LE-3-2022
LOGISTIK express Journal 3/2022
LOGISTIK express Journal 3/2022
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AUSGABE 3/<strong>2022</strong><br />
ES WIRD ZEIT, DER WAHRHEIT INS<br />
GESICHT ZU SEHEN<br />
UNITO Sprecher der Geschäftsführung Harald Gutschi im<br />
Gespräch über Wachstum in bewegten Zeiten.<br />
Mehr auf logistik-express.com
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong>|S2<br />
WERBEFENSTER<br />
U2
INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM<br />
INHALTE<br />
<strong>LE</strong> 3/<strong>2022</strong><br />
03 Inhalt / Editorial / Impressum<br />
04 Umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben<br />
06 eCommerce & Logistik on tour<br />
10 Teuerung: Inflation erreicht im Juni mit +8,7% neuen Höchststand<br />
12 ORI: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend<br />
16 Ukraine-Krieg und Inflation lassen Handelsumsätze einbrechen<br />
18 eCommerce Day versammelte Retail Rockstars & Gamechanger<br />
20 Ausgaben im Onlinehandel wachsen und knacken 10 Mrd. Euro<br />
24 Sektorspezifischer Datenschutz für Warenzustellung<br />
26 Messbarer ökologischer Fußabdruck<br />
28 Digitalisierung macht die Lieferketten fit<br />
32 Mit Qualität und Individualität gegen den Einheitsbrei<br />
34 Ein Unternehmen kann man nicht allein mit Technologie führen<br />
38 SmartWatch: Die Hands-free Lösung fürs Lager<br />
40 KNAPP präsentiert sich auf der LogiMAT als Technologiepartner<br />
44 LogiMAT: Anschluss an frühere Erfolge<br />
48 Robotik-Lösung von SSI Schäfer mit IFOY Award ausgezeichnet<br />
50 Starkes Team: ek robotics unterstützt die BMW Group<br />
52 Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen<br />
56 Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen<br />
60 Wenn’s wirklich wichtig ist… Post investiert in e-fulfilment<br />
62 Logistikdienstleister als verlängerter Arm des Onlinehandels<br />
64 „Grün“ transportieren kostet Geld<br />
66 Politik verhindert Alternativen<br />
68 Globalisierung: Lieferketten müssen resilienter werden<br />
70 LogParship - Die europäische Verkehrspolitik<br />
74 Internationaler Transport von Gefahrgütern: Dos and Don‘ts<br />
78 Sechs Fehlannahmen zur Cybersecurity im Unternehmen<br />
82 EZB ohne Überzeugung, ohne Mut und ohne Plan<br />
86 Berufsbegleitendes Mentoring: Krisenfester Einkauf.<br />
88 Das bringt die Zukunft: Logistik-Jobs 2030<br />
90 Menschen in Bewegung<br />
Markus Jaklitsch | MJR MEDIA WORLD<br />
LOGISTIK EXPRESS & UMWELT JOURNAL<br />
Hameaustraße 44, 1190 Wien<br />
T: +43 (0)676 7035206<br />
E: info@logistik-express.at<br />
StV. | Redaktion: Peter Nestler, Angelika<br />
Gabor, Dirk Ruppik, Peter Baumgartner<br />
Bilder: istockphoto.com<br />
Print: www.blurb.de/user/LOGEXP<br />
www.logistik-express.com<br />
AL<strong>LE</strong>S WIRD GUT<br />
Angesichts der zahlreichen Sanktionen<br />
des Westens und Russlands Gasdrosselung<br />
nach Europa gehen Experten von<br />
Morgan Stanley von einer im vierten<br />
Quartal einsetzenden Rezession in der<br />
Eurozone aus. Die Ökonomen prophezeien<br />
mit Oktober vorab zwei schlechte<br />
Quartale und aufgrund der enormen<br />
Teuerung könnte eine Zinsanhebung<br />
nicht mehr ausreichend sein. Wir gehen<br />
so zusagen bewegten Zeiten entgegen,<br />
wobei Rohstoffe, Forschung, Innovation,<br />
Technologie und Ressourcen gefragter<br />
sein werden denn je.<br />
Wo sind nur die Wirtschaftskapitäne und<br />
Realpolitiker? Denn auf die ideologisierten<br />
Dampfplauderer in der europäischen,<br />
deutschen und österreichischen<br />
Politik möchte ich nicht zählen. Persönlich<br />
hoff ich, dass der unnötig geführte<br />
und mittlerweile zum Stellvertreter ausgeartete<br />
Ukraine Krieg bis Ende des Jahres<br />
ein diplomatisches Ende findet, sonst<br />
wird's geopolitisch wohl brisant. Doch zumindest<br />
gibt’s lachende Dritte im großen<br />
Spiel, deren Kassen sich reichlich füllen –<br />
doch wir Europäer sind's gewiss nicht.<br />
Tauchen wir durch und gönnen wir uns<br />
nochmals einen ausgiebigen Urlaub und<br />
mögen uns reichlich Ideen beglücken,<br />
um unser Business krisenresilient aufzustellen.<br />
Wir wünschen Ihnen mit unseren<br />
zahlreichen Beiträgen und Interviews anregende<br />
Diskussionsrunden, inspirierende<br />
Ideen und Lösungsansätze.<br />
Unsere LOGISTIK express Ausgabe 4/<strong>2022</strong><br />
publizieren wir zum 20, September nach<br />
unserem 7. eCommerce Logistik-Day der<br />
planmäßig Anfang September in Wien<br />
beim österreichischen Handelsverband<br />
abgehalten wird - wobei Handels- und<br />
Logistikunternehmen zu den aktuellen<br />
und laufenden Herausforderungen diskutieren,<br />
Lösungsmodelle präsentieren<br />
Markus Jaklitsch<br />
Medieninhaber, Herausgeber
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S4<br />
KOMMENTAR<br />
Umsonst ist nur der<br />
Tod, und der kostet<br />
das Leben<br />
Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht. Die Preise<br />
für Lebensmittel und Energie steigen weiter,<br />
während die Einkommen stagnieren. Die<br />
Auswirkungen der Zero-Covid-Politik in China<br />
sind zwar schon zu spüren, werden aber<br />
noch stärker. Die kommende Zinsanhebung<br />
der EZB ist ein Anfang zur Stärkung der Kaufkraft,<br />
aber zu wenig, um der Inflation die Stirn<br />
zu bieten. Es fehlen tausende Arbeitskräfte,<br />
aber keiner will die offenen Jobs. Grund genug<br />
für kollektiven Suizid? Nein. Alles wird gut.<br />
REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
Ende Juni veröffentlichten die beiden<br />
Wiener Konjunkturforschungsinstitute<br />
Wifo und IHS ihre Prognosen hinsichtlich<br />
Wirtschaftswachstum und Inflation.<br />
Leider kommen beide unabhängig voneinander<br />
zu ähnlichen Ergebnissen, die fürwahr kein<br />
Grund zum Feiern sind. Zwar lief das erste Halbjahr<br />
gar nicht mal so schlecht – insbesondere<br />
Industrie und Tourismus legten ein gutes erstes<br />
Quartal hin und werden dadurch unterm<br />
Strich für ein Wachstum von 4,3 Prozent (Wifo)<br />
und 3,8 Prozent (IHS) sorgen. Kommendes<br />
Jahr jedoch liegen die Prognosen nur noch<br />
bei 1,6 Prozent (Wifo) bzw 1,4 Prozent (IHS).<br />
Ein heftiger Dämpfer. Gleichzeitig begleitet<br />
uns die höchste Inflation seit knapp 50 Jahren<br />
wohl länger als gehofft (und von EZB-„Experten“<br />
erwartet). Im Juni <strong>2022</strong> lag die Inflation in<br />
Österreich bei 8,7 Prozent (im Vergleich zu Juni<br />
2021), in Deutschland bei 7,6 Prozent. Die Vorhersagen<br />
sind düster, eine Entspannung ist nur<br />
langsam in Sicht. In Russland geht die Inflation<br />
übrigens zurück, die Wirtschaft floriert wieder,<br />
der Rubel gilt als stärkste Währung <strong>2022</strong>. Die<br />
Sanktionen des Westens entlocken dem Kreml<br />
aktuell wohl nur ein müdes Lächeln.<br />
Wo sind sie denn alle?<br />
Laut aktueller Studie des Handelsverbands<br />
leiden rund 40 Prozent der Händler unter Personalmangel,<br />
das entspricht etwa 20.000 offenen<br />
Stellen, beispielsweise im Verkauf. Aber<br />
auch die Logistik ist stark betroffen, insbesondere<br />
die Hilfskräfte fehlen. Woran das liegt?<br />
Die derzeitig miese Situation ist verschiedenen<br />
Faktoren geschuldet: einerseits haben während<br />
der Pandemie viele „essential Worker“<br />
das Handtuch geworfen und dem Verkauf<br />
den Rücken gekehrt. Mitarbeiter, die wegen<br />
Lockdowns gekündigt wurden, haben sich<br />
teilweise umorientiert und neue Berufsfelder
für sich erschlossen. Andere sind aufgrund<br />
der gestiegenen Lebenskosten einfach gezwungen,<br />
besser bezahlte Jobs zu finden,<br />
auch wenn sie vielleicht gerne geblieben<br />
wären. Und schließlich gibt es noch die große<br />
Gruppe von Saison- und Hilfsarbeitern aus<br />
dem Ausland, die als Erntehelfer, Küchenhilfen<br />
oder am Fließband arbeiten, während der Krise<br />
nicht nach Österreich kommen durften und<br />
nun erkannt haben, dass sie daheim eigentlich<br />
auch ihr Auslangen finden – ohne ständiges<br />
Pendeln oder ein Leben getrennt von der<br />
Familie. Laut Mag. Dr. Martin Kocher, Bundesminister<br />
für Arbeit und Leiter des Bundesministeriums<br />
für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort,<br />
waren im Juni weniger als 300.000<br />
Menschen ohne Arbeit. Die 3,95 Millionen<br />
unselbstständig Beschäftigten sind 130.000<br />
Personen mehr als im Juni 2019.<br />
Mich persönlich wundert es nicht, dass sich immer<br />
weniger Menschen finden, die diese offenen<br />
Arbeitsstellen annehmen – sozial eher geächtet,<br />
schwierige Arbeitsbedingungen (wer<br />
möchte bei 35°C Außentemperatur die Mittagsschicht<br />
zum Abwaschen in einer Gastroküche<br />
übernehmen?), familienunfreundliche<br />
Arbeitszeiten und eine Entlohnung knapp<br />
über der Mindestsicherung sind nicht wirklich<br />
attraktiv. Hinzu kommt beispielsweise im<br />
Handel, dass manche Kunden die „der Kunde<br />
ist König“ Philosophie ausreizen und die Geduld<br />
der Angestellten sehr auf die Probe stellen.<br />
Dating-Pro-Tipp: so wie ein Mensch sich dem<br />
Service- oder Verkaufsmitarbeiter gegenüber<br />
verhält, so wird er sich später auch dir gegenüber<br />
verhalten.<br />
Die heilige Kuh schlachten<br />
Mitte 2015 kündigte der damalige Finanzminister<br />
Hans Jörg Schelling (VP) gemeinsam<br />
mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Abschaffung<br />
der Kalten Progression im Zuge der<br />
Steuerreform an. Das IHS forderte bereits 2013<br />
eine automatische Inflationsanpassung der<br />
Steuersätze als Gegenmaßnahme zur Kalten<br />
Progression. Wir schreiben das Jahr <strong>2022</strong>,<br />
und es scheint tatsächlich wahr zu werden:<br />
die schwarz-grüne Bundesregierung hat als<br />
Teil des Entlastungspakets zur Unterstützung<br />
der Bevölkerung das endgültige „Aus“ für die<br />
schleichende Steuererhöhung beschlossen.<br />
Die Steuerstufen sollen gemäß der Inflationsrate<br />
ab 2023 jährlich erhöht werden (bis auf<br />
die höchste Stufe, die 55 Prozent ab 1 Million<br />
versteuerbarem Einkommen bleiben – die<br />
Betroffenen werden es verschmerzen).<br />
Es gibt also wieder Licht am Ende des Tunnels.<br />
Auch wenn mehr Menschen denn je armutsgefährdet<br />
sind, sollten wir die Hoffnung nicht<br />
verlieren. Die Leistungsfähigkeit und Kreativität<br />
der Österreicher sind Werte, auf die man auch<br />
in Zukunft bauen kann – wir werden Lösungen<br />
finden. Am Ende wird alles gut – und wenn<br />
nicht, ist es einfach nicht das Ende. (AG)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S6<br />
BLOGTOUR<br />
eCommerce &<br />
Logistik on tour<br />
Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni<br />
zwei wichtige Veranstaltungen besucht:<br />
den eCommerce Day <strong>2022</strong> in Wien und<br />
das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen<br />
hatten Top-Referenten zu bieten<br />
und die heimische Logistik-Elite war präsent.<br />
Wir haben einige Vertreter vor der Kamera<br />
gebeten und befragt.<br />
REDAKTION: PETER R. NEST<strong>LE</strong>R<br />
Der Handelsverband bat am 22.<br />
Juni zum eCommerce Day <strong>2022</strong><br />
ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz<br />
der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten<br />
nicht zwei Mal bitten – der<br />
Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer<br />
zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen<br />
eCommerce-Branche. Den ganzen Tag<br />
über gab es spannende Fachvorträge und<br />
Podiumsdiskussionen.<br />
Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes<br />
und dessen Geschäftsführer<br />
Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des<br />
wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses,<br />
Werner Sejka von Puls4 moderierte<br />
durch das Tagesprogramm.<br />
Die Themenpalette war breit gefächert und<br />
reichte vom Influencer Marketing im eCommerce<br />
über moderne Shopsysteme, das Thema<br />
Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative<br />
Paymentlösungen bis hin zu Corporate<br />
Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement<br />
3.0. Das Kongressmotto lautete<br />
dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung<br />
von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der<br />
Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt.<br />
Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll<br />
unterstrichen. Wir haben uns wohl<br />
gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen<br />
gar nicht mehr nachgekommen. Der LO-<br />
GISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon<br />
gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY<br />
Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung<br />
der YouTube-Star, Influencer und<br />
Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie<br />
Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie<br />
Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die<br />
vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde<br />
spannende Antworten auf die Frage, wie<br />
"Rockstar-Marketing" in der Praxis funktioniert.<br />
Unter den prominenten Gästen zu sehen waren:<br />
Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google<br />
Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter,<br />
shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic,<br />
Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer<br />
Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm),
Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius<br />
Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi<br />
(UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer<br />
Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility),<br />
Nick Holscher (Connected Retail by<br />
Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria),<br />
Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus<br />
Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard),<br />
Christian Steinwender (Concardis Nets Group),<br />
Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner<br />
(Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie<br />
Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox)<br />
und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria)<br />
sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).<br />
Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die<br />
Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark<br />
Awards <strong>2022</strong> unter der Schirmherrschaft<br />
von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head<br />
of Business Development Digital, Mastercard)<br />
und Rainer Will für herausragende, innovative<br />
eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.<br />
Die diesjährigen Award-Gewinner sind:<br />
• Gewinner in der Kategorie "Best Mobile<br />
Performance": Julius Meinl am Graben<br />
• Gewinner in der Kategorie "Best<br />
Omnichannel Experience": Hornbach<br />
• Gewinner in der Kategorie "Best Online<br />
Shop": Lampenwelt<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S8<br />
DI Peter Umundum, Vorstand, Post AG<br />
FH-Prof. DI Franz Staberhofer, VNL<br />
Der Verein Netzwerk Logistik (VNL)<br />
lud am 19. Mai zum 29. Logistik-<br />
Forum Wien <strong>2022</strong> ein. Gastgeber<br />
war dieses Mal die Österreichische<br />
Post AG, das Treffen fand daher<br />
auch in der Konzernzentrale der Österreichischen<br />
Post in 1030 Wien statt und hatte das<br />
Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen:<br />
Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu<br />
gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen<br />
in Lieferketten: die volkswirtschaftliche<br />
Perspektive“, dargebracht von Stefan<br />
Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,<br />
„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit<br />
Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner),<br />
topaktuell: „Geopolitische Einschätzung<br />
Russlands und der Ukraine – eine<br />
kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ.<br />
Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale<br />
Beziehungen, Universität Innsbruck)<br />
sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und<br />
Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business<br />
Development, RAG Austria AG).<br />
Prof. Dr. Gerhard Mangott<br />
Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum<br />
<strong>2022</strong> mit einer Podiumsdiskussion zum Thema<br />
„Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten<br />
die aktuellen Entwicklungen für SCM<br />
und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten<br />
sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita),<br />
Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen<br />
Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan<br />
Huemer (Rexel); die Moderation übernahm<br />
Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).<br />
Mehr auf www.vnl.at<br />
(PN)
Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik<br />
gab es am 23. Und 24. Juni, den<br />
27. Logistik Dialog <strong>2022</strong>. Veranstalter<br />
BVL Bundesvereinigung Logistik lud<br />
diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue<br />
Event Location Vienna International<br />
Airport City Space und tatsächlich folgten<br />
mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung.<br />
Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an<br />
Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu<br />
„rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung,<br />
die wurde nämlich von der<br />
Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt:<br />
Gulasch aus der „Kanone“.<br />
BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte<br />
wohlwollend über die Veranstaltung mit dem<br />
Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte<br />
sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme.<br />
Schön zu sehen waren die viele persönlichen<br />
Gespräche zwischen den Keynotes, die sich<br />
an den Ständen anbahnten. Nach mehr als<br />
zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft<br />
sich die Branche wieder live. Wir haben uns<br />
wie viele andere auch den Weg durch die<br />
vielen Ausstellerstände gebahnt und jede<br />
Menge Spannendes gesehen: Menschen,<br />
Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige<br />
Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.<br />
An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen<br />
Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum<br />
war dementsprechend zum Bersten voll.<br />
Die Themen reichten dabei von „Supply Chain<br />
Fitness Now Europe“ über „Circular Regional<br />
Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud<br />
Crowd Share“ bis zum Special „Commerce<br />
Trend Service“. Durch die abschließende<br />
Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich<br />
gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne<br />
Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner.<br />
Leider konnten wir nicht zur Networkingnight<br />
am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen<br />
nach war diese aber sehr unterhaltsam.<br />
Die Stimmung in der Branche würden wir nach<br />
einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als<br />
gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen.<br />
Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog<br />
<strong>2022</strong> gedrehte Blogtour wieder:<br />
https://youtu.be/FPhCX-1KapQ<br />
Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche<br />
Probleme – Krieg am Rande Europas,<br />
mangelndes Personal insbesondere bei den<br />
Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten,<br />
hohe Inflationsraten etc. Aber die<br />
Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr<br />
denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen<br />
anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!<br />
Mehr auf www.bvl.at<br />
(PN)<br />
Dipl.Ing. Dr. Roman Stiftner,<br />
Präsident BVL Österreich
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S10<br />
HANDEL WIRTSCHAFT<br />
Teuerung:<br />
Inflation erreicht<br />
im Juni mit +8,7%<br />
neuen Höchststand<br />
Handelsverband erwartet Peak<br />
erst gegen Jahresende. Inflation<br />
erreicht höchstes Niveau seit<br />
September 1975. Preistreiber sind<br />
Energie und Treibstoffe. Der Handel<br />
hofft auf den "Midsummer Sale" als<br />
Umsatzbringer.<br />
BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />
Im Juni ist die Inflationsrate laut Schnellschätzung<br />
der Statistik Austria auf +8,7%<br />
angestiegen und hat damit das höchste<br />
Niveau seit September 1975 erreicht. Wie<br />
vom Handelsverband bereits im März prognostiziert,<br />
hat die zweite Teuerungswelle mittlerweile<br />
fast alle Bereiche erfasst und sich von<br />
Monat zu Monat verstärkt.<br />
Auch die Lebensmittelpreise werden nach Einschätzung<br />
des HV in den kommenden Wochen<br />
weiterhin zumindest leicht zulegen – insbesondere<br />
als Folge der gestiegenen Energie- und<br />
Treibstoffkosten sowie der anziehenden Verpackungs-<br />
und Logistikkosten. Der Ukraine-<br />
Krieg verstärkt überdies den Preisauftrieb bei<br />
Agrarrohstoffen und Dünger, was wiederum die<br />
Lebensmittelproduktion und -distribution verteuert.<br />
Zumindest die versorgungstechnische<br />
Lage der heimischen Lebensmittelhändler<br />
bleibt stabil. Der Lebensmittelhandel verzeichnet<br />
aktuell keine Engpässe.<br />
Inflations-Peak erst Ende des Jahres?<br />
"Der Ukraine-Krieg und die Zero-Covid-Strategie<br />
Chinas belasten die globalen Lieferketten<br />
weiterhin massiv. Dadurch hat sich die Teuerungswelle<br />
wie von uns prognostiziert verfestigt<br />
und stellt für alle Handelsformate eine existenzielle<br />
Herausforderung dar. Den Peak der<br />
Inflation erwarten wir erst gegen Jahresende",<br />
so die Einschätzung von Handelsverband-<br />
'Geschäftsführer Rainer Will.<br />
Zumindest bei den Erzeugerpreisen hat sich<br />
die Preisdynamik zuletzt laut Statistik Austria<br />
erstmals seit Mai 2021 nicht weiter beschleunigt.<br />
Die Teuerung lag im Mai bei +20,9%, im<br />
April waren es noch +21,6%.
„INVESTITION NACHHALTIGE LOGISTIK“<br />
Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />
Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />
in und für eine nachhaltige Logistik.<br />
Mehr auf logistik-express.com<br />
LOGISTIK express<br />
Ausgabe 3/2021<br />
Non-Food-Handel setzt auf "Midsummer Sale"<br />
Eines ist klar: Die Inflation schwächt die<br />
Kaufkraft der Bevölkerung. Viele Menschen<br />
sind jetzt gezwungen, ihre Einkaufsgewohnheiten<br />
zu ändern: Jeder zweite Österreicher<br />
muss sich beim Shoppen deutlich finanziell<br />
einschränken, drei Viertel der Kunden achten<br />
verstärkt auf Rabattaktionen und zwei Drittel<br />
kaufen verstärkt günstige Lebensmittel.<br />
Der heimische Non-Food-Handel muss angesichts<br />
der Kaufzurückhaltung und der negativen<br />
Konsumstimmung stärker auf Rabattaktionen<br />
setzen. Vielerorts wurde bereits der<br />
aus Skandinavien "importierte" sog. "Midsummer<br />
Sale" eingeläutet, um die Umsätze anzukurbeln.<br />
"Viele unserer Non-Food-Einzelhändler<br />
kämpfen mit den anhaltend hohen Rohstoffpreisen,<br />
welche die Bruttomargen weiter<br />
unter Druck bringen. Das ist nach 2,5 Jahren<br />
Pandemie mit mehreren Lockdowns und<br />
den altbekannten strukturellen Problemen<br />
für viele Betriebe ein sehr schwieriges Unterfangen.<br />
Trotz hoher Beschaffungskosten müssen<br />
viele Händler jetzt großzügige Preisrabatte<br />
gewähren, um ihre Liquidität zu sichern", sagt<br />
Branchensprecher Will.<br />
Entlastungspaket soll Kaufkraft ankurbeln<br />
Als wichtigste Maßnahme der Bundesregierung<br />
zur Abfederung der Inflation gilt das<br />
Teuerungs-Entlastungspaket. Dieses wurde<br />
Ende Juni im BGBl (Bundesgesetzblatt)<br />
veröffentlicht. Neben diversen Einmalzahlungen<br />
sieht das Paket u.a. die Möglichkeit<br />
vor, Beschäftigten in den Jahren <strong>2022</strong> und<br />
2023 eine steuer- und abgabenfreie Teuerungsprämie<br />
von jeweils bis zu 3.000 Euro<br />
auszuzahlen. Zudem ist eine Senkung des UV-<br />
Beitrages um 0,1 Prozentpunkte sowie die<br />
Verschiebung der CO2-Bepreisung auf<br />
Oktober vorgesehen. Entscheidend ist,<br />
dass die Maßnahmen jetzt rasch bei der<br />
Bevölkerung ankommen. (GK)<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S12<br />
HANDEL LOGISTIK<br />
Omnichannel<br />
Readiness Index:<br />
60% empfinden Online-<br />
Shopping inspirierend<br />
Handelsverband, Google und MindTake<br />
präsentierten die fünfte Ausgabe des<br />
Reports zur Digitalisierung des heimischen<br />
Handels. Hornbach Gesamtsieger. Thalia<br />
punktet bei Channel Integration.<br />
BEITRAG: ISABEL LAMOTTE<br />
Gekommen, um zu bleiben: Neue<br />
Online-Services, die sich pandemiebedingt<br />
etabliert haben,<br />
werden auch nach Corona weiter<br />
ausgebaut. Nachhaltigkeit und Regionalität<br />
sind den Konsumenten wichtig und Online-<br />
Shopping gilt als inspirierend. Dies sind zentrale<br />
Ergebnisse des fünften Omnichannel Readiness<br />
Index (ORI), der die Kunst beleuchtet,<br />
Online- und Offline-Vertriebskanäle zu verbinden.<br />
Dafür wurden 1.000 Konsumenten befragt<br />
und 44 führende österreichische Einzelhändler<br />
auf Herz und Nieren untersucht.<br />
„Der Kundenansprache vor dem Kauf kommt<br />
höchste Priorität zu. 60% der befragten Online-<br />
Käufer empfinden Online-Shopping als inspirierend,<br />
40% sogar als Spaß und Entspannung.<br />
Um den Kaufentscheidungsprozess optimal<br />
zu unterstützen, erwarten sich die Kunden<br />
zielgruppengerechten Content und einen<br />
Onlineshop, der als digitaler Zwilling der Wunschfiliale<br />
fungiert und das Sortiment gespiegelt<br />
abbildet. Die Trends reichen von Appointment-Shopping<br />
über Showrooming bis zu virtueller<br />
Live-Beratung“, bilanziert Rainer Will,<br />
Geschäftsführer des Handelsverbandes, die<br />
Ergebnisse des ORI, dem digitalen Benchmark<br />
des österreichischen Handels.<br />
Zielgruppengerecht emotional kommunizieren<br />
94 Prozent der befragten Händler bieten im<br />
Webshop zusätzlichen Content an, etwa Ratgeber-Texte,<br />
Videos, Expertentipps oder Look-<br />
Fotos – und neuerdings auch verschiedene<br />
Live-Formate. Das trägt Früchte: Knapp<br />
zwei Drittel der Konsumenten empfinden<br />
Online-Shopping als inspirierend. Insbesondere<br />
die jüngeren Zielgruppen assoziieren damit
neben Inspiration auch Spaß, Unterhaltung<br />
und Entspannung. Dennoch sind viele sehr<br />
pragmatische Potenziale im Omnichannel<br />
Retailing noch zu heben. 80 Prozent der Konsumenten<br />
wünschen sich etwa, den genauen<br />
Tag der Lieferung eines Produktes vor der Bestellung<br />
zu kennen – dies erfüllen nur 13 Prozent<br />
der analysierten Händler.<br />
78 Prozent der Konsumenten wollen die angezeigten<br />
Produkte im Webshop auf eine einzige<br />
Filiale einschränken können, um so gezielt<br />
- wie vor Ort im Laden – shoppen zu können,<br />
doch nur 19 Prozent der Händler nutzen ihre<br />
Bestandsdaten für einen solchen Filter. Das<br />
sind immerhin 7 Prozentpunkte mehr als im vergangenen<br />
Jahr.<br />
New Ways of Shopping<br />
Ein besonderes Augenmerk wurde im ORI <strong>2022</strong><br />
auf neue Formate gelegt. Aus der Not geboren<br />
beispielsweise war das Shoppen nach Terminvereinbarung<br />
– um die Zahl der Kunden im<br />
Geschäft pandemiebedingt zu kontrollieren.<br />
Die daraus entstandene Tugend heißt nun<br />
Appointment Shopping. Konsumenten können<br />
bei einem Händler online oder telefonisch<br />
einen Termin für den Einkauf in der Filiale vereinbaren.<br />
Während dieses Termins steht ein<br />
Berater exklusiv zur Verfügung. Optional können<br />
Kunden auch vorab schon Wünsche<br />
bekannt geben, sodass das Personal für den<br />
Termin gewisse Waren für die Begutachtung<br />
bereitstellen kann. Knapp die Hälfte der befragten<br />
Händler bietet Appointment Shopping<br />
bereits an, jeder zehnte Konsument hat<br />
das Angebot bereits genutzt und jeder Dritte<br />
gibt an, es wahrscheinlich wahrzunehmen.<br />
Ebenfalls auf dem Vormarsch ist das Konzept<br />
des Showroomings. Händler lagern nur wenige<br />
Stücke eines Artikels in der Filiale und nutzen<br />
den Platz stattdessen, um ein breites Angebot<br />
zu zeigen, zum An- und Ausprobieren.<br />
Der gewünschte Artikel wird dann nicht mitgenommen,<br />
sondern später nach Hause<br />
zugestellt. Dies finden 45 Prozent der Kunden<br />
attraktiv, mehr als die Hälfte der Händler praktizieren<br />
Showrooming bereits in ausgewählten<br />
Filialen oder planen ein solches Angebot.<br />
Bei den Händlern noch schleppend entwickelt<br />
sich das Scan & Go Modell, bei welchem<br />
Kund:innen in der Filiale mittels App ein Produkt<br />
selbst scannen und online bezahlen – und sich<br />
damit das Anstellen an der Kassa ersparen.<br />
39 Prozent der Kund:innen würde dies wahrscheinlich<br />
oder sehr wahrscheinlich nutzen, in<br />
der Zielgruppe der 18-29-jährigen sogar mehr<br />
als die Hälfte. Allerdings bieten dies nur 14<br />
Prozent der befragten Händler zumindest in<br />
ausgewählten Filialen an. Einige planen ein<br />
entsprechendes Service, aber mehr als die<br />
Hälfte der Händler gibt an, dass dies derzeit<br />
kein Thema für sie ist.<br />
Beliebt bei Handel und Konsumenten sind<br />
auch Live-Formate. Ein Drittel der Händler<br />
bietet Live-Beratung im Online-Shop an, zum<br />
Beispiel in Form einer Video-Konferenz, um<br />
Produkte vorzuführen oder eine Küchenplanung<br />
anzubieten. Ein Viertel der befragten<br />
Händler hat sich schon am virtuellen Live-<br />
Shopping versucht – ein Livestream, bei<br />
welchem Personen (z.B. Influencer:innen)<br />
Produkte testen und weiterempfehlen.<br />
Konsument:innen können per Chat Fragen zu<br />
den Produkten stellen, welche Ihnen direkt live<br />
beantwortet werden. Dieses Format finden 21<br />
Prozent der Konsumenten spannend, allen<br />
voran Bewegtbild-verwöhnte 18-29-jährige (33<br />
Prozent).
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S14<br />
"Wir sehen vor allem in der jüngeren Zielgruppe<br />
(Gen Z), dass sie zu Marken eine Verbindung<br />
aufbauen möchten. Sie wollen inspiriert<br />
werden, eine Geschichte erzählt bekommen<br />
und „brand love“ aufbauen. Hierfür sind visuelle<br />
Bewegtbild-Formate besonders gut geeignet.<br />
Um sich für die Zukunft zu wappnen,<br />
gilt es, diese Zielgruppe heute für sich zu<br />
gewinnen, da sie bis 2030 etwa 16% der privaten<br />
Ausgaben ausmachen werden," so Lili<br />
Pajer, Retail Lead bei Google.<br />
Nachhaltigkeit und Regionalität: Bitte gut<br />
sichtbar im Online-Shop<br />
Dass Händler nachhaltig agieren, ist für zwei<br />
Drittel der Konsument:innen wichtig, etwa<br />
durch nachhaltige Zustellung oder ökologische<br />
Produkte und Verpackungen. Auch<br />
Regionalitätsbemühungen werden hochgeschätzt.<br />
Darauf haben die befragten Händler<br />
Antworten: 76 Prozent setzen auf ein Angebot<br />
nachhaltig zertifizierter Produkte, 65 Prozent<br />
praktizieren aktiv Verpackungsreduktion, 62<br />
Prozent optimieren ihre Lieferketten – und 60<br />
Prozent der analysierten Händler zeigen dies<br />
gut sichtbar im Webshop auf einer Nachhaltigkeitsseite.<br />
Hornbach ist Gesamtsieger, Thalia erreicht<br />
100% im Bereich Channel Integration<br />
Den ORI-Gesamtsieg hat sich <strong>2022</strong> Hornbach<br />
gesichert, gefolgt von Kastner&Öhler und<br />
Gigasport. Der Omnichannel Readiness Index<br />
bringt aber auch Kategorie-Sieger hervor:<br />
Thalia hat zum zweiten Mal in Folge die vollen<br />
100% in der Omnichannel-Königsdisziplin<br />
„Channel Integration“ erreicht. Der Buchhändler<br />
bietet maximale Flexibilität bei der<br />
Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig<br />
und nahtlos, Click & Collect,<br />
Reserve & Collect, Retoure online bestellter<br />
Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7<br />
Abholung, rasche Bereitstellung der Click &<br />
Collect Waren, und dies stets kostenlos.<br />
Es freut uns immer wieder zu sehen, dass der<br />
Omnichannel Readiness Index ein etabliertes<br />
Tool ist, mit dem Händler aktiv an ihren Potenzialen<br />
arbeiten“, so Martina Oberrauch,<br />
Studienleiterin und Senior Research Consultant<br />
bei MindTake Research.<br />
Diese Händler legen die Messlatte:<br />
ORI Branchensieger:innen<br />
Wohnen, Einrichten & Heimwerken:<br />
Hornbach (78%)<br />
Fashion & Accessoires: Kastner & Öhler (76%)<br />
Sport: Gigasport (75%)<br />
Bücher & Papierbedarf: Libro (73%)<br />
Drogerie: Marionnaud (68%)<br />
Computer & Elektro(nik): Hartlauer (68%)<br />
Lifestyle & Hobby: Tchibo (68%)<br />
Lebensmitteleinzelhandel: Billa (68%)<br />
ORI Kategoriesieger<br />
Mobile Friendliness: Deichmann (99%)<br />
Transparenz & Vertrauen: Billa (86%)<br />
Personalisierung, Loyalty und Sharing:<br />
Hornbach (86%)<br />
Flexible Kontaktmöglichkeiten:<br />
Kastner & Öhler, Gigasport (77%)<br />
Payment, Fulfillment & Returns:<br />
Kastner & Öhler, Gigasport (84%)<br />
Wegweiser in die Filiale: Interspar, dm,<br />
Palmers, Hartlauer (99%)<br />
Channel Integration: Thalia (100%)<br />
Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes<br />
werden allen Handelsverband-<br />
Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung gestellt.<br />
Für KMU Händler ist die HV-Mitgliedschaft<br />
im Rahmen von www.kmu-retail.at<br />
kostenfrei. (IL)<br />
„Zusätzlich ist es besonders spannend zu<br />
analysieren, welche Händler sich in Hinblick<br />
auf ihr Omnichannel-Angebot im Vergleich zur<br />
Vorjahres-Studie besonders positiv ent-wickelt<br />
haben. In diesem Jahr zählen Libro, dm, Hartlauer,<br />
Ikea und Intersport zu den Top-Aufsteigern,<br />
weil sie etliche – von Kunden gewünschte<br />
– Features nun zusätzlich anbieten.<br />
Download der Studienergebnisse<br />
Das Überblicksposter, der<br />
Berichtsband der Studie sowie die OPEN<br />
ORI Kriterien-Checkliste können über<br />
www.handelsverband.at/ori kostenfrei<br />
heruntergeladen werden.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S16<br />
HANDEL LOGISTIK<br />
Ukraine-Krieg und<br />
Inflation lassen<br />
Handelsumsätze<br />
um -14% einbrechen<br />
Bundesweite Händlerbefragung: 75% der<br />
Betriebe kämpfen mit Lieferverzögerungen,<br />
41% mit Personalmangel. Enorme Preissteigerungen<br />
in Beschaffung sind die Herausforderung<br />
für Einzelhändler.<br />
BEITRAG: RAINER WILL<br />
Der Ukraine-Krieg und die pandemiebedingten<br />
Kapazitätseinschränkungen<br />
in Asien haben die<br />
Preise in ganz Europa in die Höhe<br />
getrieben. Die aktuelle Teuerungswelle hat<br />
sich wie prognostiziert verfestigt und stellt zunehmend<br />
für alle Handelsformate und Warengruppen<br />
eine existenzielle Herausforderung<br />
dar. Hinzu kommt ein Personalmangel von<br />
historischem Ausmaß: Rund 20.000 offene Stellen<br />
können allein im Einzelhandel nicht zeitnah<br />
besetzt werden. Wie es den heimischen<br />
Händlerinnen und Händlern – vom KMU bis zum<br />
filialisierten Konzern – derzeit geht, hat der Handelsverband<br />
in einer Blitzumfrage analysiert.<br />
Händlerbefragung – die Ergebnisse stimmen<br />
besorgniserregend:<br />
Die österreichischen Händler erwarten für das<br />
Gesamtjahr <strong>2022</strong> (im Vergleich zu 2019) einen<br />
Umsatzverlust von -14% aufgrund des Ukraine-<br />
Kriegs und der Inflation.<br />
75% der heimischen Händler verzeichnen<br />
aktuell Lieferverzögerungen bzw. -engpässe.<br />
41% haben derzeit mit Personalmangel<br />
zu kämpfen. Bei 15% aller Betriebe ist<br />
deshalb nur ein eingeschränkter Betrieb(bis<br />
hin zu Filialschließungen) möglich. Ein Fünftel<br />
der Branche leidet unter verstärkter Personalfluktuation.<br />
Der Umsatz in Q2/<strong>2022</strong> ist gegenüber<br />
Q2/2021 um durchschnittlich -8% zurückgegangen.<br />
Die Kundenfrequenz in Q2/<strong>2022</strong><br />
hat sich gegenüber Q2/2021 um -12% reduziert.<br />
Als größte Herausforderungen nennen<br />
die Händler die enormen Preis- und Kostensteigerungen<br />
(in Beschaffung, Logistik,<br />
etc.) sowie Beschaffungsengpässe & Lieferverzögerungen<br />
im Einkauf.
Der Handel steckt in einem Dilemma<br />
Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutlich,<br />
welche massiven Folgen die Teuerungswelle<br />
auf den österreichischen Handel hat, Einerseits<br />
legen die Beschaffungspreise immer mehr<br />
zu und andererseits gehen die Umsätze der<br />
Händler durch die Kaufkraftreduktion immer<br />
deutlicher zurück. Die Kundenfrequenz ist zuletzt<br />
um 12 Prozent eingebrochen. Selbst beim<br />
Kauf von Lebensmitteln gibt es inzwischen<br />
spürbare Verschiebungen. Zwei Drittel der<br />
Konsumentinnen und Konsumenten achten<br />
bewusst darauf, wie viel sie für den täglichen<br />
Einkauf ausgeben und greifen vermehrt zu<br />
günstigeren Produkten. Aufgrund der Inflation<br />
treten immer mehr Wechselkäufer auf, die<br />
statt zu Bio eher zu konventionellen Produkten<br />
greifen müssen.<br />
Die Crux für den Handel: Einerseits müssen<br />
Waren so teuer wie noch nie beschafft<br />
werden, andererseits ist bereits jeder zweite<br />
Österreicher gezwungen, sich finanziell einzuschränken.<br />
Die Inflation frisst sich von den<br />
Geringverdienern bis in den Mittelstand hinauf<br />
und verfestigt sich immer mehr in weiten Teilen<br />
der Bevölkerung.<br />
Mietvertragsgebühr abschaffen und regionalen<br />
Handel entlasten!<br />
Vor diesem Hintergrund ist das dreistufige Anti-Teuerungspaket<br />
der Bundesregierung ein<br />
wichtiges Signal. Die strukturellen Entlastungen<br />
zur Stärkung der Kaufkraft treten zwar später<br />
als erhofft in Kraft, aber insbesondere die<br />
Abschaffung der kalten Progression und der<br />
Startschuss für die Senkung der Lohnnebenkosten<br />
sind langjährige Kernforderungen des<br />
Handelsverbandes, die nun Stück für Stück<br />
umgesetzt werden. Klar ist aber auch, dass wir<br />
weiterhin auf Platz 3 der EU-Staaten mit den<br />
höchsten Lohnnebenkosten bleiben werden,<br />
daher hoffen wir auf weitere Schritte in diesem<br />
Bereich. Die Erhöhung des Klimabonus auf 500<br />
Euro ist ebenso sinnvoll wie die Zusatzzahlung<br />
zur Familienbeihilfe und die Möglichkeit<br />
für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten eine<br />
Mitarbeiterprämie von 3.000 Euro steuerfrei<br />
auszubezahlen.<br />
Eine gezielte Entlastung von mitarbeiterintensiven<br />
KMU-Betrieben mit regionaler<br />
Wertschöpfung durch deren Betriebsstätte in<br />
Österreich steht seit langem aus: Daher erneuert<br />
der Handelsverband seine Forderung<br />
nach einer Abschaffung der Mietvertragsgebühr.<br />
Diese umgangssprachlich als "Papierverbrauchssteuer"<br />
bezeichnete Gebühr aus der<br />
Zeit Maria Theresias ist Gift für den Beschäftigungs-<br />
und Wirtschaftsstandort Österreich und<br />
kostet heimische Händler tausende Euro im<br />
Jahr, noch bevor diese überhaupt den ersten<br />
Euro verdienen können. Damit werden lenkungspolitisch<br />
genau jene Geschäftsmodelle<br />
belastet, die wir eigentlich unterstützen sollten.<br />
Ein Unikum, denn innerhalb der EU ist Österreich<br />
der letzte Nationalstaat, der eine solche<br />
Abgabe einfordert.<br />
Über die Befragung<br />
Die Corona-Blitzumfrage des Handelsverbands<br />
fand von 14. bis 20. Juni <strong>2022</strong><br />
statt. 172 Handelsbetriebe (39 stationäre<br />
Händler, 16 reine Online-Händler und 117<br />
Omnichannel-Händler) aller Größenklassen<br />
aus dem Kreis der über 4.500 Mitglieder des<br />
Handelsverbandes haben an der Online-<br />
Befragung zu den Auswirkungen des Ukraine-<br />
Krieges und der Inflation teilgenommen.<br />
(RW)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S18<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
eCommerce Day <strong>2022</strong><br />
versammelte<br />
Retail Rockstars &<br />
Gamechanger in Wien<br />
Mehr als 300 Teilnehmer:innen beim Gipfeltreffen<br />
der heimischen eCommerce Branche.<br />
Austrian Trustmark Awards an Hornbach,<br />
Lampenwelt und Julius Meinl am Graben<br />
verliehen.<br />
BEITRAG: HANDESVERBAND<br />
Am Mittwoch, 22. Juni, war es wieder<br />
soweit: Das Who is Who der heimischen<br />
Handelsbranche kam beim<br />
eCommerce Day des Handelsverbandes<br />
im Nordlicht Wien zusammen. HV-<br />
Präsident Stephan Mayer-Heinisch und HV-<br />
Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22.<br />
Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses,<br />
Puls4-Anchor Werner<br />
Sejka moderierte charmant durch das Tagesprogramm.<br />
Die Themenpalette reichte von<br />
Influencer Marketing im eCommerce über<br />
neue Shopsysteme, Nachhaltigkeit als Megatrend<br />
und innovative Paymentlösungen bis<br />
hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und<br />
Retourenmanagement 3.0.Unter dem Kongressmotto<br />
#gamechanger sorgten phänomenale<br />
Branchenexperten mit ihren Keynotes,<br />
Best Practices, im Fireside Chat sowie bei den<br />
Podiumsdiskussionen für Begeisterung bei den<br />
mehr als 300 Teilnehmer. Live on Stage waren<br />
dieses Mal u.a. der YouTube-Star, Influencer<br />
und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie<br />
Marcin Glod, Influencerin Vada Müller<br />
sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill.<br />
Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde<br />
spannende Antworten auf die<br />
Frage, wie "Rockstar-Marketing" in der Praxis<br />
funktioniert.<br />
Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum,<br />
Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter,<br />
shöpping-Geschäftsführer<br />
Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer),<br />
Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard<br />
Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite),<br />
Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald<br />
Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP),<br />
Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK<br />
Mobility), Nick Holscher (Connected Retail
y Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria),<br />
Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber<br />
(EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian<br />
Steinwender (Concardis Nets Group), Lili<br />
Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue<br />
Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie<br />
Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox)<br />
und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria)<br />
sowie Isabel Lamotte (Handelsverband) rundeten<br />
das erstklassige Lineup ab. In der traditionellen<br />
Startup Session durften Franz Tretter<br />
(hello again), Markus Fallenböck (Userwerk),<br />
Manuel Messner (Mazing), Annabell Ocsofszki<br />
(Youbuyda), Bernhard Reiterer (SignD) und<br />
Paul Varga (Playbrush) pitchen was das Zeug<br />
hält. Ein Highlight der Veranstaltung war die<br />
Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark<br />
Awards <strong>2022</strong> unter der Schirmherrschaft<br />
von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head<br />
of Business Development Digital, Mastercard)<br />
und Rainer Will für herausragende, innovative<br />
eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.<br />
Gewinner in der Kategorie "Best Mobile<br />
Performance": Julius Meinl am Graben.<br />
Gewinner in der Kategorie "Best<br />
Omnichannel Experience": Hornbach.<br />
Gewinner in der Kategorie "Best<br />
Online Shop": Lampenwelt.<br />
Der Handelsverband und Mastercard gratulieren<br />
den drei Gewinnern herzlich.<br />
Der eCommerce Day <strong>2022</strong> wurde großzügig<br />
unterstützt von den Platin-Sponsoren Österreichische<br />
Post, Salesforce, Sintra Consulting,<br />
Google & Mastercard sowie den Gold-Partnern<br />
Bluecode, Coeo, CRIF, DHL, Fiege, LINK<br />
Mobility, MyFlexbox, Nexi, OÖ Nachrichten,<br />
Visa und Zalando Connected Retail.<br />
(RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S20<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
Ausgaben im Onlinehandel<br />
wachsen um<br />
+8% und knacken<br />
10 Mrd. Euro Marke<br />
eCommerce Studie Österreich: Renommierteste<br />
Studie des österreichischen Onlinehandels<br />
mit 10-Jahresvergleich. Handyshopping<br />
wächst mit +20% weiterhin dynamisch.<br />
Retourenquote bei Mode sinkt auf 43%.<br />
BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />
Die brandneue 13. Ausgabe der<br />
bundesweiten "eCommerce Studie<br />
Österreich" des Handelsverbandes<br />
in Kooperation mit der KMU<br />
Forschung Austria zeigt unerwartete Pandemie-<br />
und inflationsbedingte Veränderungen:<br />
ein neues Allzeit-Ausgabenhoch im Onlinehandel,<br />
einen signifikanten negativen Zusammenhang<br />
zwischen ökologischem Bewusstsein<br />
und Einkauf im ausländischen Distanzhandel,<br />
ein dynamisches Wachstum im Mobile<br />
Commerce sowie Stagnation bei Voice<br />
Commerce.<br />
Online-Shopping wächst moderat um +8%,<br />
Auslandsabfluss sinkt minimal von 55% auf 54%<br />
"Die österreichischen eCommerce-Ausgaben<br />
sind bis Ende April <strong>2022</strong> im Vorjahresvergleich<br />
um acht Prozent gewachsen und<br />
knacken damit erstmals die 10 Milliarden<br />
Euro Marke. Der relative Zuwachs hat sich<br />
allerdings zuletzt deutlich reduziert. Von den<br />
10,4 Milliarden Euro Onlineumsatz entfallen<br />
bereits 2,4 Milliarden auf den Mobile Commerce<br />
– der rapide um 20 Prozent zulegen<br />
konnte", kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer<br />
des Handelsverbandes, die zentralen<br />
Ergebnisse der Studie. Vor allem das Smartphone-Shopping<br />
zeigt das geänderte Kaufverhalten<br />
und ist so beliebt wie nie zuvor. Die<br />
heimischen Webshops profitieren vom wachsenden<br />
Markt allerdings nur begrenzt, da mehr<br />
als jeder Zweite im Online-Ausland bestellt.<br />
Durch diesen milliardenschweren Kaufkraftabfluss<br />
finanzieren unsere Konsumentinnen<br />
und Konsumenten bis zu 30.000 Arbeitsplätze<br />
außerhalb Österreichs. Immerhin sinkt die Auslandsabfluss-Quote<br />
im Vergleich zum Vorjahr<br />
minimal von 55% auf 54%.
Top-Warengruppen im Distanzhandel:<br />
Bekleidung, Elektro & Möbel<br />
"<strong>2022</strong> erledigen bereits 76% bzw. rund 5,8 Millionen<br />
Österreicherinnen und Österreicher ihre<br />
Einkäufe im Distanzhandel. Die Top-Warengruppen<br />
sind heuer Bekleidung mit 2,1 Milliarden,<br />
Elektrogeräte mit 1,4 Milliarden und<br />
Möbel mit 0,9 Milliarden Euro Umsatz", erklärt<br />
Studienleiter Wolfgang Ziniel, Senior Researcher<br />
bei der KMU Forschung Austria. Spannend:<br />
Die stärksten Ausgabenzuwächse verzeichnen<br />
<strong>2022</strong> die Sektoren Einrichtung mit +13%, Computer<br />
mit +9% sowie Elektronikgeräte mit +8%.<br />
Retourenquote bei Bekleidung sinkt<br />
von 47% auf 43%<br />
"Rund 14 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben<br />
der österreichischen Privathaushalte<br />
fließen bereits in den Onlinehandel, ein<br />
neuer Höchstwert. Im Schnitt gibt jede Kundin<br />
und jeder Kunde bereits 1.930 Euro pro Jahr<br />
im Distanzhandel aus", sagt Harald Gutschi,<br />
UNITO-Geschäftsführer sowie Vizepräsident<br />
des Handelsverbandes und Leiter der Plattform<br />
"eCommerce, Marktplätze & Versandhandel".<br />
Einen deutlichen Rückgang<br />
verzeichnet heuer die Retourenquote bei<br />
Bekleidung. 2021 retournierten noch 47%<br />
der Distanzhandelskäufer:innen zumindest<br />
einen Teil der bestellen Mode, <strong>2022</strong> sind es<br />
43%. Auch bei Schuhen geht die Retourenquote<br />
von 30% auf 25% signifikant zurück. "Die<br />
Gründe sinkender Retouren liegen in besseren<br />
Produktdaten und Beschreibungen, im nachhaltigeren<br />
Kundenverhalten, in schnellerer<br />
Lieferung und ehrlicheren Lieferinformationen,<br />
in der Digitalisierung aller Geschäftsprozesse<br />
inklusive Nutzung der App und im<br />
aktiven Auswahlprozess von Bestellungen vor<br />
dem Bildschirm", ist Gutschi überzeugt.<br />
Stagnation für Voice Commerce: Sprachassistenten<br />
bleiben ein Nischenprogramm<br />
Der in den letzten Jahren medial gehypte<br />
Voice Commerce hat in Österreich hingegen<br />
weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen<br />
und konnte zuletzt kaum zulegen: "16 Prozent<br />
der heimischen Verbraucherinnen und Verbraucher<br />
nutzen internetbasierte persönliche<br />
Assistenten wie Amazon Echo oder Google<br />
Home. Allerdings verwenden nur 60.000 Menschen<br />
Alexa & Co. für Bestellungen im Onlinehandel.<br />
Die Sprachassistenten bleiben<br />
beim tatsächlichen Kaufabschluss zwar ein<br />
Nischenprogramm, jedoch darf der Grad<br />
der Beeinflussung vor der Kaufentscheidung<br />
durch personalisierte Werbung und technisch<br />
immer versiertere Sprachassistenten im<br />
höchstpersönlichen Umfeld nicht unterschätzt<br />
werden.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S22<br />
Trend zu Regionalität & Ökologie auch beim<br />
Online-Einkauf<br />
Umweltbewusstes, nachhaltiges Einkaufsverhalten<br />
wird auch im eCommerce immer mehr<br />
zum Thema. Die heimischen Online-Käufer<br />
achten vor allem auf Regionalität und kurze<br />
Lieferwege, sie entscheiden sich bei zwei<br />
gleichwertigen Produkten für das umweltfreundlichere<br />
Angebot.<br />
"Das ökologische Bewusstsein spiegelt sich<br />
zwar nicht in der Häufigkeit der Online-Einkäufe<br />
oder bei der Höhe der Ausgaben für Internet-<br />
Einkäufe wider, ist aber eindeutig bei den<br />
Shopping-Aktivitäten im Distanzhandel außerhalb<br />
Österreichs zu beobachten. Je wichtiger<br />
den Kunden Regionalität und Nachhaltigkeit<br />
ist, desto weniger kaufen sie im ausländischen<br />
Onlinehandel ein und desto stärker bevorzugen<br />
sie heimische Händler", bestätigt Rainer<br />
Will.<br />
Über die Studie<br />
Die "eCommerce Studie Österreich - Konsumentenverhalten<br />
im Distanzhandel" wird<br />
jährlich von der Plattform "eCommerce,<br />
Marktplätze & Versandhandel" des Handelsverbands<br />
bei der KMU Forschung Austria in<br />
Auftrag gegeben. Im Mittelpunkt der Studie<br />
stehen Fragestellung zu Ausgaben im österreichischen<br />
eCommerce, Verteilung nach Bestellkanälen,<br />
Warengruppen, Bezahlformen,<br />
Retouren etc.<br />
Methode: Die Ergebnisse der Studie basieren<br />
für jeden Analysezeitraum auf einer umfangreichen,<br />
telefonischen Befragung von 1.100<br />
Österreicher (ab 15 Jahren), auf Basis eines<br />
standardisierten Fragebogens mit geschlossenen<br />
Fragen. Die Stichprobenziehung erfolgt<br />
im Quotenverfahren nach Geschlecht, Alter,<br />
Bundesland – repräsentativ für die österreichische<br />
Bevölkerung ab 15 Jahre. Die Feldphase<br />
dauerte von Mai 2021 bis April <strong>2022</strong>. (GK)<br />
Kosten der Studie:<br />
Mitglieder Plattform<br />
Versandhandel & E-Commerce: kostenfrei<br />
Mitglieder & Partner des<br />
Handelsverbands: € 149,-<br />
Sonstige Unternehmen: € 299<br />
LOGISTIK<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S24<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
Sektorspezifischer<br />
Datenschutz für<br />
Warenzustellung<br />
Verhaltensregeln für Postdiensteanbieter um<br />
Bereich des Datenschutzes.<br />
GASTBEITRAG: LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />
Die fortschreitende Digitalisierung<br />
des modernen Handels und die<br />
damit verbundene Warenzustellung<br />
hat zur Harmonisierung der<br />
Datenformate geführt. Neben einer eindeutigen<br />
Kennzeichnung der Sendungen beinhaltet<br />
das auch den verpflichtenden Vorabaustausch<br />
von Daten zu den Einzelhandelswaren<br />
in den Warensendungen mit der Zustelldiensten,<br />
sowie den Betreibern von unbeaufsichtigten<br />
An- und Abgabeeinrichtungen.<br />
Die Harmonisierung der Daten zu jeder Warensendung<br />
ist in der EU seit dem 1. Juli 2021<br />
umgesetzt. Daten zu den Sendungen, die<br />
zwischen Postbetreibern im grenzüberschreitenden<br />
Postverkehr ausgetauscht werden,<br />
müssen bereits seit 1.1.2021 weltweit normierten<br />
Spezifikationen folgen. Das europäische<br />
EU-Zolldatenmodell folgt dem globalen Postdatenmodell<br />
des Weltpostvereins und gilt für<br />
alle Post-, Kurier-, Express- und Paketzustellbetreiber.<br />
Die beschriebenen Daten sind in der Regel Daten,<br />
die dem Regelungsbereich der DSGVO<br />
unterworfen sind. Personenbezogene Daten<br />
fließen nahtlos durch Warenwirtschaftsketten,<br />
einschließlich des EU-weiten Datenaustausches<br />
mit Behörden und Unternehmen.<br />
Genauso wie jetzt im Bereich der Postsendungszustellung,<br />
wird das Teilen der Daten<br />
die Regel und bleibt nicht die Ausnahme.<br />
Selbstregulierung über Verhaltensregeln nach<br />
Artikel 40 DSGVO<br />
Verhaltensregeln („Codes of conduct“) gemäß<br />
Art. 40 DSGVO bieten eine Methode zur<br />
Selbstregulierung, um Rechtsunsicherheiten im<br />
Zusammenhang mit der DSGVO und der Verarbeitung<br />
personenbezogener Daten innerhalb<br />
des Postmarktes zu beseitigen. Verhaltensregeln<br />
stellen Leitlinien einer guten Datenschutzpraxis<br />
dar und sollen die datenschutzrechtliche<br />
Verhaltensweise von Verantwortlichen<br />
und Auftragsverarbeiter standardisieren.<br />
Die Ausarbeitung von Verhaltensregeln soll<br />
vor allem den besonderen Bedürfnissen von<br />
Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittleren<br />
Unternehmen dienen, die Daten zur Zustellung<br />
von Sendungen vorab übernehmen<br />
und nach den individuellen Präferenzen der<br />
Konsumenten Warensendungen, etwa auch<br />
in unbeaufsichtigte Abgabeeinrichtungen,<br />
zustellen. Dabei sind die Zustelldaten (die bei<br />
Warensendungen auch Daten über den Inhalt<br />
und den Wert der Sendungen umfassen)<br />
10 Jahre aufzuheben.<br />
Normung von Verhaltensregeln bei Austrian<br />
Standards<br />
Als Grundlage hierfür wurde ein Projektantrag<br />
zur Erarbeitung einer ÖNORM S 2691 "Postalische<br />
Dienstleistungen – Verhaltensregeln für<br />
Postdiensteanbieter im Bereich des Datenschutzes"<br />
im Komitee 269 "Nachhaltige Städte<br />
und Gemeinden eingebracht. Der Projektantrag<br />
liegt seit kurzem zur Prüfung und Stellungnahme<br />
im Normen-Entwurf-Portal von Austrian<br />
Standards vor.<br />
Als internationales Netzwerk logistic-natives<br />
e.V. arbeitet an dieser Thematik aktiv mit und<br />
hat ein Positionspapier dazu entworfen. Wer<br />
Interesse an der Thematik oder an einer Gestaltung<br />
der Zukunft des Marktes hat, meldet<br />
sich bei Florian.Seikel@logistic-natives.com<br />
oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com.
NEUER JOB<br />
gesucht?<br />
https://network.logistik-express.com<br />
UNSER JOBSERVICE
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S26<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
Messbarer<br />
ökologischer Fußabdruck<br />
macht Paketsendungen<br />
nachhaltig<br />
GASTBEITRAG: LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />
Über vierhundert Millionen Kurier-, Express-<br />
und Paketsendungen (KEP)<br />
werden in Österreich <strong>2022</strong> zugestellt,<br />
gut zehn Prozent mehr als im Jahr<br />
davor. Eine große Herausforderung für die Logistikbranche,<br />
denn auch das Bewusstsein der<br />
Kund*innen für die Gefahren des Klimawandels<br />
ist gewachsen. Gefordert wird Nachhaltigkeit<br />
beim Transport der Sendungen. Die Methodiken<br />
zur Berechnung und Ausweisung von<br />
Treibhausgas-Emissionen und Luftschadstoffen<br />
bei der Paketbeförderung sind dabei eine<br />
wichtige Grundlage zur Umsetzung und zum<br />
Nachweis des Einhaltens der Klimaschutzziele.<br />
Digitalisierung ermöglicht Ökologisierung<br />
Der digital gestützte Einzelhandel mit seinen<br />
Konsument*innen und dessen Zustellung in<br />
Form von Paketsendungen ermöglicht erst<br />
die Ökologisierung. Daten zu jedem Paket,<br />
zu dessen Inhalt sowie Verpackung werden<br />
digital gesammelt und verknüpft mit Informationen<br />
zu Annahme, Transport, Fracht, Lager,<br />
Depots sowie Abgabe der Paketsendungen.<br />
Die dazu notwendigen Grundlagen werden<br />
in der europäischen und weltweiten Normung<br />
erarbeitet.<br />
Mit OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis<br />
and Reporting) haben die 192 Mitgliedsstaaten<br />
des Weltpostvereins (Sonderorganisation<br />
der Vereinten Nationen) ein sektorspezifisches<br />
Mess- und Berichtswesen zur Darstellung<br />
des ökologischen Fußabdrucks von Warensendungen<br />
entwickelt. Über eine interaktive<br />
Online-Plattform können Postunternehmen,<br />
und bald auch Versender weltweit, in über<br />
den Weltpostverein ihre Treibhausgasemissionen<br />
analysieren, melden sowie Möglichkeiten<br />
zur Verringerung der Treibhausgasemissionen<br />
identifizieren. So findet eine Ende-zu-Ende<br />
Messung auf Einzelsendungsebene statt: lokal,<br />
regional und weltweit.<br />
Normung als Grundlage der<br />
Geschäftstätigkeit<br />
Nachhaltigkeitsberichte und Nachweise folgen<br />
gesetzlichen und normativen Vorgaben.<br />
OSCAR basiert z. B. auf der Messmethodik des<br />
Greenhouse Gas-Protokolls und ist ebenso mit<br />
der internationalen Norm ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme<br />
sowie der Global<br />
Reporting Initiative abgestimmt. Normen ermöglichen<br />
dabei Zertifizierungen und Audits,<br />
aber auch politische Lenkungsmaßnahmen,<br />
wie z. B. Förderungen, Quotenregistrierung<br />
und Re-finanzierung.<br />
Für die Wirtschaftsbeteiligten ist es bei der fortschreitenden<br />
Digitalisierung und Ökologisierung<br />
des Einzelhandels entscheidend genau<br />
zu wissen, wie Datenstrukturen und Prozesse<br />
miteinander Hand in Hand funktionieren. Dies<br />
basiert auf österreichischen, europäischen<br />
und internationalen Normen.<br />
„Leuchtturmbeispiel“ von Normung<br />
für Konsumenten<br />
Mit verbindlichen, postsektorspezifischen Messnormen<br />
zum ökologischen Fußabdruck in der
Paketzustellung kann die CO²- oder THG- Belastung<br />
pro Paketsendung dargestellt werden.<br />
Wettbewerber werden diese verbindliche<br />
Norm nutzen, um sich von ihren Konkurrenten<br />
abzugrenzen. Auch die EU-Kommission unterstützt<br />
die Harmonisierung des unionsweiten<br />
ökologischen Zustellmarktes auf Basis der Postdienste-Richtlinie<br />
durch ein fünftes Mandat an<br />
die europäische Normungsorganisation CEN.<br />
Als Grundlage hierfür wurde die Europäischen<br />
Norm ÖNORM EN 17837 "Ökologischer Fußabdruck<br />
der Paketzustellung - Methodik zur Berechnung<br />
und Deklaration von THG-Emissionen<br />
und Luftschadstoffen von Paketlogistik-Zustelldiensten"<br />
erarbeitet. Der Norm-Entwurf liegt<br />
seit kurzem zur Prüfung und Stellungnahme im<br />
Normen-Entwurf-Portal von Austrian Standards<br />
vor. Nach Erscheinen wird die Norm nach den<br />
Vorgaben des Unionsrechts im Amtsblatt der<br />
EU-Kommission als „Stand der Technik“ für den<br />
Postmarkt der EU veröffentlicht.<br />
CO² und THG-Emission Messnormen als Grundlage<br />
eines verbindlichen Berichtswesens<br />
Die normierte Ende-zu-Ende Messung auf Einzelsendungsebene,<br />
gestützt auf ein lokal, regional<br />
und weltweit verankertes Berichtswesen<br />
von 192 Staaten wird die Einzelhandelswarenzustellung<br />
nachhaltig und transparenter machen.<br />
Jene, die allerdings nicht über die notwendigen<br />
Daten, Nachweise oder Berichte<br />
verfügen, oder aber Transport- und Zustelllösungen<br />
einsetzen die mäßig oder nicht den<br />
Vorgaben einer nachhaltigen Zustellung entsprechen,<br />
werden mit entsprechenden Steuerungsmaßnahmen<br />
rechnen müssen. (RED)<br />
Wer weitere Details über das Thema erfahren<br />
möchte oder aktiv an der Ausgestaltung der<br />
Zukunft mitarbeiten möchte, wendet sich bitte<br />
an Florian.Seikel@logistic-natives.com oder an<br />
Walter.Trezek@logistic-natives.com.<br />
logistic-natives e.V.,
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S28<br />
INTRALOGISTIK<br />
Digitalisierung macht<br />
die Lieferketten fit:<br />
Planungssicherheit als<br />
Schlüssel zum Erfolg<br />
Kaum ein Tag der letzten zwei Jahre verging<br />
ohne Störungen in der Lieferkette, aktuelle Entwicklungen<br />
lassen darauf schließen, dass das<br />
noch länger so bleibt. Unter dem neuen Motto<br />
#bringiton möchte Dematic den Kunden<br />
signalisieren, dass sie Lösungen für die intralogistischen<br />
Herausforderungen parat hat –<br />
um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu<br />
sichern. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
Der Markt und das Verbraucherverhalten<br />
haben sich grundlegend<br />
verändert. Ginge es nach dem<br />
Ideal der Onlineshopper, würde<br />
schon wenige Sekunden nach dem Klick der<br />
Postbote klingeln. Das ist natürlich utopisch,<br />
aber same-day-delivery ist durchaus bereits<br />
ein Thema. Die Grundlage dafür bietet eine<br />
Hochleistungslogistik: intelligente Logistiksoftware,<br />
präzise Intralogistik und skalierbare<br />
Systeme von Dematic unterstützen dabei,<br />
Kundenbedürfnisse zu antizipieren und so die<br />
Voraussetzungen dafür zu schaffen, auf was<br />
es wirklich ankommt: ein zufriedenstellendes<br />
Kundenerlebnis. Das umfasst beispielsweise<br />
auch einfache Rücksendemöglichkeiten und<br />
– ganz wichtig – fehlerfreie Lieferungen zur<br />
richtigen Zeit am richtigen Ort.<br />
Skalierbarkeit für Nachfrageschwankungen<br />
Oftmals ist es schwer, exakte Prognosen für<br />
den Erfolg eines Produktes zu erstellen. In<br />
Zeiten von Social Media und Influencern kann<br />
beispielsweise ein Kleidungsstück oder Dekorationsartikel<br />
plötzlich extreme Popularität erlangen.<br />
Die intelligente Managementsoftware<br />
von Dematic erlaubt die rasche und präzise<br />
Auftragsbearbeitung. Die Systeme erkennen,<br />
wie stark verschiedene Artikel nachgefragt<br />
werden. Dementsprechend lassen sich die Lager-Stellplätze<br />
dynamisch vergeben, um die<br />
vorhandene Infrastruktur stets optimal auszulasten.<br />
Die skalierbaren Systeme wie der Dematic<br />
Pouch Sorter ermöglichen maximale Flexibilität<br />
und Präzision. Die intelligente Software<br />
bietet Echtzeit-Information über den jeweiligen<br />
Produktstandort, damit die Kunden so
schnell wie möglich beliefert werden können.<br />
Darüber hinaus ist natürlich auch ein effektives<br />
Retourenmanagement möglich.<br />
Digitalisierungspotential voll ausschöpfen<br />
Um ein tieferes Verständnis für die Marktbedürfnisse<br />
zu bekommen, hat Dematic umfangreiche<br />
Befragungen und Analysen durchgeführt.<br />
„Die Digitalisierung birgt enormes<br />
Potenzial für unsere Kundinnen und Kunden,<br />
vor allem daten- und cloudbasierter Lösungen<br />
gewinnen an Wichtigkeit. Unser Ziel ist es,<br />
die Lieferketten durch intelligente Software<br />
und transparente Datenpunkte zukunftsfit zu<br />
machen“, erklärt Bernard Biolchini, Executive<br />
Vice President EMEA bei Dematic. „Datentransparenz<br />
ist zudem der Schlüssel zu einer<br />
weiteren Gelegenheit: dem Einhalten von Lieferfristen<br />
durch das Schaffen robuster Lieferketten.<br />
Zu wissen, welche Bestellung sich wo<br />
befindet, und das zu jedem Zeitpunkt, ist ein<br />
zentraler Baustein erfolgreicher Unternehmen<br />
im E-Commerce.“ Durch die Verbindung aller<br />
Punkte in der Lieferkette wird das digitale<br />
Umfeld optimiert. Mit Hilfe von Softwarelösungen<br />
werden Daten sichtbar, transparent und<br />
agil gemacht. Das Ergebnis: ein vollständiges<br />
Bild über die Lieferketten bei gleichzeitig steter<br />
Kontrolle über alle Prozesse. „Nur mithilfe<br />
der perfekten Nutzung der Digitalisierung<br />
und Konnektivität lassen sich E-Commerce<br />
und Online-Shopping in der von den Kundinnen<br />
und Kunden erwarteten Art und Weise<br />
realisieren“, weiß Biolchini. Durch eine nahtlose<br />
Verflechtung der Lieferketten kann ein<br />
konsistentes Kundenerlebnis erreicht werden.<br />
Parallel zu den Wünschen der Kunden müssen<br />
auch Agilität und Datenqualität steigen.<br />
Informationen über Bestellgewohnheiten sind<br />
ebenso wichtige Faktoren wie das Feedback<br />
der Kunden. „Unsere Softwarelösungen sind in<br />
der Lage, genau das zu tun – indem sie alle<br />
Punkte Ihres Ökosystems miteinander verbinden.<br />
Somit werden die Teile Ihrer Lieferketten zu<br />
einer perfekt synchronisierten Symphonie mit<br />
einem allwissenden Dirigenten zusammengeführt“<br />
so Biolchini. Dematic Insights hilft bei der<br />
Auswertung und Nutzung des vorliegenden<br />
Datenschatzes, um Potenziale zu erkennen.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S30<br />
Dematic stellt alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung,<br />
um Trends frühzeitig zu erkennen und<br />
Prognosen zu erstellen.<br />
Maximale Investitionssicherheit<br />
Ein volatiles Umfeld, steigende Kosten und<br />
die Nachwehen der Pandemie sind nur ein<br />
paar der Gründe, warum langfristige Investitionssicherheit<br />
eine extrem wichtige Rolle bei<br />
der Planung von Intralogistikprojekten spielt.<br />
Darum setzt Dematic zur Ausarbeitung dieser<br />
Lösungen auf ein breit gefächertes Portfolio<br />
aus Intralogistik-Hard- und –Software zur Stabilisierung<br />
der Supply Chain, um damit eine<br />
tragfähige Grundlage für die Abwicklung<br />
der Geschäfte zu schaffen – gerade, wenn<br />
volatile Märkte wenig Spielraum für Fehler<br />
lassen. Dank ihrer Skalierbarkeit bieten die<br />
zuverlässigen Lösungen von Dematic hohe<br />
Investitionssicherheit. Die Systeme sind allesamt<br />
so konzipiert, dass man die Abläufe nie<br />
aus den Augen verliert und trotzdem bei den<br />
Gesamtbetriebskosten spart. Dabei helfen<br />
auch Energierückgewinnungssysteme und<br />
umfassende Stand-by-Modi, wichtige Punkte<br />
im Bereich Nachhaltigkeit. Ebenso relevant:<br />
mit umfassenden After-Sales-Angebot begleitet<br />
Dematic den Anlagenbetreiber über die<br />
gesamte Lebensdauer der Lösung – bei voller<br />
Kostenkontrolle.<br />
Automatisierung gegen Arbeitskräfte- und<br />
Platzmangel<br />
Ob man es möchte oder nicht, angesichts<br />
immer mehr offener Stellen im Lager-<br />
und Logistikbereich kommt man um<br />
das Thema Automatisierung nicht herum.<br />
Saisonale Spitzen tun dann ihr übriges, die<br />
Prozesse im Lager unter Druck zu setzen.<br />
Die unterschiedlichen Hard- und Softwarelösungen<br />
von Dematic helfen dabei, die<br />
Möglichkeiten gegebener Logistikinfrastrukturen<br />
besser auszuschöpfen. Ein nahtloser, sich<br />
selbst erhaltender Prozess bietet eine zuverlässige<br />
Basis für den Betrieb. Mittels Automatisierung<br />
werden im Optimalfall alle arbeitsintensiven,<br />
zeitaufwändigen manuellen Prozesse<br />
eliminiert, die Effizienz verbessert. Nicht zu vergessen:<br />
auch das Platzangebot kann maximal<br />
ausgenutzt werden. Dies ist besonders bei<br />
Projekten im Bereich City-Logistik relevant,<br />
denn bei Urban Warehouses und Micro-Hubs<br />
bedeutet jeder Zentimeter mehr auch höhere<br />
Betriebskosten. Die aufeinander abgestimmten<br />
Hard- und Softwarelösungen von Dematic<br />
lassen sich in bestehende Systeme integrieren.<br />
Micro-Fulfillment-Lösungen, wie etwa das<br />
automatische Kleinteilelager- und Kommissioniersystem<br />
Autostore (Dematic ist hier Distributionspartner)<br />
maximieren die Effizienz durch<br />
ihre hohe Lagerdichte.<br />
Mit AMR, FTS und automatischen Kommissionierstationen<br />
schafft man die Voraussetzungen<br />
für einen vollautomatischen Materialfluss<br />
– der in wenigen Wochen geplant und umgesetzt<br />
werden kann. Biolchini: „Eine State-of-the-Art-Automatisierungslösung<br />
ist heutzutage<br />
kein Mittel zum Selbstzweck. Vielmehr<br />
bietet sie das Potenzial, die mit der Geschäftstätigkeit<br />
verbundenen Aufgaben noch besser<br />
zu erledigen. Ein Potenzial, das darauf wartet,<br />
erschlossen zu werden; quasi der verborgene<br />
Schatz der operativen Exzellenz.“<br />
Drohnentechnologie auf dem Vormarsch<br />
Auf der LogiMAT <strong>2022</strong> präsentierte Dematic<br />
einen neuen Service zur visuellen Inspektion<br />
intralogistischer Anlagen der Öffentlichkeit:<br />
Dematic Drone Inspection Services. Durch<br />
den Einsatz von Drohnen werden der Zeit- und<br />
Arbeitsaufwand für die Wartung stark reduziert<br />
– und das ganz ohne Qualitätsverlust. Die<br />
regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen und<br />
Sichtkontrollen können so bequem und gefahrlos<br />
vom Boden aus durchgeführt werden.<br />
Die Drohnen verfügen über hochauflösende<br />
Kameras und <strong>LE</strong>D-Scheinwerfer, der Servicetechniker<br />
kann daher alles genau überprüfen<br />
– live oder im Nachhinein. Bonus: die<br />
Standzeit der Anlage wird deutlich reduziert.<br />
(AG)
informiert<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S32<br />
Fluxus Solutions Logimat Team<br />
INTRALOGISTIK<br />
Mit Qualität und<br />
Individualität gegen<br />
den Einheitsbrei<br />
Während einer Pandemie ein Unternehmen<br />
zu gründen, kann in die Hose gehen<br />
– oder aber ein richtiger Erfolg werden.<br />
Wie im Falle von Fluxus Solutions: das junge<br />
Unternehmen hat gerade erfolgreich ein<br />
Logistikprojekt für die DSV (Deutsche Saatveredelung<br />
AG) umgesetzt und ist bereit, sich<br />
einen größeren Teil vom Kuchen zu holen.<br />
REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
Anbieter von Lagersystemen gibt<br />
es wie Sand am Meer. Warum<br />
dann das Risiko eingehen? „Das<br />
Unternehmen, in dem ich früher<br />
gearbeitet habe, wurde von einem Konzern<br />
übernommen und strategisch neu ausgerichtet<br />
– allerdings konnte ich mich damit nicht<br />
mehr identifizieren. Mit zwei meiner Kollegen<br />
hatte ich schon früher über die Gründung<br />
eines eigenen Unternehmens gescherzt. Nach<br />
dem ersten Lockdown haben wir uns dann<br />
aber tatsächlich zusammengesetzt, einen<br />
Businessplan erstellt, das Risiko bewertet – und<br />
den Schritt gewagt“, erklärt Dominik Neppe,<br />
geschäftsführender Gesellschafter und Gründungsmitglied<br />
der Fluxus Solutions GmbH.<br />
Gemeinsam mit seinen langjährigen Wegbegleitern<br />
Gereon Fleck und Jon-Richard<br />
Schmitt, die ähnliche Vorstellungen von hochwertigen,<br />
effizienten Lagersystemen haben.<br />
Der Marktstart fiel mit 4.1.2021 mitten in die<br />
Corona-Pandemie, trotzdem konnte schon im<br />
ersten Jahr ein Gewinn erzielt werden.<br />
Eines für alle<br />
Das bisherige Kompaktlagersystem der DSV<br />
konnte die Aufgabenstellung nicht erfüllen:<br />
die Einlagerung unterschiedlicher Ladungsträger<br />
– meist Euro-, Industrie- und CP-Paletten<br />
mit unterschiedlichen Beladungen, z.B. Sackware<br />
oder Big Bags –in ein dynamisches Blocklager.<br />
Ein herkömmliches Durchlauf- oder Einschubregal<br />
ist damit überfordert – nicht aber<br />
das FXS Dynamics TSS-System von Fluxus. Bei<br />
diesem verschleißarmen Paletten-Einschubregal<br />
(Carrier Push Back) werden Paletten<br />
(egal welcher Qualität) auf robusten, mit
Rädern versehenen Schlitten abgesetzt, wodurch<br />
die Einlagerung der unterschiedlichsten<br />
Ladungsträger (Paletten) gewährleistet ist. Das<br />
Teleskop-Schlittensystem mit Last in – First out<br />
(LiFo) Prinzip arbeitet mit einer Neigung von<br />
2% und macht sich die Schwerkraft zunutze,<br />
wodurch gleichzeitig Energie eingespart wird.<br />
„Im Gegensatz zu anderen Anbietern von TSS<br />
können wir bis zu 9 Paletten pro Kanal realisieren.<br />
Das bedeutet eine bis zu 225 % höhere<br />
Ausnutzung der vorhandenen Lagerfläche im<br />
Vergleich zu einem konventionellen statischen<br />
Palettenregal“ freut sich Neppe. Durch die<br />
kürzeren Wege für die Flurförderzeuge leistet<br />
das TSS einen weiteren Beitrag zur Ökobilanz<br />
der Anlage. „Nach einer Präsentation vor Ort<br />
anhand einer Testanlage war der Kunde überzeugt<br />
und wir erhielten den Zuschlag“, freut<br />
sich Neppe über die gelungene Umsetzung.<br />
Diese Individualisierungsmöglichkeit ist ein<br />
großer Vorteil.“ Diesen Vorteil wissen auch<br />
namhafte Systemintegratoren und Wiederverkäufer<br />
zu schätzen, die bereits auf Fluxus vertrauen.<br />
„Wir hatten Bedenken, ob große Player<br />
einem neuen Unternehmen ihr Vertrauen<br />
schenken würden, aber wir sind super aufgenommen<br />
worden“, so Neppe, zurecht stolz.<br />
Aktuell sind bereits weitere große Projekte in<br />
Planung, man darf gespannt sein. (AG)<br />
Partner für Systemintegratoren<br />
Das TSS-System, das sich übrigens hervorragend<br />
für die Pharma- und Chemieindustrie<br />
eignet, ist nicht das einzige Steckenpferd des<br />
Jungunternehmens. Zum Sortiment zählen<br />
auch andere Einschub-, Durchlauf-, Shuttleund<br />
Karton-Durchlaufregalsysteme. Neppe:<br />
„Wir sind kein Billigheimer, sondern produzieren<br />
Qualität. Aufgrund unserer Fertigungsart<br />
können wir flexibel und individuell auf die jeweilige<br />
Situation eingehen und unsere Kunden<br />
beraten. Da unser Vertrieb gleichzeitig das<br />
Produkt designt hat, kann sofort eingeschätzt<br />
werden, was technisch möglich ist und was<br />
nicht. Dann wird das Produkt den Kundenprozessen<br />
angepasst – beispielsweise durch einen<br />
stärkeren Rahmen oder mehr Bremsrollen.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S34<br />
INTRALOGISTIK<br />
Ein Unternehmen<br />
kann man nicht allein<br />
mit Technologie führen<br />
ProGlove CEO Andreas König glaubt fest an<br />
den Wert der menschlichen Arbeitskraft. Kürzlich<br />
nahm er an der Podiumsdiskussion des<br />
Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce<br />
Experience“ teil. In diesem Kommentar<br />
teilt er einige seiner Erkenntnisse und skizziert<br />
einen Weg zur bestmöglichen Zusammenarbeit<br />
zwischen Mensch und Maschine.<br />
BEITRAG: REDAKTION<br />
Derzeit sehen wir uns mit vielen<br />
Herausforderungen konfrontiert. Im<br />
anglo-amerikanischen Raum grassiert<br />
aktuell eine Kündigungswelle<br />
unter dem Schlagwort „The Great Resignation“.<br />
Dazu kommen der globale Arbeitskräftemangel<br />
und die nicht enden wollenden Unterbrechungen<br />
der globalen Lieferketten. Und<br />
dennoch scheint es, als wollte man vielerorts<br />
einen unserer größten Fehler wiederholen, indem<br />
man beim Einsatz von Technologie die<br />
menschlichen Arbeitskräfte vergisst.<br />
Robotik, künstliche Intelligenz und Automatisierung<br />
sind Geschenke, aber wenn wir sie<br />
unseren Unternehmen einfach überstülpen,<br />
vergeben wir damit einen Großteil der möglichen<br />
Ernte. Stattdessen leisten wir ihrer Verteu-<br />
Andreas König steht seit Dezember 2018 als<br />
CEO an der Spitze von ProGlove. Vor seinem<br />
Engagement bei dem Münchener Unternehmen<br />
war König als CEO beim schwäbischen<br />
‚Einhorn‘ TeamViewer tätig. Dort steigerte<br />
er gemeinsam mit seinem Team nicht<br />
nur die Zahl der Installationen auf über 1,5<br />
Milliarden, sondern erhöhte auch den Kreis<br />
der Nutzer auf 400 Millionen. Zuvor führte der<br />
gebürtige Österreicher als CEO das Zepter<br />
bei der Swisscom IT Services AG, wo er zwei<br />
Geschäftseinheiten mit über 4.500 Mitarbeitern<br />
integrierte. Davor zeichnete König<br />
als Senior Vice President und General Manager<br />
EMEA bei NetApp verantwortlich.<br />
Unter seiner Führung gelang dem Speicherspezialisten<br />
ein makelloser Auf- und Ausbau<br />
des Unternehmens am europäischen Markt.<br />
Insgesamt kann König auf mehr als 20 Jahre<br />
Managementerfahrung zurückblicken.
felung Vorschub. Um es klar zu sagen: In<br />
der heutigen Welt sind vollautomatisierte<br />
Arbeitsabläufe eher Science Fiction<br />
denn Realität. Diese Technologien sind<br />
mit einer Reihe von kritischen Einschränkungen<br />
und Grenzen verbunden. Weit<br />
sinnvoller wäre es, sie als Ergänzung und<br />
damit als Unterstützung für die Mitarbeiter<br />
zu betrachten. Dazu muss man Vertrauen<br />
schaffen, den Mitarbeitern zuhören<br />
und den Wert ihrer tagtäglichen<br />
Leistung buchstäblich wertschätzen.<br />
Denn andernfalls werden wir am Ende<br />
einen hohen Preis zahlen.<br />
Während meiner Teilnahme am Podium<br />
des Weltwirtschaftsforums „The Augmented<br />
Workforce Experience“ erfuhr<br />
ich, dass allein in den USA derzeit etwa<br />
800.000 Arbeitskräfte im Bereich Produktion<br />
gesucht werden. Und in fünf Jahren<br />
wird es dort wohl drei Millionen offene<br />
Stellen im verarbeitenden Gewerbe<br />
geben. Als Faustregel kann man davon<br />
ausgehen, dass jeder Dollar, der im<br />
verarbeitenden Gewerbe ausgegeben<br />
wird, seinen Wert für die US-Wirtschaft<br />
fast verdreifacht. Ähnliches gilt sicher<br />
auch für Zentraleuropa. Dies vermittelt<br />
ein Gefühl für den Wert, der entgeht,<br />
wenn wir nicht in die Arbeitskräfte des<br />
verarbeitenden Gewerbes investieren.<br />
Versuchen Sie mal, einem Roboter etwas<br />
beizubringen<br />
Werker einfach durch Roboter zu ersetzen,<br />
ist derzeit aus einem einfachen,<br />
aber einleuchtenden Grund keine Option:<br />
Es ist schlicht nicht möglich. Versuchen<br />
Sie einmal, einem Roboter beizubringen,<br />
ein einzelnes T-Shirt aus einem<br />
Regal zu nehmen, statt des ganzen<br />
Stapels! Oder bringen Sie ihn dazu, eine<br />
spontane Lösung für einen recht einfachen<br />
Fehler zu finden, der in einer vollautomatisierten<br />
Umgebung alles zum<br />
Stillstand bringen könnte!<br />
Automatisierung ist zudem nicht einfach<br />
zu implementieren. Sie erfordert große<br />
Investitionen und ist mit hoher Komplexität<br />
verbunden. Hinzu kommt, dass das<br />
vielfach entfremdende Gerede über<br />
Automatisierung das Gefühl erzeugt,<br />
dass die menschliche Arbeit in der Fertigung<br />
keine Zukunft hat. Wer sollte sich<br />
so berufen fühlen, in der Produktion zu<br />
arbeiten? Ein derartiges Szenario kann<br />
also kaum dazu beitragen, den derzeitigen<br />
Arbeitskräftemangel zu beheben.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S36<br />
Machen wir uns nichts vor: Die menschliche<br />
Arbeitskraft ist wahrscheinlich der am meisten<br />
unterschätzte Faktor in den Werkshallen<br />
und innerhalb der globalen Lieferketten.<br />
Menschen haben nicht nur die Fähigkeit,<br />
Probleme schnell zu lösen, sie können auch<br />
sofort zusammenarbeiten und haben eine<br />
intrinsische – manchmal sogar spielerische<br />
– Motivation, zu lernen. All dies ist entscheidend<br />
für das Funktionieren von Abläufen,<br />
denn wir können Unternehmen nicht nur auf<br />
der Grundlage von Technologie führen. Anstatt<br />
uns also auf eine ziellose Technologiesuche<br />
zu begeben, sollten wir uns auf die Frage<br />
konzentrieren, wie die Mitarbeiter besser mit<br />
den sie umgebenden Maschinen bidirektional<br />
interagieren können. Wir brauchen geführte<br />
Arbeitsabläufe, die die Lücken umfassend<br />
schließen, mit denen wir derzeit noch<br />
konfrontiert sind.<br />
Die Mitarbeiter als Motor der Digitalisierung<br />
Wie aber können wir dabei vorgehen? Wir<br />
müssen uns mit unseren Mitarbeitern aus-<br />
ProGlove ist ein Technologie Pionier des<br />
Weltwirtschaftsforums und baut die kleinsten,<br />
leichtesten und widerstandsfähigsten<br />
Barcode Scanner der Welt. Die Industrie<br />
Wearables von ProGlove verbinden die<br />
Mitarbeiter in den Werkshallen mit dem Internet<br />
der Dinge. Zusammen mit der von<br />
ProGlove bereitgestellten Industry Analytics<br />
Plattform verbessern sie so das Zusammenspiel<br />
von Mensch und Maschine.<br />
Zudem fördert dies die Digitalisierung in<br />
den Fertigungsbereichen und Produktionsstätten<br />
der Industrie. Zu den Kunden von<br />
ProGlove gehören neben den bekanntesten<br />
Industriemarken Pioniere und Innovatoren<br />
aus den Bereichen Fertigung und<br />
Produktion, Logistik und Lager, Handel und<br />
E-Commerce sowie Post und Paket. An seinen<br />
Standorten in München, Chicago und<br />
Belgrad beschäftigt das 2014 gegründete<br />
Unternehmen mehr als 300 Mitarbeiter aus<br />
über 30 Ländern. Weitere Informationen<br />
stehen unter www.proglove.de bereit.<br />
einandersetzen, ihnen zuhören, sie abholen<br />
und ins Bild setzen. Wir müssen ihre Arbeitsabläufe<br />
gemeinsam mit ihnen betrachten,<br />
Papier zunehmend abschaffen und sie mit<br />
einer digitalen Umgebung verbinden. Es ist<br />
von entscheidender Bedeutung, mit ihnen zusammenzuarbeiten,<br />
um ihren Arbeitsalltag zu<br />
erleichtern, sich vielfach wiederholende Aufgaben<br />
mithilfe von Technologie zu eliminieren<br />
und – zu guter Letzt – genau die Technologie<br />
bereitzustellen, die sie benötigen. Mit anderen<br />
Worten: Wir können und sollten die Mitarbeiter<br />
in den Betrieben maximal einbinden, um die<br />
Digitalisierung in unseren Unternehmen voranzutreiben.<br />
Robotik und Automatisierung müssen die<br />
menschliche Arbeitskraft ergänzen. Daher<br />
brauchen wir „Cobots“, die an der Seite<br />
menschlicher Arbeitskräfte operieren. Sie können<br />
für Entlastung sorgen und physisch anstrengende<br />
sowie sich stets wiederholende<br />
Aufgaben weit besser erledigen. Dies erfordert<br />
natürlich auch intuitive Werkzeuge, die die<br />
Kluft zwischen beiden Welten überbrücken.<br />
Das können zum Beispiel auch Industrie Wearables<br />
sein, die den Arbeiter unterstützen und<br />
gleichzeitig die Erfassung von Datenpunkten<br />
ermöglichen, ohne ein Big-Brother-ähnliches<br />
Überwachungssystem aufzubauen.<br />
Wir müssen das ewige Technologie-Buzzword-Bingo<br />
endlich beenden. Brechen wir die<br />
geschlossenen Systeme auf, die uns nur dazu<br />
bringen, uns auf Technologien zu stürzen, die<br />
letztlich nicht hilfreich sind und zudem einen<br />
kontraproduktiven Angstfaktor erzeugen. Vielmehr<br />
sollten wir Ökosysteme aufbauen, die<br />
menschliche Arbeit fördern und die Mitarbeiter<br />
ermutigen, ihre Erfahrungen zu teilen und sich<br />
dabei an die übergeordnete Marschroute zu<br />
halten. Dies erfordert vor allem eine kulturelle<br />
Führung, die menschliche Werte in alle Prozesse<br />
einbezieht. Diese Strategie hat alle notwendigen<br />
Zutaten, um die Arbeit zu erleichtern,<br />
die Löhne anzuheben und die Produktivität zu<br />
steigern. Kurz gesagt: Die Nutzung der Technologie<br />
dient der Wirtschaft und macht die<br />
Arbeitsplätze attraktiver, die wir jetzt besetzen<br />
müssen. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S38<br />
INTRALOGISTIK<br />
SmartWatch:<br />
Die Hands-free Lösung<br />
fürs Lager<br />
Gut funktionierende Lagerprozesse sind die<br />
Grundlage einer effizienten Lagerverwaltung.<br />
Mit der SmartWatch werden die Kommissionier-<br />
und Lagerungsprozesse beschleunigt,<br />
die Fehler reduziert und die Mitarbeiter<br />
schneller eingearbeitet. Die Hands-free Abläufe<br />
steigern die Effizienz der Lagerverwaltung<br />
und die Zufriedenheit der Lagermitarbeiter.<br />
BEITRAG: SEBASTIAN KEILHACKER<br />
Der Alltag beim Kommissionieren sieht häufig<br />
so aus: Der Lagermitarbeiter nimmt einen<br />
Scanner in die Hand, scannt den Platz und<br />
das Material, legt den Scanner aus der Hand,<br />
legt das Material in den Kommissionierwagen,<br />
nimmt den Scanner in die Hand, scannt den<br />
Wagen, legt den Scanner weg, bringt den<br />
Wagen zum nächsten Platz. Für das nächste<br />
Produkt muss der Scanner wieder in die Hand<br />
genommen werden. Diese Zeiten summieren<br />
sich und werden am Ende des Tages zu Stunden.<br />
Das Kommissionieren mit Papier gestaltet<br />
sich noch langsamer und aufwändiger. Das<br />
muss nicht sein. State-of-the-Art ist handfreies<br />
Scannen. Das spart Zeit und steigert die Effizienz<br />
der Scanprozesse und damit die Wirtschaftlichkeit<br />
des Unternehmens.<br />
Was handfreies Scannen ist<br />
Unter handfreien Scanprozessen werden<br />
Scanvorgänge mit einem Handrückenscanner<br />
– oder SmartWatch – verstanden. Diese werden<br />
am Handrücken befestigt und müssen<br />
nach dem Scannen nicht aus der Hand gelegt<br />
werden. Die Vorteile dieser Lösung liegen<br />
auf der Hand: Die Effizienz im Lager steigt, die<br />
Geräte werden immer ergonomischer, die Anwender<br />
sind zufrieden.<br />
Das handfreie Scannen vereinfacht Logistikprozesse,<br />
was zu schnelleren Abläufen führt:<br />
Bei einer Kommissionierung beträgt die Zeitersparnis<br />
bis zu 40 %. Auch bei anderen Prozessen<br />
wie beispielweise der Ad-Hoc-Inventur<br />
profitiert der Mitarbeiter von der Hands-free-<br />
Lösung: Nach dem Scannen des Lagerplatzes<br />
kann er direkt mit dem Zählen beginnen<br />
ohne den Scanner zur Seite legen zu müssen.<br />
Die SmartWatch wird am Handrücken an eine<br />
Stulpe befestigt und muss nach dem Scanvorgang<br />
nicht zur Seite gelegt werden, damit der
Mitarbeiter ein Produkt in die Hand nehmen,<br />
eine Handling Unit verpacken oder den Stapler<br />
bedienen kann. Beide Hände bleiben also<br />
durchgehend frei.<br />
Die Lösung heißt SmartWatch<br />
Am Handrücken befestigt, ist der Scanner immer<br />
dabei. Kein Weglegen, kein Hantieren<br />
mit einer Hand mehr. Auch dem Arbeitsschutz<br />
werden die Geräte gerecht: Die Scanner wiegen<br />
maximal 50 Gramm und sind so groß wie<br />
eine Streichholzschachtel. Eine Ermüdung des<br />
Handgelenks ist damit ausgeschlossen und<br />
ein optimaler Tragekomfort ist auch gewährleistet.<br />
Ein Touchdisplay bildet einfache und<br />
übersichtliche Dialoge ab und lässt sich über<br />
die gut sichtbaren und großen Eingabefelder<br />
einfach bedienen. Der Scanvorgang wird<br />
durch das Betätigen des sogenannten Triggers<br />
ausgelöst: Das ist ein Knopf, der sich an<br />
der Stulpe zwischen dem Daumen und dem<br />
Zeigefinger befindet. Das Equipment ist sowohl<br />
für Rechts- als auch Linkshänder vorhanden.<br />
Die Handrückenscanner eignen sich durch die<br />
individuelle Konfiguration für viele Logistikprozesse.<br />
Am häufigsten werden sie in der Kommissionierung,<br />
Montage, Inventur und Versand<br />
eingesetzt.<br />
Die Scandialoge basieren beispielsweise auf<br />
Dialogen des Standard ITS Mobile und sind an<br />
die Abläufe auf einer SmartWatch angepasst:<br />
So sind die Dialoge übersichtlicher gestaltet,<br />
um das Lesekomfort auf einem kleinen Bildschirm<br />
zu gewährleisten. Abhängig von den<br />
Prozessen sind die Dialoge entweder über die<br />
Scanfunktion abgebildet oder lassen Eingaben<br />
über das Touch Display zu. Die Workflows<br />
werden den Mitarbeitern Schritt für Schritt angezeigt.<br />
Mitarbeiter werden interaktiv durch<br />
den Arbeitsprozess geführt. Was angezeigt<br />
wird, hängt von den eigenen Prozessen ab:<br />
Dialoge können frei gestaltet werden.<br />
Anbindung:<br />
Die Kommunikation der SmartWatch mit PC,<br />
Staplerterminal oder mobilen Endgerät (Android)<br />
erfolgt über Bluetooth. Die Daten werden<br />
direkt an das System übertragen, daher wird<br />
kein externer Speicher benötigt. Die Verbindung<br />
erfolgt über das Scannen des Connection<br />
Codes auf dem Bildschirm des Terminals.<br />
Die Akkulaufzeit beträgt in der Regel über 8<br />
Stunden, so dass der Mitarbeiter eine ganze<br />
Schicht mit einem Gerät abdecken kann.<br />
Highlights der Lösung:<br />
- Zeitersparnis beim Kommissionieren,<br />
Verladen, Ein- / Auslagerung und Inventur<br />
- Simple und übersichtliche Abläufe der<br />
Prozessdialoge<br />
- Zufriedene Mitarbeiter dank Ergonomie<br />
und hohem Tragekomfort der SmartWatch<br />
- Scann- und Eingabefunktion der<br />
SmartWatch<br />
- An das Unternehmen anpassbare<br />
Prozessdialoge<br />
- Fehlerreduzierung durch einfache<br />
Prozessabläufe<br />
Der Implementierungsaufwand für das Freehandscanning<br />
ist üblicherweise überschaubar.<br />
Die Umstellung auf die SmartWatch wird<br />
oft genutzt, um eigene Lagerprozessdialoge<br />
zu optimieren. Die intuitive Bedienoberfläche<br />
reduziert die Einarbeitungszeit der neuen Mitarbeiter<br />
und minimiert die Fehlerquote.<br />
(RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S40<br />
INTRALOGISTIK<br />
KNAPP präsentiert sich<br />
auf der LogiMAT als<br />
Technologiepartner für<br />
intelligente Wertschöpfungsketten<br />
Auf der Intralogistik-Leitmesse LogiMAT<br />
<strong>2022</strong>, von 31. Mai bis 2. Juni in Stuttgart, zeigt<br />
KNAPP neueste Technologien für die Automatisierung<br />
und Digitalisierung der gesamten<br />
Wertschöpfungskette. Messe-Highlights:<br />
Neueste Roboter-Technologie und Software<br />
Cloud-Services, die Besucher in Halle 3 auf<br />
Stand B05 live erleben können. TEXT: PI REDAKTION<br />
KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen<br />
Bedarf maßgeschneidert und<br />
basieren auf innovativen Technologien<br />
und modernster Software.<br />
Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile<br />
zu generieren und auszubauen.<br />
KNAPP versteht sich als Technologiepartner<br />
und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette<br />
die richtige Automatisierung, Informationen<br />
und Serviceleistungen.<br />
Innovative Roboter und Software-Tools<br />
KNAPP zeigt die neueste Generation seines<br />
mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten<br />
Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot,<br />
Neuheiten rund um die autonomen mobilen<br />
Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige<br />
Taschensorter-System AutoPocket, das<br />
erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird.<br />
KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten<br />
Systemen verbindet, und innovative<br />
Software-Tools zur Analyse und Optimierung<br />
des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt<br />
ab.<br />
Pick-it-Easy Robot<br />
Pick-it-Easy Robot: Einer der alles kann<br />
Pick-it-Easy Robot bietet nicht nur die automatische<br />
Einzelstück-Kommissionierung, sondern<br />
auch das Umpacken vorkommissionierter Artikel<br />
aus Batch-Behältern in Hängefördertechnik-<br />
und Sorter-Systeme. Verschiedene Greifer<br />
kombiniert mit auf Künstlicher Intelligenz (KI)<br />
basierter Objekterkennung und Greifpunktbestimmung<br />
machen eine zuverlässige Handhabung<br />
von Artikeln mit unterschiedlichen Eigenschaften<br />
möglich. Höchstleistung im Team mit<br />
dem Taschensorter-System: Pick-it-Easy Robot
Open Shuttle<br />
übernimmt die vollautomatische Befüllung von<br />
Sortertaschen und eröffnet neue Möglichkeiten<br />
zur Gestaltung von intralogistischen Prozessen.<br />
Aus der Kombination von KI-gesteuertem<br />
Roboter, schneller Sortertasche und effizienten<br />
Lagersystem entsteht eine innovative Automatisierungslösung<br />
für E-Commerce- und<br />
Omnichannel-Anwendungen. Die Vorteile<br />
liegen auf der Hand: Breites Artikelspektrum<br />
und automatische Artikelcode-Identifikation,<br />
hohe Leistung und das 24/7, sowie Kosteneffizienz<br />
und geringe Fehlerkosten.<br />
Open Shuttle: autonome mobile Roboter für<br />
mehr Flexibilität im Lager<br />
Open Shuttles sind autonome mobile Roboter<br />
(AMR), die Unternehmensbereiche schnell<br />
und einfach miteinander verbinden und mit<br />
Waren, Rohstoffen und Komponenten versorgen.<br />
Die VDA 5050-fähigen Open Shuttles<br />
transportieren unterschiedlichste Ladungsträger.<br />
Dabei werden Aufträge intelligent auf<br />
die Flotte verteilt. Neu im Produktportfolio ist<br />
das Open Shuttle Fork, ein Transportroboter<br />
für den automatisierten Paletten-Transport.<br />
AutoPocket: Taschensorter System für Hochleistungsbetrieb<br />
Das neue Taschensorter-System kann an jeder<br />
beliebigen Stelle im Lager Waren automatisch<br />
und punktgenau abgeben, ohne dabei<br />
die Geschwindigkeit zu reduzieren oder anzuhalten.<br />
RFID-Technoloige ermöglicht eine<br />
100-prozentige Verfolgbarkeit, eindeutige<br />
Identifizierung und jederzeit Zugriff auf jeden<br />
Artikel im System. Im Zusammenspiel mit dem<br />
vollautomatischen Kommissionier-Roboter<br />
Pick-it-Easy Robot bietet AutoPocket intelligentes<br />
Zero-Touch-Handling für Hochleistungsanwendungen.<br />
AutoPocket
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S42<br />
Dank der speziellen Kinematik des Fahrzeugs<br />
ist ein besonders platzsparender Einsatz möglich.<br />
Open Shuttle Fork kann einfach in bestehenden<br />
und auch herstellunabhängigen<br />
Mischflotten eingesetzt werden. Eine weitere<br />
Neuheit aus diesem Bereich ist der Open<br />
Shuttle Store. Open Shuttle Store ist ein besonders<br />
flexibles und schnell einsetzbares automatisches<br />
Lagersystem mit mobilen Robotern.<br />
Durch das intelligente Systemdesign und die<br />
Modul-Bauweise ist das Lagersystem jederzeit<br />
in Bezug auf Stellplätze oder Leistung skalierbar,<br />
anpassbar und erweiterbar. Es ist schnell<br />
einsetzbar und kann einfach in Betrieb genommen<br />
werden. Gesteuert werden die autonomen<br />
mobilen Roboter mit dem intelligenten<br />
Flottenkontrollsystem KiSoft FCS. Mit dem<br />
Digital Twin können Anpassungen und Anwendungen<br />
vorab einfach simuliert und per<br />
Mausklick ins Echtsystem übertragen werden.<br />
KiSoft Cloud: Cloud-basierte Serviceplattform<br />
für Big Data-Anwendungen<br />
Mit KiSoft Cloud bietet KNAPP eine umfassende<br />
Serviceplattform für einen zukunftsweisenden<br />
Logistikbetrieb. Sie stellt Kunden alle<br />
Daten und ausgewählte Services in nur einer<br />
Infrastruktur gebündelt zur Verfügung. So sind<br />
alle Betriebsdaten einer oder mehrerer Anlagen<br />
zentral gespeichert und jederzeit bereit<br />
für die Weiterverarbeitung. Daten können für<br />
unterschiedlichste Anwendungen einfach genutzt<br />
werden. Zudem unterstützt KiSoft Cloud<br />
vielfältige KI-Anwendungen wie maschinelles<br />
Lernen, insbesondere Deep Learning zum Trainieren<br />
von neuronalen Netzen. Hardware- und<br />
Software-Support, IT-Security, Datensicherheit<br />
sowie Schnittstellen zwischen Anwendungen<br />
sind out oft the box sichergestellt, unabhängig<br />
vom Anbieter der Software oder der Automatisierung.<br />
KiSoft Analytics: Mit smarter Software die richtigen<br />
Entscheidungen für Lager und Supply<br />
Chain treffen<br />
KiSoft Analytics ist ein strategisches Tool zur<br />
Analyse und Visualisierung von Daten in der<br />
Supply Chain. Langzeitstatistiken, Prognosen<br />
und Benchmarkings helfen, gezielte Entscheidungen<br />
bei komplexen Abläufen zu treffen,<br />
Veränderungen im Business früh zu erkennen<br />
oder die Supply Chain zu optimieren. Die Logistik-App<br />
für Smartphone und Desktop eignet<br />
sich ideal für Executives, Logistik Manager,<br />
Supply Chain Manager oder Operations<br />
Teams.<br />
Open Shuttle Store<br />
redPILOT: Effizientes Ressourcen-Management<br />
Die redPILOT Operational Excellence Solution<br />
ist eine modulare Software-Lösung, die Logistikbetreiber<br />
dabei unterstützt, ihre Logistiksysteme<br />
zu jeder Betriebsstunde am optimalen<br />
Limit zu betreiben. Der Einsatz zum nachhaltigen<br />
Ressourcen-Management ist vielseitig – einerseits<br />
unterstützt das Software-Modul CMMS<br />
(kurz für Operational Maintenance Modul) die<br />
strukturierte und planmäßige Durchführung<br />
von Instandhaltungsmaßnahmen im technischen<br />
Anlagenbetrieb. Andererseits optimieren<br />
die weiteren Module den operativen Betrieb<br />
der Logistikanlage, unter anderem durch<br />
die automatisierte Mitarbeitereinsatzplanung<br />
und Optimierung basierend auf dynamischer<br />
Engpasserkennung. (RED)
informiert<br />
Fachzeitschrift<br />
Newsportal<br />
Presseservice<br />
B2B Network<br />
Firmensuche<br />
Jobportal
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S44<br />
INTRALOGISTIK<br />
LogiMAT:<br />
Anschluss an<br />
frühere Erfolge<br />
Am 2. Juni endete die mit Spannung erwartete<br />
Intralogistikmesse LogiMAT, die nahtlos<br />
an „alte Zeiten“ anknüpfen konnte. Auch im<br />
dritten und letzten Teil der Serie präsentiert<br />
Logistik Express interessante Exponate aus<br />
zentralen Ausstellungsbereichen.<br />
REDAKTION: MARCUS WALTER<br />
Für die 1.571 Aussteller und den Veranstalter<br />
war es spannend bis zuletzt: Niemand<br />
wusste, wie viele Menschen die<br />
erste LogiMAT nach Ausbruch der Corona-Pandemie<br />
besuchen würden. Doch die<br />
Ängste vor einem Flop mit leeren Hallen waren<br />
unbegründet. Am Ende des Events konnte Messechef<br />
Michael Ruchty solide Zahlen verkünden,<br />
die fast auf dem Rekord-Niveau von 2019<br />
lagen. „Bereinigt um die pandemiebedingten<br />
Einschränkungen kann man dieses Ergebnis<br />
in allen Kategorien als Fortsetzung der Logi-<br />
MAT-Erfolgsstory bezeichnen“, erklärte Ruchty,<br />
In Zahlen ausgedrückt: Mit einer Ausstellungsfläche<br />
von mehr als 125.000 Quadratmetern in<br />
allen zehn Hallen war das Stuttgarter Messegelände<br />
komplett ausgebucht. Die weltweit<br />
größte Intralogistik-Messe zog wieder rund<br />
50.000 Besucher an und erwies sich erneut als<br />
Publikums-Magnet. Das lag zu einem Großteil<br />
an den zahlreichen Produktpremieren und<br />
Weltneuheiten – darunter zwei neuartige automatische<br />
Kleinteilelager, die AutoStore die<br />
Stirn bieten wollen. Diese waren mit sehr unterschiedlichen<br />
Lösungsansätzen bei Jungheinrich<br />
und Körber zu finden.<br />
Die von Jungheinrich entwickelte Alternative<br />
zu AutoStore heißt PowerCube. Damit wollen<br />
die Hamburger „neue Maßstäbe im Bereich<br />
der automatisierten Lagersysteme“ setzen.<br />
Der PowerCube ist ein automatisiertes Behälter-Kompaktlager<br />
für die besonders kompakte<br />
Lagerung und Kommissionierung von Kleinteilen<br />
und Stückgut. Die Behälter werden in dem<br />
modularen Regalsystem des PowerCubes in<br />
vertikalen Kanälen bis zu 12 m hoch übereinandergestapelt.<br />
Diese Systemhöhe ermöglicht<br />
eine besonders platzeffiziente Behälterlagerung<br />
auf kleinster Fläche.
Das Ein- und Auslagern der Behälter übernehmen<br />
speziell entwickelte PowerCube-Shuttles,<br />
die sich automatisch unterhalb des Regalsystems<br />
bewegen. Durch dieses Prinzip bietet<br />
der PowerCube gegenüber anderen Behälter-Kompaktlagern<br />
den entscheidenden Vorteil,<br />
dass das Lager nach oben flexibel aufgebaut<br />
werden kann und auch an individuelle<br />
Dachformen anpassbar ist. Das automatische<br />
Behälter-Kompaktlager kann auf normalen<br />
Industriefußböden ohne aufwendiges Überarbeiten,<br />
wie Überfräsen und Schleifen, errichtet<br />
werden und lässt sich deshalb problemlos<br />
in bestehende Lagerhallen integrieren. Die<br />
PowerCube-Shuttles bewegen sich mit einer<br />
maximalen Geschwindigkeit von 4 m/s und<br />
einer Beschleunigung von bis zu 2 m/s². Sie<br />
können gleichzeitig zwei Behälter mit jeweils<br />
50 kg Ladung innerhalb des PowerCubes<br />
transportieren. Durch die skalierbare Anzahl<br />
an Shuttles kann der Durchsatz des PowerCubes<br />
bei steigender Nachfrage oder einer Sortimentserweiterung<br />
flexibel angepasst werden.<br />
Dank ihrer Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterien,<br />
die während des Betriebs jeweils an den<br />
Arbeitsstationen zwischengeladen werden,<br />
sind die Shuttles ohne Stillstandzeiten 24 Stunden<br />
am Tag einsatzbereit. Da die Shuttles zu<br />
Wartungsarbeiten aus dem PowerCube auf<br />
Bodenniveau entnommen werden können, ist<br />
keine Wartungsbühne nötig.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S46<br />
KOERBER ATTABOTIS<br />
ROCKET SOLUTIONS<br />
Auch der internationale Technologiekonzern<br />
Körber bietet mit Attabotics eine neuartige<br />
Lagerlösung für Kleinbehälter, die bei einer<br />
Stapelhöhe von bis zu 10 Metern eine extrem<br />
hohe Speicherdichte mit einem schnellen und<br />
direkten Zugriff ermöglicht. Die Attabotics-Lösung<br />
basiert auf einer vertikalen, sehr platzsparenden<br />
Gitterstruktur. Produkte werden in<br />
quadratischen Behältern mit einem Innenmaß<br />
von 571 x 571 mm gelagert. Die „Attabots“<br />
genannten Roboter können auf dem Gitter,<br />
unter dem Gitter und vertikal durch die Abwärtsschächte<br />
fahren, um Behälter einzulagern<br />
oder zu entnehmen und zu den integrierten<br />
Entnahmeöffnungen zu transportieren.<br />
Attabottics ermöglicht damit auf einer extrem<br />
verdichteten Lagerfläche eine effiziente Kommissionierung,<br />
einschließlich Sequenzierung<br />
und Pufferung. In den USA und Kanada wurde<br />
die Technologie bereits bei zahlreichen Unternehmen<br />
der E-Commerce-Branche implementiert.<br />
Im Rahmen einer exklusiven Partnerschaft<br />
vertritt das Körber Geschäftsfeld Supply<br />
Chain Automation das kanadische Robotikunternehmen<br />
Attabotics in fast allen europäischen<br />
Ländern und in weiten Teilen Asiens.<br />
Das Startup Rocketsolution zeigte sich erstmals<br />
auf der LogiMAT und stellte dort sein Shuttle-<br />
System RSX1 vor. Das hochverdichtende Kleinteilelagersystem<br />
RSX1 für Ladegüter bis zu 50<br />
Kilogramm bietet maximale Verdichtung der<br />
Lagerplätze, flexible Skalierbarkeit sowie einfache<br />
Integrationsfähigkeit. Verglichen mit<br />
herkömmlichen Shuttle-Systemen reduziert<br />
das RSX1 den benötigten Raum deutlich und<br />
sorgt für Effizienz- und Rentabilitätssteigerung<br />
in der Kleinteillagerung. Mit einer Höhe von bis<br />
zu 30 Meter nutzt das RSX1 auch den Luftraum<br />
optimal. Selbst sehr flache Güter lassen sich innerhalb<br />
des RSX1 hochverdichtet lagern, bereits<br />
ab einer Behälterhöhe von 100 Millimeter<br />
arbeitet das RSX1 ohne jeglichen Raumverlust<br />
in der Höhe.<br />
Die Automatisierung spielte auch an vielen<br />
anderen Ständen der Messe eine wichtige<br />
Rolle. Die Pixel Robotics GmbH präsentierte als<br />
Mitaussteller der Logivations GmbH erstmalig<br />
Roboter, die von Künstlicher Intelligenz gesteuert<br />
werden. Pixel Robotics kombinierte hierfür<br />
KI, Computer Vision und Robotik, um innerbetriebliche<br />
Palettentransporte zu automatisieren.<br />
Der von Grund auf neu entwickelte<br />
Roboter PIXEL PT arbeitet kooperativ mit den<br />
menschlichen Kollegen zusammen und passt<br />
sich dynamisch an bestehende Prozesse in der<br />
Intralogistik an. Die Roboter sind modular und<br />
robust konstruiert, sodass sie für raue Logisti-
PIXEL ROBOTICS<br />
SYNCHRO<br />
kumgebungen geeignet sein sollen. Der Hersteller<br />
verspricht zudem eine Amortisationszeit<br />
von unter 1,5 Jahren.<br />
Ein weiteres Highlight präsentierte das Technologieunternehmen<br />
TeamViewer: Gezeigt<br />
wurde die mehrfach ausgezeichnete Vision-Picking-Lösung<br />
xPick. Die Augmented-Reality-Lösung,<br />
die seit der Übernahme des Wearable-Computing-Unternehmens<br />
Ubimax<br />
Teil des TeamViewer Portfolios ist, ermöglicht<br />
Kunden ein hocheffizientes und nahezu fehlerfreies<br />
Kommissionieren. Neu sind Gamification-Elemente,<br />
die für eine höhere Einsatzbereitschaft<br />
und eine gesteigerte Produktivität<br />
der Mitarbeitenden sorgen und gleichzeitig<br />
monotone Kommissionierprozesse auflockern.<br />
Bei Unternehmen wie DHL, Schnellecke<br />
Logistics und Coca-Cola HBC ist TeamViewer<br />
xPick etablierter Standard und bei vielzähligen<br />
Großkunden bereits seit Jahren im Einsatz.<br />
Durch die Verwendung von Wearables<br />
wie Smart Glasses lässt sich die Lösung ohne<br />
großen Aufwand leicht in bestehende Infrastrukturen<br />
von Unternehmen integrieren. Dies<br />
unterstützt die einfache Skalierbarkeit der Lösung<br />
– auch standortübergreifend.<br />
Neben Hardware sah man auf der LogiMAT<br />
wieder jede Menge Software: Zum Beispiel die<br />
neue Logistikplattform CargoON der Technologiefirma<br />
Trans.eu Group. Diese vereint verschiedene<br />
Funktionen, um neben Auftragsverwaltung<br />
und Frachtmonitoring beispielsweise<br />
auch die Rampenbelegung digital zu steuern<br />
und so die Prozesseffizienz zu erhöhen.<br />
Durch die Anbindung an das europaweite<br />
Trans.eu-Netzwerk mit über 30.000 Logistikdienstleistern<br />
wird zudem die flexible Beschaffung<br />
von Transportressourcen gewährleistet.<br />
Die größte ausländische Ausstellergruppe<br />
kam übrigens aus Italien, vertreten durch<br />
Unternehmen wie Ubiquicom. Die Firma wurde<br />
2021 als einziges italienisches Unternehmen in<br />
den „Magic Quadrant for Indoor Location Services,<br />
Global“ von Gartner, Inc.* aufgenommen<br />
und präsentierte auf der LogiMAT die<br />
Prozesssteuerungs-Lösung Synchro. Durch die<br />
Standorterfassung der Flurförderzeuge in Echtzeit<br />
werden ihre Einsätze auf optimale Art und<br />
Weise organisiert. Dabei wird die RTLS-Technologie<br />
(Real-Time Locating System) mit Algorithmen<br />
künstlicher Intelligenz kombiniert.<br />
Die in diesem Artikel und den beiden vorausgegangenen<br />
Vorberichten genannten<br />
Neuheiten bilden natürlich nur die Spitze des<br />
Eisbergs und können einen Besuch der realen<br />
Messe nicht ersetzen. Apropos: Die nächste<br />
LogiMAT findet statt vom 25. bis 27. April<br />
2023. Eine Rückkehr in den gewohnten Messe-<br />
Rhythmus mit einem Termin im Februar<br />
erschien dem Veranstalter EuroExpo noch<br />
zu früh. Die Zeitspanne zwischen den beiden<br />
LogiMAT-Events hätte dann nur acht Monate<br />
betragen. Außerdem birgt Corona nach wie<br />
vor große Sprengkraft. Der Winter könnte neue<br />
Beschränkungen bringen. Einziger Schönheitsfehler<br />
am April-Termin ist jedoch die große<br />
Nähe zur transport logistic, die 2023 vom 9. bis<br />
12. Mai im Kalender steht. Da wird sich mancher<br />
Aussteller entscheiden müssen. Wir werden<br />
sehen. (MW)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S48<br />
INTRALOGISTIK<br />
Intelligente effiziente<br />
Robotik-Lösung von<br />
SSI Schäfer mit IFOY<br />
Award ausgezeichnet<br />
Flat Pack Picking ist eine einzigartige, automatisierte<br />
und schlüsselfertige Systemlösung<br />
aus einer Hand zur effizienten Palettenzusammenstellung<br />
für den Möbel Onlinehandel<br />
sowie für die Filialbelieferung. Das<br />
von SSI Schäfer gemeinsam mit Inter IKEA<br />
Group, Supply Chain Development, Intralogistics,<br />
entwickelte Konzept wurde bereits in<br />
Deutschland umgesetzt und ist erfolgreich<br />
im Betrieb.<br />
BEITRAG: REDAKTION<br />
Die innovative Lösung überzeugt<br />
beim diesjährigen IFOY Award<br />
(International Intralogistics and<br />
Forklift Truck of the Year Award) und<br />
belegt im Marktvergleich in der Kategorie „Integrated<br />
Warehouse Solution“ den 1. Platz. Im<br />
Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.<strong>2022</strong><br />
wurde der begehrte IFOY Award in der<br />
BMW Welt in München feierlich übergeben.<br />
Mit dem IFOY Award werden die besten Intralogistiklösungen<br />
des jeweiligen Jahres gekürt.<br />
Anbieter hatten die Möglichkeit, ihre Produkte<br />
und Systemlösungen in insgesamt 13 Kategorien<br />
online zum Wettbewerb anzumelden. Die<br />
von einer internationalen Jury für das Finale<br />
nominierten Produkte und Lösungen durchliefen<br />
im Rahmen der IFOY Test Days vom 18.<br />
- 23.03.<strong>2022</strong> verschiedene Tests, darunter das<br />
rund 80 Kriterien umfassende IFOY Testprotokoll<br />
sowie den wissenschaftlichen IFOY Innovation<br />
Check. Insgesamt 25 Jurymitglieder aus 19<br />
Ländern gaben basierend auf den Testergebnissen<br />
ihre Bewertung ab. Im Rahmen der IFOY<br />
Award Night am 30.06.<strong>2022</strong> wurden schließlich<br />
die Gewinner in München bekanntgegeben.
Die prämierte Flat Pack Picking Lösung wurde<br />
gemeinsam von SSI Schäfer und Inter IKEA<br />
Group, Supply Chain Development, Intralogistics,<br />
konzeptioniert und im Dortmunder<br />
Kundenorder-Distributionszentrum erfolgreich<br />
implementiert. Dank der vollautomatisierten<br />
Systemlösung aus einer Hand profitiert IKEA<br />
nun von der effizienten Palettenzusammenstellung<br />
für die Filialbelieferung.<br />
Insgesamt vier Portalroboter übernehmen das<br />
Handling schwerer und großer Artikel, entlasten<br />
die Mitarbeitenden von wenig ergonomischen<br />
Aufgaben und sorgen für konstante,<br />
transparente Warenflüsse. Entwickelt wurden<br />
die Portalroboter und Greifer von der RO-BER<br />
Industrieroboter GmbH, einem Tochterunternehmen<br />
von SSI Schäfer. Für die erfolgreiche<br />
Umsetzung wurde der Intralogistikspezialist<br />
mit dem IFOY Award in der Kategorie „Integrated<br />
Warehouse Solution“ ausgezeichnet.<br />
„Das Projekt zeigt, wie wir uns den Herausforderungen<br />
unserer Kunden annehmen und<br />
gemeinsam mit ihnen innovative Logistiklösungen<br />
für eine ergonomischere Arbeitsumgebung<br />
und verbesserte Produktivität entwickeln<br />
und umsetzen“, so Notker Steigerwald, Head<br />
of Business Unit Logistics Solutions bei SSI Schäfer.<br />
„Die Auszeichnung mit dem IFOY Award<br />
freut uns besonders, denn sie bestätigt die<br />
Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unseres<br />
Konzepts im Marktvergleich.“<br />
Von der gesteigerten Performance sowie<br />
den automatisierten Prozessen profitieren<br />
IKEA und die Mitarbeitenden unmittelbar.<br />
„Die Zusammenarbeit mit SSI Schäfer war<br />
auch bei diesem Pilotprojekt durchweg positiv“,<br />
sagt Julien Weiß, Automation & Design<br />
Leader bei Inter IKEA Group, Supply Chain<br />
Development, Intralogistics. „Speziell der von<br />
beiden Seiten gelebte partnerschaftliche<br />
Ansatz hat zum Gelingen beigetragen.“<br />
Inter IKEA Group behält sich die Option vor,<br />
das innovative System auf weitere Standorte<br />
und IKEA-Märkte auszurollen. Die Flat Pack<br />
Picking Lösung ist grundsätzlich für den Möbel<br />
Onlinehandel interessant, lässt sich aber auch<br />
auf andere Branchen übertragen, in denen<br />
mit großvolumigen und sperrigen Gütern gearbeitet<br />
wird, wie beispielsweise Fenster oder<br />
Holz-/Metallzuschnitte. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S50<br />
INTRALOGISTIK<br />
Starkes Team:<br />
ek robotics unterstützt<br />
die BMW Group<br />
ek robotics freut sich, die Partnerschaft<br />
für schlüsselfertige Lösungen mit der BMW<br />
Group bekannt geben zu können. Die Zusammenarbeit<br />
wurde bei einem Launch<br />
Event Ende Mai <strong>2022</strong> offiziell verkündet, bei<br />
dem das vollautomatische Intralogistik-System<br />
feierlich in Betrieb genommen wurde.<br />
BEITRAG: REDAKTION<br />
Mit der Einführung von Fahrerlosen<br />
Transportsystemen (FTS) von<br />
ek robotics optimiert und automatisiert<br />
die BMW Group ihre<br />
Prozesse der Produktions- und Lagerlogistik im<br />
Werk in Swindon (Großbritannien). Die Implementierung<br />
des schlüsselfertigen Lösungspakets<br />
umfasst Fahrzeuge der Serien CUSTOM<br />
MOVE, VARIO MOVE und SMART MOVE VNA.<br />
Im Rahmen des umfassenden Projekts hat ek<br />
robotics auch maßgeschneiderte Regale für<br />
den Lagerbetrieb entworfen, hergestellt und<br />
installiert.<br />
Chris Price, Managing Director von ek robotics<br />
UK: „Wir freuen uns sehr, die Partnerschaft mit<br />
einem so angesehenen, branchenführenden<br />
Kunden wie der BMW Group bekannt geben<br />
zu können. Wir haben lange an diesem Projekt<br />
gearbeitet, und die gelungene Kooperation<br />
ist eine Bestätigung für jeden hier im<br />
Team bei ek robotics.“<br />
Umfassende Automatisierung in<br />
Swindon komplett<br />
Dank des von ek robotics ausgeführten Projekts<br />
wird das neue PGA-Presswerk in Swindon<br />
vollautomatisch, von der Anlieferung der
Stahlrohlinge bis zum Versand der Karosserieteile<br />
an die Produktion. ek robotics hat auch<br />
FTS für den Transport der Werkzeuge zur und<br />
von der neuen Presse entwickelt und geliefert.<br />
„Im Zuge der Installation haben wir eines<br />
unserer bisher größten Fahrerlosen Transportfahrzeuge<br />
(FTF) in Betrieb genommen, einen<br />
CUSTOM MOVE. Das FTF kam per Schwerlasttransport<br />
von unserem deutschen Schwesterstandort<br />
Reutlingen, Deutschland an und wurde<br />
vor Ort endmontiert. Nur fünf Tage nach<br />
Lieferung lief die Maschine völlig autonom",<br />
ergänzt Chris Price.<br />
Von der Bestellung bis zur Auslieferung verging<br />
nur ein Jahr. Eine kurze Zeit für so ein komplexes<br />
Vorhaben, was für die hervorragenden Arbeit<br />
des Teams von ek robotics ist. Chris Price:<br />
„Wir bedanken uns bei der BMW Group für<br />
das Vertrauen, das sie uns bei diesem großen<br />
Projekt entgegengebracht hat, und wir freuen<br />
uns auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit!"<br />
(RED)<br />
ek robotics ist der weltweit führende Hersteller<br />
und Systemintegrator von innovativer<br />
Hightech-Transportrobotik für die Produktions-<br />
und Lagerlogistik. An fünf Standorten in<br />
Europa (Rosengarten, Deutschland, Hauptsitz),<br />
Reutlingen (Deutschland), Mailand<br />
(Italien), Prag (Tschechien) und Buckingham<br />
(Großbritannien) schafft der Transportrobotik-Spezialist<br />
mit über 280 Mitarbeitenden<br />
intelligente, vernetzte und flexible Transportlösungen<br />
für den vollautomatischen, innerbetrieblichen<br />
Materialfluss seiner weltweit<br />
agierenden Kunden.<br />
Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in Design,<br />
Entwicklung, Fertigung, Integration, schlüsselfertiger<br />
Lieferung und Support über den<br />
gesamten Lebenszyklus von Fahrerlosen<br />
Transportsystemen (FTS) gehört ek robotics<br />
zur technischen Elite in dieser schnell wachsenden<br />
Zukunftsbranche.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S52<br />
ZUKUNFT DER LOGISTIK<br />
Metaverse<br />
schafft neue<br />
Möglichkeiten und<br />
Anwendungen<br />
In Zukunft wird die reale Welt mit einer virtuellen<br />
Welt – genannt Metaverse – verschmelzen.<br />
Durch digitale Zwillinge werden reale<br />
Objekte im Metaverse repräsentiert. Auch<br />
ganze Lieferketten können so repräsentiert<br />
und optimiert werden. REDAKTION: DIRK RUPPIK<br />
Sicher haben Sie schon einmal von<br />
Paralleluniversen aus der Quantenphysik<br />
gehört. Nach dieser Theorie könnten<br />
wir gleichzeitig in unterschiedlichen<br />
Welten existieren – genauer gesagt in unendlich<br />
vielen. Was kaum fassbar und utopisch<br />
erscheint, wird gerade in einer anderen Form<br />
durch den Menschen erschaffen. Eine parallele<br />
Welt, die über das hinaus geht, was wir<br />
bisher kennen. Im sog. Metauniversum (meta<br />
= jenseits, darüber hinaus gehend) oder auch<br />
Metaverse verschmelzen die physische und<br />
die digitale Welt. Es ist ein virtueller Raum in<br />
dem wir mittels Avatar miteinander agieren<br />
können oder vollständig – wie im richtigen<br />
Leben – in ein Event eintauchen können. Es<br />
gleicht in gewisser Hinsicht einem dreidimensionalen<br />
Videogame. Im Metaversum können<br />
Nutzer die Welten mitgestalten und dort<br />
leben, lernen, arbeiten und feiern.<br />
Das Metaverse: „Projekt in Progress“<br />
Allerdings ist bisher noch nicht exakt definiert,<br />
was das Metaverse genau sein soll und durch<br />
welche Technologien es umgesetzt werden<br />
soll. Auch arbeiten verschiedene Firmen wie<br />
Facebook, Microsoft, Apple, Google und<br />
Firmen aus dem Videospiele-Bereich wie Epic<br />
Games (Fortnite) und Roblox an ihrer Version<br />
des Metaverse. Diese Metaversen bzw. virtuellen<br />
Räume könnten später vielleicht miteinander<br />
interagieren. Metaverse-Plattformen sind<br />
bisher beispielsweise The Sandbox, Decentraland<br />
und Axie Infinity. Die gesamte Idee ist also<br />
ein „Projekt in Arbeit“, was durch viele unterschiedliche<br />
Parteien entwickelt wird. Wichtige<br />
technische Fragen wie z. B. über die Architektur<br />
(zentral oder dezentral), Betriebssystem<br />
(benötigt oder nicht?), Standards und Protokolle<br />
und Besitzstatus (proprietär oder Open<br />
Source) müssen noch beantwortet werden.
Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz<br />
(KI), Virtual Reality (VR) und Augmented<br />
Reality (AR) werden im Metaverse zusammengeführt.<br />
Neue Technologien für verschiedene<br />
Sinneserfahrungen wie z. B. spezielle Handschuhe<br />
zum Erfühlen von Gegenständen und<br />
spezielle Nasenklappen an VR-Brillen, um Gerüche<br />
zu erzeugen, müssen noch zur Marktreife<br />
gebracht werden.<br />
Vor- und Nachteile des Paralleluniversums<br />
Es existieren viele Vorteile aber auch schwerwiegende<br />
Nachteile des Metaverse. In der<br />
virtuellen Welt können sich Menschen unabhängig<br />
vom Aufenthaltsort via Avatar treffen.<br />
Auf diese Art werden Reisekosten sowie<br />
Zeit gespart und die Umwelt geschont. Die<br />
Arbeitnehmer können von zuhause oder jedem<br />
anderen Ort aus arbeiten. Home Schooling<br />
und Home Office werden zunehmend realitätsnah.<br />
Für Unternehmen ergeben sich neue<br />
Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb. Die<br />
Kunden können Produkte im 3D-Raum sinnlich<br />
erfahren. Es entsteht eine neue Welt in der z. B.<br />
Produkte, Grundstücke, Häuser und Unternehmen<br />
gekauft und verkauft werden können.<br />
Eine große Gefahr ist der suchtbildende Charakter<br />
des Metaverse, der gegenüber Videospielen<br />
um ein Vielfaches potenziert wird. Da<br />
vollständige Eintauchen in eine Parallelwelt<br />
kann zur Abtrennung der Menschen von der<br />
realen Welt, der Natur sowie der eigenen<br />
realen Persönlichkeit führen. Der Zugang in<br />
das Metaverse erfolgt durch aufwändige und<br />
teure Technik wie VR-Brillen, spezielle Handschuhe<br />
und Schuhe, Simmulationstechnik<br />
für den Geruch- und Geschmackssinn, u. a..<br />
Zudem sind fortgeschrittene digitale Kenntnisse<br />
notwendig. All das kann dazu führen,<br />
dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht<br />
– nämlich aus Menschen, die sich den Zutritt<br />
zum Metaverse leisten können und auch<br />
wissen wie man Zugang erhält, und den anderen,<br />
die beide Voraussetzungen nicht erfüllen.<br />
Metaverse in der Logistik und Industrie<br />
Das virtuelle Universum wird Unternehmen aus<br />
allen Branchen und insbesondere auch der<br />
Logistikbranche viele neue Möglichkeiten eröffnen,<br />
ihre Prozesse effizienter zu gestalten.<br />
Neben der schon erwähnten Möglichkeit sich<br />
im virtuellen Raum zu einem Arbeitsmeeting<br />
zu treffen, bei dem sich die Teilnehmer real an<br />
völlig unterschiedlichen Orten auf dem Globus<br />
befinden, bietet besonders auch die Kombination<br />
mit KI enorme Potenziale zur Verbesserung.<br />
Ganze Städte, Fabriken, Unternehmen,<br />
Logistikzentren und auch Lieferketten lassen<br />
sich als „digitaler Zwilling“ reproduzieren.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S54<br />
Die Verbindung von digitalem Zwilling und<br />
Metaverse kann Systeme wie Supply Chains<br />
viel eindrücklicher darstellen und damit die<br />
Aufdeckung von Ineffizienzen erleichtern.<br />
Dabei werden Echtzeitdaten der realen Objekte<br />
via Internet der Dinge (IdD) auf den<br />
Zwilling übertragen und können so auch zu<br />
Simulationen künftiger Zustände der Lieferkette<br />
genutzt werden. Digitale Zwillinge fungieren<br />
also als Missing Link, der die Realität<br />
mit dem Metaverse verbindet. Auf diese Weise<br />
kann eine Supply Chain von den Nutzern<br />
(z. B. alle Stakeholder) einer Metaverse-Software<br />
virtuell direkt erfahren werden. Dabei<br />
erhalten die Nutzer Echzeitdaten z. B. über<br />
eine AR-Brille.<br />
Die Technologie schafft also Transparenz<br />
über Daten und Zustände der Supply Chain<br />
und ermöglicht eine drastische Verbesserung<br />
der Funktionsfähigkeit und Effizienz. Die<br />
Grundlage für all das ist die exakte Erfassung<br />
von Echtzeitdaten aller Objekte in der Supply<br />
Chain. Alle Stakeholder erhalten Einsicht auf<br />
Lieferzeiten, Transitzeiten, Verzögerungen<br />
und Versendungskosten und Bezugsquellen<br />
in Echtzeit, was das Vertrauen in die Prozesse<br />
der Lieferkette aller Beteiligten stärkt. Mit der<br />
Nvidia-Software Omniverse existiert bereits<br />
eine Plattform, um digitale Zwillinge für das<br />
Metaverse zu erstellen und Teams weltweit zu<br />
verbinden. Sie wurde bereits von Firmen wie<br />
BMW, Ericsson, Siemens und Lockheed Martin<br />
genutzt.<br />
Das Metaverse fördert auch die Verkürzung<br />
von Produktzyklen, da alle Stakeholder der<br />
Lieferkette an dem Design von neuen Produkten<br />
mitwirken können und dieses durch<br />
entsprechendes Feedback iterieren können.<br />
Zudem könnte die Ausbildung und Schulung<br />
der Mitarbeiter via digitalem Zwilling und Metaverse<br />
wesentlich einfacher und realitätsnäher<br />
gestaltet werden. Für die Kunden würde<br />
die Technologie ganz neue Möglichkeiten<br />
eröffnen mit dem gewünschten Produkt zu<br />
interagieren. In virtuellen Showrooms könnten<br />
die Produkte schon vor dem Kauf getestet<br />
werden und gewünschte Eigenschaften wie<br />
Farbe, Textur, etc. und Ausstattungsmerkmale<br />
angepasst werden. Zudem werden dem<br />
Kunden entsprechende Produktinformationen<br />
in die VR-Brille eingespielt.<br />
Eine weitere interessante Möglichkeit für die<br />
Nutzung von Digital Twins, KI, Predictive Analysis<br />
und Metaverse besteht in der Bedarfsprognose<br />
von Produkten und dem Bestandsmanagement.<br />
Durch die Steigerung der<br />
Genauigkeit können z. B. Einzelhändler die<br />
Lieferkette optimieren und so ihr Endergebnis<br />
erheblich verbessern.<br />
Schlüssel-Technologien für das Metaverse<br />
Die Blockchain gilt als das Rückrad des Metaverse.<br />
Durch sie wird der Wertetransfer, die Besitzverifizierung,<br />
die gegenseitige Nutzung von<br />
digitalen Objekten, die Kontrolle der Prozesse<br />
und die Produkthaftung transparent gemacht<br />
und gesichert. Zudem kann der Kauf von virtuellem<br />
Land und Immobilien durch Kryptowährungen<br />
erfolgen und der Besitz gesichert und<br />
übertragen werden.<br />
Das Metaverse wird in Zukunft von vielen kreativen<br />
Köpfen erschaffen werden – mit teilweise<br />
auch geringer technischer Vorbildung. Daher<br />
entwickelt sich die Nachfrage nach sog.<br />
Low-code- und No-code-Plattformen und<br />
Plug-and-Play-Anwendungen wie z. B. Onirix.<br />
Für realistische 3D-Darstellungen von Objekten<br />
im Metaverse werden zunehmend Firmen<br />
für hochauflösende 3D-Foto- und Videografie<br />
benötigt. Weiterhin wird sich die Nutzung<br />
des IdD enorm ausweiten, um Echtzeitdaten<br />
in das Metaverse zu füttern. Zudem bildet<br />
das Mobilfunk-Internet 5G mit Bandbreiten im<br />
Gigabit-Bereich und geringen Latenzzeiten<br />
die Basis für das IdD. Um die umfassende<br />
bzw. immersive Sinneserfahrung des Metaverse<br />
zu kreieren, werden immer mehr kybernetische<br />
Technologien für Sprache, visuelle<br />
Wahrnehmung, Bewegung, Erkennung von<br />
biometrischen Daten, etc. eingesetzt werden.<br />
Ein weiteres Beispiel ist das Brain-Computer-Interface<br />
Neuralink von Elon Musk, das eine<br />
symbiotische Beziehung zwischen menschlichem<br />
Gehirn und Computer schaffen soll. Mit<br />
dem chirurgisch implantierten Chip soll der<br />
Nutzer mit Computer und Maschinen kommunizieren<br />
und diese kontrollieren können.<br />
Die Idee des Metaverse wird zu einem Technologiesprung<br />
in vielen Bereichen führen und<br />
ebenso die Effizienz von Lieferketten enorm<br />
steigern.<br />
(DR)
6. eCommerce<br />
Logistik- Day<br />
09. September 2021, Wien<br />
Hybrid Event<br />
Österreichischer Handelsverband<br />
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ecommerce-logistik-day/<br />
Medienpartner:
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S56<br />
E-COMMERCE LOGISTIK<br />
Es wird Zeit, der<br />
Wahrheit ins<br />
Gesicht zu sehen<br />
Der Wohlstand, den wir in Österreich gewohnt<br />
sind, mit all seinen Vorzügen, hat<br />
möglicherweise ein nahendes Ablaufdatum.<br />
Geht es nach Betriebswirt Mag. Harald<br />
Gutschi, muss die Regierung besser gestern<br />
als heute handeln und vor allem eines: der<br />
Bevölkerung endlich den Ernst der Lage bewusst<br />
machen. Die Medaille der Globalisierung<br />
zeigt nun ihre unschöne Seite.<br />
REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
In den letzten Jahrzehnten profitierten<br />
Österreich, Deutschland und einige andere<br />
Hochlohnländer von billiger Energie,<br />
womit Rohstoffe und Einzelteile veredelt<br />
und dann hochpreisig wieder exportiert<br />
wurde. Unsere Industrie profitierte deutlich<br />
von der Globalisierung. Doch dieses Modell<br />
fällt uns jetzt auf den Kopf: die Lieferketten<br />
sind außer Rand und Band. Den Anfang<br />
nahm dieser dramatische Absturz wie weithin<br />
bekannt in China – die Zero-Covid-Politik mit<br />
monatelangen Lockdowns führt zu drastischen<br />
Rückstaus bei dringend benötigten Warenlieferungen,<br />
egal ob es sich dabei um Verpackungsmaterialien<br />
oder Bauteile handelt.<br />
Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung<br />
der UNITO Gruppe (u.a. Universal,<br />
OTTO, Quelle, Lascana, Schlafwelt, Ackermann),<br />
beobachtet die Entwicklung mit zunehmender<br />
Sorge: „Zu Weihnachten werden wir<br />
erstmals seit langer Zeit vor dramatisch leeren<br />
Regalen stehen. 400 Millionen Chinesen sind<br />
oder waren im Lockdown, vieles wurde nicht<br />
produziert. Die Situation hat eine Dimension<br />
erreicht wie die letzten 50 Jahre nicht mehr.<br />
Die Auswahl wird drastisch reduziert sein –<br />
man wird zwar natürlich Produkte finden, aber<br />
wenn es eine bestimmte Marke oder ein exaktes<br />
Modell sein soll, dann wird es schwer. Mein<br />
Rat daher: frühzeitig anfangen zu suchen.“<br />
Aktuell werden in China 30 bis 40 Prozent<br />
weniger Containerschiffe abgefertigt als vor<br />
der Pandemie. Als Folge der globalen Arbeitsteilung<br />
fehlen Vorprodukte, weshalb auch im<br />
Rest der Welt die Produktionen teilweise stillstehen.<br />
Die fehlenden Chips für die Automobilbranche<br />
sind nur ein bekanntes Beispiel,
aber fast jede Branche ist betroffen. Gutschi:<br />
„Aktuell haben wir den Peak erreicht: bei den<br />
Lieferproblemen, der Inflation und den gewerblichen<br />
Erzeugerpreisen.“ Der Handel hat sich<br />
massiv gewandelt: „Früher hatten wir einen<br />
Nachfragemarkt – die Kunden hatten eine<br />
riesige Auswahl und konnten den Preis mitbestimmen.<br />
Jetzt allerdings haben wir einen<br />
Angebotsmarkt, die Auswahl ist eingeschränkt<br />
und als Kunde muss man teilweise froh sein,<br />
überhaupt etwas zu bekommen, und das zu<br />
deutlich höheren Preisen.<br />
Notwendiger Staatskommunismus<br />
Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 hat<br />
sich die Bilanzsumme der EZB mehr als verzehnfacht,<br />
insbesondere seit der Finanzmarktkrise<br />
2008 wurden massiv Anleihen zugekauft.<br />
Als Nebenwirkung stiegen die Immobilienpreise<br />
rasant. Die nunmehrige Anhebung des<br />
Leitzinses als Gegenmittel zur Inflation war bereits<br />
abzusehen, ebenso wie die damit einhergehende<br />
Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien.<br />
„Die EZB hat damit gerechnet, dass<br />
die hohe Inflation nur ein vorübergehendes<br />
Phänomen ist. Allerdings sind deren Datenmodelle<br />
nicht auf die Situation ausgelegt – sie<br />
berechnen und funktionieren nur in einer<br />
stabilen Welt. Deshalb lagen die Prognosen<br />
komplett daneben“, meint Gutschi.<br />
Frachtraten sinken<br />
Laut einem Factsheet der DZ Bank steckten<br />
noch im Mai <strong>2022</strong> mehr als 11 Prozent sämtlicher<br />
global verschiffter Waren in Warteschlangen,<br />
im Juli 2021 waren es gar noch rund 14 Prozent.<br />
„Häfen sind gesperrt oder es fehlt an Personal,<br />
um die Container zu verladen. Die Transportraten<br />
gehen zwar wieder nach unten, sind aber<br />
noch immer auf einem sehr hohen Niveau.<br />
Ein Beispiel: Früher haben wir Sitzsäcke um 99<br />
Euro verkauft, heute kostet allein der Transport<br />
dieses Sitzsackes 200 Dollar. Wer soll denn<br />
das kaufen?“, so Gutschi. Lag der aggregierte<br />
Frachtmarktpreis für Schiffstransporte aus China<br />
im Juni 2018 noch bei etwa USD 2.000, betrug er<br />
zum Höhepunkt im September 2021 knapp USD<br />
23.000 – für die gleiche Leistung.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S58<br />
Gaslieferstopp als Schreckgespenst<br />
Gutschi rechnet fix damit, dass spätestens<br />
im Herbst Russland die Erdgaslieferungen<br />
nach Österreich ganz einstellt, bereits jetzt<br />
sind die Mengen stark gedrosselt. „Sollte<br />
der Gashahn zu sein – und die Wahrscheinlichkeit<br />
dafür ist deutlich über 50 Prozent<br />
- wird es wirklich kritisch“, fürchtet er. „Forscher<br />
rechnen mit Minus 2 Prozent des BIP.<br />
Allerdings nehmen die bei ihren Prognosen<br />
an, dass das Gas einfach woanders<br />
herkommt. Das ist reine Naivität. Wir hängen<br />
von Putin ab, nicht umgekehrt.“ Auch die<br />
Diskussion um die Verteilung der Gasreserven<br />
im Ernstfall versteht er nicht. „Dass den<br />
Menschen der Vorzug gegeben wird, ist mir<br />
unbegreiflich. Ein paar Grad weniger in der<br />
Wohnung halte ich aus, da ziehe ich mich<br />
einfach wärmer an. Aber die Industrie ist das<br />
Rückgrat unserer Wirtschaft, die Basis unseres<br />
Wohlstands – wenn die stillsteht, dann haben<br />
wir wirklich ein gewaltiges Problem.<br />
Stellen Sie sich vor, BASF in Ludwigshafen<br />
muss die Produktion einstellen – ohne Chemie<br />
können unzählige weitere Produkte nicht<br />
erzeugt werden: keine Verpackungen, Klebstoffe,<br />
Dämmmaterial, Sportartikel, Arzneimittel<br />
usw. Wir reden hier von einem Einbruch<br />
des BIP im zweistelligen Bereich.“ Deshalb<br />
müsse nun jeder einen Beitrag leisten, denn<br />
auch viele kleine Schritte bringen einen in<br />
Summe ans Ziel.<br />
Wohlstandsverlust unvermeidbar<br />
„Es ist an der Zeit, der Bevölkerung endlich<br />
reinen Wein einzuschenken: ein Wohlstandsverlust<br />
ist unvermeidbar. Der Staat kann es<br />
nicht immer richten, nach der Pandemie<br />
sind die Kassen leer. Das 28 Mrd. € schwere<br />
Entlastungspaket war ein wichtiger und<br />
richtiger Wurf. Wenn es nun wirklich gelingt,<br />
die kalte Progession abzuschaffen, dann<br />
ist diese Regierung zu etwas fähig, woran<br />
bisher alle gescheitert sind. Meiner Meinung<br />
nach muss solch eine gravierende Änderung<br />
auch in den Verfassungsrang. Jede Partei,<br />
die gegen die Abschaffung der kalten<br />
Progression ist, leistet einen Affront gegen<br />
jeden einzelnen arbeitenden Menschen.“<br />
Eine staatliche Preisregulierung ist für ihn<br />
hingegen der falsche Weg. „Der Staat muss<br />
über Transferleistungen unterstützen, den Preis<br />
bestimmt der Markt.“ Ein wichtiger Faktor ist<br />
die Energie, das Energiesparen sollte nicht nur<br />
für ÖKO-Aktivisten an erster Stelle stehen. „Ich<br />
erwarte eine Aufforderung zum Energiesparen,<br />
und zwar jetzt gleich. Parallel muss nach Alternativen<br />
gesucht werden. Die Wiederinbetriebnahme<br />
des Kohlekraftwerks ist ein wichtiger<br />
und richtiger Schritt – wenngleich auch ich<br />
damals bei der Abschaltung gejubelt habe.<br />
Die Versorgung mit Gas hat oberste Priorität“,<br />
so Gutschi. Für die zukünftige Strategie sei es<br />
auch dringend nötig, die Vertreter der Industrie<br />
an einen Tisch zu bringen und Ernstfall-Szenarios<br />
zu simulieren – also kein Erdgas mehr zu<br />
haben. Gutschi: „Es war naiv zu glauben, dass<br />
kein Krieg kommt. Jetzt müssen wir mit den<br />
Konsequenzen leben.“<br />
Arbeitskraft & Arbeitszeit<br />
Vor kurzem noch klagten viele Unternehmen<br />
über den eklatanten Fachkräftemangel.<br />
Heute fehlt Personal an allen Ecken und<br />
Enden. „Wo sind nur all die Menschen?“, fragt<br />
Gutschi. Eine mögliche Antwort: außer Landes.<br />
Denn durch die Pandemie kommen viele Arbeitskräfte,<br />
beispielsweis Erntehelfer, nicht<br />
mehr nach Österreich. Die Wirtschaftsleistung<br />
liegt noch unter dem Niveau von 2019.<br />
Laut Handelsverband rechnen die Unternehmen<br />
im Jahr <strong>2022</strong> mit einem Umsatzrückgang<br />
von minus 14 Prozent im Vergleich<br />
zu 2019. Mitschuld an der Misere ist laut<br />
Gutschi die Kurzarbeit. „Dieses Arbeitsmarktinstrument<br />
verlängert die Verkrustung und<br />
zögert bei manchen Unternehmen nur das<br />
Unvermeid liche hinaus. Kurzarbeit sollte auf<br />
ein absolutes Minimum reduziert werden, statt<br />
dessen ist eine Arbeitsmarktreform dringend<br />
nötig – beispielsweise die Senkung der Lohnnebenkosten<br />
für Arbeitnehmer. Dies wäre durch<br />
die überproportionale Kaufkraftsteigerung ein<br />
Lichtblick und die beste Maßnahme, um dem<br />
Handel zu helfen“, meint Gutschi.<br />
Fazit: Wir müssen uns auf Einschränkungen<br />
einstellen, auch das Angebot frei verfügbarer<br />
Waren wird schrumpfen. Aber: „Es hilft nichts,<br />
pessimistisch zu sein. Menschen sind kreativ,<br />
und wir werden immer eine Lösung finden.“<br />
(AG)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S60<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
Wenn’s wirklich<br />
wichtig ist…<br />
Post investiert in<br />
e-fulfilment<br />
Der Onlinehandel boomt unbestritten. Als<br />
Paketversanddienstleister Nr. 1 in Österreich<br />
bietet die Post eine umfangreiche Servicepalette<br />
fürs E-Commerce-Business. Um an<br />
der Spitze zu bleiben, ist Automation das<br />
Zauberwort. Logistik express im Gespräch<br />
mit Wolfgang Einer, Leiter Logistic Services,<br />
Österreichische Post AG.<br />
BEITRAG: ANGELIKA GABOR<br />
Die Volatilität bei der Nachfrage bedingt flexible,<br />
skalierbare Intralogistiksysteme. Welche<br />
Lösung ist hier die beste?<br />
Es gibt keine one-fits-all-Lösung. Wir haben<br />
uns für eine AutoStore-Anlage entschieden,<br />
ein automatisiertes Lager- und Kommissionierungssystem.<br />
Denn selbst im Drei-Schicht-<br />
Betrieb konnten wir die Mengen manuell nicht<br />
mehr bewältigen. Derzeit wird in Enzersdorf an<br />
der Fischa die mehr als 800 m² große Anlage<br />
aufgebaut, kommendes Jahr soll sie in Betrieb<br />
gehen. Mit dieser modularen Gesamtlösung –<br />
der größten Investition in der Geschichte der<br />
Post Systemlogistik – sind wir für die Zukunft gerüstet<br />
und können die gesamte Kette für den<br />
e-Commerce in der DACH-Region anbieten.<br />
Wie hat sich die Pandemie ausgewirkt?<br />
Covid hat definitiv das Mengenwachstum<br />
beschleunigt, und das Onlinehandelsvolumen<br />
wird auch nicht mehr auf das Vor-<br />
Pandemieniveau zurückgehen. Wir haben 2-3<br />
Jahre in der Entwicklung übersprungen.<br />
Welche ist die beste Herangehensweise zur<br />
Automatisierung eines Logistikstandortes?<br />
Wir haben den Markt ausgiebig sondiert und<br />
aus der Fülle der Anbieter auf ein paar für uns<br />
passende eingegrenzt. Früher war es leicht,<br />
gab es vor 20 Jahren ein neues System am<br />
Markt, dann war das die fixe Lösung für alle<br />
für die nächsten 15 Jahre. Aber heute sind<br />
Angebot und Auswahl schier unendlich. Die<br />
Herausforderung ist es, ein System zu finden,<br />
das einen auch in Zukunft nicht limitiert.<br />
In welchen Bereichen gibt es noch das meiste<br />
Optimierungspotential?<br />
Österreich ist in der Entwicklung leider noch<br />
etwas hinten, wir müssen einen Schritt zurückgehen,<br />
um die Schwachstellen zu sehen:
wir müssen etwa genau überlegen, wie das<br />
Order-Management im jeweiligen Betrieb<br />
funktioniert. Die technische und physische<br />
Logistik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg<br />
eines Shops. Hier ist es nötig, sich die Zeit<br />
zu nehmen und wirklich zu analysieren. Denn<br />
eine Homepage mit Versand allein macht<br />
noch lange keinen erfolgreichen Webshop.<br />
Der Kunde möchte die Ware zu einem bestimmten<br />
Zeitpunkt an einem bestimmten Ort<br />
erhalten, und die Automatisierung hilft uns<br />
dabei.<br />
Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach die<br />
Automatisierungskaiser, und warum?<br />
Unternehmen mit kleinteiligem Sortiment haben<br />
es naturgemäß immer leichter, Branchen<br />
wie etwa die Pharmaindustrie. Auch hängend<br />
transportierte Kleidung war ein Renner, geht<br />
jetzt aber zurück. Sperrige Artikel hingegen<br />
lassen sich kaum automatisieren, die erforderlichen<br />
Geräte wären zu schwer und zu<br />
groß. Keiner wird beispielsweise Fitnessgeräte<br />
automatisiert kommissionieren. Automatisierungslösungen<br />
helfen dabei, eine bestimmte<br />
Performance zu schaffen. Gleichzeitig werden<br />
Logistikflächen rarer. Jeder Kunde möchte<br />
möglichst schnell seine Ware, aber keiner<br />
möchte den dazugehörigen LKW sehen.<br />
Stichwort Retourenhandling: wie sehen Ihre<br />
cleversten Lösungen für die unterschiedlichen<br />
Branchen aus? (Vorteile/Nachteile)<br />
Wir von der Post sind davon überzeugt, dass<br />
sich die Retourenabwicklung in einer Transformation<br />
befindet. Früher konnte man Waren<br />
immer kostenlos zurückschicken, aber hier findet<br />
ein Umdenken statt – auch aus Gründen<br />
der Nachhaltigkeit. Es kam durchaus häufig<br />
vor, dass Kunden sich im Internet verschiedene<br />
Größen und Farben eines Modells bestellten,<br />
einen Artikel behielten und den Rest retournierten.<br />
Das hat sich in letzter Zeit geändert.<br />
Es ist ein politischer Konsens nötig, dass diese<br />
Bepreisung wichtig und richtig ist. Ich bin auch<br />
der Meinung, dass das System der Retourenabwicklung<br />
grundlegend geändert werden<br />
sollte. Ob Retouren zurück ins Versandlager<br />
gehen, oder in ein Extra-Lager, oder in eine<br />
Aufbereitung (beispielsweise waschen), oder<br />
gar in den stationären Handel. Im Idealfall ist<br />
kein weiter Transport nötig.<br />
Gibt es eine Grenze für Automatisierung, die<br />
man nicht überschreiten sollte? (zB hinsichtlich<br />
der Komplexität)<br />
Prinzipiell nein. Aber nicht jedes Produkt ist für<br />
eine Automatisierung geeignet. Trotzdem sind<br />
wir heute noch sehr weit von den Grenzen der<br />
Automatisierung entfernt.<br />
Intralogistik im Jahr 2040: was erwartet uns?<br />
Was wird es Ihrer Meinung nach nicht mehr<br />
geben?<br />
Solch eine Prognose ist unmöglich, dazu ist<br />
unsere Zeit viel zu schnelllebig. Jeder, der das<br />
behauptet, macht nur Schabernack. (AG)<br />
Executice Vice President Logistics<br />
Solutions at Austrian Post AG
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S62<br />
ECOMMERCE LOGISTIK<br />
Logistikdienstleister<br />
als verlängerter Arm<br />
des Onlinehandels<br />
Getreu dem Motto „je näher desto besser“<br />
ermöglicht cargo-partner seinen Kunden,<br />
ihren Webshop direkt mit cargo-partner Systemen<br />
zu verbinden. Eine eigene Online-<br />
Plattform garantiert volle Transparenz und<br />
Echtzeit-Überblick.<br />
BEITRAG: ANGELIKA GABOR<br />
Als internationaler Transport- und<br />
Info-Logistik-Anbieter legt cargopartner<br />
einen strategischen Fokus<br />
auf die Entwicklung von hochmodernen<br />
End-to-End-Lösungen für den B2Cund<br />
B2B-Bereich. Schon seit Jahren ist der<br />
Online-Handle ein rapide wachsendes Geschäftsfeld,<br />
und die COVID-19-Pandemie hat<br />
diesen Trend noch zusätzlich verstärkt.<br />
Online-Händler können ihren Webshop direkt<br />
mit den Systemen von cargo-partner verbinden<br />
oder von bestehenden Anbindungen zu<br />
den bekanntesten Verkaufsplattformen profitieren,<br />
um Logistikprozesse zu automatisieren<br />
und wertvolle Zeit und Kosten zu sparen. „Alle<br />
cargo-partner-Kunden haben Zugriff auf die<br />
SPOT-Plattform, die volle Transparenz beim<br />
Transport sicherstellt und ein einfaches Online-Bestandsmanagement<br />
ermöglicht. Dank<br />
regelmäßiger Status-Updates wissen die Endkunden<br />
immer genau, wann ihre Sendung<br />
ankommt“, betont Martin Schenzel, cargopartner<br />
Geschäftsführer Österreich.<br />
Das Parcel-Modul der SPOT-Plattform bietet<br />
Online-Händlern eine einfache Übersicht über<br />
alle Versandoptionen und Paketdienstleister<br />
(inkl. Konditionen und Laufzeiten). Dabei können<br />
die Händler ihre bestehenden Verträge<br />
mit KEP-Anbietern nutzen oder diese Dienstleistungen<br />
von cargo-partner bereitstellen lassen,<br />
um von Mengenvorteilen zu profitieren.<br />
Zusätzlich ermöglicht das Modul auch einen<br />
automatischen Druck von Rücksendeetiketten<br />
sowie Handelsrechnungen.<br />
Automatisierung unabdingbar<br />
Schenzel: „Der Einsatz modernster Technologie<br />
an unseren Lagerstandorten hilft uns, Prozesse<br />
zu automatisieren und das Risiko menschlicher
Fehler zu minimieren. Gleichzeitig können wir<br />
mit unserer SPOT-Plattform die Kommunikation<br />
mit allen Parteien in der Lieferkette – von den<br />
Lieferanten unserer Kunden bis hin zu ihren<br />
Endkunden – effizienter gestalten und so<br />
„blinde Flecken“ vermeiden. So werden Probleme<br />
bereits im Voraus erkannt und eine bessere<br />
Lieferkettenplanung ermöglicht.“ Die Vorteile<br />
liegen klar auf der Hand: „Per EDI oder API<br />
können wir unsere IT-Systeme an jene unserer<br />
Kunden anbinden, um die Prozesse auf beiden<br />
Seiten zu vereinfachen und Zeit und Kosten zu<br />
sparen. Auf der anderen Seite binden wir uns<br />
auch mit unseren Carriern und Partnern an,<br />
um wichtige Informationen schneller oder sogar<br />
in Echtzeit zu erhalten“, erläutert Schenzel.<br />
Seit 2000 bereits ist die SPOT-Plattform im Transport-<br />
und Logistik-Management im Einsatz. Die<br />
Vorteile: durchgehende Sendungsverfolgung,<br />
einfaches Kommunikations- und Dokumentenmanagement,<br />
umfassende Reporting-Optionen,<br />
Echtzeit-Management der Lagerbestände<br />
und integrierten Paketversand. Mit dem<br />
SPOT-Modul „Purchase Order Management“<br />
können diese Features auch in den Bereichen<br />
Einkauf und Produktion genutzt werden.<br />
Innovative Cloudlösung<br />
Aktuell arbeitet cargo-partner daran, die<br />
Cloud-basierte Logistik-Applikation CargoWise<br />
im gesamten cargo-partner-Netzwerk in 40<br />
Ländern einzuführen. „CargoWise ergänzt<br />
unsere eigene „Visibility & Collaboration Platform“<br />
SPOT und war ganz klar die erste Wahl<br />
für die umfassende Funktionalität, Konfigurierbarkeit<br />
und Flexibilität, die wir brauchen, um<br />
unsere zukünftigen Wachstumsinitiativen voranzutreiben“,<br />
freut sich Schenzel und ergänzt:<br />
„Wir sehen unsere zukünftige Rolle in der<br />
Digitalisierung der globalen Lieferkette nicht<br />
in der Entwicklung eigener Standardsoftware,<br />
sondern im Ausarbeiten individueller Kundenlösungen,<br />
der tiefen Integration und schlussendlich<br />
im Aufbau von Clustern künstlicher<br />
Intelligenz gemeinsam mit unseren Kunden,<br />
wobei viele dieser Cluster untereinander verbunden<br />
sein und miteinander kommunizieren<br />
werden.“<br />
Trotz allem zählt der Mensch<br />
Geht es nach dem Geschäftsführer, bleibt<br />
auch in Zeiten von Digitalisierung und Automatisierung<br />
die persönliche Beziehung und<br />
Kommunikation mit dem Kunden weiterhin ein<br />
Schlüsselfaktor für effiziente und reibungslose<br />
Lieferketten. cargo-partner strebt langjährige<br />
Beziehungen mit seinen Kunden an und<br />
arbeitet in enger Abstimmung mit allen Partnern<br />
entlang der Lieferkette, um Logistikprozesse<br />
optimal aufzusetzen und kontinuierlich<br />
zu verbessern. Die Prozesse müssen dabei<br />
standardisiert und solide genug sein, um Automatisierung<br />
zu ermöglichen, und gleichzeitig<br />
agil und skalierbar genug, um auf unvorhergesehene<br />
Ereignisse schnell reagieren zu<br />
können. (AG)<br />
Martin Schenzel, Geschäftsführer<br />
Österreich, cargo-partner
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S64<br />
TRANSPORT & LOGISTIK<br />
Wolfram Senger-Weiss:<br />
„Grün“ transportieren<br />
kostet Geld<br />
Viel wird über grüne Logistik geredet, doch<br />
wenige wollen dafür bezahlen. Wolfram<br />
Senger-Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung<br />
von Gebrüder Weiss, über Dekarbonisierung,<br />
Pandemie, Verkehrsverlagerung,<br />
alternative Antriebe und weitere Expansion.<br />
Ökologisierung des Transports vorantreiben<br />
wollen, benötigen die Unternehmen Investitionssicherheit<br />
und Förderungen, bis wettbewerbsfähige<br />
Lösungen verfügbar sind. Hier ist<br />
die Politik gefordert, realistische Bilder zu zeichnen,<br />
technologieoffen zu sein und gemeinsam<br />
mit den Betrieben an Lösungen zu arbeiten.<br />
Wir als Gebrüder Weiss bekennen uns klar zu<br />
nachhaltigen Zielen: Wir testen bei unserer<br />
Fahrzeugflotte alternative Antriebe mit Gas,<br />
Strom und Wasserstoff und wollen unsere<br />
eigenen Logistikanlagen bis 2030 mit Solarstrom<br />
klimaneutral betreiben. Unseren Kunden<br />
bieten wir mit unserem „zero-emissions“-<br />
Service die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß jeder<br />
logistischen Leistung durch einen Mehrbetrag<br />
zu kompensieren. Dieser fließt dann in<br />
zertifizierte Klimaschutzprojekte.<br />
TEXT: REDAKTION<br />
Herr Senger-Weiss, das Verkehrsministerium<br />
hat Ende 2021 mit der Erarbeitung eines österreichischen<br />
Masterplans für den Güterverkehr<br />
begonnen. Die Verlagerung des Güterverkehrs<br />
von der Straße auf Schiff und Bahn wird<br />
darin propagiert. Welche Erwartungen haben<br />
Sie an diesen Masterplan?<br />
Senger-Weiss: Die Schiene wird sicher wichtiger<br />
und hat auf längeren Distanzen ihre Vorteile.<br />
Bei Gebrüder Weiss verlagern wir bereits<br />
seit Jahren Straßentransporte auf die Schiene:<br />
Mit dem Orange Combi Cargo haben wir einen<br />
Ganzzug, der täglich zwischen Ost- und<br />
Westösterreich pendelt und damit jährlich<br />
rund 9.000 Tonnen CO2 einspart. Auch haben<br />
wir beispielsweise regelmäßige Zugverbindungen<br />
zwischen Österreich und diversen Häfen.<br />
Wir müssen uns aber bewusst sein, dass nur<br />
gewisse Warentypen und Transportanforderungen<br />
für eine Verlagerung geeignet sind.<br />
Der Lkw wird gern und oft als klimaschädigend<br />
angefeindet. Welche alternative Lkw-Antriebstechnologien<br />
haben gute Chancen, aus dem<br />
„klimafeindlichen“ Lkw einen „klimafreundlichen“<br />
zu machen?<br />
Senger-Weiss: Elektro-Lkw sind in der Zustellung,<br />
speziell im urbanen Raum eine gute Lösung,<br />
nicht aber für den Schwerlastverkehr auf<br />
der Langstrecke. Grundsätzlich ist die E-Mobilität,<br />
auf die sich die österreichische Politik fokussiert<br />
hat, in der Logistik kein Allheilmittel. Bei<br />
schweren Lkw gibt es noch wenig serienreife<br />
Fahrzeuge mit nachhaltigen Antriebsformen.<br />
Auch braucht es dazu eine entsprechend<br />
passende Tankinfrastruktur und Service-<br />
Organisation. Vielversprechend ist die Wasserstoff-Technologie,<br />
die Gebrüder Weiss in der<br />
Schweiz als eines der ersten Unternehmen seit<br />
nun einem Jahr mit großem Erfolg im Einsatz<br />
hat. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit unseren<br />
Kunden aus den Praxiserfahrungen lernen.<br />
Welche Technologie sich letztendlich durchsetzen<br />
wird, ist aktuell noch nicht klar.<br />
Wie denken Sie, lassen sich Umweltinteressen<br />
und Interessen der Wirtschaft im Blickfeld auf<br />
das Jahr 2050 unter einen Hut bringen?<br />
Senger-Weiss: Die Ökologie folgt der Ökonomie<br />
oder anders ausgedrückt: Grüne Logistik<br />
kostet Geld. Die höheren Kosten will aber<br />
bisher kaum jemand bezahlen. Wenn wir die<br />
Wie läuft derzeit das Geschäft bei Gebrüder<br />
Weiss und welche Pläne verfolgen Sie für die<br />
nahe Zukunft?<br />
Senger-Weiss: Die Themen Lieferverzögerungen,<br />
Frachtraumknappheit und volatile und<br />
stark gestiegene Preise bei den Frachtraten<br />
haben uns länger begleitet als gehofft.
Eine Erleichterung ist auch in absehbarer<br />
Zeit nicht zu erwarten. Grundsätzlich aber<br />
fällt unser Rückblick auf 2021 zufriedenstellend<br />
aus. Wir konnten als Unternehmen viele<br />
strategische Themen umsetzen, gerade<br />
im Hinblick auf unsere internationale Netzwerkverdichtung<br />
sowie in den Bereichen<br />
Digitalisierung und Nachhaltigkeit, sprich<br />
alternative Antriebe und anvisierte Klimaneutralität<br />
unserer Logistikanlagen bis 2030.<br />
Wir werden unsere Anstrengungen im Bereich<br />
Nachhaltigkeit weiter intensivieren – Stichwort<br />
alternative Antriebe – und unseren Weg Richtung<br />
Klimaneutralität durch Investitionen in<br />
Solaranlagen an unseren Standorten fortsetzen.<br />
Zugleich sind wir mit steigenden Kosten<br />
und Inflation konfrontiert – auch Green Logistics<br />
kostet Geld. Und diese Kosten müssen wir<br />
entsprechend an unsere Kunden weitergeben.<br />
Das ist kein einfacher und angenehmer,<br />
aber ein notwendiger Prozess. Weitere Entwicklungsschritte<br />
haben wir <strong>2022</strong> außerdem<br />
in Süddeutschland und den USA geplant, wo<br />
wir uns noch verstärken und weiterentwickeln<br />
möchten.<br />
Welche Auswirkungen hatte die Corona-<br />
Pandemie auf die verschiedenen Bereiche in<br />
Ihrem Unternehmen?<br />
Senger-Weiss: Die Corona-Pandemie hat<br />
unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen<br />
viel Flexibilität und hohe Einsatzbereitschaft<br />
abverlangt. Der Aufwand der<br />
Abwicklung ist durchwegs gestiegen,<br />
teilweise auch das Sendungsaufkommen, besonders<br />
im Paket- und Home Delivery-Bereich.<br />
Die Situation in der Luft- und Seefracht war<br />
und ist herausfordernd. Das alles wurde hervorragend<br />
gemeistert. Vor allem der operative<br />
Bereich war dauerhaft unter den erschwerten<br />
Bedingungen gefordert.<br />
Experten prognostizieren für die globale<br />
Logistik-Welt Logistik-Welt einen großen Wandel<br />
weg von der menschlichen Arbeit hin zu<br />
einer vollständigen Automatisierung. Sehen<br />
Sie auch eine solche Entwicklung und was<br />
bedeutet das für Ihr Unternehmen?<br />
Senger-Weiss: Die Digitalisierung ist seit vielen<br />
Jahren fest in der Logistik verankert und<br />
nicht mehr wegzudenken. Bei Gebrüder Weiss<br />
haben wir mit der Einführung des Kundenportals<br />
myGW einen wichtigen Meilenstein<br />
erzielt: Diese digitale Plattform liefert den<br />
Kunden auf Knopfdruck Echtzeitinformationen<br />
zu ihren Warenströmen, die gesamte<br />
Kommunikation kann online abgewickelt werden.<br />
Insgesamt ein deutlicher Mehrwehrt: mehr<br />
Transparenz, höhere Planbarkeit, besserer<br />
Informationsfluss und größere Zeitersparnis.<br />
Aber: Solche digitalen Maßnahmen müssen<br />
auch durch operative Servicequalität gestützt<br />
werden. Deshalb investieren wir sowohl in<br />
digitale Technologien als auch in die „physische“<br />
Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens.<br />
Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass<br />
Logistik ein „people’s business“ ist und auf absehbare<br />
Zeit auch bleiben wird.<br />
(RED)<br />
Wolfram Senger-Weiss, Vorsitzender,<br />
Geschäftsführer Gebrüder Weiss
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S66<br />
TRANSPORT & LOGISTIK<br />
Alexander Friesz:<br />
Politik verhindert<br />
Alternativen<br />
Österreichs Speditionswirtschaft ist auf das<br />
Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035<br />
nicht gut zu sprechen. Dabei ist gerade der<br />
Lkw ein wichtiger Hebel zur Erreichung der<br />
Klimaziele. Alexander Friesz, Präsident des<br />
Zentralverbandes Spedition & Logistik, im<br />
Gespräch mit Logistik Express.<br />
TEXT: REDAKTION<br />
Herr Friesz, in Österreich wird derzeit ein Masterplan<br />
für den Güterverkehr erarbeitet. Was<br />
erwartet sich die Speditionswirtschaft von<br />
diesem Plan und wie soll damit die politisch<br />
vielbeschworene Dekarbonisierung des Güterverkehrs<br />
erreicht werden?<br />
Alexander Friesz: Der Masterplan sollte zum Ziel<br />
haben verkehrsträgerneutral den Transformationsprozess<br />
in Richtung Zero-Emission aufzusetzen.<br />
Seit Beginn dieser Regierung drängen<br />
wir Verkehrsministerin Gewessler auf einen,<br />
mit uns abgestimmten, möglichst konkreten<br />
Maßnahmenplan zur Dekarbonisierung des<br />
Güterverkehrs, Ergebnisse gibt es noch keine.<br />
Deutschland ist bei den geplanten Maßnahmen<br />
schon viel konkreter und auch wesentlich<br />
technologieoffener.<br />
Ohne Lkw wird es auch im klimaneutralen Österreich<br />
wie es ab 2040 sein soll nicht gehen.<br />
Für welche Antriebstechnologien setzt sich<br />
Ihre Branche ein mit welchen Forderungen an<br />
die Hersteller und die Politik?<br />
Friesz: Solange die Politik alle Alternativen verhindert,<br />
stellt uns das vom EU-Parlament am<br />
8. Juni <strong>2022</strong> beschlossene Verbot für den Verkauf<br />
von Verbrennungsmotoren ab 2035 vor<br />
unlösbare Probleme. Der Straßengüterverkehr<br />
ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der<br />
EU-Klimaziele. Wir wissen das und treten seit<br />
langem nachdrücklich für die Umsetzung entsprechender<br />
Maßnahmen ein. Wenn die Politik<br />
aber weder den Einsatz von e-Fuels noch von<br />
Wasserstoff noch von energie-effizienten Lkw<br />
ermöglicht, werden Warenverkehr und Güterversorgung<br />
in ihren Grundzügen gefährdet, da<br />
die Alternativen fehlen.<br />
Welche politische Unterstützung erwartet Sie<br />
sich bei ihrer Bereitschaft in emissionsarme<br />
Fuhrparks zu investieren?<br />
Friesz: Wir wünschen uns eine technologieoffene<br />
Förderung der Zero-Emission-Antriebslösungen<br />
Wasserstoff und Batterie, da die Investitionskosten<br />
im Vergleich zum fossilen Antrieb<br />
mindestens den 3,5-fachen Steigerungsfaktor<br />
aufweisen. Für eine Übergangszeit wäre<br />
es, auch wenn das EU-Parlaments jetzt dagegen<br />
gestimmt hat, sinnvoll Brückentechnologien<br />
wie E-Fuels ebenfalls in die Förderplanung<br />
aufzunehmen, um bereits heute Emissionseinsparungen<br />
zu erzielen. Die kürzlich – spät aber<br />
doch – präsentierte Wasserstoff-Strategie für<br />
Österreich begrüßen wir grundsätzlich.<br />
An vielen Ecken und Enden fehlt es aber an<br />
Konkretem. So muss sowohl der Wasserstoff für<br />
den Schwerverkehr aktiv gefördert als auch<br />
die Errichtung von Lade- und Produktions-Infrastruktur<br />
massiv vorangetrieben werden. Bei<br />
der Förderung geht es zudem um eine Gleichbehandlung<br />
aller alternativen Antriebsformen.<br />
Bei der E-Mobilität gibt es keine Auflagen, wo<br />
der Strom herkommt. Bei Wasserstoff soll nur die<br />
Verwendung von neuem, zusätzlich gewonnenem<br />
erneuerbarem Wasserstoff förderbar werden.<br />
Das ist eine klare Ungleichbehandlung.<br />
Technologieneutralität, wie von uns und auch<br />
von der EU-Kommission eingefordert, um die<br />
Ziele erreichen zu können, sieht anders aus.<br />
Nicht nachvollziehbar ist für uns auch die Industrielastigkeit<br />
der österreichischen H2-Strate-
gie, die damit ausgerechnet den alternativlosen<br />
Güterverkehr so gut wie unbeachtet lässt.<br />
Unsere Unternehmen investieren Millionen in<br />
Klimaschutzmaßnahmen und werden dabei<br />
von der Politik in jeder Hinsicht alleingelassen.<br />
Zu unterstützen sind Anzeichen, dass die<br />
EU-Kommission im Rahmen ihrer Klimaschutzpolitik<br />
auch auf längere und schwerere Lkw<br />
setzen will. Die Kommission hat damit die Diskussion<br />
über längere Lkw und über den Nutzen<br />
aerodynamischer Verbesserungen an den<br />
Fahrzeugen zumindest neu eröffnet. Europäische<br />
Modulare Systeme (EMS) mit Fahrzeugkombinationen<br />
von 25,25 Metern Länge sollen<br />
demnach grenzüberschreitend fahren und<br />
Gewichte und Höchstmaße auf die in der EU<br />
am häufigsten zugelassenen Werte angehoben<br />
werden. Anreize oder Vorschriften für aerodynamische<br />
Änderungen, Länge, Gewicht,<br />
Achslast und Ladekapazität sollten jedenfalls<br />
für emissionsfreie Lkw angepasst werden.<br />
Auch mehr Lkw Ladekapazität im intermodalen<br />
Verkehr ist ein Thema. Sinnvolle und richtig<br />
umgesetzte Vorgaben bei Aerodynamik,<br />
Länge und Volumen können den Verbrauch<br />
und damit die Emissionen um bis zu 30 Prozent<br />
reduzieren. Dazu müsste aber auch Österreich<br />
endlich von seinem besonders restriktiven Kurs<br />
abgehen.<br />
Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten<br />
bringen die Logistikwirtschaft unter Druck. Mit<br />
welchen Entlastungen sollte die Politik dem<br />
Transportsektor entgegenzukommen?<br />
Friesz: Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten<br />
treffen unsere Branche naturgemäß besonders<br />
hart. Die Senkung der Mineralölsteuer<br />
(MöST), das Aussetzen der CO2-Bepreisung ab<br />
Juli und die Einführung eines Gewerbediesels<br />
wurden vom Zentralverband bereits öffentlich<br />
gefordert. Zummindest bei der CO2-Bepreisung<br />
haben wir uns durchgesetzt. Diese wird<br />
erst einmal auf Oktober verschoben. Entlastungen<br />
im Energiebereich helfen den Konsumenten,<br />
ja der gesamten Wirtschaft und wirken<br />
der massiv steigenden Inflation entgegen.<br />
Alle reden von grüner Logistik und erwarten,<br />
dass die Logistik-Branche hier mit Super-Lösungen<br />
aufwartet. Sollte nicht jeder Bürger<br />
mehr Bewusstsein für grüne Logistik entwickeln,<br />
weil er es ist, der mit seiner Konsumnachfrage<br />
mehr Güterverkehr „erzeugt“?<br />
Friesz: Das Konsumentenverhalten führt derzeit<br />
dazu, dass in immer kürzen Bestellrhythmen<br />
immer kleiner werdende Warenmengen transportiert<br />
werden. Damit ist auch ein weiteres<br />
Verkehrswachstum verbunden. Eine Veränderung<br />
dieser Kaufgewohnheiten kann das positiv<br />
beeinflussen. Damit kann auch jeder Einzelne<br />
etwas zur Dekarbonisierung beitragen.<br />
Durch den Ukraine-Krieg sind über Nacht<br />
100.000 ukrainische Lkw-Fahrer in Polen und<br />
anderen Oststaaten nicht mehr vorhanden,<br />
weil sie ihr Heimatland verteidigen. Wie viele<br />
Lkw-Fahrer fehlen in Österreich und wie lässt<br />
sich der Mangel in den Griff bekommen?<br />
Friesz: Der Ausfall von 100.000 ukrainischen<br />
Lkw-Fahren verschärft den bereits zuvor großen<br />
Fahrermangel massiv. Durch vorausschauende<br />
Dispositionen versuchen wir Spediteure<br />
diese Beeinträchtigungen zu reduzieren. Ganz<br />
kompensieren können wir diesen eklatanten<br />
Mangel aber nicht. Der Beruf des Lkw-Fahrers<br />
muss attraktiver werden und der Zugang zur<br />
Ausbildung erleichtert. (RED)<br />
Alexander Friesz, Präsident Zentralverbandes<br />
Spedition & Logistik
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S68<br />
TRANSPORT & LOGISTIK<br />
Roman Stiftner:<br />
Lieferketten müssen<br />
resilienter werden<br />
Die Gobalisierung erlebt derzeit einen radikalen<br />
Wandel. Produktionen rücken näher zu regionalen<br />
Märkten. Was nicht allein schmerzlich<br />
sein muss, sondern auch Chancen<br />
birgt ist Roman Stiftner, Präsident des European<br />
Shippers’ Council überzeugt.<br />
TEXT: REDAKTION<br />
Herr Stiftner, die Wirtschaft ist derzeit mit großen<br />
Veränderungen konfrontiert und der Ukraine-Krieg<br />
sorgt für massive Verwerfungen<br />
bei globalen Transportabläufen. Was bedeutet<br />
das für die verladende Wirtschaft, deren<br />
Interessen das European Shippers’ Council<br />
(ESC) vertritt?<br />
Roman Stiftner: Es herrschen turbulente Zeiten<br />
in der Logistik. Ja, die gestörten Lieferketten im<br />
Welthandel machen uns zu schaffen und das<br />
wird auch noch einige Zeit disruptiv bleiben.<br />
Etwa ein Zehntel aller weltweit verschifften<br />
Waren sitzen derzeit irgendwo fest und behindern<br />
die Versorgung mit Gütern und Rohstoffen.<br />
Das Ausmaß hat auch bereits die Endkonsumenten<br />
erreicht, Wunschprodukte sind nicht<br />
lieferbar und die Inflation zieht gehörig an.<br />
Die Corona-Pandemie hat Lieferketten massiv<br />
beeinträchtig und viele wurden notleidend.<br />
Was soll die verladende Wirtschaft unternehmen,<br />
um die Lieferketten resilienter gegen Unwägbarkeiten<br />
zu machen?<br />
Stiftner: Die Wiederherstellung der Resilienz ist<br />
die Priorität für das Supply Chain- Management.<br />
Kurzfristig wird die verladende Wirtschaft<br />
wohl der Situation mit Krisenmanagement<br />
beikommen können. Ich bin überzeugt, dass<br />
sich die Zielprioritäten zugunsten der Qualität<br />
und Regionalität verschieben werden. Praktisch<br />
bedeutet das, dass es nicht mehr darum<br />
gehen wird, eine Ware oder einen Rohstoff<br />
möglichst kostengünstig zu beziehen. Die Zuverlässigkeit<br />
des Eintreffens der Ware hat im<br />
Störungsfall mehr Einfluss auf die Kosten des<br />
Gesamtproduktionsprozesses als vergleichbar<br />
geringe Einkaufserfolge. Auch ökologisch sind<br />
manche Warenströme zu hinterfragen und<br />
werden wohl neu beurteilt werden müssen.<br />
Das ist die Chance für regionale Anbieter, da<br />
höhere Logistikkosten und das Einpreisen der<br />
Resilienz diese wieder wettbewerbsfähiger<br />
machen. Wir erleben einen schmerzhaften,<br />
aber gesellschaftlich erwünschten Wandel.<br />
Nicht wenige Handels- und Industriebereiche<br />
in Europa haben Probleme bei der Rohstoffbeschaffung,<br />
weil sie häufig von einem einzigen<br />
Lieferanten abhängig sind. Wäre es nicht besser<br />
Rohstoffe von verschiedenen Lieferanten<br />
zu beschaffen, um Lieferrisiken zu minimieren?<br />
Stiftner: Das ist einfacher gesagt als getan.<br />
Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen<br />
begibt sich fahrlässig in die Abhängigkeit eines<br />
einzelnen Lieferanten. Speziell im Rohstoffsektor<br />
aber nicht nur dort sind jedoch monopolartige<br />
Lieferantenstrukturen ein Faktum. Eine<br />
aktuelle Studie hat gezeigt, dass bei den strategisch<br />
wichtigen Metallen für Hochtechnologie<br />
eine vollkommene Abhängigkeit von China<br />
besteht. Ich spreche hier von Rohstoffen, ohne<br />
die Technologien zur Emissionsreduktion und<br />
nachhaltiger Energieerzeugung und Mobilität<br />
aber auch Digitalisierung einfach nicht funktionieren.<br />
Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist<br />
Magnesium. Es wird benötigt, um Aluminiumund<br />
Stahllegierungen herzustellen. Ohne Magnesium<br />
läuft also kein Auto mehr vom Band<br />
und es wird auch keine Windkraftanlage mehr<br />
errichtet werden können. Europa ist zu 95 Prozent<br />
abhängig von China, und China hat die<br />
Lieferungen nach Europa bewusst und strategisch<br />
stark eingeschränkt. Die Folgen sind<br />
eine Preisexplosion und das Bewusstsein, dass<br />
in wichtigen Wertschöpfungsketten, wie unter<br />
anderem in der Automobilindustrie, Europa an<br />
Autonomie stark eingebüßt hat.
Wäre Europas Wirtschaft gut beraten nach<br />
Fernost ausgelagerte Produktionen wieder zurückzuholen,<br />
um Lieferketten zu verkürzen und<br />
transparenter zu machen?<br />
Stiftner: Nicht nur Europas Wirtschaft, auch die<br />
europäische Gesellschaft wäre gut beraten,<br />
diesen Weg zu gehen. Es geht dabei nicht um<br />
ein „Zurück-in-alte-Zeiten“, sondern um die<br />
Absicherung unseres Ziels, Europa bis 2050 klimaneutral<br />
zu machen. Wir dürfen nicht naiv<br />
sein und glauben, dass andere Kulturkreise<br />
unsere Regeln akzeptieren und unserem Voranschreiten<br />
in der Klimapolitik einfach folgen.<br />
Die aktuelle Chipkrise zeigt, wie leicht Technologie<br />
durch leichtfertige Politik abwandern<br />
kann. Obwohl Europa nach wie vor führend<br />
im Design von Chipproduktionsprozessen ist<br />
ging die Produktion verloren. Europa benötigt<br />
eine akzentuierte Industriepolitik und den<br />
Willen, bestehende Industrien in Europa zu festigen<br />
und neue Zweige zu etablieren.<br />
Roman Stiftner, Präsident des<br />
European Shippers’ Council<br />
Welche Forderungen gibt es seitens des ESC<br />
an welche politischen Adressen in Europa?<br />
Stiftner: Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere<br />
Lieferketten krisenanfällig sind und wir deshalb<br />
gemeinsame Anstrengungen mit der Politik<br />
unternehmen müssen, sie resilienter zu gestalten.<br />
Für die gesamte verladende Wirtschaft<br />
sind die Ziele des Fit for 55-Programms zur<br />
Steigerung der Nachhaltigkeit eine große zusätzliche<br />
Herausforderung. Das ESC unterstützt<br />
die Europäische Kommission in Maßnahmen<br />
zur Reduktion des Klimawandels auch mit der<br />
Konsequenz, dass Verlader in Zukunft ETS-Zertifikate<br />
für den Transport kaufen werden müssen.<br />
Die Politik ist hier aufgerufen, die unterschiedlichen<br />
Belastungen der Modalitäten durch<br />
das geplante ETS-Regime möglichst gering zu<br />
halten und doppelte Verrechnungen zu vermeiden.<br />
Die Einnahmen durch die Zertifikate<br />
müssen unbedingt in eine moderne Infrastruktur<br />
und digitale Innovation investiert werden.<br />
Darüber hinaus sehen wir uns mit einer schwierigen<br />
Arbeitsmarktsituation konfrontiert. In<br />
den nächsten Jahren wird ein großer Teil der<br />
Lkw-Fahrer in Pension gehen und es wird daher<br />
an autonomen Fahrsystemen kein Weg<br />
vorbeiführen. Dafür müssen die rechtlichen<br />
und infrastrukturellen Grundlagen geschaffen<br />
werden. Aktuell gilt unsere Sorge den geopolitischen<br />
Spannungen nicht nur mit Russland,<br />
sondern auch in der Taiwan-Frage. Etwa 40<br />
Prozent des weltweiten Bedarfs an Halbleitern<br />
wird in Taiwan gefertigt, weshalb Lieferstörungen<br />
vitale Auswirkungen auf Wertschöpfungsprozesse<br />
in Europa haben und auch dem<br />
Welthandel schaden würden.<br />
Welche Ziele wollen Sie in Ihrer Funktion als seit<br />
2021 amtierender ESC-Präsident erreichen?<br />
Stiftner: Mein Ziel als ESC-Präsident ist es, die<br />
Qualität und Resilienz der Lieferketten zum<br />
Wohle der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft<br />
zu verbessern. Dafür braucht Österreich<br />
und Europa mehr qualifizierte Experten.<br />
Wir müssen daher in die Aus- und Weiterbildung<br />
unserer Mitarbeiter investieren. Die verladende<br />
Wirtschaft ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber.<br />
Wir geben Menschen aus unterschiedlichen<br />
Kulturkreisen internationale Karriereperspektiven<br />
und sichere Beschäftigung. Darüber<br />
hinaus ist es mein Ziel, den fairen und partnerschaftlichen<br />
Austausch mit den Verbänden<br />
in Asien, Amerika, Russland als wichtige<br />
Handelsregionen auszubauen. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S70<br />
TRANSPORT & LOGISTIK<br />
LogParship -<br />
Die europäische<br />
Verkehrspolitik<br />
Die EU als Singlebörse. „Alle 11 Minuten verliebt<br />
sich ein Logistik Single über EU-Parship.“<br />
Das „Matching“ sorgt für die größte Chance<br />
auf eine liebevolle Logistiker-Ehe.<br />
REDAKTION: PETER BAUMGARTNER<br />
Auch die Donaukommission bemüht sich mit<br />
neuen Ideen das Logistik-Desaster zu mindern.<br />
Quelle: Donaukommission<br />
Das geopolitische Desaster, in das<br />
uns unsere „FührerInnen“ hineingeritten<br />
haben zeigt, dass wir neben<br />
den humanitären und ökologischen<br />
Katastrophen auch ein veritables Logistikproblem<br />
haben. Die Kurzsichtigkeit, auf Lobbyisten<br />
aufgebaute Transportlogistik der EU,<br />
wird in der Krise zu einem Megaproblem mit<br />
globalen Auswirkungen. Jahrzehnte wurden<br />
Warnungen und Expertenmeinungen ignoriert.<br />
Jetzt müssen wir die Logistik „überdenken“<br />
und die Infrastruktur „anpassen“, erklärte die,<br />
für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Adina<br />
Vălean im Mai vor ein paar Journalisten.<br />
Allen Bemühungen zum Trotz, werden die Versäumnisse<br />
aus der Vergangenheit überall in den<br />
Donauhäfen sichtbar...<br />
Richtig wäre gewesen, hätte sie sich für das<br />
eigene Versagen (und das ihrer VorgängerInnen)<br />
entschuldigt und Platz für eine<br />
kompetentere Leitfigur in der europäischen<br />
Verkehrspolitik gemacht. Aber das ist für unsere<br />
Marionetten-PolitikerInnen keine Option.<br />
Stattdessen schlagen sie jetzt wie wild<br />
um sich und richten noch mehr Schaden an.<br />
Plötzlich ist man in Brüssel und bei der UN<br />
draufgekommen, dass die Ukraine ein wichtiger<br />
Getreidelieferant für viele Länder ist.<br />
Fast müsste man Putin dankbar sein. Ohne<br />
seinen verrückten Krieg hätten das unsere<br />
Politexperten komplett vergessen.
Das Getreideschiff NIBULON MAX, ein ukrainisches See/Binnenschiff, ausgestattet mit 2 deutschen Liebherr-Kränen, kann 18.000<br />
Tonnen/Tag umschlagen und ein Panamax-Schiff in 3 Tagen beladen. Solche Schiffe gibt es an der Donau nicht. Jetzt liegt das<br />
Schiff in der Hafenstadt von Mykolaiv, am Südlichen Bug, unter Beschuss russischer Raketen. Das Unternehmen NIBULON kann<br />
6,5 Mio. Tonnen landwirtschaftliche Produkte im Jahr verschiffen und einen Getreidesilo in 100 Tagen aufstellen. Quelle: NIBULON<br />
Spätestens seit 1991, mit der Gründung<br />
der Ukraine ist allen klar, wo die „Kornkammer<br />
der Welt“ liegt und was es logistisch<br />
braucht, damit die Verteilung funktioniert.<br />
2016 hat ein österreichischer Getreidebauer,<br />
der selber in der Ukraine anbaut angemerkt,<br />
dass die EU die Logistikprobleme kennt. Unzureichende<br />
Transportkapazitäten, schlechte<br />
Infrastruktur, irrwitzige Zollformalitäten usw.<br />
Seine im Donauhafen Reni beladenen Schiffe<br />
mussten 14 Tage warten, bis das Ergebnis der<br />
Warenprobe vorlag etc.<br />
Jeder Logistikschüler kannte schon vor 30<br />
Jahren das Problem mit der unterschiedlichen<br />
Spurweite bei den Bahnen. Und niemand<br />
dachte bisher an die strategische<br />
Bedeutung der ukrainischen Donauhäfen<br />
(Die Macht, die die Donaumündung beherrscht,<br />
beherrscht die ganze Donau).<br />
Lieber überließ man China die Übernahme<br />
europäischer Infrastruktur. Sogar Russland<br />
hat die Hand auf türkischer Hafeninfrastruktur<br />
und lacht uns jetzt wegen unserer verzweifelten<br />
Sanktionspolitik aus. Russische<br />
Schiffe fahren mit ukrainischem Getreide<br />
ungeniert in die Türkei und machen damit<br />
ein gutes Geschäft mit jedem, der Geld<br />
im Kreml abliefert. Man kann sich nur noch<br />
schämen für diese Schwarmdummheit.<br />
Der im Mai von Kommissarin Vălean vorgestellte<br />
„Aktionsplan“, es sollte besser heißen Verzweiflungsakt,<br />
sieht vor, dass unter der schönen<br />
Überschrift „Solidarity Lanes“ alternative<br />
Routen für die ukrainischen Agrarprodukte<br />
gefördert werden sollen. Abgesehen davon,<br />
dass es schon wieder eine unzulässige Täuschung<br />
ist von Solidarität zu sprechen, wenn<br />
es in Wahrheit um die eigene Suppenschüssel<br />
geht, die Routen aus der Ukraine in die EU sind<br />
ja da, wo sie immer schon waren. Das sind also<br />
keine alternativen Routen. Das sind aha- und<br />
ui Erkenntnisse, die man in schöne Überschriften<br />
verpackt und endlich nutzen möchte.<br />
Aber das wird dauern, weil aus einem Schlafwagen<br />
kann man nicht über Nacht einen<br />
Formel-1 Wagen zaubern. Die Rail Cargo<br />
Group gibt stolz bekannt, seit Kriegsausbruch<br />
(24. Februar) bereits über 130.000 Tonnen Getreide<br />
aus der Ukraine exportiert zu haben.<br />
Das ist wirklich „beachtlich“, wenn man bedenkt,<br />
dass man für diese Menge (konservativ<br />
gedacht) gerade mal 10-12 Donau-Schiffskonvois<br />
brauchen würde. Aber man freut<br />
sich als wichtiger europäischer Bahn-Player
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S72<br />
..Schiffsstau wohin das Auge reicht, weil<br />
die Wasserstraße Donau seit Jahrzehnten<br />
im Tiefschlaf liegt. Screenshot: Sulina und<br />
Constanta 27.6.22<br />
einen „kleinen Beitrag leisten zu können“.<br />
Ein (öffentlicher) Transporteur, der sogar etwas<br />
leisten will und sich darüber freut etwas<br />
leisten zu dürfen (!) Man glaubt im falschen<br />
Film zu sein. Aber es ist bittere Realität. Immerhin,<br />
was bisher als völlig ausgeschlossen und<br />
undenkbar galt, wird plötzlich notgedrungen<br />
doch wahr: Die Bahn kooperiert mit der<br />
Binnenschifffahrt! Wie gesagt, nur aus der Not<br />
heraus, aber immerhin. Vielleicht manifestiert<br />
sich eine gute Idee für die Zeit danach…<br />
Allen Bemühungen zum Trotz, werden<br />
die Versäumnisse aus der Vergangenheit<br />
überall in den Donauhäfen sichtbar...<br />
Zu schnell sollen die richtigen Weichen eh<br />
nicht gestellt werden, denn auch in der Binnenschifffahrt<br />
und in den Binnenhäfen gibt es<br />
noch genug Hausaufgaben zu erledigen, um<br />
am Logistik-Spiel als ernstzunehmender Partner<br />
teilhaben zu dürfen. Die gut gemeinte Solidaritätsaktion<br />
der Donaukommission (Danube Solidarity<br />
Lane for EU-Ukraine trade), die das Gewerbe<br />
mit den Verladern vernetzen soll zeigt<br />
nur auf, was in Zeiten von KI und globalisierten<br />
Lieferketten längst schon Alltag sein sollte.<br />
Diese Kritik trifft jedoch ausnahmsweise nicht<br />
die Politik, sondern zeigt, dass sich bis auf ein<br />
paar innovative Ausnahmen, alle Stakeholder<br />
in der Binnenschifffahrt darauf verlassen, dass<br />
der Staat eh alles regelt. Abgesehen von den<br />
seit Jahrzehnten verschlafenen Personalproblemen,<br />
muss man sich jetzt auch noch (viel zu<br />
spät) mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen<br />
und womöglich müssen Schiffe<br />
mancherorts bald auch fahren und nicht nur<br />
schwimmen können. Dazu kommen prähistorische<br />
Verwaltungsstrukturen, die man bisher<br />
als gottgewollt hingenommen hat. Eine wichtige<br />
Wasserstraße, wie zum Beispiel den Sulina-<br />
Kanal in der Nacht einfach zu sperren, mag<br />
vielleicht bei einem Hausbootkanal akzeptabel<br />
sein, aber nicht bei einer Wasserstraße<br />
mit Doppelfunktion für See- und Binnenschiffe.<br />
Die Folgen sieht man jetzt an den Mündungshäfen,<br />
wo hunderte Schiffe in Warteposition<br />
liegen – nicht nur weil Krieg herrscht, sondern<br />
auch weil alte Versäumnisse aufbrechen.<br />
Verhältnismäßig gut läuft es – wie immer – im<br />
Straßenverkehr. Zwar brechen auch hier die<br />
Versäumnisse der Infrastrukturpolitik und Verwaltung<br />
auf und blockieren einen reibungslosen<br />
Grenzverkehr, aber der Straßenverkehr<br />
wächst dennoch enorm. Zum Nachteil der<br />
Umwelt. Bald müssen sich Ukrainer, müssen<br />
wir uns die Frage stellen, ob wir lieber<br />
mit einer russischen Kugel im Kopf, oder an<br />
den Folgen des Klimawandels sterben wollen.<br />
An dieser Stelle: Herr Putin, es lohnt sich<br />
nicht Krieg zu führen. Wir bringen uns gerade<br />
selber um. Seit der Unterzeichnung des<br />
Freihandelsabkommens zwischen der Ukraine<br />
und der EU im Jahr 2016, ist der Gütertransport<br />
auf der Straße um 42% gestiegen.<br />
Der Bahn- und Binnenschifftransport hingegen<br />
gesunken. Der Anteil der Binnenschifffahrt<br />
am Gesamtverkehr kratzt in den meisten<br />
Ländern sogar an der Wahrnehmungsgrenze.<br />
Die Conclusio der Geschichte ist also, die europäische<br />
Verkehrspolitik verhält sich in den<br />
Wirren des Krieges wie eine Singlebörse mit<br />
Fokus auf männliche Bewerber und Logistiker<br />
von Beruf. Alter ist egal, aber mehrsprachig<br />
ist von Vorteil und möglichst ohne Haustier<br />
sollten die Bewerber sein. Ob das gut geht?<br />
Man weiß aus einschlägigen Untersuchungen,<br />
dass Partnervermittlungen nicht nur<br />
sehr teuer sind, sondern dass auch viel gelogen<br />
wird und „feste Bindungen“ eher<br />
die Ausnahme und nicht die Regel sind.<br />
(PB)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S74<br />
TREANSPORT & LOGISTIK<br />
Internationaler<br />
Transport von<br />
Gefahrgütern:<br />
Dos and Don‘ts<br />
In Industrie, Handwerk und Forschung wird<br />
vielfach mit Stoffen hantiert, die eine Gefahr<br />
für Mensch und Umwelt darstellen können.<br />
Globalisierte Handelsbeziehungen erfordern<br />
es, solche Stoffe auch über Landesgrenzen<br />
hinweg zu transportieren.<br />
BEITRAG: PAUL FRICKE<br />
Für den Transport dieser sogenannten<br />
Gefahrgüter existieren deshalb internationale<br />
Vereinbarungen und Richtlinien.<br />
Der folgende Artikel bespricht<br />
wichtige „Dos and Don’ts“ beim internationalen<br />
Gefahrguttransport.<br />
Was sind Gefahrgüter?<br />
Als Gefahrgüter gelten Stoffe oder Gegenstände,<br />
von denen im Zusammenhang mit<br />
der Beförderung Gefahren für die öffentliche<br />
Sicherheit und Ordnung ausgehen können,<br />
insbesondere für:<br />
• die Allgemeinheit<br />
• wichtige Gemeingüter<br />
• für Leben und Gesundheit von Menschen<br />
• für Tiere und<br />
• Sachen<br />
(vgl. GGBefG, § 2). Beispiele für solche Gefahrgüter<br />
sind etwa Sprengstoffe, Lithium-<br />
Batterien, Diesel oder Trockeneis. Gefahrgüter<br />
werden nach Art der drohenden Gefahr in<br />
neun Klassen eingeteilt, dazu zählen z. B. explosive<br />
Stoffe, entzündbare Stoffe, giftige und<br />
radioaktive Stoffe.<br />
Gefahrgut vs. Gefahrstoff<br />
Im deutschen Sprachraum gibt es einen Unterschied<br />
zwischen den Begriffen Gefahrgut und<br />
Gefahrstoff. Kurz gesagt: Sobald es um den<br />
Transport geht, spricht man vom Gefahrgut.<br />
Beschäftigt man sich mit Gefahren, die bei Lagerung<br />
und Verwendung entstehen können,<br />
dann verwendet man das Wort Gefahrstoff.<br />
Die Regelungen bezüglich der Gefahrgüter<br />
beziehen sich dementsprechend auf Verpackung,<br />
Beladung und Transport. Für die<br />
sachgerechte Lagerung und Entsorgung von<br />
Gefahrstoffen hingegen existieren separate<br />
Vorschriften, z. B. was den Arbeitsschutz und die<br />
Verwendung von Schutzausrüstung angeht.
Je nach Art des Gefahrstoffes bedarf es der<br />
geeigneten Schutzausrüstung. (©protecto.de)<br />
Do: den gesamten Transportprozess<br />
berücksichtigen<br />
Im Hinblick auf den Gefahrguttransport ist<br />
zu beachten, dass hierzu nicht allein der<br />
Ortswechsel gehört. Die Regelungen für Gefahrgüter<br />
betreffen nämlich auch:<br />
• das Verpacken, Beladen, Entladen und<br />
Auspacken<br />
• die Übernahme und Ablieferung<br />
•.zeitweilige Aufenthalte im Verlauf<br />
der Beförderung<br />
• das Herstellen und Einführen von Verpackungen<br />
und Beförderungsmitteln für die<br />
Beförderung von Gefahrgütern<br />
Insofern sind auch bei diesen Tätigkeiten die<br />
gesetzlichen nationalen und internationalen<br />
Vorgaben zu beachten. Welche Richtlinien<br />
hier relevant sind, zeigt der nächste Absatz.<br />
Do: Internationale Richtlinien kennen<br />
und beachten<br />
Die Einhaltung der geltenden Richtlinien sollte<br />
beim Gefahrguttransport eine Selbstverständlichkeit<br />
sein, um sowohl Personen- und<br />
Sachschäden als auch hohe Strafzahlungen<br />
zu vermeiden. Schon vergleichsweise früh<br />
(etwa 1957 für das ADR) wurden hierbei internationale<br />
Vereinbarungen getroffen, die<br />
dann wiederum im nationalen Recht umgesetzt<br />
wurden.<br />
Internationale Regelwerke<br />
Zu den relevanten internationalen<br />
Regelwerken zählen:<br />
Allgemein<br />
• UN Recommendations on the Transport<br />
of Dangerous Goods: internationale Empfehlungen<br />
der UN für den Transport von Gefahrgütern<br />
Straße<br />
• ADR: europäisches Übereinkommen für die<br />
Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße<br />
Schiene<br />
•.RID: Regelwerk für den internationalen<br />
Gefahrgut-Transport mit der Eisenbahn<br />
Schifffahrt<br />
• ADN: europäisches Übereinkommen<br />
über die Beförderung gefährlicher Güter auf<br />
Binnenwasserstraßen<br />
• IMDG: Beförderungsvorschriften für<br />
Gefahrgüter im Seeschiffsverkehr<br />
Flugverkehr<br />
• ICAO TI: technische Vorschriften für den<br />
Lufttransport von Gefahrgütern<br />
• IATA DGR: Vorschriften der Internationalen<br />
Luftverkehrs-Vereinigung in Bezug auf
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S76<br />
Gefahrgüter<br />
Die UN Recommendations sind im Gegensatz<br />
zu den restlichen Regelwerken rechtlich nicht<br />
bindend, sie genießen aber hohe internationale<br />
Anerkennung und bilden die Grundlage<br />
für andere internationale und nationale Vereinbarungen.<br />
Nationale Regelwerke<br />
Die internationalen Vorschriften wurden<br />
in Deutschland auch in nationales Recht<br />
übernommen. Die geltenden rechtlichen<br />
Bestimmungen sind z. B. geregelt im: Gefahrgutbeförderungsgesetz<br />
(GGBefG), der Gefahrgutverordnung<br />
Straße, Eisenbahn und<br />
Binnenschifffahrt (GGVSEB), der Gefahrgutbeauftragtenverordnung<br />
(GbV) sowie der<br />
Gefahrgut-Ausnahmeverordnung (GGAV).<br />
Welche Bereiche sind geregelt?<br />
Die Vorschriften im ADR, welches den Gefahrgut-Transport<br />
auf der Straße regelt, umfassen<br />
z. B. die folgenden wichtigen Bereiche:<br />
•-Kennzeichnung (am Fahrzeug sowie<br />
direkt auf der Gefahrgut-Verpackung)<br />
•.technische Anforderungen an Fahrzeug,<br />
Behälter und Tanks<br />
• Verpackung und Ladungssicherung<br />
• Dokumentation des Transports<br />
• Schulung des Fahrers bzw. der Fahrerin<br />
•.Notfallausrüstung im Fahrzeug<br />
(etwa Schutzhandschuhe, Feuerlöscher)<br />
Ähnliche Regelungen gelten analog auch für<br />
den Bahn-, Schiffs- und Flugverkehr.<br />
Do: von Kleinmengenregelung Gebrauch<br />
machen<br />
Muss nun ein Malereibetrieb, der Lacke transportiert,<br />
den umfangreichen Vorschriften des<br />
ADR genügen? Nein, denn es existieren Ausnahmeregelungen<br />
für den Transport kleiner<br />
Gefahrgutmengen. Gerade für klein- und mittelständische<br />
Betriebe ist es wichtig, darüber<br />
Bescheid zu wissen.<br />
Hierzu gibt es im ADR die sogenannte<br />
1000-Punkte-Regelung: Je nach Menge und<br />
Gefährlichkeit der Stoffe wird ein bestimmter<br />
Punktestand errechnet. Bleibt die Ladung<br />
unter 1000 Punkten, so ergeben sich bestimmte<br />
Erleichterungen für den Transport – der<br />
Fahrer bzw. die Fahrerin benötigt z. B. keinen<br />
ADR-Schein. Für Handwerksbetriebe gelten<br />
aufgrund der „Handwerkerregelung“ weitere<br />
Befreiungen.<br />
Don’t: die eigene Rolle verwechseln<br />
Im Gefahrgutrecht sind bestimmte Rollen<br />
definiert, die jeweils mit unterschiedlichen Pflichten<br />
einhergehen: etwa die Rolle des Absenders,<br />
des Auftraggebers des Absenders,<br />
des Beförderers, des Empfängers usw.<br />
Beauftragt das Unternehmen eine Transportfirma<br />
mit dem Versand, dann ist das<br />
Unternehmen meist selbst in der Rolle des<br />
Auftraggebers des Absenders und die<br />
beauftragte Transportfirma in der Rolle des<br />
Absenders. Aber Achtung: Die Rollenverteilung<br />
kann je nach Art des Vertrags variieren:<br />
Bei einem Transport im Rahmen eines Frachtvertrags<br />
bleibt das Unternehmen z. B. selbst in<br />
der Rolle des Absenders.<br />
Don’t: Gefahrgüter unnötigerweise auf der<br />
Straße transportieren<br />
Das deutsche Gefahrgutrecht sieht vor, dass<br />
besonders gefährliche Güter – sofern möglich<br />
– nur mit Bahn oder Schifffahrt zu transportieren<br />
sind. Der Grund liegt darin, dass auf der Straße<br />
statistisch gesehen mehr Unfälle passieren als<br />
auf Schienen bzw. auf dem Wasserweg. Die<br />
Bahn gilt daher im Vergleich zum Auto als das<br />
sicherere Verkehrsmittel. Von daher ist es empfehlenswert,<br />
Gefahrguttransporte vermehrt<br />
auf die Schiene zu verlagern, sogar wenn dies<br />
per Gesetz nicht vorgeschrieben ist. Dies ist im<br />
Sinne einer klimabewussten, nachhaltigen Logistik<br />
ohnehin von Vorteil.<br />
Fazit: Internationaler Gefahrguttransport erfordert<br />
fachliche Expertise<br />
Der Transport von Gefahrgütern unterliegt,<br />
mit guten Gründen, strengen Vorschriften.<br />
Um die nationalen und internationalen Regelungen<br />
korrekt einhalten zu können, bedarf<br />
es hoher fachlicher Kompetenz. Hier kann<br />
es z. B. notwendig sein, einen externen oder<br />
internen Gefahrgutbeauftragten zu bestellen.<br />
Unternehmen müssen in jedem Fall die<br />
eigene Rolle im Transportprozess kennen und<br />
die damit verbundenen Pflichten sorgfältig<br />
erfüllen. (RED)
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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S78<br />
IT & SECURITY<br />
Sechs Fehlannahmen<br />
zur Cybersecurity im<br />
Unternehmen<br />
Sich mit Cybersecurity zu beschäftigen, ist<br />
in manchen Unternehmen eine eher ungeliebte<br />
Aufgabe. Dabei haben IT-Administratoren<br />
und -Administratorinnen in vielen<br />
Fällen schon eine recht gute Vorstellung davon,<br />
woran es in ihrem Unternehmen hapert<br />
und wie die eigene IT prinzipiell auf den<br />
Prüfstand zu stellen wäre, damit Sicherheitslücken<br />
identifiziert und abgemildert oder gar<br />
ausgemerzt werden können. Dies heißt aber<br />
noch nicht, dass das Administrationsteam<br />
beim Management mit seinen Vorschlägen<br />
auch durchdringt.<br />
REDAKTION: Daniel Querzola / Michael Niewöhner<br />
Cybersecurity kostet Geld. Solange<br />
die IT-Systeme und die Infrastruktur<br />
funktionieren, fällt es oft<br />
schwer, die Mittel zu investieren,<br />
die nötig wären, um Risiken zu reduzieren und<br />
den reibungslosen Betrieb auch in Zukunft zu<br />
gewährleisten, das heißt: Cyberresilienz herzustellen.<br />
Wenn Unternehmen ihr Cyberrisiko<br />
systematisch unterschätzen, hat dies mit verschiedenen<br />
Fehlannahmen zu tun. Im Folgenden<br />
geht es um sechs der häufigsten Irrtümer.<br />
Annahme 1: Es trifft sowieso nur die anderen.<br />
„Unser Unternehmen ist für eine Cyberattacke<br />
doch gar nicht interessant genug.“ Diese<br />
Einschätzung ist alles andere als selten. Die<br />
Realität sieht leider vollkommen anders aus.<br />
Statistiken sprechen davon, dass sogar 99 Prozent<br />
aller Cyberschadensfälle auf Angriffe zurückgehen,<br />
die überhaupt nicht zielgerichtet<br />
waren. Anders gesagt: Die allermeisten Angriffe<br />
laufen nach dem Motto Spray-and-Pray<br />
ab. Im Gießkannenprinzip lancieren Cyberkriminelle<br />
einen allgemeinen Angriffsversuch<br />
ohne konkretes Ziel. Dann warten sie einfach<br />
ab, bei welchen Unternehmen oder Organisationen<br />
beispielsweise die Mail mit dem<br />
Phishing-Link zum Erfolg führt. Leider ist bei vielen<br />
Unternehmen die Hürde für eine initiale<br />
Kompromittierung ihrer IT nicht hoch genug,<br />
um diesen Angriffen auf Dauer standzuhalten.<br />
Den Angreifern spielt dies in die Karten. Zumal<br />
dann, wenn sie vor allem finanzielle Interessen<br />
haben und das Unternehmen beispielsweise<br />
durch eine Verschlüsselung per Krypto-Trojaner<br />
bzw. Ransomware erpressen wollen. Hier<br />
ist der Spray-and-Pray-Ansatz für Cyberkriminelle<br />
in der Regel am rentabelsten. Dies wiederum<br />
bedeutet: Jedes Unternehmen ist ein<br />
potenzielles Opfer.<br />
Politisch motivierte Angriffe grenzen sich davon<br />
deutlich ab: Hier ist der Erfolg letztlich nur<br />
eine Frage der verfügbaren Arbeitskraft, denn<br />
bei einer ideologisch begründeten Attacke<br />
spielen monetäre Kosten-Nutzen-Abwägungen<br />
eine völlig nachrangige Rolle. In solchen<br />
Fällen kommen häufiger auch Zero-Day-<br />
Angriffe zum Einsatz, die noch nicht öffentlich<br />
bekannte Sicherheitslücken in einer Software<br />
ausnutzen. Mit einem Zero-Day-Exploit spielt<br />
der Angreifer gleichsam einen Joker aus.<br />
Denn wenn die neue Angriffsmethode durch<br />
ihren Einsatz publik wird, ist dieser Angriffsvektor<br />
letztlich verbrannt, weil Softwarehersteller<br />
dann entsprechende Sicherheitsupdates ausrollen.<br />
Annahme 2: Angriffe aus der Supply-Chain<br />
spielen keine große Rolle.<br />
Tatsächlich nimmt die Zahl von Supply-Chain-Angriffen<br />
zu. Bei dieser Klasse von<br />
Cyberangriffen fungieren Softwarelösungen,<br />
Geräte oder Maschinen, die einem Unter-
nehmen zugeliefert werden und die es für<br />
seine Geschäftstätigkeit einsetzt, als die Angriffsvektoren.<br />
So handelte es sich bei der<br />
Log4j-Sicherheitslücke, die im Dezember 2021<br />
bekannt wurde, um eine Zero-Day-Schwachstelle<br />
in einer Java-Protokollierungsbibliothek.<br />
Log4j dient dazu, Protokollierungsinformationen<br />
aus Software, Anwendungen und<br />
Hardware-Appliances zu erstellen und zu<br />
speichern. Weil Log4j aber mitunter in vielen<br />
unterschiedlichen Lösungen sehr tief verankert<br />
ist, in tausenden Instanzen, reicht ein simpler<br />
Schwachstellenscan kaum aus, um hier alle<br />
angreifbaren Instanzen zu identifizieren.<br />
Generell ist auch Open-Source-Software nicht<br />
vor Sicherheitslücken gefeit. So gelang es beispielsweise<br />
einem Professor der University of<br />
Minnesota im Kontext einer Studie, Schwachstellen<br />
in den Linux Kernel einzuschleusen. Dazu<br />
gaben er und einer seiner Studenten vor, Bug<br />
Fixes für die Linux Community bereitzustellen.<br />
Ziel der umstrittenen Aktion war es, zu demonstrieren,<br />
wie angreifbar auch Open-Source-<br />
Projekte sein können. Eine Sicherheitslücke<br />
im Linux Kernel ist potenziell so gravierend,<br />
weil Linux sehr weit verbreitet ist. Es findet sich<br />
heute in Servern und Smartphones und auch<br />
in verschiedensten Embedded Devices – von<br />
Autos über Smart Homes bis zu Maschinen.<br />
Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer<br />
Wirtschaft und unserer Lebenswelt können<br />
heute eben auch vernetzte Geräte zum Einfallstor<br />
für Cyberkriminelle werden. So wurde<br />
etwa eine Supermarktkette gehackt, indem<br />
die Angreifer die intelligenten Kühlregale in<br />
den Geschäften als Angriffsvektor wählten.<br />
Für vernetzte Geräte im Smart-Home-Bereich<br />
besteht dasselbe Risiko. Auch sie stellen potenzielle<br />
Angriffspunkte dar – ein gravierendes<br />
Reputationsrisiko für den Gerätehersteller oder<br />
-vertreiber. Im privaten wie im kommerziellen<br />
Raum ist darum ein viel bewussterer Umgang<br />
mit installierter Software und angeschafften<br />
Geräten erforderlich. Im produzierenden<br />
Gewerbe beispielsweise, wo eine Maschine<br />
einen Lebenszyklus von mehreren Jahrzehnten<br />
haben kann, stehen früher oder später<br />
meist nur noch mitigierende Maßnahmen zur<br />
Verfügung, um Sicherheitsrisiken zu reduzieren.<br />
Denn Hersteller existieren dann nicht mehr,<br />
oder sie liefern nach wenigen Jahren keine Sicherheitspatches<br />
mehr. So bleibt mitunter als<br />
einzige Option noch, die Maschine aufwendig<br />
vom restlichen Netzwerk abzuschotten und<br />
das Restrisiko zu akzeptieren. Grundsätzlich<br />
gilt: Es wäre für ein Unternehmen fahrlässig,<br />
wollte es die Verantwortung für seine Cybersicherheit<br />
gänzlich auf die Zulieferer abwälzen.<br />
Bedrohungen aus der Supply Chain heraus<br />
sind real und heute alltäglich. Unternehmen<br />
benötigen deshalb nicht nur ein entsprechendes<br />
Risikobewusstsein, sondern auch Experten<br />
und Expertinnen, die sie dabei unterstützen,<br />
eine effektive Cyberresilienz zu etablieren.<br />
Annahme 3: Unsere Mitarbeitenden haben<br />
schon genügend Sicherheitsbewusstsein.<br />
Noch viel zu oft stellt ein unbedachtes Verhalten<br />
der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für<br />
Cyberkriminelle ein bequemes Einfallstor ins
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S80<br />
Daniel Querzola ist bei<br />
Ventum Consulting als<br />
Manager IT Security &<br />
Penetration Testing tätig.<br />
Seinen Background hat<br />
er in tiefgreifend technischen<br />
Bereichen wie<br />
Pentesting und Vulnerability<br />
Management.<br />
Zu seiner Kernexpertise<br />
gehört es, Audits im<br />
Kontext komplexer<br />
Unternehmensarchitekturen<br />
durchzuführen.<br />
Neben Netzwerk- und<br />
Software-Pentests liegt<br />
ein besonderer Fokus<br />
auf Windows-Domänen.<br />
Bevor er 2021 zu Ventum<br />
Consulting wechselte,<br />
arbeitete Querzola als<br />
Head of Penetration<br />
Testing eines Cyber-<br />
Defense-Unternehmens<br />
am Standort Neustadt.<br />
Michael Niewöhner ist<br />
bei Ventum Consulting<br />
seit 2021 als Manager für<br />
IT Security & Penetration<br />
Testing tätig. Zuvor<br />
leitete er den Bereich<br />
Security Testing &<br />
Research am<br />
Münchener Standort<br />
eines Cyber-Defense-<br />
Unternehmens.<br />
Niewöhner ist Offensive<br />
Certified Security Professional.<br />
Zu seinem breiten<br />
Kompetenzportfolio im<br />
Bereich Cybersecurity<br />
gehören unter anderem<br />
Reverse Engineering,<br />
Web Application<br />
Penetration Testing, Linux<br />
Audits und Hardening,<br />
Embedded Penetration<br />
Testing sowie Security by<br />
Design.<br />
Unternehmen dar. Ein entsprechendes Risikobewusstsein<br />
zu schaffen und wachzuhalten,<br />
ist ein Baustein für Cybersicherheit, dessen Bedeutung<br />
ein Unternehmen nie unterschätzen<br />
sollte. Nur wenn ihnen die Gefahr bewusst ist,<br />
werden es die Beschäftigten konsequent vermeiden,<br />
beispielsweise Passwörter über das<br />
Telefon weiterzugeben oder unbedacht auf<br />
einen dubiosen Link in einer E Mail zu klicken.<br />
Manchmal ist das Gefahrenpotenzial auch<br />
eine unmittelbare Konsequenz der täglichen<br />
Arbeit. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in<br />
der Personalabteilung etwa öffnen beinahe<br />
täglich Bewerbungen, ohne wissen zu können,<br />
ob der digitale Lebenslauf Schadcode<br />
enthält oder nicht. Mit Rechnungs-PDFs im<br />
Maileingang der Buchhaltung verhält es sich<br />
genauso. Darum braucht es im Unternehmen<br />
natürlich technische Maßnahmen gegen<br />
solche Angriffe.<br />
Aber ebenso wichtig ist es, die Wahrscheinlichkeit<br />
erfolgreicher Phishing-Versuche zu<br />
verringern, indem ein Bewusstsein für die Gefahren<br />
von Social-Engineering-Angriffen ganz<br />
allgemein geschaffen wird. Social Engineering<br />
bedeutet, dass die Angreifenden Täuschung<br />
anwenden, um unautorisiert Daten oder Zugriff<br />
zu bekommen. Dabei werden Methoden<br />
der Humanpsychologie dazu missbraucht,<br />
Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu manipulieren<br />
und sie zur Übermittlung von Informationen<br />
oder zu bestimmten Handlungen zu bewegen<br />
– wie etwa den fatalen Klick auf den<br />
Link in der Phishing-E-Mail oder die Nennung<br />
des Passworts gegenüber vermeintlichen<br />
Support-Mitarbeitenden am Telefon.<br />
Annahme 4: Der Umfang dieser Sicherheitsprüfung<br />
wird schon ausreichen.<br />
Die Cybersicherheit im Unternehmen durch<br />
Penetration-Tests auf die Probe zu stellen, ist<br />
ein wichtiger Baustein im Aufbau der Cyber<br />
Resilience. Wählt man dabei allerdings den<br />
Scope des Pentests zu klein, ist wenig gewonnen.<br />
Denn so entsteht ein vermeintliches Gefühl<br />
von Sicherheit. Ein typisches Beispiel ist der<br />
Ausschluss bestimmter Systeme, etwa solcher,<br />
die am Ende ihres Lebenszyklus stehen, weil<br />
sie ja – so heißt es dann – sowieso bald abgeschaltet<br />
oder ersetzt werden. Solange sie<br />
noch nicht abgeschaltet sind, bieten aber<br />
gerade diese Altsysteme oft den verführerischsten<br />
Angriffsvektor. Ein anderes Beispiel:<br />
Auf dem Server, der eine zu prüfende Webanwendung<br />
betreibt, läuft eben auch noch ein<br />
FTP-Dienst, der die vollständige Kompromittierung<br />
des Servers ermöglicht – aber alle Dienste<br />
außer der Webanwendung sind von der Prüfung<br />
ausgeschlossen. Ebenso kommt es vor,<br />
dass beispielsweise ein Finanzinstitut den Umfang<br />
seiner Prüfung nur so groß wählt, wie es<br />
regulatorisch vorgeschrieben und offiziell erforderlich<br />
ist. Auch hier wäre das Resultat eine<br />
trügerische Scheinsicherheit.<br />
Wenn Pentests wirklich aussagefähig werden<br />
sollen, dürfen sie sich nicht nur auf einen Ausschnitt<br />
der Unternehmens-IT richten. Vielmehr<br />
müssen sie holistisch angelegt sein. Denn das<br />
Ziel eines Penetration-Tests ist es nicht, dem<br />
Management bloß ein positives Gefühl in Sachen<br />
Cybersicherheit zu vermitteln – er soll<br />
wirkliche Sicherheitslücken und potenzielle Angriffsvektoren<br />
identifizieren, damit diese behoben<br />
werden können, bevor sie von kriminellen<br />
Angreifern ausgenutzt werden.<br />
Annahme 5: Penetration-Tests kann die IT-Abteilung<br />
nebenher übernehmen.<br />
Pentests können in den meisten Unternehmen<br />
gar keine Inhouse-Aufgabe sein. Denn IT-Administratoren<br />
und -Administratorinnen haben<br />
vor allem eines zu tun: Sie müssen dafür sorgen,<br />
dass die Systeme im Unternehmen zuverlässig<br />
laufen. In der Regel ist das Administrationsteam<br />
mit seinen operativen Aufgaben bereits<br />
zu 100, wenn nicht gar zu 120 Prozent ausgelastet.<br />
Zudem verlangen Penetration-Tests ein<br />
hochspezialisiertes und hochaktuelles Fachwissen,<br />
über das die eigene IT-Abteilung in<br />
der Regel gar nicht verfügen kann. Es ist wichtig,<br />
dass das Management versteht, dass ein<br />
Pentest nichts ist, was sich einfach nebenher<br />
erledigen ließe. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter<br />
und Mitarbeiterinnen der internen IT sich<br />
klarmachen, dass es bei einer Sicherheitsprüfung<br />
nie darum geht, ihre eigene Arbeit in Sachen<br />
Cybersecurity zu diskreditieren, sondern<br />
zu stärken. Ein aussagefähiger Penetration-Test<br />
wäre mit Inhouse-Ressourcen gar nicht durchführbar,<br />
weil Know-how und Zeit dafür fehlen.<br />
Anders sieht dies nur aus, wenn das Unternehmen<br />
groß genug ist, um sich ein eigenes, dediziertes<br />
Red-Team – die Angreifer – für mehr<br />
oder minder kontinuierliche Pentests zu leisten.
Diesem Red-Team steht dann ein dediziertes<br />
Blue-Team mit den Verteidigern gegenüber.<br />
Aber sogar ein eigenes Red-Team kann mitunter<br />
sehr von externer Unterstützung durch<br />
Ethical Hacker profitieren.<br />
Annahme 6: Backups retten uns im Notfall.<br />
Vor etwas mehr als fünf Jahren mag diese<br />
Aussage vielleicht noch zutreffend gewesen<br />
sein. Heute ist sie das nicht mehr, nicht in jedem<br />
Fall. Man muss sich vor Augen führen,<br />
dass die Qualität von Schadsoftware deutlich<br />
gestiegen ist. Krypto-Trojaner, die Unternehmensdaten<br />
zu Erpressungszwecken verschlüsseln,<br />
tun dies heute nicht mehr unverzüglich.<br />
Es gibt inzwischen Ransomware, die sich zuerst<br />
in den Backups eines Unternehmens einnistet<br />
und diese nach und nach zerstört. Erst Monate<br />
später, wenn das Backup unbrauchbar<br />
geworden ist, macht sich der Krypto-Trojaner<br />
dann daran, die Daten des Unternehmens zu<br />
verschlüsseln – und die eigentliche Erpressung<br />
beginnt.<br />
Darum ist es heute wichtig, Backups erstens<br />
mit geeigneten Schutzkonzepten vor Malware<br />
zu sichern und sie zweitens regelmäßig zu<br />
prüfen. Nur auf ein Backup, das auch tatsächlich<br />
aufsetzbar ist, ist im Notfall Verlass. Unternehmen<br />
sollten darum ihre Disaster Recovery<br />
regelmäßig testen, üben und ausprobieren.<br />
Und wenn ein Unternehmen sein Backup aus<br />
Sicherheitsgründen verschlüsselt: Auch dieser<br />
Backup-Schlüssel selbst ist ein möglicher<br />
Angriffspunkt, denn Cyberkriminelle können<br />
natürlich auch den Backup-Schlüssel des Unternehmens<br />
verschlüsseln. Das Backup wäre<br />
dann wiederum unbrauchbar, und der Erpressungsversuch<br />
durch die Verschlüsselung<br />
der Unternehmensdaten könnte beginnen.<br />
Darum ist es wichtig, dass Unternehmen ihre<br />
Krypto-Schlüssel für das Backup offline aufbewahren<br />
und auch ihr Notfalltraining in Sachen<br />
Disaster Recovery offline dokumentieren.<br />
Fazit<br />
Die Gefahr von Cyberangriffen hat nicht<br />
abgenommen, im Gegenteil. Wollte ein<br />
Unternehmen aus einer glimpflich verlaufenen<br />
Vergangenheit schließen, dass es auch<br />
in Zukunft vor Cyberkriminalität sicher ist, wäre<br />
dies vielleicht die gravierendste Fehlannahme<br />
von allen. Operative Zuverlässigkeit lässt sich<br />
in der IT nur herstellen, wenn ein Unternehmen<br />
seine Cyberresilienz mit geeigneten, holistischen<br />
Konzepten und Maßnahmen etabliert,<br />
aufrechterhält und weiterentwickelt. Sich damit<br />
auseinanderzusetzen, lohnt die Mühe in jedem<br />
Fall, denn der finanzielle Schaden wiegt<br />
im Ernstfall um ein Vielfaches schwerer als das<br />
vorausschauende Investment in die Cybersicherheit.<br />
Wie in der Medizin gilt auch in Sachen<br />
Cybersecurity: Vorbeugen ist besser als<br />
heilen. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S82<br />
FINANZ & POLITIK<br />
EZB ohne Überzeugung,<br />
ohne Mut und ohne<br />
Plan<br />
Wie immer hat die EZB zu spät und zu wenig<br />
reagiert. Sie kann die Zinsen gar nicht markant<br />
erhöhen, da sonst die Südstaaten Europas<br />
der Reihe nach umkippen würden.<br />
BEITRAG: MARC FRIEDRICH<br />
Die Zinswende ist endlich da!<br />
Ist sie das tatsächlich?<br />
Nach elf Jahren schickt sich die EZB an zum<br />
allerersten Mal wieder die Zinsen zu erhöhen,<br />
und zwar um 25 Basispunkte auf - jetzt halten<br />
Sie sich fest - 0 Prozent. Kein Witz. Alleine diese<br />
Verzweiflungstat verdeutlicht, wie rat- und<br />
planlos die Währungshüter in Frankfurt doch<br />
sind.<br />
Sie haben weder der historisch hohen Inflation<br />
noch den aktuellen Krisen etwas entgegenzusetzen.<br />
Die Munition wurde in den letzten Jahren<br />
komplett verschossen. Die Finanzkrise, die<br />
Eurokrise und zuletzt die Coronakrise haben<br />
die EZB immer weiter in die Ecke gedrängt.<br />
Parallel hat man angefangen auch Nebenkriegsschauplätze<br />
zu beackern wie die grüne<br />
Transformation mit dem Green Deal. Die Antworten<br />
auf jeder dieser Krisen waren immer<br />
dieselben: Gelddrucken und Zinssenkungen.<br />
Die Klaviatur wurde ins Extreme inflationär ausgespielt.<br />
Endergebnis: Durch das stetige Geld<br />
drucken hat sich die Bilanz der EZB auf gigantische<br />
8,81 Billionen Euro aufgebläht, was circa<br />
84 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) der Eurozone<br />
entspricht.<br />
Das Resultat ist eine historisch hohe Inflationsrate<br />
von 8,1 Prozent in der Eurozone sowie<br />
dass 40 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz<br />
der EZB liegen. Parallel haben sich die<br />
Regierungen bis zur Halskrause verschuldet<br />
und benötigen die Inflation mehr als es der<br />
EZB recht ist, um ihre Schulden weg zu inflationieren<br />
auf Kosten der Bürger. Denn sie sind<br />
es, die Zeche durch steigende Preise zahlen,<br />
weil den Bürgern in der EU damit parallel die<br />
Kaufkraft immer weiter genommen wird. Hand<br />
in Hand ist die Vermögenspreisblase mit der Bilanz<br />
der EZB in den letzten Jahren gestiegen.<br />
Aktien, Oldtimer, Kunstwerke, Immobilien usw.
alle sind in Euro weiter angeschwollen. Dies<br />
spiegelt lediglich den Kaufkraftverlust wieder.<br />
Wer sich zum Beispiel vor zehn Jahren eine Immobilie<br />
gekauft, hat bekommt nun doppelt so<br />
viele Papierscheine für dasselbe Objekt - ob<br />
renoviert oder nicht. Die Immobilie ist weder<br />
auf die doppelte Größe gewachsen noch<br />
hat sich das Grundstück in seiner Größe verdoppelt,<br />
sondern es verdeutlicht lediglich,<br />
dass sich die Kaufkraft der Papierscheine der<br />
EZB im Wert halbiert haben und wir alle de<br />
facto Kaufkraft verloren haben. Seit Einführung<br />
des Euros 2001 hat der Euro offiziell laut<br />
Statistischem Bundesamt über 35 Prozent an<br />
Kaufkraft verloren. Nimmt man aber einen objektiveren<br />
Gegenwert heran wie zum Beispiel<br />
den Goldpreis sind wir bei über 90 Prozent<br />
Kaufkraftverlust, was der Realität doch einiges<br />
näher kommt, wenn man sieht wie sich die Immobilienpreise,<br />
Aktienmärkte usw. entwickelt<br />
haben. Die EZB hat damit planwirtschaftlich,<br />
sozialistisch organisiert die Reichen reicher gemacht<br />
und die Mittelschicht ärmer. Wir haben<br />
nichts anderes gesehen wie den von mir prognostizierten<br />
größten Vermögenstransfer in der<br />
Geschichte der Menschheit von unten, der<br />
Mitte und oben nach ganz ganz oben in die<br />
Hände immer weniger.
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S84<br />
Marc Friedrich ist sechsfacher<br />
Bestsellerautor,<br />
Finanzexperte, gefragter<br />
Redner, Vordenker, Freigeist<br />
und Gründer der<br />
Honorarberatung Friedrich<br />
Vermögenssicherung<br />
GmbH für Privatpersonen<br />
und Unternehmen.<br />
Sein neuer Bestseller war<br />
das erfolgreichste Wirtschaftsbuch<br />
2021: Die<br />
größte Chance aller Zeiten<br />
- Was wir jetzt aus<br />
der Krise lernen müssen<br />
und wie Sie vom größten<br />
Vermögenstransfer der<br />
Menschheit profitieren<br />
Mehr Informationen unter<br />
https://friedrich-partner.<br />
de sowie bei YouTube:<br />
www.youtube.com/<br />
MarcFriedrich7<br />
Twitter und Instagram:: @<br />
marcfriedrich7<br />
Dies ist der Cantillon Effekt, der leider wie geschmiert<br />
funktioniert. Die gerade zu anmutende<br />
lächerliche Zinserhöhung der EZB, die<br />
zaghaft und unsicher wirkt, wird weder der<br />
8,1Prozent Inflationsrate noch der Schuldenlast<br />
gerecht. Die nächste Krise ist schon vorprogrammiert!<br />
Wie immer hat die EZB zu spät<br />
und zu wenig reagiert. Sie kann die Zinsen gar<br />
nicht markant erhöhen, da sonst die Südstaaten<br />
Europas der Reihe nach umkippen würden.<br />
Die EZB steckt in der Zwickmühle zwischen der<br />
Bekämpfung der Inflation oder den Euro sowie<br />
die Südstaaten Europas zu retten und am<br />
Leben zu erhalten. Alles zusammen geht nicht.<br />
Es bahnt sich schon die nächste große Krise<br />
an. Ein Blick auf die Staatsanleihen im Euroraum<br />
verdeutlichen das Dilemma: Schon jetzt<br />
klaffen die Staatsanleihen wieder weit auseinander.<br />
Italien muss aktuell 2,5 Prozent mehr<br />
Zinsen am Kapitalmarkt für neue Schulden berappen<br />
als Deutschland. Für ein Land mit einer<br />
Schuldenquote von nahezu 150 Prozent zum<br />
BIP ist jeder Prozentpunkt schmerzhaft.<br />
Die EZB befindet sich im Endspiel<br />
In Deutschland sehen wir ein 50 Jahreshoch<br />
der Inflationsrate mit 7,9 Prozent. Dies alles<br />
auf den Krieg in der Ukraine zu schieben, ist<br />
zu einfach. Schon davor hatten wir deutlich<br />
über 5 Prozent Inflation. n diesem Chart kann<br />
man gut erkennen, wie hohe Inflationsraten<br />
in der Vergangenheit mit steigenden Zinsen<br />
bekämpft wurden. Dieses Mal hat die Europäische<br />
Notenbank das Problem, dass der<br />
Zins bei 0 Prozent ist und damit der Spielraum<br />
der EZB in Frankfurt mehr als eingeschränkt ist.<br />
Aber dies ist nicht das einzige Problem: Denn<br />
wir haben zusätzlich noch Krieg in Europa, die<br />
Kollateralschäden der Corona-Krise wie z.B.<br />
kaputte Lieferketten, eine drohende Rezession<br />
und Lockdowns in China sowie eine Energiekrise,<br />
die teilweise durch eine falsche Energiewende<br />
selbst verursacht wurde.<br />
All das spricht für eine große Krise.<br />
Die EZB muss sich also nun entscheiden zwischen<br />
Pest und Cholera: Bekämpft sie die<br />
Inflation und beendet damit das Währungsexperiment<br />
Euro und schickt die Zombiestaaten<br />
in den Bankrott oder rettet sie diese<br />
und riskiert eine Hyperinflation. Egal wie<br />
man es dreht und wendet, beides führt<br />
zum gleichen Ergebnis: das Ende des Euros!<br />
(RED)
LOGISTIK EXPRESS<br />
STRATEGIE<br />
wikifolio-Indexzertifikat<br />
Der Markt zur privaten<br />
Kapitalanlage befindet<br />
sich in einem Umbruch.<br />
FinTech-Unternehmen fordern
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S86<br />
JOB & KARRIERE<br />
Berufsbegleitendes<br />
Mentoring: Krisenfester<br />
Einkauf. Von Expertenwissen<br />
profitieren<br />
Der Einkauf steht seit geraumer Zeit vor<br />
großen Herausforderungen: Erst sorgte die<br />
Corona-Pandemie für massive Störungen in<br />
den Lieferketten, dann blockierte die havarierte<br />
„Ever Given“ den Suez-Kanal, und jetzt<br />
herrscht Krieg in der Ukraine. Auf die Veränderungen,<br />
die all solche Ereignisse mit sich<br />
bringen, kurzfristig zu reagieren, ist für viele<br />
Unternehmen ohne externe Hilfe kaum<br />
möglich.<br />
AUTORIN: JULIA KOWAL<br />
Die in dem Moment bestehenden<br />
Probleme lösen Einkaufsberater<br />
oft. Langfristig ist dieser Weg aber<br />
nicht der richtige. Sinnvoller und<br />
auch günstiger ist es, die eigenen Mitarbeiter<br />
zu Experten weiterzubilden. Das gelingt aber<br />
nur mit einem berufsbegleitenden Mentoring<br />
nachhaltig.<br />
Krise folgt auf Krise: Die Beschaffung stellt das<br />
vor große Herausforderungen. Es gilt, Waren<br />
schnellstmöglich und zu einem guten Preis zu<br />
besorgen. Wie – damit sind die eigenen Mitarbeitenden<br />
oftmals überfordert, weil sie für den<br />
Krisenmodus nicht gerüstet sind. Unternehmen<br />
setzen daher auf externe Einkaufsberater und<br />
kaufen sich deren Expertise ein. Teils zu einem<br />
hohen Preis: Berater fangen bei rund 1000 Euro<br />
Tageshonorar an, spezialisierte Berater verlangen<br />
oftmals das doppelte oder mehr.<br />
Unternehmen erzielen mit solchen Projekten<br />
zwar schnell gute Ergebnisse, weil sie von der<br />
Erfahrung und dem Netzwerk des Beraters profitieren<br />
– aber auch nur einmalige. Für jedes<br />
weitere Projekte muss dann wieder viel Geld<br />
investiert werden. Zudem schwingt immer eine<br />
gewisse Unsicherheit mit: Der Nutzen externer<br />
Beratung ist nicht sofort monetär greifbar. Welches<br />
Ergebnis das Projekt erzielt, kann kaum<br />
vorhergesehen werden. Einige Berater bieten<br />
ihre Leistung zwar auch auf Erfolgsbasis an; da<br />
sich der Erfolg jedoch nur bei Einsparungsprojekten<br />
gut messen lässt, ist dieses Honorarmodell<br />
nicht für alle Projekte geeignet. Zudem<br />
nehmen solche Berater nur Projekte an, deren<br />
Projektvolumen mindestes bei einer halben<br />
Million Euro liegt – und verlangen im ersten<br />
Jahr oftmals 50 Prozent der erzielten Einsparungen<br />
des ersten Jahres als Entlohnung.<br />
Eigene Mitarbeiter zu Experten ausbilden<br />
Einen langfristigen und nachhaltigen Effekt<br />
erzielen Unternehmen vielmehr, wenn sie ihre<br />
eigenen Mitarbeiter zu Experten ausbilden.<br />
Etliche Seminare versprechen genau das, versuchen<br />
innerhalb kurzer Zeit möglichst viel Wissen<br />
zu vermitteln. Das Problem dabei: Die Teilnehmer<br />
können die Fülle an Inhalten gar nicht<br />
innerhalb weniger Tage aufnehmen und viel
Wissen geht deshalb direkt wieder verloren.<br />
Zusätzlich fallen die Mitarbeiter während des<br />
Seminars im Unternehmen aus – vieles bleibt<br />
liegen, was nach der Schulung erst wieder<br />
aufgearbeitet werden muss. Bis sie das neu<br />
Gelernte dann endlich anwenden können,<br />
haben sie die meisten Seminarinhalte schon<br />
wieder vergessen. Selbst wenn noch etwas<br />
Theorie hängen geblieben ist, werden die Mitarbeiter<br />
mit der praktischen Umsetzung allein<br />
gelassen. Einen nachhaltigen Effekt haben<br />
solche Weiterbildungen daher eher nicht.<br />
Abhilfe schafft ein neues Modell der Weiterbildung<br />
im Einkauf: Ein berufsbegleitendes<br />
Coaching und Mentoring über mehrere<br />
Monate hinweg. Anstatt die Teilnehmer innerhalb<br />
weniger Tage mit Inhalten zu überfrachten,<br />
finden über die Dauer eines solchen<br />
Programms hinweg unzählige kürzere Schulungen<br />
statt, entweder als Videosequenz on<br />
demand oder besser noch in Kombination<br />
mit einem Live-Coaching. Das Wissen wird so<br />
in leicht verdaulichen Häppchen vermittelt<br />
und kann deshalb langfristig abgespeichert<br />
werden. Zusätzlich sollten die Teilnehmer jederzeit<br />
die Möglichkeit haben, individuelle<br />
Fragen unkompliziert per Mail oder Sprachnachricht<br />
an die Coaches zu stellen. Tut sich<br />
im Arbeitsalltag ein Problem auf, erhalten die<br />
Teilnehmer dann direkt Hilfe vom Experten und<br />
werden auf diese Weise über Monate hinweg<br />
aktiv unterstützt.<br />
Am Arbeitsplatz lernen und Wissen direkt anwenden<br />
Findet das Programm berufsbegleitend statt,<br />
hat dies auch den Vorteil, dass die Mitarbeiter<br />
nicht tagelang am Arbeitsplatz fehlen,<br />
von anderen Kollegen demnach nicht ersetzt<br />
werden oder ihre Arbeit nach dem Seminar<br />
nachholen müssen. Auch Reisekosten fallen<br />
weg. Viel gewichtiger ist aber der Umstand,<br />
dass das Wissen nicht theoretisch in einer externen<br />
Schulung vermittelt wird, sondern direkt<br />
in der Arbeitsumgebung und im Alltag des<br />
Teilnehmers. Anstatt dass die Teilnehmer tagelang<br />
nur als Zuhörer in einem Seminar sitzen<br />
und höchstens in konstruierten Situationen mal<br />
zur Anwendung angeregt werden, lernen sie<br />
direkt an ihrem Arbeitsplatz und können das<br />
Gelernte im Anschluss unmittelbar anwenden.<br />
Der Lerneffekt ist auf diese Weise deutlich höher<br />
und nachhaltiger. Im Idealfall animiert der<br />
jeweilige Baustein direkt zur Umsetzung in die<br />
Praxis, vermittelt also konkrete Arbeitsaufgaben<br />
und Tipps.<br />
Zudem können sich die Teilnehmer solch gestaltete<br />
Kurse selbst einteilen: Sie schauen sich<br />
etwa eine Videosequenz an oder bearbeiten<br />
ein Kapitel im Workbook dann, wenn sie auch<br />
Zeit dafür haben oder sie inhaltlich gerade<br />
am besten zu ihrer Arbeit passt. Die Teilnehmer<br />
sollten darüber hinaus regelmäßig Rückmeldungen<br />
zu ihren Zwischenergebnissen<br />
erhalten; dann können sie ihre Arbeitsweise<br />
bei Bedarf anpassen und weiter in die richtige<br />
Richtung lenken.<br />
Fazit<br />
Externe Einkaufsberater helfen Unternehmen<br />
zwar bei der Lösung kurzfristiger Probleme, sind<br />
aber auch teuer und erzielen keinen Wissenstransfer<br />
ins Unternehmen. Auf Dauer günstiger<br />
und nachhaltiger ist es, die eigenen Mitarbeiter<br />
zu befähigen. Mit klassischen Seminaren<br />
wird das schwierig bis unmöglich, weil sie innerhalb<br />
kurzer Zeit zu viele Inhalte vermitteln<br />
und fernab des Arbeitsalltags der Teilnehmer<br />
stattfinden. Einen langfristigen Effekt erzielen<br />
hingegen berufsbegleitende Coachingprogramme,<br />
die das Wissen in kleinere Bausteine<br />
aufteilen. Die Teilnehmer lernen direkt am<br />
Arbeitsplatz, können das Gelernte auf diese<br />
Weise direkt anwenden – und erzielen höhere<br />
und nachhaltige Lerneffekte. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S88<br />
JOB & KARRIERE<br />
Das bringt die Zukunft:<br />
Logistik-Jobs 2030<br />
Komplexer, anspruchsvoller, mehr Informatik-<br />
Wissen. Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum<br />
der FH OÖ am Campus Steyr untersuchte<br />
mit ihrem Team im Auftrag des AMS OÖ,<br />
welche Kompetenzen von Logistiker in Zukunft<br />
gefordert werden und welche entsprechenden<br />
Ausbildungsmaßnahmen dafür erforderlich<br />
sind. Um dem Fachkräftemangel<br />
entgegen zu wirken, sollten Weiterbildungsmaßnahmen<br />
in Unternehmen verstärkt auf<br />
gering qualifizierte Mitarbeiter*innen ausgerichtet<br />
werden. TEXT: REDAKTION<br />
Lisa-Maria Putz-Egger<br />
Die voranschreitende Digitalisierung<br />
und Automatisierung ist wie in vielen<br />
anderen Bereichen natürlich<br />
auch für das Logistikpersonal ein<br />
entscheidender Treiber und sollte in der Ausund<br />
Weiterbildung stärker berücksichtigt werden,<br />
resümiert die Studienautorin Putz-Egger.<br />
Und weiter: „Aufgabenstellungen in einer<br />
digitalen Umgebung zu lösen, wird zu einer<br />
Grundkompetenz. Der IT-Bereich wird in Zukunft<br />
eine größere Rolle spielen. Fachinformatiker<br />
für Systemintegration, Softwareanwender<br />
und -entwickler und Datenanalysten werden<br />
immer wichtiger. Bereits existierende Logistikausbildungen<br />
wie zum Beispiel Speditionskaufmann/frau<br />
sollten deshalb beträchtlich<br />
um IT-Bereich ergänzt oder neue Ausbildungen<br />
konzipiert werden. Und obwohl ein Anstieg<br />
des Qualifizierungslevels erwartet wird,<br />
zeigt bereits eine Studie aus dem Jahr 2017,<br />
dass neben Beschäftigungen in relativ hochqualifizierten<br />
Bereichen auch viele Jobs in geringqualifizierten<br />
Bereichen entstanden sind.<br />
Jobs mit mittlerer Qualifikation sind hingegen<br />
weggefallen.<br />
Weiterbildung in Unternehmen auf gering<br />
Qualifizierte fokussieren<br />
Einerseits werden in den interviewten Betrieben<br />
aktuell viele Weiterbildungsmaßnahmen<br />
für (junge) Führungskräfte, also höher qualifiziertes<br />
Personal, angeboten, andererseits<br />
beschränkt sich das Angebot bei Logistikpersonal<br />
mit geringem Qualifikationsniveau oft<br />
auf Onboarding und Einschulungen. Viele<br />
Mitarbeiter*innen in der Logistik haben keine<br />
Ausbildung. Weiters sollte festgehalten werden,<br />
dass, wenn Fachkräfte für Lagerlogistik<br />
in Kleinbetrieben ausgebildet werden, diese<br />
nur selten mit Zukunftstechnologien in Berührung<br />
kommen. „Die befragten Unternehmen<br />
wünschen sich Weiterbildungsmaßnahmen<br />
im Bereich Data Mining bzw. Data Analytics,<br />
Change-Management, Prozessverständnis<br />
sowie im Bereich sozialer Kompetenzen.<br />
Wichtig ist, dass Ausbildungen sehr praxisorientiert<br />
gestaltet werden und ein besonderer<br />
Fokus auf die stark betroffene Zielgruppe der<br />
gering qualifizierten Mitarbeiter*innen gelegt<br />
wird“, so die Studienautorin Lisa-Maria Putz-<br />
Egger vom Logistikum der FH OÖ in Steyr.<br />
Die Studie wurde vom AMS OÖ beauftragt<br />
und beinhaltete eine Literaturrecherche sowie<br />
14 qualitative Interviews um die drei Forschungsfragen<br />
(1) Welche Kompetenzen<br />
weist qualifiziertes Logistikpersonal aktuell auf<br />
(2) Welche Auswirkungen haben Trends (Fokus<br />
auf Digitalisierung und Automatisierung) auf<br />
die benötigte Kompetenzen des Logistikpersonals<br />
bis 2030 und (3) Welche Empfehlungen<br />
lassen sich für Qualifizierungsmaßnahmen,<br />
Aus- und Weiterbildungen von Logistikpersonal<br />
aus den veränderten Kompetenzen mit<br />
Fokus bis 2030 ableiten, zu beantworten. Erarbeitet<br />
wurde die Studie vom Team Sustainable<br />
Transport (Verena Stockhammer, Laura<br />
Hörandner, Bianca Borca, Susanne Jankovich<br />
und Kerstin Mitterer) unter der Leitung von<br />
Lisa-Maria Putz-Egger. (RED)
NEUER JOB<br />
gesucht?<br />
https://network.logistik-express.com<br />
UNSER JOBSERVICE
LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S90<br />
AR Racking, ein Unternehmen, das auf industrielle<br />
Lagersysteme spezialisiert ist, hat Mark<br />
Grothus zum Key Account Manager für seine<br />
Niederlassung in Deutschland ernannt. Mit<br />
dieser Ernennung stärkt das Unternehmen<br />
seine Position auf dem deutschen Markt und<br />
erweitert sein Vertriebsteam mit Sitz in Rüdesheim<br />
bei Frankfurt. Mark Grothus bringt einen<br />
umfangreichen beruflichen Hintergrund mit<br />
und verfügt über umfassende Kenntnisse in<br />
den Bereichen Intralogistik und industrielle<br />
Lagerlösungen, in denen er in den letzten Jahren<br />
tätig war. AR Racking gehört dem Konzern<br />
Grupo Arania an.<br />
Eugen Günther hat bei dem auf aktiv temperaturgeführte<br />
Arzneimitteltransporte spezialisierten<br />
Logistikdienstleister trans-o-flex<br />
ThermoMed Austria die Verantwortung für<br />
den Vertrieb übernommen und gleichzeitig<br />
die Funktion des Sprechers der Geschäftsführung.<br />
Wolfgang P. Albeck, der Günthers neue<br />
Funktionen in Österreich bisher neben seinen<br />
Aufgaben als CEO von trans-o-flex selbst ausgeübt<br />
hat, wird sich auf die Internationalisierung<br />
des Unternehmens konzentrieren. Stefan<br />
Gerber und Michael Schmidt agieren weiter<br />
als Geschäftsführer Operations und Finanzen.<br />
Mit Wirkung zum 1. August <strong>2022</strong> wird Benedikt<br />
Middendorf, Leiter des Bereichs Business<br />
Development, Strategie und Kommunikation<br />
den Mobilitätsdienstleister EURO-Leasing<br />
GmbH auf eigenen Wunsch verlassen, um sich<br />
einer neuen Aufgabe bei der Deloitte Consulting<br />
GmbH zu widmen. Middendorf wechselte<br />
Zum 1. Juli <strong>2022</strong> hat die Berger Logistik GmbH<br />
einen neuen Geschäftsführer: Erhard Stadler<br />
übernimmt die Leitung des Tiroler Transportund<br />
Logistikunternehmens mit Sitz in Wörgl.<br />
Neben langjähriger Expertise und fundiertem<br />
Fachwissen im weltweiten Logistik- und Supply<br />
Chain Management bringt er breite internationale<br />
Management-Erfahrung für seine neue<br />
Rolle bei der Berger Logistik mit. Sein weitreichendes<br />
Know-how wird er künftig maßgeblich<br />
in die globale Expansionsstrategie einbringen,<br />
um den internationalen Wachstumskurs<br />
der Berger Logistik konsequent weiter voranzutreiben.<br />
vor zwei Jahren von Volkswagen Financial Services<br />
zur EURO-Leasing und hat in dieser Zeit<br />
zahlreiche neue Geschäftsmodelle und Kooperationen<br />
auf den Weg gebracht und somit<br />
das Unternehmen maßgeblich geprägt.<br />
Beirat der IDS Logistik GmbH hat Alessandro<br />
Cacciola (45), Vorstandsvorsitzender der<br />
Andreas Schmid Group, zu seinem neuen<br />
Beiratsvorsitzenden gewählt. Der Vorsitzende<br />
Stefan Noerpel-Schneider (55), der die Funktion<br />
seit 2015 innehatte, stellte sein Amt turnusmäßig<br />
zur Verfügung. Alessandro Cacciola<br />
hat Betriebswirtschaft mit Fokus auf Spedition,<br />
Transport und Logistik studiert und ist seitdem<br />
ununterbrochen in der Logistik – in Europa und<br />
weltweit – tätig. Seit Jänner 2019 ist Cacciola<br />
Vorstand der Andreas Schmid Group, dessen<br />
Vorsitz er im Juni 2019 übernommen hat. Dem<br />
IDS Beirat gehört er seit Februar 2019 an.<br />
Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums<br />
wurde erneut Philipp Strenge (46),<br />
geschäftsführender Gesellschafter der Rieck<br />
Logistik-Gruppe, gewählt. Cacciola & Strenge<br />
haben sich als Ziel gesetzt, die IDS weiter auszubauen<br />
und somit die Kapazitäten und die<br />
Qualität des Netzwerkes zu stärken.<br />
Digitalisierung, Green Logistics und die Anforderungen<br />
des wachsenden B2C-Geschäftes<br />
werden darüber hinaus eng im Fokus stehen.<br />
Die IDS Logistik GmbH ist mit 51 Standorten,<br />
16,6 Millionen Sendungen (2021) und rund<br />
7.300 Beschäftigten die größte Stückgutkooperation<br />
in Deutschland.
PERSONALMELDUNG<br />
MENSCHEN IN<br />
BEWEGUNG<br />
Dr. Stefan Anschütz verstärkt neben seiner<br />
Rolle als CEO der Hamburger Opheo Solutions<br />
GmbH ab sofort auch die Geschäftsführung<br />
der Nürnberger Städtler Logistik GmbH. Der<br />
51-Jährige wird die Geschäfte der Städtler Logistik<br />
zusammen mit Dipl.-Ing. Michael Reichle<br />
führen, der das Traditionsunternehmen seit<br />
über 20 Jahren erfolgreich leitet. Stefan Anschütz<br />
hatte 2001 zunächst die initions AG<br />
gegründet und als CEO 20 Jahre geleitet. Im<br />
Jahr 2021 gründete er das Logistiksoftwaregeschäft<br />
aus dem Unternehmen aus und führte<br />
es als Opheo Solutions in die Solvares Group.<br />
Die GEBHARDT Intralogistics Group mit Hauptsitz<br />
in Sinsheim passt ihre Organisationsstruktur<br />
an. Damit trägt das Unternehmen dem starken<br />
Wachstum sowie den Herausforderungen<br />
des Marktes Rechnung und stellt sich für die<br />
Zukunft optimal auf. Als neuer Geschäftsführer<br />
Vertrieb und Service wird Volker Nicolai bestellt.<br />
Kevin Stadler verantwortet zukünftig als<br />
Geschäftsführer den Bereich Human Resources<br />
und Finanzen. Damit verstärkt GEBHARDT<br />
seine bisherige Geschäftsführung aus Fritz und<br />
Marco Gebhardt sowie Reinhold Himmelhan.<br />
Mit Wirkung vom 1. Juni <strong>2022</strong> wird Kamil Christoph<br />
Kasprowicz den Vorsitz der Geschäftsführung<br />
der neu gegründeten Baur Hermes Fulfilment<br />
GmbH in Altenkunstadt übernehmen.<br />
Seine Nachfolge als Group Vice President<br />
Supply Chain Management der Otto Group<br />
übernimmt Raphael Maier, seit 2021 verantwortlich<br />
für Supply Chain Strategie & Innovation.<br />
Kamil Christoph Kasprowicz vervollständigt<br />
damit neben COO Peter Volk die zweiköpfige<br />
Geschäftsführung der Baur Hermes Fulfilment<br />
GmbH. Der 37jährige Diplom-Ökonom war<br />
vor seinem Wechsel in die Otto Group für die<br />
Unternehmensberatung Roland Berger tätig,<br />
Alexander Peters, aktuell Group Vice President<br />
Otto Group IT, wird Geschäftsführer bei<br />
der Manufactum Gruppe und das Unternehmen<br />
beginnend ab dem 1. August <strong>2022</strong> gemeinsam<br />
mit Kai Steffan leiten. Er folgt Max<br />
Heimann. Seit März 2018 leitet Alexander<br />
Peters als Group VP die Direktion Otto Group IT.<br />
In dieser Funktion legte der 47-Jährige seinen<br />
Fokus, neben Operational Excellence und<br />
Wirtschaftlichkeit, insbesondere auf die Etablierung<br />
von Modern Leadership und agilen<br />
Organisations- und Steuerungselementen.<br />
In seiner Funktion als CFO wird Tim Kutzner<br />
das globale Controlling- und Finanzteam<br />
von Otto International leiten. Er wird für<br />
alle finanziellen sowie rechtlichen Belange<br />
des Unternehmens verantwortlich sein<br />
und auch die Vendor Payment Services<br />
(VPS) und Zahlungsdienste von OI steuern.<br />
Der 46-jährige Betriebswirt wird eng mit Banken<br />
und externen Firmen, dem Finanzteam<br />
der Otto Group und verschiedenen wichtigen<br />
Funktionsbereichen innerhalb von OI zusammenarbeiten.
LOGISTIK EXPRESS<br />
STRATEGIE<br />
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WKN: LS9HAQ<br />
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Der Markt zur privaten<br />
Kapitalanlage befindet<br />
sich in einem Umbruch.<br />
FinTech-Unternehmen fordern<br />
die klassischen Anbieter heraus.<br />
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Strategie wollen wir in die<br />
Branche investieren und mit<br />
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