein.

Prof. Mag. Thomas N. Malloth, FRICS

... ist Jurist und hat sich auf die Bereiche Immobilienbewertung,

Immobilienconsulting, Immobilienverwaltung, und -vermarktung und

auf die Projektentwicklung, v.a. im dichten städtischen Raum, spezialisiert.

Er ist ständiges Mitglied des Bundesdenkmalbeirates und

Lehrbeauftragter an 7 Universitäten. Im November 2016 wurde Prof.

Malloth in den Vorstand des österreichischen Chapters der Royal

Institution of Chartered Surveyors berufen.

Ausgabe 03|2022

107


ImmoFokus.Rubrik

Das CO2KostAufG ?

Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetze. Ab 2023 sollen Vermieter am CO2-Preis von fossilen

Brennstoffen wie Öl und Gas beteiligt werden. Geplant ist eine Aufteilung zwischen Mietern und

Vermietern, Basis hierfür sind die CO2-Emissionen der Gebäude.

Autor: Magdalena Weißmann

S

eit

2021 wird in Deutschland ein Preis für die Emission

von Kohlendioxid (CO2) erhoben, um diese klimaschädlichen

Emissionen zu senken. Bisher können

Vermieter diese Kosten vollständig an ihre Mieter weitergeben.

Doch was bedeutet das genau?

a. Allgemeines

Ziel des Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetzes (CO2KostAufG) ist

es, die aufgrund der Kostenbelastung des CO2-Preises bestehenden

Bestrebungen und Energieeinsparungen in die Praxis umzusetzen. Die

Anreize betreffen hinsichtlich Mietern ein energieeffizientes Verhalten,

währenddessen Gebäudeeigentümer dazu bewegt werden sollen, in

klimaschonende Heizungssysteme und energetische Sanierungen zu

investieren.

Die Verteilung der Kosten für CO2 erfolgt je nach energetischer Qualität

des Gebäudes, also dem Ausstoß pro Quadratmeter Mietfläche. Somit

soll eine Aufteilung in jene Bereiche, die Vermieter beziehungsweise

Mieter tatsächlich beeinflussen können, erfolgen und eine langfristige

Reduktion von Emissionen und somit ein Beitrag zum Klimaschutz erreicht

werden.

b. Wohngebäude

Derzeit geplant ist ein Stufenmodell mit zehn Abstufungen, anhand

derer sich der von den Vermietern zu tragende Anteil reduziert. Bei

Mietwohnungen mit einem Ausstoß von über 52 Kilogramm CO2/

Quadratmeter pro Jahr – und somit einer sehr schlechten Energiebilanz

– sollen Mieter zehn Prozent und Vermieter 90 Prozent der CO2-Kosten

tragen. Im Gegensatz dazu sollen bei sehr energieeffizienten Gebäuden –

beispielsweise solchen mit dem Energiestandard E55, die nur 55 Prozent

der Energie von Standardgebäuden verbrauchen – die Mieter weiterhin

alleine für die Kosten aufkommen.

Auch die Heizkostenabrechnung spielt bezüglich der Frage, in welche

Stufe ein Objekt einzuordnen ist, eine Rolle. Um hinsichtlich der Erhebung

von Energiebilanz und CO2-Ausstoß ungebührliche finanzielle

Belastungen für die Vermieter zu vermeiden, wird derzeit geprüft, ob das

vorgeschlagene Modell auf die in den Energieausweisen vorhandenen Daten

umgestellt werden kann. In Zukunft sollen Energieversorger die Informationen

und Daten zum CO2-Austoß einholen und ausweisen müssen.

c. Nichtwohngebäude

Handelt es sich um Gebäude mit Geschäftslokalen und Büroräumlichkeiten,

soll es zur Anwendung einer 50-50-Regelung kommen. Vermie-

Fotos: Adobe Stock

108


tern und Mietern steht es jedoch frei, vertraglich andere Aufteilungen

vorzusehen. Doch auch in diesem Bereich ist die Umsetzung eines Stufenmodells

bis Ende 2025 geplant.

d. Ausnahmen

Stehen staatliche Vorgaben einer energetischen Sanierung entgegen

beziehungsweise schränken sie diese zumindest erheblich ein, müssen

sich Vermieter in geringerem Umfang beziehungsweise gar nicht am

CO2-Preis beteiligen. Denkbar sind in diesem Zusammenhang Vorgaben

durch den Denkmalschutz oder die Lage in sogenannten Milieuschutzgebieten,

die strengere Anforderungen hinsichtlich Änderungen an das

Erscheinungsbild stellen.

e. Hintergründe und Kritik

Nach noch geltender Rechtslage müssen allein die Mieter für den CO2-

Preis aufkommen. Nachdem die große Koalition der letzten Legislaturperiode

betreffend der Aufteilung des CO2-Preises keine Einigung

erzielen konnte, vereinbarten die Ampel-Parteien diese bereits im Koalitionsvertrag.

Die Reaktionen der Verbände sind gemischt: Obwohl der Großteil dem

Stufenmodell zwar grundsätzlich positiv gegenübersteht, wird die Aussetzung

der CO2-Abgabe für mindestens ein Jahr gefordert. Grund dafür

seien die explodierenden Preise und der mit der Umsetzung verbundene

Bedarf an Beratung.

Gegner kritisieren das Stufenmodell aufgrund der bürokratischen Hindernisse

und zweifeln an der Lenkungswirkung. Zudem wird in Frage

gestellt, ob den Mietern somit ein Anreiz für die Reduzierung des Energieverbrauchs

entzogen wird und Vermieter keinen Einfluss mehr auf

dieses Verhalten haben könnten.

f. Ausblick

Das Bundeskabinett beschloss am 25. Mai. 2022 den Gesetzesentwurf

zum Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz (CO2KostAufG), die Verabschiedung

im Bundestag ist noch ausständig.

Univ. Ass. Mag.a Magdalena Weißmann, LL.M.

Magdalena Weißmann studierte Rechtswissenschaften und absolvierte

den postgradualen Universitätslehrgang Wohn- und Immobilienrecht

an der Universität Wien. Seit 2018 ist sie Universitätsassistentin am

Institut für Europarecht, Internationales Recht und Rechtsvergleichung

und engagiert sich im Bereich der Nachhaltigkeit.

Ausgabe 03|2022

109


ImmoFokus.Rubrik

Inflation, Stagflation,

Zinswende und

die Nachhaltigkeit

Inflation. Gekommen um zubleiben. Als Schreckgespenst,

wird uns die Inflation wohl noch länger in Schach halten.

Autor: Franz Gschiegl

N

ach Jahren und sogar Jahrzehnten niedrigster bis

negativer Raten klettern die Preise seit dem Jahreswechsel,

und extrem beschleunigt seit dem Krieg in

der Ukraine, raketenartig nach oben. Verteuerungen

um acht, neun und mehr Prozent werden uns

noch etliche Monate begleiten, die Erhöhungen betreffen ja nicht nur den

Energiebereich, sondern generell die meisten Rohstoffe. Allein dadurch

ergeben sich zeitverzögert Zweitrundeneffekte, die uns alle treffen. Die

im Jahresvergleich um über 30 Prozent höheren Produzentenpreise

im EU-Raum sind ein Vorlaufindikator. Die großen Supermarktketten

werden wohl den Großteil der Erhöhungen weitergeben, da sie natürlich

auch betriebswirtschaftlich denken. Die Konsumenten weichen bereits

auf Billigprodukte und günstigere Eigenmarken bei ihren Einkäufen aus.

Klar, ohne Energie, Lebensmittel und deren Transport sowie damit auch

der Mobilität werden wir nicht auskommen.

Bedingt durch den „Basiseffekt“ (die Inflationsraten werden in erster

Linie im Zwölfmonatsvergleich angegeben, die aktuell hohen Werte

werden dann als „Basis“ für 2023 genommen) sind zwar im nächsten

Jahr deutlich niedrigere Inflationswerte zu erhoffen, der „Sockel“ der

aktuellen Preisauftriebe bleibt aber erhalten – außer es käme zu extremen

Preiseinbrüchen und damit zu einer sehr negativen Inflation, also

einer Deflation. Wird der „Aufschrei“ vieler Medien und in erster Linie

der Gewerkschaften nach einem „Preisausgleich“, in erster Linie durch

Lohnerhöhungen, gehört und umgesetzt, beginnt sich die „Preis-Lohn-

Spirale“ zu drehen. Die jetzt (noch) gut laufende Wirtschaft wird wohl

Fotos: Adobe Stock

110


Lohnerhöhungen genehmigen und versuchen, diese in ihren Preisen

wieder weiterzugeben – solange die Konsumenten das akzeptieren.

Hier kommt es natürlich auf die Marktmacht und damit auch Preisfestsetzungsmacht

eines Unternehmens an.

Gestiegenes Risiko einer Stagflation

Kühlt sich die Konjunktur ab, womit zu rechnen ist (die Vereinigten Staaten

weisen bereits für das erste Quartal 2022 negative Zahlen aus), bleibt

gleichzeitig aber die Inflation hoch, sprechen wir von einer „Stagflation“.

Diese Stagflation ist wirtschaftspolitisch eher schwer in den Griff zu bekommen.

Um Sozialkonflikte zu vermeiden, gilt es dann, besonders dem

Arbeitsmarkt Aufmerksamkeit zu schenken. Eine geringere Beschäftigtenrate

reduziert automatisch den Privatkonsum.

Bitter wird es auch dann, wenn die Forderungen nach Lohn- und Gehaltserhöhungen

nur zum Teil oder gar nicht erfüllt werden können ¬ dann

droht uns ein Kaufkraft- und Wohlstandsverlust. Der deutsche Bundesfinanzminister

Christian Lindner sprach bereits im Mai mit der Aussage

„…wir werden alle ärmer“ die Problematik direkt an und wies darauf hin,

dass der Staat nicht alles auffangen kann. Unsere Regierung gibt sich

da noch zögerlich hinsichtlich derartiger Statements. Aktuell profitiert

die österreichische Wirtschaft noch von den Aufholeffekten nach den

Lockdowns, aber mit den Preiserhöhungen auf breiter Front wird unsere

Wirtschaft bald eine langsamere Gangart einschlagen. Eine Rezession

(definitionsgemäß mindestens zwei aufeinanderfolgende negative Quartale

des Bruttonationalproduktes) ist nicht mehr auszuschließen.

Zinswende als „Heilmittel“?

Während bekanntlich die USA und andere Nationen bereits Zinserhöhungen

vorgenommen haben, ist die EZB (die Europäische Zentralbank)

noch zögerlich. Erste Schritte wurden für Juli angekündigt,

weitere werden wohl folgen müssen. Stärkere Zinsanstiege sind wohl

nicht zu erwarten, da die EZB die schwierige Aufgabe hat, die nötige

Balance zu finden, um auf die Inflation zu reagieren, aber andererseits

nicht schwer verschuldete Staaten in Schwierigkeiten zu versetzen.

Dies bedeutet, dass wir als Konsumenten vorerst noch länger auf höhere

(Sparbuch-)Zinsen warten müssen und daher nun sichtlich an

Kaufkraft verlieren. Da spricht man dann von negativen Realzinsen,

eben wenn die Zinsen unter der Inflation liegen und die Kaufkraft rasch

dahinschmilzt. Davon sind etwa 300 Milliarden Euro, die in Österreich

auf Sparbüchern, Girokonten oder bar gehortet werden, betroffen.

Profiteure davon sind die meisten Schuldner, und vor allem der Staat

als größter Kreditnehmer. Eine für den Fiskus sehr angenehme Art der

Entschuldung („financial repression“ genannt), wenn man bedenkt,

dass auch unsere Republik langlaufende Anleihen mit null oder geringsten

Zinsen aufgelegt hat.

Auf der Kreditseite kommen die Zinsen jedoch schon in Bewegung,

daher sollte man bei bestehenden Krediten mit variabler Verzinsung

versuchen, noch auf fixe Sätze umzusteigen, und bei Neuabschlüssen

sowieso. Damit bleiben negative Überraschungen fern und die periodischen

Rückzahlungen sind fixiert.

Ausgabe 03|2022

111


ImmoFokus.Rubrik

Fotos: Adobe Stock

112


Immobilienpreise am Zenit?

Die Immobilienpreise dürften auch ihren Zenit anpeilen oder demnächst

überschritten haben, einerseits im Neubau aufgrund von Kostensteigerungen

im Ausmaß von 20 bis 30 Prozent, andererseits auch

im Bestand, wo die zumeist indexierten, also der Inflationsrate angepassten

Mieten entsprechend steigen und die Mieter ohnehin an dem

erwähnten Wohlstandsverlust leiden. Auch die Finanzierungen werden

schwieriger werden.

Preise zu fixieren (auf beiden Seiten), wo es geht, ist die Devise in Inflationszeiten.

In der Baubranche ist das aktuell eher ein Wunschdenken.

Energiewende als Profiteur

Die extrem gestiegenen Energiepreise haben nun doch bereits zu einer

geringeren Nachfrage geführt. Nur die höchsten Einkommensschichten

sind da wohl lediglich gering berührt. Unbeliebte und daher immer wieder

aufgeschobene Maßnahmen seitens der Regierung und Politik sind

nun ausgeblieben, das Korrektiv der Märkte wirkt. Sparmaßnahmen

und großzügige Förderungen alternativer Energieanlagen tragen das

Übrige bei.

Der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nimmt zu, auch wenn das

Sitzplatzthema in den Zügen für Schlagzeilen sorgte.

Im Supermarkt beschränkt zwar der Griff zu preiswerteren Produkten

die Wachstumsraten der Bioprodukte, aber beispielsweise eine Reduktion

des Fleischkonsums hilft der persönlichen Brieftasche wie auch der

Gesundheit.

Herr und Frau Österreicher konsumieren im Durchschnitt nahezu das

Dreifache der von der WHO vorgeschlagenen Fleischmenge. Insbesondere

Rindfleisch und Milch(produkte) sind ein ausgewiesener „CO2-

Schädling“, umso mehr, wenn man noch die für den Futtermittelanbau

benötigte Fläche und die Importe, etwa von Futtersoja, berücksichtigt.

Im Sinne der Nachhaltigkeit sollte der Blick auf saisonale und regionale

Produkte geschärft werden, insbesondere in den Sommermonaten, in

denen heimische Agrargüter ausreichend geerntet werden können.

In Summe gilt es wohl für uns, auf den persönlichen „Footprint“ zu achten

und diesen zu reduzieren, ohne gleich wegen eines möglichen Verzichtes

eine Abwehrhaltung einzunehmen. Gelingt es dann, sowohl Ausgaben als

auch CO2 zu reduzieren, darf man mit Recht auf sich stolz sein.

Mag. Dr. Franz Gschiegl

Seit über 40 Jahren Börsen-, Finanz- und Wirtschaftsexperte mit Vorstandspositionen

in der ERSTE-Group. Ständiger Autor im Wirtschaftsmagazin

„GEWINN“. Co-Autor zahlreicher Fachbücher. Jüngst in Alterspension

als konzessionierter Unternehmensberater aktiv. Von Beginn

an im Vorstand des „Nachhaltigkeitsforums Illmitz“ für die Bereiche

Finanzen und Wirtschaft zuständig. Sein Ziel: In unserem „Thinktank“

mitwirken um „etwas zu bewegen“ und einen nachhaltigen „positiven

Footprint“ zu hinterlassen.

Ausgabe 03|2022

113


ImmoFokus.Rubrik

Patient Zero?

Inflation. Keine Sorge, liebe Leser, es kommt jetzt kein Artikel

über die Covid-Pandemie, ich ersuche Sie also, vorerst weiterzulesen.

Autor: Christian Janisch

I

ch

werde nämlich nur den Begriff des Patient Zero bewusst

entführen, und ihn mit den klimatischen Veränderungen

im Pannonischen Raum in Verbindung bringen, wie Sie

erkennen werden. Ich darf Sie daher einladen, mir bei dieser

„Entführung“ zu folgen.

Klimatologen haben bereits vor Jahrzehnten vorausgesagt beziehungsweise

vielmehr wissenschaftlich belegt, dass der Großraum rund um den

Neusiedler See die Folgen der Erderhitzung als erste Region in Österreich

und sogar in ganz Zentraleuropa knallhart zu spüren bekommen wird.

Aufgrund der Tatsache, dass eine Steppenlandschaft grundsätzlich klimatologisch

äußerst labil ist, führen Veränderungen von Temperatur und

Niederschlag rasch zu gravierenden Veränderungen in Fauna und Flora.

Nun, die Wissenschaft hat recht behalten und Sie können mittlerweile

die dramatische Situation rund um den Neusiedler See in sämtlichen

Medien mitverfolgen.

Fieberhaft laufen Bemühungen, der Lage Herr zu werden – von Wasserzuleitungen

zum See und vor allem im Seewinkel ist zu lesen. Auch werden

schon die ersten Sündenböcke für den Wassermangel in der Region

ausgemacht – die Bewässerung in der Land- und Weinwirtschaft wird

bereits ins Visier genommen, dies aber eher emotional als fachlich belegt.

Hier taucht dann wieder das Synonym des Patient Zero auf – niemand

von den Entscheidungsträgern weiß so recht, wo man anfangen soll.

Fakt scheint zu sein, dass es trotz aller Bestrebungen unserer technologiegetriebenen

Generation aber nicht gelingen wird, die negativen

Auswirkungen des Temperaturanstieges zur Gänze zu verhindern beziehungsweise

mit in Wahrheit noch gar nicht bekannten Maßnahmen zu

kompensieren.

Die Menschen werden also nicht darum herumkommen, sich an die

neuen Situationen ganz einfach auch anzupassen, wenn sie in diesem

Lebensraum weiterhin bleiben und leben wollen.

Anpassen bedeutet aber auch, dass unter Umständen der eine oder andere

Landstrich in eine kritische Schieflage kommen wird, und größere

Transformationen nicht ausbleiben können.

Viele von uns haben bereits in der Arbeitswelt eine große Transformation

erlebt, die vor kurzem noch vor allem bei der älteren Generation,

zu der ich mich zähle, für denkunmöglich gehalten wurde – das mobile

Arbeiten.

Klar, noch weiß auch die Wissenschaft zu wenig über die langfristigen

Effekte dieser neuen Arbeitsform, aber vieles deutet darauf hin, dass die

Fotos: Adobe Stock

114


Angst vor dem Homeoffice, bei wohl dosierter Anwendung, eher unbegründet

war.

Lassen Sie mich nach dem Abstecher zum mobilen Arbeiten nunmehr

den Bogen in eine in Österreich doch noch neue Wohnwelt spannen,

nämlich in die Welt des mobilen Wohnens.

Vor kurzem wurde im ORF über eine jüngere Dame berichtet, die aus

privaten Gründen ihre Wohnung verlassen hat und kurzerhand in ihr

Wohnmobil übersiedelt ist. Die Dame, die definitiv keine Aussteigerin

im klassischen Sinne ist, berichtete über ein vollkommen neues und positives

Lebensgefühl, das sie erfahren hat.

Ich möchte da jetzt nicht so weit gehen und das Übersiedeln in ein

Wohnmobil als die kommende Lebensform bezeichnen, aber ein mobiles

Wohnen wird in Anbetracht der klimatischen Veränderungen in

Teilen der Welt möglicherweise künftig erforderlich sein. Ich denke,

dass wir uns davor absolut nicht fürchten müssen, auch wenn es selbstverständlich

um gravierende Veränderungen geht.

Für die Immobilienwelt bedeutet das, dass es zu einer echten Angebotsentwicklung

kommen wird, die weit über die Schaffung romantischer

Abenteuer hinausgeht ¬ denn die Nachfrage für mobiles Wohnen wird

es definitiv geben.

Auch für Grundstückseigentümer wird sich mit Sicherheit ein neues

Geschäftsfeld auftun. Gute und womöglich autarke Standorte für mobile

Wohneinheiten werden gefragt sein.

Ich darf Ihnen trotz meiner Zugehörigkeit zur älteren Generation zum

Schluss noch mitteilen, dass ich mich vor diesen möglicherweise anstehenden

Veränderungen eigentlich nicht fürchte.

Stv. Dir. Christian Janisch

Groß geworden bin ich in einer Zeit, als das Lebensmotto lautete,

„macht euch die Welt untertan“ – und genauso hat dann auch meine

Generation ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt mit Vollgas gelebt.

In der Immobilienwelt war Nachhaltigkeit nicht im Entferntesten ein

Thema – in Wahrheit ist sie es auch heute noch immer nicht wirklich.

Auch ich habe bis dato nicht viel zu einer besseren Welt beigetragen

– ich befürchte, dass ich mit meinen 57 Jahren meinen persönlichen

Earth Overshoot Day schon längst überschritten habe. Ich ersuche

die junge Generation vor allem für die letzten 30 Jahre um Entschuldigung,

denn so lange wissen wir ehrlicherweise, dass wir so nicht

weiterleben dürfen.

Ausgabe 03|2022

115


ImmoFokus.Rubrik

Das Programm

„Komm wir brechen morgen aus und dann stellen wir uns gegen den Wind.“ – singt Konstantin

Wecker und so wollen wir es auch mit den 3. Illmitzer Gesprächen halten. Wir müssen uns jenen

entgegenstellen, die meinen „Das wird schon!“, jenen die sagen „Das sehen wir uns an!“ und vor allem

jenen die meinen „Das kann nicht funktionieren!“ Lassen Sie uns wieder drei Tage anders denken,

anders reden und dann anders handeln.

Mittwoch, 31. 08. 2022

17:00 Come Together

17:15 Prof. Mag. Thomas Malloth, FRICS

Ziele und Ablauf

18:30 FH-Prof. Dr. Markus Scholz, Gerhard Weißgrab

Ethik der Nachhaltigkeit

20:00 Treffpunkt am See

Musik Steve Haider - Abendessen

Donnerstag, 01. 09. 2022

09:00 Prof. Mag. Thomas Malloth, FRICS

Ziele und Ablauf

14:00 DI Dr. Harald Frey

Von A nach B, aber wie?

09:45 BM Eleonore Gewessler, BA

Was bisher geschah und werden soll

15:00 DI Christian Sailer (angefragt)

War´s das mit dem See?

10:15 RiverWatch

Die Lebensadern der Erde

11:15 Mag. Werner Gruber,

Ao.Univ.-Prof.i.R. Dr. Wolfgang Kromp

ATOM - Nein, danke! - oder - Ja, bitte!

Pause

16:00 Bürgermeister*innen - Forum

Moderation: Arch. DIin Dr.in Renate Hammer, MAS

Pause

Pause

13:00 DI Dr. Peter Holzer

Raus aus Öl und Gas

Pause

17:45 Prof. Mag. Thomas Malloth FRICS

Energiegemeinschaften ein neuer Weg

19:30 Empfang in der Pusztascheune, Apetlonerstraße 6

Abendessen und geselliges Beisammensein

Fotos: Adobe Stock

116


Freitag, 02. 09. 2022

09:30 LH Mag. Hans Peter Doskozil

Keynote

11:00 Politiker*Innen im Talk

Abg.z.NR Maximilian Köllner, MA,

DI Dr. Stefan Gara,

LAbg. Mag.a Regina Petrik,

Abg.z.NR Johann Singer

Pause

Anmeldung:

www.illmitzer-gespraeche.at

14.30 Dr. Volker Busch

Entscheidungsprozesse des Menschen

in digitalen Zeiten

15.30 Biologische Station - Nationalparkzentrum

Einblicke und Exkursion

17.30 DI Dr. Harald Frey

Abschlussnote und Zusammenfassung

12.30 Univ. Prof. Mag. Dr. Dr. Martin Grassberger

Das leise Sterben

Samstag, 03. 09. 2022

10.00 Anschlussprogramm

Es besteht die Möglichkeit, etwas mehr über den Weinbau im Seewinkel zu erfahren. Namhafte Winzer*innen führen durch ihre Weingärten

und Weinkeller und werden Ihnen bei dem einen oder anderen Glas Wein die Besonderheiten des Seewinkels, das Terroir und die Vinifikation

näherbringen.

Ausgabe 03|2022

117


Über den Tellerrand

Fotos: Adobe Stock

Der Gin und sein Tonic

Gelebte Leidenschaft. Seit der Gin als Trendgetränk immer mehr trinkfreudige Anhänger findet, versuchen

zahlreiche heimische Hersteller dem Wacholderschnaps feinste Geschmacksnuancen abzuringen. Beim

Brennen des perfekten Gins mischen auch immer mehr Frauen mit. Und Tonic-Hersteller ziehen mit.

Autor: Lisa Grüner

W

ie kommt man auf die Schnapsidee,

selbst einen Gin zu

kreieren? Einerseits die pure

Lust am Genuss, andererseits

die Selbstverwirklichung, die Erfüllung eines

langgehegten Traums oder Zeit und Zufall. So

ist es nicht verwunderlich, dass während der

Lockdowns eifrig experimentiert und kreiert

wurde. Natürlich dominiert beim Gin ganz

klassisch der Wacholder, bei der Auswahl der

Botanicals, also der Gewürze, fängt die persönliche

Handschrift der Hersteller an. Hier gibt es

die unterschiedlichsten Ansätze: Die einen

sammeln, was sie auf ihrem Grundstück oder in

der Natur finden, die anderen haben eine Geschichte

im Kopf, die sie mit ihrem Gin erzählen möchten

– sei es von Reisen, Erlebnissen, Liebe oder Landschaften.

Eines haben alle Hersteller gemeinsam:

Monatelanges Experimentieren und Tüfteln, bis

sie „ihren“ Gin kreiert haben.

Der Großteil von ihnen ist in einer völlig

anderen Branche tätig und erzeugt den Gin

„nebenher“. Wobei genau in dieses „Nebenher“

viel Liebe und Herzblut hineingesteckt

wird. Produziert wird in kleinen Chargen,

Flaschendesign und Vermarktung sind hochprofessionell,

die meisten Flaschen gehen im

Bekanntenkreis weg, der Rest verkauft sich

über Direktvermarktung oder über die Website.

Viele der Hersteller reichen auch regelmäßig

bei Bewerben ein, und da heimsen die

Gins made in Austria eine Medaille nach der

anderen ein.

Wie man bei dieser Fülle seinen Lieblings-Gin

findet? Durch Kosten und Gustieren direkt

bei den Herstellern, bei Verkostungen oder

bei Veranstaltungen wie dem Vienna Gin

Festival, dem Ginmarkt-Festival in Wien oder

bei anderen Gin-Festivals. Bleibt nur noch

die Frage nach dem Tonic zu klären: Welches

Tonic passt zu welchem Gin? Natürlich hat

jeder Hersteller so seinen Favoriten, den er

empfiehlt, doch viel mehr gilt es die Frage zu

beantworten, wie man seinen Gin trinken

will: lieblich, fruchtig oder herb? Dementsprechend

wählt man das Tonic dazu aus. Auch

hier gibt es bereits Produkte aus Österreich,

wie die Tonics von Franz von Durst, Organics

by Red Bull oder Tonic Water Classic Dry von

1404 sowie den Sirup Stonic der Winzerin Birgit

Wiederstein.

Wer will, kann seinem Gin Tonic noch seine

persönliche Note geben – mit Beeren, Gurken,

Rosmarin, Zitrone, Pfeffer und Nelken und

vielem mehr. Auch hier gilt es: Sich damit

auseinandersetzen, experimentieren und kosten,

denn genau das macht das Gin-Trinken so

besonders.

118 ImmoFokus


Blue Orange

Foto: Blue Orange

Wolfgang Dielacher und Markus Haase wurden quasi über Nacht zu Gin-Herstellern, nachdem sie bei

einer geselligen Runde meinten, den ausgeschenkten Gin leicht toppen zu können. „Logo und Name

waren schnell gefunden, ‚Die Zwoa mim Vogel‘“, lacht Haase. „Herausfordernd war, in der Kürze ein

hoch qualitatives Produkt ohne Abstriche in einer ansprechenden Flasche zu einem moderaten Preis zu

kreieren.“ Das Spiel aus Wacholder und Orange in Verbindung mit der blauen Farbe kommt gut an, und so

stehen sie aktuell bei sechs Gin-Sorten, die von einer unabhängigen Jury wie Destillata mehrfach prämiert

wurden. Der Orange Blue Gin spielt mit dem Farbwechseleffekt in Verbindung mit einem Tonic, was für

einen netten Showeffekt sorgt.

www.diezwoa.at

Drytun Gin

Foto: Drytun Gin

Ernst Wallner, ein bekennender Gin-Trinker, wollte seinen eigenen Gin nach seinen Wünschen und

Vorstellungen schaffen. „Ich hatte im Frühjahr 2014 eine Idee mit einem klaren Ziel“, so Wallner. Es

folgten zwei Jahre intensiver Arbeit. Heute verleihen insgesamt 17 handverlesene „Botanicals“ sowie

die speziell entwickelte Mazerationstechnik seinem Drytun Gin eine unvergleichliche Komplexität, Qualität

und Eigenständigkeit mit einer vorrangigen Wacholdernote und einem dezenten, erfrischenden

Zitrusaroma. „Einmal was zu schaffen, ist möglicherweise Glück“, plaudert Wallner aus dem Nähkästchen.

„Ein Naturprodukt reproduzierbar herzustellen, ist Können.“ Wallners Drytun Gin soll Sonne, Meer,

Erholung und Entspannung vermitteln und Urlaubsfeeling suggerieren.

www.drytungin.com

father & son

Foto: father & son

Friedrich Csörgits wollte mit seinem Gin father & son eine mediterrane Note erreichen. „Das Meer, der Sommer,

die Sonne waren unser Leitgedanke“, so Csörgits, der den Gin gemeinsam mit seinem Sohn produziert.

„Wir haben daher die ersten Proben mit Zitrone und Orangenzesten versucht, letztendlich haben wir uns

jedoch für Cymbogon Citratus entschieden, besser bekannt als Lemongrass.“ Wichtig war Vater und Sohn

der puristische Ansatz. „Wir wollten nicht, dass mit zu vielen Botanicals die beiden Hauptnoten Wacholder

und Zitrus verloren gehen.“ So sind neben Wacholder nur fünf weitere Botanicals im father & son und geben

ihm so die einzigartige Note. Welche vier weiteren Botanicals neben Lemongrass noch vorhanden sind,

bleibt natürlich ein Geheimnis. Father & son wird im Niedertemperaturdestillationsverfahren unter Vakuum

produziert, also bei 38 Grad statt den üblichen 83 Grad. Damit bleiben Aromen, Fruchtgeschmack und Inhaltsstoffe

auch bei den sensibelsten Früchten nahezu vollständig erhalten.

www.fathersongin.com

GRANAT Dry Gin

Foto: Liquet

„Bei einer Gin-Verkostung in Melk stach mir ein technisches kupfernes Gestell ins Auge“, erzählt Nicolas Brugger,

Hersteller von GRANAT Dry Gin. „Ich analysierte deren Funktionalität und war sogleich fasziniert vom

Zusammenspiel dieses relativ einfachen physikalischen und chemischen Prinzips, welches Alkohol in den verschiedensten

Geschmacksrichtungen entstehen lässt.“ Keine drei Tage später stand eine voll funktionsfähige

Miniatur-Destille mitten in seinem Studentenzimmer. „Mit großer Neugierde begann ich, mit unterschiedlichen

Gewürzen und Früchten zu experimentieren, und je mehr ich das Potenzial für die vielfältigsten Kreationen

erkannte und geschmacklich erleben durfte, umso größer wurde meine Begeisterung für diese Welt

der Essenzen“, so Brugger. Das Rezept für den Granat-Gin entstand in unzähligen täglichen Versuchen an der

Mini-Destille mit der namensgebenden Hauptnote Granatapfel. Jeder einzelnen Flasche ist ein Granat-Stein

aus dem Radentheiner Museumsbergstollen, dem Granatium, beigefügt, wo der Gin drei Monate reifen darf.

www.liquet.at

Ausgabe 03|2022

119


Über den Tellerrand

Herzbergland Dry Gin

Foto: Schreinlechner

1404 Manufacturing ist nicht nur der Name des Unternehmens und der Markenname des Gins, sondern verweist

auf den Geburtstag der ersten Gin-Rezeptur. „Manufaktur verspricht, dass heute wie am ersten Tag

viel Handarbeit mit der Herstellung verbunden ist“, erklärt Alexander Krauser. „Von der sorgfältigen Auswahl

bester Zutaten, die ausschließlich pflanzlichen Ursprungs sind, bis zum schonenden Destillationsvorgang, der

die feinen Aromen der Gewürzmischung erhält.“ Die ausgewählten Kräuter werden in den obersteirischen

Bergen und Almen gesammelt und ergeben pfeffrige und süß-herbe Noten, harmonisch verbunden mit einem

feinen Bouquet aus frischen Zitrusfrüchten und aromatischem Wacholder. „Da trifft zuerst das wunderbare

Aroma der Wacholderbeeren ein, schon verspürt die Zunge das Zitrusaroma und wird langsam auf das Bouquet

der pfeffrigen Noten, das den Alpenkräutern entspringt, gelenkt“, schwärmt Krauser. 1404 Manufacturing

hat mittlerweile eine umfangreiche Produktpalette herausgebracht: vier verschiedene Gin-Sorten, Tonic Water,

Gin Tonic ready2drink in smarten Gläsern und eine SimSalaGin-Box mit Gin, Tonic und Botanicals.

www.gin1404.at

„M“

Foto: Weingut Malloth

Bei so manchem spielte die Corona-Pandemie, aber auch der Zufall die Glücksfee. „Während der Lockdowns

habe ich mich aber auch intensiv mit den Gräsern und Kräutern rund um unseren Hof auseinandergesetzt

und konnte feststellen, dass es in den Wiesen viel interessante Pflanzen gibt, die sich zum

Ansetzen von Spirituosen eignen“, erklärt Thomas Malloth, Winzer und Hersteller des „M“-Gins. „So

haben wir begonnen, uns mit Gin auseinanderzusetzen.“ Er verwendet ausschließlich Kräuter aus den

Wiesen des Seewinkels bis hin zur Wurzel des Schilfs, Salbei und Lavendel. Trifft sein dunkelblauer Gin

auf das Tonic, dann färbt er um und wird rosa. Trotz der Spielerei ist der Gin herb und ein wenig streng.

„Der Lavendel fängt ihn ein, er ist im Abgang lang und entspricht damit genau dem, was ich unter Gin

verstehe, kein Likör, kein gekünsteltes Aroma, sondern eine klare Aussage von Wacholder.“

www.haider-malloth.at

Mattari

Foto: Mattari Gin

Auch Michael Madreiter träumte den Traum eines eigenen Gins. Und so folgten lange Nächte des Tüftelns

und Abschmeckens, um gemeinsam mit seiner Frau Sandra einen neuen und innovativen Gin namens

Mattari zu kreieren. Da die beiden im Naturresort Puradies arbeiten, stand eines fest: Er muss bio sein und

die drei Länder Italien, die Niederlande und Österreich widerspiegeln. „Von der Wurzel bis zum Blatt sind

die verwendeten Botanicals alle zu 100 Prozent bio und nur in diesen drei Ländern zu finden“, verrät Michael

Madreiter. „Die sanfte Wacholder-Note umschmeichelt den Gaumen und lässt Raum für die Frische

der Bio-Amalfi-Zitrone, die man nicht nur schmeckt, sondern auch riecht, und die im Abgang anhält.“ Die

Wurzel- und Erdtöne stehen sanft im Hintergrund und runden den Mattari-Gin ab.

www.mattari.at

Pannonia Spirits Dry Gin

Foto: Pannonia Spirits

Auch bei den Jungen trifft das Gin-Machen deren Geschmack. „Die Idee entstand noch in der Oberstufe, in

der ich gemeinsam mit meinem jetzigen Geschäftspartner Grundlagen über das Führen von Unternehmen

gelernt habe“, erzählt Nicolas Ernst. „Im Zuge dieser Ausbildung haben wir beide ein Semester im Ausland

verbracht. Co-Gründer Jakob Schappelwein hatte als Gastfamilie die Inhaber von „The Newfundland Destillery“

– der größten und renommiertesten Destillerie in Neufundland. Dort wurde das Interesse für Spirituosen

und deren Herstellung geweckt.“ Zurück in Österreich ging es sofort ans Werk: „Die ersten Anfänge und

Tests fanden noch in den landwirtschaftlichen Betrieben unserer Großeltern statt.“ 2020 gründeten sie ihre

Gesellschaft, ein Jahr später wurde der Pannonia Spirits Dry Gin herausgebracht – ein klassischer Dry Gin mit

dominanten Wacholdernoten, fruchtigen Nuancen von Orange und Zitrone und Neudörfler Holunderbeere.

www.pannonia-spirits.at

120 ImmoFokus


purest Sail Gin

Foto: Steinhorn Gin Foto: Sail Gin

„Wir wollten ein Getränk, das unser Gefühl beim Segeln wiedergibt“, schwärmt Michael Potutschnig, der

seine Leidenschaft fürs Segeln in einen Gin gesteckt hat. „Unser Sail Gin wird ausschließlich mit biologisch

und fair gehandelten Rohstoffen hergestellt und plastikfrei verpackt. Der Naturkork ist mit dem ‚Ginstek‘

verknotet, der mit natürlichem Hanfseil aus einer kleinen regionalen Seilerei von einer sozialen, gemeinnützigen

Einrichtung geknüpft wird.“ Auf den Etiketten sind unterschiedliche Koordinaten abgebildet, die

zu verschiedenen Orten der Inspiration führen. Der Geruch des Gins ist wie eine Reise durch die Alpen bis

zum Mittelmeer. „Ein ausgeprägtes Wacholderaroma bildet den alpinen Ausgangspunkt“, so Potutschnig.

„Über mediterrane Zitrusaromen und Rosmarin gelangt man bis zum Mittelmeer, wo man eintaucht in eine

frische Brise aus Minze und einen Hauch Gurke.“

www.SAILGIN.at

Steinhorn Gin

„Wir entstammen einer Familie, die seit vielen Generationen am niederösterreichischen Wagram Wein und

Spirituosen produziert“, erzählt Johannes Steiner. „Aus Ausgleich zu unseren Jobs im digitalen Marketing und

bei Softwareprojekten wollten wir etwas Handwerkliches machen.“ So begannen sie am am eigenen Gin zu

tüfteln, der eine durchgängig starke Wacholdercharakteristik aufweist. In der Nase sind Zitrusnoten spürbar,

am Gaumen zeichnet ihn eine vielschichtige, ausgewogene Struktur aus. „Bei 44 Alkoholprozenten bleibt

Steinhorn Gin auch im kräftigen Finish durch seine hohe Qualität angenehm mild“, so Steiner. „Wir haben

an diesem Geschmack lange gearbeitet, neben Wacholder und klassischen Botanicals haben wir auch Kräuter

aus der Region und aus unserem eigenen Garten eingearbeitet. So kommen die Zitrusnoten nicht von

Zitrusfrüchten, sondern von Zitronenmelisse, die direkt neben der Steiner Bros. Distillery prächtig gedeiht.“

www.steiner.store

Wien Gin

Foto: Wien Gin

„Wir, drei Freunde, hatten uns entschlossen, unsere Liebe zur Stadt Wien auf eine ganz spezielle Art

und Weise der Öffentlichkeit näherzubringen“, verrät Flo Koller. „Unser Leitsatz sagt sehr selbstbewusst

schon alles aus: Wir sind Wiener Kesselbrüder. In der Laborbrennerei entstand über langjähriges

Experimentieren unser Wien Gin, welcher durch seine Holundernote und seine exzellente Fruchtnote

den typischen Wacholderbeeren-Geschmack positiv unterstützt.“ Die drei wollten von Beginn an einen

Gin von Genießern für Genießer machen, nichts Überkanditeltes, kein übertriebenes Design, eine einfache

Flasche und qualitative Rohstoffe. Der Gin wurde mehrfach eingereicht und konnte einige Awards

abräumen. Nach dem WienGin und dem KlimtGin kam als Nächstes eine florale Edition, der Violet

WienGin auf den Markt – mit Veilchen und Rosen als Hommage an den Wiener Prater.

www.wiengin.at

5020 London Dry Gin

Foto: 5020 London Dry Gin

„Ein Bekannter hat behauptet, ich könne das nicht“, lacht Stephan Koudelka. „Was soll ich sagen, challenge accepted.“

Es folgten drei Jahre geprägt von schlaflosen Nächten, Recherche und viel trial and error. „Gin-Herstellung

war für mich völliges Neuland.“ Koudelka wollte einen London Dry Gin herstellen. Dieser darf nur aus natürlichen

Zutaten hergestellt, und nach dem Destillieren darf nichts mehr verändert werden, außer der Herabsetzung auf

Trinkstärke. Nach vielen Brennvorgängen war es Ende 2017 endlich soweit, und der 5020 wurde im Freundeskreis

präsentiert. „Er kam sehr gut an, und damit war das Thema Gin-Herstellung für mich erledigt“, so Koudelka. Als die

erste Charge ausverkauft war und immer wieder Nachfragen kamen, produzierte er die nächste. Seit April 2020

produziert er seinen Gin in einem kleinen Shop im Herzen der Salzburger Altstadt.

www.5020-gin.at

Ausgabe 03|2022

121


Über den Tellerrand

Gin aus Frauenhand

Geschmackserlebnisse voller Raffinesse. Immer mehr österreichische Brennerinnen stürmen die männliche

Bastion der Gin-Herstellung. Sie geben ihren Gins eine weibliche Note, verwenden Frauenkräuter und regionale

Botenicals, sie tüfteln und experimentieren und haben Spaß daran, ihre Kreativität auszuleben.

Foto: catch a coffee

Catch a Coffee

„Im Sommer 2018 lernte ich die damals 22-jährige Helen Stewart in Pitlochry kennen und erhielt zum ersten Mal Einblick in

die Erzeugung der Spirituose“, erzählt Alexandra Ghuneim, die Gründerin von HabibiDryGin. „Zu diesem Zeitpunkt hatte

die leidenschaftliche junge Schottin schon ihr eigenes Gin-Label.“ Zuhause beschloss sie, keine ausgetretenen Gin-Wege

zu gehen, sondern ihren eigenen Pfad zu verfolgen. „Wichtig waren mir Passion, Emotion und das Verewigen besonderer

Momente“, so Ghuneim. „Bei mir geht es um eine Erinnerung, ein Bild, ein Gefühl, ein Geruch, der bei mir abgespeichert ist.

Wie in einer Kommode mit unzähligen Schubladen.“ Diese Schubladen führten zu mittlerweile zehn verschiedenen Gins. „Ich

verkaufe keinen Gin, sondern Gefühle, Sehnsucht, vielleicht sogar Hedonismus, Exklusivität und vor allem hohe Qualität“,

schmunzelt Ghuneim. Mit einem HabibiDryGin erhält man ein handgefertigtes Produkt ohne maschinelle Erzeugung. Und

„Catch a Coffee“? „Bei diesem Gin ist es der genussvolle Moment, den mein Mann beim ersten Espresso auf italienischem

Boden verspürt, an der Raststation „Autogrill“ in Campiolo“, verrät Ghuneim. „Die ist vielen Wienern bekannt.“ Getrunken

wird Catch a Coffee pur oder in der noch heißen benutzten Kaffeetasse oder mit Kaffee.

https://habibidrygin.business.site

Die Ginin

Foto: Die Ginin

Helene Kreidl ist Edelbrand-Sommelière und eine von 4000 Schnapsbrennern in Tirol. Die Idee, Gin zu machen, kam ihr in den Sinn

und ließ sie nicht mehr los. Mit ihrer Tochter besuchte sie einen Brennkurs. Nach drei Tagen Lernen, Testen, Probieren und Kosten

war sie beeindruckt, wie viel Kreativität in die Gin-Herstellung fließt. Damit war es fix: Es war an der Zeit, einen weiblichen Gin zu

kreieren. „Wacholderbeeren, Gewürze, Zitronen, Orangen und viele weibliche Kräuter wie Lavendel, Frauenmantel, Augentrost,

Quendel, Spitzwegerich, Erika, Minze und Sternanis mussten da hinein“, erzählt Kreidl, die 2016 die Ginin als Marke schützen ließ.

Das Etikett spiegelt sie selbst wider: „Dirndl, Hut und viel gute Laune.“ Mittlerweile gibt es auch eine antialkoholische Ginin, eine

handgeschöpfte Gin-Schokolade und ein männliches Pendant, den Gin-Bua.

Auf Facebook vertreten

Gini bezaubernd

Foto: Gini bezaubernd

Die „Weiberwirtschaft“ der Wiederstein-Frauen in Göttlesbrunn produziert Weine, aber auch Gin. „Meine Gins sind mit 36 Botanicals

ausgestattet“, erzählt Mutter Grete Wiederstein. „Wie im Orchester spielt die zarte Veilchenwurz die Triangel neben dem

trommelnden Wacholder, und genau diese Unterschiedlichkeit braucht es, um zu beeindrucken. Die Bestandteile sind über viele

Jahre miteinander abgestimmt worden, und in der Feineinstellung liegt das Geheimnis guter Gins.“ Die Tochter Birgit Wiederstein

ist Winzerin. Sie hat das passende Tonic zum Gin kreiert. „Wir fanden, dass alle herkömmlichen Tonics aromatisiert und viel zu süß

schmecken“, erzählt sie. „Irgendwie metallisch, bitter mit einem langen Süßeschweif. Das hat uns gestört, und wir wollten einen

perfekten Filler für unsere Gins.“ Bis zum fertigen Rezept brauchte es ungefähr ein halbes Jahr, das Feintuning nahm nochmal 12

Monate in Anspruch. Das Stonic wird als Sirup in 0,375-Liter-Flaschen verkauft und ist komplett aus echten natürlichen Rohstoffen

hergestellt, die Säure stammt aus dem hauseigenen Verjus, die Bitterkeit von der Chinarinde.

www.wiederstein.at

122 ImmoFokus


Gin Jeannie

Foto: Gin Jeanie

„Meine Freunde nennen mich Jeannie, und irgendwann im Zuge eines feuchtfröhlichen Abends lief der Bowie-Song ‚The Jean Genie‘“,

plaudert Sabine Zorn aus dem Nähkästchen. „Nach dem vierten Gin Tonic wollte ich meinen eigenen Gin Jeannie.“ Für Zorn war

klar, ihr Gin musste Glam-Rock-Flair und etwas Rock ’n’ Roll haben. „Mit einem knallbunten Blitz von David Bowie, der einfährt wie

der Inhalt der Flasche, wenn man 0,5 Liter nicht sensibel portioniert“, lacht Zorn. Gin Jeannie vereint drei Faktoren, erstens die preisgekrönte

Qualität der Distillery Krauss, einer feinen Manufaktur in der Weststeiermark, die den Gin nach Zorns Vorgaben herstellt,

zweitens den Verve von Zorn und drittens ihren Spitzname Jeannie. Was nach einer Schnapsidee klang, wurde wirklich eine. Gin

Jeannie schmeckt mild und kompakt, nach erfrischenden Wacholderbeeren, mit Zitrusnoten und floralen Anklängen. Gemischt werden

kann er mit Tonic, Schilerol, Holunderblütensaft, Champagner und vielem mehr. Hier kann man der Fantasie freien Lauf lassen.

www.ginjeannie.at

Gin Rose

Foto: Brennerin

Rosi Huber hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und brennt an einem wunderschönen Platz am Attersee in Weyregg

gehaltvolle Destillate und setzt Liköre an. Neu im Sortiment ist ihr Gin Rose. „Ich trinke im Sommer gerne einen guten

Sundowner“, erzählt sie, „da bin ich auf die Idee gekommen, einen Gin zu kreieren, der mir schmeckt.“ Herausgekommen

ist ihr Gin Rose, der bei Falstaff mit 93 Punkten bewertet wurde. „Der Sieger hatte 94, das bringt Freude“, so Huber. Die

Kopfnoten beim Gin Rose sind neben Wacholderbeeren Rosen, im Abgang kommt rosa Pfeffer. „Idealerweise wird er mit

einem Fever Tree und ein paar Himbeeren genossen“, empfiehlt die Brennerin. „Das Tonic darf nicht zu bitter sein.“

www.brennerin.at

LoRe BlueVelvet Gin

Foto: LoRe Blue Velvet

In der LoRe Cocktailmanufaktur|Destillerie werden über 60 verschiedene Sorten Edelbrände, Liköre und nun auch Gin produziert.

„Wir lieben es, mit unseren Produkten leckere Mixgetränke zu zaubern“, schwärmt Regina Priglinger-Simader. „Gin

ist eine wichtige Zutat in ganz vielen Cocktails.“ In ihr neues Produkt hat sie viel Zeit und Geduld gesteckt. „Gin verändert

sich in den Wochen nach der Destillation stark“, so die Gin-Macherin. „Manche Botanicals werden intensiver, manche runder.“

Der BlueVelvet Gin ist ein natürlich gefärbter Farbwechsel-Gin. Die blitzblaue Farbe dieses Gins entsteht durch Mazeration

mit Schmetterlingsblüten. Die Farbpigmente dieser Blüten oxidieren, sobald sie mit Säure wie zum Beispiel einem Tonic in

Verbindung kommen, und ändern ihre Farbe in einen rosa-violetten Ton. Die Wacholderbeere steht stark im Vordergrund,

abgerundet wird der Gin, neben zahlreichen weiteren Botanicals, mit Koriander und Granit-Lavendel. Getrunken wird er mit

einem neutralen Tonic oder auch Grapefruitlimonade.

www.lore-schnaps.at

Foto: Tschauner Gin

Österreichische Tonics:

Tschauner Tschin

Franz von Durst Tonic, www.franzvondurst.at

Organics by Red Bull Tonic Water, www.redbull.com

Stonic Sirup, www.wiederstein.at

Tonic Water Classic Dry, www.gin1404.at

„Da ich seit Jahren Gin sammle und immer wieder verkoste, spiele ich schon lange mit der Idee, auch einmal einen Gin selbst zu

kreieren“, erzählt Monika Erb, Geschäftsführerin von Basiskultur Wien und der Tschauner Bühne. Heute wird der Tschauner Tschin

mit Wiener Kräutern und der „hochprozentigen“ Expertise von Frau Horvath und Herrn Kantor von der jinmanufaktur im 18. Bezirk

hergestellt. Klar, duftig mit zart rauchiger und eleganter Zitrusnote der Bergamotte zeigt sich der Tschauner Tschin typisch würzig.

Getrunken wird er pur, Gurke und ein bisschen Pfeffer passen auch gut. Der Tschauner Tschin ist beim Verein Freund!nnen der

Tschauner Bühne für eine Spende zu erstehen und trägt zum Erhalt der Tschauner Bühne bei. Das macht ihn zu einem beliebten

Geschenk und Produkt zum Mit-nach-Hause-Nehmen.

www.tschauner.at

Verkostungsmessen:

Ginmarkt – Das Festival

www.ginmarkt-festival.at

Vienna Gin Festival

www.viennaginfestival.at

Fotos: Franz von Durst, ORGANICS by Red Bull, Stonic Sirup, 1404 Gin

Ausgabe 03|2022

123


ImFokus

Wir brauchen Allianzen

IMMO FutureLab 2022. Beim Innovationskongress IMMO FutureLab diskutierten Experten aus der

Immobilienwirtschaft die Funktionsweise von Kooperationsprinzipien.

„Kooperationen sind für

die Zukunft der Immobilienwirtschaft

notwendig.“

Peter Engert,

ÖGNI

Immobilienprojekte aufgrund fehlerhafter Planung

oder unterschiedlicher Zielausrichtung der Stakeholder

ins Schwanken. Aus diesen Gründen

sind Allianzen aus Immobilienprojekten nicht

mehr wegzudenken. Unter dem Veranstaltungsthema

„Allianzen – Zusammen Stärken für die

Zukunft der Immobilienwirtschaft entwickeln“

fanden sich daher rund 100 Branchenexperten

und zwölf Speaker zusammen, um diesem wichtigen

Thema auf den Grund zu gehen.

Grundsätze erfolgreicher Kooperationen

„Kooperationen sind für die Zukunft der

Immobilienwirtschaft notwendig, um die

Herausforderungen der Nachhaltigkeit bewältigen

zu können. Um jedoch eine Allianz

nachhaltig gestalten zu können, müssen wir in

erster Linie nach drei Grundsätzen vorgehen:

Fairness, Win-win und langfristiges Denken“,

leitet Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI

(Österreichische Gesellschaft für nachhaltige

Immobilienwirtschaft) ins Thema.

„Der Klimawandel braucht

eine ganzheitliche Betrachtung

und neue Lösungen.“

Herbert Hetzel,

Beyond Carbon Energy

„Allianzen sind wichtig

für unser persönliches

Wohlbefinden.“

Wolfgang Kradischnig,

DELTA

Z

unehmende Baukosten, hohe Energiepreise

und eine steigende Inflation

sind nur ein paar der aktuellen Herausforderungen,

denen sich die

Wirtschaft und insbesondere die Immobilienwirtschaft

in den kommenden Jahren stellen

muss. Nicht erst seit den jüngsten Krisen kommen

„Allianzen sind nicht nur wichtig, um unsere

Ziele zu erreichen, sondern auch für unser

persönliches Wohlbefinden“, so Wolfgang

Kradischnig, Geschäftsführer der DELTA.

„Funktionierende Partnerschaften verbessern

die Schlafqualität, senken die Ausschüttung

des Stress- und Alterungsbotenstoffes und

erhöhen obendrein die Erfolgsaussichten ganz

wesentlich. Ich denke, das sind Argumente

genug für ein Ja zu Allianzbildungen.“

Herausforderungen bewältigen

Neue Technologien und Digitalisierung sowie

steigende rechtliche Vorgaben erhöhen jährlich

die Komplexität bei der Entwicklung von

Immobilienprojekten. Viele Keynote-Speaker

kamen daher aus den unterschiedlichsten

Bereichen der Branche, um dem Publikum das

Allianzprinzip näherzubringen. So erklärte

„ESG spielt für

Kooperationen eine

wesentliche Rolle.“

Karin Fuhrmann,

TPA Steuerberatung

zum Beispiel Karin Fuhrmann, Partnerin bei

TPA Steuerberatung, welche Rolle ESG für

Kooperationen spielt und welche neuen Allianzen

im Finanzierungsbereich es gibt.

Speaker Herbert Hetzel, CEO von Beyond Carbon

Energy, ist davon überzeugt, dass nur eine

124 ImmoFokus


„Digitalisierung und E-Mobilität im

Mietwohnhaus werden zunehmend

zum Thema.“

Dominik Wegmayer,

PAYUCA

ganzheitliche Betrachtung des Immobiliendevelopment die Chance

bietet, für Nutzer und Developer eine CO2-freie Wärme- und Kälteversorgung

preisgleich zu traditionellen Energieversorgungssystemen

anzubieten. „Der Klimawandel erfordert neue Lösungen“, so Hetzel,

„Lösungen, die weder in alten Strukturen entstehen können noch allein

zu bewerkstelligen sind.“

Prozesse nachhaltig gestalten

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft jedoch nicht nur umweltschonende

Praktiken. Mithilfe von Allianzen können auch interne Prozesse

nachhaltiger gestaltet werden, weswegen Kevin Soemmer, Leiter des

Baumanagements bei WINEGG, sich unter anderem dem Thema der

Allianzen innerhalb des eigenen Unternehmens annahm. Er ist der

Meinung, dass schnelle Entscheidungswege und eine gezielte Vernetzung

von Abteilungen Projektlaufzeiten maßgeblich verkürzen

können und diese Allianzen somit entscheidend zur Entwicklung von

nachhaltigen Lebensräumen beitragen.

Best-Practice-Beispiel

Gerald Beck, Geschäftsführer der UBM Development Österreich, lieferte

mit dem Leopoldsquartier ein Best-Practice-Beispiel, wie man

Allianzen am besten umsetzen kann. Weiters wurde der Aspekt der

Digitalisierung in den Vordergrund gerückt: Dominik Wegmayer, Co-

Founder und Co-CEO von PAYUCA, mit der Keynote „Digitalisierung

und E-Mobilität im Mietwohnhaus“, Julia Wawrik, Geschäftsführerin

von puck, über die Werthaltung bzw. -steigerung von Immobilien

durch Smart Building und Multi-Chanel-Kommunikationssystemen

und Markus Bittner, Geschäftsführer von Neotwin, über den Mehrwert

offener Plattformen für das Building Lifecycle Management.

Bernd Troppmann, Sales Director Building Solutions Stora Enso, erzählte

über Holzbaukonzepte und wie sie durch Allianzen ermöglicht

werden, und Rechtsanwalt Bernhard Marold (HSP.law) gab über die

Abstimmung zwischen öffentlich-rechtlicher Projektentwicklung und

zivilrechtlicher Umsetzung Auskunft. Alexander Redlein, Professor

für Real Estate und Facility Management an der TU Wien, beleuchtete

abschließend, was man von einer Partnerschaft mit einer Universität

erwarten kann, sowie die „Dos and Don’ts“ in einer Partnerschaft.

Aufzüge bewegen

uns alle

... so sicher und zuverlässig wie nie

zuvor. Denn KONE überwacht Aufzüge

mittels Künstlicher Intelligenz rund um

die Uhr. Für Mobilität ohne Grenzen.

Fragen Sie nach KONE 24/7 Connect.

kone.at

Ausgabe 03|2022

125


ImFokus

Recycling-Baustoffe 2030

Kreislaufwirtschaft. Der EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft zeigt den Wert der Recyclingwirtschaft

im Baubereich, denn mit mehr als zwei Drittel aller Abfälle ist das Potenzial im Bauwesen groß.

Transportentfernungen von Primärrohstoffen

und Recyclingbaustoffen ein Vorteil von 30

Prozent für das Recycling zum Tragen kommt.

I

m Rahmen der IFAT, einer der größten

Umweltmessen Europas, veranstaltete

die European Quality Recycling Association

(EQAR) und der Österreichische

Baustoff-Recycling Verband Anfang Juni einen

Baustoffrecycling-Kongress zum Thema „Recycling-Baustoffe

2030“. Betont wurde dabei der

Zusammenhang zwischen Klimaschonung und

Recycling. Über zehn Prozent der mineralischen

Rohstoffe können durch Recycling ersetzt werden.

Bei einem mobilen Recycling vor Ort werden

einerseits Transporte, andererseits Energie bei

der Baustoffproduktion eingespart. Gerade der

EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft zeigt

den Wert der Recyclingwirtschaft im Baubereich

auf, denn mehr als zwei Drittel aller Abfälle

stammen aus dem Bauwesen.

Nachhaltige Beschaffung

„Durch den Ministerratsbeschluss wurde 2021

für den Bund verpflichtend ein Kriterienkatalog

für den Beschaffungsvorgang mit besonderer

Berücksichtigung der Nachhaltigkeit

beschlossen“, so Christian Öhler, nationaler

Experte im Klimaministerium Österreich.

„Ein Paradigmenwechsel erfolgt vom Billigstbieter-

zum Bestbieterprinzip.“ Paragraf 20

Absatz 5 Bundesvergabegesetz fordert, dass

im Vergabeverfahren auf die Umweltgerechtigkeit

der Leistung Bedacht zu nehmen ist.

Für den Hoch- und Tiefbau gibt es verpflichtende

ökologische und zusätzlich optionale

ökologische Kriterien: So wird beispielsweise

ein Anteil an rezyklierter Gesteinskörnung an

der gesamten für die Betonherstellung verwendeten

Gesteinskörnung mit zehn Prozent

vorgeschrieben. Optional wird ein Zuschlagkriterium

für den Transport empfohlen: Über

eine Formel werden dabei Recyclingbaustoffe

bevorzugt, da deren Transportwege mit dem

Abminderungsfaktor 0,7 versehen werden

können; das bedeutet, dass bei vergleichbaren

Armin Grieder, Leiter Fachstelle Ingenieurwesen,

Amt für Hochbauten der Stadt Zürich

(AHB), stellt die hohen Recyclingquoten in

der Ausschreibungspraxis der Stadt Zürich

vor: Betonrecycling habe einen besonderen

Stellenwert, seit November 2021 legt

die neue SIA-Norm „Beton mit rezyklierten

Gesteinskörnungen“ Konkretes fest. Eigene

Recyclingbetonklassen werden dort beschrieben.

Wenngleich der Recyclinganteil keinen

großen Gewinn bei Treibhausgasemissionen

bringt, kann bei Zement eine Reduktion von 30

Prozent an Treibhausgasemissionen erreicht

werden. In der Ausschreibungspraxis der Stadt

wird Folgendes vorgeschrieben: „Bauteile

aus Beton sind gemäß Vorgabe des Amtes für

Hochbauten der Stadt Zürich in Recyclingbeton

(mindestens RC-C, wo technisch möglich

RC-M) mit Zement CEM III/B zu erstellen.“

Seit 2002 sind sämtliche Bauten des AHB aus

Recyclingbeton (Anm.: i. d. R. 25 % Anteil an

Recyclinggranulat) hergestellt.

Altes Thema Asbest

Christine Buddenbohm, Vertreterin der deutschen

Baustoff-Recycling-Wirtschaft und

Geschäftsführerin des Zentralverbands des

Deutschen Baugewerbes, stellt das Thema „Asbestfreiheit“

aufgrund eines neuen Entwurfs

des LAGA-Merkblatts 23 vor: Ein „Abschneidekriterium“

mit 0,01M-Prozent für Asbestkonzentration

wird darin vorgeschlagen – unter

dieser Grenze wird ein Abfall als „asbestfrei“

angesehen. Weiters wird für Deutschland ein

Stichtag – der 31.10.1993 – vorgesehen. Bis

dahin errichtete Bauten werden als potenziell

asbesthaltig angesehen; Bauunternehmer

müssen Bauherren bei diesen Bauten im Falle

Foto: BRV Martin Car

126 ImmoFokus


des Abbruchs auf die Asbesterkundungspflicht

verweisen. Dies ist auch für das Recycling

wichtig – Betreiber von Baustoffrecyclinganlagen

haben bei Anlieferung die Asbestfreiheit

zu überprüfen, eine entsprechende Dokumentation

dazu bietet das LAGA-Merkblatt an.

Best Cases

Aus der Schweiz wurde ein Beispiel für eine

bestmögliche Verwertung von Sekundärrohstoffen

im Beton gezeigt: Beste Aufbereitungsgüte

(hohe Eingangsqualität, Absiebung

Unterkorn, Siebungen und Windsichtung), ein

Minimieren (z. B. des Zementeinsatzes) und

eine hohe Qualitätssicherung sind Voraussetzung

dafür, dass Beton mit einem Anteil an

Recyclingmaterial bis 70 Prozent in der Praxis

möglich ist.

Michael Wistuba von der TU Braunschweig

zeigt die Möglichkeit der mehrmaligen

Verwendung von Asphalt auf: Ein D-A-CH-

Forschungsprojekt geht auf die Alterung des

Bitumens ein – durch Rejuvenatoren, die Teil

des Forschungsprojekts sind, soll eine Umkehr

der Alterung geschehen, d. h., es ist möglich,

Asphalte trotz „spröder“ Bindemittel mehrfach

einer Verwertung zuzuführen und damit eine

längere Lebensdauer zu ermöglichen – dies ist

eine wichtige Basis für 53 Millionen Tonnen

Altasphalt, die jährlich in Europa anfallen.

Angelika Mettke von der TU Brandenburg

stellte den Link zum Klimaschutz her: 839 Millionen

Tonnen Bau- und Abbruchabfälle fielen

2018 in der EU an. Ihre Studien zeigten, dass für

die Trockenaufbereitung 19,6 MJ/t (mit Windsichtung

29,3 MJ/t), für die Nassaufbereitung

21,1 MJ/t notwendig sind. Im Vergleich mit

der Produktion von Gesteinskörnungen zeigt

sich, dass bei Recycling eine Einsparung zu

erwarten ist. 1.000 Tonnen Recyclingbaustoffe

sparen 36 Quadratmeter Abbaufläche an Rohstoffquellen

– am Beispiel Deutschlands sind

das jährlich 2,7 Quadratkilometer Fläche! Die

neuesten Berechnungen zeigen, dass das bislang

qualitativ schon öfters aufgezeigte Potenzial

nun quantifiziert wurde und Einsparungen

im zweistelligen Prozentbereich an Treibhausgasen

zu erzielen sind.

Neue Bauprodukteverordnung

Ein weiteres Thema des EQAR-Kongresses

war die Novelle der Bauprodukteverordnung.

Diese wird derzeit aufgrund der Vorgaben des

EU-Green-Deals (COM [2019] 640) und der

gewünschten stärkeren Berücksichtigung des

Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft (COM

[2020] 98 final) überarbeitet. Der Entwurf enthält

daher folgende recyclingrelevante Forderungen:

Produkte sind so herzustellen, dass Klimaverträglichkeit

dem Stand der Technik entspricht,

also Rezyklate und rezyklierbare Materialien

zu bevorzugen sind, auf leichte Reparierbarkeit

von Produkten zu achten ist und Produkte

so zu gestalten sind, dass Wiederverwendung

und Recycling erleichtert werden. Besonderer

Wert wird auf Wiederverwendung oder Recyclingfähigkeit

von Baustoffen, Bauteilen und

Bauwerken gelegt.

Ausgabe 03|2022

127


ImFokus

Ziel:

Null-Emissions-Therme

Grüne Zukunft. Die Alpentherme Gastein hat mit umfassenden Investitionen

den Weg in Richtung klimaneutrale Therme geebnet.

I

nteressant ist die Entwicklung, die die

Alpentherme Gastein in Bad Hofgastein

in ihrer ein halbes Jahrhundert andauernden

Geschichte durchgemacht hat:

1972 als Thermalhallenbad eröffnet, wurde sie

über die Jahre um ein Kur- und Gesundheitszentrum

erweitert und gehört heute zweifellos zu

den modernsten Thermen- und Freizeit-Anlagen

Europas. Das wird nicht zuletzt von einer jährlichen

Besucherzahl von fast 450.000 Gästen in

der Alpentherme sowie 300.000 Therapien pro

Jahr unterstrichen. Mit den im Vorjehrabgeschlossenen

Arbeiten darf sich das Haus nun auch als

State-of-the-Art-Projekt in Sachen Energieeffizienz

und Klimaneutralität bezeichnen.

Konkret wurden für insgesamt 1,7 Millionen

Euro unter anderem die gesamte Heizungshydraulik

und die Schwimmbadlüftungen

adaptiert sowie das Heizregister vergrößert.

Durch die Anpassung der Systemhydraulik ist

es nun möglich, einen großen Teil der benötigten

Wärmeenergie mittels Niedertemperatur-

Wärmepumpen zu erzeugen. Dadurch werden

zurückgewonnene thermische Energiequellen

genutzt und die Energieerzeugungskosten

reduziert. Nicht schlecht: Bereits jetzt spart die

Alpentherme durch das Investitionsprogramm

pro Jahr 82.000 Euro an Kosten und reduziert

den CO2-Austoß um fast 370 Tonnen.

Vorreiter-Therme

„Als nachhaltiges Unternehmen möchten

wir auch in Sachen Energieeffizienz Vorreiter

sein mit dem großen Ziel der Null-Emissions-

Therme“, sagt Klaus Lemmerer, Geschäftsführer

der Alpentherme Gastein, und gibt

gleichzeitig die weitere Marschrichtung vor.

Dass sein Haus nun zu den Vorzeigebetrieben

punkto Energieeffizienz, Ressourcenschonung

und Klimaneutralität zählt, liegt aber

zweifellos auch an den in den letzten Jahren

vorgenommenen technischen Optimierungsmaßnahmen,

an denen auch Siemens Smart

Infrastructure, ein Gesamtanbieter von Nachhaltigkeitsprojekten

und Energieeffizienzlösungen,

mitgewirkt hat.

Die Alpentherme Gastein bietet ihren Besuchern

insgesamt sechs Themenwelten: darunter

die Family World mit mehreren Rutschen

und Strömungskanälen, in der der Badespaß

im Vordergrund steht, die Sauna World mit

ihren zwölf Saunakammern, bei denen Erholung

und Entspannung angesagt sind, und die

Frauen vorbehaltene Ladies World. Dazu kommen

noch Sports und Beauty World sowie das

Gesundheitszentrum, in dem Thermalwasser

als natürliches Heilmittel eingesetzt wird –

ganz zu schweigen von zwei Thermalwasser-

Badeseen mit einer gemeinsamen Wasserfläche

von fast 1.700 Quadratmetern.

Zum beliebten Ziel für Touristen und Einheimische

machen die Alpentherme Gastein anhaltende

Investitionen. Allein zwischen 2008

und 2021 wurden mehr als 12 Millionen Euro

in eine Eventsauna und neue Saunakammern,

die Modernisierung und Erweiterung des Kurzentrums,

die beiden Thermalwasser-Badeseen,

eine Vierbahnen-Rutsche sowie Kleinkinder-

Außenbecken investiert. „Der intensive Markenprozess

aus dem Jahr 2019 lieferte wichtige

Erkenntnisse zum Status quo und für zukünftige

Investitionen“, erklärt Lemmerer und

verweist auf den neuen Bewegungspark, der im

Mai eröffnet wurde. Dabei handelt es sich um

ein Therapiesetting im Freien, ergänzt durch

Fotos: Alpentherme Gastein

128 ImmoFokus


eine wetterfeste Dachterrasse für Kraft- und Motoriktraining.

Der Kostenpunkt: 150.000 Euro.

Wärmepumpe nutzt Ökostrom

In das Projekt „Grüne Therme“ sind darüber

hinaus seit 2020 bislang 1,7 Millionen Euro

geflossen. Schon bald soll nämlich die Therme

Gastein wie geplant als „Null-Emissions-

Therme“ funktionieren. So soll eine mit

Ökostrom betriebene Wärmepumpe die gesamte

Wärmeversorgung sicherstellen – und

das Ganze CO2-neutral durch Nutzung des

Thermalwassers, wohlgemerkt. Laut Siemens

Smart Infrastructure werden die gebäudetechnischen

Prozesse in der Alpentherme künftig

mit Desigo CC visualisiert und optimiert. Dabei

handele es sich um das technologische Rückgrat

für smarte Gebäudeinfrastruktur, das die

Kommunikation der verschiedenen Energieerzeuger

mit einer offenen, leistungsfähigen

und stets aktuellen Plattform ermöglicht. Das

würde Komfort, Effizienz, Resilienz und Sicherheit

erhöhen.

Künftig werden die Energieverbräuche und

Betriebssituationen zur laufenden Optimierung

und Leistungssteigerung der technischen

Anlagen hinsichtlich Funktion und Energieeffizienz

mit dem Siemens Navigator abgebildet

und ausgewertet. Dieser kombiniert verschiedene

Anlagen- und Wartungsinformationen

mit Leistungsdaten, um unnötige Energieverbräuche

auszumachen und zu beheben. Die

im gerade erfolgten Modernisierungsschritt

realisierten Lösungen sollen nun weiter optimiert

werden, um das Ziel zu erreichen, die

erste „Null-Emissions-Therme“ Österreichs zu

werden. „Am Puls der Zeit. Da wollen wir sein

und natürlich bleiben“, sagt Alpentherme-

Geschäftsführer Lemmerer.

Factbox

Mit rund 160 ganzjährig beschäftigten

Mitarbeitern ist die Therme Gastein in Bad

Hofgastein ein wichtiger Infrastrukturbetrieb

in der Tourismus- und Gesundheitsregion

Gastein. Pro Jahr zählt sie 450.000

Besucher und 300.000 durchgeführte

Therapien. Das Haus, das eine Fläche von

36.000 Quadratmetern einnimmt, bietet in

sechs Themenwelten ein breites Angebot

rund um die Themen Kur und Therapie,

Sport und Fitness sowie Beauty und Massagen.

In sechs Gesundheits- und Erlebniswelten

finden sich unter anderem 15 Saunakammern,

zehn Wasserbecken und zwei

Thermalwasser-Badeseen. Künftig soll die

Therme Gastein zur „Null-Emissions-Therme“

werden.

Bauchgefühl ist gut.

Unsere Marktberichte sind besser.

„Dynamische Zeiten bedeuten Veränderung und Ungewissheit. Unsere Marktberichte -

erstellt von unserem hauseigenen Researchteam - geben Ihnen seit mehr als

20 Jahren verlässliche Orientierung, mit fundierten Analysen und einer großen

Portion Marktkenntnis. Für uns eine Selbstverständlichkeit, für Sie eine zuverlässige

Unterstützung für Ihr Bauchgefühl. Vor allem in dynamischen Zeiten.“

Gratis bestellen:

Unsere Marktberichte

www.otto.at/marktberichte

Dr. Eugen OTTO

Ausgabe 03|2022 129

OTTO Immobilien GmbH • Riemergasse 8, 1010 Wien • +43 1 512 77 77 • office@otto.at


ImFokus

„Österreich ist zu klein für

unser Geschäftsmodell“

Macherin. Silvia Schmitten-Walgenbach, CEO der CA Immo, über ihre Pläne mit dem

Immobilienkonzern, Risiken für das Geschäftsmodell sowie den Unmut vieler Aktionäre über

das Auftreten des Mehrheitsaktionärs Starwood.

Das Gespräch führte: Patrick Baldia

Wie haben Sie die ersten Wochen und

Monate seit Ihrem Dienstantritt“ bei der

CA Immo erlebt?

Silvia Schmitten-Walgenbach: Anfang Jänner

hat Corona meine Pläne, möglichst viele

Mitarbeiter persönlich zu treffen und die

Immobilien und Entwicklungsprojekte zu

besichtigen, stark beeinflusst. Erst in den

folgenden Monaten hatte ich die Möglichkeit,

mir vor Ort ein Bild des Portfolios zu machen.

Es ist das eine, die Gebäude auf Bildern zu

sehen, aber erst bei der Besichtigung und

dem Gespräch mit den Nutzern wurde mir

die Qualität im Detail bewusst. Die kleinen

Dinge machen wie so oft den Unterschied.

Gleichzeitig waren die vergangenen Monate

natürlich überschattet von der fundamentalen

Veränderung der wirtschaftlichen und politischen

Rahmenbedingungen. Hier sind vor

allem die steigende Inflation, das veränderte

Finanzierungsumfeld und die geopolitischen

Verschiebungen mit Einfluss auf Lieferketten

und Investorenverhalten zu nennen. Summa

summarum waren es sehr interessante, aber

auch intensive erste Monate.

Welche „Fußabdrücke“ wollen Sie im

Unternehmen hinterlassen beziehungsweise

welche persönliche Note wollen Sie

einbringen?

Mir ist ein kollegiales, kooperatives Miteinander,

bei dem die Mitarbeiter über alle

Hierarchieebenen und Abteilungsgrenzen

hinweg Verantwortung übernehmen,

wichtig; eine inklusive Unternehmenskultur,

die abgestimmte und vertrauensvolle Zusammenarbeit

fördert, bei der Ideen, Wissen und

Können des Einzelnen eingesetzt werden.

Ich denke es ist heute wichtiger denn je, alle

Sichtweisen einzubeziehen und als Team

über die gesamte Wertschöpfungskette auf

die neuen und schwierigeren Rahmenbedingungen

zu reagieren. Dabei sollten wir eines

nicht vergessen: unsere Kunden, die Nutzer

unserer Immobilien, in den Mittelpunkt zu

stellen.

„Wir sind schon seit langem ein

internationales Unternehmen, das

an der Wiener Börse notiert und das

Headquarter in Wien hat.“

Silvia Schmitten-Walgenbach,

CA Immo

Etwas Anderes: Was sind die großen

geschäftlichen Ziele beziehungsweise

Meilensteine für die kommenden Jahre?

Wir haben unseren Geschäftsbericht 2021 mit

dem Titel „Die Zukunft beginnt, wo Menschen

heute ins Morgen investieren“ überschrieben

– das langfristige Ziel sind zukunftsfähige

Immobilien. Neben der Erfüllung breiter

ESG-Kriterien, vor allem Nachhaltigkeitsanforderungen,

bedeutet das auch, dass sie

einen positiven Beitrag für alle Stakeholder

leisten: Die Mitarbeiter, Investoren, Geschäftspartner

und die Gesellschaft beziehungsweise

Community. Wir wollen Partner für die

Unternehmen sein, die den Anspruch haben,

ihren Mitarbeitern Arbeitsflächen in den

besten Immobilien anzubieten.

130 ImmoFokus


Fotos: CA Immo

Silvia Schmitten-Walgenbach

Die studierte Betriebswirtin ist seit erstem Jänner CEO der CA Immo. Davor

war sie seit Juni 2014 bei der Barclays Bank Europe als Chief Operating Officer

für die Aktivitäten in Deutschland, den Niederlanden und Schweden zuständig.

Von 2010 bis Mitte 2014 war die Deutsche in der Geschäftsführung der Morgan

Stanley Real Estate Investment und verantwortete die Abwicklung des

Immobilienfondsgeschäfts der Kapitalanlagegesellschaft. Zwischen 2005 und

2009 leitete sie wiederum den Bereich Immobilienstrategie bei der Dresdner

Bank als Teil der Allianz-Gruppe, bis sie in die Geschäftsführung der Deutschen

Gesellschaft für Immobilienfonds (DEGI)/Aberdeen Property Investors

Holding berufen wurde.

Ihr von Analysten gelobtes „widerstandsfähiges

Geschäftsmodell“ hat sich bislang

in der Pandemie bewährt. Allerdings

verschärft sich mit dem Krieg in der

Ukraine das Umfeld merklich. Wie gehen

Sie mit Inflation sowie steigenden Zinsen,

Bau- und Finanzierungskosten um? Sind

Sie darauf vorbereitet?

In der Tat hat sich das Umfeld seit meinem

Amtsantritt fundamental verändert – für

unsere Branche und das gesamte Wirtschaftssystem.

Rund 96 Prozent aller unserer

Finanzierungsverbindlichkeiten sind derzeit

in Form von Fixzinsvereinbarungen und

Hedging gegen steigende Zinsen abgesichert.

Und wir sehen auch bei aktuellen Finanzierungsaktivitäten,

dass die Kapitalgeber die

Qualität unserer Immobilien schätzen und

uns weiterhin gerne finanzieren.

Unsere laufenden Bauprojekte sind größtenteils

durch frühzeitige Auftragsvergabe

und Verträge, die noch in einem günstigeren

Marktumfeld abgeschlossen wurden,

abgesichert. Aber natürlich spüren wir Preisanstiege

und Lieferengpässe im Bau. Von

Vorteil ist dabei für uns, dass wir mit unserer

Tochtergesellschaft Omnicon schon sehr

lange und gut am Markt positioniert sind.

Dadurch haben wir das direkte Feedback von

der Baustelle auch von mehreren Projekten

und können selbst bei kleineren Einzelmengen

Skaleneffekte und lange etablierte

Kundenbeziehungen nutzen.

Insgesamt ist erkennbar, dass vor allem

hochwertige Büroflächen eher steigende

Mieten und stabile Werte verzeichnen als

Class-B-Gebäude. Daher sehen wir uns mit

Ausgabe 03|2022

131


ImFokus

„Wir prüfen in Rumänien

alle strategischen Optionen – aber

nicht um jeden Preis

und vor allem ohne Zeitdruck.“

unserem Fokus auf hochwertige Büros in

guten Lagen gut positioniert.

Welche anderen Risiken für Ihr

Geschäftsmodell machen Sie aus –

etwa eine längere Rezession?

Natürlich ist eine längere Rezession oder

Stagflation ein Risiko für Büroanbieter und

das allgemeine Wirtschaftsgeschehen, da sich

ein Rückgang der Konjunktur immer auch

auf den Arbeitsmarkt und die Investitions-

Silvia Schmitten-Walgenbach,

CA Immo

tätigkeit von Unternehmen auswirkt. Wir

gehen allerdings aus heutiger Sicht davon

aus, dass sich dadurch der aktuelle Trend

hin zu höherer Qualität bei den Büroflächen

noch weiter verstärkt. Denn während der

Pandemie und aktuell ändert sich der Ansatz

der Unternehmen bei den Büroflächen ¬

mit „Work from Home“ oder jetzt „Work

from Anywhere“ werden Immobilien in

verkehrsgünstiger Lage, Flächenzuschnitte

sowie flexible Nutzungsmöglichkeiten immer

wichtiger. Die Arbeitsflächen werden als

zentraler Ort der kultur- und identitätsstiftenden

Zusammenarbeit eingerichtet, der

einzelne Mitarbeiter hat oft keinen festen

„eigenen“ Arbeitsplatz mehr. Dadurch werden

Mitarbeitereinstellungen und -entlassungen

keine sofortige einseitige Wirkung auf die

Mietflächen mehr haben.

Neben den traditionellen Key Risk-Indikatoren

wie beispielsweise Lage, Vermietungsgrad und

Mietniveau finden zunehmend auch nachhaltigkeitsrelevante

Faktoren wie Klimawandel

und die daraus entstehenden Risiken und

neue regulatorische Vorgaben Berücksichtigung.

Auf Konzernebene sind gute Bonität

und konservativer Verschuldungsgrad, also

eine in Summe stabile Bilanz, wichtig, um für

die sich aktuell verändernden Rahmenbedingungen

gut gerüstet zu sein.

Gibt es Neues aus Rumänien zu berichten?

Sie prüfen dort ja alle strategischen

Optionen inklusive einem totalen Exit der

CA Immo. Täuscht der Eindruck, dass es

stark nach Letzterem ausschaut?

132 ImmoFokus


Wir prüfen in Rumänien alle strategischen

Optionen, einschließlich eines Verkaufs einzelner

Gebäude, eines Teils oder des gesamten

Portfolios inklusive des lokalen Management-

Teams – aber nicht um jeden Preis und vor

allem ohne Zeitdruck. Ein breit aufgestellter

Vermarktungsprozess läuft und wir sehen

erfreulicherweise starkes Interesse von guten,

bonitätsstarken Investoren.

Sie haben kürzlich Ihre erste Hauptversammlung

als CEO der CA Immo erlebt.

Wie waren Ihre Eindrücke beziehungsweise

geht es in der Generaldebatte

hierzulande wirklich emotionaler zu als in

Deutschland? Sehen Sie im Kontakt mit

Mitarbeitern gewisse landesspezifische

Eigenheiten?

Leider war meine erste Hauptversammlung

virtuell und lässt sich daher schwer mit den

Hauptversammlungen in Präsenz vergleichen,

die ich früher besucht habe. Grundsätzlich

konnte ich jedoch keine großen

landestypischen Unterschiede feststellen

– obwohl die CA Immo ja ein internationales

Unternehmen ist, mit Investoren und Mitarbeitern

aus vielen europäischen Ländern und

auch aus den USA.

Bleiben wir bei der Hauptversammlung.

Dort war es unschwer zu erkennen, dass

viele mit dem Auftreten von Mehrheitsaktionär

Starwood – Stichwort:

Sonderausschüttung und deren Folgen

wie Rating-Herabstufung, Kursschwäche

und Dividenden-Ausfall – nicht gerade

glücklich sind. Auch ein Squeeze-Out

wird befürchtet. Ist das ein realistisches

Szenario?

Wir können das zukünftige Verhalten

unseres Kernaktionärs nicht vorhersagen.

Aber ein Squeeze-Out ist erst ab 90 Prozent

Beteiligung möglich, und diese Schwelle hat

der Mehrheitsaktionär Starwood noch nicht

erreicht.

Immer wieder ist von verschiedenen

Seiten zu hören, dass die CA Immo kein

österreichisches Unternehmen mehr sei.

Was entgegnen Sie diesen Stimmen?

Die CA Immo hat 1999 begonnen, international

zu investieren und ein europäisches

Portfolio aufzubauen. Diese regionale

Diversifizierung hat unser Wachstum und

die erfolgreiche Entwicklung erst ermöglicht

– Österreich ist einfach ein zu kleiner

Markt für ein Unternehmen mit unserem

Geschäftsmodell. Somit sind wir schon seit

langem ein internationales Unternehmen,

das an der Wiener Börse notiert und das

Headquarter in Wien hat. Unsere internationale

Ausrichtung ist die Basis für unseren

Erfolg.

Die Die erste erste Adresse Adresse

für

Die

Betreutes für

Die erste erste Adresse

Wohnen.

Adresse

für Betreutes für Wohnen.

Consulting

Marktführer

Consulting

Marktführer

Wir sind

Ihr Experte

für Betreutes Wohnen.

Seniorenimmobilien

Seniorenimmobilien

Betreutes Wohnen von von Silver Living steht für für eine eine zukunftssichere

Betreutes Wohnen von von Silver Living steht für für eine eine zukunftssichere

Assetklasse. Neben dem dem demografischen Wandel sorgt unser

Assetklasse. Neben dem dem demografischen Wandel sorgt unser

bewährtes Konzept für für den den betriebswirtschaftlichen Erfolg.

bewährtes Konzept für für den den betriebswirtschaftlichen Erfolg.

Sie Sie profitieren von von unserer langjährigen Expertise und und fundiertem

Sie Sie profitieren von von unserer langjährigen Expertise und und fundiertem

Know-How in in Konzeption, Umsetzung und und Betrieb von von Betreuten

Know-How in in Konzeption, Umsetzung und und Betrieb von von Betreuten

Wohnanlagen. Darüber hinaus bieten wir wir Ihnen ein ein umfassendes

Wohnanlagen. Darüber hinaus bieten wir wir Ihnen ein ein umfassendes

Serviceangebot aus aus einer Hand. Nachhaltigkeit durch Vorbeugung

Serviceangebot aus aus einer Hand. Nachhaltigkeit durch Vorbeugung

der der Landversiegelung runden unser Consultingangebot ab. ab.

der der Landversiegelung runden unser Consultingangebot ab. ab.

www.silver-living.com

www.silver-living.com

Dipl. Dipl. Ing. Ing. Marina Woitek | Leitung | Consulting +43 +43 (0) (0) 50 50 323 32318 318 |

Ausgabe

| mw@silver-living.at

03|2022

133

Dipl. Dipl. Ing. Ing. Marina Woitek | Leitung | Consulting +43 +43 (0) (0) 50 50 323 32318 318 | | mw@silver-living.at


ImFokus

Das Triumvirat

Im Gespräch. Alexander Bosak, Matthias Grosse und Maximilian Rath starten jetzt mit

Exploreal Future durch. Das Ziel ist, rund um die Exploreal neue Produkte zu entwickeln.

Das Gespräch führte: Michael Neubauer

Drei Profis, ein Ziel: Wie wurden die

Aufgaben verteilt?

Alexander Bosak: Ganz klar! Ich bin für die

Marke Exploreal - die zukünftig alle Produkte

umfasst - und die Bereiche Kunden, Vertrieb

und Customer Care zuständig. Gemeinsam

mit Matthias Grosse, dessen Hauptkompetenz

in der Produktkonzeption liegt, kümmern

wir uns um die Produktweiterentwicklung.

Maximilian Rath verstärkt unsere Kompetenz

im Bereich Technologie. Will man uns Funktionen

zuschreiben, dann bin ich der Chief

Marketing Officer (CMO), Matthias Grosse der

Chief Product Officer (CPO) und Maximilian

Rath der Chief Technical Officer (CTO). Wobei

sich Maximilian nicht nur um die Programmierung

kümmert, sondern um das gesamte

Framework. Aus dieser Kompetenzbündelung

ist die Exploreal Future entstanden.

… um neue Produkte zu entwickeln?

Bosak: Um neue Produkte zu konzipieren und

zur Marktfähigkeit zu bringen. Maximilian

Rath bringt gleich zum Start zwei Produkte

seines Unternehmens ein. Einzelkämpfer

gehören der Vergangenheit an - im 21. Jahrhundert

geht es um Kooperation. Wir sprühen

vor Ideen und sind stolz auf das, was Matthias

und ich zu zweit in vier Jahren erreicht haben.

Jetzt haben wir gespürt, dass wir uns verstärken

und noch besser Aufstellen müssen, um

das nächste Level zu erreichen. Dieser Schritt

muss aber wohlüberlegt sein.

Kernprodukt ist die Bauträgerdatenbank.

War von Anfang an geplant, die Bauträgerdatenbank

von Wien aus über das gesamte

Bundesgebiet auszurollen?

Matthias Grosse: Aufgrund der Größe des

Marktes war es ein logischer Schritt, in Wien

zu beginnen. Die Datenbank ist von Beginn an

auf großes Interesse gestoßen und die Nach-

134 ImmoFokus


frage nach Daten aus dem Wiener Umland war

seitens der Projektentwickler gleich da. Ohne

Übertreibung kann man sagen: Das Angebot

hat voll eingeschlagen. Geholfen hat auch die

Kooperation mit der Wirtschaftskammer.

Die Entscheidung, die Datenbank auf ganz

Österreich auszurollen, war schnell getroffen,

und auch die, dass wir uns ausschließlich darauf

konzentrieren.

Was sind die Hauptpunkte für den Erfolg?

Bosak: Neben dem Produktdesign vor allem

Datenqualität, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit.

Wir haben angekündigte Terminpläne

immer eingehalten. Das schafft Vertrauen.

Aber jetzt ist für uns der logische Schritt, dass

wir die Bauträgerdatenbank hin zu einer Immobiliendatenbank

entwickeln und in Zukunft

auch zusätzliche Produkte anbieten werden.

Zum Beispiel?

Bosak: Wir werden Informationen bereitstellen,

die unsere Kunden tagein- tagaus brauchen,

also alle Daten rund um die Immobilien,

Eigentümerdaten wie zum Beispiel Grundbuchsdaten,

Einpreisung - und ganz wichtig

– Vergleichswerte. Wir wollen und werden als

Vollanbieter von Immobiliendaten wahrgenommen

werden.

Ein ambitioniertes Programm, das nur mit

hohem Programmieraufwand und Einsatz

von Künstlicher Intelligenz realisierbar ist.

Daher auch die Kooperation mit Maximilian

Rath?

Grosse: Auch noch so intelligente Programme

können keine Kaufverträge auslesen. Da müssen

Menschen ran. Unsere Research-Abteilung

ist von Jahr zu Jahr gewachsen. Aktuell ist ein

30-köpfiges Inhouse-Team mit Recherchen beschäftigt.

Jedes Projekt wird von diesem Team

wöchentlich aktualisiert. Das kostet Zeit und

Geld, macht aber auch die Qualität aus. Sich nur

auf den Bauträger zu verlassen, ist zu wenig,

das macht die eigene Recherche unerlässlich.

Bosak: Noch einmal kurz zur Ausrollung der

Bauträgerbank zurück.: Seitdem wir in ganz Österreich

vertreten sind, wissen auch die Banken

unser Angebot zu schätzen, aber unsere Hauptzielgruppe

sind und bleiben die Bauträger.

Grosse: Im Juni kommt mit dem Exploreal

Classic Plus eine um zahlreiche Features erweiterte

Bauträgerdatenbank auf den Markt. Die

Bauträgerdatenbank wie wir sie kennen wird

dann unter Exploreal Classic firmieren.

Welche Features verstecken sich

hinter dem Plus?

Grosse: Projektübergreifende statistische Auswertungen

– und das auf Knopfdruck. Nicht

nur für das Bundesland und Bezirksebene.

Es geht immer weiter runter auf

Mikrolagen?

Bosak: Bis auf Grätzelebene können Auswertungen

zur Pipeline, zu Preistrends und

Einpreisungen, zum Wohnungsmix sowie

Zielgruppenanalysen abgerufen werden.

Wie viele Datenpunkte

werden pro Projekt abgefragt?

Bosak: Hunderte. In Summe werden 28 Quellen

herangezogen. Das geht nicht nur vom

Schreibtisch aus. Nicht alle Informationen sind

im Internet zu finden. Auf den Maklerseiten

finden sich zwar viele Projekte – manchmal

aber auch mit widersprüchlichen Angaben.

Da ist dann die Projektwebsite – sofern es eine

gibt – das Maß aller Dinge. In Wien lassen sich

die Projekte mit dem Fahrrad abfahren, – in

Ausgabe 03|2022

135


ImFokus

und anbieten zu können. Produkte, die ineinandergreifen.

den Bundesländern ist das schon bedeutend

schwieriger.

Grosse: Mittlerweile haben wir 3.500

Seiten auf unserem Radar, die von unserem

wöchentlichen Monitoring erfasst werden.

Erkennt das System Änderungen, wird eine

automatische Meldung an die Research-

Abteilung erstellt. Da kommen dann wieder

unsere Mitarbeiter ins Spiel, die erheben,

was sich geändert hat, und in Folge diese

Änderungen händisch in die Datenbank eintragen.

Bosak: Da gibt es keinen Algorithmus, keinen

Hokus-Pokus, wie manche vielleicht

glauben. Keine Künstliche Intelligenz und

ich weiß nicht was alles andere noch. Bei

uns sorgen intelligente Mitarbeiter für die

Top-Qualität unserer Daten. Oft lässt sich die

Wohnnutzfläche nur aus einem Plan auslesen

– da ist Spitzfindigkeit gefragt.

Grosse: Ganz zu schweigen vom Grundkostenanteil.

Dieser kann oft nur durch Vergleiche

oder Einsicht in den historischen Grundbuchauszug

ermittelt werden.

Bosak: Die Datenqualität, ist in Wahrheit das

Entscheidende. Die Applikation kann noch

so toll sein, wenn die Qualität der Daten nicht

stimmt, ist die ganze Anwendung ohne Nutzen.

Das Angebot richtet sich aktuell nur an

Profis, also nicht an den Endkonsumenten?

Bosak: Genau so ist es und wird auch so bleiben.

Unser Fokus liegt auf professionellen Anwendern

– für die wir unsere Produktpalette

erweitern wollen.

Grosse: Auch bisher gab es Weiterentwicklungen

mit zusätzlichen Features für unsere

Kunden, die wir unseren Kunden kostenfrei

zur Verfügung gestellt haben. Exploreal Plus

ist im Kern die um Statistik-Features erweiterte

Basis-Version.

Bosak: Dahinter steckt aber viel, viel Arbeit.

Jeder, der einmal mit Statistiken gearbeitet hat,

weiß,: Statistik ist die Nagelprobe für die Daten

und dort zeigt sich, wie gut die Daten wirklich

sind.

Grosse: Aber jetzt sind wir so weit, dass wir

uns trauen, unseren Kunden mit der Plus-Version

ein mächtiges Tool in die Hand zu geben,

mit dem er selbst Statistiken generieren kann

- direkt aus der Datenbank. Durch die Kooperation

mit Maximilian Rath sind wir nun in der

Lage, auch noch weitere Produkte entwickeln

Rath: Was uns verbindet, ist der hohe Anspruch

an die Konzeption der Produkte, daran,

wie sie funktionieren und wie sie miteinander

funktionieren. Das ist auf der technischen

Ebene genauso eine Herausforderung, wie

konzeptionell. Wie greift denn das ineinander?

Wie kann das schneller funktionieren,

wie kann es gut aussehen und für den User

Sinn machen? Wir bringen unter anderem eine

Grundstückskarte ins Portfolio ein. In Exploreal

wird diese Search heißen. Über dieses Tool

können Grundbuchsauszüge und Eigentümerdaten

herausgezogen werden. Dazu kommen

Flächenwidmungspläne, soweit diese von den

Gemeinden eingemeldet wurden.

In Zukunft wird man über Exploreal Search

Zugriff auf sämtliche öffentliche Karten haben,

die in einem Tool miteinander verknüpft werden,

und über umfangreiche Filtermöglichkeiten

aus dem Grundbuch, speziell genutzt werden

können. Der wesentlichste Unterschied

zwischen Exploreal und der Rath IT, ist, dass

wir als Technologieunternehmen keine Daten

erfassen. Wir greifen auf Daten zu, die von Kooperationspartnern

wie dem ZT Datenforum

oder Exploreal oder öffentlichen Anbieten zur

Verfügung gestellt wird. Unser Fokus liegt auf

der Funktionsebene von Applikationen.

Bosak: Durch die Verbindung dieser beiden

Welten entsteht Mehrwert für unsere Kunden.

Grosse: Aktuell entwickeln wir gemeinsam

Exploreal Smart. Ein Wohnungseinpreisungstool

unter Heranziehung unserer Daten sowie

sämtlicher Kaufvertragsdaten vom ZT Datenforum.

Ziel ist also, alle Daten einer Immobilie

zu erfassen …

Grosse: Genau darum geht es. Von Bauträgerdaten,

Angebotsdaten für Neubauwohnungen,

über Verkaufsdaten – bis hin zu denen für die

aufgerufenen Mieten. Mit all diesen Daten

136 ImmoFokus


wird es mit Exploreal Smart möglich sein, auf

möglichst einfache Art und Weise Einpreisungen

vorzunehmen. Adresse eingeben – und auf

einen Klick werden durch schlaue Filter – relevante

Daten angezeigt.

Ein Produkt, das auf den Makler als abzielt?

Bosak: Das wird ein massentaugliches Produkt

für Makler. Der Makler kann rasch, validierte

Einpreisungen vornehmen und seinen

Endkunden zur Verfügung stellen.

Alexander Bosak

Wann wird das Tool zur Verfügung stehen?

Bosak: Das Einpreisungstool wird im Herbst

zur Verfügung stehen. Unser Ziel ist es, im

September in den Probemodus zu gehen, um

mit dem Ausrollen im vierten Quartal beginnen

zu können.

Grosse: Generell ist dieses Tool für Makler,

die auf der Suche nach Vergleichswerten sind,

interessant. Aktuell ist das sehr mühsam.

Bosak: Unsere DNA besteht aus Vergleichswerten.

Wir sind aktuell die einzigen am Markt,

die die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit

abbilden. Wir wissen, was aktuell am

Markt, ist, – wie es sich verkauft und was demnächst

auf den Markt kommt. Die Herausforderung,

auf die wir uns sehr freuen, ist die Verzahnung

der Angebote. Stand-Alone-Produkte

werden zu einem Ganzen zusammengefügt.

Hier kommt wieder Maximilian ins Spiel.

Matthias Grosse

Rath: Integration ist mein Stichwort. Den Kunden

ein umfassendes Tool anzubieten, aus dem

er Module auswählen kann. Technisch-inhaltlich

gibt es eine große Schnittmenge mit vielen

Ähnlichkeiten. Da ist es naheliegend, dass man

da vom einen ins andere hineinwechseln kann,

schnell, und unkompliziert. Daraus ergibt sich

ein wahnsinnig hoher Gesamtnutzen, der auf

der Strecke bleibt, wenn man das nicht macht.

Bosak: Auf den Punkt gebracht: Wir bieten

eine Datenbank von Immobilien-Experten für

Immobilien-Profis, die damit rascher, besser

und fundierter entscheiden können.

Maximilian Rath

Ausgabe 03|2022

137


ImFokus

Home-Office für Makler

Rentabel. Eine intelligente, webbasierte Immobiliensoftware lohnt sich vor allem für Immobilienmakler, die

viel unterwegs sind. Nun spielt sie auch bei den Angestellten im Backoffice ihre Vorteile aus, die vermehrt in

ihren eigenen vier Wänden arbeiten.

Autor: Heimo Rollett

W

er vordenkt und vorsorgt,

hat oft einen ordentlichen

Mehraufwand – im Falle des

Falles allerdings auch einen

riesigen Vorteil. Beispiel: Die Maklersoftware

onOffice enterprise. Sie wurde von Anfang an

als webbasierte Software entwickelt. Was damals

noch als Neuland galt, etablierte sich in den

kommenden Jahren und ist heutzutage kaum

noch wegzudenken. Gerade die Angestellten,

die viel unterwegs waren und mobil arbeiten

wollten, lernten die Vorzüge einer Online-Software

schnell kennen. Sie wurden in die Lage versetzt,

überall auf Kunden-und Objektdaten zugreifen

zu können, um beispielsweise möglichst schnell

zu reagieren, eingegangene E-Mails und Interessentenanfragen

rasch beantworten zu können.

Diese Möglichkeiten wurden in Folge ständig

erweitert und perfektioniert, etwa mit einer App,

die auch das Arbeiten am Smartphone ermöglicht,

oder mit der Synchronisation von Terminen, die

unmittelbar auf allen Geräten angezeigt werden.

normalerweise im Büro verrichten, können

sie zumeist 1:1 vom heimischen Arbeitsplatz

aus bewerkstelligen. Ebenso wie viele andere

Branchen erkennen derzeit auch Maklerunternehmen,

dass Home-Office in vielen Fällen

einfacher umsetzbar ist als gedacht.

Nicht wenige Skeptiker, die einer Büropräsenz

lange Zeit den Vorzug gaben, wurden durch

die Coronakrise eines Besseren belehrt, meint

zusätzliche Tablets und Smartphones für die

Innendienst-Angestellten in den zurückliegenden

Monaten nicht ohne waren.

Der Geschäftsführer der Schürrer & Fleischer

Immobilien, die 140 Mitarbeiter in zehn Filialen

beschäftigt, ergänzt: „Wir setzen seit einigen

Jahren auf den Prozessmanager von onOffice.

Er hat uns geholfen, nahezu reibungslos unser

gesamtes Personal von heute auf morgen ins

„Ich war lange Zeit kein Fürsprecher von Home-Office. Ich dachte

immer, dass viele Mitarbeiter eher eine enge Führung

benötigen. Nun weiß ich, dass dem nicht so ist. Wenn sie

motiviert sind und Spaß an der Arbeit haben, ist es egal,

wo sie tätig sind.“

Peter Schürrer,

Mitglied des Immobilienverbandes IVD

Der Fall tritt ein

So, und dann ist es soweit, und eine saudumme

Situation tritt ein – Sie wissen schon, das mit

dem Coronavirus … Den Vorteil einer durchdachten

Software lernen gerade in dieser Zeit

auch die Angestellten aus dem Backoffice zu

schätzen. Sie konnten und können auch danach

problemlos im Home-Office oder mobil

tätig sein, ohne dass hierfür technische Anpassungen

nötig sind. Die Tätigkeiten, die sie

etwa Peter Schürrer aus Deutschland. Schürrer

ist Mitglied des Immobilienverbandes IVD

und onOffice enterprise-Anwender: „Ich war

lange Zeit kein Fürsprecher von Home-Office.

Ich dachte immer, dass viele Mitarbeiter eher

eine enge Führung benötigen. Nun weiß ich,

dass dem nicht so ist. Wenn sie motiviert sind

und Spaß an der Arbeit haben, ist es egal, wo

sie tätig sind.“ Wenngleich der Immobilienprofi

nicht verhehlt, dass die Investitionen in

Home-Office zu schicken, ohne dass Abläufe

und Produktivität litten.“ onOffice-Geschäftsführer

Stefan Mantl unterstützt diese Aussage:

„Unternehmen, die bereits vor der Coronakrise

klare betriebliche Abläufe hatten, die in

der Software hinterlegt sind, und bei denen

jeder Mitarbeiter genau weiß, was er wann

zu tun hat, taten sich mit der Umstellung der

gesamten Belegschaft auf Homeoftice leicht.“

Bei der Aufnahme eines neuen Objekts wird

138 ImmoFokus


eispielsweise mithilfe des Prozessmanagers

klar definiert, wer sich jeweils um fehlende

Unterlagen, die Aufbereitung der Grundrisse,

Objektfotos, 360°-Panoramatouren, den Energieausweis

und Exposétexte kümmert. Dank

dieses Automatismus, der klare Arbeitsschritte

und Verantwortlichkeiten vorgibt, müssen nur

selten Rückfragen an Kollegen gestellt werden.

Zudem ist ersichtlich, an welcher Stelle das Projekt

steht und wo es eventuell hakt, etwa weil

ein Grundbuchauszug auf sich warten lässt.

Fotos: Adobe Stock

Auch bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter

ist dieser selbsterklärende Prozessmanager

eine große Hilfe. Gibt es dennoch Rückfragen,

können die Mitarbeiter auf einen eigenen

Messenger der Software zurückgreifen und

darüber kommunizieren. Der Vorteil: Die

Kommunikation ist unmittelbarer und wird in

der Regel schneller übertragen als eine E-Mail.

Telefonverbindung mit einem Klick

Die Spezialsoftware, deren Firmensitz in Wien

liegt, unterstützt außerdem Internet-Telefonie

(Voice over IP, kurz VoIP), die ebenfalls einen

großen Mehrwert beim mobilen Arbeiten

bietet. Internettelefonie bedeutet, dass mobil

arbeitende Angestellte über das Internet

telefonieren. Zwei große Vorteile sind damit

verbunden: Beim Telefonieren wird die Bürotelefonnummer

übertragen, nicht die Handyoder

private Telefonnummer. Das wirkt

gegenüber den Maklerkunden professionell.

Zweitens wird die Telefonrechnung des privaten

Festnetzanschlusses der Angestellten nicht

belastet. Gleichzeitig sind damit weitere praktische

Vorteile verknüpft: Bei eingehenden

Telefonaten erkennt die Software den Anrufer

und öffnet seine Kontaktdaten am Bildschirm.

Auch umgekehrt, aus der Software heraus, ist

damit eine Arbeitserleichterung verbunden.

Die Nutzer können über die Kundendaten

durch Klicken auf einen Button eine Internet-

Telefonverbindung aufbauen. Gleichzeitig

öffnet sich ein Aktivitäten-Fenster, in dem

anschließend eine Gesprächsnotiz eingetragen

werden kann.

Hilfreich für Angestellte im Home-Office sind

die Erklärvideos mit dem Titel „OnOffice effizient

nutzen“. Gerade wer noch nicht lange

mit der Software arbeitet oder neue Aufgaben

übernommen hat, kann sich hier schnell informieren

und muss sich nicht an erfahrene

Kollegen wenden. Die bei YouTube hochgeladenen

Videos erläutern zum Beispiel Tools wie

die Adressvervollständigung, geben Tipps für

die effiziente Suche nach E-Mails oder erklären

den Anfragenmanager, der automatisiert eingehende

Exposé-Anfragen bearbeitet.

Über das Erfolgscockpit von onOffice enterprise

können Führungskräfte den Workflow auf einem

Blick prüfen, vorausgesetzt sie verwenden

den Prozessmanager. Auf diese Weise erhält

die Firmenleitung Kennzahlen und Statistiken

zur Effizienz: Auf Umsatzschwankungen und

Kostentreiber kann frühzeitig reagiert werden.

Mitarbeiter lassen sich besser gemäß ihren

Stärken und Schwächen einsetzen. Insbesondere

wenn der Großteil der Mitarbeitenden seit

Wochen nicht im Büro ist, kurze Abstimmungen

in der Küche oder am Kaffeeautomaten

wegfallen, wird so ein Überblick über die wichtigsten

Unternehmenskennzahlen aufrechterhalten.

Auftragsvolumen und Produktivität

der Angestellten im Home-Office sind über die

Distanz hinweg ersichtlich.

Neuentwicklungen, die als Folge der

Corona-Erfahrungen entstanden

Selbstredend blieben die Softwareentwickler

auch während der Pandemie nicht untätig und

schufen neue Anwendungen, die insbesondere

den wichtigen Erstkontakt mit Verkäufern und

Kaufinteressenten, aber auch die Kommunikation

innerhalb der eigenen Belegschaft vereinfachen.

Mit ReadyToMeet lassen sich Videokonferenzen

mit wenigen Klicks organisieren

Die entsprechenden Einladungen können mit

onOffice enterprise per E-Mail oder Messenger

verschickt werden. Dabei unterstützt die Technik

alle gängigen Anwendungen wie Google

Meet oder GoTo-Meeting. Für welche davon

sich das Maklerbüro entscheidet, sollte von

seinen Prioritäten abhängen. Manche Meeting-Anwendungen

laufen über den Browser,

für andere muss man sich eine kleine Datei

herunterladen. Wieder andere Anbieter ermöglichen

es, gemeinsam in Dokumenten zu

arbeiten. Schließlich unterscheiden sich auch

die Abo-Laufzeiten und Preise bei den einzelnen

Videokonferenz-Systemen.

Dass den Technikern auch in den nächsten

Monaten die Ideen und Verbesserungen nicht

ausgehen, dafür sorgt alleine schon, dass auch

die über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

von onOffice selbst jeden Tag mit der Software

arbeiten und auch in ihrem Unternehmen nahezu

alle seit Monaten im Home-Office sind.

Durch die praktische Anwendung ergeben sich

oft Verbesserungen und Vereinfachungen,

von denen alle Nutzer profitieren.

Nicht zuletzt, weil seit über einem Jahr nahezu

keine Branchenevents als Präsenzveranstaltung

stattfinden, hat das Unternehmen außerdem

verschiedene virtuelle Formate entwickelt,

um über Neuentwicklungen, Tipps & Tricks

sowie Branchenneuigkeiten zu informieren.

Dazu zählt der monatlich stattfindende „immo.

Talk“ sowie die „web.Con“ in der Anwender

und Experten einmal im Quartal über Innovationen,

neue Gesetze und mehr berichten.

Ausgabe 03|2022

139


ImFokus

Digitalisierung im

Facility Management

nicht mehr wegzudenken

Round Table. In einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde sprechen Dirk Christophel (COO Simacek

Facility Management), Michael Freitag (Geschäftsführer Sodexo Service Solutions Austria), Ingo Hörnecke

(Betriebsleiter Reiwag), Michael Lackner (Geschäftsführer Dr. Sasse Gruppe) und Werner Moldaschl

(Geschäftsführer Wisag) über die digitale Transformation im Facility Management.

Das Gespräch führte: Patrick Baldia

Wie weit fortgeschritten ist die Digitalisierung

in der Facility Managementbranche?

Michael Freitag: Im kaufmännischen Bereich,

wie etwa beim Reporting, wo es unter anderem

darum geht, Kosteneinsparpotenziale offenzulegen,

ist die Digitalisierung weit vorangeschritten.

Da bringen digitale Tools einen wirklichen

Wettbewerbsvorteil - auch gegenüber dem

Kunden, dem man beispielsweise aufzeigen

kann, wie er den Lebenszyklus eines Gebäudes

optimieren kann. Bei den Facility Management-

Dienstleistungen an sich steht der Mitarbeiter

nach wie vor im Vordergrund. Auch wenn

Themen wie Robotik im Kommen sind.

Dirk Christophel: Da muss man zwischen

technischem und infrastrukturellem Facility

Management unterscheiden. Im technischen

Facility Management, wo etwa Gebäudeautomationslösungen

betreut werden, ist die

Digitalisierung viel weiter fortgeschritten.

Auch weil dort digitale Tools leichter eingesetzt

werden können. Im infrastrukturellen

Bereich ist hingegen eine gewisse Ambivalenz

auszumachen. Einerseits möchten Kunden

Optionen aufgezeigt bekommen und wissen,

„Der größte Verhinderer

des Datenaustausches ist die

Datenschutzverordnung.“

Dirk Christophel,

Simacek Facility Management

was wir mit den gesammelten Daten machen

können. Andererseits ist unser Eindruck, dass

sie sich nicht ganz durchringen können, mit

uns gemeinsam das Potenzial digitaler Tools

auszuschöpfen.

Ingo Hörnecke: Die Digitalisierung ist in unserer

Branche nicht mehr wegzudenken. Dabei

spielen drei Faktoren eine Rolle. Einer davon

ist Optimierung. Vom Markt kann man sich

am besten absetzen, indem man die Qualität

verbessert. Dazu muss man seine Kosten unter

Kontrolle haben und auch wissen, wo man ansetzen

kann, um diese zu reduzieren. Das geht

wiederum nur über das Sammeln von Daten

und deren Analyse. Und je länger die Baseline

der Daten, umso mehr sprechen die Daten Ihre

Sprache. Der zweite Faktor ist Kommunikation.

Da sollte man nicht zwischen interner

und externer Kommunikation unterscheiden.

Digitale Tools helfen hier, schneller und vor

allem transparenter zu kommunizieren. Der

dritte Faktor ist Transparenz. Ihm wird noch

nicht so viel Beachtung geschenkt. Hier geht

es um Themen wie unter anderem digitalisierte

Zeiterfassung oder Wartungsprotokolle.

140 ImmoFokus


„Die Mitarbeiter-Fluktuation

ist aktuell auch im

Reinigungsbereich enorm.“

Ingo Hörnecke,

Reiwag

Dass die Pandemie den digitalen Transformationsprozess

zusätzlich beschleunigt

hat, ist aus vielen Branchen zu hören. Gilt

das auch für das Facility Management?

Michael Lackner: Ja, die Pandemie war in

unserer Branche sicherlich ein Treiber, der die

Digitalisierung um einige Jahre vorangebracht

hat. Was den Status quo der Transformation

betrifft, muss man zwischen den einzelnen

Anbietern und den Kunden unterscheiden.

Intern schreitet die Digitalisierung unserer

Prozesse rasant voran. Wenn es aber um den

digitalen Roll-out bei unseren Kunden geht,

gibt es bestimmt noch Aufholbedarf. Es wird

künftig noch vieles geben, was wir uns jetzt

noch gar nicht vorstellen können.

Werner Moldaschl: Wir haben vor allem

gemerkt, dass im Zuge der Pandemie die

Akzeptanz für die Digitalisierung wesentlich

gestiegen ist. Die mittlerweile weit verbreitete

Kommunikation über Videokonferenzen ist

hier nur ein Beispiel. Allerdings ist es nicht

immer so einfach, die Mitarbeiter von den

Vorteilen, die die Nutzung digitaler Tools für

sie bringt, zu überzeugen und etwa Reinigungsmitarbeitern,

die gewohnt sind, Zettel

auszufüllen, Tablets in die Hand zu drücken.

Das ist nicht nur eine altersspezifische Frage.

Am Ende des Tages gilt es natürlich, sowohl

Kunden als auch Mitarbeiter so weit zu bringen,

sich für die Möglichkeiten und Vorteile

digitaler Tools zu öffnen.

Immer öfter kommen im infrastrukturellen

Facility Management Roboter zum

Einsatz. Werden sie früher oder später

den Menschen ersetzen?

Christophel: Ich glaube, dass Roboter in der

Reinigung noch sehr lange nicht in der Lage

sein werden, menschliche Arbeitskräfte zu

ersetzen. Das Einsatzgebiet ist einfach zu

klein, als dass man von großem Optimierungsbeziehungsweise

Einsparpotenzial sprechen

könnte, da wir nicht so viele große Flächen

haben. Aber sehr wohl können Roboter zur

Qualitätssteigerung und Effizienzverbesserung

beitragen. Im Bürobereich sehe ich das

im Übrigen genauso.

Hörnecke: Wir sehen die Robotik – und wir

als Reiwag haben zu dem Thema aufgrund

unserer Beteiligung an Lionsbot, einem

Hersteller von Reinigungsrobotern aus

Singapur, eine besondere Beziehung – nicht

als Möglichkeit, um Mitarbeiter zu ersetzen.

Sie soll sie vielmehr dabei unterstützen, die

Qualität zu verbessern. Die Roboter können

von langwierigen und monotonen Aufgaben

entbinden. Währenddessen können die

Mitarbeiter andere, wertvolle Dinge erledigen,

um die Qualität der Dienstleistung zu steigern.

Dazu gehört etwa, die Ecken und Kanten zu

reinigen, was Roboter nach dem aktuellen

Stand der Konstruktion noch nicht können.

Lackner: Auch die Dr. Sasse Gruppe setzt

bereits Roboter von Lionsbot und anderen

Herstellern ein. Drei davon sind beispielsweise

auf einem bekannten Flughafen in England im

Einsatz. Und zwar tagtäglich. Früher wurden

die Flächen händisch vielleicht zwei, drei Mal

pro Woche gereinigt. Aber jetzt hat man die

Roboter und setzt sie auch ein, was natürlich

die Qualität verbessert. Die Kollegen in England

gehen sogar noch einen Schritt weiter:

Am betreffenden Flughafen ist in der Nacht

nur ein Terminal aktiv. Die anderen werden

Ausgabe 03|2022

141


ImFokus

„Bei den Facility

Management

Dienstleistungen, steht der

Mitarbeiter nach wie vor im

Vordergrund.“

Michael Freitag,

SSS Austria

geschlossen und das Licht wird abgedreht. Die

Roboter reinigen also im Dunkeln. Und zwar

4.000 bis 5.000 Quadratmeter. Ein Mensch

könnte das nicht. Reinigungsroboter schaffen

also bereits jetzt Mehrwert.

Den Fachkräftemangel werden

Roboter aber trotzdem so schnell

nicht lösen können?

Moldaschl: Ich glaube, es wird mit der

Digitalisierung bei uns so sein wie auch in

anderen Branchen: Mitarbeiter mit keiner

oder nur einer einfachen Ausbildung, die nicht

dazulernen wollen, werden ersetzt werden.

Wer sich dagegen fortbilden möchte, etwa im

Bereich Gebäudetechnik und Digitalisierung,

wird sehr wahrscheinlich einen sicheren

Arbeitsplatz haben und beispielsweise an der

Gebäudeleittechnik und Anlagen - auch von

zu Hause aus - steuern.

Freitag: Man darf nicht vergessen, dass es

alleine schon aufgrund der demographischen

Entwicklung beziehungsweise der alternden

Bevölkerung immer schwieriger werden

wird, geeignete Arbeitskräfte zu finden.

Da helfen digitale Lösungen, vor allem im

Verwaltungsbereich. Aktuell, glaube ich,

würde es grundsätzlich genug Fachkräfte

geben, allerdings muss man sich als attraktiver

Arbeitgeber präsentieren. Man muss gut

bezahlen und insgesamt ein schönes Package

schnüren, das der Zielgruppe entspricht, weil

künftige Generationen andere Anforderungen

an uns als ihre Arbeitgeber haben werden als

die, die heute für uns arbeiten.

Also wird es höherer Löhne bedürfen?

Christophel: Wir befinden uns zweifellos

in einer schwierigen Situation. Einerseits

ist natürlich auch in unserer Branche der

Schrei nach mehr Gehalt groß. Andererseits

können wir nicht einfach die Löhne, und

damit auch die Preise, anheben. Schließlich

befinden wir uns in einem hart umkämpften

Wettbewerbsmarkt. Wichtig wäre es, dass

der Kunde Verständnis zeigt und einsieht,

dass er, wenn er entsprechende Qualität

haben möchte, dafür auch angemessen

bezahlen muss.

Womit wir uns als Branche im Zusammenhang

mit dem Fachkräftemangel ein Eigentor

schießen, ist unsere Positionierung, unser

Image. Leider ist es nach wie vor so, dass sich

jede Firma, die einen VW Caddy mit drei Besen

und etwas Werkzeug im Kofferraum besitzt,

als Facility Management-Dienstleister oder sogar

als Facility Management-Serviceprovider

bezeichnet. Das erleichtert die Suche nach

Mitarbeitern nicht gerade.

Lackner: Im War for Talent müssen wir in der

Facility Management Branche aktiver sein und

uns attraktiver präsentieren. Es geht wie bei

allemm um Information und die richtige Kommunikation.

Damit unsere Nachwuchstalente

wissen, dass wir einen sicheren Arbeitsplatz

bieten und sie sogar in der Reinigung digitale

Apps steuern dürfen oder mit Robotern arbeiten

können. Ein ganz wichtiges Thema sind für

uns Lehrlinge. Wenn bei uns Mitarbeiter einen

Lehrabschluss haben, dann haben sie den in

der Regel nicht über den ersten Bildungsweg

gemacht, sondern wir Arbeitgeber haben dafür

gesorgt und sie dabei unterstützt. Gerade die

Lehre lässt junge Menschen den ersten Schritt

in eine Branche machen. Auch beim Thema

Lehrlinge müssen wir uns am Arbeitsmarkt

attraktiver präsentieren. Ich glaube, dass wir

da über die Grenzen der eigenen Unternehmen

hinaus zusammenarbeiten sollten, um Ideen

zu entwickeln.

Christophel: Das sehe ich genauso. In

Deutschland hat der Branchenverband

GEFMA (für: „German Facility Management

Association“) mit den Möglichmachern vor

einigen Jahren eine Initiative gegründet, um

die Branche bei potenziellen Mitarbeitern und

Kunden bekannter zu machen. Die war sehr

breit gefasst und wurde von vielen Dienstleistern

unterstützt. In Österreich gibt es, was

das Image der Branche betrifft, noch sehr

viel zu tun, um vor allem von potenziellen

Arbeitskräften positiver gesehen zu werden.

142 ImmoFokus


„Im War for Talent

müssen wir als

Branche aktiver sein

und uns besser

präsentieren.“

Michael Lackner,

Dr. Sasse Gruppe

Ich würde hierzulande sehr gerne einen Weg

mitgestalten, um dieses Image auf ein neues

Level zu heben.

Hörnecke: Vom Fachkräftemangel ist nicht

nur das Facility Management betroffen ist,

sondern viele anderen Branchen auch. Egal,

ob Empfangsdienste, Sicherheitsmitarbeiter

oder Hotel- und Gastronomiemitarbeiter – die

Leute wollen einfach viele Jobs nicht mehr

machen. Gleichzeitig sagen aber auch viele

Firmen: „Ich will mir den ganzen Aufwand

der Ressourcenbeschaffung einfach nicht

mehr antun.“ Denn die Fluktuation ist aktuell

enorm. Das trifft unter anderem auch auf den

Reinigungsbereich zu.

Wie reagieren Sie darauf ?

Hörnecke: Wir sehen uns als Firma, die

breiter aufgestellt ist als andere. So müssen

wir auch in die Zukunft gehen. Wir sind

nicht nur eine Reinigungsfirma. Wir sind ein

Dienstleistungsbetrieb, der mit der Zeit und

neuen Anforderungen wächst. Wir wollen

uns, basierend auf unseren bestehenden

Fähigkeiten und Erfahrungen, aber auch

durch Digitalisierung, Innovation und Lernen

weiterentwickeln. Wir müssen uns vor Augen

halten, dass wir uns gerade mitten in einem

Veränderungsprozess befinden und die

Chance haben, uns breiter aufzustellen.

Lackner: Man darf auch nicht vergessen, dass

wir aufgrund der Digitalisierung um Mitarbeiter

kämpfen, die in unserer Branche früher

gar nicht tätig waren, wie IT-Spezialisten oder

Projektleiter, die sich mit digitalen Prozessen

auseinandersetzen. Auch Mitarbeiter für die

Verwaltung, Buchhalter oder Finanzbuchhalter,

die derzeit auch jeder zu suchen scheint,

haben sich rar gemacht. In gewisser Weise

verschärft die Digitalisierung also auch den

Personalmangel.

Lassen Sie uns wieder näher an das Thema

Digitalisierung rücken. Sind ergebnisorientierte

Verträge, bei denen der Fokus

auf dem Ergebnis liegt und nicht auf dem

Abarbeiten einzelner Leistungen, wirklich

die bessere Basis für die

Implementierung digitaler Services?

Freitag: Das wäre tatsächlich der Fall. Wir

sehen das bei unseren internationalen

Verträgen, die um Welten weiter sind als die

auf nationaler Ebene. Da geht es beispielsweise

darum, Inflation zu kompensieren, Kosten kontrollierbar

und den Kunden am Ende des Tages

wettbewerbsfähiger zu machen. Das Schlüsselargument,

das man dem Kunden bieten kann,

ist insgesamt Transparenz. Insgesamt gibt es

in dem Zusammenhang am österreichischen

Markt noch viel Luft nach oben.

Christophel: Ich bin überzeugt, dass sich der

Markt stärker in Richtung Output-orientierter

Dienstleistung entwickeln wird. Bei den

Bestandskunden ist das aber noch nicht auszumachen.

Viele denken sich möglicherweise,

dass sie bislang ganz gut mit leistungsorientierten

Verträgen gefahren sind, ein Vertrauensverhältnis

zum Dienstleister aufgebaut

haben, dass die Zusammenarbeit funktioniert

und letztlich auch die Qualität passt. Bei

neuen Kunden erkennt man aber gerade

Digitalisiert statt kompliziert.

Organisieren und verwalten Sie alle Zahlen, Daten und Fakten

zu Ihrem Unternehmen. Einfach. Intuitiv. Strukturiert. Und sicher.

Wie einfach das geht, sehen Sie hier: tpa-connect.app

Ausgabe 03|2022

143


ImFokus

Moldaschl: Auch, wenn es die Verträge hergegeben

hätten, dass wir die volle Pauschale

verrechnen, haben wir das nicht gemacht. Wir

haben gesagt: Der Kunde verdient nichts, da

kann er uns auch nicht alles zahlen. Wir haben

jedenfalls einen sehr schönen Mittelweg

gefunden. Und jetzt, wo diese Kunden wieder

zwischen 85 und hundert Prozent ausgelastet

sind, danken sie es uns. Das gegenseitige

Vertrauen ist durch die Pandemie jedenfalls

gestiegen, daher will der Großteil der Kunden

auch weiterhin mit uns arbeiten.

bei internationalen Unternehmen, dass das

Top-Down-Prinzip wesentlich präsenter ist. Für

die Anbieter bedeutet das, dass man sich am

Wettbewerbsmarkt nur dann behaupten wird

können, wenn man entsprechendes Datenmaterial

zur Verfügung hat, das man entweder

selbst generiert oder vom Kunden bekommen

hat. Ansonsten wäre das ein Blindflug.

Lackner: Weil wir über War for Talent gesprochen

haben: Damit sich der Kunde wohlfühlt

(beziehungsweise die Mitarbeiter unseres

Kunden) ist es wichtig, ein ergebnisorientiertes

Vertragsverhältnis zu schaffen. Langfristig

wird es sich auch in diese Richtung bewegen.

Es wird aber noch dauern, man erkennt aber

sehr wohl schon einen globalen Trend bei

internationalen Kunden, die ergebnisorientierte

Arbeitserfassung anzuwenden.

Es geht hier also um

Überzeugungsarbeit beim Kunden?

Moldaschl: Das Mindset der Kunden muss auf

jeden Fall geändert werden. In vielen Fällen

arbeiten wir mit unseren Kunden, die überwiegend

im Hotelbereich tätig sind, seit vielen

Jahren zusammen. Mit manchen seit fast

zwei Jahrzehnten. Da hat sich mittlerweile ein

partnerschaftliches Verhältnis entwickelt. In

der Pandemie war es so, dass wir in Österreich

gemeinsam ein Notprogramm entwickelt

haben. Nachdem keiner wusste, wie lange der

„Als Cyberangriff-

Betroffener, bin ich mir nicht

sicher, ob eine gemeinsame

Cloud eine gute Idee ist.“

Werner Moldaschl,

Wisag

Lockdown dauern wird, haben viele Hotels

den Betrieb runtergefahren, aber nur so weit,

dass er schnell wieder hochgefahren werden

kann. Die Anlagen konnten also nicht alle

abgedreht werden. Eine Grundbetreuung war

notwendig. Die Frage war nur: Was gehört

dazu?

Wie sind Sie vorgegangen?

Muss man ESG und Digitalisierung

gemeinsam denken?

Freitag: Die Digitalisierung erleichtert

natürlich, den Kunden Daten zur Verfügung

zu stellen. Wir arbeiten etwa schon seit Jahren

mit Cloud-Lösungen, die wir mit Microsoftund

IBM-Programmen abdecken, ebenso wie

mit Supply-Chain-Programmen, wo auch die

ESG-Komponente drinnen ist. Da wird etwa

abgefragt, woher ein eingesetztes Produkt

kommt, wie ethisch die Lieferkette ausgerichtet

ist und so weiter. Bei den Kunden sehen

wir, dass einige beim Thema ESG weiter sind

als andere, weil sie Erfahrung mit konzerninternen

Audits haben. Sie ziehen mit und

fragen uns schon heute nach einschlägigen

Daten. Für den Großteil der Kunden gilt das

freilich nicht.

Hörnecke: Wir sehen bei unseren Kunden aus

dem US-amerikanischen Raum, dass sie im

ESG-Bereich mit ganz anderen Auflagen in

der Datenbereitstellung arbeiten. Also ist das

auch für uns ein Muss. Dabei kommt es einem

oft so vor, als ob monatlich etwas dazukommt,

was in den Berichten angegeben werden

muss: Risk Assessment, Method Statements,

Energieparameter und vieles mehr. Trotzdem

können wir nicht sagen: „Nein, das machen

wir nicht, das wird in Österreich nicht

verlangt.“ Dem Kunden ist das egal, er muss

diese Informationen bei seinen Quality-Audits

liefern.

Lackner: Die Frage, die wir uns bereits vor

vielen Jahren gestellt haben, ist, wie man es als

Facility Management-Unternehmen schafft,

CO2-neutral zu werden. Bei der Reinigung

werden Materialien verbraucht und Verpackungen

verwendet, das ist keine Frage. Ein

weiterer und viel größerer „Posten“ in der CO2-

144 ImmoFokus


Bilanz ist aber, wie der Mitarbeiter aus seinem

privaten Umfeld zum Arbeitsplatz kommt.

Das können wir nur bedingt beeinflussen, wie

etwa mit Jahreskarten für die öffentlichen

Verkehrsbetriebe oder E-Fahrzeugen als

Dienstwagen.

Moldaschl: Ich kann da nur an meine

Vorredner anschließen: Teile der aus ESG

abzuleitenden Maßnahmen werden durch die

Digitalisierung unterstützt, es macht daher

Sinn, die Themen gemeinsam zu denken. Da

die meisten großen Immobilieneigentümer

internationale Konzerne sind, wird uns gar

nichts anderes übrigbleiben, als bei dieser

Entwicklung mitzuziehen und sie auch

eigenständig weiter voranzutreiben. Sofern

wir diese Kunden behalten wollen.

Nicht nur in der Facility Management-

Branche wird häufig beklagt, dass

zwar Unmengen an Daten gesammelt,

diese aber nicht richtig genutzt

beziehungsweise geteilt werden …

Freitag: Das Sammeln von Daten ist natürlich

aufgrund der Datenschutzgesetze ein sehr

heikles Thema. In der Vergangenheit haben

etwa die Auftraggeber oft vergessen, bei

Ausschreibungen in die Verträge hineinzuschreiben,

dass man die Daten in einem für

andere CFM- oder ERP-Programme kompatiblen

Format liefern muss. Davon waren wir

betroffen, wie viele andere auch. Wir mussten

von null beginnen und die Daten nochmals

neu sammeln, was natürlich mit hohen Kosten

verbunden war. Um das Problem zu lösen,

müssten am Ende des Tages auch die Anbieter

der diversen Soft- und Hardware-Lösungen

mit ins Boot geholt werden.

Christophel: Wichtig wäre es, im Vertrag

festzuhalten, wer die Datenhoheit hat und

in welcher Form die Daten zur Verfügung

stehen müssen. Das könnte vertraglich

sicherlich schnell gelöst werden. Und

einschlägige technische Lösungen gibt es

ohnehin zuhauf. Der größte Verhinderer des

Datenaustausches ist die Datenschutzverordnung.

Geht es beispielsweise in Richtung

der Mitarbeiter und deren Verhalten bei der

Arbeit, können wir Daten nur eingeschränkt

auswerten und nutzen, ganz zu schweigen

von der Weitergabe.

Wäre eine eigene Cloud für das

Facility Management wünschenswert?

Christophel: Da wäre ich absolut dafür, weil

das unsere Arbeit um einiges erleichtern

würde. Die Frage ist nur: Wie wird diese Cloud

aufgesetzt werden? Wir kennen ja alle die

Problematik der Cybersicherheit. Eine Cloud

müsste hundertprozentig sicher sein.

Hörnecke: Ich habe hier einen etwas anderen

Zugang: Ich glaube man sollte zuerst einmal

im Vertrag festhalten, welche Parameter

relevant sind beziehungsweise was überhaupt

gemessen werden soll – auch, um

nicht Unmengen an nicht benötigten Daten

sammeln zu müssen. Die Amerikaner arbeiten

mit KPI, also Schlüsselindizes, anhand derer

festgestellt werden kann, ob die vertraglich

geregelten Anforderungen des Kunden

erledigt wurden. Gleichzeitig muss im Vertrag

auch geregelt werden, wie der Kunde zu den

Daten kommt. Und ich gebe Herrn Christophel

Recht, dass da die Datenschutzgesetze noch

sehr statisch aufgesetzt sind.

Moldaschl: Als Betroffener vom Thema

Cyberangriffe bin ich mir nicht so sicher,

ob eine gemeinsame Cloud wirklich so eine

gute Idee ist. Hundertprozentige Sicherheit

gibt es da ja nicht, was wir – wie unzählige

andere Betroffene – erst lernen mussten. Das

zweite Thema, das mich beschäftigt: Wenn

man Daten anderen zur Verfügung stellt oder

teilt, dann müssen sie auch klar definiert sein.

Jeder, der darauf zugreift, muss wissen, was

sie aussagen. Sonst haben sie keinen Wert.

Als Gegner von Datenfriedhöfen bin ich auch

dafür, dass nur jene Daten gesammelt werden,

die auch wirklich benötigt werden.

Zwischen den Zahlen lesen.

www.tpa-group.at

Ausgabe 03|2022

145


ImFokus

Abriss nur

als Ultima Ratio

Schwarz-Weiß-Denken nicht erlaubt. Wie gehen wir mit dem

Gebäudebestand um, der nicht kreislauffähig gebaut wurde? Welche

Hürden und Hebel bewegen nachhaltiges Sanieren? Diesen und weiteren

Fragen ging das Expertenpanel beim dritten Virtuellen Baustammtisch

von Austrian Standards nach.

K

reislaufwirtschaft ist im Bausektor

ein Schlüsselelement für den klimaschonenden

Ressourcenverbrauch.

Mittlerweile sollte die

Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit schon in

die Planungsphase von Neubauten einfließen.

Auch das Abfallaufkommen kann mit geschlossenen

Baustoff- und Baumaterialkreisläufen

verringert werden. Fünf Experten gingen unter

anderem der Frage nach, wie mit dem Gebäudebestand

umgegangen werden soll, der nicht

kreislauffähig geplant und gebaut wurde.

Diesmal am Podium des dritten virtuelle

Baustammtisch: Peter Bauer, stellvertretender

Vorsitzender Sektion Ingenieurkonsulenten

der Kammer der ZiviltechnikerInnen für

Wien, Niederösterreich und Burgenland, Georg

Hofmann, Experte für Digitalisierung &

Regulative, DoTank Circular City, Stadt Wien,

Armin Knotzer, Projektleiter bei AEE INTEC,

„Zwischen Sanierung,

Rückbau oder Abriss

gibt es jede Menge

Graubereiche.“

Peter Bauer,

Kammer der ZiviltechnikerInnen

für Wien, Niederösterreich

und Burgenland

Vorstand renowave.at, Thomas Pipp, Fachreferent

der Österreichische Bundesbahnen (ÖBB),

und Franz Schwendemann, Teamleiter OFM

Gebäudedaten & -zustände, Bundesimmobiliengesellschaft

(BIG).

Abriss ist die Ultima Ratio

In diesem Punkt ist sich das Panel sofort einig:

Beim nachhaltigen Planen, Bauen und Sanieren

gibt es nicht nur schwarz und weiß, richtig

und falsch. Wir müssen die Grauzonen nutzen.

146 ImmoFokus


Einigkeit herrscht auch darüber, dass der Abriss

letzte Wahl sein sollte.

So betont etwa Peter Bauer: „Zwischen Sanierung,

Rückbau oder Abriss gibt es jede Menge

Graubereiche, zum Beispiel die Adaptierung

der Flächen in jeder Schattierung von sanft bis

radikal. Die Umnutzung ist aus meiner Sicht

sehr wichtig und ich glaube, dass sich das Feld

Nachhaltigkeit in dieser gesamten Bandbreite

aufspannt.“ Im direkten Vergleich sei die Sanierung

in der Regel nachhaltiger als jeder Abriss.

„Wir stehen tagtäglich vor dem Entscheidungsdilemma:

Sanierung oder Rückbau“,

berichtet Franz Schwendemann aus der Praxis.

„Dabei sind drei Faktoren zu bedenken: Der

kulturhistorische Wert – ist er hoch, wird ein

Rückbau nicht stattfinden. Die Sanierung ist

aber auch auf stabile Gebäudestrukturen angewiesen.

Ein sehr wesentlicher Faktor ist zudem

die Möglichkeit einer Umnutzung. Ich denke,

wir am Podium sind uns einig, dass nach der

Sanierung ein Umbau oder wenigstens Rückbau

das Ziel sein sollte und der Abriss nur die

„Es ist auch eine Frage der

Kostenwahrheit.“

Franz Schwendemann,

Bundesimmobiliengesellschaft BIG

Ausgabe 03|2022

147


ImFokus

Ultima Ratio ist. Das ist aber auch eine Frage

der Kostenwahrheit.“

Jedes Gebäude ist eine Rohstoffquelle

Für Bauer sind Bestandsgebäude wertvolle

Rohstoffquellen: „Wir dürfen alte Gebäude

nicht mehr als etwas Lästiges empfinden. Für

ihre Errichtung wurde bereits viel CO2 ausgestoßen.

Insofern tut es weh, wenn Stahlbetongebäude

noch immer einfach abgerissen

werden. Gründerzeithäuser sind zum Beispiel

„Auch für den Bestand brauchen wir

nachhaltige Materialien und neue

Verbindungsstoffe statt Verklebungen,

um in die Kreislaufwirtschaft einzusteigen.“

Georg Hofmann,

DoTank Circular City, Stadt Wien

fantastische Gebäude, aber ihre Wärmedämmung

ist nicht optimal. Hier gibt es nicht nur

zwei Lösungen, null oder hundert. Auch in

Bezug auf Behaglichkeit müssen wir die Grauzonen

nutzen. Wenn ein Gebäude seit hundert

Jahren bewohnt ist, braucht es dann wirklich

unbedingt plötzlich einen modernen Schallschutz?“

Traditionelle Holzverbindungen, die

ohne Nägel auskommen, sind für Bauer ein

weiterer Schritt am Weg in die Kreislaufwirtschaft.

„Solche Technologien wurden leider

aufgegeben, weil die handwerkliche Tradition

aufgegeben wurde. Aber heutige Maschinen

könnten das wieder, und zwar mit einer unglaublichen

Präzision und Geschwindigkeit.

Wir können sehr viel aus der Geschichte und

von traditionellen Techniken lernen.“

Georg Hofmann kann in diesem Punkt nur

zustimmen: „Wenn wir sanieren, dann ist die

Frage immer auch wie wir sanieren. Auch für

den Bestand brauchen wir nachhaltige Materialien

und neue Verbindungsstoffe statt Verklebungen,

um in die Kreislaufwirtschaft einzusteigen.

Wiederverwendung und zumindest

die stoffliche Wiederverwertung müssen das

Ziel jedes Bauprojekts sein. Das ist eine große

Herausforderung, die einfacher zu meistern

wäre, wenn wir genau wüssten, welche Massen

und Materialien wo verbaut sind.“

Problemzone Verbundmaterialien

Hinter einer Bestandsaufnahme steckt großer

Aufwand, weiß Franz Schwendemann. Derzeit

sei die energetische Bewertung aller Gebäude

im Bestand in Vorbereitung: „Das ist durchaus

148 ImmoFokus


eine Anstrengung, sollte aber relativ zeitnah

passieren können, um dann festzulegen, wo

eine Nachrüstung nötig ist.“ Problemzonen

sieht auch er bei den Verbundmaterialien in

den Fassaden und Fenstern, bis hin zu Tragkonstruktionen.

Um solche Bauteile sinnvoll

im Materialkreislauf zu behalten, werde man

noch „ein gewisses Gehirnschmalz“ benötigen.

Ein Teil der Lösung sieht Schwendemann im

Deponierungsverbot für bestimmte Baustoffe.

Eine Verschärfung sei in den nächsten Jahren

zu erwarten, wodurch der Kostendruck bei der

Entsorgung steigen werde.

Thomas Pipp teilt diese Meinung und ist sicher,

dass es künftig viel mehr Initiativen im Sinne

„Das Recyceln nachhaltiger

Baustoffe wird neue

Sparten in der Bauwirtschaft

entstehen lassen – inklusive

der Zertifizierungen dieser

Baustoffe.“

Thomas Pipp,

Österreichische Bundesbahnen

der Kreislaufwirtschaft geben werde. Nachhaltige

Baustoffe und Teile zumindest zu recyceln

und einem neuen Baustoff zuzuführen statt sie

zu deponieren oder einzugraben, werde eine

ganz neue Sparte der Bauwirtschaft entstehen

lassen – inklusive der Zertifizierungen dieser

Baustoffe.

Kostenwahrheit und

gemeinsames Mindset

Für Armin Knotzer sind allerdings viele Bemühungen

der Gegenwart nicht ausgereift:

„Solange wir nicht wissen, in welchem Bestand

wir welche Maßnahmen setzen wollen, und

konkrete Ziele fehlen, sind viele Initiativen zumindest

ineffizient. Es fehlt ein umfassender

Rechnet sich.

www.tpa-group.at

Ausgabe 03|2022

149


ImFokus

Information

Der 3. Virtuelle Baustammtisch fand am 4. Mai unter dem Titel „Rückbau oder Sanierung, was ist wirklich

nachhaltiger?“ statt. Die Veranstaltung wurde von Austrian Standards durchgeführt – gemeinsam mit

dem ImmoFokus und der Kammer der ZiviltechnikerInnen für Wien, Niederösterreich und Burgenland.

Plan, das Gesamtbild, und ich glaube, es fehlt

der politische Wille.“ Georg Hofmann gibt zu

bedenken, dass es eine sehr große Vielfalt an

Bewertungsmatrizen und Bewertungssystemen

gebe. „Deswegen ist es auch noch einmal

wichtig, hier wirklich zielorientiert die tatsächlichen

Kennzahlen zu evaluieren.“

Knotzer sieht deutlichen Handlungsbedarf:

„Da gibt es sicher Diskrepanzen, auch in der

Methodik. Und ich gebe Ihnen völlig recht,

aber ich denke, viel wichtiger sind Ziele, die

man definieren muss. Dann wird man auch die

Methoden finden. Man weiß ja gar nicht genau,

warum gewisse Vorgaben und Kennzahlen,

wie die in der EU-Taxonomieverordnung,

überhaupt definiert wurden, wenn das große

Ziel fehlt.“

Peter Bauer ergänzt: „Um die Ziele zu erreichen,

brauchen wir aber auch Lenkungsmittel.

Ich hoffe sehr auf eine entsprechende

Gesetzgebung inklusive Kostenwahrheit. Im

Mietrechtsgesetz sind alle Kosten im Zusammenhang

mit Energie einfach auf die Mieter

zu wälzen. Nötig sind aber Modelle, die alle

Kosten auch im Sinne der Umweltbelastung in

die Lebenszyklusberechnung einkalkulieren

und Auftraggeber motivieren, langfristig zu

rechnen. Wir brauchen wirklich ein großes

Gesamtbild mit wenigen, aussagekräftigen

Kennzahlen, die uns Richtlinien vorgeben.

Voraussetzung ist das Mindset, dass Nachhaltigkeit

eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

ist, die wir gemeinsam erledigen müssen.“

Sanierung bedeutet:

Kompromisse finden

Ein Stolperstein für die nachhaltige Sanierung

oder Adaptierung sind auch immer wieder die

technischen Möglichkeiten. „In Zeiten von

Wohnraumknappheit möchte man verdichten.

Wenn ein Dachgeschossausbau oder mehrere

Geschosse aber aus technischen Gründen

nicht von der vorhandenen Substanz getragen

werden können, bleibt nur ein Rückbau. Gerade

im Wohnungsbereich wird Verdichtung

wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten

150 ImmoFokus


„Es fehlt ein umfassender Plan,

das Gesamtbild, und ich glaube,

es fehlt der politische Wille.“

Armin Knotzer,

AEE INTEC, Vorstand renowave.at

ein Riesenthema sein“, erklärt Schwendemann.

Hoffmann ergänzt: „Nicht nur in den

bestehenden Städten, sondern vor allem auch

in den Stadterweiterungsgebieten.“

Beim Thema nachhaltige Sanierung sei es

deshalb sinnvoll, die Grauzonen auszunutzen

und in Verhandlung zwischen Behörden und

Partnern, wie Arbeitsinspektorat, Feuerwehr,

Baupolizei und Denkmalschutz, sowie unter

Wahrnehmung der Interessen von Mieterinnen

und Mietern alle rechtlichen Möglichkeiten

auszuloten, um die beste Lösung zu finden.

Die Basis sei ein „für alle gerade noch tragbarer

Kompromiss“, so Schwendemann. Dass gerade

in solchen Grauzonen viele Haftungsfragen

aufkommen können, sieht nicht nur Schwendemann

als Hürde. Umso wichtiger sei die umfassende

Expertenberatung bei jedem Projekt.

Bewährtes schätzen,

aber auch überdenken

Abschließend steht für alle Diskutanten fest:

Wenn wir nicht jetzt umdenken und in nachhaltige

Gebäude investieren, werden spätestens

die nächsten Generationen einen hohen Preis

zahlen müssen. Was fehlt, sei eine gesicherte

Datenlage über den Bestand und die Definition

eines großen Gesamtziels. Um in eine kreislauffähige

Wirtschaft zu gelangen, sind bewährte

Technologien ebenso gefragt wie Innovationen.

Letztlich werden wir nicht nur Kennzahlen und

Berechnungsmodelle, sondern auch unsere Ansprüche

überdenken müssen.

Immobilien-Know-Wow!

www.tpa-group.at

Ausgabe 03|2022

151


ImFokus

Den Naturgewalten

ausgesetzt

Round Table. Drei Diskutanten tauschten sich zu den Themen Dach, Fenster, Beschattung und Fassade aus,

den Gebäudeteilen, die jederzeit Sonne, Wind und Wetter trotzen müssen. Technische Neuerungen, ESG und

Wartungsmöglichkeiten standen dabei im Vordergrund.

Autor: Lisa Grüner

152 ImmoFokus


„Die Lebensdauer von Fenstern und Sonnenschutz kann

durch das Verwenden von Systemprodukten und

regelmäßige Wartungen verlängert werden.“

Stephan Messner,

AluKönigStahl

E

SG wird immer mehr zum Thema“,

so Stephan Messner, Prokurist von

AluKönigStahl. „Deswegen sehen

wir einen starken Trend in Richtung

Energiegewinnung über die Fassade.“ Roland

Pinz, Managing Director der CC Real, sieht das

aus Facility-Management-Sicht: „Es macht Sinn,

einen Teil der Fassade zur Energienutzung zu

verwenden, aber nur, wenn die technischen

Parameter ausgereift sind. Da muss man Acht

geben, dass es nicht zum Green Washing kommt.

Viele unserer Investoren fragen beispielsweise

Grünstrom nach, aber Fakt ist, dass gar nicht so

viel Grünstrom produziert werden kann, um den

Bedarf zu decken. Also kauft man Zertifikate,

z. B. aus Skandinavien ein, das geht am Sinn vorbei.“

Messner hakt in das Thema ein. „Beim Neubau

wird es sowohl den Einsatz von Grünstrom als

auch den Zukauf von Zertifikaten geben, weil

es hilft, die ESG-Kriterien zu erfüllen.“ Messner

gibt zu bedenken, dass man nicht aus jedem

Projekt ein ESG-konformes Projekt machen

kann. Für ihn ist auch der Einsatz von Holz so

ein Thema. „Ich sehe diesen schnellen Trend

zum Holz auch ein wenig als Greenwashing,

dennoch sieht man ganz klar, dass jeder, vom

Auftraggeber bis zum Endkonsumenten, diesen

Werkstoff gerne mag. Ressourcentechnisch

ist und bleibt die Abholzung ein Problem.“

Andreas Klotzner, Geschäftsführer von Valetta

bringt einen weiteren Trend ins Rennen, den

Textilsonnenschutz auf der Fassade. „Wenn

die Sonne wieder freundlich lacht, dann

wollen alle gleichzeitig einen Sonnenschutz.

Und, keine Frage, ohne diesen heizen sich die

Räume viel stärker auf. Die neuen Außenrollos

aus Stoff sind schienengeführt und müssen alle

Wetterkapriolen aushalten.“ Messner ergänzt,

dass sich auch die Zippmarkisen derzeit großer

Beliebtheit erfreuen. Es wird nachgefragt,

aus welchem Material diese gefertigt werden.

Klotzner ergänzt, dass diese aus Glasfaser gefertigt

werden. Es entbrennt eine Diskussion

über die Nachhaltigkeit des Materials, da es

nicht verrottet. Es gilt bei der Entsorgung als

Sondermüll und muss verbrannt werden.

Klotzner ergänzt, dass auch schon spezielle recyclingfähige

Gewebe auf den Markt kommen.

Markisenstoffe halten 10 bis 20 Jahre, je nach

Verarbeitung. Klotzner wirft ein, wie wichtig

es wäre, die Bauherren in diesem Bereich zu

schulen. „Eine Beschattung kann und sollte

man warten, das erhöht ihre Lebensdauer. Leider

ist die Beschattung so lange im Einsatz, bis

sie kaputt ist.“ Er ergänzt, dass es früher üblich

war, Teile auszutauschen, und dass dies bei Valetta

immer noch möglich ist. Messner ergänzt,

Ausgabe 03|2022

153


ImFokus

dass teilweise die Motoren oft komplett ausgewechselt

werden, obwohl diese mit einfachen

Ersatzteilen wieder flott zu bekommen wären.

Sonderfall Glasdächer

Pinz bringt den Sonderfall Glasdächer ins Rennen.

„Da ist die Beschattung einerseits durch

die vermehrte Hitzeentwicklung eine besondere

Notwendigkeit, andererseits auch eine

große Herausforderung, denn dunkel will es

niemand haben. Als Beispiel bringt er ein Objekt

bei Wien Mitte: „Dort ist die Beschattung

nicht energieeffizient, sie hält nur das Sonnenlicht

ab. Nun suchen wir eine Lösung für unsere

Glasdächer.“ Klotzner bringt als Beispiel

die Beschattung der Glasdächer in der Linzer

Pluscity. „Da wird die Luft zwischen Glasdach

und Beschattung abgesaugt, weil sie sich dort

am stärksten erhitzt.“ Zusätzlich wird sie beduftet,

damit eine angenehme Atmosphäre

erzeugt wird. Pinz bedauert, dass bei der Millennium

City keine Außenabdeckungen möglich

sind, da sie dem Wind und Düseneffekt zu

stark ausgesetzt ist.

„Da schon mehr Energie

zum Kühlen als zum Heizen

gebraucht wird, werden die

Außenbeschattungen immer

wichtiger.“

Andreas Klotzner,

Valetta

Hauptaugenmerk Kühlung

„Da schon mehr Energie zum Kühlen als zum

Heizen gebraucht wird, werden die Außenbeschattungen

immer wichtiger“, so Klotzner.

Messner ergänzt, dass beim Neubau die Beschattung

bereits fixer Bestandteil der Planung

von Fenster- und Fassadenkonstruktionen ist.

Generell muss man damit rechnen, dass die Betriebskosten

bei älteren Projekten nach oben

schießen. „Man muss zwischen Wohnen und

Büro unterscheiden“, wirft Klotzner ein. „Wir

haben es noch nicht geschafft, eine Anlage so

zu programmieren, dass es für alle passt, da

oft Frauen und Männer ein unterschiedliches

Wärme-/Kälteempfinden haben.“ Auch die

Abwärme durch Computer und Geräte wird

immer mehr zum Thema, vor allem bei großen

Büroflächen. Da gibt zu wenig die Möglichkeiten,

die Zonen unterschiedlich zu heizen, viele

stören sich auch an Deckenkühlungen und

Lüftungsauslässen. „Der Trend geht wieder zu

kleineren Büroräumen. Damit bekommt der

Nutzer mehr Individualität bei z. B. der Temperatureinstellung“,

so Messner. Klotzner ergänzt,

dass das hybride Arbeiten die Nutzung

der Büroflächen weiter verändern wird.

Beschattung

Die Diskutanten sind sich einig, dass vermehrt

sommertauglich gebaut werden muss.

Sonnen- und Sichtschutz sind zwar schon

154 ImmoFokus


z. B. wenn dort Schäden auftreten. Ist das Gebäude

außerhalb der Gewährleistung, stehen

hohe Kosten für Wartung und Reparatur ins

Haus.“ Messner ergänzt, dass speziell Fenstern

in puncto Qualität häufig wenig Beachtung geschenkt

wird und auch die Wartung dieser vernachlässigt

wird. „Bei Fenstern ist es wichtig,

diese ideal einzustellen, um sie leicht bedienen

zu können und damit sie auch bauphysikalisch

funktionieren.“ Klotzner wirft ein, wie wichtig

es ist, sich zu überlegen, wo man die Fenster

kauft, und sich zu fragen, woher bei Schäden

Ersatzteile kommen. „Kauft man Fenster

aus einer heimischen Produktion, bleibt die

Wertschöpfung im Land, und man kann einzelne

Teile immer wieder austauschen. Bei

Produkten aus dem Ausland kann es sein, dass

man weder Wartung noch Service erhält und

schlussendlich teuer kauft.“

Die Diskutanten einigen sich darauf, dass man

umdenken muss und mit dem Investor, dem

Planungsunternehmen, dem Facility Management,

dem Beschattungsunternehmen und

Fassadenbauer vorab an einem Tisch sitzen

und die Themen der Wartung und Erhaltung

besprechen sollte.

„Ohne ESG-Zertifikate bekommt man im

Officebereich keine internationalen Mieter eingemietet,

da scheiden die Objekte bereits am Papier aus.“

Roland Pinz,

CC Real

ESG-Kriterien

Pinz meint, dass alles nur mehr in Richtung

Zertifizierungen geht: „Die Banken haben das

ESG-Thema in den Finanzierungen, und im

Officebereich bekommt man ohne Zertifikate

keine internationalen Mieter mehr ins Büro.

Da scheiden die Objekte bereits am Papier aus,

unabhängig von der Lage.“

lange Standard, dennoch gibt es derzeit einen

Paradigmenwechsel: Der Sonnenschutz wird

schon standardmäßig mitgeplant. Auch hier

zeigt sich der Trend zum modularen Bau, Systemprodukte

werden immer wichtiger. Doch,

so führen die Diskutanten an, muss man in

der Planung früh wissen, was gewollt und gebraucht

wird und dass man dem Nutzer nicht

die volle Freiheit lassen darf, da das die Kosten

hinauftreibt.

Dach und Fenster

„Fassade und Dach sind die Seele des Gebäudes“,

so Pinz. „Aber auch die Schwachstelle,

„Ein Gebäude soll ja nachhaltig genutzt werden

können“, bestätigt Messner. „Es braucht

kreislauffähige und ökologische Materialien,

die man reparieren, reinigen und am Ende 1:1

wiederverwerten kann.“ Klotzner ergänzt, dass

Aluminium schon sehr lange recycelt wird. Für

Messner wäre es wichtig, dass man mehr Effizienz

in die Produkte bringt und Gebäude zum

Materiallager werden.

Ausgabe 03|2022

155


Zum Autor

Berthold Hofbauer ist Partner bei Heid & Partner Rechtsanwälte. Seine Spezialgebiete

sind Vergaberecht, Vergabe-Compliance und Nachhaltigkeitsrecht (insbesondere

Green Public Procurement). Zudem ist er Herausgeber des Kommentars

zum Vergaberecht „BVergG 2018“ und der Fachzeitschrift „Nachhaltigkeitsrecht“.

Zertifizierte Mineralwolle als Pflicht

der nachhaltigen Vergabe

Kommentar: Berthold Hofbauer

Zunächst ist festzuhalten, dass nach der Grenzwerteverordnung

„nichtfreigezeichnete“ Mineralwolle den normativ verankerten Verdacht

innehat, krebserzeugendes Potenzial zu besitzen. Nur „freigezeichnete“

Mineralwolleprodukte gelten gesetzlich als unschädliche

Arbeitsstoffe; der „Freizeichnungsnachweis“ kann wiederum mittels

Gütezeichen erbracht werden (zum Beispiel das RAL-Gütezeichen und

das EUCEB-Markenzeichen). Die Verwendung nichtfreigezeichneter Mineralwolle

steht somit im direkten Konflikt mit dem EU-Primärrecht, das

potenzielle Schadstoffe auf ein Maß reduzieren möchte, das unschädlich

für Mensch und Umwelt ist: das sogenannte Vorsorgeprinzip. Demnach

ist im Ermessensfall (wenn also eine Wahlmöglichkeit besteht) immer

einer Maßnahme der Vorzug zu geben, die dem Schutz der menschlichen

Gesundheit und/oder der Umwelt förderlich ist.

steht der Verwirklichung dieses wichtigen sozialpolitischen Aspekts

diametral entgegen. Darüber hinaus hat die öffentliche Hand zwingend

das aus dem Arbeitnehmerschutz stammende „Substitutionsgebot“ zu

beachten, wonach krebserzeugende Arbeitsstoffe nicht verwendet werden

dürfen, wenn mit vertretbarem Aufwand ein gleichwertiges Arbeitsergebnis

mit nicht gefährlichen Arbeitsstoffen erreicht werden kann, ¬

gegenständlich beispielsweise die Heranziehung von zertifizierter Mineralwolle

anstelle von „nicht nichtfreigezeichneter“ Mineralwolle. Im

Ergebnis ist der öffentliche Einkauf nicht freigezeichneter Mineralwolleprodukte

mit einer sozialen Beschaffung („potenziell karzinogenen Gefahr“)

und einer umweltgerechten Beschaffung („gefährlicher Abfall“)

nicht in Einklang zu bringen beziehungsweise ist der Beschaffung von

freigezeichneter Mineralwolle somit klar der Vorzug zu geben.

Umweltgerechtheit der Leistung

In vergaberechtlicher Hinsicht schlägt dieses Vorsorgeprinzip gleich

mehrfach durch und verpflichtet den öffentlichen Auftraggeber im Ergebnis

dazu, nur freigezeichnete Mineralwolleprodukte zuzulassen. So

ist bei Ausschreibungen zwingend auf die „Umweltgerechtheit der Leistung“

Bedacht zu nehmen. Nichtfreigezeichnete Mineralwolle ist jedoch

als „gefährlicher Abfall“ iSd AVVO zu qualifizieren (potenzielle Gefahr

für die Gesundheit und/oder die Umwelt), der ähnlich den Vorgaben für

asbesthaltige Abfälle entsorgt und abgelagert werden muss. Darüber

hinaus kann im Vergabeverfahren auch auf sozialpolitische Belange

Bedacht genommen werden. Öffentliche Auftraggeber haben somit die

gesetzliche Möglichkeit, im Rahmen der Auftragsvergabe auf ein weites

Spektrum sozialer Anliegen Rücksicht zu nehmen. Ein derartiges soziales

Anliegen ist zweifellos auch die Gewährleistung einer höchstmöglichen

Sicherheit der Arbeitnehmer.

Substitutionsgebot

Die Verwendung von nichtfreigezeichneten Mineralwolleprodukten

mit einer – gesetzlich verankerten – potenziellen karzinogenen Gefahr

Fotos: Michael Büchling, Adobe Stock

156 ImmoFokus


Zum Autor

David Suchanek ist Partner bei der Niederhuber & Partner

Rechtsanwälte und seit 12 Jahren im Bereich des Umweltrechts

tätig. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Produkt-

und Abfallrecht sowie im Anlagenrecht.

Rechtssicher Dämmen

Kommentar: David Suchanek

Vorliegender Beitrag zeigt zwei wichtige Aspekte im Hinblick auf

Mineralwollen (Glas- und Steinwolle) auf, die es beim Einbau sowie bei

einem künftigen Rückbau dieser Materialen für Bauherren und Baufirmen

zu beachten gilt. Und eines kann schon vorweggenommen werden:

Die Verwendung von Mineralwolle mit anerkannten Gütezeichen macht

Bauen rechtssicherer.

Zunächst ist ein Blick in das europäische Chemikalienrecht sowie das

österreichische Arbeitnehmerschutzrecht geboten. Beide Regelungsregime

stufen Mineralwolle grundsätzlich als Material ein, das unter dem

Verdacht steht, krebserzeugendes Potential zu besitzen. Gleichzeitig

normieren diese Regelungen aber auch Ausnahmen. Ist eine dieser Ausnahmen

erfüllt, besteht der Verdacht auf krebserzeugendes Potential

nicht. Mineralwolleprodukte, die mit dem RAL-Gütezeichen oder dem

EUCEB-Markenzeichen gekennzeichnet sind, belegen, dass eine dieser

Ausnahmen besteht und somit kein Verdacht auf krebserzeugendes

Potential gegeben ist.

Arbeitnehmerschutz

Unabhängig davon, dass man als Bauherr wohl nur solche Produkte

einbauen möchte, die nicht unter dem Verdacht stehen, krebserzeugendes

Potential zu haben, gibt es auch eine Regelung, die dies

verbietet: §42 des Arbeitnehmerschutzgesetzes in Verbindung mit

§11 Grenzwerteverordnung 2021 normiert nämlich ein sogenanntes

Substitutionsgebot. Konkret bedeutet das, dass Mineralwolleprodukte,

die den Freibeweis, wie zum Beispiel durch eines der genannten

Gütesiegel, nicht erbringen können, nicht von Arbeitnehmern

eingebaut werden dürfen. Liegt keines der Gütezeichen vor, müsste

ein aufwendiger Freibeweis angetreten werden, der wohl nur schwer

erbracht werden kann. Diese Regelung ist an die ausführenden Bauunternehmen

als Arbeitgeber adressiert, bei deren Nichteinhaltung

Verwaltungsstrafen drohen.

Abfallrechtliche Vorgaben

Auch im Abfallrecht (wenn das Gebäude saniert oder rückgebaut wird)

kommt es wieder darauf an, ob das ursprünglich eingebaute Mineralwolleprodukt

eine der Ausnahmen erfüllt, also nicht dem Verdacht

unterliegt, krebserzeugendes Potential zu haben. Anhang 2 Abfallverzeichnisverordnung

2020 ordnet Abfälle von Mineralwollen, die mit

dem RAL-Gütezeichen oder dem EUCEB-Markenzeichen gekennzeichnet

sind, der nicht gefährlichen Abfallart SN31416 zu. Abfälle von Mineralwollen,

die diesen Nachweis nicht erbringen können, unterliegen

im Zweifel der Einstufung als gefährlicher Abfall und damit strengeren

Anforderungen bei ihrer Entsorgung als nicht gefährlicher Abfall. Es

liegt auf der Hand, dass die strengeren Vorgaben für gefährliche Abfälle

zu höheren Entsorgungskosten führen können.

Fotos: Michael Büchling, Adobe Stock

Ausgabe 03|2022

157


ImFokus

158 ImmoFokus


Örag sichert sich

Copa Real 2022

Copa Real 2022. In einem packenden Finale bezwang der diesjährige Champion

Teamneunzehn in der Verlängerung mit 3:2. Vorjahressieger Buwog setzte sich im Spiel

um Platz drei gegen Glorit mit 3:0 durch.

Z

wei Wochen vor dem Champions

League Finale und wenige Tage vor

dem Endspiel der Euro League wurde

in der Westside Soccer Arena um

den wichtigsten und prestigereichsten Fußballpokal

der heimischen Immobilienbranche gespielt:

den Copa Real. 17 Teams waren bei traumhaftem

Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen

in Wien-Penzing angetreten und schnell

war klar, dass das hohe Niveau der Vorjahre heuer

nochmals übertroffen werden sollte. Viele Mannschaften

hatten sich akribisch vorbereitet, der

Kreis der Favoriten war nicht kleiner geworden.

Kurz: Es war angerichtet. Einem weiteren fußballerischen

Highlight stand nichts im Wege.

In der Gruppe A fegte Teamneunzehn durch

die Vorrunde und ging in sieben von acht Spielen

als Sieger vom Platz und das bei keiner einzigen

Niederlage. Besonders erwähnenswert

waren unter anderem ein 11:2 gegen Colliers,

ein 8:1 gegen Wieninvest sowie ein 6:0 gegen

Planradar. Ebenfalls in starker Form präsentierte

sich Titelverteidiger Buwog, der die Vorrunde

mit sechs Siegen, einem Unentschieden

und einer Niederlage beendete. Letztere fiel

denkbar knapp aus: Im ersten großen Highlight

des Nachmittags musste sich das Team

des Wohnbauspezialisten Teamneunzehn mit

5:6 geschlagen geben. Davor zeigte man unter

anderem Colliers (12:0), Wieninvest (10:3) und

Auris (6:1) doch recht deutlich die Grenzen auf.

Aber auch 3SI Immogroup, Otto Immobilien

und TPA erhoben in Gruppe A sichtbaren Anspruch

auf den Titel.

Als absolut titelwürdig präsentierte sich in der

Vorrunde in Gruppe B mit sieben Siegen in

sieben Spielen die Örag, die erfreulicherweise

von einer Frau verstärkt wurde. Diese erwies

sich als alles andere als eine Lückenfüllerin

und setzte immer wieder spielerische Akzente.

Besondere Verstärkung holte sich im Übrigen

auch die Wieninvest: Wenngleich Austria

Ausgabe 03|2022

159


ImFokus

3SI IMMOGROUP 6B47 AON

AURIS BUWOG CC REAL

COLLIERS EHL EY

GLORIT ÖRAG IMMOBILIEN OTTO IMMOBILIEN

160 ImmoFokus


PLANRADAR

SCHINDLER

TEAMNEUNZEHN

TPA

WIENINVEST

Wien-Legende und Jahrhunderttorschütze Felix

Gasselich, wie er dem ImmoFokus im Interview

verriet, mit seinem Auftritt alles andere

als zufrieden war. Er gelobte, beim nächsten

Mal mehr zu trainieren, woraus zu schließen

war, dass er wohl einen längerfristigen Vertrag

bei der Wieninvest unterschrieben hatte.

Halbfinal-Ticket gebucht

Neben der Örag waren in der Vorrunde in

Gruppe B auch Glorit und 6B47 stark unterwegs.

Sie mussten sich nur zwei Mal geschla-

Ausgabe 03|2022

161


ImFokus

gen geben – wenig überraschend verloren sie

beide gegen die Örag. Während 6B47 mit 2:3

verlor, bekam Glorit zwei Mal „eingeschenkt“.

Im direkten Aufeinandertreffen behielt wiederum

Glorit mit 1:0 die Oberhand. Im letzten

Spiel der Vorrunde verlor der spätere Vierte

etwas überraschend mit 2:4 gegen AON. Da

auch 6B47 im letzten Spiel gegen die Örag

als Verlierer vom Platz ging – konkret mit

2:3 – war das Ticket ins Halbfinale dennoch

gebucht.

Im Anschluss ginge es um den Einzug ins

Finale: Im Spiel des Ersten der Gruppe A

gegen den Zweiten der Gruppe B setzte sich

Teamneunzehn gegen Glorit klar mit 4:0

durch. Im Parallelspiel beziehungsweise einer

ersten Vorentscheidung schlug die Örag

(Erster Gruppe B) die Buwog (Zweiter Gruppe

A) mit 7:3. Das Team des Wohnbauspezialisten

zeigte sich jedoch unmittelbar nach dem

Abpfiff mit der Leistung des Unparteiischen

alles andere als glücklich, und auch die Copa

Real-Funktionäre mussten beschwichtigend

eingreifen. Doch die Emotionen sollten sich

rasch beruhigen und man räumte ein, gegen

die Besseren verloren zu haben.

Im Spiel um Platz drei setzte sich der Vorjahressieger

Buwog gegen Glorit relativ klar mit

162 ImmoFokus


TORSCHÜTZENKÖNIG EDI BRAHIMI (BUWOG)

Ausgabe 03|2022

163


ImFokus

Hier geht‘s

zum Video

www.immo-timeline.at

164 ImmoFokus


3:0 durch. Als Final-würdig präsentierte

sich das unmittelbar darauffolgende Aufeinandertreffen

von Teamneunzehn und Örag.

Lange Zeit sahen die „Grünen“ (Teamneunzehn)

wie sichere Sieger aus, doch der Örag

gelang kurz vor dem Ende der regulären

Spielzeit noch der Ausgleich zum 2:2. In

der Verlängerung krönten sich die „Dunkelblauen“

dann zum verdienten Halter des

Copa Real 2022. Bester Torschütze wurde mit

20 Treffern wie im Vorjahr Edi Brahimi.

Markus Ringsmuth, Kapitän von Teamneunzehn,

zeigte sich als fairer Verlierer,

kündigte allerdings gleich nach dem Finale

an, die „Mission Copa Real“ im kommenden

Jahr nochmals in Angriff zu nehmen und vor

allem die Trainingsintensität drastisch zu

erhöhen.

Aber auch die Ansage der Örag-Spieler lässt

auf ein spannendes Folgeturnier hoffen: Man

habe nicht nur vor, den Titel zu verteidigen,

sondern wolle sich mit einem Zweitteam

auch den zweiten Platz sichern. Ob diese

Ankündigung dem einen oder anderen Siegerbier

geschuldet war, sei an dieser Stelle

dahingestellt. Ohnehin bleibt abzuwarten,

ob auch die Turnierleitung bei diesem Vorhaben

mitspielen wird.

Ausgabe 03|2022

165


Event

Viele Gastgeber: Das EHL-Kernteam im Schlosspark Schönbrunn

30 Jahre EHL:

Geburtstagsfest mit

viel Prominenz in der

Orangerie Schönbrunn

B

ei schönstem Frühsommerwetter

fand die große 30-Jahres-Geburtstagsfeier

der EHL Immobilien Gruppe,

gegründet 1991, mit einem Jahr

Verspätung in der Orangerie Schönbrunn statt.

Vielleicht lag es an der einjährigen Vorfreude auf

das Fest, vielleicht am traumhaften Wetter,

möglicherweise daran, dass es eine gefühlte

Ewigkeit kaum Gelegenheit zum Feiern gegeben

hatte, aber jedenfalls herrschte einen langen Abend

über beste Stimmung unter den mehr als 600

Gästen aus Wirtschaft, Kunst und Kultur, die der

Einladung von Michael Ehlmaier und seinem

Team gefolgt waren. Für Unterhaltung war an

dem von ORF-Journalistin Rosa Lyon moderierten

Abend in der eleganten Orangerie des Schloss

Schönbrunns jedenfalls reichlich gesorgt. Wer

sich kurze Zeit von der von DJane Colette aufgelegten

Musik losreißen konnte und bei der bestens

frequentierten Fotobox bereits originelle Erinnerungsfotos

hatte knipsen lassen, konnte sich

bei einer Fiakerfahrt durch den Schlosspark in

die Zeit der barocken Schlossfeste aus Kaisers

Zeiten versetzen lassen.

Hier geht‘s

zum Video

www.immo-timeline.at

166 ImmoFokus


EHL-Gäste bei Kutschenfahrt durch den Schlosspark

Michael Ehlmaier, Robert Löw (LLB), Daniel Riedl (Vonovia/BUWOG),

Karina Schunker (EHL Wohnen), Franz Pöltl (EHL Investment Consulting)

Immobilenrechtsexperte

Christoph Kothbauer, Anton

Holzapfel (ÖVI), Andrea

Dissauer (EHL Immobilien

Management), Harald

Kopertz (Auris), Markus

Mendel (EHL Investment

Consulting), Michael

Ehlmaier, Franz Pöltl (EHL

Investment Consulting),

Dieter Wasserburger

(REWE)

Familie Ehlmaier beim Tortenanschnitt

Herwig Schwarz (Strabag Real Estate), Hans-Peter Weiss

(BIG), Christine Dornaus (Wiener Städtische), Michael und

Manuela Ehlmaier, Josef Ostermayer (Imfarr)

Franz Pöltl (EHL Investment Consulting), Ferdinand Spies (Art Invest), Astrid Grantner (EHL

Immobilien Bewertung), Mark Leiter (Art Invest), Markus Mendel (EHL Investment Consulting)

Fotos: EHL Immobilien

Nemat und Nazli Farrokhnia (Imfarr), Peter Schaider sen.

(Auhof Center/Riverside), Josef Ostermayer (Imfarr)

Cathy Nimni mit

Kulturmanager Daniel

Serafin, Peter Ulm

(allora Immobilien),

Petra Teufelsdorfer,

Rechtsanwalt Stefan Artner

Ausgabe 03|2022

167


Events & Awards

Die Partys der

Immobilien-Society

AFULL HOUSE BEI DER

ATTENSAM SUMMERTIME

Attensam lud ins Strandrestaurant wake_up an der

Neuen Donau. Auf der Speisekarte standen unter

anderem Halloumi, Marinierter Tofu, Schweinssteak,

Hühnerkeule oder Zanderfilet. Stimmungsvoller

Auftakt der Attensam Summertime war die

offizielle Eröffnung durch Geschäftsführer Oliver

Attensam, der sich sehr freute, gemeinsam mit

Kunden und Partnern den nahenden Sommer gebührlich

einzuläuten.

„Die Menschen haben nach zwei Jahren Pandemie

das Bedürfnis, wieder unter die Leute zu kommen

– es ist schön zu sehen, dass so viele Gäste unserer

Einladung zur Summertime gefolgt sind: Die

Möglichkeit, sich mit anderen aus der Immobilienbranche

spontan auszutauschen, ob nun im Vier-

Augen-Gespräch oder in einer größeren Runde mit

Kollegen, haben viele genutzt“, so Oliver Attensam.

168 ImmoFokus


LEYRER+GRAF

CHARITY TURNIER

Bei strahlendem Wetter und frühsommerlichen

Temperaturen haben rund 70 Teilnehmer

beim 2. Leyrer + Graf Charity Golfturnier

vergangenen Samstag im Golfclub

Weitra-Hausschachen teilgenommen. Der

Gesamterlös von 10.000 Euro wurde an die

St. Anna Kinderkrebsforschung gespendet.

Eine besondere Herausforderung wartete

auf die Teilnehmer am Loch 19, denn passend

für ein Bauunternehmen, hatte man

gegen eine kleine Spende drei Versuche in

eine Mischmaschine zu chippen. Mit einem

erfolgreichen Treffer nahm man an einer

Tombola teil. Als kleine Erschwerniszulage

mussten die Spieler den Golfhandschuh

gegen Bauhandschuhe tauschen und einen

Bauhelm aufsetzen.

38 bewährte Namen

als Garant für erfolgreiche Architektur.

Amin Abdel-Kader, Andreas Ettmayer, Andreas Hawlik, Andreas Westhausser,

Anna Arens-Hawlik, Bernhard Schnetz, Daniela Manolova, Evgeni Gerginski,

Evgenia Shekerova, Fabian Siedl, Georg Denninger, Johann Peck, Johannes Newald,

Josef Ulram, Julia Palyoova, Karin Rezar, Kenan Yildirim, Krisztina Adamy,

Malina Malinova, Margarita Linkova, Mariana Borisova, Mariya Lecheva,

Martin Sirakov, Manuel Wachter, Michael Pitsch, Miranda Grasberger,

Natalia Scharaeva, Neda Zaghian, Nikolaus Gutscher, Radomir Racic,

Rene Stadler, Serden Sürmeli, Sladjana Petrusic, Tuba Cetindag,

Vanessa Werner, Viktoria Khoshobin, Yanaki Yordanov, Yoanna Pometkova

eins und eins ist drei

www.aha-ege.at

AHAEGE22Inserate_ImmoFokus.indd 1 02.06.2022 10:38:53

Ausgabe 03|2022

169


Events & Awards

AND THE WINNERS ARE …

... hieß es am 14. Juni im Stöckl am Park, wo bei ausgezeichneter

Stimmung und frühsommerlichem Wetter

der Ausbildungspreis der FMA I IFMA Austria verliehen

wurde.

Bereits zum 19. Mal wurde der Preis in drei Kategorien

an Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten, die in Bezug

auf Wissenschaftlichkeit, Praxisrelevanz und Innovationsgrad

herausragend sind, vergeben. Heuer wurde

erstmals die Aufmerksamkeit auch auf Arbeiten, deren

Themen eine direkte oder indirekte Auswirkung auf die

„Nachhaltigkeitsbilanz“ von Gebäuden haben, gerichtet.

Der Hauptpreis ging an Dominik Maierhofer, Absolvent

der TU Graz, für seine Masterarbeit mit dem Titel

„On the Environmental Sustainability of Buildings“ Im

Anschluss an die Verleihung ging es in den Garten, wo

das traditionelle Sommerfest wieder viel Raum für Austausch

und angeregte Gespräche gab..

Bei den Vorstandswahlen im Rahmen der ordentlichen

Mitgliederversammlungen der FMA I IFMA Austria, die

am Nachmittag stattfanden, wurde Mikis Waschl zum

neuen Präsidenten der IFMA Austria gewählt. Gemeinsam

mit Doris Bele, die als Vorstandsvorsitzende der

FMA bestätigt wurde, werden die beiden wichtige Themen

vorantreiben.

170 ImmoFokus


PROPSTER.SOMMERFEST

Der Sommer 2022 hat wieder das möglich gemacht,

was lange Zeit nicht möglich war oder

nur unter strikten Auflagen. Auch Propster hat

es sich nicht nehmen lassen und endlich das

lange geplante Kunden-Event von 2020 umgesetzt.

Ort des Schauplatzes war wie schon

2019 der Schauraum der Vola Vertriebs GmbH.

Das zahlreiche Publikum eine interessierte

Mischung aus Immobilienprojektentwicklern

und Architekten sowie auch Kooperationspartnern,

Investoren und Maklern. Gleich zu

Beginn wurde ein Thema in Form einer Podiumsdiskussion

vorgegeben, welches dann

in diversen Konstellationen vertieft wurde.

Moderiert wurde die Diskussion von Martin

Szelgrad. Speaker waren, Kerstin Robausch -

Head of Development und Prokuristin bei der

Value One, Susanne Formanek- IBO Präsidentin,

Willi Tuscher - Geschäftsführer von Vola

und Propster CEO & Founder Milan Zahradnik.

Arbeitswelten

neu entdecken.

www.fm-day.at

Countdown

Klimaneutralität

starten.

SAVE

THE

DATE

Kompetenzen

bewusst ausbauen.

Digitalisierung

effizient nutzen.

21. September 2022

Park Hyatt Vienna

Innovationen fördern.

Werte pflegen.

Ausgabe 03|2022

171


Events & Awards

QUESTER-SPARGELFEST

Nach einer zweijährigen, coronabedingten Pause fand am 10.

Juni bereits zum 28. Mal das traditionelle Quester-Spargelfest

statt. Zahlreich und gut gelaunt erschienen die Gäste aus der

heimischen Baubranche. Das kulinarische Highlight: Spargel in

vielen köstlichen Varianten.

Am 10. Juni lud Baustoff- und Fliesenhändler Quester

Kund:innen, Lieferant:innen und Freund:innen des Hauses zum

jährlichen Branchentreff. Mehr als 400 Gäste erschienen beim

Spargelbauern Mazzucato-Theuringer in Raasdorf und genossen

die entspannte Atmosphäre. Barbara Bernsteiner, die im Vorjahr

die Geschäftsführung bei Quester übernahm: „Es war schön, hier

alle wieder persönlich begrüßen zu dürfen. Das Spargelfest hat

eine besondere Tradition in der Branche und bietet die ideale Gelegenheit

zum Austausch abseits der täglichen Arbeitsroutine.

Wir freuen uns auch über den Besuch aus den Bundesländern,

der bestätigt, wie besonders diese Veranstaltung ist.“

CONNECTEN

Unter dem Motto „Connect - good to be back“ lud Arbeitswelten- und Immobilienberater teamgnesda am 19. Mai zur Jubiläumsfeier auf der Rooftop-

Terrasse des Justizcafés. Nach zwei Jahren Pandemie gab es mehr als genug Gründe für den Arbeitswelten- und Immobilienberater teamgnesda zu

feiern: 50 Jahre am Büromarkt, 30 Jahre in der Planung und Beratung, 20 Jahre Lehrtätigkeit, 10 Jahre seit der Gründung der ersten internationalen

Niederlassung in München und vieles mehr. „CONNECTED“ wurde von den beiden Geschäftsführern Andreas Gnesda und Oliver Bertram zum Motto

des Abends erklärt. Connecten unter den Gästen konnten sich u.a. Gabriele Straka, Mitglied des Vorstandes der Brauunion, Architekt Markus Spiegelfeld,

ZHS-Manager Jürgen Scheicher, RWA-Immobilienchef Karl Hofbauer, WKÖ-Personalchef Christoph Mandl, Aufsichtsrätin Christine Catasta,

Firmenkundenchefin Michaela Rammel von der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, Digital-Unternehmer Lorenz Edtmayer, GF EHL Gewerbeimmobilien

Stefan Wernhart, CBRE Manager Patrick Schild und Nationalratsabgeordnete Bettina Rausch.

172 ImmoFokus


THE REAL 100

Die Digital Real Estate Marketing Agentur enteco empfing

zum 8. Mal bei #TheREAL100 bei blendendem Wetter

100 Immobilienprofis. Das edle Event fand dieses Mal in

den modernen Räumlichkeiten der Buwog Group statt.

Die persönlich geladenen Gäste lauschten einer Keynote

zum Thema „Die Gegenwart aus der Zukunft denken“ des

renommierten Vordenkers Prof. Dr. René Schmidpeter

um sich im Nachgang in entspannter Atmosphäre über

gelebte Nachhaltigkeit austauschen.

In seinem Vortrag sprach der Wirtschaftswissenschafter

über die Risiken verpasster Nachhaltigkeit und die

wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Chancen für

Unternehmen, die sich heute bereits damit beschäftigen,

welchen Effekt ihr Handeln morgen haben wird. „Nachhaltigkeit

ist rentabler als kurzfristiges Profitstreben, nicht

nur ökologisch und sozial, sondern auch wirtschaftlich!“

so Schmidpeter, der eine Professur für Nachhaltiges Management

an der UI München innehat, und spielt damit

auf die Notwendigkeit des Umdenkens für Unternehmen

an, Prozesse von hinten an zu denken.

In der neuen Location, dem edlen Hauptsitz der BUWOG

am Rathausplatz fanden sich geladene Top-Gäste der

Immobilienbranche ein, gesehen wurden unter anderem

Roland Schmid (RS Group/IMMOunited), Sascha Haimovici

(Immocontract), Martina Hirsch (s REAL), Karina

Schunker (EHL Wohnen), Roland Pichler (Die Wohnkompanie),

Friedrich Csörgits und Sabina Berloffa (APROM

Real Estate Group).

Ausgabe 03|2022

173


Events & Awards

VIENNA AIRPORT BUSINESS NIGHT

Über 300 interessierte Gäste aus den Bereichen Wirtschaft,

Politik, Kultur und Gesellschaft verfolgten die

spannenden Beiträge mit Statements der Flughafen

Wien-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner, sowie

von Wolfgang Scheibenpflug, Bereichsleiter des Immobilien-

und Standortmanagements der Flughafen Wien

AG. Mit großem Interesse verfolgten die Eventgäste den

Vortrag von Stefan Karner (Ludwig Boltzmann-Institut

für Kriegsfolgenforschung) zu den aktuellen Entwicklungen

und möglichen geopolitischen Folgen des Ukraine-

Krieges. Unter den zahlreichen Eventgästen dabei waren

unter anderem: Spitzengastronom Toni Mörwald,

Helmut Saller (Swatch Group), Gerhard Starsich (Münze

Österreich), Annette Mann (Austrian Airlines), Roland

Falb (Roland Berger), Daniel Serafin (Kulturmanager),

Christian Pöttler (Echo Medienhaus), Marcin Kotlowski

(WH Medien) und viele mehr.

174 ImmoFokus


Buchtipps

EDITOR´S

CHOICE:

Lesenswert!

NEU!

Florian Knotek

172 Seiten

ISBN: 9783707344974

Linde Verlag | 2022

€ 39,00

Immobilienmaklerrecht kompakt

Immobilienmakler sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Veräußerer oder Vermieter und Interessenten einer

Immobilie oder eines Grundstücks. Sie haben zahlreiche Aufgaben und Funktionen. Dabei sind Aufgabenprofil

und Tätigkeitsfeld weit gestreut und umfassen unter anderem die Vermittlung von Eigentumswohnungen,

Geschäftsräumlichkeiten, klassischen Bestandverhältnissen oder andere auf Liegenschaften bezogene Rechte wie

Pacht oder Fruchtgenuss. Ebenso breit gefächert sind auch die Rechte und Pflichten der Immobilienmakler, die sowohl

Quereinsteiger als auch erfahrene Profis immer wieder mit Fragen konfrontieren. Dieser praktische Leitfaden geht

unter anderem auf praxisrelevante Themen wie den Maklervertrag, Provisionsanspruch, Haftung und Rechtsfolgen

und steuerrechtliche Grundlagen ein. Die jeweils geltenden Rechtsvorschriften werden gut strukturiert sowie einfach

und verständlich aufgeschlüsselt, sodass alle Fragen sowohl praxisnah als auch rechtlich fundiert beantwortet werden.

Auch auf die häufigsten Fallen und Fehler in der Praxis wird eingegangen. Zahlreiche Musterformulare runden das

Gesamtpaket ab..

627 Seiten

ISBN: 9783707345452

Linde Verlag | 2022

€ 59,00

Eveline Artmann, Thomas Bieber, Michael Mayrhofer,

Niklas Schmidt, Michael Tumpel

Crypto Assets

Dieses Werk informiert über Kryptowerte aus rechtlicher

und steuerrechtlicher Sicht. Neue Technologien führen

immer auch zu neuen rechtlichen Fragestellungen. Dies

gilt auch für die sogenannten „Crypto Assets“, in deren

Kontext noch zahlreiche rechtliche Fragen ungeklärt sind

und noch keine gefestigte Rechtsprechung existiert. In verschiedenen Bereichen gibt

es daher Bestrebungen, „Crypto Assets“ fassbar zu machen und in das bestehende

Normengefüge einzugliedern. So wurden im Zuge der ökosozialen Steuerreform 2022

gesetzliche Regelungen für die Besteuerung von Kryptowährungen geschaffen, um

diese an die Besteuerung von sonstigem Kapitalvermögen anzugleichen. Das Buch

bietet eine spannende Auseinandersetzung mit der vielschichtigen Materie und erörtert

wesentliche Fragen im Zusammenhang mit „Crypto Assets“ aus unterschiedlichen

rechtlichen Blickwinkeln. Der Themenbogen reicht dabei von der zivilrechtlichen

Einstufung über gesellschafts- und aufsichtsrechtliche Fragestellungen bis hin zur

steuerrechtlichen Behandlung und möglichen strafrechtlichen Risiken. Nutzen Sie das

Expertenwissen und bleiben Sie auf dem Laufenden!

576 Seiten

ISBN: 9783707335798

Linde Verlag | 2022

€ 89,00

Martin Koczy, Matthias Nödl

Fachlexikon Begriffe

im Bauprozess

Das Lexikon bietet rund 2.000 juristische

und technische Begriffe und Fachausdrücke,

die für Juristen und Techniker in

Zusammenhang mit dem Bauprozess relevant sind. Doch das durch

zahlreiche Abbildungen und Skizzen ergänzte Nachschlagewerk beschränkt

sich nicht nur auf die Auflistung und Auslegung von Begriffen

des Bauprozesses. Vielmehr bringt es Juristen, Technikern und

sonstigen Interessierten das praktische Verständnis von Fachtermini

des Bauprozesses aus unterschiedlichen Blickwinkeln anhand von

nützlichen Tipps für die tägliche Praxis und Verweisen auf Judikatur

und Behördenpraxis näher. Ein leicht verständlicher, von erfahrenen

Fachexperten aus Recht und Baupraxis verfasster Leitfaden, der in

keiner Bibliothek fehlen darf!

Herbert Gartner, Nikolaus Humpel, Johannes Stabentheiner, Andreas Vonkilch

Wohnrecht 2022 – Band I + II

Während die jährliche Gesetzesausgabe in Band 1 des „Wohnrechts“ in bewährter Form alle wichtigen

Wohnrechtsgesetze (Stand 1. 1. 2022) inklusive aller Neuerungen (Novellen, Entscheidungen, Literatur) bietet,

komplettiert das Jahrbuch in Band 2 die Ausgabe mit umfassenden Informationen zum aktuellen Wohnrecht (MRG,

WEG, WGG), Bauträgervertragsrecht sowie Immobiliensteuerrecht und Fachbeiträgen zu:

• Die WEG-Novelle 2022, das MPFLG und weitere erfolglose Normenkontrollanträge

• Die Geltendmachung von Gewährleistungsansprüchen gegen den Bauträger im Wohnungseigentumsrecht

• ÖNORM B1802-1, eine Überarbeitung der Überarbeitung

760 Seiten

ISBN: 9783214021429

Manz Verlag | 2022

€ 74,00

Ausgabe 03|2022

175


Branchen & Services

Kritische Wahrnehmung

der Immobilienbranche

Emotionale Diskussion: Leerstandsabgaben, Bestellerprinzip und die verschärfenden Maßnahmen bei der

Kreditvergabe sind Instrumente, die den Wohn- und Immobilienmarkt regulieren sollen.

Im Netz werden sie emotional diskutiert.

O

bwohl das Angebot an neuen

Wohnungen die Nachfrage übersteigt,

gehen sowohl die Mieten

als auch die Preise für Eigentum

in Österreich nach oben. Leerstandsabgaben,

Bestellerprinzip und die verschärfenden Maßnahmen

bei der Kreditvergabe sind Instrumente,

die den Wohn- und Immobilienmarkt regulieren

sollen. Im Netz werden sie emotional diskutiert.

Eine Bestandsaufnahme der Brand Intelligence

Agentur „OBSERVER“.

Die Branche beklagt sich schon seit längerem

über steigende Baukosten (255 Clippings

Print und Online) bei mangelnder Verfügbarkeit

durch unterbrochene Lieferketten

(93 Clippings Print und Online). Gleichzeitig

werden auch steigende Zinsen in journalistischen

Beiträgen thematisiert (142 Clippings

Print und Online).

Betrachtet man das Sentiment der österreichischen

Bevölkerung zum Thema „Immobilien“

auf Twitter, so wiederholt sich die

Tendenz. 19,8 Prozent negative Ergebnisse

stehen 10,1 Prozent positiven gegenüber. Im

vergangenen Jahr war die Verteilung von

positiven und negativen Resultaten noch

sehr ausgeglichen. Dementsprechend berichten

255 Print- und Onlineartikel im Laufe

dieses Jahres von einer „Immobilienkrise“.

Bei einem Medientypenverhältnis von zwei

Dritteln Web- und einem Drittel Printergebnissen

ist diese Thematik etwas unausgeglichen.

Die berechnete potentielle Reichweite

an Lesern der Krisenberichterstattung liegt

bei etwa 400 Millionen. Das Zusammenfallen

mehrerer Problematiken bewegt in dieser

Sache jedenfalls die Bevölkerung und die Immobilienbranche

seit Jahresbeginn.

Gegenmaßnahmen und Lösungsansätze

sind für eine nüchterne Debatte essenziell.

Mit 1.900 Beiträgen stehen Online-Artikel

zur Leerstandabgabe im medialen Fokus.

An zweiter Stelle folgt die Berichterstattung

zum Bestellerprinzip, welches seit Anfang

des Jahres 725 Berichte und Posts im Netz

generierte. Die Verschärfungskriterien bei

Kreditvergabe stehen kurz vor der Umsetzung

und sind auch medial mit 239 Berichten

ein wichtiges Thema. Besonders negativ wird

in der Online-Berichterstattung das Thema

Leerstandsabgabe gesehen. Positiv hingegen

finden viele Autoren und User sogar die verschärften

Kriterien bei der Kreditvergabe. So

könnten diese zu einer preislichen Entspannung

beim Immobilienkauf führen.

Um verschiedene Problematiken in der

Immobilienbranche aufzulösen, werden unterschiedliche

Maßnahmen gesetzt. Mit der

Abschaffung der Maklerprovision für Mieterinnen

und Mieter sollen diese unterstützt

werden. Ins Visier genommen wird auch das

Problem des Leerstands – Salzburg will schon

bis Jahresende eine umstrittene Abgabe für

nicht genutzten Wohnraum auf den Weg

bringen.

Sicherlich braucht es einen präzisen und

nüchternen Blick auf Gegenwart und Zukunft

sowie den Dialog über eine ehrliche

und mutige Bestandsaufnahme, um die Problematiken

zu entschärfen. Leerstandsabgaben,

Bestellerprinzip und die Anpassung der

Kreditvergabekriterien werden emotional

diskutiert, und das wird voraussichtlich auch

weiterhin so bleiben.

*Die Medienresonanzanalyse über die

Branchenkommunikation wird exklusiv von

der Brand Intelligence Agentur „OBSERVER“

zur Verfügung gestellt. In die Analyse fließen

die Berichterstattungen der Print- und

Onlinenewspaper, -magazine, Newsseiten, Radio

und TV sowie Presseaussendungen in Österreich

ein. Der Beobachtungszeitraum umfasst das erste

Halbjahr 2022.

176 ImmoFokus


Ausgabe 03|2022

177


ImmoFokus.Rubrik

IMPRESSUM

Vorschau

Lesen Sie im ImmoFokus

Ausgabe 04/2022

Office 2030. New World of Work - Kaffehaus- statt

Büroatmosphäre; EXPO - SnapShot Immobilienmarkt,

Projekt-Pipeline Österreich; Die wichtigsten

Marktteilnehmer – Die Etablierten & Newcomer

Interviews mit österreichischen Experten und

internationalen Entscheidungsträgern

Lift & Co - Moderne Liftanlagen, Personensteuerung;

Engineering, Procurement und Construction

Management (EPCM)

Medieneigentümer

Real Estate Media Group GmbH

Handelskai 94-96

1200 Wien

Tel. +43 1 890 18 26-100

office@media-group.immo

www.media-group.immo

Herausgeber

Mag. Michael Neubauer

Chefredaktion

Mag. Lisa Grüner

Grafik

Sophie Frenzel

Lektorat

Dr. Melanie Knünz

Michaela Hocek

Ingeborg Morawetz, BA

Autoren dieser Ausgabe

Mag. Patrick Baldia,

Mag. Lisa Grüner, Amelie Miller, BA,

Mag. Michael Neubauer, Gerhard Fritz,

Charles Steiner, sowie die Kommentatoren

ERSCHEINUNGSTERMIN: September 2022

Täglich top informiert: www.immo-timeline.at

Den ImmoFokus jetzt immer und überall lesen, mit der REMG-App.

Sales & Relation

Rudolf E. Oezelt

Relations Management

Tanja Klingseis

Fotos

wenn nicht anders angegeben:

Real Estate Media Group/Katharina Schiffl,

Michael Hetzmannseder, Richard Tanzer,

Gabriel Alarcón - Rizar

Druck

Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H

Der IMMOFOKUS wendet sich im Sinne der

Gleichstellung gleichermaßen an Frauen

und Männer. Aus Gründen der Übersichtlichkeit

und Verständlichkeit kann es bei den

Beiträgen vorkommen, dass nur die maskuline

Ansprechform verwendet wird.

ImmoFokus ist Mitglied bei:

178 ImmoFokus


GEBERIT BADAUSSTATTUNG UND SANITÄRTECHNIK

UNSER ANLIEGEN: IHR

NÄCHSTES PROJEKT

SANITÄRRAUM-

PLANUNG

BADEZIMMER-

DESIGN

ROHINSTALLATION

TRINKWASSER-

HYGIENE

SCHALLSCHUTZ

BRANDSCHUTZ

Warum Buwog, Soravia, IES und viele andere Bauträger auf Geberit setzen?

Weil sie sich um die Bäder und die Sanitärtechnik keine Sorgen machen

müssen. Bäder, die von Anfang an passen. Mit Sanitärtechnik, die für

Jahrzehnte verlässlich arbeitet. www.geberit.at/wohnbau


Die transparente

Bauprojektdatenbank

von IMMOunited

NEUE GESCHÄFTE

Erfahren Sie rechtzeitig, welche Bauprojekte

in Ihrer Umgebung geplant sind, um neue

Aufträge zu generieren.

NACHHALTIGE PLANBARKEIT

Behalten Sie Markt, Bauprojekte und

Nachfrage immer im Blick, um Geschäftschancen

frühzeitig zu erkennen.

SCHNELLER PROJEKTERFOLG

Analysieren Sie aktuelle Verkaufszahlen,

um Ihre Objekte schnell zu verkaufen.

ZUVERLÄSSIGES MARKTWISSEN

Beobachten Sie (regionale) Entwicklungen

sowie Ihren direkten Mitbewerb, um immer

informiert zu sein.

JETZT INKL.

SHARE DEALS &

UNTERNEHMENS-

INSOLVENZEN

Ansprechpartnerin:

Martina Sauer

Head of Sales

+43 1 997 1560-50

sauer@rsgroup.at

www.IMMOunited.com