30.06.2022 Aufrufe

Kardiovaskuläre Gesundheit

Ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Gesundheitschecks können kardiovaskuläre Erkrankungen verhindern und damit Leben retten. Die aktuelle Ausgabe unserer Kampagne „Kardiovaskuläre Gesundheit“ bietet Patient:innen sowie Expert:innen eine Bühne, um Leser:innen aufzuklären und zur Vor- und Nachsorge zu bewegen.

Ein gesunder Lebensstil und regelmäßige Gesundheitschecks können kardiovaskuläre Erkrankungen verhindern und damit Leben retten.

Die aktuelle Ausgabe unserer Kampagne „Kardiovaskuläre Gesundheit“ bietet Patient:innen sowie Expert:innen eine Bühne, um Leser:innen aufzuklären und zur Vor- und Nachsorge zu bewegen.

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info

KARDIOVASKULÄRE

GESUNDHEIT

FOTO: SHUTTERSTOCK

Cholesterin:

Warum es wichtig ist, die Werte

ernst zu nehmen

Themenspecial:

Gentherapie in der

Hämophilie

Herzklappenerkrankungen:

Symptome, Diagnose und

Behandlung

Vorhofflimmern:

Die Gefahr der

Herzrhythmusstörung

ArmoLIPID®PLUS

Natürliches Cholesterinmanagement in Verbindung mit einem

gesunden Lebensstil.

Anzeige

ARMO-2022-0016-01-2022

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und

ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.


2 Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info

Eine Themenzeitung von Mediaplanet

IN DIESER AUSGABE

VORWORT

Achte auf

dein Herz!

FOTO: SHUTTERSTOCK

Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen die Haupttodesursache der

Menschen in der westlichen Welt dar. Aus diesem Grund sind zwei

Punkte wichtige Eckpfeiler für das Erreichen bzw. den Erhalt der

Volksgesundheit: das Erkennen von Risikofaktoren und das Wissen

um deren Vermeidung. Denn ohne Risikoprävention sind sie für die

Entstehung von arteriosklerotischen Veränderungen in den Blutgefäßen

verantwortlich, die sich innerhalb von vielen Jahren oder Jahrzehnten

entwickeln. Generell werden Risikofaktoren dabei in modifizierbare und

nicht-modifizierbare Faktoren eingeteilt.

Achten Sie auf

Ihre Herzgesundheit!

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern

kann das Risiko für einen

Schlaganfall um das Fünffache erhöhen.

Regelmäßiges Pulsmessen und

Abklärung mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin

helfen dabei, die Rhythmusstörung zu

diagnostizieren. Auf Seite 5 finden Sie

einen Fragebogen, der Sie beim

Gespräch mit Ihrem Arzt/Ihrer

Ärztin unterstützen kann.

Verantwortlich für den

Inhalt dieser Ausgabe:

FOTO: PRIVAT

Julia Buchberger

Senior Project Manager

Mediaplanet GmbH

Univ.-Prof. Dr.

Bernhard Metzler

Präsident der Österreichischen

Kardiologischen

Gesellschaft,

Facharzt für Kardiologie

und Innere

Medizin

FOTO: PRIVAT

Die heutigen Empfehlungen,

sowohl von internationalen als

auch von nationalen Fachgesellschaften,

gehen klar in

eine Richtung – und zwar,

Patient:innen bewusst und aktiv in jede

therapeutische Entscheidung miteinzubinden.

Die Weiterführung dieses Gedankens

impliziert somit, die Eigenverantwortung

von mündigen Patient:innen auch in der

Behandlung aufzugreifen und bei der Vermeidung

von Risikofaktoren in den Vordergrund

zu stellen.

So sind der strikte Verzicht auf Nikotin

und eine frühzeitige und konsequente

Senkung von erhöhten Cholesterinwerten

und Bluthochdruck unabdinglich, um

das Lebenszeitrisiko für kardiovaskuläre

Erkrankungen – das letztlich ein steigendes

ist – möglichst niedrig zu halten bzw. zu

verringern. Darüber hinaus gilt die Empfehlung,

täglich mindestens eine halbe

Stunde (moderates) körperliches Training

zu betreiben. Im alltäglichen Leben sind

hierfür auch schon das Treppensteigen,

anstatt mit dem Lift zu fahren, oder kürzere

Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad

und nicht mit dem Auto zurückzulegen als

„körperliches Training“ zu werten. Diese

Bewegung lässt sich einfach in den Tagesablauf

integrieren und ist sogar gratis.

Um es klar und deutlich zu wiederholen –

auch nochmal in Hinblick auf die Eigenverantwortung

für die eigene Gesundheit: Das

von einigen als schicksalshaft hingenommene

Risiko, man könnte eben irgendwann

einen Herzinfarkt oder einen Gehirnschlag

bekommen, ist keinesfalls ein solches. Im

Gegenteil, denn jeder Mensch kann selbst

mit einer konsequenten Vermeidung der

oben genannten Risikofaktoren bzw. einer

(medikamentösen) Behandlung dieser

das Lebenszeitrisiko für kardiovaskuläre

Erkrankungen signifikant senken. Auch

eine bewusste und gesunde Ernährung mit

viel Gemüse, Obst und frischen Kräutern,

ballaststoffreichen Speisen und wenig

tierischem Fett oder Fleisch ist hierfür sehr

wichtig. In diesem Zusammenhang sollten

auch industrielle Fertiggerichte mit einem

hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren,

Zucker oder Salz möglichst vermieden

werden. In steigendem Maß werden in

den letzten Jahren auch psychologische

Faktoren als Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen

berücksichtigt. So ist das

Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse durch

vermehrten Stress, Depressionen oder aber

auch durch ein erhöhtes Aggressionspotenzial

ebenso gegeben. Außerdem sind heute

Umweltbelastungen wie Verkehrslärm oder

Luftverschmutzung als kardiovaskuläre

Risikofaktoren bekannt. Hier steht insbesondere

die Politik bei der Umsetzung von

Straßenbauplänen bzw. Bauwidmungen,

aber auch bei der Eindämmung von Fluglärm

vor besonderen Herausforderungen.

Die Vermittlung dieses proaktiven und

größtenteils eigenverantwortlichen

Handelns – zum Wohle der eigenen

Gesundheit – soll Ziel der Kampagne

Kardiovaskuläre Gesundheit“ sein.

Senior Project Manager: Julia Buchberger

Business Developer: Kerstin Köckenbauer

Senior Business Developer: Florian Rohm, BA

Unsere Partner:

Lektorat: Sophie Müller, MA

Graphic Design: Daniela Fruhwirth

Managing Director: Bob Roemké

Medieninhaber: Mediaplanet GmbH,

Bösendorferstraße 4/23, 1010 Wien, ATU

64759844 · FN 322799f FG Wien Impressum:

https://mediaplanet.com/at/impressum/

Distribution: Der Standard Verlagsgesellschaft

m.b.H. Druck: Mediaprint Zeitungsdruckerei

Ges.m.b.H. & Co.KG

Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 676 847 785 219

E-Mail: julia.buchberger@mediaplanet.com

ET: 30.06.2022

Bleiben Sie in Kontakt:

@Mediaplanet Austria

@austriamediaplanet

@DerGesundheitsratgeber


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info 3

INSPIRATION

Ein Herz und

eine Recherche

Kim Shirin Cupal ist Radio-Journalistin und

hat sich in den letzten Monaten intensiv mit

Herzklappenerkrankungen auseinandergesetzt.

Ein Gespräch über Emotion und Ernsthaftigkeit

sowie ihre eigene Geschichte lesen Sie hier.

Welchen Zugang hast du zum

Thema Herzklappenerkrankungen?

Ich bin selbst Betroffene. Bei meinem Vater

wurde vor ein paar Jahren eine bikuspide

Aortenklappe diagnostiziert. Das ist ein sehr

häufiger und vererblicher Herzklappenfehler.

Ehrlich gesagt habe ich es am Anfang nicht

ernst genommen. Wer geht denn schon mit

Mitte 20 zum Kardiologen? Schließlich hat

mich meine Familie doch zu einem Check

gedrängt, bei dem diese Anomalie auch bei

mir festgestellt wurde. Ich habe die Diagnose

danach von mir weggeschoben, denn

ich habe damals wie auch heute noch keine

Symptome verspürt. Nur, weil man einen

Herzklappenfehler hat, heißt das nicht

automatisch, dass man krank ist. Herzklappenfehler

kommen häufiger vor, als

man denkt. Ich arbeite als Journalistin

und habe deswegen vor etwa zwei Monaten

begonnen, intensiv zu recherchieren

und eine Radiosendung zum Thema zu

gestalten.

Was hast du im Zuge

deiner Recherche erlebt?

Bis zum Beginn der Recherche dachte ich,

dass ich ein Fels in der Brandung bin. Ich

führte viele Gespräche mit Fachleuten und

hörte mir Geschichten von Betroffenen an,

die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.

Wie etwa die Geschichte einer Frau, bei der

ebenso mit 20 Jahren ein Herzklappenfehler

diagnostiziert worden war. Sie nahm

die Diagnose lange nicht ernst – bis sie

mehrmals in Ohnmacht fiel und notoperiert

werden musste.

Wie war der Austausch für dich?

War es schwierig, dich von deiner

eigenen Geschichte abzugrenzen?

Das ist eine gute Frage! Es war ein sehr

positiver Austausch, aber gleichzeitig ein

Blick in eine mögliche Zukunft, die ich

bislang einfach von mir ferngehalten habe.

Ich habe dabei wahnsinnig viel gelernt,

doch ich habe auch nach jedem Interview

etwa eine halbe Stunde gebraucht, um

mich wieder zu fassen. Denn wenn du über

dein Herz nachdenkst, macht das was mit

dir. Das Herz ist ein emotionsbeladenes

Organ – vielleicht, weil das Herz auch für

das Leben an sich steht.

Was hat sich dadurch

für dich verändert?

Ich habe begriffen, dass es verdammt noch

einmal wichtig ist, auf den eigenen Körper

zu hören! Ich weiß, dass man Herzklappenerkrankungen

sehr gut behandeln bzw.

operieren kann – auch, wenn mir eine

Operation ehrlich gesagt Angst macht.

Heute bin ich froh, erkannt zu haben, dass

ich nicht alles dauernd auf mein Zukunfts-

Ich verschieben kann, sondern mich auch

im Hier und Jetzt schon damit beschäftigen

muss.

FOTO: PRIVAT

Mag. Kim Shirin

Cupal

Freie Journalistin

Text: Magdalena

Reiter-Reitbauer

FOTO: ZVG

Univ.-Prof. Dr.

Christian Hengstenberg

Leiter der Universitätsklinik

für Innere

Medizin II

Was versteht man unter einer

Herzklappenerkrankung?

Das Herz hat die Funktion, das Blut über

den Kreislauf in den Körper zu pumpen.

Dazu braucht es Ventile, sodass das Blut als

zielgerichteter Strom in das Herz rein- und

wieder rausgepumpt werden kann. Durch

ein verengtes Ventil kann das Blut nicht

oder nur mit großem Widerstand gepumpt

werden. Dies verursacht jene Herzklappenprobleme,

die wir in der kardiologischen

Betreuung feststellen.

Welche Auswirkungen haben

Herzklappenerkrankungen?

Die Herzklappe kann entweder verkalkt

oder undicht sein. Das kann man sich so

wie bei einem Konzert vorstellen, wenn alle

Türen geöffnet werden und die Menschen

gleichzeitig rausgehen wollen. Sind diese

Türen jedoch nicht ganz oder nur teilweise

geöffnet, bildet sich ein Rückstau und es

dauert länger, bis alle Menschen hinausgehen

können. Wenn also im Herz das Blut

nicht durch die Klappe fließen kann, staut es

zurück in die Lunge und verursacht dadurch

Luftnot, Engegefühl in der Brust sowie teilweise

auch Ohnmachtsanfälle. Belastungsabhängige

Luftnot entstehen ebenso, wenn

das Ventil undicht ist.

Sind das Warnzeichen, die jede und jeder

für sich selbst erkennen kann?

Genau! Ich finde es schlimm, wenn man diese

Zeichen als „normalen“ Alterungsprozess

ansieht. Wir wissen aus Untersuchungen,

dass von Ohnmachtsanfällen – hervorgerufen

durch Herzklappenerkrankungen

– eine hohe Gefährdung und eine hohe

Wenn die Herzklappen

Probleme machen

Rund vier Prozent der Bevölkerung Österreichs

leben mit einer Herzklappenerkrankung. Univ.-

Prof. Dr. Christian Hengstenberg erklärt, warum

es wichtig ist, auf Warnzeichen zu achten, und was

Herzklappenerkrankungen mit Konzertbesuchen

zu tun haben.

Sterblichkeitsrate ausgehen. Im Vorfeld sind

Herzklappenerkrankungen recht einfach

zu erkennen. Wenn man regelmäßig zum

Arzt geht, dieser mit dem Stethoskop das

Herz abhört und spezifische Herzgeräusche

feststellt, können Patienten an Kardiologen

überwiesen werden. Diese können das Herz

genauer untersuchen und den Schweregrad

von Erkrankungen feststellen. Daran orientiert

sich dann auch die Behandlung.

Wie können Herzklappenerkrankungen

behandelt werden?

Es gibt drei Möglichkeiten: erstens, Medikamente,

die die Symptome verbessern;

zweitens, eine Operation; und drittens,

die sogenannte TAVI, also die transkutane

Aortenklappenimplantation, bei der über die

Leiste eine neue Herzklappe eingesetzt wird.

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation

der Früherkennung von Herzklappenerkrankungen

in Österreich?

Ich sehe großen Verbesserungsbedarf. Wir

haben Umfragen durchgeführt und gesehen,

dass der Bekanntheitsgrad von Herzklappenerkrankungen

sehr gering ist. Daher versuchen

wir, sowohl Ärzte als auch Patienten für

das Thema zu sensibilisieren. Ich persönlich

schlage vor, ab einem Alter von 50 Jahren

regelmäßige Herzchecks durchführen zu

lassen – und nicht erst mit 80 Jahren, denn

zu diesem Zeitpunkt kann nicht mehr alles

sinnvoll beeinflusst werden. Es ist wichtig,

die eigene Gesundheit präventiv im Griff zu

haben.

meineherzklappe.at

H e r z k l a p p e n e r k r a n k u n g e n

k a n n m a n h ö r e n !

BITTEN SIE IHREN ARZT UM EINEN

STETHOSKOP-CHECK!

J e t z t !

Wir unterstützen Herzklappenpatient:innen

kostenfrei!


4 Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info

Eine Themenzeitung von Mediaplanet

EXPERTISE

Priv. Doz. Dr.

Markus Stühlinger

Ärztliche Leitung

Rhythmologie und

Elektrophysiologie

Univ. Klinik für

Innere Medizin III/

Kardiologie

Med. Universität

Innsbruck / Tirol

Kliniken

Text: Magdalena

Reiter-Reitbauer

FOTO: TIROL-KLINIKEN

Wenn der Rhythmus

zu schnell ist

Pumpen, Ventile, Strom und Zündkerzen. Priv.-Doz. Dr.

Markus Stühlinger erklärt, was Vorhofflimmern mit Motoren

zu tun hat und warum es so wichtig ist, diese häufige

Herzrhythmusstörung zu erkennen.

Was ist Vorhofflimmern aus medizinischer

Perspektive erklärt?

Das Herz funktioniert praktisch wie eine

Pumpe. Ventile (die Herzklappen) sorgen

dafür, dass das Blut in die richtige Richtung

gepumpt wird. Das Prinzip ist dabei ganz

ähnlich wie das eines Motors. Es braucht

elektrischen Strom, der als Impuls durch

die Muskeln fließt und diese zusammenziehen

lässt. Zuerst zieht sich die Vorkammer

zusammen und pumpt das Blut dann in die

Hauptkammer. Damit dies richtig funktioniert,

gibt es eine Zündkerze, die in der

Vorkammer liegt. Fällt diese „Zündkerze“

aus, entsteht Vorhofflimmern, indem sich die

Muskelfasern im Vorhof unkontrolliert mit

300 Schlägen pro Minute zusammenziehen

und die elektrischen Impulse unregelmäßig

in die Hauptkammer übertragen. Das Vorhofflimmern

ist also eine Rhythmusstörung, bei

der die Vorkammern vor sich hin „flimmern“.

Wie spüren Patientinnen und Patienten

Vorhofflimmern?

Die Patientinnen und Patienten haben dann

einen unregelmäßigen, meist sehr schnellen

Herzrhythmus. Vorhofflimmern ist die

häufigste Rhythmusstörung bei Menschen; je

nach Alter gibt es unterschiedliche Inzidenzen

– je höher das Alter, desto häufiger

kommt Vorhofflimmern vor.

Gibt es Schätzungen darüber, wie viele

Menschen davon weltweit betroffen sind?

Das ist schwierig zu sagen, weil etwa ein

Drittel aller Patientinnen und Patienten das

Vorhofflimmern gar nicht spürt. Die Schätzungen

gehen dennoch davon aus, dass etwa

drei bis vier % aller Menschen davon betroffen

sind. Und nachdem unsere Gesellschaft

immer älter wird, sehen wir Vorhofflimmern

in letzter Zeit immer häufiger.

Sie haben erwähnt, dass es Menschen

gibt, die Vorhofflimmern gar nicht

spüren. Aber wie kann man es dann

erkennen?

Die einfachste Art ist die Pulsmessung, die

bei Menschen über 65 Jahren als Screening

empfohlen wird. Wenn der Puls anhaltend

unregelmäßig ist, kann die Ärztin oder der

Arzt mit Hilfe eines EKG eine mögliche Diagnose

stellen. Aber es gibt heute bereits Apps

und Uhren, die den Puls aufzeichnen können.

Das wird in Zukunft sicherlich helfen,

Vorhofflimmern zu erkennen – gerade bei

Menschen, die keine Symptome verspüren.

Gibt es Risikofaktoren für Vorhofflimmern

bzw. welche vorbeugenden Maßnahmen

kann jede und jeder selbst setzen?

Ja, die gibt es. Neben dem bereits erwähnten

Alter erhöhen auch Herzerkrankungen

oder hoher Blutdruck das Risiko für Vorhofflimmern.

Außerdem gibt es Auslöser

für Vorhofflimmern. Dazu gehören starker

Alkoholkonsum, Atemaussetzer im Schlaf

sowie intensiver Extremsport. Regelmäßiger

Ausdauersport und Bewegung können

hingegen Rhythmusstörungen und andere

Herzerkrankungen verhindern.

Was kann schlimmstenfalls passieren,

wenn Vorhofflimmern nicht erkannt bzw.

nicht behandelt wird?

Menschen mit Vorhofflimmern haben ein

erhöhtes Schlaganfallrisiko. Schlaganfälle

treten aber nicht nur um bis zu fünfmal

häufiger auf, sondern sind aufgrund der

Größe der Blutgerinnsel auchstärker ausgeprägt.

Daher ist es wichtig, Vorhofflimmern

zu erkennen und bei einem entsprechenden

Risiko blutverdünnende Medikamente zu

verabreichen. Wir können heute die Rhythmusstörung

selbst ebenfalls erfolgreich

behandeln – mit Hilfe

von Medikamenten

und Eingriffen

am Herzen.

Rund 250.000 Österreicher:innen sind von Vorhofflimmern

betroffen – die Dunkelziffer ist allerdings deutlich höher, weil

die Krankheit beinahe symptomlos verläuft und so zur stillen

Gefahr wird. Auch bei Josef Hager wurde das Vorhofflimmern

nur durch Zufall entdeckt.

Josef Hager

Vorhofflimmern-

Patient

Text: Anna

Birkenmeier

FOTO: PRIVAT

Vorhofflimmern ist tückisch, da es oft

keine spezifischen Symptome auslöst.

Wie wurde es bei Ihnen entdeckt?

Ich gehe jährlich zur Vorsorgeuntersuchung,

dort wurde das Vorhofflimmern zufällig im

Rahmen eines EKGs festgestellt. Auch ich

hatte davor keine spezifischen Symptome

gehabt und erst nach der Diagnose wurde

mir bewusst, dass meine zunehmende Kurzatmigkeit

einen Zusammenhang mit dem

Vorhofflimmern hatte.

Wie hat sich diese Kurzatmigkeit

gezeigt?

Ich wandere sehr gerne und viel. Beim

Anstieg auf den Berg hinauf hatte ich

zunehmend Atemnot, ich schrieb diese aber

meinem Alter zu. Abgesehen davon fühlte

ich mich fit und gesund.

Die Diagnose hat Sie also überrascht?

Ja, absolut. Mir wurde in diesem Moment

nochmal bewusst, wie wichtig Vorsorgekontrollen

sind. Ich hatte 2005 einen Herzinfarkt

– wahrscheinlich deshalb, weil ich

mich in den Jahren davor nie hatte untersuchen

lassen. 49 Jahre lang hatte ich keinen

einzigen Tag bei der Arbeit gefehlt. Der

Herzinfarkt und das Vorhofflimmern haben

übrigens keinen Zusammenhang.

Was weiß man über die möglichen

Ursachen von Vorhofflimmern?

Mein Arzt hat mir erklärt, dass es eine typische

Alterskrankheit ist.

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung,

bei der das Herz unregelmäßig

schlägt. Spürten Sie diese Unregelmäßigkeiten?

Nein, ich habe keine Veränderungen meines

Herzschlags wahrgenommen.

Unbehandelt kann Vorhofflimmern zu

einem Schlaganfall führen. Was löste

dieses Bewusstsein in Ihnen aus?

Das Wissen über die schlimmen Folgen

von Vorhofflimmern bereitete mir Sorgen.

Zugleich war – und bin – ich dankbar, dass

es Medikamente gegen das Vorhofflimmern

gibt und damit die Gefahr eines Schlaganfalls

gebannt werden kann.

Sie werden nun seit einigen Wochen medikamentös

behandelt. Spüren Sie schon

eine Verbesserung?

Ja! Die

Kurzatmigkeit

hat

sich bereits

deutlich gebessert,

ich fühle mich

„fit wie ein Turnschuh“

und komme wieder leichter

den Berg hoch. Die Medikamente

vertrage ich außerdem sehr gut und

ich habe keinerlei Nebenwirkungen.

Welche Tipps möchten Sie unseren

Leserinnen und Lesern mitgeben?

Lassen Sie sich unbedingt regelmäßig

untersuchen und schauen Sie auf Ihre

Gesundheit! Die jährliche Vorsorgeuntersuchung

kann Ihr Leben retten.

Auf den

kommt es an!

www.herzstolpern.at

EINE INITIATIVE VON

PP-ELI-AUT-0808/04.2022

432-AT-2100088, 08/2021


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info 5

Entgeltliche Einschaltung

FRAGEBOGEN

Achtung –

Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern!

Unbehandelt verursacht sie ein bis zu

5x höheres Schlaganfallrisiko!

Haben Sie eines der folgenden

Symptome bemerkt?

Kurzatmig und schnell außer Atem

Schnell müde/wenig Energie

Schwach/Schwindelig

Herzklopfen bzw. unregelmäßiger

Herzschlag

Brustschmerzen

Wenn Sie eines dieser Symptome bemerken

oder bemerken, dass es sich verändert

oder verschlimmert, informieren Sie

unverzüglich Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.

Seit wann haben Sie

die Beschwerden?

Seit letztem Monat

Seit einem halben Jahr

Wie häufig treten

die Symptome auf?

Immer

Täglich

Ein gesundes Herz schlägt

im Ruhezustand 60- bis 90-

mal in der Minute.

Kleine Veränderungen bei der Signalübertragung im Herzen

können für „Chaos“ in den Vorhöfen des Herzens sorgen.

Dadurch kann der Herzschlag unregelmäßig werden –

und das Herz „stolpert“.

Dieses „Stolpern“ wird nicht immer erkannt. Manche Betroffene

nehmen es jedoch durch Herzklopfen, Herzrasen, Schwindel

oder Kurzatmigkeit war. Die Rhythmusstörung Vorhofflimmern

kann das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache

erhöhen. Regelmäßiges Pulsmessen und Abklärung durch

Ihren Arzt/Ihre Ärztin helfen dabei, dieses Chaos im Herzen

zu entdecken und rechtzeitig dem Schlaganfallrisiko

vorzubeugen.

Achten Sie daher auf

Ihre Herzgesundheit!

Durch gezielte Untersuchungen können Herzerkrankungen

entdeckt und behandelt werden.

Bitte wenden Sie sich bei Beschwerden an

Ihren Arzt/Ihre Ärztin.

Dieser Fragebogen kann Sie im

ärztlichen Gespräch unterstützen,

dieses aber nicht ersetzen!

Bereits seit mehr als sechs

Monaten

Gibt es etwas, das

Ihre Symptome zu

verbessern scheint?

Entspannung

Aktives, ruhiges Atmen

Bewegung

Sonstiges

Gibt es etwas, das

Ihre Symptome

verschlechtert?

Alkoholkonsum

Koffein

Rauchen

Bewegung

Schlafmangel

Stress

Sonstiges

Wöchentlich

Monatlich

Wie sehr schränken Sie die

Symptome ein, z. B. beim täglichen

Treppensteigen, Gehen, Einkäufe

Tragen, bei körperlicher Betätigung

(z. B. Laufen, Training, Tennis etc.)

Gar nicht

Leicht

(Es gibt Einschränkungen, die mich

jedoch nicht belasten –

normale tägliche Aktivitäten sind nicht

beeinträchtigt.)

Mäßig

(Sie belasten mich, aber sie

beeinträchtigen nicht meine

täglichen Aktivitäten.)

Schwer

(Sie belasten mich und

beeinträchtigen meine

täglichen Aktivitäten.)

Haben Sie eine familiäre

Vorbelastung für

Herzerkrankungen?

Ja

Nein

PP-ELI-AUT-0822/06.2022 I 432-AT-2200049, 06/2022

Besprechen Sie diesen Fragebogen mit Ihrem

Arzt/Ihrer Ärztin zur medizinischen Abklärung!

Weitere Tipps zur Vorbereitung auf Ihren ärztlichen Besuch





Notieren Sie sich wichtige persönliche Informationen, einschließlich medizinischer Vorgeschichte zu Herzerkrankungen,

Schlaganfällen, hohem Blutdruck, Diabetes, chronischen Lungenerkrankungen, Schlafapnoe, Schilddrüsenstörungen

und allen größeren Belastungen oder jüngsten Lebensveränderungen.

Überprüfen Sie auch Ihre familiäre Vorgeschichte bzgl. der aufgezählten Erkrankungen.

Erstellen Sie eine Liste aller Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel.

Bringen Sie Unterlagen von früheren ärztlichen Besuchen und Behandlungen bzw. Befunde zu Ihrem Termin mit.

Vereinbaren Sie einen Kontrolltermin mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin und besprechen Sie mit ihm/ihr all Ihre Symptome und Fragen!

Scannen Sie den QR-Code

oder besuchen Sie

www.herzstolpern.at

für mehr Informationen.


6 Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info

Eine Themenzeitung von Mediaplanet

INSPIRATION

Gentherapie in

der Hämophilie:

Ich bin „geheilt“

Lukas Zahrer

Vorstandsmitglied

der Österreichischen

Hämophilie

Gesellschaft, der

Interessenvertretung

für Menschen mit

Blutgerinnungsstörungen.

Trotz einer guten Behandlung kommt es bei

Hämophilie-Patient:innen zu chronischen

Beschwerden. Eine neue Therapieform könnte

dies nachhaltig ändern.

FOTO: PRIVAT

FOTO: SHUTTERSTOCK

Der große Traum von Hämophilie-Patient:innen

besteht aus einer Spritze –

aus einer ganz besonderen Injektion,

die für das restliche Leben ausreichen

soll. Sie träumen von einer einmaligen

Behandlung, die Sorgen auslöscht und Ängste

nimmt. Diese Spritze steht für einen konkreten

Wunschgedanken: Ich bin geheilt.

Bei der schweren Form von Hämophilie

gerinnt das Blut nicht. Ein Gerinnungsfaktor

fehlt, weshalb sich etwa eine Schnittwunde

weitaus langsamer schließt als bei einem

gesunden Menschen. Noch weitaus gefährlicher

als Schnittwunden können innere Blutungen

sein: ein Umknöcheln im Tanzkurs und schon

schwillt das Sprunggelenk an; ein Sturz beim

Radfahren und das Knie bläht sich auf. Wirklich

fatal können Kopfverletzungen werden,

wenn eine Blutung im Gehirn entsteht und

immer weiter zunimmt.

Menschen mit Hämophilie sind nicht ungeschickter

als andere. Diesem Stigma begegnen

Patient:innen häufig im jungen Alter. Dem

einen wird in der Schule der Turnunterricht

verwehrt, die andere findet überhaupt nur

schwer einen Platz in einem Kindergarten. Wir

sagen gerne: Hämophile Menschen sind nicht

krank, sie sollten nur etwas vorsichtiger sein.

Denn Hämophilie lässt sich therapieren.

Jenen Gerinnungsfaktor, der im Blut fehlt,

spritzen sich die Patient:innen intravenös.

Danach arbeitet der Körper wie beim gesunden

Menschen. Das Problem: Dieser Zustand hält

nicht lange. Der gespritzte Gerinnungsfaktor

baut sich wieder ab, und zwar sehr schnell.

Manche Patient:innen erreichen schon

nach nicht einmal zwei Tagen einen

kritischen Bereich, in dem kaum noch

Faktor übrig ist. Es braucht also die nächste

Spritze, erst dann ist der Faktorlevel wieder

„aufgeladen“.

Es sind genau jene Phasen mit niedrigen

Faktorwerten – dem sogenannten Talspiegel

– die gefährlich sind. Dann können Blutungen

auftreten. Das heißt, selbst wenn

sich Patient:innen strikt an die Vorgaben

zur Selbstbehandlung halten, können

chronische Entzündungen in den Gelenken

entstehen. Im schlimmsten Fall entsteht

auf Dauer schmerzhafte Arthrose.

Rezept einschleusen

Nun soll eine spezielle Spritze helfen:

die Gentherapie. Forscher:innen arbeiten

bereits seit vielen Jahren an dieser

Revolution in der Hämophiliebehandlung.

Die Gentherapie soll über eine lange Zeitdauer

für höhere Faktorspiegel sorgen. Der

Grund zur Blutungsneigung wäre damit

zumindest entschärft, wenn nicht sogar

komplett eliminiert.

Hämophilie ist eine Erbkrankheit. Ein

fehlerhaftes Gen sorgt dafür, dass der

Gerinnungsfaktor VIII (bei der Hämophilie

A) oder der Gerinnungsfaktor IX (bei der

Hämophilie B) nicht ausreichend von der

Leber produziert werden. Der Gendefekt

liegt im X-Chromosom, die Vererbung

erfolgt rezessiv. Das bedeutet, dass meistens

Männer von der Hämophilie betroffen

sind. Bei Frauen wird der Gendefekt durch

das zweite, gesunde X-Chromosom ausgemerzt.

Selten aber doch kann es auch bei

ihnen zu einer erhöhten Blutungsneigung

kommen.

In der Gentherapie wird der genetische

Defekt von Hämophilie-Patient:innen

durch ein gesundes Gen repariert.

Hüllen von inaktivierten Viren

fungieren als Transportmittel, sie

verpacken die gewünschte Erbinformation.

Diese Pakete werden

injiziert und im Körper

schlängeln sie sich in die

Leber, wo die gewünschte

DNA in das Erbgut der

Zellen eingebaut wird.

Die Virenhüllen werden

danach wieder abgebaut

– gleichzeitig produziert

die Leber ab sofort

wieder den fehlenden

Gerinnungsfaktor, weil sie

nun das „Rezept“ für dessen

Herstellung kennt.

Gute Studiendaten

Hämophilie eignet sich laut Fachleuten

ideal für eine Gentherapie, denn nur

ein einziges Gen muss ersetzt werden.

Und schon ein kleiner Anstieg an Faktoraktivität

hilft den Patient:innen.

Doch es gibt auch Herausforderungen.

Denn auch wenn es sich so anfühlen

mag, nach einer Gentherapie sind

Hämophilie-Patient:innen natürlich

nicht gänzlich geheilt. Die Faktorlevel

streuen stark, die Gentherapie ist noch

nicht exakt vorhersehbar und außerdem

ist unklar, wie lange eine Gentherapie

wirkt. Leberzellen haben eine begrenzte

Lebenszeit. Wenn jene Zellen, die dank der

Gentherapie wieder den Faktor produzieren

können, einmal absterben, geht auch

die Erbinformation wieder verloren.

Doch Studiendaten zeigen: Die Blutungsraten

gehen nach der Gentherapie deutlich

zurück. Die Gabe von zusätzlichem

Gerinnungsfaktor sinkt gegen null.

Patient:innen und Angehörige sind

hoffnungsvoll, sie erleben spannende

Zeiten. Zahlreiche Pharmaunternehmen

arbeiten an einer Marktzulassung – das

heißt, es ist wohl nur noch eine Frage der

Zeit. In Österreich ist die medizinische

Versorgung gut, trotzdem gibt es einige

Patient:innen mit chronischen Beschwerden.

Der große Traum nach der besonderen

Spritze könnte diesen Zustand nachhaltig

zum besseren verändern.

Die Österreichische Hämophilie Gesellschaft

vertritt die Interessen und

Anliegen von Menschen mit angeborenen

Blutgerinnungsstörungen in Österreich,

sowie ihrer Angehörigen und ihrer medizinischen

oder sozialen Betreuungspersonen.

Mehr Informationen finden

Sie unter www.bluter.at

Österreichische

Hämophilie

Gesellschaft


Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info 7

EXPERTISE

Cholesterin zwischen

Gut und Böse?

eingeschätzt wird, gibt es verschiedene

empfohlene Grenzwerte.

Wenn das LDL-Cholesterin sehr stark

erhöht ist, also über 190 Milligramm pro

Deziliter, muss man nicht mehr lange über

Diäten oder Ähnliches diskutieren. Das ist

so gefährlich, dass man sofort mit einer

medikamentösen Behandlung beginnen

muss.

FOTO: CHRISTINE ANDORFER

Text

Magdalena Reiter-

Reitbauer

Assoz. Prof. Dr. Walter Speidl ist Cholesterin-Experte

und erklärt, auf welche Werte man wann und wie

achten sollte. Ein Interview über ein Thema, das viele

Menschen nach wie vor nicht ernst genug nehmen.

Der Begriff „Cholesterin“ ist in unserer

Gesellschaft kein unbekannter.

Gibt es dennoch zu wenig Wissen

über Cholesterin?

Ja, auf alle Fälle – aber nicht nur in der

Bevölkerung, sondern auch bei manchen

ärztlichen Kollegen. Cholesterin wird nicht

ernst genug genommen!

Was bedeutet das für Sie im Konkreten?

Es wird nicht nur den Cholesterinwerten,

sondern insgesamt der Prävention von

Herz-Kreislauferkrankungen zu wenig

Bedeutung beigemessen. Rund 35 % aller

Österreicher versterben an einem Herzinfarkt

oder Schlaganfall. Bei uns im AKH

liegt das mediane Herzinfarktalter bei 60

Jahren. Ein Großteil der Fälle ließe sich

vermeiden, würde man früh genug mit

der Prävention beginnen. Dazu gehören

verschiedene Faktoren – neben Lebensstil,

Sport und Blutdruck eben auch das

Cholesterin.

Welche Arten von Cholesterin gibt es

und was bedeuten sie? Stichwort LDLund

HDL-Cholesterinwerte?

Das Cholesterin selbst ist an und für sich

etwas Gutes, weil es der Körper für die Hormonbildung

und als Baustein für die Zellmembran

benötigt. Das Problem ist jedoch,

dass das Cholesterin im Blut – ähnlich wie

Fett in Wasser – nicht löslich ist. Damit es

also transportiert werden kann, wird das

Cholesterin in sogenannte Lipoproteine

verpackt. Das heißt, Cholesterin ist prinzipiell

wichtig, ja. Allerdings ist die Erhöhung

der Lipoproteine wiederum schlecht, denn

diese lagern sich in den Gefäßen ab. Hier

ist das Low-Density-Lipoprotein (LDL-Cholesterin)

besonders schlecht. Lange dachte

man im Umkehrschluss, dass das High-

Density-Lipoprotein (HDL-Cholesterin) das

gute Cholesterin sei. Heute wissen wir, dass

dies gar keine so große Rolle spielt.

Das heißt, die breite Meinung, es gäbe

ein gutes und ein schlechtes

Cholesterin, stimmt so nicht mehr?

Genau! Das HDL-Cholesterin ist zwar das

weniger schlechte Cholesterin - aber es

kann auch schlecht sein, wenn es sehr stark

erhöht ist. Hat man einen hohen HDL-Cholesterinwert,

zeigt das aber meist einen

gesünderen Stoffwechsel an. Wichtig ist

trotzdem, dass man sich das LDL-Cholesterin

ansieht, denn ein erhöhter Wert bedeutet

hier gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für

Herz-Kreislauferkrankungen.

Ab wann spricht man von erhöhten

Werten und ab wann müssen sie

behandelt werden?

Wenn diese Frage nur so leicht zu beantworten

wäre! Welche Grenzwerte man heranzieht,

hängt von verschiedenen Faktoren

ab: etwa, ob es in der Familie bereits Herz-

Kreislauferkrankungen gibt oder ob eine

familiäre Hypercholesterinämie, die im

Übrigen die häufigste monogenetisch vererbte

Erkrankung ist, vorliegt oder ob noch

andere Risikofaktoren, wie Rauchen oder

hoher Blutdruck bestehen. Je nachdem, wie

dieses individuelle kardiovaskuläre Risiko

Wie sehen die Grenzwerte bei

niedrigem Risiko aus?

Hat man ein niedriges kardiovaskuläres

Risiko, befindet sich der empfohlene

Grenzwert bei 115 mg/dl. Liegt der Wert

nun zwischen 115 mg/dl und 190 mg/dl,

heißt das nicht gleich, dass man Tabletten

nehmen muss, sondern erst einmal, dass

man genau auf die Ernährung achten

sollte. Cholesterin ist nämlich in tierischen

Produkten enthalten und versteckt sich

somit nicht nur in Fleisch, sondern auch in

Milchprodukten.

Mit Diät kann man das LDL-Cholesterin

jedoch meist nur um bis zu 20 Prozent senken,

da 70 bis 80 Prozent des Cholesterins

von der Leber selbst produziert wird.

Hat man ein erhöhtes Risiko, etwa weil

man an Diabetes oder einer chronischen

Niereninsuffizienz leidet, wird ein Wert

von weniger als 70 mg/dl empfohlen. Wenn

bereits Ablagerungen in den Gefäßen vorliegen,

sollte der Wert bei weniger als 55 mg/

dl liegen. So ein niedriger Wert kann dann

aber jedenfalls nur mehr mittels Medikamente

erreicht werden.

Welche Symptome, so sie sich denn

zeigen, können auf einen erhöhten

Cholesterinwert hindeuten?

Genau das ist hier das Gefährliche! Ähnlich

wie beim Blutdruck zeigen sich erhöhte

Cholesterinwerte nicht über irgendwelche

Symptome. Daher ist es umso wichtiger, im

Sinne der Vorsorge auf sich zu schauen und

erhöhte Cholesterinwerte wirklich ernst zu

nehmen und gegebenenfalls mit Tabletten

oder Spritzen behandeln zu lassen.

An wen sollte man sich in Bezug auf

Cholesterin wenden – an Hausärzte und

-ärztinnen oder Fachärzte und -ärztinnen?

In der Regel kann der Hausarzt das gut

betreuen. Wenn man aber einen LDL-Cholesterinwert

von über 190 mg/dl hat,oder

den Zielwert mit Tabletten alleine nicht

erreicht, sollte man einen Spezialisten, also

einen Internisten bzw. Kardiologen oder

Endokrinologen, aufsuchen.

Assoz. Prof. Priv.-

Doz. Dr. Walter

Speidl

Internist und Kardiologe,

Leiter der

kardiologischen

Lipidambulanz der

MedUni Wien/

AKH Wien

Der Begleiter bei Ihrem Cholesterin-

Management in Verbindung mit einem

abgestimmten Bewegungsund

Ernährungskonzept

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für

eine abwechslungsreiche und ausgewogene

Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

ARMO-2022-0114-06-2022


8 Lesen Sie mehr unter www.dergesundheitsratgeber.info

Eine Themenzeitung von Mediaplanet

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!