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75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e.V.

Festschrift

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JAHRE

Sportkreis Main-Taunus e.V.

Festschrift

1946 – 2021



GRUSSWORTE

Dr. Rolf Müller

Vermisster sowie die Folgen von Flucht und

Vertreibung beklagen musste, hatten die

Menschen völlig andere Sorgen und Bedürfnisse

als heute. Sie waren auf der Suche nach

einer neuen Existenz, nach neuem Lebenssinn

und nach neuen Zielen. In dieser Zeit,

1946, hat der Sport bereits unmittelbar nach

2. Weltkrieg und Diktatur dazu beigetragen,

Gemeinsinn und Vertrauen wieder aufzubauen

und ein demokratisches Hessen neu zu begründen.

dürfnissen einer sich ändernden Gesellschaft

anzupassen und seine Angebote stets zu

modernisieren. Er war auf der Höhe der Zeit.

Heute und in Zukunft stehen daher Service

und Beratung der Vereine, Initiativen zur

Förderung der Kooperationen von Sportvereinen

und Schulen bzw. zum Gesundheitssport,

Integration durch Sport, regionale politische

Interessenvertretung und weitere Schwerpunkte

auf der Tagesordnung des Sportkreises

Main-Taunus.

Ein besonderer Dank gilt allen Frauen,

Männern und Jugendlichen, die sich in den

letzten 75 Jahren im Sportkreis in verschiedenen

Funktionen engagiert und sich damit für

die Allgemeinheit eingesetzt haben.

Ich wünsche dem Sportkreis Main-Taunus eine

gute Zukunft.

Der Sportkreis Main-Taunus wurde 75 Jahre

alt. Das ist ein stolzes Jubiläum. Dazu gratuliere

ich dem Sportkreis persönlich, und

auch im Namen von Präsidium und Geschäftsführung

des Landessportbundes Hessen e. V.,

sehr herzlich.

Als der Sportkreis Main-Taunus gegründet

wurde, konnte niemand ahnen, dass der Sport

in unserer Gesellschaft einmal die Bedeutung

erlangen würde, die er heute besitzt.

Damals, nach dem materiellen und moralischen

Zusammenbruch, als Deutschland

Millionen Gefallener, Verwundeter, Opfer und

Es war ein Glücksfall für den Sport wie das

Land, dass sich diese Entwicklung von unten

nach oben vollzog und vor Ort, in den Kommunen

und Regionen, seinen Anfang nahm.

Durch diese „Basisbewegung“ konnte sich

eine Vielfalt von Sportarten und -vereinen

im Nachkriegshessen etablieren. Zugleich

konnten sich so demokratische Werte und

Spielregeln auch durch den und im Sport dort

entwickeln, wo sie sich am besten entfalten

konnten: in den Städten und Dörfern sowie

bei deren Bürgerinnen und Bürgern.

Diese Entwicklung benötigte vor Ort einen

organisatorischen Rahmen. Es ist daher nur

konsequent, dass sich Sportkreise als regionale

Zusammenschlüsse vor oder mit dem Landessportbund

Hessen, der auch im letzten Jahr

sein 75-jähriges Jubiläum feierte, gründeten.

Der Sportkreis hat es in den vergangenen

Jahrzehnten immer geschafft, sich den Be-

Wichtiges Ziel des organisierten Sports

unserer Zeit ist das Angebot „Sport für alle“.

Dies ist gerade angesichts der demografischen

Entwicklung von großer Bedeutung.

Der Sportkreis Main-Taunus war, ist und bleibt

ein Garant dafür, dass die Mitglieder seiner

Sportvereine auch in Zukunft Gemeinsamkeit,

Toleranz, Offenheit, Respekt und Fairness

erleben und ihnen das Gefühl sozialer Geborgenheit

vermittelt wird.

Wir wollen einen Sport, der bunt ist, der

Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und

jeden Geschlechts anspricht. Wir wollen kein

Gegen-, sondern ein Miteinander von Freizeit-,

Breiten- und Leistungssport. Und wir

wollen Werbeträger sein für die 207 Turn- und

Sportvereine im Sportkreis Main-Taunus und

auch für alle anderen in ganz Hessen. Denn

sie sind die Basis für unseren gemeinsamen

Erfolg.

Dr. Rolf Müller

Präsident des Landessportbundes Hessen e. V.

1


GRUSSWORTE

Axel Wintermeyer

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Sportlerinnen und Sportler,

zum 75. Jubiläum unseres Sportkreises Main-

Taunus möchte ich Sie sehr herzlich beglückwünschen.

Der Sportkreis nimmt wichtige Verantwortung

und zentrale Aufgaben für unser

Gemeinwesen wahr, die wir uns alle heute

nicht mehr wegdenken können und wollen.

Als sportliche Interessensvertretung gegenüber

Institutionen, Dienstleister für Vereine

und Ehrenamtliche, Fort- und Weiterbildungsstelle

und als ortsübergreifendes Netzwerk

Engagierter repräsentiert er weit über 75.000

Vereinsmitglieder in rund 210 Vereine in unseren

12 Städten und Gemeinden.

Von der Abnahme des Sportabzeichens über

die Sportkreisjugend bis hin zu innovativen

digitalen Angeboten: Durch sein breites und

vielschichtiges Angebot für Alt und Jung, für

Anfänger und Fortgeschrittene, für Ambitionierte

und Breitensportler stellt der Sportkreis

tagtäglich unter Beweis, dass Sport verbindet.

Auch in Zeiten der globalen Pandemie

wurden die Vereine mit großem Engagement

und sehr erfolgreich bei der Fortführung Ihrer

Arbeit unterstützt und beraten.

Der Großteil dieser im besten Sinne gemeinnützigen

Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.

Die vielen Aktiven vor Ort in unseren Vereinen

des Sportkreises befinden sich dabei mit

ihrem beispielgebenden Engagement in guter

Gesellschaft: In ganz Hessen sind über 2

Millionen Menschen ehrenamtlich engagiert.

Damit bildet das Ehrenamt einen wichtigen

Eckpfeiler unseres Gemeinwesens. Es wird

gerade in Zeiten eines sich zunehmend individualisierenden

Miteinanders zu Recht als „Kitt

unserer Gesellschaft“ bezeichnet.

Ihnen allen, die sich im Rahmen ihrer Vereinsmitgliedschaft

oder unmittelbar beim

Sportkreis Main-Taunus in ihrer Freizeit oder

an den Wochenenden freiwillig in den Dienst

der Gemeinschaft stellen, sich ehrenamtlich

engagieren und der Gesellschaft damit

etwas zurückgeben, danke ich deshalb ganz

besonders.

Dem Sportkreis als der maßgeblichen Organisation

unseres Sportvereinswesens auf

Kreisebene wünsche ich für die kommenden

75 Jahre viel Erfolg, zahlreiche neue Mitstreiterinnen

und Mitstreiter und viele unterhaltsame

und vor allem verletzungsfreie Veranstaltungen

und sportliche Wettkämpfe.

Herzliche Grüße

Ihr

Axel Wintermeyer

Staatsminister und Chef der Staatskanzlei

2 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


GRUSSWORTE

Michael Cyriax

Liebe Sportfreunde

und -freundinnen,

zum Jubiläum gratuliere ich dem Sportkreis

Main-Taunus herzlich. Er leistet eine hervorragende

Arbeit, um die Sportvereine bei ihren

wichtigen und fordernden Aufgaben zu unterstützen.

Rund 77.000 Menschen im Main-Taunus-Kreis

sind Mitglied eines Sportvereins, sie

verbinden dabei sportliche Ausbildung und

Wettkampf mit einem Miteinander und Geselligkeit.

Für viele sind die Sportvereine eine

Heimat geworden. Alles wird ehrenamtlich

geleistet, so auch die Arbeit im Vorstand des

Sportkreises. Für dieses Engagement gebührt

dem Vorstand und besonders seinem Vorsitzenden

Hans Böhl Dank.

In der Pandemie hat der Sportkreis seine

Vereine mit umfangreichen Informationen

zu den jeweils aktuell geltenden Regelungen

versorgt – das ist vorbildlich und eine große

Hilfe für die Vereinsvorstände. Wenn Sie

das Jubiläum nun im Jahr 2022 nachfeiern,

wünsche ich Ihnen, dass der Sportbetrieb im

Jahresverlauf wieder schrittweise so laufen

kann wie früher, dass die Zuschauerinnen

und Zuschauer wieder ohne Beschränkungen

zurückkehren können und auch das gesellige

Vereinsleben wieder anläuft.

Als Kreis wollen wir dem Sport gute Partner

sein. Jährlich fördern wir den Sport mit Hunderttausenden

von Euro – das reicht von Zuschüssen

für den Jugendsport über Zuschüsse

für die Weiterbildung von Übungsleitern bis

zur Anschaffung von Geräten und Förderung

von Bauvorhaben. Über unsere Ehrenamtsförderung

haben wir zudem Online-Fortbildungen

zum Vereins- und Steuerrecht angeboten.

Ein wichtiges Zeichen für den Sport setzen wir

2022 mit dem Beginn der Bauarbeiten für das

Main-Taunus-Bad, das auch von den Vereinen

genutzt werden kann. Gemeinsam mit dem

MTK ist der Sportkreis im Netzwerk Sport und

Gesundheit engagiert und hat zum Beispiel

mit uns eine sportmedizinische Vortragsreihe

in den Kliniken des Main-Taunus-Kreises ins

Leben gerufen.

Gesundheit und Bewegung sind die großen

Themen des Sportkreises. Sie sind auch die

großen Themen seines Jubiläums: Die Zeit der

Pandemie hat erwiesen, welch hohes Gut die

Gesundheit ist, und der Rückblick auf die vergangenen

75 Jahre zeigt, wie wichtig es ist,

in Bewegung zu bleiben, sich stetig weiterzuentwickeln.

Ich wünsche Ihnen alles Gute zum Jubiläum.

Bleiben Sie gesund, bleiben Sie bewegt!

Ihr

Michael Cyriax

Landrat des Main-Taunus-Kreises

3


GRUSSWORTE

Hans Böhl

Seit 75 Jahren erfreut sich der Sportkreis-

Main-Taunus seiner Existenz. Gegründet

wurde er 1946 von Vertretern verschiedener

Vereine aus dem Main-Taunus Kreis. Allen voran

Georg Eberhardt, der vom Landrat Walter

Weber den Auftrag erhielt, den Sportkreis zu

gründen und somit erster Sportkreisvorsitzender

wurde. Leider verfügen wir über keine

Gründungsurkunde - dies ist der Nachkriegszeit

geschuldet. Zu intensiv und noch viel zu

nah waren die Folgen des Nationalsozialismus

spürbar. Der jüdische Sport war vernichtet,

der Arbeitersport zerschlagen, die Verbände

waren gleichgeschaltet und unzählige Sportkameraden

haben im Krieg ihr Leben gelassen.

Trotzdem bestand der unsägliche Wille,

wieder Sport in Vereinen zu treiben.

Darüber hinaus sahen es Heinz Lindner,

der erste Präsident des Landessportbundes

Hessen (lsb h), und seine Mitstreiter als ihre

oberste Aufgabe, dem Sport in ganz Hessen

wieder auf die Beine zu helfen und ihm neue

organisatorische und vor allem wieder demokratische

Strukturen zu geben.

Den Gründungsvätern des Sportkreises war es

wichtig, die sportlichen Aktivitäten im Main-

Taunus-Kreis zu fördern und die Vereine in

ihrer Aufbauarbeit zu unterstützen. Ihnen ist

es zu verdanken, dass heute – 75 Jahre später

– 207 Vereine ihren 77.000 Mitgliedern ein

sportliches Angebot unterbreiten. Diese Angebote

richten sich gleichermaßen an Frauen

als auch Männern, an junge und alte. Jeder,

der heute im Main-Taunus-Kreis Sport treiben

will, hat eine riesige Auswahl an verschiedenen

Angeboten.

Wir, der heutige Vorstand des Sportkreises,

haben uns entschieden, das 75-jährige Bestehen

zu feiern. Ursprünglich wollten wir

dies im Jahre 2021 tun, aber durch die Corona

Pandemie war es nicht möglich, eine entsprechende

Veranstaltung zu organisieren.

Hoffen wir, dass uns dies 2022 gelingen wird.

Anlässlich dieses geplanten Jubiläums wollen

wir eine Festschrift herauszugeben. Da die

Dokumentation der Historie des Sportkreises

etwas lückenhaft ist, haben wir uns entschieden,

nicht nur eine Chronik zu erstellen,

sondern auch Persönlichkeiten, die den Sport

im Main-Taunus-Kreis aktuell prägen und

gestalten, zu Wort kommen zu lassen. Bei all

denjenigen, die nicht zu Worte gekommen

sind, möchten wir uns entschuldigen, wir sind

uns aber sicher, dass sie uns und den Sport

weiterhin unterstützen werden.

Während es unseren Gründungsvätern im

Wesentlichen darum ging nach dem Nationalsozialismus

die Sportvereine wieder ins Leben

zu rufen, hat sich heute das Aufgabenfeld

des Sportkreises maßgeblich verändert. Die

unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte des

Sportkreises haben wir ebenfalls in dieser

Broschüre beschrieben. Ebenso verfügt der

Sportkreis heute über eine Servicestelle,

die mit einer hauptamtlichen Mitarbeiterin

besetzt ist, da die gesamte Arbeit des

Sportkreises nicht mehr nur ehrenamtlich zu

bewältigen ist.

All unsere Arbeitsschwerpunkte haben ein

großes Ziel, nämlich allen Menschen im

Main-Taunus-Kreis ein sportliches Angebot

offerieren zu können, gemeinsam mit unseren

Vereinen, die dies jeden Tag in den Mittelpunkt

ihres Engagements stellen. Neben dem

Wettkampf- und Leistungssport ist heute die

Bewegung zur Erhaltung der Gesundheit unsere

zentrale Aufgabe. Obwohl sich vieles in

den 75 Jahren geändert und weiterentwickelt

hat, können wir doch voller Stolz, Demut und

Dankbarkeit sagen, dass unsere Sportvereine

aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken

sind. Sie sind und bleiben attraktiv,

zielstrebig und wertvoll.

Die vergangenen 75 Jahre sind zu einer Erfolgsgeschichte

geworden. Der Sport hat sich

den veränderten Rahmenbedingungen immer

wieder neu angepaßt, hat neue Zielgruppen

erschlossen und ist zum Garanten für Gesundheitsprävention

geworden. Dies geschieht

aber nicht nur individualisiert, wie vieles in

unserer Gesellschaft, sondern in der Gemeinschaft,

in einem Miteinander, geprägt von

Respekt, Hilfsbereitschaft und in der Wahrnehmung

unserer gesellschaftlichen Werte.

Nach unserer Überzeugung brauchen wir Mut

zum Handeln. Der Sportverein bildet den

Brückenschlag zwischen einer urbanen Gesellschaft

und einer Sportgemeinde, zwischen

Spitzensport und Breitensport, zwischen

Hauptamtlichkeit und Ehrenamtlichkeit. Er

ist, wie Dr. Rolf Müller sagte, die Tankstelle

der Gesellschaft, er bietet Verbindungen,

Kontakt und Zugehörigkeitsgefühl. Unsere

Mitgliedsbeiträge sind bezahlbar und in der

Regel wird niemand ausgeschlossen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich

unsere Gesellschaft ständig verändert, hier

4 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


GRUSSWORTE

leisten die Vereine einen aktiven Beitrag für

Gesundheit und Bewegung, Integration und

Inklusion, für Spaß und Spiel, für Leistung

und Entspannung, für Gemeinschaft und

Verlässlichkeit. Auch diese Liste könnten

wir unendlich fortsetzen. In all diesen Bereichen

sind wir mehr denn je aufgefordert,

Orientierung für Kinder und junge Menschen

zu bieten, Brücken zu schlagen zwischen Alt

und Jung, zwischen Männern und Frauen und

Familien, zwischen den Vereinsmitgliedern

und Vorständen.

Des Weiteren gilt es demographische Veränderungen

zu beachten, die unsere Vereine immer

wieder vor neue Herausforderungen stellen:

Wir werden immer älter, immer schwerer, immer

weiblicher, immer bunter. Es ist heute keine

Seltenheit mehr, dass Menschen, die über

80 Jahre alt sind, noch aktiv Sport betreiben.

Gerade bei uns im Rhein-Main-Gebiet finden

wir Menschen aus allen Kulturen und Nationen

in unseren Vereinen wieder. #SportVEREINtuns!

ist heute ein Motto für unsere Aktivitäten.

All das, was heute in den Vereinen

geschieht ist mehr als Sport. Es sind die fünf

Säulen, die unsere Arbeit prägen: Integration

und Inklusion, Unterstützung des Gesundheitssystems,

Engagement in der außerschulischen

Bildung und Sozial-und Kulturpolitik.

Dass die Vereine auch in der Lage sind, große

Herausforderungen und Krisen zu bestehen,

haben uns die beiden letzten Jahre gezeigt.

Die Corona-Pandemie hat unser Land und

damit auch die Sportvereine überrollt. Aber

die Vereine haben gezeigt, dass sie robust

sind, dass sie in der Lage sind, kreative

Projekte zu entwickeln. Niemand von uns

hätte vor Jahren gedacht, dass wir einmal

Sport vor dem Bildschirm betreiben, dass wir

Hygienekonzepte entwickeln, dass wir uns

digital zum Sport anmelden, dass wir Corona-

Verordnungen lesen lernen. Wir alle mussten

einen Mitgliederrückgang in 2020 und 2021

zur Kenntnis nehmen. Hierbei wurde deutlich,

dass die Mitglieder, die den Verein als Dienstleister

verstehen, eher den Verein verlassen

oder ihr Kind abgemeldet haben. Vereine mit

einer höheren Bindungskraft erhielten von

Ihren Mitgliedern keine Kündigung.

Diese Pandemie zeigt, wie anpassungsfähig,

wie kreativ und robust unsere Vereine

sind. Viele Übungsleiter/innen haben mit

tollen Konzepten, Aktionen und Ideen, von

denen auch einige die Pandemie überdauern

werden, dazu beigetragen, sich gegen den

Bewegungsmangel zu Wehr zu setzen und den

Menschen in den Vereinen wieder Mut und

Zuversicht zu vermitteln. Die Vereine haben

Solidarität bewiesen in dieser schwierigen

Zeit und haben einen Beitrag dazu geleistet,

zu verhindern, dass die Spaltung in der

Gesellschaft sich nicht noch vergrößert. Die

Sportfamilie, Trainer/innen und Übungsleiter/

innen haben in den vergangenen Monaten und

Jahren Hervorragendes geleistet. Sportlerinnen

und Sportler können kämpfen und wir

werden die Pandemie besiegen.

Aber alleine kann der Sportkreis diese Aufgaben

nicht erfüllen. Wir arbeiten vernetzt und

werden ideell und finanziell unterstützt. Der

Landessportbund Hessen und die Sportjugend

Hessen stehen uns immer mit Rat und Tat

zur Seite. Auch mit den Sportfachverbänden,

insbesondere mit dem Turngau Main-Taunus

und dem Fußballverband, verbindet uns eine

lange, effektive und vertrauensvolle Zusammenarbeit,

aber auch mit allen anderen

Verbänden, die im Main-Taunus-Kreis aktiv

sind, arbeiten wir gerne zusammen und unterstützen

uns gegenseitig.

Die Arbeit des Sportkreises will aber auch

finanziert sein. Unser Dank gilt hierbei dem

lsb h und der Hessischen Landesregierung.

Ganz besonders und ausdrücklich bedanken

wir uns beim Main-Taunus-Kreis, mit dem

wir zahlreiche Projekte gemeinsam entwickelt

haben, der uns in der täglichen Arbeit

unterstützt, uns die Räumlichkeiten in der

Kreissporthalle in Kriftel zur Verfügung stellt

und der uns und alle Sportvereine im Main-

Taunus-Kreis finanziell unterstützt.

Wir sind uns sicher, dass wir auch in der Zukunft

die Kraft des gemeinsamen Wirkens erleben

dürfen, so dass alle Menschen im Kreis,

die sich bewegen wollen, mit Spaß und Freude

von unsrer Arbeit profitieren werden.

All unseren Mitgliedern, die Sportvereine im

Main-Taunus-Kreis, stehen wir mit all unserem

Wissen zur Seite. Ganz sicher werden alle

Vorstandsmitglieder und unsere Leiterin der

Servicestelle die Vereine engagiert unterstützen.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Hans Böhl

Vorsitzender des

Sportkreises Main-Taunus e. V.

5


SPORTKREIS

Unser Vorstand

Der Sportkreis-Vorstand im Jubiläumsjahr

(von links nach rechts, von hinten nach vorne):

Claudia Michels (seit 2009)

Stellvertretende Vorsitzende und

Vorstand Gesundheit und Bewegung

Richard Grützner (seit 2018)

Stellvertretender Vorsitzender und

Vorstand Vereinsmangement

Vinzent Weber (seit 2018)

Jugendwart

Hans Böhl (seit 2000)

Vorsitzender

Sabine Klein (kooptiert seit 2022)

Vorstand Bildung und Personalentwicklung

Ursula Groth (seit 2012)

Vorstand Öffentlichkeitsarbeit

Kerstin Brestel (seit 2021)

Vorstand Vorschule, Schule, Hochschule

Kathrin Zimmermann (seit 2016)

Hauptamtliche Leiterin der Servicestelle Sport

Gabriele Scholze-Kurz (seit 2009)

Vorstand Finanzen,

Umwelt und Sportstättenentwicklung

Stefan Natterer (seit 2015)

Vorstand Sportabzeichen

Katharina Dörr (seit 2021)

Jugendwartin

6 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Unsere Verbände

… und deren Mitglieder im Main-Taunus-Kreis

Petanque

9

Freizeitsport

11

Kickboxen

13

Rasenkraftsport

22

Kegeln

23

Rollsport

29

Aikido

39

Squash

49

Triathlon

80

Eissport

131

American Football

133

Dart

139

Ju-Jutsu

143

Boxen

145

Segeln

174

Rudern

175

Motorsport

225

Baseball + Softball

247

Tauchsport

269

Karate

282

Kanu

340

Taekwon Do

403

Radsport

447

Schach

590

Judo

596

Basketball

1130

Badminton

1208

Golf

1250

Ski

1304

HBRS

1364

Volleyball

1538

Tanzen

1935

Tischtennis

2102

Schießen

2442

Leichtathletik

2759

Pferdesport

3322

Handball

4398

Schwimmen

4705

Tennis

8105

Fußball

12121

Turnen

23406

Chronik Sportkreis Main-Taunus:

Über 75 Jahre sportliche Momente im

Sportkreis Main-Taunus

1945

1946

1947

1950

7


SPORTKREIS

Unsere Vereine

TSG Altenhain 1900 • Reit- und Fahrverein Bad Soden/Ts. e.V. • Sportgemeinschaft 1908 Bad Soden e.V. • Turngemeinde 1875 e.V. Bad Soden A. Ts. • 1. Sodener Schwimm-Club 1927 e.V. • Schützenverein 1973 Bremthal e.V. • Sportgemeinschaft

Bremthal 1955 e.V. • Tennisclub 1971 Bremthal e.V. • Sportgemeinschaft Nassau Diedenbergen • Tennisclub Diedenbergen 1971 e.V. • Turnverein Diedenbergen 1886 e.V. • Fußball-Club 1931 Eddersheim e.V. • Turn- und Sportgemeinde

1888 Eddersheim e.V. • TSG Ehlhalten 1893 e.V. • Sport-Verein Titania Eppenhain • Tennisclub Eppstein e.V. • Turn- und Sportgemeinde 1861/03 Eppstein e.V. • Schwimmclub Westerbach Eschborn e.V. • Tennis Westerbach Eschborn e.V.

• Tennis 65 Eschborn • Turnverein Eschborn 1888 e.V. • Behinderten+Rehabil.Sport-Verein Eschborn e.V. • Verein für Ausgleichssport Frisch Auf Eschborn • 1. Schützengesellschaft 1956 Eschborn e.V. • Sportverein Fischbach 1912

e.V. • Tanz-Sport-Club Fischbach e.V. • Flörs- heimer Ruderverein • Reitsportverein 1929 Flörsheim e.V. • Schützengesellschaft Flörsheim 1906 e.V. • Schützenverein Edelweiß 1899 e.V. Flörsheim • DJK SC Schwarzweiß Flörsheim

1924 e.V. • Sportverein 09 e.V. Flörsheim • Turnverein 1861 e.V. Flörsheim • ESV Blau-Gold e.V. Flörsheim • Karate-Club 1977 Hattersheim e.V. • Reitsport-Club Hattersheim e.V. • Ski- und Paddel-Club Hattersheim e.V. •

Sportgemeinschaft DJK Hattersheim e.V. • Hattersheimer Tennisclub • Turnverein 1883 e.V. Hattersheim • Verein für Netzspiele Blau-Rot Hattersheim • DJK-Sportclub 1974 Hochheim e.V. • Hochheimer Kanuverein 1921

e.V. • Radfahrerverein 1899 e.V. Hochheim • Reitsportver- ein Hochheim 1928 e.V. • Hochheimer Ski- und Tennisverein 1967 e.V. • Spielvereinigung 07 Hochheim am Main e.V. • Turngemeinde e.V. Hochheim •

Badminton-Club Hofheim • Roter Stern Hofheim • Hof- heimer Schwimmclub e.V. • Hofheimer Tennisclub e.V. • Hofheimer Volleyball-Club • Reit- und Fahrverein 1928 Hofheim e.V. • Schützenverein 1938 e.V.

Hofheim • Sportverein 09 e.V. Hofheim • Turnver- e i n 1860 Hofheim • Behinderten Sportgemeinschaft Hofheim • Wintersportverein Hofheim e.V. • 1. Judo-Club Hofheim e.V. • Turn- und Sportfreunde

Hornau e.V. • Kelkheimer Schwimm-Club 70 e.V. • Kelkheimer Tennisfreunde 1977 e.V. • Reit- und Fahrverein Kelkheim e.V. • Ski-Club Kelkheim e.V. • Sportgemeinschaft Kelkheim e.V. • Kelkheimer

Tennis- und Eissportverein e.V. • Versehrten- und Be- hinderten-SG Kelkheim • Radfahrerverein Germania 1913 Kriftel e.V. • Reit- und Fahrverein Kriftel 1932 e.V. • Schützenverein

1935 Kriftel e.V. • Sportverein 07 e.V. Kriftel • Turn- und Sportgemeinde 1884 e.V. Kriftel • Turngesellschaft 1886 e.V. Langenhain • Tanzkreis Stahl-Blau Liederbach • Tennisclub

Liederbach e.V. • Turnverein 1885 Lorsbach e.V. • Winter- Sportverein Lorsbach e.V. • 1.Fußballclub Lorsbach 1953 e.V. • Fußball-Club 1957 Marxheim e.V. • Schützengesellschaft Marxheim

e.V. • Tennisclub Marxheim e.V. • Turn- und Sportgemein- de Marxheim 1875 e.V. • Massenheimer Tennis-Verein 77 e.V. • Turn- und Sportverein

1885 e.V. Massenheim • Schützengemeinschaft 1963 Münster e.V. • Turn- und Sportgemeinde Münster e.V. 1883 • Fußballverein 08 Neuenhain

e.V. • Reit- und Fahrverein Neuenhain e.V. • Schützenverein Bad Soden-Neuenhain • Neuenhainer TTV 1955 e.V. • Turn- und Sportgemeinde

1885 e.V. Neuenhain • Tura 1893 e.V. Niederhöchstadt • Turn- und Sportgemeinde Niederhofheim e.V. • Turn- und Sportverein 1890

Niederjosbach e.V. • Schützenverein e.V. Liederbach • Sport- gemeinschaft Oberliederbach • F.C. Germania 1911 Okriftel e.V. • Radfahrer-Klub

Wanderlust 1897/09 e.V. Okriftel • Schützenges. 1905 Okriftel a. Main e.V. • Turnverein 1886 Okriftel am Main e.V. • Turn- und Sportfreunde Ross- ert e.V.

• Reit- und Fahrverein Ruppertshain e.V. • Schützenverein 1960 Ruppertshain e.V. • SV 1891 Ruppertshain e.V.. • Tennisverein Ruppertshain e.V. • Ball- Spiel-

Club 1961 Schwalbach e.V. • FC Sportfreunde Schwalbach 1920 e.V. • Radfahrverein Gemütlichkeit 1926 Schwalbach e.V. • Reitclub Schwalbach e.V. • Schwimmclub

Schwalbach e.V. • Tanzsportclub Schwalbach e.V. • Turngemeinde 1887 Schwalbach e.V. • Reitverein Sulzbach e.V. • Schützenverein 1967 Sulzbach e.V.

• Tennisverein Sulzbach e.V. • Turn- und Sportgemeinde Sulzbach e.V. 1888 • 1. Fußball-Club Sulzbach e.V. • Turn- und Sportverein 1885 Vockenhausen

e.V. • Reiterverein Wallau und Umgebung e.V. • Turnver- ein Wallau 1861 e.V. • Fußballclub Germania 08 e.V. Weilbach • Schützenverein

1912 Weilbach e.V. • Turngemeinde Weilbach 1886 e.V. • Reit- und Fahrverein Wicker e.V. • Schützen- verein 1937 Wicker

e.V. • Turnverein Wicker 1848 e.V. • Sportge- meinschaft Wildsachsen e.V. • Schützenverein 1958 Diedenbergen e.V. •

Reitsportgruppe Rosshof e.V. • Tennis- club Blau-Weiß Bad-Soden e.V. • Krifteler Tennisclub e.V. • Judoring die Mattenfüchse

Eppstein • Segelclub H o c h h e i m e.V. • Schützenverein 1979 Hochheim e.V. • Tennis- club Fischbach e.V. • MSC

Diedenbergen e.V. i. DMV • Reit- und Fahrverein 1979 Eddersheim e.V. • Sportverein Moskito Hofheim • Main-Tennis-Hallen-

Club 1981 Eddersheim e.V. • Tennisclub 1981 Wallau e.V. • Sport- freunde 82 Vockenhausen e.V. • RC Radsport- freunde Hattersheim e.V.

• Tanzsportclub Blau- Gold Flörsheim 1982 e.V. • Reit- und Fahrgruppe 1982 Weilbach e.V. • Verein für Koronarsport Bad-Soden e.V. • Bremthaler Tischtennisverein

e.V. • Eppsteiner Spiel- und Sportinitiative e.V. • Altenhainer Tennis-Club e.V. • Volleyball-Club Liederbach e.V. • Schachverein 1920 Hofheim a. Ts. e.V. • Schachvereinigung

1932 Eppstein i. Ts. • Schachclub 1979 Hattersheim e.V. • Schachclub 1974 e.V. Eschborn • Schachclub 1921 Flörsheim e.V. • Schachfreunde 1932 Kelkheim

• B.S.C. Altenhain 1980 e.V. • Schachfreunde Taunus Königstein/Schwalbach • Verein der Schachfreunde Hochheim • Ball-Sport-Club 1985 Flörsheim am Main e.V. •

Schach-Club Sulzbach 1975 • Squash-Club Eschborn- Niederhöchstadt • Schach-Club Bad Soden • Squash-Cats 1986 Wallau e.V. • Tennisclub TC Schwalbach e.V. • Tanz-

u n d

Gymnastik Sport-Club Eschborn e.V. • Reitsportgruppe e.V. Eddersheim • Tanzgarde Liederbach e.V. • Türk. Futbol Club Hattersheim • Gesundh. f. alle Kelkheim V. f. Bewegungs-

therapie •

Reitclub Heidehof Liederbach e.V. • Reit- und Fahrverein Hof Häusel Eppstein e.V. • FG Eichwald Sulzbach e.V. • Club Futbol Espanol Kriftel e.V. • Reitsportclub Kelkheim-Ret-

tershof e.V. •

Baseball Club Main Taunus Redwings Hofh.-Kriftel • Tanzsportverein Bad Soden • Tauchteam Taunus Schwalbach e.V. • Carneval- und Tanzsportverein Fidelio Hochheim 1880 e.V. • Tanzsportclub 1996

Hofheim e.V. • Tanzsportclub Metropol Hofheim • 1.Tanzsportclub Hochheim • Gesundheits-Sport-Club Langenhain • Box-Club Hochheim e.V. • Badminton-Verein Fischbach

• Ehlhaltener Tennisclub e.V. •

Fußball-Sportclub Eschborn • Tanzsport und Carneval Club Pinguine Schwalbach • Karate-Dojo Kelkheim e.V. • Aqua Sports Eschborn e.V. • ESDO Team 2005 e.V. Okriftel • Team ST Bad Sodener Tennis-Club e.V. •

Tanzsportabtlg. der Sodener Karnevalsgesellsch. • Budo Verein Hattersheim • Hattersheimer Tanzsport-Gruppe Wild Wings e.V. • Motor-Sport-Club Ehlhalten e.V. i. ADAC • Reit-

sportgruppe Falkenberg • Blue Diamonds Eschborn

Dancers e.V. • Radsportteam Taunus-Express Kelkheim e.V. • Reit-u. Fahrverein Hubertushof Wicker e.V. • 1. Neuenhainer Dartclub e.V. • Dart Club Krone Hattersheim e.V.

• Soccer Club Eschborn 2016 e.V. • Fußballclub

SoMa Eschborn e.V. • 1.Petanque Club Kriftel e.V. • Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne Hofheim e.V. • Rhein-Main Rehasport Kriftel e.V. • Tischtennisverein Eschborn-Nie-

derhöchstadt 2021 e.V.

8 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


#SportVEREINtuns!

Die Vorstände vieler unserer Vereine und Verbände,

sei es auf Kreis-, Bezirks oder Landesebene,

brennen für den Sport und organisieren

nicht nur den alltäglichen Sportbetrieb

– gerade während der Corona-Pandemie allein

schon eine große Herausforderung, sondern

entwickeln mit Unterstützung unserer

Netzwerkpartner neue Vereinsstrukturen,

Sportangebote, Kooperationen und begegnen

den sozial-gesellschaftlichen Aufgaben mit

großem Engagement und viel Kreativität. Wir

möchten Persönlichkeiten, die den Sport im

Main-Taunus-Kreis prägten und lange Jahre

gestaltet haben oder aktuell prägen und gestalten,

zu Wort kommen lassen. Da auf allen

Ebenen, ehren- wie hauptamtlich, so viele

engagierte Menschen den Sport im Main-Taunus-Kreis

bereichern, stehen unsere Interviewpartnerinnen

und -partner repräsentativ

für alle Menschen, die den Sport im Main-Taunus-Kreis

weiterentwickeln. Unser besonderer

Dank gilt all denen, die dafür ehrenamtlich

unzählige Stunden ihrer Freizeit opfern!

Die Interviews führte Ursula Groth, seit 2012

im Sportkreisvorstand und seit dem letzten

Sportkreistag für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit

zuständig, im Sommer 2021. Um die

Gespräche originalgetreu wiederzugeben, haben

wir darauf verzichtet, sie gendergerecht

zu ergänzen. Wir bedanken uns herzlich bei

unseren Interviewpartnerinnen und -partnern

für die Einblicke in ihre sportliche Arbeit.

Die pensionierte Lehrerin Ursula Groth gehört seit 2012 dem Sportkreisvorstand an.

Nachdem sie viele Jahre für den Fachbereich „Vorschule, Schule und Verein“ verantwortlich war,

wechselte sie auf dem Sportkreistag im November 2021 in den Fachbereich „Öffentlichkeitsarbeit“.

1951

1953

1956

9


INTERVIEWS

Kurt Kreyling und Wolfgang Specht

Wie entwickelte sich der Neustart des Sports

ab 1945? Wolfgang Specht, Ehrenvorsitzender

der TG Schwalbach und langjähriger Vorsitzender

des Turngaus Main-Taunus, richtet den

Blick stets nach vorne. Unermüdlich macht

er sich Gedanken darüber, wie sich der Sport

weiterentwickeln muss, damit das Sportangebot

attraktiv bleibt und die Bürgerinnen und

Bürger weiterhin zu Bewegung motiviert.

Kurt Kreyling, aktueller erster Vorsitzender

der TG Schwalbach, ist immer auf der Suche,

welche sozialen und gesellschaftlichen

Aufgaben eine Erweiterung des Vereinsangebots

erforderlich machen – getreu dem Motto

#SportVEREINtuns! Beide Zeitzeugen verfügen

über ein geballtes Wissen mit Blick auf ihren

Verein TG Schwalbach und den gesamten

Main-Taunus-Kreis.

Welche Verbindung haben Sie persönlich

zum Sport – wann und wie fing es an?

Wolfgang Specht: Ich bin im Mai 1933 geboren.

Meine Mutter stammte aus Frankfurt-Oberrad.

Daher war ich schon als Kind oft bei den

Großeltern. An einem Samstagnachmittag im

August 1939 nahm Opa Josef Hainz mich Sechsjährigen

mit ins Waldstadion. Aus Anlass des

40-jährigen Bestehens der Eintracht-Leichtathletik-Abteilung

fand ein Abendsportfest statt.

Auf Plakaten wurde schon Wochen vorher mit

„Harbig kommt“ das Ereignis angekündigt.

Dies erfuhr ich alles erst später. Auch dass die

Stoppuhren bei seinem 400 m-Lauf bei

46,0 Sekunden standen, neuer Weltrekord! …

vor dem Italiener Mario Lanzi mit 46,6 Sekunden!

In Erinnerung blieben mir aber bis heute

die „Harbig-Harbig-Rufe“, mit denen die rd.

15.000 Zuschauer den 25 Jahre alten Dresdener

während des Rennens anfeuerten. Dies war

am Samstagabend, dem 12. August 1939. Zwei

Wochen später begann der Zweite Weltkrieg –

und in Europa gingen die Lichter aus.

Anmerkung: Einen Monat vorher waren

beide bei einem 800 m-Lauf in Mailand zusammengetroffen,

wobei Harbig mit 1:46,6

Minuten einen Fabelweltrekord aufstellte.

Seine beiden damaligen Leistungen wurden

in Deutschland erst 1959 von Carl Kaufmann

(mit 45,8 Sekunden) und Paul Schmidt (mit

1:46,2 Minuten) unterboten. Rudolf Harbig

fiel am 05. März 1944 in Russland.

Aus den Kriegsjahren von 1939/40 bis zur

Gesamtkapitulation am 07. Mai 1945 habe ich

keine Erinnerungen / Verbindungen zum Sport.

1945 genehmigte die amerikanische Besatzungsmacht

für Schwalbach nur einen Sport

treibenden Verein. Fußball spielen war erlaubt,

Turnen noch 1945 streng verboten. So wurde

1945 die Sportgemeinschaft Schwalbach mit

den alten Schwalbacher Sportvereinen FC

Sportfreunde 1920, Radfahrverein Gemütlichkeit

1926 und Turngemeinde 1887 gegründet.

Wolfgang Specht

Am 26. Dezember 1945, am 2. Weihnachtsfeiertag

zeichneten Adam Scherer zusammen

mit Hans Kobald aus Ffm.-Nied verantwortlich

für ein Schau- und Werbeturnen im notdürftig

wieder hergerichteten ausverkauften Saal von

Mutter Krauss. Dies war die erste Turnveranstaltung

im heutigen Main-Taunus-Kreis nach

Ende des 2. Weltkrieges. Im März 1946 bildete

Hans Kobald in Kelkheim den Taunusausschuss

für den Main-Taunus-Kreis und übernimmt

den Vorsitz. Er war auch Mitgründer des lsb h

1946 und m.W. auch der erste Vorsitzende des

Sportkreises Main-Taunus.

Klassenkameraden brachten mich 1949 zum

Rudern beim Frankfurter Ruderverein 1865

e. V. Dessen Vereinsanlage unter der Alten

Brücke war infolge von Kriegsschäden noch

nicht benutzbar, sodass wir als Gäste bei der

Germania am Schaumainkai neben dem Städel

trainieren konnten. An die erfolgreiche Teilnahme

an Regatten in Frankfurt, Offenbach,

Hanau, Mannheim und Mainz erinnere ich

mich während der 4-jährigen Ruderzeit noch

gerne. Zeitlich passte es leider nicht mehr

in meine berufliche Ausbildung nach dem

Wirtschaftsabitur in Frankfurt und im Sommer

1953 schloss ich mich der Leichtathletikgruppe

der Turngemeinde Schwalbach an.

Kurt Kreyling: Sport und Bewegung habe ich

von Kind an immer mit persönlicher Herausforderung

und Freiheit, auf der Suche nach

der eigenen Leistungsfähigkeit empfunden.

10 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1957

1958

Besonders beim Gehen, Laufen und Wandern

war und ist mir wichtig, die Natur- und Wettereinflüsse

hautnah zu spüren.

Begonnen mit Schulsport und Teilnahme an

Turn- und Sportfesten, führte der Weg zu

Konditions- und Mittelstreckenläufen. Mit der

Heirat, Familiengründung und Einstieg in das

Berufsleben erfolgte eine Pause, wobei das

Radfahren die weitere Umgebung erschloss

und sportliche Ausflüge und Höhenwanderungen

in Südtirol folgten.

Durch meine beiden Töchter, beim Kinderturnen

und der Leichtathletik, fanden wir

zur Turngemeinde Schwalbach. Meine Frau

begann mit Gymnastik und durch eine Familien-Mitgliedschaft

gelangte ich 1986 zu den

„Jedermännern“ - einer Sportgruppe, die

Gymnastik und Volleyball bis ins hohe Alter

praktiziert.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten

haben Sie bisher im Verein übernommen

bzw. welche Funktionen hatten/haben

Sie ausgeübt?

Wolfgang Specht: Im Januar 1954 wurde ich

zweiter Schriftführer, 1959 Kassenwart mit

einem Kassenbestand von 584 DM und der

1950 in Selbsthilfe errichteten ersten massiven

Turnhalle, die dringender Überholung und

Erweiterung bedurfte. 1965 dann Vorstand

eines – damals – reinen Turnvereins mit etwa

300 Mitgliedern, diese Aufgabe hatte ich

42 Jahre inne.

Die Vereinsaufgabe der folgenden Jahre,

• Schwalbach befand sich seit 1962 durch

den Bau der Limesstadt im Aufbruch,

tausende Neubürger, unzählige neue

Vereinsmitglieder, insbesondere Kinder und

Jugendliche

• Turnhallen-Neubau 1969/71 und dessen

Finanzierung

• neue, erweitere Sportangebote, Belegung

aller Schulturnhallen u.s.w.

war neben vielfältiger beruflicher Entwicklung

im In- und Ausland nur dank vorbildlicher familiärer

Unterstützung und vertrauensvoller,

zuverlässiger Mitarbeiter im Gesamtvorstand

zu bewältigen.

Kurt Kreyling: Auf der JHV 1986 übernahm

ich überraschend das Amt des Schriftführers

und wechselte zwei Jahre später zum stellvertretenden

Fachwart für Gebäude- und Grundstücksverwaltung.

In 2004/2005 führten wir

eine Generalsanierung der vereinseigenen

Halle mit Erweiterung der Geräteräume durch

und mit meinen beruflichen Erfahrungen

konnte ich einen persönlichen Beitrag leisten.

2013 übernahm ich das Amt des 1. Vorsitzenden.

Mein Engagement im und für den Verein bereichern

meine täglichen Herausforderungen

und bestärken mich zu sinnvollem Handeln,

in meinem Verständnis zum demokratischen

Kurt Kreyling

Wohl für andere, besonders für die nachwachsende

Generation. Wobei die positiven Erfahrungen

deutlich im Vordergrund stehen, denn

es gibt viel zu tun. „Wer seinen Ruhestand der

Ruhe opfert, ist selbst schuld!“

Wie hat sich der Verein in den letzten

75 Jahren entwickelt – welche Pläne,

Erwartungen und Aussichten

haben Sie für die Zukunft?

Wolfgang Specht: Vor dem zweiten Weltkrieg

war die Turngemeinde Schwalbach ein

Männergesangverein mit vorgeschaltetem

Spielmannszug und nachgeordneter Turnabteilung.

1947, mit Neugründung der alten TG,

wollte man nur noch reiner Sportverein sein,

unabhängig und – damals – rein turnerischen

1960

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1962

1963

1964

11


INTERVIEWS

Aufgaben und Belangen. Daher auch schon

1948/49 der Wunsch nach einer eigenen

Turnhalle, der zwei Jahre später unter den

damaligen Verhältnissen realisiert wurde. Dies

war die Basis für unseren heutigen relativen

Wohlstand. Als Sportzentrum oder „als Turnhalle

um die Ecke“ liegen wir heute im alten

Ortskern der Stadt genau richtig und haben

uns schon vor Jahren entschieden, hier zu

bleiben und uns von hier aus weiter zu entwickeln.

Aktuell wünschen wir uns in 2022 die zügige

Fertigstellung der Stadiontribüne, damit

auch diese für unsere „Outdoor“-Angebote so

wichtige Sportstätte voll und ganz in unseren

Aktivitäten – wie seit Jahrzehnten – eingebunden

werden kann. Vor allem auch, um

Kindern und Jugendlichen wieder Leichtathletik-Wettkämpfe

und -Meisterschaften

anbieten zu können.

Kurt Kreyling: Der Sport muss sich immer

wieder an die Veränderungen der jeweiligen

Zeit und Menschen anpassen, dazu gehören

die erforderlichen Sportanlagen und Räume

wie z.B. modernere Hallen. Beim Wandel der

Sportangebote ist es wesentlich, die Sportanlagen

mit anzupassen. Der Dreiklang heißt

hier: Mitglieder/Sportler, Räume-/Platzangebote

und qualifizierte Übungsleiter. Oft gibt

es hier Notlagen, zumal ein Teil der Trainingsstunden

in Schulturnhallen stattfindet und

die Hallenzeiten sehr eingeschränkt sind.

Wolfgang Specht: Die schon erwähnte

Entwicklung Schwalbachs in den sechziger

Jahren zwang geradezu zu neuen Angeboten.

Konkret: Gründung neuer Abteilungen, z.B.

Judo als eine der ersten im Main-Taunus-Kreis

in 1967 mit enormen Zuspruch, auch von

außerhalb. Erweiterung des Kinderturnens,

Kleinkind- und Purzelturnen, Jedermann-

Turnen. Ende der 70er Jahre erste Ansätze zu

gesundheitserhaltenden Maßnahmen = Stuhlgymnastik

– von Außenstehenden vielfach

belächelt. Relativ spät 1976 die Gründung der

Volleyball-Abteilung. Noch später, aber erst

nach Fertigstellung der AES (Albert-Einstein-

Schule)-Sporthalle in 1982 die Gründung der

Handballabteilung. Wir sind immer in Bewegung

und offen für neue Sportarten nach der

Devise: … wer bei uns etwas bewegen will,

muss sich selbst bewegen! Wir verstehen uns

als „Bewegungsanbieter“ der Region

Schwalbach.

Kurt Kreyling: Beim Gesundheitssport z. B.

schaffen wir immer wieder neue Angebote,

ohne die bestehenden Sportarten und Bewegungsmöglichkeiten

zu vernachlässigen.

Durch unzureichenden Schulsport und Bewegungsmangel

finden viele Kinder nicht mehr

zum Breitensport. Neu aufgenommen haben

wir in 2020 Pickleball. Diese Sportart entstand

in den 60er Jahren in den USA, wurde

aber erst in den 90ern populär. Heute spielen

weltweit über 6 Millionen Menschen täglich

Pickleball. Gespielt wird meist als Doppelvariante

auf einem ca. 6 x 13 m großen Feld mit

Schlägern und Bällen aus Kunststoff.

Wolfgang Specht: Ganz wichtig ist uns die

Qualität der Mitarbeiter – besonders der

Trainer und Übungsleiter, da muss weiterhin

investiert werden - d.h. für Aus- und Weiterbildungen

muss mehr Geld zur Verfügung

gestellt werden. Das predige ich seit Jahren:

… die Investitionen in Köpfe ist künftig

wichtiger als in Geräte und/oder Räumlichkeiten.

Wir sehen unverändert gute Chancen für einen

aktiven Mehrsparten-Sportverein, den wir mit

einem inhabergeführten Fachgeschäft vergleichen,

der die Kundenbedürfnisse erkennt und

umsetzt. Mitgliedernähe besitzen und Sachverstand

vermitteln, so lauten die zentralen

Aufgaben für die nächsten Jahre. Und: „Die

einzige Tradition, die es wert ist zu bewahren,

ist der Wandel.“

Kurt Kreyling: Wir haben als Verein inzwischen

auf diese Notwendigkeit reagiert, in

dem wir die Kosten für Aus- und Weiterbildung

der Übungsleiter zu 100 % übernehmen, dafür

müssen diese sich aber für zwei Jahre an den

Verein binden. Manchen fällt dies nicht leicht,

sich für Seminare zu entscheiden, da mehrere

Module häufig verteilt über Monate absolviert

werden müssen und damit eine zeitliche Festlegung

notwendig ist. Die Erfahrung zeigt,

dass die größte Hürde die Anmeldung ist –

danach beginnt der Spaß/die Freude an den

Inhalten und neuen Erfahrungen.

Wie sich die momentane Pandemie auf die

Gesundheit der Menschen und die Sportvereine

längerfristig auswirkt, bleibt abzuwarten.

Was aber deutlich wurde ist, dass Bewegung

mobil, gesund und womöglich am Leben hält.

Noch dazu holt Sport Menschen aus der Isolation

und ermöglicht ihnen gesellschaftliche

Teilhabe.

Warum gerade auch der Sport in dieser Corona

Pandemie eingeschränkt wird, bedarf einer

wissenschaftlichen Nachbereitung, denn die

dramatische Bewegungslosigkeit von Kindern

und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen,

wird ihre Folgen erst noch offenbaren.

Ein Kabarettist fasste dies kürzlich zusammen

und sagte: „ ... nach Corona sind die Leute fit

oder fett!“

Patrik Zimmermann vom Landessportbund

Baden-Württemberg sagt: „Wir müssen deutlich

machen, dass Sport die dritte Impfdosis

ist!“ Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt

für die Persönlichkeitsentwicklung 60

Minuten Bewegung pro Tag als Minimalziel, um

Übergewicht, Fettleibigkeit, Muskelschwund,

Diabetes, Herzschwäche und Depressionen

vorzubeugen.

Die Neue Züricher Zeitung berichtet „Bewegungsmangel

ist ein globaler Killer“. In

12 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1965

reichen Ländern gelten inzwischen knapp 40

% der Erwachsenen als körperlich inaktiv. Die

meisten dadurch bedingten Todesfälle sind in

Schwellenländern zu beklagen. 8 % basieren

auf Bewegungsarmut und weitere 10 % in

Europa sowie 15 % in den USA sind allein dem

Übergewicht geschuldet.

Kurkliniken empfehlen: „Wer den Körper

bewegt, … bewegt sich auch geistig und hat

große Chancen gesund zu bleiben!“ Für uns

ist und bleibt das der Ansporn für unsere

Arbeit im und für den Verein und seine

Mitglieder.

Das biologische Programm für die überlebensnotwendige

Anpassung der Leistungsfähigkeit

an die Umwelt ist viele Millionen

Jahre alt: Die Stressreaktion, so lautet die

wissenschaftliche Bezeichnung für diesen

Vorgang, läuft auch heute noch im Körper der

Menschen und anderer höherer Lebewesen

unverändert ab.

Welche Erfahrungen haben Sie in der

Zusammenarbeit mit dem Sportkreis und

dem lsb h gemacht – erhielten Sie

die erwartete bzw. erforderliche Unterstützung?

Was könnte oder sollte in

Zukunft verbessert werden?

Wolfgang Specht: Seit 1954 bis heute habe

ich alle Sportkreis-Vorsitzenden und die meisten

deren Mitarbeiter/innen persönlich erlebt

und schätzen gelernt. Seit Jahren wünsche

ich mir, den Sportkreis präsenter zu machen,

seine Arbeit für die Vereine noch stärker

hervor zu heben und sich den ständig neuen

Herausforderungen des Individualismus zu

stellen, damit der Sport auch künftig eine

tragende Rolle in unserer Main-Taunus-Gesellschaft

spielt.

Kurt Kreyling: Mit dem Vorsitzenden des

Sportkreises Main-Taunus Hans Böhl und der

Geschäftsstellenleiterin Kathrin Zimmermann

haben wir eine hervorragende gute Zusammenarbeit

und sind froh und dankbar für die

gedeihliche Unterstützung, Informationen,

Hinweise und Zuarbeit.

Als Auskunfts- und Koordinationsstelle

würden wir so manches vermissen, z.B. das

Projekt Gesundheit und Bewegung, Schulungsangebote

für Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten

unserer Übungsleitungen zu

Themen, die im Trend liegen, Kontakte zu den

Verbänden, Zuschüsse etc. und nicht zuletzt

die Würdigung und Ehrungen unserer verdienten

Mitglieder.

Immer wenn Fachkompetenz gefragt ist,

halten wir Kontakt und profi tieren von den

gesammelten Erfahrungen. Der lsb h leistete

bei unserer Hallensanierung unverzichtbare

Beratung und bahnte uns damit den Weg zur

öffentlichen Bezuschussung.

Durch die fortschreitende Digitalisierung wird

uns der Zugang zu den Sportverbänden, der

Politik und Weiterentwicklung erleichtert. Im

Verein sollten und müssen wir verstärkt auf

diese Kompetenzzentren zugreifen.

1966

1967

13


INTERVIEWS

Marion Polydore und Brigitte Kuchinke

Frauen im Sport – das war in den Anfangsjahren

des Sportkreises noch nicht selbstverständlich

und in manchen Sportarten zog

sich die kontroverse Diskussion noch sehr

lange hin. Vorkämpferinnen auf Verbandsebene

waren Lu Röder und die Mitglieder des

lsb h-Landesausschusses Frauen im Sport (LA

FiS). Brigitte Kuchinke, heute stellvertretende

Vorsitzende des Turngaus Main-Taunus und

engagierte Turnerin, und Marion Polydore,

ehemalige stellvertretende Vorsitzende und

Frauenwartin des Sportkreises und leidenschaftliche

Synchronschwimmerin, haben sich

Marion Polydore

als langjährige Mitglieder des LA FiS für vieles

engagiert, das uns heute selbstverständlich

erscheint, aber in vielen Bereichen noch

immer nicht ist.

Welche Verbindung haben Sie persönlich

zum Sport – wann und wie fing es an?

Marion Polydore: Begonnen habe ich in

Frankfurt-Bockenheim, wo meine Familie bis

zu meinem neunten Lebensjahr gelebt hat,

bei der TG Bockenheim im Kinderturnen. Im

Hausener Freibad habe ich mir an dem Tag

selbst das Schwimmen beigebracht, als ich

meinen Schwimmkorken zu Hause vergessen

hatte. In der Grundschulzeit fuhren wir mit

einer sehr engagierten Sportlehrerin ins

Stadtbad Mitte zum Schwimmen. Nach dem

Umzug nach Bad Soden am Taunus trat ich

in den Ersten Sodener Schwimmclub ein,

durch die Schule kam ich Anfang der 1970er

Jahre zum Basketball und zur TSG Sulzbach,

in der zu dieser Zeit eine eigene Abteilung

für Basketball gegründet wurde. Wir hatten

gute Trainingsmöglichkeiten durch Schule und

Verein – das Ergebnis: mehrfach Hessische

Meisterin in den Jugendklassen im Schulsport

und Aufstieg mit der Damenmannschaft

in die Regionalliga. Durch „Jugend trainiert

für Olympia“ kamen wir erst zu den Deutschen

Meisterschaften in Saarbrücken, in den

Folgejahren dann, als Basketball für Frauen

auch olympisch wurde, auch nach Berlin, wo

wir dann Hessen gut vertreten haben. Beide

Sportarten habe ich nebeneinander gemacht,

beim Schwimmen war ich dann aber bei den

Synchronschwimmerinnen - wir waren sehr

erfolgreich.

Beim Hessischen Schwimmverband habe ich

mitgearbeitet und zwar war ich Jugendsachbearbeiterin

für das Synchronschwimmen.

Dadurch war ich auch bei Lehrgängen der Jugendnationalmannschaft

als Trainerin dabei,

das hat sehr viel Spaß und Freude bereitet

und ich habe sehr viel dabei gelernt.

Brigitte Kuchinke: Ich habe bis zur 4. Klasse

in Berlin gelebt, dann kam der Umzug der

Familie (berufsbedingt) nach Eschborn – für

mich eine sehr große, schwierige Umstellung

von der Großstadt nach Eschborn. Durch

Schulfreundinnen kam ich zu den Kinderturnstunden

des Vereins. Als dann Kinderturnen

auch für die jüngeren Kinder (nicht Schulkinder)

eingeführt wurde, habe ich mit der

Unterstützung der Übungsleiterin (neben dem

eigenen Training) begonnen. Damit begann

das Engagement im Sport, wobei in der Familie

mein Vater Vorbild war für gesellschaftliaches

Engagement. Er hat sich immer neben

dem Beruf ehrenamtlich engagiert – VHS,

Politik etc. Den ersten „Vorturnerlehrgang“

besuchte ich 1967, damit fing mein „Wechsel“

von der Sportlerin zur Trainerin für die

Kindergruppen an.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten

haben Sie bisher im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen hatten Sie im Verein

oder Verband inne?

Marion Polydore: Ich habe erst als Übungsleiterin

und dann als Trainerin im Ersten

Sodener SC (Schwimm Club) jüngere Synchronschwimmerinnen

trainiert. Die Trainer-

Ausbildung wurde damals vom Süddeutschen

Schwimmverband angeboten. Ich habe mich

mit meiner bester Freundin Annette Gäßler

gemeinsam ausbilden lassen. Unsere damalige

Trainerin Mia Heckert wollte uns als ihre

Nachfolgerinnen fördern und hat uns entsprechend

motiviert. Wir sind dann mit 18/19

Jahren zu zweit mit Kindern des Vereins in

zwei VW-Bussen ins Trainingslager gefahren.

Wir haben das alles selbst organisiert und

bekamen auch von den Eltern viel Vertrauen

entgegen gebracht – das hat uns gut getan,

sehr bestätigt und unser Selbstbewusstsein

gestärkt. Über den Hessischen Schwimmverband

und als Jugendsachbearbeiterin ging

es dann weiter und ich wurde zur Synchronschwimmwartin

gewählt. Dadurch habe ich

beim Deutschen Schwimmverband (DSV) auch

einiges organisiert, u.a. war ich auch für

die A- und B-Trainerausbildung im DSV für

Synchronschwimmen zuständig. Die Lehrgänge

wurden in der Sportschule in Frankfurt

angeboten. Es gelang mir auch hervorragende

Trainerinnen aus der USA oder der Schweiz als

Referentinnen zu gewinnen.

14 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1968

Durch die hauptamtliche Tätigkeit beim

Landessportbund Hessen (lsb h) als Referentin

für Öffentlichkeitsarbeit Ende der 1980er

Jahre bekam ich einen guten Einblick in die

Strukturen des hessischen Sports. Das kam

mir bei meinem Engagement im Sportkreis als

Frauenwartin zugute. Im Sportkreis Main-

Taunus habe ich u.a. Lehrgänge organisiert,

wobei ich durch mein Sportstudium und die

Bekanntschaft mit etlichen Sportlehrkräften

und Übungsleiterinnen diese Personen als

Referenten gewinnen konnte. Neben dem

Sportkreis wurde ich dann im Landesausschuss

„Frauen im Sport“ des lsb h ehrenamtlich

tätig.

Brigitte Kuchinke: Im Verein wurde ich –

nach der Vorturnerausbildung als Jugendliche

– weiter eingebunden und konnte mit Lehrgängen

zum Kinderturnen, besonders in der

Zeit als dieser Bereich auf neue Füße gestellt

wurde (weg von dem Riegenbetrieb – hin zu

freiem Bewegen etc.), meine Kompetenzen

erweitern. Durch die Lehrgänge erhielt ich

auch Einblick in andere Bereiche wie z.B. den

Turnerbund und den Turngau. Ich besuchte

die Impulslehrgänge beim Turnerbund (oder

olympischen Sportbund) und bin bis nach

Berlin gefahren um diese Ausbildung zu besuchen

– das war 1977. Der Verein war immer

sehr offen für neue Ideen und Anregungen,

egal von wem diese eingebracht wurden. Zu

dieser Zeit begann es auch mit den Mutter-und-Kind-Turnstunden,

dann wurde das

Ganze auch in Bewegungsstunden umgebaut.

Unsere Turnangebote wurden immer sehr gut

angenommen, häufig waren wir im Verein an

der Grenze der Kapazität. Ich habe erst als

ich schon selbst ein Kind hatte die Übungsleiterausbildung

fortgesetzt, vorher hatte ich

wegen Ausbildung und Beruf nicht die Zeit

dafür. Die Arbeit im Verein war aber wichtig

für mich, alle Übungsleiter waren zu dieser

Zeit im Vorstand des Vereins.

Die Übungsleiterausbildung, die doch sehr

zeitintensiv war, konnte ich erst machen, als

mein Kind etwas älter war und von meinen Eltern

problemlos während meiner Abwesenheit

betreut werden konnte. Durch Hubert Ullrich

(ehemaliger aktiver Turner und Ausbilder für

ÜL beim lsb h), der im MTK als Sportamtsleiter

beschäftigt war, bekamen wir die Unterstützung,

leistungsbezogenes Turnen in unserem

Verein anzubieten. In der Folgezeit wechselte

ich zur Frauengymnastik. Beim Landessportbund

hat zu dieser Zeit Lu Röder als Frauenreferentin

gearbeitet. Ihre Intension war, im

Frauenausschuss aus verschiedenen Sportarten

Frauen zu den Belangen der Frauen im

Sport zusammen zu bringen. Durch Hubert

Ullrich bestand der Kontakt zwischen den

Vereinen des Kreises und dem lsb h. Da in dem

Frauenausschuss jemand vom Turnen fehlte,

sprach er mich an, ob ich in diesem Gremium

evtl. mitarbeiten würde. Lu Röder war bis

1987 im Präsidium, ist allerdings dann plötzlich

verstorben. Anschließend übernahm Ursel

Brigitte Kuchinke

Repp den Vorsitz. Die Arbeit im Frauenausschuss

war sehr spannend, weil mir die Belange

von Frauen erst dadurch bewusst wurden:

Beispielsweise, dass es für Frauen wichtig ist,

dass die Wege zu den Sportstätten beleuchtet

werden, um die Sicherheit und das Gefühl von

Sicherheit zu verbessern.

Marion Polydore: Das war Ende der 1970er, da

konnten Ehemänner noch über die Berufstätigkeit

ihrer Frauen bestimmen – das muss

man bedenken, und dass die Frauen sich erst

ihre Rechte erkämpfen mussten. Frauen konn-

1969

1970

1971

1972

15


INTERVIEWS

ten damals auf dem Sportplatz eines Vereines

auch nicht einfach Fußball spielen – da hatte

der Deutsche Fußballbund (DFB) etwas gegen.

Lu Röder hat sehr gekämpft für Frauen, um ihnen

männerdominierte Sportarten zu öffnen.

Boxen für Frauen war ein „Aufreger-Thema“ in

den 1990ern. Für das Engagement im Frauenausschuss

war für mich wichtig, dass ich

meine Kinder zu den Wochenendveranstaltungen

mitbringen konnte, da inzwischen auch

Kinderbetreuung organisiert wurde. Das war

extrem wichtig, da ich ohnehin durch die Betreuung

der Synchronschwimmerinnen schon

häufig unterwegs war und die Kinder innerhalb

der Familie betreut werden mussten.

Brigitte Kuchinke: Die Arbeit im Landesausschuss

Frauen im Sport hat bei mir bewirkt,

dass mir vieles klarer wurde, was die Situation

von Frauen im Sport betrifft – auch hatten

wir ein tolles Team, in dem Frauen aus ganz

unterschiedlichen Sportarten vertreten

waren, so dass wir auch Einblicke in andere

Bereiche erhielten. Dabei waren auch die

Überlegungen wichtig, was brauchen Frauen

um mehr Sport treiben zu können und wie

können wir Frauen unterstützen, um sie für

Führungspositionen im Verein gewinnen und

gut vorbereiten zu können.

Marion Polydore: Ich war 1989 im Präsidium

des Hessischen Schwimmverbandes, als meine

älteste Tochter geboren wurde. Ich habe dann

mehr als ein halbes Jahr lang voll gestillt, so

dass ich das Kind zu den Vorstandssitzungen

mitnehmen musste – das war für die Anwesenden

schon sehr merkwürdig, wenn ich während

der Sitzungen mit einem Tuch bedeckt

meine Tochter stillte.

Für den Landesausschuss haben wir eine

Menge Fortbildungen organisiert, mindestens

einmal im Jahr wurde ein Treffen abgehalten,

bei dem Frauen der verschiedenen Verbände

und Sportkreise sich austauschen konnten.

Durch das gegenseitige Stärken und Verstärken

ist vieles in Gang gekommen, durch die

Arbeit von Ingrid Brozy, der hauptamtlichen

Referentin des lsb h konnten wir auch die

verschiedenen Landesverbände miteinander

verknüpfen; so gab es dann z.B. gute Kontakte

nach Niedersachsen und auch die Frauenarbeit

beim Deutschen Sportbund wurde genutzt,

um sich zu vernetzen. Die Ausbildung

zur Multiplikatorin „Frauen im Sport“ brachte

mich auch weiter, weil wir beispielsweise

gemeinsame Fortbildungen in Hannover und

Frankfurt abgehalten haben.

Brigitte Kuchinke: Später kam zu dieser

Kooperation zwischen Hessen und Niedersachsen

noch Rheinland-Pfalz dazu. Durch die

gemeinsamen Treffen und die Erkenntnis, dass

wir uns gegenseitig weiterbringen konnten,

zumal wir häufig ähnliche Ideen hatten und

uns auch einig waren darüber, was jetzt

wichtig ist. Zu Weihnachten haben wir uns

als Fortbildung für unseren Kreis eine tolle

Frauenpower – die Mitglieder des Landesausschusses „Frauen im Sport“ im Jahr 2004

Referentin aus Berlin eingeladen, die uns

Tipps und Hinweise gab, wie eine Frau auch im

privaten Bereich ihre Meinung einbringen und

durchsetzen und ihren Willen klar darlegen

kann. Da dieses Seminar, das wir uns „gönnten“,

bei allen Beteiligten einen sehr nachhaltigen

Eindruck hinterlassen hatte, haben

wir den Sportkreisvertreterinnen von Hessen

dieses Seminar angeboten. Für mich war es

spannend zu erleben, welche Fragen von den

anderen Frauen kamen und für mich hat sich

dadurch diese Thematik noch einmal vertieft.

Beispiel: Die Frauen der Fußballerspieler

eines Vereins haben in diesem Verein eine

Gymnastikgruppe gegründet und mussten

immer betteln, wenn Sie Bälle oder ähnliches

brauchten. Durch das Seminar wurde klar,

dass diese Frauen 1/3 der Vereinsmitglieder

waren und deshalb auch entsprechende Rechte

hatten und diese einfordern sollen.

Marion Polydore: Es ging in dieser Zeit immer

darum, dass Frauen auch kopfmäßig gezählt

werden müssen, damit sie ihre Anteile

und ihre Rechte einfordern konnten, wenn

es z.B. auch um Hallenzeiten ging. Durch

diese Seminare haben wir schon vor über 25

Jahren Begriffe wie Gender-Mainstreaming

kennengelernt – aber vor allem wurde der

Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse

16 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1974

von Männern und Frauen auch im Sport geschärft.

Wichtig: Wenn man sich die verschiedenen

Bedürfnisse anschaut, dann gibt es

eine Qualitätsverbesserung für alle. Kleines

Beispiel aus der Automobilbranche: Die Veränderung

der Kofferraumöffnung, damit bei

der Beladung die Kästen, Koffer oder Kinderwagen

nicht mehr über einen Absatz gehoben

werden müssen, ist für Frauen und Männer

rückenschonend. Auch die Beleuchtung des

Weges zur Sporthalle oder zum Sportfeld ist

nicht nur für Frauen wichtig. Im Winter sind

für alle der Weg und eventuelle Hindernisse

besser zu erkennen, wenn die Beleuchtung

stimmt. Eine Studie des lsb h ergab zudem,

dass Vereine, bei denen Männer und Frauen

im Vorstand sind, erfolgreicher sind und mehr

Aspekte bei der Leitung und bei Planungen

beachtet werden.

Welche Erfahrungen in der Zusammenarbeit

mit dem Sportkreis/dem lsb h

insbesondere in den Bereichen Frauen im

Sport und Weiterbildung haben

Sie gemacht?

Brigitte Kuchinke: Im Turngau habe ich dann

die Funktion der Frauenwartin übernommen

und gemeinsam mit Hubert Ullrich vom

Sportkreis habe ich dann Lehrgänge geplant

und durchgeführt, insbesondere im Bereich

Gymnastik mit Musik. Frauen mussten sich

diese Freiräume erkämpfen – deshalb war

immer auch wichtig, wann diese Lehrgänge

stattfinden können/sollten. Samstags (wenn

die Männer zu Hause sind und die Kinderbetreuung

übernehmen können) bot sich hier

an. Die vorgesehene Kinderbetreuung wurde

dagegen nicht in dem Maß angenommen, wie

wir das erwartet hatten.

Marion Polydore: Bei den Frauensportwochenenden

in den 1990ern auf dem Sensenstein,

der Bildungsstätte des lsb h, haben wir

verschiedene Sportarten vorgestellt und den

Frauen „Schnupperangebote“ ermöglicht.

Hier wurde dann Kinderbetreuung angeboten,

die gut angenommen wurde. Diese Seminare

waren durch die Bedingungen in der Bildungsstätte

ein voller Erfolg. Die Kinder kamen

beispielsweise im Schwimmbecken und auf

dem Gelände des Sensensteins voll auf ihre

Kosten und fühlten sich in der Gruppe der

Frauen sehr wohl. Wahrscheinlich lag es auch

daran, dass wir das komplette Wochenende

dort verbrachten, nicht nur einen Tag.

Brigitte Kuchinke: Die Workshops waren

immer gut besucht (ca. 120 Frauen pro Workshop,

mind. 6 Veranstaltungen), die Organisation

im Vorfeld war aufwändig, hat aber

auch Spaß gemacht.

Marion Polydore: Karin Bauer hat uns zu

dieser Zeit beim lsb h als Mitarbeiterin von

Ingrid Brozy (Referentin Frauen im Sport)

auch sehr unterstützt. Frau Brozy ist leider

überraschend und zu früh verstorben, danach

wurde das Referat aufgelöst und auch wir

wurden nicht mehr berufen, weil wir „unbequem“

wurden. Unsere Vorsitzende hat auch

auf europäischer Ebene die deutschen Sportlerinnen

vertreten – das hat vielen Männern

nicht so gut gefallen. Der Frauenausschuss

sollte ursprünglich sogar ganz aufgelöst

werden.

Welche Vorschläge und Ideen für das

Weiterbildungsangebot im Sportkreis,

im lsb h oder Verein – insbesondere zur

Unterstützung von Frauen in den Vereinen

bzw. Verbänden – haben Sie?

Brigitte Kuchinke: Mit dem Sportkreis haben

wir immer gut zusammengearbeitet (die Frauenwartin

war sehr kooperativ) – besonders im

Bereich Fortbildung. Wir haben vom Turngau

die fachlichen Seminare initiiert, d.h. die

fachspezifischen Angebote blieben in den Verbänden,

die übergeordneten Sachen inklusive

der theoretischen Angebote wurden über den

Sportkreis angeboten. Auf der Ebene des lsb h

haben wir dann für die Frauen der Sportkreise

Fortbildungen und Veranstaltungen angeboten,

um die Frauen in die Lage zu versetzen,

in ihren Sportkreisen dann wiederum Fortbildungen

anbieten zu können (Handwerkszeug

und Hilfestellungen).

Marion Polydore: Auch so einfache Fragen,

wie z.B.: „Wie organisiere ich eine Veranstaltung?“,

waren dann Themen einer solchen

1975

1976

1977

17


INTERVIEWS

Tagung (wer das nie gemacht hat, muss es

lernen!!) Wir haben dann z.B. auch Workshops

mit dem Thema „Mind-Mapping“ angeboten

– damals war das neu. Bei einer Multiplikatoren-Schulung

sollten die Teilnehmerinnen

jeweils eine spezielle Veranstaltung planen

und durchführen. Wir, einige Frauen aus

Hessen und ich, haben eine Veranstaltungsform

entwickelt, die wir „Sport, Kopf, Kultur“

genannt haben, d. h. wir haben neben den

Sportaktivitäten auch kulturelle und kognitive

Angebote zur Verfügung gestellt.

Brigitte Kuchinke: Wir haben dann z.B. an

einem Wochenende den Bürgermeister von

Eschborn „engagiert“, der mit den Frauen

nach dem Sport einen Rundgang durch die

Stadt unternahm und über die Geschichte und

Entwicklung Eschborns erzählte. Auch hatten

wir zum Teil Theaterbesuche oder Kabarett

organisiert. Das hat nicht nur die Teilnehmerinnen

geprägt (Bekanntschaften, Vertrauen

etc.), sondern auch uns. Dem Verein hat es

auch genützt, da wir durch die überregionalen

Seminare viele gute Referentinnen kennen

lernen konnten, die dann manchmal auch für

den Verein eingeladen wurden.

Marion Polydore: Für die Vereine ist es auch

gut, wenn aus den Vorständen auch Mitglieder

in den anderen Gremien vertreten sind (Blick

über den Tellerrand) und ein Wissenstransfer

stattfindet, z.B. aus den übergeordneten

Verbänden in den Verein: Also woher bekomme

ich Gelder, was muss ich bei Anträgen

beachten, an wen kann ich mich wenden etc.,

Steuerfragen. Auch das Wissen um Terminfestlegungen

auf überregionaler Ebene kann

im Verein für die Planung von Trainingsbetrieb

und Wettbewerben wichtig sein.

Also ist es wichtig, mehr Frauen zu

gewinnen, die auch als Vorbilder für

andere dienen können?

Brigitte Kuchinke: Wir haben viele Wochenenden

gemeinsam bei Seminaren etc. verbracht,

das hat auch zusammengeschweißt.

Wir waren im Deutschen Sportbund mit

angedockt, die Landesverbände hatten alle

Frauenausschüsse, die dann einmal pro Jahr

zu einer Tagung zusammenkamen, sodass der

Austausch regelmäßig stattfinden konnte.

Das hat unsere Arbeit vorangebracht (was

machen die anderen?), wir haben damals

bereits Prävention mit Sport verknüpft (Thema

Krebs-Nachsorge), wir haben das damals

eingeführt!!!

Marion Polydore: Frauen gehen oft in eine

solche Organisation, wenn sie dort jemanden

kennen oder von jemandem angesprochen

bzw. mitgenommen wurden. Die Chemie sollte

stimmen.

Brigitte Kuchinke: Wir vom TV Eschborn haben

im letzten Jahr den Preis als drittbester

Verein auf Bundesebene für den „Sport und

Krebs“-Tag erhalten, die Übergabe der Auszeichnung

scheiterte dann aber an Corona.

Für die Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation

sollten wir ausgezeichnet werden.

Ich bin froh, dass wir im Verein Frauen haben,

die bereit und in der Lage sind, eine solche

Veranstaltung vorzubereiten und durchzuführen,

das hat sich auch in der guten Stimmung

an dem Tag bemerkbar gemacht. Wir haben

fünf Übungsleiter im Verein, die inzwischen

auch die Zusatzausbildung für den Reha-Sport

gemacht haben – wir sind sehr froh, dass wir

dieses Engagement haben. Problematisch

dabei ist allerdings die ÜL-Pauschale, da diese

häufig die tatsächlich gehaltenen Stunden

nicht abdeckt und der Verein über Minijobs

etc. versuchen muss, diese Lücke aufzufangen.

Es ist sehr ärgerlich, dass von Seiten der

Politik überhaupt nicht gesehen wird, welche

Probleme das in den Vereinen nach sich zieht.

Themen für Fortbildungen für Frauen sollten

auf jeden Fall auch Organisation und wie bringe

ich mich im Verein und auf den „höheren“

Ebenen ein, wie werde ich sichtbar, wie klappt

Vernetzung, sein.

Marion Poydore: Auch wenn das immer „die

gleichen Themen“ sind, wie z.B. Rhetorik,

so ist es nach wie vor wichtig, dass für die

nachwachsende Frauen-Generation entsprechende

Angebote gemacht werden, damit sie

sich trauen, sich zu Wort zu melden und ihre

Interessen einzubringen.

Brigitte Kuchinke: Die jungen/jüngeren

Frauen, die sich engagieren, sollten/müssen

von den erfahreneren unterstützt und in die

Vereinsarbeit eingebunden werden. Nur so

kann ein Übergang stattfinden, an Erreichtem

angeknüpft und erworbenes Wissen weitergegeben

werden, eine Verjüngung in den

Vereinen stattfinden, auch und gerade was

das Engagement von Frauen in Vorständen

etc. betrifft.

Die Corona-Pandemie war für fast alle

Vereine ziemlich einschneidend. Gibt es

auch positive Entwicklungen aus dieser

Situation heraus?

Marion Polydore: In kurzer Zeit mussten

beispielsweise Online-Angebote für die Vereinsmitglieder

entwickelt werden – einige der

Erfahrungen sind sicher auch künftig nutzbar.

Die Zusammenarbeit zwischen bisher „verfeindeten“

Vereinen wurde möglich, der Rückgang

von Vereinsmitgliedern zwingt zu Zusammenschlüssen,

damit Wettbewerbe überhaupt

stattfinden können, die früher undenkbar

waren.

18 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Irmgard Krönung

1978

Irmgard Krönung war von 1997 bis 2021 stellvertretende

Sportkreisvorsitzende, für einige

Zeit hatte sie sogar den kommissarischen

Vorsitz übernommen. In den letzten Jahren

hat sie darüber hinaus auch noch die Verantwortung

für die Öffentlichkeitsarbeit übernommen,

zahlreiche Artikel geschrieben und damit

dafür gesorgt, dass der Sportkreis in der

Öffentlichkeit sichtbar war. Sie ist Sportlerin

von Kindesbeinen an und war viele Jahre aktive

Tänzerin und hat sich unermüdlich im Vorstand

des Tanzsportclubs Fischbach engagiert.

Welche eigene Verbindung hast Du persönlich

zum Sport – wann fing es an?

Irmgard Krönung: Bei der Einschulung empfahl

der Schularzt meiner Mutter zu meiner

Kräftigung regelmäßiges Turnen. So wurde ich

mit sechs Jahren Mitglied in einem Frankfurter

Sportverein. Der Spaß an Bewegung

entwickelte sich im Laufe der Jahre vom Kinderturnen

zum Geräteturnen und zur Leichtathletik.

In diesem Sportlerkreis habe ich

auch meinen späteren Mann kennengelernt.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten

hast Du im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen hattest Du im Sportkreis

und welche Erfahrungen sind

damit verbunden?

Irmgard Krönung: 1968 zogen wir von Frankfurt

nach Fischbach. Durch einen Tanzkurs im

Bürgerhaus in Fischbach entdeckten wir mit

weiteren Paaren unsere Freude am Tanzen und

gründeten 1976 den „Tanzsportklub Fischbach“.

Mein Mann und ich gehörten zu den

Gründungsmitgliedern und so war ich von

1976 bis 2016 im Vorstand des TSC tätig. In

den ersten Jahren war ich für die Finanzen

zuständig. Als sich der Verein sportlich entwickelte,

ich selbst mit meinem Mann als erstes

Turnierpaar für den TSC an den Start ging,

übernahm ich die Position der Sportwartin.

In dieser Zeit begann die Zusammenarbeit

mit dem Sportkreis. Lothar Gabriel, damaliger

Vorsitzender, fragte mich vor dem Sportkreistag

1997, ob ich an einer Mitarbeit im

Sportkreis interessiert wäre. Beim Sportkreistag

am 24.06.97 wurde ich zur 2. Vorsitzenden

gewählt. Herr Gabriel war zu dieser Zeit

85 Jahre, erledigte aber die Sportkreisarbeit

noch sehr eigenständig. Zum nächsten Sportkreistag

am 25.05.2000 kandidierte er nicht

mehr, ein Nachfolger war noch nicht gefunden

und so übernahm ich, unter der Bedingung,

dass noch im gleichen Jahr ein Nachfolger

gefunden werden muss, kommissarisch den

Vorsitz. Am 15.11.2000 fand dann ein außerordentlicher

Sportkreistag statt, an dem Hans

Böhl zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde.

Welche Erfahrungen konntest Du in der

Zusammenarbeit zwischen dem Sportkreis

und den Sponsoren

bzw. dem lsb h sammeln?

Irmgard Krönung: Als 2. Vorsitzende war

ich u.a. für die Presse- bzw. Öffentlichkeitsarbeit

und Berichtserstattung für „Sport in

Hessen“ zuständig und Ansprechpartner für

die Taunussparkasse für die Vereinsspenden-

Vorschläge. Es hat mir immer Spaß gemacht,

den Sport nicht nur aus der Perspektive der

eigenen Sportart zu sehen, sondern über

den Tellerrand zu schauen und den Sport als

Ganzes zu betrachten.

Dem Sportkreisvorstand Main-Taunus wünsche

ich weiterhin gute Zusammenarbeit und viel

Erfolg.

1979

1982

19


INTERVIEWS

Karl-Heinz Reichert

Fußball von Kindesbeinen an – vom aktiven

Spieler, Schiedsrichter, Trainer, einem

Abstecher zum Boule bis zum Ehrenamt im

Fußballkreis Main-Taunus. Kreisfußballwart

Karl-Heinz Reichert steht seit mehr als

20 Jahren an der Spitze des Fußballkreises

Main-Taunus.

Welche Verbindung haben Sie persönlich

zum Fußball – wann und wie fing es an?

Karl-Heinz Reichert: Ich habe einen knapp

neun Jahre älteren Bruder, der hat in Diedenbergen

(wo ich aufgewachsen bin) bei der

SG Nassau mit Fußball begonnen – zu Hause

war Fußball ein Dauerthema. In der Gemeinde

gab es Fußball, Tischtennis und den Turnverein

– andere Sportarten wurden damals

nicht angeboten bzw. ausgeübt, das ist heute

natürlich ganz anders mit einem Angebot von

über 20 Sportarten.

Die Vereine waren früher familiärer strukturiert,

logischerweise begann ich mit neun

Jahren beim Fußball. Aber es gab noch keine

Mannschaften für kleine Spieler, es gab

damals nur Schülermannschaften, die mit

12 Jahren erst anfingen. Deshalb habe ich

erst einmal zwei Jahre nur trainiert, dann

habe ich aktiv in der Mannschaft gespielt

und bin durch die Altersklassen weiter gegangen.

Mit 15 Jahren habe ich im Frühjahr

1973 die Schiedsrichterprüfung gemacht,

im Sommer wurde ich dann 16 Jahre alt und

war aktiver Spieler und Schiedsrichter in

der Jugendmannschaft. Später bin ich dann

zum Seniorenbereich gewechselt, habe mich

dort immer weiter nach oben gespielt und

war dann zeitweise mit meinem Bruder in

der ersten Mannschaft im Seniorenbereich

zusammen. Das war eine tolle Zeit. Ich habe

dann den Verein gewechselt, bin aber dann

wieder nach Diedenbergen zurück und habe

dann später die aktive Laufbahn beendet. Die

höchste Liga, in der ich damals spielte, war

die Bezirksliga. Zu der Zeit hat Fußball mein

Leben bestimmt, an vier Tagen in der Woche

war ich mindestens auf dem Platz (Training,

Spiele, Pfeifen) – dazu noch die Trainertätigkeit

bei der Jugendmannschaft. Die hatte ich

mit 16 Jahren bereits begonnen, so dass klar

war, dass ich nach meiner aktiven Spielerzeit

dem Fußball weiter erhalten bleibe.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten

haben Sie bisher im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen hatten/haben Sie im

Verein und im Verband inne?

Karl-Heinz Reichert: Wie bereits gesagt war

ich Jugendtrainer und Schiedsrichter – damit

war ich zeitlich schon ganz gut ausgelastet.

Dann kamen im Privaten die Familie und der

Umzug nach Zeilsheim 1979, deshalb wurden

wir dann 1980 auch Mitglied beim SV Zeilsheim.

Dort habe ich dann ab 1981 die Boule-

Abteilung „übernommen“, es gab eine große

Abteilung mit internationalen Meisterschaften,

wir haben sogar Europameisterschaften

in Zeilsheim ausgetragen, ich selbst war bei

Weltmeisterschaften als Teilnehmer. Leider

wurde die Boule-Abteilung nach Mitgliederrückgang

geschlossen.

Im Fußball habe ich weiterhin als Jugendleiter

bzw. Trainer im Verein bis 1996 gearbeitet.

1995/96 kam ein Angebot vom Fußballkreis

Main-Taunus, Jugendabteilung - also beim

Kreisjugendausschuss, ob ich eine Auswahlmannschaft

trainieren und dort den Posten

als Klassenleiter übernehmen wolle.

(Für alle Nicht-Fußballer: alle westlichen

Stadtteile von Frankfurt, so auch Zeilsheim,

gehören im Hessischen Fußball Verband zum

Fußballkreis Main-Taunus). Dadurch kam ich

dann zum Kreisjugend-Ausschuss mit Auswahltrainings

und Trainingslagern (z.B. auch

in der Türkei) und internationalen Turnieren.

Nach Rücktritt eines Mitarbeiters musste die

Stelle des Vertreters im Kreisfußballausschuss

neu besetzt werden. Diese Aufgabe habe

ich übernommen und wurde 2001 auf einem

außerordentlichen Kreisfußballtag zum Kreisfußballwart

gewählt.

20 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1983

Welche Erfahrungen haben Sie in der

Zusammenarbeit mit dem Sportkreis und

dem Verband gemacht?

Karl-Heinz Reichert: Die Zusammenarbeit mit

dem Sportkreis ist wirklich hervorragend. Mit

dem Vorsitzenden Hans Böhl habe ich einen

guten Kontakt, bei fast allen Veranstaltungen

ist er anwesend, ich gehe auch regelmäßig

zu den Sitzungen des Sportkreises (falls ich

verhindert bin nimmt ein Vertreter teil), das

funktioniert ganz gut. Ich finde es bedauerlich,

dass an den Sitzungen des Sportkreises

nicht viele Vereine teilnehmen. Das führt leider

dazu, dass Vereine über die Hilfsangebote

und finanzielle Unterstützungen von Seiten

des Kreises und lsb h nicht informiert sind

und dadurch den Vereinen Gelder verloren

gehen. Als gutes Beispiel fällt mir dazu die

kostenlose Beratung zur Gebäudesanierung

ein, die für einige Vereine mit älteren Gebäuden

wichtig und sinnvoll ist – viele kennen

diese Möglichkeiten nicht. Sehr gut ist auch

die Information des Sportkreises durch die

Geschäftsstelle und die Homepage – ich/wir

schätzen diese kurzen Wege, weil der Informationsfluss

einfach klappt und wir alle Infos

über wichtige Termine im Bereich „Main-Taunus-Fußball“

und darüber hinaus erhalten.

Welche Erwartungen bzw. Ideen zur Entwicklung

(auch mit der Pandemieerfahrung)

haben Sie für die Zukunft und kann

der Sportkreis Sie dabei unterstützen?

Karl-Heinz Reichert: Erst einmal müssen wir

schauen, wie sich die Mitgliederzahlen durch

Corona als Folge entwickeln bzw. entwickelt

haben. Einem Part des Master-Plans, den der

DFB anbietet, gehöre ich an und arbeite da

aktiv mit. Dies betrifft den Punkt: „Corona

und Vereine danach“. Als Fußballer sind wir

auf jeden Fall im Hinblick auf die Mitgliederrückgänge

bessergestellt als die Hallensportler

wie Handball, Basketball etc. Allerdings

ist in allen Vereinen neben dem Rückgang

der Aktiven, die in der Look-down-Phase

nicht trainieren konnten und sich anderen

Freizeitaktivitäten zugewendet haben, ein

fast wichtigerer Rückgang bei den Helfern,

Übungsleitern und Trainern zu beobachten.

Hier liegen eventuell auch Versäumnisse bei

den Vereinsführungen vor, die in der Corona-

Pandemie z.T. keine regelmäßigen Kontakte

zu den Übungsleitern gehalten haben. Gerade

im Vereinsleben ist die persönliche Beziehung

eine wichtige „Bindungsgröße“.

Hier stellt sich jetzt die Frage, ob man diese

Situation nicht nutzt, um die Professionalisierung

der Trainerausbildung voran zu treiben

und damit auch die Vergütung der Trainer an

die veränderten gesellschaftlichen und ökonomischen

Bedingungen anzupassen. Bereits

bei den Kindern sollten qualifizierte Trainer

eingesetzt werden, damit wir auf Dauer motivierte

Spieler/innen haben, die auch über die

Jugend noch im Seniorenbereich Sport ausüben.

Es wäre schön, wenn der positive Effekt

von Corona der wäre, dass sich im Verein die

Mitglieder wieder mehr engagieren und Verantwortung

übernehmen.

1984

21


INTERVIEWS

Hanns-Joachim Geiger und Reinhard Odey

Der Turngau Main-Taunus ist mit 23.406

Mitgliedern der mitgliederstärkste Fachverband

im Main-Taunus-Kreis. Bereits seit den

Anfängen des Sportkreises 1946 gibt es eine

intensive Zusammenarbeit zwischen dem

Turngau und dem Sportkreis, die auch vom

Führungsteam des Turngaus, dem Turngau-

Vorsitzenden Hanns-Joachim Geiger und dem

stellvertretenden Vorsitzenden Reinhard Odey,

fortgesetzt wurde. Beide haben über viele

Jahre mit außerordentlicher Begeisterung

einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung

und Qualifizierung der Turnvereine

geleistet.

Welchen persönlichen Zugang haben Sie

zum Turnen/zum Sport – wann und wie

fing es an?

Hanns-Joachim Geiger: Als Jugendlicher habe

ich Leichtathletik als Freizeitsport betrieben

- es ging in erster Linie darum, sich mit den

Freunden zu treffen, sich gemeinsam fit zu

halten und etwas zu unternehmen. Erst Mitte

der 60er, nach der Bundeswehrzeit, wurde ich

Mitglied im Turnverein – auch durch Freunde

und gute Bekannte.

Reinhard Odey: Bei mir war es ein anderer

Zugang. Durch gute Ergebnisse bei den Bundesjugendspielen

wurde ich von einem Scout

zum ASC Darmstadt vermittelt. Dort bin ich in

den Hochleistungs- und Spitzensport hinein

gewachsen; im Hürdenlauf war ich als Jugend-

Hanns-Joachim

Geiger

licher in der Spitze in Hessen, dann aber zu

klein für eine weitere Karriere im Hürdenlauf,

der Wechsel zum Sprint führte auch nicht zu

dem erhofften Erfolg (immer noch zu kurz).

Dadurch habe ich den Spitzensport zurückgestellt

und mich stärker auf das Studium

konzentriert. Aber im Verein war ich weiter

als Trainer für die Schülermannschaften tätig

mit z.T. sehr gutem Erfolg. Nach dem Studium

stand dann aber der Beruf im Vordergrund,

erst durch die Sportaktivitäten meines Sohnes

bekam ich wieder ein stärkere Beziehung zum

Verein und habe dann auch Aufgaben bzw.

Funktionen im Verein übernommen.

Welche ehrenamtliche Tätigkeiten haben

Sie bisher im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen hatten/haben Sie im

Verein oder im Verband inne?

Hanns-Joachim Geiger: Durch Lehrgänge und

Weiterbildung ergaben sich mehr Aktivitäten

im Verein und in der Folge auch die Mitarbeit

im Turngau. Seit 2004 bin ich mit Reinhard als

Team (das war mir besonders wichtig, ich war

nie ein Einzelkämpfer) Turngauvorstand. Im

Turnverband ist der Turngau insofern Vorreiter,

weil die Zusammenarbeit mit den Sportkreisen

nicht überall so gut funktioniert.

Erkenntnis: Das gemeinsame Wollen/Interesse

für die Mitglieder macht stark und dadurch ist

vieles leichter durchsetzbar.

Reinhard Odey: Zwischenzeitlich war ich

hauptberuflich in der Politik tätig, dadurch

erwarb ich Erfahrungen im Organisieren von

Großveranstaltungen, konnte an wichtigen

Verhandlungen teilnehmen etc. Diese Erfahrungen

(Aktionen planen, Events durchführen,

schreiben, Konzepte erarbeiten etc.)

haben mir geholfen bei der späteren Arbeit

als Vereinsvorsitzender. Ab 2004 wurde ich

stellvertretender Vorsitzender im Turngau,

auch weil die Personen, die damals in den

Vorstand kamen, auf meiner Linie lagen und

ich auch die Mittelebene (Sportkreis und

Turngau) als „Informationsquelle“ für den

Verein wichtig finde. 1996 wurde ich Oberturnwart

im Verein. Anfänglich fremdelte

ich mit der „Turnideologie“, die für mich mit

„Deutschtümelei“ verknüpft war. Erst nachdem

es in der Turnerschaft etwas moderner

wurde, wurde es für mich besser. Ich habe im

eigenen Verein die Bewegung der Stolpersteine

ins Leben gerufen, eine jüdische Turnerin

wurde damit geehrt – meinen Vorsitz hatte

ich daran geknüpft. Beim Jubiläum hat die

Vereinsjugend einen Beitrag dargeboten, der

die Verbindung der Turner mit dem Faschismus

kritisch interpretierte – nicht nur zur Freude

aller Vereinsmitglieder. Erst zu Beginn dieses

Jahrhunderts wurde vom DTB eine wissenschaftliche

Untersuchung in Auftrag gegeben,

der die Verknüpfungen der Turner mit dem NS-

Regime intensiv erforschte – die Ergebnisse

wurden anschließend auch veröffentlicht. Das

waren für mich wichtige Schritte.

Welche Bedeutung hat für die Vereinsarbeit

Ihrer Meinung nach der Sportkreis,

der Verband bzw. der lsb h?

Reinhard Odey: Die Zentral- und Mittel-Ebene

wird gebraucht, wenn man heute erfolgreich

einen Verein führen will. Als Stichworte will

ich hier nur nennen:

• Sportmanagement

• Professionalisierung

• Corona Auflagen

• Datenschutz.

Hanns-Joachim Geiger: Diese klassische

Win-Win-Situation hat man Anfang der 2000

22 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


1986

noch nicht erkannt. Als Reinhard zum Turngau

kam, hatte sich in den Vereinen durch

neue Leute in den Vorständen die Situation

bereits so verändert, dass die Vereine nicht

nur traditionell geführt wurden, sondern

dass sie sich mehr als Dienstleister verstanden.

Das ist aber eine Gradwanderung,

da der Verein von der Gemeinschaft, von der

Solidarität lebt. Die Veränderungen in der

Gesellschaft führen dazu, dass auch die Vereine

sich verändern müssen, um weiter auch

für junge Leute attraktiv zu sein – besonders

in Konkurrenz zu Sportstudios, die häufi g

flexibler in den Trainingszeiten sind. Vereine,

die keine eigenen Hallen haben, sind was

die Trainingszeiten betrifft, in einem starren

Korsett. Dazu kommt auch das Problem der

Übungsleiter, die heute auch bezahlt werden

wollen/sollen.

Reinhard Odey: Bei uns werden die hochqualifizierten

ÜL gut bezahlt, das geht nur,

wenn die Mitglieder auch bereit sind, einen

angemessenen Jahresbeitrag zu zahlen. Die

Trainer bekommt man nur, wenn man mit den

Gehältern konkurrenzfähig bleibt, andererseits

hat der Verein auch den Vorteil, dass

neben dem reinen Training auch gemeinsame

Aktivitäten außerhalb der Trainingsstunden

stattfinden. Das hat sich jetzt auch in der

Corona-Krise gezeigt. Hier gab es nur beim

Kinderturnen Abmeldungen, in all den anderen

Bereichen hat unser Verein keine bzw. nur

geringe Verlust zu beklagen.

Entgegen dem Trend, der bei einem Verein

dieser Größe (1600 Mitglieder) normalerweise

einen Geschäftsführer erwarten könnte,

haben wir die Beibehaltung des Ehrenamtes

(neben den bezahlten Mitarbeitern im Büro)

immer verteidigt. Das Leitbild des Vereins –

bewusst ehrenamtlich geführter Verein in der

Vereinsführung - führt nach unserer Wahrnehmung

zu einem ungebremsten Engagement

– die Mitglieder ziehen sich (mit Verweis

auf den bezahlten Geschäftsführer) nicht

zurück. Durch das ehrenamtliche Team hat der

Verein eine innere Stärke, sodass immer ca.

25 Vorstandsmitglieder wie z.B. bei „Starker

Sport, starker Verein“ mit entsprechendem

Erfolg (fast 100 % beim Erreichen der Ziele)

mitarbeiten.

Die Mittelebene ist wichtig, um die Menschen

sowohl im Sportkreis als auch im Turngau

zusammen zu bringen – besonders die angebotenen

Fortbildungen und die persönlich

guten Kontakte führen zur besseren Zusammenarbeit.

Welche Erwartungen, Ideen oder Vorschläge

für die Vereins- bzw. Verbandsentwicklung

haben Sie für die Zukunft?

Hanns-Joachim Geiger: Zurzeit ist das Thema

„Nachwuchs“ in der Vereinsführung in vielen

Vereinen ein Problem. Eigentlich wollte ich

nicht mehr kandidieren (aus Altersgründen),

aber durch die Corona-Situation habe ich

noch einmal mich bereit erklärt. Durch die

gesellschaftlichen Veränderungen haben viele

Vereine das Nachwuchsproblem, deshalb müssen

neue Wege gefunden werden. Gelernt haben

wir in den letzten Monaten, dass man die

moderne Technik nutzt, um z.B. Sitzungen/

Kommunikation per Video durchzuführen, was

dazu führen kann, dass gemeinsame Termine

leichter gefunden werden können als wenn

Treffen in Präsenz stattfinden (Fahrten!!)

und besser in den Zeitplan der einzelnen zu

integrieren sind.

Reinhard Odey: Das Problem besteht auch

darin, dass Spitzenleute mit entsprechenden

Erfahrungen sehr rar sind. Dann besteht für

diese Menschen der Zwiespalt, wenn ich mich

auf übergeordneter Ebene engagiere, ist mein

Verein – für den ich dann nicht mehr so viel

Zeit habe – bestimmt nicht begeistert, beides

zusammen schaffe ich nicht.

Hanns-Joachim Geiger: Die Turngauvorsitzenden

arbeiten auf Landesebene an einem

Programm „Regionalisierung“, der Verband

wurde in 3 Regionen aufgeteilt - Nord, Mittel,

Süd (wir gehören zu Süd). Dazu wurden die

Beiträge etwas angehoben, um das Programm

Regionalisierung zu finanzieren. Die Regionalreferenten

sollen die verschiedenen Bereiche

des Turnens in all seinen Facetten koordinieren

und z.B. nach Synergieeffekten suchen.

In Veranstaltungen, in der Ausbildung und

Fort- und Weiterbildung, beim Umstrukturie-

1987

1988

23


INTERVIEWS

Reinhard Odey

ren der Vereine - z. B. der Satzungen wegen

Onlineveranstaltungen etc. – hier sollen

die Regionalreferenten tätig werden, da die

Probleme ja alle Vereine betreffen.

Reinhard Odey: Die gemeinsame Arbeit hat

nur dann Erfolg, wenn es den Einzelnen

bereichert und man gerne gemeinsam tätig

wird - jammern und klagen über die viele

Arbeit wirkt demotivierend. Wenn junge Leute

Aufgaben übernehmen, müssen Sie aber auch

von den Älteren unterstützt werden. Jüngere

Leute sind im Verein häufig in einer Sportart

als Gruppe eher bereit, ein Projekt gemeinsam

auf die Beine zu stellen wie z.B. ein Hochsprung-Meeting.

Der Nebeneffekt ist, dass die

jungen Leute ihre Freundinnen und Freunde

mitbringen, die dann auch mit anpacken und

darüber evtl. den Zugang zum Verein finden.

Hanns-Joachim Geiger: Offene Kommunikation

ist das A und O. Neben der Teamarbeit

muss aber eine/r „den Hut auf haben“, –

einen solchen Menschen zu finden ist schwierig,

viele Jüngere sind noch nicht so weit,

diese Verantwortung zu übernehmen, aber

wenn man die jüngeren punktuell an verschiedene

Aufgaben heranzieht, ist das ein

sehr gangbarer Weg: Z.B. für einzelne Veranstaltungen

jeweils eine Abteilung mit der

Vorbereitung und Durchführung betrauen.

Da alle in „ihrer“ Clique gemeinsam vorbereiten

(Tische und Stühle/Bänke aufstellen etc.)

ist das besser, als wenn die „Alten“ Anweisungen

geben.

Durch Corona haben sich aber auch etliche

darauf besonnen, dass die Gemeinschaft im

Verein nicht selbstverständlich ist und dass

etwas fehlt. „In der Gemeinschaft ist Sport

am schönsten!“ Alle sind froh, dass man sich

wieder zusammentrifft und auch nach dem

Sport etwas gemeinsam machen kann – auch

das gehört ja dazu. Es fängt langsam wieder

an – Wettkämpfe werden aber wahrscheinlich

erst im nächsten Jahr stattfinden können, da

hier die gleichen Voraussetzungen (Trainingsmöglichkeiten

etc.) gegeben sein müssen.

Reinhard Odey: Vereinsarbeit hat durch

Corona bei etlichen einen anderen Stellenwert

bekommen, da der Wert der persönlichen

Begegnung stärker in den Vordergrund

gerückt wurde. Auch die Bewegungsarmut bei

Kindern und deren Folgen wurde noch einmal

sehr deutlich. Zu hoffen ist, dass sich daraus

Konsequenzen hinsichtlich der Bewegungsangebote

für die Kinder ergeben. Die positiven

Aspekte von Corona sollten wir hervorheben

und daran positiv weiterarbeiten und weiterentwickeln.

© LSB NRW / Andrea Bowinkelmann

24 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Uwe Zeyn und Tim Schön

Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen

bieten durch Sport-AGs am Nachmittag

zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten und

stellen die vielfältigen Sportangebote der Vereine

vor. Aber auch im Leistungssport ist die

Zusammenarbeit zwischen Vereinen und den

regionalen Talentzentren unerlässlich zur Förderung

des leistungssportlichen Nachwuchses.

Uwe Zeyn, tätig am Staatlichen Schulamt

für den Kreis Groß-Gerau und den Main-Taunus-Kreis,

und Tim Schön, Lehrer-Trainer und

Koordinator im regionalen Talentzentrum an

der Main-Taunus-Schule in Hofheim berichten

über die Zusammenarbeit zwischen Schulen

und Vereinen im MTK.

Welche Verbindungen haben Sie persönlich

zum Sport/Leistungssport?

Uwe Zeyn: In der Jugend habe ich aktiv

Leichtathletik betrieben - auf Wettkampfniveau

bis etwa norddeutsche Meisterschaften,

dann habe ich den Trainerschein für Leichtathletik

gemacht und div. Gruppen in der LG

Göttingen trainiert, besonders Jugend- und

Kindermannschaften. Nach dem Lehramtsstudium

war ich einer der ersten Lehrer,

der eine Talentaufbaugruppe im Programm

„Talentsuche/Talentförderung“ in Offenbach

leiten durfte. Innerhalb meiner beruflichen

Aufgaben- und Arbeitsbereiche im SSA GGMT

(Staatliches Schulamt für Groß-Gerau und

Main-Taunus) als Beauftragter für den Schulsport

unterstütze ich sowohl den schulischen

Leistungssport als auch das eher breitensportlich

ausgelegte schulische Förderprogramm

„Schule und Verein“.

Tim Schön: Ich habe als Kind bzw. Jugendlicher

angefangen Volleyball zu spielen,

war einer der ersten Jugendlichen, die das

Programm „Talentförderung und Sichtung“

durchlaufen haben. Beim Volleyball habe ich

in der Jugend im Landeskader gespielt, dann

in der 2. Bundesliga im Erwachsenenbereich.

Parallel dazu habe ich Sport studiert und

diverse Trainerscheine für die Sportart Volleyball

erworben. Ich bin jetzt seit über 18 Jahren

Trainer im Verein für den Jugendbereich

und seit 5 Jahren auch im Männerbereich in

der Bundesliga. Durch diese Tätigkeit wurde

ich auch vor 10 Jahren Lehrertrainer an der

Main-Taunus-Schule für Volleyball, bin jetzt

dort in dem Programm komplett verankert

(ich habe es auch komplett durchlaufen) und

darf es auch weitergeben. Seit 3 Jahren bin

ich Koordinator an unserer Schule, d.h. ich

decke neben dem Training auch die Organisation

ab. Ich bin dem Sport und dem Programm

sehr verbunden.

Welche Arbeiten/Funktionen in

Verbindung mit dem Thema Leistungssport/Schule

und Verein haben Sie

bisher ausgefüllt?

Tim Schön: Das Programm „Schule und Verein“

ist ja anders aufgebaut als das Programm

„Talentförderung“, deshalb beziehe ich mich

auf „Talentförderung“. Ich bin da im Leistungssport

tätig in meiner Funktion als Lehrertrainer

in der Sportart Volleyball und als

Koordinator für das Regionale Talentzentrum.

Wir beziehen uns mehr auf den Leistungssport,

wollen gezielt Talente sichten und

trainieren über Nachmittags- und Vormittagsprogramme.

Uwe Zeyn: Zum Programm „Schule und Verein“

kann ich nur sagen, dass die Schulen im

MTK sehr rührig sind und die Vereine sich in

vielfältigen Kooperationen beteiligen. Seit

der Reform des Programmes ist dieses jetzt

transparenter geworden, besonders was das

Verfahren und die Zulassung betreffen. Auch

die Kriterien für die Genehmigung und die

benötigten Qualifikationen zur Teilnahme

am Programm sind klarer, die Administration

ist vereinfacht worden. Daher ist es für die

Schulen eine tolle Möglichkeit, das Angebot

an Sport in der Schule zu erhöhen und somit

mehr Bewegung für die Kinder zu ermöglichen.

Durch Corona ist es jetzt leider so, dass

die Angebote fast auf null zurückgefahren

wurden. In den letzten beiden Halbjahren

hatten wir keine Aktivitäten. Das Programm

wieder zum Laufen zu bringen wird sicherlich

nicht einfach sein – aktuell haben wir nur

zwei Kooperationsanträge, einen aus dem

MTK und einen aus dem Kreis GG. Die anderen

1989

1991

25


INTERVIEWS

Kooperationen laufen natürlich weiter, es hat

allerdings eine große Unterbrechung gegeben

und wir müssen erst einmal abfragen, wer

denn weiter machen will und kann. Das hat

auch was mit den Finanzen zu tun, denn wir

müssen ja den Vereinen auch immer das Geld

überweisen.

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit

mit dem Sportkreis bzw. lsb h?

Uwe Zeyn: Ich arbeite ja mit zwei Sportkreisen

– Groß-Gerau und Main-Taunus –

zusammen, in Groß-Gerau bin ich auch im

Sportausschuss vertreten. Was ich an Ihrer

Arbeit schätze ist, dass Sie, Frau Groth, in der

Vergangenheit sich intensiv bemühten, die

Schulen zu aktivieren, um in dieses Programm

zu kommen. Ich war in den letzten Jahren bei

diversen Veranstaltungen, die von Ihnen für

Schulen organisiert worden sind, um entsprechend

für das Programm zu werben. Besonders

mit Herrn Emmrich als Schulsport-Koordinator

habe ich das oft gemacht. Das ist sicherlich

auch ein Grund, weshalb letztendlich doch

die meisten Vereine (wir haben ja in jedem

Durchgang ungefähr acht Vereine die in dem

Programm partizipieren) pro Jahrgang aus

Main-Taunus teilnehmen, aus dem Kreis Groß-

Gerau haben wir kaum Vereine im Programm.

Was das Programm „Schule und Verein“

betrifft, haben wir in letzter Zeit mit dem

lsb h, bzw. mit dem zuständigen Referenten,

Stephan Schulz-Algie, keine regelmäßigen

Sitzungen gehabt, es gab in der letzten Zeit

leider keine Austauschmöglichkeiten. Nach

dem Neustart gab es eine Befragung, eine

Auswertung und anschließend eine Veranstaltung

– das ist aber auch schon eine geraume

Zeit her. Was das Programm „Talentförderung“

betrifft bin ich auch Mitglied in der Landesarbeitsgruppe

und somit regelmäßig im Kontakt

mit dem Landessportbund (Martina Hossfeld).

Tim Schön: Da ich erst sehr kurz im Amt bin,

kann ich zur Zusammenarbeit mit dem Sportkreis

wenig sagen. Bei dem Infoabend in der

Brühlwiesenschule im Februar 2020 habe ich

eigentlich zum ersten Mal Kontakt zum Sportkreis

gehabt – dann kam die Pandemie. Zur

Zusammenarbeit mit dem Sportkreis im Hinblick

auf die Arbeit mit der Talentförderung

kann ich aktuell auch nicht so viel sagen,

weil wir noch nicht viele Berührungspunkte

hatten.

Ich arbeite momentan viel mit dem lsb h zusammen

und hole mir viele Tipps, Ratschläge

und Information von Martina Hossfeld, das

läuft sehr gut, die Kommunikation ist sehr

rege und ich schätze auch ihre Verlässlichkeit.

Das ist ein guter Austausch, ich kann

mich jederzeit an sie wenden. Bei Dingen, die

bei uns sehr gut laufen, fragt sie auch nach

wie z.B. nach unserem Corona-Konzept, wie

öffnet der Main-Taunus-Kreis und wie macht

die Talentförderung Hofheim weiter im Vergleich

zu anderen Landkreisen – das waren

sehr spannende Themen/schöne Wettbewerbe

untereinander, wer hat als erstes die Kinder

in der Halle. Die Zusammenarbeit war sehr

positiv, wir kommen gut miteinander klar.

Uwe Zeyn: Frau Groth, bzw. der Sportkreis,

vertritt natürlich die Sicht der Vereine in

der Region, da ist es natürlich beim Volleyball

im Moment so, dass es einen Großverein

gibt und die kleineren Vereine, die Volleyball

Tim Schön

betreiben, eigentlich nicht gut mit dem RTZ

(regionalen Trainings-Zentrum) kooperieren.

Tim Schön: Wir fördern drei Sportarten im Regionalen

Talentzentrum: Badminton, Basketball

und Volleyball. Beim Volleyball gibt es in

der Region nur einen Verein, der mit dem RTZ

kooperiert. TuS Kriftel. Bad Soden hat zwar

auch eine gute Volleyball-Abteilung, doch die

sind (räumlich) zu weit weg von Hofheim. Da

„könnte man mit Sicherheit noch einmal ran“,

aber letztendlich müsste der Verband dort

aktiv werden. Bei den beiden anderen Sportarten

gibt es mehrere Kooperationspartner.

Insgesamt haben Vereine Bedenken, dass sie

ihre Talente an die Talentförderung und an die

Kooperationspartner verlieren und dadurch

keine Mannschaften mehr stellen können.

Dort gilt es noch Aufklärungsarbeit zu leisten.

Uwe Zeyn: In Bezug auf die Leistungssportförderung

ist es aber der einzige gangbare

Weg.

Tim Schön: Für die Leistungssportförderung

haben wir momentan nur einen Verein, der

das sehr stark macht. Aber klar, wenn ein

kleiner Verein nur wenige Kinder hat und

einige davon an die „Talentförderung“ verloren

gehen, so dass keine Mannschaft mehr

aufgestellt werden kann, dann macht das für

den Verein keinen Sinn entsprechend tätig zu

werden. Auch das Thema „mangelnde Weiterentwicklung

von geeigneten Kindern in der

26 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Sportförderung“ sollten wir künftig intensiver

bearbeiten, damit sich diese Kinder nicht völlig

frustriert vom Sport abwenden, sondern in

die kleineren Vereine wieder zurückgehen und

dort weiter Sport betreiben.

Gut wäre es auch, wenn der Verband mit eingebunden

werden könnte, da er ja auch die

Vereine kennt, er sollte aber auch sagen, wie

er es sich wünscht, das hat er bisher noch

nicht so deutlich gesagt.

Uwe Zeyn: Das ist eigentlich die Aufgabe des

Jugendkoordinators im HVV (Hess. Volleyballverband).

Welche Vorschläge oder Erwartungen

haben Sie für die künftige

(Zusammen-) Arbeit?

Tim Schön: Es wäre schön, wenn man eine

konstruktive Zusammenarbeit schaffen könnte

zwischen RTZ und möglichst zwei bis vier

Vereinen.

Uwe Zeyn: Wenn ein kleiner Verein im Spielbetrieb

partizipieren will, gibt es eigentlich

nur die Lösung einer „Spielgemeinschaft“, es

muss also eine Kooperation mit den großen

Vereinen geben. Das alles, was gerade gesagt

wurde, können die kleinen Vereine nicht leisten

und dann haben die Kinder und Jugendliche

auch nichts davon – sie können vielleicht

trainieren, aber sie können nicht spielen.

Tim Schön: Zum Trainieren können wir viel

anbieten, aber das Ganze noch zum Spielen zu

bringen ist eine andere Sache.

Uwe Zeyn: Man müsste versuchen die Vereine

dazu zu gewinnen, in eine Kooperation

zu gehen. In meiner Funktion kann ich nur

anbieten, dass sie regelmäßig diese Informationsveranstaltung

durchführen und entsprechend

für das Programm „Schule und Verein“

werben. Das Programm „Talentförderung“ ist

so aufgestellt, dass ich nur eine Steuerungsaufgabe

habe. Dabei ist mehr die Frage, wie

wird der Talentstützpunkt durch den Verband

auch bedient und welche Vereine können

dann entsprechend partizipieren. Darauf habe

ich keinen Einfluss, dass ist Verbands-, Vereins-

und evtl. Sportkreissache, wenn sie hier

unterstützen wollen bzw. können.

Für das Programm „Schule und Verein“ ist

wichtig, dass die Vereine auf die Schulen

zugehen und von meiner Seite aus an die

Schulen die Anregung kommt, Kontakt zu den

örtlichen Vereinen aufzunehmen. Gut klappt

es natürlich, wenn in der Schulleitung oder

in der Schule Lehrkräfte sind, die im Verein

aktiv bzw. sportaffin sind. Eines der Hauptprobleme

für Kooperationen sind oft die

Rahmenbedingen: Wann kann das Sportangebot

von wem durchgeführt werden, haben wir

eine Halle, hat der Übungsleiter Zeit, gibt es

Überschneidungen zu anderen Unterrichtsangeboten

etc.

Tim Schön: Initiative des Sportkreises könnte

sein, dass junge Trainer animiert werden in

den Schuldienst zu gehen und dann in den

Schulen diese AGs übernehmen. Früher gab

es das häufi ger, dass Sportlehrer in den örtlichen

Vereinen Trainer waren und dann am

Nachmittag auch Zeit hatten für die AGs oder

das Training. So könnten auch mehr Kinder

und Jugendliche den Weg in die Vereine

fi n d e n .

1992

1993

1994

27


INTERVIEWS

Madlen Overdick

In der Bekämpfung der Folgen der Corona-

Pandemie, sei es durch Bewegungsmangel

oder Long Covid, sieht Madlen Overdick,

Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin

des Main-Taunus-Kreises, eine der

zukünftigen Aufgaben unseres Arbeitskreises

„Netzwerk Sport und Gesundheit“. Aus ihrem

eigenen sportlichen Engagement heraus weiß

sie, wie wichtig der Sport für die Gesundheit

der Bürgerinnen und Bürger des Main-Taunus-

Kreises ist.

Besteht eine eigene Verbindung zum

(Vereins)Sport?

Madlen Overdick: Ja sicher, ich bin selbst

Mitglied im Turnverein Lorsbach. Zu einer

Mitgliedschaft im Sportverein gehört für mich

eigentlich auch ehrenamtliches Engagement,

dafür fehlt mir leider momentan die Zeit.

Natürlich sind auch meine beiden Söhne von

Kindertagen an im örtlichen Turnverein, daher

kenne ich auch die vielen Vorteile eines guten

Vereinslebens. Inzwischen sind die Söhne

erwachsen und es sind weitere Sportvereine

hinzugekommen (Schwimmen, Handball, Basketball,

Triathlon). Ich habe den Sportverein

immer als wichtige Einrichtung im Stadtleben

bzw. Stadtteil- oder Ortsleben kennengelernt,

der Menschen zusammenführt.

Ich bevorzuge als sportliche Aktivität inzwischen

das Fahrradfahren, wobei ich in unserer

Familie nicht diejenige mit den Spitzenleistungen

bin. Ich freue mich, dass meine

Kinder offenbar eine gute Basis mitbekommen

haben, sehr gerne Sport betreiben und Freude

an der Bewegung haben. Grundsätzlich finde

ich wichtig, dass jede oder jeder den Sport

findet, mit dem er/sie sich wohl fühlt und

dass Kinder von den Eltern entsprechend

unterstützt bzw. gefördert werden.

Ist Ihre Mitarbeit im Netzwerk Sport

und Gesundheit nicht nur ,,funktionsabhängig“,

sondern auch durch

persönliches Interesse geleitet?

Madlen Overdick: Die Mitarbeit ist sehr vom

persönlichen Interesse geleitet – ich hatte

z.B. eine ÜL-Lizenz für Nordic Walking, daher

weiß ich auch, wie wichtig es ist, Personen

an den Sport zu bringen, die eine Erkrankung

haben oder mit Sport noch nicht viel zu tun

hatten. Hier ist Nordic Walking eine gute

Möglichkeit, Bewegungsumfänge moderat zu

steigern. Gesundheitssport wird immer wichtiger

und damit beschäftige ich mich natürlich

auch als Gesundheitsdezernentin. Deshalb

engagiere ich mich gerne in Ihrem Netzwerk,

weil auch die Umsetzung nur vom Schreibtisch

aus schlecht möglich ist. Der Austausch und

die Vernetzung mit anderen Beteiligten im

Netzwerk sind für mich sehr wichtig.

Wie beurteilen Sie die bisherige Zusammenarbeit

mit dem Sportkreis?

Madlen Overdick: Ein sehr partnerschaftliches

Miteinander mit gegenseitiger Unterstützung.

Für den Kreis ist es wichtig, dass es Stellen

gibt, an denen die Fachleute tätig sind und

wir als Landkreis an den Stellen unterstützen

können, an denen es notwendig ist wie z.B.

der Broschüre des Sportkreises „Wegweiser

für Gesundheitssport“. Bei unseren eigenen

Präventionsprojekten finden wir durch den

Sportkreis aber ebensolche Unterstützung –

eine echte Win-win-Situation.

Welche Vorschläge/Anregungen haben Sie

für die künftige Arbeit des Netzwerkes?

Madlen Overdick: Wir müssen jetzt schauen,

wie wir gemeinsam die Folgen der Pandemie

bewältigen. Zurzeit gibt es ja für viele

Netzwerke und Initiativen einen „Karriere-Knick“

– die Gruppen konnten sich nicht

mehr treffen oder die Treffen sind nur unter

Pandemiebedingungen möglich. Wenn persönliche

Treffen nicht möglich sind, sollte man

als Alternative Videokonferenzen anbieten,

zumal der Austausch in kleineren Gremien

damit sehr gut möglich ist. Nicht alle sind

anfänglich davon begeistert, aber mit der

28 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Zeit - das ist meine Erfahrung – finden doch

etliche diese Meetings sehr interessant. Das

könnte auch ohne Pandemie ein Modell für die

Zukunft sein, dass man nicht immer an einem

Ort zusammenkommen muss oder evtl. diese

Treffen abwechselnd in Präsenz und im Netz

stattfinden können.

Durch Corona sind die Aufgaben nicht weniger

geworden, die wir in solchen Netzwerken zu

bewältigen haben: z. B. gibt es Menschen, die

sich nicht oder weniger bewegt haben, wenn

ihre Sportangebote oder der Weg ins Büro

weggefallen sind, deren Psyche gelitten hat

© LSB NRW / Andrea Bowinkelmann

in der Pandemie und zukünftig werden wir

sicherlich auch für die Menschen ein Angebot

machen müssen, die durch die Folgen von

Long Covid betroffen sind – die Netzwerk-

Arbeit wird weiterhin sehr wichtig sein.

Es wird weiterhin eine Herausforderung

sein, Menschen wieder sicher in Gruppen

zusammenzubringen, denn viele haben sich

während der Pandemie doch sehr zurückgezogen,

gerade wenn es sich um Risikopatienten

handelt, das regelmäßige Sportangebot nicht

mehr stattgefunden oder der Arbeitsalltag

sich durch Homeoffice verändert hat.

Netzwerke, Information und Werbekampagnen

bleiben also weiterhin wichtig, um die

Menschen niedrigschwellig in Bewegung zu

bringen – besonders die Personen, für die

Sport bisher kein Thema war, denen aber aus

Präventionsgründen verschiedene Möglichkeiten

der Bewegung angeboten werden sollten

– dafür sind Profis erforderlich.

1996

1997

1998

29


INTERVIEWS

Volker Hofbur

Der Leistungssport ist im MTK gut aufgestellt

– Volker Hofbur, Sportredakteur des Höchster

Kreisblattes blickt seit vielen Jahren auf den

Sport, insbesondere auf den Leistungssport

im Main-Taunus-Kreis und aktuell auch auf

die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Als Journalist beschäftigen Sie sich professionell

mit Sport – welche persönliche

Verbindung haben Sie zum Sport, sind Sie

selbst aktiver Sportler?

Volker Hofbur: Ich habe von 1978 bis 1998

aktiv Handball gespielt, im Verein war ich in

meiner aktiven Zeit engagiert, ich habe z.B.

über acht Jahre die Pressearbeit gemacht.

Danach habe ich berufsbedingt weniger Sport

ausüben können, zumindest nicht im Verein.

Sport wird häufig am Wochenende betrieben,

meine Hauptarbeitszeit ist aber auch am

Wochenende – das kollidiert also. Insgesamt

sind meine Arbeitszeiten eher unregelmäßig,

daher nutze ich in der Freizeit häufig meinen

Home-Trainer um mich fit zu halten, aber ich

fahre auch regelmäßig und viel Fahrrad.

Sie berichten seit Jahren über

viele Sport- und Vereinsereignisse im

Main-Taunus-Kreis.

Wie sehen Sie die Situation des Breitenund

Leistungssports im Kreis?

Volker Hofbur: Im Bereich Leistungssport

habe ich viel mit den Ballsportarten zu tun.

Meines Erachtens sind wir im Kreis sehr gut

aufgestellt. Durch die Zeitung habe ich die

Möglichkeit zum Vergleich mit den angrenzenden

Kreisen/Bereichen (Frankfurt, Hochtaunus,

Limburg etc.). Im Amateurbereich sind

wir sehr hoch angesiedelt – von Fußball mal

abgesehen, da ist Frankfurt mit der Eintracht

und dem FSV natürlich in der Region führend.

Wir sind im MTK sowohl im Volleyball als auch

im Basketball in der 2. Liga vertreten, im

Handball sind wir mit Eddersheim in der

3. Liga, wir haben 3 Oberligisten im Handball,

dazu im Volleyball und Basketball noch Vereine

in der Regionalliga. Im Badminton spielt

der TV Hofheim in der 2. Bundesliga – wenn

man jetzt nur mal von den Mannschaftssportarten

ausgeht, sind die Vereine des Main-Taunus-Kreises

schon sehr erfolgreich, das ist

auch aktuell an den Erfolgen der Junioren im

Rudern zu sehen. Was den Sport insgesamt

betrifft, ist der MTK sehr gut und breit aufgestellt.

Im Breitensport sieht es meiner Meinung nach

ähnlich aus. Der Zuspruch zu den Volksläufen

und dem Kreisstadtlauf, bei dem wir immer

bis zu 1500 Teilnehmer haben, spricht für eine

sportlich aktive Bevölkerung. Allerdings ist

zunehmend zu beobachten, dass die Tendenz

zum individuellen Training geht wie z.B.

Radfahren oder Vorbereitungen für Triathlons

(hier ist aber das Training fürs Schwimmen im

Verein zu sehen). Die Ursachen liegen häufig

an den veränderten Bedingungen im Arbeitsleben.

Ich denke, dass Corona eine Situation gebracht

hat, die wir alle noch nicht erlebt haben.

In vielen Gesprächen habe ich gemerkt,

dass bei vielen Menschen erst einmal eine

Art Schockstarre ausgelöst wurde, erst dann

haben sie sich so langsam wieder aufgerappelt

und überlegt, was ist für uns eigentlich

möglich – das war nicht nur bei den großen,

sondern betraf genauso die kleinen Vereine.

Besonders bei den kleineren Vereinen war

das persönliche Engagement der Trainer und

30 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Übungsleiter sehr groß. Auch hier wurde über

die sozialen Medien, mit Teams oder anderen

Möglichkeiten, gearbeitet, damit die Leute

sich sehen, auch wenn Sie nicht zusammen

kommen konnten. In dieser Phase haben sich

sehr viele aufgemacht und eruiert, wie man

etwas machen kann – das war auch eine sehr

intensive Erfahrung. Der positive Nebeneffekt

war, dass mehr Engagement aufkam nach

der Phase des „Stillstandes“. In unserer Redaktion

sind wir in dieser Phase mehr in die

Tiefe gegangen in unserer Berichterstattung.

Durch die Reduzierung der Veranstaltungen

war für diejenigen, die stattgefunden haben,

mehr Zeit und Muße für die Hintergrundrecherche.

Was kann bzw. sollte von Seiten

der Politik und/oder der Verbände

unternommen werden, um den Breitenund

Leistungssport in der Region zu

fördern und weiter zu unterstützen?

Volker Hofbur: Die Politik sollte meiner

Meinung nach sich früher um die Erhaltung

von Sportstätten bemühen und nicht erst

wenn der „Totalschaden“ eingetreten ist. Wir

haben ja einige Fälle in der letzten Zeit im

Kreis sehen können. Sport ist nur möglich,

wenn genügend Trainingsmöglichkeiten zur

Verfügung gestellt werden. Die Erhaltung und

Modernisierung von Sportstätten ist i.d.R.

weniger kostenintensiv – aber vielleicht nicht

so spektakulär wie ein Neubau.

Was die Verbände betrifft, so ist mein Eindruck,

dass die „Entfremdung“ zwischen den

Verbänden und den Vereinen durch die Pandemie

geringer geworden ist und man wieder

stärker aufeinander zugegangen ist und die

Notwendigkeit einer intensiveren Zusammenarbeit

deutlich wurde.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung

nach der Sportkreis für die Vereine im

Main-Taunus-Kreis?

Volker Hofbur: Besonders während der Corona-Zeit

ist die Bedeutung des Sportkreises

gewachsen, weil die Vereine bei den doch teilweise

nicht immer nachvollziehbaren Bestimmungen

den Rat gesucht und beim Sportkreis

sehr kompetent und schnell auf den aktuellen

Stand gebracht wurden.

Folgen Sie dem Sportkreis auf Facebook

www.facebook.com/SportkreisMainTaunus

und Instagram

www.instagram.com/sportkreismaintaunus

1999

2000

31


INTERVIEWS

Manuel Martin

Er hat den Schwimmsport vom Anfängerschwimmen

bis zum Leistungssport und die

Schwimmbadsituation im MTK immer im

Blick – Manuel Martin, Vizepräsident des

Hessischen Schwimmverbandes, ist nicht nur

für den Sportkreis ein kompetenter Ansprechpartner.

Welche Verbindung haben Sie persönlich

zum Schwimmsport – wann und wie fing

es bei Ihnen an?

Manuel Martin: Schwimmen ist lebenswichtig,

d.h. jeder sollte schwimmen können – deshalb

hat meine Mutter, die selbst Schwimmerin

war, darauf Wert gelegt, dass ich schon sehr

früh schwimmen lernte. Das hat für sie die

Situation im Schwimmbad oder am See auch

vereinfacht, sie musste dann nicht immer

mit zum Baden. Bereits mit drei Jahren habe

ich begonnen, auch sehr früh die Abzeichen

erworben und dann war ich auch sehr früh

im Schwimmverein. Als ich sieben Jahre

alt war sind wir von Norddeutschland nach

Hessen umgezogen. Ich war an allen Wohnorten

im Schwimmverein, seit 1994 bin ich im

Schwimmverein in Eschborn, bin dann auch

zum Leistungssport übergegangen und bis

zu deutschen Jahrgangsmeisterschaft geschwommen

– immerhin wurde ich 15ter.

Parallel dazu habe ich bereits sehr früh als

Übungsleiter begonnen, in Kinderschwimmkursen

bereits mit 13/14 Jahren assistiert,

später habe ich dann Trainerscheine bis zum

B-Trainer erworben.

Dieses Engagement führte auch zu meinem

beruflichen Werdegang. Ich habe eine Ausbildung

zum Fachangestellten für Bäderbetriebe

mit anschließender Meisterprüfung

absolviert, später war ich dann in leitender

Funktion längere Zeit in einem Freizeitbad im

Kreis tätig.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten

haben Sie bisher im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen haben Sie im Verein/

im Verband übernommen?

Manuel Martin: Die „Funktionärslaufbahn“

habe ich 2001 als Jugendwart hier im Verein

begonnen, dann habe ich 2002 als Bezirksjugendwart

angefangen, als solcher ist man

automatisch im Landesverband Hessen im

Jugendausschuss. Als der Jugendwart aus

persönlichen Gründen aufhörte, wurde ich

gefragt, ob ich die Aufgabe auf Landesebene

kommissarisch übernehmen wolle. Bei der

nächsten Jugendvollversammlung wurde ich

dann in dieses Amt gewählt, das ich von 2004

bis 2014 innehatte. Nach der Übergabe an die

Nachfolgerin habe ich mich weiter eingebracht,

aber der Generationswechsel brachte

mit sich, dass sich mein Engagement im

Verband thematisch verschob. Ich habe dann

in der Bäderkommission mitgearbeitet – bis

heute bin ich deren Vorsitzender. Wir beraten

sowohl die Vereine als auch die Kommunen in

Sachen Bäder. Seit 2018 bin ich Vizepräsident

„Leistungssport“ im hessischen Schwimmverband

– einer von vier Vizepräsidenten.

Als der Verein 2019 von der ehrenamtlichen

auf die hauptamtliche Arbeit in der Geschäftsstelle

umstellte, wurde mir vom SCW Eschborn

die Stelle als hauptamtlicher Geschäftsstellenleiter

angeboten. Neben der Verwaltungsarbeit

bin ich natürlich auch als Trainer in den

unterschiedlichen Bereichen (Leistungssport,

Schwimmunterricht, Aquagymnastik etc.) tätig.

Im Moment besteht eine Kooperation mit

der Stadt Eschborn für die Sommerferien, um

die durch die Pandemie bedingte hohe Nichtschwimmerquote

bei Kindern durch Schwimmkurse

Abhilfe zu schaffen. Wir haben ca. 500

Kinder in den Kursen, von diesen haben etwa

80 % das Schwimmen gelernt, d.h. mit einem

Seepferdchen-Abzeichen abgeschlossen.

Daneben bin ich im Expertengremium des

Bäderprojekts (50 Mio. Förderprogramm

des Landes Hessen) des lsb h in Zusammenarbeit

mit dem Innenministerium. Neben

den Ministeriums-Mitarbeitern sind wir vier

Experten, ich bin der Vertreter des Hessischen

32 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Schwimmverbandes. Wir sind für die Vergabe

der Gelder bzw. die Beurteilung von Projekten

zuständig.

Welche Erfahrungen haben Sie in der

Zusammenarbeit mit dem Sportkreis bzw.

dem lsb h sammeln können?

Manuel Martin: Beim lsb h habe ich mit der

Abteilung „Leistungssport“ viel Kontakt, man

kennt sich durch den Schwimmverband, die

Fortbildungen usw. Zum Sportkreis besteht

die Verbindung über Frau Zimmermann, deren

Kinder bei uns schwimmen lernten, seit dieser

Zeit ist ein guter Kontakt vorhanden. Besonders

in der Zeit der Pandemie war dieser

Kontakt sehr wichtig und wertvoll für mich/

uns, da wir von der Geschäftsstelle sehr gut

über die neuesten Regeln, Verordnungen

und Auslegungshinweise informiert wurden.

Der Austausch war rege und für beide Seiten

hilfreich, zumal ich über den Kontakt zu den

Mitarbeitern im Innenministerium durch die

Bäderkommission oft im Vorfeld auch Hinweise

darüber hatte, in welcher Richtung es

weiter gehen sollte.

Daneben ist die Information durch den Sportkreis

allgemein z.B. auch über den Newsletter

sehr gut, das Angebot gegenüber den

Vereinen, die Transparenz und die Offenheit

ist vorbildlich. Natürlich besteht auch eine

Informationspflicht der Vereine, aber das

Informationsbedürfnis kann jederzeit vom

Sportkreis zufriedenstellend bedient werden.

Die Servicestelle ist gut telefonisch erreichbar,

die Homepage ist immer sehr aktuell, zu

wichtigen Informationen werden auch E-Mails

verschickt – also mehr kann man aus meiner

Sicht nicht tun.

Zu wichtigen Themen der Vereinsarbeit wie

z.B. Versicherung oder Übungsleiter-Verträge

gibt es regelmäßig vom lsb h Themenabende

bzw. über „Sport in Hessen“ gibt es Informationen,

wo man zu welchem Thema Informationen

bekommen kann.

Welche Wünsche und Vorschläge/

Anregungen für die künftige Arbeit

haben Sie – wo und wie besteht

Unterstützungsbedarf?

Manuel Martin: Ich fände es wünschenswert,

wenn in den Jahren, in denen kein Sportkreistag

durchgeführt wird, ein Austausch

(vielleicht mehrmalige Veranstaltungen)

stattfindet – das könnte auch auf digitalem

Wege durchgeführt werden, damit der

Aufwand für alle Beteiligten nicht so hoch

ist. Gut wäre ein „Themenaufhänger“, der

möglichst viele Vereine interessiert, damit

zwischen den Vereinen ein besserer Austausch

stattfindet. Vorstellen kann ich mir

z.B. das Thema „Übungsleitergewinnung“

oder „Jahreshauptversammlung in anderer

Form“ mit Impulsreferat und anschließender

Diskussion – insgesamt etwa 1 bis 2 Stunden

maximal. Ob ein solcher Austausch bzw.

eine Fortbildung vom Sportkreis oder dem

zuständigen Referat im Kreis angeboten bzw.

durchgeführt wird, ist letztlich nicht entscheidend.

Wichtig wäre nur im Vorfeld die

Finanzierung zu klären.

Besonders für neue Vereinsfunktionäre wäre

ein regelmäßiges Angebot an Fortbildungen

zu den „klassischen“ Vereinsthemen wichtig.

Zur Themenauswahl könnte eine Umfrage auf

der Homepage des Sportkreises dienen, damit

ließe sich der Bedarf feststellen und die Themen

könnten zeitnah bearbeitet werden.

Exkurs: Die geplante, neu zu bauende

Schwimmhalle in Kriftel sollte als Kreisschwimmhalle

in erster Linie dem Breitensport

zur Verfügung gestellt werden. Weil die

Schwimmfähigkeit und gesundheitliche Aspekte

des Schwimmens in der Bevölkerung im

Mittelpunkt stehen sollten. Dazu wäre auch ein

Verkehrskonzept erforderlich, damit die Halle

mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

An dem geplanten Standort ist auf jeden Fall

ein Verkehrschaos vorprogrammiert, wenn die

vorhandenen Straßenbedingungen nicht

verändert werden sollten.

2001

2002

33


INTERVIEWS

Bernd Weil

Die Strukturen im Main-Taunus-Kreis, ob im

urbanen oder eher ländlichen Raum, stellen

unterschiedliche Anforderungen an die Vereine.

Bernd Weil ist seit mehr als 25 Jahren

erster Vorsitzender der TSG Ehlhalten, einem

Verein mit 341 Mitgliedern am nördlichen

Rand des Main-Taunus-Kreises. Ehlhalten, ein

Stadtteil von Eppstein mit 1169 Einwohnern,

ist eher ländlich strukturiert. Bernd Weil ist

darüber hinaus ein erfolgreicher Entwickler

von Spielgeräten, die er selbst baut und auch

gerne an andere Vereine verleiht.

Welche Verbindung haben Sie persönlich

zu Sport – wann und wie fing es an?

Bernd Weil: Mit dem Vereinssport habe ich im

Jahr 1975 begonnen – und zwar mit Tischtennis

in der TSG Ehlhalten. Ab ca. 1986 kam

dann die Männerturngruppe Borzeler 83 dazu

– beides habe ich bis heute beibehalten. Bei

der „Turngruppe“ beginnen wir i.d.R. mit ca.

1 Std. Fußball, anschließend etwa 45 Min.

Gymnastik und zum Schluss noch ca. 45 Min.

Volleyball. Wobei Fuß- und Volleyball immer

gespielt werden, dazwischen wechseln wir je

nach Trainer auch mit anderen Sportarten ab;

z. Zt. üben wir uns im Boxen bzw. Krav Maga,

einem israelischen Selbstverteidigungssystem,

anstelle von Gymnastik.

Welche ehrenamtlichen Tätigkeiten haben

Sie bisher im Verein ausgeübt bzw.

welche Funktionen hatten/haben

Sie inne?

Bernd Weil: Mein ehrenamtliches Engagement

im Verein begann ich als Gerätewart.

Am 13. Februar 94 wurde ich als 2. Vorsitzender,

ein Jahr später wurde ich in der Mitgliederversammlung

am 10. Februar 1995 zum

1. Vorsitzenden gewählt.

Die TSG Ehlhalten ist ein Verein mit z.Zt.

341 Mitgliedern. Kinderturnen und Rope-Skipping

wird für den Nachwuchs angeboten, drei

Gymnastikgruppen und eine Tanzgruppe für

die Frauen. Zwei Männerturngruppen und die

Tischtennisabteilung mit vier Mannschaften

runden das Angebot der TSG ab. Die Tischtennisabteilung

ist die einzige Gruppe, die an

Wettkampfspielen teilnimmt und den Verein

nach außen darstellt. Ihr größter Erfolg war

der Gewinn des Hessen-Pokals 2012 in der

Kreisliga und die Teilnahme beim Deutschlandpokal

in Chemnitz.

Seit 1995 veranstaltet die TSG Ehlhalten alle

zwei Jahre ihr großes Spielefest, das inzwischen

weit über den Main-Taunus-Kreis hinaus

bekannt ist. Beim letzten Spielefest 2019

(2021 musste leider wegen Corona abgesagt

werden) waren über 2000 Besucher bei uns.

Süwag, Mainova, Hessenforst, Sportkreis

30 und viele weitere Firmen oder Verbände

beteiligen sich mit Stationen bei dem Fest.

Vier Bungee-Trampoline, Kletterwand, Rollenrutsche,

Kistenklettern, mehrere Hüpfburgen

sind nur ein Teil der angeboten Spielgeräte.

Ein weiteres Highlight sind die großen, selbst

gebauten Geschicklichkeitsspiele aus Holz.

Hier haben wir einen Pool von ca. 50 Spielen,

die wir auch gerne ausleihen.

Im Laufe der Jahre haben wir unser Sportangebot

immer mehr oder weniger freiwillig

anpassen müssen. Zum Teil war das durch die

veränderte Nachfrage nach bestimmten Sportarten

erforderlich, zum Teil aber auch durch

den Abgang von Trainern/Übungsleitern, die

dann nicht adäquat ersetzt werden konnten.

Die Geschicklichkeitsspiele der TSG Ehlhalten

Die Mitgliederzahl schwankt zwar (wie in fast

allen Vereinen), aber längerfristig betrachtet

wächst unser Verein. Das bringt dann allerdings

das Problem der Hallenkapazität mit

sich. Unsere Halle ist restlos ausgebucht.

Andererseits eröffnen neue, jüngere Mitglieder

auch die Möglichkeit für z.B. ein Angebot

für die über 60-jährigen aus der Männerturngruppe

für altersangepassten Sport.

34 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


bereichern viele Sportkreis-Veranstaltungen.

Wer gerne mehr über unseren Verein erfahren

möchte, kann unsere neu gestaltete

Webseite besuchen: www.tsg-ehlhalten.de

Welche Erfahrungen haben Sie in der

Zusammenarbeit mit dem Sportkreis und

dem lsb h gemacht?

Bernd Weil: Mit dem Sportkreis besteht durch

unser Spielefest und der Inklusions-Veranstal-

tung in Hofheim ein sehr guter Kontakt.

Besonders Hans Böhl und Kathrin Zimmermann

unterstützen uns bei allen Fragen

bestens, besonders in der augenblicklichen

Situation mit den sich häufig veränderten Bestimmung

in der Pandemie. Mit dem lsb h als

übergeordneter Organisation haben wir nicht

so viel zu tun.

Welche Erwartungen bzw. Ideen für

die Entwicklung des Vereins/des Sports

im ländlichen Raum haben Sie –

wie kann/sollte der Sportkreis bzw.

der lsb h Sie dabei unterstützen?

Die Erwartungen gehen vor allem in die Richtung,

dass wir den Anschluss nicht verlieren.

Das Hauptproblem ist, geeignete Übungsleiter

zu finden und diese dann auch halten zu können,

durch z.B. auch angemessene Vergütung.

Leider sind auch immer weniger Menschen

bereit oder in der Lage, ein Ehrenamt bzw.

Aufgaben in einem Verein zu übernehmen.

Hier könnten regelmäßig angebotene Lehrgänge

helfen, die Hemmungen abzubauen,

sich im Verein stärker auf der Vorstandsebene

oder als Übungsleiter zu engagieren.

Besonders wichtig finde ich auch, dass die

Vereine die städtischen Sportstätten/Gebäude

weiterhin kostenfrei nutzen können.

Ansonsten müssten die Vereine ihre Beiträge

drastisch erhöhen, was sicherlich eher negative

Konsequenzen haben würde.

2003

2004

35


INTERVIEWS

TV 1860 Hofheim j.P. und TV Diedenbergen 1886 e. V.

Der zukunftsfähige Sportverein – wie kann

die Vereinsarbeit modernisiert werden, wie die

ehrenamtliche Mitarbeit im Vorstand attraktiver

gestaltet und das Sportangebot den unterschiedlichsten

Bedürfnissen der Mitglieder

angepasst werden? Christian Peter, Sprecher

des Vorstands des TV Diedenbergen, sowie

Michael Schwertfeger und Dr. Peter Sander,

Vorstandsvorsitzende des TV 1860 Hofheim,

schildern die Konzepte in ihren Vereinen.

Der Vorstand Ihres Vereins wurde in der

jüngeren Vergangenheit neu gewählt.

Sehen Sie die Zusammensetzung Ihres

Vorstandes und die die damit verbundene

geänderte Arbeitsweise als Modell für

die Vereinsarbeit in der Zukunft?

Dr. Peter Sander und

Michael Schwerdtfeger

Christian Peter: Ja selbstverständlich.

Mit der Verteilung von Themenfeldern auf

einzelne Vorstandsmitglieder können diese

auch entsprechend ihrer Fähigkeiten und

Neigungen für den Verein aktiv werden.

Darüber hinaus ist die Arbeit auf mehreren

Schultern besser verteilt, insbesondere im

Ehrenamt. Jedes Vorstandsmitglied agiert im

Rahmen seiner Themen und Kompetenzen,

bei Bedarf oder dem Wunsch nach Austausch

steht das Team zusammen. Gleiches lässt sich

übertragen auf den Gesamtvorstand und die

Zusammenarbeit mit Übungsleiterinnen und

Übungsleitern.

Michael Schwertfeger und Dr. Peter Sander:

Ja, wir glauben, dass die althergebrachten

Strukturen (1. Vorsitzender, 2. Vorsitzender,

Kassenwart, Schriftführer, …) den heutigen

Gegebenheiten und Anforderungen an die

Arbeit der Vereinsführung nicht mehr gerecht

werden. Wir führen den Verein seit drei Jahren

wie ein kleines mittelständisches Unternehmen

mit einer entsprechenden Organisationsstruktur.

Hierfür haben wir unsere Satzung

entsprechend neu aufgesetzt.

Als Vorsitzende des Vorstandes arbeiten wir

mit unseren Vorstandskolleginnen und Kollegen

im Team zusammen. Wir haben verschiedene

Arbeitsschwerpunkte definiert und dementsprechend

einzelne Resorts gebildet, die

von fachlich qualifiziertem Vorstandskollegium

verantwortet werden. Diese Resorts umfassen

Themen wie beispielsweise IT, Rechnungswesen,

Marketing, Sportentwicklung, Recht.

Als Vorsitzende übernehmen wir selbst Fachaufgaben.

Insbesondere die Themen Finanzen

und Controlling liegen in unserer Hand. Auch

leiten wir die Geschäftsstelle mit unseren

festangestellten Mitarbeitern.

Welcher konkrete Anlass hat zu der Neuwahl

des Vereinsvorstandes und der vorgenommenen

Veränderungen geführt?

Michael Schwertfeger und Dr. Peter Sander:

Verschiedene Gründe waren ausschlaggebend

für die neue Führungsstruktur im TV 1860

Hofheim. Es wurde im Laufe der Jahre immer

schwieriger, Personen für die Mitarbeit im

Vorstand zu finden. Zu undifferenziert waren

die Aufgabenstellungen, zu unklar die Fragen

der Zusammenarbeit. Die Fokussierung auf

bestimmte Aufgaben macht es nun deutlich

einfacher, Personen anzusprechen und für

eine Mitarbeit zu begeistern. So bekommen

wir zudem wichtiges Fachwissen, mit dem wir

den gestiegenen Anforderungen zum Beispiel

im Steuerrecht an die Vereinsarbeit gerecht

werden.

So kommt uns in der Pandemie zugute, dass

wir einen Vorstand für das Thema Sport/

Sportentwicklung haben, der sich des Themas

annimmt und die regulatorischen Vorgaben

umsetzt.

Zudem war der Verein in eine bedrohliche

finanzielle Schieflage geraten. Wir haben

die finanzielle Eigenverantwortlichkeit der

Abteilungen und einen Budgetprozess mit

entsprechendem Controlling sowohl für den

Hauptverein als auch alle Abteilungen eingeführt.

So stellen wir sicher, dass wir rechtzeitig

auf veränderte Rahmenbedingungen oder

finanzielle Engpässe reagieren können.

Christian Peter: Aus unserer Sicht sollte die

Einführung von Veränderungen nicht zwangsläufig

an einen konkreten Anlass gebunden

sein. Vielmehr ist die Weiterentwicklung des

Vereins, seiner Strukturen und Angebote doch

ein laufendes Thema, damit Vereine – wie z.B.

der TV Diedenbergen – immer auf der Höhe

der Zeit sind. Den Auslöser gibt dann häufig

eine persönliche Veränderung, wie z.B. ein

Umzug.

Viele Vereine beklagen die Schwierigkeiten

bei der Gewinnung von Vereinsmitgliedern

für die Übernahme von

ehrenamtlichen Aufgaben.

Welche Konzepte/Vorschläge/Ideen

haben Sie entwickelt, die erfolgsversprechend

sind?

Christian Peter: Niedrigschwellige und unterschiedliche

Einstiege anbieten ist aus unserer

Sicht erfolgversprechend. So konnten wir z.B.

zwei junge Menschen für die Funktionen des

Kindeswohlbeauftragten gewinnen. Es kön-

36 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


2006

nen aber auch junge Leute aus den Kursen gut

motiviert werden, um als Helfer ihren Einstieg

für weiterführende Aufgaben oder auch zum

Ehrenamt zu finden. Auf der anderen Seite

engagieren sich Menschen eher für Themen,

denen sie gerne nachgehen. Wer gerne fotografiert

kann in der Kommunikation mitwirken,

wer gerne organisiert bei der Planung

von Schwimmkursen.

Auf der anderen Seite müssen wir uns immer

wieder bewusst sein, dass ehrenamtliches Engagement

neben Beruf und Familie zusätzlich

geleistet wird. Dies gerät doch ab und an mal

aus dem Blick. Ich persönlich finde es immer

wieder bewundernswert und wir wissen es im

Interesse des Vereins wertzuschätzen.

Michael Schwertfeger und Dr. Peter Sander:

Sicher müssen wir hier zwischen der Übernahme

von Verantwortung in den Abteilungen

einerseits und im Hauptverein andererseits

differenzieren.

In einem Mehrspartenverein ist die Identifikation

mit dem Gesamtverein oftmals eher

schwach ausgeprägt, die eigene Sportart

steht bei fast allen Sportlerinnen und

Sportlern im Vordergrund. Wir versuchen dem

mit abteilungsübergreifenden Veranstaltungen

entgegenzuwirken. Auch haben wir eine

Projekt-AG ins Leben gerufen, in der wir vereinsübergreifende

Themen bearbeiten. Hierzu

laden wir alle interessierten Mitglieder ein.

Eine offene Informationspolitik ist zudem

ein Schlüssel für die Gewinnung von ehrenamtlichen

Mitstreiterinnen und Mitstreitern.

Unser Jahresbrief, den wir an alle Mitglieder

versenden hat hier schon mehrfach erfolgreich

gezeigt, dass man Interesse an einer Mitarbeit

wecken kann. Letztendlich bleibt aber die

Direktansprache von Personen das erfolgversprechendste

Mittel.

Wird sich das künftige Sportangebot

Ihres Vereines in erster Linie an den

Bedürfnissen des Breitensports orientieren

oder welche Veränderungen sehen Sie

als notwendig an? Planen Sie Ihr Angebot

zu reduzieren oder wollen Sie dies durch

andere Sportarten erweitern?

Michael Schwertfeger und Dr. Peter Sander:

Die Frage ist, wie man Breitensport definiert.

Auf jeden Fall wollen wir grundsätzlich für

alle Bürger/innen der Stadt ein attraktives

Sportangebot vorhalten. Ob der Weg in den

Spitzensport gegangen wird, muss letztlich

jede Abteilung für sich entscheiden. Wir als

Verein unterstützen dies bis zu einem gewissen

Punkt. Entscheidend ist dabei nicht

nur die Frage nach den finanziellen Implikationen,

sondern natürlich in erster Linie auch

wieder das Thema der personellen Ausstattung

mit Trainern und Führungskräften.

Wir wollen unser Angebot auf jeden Fall weiter

ausbauen. Insbesondere haben wir das Thema

Christian Peter

Outdoor-Sport in den Fokus genommen. Hier

sehen wir einen großen Bedarf und entsprechende

Entwicklungsmöglichkeiten. Einzelne

neue Angebote sind bereits im letzten Jahr

angelaufen, neue werden dazukommen.

Christian Peter: Basis ist der Breitensport

und ein durchweg attraktives Angebot für

alle Zielgruppen. So wollen wir möglichst

vielen Anfängern die Möglichkeit geben,

das so wichtige Schwimmen zu erlernen. Wir

nehmen Bedürfnisse und Wünsche aus der

Bevölkerung und natürlich auch aus unserem

Verein auf. Unsere Übungsleiter bringen sich

engagiert und mit viel Eigeninitiative ein.

Unsere kürzlich aufgenommenen Angebote

„Fit forever“ für Teilnehmende im fortgeschrittenen

Alter oder „Hatha-Yoga“ sowie

„Parkour“ für die Jüngeren sind hierfür ein

klarer Beleg.

2007

2008

37


INTERVIEWS

Dr. Jürgen Scholz

Der Einstieg in den Sport, das „Rezept für

Bewegung“ und die dauerhafte Bindung an

den Sport sind die Erfolge des Sportkreises,

der Sportvereine und der vielen Trainer/innen.

Vielen Patienten/innen konnte hierüber

aktiv geholfen werden. Sie gewannen durch

die positive Motivation und Mobilisation die

Freude und den Spaß an der Bewegung.

Dies erlebt Dr. Jürgen Scholz täglich in seiner

Praxis. Er ist Facharzt für Orthopädie und

Unfallchirurgie und unterstützt den Sportkreis

Main-Taunus e. V. bereits seit einigen Jahren

ehrenamtlich im Rahmen des Netzwerks

„Sport und Gesundheit“. Daneben fördert er

in seiner Praxis das Projekt „Rezept für Bewegung“

(siehe Seite 44). Das nachfolgende

Interview führte Claudia Michels, Vorstandsmitglied

für Gesundheit und Bewegung.

Herr Dr. Scholz, wie wichtig ist aus Ihrer

Sicht das Thema ,,Bewegung“ im Alltag

und wie bzw. durch was können Sie, als

behandelnder Arzt Ihre Patientinnen und

Patienten unterstützen?

Dr. Jürgen Scholz: Die regelmäßige sportliche

Betätigung ist eine gute Möglichkeit, dem

Auftreten von orthopädischen und internistischen

Erkrankungen entgegenzuwirken

und stellt somit ein hervorragendes Mittel

der Prävention dar. Auch ist die Bewegung

im Rahmen der Rehabilitation verschiedener

Erkrankungen ein fester Bestandteil der

Therapie.

Über die Stärkung des Kreislaufes und der

Muskulatur, der oftmals eintretenden Gewichtsreduktion

und dem dadurch empfundenen

positiven Feedback kann eine regelmäßige

Bewegung sich sehr positiv auf die Gesundheit

des einzelnen Patienten auswirken.

Als Arzt gilt es im gemeinsamen Gespräch

mit dem Patienten zuerst die Notwendigkeit

der regelmäßigen Betätigung zu erarbeiten

und das Verständnis hierfür aufzubauen. In

den weiteren Schritten gilt es die richtige

und bedarfsadaptierte Sportart festzulegen.

Nicht jeder Sport ist für jeden Patienten und

Befund geeignet.

Hier gilt es möglichen falschen Ehrgeiz zu

bremsen und die geeignete sportliche Belastung

gemeinsam zu finden, oder in den entsprechenden

Sportarten einzelne Elemente

zu fördern oder zu bremsen. Viele Sportarten

sind den Patienten auch wenig bekannt, so

dass auch hier manchmal zuerst die Aufklärungsarbeit

im Vordergrund steht.

Natürlich muss der Sport auch Spaß machen

und muss praktikabel sein, sonst wird er nur

kurz und nicht nachhaltig durchgeführt und

der positive Effekt verschwindet damit rasch.

Wie ist die Reaktion Ihrer Patientinnen

und Patienten auf die Empfehlung

,,Rezept auf Bewegung“ und

der Übergabe der Broschüre?

Dr. Jürgen Scholz: Oftmals ist das grundlegende

Verständnis für die Notwendigkeit zur

regelmäßigen Bewegung bereits gegeben.

Jedoch wird die Bewegung aus unterschiedlichen

Gründen selten oder nicht nachhaltig

praktiziert.

Zu oft ist die Erwartungshaltung in der Behandlung

auf die klassischen Elemente der

Schulmedizin reduziert. Dies beinhaltet die

Krankengymnastik, die medikamentöse Therapie

oder Bandagen.

Mit dem „Rezept auf Bewegung“ wird dem

Patienten die Möglichkeit, die Genesung

durch die Bewegung positiv zu unterstützen,

rezeptiert. Dies gilt als Empfehlung, Ansporn

Name, Vorname der/des Versicherten

Datum

geb. am

Ich empfehle Ihnen ein Training mit folgendem Schwerpunkt:

Herz-Kreislaufsystem

Muskel-Skelettsystem

Haltungs- und Bewegungssystem

Entspannung/Stressbewältigung

und Koordination und motorische Förderung

Hinweise an die Übungsleitung:

REZEPT

REZEPT

FÜR

FÜR

BEWEGUNG

BEWEGUNG

Regelmäßige körperliche

Aktivität tut Ihnen und Ihrer

Regelmäßige körperliche

Gesundheit gut!

Aktivität tut Ihnen und Ihrer

Gesundheit gut!

Stempel und Unterschrift

der Ärztin/des Arztes

Bewegung kann

Krankheiten des

Herz-Kreislauf-

und des Stoffwechselsystems

sowie des Bewegungsapparates

verhindern und zur Entspannung

Bewegung kann Krankheiten des

beitragen. Daher empfehle ich

Herz-Kreislauf- und des Stoffwechselsystems

Ihnen die Teilnahme sowie des Bewegungsapparates

Angebot, verhindern das mit und dem zur Qualitäts-

an einem

Entspannung

siegel beitragen. SPORT PRO Daher GESUNDHEIT

empfehle

ich zertifiziert Ihnen die ist. Teilnahme Die Teilnahme an einem Angebot,

das mit dem Qualitätssiegel

an diesen qualitätsgesicherten

SPORT PRO GESUNDHEIT zertifiziert

Kursen der Sportvereine wird

ist. Die Teilnahme an diesen qualitätsgesicherten

von den meisten Kursen gesetzlichen der Sportvereine

Krankenkassen wird von den finanziell meisten gesetz-

geför-

lichen dert – Krankenkassen informieren Sie finanziell sich dort

gefördert

über Einzelheiten!

– informieren Sie sich dort

über Einzelheiten!

Darüber hinaus empfehle ich,

Darüber hinaus empfehle ich, täglich

täglich mehr Bewegung in Ihren

mehr Bewegung in Ihren Alltag zu

integrieren! Alltag zu integrieren!

Sie haben die ärztliche Empfehlung, an an einem SPORT PRO GESUNDHEIT-Angebot

teilzunehmen. Sämtliche Angebote in in Ihrer Nähe finden Sie Sie im im Internet unter unter

www.sportprogesundheit.de.

www.gesundheitssport-in-hessen.de.

Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Landessportbund/Sportkreis:

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren: Landessportbund Hessen e. V.

Kontakt:

Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt

Telefon: 0 69/67 89-423, Fax: 0 69/67 89-209

E-Mail: gesundheitssport@lsbh.de

DER ERSTE SCHRITT IST

SCHON GETAN:

Ihr Rezept für Bewegung!

Allgemeine Prävention

Herz-Kreislauf

Internet:

Haltung und Bewegung

Mitteilung der der Übungsleitung an die an verordnende die verordnende Ärztin/den Ärztin/den verordnenden verordnenden Arzt: Arzt:

Entspannung/

Stressbewältigung

Ihr/e Patient/in hat an unserem

Bewegungsangebot teilgenommen.

Stempel und Unterschrift des Vereins

38 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


2009

und Motivation. Die Broschüre des Sportkreises

Main-Taunus ist für den Einsteiger eine

gute Orientierungshilfe um sich im vielfältigen

Angebot der Sportvereine und Institutionen

zurechtzufinden und wird oft dankend

angenommen.

Warum sind aus Ihrer Sicht Vereinsangebote

für den Einstieg besonders

gut geeignet?

Dr. Jürgen Scholz: Die Sportvereine decken

durch die Vielfalt der Kurse einen großen

Bereich der aktiven Bewegung ab. In den

Kursen ist der Patient nicht alleine und findet

sich mit gleichgesinnten Sportlern wieder.

Dadurch kann die Motivation, die eigene Betätigung

langfristig und nachhaltig durchzuführen,

gesteigert werden. Die Atmosphäre ist

meistens persönlicher, gelöster und partnerschaftlicher

als in anderen Einrichtungen.

Ich gratuliere dem Sportkreis Main-Taunus

zu seiner langjährigen erfolgreichen Arbeit

recht herzlich und freue mich auf eine weitere

produktive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

2010

39


FACHBEREICHE

Servicestelle Sport

Der Sportkreis Main-Taunus mit seinen

207 Sportvereinen und 77.000 Mitgliedern ist

wie seine Mitgliedsvereine organisiert – der

Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Es gibt aktuell

neun Fachbereiche und die Servicestelle

Sport als Verwaltungs- und Organisationseinheit

mit einer hauptamtlichen Stelle.

Die Servicestelle Sport ist erster Ansprechpartner

für unsere Vereine, Partner und Sportinteressierte.

Neben den Verwaltungsarbeiten

sämtlicher Fachbereiche unterstützt die Leiterin

der Servicestelle Sport den ehrenamtlichen

Vorstand des Sportkreises auch in inhaltlichen

Fragestellungen. Darüber hinaus betreut sie

die Sportkreis-Homepage und Social-Media-

Kanäle, verschickt den Newsletter und Info-

Mails, organisiert Informationsveranstaltungen

für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter/

innen in den Vereinen, Schulen, des Kreises

und der Kommunen und wickelt Fortbildungsveranstaltungen

ab. Der Sportkreis erfüllt als

regionale Gliederung des Landessportbundes

die Aufgaben des lsb h im Main-Taunus-Kreis –

die Servicestelle Sport kümmert sich um

Anträge zur Neuaufnahme und Kündigungen

von Vereinen, bearbeitet Anträge zu Ehrungen

und Zuschüssen aus dem Vereinsförderungsfond.

Sie arbeitet mit den kommunalen Behörden

des Kreises, der Städte und Gemeinden,

wie Sport-, Schul- und Gesundheitsamt

zusammen und vertritt die Interessen der

Vereine und des lsb h in vielen Gremien des

Kreises und im Kreisjugendring.

Da es bisher keine Vorstandsmitglieder für die

Fachbereiche Inklusion und Integration im

Sportkreis gibt, betreut Kathrin Zimmermann

als Integrationskoordinatorin im Landesprogramm

Sport und Flüchtlinge die Sport-

Coaches und übernimmt alle Aufgaben in

diesen Fachbereichen.

Die Leiterin unserer Servicestelle Sport hat

immer ein offenes Ohr für die Fragen und

Wünsche unserer Vereinsvorstände, Ehrenamtlichen,

Übungsleiter/innen, Trainer/innen,

Sportabzeichenprüfer/innen und für alle

Sportinteressierten auf der Suche nach dem

passenden Sportangebot.

Sie erreichen sie in der Servicestelle Sport in

der Kreissporthalle in Kriftel zu diesen Zeiten

und nach Vereinbarung:

montags

dienstags bis freitags

14.00 – 19.30 Uhr

08.00 – 13.00 Uhr

Kathrin Zimmermann leitet

die Servicestelle Sport seit

2016. Sie betreut neben der

Verwaltung auch die Themen

Integration und Inklusion.

40 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Inklusion

Die uneingeschränkte Teilhabe von Menschen

ist ein zentrales Thema im hessischen Sport.

Dabei ist es das Ziel, allen Menschen eine

selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe

am Sport sowie in den Strukturen des

Sports zu ermöglichen und Menschen mit Behinderung

ins Vereinsleben einzubeziehen.

Wir möchten die Sportvereine im Main-Taunus-

Kreis motivieren, viele Sportangebote inklusiv

zu gestalten und Menschen mit Behinderung

die Teilnahme an einem gleichberechtigten

Sportbetrieb und in dessen Strukturen nach

eigenen Vorstellungen möglich zu machen.

Mit Info-Veranstaltungen, Übungsleiterfortbildungen

und Aktionen unterstützen wir

Vereinsvorstände und Übungsleiter/innen

dabei, Bewegungs-, Sport- und Spielangebote

zu schaffen, an denen Menschen mit und ohne

Behinderung zusammen und gemeinsam teilnehmen

können. Auch wenn in diesem Zusammenhang

oft von Inklusionssport gesprochen

wird, ist dies keine spezielle Sportart, sondern

lässt sich in allen Sportarten umsetzen.

Dies können z.B. sein: Turnen, Mannschaftsspiele,

Leichtathletik, Tischtennis, Tanzen,

Reiten, Inlineskating, Schwimmen, Schießen

und vieles mehr.

Gemeinsam mit dem Main-Taunus-Kreis und

dem Deutschen Gymnastikbund (DGymB) veranstalten

wir seit 2016 den Sporterlebnistag

Inklusion „Fit und gesund – alle(s) inklusive“.

Mit Unterstützung einiger Sportvereine

besteht an diesem Tag für Alt und Jung die

Gelegenheit, gemeinsam zu spielen, zu erleben,

auszuprobieren, sich auf Augenhöhe

zu begegnen und gegenseitig Mut zu machen.

Wir werben für den Spaß am Sport und die

inklusiven Sportangebote unserer Vereine.

Durch die Mitarbeit im „AK Inklusive Bildung

und Freizeit“ des MTK beteiligen wir uns

an der Ausarbeitung und Fortschreibung

des MTK-Aktionsplans zur Umsetzung der

UN-Behindertenrechtskonvention (UN BRK).

Die UN BRK wurde bereits 2006 von der UN

Generalversammlung verabschiedet und 2009

von Bundestag und Bundesrat ratifiziert. Ein

langer Weg liegt bereits hinter den Akteuren

des Landessportbundes Hessen und der

Sportjugend Hessen, die die „Inklusion im

und durch Sport“ begleiten und immer wieder

durch neue Projekte fördern. Gemeinsam mit

den Verbänden, den Sportvereinen und dem

Main-Taunus-Kreis engagieren wir uns, damit

es bald heißt: Inklusion ist, wenn anders sein

normal ist!

2011

2012

41


FACHBEREICHE

Integration

Integration durch Sport: Dieser Prozess ist

so alt wie der Sport selbst. Es findet täglich

statt, denn der Sport bietet viele Möglichkeiten

der Begegnung – beim Training, bei

Wettkämpfen und geselligen Aktivitäten der

Vereine. Sport spricht alle Sprachen. Die gemeinsamen

Erlebnisse von Erfolg und Niederlage

können schnell ein Gefühl der Verbundenheit

schaffen und bieten Verständigung

über alle kulturellen Grenzen hinweg.

Schon seit Gründung des Sportkreises 1946

ist die Integration von Flüchtlingen eine

Aufgabe des organisierten Sports. Waren es

zunächst die Flüchtlinge aus den ehemaligen

deutschen Ostgebieten, später die „Gastarbeiter“

und dann russlanddeutsche Spätaussiedler,

so suchen im Zuge der europäischen

Flüchtlingskrise seit 2015 vor allem Flüchtlinge

aus dem nahen Osten und aus Afrika in

Deutschland Schutz. Schnell sind aus ersten

Initiativen des gemeinnützigen organisierten

Sports in Deutschland neue Förderprojekte

entstanden oder wurden bereits bestehende

Programme erweitert. Neben den Bundesprogrammen

„Integration durch Sport (IdS)“ und

„Willkommen im Sport“ gibt es in Hessen das

deutschlandweit einmalige Landesprogramm

„Sport und Flüchtlinge“ des Hessischen

Ministeriums des Innern und für Sport in

Zusammenarbeit mit der Sportjugend Hessen.

Das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“

unterstützt hessische Städte und Gemeinde,

in denen Sportvereine und Institutionen

Sport- und Bewegungsangebote mit Flüchtlingen

initiieren möchten. Flüchtlingen soll

so schnell und unkompliziert das Ankommen

in ihren Städten und Gemeinden erleichtert

werden.

Sport-Coaches stellen den Kontakt zwischen

Sportvereinen, Asylbetreuung, Flüchtlingsunterkünften

und Flüchtlingen her und

begleiten in der ersten Zeit Flüchtlinge zu

Sportangeboten. Seit 2019 wird zusätzlich

das ehrenamtliche Engagement von Geflüchteten

unterstützt und ein Sport-Coach mit

persönlicher Zuwanderungsgeschichte im

Rahmen eines Sport-Coach-Tandems gefördert.

Für das Jahr 2022 plant das Ministerium

eine Erweiterung. So soll das Programm unter

dem neuen Titel „Sport integriert Hessen“

neben Geflüchteten auch für Menschen mit

Migrationshintergrund und sozial benachteiligte

Personen geöffnet werden, um Integration

und soziale Teilhabe über den Sport zu

unterstützen und zu fördern.

Im Main-Taunus-Kreis hat seit 2016 schon

jede Kommune teilgenommen und zusammen

mit den örtlichen Sportvereinen und Asylbetreuungen

Sport-Schnuppertage, Bolzplatz-

Ligen, Schwimm- und Radfahrkurse uvm.

organisiert und vielfältige Sportangebote in

den Vereinen unterstützt. 2021 ging die Zahl

der teilnehmenden Kommunen aufgrund der

Einschränkungen durch die Corona-Pandemie

etwas zurück. Die Sport-Coaches haben den-

Zeit für Gespräche am Spielfeldrand

noch zusammen mit den Sportvereinen unter

erschwerten Bedingungen mit viel Kreativität

und Engagement Sportangebote möglich

gemacht.

Die Integrationskoordinatorin des Sportkreises

– Kathrin Zimmermann – betreut und

unterstützt die Sport-Coaches im Main-Taunus-Kreis,

vernetzt die Akteure aus den Kommunen,

dem Kreis, den Sportvereinen, der

Sportjugend Hessen und dem Hessischen Ministerium

des Innern und für Sport (HMdIS),

organisiert regionale Informationsveranstaltungen

sowie Sport-Coach-Austauschtreffen

und vertritt den Sportkreis zusammen mit

Hans Böhl im Integrationsbeirat des Main-

Taunus-Kreises.

42 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Vereinsmanagement

Die Tätigkeiten in Vorständen von Sportvereinen

werden zunehmend komplexer und

stellen immer höhere Anforderungen an die

Verantwortlichen. Ziel des Fachbereichs Vereinsmanagement

ist es, die Verantwortlichen

in den Vereinsvorständen bei den vielfältigen

Aufgaben rund um den Verein zu informieren,

zu unterstützen und zu beraten.

Die Beratung der Sportvereine bei der Inanspruchnahme

von Fördermitteln und Zuschüssen

für bestimmte Maßnahmen ist ein

wichtiger Bestandteil des Geschäftsbereichs.

Dies betrifft insbesondere Beantragung und

Abwicklung der Förderprogramme des Landes

Hessen und des Landessportbundes Hessen

e. V., des Main-Taunus-Kreises und der Kommunen.

Landessportbund Hessen e. V.: Im Vereinsförderungsfond

hat jeder Verein, der Mitglied

im lsb h ist, abhängig von der Mitgliederzahl

ein bestimmtes Budget über einen Zeitraum

von acht Jahren zur Verfügung. Dies kann für

Baumaßnahmen im Sportstättenbereich und

der Anschaffung langlebiger Sportgeräte in

Anspruch genommen werden. Der Sportkreis

bearbeitet die Anträge und überreicht die

Förderbescheide. Daneben unterstützt der

lsb h und der Main-Taunus-Kreis die Vereine

bei der Beschäftigung von Übungs- und

Jugendleitern/innen sowie Vereinsmanagern/

innen. Darüber hinaus werden im Rahmen

der Sonderförderung „Klimaschutz- und

Kosteneinsparmaßnahmen in Sportvereinen“,

bestimmte Maßnahmen bezuschusst.

Die Beratungstermine „Öko-Check im Verein“

und „Sportstättenentwicklungsplanung“

werden den Vereinen ohne eigene Kostenbeteiligung

angeboten. Die Kosten hierfür trägt

der Main-Taunus-Kreis.

Hessisches Ministerium des Inneren und für

Sport – Sportland Hessen: Im Rahmen der

Förderprogramme „Vereinseigener Sportstättenbau“

und „Weiterführung der Vereinsarbeit“

werden Zuwendungen für Maßnahmen

im vereinseigenen Sportstättenbau, Instandhaltungsmaßnahmen

und der Anschaffung

langlebiger Sportgeräte gewährt.

Für Vereine wird es immer schwieriger, engagierte

und qualifizierte Personen zu finden,

die einen großen Teil ihrer Freizeit dafür hingeben,

den Belangen ihres Vereins gerecht zu

werden. Umso wichtiger ist es, diesem Einsatz

durch eine Ehrung die nötige Anerkennung

entgegenzubringen. Der Sportkreis berät

über die verschieden Ehrungsmöglichkeiten.

Ehrungen und Auszeichnungen des lsb h für

langjährig ehrenamtliche Tätige in den Vereinsvorständen

und auch für aktive Sportler/

innen werden über den Sportkreis beantragt

und verliehen.

Mit dem Wechsel in der Vorstandschaft der

Vereine geht auch immer wieder langjähriges

Wissen verloren. Deshalb unterstützen wir mit

Richard Grützner, ehemaliger Leiter des

Sachgebietes Sportpflege und Sportförderung

des Main-Taunus-Kreises, übernahm auf dem

Sportkreistag 2018 den Fachbereich Vereinsmanagement

und unterstützt die Vereine insbesondere

bei der Beantragung von Fördermitteln.

Seit dem Sportkreistag 2021 ist er stellvertretender

Sportkreisvorsitzender.

Informationsveranstaltungen zu vielfältigen

Themen rund um Vereinsrecht, Datenschutz-

Grundverordnung, Steuerrecht für Vereine,

Versicherungen oder Aktualisierung von

Satzungen die alltägliche Arbeit der Vereinsvorstände.

2013

43


FACHBEREICHE

Gesundheit und Bewegung

Gesund sein, bleiben bzw. werden – ein

Wunsch der alle vereint. Ganz egal welches

Alter, Geschlecht oder Herkunft. Durch Sport

und Bewegung kann jeder Einzelne aktiv

etwas zur eigenen Gesundheit beitragen, das

eigene Wohlbefinden und die Lebensqualität

steigern und Krankheiten wie bestimmten

Krebsarten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen

und Diabetes vorbeugen. Der demografische

Wandel mit einem immer größeren Anteil

älterer Menschen stellt uns als Gesellschaft

vor große Herausforderungen. Der Stellenwert

von Bewegung und Sport rückt dabei

immer mehr ins Blickfeld von Politik, Gesellschaft

und jedem Einzelnen. Dem Sportverein

als qualifizierten Bewegungsanbieter vor Ort

bieten sich dadurch neue Chancen.

Stand bisher in vielen Vereinen der Breiten-

und Leistungssport im Vordergrund,

gewinnt nun eine Zielgruppe mehr und mehr

an Bedeutung, deren Motivation zum Sporttreiben

der Erhalt und /oder die Förderung

der eigenen Gesundheit ist. Das „Rezept für

Bewegung“ ist eine bundesweite Initiative

des Deutschen Olympischen Sportbundes

(DOSB), der Bundesärztekammer (BÄK) und

der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin

und Prävention (DGSP). Die Initiative wird

inzwischen in fast allen Bundesländern umgesetzt.

Das „Rezept für Bewegung“ bietet

Patienten und Interessenten eine Orientierungshilfe

bei der Suche nach Bewegungsangeboten.

Zudem können diverse Materialien

wie Poster, Broschüren und Flyer kostenfrei

von der Ärzteschaft angefordert werden.

Schnell haben wir im Sportkreis die Chance

dieses Projektes für den Main-Taunus-Kreis

mit seinen rund 200 Vereinen erkannt und

haben uns bereits 2010 entschieden die

Herausgabe der Broschüre „Wegweiser für

Gesundheitssport“ in die Wege zu leiten. Die

Menschen im Kreis bei der Suche nach einem

gesundheitsfördernden und möglichst wohnortnahen

Sportangebot zu unterstützen, ist

uns ein ganz wichtiges Anliegen. Zu diesem

Zweck haben wir bereits in der 5. Auflage unsere

Broschüre „Wegweiser für Gesundheitssport“

erstellt, die sowohl niedrigschwellige

und zertifizierte, als auch Rehabilitationsund

Inklusions-Sportangebote umfasst.

Bei Angeboten, die mit dem „Sport pro Gesundheit-Siegel“

zertifiziert sind übernimmt

unter bestimmten Voraussetzungen sogar

die jeweilige Krankenkasse einen Teil der

Kursgebühren. Rehabilitationssport wirkt

mit den Mitteln des Sportes ganzheitlich auf

Menschen mit oder mit drohender Behinderung

ein. Es handelt sich um eine ergänzende

ärztlich verordnete Heilmaßnahme, deren

Kosten unter bestimmten Bedingungen von

der Rentenversicherung oder von der jeweiligen

Krankenkasse übernommen werden.

Für diese zertifizierten Angebote stehen

in den Vereinen entsprechend qualifiziert

ausgebildete Übungsleiter zur Verfügung,

die sich hoch motiviert primär ehrenamtlich

engagieren.

Die großflächige Verteilung der Broschüre

„Wegweiser für Gesundheitssport“ ist über die

Rathäuser, teilnehmende Ärzte, den Kliniken

und Apotheken im Kreis, aber auch über die

Sparkassen, Zulassungsstelle, VHS, Gesundheitstage

etc. sichergestellt. Mit Hilfe des

Kreises, des Gesundheitsamtes und den nie-

44 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


2014

dergelassenen Ärzten werden so die Angebote

der Sportvereine einem breiteren und ggfs.

noch sportfernen Publikum nähergebracht.

Die vielfältigen Sportangebote sind darüber

hinaus jederzeit auf unserer Homepage

www.sportkreis-main-taunus.de abrufbar.

In Zeiten knapper Kassen wird es immer wichtiger

zu überlegen, wo Ressourcen gebündelt

und Synergien genutzt werden können. Wird

ein Ziel von mehreren gemeinsam verfolgt,

können Herausforderungen und Belastungen

auf mehrere Schultern verteilt werden. So können

beispielsweise Initiativen, Projekte und

Werbung zu den Themen Prävention, Bewegung

und Gesundheit gemeinsam umgesetzt

werden. Durch die breitere Interessenvertretung

kann somit die Wahrnehmung dieser

Themen in der Öffentlichkeit erhöht werden.

Vor diesem Hintergrund gründete sich mit der

konstituierenden Sitzung im November 2012

ein Netzwerk. Die Netzwerkmitglieder setzen

sich – neben den Vertretern des Sportkreises

– aus Vertretern der Kommunalpolitik,

des Gesundheitsamtes, der Ärzteschaft, des

Landessportbundes Hessen und des Turngaus

Main-Taunus zusammen und treffen sich in

der Regel 2x jährlich.

2014 haben wir eine Vortragsreihe zu gesundheitlichen

Themen ins Leben gerufen. Hierbei

werden wir tatkräftig von den Kliniken des

MTK durch kostenfreie Nutzung der Räumlichkeiten

und Vertretern aus der Ärzteschaft

Claudia Michels, stellvertretende Sportkreisvorsitzende

und selbst Trainerin u.a. im Gesundheitssport,

ist schon seit 2009 für den Fachbereich

„Gesundheit und Bewegung“

verantwortlich. Seit dem Sportkreistag 2015 ist

sie stellvertretende Sportkreisvorsitzende.

ehrenamtlich unterstützt. Die Vorträge sind

aufgrund der interessanten Themen, aber

auch aufgrund der Netzwerkmöglichkeit von /

zwischen Übungsleiter/innen und Vereinsvorsitzenden

sehr gut besucht. Auch sie finden in

der Regel ein- bis zweimal jährlich statt.

2019 schließlich wurde die Thematik „Sport

und Krebs“ in das Projekt aufgenommen. Die

Diagnose „Krebs“ ist für jeden Betroffenen

zunächst einmal ein gravierender Einschnitt

und stellt die eigene Welt auf den Kopf.

Gerade wenn der Körper und die Psyche durch

die Behandlungen geschwächt sind, gilt es die

gesunden Anteile zu stärken. Angepasste Bewegungsangebote,

auch in einem geschützten

Rahmen, aktivieren nicht nur das Immunsystem,

sondern verbessern auch eventuelle

Erschöpfungszustände (Fatique). Inzwischen

gilt es als wissenschaftlich erwiesen: „Sport

bei Krebs: „So wichtig wie ein Medikament“.

Die Vereine des Main-Taunus-Kreises bieten

unter der Leitung von qualifizierten Übungsleiter/innen

in speziellen (Reha-)Sportgruppen

moderate Bewegung in der Aktivphase

der Behandlung, aber auch in der Nachsorge

an. Diese haben wir in einem gesonderten

Flyer zusammengestellt. Für Übungsleiter/

innen bieten wir darüber hinaus themenbezogene

Fortbildungen an.

2015

45


FACHBEREICHE

Sportkreisjugend

Die Sportkreisjugend Main-Taunus ist die Interessensvertretung

der jungen Menschen, die

vereinsorgansiert Sport im Main-Taunus-Kreis

treiben. Diese Interessensvertretung für die

etwa 34.000 jungen Menschen bis zu einem

Alter von 26 Jahren nimmt der Jugendwart,

die Jugendwartin, ein Jugendsprecher beziehungsweise

eine Jugendsprecherin sowie

– optionaler Weise – weitere unterstützende

Personen wahr.

Auch die Sportkreisjugend blickt auf eine

lange – insbesondere aus der Sicht von jungen

Menschen gesehen – Geschichte zurück.

So weist die Chronik des Sportkreises bereits

im Jahr 1946 Johann Zimmermann als Kreisjugendwart

aus. In den darauffolgenden 75

Jahren ist vieles passiert und es hat sich

einiges verändert. Eines jedoch ist über all

die Jahre konstant geblieben, der ehrenamtliche

Einsatz für die sportliche Jugendarbeit

zwischen Main und Taunus. Daher unseren

herzlichen Dank an alle unsere Vorgängerinnen

und Vorgänger sowie deren Unterstützerinnen

und Unterstützer! Diesen ist es

gelungen die Sportkreisjugend aufzubauen

und aktiv zu halten. Wir sind sehr froh, dass

die Sportkreisjugend an dem Punkt steht, an

dem sie heute – 75 Jahre nach ihrer Gründung

– ist.

Unsere beiden Jugendwarte Katharina Dörr und Vinzent Weber bilden den Jugendvorstand der

größten Jugendorganisation im Main-Taunus-Kreis. Der Kinderleichtathletik-Trainer Vinzent Weber

gehört bereits seit 2018 – zunächst als Jugendsprecher – der Sportkreisjugend an. Katharina Dörr,

ebenfalls KiLa-Trainerin, wurde auf der Jugendvollversammlung 2021 in den Jugendvorstand gewählt.

Die Sportkreisjugend hat sich als eigenständiger

Anbieter von Fortbildungen im

Main-Taunus-Kreis etabliert und kann sich

über die rege Teilnahme von regionalen aber

auch überregionalen Vereinsmitgliedern,

Lehrkräften und Interessierten freuen. Dabei

versuchen wir stets den Zeichen der Zeit zu

folgen und den aktuellen Bedarf zu decken.

So haben wir zuletzt verstärkt den Umgang

mit sozialen Netzwerken und deren Nutzen

für Sportvereine behandelt. Ein weiteres,

immer beliebtes und auch immer wichtiges

Fortbildungsthema stellt das Kindeswohl im

Sport und die Aufsichtspflicht für Übungsleitungen

und andere Aktive im Sport dar. Wir

sind stolz, dass wir uns schon lange diesem

Thema verschrieben haben. So konnte vielen

Übungsleitungen, Trainierinnen und Trainern

aber auch Vorstandsmitgliedern das nötige

Feingefühl vermittelt werden, um dafür Sorge

zu tragen, dass der Sport im Main-Taunus-

Kreis ein sicheres Umfeld für alle darstellt.

Diese Bemühungen zeigen sich auch in

der engen Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring

Main-Taunus. Über diesen fördert

der Main-Taunus-Kreis die Jugendarbeit im

Kreisgebiet. In den entscheidenden Gremien

nimmt die Sportkreisjugend die Interessenvertretung

auch der jüngsten Mitglieder unserer

über 200 Vereinen wahr. So konnten in

den letzten Jahren regelmäßig Fördersummen

in fünfstelliger Höhe für die Jugendarbeit der

Vereine ausgezahlt werden.

46 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


im Main-Taunus-Kreis, um sicherzustellen,

dass die Interessen der Jugend auch in den

nächsten 75 Jahren so präsent sind, wie sie es

bisher waren.

2016

Auch wenn die Sportkreisjugend mittlerweile

eigenständig agiert, sind wir sehr eng mit

dem Vorstand des Sportkreises verbunden.

Die Servicestelle Sport sorgt dafür, dass wir

ständig erreichbar sind. Sie koordiniert beispielsweise

den Verleih unserer 10-Personen-

Zelte oder unserer Hüpfburg.

Abgesehen von diesen Kontakten hier vor

Ort sind wir froh über die Zusammenarbeit

mit den benachbarten Sportkreisjugenden,

welche in Zukunft verstärkt werden soll, aber

auch über die Zusammenarbeit mit der Sportjugend

Hessen. Durch diese bekommen wir

viele unserer qualifizierten Referentinnen und

Referenten vermittelt und haben immer einen

Ansprechpartner an unserer Seite.

Neben diesen großen Partnern sind wir über

jeden Kontakt im Kreis dankbar. Ob es eine

Kooperation mit Vereinen, wie beispielsweise

bei der U18-Wahl oder aber auch die Bereitstellung

von Räumlichkeiten ist, freuen wir

uns über das Vertrauen und die Unterstützung

die man uns entgegenbringt. Damit dies auch

weiterhin möglich ist, möchten wir daran

appellieren, die Jugend und ihre Interessen

nicht zu vergessen. Wir tun unser möglichstes

um diesen Standpunkt zu vertreten. Wir

freuen uns über weitere Unterstützer und Interessenten

an der sportlichen Jugendarbeit

2017

2018

47


FACHBEREICHE

Vorschule, Schule, Hochschule

Kinder und Jugendliche bewegen sich zu

wenig - Die Bewegungsarmut heutiger Schulkinder

führt, wie vielfach nachgewiesen,

nicht nur zu gravierenden gesundheitlichen

Schäden, sondern auch zu Auffälligkeiten im

Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten. Ausreichende

Bewegungsreize tragen auch erheblich

zur Ausbildung kognitiver Strukturen bei.

Darüber hinaus sind die im Grundschulalter

erworbene Bewegungssicherheit, die koordinativen

Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie

die notwendige Kooperationsfähigkeit sowohl

Grundlage für ein lebenslanges Sporttreiben,

als auch für die Entwicklung zu einer sozialen

und selbstbewussten Persönlichkeit.

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des

Fachbereichs „Vorschule, Schule und Hochschule“,

Kinder und Jugendliche nachhaltig

für (mehr) Sport zu begeistern und Möglichkeiten

zu schaffen, damit sie sich ausreichend

bewegen können.

Bereits die Bewegung in Kitas und im Kindergarten

ist ein wichtiger Schritt, um Freude

an der Bewegung zu fördern. So sind in der

Vergangenheit durch die Zusammenarbeit mit

der Sportjugend Hessen im Rahmen des Programmes

„Mehr Bewegung in den Kindergarten“

bis heute insgesamt 21 Kooperationen

zwischen Kindergärten und Vereinen entstanden.

Darüber hinaus ist es wichtig, schon in

der Erzieherausbildung das Thema Bewegung

stärker in den Fokus zu rücken. Dies war

dem Sportkreis schon immer ein wichtiges

Anliegen. Bereits 2006 gab der Sportkreis

bei der Goethe-Universität Frankfurt eine

Untersuchung zum Thema: „Situationsanalyse

der Bewegungserziehung in den Kindergärten

des Main-Taunus-Kreises“ in Auftrag und

entwickelte hieraus ein Kooperationsprojekt

zwischen Kitas und Sportvereinen zur Bewegungsförderung

der Kinder.

Aktuell planen wir mit der Ausbildungsschule

des Kreises, der Brühlwiesenschule in

Hofheim, in einer Informationsveranstaltung

Interesse an den Fort- und Ausbildungsangeboten

der Sportjugend Hessen – speziell

für diese Berufsgruppe – zu wecken. Bei

entsprechendem Interesse wird der Sportkreis

die Schule bei der Ausbildung im Sportbereich

unterstützen.

Die Sportförderung an Grundschulen ist ein

weiteres Ziel des Sportkreises. Dies geschieht

einerseits in Zusammenarbeit mit dem lsb h

und durch das Landesprogramm „Schule und

Verein“. Andererseits fördert der Main-Taunus-Kreis

Kooperationen zwischen Grundschulen

und Sportvereinen mit dem Ziel einer

längerfristigen Zusammenarbeit.

Kerstin Brestel, erst vor kurzem aus dem

Schuldienst ausgeschieden, ist seit dem

Sportkreistag 2021 für den Fachbereich

„Vorschule, Schule, Hochschule“ verantwortlich.

Das Landesprogramm „Schule und Verein“

bringt die Schulen besonders im Bereich der

Sekundarstufe I (also 5. bis 10. Klasse) und

die regionalen Vereine zu vielfältigen Kooperationen

in den verschiedensten Sportarten

zusammen. Pandemiebedingt konnten

in den letzten Schuljahren leider nur noch

sehr wenige Kooperationen im Rahmen des

Landesprogramms regelmäßig durchgeführt

werden. Dies wird sich hoffentlich im nächsten

Schuljahr wieder ändern, so dass an die

bisher erfolgreiche Arbeit angeknüpft werden

kann. Unterstützt wird dies auch durch die

im Rhythmus von 3 Jahren stattfindenden

Informationsveranstaltungen, bei denen sich

die Vertreter/innen der Vereine und Schulen

kennenlernen und austauschen können.

Beim Sportkreistag 2021 wurde das Amt in

neue Hände übergeben. Ursula Groth wechselte

in den Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit

und Kerstin Brestel setzt diese im Fachbereich

fort. Es warten auch in den nächsten Jahren

spannende Aufgaben. Wir bleiben weiterhin

initiativ!

48 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Bildung und Personalentwicklung

Achtsamkeit und Entspannung

TANZKALEIDOSKOP

Printmedien/Internet

SPORTARTÜBERGREIFENDE FORTBILDUNGEN

FIT DURCH

DAS GANZE JAHR

Rumpf ist Trumpf

Gedächtnistraining

GET IN FUNCTION – MOVE BETTER

Indian Balance

Selbstverteidigung

für Frauen

KOPF-KULTUR-WOCHENENDE

Öffentlichkeitsarbeit

Wirbelsäulengymnastik

Nachdem der Fachbereich „Bildung und

Personalentwicklung“ auf dem letzten Sportkreistag

zunächst nicht besetzt werden konnte,

ist Sabine Klein seit Januar 2022 als kooptiertes

Vorstandsmitglied für diesen Fachbereich

verantwortlich.

Wie gewinne ich Respekt?

GRUNDSCHULE DER LEIBESÜBUNGEN

CALLANETICS

Core-Workout

RHYTMOKINETIK

FUNKTIONELLES ZIRKELTRAINING

Fitte Kids

Fit

Food

Fun

Social Media

ABC der Trainerkommunikation

KINDESWOHL

Impulse für die Vereinsarbeit

Aufsichtspflicht

OSTEOPOROSE

Ruheinseln

im Kinderalltag

Gerätturnen?

DIE GERÄTE

LERNEN UNS KENNEN

Alltags-Trainings-Programm

KANTAERA®

Kids

in Action

Freizeitgestaltungs-Spiele

AFT-PP

Klar macht das Spaß!

ATEM – STIMME – KÖRPER

Kopftraining mit Hand und Fuß

ERSTE HILFE IM SPORT

Jugendbetreuer-Ausbildung

Sport und Krebs

JUNGES

ENGAGEMENT

IM SPORT

Datenschutz im Sportverein

ZAPPELPHILIPP

Vereine

im Internet

Nichtärztliche Erstversorgung

Fit für die Piste

FASZIENTRAINING

Versicherungsfragen

BEWEGEN

DEHNEN

ENTSPANNEN

Faszination Beweglichkeit

Image + Körpersprache

Steuern I-III

Vereinsbuchhaltung

2019

49


FACHBEREICHE

Sportabzeichen

Hätte – könnte – würde, war gestern …

Einfach machen!

Das Deutsche Sportabzeichen ist eine Auszeichnung

des DOSB für vielseitige körperliche

Leistungsfähigkeit außerhalb des Wettkampfsports.

Es wird an Kinder, Jugendliche

und Erwachsene in Bronze, Silber und Gold

verliehen. Auch Menschen mit Behinderungen

können durch einen angepassten Leistungskatalog

das Sportabzeichen erwerben. Die

zu erbringenden Leistungen orientieren sich

an den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer,

Kraft, Schnelligkeit und Koordination

mit vielseitigen Übungen aus verschiedenen

Sportarten. Der Nachweis der Schwimmfertigkeit

ist notwendige Voraussetzung für

den Erwerb des Deutschen Sportabzeichens.

Empfohlen wird eine gute Vorbereitung mit

qualifiziertem Training, wie es u.a. in den

Sportabzeichentreffs unserer Sportvereine

angeboten wird.

Als Sportabzeichenbeauftragte sehen wir

uns in erster Linie als Dienstleister für die

Vereine, insbesondere für die Sportabzeichenprüfer/innen

und für interessierte

Sportler/innen. Auf der in jedem Frühjahr

Seit 2015 kümmert sich

Stefan Natterer im Fachbereich

„Sportabzeichen“ um

alles rund um das Leistungsabzeichen

für vielseitige

körperliche Leistungsfähigkeit

im Breitensport.

50 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


3000

2500

2000

stattfi ndenden Jahrestagung der Sportabzeichenprüfer/innen

informieren wir über

neueste Entwicklungen und Änderungen im

Regelwerk und Leistungskatalog und versorgen

die Prüfer/innen mit allen notwendigen

Materialien. Regelmäßig bieten wir Basis-

Qualifi zierungen für Sportabzeichenprüfer/

innen und Fortbildungen zur Lizenzerweiterung

im Radfahren und Turnen direkt vor Ort

im MTK an.

Da das Sportabzeichen in besonderer Weise

die Möglichkeit bietet, sich generationenübergreifend

gemeinsam sportlich zu betätigen,

richten wir im Wechsel mit dem

Landessportbund Hessen einen Familien-

Sportabzeichen-Abnahmen 1999 bis 2021

Wettbewerb aus. Bei diesem werden Familien

ausgezeichnet, die mit Familienmitgliedern

aus mindestens zwei Generationen das Sportabzeichen

absolviert haben. Mit unserem

neuen Schulwettbewerb möchten wir die

Schulen im MTK zur Abnahme der vielseitigen,

sportartübergreifenden Übungen im Rahmen

des Sportunterrichts motivieren.

2020

1500

1000

500

0

1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021

2021

51


FACHBEREICHE

Finanzen

Sport ist unsere Leidenschaft und ohne den

persönlichen Einsatz und Ehrgeiz aller ehrenamtlichen

Helfer würden wir nicht so lange

bestehen. Durch die enorm wichtige Unterstützung

unserer Sponsoren und Spender

wäre ein ausdauerndes Vereinsbestehen nicht

möglich.

Wir bedanken uns herzlich für die fortwährenden

Zuwendungen, Förderungen und Spenden

und das entgegengebrachte Vertrauen beim

Landessportbund Hessen, dem Main-Taunus-

Kreis, der Taunus Sparkasse, der Sportjugend

Hessen, der Staatskanzlei, bei der Süwag und

der Mainova.

Somit konnte unsere Sportkreisarbeit und die

vielfältigen Projekte, wie z.B. „Wegweiser für

Gesundheit“, der Schulsportabzeichen-

Wettbewerb, „Fit und gesund in der Schule“

und Integrationsprojekte realisiert werden.

Wir hoffen weiterhin auf eine lange, zukunftssichere

Zeit.

Bereits seit 2009 gehört Gabriele Scholze-Kurz

dem Sportkreisvorstand an – zunächst für den

Fachbereich „Umwelt und Sportstättenentwicklung“,

seit 2010 auch für den

Fachbereich Finanzen.

Entwicklung der Mitgliederzahlen seit 1965 … … und der Vereine seit 1964

90.000

250

80.000

70.000

60.000

50.000

54.152

59.133

66.053

71.300

73.386

74.770

77.128 76.715

78.710

75.860

200

150

149

161

179

196

205

211 213 213 212

206 207

40.000

30.000

30.836

43.606

100

112

20.000

10.000

19.964

50

0

1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2021

0

1964 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2021

52 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.


Der Sportkreis in Zahlen

Anteil der Vereine nach Zahl ihrer Mitglieder

4057

Mitgl.

5723

Mitgl.

21404

Mtglieder

3888

Mitgl.

8560

Mitglieder

Anzahl der Vereine im Sportkreis Main-Taunus

Gesamtzahl Sportvereine 2021: 207

32228

Mitglieder

■ 10,6 % Großvereine über 1000 Mitglieder

davon 1 % (2 Vereine) über 2000 Mitglieder

■ 4,8 % Mittelgroße Vereine 751 - 1000 Mitglieder

■ 21,7 % Mittelgroße Vereine 301 - 750 Mitglieder

■ 7,7 % Mittelvereine 201 - 300 Mitglieder

■ 19,3 % Kleinvereine 101 - 200 Mitglieder

■ 35,7 % Kleinstvereine bis 100 Mitglieder

Gesamt Mitgliederzahl Sportvereine 2021: 75860

■ 42,5% Großvereine über 1000 Mitglieder

davon 5,4 % (4091 Mitgl.) in Vereinen über 2000 Mitglieder

■ 11,3 % Mittelgroße Vereine 751 - 1000 Mitglieder

■ 28,2 % Mittelgroße Vereine 301 - 750 Mitglieder

■ 5,3 % Mittelvereine 201 - 300 Mitglieder

■ 7,5 % Kleinvereine 101 - 200 Mitglieder

■ 5,1 % Kleinstvereine bis 100 Mitglieder

74

40

22

16

10

45

53




IMPRESSUM

Herausgeber:

Sportkreis Main-Taunus e.V.

Schmelzweg 2-4

65830 Kriftel

Redaktion:

• Hans Böhl

• Ursula Groth

• Vinzent Weber

• Kathrin Zimmermann

Fotos:

• Christian Peter: S. 37

• DFB/GettyImages: S. 38

• FNP: S. 30

• Hessische Staatskanzlei: S. 2

• Höchster Kreisblatt: S. 9

• hr Ben Knabe: S. 1

• Kathrin Zimmermann: S. 47

• lsb h: S. 16, S. 25, S. 39, S. 41, S. 43, S. 53 (oben re.), S. 54 (unten li.)

• LSB NRW/Andrea Bowinkelmann: S. 24, S. 29

• Markus Reiter: S. 42 (2x)

• Matthias Knapp: Titelseite re., S. 4, S. 6, S. 9, S. 19, S. 20, S. 22,

S. 24, S. 32, S. 40, S. 43, S. 45, S. 46, S. 48, S. 49, S. 50, S. 52

• Main-Taunus-Kreis: Titelseite Mitte, S. 13, S. 41, S. 54 (oben Mitte)

• Marcel Lorenz: S. 26

• Niklas Mulzer: S. 3

• privat : S. 10, S. 11, S. 14, S. 15, S. 34

• Sabine Kristan: S. 28

• Sportkreis: Titelseite li., S. 15, S. 21, S. 23, S. 27, S. 31, S. 33, S. 34,

S. 35, S. 37, S. 40, S. 41, S. 44, S. 46, S. 47, S. 49, S. 50, S. 53, S. 54

• TSG Münster e. V. 1883: S. 30

• TV Hofheim: S. 36

• Walter Mirwald: S. 19

Gestaltung/Herstellung:

WR design, Sandra Liebig

www.wr-design-online.de

Auflage:

500

Stand: 06-2022

56 75 Jahre Sportkreis Main-Taunus e. V.



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