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BOLD THE MAGAZINE No.59

EXKLUSIV IM INTERVIEW: JEFF GOLDBLUM | 50 JAHRE PORSCHE 911 | PETER SCHREYER: "ROOTS AND WINGS" | EIN NERD MIT PORCUPINE TREE: STEVEN WILSON | EEN REIS NAAR DE ZEE | CHARLOTTE MARCH | DER LEISTUNGSSTÄRKSTE LUXUS-SUV DER WELT

EXKLUSIV IM INTERVIEW: JEFF GOLDBLUM | 50 JAHRE PORSCHE 911 | PETER SCHREYER: "ROOTS AND WINGS" | EIN NERD MIT PORCUPINE TREE: STEVEN WILSON | EEN REIS NAAR DE ZEE | CHARLOTTE MARCH | DER LEISTUNGSSTÄRKSTE LUXUS-SUV DER WELT

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LIFESTYLE // FASHION // DESIGN // MOTION // TRAVEL // ART D 6.00 EUR // AT 7.00 EUR // CH 9.00 CHF No. 59

BOLD-MAGAZINE.EU

THE MAGAZINE

JEFF GOLDBLUM

EXKLUSIV

IM INTERVIEW

50 JAHRE PORSCHE 911 // PETER SCHREYER: „ROOTS AND WINGS“

EIN NERD MIT PORCUPINE TREE: STEVEN WILSON // EEN REIS NAAR DE ZEE

CHARLOTTE MARCH // DER LEISTUNGSSTÄRKSTE LUXUS-SUV DER WELT


6 // BOLD THE MAGAZINE INHALT

CONTENTS

INHALTSVERZEICHNIS

UND THEMEN

LIFESTYLE // FASHION // DESIGN // MOTION // TRAVEL // ART D 6.00 EUR // AT 7.00 EUR // CH 9.00 CHF No. 59

LIFESTYLE

DESIGN

BOLD-MAGAZINE.EU

THE MAGAZINE

Exklusiv im Interview:

Jeff Goldblum

Zeit ist die wertvollste Zutat:

The Dalmore 21 Year Old

FASHION

8

42

Komplexe Einfachheit:

Mit dem neuen Range Rover

in Kalifornien (USA)

Design History of the past:

Tilman Brodbecks Entenbürzel

50 Jahre Porsche 911

48

56

A promise and a sign:

Baldessarini White

16

New Scandinavian Design

Interieur von Bolia

78

JEFF GOLDBLUM

EXKLUSIV

IM INTERVIEW

50 JAHRE PORSCHE 911 // PETER SCHREYER: „ROOTS AND WINGS“

EIN NERD MIT PORCUPINE TREE: STEVEN WILSON // EEN REIS NAAR DE ZEE

CHARLOTTE MARCH // DER LEISTUNGSSTÄRKSTE LUXUS-SUV DER WELT

BOLD THE MAGAZINE No. 59

Jeff Goldblum

Foto: P. Dukovic (Universal Music / Decca)

ART

Freiheit und

gesellschaftlicher Aufbruch:

Charlotte March

Vorschau Ausstellungen:

Documenta Fifteen (Kassel) und

Foto Festival Wien

Lesenswert:

„Roots and Wings“

Designer Peter Schreyer

24

30

32

TRAVEL

Niederlande:

Roadtrip mit dem neuen

Kia Sportage Plug-in Hybrid

Een reis naar de zee

MOTION

Wenn Engel reisen:

Unterwegs im leistungsstärksten

Luxus-SUV der Welt

Aston Martin DBX707

60

68

Hörenswert:

Ein Nerd mit Porcupine Tree

Steven Wilson im Gespräch

34

DIE LETZTE SEITE

Impressum

82


The Making of

a Masterpiece

thedalmore.com |

@thedalmore


JEFF GOLDBLUM

EXKLUSIV

IM INTERVIEW

AUTOR & INTERVIEW: J. FINK


INTERVIEW / JEFF GOLDBLUM

BOLD THE MAGAZINE // 11

King of Cool. Blockbuster-Held. Stilikone. Jazz-Musiker. Jeff Goldblum ist alles auf einmal – und

das nicht erst seit kurzem. Über 50 Jahre ist es bereits her, dass der Amerikaner seine Karriere

begann, und an Ruhestand ist offenkundig noch lange nicht zu denken. Selbst wenn – wie sich

beim Interview mit ihm zeigt – das Gehör langsam ein wenig schlechter wird.

70 Jahre wird Goldblum im Oktober, und

die unterschiedlichen Karriere-Phasen, auf

die der 1952 in Pennsylvania geborene Sohn

eines Armee-Arztes und einer Radiosprecherin,

die später Küchenzubehör verkaufte,

zurückblicken kann, sind vielfältig. Nach

einem ersten Broadway-Auftritt 1971 im

preisgekrönten Musical „Two Gentlemen of

Verona“ wechselte er bald vor die Kamera,

mit Mini-Auftritten in „Columbo“, „Starsky

& Hutch“ oder Woody Allens „Der Stadtneurotiker“.

Der Durchbruch gelang dann in

den Achtziger Jahren, erst mit Nebenrollen in

„Der Große Frust“ und „Der Stoff, aus dem die

Helden sind“, endgültig dann mit der Hauptrolle

in David Cronenbergs SciFi-Horrorklassiker

„Die Fliege“, bei dessen Dreharbeiten

er seine zweite Ehefrau Geena Davis kennenlernte.

Mit einem Mal war Goldblum ein Nebendarsteller,

wie es sie in Hollywood viele gibt.

Nicht mehr ganz jung, als Vollprofi geschätzt

und prominent genug für Gastauftritte in

Serien wie „Friends“, „Will & Grace“ oder

„Glee“. Doch im Kino schien es nicht mehr

so gut für ihn zu laufen sieht man einmal von

kleinen Rollen in Filmen ab, die sich kaum

jemand ansah. Womöglich war es dann Wes

Anderson, der dafür sorgte, dass die ganze Welt

sich wieder an die Coolness von Jeff Goldblum

erinnerte. Nach einer ersten Zusammenarbeit

bei „Die Tiefseetaucher“ besetzte

der Kult-Regisseur ihn auch in „The Grand

Budapest Hotel“ und „Isle of Dogs“. Wenig

später wagte sich Roland Emmerich an eine

„Independence Day“-Fortsetzung, die auf

den Star von einst natürlich nicht verzichten

konnte. Parallel kehrten auch die Dinos in

„Jurassic World“ zurück, und Goldblum

Im Folgejahrzehnt wurde aus dem Mann

für die coolen Filme anspruchsvoller Regisseure

ein Star im Mainstream-Kino. Innerhalb

weniger Jahre spielte Goldblum in zwei

ließ sich zu einem kleinen Part im zweiten

Teil überreden. Und als Grandmaster stieg

er in „Thor: Tag der Entscheidung“ auch ins

Marvel-Universum ein.

der erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit, erst

in Steven Spielbergs „Jurassic Park“ (sowie

der Fortsetzung „Vergessene Welt: Jurassic

Park“), wo er sich als Chaostheoretiker in

Eine Schlüsselfigur im großen Goldblum-

Comeback dürfte auch der Stylist Andrew

Vottero sein, der den Schauspieler 2015

die Kinogeschichte einschrieb, dann in bei einem Fotoshooting kennenlernte und

„Independence Day“ von Roland Emmerich.

Der neue Ruhm brachte Werbeverträge mit

Firmen wie Apple ein doch die Jahrtausendwende

überstand er nicht so wirklich.

unter seine Fittiche nahm. Seither sind die

beiden unzertrennlich – und Goldblum gilt

auf seine nicht mehr ganz so jungen Tage

von der Brille über die Fingerringe bis zu

den coolen schwarzen Anzügen plötzlich als

Mode-Guru, der sogar für Prada auf dem

Laufsteg darf. Dass er seit 2014 auch noch

als Sänger und Pianist mit seiner Band The

Mildred Snitzer Experience für immer mehr

Aufsehen sorgt (und sogar beim Glastonbury

Festival auftritt), trägt zum Coolness-Faktor

zusätzlich bei.

Inzwischen hat Goldblum, der seit 2014 in

dritter Ehe mit der kanadischen Turnerin und

Tänzerin Emilie Livingston verheiratet und

Vater zweier Söhne ist, mit „The World According

to Jeff Goldblum“ seine eigene Show bei

Disney+. Aber auch im Kino ist er weiterhin

bestens im Geschäft: Aktuell setzt er seine

bewährten Rollen in „Jurassic World: Ein

neues Zeitalter“ (seit Juni) und „Thor: Love

& Thunder“ (ab Juli) auf der Leinwand fort –

und im Herbst ist er natürlich auch wieder in

Wes Andersons neuem Film „Asteroid City“

mit von der Partie.

Mr. Goldblum, Sie haben im Laufe Ihrer

Karriere schon so manchen Wissenschaftler

und Forscher gespielt. Ist das eigentlich

Zufall?

Vermutlich liegt es einfach daran, dass ich

eine Brille trage (lacht). Anders kann ich

es mir nicht erklären, denn privat bin ich

nicht unbedingt der naturwissenschaftliche

Typ. Deswegen nehme ich für jede

dieser Rollen die Vorbereitung ganz besonders

ernst, schon seit mich damals bei

„Die Fliege“ all diese komplizierten Fachausdrücke

an den Rand der Verzweiflung

trieben. Ich versuche immer, mir zumindest

ein gewisses Grundwissen anzueignen, um


12 // BOLD THE MAGAZINE INTERVIEW / JEFF GOLDBLUM

ein Minimum an Ahnung zu haben, wovon

ich da spreche.

Haben Sie wenigstens als Kind mit einem

Chemiebaukasten oder so experimentiert?

Leider nicht! Ich war schon in meiner Jugend

eher an den Künsten interessiert. Allerdings

war mein Vater Arzt und hat uns beim

Abendessen immer ganz viel erklärt und

kleine Vorträge gehalten. Manchmal hat er

sogar die inneren Organe des menschlichen

Körpers oder ähnliches auf eine Serviette

gemalt, damit wir lernen, wie wir Menschen

so funktionieren. Und auch in der Schule war

ich nicht schlecht in den naturwissenschaftlichen

Fächern. Nur habe ich mich dann eben

früh auf die Schauspielerei konzentriert. Was

mich heute privat am meisten interessiert, das

sind die Sterne.

„Jurassic Park“ wird kommendes Jahr 20

Jahre alt. Hat der Film Ihre Karriere nachhaltig

verändert?

Puh, gute Frage. Im Rückblick könnte man

das sicherlich so sagen. Roland Emmerich

zum Beispiel hätte mich doch vermutlich

ohne den Film gar nicht für „Independence

Day“ auf dem Schirm gehabt. Aber ich muss

gestehen, dass ich mir selten Gedanken um

meine Karriere im Ganzen mache. Strategische

Überlegungen sind mir fremd. Ich gucke

einfach immer von Moment zu Moment,

welche Gelegenheiten sich bieten, mich in

kreativer Hinsicht weiterzuentwickeln.

Dabei ist es interessant zu sehen, wie Sie

beruflich verschiedene Phasen durchlaufen

haben: in den Neunzigern die großen Blockbuster,

dann wurde es eine Weile ziemlich

ruhig, und inzwischen sind Sie Kult …

Aber sehen Sie: In diesen jeweiligen Phasen

bekomme ich selbst davon gar nichts mit.

Dass ich zum Beispiel scheinbar eine Weile

weg vom Fenster war, hat sich für mich gar

nicht so angefühlt. Denn ich habe ja immer

gearbeitet. Und das ist für mich ohnehin das

größte Privileg, selbst wenn es mal nur eine

Schauspielklasse ist, die ich unterrichte. Das

Drumherum, die Popularität und so, darüber

sollen sich andere den Kopf zerbrechen.

Haben Sie in 50 Jahren im Job irgendwann

mal für einen Moment die Lust daran

verloren?

Ob Sie es glauben oder nicht: wirklich nie!

Ich habe mein Leben der Schauspielerei

verschrieben und es nicht eine Sekunde bereut.

Mein großartiger Lehrer Sanford Meisner

sagte damals, dass es 20 Jahre konstanter

Arbeit braucht, bevor man sich wirklich als

Schauspieler bezeichnen darf. Und das ganze

Leben danach, um in seinem Beruf immer

besser zu werden. Das habe ich verinnerlicht

und daher nie meine Motivation verloren.

Gleich nach der High School sind Sie auf

und davon, um in New York Ihr Glück als

Schauspieler zu versuchen. Woher wussten

Sie als 17-jähriger so genau, was Sie

wollten?

Ich muss ungefähr zehn Jahre alt gewesen

sein, als meine Eltern uns mit in ein Kindertheater

nahmen. Dort traf es mich wie ein


Fotos: Universal Music / Decca (P. Dukovic) / Jeff Goldblum „The Capitol Studios Sessions“


INTERVIEW / JEFF GOLDBLUM

BOLD THE MAGAZINE // 15

Blitz. Wenig später war ich im Sommercamp

und dort gab es auch eine Theatergruppe. Als

wir am Ende unsere einstudierte Show auf die

Bühne brachten, wusste ich dort im Scheinwerferlicht

endgültig, dass das mein Ding ist.

Eine Weile lang habe ich niemandem davon

erzählt, dass ich Schauspieler werden wollte,

weil mir das noch peinlich war. Aber als ich

dann später Theater-Sommerkurse an der

Carnegie Mellon University in Pittsburgh

belegte, gab es endgültig keinen Halt mehr.

In den Siebzigern mit 17 Jahren allein nach

New York zu gehen, ist auf jeden Fall nicht

ohne. Waren Ihre Eltern dagegen?

Oh nein, die haben mich voll unterstützt. Ich

ging auch nichts ins Blaue hin, sondern hatte

einen Studienplatz bei besagtem Sandford

Meisner. Meine Mutter begleitete mich für die

ersten Tage und hatte mir ein kleines Apartment

in der Nähe der Schule organisiert. Wie

viele Ängste sie gehabt haben muss, ist mir erst

heute klar, wo ich selbst zwei kleine Kinder

habe. Ich suche jeden Raum, den wir betreten,

nach Gefahrenquellen ab. Und vermutlich

ändert sich daran ein Leben lang nicht viel.

Wie erinnern Sie sich denn an das New York

von damals?

Ich kam 1970 und blieb vier Jahre. Was für

eine aufregende Zeit! Dabei war ich noch nicht

einmal ein wilder Partygänger. Im Gegenteil!

Ich war überaus eifrig, und mein Radius um

die Schule und das erste eigene Apartment

herum war nicht sonderlich groß. Aber selbst

die paar Blocks, in denen ich mich bewegte,

waren für mich eine vollkommen neue, überwältigende

Welt. Das war wie ein LSD-Trip!

Später bin ich ins West Village gezogen und

die Welt der Broadway-Shows wurde mein

Zuhause, was kaum weniger spannend war.

Trotzdem sind Sie dann weg ...

Das ergab sich, weil ich anfing, Filme zu

drehen. Erst habe ich in New York „Ein Mann

sieht rot“ gedreht, danach wurde ich das erste

Mal nach Los Angeles geflogen. Ich fand dort

einen Agenten, kam bei einem Kumpel unter

und irgendwann blieb ich, statt immer hinund

herzufliegen, einfach hängen.

In Los Angeles haben Sie seit einiger Zeit

sogar einen wöchentlichen Jazz-Gig ...

Ja, jeden Mittwoch spiele ich mit meiner Band

im Rockwell in Los Feliz. Zumindest immer

dann, wenn ich gerade nicht drehe oder auf

Reisen bin. Im Juni spielen wir beim Arroyo

Seco Weekend in Pasadena, einer Art Mini-

Coachella. Am gleichen Tag wie Jack White

und Neil Young! Wer weiß, vielleicht nehmen

wir sogar eine Platte auf? Dass ich mit den

süßen, verzauberten Elfen und Kobolden von

Decca vielleicht ein weiteres Album machen

darf, lässt mich auf Wolken schweben.

Kommen wir zum Thema Mode, schließlich

feiert Sie nicht nur das Internet seit

geraumer Zeit als Stil-Ikone. Wann haben

Sie Ihr Faible für coole Klamotten entdeckt?

Wirklich erklären kann ich gar nicht, wo mein

Interesse für Mode herkommt, aber ich habe

es tatsächlich schon zu Schulzeiten entwickelt.

Im Kunstunterricht fing ich an, Kragen und

Krawatten und ganze Outfits für Männer zu

malen, inspiriert von der Hippie-Bewegung,

die in den Sechzigern omnipräsent war. Und

ich begann, mir coole Vorbilder zu suchen, die

ich dann mit meinem bescheidenen Budget als

Schüler in Pittsburgh abzukupfern versuchte:

Nehru-Jacken, Rollkragenpullis, Schlaghosen,

dazu Medaillons um den Hals und so eine

John Lennon-Brille auf der Nase. Niemand

sonst in meiner Schule sah so aus, aber ich

fand es großartig. Später in New York zog

ich durch die Second Hand-Läden und legte

mir einen riesigen russischen Fellmantel und

eine Art Fliegerhaube zu. Geld für echte Mode

hatte ich keines, aber meinem Interesse für

Styling konnte das nichts anhaben.

Haben Sie sich immer nur auf Ihren eigenen

Geschmack verlassen?

Oh nein, ich habe mich immer gerne auch

beraten lassen. Als es mit der Schauspielerei

richtig losging, wurden zum Beispiel die

Kostümbildner schnell zu meinen wichtigsten

Ansprechpartnern. Und wann immer ich

in einer Beziehung war, war meine jeweilige

Freundin immer die erste, die ich zu irgendwelchen

Outfits befragte. Was leider nicht

bedeutet, dass ich im Laufe meines Lebens

nicht etliche Male schwer daneben gegriffen

habe. Deswegen freue ich mich auch so, dass

ich inzwischen professionelle Hilfe durch den

wunderbaren Andrew Vottero habe.

WEITERE INFORMATIONEN:

@jeffgoldblum


BOLD THE MAGAZINE // 17

A PROMISE

AND A SIGN

BALDESSARINI

WHITE

FOTOGRAF: A. ORTNER

Baldessarini White steht für einen coolen und

lässigen Look für alle festlichen Anlässe:

Von der Hochzeit bis zur Scheidung – für jeden Anlass

gibt es das passende Outfit!

Die Kollektion verbindet den aktuellen Zeitgeist

mit traditioneller Handwerkskunst

sowie höchsten Ansprüchen an Qualität und Passform.

www.baldessarini.com


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WENN RAFFINESSE AUF

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24 // BOLD THE MAGAZINE ART / SEHENSWERT

FREIHEIT UND

GESELLSCHAFTLICHER

AUFBRUCH

CHARLOTTE MARCH

SEHENSWERT

AUTOR: H. G. TEINER

Die eindrucksvolle Werkschau über Charlotte March (1929 bis 2005) in der Sammlung

Falckenberg legt den Fokus auf die bisher weniger bekannten Arbeiten der vor allem für

ihre Fashion-Fotografie international anerkannten Hamburger Fotografin. Der zu dieser

Sammlung gehörende Nachlass Charlotte Marchs bildet die Grundlage für eine spannende

Neuentdeckung der Fotografin, die für Magazine wie Brigitte, Stern, Elle, Vogue

Italia, Vanity Fair, Harper’s Bazaar und Twen gearbeitet hat.

Der 1977 veröffentlichte Bildband von Charlotte March „Mann, oh Mann – Ein Vorschlag

zur Emanzipation des attraktiven Mannes“ war zu seiner Zeit bahnbrechend und zeigte

ausführlich eine explizit weibliche Sicht auf den männlichen Körper.


ART / SEHENSWERT

BOLD THE MAGAZINE // 25


Fotos: C. March, Deichtorhallen Hamburg (Sammlung Falckenberg)


ART / SEHENSWERT

BOLD THE MAGAZINE // 29

Die Ausstellung zeigt mit rund 300

Werken einen Querschnitt durch alle

Schaffensphasen der Künstlerin, von ihrer

frühen dokumentarischen Arbeit in der

Stadt Hamburg in den 1950er-Jahren

über Aufnahmen von ihren Aufenthalten

auf der damals vom Massentourismus

noch unberührten Insel Ischia bis hin zu

den späteren Modearbeiten und Werbeaufträgen

auf internationalem Terrain.

Das fotografische Frühwerk Charlotte

Marchs knüpft an den Stil der sogenannten

„Humanistischen Fotografie“

an und bildet einen überraschenden,

bisher von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen

Beitrag zum kulturellen

Gedächtnis der Stadt Hamburg. Marchs

sensible und einzigartige Art zu fotografieren,

mit einem aufmerksamen Blick auf

die sozialen Zusammenhänge und damit

auch auf die Ränder der Gesellschaft,

entfaltet auch heute noch eine besondere

Kraft des Authentischen. March lässt

uns hinter die Kulissen blicken, zeigt den

Alltag von Menschen in ihrer schwersten

Zeit.

modernes, ungebundenes Lebensgefühl.

Die Fotografien zeigen den offenen

Blick für das, was der Alltag oder auch der

Zufall ihr bei den Fotoshootings zuspielte.

Sie zeigte Frauen, die vor der Kamera

rauchten oder Werbung für Bier machten

– in der damaligen Zeit einfach revolutionär!

Sie propagierte so ein modernes

Frauenbild, ihre Bilder waren weithin

einflussreich und stilbildend. Sie arbeitete

als eine der ersten Fotografinnen in

Deutschland wie selbstverständlich mit

schwarzen Models zusammen und schuf

so mit einer neuen visuellen Wahrnehmung

in der Mode auch die Basis für eine

neue gesellschaftliche Wirklichkeit.

Nach dem Tod des Lebensgefährten

Charlotte Marchs, des Hamburger Künstlers

und Schauspieler Balduin Baas, übernahm

Harald Falckenberg 2006 den

Nachlass der Fotografin und sorgte für

die Archivierung und Aufarbeitung des

Werks. Der Nachlass umfasst ca. 30.000

Aufnahmen. Die Ausstellung wird im

Rahmen der 8. Triennale der Photographie

Hamburg 2022 gezeigt.

In den späteren Auftragsarbeiten zeigt

ihr fotografischer Blick eine ausgesprochen

emanzipatorische Haltung – ihre

Bilder vermitteln ein Lebensgefühl von

Freiheit im Zusammenhang des gesellschaftspolitischen

Aufbruchs der 1960er

und 1970er Jahre. Charlotte March wollte

ihre Modelle bewusst anders erscheinen

lassen, als es damals in kommerziellen

Fotoshootings üblich war – sie

teilte schließlich mit ihren Modellen ein

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im

Hatje Cantz Verlag, Berlin, 184 Seiten, 190

schwarz-weiße und farbige Abbildungen,

Deutsch/Englisch, Hardcover.

Charlotte March

Bis: 4. September 2022

Sammlung Falckenberg

www.deichtorhallen.de


30 // BOLD THE MAGAZINE ART / SEHENSWERT

Bild: Documenta fifteen

Foto: LIK Akademie für Foto und Design, A. Tamboly

Die Documenta ist das international

bedeutendste Event für zeitgenössische

Kunst. Die erste war 1955, sie findet alle

fünf Jahre statt und dauert 100 Tage. Das

Neue an dieser aktuellen Documenta in

Kassel: Die künstlerische Richtung wird

durch ruangrupa vorgegeben, einem im

Jahr 2000 gegründeten und in Jakarta,

Indonesien, ansässigen Kollektiv. Für

ruangrupa ist dabei Kassel nicht bloßer

„Schauplatz“ einer Ausstellung, vielmehr

wird die Stadt als Ökosystem begriffen, als

ein Geflecht von sozialen Kontexten, in

dem die Documenta fifteen entsteht und

wächst. Die Ausstellung verläuft durch

insgesamt 32 Orte in vier Stadtbereichen.

Sie lässt die historischen und sozialen

Spuren dieser Orte bewusst sichtbar, um

diese in einen neuen Kontext zu setzen.

Der Fotosommer 2022 in Wien wird

kreativ und spannend: Das Team der LIK

Akademie für Foto und Design hat „Freude

an der Fotografie“ zum Motto auserkoren.

Unter diesem Zeichen werden auch die

neuen Veranstaltungen der LIK Sommerakademie

2022 stehen. Es finden Ausstellungen,

Impulsreferate, Workshops

und vieles mehr statt. Die Themen der

Akademie sind beispielsweise: „Portrait

Workshop with Dina Lee – The english

Class“, “Fine Art Fashion Photography”,

„Head Shoot and Professional Portrait

Photography“, „Hommage an Helmut

Newton“ oder „Workshop Analoge Fotografie

– Vintage Style“. Sichere Highlights

sind das Sommerfest der Fotografie der

LIK Akademie für Foto und Design in und

vor der Galerie LIK.

Documenta Fifteen

Bis: 25. September 2022

Foto Festival Wien

Bis: 27. Juli 2022

32 Ausstellungsorte in Kassel

www.documenta-fifteen.de

LIK Akademie für Foto und Design

www.fotofestival-wien.com


Der neue Kia Niro.

Denk einfach mal größer.

Abbildung zeigt kostenpflichtige Sonderausstattung.

Der neue Kia Niro gibt dir die Möglichkeit, größer zu denken: Denn bei Deutschlands einzigem Kompakt-SUV mit drei elektrifizierten Antrieben

kannst du zwischen vollelektrisch, Plug-in Hybrid und Hybrid wählen. Beim Kia Niro EV hast du sogar deinen Stromanschluss für unterwegs immer

mit dabei. Die Vehicle-to-Device-Funktion ermöglicht es dir, andere Geräte bis maximal 3 kW ‐ z. B. dein E-Bike ‐ über die Batterie deines Autos

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Kia Niro EV 64,8-kWh-Batterie (Strom, Reduktionsgetriebe), 150 kW (204 PS): Stromverbrauch kombiniert 16,2 kWh/100 km; CO 2 -Emission

kombiniert 0 g/km. Effizienzklasse: A+++.

Kia Niro Plug-in Hybrid 1.6 GDI (Benzin/Strom, Doppelkupplungsgetriebe), 134,6 kW (183 PS): Kraftstoffverbrauch kombiniert 1,6 l/100 km;

Stromverbrauch kombiniert 13 kWh/100 km; CO 2 -Emission kombiniert 36 g/km. Effizienzklasse: A+++.

Kia Niro Hybrid 1.6 GDI (Benzin, Doppelkupplungsgetriebe), 103,6 kW (141 PS): Kraftstoffverbrauch (l/100 km) innerorts 3,8;

außerorts 4,5; kombiniert 4,2; CO 2 -Emission kombiniert 97 g/km. Effizienzklasse: A+.

* Max. 150.000 km Fahrzeuggarantie. Abweichungen gemäß den gültigen Garantiebedingungen, u. a. bei Batterie, Lack und Ausstattung.

Einzelheiten unter www.kia.com/de/garantie


32 // BOLD THE MAGAZINE

ART / LESENSWERT

ROOTS AND WINGS

PETER SCHREYER

DESIGNER, ARTIST AND VISIONARY

LESENSWERT

AUTORIN & INTERVIEW: C. STRENG


ART / LESENSWERT

BOLD THE MAGAZINE // 33

Das beeindruckende Wirken und Schaffen von Star-Autodesigner Peter Schreyer ist nun in einem

außerordentlich aufwändig gestaltetem Buch nachzulesen: „Roots and Wings“ ist das Portrait eines

der einflussreichsten Autodesigner unserer Zeit – und ein Buch über Kulturerbe, kreative Visionen,

Führungsqualitäten und darüber, was Design für die Zukunft leisten kann. Eindrucksvoll wird

präsentiert, dass Peter Schreyer nicht nur für die Entwicklung und Entstehung einiger der legendärsten

Autos aller Zeiten verantwortlich ist, sondern während seiner lange Karriere bei Volkswagen,

Audi, Kia und Hyundai auch wahre Klassiker auf die Straße brachte.

Schreyer verkörpert die Verbindung zwischen

dem Westen und dem Osten – er schlägt eine

Brücke zwischen der Geschichte des Automobildesigns

in seinem Heimatland Deutschland

und Südkorea, einem Land, das in nur

wenigen Jahrzehnten auf der Weltbühne ein

brillantes Wachstum erlebt hat. „Roots and

ich auch bei meinen Kindern beherzigt habe.

Es geht darum, ihnen sowohl Wurzeln als

auch Flügel zu verleihen, sie zu lehren, in

ihrer Heimat verwurzelt zu sein, und doch

ihren Träumen und Wünschen zu folgen, so

hoch und weit sie wollen. Deshalb heißt das

Buch „Roots and Wings“.

Wings“ erzählt die Geschichte eines Mannes,

der zwei polarisierende Kulturen zu etwas

Einzigartigem verschmelzen ließ und damit

die Geschichte und die Zukunft prägte.

Im Februar dieses Jahres wurden Sie offiziell

zum Executive Design Advisor und

Markenbotschafter des Konzerns ernannt

und sollen zukünftig die Hyundai Motor

„Roots and Wings“ ist die erste umfassende

Studie zum Lebenswerk von Peter Schreyer.

Renommierte Autoren vermitteln in spannenden

und unterhaltsamen Essays neben

Group in leitender Position in Designangelegenheiten

beraten sowie repräsentative

Aufgaben übernehmen. Was heißt das

genau?

Hintergründen, Inspirationsquellen und

Visionen auch die übergreifende Design-

Philosophie des heute 68-Jährigen, bei der

auch das ein oder andere Detail aus dem

Leben des gebürtigen Bayern zu erfahren ist.

BOLD spricht mit dem Designer und verlost

dreimal „Roots and Wings“ unter den ersten

Einsendern: lesenswert@bold-magazine.eu

Meine neue Funktion bedeutet in erster Linie,

dass ich aus dem operativen Geschäft raus

bin. Man könnte auch sagen, es beginnt die

nächste Stufe meiner 16-jährigen Laufbahn

im Unternehmen. Zum einen werde ich als

Berater tätig sein, zum anderen doziere ich

in London im Intelligence Mobility Design

Center des Royal College of Arts. Mit dem

Woher kommt der Titel für Ihr Buch, „Roots

and Wings“?

Hyundai/Kia Innovation Lab hat das Unternehmen

hier einen wichtigen Beitrag zum

Aufbau der Nachwuchsförderung geleistet.

Um ehrlich zu sein: Das ist meine feste Überzeugung

und einer meiner Leitsprüche, den

Ich freue mich schon auf meine Gast-

Professur.

Das heißt, Sie haben weiterhin verschiedene

Standorte, von denen Sie arbeiten?

Ja, ich lebe in Deutschland und pendle

weiterhin zwischen hier, Los Angeles, Seoul

und Shanghai, und nun auch London. Selbst

wenn zahlreiche neue Technologien das

virtuelle Arbeiten möglich gemacht haben,

entsteht doch ein neues Design meist nur in

gemeinsamer Arbeit.

Als Sie 2006 dem Ruf von Kia gefolgt sind,

was war da Ihre Vision?

Ich habe damals die Aufgabe übernommen,

eine Markensprache zu entwickeln, Kia ein

Gesicht zu geben. Dafür bin ich angetreten.

Und dieses Ziel habe ich mit Herz und Hand

verfolgt. Neben der Markensprache war mir

aber auch das Interior Design sehr wichtig.

Ein Kunde sollte immer stolz sein auf sein

Auto, auch auf die Qualität seines Autos. Und

er sollte das Gefühl haben, dass das Auto für

ihn gemacht wurde, genau für ihn, und das

mit so viel Hingabe und Liebe wie möglich.

Ein Beispiel: Auch wenn ein Mini-Van sicher

kein besonders emotionales Auto ist, muss

der Kunde stolz darauf sein, sich gerne mit

seinem Fahrzeug sehen lassen, sich sicher

sein, dass er genau das richtige, das für ihn

beste Auto hat.

Roots and Wings

(Hardcover, 22,5 x 29 cm, 336 Seiten)

ISBN: 978 3 96704 033 3

Gestalten Verlag

www.gestalten.com


EIN NERD MIT

PORCUPINE TREE

STEVEN WILSON

EXKLUSIV

IM INTERVIEW

AUTORIN & INTERVIEW: N. WENZLICK


36 // BOLD THE MAGAZINE ART / HÖRENSWERT

„Der wohl bekannteste britische Musiker, von dem Sie nie gehört haben“: So bezeichnete

die englische Presse Steven Wilson vor einigen Jahren. Tatsächlich dürfte sein Name

bei manchen für Fragezeichen sorgen, doch unter Prog-Rock-Fans ist er so etwas wie

ein Heiliger.

Ende der Achtziger gründete der bereits Darüber hinaus bin ich der Meinung,

54-jährige Steven Wilson die Progressive-Rock-Band

dass es immer einen guten Grund

Porcupine Tree, die mit geben muss, ein Album zu machen.

ihren komplexen Songstrukturen und

konzeptuellen Texten schnell zu einem

der wichtigsten Vertreter des Genres

wurde. 2010 legte Wilson die Band

auf Eis, um sich seiner Solokarriere zu

widmen – und das äußert erfolgreich,

denn die letzten vier seiner sechs Soloalben

erreichten hierzulande die Top

fünf der Charts. Er tourt regelmäßig

Wir wollten kein neues Porcupine-Tree-

Album herausbringen, von dem wir nicht

der Meinung sind, dass es eine neue

Version unserer musikalischen DNA und

unseres Sounds ist. Es gab Momente in

den letzten zwölf Jahren, in denen ich

nicht sicher war, ob es Sinn macht, dieses

Album zu veröffentlichen. Erst zum Ende

erkannte ich, dass wir etwas geschaffen

durch die Welt, wobei die Konzertsäle haben, das wie Porcupine Tree und

immer exklusiver werden und dieselben trotzdem frisch klingt.

sind, die auch Sinfonieorchester oder

Lang Lang im Programm haben.

Was macht denn die musikalische

DNA der Band aus?

Wider Erwarten erscheint nun nach

zwölf Jahren Pause das neue Porcupine- Der außergewöhnliche Mix aus Gavins

Tree-Album „Closure/Continuation“. Im Interesse an polyrhythmischen Ideen

exklusiven Interview spricht Wilson über sowie Richards Schwerpunkt auf Sounddesign

die musikalische DNA seiner Band, über

und Struktur, gefiltert durch

kryptische Texte und sein erstes Buch.

meine Singer-Songwriter-Sensibilität.

Das sind für mich die drei Säulen unserer

Herr Wilson, auch wenn Sie natürlich

in der Zwischenzeit alles andere

als untätig waren – wie kommt es,

DNA, und diese Dinge scheinen – meiner

Meinung nach – in jedem Moment dieser

Platte durch. Man ist nie weit weg von

dass das neue Porcupine-Tree-Album einem interessanten Rhythmus oder

ganze zwölf Jahre auf sich warten

ließ?

einem eher ungewöhnlichen Takt, von

einem spannenden Sound-Design oder

Keyboard-Moment – und von einer

Das hat zwei Gründe: Zum einen war ich

sehr fokussiert auf meine Solokarriere.

Melodie, die dem Song seine unmittelbare

Anziehungskraft verleiht.

Einige Songs sind bereits 2012

entstanden. Die Welt war damals

noch eine andere – musikalisch, politisch

und in Bezug auf unsere Gesellschaft.

Wie haben die Themen, über

die Sie singen, diese lange Zeit überdauert?

Das ist eine interessante Frage. Wie viele

Leute, die Songs schreiben, mache ich

Phasen durch, in denen ich von einem

bestimmten Thema besessen bin. Meine

Solosachen und einige Alben von Porcupine

Tree wurden oft als konzeptuelle

Arbeiten angesehen, weil die Songs sich

ein Thema teilen. Das ist dieses Mal nicht

der Fall. Einige Stücke entstanden vor

Donald Trump, Brexit und Covid, andere

währenddessen oder danach. Obendrein

gab es auch in meinem privaten Leben

einige große Veränderungen.

Nämlich?

Vor drei Jahren habe ich geheiratet. Ich

hätte nie gedacht, dass ich mal Kinder

haben würde, aber nun habe ich zwei

Stieftöchter. Solche Dinge beeinflussen

natürlich worüber man schreibt. Ich kann

bei diesem Album kein Oberthema ausmachen,

aber es gibt Themen, die universell

sind und nie alt werden: Nostalgie für die

Kindheit, Paranoia, Reue, der Umgang mit

Verlust – Dinge, über die ich in der Vergangenheit

schon geschrieben habe und die

auch in diesem Album stecken.

Ihre Texte erzählen meist keine klare

Geschichte, sondern sind ziemlich


Fotos: A. Lake, A. Hobbs


ART / HÖRENSWERT

BOLD THE MAGAZINE // 39

kryptisch. Warum?

Ich finde, das ist eine der schönen Sachen

an Pop- und Rockmusik. In Film und Literatur

wird alles erklärt. Ich verallgemeinere

hier, es gibt natürlich immer Ausnahmen,

aber meistens sieht oder liest man genau,

was die Protagonisten fühlen, erleben und

denken. In der Musik trifft das nicht zu,

weshalb sie für mich die schönste aller

Kunstformen ist. Der Hörer muss die Texte

selbst filtern und mit Hilfe seiner persönlichen

Erfahrungen interpretieren. Ich kann

nicht mehr zählen, wie oft Menschen zu

mir kamen und sagten, sie liebten den und

den Song, weil er ja davon handle, und das

sei ihnen auch passiert. Ihre Geschichten

hatten absolut gar nichts damit zu tun,

was ich mir bei dem Song gedacht hatte,

und das finde ich wunderbar!

Haben Sie ein Beispiel?

Ich habe für unser neues Album viele Interviews

gemeinsam mit Richard gegeben,

und wenn wir gefragt wurden, wovon ein

Song handelt, habe ich ihn oft antworten

lassen. Sogar seine Interpretation der

Songs war komplett anders! Bei „Herd

Culling“ zum Beispiel erklärt er dem Journalisten,

der Song handle davon, in

seinem Haus zu sein und Angst zu haben,

weil jemand die Einfahrt hochkommt und

man nicht weiß, was derjenige will, und

dass das eine Metapher dafür sei, wie

paranoid wir heutzutage alle sind. Ich

dachte nur: Was für eine tolle Erklärung,

ich wünschte, die wäre mir eingefallen

(lacht).

Und wovon handelt der Song in Wirklichkeit?

Er handelt von einem sehr spezifischen

Event in der Geschichte. Mehr werde

ich nicht verraten. Ich habe mir vorgenommen,

den Song nicht mehr zu erklären,

um den Leuten nicht die Möglichkeit zu

rauben, ihn selbst zu interpretieren.

Derweil geht es in „Of The New Day“

darum, Angst und Dunkelheit hinter

sich zu lassen. Können Sie dazu etwas

erzählen?

Das ist ein rares Beispiel für einen optimistischen

Song in unserem Katalog. Es

geht um Wiedergeburt und darum zu

versuchen, in die Zukunft zu schauen.

Entstanden ist der Song 2012, kurz nach

dem Tod meines Vaters. Das war eine seltsame

Zeit, ein echter Tiefpunkt für mich.

Auf einmal war ich der älteste Mann in der

Familie. Ich reflektierte damals viel – nicht

gerade sehr positiv. Aber am Ende kam ich

gestärkt aus dieser Zeit heraus.

Bei aller Kryptologie steckt also

immer auch viel Persönliches in Ihren

Songs?

Alles ist persönlich! Nur so können Songs

glaubhaft sein. Ich muss da immer an die

Szene in „Blade Runner“ denken, als der Typ,

der die Replikanten erfunden hat, seine

Erinnerung in die Replikanten einpflanzt,

so dass sie glauben, es seien ihre eigenen.

Ich will damit sagen: Auch wenn es in

einem Song um fiktionale Charaktere


40 // BOLD THE MAGAZINE ART / HÖRENSWERT

oder Situationen geht, gibt man ihnen

echte Gefühle, die man empfunden hat,

als man geweint hat, sich verloren fühlte,

voller Reue, Nostalgie, Schmerz oder Glück

war. Denn wie kann ich erwarten, dass sich

jemand damit identifizieren kann, wenn

ich diese Dinge nicht da reinstecke?

Das Album trägt den Titel „Closure/

Continuation“. Ist es denn eigentlich

der Abschluss eines Kapitels oder der

Beginn eines neuen in der Geschichte

von Porcupine Tree?

Ich glaube, dass wissen wir selbst noch

nicht! Eigentlich müsste ein Fragezeichen

am Ende des Titels stehen. Mein

persönliches Gefühl ist, dass wir wieder

aufnehmen werden, aber ich glaube nicht,

dass wir nach diesem Album nochmal

touren werden. Aber das ist nur ein Gefühl.

Sie haben gerade auch Ihr erstes Buch

„Limited Edition Of One“ veröffentlicht.

Wie kam es dazu?

Die einfache Antwort ist: Lockdown! Ich

hatte plötzlich irre viel freie Zeit, mit der

ich nicht gerechnet hatte.

Sind Sie nicht gut im Herumsitzen?

Nein, das bin ich nicht. Ich muss immer

kreativ sein. In den letzten Jahren wurde

ich öfter angesprochen, ob ich nicht ein

Buch schreiben wollen würde. Ich war mir

anfangs nicht sicher, ob eins in mir steckt.

In meinen Augen schien meine musikalische

Karriere relativ langweilig: Ich bin

ein Nerd, der sich in die Musik verliebte

und ihr fortan sein Leben widmete. Ich

dachte immer: Das ist keine Geschichte

– aber ich ließ mich vom Gegenteil überzeugen.

Denn die Geschichte von der

Rockband, die in einem Keller anfängt,

eine große Hit-Single landet und dann ein

Leben voller Groupies und Drogen führt,

bis der große Absturz kommt, haben die

Leute schließlich schon zigmal gelesen. In

meinem Buch geht es darum, wie ich die

Musik entdeckte. Es geht darum, neugierig

und offen zu sein, Leidenschaft für, sagen

wir mal, esoterische Formen der Musik zu

haben, und es geht auch um die Beziehung

zu meinen Fans. Da sind autobiografische

Teile, aber auch Essays sowie Listen von

Songs, Alben oder Plattenläden. Es ist ein

echtes Nerd-Paradies!

Sie sagten eben schon, dass Sie ein

Nerd sind. Waren Sie schon immer

etwas anders und wie haben Sie das

gemerkt?

Am ersten Tag in der High School, als ich

zehn oder elf Jahre alt war. Die anderen

Kinder hingen alle in Gruppen ab. Die

einen hörten Heavy Metal und Rock, die

anderen New Romantic und Sachen wie

Gary Newman, wieder andere Ska. Und sie

alle hassten sich gegenseitig. Ich hingegen

liebte alle Formen der Musik. In unserer

örtlichen Bücherei lieh ich mir genauso

Platten von Miles Davis aus wie von Karl-

Heinz Stockhausen und The Carpenters.

Egal, was ich Sie frage, wir kommen in

unserem Gespräch immer wieder zur

Musik zurück. Was machen Sie, wenn

Sie keine Musik machen?

Ich habe ja, wie gesagt, vor drei Jahren

geheiratet, und meine beiden Stieftöchter

nehmen viel Zeit in Anspruch (lacht). Das

ist eine wundervolle, magische Sache,

die da in meinem Leben passiert ist. Den

meisten Teil meiner freien Zeit verbringe

ich aber mit Musik. Entweder ich mache

selbst welche, oder ich höre Musik sie. Ich

habe eine große Platten-Sammlung. Ich

lese auch viel und schaue Filme. Ich liebe

kreative Kunst in all ihren Formen und bin

da immer noch sehr leidenschaftlich.

Sie sind vor zehn Jahren aufs Land

gezogen und haben angeblich nicht

mal einen Fernseher. Wie lebt es sich

so?

Das stimmt nicht mehr. Als ich geheiratet

habe, sind wir zurück nach London

gezogen, weil die Kinder dort zur Schule

gehen. Wir leben aber ganz im Norden

der Stadt, es fühlt sich fast an wie auf

dem Land. Und einen Fernseher haben wir

jetzt auch. Man kann nicht Kinder haben

und keinen Fernseher besitzen ... das geht

nicht! Aber immerhin haben wir keinen

im Schlaf- oder Wohnzimmer. Wir haben

einen TV-Raum – ein kleiner Kompromiss

(lacht).

WEITERE INFORMATIONEN:

www.stevenwilsonhq.com


42 // BOLD THE MAGAZINE LIFESTYLE / REPORTAGE

ZEIT IST

DIE WERTVOLLSTE

ZUTAT

THE DALMORE 21 YEAR OLD

BEST OF THE PRINCIPAL COLLECTION

AUTOR: R. LÖWISCH

Wenn die schottische Dalmore-Destillerie – die mit dem Hirsch als Logo – einen neuen

Whisky präsentiert, lässt sie sich nicht lumpen: Unser Autor genießt unter anderem den

neuen The Dalmore 21 Year Old auf Schloss Elmau, diniert ein perfekt auf eine Auswahl

von fünf Whiskys der Dalmore Principal Collection angepasstes Gourmet-Menü von

2-Sterne-Koch Christoph Rainer (die ganze Dalmore Principal Collection umfasst

übrigens, einschließlich des 21 Year Old, acht hochkarätige Whiskys), lauscht den

Klängen des eigens für den Dalmore 21 Year Old komponierten Musikstücks von Pianistin

Marina Schlagintweit und lernt von Professor Dr. Thomas Girst – der aus seinem Buch:

„Alle Zeit der Welt“ liest – warum unser Gehirn mit nur 20 Watt funktioniert.


LIFESTYLE / REPORTAGE

BOLD THE MAGAZINE // 43

Es dauert nicht lange, bis das erste

„Slàinte“ erklingt – etwa auf Höhe der

Voralpen. Was ungefähr so ausgesprochen

wird: „Slandschä“, das dazugehörige

„Mhath“ wird geflissentlich

verschluckt. Zusammen bedeutet

„Slàinte Mhath“ soviel wie „Prosit“ oder

„Gute Gesundheit“ auf gälisch. Noch

einmal den Riechkolben in das Nosing-

Glas stecken, dann darf der Zwölfjährige

The Dalmore die Kehle hinabrinnen.

„Nich lang schnacken, Kopf in‘

Nacken“ heißt es etwas lapidar bei mir in

Hamburg, und während ich diesem Rat

folge, gucke ich durchs Waggondach

auf das Matterhorn, das in der Sonne

glitzert. Denn zu dieser Zeit bin ich

mit ein paar Mitreisenden bereits eine

Stunde im Luxon-Zug unterwegs, bestehend

aus einem dreigeteilten Waggon

mit Barbereich, Lounge und dazwischen

ein Restaurant inklusive Glaskuppeldach

wie einst beim Rheingold, während

vorne oder hinten je nach Richtung

eine Lok arbeitet. Wir fahren in diesem

Sonderzug vom Münchener Flughafen

zum Schloss Elmau, wo wir beim exklusiven

Launch des Premium-Whiskys The

Dalmore 21 zugegen sind. Klar, dass

auch das eine oder andere Destillat

der schottischen Brennerei gleich mit

verköstigt wird. Wie passend, davor im

Luxon erstmal den Gaumen mit Champagner

und Rotwein spülen zu können,

mit dem Zwölfjährigen zu beginnen

und mit einem gleichzeitig servierten,

wunderbaren mehrgängigen Menü für

eine exquisite Grundlage des Whisky-

Tests zu sorgen.

Schon der Dalmore 12 überzeugt mit

seinem vollen Aroma. Bei Dalmore heißt

es: „Ein herausragender Single Malt,

der in ehemaligen Bourbonfässern aus

amerikanischer Weißeiche gereift ist

und in seltenen und gealterten Oloroso-

Sherryfässern verfeinert wurde.“ Das

Geschmacksprofil des 40-Prozentigen:

„Zitrusfrüchte, Schokolade und aromatische

Gewürze, am Gaumen Sevilla-

Orangen, Trockenfrüchte und ein Hauch

von Vanilleschote – und im Abgang:

eine Note aus geröstetem Kaffee und

dunkler Schokolade.“ Auch wenn ich

nicht restlos jede Geschmacksnote

nachvollziehen kann, mundet das inspirierende

Nass ganz ausgezeichnet.

Als mir die Dalmore-Einladung ins Haus

klapperte (sie bestand unter anderem

aus einem Holzbrett), wunderte ich

mich ein wenig: Fiel doch zunächst

der Kopf eines Zwölfenders als Logo

auf. Jägermeister? Mitnichten. Ist bei

dem deutschen Likör die Hubertussage

der Grund für den Paarhufer, ist es bei

Dalmore ein fieser Monster-Hirsch, der

– zumindest aus schottisch-monarchischer

Sicht – aus der Hölle kam. Denn

im Jahr 1263 soll dieser Geweihträger

einst rasend vor Wut gewesen sein. Er

griff ausgerechnet den Schottenkönig

Alexander III an (ob Alex der Glorreiche,

wie er tatsächlich auch genannt wird,

eventuell selbst Schuld war, weil er das

Tier auf der Jagd nicht gleich letal traf,

ist nicht überliefert). Doch der Gekrönte

hatte das Glück, dass der mutige Colin

of Kintail, Chef des Mackenzie-Clans,

zugegen war und seinem geliebten

King mit seinem Eingreifen mindestens

das Leben rettete. Seine Hoheit

war davon so begeistert, dass er gleich

dem gesamten Mackenzie-Clan gestattete,

das zwölfzackige königliche

Hirschemblem auf seinem Wappen zu

verwenden. Wer‘s nicht glaubt: Optisch

wurde das alles festgehalten in einem

Monumentalgemälde aus dem Jahr

1786 vom Amerikaner Benjamin West.

Das hängt heute in beeindruckender

Größe von fünf mal drei Metern in der

Nationalgalerie von Edinburgh.

Allerdings hat es danach noch ein paar

Jahre gedauert, bis die knöcherne Kopfpracht

für geistige Getränke einstand.

Denn Nachkommen des Clans wurden

erst 1867 Eigentümer der Dalmore-

Brennerei in Alness am Ufer der

Cromarty-Förde nördlich von Inverness.

Damals arbeitete die Destillerie zwar

nur mit zwei Brennkesseln, aber die

Betreiber nutzten schon stolz den „Royal

Stag“ als Erkennungsmerkmal auf den

Flaschen ihres Single Malt. Schon 1869

fingen die Besitzer dann an, ihr Produkt

mit Aromen aus Sherry-Fässern zu

verfeinern. 1874 stockten sie den Laden

auf vier Kessel auf und begannen sogar,

sie zu kühlen. Bereits 1915 startete die

noch heute bestehende Zusammenarbeit

mit dem spanischen Sherryhaus

González Byass. Die im Ersten Weltkrieg

aber litt, weil aus der Brennerei zwangsweise

eine Knallerei wurde, die Minen

herstellen musste. Erst in den 1920er

Jahren begann man, sich nach Repa-


44 // BOLD THE MAGAZINE LIFESTYLE / REPORTAGE

rieren der beschädigten Anlagen wieder

auf die Whiskyproduktion zu konzentrieren.

1966 stieg der Whiskyspezialist

Whyte & Mackay bei Dalmore ein, eine

Folge war die Aufstockung von vier auf

acht Kessel.

Aber genug Historie – wenden wir uns

der Gegenwart zu. Denn der Zug hat

uns zum Bahnhof Klais gebracht, dem

höchstgelegenen in Bayern, ganz in der

Nähe von Schloss Elmau. Eine Ruhezeit

von eineinhalb Stunden reicht

zwar nicht zur vollständigen Regeneration,

weil in dieser Zeit bekanntlich nur

knapp 0,2 Promille abgebaut werden,

aber feinster schottischer Whisky erfordert

eben vollen Körpereinsatz – also

los zur Abendveranstaltung. Während

Polizisten und Kameraleute beginnen,

durch den Garten zu schleichen, weil

sie für den kommenden G7-Gipfel

üben, wenden wir uns drinnen völlig

entspannt einem Zweisternemenü und

hochgeistigen Getränken zu. Doch

vorher wird – passend im Kaminzimmer

– der neue The Dalmore 21 Year Old

kredenzt. Seine Besonderheit: Der limitierte

Single Malt Whisky verbrachte

seine 21-jährige Reifezeit zunächst in

amerikanischen Weißeichenfässern, um

anschließend für eine Dekade in Matusalem-Oloroso-Sherryfässern

der Bodega

Gonzalez Byass zu ruhen. Der Geruch

des Dalmore 21 Jahre kredenzt Noten

von Ingwerkuchen, Orangentoffee und

karamellisierten Birnen. Geschmacklich

entwickelt der Whisky Aromen

von frischem Kaffee, Schokoladen-

Ganache und Zimtapfel. Der Nachklang

bietet britische Orangenmarmelade

und mazerierte Kirschen. Übrigens:

Die Fässer werden von Dalmore mit

einem ordentlichen Anteil Sherry darin

gekauft, denn während Lagerung

und Transport dürfen die Fässer nicht

austrocknen. Werden sie dann zur Whiskyreifung

benötigt, wird der Sherry-Rest

an Interessierte in den Highlands abgegeben,

die die Reste zum Beispiel als

Hausessig benutzen.

Dalmore Meisterbrenner Richard Paterson,

„The Nose“ genannt, kreiert seit gut

50 Jahren die diversen Geschmacksrichtungen,

wählt die Reifefässer von den

besten Bodegas und exklusivsten Weingütern

der Welt aus – die zu 70 Prozent

an den Aromen der Whiskys beteiligt

sind. Wir verkosten den 21er allerdings

nicht ganz so, wie Paterson das üblicherweise

macht: Glas mit Whisky spülen,

das Zeug in hohem Bogen ausschütten,

neuen, edlen „Goldsaft“ rein, Nase drin

versenken, nippen, trinken, analysieren.

Wir versinken gleich! Nach ein paar

Gläschen lockert sich die Atmosphäre

weiterhin, und wir können zum Dinner

schreiten, um uns beispiellos durchs

Dalmore-Angebot zu futtern. Geht

nicht? Geht doch. Denn Schloss Elmaus

mehrsterniger Küchenchef Christoph

Rainer vom hauseigenen Gourmet-

Restaurant Luce d‘Oro hat seine Mannschaft

von den eigentlich geplanten

Brainstormtagen befreit, um uns ein

spezielles Menü zu kredenzen, bei dem

jeder Gang auf einen bestimmten


LIFESTYLE / REPORTAGE

BOLD THE MAGAZINE // 47

Dalmore abgestimmt ist. Natürlich

begleitet (ebenfalls bei jedem Gang)

von passend ausgesuchten Weiß-, Rotoder

Dessertweinen.

Wir beginnen das Dinner mit dem

Dalmore 15, dazu wird Ora King Lachs

mit Kaviar serviert. Und wir lernen

nebenbei: Jeder Tropfen des Fünfzehners

reifte zuerst 12 Jahre lang in

Bourbon-Fässern aus amerikanischer

Eiche, danach wurde er drei Jahre in

Fässern von drei unterschiedlichen

Sherrys umgefüllt (Matusalem, Amoroso

und Apostoles), um nach schließlich

erfolgter Zusammenführung mit

Aromen von Orangenmarmelade, Zimt

und Muskatnuss, im Gaumen mit Mandarine,

Vanille, Ingwer und Apfel und im

Abgang mit karamellisierter Orange

und dunkler Schokolade zu entzücken.

Wer kann da schon widerstehen? Das

nächste Glas wird gefüllt mit Dalmore

Cigar Malt – so genannt, weil besonders

Zigarren dazu munden sollen. Wir sind

rauchfrei und bekommen deswegen

eine geflämmte Tristan-Languste. Auf

der Zunge explodieren dabei nicht nur

die südbayerischen Vanille- und Spargelaromen,

sondern auch der Whisky,

der in drei verschiedenen Fässern reifte:

American White Oak Ex-Bourbon Casks,

30 jährige Oloroso Sherry Butts und

Cabernet Sauvignon Wine Barriques.

Klar, auch der Alkoholanteil von 44

Prozent macht ein bisschen glücklich.

Na denn: „Schlamsche“. Oder so. Danach

flattert ein gegrilltes Täubchen auf den

Teller, beflügelt von Dalmore Port Wood.

Die Namenserklärung liegt auf dem

Tisch: 50 Prozent dieses Destillats reifte

in US-Eiche, der Rest in einem Portweinfass.

Schließlich fanden beide Teile

wieder zusammen und entfachen jetzt

ein Feuerwerk an Süße und Pflaumenaromen,

so dass ich den Piepmatz nur

noch bedauern kann, gegrillt worden

zu sein und somit nicht die Chance

gehabt zu haben, in diesem himmlischen

Zaubertrank zu ertrinken. Zum

Hauptgang, 16 Stunden geschmortes

Wagyu-Beef, kommt natürlich eines der

Dalmore-Highlights: King Alexander III.

Das königliche Getränk ist ein exklusiver

Whisky, der seine Aromen aus sechs

unterschiedlichen Fässern bezog. Ein Teil

kam in spezielle Fässern aus amerikanischer

Eiche – diese hatten das Privileg,

in Lagerhäusern in Kentucky weit unten

zu liegen und somit besser gekühlt

zu werden. Die anderen fünf beinhalteten

Matusalem, Madeira, Mariella,

Portwein und Cabernet Sauvignon.

In gleicher Reihenfolge sorgen sie für

Vanillesüße, Zitronen-, Karamell-, Passionsfrucht-,

Pflaumen- und andere rote

Früchte-Aromen, Tannine und Würzigkeit.

Zum Nachtisch gibt es – latürnich

– äh – natürlich – wieder mindestens

einen Dalmore 21, diesmal unter

anderem zu Salzkaramell und Pekannuss.

Und damit einem der Edeltropfen

auch noch musikalisch höchst angenehm

in den Kopf steigt, intoniert die

Künstlerin Marina Schlagintweit dazu

eine selbstkomponierte Ode an den

Dalmore 21 namens „The Glow of

Potential“ auf dem Flügel, hauptsächlich

inspiriert von Keith Jarrett – fünf

Minuten und zehn Sekunden notengewordener

High-Class-Alkohol.

Der Abend endet im gemütlichen

Kaminzimmer. Je nach Wunsch werden

Dalmore-Cocktails oder natürlich auch

das pure schottische Nationalgetränk

gereicht, und Professor Thomas Girst

liest Geschichten aus seinem Buch „Alle

Zeit der Welt“, die davon handeln, was

Zeit eigentlich ist und wie man sie

anders nutzen könnte als mit Hektik

und Stress. Wie wahr! Dann lernen wir

auch noch – warum auch immer – dass

das Hirn mit nur 20 Watt funktioniert.

So beseelt wanken der Zwölfender

und ich dann irgendwann Arm in Arm

den langen Schloss Elmau-Hotelgang

entlang. Gefühlte 15 Watt reichen auch

noch, um das Zimmer wiederzufinden.

Hach (hicks), das Leben kann so herrlich

whiskyrisch sein (hicks) ...

PS: Natürlich habe ich diese Geschichte

nur aus dramaturgischen Gründen hier

und da ein wenig überzeichnet. Viel Wasser

nebenbei und die Tatsache, nicht jedes

Glas bis zur Neige geleert zu haben, ermöglichten

mir eine recht präzise Erinnerung

an diesen schönen und genussreichen

Abend – und ich war in jeder Sekunde Herr

meiner Sinne.

WEITERE INFORMATIONEN:

www.thedalmore.com


KOMPLEXE

EINFACHHEIT

MIT DEM NEUEN RANGE ROVER

IN KALIFORNIEN

AUTOR & INTERVIEW: N. DEXTER


50 // BOLD THE MAGAZINE DESIGN / ROADTRIP

Unter der Sonne Kaliforniens (USA) starten wir zu einem Roadtrip der besonderen Art,

denn wir sind verabredet mit dem Team der McEvoy Ranch im nördlich der Millionen-

Metropole San Francisco gelegenen Petaluma. Anschließend werden wir auf dem

Robert Young Weingut in Geyserville Gerry McGovern treffen, den Design Director

von Jaguar Land Rover, der uns alles über den neuen Range Rover verrät – sein neues,

bahnbrechendes Design und welche Rolle die Globalisierung dabei spielt.

„Derzeit fliegen wir 120 Knoten, das

entspricht einer Geschwindigkeit von

ungefähr 220 Kilometer pro Stunde“,

erklärt der Helikopter-Pilot per Funk.

Kurz zuvor hatten wir bei strahlendem

Sonnenschein die Skyline von San Francisco

rechts neben uns gelassen und

anschließend östlich der weltberühmten

Golden Gate Bridge die Bucht von San

Francisco überquert. In nicht allzu weiter

Entfernung konnte man die berüchtigte

ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz

erkennen. Die spektakuläre Aktion ist

der Auftakt unseres mehrtägigen Trips

durch das Napa Valley, der Wein- und

Oliven-Region Nord-Kaliforniens.

genau hier eine familiengeführte Farm

zu gründen, welche über Generationen

hinaus Olivenbäume bewirtschaftet. So

wollte sie sich ein Stück ihrer geliebten

Toskana mit ihren Olivenhainen in ihre

Heimat holen. Mittlerweile hat die Farm

75 Angestellte, 14.000 Olivenbäume und

sechs große Teiche zu deren Bewässerung.

Die Familie lebt in dritter Generation

auf dem großzügigen Grundstück,

veranstaltet hier Events und lebt vom

Verkauf des eignen Olivenöls verschiedenster

Geschmacksrichtungen. Beim

Thema Nachhaltigkeit spielt hier vor

allem die Nutzung von Wasser eine

zentrale Rolle, denn die Olivenbäume

müssen regelmäßig bewässert werden.

Als wir wieder auf der Erde sind, starten

wir mit dem neuen Range Rover zur

McEvoy Ranch, die genau wie Jaguar

Land Rover, besonderen Wert auf Nachhaltigkeit

legt und einen ganzheitlichen

Anspruch verfolgt.

Hierbei setzt die Farmleitung unter Nion

McEvoy auf ein ausgeklügeltes System

aus Rohren, welche die sechs Teiche

mit den Olivenbaum-Hainen verbinden.

Es wird vollständig darauf verzichtet,

Brunnen in die Erde zu treiben, um

Grundwasser zu entziehen; vielmehr

Als Nan McEvoy die über 220 Hektar

große Farm vor 32 Jahren erwarb, stand

sie auf trockenem und lehmigem Boden.

wird das von den Bergen herabrinnende

Wasser aufgefangen und mittels Tröpfchenbewässerung

punktgenau eingesetzt.

Vorher wurden hier jahrzehntelang

Denn Regen ist in der Region ein

Rinder gezüchtet, und man verkannte

die eigentliche Schönheit der hügeligen

Landschaft. Nan McEvoys Vision war es,

seltenes Gut und nur von November

bis April zu erwarten – dazwischen

gibt es keinen Tropfen. Geerntet wird

im Oktober und November. Per Hand

versteht sich. Hierbei gilt es, zügig zu

arbeiten, denn die gepflückten Früchte

müssen schnell verarbeitet werden.

Immer wieder finden sich auf der Farm

auch Spuren der von Nachhaltigkeit

geprägten Ursprungsvision der Ranchgründerin:

So stammen Mahlwerk und

die allermeisten Maschinen zur Gewinnung

des Öls aus italienischen Altbeständen.

Nach einem letzten Blick über das weite

Gelände der McEvoy Ranch zieht es

uns weiter durch die frühsommerliche

Landschaft Kaliforniens, und wir finden

Zeit, um uns den neuen Range Rover,

der seit Ende April in fünfter Generation

auf dem Markt ist, etwas genauer

anzusehen. Das erste SUV, das im Jahre

1970 etwas Luxus unter die Offroad-

Fahrzeuge brachte, hat mittlerweile in

seinem Segment eine führende Position

inne. Der optisch gelungene Range

Rover verbindet die Werte der Vergangenheit

mit den hohen Anforderungen

der Gegenwart.

In dem 2,5 Tonnen schweren Gefährt,

das schnell eine Viertelmillion Euro auf

der Preisliste erzielt, bewegt man sich

ruhig und sicher auf den Straßen. Der

Sechszylinder-Plug-in-Hybrid mit einer

Systemleistung von 440 PS (324 kW)

kann optional natürlich auch gegen

die 510 PS (375 kW) Variante getauscht

werden. Mit dem fast 40 kWh großen

Akku schafft er eine zusätzliche elektrische

Reichweite von mehr als 100 Kilo-


DESIGN / ROADTRIP

BOLD THE MAGAZINE // 53

metern. Wahlweise ist der Range Rover

mit superkomfortablen Sitzen erhältlich,

die beispielsweise aus der Firstclass

guter Airlines bekannt sind (mega

bequem und maximal verstellbar), oder

mit einer dritten Sitzreihe, dann als

7-Sitzer. Darüber hinaus ist optional alles

offen, denn hier setzt Land Rover auf

Individualisierung.

Anfänglich sind wir etwas erstaunt

über die Leichtigkeit der Bewegung,

außerhalb befestigter Straßen. Den

neuen Range Rover als City-SUV zu

bezeichnen, ist demnach weit gefehlt:

Denn auch auf schwerem Gelände

liefert der Brite eine souveräne Performance,

die einem das Gefühl vollkommener

Kontrolle verleiht. Doch um

seinem modernen und unverkennbaren

Design nicht zu viel Schmutz und

Schlamm zuzumuten, halten wir uns

Offroad zurück, denn der nächste Halt

ist das Robert Young Weingut in Geyserville,

wo wir auf den Designer unseres

bemerkenswerten Gefährts treffen.

Professor Gerry McGovern verantwortet

als Chief Creative Officer des größten

britischen Automobilherstellers zum

zweiten Mal das Design der mittlerweile

fünften Generation des Range Rover, der

bereits seit 52 Jahren auf dem Markt ist

und das Thema Luxus geprägt hat wie

kaum ein anderes SUV.

Prof. McGovern, der Range Rover

ist seit den 1970er Jahren fester

Bestandteil des Weltbilds von Autoenthusiasten

auf dem Globus: Wie

gestaltet man eine Ikone neu?

Bei der Umgestaltung einer Ikone beginnt

man, um die Wahrheit zu sagen, nicht

wirklich stets von Neuem, sondern bei der

jeweiligen DNA. Insbesondere bei so einem

Flaggschiff wie unserem Range Rover. Das

Design muss also bestimmte Elemente

aufweisen wie eine durchgehende Seitenund

Dachlinie, optimierte Proportionen,

ein hohes Maß an Formalität und Vollkommenheit

– wunderschön und majestätisch

zugleich. Die Grundinformation ist

also da, nun kommt es darauf an, wie man

diese neu interpretiert. Bei vielen Autofirmen

muss etwas Neues immer etwas

völlig Anderes sein. Bei unserem Range

Rover gehen wir weitaus überlegter vor.

Bevor wir tatsächlich anfangen, etwas

zu formen, spielt sich in unseren Köpfen

viel kreatives Denken ab. So hat der neue

Range Rover ein gewisses Maß an Zurückhaltung,

was Teil seines Charmes und

seines modernen Ansatzes ist.

Recherchieren Sie viel, bevor Sie mit

der Arbeit an einem neuen Produkt

beginnen?

Nein, man geht ja auch nicht zum Kunden

und fragt, wie das Design aussehen soll.

Großartige Marken, großartige Produkte

und großartige Designs stammen von

ihren Schöpfern, ihren Urhebern. Es gibt

ein wenig Kunden-Feedback, was am

alten Range Rover besonders gefallen

hat. Aber das sind mehr Spezifikationen,

wie etwa, ob die Nutzer genug Platz


54 // BOLD THE MAGAZINE DESIGN / ROADTRIP

darin haben. Jetzt fügt man die moderne

Designphilosophie hinzu, bei der es um

einen reduzierten Look geht, frei von

Verzierungen: Man kann heute oft mit

einer Linie den gleichen Effekt erzielen,

wie früher mit fünf. Nun sind wir nicht

plötzlich alle bessere Designer geworden,

denn die meisten, die daran beteiligt sind,

waren dies bereits bei den vorhergehenden

Generationen. Was sich geändert

hat, ist die Fähigkeit, Dinge zu machen,

die wir vorher nicht machen konnten.

Und zwar durch die Entwicklung von

Design und Technik.

Ist die Vereinfachung des Designs

hierbei das Hauptthema?

Die Ironie liegt in der reduktiven Natur

des Designs: Diese Art von Einfachheit zu

erzielen ist jedoch extrem komplex. Ein

Thema für die nächste Generation wäre

zum Beispiel die Benutzeroberfläche und

das digitale Erlebnis. Zumal das Innere des

Autos immer stärker mit seinem Äußeren

vernetzt wird. Am Ende gilt es, etwas zu

kreieren, was der Kunde besitzen möchte.

Eine emotionale Bindung zu schaffen. Wir

produzieren keine Ware. Die Verbraucher

interessieren sich nicht für unsere Probleme,

es interessiert sie nicht, wie schwierig

es ist, dieses Teil zu konstruieren. Sie wollen

das Beste, um es begehren zu können.

Gibt es ein persönliches Designhighlight

beim neuen Range Rover?

Nein! Er bringt mich im Ganzen einfach

zum Lächeln, wenn ich ihn betrachte.

Wie hat sich das Design von Land

Rover in den letzten 50 Jahren verändert?

Wenn man sich die erste Generation

ansieht, die knapp 30 Jahre lang auf dem

Markt war, so ist in dieser Zeitspanne nicht

viel passiert. Das Schöne am ursprünglichen

Range Rover ist, dass er ein gewisses

Maß an Kindlichkeit hatte, eine Art naive

Natur, die ihn sehr charmant und sehr

liebenswert machte. Außerdem war er sehr

leistungsstark. Und daraus wurde der erste

Luxus-SUV. Doch mittlerweile haben sich

die Vorstellungen von Luxus weiterentwickelt.

Sie könnten dieses Auto heute nicht

mehr anbieten, weil es die Ansprüche nicht

erfüllen würde – die Welt hat sich weiterentwickelt.

Wir haben versucht, Originalmomente

des ersten Range Rover zu

erhalten. Nicht im visuellen Sinne, sondern

in emotionaler Hinsicht. Er fängt immer

noch die Essenz des ersten Autos ein, und

man sitzt immer noch hoch oben und hat

dieses Gefühl von Autorität.

Inwieweit spielt hier Globalisierung

eine Rolle, um Kunden weltweit anzusprechen?

Wenn Sie an Amerika in den späten 50er

und 60er Jahren denken, so war das eine

Welt in Überschwang. Vom Styling her eine

überaus spannende Zeit. Dann begannen

die Europäer nachzuahmen, was die

Amerikaner machten, und danach die

Japaner und Chinesen. Wir hatten eine

Zeit, in der Autos aufgrund der Design-

Gesetzgebung alle gleich aussahen. Heute

hingegen sehen wir auf dem Markt viele

Disruptoren. Meiner Meinung nach gibt

es immer noch viele Fahrzeugdesigns,

die nicht besonders überzeugen. Aber die

großen Markenproduzenten, insbesondere

in der Luxuswelt, erkennen, dass man

Dinge schaffen muss, die besonders, die

unterscheidbar sind.

Gefällt Ihnen diese disruptive Veränderung?

Absolut. Wir haben unsere eigene DNA,

müssen uns auch dafür interessieren, was

andere tun, sollten uns aber nie davon

beeinflussen lassen. Ich erinnere mich an

den Architekten Pierre Koenig, der viele

revolutionäre Designs kreierte. Als ich ihn

vor Jahren zum ersten Mal traf, fragte ich

ihn: Wer hat Dich beeinflusst? Er schaute

mich an und sagte: „Niemand!“ Das

klingt im ersten Moment ein wenig arrogant,

aber man beachte, dass die Medienlandschaft

der 50er Jahre nicht mit der

heutigen vergleichbar ist. Du wusstest im

Grunde nie, was deine Kollegen gerade

tun, und hast dein eigenes Ding gemacht.

Das hat mich gelehrt: Will man wirklich

originell sein, sollte man sich nicht einmal

Notizen von dem machen, was andere tun.

Doch genau das ist heute die Herausforderung,

da man permanent mit Neuheiten

Dritter konfrontiert wird.

WEITERE INFORMATIONEN:

www.landrover.de


DESIGN / HISTORY

BOLD THE MAGAZINE // 57

DESIGN HISTORY

OF THE PAST

TILMAN BRODBECKS

ENTENBÜRZEL

50 JAHRE PORSCHE 911

AUTOR: R. LÖWISCH

Wenn Helmuth Bott – Anfang der 1970er Jahre Porsche-Versuchs- und Entwicklungsleiter

in der Weissacher Denkschmiede – rief, dann stand man stramm. Und als es ihn traf, war

der junge Ingenieur im Karosserieversuch namens Tilman Brodbeck gerade mal eineinhalb

Jahre in der Sportwagenfirma und fragte sich, was er bloß ausgefressen habe. Mit ihm

wurde sein direkter Chef, Hermann Burst, in den heiligen Bott-Raum zitiert. Der gestandene

Entwickler machte es kurz: „Meine Herren, unsere Kunden haben ein Problem, also haben

wir ein Problem. Sie beschweren sich, dass all die Ford Capri 2.6 und BMW 1602 sowie 2002

in Kurven auf Rennstrecken schneller sind als ihre Porsche 911 Carrera S. Also lassen Sie

sich was einfallen. Aber kein neues Auto – die Kunden müssen die Wagen mit Ihrer Lösung

nachrüsten können!“

Der Porsche 911 Carrera RS 2.7 war das erste Serien-Straßenauto mit einem Heckspoiler –

genannt: „Entenbürzel“. Wir treffen den Erfinder Tilman Brodbeck und nehmen die Gelegenheit

wahr, zwei verschiedene Ur-RS und zwei Nachfolger auszuprobieren.


58 // BOLD THE MAGAZINE

DESIGN / HISTORY

Unsere kleine Episode zur Einleitung

ist Tilman Brodbeck so in Erinnerung

geblieben – und so beginnt auch die

Geschichte des ersten Serienautos mit

einem Heckspoiler, die Story einer der

größten Porsche-Ikonen und der Werdegang

aller heutigen GT3-Renner der

Zuffenhausener. Kurz: Der Porsche 911

Carrera 2.7 RS ist eines der wichtigsten

Autos für den heutigen Ruf von Porsche.

Kaum war die Bott-Bitte ausgesprochen,

nahm ihn sein Chef Burst zur Seite und

sagte: „So, Herr Brodbeck, dann machen

Sie mal was.“ Arbeit an der Aerodynamik

war dem zunächst ratlosen jungen Ingenieur

Brodbeck nicht fremd. Hatte er

doch bei Porsche bereits an einem Frontspoiler

aus glasfaserverstärktem Kunststoff

für den 911 mitgearbeitet, um die

Unsitte abschaffen zu können, in deren

Frontstoßstangen Blei zu gießen für

weniger Auftrieb. Aber wo anfangen?

„Erstmal habe ich Blut und Wasser

geschwitzt und mir dann die Aufgabe

schön geredet,“ erinnert sich Brodbeck.

Weil das zu keinem Ergebnis führte,

dachte er kurz darauf lieber intensiv

nach. Wobei ihm sein Studentenauto

einfiel – ein Fiat 850 Coupé der Serie II

mit 900-Kubik-Motörchen. „Mir kam es

schon damals merkwürdig vor, dass die

Faceliftversion sehr viel schneller fahren

konnte als der Vorgänger, obwohl sie

nur fünf PS stärker war. Und ich erinnerte

mich an das neue Heck der Serie

II, das ähnlich wie beim 911er geformt

war, aber eine deutliche Abrisskante

besaß. Damals behauptete jeder, das sei

nur ein Designgag.“ Aber wenn es doch

mehr war? „Wir haben dann mit Schweißdraht,

Holzblöcken und Blechen einen

Spoiler gebaut, im Windkanal getestet

und erkannt, dass dabei aerodynamisch

am Heck ganz viel passierte.“ Denn riss

beim normalen 911er die Strömung zu

Beginn der Heckscheibe ab und produzierte

ab da nur noch Verwirbelungen,

lag die Strömung mit Spoiler bis zur

Abrisskante an. Nach zweieinhalb Tagen

präsentierten Brodbeck und seine Helfer

die Lösung. Tests unter realen Bedingungen

bewiesen die aerodynamischen

Vorteile. Litt das Heck des Porsche 911

Carrera S vorher unter einem Auftriebswert

von 0,29, lag er hinterher nur noch

bei 0,08. Sogar der Luftwiderstandsbeiwert

verbesserte sich.

Aber das nächste Problem wartete bereits

auf den jungen Ingenieur: Er sollte die

entsetzten alten Hasen im Design davon

überzeugen, diese Luft-Krücke jetzt

optisch ansehnlich zu gestalten. Letztlich

begann der Modelleur Rolf Wiener

mit der Arbeit, er musste sich allerdings

exakt an die vorgegebenen Maße halten.

Ungefähr zu dieser Zeit kam der Begriff

des „Entenbürzels“ auf, der doch eigentlich

„Brodbeck-Bürzel“ heißen müsste.

Als „Erfinder“ musste Brodbeck natürlich

auch zum Kraftfahrtbundesamt, um

den Spoiler homologieren zu lassen.

„Die Spezialisten waren dagegen, weil

es ihnen zu gefährlich erschien,“ weiß

der Ex-Porschemann noch. Streitpunkt

war die harte Kante, die laut Zulassungsbehörde

eine große Gefahr für

die Köpfe von Fahrrad- und Motorradfahrern

darstellen würde. Brodbeck: „Der

Kompromiss lautete letztlich: Die Kante

15 Millimeter niedriger und ein schönes

Abendessen. Als Argument hatten wir ja

auch die Ansage, nur 500 Autos damit

zu bauen.“ So lautete tatsächlich die

Planung – die obersten Vertriebsleute

hatten sogar befürchtet, kaum 100 Stück

unter die Leute bringen zu können. Der

Vorstand brauchte allerdings 500 Serienautos

für die Homologation, um in der

Gruppe 4 (Spezial-GT) mitfahren und

den Kunden ein gutes Auto für den

Rennsport anbieten zu können. Dazu

wurde unter anderem die Kraft von 190

auf 210 PS erhöht und das Gewicht auf

960 Kilo vermindert durch Rausschmiss

aller überflüssigen Dinge wie Dämmung,

Türverkleidungen und Türgriffe.

Natürlich war Brodbeck auch bei Testfahrten

mit dem bespoilerten 2.7 RS

dabei – sogar als Beifahrer von Bott auf

dem Testgelände von VW in Ehra-Lessin.

Dort erlebte er den Schreck seines

Lebens: „Wir fuhren etwa 180 bis 190

km/h, und ohne Vorwarnung reißt Bott

das Lenkrad rechts herum und lässt es

los.“ Hintergrund: Das war der „Wedeltest“.

Brodbeck: „Ein schlechtes Auto

kann sich dabei überschlagen, ein gutes

fährt nach etwa drei Schwingungen

ohne Lenkradeingriff wieder geradeaus.

Unser Auto schwang einmal nach rechts,

einmal nach links, dann war es stabil. Das

war der Ritterschlag fürs Auto. Und für

mich war’s auch nicht schlecht.“ Letzt-


DESIGN / HISTORY

BOLD THE MAGAZINE // 59

lich baute Porsche vom 911 Carrera 2.7

RS – der übrigens auch noch der erste

911 ist mit Hinterrädern, die größer

dimensioniert sind als die vorderen –

genau 1.580 Exemplare. Wer sich heute

hinters Steuer eines Porsche 911 (Typbezeichnung)

Carrera (Hinweis auf einen

Rennmotor im Modell) 2.7 (Hubraum in

Litern) RS (Kürzel für RennSport) klemmt,

mag gar nicht glauben, was es für eine

Aufregung um das Modell von damals

gab. 210 PS in einem 960 Kilo leichten

Auto sind zwar nach wie vor beeindruckend,

unter Supercar jedoch versteht

man heute etwas anderes. Aber Stopp:

Man darf den Bürzel-Porsche nicht mit

heute vergleichen, sondern muss ihn in

Relation setzen zu dem, was es damals

sonst als Serienauto gab. Und siehe da:

Keines mit solchen Werten! 245 km/h

Spitze waren gigantisch, 34.000 Mark

Kaufpreis ebenso, der Sprint in 6,3

Sekunden phänomenal. Und am allerbesten:

Ford- und BMW-Fahrer sowie

Ähnliche hatten nun auch in Kurven das

Nachsehen gegen einen 911. Für damalige

Verhältnisse sitzt man perfekt (im

Sport in einer verdammt harten Schale,

im Touring angenehm gepolstert),

eine heute übliche Lenkradeinstellung

wird nicht vermisst – die nach rechts

versetzte, stehende Pedalerie allerdings

ist gewöhnungsbedürftig. Die Lenkung

gibt ordentlich Rückmeldung, ohne dass

sie sich als schwergängig erweist. Die

Gänge lassen sich trotz langem Schalthebel

exakt in der Fünfgang-Schaltbox

sortieren, wobei die Schalt- und Pedalwege

recht lang sind. Willig nimmt der

Boxermotor Gas an. Er mag Drehzahlen

– je höher, desto besser. Das Toben geht

sowieso erst ab 3.000/min richtig los,

was mit einer wunderbar ansteigenden,

immer wütender werdenden Geräuschentwicklung

einher geht. Bei 6.300

Umdrehungen ist allerdings Schluss. Alle

Parameter zusammen sorgen übrigens

dafür, dass man sich immer schneller

wähnt, als man tatsächlich fährt.

Der Nachfolger, der 911 Carrera RS von

1991 mit 3,6 Litern Hubraum und 260 PS,

gibt sich deutlicher als Rennwagen für

die Straße zu erkennen – auch wenn der

Weg des Kupplungspedals recht lang ist.

Die Lenkung benötigt wegen fehlender

Servounterstützung starke Arme und

der Sechszylinder zeigt sich bissig –

erst recht ab 4.000 Umdrehungen. Die

Energie, die den Straßensportler in 5,4

Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultiert

und ihn bis zu einem Top-Tempo

von 260 km/h treiben kann, wird zuverlässig

vernichtet von reinrassigen Rennsportbremsen

– vorne stammen sie

aus dem 911 turbo, hinten aus den

Carrera-Cup-Fahrzeugen. ABS hilft beim

Dosieren. Das fast schon harte Fahrwerk

und die unnachgiebigen Seitenwangen

des Schalensitzes zwingen den Fahrer in

ein RS-Korsett, das er nur ungern wieder

verlässt.

Noch mehr Rennfeeling für die Straße

bietet der Typ 993 als 911 Carrera RS

3.8 von 1995 mit nun 300 PS, von uns

gefahren mit Clubsport-Paket. Schlaufen

anstelle von Türöffnern geben schon mal

die Richtung vor: Rennsport pur. Keine

Sitze hinten, keine Airbags, Dünnglasscheiben,

die Fronthaube aus Aluminium

– hier geht’s wieder deutlich um

Verzicht auf Gewicht. Das Clubsportpaket,

mit dem nur 227 von insgesamt

1.014 Exemplaren ausgestattet wurden,

beinhaltet Überrollkäfig, Batterie-Hauptschalter,

Feuerlöscher, Sechspunkt-

Gurte, Schalensitze und weitere Race-

Features. Schon im Stand röchelt der

3.8-Liter-Sechszylinderboxer giftig und

warnt davor, eine Fahrmaschine nur für

Fortgeschrittene zu sein. Man sortiert

gerne die sechs Gänge des Getriebes,

auch wegen des handschmeichelnden

Schaltknaufs. Das straffe Fahrwerk informiert

über jedes kleinste Schlagloch. Der

Sprint gelingt noch heute in tosenden

fünf Sekunden, bis 277 km/h Spitze sind

möglich.

Einen Nachfolger mit reinem RS-Namen

gab es nicht. Aufgrund von Reglementänderungen

der obersten Motorsportbehörde

nannte Porsche die Straßenracer

„GT3“. In ihrer schärfsten Form allerdings

kamen die GT3 zumindest bis 2015 mit

dem Zusatz RS auf die Straße. Und das

mit so ausgefeilten und großen Heckflügeln,

dass niemand mehr von „Entenbürzeln“

spricht. Aber ein bisschen Brodbeck

steckt immer noch drin.

WEITERE INFORMATIONEN:

www.porsche.de


EEN REIS

NAAR DE ZEE

ROADTRIP

AUTOR: J. M. BRAIN / FOTOGRAF: D. SCHAPER


62 // BOLD THE MAGAZINE TRAVEL / ROADTRIP

Wenn es ums Vereisen geht, schauen wir meist in weite Ferne: „Doch warum in die Ferne

schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah ...“, wie der vielgereiste Weltenbummler Johann

Wolfgang von Goethe bereits erkannte. Holland liegt quasi direkt vor der Haustür, mit einer

zauberhaften Küste, die ihresgleichen sucht. BOLD startet von Frankfurt am Main mit dem

neuen Kia Sportage Plug-in Hybrid in Richtung Amsterdam bis an Meer und schaut sich bei

der Gelegenheit den neuen Kompakt-SUV etwas genauer an.

Die aufgehende Sonne eines ersten

Sommertages verleiht Frankfurts Bürotürmen

einen goldenen Glanz. Einer

von ihnen ist die Hauptzentrale von Kia

Deutschland, wo wir unseren nigelnagelneuen

Kia Sportage Plug-in Hybrid in

Empfang nehmen. Für unseren kleinen

Trip an die niederländische Nordseeküste

genau das richtige Gefährt.

Beim ersten Blick auf die nunmehr

fünfte Sportage-Generation fallen die

markanten Elemente des Frontdesigns

mit der detailreichen schwarzen Kühlergrillgrafik

ins Auge, die sich über die

gesamte Breite des „Gesichts“ zieht,

sowie das serienmäßige LED-Tagfahrlicht

in Bumerang-Form und die adaptiven

Dual-LED-Scheinwerfer (ausstattungsabhängig).

Das Profil ist eine Hommage

an die Sportlichkeit, die das Modell seit

jeher prägt. Und das kraftvoll abfallende

Steilheck geht in „messerscharf“ gestaltete

Rückleuchten über, die den Eindruck

erwecken, als würden sie in die Karosserie

hineinschneiden. Erstmals wird der SUV

in Zweifarblackierungen mit schwarzem

Dach angeboten, die für die betont

sportlich auftretende Topversion GT-line

und den Plug-in Hybrid mit GT-line-

Paket erhältlich sind. Insgesamt stehen

ganze 22 Farbvarianten zur Wahl (je nach

Ausführung und Antriebsvariante).

Nach gut drei Stunden auf der A3 lassen

wir Köln links liegen und fahren weiter

in Richtung Düsseldorf, Oberhausen

und Arnhem. Wir fahren recht moderat

– wir haben ja Zeit, so dass sich auch

der Verbrauch unseres Plug-in Hybrids

in Grenzen hält. Der Sportage Plug-in

Hybrid ist mit einer Topmotorisierung

von 195 kW (265 PS) zu haben. Die zweitstärkste

Variante des neuen Sportage ist

der Hybrid 169 kW (230 PS), der – wie

das Steckermodell – serienmäßig eine

Sechs-Stufen-Automatik besitzt mit

Front- und Allradantrieb angeboten wird.

Sein Akku lässt sich in nur einer Stunde

und 45 Minuten von 10 auf 100 Prozent

aufladen. Was wir bei der nächsten

Raststätte mit Ladesäule gleich einmal

ausprobieren wollen, doch leider sind

alle belegt, und so düsen wir weiter,

durch diesen sommerlichen Tag in Richtung

Meer.

Amsterdam erreichen wir gegen 16 Uhr,

in einer guten halben Stunde haben wir

es ans Meer geschafft und können eine

erste frische Brise Nordseeluft genießen.

Der übergroße Parkplatz direkt hinter


TRAVEL / ROADTRIP

BOLD THE MAGAZINE // 67

den Dünen lässt ahnen, was hier zur

Hochsaison los sein mag – aber jetzt

sind wir ganz allein hier und können

uns kaum entscheiden, welchen der

Parkplätze wir für die kommenden Tage

unser eigen nennen.

Der neue Sportage wurde übrigens in

echter Gemeinschaftsarbeit der Kia-

Designzentren in Korea, Deutschland,

den USA und China entworfen. Optik

und Charakter des Modells sind von

der im Frühjahr 2021 vorgestellten

neuen Kia-Designphilosophie „Opposites

United“ (übersetzt: Vereinte Gegensätze)

geprägt. Sie basiert auf fünf Säulen

(Bold for Nature, Joy for Reason, Power

to Progress, Technology for Life, Tension

for Serenity), von denen vor allem „Bold

for Nature“ die Gestaltung des Sportage

grundlegend beeinflusst hat.

War es im Inland doch eher heiß, weht

hier ein frisches Lüftchen – aber die

Sonne scheint und unser Strandhotel

erwartet uns schon. Das einzigartige

Strandhotel Zoomers in Castricum aan

Zee ist eine besondere Kombination

aus heimeliger Herzlichkeit und Hotelluxus.

Warme Töne und eine wunderbar

entspannte Atmosphäre, in einer Oase

der Ruhe direkt am Meer, lassen einen

augenblicklich runterkommen – und so

planen wir noch rasch den nächsten Tag,

bevor wir im Strandpaviljoen Club Zand

(unweit des Hotels) unseren Sunset Cocktail

genießen. Ein ausgezeichnetes Frühstück

und Mittag- oder Abendessen kann

man im nebenan liegenden Strandpaviljoen

Zoomers genießen – doch wenn

man die ungezwungen-lockere Gesellschaft

von Surfern und einen gepflegten

Clubsound bevorzugt, ist man im Strandpaviljoen

Club Zand zumindest am

Abend gut aufgehoben.

Damit steht unser Motto für den letzten

Tag unserer Reise fest: „Sportage and

BOLD for Nature“! Wir fahren in Richtung

Den Helder immer an der Küste

entlang, vorbei an den Tulpenfeldern

von Egmond Binnen, die immer noch

in voller Blüte stehen. Ringsum stehen

die landestypischen Windmühlen auf

den Feldern: Sie wurden jahrhundertelang

zur Landgewinnung bzw. Trockenlegung

des Landes, zur Rohstoffverarbeitung

und Produktherstellung genutzt.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts waren

mehr als 10.000 Windmühlen im Einsatz

– heute gibt es landesweit nur noch etwa

1.000. Zum Ende unserer Reise machen

wir noch einen ausgedehnten Strandspaziergang

und stellen fest: Bakkum North

Beach und Bloemendaal aan Zee sind die

niederländische Antwort auf Ibiza. Und

uns bleibt nur noch eins zu sagen: Wir

kommen wieder! Wij komen terug!

EMPFEHLUNG HOTEL:

Strandhotel Zoomers

www.zoomersaanzee.nl

WEITERE INFORMATIONEN:

www.kia.com


WENN ENGEL REISEN

ODER: WENN UNSEREN AUTOR

DIE ESOTERIK IM LEISTUNGSSTÄRKSTEN

LUXUS-SUV DER WELT PACKT

AUTOR: R. LÖWISCH


MOTION / ASTON MARTIN

BOLD THE MAGAZINE // 71

Das kann nur ein Traum-Trip werden: Wir lassen uns einfach mal auf die passende Esoterik

zu „Wenn Engel reisen“ ein: Laut Astrologen trägt der Glücksengel die Nummer 707.

Was für ein Zufall, dass sich genau jener zu Wort meldete, als wir den weltweit leistungsstärksten

Luxus-SUV namens Aston Martin DBX707 fahren. Gedächtnisprotokoll einer

denkwürdigen Reise ...

Nomen est Omen. 707 – das ist nicht

007s Nachfolger, das ist eine knallharte

PS-Anzahl. So viele Pferdchen hat Aston

Martin seinem neuesten SUV-Derivat

eingepflanzt, der auf dem 550 PS starken

DBX basiert. Und will damit das weltweit

leistungsstärkste Sport Utility Vehicle im

Luxus-Segment auf die Räder gestellt ha...

„Quatsch PS – wiederholte Zahlen sind

Zeichen von uns Schutzengeln. Deswegen

versuche ich mal, Dich zu kontaktieren.“ (*)

Hallo? Wer wagt es, mich in meinem Denkschwall

zu unterbrechen?

„Jetzt mach mal keinen Wind. Unabhängig

davon, ob Du an Engel glaubst oder nicht –

wir sind immer in jedem Leben präsent und

wachen über Euch.“ (*)

Ach was. Dankeschön. Aber eigentlich

wache ich am liebsten selber, erst recht am

Steuer eines solchen Leistungshammers,

und das mit allen aufmerksamen Sinnen.

Beim DBX707 mit einer Länge von mehr als

fünf Metern, einer Breite von knapp zwei

Metern und eine Höhe von gut 1,6 Metern

liegt die wahre Macht in der Kraft.

„Papperlapapp. Wir Engel verwenden schlicht

verschiedene Zeichen und Symbole, um zu

kommunizieren. Und Zahlen sind nun mal

unsere häufig verwendeten Zeichen.“ (*)

Dann sprech‘ ich mal mit Engelszunge:

707 PS, 900 Newtonmeter maximales

Drehmoment, 0 bis 100 km/h in 3,3

Sekunden, 310 km/h Spitze – noch mehr

Zeichen und Symbole zum Seligsein

notwendig? Falls ja: Um zum 707 zu

mutieren, erhielt der Vierliter-V8-Biturbo

vom normalen DBX Kugellager-Turbos

und wurde dann neu kalibriert. Die Kraft

leitet ein neues Neunganggetriebe mit

Nasskupplung an die beiden angetriebenen

Achsen. Damit gelingen die Gangwechsel

jetzt um 40 Prozent schneller.

Außerdem kann das Zahnradwerk mit

der Kraft problemlos umgehen, denn 157

PS und 200 Newtonmeter mehr wollen

ausgehalten werden. Das elektronische

Hinterachs-Sperrdifferenzial kommt mit

kürzerer Übersetzung, was unter anderem

das Auto in den unteren Gängen besser

beschleunigen lässt. Die Dreikammer-Luftfederung

hat der 707 übrigens vom Basis-

DBX übernommen.

„Jetzt halt mal die Luft an und hör zu, denn

so mit Zahlen herumwerfen kann ich auch:

Die Zahl 707 mischt den Einfluss und die

Energien der Zahlen 7 und 0. Der Einfluss

der Zahl 7 wird verstärkt, weil sie zweimal


72 // BOLD THE MAGAZINE MOTION / ASTON MARTIN

auftritt. Außerdem verstärkt die Zahl 0 den

Einfluss anderer Zahlen, was die Stärke der

Zahl 7 in der Gesamtsymbolik der Zahl 707

erhöht. Die Zahl 7 symbolisiert innere Weisheit

und Führung, Intuition, Spiritualität,

spirituelle Entwicklung, spirituelles Erwachen

und spirituelle Erleuchtung. In Kombination

dieser Einflüsse symbolisiert die Zahl 707

Schließungen und Neuanfänge, Ganzheitlichkeit,

Einheit, Unendlichkeit und Ewigkeit

zu erreichen, Wissen zu erlangen, zu lernen

und zu studieren, andere zu lehren, Potenzial

zu entfalten und viele neue Möglichkeiten.“ (*)

Stopp! Darf ich für unsere Leser mal

kurz übersetzen? „Führung“, „Reise“ und

„Möglichkeiten“ bedeuten natürlich, dass

der Super-SUV ein unglaublich agiles

Auto ist, wenn auch 2,2 Tonnen schwer.

Auf 100 Meilen (160 km/h) sprintet er in

fabelhaften 7,4 Sekunden – was laut Aston

Martin eine halbe Sekunde schneller ist

als bei der Konkurrenz wie zum Beispiel

Porsche Cayenne Turbo S, Lamborghini

Urus oder Bentley Bentayga Speed.

Moment, lieber Engel, ich bin noch nicht

fertig: In der Praxis wird man in die nicht

nur optisch sehr ansprechenden, sondern

auch bestens geformten neuen Sitze

gedrückt, dass man weit mehr als nur

spirituell grinst. Manchmal haben wir uns

allerdings gefragt, warum das Auto fünf

diverse Fahrmodi anbietet: Wet, Offroad,

GT, Sport und Sport+. Denn dieser Bolide

gibt mit jeder Auspuffklappe zu verstehen,

dass er sich in Sport+ am wohlsten fühlt.

Sport+ schaltet alle automobilen Sinne

scharf und lässt auch akustisch die Welt

nicht im Unklaren, dass hier gearbeitet

wird: Es blubbert und bollert aus dem

Vierrohr-Edelstahlauspuff, dass es eine

wahre Freude ist.

„Egal – wenn ich Engel 707 komme, ist

dies eine starke Botschaft der Ermutigung

des Universums für die Arbeit, die Du zur

Verbesserung der Spiritualität leistest. Die

Hintergrund-Engel gratulieren Dir damit

auch zu Deinen Lebensentscheidungen

und dem aktuellen Weg, auf dem Du Dich

befindest.“ (*)

Dankeschön, das geht runter wie Wolke

sieben. Mein aktueller Weg ist eine leere

Straße auf Sardinien. Und die Lebensentscheidung,

Boliden wie den DBX707

auszuprobieren, habe ich auch noch nicht

bereut. Dazu gehört es, die serienmäßigen

Carbon-Keramikbremsen zum Glühen

zu bringen. In den 22-Zoll-Vorderrädern

stecken 420 Millimeter Bremsscheiben,

hinten sind sie noch 390 Millimeter groß.

Das Carbon-Keramik-System soll insgesamt

40,5 Kilo ungefederte Massen einsparen.

Das ganze Bremssystem ist natürlich

neu abgestimmt, um dem Fahrer ein

absolut präzises Gefühl im Fuß vermitteln

zu können. Was es problemlos schafft.

Dass die Bremsen nach scharfer Fahrt ein

bisschen quietschen, interpretiere ich mal

als Dein überirdisches Juchzen, 707. Okay?

„Du bist albern.“ (*)

Ich bessere mich! Dann sprechen wir über

das Interieur: Da hat sich nicht viel geändert

– bis auf die neu gestaltete Mittelkonsole.

Hier befindet sich ein neuer Dreh-


MOTION / ASTON MARTIN

BOLD THE MAGAZINE // 75

schalter, mit dem man den gewünschten

Fahrmodus wählt. Außerdem kann jener

das Getriebe beeinflussen: Will man

per Schaltpaddel händisch die Gänge

bestimmen, sollte man den M-Knopf

drücken – dann wechselt das System

nicht wieder sofort in den Automatik-

Modus, sondern hält den gewählten Gang

fest. Auch das ESP hat eine eigene Taste,

ebenso der Fahrspurassistent, und auch

den Sound kann man beeinflussen: Dank

eines Schalters muss man nicht im Sportoder

Sport+-Modus sein, um dem Aston-

Martin-Song zu lauschen.

„Ich ermutige Dich, Deine Wünsche weiter

zu erforschen. Schau tief in Dein Leben und

Deine Entscheidungen hinein und versuche

zu verstehen, ob Du etwas ändern musst

oder ob Du mit Deinen Entscheidungen

und dem aktuellen Stand der Dinge völlig

zufrieden bist.“ (*)

Hier hast Du mal wirklich recht, Engel 707.

Ich muss was ändern – denn ich kann mir

den Hyper-DBX nicht leisten. 238.500 Euro

habe ich gerade nicht flüssig.

„Übrigens: Ich bin auch oft eine Ankündigung

großer Veränderungen in Deinem

Liebesleben, die bald eintreten. Diese 707 gibt

häufig das Ende einer aktuellen Beziehung

an, da sie ihren Zweck erfüllt hat…“ (*)

Stimmt, meine direkte Beziehung mit dem

DBX707 endet leider nach 400 Kilometern.

Aber nur, weil ich ihn wieder abgeben

muss. Eine letzte Frage trotz des Scheidens

muss erlaubt sein: Gelände? Soll der irdische

DBX707 auch können dank Rampenwinkeln

von bis zu 25,7 Grad vorne und

27,1 Grad hinten, einem Böschungswinkel

von 18,8 Grad, einer Wattiefe von

500 Millimetern und einer maximalen

Bodenfreiheit von 220 Millimetern. Kann

ich aber nicht ausprobieren, den DBX707

abenteuerlich in einem Schlammloch

zu versenken. Wird aber wahrscheinlich

auch kein Käufer ernsthaft überlegen.

Auch wenn die himmlische Botschaft da

anderer Meinung ist.

„Menschen, die mit dieser Zahl in Resonanz

stehen, sind Abenteurer und Wissenssuchende.

Sie sind oft auf einer Reise, um

ihre Spiritualität zu erweitern, mehr spirituelles

Wissen und spirituelle Erleuchtung zu

erlangen.“ (*)

Mein lieber Engel: Ich bin nach der Fahrt

sowas von erleuchtet, das glaubst Du

nicht. Ich sollte meine Spiritualität dahin

erweitern, dass ich nur noch Autos mit

707 PS fahre ... Engel? Bist Du noch da?

(*) Alle kursiv gestellten Textstellen stammen

zumindest dem Sinn nach von der Website:

www.axisastrology.com

Übrigens: Wenn man die Bedeutung von

„DBX“ recherchiert, ist das Ergebnis nicht

halb so unterhaltsam wie bei „707“.

WEITERE INFORMATIONEN:

www.astonmartin.com


76 // BOLD THE MAGAZINE

COOL STUFF / BEGEHRENSWERT

EINE WELT

VOLLER FARBEN

ONE PLUS 10 PRO 5G

DEVELOPED WITH HASSELBLAD

AUTORIN: M. MAI

Rund zwei Millionen Farben kann unser

menschliches Auge wahrnehmen. Wenn

man seine Erlebnisse aus dem Alltag

allerdings mittels Smartphone auf seinen

sozialen Kanälen teilen möchte, stößt

man oft an digitale Grenzen: Die intensive

Farben aus dem letzten Urlaub

wirken in Instagram-Posts unnatürlich,

Farbübergänge von Sonnenuntergängen

sind verwaschen und alle Fotos, die mit

dem Smartphone aufgenommen wurden,

wirken vereinheitlicht, gleich und nicht

mehr so, wie man sie in dem Momente

erlebt hat.

„Capture Every Horizon“ mit dem

OnePlus 10 Pro und der Hasselblad

Kamera für Smartphones: Durch die

Partnerschaft mit Hasselblad werden ein

größtmögliches Farbspektrum und viele

Einstellungsmöglichkeiten endlich auch

für die mobile Fotografie Realität. Die

Hasselblad Kamera für Smartphones der

zweiten Generation unterstützt die sogenannte

OnePlus Billion Color Solution.

Dadurch kann die natürliche Farbkalibrierung

auf über eine Milliarde Farben

angewendet werden. Farben werden

somit endlich auch digital so natürlich

wiedergegeben, wie sie in der Natur

vorkommen: der Himmel so weit und

azurblau und das Sonnenblumenfeld so

intensiv gelb wie am Anfang der Blütezeit.

Und das alles ohne künstliche Instagram-Filter,

an denen man sich mittlerweile

sattgesehen hat, sondern so, wie wir

es in echt erleben. 64mal mehr Farben

werden mit den drei leistungsstarken

Kameralinsen auf der Rückseite des

edel und hochwertig designten Smartphones

verarbeitet und sorgen (beispielsweise

auch mit einer der besten Ultraweitwinkel-Kameras

der Branche) im

OnePlus 10 Pro für unvergessliche Fotos,

die Emotionen und Erlebnisse über

Farben festhalten können.


COOL STUFF / BEGEHRENSWERT BOLD THE MAGAZINE // 77


COOL STUFF / BEGEHRENSWERT BOLD THE MAGAZINE // 79

NEW

SCANDINAVIAN

DESIGN

BEGEHRENSWERT

AUTORIN: Z. KHAWARY

Die neue Kollektion von Bolia lädt

dazu ein, sich für etwas Besseres zu

entscheiden. Im Hause Bolia ist man

davon überzeugt, dass eine ästhetische

und natürliche Einrichtung das menschliche

Wohlbefinden und die individuelle

Kreativität fördert. Dabei gilt es zu

bedenken, dass unser Planet unter der

Verschwendung seiner Ressourcen leidet,

während sich der Mensch nach Veränderungen

und Neuem sehnt.

Bolia weiß, dass gutes Design nicht nur aus

dem besteht, was das Auge sieht, sondern

auch aus der Art und Weise seiner Fertigung

und seinen haptischen Qualitäten.

Die neue Kollektion wurde in bewährter

Manier von einer brillanten Gemeinschaft

von Designern aus der ganzen

Welt entworfen, die eine gemeinsame

Leidenschaft für nachhaltige Lösungen

und das New Scandinavian Design eint.

Von den ersten Skizzen bis zum fertigen

Produkt ist jedes Design für die Ewigkeit

bestimmt: Handgefertigt von einigen der

besten Hersteller Europas und aus den

feinsten und nachhaltigsten Materialien,

die die Natur für uns bereithält.

Das Bolia Design-Kollektiv besteht aus

über 60 internationalen Designern, die

ihre Leidenschaft für das New Scandinavian

Design und nachhaltige Kreationen

mit der Marke teilen. So entstehen

in enger Zusammenarbeit jährlich zwei

Kollektionen, die ihre Inspiration aus

der sich ständig verändernden Natur

Skandinaviens beziehen. Jedes einzelne

Design ist individuell auf die spezifischen

Wünsche und Bedürfnisse der

Kunden abgestimmt. Bolia gibt es in 76

eigenen Stores in Dänemark, Schweden,

Norwegen, Deutschland, den Niederlanden,

der Schweiz, Österreich, Frankreich

und Luxemburg, sowie über Webshops

in 30 europäischen Ländern.


82 // BOLD THE MAGAZINE IMPRINT

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ISSN 2192-9378

M. Kuhlmey

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LEKTORAT

E. Briest

J. M. Brain, H. G. Teiner, N. Dexter, J. Fink,

C. Paul, Z. Khawary, M. Mai, T. Adler,

K. Specht, R. Löwisch, E. Briest, D. Schaper,

C. Streng, P. Heidmann

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Silber Druck oHG

VERTRIEB

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Offizieller Kraftstoffverbrauch Aston Martin DBX707 in l/100 km: innerorts 18,5; außerorts 10,7; kombiniert 13,5; CO 2-Emissionen kombiniert in

g/km: 309. Effizienzklasse G. Die angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte wurden nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Messverfahren

ermittelt. Aktuell erfolgt die Typengenehmigung für bestimmte Neuwagen auf Basis eines weltweit harmonisierten Prüfverfahrens für

Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge („Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“, WLTP), einem realistischeren Prüfverfahren

zur Messung des Kraftstoffverbrauchs und der CO 2-Emissionen. Wegen der realistischeren Prüfbedingungen sind die nach dem WLTP gemessenen

Kraftstoffverbrauchs- und CO 2-Emissionswerte in vielen Fällen höher als die nach dem alten NEFZ-Verfahren („Neuer Europäischer Fahrzyklus“)

gemessenen. Allerdings sind aktuell noch die NEFZ-Werte verpflichtend zu kommunizieren. Soweit Angaben Neuwagen betreffen, die nach

dem WLTP-Verfahren typgenehmigt sind, werden die angegebenen NEFZ-Werte daher von den WLTP-Werten abgeleitet. Die zusätzliche Angabe

der WLTP-Werte erfolgt bis zu deren verpflichtender Verwendung freiwillig.

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