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Elevate Festival Magazin 2022

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2022

FESTIVAL MAGAZIN


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Herausgeber: Elevate – Verein zur Förderung des gesellschaftspolitischen und kulturellen Austausches, Volksgartenstraße 1/4/12a, A-8020 Graz, ZVR: 644062383

Autor:innen: Bernhard Steirer, Christian Pausch, Florian Pirker, Shilla Strelka, Patrick Wurzwallner Layout: Cornelia Rauchbüchl, Eva Leitner

Cover und Artworks: Matthias Jäger, Cornelia Rauchbüchl Lektorat, Korrektur: Bernhard Sax Druck: Medienfabrik Graz, Änderungen, Satz- und Druckfehler

vorbehalten. Kontakt: magazin@elevate.at / Informationen zum Medieninhaber sind unter folgender Web-Adresse auffindbar: elevate.at/impressum © Alle Rechte,

auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, sind vorbehalten. Eine Vervielfältigung der Inhalte kann nur nach ausdrücklicher

Genehmigung erfolgen.


EDITORIAL

Der Mensch steht heute vor

der Wahl: Entweder wählt er

das Leben und ist zur neuen

Erfahrung von Humanismus

fähig, oder die neue ‚eine

Welt‘ wird nicht gelingen.

Erich Fromm: Humanismus als reale Utopie.

Ullstein, Berlin 2005, S. 92

Transition. Übergang. Veränderung. Vermutlich das einzige wahre

Naturgesetz unseres Universums, welchem alle komplexen Strukturen

unseres sichtbaren Kosmos unterliegen. „The space that makes

up our universe can do a lot of things but it can’t stay the same“,

postuliert Kosmologe und Partikelphysiker Dan Hooper in einem

seiner Vorträge über den Beginn des Universums und gibt damit

Einblick in die universelle, ja vielleicht sogar multiverselle Wahrheit

dieses Prinzips. Faszinierend dabei ist jedoch die Tatsache, dass der

Begriff Transition sowohl eine Art Ist-Zustand beschreibt, jedoch

in seiner Bedeutung gleichzeitig einen sich vollziehenden Prozess

impliziert. Der Grad sowie die Signifikanz und Geschwindigkeit der

observierten Transformation hängt schlussendlich einzig und allein

von der Perspektive ab, die man einnehmen möchte. Was darauf

folgt, ist die schließlich viel interessantere Frage nach der Position in

einem derartigen Gefüge. Vom globalen pandemischen Regen in die

Traufe des Krieges im Osten Europas, über die immer stärker verschwimmenden

Grenzen zwischen liberalen und autoritären Positionen

sowie deren Theorien und Methodiken bis hin zur immergrünen

Dialektik von „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Gibt es Licht

am Ende des Tunnels und gelingt es, den Methoden der Entzweiung

entgegenzuwirken und sich auf die Gemeinsamkeiten zu berufen, die

uns als Spezies und kulturelle Identitäten definieren? Und vermutlich

noch wichtiger: Können wir diese Transitions überhaupt beeinflussen

oder sind wir ihnen unterworfen?

Diese Fragen bleiben bis auf weiteres leider alles andere als trivial,

werden jedoch auch im diesjährigen Kunst-, Musik- und Diskurs-Programm

auf verschiedenste Art aufgeworfen, widergespiegelt,

dekonstruiert, debattiert und ausgeführt.

Im Bewusstsein über Aufstieg und Fall und darüber, wie schnell

die Welt sich dreht, verbleiben wir enthusiastisch und gespannt auf

ein Morgen voller Potenzial und erwünschen uns entgegen jeder

post-pandemischen Malaise ein Festival voller Inspiration, Aufbruchsstimmung

und elevated spirits.

Auf Regen folgt Sonnenschein. Hoffentlich.

Hingebungsvoll,

eure Elevate-Redaktion

INHALT THE TEACHES OF PEACHES 2 / GUIDE: MUSIC

4 / INTERVIEW: AJA 8 / INTERVIEW: ZOË MC PHERSON

10 / Q&A LOCAL ARTISTS 13 / GUIDE: DISCOURSE 16 /

INTERVIEW: IRINA NALIS 18 / INTERVIEW: DANIEL GÖRTZ

20 / INTERVIEW: ALYONA ALYONA 22 / GUIDE: ARTS 24 /

INTERVIEW: ZOSIA HOŁUBOWSKA 26 / TIMETABLE 31

1


THE TEACHES

OF PEACHES

Die aus Toronto stammende und

in Berlin lebende Peaches hat sich

im Dunst- und Freundeskreis rund

um Feist, Mocky und Chilly Gonzales

etabliert und hat mittlerweile

mit Größen wie Iggy Pop, Yoko Ono,

oder R.E.M. zusammengearbeitet.

Die Größte ist allerdings immer

noch sie selbst.

Unter ihrem bürgerlichen Namen Merril Nisker hat Peaches 1995

ihr erstes Album „Fancypants im Vergleich zu noch folgenden Alben,

fast zartes Indie-Album bei dem die fantastische Weirdheit und der

ausufernde Punk der späteren Peaches nur ein paar wenige Male

durchblitzt. Ganz anders dann fünf Jahre später beim Album „The

Teaches Of Peaches“, das sie als Peaches veröffentlicht, ein Name der

dem Nina Simone Song „Four Women“ entlehnt ist, darin heißt es in

den letzten Zeilen: „My life has been rough / I‘m awfully bitter these

days (...) My name is Peaches.“

Aufgewachsen im Toronto der siebziger und achtziger Jahre erlebt

Peaches als Enkelin jüdischer Einwanderer*innen aus Polen und Galizien

(heutige Ukraine) schon als Kind was es heißt nicht erwünscht

zu sein: sie wird am Heimweg von der Schule von anderen Kindern

mit Steinen beworfen und mit antisemitischen Schimpfwörtern verspottet.

Als queere Teenagerin und junge Erwachsene flüchtet sie sich

in die alternative Szene, lernt über die Jahre immer mehr andere Außenseiter*innen

mit oft musikalischen Ambitionen kennen. Als „The

Teaches Of Peaches“ erscheint, teilt sie sich gerade eine Wohnung mit

der Musikerin Feist, die auch prompt Vocals zur Platte beisteuert.

Die späten Neunziger und frühen Nullerjahre sind die Zeit des Electroclash.

Ein Genre, das die Ideen und Einflüsse der Achtziger mit

dem Techno der Neunziger mischt und zu einer ganz eigenen Art der

elektronischen Tanzmusik avancierte, die auch Raum für Humor

und Performance im Songwriting und auf der Bühne bietet. Ein Umstand

der Peaches, die vor ihrer musikalischen Karriere eigentlich

zum Theater wollte, in die Hände spielt, denn das Visuelle und die

Musik hängen bei ihr bis heute untrennbar zusammen.

Ihre extravaganten Bühnenoutfits, wie der unverkennbare Titten-​

Anzug, der aus mehreren riesigen Schaumstoff-Brüsten besteht,

sind genauso Kult, wie ihre expliziten und einzigartigen Musikvideos.

Besonders die Videos zu den Songs vom 2015 erschienen Album

„Rub“ zeigen Peaches‘ Vorliebe für Performatives: im Video zu

„Vaginoplasty“ schwimmt sie in einem Pool aus menschlichen Vaginas,

für den Titelsong „Rub“ wird Peaches, selbst nackt, von einem

Haufen nackter Frauen mit einer klebrigen Gleitgel-artigen Masse

eingerieben und im Video zu „Dick In The Air“ schwingt sie, zusammen

mit Comedienne Margaret Cho, an Strick-Kostümen befestigte

Penisse durch die Luft, ganz wie es der Songtitel vorgibt.

Die Explizitheit der Lyrics und Bilder, und die Offenheit mit der Peaches

über Sex, Sexualität und Gender spricht haben bei ihren Anfängen

die konservative Öffentlichkeit schockiert. In der queer-feministischen

Musik-Szene allerdings hat sie damals einen Nerv getroffen

und eine große Lücke in der Popwelt mit sexpositiven Messages gefüllt

nach denen man sich regelrecht gesehnt hat. Dass ihre hochpolitische

Musik fast wie nebenbei auch noch unglaublichen Spaß macht,

zum Tanzen animiert und live dargeboten zu einem energiegeladenen

Rave ausarten kann, das ist die große Kunst von Peaches für die

sie von ihrer weltweiten Fanbase gefeiert wird.

Heutzutage stellen die Textstellen über exponierte Geschlechtsteile

und nicht-heteronormative Sexualpraktiken keine große Provokation

mehr dar; ein Umstand, der aber bezeichnenderweise zu einem

Großteil der Musikerin selbst zu verdanken ist. Die Vorreiterrolle

von Peaches im Musikbusiness und in der Popmusik bei Themen wie

Sexpositivity, Body-Neutrality, und dem allgemeinen Diskurs rund

um Gender und Feminismus ist unbestritten. Peaches hat sich selbst

die Welt geschaffen in der ihre Musik nicht mehr provokant ist, sondern

als das gesehen wird, was sie ist: eine politische Notwendigkeit.

Die feministische Botschaft ihrer Songs ist nicht immer auf den ersten

Blick zu erkennen, aber stets inhärent. In ihrem wohl größten

Hit „Fuck The Pain Away“ (2000), der schnell als hedonistisches

2


PEACHES

© Hadley Hudson

Ausblenden der Wirklichkeit durch Party und Sex gelesen werden

kann, geht es unter anderem darum, dass junge Frauen bereits in

der Schule vom Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper

unterrichtet werden sollten: „SIS, stay in school ‚cause it‘s the best

IUD“ Eine Botschaft, die im Jahr 2022, in dem Abtreibungen in

Polen und Teilen der USA wieder unter Strafe gestellt werden, nicht

aktueller sein könnte.

In Peaches‘ Fahrwasser bewegen sich große Popstars wie Lady Gaga,

Cardi B und auch Beyoncé, die auf ihre Art versuchen Feminismus,

Musik und Entertainment zu verbinden und beim Publikum dabei

äußerst erfolgreich sind. Das Wasser reichen, wenn es um Authentizität

geht, das kann ihr allerdings niemand: Peaches ist rau und

ungeschliffen, in ihren Botschaften bestimmt und hart, queer und

intersektional, weit weg von einem Weichspül-Feminismus und

einem auf Hochglanz polierten Pop-Image. In dem was Peaches tut,

ist sie einmalig und das weiß sie auch, wie sie im Song „Serpentine“

(2009) unmissverständlich klarstellt:

„Some call me trash, some call me nasty.

Call me crass, but you can‘t match me“

Das zeigt auch ein Blick auf ihr Œuvre: sechs Studioalben, darunter

„Fatherfucker“ (2003) und „I Feel Cream“ (2009), ein Remix-Album

„Rub Remixed“ (2016) und über vierzig Musikvideos reihen sich

nahtlos an unzählige Features und Kollaborationen mit u.a. Chicks

On Speed, Pink, Flaming Lips, Major Lazer oder Christina Aguilera.

Ihr letztes Studioalbum ist zwar bereits sieben Jahre her, aber Peaches

war in der Zwischenzeit keineswegs untätig: erst letztes Jahr

hat sie ihren von der Pandemie inspirierten Song „Pussy Mask“ veröffentlicht

und im April hat sie den Song „When I‘m Free“ der Death

Valley Girls geremixt.

Nun führt sie die „Teaches Of Peaches Anniversary Tour“ nach Graz

zum Elevate Festival, wo sie das vor 22 Jahren erschienene Album in

ganzer Länge aufführen wird. What else is in the teaches of peaches?

Wir werden es schon bald erfahren, denn Peaches ist mit ihrer Kunst

noch lange nicht am Ende.

INFO

PEACHES

Konzert

16.07.2022

22:00 Uhr

Orpheum Graz

Weitere Infos: elevate.at

Talk

17.07.2022

13:00 Uhr

Heimatsaal

3


GUIDE: MUSIC

Von Sound-Pionier:innen und Musik-Ikonen bis zu up-and-coming Acts

bietet das Elevate Festival auch dieses Jahr wieder einen Querschnitt

durch das Geschehen der internationalen und nationalen Musikszene.

Neben dem obligatorischen Clubprogramm präsentieren wir zahlreiche

Live-Shows, die zum Teil unter freiem Himmel stattfinden. Wir haben das

umfangreiche Programm für euch zusammengefasst.

4


Farbenfroher Deep House und hypnotische Sounds

Für das erste Mal wird heuer der Grazer Lesliehof als Open-Air-

Bühne bespielt. Der atmosphärische Arkaden-Innenhof ist am

Mittwoch Schauplatz der Eröffnung. Als Teil der Eröffnungszeremonie

wird die in Hamburg stationierte Sängerin und Musikerin

Sophia Kennedy zu erleben sein. Kennedy verfügt über den Glamour

und den morbiden Charme von Tin Pan Alley Show Tunes

aus den 1960er oder 70er Jahren und ist doch ganz und gar der

dekonstruierten Moderne der Clubmusik verpflichtet. Gerahmt

wird das Live-Set von einem Set des lokalen DJs Milés Borghese.

Der erste offizielle Spieltag des Festivals findet am Tag darauf im

Dom im Berg statt. Den Anfang macht ein Perkussions-Ensemble.

Nicht weniger als 10 Musiker:innen werden „GLOP II“ des österreichischen

Komponisten k.auders aufführen. In Referenz an die

frühe Minimal Music leiten hier repetitive Patterns und verschachtelte

Polyrhythmen einen halluzinativen Effekt ein. Mit diesem

brechen wird Schtum aka Manu Mayr und Robert Pockfuß, zwei

Größen der Wiener Impro-Szene. Gemeinsam produzieren sie brachial-verrauschten,

rhythmischen Noise, der auf wuchtigen Gitarrenfeedbacks

basiert und die physische Kraft der Elektrizität erfahrbar

macht. Im Anschluss bekommen wir die Gelegenheit, die

italienische Musikerin und Komponistin Caterina Barbieri live zu

erleben. Barbieri gilt als eine der Koryphäen im Bereich der Modular-Synthesizer-Elektronik.

Ihre eleganten, emotional intensiven

Nummern sind von universaler Schönheit — zeitlos und mystisch

provozieren sie eine transzendentale Musikerfahrung. Wer nach

diesem magischen Set noch tanzen möchte, kann weiter zum Parkhouse

spazieren, wo Yushh eines ihrer Broken-Beats-DJ-Sets spielen

wird. Jen Hartley ist aktiver Teil der prosperierenden Underground-Szene

Bristols und hat – nicht zuletzt mit ihrem Label – die

Mission, den Sound Bristols in die Welt zu tragen. Vor und nach ihr

gibt es die lokalen DJs Bill B. Wintermute und DJ Durbin zu hören.

Krautrock-Psychedelik, ukrainischer Hip Hop

und deeper Drum’n’Bass

Auch am Freitagabend wird der Lesliehof mit atmosphärischen

Konzerten bespielt. Den Anfang macht der in Wien stationierte

Musiker und Künstler Robert Pawliczek aka Bobby Would. Dieser

präsentiert unprätentiöse Rock’n’Roll Lullabies und orientiert

sich dafür an einem einfachen Kompositionsprinzip: Aus

Snippets von Croner-Oldies und Rockabilly-Evergreens werden

Loops gebaut, zu denen der Musiker singt und Gitarre spielt. Die

darauffolgende Band Anika rund um Frontfrau Annika Henderson

hat letztes Jahr ihr heiß erwartetes Album „Change“ herausgebracht.

Die melancholisch eingefärbten Nummern oszillieren

in ihren Lyrics zwischen Selbstermächtigung und Ohnmacht. Sie

leben von Anikas stoischer Präsenz und ihrer samtigen Stimme,

die gerne mit Nico verglichen wird. Und auch die Kultformation

FaUst wird open air zu erleben sein. Als Mit-Gründerväter

des Genres Krautrock sind sie bekannt für fulminant dahinmäandernde

Soundstrukturen, die die Hörerschaft in psychedelische

Sphären gleiten lassen. Am Elevate Festival lädt die

Formation das Publikum in einem eineinhalbstündigen improvisierten

Set zum Abdriften ein und präsentiert daneben auch

Nummern aus dem wiederveröffentlichten Album „Faust IV“.

Im Dom im Berg geht es ab 22:00 mit einem vielfältigen Musikprogramm

weiter. Nach einem DJ-Set des Geschwisterpaares Blyskawica

& Gasolina wird die ukrainische Musikerin Alyona Alyona,

eine der Headliner:innen des diesjährigen Festivals, ein Konzert

spielen. Aljona Olehiwna Sawranenko wird mittlerweile nicht nur

in ihrem Heimatland als Hip-Hop-Ikone gehandelt. Kritiker:innen

vergleichen sie mit Azealia Banks, aber ihre künstlerische Vision

reicht weiter. Sie rappt über Frauen, die keinem Schönheitsklischee

erliegen, junge Menschen, die die Situation in ihrem Heimatland

beklagen, über Braindrain, Ökologie, Hunger und Hass, oft auf

humorvolle Art und Weise. Anschließend wird der Wiener Musiker,

Produzent und Songschreiber Clemens Bacher aka Cid Rim zu

sehen sein. Auf seinem letztes Jahr erschienenen Release „Song of

Vienna“ fusioniert er Jazz, Pop und Elektronik mit melodischem

Groove zu schillernden, funky Nummern. Catnapp nennt sich die

Produzentin und Sängerin Amparo Battaglia. Sie war fixer Bestandteil

der Underground-Szene Buenos Aires’, bevor sie 2015 nach

Berlin übersiedelte. Sie selbst bezeichnet ihre Musik als Pop, ist mit

ihrer futuristischen Cyborg-Ästhetik aber auch zwischen Rave und

Rap, Breakbeat und zeitgenössischer Elektronik situiert. Wenn jemand

auf wuchtige Bässe steht, dann er: Dillinja wird als einer der

einflussreichsten Drum’n’Bass-Produzenten unserer Zeit gehandelt.

Neben seinen eigenen Releases ist er für zahlreiche Remixes verantwortlich,

u.a. für Größen wie David Bowie und Björk. Gemeinsam

mit seinem langjährigen Partner Lemon D gründete der Brite

das Label Valve Recordings. Gemeinsam entwickelten sie das Valve

Soundsystem, das – so sagt man – basslastigste Soundsystem der

Welt. Das Closing-Set spielt Franjazzco. Als Teil der Kollektive disko404

& Service bewegt er sich mit seinen DJ-Sets zwischen den

basslastigen Genres House, Techno, Footwork, Bass und Hip Hop.

Zeitgenössische Club-Elektronik im Tunnel

Im Tunnel präsentiert das Elevate am Freitag und Samstag zeitgenössische

Clubmusik in all ihren Facetten. Nach einem DJ-Set

des Münchner Komponisten, Produzenten und DJs Dominik Lekavski

aka Kessel Vale wird am Freitag das Wiener Duo /DL/MS/

rund um Martin Dibek und Dan Lodig seine Version von Detroiter

Electro präsentieren. Stimmungsvolle Ambient-Einlagen wechseln

hier mit kühn konstruierten Beat-Patterns und melodischen

Acid-Breaks. Anschließend gibt es faszinierende neue Stimmen

aus dem Bereich der innovativen Clubmusik zu entdecken. Die in

Berlin lebende Produzent:in, Künstler:in und Labelbetreiber:in

Zoë Mc Pherson führt Elemente aus Performance, Sounddesign,

Installationskunst und DJing zusammen. Sci-fi-artige Sounds

und experimentell-noisige Vocals formen sich bei Zoë zu futuristischen

Dancefloor-Tracks. Als Aushängeschild des Labels Ilian

Tape, wenngleich er gerne in der Anonymität bleibt, bewegt sich

Skee Mask gekonnt zwischen den Genres. Gemeinsamer Nenner

seiner vielfältigen Produktionen sind der deepe Vibe und die organisch-atmosphärischen

Grooves. Die Nacht beschließen wird

GiGi FM. Bekannt für ihre hypnotischen DJ-Sets, basiert ihr weites

Musikverständnis auf einer synästhetischen Wahrnehmung — der

5


Assoziation von Farben und Klängen, die es ihr ermöglicht, besonders

atmosphärische, geheimnisvoll-auratische Sets zu kreieren.

Auch am Samstag bildet sich im Tunnel die derzeitige Clubszene

Europas ab, und das mit einem bewusst störrischen Programm. Es

startet energetisch, mit der in Graz stationierten DJ sowie, die sich

in ihren Sets von Hip-Hop zu Footwork, von Jungle bis Halfbeat

bewegt und ihre Vorliebe für schwere Basslines unter Beweis stellt.

Weiter geht es mit Noise zwischen Industrial und Hardcore. DJ

Warzone gilt als einer der Heads des Wiener Techno-Undergrounds.

Der Produzent und DJ mit kurdischen Wurzeln bedient mit seinem

harschen LoFi-Sound das gesamte Spektrum des Hardcore-Kontinuums.

Ähnlich noisig ist auch der Auftritt der britischen Musikerin

und Performancekünstlerin Aja Ireland aka AJA. Exzessiv, konfrontativ,

kathartisch attackiert sie ihr Gegenüber mit störrischen

elektronischen Signalen und gewaltsamen Schreien. Ihr Industrial-Techno

ist unerbittlich. Er kombiniert Elemente aus dekonstruiertem

Club mit Noise, DIY-Elektronik mit Performancekunst. Im

Anschluss wird der aus dem Duo Giant Swan bekannte Mun Sing

alias Harry Wright diesmal solo und als DJ zu hören sein. Dabei geht

er ebenso kompromisslos vor, mixt Cyber-Grime zu frickelndem

Trap, polyrhythmische Neo-Club-Sounds zu autogetuntem R’n’B

und melodramatischen Pop-Anthems. Im Anschluss spielt Crystallmess

eines ihrer energetischen DJ-Sets. Die in den Pariser Banlieues

aufgewachsene Christelle Oyiri hat französisch-karibische und

afrikanische Wurzeln. Inspiriert von Kodwo Eshuns Ausführungen

zum Afrofuturismus, gleicht ihr DJ-Stil einer globalisierten und

diasporischen Aufarbeitung von Techno und Clubmusik, bei der Texturen

und Narrativen mehr Gewicht zukommt als Genres. Verborgen

hinter einer Maske von Kim Jong-un, gleichen die subversiv-humorvollen

Auftritte von Doris Woo aka DJ Bus Replacement Service

einer Mischung aus DJing, Stand-Up Comedy und Performance Art.

In ihren Sets stellt sie ihre Liebe für Nischen-Genres unter Beweis,

mixt kantonesischen Hip Hop mit schrillem Jodeln, Vintage-Italo

mit hoch-gepitchten Popsongs, Spoken Word mit Hardcore und

Techno. Die Nacht beschließen wird DJ Jackhammer, eine der Gabber-

und Hardcore-DJs Wiens. Ihre Sets sind ekstatisch und euphorisch

und kombinieren aktuelle Nummern mit Oldschool-Anthems.

Teaches for Peaches im Orpheum, Gründerväter- Electro,

UK Bass und dreamy House im Dom

Am Samstag leitet ein Set des Grazer Kollektivs Grrrls DJ Crew den

Abend ein, bevor der Stargast des heurigen Festivals Peaches die

Bühne des Orpheums betritt. Peaches gilt seit zwei Dekaden als eine

der legendärsten und einflussreichsten feministischen Musiker:innen

und Performance-Künstler:innen weltweit. Die in Kanada geborene

und mittlerweile in Berlin ansässige Merrill Beth Nisker setzt

sich in ihrer progressiven Arbeit mit gesellschaftlich brisanten Themen

auseinander und rückt Fragen von Gender und Sexualität mit

teils bissigem Humor in den Fokus.

Ihre Live-Performances gelten als exzessiv, flamboyant und ekstatisch.

Am Elevate wird sie mit ihrem fulminant-futuristischen

Bühnen-Happening „Teaches for Peaches“ zu erleben sein.

Es umfasst ein zehnköpfiges Ensemble und bezieht sich auf das

gleichnamige 2000 veröffentlichte Album, auf dem Kult-Nummern

wie das hymnische „Fuck The Pain Away“ zu finden sind.

Das Samstagnacht-Programm im Dom im Berg wird die lokale

House-and-beyond-DJ Jilian eröffnen. Darauf folgt ein DJ-Set von

Chloé Robinson. Der Fokus der in Großbritannien stationierten

DJ und Produzentin liegt auf den Bass-intensiven Genres: Techno,

Grime, UK Garage, Dubstep und House. Ihre Sets sind raffiniert

und dabei immer gut gelaunt. Mit dem Genre Electro ist der

Name des nächsten Acts eng verknüpft – DJ Stingray 313. Der

aus Detroit stammende Sherard Ingram ist eine feste Größe im

Techno der ersten Stunde. Er ist bekannt für seine rasenden Mixing-Skills.

Schließlich wird auch der Produzent und DJ Palms

Trax zu hören sein. Mit Releases auf Lobster Theremin ist der in

Berlin stationierte Brite Jay Donaldson ein gewichtiger Player in

Sachen Disco und House. Sein Sound lebt von tropisch angehauchten

Percussions, verträumten Vocals und uplifting Melodien.

Sonntags-Einklang im Parkhouse

und Festival-Ausklang mit Psych-Rock-Legende

Mit der Afterparty von Vienna Worldwide lässt sich im Parkhouse

die Nacht zum Tag machen. Ab 6:00 gibt es Feelgood-Sets von Apua,

DJ Void, Stipo und der in UK stationierten DJ Delasflores. Danach

lässt es sich mit einem von A.tropa kuratierten Programm weiterfeiern.

Vom Mittag bis in den Abend hinein lassen sich mit Attila, Sucre

Sucre und Goldberg lokale und internationale DJs erleben, darunter

der mit dem Label L.I.E.S. verbandelte DJ und Musiker Lipelis. Die

Grazer Band The Sunbathing Society wird in einem Live-Set soulige

und trippige Melodien mit starken Grooves kollidieren lassen.

Im Orpheum werden schließlich die zwei letzten Acts des Festivals

auftreten und dabei Psych-Rock vom Feinsten zum Erklingen

bringen. Die Jigsaw Beggars sind eine Formation aus Graz, die

sich gekonnt zwischen Neo-Psychedelic, Shoegaze und Folkrock

bewegt. Die Headliner des Sonntagabends sind fraglos The Brian

Jonestown Massacre. Die Formation gilt als eine der bekanntesten

Psychedelic-Rock-Bands weltweit. Ihr „narcotised dream-rock“

ist höchstgradig trippig, gleichsam eine Mischung aus Doors und

Velvet Underground, und infiltriert dabei diverse Elemente aus

Genres wie Shoegaze, Folk und Garage Rock, aus Blues und Country.

Resultat ist ein unverwechselbar halluzinativer, hypnotischer,

von den 60ern inspirierter Sound, der dutzende Bands beeinflusst

hat.Underground, und infiltriert dabei diverse Elemente aus Genres

wie Shoegaze, Folk und Garage Rock, aus Blues und Country.

Resultat ist ein unverwechselbar halluzinativer, hypnotischer, von

den 60ern inspirierter Sound, der dutzende Bands beeinflusst hat.

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SUCRE SUCRE

ANIKA

© Sven Gutjahr

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„IT’S IMPORTANT FOR ME TO BE

TRUTHFUL IN HOW I EXPRESS

MYSELF TO THE AUDIENCE“

Interview with AJA

AJA’s sound is expressive, aggressive, and confrontational. The British

musician attacks our senses, fusing techno beats with industrial noises,

heavy drum machine with corrosive synths. We talked to her about the

healing qualities of music, sound as ways of expression and noise music.

Do you have any associations concerning the concept of

„Transition“, our festival’s theme for this year?

This word is so fitting for my performances now as I no longer dress

up, scream, go into the audience or wear elaborate make up. This is

a huge transition from my previous performances and one which

has been really challenging for me as I feel so vulnerable but it’s important

for me to be truthful in how I express myself to the audience.

It’s always a priority for me to be authentic with whatever music

I make or how I perform on stage and now, I enjoy being calm and

still on stage and focusing all my time and attention on the music

and improvising live and really connecting to what is created in the

moment.

Do you believe in catharsis via music?

Yes, it’s healing in a way you can’t describe. I feel very privileged to

have had some very spiritual experiences during my own performances

and watching other artists like Puce Mary live. I’ve healed a lot

through playing music and I think that’s why my performances have

changed a lot recently.

In an interview you said that you “I try to open up conversations,

about mental health and my experiences – and how

music and performance has helped”. Can you elaborate?

My previous job was a mental health and suicide intervention trainer

so I’ve always been passionate about supporting people with their

own mental health and wellbeing. I think this stems from myself

having to work through depression, anxiety, addiction, and trauma

and also supporting people close to me through the same. Music and

performance has helped by giving me an outlet to express myself,

connect with other people, have a sense of community and build up

my sense of self-worth. The healing effect of music is different for

everyone, but for me it gives me a space to sometimes feel difficult

emotions in a safe space, like listening to a song in the car or being

on stage and screaming out all my frustration.

Noise music was, for a long time, male-only terrain.

Masculinity and machismo was an issue.

Is it still a male-dominated field?

For me, it’s changed but I think it might be because I surround myself

with people and promoters who are mindful of booking and putting

on events that are celebratory of womxn and people in the queer

community.

Your performances were very ecstatic, drastic even.

You wore costumes and interacted with the audience.

What was the goal of being confrontative?

The only goal when I was being confrontive like this was for my own

expression. It just came out, I didn’t have a concept behind it or an

aim – it was just pure freedom of expressing how I was feeling, like a

cleansing of emotions. This is probably why I don’t perform like that

anymore, I’ve got it all out of my system and am in a new phase now.

8


AJA

I suppose a part of it was frustration with my body being sexualized

and taking ownership of it which could have been why I used

to get naked sometimes. I feels like a different person now though,

although the music is still as confrontational I think!

You are also teaching workshops.

Why is it important to you to forward your knowledge?

It’s important to help other people and to encourage and nurture

confidence in other people. I’m dyslexic which has always held me

back from learning because I’m not very good at reading or writing

– so I like to encourage people to play, experiment and help build

confidence that anyone can play music, you don’t need to know how

to read music or follow a manual. I also think it’s nice to tie in meditations

and self-care into workshops to give people the space to

just be present with sounds and themselves.

What have you been up to lately?

Which project are you working on right now?

Lately, I’ve been working on a new EP – the live shows are quite techno

orientated and I’d like to reflect this in a new release (obviously

with lots of noise surrounding it!) I’ve also been starting to do more

live shows which is taking a bit of getting used to after covid but I’m

really loving it and can’t wait to play at Elevate!

INFO

AJA

Club

16.07.2022

00:30 Uhr / Tunnel

Weitere Infos:

elevate.at

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ZOË MC PHERSON

© Suzanne Caroline De Carrasco

„I’M MESSING WITH MANY

DIRECTIONS AND DON’T KNOW

WHICH LANGUAGE I’M SPEAKING“

Interview with Zoë Mc Pherson

Zoë Mc Pherson is a Berlin-based producer, curator,

multimedia artist and founder of the SFX label. Boomkat

is locating them “among electronic music’s most intriguing

new artists”, indeed their sci-fi-like sounds and experimentally

noisy vocals form an elaborate form of futuristic

music for the dancefloor - rhythmically adept and full

of stubborn energy.

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What relation do dance / movement and music /

sound / body have to you?

Sound is movement, composing is monitoring which ones you decide

to highlight when. The products manufactured move to a lot of places,

workers taking low cost flights move a lot, but micro movements,

within ourselves or as an expression is less common. I want more

expressions and sensing with movements. I also love dancing. Obviously.

And with others it‘s kinda hypnotising.

Your performance is full forward energy. You yourself

are dancing a lot, freeing yourself from the image of some

musician hiding behind a laptop. Why is this so important

to you?

What is the most important is embodying music, and sharing that

feeling together: public, performers, organisers …

I haven‘t seen so many live concerts lately, mostly DJs, but I´m

catching up now on tour, so let‘s see if laptop-only live sets are still

a thing? I’d rather watch a really great producer or musician who is

shy, hiding behind a laptop rather than a DJ over-doing it at dancing

and cashing in on other people’s music.

I feel better like this and think others seem to free themselves too,

I’m just learning to try to avoid breaking a leg on stage now as I did

last year!

You are curator and founder of SFX label & AV platform

that you run together with visual artist and director Alessandra

Leone. What’s the focus of your label/platform?

You want to connect different disciplines?

This label-platform has multiple outputs, we don’t like categorising

what we do. But as a common thread we like pushing forward projects,

releases, AV pieces, experiences, events that involve collaborations,

break boundaries or usual codes, involve people from different

backgrounds and creative disciplines.

Last year we were mostly busy with putting out this collaborative AV

project XquisiteForce.AV, as well as releasing Klahrk + collabs first

vinyl. This year we are curating a special program in Almaty, Kazakhstan

at a new Queer and Brave space bULt inviting international

artists to perform and give a workshop at the Goethe Institut (thanks

to their support). We have had Ehua over who gave a production

workshop, Mika Oki who also gave a workshop on audiovisual mapping,

Sarra Wild who moderated a talk about “the creation of Queer

spaces as a form of resistance”, and I’m going to be heading there in

a few weeks for my second time there to do an intro to spatial/3D

sound as well as to present a new live set! I’m very excited to see family

there again!

What can you tell us about the process of starting your

own label?

It’s awesome in all ways, but a lot of work as well!

You’ve moved to Berlin, a city that some artists are already

leaving again as they haven’t found what they were looking

for. Is the city and its nightlife inspiring to you?

It´s CTM festival this week, I´ll tell you more about it next week!

But one thing: yes club culture in Berlin is one of the best still, and

I think club tourists need to chill out more on the dance floor, their

energy is horrible.

Your music is experimental but club-oriented. How do you

find your language? Are you experimenting a lot? Are you

inspired by other acts?

I’m messing with many directions and don’t know which language

I’m speaking, I love experimenting, I love the art of mixing especially

and the art of performing. Preferably I connect to other acts when

I see them perform, I want to see how they interact, I need to sense

them in reality. One of my faves atm is L’Rain. Hopefully there’s

more to come.

What is the first memory coming to your mind, in relation

to music? Which scene were you socialized in?

Blues, Jazz, Soul and Folk music.

You have a few collaborative projects - how do you approach

this? Apart from Alessandra Leone, with Jessica Ekomane

for example. It’s a quite different sound aesthetics the two

of you are working on. Are there any specific ideas or moments

that fascinates you in the work of your partners?

I love how unique my working partners are, they are masters of

their domain and we try to find a middle ground. This communication

takes a lot of time and investment, creating something that is

not one plus one is this, but a new thing altogether. It’s fun to explore

and creates strong ties.

INFO

ZOË MC PHERSON

Konzert

15.07.2022

01:00 Uhr

Postgarage

Weitere Infos: elevate.at

Sonic Transitions

15.–17.07.2022

12:00–22:00 Uhr

Mausoleum

11


SATURDAY

12.11.2022

ORPHEUM GRAZ

SOFIA

KOURTESIS (PE)

12


ELEVATE

REVISITED

Read a short Q&A with our local acts

This year we’ve asked a handful of our local artists

about their relationship with Elevate, what they are most

looking forward to, and some past festival memories.

The motto of this year‘s festival is „Transition“. Do you

have any associations with this term?

Kessel Vale: The first thing that came to my mind was the track

„Transition“ by Underground Resistance with very inspiring lyrics. It

challenges you to constantly question yourself and your environment

and to change something if it doesn‘t correspond to your own values.

For Underground Resistance, music is one of the driving forces for

change. I also believe that music can have this power.

Jigsaw Beggars: Yes, we do. We released our first full-length, „Ain‘t

My Time For War“ this April and it’s quite an introspective view we

are taking on it. We are looking at a colourful youth and its transience.

So I would say transition as a term has been discussed quite a lot

during the process of our last record. Both personally and in relation

to all the mayhem going on out there.

Milès Borghese: What comes to my mind is deejaying, mixing and

creating blends with two or more tracks. But also changing, growing

and exploring new things.

Blyskawica & Gasolina: Coming from Bosnia & Herzegovina, this

term has been our companion since we were old enough to speak.

Transitional society eventually evolves into post-transitional, which

should be its final phase. Alas, the “transitional” part never seems to

disappear completely.

DJ Durbin: As a DJ, I can‘t help but think about mixing tracks.

Transitions are very important to me because I have a fast mixing

style, play a lot of tracks and cross genres. But the term transition

also has a political component. Our time is crying out for change and

needs political transition, some of it revolutionary in nature.

Kauders: Yes, but I am very ambivalent about it. Of course, there is

always something exciting in the moment of transition, the situation

is unstable and you don‘t know where it will go, in music I find that

highly interesting. If you look at the transition as a social phenomenon,

it could be a state that makes optimism possible, but my impression

is rather that in the end it is mostly the powerful who manage to

exploit such situations to further expand their positions of power and

inequalities are deepened.

Bobby Would: I guess there are too many associations with the

term, but generally I think a lot about transitions.

What is your personal festival highlight? Why?

Kessel Vale: My personal highlights this year: Gigi FM, Yushh, Skee

Mask und DJ Stingray They all are very dedicated to their craft and

manage to inspire me a lot. :)

sowie: My highlight on the line up this year Chloé Robinson and Cid

Rim! Both artists are a huge inspiration.

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KESSEL VALE

SOWIE

KAUDERS

BLYSKAWICA &

GASOLINA

Jigsaw Beggars: As we are going to perform right before The Brian

Jonestown Massacre, let‘s call them our highlight. This band has been

so influential (not just for our sound), it‘s hard to tell. We feel very

honoured to share the stage with them.

Milès Borghese: DJ Stingray, because I really love his fast mixing

style and his selection. Skee Mask‘s new Pool album was definitely a

highlight for me last year, so I’m looking forward to hear him play.

DJ Durbin: Can‘t wait to see my great friend Kessel Vale play. Wonderful

person and outstanding musician! Really looking forward to

Skee Mask and Caterina Barbieri. Very special highlight will be our

takeover on Thursday night at Parkhosue. Yushh from Bristol is coming!

I played with her in Leipzig the other night and I‘m still thrilled

by her sound.

Kauders: To be honest, I wouldn‘t want to commit myself in advance.

After the festival, I‘ll be happy to tell you what my highlight was …

Bobby Would: Anika. I really like her first album.

Which Sounds inspire you?

Sowie: Jungle and footwork, juke.

Jigsaw Beggars: Weird ones.

Milès Borghese: The last thing that inspired me was the OSIL loudspeacker

from IEM Graz. It shoots sound beams to walls and let them

move through the space working with the room reflection.

Kauders: It‘s not very original, but apart from a lot of music, especially

of the 20th century, and a lot more sounds of everyday life, espe-

cially the sound worlds of nature. In this respect, the book „The Great

Orchestra of Animals“ by Bernie Krause is very inspiring.

What do you associate with Elevate?

What do you expect from it?

Sowie: Elevate makes Graz feel like home and the festival has influenced

me a lot over the years.

Jigsaw Beggars: Beautiful encounters with people, long, discourse-laden

days ending in the Dungeon. Let‘s hope it‘s something

like this again.

Milès Borghese: The whole city has a nice energy, a good booking

and nice people. I expect to have a good time with my friends and to

listen to a lot of good music during the festival.

Blyskawica & Gasolina: Anticipation of inspiration – and a lot of

fun!

DJ Durbin: There‘s always this special international, exciting vibe

in the city. I‘m always in a very good mood and excited about Elevate

week. This time it‘s going to be special for me, probably a bit emotional-nostalgic

too. I‘m moving from Graz to Berlin 2 weeks before Elevate,

so I‘m also saying goodbye a bit to the city and many friends and

companions. What a nice „bussi baba“!

Kauders: Elevate is a festival that wants to entertain, but at the same

time tries to be ethically and ecologically responsible. If implemented

consistently, this is quite a unique selling point. But it is also clear

that this does not work smoothly and sometimes represents quite a

balancing act, which is why it is always exciting to follow the development

of the festival.


JIGSAW BEGGARS

© Katharina Sieghartsleitner

MILÈS BORGHESE

BOBBY WOULD

© Hagar Hashiloni

Bobby Would: A stage in a cave. No expectations.

Bobby Would: Not yet.

Do you have a certain memory of a past festival edition

that you would like to share?

Kessel Vale: It was the live performance by Giant Swan at the 2020

edition. The dungeon location and their music were a perfect match.

Sowie: My favorite Elevate memory is when they booked me in 2021.

It was an absolute honor to have my DJ debut at Elevate! Also, I won‘t

ever forget the festival in 2020, because it was the last party I attended

before the first covid lockdown! It was a great line up: Sherelle and

Casual Gabberz at Tunnel was a sweaty pleasure, and the live set of

local heroes all with weird visuals by deafblind at Dom was very impressive.

Jigsaw Beggars: Sunn O)))... This was a sonic experience beyond

words.

Milès Borghese: I visited Elevate last year for the first time and

it was nice to see diverse shows happening at many different places

around the town. Most of all, I enjoyed the Sunday program at the

Parkhouse.

DJ Durbin: Last year‘s Friday night with EMA still haunts me.

What an incredible moment.

Kauders: I remember a drum‘n‘bass evening at one of the first festival

editions (around 2005, 2006?) in a side tunnel of the Schlossberg

tunnel. It was incredibly loud. Although it‘s not really my favourite

genre, I totally enjoyed the evening because the PA system was totally

overdriven and this created quite extraordinary, almost psychedelic

listening experiences.

What track or mix are you currently playing on repeat?

Kessel Vale: The mix by Azu Tiwaline on the Ilian Tape Podcast Series

on Soundcloud is currently on repeat :)

Kauders: I never have anything on repeat (except maybe the music

my children listen to and the things I‘m working on myself), but if I

may use this to make a recommendation, then I‘d like to: I recently

listened to „Expat Blues“ by Metalycée again. I don‘t want to single

out one track, actually I feel the whole album is a masterpiece that deserves

more attention.

Sowie: Nia Archives – “Sober Feels”,

Interplanetery Criminal – “In My Arms”

Jigsaw Beggars: Make It Rain by Aloa Input.

Milès Borghese: Two Shell –

(Eternalseed)

Blyskawica & Gasolina:

Dactylian & Palo Santo Discos – Baile: funk from the hills

The Large – NEW YORK, 03.12.21, both on NTS Radio

Usher – Love in this club

Edo Maajka – Finally

Sally Oldfield – Blue Water

tik tok songs

DJ Durbin: Alys Herrensauna Opening Set

Bobby Would: Erf Radio Sydney “Fuck This Year Off” w/ Basmati

Flash.


GUIDE: DISCOURSE

Wie eh und je bemüht sich das dichte Diskursprogramm auch

dieses Jahr wieder, ein interssiertes Publikum mit einer schillernden

Palette verschiedenster hochkarätiger Speaker:innen, Expert:innen,

Meinungsbildner:innen und Aktivist:innen zu inspirieren. Das Thema des

Übergangs, der Transition, ihrer unvermeidbaren Wahrhaftigkeit sowie

Notwendigkeit, zieht sich dabei wie ein Roter Faden durch viele Ebenen

und wird durch die zahlreichen dargebotenen Perspektiven minutiös

geschildert, dekonstruiert und untersucht.

16


Erfinden, Adaptieren, Beschleunigen, Stabilisieren

Eröffnet wird der diesjährige Reigen an Vortragenden inmitten der

ehrwürdigen Arkaden und historischen Gemäuer des altstädtischen

Lesliehofs durch Transformationsforscherin, Bestsellerautorin und

Honorarprofessorin Maja Göpel. Ihre Arbeiten und Modelle zum

Umschwung in eine nachhaltige Gesellschaft, basierend auf dem

holistisch applizierten Konzept einer stabilen und balancierten

Kreislaufwirtschaft, bescherten ihr zahlreiche Auszeichnungen, darunter

zuletzt der Preis der Theodor Heuss Stiftung sowie die Science

Communication Medaille des Max Planck Instituts. Eine gesunde

Prise Auflockerung und Koketterie erhält die Eröffnung durch den

aus seinen vielschichtigen Tätigkeiten als Host, Kolumnist, Satiriker

und Produzent bekannten Schauspieler und Medienprofi Hosea

Ratschiller, welchem an diesem Abend das Privileg und die Rolle des

moderierenden Gastgebers zukommt.

Brunchen, Zuhören, Lernen

Um sich für das folgende Konvolut brisanter Inhalte und komplexer

Diskussion fit zu machen, beginnt das Programm am Donnerstag

im heimeligen Heimatsaal des Grazer Volkskundemuseums, so wie

an den zwei Folgetagen, entschleunigt mit Zusammenkommen beim

gemeinsamen Brunch unter musikalischer Begleitung. Eröffnet wird

dieses für die kommenden Tage geltende Ritual von der Wiener Architektin,

DJ und Produzentin Johanna Mayr-Keber aka Joja. Was

folgt, ist eine Präsentation des Keynote-Vortragenden Daniel Görtz

aka Hanzi Freinacht über die Idee und das Selbstverständnis einer

„Listening Society“, sprich einer Gesellschaft mit größerer Sensibilität

für die inneren Dimensionen des Menschseins und deren simultane

Wechselwirkungen nach außen, welche als Grundlage und

theoretisches Sprungbrett zur Transformation in eine bewusstere

metamoderne Gesellschaft der Zukunft fungieren soll. Darauffolgend

ein Panel mit den Transformationsexpert:innen Maja Göpel,

Indy Johar und Daniel Görtz, welche unter der Moderation der hauseigenen

Elevate-Diskurskuratorin Irina Nalis den kraftvollen Begriff

der zum Veränderungsvollzug notwendigen psychologischen Ressourcen

aus mehreren Perspektiven durchleuchten. Abgerundet wird

der Abend schließlich mit einem viele Einblicke in Motive, Beweggründe

und Umstände gewährenden Artist Talk mit der ukrainischen

Rapperin, Aktivistin und Pop-Ikone Alyona Alyona. Von ihrer

vitalen Live-Praxis kann man sich dann am Freitag im Dom im Berg

überzeugen.

Daten, Netze, Ketten

Beginnend mit gemütlichem Brunch zu den elaborierten Beats von

Attila widmet sich der Freitag der diskursiven Auseinandersetzung

ganz dem Topos der Menschlichkeit im digitalen Zeitalter. Keynote-Vortragender

Professor em. Hannes Werthner, seines Zeichens

ehemaliger Institutsvorstand für Informatik an der TU Wien und

Mitverfasser des Wiener Manifests für Digitalen Humanismus,

spricht mit konstruktiver Urgenz über die Ambivalenzen des Digitalismus

im Bezug auf seine Kraft als transformatives Werkzeug

und warnt vor den innewohnenden Implikationen und Gefahren

für Politik und Gesellschaft in der sich ständig weiterentwickelnden

Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Ähnliche Gedanken

werden im folgenden Panel mit den Digital-humanities-Expert:innen

Geraldine de Bastion, Jürgen Geuter und Maximilian Hartmann am

speziellen Beispiel der Blockchain-Technologie in Form von NFTs,

Kryptowährungen und web3 weitergeführt. Geleitet wird das Gespräch

unter dem Titel un/chain democracy von dem in Netzpolitik

geschulten Journalisten und Musiker Christoph Weiss aka Operator

Burstup. Den Abschluss des Tagesprogramms manifestiert eine

besondere Ausgabe des seit 2015 im Grazer Spektral stattfindenden

Netzpolitik-Abends. Werbefrei.at-Gründer Leonhard Rabensteiner,

Science-Hub Postdoc Jana Lasser und das Netzpolitik-Aktivisten-Brüderpaar

Thomas und Daniel Lohninger von epicenter.works

erläutern ihre Standpunkte und Einsichten im Kontext regionaler

und nationaler Initiativen zur netzpolitischen Aufklärung und Ermächtigung

von User:innen.

Wahrheit, Wirtschaft, Propaganda, Pfirsich

Auch am Samstag geht es nochmal heiß zur Sache im programmatischen

Diskurs zum Tag im Zeichen von Propaganda, Missinformation

und der Unaufschiebbarkeit sozioökonomischen Wandels mit

Rücksicht auf die Folgen und Bedingungen zur Bildung und Wahrung

eines humanistischen Fundaments für eine nachhaltige globale

Gemeinschaft. Ein brillantes Beispiel für aktivistische Praxis liefert

Keynote-Sprecherin Lyana Mytsko, Direktorin des städtischen

Kunstzentrums in Lwiw, die im Rahmen ihres zu Kriegsbeginn initiierten

Projekts „Spivpratsya“ („Kooperation“) die Räumlichkeiten

ihrer Institution zu einem Zentrum für psychologische Hilfestellung

zugunsten von Flüchtenden und Bedürftigen umfunktioniert hat und

ihnen damit im Chaos zwischen Entkommen und Ankommen eine

Art kurzfristigen sicheren Hafen zur Neuorientierung ermöglicht. Im

Anschluss ein in Zusammenarbeit mit PROFIL entstandenes explosives

Panel zu den Praktiken und Methoden eines globalen Informationskrieges,

als deren Waffen zur Entzweiung Verschwörungstheorien

und Alternative Facts herhalten. Bildungswissenschaftlerin und

Konflikt-Transformations-Forscherin Daniela Ingruber, Kommunikationswissenschaftler

Jakob-Moritz Eberl sowie die beiden profilierten

Faktiv-Redaktionsmitglieder und Faktenchecker Katharina

Zwins und Jakob Winter sprechen über Funktionalität, Zweck und

Konsequenz von Lüge und Halbwahrheit und wie man sich und andere

davor schützen kann. Im Abschluss-Panel zum wirtschaftlichen

Wandel, moderiert von Podcaster und Journalist Andreas Sator, diskutieren

Thinktanker Jacob Sylvester Bilabel, markta.at-Gründerin

Theresa Imre, die Leiterin des hiesigen Stadtteilzentrums Triester

Elisabeth Hufnagl und Transition-Graz-Gründer David Steinwender

über ökonomische Innovationen mit inhärenter Nachhaltigkeitsprämisse.

Wohlwollend beschlossen wird der Samstagabend mit einer

filmischen Coming-of-age-Erzählung über gender-transition in

Form von Nicolò Bassettis Dokumentation Nel mio nome (Into my

Name).

Als würdiges Finale, die Nachspeis und das i-Tüpfelchen auf mehrere

konsekutive Tage voller relevanter dichter Information gestaltet sich

passenderweise am Tag der Herrin ein Artist-Talks mit Pop-Ikone,

Goddess und Patriarchats-Sprengerin Peaches herself im offenen

Gespräch mit FM4-Veteranin Natalie Brunner.

17


Interview

mit Irina Nalis

Irina Nalis ist promovierte Psychologin,

Radfahrerin, Leserin

und Techno-Veteranin. Im Interview

erzählt sie von ihren vielseitigen

Tätigkeitsfeldern, den großen

Herausforderungen unserer Zeit

IRINA NALIS

© Mato Johannik

und ihrer Rolle als Gastkuratorin

der diesjährigen Elevate Ausgabe.

Irina, du hast das heurige Festival erstmals als Gastkuratorin

begleitet, was verbindet dich ansonsten mit Elevate?

Kurzgefasst: Discourse and Dance. Diskurs und Disco. Endlich ein

Ort, ein Festival wo es kein entweder oder gibt. Denken und dancen

– es geht beides. Irgendwie ein synästhetisches Erlebnis, eine Verflechtung

der Sinnesmodalitäten, von Kopf und Körper.

Und ausführlicher, nun seit 8 Jahren liebe ich es viel für und am

Festival nachzudenken, zu sprechen, zuzuhören – Menschen und

Musik. 2014 bin ich Daniel Erlacher im Rahmen eines Austauschs

zur Rolle von öffentlich-rechtlichen Medien, Diskurs und Demokratie

begegnet. Seither bin ich immer näher an das Festival herangetanzt.

Zuerst als einfacher Gast. Das hat aber immerhin dazu geführt,

dass ich meinen Day Job den ich bis dato am Weg in die freie

und wissenschaftliche Arbeit noch durchgezogen hab, gekündigt

hab. Weil.. „I frag mi do a, was i da immer no tua“.

Woran arbeitest du aktuell gerade?

Ich bin seit einiger Zeit in einer Art vierblättrigem Kleeblatt, eine

Art Vierfüßlerstand unterwegs – Forschung und Entwicklung, Management

und Beratung, sehr unterschiedlich, immer als Psychologin.

Zusammengefasst geht es mir immer um menschliche Möglichkeiten.

In der wissenschaftlichen Forschung bin ich als interdisziplinäre

Kollaboratorin im Christian Doppler Labor für Recommender

Systems an der TU Wien/Fakultät für Informatik mit den psychologischen

und technologischen Wegen „raus aus der Filterblase“

beschäftigt. Außerdem erarbeite ich gerade mit der Universität für

Angewandte Kunst Wien, der TU Graz/Architektur und der ETH

Zürich/Architektur ein Forschungskonzept zu „transformative literacy“

rund um das Konzept der Ambiguitätstoleranz (dance the

ambivalence!).

18


Außerdem arbeiten wir mit dem Architekturbüro Mostlikely an gemeinschaftlich

genutzten Raumresourcen (common spaces) und

Nachhaltigkeit in der Baubranche. Ein ganz anderes Betätigungsfeld

aber auch mit Gemeinswesenorientierung und vor allem Potenzialorientierung

ist meine Rolle als Obfrau des Verein GIN, einer großen

Trägerorganisation in Wien für Assistenz von Menschen mit Behinderung.

Daneben berate ich Institutionen strategisch, kuratiere und

spreche zu den Herausforderungen unserer Zeit, sowie deren Lösungsmöglichkeiten.

Transition ist das Thema der diesjährigen Festivalausgabe,

was assoziierst du mit diesem Begriff und was war die

Herangehensweise bei der Kuratierung deiner Programmpunkte?

Transition..Übergänge..hinübergehen und das am besten nicht allein,

sondern im Transition Team. Ich denke dabei auch an Übergangsrituale,

die sogenannten „rites de passage“, wo die Trennung

von Bekannten, die unklaren Zwischenphasen oder auch das Annehmen

neuer Denk- und Handlungsweisen ausprobiert wird. In den

meisten Gesellschaften gibt es diese Rituale am Übergang von der

Kindheit ins Erwachsenenleben. Ich finde das passt das sehr gut auf

die Herausforderungen unserer Zeit. Ich denke, dass es gerade hier

in Europa, hier in Österreich hilfreich wäre, wenn sich so viele Menschen

wie möglich erwachsen werden, sich also verantwortungsvoll

der Entscheidungen im Umgang mit den Ressourcen der Natur aber

auch zwischenmenschlich stellen - nicht kindlich naiv, nicht pubertär

trotzig, sondern gestalten können: just grow up, everything else

is a trap.

Im Transition Team rund um die Elevate Gründer Bernhard Steirer,

Roland Oreski, mit Florian Pirker, und Shilla Strelka ist es uns glaub

ich gelungen sowas wie ein Übergangsritual zusammenzustellen. In

krisenhaften, unsicheren Zeiten hilft es, Menschen zuzuhören, die

einem Mut machen, die mit ihren Gedanken und Taten den eigenen

Möglichkeitssinn erweitern. Außerdem braucht es Debatten, die den

Mut zur Mehrdeutigkeit trainieren.

Wie immer am Elevate Festival werden Academics, Activists, Artists

neueste Erkenntnisse aus der Forschung, Beispiele aus ihrer Praxis

auf drängende Themen zeigen und zu diskutiern. Ein Schwerpunkt

ist elevate mental wealth, psychologische Ressourcen in dieser Zeitenwende.

Außerdem ganz im Zeichen der Tradition des Festivals zu

Debatten zu Digitalen, werden dieses Jahr Potenziale und Risiken

von Web3/Blockchain Technologien und wie wir Digitalen Humanismus

praktizieren können, diskutiert. Auch das drängende, traurige

Thema der geopolitischen Verschiebungen aufgrund des völkerrechtswidrigen

Angriffskrieges auf die Ukraine wird Raum finden.

Wirtschaft in Transition zeigt, wie andere Welten möglich werden.

in ihrem 2016 erschienen Buch „The great mindshift“ sagt: „a transformational

2030 Agenda for Sustainable Development begins with

challenging and changing our self”.

Übergänge, Transitions, sind auch die Entscheidungspunkte, wo,

wie, mit wem soll es weitergehen oder nicht. Im Umgang mit den

aktuellen Wicked Problems*, braucht ein reflektiertes, informiertes

Handeln immer wieder neue Impulse. Damit die Wahlmöglichkeiten

im Umgang mit dieser Welt im Wandel gestärkt werden, sind neue

Kompetenzen erforderlich. Psychologie kann dabei eine wichtige

Rolle spielen: wie und was wir denken und auch welches Verhalten

wir an den Tag legen kann entwickelt werden. Deshalb nenne ich

meinen Forschungsschwerpunkt Transformationspsychologie und

suche nach psychologischen Ressourcen für Widerstand und Gestaltungskraft.

Damit Psychologie bei der Bewältigung der Probleme unserer Gesellschaften

hilft, ist es auch wichtig zu beachten: Die Geschichten, die

wir über uns erzählen schreiben die Zukunft schon heute mit. Was

wir über menschliche Möglichkeiten denken, ist dabei ein wesentlicher

Faktor, ein make it or break it. Und wie Maja Göpel ihr neues

Buch auf das ich mich schon sehr freue genannt hat, bin auch ich

überzeugt „wir können auch anders“.

Du bist Mitunterzeichnerin des Manifests für digitalen

Humanismus… was dürfen sich unsere Leser:innen darunter

vorstellen?

In 2019 wurde das Manifest auf Initiative von Prof. Hannes Werthner

mit einer Reihe von Forschenden vor allem aus den Computerwissenschaften

verfasst. Der Hintergrund, so wie es Tim Berners-Lee,

einer der Erfinder des WWW, sagt „the system is failing“.

Anstatt menschliche Schwächen auszunutzen, Demokratien auszuhöhlen

und kurzsichtige Geschäftsmodelle zu fördern, muss ein

Reset im Umgang mit Daten seitens Wissenschaften, Politik und

Wirtschaft her. Der Aufruf enthält 11 Prinzipien zum Beispiel von

Datensouveränität, Demokratie oder auch Digitaler Teilhabe. Ein

Tenor ist: die Diskussion informierter zu führen (und damit auch

weg von reinen gut oder böse Zuweisungen). Damit die Spielregeln

offengelegt werden können, wie derzeit der Plattform- und Überwachungskapitalismus

ausgelegt wird und dann die digitale Verfasstheit

neu geschrieben werden, z.B. mittels Data und AI for good, das

Recht auf Vergessen oder auch mal abschalten und sich im dreidimensionalen

Raum umschauen.

* wicked problems = haben keine einfache, eindeutige Lösung und bei der Entwicklung von

Lösungen für Wicked Problems tauchen meist neue Probleme auf (Design/Architekturforscher

Rittel und Webber)

Was sind die größten Herausforderungen der heutigen

Zeit, welche Rolle kann die Psychologie bei ihrer Bewältigung

spielen?

Verhaltensveränderung und Änderung der Verhältnisse – zum Abwenden

der Klimakastratrophe. Und wie die Eröffnungsrednerin

und Podiumsteilnehmerin des diesjährigen Festivals, Maja Göpel, es

INFO

IRINA NALIS

Elevate Mental Wealth

14.07.2022

14:30 – 16:00 Uhr

Heimatsaal

Weitere Infos:

elevate.at

19


LARGE CONCEPTS

NEED SPACE, TIME,

AND REFLECTION

Interview with Daniel Görtz

Dr. Daniel P. Görtz is a sociologist

and social theorist who has taken

a playful and experimental stance

on his vocation and has become

an established voice for a more

political form of metamodernism.

He is involved with the mysterious

Hanzi Freinacht – Author of two

books on metamodernism: “The

listening society” and “Nordic

Ideology”.

This year‘s festival theme is “Transition”.

What do you associate with this term?

There is, of course, the fairly well-established sense that transition

means transition to sustainability – and that this comes together

with a generally humanization of society: a greener world, a happier

world, a fairer, and perhaps somewhat cuter world that our hearts

know is possible.

I do partake in that dream, vision, and sense of direction. But I also

feel that it somehow doesn‘t cut deeply enough. I believe that the

transition to sustainability (or even resilience or regenerativity) is

part of a deeper transition between stages of civilization, culture,

and psychology. I think that we must transition into a kind of society

where inner development and the quality of our relationships

become key issues of the economy and our welfare systems – even of

education. I have thereby come to see our transition to sustainability

as interdependent with our growth into a more inwards-looking and

existentially mature civilization. For starters, in such a society, everyone

would learn to meditate at an early age, just like people learn

to read and write today.

Could you briefly explain / define metamodernism for our

readers?

No, not really. Large concepts need space, time, and reflection. But,

very basically, in my own way of using the term (which is not the

only one) metamodernism is the striving to reshape modern society

into something that is so qualitatively different that it can no longer

be described as „modern“. A key aspect of this is what I mentioned

above: to create a society attuned to inner development. To get there,

metamodernists argue, we must move beyond the so called „postmodern“

sensibility of critique and irony: we must adopt a new

sincerity on the other side of irony. So it‘s a sort of stance towards

life that tries to find new hope and faith even while accepting hard

truths, critical perspectives, and absurdity.

Looking at currently dominating issues like the backdrop

of war, the global pandemic and the looming climate catastrophe:

How do you personally deal with these collective

stresses?

I don‘t have any special ways myself. To be completely honest, I

sometimes don‘t feel I worry and care enough. In all honesty, I think

that is the case for much more of us than we‘d like to admit. But for

the times that I do get struck with either grief, a streak of compassion,

or despair, I tend to meditate on paths forward and discuss

with my wife and friends. Leaving space for daydreaming is important,

but I fully understand not everyone has that luxury. It‘s one that

I really seek to prioritize, though.

20


And how would Hanzi Freinacht deal with it?

Last I heard, he takes long walks in the Alps, gazes at the horizon,

and then writes another Facebook post.

Societal transitions can be forward-looking, but they can

also move backwards. Prominent examples would be the

decline in abortion rights or the upsurge of nationalism

and populism in recent years. How far have we come and

where do you see the greatest challenges on the way to a

metamodern society?

The challenges and the opportunities are often one and the same.

The reactionary tendencies are caused by the failures of modernity,

of cracks in the world system and its way of operating, its culture and

mindsets. But it is when we deal with those very cracks that we are

truly pushed to take up new directions. So, yes, nationalism is rising

– and it is only when we meet and integrate that impulse into a larger

whole that we can find genuinely new progressive momentum. Slack

line to walk, though: it‘s not about building on nationalism as the

progressive force itself. That would risk creating very dangerous far

right movements. It is true, though, that we live in dangerous times,

so we can expect more than one new encounter with fascism in different

guises.

self-evident to people they don‘t even notice it. There is thus a direction

that society is taking, even if people don‘t talk about it or have

the terms to discuss.

Will metamodernism be the last stage of human societal

development? And if so, how does this differ from

Fukuyama’s concept of the end of history?

Not exactly – it‘s a complicated question. The deeper answer is that

the very idea of „stages of development“ is a kind of sociological

theory that probably is only useful up to a certain point – roughly to

metamodern society. After that, we very probably need to define other

ways of theorizing society‘s development. Under metamodernity, I

believe that life will not be static, but chaotic, dramatic, tremendous.

I just don‘t think the universe is a boring place, nor is cosmic evolution,

nor is social evolution. It‘s more interesting than we can stomach.

While I admire Fukuyama as a political scientist, I feel that his

early 1990s vision is almost the exact opposite of what metamodernists

speak of: we believe not in capitalism, but some kind of postcapitalism,

that liberal democracy will shift into something other, that

culture will not become boring, but rather instead too much to handle,

and that we will not feel the end of history, but rather come face

to face with what Jean Gebser called its ever-present origin.

You argue that at least in the Nordic countries of today

„there is no real public discourse about where society is

headed“ but that “there are just superficially different varieties

of Green Social Liberalism.” In the “Listening Society”

you talk about Green Social Liberalism 2.0.

Can you elaborate on that?

Although I‘ll likely change some of that in future writing – many

things have changed since that was written in 2015 or 16, myself included.

But just to resolve the incongruence I believe you point to:

There is, at a structural level, a convergence around a certain political

and economic reality, but nobody talks about it, because it‘s so

INFO

DANIEL GÖRTZ

The Listening Society

14.07.2022

13:00 Uhr

Heimatsaal

Weitere Infos: elevate.at

Panel

14.07.2022

14:30 Uhr

Heimatsaal

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„ICH VERSUCHE MEINE REICH­

WEITE DAFÜR ZU NUTZEN AUF

DINGE AUFMERKSAM ZU MACHEN.“

Interview with Alyona Alyona

Kindergärtnerin, Rap-Ikone und Gallionsfigur einer aufstrebenden

Ukrainischen Kunst- und Kulturszene – Alyona Savranenko aka ALYONA

ALYONA besticht durch Authentizität, Selbstironie und hochenergetische

Bühnenpräsenz. Im lockeren Gespräch mit Patrick Wurzwallner erzählt sie

von Motiven, Wurzeln und ihrem künstlerischen Selbstverständnis.

Wann hast Du begonnen Musik zu machen?

Ich hab im Alter von 12 Jahren angefangen kurze Texte zu schreiben,

quasi kleine Gedichte im Gewand von Pop-Songs. Als ich dann das

Rappen für mich entdeckte fiel mir auf, dass man da viel mehr Platz

hat und deutlich längere Texte schreiben kann. Gerade das hat mich

sehr angesprochen, da ich mich zu den Leuten zähle die gerne reden

und Geschichten erzählen. Meinen ersten Track hab ich dann mit 18

veröffentlicht, aber praktisch ohne Publikum. Das ging dann etwa 10

Jahre so weiter. Das war also DAVOR. Ich war 25 als ich mich mit der

Entscheidung auseinandersetzen musste ob ich meinen künstlerischen

Weg weiterverfolge oder meine Musik zuhause ins „Regal stelle

und vergesse.“ Ich entschied mich für ersteres, bin mit meinem Zeug

auf die Bühne, hab ein paar Underground-Gigs und bei ein paar Festivals

gespielt, andere Rap-Leute kennengelernt und wurde Teil einer

Szene. Vor meinem „Fame“ hab ich als Kindergärtnerin und Vorschullehrerin

gearbeitet und hatte eine gute Stelle in einer leitenden Position.

Dann kam das Video (Ribki) und drei Monate später hab ich den

Job an den Nagel gehängt und angefangen einfach Künstlerin zu sein.

Die ukrainische Rapperin von heute bin ich also seit etwa 4 Jahren.

Wie hat der „Fame“ Dein Leben beeinflußt bzw. verändert?

Bis zu ein paar Monaten nach dem ersten Hype haben meine Eltern

darauf nur darauf gewartet, daß sich alles wieder legt und ich wieder

in meinen alten Job zurückkehre. Um ehrlich zu sein, bekam ich die

Idee selbst für ein halbes Jahr nicht ganz aus meinem Kopf. Inzwischen

hab ich aber für mich verstanden, daß Rap und Musik mein

Leben sind und deswegen hoffe ich das ich diese meine Geschichte,

noch ein bisschen länger erzählen darf. Immerhin konnte ich mit

meiner Musik im zweiten Jahr meiner „Karriere“ bereits 18 Länder

bereisen. Vorher war ich nur eine einziges Mal in Deutschland. Ich

hab also erkannt, dass viele Leute meinen Sound und meine Energie

mögen, obwohl sie gar nicht wissen worum es in den Texten geht,

weil ich ja nur noch auf Ukrainisch rappe. Der Krieg hat verständlicherweise

auch viel verändert, da ich ja jetzt nicht mehr nur mich

selbst und meine Musik promote, sondern auch eine Art Sprachrohr

für die Ukrainische Hiphop-Szene, unser Land und unsere Kultur

überhaupt geworden bin. So versuche ich meine Reichweite dafür

zu nutzen auf Dinge aufmerksam zu machen und den Menschen, die

vom Leid des Konflikts am stärksten betroffen sind, Hoffnung und

eine Stimme zu geben. Das ist meiner eigenen Ansicht nach zur Zeit

meine wichtigste und auch wirkungsvollste Aufgabe, besonders in

West-Europa.

Ursprünglich hast Du auf Russisch gerappt – wie kam es zu

dem sprachlichen Wechsel?

Ich war früher bis ungefähr 2016 Teil der russischen Social-Media

Plattform VK (Vkontakte) – eine Art Facebook-Abklatsch mit

der Option alle möglichen Dinge hochzuladen und zur Verfügung

zu stellen wie Filme, Videos, Musik. Etc auf der ich einen Großteil

meiner Tracks veröffentlicht hatte. Mein Zielpublikum dort, bezogen

auf die Community, die ich mit meiner Musik erreichen konnte war

beinahe zu hundert Prozent russisch. Erst später hab ich entdeckt,

daß es auch in der Ukraine eine Szene gibt und mich in Folge dazu

22


ALYONA

ALYONA

entschlossen zu versuchen diese als Publikum zu gewinnen. Es fühlt

sich für mich auch inzwischen viel natürlicher und authentischer an

auf Ukrainisch zu rappen.

Gibt es noch Verbindungen zu deinem einstigen russischen

Zielpublikum?

Nein. Der Hauptgrund dafür liegt in der Tatsache das Leute in Russland

kein Ukrainisch verstehen. Andererseits verstehen wirklich fast

alle Leute in der Ukraine, so wie auch in den anderen ehemaligen

Teilstaaten der Sowjetunion russisch – das Verhältnis war also eher

einseitig. Zusätzlich hab ich letztes Jahr auf Instagram Stellung zur

gegenwärtigen Situation und unserem Verhältnis zu unseren Nachbarn

bezogen was eine regelrechte Abmeldungsflut meiner russischen

Subscriber mit sich gebracht hat.

Worum geht es im Track Мамин суп (Mom’s Soup) ?

Zum Beispiel dem Maler und Illustrator Nikita Titov der mit seiner

digitalen Pop-Art einen sehr aktuellen Nerv trifft, speziell in der

Ukraine. Dann der satirische Youtube-Nachrichtenkanal Toronto

Television, die sich im Sketchformat und darüber hinaus satirisch

mit politischem Zeitgeschehen und dem Showgeschäft auseinandersetzt.

Abschließend noch die Sängerin Kola, die seit Kriegsbeginn jede

Woche einen Song auf Insta veröffentlicht, der Millionen Menschen

erreicht.

Was sind Deine Pläne für die nächsten Monate?

Bis Sommerende bin ich auf Tour. Zwischenzeitlich wohne ich bei

einem Freund in Warschau, aber meistens bin ich unterwegs und

mache Musik oder ich versuche mich wohltätigkeits-aktivistisch einzubringen

indem ich wann immer ich Zeit finde zu Hilfseinrichtungen

gehe, mit Leuten spreche, ihnen zuhöre, Hoffnung gebe und mithelfe

wo ich kann.

Witzigerweise ist das der Track zu dem ich im Westen Europas am

meisten befragt werde. Zuhause in der Ukraine ist es eher eine Art

Kinderlied. Es geht um Tradition, gutes Essen und wo die eigenen

Wurzeln liegen. Das extrem kopflastige und konzeptuelle Video zum

Lied stammt Yan Bolotov – ein Supertyp und toller Regisseur – und

behandelt die existentialistische und metaphysische Frage nach

Entscheidungen und ob es sie überhaupt gibt.

Welchen drei ukrainischen Künstler:innen sollten wir

in den sozialen Medien folgen?

INFO

ALYONA ALYONA

Konzert

15.07.2022

23:30 Uhr

Postgarage

Weitere Infos: elevate.at

Talk

14.07.2022

17:00 Uhr

Heimatsaal

23


GUIDE: ARTS

Vom multimedialen Environment und ganzheitlich

heilenden Performances bis zu spatialisierten

Soundstücken und wehenden Fahnen gibt es auch im

Arts-Bereich einiges am Festival zu entdecken. Was

genau euch erwartet, haben wir hier zusammengefasst.

24


Digitale Supermächte

und soziale Akustik

Am Donnerstag eröffnet die installative Arbeit „Digital Dictatorship“

der Künstler:innen Zara Alexandrova und Zoran Georgiev. Als

ortsspezifisches Projekt für den Schlossberg in Graz entstand eine

Installation bestehend aus Fahnen, auf die die Logos großer digitaler

Konzerne geprintet wurden. Die Arbeit möchte auf die wachsende

Macht von Social-Media-Plattformen und deren Einfluss auf unser

tägliches Leben aufmerksam machen. Den Philosophen Byung-Chul

Han zitierend, ist das Künstler:innenduo überzeugt, dass wir in das

Zeitalter der digitalen Psychopolitik eintreten, in dem Big Data zu

einem psychopolitischen Instrument wird. Grenzenlose Freiheit und

Kommunikation gehen hier in totale Kontrolle und Überwachung

über, während die sozialen Medien immer mehr einem digitalen

Panoptikum ähneln. Zara Alexandrova, geboren in Bulgarien, und

Zoran Georgiev, geboren in Nordmazedonien, arbeiten seit 2018 als

Künstlerkollektiv zusammen.

Am Donnerstag geht es bereits am Nachmittag weiter mit einer Uraufführung.

Utrumque nennt sich das Duo von IEM-Professor Gerhard

Eckel und EMS-Researcher Ludvig Elblaus. Die beiden Komponisten

haben mit „Work“ ein dreistündiges Konzert entwickelt, das

sowohl im Forum Stadtpark zu hören sein wird, als auch draußen

über eine PA in den Park gespielt wird. Durch den Einsatz von gerichteten

Mikrofonen und die Aufnahme von Klängen aus dem Park

werden in Echtzeit neue Klänge modelliert. Weiters wird mit einer

simulierten Akustik operiert, gespeist aus den Messungen unterschiedlichster

Räume. Ziel ist es, ein soziales akustisches Gespräch

zu führen, wie die Künstler sagen, und die Grenzen zwischen Innenund

Außenraum zu verwischen.

Heilsames Gemeinschaftserleben und

3-D-Klanginstallationen

Samstag- und Sonntagabend ist die multimediale Musik-Performance

„Community of Grieving“ zu erleben. Konzipiert von den

in Österreich und Schweden stationierten Künstler:innen, Komponist:innen

und Musikproduzent:innen Zosia Hołubowska und

Julia Giertz gleicht „Community of Grieving“ einem intimen Ritual,

einer Zeremonie. Es sucht nach neuen Formen des Zusammenseins

und möchte der Trauer über das, was wir als Kollektiv während der

Pandemie verloren haben, Raum geben. Das Ritual umfasst Sound

ebenso wie eine Choreografie und eine holografische Installation.

Musikalisch beziehen die Künstler:innen sich auf die osteuropäische

Tradition des Klagelieds und die Abendliturgie, die in vielen christlichen

Riten vorkommt. Die Arbeit ist als Koproduktion zwischen dem

Unsound-Festival und dem Elevate entstanden.

Von Freitag bis Sonntag werden im Mausoleum unter dem Titel „Sonic

Transitions“ elektroakustische Kompositionen mehrerer Künstler:innen

zu erkunden sein. Sie werden über drei verschiedene Multi-Kanal-Soundsysteme

verräumlicht. Auf dem IKO-Soundsystem

wird die Arbeit der ukrainischen Künstlerin Alisa Kobzar präsentiert.

„The ocean I am“ besteht aus den in Gefangenschaft verfassten

Texten der Bürgerrechts-Aktivistin Maria Kalesnikawa. Ebenfalls

via IKO können wir Anna Malys „Dies Irae“ hören, die auf spannende

Weise Stimmen synthetisiert. Ein weiteres Soundpiece ist „Dark

prospect4_1“ der Grazer Musiker Gerd Schmidtauer und Paul Wolff

aka Stereoist. Mittels Transformationstechniken werden aufgenommene

und synthetisch generierte Klänge zu komplexen akustischen

Gestalten verwoben. „Holding“ nennt sich das für den IKO konzipierte

Werk des/der in Berlin stationierten Zoë Mc Pherson. Es ist

eine Raum-Klang-Komposition, die den Rhythmus zweier Fußgänger:innen

einfängt. Auf den 8 Kanälen der Cube-Lautsprecher

wird die ukrainische Musikerin und Künstlerin Anna Arkushyna

„Niemand Jeder“ vorstellen. In dieser Arbeit wird das Konzept der

Menschenrechte auf groteske und absurde Weise in Frage gestellt.

Der Komponist und Klangkünstler Gerriet K. Sharma wird schließlich

über das kompakte DIY-Ambisonic-Soundsystem 393 „Simmmrrrrnn

(2020)“ zum Klingen bringen. Dabei wird unsere Wahrnehmung

hinterfragt und dabei aufgedeckt, wie der Konsum neuer

Medien diese verändert.

Nach wie vor im Festival-Programm befindet sich auch die von Brian

Eno geschaffene Lift-Installation „Music for Elevators“, die Sci-Fi-

Klänge mit dem Ausblick in das Innere des Schlossberg-Stollens

kombiniert.

25


ZOSIA HOŁUBOWSKA

© Agata Hudomiet

Interview with Zosia Hołubowska

„BY BEING TOGETHER IN

MUSIC, WE TRULY TAP INTO

SOMETHING SACRED.“

26


With “Community of Grieving“ the musician-artists Zosia Hołubowska and

Julia Giertz created a space for community and healing. In this intermedia

live performance piece, we experience a choreographed ritual searching

for new ways of being together. We spoke to Zosia Hołubowska about

spirituality, the communal approach and the development process behind

the piece.

You showed the performance already at the Unsound Festival

in 2020 - what were the reactions?

Good. People were moved and I felt that as performers we were able

to share something important.

The performance is a communal approach by you and the

artist and composer Julia Giertz. How did you meet? How

did the whole idea develop?

We met in Venice four years ago. We were both a part of an exhibition

at the Artistic Research Pavilion and we were just waiting for

the right opportunity to collaborate together.

You are combining elements of performance art, music/

sound, and installation art. Why was it important to you

that it’s not a simple music performance? In how far are

these arts connected in your performance?

We wanted to create an immersive experience sort of like a ritual in

the temple therefore there are lots of elements combined that help us

enhance the message of the whole piece.

The original version was only digital.

Could you explain how it worked?

The original version was aired through internet radio, Radio Kapitał,

and it was accompanied by a personal choreographic score that people

could do at home. Afterward, we had a chat on a Discord Channel

where people could share what they lost during the pandemic and

what they are grieving.

It says that “Community of Grieving” is an intimate ritual

that creates a space for mourning over what we have lost

during the pandemic and searches for new forms of being

together“. Could you elaborate? Which new forms of a community

could this be?

So, the original piece was created during lockdowns when I was

dealing with this profound feeling of being completely alone and isolated.

Julia and I were looking for new ways in which we could feel

connected and feel together even though we were in isolation. For us,

it actually was the sound and the radio as a phenomenon that has already

historically played the important role in bringing communities

together so we just wanted to tap into that.

Why is the communal aspect so important to you?

Is it ‘only” related to Corona, the feeling of being separated,

and isolated, or does it have another perspective as

well?

I believe that all pressing questions that we are dealing with right

now regarding health, climate, and social issues can only be answered

collectively. I believe in being together as a very powerful way

to create knowledge. As individuals we don‘t need to find all the solutions

alone, and we are in this together. There is a future.

27


What can the audience expect? Is it interactive? Do they

take part, just listen and watch? How deep do you have to

get involved to get an ‘effect’?

Just come and let us hold you with our voices and presence.

It’s a multimedia live event – could you tell us a bit about

the sound? You are a musician yourself, but it involves

also other musicians. Improvisation plays a role, but also

generative composition. Could you explain the process

behind it and why it was important to you to involve other

artists?

The original composition was created by the two of us remotely.

We were sending each other bits and pieces. I was using generative

composition techniques but also quoting archival material, and improvising

with my voice. Julia was working with synthesizers and

processing what I sent her. When we were translating the performance

into a life situation it was obvious to me that since it is about

this communal feeling we need to have a mini choir and it‘s essential

that there are different voices that can meet. We invited Edka Jarząb

and Veza Fernandez to join this lamenting choir with me. We also invited

Isa Forcinitti who is our live musician. We also wanted to make

a space in the score for Isa’s improvisation because she‘s an amazing

musician in her own right. Adopting the live version was about creating

spaces for the community between musicians to happen.

You say that you want to create or enable a ritual. What do

you associate with this term? Ritual? How is it connected

to your vision of community? Does it refer back to archaic

practices as well?

There are of course personal rituals but I think there is something

truly special in coming together and experiencing our spirituality in

a collective. This can be healing. I am interested in being in contact

with forms and phenomena that pre-date our species. We have the

same hearing organs as our pre-human ancestors. That’s fascinating.

By being together in music, we truly tap into something sacred.

The music refers to the Eastern European tradition of lamentation

and evening liturgy, i.e. vespers present in many

Christian rites. Which aspect did interest you here?

Lamenting is a very special form of vocal expression that might have

given birth to singing. And Vespers had an intriguing structure for

us. We were looking for some forms that come from our own cultural

background that we could creatively use.

You originate from Poland – do your own roots play a role

in this performance? Its aesthetics?

My background is essential to me. These are the tools and knowledge

I am equipped with and I want to use them to understand where I

am from and what it means. But also share its potential with others.

For me, traditional music is not aesthetics. It’s my life.

Which perspective do you have on spirituality?

Also on its creative potential?

In my practice spirituality, art and politics are intertwined like a

braid. I believe in the healing power of sound and in magic as a form

of political impact. I guess my whole work is organized around the

concept of healing through coming together in sound.

How are strategies of healing and music connected?

Is there a healing aspect hidden in sound? What’s your

opinion on that?

Oh yes. But healing not as in “I give something to you and I make

you healed” but rather as in “we come together, we share our energy

and that creates a space for us to heal together” sort of thing. It‘s not

always easy to explain it in words. Let me just sing it to you ;-)

INFO

COMMUNITY OF GRIEVING

Performance

16. und 17.07.2022

20:00 Uhr

Orpheum Extra

Weitere Infos:

elevate.at

28


COMMUNITY OF GRIEVING

© Jovan Mrowinski

COMMUNITY OF GRIEVING

© Jovan Mroviński

29


30


TIME

TABLE

MUSIC

ARTS

DISCOURSE

TICKETS

www.elevate.at/tickets

MITTWOCH / 13.07

FREITAG / 15.07

LESLIEHOF

19:00 Einlass

19:30 Eröffnung mit Maja Göpel und Hosea Ratschiller

21:00 Milès Borghese

21:30 Sophia Kennedy live

22:30 Milès Borghese

HEIMATSAAL

11:00 Elevate Brunch mit Attila

13:00 Hannes Werthner / Keynote

14:30 Un/Chain Democracy / Panel

17:00 Netzpolitischer Abend / Lecture and Panel

MAUSOLEUM

11:00– Sonic Transitions / Sound Installations

22:00

DONNERSTAG / 14.07

HEIMATSAAL

11:00 Elevate Brunch mit Joja

13:00 Daniel Görtz / Keynote

14:30 Elevate Mental Wealth / Panel

17:00 Alyona Alyona / Artist Talk

SCHLOSSBERG

11:00 Digital Dictatorship / Eröffnung

FORUM STADTPARK

18:00 UTRUMQUE / Eröffnung

SCHLOSSBERGLIFT

Music for Elevators / Sound Installation

DOM IM BERG

21:00 GLOP II

22:00 schtum

23:00 Caterina Barbieri

PARKHOUSE

22:00 Bill B. Wintermute

00:00 DJ Durbin

02:00 Yushh

04:00 DJ Durbin & Yushh

FORUM STADTPARK

16:00– UTRUMQUE – work

22:00 Sound Installation / Performance

SCHLOSSBERG

Digital Dictatorship / Public Interventions

SCHLOSSBERGLIFT

Music for Elevators / Sound Installation

LESLIEHOF

19:30 Bobby Would

20:30 Anika

21:30 FaUSt

POSTGARAGE 1 ST FLOOR

22:00 Blyskawica & Gasolina

23:30 Alyona Alyona

00:30 Cid Rim

01:30 Catnapp

02:30 Dillinja

04:00 Franjazzco

POSTGARAGE 2 ND FLOOR

22:00 Kessel Vale

00:00 /DL/MS/

01:00 Zoë Mc Pherson

02:00 Skee Mask

04:00 GiGi FM

31


SAMSTAG 16.07

HEIMATSAAL

11:00 Elevate Brunch mit Cid Rim

13:00 Lyana Mytsko / Keynote

14:30 Facts or Fiction? / Panel

17:00 Wirtschaft im Wandel / Panel

19:30 Into My Name / Film

MAUSOLEUM

12:00– Sonic Transitions / Sound Installations

22:00

FORUM STADTPARK

16:00– UTRUMQUE – work

22:00 Sound Installation / Performance

ORPHEUM EXTRA

20:00 Community of Grieving / Performance

SCHLOSSBERG

Digital Dictatorship / Public Interventions

SCHLOSSBERGLIFT

Music for Elevators / Sound Installation

ORPHEUM

20:00 Grrrls DJ Crew

22:00 Peaches

DOM IM BERG

22:00 Jillian

23:30 Chloé Robinson

01:30 DJ Stingray 313

03:30 Palms Trax

SONNTAG 17.07

HEIMATSAAL

13:00 Peaches / Artist Talk

MAUSOLEUM

12:00– Sonic Transitions / Sound Installations

22:00

ORPHEUM EXTRA

20:00 Community of Grieving / Performance

SCHLOSSBERG

Digital Dictatorship / Public Interventions

SCHLOSSBERGLIFT

Music for Elevators / Sound Installation

PARKHOUSE

06:00 Apua

08:00 Delasflores

10:00 DJ Void & Stipo & Apua

ORANGERIE

12:00 Attila & Goldberg

14:00 The Sunbathing Society

15:00 Sucre Sucre

17:30 Lipelis

20:00 Attila & Goldberg

ORPHEUM

20:00 Jigsaw Beggars

21:00 The Brian Jonestown Massacre

TUNNEL

22:00 sowie

23:30 DJ Warzone

00:30 AJA

01:30 Mun Sing

02:30 Crystallmess

04:00 DJ Bus Replacement Service

05:00 DJ Jackhammer

32



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