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LE-3-2022

LOGISTIK express Journal 3/2022

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AUSGABE 3/<strong>2022</strong><br />

ES WIRD ZEIT, DER WAHRHEIT INS<br />

GESICHT ZU SEHEN<br />

UNITO Sprecher der Geschäftsführung Harald Gutschi im<br />

Gespräch über Wachstum in bewegten Zeiten.<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong>|S2<br />

WERBEFENSTER<br />

U2


INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM<br />

INHALTE<br />

<strong>LE</strong> 3/<strong>2022</strong><br />

03 Inhalt / Editorial / Impressum<br />

04 Umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben<br />

06 eCommerce & Logistik on tour<br />

10 Teuerung: Inflation erreicht im Juni mit +8,7% neuen Höchststand<br />

12 ORI: 60% empfinden Online-Shopping inspirierend<br />

16 Ukraine-Krieg und Inflation lassen Handelsumsätze einbrechen<br />

18 eCommerce Day versammelte Retail Rockstars & Gamechanger<br />

20 Ausgaben im Onlinehandel wachsen und knacken 10 Mrd. Euro<br />

24 Sektorspezifischer Datenschutz für Warenzustellung<br />

26 Messbarer ökologischer Fußabdruck<br />

28 Digitalisierung macht die Lieferketten fit<br />

32 Mit Qualität und Individualität gegen den Einheitsbrei<br />

34 Ein Unternehmen kann man nicht allein mit Technologie führen<br />

38 SmartWatch: Die Hands-free Lösung fürs Lager<br />

40 KNAPP präsentiert sich auf der LogiMAT als Technologiepartner<br />

44 LogiMAT: Anschluss an frühere Erfolge<br />

48 Robotik-Lösung von SSI Schäfer mit IFOY Award ausgezeichnet<br />

50 Starkes Team: ek robotics unterstützt die BMW Group<br />

52 Metaverse schafft neue Möglichkeiten und Anwendungen<br />

56 Es wird Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen<br />

60 Wenn’s wirklich wichtig ist… Post investiert in e-fulfilment<br />

62 Logistikdienstleister als verlängerter Arm des Onlinehandels<br />

64 „Grün“ transportieren kostet Geld<br />

66 Politik verhindert Alternativen<br />

68 Globalisierung: Lieferketten müssen resilienter werden<br />

70 LogParship - Die europäische Verkehrspolitik<br />

74 Internationaler Transport von Gefahrgütern: Dos and Don‘ts<br />

78 Sechs Fehlannahmen zur Cybersecurity im Unternehmen<br />

82 EZB ohne Überzeugung, ohne Mut und ohne Plan<br />

86 Berufsbegleitendes Mentoring: Krisenfester Einkauf.<br />

88 Das bringt die Zukunft: Logistik-Jobs 2030<br />

90 Menschen in Bewegung<br />

Markus Jaklitsch | MJR MEDIA WORLD<br />

LOGISTIK EXPRESS & UMWELT JOURNAL<br />

Hameaustraße 44, 1190 Wien<br />

T: +43 (0)676 7035206<br />

E: info@logistik-express.at<br />

StV. | Redaktion: Peter Nestler, Angelika<br />

Gabor, Dirk Ruppik, Peter Baumgartner<br />

Bilder: istockphoto.com<br />

Print: www.blurb.de/user/LOGEXP<br />

www.logistik-express.com<br />

AL<strong>LE</strong>S WIRD GUT<br />

Angesichts der zahlreichen Sanktionen<br />

des Westens und Russlands Gasdrosselung<br />

nach Europa gehen Experten von<br />

Morgan Stanley von einer im vierten<br />

Quartal einsetzenden Rezession in der<br />

Eurozone aus. Die Ökonomen prophezeien<br />

mit Oktober vorab zwei schlechte<br />

Quartale und aufgrund der enormen<br />

Teuerung könnte eine Zinsanhebung<br />

nicht mehr ausreichend sein. Wir gehen<br />

so zusagen bewegten Zeiten entgegen,<br />

wobei Rohstoffe, Forschung, Innovation,<br />

Technologie und Ressourcen gefragter<br />

sein werden denn je.<br />

Wo sind nur die Wirtschaftskapitäne und<br />

Realpolitiker? Denn auf die ideologisierten<br />

Dampfplauderer in der europäischen,<br />

deutschen und österreichischen<br />

Politik möchte ich nicht zählen. Persönlich<br />

hoff ich, dass der unnötig geführte<br />

und mittlerweile zum Stellvertreter ausgeartete<br />

Ukraine Krieg bis Ende des Jahres<br />

ein diplomatisches Ende findet, sonst<br />

wird's geopolitisch wohl brisant. Doch zumindest<br />

gibt’s lachende Dritte im großen<br />

Spiel, deren Kassen sich reichlich füllen –<br />

doch wir Europäer sind's gewiss nicht.<br />

Tauchen wir durch und gönnen wir uns<br />

nochmals einen ausgiebigen Urlaub und<br />

mögen uns reichlich Ideen beglücken,<br />

um unser Business krisenresilient aufzustellen.<br />

Wir wünschen Ihnen mit unseren<br />

zahlreichen Beiträgen und Interviews anregende<br />

Diskussionsrunden, inspirierende<br />

Ideen und Lösungsansätze.<br />

Unsere LOGISTIK express Ausgabe 4/<strong>2022</strong><br />

publizieren wir zum 20, September nach<br />

unserem 7. eCommerce Logistik-Day der<br />

planmäßig Anfang September in Wien<br />

beim österreichischen Handelsverband<br />

abgehalten wird - wobei Handels- und<br />

Logistikunternehmen zu den aktuellen<br />

und laufenden Herausforderungen diskutieren,<br />

Lösungsmodelle präsentieren<br />

Markus Jaklitsch<br />

Medieninhaber, Herausgeber


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S4<br />

KOMMENTAR<br />

Umsonst ist nur der<br />

Tod, und der kostet<br />

das Leben<br />

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht. Die Preise<br />

für Lebensmittel und Energie steigen weiter,<br />

während die Einkommen stagnieren. Die<br />

Auswirkungen der Zero-Covid-Politik in China<br />

sind zwar schon zu spüren, werden aber<br />

noch stärker. Die kommende Zinsanhebung<br />

der EZB ist ein Anfang zur Stärkung der Kaufkraft,<br />

aber zu wenig, um der Inflation die Stirn<br />

zu bieten. Es fehlen tausende Arbeitskräfte,<br />

aber keiner will die offenen Jobs. Grund genug<br />

für kollektiven Suizid? Nein. Alles wird gut.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Ende Juni veröffentlichten die beiden<br />

Wiener Konjunkturforschungsinstitute<br />

Wifo und IHS ihre Prognosen hinsichtlich<br />

Wirtschaftswachstum und Inflation.<br />

Leider kommen beide unabhängig voneinander<br />

zu ähnlichen Ergebnissen, die fürwahr kein<br />

Grund zum Feiern sind. Zwar lief das erste Halbjahr<br />

gar nicht mal so schlecht – insbesondere<br />

Industrie und Tourismus legten ein gutes erstes<br />

Quartal hin und werden dadurch unterm<br />

Strich für ein Wachstum von 4,3 Prozent (Wifo)<br />

und 3,8 Prozent (IHS) sorgen. Kommendes<br />

Jahr jedoch liegen die Prognosen nur noch<br />

bei 1,6 Prozent (Wifo) bzw 1,4 Prozent (IHS).<br />

Ein heftiger Dämpfer. Gleichzeitig begleitet<br />

uns die höchste Inflation seit knapp 50 Jahren<br />

wohl länger als gehofft (und von EZB-„Experten“<br />

erwartet). Im Juni <strong>2022</strong> lag die Inflation in<br />

Österreich bei 8,7 Prozent (im Vergleich zu Juni<br />

2021), in Deutschland bei 7,6 Prozent. Die Vorhersagen<br />

sind düster, eine Entspannung ist nur<br />

langsam in Sicht. In Russland geht die Inflation<br />

übrigens zurück, die Wirtschaft floriert wieder,<br />

der Rubel gilt als stärkste Währung <strong>2022</strong>. Die<br />

Sanktionen des Westens entlocken dem Kreml<br />

aktuell wohl nur ein müdes Lächeln.<br />

Wo sind sie denn alle?<br />

Laut aktueller Studie des Handelsverbands<br />

leiden rund 40 Prozent der Händler unter Personalmangel,<br />

das entspricht etwa 20.000 offenen<br />

Stellen, beispielsweise im Verkauf. Aber<br />

auch die Logistik ist stark betroffen, insbesondere<br />

die Hilfskräfte fehlen. Woran das liegt?<br />

Die derzeitig miese Situation ist verschiedenen<br />

Faktoren geschuldet: einerseits haben während<br />

der Pandemie viele „essential Worker“<br />

das Handtuch geworfen und dem Verkauf<br />

den Rücken gekehrt. Mitarbeiter, die wegen<br />

Lockdowns gekündigt wurden, haben sich<br />

teilweise umorientiert und neue Berufsfelder


für sich erschlossen. Andere sind aufgrund<br />

der gestiegenen Lebenskosten einfach gezwungen,<br />

besser bezahlte Jobs zu finden,<br />

auch wenn sie vielleicht gerne geblieben<br />

wären. Und schließlich gibt es noch die große<br />

Gruppe von Saison- und Hilfsarbeitern aus<br />

dem Ausland, die als Erntehelfer, Küchenhilfen<br />

oder am Fließband arbeiten, während der Krise<br />

nicht nach Österreich kommen durften und<br />

nun erkannt haben, dass sie daheim eigentlich<br />

auch ihr Auslangen finden – ohne ständiges<br />

Pendeln oder ein Leben getrennt von der<br />

Familie. Laut Mag. Dr. Martin Kocher, Bundesminister<br />

für Arbeit und Leiter des Bundesministeriums<br />

für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort,<br />

waren im Juni weniger als 300.000<br />

Menschen ohne Arbeit. Die 3,95 Millionen<br />

unselbstständig Beschäftigten sind 130.000<br />

Personen mehr als im Juni 2019.<br />

Mich persönlich wundert es nicht, dass sich immer<br />

weniger Menschen finden, die diese offenen<br />

Arbeitsstellen annehmen – sozial eher geächtet,<br />

schwierige Arbeitsbedingungen (wer<br />

möchte bei 35°C Außentemperatur die Mittagsschicht<br />

zum Abwaschen in einer Gastroküche<br />

übernehmen?), familienunfreundliche<br />

Arbeitszeiten und eine Entlohnung knapp<br />

über der Mindestsicherung sind nicht wirklich<br />

attraktiv. Hinzu kommt beispielsweise im<br />

Handel, dass manche Kunden die „der Kunde<br />

ist König“ Philosophie ausreizen und die Geduld<br />

der Angestellten sehr auf die Probe stellen.<br />

Dating-Pro-Tipp: so wie ein Mensch sich dem<br />

Service- oder Verkaufsmitarbeiter gegenüber<br />

verhält, so wird er sich später auch dir gegenüber<br />

verhalten.<br />

Die heilige Kuh schlachten<br />

Mitte 2015 kündigte der damalige Finanzminister<br />

Hans Jörg Schelling (VP) gemeinsam<br />

mit Vizekanzler Reinhold Mitterlehner die Abschaffung<br />

der Kalten Progression im Zuge der<br />

Steuerreform an. Das IHS forderte bereits 2013<br />

eine automatische Inflationsanpassung der<br />

Steuersätze als Gegenmaßnahme zur Kalten<br />

Progression. Wir schreiben das Jahr <strong>2022</strong>,<br />

und es scheint tatsächlich wahr zu werden:<br />

die schwarz-grüne Bundesregierung hat als<br />

Teil des Entlastungspakets zur Unterstützung<br />

der Bevölkerung das endgültige „Aus“ für die<br />

schleichende Steuererhöhung beschlossen.<br />

Die Steuerstufen sollen gemäß der Inflationsrate<br />

ab 2023 jährlich erhöht werden (bis auf<br />

die höchste Stufe, die 55 Prozent ab 1 Million<br />

versteuerbarem Einkommen bleiben – die<br />

Betroffenen werden es verschmerzen).<br />

Es gibt also wieder Licht am Ende des Tunnels.<br />

Auch wenn mehr Menschen denn je armutsgefährdet<br />

sind, sollten wir die Hoffnung nicht<br />

verlieren. Die Leistungsfähigkeit und Kreativität<br />

der Österreicher sind Werte, auf die man auch<br />

in Zukunft bauen kann – wir werden Lösungen<br />

finden. Am Ende wird alles gut – und wenn<br />

nicht, ist es einfach nicht das Ende. (AG)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S6<br />

BLOGTOUR<br />

eCommerce &<br />

Logistik on tour<br />

Die Blogtour des LOGISTIK express hat im Juni<br />

zwei wichtige Veranstaltungen besucht:<br />

den eCommerce Day <strong>2022</strong> in Wien und<br />

das VNL Logistik-Forum Wien. Beide Veranstaltungen<br />

hatten Top-Referenten zu bieten<br />

und die heimische Logistik-Elite war präsent.<br />

Wir haben einige Vertreter vor der Kamera<br />

gebeten und befragt.<br />

REDAKTION: PETER R. NEST<strong>LE</strong>R<br />

Der Handelsverband bat am 22.<br />

Juni zum eCommerce Day <strong>2022</strong><br />

ins Nordlicht im Norden Wiens. Trotz<br />

der Hitze ließen sich die Onlinehandelsexperten<br />

nicht zwei Mal bitten – der<br />

Andrang war enorm. Mehr als 300 Teilnehmer<br />

zeigten sich beim Gipfeltreffen der heimischen<br />

eCommerce-Branche. Den ganzen Tag<br />

über gab es spannende Fachvorträge und<br />

Podiumsdiskussionen.<br />

Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes<br />

und dessen Geschäftsführer<br />

Rainer Will eröffneten die 22. Ausgabe des<br />

wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses,<br />

Werner Sejka von Puls4 moderierte<br />

durch das Tagesprogramm.<br />

Die Themenpalette war breit gefächert und<br />

reichte vom Influencer Marketing im eCommerce<br />

über moderne Shopsysteme, das Thema<br />

Nachhaltigkeit als Megatrend und innovative<br />

Paymentlösungen bis hin zu Corporate<br />

Podcasts, Live Shopping und Retourenmanagement<br />

3.0. Das Kongressmotto lautete<br />

dieses Mal #gamechanger – die Bedeutung<br />

von eCommerce ist bei vielen Leuten seit der<br />

Pandemie so richtig ins Bewusstsein gerückt.<br />

Der eCommerce Day hat das nochmals eindrucksvoll<br />

unterstrichen. Wir haben uns wohl<br />

gefühlt und sind aus dem Reden mit den Gästen<br />

gar nicht mehr nachgekommen. Der LO-<br />

GISTIK express hat einige Teilnehmer vors Mikrofon<br />

gebeten: https://youtu.be/3ntkpoPtgVY<br />

Mitreißend präsentierten sich auf der Veranstaltung<br />

der YouTube-Star, Influencer und<br />

Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie<br />

Marcin Glod, Influencerin Vada Müller sowie<br />

Warda Network-Gründer Eugen Prosquill. Die<br />

vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde<br />

spannende Antworten auf die Frage, wie<br />

"Rockstar-Marketing" in der Praxis funktioniert.<br />

Unter den prominenten Gästen zu sehen waren:<br />

Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum, Google<br />

Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter,<br />

shöpping-Geschäftsführer Robert Hadzetovic,<br />

Johannes Weinzierl (Hartlauer), Rainer<br />

Rauch (Mode Roth), Bernhard Moser(dm),


Silvia Kollmann (Mercateo Unite), Eustachius<br />

Kreimer (Kastner & Öhler), Harald Gutschi<br />

(UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP), Rainer<br />

Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK Mobility),<br />

Nick Holscher (Connected Retail by<br />

Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria),<br />

Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus<br />

Köchelhuber (EY), Piotr Kwasniak (Mastercard),<br />

Christian Steinwender (Concardis Nets Group),<br />

Lili Pajer (Google Austria), Christian Pirkner<br />

(Blue Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie<br />

Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox)<br />

und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria)<br />

sowie Isabel Lamotte (Handelsverband).<br />

Ein Highlight der Veranstaltung war wieder die<br />

Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark<br />

Awards <strong>2022</strong> unter der Schirmherrschaft<br />

von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head<br />

of Business Development Digital, Mastercard)<br />

und Rainer Will für herausragende, innovative<br />

eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.<br />

Die diesjährigen Award-Gewinner sind:<br />

• Gewinner in der Kategorie "Best Mobile<br />

Performance": Julius Meinl am Graben<br />

• Gewinner in der Kategorie "Best<br />

Omnichannel Experience": Hornbach<br />

• Gewinner in der Kategorie "Best Online<br />

Shop": Lampenwelt<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S8<br />

DI Peter Umundum, Vorstand, Post AG<br />

FH-Prof. DI Franz Staberhofer, VNL<br />

Der Verein Netzwerk Logistik (VNL)<br />

lud am 19. Mai zum 29. Logistik-<br />

Forum Wien <strong>2022</strong> ein. Gastgeber<br />

war dieses Mal die Österreichische<br />

Post AG, das Treffen fand daher<br />

auch in der Konzernzentrale der Österreichischen<br />

Post in 1030 Wien statt und hatte das<br />

Hauptthema „Lieferketten in Turbulenzen:<br />

Wie bleiben wir wettbewerbsfähig?“ Dazu<br />

gab es hochinteressante Keynotes: „Turbulenzen<br />

in Lieferketten: die volkswirtschaftliche<br />

Perspektive“, dargebracht von Stefan<br />

Fink, Chief Economist bei KPMG Österreich,<br />

„Die neue österreichische CO2-Steuer“, mit<br />

Harald Galla (Steuerberater, Partner LeitnerLeitner),<br />

topaktuell: „Geopolitische Einschätzung<br />

Russlands und der Ukraine – eine<br />

kurz und mittelfristige Perspektive“, mit Univ.<br />

Prof. Dr. Gerhard Mangott (Professor für internationale<br />

Beziehungen, Universität Innsbruck)<br />

sowie „Die aktuelle Lage am Öl- und<br />

Gasmarkt“ mit Siegfried Kiss (Head of Business<br />

Development, RAG Austria AG).<br />

Prof. Dr. Gerhard Mangott<br />

Abgerundet wurde das VNL Logistik-Forum<br />

<strong>2022</strong> mit einer Podiumsdiskussion zum Thema<br />

„Wie bleiben wir wettbewerbsfähig? Was bedeuten<br />

die aktuellen Entwicklungen für SCM<br />

und Logistik?“. Zur Diskussion versammelten<br />

sich: Gerhard Mühlhans (RHI Magnesita),<br />

Claes Lindgren (IKEA), Alexander Till (Hafen<br />

Hamburg), Niklas Nitsch (Siemens), Stefan<br />

Huemer (Rexel); die Moderation übernahm<br />

Prof. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien).<br />

Mehr auf www.vnl.at<br />

(PN)


Eine weitere Top-Veranstaltung der Logistik<br />

gab es am 23. Und 24. Juni, den<br />

27. Logistik Dialog <strong>2022</strong>. Veranstalter<br />

BVL Bundesvereinigung Logistik lud<br />

diesmal zum Flughafen Wien in die nigelnagelneue<br />

Event Location Vienna International<br />

Airport City Space und tatsächlich folgten<br />

mehr als 800 Branchenvertreter der Einladung.<br />

Beeindruckend war gleich einmal die Fülle an<br />

Ausstellern, die der BVL rekrutieren konnte. Zu<br />

„rekrutieren“ passt auch der Caterer der Mittagsverpflegung,<br />

die wurde nämlich von der<br />

Bundesheer Logistikschule zur Verfügung gestellt:<br />

Gulasch aus der „Kanone“.<br />

BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner wachte<br />

wohlwollend über die Veranstaltung mit dem<br />

Slogan „Empowerment For Future“ und zeigte<br />

sich zufrieden über die zahlreiche Teilnahme.<br />

Schön zu sehen waren die viele persönlichen<br />

Gespräche zwischen den Keynotes, die sich<br />

an den Ständen anbahnten. Nach mehr als<br />

zwei Jahren Pause durch die Pandemie trifft<br />

sich die Branche wieder live. Wir haben uns<br />

wie viele andere auch den Weg durch die<br />

vielen Ausstellerstände gebahnt und jede<br />

Menge Spannendes gesehen: Menschen,<br />

Produkte, Lösungen – insgesamt eine großartige<br />

Leistungsschau der österreichischen Logisitikwirtschaft.<br />

An beiden Tagen gab es eine Fülle an großartigen<br />

Vorträgen und Panels, der Zuschauerraum<br />

war dementsprechend zum Bersten voll.<br />

Die Themen reichten dabei von „Supply Chain<br />

Fitness Now Europe“ über „Circular Regional<br />

Value“, „Infrastruktur Fläche Nutzung“, „Cloud<br />

Crowd Share“ bis zum Special „Commerce<br />

Trend Service“. Durch die abschließende<br />

Fachausstellung „Alles Logistik“ führten schließlich<br />

gemeinsam Bundesministerin Dr. Susanne<br />

Raab und BVL-Präsident Dr. Roman Stiftner.<br />

Leider konnten wir nicht zur Networkingnight<br />

am zweiten Tag bleiben – dem Vernehmen<br />

nach war diese aber sehr unterhaltsam.<br />

Die Stimmung in der Branche würden wir nach<br />

einer kurzen Befragung einiger Teilnehmer als<br />

gespannt, aber zuversichtlich bezeichnen.<br />

Dieses Build ergibt auch unsere am BVL Logistik-Dialog<br />

<strong>2022</strong> gedrehte Blogtour wieder:<br />

https://youtu.be/FPhCX-1KapQ<br />

Zusammengefasst stellen wir fest: Es gibt zahlreiche<br />

Probleme – Krieg am Rande Europas,<br />

mangelndes Personal insbesondere bei den<br />

Frächtern, stark steigende Energie- und Treibstoffkosten,<br />

hohe Inflationsraten etc. Aber die<br />

Logistikbranche ist sich ihrer Bedeutung mehr<br />

denn je bewusst und stark gewillt, Lösungen<br />

anzubieten – im Sinne und für das Wohl aller!<br />

Mehr auf www.bvl.at<br />

(PN)<br />

Dipl.Ing. Dr. Roman Stiftner,<br />

Präsident BVL Österreich


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S10<br />

HANDEL WIRTSCHAFT<br />

Teuerung:<br />

Inflation erreicht<br />

im Juni mit +8,7%<br />

neuen Höchststand<br />

Handelsverband erwartet Peak<br />

erst gegen Jahresende. Inflation<br />

erreicht höchstes Niveau seit<br />

September 1975. Preistreiber sind<br />

Energie und Treibstoffe. Der Handel<br />

hofft auf den "Midsummer Sale" als<br />

Umsatzbringer.<br />

BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Im Juni ist die Inflationsrate laut Schnellschätzung<br />

der Statistik Austria auf +8,7%<br />

angestiegen und hat damit das höchste<br />

Niveau seit September 1975 erreicht. Wie<br />

vom Handelsverband bereits im März prognostiziert,<br />

hat die zweite Teuerungswelle mittlerweile<br />

fast alle Bereiche erfasst und sich von<br />

Monat zu Monat verstärkt.<br />

Auch die Lebensmittelpreise werden nach Einschätzung<br />

des HV in den kommenden Wochen<br />

weiterhin zumindest leicht zulegen – insbesondere<br />

als Folge der gestiegenen Energie- und<br />

Treibstoffkosten sowie der anziehenden Verpackungs-<br />

und Logistikkosten. Der Ukraine-<br />

Krieg verstärkt überdies den Preisauftrieb bei<br />

Agrarrohstoffen und Dünger, was wiederum die<br />

Lebensmittelproduktion und -distribution verteuert.<br />

Zumindest die versorgungstechnische<br />

Lage der heimischen Lebensmittelhändler<br />

bleibt stabil. Der Lebensmittelhandel verzeichnet<br />

aktuell keine Engpässe.<br />

Inflations-Peak erst Ende des Jahres?<br />

"Der Ukraine-Krieg und die Zero-Covid-Strategie<br />

Chinas belasten die globalen Lieferketten<br />

weiterhin massiv. Dadurch hat sich die Teuerungswelle<br />

wie von uns prognostiziert verfestigt<br />

und stellt für alle Handelsformate eine existenzielle<br />

Herausforderung dar. Den Peak der<br />

Inflation erwarten wir erst gegen Jahresende",<br />

so die Einschätzung von Handelsverband-<br />

'Geschäftsführer Rainer Will.<br />

Zumindest bei den Erzeugerpreisen hat sich<br />

die Preisdynamik zuletzt laut Statistik Austria<br />

erstmals seit Mai 2021 nicht weiter beschleunigt.<br />

Die Teuerung lag im Mai bei +20,9%, im<br />

April waren es noch +21,6%.


„INVESTITION NACHHALTIGE LOGISTIK“<br />

Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />

Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />

in und für eine nachhaltige Logistik.<br />

Mehr auf logistik-express.com<br />

LOGISTIK express<br />

Ausgabe 3/2021<br />

Non-Food-Handel setzt auf "Midsummer Sale"<br />

Eines ist klar: Die Inflation schwächt die<br />

Kaufkraft der Bevölkerung. Viele Menschen<br />

sind jetzt gezwungen, ihre Einkaufsgewohnheiten<br />

zu ändern: Jeder zweite Österreicher<br />

muss sich beim Shoppen deutlich finanziell<br />

einschränken, drei Viertel der Kunden achten<br />

verstärkt auf Rabattaktionen und zwei Drittel<br />

kaufen verstärkt günstige Lebensmittel.<br />

Der heimische Non-Food-Handel muss angesichts<br />

der Kaufzurückhaltung und der negativen<br />

Konsumstimmung stärker auf Rabattaktionen<br />

setzen. Vielerorts wurde bereits der<br />

aus Skandinavien "importierte" sog. "Midsummer<br />

Sale" eingeläutet, um die Umsätze anzukurbeln.<br />

"Viele unserer Non-Food-Einzelhändler<br />

kämpfen mit den anhaltend hohen Rohstoffpreisen,<br />

welche die Bruttomargen weiter<br />

unter Druck bringen. Das ist nach 2,5 Jahren<br />

Pandemie mit mehreren Lockdowns und<br />

den altbekannten strukturellen Problemen<br />

für viele Betriebe ein sehr schwieriges Unterfangen.<br />

Trotz hoher Beschaffungskosten müssen<br />

viele Händler jetzt großzügige Preisrabatte<br />

gewähren, um ihre Liquidität zu sichern", sagt<br />

Branchensprecher Will.<br />

Entlastungspaket soll Kaufkraft ankurbeln<br />

Als wichtigste Maßnahme der Bundesregierung<br />

zur Abfederung der Inflation gilt das<br />

Teuerungs-Entlastungspaket. Dieses wurde<br />

Ende Juni im BGBl (Bundesgesetzblatt)<br />

veröffentlicht. Neben diversen Einmalzahlungen<br />

sieht das Paket u.a. die Möglichkeit<br />

vor, Beschäftigten in den Jahren <strong>2022</strong> und<br />

2023 eine steuer- und abgabenfreie Teuerungsprämie<br />

von jeweils bis zu 3.000 Euro<br />

auszuzahlen. Zudem ist eine Senkung des UV-<br />

Beitrages um 0,1 Prozentpunkte sowie die<br />

Verschiebung der CO2-Bepreisung auf<br />

Oktober vorgesehen. Entscheidend ist,<br />

dass die Maßnahmen jetzt rasch bei der<br />

Bevölkerung ankommen. (GK)<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S12<br />

HANDEL LOGISTIK<br />

Omnichannel<br />

Readiness Index:<br />

60% empfinden Online-<br />

Shopping inspirierend<br />

Handelsverband, Google und MindTake<br />

präsentierten die fünfte Ausgabe des<br />

Reports zur Digitalisierung des heimischen<br />

Handels. Hornbach Gesamtsieger. Thalia<br />

punktet bei Channel Integration.<br />

BEITRAG: ISABEL LAMOTTE<br />

Gekommen, um zu bleiben: Neue<br />

Online-Services, die sich pandemiebedingt<br />

etabliert haben,<br />

werden auch nach Corona weiter<br />

ausgebaut. Nachhaltigkeit und Regionalität<br />

sind den Konsumenten wichtig und Online-<br />

Shopping gilt als inspirierend. Dies sind zentrale<br />

Ergebnisse des fünften Omnichannel Readiness<br />

Index (ORI), der die Kunst beleuchtet,<br />

Online- und Offline-Vertriebskanäle zu verbinden.<br />

Dafür wurden 1.000 Konsumenten befragt<br />

und 44 führende österreichische Einzelhändler<br />

auf Herz und Nieren untersucht.<br />

„Der Kundenansprache vor dem Kauf kommt<br />

höchste Priorität zu. 60% der befragten Online-<br />

Käufer empfinden Online-Shopping als inspirierend,<br />

40% sogar als Spaß und Entspannung.<br />

Um den Kaufentscheidungsprozess optimal<br />

zu unterstützen, erwarten sich die Kunden<br />

zielgruppengerechten Content und einen<br />

Onlineshop, der als digitaler Zwilling der Wunschfiliale<br />

fungiert und das Sortiment gespiegelt<br />

abbildet. Die Trends reichen von Appointment-Shopping<br />

über Showrooming bis zu virtueller<br />

Live-Beratung“, bilanziert Rainer Will,<br />

Geschäftsführer des Handelsverbandes, die<br />

Ergebnisse des ORI, dem digitalen Benchmark<br />

des österreichischen Handels.<br />

Zielgruppengerecht emotional kommunizieren<br />

94 Prozent der befragten Händler bieten im<br />

Webshop zusätzlichen Content an, etwa Ratgeber-Texte,<br />

Videos, Expertentipps oder Look-<br />

Fotos – und neuerdings auch verschiedene<br />

Live-Formate. Das trägt Früchte: Knapp<br />

zwei Drittel der Konsumenten empfinden<br />

Online-Shopping als inspirierend. Insbesondere<br />

die jüngeren Zielgruppen assoziieren damit


neben Inspiration auch Spaß, Unterhaltung<br />

und Entspannung. Dennoch sind viele sehr<br />

pragmatische Potenziale im Omnichannel<br />

Retailing noch zu heben. 80 Prozent der Konsumenten<br />

wünschen sich etwa, den genauen<br />

Tag der Lieferung eines Produktes vor der Bestellung<br />

zu kennen – dies erfüllen nur 13 Prozent<br />

der analysierten Händler.<br />

78 Prozent der Konsumenten wollen die angezeigten<br />

Produkte im Webshop auf eine einzige<br />

Filiale einschränken können, um so gezielt<br />

- wie vor Ort im Laden – shoppen zu können,<br />

doch nur 19 Prozent der Händler nutzen ihre<br />

Bestandsdaten für einen solchen Filter. Das<br />

sind immerhin 7 Prozentpunkte mehr als im vergangenen<br />

Jahr.<br />

New Ways of Shopping<br />

Ein besonderes Augenmerk wurde im ORI <strong>2022</strong><br />

auf neue Formate gelegt. Aus der Not geboren<br />

beispielsweise war das Shoppen nach Terminvereinbarung<br />

– um die Zahl der Kunden im<br />

Geschäft pandemiebedingt zu kontrollieren.<br />

Die daraus entstandene Tugend heißt nun<br />

Appointment Shopping. Konsumenten können<br />

bei einem Händler online oder telefonisch<br />

einen Termin für den Einkauf in der Filiale vereinbaren.<br />

Während dieses Termins steht ein<br />

Berater exklusiv zur Verfügung. Optional können<br />

Kunden auch vorab schon Wünsche<br />

bekannt geben, sodass das Personal für den<br />

Termin gewisse Waren für die Begutachtung<br />

bereitstellen kann. Knapp die Hälfte der befragten<br />

Händler bietet Appointment Shopping<br />

bereits an, jeder zehnte Konsument hat<br />

das Angebot bereits genutzt und jeder Dritte<br />

gibt an, es wahrscheinlich wahrzunehmen.<br />

Ebenfalls auf dem Vormarsch ist das Konzept<br />

des Showroomings. Händler lagern nur wenige<br />

Stücke eines Artikels in der Filiale und nutzen<br />

den Platz stattdessen, um ein breites Angebot<br />

zu zeigen, zum An- und Ausprobieren.<br />

Der gewünschte Artikel wird dann nicht mitgenommen,<br />

sondern später nach Hause<br />

zugestellt. Dies finden 45 Prozent der Kunden<br />

attraktiv, mehr als die Hälfte der Händler praktizieren<br />

Showrooming bereits in ausgewählten<br />

Filialen oder planen ein solches Angebot.<br />

Bei den Händlern noch schleppend entwickelt<br />

sich das Scan & Go Modell, bei welchem<br />

Kund:innen in der Filiale mittels App ein Produkt<br />

selbst scannen und online bezahlen – und sich<br />

damit das Anstellen an der Kassa ersparen.<br />

39 Prozent der Kund:innen würde dies wahrscheinlich<br />

oder sehr wahrscheinlich nutzen, in<br />

der Zielgruppe der 18-29-jährigen sogar mehr<br />

als die Hälfte. Allerdings bieten dies nur 14<br />

Prozent der befragten Händler zumindest in<br />

ausgewählten Filialen an. Einige planen ein<br />

entsprechendes Service, aber mehr als die<br />

Hälfte der Händler gibt an, dass dies derzeit<br />

kein Thema für sie ist.<br />

Beliebt bei Handel und Konsumenten sind<br />

auch Live-Formate. Ein Drittel der Händler<br />

bietet Live-Beratung im Online-Shop an, zum<br />

Beispiel in Form einer Video-Konferenz, um<br />

Produkte vorzuführen oder eine Küchenplanung<br />

anzubieten. Ein Viertel der befragten<br />

Händler hat sich schon am virtuellen Live-<br />

Shopping versucht – ein Livestream, bei<br />

welchem Personen (z.B. Influencer:innen)<br />

Produkte testen und weiterempfehlen.<br />

Konsument:innen können per Chat Fragen zu<br />

den Produkten stellen, welche Ihnen direkt live<br />

beantwortet werden. Dieses Format finden 21<br />

Prozent der Konsumenten spannend, allen<br />

voran Bewegtbild-verwöhnte 18-29-jährige (33<br />

Prozent).


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S14<br />

"Wir sehen vor allem in der jüngeren Zielgruppe<br />

(Gen Z), dass sie zu Marken eine Verbindung<br />

aufbauen möchten. Sie wollen inspiriert<br />

werden, eine Geschichte erzählt bekommen<br />

und „brand love“ aufbauen. Hierfür sind visuelle<br />

Bewegtbild-Formate besonders gut geeignet.<br />

Um sich für die Zukunft zu wappnen,<br />

gilt es, diese Zielgruppe heute für sich zu<br />

gewinnen, da sie bis 2030 etwa 16% der privaten<br />

Ausgaben ausmachen werden," so Lili<br />

Pajer, Retail Lead bei Google.<br />

Nachhaltigkeit und Regionalität: Bitte gut<br />

sichtbar im Online-Shop<br />

Dass Händler nachhaltig agieren, ist für zwei<br />

Drittel der Konsument:innen wichtig, etwa<br />

durch nachhaltige Zustellung oder ökologische<br />

Produkte und Verpackungen. Auch<br />

Regionalitätsbemühungen werden hochgeschätzt.<br />

Darauf haben die befragten Händler<br />

Antworten: 76 Prozent setzen auf ein Angebot<br />

nachhaltig zertifizierter Produkte, 65 Prozent<br />

praktizieren aktiv Verpackungsreduktion, 62<br />

Prozent optimieren ihre Lieferketten – und 60<br />

Prozent der analysierten Händler zeigen dies<br />

gut sichtbar im Webshop auf einer Nachhaltigkeitsseite.<br />

Hornbach ist Gesamtsieger, Thalia erreicht<br />

100% im Bereich Channel Integration<br />

Den ORI-Gesamtsieg hat sich <strong>2022</strong> Hornbach<br />

gesichert, gefolgt von Kastner&Öhler und<br />

Gigasport. Der Omnichannel Readiness Index<br />

bringt aber auch Kategorie-Sieger hervor:<br />

Thalia hat zum zweiten Mal in Folge die vollen<br />

100% in der Omnichannel-Königsdisziplin<br />

„Channel Integration“ erreicht. Der Buchhändler<br />

bietet maximale Flexibilität bei der<br />

Kaufabwicklung, und das völlig vertriebskanalunabhängig<br />

und nahtlos, Click & Collect,<br />

Reserve & Collect, Retoure online bestellter<br />

Waren in der Filiale, Abholstationen für 24/7<br />

Abholung, rasche Bereitstellung der Click &<br />

Collect Waren, und dies stets kostenlos.<br />

Es freut uns immer wieder zu sehen, dass der<br />

Omnichannel Readiness Index ein etabliertes<br />

Tool ist, mit dem Händler aktiv an ihren Potenzialen<br />

arbeiten“, so Martina Oberrauch,<br />

Studienleiterin und Senior Research Consultant<br />

bei MindTake Research.<br />

Diese Händler legen die Messlatte:<br />

ORI Branchensieger:innen<br />

Wohnen, Einrichten & Heimwerken:<br />

Hornbach (78%)<br />

Fashion & Accessoires: Kastner & Öhler (76%)<br />

Sport: Gigasport (75%)<br />

Bücher & Papierbedarf: Libro (73%)<br />

Drogerie: Marionnaud (68%)<br />

Computer & Elektro(nik): Hartlauer (68%)<br />

Lifestyle & Hobby: Tchibo (68%)<br />

Lebensmitteleinzelhandel: Billa (68%)<br />

ORI Kategoriesieger<br />

Mobile Friendliness: Deichmann (99%)<br />

Transparenz & Vertrauen: Billa (86%)<br />

Personalisierung, Loyalty und Sharing:<br />

Hornbach (86%)<br />

Flexible Kontaktmöglichkeiten:<br />

Kastner & Öhler, Gigasport (77%)<br />

Payment, Fulfillment & Returns:<br />

Kastner & Öhler, Gigasport (84%)<br />

Wegweiser in die Filiale: Interspar, dm,<br />

Palmers, Hartlauer (99%)<br />

Channel Integration: Thalia (100%)<br />

Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes<br />

werden allen Handelsverband-<br />

Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung gestellt.<br />

Für KMU Händler ist die HV-Mitgliedschaft<br />

im Rahmen von www.kmu-retail.at<br />

kostenfrei. (IL)<br />

„Zusätzlich ist es besonders spannend zu<br />

analysieren, welche Händler sich in Hinblick<br />

auf ihr Omnichannel-Angebot im Vergleich zur<br />

Vorjahres-Studie besonders positiv ent-wickelt<br />

haben. In diesem Jahr zählen Libro, dm, Hartlauer,<br />

Ikea und Intersport zu den Top-Aufsteigern,<br />

weil sie etliche – von Kunden gewünschte<br />

– Features nun zusätzlich anbieten.<br />

Download der Studienergebnisse<br />

Das Überblicksposter, der<br />

Berichtsband der Studie sowie die OPEN<br />

ORI Kriterien-Checkliste können über<br />

www.handelsverband.at/ori kostenfrei<br />

heruntergeladen werden.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S16<br />

HANDEL LOGISTIK<br />

Ukraine-Krieg und<br />

Inflation lassen<br />

Handelsumsätze<br />

um -14% einbrechen<br />

Bundesweite Händlerbefragung: 75% der<br />

Betriebe kämpfen mit Lieferverzögerungen,<br />

41% mit Personalmangel. Enorme Preissteigerungen<br />

in Beschaffung sind die Herausforderung<br />

für Einzelhändler.<br />

BEITRAG: RAINER WILL<br />

Der Ukraine-Krieg und die pandemiebedingten<br />

Kapazitätseinschränkungen<br />

in Asien haben die<br />

Preise in ganz Europa in die Höhe<br />

getrieben. Die aktuelle Teuerungswelle hat<br />

sich wie prognostiziert verfestigt und stellt zunehmend<br />

für alle Handelsformate und Warengruppen<br />

eine existenzielle Herausforderung<br />

dar. Hinzu kommt ein Personalmangel von<br />

historischem Ausmaß: Rund 20.000 offene Stellen<br />

können allein im Einzelhandel nicht zeitnah<br />

besetzt werden. Wie es den heimischen<br />

Händlerinnen und Händlern – vom KMU bis zum<br />

filialisierten Konzern – derzeit geht, hat der Handelsverband<br />

in einer Blitzumfrage analysiert.<br />

Händlerbefragung – die Ergebnisse stimmen<br />

besorgniserregend:<br />

Die österreichischen Händler erwarten für das<br />

Gesamtjahr <strong>2022</strong> (im Vergleich zu 2019) einen<br />

Umsatzverlust von -14% aufgrund des Ukraine-<br />

Kriegs und der Inflation.<br />

75% der heimischen Händler verzeichnen<br />

aktuell Lieferverzögerungen bzw. -engpässe.<br />

41% haben derzeit mit Personalmangel<br />

zu kämpfen. Bei 15% aller Betriebe ist<br />

deshalb nur ein eingeschränkter Betrieb(bis<br />

hin zu Filialschließungen) möglich. Ein Fünftel<br />

der Branche leidet unter verstärkter Personalfluktuation.<br />

Der Umsatz in Q2/<strong>2022</strong> ist gegenüber<br />

Q2/2021 um durchschnittlich -8% zurückgegangen.<br />

Die Kundenfrequenz in Q2/<strong>2022</strong><br />

hat sich gegenüber Q2/2021 um -12% reduziert.<br />

Als größte Herausforderungen nennen<br />

die Händler die enormen Preis- und Kostensteigerungen<br />

(in Beschaffung, Logistik,<br />

etc.) sowie Beschaffungsengpässe & Lieferverzögerungen<br />

im Einkauf.


Der Handel steckt in einem Dilemma<br />

Die Ergebnisse der Befragung zeigen deutlich,<br />

welche massiven Folgen die Teuerungswelle<br />

auf den österreichischen Handel hat, Einerseits<br />

legen die Beschaffungspreise immer mehr<br />

zu und andererseits gehen die Umsätze der<br />

Händler durch die Kaufkraftreduktion immer<br />

deutlicher zurück. Die Kundenfrequenz ist zuletzt<br />

um 12 Prozent eingebrochen. Selbst beim<br />

Kauf von Lebensmitteln gibt es inzwischen<br />

spürbare Verschiebungen. Zwei Drittel der<br />

Konsumentinnen und Konsumenten achten<br />

bewusst darauf, wie viel sie für den täglichen<br />

Einkauf ausgeben und greifen vermehrt zu<br />

günstigeren Produkten. Aufgrund der Inflation<br />

treten immer mehr Wechselkäufer auf, die<br />

statt zu Bio eher zu konventionellen Produkten<br />

greifen müssen.<br />

Die Crux für den Handel: Einerseits müssen<br />

Waren so teuer wie noch nie beschafft<br />

werden, andererseits ist bereits jeder zweite<br />

Österreicher gezwungen, sich finanziell einzuschränken.<br />

Die Inflation frisst sich von den<br />

Geringverdienern bis in den Mittelstand hinauf<br />

und verfestigt sich immer mehr in weiten Teilen<br />

der Bevölkerung.<br />

Mietvertragsgebühr abschaffen und regionalen<br />

Handel entlasten!<br />

Vor diesem Hintergrund ist das dreistufige Anti-Teuerungspaket<br />

der Bundesregierung ein<br />

wichtiges Signal. Die strukturellen Entlastungen<br />

zur Stärkung der Kaufkraft treten zwar später<br />

als erhofft in Kraft, aber insbesondere die<br />

Abschaffung der kalten Progression und der<br />

Startschuss für die Senkung der Lohnnebenkosten<br />

sind langjährige Kernforderungen des<br />

Handelsverbandes, die nun Stück für Stück<br />

umgesetzt werden. Klar ist aber auch, dass wir<br />

weiterhin auf Platz 3 der EU-Staaten mit den<br />

höchsten Lohnnebenkosten bleiben werden,<br />

daher hoffen wir auf weitere Schritte in diesem<br />

Bereich. Die Erhöhung des Klimabonus auf 500<br />

Euro ist ebenso sinnvoll wie die Zusatzzahlung<br />

zur Familienbeihilfe und die Möglichkeit<br />

für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten eine<br />

Mitarbeiterprämie von 3.000 Euro steuerfrei<br />

auszubezahlen.<br />

Eine gezielte Entlastung von mitarbeiterintensiven<br />

KMU-Betrieben mit regionaler<br />

Wertschöpfung durch deren Betriebsstätte in<br />

Österreich steht seit langem aus: Daher erneuert<br />

der Handelsverband seine Forderung<br />

nach einer Abschaffung der Mietvertragsgebühr.<br />

Diese umgangssprachlich als "Papierverbrauchssteuer"<br />

bezeichnete Gebühr aus der<br />

Zeit Maria Theresias ist Gift für den Beschäftigungs-<br />

und Wirtschaftsstandort Österreich und<br />

kostet heimische Händler tausende Euro im<br />

Jahr, noch bevor diese überhaupt den ersten<br />

Euro verdienen können. Damit werden lenkungspolitisch<br />

genau jene Geschäftsmodelle<br />

belastet, die wir eigentlich unterstützen sollten.<br />

Ein Unikum, denn innerhalb der EU ist Österreich<br />

der letzte Nationalstaat, der eine solche<br />

Abgabe einfordert.<br />

Über die Befragung<br />

Die Corona-Blitzumfrage des Handelsverbands<br />

fand von 14. bis 20. Juni <strong>2022</strong><br />

statt. 172 Handelsbetriebe (39 stationäre<br />

Händler, 16 reine Online-Händler und 117<br />

Omnichannel-Händler) aller Größenklassen<br />

aus dem Kreis der über 4.500 Mitglieder des<br />

Handelsverbandes haben an der Online-<br />

Befragung zu den Auswirkungen des Ukraine-<br />

Krieges und der Inflation teilgenommen.<br />

(RW)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S18<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

eCommerce Day <strong>2022</strong><br />

versammelte<br />

Retail Rockstars &<br />

Gamechanger in Wien<br />

Mehr als 300 Teilnehmer:innen beim Gipfeltreffen<br />

der heimischen eCommerce Branche.<br />

Austrian Trustmark Awards an Hornbach,<br />

Lampenwelt und Julius Meinl am Graben<br />

verliehen.<br />

BEITRAG: HANDESVERBAND<br />

Am Mittwoch, 22. Juni, war es wieder<br />

soweit: Das Who is Who der heimischen<br />

Handelsbranche kam beim<br />

eCommerce Day des Handelsverbandes<br />

im Nordlicht Wien zusammen. HV-<br />

Präsident Stephan Mayer-Heinisch und HV-<br />

Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 22.<br />

Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses,<br />

Puls4-Anchor Werner<br />

Sejka moderierte charmant durch das Tagesprogramm.<br />

Die Themenpalette reichte von<br />

Influencer Marketing im eCommerce über<br />

neue Shopsysteme, Nachhaltigkeit als Megatrend<br />

und innovative Paymentlösungen bis<br />

hin zu Corporate Podcasts, Live Shopping und<br />

Retourenmanagement 3.0.Unter dem Kongressmotto<br />

#gamechanger sorgten phänomenale<br />

Branchenexperten mit ihren Keynotes,<br />

Best Practices, im Fireside Chat sowie bei den<br />

Podiumsdiskussionen für Begeisterung bei den<br />

mehr als 300 Teilnehmer. Live on Stage waren<br />

dieses Mal u.a. der YouTube-Star, Influencer<br />

und Kabarettist Michael Buchinger, Kunstgenie<br />

Marcin Glod, Influencerin Vada Müller<br />

sowie Warda Network-Gründer Eugen Prosquill.<br />

Die vier Youngster gaben in der Stammtisch-Runde<br />

spannende Antworten auf die<br />

Frage, wie "Rockstar-Marketing" in der Praxis<br />

funktioniert.<br />

Post-Vorstandsmitglied Peter Umundum,<br />

Google Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter,<br />

shöpping-Geschäftsführer<br />

Robert Hadzetovic, Johannes Weinzierl (Hartlauer),<br />

Rainer Rauch (Mode Roth), Bernhard<br />

Moser(dm), Silvia Kollmann (Mercateo Unite),<br />

Eustachius Kreimer (Kastner & Öhler), Harald<br />

Gutschi (UNITO/Otto), Diana Cappel (SAP),<br />

Rainer Friedl (Emakina), Josef Grabner (LINK<br />

Mobility), Nick Holscher (Connected Retail


y Zalando), Michael Jahn (FIEGE Austria),<br />

Sebastian Hörmann (Palmers), Nikolaus Köchelhuber<br />

(EY), Piotr Kwasniak (Mastercard), Christian<br />

Steinwender (Concardis Nets Group), Lili<br />

Pajer (Google Austria), Christian Pirkner (Blue<br />

Code), Michael Sahlender (Mirakl), Stefanie<br />

Ahammer (VISA), Lukas Wieser (MyFlexbox)<br />

und Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria)<br />

sowie Isabel Lamotte (Handelsverband) rundeten<br />

das erstklassige Lineup ab. In der traditionellen<br />

Startup Session durften Franz Tretter<br />

(hello again), Markus Fallenböck (Userwerk),<br />

Manuel Messner (Mazing), Annabell Ocsofszki<br />

(Youbuyda), Bernhard Reiterer (SignD) und<br />

Paul Varga (Playbrush) pitchen was das Zeug<br />

hält. Ein Highlight der Veranstaltung war die<br />

Verleihung des heiß begehrten Austrian Trustmark<br />

Awards <strong>2022</strong> unter der Schirmherrschaft<br />

von Mastercard durch Piotr Kwasniak (Head<br />

of Business Development Digital, Mastercard)<br />

und Rainer Will für herausragende, innovative<br />

eCommerce- und Omnichannel-Lösungen.<br />

Gewinner in der Kategorie "Best Mobile<br />

Performance": Julius Meinl am Graben.<br />

Gewinner in der Kategorie "Best<br />

Omnichannel Experience": Hornbach.<br />

Gewinner in der Kategorie "Best<br />

Online Shop": Lampenwelt.<br />

Der Handelsverband und Mastercard gratulieren<br />

den drei Gewinnern herzlich.<br />

Der eCommerce Day <strong>2022</strong> wurde großzügig<br />

unterstützt von den Platin-Sponsoren Österreichische<br />

Post, Salesforce, Sintra Consulting,<br />

Google & Mastercard sowie den Gold-Partnern<br />

Bluecode, Coeo, CRIF, DHL, Fiege, LINK<br />

Mobility, MyFlexbox, Nexi, OÖ Nachrichten,<br />

Visa und Zalando Connected Retail.<br />

(RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S20<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Ausgaben im Onlinehandel<br />

wachsen um<br />

+8% und knacken<br />

10 Mrd. Euro Marke<br />

eCommerce Studie Österreich: Renommierteste<br />

Studie des österreichischen Onlinehandels<br />

mit 10-Jahresvergleich. Handyshopping<br />

wächst mit +20% weiterhin dynamisch.<br />

Retourenquote bei Mode sinkt auf 43%.<br />

BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Die brandneue 13. Ausgabe der<br />

bundesweiten "eCommerce Studie<br />

Österreich" des Handelsverbandes<br />

in Kooperation mit der KMU<br />

Forschung Austria zeigt unerwartete Pandemie-<br />

und inflationsbedingte Veränderungen:<br />

ein neues Allzeit-Ausgabenhoch im Onlinehandel,<br />

einen signifikanten negativen Zusammenhang<br />

zwischen ökologischem Bewusstsein<br />

und Einkauf im ausländischen Distanzhandel,<br />

ein dynamisches Wachstum im Mobile<br />

Commerce sowie Stagnation bei Voice<br />

Commerce.<br />

Online-Shopping wächst moderat um +8%,<br />

Auslandsabfluss sinkt minimal von 55% auf 54%<br />

"Die österreichischen eCommerce-Ausgaben<br />

sind bis Ende April <strong>2022</strong> im Vorjahresvergleich<br />

um acht Prozent gewachsen und<br />

knacken damit erstmals die 10 Milliarden<br />

Euro Marke. Der relative Zuwachs hat sich<br />

allerdings zuletzt deutlich reduziert. Von den<br />

10,4 Milliarden Euro Onlineumsatz entfallen<br />

bereits 2,4 Milliarden auf den Mobile Commerce<br />

– der rapide um 20 Prozent zulegen<br />

konnte", kommentiert Rainer Will, Geschäftsführer<br />

des Handelsverbandes, die zentralen<br />

Ergebnisse der Studie. Vor allem das Smartphone-Shopping<br />

zeigt das geänderte Kaufverhalten<br />

und ist so beliebt wie nie zuvor. Die<br />

heimischen Webshops profitieren vom wachsenden<br />

Markt allerdings nur begrenzt, da mehr<br />

als jeder Zweite im Online-Ausland bestellt.<br />

Durch diesen milliardenschweren Kaufkraftabfluss<br />

finanzieren unsere Konsumentinnen<br />

und Konsumenten bis zu 30.000 Arbeitsplätze<br />

außerhalb Österreichs. Immerhin sinkt die Auslandsabfluss-Quote<br />

im Vergleich zum Vorjahr<br />

minimal von 55% auf 54%.


Top-Warengruppen im Distanzhandel:<br />

Bekleidung, Elektro & Möbel<br />

"<strong>2022</strong> erledigen bereits 76% bzw. rund 5,8 Millionen<br />

Österreicherinnen und Österreicher ihre<br />

Einkäufe im Distanzhandel. Die Top-Warengruppen<br />

sind heuer Bekleidung mit 2,1 Milliarden,<br />

Elektrogeräte mit 1,4 Milliarden und<br />

Möbel mit 0,9 Milliarden Euro Umsatz", erklärt<br />

Studienleiter Wolfgang Ziniel, Senior Researcher<br />

bei der KMU Forschung Austria. Spannend:<br />

Die stärksten Ausgabenzuwächse verzeichnen<br />

<strong>2022</strong> die Sektoren Einrichtung mit +13%, Computer<br />

mit +9% sowie Elektronikgeräte mit +8%.<br />

Retourenquote bei Bekleidung sinkt<br />

von 47% auf 43%<br />

"Rund 14 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben<br />

der österreichischen Privathaushalte<br />

fließen bereits in den Onlinehandel, ein<br />

neuer Höchstwert. Im Schnitt gibt jede Kundin<br />

und jeder Kunde bereits 1.930 Euro pro Jahr<br />

im Distanzhandel aus", sagt Harald Gutschi,<br />

UNITO-Geschäftsführer sowie Vizepräsident<br />

des Handelsverbandes und Leiter der Plattform<br />

"eCommerce, Marktplätze & Versandhandel".<br />

Einen deutlichen Rückgang<br />

verzeichnet heuer die Retourenquote bei<br />

Bekleidung. 2021 retournierten noch 47%<br />

der Distanzhandelskäufer:innen zumindest<br />

einen Teil der bestellen Mode, <strong>2022</strong> sind es<br />

43%. Auch bei Schuhen geht die Retourenquote<br />

von 30% auf 25% signifikant zurück. "Die<br />

Gründe sinkender Retouren liegen in besseren<br />

Produktdaten und Beschreibungen, im nachhaltigeren<br />

Kundenverhalten, in schnellerer<br />

Lieferung und ehrlicheren Lieferinformationen,<br />

in der Digitalisierung aller Geschäftsprozesse<br />

inklusive Nutzung der App und im<br />

aktiven Auswahlprozess von Bestellungen vor<br />

dem Bildschirm", ist Gutschi überzeugt.<br />

Stagnation für Voice Commerce: Sprachassistenten<br />

bleiben ein Nischenprogramm<br />

Der in den letzten Jahren medial gehypte<br />

Voice Commerce hat in Österreich hingegen<br />

weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen<br />

und konnte zuletzt kaum zulegen: "16 Prozent<br />

der heimischen Verbraucherinnen und Verbraucher<br />

nutzen internetbasierte persönliche<br />

Assistenten wie Amazon Echo oder Google<br />

Home. Allerdings verwenden nur 60.000 Menschen<br />

Alexa & Co. für Bestellungen im Onlinehandel.<br />

Die Sprachassistenten bleiben<br />

beim tatsächlichen Kaufabschluss zwar ein<br />

Nischenprogramm, jedoch darf der Grad<br />

der Beeinflussung vor der Kaufentscheidung<br />

durch personalisierte Werbung und technisch<br />

immer versiertere Sprachassistenten im<br />

höchstpersönlichen Umfeld nicht unterschätzt<br />

werden.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S22<br />

Trend zu Regionalität & Ökologie auch beim<br />

Online-Einkauf<br />

Umweltbewusstes, nachhaltiges Einkaufsverhalten<br />

wird auch im eCommerce immer mehr<br />

zum Thema. Die heimischen Online-Käufer<br />

achten vor allem auf Regionalität und kurze<br />

Lieferwege, sie entscheiden sich bei zwei<br />

gleichwertigen Produkten für das umweltfreundlichere<br />

Angebot.<br />

"Das ökologische Bewusstsein spiegelt sich<br />

zwar nicht in der Häufigkeit der Online-Einkäufe<br />

oder bei der Höhe der Ausgaben für Internet-<br />

Einkäufe wider, ist aber eindeutig bei den<br />

Shopping-Aktivitäten im Distanzhandel außerhalb<br />

Österreichs zu beobachten. Je wichtiger<br />

den Kunden Regionalität und Nachhaltigkeit<br />

ist, desto weniger kaufen sie im ausländischen<br />

Onlinehandel ein und desto stärker bevorzugen<br />

sie heimische Händler", bestätigt Rainer<br />

Will.<br />

Über die Studie<br />

Die "eCommerce Studie Österreich - Konsumentenverhalten<br />

im Distanzhandel" wird<br />

jährlich von der Plattform "eCommerce,<br />

Marktplätze & Versandhandel" des Handelsverbands<br />

bei der KMU Forschung Austria in<br />

Auftrag gegeben. Im Mittelpunkt der Studie<br />

stehen Fragestellung zu Ausgaben im österreichischen<br />

eCommerce, Verteilung nach Bestellkanälen,<br />

Warengruppen, Bezahlformen,<br />

Retouren etc.<br />

Methode: Die Ergebnisse der Studie basieren<br />

für jeden Analysezeitraum auf einer umfangreichen,<br />

telefonischen Befragung von 1.100<br />

Österreicher (ab 15 Jahren), auf Basis eines<br />

standardisierten Fragebogens mit geschlossenen<br />

Fragen. Die Stichprobenziehung erfolgt<br />

im Quotenverfahren nach Geschlecht, Alter,<br />

Bundesland – repräsentativ für die österreichische<br />

Bevölkerung ab 15 Jahre. Die Feldphase<br />

dauerte von Mai 2021 bis April <strong>2022</strong>. (GK)<br />

Kosten der Studie:<br />

Mitglieder Plattform<br />

Versandhandel & E-Commerce: kostenfrei<br />

Mitglieder & Partner des<br />

Handelsverbands: € 149,-<br />

Sonstige Unternehmen: € 299<br />

LOGISTIK<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S24<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Sektorspezifischer<br />

Datenschutz für<br />

Warenzustellung<br />

Verhaltensregeln für Postdiensteanbieter um<br />

Bereich des Datenschutzes.<br />

GASTBEITRAG: LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />

Die fortschreitende Digitalisierung<br />

des modernen Handels und die<br />

damit verbundene Warenzustellung<br />

hat zur Harmonisierung der<br />

Datenformate geführt. Neben einer eindeutigen<br />

Kennzeichnung der Sendungen beinhaltet<br />

das auch den verpflichtenden Vorabaustausch<br />

von Daten zu den Einzelhandelswaren<br />

in den Warensendungen mit der Zustelldiensten,<br />

sowie den Betreibern von unbeaufsichtigten<br />

An- und Abgabeeinrichtungen.<br />

Die Harmonisierung der Daten zu jeder Warensendung<br />

ist in der EU seit dem 1. Juli 2021<br />

umgesetzt. Daten zu den Sendungen, die<br />

zwischen Postbetreibern im grenzüberschreitenden<br />

Postverkehr ausgetauscht werden,<br />

müssen bereits seit 1.1.2021 weltweit normierten<br />

Spezifikationen folgen. Das europäische<br />

EU-Zolldatenmodell folgt dem globalen Postdatenmodell<br />

des Weltpostvereins und gilt für<br />

alle Post-, Kurier-, Express- und Paketzustellbetreiber.<br />

Die beschriebenen Daten sind in der Regel Daten,<br />

die dem Regelungsbereich der DSGVO<br />

unterworfen sind. Personenbezogene Daten<br />

fließen nahtlos durch Warenwirtschaftsketten,<br />

einschließlich des EU-weiten Datenaustausches<br />

mit Behörden und Unternehmen.<br />

Genauso wie jetzt im Bereich der Postsendungszustellung,<br />

wird das Teilen der Daten<br />

die Regel und bleibt nicht die Ausnahme.<br />

Selbstregulierung über Verhaltensregeln nach<br />

Artikel 40 DSGVO<br />

Verhaltensregeln („Codes of conduct“) gemäß<br />

Art. 40 DSGVO bieten eine Methode zur<br />

Selbstregulierung, um Rechtsunsicherheiten im<br />

Zusammenhang mit der DSGVO und der Verarbeitung<br />

personenbezogener Daten innerhalb<br />

des Postmarktes zu beseitigen. Verhaltensregeln<br />

stellen Leitlinien einer guten Datenschutzpraxis<br />

dar und sollen die datenschutzrechtliche<br />

Verhaltensweise von Verantwortlichen<br />

und Auftragsverarbeiter standardisieren.<br />

Die Ausarbeitung von Verhaltensregeln soll<br />

vor allem den besonderen Bedürfnissen von<br />

Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittleren<br />

Unternehmen dienen, die Daten zur Zustellung<br />

von Sendungen vorab übernehmen<br />

und nach den individuellen Präferenzen der<br />

Konsumenten Warensendungen, etwa auch<br />

in unbeaufsichtigte Abgabeeinrichtungen,<br />

zustellen. Dabei sind die Zustelldaten (die bei<br />

Warensendungen auch Daten über den Inhalt<br />

und den Wert der Sendungen umfassen)<br />

10 Jahre aufzuheben.<br />

Normung von Verhaltensregeln bei Austrian<br />

Standards<br />

Als Grundlage hierfür wurde ein Projektantrag<br />

zur Erarbeitung einer ÖNORM S 2691 "Postalische<br />

Dienstleistungen – Verhaltensregeln für<br />

Postdiensteanbieter im Bereich des Datenschutzes"<br />

im Komitee 269 "Nachhaltige Städte<br />

und Gemeinden eingebracht. Der Projektantrag<br />

liegt seit kurzem zur Prüfung und Stellungnahme<br />

im Normen-Entwurf-Portal von Austrian<br />

Standards vor.<br />

Als internationales Netzwerk logistic-natives<br />

e.V. arbeitet an dieser Thematik aktiv mit und<br />

hat ein Positionspapier dazu entworfen. Wer<br />

Interesse an der Thematik oder an einer Gestaltung<br />

der Zukunft des Marktes hat, meldet<br />

sich bei Florian.Seikel@logistic-natives.com<br />

oder bei Walter.Trezek@logistic-natives.com.


NEUER JOB<br />

gesucht?<br />

https://network.logistik-express.com<br />

UNSER JOBSERVICE


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S26<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Messbarer<br />

ökologischer Fußabdruck<br />

macht Paketsendungen<br />

nachhaltig<br />

GASTBEITRAG: LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />

Über vierhundert Millionen Kurier-, Express-<br />

und Paketsendungen (KEP)<br />

werden in Österreich <strong>2022</strong> zugestellt,<br />

gut zehn Prozent mehr als im Jahr<br />

davor. Eine große Herausforderung für die Logistikbranche,<br />

denn auch das Bewusstsein der<br />

Kund*innen für die Gefahren des Klimawandels<br />

ist gewachsen. Gefordert wird Nachhaltigkeit<br />

beim Transport der Sendungen. Die Methodiken<br />

zur Berechnung und Ausweisung von<br />

Treibhausgas-Emissionen und Luftschadstoffen<br />

bei der Paketbeförderung sind dabei eine<br />

wichtige Grundlage zur Umsetzung und zum<br />

Nachweis des Einhaltens der Klimaschutzziele.<br />

Digitalisierung ermöglicht Ökologisierung<br />

Der digital gestützte Einzelhandel mit seinen<br />

Konsument*innen und dessen Zustellung in<br />

Form von Paketsendungen ermöglicht erst<br />

die Ökologisierung. Daten zu jedem Paket,<br />

zu dessen Inhalt sowie Verpackung werden<br />

digital gesammelt und verknüpft mit Informationen<br />

zu Annahme, Transport, Fracht, Lager,<br />

Depots sowie Abgabe der Paketsendungen.<br />

Die dazu notwendigen Grundlagen werden<br />

in der europäischen und weltweiten Normung<br />

erarbeitet.<br />

Mit OSCAR (Online Solution for Carbon Analysis<br />

and Reporting) haben die 192 Mitgliedsstaaten<br />

des Weltpostvereins (Sonderorganisation<br />

der Vereinten Nationen) ein sektorspezifisches<br />

Mess- und Berichtswesen zur Darstellung<br />

des ökologischen Fußabdrucks von Warensendungen<br />

entwickelt. Über eine interaktive<br />

Online-Plattform können Postunternehmen,<br />

und bald auch Versender weltweit, in über<br />

den Weltpostverein ihre Treibhausgasemissionen<br />

analysieren, melden sowie Möglichkeiten<br />

zur Verringerung der Treibhausgasemissionen<br />

identifizieren. So findet eine Ende-zu-Ende<br />

Messung auf Einzelsendungsebene statt: lokal,<br />

regional und weltweit.<br />

Normung als Grundlage der<br />

Geschäftstätigkeit<br />

Nachhaltigkeitsberichte und Nachweise folgen<br />

gesetzlichen und normativen Vorgaben.<br />

OSCAR basiert z. B. auf der Messmethodik des<br />

Greenhouse Gas-Protokolls und ist ebenso mit<br />

der internationalen Norm ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme<br />

sowie der Global<br />

Reporting Initiative abgestimmt. Normen ermöglichen<br />

dabei Zertifizierungen und Audits,<br />

aber auch politische Lenkungsmaßnahmen,<br />

wie z. B. Förderungen, Quotenregistrierung<br />

und Re-finanzierung.<br />

Für die Wirtschaftsbeteiligten ist es bei der fortschreitenden<br />

Digitalisierung und Ökologisierung<br />

des Einzelhandels entscheidend genau<br />

zu wissen, wie Datenstrukturen und Prozesse<br />

miteinander Hand in Hand funktionieren. Dies<br />

basiert auf österreichischen, europäischen<br />

und internationalen Normen.<br />

„Leuchtturmbeispiel“ von Normung<br />

für Konsumenten<br />

Mit verbindlichen, postsektorspezifischen Messnormen<br />

zum ökologischen Fußabdruck in der


Paketzustellung kann die CO²- oder THG- Belastung<br />

pro Paketsendung dargestellt werden.<br />

Wettbewerber werden diese verbindliche<br />

Norm nutzen, um sich von ihren Konkurrenten<br />

abzugrenzen. Auch die EU-Kommission unterstützt<br />

die Harmonisierung des unionsweiten<br />

ökologischen Zustellmarktes auf Basis der Postdienste-Richtlinie<br />

durch ein fünftes Mandat an<br />

die europäische Normungsorganisation CEN.<br />

Als Grundlage hierfür wurde die Europäischen<br />

Norm ÖNORM EN 17837 "Ökologischer Fußabdruck<br />

der Paketzustellung - Methodik zur Berechnung<br />

und Deklaration von THG-Emissionen<br />

und Luftschadstoffen von Paketlogistik-Zustelldiensten"<br />

erarbeitet. Der Norm-Entwurf liegt<br />

seit kurzem zur Prüfung und Stellungnahme im<br />

Normen-Entwurf-Portal von Austrian Standards<br />

vor. Nach Erscheinen wird die Norm nach den<br />

Vorgaben des Unionsrechts im Amtsblatt der<br />

EU-Kommission als „Stand der Technik“ für den<br />

Postmarkt der EU veröffentlicht.<br />

CO² und THG-Emission Messnormen als Grundlage<br />

eines verbindlichen Berichtswesens<br />

Die normierte Ende-zu-Ende Messung auf Einzelsendungsebene,<br />

gestützt auf ein lokal, regional<br />

und weltweit verankertes Berichtswesen<br />

von 192 Staaten wird die Einzelhandelswarenzustellung<br />

nachhaltig und transparenter machen.<br />

Jene, die allerdings nicht über die notwendigen<br />

Daten, Nachweise oder Berichte<br />

verfügen, oder aber Transport- und Zustelllösungen<br />

einsetzen die mäßig oder nicht den<br />

Vorgaben einer nachhaltigen Zustellung entsprechen,<br />

werden mit entsprechenden Steuerungsmaßnahmen<br />

rechnen müssen. (RED)<br />

Wer weitere Details über das Thema erfahren<br />

möchte oder aktiv an der Ausgestaltung der<br />

Zukunft mitarbeiten möchte, wendet sich bitte<br />

an Florian.Seikel@logistic-natives.com oder an<br />

Walter.Trezek@logistic-natives.com.<br />

logistic-natives e.V.,


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S28<br />

INTRALOGISTIK<br />

Digitalisierung macht<br />

die Lieferketten fit:<br />

Planungssicherheit als<br />

Schlüssel zum Erfolg<br />

Kaum ein Tag der letzten zwei Jahre verging<br />

ohne Störungen in der Lieferkette, aktuelle Entwicklungen<br />

lassen darauf schließen, dass das<br />

noch länger so bleibt. Unter dem neuen Motto<br />

#bringiton möchte Dematic den Kunden<br />

signalisieren, dass sie Lösungen für die intralogistischen<br />

Herausforderungen parat hat –<br />

um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu<br />

sichern. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Der Markt und das Verbraucherverhalten<br />

haben sich grundlegend<br />

verändert. Ginge es nach dem<br />

Ideal der Onlineshopper, würde<br />

schon wenige Sekunden nach dem Klick der<br />

Postbote klingeln. Das ist natürlich utopisch,<br />

aber same-day-delivery ist durchaus bereits<br />

ein Thema. Die Grundlage dafür bietet eine<br />

Hochleistungslogistik: intelligente Logistiksoftware,<br />

präzise Intralogistik und skalierbare<br />

Systeme von Dematic unterstützen dabei,<br />

Kundenbedürfnisse zu antizipieren und so die<br />

Voraussetzungen dafür zu schaffen, auf was<br />

es wirklich ankommt: ein zufriedenstellendes<br />

Kundenerlebnis. Das umfasst beispielsweise<br />

auch einfache Rücksendemöglichkeiten und<br />

– ganz wichtig – fehlerfreie Lieferungen zur<br />

richtigen Zeit am richtigen Ort.<br />

Skalierbarkeit für Nachfrageschwankungen<br />

Oftmals ist es schwer, exakte Prognosen für<br />

den Erfolg eines Produktes zu erstellen. In<br />

Zeiten von Social Media und Influencern kann<br />

beispielsweise ein Kleidungsstück oder Dekorationsartikel<br />

plötzlich extreme Popularität erlangen.<br />

Die intelligente Managementsoftware<br />

von Dematic erlaubt die rasche und präzise<br />

Auftragsbearbeitung. Die Systeme erkennen,<br />

wie stark verschiedene Artikel nachgefragt<br />

werden. Dementsprechend lassen sich die Lager-Stellplätze<br />

dynamisch vergeben, um die<br />

vorhandene Infrastruktur stets optimal auszulasten.<br />

Die skalierbaren Systeme wie der Dematic<br />

Pouch Sorter ermöglichen maximale Flexibilität<br />

und Präzision. Die intelligente Software<br />

bietet Echtzeit-Information über den jeweiligen<br />

Produktstandort, damit die Kunden so


schnell wie möglich beliefert werden können.<br />

Darüber hinaus ist natürlich auch ein effektives<br />

Retourenmanagement möglich.<br />

Digitalisierungspotential voll ausschöpfen<br />

Um ein tieferes Verständnis für die Marktbedürfnisse<br />

zu bekommen, hat Dematic umfangreiche<br />

Befragungen und Analysen durchgeführt.<br />

„Die Digitalisierung birgt enormes<br />

Potenzial für unsere Kundinnen und Kunden,<br />

vor allem daten- und cloudbasierter Lösungen<br />

gewinnen an Wichtigkeit. Unser Ziel ist es,<br />

die Lieferketten durch intelligente Software<br />

und transparente Datenpunkte zukunftsfit zu<br />

machen“, erklärt Bernard Biolchini, Executive<br />

Vice President EMEA bei Dematic. „Datentransparenz<br />

ist zudem der Schlüssel zu einer<br />

weiteren Gelegenheit: dem Einhalten von Lieferfristen<br />

durch das Schaffen robuster Lieferketten.<br />

Zu wissen, welche Bestellung sich wo<br />

befindet, und das zu jedem Zeitpunkt, ist ein<br />

zentraler Baustein erfolgreicher Unternehmen<br />

im E-Commerce.“ Durch die Verbindung aller<br />

Punkte in der Lieferkette wird das digitale<br />

Umfeld optimiert. Mit Hilfe von Softwarelösungen<br />

werden Daten sichtbar, transparent und<br />

agil gemacht. Das Ergebnis: ein vollständiges<br />

Bild über die Lieferketten bei gleichzeitig steter<br />

Kontrolle über alle Prozesse. „Nur mithilfe<br />

der perfekten Nutzung der Digitalisierung<br />

und Konnektivität lassen sich E-Commerce<br />

und Online-Shopping in der von den Kundinnen<br />

und Kunden erwarteten Art und Weise<br />

realisieren“, weiß Biolchini. Durch eine nahtlose<br />

Verflechtung der Lieferketten kann ein<br />

konsistentes Kundenerlebnis erreicht werden.<br />

Parallel zu den Wünschen der Kunden müssen<br />

auch Agilität und Datenqualität steigen.<br />

Informationen über Bestellgewohnheiten sind<br />

ebenso wichtige Faktoren wie das Feedback<br />

der Kunden. „Unsere Softwarelösungen sind in<br />

der Lage, genau das zu tun – indem sie alle<br />

Punkte Ihres Ökosystems miteinander verbinden.<br />

Somit werden die Teile Ihrer Lieferketten zu<br />

einer perfekt synchronisierten Symphonie mit<br />

einem allwissenden Dirigenten zusammengeführt“<br />

so Biolchini. Dematic Insights hilft bei der<br />

Auswertung und Nutzung des vorliegenden<br />

Datenschatzes, um Potenziale zu erkennen.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S30<br />

Dematic stellt alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung,<br />

um Trends frühzeitig zu erkennen und<br />

Prognosen zu erstellen.<br />

Maximale Investitionssicherheit<br />

Ein volatiles Umfeld, steigende Kosten und<br />

die Nachwehen der Pandemie sind nur ein<br />

paar der Gründe, warum langfristige Investitionssicherheit<br />

eine extrem wichtige Rolle bei<br />

der Planung von Intralogistikprojekten spielt.<br />

Darum setzt Dematic zur Ausarbeitung dieser<br />

Lösungen auf ein breit gefächertes Portfolio<br />

aus Intralogistik-Hard- und –Software zur Stabilisierung<br />

der Supply Chain, um damit eine<br />

tragfähige Grundlage für die Abwicklung<br />

der Geschäfte zu schaffen – gerade, wenn<br />

volatile Märkte wenig Spielraum für Fehler<br />

lassen. Dank ihrer Skalierbarkeit bieten die<br />

zuverlässigen Lösungen von Dematic hohe<br />

Investitionssicherheit. Die Systeme sind allesamt<br />

so konzipiert, dass man die Abläufe nie<br />

aus den Augen verliert und trotzdem bei den<br />

Gesamtbetriebskosten spart. Dabei helfen<br />

auch Energierückgewinnungssysteme und<br />

umfassende Stand-by-Modi, wichtige Punkte<br />

im Bereich Nachhaltigkeit. Ebenso relevant:<br />

mit umfassenden After-Sales-Angebot begleitet<br />

Dematic den Anlagenbetreiber über die<br />

gesamte Lebensdauer der Lösung – bei voller<br />

Kostenkontrolle.<br />

Automatisierung gegen Arbeitskräfte- und<br />

Platzmangel<br />

Ob man es möchte oder nicht, angesichts<br />

immer mehr offener Stellen im Lager-<br />

und Logistikbereich kommt man um<br />

das Thema Automatisierung nicht herum.<br />

Saisonale Spitzen tun dann ihr übriges, die<br />

Prozesse im Lager unter Druck zu setzen.<br />

Die unterschiedlichen Hard- und Softwarelösungen<br />

von Dematic helfen dabei, die<br />

Möglichkeiten gegebener Logistikinfrastrukturen<br />

besser auszuschöpfen. Ein nahtloser, sich<br />

selbst erhaltender Prozess bietet eine zuverlässige<br />

Basis für den Betrieb. Mittels Automatisierung<br />

werden im Optimalfall alle arbeitsintensiven,<br />

zeitaufwändigen manuellen Prozesse<br />

eliminiert, die Effizienz verbessert. Nicht zu vergessen:<br />

auch das Platzangebot kann maximal<br />

ausgenutzt werden. Dies ist besonders bei<br />

Projekten im Bereich City-Logistik relevant,<br />

denn bei Urban Warehouses und Micro-Hubs<br />

bedeutet jeder Zentimeter mehr auch höhere<br />

Betriebskosten. Die aufeinander abgestimmten<br />

Hard- und Softwarelösungen von Dematic<br />

lassen sich in bestehende Systeme integrieren.<br />

Micro-Fulfillment-Lösungen, wie etwa das<br />

automatische Kleinteilelager- und Kommissioniersystem<br />

Autostore (Dematic ist hier Distributionspartner)<br />

maximieren die Effizienz durch<br />

ihre hohe Lagerdichte.<br />

Mit AMR, FTS und automatischen Kommissionierstationen<br />

schafft man die Voraussetzungen<br />

für einen vollautomatischen Materialfluss<br />

– der in wenigen Wochen geplant und umgesetzt<br />

werden kann. Biolchini: „Eine State-of-the-Art-Automatisierungslösung<br />

ist heutzutage<br />

kein Mittel zum Selbstzweck. Vielmehr<br />

bietet sie das Potenzial, die mit der Geschäftstätigkeit<br />

verbundenen Aufgaben noch besser<br />

zu erledigen. Ein Potenzial, das darauf wartet,<br />

erschlossen zu werden; quasi der verborgene<br />

Schatz der operativen Exzellenz.“<br />

Drohnentechnologie auf dem Vormarsch<br />

Auf der LogiMAT <strong>2022</strong> präsentierte Dematic<br />

einen neuen Service zur visuellen Inspektion<br />

intralogistischer Anlagen der Öffentlichkeit:<br />

Dematic Drone Inspection Services. Durch<br />

den Einsatz von Drohnen werden der Zeit- und<br />

Arbeitsaufwand für die Wartung stark reduziert<br />

– und das ganz ohne Qualitätsverlust. Die<br />

regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen und<br />

Sichtkontrollen können so bequem und gefahrlos<br />

vom Boden aus durchgeführt werden.<br />

Die Drohnen verfügen über hochauflösende<br />

Kameras und <strong>LE</strong>D-Scheinwerfer, der Servicetechniker<br />

kann daher alles genau überprüfen<br />

– live oder im Nachhinein. Bonus: die<br />

Standzeit der Anlage wird deutlich reduziert.<br />

(AG)


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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S32<br />

Fluxus Solutions Logimat Team<br />

INTRALOGISTIK<br />

Mit Qualität und<br />

Individualität gegen<br />

den Einheitsbrei<br />

Während einer Pandemie ein Unternehmen<br />

zu gründen, kann in die Hose gehen<br />

– oder aber ein richtiger Erfolg werden.<br />

Wie im Falle von Fluxus Solutions: das junge<br />

Unternehmen hat gerade erfolgreich ein<br />

Logistikprojekt für die DSV (Deutsche Saatveredelung<br />

AG) umgesetzt und ist bereit, sich<br />

einen größeren Teil vom Kuchen zu holen.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

Anbieter von Lagersystemen gibt<br />

es wie Sand am Meer. Warum<br />

dann das Risiko eingehen? „Das<br />

Unternehmen, in dem ich früher<br />

gearbeitet habe, wurde von einem Konzern<br />

übernommen und strategisch neu ausgerichtet<br />

– allerdings konnte ich mich damit nicht<br />

mehr identifizieren. Mit zwei meiner Kollegen<br />

hatte ich schon früher über die Gründung<br />

eines eigenen Unternehmens gescherzt. Nach<br />

dem ersten Lockdown haben wir uns dann<br />

aber tatsächlich zusammengesetzt, einen<br />

Businessplan erstellt, das Risiko bewertet – und<br />

den Schritt gewagt“, erklärt Dominik Neppe,<br />

geschäftsführender Gesellschafter und Gründungsmitglied<br />

der Fluxus Solutions GmbH.<br />

Gemeinsam mit seinen langjährigen Wegbegleitern<br />

Gereon Fleck und Jon-Richard<br />

Schmitt, die ähnliche Vorstellungen von hochwertigen,<br />

effizienten Lagersystemen haben.<br />

Der Marktstart fiel mit 4.1.2021 mitten in die<br />

Corona-Pandemie, trotzdem konnte schon im<br />

ersten Jahr ein Gewinn erzielt werden.<br />

Eines für alle<br />

Das bisherige Kompaktlagersystem der DSV<br />

konnte die Aufgabenstellung nicht erfüllen:<br />

die Einlagerung unterschiedlicher Ladungsträger<br />

– meist Euro-, Industrie- und CP-Paletten<br />

mit unterschiedlichen Beladungen, z.B. Sackware<br />

oder Big Bags –in ein dynamisches Blocklager.<br />

Ein herkömmliches Durchlauf- oder Einschubregal<br />

ist damit überfordert – nicht aber<br />

das FXS Dynamics TSS-System von Fluxus. Bei<br />

diesem verschleißarmen Paletten-Einschubregal<br />

(Carrier Push Back) werden Paletten<br />

(egal welcher Qualität) auf robusten, mit


Rädern versehenen Schlitten abgesetzt, wodurch<br />

die Einlagerung der unterschiedlichsten<br />

Ladungsträger (Paletten) gewährleistet ist. Das<br />

Teleskop-Schlittensystem mit Last in – First out<br />

(LiFo) Prinzip arbeitet mit einer Neigung von<br />

2% und macht sich die Schwerkraft zunutze,<br />

wodurch gleichzeitig Energie eingespart wird.<br />

„Im Gegensatz zu anderen Anbietern von TSS<br />

können wir bis zu 9 Paletten pro Kanal realisieren.<br />

Das bedeutet eine bis zu 225 % höhere<br />

Ausnutzung der vorhandenen Lagerfläche im<br />

Vergleich zu einem konventionellen statischen<br />

Palettenregal“ freut sich Neppe. Durch die<br />

kürzeren Wege für die Flurförderzeuge leistet<br />

das TSS einen weiteren Beitrag zur Ökobilanz<br />

der Anlage. „Nach einer Präsentation vor Ort<br />

anhand einer Testanlage war der Kunde überzeugt<br />

und wir erhielten den Zuschlag“, freut<br />

sich Neppe über die gelungene Umsetzung.<br />

Diese Individualisierungsmöglichkeit ist ein<br />

großer Vorteil.“ Diesen Vorteil wissen auch<br />

namhafte Systemintegratoren und Wiederverkäufer<br />

zu schätzen, die bereits auf Fluxus vertrauen.<br />

„Wir hatten Bedenken, ob große Player<br />

einem neuen Unternehmen ihr Vertrauen<br />

schenken würden, aber wir sind super aufgenommen<br />

worden“, so Neppe, zurecht stolz.<br />

Aktuell sind bereits weitere große Projekte in<br />

Planung, man darf gespannt sein. (AG)<br />

Partner für Systemintegratoren<br />

Das TSS-System, das sich übrigens hervorragend<br />

für die Pharma- und Chemieindustrie<br />

eignet, ist nicht das einzige Steckenpferd des<br />

Jungunternehmens. Zum Sortiment zählen<br />

auch andere Einschub-, Durchlauf-, Shuttleund<br />

Karton-Durchlaufregalsysteme. Neppe:<br />

„Wir sind kein Billigheimer, sondern produzieren<br />

Qualität. Aufgrund unserer Fertigungsart<br />

können wir flexibel und individuell auf die jeweilige<br />

Situation eingehen und unsere Kunden<br />

beraten. Da unser Vertrieb gleichzeitig das<br />

Produkt designt hat, kann sofort eingeschätzt<br />

werden, was technisch möglich ist und was<br />

nicht. Dann wird das Produkt den Kundenprozessen<br />

angepasst – beispielsweise durch einen<br />

stärkeren Rahmen oder mehr Bremsrollen.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S34<br />

INTRALOGISTIK<br />

Ein Unternehmen<br />

kann man nicht allein<br />

mit Technologie führen<br />

ProGlove CEO Andreas König glaubt fest an<br />

den Wert der menschlichen Arbeitskraft. Kürzlich<br />

nahm er an der Podiumsdiskussion des<br />

Weltwirtschaftsforums „The Augmented Workforce<br />

Experience“ teil. In diesem Kommentar<br />

teilt er einige seiner Erkenntnisse und skizziert<br />

einen Weg zur bestmöglichen Zusammenarbeit<br />

zwischen Mensch und Maschine.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Derzeit sehen wir uns mit vielen<br />

Herausforderungen konfrontiert. Im<br />

anglo-amerikanischen Raum grassiert<br />

aktuell eine Kündigungswelle<br />

unter dem Schlagwort „The Great Resignation“.<br />

Dazu kommen der globale Arbeitskräftemangel<br />

und die nicht enden wollenden Unterbrechungen<br />

der globalen Lieferketten. Und<br />

dennoch scheint es, als wollte man vielerorts<br />

einen unserer größten Fehler wiederholen, indem<br />

man beim Einsatz von Technologie die<br />

menschlichen Arbeitskräfte vergisst.<br />

Robotik, künstliche Intelligenz und Automatisierung<br />

sind Geschenke, aber wenn wir sie<br />

unseren Unternehmen einfach überstülpen,<br />

vergeben wir damit einen Großteil der möglichen<br />

Ernte. Stattdessen leisten wir ihrer Verteu-<br />

Andreas König steht seit Dezember 2018 als<br />

CEO an der Spitze von ProGlove. Vor seinem<br />

Engagement bei dem Münchener Unternehmen<br />

war König als CEO beim schwäbischen<br />

‚Einhorn‘ TeamViewer tätig. Dort steigerte<br />

er gemeinsam mit seinem Team nicht<br />

nur die Zahl der Installationen auf über 1,5<br />

Milliarden, sondern erhöhte auch den Kreis<br />

der Nutzer auf 400 Millionen. Zuvor führte der<br />

gebürtige Österreicher als CEO das Zepter<br />

bei der Swisscom IT Services AG, wo er zwei<br />

Geschäftseinheiten mit über 4.500 Mitarbeitern<br />

integrierte. Davor zeichnete König<br />

als Senior Vice President und General Manager<br />

EMEA bei NetApp verantwortlich.<br />

Unter seiner Führung gelang dem Speicherspezialisten<br />

ein makelloser Auf- und Ausbau<br />

des Unternehmens am europäischen Markt.<br />

Insgesamt kann König auf mehr als 20 Jahre<br />

Managementerfahrung zurückblicken.


felung Vorschub. Um es klar zu sagen: In<br />

der heutigen Welt sind vollautomatisierte<br />

Arbeitsabläufe eher Science Fiction<br />

denn Realität. Diese Technologien sind<br />

mit einer Reihe von kritischen Einschränkungen<br />

und Grenzen verbunden. Weit<br />

sinnvoller wäre es, sie als Ergänzung und<br />

damit als Unterstützung für die Mitarbeiter<br />

zu betrachten. Dazu muss man Vertrauen<br />

schaffen, den Mitarbeitern zuhören<br />

und den Wert ihrer tagtäglichen<br />

Leistung buchstäblich wertschätzen.<br />

Denn andernfalls werden wir am Ende<br />

einen hohen Preis zahlen.<br />

Während meiner Teilnahme am Podium<br />

des Weltwirtschaftsforums „The Augmented<br />

Workforce Experience“ erfuhr<br />

ich, dass allein in den USA derzeit etwa<br />

800.000 Arbeitskräfte im Bereich Produktion<br />

gesucht werden. Und in fünf Jahren<br />

wird es dort wohl drei Millionen offene<br />

Stellen im verarbeitenden Gewerbe<br />

geben. Als Faustregel kann man davon<br />

ausgehen, dass jeder Dollar, der im<br />

verarbeitenden Gewerbe ausgegeben<br />

wird, seinen Wert für die US-Wirtschaft<br />

fast verdreifacht. Ähnliches gilt sicher<br />

auch für Zentraleuropa. Dies vermittelt<br />

ein Gefühl für den Wert, der entgeht,<br />

wenn wir nicht in die Arbeitskräfte des<br />

verarbeitenden Gewerbes investieren.<br />

Versuchen Sie mal, einem Roboter etwas<br />

beizubringen<br />

Werker einfach durch Roboter zu ersetzen,<br />

ist derzeit aus einem einfachen,<br />

aber einleuchtenden Grund keine Option:<br />

Es ist schlicht nicht möglich. Versuchen<br />

Sie einmal, einem Roboter beizubringen,<br />

ein einzelnes T-Shirt aus einem<br />

Regal zu nehmen, statt des ganzen<br />

Stapels! Oder bringen Sie ihn dazu, eine<br />

spontane Lösung für einen recht einfachen<br />

Fehler zu finden, der in einer vollautomatisierten<br />

Umgebung alles zum<br />

Stillstand bringen könnte!<br />

Automatisierung ist zudem nicht einfach<br />

zu implementieren. Sie erfordert große<br />

Investitionen und ist mit hoher Komplexität<br />

verbunden. Hinzu kommt, dass das<br />

vielfach entfremdende Gerede über<br />

Automatisierung das Gefühl erzeugt,<br />

dass die menschliche Arbeit in der Fertigung<br />

keine Zukunft hat. Wer sollte sich<br />

so berufen fühlen, in der Produktion zu<br />

arbeiten? Ein derartiges Szenario kann<br />

also kaum dazu beitragen, den derzeitigen<br />

Arbeitskräftemangel zu beheben.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S36<br />

Machen wir uns nichts vor: Die menschliche<br />

Arbeitskraft ist wahrscheinlich der am meisten<br />

unterschätzte Faktor in den Werkshallen<br />

und innerhalb der globalen Lieferketten.<br />

Menschen haben nicht nur die Fähigkeit,<br />

Probleme schnell zu lösen, sie können auch<br />

sofort zusammenarbeiten und haben eine<br />

intrinsische – manchmal sogar spielerische<br />

– Motivation, zu lernen. All dies ist entscheidend<br />

für das Funktionieren von Abläufen,<br />

denn wir können Unternehmen nicht nur auf<br />

der Grundlage von Technologie führen. Anstatt<br />

uns also auf eine ziellose Technologiesuche<br />

zu begeben, sollten wir uns auf die Frage<br />

konzentrieren, wie die Mitarbeiter besser mit<br />

den sie umgebenden Maschinen bidirektional<br />

interagieren können. Wir brauchen geführte<br />

Arbeitsabläufe, die die Lücken umfassend<br />

schließen, mit denen wir derzeit noch<br />

konfrontiert sind.<br />

Die Mitarbeiter als Motor der Digitalisierung<br />

Wie aber können wir dabei vorgehen? Wir<br />

müssen uns mit unseren Mitarbeitern aus-<br />

ProGlove ist ein Technologie Pionier des<br />

Weltwirtschaftsforums und baut die kleinsten,<br />

leichtesten und widerstandsfähigsten<br />

Barcode Scanner der Welt. Die Industrie<br />

Wearables von ProGlove verbinden die<br />

Mitarbeiter in den Werkshallen mit dem Internet<br />

der Dinge. Zusammen mit der von<br />

ProGlove bereitgestellten Industry Analytics<br />

Plattform verbessern sie so das Zusammenspiel<br />

von Mensch und Maschine.<br />

Zudem fördert dies die Digitalisierung in<br />

den Fertigungsbereichen und Produktionsstätten<br />

der Industrie. Zu den Kunden von<br />

ProGlove gehören neben den bekanntesten<br />

Industriemarken Pioniere und Innovatoren<br />

aus den Bereichen Fertigung und<br />

Produktion, Logistik und Lager, Handel und<br />

E-Commerce sowie Post und Paket. An seinen<br />

Standorten in München, Chicago und<br />

Belgrad beschäftigt das 2014 gegründete<br />

Unternehmen mehr als 300 Mitarbeiter aus<br />

über 30 Ländern. Weitere Informationen<br />

stehen unter www.proglove.de bereit.<br />

einandersetzen, ihnen zuhören, sie abholen<br />

und ins Bild setzen. Wir müssen ihre Arbeitsabläufe<br />

gemeinsam mit ihnen betrachten,<br />

Papier zunehmend abschaffen und sie mit<br />

einer digitalen Umgebung verbinden. Es ist<br />

von entscheidender Bedeutung, mit ihnen zusammenzuarbeiten,<br />

um ihren Arbeitsalltag zu<br />

erleichtern, sich vielfach wiederholende Aufgaben<br />

mithilfe von Technologie zu eliminieren<br />

und – zu guter Letzt – genau die Technologie<br />

bereitzustellen, die sie benötigen. Mit anderen<br />

Worten: Wir können und sollten die Mitarbeiter<br />

in den Betrieben maximal einbinden, um die<br />

Digitalisierung in unseren Unternehmen voranzutreiben.<br />

Robotik und Automatisierung müssen die<br />

menschliche Arbeitskraft ergänzen. Daher<br />

brauchen wir „Cobots“, die an der Seite<br />

menschlicher Arbeitskräfte operieren. Sie können<br />

für Entlastung sorgen und physisch anstrengende<br />

sowie sich stets wiederholende<br />

Aufgaben weit besser erledigen. Dies erfordert<br />

natürlich auch intuitive Werkzeuge, die die<br />

Kluft zwischen beiden Welten überbrücken.<br />

Das können zum Beispiel auch Industrie Wearables<br />

sein, die den Arbeiter unterstützen und<br />

gleichzeitig die Erfassung von Datenpunkten<br />

ermöglichen, ohne ein Big-Brother-ähnliches<br />

Überwachungssystem aufzubauen.<br />

Wir müssen das ewige Technologie-Buzzword-Bingo<br />

endlich beenden. Brechen wir die<br />

geschlossenen Systeme auf, die uns nur dazu<br />

bringen, uns auf Technologien zu stürzen, die<br />

letztlich nicht hilfreich sind und zudem einen<br />

kontraproduktiven Angstfaktor erzeugen. Vielmehr<br />

sollten wir Ökosysteme aufbauen, die<br />

menschliche Arbeit fördern und die Mitarbeiter<br />

ermutigen, ihre Erfahrungen zu teilen und sich<br />

dabei an die übergeordnete Marschroute zu<br />

halten. Dies erfordert vor allem eine kulturelle<br />

Führung, die menschliche Werte in alle Prozesse<br />

einbezieht. Diese Strategie hat alle notwendigen<br />

Zutaten, um die Arbeit zu erleichtern,<br />

die Löhne anzuheben und die Produktivität zu<br />

steigern. Kurz gesagt: Die Nutzung der Technologie<br />

dient der Wirtschaft und macht die<br />

Arbeitsplätze attraktiver, die wir jetzt besetzen<br />

müssen. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S38<br />

INTRALOGISTIK<br />

SmartWatch:<br />

Die Hands-free Lösung<br />

fürs Lager<br />

Gut funktionierende Lagerprozesse sind die<br />

Grundlage einer effizienten Lagerverwaltung.<br />

Mit der SmartWatch werden die Kommissionier-<br />

und Lagerungsprozesse beschleunigt,<br />

die Fehler reduziert und die Mitarbeiter<br />

schneller eingearbeitet. Die Hands-free Abläufe<br />

steigern die Effizienz der Lagerverwaltung<br />

und die Zufriedenheit der Lagermitarbeiter.<br />

BEITRAG: SEBASTIAN KEILHACKER<br />

Der Alltag beim Kommissionieren sieht häufig<br />

so aus: Der Lagermitarbeiter nimmt einen<br />

Scanner in die Hand, scannt den Platz und<br />

das Material, legt den Scanner aus der Hand,<br />

legt das Material in den Kommissionierwagen,<br />

nimmt den Scanner in die Hand, scannt den<br />

Wagen, legt den Scanner weg, bringt den<br />

Wagen zum nächsten Platz. Für das nächste<br />

Produkt muss der Scanner wieder in die Hand<br />

genommen werden. Diese Zeiten summieren<br />

sich und werden am Ende des Tages zu Stunden.<br />

Das Kommissionieren mit Papier gestaltet<br />

sich noch langsamer und aufwändiger. Das<br />

muss nicht sein. State-of-the-Art ist handfreies<br />

Scannen. Das spart Zeit und steigert die Effizienz<br />

der Scanprozesse und damit die Wirtschaftlichkeit<br />

des Unternehmens.<br />

Was handfreies Scannen ist<br />

Unter handfreien Scanprozessen werden<br />

Scanvorgänge mit einem Handrückenscanner<br />

– oder SmartWatch – verstanden. Diese werden<br />

am Handrücken befestigt und müssen<br />

nach dem Scannen nicht aus der Hand gelegt<br />

werden. Die Vorteile dieser Lösung liegen<br />

auf der Hand: Die Effizienz im Lager steigt, die<br />

Geräte werden immer ergonomischer, die Anwender<br />

sind zufrieden.<br />

Das handfreie Scannen vereinfacht Logistikprozesse,<br />

was zu schnelleren Abläufen führt:<br />

Bei einer Kommissionierung beträgt die Zeitersparnis<br />

bis zu 40 %. Auch bei anderen Prozessen<br />

wie beispielweise der Ad-Hoc-Inventur<br />

profitiert der Mitarbeiter von der Hands-free-<br />

Lösung: Nach dem Scannen des Lagerplatzes<br />

kann er direkt mit dem Zählen beginnen<br />

ohne den Scanner zur Seite legen zu müssen.<br />

Die SmartWatch wird am Handrücken an eine<br />

Stulpe befestigt und muss nach dem Scanvorgang<br />

nicht zur Seite gelegt werden, damit der


Mitarbeiter ein Produkt in die Hand nehmen,<br />

eine Handling Unit verpacken oder den Stapler<br />

bedienen kann. Beide Hände bleiben also<br />

durchgehend frei.<br />

Die Lösung heißt SmartWatch<br />

Am Handrücken befestigt, ist der Scanner immer<br />

dabei. Kein Weglegen, kein Hantieren<br />

mit einer Hand mehr. Auch dem Arbeitsschutz<br />

werden die Geräte gerecht: Die Scanner wiegen<br />

maximal 50 Gramm und sind so groß wie<br />

eine Streichholzschachtel. Eine Ermüdung des<br />

Handgelenks ist damit ausgeschlossen und<br />

ein optimaler Tragekomfort ist auch gewährleistet.<br />

Ein Touchdisplay bildet einfache und<br />

übersichtliche Dialoge ab und lässt sich über<br />

die gut sichtbaren und großen Eingabefelder<br />

einfach bedienen. Der Scanvorgang wird<br />

durch das Betätigen des sogenannten Triggers<br />

ausgelöst: Das ist ein Knopf, der sich an<br />

der Stulpe zwischen dem Daumen und dem<br />

Zeigefinger befindet. Das Equipment ist sowohl<br />

für Rechts- als auch Linkshänder vorhanden.<br />

Die Handrückenscanner eignen sich durch die<br />

individuelle Konfiguration für viele Logistikprozesse.<br />

Am häufigsten werden sie in der Kommissionierung,<br />

Montage, Inventur und Versand<br />

eingesetzt.<br />

Die Scandialoge basieren beispielsweise auf<br />

Dialogen des Standard ITS Mobile und sind an<br />

die Abläufe auf einer SmartWatch angepasst:<br />

So sind die Dialoge übersichtlicher gestaltet,<br />

um das Lesekomfort auf einem kleinen Bildschirm<br />

zu gewährleisten. Abhängig von den<br />

Prozessen sind die Dialoge entweder über die<br />

Scanfunktion abgebildet oder lassen Eingaben<br />

über das Touch Display zu. Die Workflows<br />

werden den Mitarbeitern Schritt für Schritt angezeigt.<br />

Mitarbeiter werden interaktiv durch<br />

den Arbeitsprozess geführt. Was angezeigt<br />

wird, hängt von den eigenen Prozessen ab:<br />

Dialoge können frei gestaltet werden.<br />

Anbindung:<br />

Die Kommunikation der SmartWatch mit PC,<br />

Staplerterminal oder mobilen Endgerät (Android)<br />

erfolgt über Bluetooth. Die Daten werden<br />

direkt an das System übertragen, daher wird<br />

kein externer Speicher benötigt. Die Verbindung<br />

erfolgt über das Scannen des Connection<br />

Codes auf dem Bildschirm des Terminals.<br />

Die Akkulaufzeit beträgt in der Regel über 8<br />

Stunden, so dass der Mitarbeiter eine ganze<br />

Schicht mit einem Gerät abdecken kann.<br />

Highlights der Lösung:<br />

- Zeitersparnis beim Kommissionieren,<br />

Verladen, Ein- / Auslagerung und Inventur<br />

- Simple und übersichtliche Abläufe der<br />

Prozessdialoge<br />

- Zufriedene Mitarbeiter dank Ergonomie<br />

und hohem Tragekomfort der SmartWatch<br />

- Scann- und Eingabefunktion der<br />

SmartWatch<br />

- An das Unternehmen anpassbare<br />

Prozessdialoge<br />

- Fehlerreduzierung durch einfache<br />

Prozessabläufe<br />

Der Implementierungsaufwand für das Freehandscanning<br />

ist üblicherweise überschaubar.<br />

Die Umstellung auf die SmartWatch wird<br />

oft genutzt, um eigene Lagerprozessdialoge<br />

zu optimieren. Die intuitive Bedienoberfläche<br />

reduziert die Einarbeitungszeit der neuen Mitarbeiter<br />

und minimiert die Fehlerquote.<br />

(RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S40<br />

INTRALOGISTIK<br />

KNAPP präsentiert sich<br />

auf der LogiMAT als<br />

Technologiepartner für<br />

intelligente Wertschöpfungsketten<br />

Auf der Intralogistik-Leitmesse LogiMAT<br />

<strong>2022</strong>, von 31. Mai bis 2. Juni in Stuttgart, zeigt<br />

KNAPP neueste Technologien für die Automatisierung<br />

und Digitalisierung der gesamten<br />

Wertschöpfungskette. Messe-Highlights:<br />

Neueste Roboter-Technologie und Software<br />

Cloud-Services, die Besucher in Halle 3 auf<br />

Stand B05 live erleben können. TEXT: PI REDAKTION<br />

KNAPP-Lösungen sind auf den jeweiligen<br />

Bedarf maßgeschneidert und<br />

basieren auf innovativen Technologien<br />

und modernster Software.<br />

Damit hilft KNAPP ihren Kunden, Wettbewerbsvorteile<br />

zu generieren und auszubauen.<br />

KNAPP versteht sich als Technologiepartner<br />

und bietet für jeden Schritt in der Wertschöpfungskette<br />

die richtige Automatisierung, Informationen<br />

und Serviceleistungen.<br />

Innovative Roboter und Software-Tools<br />

KNAPP zeigt die neueste Generation seines<br />

mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten<br />

Kommissionier-Roboters Pick-it-Easy Robot,<br />

Neuheiten rund um die autonomen mobilen<br />

Roboter Open Shuttles und das völlig neuartige<br />

Taschensorter-System AutoPocket, das<br />

erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert wird.<br />

KNAPP-Software, die die Technologien zu intelligenten<br />

Systemen verbindet, und innovative<br />

Software-Tools zur Analyse und Optimierung<br />

des Anlagenbetriebs runden den Messeauftritt<br />

ab.<br />

Pick-it-Easy Robot<br />

Pick-it-Easy Robot: Einer der alles kann<br />

Pick-it-Easy Robot bietet nicht nur die automatische<br />

Einzelstück-Kommissionierung, sondern<br />

auch das Umpacken vorkommissionierter Artikel<br />

aus Batch-Behältern in Hängefördertechnik-<br />

und Sorter-Systeme. Verschiedene Greifer<br />

kombiniert mit auf Künstlicher Intelligenz (KI)<br />

basierter Objekterkennung und Greifpunktbestimmung<br />

machen eine zuverlässige Handhabung<br />

von Artikeln mit unterschiedlichen Eigenschaften<br />

möglich. Höchstleistung im Team mit<br />

dem Taschensorter-System: Pick-it-Easy Robot


Open Shuttle<br />

übernimmt die vollautomatische Befüllung von<br />

Sortertaschen und eröffnet neue Möglichkeiten<br />

zur Gestaltung von intralogistischen Prozessen.<br />

Aus der Kombination von KI-gesteuertem<br />

Roboter, schneller Sortertasche und effizienten<br />

Lagersystem entsteht eine innovative Automatisierungslösung<br />

für E-Commerce- und<br />

Omnichannel-Anwendungen. Die Vorteile<br />

liegen auf der Hand: Breites Artikelspektrum<br />

und automatische Artikelcode-Identifikation,<br />

hohe Leistung und das 24/7, sowie Kosteneffizienz<br />

und geringe Fehlerkosten.<br />

Open Shuttle: autonome mobile Roboter für<br />

mehr Flexibilität im Lager<br />

Open Shuttles sind autonome mobile Roboter<br />

(AMR), die Unternehmensbereiche schnell<br />

und einfach miteinander verbinden und mit<br />

Waren, Rohstoffen und Komponenten versorgen.<br />

Die VDA 5050-fähigen Open Shuttles<br />

transportieren unterschiedlichste Ladungsträger.<br />

Dabei werden Aufträge intelligent auf<br />

die Flotte verteilt. Neu im Produktportfolio ist<br />

das Open Shuttle Fork, ein Transportroboter<br />

für den automatisierten Paletten-Transport.<br />

AutoPocket: Taschensorter System für Hochleistungsbetrieb<br />

Das neue Taschensorter-System kann an jeder<br />

beliebigen Stelle im Lager Waren automatisch<br />

und punktgenau abgeben, ohne dabei<br />

die Geschwindigkeit zu reduzieren oder anzuhalten.<br />

RFID-Technoloige ermöglicht eine<br />

100-prozentige Verfolgbarkeit, eindeutige<br />

Identifizierung und jederzeit Zugriff auf jeden<br />

Artikel im System. Im Zusammenspiel mit dem<br />

vollautomatischen Kommissionier-Roboter<br />

Pick-it-Easy Robot bietet AutoPocket intelligentes<br />

Zero-Touch-Handling für Hochleistungsanwendungen.<br />

AutoPocket


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S42<br />

Dank der speziellen Kinematik des Fahrzeugs<br />

ist ein besonders platzsparender Einsatz möglich.<br />

Open Shuttle Fork kann einfach in bestehenden<br />

und auch herstellunabhängigen<br />

Mischflotten eingesetzt werden. Eine weitere<br />

Neuheit aus diesem Bereich ist der Open<br />

Shuttle Store. Open Shuttle Store ist ein besonders<br />

flexibles und schnell einsetzbares automatisches<br />

Lagersystem mit mobilen Robotern.<br />

Durch das intelligente Systemdesign und die<br />

Modul-Bauweise ist das Lagersystem jederzeit<br />

in Bezug auf Stellplätze oder Leistung skalierbar,<br />

anpassbar und erweiterbar. Es ist schnell<br />

einsetzbar und kann einfach in Betrieb genommen<br />

werden. Gesteuert werden die autonomen<br />

mobilen Roboter mit dem intelligenten<br />

Flottenkontrollsystem KiSoft FCS. Mit dem<br />

Digital Twin können Anpassungen und Anwendungen<br />

vorab einfach simuliert und per<br />

Mausklick ins Echtsystem übertragen werden.<br />

KiSoft Cloud: Cloud-basierte Serviceplattform<br />

für Big Data-Anwendungen<br />

Mit KiSoft Cloud bietet KNAPP eine umfassende<br />

Serviceplattform für einen zukunftsweisenden<br />

Logistikbetrieb. Sie stellt Kunden alle<br />

Daten und ausgewählte Services in nur einer<br />

Infrastruktur gebündelt zur Verfügung. So sind<br />

alle Betriebsdaten einer oder mehrerer Anlagen<br />

zentral gespeichert und jederzeit bereit<br />

für die Weiterverarbeitung. Daten können für<br />

unterschiedlichste Anwendungen einfach genutzt<br />

werden. Zudem unterstützt KiSoft Cloud<br />

vielfältige KI-Anwendungen wie maschinelles<br />

Lernen, insbesondere Deep Learning zum Trainieren<br />

von neuronalen Netzen. Hardware- und<br />

Software-Support, IT-Security, Datensicherheit<br />

sowie Schnittstellen zwischen Anwendungen<br />

sind out oft the box sichergestellt, unabhängig<br />

vom Anbieter der Software oder der Automatisierung.<br />

KiSoft Analytics: Mit smarter Software die richtigen<br />

Entscheidungen für Lager und Supply<br />

Chain treffen<br />

KiSoft Analytics ist ein strategisches Tool zur<br />

Analyse und Visualisierung von Daten in der<br />

Supply Chain. Langzeitstatistiken, Prognosen<br />

und Benchmarkings helfen, gezielte Entscheidungen<br />

bei komplexen Abläufen zu treffen,<br />

Veränderungen im Business früh zu erkennen<br />

oder die Supply Chain zu optimieren. Die Logistik-App<br />

für Smartphone und Desktop eignet<br />

sich ideal für Executives, Logistik Manager,<br />

Supply Chain Manager oder Operations<br />

Teams.<br />

Open Shuttle Store<br />

redPILOT: Effizientes Ressourcen-Management<br />

Die redPILOT Operational Excellence Solution<br />

ist eine modulare Software-Lösung, die Logistikbetreiber<br />

dabei unterstützt, ihre Logistiksysteme<br />

zu jeder Betriebsstunde am optimalen<br />

Limit zu betreiben. Der Einsatz zum nachhaltigen<br />

Ressourcen-Management ist vielseitig – einerseits<br />

unterstützt das Software-Modul CMMS<br />

(kurz für Operational Maintenance Modul) die<br />

strukturierte und planmäßige Durchführung<br />

von Instandhaltungsmaßnahmen im technischen<br />

Anlagenbetrieb. Andererseits optimieren<br />

die weiteren Module den operativen Betrieb<br />

der Logistikanlage, unter anderem durch<br />

die automatisierte Mitarbeitereinsatzplanung<br />

und Optimierung basierend auf dynamischer<br />

Engpasserkennung. (RED)


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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S44<br />

INTRALOGISTIK<br />

LogiMAT:<br />

Anschluss an<br />

frühere Erfolge<br />

Am 2. Juni endete die mit Spannung erwartete<br />

Intralogistikmesse LogiMAT, die nahtlos<br />

an „alte Zeiten“ anknüpfen konnte. Auch im<br />

dritten und letzten Teil der Serie präsentiert<br />

Logistik Express interessante Exponate aus<br />

zentralen Ausstellungsbereichen.<br />

REDAKTION: MARCUS WALTER<br />

Für die 1.571 Aussteller und den Veranstalter<br />

war es spannend bis zuletzt: Niemand<br />

wusste, wie viele Menschen die<br />

erste LogiMAT nach Ausbruch der Corona-Pandemie<br />

besuchen würden. Doch die<br />

Ängste vor einem Flop mit leeren Hallen waren<br />

unbegründet. Am Ende des Events konnte Messechef<br />

Michael Ruchty solide Zahlen verkünden,<br />

die fast auf dem Rekord-Niveau von 2019<br />

lagen. „Bereinigt um die pandemiebedingten<br />

Einschränkungen kann man dieses Ergebnis<br />

in allen Kategorien als Fortsetzung der Logi-<br />

MAT-Erfolgsstory bezeichnen“, erklärte Ruchty,<br />

In Zahlen ausgedrückt: Mit einer Ausstellungsfläche<br />

von mehr als 125.000 Quadratmetern in<br />

allen zehn Hallen war das Stuttgarter Messegelände<br />

komplett ausgebucht. Die weltweit<br />

größte Intralogistik-Messe zog wieder rund<br />

50.000 Besucher an und erwies sich erneut als<br />

Publikums-Magnet. Das lag zu einem Großteil<br />

an den zahlreichen Produktpremieren und<br />

Weltneuheiten – darunter zwei neuartige automatische<br />

Kleinteilelager, die AutoStore die<br />

Stirn bieten wollen. Diese waren mit sehr unterschiedlichen<br />

Lösungsansätzen bei Jungheinrich<br />

und Körber zu finden.<br />

Die von Jungheinrich entwickelte Alternative<br />

zu AutoStore heißt PowerCube. Damit wollen<br />

die Hamburger „neue Maßstäbe im Bereich<br />

der automatisierten Lagersysteme“ setzen.<br />

Der PowerCube ist ein automatisiertes Behälter-Kompaktlager<br />

für die besonders kompakte<br />

Lagerung und Kommissionierung von Kleinteilen<br />

und Stückgut. Die Behälter werden in dem<br />

modularen Regalsystem des PowerCubes in<br />

vertikalen Kanälen bis zu 12 m hoch übereinandergestapelt.<br />

Diese Systemhöhe ermöglicht<br />

eine besonders platzeffiziente Behälterlagerung<br />

auf kleinster Fläche.


Das Ein- und Auslagern der Behälter übernehmen<br />

speziell entwickelte PowerCube-Shuttles,<br />

die sich automatisch unterhalb des Regalsystems<br />

bewegen. Durch dieses Prinzip bietet<br />

der PowerCube gegenüber anderen Behälter-Kompaktlagern<br />

den entscheidenden Vorteil,<br />

dass das Lager nach oben flexibel aufgebaut<br />

werden kann und auch an individuelle<br />

Dachformen anpassbar ist. Das automatische<br />

Behälter-Kompaktlager kann auf normalen<br />

Industriefußböden ohne aufwendiges Überarbeiten,<br />

wie Überfräsen und Schleifen, errichtet<br />

werden und lässt sich deshalb problemlos<br />

in bestehende Lagerhallen integrieren. Die<br />

PowerCube-Shuttles bewegen sich mit einer<br />

maximalen Geschwindigkeit von 4 m/s und<br />

einer Beschleunigung von bis zu 2 m/s². Sie<br />

können gleichzeitig zwei Behälter mit jeweils<br />

50 kg Ladung innerhalb des PowerCubes<br />

transportieren. Durch die skalierbare Anzahl<br />

an Shuttles kann der Durchsatz des PowerCubes<br />

bei steigender Nachfrage oder einer Sortimentserweiterung<br />

flexibel angepasst werden.<br />

Dank ihrer Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterien,<br />

die während des Betriebs jeweils an den<br />

Arbeitsstationen zwischengeladen werden,<br />

sind die Shuttles ohne Stillstandzeiten 24 Stunden<br />

am Tag einsatzbereit. Da die Shuttles zu<br />

Wartungsarbeiten aus dem PowerCube auf<br />

Bodenniveau entnommen werden können, ist<br />

keine Wartungsbühne nötig.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S46<br />

KOERBER ATTABOTIS<br />

ROCKET SOLUTIONS<br />

Auch der internationale Technologiekonzern<br />

Körber bietet mit Attabotics eine neuartige<br />

Lagerlösung für Kleinbehälter, die bei einer<br />

Stapelhöhe von bis zu 10 Metern eine extrem<br />

hohe Speicherdichte mit einem schnellen und<br />

direkten Zugriff ermöglicht. Die Attabotics-Lösung<br />

basiert auf einer vertikalen, sehr platzsparenden<br />

Gitterstruktur. Produkte werden in<br />

quadratischen Behältern mit einem Innenmaß<br />

von 571 x 571 mm gelagert. Die „Attabots“<br />

genannten Roboter können auf dem Gitter,<br />

unter dem Gitter und vertikal durch die Abwärtsschächte<br />

fahren, um Behälter einzulagern<br />

oder zu entnehmen und zu den integrierten<br />

Entnahmeöffnungen zu transportieren.<br />

Attabottics ermöglicht damit auf einer extrem<br />

verdichteten Lagerfläche eine effiziente Kommissionierung,<br />

einschließlich Sequenzierung<br />

und Pufferung. In den USA und Kanada wurde<br />

die Technologie bereits bei zahlreichen Unternehmen<br />

der E-Commerce-Branche implementiert.<br />

Im Rahmen einer exklusiven Partnerschaft<br />

vertritt das Körber Geschäftsfeld Supply<br />

Chain Automation das kanadische Robotikunternehmen<br />

Attabotics in fast allen europäischen<br />

Ländern und in weiten Teilen Asiens.<br />

Das Startup Rocketsolution zeigte sich erstmals<br />

auf der LogiMAT und stellte dort sein Shuttle-<br />

System RSX1 vor. Das hochverdichtende Kleinteilelagersystem<br />

RSX1 für Ladegüter bis zu 50<br />

Kilogramm bietet maximale Verdichtung der<br />

Lagerplätze, flexible Skalierbarkeit sowie einfache<br />

Integrationsfähigkeit. Verglichen mit<br />

herkömmlichen Shuttle-Systemen reduziert<br />

das RSX1 den benötigten Raum deutlich und<br />

sorgt für Effizienz- und Rentabilitätssteigerung<br />

in der Kleinteillagerung. Mit einer Höhe von bis<br />

zu 30 Meter nutzt das RSX1 auch den Luftraum<br />

optimal. Selbst sehr flache Güter lassen sich innerhalb<br />

des RSX1 hochverdichtet lagern, bereits<br />

ab einer Behälterhöhe von 100 Millimeter<br />

arbeitet das RSX1 ohne jeglichen Raumverlust<br />

in der Höhe.<br />

Die Automatisierung spielte auch an vielen<br />

anderen Ständen der Messe eine wichtige<br />

Rolle. Die Pixel Robotics GmbH präsentierte als<br />

Mitaussteller der Logivations GmbH erstmalig<br />

Roboter, die von Künstlicher Intelligenz gesteuert<br />

werden. Pixel Robotics kombinierte hierfür<br />

KI, Computer Vision und Robotik, um innerbetriebliche<br />

Palettentransporte zu automatisieren.<br />

Der von Grund auf neu entwickelte<br />

Roboter PIXEL PT arbeitet kooperativ mit den<br />

menschlichen Kollegen zusammen und passt<br />

sich dynamisch an bestehende Prozesse in der<br />

Intralogistik an. Die Roboter sind modular und<br />

robust konstruiert, sodass sie für raue Logisti-


PIXEL ROBOTICS<br />

SYNCHRO<br />

kumgebungen geeignet sein sollen. Der Hersteller<br />

verspricht zudem eine Amortisationszeit<br />

von unter 1,5 Jahren.<br />

Ein weiteres Highlight präsentierte das Technologieunternehmen<br />

TeamViewer: Gezeigt<br />

wurde die mehrfach ausgezeichnete Vision-Picking-Lösung<br />

xPick. Die Augmented-Reality-Lösung,<br />

die seit der Übernahme des Wearable-Computing-Unternehmens<br />

Ubimax<br />

Teil des TeamViewer Portfolios ist, ermöglicht<br />

Kunden ein hocheffizientes und nahezu fehlerfreies<br />

Kommissionieren. Neu sind Gamification-Elemente,<br />

die für eine höhere Einsatzbereitschaft<br />

und eine gesteigerte Produktivität<br />

der Mitarbeitenden sorgen und gleichzeitig<br />

monotone Kommissionierprozesse auflockern.<br />

Bei Unternehmen wie DHL, Schnellecke<br />

Logistics und Coca-Cola HBC ist TeamViewer<br />

xPick etablierter Standard und bei vielzähligen<br />

Großkunden bereits seit Jahren im Einsatz.<br />

Durch die Verwendung von Wearables<br />

wie Smart Glasses lässt sich die Lösung ohne<br />

großen Aufwand leicht in bestehende Infrastrukturen<br />

von Unternehmen integrieren. Dies<br />

unterstützt die einfache Skalierbarkeit der Lösung<br />

– auch standortübergreifend.<br />

Neben Hardware sah man auf der LogiMAT<br />

wieder jede Menge Software: Zum Beispiel die<br />

neue Logistikplattform CargoON der Technologiefirma<br />

Trans.eu Group. Diese vereint verschiedene<br />

Funktionen, um neben Auftragsverwaltung<br />

und Frachtmonitoring beispielsweise<br />

auch die Rampenbelegung digital zu steuern<br />

und so die Prozesseffizienz zu erhöhen.<br />

Durch die Anbindung an das europaweite<br />

Trans.eu-Netzwerk mit über 30.000 Logistikdienstleistern<br />

wird zudem die flexible Beschaffung<br />

von Transportressourcen gewährleistet.<br />

Die größte ausländische Ausstellergruppe<br />

kam übrigens aus Italien, vertreten durch<br />

Unternehmen wie Ubiquicom. Die Firma wurde<br />

2021 als einziges italienisches Unternehmen in<br />

den „Magic Quadrant for Indoor Location Services,<br />

Global“ von Gartner, Inc.* aufgenommen<br />

und präsentierte auf der LogiMAT die<br />

Prozesssteuerungs-Lösung Synchro. Durch die<br />

Standorterfassung der Flurförderzeuge in Echtzeit<br />

werden ihre Einsätze auf optimale Art und<br />

Weise organisiert. Dabei wird die RTLS-Technologie<br />

(Real-Time Locating System) mit Algorithmen<br />

künstlicher Intelligenz kombiniert.<br />

Die in diesem Artikel und den beiden vorausgegangenen<br />

Vorberichten genannten<br />

Neuheiten bilden natürlich nur die Spitze des<br />

Eisbergs und können einen Besuch der realen<br />

Messe nicht ersetzen. Apropos: Die nächste<br />

LogiMAT findet statt vom 25. bis 27. April<br />

2023. Eine Rückkehr in den gewohnten Messe-<br />

Rhythmus mit einem Termin im Februar<br />

erschien dem Veranstalter EuroExpo noch<br />

zu früh. Die Zeitspanne zwischen den beiden<br />

LogiMAT-Events hätte dann nur acht Monate<br />

betragen. Außerdem birgt Corona nach wie<br />

vor große Sprengkraft. Der Winter könnte neue<br />

Beschränkungen bringen. Einziger Schönheitsfehler<br />

am April-Termin ist jedoch die große<br />

Nähe zur transport logistic, die 2023 vom 9. bis<br />

12. Mai im Kalender steht. Da wird sich mancher<br />

Aussteller entscheiden müssen. Wir werden<br />

sehen. (MW)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S48<br />

INTRALOGISTIK<br />

Intelligente effiziente<br />

Robotik-Lösung von<br />

SSI Schäfer mit IFOY<br />

Award ausgezeichnet<br />

Flat Pack Picking ist eine einzigartige, automatisierte<br />

und schlüsselfertige Systemlösung<br />

aus einer Hand zur effizienten Palettenzusammenstellung<br />

für den Möbel Onlinehandel<br />

sowie für die Filialbelieferung. Das<br />

von SSI Schäfer gemeinsam mit Inter IKEA<br />

Group, Supply Chain Development, Intralogistics,<br />

entwickelte Konzept wurde bereits in<br />

Deutschland umgesetzt und ist erfolgreich<br />

im Betrieb.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Die innovative Lösung überzeugt<br />

beim diesjährigen IFOY Award<br />

(International Intralogistics and<br />

Forklift Truck of the Year Award) und<br />

belegt im Marktvergleich in der Kategorie „Integrated<br />

Warehouse Solution“ den 1. Platz. Im<br />

Rahmen der IFOY Award Night am 30.06.<strong>2022</strong><br />

wurde der begehrte IFOY Award in der<br />

BMW Welt in München feierlich übergeben.<br />

Mit dem IFOY Award werden die besten Intralogistiklösungen<br />

des jeweiligen Jahres gekürt.<br />

Anbieter hatten die Möglichkeit, ihre Produkte<br />

und Systemlösungen in insgesamt 13 Kategorien<br />

online zum Wettbewerb anzumelden. Die<br />

von einer internationalen Jury für das Finale<br />

nominierten Produkte und Lösungen durchliefen<br />

im Rahmen der IFOY Test Days vom 18.<br />

- 23.03.<strong>2022</strong> verschiedene Tests, darunter das<br />

rund 80 Kriterien umfassende IFOY Testprotokoll<br />

sowie den wissenschaftlichen IFOY Innovation<br />

Check. Insgesamt 25 Jurymitglieder aus 19<br />

Ländern gaben basierend auf den Testergebnissen<br />

ihre Bewertung ab. Im Rahmen der IFOY<br />

Award Night am 30.06.<strong>2022</strong> wurden schließlich<br />

die Gewinner in München bekanntgegeben.


Die prämierte Flat Pack Picking Lösung wurde<br />

gemeinsam von SSI Schäfer und Inter IKEA<br />

Group, Supply Chain Development, Intralogistics,<br />

konzeptioniert und im Dortmunder<br />

Kundenorder-Distributionszentrum erfolgreich<br />

implementiert. Dank der vollautomatisierten<br />

Systemlösung aus einer Hand profitiert IKEA<br />

nun von der effizienten Palettenzusammenstellung<br />

für die Filialbelieferung.<br />

Insgesamt vier Portalroboter übernehmen das<br />

Handling schwerer und großer Artikel, entlasten<br />

die Mitarbeitenden von wenig ergonomischen<br />

Aufgaben und sorgen für konstante,<br />

transparente Warenflüsse. Entwickelt wurden<br />

die Portalroboter und Greifer von der RO-BER<br />

Industrieroboter GmbH, einem Tochterunternehmen<br />

von SSI Schäfer. Für die erfolgreiche<br />

Umsetzung wurde der Intralogistikspezialist<br />

mit dem IFOY Award in der Kategorie „Integrated<br />

Warehouse Solution“ ausgezeichnet.<br />

„Das Projekt zeigt, wie wir uns den Herausforderungen<br />

unserer Kunden annehmen und<br />

gemeinsam mit ihnen innovative Logistiklösungen<br />

für eine ergonomischere Arbeitsumgebung<br />

und verbesserte Produktivität entwickeln<br />

und umsetzen“, so Notker Steigerwald, Head<br />

of Business Unit Logistics Solutions bei SSI Schäfer.<br />

„Die Auszeichnung mit dem IFOY Award<br />

freut uns besonders, denn sie bestätigt die<br />

Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unseres<br />

Konzepts im Marktvergleich.“<br />

Von der gesteigerten Performance sowie<br />

den automatisierten Prozessen profitieren<br />

IKEA und die Mitarbeitenden unmittelbar.<br />

„Die Zusammenarbeit mit SSI Schäfer war<br />

auch bei diesem Pilotprojekt durchweg positiv“,<br />

sagt Julien Weiß, Automation & Design<br />

Leader bei Inter IKEA Group, Supply Chain<br />

Development, Intralogistics. „Speziell der von<br />

beiden Seiten gelebte partnerschaftliche<br />

Ansatz hat zum Gelingen beigetragen.“<br />

Inter IKEA Group behält sich die Option vor,<br />

das innovative System auf weitere Standorte<br />

und IKEA-Märkte auszurollen. Die Flat Pack<br />

Picking Lösung ist grundsätzlich für den Möbel<br />

Onlinehandel interessant, lässt sich aber auch<br />

auf andere Branchen übertragen, in denen<br />

mit großvolumigen und sperrigen Gütern gearbeitet<br />

wird, wie beispielsweise Fenster oder<br />

Holz-/Metallzuschnitte. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S50<br />

INTRALOGISTIK<br />

Starkes Team:<br />

ek robotics unterstützt<br />

die BMW Group<br />

ek robotics freut sich, die Partnerschaft<br />

für schlüsselfertige Lösungen mit der BMW<br />

Group bekannt geben zu können. Die Zusammenarbeit<br />

wurde bei einem Launch<br />

Event Ende Mai <strong>2022</strong> offiziell verkündet, bei<br />

dem das vollautomatische Intralogistik-System<br />

feierlich in Betrieb genommen wurde.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Mit der Einführung von Fahrerlosen<br />

Transportsystemen (FTS) von<br />

ek robotics optimiert und automatisiert<br />

die BMW Group ihre<br />

Prozesse der Produktions- und Lagerlogistik im<br />

Werk in Swindon (Großbritannien). Die Implementierung<br />

des schlüsselfertigen Lösungspakets<br />

umfasst Fahrzeuge der Serien CUSTOM<br />

MOVE, VARIO MOVE und SMART MOVE VNA.<br />

Im Rahmen des umfassenden Projekts hat ek<br />

robotics auch maßgeschneiderte Regale für<br />

den Lagerbetrieb entworfen, hergestellt und<br />

installiert.<br />

Chris Price, Managing Director von ek robotics<br />

UK: „Wir freuen uns sehr, die Partnerschaft mit<br />

einem so angesehenen, branchenführenden<br />

Kunden wie der BMW Group bekannt geben<br />

zu können. Wir haben lange an diesem Projekt<br />

gearbeitet, und die gelungene Kooperation<br />

ist eine Bestätigung für jeden hier im<br />

Team bei ek robotics.“<br />

Umfassende Automatisierung in<br />

Swindon komplett<br />

Dank des von ek robotics ausgeführten Projekts<br />

wird das neue PGA-Presswerk in Swindon<br />

vollautomatisch, von der Anlieferung der


Stahlrohlinge bis zum Versand der Karosserieteile<br />

an die Produktion. ek robotics hat auch<br />

FTS für den Transport der Werkzeuge zur und<br />

von der neuen Presse entwickelt und geliefert.<br />

„Im Zuge der Installation haben wir eines<br />

unserer bisher größten Fahrerlosen Transportfahrzeuge<br />

(FTF) in Betrieb genommen, einen<br />

CUSTOM MOVE. Das FTF kam per Schwerlasttransport<br />

von unserem deutschen Schwesterstandort<br />

Reutlingen, Deutschland an und wurde<br />

vor Ort endmontiert. Nur fünf Tage nach<br />

Lieferung lief die Maschine völlig autonom",<br />

ergänzt Chris Price.<br />

Von der Bestellung bis zur Auslieferung verging<br />

nur ein Jahr. Eine kurze Zeit für so ein komplexes<br />

Vorhaben, was für die hervorragenden Arbeit<br />

des Teams von ek robotics ist. Chris Price:<br />

„Wir bedanken uns bei der BMW Group für<br />

das Vertrauen, das sie uns bei diesem großen<br />

Projekt entgegengebracht hat, und wir freuen<br />

uns auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit!"<br />

(RED)<br />

ek robotics ist der weltweit führende Hersteller<br />

und Systemintegrator von innovativer<br />

Hightech-Transportrobotik für die Produktions-<br />

und Lagerlogistik. An fünf Standorten in<br />

Europa (Rosengarten, Deutschland, Hauptsitz),<br />

Reutlingen (Deutschland), Mailand<br />

(Italien), Prag (Tschechien) und Buckingham<br />

(Großbritannien) schafft der Transportrobotik-Spezialist<br />

mit über 280 Mitarbeitenden<br />

intelligente, vernetzte und flexible Transportlösungen<br />

für den vollautomatischen, innerbetrieblichen<br />

Materialfluss seiner weltweit<br />

agierenden Kunden.<br />

Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in Design,<br />

Entwicklung, Fertigung, Integration, schlüsselfertiger<br />

Lieferung und Support über den<br />

gesamten Lebenszyklus von Fahrerlosen<br />

Transportsystemen (FTS) gehört ek robotics<br />

zur technischen Elite in dieser schnell wachsenden<br />

Zukunftsbranche.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S52<br />

ZUKUNFT DER LOGISTIK<br />

Metaverse<br />

schafft neue<br />

Möglichkeiten und<br />

Anwendungen<br />

In Zukunft wird die reale Welt mit einer virtuellen<br />

Welt – genannt Metaverse – verschmelzen.<br />

Durch digitale Zwillinge werden reale<br />

Objekte im Metaverse repräsentiert. Auch<br />

ganze Lieferketten können so repräsentiert<br />

und optimiert werden. REDAKTION: DIRK RUPPIK<br />

Sicher haben Sie schon einmal von<br />

Paralleluniversen aus der Quantenphysik<br />

gehört. Nach dieser Theorie könnten<br />

wir gleichzeitig in unterschiedlichen<br />

Welten existieren – genauer gesagt in unendlich<br />

vielen. Was kaum fassbar und utopisch<br />

erscheint, wird gerade in einer anderen Form<br />

durch den Menschen erschaffen. Eine parallele<br />

Welt, die über das hinaus geht, was wir<br />

bisher kennen. Im sog. Metauniversum (meta<br />

= jenseits, darüber hinaus gehend) oder auch<br />

Metaverse verschmelzen die physische und<br />

die digitale Welt. Es ist ein virtueller Raum in<br />

dem wir mittels Avatar miteinander agieren<br />

können oder vollständig – wie im richtigen<br />

Leben – in ein Event eintauchen können. Es<br />

gleicht in gewisser Hinsicht einem dreidimensionalen<br />

Videogame. Im Metaversum können<br />

Nutzer die Welten mitgestalten und dort<br />

leben, lernen, arbeiten und feiern.<br />

Das Metaverse: „Projekt in Progress“<br />

Allerdings ist bisher noch nicht exakt definiert,<br />

was das Metaverse genau sein soll und durch<br />

welche Technologien es umgesetzt werden<br />

soll. Auch arbeiten verschiedene Firmen wie<br />

Facebook, Microsoft, Apple, Google und<br />

Firmen aus dem Videospiele-Bereich wie Epic<br />

Games (Fortnite) und Roblox an ihrer Version<br />

des Metaverse. Diese Metaversen bzw. virtuellen<br />

Räume könnten später vielleicht miteinander<br />

interagieren. Metaverse-Plattformen sind<br />

bisher beispielsweise The Sandbox, Decentraland<br />

und Axie Infinity. Die gesamte Idee ist also<br />

ein „Projekt in Arbeit“, was durch viele unterschiedliche<br />

Parteien entwickelt wird. Wichtige<br />

technische Fragen wie z. B. über die Architektur<br />

(zentral oder dezentral), Betriebssystem<br />

(benötigt oder nicht?), Standards und Protokolle<br />

und Besitzstatus (proprietär oder Open<br />

Source) müssen noch beantwortet werden.


Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz<br />

(KI), Virtual Reality (VR) und Augmented<br />

Reality (AR) werden im Metaverse zusammengeführt.<br />

Neue Technologien für verschiedene<br />

Sinneserfahrungen wie z. B. spezielle Handschuhe<br />

zum Erfühlen von Gegenständen und<br />

spezielle Nasenklappen an VR-Brillen, um Gerüche<br />

zu erzeugen, müssen noch zur Marktreife<br />

gebracht werden.<br />

Vor- und Nachteile des Paralleluniversums<br />

Es existieren viele Vorteile aber auch schwerwiegende<br />

Nachteile des Metaverse. In der<br />

virtuellen Welt können sich Menschen unabhängig<br />

vom Aufenthaltsort via Avatar treffen.<br />

Auf diese Art werden Reisekosten sowie<br />

Zeit gespart und die Umwelt geschont. Die<br />

Arbeitnehmer können von zuhause oder jedem<br />

anderen Ort aus arbeiten. Home Schooling<br />

und Home Office werden zunehmend realitätsnah.<br />

Für Unternehmen ergeben sich neue<br />

Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb. Die<br />

Kunden können Produkte im 3D-Raum sinnlich<br />

erfahren. Es entsteht eine neue Welt in der z. B.<br />

Produkte, Grundstücke, Häuser und Unternehmen<br />

gekauft und verkauft werden können.<br />

Eine große Gefahr ist der suchtbildende Charakter<br />

des Metaverse, der gegenüber Videospielen<br />

um ein Vielfaches potenziert wird. Da<br />

vollständige Eintauchen in eine Parallelwelt<br />

kann zur Abtrennung der Menschen von der<br />

realen Welt, der Natur sowie der eigenen<br />

realen Persönlichkeit führen. Der Zugang in<br />

das Metaverse erfolgt durch aufwändige und<br />

teure Technik wie VR-Brillen, spezielle Handschuhe<br />

und Schuhe, Simmulationstechnik<br />

für den Geruch- und Geschmackssinn, u. a..<br />

Zudem sind fortgeschrittene digitale Kenntnisse<br />

notwendig. All das kann dazu führen,<br />

dass eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht<br />

– nämlich aus Menschen, die sich den Zutritt<br />

zum Metaverse leisten können und auch<br />

wissen wie man Zugang erhält, und den anderen,<br />

die beide Voraussetzungen nicht erfüllen.<br />

Metaverse in der Logistik und Industrie<br />

Das virtuelle Universum wird Unternehmen aus<br />

allen Branchen und insbesondere auch der<br />

Logistikbranche viele neue Möglichkeiten eröffnen,<br />

ihre Prozesse effizienter zu gestalten.<br />

Neben der schon erwähnten Möglichkeit sich<br />

im virtuellen Raum zu einem Arbeitsmeeting<br />

zu treffen, bei dem sich die Teilnehmer real an<br />

völlig unterschiedlichen Orten auf dem Globus<br />

befinden, bietet besonders auch die Kombination<br />

mit KI enorme Potenziale zur Verbesserung.<br />

Ganze Städte, Fabriken, Unternehmen,<br />

Logistikzentren und auch Lieferketten lassen<br />

sich als „digitaler Zwilling“ reproduzieren.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S54<br />

Die Verbindung von digitalem Zwilling und<br />

Metaverse kann Systeme wie Supply Chains<br />

viel eindrücklicher darstellen und damit die<br />

Aufdeckung von Ineffizienzen erleichtern.<br />

Dabei werden Echtzeitdaten der realen Objekte<br />

via Internet der Dinge (IdD) auf den<br />

Zwilling übertragen und können so auch zu<br />

Simulationen künftiger Zustände der Lieferkette<br />

genutzt werden. Digitale Zwillinge fungieren<br />

also als Missing Link, der die Realität<br />

mit dem Metaverse verbindet. Auf diese Weise<br />

kann eine Supply Chain von den Nutzern<br />

(z. B. alle Stakeholder) einer Metaverse-Software<br />

virtuell direkt erfahren werden. Dabei<br />

erhalten die Nutzer Echzeitdaten z. B. über<br />

eine AR-Brille.<br />

Die Technologie schafft also Transparenz<br />

über Daten und Zustände der Supply Chain<br />

und ermöglicht eine drastische Verbesserung<br />

der Funktionsfähigkeit und Effizienz. Die<br />

Grundlage für all das ist die exakte Erfassung<br />

von Echtzeitdaten aller Objekte in der Supply<br />

Chain. Alle Stakeholder erhalten Einsicht auf<br />

Lieferzeiten, Transitzeiten, Verzögerungen<br />

und Versendungskosten und Bezugsquellen<br />

in Echtzeit, was das Vertrauen in die Prozesse<br />

der Lieferkette aller Beteiligten stärkt. Mit der<br />

Nvidia-Software Omniverse existiert bereits<br />

eine Plattform, um digitale Zwillinge für das<br />

Metaverse zu erstellen und Teams weltweit zu<br />

verbinden. Sie wurde bereits von Firmen wie<br />

BMW, Ericsson, Siemens und Lockheed Martin<br />

genutzt.<br />

Das Metaverse fördert auch die Verkürzung<br />

von Produktzyklen, da alle Stakeholder der<br />

Lieferkette an dem Design von neuen Produkten<br />

mitwirken können und dieses durch<br />

entsprechendes Feedback iterieren können.<br />

Zudem könnte die Ausbildung und Schulung<br />

der Mitarbeiter via digitalem Zwilling und Metaverse<br />

wesentlich einfacher und realitätsnäher<br />

gestaltet werden. Für die Kunden würde<br />

die Technologie ganz neue Möglichkeiten<br />

eröffnen mit dem gewünschten Produkt zu<br />

interagieren. In virtuellen Showrooms könnten<br />

die Produkte schon vor dem Kauf getestet<br />

werden und gewünschte Eigenschaften wie<br />

Farbe, Textur, etc. und Ausstattungsmerkmale<br />

angepasst werden. Zudem werden dem<br />

Kunden entsprechende Produktinformationen<br />

in die VR-Brille eingespielt.<br />

Eine weitere interessante Möglichkeit für die<br />

Nutzung von Digital Twins, KI, Predictive Analysis<br />

und Metaverse besteht in der Bedarfsprognose<br />

von Produkten und dem Bestandsmanagement.<br />

Durch die Steigerung der<br />

Genauigkeit können z. B. Einzelhändler die<br />

Lieferkette optimieren und so ihr Endergebnis<br />

erheblich verbessern.<br />

Schlüssel-Technologien für das Metaverse<br />

Die Blockchain gilt als das Rückrad des Metaverse.<br />

Durch sie wird der Wertetransfer, die Besitzverifizierung,<br />

die gegenseitige Nutzung von<br />

digitalen Objekten, die Kontrolle der Prozesse<br />

und die Produkthaftung transparent gemacht<br />

und gesichert. Zudem kann der Kauf von virtuellem<br />

Land und Immobilien durch Kryptowährungen<br />

erfolgen und der Besitz gesichert und<br />

übertragen werden.<br />

Das Metaverse wird in Zukunft von vielen kreativen<br />

Köpfen erschaffen werden – mit teilweise<br />

auch geringer technischer Vorbildung. Daher<br />

entwickelt sich die Nachfrage nach sog.<br />

Low-code- und No-code-Plattformen und<br />

Plug-and-Play-Anwendungen wie z. B. Onirix.<br />

Für realistische 3D-Darstellungen von Objekten<br />

im Metaverse werden zunehmend Firmen<br />

für hochauflösende 3D-Foto- und Videografie<br />

benötigt. Weiterhin wird sich die Nutzung<br />

des IdD enorm ausweiten, um Echtzeitdaten<br />

in das Metaverse zu füttern. Zudem bildet<br />

das Mobilfunk-Internet 5G mit Bandbreiten im<br />

Gigabit-Bereich und geringen Latenzzeiten<br />

die Basis für das IdD. Um die umfassende<br />

bzw. immersive Sinneserfahrung des Metaverse<br />

zu kreieren, werden immer mehr kybernetische<br />

Technologien für Sprache, visuelle<br />

Wahrnehmung, Bewegung, Erkennung von<br />

biometrischen Daten, etc. eingesetzt werden.<br />

Ein weiteres Beispiel ist das Brain-Computer-Interface<br />

Neuralink von Elon Musk, das eine<br />

symbiotische Beziehung zwischen menschlichem<br />

Gehirn und Computer schaffen soll. Mit<br />

dem chirurgisch implantierten Chip soll der<br />

Nutzer mit Computer und Maschinen kommunizieren<br />

und diese kontrollieren können.<br />

Die Idee des Metaverse wird zu einem Technologiesprung<br />

in vielen Bereichen führen und<br />

ebenso die Effizienz von Lieferketten enorm<br />

steigern.<br />

(DR)


6. eCommerce<br />

Logistik- Day<br />

09. September 2021, Wien<br />

Hybrid Event<br />

Österreichischer Handelsverband<br />

Bleiben Sie gut informiert. Sichern Sie<br />

sich Ihren Informationsvorsprung.<br />

Mehr auf www.logistik-express.com/<br />

ecommerce-logistik-day/<br />

Medienpartner:


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S56<br />

E-COMMERCE LOGISTIK<br />

Es wird Zeit, der<br />

Wahrheit ins<br />

Gesicht zu sehen<br />

Der Wohlstand, den wir in Österreich gewohnt<br />

sind, mit all seinen Vorzügen, hat<br />

möglicherweise ein nahendes Ablaufdatum.<br />

Geht es nach Betriebswirt Mag. Harald<br />

Gutschi, muss die Regierung besser gestern<br />

als heute handeln und vor allem eines: der<br />

Bevölkerung endlich den Ernst der Lage bewusst<br />

machen. Die Medaille der Globalisierung<br />

zeigt nun ihre unschöne Seite.<br />

REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

In den letzten Jahrzehnten profitierten<br />

Österreich, Deutschland und einige andere<br />

Hochlohnländer von billiger Energie,<br />

womit Rohstoffe und Einzelteile veredelt<br />

und dann hochpreisig wieder exportiert<br />

wurde. Unsere Industrie profitierte deutlich<br />

von der Globalisierung. Doch dieses Modell<br />

fällt uns jetzt auf den Kopf: die Lieferketten<br />

sind außer Rand und Band. Den Anfang<br />

nahm dieser dramatische Absturz wie weithin<br />

bekannt in China – die Zero-Covid-Politik mit<br />

monatelangen Lockdowns führt zu drastischen<br />

Rückstaus bei dringend benötigten Warenlieferungen,<br />

egal ob es sich dabei um Verpackungsmaterialien<br />

oder Bauteile handelt.<br />

Mag. Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung<br />

der UNITO Gruppe (u.a. Universal,<br />

OTTO, Quelle, Lascana, Schlafwelt, Ackermann),<br />

beobachtet die Entwicklung mit zunehmender<br />

Sorge: „Zu Weihnachten werden wir<br />

erstmals seit langer Zeit vor dramatisch leeren<br />

Regalen stehen. 400 Millionen Chinesen sind<br />

oder waren im Lockdown, vieles wurde nicht<br />

produziert. Die Situation hat eine Dimension<br />

erreicht wie die letzten 50 Jahre nicht mehr.<br />

Die Auswahl wird drastisch reduziert sein –<br />

man wird zwar natürlich Produkte finden, aber<br />

wenn es eine bestimmte Marke oder ein exaktes<br />

Modell sein soll, dann wird es schwer. Mein<br />

Rat daher: frühzeitig anfangen zu suchen.“<br />

Aktuell werden in China 30 bis 40 Prozent<br />

weniger Containerschiffe abgefertigt als vor<br />

der Pandemie. Als Folge der globalen Arbeitsteilung<br />

fehlen Vorprodukte, weshalb auch im<br />

Rest der Welt die Produktionen teilweise stillstehen.<br />

Die fehlenden Chips für die Automobilbranche<br />

sind nur ein bekanntes Beispiel,


aber fast jede Branche ist betroffen. Gutschi:<br />

„Aktuell haben wir den Peak erreicht: bei den<br />

Lieferproblemen, der Inflation und den gewerblichen<br />

Erzeugerpreisen.“ Der Handel hat sich<br />

massiv gewandelt: „Früher hatten wir einen<br />

Nachfragemarkt – die Kunden hatten eine<br />

riesige Auswahl und konnten den Preis mitbestimmen.<br />

Jetzt allerdings haben wir einen<br />

Angebotsmarkt, die Auswahl ist eingeschränkt<br />

und als Kunde muss man teilweise froh sein,<br />

überhaupt etwas zu bekommen, und das zu<br />

deutlich höheren Preisen.<br />

Notwendiger Staatskommunismus<br />

Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 hat<br />

sich die Bilanzsumme der EZB mehr als verzehnfacht,<br />

insbesondere seit der Finanzmarktkrise<br />

2008 wurden massiv Anleihen zugekauft.<br />

Als Nebenwirkung stiegen die Immobilienpreise<br />

rasant. Die nunmehrige Anhebung des<br />

Leitzinses als Gegenmittel zur Inflation war bereits<br />

abzusehen, ebenso wie die damit einhergehende<br />

Verschärfung der Kreditvergaberichtlinien.<br />

„Die EZB hat damit gerechnet, dass<br />

die hohe Inflation nur ein vorübergehendes<br />

Phänomen ist. Allerdings sind deren Datenmodelle<br />

nicht auf die Situation ausgelegt – sie<br />

berechnen und funktionieren nur in einer<br />

stabilen Welt. Deshalb lagen die Prognosen<br />

komplett daneben“, meint Gutschi.<br />

Frachtraten sinken<br />

Laut einem Factsheet der DZ Bank steckten<br />

noch im Mai <strong>2022</strong> mehr als 11 Prozent sämtlicher<br />

global verschiffter Waren in Warteschlangen,<br />

im Juli 2021 waren es gar noch rund 14 Prozent.<br />

„Häfen sind gesperrt oder es fehlt an Personal,<br />

um die Container zu verladen. Die Transportraten<br />

gehen zwar wieder nach unten, sind aber<br />

noch immer auf einem sehr hohen Niveau.<br />

Ein Beispiel: Früher haben wir Sitzsäcke um 99<br />

Euro verkauft, heute kostet allein der Transport<br />

dieses Sitzsackes 200 Dollar. Wer soll denn<br />

das kaufen?“, so Gutschi. Lag der aggregierte<br />

Frachtmarktpreis für Schiffstransporte aus China<br />

im Juni 2018 noch bei etwa USD 2.000, betrug er<br />

zum Höhepunkt im September 2021 knapp USD<br />

23.000 – für die gleiche Leistung.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S58<br />

Gaslieferstopp als Schreckgespenst<br />

Gutschi rechnet fix damit, dass spätestens<br />

im Herbst Russland die Erdgaslieferungen<br />

nach Österreich ganz einstellt, bereits jetzt<br />

sind die Mengen stark gedrosselt. „Sollte<br />

der Gashahn zu sein – und die Wahrscheinlichkeit<br />

dafür ist deutlich über 50 Prozent<br />

- wird es wirklich kritisch“, fürchtet er. „Forscher<br />

rechnen mit Minus 2 Prozent des BIP.<br />

Allerdings nehmen die bei ihren Prognosen<br />

an, dass das Gas einfach woanders<br />

herkommt. Das ist reine Naivität. Wir hängen<br />

von Putin ab, nicht umgekehrt.“ Auch die<br />

Diskussion um die Verteilung der Gasreserven<br />

im Ernstfall versteht er nicht. „Dass den<br />

Menschen der Vorzug gegeben wird, ist mir<br />

unbegreiflich. Ein paar Grad weniger in der<br />

Wohnung halte ich aus, da ziehe ich mich<br />

einfach wärmer an. Aber die Industrie ist das<br />

Rückgrat unserer Wirtschaft, die Basis unseres<br />

Wohlstands – wenn die stillsteht, dann haben<br />

wir wirklich ein gewaltiges Problem.<br />

Stellen Sie sich vor, BASF in Ludwigshafen<br />

muss die Produktion einstellen – ohne Chemie<br />

können unzählige weitere Produkte nicht<br />

erzeugt werden: keine Verpackungen, Klebstoffe,<br />

Dämmmaterial, Sportartikel, Arzneimittel<br />

usw. Wir reden hier von einem Einbruch<br />

des BIP im zweistelligen Bereich.“ Deshalb<br />

müsse nun jeder einen Beitrag leisten, denn<br />

auch viele kleine Schritte bringen einen in<br />

Summe ans Ziel.<br />

Wohlstandsverlust unvermeidbar<br />

„Es ist an der Zeit, der Bevölkerung endlich<br />

reinen Wein einzuschenken: ein Wohlstandsverlust<br />

ist unvermeidbar. Der Staat kann es<br />

nicht immer richten, nach der Pandemie<br />

sind die Kassen leer. Das 28 Mrd. € schwere<br />

Entlastungspaket war ein wichtiger und<br />

richtiger Wurf. Wenn es nun wirklich gelingt,<br />

die kalte Progession abzuschaffen, dann<br />

ist diese Regierung zu etwas fähig, woran<br />

bisher alle gescheitert sind. Meiner Meinung<br />

nach muss solch eine gravierende Änderung<br />

auch in den Verfassungsrang. Jede Partei,<br />

die gegen die Abschaffung der kalten<br />

Progression ist, leistet einen Affront gegen<br />

jeden einzelnen arbeitenden Menschen.“<br />

Eine staatliche Preisregulierung ist für ihn<br />

hingegen der falsche Weg. „Der Staat muss<br />

über Transferleistungen unterstützen, den Preis<br />

bestimmt der Markt.“ Ein wichtiger Faktor ist<br />

die Energie, das Energiesparen sollte nicht nur<br />

für ÖKO-Aktivisten an erster Stelle stehen. „Ich<br />

erwarte eine Aufforderung zum Energiesparen,<br />

und zwar jetzt gleich. Parallel muss nach Alternativen<br />

gesucht werden. Die Wiederinbetriebnahme<br />

des Kohlekraftwerks ist ein wichtiger<br />

und richtiger Schritt – wenngleich auch ich<br />

damals bei der Abschaltung gejubelt habe.<br />

Die Versorgung mit Gas hat oberste Priorität“,<br />

so Gutschi. Für die zukünftige Strategie sei es<br />

auch dringend nötig, die Vertreter der Industrie<br />

an einen Tisch zu bringen und Ernstfall-Szenarios<br />

zu simulieren – also kein Erdgas mehr zu<br />

haben. Gutschi: „Es war naiv zu glauben, dass<br />

kein Krieg kommt. Jetzt müssen wir mit den<br />

Konsequenzen leben.“<br />

Arbeitskraft & Arbeitszeit<br />

Vor kurzem noch klagten viele Unternehmen<br />

über den eklatanten Fachkräftemangel.<br />

Heute fehlt Personal an allen Ecken und<br />

Enden. „Wo sind nur all die Menschen?“, fragt<br />

Gutschi. Eine mögliche Antwort: außer Landes.<br />

Denn durch die Pandemie kommen viele Arbeitskräfte,<br />

beispielsweis Erntehelfer, nicht<br />

mehr nach Österreich. Die Wirtschaftsleistung<br />

liegt noch unter dem Niveau von 2019.<br />

Laut Handelsverband rechnen die Unternehmen<br />

im Jahr <strong>2022</strong> mit einem Umsatzrückgang<br />

von minus 14 Prozent im Vergleich<br />

zu 2019. Mitschuld an der Misere ist laut<br />

Gutschi die Kurzarbeit. „Dieses Arbeitsmarktinstrument<br />

verlängert die Verkrustung und<br />

zögert bei manchen Unternehmen nur das<br />

Unvermeid liche hinaus. Kurzarbeit sollte auf<br />

ein absolutes Minimum reduziert werden, statt<br />

dessen ist eine Arbeitsmarktreform dringend<br />

nötig – beispielsweise die Senkung der Lohnnebenkosten<br />

für Arbeitnehmer. Dies wäre durch<br />

die überproportionale Kaufkraftsteigerung ein<br />

Lichtblick und die beste Maßnahme, um dem<br />

Handel zu helfen“, meint Gutschi.<br />

Fazit: Wir müssen uns auf Einschränkungen<br />

einstellen, auch das Angebot frei verfügbarer<br />

Waren wird schrumpfen. Aber: „Es hilft nichts,<br />

pessimistisch zu sein. Menschen sind kreativ,<br />

und wir werden immer eine Lösung finden.“<br />

(AG)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S60<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Wenn’s wirklich<br />

wichtig ist…<br />

Post investiert in<br />

e-fulfilment<br />

Der Onlinehandel boomt unbestritten. Als<br />

Paketversanddienstleister Nr. 1 in Österreich<br />

bietet die Post eine umfangreiche Servicepalette<br />

fürs E-Commerce-Business. Um an<br />

der Spitze zu bleiben, ist Automation das<br />

Zauberwort. Logistik express im Gespräch<br />

mit Wolfgang Einer, Leiter Logistic Services,<br />

Österreichische Post AG.<br />

BEITRAG: ANGELIKA GABOR<br />

Die Volatilität bei der Nachfrage bedingt flexible,<br />

skalierbare Intralogistiksysteme. Welche<br />

Lösung ist hier die beste?<br />

Es gibt keine one-fits-all-Lösung. Wir haben<br />

uns für eine AutoStore-Anlage entschieden,<br />

ein automatisiertes Lager- und Kommissionierungssystem.<br />

Denn selbst im Drei-Schicht-<br />

Betrieb konnten wir die Mengen manuell nicht<br />

mehr bewältigen. Derzeit wird in Enzersdorf an<br />

der Fischa die mehr als 800 m² große Anlage<br />

aufgebaut, kommendes Jahr soll sie in Betrieb<br />

gehen. Mit dieser modularen Gesamtlösung –<br />

der größten Investition in der Geschichte der<br />

Post Systemlogistik – sind wir für die Zukunft gerüstet<br />

und können die gesamte Kette für den<br />

e-Commerce in der DACH-Region anbieten.<br />

Wie hat sich die Pandemie ausgewirkt?<br />

Covid hat definitiv das Mengenwachstum<br />

beschleunigt, und das Onlinehandelsvolumen<br />

wird auch nicht mehr auf das Vor-<br />

Pandemieniveau zurückgehen. Wir haben 2-3<br />

Jahre in der Entwicklung übersprungen.<br />

Welche ist die beste Herangehensweise zur<br />

Automatisierung eines Logistikstandortes?<br />

Wir haben den Markt ausgiebig sondiert und<br />

aus der Fülle der Anbieter auf ein paar für uns<br />

passende eingegrenzt. Früher war es leicht,<br />

gab es vor 20 Jahren ein neues System am<br />

Markt, dann war das die fixe Lösung für alle<br />

für die nächsten 15 Jahre. Aber heute sind<br />

Angebot und Auswahl schier unendlich. Die<br />

Herausforderung ist es, ein System zu finden,<br />

das einen auch in Zukunft nicht limitiert.<br />

In welchen Bereichen gibt es noch das meiste<br />

Optimierungspotential?<br />

Österreich ist in der Entwicklung leider noch<br />

etwas hinten, wir müssen einen Schritt zurückgehen,<br />

um die Schwachstellen zu sehen:


wir müssen etwa genau überlegen, wie das<br />

Order-Management im jeweiligen Betrieb<br />

funktioniert. Die technische und physische<br />

Logistik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg<br />

eines Shops. Hier ist es nötig, sich die Zeit<br />

zu nehmen und wirklich zu analysieren. Denn<br />

eine Homepage mit Versand allein macht<br />

noch lange keinen erfolgreichen Webshop.<br />

Der Kunde möchte die Ware zu einem bestimmten<br />

Zeitpunkt an einem bestimmten Ort<br />

erhalten, und die Automatisierung hilft uns<br />

dabei.<br />

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach die<br />

Automatisierungskaiser, und warum?<br />

Unternehmen mit kleinteiligem Sortiment haben<br />

es naturgemäß immer leichter, Branchen<br />

wie etwa die Pharmaindustrie. Auch hängend<br />

transportierte Kleidung war ein Renner, geht<br />

jetzt aber zurück. Sperrige Artikel hingegen<br />

lassen sich kaum automatisieren, die erforderlichen<br />

Geräte wären zu schwer und zu<br />

groß. Keiner wird beispielsweise Fitnessgeräte<br />

automatisiert kommissionieren. Automatisierungslösungen<br />

helfen dabei, eine bestimmte<br />

Performance zu schaffen. Gleichzeitig werden<br />

Logistikflächen rarer. Jeder Kunde möchte<br />

möglichst schnell seine Ware, aber keiner<br />

möchte den dazugehörigen LKW sehen.<br />

Stichwort Retourenhandling: wie sehen Ihre<br />

cleversten Lösungen für die unterschiedlichen<br />

Branchen aus? (Vorteile/Nachteile)<br />

Wir von der Post sind davon überzeugt, dass<br />

sich die Retourenabwicklung in einer Transformation<br />

befindet. Früher konnte man Waren<br />

immer kostenlos zurückschicken, aber hier findet<br />

ein Umdenken statt – auch aus Gründen<br />

der Nachhaltigkeit. Es kam durchaus häufig<br />

vor, dass Kunden sich im Internet verschiedene<br />

Größen und Farben eines Modells bestellten,<br />

einen Artikel behielten und den Rest retournierten.<br />

Das hat sich in letzter Zeit geändert.<br />

Es ist ein politischer Konsens nötig, dass diese<br />

Bepreisung wichtig und richtig ist. Ich bin auch<br />

der Meinung, dass das System der Retourenabwicklung<br />

grundlegend geändert werden<br />

sollte. Ob Retouren zurück ins Versandlager<br />

gehen, oder in ein Extra-Lager, oder in eine<br />

Aufbereitung (beispielsweise waschen), oder<br />

gar in den stationären Handel. Im Idealfall ist<br />

kein weiter Transport nötig.<br />

Gibt es eine Grenze für Automatisierung, die<br />

man nicht überschreiten sollte? (zB hinsichtlich<br />

der Komplexität)<br />

Prinzipiell nein. Aber nicht jedes Produkt ist für<br />

eine Automatisierung geeignet. Trotzdem sind<br />

wir heute noch sehr weit von den Grenzen der<br />

Automatisierung entfernt.<br />

Intralogistik im Jahr 2040: was erwartet uns?<br />

Was wird es Ihrer Meinung nach nicht mehr<br />

geben?<br />

Solch eine Prognose ist unmöglich, dazu ist<br />

unsere Zeit viel zu schnelllebig. Jeder, der das<br />

behauptet, macht nur Schabernack. (AG)<br />

Executice Vice President Logistics<br />

Solutions at Austrian Post AG


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S62<br />

ECOMMERCE LOGISTIK<br />

Logistikdienstleister<br />

als verlängerter Arm<br />

des Onlinehandels<br />

Getreu dem Motto „je näher desto besser“<br />

ermöglicht cargo-partner seinen Kunden,<br />

ihren Webshop direkt mit cargo-partner Systemen<br />

zu verbinden. Eine eigene Online-<br />

Plattform garantiert volle Transparenz und<br />

Echtzeit-Überblick.<br />

BEITRAG: ANGELIKA GABOR<br />

Als internationaler Transport- und<br />

Info-Logistik-Anbieter legt cargopartner<br />

einen strategischen Fokus<br />

auf die Entwicklung von hochmodernen<br />

End-to-End-Lösungen für den B2Cund<br />

B2B-Bereich. Schon seit Jahren ist der<br />

Online-Handle ein rapide wachsendes Geschäftsfeld,<br />

und die COVID-19-Pandemie hat<br />

diesen Trend noch zusätzlich verstärkt.<br />

Online-Händler können ihren Webshop direkt<br />

mit den Systemen von cargo-partner verbinden<br />

oder von bestehenden Anbindungen zu<br />

den bekanntesten Verkaufsplattformen profitieren,<br />

um Logistikprozesse zu automatisieren<br />

und wertvolle Zeit und Kosten zu sparen. „Alle<br />

cargo-partner-Kunden haben Zugriff auf die<br />

SPOT-Plattform, die volle Transparenz beim<br />

Transport sicherstellt und ein einfaches Online-Bestandsmanagement<br />

ermöglicht. Dank<br />

regelmäßiger Status-Updates wissen die Endkunden<br />

immer genau, wann ihre Sendung<br />

ankommt“, betont Martin Schenzel, cargopartner<br />

Geschäftsführer Österreich.<br />

Das Parcel-Modul der SPOT-Plattform bietet<br />

Online-Händlern eine einfache Übersicht über<br />

alle Versandoptionen und Paketdienstleister<br />

(inkl. Konditionen und Laufzeiten). Dabei können<br />

die Händler ihre bestehenden Verträge<br />

mit KEP-Anbietern nutzen oder diese Dienstleistungen<br />

von cargo-partner bereitstellen lassen,<br />

um von Mengenvorteilen zu profitieren.<br />

Zusätzlich ermöglicht das Modul auch einen<br />

automatischen Druck von Rücksendeetiketten<br />

sowie Handelsrechnungen.<br />

Automatisierung unabdingbar<br />

Schenzel: „Der Einsatz modernster Technologie<br />

an unseren Lagerstandorten hilft uns, Prozesse<br />

zu automatisieren und das Risiko menschlicher


Fehler zu minimieren. Gleichzeitig können wir<br />

mit unserer SPOT-Plattform die Kommunikation<br />

mit allen Parteien in der Lieferkette – von den<br />

Lieferanten unserer Kunden bis hin zu ihren<br />

Endkunden – effizienter gestalten und so<br />

„blinde Flecken“ vermeiden. So werden Probleme<br />

bereits im Voraus erkannt und eine bessere<br />

Lieferkettenplanung ermöglicht.“ Die Vorteile<br />

liegen klar auf der Hand: „Per EDI oder API<br />

können wir unsere IT-Systeme an jene unserer<br />

Kunden anbinden, um die Prozesse auf beiden<br />

Seiten zu vereinfachen und Zeit und Kosten zu<br />

sparen. Auf der anderen Seite binden wir uns<br />

auch mit unseren Carriern und Partnern an,<br />

um wichtige Informationen schneller oder sogar<br />

in Echtzeit zu erhalten“, erläutert Schenzel.<br />

Seit 2000 bereits ist die SPOT-Plattform im Transport-<br />

und Logistik-Management im Einsatz. Die<br />

Vorteile: durchgehende Sendungsverfolgung,<br />

einfaches Kommunikations- und Dokumentenmanagement,<br />

umfassende Reporting-Optionen,<br />

Echtzeit-Management der Lagerbestände<br />

und integrierten Paketversand. Mit dem<br />

SPOT-Modul „Purchase Order Management“<br />

können diese Features auch in den Bereichen<br />

Einkauf und Produktion genutzt werden.<br />

Innovative Cloudlösung<br />

Aktuell arbeitet cargo-partner daran, die<br />

Cloud-basierte Logistik-Applikation CargoWise<br />

im gesamten cargo-partner-Netzwerk in 40<br />

Ländern einzuführen. „CargoWise ergänzt<br />

unsere eigene „Visibility & Collaboration Platform“<br />

SPOT und war ganz klar die erste Wahl<br />

für die umfassende Funktionalität, Konfigurierbarkeit<br />

und Flexibilität, die wir brauchen, um<br />

unsere zukünftigen Wachstumsinitiativen voranzutreiben“,<br />

freut sich Schenzel und ergänzt:<br />

„Wir sehen unsere zukünftige Rolle in der<br />

Digitalisierung der globalen Lieferkette nicht<br />

in der Entwicklung eigener Standardsoftware,<br />

sondern im Ausarbeiten individueller Kundenlösungen,<br />

der tiefen Integration und schlussendlich<br />

im Aufbau von Clustern künstlicher<br />

Intelligenz gemeinsam mit unseren Kunden,<br />

wobei viele dieser Cluster untereinander verbunden<br />

sein und miteinander kommunizieren<br />

werden.“<br />

Trotz allem zählt der Mensch<br />

Geht es nach dem Geschäftsführer, bleibt<br />

auch in Zeiten von Digitalisierung und Automatisierung<br />

die persönliche Beziehung und<br />

Kommunikation mit dem Kunden weiterhin ein<br />

Schlüsselfaktor für effiziente und reibungslose<br />

Lieferketten. cargo-partner strebt langjährige<br />

Beziehungen mit seinen Kunden an und<br />

arbeitet in enger Abstimmung mit allen Partnern<br />

entlang der Lieferkette, um Logistikprozesse<br />

optimal aufzusetzen und kontinuierlich<br />

zu verbessern. Die Prozesse müssen dabei<br />

standardisiert und solide genug sein, um Automatisierung<br />

zu ermöglichen, und gleichzeitig<br />

agil und skalierbar genug, um auf unvorhergesehene<br />

Ereignisse schnell reagieren zu<br />

können. (AG)<br />

Martin Schenzel, Geschäftsführer<br />

Österreich, cargo-partner


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S64<br />

TRANSPORT & LOGISTIK<br />

Wolfram Senger-Weiss:<br />

„Grün“ transportieren<br />

kostet Geld<br />

Viel wird über grüne Logistik geredet, doch<br />

wenige wollen dafür bezahlen. Wolfram<br />

Senger-Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung<br />

von Gebrüder Weiss, über Dekarbonisierung,<br />

Pandemie, Verkehrsverlagerung,<br />

alternative Antriebe und weitere Expansion.<br />

Ökologisierung des Transports vorantreiben<br />

wollen, benötigen die Unternehmen Investitionssicherheit<br />

und Förderungen, bis wettbewerbsfähige<br />

Lösungen verfügbar sind. Hier ist<br />

die Politik gefordert, realistische Bilder zu zeichnen,<br />

technologieoffen zu sein und gemeinsam<br />

mit den Betrieben an Lösungen zu arbeiten.<br />

Wir als Gebrüder Weiss bekennen uns klar zu<br />

nachhaltigen Zielen: Wir testen bei unserer<br />

Fahrzeugflotte alternative Antriebe mit Gas,<br />

Strom und Wasserstoff und wollen unsere<br />

eigenen Logistikanlagen bis 2030 mit Solarstrom<br />

klimaneutral betreiben. Unseren Kunden<br />

bieten wir mit unserem „zero-emissions“-<br />

Service die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß jeder<br />

logistischen Leistung durch einen Mehrbetrag<br />

zu kompensieren. Dieser fließt dann in<br />

zertifizierte Klimaschutzprojekte.<br />

TEXT: REDAKTION<br />

Herr Senger-Weiss, das Verkehrsministerium<br />

hat Ende 2021 mit der Erarbeitung eines österreichischen<br />

Masterplans für den Güterverkehr<br />

begonnen. Die Verlagerung des Güterverkehrs<br />

von der Straße auf Schiff und Bahn wird<br />

darin propagiert. Welche Erwartungen haben<br />

Sie an diesen Masterplan?<br />

Senger-Weiss: Die Schiene wird sicher wichtiger<br />

und hat auf längeren Distanzen ihre Vorteile.<br />

Bei Gebrüder Weiss verlagern wir bereits<br />

seit Jahren Straßentransporte auf die Schiene:<br />

Mit dem Orange Combi Cargo haben wir einen<br />

Ganzzug, der täglich zwischen Ost- und<br />

Westösterreich pendelt und damit jährlich<br />

rund 9.000 Tonnen CO2 einspart. Auch haben<br />

wir beispielsweise regelmäßige Zugverbindungen<br />

zwischen Österreich und diversen Häfen.<br />

Wir müssen uns aber bewusst sein, dass nur<br />

gewisse Warentypen und Transportanforderungen<br />

für eine Verlagerung geeignet sind.<br />

Der Lkw wird gern und oft als klimaschädigend<br />

angefeindet. Welche alternative Lkw-Antriebstechnologien<br />

haben gute Chancen, aus dem<br />

„klimafeindlichen“ Lkw einen „klimafreundlichen“<br />

zu machen?<br />

Senger-Weiss: Elektro-Lkw sind in der Zustellung,<br />

speziell im urbanen Raum eine gute Lösung,<br />

nicht aber für den Schwerlastverkehr auf<br />

der Langstrecke. Grundsätzlich ist die E-Mobilität,<br />

auf die sich die österreichische Politik fokussiert<br />

hat, in der Logistik kein Allheilmittel. Bei<br />

schweren Lkw gibt es noch wenig serienreife<br />

Fahrzeuge mit nachhaltigen Antriebsformen.<br />

Auch braucht es dazu eine entsprechend<br />

passende Tankinfrastruktur und Service-<br />

Organisation. Vielversprechend ist die Wasserstoff-Technologie,<br />

die Gebrüder Weiss in der<br />

Schweiz als eines der ersten Unternehmen seit<br />

nun einem Jahr mit großem Erfolg im Einsatz<br />

hat. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit unseren<br />

Kunden aus den Praxiserfahrungen lernen.<br />

Welche Technologie sich letztendlich durchsetzen<br />

wird, ist aktuell noch nicht klar.<br />

Wie denken Sie, lassen sich Umweltinteressen<br />

und Interessen der Wirtschaft im Blickfeld auf<br />

das Jahr 2050 unter einen Hut bringen?<br />

Senger-Weiss: Die Ökologie folgt der Ökonomie<br />

oder anders ausgedrückt: Grüne Logistik<br />

kostet Geld. Die höheren Kosten will aber<br />

bisher kaum jemand bezahlen. Wenn wir die<br />

Wie läuft derzeit das Geschäft bei Gebrüder<br />

Weiss und welche Pläne verfolgen Sie für die<br />

nahe Zukunft?<br />

Senger-Weiss: Die Themen Lieferverzögerungen,<br />

Frachtraumknappheit und volatile und<br />

stark gestiegene Preise bei den Frachtraten<br />

haben uns länger begleitet als gehofft.


Eine Erleichterung ist auch in absehbarer<br />

Zeit nicht zu erwarten. Grundsätzlich aber<br />

fällt unser Rückblick auf 2021 zufriedenstellend<br />

aus. Wir konnten als Unternehmen viele<br />

strategische Themen umsetzen, gerade<br />

im Hinblick auf unsere internationale Netzwerkverdichtung<br />

sowie in den Bereichen<br />

Digitalisierung und Nachhaltigkeit, sprich<br />

alternative Antriebe und anvisierte Klimaneutralität<br />

unserer Logistikanlagen bis 2030.<br />

Wir werden unsere Anstrengungen im Bereich<br />

Nachhaltigkeit weiter intensivieren – Stichwort<br />

alternative Antriebe – und unseren Weg Richtung<br />

Klimaneutralität durch Investitionen in<br />

Solaranlagen an unseren Standorten fortsetzen.<br />

Zugleich sind wir mit steigenden Kosten<br />

und Inflation konfrontiert – auch Green Logistics<br />

kostet Geld. Und diese Kosten müssen wir<br />

entsprechend an unsere Kunden weitergeben.<br />

Das ist kein einfacher und angenehmer,<br />

aber ein notwendiger Prozess. Weitere Entwicklungsschritte<br />

haben wir <strong>2022</strong> außerdem<br />

in Süddeutschland und den USA geplant, wo<br />

wir uns noch verstärken und weiterentwickeln<br />

möchten.<br />

Welche Auswirkungen hatte die Corona-<br />

Pandemie auf die verschiedenen Bereiche in<br />

Ihrem Unternehmen?<br />

Senger-Weiss: Die Corona-Pandemie hat<br />

unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen<br />

viel Flexibilität und hohe Einsatzbereitschaft<br />

abverlangt. Der Aufwand der<br />

Abwicklung ist durchwegs gestiegen,<br />

teilweise auch das Sendungsaufkommen, besonders<br />

im Paket- und Home Delivery-Bereich.<br />

Die Situation in der Luft- und Seefracht war<br />

und ist herausfordernd. Das alles wurde hervorragend<br />

gemeistert. Vor allem der operative<br />

Bereich war dauerhaft unter den erschwerten<br />

Bedingungen gefordert.<br />

Experten prognostizieren für die globale<br />

Logistik-Welt Logistik-Welt einen großen Wandel<br />

weg von der menschlichen Arbeit hin zu<br />

einer vollständigen Automatisierung. Sehen<br />

Sie auch eine solche Entwicklung und was<br />

bedeutet das für Ihr Unternehmen?<br />

Senger-Weiss: Die Digitalisierung ist seit vielen<br />

Jahren fest in der Logistik verankert und<br />

nicht mehr wegzudenken. Bei Gebrüder Weiss<br />

haben wir mit der Einführung des Kundenportals<br />

myGW einen wichtigen Meilenstein<br />

erzielt: Diese digitale Plattform liefert den<br />

Kunden auf Knopfdruck Echtzeitinformationen<br />

zu ihren Warenströmen, die gesamte<br />

Kommunikation kann online abgewickelt werden.<br />

Insgesamt ein deutlicher Mehrwehrt: mehr<br />

Transparenz, höhere Planbarkeit, besserer<br />

Informationsfluss und größere Zeitersparnis.<br />

Aber: Solche digitalen Maßnahmen müssen<br />

auch durch operative Servicequalität gestützt<br />

werden. Deshalb investieren wir sowohl in<br />

digitale Technologien als auch in die „physische“<br />

Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens.<br />

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass<br />

Logistik ein „people’s business“ ist und auf absehbare<br />

Zeit auch bleiben wird.<br />

(RED)<br />

Wolfram Senger-Weiss, Vorsitzender,<br />

Geschäftsführer Gebrüder Weiss


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S66<br />

TRANSPORT & LOGISTIK<br />

Alexander Friesz:<br />

Politik verhindert<br />

Alternativen<br />

Österreichs Speditionswirtschaft ist auf das<br />

Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035<br />

nicht gut zu sprechen. Dabei ist gerade der<br />

Lkw ein wichtiger Hebel zur Erreichung der<br />

Klimaziele. Alexander Friesz, Präsident des<br />

Zentralverbandes Spedition & Logistik, im<br />

Gespräch mit Logistik Express.<br />

TEXT: REDAKTION<br />

Herr Friesz, in Österreich wird derzeit ein Masterplan<br />

für den Güterverkehr erarbeitet. Was<br />

erwartet sich die Speditionswirtschaft von<br />

diesem Plan und wie soll damit die politisch<br />

vielbeschworene Dekarbonisierung des Güterverkehrs<br />

erreicht werden?<br />

Alexander Friesz: Der Masterplan sollte zum Ziel<br />

haben verkehrsträgerneutral den Transformationsprozess<br />

in Richtung Zero-Emission aufzusetzen.<br />

Seit Beginn dieser Regierung drängen<br />

wir Verkehrsministerin Gewessler auf einen,<br />

mit uns abgestimmten, möglichst konkreten<br />

Maßnahmenplan zur Dekarbonisierung des<br />

Güterverkehrs, Ergebnisse gibt es noch keine.<br />

Deutschland ist bei den geplanten Maßnahmen<br />

schon viel konkreter und auch wesentlich<br />

technologieoffener.<br />

Ohne Lkw wird es auch im klimaneutralen Österreich<br />

wie es ab 2040 sein soll nicht gehen.<br />

Für welche Antriebstechnologien setzt sich<br />

Ihre Branche ein mit welchen Forderungen an<br />

die Hersteller und die Politik?<br />

Friesz: Solange die Politik alle Alternativen verhindert,<br />

stellt uns das vom EU-Parlament am<br />

8. Juni <strong>2022</strong> beschlossene Verbot für den Verkauf<br />

von Verbrennungsmotoren ab 2035 vor<br />

unlösbare Probleme. Der Straßengüterverkehr<br />

ist ein wesentlicher Hebel zur Erreichung der<br />

EU-Klimaziele. Wir wissen das und treten seit<br />

langem nachdrücklich für die Umsetzung entsprechender<br />

Maßnahmen ein. Wenn die Politik<br />

aber weder den Einsatz von e-Fuels noch von<br />

Wasserstoff noch von energie-effizienten Lkw<br />

ermöglicht, werden Warenverkehr und Güterversorgung<br />

in ihren Grundzügen gefährdet, da<br />

die Alternativen fehlen.<br />

Welche politische Unterstützung erwartet Sie<br />

sich bei ihrer Bereitschaft in emissionsarme<br />

Fuhrparks zu investieren?<br />

Friesz: Wir wünschen uns eine technologieoffene<br />

Förderung der Zero-Emission-Antriebslösungen<br />

Wasserstoff und Batterie, da die Investitionskosten<br />

im Vergleich zum fossilen Antrieb<br />

mindestens den 3,5-fachen Steigerungsfaktor<br />

aufweisen. Für eine Übergangszeit wäre<br />

es, auch wenn das EU-Parlaments jetzt dagegen<br />

gestimmt hat, sinnvoll Brückentechnologien<br />

wie E-Fuels ebenfalls in die Förderplanung<br />

aufzunehmen, um bereits heute Emissionseinsparungen<br />

zu erzielen. Die kürzlich – spät aber<br />

doch – präsentierte Wasserstoff-Strategie für<br />

Österreich begrüßen wir grundsätzlich.<br />

An vielen Ecken und Enden fehlt es aber an<br />

Konkretem. So muss sowohl der Wasserstoff für<br />

den Schwerverkehr aktiv gefördert als auch<br />

die Errichtung von Lade- und Produktions-Infrastruktur<br />

massiv vorangetrieben werden. Bei<br />

der Förderung geht es zudem um eine Gleichbehandlung<br />

aller alternativen Antriebsformen.<br />

Bei der E-Mobilität gibt es keine Auflagen, wo<br />

der Strom herkommt. Bei Wasserstoff soll nur die<br />

Verwendung von neuem, zusätzlich gewonnenem<br />

erneuerbarem Wasserstoff förderbar werden.<br />

Das ist eine klare Ungleichbehandlung.<br />

Technologieneutralität, wie von uns und auch<br />

von der EU-Kommission eingefordert, um die<br />

Ziele erreichen zu können, sieht anders aus.<br />

Nicht nachvollziehbar ist für uns auch die Industrielastigkeit<br />

der österreichischen H2-Strate-


gie, die damit ausgerechnet den alternativlosen<br />

Güterverkehr so gut wie unbeachtet lässt.<br />

Unsere Unternehmen investieren Millionen in<br />

Klimaschutzmaßnahmen und werden dabei<br />

von der Politik in jeder Hinsicht alleingelassen.<br />

Zu unterstützen sind Anzeichen, dass die<br />

EU-Kommission im Rahmen ihrer Klimaschutzpolitik<br />

auch auf längere und schwerere Lkw<br />

setzen will. Die Kommission hat damit die Diskussion<br />

über längere Lkw und über den Nutzen<br />

aerodynamischer Verbesserungen an den<br />

Fahrzeugen zumindest neu eröffnet. Europäische<br />

Modulare Systeme (EMS) mit Fahrzeugkombinationen<br />

von 25,25 Metern Länge sollen<br />

demnach grenzüberschreitend fahren und<br />

Gewichte und Höchstmaße auf die in der EU<br />

am häufigsten zugelassenen Werte angehoben<br />

werden. Anreize oder Vorschriften für aerodynamische<br />

Änderungen, Länge, Gewicht,<br />

Achslast und Ladekapazität sollten jedenfalls<br />

für emissionsfreie Lkw angepasst werden.<br />

Auch mehr Lkw Ladekapazität im intermodalen<br />

Verkehr ist ein Thema. Sinnvolle und richtig<br />

umgesetzte Vorgaben bei Aerodynamik,<br />

Länge und Volumen können den Verbrauch<br />

und damit die Emissionen um bis zu 30 Prozent<br />

reduzieren. Dazu müsste aber auch Österreich<br />

endlich von seinem besonders restriktiven Kurs<br />

abgehen.<br />

Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten<br />

bringen die Logistikwirtschaft unter Druck. Mit<br />

welchen Entlastungen sollte die Politik dem<br />

Transportsektor entgegenzukommen?<br />

Friesz: Die steigenden Energie- und Treibstoffkosten<br />

treffen unsere Branche naturgemäß besonders<br />

hart. Die Senkung der Mineralölsteuer<br />

(MöST), das Aussetzen der CO2-Bepreisung ab<br />

Juli und die Einführung eines Gewerbediesels<br />

wurden vom Zentralverband bereits öffentlich<br />

gefordert. Zummindest bei der CO2-Bepreisung<br />

haben wir uns durchgesetzt. Diese wird<br />

erst einmal auf Oktober verschoben. Entlastungen<br />

im Energiebereich helfen den Konsumenten,<br />

ja der gesamten Wirtschaft und wirken<br />

der massiv steigenden Inflation entgegen.<br />

Alle reden von grüner Logistik und erwarten,<br />

dass die Logistik-Branche hier mit Super-Lösungen<br />

aufwartet. Sollte nicht jeder Bürger<br />

mehr Bewusstsein für grüne Logistik entwickeln,<br />

weil er es ist, der mit seiner Konsumnachfrage<br />

mehr Güterverkehr „erzeugt“?<br />

Friesz: Das Konsumentenverhalten führt derzeit<br />

dazu, dass in immer kürzen Bestellrhythmen<br />

immer kleiner werdende Warenmengen transportiert<br />

werden. Damit ist auch ein weiteres<br />

Verkehrswachstum verbunden. Eine Veränderung<br />

dieser Kaufgewohnheiten kann das positiv<br />

beeinflussen. Damit kann auch jeder Einzelne<br />

etwas zur Dekarbonisierung beitragen.<br />

Durch den Ukraine-Krieg sind über Nacht<br />

100.000 ukrainische Lkw-Fahrer in Polen und<br />

anderen Oststaaten nicht mehr vorhanden,<br />

weil sie ihr Heimatland verteidigen. Wie viele<br />

Lkw-Fahrer fehlen in Österreich und wie lässt<br />

sich der Mangel in den Griff bekommen?<br />

Friesz: Der Ausfall von 100.000 ukrainischen<br />

Lkw-Fahren verschärft den bereits zuvor großen<br />

Fahrermangel massiv. Durch vorausschauende<br />

Dispositionen versuchen wir Spediteure<br />

diese Beeinträchtigungen zu reduzieren. Ganz<br />

kompensieren können wir diesen eklatanten<br />

Mangel aber nicht. Der Beruf des Lkw-Fahrers<br />

muss attraktiver werden und der Zugang zur<br />

Ausbildung erleichtert. (RED)<br />

Alexander Friesz, Präsident Zentralverbandes<br />

Spedition & Logistik


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S68<br />

TRANSPORT & LOGISTIK<br />

Roman Stiftner:<br />

Lieferketten müssen<br />

resilienter werden<br />

Die Gobalisierung erlebt derzeit einen radikalen<br />

Wandel. Produktionen rücken näher zu regionalen<br />

Märkten. Was nicht allein schmerzlich<br />

sein muss, sondern auch Chancen<br />

birgt ist Roman Stiftner, Präsident des European<br />

Shippers’ Council überzeugt.<br />

TEXT: REDAKTION<br />

Herr Stiftner, die Wirtschaft ist derzeit mit großen<br />

Veränderungen konfrontiert und der Ukraine-Krieg<br />

sorgt für massive Verwerfungen<br />

bei globalen Transportabläufen. Was bedeutet<br />

das für die verladende Wirtschaft, deren<br />

Interessen das European Shippers’ Council<br />

(ESC) vertritt?<br />

Roman Stiftner: Es herrschen turbulente Zeiten<br />

in der Logistik. Ja, die gestörten Lieferketten im<br />

Welthandel machen uns zu schaffen und das<br />

wird auch noch einige Zeit disruptiv bleiben.<br />

Etwa ein Zehntel aller weltweit verschifften<br />

Waren sitzen derzeit irgendwo fest und behindern<br />

die Versorgung mit Gütern und Rohstoffen.<br />

Das Ausmaß hat auch bereits die Endkonsumenten<br />

erreicht, Wunschprodukte sind nicht<br />

lieferbar und die Inflation zieht gehörig an.<br />

Die Corona-Pandemie hat Lieferketten massiv<br />

beeinträchtig und viele wurden notleidend.<br />

Was soll die verladende Wirtschaft unternehmen,<br />

um die Lieferketten resilienter gegen Unwägbarkeiten<br />

zu machen?<br />

Stiftner: Die Wiederherstellung der Resilienz ist<br />

die Priorität für das Supply Chain- Management.<br />

Kurzfristig wird die verladende Wirtschaft<br />

wohl der Situation mit Krisenmanagement<br />

beikommen können. Ich bin überzeugt, dass<br />

sich die Zielprioritäten zugunsten der Qualität<br />

und Regionalität verschieben werden. Praktisch<br />

bedeutet das, dass es nicht mehr darum<br />

gehen wird, eine Ware oder einen Rohstoff<br />

möglichst kostengünstig zu beziehen. Die Zuverlässigkeit<br />

des Eintreffens der Ware hat im<br />

Störungsfall mehr Einfluss auf die Kosten des<br />

Gesamtproduktionsprozesses als vergleichbar<br />

geringe Einkaufserfolge. Auch ökologisch sind<br />

manche Warenströme zu hinterfragen und<br />

werden wohl neu beurteilt werden müssen.<br />

Das ist die Chance für regionale Anbieter, da<br />

höhere Logistikkosten und das Einpreisen der<br />

Resilienz diese wieder wettbewerbsfähiger<br />

machen. Wir erleben einen schmerzhaften,<br />

aber gesellschaftlich erwünschten Wandel.<br />

Nicht wenige Handels- und Industriebereiche<br />

in Europa haben Probleme bei der Rohstoffbeschaffung,<br />

weil sie häufig von einem einzigen<br />

Lieferanten abhängig sind. Wäre es nicht besser<br />

Rohstoffe von verschiedenen Lieferanten<br />

zu beschaffen, um Lieferrisiken zu minimieren?<br />

Stiftner: Das ist einfacher gesagt als getan.<br />

Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen<br />

begibt sich fahrlässig in die Abhängigkeit eines<br />

einzelnen Lieferanten. Speziell im Rohstoffsektor<br />

aber nicht nur dort sind jedoch monopolartige<br />

Lieferantenstrukturen ein Faktum. Eine<br />

aktuelle Studie hat gezeigt, dass bei den strategisch<br />

wichtigen Metallen für Hochtechnologie<br />

eine vollkommene Abhängigkeit von China<br />

besteht. Ich spreche hier von Rohstoffen, ohne<br />

die Technologien zur Emissionsreduktion und<br />

nachhaltiger Energieerzeugung und Mobilität<br />

aber auch Digitalisierung einfach nicht funktionieren.<br />

Ein ganz aktuelles Beispiel dafür ist<br />

Magnesium. Es wird benötigt, um Aluminiumund<br />

Stahllegierungen herzustellen. Ohne Magnesium<br />

läuft also kein Auto mehr vom Band<br />

und es wird auch keine Windkraftanlage mehr<br />

errichtet werden können. Europa ist zu 95 Prozent<br />

abhängig von China, und China hat die<br />

Lieferungen nach Europa bewusst und strategisch<br />

stark eingeschränkt. Die Folgen sind<br />

eine Preisexplosion und das Bewusstsein, dass<br />

in wichtigen Wertschöpfungsketten, wie unter<br />

anderem in der Automobilindustrie, Europa an<br />

Autonomie stark eingebüßt hat.


Wäre Europas Wirtschaft gut beraten nach<br />

Fernost ausgelagerte Produktionen wieder zurückzuholen,<br />

um Lieferketten zu verkürzen und<br />

transparenter zu machen?<br />

Stiftner: Nicht nur Europas Wirtschaft, auch die<br />

europäische Gesellschaft wäre gut beraten,<br />

diesen Weg zu gehen. Es geht dabei nicht um<br />

ein „Zurück-in-alte-Zeiten“, sondern um die<br />

Absicherung unseres Ziels, Europa bis 2050 klimaneutral<br />

zu machen. Wir dürfen nicht naiv<br />

sein und glauben, dass andere Kulturkreise<br />

unsere Regeln akzeptieren und unserem Voranschreiten<br />

in der Klimapolitik einfach folgen.<br />

Die aktuelle Chipkrise zeigt, wie leicht Technologie<br />

durch leichtfertige Politik abwandern<br />

kann. Obwohl Europa nach wie vor führend<br />

im Design von Chipproduktionsprozessen ist<br />

ging die Produktion verloren. Europa benötigt<br />

eine akzentuierte Industriepolitik und den<br />

Willen, bestehende Industrien in Europa zu festigen<br />

und neue Zweige zu etablieren.<br />

Roman Stiftner, Präsident des<br />

European Shippers’ Council<br />

Welche Forderungen gibt es seitens des ESC<br />

an welche politischen Adressen in Europa?<br />

Stiftner: Die Pandemie hat gezeigt, dass unsere<br />

Lieferketten krisenanfällig sind und wir deshalb<br />

gemeinsame Anstrengungen mit der Politik<br />

unternehmen müssen, sie resilienter zu gestalten.<br />

Für die gesamte verladende Wirtschaft<br />

sind die Ziele des Fit for 55-Programms zur<br />

Steigerung der Nachhaltigkeit eine große zusätzliche<br />

Herausforderung. Das ESC unterstützt<br />

die Europäische Kommission in Maßnahmen<br />

zur Reduktion des Klimawandels auch mit der<br />

Konsequenz, dass Verlader in Zukunft ETS-Zertifikate<br />

für den Transport kaufen werden müssen.<br />

Die Politik ist hier aufgerufen, die unterschiedlichen<br />

Belastungen der Modalitäten durch<br />

das geplante ETS-Regime möglichst gering zu<br />

halten und doppelte Verrechnungen zu vermeiden.<br />

Die Einnahmen durch die Zertifikate<br />

müssen unbedingt in eine moderne Infrastruktur<br />

und digitale Innovation investiert werden.<br />

Darüber hinaus sehen wir uns mit einer schwierigen<br />

Arbeitsmarktsituation konfrontiert. In<br />

den nächsten Jahren wird ein großer Teil der<br />

Lkw-Fahrer in Pension gehen und es wird daher<br />

an autonomen Fahrsystemen kein Weg<br />

vorbeiführen. Dafür müssen die rechtlichen<br />

und infrastrukturellen Grundlagen geschaffen<br />

werden. Aktuell gilt unsere Sorge den geopolitischen<br />

Spannungen nicht nur mit Russland,<br />

sondern auch in der Taiwan-Frage. Etwa 40<br />

Prozent des weltweiten Bedarfs an Halbleitern<br />

wird in Taiwan gefertigt, weshalb Lieferstörungen<br />

vitale Auswirkungen auf Wertschöpfungsprozesse<br />

in Europa haben und auch dem<br />

Welthandel schaden würden.<br />

Welche Ziele wollen Sie in Ihrer Funktion als seit<br />

2021 amtierender ESC-Präsident erreichen?<br />

Stiftner: Mein Ziel als ESC-Präsident ist es, die<br />

Qualität und Resilienz der Lieferketten zum<br />

Wohle der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft<br />

zu verbessern. Dafür braucht Österreich<br />

und Europa mehr qualifizierte Experten.<br />

Wir müssen daher in die Aus- und Weiterbildung<br />

unserer Mitarbeiter investieren. Die verladende<br />

Wirtschaft ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber.<br />

Wir geben Menschen aus unterschiedlichen<br />

Kulturkreisen internationale Karriereperspektiven<br />

und sichere Beschäftigung. Darüber<br />

hinaus ist es mein Ziel, den fairen und partnerschaftlichen<br />

Austausch mit den Verbänden<br />

in Asien, Amerika, Russland als wichtige<br />

Handelsregionen auszubauen. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S70<br />

TRANSPORT & LOGISTIK<br />

LogParship -<br />

Die europäische<br />

Verkehrspolitik<br />

Die EU als Singlebörse. „Alle 11 Minuten verliebt<br />

sich ein Logistik Single über EU-Parship.“<br />

Das „Matching“ sorgt für die größte Chance<br />

auf eine liebevolle Logistiker-Ehe.<br />

REDAKTION: PETER BAUMGARTNER<br />

Auch die Donaukommission bemüht sich mit<br />

neuen Ideen das Logistik-Desaster zu mindern.<br />

Quelle: Donaukommission<br />

Das geopolitische Desaster, in das<br />

uns unsere „FührerInnen“ hineingeritten<br />

haben zeigt, dass wir neben<br />

den humanitären und ökologischen<br />

Katastrophen auch ein veritables Logistikproblem<br />

haben. Die Kurzsichtigkeit, auf Lobbyisten<br />

aufgebaute Transportlogistik der EU,<br />

wird in der Krise zu einem Megaproblem mit<br />

globalen Auswirkungen. Jahrzehnte wurden<br />

Warnungen und Expertenmeinungen ignoriert.<br />

Jetzt müssen wir die Logistik „überdenken“<br />

und die Infrastruktur „anpassen“, erklärte die,<br />

für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Adina<br />

Vălean im Mai vor ein paar Journalisten.<br />

Allen Bemühungen zum Trotz, werden die Versäumnisse<br />

aus der Vergangenheit überall in den<br />

Donauhäfen sichtbar...<br />

Richtig wäre gewesen, hätte sie sich für das<br />

eigene Versagen (und das ihrer VorgängerInnen)<br />

entschuldigt und Platz für eine<br />

kompetentere Leitfigur in der europäischen<br />

Verkehrspolitik gemacht. Aber das ist für unsere<br />

Marionetten-PolitikerInnen keine Option.<br />

Stattdessen schlagen sie jetzt wie wild<br />

um sich und richten noch mehr Schaden an.<br />

Plötzlich ist man in Brüssel und bei der UN<br />

draufgekommen, dass die Ukraine ein wichtiger<br />

Getreidelieferant für viele Länder ist.<br />

Fast müsste man Putin dankbar sein. Ohne<br />

seinen verrückten Krieg hätten das unsere<br />

Politexperten komplett vergessen.


Das Getreideschiff NIBULON MAX, ein ukrainisches See/Binnenschiff, ausgestattet mit 2 deutschen Liebherr-Kränen, kann 18.000<br />

Tonnen/Tag umschlagen und ein Panamax-Schiff in 3 Tagen beladen. Solche Schiffe gibt es an der Donau nicht. Jetzt liegt das<br />

Schiff in der Hafenstadt von Mykolaiv, am Südlichen Bug, unter Beschuss russischer Raketen. Das Unternehmen NIBULON kann<br />

6,5 Mio. Tonnen landwirtschaftliche Produkte im Jahr verschiffen und einen Getreidesilo in 100 Tagen aufstellen. Quelle: NIBULON<br />

Spätestens seit 1991, mit der Gründung<br />

der Ukraine ist allen klar, wo die „Kornkammer<br />

der Welt“ liegt und was es logistisch<br />

braucht, damit die Verteilung funktioniert.<br />

2016 hat ein österreichischer Getreidebauer,<br />

der selber in der Ukraine anbaut angemerkt,<br />

dass die EU die Logistikprobleme kennt. Unzureichende<br />

Transportkapazitäten, schlechte<br />

Infrastruktur, irrwitzige Zollformalitäten usw.<br />

Seine im Donauhafen Reni beladenen Schiffe<br />

mussten 14 Tage warten, bis das Ergebnis der<br />

Warenprobe vorlag etc.<br />

Jeder Logistikschüler kannte schon vor 30<br />

Jahren das Problem mit der unterschiedlichen<br />

Spurweite bei den Bahnen. Und niemand<br />

dachte bisher an die strategische<br />

Bedeutung der ukrainischen Donauhäfen<br />

(Die Macht, die die Donaumündung beherrscht,<br />

beherrscht die ganze Donau).<br />

Lieber überließ man China die Übernahme<br />

europäischer Infrastruktur. Sogar Russland<br />

hat die Hand auf türkischer Hafeninfrastruktur<br />

und lacht uns jetzt wegen unserer verzweifelten<br />

Sanktionspolitik aus. Russische<br />

Schiffe fahren mit ukrainischem Getreide<br />

ungeniert in die Türkei und machen damit<br />

ein gutes Geschäft mit jedem, der Geld<br />

im Kreml abliefert. Man kann sich nur noch<br />

schämen für diese Schwarmdummheit.<br />

Der im Mai von Kommissarin Vălean vorgestellte<br />

„Aktionsplan“, es sollte besser heißen Verzweiflungsakt,<br />

sieht vor, dass unter der schönen<br />

Überschrift „Solidarity Lanes“ alternative<br />

Routen für die ukrainischen Agrarprodukte<br />

gefördert werden sollen. Abgesehen davon,<br />

dass es schon wieder eine unzulässige Täuschung<br />

ist von Solidarität zu sprechen, wenn<br />

es in Wahrheit um die eigene Suppenschüssel<br />

geht, die Routen aus der Ukraine in die EU sind<br />

ja da, wo sie immer schon waren. Das sind also<br />

keine alternativen Routen. Das sind aha- und<br />

ui Erkenntnisse, die man in schöne Überschriften<br />

verpackt und endlich nutzen möchte.<br />

Aber das wird dauern, weil aus einem Schlafwagen<br />

kann man nicht über Nacht einen<br />

Formel-1 Wagen zaubern. Die Rail Cargo<br />

Group gibt stolz bekannt, seit Kriegsausbruch<br />

(24. Februar) bereits über 130.000 Tonnen Getreide<br />

aus der Ukraine exportiert zu haben.<br />

Das ist wirklich „beachtlich“, wenn man bedenkt,<br />

dass man für diese Menge (konservativ<br />

gedacht) gerade mal 10-12 Donau-Schiffskonvois<br />

brauchen würde. Aber man freut<br />

sich als wichtiger europäischer Bahn-Player


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S72<br />

..Schiffsstau wohin das Auge reicht, weil<br />

die Wasserstraße Donau seit Jahrzehnten<br />

im Tiefschlaf liegt. Screenshot: Sulina und<br />

Constanta 27.6.22<br />

einen „kleinen Beitrag leisten zu können“.<br />

Ein (öffentlicher) Transporteur, der sogar etwas<br />

leisten will und sich darüber freut etwas<br />

leisten zu dürfen (!) Man glaubt im falschen<br />

Film zu sein. Aber es ist bittere Realität. Immerhin,<br />

was bisher als völlig ausgeschlossen und<br />

undenkbar galt, wird plötzlich notgedrungen<br />

doch wahr: Die Bahn kooperiert mit der<br />

Binnenschifffahrt! Wie gesagt, nur aus der Not<br />

heraus, aber immerhin. Vielleicht manifestiert<br />

sich eine gute Idee für die Zeit danach…<br />

Allen Bemühungen zum Trotz, werden<br />

die Versäumnisse aus der Vergangenheit<br />

überall in den Donauhäfen sichtbar...<br />

Zu schnell sollen die richtigen Weichen eh<br />

nicht gestellt werden, denn auch in der Binnenschifffahrt<br />

und in den Binnenhäfen gibt es<br />

noch genug Hausaufgaben zu erledigen, um<br />

am Logistik-Spiel als ernstzunehmender Partner<br />

teilhaben zu dürfen. Die gut gemeinte Solidaritätsaktion<br />

der Donaukommission (Danube Solidarity<br />

Lane for EU-Ukraine trade), die das Gewerbe<br />

mit den Verladern vernetzen soll zeigt<br />

nur auf, was in Zeiten von KI und globalisierten<br />

Lieferketten längst schon Alltag sein sollte.<br />

Diese Kritik trifft jedoch ausnahmsweise nicht<br />

die Politik, sondern zeigt, dass sich bis auf ein<br />

paar innovative Ausnahmen, alle Stakeholder<br />

in der Binnenschifffahrt darauf verlassen, dass<br />

der Staat eh alles regelt. Abgesehen von den<br />

seit Jahrzehnten verschlafenen Personalproblemen,<br />

muss man sich jetzt auch noch (viel zu<br />

spät) mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen<br />

und womöglich müssen Schiffe<br />

mancherorts bald auch fahren und nicht nur<br />

schwimmen können. Dazu kommen prähistorische<br />

Verwaltungsstrukturen, die man bisher<br />

als gottgewollt hingenommen hat. Eine wichtige<br />

Wasserstraße, wie zum Beispiel den Sulina-<br />

Kanal in der Nacht einfach zu sperren, mag<br />

vielleicht bei einem Hausbootkanal akzeptabel<br />

sein, aber nicht bei einer Wasserstraße<br />

mit Doppelfunktion für See- und Binnenschiffe.<br />

Die Folgen sieht man jetzt an den Mündungshäfen,<br />

wo hunderte Schiffe in Warteposition<br />

liegen – nicht nur weil Krieg herrscht, sondern<br />

auch weil alte Versäumnisse aufbrechen.<br />

Verhältnismäßig gut läuft es – wie immer – im<br />

Straßenverkehr. Zwar brechen auch hier die<br />

Versäumnisse der Infrastrukturpolitik und Verwaltung<br />

auf und blockieren einen reibungslosen<br />

Grenzverkehr, aber der Straßenverkehr<br />

wächst dennoch enorm. Zum Nachteil der<br />

Umwelt. Bald müssen sich Ukrainer, müssen<br />

wir uns die Frage stellen, ob wir lieber<br />

mit einer russischen Kugel im Kopf, oder an<br />

den Folgen des Klimawandels sterben wollen.<br />

An dieser Stelle: Herr Putin, es lohnt sich<br />

nicht Krieg zu führen. Wir bringen uns gerade<br />

selber um. Seit der Unterzeichnung des<br />

Freihandelsabkommens zwischen der Ukraine<br />

und der EU im Jahr 2016, ist der Gütertransport<br />

auf der Straße um 42% gestiegen.<br />

Der Bahn- und Binnenschifftransport hingegen<br />

gesunken. Der Anteil der Binnenschifffahrt<br />

am Gesamtverkehr kratzt in den meisten<br />

Ländern sogar an der Wahrnehmungsgrenze.<br />

Die Conclusio der Geschichte ist also, die europäische<br />

Verkehrspolitik verhält sich in den<br />

Wirren des Krieges wie eine Singlebörse mit<br />

Fokus auf männliche Bewerber und Logistiker<br />

von Beruf. Alter ist egal, aber mehrsprachig<br />

ist von Vorteil und möglichst ohne Haustier<br />

sollten die Bewerber sein. Ob das gut geht?<br />

Man weiß aus einschlägigen Untersuchungen,<br />

dass Partnervermittlungen nicht nur<br />

sehr teuer sind, sondern dass auch viel gelogen<br />

wird und „feste Bindungen“ eher<br />

die Ausnahme und nicht die Regel sind.<br />

(PB)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S74<br />

TREANSPORT & LOGISTIK<br />

Internationaler<br />

Transport von<br />

Gefahrgütern:<br />

Dos and Don‘ts<br />

In Industrie, Handwerk und Forschung wird<br />

vielfach mit Stoffen hantiert, die eine Gefahr<br />

für Mensch und Umwelt darstellen können.<br />

Globalisierte Handelsbeziehungen erfordern<br />

es, solche Stoffe auch über Landesgrenzen<br />

hinweg zu transportieren.<br />

BEITRAG: PAUL FRICKE<br />

Für den Transport dieser sogenannten<br />

Gefahrgüter existieren deshalb internationale<br />

Vereinbarungen und Richtlinien.<br />

Der folgende Artikel bespricht<br />

wichtige „Dos and Don’ts“ beim internationalen<br />

Gefahrguttransport.<br />

Was sind Gefahrgüter?<br />

Als Gefahrgüter gelten Stoffe oder Gegenstände,<br />

von denen im Zusammenhang mit<br />

der Beförderung Gefahren für die öffentliche<br />

Sicherheit und Ordnung ausgehen können,<br />

insbesondere für:<br />

• die Allgemeinheit<br />

• wichtige Gemeingüter<br />

• für Leben und Gesundheit von Menschen<br />

• für Tiere und<br />

• Sachen<br />

(vgl. GGBefG, § 2). Beispiele für solche Gefahrgüter<br />

sind etwa Sprengstoffe, Lithium-<br />

Batterien, Diesel oder Trockeneis. Gefahrgüter<br />

werden nach Art der drohenden Gefahr in<br />

neun Klassen eingeteilt, dazu zählen z. B. explosive<br />

Stoffe, entzündbare Stoffe, giftige und<br />

radioaktive Stoffe.<br />

Gefahrgut vs. Gefahrstoff<br />

Im deutschen Sprachraum gibt es einen Unterschied<br />

zwischen den Begriffen Gefahrgut und<br />

Gefahrstoff. Kurz gesagt: Sobald es um den<br />

Transport geht, spricht man vom Gefahrgut.<br />

Beschäftigt man sich mit Gefahren, die bei Lagerung<br />

und Verwendung entstehen können,<br />

dann verwendet man das Wort Gefahrstoff.<br />

Die Regelungen bezüglich der Gefahrgüter<br />

beziehen sich dementsprechend auf Verpackung,<br />

Beladung und Transport. Für die<br />

sachgerechte Lagerung und Entsorgung von<br />

Gefahrstoffen hingegen existieren separate<br />

Vorschriften, z. B. was den Arbeitsschutz und die<br />

Verwendung von Schutzausrüstung angeht.


Je nach Art des Gefahrstoffes bedarf es der<br />

geeigneten Schutzausrüstung. (©protecto.de)<br />

Do: den gesamten Transportprozess<br />

berücksichtigen<br />

Im Hinblick auf den Gefahrguttransport ist<br />

zu beachten, dass hierzu nicht allein der<br />

Ortswechsel gehört. Die Regelungen für Gefahrgüter<br />

betreffen nämlich auch:<br />

• das Verpacken, Beladen, Entladen und<br />

Auspacken<br />

• die Übernahme und Ablieferung<br />

•.zeitweilige Aufenthalte im Verlauf<br />

der Beförderung<br />

• das Herstellen und Einführen von Verpackungen<br />

und Beförderungsmitteln für die<br />

Beförderung von Gefahrgütern<br />

Insofern sind auch bei diesen Tätigkeiten die<br />

gesetzlichen nationalen und internationalen<br />

Vorgaben zu beachten. Welche Richtlinien<br />

hier relevant sind, zeigt der nächste Absatz.<br />

Do: Internationale Richtlinien kennen<br />

und beachten<br />

Die Einhaltung der geltenden Richtlinien sollte<br />

beim Gefahrguttransport eine Selbstverständlichkeit<br />

sein, um sowohl Personen- und<br />

Sachschäden als auch hohe Strafzahlungen<br />

zu vermeiden. Schon vergleichsweise früh<br />

(etwa 1957 für das ADR) wurden hierbei internationale<br />

Vereinbarungen getroffen, die<br />

dann wiederum im nationalen Recht umgesetzt<br />

wurden.<br />

Internationale Regelwerke<br />

Zu den relevanten internationalen<br />

Regelwerken zählen:<br />

Allgemein<br />

• UN Recommendations on the Transport<br />

of Dangerous Goods: internationale Empfehlungen<br />

der UN für den Transport von Gefahrgütern<br />

Straße<br />

• ADR: europäisches Übereinkommen für die<br />

Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße<br />

Schiene<br />

•.RID: Regelwerk für den internationalen<br />

Gefahrgut-Transport mit der Eisenbahn<br />

Schifffahrt<br />

• ADN: europäisches Übereinkommen<br />

über die Beförderung gefährlicher Güter auf<br />

Binnenwasserstraßen<br />

• IMDG: Beförderungsvorschriften für<br />

Gefahrgüter im Seeschiffsverkehr<br />

Flugverkehr<br />

• ICAO TI: technische Vorschriften für den<br />

Lufttransport von Gefahrgütern<br />

• IATA DGR: Vorschriften der Internationalen<br />

Luftverkehrs-Vereinigung in Bezug auf


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S76<br />

Gefahrgüter<br />

Die UN Recommendations sind im Gegensatz<br />

zu den restlichen Regelwerken rechtlich nicht<br />

bindend, sie genießen aber hohe internationale<br />

Anerkennung und bilden die Grundlage<br />

für andere internationale und nationale Vereinbarungen.<br />

Nationale Regelwerke<br />

Die internationalen Vorschriften wurden<br />

in Deutschland auch in nationales Recht<br />

übernommen. Die geltenden rechtlichen<br />

Bestimmungen sind z. B. geregelt im: Gefahrgutbeförderungsgesetz<br />

(GGBefG), der Gefahrgutverordnung<br />

Straße, Eisenbahn und<br />

Binnenschifffahrt (GGVSEB), der Gefahrgutbeauftragtenverordnung<br />

(GbV) sowie der<br />

Gefahrgut-Ausnahmeverordnung (GGAV).<br />

Welche Bereiche sind geregelt?<br />

Die Vorschriften im ADR, welches den Gefahrgut-Transport<br />

auf der Straße regelt, umfassen<br />

z. B. die folgenden wichtigen Bereiche:<br />

•-Kennzeichnung (am Fahrzeug sowie<br />

direkt auf der Gefahrgut-Verpackung)<br />

•.technische Anforderungen an Fahrzeug,<br />

Behälter und Tanks<br />

• Verpackung und Ladungssicherung<br />

• Dokumentation des Transports<br />

• Schulung des Fahrers bzw. der Fahrerin<br />

•.Notfallausrüstung im Fahrzeug<br />

(etwa Schutzhandschuhe, Feuerlöscher)<br />

Ähnliche Regelungen gelten analog auch für<br />

den Bahn-, Schiffs- und Flugverkehr.<br />

Do: von Kleinmengenregelung Gebrauch<br />

machen<br />

Muss nun ein Malereibetrieb, der Lacke transportiert,<br />

den umfangreichen Vorschriften des<br />

ADR genügen? Nein, denn es existieren Ausnahmeregelungen<br />

für den Transport kleiner<br />

Gefahrgutmengen. Gerade für klein- und mittelständische<br />

Betriebe ist es wichtig, darüber<br />

Bescheid zu wissen.<br />

Hierzu gibt es im ADR die sogenannte<br />

1000-Punkte-Regelung: Je nach Menge und<br />

Gefährlichkeit der Stoffe wird ein bestimmter<br />

Punktestand errechnet. Bleibt die Ladung<br />

unter 1000 Punkten, so ergeben sich bestimmte<br />

Erleichterungen für den Transport – der<br />

Fahrer bzw. die Fahrerin benötigt z. B. keinen<br />

ADR-Schein. Für Handwerksbetriebe gelten<br />

aufgrund der „Handwerkerregelung“ weitere<br />

Befreiungen.<br />

Don’t: die eigene Rolle verwechseln<br />

Im Gefahrgutrecht sind bestimmte Rollen<br />

definiert, die jeweils mit unterschiedlichen Pflichten<br />

einhergehen: etwa die Rolle des Absenders,<br />

des Auftraggebers des Absenders,<br />

des Beförderers, des Empfängers usw.<br />

Beauftragt das Unternehmen eine Transportfirma<br />

mit dem Versand, dann ist das<br />

Unternehmen meist selbst in der Rolle des<br />

Auftraggebers des Absenders und die<br />

beauftragte Transportfirma in der Rolle des<br />

Absenders. Aber Achtung: Die Rollenverteilung<br />

kann je nach Art des Vertrags variieren:<br />

Bei einem Transport im Rahmen eines Frachtvertrags<br />

bleibt das Unternehmen z. B. selbst in<br />

der Rolle des Absenders.<br />

Don’t: Gefahrgüter unnötigerweise auf der<br />

Straße transportieren<br />

Das deutsche Gefahrgutrecht sieht vor, dass<br />

besonders gefährliche Güter – sofern möglich<br />

– nur mit Bahn oder Schifffahrt zu transportieren<br />

sind. Der Grund liegt darin, dass auf der Straße<br />

statistisch gesehen mehr Unfälle passieren als<br />

auf Schienen bzw. auf dem Wasserweg. Die<br />

Bahn gilt daher im Vergleich zum Auto als das<br />

sicherere Verkehrsmittel. Von daher ist es empfehlenswert,<br />

Gefahrguttransporte vermehrt<br />

auf die Schiene zu verlagern, sogar wenn dies<br />

per Gesetz nicht vorgeschrieben ist. Dies ist im<br />

Sinne einer klimabewussten, nachhaltigen Logistik<br />

ohnehin von Vorteil.<br />

Fazit: Internationaler Gefahrguttransport erfordert<br />

fachliche Expertise<br />

Der Transport von Gefahrgütern unterliegt,<br />

mit guten Gründen, strengen Vorschriften.<br />

Um die nationalen und internationalen Regelungen<br />

korrekt einhalten zu können, bedarf<br />

es hoher fachlicher Kompetenz. Hier kann<br />

es z. B. notwendig sein, einen externen oder<br />

internen Gefahrgutbeauftragten zu bestellen.<br />

Unternehmen müssen in jedem Fall die<br />

eigene Rolle im Transportprozess kennen und<br />

die damit verbundenen Pflichten sorgfältig<br />

erfüllen. (RED)


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LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S78<br />

IT & SECURITY<br />

Sechs Fehlannahmen<br />

zur Cybersecurity im<br />

Unternehmen<br />

Sich mit Cybersecurity zu beschäftigen, ist<br />

in manchen Unternehmen eine eher ungeliebte<br />

Aufgabe. Dabei haben IT-Administratoren<br />

und -Administratorinnen in vielen<br />

Fällen schon eine recht gute Vorstellung davon,<br />

woran es in ihrem Unternehmen hapert<br />

und wie die eigene IT prinzipiell auf den<br />

Prüfstand zu stellen wäre, damit Sicherheitslücken<br />

identifiziert und abgemildert oder gar<br />

ausgemerzt werden können. Dies heißt aber<br />

noch nicht, dass das Administrationsteam<br />

beim Management mit seinen Vorschlägen<br />

auch durchdringt.<br />

REDAKTION: Daniel Querzola / Michael Niewöhner<br />

Cybersecurity kostet Geld. Solange<br />

die IT-Systeme und die Infrastruktur<br />

funktionieren, fällt es oft<br />

schwer, die Mittel zu investieren,<br />

die nötig wären, um Risiken zu reduzieren und<br />

den reibungslosen Betrieb auch in Zukunft zu<br />

gewährleisten, das heißt: Cyberresilienz herzustellen.<br />

Wenn Unternehmen ihr Cyberrisiko<br />

systematisch unterschätzen, hat dies mit verschiedenen<br />

Fehlannahmen zu tun. Im Folgenden<br />

geht es um sechs der häufigsten Irrtümer.<br />

Annahme 1: Es trifft sowieso nur die anderen.<br />

„Unser Unternehmen ist für eine Cyberattacke<br />

doch gar nicht interessant genug.“ Diese<br />

Einschätzung ist alles andere als selten. Die<br />

Realität sieht leider vollkommen anders aus.<br />

Statistiken sprechen davon, dass sogar 99 Prozent<br />

aller Cyberschadensfälle auf Angriffe zurückgehen,<br />

die überhaupt nicht zielgerichtet<br />

waren. Anders gesagt: Die allermeisten Angriffe<br />

laufen nach dem Motto Spray-and-Pray<br />

ab. Im Gießkannenprinzip lancieren Cyberkriminelle<br />

einen allgemeinen Angriffsversuch<br />

ohne konkretes Ziel. Dann warten sie einfach<br />

ab, bei welchen Unternehmen oder Organisationen<br />

beispielsweise die Mail mit dem<br />

Phishing-Link zum Erfolg führt. Leider ist bei vielen<br />

Unternehmen die Hürde für eine initiale<br />

Kompromittierung ihrer IT nicht hoch genug,<br />

um diesen Angriffen auf Dauer standzuhalten.<br />

Den Angreifern spielt dies in die Karten. Zumal<br />

dann, wenn sie vor allem finanzielle Interessen<br />

haben und das Unternehmen beispielsweise<br />

durch eine Verschlüsselung per Krypto-Trojaner<br />

bzw. Ransomware erpressen wollen. Hier<br />

ist der Spray-and-Pray-Ansatz für Cyberkriminelle<br />

in der Regel am rentabelsten. Dies wiederum<br />

bedeutet: Jedes Unternehmen ist ein<br />

potenzielles Opfer.<br />

Politisch motivierte Angriffe grenzen sich davon<br />

deutlich ab: Hier ist der Erfolg letztlich nur<br />

eine Frage der verfügbaren Arbeitskraft, denn<br />

bei einer ideologisch begründeten Attacke<br />

spielen monetäre Kosten-Nutzen-Abwägungen<br />

eine völlig nachrangige Rolle. In solchen<br />

Fällen kommen häufiger auch Zero-Day-<br />

Angriffe zum Einsatz, die noch nicht öffentlich<br />

bekannte Sicherheitslücken in einer Software<br />

ausnutzen. Mit einem Zero-Day-Exploit spielt<br />

der Angreifer gleichsam einen Joker aus.<br />

Denn wenn die neue Angriffsmethode durch<br />

ihren Einsatz publik wird, ist dieser Angriffsvektor<br />

letztlich verbrannt, weil Softwarehersteller<br />

dann entsprechende Sicherheitsupdates ausrollen.<br />

Annahme 2: Angriffe aus der Supply-Chain<br />

spielen keine große Rolle.<br />

Tatsächlich nimmt die Zahl von Supply-Chain-Angriffen<br />

zu. Bei dieser Klasse von<br />

Cyberangriffen fungieren Softwarelösungen,<br />

Geräte oder Maschinen, die einem Unter-


nehmen zugeliefert werden und die es für<br />

seine Geschäftstätigkeit einsetzt, als die Angriffsvektoren.<br />

So handelte es sich bei der<br />

Log4j-Sicherheitslücke, die im Dezember 2021<br />

bekannt wurde, um eine Zero-Day-Schwachstelle<br />

in einer Java-Protokollierungsbibliothek.<br />

Log4j dient dazu, Protokollierungsinformationen<br />

aus Software, Anwendungen und<br />

Hardware-Appliances zu erstellen und zu<br />

speichern. Weil Log4j aber mitunter in vielen<br />

unterschiedlichen Lösungen sehr tief verankert<br />

ist, in tausenden Instanzen, reicht ein simpler<br />

Schwachstellenscan kaum aus, um hier alle<br />

angreifbaren Instanzen zu identifizieren.<br />

Generell ist auch Open-Source-Software nicht<br />

vor Sicherheitslücken gefeit. So gelang es beispielsweise<br />

einem Professor der University of<br />

Minnesota im Kontext einer Studie, Schwachstellen<br />

in den Linux Kernel einzuschleusen. Dazu<br />

gaben er und einer seiner Studenten vor, Bug<br />

Fixes für die Linux Community bereitzustellen.<br />

Ziel der umstrittenen Aktion war es, zu demonstrieren,<br />

wie angreifbar auch Open-Source-<br />

Projekte sein können. Eine Sicherheitslücke<br />

im Linux Kernel ist potenziell so gravierend,<br />

weil Linux sehr weit verbreitet ist. Es findet sich<br />

heute in Servern und Smartphones und auch<br />

in verschiedensten Embedded Devices – von<br />

Autos über Smart Homes bis zu Maschinen.<br />

Mit der zunehmenden Digitalisierung unserer<br />

Wirtschaft und unserer Lebenswelt können<br />

heute eben auch vernetzte Geräte zum Einfallstor<br />

für Cyberkriminelle werden. So wurde<br />

etwa eine Supermarktkette gehackt, indem<br />

die Angreifer die intelligenten Kühlregale in<br />

den Geschäften als Angriffsvektor wählten.<br />

Für vernetzte Geräte im Smart-Home-Bereich<br />

besteht dasselbe Risiko. Auch sie stellen potenzielle<br />

Angriffspunkte dar – ein gravierendes<br />

Reputationsrisiko für den Gerätehersteller oder<br />

-vertreiber. Im privaten wie im kommerziellen<br />

Raum ist darum ein viel bewussterer Umgang<br />

mit installierter Software und angeschafften<br />

Geräten erforderlich. Im produzierenden<br />

Gewerbe beispielsweise, wo eine Maschine<br />

einen Lebenszyklus von mehreren Jahrzehnten<br />

haben kann, stehen früher oder später<br />

meist nur noch mitigierende Maßnahmen zur<br />

Verfügung, um Sicherheitsrisiken zu reduzieren.<br />

Denn Hersteller existieren dann nicht mehr,<br />

oder sie liefern nach wenigen Jahren keine Sicherheitspatches<br />

mehr. So bleibt mitunter als<br />

einzige Option noch, die Maschine aufwendig<br />

vom restlichen Netzwerk abzuschotten und<br />

das Restrisiko zu akzeptieren. Grundsätzlich<br />

gilt: Es wäre für ein Unternehmen fahrlässig,<br />

wollte es die Verantwortung für seine Cybersicherheit<br />

gänzlich auf die Zulieferer abwälzen.<br />

Bedrohungen aus der Supply Chain heraus<br />

sind real und heute alltäglich. Unternehmen<br />

benötigen deshalb nicht nur ein entsprechendes<br />

Risikobewusstsein, sondern auch Experten<br />

und Expertinnen, die sie dabei unterstützen,<br />

eine effektive Cyberresilienz zu etablieren.<br />

Annahme 3: Unsere Mitarbeitenden haben<br />

schon genügend Sicherheitsbewusstsein.<br />

Noch viel zu oft stellt ein unbedachtes Verhalten<br />

der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für<br />

Cyberkriminelle ein bequemes Einfallstor ins


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S80<br />

Daniel Querzola ist bei<br />

Ventum Consulting als<br />

Manager IT Security &<br />

Penetration Testing tätig.<br />

Seinen Background hat<br />

er in tiefgreifend technischen<br />

Bereichen wie<br />

Pentesting und Vulnerability<br />

Management.<br />

Zu seiner Kernexpertise<br />

gehört es, Audits im<br />

Kontext komplexer<br />

Unternehmensarchitekturen<br />

durchzuführen.<br />

Neben Netzwerk- und<br />

Software-Pentests liegt<br />

ein besonderer Fokus<br />

auf Windows-Domänen.<br />

Bevor er 2021 zu Ventum<br />

Consulting wechselte,<br />

arbeitete Querzola als<br />

Head of Penetration<br />

Testing eines Cyber-<br />

Defense-Unternehmens<br />

am Standort Neustadt.<br />

Michael Niewöhner ist<br />

bei Ventum Consulting<br />

seit 2021 als Manager für<br />

IT Security & Penetration<br />

Testing tätig. Zuvor<br />

leitete er den Bereich<br />

Security Testing &<br />

Research am<br />

Münchener Standort<br />

eines Cyber-Defense-<br />

Unternehmens.<br />

Niewöhner ist Offensive<br />

Certified Security Professional.<br />

Zu seinem breiten<br />

Kompetenzportfolio im<br />

Bereich Cybersecurity<br />

gehören unter anderem<br />

Reverse Engineering,<br />

Web Application<br />

Penetration Testing, Linux<br />

Audits und Hardening,<br />

Embedded Penetration<br />

Testing sowie Security by<br />

Design.<br />

Unternehmen dar. Ein entsprechendes Risikobewusstsein<br />

zu schaffen und wachzuhalten,<br />

ist ein Baustein für Cybersicherheit, dessen Bedeutung<br />

ein Unternehmen nie unterschätzen<br />

sollte. Nur wenn ihnen die Gefahr bewusst ist,<br />

werden es die Beschäftigten konsequent vermeiden,<br />

beispielsweise Passwörter über das<br />

Telefon weiterzugeben oder unbedacht auf<br />

einen dubiosen Link in einer E Mail zu klicken.<br />

Manchmal ist das Gefahrenpotenzial auch<br />

eine unmittelbare Konsequenz der täglichen<br />

Arbeit. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in<br />

der Personalabteilung etwa öffnen beinahe<br />

täglich Bewerbungen, ohne wissen zu können,<br />

ob der digitale Lebenslauf Schadcode<br />

enthält oder nicht. Mit Rechnungs-PDFs im<br />

Maileingang der Buchhaltung verhält es sich<br />

genauso. Darum braucht es im Unternehmen<br />

natürlich technische Maßnahmen gegen<br />

solche Angriffe.<br />

Aber ebenso wichtig ist es, die Wahrscheinlichkeit<br />

erfolgreicher Phishing-Versuche zu<br />

verringern, indem ein Bewusstsein für die Gefahren<br />

von Social-Engineering-Angriffen ganz<br />

allgemein geschaffen wird. Social Engineering<br />

bedeutet, dass die Angreifenden Täuschung<br />

anwenden, um unautorisiert Daten oder Zugriff<br />

zu bekommen. Dabei werden Methoden<br />

der Humanpsychologie dazu missbraucht,<br />

Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu manipulieren<br />

und sie zur Übermittlung von Informationen<br />

oder zu bestimmten Handlungen zu bewegen<br />

– wie etwa den fatalen Klick auf den<br />

Link in der Phishing-E-Mail oder die Nennung<br />

des Passworts gegenüber vermeintlichen<br />

Support-Mitarbeitenden am Telefon.<br />

Annahme 4: Der Umfang dieser Sicherheitsprüfung<br />

wird schon ausreichen.<br />

Die Cybersicherheit im Unternehmen durch<br />

Penetration-Tests auf die Probe zu stellen, ist<br />

ein wichtiger Baustein im Aufbau der Cyber<br />

Resilience. Wählt man dabei allerdings den<br />

Scope des Pentests zu klein, ist wenig gewonnen.<br />

Denn so entsteht ein vermeintliches Gefühl<br />

von Sicherheit. Ein typisches Beispiel ist der<br />

Ausschluss bestimmter Systeme, etwa solcher,<br />

die am Ende ihres Lebenszyklus stehen, weil<br />

sie ja – so heißt es dann – sowieso bald abgeschaltet<br />

oder ersetzt werden. Solange sie<br />

noch nicht abgeschaltet sind, bieten aber<br />

gerade diese Altsysteme oft den verführerischsten<br />

Angriffsvektor. Ein anderes Beispiel:<br />

Auf dem Server, der eine zu prüfende Webanwendung<br />

betreibt, läuft eben auch noch ein<br />

FTP-Dienst, der die vollständige Kompromittierung<br />

des Servers ermöglicht – aber alle Dienste<br />

außer der Webanwendung sind von der Prüfung<br />

ausgeschlossen. Ebenso kommt es vor,<br />

dass beispielsweise ein Finanzinstitut den Umfang<br />

seiner Prüfung nur so groß wählt, wie es<br />

regulatorisch vorgeschrieben und offiziell erforderlich<br />

ist. Auch hier wäre das Resultat eine<br />

trügerische Scheinsicherheit.<br />

Wenn Pentests wirklich aussagefähig werden<br />

sollen, dürfen sie sich nicht nur auf einen Ausschnitt<br />

der Unternehmens-IT richten. Vielmehr<br />

müssen sie holistisch angelegt sein. Denn das<br />

Ziel eines Penetration-Tests ist es nicht, dem<br />

Management bloß ein positives Gefühl in Sachen<br />

Cybersicherheit zu vermitteln – er soll<br />

wirkliche Sicherheitslücken und potenzielle Angriffsvektoren<br />

identifizieren, damit diese behoben<br />

werden können, bevor sie von kriminellen<br />

Angreifern ausgenutzt werden.<br />

Annahme 5: Penetration-Tests kann die IT-Abteilung<br />

nebenher übernehmen.<br />

Pentests können in den meisten Unternehmen<br />

gar keine Inhouse-Aufgabe sein. Denn IT-Administratoren<br />

und -Administratorinnen haben<br />

vor allem eines zu tun: Sie müssen dafür sorgen,<br />

dass die Systeme im Unternehmen zuverlässig<br />

laufen. In der Regel ist das Administrationsteam<br />

mit seinen operativen Aufgaben bereits<br />

zu 100, wenn nicht gar zu 120 Prozent ausgelastet.<br />

Zudem verlangen Penetration-Tests ein<br />

hochspezialisiertes und hochaktuelles Fachwissen,<br />

über das die eigene IT-Abteilung in<br />

der Regel gar nicht verfügen kann. Es ist wichtig,<br />

dass das Management versteht, dass ein<br />

Pentest nichts ist, was sich einfach nebenher<br />

erledigen ließe. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter<br />

und Mitarbeiterinnen der internen IT sich<br />

klarmachen, dass es bei einer Sicherheitsprüfung<br />

nie darum geht, ihre eigene Arbeit in Sachen<br />

Cybersecurity zu diskreditieren, sondern<br />

zu stärken. Ein aussagefähiger Penetration-Test<br />

wäre mit Inhouse-Ressourcen gar nicht durchführbar,<br />

weil Know-how und Zeit dafür fehlen.<br />

Anders sieht dies nur aus, wenn das Unternehmen<br />

groß genug ist, um sich ein eigenes, dediziertes<br />

Red-Team – die Angreifer – für mehr<br />

oder minder kontinuierliche Pentests zu leisten.


Diesem Red-Team steht dann ein dediziertes<br />

Blue-Team mit den Verteidigern gegenüber.<br />

Aber sogar ein eigenes Red-Team kann mitunter<br />

sehr von externer Unterstützung durch<br />

Ethical Hacker profitieren.<br />

Annahme 6: Backups retten uns im Notfall.<br />

Vor etwas mehr als fünf Jahren mag diese<br />

Aussage vielleicht noch zutreffend gewesen<br />

sein. Heute ist sie das nicht mehr, nicht in jedem<br />

Fall. Man muss sich vor Augen führen,<br />

dass die Qualität von Schadsoftware deutlich<br />

gestiegen ist. Krypto-Trojaner, die Unternehmensdaten<br />

zu Erpressungszwecken verschlüsseln,<br />

tun dies heute nicht mehr unverzüglich.<br />

Es gibt inzwischen Ransomware, die sich zuerst<br />

in den Backups eines Unternehmens einnistet<br />

und diese nach und nach zerstört. Erst Monate<br />

später, wenn das Backup unbrauchbar<br />

geworden ist, macht sich der Krypto-Trojaner<br />

dann daran, die Daten des Unternehmens zu<br />

verschlüsseln – und die eigentliche Erpressung<br />

beginnt.<br />

Darum ist es heute wichtig, Backups erstens<br />

mit geeigneten Schutzkonzepten vor Malware<br />

zu sichern und sie zweitens regelmäßig zu<br />

prüfen. Nur auf ein Backup, das auch tatsächlich<br />

aufsetzbar ist, ist im Notfall Verlass. Unternehmen<br />

sollten darum ihre Disaster Recovery<br />

regelmäßig testen, üben und ausprobieren.<br />

Und wenn ein Unternehmen sein Backup aus<br />

Sicherheitsgründen verschlüsselt: Auch dieser<br />

Backup-Schlüssel selbst ist ein möglicher<br />

Angriffspunkt, denn Cyberkriminelle können<br />

natürlich auch den Backup-Schlüssel des Unternehmens<br />

verschlüsseln. Das Backup wäre<br />

dann wiederum unbrauchbar, und der Erpressungsversuch<br />

durch die Verschlüsselung<br />

der Unternehmensdaten könnte beginnen.<br />

Darum ist es wichtig, dass Unternehmen ihre<br />

Krypto-Schlüssel für das Backup offline aufbewahren<br />

und auch ihr Notfalltraining in Sachen<br />

Disaster Recovery offline dokumentieren.<br />

Fazit<br />

Die Gefahr von Cyberangriffen hat nicht<br />

abgenommen, im Gegenteil. Wollte ein<br />

Unternehmen aus einer glimpflich verlaufenen<br />

Vergangenheit schließen, dass es auch<br />

in Zukunft vor Cyberkriminalität sicher ist, wäre<br />

dies vielleicht die gravierendste Fehlannahme<br />

von allen. Operative Zuverlässigkeit lässt sich<br />

in der IT nur herstellen, wenn ein Unternehmen<br />

seine Cyberresilienz mit geeigneten, holistischen<br />

Konzepten und Maßnahmen etabliert,<br />

aufrechterhält und weiterentwickelt. Sich damit<br />

auseinanderzusetzen, lohnt die Mühe in jedem<br />

Fall, denn der finanzielle Schaden wiegt<br />

im Ernstfall um ein Vielfaches schwerer als das<br />

vorausschauende Investment in die Cybersicherheit.<br />

Wie in der Medizin gilt auch in Sachen<br />

Cybersecurity: Vorbeugen ist besser als<br />

heilen. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S82<br />

FINANZ & POLITIK<br />

EZB ohne Überzeugung,<br />

ohne Mut und ohne<br />

Plan<br />

Wie immer hat die EZB zu spät und zu wenig<br />

reagiert. Sie kann die Zinsen gar nicht markant<br />

erhöhen, da sonst die Südstaaten Europas<br />

der Reihe nach umkippen würden.<br />

BEITRAG: MARC FRIEDRICH<br />

Die Zinswende ist endlich da!<br />

Ist sie das tatsächlich?<br />

Nach elf Jahren schickt sich die EZB an zum<br />

allerersten Mal wieder die Zinsen zu erhöhen,<br />

und zwar um 25 Basispunkte auf - jetzt halten<br />

Sie sich fest - 0 Prozent. Kein Witz. Alleine diese<br />

Verzweiflungstat verdeutlicht, wie rat- und<br />

planlos die Währungshüter in Frankfurt doch<br />

sind.<br />

Sie haben weder der historisch hohen Inflation<br />

noch den aktuellen Krisen etwas entgegenzusetzen.<br />

Die Munition wurde in den letzten Jahren<br />

komplett verschossen. Die Finanzkrise, die<br />

Eurokrise und zuletzt die Coronakrise haben<br />

die EZB immer weiter in die Ecke gedrängt.<br />

Parallel hat man angefangen auch Nebenkriegsschauplätze<br />

zu beackern wie die grüne<br />

Transformation mit dem Green Deal. Die Antworten<br />

auf jeder dieser Krisen waren immer<br />

dieselben: Gelddrucken und Zinssenkungen.<br />

Die Klaviatur wurde ins Extreme inflationär ausgespielt.<br />

Endergebnis: Durch das stetige Geld<br />

drucken hat sich die Bilanz der EZB auf gigantische<br />

8,81 Billionen Euro aufgebläht, was circa<br />

84 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) der Eurozone<br />

entspricht.<br />

Das Resultat ist eine historisch hohe Inflationsrate<br />

von 8,1 Prozent in der Eurozone sowie<br />

dass 40 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz<br />

der EZB liegen. Parallel haben sich die<br />

Regierungen bis zur Halskrause verschuldet<br />

und benötigen die Inflation mehr als es der<br />

EZB recht ist, um ihre Schulden weg zu inflationieren<br />

auf Kosten der Bürger. Denn sie sind<br />

es, die Zeche durch steigende Preise zahlen,<br />

weil den Bürgern in der EU damit parallel die<br />

Kaufkraft immer weiter genommen wird. Hand<br />

in Hand ist die Vermögenspreisblase mit der Bilanz<br />

der EZB in den letzten Jahren gestiegen.<br />

Aktien, Oldtimer, Kunstwerke, Immobilien usw.


alle sind in Euro weiter angeschwollen. Dies<br />

spiegelt lediglich den Kaufkraftverlust wieder.<br />

Wer sich zum Beispiel vor zehn Jahren eine Immobilie<br />

gekauft, hat bekommt nun doppelt so<br />

viele Papierscheine für dasselbe Objekt - ob<br />

renoviert oder nicht. Die Immobilie ist weder<br />

auf die doppelte Größe gewachsen noch<br />

hat sich das Grundstück in seiner Größe verdoppelt,<br />

sondern es verdeutlicht lediglich,<br />

dass sich die Kaufkraft der Papierscheine der<br />

EZB im Wert halbiert haben und wir alle de<br />

facto Kaufkraft verloren haben. Seit Einführung<br />

des Euros 2001 hat der Euro offiziell laut<br />

Statistischem Bundesamt über 35 Prozent an<br />

Kaufkraft verloren. Nimmt man aber einen objektiveren<br />

Gegenwert heran wie zum Beispiel<br />

den Goldpreis sind wir bei über 90 Prozent<br />

Kaufkraftverlust, was der Realität doch einiges<br />

näher kommt, wenn man sieht wie sich die Immobilienpreise,<br />

Aktienmärkte usw. entwickelt<br />

haben. Die EZB hat damit planwirtschaftlich,<br />

sozialistisch organisiert die Reichen reicher gemacht<br />

und die Mittelschicht ärmer. Wir haben<br />

nichts anderes gesehen wie den von mir prognostizierten<br />

größten Vermögenstransfer in der<br />

Geschichte der Menschheit von unten, der<br />

Mitte und oben nach ganz ganz oben in die<br />

Hände immer weniger.


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S84<br />

Marc Friedrich ist sechsfacher<br />

Bestsellerautor,<br />

Finanzexperte, gefragter<br />

Redner, Vordenker, Freigeist<br />

und Gründer der<br />

Honorarberatung Friedrich<br />

Vermögenssicherung<br />

GmbH für Privatpersonen<br />

und Unternehmen.<br />

Sein neuer Bestseller war<br />

das erfolgreichste Wirtschaftsbuch<br />

2021: Die<br />

größte Chance aller Zeiten<br />

- Was wir jetzt aus<br />

der Krise lernen müssen<br />

und wie Sie vom größten<br />

Vermögenstransfer der<br />

Menschheit profitieren<br />

Mehr Informationen unter<br />

https://friedrich-partner.<br />

de sowie bei YouTube:<br />

www.youtube.com/<br />

MarcFriedrich7<br />

Twitter und Instagram:: @<br />

marcfriedrich7<br />

Dies ist der Cantillon Effekt, der leider wie geschmiert<br />

funktioniert. Die gerade zu anmutende<br />

lächerliche Zinserhöhung der EZB, die<br />

zaghaft und unsicher wirkt, wird weder der<br />

8,1Prozent Inflationsrate noch der Schuldenlast<br />

gerecht. Die nächste Krise ist schon vorprogrammiert!<br />

Wie immer hat die EZB zu spät<br />

und zu wenig reagiert. Sie kann die Zinsen gar<br />

nicht markant erhöhen, da sonst die Südstaaten<br />

Europas der Reihe nach umkippen würden.<br />

Die EZB steckt in der Zwickmühle zwischen der<br />

Bekämpfung der Inflation oder den Euro sowie<br />

die Südstaaten Europas zu retten und am<br />

Leben zu erhalten. Alles zusammen geht nicht.<br />

Es bahnt sich schon die nächste große Krise<br />

an. Ein Blick auf die Staatsanleihen im Euroraum<br />

verdeutlichen das Dilemma: Schon jetzt<br />

klaffen die Staatsanleihen wieder weit auseinander.<br />

Italien muss aktuell 2,5 Prozent mehr<br />

Zinsen am Kapitalmarkt für neue Schulden berappen<br />

als Deutschland. Für ein Land mit einer<br />

Schuldenquote von nahezu 150 Prozent zum<br />

BIP ist jeder Prozentpunkt schmerzhaft.<br />

Die EZB befindet sich im Endspiel<br />

In Deutschland sehen wir ein 50 Jahreshoch<br />

der Inflationsrate mit 7,9 Prozent. Dies alles<br />

auf den Krieg in der Ukraine zu schieben, ist<br />

zu einfach. Schon davor hatten wir deutlich<br />

über 5 Prozent Inflation. n diesem Chart kann<br />

man gut erkennen, wie hohe Inflationsraten<br />

in der Vergangenheit mit steigenden Zinsen<br />

bekämpft wurden. Dieses Mal hat die Europäische<br />

Notenbank das Problem, dass der<br />

Zins bei 0 Prozent ist und damit der Spielraum<br />

der EZB in Frankfurt mehr als eingeschränkt ist.<br />

Aber dies ist nicht das einzige Problem: Denn<br />

wir haben zusätzlich noch Krieg in Europa, die<br />

Kollateralschäden der Corona-Krise wie z.B.<br />

kaputte Lieferketten, eine drohende Rezession<br />

und Lockdowns in China sowie eine Energiekrise,<br />

die teilweise durch eine falsche Energiewende<br />

selbst verursacht wurde.<br />

All das spricht für eine große Krise.<br />

Die EZB muss sich also nun entscheiden zwischen<br />

Pest und Cholera: Bekämpft sie die<br />

Inflation und beendet damit das Währungsexperiment<br />

Euro und schickt die Zombiestaaten<br />

in den Bankrott oder rettet sie diese<br />

und riskiert eine Hyperinflation. Egal wie<br />

man es dreht und wendet, beides führt<br />

zum gleichen Ergebnis: das Ende des Euros!<br />

(RED)


LOGISTIK EXPRESS<br />

STRATEGIE<br />

wikifolio-Indexzertifikat<br />

Der Markt zur privaten<br />

Kapitalanlage befindet<br />

sich in einem Umbruch.<br />

FinTech-Unternehmen fordern


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S86<br />

JOB & KARRIERE<br />

Berufsbegleitendes<br />

Mentoring: Krisenfester<br />

Einkauf. Von Expertenwissen<br />

profitieren<br />

Der Einkauf steht seit geraumer Zeit vor<br />

großen Herausforderungen: Erst sorgte die<br />

Corona-Pandemie für massive Störungen in<br />

den Lieferketten, dann blockierte die havarierte<br />

„Ever Given“ den Suez-Kanal, und jetzt<br />

herrscht Krieg in der Ukraine. Auf die Veränderungen,<br />

die all solche Ereignisse mit sich<br />

bringen, kurzfristig zu reagieren, ist für viele<br />

Unternehmen ohne externe Hilfe kaum<br />

möglich.<br />

AUTORIN: JULIA KOWAL<br />

Die in dem Moment bestehenden<br />

Probleme lösen Einkaufsberater<br />

oft. Langfristig ist dieser Weg aber<br />

nicht der richtige. Sinnvoller und<br />

auch günstiger ist es, die eigenen Mitarbeiter<br />

zu Experten weiterzubilden. Das gelingt aber<br />

nur mit einem berufsbegleitenden Mentoring<br />

nachhaltig.<br />

Krise folgt auf Krise: Die Beschaffung stellt das<br />

vor große Herausforderungen. Es gilt, Waren<br />

schnellstmöglich und zu einem guten Preis zu<br />

besorgen. Wie – damit sind die eigenen Mitarbeitenden<br />

oftmals überfordert, weil sie für den<br />

Krisenmodus nicht gerüstet sind. Unternehmen<br />

setzen daher auf externe Einkaufsberater und<br />

kaufen sich deren Expertise ein. Teils zu einem<br />

hohen Preis: Berater fangen bei rund 1000 Euro<br />

Tageshonorar an, spezialisierte Berater verlangen<br />

oftmals das doppelte oder mehr.<br />

Unternehmen erzielen mit solchen Projekten<br />

zwar schnell gute Ergebnisse, weil sie von der<br />

Erfahrung und dem Netzwerk des Beraters profitieren<br />

– aber auch nur einmalige. Für jedes<br />

weitere Projekte muss dann wieder viel Geld<br />

investiert werden. Zudem schwingt immer eine<br />

gewisse Unsicherheit mit: Der Nutzen externer<br />

Beratung ist nicht sofort monetär greifbar. Welches<br />

Ergebnis das Projekt erzielt, kann kaum<br />

vorhergesehen werden. Einige Berater bieten<br />

ihre Leistung zwar auch auf Erfolgsbasis an; da<br />

sich der Erfolg jedoch nur bei Einsparungsprojekten<br />

gut messen lässt, ist dieses Honorarmodell<br />

nicht für alle Projekte geeignet. Zudem<br />

nehmen solche Berater nur Projekte an, deren<br />

Projektvolumen mindestes bei einer halben<br />

Million Euro liegt – und verlangen im ersten<br />

Jahr oftmals 50 Prozent der erzielten Einsparungen<br />

des ersten Jahres als Entlohnung.<br />

Eigene Mitarbeiter zu Experten ausbilden<br />

Einen langfristigen und nachhaltigen Effekt<br />

erzielen Unternehmen vielmehr, wenn sie ihre<br />

eigenen Mitarbeiter zu Experten ausbilden.<br />

Etliche Seminare versprechen genau das, versuchen<br />

innerhalb kurzer Zeit möglichst viel Wissen<br />

zu vermitteln. Das Problem dabei: Die Teilnehmer<br />

können die Fülle an Inhalten gar nicht<br />

innerhalb weniger Tage aufnehmen und viel


Wissen geht deshalb direkt wieder verloren.<br />

Zusätzlich fallen die Mitarbeiter während des<br />

Seminars im Unternehmen aus – vieles bleibt<br />

liegen, was nach der Schulung erst wieder<br />

aufgearbeitet werden muss. Bis sie das neu<br />

Gelernte dann endlich anwenden können,<br />

haben sie die meisten Seminarinhalte schon<br />

wieder vergessen. Selbst wenn noch etwas<br />

Theorie hängen geblieben ist, werden die Mitarbeiter<br />

mit der praktischen Umsetzung allein<br />

gelassen. Einen nachhaltigen Effekt haben<br />

solche Weiterbildungen daher eher nicht.<br />

Abhilfe schafft ein neues Modell der Weiterbildung<br />

im Einkauf: Ein berufsbegleitendes<br />

Coaching und Mentoring über mehrere<br />

Monate hinweg. Anstatt die Teilnehmer innerhalb<br />

weniger Tage mit Inhalten zu überfrachten,<br />

finden über die Dauer eines solchen<br />

Programms hinweg unzählige kürzere Schulungen<br />

statt, entweder als Videosequenz on<br />

demand oder besser noch in Kombination<br />

mit einem Live-Coaching. Das Wissen wird so<br />

in leicht verdaulichen Häppchen vermittelt<br />

und kann deshalb langfristig abgespeichert<br />

werden. Zusätzlich sollten die Teilnehmer jederzeit<br />

die Möglichkeit haben, individuelle<br />

Fragen unkompliziert per Mail oder Sprachnachricht<br />

an die Coaches zu stellen. Tut sich<br />

im Arbeitsalltag ein Problem auf, erhalten die<br />

Teilnehmer dann direkt Hilfe vom Experten und<br />

werden auf diese Weise über Monate hinweg<br />

aktiv unterstützt.<br />

Am Arbeitsplatz lernen und Wissen direkt anwenden<br />

Findet das Programm berufsbegleitend statt,<br />

hat dies auch den Vorteil, dass die Mitarbeiter<br />

nicht tagelang am Arbeitsplatz fehlen,<br />

von anderen Kollegen demnach nicht ersetzt<br />

werden oder ihre Arbeit nach dem Seminar<br />

nachholen müssen. Auch Reisekosten fallen<br />

weg. Viel gewichtiger ist aber der Umstand,<br />

dass das Wissen nicht theoretisch in einer externen<br />

Schulung vermittelt wird, sondern direkt<br />

in der Arbeitsumgebung und im Alltag des<br />

Teilnehmers. Anstatt dass die Teilnehmer tagelang<br />

nur als Zuhörer in einem Seminar sitzen<br />

und höchstens in konstruierten Situationen mal<br />

zur Anwendung angeregt werden, lernen sie<br />

direkt an ihrem Arbeitsplatz und können das<br />

Gelernte im Anschluss unmittelbar anwenden.<br />

Der Lerneffekt ist auf diese Weise deutlich höher<br />

und nachhaltiger. Im Idealfall animiert der<br />

jeweilige Baustein direkt zur Umsetzung in die<br />

Praxis, vermittelt also konkrete Arbeitsaufgaben<br />

und Tipps.<br />

Zudem können sich die Teilnehmer solch gestaltete<br />

Kurse selbst einteilen: Sie schauen sich<br />

etwa eine Videosequenz an oder bearbeiten<br />

ein Kapitel im Workbook dann, wenn sie auch<br />

Zeit dafür haben oder sie inhaltlich gerade<br />

am besten zu ihrer Arbeit passt. Die Teilnehmer<br />

sollten darüber hinaus regelmäßig Rückmeldungen<br />

zu ihren Zwischenergebnissen<br />

erhalten; dann können sie ihre Arbeitsweise<br />

bei Bedarf anpassen und weiter in die richtige<br />

Richtung lenken.<br />

Fazit<br />

Externe Einkaufsberater helfen Unternehmen<br />

zwar bei der Lösung kurzfristiger Probleme, sind<br />

aber auch teuer und erzielen keinen Wissenstransfer<br />

ins Unternehmen. Auf Dauer günstiger<br />

und nachhaltiger ist es, die eigenen Mitarbeiter<br />

zu befähigen. Mit klassischen Seminaren<br />

wird das schwierig bis unmöglich, weil sie innerhalb<br />

kurzer Zeit zu viele Inhalte vermitteln<br />

und fernab des Arbeitsalltags der Teilnehmer<br />

stattfinden. Einen langfristigen Effekt erzielen<br />

hingegen berufsbegleitende Coachingprogramme,<br />

die das Wissen in kleinere Bausteine<br />

aufteilen. Die Teilnehmer lernen direkt am<br />

Arbeitsplatz, können das Gelernte auf diese<br />

Weise direkt anwenden – und erzielen höhere<br />

und nachhaltige Lerneffekte. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S88<br />

JOB & KARRIERE<br />

Das bringt die Zukunft:<br />

Logistik-Jobs 2030<br />

Komplexer, anspruchsvoller, mehr Informatik-<br />

Wissen. Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum<br />

der FH OÖ am Campus Steyr untersuchte<br />

mit ihrem Team im Auftrag des AMS OÖ,<br />

welche Kompetenzen von Logistiker in Zukunft<br />

gefordert werden und welche entsprechenden<br />

Ausbildungsmaßnahmen dafür erforderlich<br />

sind. Um dem Fachkräftemangel<br />

entgegen zu wirken, sollten Weiterbildungsmaßnahmen<br />

in Unternehmen verstärkt auf<br />

gering qualifizierte Mitarbeiter*innen ausgerichtet<br />

werden. TEXT: REDAKTION<br />

Lisa-Maria Putz-Egger<br />

Die voranschreitende Digitalisierung<br />

und Automatisierung ist wie in vielen<br />

anderen Bereichen natürlich<br />

auch für das Logistikpersonal ein<br />

entscheidender Treiber und sollte in der Ausund<br />

Weiterbildung stärker berücksichtigt werden,<br />

resümiert die Studienautorin Putz-Egger.<br />

Und weiter: „Aufgabenstellungen in einer<br />

digitalen Umgebung zu lösen, wird zu einer<br />

Grundkompetenz. Der IT-Bereich wird in Zukunft<br />

eine größere Rolle spielen. Fachinformatiker<br />

für Systemintegration, Softwareanwender<br />

und -entwickler und Datenanalysten werden<br />

immer wichtiger. Bereits existierende Logistikausbildungen<br />

wie zum Beispiel Speditionskaufmann/frau<br />

sollten deshalb beträchtlich<br />

um IT-Bereich ergänzt oder neue Ausbildungen<br />

konzipiert werden. Und obwohl ein Anstieg<br />

des Qualifizierungslevels erwartet wird,<br />

zeigt bereits eine Studie aus dem Jahr 2017,<br />

dass neben Beschäftigungen in relativ hochqualifizierten<br />

Bereichen auch viele Jobs in geringqualifizierten<br />

Bereichen entstanden sind.<br />

Jobs mit mittlerer Qualifikation sind hingegen<br />

weggefallen.<br />

Weiterbildung in Unternehmen auf gering<br />

Qualifizierte fokussieren<br />

Einerseits werden in den interviewten Betrieben<br />

aktuell viele Weiterbildungsmaßnahmen<br />

für (junge) Führungskräfte, also höher qualifiziertes<br />

Personal, angeboten, andererseits<br />

beschränkt sich das Angebot bei Logistikpersonal<br />

mit geringem Qualifikationsniveau oft<br />

auf Onboarding und Einschulungen. Viele<br />

Mitarbeiter*innen in der Logistik haben keine<br />

Ausbildung. Weiters sollte festgehalten werden,<br />

dass, wenn Fachkräfte für Lagerlogistik<br />

in Kleinbetrieben ausgebildet werden, diese<br />

nur selten mit Zukunftstechnologien in Berührung<br />

kommen. „Die befragten Unternehmen<br />

wünschen sich Weiterbildungsmaßnahmen<br />

im Bereich Data Mining bzw. Data Analytics,<br />

Change-Management, Prozessverständnis<br />

sowie im Bereich sozialer Kompetenzen.<br />

Wichtig ist, dass Ausbildungen sehr praxisorientiert<br />

gestaltet werden und ein besonderer<br />

Fokus auf die stark betroffene Zielgruppe der<br />

gering qualifizierten Mitarbeiter*innen gelegt<br />

wird“, so die Studienautorin Lisa-Maria Putz-<br />

Egger vom Logistikum der FH OÖ in Steyr.<br />

Die Studie wurde vom AMS OÖ beauftragt<br />

und beinhaltete eine Literaturrecherche sowie<br />

14 qualitative Interviews um die drei Forschungsfragen<br />

(1) Welche Kompetenzen<br />

weist qualifiziertes Logistikpersonal aktuell auf<br />

(2) Welche Auswirkungen haben Trends (Fokus<br />

auf Digitalisierung und Automatisierung) auf<br />

die benötigte Kompetenzen des Logistikpersonals<br />

bis 2030 und (3) Welche Empfehlungen<br />

lassen sich für Qualifizierungsmaßnahmen,<br />

Aus- und Weiterbildungen von Logistikpersonal<br />

aus den veränderten Kompetenzen mit<br />

Fokus bis 2030 ableiten, zu beantworten. Erarbeitet<br />

wurde die Studie vom Team Sustainable<br />

Transport (Verena Stockhammer, Laura<br />

Hörandner, Bianca Borca, Susanne Jankovich<br />

und Kerstin Mitterer) unter der Leitung von<br />

Lisa-Maria Putz-Egger. (RED)


NEUER JOB<br />

gesucht?<br />

https://network.logistik-express.com<br />

UNSER JOBSERVICE


LOGISTIK express 3/<strong>2022</strong> | S90<br />

AR Racking, ein Unternehmen, das auf industrielle<br />

Lagersysteme spezialisiert ist, hat Mark<br />

Grothus zum Key Account Manager für seine<br />

Niederlassung in Deutschland ernannt. Mit<br />

dieser Ernennung stärkt das Unternehmen<br />

seine Position auf dem deutschen Markt und<br />

erweitert sein Vertriebsteam mit Sitz in Rüdesheim<br />

bei Frankfurt. Mark Grothus bringt einen<br />

umfangreichen beruflichen Hintergrund mit<br />

und verfügt über umfassende Kenntnisse in<br />

den Bereichen Intralogistik und industrielle<br />

Lagerlösungen, in denen er in den letzten Jahren<br />

tätig war. AR Racking gehört dem Konzern<br />

Grupo Arania an.<br />

Eugen Günther hat bei dem auf aktiv temperaturgeführte<br />

Arzneimitteltransporte spezialisierten<br />

Logistikdienstleister trans-o-flex<br />

ThermoMed Austria die Verantwortung für<br />

den Vertrieb übernommen und gleichzeitig<br />

die Funktion des Sprechers der Geschäftsführung.<br />

Wolfgang P. Albeck, der Günthers neue<br />

Funktionen in Österreich bisher neben seinen<br />

Aufgaben als CEO von trans-o-flex selbst ausgeübt<br />

hat, wird sich auf die Internationalisierung<br />

des Unternehmens konzentrieren. Stefan<br />

Gerber und Michael Schmidt agieren weiter<br />

als Geschäftsführer Operations und Finanzen.<br />

Mit Wirkung zum 1. August <strong>2022</strong> wird Benedikt<br />

Middendorf, Leiter des Bereichs Business<br />

Development, Strategie und Kommunikation<br />

den Mobilitätsdienstleister EURO-Leasing<br />

GmbH auf eigenen Wunsch verlassen, um sich<br />

einer neuen Aufgabe bei der Deloitte Consulting<br />

GmbH zu widmen. Middendorf wechselte<br />

Zum 1. Juli <strong>2022</strong> hat die Berger Logistik GmbH<br />

einen neuen Geschäftsführer: Erhard Stadler<br />

übernimmt die Leitung des Tiroler Transportund<br />

Logistikunternehmens mit Sitz in Wörgl.<br />

Neben langjähriger Expertise und fundiertem<br />

Fachwissen im weltweiten Logistik- und Supply<br />

Chain Management bringt er breite internationale<br />

Management-Erfahrung für seine neue<br />

Rolle bei der Berger Logistik mit. Sein weitreichendes<br />

Know-how wird er künftig maßgeblich<br />

in die globale Expansionsstrategie einbringen,<br />

um den internationalen Wachstumskurs<br />

der Berger Logistik konsequent weiter voranzutreiben.<br />

vor zwei Jahren von Volkswagen Financial Services<br />

zur EURO-Leasing und hat in dieser Zeit<br />

zahlreiche neue Geschäftsmodelle und Kooperationen<br />

auf den Weg gebracht und somit<br />

das Unternehmen maßgeblich geprägt.<br />

Beirat der IDS Logistik GmbH hat Alessandro<br />

Cacciola (45), Vorstandsvorsitzender der<br />

Andreas Schmid Group, zu seinem neuen<br />

Beiratsvorsitzenden gewählt. Der Vorsitzende<br />

Stefan Noerpel-Schneider (55), der die Funktion<br />

seit 2015 innehatte, stellte sein Amt turnusmäßig<br />

zur Verfügung. Alessandro Cacciola<br />

hat Betriebswirtschaft mit Fokus auf Spedition,<br />

Transport und Logistik studiert und ist seitdem<br />

ununterbrochen in der Logistik – in Europa und<br />

weltweit – tätig. Seit Jänner 2019 ist Cacciola<br />

Vorstand der Andreas Schmid Group, dessen<br />

Vorsitz er im Juni 2019 übernommen hat. Dem<br />

IDS Beirat gehört er seit Februar 2019 an.<br />

Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gremiums<br />

wurde erneut Philipp Strenge (46),<br />

geschäftsführender Gesellschafter der Rieck<br />

Logistik-Gruppe, gewählt. Cacciola & Strenge<br />

haben sich als Ziel gesetzt, die IDS weiter auszubauen<br />

und somit die Kapazitäten und die<br />

Qualität des Netzwerkes zu stärken.<br />

Digitalisierung, Green Logistics und die Anforderungen<br />

des wachsenden B2C-Geschäftes<br />

werden darüber hinaus eng im Fokus stehen.<br />

Die IDS Logistik GmbH ist mit 51 Standorten,<br />

16,6 Millionen Sendungen (2021) und rund<br />

7.300 Beschäftigten die größte Stückgutkooperation<br />

in Deutschland.


PERSONALMELDUNG<br />

MENSCHEN IN<br />

BEWEGUNG<br />

Dr. Stefan Anschütz verstärkt neben seiner<br />

Rolle als CEO der Hamburger Opheo Solutions<br />

GmbH ab sofort auch die Geschäftsführung<br />

der Nürnberger Städtler Logistik GmbH. Der<br />

51-Jährige wird die Geschäfte der Städtler Logistik<br />

zusammen mit Dipl.-Ing. Michael Reichle<br />

führen, der das Traditionsunternehmen seit<br />

über 20 Jahren erfolgreich leitet. Stefan Anschütz<br />

hatte 2001 zunächst die initions AG<br />

gegründet und als CEO 20 Jahre geleitet. Im<br />

Jahr 2021 gründete er das Logistiksoftwaregeschäft<br />

aus dem Unternehmen aus und führte<br />

es als Opheo Solutions in die Solvares Group.<br />

Die GEBHARDT Intralogistics Group mit Hauptsitz<br />

in Sinsheim passt ihre Organisationsstruktur<br />

an. Damit trägt das Unternehmen dem starken<br />

Wachstum sowie den Herausforderungen<br />

des Marktes Rechnung und stellt sich für die<br />

Zukunft optimal auf. Als neuer Geschäftsführer<br />

Vertrieb und Service wird Volker Nicolai bestellt.<br />

Kevin Stadler verantwortet zukünftig als<br />

Geschäftsführer den Bereich Human Resources<br />

und Finanzen. Damit verstärkt GEBHARDT<br />

seine bisherige Geschäftsführung aus Fritz und<br />

Marco Gebhardt sowie Reinhold Himmelhan.<br />

Mit Wirkung vom 1. Juni <strong>2022</strong> wird Kamil Christoph<br />

Kasprowicz den Vorsitz der Geschäftsführung<br />

der neu gegründeten Baur Hermes Fulfilment<br />

GmbH in Altenkunstadt übernehmen.<br />

Seine Nachfolge als Group Vice President<br />

Supply Chain Management der Otto Group<br />

übernimmt Raphael Maier, seit 2021 verantwortlich<br />

für Supply Chain Strategie & Innovation.<br />

Kamil Christoph Kasprowicz vervollständigt<br />

damit neben COO Peter Volk die zweiköpfige<br />

Geschäftsführung der Baur Hermes Fulfilment<br />

GmbH. Der 37jährige Diplom-Ökonom war<br />

vor seinem Wechsel in die Otto Group für die<br />

Unternehmensberatung Roland Berger tätig,<br />

Alexander Peters, aktuell Group Vice President<br />

Otto Group IT, wird Geschäftsführer bei<br />

der Manufactum Gruppe und das Unternehmen<br />

beginnend ab dem 1. August <strong>2022</strong> gemeinsam<br />

mit Kai Steffan leiten. Er folgt Max<br />

Heimann. Seit März 2018 leitet Alexander<br />

Peters als Group VP die Direktion Otto Group IT.<br />

In dieser Funktion legte der 47-Jährige seinen<br />

Fokus, neben Operational Excellence und<br />

Wirtschaftlichkeit, insbesondere auf die Etablierung<br />

von Modern Leadership und agilen<br />

Organisations- und Steuerungselementen.<br />

In seiner Funktion als CFO wird Tim Kutzner<br />

das globale Controlling- und Finanzteam<br />

von Otto International leiten. Er wird für<br />

alle finanziellen sowie rechtlichen Belange<br />

des Unternehmens verantwortlich sein<br />

und auch die Vendor Payment Services<br />

(VPS) und Zahlungsdienste von OI steuern.<br />

Der 46-jährige Betriebswirt wird eng mit Banken<br />

und externen Firmen, dem Finanzteam<br />

der Otto Group und verschiedenen wichtigen<br />

Funktionsbereichen innerhalb von OI zusammenarbeiten.


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