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Armin Kohnle | Manfred Rudersdorf: Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung (Leseprobe)

Die Kurfürsten Friedrich der Weise (1463–1525) und Johann der Beständige (1468–1532) waren Schlüsselgestalten der frühen Reformationsgeschichte. Als Landesherren Martin Luthers schufen sie den politischen Rahmen für die Ausbreitung und Durchsetzung der Wittenberger Reformation. Die Edition verfolgt das Ziel, die kirchenpolitischen Briefe und Akten dieser beiden herausragenden ernestinisch-sächsischen Reformationsfürsten erstmals auf breiter Basis für die kirchen- und allgemeinhistorische Forschung zugänglich zu machen. Zeitliche Grenzen der Edition bilden die innere Landesteilung (Mutschierung) zwischen Friedrich und Johann 1513 und der Tod des Kurfürsten Johann 1532. In diesen knapp zwei Jahrzehnten kann der Transformationsprozess von der spätmittelalterlichen zur reformatorischen Kirche Wittenberger Prägung erstmals anhand zahlreicher, teilweise bisher unbekannter Quellen nachvollzogen werden. Nicht nur Lehre, Praxis und Ordnung der Kirche, sondern auch die staatliche Verwaltung, die Kultur und der Bildungsbereich waren von dieser Umgestaltung betroffen. Damit trug die Reformation erheblich zur frühmodernen Staatswerdung bei. Band 2 bietet über 1100 Schriftstücke aus der Zeit zwischen 1518 und 1522. Martin Luther trat durch seine Thesen über den Ablass, die einen Häresieprozess nach sich zogen, seit Frühjahr 1518 immer mehr in das Blickfeld der kursächsischen Kirchenpolitik. Die in Band 2 gebotenen Quellen verdeutlichen die Sprengkraft der frühen Reformationsbewegung in einer Phase, in der sich eine obrigkeitliche Steuerung reformatorischer Prozesse noch nicht hatte ausbilden können. Daneben blieben traditionelle kirchenpolitische Themen und Konfliktlinien, wie sie bereits in Band 1 dokumentiert wurden, auch in diesen Jahren auf der Tagesordnung.

Die Kurfürsten Friedrich der Weise (1463–1525) und Johann der Beständige (1468–1532) waren Schlüsselgestalten der frühen Reformationsgeschichte. Als Landesherren Martin Luthers schufen sie den politischen Rahmen für die Ausbreitung und Durchsetzung der Wittenberger Reformation. Die Edition verfolgt das Ziel, die kirchenpolitischen Briefe und Akten dieser beiden herausragenden ernestinisch-sächsischen Reformationsfürsten erstmals auf breiter Basis für die kirchen- und allgemeinhistorische Forschung zugänglich zu machen. Zeitliche Grenzen der Edition bilden die innere Landesteilung (Mutschierung) zwischen Friedrich und Johann 1513 und der Tod des Kurfürsten Johann 1532. In diesen knapp zwei Jahrzehnten kann der Transformationsprozess von der spätmittelalterlichen zur reformatorischen Kirche Wittenberger Prägung erstmals anhand zahlreicher, teilweise bisher unbekannter Quellen nachvollzogen werden. Nicht nur Lehre, Praxis und Ordnung der Kirche, sondern auch die staatliche Verwaltung, die Kultur und der Bildungsbereich waren von dieser Umgestaltung betroffen. Damit trug die Reformation erheblich zur frühmodernen Staatswerdung bei.
Band 2 bietet über 1100 Schriftstücke aus der Zeit zwischen 1518 und 1522. Martin Luther trat durch seine Thesen über den Ablass, die einen Häresieprozess nach sich zogen, seit Frühjahr 1518 immer mehr in das Blickfeld der kursächsischen Kirchenpolitik. Die in Band 2 gebotenen Quellen verdeutlichen die Sprengkraft der frühen Reformationsbewegung in einer Phase, in der sich eine obrigkeitliche Steuerung reformatorischer Prozesse noch nicht hatte ausbilden können. Daneben blieben traditionelle kirchenpolitische Themen und Konfliktlinien, wie sie bereits in Band 1 dokumentiert wurden, auch in diesen Jahren auf der Tagesordnung.

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Armin Kohnle | Manfred Rudersdorf (Hrsg.)

Briefe und Akten

zur Kirchenpolitik

Friedrichs des Weisen und

Johanns des Beständigen

1513 bis 1532

Band 2

1518 bis 1522


Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Herausgeber 7

Einleitung 11

Handschreiben und Kanzleischreiben 31

Editionsrichtlinien 43

Siglen der Archive und Bibliotheken 47

Abkürzungsverzeichnis 49

Quelleneditionen und Literatur 53

Quellenteil 65

Nachträge zu Band 1 851

Ergänzungen und Korrekturen zu Band 1 854

Register der Orte und Personen 857


Vorwort der Herausgeber

Nach vier Jahren Bearbeitungszeit kann Band 2 der Friedrich-und-Johann-Edition

(BAKFJ) termingerecht der wissenschaftlichen Ö entlichkeit übergeben werden.

Der Band, der an den 2017 erschienenen Band 1 (1513 bis 1517) anschließt, deckt

den Zeitraum von 1518 bis 1522, mithin die frühen Jahre der evangelischen

Bewegung im Ursprungsland der Reformation, ab. Damit wird nicht nur ein lange

beklagtes Desiderat der Forschung erfüllt, sondern auch der hohe Stellenwert

der Reformationsforschung in der bewährten Editionspraxis der Sächsischen

Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterstrichen.

Es zeigt sich, wie nachhaltig in diesen Anfangsjahren der Reformation die administrative

Durchdringung von kirchlicher Erneuerung, fürstlicher Mitgestaltung und

territorialen Rahmenbedingungen auf das Transformationsgeschehen in Politik,

Verwaltung und ständischer Gesellschaft des ernestinischen Territoriums eingewirkt

hat. Insofern dürfen Vorgehensweise und Ablau ormen der Kirchenpolitik

in Kursachsen eine paradigmatische Vorbildfunktion für andere evangelisch werdende

Territorien im Reich und in Europa beanspruchen. Die Auswertung der

Quellen für den genannten Zeitraum demonstriert erneut, wie ein ussreich die

enge Korrespondenz und damit der Verständigungswille zwischen den beiden

Brüdern Kurfürst Friedrich dem Weisen und Herzog Johann dem Beständigen für

Inhalt, Form und Umsetzung des Erneuerungsprozesses in der Inkubationsphase

vor der Durchsetzung der institutionalisierten obrigkeitlichen Reformation waren.

So vermag Band 2 beispielhaft zu zeigen, wie jenseits der großen reichspolitischen

Bühnen in Worms (1521) und Nürnberg (1522) das Räderwerk der territorialen

Kirchenpolitik, ausgehend von Hof, Kanzlei und Universität Wittenberg, raumgreifend

auf die starke Einbindung der weltlichen Amtsträger in Stadt und Land

Ein uss genommen hat. Anhand der Dokumente kann nachgewiesen werden, wie

die Konfrontation zwischen geistlicher Gerichtsbarkeit und weltlichem Recht zur

allmählichen Zurückdrängung der traditionellen Jurisdiktionsgewalt der Bischöfe

in Meißen, Merseburg und Naumburg-Zeitz führte. Prägend für die stadtbürgerliche

Szene im Gravitationszentrum Wittenberg waren die Auseinandersetzungen

über die päpstliche Bulle Exsurge Domine, die Gegner und Verteidiger Luthers

gleichermaßen auf den Plan riefen und zu zeitweise heftigen Unruhen unter den

Studenten und städtischen Eliten im Kurstaat führten. Der Gegensatz zwischen

der altgläubigen Kirchenpolitik im albertinischen Herzogtum Sachsen und der

zwischen Gewährenlassen und reformerischem Impetus angesiedelten Politik der


8 Vorwort der Herausgeber

ernestinischen Brüder im Kurfürstentum deutet die unversöhnlichen Di erenzen

der religionspolitischen Entwicklung im wettinischen Herrschaftsverband bereits

an.

Die nach der Zäsur von 1517 von Jahr zu Jahr dichter werdende Überlieferung

der Quellen zwingt angesichts der Masse von Briefen, Dekreten und Relationen

zu einer strengen Selektion und Bewertung, zu der sich Projektleitung und Bearbeiterteam

aus Kapazitäts- und Rationalitätsgründen von Beginn an entscheiden

mussten. So überwiegt die Präsentation der Quellen in Regestenform die Edition

der Quellen im Wortlaut, die nur bei besonders relevanten Dokumenten und solchen,

die neu entdeckt, bislang also unbekannt waren, zur Anwendung gelangte.

Band 2 umfasst insgesamt 1102 Nummern und hat damit das drucktechnische

Limit für den Bandumfang erreicht. In Abstimmung und mit ausdrücklicher Befürwortung

der projektbegleitenden Kommission schließen die in Band 2 gebotenen

Quellen mit dem Jahresende 1522. Die Bandeinteilung wird damit der Realität

der Überlieferungsdichte angepasst, ohne dass die Erfüllung des Editionsziels

innerhalb der Projektlaufzeit in Frage gestellt wird.

Der räumliche Umzug der Projektgruppe in ein benachbartes Gebäude der Sächsischen

Akademie hat im Pandemiejahr 2021 an der Unterstützung und weiteren

optimalen Gewährleistung der Arbeitsbedingungen durch die Akademieleitung

nichts geändert. Unser Dank gilt den Mitgliedern der projektbegleitenden Kommission

mit ihrem Vorsitzenden Prof. Dr. Heiner Lück für anhaltende Unterstützung

und zielführende Beratung. Ebenso sei den zahlreichen Archiven und Bibliotheken

für zuvorkommende Hilfen gedankt – namentlich im Landesarchiv Thüringen /

Hauptstaatsarchiv Weimar Frau Direktorin Dagmar Blaha und Herrn Referatsleiter

Volker Graupner, im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden Herrn Referent

Dr. Eckhart Leisering sowie im Landesarchiv Sachsen-Anhalt Herrn Archivoberrat

Dr. Björn Schmalz. Stellvertretend für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

in den genutzten Archiven sei Frau Susan Pleintinger, Leiterin des Stadtarchivs

Altenburg, genannt, der für ihre unkonventionelle Kooperation während der

Corona-Phase zu danken ist.

Veränderungen gab es innerhalb der personellen Zusammensetzung der Projektgruppe.

Der bisherige Arbeitsstellenleiter, Herr PD Dr. Stefan Michel, wechselte

im August 2021 als Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an das Institut für

Evangelische Theologie an der TU Dresden. Für seine jahrelange zuverlässige

und umsichtige Arbeit als Organisator und Editor sei ihm an dieser Stelle herzlich

gedankt. Herr Michel bleibt dem Projekt auch nach seinem Wechsel als Kooperationspartner

weiter verbunden. An seiner Stelle hat Frau Dr. Beate Kusche die

Position der Arbeitsstellenleiterin übernommen, wodurch die Kontinuität der

Arbeit auf Dauer gewährleistet bleibt. Als wissenschaftliche Mitarbeiter amtieren

weiterhin Frau Dr. Ulrike Ludwig und Herr Diplom-Theologe Konstantin Enge.


Vorwort der Herausgeber 9

Neu hinzugekommen ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter (auf einer halben

Stelle) Herr Lucas Wölbing. Herr Diplom-Theologe Alexander Bartmuß bleibt

als wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter besonders zuständig für die digitale

Erfassung und Bearbeitung des Quellenmaterials in Form einer Datenbank.

Ihnen allen sei an dieser Stelle für ihren vorbildlichen Einsatz gedankt. Die Verlagerung

aller Texte auf eine internetbasierte Plattform (FuD) ermöglicht es,

die Edition sowohl in vorliegender Buchform wie auch im Internet zugänglich

zu machen (bakfj.saw-leipzig.de). Für die kontinuierliche Zusammenarbeit ist

dem Trier Center for Digital Humanities / Kompetenzzentrum für elektronische

Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften besonders

zu danken, namentlich Dr. Thomas Burch, Yvonne Rommelfanger, Radoslav

Petkov und Martin Sievers. Unser Dank geht auch an den Gra ker Sascha Jaeck

für die Erstellung der Klosterkarte.

Ihren Anteil an der Realisierung des Bandes haben die wissenschaftlichen Hilfskräfte

Steven Bickel, Saskia Jähnigen und Anne Herzig ebenso wie die studentischen

Hilfskräfte Aileen Friedrich, Anna Katharina Lill, Julius Schilling, Marie

Stühmeier, Lukas Haupt, Christine Milkau und Rahel Reichelt sowie Marion

Bechtold-Mayer als wissenschaftliche Mitarbeiterin, die im Rahmen der akademischen

Nachwuchsförderung zu unterschiedlichen Zeiten wertvolle Dienste

zum Gelingen der Edition geleistet haben. Nicht zuletzt ist die vertrauensvolle

Zusammenarbeit mit Herrn Michael Hübner in der Sächsischen Akademie sowie

mit der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig, namentlich mit Frau Dr. Annette

Weidhas, anerkennend hervorzuheben.

Bleibt den beiden Herausgebern abschließend nur der Ho nung Ausdruck zu

verleihen, dass die Fortsetzung der Friedrich-und-Johann-Edition der aktuellen

reformationsgeschichtlichen Forschung in kirchen- und allgemeinhistorischer

Perspektive neue Einsichten und Impulse verleihen möge.

Leipzig, im Januar 2022

Armin Kohnle und Manfred Rudersdorf


Einleitung

Der zweite Band der Edition „Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs

des Weisen und Johanns des Beständigen 1513 bis 1532. Reformation im Kontext

frühneuzeitlicher Staatswerdung“ (BAKFJ) umfasst die Jahre 1518 bis 1522. Dieser

Zeitraum erfuhr seit dem 19. Jahrhundert ein gesteigertes Interesse in der reformationsgeschichtlichen

Forschung, weil man die Entstehung und Verbreitung der

Reformation in dieser Phase besonders gut beobachten kann. In diesen Jahren

durchlief nicht nur Martin Luther eine tiefgreifende theologische Entwicklung,

sondern auch sein Umfeld, das den Resonanzraum für die Ausbreitung seiner

Gedanken bildete, veränderte sich. In diesem Prozess entwickelte sich Luther

vom Kritiker kirchlicher Missstände zum Reformator.

Band 2 bietet 1102 Quellen, von denen 584 bisher nicht oder nicht vollständig in einer

Edition zugänglich waren. Die besonders intensiv betriebene Erforschung der

Zeit zwischen Thesenanschlag 1517 und Wormser Reichstag 1521 hatte zur Folge,

dass zunächst zahlreiche Einzeltexte, die seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert

ediert wurden, aufwändig ermittelt, zugeordnet und geprüft werden mussten.

Umfangreiche Archivrecherchen konnten das Korpus bereits bekannter Quellen

um zahlreiche unbekannte Texte beachtlich erweitern. Die damit geleistete Grundlagenforschung

hat das Potential, neue Studien anzuregen, da die vorliegende

Edition erstmals eine zusammenhängende Betrachtung des gesamten Quellenmaterials

erlaubt. In den Anmerkungen nden sich darüber hinaus zahlreiche

Hinweise auf zusätzliche Quellen.

Der Fokus der vorliegenden Edition liegt nicht allein auf Martin Luther oder

der Wittenberger Reformation, sondern auf der kursächsischen Kirchenpolitik

insgesamt. Diese war nicht nur territorial ausgerichtet, sondern besaß durch die

hohe Stellung Kursachsens im Reichsverband Bedeutung auch für das Alte Reich

in seiner Gesamtheit. Zahlreiche Debatten, die vor 1518 begannen, liefen zunächst

ungebrochen weiter. Dazu gehörten beispielsweise die wirtschaftliche Unterstützung

von Klöstern bis 1520, die Bescha ung von Reliquien für das Wittenberger

Heiltum, die Frage der Heiligsprechung Bennos von Meißen, die Regelung von

konkreten Rechtsstreitigkeiten mit einer kirchlichen Institution oder die Zurückdrängung

kirchlicher Gerichtsrechte. Natürlich befasste sich das ernestinische

Nr. 733, Nr. 767, Nr. 899, Nr. 1042, Nr. 1122, Nr. 1218, Nr. 1423, Nr. 1578, Nr. 1753 und Nr. 1754.

Nr. 720, Nr. 728, Nr. 737, Nr. 753, Nr. 754, Nr. 755, Nr. 830, Nr. 831, Nr. 921, Nr. 922, Nr. 972, Nr. 975,

Nr. 976, Nr. 977, Nr. 983, Nr. 984 und Nr. 1127.


12 Einleitung

Brüderpaar in seiner Kirchenpolitik auch mit aktuellen Themen, die nichts mit

Luther oder der Ausbreitung seiner Lehren zu tun hatten. Unberücksichtigt blieben

in dieser Edition Dokumente, die im Zusammenhang mit der Hildesheimer

Stiftsfehde (1519–1523) stehen. Über den Kon ikt zwischen dem Stift Hildesheim

und den wel schen Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg

und die diesbezüglichen Vorgänge waren die Ernestiner zwar informiert, haben

sich aber im Rahmen ihrer Kirchenpolitik nicht daran beteiligt.

Anhand der Quellen des vorliegenden Bandes erkennt man ab 1521 eine Verschiebung

und Umgewichtung bisheriger Schwerpunkte und das Aufkommen neuer

Akzente durch die fortschreitende Ausbreitung der reformatorischen Bewegung

in Kursachsen. Zugleich wuchsen Anzahl und Überlieferungsdichte der Quellen

im Vergleich zu den Vorjahren weiter an, weil die reformatorischen Gedanken

Luthers Umgestaltungsprozesse anstießen, die rechtlich durch Kurfürst Friedrich

und Herzog Johann sowie ihre Funktionseliten geklärt werden mussten. Dass

es dabei zu Spannungen mit dem albertinischen Vetter, Herzog Georg von Sachsen,

kommen musste, war nach 1519, als sich Georg gegen Luther entschied,

unvermeidlich.

1 Lutherschutzpolitik Friedrichs des Weisen

Luther trat im Frühjahr 1518 in das Blickfeld der kursächsischen Kirchenpolitik,

als seine Ablassthesen in Rom bekannt gemacht wurden und der unter Papst Leo X.

angestrengte Ketzerprozess gegen ihn anlief. Nun war auch Kurfürst Friedrich

gefordert, in irgendeiner Form Stellung zu Luther zu beziehen. Dies begann damit,

dass er sich als Landesherr um Geleit für seinen Untertanen bemühte, damit

dieser im April 1518 zum Generalkonvent der deutschen Reformkongregation der

Augustinereremiten nach Heidelberg reisen konnte. In der Forschung wird die

Die entsprechenden Quellen aus dem Ernestinischen Gesamtarchiv in Weimar liegen ediert

vor: Die Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523), bearb. von Wilhelm Roßmann und Richard

Doebner. Hildesheim 1908. Vgl. D , Richard: Die Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523).

In: Studien zur Hildesheimischen Geschichte, hrsg. von Richard Doebner. Hildesheim 1902,

S. 83–99; T , Rainer: Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel

(1489–1568). Leben und Politik bis zum Primogeniturvertrag von 1535 (Quellen und Forschungen

zur braunschweigischen Geschichte 29). Braunschweig 1991, S. 40–76.

Vgl. dazu unten die Bemerkungen zur Korrespondenz zwischen Kurfürst Friedrich und Herzog

Georg von Sachsen von Beate Kusche.

Nr. 675. Vgl. auch Dokumente zur Causa Lutheri (1517–1521). Teil 1: Das Gutachten des Prierias

und weitere Schriften gegen Luthers Ablaßthesen (1517–1518), hrsg. von Peter Fabisch und

Erwin Iserloh (Corpus Catholicorum 41). Münster 1988; sowie Dokumente zur Causa Lutheri

(1517–1521). Teil 2: Vom Augsburger Reichstag 1518 bis zum Wormser Edikt 1521, hrsg. von

Peter Fabisch und Erwin Iserloh (Corpus Catholicorum 42). Münster 1991.

Nr. 703; vgl. auch Nr. 705, Nr. 706 und Nr. 715.


Lutherschutzpolitik Friedrichs des Weisen 13

nun einsetzende Politik Kurfürst Friedrichs als „Lutherschutzpolitik“ bezeichnet.

Hierbei sind mehrere Phasen zu unterscheiden, in der Luthers Handlungen und

die entsprechenden Reaktionen der papstkirchlichen Seite eine Rolle spielten. Die

„Lutherschutzpolitik“ kam nicht nur gegenüber territorialen Nachbarn wie Herzog

Georg von Sachsen zum Tragen, sondern gerade auch gegenüber der Kurie und

den Gliedern des Alten Reichs. Im Folgenden seien einige Linien angedeutet.

Nachdem Luther am 7. August 1518 die Zitation nach Rom erhalten hatte, schrieb

er umgehend je einen Brief an Georg Spalatin und Kurfürst Friedrich, die sich

gerade in Augsburg au ielten. Luthers Wunsch war es, auf deutschem Boden

verhört zu werden. Die nun herausgeforderte kursächsische Diplomatie erreichte

tatsächlich ein Verhör Luthers in Augsburg durch Kardinal Thomas Cajetan.

Diesen hatte Papst Leo X. als Legaten auf den in Augsburg abgehaltenen Reichstag

geschickt, um für Unterstützung im Kampf gegen das Osmanische Reich zu

werben. Kurfürst Friedrich unterstützte Luther, indem er ihm Geleit nach Augsburg

gewährte sowie mit Cajetan Absprachen traf, sodass dieser den renitenten

Mönch „väterlich“ verhören wollte. Vom 7. bis 20. Oktober hielt sich Luther in

Augsburg auf, wo er am 12., 13. und 14. Oktober dreimal mit Cajetan zusammentraf.

Die Erwartungen beider Theologen waren so unterschiedlich, dass durch das

Zusammentre en der laufende Ketzerprozess gegen Luther nicht beendet wurde.

Cajetan sollte einen Widerruf Luthers erreichen, der wiederum darauf ho te,

seine Meinung verteidigen zu dürfen. Luther wurde in seinem Vorgehen von

Johann Rühel und Philipp von Feilitzsch, zwei erfahrenen Verwaltungsjuristen

aus dem Umfeld des kursächsischen Hofes, beraten.

Parallel zu den Ereignissen des Jahres 1518 versuchte die Kurie bereits, auf Kurfürst

Friedrich Ein uss zu nehmen, indem sie ihm die Verleihung der Goldenen

Rose in Aussicht stellte. Als Überbringer agierte Karl von Miltitz, der auch

endlich die von Kurfürst Friedrich seit Jahren gewünschten Ablassbullen für das

B , Wilhelm: Die Luthersache (Causa Lutheri) 1517–1524. Die Anfänge der Reformation

als Frage von Politik und Recht (Historische Studien 414). Lübeck/Tübingen 1970, bes. S. 88–94;

K , Armin: Reichstag und Reformation. Kaiserliche und ständische Religionspolitik von

den Anfängen der Causa Lutheri bis zum Nürnberger Religionsfrieden (Quellen und Forschungen

zur Reformationsgeschichte 72). Gütersloh 2001.

Nr. 752.

Nr. 757.

Nr. 760.

Nr. 713.

WA.Br 1, S. 200–202, Nr. 92.

Vgl. Nr. 772, Nr. 773, Nr. 779, Nr. 783, Nr. 784 und Nr. 796.

Vgl. Cajetan und Luther. Rekonstruktion einer Begegnung, hrsg. von Michael Basse und Marcel

Nieden (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation 124). Tübingen 2021.

Vgl. Nr. 779 Anm. 3.

Nr. 777.

Nr. 778.


14 Einleitung

Allerheiligenstift in Wittenberg aus Rom mitbrachte. Allerdings zog sich die

Übergabe des Ehrengeschenks fast ein Jahr hin. Miltitz versuchte zwischenzeitlich,

eine Beilegung des Kon ikts durch Verhandlungen mit Martin Luther zu

erreichen. In diesem Zusammenhang kam der Gedanke auf, dass Erzbischof

Richard von Trier Luther nochmals verhören und über ihn richten könnte.

Schließlich wurde die Goldene Rose am 24. September 1519 in Altenburg übergeben.

Kurfürst Friedrich nahm sie jedoch nicht persönlich entgegen, was das

Protokoll zweifelsfrei geboten hätte, sondern beauftragte seine Räte Fabian von

Feilitzsch, Haubold von Einsiedel und Günther von Bünau damit. In der reformationsgeschichtlichen

Forschung erhielt der Vermittlungsversuch des Miltitz

durch Paul Kalko die pejorative Bezeichnung „Miltitziade“. Das hier erstmals

vollständig zugängliche Material erlaubt den Schluss, dass Miltitz durch Kurfürst

Friedrich zunächst durchaus ernst genommen wurde. Eine Beilegung des Kon ikts

durch Verhandlungen schien den Akteuren nicht aussichtslos zu sein.

Nachdem Anfang Oktober 1520 die Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ in

Wittenberg angekommen war, zerschlug sich die Ho nung auf eine gütliche

Beilegung des Kon ikts vollends. Luther blieb nach geltendem Kirchenrecht nur

der Weg des Widerrufs verbunden mit der Unterwerfung unter den Papst. Doch

Luther reagierte anders, als es die Kurie von ihm erwartete: Er verfasste die

Schrift „Von den neuen Eckischen Bullen und ihren Lügen“, die seine Position

rechtfertigen sollte, und verbrannte am 10. Dezember 1520 ö entlich die Bannandrohungsbulle

zusammen mit weiteren Texten. Nachdem Luther dem Papst mit

diesem Akt seine Gefolgschaft aufgekündigt hatte, blieb nur eine Konsequenz:

Als Gebannter musste er nach mittelalterlichem Ketzerrecht von Kaiser und Reich

geächtet werden. Luther wurde aufgefordert, auf dem Reichstag in Worms zu

erscheinen, wo er sich verantworten sollte. Auch in dieser schwierigen Situation

ließ ihn sein Landesherr nicht allein, sondern bemühte sich um die Aushandlung

BAKFJ 1, Nr. 368 und Nr. 369.

Nr. 874, Nr. 880, Nr. 904, Nr. 915, Nr. 926 und Nr. 931.

Nr. 811, Nr. 812, Nr. 815, Nr. 819, Nr. 820, Nr. 821, Nr. 822, Nr. 823, Nr. 832, Nr. 848, Nr. 854, Nr. 856,

Nr. 872, Nr. 880, Nr. 947, Nr. 951, Nr. 952 , Nr. 955, Nr. 957, Nr. 958, Nr. 988, Nr. 989, Nr. 990,

Nr. 991, Nr. 992, Nr. 993, Nr. 1107, Nr. 1109, Nr. 1117, Nr. 1123, Nr. 1124, Nr. 1129 und Nr. 1130.

Nr. 903, Nr. 944, Nr. 960 u. ö.

Nr. 940, Nr. 941 und Nr. 942.

Nr. 937.

K , Paul: Die Miltitziade. Eine kritische Nachlese zur Geschichte des Ablaßstreites. Leipzig

1911.

Vgl. WA.Br 2, S. 193–196, Nr. 341.

WA 6, S. 579–594.

WA 7, S. 152–186.

Vgl. K , Thomas: „Hier stehe ich!“ Luther in Worms – Ereignis, mediale Inszenierung,

Mythos. Stuttgart 2021.


Lutherschutzpolitik Friedrichs des Weisen 15

entsprechender Modalitäten, wie beispielsweise das freie Geleit. Welchen Anteil

Kurfürst Friedrich oder Herzog Johann an Luthers ngierter Gefangennahme am

4. Mai 1521 nahe der Burg Altenstein und seiner anschließenden Unterbringung

auf der Wartburg hatten, kann nicht durch schriftliche Quellen aus dem Umfeld

der beiden Herzöge erhellt werden. Die vorbereitenden Absprachen dazu müssen

mündlich ausgehandelt worden sein. Möglicherweise war die relativ große

Entfernung zu Wittenberg ausschlaggebend für die Wahl der Wartburg. Luthers

Wartburgaufenthalt dauerte bis zum 1. März 1522.

Die in den Diskussionen mit Cajetan, Miltitz, der Kurie oder Erzbischof Richard

von Trier entwickelte kursächsische Position zum Fall Martin Luthers wurde

fortan als Argumentationsmuster immer dann vorgetragen, wenn Kurfürst Friedrich

zu seiner Haltung gefragt oder ihm sogar die Unterstützung eines Ketzers

vorgeworfen wurde. Er könne demnach als weltlicher Fürst den theologischen

Streit nicht beurteilen, in den er sich keinesfalls inhaltlich einmischen wolle.

Deshalb nehme er sich der Sache Luthers nicht an. Vielmehr verlange er, dass

Luther ein fairer Prozess gemacht würde, der ihm Gelegenheit biete, zu seinen

Irrtümern Stellung zu beziehen. Dazu müssten diese Irrtümer aber zunächst benannt

und begründet werden. Geschickt konnte Hans von der Planitz diese

Argumentations gur vor dem Reichsregiment vortragen.

Ob und welchen Anteil Herzog Johann an dieser Politik hatte, ist nicht zu bestimmen,

da die Entwicklung der Argumentationslinien mündlich vor allem im Umfeld

Kurfürst Friedrichs festgelegt wurden. Gleichwohl muss Johann gut informiert

gewesen sein, da beispielsweise Philipp von Feilitzsch oder Hans von Berlepsch

als Amtmänner von Weida und Wartburg in seinen Zuständigkeitsbereich gehörten.

Auch zwischen den beiden Brüdern herrschte ein reger Austausch, wie ihre

Briefe belegen, auf die die reformationsgeschichtliche Forschung schon Ende des

17. Jahrhunderts aufmerksam geworden ist. O enbar war die Mitteilung Kurfürst

Friedrichs an seinen Bruder Johann, dass Luther nach Wittenberg zurückgekehrt

war, für Veit Ludwig von Seckendor so wichtig, dass nur der Zettel des entsprechenden

Briefes in die Handschriftensammlung nach Gotha gelangte. Der Rest

des Konzepts verblieb in den Akten des Ernestinischen Gesamtarchivs in Weimar.

In der vorliegenden Edition wird dieses Schreiben nun erstmals vollständig

verzeichnet.

Nr. 1156, Nr. 1157, Nr. 1165, Nr. 1169, Nr. 1170, Nr. 1173, Nr. 1175, Nr. 1182, Nr. 1190, Nr. 1192,

Nr. 1211, Nr. 1216, Nr. 1217, Nr. 1236, Nr. 1238 und Nr. 1243.

Vgl. Luther im Exil. Wartburgalltag 1521, hrsg. von der Wartburg-Stiftung. Regensburg 2021.

Vgl. z. B. Nr. 783, Nr. 786, Nr. 823, Nr. 960, Nr. 1185 oder Nr. 1186.

Nr. 1486.

Vgl. Nr. 1519. Der entsprechende Zettel des Konzepts be ndet sich in der FB Gotha (Chart. A 338,

fol. 191ar), vgl. Katalog der Reformationshandschriften. Aus der Sammlung der Herzog von

Sachsen-Coburg und Gotha’schen Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Teil 1, beschrieben von

Daniel Gehrt (Die Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha 2.1). Wiesbaden 2015, S. 621.


16 Einleitung

2 Der Anteil der Funktionseliten an der

kursächsischen Kirchenpolitik

Eine solche Politik wäre nicht möglich gewesen, hätten Kurfürst Friedrich und

Herzog Johann nicht auf eine e ziente und zuverlässige Verwaltung zurückgreifen

können, in der erfahrene Funktionseliten dienten. Deutlich erkennt man in

den vorliegenden Quellen die Durchsetzung der Bestimmungen der Hofratsordnung

von 1499. Häu g wurden in Kursachsen Amtleute für eine gewisse Zeit an

den Hof gezogen, um hier im Hofrat zu dienen. Zugleich sind beispielsweise um

1520 bei Fabian von Feilitzsch, Hans von der Planitz und Gregor Brück Spezialisierungen

jenseits schriftlich xierter Ordnungen feststellbar. Feilitzsch wirkte

o enbar bis zu seinem Tod Anfang Dezember 1520 dauerhaft in Altenburg, wo

er seinen Landesherrn vollständig vertrat. Hans von der Planitz wurde bewusst

ins Reichsregiment geschickt, weil er zu einer angemessenen diplomatischen

Vertretung kursächsischer Interessen in der Lage war. Er verfügte durch seinen

Dienst in Kursachsen über Erfahrungen, die er gerade auf Reichsebene einsetzen

konnte. Früh lernte er Luther kennen und stand diesem o enbar schon bei

der Leipziger Disputation im Juli 1519 mit juristischem Rat zur Seite. Gezielt

wurde der juristisch erfahrene Gregor Brück, der bereits zuvor in Wittenberg

administrative Kenntnisse gesammelt hatte, Herzog Johann als Kanzler zur Seite

gestellt. Damit begann 1521 die Ein ussnahme dieses herausragenden Verwaltungsjuristen

auf die kursächsische Kirchenpolitik, die mit Modi kationen bis zu

seinem Tod 1557 reichte.

Neben diesen Funktionsträgern ist auf Georg Spalatin hinzuweisen, der in dieser

Phase der Kirchenpolitik eine bedeutsame Scharnierfunktion einnahm. Er

vermittelte zwischen dem Hof und Luther, der seine Anliegen wiederum über

Spalatin an den Hof leitete, wo diese den Kurfürsten erreichten. Für die vorliegende

Edition wurden jedoch nicht alle Briefe Luthers an Spalatin aufgenommen,

sondern nur die Schreiben mit einem klaren Bezug zu kirchenpolitischen An-

Vgl. H , Christian: Amtsträger der Fürsten im spätmittelalterlichen Reich. Die Funktionseliten

der lokalen Verwaltung in Bayern-Landshut, Hessen, Sachsen und Württemberg 1350–1515

(Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

70). Göttingen 2005, S. 24f.

BAKFJ 1, S. 55–61, Nr. 2.

Nr. 1333. Zur Biographie vgl. Des kursächsischen Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem

Reichsregiment in Nürnberg 1521–1523, hrsg. von Ernst Wülcker und Hans Virck (Schriften der

königlich sächsischen Kommission für Geschichte 3). Leipzig 1899 (ND Hildesheim/New York

1979), S. XIX–LXXXIV.

WA.Br 1, S. 474, S. 299–301.

Vgl. LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 703, fol. 99r–100r+105v: Am 16. Juli 1521 teilte Kurfürst

Friedrich Herzog Johann mit, dass Brück promovieren und dann als Kanzler nach Weimar

kommen werde.


Der Anteil der Funktionseliten an der kursächsischen Kirchenpolitik 17

liegen und zu Kurfürst Friedrich und Herzog Johann. Sonstige Schreiben, wie

Wünsche Luthers um Unterstützung beispielsweise in Universitätsangelegenheiten,

für die Spalatin ebenfalls Ansprechpartner war, konnten nicht berücksichtigt

werden, sind aber über den Lutherbriefwechsel leicht zu greifen. Spalatin war

zugleich sehr gut über die aus Rom eintre enden Schreiben informiert und übersetzte

die lateinischen Texte für Kurfürst Friedrich, sodass der Inhalt dieser Briefe

entsprechend diskutiert und bedacht werden konnte. Oft formulierte Spalatin

einen ersten Antwortentwurf, der dann ebenfalls bei Hof besprochen wurde. Auf

diese Weise konnte Spalatin sowohl seine sprachliche als auch seine fachliche

Kompetenz unter Beweis stellen. An seinem Beispiel kann eine weitere Spezialisierung

unter den Hofämtern beobachtet werden: Spalatin war für die lateinische

Korrespondenz zuständig. Erstmals werden mit dieser Edition einige Übersetzungen

Spalatins bereits bekannter lateinischer Quellen zugänglich gemacht.

Diese Fassungen waren, wie teilweise davon angefertigte Abschriften belegen,

am kursächsischen Hof bekannt und haben dort eine Wirkung entfaltet. Doch

damit ist die Tätigkeit Spalatins noch nicht vollständig erfasst: Da durch seine

Hände fast alle wesentlichen Schreiben in der Luthersache gingen, nutzte er

diese einmalige Situation, um seiner historischen Leidenschaft nachzugehen.

Oft sind in den Quellen erste Versuche Spalatins zu erkennen, das Material durch

kontextualisierende Vermerke für eine spätere geschichtliche Darstellung der

Ereignisse vorzubereiten. Am deutlichsten erkennt man dies heute noch an der

Akte, in der das Material zum Wormser Reichstag von 1521 gesammelt wurde.

Sie be ndet sich im Ernestinischen Gesamtarchiv Weimar unter der Signatur Reg.

E 80. Es ist nachvollziehbar, dass Spalatin sämtliche Dokumente gesichtet und

in die überlieferte Ordnung gebracht hat. Durch die Archivverzeichnung am

Ende des 16. Jahrhunderts erhielt die Akte den Titel „Handlung mitt D. Martin

Luther“, wodurch die Benutzer bereits im Findbuch zur Einsichtnahme angeregt

wurden. Auf diese Weise wurde das Material bereits durch die Archivierung aus

den umliegenden Quellen herausgehoben und so der Eindruck gefördert, dass das

Verhör und die Verhandlung mit Luther die wichtigsten Ereignisse des Wormser

Reichstags gewesen seien. Im Ernestinischen Gesamtarchiv sind auch in anderen

Zusammenhängen vergleichbare Prozesse zu beobachten, die reformatorische

Ereignisse besonders bündelten und überlieferten. Schließlich trat Spalatin auch

Vgl. z. B. Nr. 603a, Nr. 683 oder Nr. 1651.

Z. B. Nr. 1048, Nr. 1073, Nr. 1081.

Vgl. M , Christina und R , Anne-Beate: Georg Spalatins Chronik der Sachsen

und Thüringer. Ein historiographisches Großprojekt der Frühen Neuzeit (Schriften des

Thüringischen Hauptstaatsarchivs 4). Köln/Weimar/Wien 2011.

Vgl. die Vermerke auf Nr. 1157, Nr. 1185, Nr. 1186, Nr. 1189, Nr. 1191 und Nr. 1202.

Vgl. K , Natalie: Auf den Spuren der Erinnerung. Wie die „Wittenberger Bewegung“

zu einem Ereignis wurde. In: Zeitschrift für historische Forschung 36 (2009), S. 563–595, bes.

S. 585–589.


18 Einleitung

als vom Kurfürsten beauftragter Vermittler in kirchenpolitischen Fragen auf. So

führte er 1522 die Verhandlungen mit Wenzeslaus Linck über dessen Anstellung

als Prediger in Altenburg.

Aus den in diesem Band vorgelegten Quellen erhellt der Anteil kursächsischer

Funktionseliten an der Kirchenpolitik Kurfürst Friedrichs und Herzog Johanns.

Man sieht, dass Räte wie Fabian von Feilitzsch oder Gregor Brück im Rahmen

ihres Auftrages weitgehend selbstständig handelten und damit laufende Prozesse

entschieden vorantrieben. Kurfürst Friedrich hatte in dieser Phase vor allem zu Fabian

von Feilitzsch o enbar fast unbegrenztes Vertrauen. Dass die kursächsischen

Funktionseliten zum Teil sogar selbst von den reformatorischen Ereignissen und

Gedanken beein usst wurden und ihren Dienst nicht ohne eine innere Beteiligung

versahen, ist am Rande vereinzelt festzustellen. So schrieb Hieronymus Rudlo ,

der Sekretär Kurfürst Friedrichs, am 22. Februar 1522 an Hans von der Planitz

über die reformatorischen Ereignisse in Wittenberg: „Dann ich merck, es ist nit

menschlich werckt, unser her got legt selbs hant an, und die das nit versteen oder

zu hertz geen will, acht ich, den sey ir hertz kald von der gnaden gots. Got sey

uns allen genedig!“

Der steigende Anteil von Funktionseliten an der kursächsischen Kirchenpolitik

unterstreicht die im Hinblick auf Zuständigkeiten und Bürokratisierung fortgeschrittene

Professionalisierung von Verwaltungsabläufen, die für den Prozess

frühmoderner Staatswerdung typisch ist. Ohne die zunehmend sachkundige Politikberatung

durch Juristen und Theologen wären die „Lutherschutzpolitik“ und

die Bewältigung der Folgeerscheinungen der Theologie Luthers nicht möglich

gewesen. Da Abgaben an kirchliche Institutionen ab 1521/22 immer häu ger verweigert

und alte kirchliche Rechte angetastet wurden, musste darüber diskutiert

werden, wie mit diesen Fällen umzugehen war. Hier haben Stellungnahmen und

Gutachten ihren Platz, die zur Findung einer politischen Linie beitrugen, die juristisch

abgesichert war. Diese Aufgabe hätten die herzoglichen Brüder nicht allein

bewältigen können und waren demzufolge auf ihre Funktionseliten angewiesen.

Zwar gehörten auch im Zeitraum von 1518 bis 1522 zahlreiche Reisen durch

ihren Herrschaftsbereich, die sich beispielsweise am häu gen Wechsel der Aufenthaltsorte

Friedrichs – Altenburg, Eilenburg, Wittenberg, Torgau, Allstedt oder

Lochau – ablesen lassen, noch immer zur Regierungspraxis der ernestinischen

Brüder. Daneben fand jedoch eine zunehmende Verstetigung der Verwaltung

statt: In Weimar lag beispielsweise ein fester Bestand an Urkunden, auf die bei

Rückfragen zurückgegri en werden konnte. Räte hielten sich konzentriert an

Nr. 1648.

M , Nikolaus: Die Wittenberger Bewegung 1521 und 1522. Die Vorgänge in und um

Wittenberg während Luthers Wartburgaufenthalt. Leipzig 1911, S. 209.

Nr. 1240, Nr. 1671, Nr. 1745 u. ö.

Vgl. Nr. 1016, Nr. 1705, Nr. 1727 u. ö.


Die Position Johanns des Beständigen 19

zentralen Orten wie Eilenburg auf, um von dort aus ihren Aufgaben nachzugehen.

Die anwesenden Räte waren häu g zugleich die ortskundigen Amtleute,

die gemäß der Hofratsordnung von 1499 auf bestimmte Zeit an den Hof gerufen

wurden, um dort Verwaltungsaufgaben wahrzunehmen. Bezieht man die Rätekorrespondenzen

in die Betrachtung der kursächsischen Kirchenpolitik ein, können

zum Teil bisher verschlossene Diskussionen o engelegt werden. Trotzdem dürfen

entsprechende Funde nicht über das hohe Maß an Mündlichkeit hinwegtäuschen,

das die Rekonstruktion vieler Hintergründe und mancher Entscheidungs ndung

unmöglich macht. Diese Art der Kommunikation beruhte auf einem planvollen

Vorgehen, da zahlreiche Diskussionen im Hofrat oder die Meinungsbildung im

Umfeld der beiden ernestinischen Brüder nicht ö entlich waren und auch nicht

ö entlich gemacht werden sollten.

3 Die Position Johanns des Beständigen

Zeitlebens p egten die Brüder Friedrich und Johann ein gutes Verhältnis, das von

einem regelmäßigen persönlichen und regierungsbezogenen Austausch geprägt

war. Dabei unterstützte der jüngere den älteren, im Grunde seit Friedrich die

Kurwürde 1486 übernommen hatte. 1513 teilten sie die Verwaltung unter sich

auf, so dass die institutionelle Einbindung Johanns in Regierung und Verwaltung

Kursachsens deutlicher wurde. In zahlreichen Abstimmungsprozessen über politische

Tagesaufgaben ist Johanns Ein ussnahme o ensichtlich. Jedoch spielte

der jüngere Bruder für die „Lutherschutzpolitik“ zunächst keine entscheidende

Rolle. Erst ab Ende 1519 verdichten sich die Hinweise auf Johanns zunehmendes

Interesse an Luther. So sollte beispielsweise Lucas Cranach ein Porträt des

Wittenberger Theologen für den Herzog anfertigen. O enbar las man auch am

herzoglichen Hof in Weimar Schriften des Wittenberger Theologen. Luther widmete

Johann 1520 sogar die für die reformatorische Ethik zentrale Schrift „Von den

guten Werken“. 1521 interessierte sich Johann besonders für das Wohlergehen

Luthers in Worms. Im Oktober 1522 predigte Luther sogar in Weimar viermal

vor dem Herzog und entfaltete an dieser Stelle sein Obrigkeitsverständnis. Diese

Z. B. Nr. 1134, Nr. 1135, Nr. 1145, Nr. 1151, Nr. 1152 u. ö.

Vgl. M , Stefan: Kurfürst Johann von Sachsen (1468–1532) und die von Wittenberg ausgehende

Reformation. Neue Beobachtungen zur Fürstenreformation. In: Theologische Literaturzeitung

145 (2020), S. 493–508.

Vgl. BAKFJ 1, S. 90–96, Nr. 38–41, S. 98f., Nr 45–48 und S. 113, Nr. 73.

Nr. 970.

M , Georg: Johann Friedrich der Grossmütige 1503–1554, Bd. 1. Jena 1903, S. 95f.

Nr. 1046.

Nr. 1190 und Nr. 1227.

Vgl. M , Ernst: Martin Luther und Weimar. Weimar 1983, S. 26; sowie Weimar und die

Reformation. Luthers Obrigkeitslehre und ihre Wirkungen, hrsg. von Christopher Spehr, Michael

Haspel und Wolfgang Holler. Leipzig 2016.


20 Einleitung

Predigten mündeten schließlich in Luthers Schrift „Von weltlicher Obrigkeit“, die

1523 publiziert wurde.

In dem Maße, in dem das Interesse Johanns an Luther und seiner Theologie wuchs,

nahm auch sein Engagement für dessen Anliegen zu. Gerade der von ihm regierte

Landesteil wurde zu einem Raum, in dem sich reformatorische Vielfalt ausbreiten

konnte. Thomas Müntzer, Jakob Strauß, Wolfgang Stein, Nikolaus Hausmann –

sie alle wirkten im Ein ussgebiet Johanns. Johann kannte diese Geistlichen oder

war zumindest über sie informiert.

Am 7. Oktober 1521 starb Johanns zweite Ehefrau, Margarethe von Anhalt, nach

kurzer Krankheit. Sie wurde in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar

begraben, wobei die Ausgestaltung von Begräbnisliturgie und Memoria noch

ganz den Zeremonien des Spätmittelalters entsprach. Über Margarethe von

Anhalt ist wenig bekannt, jedoch unterstützte sie ihren Ehemann o enbar in

dessen geistlichen Interessen. Ihr Bruder, Wolfgang von Anhalt, gehörte zu den

ein ussreichen Räten am Hof Herzog Johanns.

4 Die reformatorische Bewegung in Kursachsen

Zu den Folgeerscheinungen des Auftretens von Martin Luther gehörte die Verbreitung

reformatorischer Gedanken, die zum Teil sogar über die Vorstellungen

und Reformvorschläge Luthers hinausgingen. Sie wurden auf verschiedenen

Kommunikationswegen weitergetragen, zu denen Flugschriften oder Predigten

gehörten. Dadurch verbreitete sich die Wittenberger Reformation zum Teil unkontrolliert,

und es entstand besonders in den Städten eine sowohl inhaltlich als

auch hinsichtlich ihrer praktischen Ausdrucksformen vielfältige reformatorische

Bewegung. Doch dies beschäftigte die kursächsische Kirchenpolitik nicht, solange

es zu keinen konkreten Beschwerden kam.

Im Zusammenhang mit der sich ausbreitenden Reformation konzentrierte sich die

kursächsische Kirchenpolitik nach 1518 neben dem Schutz Luthers zunächst auf

die Beteuerung, dass man keine Häresien fördern wolle. Besonders die Leipziger

Disputation, die Johannes Eck vom 27. Juni bis zum 15. Juli 1519 mit Andreas Karl-

WA 11, S. 229–281.

Vgl. Nr. 1111, Nr. 1738 und Nr. 1426. Zu Jakob Strauß vgl. B , Joachim: Die Bedeutung von

Jakob Strauß in der frühen ernestinischen reformatorischen Bewegung. In: Jakob Strauß und

der reformatorische Wucherstreit. Die soziale Dimension der Reformation und ihre Wirkungen,

hrsg. von Joachim Bauer und Michael Haspel. Leipzig 2018, S. 64–107.

Nr. 1350.

Nr. 1338 und Nr. 1341.

Nr. 967, Nr. 979 und Nr. 1007.

B , Joachim und M , Stefan: Alternative Predigt? Beobachtungen zur kursächsischen

Predigerlandschaft neben Luther, Karlstadt und Müntzer bis 1525 (Verö entlichungen der

Thomas-Müntzer-Gesellschaft 25). Mühlhausen 2018.


Die reformatorische Bewegung in Kursachsen 21

stadt und Martin Luther führte, veranlasste Kurfürst Friedrich zu Zurückhaltung,

obwohl ihn die Vorgänge o ensichtlich interessierten. Gegenüber Johannes

Eck antwortete er ausweichend und hob später hervor, dass Luther durch Eck

zu seinen Aussagen verführt worden sei. Denn nun kam durch Äußerungen

Luthers, die die Legitimität und Autorität von Papst und Konzilien bestritten,

eine neue Dynamik in die ö entliche Diskussion. Dies hatte beispielsweise zur

Folge, dass Kurfürst Friedrich und Herzog Johann ab 1520 sehr genau registrierten,

welche Schriften der Wittenberger Gelehrte in den Druck gab. Sie gingen

wahrscheinlich so vor, um nicht ständig von Luthers Alleingängen überrascht zu

werden.

Größte Aufregung verursachte die Verö entlichung der Bannandrohungsbulle

„Exsurge Domine“, von der die Bischöfe Johann von Meißen und Adolf von

Merseburg verlangten, dass sie in ihren Bistümern angeschlagen werden sollte.

Dies betraf auch kursächsische Städte wie Leisnig. Da sich eine Verö entlichung

dauerhaft nicht verhindern ließ, wurde die Bulle teilweise so angebracht, dass sie

kaum Leser nden konnte. Dies zeigt, dass sich Luthers Gedanken zu diesem

Zeitpunkt bereits verbreitet hatten und dass er Unterstützer besaß.

Dementsprechend lassen sich nicht nur in Wittenberg Neuerungen feststellen,

die durch reformatorisches Gedankengut ausgelöst wurden. Die durch den Bergbau

reiche und im Vergleich zu anderen urbanen Räumen Kursachsens große

Stadt Zwickau kann als Beispiel für die Ausbildung einer frühen reformatorischen

Bewegung angeführt werden. Hier traten Thomas Müntzer oder Nikolaus

Hausmann auf und bestimmten durch ihre Predigten die reformatorische

Entwicklung. Dies führte unweigerlich zu Spannungen mit den ortsansässigen

Franziskanern.

Einen ersten Höhepunkt in der Verbreitung der reformatorischen Bewegung, die

man in dieser Phase als Gemeindereformation verstehen kann, stellt die Zeit der

Abwesenheit Luthers von Wittenberg, vor allem im Herbst 1521 und Frühjahr

Nr. 913.

Nr. 912, Nr. 914, Nr. 925, Nr. 953 und Nr. 1085.

Z. B. Nr. 837, Nr. 858, Nr. 939, Nr. 1026, Nr. 1046, Nr. 1068, Nr. 1107, Nr. 1110, Nr. 1129, Nr. 1159,

Nr. 1181, Nr. 1201, Nr. 1202, Nr. 1325 oder Nr. 1377.

Zur Verbreitung der Bulle in Kursachsen vgl. z. B. Nr. 1123, Nr. 1126, Nr. 1137 und Nr. 1184.

Nr. 1204, Nr. 1205 und Nr. 1213. Vgl. ABKG 1, S. 153f., Nr. 190f. und S. 155, Nr. 193.

Nr. 1222.

K , Julia: Die Bürger von Zwickau und ihre Kirche. Kirchliche Institutionen und städtische

Frömmigkeit im späten Mittelalter (Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 45).

Leipzig 2013.

Nr. 1111 und Nr. 1286.

Nr. 1287 und Nr. 1314.

Nr. 1650.


22 Einleitung

1522, dar. Eine erste Konsequenz aus den umlaufenden reformatorischen Meinungen

zog der Propst von Kemberg, Bartholomäus Bernhardi, der im August

1521 Gertraude Pannier heiratete. Dies stand ihm als Geistlichem nach kanonischem

Recht nicht zu. Bernhardi war an der Universität bekannt und erhielt

Unterstützung von Philipp Melanchthon und Andreas Karlstadt, die ihm halfen,

eine Verteidigungsschrift aufzusetzen, die für Kardinal Albrecht von Mainz und

Magdeburg bestimmt war. Den Aufforderungen des Kardinals, ihm bei der Verfolgung

des Falls zu helfen, kam Friedrich nicht nach. Um seinen Standpunkt

darzulegen, schickte er seinen erfahrenen Rat Hans von der Planitz nach Halle.

Doch waren sowohl die Heirat Bernhardis als auch die darauf folgenden Diskussionen

nur der Beginn einer Entwicklung, die in zunehmendem Maß auf

die Ableitung praktischer Konsequenzen aus der Theologie Luthers hinwirkte.

Innerhalb der Wittenberger Institutionen Universität, Allerheiligenstift, Augustinereremitenkloster

und Stadtgemeinde wurde seit September 1521 heftig über

den religiösen Weg der Gemeinde diskutiert. Luther hatte bereits vor seinem

Wartburgaufenthalt zahlreiche der nun zu klärenden Felder in seinen Schriften

behandelt. Dazu gehörten die Feier der Messe, die Sakramente, das Freiheitsverständnis

oder das allgemeine Priestertum. Entsprechend gri en nun seine

Weggefährten Gabriel Zwilling, Philipp Melanchthon und Andreas Karlstadt

seine Gedanken auf und versuchten, sie in die Praxis zu überführen. Dies hatte

die Veränderung der Messe zur Folge, bei der allmählich in allen Wittenberger

Kirchen der Canon Missae abgestellt sowie die Anzahl der Messen verringert

wurden. Im Allerheiligenstift kam es sogar so weit, dass sich keine Priester

mehr fanden, die die zahlreichen Messstiftungen übernehmen wollten. Ihren

Höhepunkt erreichte diese Entwicklung mit der Austeilung des Abendmahls unter

beiderlei Gestalt durch Andreas Karlstadt am Weihnachtstag 1521.

Zudem kamen nach Weihnachten 1521 Nikolaus Storch, Thomas Drechsel und

Markus Thomae nach Wittenberg, die Melanchthon mit ihren theologischen

Überlegungen, die er als „prophetisch“ beschrieb, verwunderten. Beunruhigt

schrieb er an Kurfürst Friedrich, weil er nicht wusste, wie er mit ihnen diskutieren

sollte. Nur Luther könne beurteilen, was von ihren Reden zu halten sei. Der

Kurfürst musste Melanchthon raten, sich von diesen Leuten fernzuhalten, weil

Luther zu diesem Zeitpunkt unmöglich nach Wittenberg zurückkehren könne.

Später kam durch Luthers Umschreibung für diese drei Männer die Bezeichnung

„Zwickauer Propheten“ auf, die suggeriert, dass sie eine Gemeinschaft bildeten.

Vgl. M : Wittenberger Bewegung (wie Anm. 45); sowie K , Natalie: Ritualwandel

und Deutungshoheit. Die frühe Reformation in der Residenzstadt Wittenberg 1500–1533 (Spätmittelalter,

Humanismus, Reformation 74). Tübingen 2014, bes. S. 141–242.

Nr. 1304, Nr. 1305, Nr. 1317 und Nr. 1321.

Z. B. Nr. 1342, Nr. 1346, Nr. 1351, Nr. 1356, Nr. 1374, Nr. 1397, Nr. 1398, Nr. 1402 u. a.

Nr. 1374.

Nr. 1435.

Nr. 1434 und Nr. 1440.


Die reformatorische Bewegung in Kursachsen 23

Das Bild der „Zwickauer Propheten“ verfestigte sich zu einem Stereotyp der

Reformationsgeschichte.

In Eilenburg sorgte wiederum Luthers ehemaliger Ordensbruder Gabriel Zwilling

für Unruhe, indem er hier Ende Dezember 1521 wie zuvor im Augustinereremitenkloster

Wittenberg gegen die Messe sowie die kanonischen Speisegebote predigte,

zum Fastenbrechen einlud und am 1. Januar 1522 schließlich das Abendmahl unter

beiderlei Gestalt austeilte. Kurfürstliche Funktionseliten nahmen daran teil,

ohne dagegen einzuschreiten. Johann von Kanitz, Propst auf dem Petersberg und

Patronatsherr für Eilenburg, teilte dies Kurfürst Friedrich heftig erregt mit. Im

Verlauf des Jahres wurden die Verhandlungen zwischen Kanitz und dem Rat zu

Eilenburg auf Vermittlung kursächsischer Funktionseliten so weit vorangetrieben,

dass Andreas Kauxdorf als evangelischer Prediger neben dem Pfarrer des Ortes

angestellt werden durfte.

Verschiedene Gründe drängten Luther Anfang März 1522 dazu, die Wartburg

zu verlassen. Er wollte mit Melanchthon und Spalatin seine Übersetzung des

Neuen Testaments durchgehen. Zugleich forderten die Ereignisse in Wittenberg

sein Einschreiten. Durch eine Reihe von Predigten, die ihn sogar bis nach Zwickau

und Eilenburg führten, dämmte er die in der Forschung als „Wittenberger

Bewegung“ bezeichneten reformatorischen Ausschreitungen, die besser als städtische

Reformation oder als Gemeindereformation beschrieben werden sollten,

ein. Ein Mandat des Reichsregiments vom 20. Januar 1522, das die weitere Ausbreitung

der Reformation unterbinden sollte, verfehlte in Kursachsen sein Ziel.

Der kurfürstlichen Verwaltung ist es ebenfalls nicht gelungen, die Wittenberger

Gemeindereformation zu beruhigen.

Einen Versuch, die bestehende Ordnung aufrechtzuerhalten und gegen reformatorische

Neuerungen zu verteidigen, stellten die Visitationsreisen der Bischöfe

Johann VII. von Meißen und Adolf von Merseburg dar. Sie konnten sich dafür

auf das Wormser Edikt Kaiser Karls V. berufen. Kurfürst Friedrich und Herzog

Johann standen diesem Vorhaben nicht im Weg, sondern ordneten, wie bereits

in anderen Kontexten, Funktionseliten ab, die die Bischöfe begleiten und sicher

auch schützen sollten. Jedoch konnten die ö entlichen Predigten in Städten wie

Herzberg, Colditz, Leisnig oder Schmiedeberg die sich ausbreitende Reformation

nicht au alten.

K , Thomas: Thomas Müntzer, „Zwickauer Propheten“ und sächsische Radikale. Eine

quellen- und traditionskritische Untersuchung zu einer komplexen Konstellation (Verö entlichungen

der Thomas-Müntzer-Gesellschaft 12). Mühlhausen 2010.

Nr. 1445, Nr. 1450 und Nr. 1451.

Nr. 1612, Nr. 1620, Nr. 1624, Nr. 1628, Nr. 1676, Nr. 1678, Nr. 1684 und Nr. 1685.

Nr. 1602.

Nr. 1457.

Nr. 1476, Nr. 1480, Nr. 1484, Nr. 1485, Nr. 1533, Nr. 1534, Nr. 1535, Nr. 1540, Nr. 1541, Nr. 1542,

Nr. 1546, Nr. 1554, Nr. 1555, Nr. 1560, Nr. 1561, Nr. 1563, Nr. 1564 und Nr. 1571.


24 Einleitung

Bode

Saale

Saale

Saale

Werra

Unstrut

Helme

Gera

Unstrut

Elbe

Weiße Elster

Weiße Elster

Bistum

istum

Halberstadt

Bistum

Bistum

Hildesheim

Erzbistum

Mainz

Bistum

Würzburg

Bistum

Bamberg

Bistum

Naum

bistum

Erz-

Magdeburg

Plötzky

Bürgel

Roda

Orlamünde

Mildenfurth

Weida

Pößneck

Neustadt

Saalfeld

Königsberg

Coburg

Mönchröden

Sonnefeld

Plauen

Jena

Berka

Oberweimar

Weimar

Zwätzen

Liebstedt

Ettersburg

Ichtershausen

Gotha

Eisenach

Creuzburg

Georgenthal

Reinhardsbrunn

Weißenborn

Allendorf

Veilsdorf

Cronschwitz

Eisenberg

Lausnitz

Petersberg

Heusdorf

Naundorf

Kapellendorf


Spree

Die reformatorische Bewegung in Kursachsen 25

Bistum Lebus

stum

Brandenburg

Dahnsdorf

zum

Erzbistum

Magdeburg

Elbe

Wittenberg

burg

Steinlaußig

Lichtenberg

Dommitzsch

Herzberg

Schwarze Elster

Bistum Meißen

Neiße

Brehna

Torgau

Sitzenroda

Weiße Elster

Bistum

Grimma

Merseburg

Eicha

Mulde

Nimbschen

Buch

Elbe

Pleiße

KLÖSTER UND STIFTE IN KURSACHSEN UM 1520

stum

istum

Altenburg

Remse

Frankenhausen

Crimmitschau

Naumburg

Zwickau

Zwickauer

Mulde

Zschopau

Grünhain

Freiberger Mulde

Antoniter

Augustiner-Chorherren

Augustiner-Chorfrauen

Augustinereremiten

Benediktiner

Benediktinerinnen

Deutscher Orden

Dominikaner

Dominikanerinnen

Franziskaner

Franziskanertertiarinnen/

Beginen

Johanniter

Karmeliter

Kartäuser

Kollegiatstift

Magdalenerinnen

Prämonstratenser

Wilhelmiten

Zisterzienser

Zisterzienserinnen

Weiße Elster

Bistum

Regensburg

Erzbistum

Prag

ernestinisches

Kurfürstentum Sachsen

Bistumsgrenzen

Karte: Dipl.-Des. Sascha Jaeck, Saskia Jähnigen M.A.

Fluss

0 25km


26 Einleitung

5 Die Klöster im Herrschaftsbereich der Ernestiner

Besonderes Interesse Kurfürst Friedrichs und Herzog Johanns galt im Rahmen

ihrer Kirchenpolitik den Klöstern und Stiften, die in ihrem Territorium lagen oder

zu denen sie persönliche Beziehungen unterhielten. Am Vorabend der Reformation

erstreckte sich in ihrem Herrschaftsbereich eine Kloster- und Stiftslandschaft

von bemerkenswerter Dichte und ordensspezi scher Diversität, die sich aus 80

Ordenshäusern, Kommenden und Stiften zusammensetzte (vgl. Karte). Vor allem

der thüringische Landesteil zeichnete sich dabei durch eine hohe Konzentration

geistlicher Institutionen aus. Kollegiatstifte existierten in Wittenberg, Altenburg,

Gotha und Eisenach. Unter den Klöstern waren insbesondere Niederlassungen

der Mendikanten zahlreich vertreten. Franziskaner, Augustinereremiten und Dominikaner

siedelten vorrangig in den größeren urbanen Zentren Kursachsens

wie Eisenach, Altenburg, Zwickau oder Wittenberg und boten vielerorts ein

alternatives Angebot zur regulären Pfarrseelsorge. Über teils weitreichende

Grundherrschaften verfügten hingegen die auf dem Land niedergelassenen Benediktiner

und Zisterzienser, deren Äbte sogar die ernestinischen Landtage

Dieser Abschnitt entstand im Austausch mit Saskia Jähnigen.

Zu den bis 1300 erfolgten Klostergründungen im Raum der heutigen Bundesländer Sachsen und

Sachsen-Anhalt sowie des östlichen Thüringen vgl. S

, Walter: Kirchengeschichte

Sachsens im Mittelalter, Bd. 2 (Mitteldeutsche Forschungen 27). Köln/Wien 2 1983, S. 165–350.

Zu den hoch- und spätmittelalterlichen Klostergründungen in Thüringen vgl. S , Hans

K.: Die Kirche im Hoch- und Spätmittelalter. In: Geschichte Thüringens, Bd. 2.2: Hohes und

spätes Mittelalter, hrsg. von Hans Patze und Walter Schlesinger (Mitteldeutsche Forschungen

48). Köln/Wien 1973, S. 77–99, 104–110; H , Rudolf: Thüringische Kirchengeschichte,

Bd. 1. Jena 1937 (ND Waltrop 2000), S. 165–203, 242–256; zusammenfassend auch B , Enno:

Martin Luthers Orden in Neustadt an der Orla. Das Kloster der Augustiner-Eremiten und seine

Mönche (Beiträge zur Geschichte und Stadtkultur 13). Jena 2007, S. 21–30; zu den Frauenklöstern

vgl. W , Petra: Klosterlandschaft – Frauenklosterlandschaft. Das Beispiel Thüringen. In:

Landschaft(en). Begri e, Formen, Implikationen, hrsg. von Franz J. Felten, Harald Müller und

Heidrun Ochs (Geschichtliche Landeskunde 68). Stuttgart 2012, S. 279–350; eine Auflistung

der thüringischen Klöster bietet O , Bernhard: Thüringische Klöster vor 1800. Eine

Übersicht. Leipzig 1959; vgl. auch die mit Literaturverweisen versehene Liste bei H ,

Thüringische Kirchengeschichte 1, S. 299–314.

Für die Niederlassungen der Franziskaner im thüringischen Raum vgl. Für Gott und die Welt.

Franziskaner in Thüringen. Text- und Katalogband zur Ausstellung in den Mühlhäuser Museen

vom 29. März bis 31. Oktober 2008, hrsg. von Thomas T. Müller, Bernd Schmies und Christian

Loefke (Mühlhäuser Museen. Forschungen und Studien 1). Paderborn u. a. 2008. Zu den Niederlassungen

der Augustinereremiten s. K

, Adalbero: Geschichte der deutschen

Augustiner-Eremiten, Bd. 5: Die sächsisch-thüringische Provinz und die sächsische Reformkongregation

bis zum Untergang der beiden. Würzburg 1974.

Für einzelne zisterziensische und benediktinische Niederlassungen auf dem Boden des ernestinischen

Herrschaftsgebiets kann auf die entsprechenden Bände der Germania Benedictina

zurückgegri en werden, s. Die Mönchs- und Nonnenklöster der Zisterzienser in Hessen und

Thüringen, hrsg. von Friedhelm Jürgensmeier und Regina E. Schwerdtfeger (Germania Benedictina

Bd. IV/1 u. 2). St. Ottilien 2011; Die benediktinischen Mönchsklöster in Mecklenburg-


Die Klöster im Herrschaftsbereich der Ernestiner 27

besuchten. Für die Niederlassungen der Benediktiner lässt sich noch für das späte

15. und frühe 16. Jahrhundert die Förderung von Reformen durch die Ernestiner

nachvollziehen, die schließlich den Anschluss von Konventen an die Bursfelder

Union begünstigte. Darunter war auch das Kloster Reinhardsbrunn im Thüringer

Wald, das für die ernestinischen Landesherren aufgrund seiner Gründung durch

die Landgrafen von Thüringen und als deren Grablege eine herausragende Bedeutung

als Ort fürstlicher Memoria darstellte. Noch 1493 war das Ordenshaus

von Kurfürst Friedrich als Begräbnisstätte in Erwägung gezogen worden, sollte

sich die angeregte Reform positiv entwickeln. Zudem können 28 Frauenklöster

benannt werden, als deren weltliche Herren die Ernestiner in Erscheinung

traten. Die Mehrheit dieser Konvente lebte unter der Benediktsregel. Waren

zahlreiche Frauenklöster ab ca. 1200 als Zisterzen gegründet worden, ist eine

Ordensinkorporation nur im Falle des Klosters Nimbschen gesichert sowie für das

Katharinenkloster in Eisenach anzunehmen. Während im Fall des Eisenacher

Klosters die Einhaltung der zisterziensischen Observanz noch 1522 durch das

Mutterkloster Pforta überprüft wurde, changierten die Gewohnheiten anderer

zisterziensischer Gründungen hingegen wiederholt und können aufgrund einer

lückenhaften Überlieferung nicht durchgängig erfasst werden. Für einige Frauenklöster

kann eine spätere Hinwendung zum Benediktinerorden nachvollzogen

werden, die, wie im Falle des Klosters Oberweimar, im Zusammenhang mit den

aus Kloster Bursfelde ausgehenden Reformimpulsen zu sehen ist.

Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, hrsg. von Christof Römer und Monika

Lücke (Germania Benedictina Bd. X/1 u. 2). St. Ottilien 2012.

W , Harald: Herrschaft und Memoria. Die Wettiner und ihre Hausklöster im Mittelalter

(Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 32). Leipzig 2010, S. 290.

Vgl. BAKFJ 1, S. 52, Nr. 1.

Die herrschaftspolitische Zugehörigkeit des Benediktinerinnenklosters Remse bildete bspw. wiederholt

einen Streitpunkt, da gleichermaßen die sächsischen Kurfürsten als auch die Herren von

Schönburg Ansprüche erhoben. Diese Ansprüche setzten die Ernestiner im Zuge der Einführung

der Reformation jedoch schließlich kompromisslos durch, weshalb das Kloster auch auf der

beigegebenen Karte erscheint.

K , Anne-Katrin: Geschichte des Klosters Nimbschen. Von der Gründung 1243 bis zu seinem

Ende 1536/1542 (Arbeiten zur Kirchen- und Theologiegeschichte 7). Leipzig 2003, S. 31–36. Zur

Problematik der Ordenszugehörigkeit von Frauenklöstern zwischen Saale und Neiße vgl. ebd.,

S. 137–177. Weiterführend dazu auch F , Franz J.: Zisterzienserinnen in Deutschland.

Beobachtungen und Überlegungen zu Ausbreitung und Ordenszugehörigkeit. In: Unanimité

et diversité cisterciennes. Filiations – Réseaux – Relectures du XIIe au XVIIe siècle. Actes du

Quatrième Colloque International du C.E.R.C.O.R. Dijon, 23–25 Septembre 1998 (Traveaux et

Recherches XII). Saint-Étienne 2000, S. 345–389.

Nr. 1467, Nr. 1618.

F , Barbara: Das Erfurter Peterskloster im 15. Jahrhundert. Studien zur Geschichte der

Klosterreform und der Bursfelder Union (Verö entlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte

34/Studien zur Germania Sacra 11). Göttingen 1973, S. 334.


28 Einleitung

In der von den Ernestinern zwischen 1518 und 1522 verfolgten Klosterpolitik

lassen sich bereits eingeschlagene Wege weiterverfolgen, beispielsweise Begünstigungen

zur Förderung begonnener Reformen zu gewähren oder Pröpste und

Vorsteher für Frauenklöster zu bestimmen. Neue Schwerpunkte entstanden

hingegen durch die Verbreitung von Martin Luthers theologischen Positionen.

Sie wurden wohl zunächst in Luthers eigenem Orden, den Augustinereremiten,

weitergetragen, drangen aber zugleich durch Flugschriften oder mündliche

Weitergabe rasch in andere Klöster vor. Indem Luther Frömmigkeitsformen der

Papstkirche an der Heiligen Schrift prüfte, geriet beispielsweise die Heilsförderlichkeit

der monastischen Lebensweise grundlegend in Frage. Diese Gedanken

entfalteten seit dem Beginn der 1520er Jahre ihre Wirkung im Umfeld der Klöster

und Stifte. Bereits im Spätherbst 1521 verließen einzelne Mönche unter diesem

Eindruck ihre Klöster. Ausgehend von den Niederlassungen der Augustinereremiten

und Franziskaner in Wittenberg, deren vormalige Angehörige schon um den

Jahreswechsel 1521/22 als reformatorische Prediger oder Handwerker in Erscheinung

traten, strahlte die Austrittsbewegung bald in weitere Landesteile aus. Zu

Beginn des Jahres 1522 erhielten diese Entwicklungen durch den Wittenberger

Kapitelbeschluss der Augustinereremiten vom 6. Januar, den Erlass von Terminierverboten

durch lokale Stadträte sowie die Publikation von Luthers Schrift

„De votis monasticis judicium“ im Februar weiteren Aufwind. Klosteraustritte

können in der Folge unter anderem für die Augustinereremitenklöster in Neustadt

an der Orla, Grimma und Herzberg nachgewiesen werden. Daneben mussten

Friedrich und Johann von Sachsen auf Beschwerden einzelner Klöster reagieren,

die sich auf die Verbreitung und Disputation reformatorischer Lehren, Störungen

ihrer Zeremonien oder gar Angri e auf Ordenspersonen und Klostergüter

bezogen. Das Wegbrechen von Einkommensquellen für die Konvente, aber

auch der Wunsch einzelner Ordensmänner nach der Verwirklichung eines evan-

Vgl. Nr. 1744.

Vgl. Nr. 961, Nr. 964, Nr. 971, Nr. 980 und Nr. 985.

Nr. 1379.

S , Johannes: Klöster und Mönche in der hessischen Reformation (Quellen und Forschungen

zur Reformationsgeschichte 67). Gütersloh 1997, S. 128–143; L , Bernhard: Mönchtum

und Reformation. Luthers Auseinandersetzung mit dem Mönchsideal des Mittelalters (Forschungen

zur Kirchen- und Dogmengeschichte 12). Göttingen 1963.

Vgl. Nr. 1374, Predigtaktivitäten des Gabriel Zwilling in Eilenburg: Nr. 1445, Nr. 1448, Nr. 1450,

Nr. 1454 und Nr. 1462.

WA 8, S. 564–669. Bereits am 11. November 1521 teilte Luther sein Vorhaben Georg Spalatin mit,

eine Schrift über die Mönchsgelübde zu verfassen (Nr. 1377).

Nr. 1588 und Nr. 1591 sowie Nr. 1607 und Nr. 1750.

Vgl. Nr. 1735.

Vgl. Nr. 1340.

Vgl. Nr. 1507, Nr. 1517, Nr. 1558 und Nr. 1704.


Die Klöster im Herrschaftsbereich der Ernestiner 29

geliumsgemäßen Lebens außerhalb des Klosters, trugen zudem die Frage nach

dem Umgang mit den Klostergütern an die weltliche Obrigkeit heran.

Am Rande sei auf einen kleinen Neufund zu Luthers Briefwechsel hingewiesen:

Am 22. November 1522 wandte sich Kurfürst Friedrich laut Kanzleivermerk an

Martin Luther und den Konvent des Augustinereremitenklosters Wittenberg zur

Klärung o ener Finanzfragen. Diese Quelle erhellt ein wenig die wirtschaftliche

Situation des in Au ösung begri enen Klosters.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leipziger Arbeitsstelle freuen sich,

den 2. Band der Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und

Johanns des Beständigen hiermit der Ö entlichkeit übergeben zu können, obwohl

die Arbeiten daran zwei Jahre lang unter den schwierigen Bedingungen der

Corona-Pandemie voranschreiten mussten. In dieser Perspektive liest man einige

Quellen dieses Bandes mit einem anderen Blick, denn auch die Menschen des

16. Jahrhunderts litten unter Seuchen. Mag ihr Ein uss auf die kursächsische

Kirchenpolitik auch gering gewesen sein, erscheint das Leben der Menschen

damals wie heute angesichts solch außergewöhnlicher Vorkommnisse dennoch

in einem neuen Licht.

Stefan Michel

Vgl. Nr. 1607 und Nr. 1750.

Nr. 1711. Stefan Michel ist dieser Neufund gelungen, der ihn zusammen mit Ulrike Ludwig für

diesen Band ediert hat.

Vgl. Nr. 674, Nr. 956, Nr. 990, Nr. 1146, Nr. 1174, Nr. 1177, Nr. 1231, Nr. 1382, Nr. 1384 und Nr. 1449.


Handschreiben und Kanzleischreiben

Die Korrespondenz zwischen Kurfürst Friedrich und

Herzog Georg von Sachsen

Am 27. März 1520 schrieb Kurfürst Friedrich aus Lochau an Herzog Georg: „Ich

habe eur lieb schreyben vernomen, auch eur lieb antwort in der nassauischen

sachen auß der cantzley entpfangen und schreibe eur lieb darauf hiemit wider

auß der cantzley, wie eur lieb vernemen werden.“ Friedrich bestätigte den Erhalt

zweier Schreiben des Vetters – eines Hand- sowie eines Kanzleischreibens. Als

Reaktion auf Letzteres kündigte er seine Antwort ebenfalls mittels eines Kanzleischreibens

an. Über diese Auskunft hinaus war das Thema kein Gegenstand

für eine weitere Erörterung. Vielmehr gab Friedrich in seinem Handschreiben

eine ausführliche Rückmeldung zu Georgs Anliegen in dessen Handschreiben,

sich mit Friedrich zwecks eines persönlichen Austausches nach Ostern zu tre en.

Herzog Georg hatte die Dringlichkeit angeführt, über aktuelle Angelegenheiten

zu berichten, die sowohl Kurfürst Friedrich als auch das gesamte Haus Sachsen

betrafen. Mit Blick darauf kündigte Friedrich an, dass er Georg am letzten Osterfeiertag

oder am Tag darauf einen Termin für eine Zusammenkunft mitteilen

werde. Abschließend ging er noch auf Neuigkeiten ein und berichtete, dass er

am heutigen Tag nach Wittenberg aufbrechen wolle, um dort die Osterzeit zu

verbringen.

Im Folgenden sollen einige quellenkritische Beobachtungen zu Hand- und Kanzleischreiben

anhand der Kommunikation zwischen Kurfürst Friedrich und Herzog

Georg vorgetragen werden. Beide Fürsten waren Landesherren innerhalb des

Reichsverbandes. Ihre Herrschaftsgebiete waren nicht nur benachbart, sondern

in vielfältiger Weise miteinander verschränkt. Ihre Väter waren Brüder und hatten

anfänglich noch gemeinsam das Kurfürstentum Sachsen regiert und eine

gemeinsame Politik betrieben. Die Korrespondenzen zwischen Friedrich und

Georg zeugen von ihrer engen Verwandtschaft, der gemeinsamen wettinischen

Tradition, den problembehafteten Folgen der Leipziger Teilung, aber auch von

noch bestehenden gemeinsamen Hausinteressen. Die Forschungen der letzten

SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 08498/01, fol. 28rv, ediert

in: L , Friedrich Albert von: Züge aus dem Familienleben der Herzogin Sidonie und

ihrer fürstlichen Verwandten aus dem XV. und XVI. Jahrhundert (Mittheilungen des königlich

sächsischen Alterthums-Vereins. Historischen Inhalts 1). Dresden 1852, S. 119f., Nr. 42.


32 Handschreiben und Kanzleischreiben

Jahrzehnte zum Verhältnis der beiden Wettiner basierten vor allem auf vorhandenen

Editionen aus albertinischer Sicht, wie der Ausgabe der „Akten und Briefe

zur Kirchenpolitik Herzog Georgs“. Darüber hinaus wurde mehrfach auf die

Masse des noch unerschlossenen Quellenmaterials zum Thema verwiesen. Neuerdings

bietet die Edition der „Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs

des Weisen und Johanns des Beständigen“ zahlreiches neues Quellenmaterial vor

allem aus der ernestinischen Überlieferung, speziell Schriftstücke, in denen sich

kirchenpolitische Handlungen und Motive Friedrichs widerspiegeln. Projektbedingt

handelt es sich um eine Auswahl aus der Gesamtkorrespondenz zwischen

Friedrich und Georg zwischen 1513 und 1525. Im Zusammenhang mit der Recherche

nach Schreiben, die kirchenpolitisch relevante Aussagen enthalten, war

zu re ektieren, welche unterschiedlichen Themen die überlieferten Schriftstücke

zum Inhalt haben. Über welche Angelegenheiten diskutierten Friedrich und

Georg überhaupt miteinander und von wem gingen welche Initiativen aus? Welche

Kommunikationswege und -möglichkeiten nutzten Friedrich und Georg für

die Abstimmung verschiedener Themen? Welche Probleme sollten auf welchen

Wegen und mit welchen Mitteln gelöst werden? Die systematische Analyse der

überlieferten Schreiben bietet neue Erkenntnisse sowohl zum speziellen Thema

des Verhältnisses der beiden Protagonisten als auch allgemein zu inhaltlichen und

formalen Kriterien fürstlicher Korrespondenz zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

1 Die Korrespondenzpartner

Im Jahr 1485 teilten die Väter Friedrichs und Georgs, Kurfürst Ernst und Herzog

Albrecht, aus familieninternen Gründen das wettinische Herrschaftsgebiet

Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen. Bd. 1: 1517–1524, hrsg. von

Felician Gess. Leipzig 1905 (ND Leipzig 1985); sowie ebd., Bd. 2: 1525–1527, hrsg. von Felician

Gess. Leipzig 1917 (ND Leipzig 1985).

Vgl. B , Enno: Nähe und Distanz: Friedrich der Weise und Herzog Georg von Sachsen

(1486–1525). In: Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen. Politik, Kultur und Reformation, hrsg.

von Armin Kohnle und Uwe Schirmer (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 40).

Leipzig 2015, S. 123–141. An neueren Beiträgen zum Verhältnis zwischen den beiden Wettinern

vgl. des Weiteren W , Christian: Der Reformationskon ikt im Haus Sachsen. Herzog

Georg als Gegenspieler der ernestinischen Reformationsfürsten. In: Die Reformation. Fürsten –

Höfe – Räume, hrsg. von Armin Kohnle und Manfred Rudersdorf (Quellen und Forschungen

zur sächsischen Geschichte 42). Leipzig 2017, S. 292–313; sowie S , Uwe: Zank und

Streit seit Anbeginn: Das kon iktreiche Verhältnis zwischen dem ernestinischen Kurfürsten

Friedrich III. und dem albertinischen Herzog Georg (1500–1508). In: Die Ernestiner. Politik, Kultur

und gesellschaftlicher Wandel, hrsg. von Werner Greiling, Gerhard Müller, Uwe Schirmer, Helmut

G. Walther (Verö entlichungen der Historischen Kommission für Thüringen. Kleine Reihe 50).

Köln/Weimar/Wien 2016, S. 73–92. Einige Wertungen sind auf der Basis des in der Edition der

Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen“ neu

erhobenen und präsentierten Quellenmaterials zu prüfen.


Die Korrespondenzpartner 33

untereinander auf. Davon, dass sich diese Landesteilung letztlich als dauerhaft erweisen

sollte, gingen die beiden Fürsten und ihre Räte zunächst nicht aus. Um eine

spätere Wiedervereinigung zu erleichtern, sah der Teilungsvertrag gemeinsamen

Besitz, gemeinsame Zuständigkeiten und Nutzungsrechte sowie Verzahnungen

beider Territorien – des Kurfürstentums Sachsen und des Herzogtums Sachsen –

vor. Ernst als der ältere Bruder hatte die sächsische Kurwürde inne und fungierte

als Familienoberhaupt des wettinischen Gesamthauses. Nach seinem Tod 1486

trat sein 23-jähriger Sohn Friedrich als Kurfürst Friedrich III. von Sachsen die

Nachfolge an. Fast 40 Jahre lang, bis 1525, währte die Regierungszeit dieses Wettiners

ernestinischer Linie. Regierender Fürst des Herzogtums Sachsen blieb bis

1500 Friedrichs Onkel, Albrecht. Dieser weilte Ende des 15. Jahrhunderts häu g

außerhalb Sachsens und übertrug bereits 1488 seinem damals 17-jährigen Sohn

Georg die inneren Angelegenheiten, also die Regierungsgeschäfte im Herzogtum.

Im Jahr 1500 folgte Georg seinem verstorbenen Vater in der Regentschaft, die er

bis zu seinem Tod 1539 ausübte. Friedrich und Georg, die nur ein Altersabstand

von acht Jahren trennte, regierten also zeitgleich fast vier Jahrzehnte lang.

Mit Blick auf die Kommunikation zwischen den beiden wettinischen Fürsten

ist als erstes Ergebnis zu konstatieren, dass es einen regen Austausch gab, sowohl

mündlich als auch schriftlich unter Beachtung und Befolgung bestimmter

struktureller und formaler Regeln. Der mündliche Austausch erfolgte im Rahmen

von persönlichen Tre en der Fürsten, durch Gesandte, durch ihre Räte auf

den regelmäßigen Rätetre en und mittels Boten, die nicht selten zusätzlich zum

überbrachten Brief auch eine mündliche Botschaft vorzutragen und die gegebene

Antwort zu berichten hatten. In schriftlicher Form sind die Handschreiben und

Kanzleischreiben zwischen den beiden Fürsten überliefert, Instruktionen für die

jeweiligen Gesandtschaften und Räte sowie Berichte und Protokolle von deren

Beratungen und Rätetre en.

Im engeren Kommunikationskreis spielte auf ernestinischer Seite der jüngere

Bruder Friedrichs, Johann der Beständige, eine maßgebliche Rolle. Beide Brüder

p egten einen intensiven schriftlichen Austausch, der sich auch auf die Korrespondenz

mit Herzog Georg auswirkte. Georg wandte sich mit seinen Anliegen

auch an Johann, wohl wissend, dass sich die Brüder zeitnah verständigten. Häu g

erhielt Georg von Friedrich die Auskunft, dass er in einer bestimmten Frage erst

Johann informieren und sich mit ihm abstimmen müsse, bevor er eine Antwort

geben könne. Schreiben des jeweils anderen wurden abgeschrieben und dem

eigenen Schreiben zur Information des Empfängers als Beilage mitgegeben. Etliche

in Abschrift überlieferte Schreiben, aber auch Konzepte, die Vorschläge für

Antwortschreiben darstellten und untereinander ausgetauscht wurden, zeugen

Vgl. B , Karlheinz: Die wettinischen Länder von der Leipziger Teilung 1485 bis zum

Naumburger Vertrag 1554 (Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen C 3.1). Leipzig

2010.


34 Handschreiben und Kanzleischreiben

von dieser Dreieckskommunikation. Das enge Verhältnis zwischen Friedrich und

Johann war bedingt durch die gemeinsame Regierung. Trotz der 1513 vereinbarten

Mutschierung blieb die politische Einheit Kursachsens bestehen. Zudem war

absehbar, dass Johann seinem Bruder Friedrich, der unverheiratet und damit ohne

legitime Erben geblieben war, im Kurfürstenamt nachfolgen würde.

Auf albertinischer Seite waren die Verhältnisse anders gelagert. Georg hatte Söhne,

die als Stellvertreter ihres Vaters bei dessen Abwesenheit in der Korrespondenz

zwischen Georg und Friedrich eine zwischengeschaltete Rolle spielten. Seit Anfang

der 1520er Jahre nahmen Johann der Jüngere und Friedrich der Jüngere

Schreiben der Ernestiner entgegen, leiteten diese weiter, führten Verhandlungen,

stimmten sich mit ihrem Vater ab und gaben schriftlich Antwort. Der Bruder

Georgs, Heinrich, spielte in diesem Kommunikationsnetz keine greifbare Rolle.

Er verfügte seit 1505 über ein eigenes Herrschaftsgebiet, Freiberg, und wurde

von Georg nur punktuell für einzelne Sachfragen, die das Gesamtterritorium

betrafen, zur Beratung hinzugezogen. So erscheint Heinrich beispielsweise in den

Quellen, die sich um Bergwerksfragen drehen. Laut der Leipziger Teilung blieb die

Nutzung der Bergwerke im gemeinsamen wettinischen Besitz, so dass es hier eine

Verständigungsebene mit den Ernestinern gab. Gemeinsam agierten Friedrich,

Johann, Georg und Heinrich auch als Vormünder des hessischen Landgrafen

Philipp.

2 Formale Aspekte der Korrespondenz

Die meisten Stücke des Schriftverkehrs zwischen Kurfürst Friedrich und Herzog

Georg be nden sich im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar und im Sächsi-

Dies belegen etliche in BAKFJ 2 aufgenommene Schreiben. Die Beteiligung Hz. Johanns d. J. von

Sachsen als Ansprechpartner und Vertreter seines abwesenden Vaters ist bereits 1518 greifbar,

vgl. Nr. 723, Nr. 725, Nr. 728.

Einige solcher Schreiben in Bergwerksangelegenheiten, die aber keine kirchenpolitisch relevanten

Passagen enthalten, be nden sich im Bestand 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv)

im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden. Ein weiteres gemeinsames Thema waren Münzangelegenheiten,

die den gesamten wettinischen Raum und alle Familienmitglieder betrafen, die

untereinander abgestimmt wurden und entsprechende Schriftlichkeit produzierten.

Vgl. z. B. BAKFJ 1, Nr. 68, Nr. 91, Nr. 123. Auch in der Angelegenheit des Burggrafentums zu

Magdeburg und des Salzgrafenamts zu Halle wurde Hz. Heinrich von Sachsen einbezogen, vgl.

Nr. 1438, Nr. 1447.

Zur wettinischen, speziell ernestinischen Überlieferung und deren Aufbewahrungsorten vgl.

den Überblicksbeitrag von B , Dagmar: Wissen und Macht. Zur Genese und Funktion des

Ernestinischen Gesamtarchivs in Weimar. In: Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den

Höfen der Ernestiner, hrsg. von Franziska Bomski, Hellmut Th. Seemann und Thorsten Valk.

Göttingen 2016, S. 17–33 (Anfang des 16. Jahrhunderts: Briefgewölbe in Leipzig für Urkunden

und Schriften beider Linien; Aufbewahrung von Schriftstücken der ernestinischen Linie in

Weimar, Torgau und Wittenberg).


Formale Aspekte der Korrespondenz 35

schen Hauptstaatsarchiv Dresden. Von einem Schreiben sind nicht selten sowohl

das Konzept als auch die Ausfertigung oder eine zeitgenössische Abschrift überliefert.

Die beiden Wettiner korrespondierten in frühneuhochdeutscher Sprache

ohne fremdsprachige Einschübe. Die Schreiben, die Friedrich und Georg austauschten,

gehören zum Typ der fürstlichen Standeskorrespondenz. Idealtypisch

sind Kanzleischreiben und Handschreiben zu unterscheiden.

Bei den Kanzleischreiben verwendete der das Schreiben ausstellende Fürst den

Wir-Stil. Die Schreiben wurden durch einen Kanzleischreiber in der Kanzlei

ausgefertigt. Bei Friedrich ndet sich rechts unten auf dem Blatt vielfach das

Zeichen des Sekretärs beziehungsweise Kanzlers Hieronymus Rudlo . Allgemeine

Merkmale der Kanzleischreiben sind die gesteigerte Förmlichkeit und die Höflichkeitsformulierungen,

gut greifbar in den Eingangs- und Schlussformeln der

Schreiben. Die im Fall Friedrichs und Georgs verwendete hö iche Anrede lautete

in beide Richtungen: „Unnser fruntlich dinst und was wir liebs und guts vermogen

allezceit zuvor. Hochgebornner furst, lieber vetter“.

Im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden be ndet sich eine Akte mit rund 90 behändigten

Ausfertigungen von Handschreiben Friedrichs an Georg von den 1490er Jahren bis Anfang der

1520er Jahre, SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 08498/01. Etliche

dieser Schreiben sind ediert in: L : Herzogin Sidonie (wie Anm. 1). Darüber hinaus

nden sich in etlichen Akten des Bestandes 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv) zahlreiche

weitere Stücke der Korrespondenz zwischen Friedrich und Georg. Weitere Schreiben be nden

sich im Bestand SächsHStA Dresden, 10004 Kopiale, z. B. Nr. 125, Nr. 137.

„Unter fürstlicher Standeskorrespondenz verstehen wir (Mitteilungs-)Schreiben, die selbstständige

Herrscher (bzw. Landesherren innerhalb des Reichsverbandes) untereinander austauschten.“

H

, Michael: Aktenkunde. Urkunden- und Aktenlehre der Neuzeit.

Wien/Köln/Weimar 2009, S. 173–176, Zitat S. 173. Im 16. Jahrhundert gab es mehrere Schriftstückarten,

die mit „Brief“ bezeichnet wurden. Aus archivalisch-hilfswissenschaftlicher Sicht

sind die Schriftstücke der Fürstenkorrespondenz zur Gattung der Akten oder Urkunden zu

zählen und nicht zu den Briefen als einer quellenkundlichen Gattung, auch wenn es formale

Übereinstimmungen gibt, vgl. ebd., S. 45f.; sowie Die archivalischen Quellen. Mit einer Einführung

in die Historischen Hilfswissenschaften, hrsg. von Friedrich Beck und Eckart Henning.

Köln/Weimar/Wien 4 2004, speziell S. 90, 111f. Zu fürstlichen Korrespondenzen in der Frühen

Neuzeit vgl. zudem M , Heinrich-Otto: Archivalienkunde vom 16. Jahrhundert bis 1918.

Leipzig 1969, S. 130–136; sowie K M , Ingeborg: Fürsten und Fürstenbriefe. Zur

Briefkultur im 16. Jahrhundert an geheimen und o ziellen preußisch-braunschweigischen Korrespondenzen

(Studien zur Geschichte Preußens 38). Köln 1986. Allgemein zu „Brief“ vgl. die

Beiträge aus verschiedenen Fachrichtungen in: Handbuch Brief. Von der Frühen Neuzeit bis zur

Gegenwart, 2 Bde., hrsg. von Marie Isabel Matthews-Schlinzig, Jörg Schuster, Gesa Steinbrink

und Jochen Strobel. Berlin/Boston 2020.

Verwendung des Majestätsplurals, z. B. Hz. Georg an Kf. Friedrich: „Wier haben euer liebe

vorschinner tzeit antzeigen lassen, das wier glaublichen bericht enpfangen [...]“ (BAKFJ 2,

Nr. 972).

Zitat: BAKFJ 1, Nr. 29 (Kanzleischreiben, Ausfertigung, Kf. Friedrich an Hz. Georg, 17. Juni

1513). Vgl. auch BAKFJ 2, Nr. 972 (Kanzleischreiben, Ausfertigung, Hz. Georg an Kf. Friedrich,

14. November 1519).


36 Handschreiben und Kanzleischreiben

Die Handschreiben dagegen wurden im persönlich-vertraulicheren Ich-Stil verfasst.

Sie sind formal deutlich reduzierter. Die Anrede lautete nur noch „Hochgeborner

furst, fruntlicher liber vetter“ – die Diensterbietung fehlt. Auch die

Außenadresse wurde persönlicher und deutlich kürzer gefasst als bei den Kanzleischreiben.

Der Anteil der Eigenhändigkeit des schreibenden Fürsten ist in den Handschreiben

im Gegensatz zu den Kanzleischreiben im Allgemeinen sehr hoch. In einigen,

vor allem älteren De nitionen werden daher Handschreiben gleichbedeutend

mit eigenhändigen Schreiben gesehen, was neuere Darstellungen ausdrücklich

ablehnen. Das konkrete Beispiel der Korrespondenz zwischen Friedrich und

Georg zeigt, dass der Anteil der Eigenhändigkeit sehr unterschiedlich sein konnte.

Eigenhändigkeit ist ein wichtiges Kriterium, spielt aber tatsächlich keine ausschlaggebende

Rolle. Eindeutigere Kriterien für die Unterscheidung der Kanzleischreiben

von den Handschreiben sind die Verwendung des Wir-Stils und der

Grad an Förmlichkeit und stärkerem Zeremoniell. Nur ein Teil der Handschreiben

von Friedrich an Georg ist von Friedrich komplett eigenhändig geschrieben

worden. Beim Rest stammten die Texte eindeutig von einer anderen Schreiberhand

– sie entstanden also mit Fremdbeteiligung. Möglicherweise hing dies mit

den Krankheitsanfällen Friedrichs zusammen, aufgrund derer er nicht mit der

eigenen Hand schreiben konnte. Bei allen untersuchten Handschreiben ndet sich

die persönliche Unterschrift Friedrichs in Form eines Monogramms. Die Handschreiben

von Georg an Friedrich sind dagegen stets eigenhändig geschrieben

und mit einer eigenhändigen Unterschrift in Form des Namenszuges versehen

worden.

Bei den meisten, aber nicht bei allen Handschreiben Friedrichs und Georgs ndet

sich unter der Adresse der Vermerk „zu eigenen Händen“. Sie waren also nur

an den jeweils anderen Fürsten auszuhändigen und durch diesen zu ö nen. Im

Gegensatz dazu gingen die Kanzleischreiben in die Kanzlei und wurden dort

geö net, gelesen und weitergereicht. In der Kanzlei wurden dann auch die Antwortschreiben

im Auftrag des Fürsten, der als Aussteller in unterschiedlichen

Graden persönlich mitwirken oder gar keinen Anteil an Inhalt, Gestaltung und

Verwendung der 1. Person Singular: z. B. Kf. Friedrich an Hz. Georg: „e. l. schreyben habe ich

vorleßen [. . .]“ (BAKFJ 1, Nr. 472).

Zitat: BAKFJ 1, Nr. 472 (Handschreiben, Ausfertigung, Kf. Friedrich an Hz. Georg, 22. Januar

1517). Vgl. auch BAKFJ 2, Nr. 828 (Handschreiben, Ausfertigung, Hz. Georg an Kf. Friedrich,

25. Januar 1519).

S , Gerhard: Akten. In: Die archivalischen Quellen (wie Anm. 10), S. 74–90, speziell S. 90;

H : Aktenkunde (wie Anm. 10), S. 175; sowie M : Archivalienkunde (wie

Anm. 10), S. 132.

Wie viel Eigenhändigkeit Friedrichs, vor allem in seinen letzten Lebensjahren, in seinen Monogrammen

tatsächlich enthalten ist, wäre noch systematisch zu untersuchen.

Z. B. BAKFJ 2, Nr. 828 mit der Unterschrift „Jorg, herzog zcu Sachssen etc.“.


Inhaltliche Aspekte der Korrespondenz 37

Ausführung haben konnte, erstellt. Mit Blick auf Kurfürst Friedrich konnte der

Auftrag zur Ausstellung an die Kanzlei nicht nur durch den Fürsten selbst erfolgen,

sondern auch durch dessen Hofräte. Laut der ernestinischen Hofratsordnung

von 1499 durften die mindestens vier Räte des Hofrats alle Angelegenheiten, die

das Kurfürstentum betrafen, ohne direkte Beteiligung des Fürsten verhandeln

und entscheiden sowie in diesen Fällen durch die Kanzlei Schreiben unter dem

Siegel und Namen Friedrichs ausstellen lassen. Die Schreiben sollten dann unter

Anwesenheit des Kanzlers und eines Kanzleischreibers auf einer Ratssitzung

durch die Räte kontrolliert und ver- bzw. besiegelt werden. Nur bei wichtigeren

Angelegenheiten („großs und swere hendel“) sollten sie zuvor den Kurfürsten kontaktieren,

ihm den Fall und ihre Meinung dazu vorbringen und die Entscheidung

Friedrichs dazu abwarten. Die Hofräte hatten sich am kurfürstlichen Haupthof

oder an einem passenden Ort im Land aufzuhalten. Weilte Friedrich nicht in

Kursachsen konnten in zeitlich dringenden Fällen auch Schreiben, die über Routineangelegenheiten

der inneren Landesverwaltung hinausgingen, von den Räten

beantwortet werden unter ausdrücklichem Verweis darauf, dass sie in Vertretung

des abwesenden Fürsten agierten oder dass die Rückkehr Friedrichs abzuwarten

sei. Der Hauptsitz der Kanzlei Kurfürst Friedrichs befand sich in Torgau. Zusätzlich

wurden Nebensitze genutzt, wie in Wittenberg. Zudem wurde Friedrich

auf seinen Reisen innerhalb Kursachsens und im Reich von Kanzleischreibern,

mitunter auch vom amtierenden Kanzler selbst, begleitet, die Unterlagen der

Kanzlei mitführten.

3 Inhaltliche Aspekte der Korrespondenz

Der Schriftverkehr zwischen Friedrich und Georg bewegte sich gleichzeitig auf

zwei getrennten Ebenen. Die Kanzleischreiben sind dem o ziellen Weg der

Kanzleien zuzuordnen und die Handschreiben dem privaten Bereich der beiden

Fürsten. Dies spiegelt sich auch im Inhalt wider.

Grundlegende Bestimmungen zur Kanzlei, der dort eingehenden und ausgehenden Schriftlichkeit

sowie den Rechten und P ichten der Räte, die den Hofrat bildeten, nden sich in der

Hofratsordnung von 1499, BAKFJ 1, Nr. 2.

BAKFJ 1, Nr. 2 (Punkte 1 bis 8).

Vgl. z. B. Nr. 1152, Nr. 1228.

Zur Entwicklung der kursächsischen Kanzlei und zu ihrem Personal vgl. K , Gerhard:

Die kursächsische Kanzleisprache zwischen 1486 und 1546. Studien zum Aufbau und zur

Entwicklung. Berlin 2 1969. Zu den Zentralorten sowie den wechselnden Aufenthaltsorten der

Verwaltungsbehörden Hofrat und Kanzlei vgl. S , Uwe, Der kursächsisch-ernestinische

Fürstenhof unter Friedrich dem Weisen (1486–1525). In: Kurfürst Friedrich der Weise (wie

Anm. 3), S. 230–250.

Vgl. L , Thomas, Zwischen Reisen und Residieren. In: Kurfürst Friedrich der Weise (wie

Anm. 3), S. 201–229, speziell S. 219f.


38 Handschreiben und Kanzleischreiben

Die Kanzleischreiben transportierten allgemeinen Geschäftsverkehr und Verwaltungsangelegenheiten.

Häu g wurde in diesen Schreiben nur ein Thema behandelt,

das der Mitteilung, gemeinsamen Abstimmung und Entscheidung bedurfte.

Überwiegend fanden diese Vereinbarungen durch Räteverhandlungen statt, die in

den zwischen den beiden Fürsten ausgetauschten Schreiben thematisiert wurden.

Im Vorfeld der Tre en ihrer Räte ging es um Termine und Orte der Tre en sowie

um die Abstimmung der Themen, die besprochen werden sollten. Nach den Beratungen

ihrer Räte stimmten sich die Fürsten über die weitere Vorgehensweise ab

oder thematisierten nochmals einzelne Beschlüsse beziehungsweise noch o ene

Fragen.

Die Zahl der Kanzleischreiben, die kirchenpolitische Themen zwischen Friedrich

und Georg behandelten, stieg ab 1517 signi kant an, einhergehend mit der allgemein

dichter werdenden Überlieferung um 1520 und mit den neuen Fragen und

Problemen im Zusammenhang mit Martin Luther. Das Thema „Luther“ wurde

allerdings in den Kanzleischreiben zwischen den Ernestinern und Albertinern

erst seit Beginn des Jahres 1523 das beherrschende Thema. Davor drehten sich

die Kanzleischreiben um andere Inhalte wie zum Beispiel die Lieferung von P astersteinen

aus dem Gebiet Georgs für den Bau der Allerheiligenstiftskirche in

Wittenberg oder ein Tre en zur Beratung, wie auf die Bedrohung durch die

Türken zu reagieren sei. Ein größeres Thema waren die Erfurter Angelegenheiten.

So sollten die Räte Friedrichs und Georgs auf ihren Tre en eine gemeinsame

Lösung in der Frage der geistlichen Gerichtsbarkeit und der Belastung ihrer Untertanen

durch die Geistlichkeit zu Erfurt nden. Zahlreiche Schreiben entstanden

ab 1515 im Zusammenhang mit dem Thema Subsidium: Die Geistlichkeit in den

wettinischen Gebieten Mainzer Diözese bat Friedrich, Johann und Georg wiederholt

um Schutz vor verschiedenen Geldforderungen des neuen Erzbischofs

Albrecht von Mainz – es gab mehrere Räteverhandlungen in der Sache, und

die Wettiner setzten gemeinsame Schreiben an Albrecht auf. Ein gemeinsames

Handeln erforderten die Verteidigung und der Erhalt alter Privilegien und des

Besitzstandes der Wettiner. So forderte Herzog Georg ausdrücklich von Friedrich

Unterstützung und den Rat der kurfürstlichen Räte in Bezug auf Quedlinburg ein.

In einem konkreten Fall 1516 beschwerten sich Friedrich und Johann bei Georg, dass ein neues

Tre en ihrer Räte angesetzt werden muss, weil Georgs Räte bei der Verhandlung nicht über die

nötige Instruktion verfügten. Georg entschuldigte sich in seinem Antwortschreiben dafür, dass

die Verhandlung erfolglos verlief. Als Grund gab er eine Verspätung des Boten an (BAKFJ 1,

Nr. 366, Nr. 371).

BAKFJ 1, Nr. 29.

BAKFJ 1, Nr. 433.

BAKFJ 1, Nr. 361. Weitere Kanzleischreiben zwischen Friedrich und Georg zu verschiedenen

Erfurter Angelegenheiten nden sich in: SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes

Archiv), Loc. 09853/06.

Vgl. u. a. BAKFJ 1, Nr. 287.


Inhaltliche Aspekte der Korrespondenz 39

Obgleich 1517 nur Georg für das Stift Quedlinburg zuständig war, betonte er, dass

die Wettiner gemeinsam reagieren müssten, damit die Ehre und die Rechte des

Hauses Sachsen nicht geschmälert würden. Friedrich und Johann seien aufgrund

der Leipziger Teilung von 1485 schuldig, ihm in dieser Angelegenheit zu helfen.

Mittels Räteverhandlungen und Kanzleischreiben wurde auch das Thema der

gemeinsamen Abwehr fremden Ablasses verhandelt, in das ebenfalls Herzog

Johann involviert wurde. Ohne Wissen und Zustimmung der drei Fürsten sollte

in den wettinischen Herrschaftsgebieten kein päpstlicher Ablass mehr gestattet

sein. Über Ausnahmen, wie zugunsten der Menschen und der Kirche von Brüx,

verständigten sich Friedrich, Johann und Georg mittels Kanzleischreiben. Mit

Kanzleischreiben wandte sich Georg auch in Streit- und Gerichtsfällen, die ihre

Untertanen und beide Territorien betrafen, an Friedrich.

Es ging in den Kanzleischreiben also überwiegend um Themen, die sich aus der

Leipziger Teilung ergaben, aus der gemeinsamen wettinischen Tradition herrührten,

beide wettinische Linien betrafen oder gemeinsam für alle wettinischen

Herrschaftsgebiete und Zuständigkeiten geregelt werden sollten. Die Beteiligung

und der Anteil der jeweiligen Räte an den Themen waren hoch und sind in den

Korrespondenzen greifbar. Als treibende Kraft ist auf der Basis der überlieferten

Schriftstücke Herzog Georg zu identi zieren.

Die Inhalte der Handschreiben zwischen Friedrich und Georg weisen eine persönlichere

Ebene, größere Vertrautheit und Vertraulichkeit auf. Es ist aber festzuhalten,

dass auch diesem Kommunikationsweg nicht alles anvertraut wurde. Friedrich zog

nicht selten die mündliche Erklärung ausdrücklich dem geschriebenen Wort vor.

So antwortete er am 22. November 1517 auf ein Schreiben Georgs: „E. l. haben mir

auch durch ir schreyben wol orsachen gegeben, e. l. darau zcu antworthen, aber

nach dem von solchen sachen meyns bedenkens baß zcu reden dan zcu schreyben,

wyl ichs allßo byß wyl got zcu unßern zußamhen komen beruhen lassen und

allsdan meynen guthen wan nicht vorhalden.“ In Friedrichs Schreiben wurde

oft ein Thema nur mit einem Schlagwort angerissen und dann auf die weiteren

Gespräche dazu verwiesen. Auch die Frage der weiteren Geheimhaltung beschäftigte

den Kurfürsten. So legte Friedrich am 31. Mai 1520 seinem Handschreiben an

Vgl. BAKFJ 1, Nr. 482, Nr. 540. Friedrich antwortete in der Angelegenheit Georg auch mittels

Kanzleischreiben, BAKFJ 1, Nr. 483, Nr. 497. Auch BAKFJ 2 enthält einige Kanzleischreiben

zwischen Georg und Friedrich im Zusammenhang mit der quedlinburgischen Angelegenheit,

u. a. Nr. 885, Nr. 962.

BAKFJ 1, Nr. 505, Nr. 517.

Vgl. u. a. Nr. 691, Nr. 843, Nr. 1077.

SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 08498/01, fol. 44r (BAKFJ 1,

Nr. 640); baß = besser, wan = Meinung.


40 Handschreiben und Kanzleischreiben

Georg einen Zettel mit neuen Nachrichten bei und bat Georg in seinem Schreiben,

den Zettel nach dem Lesen zu zerreißen und nicht weiterzugeben.

Die Handschreiben waren zumeist kurz, enthielten aber dennoch in der Regel

mehrere Themen. Bei den vermischten Inhalten ging es um Jagden, um Turniere,

aber auch um Austausch in politischen Belangen, um Informationen über Ereignisse

und Entwicklungen in Europa und im Reich. Es ging um persönliche

Gesundheits- und Krankheitsfragen sowie um allgemeine Gerüchte, um Hochzeiten

und Todesfälle in fürstlichen Familien. Auch die eigene, die wettinische

Gesamtfamilie erschien mehrfach in privaten Zusammenhängen. Häu g ließ

Friedrich Grüße an die Frauen in Georgs Umgebung ausrichten – er freute sich,

dass Barbara, Georgs Ehefrau, ein Marienbild ge el, und vermittelte Cranach als

Maler für weitere Auftragsbilder an die Albertiner. Friedrich berichtete auch über

Absprachen mit seinem Bruder Johann. Zudem ging es in den Handschreiben um

die Vereinbarung von persönlichen Tre en, seltener um die Zusammenkünfte

der Räte. Häu g berichtete Friedrich über seine Reisebewegungen und wann

er gedachte, wo wie lange zu sein. Etliche Handschreiben zwischen Georg und

Friedrich, die den Tod Kaiser Maximilians und die Nachfolgefrage thematisierten,

elen in das Jahr 1519.

Mit Blick auf die Themen ist festzustellen, dass es bis 1519 in den Handschreiben

nur wenige Aussagen mit kirchenpolitischer Relevanz gab, zumeist elen diese

in den Bereich der persönlichen Frömmigkeit. Freude wurde über die guten

Erträge aus den Bergwerken ausgedrückt, die von der Gnade Gottes zeugten, die

er den Wettinern bereits vielfältig erzeigt habe. Für Friedrich war es ein wichtiges

persönliches Anliegen, in allen Dingen den Glauben in Gott zu setzen und den

göttlichen Geboten zu folgen, damit Gott ihn nicht verlässt und ihn nicht straft.

Um ein gemeinsames Ausschreiben gegen Gotteslästerung ging es im März 1513.

Eine Dopplung der Themen ist in Schreiben Georgs an Friedrich in der Angelegenheit

der Heiligenerhebung Bischof Bennos von Meißen zu verzeichnen, die

Georg sehr am Herzen lag. Im Jahr 1519 bat er Friedrich mehrfach mit Hand- und

Kanzleischreiben um persönlichen Einsatz, speziell um Unterstützungsschreiben

an den Papst und die Kurie im gemeinsamen Projekt – ein Landesheiliger sollte

schließlich zur Förderung des Gottesdienstes und der Andacht des ganzen Volkes

Der entsprechende Zettel ndet sich auch nicht mehr bei der überlieferten Ausfertigung,

SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 08498/01, fol. 3rv+3/1v, ediert

in: L : Herzogin Sidonie (wie Anm. 1), S. 132, Nr. 58.

BAKFJ 1, Nr. 640.

Vgl. u. a. Nr. 828 mit Verweis auf etliche weitere Handschreiben in der Akte SächsHStA Dresden,

10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10670/04; vgl. auch Nr. 898.

Vgl. BAKFJ 1, Nr. 472; BAKFJ 2, Nr. 883.

BAKFJ 1, Nr. 14.


Veränderung der Korrespondenz durch die Luthersache 41

des Landes Sachsen dienen. Die Antworten Friedrichs an Georg entsprachen

dann der jeweils durch Georg genutzten Form des Schreibens.

4 Veränderung der Korrespondenz durch die

Luthersache

In der Korrespondenz zwischen den beiden Fürsten taucht nach bisherigem Untersuchungsstand

der Name Martin Luther zum ersten Mal in einem Handschreiben

Friedrichs an Georg Ende Dezember 1518 auf. Der Kurfürst hatte gerade durch

Karl von Miltitz eine päpstliche Botschaft sowie Informationen über Maßnahmen

gegen Luther erhalten. Friedrich vermutete, dass ihm die Goldene Rose nicht

gegeben wird, wenn er nicht Luther vertreibt und als Ketzer bezeichnet.

Ein Jahr später, nach der Leipziger Disputation im Sommer, begannen im Dezember

1519 und verstärkt im Zeitraum zwischen Oktober 1521 bis April 1522

mehrere Serien von Handschreiben Georgs an Friedrich, in denen der Albertiner

eindringlich und wiederholt vor Luther, dessen Schriften und den Folgen der

Ketzerei warnte. Er listete Missstände auf, wollte die Verfasser von Büchern und

Schmähschriften ermitteln lassen und drängte Friedrich zum Handeln sowie zu

politischen Maßnahmen gegen Luther und dessen Anhänger. Georg appellierte

an Fürstenp icht und Familienehre. Sogar das Bergwerksargument tauchte in

schriftlichen und mündlichen Botschaften Georgs an Friedrich wieder auf: Georg

warnte, dass, wenn Friedrich nicht eingreife, er nicht nur sein eigenes Seelenheil

gefährde, sondern auch das Wohl des Landes. Mit Frieden, Reichtum und Mehrung

der Bergwerke habe Gott die Wettiner für ihren Kampf gegen die Hussiten

belohnt, was nun gefährdet werde, da Häresie zu Gottes Ungnade führe.

Friedrich antwortete auf die Schreiben Georgs ebenfalls mit Handschreiben.

Er dankte für die Warnungen, verwies aber darauf, dass Luthers Meinung von

vielen Gelehrten für christlich gehalten werde, und erklärte hinhaltend, dass er

sich nie angemaßt habe, Luthers Lehre zu verantworten. Da Georg mit seinem

Anliegen bei Friedrich nicht durchdrang, sandte er im November und Dezember

1521 Handschreiben an Herzog Johann mit der Warnung vor der Lehre Luthers

und der dringenden Bitte, dass Johann den Kurfürsten, seinen Bruder, in dieser

Sache auf dessen Untätigkeit hin anspricht. Auch Johann antwortete darauf mit

Vgl. Nr. 921 (Handschreiben), Nr. 972 (Kanzleischreiben), Nr. 983 (Kanzleischreiben).

Vgl. Nr. 922 (Handschreiben), Nr. 975 (Kanzleischreiben), Nr. 984 (Kanzleischreiben).

Nr. 806.

Nr. 998.

Die überlieferten Schreiben zwischen Georg und Friedrich, die seit 1519 bis 1525 Themen mit

Bezug zu Luther und der reformatorischen Bewegung in Kursachsen beinhalten, werden in

BAKFJ 2 und 3 geboten.

Z. B. Nr. 999.


42 Handschreiben und Kanzleischreiben

Handschreiben und wiegelte ab. Anfang 1522 wurde der Ton rauer und Friedrich

antwortete energischer: Er verwahrte sich gegen die scharfen Antworten und

Vorwürfe gegen ihn von Seiten Georgs.

Das Thema Luther tauchte bis zum 11. April 1522 ausschließlich in Handschreiben

auf, das heißt bis kurz nach der Rückkehr Luthers von der Wartburg nach

Wittenberg, worauf Herzog Georg in seinem letzten Handschreiben auch einging,

um damit zu schließen, dass Gott nun die Angelegenheiten Friedrichs zum Besten

richten möge. Georg wolle mit seinen langen, das heißt für Handschreiben

ungewöhnlich umfangreichen Schriften, die vergeblich waren, Friedrich nicht

belästigen und werde dies nicht mehr tun.

Nach dem 11. April 1522 konnte bislang kein Handschreiben mehr zwischen Georg

und Friedrich ermittelt werden, weder mit kirchenpolitischen Bezügen noch ohne.

Die schon länger greifbare und zunehmende Entfremdung zwischen Friedrich

und Georg führte zu einer Zäsur, die sich in ihrer Korrespondenz niederschlug –

und das nicht nur inhaltlich, sondern auch formal. In der Lutherfrage wurde

nach Monaten des Schweigens ab Januar 1523 durch Georg eine neue Form des

Schreibens benutzt, die bis dahin noch nie verwendet worden war. Es handelte

sich um ein Kanzleischreiben, das im Wir-Stil verfasst wurde und mit einer ausführlichen

Anrede begann. Aus den früher gewechselten Handschreiben wurden

einige Elemente übernommen, die in den älteren Kanzleischreiben so nicht enthalten

waren, was zum Beispiel zur Dopplung der Unterschrift führte. Unter

die Ausfertigung durch einen Kanzleischreiber setzte Georg noch eigenhändig

seinen Namen. Neu war auch, dass die Kanzleischreiben zu eigenen Händen des

Empfängers gingen. Die Antwort Friedrichs folgte dann dem formalen Vorbild

des Schreibens von Georg. Bis zum Tod Friedrichs am 5. Mai 1525 hielten beide

Seiten an dieser Form des Austausches fest. Parallel zu dieser neuen Form wurde

über die Zäsur des Jahres 1522 hinweg auch weiterhin die ursprüngliche Form

der Kanzleischreiben verwendet – dann sogar ebenfalls für Themen, die Luther

und die reformatorische Bewegung in Kursachsen betrafen.

Beate Kusche

Nr. 1391, Nr. 1396, Nr. 1433.

Nr. 1509.

Nr. 1569.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. N 33, fol. 17r–19r+22v (Kanzleischreiben neue Form, Ausfertigung,

Hz. Georg an Kf. Friedrich, 17. Januar 1523).

SächsHStA Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10299/08, fol. 96r–97v (Kanzleischreiben

neue Form, Ausfertigung, Kf. Friedrich an Hz. Georg, 21. Januar 1523).

Vgl. u. a. Nr. 1401, Nr. 1409, Nr. 1612, Nr. 1617; LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. N 33, fol. 186rv

(Kanzleischreiben alte Form, Abschrift, Hz. Georg an Kf. Friedrich, 1. Mai 1523); SächsHStA

Dresden, 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 10300/01, fol. 258rv (Kanzleischreiben

alte Form, Ausfertigung, Kf. Friedrich an Hz. Georg, 28. April 1523).


Editionsrichtlinien

1 Grundsätzliches

Die Edition bietet die Quellen zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und

Johanns des Beständigen in chronologischer Reihenfolge. Wichtigstes Auswahlkriterium

für die Aufnahme einer Quelle in diese Edition ist, dass daraus das

Handeln Friedrichs und Johanns von Sachsen deutlich wird.

Jedes Schriftstück wird durch einen Kopfteil, ein Regest und Angaben der Formalbeschreibung

abgebildet. Danach kann eine Teiledition der kirchenpolitisch

relevanten Abschnitte oder eine Volledition des Quellentextes folgen.

Bei der Nennung „Kf. Friedrich von Sachsen“ und „Hz./Kf. Johann von Sachsen“

wird auf die Angabe der Bezeichnung „von Sachsen“ verzichtet.

2 Kopfteil

Der Kopfteil enthält die laufende Nummer des Schriftstückes innerhalb der Edition,

Ausstellungsort und -datum sowie den Aussteller und Empfänger des Stückes.

Das Datum wird in die heute gebräuchliche Datierungsform übertragen und in

der Reihenfolge Tag Monat Jahr angegeben. Zusätzlich wird die Tagesangabe

nach der Quelle in moderner Schreibweise in Klammern geboten.

Im Normalfall werden der Aussteller und der Empfänger genannt. Bei Schriftstücken

ohne konkreten Empfänger oder Empfängerkreis folgt nach der Nennung

des Ausstellers, durch einen Doppelpunkt getrennt, die Angabe des Quellentyps.

Fehlen in der Quelle Angaben zu Ausstellungsort und -datum sowie Ausstellerund

Empfängernamen werden diese durch die Bearbeiter nach Möglichkeit ergänzt

und in eckigen Klammern geboten.

3 Regest

Für jedes Schriftstück wird ein Regest geboten. Für die Inhaltsangabe wird die

Quelle in Sinnabschnitte gegliedert, die sich nach Aufbau und Inhalt des betre enden

Schriftstückes richten und durchnummeriert werden. Die Nummern stehen in

eckigen Klammern und dienen in der ggf. vorhandenen Voll- oder Teiledition, in

der sie wiederholt werden, dem schnelleren Auf nden der im Regest bezeichneten


44 Editionsrichtlinien

Sinnabschnitte. Der Schwerpunkt liegt auf den Passagen mit kirchenpolitischer

Relevanz. Nicht die kursächsische Kirchenpolitik betre ende Themen werden im

Regest möglichst knapp abgebildet und können, dem Aufbau der Quelle folgend,

in einer Sinneinheit zusammengefasst sein.

Alle Schriftstücke werden vollständig im Regest abgebildet, so dass die kirchenpolitisch

relevanten Passagen auch in ihren Kontext eingeordnet werden können.

Der Umfang eines Regests richtet sich danach, ob für das regestierte Schriftstück

eine Volledition, eine Teiledition oder keine Edition erfolgt.

Vor bzw. nach dem Regest wird durch „! Nummer in der Edition“ auf Schriftstücke

der Korrespondenz der entsprechenden Aussteller oder Empfänger verwiesen,

die dem betre enden Stück inhaltlich als Anfrage- oder Antwortschreiben vorausgehen

oder nachfolgen. Zudem enthält das Regest Verweise „[Nr. Nummer in der

Edition]“ auf Schriftstücke, auf die direkt Bezug genommen wird, sowie Verweise

„[vgl. Nr. Nummer in der Edition]“ auf Schriftstücke, die inhaltlich weiterführend

sind.

Werden im Regest Wörter aus dem Quellentext wiedergegeben, so sind diese

kursiv geschrieben. Durch den Bearbeiter vorgenommene inhaltlich-sachliche

Ergänzungen stehen in eckigen Klammern.

4 Formalbeschreibung

Die Formalbeschreibung bietet präzise Informationen zum Aufbewahrungsort

(Einrichtung, Bestand, Akte, Blatt/Umfang), zur Überlieferungsform, zum Beschreibsto

, wenn es sich um Pergament handelt, sowie zum Vorhandensein und

zur Anzahl der Siegel bei Urkunden. Die der Edition zugrundegelegte Fassung

des Schriftstückes wird mit „A“ gekennzeichnet. Weitere ermittelte Überlieferungen

werden einzeln mit fortlaufenden Großbuchstaben aufgeführt. Anschließend

folgen gegebenenfalls vorhandene Editionen. Dabei wird in der Regel nur die

aktuellste wissenschaftliche Edition angegeben. Eine weitere Edition kann angeführt

werden, wenn sie ebenfalls wissenschaftlich eingeführt ist oder einen

sonstigen Mehrwert (z. B. durch Faksimile oder Übersetzung) bietet.

Hinzutreten können Hinweise zur Quellenkritik oder Datierung, wenn dies aufgrund

der Bescha enheit des jeweiligen Schriftstückes notwendig erscheint.

Kanzlei- und Registraturvermerke werden in der Formalbeschreibung nur wiedergegeben,

wenn sie für die Bewertung der Quelle notwendig sind.


Editionsgrundsätze 45

5 Editionsgrundsätze

5.1 Allgemein

Ausschlaggebend für die Darstellung der Quellentexte ist bei verschiedenen genetischen

Stufen die letzte zu ermittelnde Fassung, d. h. die Edition wird auf

der Grundlage der letzten Entstehungsstufe des Dokuments vorgenommen. Im

Original übergeschriebene Textteile bzw. Einfügungen am Rand werden in den

laufenden Text integriert; im Original gestrichene Worte werden nicht in den

laufenden Text aufgenommen. Damit soll erreicht werden, dass der Text den

Inhalt des Dokuments so wiedergibt, wie ihn sein/e Verfasser in der letztgültigen

Form verstanden wissen wollte/n. Die Streichungen, Einfügungen und Korrekturen

werden im textkritischen Apparat eines Schriftstückes nur dann kenntlich

gemacht, wenn sie über die Korrektur von Schreibfehlern oder Formulierungen

deutlich hinausgehen.

Die Edition hat zwei Apparate: Der erste dient zu textkritischen Anmerkungen

und wird mit hochgestellten Kleinbuchstaben gekennzeichnet. Der zweite ist

ein Sachkommentar und wird numerisch gekennzeichnet und auf ein unbedingt

notwendiges Maß zur Identi zierung von Personen, Orten, Ereignissen, Daten

und Zitaten, zur Erklärung von Begri en sowie für Verweise auf kontextbezogene

Quellen beschränkt.

Auslassungen in der Edition werden durch [...] gekennzeichnet.

Versehen in der Vorlage werden an den entsprechenden Stellen mit [!] gekennzeichnet.

Lücken im Text der Vorlage infolge von Schäden werden durch [---] gekennzeichnet,

sofern der Buchstabenbestand nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit erschlossen

werden kann. Die erschlossenen Buchstaben werden in eckigen Klammern

kursiv wiedergegeben.

Auf Beschädigungen des Originals wird in der Formalbeschreibung hingewiesen.

Große Fehlstellen werden im textkritischen Apparat gekennzeichnet.

Unsichere Lesungen werden mit [?] gekennzeichnet.

5.2 Editionsregeln für deutsche Texte

Groß- bzw. Kleinschreibung: Satzanfänge und Eigennamen werden groß geschrieben.

Für Titel und Abkürzungen kann zugunsten der Deutlichkeit die Großschreibung

verwendet werden. Im Übrigen gilt der Grundsatz der Kleinschreibung.

Normalisierungen einzelner Buchstaben: Die Buchstaben „u“ und „i“ werden nur

vokalisch gebraucht, dagegen die Buchstaben „v“, „w“ und „j“ nur konsonantisch.

Für die Kombination „ij“ wird immer „ii“ genutzt. Übergeschriebene Vokale werden

als Umlaute wiedergegeben. Doppelvokale werden beibehalten, ebenso „ß“,

metathetisches „h“, „gk“ und „dt “. Für „sz“wird „ß“ genutzt. Sind die Verbindun-


46 Editionsrichtlinien

gen „cz“ und „tz“ nicht eindeutig zu unterscheiden, wird für den betre enden

Text einheitlich „cz“ verwendet. Konsonantenverdopplungen werden im Fall des

doppelten „n“ am Wortende nicht wiedergegeben.

Die Getrennt- und Zusammenschreibung folgt der Vorlage, sofern diese eindeutig

ist.

Die Worttrennung am Zeilenumbruch und die Interpunktion orientieren sich zugunsten

der leichteren Lesbarkeit und des Verständnisses des Textes am modernen

Gebrauch.

Fremdsprachige Einschübe bleiben unverändert.

Abkürzungen, Ligaturen und Abbreviaturen werden bei Eindeutigkeit stillschweigend

aufgelöst. Ausgenommen davon sind Abkürzungen von Währungen und

Maßeinheiten ( .; ßo; tlr. usw.) sowie von Herrschaftstiteln und standardisierten

Anreden. Diese werden im Abkürzungsverzeichnis aufgelöst.

„dz“ wird als „das“ bzw. „dass“, „wz“ als „was“ wiedergegeben.

O ensichtliche Verschreibungen in der Vorlage werden stillschweigend korrigiert.

Die im Quellentext ausgeschriebenen Zahlen sowie die arabischen und römischen

Zahlzeichen werden vorlagengetreu übernommen (bei römischen Zi ern gilt die

Regel der Großschreibung). Ordnungszahlen werden mit Punkt geschrieben.

Folgende Ausnahme gilt: Bei Drucken folgen die Groß- bzw. Kleinschreibung

sowie die Interpunktion der Vorlage.

5.3 Editionsregeln für lateinische Texte

Die frühneuzeitliche Schreibweise wird in der Regel beibehalten.

Grundsätzlich wird Kleinschreibung verwendet. Eigennamen und Satzanfänge

werden hingegen groß geschrieben.

Normalisierungen einzelner Buchstaben: Die Buchstaben „i“ und „u“ werden nur

vokalisch, „j“ und „v“ nur konsonantisch wiedergegeben. „w“ ist ggf. in „vu“ (z. B.

wird „wlt“ zu „vult“) bzw. „vu“ in „w“ aufzulösen. Sind „ci“ und „ti“ graphisch nicht

zu unterscheiden, wird die Schreibweise der klassischen Philologie bevorzugt.

Alle eindeutigen Kürzungen und Ligaturen werden stillschweigend aufgelöst. Die

Übernahme von Siglen oder deren Bildung bleibt davon unberührt. e-caudata

wird mit „ae“ bzw. „oe“ wiedergegeben.

Für Zahlzeichen, Getrennt- und Zusammenschreibung und Interpunktion gelten

die Regelungen für deutsche Texte.


Quellenteil


Nr. 659 [erste Hälfte] 1518 67

659 [erste Hälfte] 1518

[Kf. Friedrich]: Stiftung

[1] Die von [Kf. Friedrich] errichtete Stiftung von jeweils vier Messen am Mittwoch,

Donnerstag, Sonnabend und Sonntag in der Allerheiligenstiftskirche zu Wittenberg soll

durch vier neu zu bestellende Priester wie folgt gehalten werden: [2] Bestimmungen

zur Durchführung der Messen und zu den P ichten der Priester. [3] Bestimmungen zur

Entlohnung der Priester mit jährlich je 15 Gulden und mit Präsenzgeldern.

A LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. O 158, fol. 32r–35v (Reinschrift).

B LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. O 222, fol. 2r–8v (Konzept, von Georg Spalatin).

Bem. Zur Datierung vgl. Nr. 744.

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[1] Von den vier neuen priestern, auf den sontag, mitwoch, donerstag und

sambstag in aller heyligen stiftkirchen alhie zcu Wittemberg zcugebrauchen,

1518. [2] Am sontag und donerstag lißet: Der erste auf sandt Mertens altar, der

ander auf sandt Lorentzen altar, der dritte auf unßer lieben frauen altar, der vierde

auf der heyligen drey konig altar. Am mitwoch lißet: Der erste auf sandt Mertins

altar, der ander auf sandt Lorentzen altar, der dritte auf sandt Katheryn altar, der

vierde auf sandt Sigmunds altar. Am sambstag lißet: Der erste auf sandt Katheryn

altar, der ander auf sandt Sigmunds altar, der dritt auf sandt Annen altar, der

vierde auf der heyligen aposteln altar.

Die vier priester sollen alle suntag, so bald man frue nach den geczeytten unser

lieben frauen das gesungen ambt von der heyligen dreyfaldickeyt anhebt, yn aller

heyligen kirchen vorhanden seyn. Und wenn man das kyrieleyson untter der

heyligen dreyfaldickeit ambt singet, soll der eyn priester außghen und seyn ambt

der heyligen meß anheben zculeßen. Der ander priester soll außgeen, so bald

man die epistel untter dem gesungen ambt von der heyligen dreyfaltikeyt anhebt.

Der dritt priester soll unter dem evangelio des gesungen ambts von der heyligen

dreyfaltickeyt außgeen. Der vierd priester soll untter der prefacion des gesungen

ambts von der heyligen dreyfaltickeyt außgeen.

Und wenn keyn groß fest auf den suntag zcur zceyt fellt, so sollen benante vier

priester alle von der heyligen dreyfaltikeyt leßen und drey collecten nemen: Czum

ersten de sancta trinitate, czum andern generalem pro omnibus delibus vivis et

defunctis und die dritte de beatissima virgine.

Wo aber auf den suntag der hochsten fest eyns kombt, sollen benante vier priester

auch von dem fest leßen und abermals drey collecten nemen: Die erste de festo,

die ander generalem pro omnibus delibus vivis et defunctis und die dritte von

der heyligen dreyfaltikeyt.

Alle mitwoch sollen die vier priester abermals vor dem anfang unser lieben frauen

gesungen ambt in aller heyligen kirchen seyn und sich gleych wie am sontag mit

dem außgeen halten: Der erst soll untter dem kyrieleison des gesungen ambts


68 [erste Hälfte] 1518 Nr. 659

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von unßer lieben frauen außgeen, der ander under der episteln, der dritte undter

dem evangelio und der vierde undter der prefacion desselben gesungen ambts.

Sie sollen auch alle vier von unßer lieben frauen, was man zcur zceyt heldet, leßen

und drey collecten nemen: Die erste von unßer lieben frauen, die ander generalem

pro omnibus delibus vivis et defunctis und die dritt de omnibus sanctis.

So aber der hochsten fest eyns auf den mitwoch kem, sollen sie von dem fest

leßen und drey collecten nemen: Die erste von dem feste, die ander generalem

pro omnibus delibus vivis et defunctis und die dritte von unser lieben frauen.

Alle donerstag sollen die vier priester abermals vor dem anfang des heyligen

warleychnams messe in aller heyligen kirchen seyn und untter dem umbgang

zcu dem ambt des heyligen warleychnams meß biß an die casel angeczogen, zcu

nechst vor dem priester, der das ambt von dem heyligen warleychnam heldt, ye

zcwen und zcwen miteynander mit brynnenden kertzen in iren henden geen. Und

biß der ambthalder den segen vor dem anfang des heyligen warleychnams messe

gibt vor des heyligen creutz altar knyen. Und nach dem segen miteynander in die

sacristen geen. Und sich mit dem außgeen wie am sontag und mitwoch halten:

Alßo das der erste untter dem kyrieleison außgee, der ander untter der episteln,

der dritt untter dem evangelio und der vierd untter der prefacion.

Sie sollen auch alle vier von dem heyligen warleychnam leßen und drey collecten

nemen: Die erste von dem heyligen warleychnam, die ander generalem pro

omnibus vivis et defunctis und die dritte de omnibus sanctis.

So aber auf den donerstag der hochsten fest eyns el, ßo sollen sie von dem fest

leßen und drey collecten nemen: Die erste de festo, die ander de corpore Christi

und die dritt pro omnibus vivis et defunctis.

Alle sambstag sollen die vier priester vor dem ende des gesungen ambts von unser

lieben frauen in aller heyligen kirchen seyn und untter dem requiem, das die

korknaben singen, und sunst untter dem monat gesungen requiem sich abermals

mit irem außgeen wie am sontag, mitwoch und donnerstag teylen. Der erst soll

außgheen untter dem kyrieleison, der ander untter der epistell, der dritt untter dem

evangelium und der vierdt untter der prefacion. Sie sollen auch alle requiem leßen

und drey collecten nemen: Die erste pro fundatoribus, die ander pro parentibus

und die dritt pro omnibus delibus defunctis.

Es sollen auch dieße vier priester zcur zceyt des eynigk werden, das ein wochen

umb die andern eyner zcum ersten, andern, dritten oder viertten, unordnung und

unfug zcuvormeyden, außgee.

Weytter sollen die vier priester p ichtig seyn, an hernach vorczeychenten festen in

aller heyligen kyrchen in der ersten und andern vesper bey dem umbgang und der

homeß sein: Am heyligen christag, am heyligen ostertag, am fest der heyligthumb

weysung, am heyligen p ngstag, an allen unßer lieben frauen festen, am fest

aller lieben heyligen, am karfreytag, den osterabendt und vor der ostermetten


Nr. 660 2. Januar 1518 69

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bey den sechs besuchung des grabs , am fest der heyligen dreyfaltikeyt, am fest

des heyligen warleychnams, am fest der kirchweyhung und an sandt Annentag.

Benante vier priester sollen auch, so o t sie bey gedachten götlichen ambten und

bey den procession der metten und vesper seynt, gleych den andern personen

der kirchen korrock tragen.

So aber das benant requiem wurd auf eyn freytag gesungen, wie dann geschiedt,

wenn auf den sambstag oder sonabend eyn feyertag eynfelt, so sollen die vier

priester ir vier messen am sambstag undter unser lieben frauen meß leßen, mit

oben angeczeygter außteylung ym außgeen, und von dem fest leßen und drey

collecten nemen: Die erste von fest, die ander pro omnibus delibus defunctis

und die dritte de beatissima virgine.

[3] Dafur sollen eyn itlicher priester fun tzehen gulden jerlichen haben, davon

inen alle quatember yr geburender teyl gegeben werden. Weytter sollen sie auch

die presentz von der besuchung des grabs haben. Und was man hinfur fur neue

fest und memorien durch churfurstliche und furstliche darlegung wirt aufrichten,

do sollen sie auch presentz von haben und darbey seyn.

660 2. Januar 1518 (Sonnabend nach Circumcisionis)

Abt Johann und Konvent des Zisterzienserklosters Sittichenbach an

Kf. Friedrich

! Nr. 654 [1] Abt Johann und der Konvent des Zisterzienserklosters Sittichenbach

bestätigen den Eingang eines Briefes [Nr. 654] von Kf. Friedrich. Darin forderte der Kf.

vom Abt, den Untertanen des Klosters zu befehlen, gegenüber dem Schosser [Hans Zeiß]

zu Allstedt Wiedergutmachung zu leisten und alles zu tun, um aus der Acht entlassen

zu werden, damit der Schosser zu keinen weiteren Maßnahmen gegen die Leute des

Klosters genötigt ist. [2] Der Abt gibt dagegen zu bedenken, dass der Schosser von

Allstedt sowie einige Adlige und Älteste zugestehen, dass der Hirte von Mittelhausen

im Gehölz des Klosters seine Herde zum Schaden des Klosters weiden ließ. Das Gehölz

liegt in der Landwehr im Amt Allstedt, und das Dorf Mittelhausen darf sein Vieh darin

weiden lassen, allerdings ohne die jungen Bäume des Klosters zu beschädigen. [3] Trotz

mehrfacher Aufforderungen hat der Hirte mutwillig und mit Schaden seine Tiere im

genannten Gehölz weiden lassen. Als er aber wieder über die Grenze in ihr Gehölz kam,

ließ ihn der Abt festsetzen, um die Rechte klären zu lassen. [4] Das Waldstück liegt im

Gebiet Hz. Georgs von Sachsen und steht unter der Gerichtsbarkeit des Klosters, wie die

Begrenzung deutlich zeigt (vorreint unnd vorsteint). Deshalb können sie dem Schosser

nicht gestatten, den Ort zu besichtigen. Abt und Konvent stimmen aber zu, dass Räte

Kf. Friedrichs und Hz. Georgs das Gehölz inspizieren. Auf diese Weise sollen Eingri e in

ihre Rechte verhindert werden, die dem Kloster zum Nachteil gereichen. Die Beschlüsse

der Räte wollen sie beachten. [5] Weil der Schosser [Hans Zeiß] dieses Entgegenkommen

659 Vgl. BAKFJ 1, Nr. 508.


70 3. Januar 1518 Nr. 661

nicht berücksichtigt und über den Schultheißen die Acht verhängt hat, bitten sie den Kf.

als einen grosmechtigen liebhaber der grechtigkeit, ihnen Glauben zu schenken und die

Acht bis zu einer Besichtigung des Ortes aufzuheben. Ihre Klosteruntertanen sollen nicht

unnötig beschwert werden. [6] Zettel: Abt und Konvent bitten den Kf., weiteren Klagen

nicht zu glauben und auf ihre Bitte zu antworten.

A

Ed.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 1286, fol. 6r–8v, Zettel: 7rv (Ausfertigung).

Urkundenbuch Mansfeld, S. 493, Nr. 218 (Regest).

661 Altenburg, 3. Januar 1518 (Sonntag nach des Heiligen Neuen Jahrstag)

Kf. Friedrich an Amtmann [Hans von der Planitz] zu Grimma

[1] Kf. Friedrich erinnert den Amtmann zu Grimma [Hans von der Planitz] an die Auseinandersetzung

des Amts Grimma mit dem Benediktinerinnenkloster Geringswalde über

die Obergerichtsbarkeit über das Dorf Zschannewitz. In dieser Sache sind zwar schon viele

Schriften ausgetauscht worden, jedoch kam die Äbtissin [Katharina von Ulstetten] bisher

der Auflage nicht nach, ihre Rechte vor dem Amtmann von Leisnig [Georg von Kitzscher]

zu belegen. [2] Deshalb übte während der Abwesenheit von [Planitz] der Schosser zu

Grimma [Friedrich Stumpfel] die Gerichtsrechte über Zschannewitz ordnungsgemäß aus.

Da die Äbtissin nichts unternahm, gri die Frau von Schönburg ein, später schrieb Ernst

von Schönburg zu Glauchau und Waldenburg an Kf. Friedrich [Nr. 413], wie [Planitz] den

übersendeten Unterlagen entnehmen kann. [3] Auf ein nochmaliges Schreiben Ernst

von Schönburgs hat Kf. Friedrich geantwortet, dass die Äbtissin ihr Anliegen [Planitz]

und anderen Verordneten vortragen und ihre Rechtsansprüche klären soll. Kf. Friedrich

be ehlt [Planitz], die Äbtissin vorzuladen und in Anwesenheit von Ramsfelt von Staupitz,

Gregor Groß und Melchior Thiel anzuhören. Die Ergebnisse der Anhörung soll [Planitz]

mit den Rechtsansprüchen der Äbtissin sowie einem eigenen Bedenken, in dem er

Vorschläge für das weitere Vorgehen unterbreitet, an den Kf. senden.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 491, fol. 4rv (Konzept).

662 Altenburg, 3. Januar 1518

(am Sonntag dem Achten des heiligen Apostels und Evangelisten Sankt Johannes)

Konrad Gerhart, Johann von Haubitz und das Kapitel des Georgenstifts

zu Altenburg: Quittung

Dekan Konrad Gerhart, Senior und Scholaster Johann von Haubitz und das Kapitel des

Georgenstifts zu Altenburg bestätigen, dass Hz. Johann am heutigen Tag 200 Gulden

661 Wahrscheinlich Anna von Schönburg, die Mutter des Ernst II. von Schönburg.


Nr. 663 4. Januar 1518 71

Zinsgroschen für die Stiftung der Sieben Gezeiten vom Leiden und Sterben Christi und

der Jungfrau Maria in ihrer Stiftskirche übergeben hat.

A

LATh – StA Altenburg, Landesregierung, 4251, fol. 71rv (Ausfertigung).

663 Rom, 4. Januar 1518 (die IIII. Januarii 1517)

Papst Leo X. an Kf. Friedrich

[1] Papst Leo X. teilt Kf. Friedrich mit, dass die Berichte vom Sieg der Türken über den

[mamlukischen] Sultan von Ägypten [Tuman Bay], die er bisher als Gerüchte gedeutet

hatte, nun durch schriftliche Nachrichten von verschiedenen Orten als wahr bestätigt

wurden. Der Papst weiß nun, dass der Sultan nicht nur besiegt, sondern auch getötet wurde

und dass dessen Gebiete unter türkische Oberhoheit gerieten. [2] Papst Leo X. mahnt

eindringlich vor der Gefahr dieser Situation für die Christen, für die christlichen Herrscher

und ihre Herrschaftsgebiete, zumal wenn die Türken Illyrien und Pannonien erobern

oder mithilfe von Schi en Italien angreifen. [3] Papst Leo X. fordert Kf. Friedrich auf,

zur Verteidigung des Landes bereitzustehen. Friedrich soll, wenn er einen Vorschlag zur

Verteidigung des christlichen Glaubens hat, diesen zügig zuerst dem Papst unterbreiten,

damit der Papst den Vorschlag mit den anderen christlichen Fürsten besprechen kann.

Zudem soll Kf. Friedrich bei Ks. Maximilian und anderen Personen seinen Ein uss nutzen,

damit sie sich ebenfalls in der Angelegenheit engagieren.

A LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1584, fol. 11rv (Ausfertigung, Pergament, lateinisch).

Bem. Datierung: Die päpstliche Kanzlei verwendete den Calculus Florentinus. Das Jahr 1518 ist

sichergestellt durch die gleichzeitige Datierung nach dem 5. Ponti katsjahr Papst Leos X.

664 Meißen, 6. Januar 1518 (am Tag der Heiligen Drei Könige)

Johannes Hennig an Kf. Friedrich

! Nr. 655 [1] Johannes Hennig, Dekan des Domstifts zu Meißen, hat das Schreiben des

Kf. wegen des Rats der Stadt Liebenwerda erhalten [Nr. 655]. [2] Weil die k . Amtleute

den Fall bereits verhandelt haben, hat er den Arrest gegen die Erben des [Heinrich]

Bretzendorf aufgehoben. Er möchte nicht, dass sich jemand über seine Urteile beklagt.

Die Gegenseite soll ihre Anliegen ebenfalls dem Kf. vortragen.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 845, fol. 2rv (Ausfertigung).

662 Am 14. Mai 1518 zahlte Georg Spalatin an Konrad Gerhart 60 Gulden für dieselbe Stiftung

aus, die ihm Johann Riedesel im Auftrag Hz. Johanns übergeben hatte. Die gesiegelte

Quittung be ndet sich in: FB Gotha, Chart. A 378, fol. 83rv.


72 7. Januar 1518 Nr. 665

665 Zwickau, 7. Januar 1518 (Donnerstag nach Trium regum)

Kf. Friedrich und Hz. Johann: Verfügung

[1] Kf. Friedrich und Hz. Johann erinnern an ihre Stiftung der Sieben Leiden Mariens

für die Schlosskirche Torgau [vgl. Nr. 1]. [2] Sie verordnen für die Stiftung 350 Gulden

jährlich aus den Einnahmen des Amts, des Geleits und der Stadt Torgau und bestimmen

deren Verwendung.

A

Ed.

LATh – HStA Weimar, Urkunden Staatsarchiv, 1518 Januar 7, unfol., 1 Bl. (Ausfertigung,

Pergament, 2 Siegel).

Urkundenbuch Torgau, S. 93, Nr. 230 (Regest mit Teiledition).

5

10

15

20

25

[1] Von gots gnaden wir Friderich, des Heyligen Romischen Reichs

ertzmarsschalgk, churfurst etc. und Johans, gebrudere, herzogen zu Sachssen,

lantgraven in Duringen und marggraven zu Meyssen bekennen fur uns und unser

erben und thun kunt mit disem unserm brieve gein mennigklich. Nachdem wir

aus verleyhong gotis des almechtigen uns miteinander vereinigt und eine stiftong

in der kirchen auf unserm slosse zu Torgau auf ewig zeit aufzerichten, nemlich

das allen tag dy gezeiten der hochgelobtn und allerkeuschten gebererin, der

jungfrauen sand Marien, und etliche ambt der heyligen messen durch vier erliche

priester, siebn chorschuler, under den einer custos sein sol, einen organisten und

dreien knaben gesungen und gelesen werden sollen, inhalts und besagung einer

sonderlichen stiftong, die wir derhalben aufgericht. [2] Damit abir nu dieselb

unser stiftong unabbruchlich moige gehalten werden, so haben wir auf allen und

ytzlichen unsern nutzongen, einkommen und jarrenten unsers ambts, gleyts und

der stadt Torgau dreyhundert und funfzig reynische gulden, nemlich hundert

funfzehen gulden von dem ambt, hundert zwenzig gulden vom gleyt und hundert

funfzehen gulden von den jarrenten zu Torgau jerlich zu angezeigter unser

stiftong verordent, dovon dan alle jar einem ydern priester dreyssig gulden, einem

ytzlichen chorschuler zwenzig gulden, dem organisten funfundzwenzig gulden

und einem knaben funfzehen reynisch gulden fur kost und loen sol gegeben

werden. Und dy zwenzig gulden, so an solcher summa ubirbleiben, fur wachs,

das man zu obberurten gezeiten und ambten verbrauchen wirdet, und zu ander

notturft der kirchen verordent haben, das wir dan hiemit in kraft dyses briefs

zu solcher stiftong verweisen und verordnen. Und bevelen daruf itzigen und

zukonftigen unsern schossern, gleytzleuten und dem rate zu Torgau mit disem

brieve ernstlich, das sy von allen und ytzlichen unsern nutzongen, einkommen

und jarrenten dy obberurten dreyhundert und funfzig gulden reynisch ein yder

seinen teyll wye angezeigt zu gnanter unser stiftong alle jar und eines ydern


Nr. 666 8. Januar 1518 73

30

besondern halb uf sand Walpurgistag und dy ander hel te auf sand Michelstag

geben und uberreichen und nu auf sand Walburgistag schirstkonftig mit der

ersten tagzeit anfahen, des sol ir yder seins teyls in rechnong entnommen werden

und geschiecht daran unser ernstliche meynong. Zu urkunde hat unser yder sein

insiegell wissentlich an dysen brief hengen lassen.

666 Rom, 8. Januar 1518 (die VIII. Januarii 1517)

Kardinalskollegium an Kf. Friedrich

[1] Das Kardinalskollegium teilt Kf. Friedrich mit, dass Papst [Leo X.] durch zahlreiche

Schreiben und Nachrichten davon überzeugt wurde, dass die Informationen vom Sieg des

Sultans [des Osmanischen Reichs Selim I.] über den Sultan von Ägypten [Tuman Bay]

wahr sind. Der Sultan von Ägypten wurde getötet und seine Gebiete unter türkische

Herrschaft gestellt. [2] Die Kardinäle ermahnen in Anbetracht der großen Gefahr

die christlichen Fürsten eindringlich, dass diese ihre Streitigkeiten beilegen und sich

zur Verteidigung des Glaubens und christlicher Gebiete unter der Führung des Papstes

zusammen nden. Sie erbitten von Kf. Friedrich Ratschläge und fordern ihn auf, in der

Angelegenheit tätig zu werden. Er soll an die christlichen Könige und Fürsten schreiben

zugunsten eines heiligen und notwendigen Kreuzzuges (expeditio).

A LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1584, fol. 6rv+12rv (Ausfertigung, lateinisch).

Bem. Zur Datierung vgl. Nr. 663.

667 [Altenburg], 9. Januar 1518 (Sonnabend nach Epiphanie domini)

Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg

an Hz. Johann

Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg übersenden

Hz. Johann auf dessen Wunsch die Bestätigung [Nr. 662] der hzl. Stiftung der Sieben

Gezeiten vom Leiden und Sterben Christi und der Jungfrau Maria in ihrer Stiftskirche

über 200 Gulden. Sie wollen den Hz. in ihren Andachten bedenken.

A

LATh – StA Altenburg, Landesregierung, 4251, fol. 73rv (Ausfertigung).

665 1. Mai.

29. September.


74 13. Januar 1518 Nr. 668

668 Altenburg, 13. Januar 1518 (am XIII. Tag des Jenners)

Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg

an Kf. [Friedrich]

[1] Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg erinnern

Kf. [Friedrich] daran, dass er mit hohem nanziellen Aufwand und sonstiger Unterstützung

zur Steigerung des gottesdienstlichen Lebens ihrer Kirche die Stiftung der Sieben

Gezeiten vom Leiden und Sterben Christi und der Jungfrau Maria gefördert hat. [2] Mit

allem, was der Stiftung dient, wollen sie sich an den Kf. wenden. Deshalb informieren

sie ihn über die Auseinandersetzungen mit den Testamentsvollstreckern des verstorbenen

Pfarrers von Bornshain, der 100 Gulden bei dem inzwischen auch verstorbenen Bf.

[Johann III.] von Naumburg hinterlegt hat. Das Geld liegt ihrer Ansicht nach, die von

Fabian von Feilitzsch bestätigt wird, noch dort. Da Kf. [Friedrich] ein gutes Verhältnis zu

dem neuen Bf. [Philipp] von Naumburg hat, bitten ihn die Vertreter des Georgenstifts,

sich bei [Philipp] bei Gelegenheit dafür einzusetzen, dass das Geld an ihr Stift für die

erwähnte neue Stiftung ausgezahlt wird. Zur Begründung führen sie an, dass der Pfarrer

von Bornshain ein Lehnsträger ihres Stifts war. [3] Weiterhin erinnern Dekan, Senior

und Kapitel des Georgenstifts den Kf. an die Stiftung einer hölzernen Annenkapelle im

k . Wald vor etwa zwei Jahren durch einen k . Förster. Darin wurde auf der Grundlage

einer Bestätigung des Bf. von Naumburg bisher Messe gelesen. Sie schlagen nun vor,

diese Kapelle zu der neuen Stiftung in ihrer Stiftskirche zu ziehen. Möglicherweise kann

dadurch Wachs gekauft oder ein weiterer Priester unterhalten werden. [4] Sie bitten

Kf. [Friedrich], mit dem Bf. von Naumburg über diese Kapelle zu verhandeln, deren

Stiftungsvermögen in ihre neue Stiftung eingegliedert werden könnte, weil die Kapelle

auf k . Grund und Boden steht und die Eingliederung keine Probleme nach sich zieht. Sie

vertrauen darauf, dass so die Stiftung wächst und dem ganzen Bistum zugute kommt. Im

Gegenzug bieten sie an, sich um die Baulast und die Gottesdienste der Kapelle zu kümmern,

wenn sie auch weiterhin von den Menschen besucht wird. Es ist zu befürchten, dass

diese Kapelle sonst wieder zugrunde geht. Sie danken dem Kf. für seine Unterstützung

und unterstellen sich seiner weiteren Fürsorge. Sie ho en, dass der Kf. sich zugunsten

der neuen Stiftung beim Bf. durchsetzt.

A

LATh – StA Altenburg, Landesregierung, 4251, fol. 74r–75v (Abschrift).

669 Saint-Mihiel, 13. Januar 1518 (octavo die Epiphanie)

Joachim von Maltzan an Kf. Friedrich

[1] Joachim von Maltzan erinnert Kf. Friedrich an dessen Bitte um Übersendung von

Reliquien, die Friedrich durch Vermittlung des Kanzlers [Antoine Duprat] an Kg. [Franz I.]

von Frankreich richtete [Nr. 543]. Der Kg. versprach, Friedrich die Reliquien mit einem Gesandten

zu schicken [Nr. 643]. [2] Der französische Kg. hat nun einige Reliquien, unter

anderem je eine Partikel des hl. Martin und der hl. Maria Magdalena, in goldene Reliquiare

fassen lassen und Maltzan beauftragt, diese an Friedrich als Geschenk zu übergeben.


Nr. 670 15. Januar 1518 75

Maltzan ho t, am 9. oder 10. Februar in Erfurt einzutre en, und bittet Kf. Friedrich, ihm

dann einen Tre punkt für die Übergabe mitzuteilen. [3] Maltzan unterrichtet Friedrich

über die Pläne des Hz. von Lüneburg [Heinrich der Mittlere von Braunschweig-Lüneburg]

zur Verheiratung seines Sohnes Hz. Otto mit einer Angehörigen des französischen Königshauses

sowie für die Versorgung seines anderen Sohnes Hz. Ernst mit einem Dienst

am französischen Hof. [4] Zettel: Maltzan betont, dass niemand denken soll, er sei

aus anderen Gründen als den genannten vom französischen Kg. geschickt worden, auch

wenn er ho t, Angelegenheiten verhandeln zu können, mit denen Friedrich zufrieden

sein wird. ! 679

A

Ed.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 366, fol. 34r–36v, Zettel: 35r (Ausfertigung, eigh., zu

eigenen Händen).

RTA.JR 1, S. 49 Anm. 1, S. 50 Anm. 2 (Regest mit Teiledition).

670 Torgau, 15. Januar 1518 (Freitag nach Sancti Erhardi)

Kf. Friedrich an Johannes Hennig

[1] Kf. Friedrich teilt Johannes Hennig, Dekan des Domstifts zu Meißen, mit, dass sich die

Bürger zu Torgau Peter Reppisch und Ewald Hesler wegen einer geistlichen beschwerung

durch den O zial des Domstifts [Georg von Rotschitz] an ihn gewandt haben, wie aus

beiliegendem Bittschreiben zu ersehen ist. [2] Kf. Friedrich kennt die Ursachen für

die vermeintliche Beschwerung nicht. Deshalb weist er auch im Namen seines Bruders,

Hz. Johann, den Dekan an, den O zial zu veranlassen, die Beschwerung fallenzulassen.

Sollte diese jedoch rechtmäßig sein, soll Hennig dies dem Kf. belegen.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 843, fol. 1rv (Konzept).

671 Wittenberg, 2. Februar 1518 (am Tag Puri cationis Marie virginis)

[Kf. Friedrich] an Bf. [Hieronymus] von Brandenburg

[1] [Kf. Friedrich] informiert Bf. [Hieronymus] von Brandenburg über ein Schreiben

des Amtmanns zu Belzig Georg von Zschaderitz. Dieser teilte dem [Kf.] mit, dass sich

die Vorsteher der Annenkirche in Kuhlowitz wegen des Banns beschwert haben. Die

Beschwerdeschrift liegt bei. Ebenso wandte sich auch Hans von Ziesar wegen der Beschwerungen

durch den Bf. und seinen Vikar an den [Kf.] und bat um Unterstützung.

669 In einem undatierten Schreiben Joachims von Maltzan an Kf. Friedrich [zwischen 13. und

22. Februar 1518] teilte Maltzan mit, dass er einige Dinge bereits mit Fabian von Feilitzsch

besprochen hat. Wenn jedoch ein persönliches Tre en mit Friedrich zustande gekommen

wäre, hätte der Kf. gemerkt, dass Maltzan nicht ohne Grund vom französischen Kg. geschickt

wurde. Maltzan ho te auf weitere Verhandlungen mit dem Kf. (LATh – HStA Weimar, EGA,

Reg. C 366, fol. 37r, Ausfertigung, teilweise ediert in: RTA.JR 1, S. 50 Anm. 5).


76 6. Februar 1518 Nr. 672

[2] Bf. [Hieronymus] weiß von den Verhandlungen ihrer beiderseitigen Räte wegen

dieser Angelegenheit in Belzig. Da sich die Räte nicht gütlich einigen konnten, wurde

vereinbart, ein Gerichtsurteil einzuholen, an dessen Weisungen sich Hans von Ziesar und

die Vorsteher halten sollen. [Kf. Friedrich] ging davon aus, dass weder Hans von Ziesar

noch die Vorsteher der Annenkirche in Kuhlowitz vom Bf. oder seinem Vikar weiter mit

dem Bann belegt werden. [3] [Kf. Friedrich] bittet daher, den Bann zu lösen. Geschieht

das nicht, so ist der [Kf.] gezwungen, seinen Untertanen auf anderen Wegen zu ihrem

Recht zu verhelfen. ! 672

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1103, fol. 14rv (Konzept).

672 Ziesar, 6. Februar 1518 (Sonnabend Dorothee virginis)

Bf. Hieronymus von Brandenburg an Kf. Friedrich

! 671 [1] Bf. Hieronymus von Brandenburg hat das Schreiben [Nr. 671] Kf. Friedrichs

wegen Hans von Ziesar am 4. Februar empfangen. Dem Schreiben des Kf. waren etliche

Beschwerdezettel der Kirchväter von Kuhlowitz beigelegt. [2] Der Bf. ist unverschuldet

in den Streit geraten und hat dies dem Kf. und seinen Räten mehrfach schriftlich und

mündlich mitgeteilt in der Ho nung, damit nicht das Missfallen oder die Ungnade des Kf.

zu erregen. [3] Bf. Hieronymus und seinem Stift entstehen immer mehr Probleme aus

diesem Streit mit den k . Untertanen, die sie bisher mit Rücksicht auf den Kf. ertragen

haben. Daher bittet Bf. Hieronymus, dass der Kf. einen Tag bestimmt, an dem er den Bf.

persönlich in dieser Sache anhört. ! 674

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1103, fol. 15rv (Ausfertigung).

673 Bosau, 10. Februar 1518 (Mittwoch Scholastice)

Abt [Jodokus Scharf] und Konvent des Benediktinerklosters Bosau an

Kf. Friedrich

[1] Abt [Jodokus Scharf] und der Konvent des Benediktinerklosters Bosau teilen Kf. Friedrich

mit, dass Bf. [Philipp] von Freising und Naumburg sie auf ihr Bittschreiben hin

aufgefordert hat, sich erneut mit ihren Anliegen an den Kf. zu wenden, wenn dieser in

Altenburg ist. [2] Sie bitten den Kf. nochmals, ihnen das Holz, das ihnen aufgrund

einer Stiftung von Friedrichs Vorfahren zusteht, zur Erhaltung ihres Klosterhofs in dem

671 Die Auseinandersetzungen dauerten bereits Jahre an, vgl. BAKFJ 1.

673 Der Akte liegt eine Notiz aus der k . Kanzlei vom 26. Januar 1518 bei, die den Inhalt eines

Schreibens an Bf. [Philipp] von Freising und Naumburg zusammenfasst (vgl. LATh – HStA

Weimar, EGA, Reg. Kk 87, fol. 7r, Konzept, und fol. 8r, Abschrift).


Nr. 674 12. Februar 1518 77

Dorf Roda zukommen zu lassen. [3] Im Hinblick auf die Angelegenheit des Caspar von

Zschieren zu Ehrenberg und des Georg von der Gabelentz bitten sie den Kf., einen Termin

für eine Anhörung anzusetzen. Sie unterstellen sich seinem Schutz.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 87, fol. 6rv (Ausfertigung).

674 Altenburg, 12. Februar 1518 (Freitag nach Apollonie)

Kf. Friedrich an Bf. [Hieronymus] von Brandenburg

! 672 [1] Kf. Friedrich hat die Antwort [Nr. 672] von Bf. [Hieronymus] von Brandenburg

auf sein Schreiben [Nr. 671], verbunden mit der Bitte um eine persönliche Anhörung,

empfangen. [2] Der Kf. hatte den Bf. auf ein Tre en ihrer beider Räte in Belzig und die

dort gefassten Beschlüsse hingewiesen, die Friedrich für gerecht hält. Bf. [Hieronymus]

soll selbst überlegen, was angemessen ist und entsprechend handeln, so dass sich die

Untertanen des Kf. nicht weiter über unrechtmäßige Beschwerungen durch den Bf. beklagen

müssen. [3] Wegen der momentan grassierenden Seuchen und verschiedener

Verp ichtungen kann Kf. Friedrich keinen Verhandlungstag ansetzen. Will der Bf. ihm

etwas mitteilen, soll er es schriftlich (in schri ten zu unsern handen) machen. Der Kf. wird

ihm nach Gelegenheit antworten.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1103, fol. 16r–17v (Konzept).

675 [Wittenberg], 15. Februar 1518 (quinta decima Februarii)

Martin Luther an Georg Spalatin

[1] Martin Luther bittet Georg Spalatin, dem Kf. seinen Dank für das Wildbret zu übermitteln,

das Kf. [Friedrich] den neuen Magistern [der Universität Wittenberg] übersandte.

[2] Luther antwortet auf zwei Fragen Spalatins, zum einen nach der Absicht (intentio),

die jemand haben sollte, der opfert oder gute Werke vollbringt, zum anderen nach der

Wirkung des Ablasses. Luther hebt demgegenüber die Bedeutung der Almosen hervor.

673 Am 20. März 1518 schrieb Fabian von Feilitzsch an Kf. Friedrich, dass der Abt des Benediktinerklosters

Bosau in der Streitsache mit Caspar von Zschieren und Dietrich von Breitenbach

am heutigen Tag vorgeladen wurde. Während der Abt und Breitenbach erschienen, blieb

Zschieren ohne triftige Gründe fern. Daher wurde die Angelegenheit nun an den Amtmann

[Sebastian von Kötteritzsch zu Altenburg] übergeben (LATh – HStA Weimar, EGA, Reg.

Gg 980b, fol. 8r–11v).

675 Georg Spalatin hatte dieselben Fragen auch an Andreas Karlstadt gerichtet. In seiner

Antwort vom 5. Februar 1518 verwies dieser u. a. auf seinen Augustinkommentar, für dessen

Drucklegung er eine Unterstützung von Kf. Friedrich in Höhe von 30 Gulden erbat (KGK 1.2,

S. 737–742, Nr. 69).


78 16. Februar 1518 Nr. 676

[3] Luther teilt Spalatin mit, dass seine Gegner behaupten, er handele im Auftrag Kf.

[Friedrichs] und sei von ihm zu Missgunst gegenüber Ebf. [Albrecht] von Magdeburg

angestiftet worden. Er bedauert sehr, dass der Kf. seinetwegen in Verdacht gerät und er

Anlass zu Unfrieden zwischen den beiden Fürsten bietet. [4] Luther ist einverstanden,

dass der Kf. ihn zu einer Disputation oder einem Prozess schickt, wenn ihm Geleit gewährt

wird. [Friedrich] soll nicht in Luthers Angelegenheiten hineingezogen werden.

Luther bezieht sich auf Johannes Reuchlin, der belangt wurde, während Luther nicht

beachtet wird, weil seine Gegner erkennen, dass sie ihn nicht überwinden können.

A

Ed.

LASA Dessau, Z 8, Nr. 9, fol. 1rv (Ausfertigung, eigh., lateinisch).

WA.Br 1, S. 144–147, Nr. 59 (Volltext); W 15, Sp. 2381–2385, Nr. 4 (Volltext, Übersetzung).

676 Nürnberg, 16. Februar 1518 (Eritag nach Valentini)

Ältere Herren des Rats der Stadt Nürnberg an Kf. Friedrich

[1] Die Älteren Herren des Rats der Stadt Nürnberg teilen Kf. Friedrich mit, dass ihnen

die Kinder und die Verwandten ihres verstorbenen Ratsschreibers Georg Spengler von

einem Befehl Papst [Leos X.] an den Provinzial [Hermann Rabe] der Dominikanerprovinz

Saxonia berichtet haben. Der Papst wies den Provinzial an, die Tochter des Ratsschreibers,

Martha Spengler, die vor etlichen Jahren in das Dominikanerinnenkloster Weida

geschickt wurde, in das Dominikanerinnenkloster Engelthal zu versetzen [vgl. Nr. 656

und Nr. 658]. [2] Obwohl [Hermann Rabe] dem Papst zum Gehorsam verp ichtet ist,

hat er bisher den Befehl nicht befolgt, unter Bezug auf Kf. Friedrich als Landesfürsten und

Schutzherrn des Klosters Weida. Daher hat Martha Spengler die Älteren Herren um ein

Unterstützungsschreiben an Kf. Friedrich gebeten. [3] Die Älteren Herren sind Martha

Spengler wohlgesonnen. Außerdem halten sie es für wichtig, in das Kloster Engelthal, in

dem die Durchsetzung der Reform problematisch verläuft, eine fromme Person, die aus

einer Nürnberger Familie stammt und in die sie daher besonderes Vertrauen legen, zu

675 Ähnliche Aussagen nden sich in Martin Luthers Brief an Georg Spalatin vom 22. Februar

1518. Luther betonte hier, dass ihm das Gerücht, Kf. [Friedrich] habe seine Thesen veranlasst,

nichts ausmacht und er nur Angst hat, dass zwischen den Fürsten Feindschaft entsteht.

Er befürchtete ein Vorgehen des Kf. [Joachim] von Brandenburg. Außerdem antwortete

Luther auf die Frage Spalatins zum Nutzen der Dialektik für die Theologen, den er strikt

verneinte und die Dialektik in der Theologie sogar als schädlich bezeichnete (WA.Br 1,

S. 149–151, Nr. 61, lateinisch, übersetzt in: W 15, Sp. 2399–2402, Nr. 10, beide mit Au ösung

der Datierung „die S. Petro Sacro“ mit 22. Februar, dieser Datierung wird hier gefolgt).

Zum Streit Johannes Reuchlins mit dem Dominikanerorden vgl. BAKFJ 1, Nr. 89, Nr. 93

und Nr. 154.

676 Die sieben Älteren Herren bildeten einen Ausschuss innerhalb des Nürnberger Stadtrats

und stellten die eigentliche Exekutive dar.


Nr. 677 16. Februar 1518 79

schicken. Daher bitten sie Kf. Friedrich, die Versetzung zu bewilligen und den Provinzial

nicht an der Ausübung seines Befehls zu hindern.

A

Ed.

StA Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Ratskanzlei, Briefbücher Nr. 77, fol. 212rv (Abschrift).

Westphal: Korrespondenz, S. 483f., Nr. 303 (Volltext).

677 Nürnberg, 16. Februar 1518 (Eritag nach Valentini)

Anton Tucher an Kf. Friedrich

[1] Anton Tucher hat das Schreiben Kf. Friedrichs wegen der Hinterlegung der 120 Gulden

für das Reichskammergericht erhalten und etliche an Johann Renner gerichtete

Briefe an den ksl. Hof weitergeleitet. Er hat die 120 Gulden für Friedrich besorgt und

hinterlegt, der Kf. kann eine Quittung bekommen. [2] Tucher unterstützt die Bitte

[Nr. 676] der Älteren Herren des Rats der Stadt Nürnberg, die sie an den Kf. wegen der

Nonne Martha Spengler gerichtet haben. Er setzt sich für die Familie der Nonne ein, weil

ihr Vater [Georg Spengler] jahrelang Ratsschreiber in Nürnberg war und Tucher mit

ihnen verwandtschaftlich verbunden ist. Die Familie ho t, dass die Vermittlung Tuchers

bei Kf. Friedrich erfolgreich ist und Martha Spengler entsprechend dem Befehl Papst

[Leos X.] versetzt wird. [3] Tucher bittet, dass der Kf. sich gnädig gegenüber ihm und

der Familie Spengler erzeigt. Der Provinzial [Hermann Rabe] der Dominikanerprovinz

Saxonia kann Martha Spengler durch eine andere reformierte Nonne ersetzen und so die

Belastung durch ihren Weggang gering halten.

A

Ed.

StA Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Ratskanzlei, Briefbücher Nr. 77, fol. 212v–213r (Abschrift).

Westphal: Korrespondenz, S. 484f., Nr. 304 (Volltext).

678 Augsburg, 20. Februar 1518 (am zwanzigsten Tag des Monats Februar)

Ks. Maximilian an Kf. Friedrich

[1] Ks. Maximilian informiert Kf. Friedrich als seinen Rat und Statthalter darüber, dass er

Philipp, Bf. von Freising und Administrator des Bistums Naumburg, die Regalien, Lehen

und weltlichen Güter (weltligkeit) des Stifts Naumburg schriftlich verliehen hat. [2] Der

Ks. beauftragt Kf. Friedrich, an seiner Stelle den Lehnseid von Bf. Philipp bis zum 18. April

einzuholen. Der Bf. soll dem Ks. und dem Reich Treue und Gehorsam schwören sowie

dasjenige leisten, wozu er als geistlicher Reichsfürst dem römischen Kaiser als seinem

Lehnsherrn verp ichtet ist. Friedrich soll berichten, ob der Eid abgelegt wurde oder nicht.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. B 1005, fol. 22rv (Abschrift).


80 22. Februar 1518 Nr. 679

679 Altenburg, 22. Februar 1518 (Montag nach Invocavit)

Kf. Friedrich an Joachim von Maltzan

! 669 [1] Kf. Friedrich erinnert Joachim von Maltzan an dessen Brief [Nr. 669], in

dem Maltzan ihm mitteilte, dass er von Kg. [Franz I.] von Frankreich beauftragt wurde,

Friedrich etliche Reliquien zu überbringen. Friedrich entsandte darau in Fabian von

Feilitzsch, der Maltzan die Meinung Friedrichs zur Überbringung der Reliquien mitteilte.

[2] Dem Bericht Feilitzschs hat Friedrich entnommen, dass Maltzan persönlich den Kf.

aufsuchen will. Friedrich fordert Maltzan daher auf, am 4. März zunächst von seinem

Aufenthaltsort Berlin nach Jüterbog und am Folgetag nach Schweinitz zu reisen, von wo

aus der Kf. ihn zu sich holen wird.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 366, fol. 42r (Konzept).

680 22. Februar 1518 (Montag Cathedra Petri)

Martin Leubel an Kf. Friedrich und Hz. Johann

[1] Martin Leubel, Bürger zu Leipzig, erinnert Kf. Friedrich und Hz. Johann an seine

bisherigen Wohltaten, die der Stadt Jena zugute gekommen sind. Entsprechend wollte er

auch die Kirche St. Michael durch den Bau einer steinernen Empore für die Nonnen des

Zisterzienserinnenklosters fördern. Bisher verrichten die Nonnen ihre Stundengebete

und Gottesdienste auf einem hölzernen Chor, der jedoch nicht feuersicher ist und den

Kirchenraum verstellt, wie Kf. Friedrich und Hz. Johann selbst gesehen haben. Mit

Kenntnis und Empfehlung des Schossers [Sebastian Wöllner], des Rats der Stadt Jena

und anderer Sachverständiger sowie auf Bitten und mit Einverständnis der Nonnen

hat Leubel zu seiner Seelen Seligkeit den Steinmetzmeister Hieronymus aus Jena mit

dem Bau beauftragt. Dafür hat er ihm bereits eine Anzahlung geleistet. [2] Als Leubel

heute auf eigene Kosten von Leipzig nach Jena in der Erwartung gekommen ist, dass die

Steine für das Gewölbe seiner Forderung entsprechend fertig zugehauen sind und der

Bau vorbereitet ist, damit bei besserem Wetter umso schneller weitergearbeitet werden

kann, hat er festgestellt, dass der Steinmetz die Arbeit sehr nachlässig angeht und unter

anderem im Verzug mit dem Behauen der Steine ist. [3] Wenn dieser Bau dem Kf. und

dem Hz. nicht entgegen ist, bittet Leubel sie, dass sie in Jena befehlen, den Bau schleunigst

fortzusetzen und was dafür nötig ist zu unternehmen. Was Leubel tun kann, will er gern

erfüllen.

679 Der Akte liegt eine Notiz des Fabian von Feilitzsch vom 13. Februar 1518 bei, in der er

vermerkte, dass Joachim von Maltzan die Nachricht Kf. Friedrichs in Berlin abwarten will,

um sich nach deren Erhalt an den angegebenen Ort zum Kf. zu begeben und die Aufträge

des Kg. [Franz I.] von Frankreich auszuführen (LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 366,

fol. 41r, Konzept). Am 26. Februar bestätigte Joachim von Maltzan Ort und Tag des Tre ens

mit Kf. Friedrich (ebd., fol. 43rv, Ausfertigung).


Nr. 681 24. Februar 1518 81

A LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 701, fol. 1rv+3v (Ausfertigung).

Ed. Urkundenbuch Stadt Jena 2, S. 459f., Nr. 1208 (Volltext).

Bem. Das Schreiben wurde durch Degenhart Pfe nger, den Leubel darum gebeten hatte, an

Kf. Friedrich und Hz. Johann weitergeleitet (vgl. LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 701,

fol. 2rv).

681 Wittenberg, 24. Februar 1518 (am Tag Matthie apostoli)

Propst Henning [Göde], Dekan [Lorenz Schlamau] und Kapitel des Allerheiligenstifts

zu Wittenberg an Kf. Friedrich

[1] Propst, Dekan und Kapitel des Allerheiligenstifts zu Wittenberg haben das Schreiben

Kf. Friedrichs vom 9. Februar mit beigelegten Abschriften von Briefen Hz. Georgs von

Sachsen erhalten. Inhalt der Schreiben Hz. Georgs war ein Schuldbrief des Kard. Melchior

[von Meckau], Bf. von Brixen, den er beim Allerheiligenstift zu treuen Händen hinterlegte.

[2] Nach dem Tod des Kard. [1509] wandte sich dessen Erbe Helfrich von Meckau an den

Kf. und teilte ihm mit, dass er seinen Verwandten Heinrich von Könneritz bevollmächtigt

hat, den Schuldbrief zurückzuholen. Der Kf. wies darau in die Stiftsherren an, den Brief

gegen Quittung an Könneritz zu übergeben. [3] Die Stiftsherren befürchteten jedoch

Unkosten, da Kard. Melchior Testamentsvollstrecker in Rom hatte und im Allgemeinen die

Päpste an den hinterlassenen Gütern der Kardinäle interessiert sind. Da die Stiftsherren

zudem das Mandat des Helfrich von Meckau als nicht rechtskräftig ansahen, teilten sie

nach einigen Auseinandersetzungen Heinrich von Könneritz mit, dass sie den Schuldbrief

an den Kf. senden wollen, was durch ihren Propst Henning [Göde] umgesetzt wurde.

Sie verwiesen Könneritz an die k . Kanzlei, dieser reiste nach dem 18. Januar 1512 aus

Wittenberg ab. Über den weiteren Verbleib des Schuldbriefs wissen die Stiftsherren

nichts. Wegen des Baus der Präpositur zu Meißen liegen jedoch Briefe des Helfrich von

Meckau und des Heinrich von Könneritz in der Angelegenheit bei ihnen. [4] Zettel:

Die Stiftsherren schicken Kf. Friedrich Abschriften der noch bei ihnen be ndlichen

Schreiben.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 1381, fol. 1r–2v, Zettel: 5r (Ausfertigung).

681 Der Akte liegen Abschriften von folgenden vier Schriftstücken bei: Ein undatierter Brief [um

18. Januar 1512] des Heinrich von Könneritz an Kf. Friedrich, in dem er aus seiner Sicht den

Vorgang um die von den Stiftsherren verweigerte Herausgabe des Schuldbriefes schilderte

und den Kf. um Unterstützung bat (LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 1381, fol. 3rv); ein

Schreiben Kf. Friedrichs an die Stiftsherren des Allerheiligenstifts vom 19. Januar 1512 mit

der Aufforderung, Könneritz den Schuldbrief auszuhändigen (ebd., fol. 4r); ein Brief Helfrich

von Meckaus an die Stiftsherren vom 21. Januar 1513, in dem er seine Aufforderung um

Übergabe der Urkunde an Könneritz bekräftigte und dessen Bevollmächtigung bestätigte

(ebd., fol. 4rv); eine Abschrift der Vollmacht, datiert auf den 15. Oktober 1509, die Helfrich

von Meckau für Heinrich von Könneritz ausstellte und in der er ihn als seinen Prokurator

einsetzte (ebd., fol. 4v+6rv).


82 26. Februar 1518 Nr. 682

682 Wittenberg, 26. Februar 1518 (Freitag nach Invocavit)

Rektor [Balthasar Fabricius], Magister und Doktoren der Universität

Wittenberg an Kf. Friedrich

[1] Rektor, Magister und Doktoren der Universität Wittenberg erinnern Kf. Friedrich

an ihr Recht, einen Vikar für die Pfarrkirche Orlamünde zu nominieren und dem Kf.

als Patron zu präsentieren. Dieses Recht wurde ihnen vom Kf. verliehen und durch

eine päpstliche Bulle bestätigt. [2] Die Vikarie ist nach der Resignation des bisherigen

Besitzers Wolfgang Geißendorfer vakant. Daher haben die Universitätsmitglieder einhellig

Konrad Glitzsch als neuen Vikar ausgewählt, der gelehrt ist und geeignet, Gemeinde und

Kirche vorzustehen. [3] Sie ho en, dass dem Kf. als Stifter Glitzsch genehm ist und

bitten ihn, Glitzsch dem O zial [Heinrich Bosse] des Marienstifts zu Erfurt entsprechend

der Bulle als Vikar zu präsentieren und dafür zu sorgen, dass er ordnungsgemäß in das

Amt eingesetzt wird.

A

Ed.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. O 408, fol. 1rv (Ausfertigung).

Barge: Andreas Bodenstein 2, S. 568f., Nr. 17a (Volltext).

683 Torgau, 27. Februar 1518 (die penultima Februarii)

Kf. Friedrich an Mgf. Francesco II. von Mantua

! Nr. 645 [1] Kf. Friedrich freut sich über den Brief [Nr. 645] des Mgf. Francesco II.

von Mantua vom 4. Dezember 1517 aus Mantua, den er gestern erhielt. [2] Die Bitte

Kf. Friedrichs um Reliquien [Nr. 603a] sollte nicht dazu führen, Mantua zu berauben oder

einen ganzen Körper eines Heiligen zu erhalten, sondern betraf einige Partikel. Diese

sollen in der Allerheiligenstiftskirche in Wittenberg dem Wohl aller Christen und der

dauerhaften Erinnerung an die Verbundenheit der Dynastien Mantua und Sachsen dienen.

[3] Bereits viele Päpste, Ks. Maximilian, einige Kardinäle, der König von Ungarn und

Könige von Frankreich sowie viele andere christliche Fürsten und Adlige beschenkten

Kf. Friedrich und seine Vorfahren mit Reliquien. [4] Kf. Friedrich dankt Mgf. Francesco II.

von Mantua für die Verhandlungen mit seinem Bruder Kard. [Sigismondo Gonzaga] und

die Zustimmung, Kf. Friedrich einige Reliquien zu schicken. [5] Kf. Friedrich bittet

nochmals um Partikel, die über die Leute der Fugger in Rom zu ihm gelangen können.

A

AS Mantova, Archivio Gonzaga, b. 514, fol. 322r–323v (Ausfertigung, lateinisch, von Georg

Spalatin).

[1] Salutem plurimam. Literis vestrae pietatis, princeps illustris et consanguinee

charissime, ad nos Mantuae IIII. decembris anni superioris MDXVII datis et a

682 Bulle des Papstes Julius II. vom 20. Juni 1507 zur Inkorporation der Allerheiligenstiftskirche

in die Universität Wittenberg (UA Halle-Wittenberg, Rep. 1, U 47, Ausfertigung, ediert in:

Israel: Wittenberger Universitätsarchiv, S. 66–68, Nr. 83, Regest).


Nr. 684 27. Februar 1518 83

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30

nobis heri acceptis nihil nobis inpraesentiarum est iucundius utpote plenis vestri

erga nos studii et amoris. [2] Caeterum nihil minus vel voluimus vel petivimus,

quam ut pietas vestra civitatem suam venerabilibus divorum reliquiis propter

nos nudaret vel ut integrum alicuius sancti corpus nobis muneri mitteret. Sed

ut particulas saltem aliquas venerabilium reliquiarum nobis benevole impertiret

ex suo principatu, quem non dubitamus hoc piarum et sacrarum opum genere

esse orentissimum. Haec igitur petitionis nostrae meta fuit, ut consequeremur a

vestra pietate aliquas sacrarum reliquiarum particulas, quae in ecclesiam omnium

sanctorum civitatis et arcis nostrae electoralis Vuittenbergae collocatae, non

minus communi christianorum saluti, quam perpetuae propinquitatis nostrae

memoriae, quae inter illustres domus mantuanam et saxonicam multis abhinc

temporibus est insignis et praecip[ua] prodessent. [3] Ita enim al[iqu]ot

pontif[ici]s maximi, ita serenissimus et invictissimus dominus Maximilianus

romanorum imperator Augustus, dominus noster clementissimus, ita nonnulli

reverendissimorum sanctae romanae ecclesiae cardinalium, ita rex Daciae, ita

aliquot reges Gallorum, ita alii multi principes et optimates christiani, non

minus maiores et parentes nostros quam nos reliquiis venerabilibus donaverunt.

[4] Quapropter gratias pietati vestrae habemus, quod non solum nobis pientissime

responderit, sed etiam benevolentissime cum reverendissimo in Christo, illustri

principe, sanctae romanae ecclesiae cardinale, fratre suo germano, consanguineo

nostro amantissime egerit, ut consenserit pro sua bene centia vel praecipua nobis

aliquas mittere reliquias. [5] Quod ergo reliquum est, rogamus vehementer,

ut venerabiles reliquias non integras, sed particulas aliquot earum e suo

principatu quantulascumque nobiscum pie et benevole comunicet et nonnullas

particulas reliquiarum a fratre suo germano domino cardinale consanguineo

nostro charissimo impetratas [acceptasque] Fuggariorum ministris et factoribus

Romae degentibus transmittat ex urbe ad nos mittendas. Hoc enim erit nobis

omnium gratissimum et mansurum in aede divorum omnium quicquid pietas

vestra miserit reliquiarum veluti perpetuum monumentum eius, quae inter

utrumque nostrum intercedit et amiciciae et cognationis coniunctissimae. Valeat

pietas vestra una cum suis omnibus et optime et diutissime.

684 Torgau, 27. Februar 1518 (die penultima Februarii)

[Kf. Friedrich] an Kard. [Sigismondo Gonzaga] von Mantua

[1] [Kf. Friedrich] bezieht sich gegenüber Kard. [Sigismondo Gonzaga] von Mantua auf das

Schreiben [Nr. 645] des Mgf. Francesco II. von Mantua, in welchem der Mgf. ankündigte,


84 27. Februar 1518 Nr. 685

dass der Kard. dem [Kf.] Reliquien einiger Heiliger zuschickt. [2] [Kf. Friedrich] bedankt

sich sehr und betont die enge Verbindung zwischen ihren beiden Dynastien.

A

Ed.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. O 214, fol. 14r+16v (Konzept, lateinisch, von Georg

Spalatin).

Berbig: Spalatiniana 1907, S. 523, Nr. VIIa (Volltext).

685 Torgau, 27. Februar 1518 (Samstag nach Invocavit)

Kf. Friedrich an [Hermann] Rabe

[1] Kf. Friedrich übersendet [Hermann] Rabe die Unterstützungsschreiben [Nr. 676 und

Nr. 677] des Rats der Stadt Nürnberg und Anton Tuchers für die Nonne Martha Spengler

des Dominikanerinnenklosters Weida. [2] Der Kf. hat dem Rat geschrieben, dass er

nähere Erkundigungen einholen und dann antworten will. Friedrich fordert Rabe auf,

ihm mitzuteilen, wie in der Angelegenheit weiter zu verfahren ist und was er dem Rat zu

Nürnberg erwidern soll.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 1454, fol. 5rv (Konzept).

686 Lochau, 6. März 1518 (Samstag nach Reminiscere)

Rat Kf. [Friedrichs]: Protokoll

[1] Der k . Rat berichtet, dass Kf. [Friedrich] die Anfragen Joachim von Maltzans, die

dieser nach der Übergabe der Reliquien des Kg. [Franz I.] von Frankreich am 5. März

an den Kf. richtete, vernommen hat. [Friedrich] befahl darau in, Maltzan Folgendes

mitzuteilen: Kf. [Friedrich] verweist auf sein gutes Verhältnis zu den Vorfahren von

[Franz I.], Kg. Karl VIII. von Frankreich und Kg. Ludwig XII. von Frankreich, obwohl er

auch mit ihnen nicht persönlich bekannt war. Dies gilt auch für seine Beziehungen zu

Kg. [Franz I.], wie [Friedrich] aus dessen bisheriger freundlicher Haltung, den Schreiben

und der Schenkung der Reliquien bemerkt hat. [2] Kf. [Friedrich] zweifelt daher nicht,

dass der französische Kg., wenn er die Bedingungen für die Wahl eines römischen Königs

bedenkt, sein Anliegen, welches dem Kf. zum Nachteil auferlegt wird, zurückzieht. In

anderen Belangen will [Friedrich] dem französischen Kg. gern entgegenkommen.

684 Am 19. April 1518 stellte Donatus de Pretis ein Kredenzschreiben, das an Kf. Friedrich

gerichtet war, für Gabriele de Naghen [Meghen?], Nuntius des Kard. Sigismondo von

Mantua, aus (LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 489, fol 1rv). Der Nuntius war als

Überbringer (latore) [der Reliquie?] und als Gesandter in verschiedenen Angelegenheiten

zu Kf. Friedrich geschickt worden.


Nr. 687 6. März 1518 85

A

B

Ed.

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 366, fol. 44rv (Konzept).

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. C 366, fol. 45r–47v (Konzept, mit Abweichungen zu

Überlieferung A. Die Fassung Überlieferung B ging wohl nicht aus, sie enthält neben

einigen anderslautenden Formulierungen einen detaillierteren Abschnitt zur Königswahl,

den die Überlieferung A nicht aufweist.).

RTA.JR 1, S. 51f. Anm. 3 (Regest mit Teiledition).

687 [Bosau], 6. März 1518 (Sonnabend nach Reminiscere)

Abt [Jodokus Scharf] und Konvent des Benediktinerklosters Bosau an

Hz. Johann

[1] Abt [Jodokus Scharf] und Konvent des Benediktinerklosters Bosau berichten

Hz. Johann von ihrer an ihn und Kf. Friedrich wiederholt gerichteten Bitte [vgl. Nr. 673],

ihnen das durch ein ksl. Privileg zugesagte Holz aus dem Kammerforst zur Unterhaltung

ihres Klosterhofs in dem Dorf Roda zu geben. Das Privileg liegt in Abschrift bei. [2] In

dieser Angelegenheit schrieben sie bereits an Bf. [Philipp] von Freising und Naumburg

und baten ihn, sich für ihr Kloster bei Kf. Friedrich und Hz. Johann zu verwenden, weil

deren Vorfahren zu den Mitstiftern und Patronen gehören. Jedoch erhielten sie bisher

keine abschließende Antwort. Der Bf. wollte sich erst mit dem Hz. besprechen. [3] In

Anbetracht, dass Hz. Johanns Vorfahren ihr Kloster mitgegründet haben, bitten ihn Abt

und Konvent des Klosters Bosau, sich bei Kf. Friedrich für ihr Anliegen zu verwenden.

A

LATh – HStA Weimar, EGA, Reg. Kk 87, fol. 3rv (Ausfertigung).

688 [Altenburg], 7. März 1518 (Sonntag Oculi)

Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg

an Kf. [Friedrich]

[1] Dekan [Konrad Gerhart], Senior und Kapitel des Georgenstifts zu Altenburg teilen Kf.

[Friedrich] mit, dass Nikolaus Stange, der bisher die Kapelle St. Michael in Gerstenberg

bei Altenburg als Lehn innehatte, gestorben ist. Nach dem Erlöschen des Geschlechts

von Knau zu Treben und Haselbach hat Kf. [Friedrich] das Recht, diese Stelle zu besetzen.

[2] Da Johann Stumpf im Georgenstift die geringste Vikarie besitzt, von der er sich kaum

erhalten kann, hat er das Kapitel gebeten, sich bei Kf. [Friedrich] für ihn zu verwenden.

Dekan, Senior und Kapitel bitten Kf. [Friedrich] zur Förderung des Stifts und Aufbesserung

der betre enden Vikarie, Stumpf das angezeigte Lehn zu übertragen.

A

LATh – StA Altenburg, Landesregierung, 4251, fol. 76rv (Abschrift).

687 Urkunde Kg. Friedrichs II. (später Ks.) aus dem Jahr 1215 (LATh – HStA Weimar, EGA, Reg.

Kk 87, fol. 2r).


Die Edition „Briefe und Akten zur Kirchenpolitik Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen

1513 bis 1532. Reformation im Kontext frühneuzeitlicher Staatswerdung“ ist ein Forschungsvorhaben

der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und wird im Rahmen

des Akademienprogramms von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Sachsen gefördert.

Das Akademienprogramm wird koordiniert von

der Union der deutschen

Akademien der Wissenschaften.

Diese Publikation wird mitfinanziert durch

Steuermittel auf der Grundlage des vom

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Satz: Martin Sievers, Radoslav Petkov (Trier Center for Digital Humanities) und

Konstantin Enge (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig)

Druck und Binden: Hubert & Co., Göttingen

ISBN 978-3-374-04961-5 // eISBN (PDF) 978-3-374-07173-9

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