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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

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Grußwort

Dr. Konrad Schober

Regierungspräsident

Sehr geehrte Frau Landrätin,

liebe Bürgerinnen und Bürger,

es ist mir eine große Freude, Ihnen allen zum 50-jährigen Bestehen des Landkreises

Weilheim-Schongau meine herzlichen Glückwünsche zu übermitteln. Der heutige

Landkreis ist 1972 aus der Zusammenlegung der ehemaligen Kreise Weilheim und

Schongau entstanden, er war und ist damit weit mehr als „Weilheim + Schongau“,

sondern etwas Neues und von eigenem Wert. Waren die Anfänge dieser Verbindung

hier und da noch etwas holprig – man denke etwa an die Wahl des neuen

Kreiswappens, das den Interessen der alten Landkreise gleichermaßen gerecht

werden musste – hat sich aus Weilheim und Schongau in den letzten Jahrzehnten

ein Landkreis entwickelt, der für regionale Vielfalt, gelebtes Miteinander und hohe

wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steht.

Allen im Laufe der Zeit Verantwortlichen des Landkreises danke ich herzlich für

die sehr gute Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern. Gemeinsam

konnten wir seit 1972 viel bewirken. So etwa bei der städtebaulichen Erneuerung

zahlreicher Orte des Landkreises, die die Regierung von Oberbayern immer wieder

mit Mitteln der Städtebauförderung begleitet und gefördert hat. In diesem Rahmen

entstanden attraktive Lebensmittelpunkte und Orte der Begegnung für die Bürgerinnen

und Bürger sowie die Gäste des Landkreises wie zuletzt etwa der denkmalgeschützte

Sommerkeller in Bernried oder die sanierte und erweiterte Stadthalle

in Penzberg.

Zum Wohlfühlfaktor des Landkreises trägt auch der Naturreichtum maßgeblich bei,

der sich in mittlerweile 17 Landschaftsschutz- und 21 Naturschutzgebieten wie etwa

der spektakulären Ammerschlucht widerspiegelt. Ein besonderes Augenmerk legt

der Landkreis, der oberbayernweit die meisten Hochmoore aufweist, auch auf den

langfristigen Schutz der Natur und des Klimas: Seit 2010 hat Weilheim-Schongau in

zahlreiche Maßnahmen zur Renaturierung der Moore investiert.

Doch nicht nur der Blick zurück, auch besonders der nach vorne ist anlässlich des

Jubiläums lohnend. Wie kaum ein anderer Landkreis steht Weilheim-Schongau für

Weitsicht in Sachen Bildung. Erst kürzlich wurde etwa der durch die Regierung von

Oberbayern geförderte Neubau der Berufsschule Weilheim eingeweiht, der nun ein

noch moderneres Lernumfeld zur Ausbildung der Generation von morgen bietet.

Und auch für das beträchtliche Engagement bei der Inklusion gilt den Schulen des

Landkreises große Anerkennung, denn bereits sechs Schulen unterschiedlicher

Schularten tragen heute im Landkreis das Schulprofil Inklusion. Dieser ist damit ein

großes Vorbild beim Ausbau der Schulinfrastruktur.

Für die nächsten 50 Jahre wünsche ich uns und den nachfolgenden Generationen,

dass der Landkreis Weilheim-Schongau weiterhin zur kulturellen, wirtschaftlichen

und gesellschaftlichen Vielfalt Oberbayerns beiträgt. Ich bin sicher, wir werden

auch zukünftig gemeinsam viele neue Projekte auf die Beine stellen und damit dem

Landkreis den Weg in eine gute Zukunft bereiten.

Ihr Dr. Konrad Schober

Regierungspräsident

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Unser Landkreis ist für mich etwas Besonderes: Hier wird

Kultur geschaffen und gelebt, das Vereinsleben funktioniert

rege und das Handwerk wird wertgeschätzt.“

Andreas Nöß, Handzuginstrumentenmacher und Musiker, Steingaden

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„Ich lebe gerne hier, weil Landschaft und Leute für mich eine

unerschöpfliche Energie- und Inspirationsquelle darstellen.“

Anna Miglionico, Kommunikationsdesignerin und Mutter, Raisting

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Grußwort

Andrea Jochner-Weiß

Landrätin

Sehr geehrte Ausstellungsgäste,

sehr geehrte Landkreisbürgerinnen und -bürger,

es war keine alltägliche Ehe, die damals vor 50 Jahren geschlossen wurde: Der eigenständige

Landkreis Schongau wurde mit dem eigenständigen Landkreis Weilheim

vereinigt. Vieles, woran man sich über Jahrzehnte gewöhnt hatte, war nun

anders – doch Veränderungen gehören zum Leben dazu. Über viele Jahre hinweg

wurde der Partner im Landkreis Weilheim-Schongau misstrauisch beäugt. Und von

manchen wurde den alten Zeiten hinterher getrauert, so wie manche Eheleute die

Erinnerung an die scheinbar sorglosen Junggesellenjahre pflegen. Manfred Blaschke,

Landrat von 1978 bis 1996, drückte es so aus: „Wie bei einer Ehe ist nicht immer

alles populär, was entschieden wird.“ Demokratie kann anstrengend sein, keine

Frage, man muss mehr miteinander reden. Doch Nostalgie ist fehl am Platz: Die

wachsenden Aufgaben und Kosten hätten langfristig die beiden kleinen Landkreise

erdrückt.

Sicher, eine Liebesheirat war es nicht – eher eine Vernunftehe. Die aber allen Landkreisbürgerinnen

und -bürgern zu mehr Sicherheit, Wohlstand und Perspektive

verholfen hatte. Allein wirtschaftlich haben wir alle profitiert, denn der finanziell

gestärkte neue Landkreis konnte zahlreiche Großprojekte auf den Weg bringen. Es

gab nun mehr und bessere Bildung, Arbeitsplätze, Infrastruktur und Freizeitmöglichkeiten

für alle. Und der Landkreis ist für künftige Herausforderungen – wie etwa

die Digitalisierung, die Energiewende oder den Wohnraummangel – besser aufgestellt.

Zur Erinnerung: Der Landkreis Weilheim-Schongau gehört heute bundesweit

zu einem der stabilsten Kreise mit einem gesunden Branchenmix und hoher

Lebensqualität.

Wie gesagt: Der Wandel gehört dazu. Aber gleichzeitig blieb vieles gleich: Die Weilheimer

müssen für ihre Amtsgeschäfte nicht nach Schongau, und die Schongauer

nicht nach Weilheim. Und sogar das vielgeliebte Autokennzeichen SOG ist seit 2013

wieder verfügbar. Mögen nun die letzten Animositäten innerhalb des Landkreises

aufhören in einer Zeit, in der wir uns über Nationengrenzen hinweg europaweit

und global vereinen, vernetzen und miteinander kommunizieren!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei unserer Ausstellung zu 50 Jahren Landkreis Weilheim-Schongau!

Freuen wir uns gemeinsam über diese unsere Erfolgsgeschichte.

Ihre Andrea Jochner-Weiß

Landrätin

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Für mich ist der Landkreis Weilheim-Schongau Heimat,

weil ich hier von den wichtigsten Menschen in meinem

Leben unmittelbar umgeben bin.“

David Gramberg, Musiker und Student, Schwabsoien

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„Ich mag den Landkreis Weilheim-Schongau, denn hier

hat meine Leidenschaft für Gastlichkeit, Kulinarik und vor

allem kulturelles Engagement Heimat gefunden.“

Stephan Kögl, Kulturwirt und Biersommelier, Schwabbruck

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Gebietsreform

»Die Voraussetzungen

Einholen der Fahne des Landkreises

Schongau vor dem Rathaus in Schongau

Bis 1971 war Bayern ein Gebilde aus 143 Landkreisen, 6962 Gemeinden und 48

kreisfreien Städten. Einige Landkreise hatten zu dieser Zeit sogar nur bis zu 16.000

Einwohner. Die Landkarte zeigte eine historische Gliederung – jedoch auch

eine starke Zersplitterung der Zuständigkeiten von Kommunen und Kreisen.

Der Landkreis Schongau hatte damals 41.756 Einwohner bei einer Fläche

von 507,78 Qua drat kilometern, der Landkreis Weilheim dagegen 72.004

Einwohner bei einer Fläche von 686,21 Quadratkilometern.

Das Wappen:

Aus zwei mach eins

Die Notwendigkeit

Die Zielsetzung

Aus zwei mach eins. Das bedeutete: Ähnlich wie bei einer Eheschließung

teilt man sich nun das Haushaltseinkommen und die

Infrastruktur, um die Ausgaben gemeinsam zu bestreiten. Bei Entscheidungen

müssen – statt autonom wie bei einem Single – die

Bedürfnisse beider Partner bedacht werden. Das bedeutete einerseits:

Es ist mehr Kommunikation und Abstimmung notwendig. Kreistag und

Kreisausschüsse bekamen mehr Mitglieder – was Mehrheiten nicht immer leichter

macht, da eine höhere Interessensvielfalt besteht, Demokratie eben. Und die Unabhängigkeit

wird eingeschränkt – genauso wie in einer Ehe. Andererseits: Beide

Partner haben mehr Mittel durch mehr Steuereinnahmen zur Verfügung, können

große Projekte gemeinsam stemmen und können Arbeit und Verwaltung auf meh-

reren Schultern tragen.

Die Durchführung

Ab den 1960er Jahren wuchsen die Herausforderungen in Stadt und

Land stark. Die Gemeinden wuchsen schnell – damit auch ihre Aufgaben.

Denn: Mehr Einwohner und mehr Gewerbe bedeutete mehr

Straßenverkehr, mehr Flächenbedarf, mehr Menschen und auch

mehr Müll. Also wuchs der Bedarf nach Infrastruktur wie Straßen,

Schulen, Gewerbeflächen, Wohnraum, Versorgungs- und Gesundheitseinrichtungen.

Dies überforderte gerade kleinere Dörfer administrativ

wie finanziell immer mehr. Ebenso die beiden Landratsämter Schongau

und Weilheim: Die Daseinsfürsorge der Landkreise –

also Gesundheitswesen, Abfallbeseitigung oder wesen – sollte in den Folgejahren noch an Belastung zuneh-

Bildungs-

men. Und das tut es bis heute: zum Beispiel durch den demographischen

und digitalen Wandel.

Das bayerische Innenministerium hatte von Beginn an die Vision vom

gemeinschaftlichen Landkreis Weilheim-Schongau. Als Alternativewurde

jedoch in Schongau die Eingliederung in den Kreis Füssen

favorisiert, in Weilheim liebäugelte man mit dem Zusammenschluss

mit Garmisch-Partenkirchen und einem Landkreissitz in Murnau – woran

GAP aber gar nicht interessiert

war. Ende September erfolgte noch

ein Anhörungsverfahren. Am 1. Juli

1972 wurde schließlich der neue Landkreis

Weilheim-Schongau geboren: Die

Neugliederung Bayerns war am 15. Dezember

1971 im Bayerischen Landtag mit

einer CSU-Mehrheit beschlossen. Durch diesen

Beschluss entstanden 71 neugegliederte

Landkreise.

Der Landkreis Weilheim-

Schongau heute

In der Gegenwart umfasst der Landkreis Weilheim-Schongau

34 Gemeinden mit 136.134

Einwohnern (Stand 31.12.2020). Der Landkreis

Schongauer Landrat F. J. Strauß

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 14


Die Mitglieder des ersten Kreistags Weilheim-Schongau 1972

gehört zu den zehn deutschen Landkreisen mit der geringsten Arbeitslosigkeit.

Das verdankt er auch der Zusammenlegung einer gewachsenen und ausgewogenen

Wirtschaftsstruktur von Industrie und Handwerk, Landwirtschaft, Handel

und Dienstleistungen: Die selten krisenfeste Monotonie, die die Dominanz von

Großbetrieben verursacht, besteht nicht. Handwerkliche und mittelständische

Betriebe prägen das Wirtschaftsgefüge, Land- und Forstwirtschaft haben weiterhin

einen gesunden Anteil. Fast zwei Drittel der Arbeitnehmer des Landkreises

sind vor Ort beschäftigt. Die Einkommensteuerkraft je Einwohner lag im Jahr

2021 bei 1107 Euro (Bayerndurchschnitt 1202 Euro). Die Kaufkraft je Einwohner

im Jahr 2021 lag bei 26.689 Euro (Bundesdurchschnitt 24.412 Euro). Unterm Strich:

Die Region hat durch die Zusammenlegung an Leistungsstärke und

Krisen sicherheit gewonnen.

Die Gemeinden

Neu zum Landkreis kam die Gemeinde Ingenried (zuvor Landkreis Markt oberdorf):

Ein Zusammenschluss mit Rettenberg (OAL) wurde seitens Rettenberg abgelehnt.

Die Gemeinden Reichling, Epfach, Apfeldorf und Kinsau wurden dem Landkreis

Landsberg am Lech angegliedert. (Bad) Bayersoien gehörte nun zum Landkreis

Garmisch-Partenkirchen, ebenso die Gemeinden Uffing am Staffelsee, Seehausen,

Spatzenhausen, Rieg see, Murnau, Großweil und Schlehdorf. 22 Gemeinden haben

sich zu Verwaltungsgemeinschaften zusammengeschlossen. Das bedeutet: Sie teilen

sich den Verwaltungsaufwand – gerade für kleinere Gemeindeteile stellt dies

angesichts wachsender Aufgaben eine große Erleichterung dar.

Was bleibt von der

Gebietsreform?

Sicherlich eine gewisse Rivalität zwischen den Kreisstädten

Schongau und Weilheim – was jedoch bei

praktisch allen Kreiszusammenlegungen in Deutschland

vorkommt. Wünschenswert wäre, dass in der

Auseinandersetzung mit einer globalen, digitalen und

vernetzten Gegenwart diese Animositäten verschwinden.

Die Verwaltung ist derzeit auf 15 Dienstgebäude

verteilt, darunter sechs in Schongau und neun in Weilheim.

Mehr Service für die Bürger dank kürzerer Wege –

leider jedoch auch eine finanziell höhere Belastung.

Mit einer aktuellen Kreisumlage von 54 Prozentpunkten

kann die Infrastruktur aufrechterhalten werden:

Digitalisierung, Klimaneutralität, Barrierefreiheit, Zuzug,

Überalterung und weiteren Faktoren verursachen

hohe Kosten.

Eine Frage stellt sich

Wie hoch wäre die Kreisumlage in den einstigen Kreisen Schongau und Weilheim

heute, wenn es keinen Zusammenschluss gegeben hätte? Vermutlich

um ein Vielfaches höher, da jeder eine eigenständige Infrastruktur

unterhalten müsste. Unterm Strich wurde für die Landkreisbürger mit

zwei Schulstandorten, einer modernen Abfallverwertung,

einem leistungsfähigen Gesundheitssystem,

einem Pflegestützpunkt, einem gut

ausgebauten Verkehrssystem und vielem

mehr eine Daseinsversorgung geschaffen,

die einen kleinen Landkreis finanziell und

personell längst überfordert hätte.

Weitere Namen, die für

den neu geschaffenen Landkreis ebenso im

Gespräch waren: Ammerland, Ammerkreis, Ammer-Lechkreis

und Lech-Ammerkreis. Seit 1972 wurde das Autokennzeichen

WM ausgegeben, seit 2013 kann auf Wunsch wieder das alte SOG

vergeben werden.

„Wie bei einer Ehe ist nicht immer alles populär,

was entschieden wird, und manches stößt

einem Partner eventuell eine Zeitlang unangenehm

auf. Doch wie im Eheleben war es

unterm Strich die einzig richtige Entscheidung,

sich zusammenzutun und zu teilen, um leistungsfähig

zu agieren und den Herausforderungen

der Zukunft gerecht zu werden.“

Manfred Blaschke

Landrat von SOG 1970 – 1972, Landrat von Weilheim-

Schongau von 1978 – 1996)

Der Dienstwagen des

Landrates 1972: Opel Admiral

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WEILHEIM-SCHONGAU


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„Der Pfaffenwinkel ist für mich Heimat, weil ich meinen

kreativen Weg an diesem schönen Fleckchen Erde mit

seinen aufgeschlossenen Bewohnern gehen darf.“

Renate Kuran, Konditorin und Radsportlerin, Schwabniederhofen

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„Die Menschen hier sind so abwechslungsreich und

verschieden wie die Landschaft mit ihren Erhebungen

und Gewässern. Der Landkreis ist mir als gebürtigem

Hamburger ans Herz gewachsen.“

Dirk Wollenweber, Notfallseelsorger und Segler, Peiting

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

» Brauchtum

Beim Ochsenrennen in Haunshofen

Ochsenrennen in Haunshofen

1983 entstand aus einer Faschingslaune heraus das Spektakel, bei dem

Athleten wie „Billy the Kid“, „Boateng der Durstige“ oder „Frodo, der Beutellose“

eine 180 Meter lange Rennstrecke mit einem Jockey absolvieren. Ziel

ist nicht, eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen, sondern dass

Mensch und Ochse gemeinsam die Ziellinie überschreiten. Nicht immer

einfach, denn ein 12 bis 15 Zentner schweres Rindvieh hat seinen eigenen

Kopf. Veranstaltet wird das Rennen vom Verein „D’Ochserer“ aus Haunshofen

/ Bauerbach. Die Veranstaltung zieht alle vier Jahre bis zu 10.000 Zuschauer

an. Das zehnte Rennen ist für 2025 geplant.

Fohlenmarkt in Rottenbuch

Weitaus mehr als eine landwirtschaftliche Messe

ist der Rottenbucher Fohlenmarkt. Erstmals

erwähnt wurde ein Pferdemarkt 1558, vermutlich

ist der Markt älter. Hier dreht sich alles

um das Oberländer Pferd: ein leichter

und zugleich robuster Kaltblüter. Der

Fohlenmarkt – traditionell am ersten

Freitag im September – lockt alljährlich

tausende von Besuchern an –

denn neben den Versteigerungen hat sich

ein ansprechender Festzeltbetrieb mit Blasmusik

eingebürgert.

Mitte der 1980er Jahre plante der Pferdezuchtverband,

die Veranstaltung in die

Weilheimer Hochlandhalle verlegen. Doch

da machten die Rottenbucher nicht mit. Aufgrund

des Protests gab der Verband nach.

Eindrücke vom Fohlenmarkt in Rottenbuch

Betteltanz in Raisting

Seit 180 Jahren findet in Raisting – lange vor

Onlinedating und Kuppelshows – am Kirchweihmontag

eine Veranstaltung statt, bei der

heftig geflirtet werden darf. In manchen Jahren

werden hier über hundert Paare zusammengebracht.

Beim Betteltanz können alle ledigen Männer

und Frauen aus der ganzen Welt teilnehmen.

Sie werden sich von „Ruatenbuam“ und „Ruatenmadeln“

zugelost. Der Brauch will es, dass den

Wein am Nachmittag und das Abendessen die

Dame bezahlt, Eintritt und Getränke an der Bar

der Herr. Veranstaltet wird das Flirtfest vom Raistinger

Burschenverein.

Leonhardiritt

Betteltanz 1962

Mancherorts ist es der 6. November, woanders der 24. Oktober oder der letzte

Sonntag im Oktober: Der heilige Leonhard wird im Landkreis von Ross und Reiter

geehrt. Die Tiere werden liebevoll geschmückt. Traditionelle Veranstaltungen

gibt es seit Jahrzehnten in Schongau, Rottenbuch, Pähl, Bauerbach, Forst, Wildsteig

und Peißenberg: Der Peißenberger

Leonhardiverein etwa bringt jedes

Jahr rund 250 Pferde und zahlreiche

Festwagen auf die Straße.

Bis zu 10.000 Besucher verfolgen

den Umzug. Im Pandemiejahr 2020

fielen alle Veranstaltungen aus,

2021 fanden sie nur vereinzelt statt,

da die Infektionsschutzmaßnahmen

die Vereine organisatorisch

überforderten.

Leonhardiritt in Peißenberg

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Maibaumaufstellen

Einen Maibaum stellt im Landkreis praktisch

jede Gemeinde auf, mal mit der Hand,

mal mit dem Kran. Ausführend ist meist der

Burschenverein, der Trachtenverein oder die

Landjugend. Ebenso wird – nach den festen

Regularien – gern von der Nachbargemeinde versucht, diesen zu stehlen, um eine

Auslöse in Form von Brotzeit und Bier zu ergattern: Mit diesen Geschichten ließen

sich Bände füllen! In den Maimonaten 2021 und 2022 musste wegen der Pandemie

praktisch auf alle Maibaumfeiern verzichtet werden. Manche Gemeinden stellten

daher den Maibaum verspätet in September 2021 auf. 2022 wurden im Landkreis

sage und schreibe 24 Bäume aufgestellt.

Die fünfte Jahreszeit

Maibaumaufstellen

in Bernried

Als Karneval, Fastnacht, Fasching oder fünfte Jahreszeit bezeichnet

man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der vierzigtägigen

Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Die Fastenzeit

beginnt mit dem Aschermittwoch und dient der Vorbereitung

auf das Osterfest.

Die Hochburgen des Faschings sind Hohenfurch, Schongau,

Schwabsoien, Peißenberg, Weil heim und Penzberg. Erstmals

in der Stadtgeschichte von Schon gau wurde das Treiben

1554 und in Penzberg 1886 erwähnt. So verschieden wie die

„Trachten der Garde“ sind, sind auch die Schlachtrufe in den

einzelnen Faschingsgesellschaften. So ruft man in Penzberg

„Lasst‘s ned aus!“, in WeilheimWeilheim, go, go, go“,

in Schongau „Lechau“ in Hohenfurch „Schönau“, in Schwabsoien

„Soien alaaf“ und in Peißenberg „Glück auf, Glück auf, Glück auf“.

Pfingstlümmeln

Eine Besonderheit wird in einigen westlichen Landkreisorten gepflegt:

Während in den meisten Gemeinden in der Freinacht – also

in der Nacht zum 1. Mai – Gerätschaften, die ungesichert

Gardetreffen in Peißenberg

herumstehen, „verzogen“ werden, findet der gleiche

Brauch in Altenstadt, Schwabniederhofen, Schwabbruck, Schwabsoien

und Bernbeuren in der Nacht zum Pfingstmontag statt. Die

„Beute“ wird am Kirchplatz als Beleg der Nachlässigkeit ausgestellt.

Immer wieder werden leider ungeschriebene Regeln überschritten:

etwa durch Eindringen in verschlossene Gärten, Aushängen

von Fensterläden oder Gartentüren. Die meisten tragen es mit Humor

und suchen am Pfingstmontag ihre Habe wieder zusammen.

Mailaufen

Ein Maibaum wird in Antdorf jedes dritte Jahr aufgestellt. Am auf

den 1. Mai folgenden Sonntag findet in diesem Zusammenhang

das Mailaufen statt. Bei diesem Mailaufen können sich die ledigen

Mädchen des Dorfes einen Burschen erlaufen. Beim Mailaufen

werden die Mädchen am gleichen Tag ab 12 Uhr von den sogenannten

„Zammtreibern“ in ihren Häusern abgeholt. Die Mädchen

werden an einem Sammelpunkt abgeliefert, von wo sie zur großen

Festwiese gebracht werden. Noch bevor die Mädchen eintreffen,

haben sich die Maiburschen auf eine lange Bank gesetzt, an

Die Mädchen beim „Erlaufen“ ihrer Burschen

deren Seiten Besen und Stalllaternen stehen, als Trostpreis für die Burschen, die kein

Mädchen bekommen. Für die Mädchen sind die Burschen nicht voneinander zu unterscheiden,

da alle Burschen die gleiche Tracht tragen. Wenn sich nach dem Lauf

die Paare gefunden haben, wird vor den Gästen getanzt, bis man von der Musik

begleitet ins Schützenhaus zieht.

Trachtenvereine in Zahlen

Im Altlandkreis Weilheim 1972: 26 Vereine mit 3501 Mitgliedern

Im Altlandkreis Schongau 1972: 17 Vereine mit 2342 Mitgliedern (Bei der

Landkreisreform wanderten sieben Vereine zum Landkreis Garmisch-Partenkirchen

und drei Vereine zum Landkreis Landsberg am Lech mit 1635 Mitgliedern.)

2022 im Landkreis Weilheim-Schongau: 32 Vereine mit 7342 Mitgliedern –

also etwa 1500 Trachtler mehr als vor der Gebietsreform.

Prinzenpaar des Penzberger Fasching e.V.

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Unser Landkreis steht für Moderne und Tradition, ebenso

für Geschichte, Glaube, Kultur, Freizeitwert und Naturerlebnis.

Hier fühle ich mich wohl.“

Kornelia Funke, Stadträtin und Bibliothekarin, Schongau

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„Ich lebe und arbeite gerne hier, weil wir in diesem

Landkreis viele Landwirte haben, die für uns gutes

Getreide anbauen und wir damit hochwertiges,

regionales Mehl produzieren können.“

Martin Sonner, Müller und Tubaspieler, Sindelsdorf

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Gesundheit

»Schutzimpfungen früher und heute

Schluckimpfung gegen Polio

Eingang Krankenhaus Schongau

Bis in die 1970er Jahre war Polio im Kindesalter eine große Bedrohung: Teils

trugen die Betroffenen lebenslange Schäden davon, teils verlief die Krankheit

tödlich. Auch im Landkreis wurde die Schluckimpfung verpflichtend bei

Kindern durchgeführt: So gelang es, Polio in Deutschland auszurotten. 1990

wurde der letzte Fall von Kinderlähmung in Deutschland registriert.

Seit Beginn hat die Corona-Pandemie im Landkreis über 150 Todesopfer gefordert.

Durch die Einrichtung eines Impfzentrums in Peißenberg schuf der

Landkreis ein Angebot, sich unkompliziert und kostenfrei impfen zu lassen.

Tuberkulosefürsorge durch Gesundheitsamt

Von 1972 bis zur Eingliederung der staatlichen Gesundheitsämter in das Landratsamt

Weilheim standen in den Dienststellen Schongau und Weilheim Röntgenanlagen

für die Tuberkulosefürsorge bereit. Wegen noch relativ hoher Tuberkuloseverbreitung

nach 1945 fanden Röntgenreihenuntersuchungen mit mobilen

Schirmbildwägen statt.

Bestimmte Berufsgruppen, wie etwa Wirte, mussten damals ein Gesundheitszeugnis

vorlegen. Die Untersuchung fand in den Gesundheitsämtern statt. Ähnliches

galt lange Jahre für Lehrer.

Krankenhaus Schongau

1974 wurde in dem Haus ein neues Mitarbeiterwohnheim auf dem Klinikgelände

geschaffen. Das Haus 4 ist bis heute in Betrieb und beherbergt im

Erdgeschoss ein Schlaflabor und eine Dialysepraxis. Mitte der 1970er Jahre

kam die Belegabteilung Urologie hinzu. Anfang der 1980er Jahre verließen

die letzten Ordensschwestern die Klinik Schongau. 1986 kam ein neuer Funktionsbau

dazu, als Herzstück mit drei neuen OP-Sälen. Mehr Komfort brachte

1992 der Neubau eines Bettenhauses. 1998 nahm die Klinik für Geriatrische

Rehabilitation ihre Arbeit auf. 2012 entstand eine neue Entbindungsabteilung,

in der heute im Landkreis die Geburtshilfe konzentriert ist. Ende 2014

wurde ein neues Bettenhaus für 72 Patienten in Betrieb genommen. Seit 2015 ist

eine Tagesklinik für Schmerztherapie angegliedert.

Krankenhaus

Peißenberg

Das Krankenhaus Peißenberg ist seit

1996 Teil der Krankenhaus GmbH. Im

Laufe der Jahrzehnte wurden zahlreiche

Modernisierungsmaßnahmen

in Angriff genommen. Hinzu kamen

Außenbereich Krankenhaus Peißenberg

die Kurzzeitpflege, die seit dem Jahreswechsel

2011 / 2012 von der Caritas betrieben wird und die im Erdgeschoss befindliche

psychiatrische Tagesklinik. Diese Einrichtung wird seit 2010 von den kbo

Lech-Mangfall Kliniken betrieben.

Krankenhaus Weilheim

Seit dem 1. Januar 1986 gehört das ehemals städtische Haus zum Landkreis und

seit 1995 zur Krankenhaus GmbH. Ein Schwerpunkt der Klinik ist heute die kardiologische

Versorgung. Das Herzkatheterlabor ist rund um die Uhr einsatzbereit, um

insbesondere für Patienten mit einem akuten Herzinfarkt die Notfallbehandlung

durch kathetergestützte Wiedereröffnung verschlossener Herzkranzarterie mit

anschließender Ballondilatation und Stentimplantation gewährleisten zu können.

Eine Schlaganfalleinheit wird in Kooperation mit dem MRI Technische Universität

München betrieben. Die demografische Entwicklung in der Gesellschaft und im

Landkreis führte zur Einführung

der Akutgeriatrie.

Ansicht des

Krankenhaus

Weilheim

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 26


Krankenhaus Penzberg

Das Penzberger Haus war wie das Krankenhaus

Peißenberg zuerst im Besitz der

Knappschaft. Später wurde Penzberg

städtisch, kam 1995 zur Krankenhaus

GmbH und wurde 2011 an den Nachbarlandkreis

Starnberg veräußert. Das

Krankenhaus Penzberg von oben

Klinikum Penzberg ist heute ein kommunales

Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit hundert Planbetten

und versorgt jährlich rund 4000 Patienten (Stand 2020). Geführt werden die Medizinische

Klinik, die Chirurgische Klinik mit Allgemein- und Unfallchirurgie, die Plastische

Chirurgie / Handchirurgie und Anästhesie sowie die Gynäkologie als Hauptund

Belegabteilung und die Belegabteilung HNO. Zudem verfügt das Klinikum

Penzberg über eine 24-Stunden-Notfallversorgung.

Moderne OP-Robotik

Modernste Medizintechnik kommt heute am Standort Weilheim zum Einsatz. Als

erstes Krankenhaus Oberbayerns wurde die Mako-Technologie etabliert, die bei

der hochpräzisen Implantation von Knie- und Hüftprothesen wertvoll unterstützt.

Mehr als 600 Knieprothesen wurden seither eingesetzt mit hervorragenden Ergebnissen.

Aufgrund dieser Erfahrungen wurde 2020 die robotik-assistierte Chirurgie

mit dem System da Vinci Xi in das Fachgebiet der Allgemein- und Viszeralchirurgie

erweitert. Die Robotik in der Chirurgie macht die Versorgung der Patienten noch

sicherer und präziser.

Die Kooperation mit der LMU

Seit 2021 besteht eine intensive Kooperation mit dem Klinikum Rechts der Isar

(LMU). Unter dem Stichwort „Hochschulmedizin geht auf´s Land“ wird die Kooperation

in verschiedenen Bereichen praktiziert. Dazu gehört unter anderem die Schlaganfallversorgung:

High-Tech-Medizin wird unmittelbar vor Ort verfügbar gemacht.

Der Patient wird nicht mehr automatisch über

weite Strecken transportiert. Stattdessen wird

vor Ort umgehend per Video mit dem Münchner

Spezialisten kommuniziert. Nach der

Akutanamnese erfolgen gezielte Therapieanweisungen,

die Münchner Kollegen kommen

im Bedarf mit entsprechendem Equipment

schnellstmöglich ins Krankenhaus. Die Krankenhäuser

Weilheim und Schongau sind beide

Akutanamnese direkt vor Ort Lehrkrankenhäuser der TUM.

Weaningzentrum Schongau

Der Mensch kann tatsächlich das Atmen „verlernen“. So etwa Patienten, die über

einen längeren Zeitraum künstlich beatmet wurden – wie bei einem schweren Corona-Verlauf.

Dann muss der Körper von der Beatmungsmaschine entwöhnt werden,

durch „Weaning“. Seit 2021 verfügt das Schongauer Krankenhaus über ein Weaningzentrum,

in dem Patienten bei ihrem Weg zurück zur selbstständigen Atmung

unterstützt werden. In der Schongauer Einrichtung arbeiten gemeinsam Intensivmediziner,

Intensivpflegekräfte, als auch Lungenfachärzte, Physiotherapeuten und

Sprecherzieher. Zudem werden die Patienten in der Entwöhnungsphase

auch psychisch stabilisiert, um posttraumatische

Belastungsstörung zu vermeiden.

Selbsthilfebüro des Gesundheitsamts

Das Selbsthilfebüro des Gesundheitsamts besteht seit 1998.

Seither bietet dieses ein wichtiges Unterstützungsangebot für

Betroffene, bietet den Selbsthilfeaktiven laufende Beratung,

Fortbildungen, Starthilfe bei Neugründungen, Hilfe bei Öffentlichkeitsarbeit

und Aktionen, vernetzt die Gruppen und vertritt

ie im Sozialbeirat des Landkreises.

Ärztlicher Kreisverband in Zahlen

Entwicklung der Mitgliederzahl des Ärztlichen Kreisverbandes Weilheim-Schongau seit 2007

900

800

700

600

500

400

300

200

100

0

Mitglieder

gesamt:

davon m:

davon w:

„Die Krankenhäuser hatten vor der Gebietsreform

alle ein ähnliches Angebot. Die Zusammenlegung

der Landkreise bewirkte eine

zunehmend bessere Koordination und Kooperation.“

Dr. Wilhelm Fischer

ehemals Chefarzt in Peißenberg und Schongau, und

Ärztlicher Direktor in Schongau

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2019 2020 2022

606 608 620 632 637 645 637 668 699 719 744 751 769 796 812 845

389 396 392 397 393 394 393 395 404 413 433 437 447 448 449 471

217 212 228 235 244 251 244 273 295 306 311 314 322 348 363 374

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Mir gefällt es hier, weil ich in zwei Minuten auf den

schönsten Radwegen der Welt bin, die die Natur uns

bieten kann. Zwischen Bergen, Wiesen und Seen –

für Radfreunde ein wahres Paradies.“

Florian Ohnesorg, Fahrradmechaniker-Europameister und Sportschütze, Ingenried

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„Seit über 30 Jahren ist mir der Landkreis zur Heimat geworden.

Menschen, Landschaft, Stadt, Land und Tradition dieser Region

schätze ich sehr. Mit meiner Buchhandlung kann ich meinen

Beitrag zum kulturellen Leben leisten.“

Susanne Barnsteiner-Bosch, Buchhändlerin und Yoga-Fan, Weilheim

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

» Kultur

Sechs Sehenswürdigkeiten in Zahlen

Weltkulturerbe: Die Wieskirche

Das Radom Raisting

Auerberg-Kirche in Bern beuren

Kloster und Kirche in Polling

1 - Die Wieskirche:

Erbaut 1754 im Rokokostil durch Dominikus Zimmermann, seit 1983 Weltkulturerbe.

Länge des Kirchenschiffs 29,27 Meter, Höhe des Turms 36 Meter.

Eine Million Besucher pro Jahr. Geplante Kosten: 30.000 Gulden (entspricht

heute 640.000 Euro), tatsächliche Kosten waren 180.000 Gulden (entspricht

3,8 Millionen Euro) – heute ein Schnäppchen!

2 - Das Radom Raisting:

Die Antenne der Erdefunkstelle ist 32 Meter hoch und 280 Tonnen schwer:

Das entspricht 50 schweren LKWs. Der Durchmesser der Kuppel beträgt 48

Meter. 1972 wurden über das Radom die Olympischen Spiele übertragen,

2021 erhielt sie eine 5300 Quadratmeter große neue Traglufthülle in einer

spektakulären Kranaktion.

3 - Der Auerberg:

1055 Meter hohe Erhebung am südwestlichen Rand des Landkreises, bereits

um 2500 v. Chr. besiedelt. Auf dem markanten Aussichtspunkt befand sich die

wohl älteste großflächige Siedlung in Bayern. Die Kirche St. Georg wurde 2019

aufwändig restauriert. Am Auerberg finden seit 2003 der „MTB-Auerberg-

Marathon“ mit 44 bzw. 67 Kilometern und seit 2017 wieder das historische

Motoradrennen „Auerberg Classic“ statt.

4 - Pfaffenwinkel-Klöster:

Die fünf Klöster Polling, Wessobrunn, Steingaden, Rottenbuch und Bernried

begründen den Namen des Pfaffenwinkels. Seit 750 hat sich die Region zwischen

Lech und Loisach zu einem einzigartigen Zentrum geistlicher Kultur entwickelt,

welche Ökonomie und Bildung der Gegend maßgeblich beeinflusste.

5 - Der Hohe Peißenberg:

988 Meter hoch, stellt der Berg die ungefähre Mitte

des Landkreises dar. Der „Bayerische Rigi“ entstand

vor 10 bis 15 Millionen Jahren aus Schuttströmen.

Dort steht neben der Wallfahrtskirche der 160

Meter hohe Fernsehturm. Seit dem 1. Januar 1781

wird dort in der ältesten Bergwetterstation der Welt

das Wetter beobachtet und aufgezeichnet.

6 - Litzauer Schleife:

Eine über 188 Hektar große Fluss- und Seenlandschaft

im Südwesten bei Burggen. Der Abschnitt

des Lechs wurde 1986 unter Naturschutz gestellt.

Hier macht der Lech drei mäandrierende Schleifen.

Während andernorts über 30 Kraftwerke die 165

Kilometer den Lech in Bayern formen, wird in der

Litzauer Schleife der Lech und die Flusslandschaft

geschützt.

Museen und Sammlungen

Das Stadtmuseum Weilheim bietet neben Dauerausstellungen

zur Stadtgeschichte, zum

lokalen Kunsthandwerk, sakralen Kunst

(„Weilheimer Schule“) und archäologischen

Funden in der Gegend

wechselnde Ausstellungen zu aktuellen

Themen. Das Stadtmuseum

Schongau ist in der eindrucksvollen

Spitalkirche St. Erasmus untergebracht.

Dort sind zahlreiche Ausstel-

Hoher Peißenberg

Die Litzauer Schleife des Lechs

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 32

Das Stadtmuseum in Weilheim


lungsstücke zur Vor- und Frühgeschichte

des Schongauer Landes, zur sakralen

Kunst und Volksfrömmigkeit, zur Stadtgeschichte

und der Schongauer Münzschatzfund

zu sehen. Ein Kuriosum:

1971 verschwand bei einem Raub das

Schongauer Henkersschwert, nach 50

Jahren tauchte es 2021 wieder auf.

Unter den zahlreichen monothematischen

Museen im Landkreis ist sicherlich

das Bergwerksmuseum in Peißenberg

erwähnenswert, in dem Besucher

im 670 Meter langen Stollen eine simulierte

Explosion erleben dürfen.

Im Bereich Moderne Kunst haben sich

im Westen zwei schon äußerlich imposante

Häuser angesiedelt: Das Museum

Penzberg, mit seiner lebendigen dunklen

Klinkerfassade eine auffällige Erscheinung,

beherbergt die größte Sammlung

von Werken Heinrich Campendonks

weltweit. Und das Buchheim Museum

in Bernried, das dem Autor und Sammler

Günther Buchheim („Das Boot“) zu verdanken

ist: Es wurde 1999 eröffnet.

Literatur und Bühne

Buchheim Museum in Bernried

Bergbaumuseum in Peißenberg

Stadtmuseum in Schongau

Mit dem historischen Roman „Die Henkerstochter“ traf der Journalist

Oliver Pötzsch 2008 den Geschmack des Publikums – sieben erfolgreiche

Fortsetzungen folgten. Pötzsch ist verwandt mit der Familie

Kuisl, einer Henkerdynastie, die in Schongau vom 16. bis ins 19. Jahrhundert

als Scharfrichters agierte. Seit 2016 bringt der Theaterverein

„Treibhaus“ in Schongau das Stück auf die Freilichtbühne,

was – mit Ausnahme der Pandemiejahre – tausende

von Zuschauern anlockt. Zuvor hatte

„Die Hexe von Schongau“ viele Jahre

auf der Freilichtbühne das Publikum

begeistert.Schongauer

Wurzeln

haben auch der Schriftsteller

Franz Dobler und der Kabarettist

Helmut Schleich, der als

Stammdarsteller beim Nockherberg-Singspiel

und diversen Kabarettprogrammen nicht wegzudenken

ist. Seine Paraderolle: ausgerechnet

der allererste Landrat von Schongau, Franz

Josef Strauß.

Im östlichen Landkreis gibt es für Theaterfreunde

das Stadttheater Weilheim, in Penzberg

sorgt das Oberlandler Volkstheater mit

originellen Stücken in Laienbesetzung für Begeisterung.

Daneben gibt es im Landkreis zahlreiche

Gemeinden mit Theatervereinen.

Popkultur und Moderne

1992 war der Name Weilheim in der Popwelt in aller Munde: Die Weilheimer

Band „The Notwist“ erzielte mit ihrer Mischung aus Rock, Punk und Metal internationale

Anerkennung. Auch das jüngste „Notwist“-Album „Vertigo

Days“ (2021) erntete viel Lob.

Ebenso stammen drei weltbekannte Jazzer aus dem Landkreis: der

Saxophonist Johannes Enders, der Pianist Max Arsava und der tarrist Julian Pajzs.

Gi-

Aus Schongau wiederum stammt eine echte Legende: Günther

Sigl, Sänger und Leader der „Spider Murphy Gang“, 1947 geboren

und aufgewachsen in der Lechstadt.

Die Säulenhalle

„Die Henkerstochter“ auf der Freilichtbühne

121 Säulen, jede 3,90 Meter hoch, jede von einem anderen

Künstler gestaltet: die STOA169. 2017 verwirklichte der Künstler

Bernd Zimmer diese dauerhafte Installation auf der grünen

Die „Spider Murphy Gang“

Wiese beim Klosterdorf Polling. Nicht jeder im Ort ist glücklich in den 80er Jahren

über die Kunstsäulenhalle: Einige beklagen die Flut der Besucher

und ihre Hinterlassenschaften. Fest steht jedoch: Mit der STOA169 entstand

eine dynamische Plattform für moderne Kunst, die nicht nur einzigartig

im Landkreis, sondern vermutlich auf der ganzen Welt ist.

Die Säulen der

STOA 169 sind sehr

vielfältig gestaltet

Szene aus „Die Henkerstochter“

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


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„Den Landkreis zeichnen für mich Menschen aus, die sich engagieren:

für Klima- und Umweltschutz, für Brauchtum und Tierschutz – und

natürlich für andere Menschen, die Unterstützung bedürfen. Dieses

Engagement macht unseren Landkreis zu einem lebenswerteren Ort.“

Susanne Seeling, Migrationsberaterin und Energiegenossin, Peißenberg

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„Ich mag den Landkreis, weil ich mich nach meinen Dienstjahren

als katholischer Pfarrer und Dekan hier zu Hause fühle und für

mich die vielfältigen Kontakte zu Menschen in den verschiedensten

Gemeinschaften und Einrichtungen sehr wertvoll sind.“

Georg Fetsch, katholischer Pfarrer und Katzenfreund, Peißenberg

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50 Jahre.

Ein Landkreis.

50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Landwirtschaft

»

Landwirtschaft

im

Überblick

Knapp 1.700 landwirtschaftliche Betriebe

pflegen und erhalten die Kulturlandschaft

im Pfaffenwinkel. 90

Prozent der 48.250 Hektar landwirtschaftlicher

Nutzfläche im Landkreis

werden als Dauergrünland zur Futtererzeugung

für etwa 74.000 Rinder –

Kühe auf einer Weide in Schwabbruck

davon 35.000 Milchkühe – genutzt. Nur zehn Prozent der gesamten Nutzfläche bewirtschaftet

man als Ackerland mit Getreide, Silomais und Kleegras für die Rinderfütterung

und zur Biogasproduktion. Rund 18 Prozent der Landwirte im Landkreis

arbeiten heute nach den Kriterien des Ökologischen Landbaus.

Milch in Zahlen

Im Jahr 1972 waren im Landkreis Weilheim-Schongau 1321 Milchkuhhalter

der Milchleistungsprüfung angeschlossen. Auf diesen Betrieben

standen 26.358 Milchkühe, die durchschnittliche Milchmenge pro Jahr

lag bei 4471 Kilogramm Milch pro Kuh.

2022 erzeugen 585 Betriebe mit 27.891 Milchkühen eine durchschnittliche

Milchleistung von 7582 kg Milch pro Kuh.

Ferien auf dem Bauernhof

Das Thema Ferien auf dem Bauernhof begann im Landkreis in den 1950er Jahren,

und stellte für viele Landwirte ein wichtiges Zubrot dar. Gleichzeitig forderte es

von den Familien auch Verzicht: Nicht selten mussten die Bauernkinder noch in

den 1970er Jahren ihre Zimmer den Gästen überlassen.

Sie schliefen dann die Sommermonate oft

auf dem Dachboden. Anfang der 1970er kostete

ein „Fremdenzimmer“ sieben bis acht DM pro Person

und Nacht: Frühstück inbegriffen, Dusche und

WC waren am Gang. Das Frühstück nahmen die

Gäste meist im Wohnzimmer oder in der Küche

ein. Für die Bäuerin oft eine schwierige Situation:

Die Gäste waren in Urlaubslaune und wünschten

Unterhaltung – sie aber musste kochen, in den Stall

gehen oder die Zimmer reinigen. In den 1990er

Jahren gingen die meisten Anbieter dazu über, Ferienwohnungen

anzubieten. Dies war neben der

Landwirtschaft leichter handzuhaben. Hier gehen

inzwischen die Preise für eine Ferienwohnung im

Pfaffenwinkel pro Nacht bei rund 90 Euro los. Der

erste Katalog „Urlaub auf dem Bauernhof im Pfaffenwinkel“

erschien 1972, seit 1991 sind die Anbieter

im Landesverband Bauernhof- und Landurlaub

Bayern organisiert.

Frauen in der Landwirtschaft

Tiere waren immer eine

Attraktion für die Gäste

Auch mitarbeiten konnte man

als Gast – auf Hof und Feld

Die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft: Für deren Anerkennung kämpften die

Landfrauen im Landkreis mit großem Einsatz. So schafften es die Landwirtschaftsmeisterin

Christa Off aus Sindelsdorf und Jungbäuerin Aloisia Knappich aus Hohenpeißenberg

1987 sogar in einen Bericht des deutschsprachigen „Argentinischen

Tageblatts“. Sie berichteten darin

über ihre Aufgaben: Kinderbetreuung,

Haushalt, Stall- und Feldarbeit

sowie abends Buchführung waren

zu erledigen. 13 Stunden-Tage waren

Landfrauentag 1977

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 38


an der Tagesordnung, im Gegensatz zu anderen berufstätigen Müttern bekamen

die Landwirtinnen bis 1987 kein Erziehungsgeld. Dann führte der Bundeslandwirtschaftsminister

zusätzlich die „Bäuerinnenrente“ ein, bei der Landwirtinnen durch

Nachzahlung einen Rentenanspruch erwarben. Anfangs waren dies 25 Mark pro

Kind. Bis heute spielen Frauen in der Landwirtschaft eine unverzichtbare Rolle.

Strukturwandel in Zahlen

Entwicklung der Landwirtschaft (Vergleich 1972 / 2019)

Durchschnittsbetrieb 1972 2019

Landwirtschaftliche Fläche 15,72 ha 28,9 ha

Anzahl der Betriebe 2272 585

Rinder pro Halter 28,4 59,6

Rinder gesamt 64.524 34.866

Milchleistung pro Kuh 4319 l 7582 l

Viehpreise damals und heute (Vergleich 1972 / heute)

Viehart 1972 2021

Bullen 2550 DM 1973 Euro

Kühe 1944 DM 1255 Euro

Jungrinder 1236 DM 686 Euro

Kuhkälber 457 DM 301 Euro

Stierkälber 482 DM 423 Euro

Mode im Stall

Frauen leisten in der Landwirtschaft zum Teil Männerarbeit – sind jedoch immer

noch weiblich. Dies bewiesen 30 Landwirtinnen aus dem Pfaffenwinkel im Jahr

2000 auf dem Zentrallandwirtschaftsfest in München. Bei einer Modenschau demonstrierten

sie, was Bäuerinnen

über die Jahrzehnte bei der Arbeit, am

Festtag und in der Freizeit trugen. In

gestreiften Stallkleidern mit Kopftuch,

Schürze und handgemachten Holzschuhen;

in originaler Tracht mit Sonntagsmieder,

jedoch auch in Schlaghose

mit Plateauschuhen wandelten

die Landfrauen auf dem Laufsteg und

begeisterten damit das Münchner Publikum.

Damals übliches Stallgewand

Die BSE-Krise im Landkreis

Als im November 2000 der „Rinderwahnsinn“ nach Deutschland

schwappte, war unter den ersten fünf an BSE erkrankten

Tieren eine Kuh aus Rottenbuch, bayernweit war sie das

zweite Tier. Das sechs Jahre alte Rind stammte aus einem Stall

mit 35 Tieren und musste getötet werden. Anfangs wurden

noch einzelne kranke Tiere selektiert – doch schon im März

2001 wurden im Verdachtsfall ganze Ställe geräumt: Die

Tiere wurden getötet, zu Tiermehl verarbeitet und dann verbrannt.

Selbst neugeborene Kälber blieben nicht verschont:

Für die Landwirte im Landkreis bedeutete die BSE-Seuche

eine Katastrophe: ökonomisch wie emotional, auch wenn

die gekeulten Tiere durch die Tierseuchenkasse ersetzt wurden.

Innerhalb von drei bis vier Jahren wurden alle Bestände

ausgetauscht. Manche Betriebe stellten als Reaktion auf Bio

um, jedoch gaben auch viele die Landwirtschaft zumindest

als Haupterwerb auf.

Melkroboter als Zukunft

Der erste Melkroboter wurde im Landkreis am 20. März 2001

eingerichtet. Michael Kocher aus Polling entschied sich für

seinen Demeterbetrieb mit etwa 60 Kühen dafür. Sein Beweggrund:

mehr Flexibilität und weniger körperliche Belastung.

Allein die Zeit für Melken betrug rund 28 Stunden pro

Woche, in der Erntezeit kaum zu schaffen.

Es dauerte einige Tage, bis das Gerät installiert war: „Die Monteure hatten noch nie

einen Melk roboter eingebaut.“ Andere Landwirte belächelten ihn für die Innovation.

„Aber die haben heute entweder selbst einen Melkroboter oder den Betrieb

aufgegeben.“ Die Überwachung funktionierte noch per Telefonleitung, heute per

Handy. Probleme bereiteten englischsprachige Fehlermeldungen –

Kocher behalf sich mit dem Wörterbuch. Die ersten Kühe hatten

sich nach wenigen Tagen daran gewöhnt, dass sie freiwillig

zum Melken gingen und nicht mehr zu festen Uhrzeiten,

die letzten Kühe hatten es nach einem Monat gelernt. Die

Anschaffung war teuer und finanzielle Förderung gab es

für Kocher damals nicht. „Aber ohne den Roboter müsste

ich das Vieh weggeben“, sagt Kocher. Heute wird bei

rund 60 Prozent von neu errichteten Milchbetrieben

ein Melkroboter installiert – im Landkreis sind 162 in

Betrieb, die Anschaffung beträgt etwa 150.000 Euro.

„Ab der Gebietsreform kamen Leute aus allen

Richtungen des neuen Landkreises Weilheim-

Schongau zusammen. Und die musste man

erst zusammenbringen. Wenn wir dann einen

Ausflug mit den Landfrauen oder mit dem

Bauernverband machten, fuhren wir immer

mit zwei Bussen: im einen die Schongauer,

im anderen die Weilheimer. Spätestens beim

Essen lautete die Devise: Alle an einen Tisch!

Und plötzlich verstanden sich alle wunderbar.

Es entstanden über die Jahre viele und wertvolle

Freund schaften über die alten Grenzen

hinweg. Wir haben alle profitiert von der Einigung

des Landkreises.“

Christa Off

ehemalige Kreisbäuerin

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


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„Der Landkreis ist meine Heimat seit 66 Jahren. Weil ich

hier was bewirken kann, fühle ich mich hier „dahoam“.

Die Voralpenlandschaft, die Natur und die Menschen hier

sind wie ich: einfach, ehrlich, und dankbar für das Leben.“

Brigitte Piechula, Nachbarschaftshelferin und Schafkopfspielerin, Antdorf

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„Ich lebe gerne im Landkreis Weilheim-Schongau,

weil diese meine Heimat mit ihren Gewässern

und Bergen es mir ermöglicht, meine sportliche

Leidenschaft und meine Berufung zu leben.“

André Wacker, SUP-Lehrer und Mülleinsammler, Penzberg

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Natur und Umwelt

50 Jahre.

Ein Landkreis.

»Die Klimaentwicklung

Im Meteorologischen Observatorium auf dem

Hohen Peißenberg, in der geographischen Mitte

des Landkreises, wird seit 1781 das Wetter

beobachtet. Bei der Temperatur werden seit

den 1970er Jahren steigende Durchschnittstemperaturen

verzeichnet: Die wärmsten

Jahre stellten 2018 und 2020 mit einem Jahresmittel

von 9 Grad Celsius (langjähriges Mittel:

6,3 Grad) dar. Sinkend dagegen sind Tage mit

Schneebedeckung (1970 über 130, 2020 unter

90 Tagen). Leider nehmen Extremwetterereignisse

im Landkreis zu, die durch Hagel, Stürme

Diagramme des Observatoriums

und Hochwasser große Schäden anrichten:

darunter das Hagelunwetter im Juli 1984, das Pfingsthochwasser 1999, die Hochwasserereignisse

im Mai / Juni 2016, der Schneesturm im Januar 2019, ebenso die

Stürme „Vivian“ und „Wiebke“ (Februar 1990), „Lothar“ (Weihnachten 1999), „Kyrill“

(Januar 2007) und „Friederike“ (Januar 2018). Allein die Versicherungssummen in Milliardenhöhe

liefern ein eindeutiges Bild, dass beim Klimaschutz dringender Handlungsbedarf

besteht.

Gewässer im Landkreis

Gesamtlänge: 1954 km, davon 1409 km natürlich, 548 km künstlich angelegt

Flüsse: Lech (35,2 km), Ammer (52 km) und Loisach (18 km)

Bäche u.a.: Wielenbach (15 km), Illach (29 km), Schönach (14 km), Eyach (14

km), Tiefenbach (9 km), Burgleitenbach (7,5 km) und Sindelsbach (12 km)

Die Gewässer

Der Landkreis Weilheim-Schongau mit seiner

Gesamtgröße von rund 966 Quadratkilometern

weist große Grundwasservorkommen

und eine Vielzahl von Bächen, Flüssen, Weihern

und Seen auf. Die Osterseen im östlichen

Landkreis entstanden in der letzten Eiszeit und

sind ein bedeutender Lebensraum für seltene

Arten. Zudem existieren zahlreiche historisch

entstandene Klosterweiher, einst zur Fischzucht

angelegt, die von Privatleuten oder Gemeinden

erhalten werden.

Hochwasserschutz

In den vergangenen Jahrzehnten wurde im Landkreis intensiv in den Hochwasserschutz

investiert. Dazu zählen der Gewässerausbau an der Ammer in Weilheim

in den 1980er Jahren und die Verbesserung der Wehre 1999; die Errichtung eines

Schöpfwehrs in Maxkron und der Hochwasserschutz in Penzberg Ende der 1990er;

der Hochwasserschutz in Bernried, Steingaden, und Bernbeuren mit Einbindung

des Haslacher Sees als Hochwasserrückhaltebecken; der Hochwasserschutz in

Burggen und Wielenbach mit Errichtung eines Hochwasserrückhaltebeckens; der

Hochwasserschutz Angerbach zum Schutz von Eberfing und Weilheim sowie am

Wörtersbach für Peißenberg-Süd (im Bau). Gleichzeitig wurden zahlreiche Überschwemmungsgebiete

als Vorbeugung ausgewiesen und im Katastrophenschutz

zahlreiche Verbesserungen eingeführt.

Naturschutzgebiete

Ammerdurchbruch bei Saulgrub

Durch ihre morphologische Vielfalt und reiche Ausstattung mit ökologisch wertvollen

Gebieten gehört die Region Oberland zu den wertvollsten Europas. Etwa 18

Prozent der bayerischen Hochmoore sind im Landkreis anzutreffen. Insgesamt weist

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 46


Einzelprojekte

im Naturschutz

Naturschutzgebiet Osterseen

dieser 21 Naturschutzgebiete, 18 Landschaftsschutzgebiete, 22 geschützte Landschaftsbestandteile

und 87 Naturdenkmäler auf. Unter den Feuchtgebieten sind

mit 71 Prozent die häufigsten Biotoptypen Hoch- und Niedermoore, Streuwiesen

und Nasswiesen. Mit jeweils elf Prozent aller Biotoptypen stellen Gewässerbiotope

und Wälder ebenfalls einen hohen Anteil, während Mager- und Trockenstandorte

sowie Feldgehölze, Hecken und Gebüsche nur einen geringen Anteil aufweisen.

Auf Grundlage der europäischen Naturschutzrichtlinien

– der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

und der Vogelschutzrichtlinie

– wurden im Landkreis

17,9 Prozent der Landkreisfläche als so

genannte „Natura-2000-Gebiete“ ausgewiesen.

Aufgrund der Klimakrise haben

gerade die Moore als Co2-Speicher

einen neue Bedeutung erlangt: Während

man früher durch Trockenlegung

versuchte, die Feuchtgebiete agrarisch

bzw. mit Torfabbau zu nutzen, setzt

man heute auf Wiedervernässung.

Gleichzeitig dienen die Moore als

Wasserretentionsfläche bei Starkregen

oder Dürre – und als Rückzugsraum für

bedrohte Tiere und Pflanzen.

Wasserbau bei Peißenberg

Naturschutz sorgt für Artenvielfalt

Schleierfälle in der Ammerschlucht

Biotope sind ökologisch wertvolle

Gebiete

Als Partner engagieren sich zahlreiche

Land- und Forstwirte im Bayerischen

Vertragsnaturschutzprogramm zum Erhalt

einer traditionell geprägten Natur- und Kulturlandschaft:

Aktuell nehmen 740 Betriebe

im Landkreis mit 2850 Feldstücken teil.

Der Freistaat ermöglicht dies mit

einem jährlichen Fördervolumen von 1,79

Millionen Euro. Der Landkreis engagiert sich

zudem bei überregionalen Projekten des

Natur- und Artenschutzes. Dazu gehören

das Projekt „Lebensraum Lechtal“ zum Erhalt

einer artenreichen Flusslandschaft sowie das

Projekt „Apfel-Birne-Berge“, bei dem alte bewährte

Obstsorten wieder neue Verbreitung

erhalten. Beim Projekt „Biene, Hummel & Co.“

leistet der Landkreis einen aktiven Beitrag für

Insektenschutz und -vielfalt.

Förderung der

Gartenkultur im Landkreis

Noch vor 50 Jahren gab es Rodungsprämien:

Viele Obstbäume, die mit großem Engagement

in der 1920 bis 1940er Jahren gepflanzt

wurden, verschwanden. Beratung und Aktionen

zum Obstanbau stehen heute wieder

im Fokus des Bayerischen Streuobstpakts. Seit

fast 25 Jahren freuen sich viele Garteninteressierte

auf den „Tag der offenen Gartentür“

im Juni. Hier gibt es viele Anregungen zur

Gartengestaltung. Die Unterstützung des 118

Jahre alten Kreisverbands für Gartenkultur

und Landespflege mit vierzig angeschlossenen

Vereine und heute 7500 Mitgliedern

(1978: 2130 Mitglieder) ist eine der Aufgaben

der beim Landkreis angestellten Kreisfachberatung

für Gartenkultur und Landespflege.

Eisvogel an der Ammer

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


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„Für mich ist der Landkreis Weilheim-Schongau

meine Heimat, weil ich hier Familie, Beruf und

Hobby ‚spielend‘ unter einen Hut bringen kann.“

Catrin Bocksberger, Talentscout und Laienschauspielerin, Penzberg

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„Der Landkreis ist für mich Heimat, weil ich die Natur

und das Leben auf dem Land liebe und mir das aktive

Dorfleben Wurzeln gibt.“

Tobias Guffler, Sanitärmeister bei Herzogsägmühle und Feuerwehrler, Birkland

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50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Soziales

Förderung ist auch

ambulant möglich

»Pflegeeinrichtungen im Landkreis

Durch den gestiegenen Bedarf entstehen seit den 1970ern im Landkreis zahlreiche

Heime. Der Landkreis verfügt heute über 13 stationäre Senioren- und Pflegeeinrichtungen,

in denen insgesamt 759 Bewohner und Bewohnerinnen betreut werden.

Ambulante Versorgung

Schon früh stand das Ziel im Fokus, Pflegebe dürftige dort zu unterstützen, wo sie

leben wollen: zu Hause. Daher wurde 1974 die Ökumenische Sozialstation gegründet

als Ergänzung zum Seniorenheim in Peißenberg und Umgebung. Bis dato gab

es keine entsprechende Einrichtung. Lediglich in Penzberg und Bernried versorgten

Ordensschwestern als „Gemeindeschwestern“ die Menschen zu Hause. Zu Beginn

waren drei hauptamtliche, sechs nebenamtliche und vier ehrenamtliche Mitarbeiter

tätig. 1989 gab es bereits hundert Hauptamtliche, 110 Nebenamtliche, 60 Ehrenamtliche

und 46 Zivildienstleistende für 3000 „Kunden“. Aktuell werden 2504 Personen

von 329 Mitarbeitern versorgt. Heute sind im Landkreis Weilheim-Schongau 15 ambulante

Pflegedienste aktiv.

1965 Bau des Marie-Eberth-Heims in Schongau

1971 Bau des Schöneckerhauses, Herzogsägmühle

1974 Bau des Caritas-Seniorenzentrums St. Ulrich

in Peißenberg

1974 Betriebsaufnahme des Marienheims Peiting als psychogeriatrische

Einrichtung

1975 Bau des AWO-Seniorenzentrums Peiting

1976 Erweiterung des Städt. Bürgerheims Weilheim

1977 Erweiterungsbau des Städt. Altersheims Penzberg

(ab 1978 Träger AWO)

1983 Um- und Neubau des Alten- und Pflegeheims der Hl-Geist-Spital-

Stiftung Schongau

Hospizeinrichtungen

Schon früh fielen im Pfaffenwinkel

die Ideen der Hospizbewegung auf

fruchtbaren Boden. Mittlerweile ist

eine beispielhafte Hospiz- und Palliativversorgung

entstanden, die schon

vielen Menschen mit schwersten Erkrankungen

ein Leben bis zuletzt in

Würde ermöglichte und auch Angehörigen

beistand. Seit 1992 macht es

sich der Hospizverein im Pfaffenwinkel

e. V. zur Aufgabe, Menschen bis

zum letzten Augenblick unter Wahrung der Menschenwürde, mit größtmöglicher

Selbstbestimmung, Lebensqualität und Linderung von Krankheitssymptomen zu

begleiten. Über die ambulante Versorgung hinaus betreibt der Verein seit 2002 im

Kloster Polling ein Hospiz. Hier stehen zehn Einzelzimmer sowie Orte für Begegnungen

in einer familiären Atmosphäre zur Verfügung. Seit zehn Jahren bietet der

Palliahome e. V. eine spezialisierte ambulante Pallia tiv versorgung an.

Unterstützung bei der Pflege

Beistand bis zum letzten Augenblick –

die Hospizbewegung im Landkreis

Unter dem Stichwort „ambulant vor stationär“ rückt in den

1990er Jahren wieder die Familie in den Vordergrund, um

pflegebedürftige Menschen zu versorgen, gestützt von

ambulanten Pflegediensten. Gleichzeitig wurde das

Angebot offener Hilfen ausgebaut. Es entstanden

acht Tagespflegeeinrichtungen, zwanzig teils

gemeindeübergreifende

Nachbarschaftshilfen,

sieben Mahlzeitendienste („Essen

auf Rädern“), zehn Seniorenwohnprojekte

und Beratungsangebote. Mit der Verab-

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 52


schiedung des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes 2019, der Einrichtung einer

Seniorenfachstelle, sowie der Eröffnung des Pflegestützpunkts Weilheim-Schongau

im April 2022 stellt sich der Landkreis den Herausforderungen des demographischen

Wandels und den Bedürfnissen aller seiner Bürgerinnen und Bürger.

Die Jugendzentren

In den 1970ern verbreitete sich

bei der Sozialarbeit das Konzept

der Jugendzentren: Diese Einrichtungen

sollten für alle jungen

Menschen offen sein, an ihren

Bedürfnissen ansetzen und von

ihnen selbst gestaltet werden.

So entstanden flächendeckend

in der gesamten Bundesrepublik

Jugendhäuser – auch im Landkreis

Weilheim-Schongau. In den

Das JuZe in Weilheim

1980ern entwickelten sich diese Häuser der offenen Jugendarbeit weiter zu Anlaufstellen

für junge Menschen, die der aufgrund der schwieriger werdenden wirtschaftlichen

Situation von sozialer Isolation bedroht waren. Die Jugendlichen sollen

im Jugendzentrum mündig und selbstständig agieren, demokratische Grundregeln,

Toleranz, sozialverantwortliches Verhalten, gewaltfreie Konfliktlösungen, Verantwortung

und Mitbestimmung, Rechte und Pflichten kennenlernen und üben.

1974 Erstes provisorisches Jugendzentrum in Peißenberg

1976 Eröffnung „JuZe Weilheim“ am Leprosenweg

(in der „Zarges“-Baracke)

1980 Gründung JuZe Peiting

1984 Einweihung Juze Penzberg

1986 Gründung Juze Schongau

Der Ferienpass

Ferien zu Hause: für Eltern wie Kinder nicht immer

leicht. Um Kindern und Jugendlichen abwechslungsreiche

Freizeitangebote zu bieten, gleichzeitig die

Familien zu entlasten und hohe Kosten dabei zu vermeiden,

wurde 1984 der „Pfaffenwinkel-Ferienpass“

eingeführt. Von der ersten Ausgabe wurden noch

150 Stück verkauft, 2021 waren es stolze 1996. Über die

Jahre hat sich der beliebte Ferienpass stetig weiterentwickelt

und enthält mittlerweile rund 150 kostenlose

und vergünstigte Angebote im Wert von über 550

Euro – bei einem Unkostenbeitrag von nur vier Euro.

hAMMERsound Festival

Im Frühjahr 2015 fand eine landkreis weite Jugendbefragung

unter den 6., 8. und 10. Klassen aller Schulen

im Landkreis Weilheim-Schongau statt. Das zentrale Ergebnis:

Die jungen Leute vermissen jugendspezifische

Veranstaltungen.

Daher veranstaltete die Kommunale Jugendarbeit

des Amts für Jugend und Familie in Zusammenarbeit

mit den Jugendzentren 2018 das erste landkreisweite

hAMMERsound Festival in Peißenberg. Dabei traten

über den Tag verteilt sieben Bands auf. Mit einem

Bandcontest wurden im Vorfeld drei Nachwuchsbands

dafür ausgewählt. Das kostenlose Festival erwies

sich als großer Erfolg – am 29. Juli 2022 gibt es

eine weitere Ausgabe.

Einwohner und Wohnungsbau in Zahlen

Entwicklung der Einwohnerzahlen des Landkreises

99054 102.145 108.510 112.396 124.914 130.008 130.926 131.190 135.713

1972 1979 1985 1992 1999 2003 2008 2014 2020 2022

Entwicklung des Wohnungsbaus (Zweckverband für sozialen

Wohnungsbau) inkl. Wohnungsbestand in Murnau

966

1264 1355 1433 1516 1516 1517 1558 1675

ca.

138.500

ca.

1750

1972 1979 1985 1992 1999 2003 2008 2014 2020 2022

53

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


54


„Für uns ist der Landkreis lebenswerte Heimat: als Menschen,

die sich in der naturnahen Umgebung wohl fühlen.

Als Eltern, deren Kinder hier in Freiheit und Sicherheit

aufwachsen dürfen. Und als Unternehmer, die zu dieser

gesunden Lebenswelt beitragen dürfen.“

Lena und Martin Albrecht, Biocaterer und Bergfreunde, Oderding

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„Ich wohne gerne in diesem Landkreis, weil ich

mich hier wohl und sicher fühle. Mir gefallen Natur,

Kultur, Sprache, und die Offenheit der Menschen.

Mein Herz ist sehr mit der Region verbunden.“

Noel Perera, Yoga-Lehrer und Ayurveda-Therapeut, Peißenberg

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57


50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Tourismus

»

Entwicklung

Entwicklung des „Fremdenverkehrs“

Mit dem 1971 gegründeten Fremdenverkehrsverband, der bis

heute als Kommunaler Zweckverband fortbesteht, wurde das

touristische Potenzial des Landkreises – vor allem unter dem Aspekt

des Naturerlebnisses – effizienter genutzt. Damals bei Gemeinden

in der Kritik: das „Komfortzimmerverzeichnis“, da man

„damit Gäste berücksichtigen müsse, die Ansprüche stellen“.

Komfortzimmer bedeutete übrigens: mit Bad / Dusche / WC,

heute ist dies Standard.

Der erste Gebietsprospekt erschien 1972 unter dem Titel

„Oberbayern Schongauer Land“, die Überarbeitung wurde 1979 von

der „Süddeutschen Zeitung“ als „ungewöhnlich hübsch und zugleich

sehr informativ“ gelobt. Seit 1998 wird mit dem Logo des Herz-Kirchturms

und dem Slogan „Pfaffenwinkel

– Alle Herrlichkeit

auf Erden“ geworben. Heute

lautet er „Pfaffenwinkel – Natürlich

Oberbayern!“ Seit 2011

wird der Prospekt erfolgreich

im Magazinformat unter dem

Titel „Landurlaub im Pfaffenwinkel“

aufgelegt.

Oberlandausstellung 1979

Wandern und Radeln

1972 wurden die ersten Wanderwegenetze mit genormter Beschilderung gestellt: in Habach, Hohenpeißenberg, Hohenfurch, Prem, Rottenbuch, Schönberg

fertigund

Steingaden. 1973 erschien die erste Kompass Gebietswanderkarte. Ab 1977

gab es die wichtigen Fernwanderwege König-Ludwig-Weg, Lechhöhenweg (heute

LechErlebnisWeg) und Prälatenweg (abgelöst durch Pilger-Wander-Wege Heilige

Landschaft Pfaffenwinkel).

1987 folgte das markierte Radwanderwegenetz

im Landkreis, kurz darauf wurde

eine Radwanderkarte herausgegeben.

1989 kam die Fernradroute Romantische

Straße. Heute ist der Pfaffenwinkel Teil

zahlreicher überregionaler Radwege

wie z. B. Romantische Straße, Via Claudia

Augusta, Ammer-Amper-Radweg und

Bodensee-Königssee-Radweg.

Die Gäste

In den 1970ern kamen zahlreiche Gäste aus dem Ruhrgebiet noch über ihre Firmen

zur „Sommerfrische“. Häufig trafen sie in Gruppen mit Bussen in den Orten ein:

Zimmerreservierung und Abrechnung erfolgte zentral, die Gäste wurden von den

Gastgebern (oft „Ferien auf dem Bauernhof“-Anbieter) abgeholt. Gleichzeitig reiste

man von Verbandsseite öfter nach Norden und rührte mit Blasmusik und Trachtengruppe

die Werbetrommel.

Radwandern im Alpenvorland – hier am Lechsee

Pilgerwanderwege im Pfaffenwinkel

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 58


Stadt trifft Land: Ankunft von Gästen

für die „Ferien auf dem Bauernhof“

Gleich nach der Wende wurden 1990

auf Initiative des Fremdenverkehrsverbands

DDR-Bürgern kostenlose

Unterkünfte zur Verfügung gestellt:

Spontan meldeten sich 70 Privatleute

und Hoteliers. Was, so der damalige

Geschäftsführer Heinrich Vogler,

auffiel, „dass die DDR-Bürger sehr gut

über alle Sehenswürdigkeiten informiert“

seien. Heute kommen 92 Prozent

der Gäste aus Deutschland, ca.

50 davon aus Bayern und ein Großteil

bucht den Urlaub im Internet.

Tourismus in Zahlen

Entwicklung der Gästeanzahl im Landkreis

Das Sachsenrieder Bähnle

Wer in früheren Zeiten von Schongau nach Kaufbeuren wollte, nahm meist das

„Sachsenrieder Bähnle“. Das ging gemütlich mit einer kleinen Dampflokomotive

vonstatten. Der letzte Personenzug auf der Nebenstrecke fuhr am 30. September

1972, sukzessive wurde danach der Güterverkehr eingestellt. In den Folgejahren

baute man den Gleiskörper größtenteils ab. Schon in den 1990er Jahren legte der

Landkreis Ostallgäu auf der alten Trasse einen Radweg bis zum Sachsenrieder Forst

an. 2011 konnte man auf Initiative der Aktionsgruppe Auerbergland ein Konzept

mit Hilfe von EU-Förderung umsetzen: die Anbindung des Radwegs bis Schongau.

Am 30. September 2013 wurde schließlich der Radweg eingeweiht. Heute führt

der Weg bis zum alten Waldfriedhof durch 34 Kilometer idyllische Landschaft. Radler

finden auf der Erlebnisroute zahlreiche Attraktionen: Infotafeln, Originalvideos

per QR-Code und alte Signalanlagen. Die gesamte Strecke führt vom Schongauer

Bahnhof über Altenstadt, Schwabbruck, Ingenried, Sachsenried, Osterzell, Kaltental,

Stöttwang und Mauerstetten zum Bahnhof Kaufbeuren: Die klimafreundliche Anreise

per ÖPNV gestaltet sich so problemlos.

61.616 Gäste

113.439 Gäste

216.766 Gäste

143.935 Gäste

(in Pandemie)

Jahr 1972

Jahr 1977 Jahr 2019 Jahr 2020

Bahnübergang des „Sachsenrieder Bähnle“

Durchschnittliche Verweildauer der Gäste im Landkreis

6,9 Tage

1972 kamen 61.616 Gäste an und

3,6 Tage

Jahr 1972 Jahr 1977

3,8 Tage

Jahr 2019

4,4 Tage

Jahr 2020

blieben im Durchschnitt 3,6 Tage.

1977 waren es 113.439 mit ei ner Verweildauer

von 6,9 Tagen.

2019 (vor der Pandemie) kamen

216.766 Gäste mit einer durchschnittlichen

Aufenthaltsdauer von

3,8 Tagen.

Es kommen also mehr Gäste, bleiben jedoch kürzer. Dieser Trend hat sich in der

Pandemie wieder verändert: 2020 kamen 143.935 Gäste, die 4,4 Tage blieben.

Der letzte Zug in Sachsenried

Ehemalige Station 6

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LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


60


„Hier im Landkreis konnte ich meine Träume verwirklichen

und mein Hobby zum Beruf machen. Seit mehr als 26

Jahren produziere ich mit Leidenschaft Fisch und Lamm

für die Menschen dieser Region.“

Johann Schleich, Schäfer und Fischwirt, Weilheim

61


„Ich arbeite hier gerne wegen der großen Vielfalt

an Landschaften und den besonderen und

wertvollen Bio- und Geotopen – und den herzlichen

zwischenmenschlichen Begegnungen.“

Patrizia Majowski, Lechrangerin und Autoschrauberin, Schongau

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63


50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Verkehr

»

Die

Guggenbergtunnel

und Ortsumfahrung

von Peißenberg

Die Voralpenautobahn

Ortsumgehungen

Mit die größten Maßnahmen der vergangenen

Jahre waren die Ortsumfahrungen Schongau, Peiting

(beide 1988 – 1997) und Peißenberg (2002 –‘

2010) mit dem Guggenbergtunnel und Hohenpeißenberg

(2009 – 2016) an der B 472 sowie die

Ortsumfahrung von Pähl (2010 - 2012) auf der St

2056. Mit diesen Maßnahmen konnte die Umweltund

Lärmbelastung in den Gemeinden erheblich

reduziert werden.

Der Landkreis Weilheim-Schongau weist nur wenige Kilometer Autobahn auf: Die

A95 berührt ihn bei Seeshaupt, Penzberg, Iffeldorf und Sindelsdorf. Ein Anschluss

an die A 7 (Würzburg – UIm – Memmingen – Kempten – Füssen) ist heute nur über

die B 472 / B12 Richtung Kempten möglich. Dies war jedoch einmal anders geplant:

Ursprünglich sollte die A98 als Ost-West-Verbindung Irschenberg über Kempten mit

Lindau verbinden, als „Voralpenautobahn“. Dieses Vorhaben stellte sich als enorm

kosten- und flächenintensiv heraus. Stattdessen wurden B12 und B472 sukzessive

ausgebaut. Wenn manche das Aus für den „Alpen-Highway“ damals auch bedauerten,

dürfte der Verkehr heute für die Region eine hohe Belastung sein.

Imposante Brücken

Die Lechtalbrücke:

Eine Spannbetonbrücke, die Ende der 1980er Jahre

im „Freien Vorbau“ über den 400 Meter breiten

Lechstausee errichtet wurde. Notwendig war die

Umgehung geworden, weil in den 1980er Jahren

die Verkehrsknotenpunkte in Schongau und

Verkehr in Zahlen

Straßenkilometer im Landkreis (2022)

Kreisstraßen:

Staatsstraßen:

Bundesstraßen:

Autobahn:

180,80 km

163,26 km

113,84 km

11,43 km

Salzverbrauch im Landkreis für Kreisstraßen im Winter

2020 / 2021: 996,45 Tonnen

Durchschnittlicher täglicher Verkehr im Landkreis (Kfz/24h, 2015):

Bundesstraße: 9590 – Staatsstraße: 4504 – Kreisstraße: 1489

Straßenbauten im Landkreis Weilheim-Schongau:

Bundesstraßen: 146 Brücken, Staatsstraßen: 81 Brücken, Kreisstraßen: 34

Brücken, Gemeinde: 1 Brücke, Deutsche Bahn: 9 Brücken, Privater Eigentümer:

2 Brücken, Sonstiger Eigentümer: 3 Brücken, Tunnel auf Bundesstraßen:

2 Tunnel

Zulassungszahlen früher und heute:

Fahrzeugart 1972 2012 2022

Krafträder 564 9452 12.639

Busse 39 98 80

LKW 1327 3879 6117

Zugmaschinen 3946 9060 10.635

PKW 21.847 75.408 90.418

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 64


Peiting den Verkehr nicht mehr verkrafteten: Bis

zu 30.000 Kraftfahrzeuge rollten dort in 24 Stunden

durch und führten zu kilometerlangen Staus.

1988 bis 1991 errichtet, fügt die Lechtalbrücke sich

harmonisch in die reizvolle Flusslandschaft ein.

Fünf gewaltige Stützen tragen den Spannbetondurchlaufträger.

Die bis zu 45 Meter hohe Brücke

überspannt auf 155 Metern Länge den Talboden.

Beim Bau wurden 970.000 Kubikmeter an Erdbewegungen

durchgeführt und 12.100 Kubikmeter Stahlbeton

verbaut. Gesamtkosten: 22 Millionen Mark.

Die Echelsbacher Brücke:

Die einzigartige Bogenbrücke wurde 1928 bis 1930 nach dem System „Melan-Spangenberg“

in nur 422 Tagen erbaut. Baukosten der „Golden Gate-Bridge des Oberlands“:

900.000 Reichsmark. Die Brücke über die Ammerschlucht stellt eine wichtige

Verbindung mit der B23 zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien dar. Der Baukörper

misst 183 Meter, 76 Meter über dem Talgrund und war zur Bauzeit die weitestgespannte

Melan-Bogenbrücke der Welt. Nach früheren Sanierungen (1963 / 64,

1973 / 74, 1983 / 86) wurde im Januar 2017 eine weitere Sanierung gestartet. Die

Verbindung zum Landkreis Garmisch-Partenkirchen musste an dieser exponierten

Stelle jedoch erhalten werden – so schuf man direkt daneben eine Behelfsbrücke:

Sie gilt als größte Behelfsbrücke Deutschlands. Am 28. November 2021 wurde die

neue Brücke für den Verkehr freigegeben. Die Behelfsbrücke wird im Laufe des Jahres

2022 rückgebaut. Kosten der Sanierung: 36 Millionen Euro, die Behelfsbrücke

kostete acht Millionen Euro.

Bau 1928 bis 1930

Renovierung 2018 bis 2021

Die Echelsbacher Brücke stimmungsvoll eingefangen

Die Holzbrücke Polling – Oderding:

Für manche Ortsfremde im Vorbeifahren

befremdlich: Eine Brücke direkt neben der

Brücke? Doch das 46 Meter lange Bauwerk

aus Holz über die Ammer, das im November

2021 eingeweiht wurde, hat ihren Sinn:

Für Fußgänger und vor allem Kinder war

der „kleine Grenzverkehr“ zwischen den

Gemeinden Oderding und Polling auf der

Staatsstraße St 2058 ein gefährliches Nadelöhr.

18 Jahre kämpften die Gemeinden

Die Holzbrücke wird installiert

für ihre Brücke, am Ende war es dem Freistaat die 1,1 Millionen Euro wert. Mancher

Weilheim-Pendler steigt dafür heute gerne aufs Rad – und die Harmonie zwischen

den beiden Dörfern soll es gesteigert haben.

Die Fuchstalbahn:

Von 1886 bis 1984 verband die Fuchstalbahn

Schongau mit Landsberg. Zahlreiche Schüler und

Arbeitnehmer Pendler nutzten diese, da lange

nicht alle Haushalte ein Auto be saßen. Seit 1998

rollt dort lediglich der Güterverkehr: inzwischen

mit unter einer Million Tonnen Fracht pro Jahr, unter

anderem für die Schongauer Papierfabrik UPM.

Der Traum von der Personenbeförderung

schien ausgeträumt. Bis

Haltestelle Kinsau 1982

2019 führte die Initiative Fuchstalbahn e. V. einen gelegentlichen

Bahnverkehr mit dem Schienenbus VT 98 durch:

ein echter Besuchermagnet. Die Umweltinitiative

Pfaffenwinkel macht sich mit dem „Arbeitskreis

Fuchstalbahn“ heute stark für eine

Reaktivierung für den Personenverkehr. Eine

naheliegende Überlegung, die 29 Kilometer

ÖPNV-Struktur für Umwelt- und Klimaschutz

wiederzubeleben. Diesem Argument gegenüber

stehen jedoch hohe Kosten sowie Zweifel

an der künftigen Nutzung: Die bayerische

Staatsregierung bemisst nach dem „1000er-Kriterium“,

nach dem tausend Personen pro Tag

und Kilometer unterwegs sein müssen, um

eine stillgelegte Bahnstrecke für eine Reaktivierung

in Betracht zu ziehen.

65

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Was für ein Geschenk, mit dem Blick auf die Berge arbeiten

und leben zu dürfen! An diesem erfüllenden Eindruck

hat sich bis heute nichts geändert bei meinen Fahrten

durch das große Gemeindegebiet der evangelischen

Kirchengemeinde Schongau.“

Julia Steller, Pfarrerin und Naturfreundin, Schongau

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„Für mich ist der Landkreis Weilheim-Schongau meine

Heimat, da in unserer ländlichen Gegend Brauchtum

und Vereinsleben noch großgeschrieben werden.“

Simon Stöger, Säcklermeister und Hobby-Senner, Peiting

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50 Jahre.

Ein Landkreis.

Sitzung des Kreistags

50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Verwaltung

»Das Landratsamt

Das Landratsamt ist zuständig für Aufgaben des Landkreises

als kommunale Gebietskörperschaft und verwaltet damit den

Kreis. Zusätzlich ist es untere Staatsbehörde, die Aufgaben des

Freistaats Bayern umsetzen muss. Der Landkreis erfüllt in den

Grenzen seiner Leistungsfähigkeit Verwaltungs- und Versorgungsleistungen,

welche die Gemeinden überfordern würden.

Die Aufgaben

Kernaufgaben sind die Kommunale Abfallwirtschaft, die

Sachaufwandsträgerschaft für weiterführende und berufsbildende

Schulen sowie von Sonderpädagogischen Förderzentren.

Zudem der Bau und Unterhalt von Kreisstraßen,

der Öffentliche Personennahverkehr, die Einrichtung und der

Unterhalt von Krankenhäusern, der Vollzug der Sozial- und Jugendhilfe

sowie des Wohngeldgesetzes. Weitere Aufgaben: die

Öffentliche Sicherheit und Ordnung (Brand- und schutz, Gewerbe- und Gaststättenrecht, Jagd- und Fischereirecht, Waffenrecht,

Katastrophen-

Unterhaltssicherung), die Bau-, Natur- und Umweltverwaltung, das Ausländer- und

Asylwesen, das Wohnungswesen mit Sozialem Wohnungsbau, die Kommunalaufsicht,

das Gesundheitswesen, das Veterinärwesen und der Verbraucherschutz.

Der Kreistag

Der Kreistag wird von den Landkreisbürgerinnen und -bürgern für

die Dauer einer Wahlperiode von sechs Jahren gewählt. Er besteht

im Landkreis Weilheim-Schongau aus 60 Kreisräten und dem Landrat

/ der Landrätin als Vorsitzende / n. Der Kreistag berät und beschließt

in allen wichtigen und grundsätzlichen Angelegenheiten

des Landkreises. Zusätzliche Ausschüsse, Arbeitskreise und Beiräte

erleichtern dem Kreistag die Arbeit.

Liegenschaften (inkl. angemieteter):

1972: 7.429 Quadratmeter 2022: 16.631 Quadratmeter

Der Landrat / die Landrätin

Er/sie leitet das Landratsamt und ist Vorgesetzter der dort tätigen Staatsbediensteten

sowie der Landkreisbediensteten. Zudem führt er / sie den Vorsitz im Kreistag

und in den Ausschüssen – ausgenommen Rechnungsprüfungsausschuss – und

vollzieht die gefassten Beschlüsse. In Betrieben, bei denen der Landkreis Gesellschafter

ist, – wie etwa der Krankenhaus GmbH – übt der Landrat oder die Landrätin

das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden aus. Als kommunaler Wahlbeamter wird er /

sie für sechs Jahren direkt gewählt.

Landräte seit der Gebietsreform

Georg Bauer Manfred Blaschke Luitpold Braun Dr. Friedrich Zeller Andrea Jochner-Weiß

1. Juli 1972 bis 30. April 1978: Georg Bauer (CSU)

1. Mai 1978 bis 30. April 1996: Manfred Blaschke (CSU)

1. Mai 1996 bis 30. April 2008: Luitpold Braun (CSU)

1. Mai 2008 bis 30. April 2014: Dr. Friedrich Zeller (SPD)

1. Mai 2014 bis heute: Andrea Jochner-Weiß (CSU)

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 70


Behördensitz

Das Landratsamt hat seit 1972 seinen offiziellen Sitz in Weilheim. Im Sinne der Bürgerfreundlichkeit

und um kurze Wege zu ermöglichen, sind publikumsintensive Behörden

wie Kfz-Zulassungsstelle, Führerscheinstelle, Bauamt, Amt für Jugend und

Familie, Ausländeramt und Gesundheitsamt in Weilheim und Schongau zugleich

eingerichtet.

Die Finanzen

Der Gesamthaushalt betrug 1972 umgerechnet 28.191.146 Euro, 2022 liegt er bei

229.697.200 Euro. Der Schuldenstand des Landkreises betrug Ende 1972 rund 16,2

Millionen Mark. Heute liegen wir bei rund 50 Millionen Euro. Das gestiegene Haushaltsvolumen

hat nicht nur mit der Teuerungsrate zu tun, sondern auch mit den

stark gewachsenen Aufgaben des Landkreises.

Die Kreisumlage

Landratsamt in Schongau

Den größten Einnahmeposten im Haushalt stellt die Kreisumlage dar. Dies ist der

Betrag, den jede Gemeinde nach dem Finanzausgleichsgesetz an den Landkreis abzuführen

hat. Die Höhe richtet sich nach der Umlagekraft der Gemeinde und dem

in der Haushaltssatzung des Landkreises festgesetzten Kreisumlagenhebesatz. Die

Umlagekraft errechnet sich aus den Grundsteuer- und Gewerbesteuereinnahmen,

der Einkommensteuerbeteiligung, der Umsatzsteuerbeteiligung und den 80-prozentigen

Gemeindeschlüsselzuweisungen. Der Kreisumlagehebesatz betrug 1972

im Landkreis Schongau 46,34 Prozent und im Landkreis Weilheim 52,0 Prozent. Im

ersten Haushalt des Landkreises Weilheim-Schongau betrug er 64,5 Prozent. In den

Folgejahren 1974 und 1975 fiel der Hebesatz auf 50 Prozent und in den Jahren danach

sogar unter die 50 Prozent-Marke. Aktuell sind es 54,0 v. H.

Weiterführende Schulen im Landkreis

Im Bildungsbereich steigerte der Landkreis seit 50 Jahren sein Angebot immens, um

allen Menschen in ihren Begabungen und Ansprüchen gereicht zu werden. Dies bedeutet

jedoch auch wachsende Ausgaben für Verwaltung, Personal und Unterhalt.

1972: sieben Schulen insgesamt, darunter eine gewerbliche Berufsschule, eine

landwirtschaftliche Berufsschule, zwei Oberrealschulen, ein Gymnasium, eine staatliche

Mittelschule und eine Handelsschule.

2022: 19 Schulen insgesamt, darunter drei Förderschulen, zwei Berufsschulen, drei

Berufsfachschulen, eine Landwirtschaftsschule, eine Fachschule Öko-Landbau, eine

Fachoberschule, eine Berufsoberschule, vier Realschulen und drei Gymnasien.

Der Landkreis als Arbeitgeber

Derzeit sind rund 600 Personen im Landratsamt sowie in Kreiseinrichtungen

beschäftigt. Das Landratsamt beschäftigt unterschiedliche

Berufsgruppen: Den größten Anteil stellt das Verwaltungspersonal

in unterschiedlichen Qualifikationsebenen. In der

IT sind Informatiker und IT-Techniker tätig, im Amt für Jugend

und Familie, beim Kreisjugendring, in den Jugendzentren, in

der Betreuungsstelle und im Gesundheitsamt meist Sozialpädagogen.

In der Bauaufsicht, im Natur- und Umweltschutz, im

Wasserrecht und im kreiseigenen Hochbau arbeiten Ingenieure,

Architekten und Techniker. Im Gesundheitsamt sind Humanmediziner

sowie medizinische Fachkräfte, im Veterinäramt sind u.a.

Arbeitsplatz der Verwaltung aus den 70ern

Veterinärassistenten tätig. Tierärzte stehen für die Fleischhygieneüberwachung

bei Schlachtungen in örtlichen Schlachthöfen und Hausschlachtungen

unter Vertrag. An den Amtsgebäuden, Schulen und Schulsportanlagen

leisten Hausmeister und Reinigungskräfte ihren Dienst. Zwölf Straßenbauarbeiter

sind für Bau und Unterhalt der rund 180 Kilometer Kreisstraßen zuständig.

Zudem sind laufend etwa 30 Auszubildende, Anwärter und Praktikanten

im Landratsamt tätig: Als Arbeitgeber bietet der

Landkreis attraktive und sichere Ausbildungsplätze

mit hohem Qualifizierungspotenzial. Der Anteil

von teilzeitbeschäftigten Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern liegt

derzeit bei 42 Prozent. Die Teilzeitquote

beträgt bei Frauen circa 61

Prozent, bei den Männern rund

12,5 Prozent.

Außenansicht des

Landratsamts in Weilheim

71

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


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„Für mich bedeutet der Landkreis zuallererst Heimat, da

ich hier schon fast 60 Jahre glücklich lebe. Und immer

wieder freue ich mich, dass ich hier viele Mitbürger mit

unserer schönen Blasmusik erfreuen kann.“

Bernd Schuster, Bankmitarbeiter und Dirigent, Polling

73


„Was ich am Landkreis sehr schätze, sind die Menschen,

die Dörfer, die Seen und die Berge. Wo kann man das

schon alles finden – wenn nicht hier?“

Franz Garber, Schallplattenhändler und technischer Planer, Peißenberg

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75


50 Jahre Landkreis Weilheim-Schongau

Wirtschaft

Betriebsgebäude

und Förderturm

in Peißenberg

»Die Abwicklung des Bergbaus

Anfang der 1970er Jahre stellten alle Bergwerke im Landkreis ihren Betrieb ein. Dies

führte zu strukturellen Veränderungen. Das Arbeitsamt richtete zusätzlich in Peißenberg

eine Vermittlung ein. Durch staatliche Unterstützung, die Gemeinden und die

Sozialpläne gelang es, für alle Beschäftige neue Jobs zu finden. In Peißenberg etwa

wurden Siemens, Agfa und MTU angesiedelt.

Viele der jüngeren „Kumpels“ mussten neue Berufe

erlernen. Die älteren Bergleute konnten dank

der Sozialpläne in Rente gehen. Viele Ehemalige

fanden im öffentlichen Dienst ihre Zukunft, etwa

im Straßenbauamt oder im Vermessungsamt;

manche pendelten nach München. Zudem schufen

neue Branchen wie Tourismus und Gesundheitswirtschaft

Arbeitsplätze.

Der wirtschaftliche Aufschwung

Bereits 1986 werden 25 Prozent des

Umsatzes im Export verdient – damals

lag die Arbeitslosenquote bei 5,3 Prozent.

Der Sektor der Dienstleistungen

hatte mit 53 Prozent den des produzierenden

Gewerbes (42,8 Prozent)

überholt. Das Einkommen eines sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten

war auf knapp 47.000 Mark pro Jahr

Vom Aufschwung profitieren viele Bürger

gestiegen und lag so 4000 Mark über

dem bayerischen Durchschnitt. Im Jahr 2010 zählten die Unternehmen im Landkreis

etwa 42.000 Beschäftigte: Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent (4,1 Prozent

in Oberbayern und 4,5 Prozent in Bayern) näherte sich Weilheim-Schongau der Vollbeschäftigung.

Heute liegt die Arbeitslosenquote bei 2,4

Prozent (3,2 Prozent in Oberbayern und

2,9 Prozent in Bayern). Die Summe der Beschäftigten

liegt nun bei über 52.000 Menschen.

Das Einkommen liegt im Jahr 2020

bei brutto circa 45.000 Euro. Trotz aktueller

Krisen – wie durch Corona und den Ukrainekrieg

– weist die konjunkturelle Lage im

Frühjahr 2022 einen Aufwärtstrend auf.

Bedeutung des Handwerks

Das Gesicht des Landkreises hat sich in den vergangenen 50 Jahren vom landwirtschaftlich

geprägten Raum zu einem modernen Wirtschaftsraum gewandelt. Das

Handwerk ist jedoch nach wie vor Eckpfeiler der regionalen Wirtschaft mit attraktiven

Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Gerade im Bereich Bauwirtschaft steht der

Größte Arbeitgeber im Landkreis

Ausbildung im Bereich Holzhandwerk

Roche Diagnostics GmbH, Penzberg 7200 Mitarbeiter

Hirschvogel Automotive Group, Schongau 3500 Mitarbeiter

(mit Denklingen)

Hörbiger Antriebstechnik GmbH, Schongau 2600 Mitarbeiter

Herzogsägmühle, Peiting 1400 Mitarbeiter

Zarges GmbH, Weilheim 1300 Mitarbeiter

Aerotech GmbH, Peißenberg 700 Mitarbeiter

Hochland Deutschland GmbH, Schongau 600 Mitarbeiter

Landkreis Weilheim-Schongau 600 Mitarbeiter

UPM GmbH, Schongau 540 Mitarbeiter

ept GmbH, Peiting 400 Mitarbeiter

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU 76


Landkreis durch leistungsfähige Mittelständler zukunftssicher da. Aktuell macht

vielen Betrieben der Materialmangel zu schaffen. Jedoch schafft die hohe Fertigungstiefe

eine relative Unabhängigkeit. Beispielsweise hat sich der Holzbau im

Landkreis – begünstigt durch eine reichhaltige Forstwirtschaft – als nachhaltige

Zukunftsbranche gut behauptet.

Betriebe heute und damals

Anzahl der Betriebe

1974: 1273 heute: 2678

Im Handwerk beschäftigte Personen

1976: 7708 heute: 11.200

Umsatz pro Jahr ohne Umsatzsteuer

1976: 264 Millionen Euro heute: 1580 Millionen Euro

Fachkräftemangel und Qualifikation

Derzeit halten praktisch alle Betriebe

im Landkreis an ihren Mitarbeitern

fest. Der Fachkräftemangel im Land

bewirkt, dass die Unternehmen zusätzlichen

Personalbedarf haben. Davon

profitieren jedoch nicht alle Bewerber:

Vor allem Arbeitskräfte, die in ihrer

Die neue Berufsschule in Weilheim

Qualifikation auf den technologischen

Wandel vorbereitet sind, werden in Handwerk und Industrie gesucht. Der Landkreis

hat frühzeitig gehandelt und seit 2009 konsequent die Erfüllung des dualen Prinzips

verfolgt – in Form der neuen Berufsschule Weilheim, die 2022 eröffnet wurde. Rund

1600 Berufsschüler erwerben dort nach modernen Standards ihre Qualifikation.

Vom Landwirt zum Energiewirt

Die Landwirtschaft ist nach wie vor ein wichtiger Erwerbszweig im Landkreis. Steigende

Lebensmittelpreise zeigen, wie unentbehrlich diese Branche bleibt. Der

Strukturwandel führte jedoch dazu, dass die Zahl der Betriebe abnahm und die

Größe der Betriebe zunahm. Inzwischen ergänzen neue Facetten das Berufsbild des

Landwirts: Förderprogramme aus dem Naturschutzbereich machten aus ihm den

„Landschaftspfleger“, zudem entwickeln sich viele zu „Energiewirten“. Mit Biogasanlagen,

Hackschnitzelproduktion und PV-Anlagen tragen sie zur Umsetzung der

Energiewende bei.

Herausforderungen

für die Zukunft

Bis 2035 wird eine Bevölkerung

von 143.000 Menschen im Landkreis

vorausberechnet. Dies ergibt

enorme Chancen – etwa in

Form neuer Fachkräfte. Gleichzeitig

bedeutet das, dass genug bezahlbarer

Wohnraum zu schaffen

ist. Dies stellt eine große Herausforderung

für den Landkreis dar

Die Firma Roche in Penzberg

und setzt die Kommunen unter

Druck, Innenräume nachzuverdichten und Baugebiete auszuweisen. Im Zuge dessen

werden für Kindergärten, Schulen und ÖPNV weitaus höhere Ausgaben nötig

sein. Das Thema Digitalisierung spielt zusätzlich eine wichtige Rolle. Der Ausbau der

elektronischen Infrastruktur ist unumgänglich, um nicht von den Ballungsräumen

abgehängt zu werden.

Unterstützung durch

Kreis und Kommunen

In den vergangenen Jahren wurden im

Landkreis Ansprechpartner eingerichtet

wurden, die auf die Bedürfnisse

der regionalen Wirtschaft eingehen.

Wirtschafts- und

Standortförderer

arbeiten

in Kommunen

Auszubildende in einem Kraftwerk

eng mit Unternehmen, Verbänden und Organisationen der

Wirtschaft sowie mit Vertretern von Politik und Verwaltung

zusammen. Mit Beratung und bedürfnisorientierten Angeboten

tragen sie dazu bei, den Wirtschaftsraum Weilheim-Schongau

fit für die Zukunft zu machen.

Im Landkreis selbst kooperiert die Kreisentwicklung eng

mit Partnern, Kammern, Verbänden und Kommunen.

Dazu gehört neben Impulsen der Wirtschaftsförderung die

Weiterqualifikation von Unternehmern und Zusatzangebote

im Bereich Ausbildung: Um künftige Auszubildenden

bei der Berufsorientierung zu unterstützen, werden durch

Berufsorientierungsmessen Unternehmen und deren Aus-

bildungsformate präsentiert.

Papierherstellung bei UPM in Schongau

77

LANDKREIS

WEILHEIM-SCHONGAU


„Für mich als Pferdehalter ist dies einer der schönsten Gegenden

Deutschlands, da hier noch Süddeutsche Kaltblutpferde gezüchtet

werden. Mit dem Peißenberger Leonhardiritt und mit Deutschlands

größtem Fohlenmarkt in Rottenbuch erlebt man gelebte Tradition.“

Karl Holl, Schmied und Pferdefreund, Peißenberg

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„Ich lebe gerne im Landkreis Weilheim-Schongau, weil

mir sein vielfältiges kulturelles Angebot, das unsere

Schule mit zahlreichen Veranstaltungen, Projekten

und Publikationen bereichert, große Freude bereitet.“

Marcus Schiefer, Lehrer und Kulturfreund, Weilheim

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Der Landkreis Weilheim-Schongau

Die ganze Vielfalt Oberbayerns

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Bildnachweis

Emanuel Gronau Seiten 2, 8, 20 (3), 21 (1), 27 (1), 29, 30, 32 (6), 33 (4), 38 (1), 42/43, 47 (3), 52 (1), 58 (2), 71 (2)

Sammy Minkoff Seite 3

Felix Baab Seiten 5, 6, 9, 11, 12, 16, 19, 23, 24, 29, 30, 34, 37, 40, 45, 48, 51, 54, 57, 60, 63, 67, 68, 72, 75, 79, 80

Landratsamt Weilheim-Schongau Seiten 14, 15, 39 (1), 53 (5), 70 (8), 71 (1), 77 (1)

Burschenverein Raisting Seite 20 (1)

Johann Grabmair Seite 21 (1)

OK-Penzberger Fasching Seite 21 (1)

Ralf Ruder Seite 21 (1)

Bundesarchiv Seite 26 (1)

Krankenhaus GmbH Seite 26 (3), 27 (2)

Josef Beck Seite 32 (1)

Tourismusverband Pfaffenwinkel Seite 33 (3), 58 (4), 59 (1)

Crocodile Music Seite 33 (1)

Blauer Gockel Seite 38 (2), 59 (1)

Christa Off Seiten 38 (1), 39 (1)

Simon Pauli Seite 39 (1)

Deutscher Wetterdienst Seite 46 (Grafik)

Werner Schubert Seiten 46 (1), 47 (2)

Hans Rehbehn Seite 47 (1)

Pixabay Seite 52 (1)

Fotolia Seite 52 (1)

Gemeinde Sachsenried Seite 59 (3)

LAG Seite 59 (1)

Staatliches Bauamt Seiten 64 (3), 65 (2)

Wikipedia „HaSe“ Seite 64 (1), 65 (1)

Adobe Stock Seite 65 (2)

Harald Baumann Seite 65 (2)

Rudi Hohenauer Seite 76 (1)

Autohaus Heuberger Seite 76 (1)

Stefan Müller-Naumann Seite 76 (1)

Roche Seite 77 (1)

UPM Seite 77 (2)

Manuela Buske Seite 82 (Illustration)

Impressum

Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau,

Pütrichstraße 8, 82362 Weilheim i.OB, 0881 681-0,

poststelle@lra-wm.bayern.de

Stand bei Drucklegung im Juni 2022.

Änderungen und Fehler vorbehalten.

Layout: Ostenrieder Design & Marketing,

Birkland 40, 86971 Peiting, 08869 9122-0

Konzeption und Texte:

Pressestelle des Landratsamt Weilheim-Schongau

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Landratsamt

Weilheim-Schongau

Schloßplatz 1

86956 Schongau

Landratsamt

Weilheim-Schongau

Pütrichstraße 8

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