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moneyeditorial

EDITORIAL

Vergeude keine

gute Krise!

GEORG MECK

Chefredakteur

FOCUS-MONEY

Gasnotstand, Preis-Schock, Rezession – es sind ungemütliche Zeiten, die da

auf uns zukommen. Die Abhängigkeit von russischer Energie ist fatal, die

Übermacht Chinas als Absatzmarkt bedrohlich. Das Geschäftsmodell

Deutschlands muss neu justiert, wenn nicht komplett neu gedacht werden

angesichts der Nachrichten, die uns täglich erschrecken.

⬛ Der Euro gerät unter die Räder: Europas Einheitswährung stürzt förmlich

ab im Vergleich zum amerikanischen Dollar, eine Folge des Versagens der Europäischen

Zentralbank, die sich um alles Mögliche (Klima, Gender) kümmert

und darüber ihre eigentliche Aufgabe, die Wahrung der Geldwertstabilität,

schändlich vernachlässigt hat. Die Gefahr einer Inflation hat sie erst ignoriert,

die Geldentwertung dann viel zu lange laufen lassen. Jetzt ist der Schaden da,

da helfen auch keine Gesten der Demut.

⬛ Der Titel als Exportweltmeister ist verloren. Zuletzt hat Deutschland sogar

mehr Waren importiert als ins Ausland verkauft. Zum ersten Mal seit Jahren

kippte die Handelsbilanz ins Negative: eine Schmach für eine Exportnation!

⬛ Der Abstieg Deutschlands spiegelt sich an den Weltbörsen: In die Rangliste

der 100 größten Konzerne der Welt schafft es kein einziges deutsches

Unternehmen mehr – erstmals seit 2006, wie aus einer Untersuchung der

Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. SAP landet erst auf Platz 113, die

Deutsche Telekom auf Rang 120. Weit abgeschlagen hinter den Champions

aus Amerika.

Was also ist zu tun? Den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu hoffen,

dass der Sturm vorüberzieht, ist keine Antwort. Halten wir uns lieber an das

Winston Churchill zugeschriebene Zitat „Never waste a good crisis“: „Vergeude

keine gute Krise.“ Das gilt für die erfolgsverwöhnte Volkswirtschaft als Ganzes,

die nun unter den „Innovationsdruck“ gerät, der endlich zum Aufbruch

zwingt, wie die Wirtschaftsweise Professor Monika Schnitzer

dieser Tage sagte: Die Zeichen stehen auf Digitalisierung und

Disruption. Welche Chancen das für Sie als Privatanleger bringt,

beschreiben wir in der Titelgeschichte in diesem Heft.

Herzlich Ihr

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte, in

Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die

Notenbanken: Kommt die Zinswende doch schneller als bereits

erwartet? Wie geht es weiter mit den Aktienkursen, wenn die expansive

Geldpolitik an ihre Grenzen stößt? Mein Tipp: Sie erfahren

alles Wichtige in FOCUS-MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug (Print

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FOCUS-MONEY 29/2022

Foto: F. Röth

Composing: FOCUS-MONEY

*inkl. MwSt. und Versand. Sie haben ein gesetzliches Widerrufsrecht

3


moneyinhalt

13. JULI 2022 www.money.de

moneykompakt

6 Brennpunkt: Wohnglück im

Stress-Test – so steht es um den

Immobilienmarkt

98 Andis Börsenbarometer:

Plädoyer für den Anlagemix

moneytitel

8 Vom Bären zum Bullen: Trotz

der düsteren Stimmung bei

Anlegern gibt es auch Lichtblicke

14 Infineon: Rezessionssorgen und

Angst vor Gas-Stopp? Nicht bei

diesem Halbleiterhersteller

18 Energiesparen: Aussichtsreiche

Kandidaten im Energiespar-

Bereich – mit Wachstumspotenzial

21 Chartsignal: Der Dax in der

Analyse – Doppel-Boden als

günstige Einstiegsbasis?

21 Börsenwissen: Was hinter dem

Peitschen-Effekt steckt und wieso

darüber eine Kehrtwende in der

Zinspolitik möglich sein könnte

22 Energieeffizienz: Vier Top-Werte

fürs Sparen – nicht nur beim Geld

26 Immobilienaktien: Betongold zu

Discountpreisen

moneymarkets

30 Europa-Technologie: Jetzt haben

die europäischen Tech-Werte die

Chance zum großen Sprung

34 Cybersecurity: Fünf Themenfonds

bieten schnellen Zugang

zur lukrativen Sicherheitsbranche

38 Spezialanleihen: Zinspapiere,

die die Vorteile von Aktien und

Festverzinslichen verbinden

39 Kolumne: Roland Koch über eine

dringend benötigte Bankenunion

40 ASML: Jährliches Wachstum und

eine Top-Positionierung? Das gibt

es bei diesem Technikkonzern

42 Wienerberger: Festes Fundament

mit 90 Prozent Kurspotenzial

44 Hit & Shit: Von erstklassigen

Gewinnen mit Secondhand zum

tiefen Sturz der Luftlinie SAS

8

Sicherer Wandel

Auf jeden noch so heftigen

Ausverkauf an der Börse

folgten stets wieder hohe

Gewinne. FOCUS-MONEY verrät

die passenden Top-Investments

für neue Zeiten

46 Splunk: Big Data – eine der

aussichtsreichsten Branchen der

Welt. Mehr dazu auch im Interview

mit Splunk-CEO Gary Steele

50 Expresszertifikate: Vorzeitige

Rückzahlung? Über das „schnelle

Geld“. Plus: Interview mit Charlotte

Luise Rueb von der DekaBank

55 Novo Nordisk: Mit Medikamenten

gegen die Inflation ankämpfen

57 Frauen im Finanzbusiness:

Diversität zahlt sich aus

4 Titelfoto: Adobe Stock Inhalt: Fotos: iStock (5), Depositphotos (4), Shutterstock, St. Päffgen

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 29/2022


60 Biotech: Warum

auf den Sektor eine

riesige Übernahmewelle

zurollt

64 Musterdepots: Jaensch schichtet

von Öl zu Pharma und Sperch

erwartet weiterhin hohe Volatilität

moneydigital

56 Kolumne: Ob Geld die Welt

regiert und glücklicher macht

dswanlegerschutz

65 Reformprojekt: Einordnung

des FDP-Entwurfs für das

„Zukunfts finanzierungsgesetz“

moneysteuern&recht

66 Grundsteuer: Eigentümer,

aufgepasst! Bis zum 31. Oktober

2022 müssen alle eine Grundsteuererklärung

ausfüllen. Was Sie

jetzt beachten müssen

moneyservice

70 Pflege: Alles rund um die Pflege-

Vorsorgeförderung plus Tarif-Test

76 Studie Unfallversicherer: Die

fairsten privaten Unfallversicherungen

der Branche

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

18

Weniger ist mehr

Der Gaspreis explodiert.

Wer jetzt auf Konzerne

setzt, die mit ihren Produkten

helfen, Energie

einzusparen, kann langfristig

mit den Aktiengewinnen

die Heizkosten

der Zukunft

kontern

57

60

Übernahmeappetit

Top-Bedingungen und reichlich Cash

– am Biotech-Markt gilt: fressen und

gefressen werden. Für die großen

Pharma-Konzerne steigt der Druck,

neue Wachstumstreiber zu finden

30

Chance für Europas

Tech-Branche

Lange standen sie im Schatten

von Amazon, Google, Facebook

& Co. – jetzt unterstützt

die Politik europäische

Nischen-Marktführer und will

„nationale Champions“ sehen.

Drei solide Werte mit (noch)

günstiger Bewertung

„Unternehmen reden nicht

mehr darüber, ob sie Diversität

in ihren Reihen vorantreiben,

sondern wie“

TIJEN ONARAN, CEO GLOBAL DIGITAL WOMEN

FOCUS-MONEY 29/2022

5


moneytitel

SICHERE WANDLUNG:

Nach jedem auch noch so

heftigen Ausverkauf an der

Börse – symbolisiert durch

den Bären – folgten stets

wieder hohe Gewinne, für

die der Bulle steht

INFLATION & CO.

JEDER

Die Stimmung bei Anlegern

und Verbrauchern ist

düster, aber es gibt auch

Lichtblicke. Firmen werden

effizienter und kreativer,

die Politik pragmatischer.

Das kann die Wende für

Konjunktur und Börse

bringen. Hier gibt es die

passenden Top-Investments

für die neue Zeit

8 Fotos: iStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 29/2022


von ANDREAS KÖRNER

US-BÄREN-

MÄRKTE DAUERN

IM SCHNITT

9,6 MONATE,

RALLYS

2,7 JAHRE

Der russische Angriffskrieg

gegen

die Ukraine, die

nach wie vor grassierende

Corona-Pandemie,

Lieferkettenprobleme,

explodierende Energiepreise, die höchsten Inflationsraten

seit rund einem halben Jahrhundert

– und die wichtigsten Börsenindizes folglich mitten

im Bärenmarkt. Das bedeutet satte Verluste

von mehr als 20 Prozent. Der Dax hat gerade sogar

neue Jahrestiefs gerissen.

Klar, das wissen Sie natürlich alles. Auch die

Akteure an den internationalen Finanzmärkten

wissen das – und haben die Hiobsbotschaften daher

schon teils oder sogar großenteils in den Kursen

verarbeitet. Wir möchten deshalb all diese

Belastungsfaktoren nicht kleinreden, aber auch

nicht weiter auswalzen. Schon um die Lust am

Weiterlesen nicht zu bremsen. Vor allem aber,

weil wir in dieser Titelgeschichte in erster Linie

die statistische Seite von Bärenmärkten analysieren

(die gar nicht so trist ausfällt,

siehe Grafik unten sowie Button

links), aber auch die durchaus

vorhandenen Lichtblicke für Konjunktur

und Börse aufzeigen wollen.

Blick auf das Positive. Das können gewinnsteigernde

Effizienz-Effekte sein, weil Unternehmen

schlanker und schlagkräftiger werden

oder ressourcenschonender arbeiten. Das

können aber auch Mentalitätsänderungen bei

Konsumenten und Anlegern sein, die nun weniger

sinnvolle Ausgaben senken oder ihre Finanzen

aktiver managen – und plötzlich feststellen,

dass es ihnen damit recht gut geht. Die

aktuellen Krisenherde können aber auch als

Trigger für gesamtgesellschaftlich positive Impulse

dienen – etwa bei der Energiewende oder

der Sanierung der Bundeswehr oder der Bahn.

Die größte Krise seit Jahrzehnten könnte sogar

eine Rückbesinnung der Regierenden auf einen

gewissen Pragmatismus bewirken, der früher

Deutschlands Wirtschaft oft geholfen hat.

BÄR WIRD MAL

BULLE!

schwarze Schrift

Abschwünge: unschön, aber

oft harmloser als gedacht

Natürlich gibt es sie, die Abstürze

an der Börse nach epochalen

Ereignissen wie der Weltfinanzkrise

ab dem Jahr 2008, die erst

nach vielen Monaten wieder ausgebügelt

sind. Im Mittel sind die

Abwärtsphasen beim S&P-

500-Index, der hier stellvertretend

auch für andere Indizes

steht, aber überschaubar.

Bärenmärkte im S&P-500

6 14

Dez. 1961

8 7

Febr. 1966

Länge der Bärenmärkte

in Monaten

18 21

–22,0

–28,0

–36,1

höchster Verlust in Prozent

Nov. 1968

21 69

–48,2

Jan. 1973

Dauer der Erholung

in Monaten

20 3

–27,1

Nov. 1980

3 20

–33,5

Aug. 1987

3 4

–19,9

Juli 1990

31 56

–49,1

März 2000

17 49

–56,8

Okt. 2007

1 5

–33,9

Febr. 2020

Quelle: Investopedia

FOCUS-MONEY 29/2022

9


moneysteuern&rec

GRUNDSTEUER

EIGENHEIM: Je nachdem, in

welchem Bundesland die

Immobilie steht, kann es

angenehme, aber auch böse

Überraschungen geben

Eine

Frage

der

Lage

Eigentümer, aufgepasst! Bis zum 31. Oktober 2022 müssen alle eine Grundsteuererklärung

ausfüllen. Dies ist mit Aufwand verbunden, da die Finanzämter viele Daten benötigen.

Was Haus- und Grundbesitzer jetzt beachten müssen

von MARTINA SIMON

Quelle: KPMG Deutschland

Richtige Modellwahl?

Eine Umfrage belegt: Das wertabhängige Bundesmodell

überzeugt nicht. Die Mehrheit hält das Flächenmodell

mit Berücksichtigung von Grundstück und

Gebäude für das richtige Wertermittlungsverfahren.

Welches der Modelle wäre für Sie das Richtige

gewesen? in Prozent der Befragten

Flächenmodell mit

Grundstück und Gebäude

(Bayern) 25

Flächen-Lage-Modell

(Hessen, Hamburg,

Niedersachsen) 21

Flächenmodell mit

Grundstück

(Baden-Württemberg) 19

Bundesmodell 17

Lukrative Einnahmequelle

Als reine Objektsteuer wird die Grundsteuer von den

Gemeinden erhoben. Sie dient als Einnahmequelle,

um die Infrastruktur der Kommunen in Schuss zu halten.

Steigen die Hebesätze, steigen auch die Steuern.

Einnahmen aus der Grundsteuer in Milliarden Euro

Grundsteuer A Grundsteuer B

12,31 12,82 13,26 13,56 13,80 14,03 14,27 14,57

0,38

2014

0,39

2015

0,39

2016

0,40

2017

0,41

2018

0,41

2019

0,41

2020

0,41

2021

Quelle: Statistisches Bundesamt

66 Fotos: 123RF, Depositphotos

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 29/2022


ht

stiegen seien, müsse eine Anpassung erfolgen. Der Gesetzgeber hat

daher eine Reform auf den Weg gebracht.

Die neuen Regeln sollen zum 1.1.2025 in Kraft treten. Bis dahin gelten

die bisherigen Berechnungen nach den Einheitswerten weiter. Damit

die Umsetzung der Reform gelingt, müssen zum Stichtag 1.1.2022

alle Grundstücke und Gebäude neu bewertet werden. Die Eigentümer

von Grundstücken, Eigentumswohnungen sowie Betrieben der Landund

Forstwirtschaft müssen daher eine Feststellungserklärung beim

Finanzamt einreichen. Je nach Bundesland ist dies mit erheblichem

Aufwand verbunden. Denn statt des Einheitswerts wird künftig der

Grundsteuerwert bei der Bewertung herangezogen. Und dieser wird

in den Bundesländern nach unterschiedlichen Kriterien ermittelt.

Wert oder Fläche? Das Bundesmodell verursacht den größten Aufwand.

Als reines wertabhängiges Grundsteuermodell wird die Höhe der

Grundsteuer unter anderem von der Miete abhängig gemacht. Daher

bevorzugen einige Länder wie etwa Bayern ein Flächenmodell. Danach

werden Gebäude und Grundstücke in unterschiedlichsten Lagen in derselben

Kommune gleich besteuert. Das halten viele für ungerecht. In

Ländern wie Hamburg und Hessen fließt daher eine Lage-Komponente

bei der Wertermittlung mit ein. Das Land Baden-Württemberg orientiert

sich dagegen an der Grundstücksfläche und dem Bodenrichtwert,

die Gebäudewerte spielen keine Rolle. Ob dieser Flickenteppich fairer ist

als die bisherige Einheitsbewertung, dürfte aber fraglich sein.

So ermitteln Bundesländer die Grundsteuer

Mit der Grundsteuerreform ändert sich die Wertermittlung des Grundbesitzes. Die Mehrheit der Länder ist vom wertabhängigen

Bundesmodell überzeugt. Einige Bundesländer berechnen künftig aber nach der Fläche, Baden-Württemberg nach dem Bodenwert.

Bundesland

Grundsteuer

Ab 1.1.2025 erheben die Kommunen die Grundsteuer für den Grundbesitz nach neuen Wertermittlungsverfahren:

Quellen: eigene Recherchen, Bundesfinanzministerium, steuerrat24.de

Haben Sie schon Post vom Finanzamt bekommen? Derzeit erhalten

viele der rund 36 Millionen Haus-, Wohnungs- und

Grundstückseigentümer ein Schreiben von den Finanzbehörden.

Darin steht: „Bitte reichen Sie die Erklärung zur Feststellung

des Grundsteuerwertes beim Finanzamt ein.“ Und weiter

heißt es dort: „Über MEIN ELSTER können Sie Ihre Feststellungserklärung

ab dem 1. Juli 2022 kostenfrei elektronisch abgeben.“

Was ist jetzt zu tun? Die meisten Bürger fühlen sich überfordert.

Der Zeitdruck ist hoch, denn sie müssen die neue Erklärung bis spätestens

31. Oktober 2022 beim Amt einreichen.

FOCUS-MONEY leistet Hilfestellung. Kein leichtes Unterfangen, denn

es gibt keine bundeseinheitliche Regelung, sondern unterschiedliche

Ländermodelle (siehe Tabelle). Der Arbeitsaufwand ist mitunter groß.

Viele Haus- und Grundstücksbesitzer sind verunsichert. Künftig kann

es für sie nämlich teurer, aber auch billiger werden.

Der Hintergrund. Grundbesitzer müssen jährlich Grundsteuern

zahlen. Bislang beruhten diese Gemeindesteuern auf den sogenannten

Einheitswerten. Das Bundesverfassungsgericht erklärte

die aktuelle Praxis der Berechnung der Grundsteuer aber für verfassungswidrig.

Begründung: Die Einheitswerte, die bei der Berechnung

herangezogen werden, sind veraltet. In Westdeutschland

stammen sie aus dem Jahr 1964, in Ostdeutschland sogar von

1935. Da die Immobilienwerte in den letzten Jahrzehnten stark ge-

Wertermittlungsverfahren

Baden-Württemberg

modifiziertes

Boden wertmodell

Wertermittlung vor allem nach Grundstücksfläche und Bodenrichtwert, Bebauung irrelevant,

für Wohnzwecke Abschlag bei der Steuermesszahl von 30 % (Wohnen: 0,91 Promille)

Bayern

wertunabhängiges

Flächenmodell

Wertermittlung vor allem nach Grundstücks- und Gebäudefläche sowie wertunabhängigen Äquivalenzzahlen,

für Wohn flächen Abschlag bei der Steuermesszahl von 30 %

Berlin Bundesmodell Wertermittlung nach Fläche, Lage, Gebäudeart, Baujahr und Bodenrichtwert, Steuermesszahl (Wohnen: 0,31 Promille)

Brandenburg Bundesmodell (s. Berlin)

Bremen Bundesmodell (s. Berlin)

Hamburg

Wohnlagen-Modell

Wertermittlung nur nach Grundstücks- und Wohn- sowie Nutzfläche sowie Äqui valenzzahlen, Begünstigung

für Wohnen, Denkmäler, Sozialwohnungen sowie aus Stadtentwicklungsgründen

Hessen

Flächen-Faktor-

Verfahren

Wertermittlung vor allem nach Grundstücks- und Wohnfläche sowie Äquivalenzzahlen, zudem ist die Lage

entscheidend und mit einem Faktor wird das Ergebnis erhöht oder vermindert

Mecklenburg-Vorpommern Bundesmodell

(s. Berlin)

Niedersachsen

Flächen-Lage-

Modell

Wertermittlung vor allem nach Grundstücks- und Wohnfläche sowie Äquivalenzzahlen, dabei fließt eine

Lage-Komponente mit ein, die sich nach dem Nutzen aus dem Grundstück richtet

Nordrhein-Westfalen Bundesmodell (s. Berlin)

Rheinland-Pfalz Bundesmodell (s. Berlin)

Saarland Bundesmodell grds. s. Berlin, aber weicht bei Höhe der Steuermesszahlen ab (Wohnen: 0,34 Promille)

Sachsen Bundesmodell grds. s. Berlin, aber weicht bei Höhe der Steuermesszahlen ab (Wohnen: 0,36 Promille)

Sachsen-Anhalt Bundesmodell (s. Berlin)

Schleswig-Holstein Bundesmodell (s. Berlin)

Thüringen Bundesmodell (s. Berlin)

FOCUS-MONEY 29/2022

67


moneyservice

STUDIE

An der Seite

der Verletzten

Wenn das Schicksal zuschlägt: Eine private

Unfallversicherung hilft bei folgenschweren

Unfällen. FOCUS-MONEY hat erfahrene Kunden

nach den Fairsten der Sparte befragt

von STEFANIE HABERSTOCK

Fast zehn Millionen Mal im Jahr trifft Menschen das Unfallpech.

Die Allermeisten überleben das Unglück und

kommen mit einer Verletzung davon. Doch die kann erheblich

sein und bisweilen bleibende Folgen haben. Dabei

passiert nicht einmal jeder vierte Unfall dort, wo die Opfer

gesetzlich versichert sind, also bei der Arbeit, in der Schule

oder auf dem direkten Weg dorthin. Meistens schlägt das

Schicksal zu Hause oder in der Freizeit zu. Ein schwerer Sturz

auf der Skipiste, eine Schnittverletzung mit der Heckenschere,

ein Ausrutscher in der Badewanne oder ein Crash mit dem

E-Scooter – Risiken lauern überall.

Geld nach Gliedertaxe. Finanziell abgesichert ist hierbei

nur, wer eine private Unfallpolice hat. Sie leistet, wenn ein

Unfall dauerhafte körperliche oder geistige Beeinträchtigungen

nach sich zieht. Die Entschädigungshöhe hängt von der

Versicherungssumme und der Gliedertaxe ab. Sie ist eine Art

Bewertungstabelle für verschiedene Beeinträchtigungen

und Bestandteil des Versicherungsvertrags. Der Invaliditätsgrad

für einen verlorenen Daumen liegt üblicherweise bei 20

Prozent, für ein Auge sind es 50, für ein Bein 70 Prozent. Neben

der Invaliditätsleistung bezahlen die Unfallversicherer

Bergungskosten, kosmetische OPs, Krankenhaustagegeld,

Unfallrenten und mehr. Viele haben auch Reha-Manager und

andere Assistance-Leistungen im Programm.

Doch auf welches Versicherungsunternehmen können

Unfallgeschädigte im Ernstfall wirklich zählen? Das wollte

FOCUS-MONEY auch 2022 wissen und ließ zum sechsten Mal

in Folge die fairsten Anbieter der Branche ermitteln. Für die

Studie hat das Kölner Analyse- und Beratungsinstitut Service-

Value 3125 Kunden zu ihren Erfahrungen mit 35 Unfallversicherern

befragt. Neu hinzu kamen in diesem Jahr die DA

Direkt, Helvetia, HK – Die Haftpflichtkasse und WWK, die es

auf Anhieb ins Gesamtranking schaffte.

Der Blick auf die sechs Disziplinen zeigt: Am meisten überzeugen

die Versicherer wie im Vorjahr mit ihrer fairen Kun-

FEHLTRITT: Ein Moment der

Unachtsamkeit kann schmerzhafte

und sogar dauerhafte Folgen haben

denberatung. Hier geht es etwa um kompetente Mitarbeiter,

die auch bei komplexen Fragen zur Progression oder zum Invaliditätsgrad

für Durchblick sorgen. Elf Unternehmen

bekamen in dieser Kategorie Top-Noten (s. Tab. S. 77). Den

mit Abstand besten Job machen aus Sicht der Kunden die

Berater von LVM und Ergo.

Schnell und unbürokratisch. Zu den Stärken der Versicherer

zählt auch die Regulierung im Schadenfall, die möglichst

unkompliziert, schnell und verlässlich sein soll. Schließlich

belasten Unfalltraumata, OPs und Schmerzen die Opfer

schon genug. Die Abfrage bringt hier ebenfalls elf Versicherer

mit „Sehr Gut“ hervor und zeigt, dass den Kunden besonders

die unbürokratische Vorgehensweise der Versicherer gefällt.

Die Branche bekam dafür 86 Prozent Zustimmung. Auf

die Treue der Kunden hat aber ein anderer Fairness-Aspekt

den größten Einfluss: Die Reaktionszeit im Schadenfall ist einer

der stärksten „Kundenbindungstreiber“, fanden die Kölner

Wissenschaftler heraus. Die SV SparkassenVersicherung

ist hier top. Am meisten Kritik gab es für die Gliedertaxen, die

zum Produktangebot zählen. Die ADAC Versicherung läuft

hier den Wettbewerbern um Längen davon.

76 Foto: Issah – stock.adobe.com

FOCUS-MONEY 29/2022

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