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Gedenkschrift zur achten Stolpersteinverlegung im Bruchsal am 22. Juni 2022

Für Holocaust-Opfer der Familien Wolf, Beck, Wertheimer, Ritter, Michael, Ellenbogen und Schmalz.

Für Holocaust-Opfer der Familien Wolf, Beck, Wertheimer, Ritter, Michael, Ellenbogen und Schmalz.

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Gedenkschrift

zur achten

Stolpersteinverlegung

in Bruchsal

am 22.6.2022

Stolpersteine

in Bruchsal


Inhaltsverzeichnis

1 Grußwort der Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick

2 Einführung in das Schülerprojekt Florian Jung

Die Opferbiographien

3 Sophie Wolf (1878-1967) Mia Müller, 8u

6 Melanie Wolf (1880-1949) Jennifer Gross, 8u

7 Berta Wolf (1886-1942) Adna Karic, 8u

9 Ludwig Wolf (1890-1957) und Kerem Demirbag, 8u, Florian Jung

Irma Wolf geb. Katz (1897-1991)

13 Liselotte Wolf (1928-2016) Toni Matenda, 8u

15 Ferdinand Wolf (1892-1942) und Osman Sahin, 8u, Florian Jung

Berta Wolf geb. Strauß (1900-1942)

19 Richard „René“ Wolf (1926-1981) Noah Kunze, 8v

23 Schweigen als latenter Schmerz Rolf Schmitt

24 Übersicht Familie Wolf Florian Jung

26 Herbert Beck (1922-1940) Jannick Rost, Torben Seehaus, 8v

29 Hanna Wertheimer geb. Merklinger (1870-1942) Johann Schäfer, 8s

31 Emanuel Wertheimer (1903-1942) Helen Kratz, 8s

36 Übersicht Familie Wertheimer Florian Jung

37 Siegfried Ritter (1871-1953) Niklas Gack, Ben Gutekunst, 8t

40 Übersicht Familie Ritter Florian Jung

41 Gustav Michael (1869-1944) Florian Jung

45 Sophie Ellenbogen geb. Würzweiler (1862-1940) Nawar Ismail, 8v

49 Anna Schmalz geb. Ellenbogen (1889-1956) Philip Zieher, 8v

52 Liesel Bär/Stein geb. Schmalz (1912-1985) Florian Jung, Rolf Schmitt

54 Walter Schmalz (1915-2004) Florian Jung

56 Übersicht Familie Ellenbogen Florian Jung

Anhang

57 Rückblick auf die siebente Bruchsaler Florian Jung

Stolpersteinverlegung am 8.6.2021

60 Unterstützung, Quellen, Literatur Florian Jung

Die Druckkosten dieser Broschüre wurden dankenswerterweise von der BürgerStiftung Bruchsal übernommen.


Grußwort der Oberbürgermeisterin

Zum mittlerweile achten Mal werden am 22. Juni 2022 in

Bruchsal Stolpersteine verlegt. Weit über hundert dieser

kleinen, in die Fußwege eingelassenen Tafeln erinnern in

Bruchsal inzwischen an die Opfer der Nationalsozialisten –

an zahlreiche jüdische Familien, an Menschen mit Behinderungen,

an einen regimekritischen SPD-Politiker, einen hingerichteten

polnischen Zwangsarbeiter und an die deutsche

Frau, die Mutter eines gemeinsamen Kindes wurde, was nach

NS-Unrecht als „Rassenschande“ drakonisch bestraft wurde.

Immer wieder zeigt sich bei der Beschäftigung mit diesen

Verbrechen, wie viele verschiedene Opfergruppen unter dem

brutalen Unterdrückungssystem haben leiden müssen.

„Mit den Stolpersteinen sind die Menschen plötzlich wieder

gegenwärtig“, sagt der Künstler Gunter Demnig über die Idee, die hinter seinem Projekt

steht, und dieses „wieder gegenwärtig“ ist ohne Zweifel eine ganz zentrale Botschaft. Die

Opfer des NS-Regimes von Neuem in unser Bewusstsein gerückt – gerade auch als Warnung

und Mahnung, dass Fanatismus und Rassismus immer und überall zur Bedrohung

der Menschenrechte werden können.

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fast 65 Prozent der Deutschen halten Antisemitismus für

ein mittlerweile weit verbreitetes Phänomen in allen Milieus und Gruppen unserer Gesellschaft.

Noch vor wenigen Jahren haben nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung dies so

gesehen. Das heißt: Zwei Drittel der repräsentativ Befragten sind der Ansicht, dass dieses

gravierende Problem für die Gesellschaft als Ganzes – und nicht allein für Menschen

jüdischen Glaubens! – in Deutschland zuletzt stark zugenommen hat.

Gerade auch angesichts solcher Entwicklungen sind Stolpersteine als Beiträge zu einem

dauerhaften Erinnern wichtig, das nicht in geschichtlichem Rückblick stehen bleibt, sondern

immer auch das bürgerschaftliche Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Diskriminierung

in der Gegenwart stärkt. Allen, die sich auch in diesem Jahr wieder engagiert

und eingebracht und in diesem Sinne ein Zeichen gesetzt haben, danke ich sehr herzlich:

Allen Spendern, allen Organisatoren, allen Ideengebern, namentlich der BürgerStiftung

Bruchsal und der Bruchsaler Friedensinitiative. Herr Florian Jung, Lehrer am Justus-

Knecht-Gymnasium, hat auch diesmal mit seiner Projektgruppe aus Schülern der 8. Klasse

die Geschichte zahlreicher NS-Opfer recherchiert. Herrn Rolf Schmitt ist es wiederum

gelungen, zahlreiche Kontakte zu Nachfahren jüdischer Familien aufzubauen, die früher

in Bruchsal gelebt haben. Und immer wieder dürfen wir es auch erleben, dass die heutigen

Hausbesitzer an den Verlegestellen sich sehr zustimmend zu der Aktion äußern und selbst

aktiv nach dem Schicksal früherer Bewohner des Gebäudes fragen – eine besondere Form

der Auseinandersetzung mit Geschichte. Ihnen allen gebührt unser Dank.

Cornelia Petzold-Schick

1


Einführung in das Schülerprojekt

von Florian Jung, OStR am Justus-Knecht-Gymnasium Bruchsal

Natürlich ist es richtig und wichtig, dass man an deutschen Schulen im Geschichtsunterricht

und an anderer Stelle die Verbrechen des Nationalsozialismus immer wieder thematisiert

und nicht nachlässt, die Jugend für alle Arten von Intoleranz, Ausgrenzung, aber

auch ganz konkret für Antisemitismus zu sensibilisieren. Im besten Fall kann man sie

stärken, derartigen Tendenzen nicht nur innerlich abweisend gegenüberzutreten, sondern

auch ablehnende Haltungen zu äußern. Doch wie kann es gelingen?

Es liegt auf der Hand und ist auch unter Fachdidaktikern unumstritten, dass emotionale

Zugänge die Wirkung des Sachwissens verstärken und dass theoretische oder allgemeine

Vorträge zu Antisemitismus eher wenig bewirken. Generationen von Schülern blieb beispielsweise

die Begegnung mit einem Zeitzeugen eindrücklich in Erinnerung. Der Zauber

liegt im Exemplarischen: Man kann mitdenken und mitfühlen, welche unmenschlichen

Umstände diesen speziellen Menschen geprägt haben. Aber die letzten Zeitzeugen sterben.

Jene Achtklässler des JKG, die das Projekt „Stolpersteine für Bruchsal“ besuchen, haben

eine andere Möglichkeit, sich exemplarisch und emotional einem konkreten Opfer

des Nationalsozialismus zu nähern: Mit Hilfe umfangreicher Aktenbestände, meist im

Generallandesarchiv Karlsruhe zu finden, werden Lebens- und Todesumstände nachvollziehbar

und plastisch. Zudem können sie feststellen, in welchem Haus Bruchsals die

betrachtete Person wohnte. Oft gelingt der Brückenschlag nicht nur zum Hier, sondern

auch zum Jetzt. Lassen sich Angehörige finden und sind diese zum Dialog mit uns bereit?

Verfügen diese über persönliche Informationen oder gar Fotografien? Haben sie vor,

zur Stolpersteinverlegung nach Bruchsal zu kommen? Die Reise in die Vergangenheit und

wieder zurück ist auf mehreren Ebenen lehrreich und oft spannend – für alle Beteiligten.

Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe „Stolpersteine“ im Schuljahr 2021/2022. Foto: Florian Jung.

2


Biografie von Sophie Wolf (1878-1967)

Mia Müller, Klasse 8u

Sophie Wolf mit Großneffe Frédérik Wolf,

1959 in Bruchsal. Foto: Hélène Yaïche.

Sophie Wolf wurde am 29. November 1878 in

Östringen als Tochter des Handelsmanns Leopold

Wolf (1843-1907) und seiner Frau Karoline

geb. Münzesheimer (1851-1936) geboren.

Nach dem Umzug im Jahr 1882 nach Bruchsal,

in die Huttenstraße 4, wuchs sie mit drei älteren

und fünf jüngeren Geschwistern auf. In

Bruchsal lebten schon mehrere Geschwister

und weiterte Verwandte der Mutter. Sophie

Wolf war gelernte Schneiderin und unverheiratet.

Sie lebte mit ihren ebenfalls unverheirateten,

jüngeren Schwestern Melanie und Berta

und der alten Mutter zusammen im Elternhaus.

Ihre Schwester Melanie Wolf hatte im Elternhaus

ein angesehenes Nähgeschäft. Der Aufgabenkreis

von Sophie Wolf bestand in der

Führung des Haushalts. Nachmittags half sie

im Nähgeschäft ihrer Schwester aus. Berta war

Bürochefin in der Zigarrenfabrik der beiden

Brüder Ludwig und Ferdinand Wolf. Somit

konnten sich die drei Schwestern 1924 das

Geschäftshaus Kaiserstraße 38 in Bruchsal als

zusätzliche Altersversorgung kaufen. Rechtsanwalt Dr. May schrieb 1956 rückblickend:

„Frl. Wolf stammt aus einer angesehenen Bruchsaler Bürgerfamilie. Ihre Brüder waren als

Kaufleute in Bruchsal und Umgebung tätig. […] Im Hinblick auf diese gediegenen wirtschaftlichen

Verhältnisse innerhalb der Familie Wolf war auch für die Antragstellerin gesorgt. Sie

hatte Einnahmen aus den Rentenhäusern.“ Es ist überliefert, dass Sophie diese im Namen

ihrer Schwestern verwaltete.

Nach dem Tod ihrer Mutter 1936 erbten Sophie und ihre beiden ledigen Schwestern das

Elternhaus, die Einrichtung und den persönlichen Schmuck. Später wird beispielsweise

erwähnt, dass die Mutter anlässlich ihres 80. Geburtstags 1931 ein komplettes neues Silberbesteck

für 24 Personen angeschafft hatte. Im März 1939 wurden alle Juden gezwungen,

alle Edelmetallgegenstände nach Karlsruhe zur Pfandleihanstalt zu bringen. Berta

Wolf lieferte für die Schwestern unter anderem die silberne Tabakdose des Vaters, über

hundert Jahre alte, mit großen schwarzen Steinen besetzte Ohrringe der Mutter sowie silberne

Becher und Schalen ab, die die Mutter mit in die Ehe gebracht hatte und ursprünglich

religiösen Zwecken dienten. Sophies eigener Schmuck bestand aus einer goldenen

3


Halskette, zwei silbernen Halsketten und einer silbernen Handtasche. Jedoch bekamen sie

so gut wie nichts für den Schmuck. Aber es gab weitere, viel härtere finanzielle Einbußen:

Nach der Reichspogromnacht konnten sie nicht mehr arbeiten gehen und verkauften ihr

Rentenhaus in der Kaiserstraße am 6. Dezember 1938 an Kaiser’s Kaffee-Geschäft. Da die

Konten aber gesperrt wurden, konnten sie kein Geld abheben. In der Zeit vom 15. Dezember

1938 bis zum 17. November 1939 mussten die drei Schwestern an die Finanzkasse

Bruchsal 15.000 RM an Judenvermögensabgabe entrichten. (Sophie und Melanie jeweils

4750 RM, Berta 5500 RM).

Am 22. Oktober 1940 wurden Sophie und ihre ganze Familie unter Zurücklassung von

Hab und Gut zwangsweise ins Internierungslager nach Gurs, Frankreich, abgeschoben.

Sie verbrachte vier Jahre in Lagern. Von Gurs ging es am 21. Februar 1941 zusammen mit

ihren drei Schwestern Melanie und Berta Wolf, Helene Frank und dem Schwager Isaak

Frank zum Camp de Noé. Zwei Jahre später, am 21. August 1943, wurden Sophie und viele

ältere jüdische Frauen ins Hospice in Montauban gebracht. Sophie Wolf schrieb später:

„Dort waren wir zu je etwa 20 Frauen in einem Raum praktisch eingesperrt. […] Die Verpflegung

war miserabel und der ganze Lebenszuschnitt nicht besser als in Noé bzw. Gurs.“

Erst im August 1944, als Montauban befreit wurde, verbesserten sich die Bedingungen.

Der Direktor des Centre Hospitalier de Montauban bestätigte 1957, dass es den „deutschen

Insassen“ nicht erlaubt worden war, das Krankenhaus zu verlassen. Erst später wurde

die Maßnahme erleichtert und „diese Deutschen“ erhielten das gleiche Recht wie die

übrigen Bewohner des Altersheimes, die dreimal in der Woche während ein paar Stunden

ausgehen durften. Sophie zog mit ihrer Schwester Melanie am 20. Juni 1946 von Montauban

nach Blois. Sie kehrten am 23. November 1946 nach Bruchsal zurück.

Da ihr Elternhaus in der Huttenstraße 4 völlig zerstört war, wohnten Melanie und Sophie

Wolf in der Schönbornstraße 21 in Bruchsal. Später, im April 1947, lehnte Sophie eine

Beihilfe von 1000 RM ab, „da sie durch ihren Neffen geldliche Unterstützung gefunden hat.“

Jedoch war das Geld schon überwiesen. Auch Anfang Juni 1948 schrieb sie an das Landesamt:

„Wir brauchen zur Zeit keine Unterstützung.“ Jedoch benötigte sie etwa einen Monat

später und auch im Oktober eine Beihilfe, da sie wegen der Währungsumstellung kein

Bargeld mehr hatte. Am 18. Februar 1949 reichten Sophie und ihre Schwester Melanie einen

Wiedergutmachungsantrag ein, da beide arbeitsunfähig waren aufgrund ihres Alters

und in der Inhaftierung zugezogener Krankheiten. Jedoch wurde eine weitere Zahlung aus

dem Härtefallfonds abgelehnt, da die Nachweise für die Haft sowie die Vermögensverluste

usw. noch fehlten.

Sophie und Melanie waren in einer prekären Situation, denn zu den finanziellen Sorgen

kamen gesundheitliche. Bereits im März 1948 war Sophie Wolf für eine Woche im Krankenhaus

Bruchsal wegen Angina Pectoris. Wegen Herzinsuffizienz befand sich Sophie

vom 10. Juli bis zum 7. Oktober 1948 im Krankenhaus. Es kam später heraus, dass sie

an einer Herzverkalkung und einer fortgeschrittenen Herzmuskelentartung litt. Vom 11.

Januar bis 20. Februar 1949 befand sich die 70-Jährige im Krankenhaus wegen einer Herzmuskelschwäche

und chronischem Leberleiden. Ihre Schwester Melanie war noch wesentlich

kränker und starb im März 1949.

4


Im Juni 1950 wurde Sophie eine Mindestrente von 70 DM monatlich zugesprochen, wobei

sie davon kaum leben konnte. Nachweise für eine höhere Rente fehlten immer noch. Dies

änderte sich jedoch im April 1952 mit einer Erhöhung auf 98 DM. Ganz allmählich kamen

auch die Rückerstattungen der verlorenen Gebäude voran. Das Ruinengrundstück Kaiserstraße

38 wurde im Oktober 1951 zurückübertragen, dazu erhielt Sophie Wolf 2000 DM

Entschädigung, da das am 1. März 1945 zerstörte Gebäude freilich keine Erträge abwerfen

konnte. Mehr Glück hatte Sophie Wolf mit einem Haus in der Talstraße, das ihrem Bruder

Gustav seit 1913/14 gehört hatte. Kurz bevor dessen Witwe 1940 ausgewandert war, war

das Einfamilienhaus in den Besitz der drei Schwestern Wolf übergegangen. Das Finanzamt

hatte es 1942 enteignet und weiterverkauft. Die neue Eigentümerin musste es im April

1950 an Sophie zurückübertragen. Auch die Ruine des Elternhauses in der Huttenstraße

konnte Sophie Wolf zurückerhalten und mit Unterstützung ihres Neffen René Wolf 1961

wieder aufbauen. Die Anerkennung und Auszahlung aller Schadenersatzansprüche dauerte

lange Jahre, sodass Sophie Wolf wohl erst ab etwa 1960 ohne finanzielle Sorgen leben

konnte.

Sophie Wolf war Ende 1952 in die Schlossstraße 11 umgezogen, wo sie bis an ihr Lebensende

wohnen blieb. Glücklicherweise hatte sich auch ihr Gesundheitszustand stabilisiert.

Am 26. September 1967 starb Sophie Wolf in Bruchsal im Alter von 89 Jahren. Große Unterstützung

erhielt sie von ihrem Neffen Richard „René“ Wolf, der seine Tante Sophie über

viele Jahre zusammen mit seiner Familie regelmäßig besucht hatte und sich beispielsweise

auch beim Landesamt für Wiedergutmachung für sie eingesetzt hatte. Ihm hat Sophie Wolf

auch ihren Bruchsaler Besitz

vermacht – er war ihr einziger

Verwandter, der noch in

Europa lebte. Sophie Wolf

hat wie kein anderes Mitglied

der jüdischen Gemeinde

Bruchsals deren Blütezeit

und Niedergang miterlebt.

Kurz nachdem Sophie Wolf

1882, als Vierjährige, mit

ihren Eltern und ihren Geschwistern

nach Bruchsal

gezogen war, erreichte die

Zahl der Juden mit über 750

eine Höchstzahl, das machte

6,5% der Bruchsaler Bevölkerung

aus. Mit Sophie Wolf

starb 1967 das letzte Gemeindemitglied,

das nach

dem Holocaust wieder nach

Bruchsal zurückgekehrt war.

Sophie Wolf (links) und Melanie Wolf, um 1948 in Bruchsal.

Foto: Hélène Yaïche.

5


Biografie von Melanie Wolf (1880-1949)

von Jennifer Gross, Klasse 8u

Melanie Wolf wurde am 10. Mai 1880 in Östringen geboren. Sie war eines von insgesamt

neun Geschwistern und war das fünfte Kind von Leopold und Karoline Wolf. Melanie war

zwei Jahre alt, als ihre Familie von Östringen nach Bruchsal zog. Seither lebte sie im Haus

in der Huttenstraße 4 mit ihrer Familie.

Sie blieb unverheiratet und lebte bis zu ihrem 60. Lebensjahr mit ihren beiden Schwestern

Sophie und Berta zusammen. Ihre ältere Schwester, Sophie Wolf, gab 1957 zu Protokoll,

dass Melanie eine höhere Schuldbildung hatte. Nachdem sie die Schule verlassen hatte,

erlernte sie zuerst das Weißnähen und dann vier Jahre lang das Kleidermachen. Melanie

trat als Gesellin in ein großes Modehaus in Frankfurt/Main ein und besuchte gleichzeitig

Kurse auf der Zuschneide-Akademie. Danach legte sie dort ihre Abschlussprüfung ab und

bekam daraufhin den Meisterbrief. Danach eröffnete sie ihre eigene Damenschneiderei im

Familienwohnhaus Huttenstraße 4 in Bruchsal. Wahrscheinlich hatte Melanie ein Jahreseinkommen

von 7000 bis 9000 RM. 1957 konnte das Bürgermeisteramt die Umsätze und

Gewinnziffern nicht mehr ermitteln. Allerdings konnte festgestellt werden, dass es sich

um einen gut gehenden Betrieb gehandelt hatte mit vier bis fünf Beschäftigten. Von 1933

bis 1936 reduzierte sich der Betrieb aufgrund der antijüdischen Maßnahmen, und 1936

musste Melanie Wolf ihr Geschäft aufgeben. Die ehemalige Obermeisterin der Damenschneiderinnung,

Marie Lampert, bestätigte, dass Melanie eine Damenschneiderinnenmeisterprüfung

hatte und dass sie ihren letzten Lehrling 1937 zur Prüfung brachte.

Weitere Einschränkungen führten dazu, dass den Geschwistern Wolf immer mehr die Lebensgrundlage

entzogen wurde. Als die Schwestern am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert

wurden, mussten sie fast ihren gesamten Besitz zurücklassen. Dieser wurde später

aus dem Gedächtnis aufgelistet. Neben offensichtlich hochwertigen Möbeln fällt auf,

dass zum Inventar drei Singer-Nähmaschinen (darunter eine elektrische), eine Schreibmaschine,

wertvolle Teppiche und Ölgemälde, aber auch ein Fahrrad, ein gut sortierter

Weinkeller und Pelzmäntel gehörten. Aufhorchen lassen „drei Überseekoffer, 2 kleinere

Koffer aus Alu“: Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Schwestern Wolf eine

Auswanderung planten. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sophie wurde Melanie Wolf am

21. Februar 1941 von Gurs aus ins Lager Noé verlegt. Am 17. April 1943 wurde sie dann

nach Montauban verlegt. Sophie kam scheinbar vier Monate später nach. Sie waren insgesamt

vier Jahre lang im Lager und lebten ein Jahr lang in der Emigration in Blois. Sie

kehrten im November 1946 nach Bruchsal zurück.

Melanie hatte zusammen mit ihrer Schwester Sophie eine Wohnung in Bruchsal in der

Schönbornstraße 21. Melanie hatte jedoch Herzprobleme (Herzmuskelschwäche und perniziöse

Anämie) und war deshalb oft und jeweils für einen längeren Zeitraum im Krankenhaus.

Seit April 1947 bis zu ihrem Tod am 22. März 1949 war sie maximal vier Wochen

am Stück zu Hause, manchmal kam sie aber auch vier Monate lang nicht heim. Jeden

6


zweiten Tag erhielt sie dann Injektionen von

Novalgin und Kombetin sowie insgesamt

fast 30 Mal Bluttransfusionen. Die Allgemeine

Ortskrankenkasse verlangte vom

Landesamt für Wiedergutmachung im November

1948 die Kostenerstattung der Krankenhausbehandlung,

da die Erkrankung als

Folge der durchgemachten Leiden während

der politischen Verfolgung zu bezeichnen

sei. Die Antwort des Amtes war, dass sie die

Kosten nicht übernehmen wollen: „Rassische

Verfolgung und Schädigung muss Frl. Wolf

erst nachweisen, da bis heute nur allgemeine

und nur teilweise gültige Beweismittel hier

eingereicht wurden.“ Erst wenige Wochen vor ihrem Tod fand Dr. Otto Schmich, Leiter

des staatlichen Gesundheitsamts, deutliche Worte: „Melanie Wolf war bereits im Lager in

Behandlung wegen erheblicher Blutarmut, die der jüdische Lagerarzt mangels Diagnosemöglichkeit

nur vermutungsweise als perniciöse Anämie ansprach. […] Der Zusammenhang dieses

Leidens ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegeben mit den erlittenen

Entbehrungen. Dieser Auffassung ist mit mir der Leiter der Inneren Abteilung im Krankenhaus

in Bruchsal.“

Das Landesamt brauchte bis 1954, um den Bescheid über eine Haftentschädigung für Melanie

Wolf zu erlassen. Ihre Schwester und Alleinerbin, Sophie Wolf, bekam davon nichts,

da nur Ehepartner, Kinder oder Eltern ein Recht auf Auszahlung hatten. Melanie und

Sophie Wolf haben zusammen ein Grab auf dem Jüdischen Friedhof in Bruchsal.

Biografie von Berta Wolf (1886-1942)

von Adna Karic, Klasse 8u

Berta Wolf wurde am 8. März 1886 in Bruchsal geboren und ist somit die jüngste Tochter

von Leopold Wolf und seiner Frau Karoline geb. Münzesheimer. Sie wuchs zusammen mit

vier älteren Schwestern, einem älteren Bruder und zwei jüngeren Brüdern in der Huttenstraße

4 in Bruchsal auf.

Sie ging in die Mädchenschule und danach in die Handelsschule. Ihr Vater Leopold starb

bereits, als sie 21 Jahre alt war. Berta blieb unverheiratet und lebte zusammen mit den

beiden älteren, ebenfalls unverheirateten Schwestern Sophie und Melanie und mit ihrer

Mutter, die 85 Jahre alt wurde und 1936 starb. Was sie bis 1920 beruflich gemacht hat,

ist unbekannt. Mit 34 Jahren begann sie im Büro der Tabakfabrik „Gebrüder Wolf “ als

Bürochefin. Diese Fabrik gehörte ihren beiden jüngeren Brüdern Ludwig und Ferdinand

Wolf, welche diese in Karlsdorf gekauft hatten. Berta Wolf wurde auch als Prokuristin

7

Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof Bruchsal.

Foto: Florian Jung.


Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof

Bruchsal. Foto: Florian Jung.

bezeichnet. Das heißt, sie durfte als Geschäftsführerin

eigenständig z. B. Käufe und Verkäufe im Namen der

Firma tätigen. Nach 1933 wurde ihr Gehalt reduziert,

da die Umsätze der Firma laufend zurückgingen. Zum

1. Januar 1939 wurde sie entlassen, da die Fabrik von

der Firma Kimling aus Graben gekauft wurde. Sie war

bei der ÖVA (Öffentliche Versicherungs-Anstalt des

Badischen Sparkassen- u. Giroverbandes) in Mannheim

lebensversichert. Die Versicherung wurde 1927

abgeschlossen, die Versicherungssumme betrug 10.000

RM. Am 31. August 1938 wurde das Versicherungsverhältnis

durch Rückkauf aufgelöst. Der Rückkaufswert

betrug 4.602 RM, doch sie konnte nie über das Geld

verfügen. Berta hatte aufgrund der Boykottmaßnahmen

offensichtlich keine ausreichenden Einnahmen

mehr. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass sie

im Testament der ältesten Schwester Hermine Hitz

am 18. August 1938 als Alleinerbin eingesetzt wurde,

oder sie hatte ein besonders gutes Verhältnis zu dieser

Schwester.

Ihre Schwester Hermine Hitz geb. Wolf war bereits 1909, im Alter von 34 Jahren, verwitwet

und hatte keine Kinder. Trotzdem zog sie nicht zu ihrer Mutter und den drei unverheirateten

Schwestern Sophie, Melanie und Berta ins Elternhaus zurück, sondern blieb

Inhaberin ihres 1902 eröffneten Schuhgeschäfts in der Kaiserstr. 43/45, wo sie auch eine

4-Zimmer-Wohnung hatte. Laut Adressbuch 1933/36 wohnte auch Gertrud Frank (1911-?),

die Tochter der fünften Schwester in Winnweiler/Pfalz, bei Hermine. Hermine zog nach

Geschäftsaufgabe 1937/38 in die Bismarckstraße 18. Nach ihrem Tod am 12. Januar 1940

wurde die teilweise sehr edle Wohnungseinrichtung im Hinterhaus der Huttenstraße 4

eingelagert. Später wurde ihre Wohnungseinrichtung zusammen mit allem anderen Besitz

der Wolfs vom Umzugsunternehmen Gogröf verladen und im Gasthaus zum Ochsen versteigert.

Nur ein Bücherschrank, ein Schreibtisch und zwei Stühle wurden nach dem Krieg

durch einen Bauern aus Forst an die überlebenden Schwestern zurückgegeben.

Berta Wolf wurde dann am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, zusammen mit acht

anderen Familienmitgliedern. Am 21. Februar 1941 transportierten sie Berta ins Camp

de Noé, dort blieb sie bis 3. August 1942. Angeblich wurde sie ins Camp de Recebedou

gebracht. Dort verbrachte sie wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur wenige Tage. Danach

wurde sie nach Drancy transportiert. Vom Durchgangslager Drancy bei Paris ging die

Deportation mit dem Konvoi Nr. 18 dann nach Auschwitz. Der Güterzug mit 1007 Menschen

fuhr am 12. August 1942 ab. Die genaue Ankunft in Auschwitz ist unbekannt. Die

Fahrtzeit betrug etwa zwei Tage. Von den 1007 Menschen wurden 705 am Ankunftstag in

die Gaskammern gebracht und ermordet. 233 Männer und 62 Frauen wurden selektiert

8


und mussten Zwangsarbeit leisten. Berta Wolf war 56 Jahre und gehörte mit hoher Wahrscheinlichkeit

nicht zu den 62 selektierten Frauen. Sie wurde also sofort ermordet. Im

Oktober 1947 wurde sie vom Amtsgericht Bruchsal für tot erklärt. Der 31. August 1942,

24 Uhr, wurde als Todeszeitpunkt festgelegt. Nach 1945 wurde ihr Name auf dem Grabstein

der Eltern eingetragen, da sie kein Grab hat.

Biografien von Ludwig Wolf (1890-1957)

und Irma Wolf geb. Katz (1897-1991)

von Kerem Demirbag, Klasse 8u, und Florian Jung

Ludwig Wolf wurde am 30. Mai 1890 in Bruchsal geboren. Er war von den neun Kindern des

Ehepaars Leopold und Karoline Wolf das zweitjüngste und wuchs in der Huttenstraße 4 in

Bruchsal auf. Vom Schuljahr 1900/01 bis zum Schuljahr 1905/06 besuchte er die Realschule

Bruchsal, von der Sexta bis zur Untersekunda. Danach machte er eine Ausbildung zum

Kaufmann. Wann genau, wo und bei wem ist unbekannt. Allerdings scheint er in der Pfalz

gelebt zu haben, da er seinen Einjährigen Freiwilligen Militärdienst im Oktober 1910 bei

einem bayerischen Infanterieregiment in Landau/Pfalz antrat. Diese freiwillige Meldung

war für Absolventen höherer Schulen möglich und ersetzte den dreijährigen Militärdienst.

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs lebte Ludwig Wolf in Bruchsal. Gleich zu Kriegsbeginn

wurde Ludwig Wolf vom Badischen Infanterieregiment 111 eingezogen und kämpfte in

Frankreich als Unteroffizier. Im Januar 1915 erlitt er in Ablain durch einen Gewehrschuss

am linken Bein eine leichtere Verwundung.

Nach seiner Genesung kam er in der Schlacht

an der Somme zum Einsatz. Am 6. August

1916 wurde er bei einen Mauereinsturz verschüttet

und zog sich so starke Quetschungen

an Kopf und rechtem Arm zu, dass er bis zum

November 1916 im Lazarett lag und danach

nicht mehr einsatzfähig war. Die Hirnverletzung

führte zwar zu einer Kriegsbeschädigung

von 80%, machte sich aber erst seit

etwa 1928/29 bemerkbar. Das Gehen wurde

immer schlechter, der Gang schwankend und

unsicher. Eine Untersuchung für das Versorgungsamt

Karlsruhe ergab 1937, dass massiver

Schwindel und Kopfschmerzen dazu gekommen

waren, außerdem sei er einige Male

hingefallen. Die Sprache habe nachgelassen,

das Sprechen sei schwerfällig geworden und er

9

Irma Wolf, 1946. Foto: Schweizerisches

Bundesarchiv. E 4264-1995/196.


habe manchmal einen Schleier vor den Augen. Es ist anzunehmen, dass man im November

1938 auf eine Verhaftung des 48-Jährigen aufgrund seiner Erkrankungen verzichtet

hat. Ein Aufenthalt in Dachau blieb ihm somit erspart, nicht aber die Deportation nach

Gurs am 22. Oktober 1940.

Trotz seiner Kriegsbeschädigung gründete Ludwig Wolf 1920 zusammen mit seinem

Bruder Ferdinand Wolf die Zigarrenfabrik „Gebrüder Wolf “, Schwester Berta wurde zur

Büroleiterin. Ludwig Wolf lebte bis zu seiner Verehelichung zusammen mit seinen Geschwistern

und seiner Mutter in der Huttenstraße 4 in Bruchsal. Am 11. Juni 1926 fand in

Schierstein bei Wiesbaden die Hochzeit mit Irma Katz statt.

Irma Katz wurde am 5. Oktober 1897 in

Schierstein als älteste Tochter von Karl Katz

(15.10.1869-02.04.1935) und dessen Ehefrau

Klara geb. Laupheimer (14.08.1875-

27.07.1943) geboren. Die Eltern hatten am

10. November 1896 in Bruchsal geheiratet.

Ein familiärer Bezug zu Bruchsal und

Umgebung konnte jedoch nicht herausgefunden

werden. Der Vater war in Wiesbaden-Frauenstein

geboren, die Mutter in

Anzeige 1901. Foto: alemannia-judaica.de

10

Fellheim/Allgäu. Irmas Eltern betrieben

ein Textilwarengeschäft in der Wilhelmstraße

44 in Schierstein, das nach dem Tod des Vaters von Irmas jüngeren, unverheirateten

Geschwistern Arthur Katz (09.10.1898-07.04.1942) und Martha Katz (14.08.1899-

29.10.1942) übernommen wurde. Mutter Klara wurde in Theresienstadt ermordet, Bruder

Arthur in Mauthausen und Schwester Martha in Auschwitz. Irma war die einzige Überlebende

ihrer Familie.

Das junge Ehepaar Irma und Ludwig Wolf zog in die Bergstraße 51 in Bruchsal in einen

Neubau. Im Nachbarhaus Bergstraße 53 wohnte Bruder Ferdinand Wolf mit seiner Familie,

und die beiden Zigarrenfabrikanten teilten sich auch ihren privaten Telefonanschluss

(Nr. 523). Liselotte, geboren am 4. Juli 1928 in Karlsruhe, war das einzige Kind von Irma

und Ludwig. Die beiden 1925 und 1927 abgeschlossenen Lebensversicherungen sollten

die Familie absichern. In den 1930ern kamen für Ludwig zu den gesundheitlichen Sorgen

noch die geschäftlichen. Die Zigarrenfabrik in Karlsdorf musste am 25. August 1938

verkauft werden, zwischen Dezember 1938 und Dezember 1939 mussten über 16.000

RM Judenvermögensabgabe geleistet werden, im März 1939 stand die Ablieferung aller

Gegenstände aus Edelmetall an. Die finanzielle Situation machte es im Winter 1938/39

notwendig, die Mietwohnung in der Bergstraße aufzugeben und ins Elternhaus in der

Huttenstraße umzuziehen, wo auch die drei unverheirateten Schwestern Sophie, Melanie

und Berta wohnten. Irma schrieb 1955: „Wir waren eine große Familie, besonders nach den

Ereignissen vom 10. November 1938 und wir besprachen natürlich alles zusammen. […] Ich

erinnere mich zum Beispiel sehr, sehr gut, als wir gezwungen wurden, unseren Radioapparat


abzugeben, morgens in der

Frühe 7 ½ Uhr an unserem

Versöhnungstag [Jom Kippur,

23.09.1939].“

Die Deportation am 22. Oktober

1940 traf die Familie

unvorbereitet und sie mussten

fast ihren ganzen Besitz

zurücklassen. Mit neun

Personen stellte die Familie

Wolf die größte Familiengruppe

unter den Bruchsaler

Deportierten und sicher

stützten sie sich gegenseitig.

In Gurs trennten sich die

Wege. Während die älteren

Schwestern im Februar 1941

ins Camp de Noé verbracht

Bericht von Irma Katz, 1952. Quelle: GLA Karlsruhe, 480 Nr. 8321.

wurden, kamen Ludwig,

Ferdinand und ihre Familien am 10. März 1941 ins Camp de Rivesaltes, das so genannte

Familienlager. Dort arbeitete Irma in der Krankenküche. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands

wurde Ludwig Wolf am 12. Juli 1941 in das Krankenhaus St. Louis in

Perpignan eingeliefert und später, entweder am 11. April 1942 oder am 30. März 1944, in

das Krankenhaus St. Jean, die Hauptstelle der Krankenhäuser von Perpignan, weiterverlegt.

Der Präfekt des Departements Pyrénées-Orientales erläuterte später: „Die Insassen

der verschiedenen Lager meines Bezirks wurden in einem dieser beiden Krankenhäuser unter

Beaufsichtigung behandelt und kamen nach ihrer Gesundung wieder ins Lager zurück.“ Ludwig

Wolf scheint aufgrund seiner Lähmungen dauerhaft im Krankenhaus verblieben zu

sein. 1944 wurde erwähnt, er sei im „Pavillon der Unheilbaren“ untergebracht. Nach der

Befreiung konnte Ludwig Wolf am 11. Oktober 1944 ins Hopital-Hospice in Montauban

übersiedeln, wo er seine beiden Schwestern Sophie und Melanie wiedertraf. Ludwig Wolf

kam dann am 30. März 1946 in das Selfhelp-home „Maison le chapitre“ in Blois bei Paris.

Seine beiden Schwestern Sophie und Melanie folgten dorthin „mit Hilfe der amerikanischen

Verwandten“ (Sophie Wolf 1949). Nach der Rückkehr der beiden Schwestern nach

Bruchsal lebte Ludwig Wolf von 1947 bis zu seiner Auswanderung in die USA im Selfhelphome

in Plombieres-Les-Dijon.

Irma Wolf war bis zur gemeinsamen Auswanderung im Mai 1948 über sechs Jahre von

ihrem Mann getrennt. In einer mutigen Flucht rettete sie sich selbst und ihre seit Februar

1942 im Kinderheim Chateau de Couret bei Limoges wohnende Tochter am 27. September

1942 in die Schweiz. Die ersten Monate verbrachten die beiden in den Auffanglagern

und Flüchtlingsheimen Varembé und Charmilles in Genf, Rothöhe bei Oberburg und

11


Münchwilen. Im Januar 1943

äußerte sich die Polizeiabteilung

in Bern zu einer Liste von

20 Jüdinnen, unter denen man

auch Irma Wolf findet: „Diese

Flüchtlinge sind in letzter Zeit

illegal in die Schweiz gekommen.

Ihre Ausschaffung ist zurzeit

nicht tunlich. Die genannten 20

Flüchtlinge werden bis auf weiteres interniert, soweit sie Mittel besitzen auf eigene Kosten.“

Liselotte Wolf kam zu Pflegeeltern nach Kreuzlingen. Irma Wolf wurde am 4. März 1943

nach Neuhausen verlegt, am 10. Mai 1943 ins Interniertenheim Montana. Dort fiel sie

durch Pflichtbewusstsein auf und wurde zum 1. Juli 1943 ganz offiziell zur „Ersten Gruppenführerin“

ernannt. Damit verbunden waren 0,50 Franken Gehaltserhöhung am Tag.

Ihre nächste Station war in Waldhaus-Lenzerheide. Im Oktober 1944 wollte eine Schweizerin

„auf dem Scherrer“ in Heiterswil ein Kinderheim für zehn Kinder eröffnen und bat

explizit darum, Irma Wolf als Wirtschafterin einstellen zu dürfen. Nach einer weiteren

Station in Wartheim-Heiden kam Irma Wolf Ende 1946 nach Basel, wo sie im Jüdischen

Mädchenheim in Basel, Engelgasse 107, arbeitete.

Bereits im Oktober 1945 stellte Ludwig Wolf den Antrag, besuchsweise in die Schweiz

kommen zu dürfen. Die Behörde in Bern lehnte ab, da man fürchtete, Ludwig Wolf würde

nicht nach Frankreich zurückkehren. Liselotte konnte 1946 in die USA emigrieren, und

Irma Wolf durfte zwei Mal nach Paris reisen, um dort zusammen mit ihrem Mann Ludwig

persönlich die Auswanderung zur Tochter voranzutreiben. Ludwig musste aufgrund

seiner Erkrankungen die Hilfe eines Begleiters in Anspruch nehmen, um zum Treffpunkt

zu kommen. Im August 1948 reisten die beiden über Marseille nach New York. Liselotte

konnte ihre Eltern mit nach Baltimore nehmen. 1950 wohnte das Ehepaar Wolf im Levindale

Home in Baltimore. Ludwigs Gesundheitszustand verschlimmerte sich in den Folgejahren

dramatisch. Bereits 1953 war er

ständig auf den Rollstuhl angewiesen,

konnte nur noch zwei oder drei Schritte

gehen und musste sich von seiner Frau

pflegen lassen. Auf der linken Seite war

er vollständig gelähmt, aber auch rechtsseitig

stark eingeschränkt. Er verstarb

am 16. April 1957 im Alter von 67 Jahren.

Irma arbeitete wieder als Haushälterin.

Die Wiedergutmachungsverfahren

konnte sie um 1960 abschließen. Irma

Grabstein auf dem Friedhof Randallstown/MD/USA.

Foto: www.findagrave.com.

12

Aus: AUFBAU, Ausgabe vom 26.04.1957.

Wolf wurde 93 Jahre alt und starb am

1. August 1991 in Baltimore.


Biografie von Liselotte Bacharach geb.Wolf

(1928-2016)

von Toni Matenda, Klasse 8u

Liselotte Wolf wurde am 4. Juli 1928 in Karlsruhe geboren.

Sie war das einzige Kind ihrer Eltern Ludwig

und Irma Wolf. Ihre ersten zehn Jahre verbrachte sie

in der Bergstraße 51 in Bruchsal. Sie war wahrscheinlich

Schülerin in der ab 1935 an der Hebelschule eingerichteten

jüdischen Schulabteilung. Diese wurde am

10. November 1938 geschlossen, der Lehrer Wilhelm

Prager aus dem Unterricht heraus verhaftet. Einige

Zeit später wurde die jüdische Schule im Rabbinerhaus,

Huttenstraße 2, wiedereröffnet und lag somit

in direkter Nachbarschaft zu Liselottes Wohnung: Im

Winter 1938/39 war sie zusammen mit ihren Eltern

zu den Tanten Sophie, Melanie und Berta Wolf in die

Huttenstraße 4 gezogen. Ob Liselotte hier zur Schule

ging und, nach der Schließung, mit den anderen

Bruchsaler Kindern zur jüdischen Schule in Karlsruhe

fuhr, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Liselotte

wurde am 22. Oktober 1940 zusammen mit acht

Familienmitgliedern nach Gurs gebracht. Zusammen mit ihren Eltern, ihrem Cousin Richard

und dessen Eltern ging es am 10. März 1941 ins „Familienlager“ Rivesaltes. Am

16. Februar 1942 wurde sie von der O.S.E. im Kinderheim „Chateau de Couret“ bei Limoges

untergebracht. Ihre Mutter Irma konnte das Lager Rivesaltes illegal verlassen, Kontakt

zu ihrer Tochter aufnehmen und gemeinsam mit ihr in die Schweiz flüchten. Am

27. September 1942 kamen sie in Genf in der Schweiz an.

Liselotte verbrachte einige Zeit in verschiedenen Internierungslagern, zunächst im Auffanglager

Varembé, später in Münchwilen. Am 19. Januar 1943 stellte die Polizeiabteilung

in Bern fest, dass es dringend angezeigt sei, das Kind in einem privaten Haushalt unterzubringen.

Der Lagerkommandant vermerkt auf dem Antrag: „Nettes Kind“. Am 3. Februar

1943 kam Liselotte durch Vermittlung des „Schweizer Hilfswerks für Migrantenkinder“

zu Familie Michael Wieler in Kreuzlingen, Säntisstraße 6. Dort blieb sie bis 1946 und besuchte

die Handelsschule mit dem Ziel einer Auswanderung in die USA. Bereits im Mai

1945 war sie in Kontakt mit den Verwandten in den USA, um ein sogenanntes „Affidavit“

zu bekommen. Die Mutter Irma lebte und arbeitete in verschiedenen Lagern, beispielswiese

im September 1945 im Kinderheim „Auf dem Scherrer“ in Heiterswil (SG). Liselotte

wurde am 23. April 1946 von Familie Wieler in Kreuzlingen zu Mme. Odette Richez

in Genf (18 rue de Medecine) „umplaziert“, wie es die Zentralstelle des Schweizer Hilfs-

13

Liselotte Wolf, um 1933 in Bruchsal.

Foto: Brigitte und Gerhard Brändle,

Gerettete und ihre Retterinnen, S. 33.


Liselotte Wolf, 1945.

Foto: Schweizerisches

Bundesarchiv.

E 4264-1985/196.

Dossier Nr. 06728.

David Bacharach, 1938.

Foto: Rat-tat, St. John‘s

College, Annapolis/MD.

werks für Emigrantenkinder bezeichnete. Am 8. Juli 1946 ging es weiter nach Heiden

in das Kinderheim Wartheim, wo Irma inzwischen arbeitete. Dort war Liselotte endlich

wieder einmal für einige Wochen mit ihrer Mutter Irma zusammen.

Am 24. August 1946 emigrierte Liselotte Wolf von Marseille aus per Schiff in die USA.

Sie kam am 7. September 1946 in New York an. Als Beruf hatte die 18-Jährige „Studentin“

angegeben. Ihre erste Anlaufstelle in den USA war ihre Tante Johanna Wolf, die in

Rahway (New Jersey) wohnte. Als ihre Eltern 1948 in den USA ankamen, wohnte Liselotte

bereits in der Lyndhurst Ave. in Baltimore bei einem Cousin ihrer Mutter, Walter

Laupheimer (1910-1965) und seiner Familie. Auch Ludwig und Irma Wolf kamen für

etwa zwei Jahre bei ihm unter. Liselotte heiratete zwischen Juli 1948 und Juni 1950 den elf

Jahre älteren Dr. David Nathan Bacharach, der in Baltimore geboren und aufgewachsen

war, in Annapolis/Maryland Medizin studiert hatte und während des Zweiten Weltkriegs

als Oberleutnant des Sanitätscorps gedient hatte. Sein Vater David Nathan Bacharach sen.

(1876-1943) war Eigentümer eines erfolgreichen Sportgeschäfts in Baltimore. Zusammen

mit Irene Eva geb. Winternitz (1881-1955) hatte er neben David Nathan jun. vier weitere

Kinder: Ruth (1907-1964) wurde Lehrerin und blieb unverheiratet. Albert (1910-?)

wohnte 1964 in Levittown/PA. Carl (1921-1990) wurde Richter. Der Jüngste hieß Robert

Bacharach (1923-1972). Liselotte heiratete also in eine große Familie ein.

Liselotte Bacharach, die auch Lilo genannt wurde, hatte zusammen mit ihrem Mann zwei

Söhne, Richard und Steven. Stolz schickte Liselotte jedes Jahr neue Fotos der beiden Jungen

an ihre Tante Sophie Wolf nach Bruchsal. Die Familie wohnte über viele Jahre in

einem nördlichen Vorort von Baltimore. Ehemann David war Arzt und hatte sein Büro

im „Medical Arts Building“ in Baltimore, starb aber bereits 1982, im Alter von 65 Jahren.

Liselotte war also schon im Alter von 54 Jahren verwitwet. Ihre Mutter Irma überlebte

David um neun Jahre und starb 1991 im Alter von 93 Jahren, und sicher kümmerte sich

Liselotte um sie.

Für viele Jahre arbeitete Lilo Bacharach in der Pikesville Bücherei und war auch sehr

belesen. Außerdem unternahm sie viele und weite Reisen. Ihre Familie vergrößerte sich

14


um fünf Enkel und, bis zu ihrem Tod, vier Urenkel. Im Alter von 88 Jahren starb Liselotte

Bacharach am 16. September 2016 in Baltimore. Nach ihrem Tod erinnerten sich Freunde,

dass Lilo eine starke und freundliche Frau war, die die Bedeutung von Bildung und

Familie verkörperte. Sie habe immer ein offenes Haus gehabt und war herzlich zu den

Freunden ihrer Söhne. Ein anderer bezeichnete Lilo und David Bacharach als freundliche,

fürsorgliche und mitfühlende Menschen.

Biografien von Ferdinand Wolf (1892-1942)

und Berta „Bertel“ Wolf geb. Strauß (1900-1942)

von Osman Sahin, Klasse 8u, und Florian Jung

Ferdinand Wolf wurde am 24. März 1892 als jüngstes Kind von Leopold und Karoline

Wolf geboren. Mit dem zweitjüngsten, Ludwig, scheint Ferdinand ein enges Verhältnis

gehabt zu haben, da sie sehr viel gemeinsam oder parallel erlebten. Ein Jahr

nach seinem Bruder Ludwig ging Ferdinand auf die Realschule Bruchsal. Das war

die Vorgängerschule des heutigen

Justus-Knecht-Gymnasiums, die

aber in den Räumen des heutigen

Schönborn-Gymnasiums untergebracht

war. 1901/02 besuchte er die

Sexta, und es ist anzunehmen, dass

er die Schule nach der Mittleren

Reife (Untersekunda) 1907 verließ.

In diesem Jahr starb auch der Vater,

der Viehhändler Leopold Wolf.

Ferdinands 19 Jahre älterer Bruder

Gustav Wolf übernahm das sich im

Elternhaus Huttenstraße 4 befindliche

Geschäft. Gustav verlegte die

Viehhandlung um 1910/13, nach

seiner Eheschließung, in das Haus

Talstraße 12 in Bruchsal. Ferdinand

machte eine Ausbildung zum Kaufmann,

wann und wo genau ist nicht

mehr feststellbar. Im letzten Jahr vor

Beginn des Ersten Weltkriegs ging

er einer sozialversicherungspflichtigen

Arbeit nach, war also angestellt.

Im August 1914 gehörte Ferdinand

Wolf zu den ersten Soldaten.

15

Ferdinand und Bertel Wolf, um 1930 in Bruchsal.

Foto: Hélène Yaïche.


Zunächst kämpfte Ferdinand im Infanterie-Regiment 170, später im Infanterieregiment

111. Nach vier Jahren Kriegseinsatz geriet der Unteroffizier bei Bapaume am

23. August 1918 in Kriegsgefangenschaft. Diese verbrachte er in England. Erst nach

14 Monaten wurde er entlassen.

1920 gründete Ferdinand zusammen mit seinem Bruder Ludwig die Zigarrenfabrik

„Gebrüder Wolf “, die ihren Firmensitz im Elternhaus, Huttenstraße 4, hatte. Bereits im

Jahr 1925 verfügte die Firma über ein Telefon und ein Postscheckkonto.

Bis 1925 wohnte Ferdinand Wolf im Elternhaus zusammen mit seiner Mutter und seinen

Geschwistern. Am 4. Dezember 1925 verehelichte er sich mit Berta Strauß, die

im Familienkreis nur Bertel genannt wurde – vielleicht auch zur Unterscheidung von

Ferdinands Schwester Berta Wolf, die das Büro der Tabakfabrik leitete.

Bertel Wolf war am 13. Juni 1900 in Dinslaken als Tochter des Leopold Strauß und der

Saly Strauß geb. Stern zur Welt gekommen. Leopold Strauß (30.11.1861-15.06.1939)

war Lehrer und Rektor der Jüdischen Schule in Dinslaken sowie Kantor der dortigen

jüdischen Gemeinde. Zudem gehörte er dem Dinslakener Stadtrat seit 1920 an, unterrichtete

auch an der Handelsschule und engagierte sich im städtischen Wohlfahrtsausschuss.

Seine Frau Saly (05.04.1867-28.05.1934) hatte vier Kinder. Die Zwillinge Alfred

(1891-1944) und Siegfried (1891-1944) sowie Richard (1893-1916) wurden noch in

Battenberg geboren, wo der Vater seine erste Lehrerstelle hatte. Die Brüder Richard

und Alfred gründeten eine Rinderfutterfabrik in Essen und galten als wohlhabend.

Bertels alter Vater wurde am 10. November 1938 in Dinslaken brutal angegriffen und

musste ins Krankenhaus, seine Wohnung wurde zerstört. Er ist nicht nach Hause zurück

gegangen, sondern lebte fortan bei seinem Sohn Alfred in Essen. 1939 ist er dort

an Demenz gestorben. Bertels Brüder, die Schwägerinnen und deren Mütter sowie der

stehend 2.v.li.: Berta Wolf geb. Strauß; stehend 7.v.li.: evtl. Bruder Siegfried Strauß oder Bruder Alfred

Strauß; stehend 10.v.li.: Vater Leopold Strauß; sitzend 2.v.li.: Mutter Saly Strauß geb. Stern; sitzend 3.v.li.:

Großmutter Sophie Stern geb. Nördlinger (1827-1928) an ihrem 100. Geburtstag. Foto: Hélène Yaïche.

16


Neffe Richard Strauß (1926-1944) wurden 1943 nach Theresienstadt deportiert und

1944 in Auschwitz ermordet. Nur die Nichte Marianne (1923-1996) konnte sich der

Verhaftung entziehen und versteckt in Deutschland überleben. 1946 heiratete sie in

England Basil Ellenbogen. Ihre von Mark Roseman verfasste Biografie erschien 2000.

Die Eheschließung von Ludwig Wolf und

Bertel Strauß fand am 4. Dezember 1925

in Dinslaken statt. Woher sich die beiden

kannten, ist unklar. Der gemeinsame

Sohn Richard kam am 15. November

1926 in Bruchsal zur Welt und erhielt den

Zweitnamen Leopold nach seinen beiden

Großvätern. Zunächst wohnte das junge

Paar in unmittelbarer Nachbarschaft zu

Ferdinands Bruder Ludwig und dessen

Familie in der Bergstraße 53, und seit

etwa 1930 schließlich in der Wilderichstraße

23.

Die Zigarrenfabrik der Gebrüder Wolf

stand in Karlsdorf, Bahnhofstraße 269.

Auf dem 22 Ar großen Grundstück befand

sich nicht nur das Fabrikgebäude,

sondern auch ein Wohnhaus und ein

Hausgarten. Es spricht für intakte Familienstrukturen,

dass diese Anlage 1930

auf die Namen der beiden Ehefrauen der

Firmeninhaber, Irma und Bertel Wolf, erworben

wurde. Vorbesitzer war die Firma „Zigarrenfabriken Linz und Burgert GmbH“

in Graben. Nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (1961) handelte es

sich um einen kleinen, aber soliden Betrieb, die Inhaber wurden als „fleißig“ bezeichnet.

In dem damals 2300 Einwohner zählenden Karlsdorf waren weitere fünf Firmen

vergleichbarer Größe vorhanden. Die Firma hatte vor 1933 über 100 Beschäftigte. Diese

stellten etwa 50.000 bis 60.000 Zigarren in der Woche her. Die Belegschaft bestand

im Wesentlichen aus Frauen. Im Hinterhaus des Gebäudes in der Huttenstraße 4 war

die Sortiererei untergebracht. Dort waren etwa fünf Arbeiter beschäftigt. Während der

Zeit der Tabakfermentation waren es zwölf bis 15 Arbeiter. Gegenüber, auf dem Gelände

der Schlosserei Braun, befand sich das Lager. Nach der nationalsozialistischen

Machtübernahme reduzierte sich die Zahl der Arbeiter und auch der Umsatz kontinuierlich

bis auf etwa 50%. Am 25. August 1938 wurde das Unternehmen an die Firma

Carl und Eugen Kimling aus Graben verkauft („arisiert“), musste aber nach dem Zweiten

Weltkrieg zurückerstattet werden.

Ferdinand Wolf beschäftigte sich neben der Führung der Firma auch noch mit Tabakhandel

und besaß größere Aktienpakete. Auch soll seine Wohnung „sehr feudal“ einge-

17

Ferdinand und Richard Wolf, um 1928 in Bruchsal.

Foto: Hélène Yaïche.


Briefkopf aus den 1930ern. Quelle: GLA Karlsruhe, 237 Zugang 1967-19 Nr. 2024.

richtet gewesen sein. Zur Absicherung seiner Familie schloss Ferdinand Wolf zwischen

1925 und 1928 drei Lebensversicherungen ab. Zwei davon kündigte er jedoch 1939,

weil er sich die Beiträge nicht mehr leisten konnte. Oberbürgermeister Bläsi schrieb

1956: „Die Inhaber der Firma Wolf waren in Bruchsal als angesehene Bürger und Kaufleute

geachtet. Beide Firmeninhaber genossen stets einen guten Ruf.“

Das hinderte die Gestapo nicht, Ferdinand Wolf vom 11. November bis 13. Dezember

1938 in Dachau zu inhaftieren. Weitere Maßnahmen wie die Judenvermögensabgabe

und die Reichsfluchtsteuer zwangen Ferdinand und Bertel Wolf dazu, ihre

Wohnung in der Wilderichstraße 23 im Winter 1938/39 aufzugeben und in die Huttenstraße

26 zu ziehen. Von dort wurden sie zusammen mit ihrem Sohn Richard

am 20. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Pfarrer Heuchemer zitierte in seinem

Buch eine Augenzeugin: „Eines Tages kam meine Verwandte zu mir herauf in den

3. Stock und sagte ganz erschüttert: „Sie holen die Wolfs ab.“ Wir gingen dann in den ersten

Stock hinunter und schauten hinter den Fenstervorhängen hinaus. Ich sah gerade noch,

wie Frau Wolf in einen Lastwagen steigen musste. Sie hatte nur eine kleine Pappschachtel

bei sich, sonst nichts. Ihr Mann und der Sohn Richard, damals 14 Jahre alt, müssen schon

im Lastwagen gewesen sein.“ Das für die jüdischen Inhaber auf unzugänglichen Sperrkonten

verwahrte Vermögen wurde im Januar 1942 von den Finanzämtern eingezogen.

Die Liste des Bruchsaler Finanzamts umfasst 70 Familien bzw. Einzelpersonen. Die drei

Familien Wolf (Ferdinand, Ludwig, drei Schwestern) waren zum Zeitpunkt der Deportation

mit zusammen 85.000 RM Vermögen die mit großem Abstand wohlhabendste

Familie. Üblicherweise lag das konfiszierte Vermögen zwischen 500 und 3000 RM pro

Familie. Und trotzdem: Bertel Wolf führte nichts als eine kleine Pappschachtel mit sich.

In Gurs wurden Ferdinand und Richard Wolf in der Männerabteilung (Ilot E) untergebracht,

während Bertel im „Ilot I“ wohnen musste. Der besorgte S. Verstandig, wohl

ein Bekannter der Wolfs, erhielt im Januar 1941 die Auskunft des Lagerleiters, dass alle

drei bei guter Gesundheit seien. Am 10. März 1941 wurden sie ins Camp de Rivesaltes

verlegt, später nach „Les Milles“. Aufschlussreich sind einige Passagen in den Lebenserinnerungen

der Nichte Marianne. Marianne schrieb, dass Bertel und Ferdinand die

Hoffnung auf eine Emigration hatten. Aber der entfernte Verwandte in New York, Fritz

18


Stern, konnte nicht zu einer Entscheidung gedrängt werden. Schwägerin Lore Strauß

schrieb im September 1941: „Wir waren ganz enttäuscht, dass es an den Passagegeldern

gescheitert war. Gerade Bertel und Ferdinand sind doch so zuverlässig, dass sie bestimmt

jeden Pfennig zurückzahlen würden, der für sie verauslagt worden wäre, wenn sie erst ans

Verdienen kämen.“

Die Deportation von Bertel und Ferdinand Wolf erfolgte über Drancy nach Auschwitz.

Sie waren im Transport Nr. 21, der genau 1000 Personen umfasste und am

19. August 1942 in Drancy abfuhr. 817 Personen wurden sofort nach ihrer Ankunft

vergast. Zum Arbeitseinsatz selektiert wurden 138 Männer und 45 Frauen. Es ist unwahrscheinlich,

dass der 50-jährige Ferdinand und die 42-jährige Berta Wolf unter diesen

waren.

Biografie von Richard „René“ Wolf (1926-1981)

von Noah Kunze, Klasse 8v

Richard Leopold Wolf wurde am 15. November 1926 in Bruchsal als Sohn von Berta

(Bertel) Wolf und Ferdinand Wolf geboren. Geschwister hatte er nicht. Als er sieben

Jahre alt war, besuchte er die Volksschule in Bruchsal und wechselte zu Ostern 1936

auf die Oberrealschule Bruchsal, die Vorgängerschule des Justus-Knecht-Gymnasiums.

Der Eintritt in diese weiterführende

Schule sei nur möglich gewesen, weil der

Vater Offizier im Ersten Weltkrieg gewesen

war. Diese Schule musste Richard aber am

10. November 1938 verlassen, da er jüdisch

war. Ende 1938 oder Anfang 1939 musste

er auf eine jüdische höhere Schule in Köln

wechseln. Aus Köln wurde er dann aber

Ende 1939 von der Gestapo ausgewiesen.

Richard kam nach Bruchsal zurück. Seine

Eltern wohnten inzwischen nicht mehr

in der Wilderichstraße 23, wo er aufgewachsen

war, sondern in einer kleineren

Wohnung in der Huttenstraße 26. Bis zum

Abtransport nach Gurs nahm er dann regelmäßig

Nachhilfestunden bei dem jüdischen

Lehrer Wilhelm Prager. Diese Nachhilfestunden

waren für ihn sehr wichtig, da

er später gerne Jura studiert hätte. Das war

aber dann nicht mehr möglich.

Schon mit 14 Jahren wurde er am 22. Oktober

1940 mit seiner ganzen Familie in das Richard Wolf, 1942. Foto: Dossier O.S.E.

19


Internierungslager Gurs verschleppt. Auf dem Transportweg nach Gurs versuchte

Richard zu fliehen, was ihm aber unglücklicherweise misslang. Deshalb wurde er

von der SS-Wachmannschaft brutal gehauen, unter anderem auch ins Gesicht bzw.

auf das linke Auge. Richard hatte ein Augenflimmern, Sternchensehen und einen

starken Bluterguss, außerdem sah er verschwommen. Dabei verlor er 60 bis 70 Prozent

seiner Sehkraft. Als er in Gurs angekommen war, wurde er zusammen mit seinem

Vater ins Männerlager gesteckt. Am 10. März 1941 wurde er mit seinen Eltern,

seiner zwei Jahre jüngeren Cousine Liselotte und deren Eltern ins „Familienlager“

Rivesaltes verbracht. Richard Wolf erinnerte sich später: „Am 1.6.1942 entfloh ich

aus dem KZ Rivesaltes und war bis zum 22.6.1942 in Freiheit. Am 23.6.42 wurde ich in

Marseille wieder aufgegriffen und nach ungefähr vierwöchiger Haft in Marseille nach

Rivesaltes zurückgebracht. Das genaue Datum meines Rücktransports kann ich nicht

mehr angeben, glaube jedoch versichern zu können, dass meine Ankunft in Rivesaltes

auf den 22. oder 23.7. fiel. Am 30.12.1943 floh ich aus diesem Lager und trat dem

Maquis bei.“ Richard schrieb an anderer Stelle, dass er nach einem Fluchtversuch

aus Les Milles von der Gestapo schwer misshandelt worden sei und dass ihm und

anderen eine „suppige Flüssigkeit“, vielleicht Öl, über den Arm gegossen worden sei.

Er hatte davon bis an sein Lebensende große Verbrennungsnarben an der Innenseite

des linken Arms. Die Narben an den Händen entstanden durch eine Art Reitpeitsche.

Offizielle französische Papiere können diese Flucht nicht bestätigen, sondern geben

an, dass Richard Wolf am 8. Juli 1941 nach Les Milles gekommen sei und dass sich

seine Spur dort am 20. März 1942 verloren habe. Aber auch diese Daten müssen

angezweifelt werden, da Ferdinand Wolf ein offizielles Dokument am 9. August 1942

unterschrieb, auf dem er zugunsten der „Union Générale des Israélites de France“

(Allgemeine Vereinigung der Juden in Frankreich) auf die Vormundschaft über

seinen Sohn verzichtete. Es müssen dramatische Stunden gewesen sein, da die Eltern

ihrem Abtransport nach Drancy am Folgetag entgegensahen. Die Bemerkung

Richards, seine Eltern nur für wenige Stunden noch einmal getroffen zu haben, kann

nicht verifiziert werden, steigert aber die Dramatik ins Unerträgliche. Seine Eltern

wurden nach Auschwitz weitertransportiert und kamen nicht mehr zurück. Richard

Wolf schrieb dazu später: „Bis zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern immer noch

in der Lage, für meine Ausbildung und mein Fortkommen zu sorgen.“

Die Jüdische Hilfsorganisation O.S.E. brachte Richard zunächst ins Hotel Bompard

in Marseille und im Herbst ins Chateau „Le Masgelier“, ein von der O.S.E. betriebenes

Kinderheim. Man versuchte, Richard im September 1942 in die USA zu schicken,

was aber nicht gelang. Auch eine Rettung in die Schweiz war nicht möglich, da

Richard 1943 bereits älter als 16 Jahre war. Von September 1943 bis Juni 1944 war er

im Heim der Hilfsorganisation „Amitié Chrétienne“ in Lastic-Rosans und arbeitete

bei Bauern. Am 6. Juni 1944 wurde er von dem Bauern denunziert, bei dem er als

Knecht arbeitete. An diesem Tag trat er der Resistance bei, sein Name änderte sich

von Richard in René. Er wurde dort zum Sprengstoffexperten und verhörte deutsche

20


Gefangene, kümmerte sich außerdem

um die Kasse. Seine Einheit

wurde später in die französische

Armee eingegliedert, kämpfte an

der Alpenfront und in Nordafrika.

Im April 1947 verließ er die Armee

auf eigenen Wunsch und zum Bedauern

seiner Vorgesetzten und erhielt

die französische Staatsbürgerschaft

aufgrund der Tatsache, dass

er mehr als fünf Jahre auf französichem

Boden gelebt hatte.

Damit stand der knapp 21-Jährige

alleine da – ohne Familie, ohne

Schulbildung, ohne Beruf, ohne

Geld. Und er war nach sieben Jahren

in Lagern und Militär körperlich

und seelisch erschöpft. Später

beschrieb er den Neubeginn so:

„Ende 1947 traf ich in Paris mit

Herrn Rudolf Kauffmann zusammen.

Herr Rudolf Kauffmann, der

frühere Mitinhaber der Firma Bernhard

Kauffmann Söhne in Bruchsal,

ist ein guter Bekannter meiner Eltern

gewesen. Als ich ihm schilderte, wie es meiner Familie ergangen war und dass

Richard Wolf, um 1944 in Frankreich. Foto: Hélène Yaïche.

ich nun völlig mittellos als junger Mann ohne eine geordnete Ausbildung und ohne

die französische Sprache zu beherrschen in Paris stünde und nicht ein noch aus wisse,

erklärte er mir, dass er mich in seiner Firma in Paris, nämlich in der Sibra, in ein Lehrverhältnis

nehmen wolle. Er erklärte mir, dass ich dort je nach Eignung Aufstiegsmöglichkeiten

hätte, dass ich aber selbstverständlich zunächst einmal mit allen anfallenden

Arbeiten als Lehrling vertraut gemacht werden müsste.“ Herr Kauffmann gestand

René Wolf auch etwas mehr als das Lehrlingsgehalt zu. „Er sah ein, dass ich von

irgendetwas leben musste, dass ich also ein Zimmer und die üblichen Mahlzeiten benötigte.“

Abends bildete sich René in Rechen-, Buchführungs-, Allgemeinbildungskursen

und der französischen Sprache weiter. Zudem hörte er an der Universität

Tours verschiedene Rechtskurse. Bei der Sibra („Société Industrielle de Brasseries“)

arbeitete René offensichtlich so erfolgreich, dass ihm Rudolf Kauffmann zum

1. Juni 1951 die Stelle des Geschäftsführers im Schwesterunternehmen, dem SaGeKo

(„Saarländischer Getränke-Kontor“), in Merzig/Saar anbot. Diese hatte die Generalvertretung

der Nieder-Yeutzer Brauerei inne. Parallel dazu meldete René am 12. Juli

1950 in Bruchsal seinen ersten Wohnsitz unter der Adresse seiner Tante Sophie Wolf

21


an, um in seiner Geburtsstadt beruflich

Fuß zu fassen, was jedoch

misslang. Mit der Abmeldung am

13. März 1953 gab er dieses Vorhaben

endgültig auf. Dafür wurde

er zusätzlich zu seiner Tätigkeit

bei SaGeKo Aufsichtsratsmitglied

in der Brauerei von Fontoy. 1958

gründete er die Firma Wolf und

Co. GmbH in Merzig, die sich dem

Vertrieb von Bedarfsartikeln für

die Ausstattung von Gaststätten

widmete. Bis zu seinem Tod leitete

er die Compagnie Comerciale

Européene als kaufmännischer

Direktor.

Am 26. September 1956 heiratete

René Wolf die aus Luxemburg

stammende 22-jährige Ruth Levy,

und nach ersten gemeinsamen

Richard „René“ Wolf, 1975. Foto: Hélène Yaïche.

Jahren in Merzig zog das junge

Paar 1958 nach Thionville in Lothringen. Die beiden Kinder Frédéric und Hélène

wurden 1958 und 1959 geboren. René war in jenen Jahren beruflich und privat stark

eingespannt, pendelte täglich zwischen Thionville und Merzig. Er hatte beruflich

auch oft in Paris zu tun. Außerdem kümmerte er sich um seinen Onkel Issak Frank

in Winnweiler und seine Tante Sophie Wolf in Bruchsal. Diese besuchte er regelmäßig

und unterstützte sie besonders bei ihren Wiedergutmachungsverfahren und

dem Wiederaufbau ihrer Immobilien.

Gesundheitlich hat sich René Wolf nie von den Entbehrungen des Lagerlebens erholt.

Er hatte dort ruhrähnliche Erkrankungen durchgemacht und litt seither häufig

unter einem Druckgefühl in der Magengegend, verbunden mit Brechreiz und

Durchfall, Schmerzen der Leber und Galle. Immer wieder auftretende, heftige Stirnkopfschmerzen

verursachten Herzschmerzen und Schwindelanfälle. Immer wieder

durchlebte er auch Momente der Lagerhaft in seinen Alpträumen. Und trotzdem

ist er seinen Kindern als positiver Mensch, warmherzig, hilfsbereit, großzügig und

mit ausgeprägtem Familiensinn in Erinnerung geblieben. Der Zufall wollte es,

dass René Wolf nur 60 km entfernt von seiner Geburtsstadt Bruchsal starb. Am

15. August 1981 waren René und seine Frau Ruth auf dem Heimweg von einem Italienurlaub,

als er plötzlich starke Bauchschmerzen bekam und deswegen einen Halt

im Krankenhaus von Baden-Baden einlegte. Nach mehreren Operationen und Komplikationen

verstarb er dort am 12. Dezember 1981. Richard René Wolf wurde nur

55 Jahre alt.

22


Schweigen als latenter Schmerz

von Rolf Schmitt

Erst nach einem Besuch in Bruchsal im Jahr 2019 fand Hélène Wolf die Kraft, den braunen

Ordner zu öffnen, der jahrzehntelang verschlossen im Büro des Familienhauses

stand. Erst dieser Besuch gab ihr, wie sie schrieb, die Stärke, „das Tor zur Besänftigung

zu öffnen“. Hieraus entstanden die Erinnerungen an ihren Vater René (Richard). Teile

dieses Manuskripts wurden nachstehend verwendet.

Hélène schreibt, ihr Vater habe nie von seiner Kinderzeit vor der Deportation nach Gurs

gesprochen. „Nie ein Wort. Er hat weder über seine Eltern erzählt, noch von seiner Familie,

geschweige denn von den vielen Onkel und Tanten, so dass diese für mich lange Zeit nur

Schatten waren. Mama erzählte, dass er am Anfang ihrer Ehe schwere Albträume hatte

und regelmäßig mitten in der Nacht aufwachte.“

Ihr Vater habe nie seine deutschen Wurzeln verleugnet, er war sogar stolz darauf. Er

wusste immer zwischen Nazis und Deutschland zu unterscheiden. Dies war wichtig für

ihn. „Wie hätte er sein Leben wieder aufbauen können, wenn er seine Wurzeln und obendrein

den Verlust seiner Eltern verleugnet hätte?“ Dies hat er auf seine Kinder übertragen,

die deutsch lernten und oft Bruchsal besuchten, aber nicht verstanden, wie er sich trotz

allem dort wohlfühlen konnte. Er sei nicht gläubig gewesen und folgte keiner religiösen

Tradition. Nur selten ging er in die Synagoge, erwartete dies aber von seinen Kindern.

Hélène schildert ihren Vater als geradlinigen Menschen. Seine wichtigsten Werte und

Eigenschaften seien gewesen: Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Respekt vor Staat und Gesetz,

Verantwortungsbewusstsein sowie Beharrlich- und Nachvollziehbarkeit. „Er war ein

großzügiger und hilfsbereiter Mensch, vom ihm habe ich den Sinn zum Einsatz bekommen,

dieses Drängen zu helfen und die Hand zu reichen“. Hélène lernte von ihm, das Leben von

seiner guten Seite zu sehen, das Glas halbvoll und nicht halbleer, „das ist wahrscheinlich

mein schönstes Erbe von ihm“. Sie sah ihn nur einmal weinen. Das war 1972, als die israelischen

Athleten in München ermordet wurden.

Mit seiner Frau teilte er die Freude an avantgardistischer Kunst und die Liebe für schöne

Teppiche – und den Spaß am Dame-Spiel, „Sonntag Nachmittag auf dem quadratischen

Tisch im kleinen Wohnzimmer. Da war er glücklich“. „Er konnte nicht schwimmen.

Er konnte nach dem Mittagessen ein kurzes Nickerchen machen und wieder zur Arbeit

gehen. Er war Tiefschläfer und schnarchte, dass die Wände wackelten“. Er aß gerne Austern,

obwohl sie nicht koscher waren, er liebte Sahnehering, den es immer zum Ende

der Kippur-Fastenzeit gab. „Es ist mir jetzt verständlicher, warum mein Vater mit seinem

täglichen Leben zufrieden war. Er war sich bewusst darüber, was ihn unter Umständen

erwartet hätte – und hat sich nie beklagt.“ Es wurde in der Familie Wolf wie in vielen

anderen jüdischen Familien über die Shoah geschwiegen: „Er hat darüber einfach nicht

erzählt. Wenn sein Schweigen so für ihn richtig war, dann ist das in Ordnung. Es ist aber

auch richtig, dass diese große Leere, die er durch sein Schweigen gelassen hat, ein latenter

Schmerz für seine Familie und deren Nachkommen ist.“

23


Familie Leopold Wolf

Leopold Wolf

* 12.04.1843 Östringen † 28.03.1907 Bruchsal

(Sohn v. Wolf Wolf (~1799 Östr.-?), Handelsm. in Östringen, und Henriette Herrmann (~1802-1865))

Handelsmann (1873) in Östringen; Viehhändler in Bruchsal; seit 1882 in Huttenstraße 4, Bruchsal

verh. 27.02.1873 Bruchsal

Karoline Münzesheimer * 13.05.1851 Stebbach † 16.10.1936 Bruchsal

(To. v. Lazarus Münzesheimer (~1813 Stebbach-1888 Br.) u. Sophie Stein (~1819 Freudental-1897 Br.))

9 Kinder:

1. Gustav Wolf * 04.12.1873 Östringen † 07.12.1937 Bruchsal

Viehhändler in Bruchsal; Talstr. 12, Bruchsal

verh. 30.06.1911 Philippsburg

Johanna Löb

* 29.08.1888 Philippsburg † 09.04.1969 Plainfield/NJ/USA

(Tochter v. Heinrich Löb (1855-1930), Handelsmann in Philippsburg, u. Frieda Klein (1860-1918))

02.1938 Auswanderung in USA, wohnhaft bei der Tochter in Rahway/New Jersey/USA

1 Kind:

a) Anneliese Wolf * 26.06.1913 Bruchsal † 22.04.2003 New York/USA

Abitur 1933 Oberrealschule Bruchsal; 16.02.1937 nach New York/USA; wohnhaft in Ocean/NJ/USA

verh. 27.12.1938 New York Ferdinand Thiel * 31.07.1902 Kordel (RP) † 01.1983 New York

kinderlos

2. Hermine Wolf * 26.05.1875 Östringen † 12.01.1940 Bruchsal

1902-1937 Inhaberin Schuhgeschäft Kaiserstr. 43/45; Bismarckstr. 18, Bruchsal (1940)

verh. 16.09.1902 Bruchsal

Abraham Hirtz gen. Adolf Hitz * 18.06.1859 Pleschen/Polen † 10.11.1909 Bruchsal

(Sohn von Morsche Günsche Hirtz (+ vor 1902), Schneider, und Gütel Slowiek (+ vor 1902))

Kaufmann in Bruchsal; Kaiserstr. 43, Bruchsal (1909); kinderlos

3. Helene Wolf * 26.11.1876 Östringen † 04.06.1951 Winnweiler

22.10.1940 Gurs; 20.02.1941 Camp de Noé; 16.06.1941 Les Milles; Rückkehr nach Winnweiler

verh. 18.10.1904 Bruchsal

Isaak Frank

* 19.10.1874 Dörrmoschel † 19.09.1963 Winnweiler

(Sohn von Bernhard Frank und Sara Sternberger)

Viehhändler; 22.10.1940 Gurs; 20.02.1941 Camp de Noé; 16.06.1941 Les Milles; Rückkehr Winnweiler

2 Kinder:

a) Selma Frank * 02.07.1905 Winnweiler † 1942/45 Treblinka

vh. 1. Ehe Friedrich Straß * 10.07.1905 Eppelsheim † 03.06.1938 San Cristobal/Arg.

wanderte 11.1937 nach Argentinien aus

2 Kinder: Werner Straß (1929-1942/45); Waltraude Straß (1930-1942/45)

vh. 2. Ehe 23.03.1939 Albert Straß * 26.11.1911 Eppelsheim † 1942/45 Treblinka

wohnh. in Dalsheim, dann Worms, dann Mainz; 30.09.1942 alle 7 nach Treblinka deportiert

3 Kinder: Martel Straß (1939-1942/45), Amon Straß (1940-1942/45), Jona Straß (1941-1942/45)

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b) Gertrud Frank * 18.05.1911 Winnweiler †

Kaiserstr. 43/45 (1933-1936), Huttenstr. 4 (1939), Bruchsal; Auswanderung nach Argentinien

verh. 1937/38 Karl Löwenstein

4. Sophie Wolf * 29.11.1878 Östringen † 26.09.1967 Bruchsal

Huttenstr. 4, Bruchsal; 22.10.1940 Gurs; Rückkehr 23.11.1946; Schloßstr. 11, Br. (1967), unverheiratet

5. Melanie Wolf * 10.05.1880 Östringen † 22.03.1949 Bruchsal

Damenschneiderin; 22.10.1940 Gurs; Rückkehr 23.11.1946; Schönbornstr. 21, Br. (1949), unverheiratet

6. Wilhelm Wolf * 28.11.1883 Bruchsal † 13.12.1884 Bruchsal

7. Berta Wolf * 08.03.1886 Bruchsal † 08.1942 KZ Auschwitz

Büroleiterin; 22.10.1940 Gurs, 21.02.1941 Camp de Noé, 12.08.1942 Auschwitz, unverheiratet

8. Ludwig Wolf * 30.05.1890 Bruchsal † 16.04.1957 Baltimore/USA

Zigarrenfabrikant; Bergstraße 51, Bruchsal; 22.10.1940 Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 05.1948 USA

verh. 11.06.1926 Schierstein bei Wiesbaden

Irma Katz

* 05.10.1897 Schierstein † 01.08.1991 Baltimore/USA

(To. v. Karl Katz (1869-1935), Textilkaufmann in Schierstein, und Klara Laupheimer (1875-1943))

22.10.1940 Deportation nach Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 27.09.1942 Flucht Schweiz, 05.1948 USA

1 Kind:

a) Liselotte Wolf * 04.07.1928 Karlsruhe † 16.09.2016 Baltimore/USA

22.10.1940 Deportation nach Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 27.09.1942 Flucht Schweiz; 08.1946 USA

vh. ~1949 Dr. David Nathan Bacharach * 05.06.1917 Baltimore/USA † 24.10.1982 Baltimore

(Sohn von David Bacharach (1876-1943), Kaufmann in Baltimore, und Irene Winternitz (1881-1955))

2 Ki.: Dr. Richard Bacharach vh. Dr. Ellen Volkman; Steven Bacharach vh. Sharon Botwinik (USA)

9. Ferdinand Wolf * 24.03.1892 Bruchsal † 08.1942 KZ Auschwitz

Zigarrenfabrikant; Wilderichstr. 23, Br.; 22.10.1940 Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 19.08.1942 Auschwitz

verh. 04.12.1925 Dinslaken

Berta „Bertel“ Strauß * 13.06.1900 Dinslaken † 08.1942 KZ Auschwitz

(Tochter von Leopold Strauß (1861-1939), Lehrer in Dinslaken, und Rosalie Stern (1867-1934))

22.10.1940 Deportation nach Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 19.08.1942 Auschwitz

1 Kind:

a) Richard Leopold „René“ Wolf * 15.11.1926 Bruchsal † 12.12.1981 Baden-Baden

22.10.1940 Deportation nach Gurs; nach 1945 wohnhaft in Merzig/Saar und Thionville, Frankreich

verh. 26.09.1956 Esch-sur-Alzette

Ruth Rosy Levy

* 22.05.1934 Esch-sur-Alzette † 18.05.1996 Paris

(Tochter von Paul Salomon Levy und Esther Germaine Lichtenstein)

2 Kinder: Frédérik Wolf (*1958), Paris; Hélène Wolf (*1959) vh. Patrick Yaïche, Paris

Ein Cousin der Geschwister Wolf war Gustav Wolf (1887 Östringen - 1947 Northfield). Das Werk des

Malers, Grafikers, Holzschneiders und Kunstlehrers wird seit 1994 in der Gustav-Wolf-Galerie in seiner

Heimatstadt Östringen gezeigt. (Abbildung Seite 53)

25


Biografie von Herbert Beck (1922-1940)

von Jannick Rost und Torben Seehaus, Klasse 8v

Auweg 5, früher Auweg 1, Bruchsal, um 1950. Foto: Ludwig Müller.

26

Herbert Beck wurde am

3. November 1922 in Bruchsal

geboren. Er war das zweitälteste

von vier Kindern und

seit seiner Geburt geistig behindert.

Ungewöhnlicherweise

war seine Taufe erst

am 10. Dezember 1922, über

einen Monat nach seiner Geburt.

Sein Vater Karl Valentin

Beck wurde am 9. August

1898 geboren und starb am

28. Dezember 1973. Als junger

Mann musste der Vater

als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnehmen und wurde durch einen Lungenschuss verletzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er in den 1920ern als Hilfspostschaffner, 1931 als

Arbeiter, 1933 bis 1938 als Dreher. Im Zweiten Weltkrieg war er in der Festungsflakabteilung

35 Bruchsal beschäftigt. Herberts Mutter Frieda Franziska Beck geb. Stadtmüller

wurde am 19. Januar 1900 geboren und starb am 5. März 1982. Herbert wuchs mit vielen

Verwandten auf, da seine Großeltern mütterlicherseits 13 Kinder hatten. Die Großeltern

waren Schuhmachermeister Andreas Stadtmüller (1867-1948) und Barbara Stadtmüller

geb. Kling (1874-1960). An sie und die Kinder wird heute im Schuhmacher-Rill-Museum

in der Klosterstraße 37 gedacht. Frieda Beck und Karl Beck kamen also beide aus alteingesessenen

Bruchsaler Familien. Sie heirateten am 5. Februar 1921 in der Peterskirche

in Bruchsal. Als Zweitgeborener hatte Herbert Beck eine ältere Schwester namens Maria

(1921-1982), einen jüngeren Bruder namens Gerhard (1924-1996) und eine jüngere

Schwester mit dem Namen Mathilde (*1938).

Die Familie wohnte in den 1920ern in der Rheinstraße 10 (heute Werner-von-Siemens-

Straße) und von etwa 1931 bis etwa 1960 im Auweg 1 zur Miete bei Familie Müller. Die

Hausnummer des Gebäudes wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Auweg 5 geändert.

Die Familie hatte vermutlich nicht viel Geld, wie man an den einfachen Berufen von Karl

Valentin Beck erkennen kann und an der Tatsache, dass sie im eigenen Schrebergarten

Gemüse anbauten. Für das Jahr 1939 ist seine monatliche Kriegsrente (wegen des Lungenschusses)

von 92,60 Mark und sein Verdienst von 120 Mark monatlich in der Festungsflakabteilung

35 Bruchsal belegt.

Herbert Beck lebte bis zu seinem 9. Lebensjahr zu Hause. In der Familie wurde mündlich

überliefert, dass Herbert ein problemloses Kind war. Er konnte sich frei bewegen und

wusste auch seinen Namen. Herbert Beck wurde am 28. April 1931 durch Veranlassung


des Ministeriums in der Anstalt Herten bei Rheinfelden aufgenommen. Begründung war

die Krankheitsform Nummer 3, deren Bedeutung heute ungeklärt ist. Herten war damals

ein Heim mit Schule für geistig behinderte Kinder. Das Erbgesundheitsgericht Bruchsal

hat mit dem Entscheid vom 11. April 1934 die Sterilisierung von Herbert Beck angeordnet.

Daraufhin holten seine Eltern ihn sofort aus der Anstalt Herten nach Hause, nämlich eine

Woche später, am 18. April 1934. Obwohl die Eltern einfache Leute waren, hatte der Vater

gegen die Sterilisierung Einspruch eingelegt. Dieses Verfahren wurde am 25. Mai 1934

vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe verhandelt. Das Gericht führte aus: „Der Erbkranke

muss den kleinen unschädlichen Eingriff, den das Gesetz im Interesse der Volksgemeinschaft

ihm auferlegt, unterziehen, damit weiteres Unheil verhütet wird, das aus seiner krankhaften

Anlage für etwaige Nachkommenschaft entstehen könnte, und damit müssen sich auch die

Angehörigen abfinden.“ Somit wurde das Urteil gegen den 11-Jährigen bestätigt und ans

Bruchsaler Gericht zurückverwiesen mit der Anfrage, ob man die Sterilisierung vorläufig

aussetzen könnte. Allerdings sind die Bruchsaler Akten verloren, daher weiß man nicht,

wie es ausging.

Herbert Beck wurde am 7. Juni 1939 in der Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache

Mosbach, Außenstelle Schwarzacher Hof, untergebracht. Auf Vorschlag des Gesundheitsamtes

und des Arbeitsamtes Bruchsal stellten die Eltern zuvor am 17. Februar

1939 den Antrag auf Unterbringung in der St. Josefsanstalt in Herten oder der Heil- und

Pflegeanstalt Mosbach. Sie erhofften sich eine Ausbildung zur Arbeit in der Gärtnerei oder

Landwirtschaft. Doktor Braun vom Gesundheitsamt Bruchsal schrieb nach seiner Untersuchung

am 18. April 1939, Herbert Beck sei „angeboren unheilbar schwachsinnig“. Er

schrieb allerdings auch, Herbert Beck würde keine Gefahr für sich und andere darstellen.

Fürsorgeobersekretär Dreher des Jugendamts schrieb dagegen am 3. Mai 1939, Herbert

Beck würde durch seine planlosen Handlungen im Elternhaus eine absolute Gefahr für

seine jüngste Schwester darstellen, welche zu dieser Zeit etwa sechs Monate alt war.

Frieda,

Mathilde,

Gerhard, Maria

und Karl Beck,

um 1942

in Bruchsal.

Foto:

Karl Ohler/

Gottfried Kluge.

27


Karl und Frieda Beck, um 1960.

Foto: Gottfried Kluge.

Die Pflegeanstalt Mosbach wurde im Sommer

1880 von mehreren sozial engagierten Bürgern

gegründet. Sie begannen die Arbeit mit

16 Jungen und Mädchen, hatten aber bereits

nach zehn Jahren schon 116 Kinder in Betreuung.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs

stieg die Zahl der betreuten geistig Behinderten

auf 506. Die Arbeit in der Anstalt wurde durch

die Nazi-Ideologie immer schwieriger. Im Rahmen

der sogenannten „T4-Aktion“ sollten Menschen

mit Behinderung systematisch ermordet

werden. Daher wurden von September 1940 bis

Juli 1944 insgesamt 262 Heimbewohner und

Heimbewohnerinnen gewaltsam aus Mosbach

und Schwarzach abgeholt und ermordet. An

die Getöteten erinnert heute ein Gedenkstein

an der Johanneskirche in Mosbach. Anstaltsleiter

Pfarrer Robert Wilckens versuchte die

Todestransporte zu verhindern. Als die Busse

am 12. September 1940 in Mosbach eintrafen,

verhandelte er langwierig. Ergebnis war, dass

beim ersten Transport nur Bewohner des 15 km

entfernten Schwarzacher Hofes betroffen sein

sollten. Das Personal der Busse übernachtete in der Region. Am nachfolgenden Morgen

fuhren dann die Busse am Schwarzacher Hof vor und 75 männliche Bewohner der Anstalt

wurden mitgenommen, unter ihnen Herbert Beck.

Am 13. September 1940 kam es somit zu einer „Verlegung“ in die Tötungsanstalt Grafeneck

bei Gomadingen. Am gleichen Tag wurde Herbert Beck aufgrund seiner geistigen

Behinderung von den Nationalsozialisten ermordet. Er wurde nur 18 Jahre alt. Den

Eltern wurde allerdings mit einem standardisierten Brief ein ganz anderes Todesdatum

mitgeteilt, nämlich der 23. September 1940. Die Urne, die zynischerweise einfach nur irgendwelche

Asche enthielt, wurde am 23. Oktober in Bruchsal bestattet. Das Grab wurde

noch viele Jahre von Herberts Mutter gepflegt. Obwohl die Enkel ein sehr gutes Verhältnis

zu den Großeltern hatten und den Großvater als gütig, die Großmutter als herzlich, aber

doch strenger beschrieben, so wurde mit den Enkeln nie über Herbert und sein Schicksal

geredet. Dieses Verhalten war typisch für Familien, deren Angehörige zur Zeit des Nationalsozialismus

ermordet wurden.

„Pfleglingsliste“ der damaligen Erziehungs- und Pflegeanstalt für Geistesschwache, Mosbach

(heute Johannes-Diakonie), 1939. Quelle: Richard Lallathin.

28


Biografie von Hanna „Mina“ Wertheimer

geb. Merklinger (1870-1942)

von Johann Schäfer, Klasse 8s

Hanna Merklinger wurde am 18. August 1870 in

Bodersweier bei Kehl geboren. Ihr Vater Emanuel

Samuel Merklinger (1805-1875) heiratete

am 14. Februar 1861 die 34 Jahre jüngere Babette

Günzburger (1839-1907), nachdem seine

erste Frau Rebekka geb. Rödinger (1809-1856)

verstorben war. Mit Rebekka hatte Emanuel

Merklinger sieben Kinder; erwachsen wurden

Joseph (1843-1923), David (1847-1924) sowie

eventuell Babette (1845-?) und Maria (1850-?).

Aus der zweiten Ehe entstammten fünf Kinder,

von denen Hanna die jüngste war. Die erwachsenen

Geschwister waren Helena (1863-1962,

verh. Rosenberg), Max (1866-1925) und eventuell

Bertha (1867-?). Der Vater, der ein Leben

lang Handelsmann in Bodersweier war, starb

1875, als Hanna sechs Jahre alt war, im Alter

von siebzig Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Freistett beigesetzt.

Am 3. März 1902 heiratete Hanna 32-jährig den gleichaltrigen, aus Gemmingen stammenden

und in Neidenstein ansässigen Schuhwarenhändler Maier Wertheimer (1870-

1920) in Bodersweier. Für Maier war dies die zweite Ehe. Seine erste Frau Hanchen

Wertheimer geb. Kaufmann war 1900 bereits mit 28 Jahren gestorben, nachdem sie

1898 ihr gemeinsames Kind Mathilde Wertheimer auf die Welt gebracht hatte. Hanna

zog das zweijährige Mädchen als Stiefmutter auf, und sie entwickelten ein gutes Verhältnis

zueinander. Ein Jahr später, am 17. Mai 1903, kam ihr einziger gemeinsamer

Sohn in Neidenstein zur Welt, Emanuel Wertheimer. Ab dann wird sie auch in offiziellen

Dokumenten Mina genannt. Die Schwiegermutter, Maiers Mutter Rosina, zog zu

ihnen nach Neidenstein und starb dort 1912 im Alter von 90 Jahren. Bereits 1920 starb

Maier Wertheimer im Alter von 50 Jahren. Nachdem die Stieftochter Mathilde 1927

Karl Kalonimus Mayer (1894-1942) heiratete und nach Hoffenheim zog, blieb Hanna

„Mina“ allein in Neidenstein zurück, da Sohn Emanuel bereits zwischen 1920 und

1927 nach Bruchsal verzogen war. Die Trauzeugen waren Mathildes Bruder Emanuel

und Karls Onkel Benjamin „Benni“ Heumann (1877-1948), ein Viehhändler, bei dem

Karl ebenfalls als Viehhändler angestellt war. Nachdem Benni Heumann ca. 1933/35

nach Argentinien ausgewandert war, machte sich Karl selbstständig und hatte keinen

großen Verdienst mehr. Zur Familie gehörten inzwischen die beiden Enkel, seit 1929

29

Haus von Fam. Maier Wertheimer in Neidenstein,

um 1945, im Hintergrund Ratsdiener

Heinrich Heller. Foto: Werner Diefenbacher.


Manfred (später Fred Raymes) und seit 1932 Heinz (später Menachem).

Familie Mayer wohnte zunächst gegenüber der Synagoge von Hoffenheim und zog

in den 1930ern in die Hausmeisterwohnung, die in das Synagogengebäude integriert

war. (heute: Neue Straße 2a). Fast jeden Samstag besuchten die Mayers Hanna Wertheimer

in Neidenstein. Sie gingen zu Fuß und für die Kinder Menachem und Manfred

war der Weg durch den Wald sehr weit. Sie nannten ihre Stiefgroßmutter einfach nur

„Oma“ und freuten sich immer, wenn sie sie besuchen durften. Vor den hohen Feiertagen

besuchten sie gemeinsam den jüdischen Friedhof von Waibstadt, wo seit 1920

Hanna Minas Mann, Maier Wertheimer, bestattet ist.

Auch nachdem Hanna am 28. April 1938 zu ihrem Sohn Emanuel, der schon seit den

1920ern wegen seiner Arbeit in Bruchsal lebte, in die Huttenstraße 2 nach Bruchsal

gezogen war, bekam sie noch Besuch von ihren Enkeln Manfred und Heinz. Die

zwei übernachteten auch am

20. September 1940 bei ihr,

als Bruchsal das erste Mal

bombardiert wurde. Auch die

Huttenstraße wurde getroffen.

Fred erinnerte sich später:

„Plötzlich hörten wir Bomben

fallen. Eine fiel ganz nahe am

Fenster des Zimmers vorbei, in

dem ich schlief. Die Detonation

schleuderte einen der Fensterläden

auf mein Bett, traf mich

aber nicht. Das waren die letzten

gemeinsamen Tage unseres

Lebens als Familie.“

Rabbinatsgebäude Huttenstraße 2, Bruchsal, nach dem

Bombenangriff vom 20.9.1940. Foto: Stadtarchiv Bruchsal.

Am 22. Oktober 1940 wurde Hanna Mina Wertheimer geb. Merklinger von der Gestapo

in der Huttenstraße gemeinsam mit ihrem Sohn abgeholt und ins Camp de Gurs in

Südfrankreich deportiert. Am Bahnhof Oloron-Ste.-Marie traf sie wieder mit Mathilde,

Karl, Manfred und Heinz zusammen.

Hanna Wertheimer starb am 26. Februar 1942 im Lager Gurs im Alter von 72 Jahren.

Ihr Grabstein hat die Nummer 562. Der Bruder von Karl Mayer, Moritz Mayer,

schrieb am 2. März 1942 an Manfred und Heinz, die schon vorher aus dem Lager in

ein Kinderheim in Sicherheit gebracht worden waren: „Ich kann auch meinen Jungens

die traurige Mitteilung machen, dass Eure liebe Großmutter diese Woche verschieden ist.

Es war für uns alle eine große Überraschung, ist aber durch Gottes Schicksal nichts zu

machen.“

Noch heute erinnert sich der inzwischen 90-jährige Enkel Heinz, heute Dr. Menachem

Mayer, sehr gerne an Hanna „Mina“ Wertheimer zurück. Ihnen war als Kinder

gar nicht bewusst, dass Mina eigentlich nicht ihre leibliche Großmutter war, und er

schrieb: „Oma Mina war meine einzige und liebende Großmutter.“

30


Biografie von Emanuel Wertheimer (1903-1942)

von Helen Kratz, Klasse 8s

Emanuel Wertheimer wurde am 17. Mai 1903 in Neidenstein geboren. Emanuels Mutter

war Mina Wertheimer geb. Merklinger (1870-1942), sein Vater Maier Wertheimer

(1879-1920). Emanuel Wertheimer erhielt seinen Namen nach seinem Großvater Emanuel

„Manasse“ Merklinger (1805-1873), Handelsmann in Bodersweier. Emanuel Wertheimer

hatte eine Halbschwester namens Mathilde Mayer geb. Wertheimer (1898-1942),

die aus Maier Wertheimers früherer Ehe mit Hanchen geb. Kaufmann (1872-1900)

stammte. Emanuel war unverheiratet und hatte keine Kinder. Er war einer der Trauzeugen

bei der Hochzeit seiner Halbschwester, sodass sich vermuten lässt, dass die beiden

Stiefgeschwister ein enges Verhältnis hatten. Als der Vater 1920 starb, war Emanuel erst

17 Jahre alt. Trotzdem übernahm er die traurige Aufgabe, aufs Rathaus von Neidenstein

zu gehen und den Tod des Vaters zu Protokoll zu geben. Als Beruf wird „Handlungsgehilfe“

angegeben. Zwischen 1920 und 1927 ist Emanuel nach Bruchsal umgezogen. Nach

den Bruchsaler Adressbüchern von 1928/30 und 1931/32 wohnte Emanuel in Bruchsal

in der Schlossstraße 2, die Berufsbezeichnung lautete Kaufmann. Auch 1933/36 blieb er

in der Schlossstraße 2 wohnen, arbeitete aber nun als Prokurist. Emanuel war bei einer

Familie Braun als Untermieter wohnhaft. Die Tochter Hildegard Schöning geb. Braun

und ihre Großmutter vermieteten drei Zimmer in der Schlossstraße 2. Hildegard schrieb

im Wiedergutmachungsverfahren über Emanuel Wertheimers Zeit bei der Familie und

seinen Beruf. Emanuel sei dort im Jahre 1927/28 eingezogen. Damals sei er noch Lehrling

gewesen. Nachdem Emanuel Wertheimer neun Jahre lang in der Schlossstraße 2

gewohnt hatte, heiratete Hildegard Schöning und zog nach Karlsruhe, sodass sie das

Vermieten aufgab. Daraufhin zog Emanuel in die Huttenstraße 2. Frau Hildegard Schöning

schrieb in ihrem Brief: „Herrn Wertheimer trafen wir ab und zu, er wohnte zuletzt in

der Huttenstraße. Dann wussten wir nichts mehr.“

1920 wurde eine erste, kleine Lebensversicherung abgeschlossen. Im Jahre 1929 scheint

Emanuel Wertheimer bereits relativ gut verdient zu haben, da er eine zweite Lebensversicherung

mit höherem Beitrag abschloss. Als Nutznießerin im Falle seines Todes gab er seine

Mutter Mina Wertheimer an. Sie war „offensichtlich als Sicherstellung der überlebenden

Mutter gedacht“ (Bescheid 1961). Auch bei der Rentenversicherung wurde 1920 der erste

Briefkopf der Herdfabrik Falk. Quelle: Jürgen Stude, Geschichte der Juden in Bruchsal, S. 156.

31


Beitrag bezahlt. 1928 wechselte er von der Beitragsklasse

B (4 Mark pro Monat) in die Beitragsklasse C

(8 Mark pro Monat).

Bei der Herdfabrik Falk arbeitete er sich bis zum

Prokuristen hoch. Sein damaliger Arbeitsgeber Josef

Falk gab später eine Erklärung über Emanuels

beruflichen Werdegang ab. Er sei vom Jahre 1921

bis zum Jahre 1938 in seiner Firma beschäftigt gewesen

und hatte als leitender Angestellter zuletzt

Prokura. Sein monatlicher Lohn belief sich zwischen

500 und 600 Reichsmark. Doch durch die

Arisierung von Josef Falks Unternehmen musste

Emanuel Wertheimer seine Stellung in der Herdfabrik

Falk aufgeben. Nachdem Emanuel entlassen

worden war, nahm er an einem Umschulungskurs

in Frankfurt teil.

Vor seiner Entlassung war Emanuel wohlhabend

und machte mit seinem verdienten Geld seinen

beiden Neffen Manfred (1929-2013) und Heinz

(*1932), den Söhnen seiner Schwester Mathilde

Mayer, öfters eine Freude. Frederick Raymes (der frühere Manfred Mayer) schrieb in

dem Buch “Aus Hoffenheim deportiert“, dass sein Onkel und seine Oma seinem jüngeren

Bruder Menachem (der frühere Heinz Mayer) und ihm nach den Besuchen oft

Kleidung geschenkt haben. Er erwähnte auch, sein Onkel hätte die Geburtstage von ihm

und seinem Bruder nie vergessen. Das Geschenk blieb immer das gleiche: eine große

Fünf-Mark-Münze. Emanuel Wertheimer besaß ein Auto, was zu jener Zeit etwas Besonderes

war. „Wir waren begeistert, wenn wir unsere Großmutter und Onkel Emanuel besuchen

durften. Er hatte ein Auto. Jeden Tag fuhr er damit nach Bruchsal zur Arbeit. Onkel

Emanuel fuhr uns zu unserem jüdischen Friedhof, der tief im Wald in der Nähe von Waibstadt

lag. Nach jüdischem Brauch besuchen Familienangehörige die Gräber ihrer Familie

jedes Jahr vor den hohen Feiertagen. Wir Kinder

saßen im Wagen, warteten auf die Erwachsenen

und fragten uns, was sie drüben, auf der anderen

Seite des Zauns, taten.“

Emanuel Wertheimers erste Deportation fand

am 11. November 1938 in das Konzentrationslager

Dachau statt. Dort wurde er am 26.

Dezember 1938 wieder entlassen. Zwei Jahre

später wurde Emanuel am 22. Oktober 1940

aus der Huttenstraße 2 in Bruchsal durch die

Mathilde und Karl Mayer, 1939. Fotos:

GLA Karlsruhe 377 Nr. 19037 und 19033.

Mathilde und Karl Mayer, 1927.

Foto: Dr. Menachem Mayer.

Gestapo deportiert. Emanuel und seine Mutter

sahen Mathilde, ihren Mann und die Neffen im

32


Gefangenenlager Gurs wieder. Er hatte seine Wohnungseinrichtung, Gold, Silber und

Schmucksachen, seine Konten und sein gesamtes Vermögen verloren. Emanuel und seine

Mutter waren in Gurs nicht beisammen, da Männer und Frauen getrennt inhaftiert

wurden. Die Neffen Manfred und Heinz Mayer verließen Gurs am 24. Februar 1941

und wurden in einem Kinderheim untergebracht. Am 10. März 1941 wurden die Stiefschwester

Mathilde Mayer und ihr Mann Karl Mayer ins Lager Rivesaltes gebracht, sodass

sie sich nie wieder sahen. Über die erhaltenen Briefe wissen wir einige Umstände

der Inhaftierung. Am 1. März 1941 schrieb Mathilde in ihrem ersten Brief an die Söhne:

„Oma ist noch in der Internen...“. Möglicherweise könnte hier die Krankenstation „Infermerie“

gemeint sein. In seiner Zeit in Gurs nahm Emanuel immer wieder Kontakt

zu seinen Neffen, aber auch zu seiner Stiefschwester in Rivesaltes auf. Mathilde schrieb

beispielsweise an ihre Söhne im August 1941: „Gestern hatte ich Post von Onkel aus Gurs.

Onkel liegt schon seit vier Wochen in der Infermerie. Ihm ist kochendes Gemüsewasser auf

den Fuß gefallen. Es muss doch immer etwas los sein.“ Am 12. März 1942 schrieb Emanuel

einen Brief aus Gurs an seine Neffen und berichtete vom Tod der Großmutter, welche

dort am 26. Februar 1942 im Alter von 72 Jahren gestorben war. Dieser Brief ist auf der

Folgeseite abgedruckt. Eine Bekannte, Betty Jacob geb. Würzweiler, kam am 1. Juli 1942

mit 200 anderen Juden von Gurs nach Rivesaltes. Sie berichtete, Emanuel sei täglich in

ihre Baracke gekommen zu einer geborenen Bodenheimer aus Bretten. „Er heizt die Kessel

dort in der Zusatzküche und es geht ihm gut.“

Emanuel wurde ins Sammellager Drancy und von dort aus am 12. August 1942 ins Konzentrationslager

Auschwitz deportiert. Er kam dort mit 1007 Juden an. Nach Selektionen

wurden 233 Männer und 62 Frauen in das Lager eingeliefert, die anderen 705 sofort

ermordet. Was mit dem 39-jährigen Emanuel Wertheimer geschah, muss für immer ungeklärt

bleiben. Er gilt als verschollen und wurde zum 8. Mai 1945 für tot erklärt. Seine

beiden Neffen sind die einzigen engen Verwandten von Emanuel, die überlebt haben. Sie

machten Entschädigungsansprüche für ihren verstorbenen Onkel geltend, doch der Antrag

wurde zurückgewiesen, da sie nur die Neffen des Emanuel Wertheimer waren und

somit nicht zum Kreis der „privilegierten Erben“ gehörten. Die Kapitalentschädigung

betrug letztlich 617,97 DM. Dieser Betrag wurde lediglich für die Lebensversicherung

ausgezahlt. Nachdem Frederick Raymes (Manfred Mayer) im Jahr 2013 verstarb, ist

Dr. Menachem Mayer (Heinz Mayer) der letzte lebende enge Angehörige des Emanuel

Wertheimer.

Manfred Mayer

(Frederick Raymes,

jeweils links) und

Heinz Mayer

(Dr. Menachem

Mayer, jeweils

rechts). Foto links:

1942 in Aspet,

Foto rechts: 2009.

Fotos: M. Mayer;

Claus Setzer.

33


Emanuel Wertheimer, Ilot F, Bar.(raque) 14, Camp de Gurs / Basses Pyrénées 12. III. 42

Mein lieber Manfred & Heinz!

Deinen so schönen & lieben Brief, l(ie)b(er) Manfred, habe ich erhalten und danke Dir bestens dafür.

Leider, leider konnte die l(ie)b(e) Oma solchen nicht mehr lesen. Denke Dir, die l(ie)b(e) Oma ist

nicht mehr bei uns. Ich habe in den letzten Wochen furchtbares durchgemacht und erleben müssen.

Aus diesem Grunde konnte ich Euch meine lieben Buben auch nicht schreiben. Wie hätten wir uns

mit Deinen l(ie)b(en) Eltern gefreut, wenn wir Dein Fest der Barmizwah hätten erleben können bzw.

zusammen hätte feiern können. Ich gratuliere Dir nachträglich besonders herzlich und wünsche Dir

alles erdenkbare Gute, beonders Gesundheit und bleibe brav und lass uns Freude mit Dir erleben,

34


besonders dass Deine l(ie)b(en) an

Dir Stütze haben.

Schreibe mir bitte bald wieder, denn

Du kannst Dir denken, dass mir

nicht sehr ums Schreiben ist. Aber

Post möchte ich doch gerne haben.

Ich bin ja jetzt so alleine hier. Sage

an Heinz auch besonders herzliche

Grüße und er soll mir auch

schreiben.

Für heute nun viele herzliche Grüße

& Küsse Euer Onkel Emanuel.

Wir sind umgezogen vom Ilot E ins

Ilot F. Meine neue Adresse ist oben.

Ein Geschenk für Dich l(ie)b(er)

Manfred wirst Du bei erster Gelegenheit

erhalten. Hoffentlich sehen

wir uns bald mal wieder.

Quelle:

Dr. Menachem Mayer.

35


Familie Maier Wertheimer

Maier Wertheimer * 16.02.1870 Gemmingen † 01.04.1920 Neidenstein

(Sohn v. Kusel Wertheimer (1815-1876), Handelsm. in Gemmingen, u. Rosina Frankenbacher (1822-1912))

Schuhwarenhändler in Neidenstein, Bahnhofstr. 34 (1900)

verh. 1. Ehe 13.05.1897 Neidenstein (Kinder 1 bis 2 aus dieser Ehe)

Hanchen Kaufmann * 18.08.1872 Neidenstein † 10.10.1900 Neidenstein

(Tochter v. Marx Kaufmann (1841-1909), Handelsm. in Neidenstein, u. Mathilde Richheimer (1840-1890))

verh. 2. Ehe 03.03.1902 Bodersweier (Kind 3 aus dieser Ehe)

Hanna „Mina“ Merklinger * 18.08.1870 Bodersweier † 26.02.1942 Gurs/Frankreich

(To. v. Emanuel Merklinger (1805-1873), Handelsm. in Bodersweier, u. Babette Günzburger (1839-1907))

1902-1938 in Neidenstein; 1938-1940 Huttenstr. 2, Bruchsal; 22.10.1940 Deportation nach Gurs

3 Kinder:

1. Mathilde Wertheimer * 18.06.1898 Neidenstein † 1942/45 Auschwitz

1898-1927 Neidenstein; 1927-1940 Hoffenheim; 1940 Gurs; 10.03.1941 Rivesaltes; 16.08.1942 Auschwitz

verh. 03.11.1927 Neidenstein

Karl Mayer * 29.09.1894 Frankfurt/M. † 1942/45 Auschwitz

(Sohn von Albert Aharon Mayer (1865-1927) und Klara Heumann (1862-1929))

Viehhändler in Hoffenheim, Kirchenstr. 10; 11.11.-08.12.1938 Dachau; 1940 Gurs; Rivesaltes; Auschwitz

2 Kinder:

a) Manfred Mayer „Fred Raymes“ * 06.02.1929 Hoffenheim † 08.06.2013 SarasotaC./FL/USA

Hoffenheim; Gurs; Aspet; Ingenieur; Los Angeles/USA, später in Florida/USA

verh. 28.08.1953 Los Angeles/USA

Diane Alice Fleischner * 14.02.1931 Wien † 13.11.1993 Long Island/USA

verh. Lydia * Insel St. Lucia / Karibik

2 Kinder (aus 1. Ehe): Suzie Michelle Raymes vh. Herr/Biagi (*1959); Carlton David Raymes (*1961)

b) Dr. Heinz Max „Menachem“ Mayer * 17.03.1932 Hoffenheim

Hoffenheim; Gurs; Aspet; Schweiz; 1948 Israel; im Kibbuz Schalbim, später in Jerusalem/Israel

verh. 23.10.1956 Israel

Chava Freidel van Cleef * 13.11.1936 Köln † 14.11.2009 Jerusalem/Israel

3 Kinder: Yehonathan Mayer (*1957); Michal Mayer vh. Tur-paz (*1959); Zvi Moshe Mayer (*1965)

2. Karl Wertheimer * 29.11.1899 Neidenstein † 28.07.1900 Neidenstein

3. Emanuel Max Wertheimer * 17.05.1903 Neidenstein † 1942/45 Auschwitz

Prokurist in Bruchsal; 11.11.-28.12.1938 Dachau; Gurs; 12.08.1942 Auschwitz; unverheiratet

Die beiden Brüder Frederick Raymes (Manfred Mayer) und Menachem (Heinz) Mayer veröffentlichten

2005 ihre Biografie unter dem Titel „Aus Hoffenheim deportiert. Der Weg zweier Brüder.“ Die Begegnung

der beiden Brüder mit ihrem Schicksal wurde 2009 unter dem Titel „Menachem und Fred“ verfilmt.

36


Biografie von Siegfried Ritter (1871-1953)

von Niklas Gack und Ben Gutekunst, Klasse 8t

Siegfried Ritter ist am 13. Dezember 1871 in Unter-Chodau in Böhmen geboren, das

damals zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte. 1847 lebten in dem kleinen Ort

699 Einwohner in 99 Häusern, darunter eine protestantische und fünf jüdische Familien.

Sicher waren es 1871 nicht viel mehr. Die Gesamtstadt Chodau hatte im Jahr 1900

fast 5400 Einwohner, wobei der überwiegende Teil von über 90% Deutschböhmen waren.

Der Anteil der Tschechen lag unter 5%. Die jüdische Gemeinde von Chodow hatte

kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nur noch etwa 50 Mitglieder. Einigen von

ihnen gelang die Flucht, aber die meisten starben während des Krieges. Die Deutschböhmen

wurden 1945 vertrieben und der Ort in Chodov umbenannt. Er liegt im äußersten

Nordwesten von Tschechien unweit von Karlovy Vary, dem früheren Karlsbad, und hat

heute 13.000 Einwohner.

Von der Familie Ritter konnte in Chodov keine Spur gefunden werden, da die Unterlagen

nicht vorhanden bzw. zugänglich sind. Von Siegfried Ritters Eltern sind somit

nur die Namen bekannt: David Ritter und Resi Hirsch. Ein Historiker in Chodov meint

allerdings ausschließen zu können, dass eine Familie Ritter noch nach 1890 im Ort

wohnte. Somit ist völlig unklar, wo und wie Siegfried Ritter die ersten 28 Jahre seines

Lebens verbrachte. 1899 ließ er sich zusammen mit seiner Frau Adele geb. Bandler in

Bruchsal nieder. Später gab er an, dass dies sein erster Wohnsitz in Nordbaden oder

Nordwürttemberg war. Da Adele am 23. März 1870 in Puschwitz geboren wurde und

dieser Ort nur 65 Kilometer östlich von Siegfried Ritters Geburtsort Chodau liegt, ist

anzunehmen, dass sich beide in Nordböhmen kennen lernten und vielleicht auch dort

heirateten. Puschwitz, das heutige Buskowice, hatte 1869 lediglich 1080 Einwohner und

im Jahre 1900 dann 1412 Einwohner. Heute leben in dem Ort nur noch 400 Menschen.

In Bruchsal wurde das einzige

bekannte Kind des Paares am

16. November 1900 geboren

und Erna genannt. Das kleine

Mädchen starb bereits im Alter

von acht Wochen, am 12. Januar

1901. Das Grab auf dem Jüdischen

Friedhof Bruchsal ist noch

heute erhalten. Da Siegfried Ritter

1949 in seinem Wiedergutmachungsantrag

angab, keine

Kinder zu haben, kann jedenfalls

davon ausgegangen werden, dass

es keine weiteren, später noch lebenden

Kinder gab.

Kaiserstr. 32 (links) bis 24 (rechts), Bruchsal. F.: Stadtarchiv Br.

37


Aufstellung des Besitzes, den Siegfried Ritter bei der Deportation nach Gurs

zurücklassen musste. Quelle : GLA Karlsruhe, 480 Nr. 4805/A.

In den Bruchsaler Adressbüchern wird Siegfried Ritter erstmals im Jahr 1900 genannt. Das

Ehepaar lebte in der Pfeilergasse 8, als Beruf des Siegfried Ritter wird Verkäufer genannt.

Vor 1904 erfolgte der Umzug in das Haus Kaiserstraße 28, am heutigen Schönbornplatz

gelegen. In diesem Haus befand sich das Geschäftslokal der Firma Ornstein & Schwarz,

und es ist anzunehmen, dass der nunmehr als Kaufmann bezeichnete Siegfried Ritter dort

arbeitete. 1907 jedenfalls lautete seine Berufsbezeichnung „Kleiderhändler“, 1910 wird das

Geschäft als „Herrenbekleidungsgeschäft“ tituliert und 1913/14 ist zu Siegfried Ritter vermerkt:

„Geschäftsführer der Firma Ornstein & Schwarz, Kaiserstraße 28.“ Während des

Ersten Weltkriegs verliert sich die Spur von Siegfried Ritter wieder etwas. Er ist jedenfalls

nicht als Teilnehmer im Ersten Weltkrieg in der sonst sehr gründlichen Auflistung von Josef

Münch genannt. Im Adressbuch für das Jahr 1920/21 lässt sich feststellen, dass die Firma

Ornstein & Schwarz nicht mehr in Bruchsal existierte und Siegfried Ritter ins Nachbarhaus

Kaiserstraße 30 umgezogen war. Inhaber dieses Hauses war Buchhändler Wilhelm Ott, dessen

Buchhandlung in diesem Haus unter dem Namen seines späteren Geschäftspartners

Braunbarth bis heute weitergeführt wird. Für Siegfried Ritter wird als Beruf wiederum allgemein

Kaufmann angegeben, seine Arbeitsstelle bleibt unklar. Es scheint beruflich nicht

mehr gut für ihn gelaufen zu sein, da er 1928/30 und 1931/32 nur noch als Handlungsgehilfe

geführt wird und 1934 als Sozialrentner bezeichnet wird.

Um 1933 waren Siegfried Ritter und seine Frau Adele in das Haus Huttenstraße 26 umgezogen.

Dort starb Adele Ritter am 20. Februar 1934. Sie ist wie Tochter Erna auf dem

Jüdischen Friedhof Bruchsal beigesetzt. Seinen letzten freiwillig gewählten Wohnsitz kann

38


Asile de Rabes in Cornil.

Foto: https://stolpersteine-konstanz.de/schatz_louis.html.

39

man in der Friedrichstraße 12 verorten, wo er gemäß Adressbuch von 1938 wohnte, beim

ebenfalls jüdischen Hausbesitzer und Kaufmann Siegfried Ullmann und dem jüdischen

Kaufmann Leo Barth. Zum Zeitpunkt der Jüdischen Volkszählung im Mai 1939 wohnte

Ritter dann in der Württemberger Straße 34 bei der jüdischen Familie Jordan. Innerhalb

kürzester Zeit musste der alleinstehende, fast 70-jährige Siegfried Ritter nochmals umziehen.

Als er zusammen mit den anderen Bruchsaler Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs

deportiert wurde, wird als Adresse das Ghettohaus Bismackstraße 3 angegeben, das im

Besitz der jüdischen Familie Maier war. Die Liste jener Dinge, die er am Deportationstag

in Bruchsal zurücklassen musste, zeigt deutlich, dass ihm bis zu jenem Tag nur noch

die nötigsten Einrichtungsgegenstände und Habseligkeiten geblieben waren. Seine geringe

monatliche Rente von 73 RM konnte er sich in den letzten Jahren durch Botengänge für

die Jüdische Kultusgemeinde um etwa 40 RM monatlich erhöhen. Siegfried Ritter war wohl

im Lebensstil sparsam: Nur so lässt sich erklären, dass sein Sparbuch bei der Bruchsaler

Sparkasse zum Zeitpunkt der Deportation 1300 RM ausgewiesen hat. Insgesamt wird 1942

durch das Finanzamt Bruchsal für ihn ein konfisziertes Vermögen von 1673 RM angegeben.

Damit rangiert er unter den 70 aufgeführten Bruchsaler Haushalten zwar unter den

ärmeren, war aber nicht gänzlich mittellos.

Von Gurs aus wurde Siegfried Ritter am 20. März 1941 ins Camp de Recebedou verbracht.

Am 6. Oktober 1942 wurde er ins Camp de Nexon transportiert. Dort war er bis zum

10. März 1943, also musste er insgesamt 28 Monate und 16 Tage Lagerhaft ertragen. Dann

konnte er in das „asile departemental de Rabes-par-Cornil“, ein 1905 gegründetes Altersheim,

ziehen, das seit 1942 ältere jüdische Flüchtlinge beherbergte. Am 15. Mai 1946 kam

Siegfried Ritter schließlich in das knapp 100 km westlich von Cornil gelegene Maison de

Repos in Basillac (Dordogne). Dieses war im Chateau de Goudeau untergebracht. Ritters

Aufenthalt wurde von der in Paris ansässigen „Organisation International pour les refugies“

finanziert. Am 14. März 1949 reichte Siegfried Ritter einen Wiedergutmachungsantrag in

Karlsruhe ein. Die Bearbeitung zog sich mehrere Jahre hin und war im Januar 1953 abgeschlossen.

Siegfried Ritter sollte 4200 DM als Entschädigung erhalten. Da Siegfried Ritter

auf ein Schreiben vom 21. Januar 1953 nicht reagiert hatte, in dem er um eine Kontonummer

gebeten wurde, wurde das Schreiben am 31. März 1953 erneuert. Dieses Schreiben

kam am 11. April 1953 ans Landesamt

zurück: Es ist darauf vermerkt,

dass Siegfried Ritter am 7. April 1953

gestorben ist. Er wurde 82 Jahre alt.

Von der ihm zustehenden Wiedergutmachung

hatte er nichts erhalten. Da

es keinen Erben gab, der an Siegfried

Ritters Stelle das Geld einforderte, ist

davon auszugehen, dass er keinerlei

Verwandte mehr hatte. Das Landesamt

stellte daraufhin das Verfahren

auf Wiedergutmachung ein.


Familie Siegfried Ritter

Siegfried Ritter * 13.12.1871 Unter-Chodau † 07.04.1953 Basillac / F

(Sohn von David Ritter und Resi Hirsch) Geburtsort heute: Chodov / Tschechien

1899 nach Bruchsal; Kaufmann; Kleiderhändler; Geschäftsführer; 22.10.1940 Gurs; Recebedou; Nexon

verh.

Adele Bandler * 23.03.1870 Puschwitz † 20.02.1934 Bruchsal

(Eltern unbekannt) Geburtsort heute: Buskovice / Tschechien; Pfeilergasse 8 (1900), Kaiserstr. 28 (1904-

1914), Kaiserstr. 30 (1920-1932), Huttenstr. 26 (1933-1934), Bruchsal; Grab 356, Jüd. Friedhof Bruchsal

1 Kind:

1. Erna Ritter * 16.11.1900 Bruchsal † 12.01.1901 Bruchsal

Grab 302, Jüd. Friedhof Bruchsal

Grabsteine von Adele Ritter und Erna Ritter

auf dem Jüdischen Friedhof Bruchsal.

Fotos: Florian Jung, Alex Calzareth.

40


Biografie von Gustav Michael (1869-1944)

von Florian Jung

Gustav Michael wurde am 16. Januar 1869 in Gondelsheim in eine kinderreiche Familie

hineingeboren. Sein Vater, der Bäckermeister Christian Michael (1813-1893), war zweimal

verheiratet, zunächst mit Elisabetha Walz (1815-1861), dann mit der 19 Jahre jüngeren

Wilhelmina Catharina Walz (1832-1895), und war der Vater von 21 Kindern, geboren zwischen

1841 und 1876. Mindestens elf starben im Kindesalter. So kam es, dass Gustav als

einziger Sohn aus der zweiten Ehe des Vaters neben fünf Brüdern (aus 1. Ehe) und vier

Schwestern (aus 2. Ehe) aufwuchs. Der älteste Bruder Johann Georg (1841-1901) wurde,

wie Generationen vor ihm schon, Bäckermeister und führte das elterliche Geschäft fort.

Die Familien Michael und Walz gehörten zu den alteingesessenen in Gondelsheim, und

Gustavs Urgroßvater Johann Friedrich Michael (1707-1790) war nicht nur Bäckermeister,

sondern auch Wirt des „Gasthaus zum Löwen“ und Schultheiß der Gemeinde.

Gustav Michaels Eltern wohnten von 1876 bis 1893 in der Kirchenstraße 38/37 in Gondelsheim

(heute Bahnhofstraße/Neibsheimer Straße), und er selbst erlernte den Beruf des

Metzgers. Es scheint so, als habe es nicht für alle ein Auskommen in dem Kraichgaudorf

gegeben, sodass Gustav Michael im elf Kilometer entfernten Bruchsal Fabrikarbeiter wurde.

In Bruchsal heiratete er dann am 14. August 1897 die ebenfalls evangelische und auch

aus Gondelsheim stammende Elisabetha Mohr (24.08.1870-18.11.1940). Die erste gemeinsame

Wohnung des Paars in Bruchsal hatte die Adresse Seilersbahn 24 (1897). In den

Gasthaus „Zur alten Sonne“, Schlossstraße 14, heute

Schlossstraße 12, Bruchsal, um 1933. Foto: privat.

41


Adressbüchern von 1900 bis 1910

wird der Metzger Gustav Michael

unter der Adresse Huttenstraße 5 genannt.

In diesem Mehrfamilienhaus

des Schlossers Leo Braun wohnten

neun Arbeiter- und Handwerkerfamilien

wohl ziemlich beengt. Fünf

Kinder kamen in dieser Zeit zur Welt:

Anna (20.05.1898-04.01.1959), Karl

Gustav (04.12.1900-30.12.1919), Elisabeth

(31.12.1901-18.02.1956), Frieda

(18.08.1905-21.07.1926) und Max

Wilhelm (07.05.1908-25.04.1944).

1912 ergab sich für Gustav Michael

die Möglichkeit, das Gasthaus „Zur

alten Sonne“ in der Schlossstraße

14 als Wirt zu übernehmen. Das als

Brauerei 1845 erbaute, zweistöckige

Quelle: Neue Bruchsaler Zeitung, 19. November 1940. Anwesen war seit 1900 im Besitz der

Bruchsaler Aktienbrauerei und ging zur Zeit des Ersten Weltkriegs an die im Nachbarhaus

wohnenden Kinobesitzer Widmaier und Wildermuth. Offenbar war es Gustav Michael

gelungen, die Wirtschaft erfolgreich zu führen, da er das Gebäude um 1922 erwarb. Die

für ihn sicher große Investition versuchte er wohl dadurch abzufedern, dass er die umfangreichen

rückwärtigen Gebäudeteile, die früher den Brauereibetrieb und Stallungen

beherbergten, an andere Betriebe vermietete: 1925 ist ein Spiel- und Papierwarengeschäft

(Inhaber: Willy Krämer) und ein Tabak- und Zigarrengeschäft (betrieben vom Schwiegersohn,

Ludwig Karch) nachgewiesen; vielleicht handelte es sich sogar um eine kleine

Zigarrenfabrik. Wie lange Gustav Michael selbst die Wirtschaft betrieb und wann er sie

an seine Tochter Anna Karch weitergab, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht mag der Übergang

allmählich gewesen sein. Während im Adressbuch 1926/27 noch Gustav Michael als

„Metzger und Wirt“ genannt wird und Tochter Anna Karch mutmaßlich hauptsächlich im

Tabakwarengeschäft ihres Mannes arbeitete, so kann man aus dem Eintrag von 1928/30

schließen, dass Anna Karch für beides verantwortlich zeichnete: „Karch, Anna, zur Alten

Sonne, Tel. 320; Zigarren- und Rauchtabakhandlung, Tel. 320“. Gustav Michael führte seither

nur noch die Berufsbezeichnung „Metzger“, blieb aber Eigentümer des Gebäudes bis

zu seinem Tod.

In der Familie lagen – wie so oft – Freud und Leid nah beieinander. Sohn Karl hatte eine

Schlosserlehre absolviert und musste von Juli 1918 bis Kriegsende zur Feldartillerie. Er

starb viel zu früh, 1919, an einer Nierenentzündung. Im selben Jahr hatte die älteste Tochter

Anna geheiratet, und das älteste Enkelkind Willy Karch kam 1920 zur Welt. Willy lebte

zusammen mit seinen Eltern und Großeltern in der Schlossstraße 14. 1931 wurde die Ehe

von Anna und Ludwig Karch geschieden. Die zweite Tochter Elise verheiratete sich 1924

42


nach Steinen bei Lörrach mit

dem Schlossermeister Max

Müller. Dort wurden die drei

Enkel Hans, Karl und Rolf

geboren. Die dritte Tochter,

Frieda, heiratete 1925 den damals

in Bruchsal sehr bekannten

Tanzlehrer Peter Bellm.

Bald wurde die Enkelin Edith

geboren und die junge Familie

wohnte 1926/27 ebenfalls

in der Schlossstraße 14. Edith

verlor ihre Eltern jedoch

Quelle: Neue Bruchsaler Zeitung, Juni 1944.

jung: Mutter Frieda starb 1926,

Vater Peter 1937. Gustav Michaels jüngster Sohn Max wurde Kaufmann, vermählte sich

1933 mit Gertrud Haas und blieb in Bruchsal wohnhaft (Steinäckerweg 21). Er war jedoch

chronisch krank (Lungen-Tbc, chronisches Nierenleiden und Blutzersetzung), musste daher

im Zweiten Weltkrieg nicht Soldat werden und starb 1944 kinderlos.

Sicher war es ein großer Einschnitt für das alternde Ehepaar Elisabeth und Gustav Michael,

als sich die älteste Tochter Anna etwa 1933 abermals vermählte (mit Friedrich

Probst) und zusammen mit ihrem Sohn Willy zu ihrer Schwester Elise nach Steinen in

Südbaden zog. Die „Alte Sonne“ wurde 1933/36 an Karl Klahm verpachtet, der in den

rückwärtigen Gebäuden zusätzlich eine Autovermietung betrieb, und wahrscheinlich

von 1937 bis 1945 an Max Jäger. Nachdem Gustav Michaels Ehefrau Elisabeth nach 43

Ehejahren am 18. November 1940 im Bruchsaler Krankenhaus verstorben war, fehlte

ihm die Gefährtin sicherlich sehr, jedenfalls legt es der Text der Todesanzeige nahe. Der

inzwischen 71-jährige Gustav Michael musste nun alleine für sich sorgen. Seine beiden

noch lebenden Töchter waren in Südbaden, der Sohn Max in Bruchsal schwer krank. Im

Januar 1944 wurde behördenbekannt, dass Gustav Michael zunehmend dement wurde.

Amtsarzt Braun schrieb in seiner Begründung zur Aufnahme in der Heil- und Pflegeanstalt

Wiesloch: „Gustav Michael bewohnt in der ,Wirtschaft zur Alten Sonne‘ in Bruchsal

zwei Zimmer und haust hier für sich. Nach den polizeilichen Erhebungen benimmt er sich

seit einigen Wochen derart, dass er nicht mehr für zurechnungsfähig gehalten wird. Er

hat versucht, fremdes Eigentum zu verkaufen, lässt Tag und Nacht das elektrische Licht

brennen, beschimpft Mitbewohner im Hause auf übelste Weise, wurde gegen die 65-jährige

Frau, die ihm den Haushalt besorgte, sexuell aufdringlich, bedrohlich und schließlich

tätlich, sodass sie einfach wegblieb, er setzte kürzlich eine Heiratsanzeige von sich mit dieser

Frau ohne deren Wissen in die Zeitung. Er uriniert am Tage im Hof ohne Rücksicht auf

anwesende Personen. […] Er ist bei der Untersuchung in seinem Äußeren schmutzig und

unordentlich. Wie ein Augenschein ergibt, ist seine Wohnung unordentlich und unsauber.

Nach seinem ganzen Benehmen kann er auf die Dauer sich nicht allein überlassen bleiben.

M. ist hochgradig sehgeschwächt.“

43


Auf Veranlassung des Landratsamts wurde Gustav Michael am 24. Januar 1944 in die Pflegeund

Heilanstalt Wiesloch aufgenommen. Sohn Max Michael übernahm die erforderlichen

Behördengänge und die Hausverwaltung, übergab die Wohnung an Fliegergeschädigte

und trug auch einen Großteil der Unterbringungs- und Verpflegungskosten. Am 27. Januar

1944 wird in der Krankenakte in Wiesloch vermerkt: „Drängt auf Entlassung. Körperlich

noch verhältnismäßig rüstig und kräftig.“ Im März wird beschrieben, dass er sogar tagsüber,

auch ohne Medikamentengabe, viel schlafe und ruhiger geworden sei, teilweise aber noch

zornig und gereizt reagiere und wiederholt die Entlassung forderte. Am 25. Mai findet man

den letzten Eintrag: „Befinden hat sich in jeder Hinsicht gebessert.“ Am 5. Juni 1944 wurde

Gustav Michael „wegen Räumung der Anstalt [Wiesloch] in die Anstalt Hadamar verlegt.“

Die Mitteilung darüber an den am 25. April 1944 verstorbenen Sohn Max überkreuzte sich

wohl mit einem Brief des Schwiegersohns Max Müller aus Steinen vom 8. Juni. Darin wollte

er der Anstalt Wiesloch mitteilen, dass er nun sowohl für die Hausverwaltung als auch für

die rechtliche Betreuung des Schwiegervaters zuständig sei.

Von besonderem Interesse ist dabei ein Brief vom 17. Juni 1944, der laut Posteingangsstempel

am 20. Juni 1944 in Hadamar ankam. Müller schrieb: „Gleichzeitig ersuche ich um

gefl. Mitteilung bezüglich des Gesundheitszustandes von Michael Gustav und erlaube mir

die Anfrage, ob evtl. nach Beurteilung des behandelnden Arztes der Heilanstalt die Möglichkeit

besteht, den Pflegling in Kürze oder absehbarer Zeit nach Hause nehmen zu können. In

Erwartung Ihrer gesch. Rückäußerung bzgl. Gesundheitszustand wie geistige Verfassung des

Pfleglings, zeichnet Max Müller.“ Ob die Angehörigen bereits davon gehört hatten, dass

in Hadamar die sogenannte „dezentrale Euthanasie“ praktiziert wurde, indem man Patienten

verhungern ließ oder zu Tode spritzte? Heute liest man auf der Homepage von

Hadamar: „Die tägliche Selektion zur Ermordung wurde vom medizinischen Personal vor

Ort getroffen, der Mord selbst individuell durch das diensthabende Pflegepersonal ausgeführt.“

Mit ziemlicher Sicherheit kann daher davon ausgegangen werden, dass man mit

Gustav Michael keinen Zeugen der Vorgänge nach draußen entlassen wollte. Man hat dem

inzwischen verstorbenen Sohn Max Michael (!) daher mit einem auf 20. Juni datierten,

aber erst am Morgen des 21. Juni abgesendeten Telegramm mitgeteilt, dass der Patient am

20. Juni einen schweren Schlaganfall erlitten habe: „Er ist bewusstlos. Lebensgefahr ist nicht

ausgeschlossen. Besuch ist gestattet!“ Zu diesem Zeitpunkt war Gustav Michael bereits

tot. Er starb gemäß Krankenakte nämlich bereits um 4.30 Uhr. Max Müller reagierte am

22. Juni umgehend, indem er die Zusendung der Urne für ein Begräbnis in Bruchsal anforderte

und auch sofort bezahlte. Man kann vermuten, dass die Angehörigen Zweifel an den

Todesumständen hatten: „Ich bitte um Zusendung der Todesurkunde sowie Zustellung der

Rechnung und sonstiger Papiere an meine Anschrift nach Steinen, besonders bitte ich auch

um Mitteilung der Todesursache des Verblichenen.“ Immerhin erhielt Max Müller Antwort

(„Schlaganfall durch Hirnadernverkalkung“) und neben den Kleidern auch die goldene

Uhr und Uhrenkette des Gustav Michael übermittelt.

Nur wenige Wochen später erreichte die Familie in Steinen die Nachricht von einem weiteren

Todesfall: Willy Karch, Gustav Michaels ältester Enkel, war am 27. Juli 1944 in Lettland

durch einen Kopfschuss im Alter von 24 Jahren gefallen.

44


Biografie von Sophie Ellenbogen

geb. Würzweiler (1862-1940)

von Nawar Ismail, Klasse 8v

Sophie Ellenbogen wurde am 30. August 1862 unter dem Mädchennamen Würzweiler in

Hoffenheim geboren. Ihr Vater, Gumbel Würzweiler (1816-1892), der sich später Gustav

nannte, arbeitete als Handelsmann in Hoffenheim und stammte aus einer dort alteingesessenen

jüdischen Familie. Die Mutter Malchen geb. Würzburger (1825-1883), die auch

Male genannt wurde, stammte aus Rohrbach. Innerhalb von 20 Jahren, zwischen 1846

und 1866, hatte sie zwölf Kinder geboren, sechs Jungen und sechs Mädchen, wobei zwei

Mädchen klein starben. Sophie war das zweitjüngste Kind.

Gumbel „Gustav“ Würzweiler zog im Jahr 1873 von Hoffenheim nach Mannheim, zusammen

mit seiner Frau und zehn Kindern. Sophie war damals elf Jahre alt. In Mannheim

wohnte bereits Gustavs Schwester, Johanna Dreyfuss geb. Würzweiler (1825-1888), seit ihrer

Eheschließung 1854. Ein weiterer Bruder, Liebmann Würzweiler (1827-1900), war mit

seiner Frau und seinen sechs Kindern 1872 von Hoffenheim nach Mannheim gezogen.

Von den zehn erwachsenen Kindern von Gustav und Male Würzweiler lebten alle sechs

Söhne in Mannheim, gründeten dort Familien und sind dort begraben worden. Moses

„Max“ (1846-1929), Isaak (1848-1914), Israel „Isidor“ (1850-1922), Joseph (1855-1922),

Sigmund (1856-1943) und Abraham „Alfons“ (1859-1931). Die älteste Tochter Lina (1851-

1917) verheiratete sich 1880 in Mannheim und zog nach Eppingen. Die jüngste Tochter

Rosa (1866-1942) lebte wohl zunächst in Mannheim, später aber in Heidelberg. Über den

Verbleib von Frieda Würzweiler (1861-?) ist nichts bekannt.

Sophie heiratete den Kaufmann Jakob Ellenbogen am 2. August 1887, dann verließen sie

Mannheim und zogen nach Bruchsal. Damit verließen sie auch einen großen Verwandtenkreis

in Mannheim, aber es ist anzunehmen, dass regelmäßige Besuche stattfanden.

Der Ehemann Jakob Ellenbogen

wurde 1855 in Altdorf geboren.

Er war das jüngste Kind von

mindestens sechs Kindern des

Moses Ellenbogen und dessen

Frau Fanny geb. Braunschweig.

Der Vater war Branntweinhändler

und Schutzbürger in Altdorf.

Im Alter von 27 Jahren verlor

Jakob den Vater. Drei Jahre nach

dem Tod des Vaters ist die Mutter

ebenfalls gestorben. Drei der älteren

Geschwister Jakobs hatten

Friedrichstraße 28, Bruchsal. Foto: Stadtarchiv Bruchsal. in Bruchsal geheiratet: Im Jahre

45


1870 der Bruder Daniel Ellenbogen (1841-1920), 1873 die Schwester Sara Marx (1844-

1907) und 1878 der Bruder Urias „Elias“ Ellenbogen (1846-?). Von diesen Geschwistern

blieb Daniel in Bruchsal wohnhaft und betrieb ein Wäschegeschäft (Hoheneggerplatz 4).

Daniels sieben Kinder wurden zwischen 1871 und 1884 in Bruchsal geboren. Unter ihnen

befindet sich Dr. Julius Ellenbogen (1878-1961), Rechtsanwalt und Richter. Er gehörte von

1928 bis 1940 dem Oberrat der Israeliten Badens an und war deren letzter Vorsitzender

von 1938 bis zu seiner Deportation nach Gurs 1940. Bereits 1945 rief Julius Ellenbogen

den Oberrat wieder ins Leben und blieb bis zu seinem Tod dessen Präsident.

Jakob und Sophie Ellenbogen hatten gemeinsam zwei Kinder. Flora Ellenbogen und

Anna, später Schmalz. Flora wurde am 11. Mai 1888 um 23.30 Uhr in Bruchsal geboren,

starb aber nach 4 Tagen und 3 Stunden. Ihre Beerdigung fand auf dem Judenfriedhof in

Bruchsal statt. Anna Ellenbogen wurde am 5. September 1889 in Bruchsal geboren. Sie

wuchs somit als Einzelkind auf. In Bruchsal wohnte Familie Ellenbogen zunächst am Holzmarkt

8 (1888), dann in der Huttenstraße 3 (1894). In den Folgejahren übernahmen Jakob

und Sophie Ellenbogen die Kolonialwarenhandlung von Konrad Grab - wahrscheinlich

1896, dem Todesjahr von Grabs Ehefrau. Das Geschäft befand sich im Stadtzentrum

Bruchsals, im Haus Friedrichstraße 28. Es stand dort, wo heute die große Kreuzung vor

dem Kaufhaus Jost ist. Es gab in Bruchsal im Jahr 1897 unter der Rubrik „Colonialwarenhandlungen

und Spezereihandlungen“ 53 Eintragungen. Die Konkurrenz war also groß.

Sophie und Jakob Ellenbogen mit Tochter Anna Schmalz, um 1930 in Bruchsal. Foto: Miriam Guibbory.

46


Der zentrale Standort mag ein Vorteil bei der Vielzahl

dieser Geschäfte in Bruchsal gewesen sein,

denn die Firma hatte bereits 1904 einen Telefonanschluss

(Nr. 181), außerdem das Sortiment erweitert

auf „Mehl- und Futtermittelhandlung“.

1913/14 sind neben Jakob Ellenbogen unter der

Rubrik „Viktualien, Mehl und Landesprodukte“

13 Geschäfte genannt, neun haben jüdische Besitzer.

Bereits 1920 zog sich Jakob aus dem aktiven

Geschäft zurück und übergab seinen Laden an den

jüdischen Kaufmann Sigmund Edelschild. Dieser

Friedrichsheim in Gailingen, 1993.

führte das Geschäft unter dem Namen „Jakob Ellenbogen“

bis in die 1930er Jahre weiter. Auch nach der Arisierung lief das Geschäft unter

dem neuen Besitzer Otto Setz noch übergangsweise unter dem Namen Ellenbogen.

Sophie und Jakob Ellenbogen zogen in den Folgejahren mehrmals um, Jakob wurde fortan

als Privatier bezeichnet. 1920/21 wohnten sie in der Moltkestraße 19, nach wenigen Jahren

zogen sie in die Bismarckstraße 18 (1925). Nach drei Jahren sind sie wieder umgezogen in

die Bismarckstr. 28 (1926/27). Zwei Jahre später (1928/30) lebten Jakob und Sophie Ellenbogen

wieder in der Bismarckstraße 18, und zwischen 1931/32 und 1933/36 zogen sie in

die Wilderichstraße 9, wo sie in einer großen Wohnung zusammen mit ihrer verwitweten

Tochter Anna Schmalz und deren Kindern Liesel und Walter wohnten. Sicher hatten Sophie

und Jakob bei der Erziehung der beiden Enkel tatkräftig mitgewirkt. Anna hatte sich

1911 nach Offenburg verheiratet, aber Ehemann Rudolf Schmalz starb bereits 1916. Danach

kehrte Anna mit den beiden Kleinkindern nach Bruchsal zurück. Jakob Ellenbogen

soll sogar im Bekleidungsgeschäft seiner Tochter ausgeholfen haben, das diese etwa 1925

bis 1934 in der Friedrichstraße 17 betrieb.

Nach der Machtergreifung

Hitlers fiel die Familie

auseinander. Enkelin

Liesel wanderte 1934 zusammen

mit ihrem Verlobten

nach Palästina aus,

Tochter Anna folgte 1935,

Enkel Walter 1936. Dieser

konnte aber dort nicht

bleiben und kam noch im

selben Jahr zu den Großeltern

nach Bruchsal zurück.

Am 17. März 1937

Gedenkstele am Friedrichsheim in Gailingen, 2004. Sophie Ellenbogen

ist an dritter Stelle über dem Gedenktext aufgeführt. Fotos dieser Seite:

Dr. Joachim Hahn, www.alemannia-judaica.de/gailingen_synagoge.htm.

47


starb Jakob Ellenbogen im Alter von 82 Jahren. Da Enkel Walter inzwischen in die USA

auswandern wollte, wäre die mittlerweile 75-jährige Sophie Ellenbogen allein in Bruchsal

zurückgeblieben. In dieser Situation reiste die Enkelin Liesel aus Palästina nach Bruchsal,

um den Umzug ins Israelitische Altersheim nach Gailingen zu organisieren. Sie hatte auch

ihre damals zweijährige Tochter Miriam dabei, sodass Sophie Ellenbogen ihr einziges Urenkelkind

kennen lernen konnte.

Sophie Ellenbogen zog am 16. September 1937 im Friedrichsheim Gailingen ein. Im Juni

1938 kam auch ihre jüngste Schwester Rosa zusammen mit ihrem Mann Karl Siegmund

Kirchheimer (1864-1941) von Heidelberg aus in dieses Heim. So waren die beiden Schwestern

noch einmal für zweieinhalb Jahre zusammen. Am 22. Oktober 1940 wurden 108 der

meist sehr alten Bewohner nach Gurs deportiert, unter ihnen auch Sophie Ellenbogen.

Sicher war der Abschied von Schwester und Schwager grausam – wenn überhaupt Zeit

dazu war. Rosa und Karl Kirchheimer wurden an diesem Tag ins Jüdische Krankenhaus

Gailingen gebracht. Sie waren wohl nicht transportfähig. Sie zogen am 16. November 1940

nach Konstanz, wo Karl Kirchheimer bereits im Januar 1941 verstarb. Rosa musste noch

mehrere Heime durchlaufen und wurde 1942 in Sobibor ermordet.

Unter den 6500 Personen, die nach Gurs verbracht wurden, waren auch Sophie Ellenbogens

bis dahin in Mannheim wohnenden Verwandten: Die drei Schwägerinnen Johanna

Würzweiler geb. Kahn (1860-1949), Ernestine Würzweiler geb. Maas (1874-1951) und Eugenie

Würzweiler geb. Friedmann (1870-?) sowie die Nichte Luise Brück geb. Würzweiler

(1875-1960) und der Neffe Otto Würzweiler (1897-1942). Ob Sophie Ellenbogen diese alle

in Gurs wiedertraf, bevor sie am 30. November 1940 starb? Oder starb sie allein, ohne familiären

Beistand? Als der Enkel 1958 Wiedergutmachung für den Tod seiner Großmutter

geltend machen wollte, musste er feststellen, dass für den Tod keine Entschädigung vorgesehen

war, sondern nur für die Zeit in Haft. Da Sophie Ellenbogen bereits nach 39 Tagen

starb, erhielt die Familie 150 DM.

Grabsteine von Jakob Ellenbogen, Jüdischer Friedhof Bruchsal, und Sophie Ellenbogen, Lagerfriedhof Gurs.

Fotos: Florian Jung.

48


Biografie von Anna Schmalz geb. Ellenbogen

(1889-1956)

von Philip Zieher, Klasse 8v

Anna Schmalz geb. Ellenbogen

wurde am 5. September 1889

in Bruchsal in der Wohnung

ihrer Eltern Jakob Ellenbogen

(1855-1937) und Sophie Ellenbogen

(1862-1940) geboren. In

Bruchsal besuchte sie die Höhere

Töchterschule am Friedrichsplatz.

Anna heiratete am

22. Juni 1911 in Bruchsal, im Alter

von 22 Jahren, Jonas Rudolf

Schmalz. Dieser war 1878 als

Sohn des Handelsmanns Isaak

Schmalz in Grötzingen geboren Rudolf und Anna Schmalz, um 1915. Foto: Miriam Guibbory.

worden. Er war damit elf Jahre

älter als seine Frau und hatte beruflich schon einiges erreicht: Er war in Offenburg Mitinhaber

der Vereinigten Zigarrenfabriken Adolf Kahn. Sie bekamen zwei Kinder, Liesel

Schmalz am 19. Juli 1912 in Karlsruhe und Walter Schmalz am 4. Juni 1915 in Offenburg.

Die junge Familie wohnte in guten Verhältnissen in der Wilhelmstraße 6 in Offenburg. In

dieser Wohnung starb Rudolf Schmalz am 10. Dezember 1916 an einem Herzleiden. Annas

Vater Jakob Ellenbogen zeigte den Todesfall beim Standesamt Offenburg an. In diesem

Dokument wird als seine Adresse Augustastraße 6 in Offenburg angegeben, das war gleich

um die Ecke zur Wohnung der Familie Schmalz. Ob Jakob und Sophie Ellenbogen nach

Offenburg gezogen waren oder ob er nur dort war, um während der Krankheitsphase des

Schwiegersohns zu unterstützen, ist unklar. Anna Schmalz war damals erst 27 Jahre alt. Sie

bekam den Anteil ihres Mannes an der Zigarrenfabrik ausbezahlt. Walter Schmalz schrieb

später: „Es muss sich um einen namhaften Betrag gehandelt haben, denn meine Mutter hat

wiederholt erklärt, dass sie und die beiden Kinder gut von den Erträgnissen des hinterlassenen

Kapitals leben konnten.“

Am 11. August 1917 zog Anna Schmalz zusammen mit ihren Kindern nach Bruchsal und

wohnte zunächst etwa zehn Jahre lang in der Kaiserstraße 3. 1928 bis 1932 wird ihre Adresse

mit Moltkestraße 3 angegeben, im Adressbuch 1933/36 mit Wilderichstraße 9. Dort

wohnte sie zusammen mit ihren Eltern und ihren inzwischen erwachsenen Kindern in einer

gut eingerichteten Fünf- oder Sieben-Zimmer-Wohnung. Walter Schmalz schrieb später,

dass seine Mutter auch eine Hausangestellte beschäftigte. Die Wohnungseinrichtung

bestand aus Eichen- und Mahagonimöbeln, echten Perserteppichen und Brücken. Anna

49


Schmalz trauerte später besonders ihren Ölgemälden und Miniaturen nach, aber auch ihrem

Silberbesteck und Meißner Porzellan. All das musste in den 1930er Jahren weit unter

Wert verkauft werden.

Doch bereits 1923 hatte Anna Schmalz unverschuldet einen Großteil ihres Vermögens

eingebüßt. Walter Schmalz: „Durch die Inflation war meine Mutter jedoch gezwungen, sich

gegen den drohenden Kapitalverlust zu schützen. Sie gründete ein Herrenartikelgeschäft in

Bruchsal, Kaiserstraße 17.“ Dieses lässt sich erst 1931/32 im Adressbuch Bruchsals nachweisen

(„Schmalz, Anna, Modewaren“), soll aber bereits um 1924 gegründet worden sein.

Es hatte einen großen Verkaufsraum mit zwei Ausstellungsfenstern, eines war gerichtet

zur Friedrichstraße und das andere zur Huttenstraße. Für damalige Verhältnisse sei das

Geschäft sehr gut gegangen und gut sortiert gewesen. Dieses Geschäft brachte ihr ein genügendes

Einkommen, um ihre Kinder in höhere Schulen zu schicken und ihrem Sohn

Walter Schmalz eine kaufmännische Ausbildung zu geben, und es habe zudem auch die

Großeltern gut ernährt. Ihr Jahresumsatz war circa 25.000 RM. Dies wurde von mehreren

Seiten bestätigt. Allerdings sind die Angaben zur Anzahl der Beschäftigten unterschiedlich.

Während Anna Schmalz von mehreren Angestellten sprach, schrieb Paula Schleuse

geb. Kehrer, die von 1926 bis 1933 als Verkäuferin beschäftigt wurde, dass sie die einzige

Angestellte gewesen sei und allenfalls der Vater von Anna Schmalz, Jakob Ellenbogen, aushilfsweise

im Geschäft tätig war.

Im Jahre 1933 haben sich die Verhältnisse durch die judenfeindlichen Maßnahmen stark

geändert. Anna Schmalz war zum 1. März 1934 gezwungen ihr Geschäft aufzugeben. Sie

musste dazu einen Ausverkauf veranstalten und Warenlager und Ladeneinrichtung zu einem

Spottpreis verkaufen. Nach einem Nervenzusammenbruch beschloss Anna Schmalz, zu ihrer

Tochter Liesel nach Palästina auszuwandern. Sie fuhr von Bruchsal mit der Bahn nach

Triest und reiste dann per Schiff von dort nach Palästina. Sie nahm ihr Auswanderungsgut

in fünf großen Überseekoffern mit und kam am 29. April 1935 in Haifa an. Anna Schmalz

schrieb im Februar 1956 über ihre Jahre in Palästina: „Vor dieser Zeit war ich eine sehr gesunde,

gut gekleidete junge Frau. Ich musste gezwungenermaßen nach Palästina auswandern und

als Putzfrau mein Brot verdienen. Diese harte Arbeit

zehrte an meiner Gesundheit, aber das war noch nicht

alles. Dann bekam ich die schreckliche Nachricht, dass

meine liebe Mutter im Konzentrationslager in Gurs

umgebracht wurde. Ich wusste auch nicht, was man

mit meinem Sohn machte. Vor lauter Verzweiflung bin

ich bald gestorben, wurde immer kränker. Ich konnte

schon nicht mehr arbeiten. Nach Jahren habe ich

herausgefunden, dass mein Sohn in USA lebte. Von

Krankheit und Kummer bin ich vor meiner Zeit alt

geworden, und musste zu meinem Sohne nach USA

Wilhelmstraße 6, Offenburg, 2018.

Foto: www.googlemaps.com.

und falle ihm zur Last.“ Zu ergänzen wäre, dass sie

in diesen Jahren ihre kleine Enkelin Miriam bei sich

50


Anna Schmalz, 1934. Foto: www.archives.gov.il,

6704/35.

wohnen hatte. Diese war 1935 geboren worden.

Da Tochter Liesel und Schwiegersohn Paul Bär

hart in der Landwirtschaft arbeiteten und vergeblich

versuchten, sich so eine Existenz aufzubauen,

war das Kleinkind bis 1939 die meiste

Zeit bei seiner Oma Anna Schmalz.

Im Juni 1946 verließ Anna Schmalz ihren Wohnort

in Kiryath Bialik in Palästina und flog über

Paris in die USA, um in Laurelton (New York)

zu ihrem Sohn Walter und der Schwiegertochter

Edith zu ziehen. Eine Tante von Edith, Johanna

Berkman, war bei der Textilfirma Cohn, Hall,

Marx in New York angestellt und beschäftigte

die dann 57-jährige Anna Schmalz als Reise-Assistentin:

„Sie hat mit mir die Kundschaft besucht,

sie hat mich bei den Kaufverhandlungen unterstützt

und hat Ware vorgeführt. Frau Schmalz war

eine tüchtige und gewandte Hilfe. Frau Schmalz

hat mir oft versichert, dass sie gern ein Herrenartikelgeschäft

anfangen möchte. Aus finanziellen

Gründen war es ihr jedoch nicht möglich.“ Und Ediths Mutter, Johanna Reich, ergänzte:

„Frau Schmalz musste im Jahre 1953 ihre Reisetätigkeit aufgeben, weil Frau Berkman einen

anderen Posten übernahm. Frau Schmalz war nach 1953 bis kurz vor ihrem Tod nicht untätig,

weil ihr Nichtstun zuwider war. Sie beschäftigte sich als ,Babysitter‘. Sie passte auf Kinder auf

und sorgte für sie, wenn die Mütter nicht anwesend waren. Dadurch verdiente sie sich einige

Dollar.“ Ihre letzte Wohnung war in Queens, New York, 231-29, 125th Avenue.

Anna Schmalz verstarb im Alter von 67 Jahren am 23. April 1956 in New York im Queens

General Hospital, wo sie zuvor 10 Tage lang wegen einer Thrombose der Gehirngefäße

behandelt wurde. Bereits 1953 hatte sie sich für zwei Wochen im Krankenhaus aufgehalten:

„Für Behandlung von meinen Nerven und Herz und hohem Blutdruck; das habe ich mir

zugelegt, [von dem] was ich durchmachen musste in Deutschland. […] Ich bin immer unter

ärztlicher Behandlung zwei bis drei Mal pro Woche. […] Das habe ich alles den Nazis zu

verdanken.“ Auch die Kinder von Anna Schmalz teilten diese Einschätzung. 1958 gaben sie

als Krankheitsbild an: „Nerven, Herz, hoher Blutdruck, völlige körperliche und seelische Zerrüttung,

vorzeitig gealtert und gestorben.“ Die Ursachen für diese Erkrankungen: Auswanderung,

das Klima in Palästina und Mittellosigkeit. 1962 bezahlte das Amt für Wiedergutmachung

15.075 DM aufgrund der Beschränkungen, die Anna Schmalz in ihrem Geschäft

hatte an die Kinder und ein Jahr später weitere 19.440 DM zur vollständigen Abgeltung des

„Schadens an beruflichem Fortkommen“. Ein „Schaden an Gesundheit“ wurde vom Landesamt

für Wiedergutmachung im Falle der Anna Schmalz nicht gesehen. Sie selbst hatte

zu Lebzeiten ohnehin nichts erhalten.

51


Liesel Bär/Stein geb. Schmalz (1912-1985)

von Florian Jung und Rolf Schmitt

Liesel Schmalz wurde unter dem amtlich eingetragenen Namen

„Lisel Therese“ am 19. Juli 1912 in Karlsruhe geboren,

obwohl ihre Eltern Anna und Rudolf Schmalz beide in Offenburg

wohnhaft waren. Somit verbrachte Liesel ihre ersten Lebensjahre

in Offenburg. 1915 wurde der jüngere Bruder Walter

geboren, 1916 starb der Vater und 1917 erfolgte der Umzug

nach Bruchsal. Hier bekam die jung verwitwete Mutter Unterstützung

durch die Großeltern, Sophie und Jakob Ellenbogen.

Nach der Grundschulzeit an einer Bruchsaler Privatschule

trat Liesel nach Ostern 1922 in die Höhere Mädchenschule

Bruchsal am Friedrichsplatz ein. Unter der jüdischen Lehrerin

Dr. Jenny Dreyfuß begannen 40 Schülerinnen, unter ihnen die

ebenfalls jüdischen Mädchen Liesel Einstein, Liese Herzog,

Trude Katzauer, Lieselotte Kauffmann, Tilde Prager und Rosa

Stern. Als Liesel Schmalz die Schule zu Ostern 1927 verließ,

hatte dies auch mit schwachen Noten in Englisch, Französisch

und Rechnen zu tun. Ohnehin gehörten der Klasse im Folgejahr

nur noch 19 Schülerinnen an. Liesel besuchte dann für ein Jahr die Handelsschule

Bruchsal und war von Mai 1928 bis April

1930 Volontärin im Kaufhaus der Gebrüder

Ettlinger in Karlsruhe. Im Mai 1931 fand sie

dann eine Beschäftigung als Privatsekretärin

bei dem Firmeninhaber Edwin Rothschild

in Gailingen. Von Mai 1932 bis April 1933

arbeitete sie ebenfalls als Sekretärin beim

Möbelhändler Berthold Bloch in Konstanz.

Aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte

nahm sich Herr Bloch das Leben.

Liesel musste nach Bruchsal zurückkehren

und konnte als Jüdin keine Arbeit finden.

Lore Jacobi, eine alte Freundin, schrieb später:

„Ich erinnere mich, dass die Antragstellerin

verzweifelt nach einer Anstellung und

Broterwerb suchte und dass sie unter der

Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen nervlich

außerordentlich gelitten hat. Es blieb ihr daher

nichts anderes übrig, als unter dem Druck der

Verhältnisse Deutschland zu verlassen.“

Liesel Schmalz, 1930. Foto: Miriam Guibbory.

52

Liesel Schmalz, 1925.

Foto: Habermann III. S. 150.


Paul Bär (1907-2006, rechts),

mit seiner Familie, von links:

Norbert Bär (1899-1978, Bruder),

Hermine Bär geb. Wolf

(1875-1975, Mutter),

Gustav Wolf (1887-1947, Onkel).

Siehe auch Seite 25.

Foto: Alex Calzareth.

Liesel Schmalz selbst beschrieb ihre Auswanderung so: „Als ich im März 1934 mich zur

Auswanderung entschlossen hatte, fuhr ich mit der Eisenbahn über Mailand nach Triest.

Ich fuhr dann auf der „Gerusalemme“ im April 1934 nach Haifa. Ich musste, da ich noch

kein Einwanderungszertifikat hatte, mir eine Karte für Hin- und Rückfahrt nehmen, weil

ich als „Tourist“ nach Palästina zwar kein Zertifikat brauchte, aber nachweisen musste, dass

meine Rückreise bezahlt ist. Bald nach der Ankunft heiratete ich meinen ersten Mann, der

mit einem gültigen Zertifikat eingewandert war. Dadurch wurde auch ich als Einwanderin

legalisiert und [konnte] mein Gepäck nachkommen lassen. So erhielt ich das einige Zeit vor

meiner Abreise schon vorbereitete Gepäck, nämlich eine Anzahl Kisten, in denen sich die

Einrichtung eines Schlafzimmers, einer Küche, meine Wäscheaussteuer, mein Silber und

dergl. befanden. Es waren nach meiner Erinnerung mindestens fünf Kisten.“

An anderer Stelle schreibt sie: „Mein erster Mann Paul hat in Palästina in Kirjath Bialik

vom transferierten Geld Grund und Boden zur Errichtung

einer Landwirtschaft auf Lebenszeit gepachtet. Wir haben

zusammen versucht, diesen landwirtschaftlichen Betrieb

aufzubauen. Es ist uns jedoch nicht gelungen, einen Ertrag

aus der Wirtschaft zu erzielen.“

Da beide vorher nie Landwirtschaft betrieben hatten, ruinierten

sie sich unter den ungewohnten klimatischen Verhältnissen

ihre Gesundheit. Arbeitstage begannen um 3.30

Uhr mit dem Melken der Kühe und hatten nicht selten 16

bis 18 Stunden. Die gemeinsame Tochter Miriam musste

durchgängig von der Großmutter Anna Schmalz betreut

werden. Liesel kam trotzdem im Herbst 1937 zusammen

mit ihrer Tochter Miriam nach Deutschland, um ihrer

Großmutter Sophie Ellenbogen bei der Übersiedlung von

Bruchsal nach Gailingen zu helfen und um ihre Schwiegermutter

Hermine Bär zu treffen. Etwa 1939 verließ die völlig

erschöpfte Liesel den Bauernhof und ihren Mann und arbeitete

bis etwa 1944 in der Textilfabrik ATA in Haifa.

53

Walter Stein, 1940 in Kfar Ata.

Foto: www.archives.gov.il, 6758/39.


Die Tochter von Miriam Bär, Limor Guibbory, schrieb uns.

Limor Sharian, die Tochter von Miriam Guibbory geb. Bär, schrieb uns:

Meine Mutter Miriam lebt derzeit in einem Hospiz in Arizona. Meine Großmutter [Liesel]

Meine Mutter Miriam lebt derzeit in einem Hospiz in Arizona. Meine Großmutter

und ihr Mann Paul lebten auf einem Bauernhof in Haifa, wo meine Mutter Miriam zur

[Liesel] und ihr Mann Paul lebten auf einem Bauernhof in Haifa, wo meine Mutter

Welt kam. Zwei Jahre später ließen sie sich scheiden. Liesel heiratete später einen österreichischen

Holocaust-Überlebenden namens Walter [Stein], der als Chefingenieur in einem

Miriam zur Welt kam. Zwei Jahre später ließen sie sich scheiden. Liesel heiratete später

einen österreichischen Holocaust-Überlebenden namens Walter [Stein], der als Chefingenieur

in einem Bekleidungslager namens ATA in Haifa arbeitete. In dieser Firma

Bekleidungslager namens ATA in Haifa arbeitete. In dieser Firma arbeiteten viele deutsche

Überlebende [des Holocaust], die in firmeneigenen Häusern lebten. Die beiden liebten das

arbeiteten viele deutsche Überlebende [des Holocaust], die in firmeneigenen Häusern

Kartenspiel Canasta und brachten mir das Spiel bei als ich 6 Jahre alt war, damit ich mit

lebten. Die beiden liebten das Kartenspiel Canasta und brachten mir das Spiel bei als

ihnen und ihren Freunden zusammen spielen konnte.

ich sechs Jahre alt war, damit ich mit ihnen und ihren Freunden zusammen spielen

Meine

konnte.

Großmutter Liesel liebte alles, was süß war, vor allem Schweizer und deutsche Schokolade,

Meine

und

Großmutter

bei jedem

Liesel

Besuch

liebte

hinterließ

alles, was

sie mir

süß

Bonbons

war, vor

auf

allem

meinem

schweizer

Kopfkissen.

und deutsche

Als

Schokolade,

meine Eltern

und

in

bei

die

jedem

Vereinigten

Besuch

Staaten

legte sie

zogen,

mir Bonbons

kam ich einmal

auf mein

im

Kopfkissen.

Jahr zu Besuch [zu

meiner

Als meine

Großmutter].

Eltern in die

Als

Vereinigten

ich 18 war, sah

Staaten

ich Europa

zogen, kam

zum

ich

ersten

einmal

Mal.

im

Liesel

Jahr

traf

zu Besuch

mich in

Deutschland

[zu meiner

und

Großmutter].

nahm mich

Als

mit

ich

nach

18

Bruchsal

war, sah

und

ich Europa

zeigte mir,

zum

wo

ersten

sie lebte

Mal.

und

Liesel

wo der

traf

Laden

mich

war.

in

Es

Deutschland

war eine sehr

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schwierige

nahm mich

Zeit für

mit

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nach

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Bruchsal

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dass

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der

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Walter

war.

jedes

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Jahr

eine

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sehr schwierige

in die

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Schweiz

für sie,

und

sie

nach

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Deutschland

sich sehr

fuhren,

unwohl.

da Walter

Ich weiß,

sich

dass

während

sie und

des

ihr

Krieges

Mann

in

Walter

Österreich

jedes

ein

Jahr

Bein

zu

verletzte.

Arztbesuchen in die

Liesel Schweiz starb und in ihren nach 70ern Deutschland [1985] an fuhren, einem da Schlaganfall Walter sich und während wurde des in Haifa Krieges beerdigt. in Österreich

Großmutter ein Bein Liesl verletzte. hatte immer das Gefühl, dass sie nicht nach Israel gehörte. Sie und

Meine

andere Liesel Überlebende starb in ihren verbrachten 70ern [1985] das an meiste einem ihrer Schlaganfall Zeit miteinander, und wurde ihr Hebräisch in Haifa beerdigt. war nicht

sehr Meine gut, Großmutter da sie meistens Liesel nur hatte Deutsch immer sprach. das Gefühl, Die Gegend dass sie in nicht Israel, nach wo sie Israel lebten, gehörte. wurde

„die Sie deutsche und andere Kolonie“ Überlebende genannt. verbrachten die meiste ihrer Zeit miteinander. Liesels

Liesels Hebräisch Bruder war Walter nicht emigrierte sehr gut, da zur sie gleichen meistens Zeit nur wie Deutsch Liesel sprach. nach Palästina Die Gegend und wanderte in Israel,

wo nach sie lebten, New York wurde aus. „die Ich deutsche bin in engem Kolonie“ Kontakt genannt. zu Walters Kindern und Enkelkin-

später

dern. Liesels Bruder Walter emigrierte zur gleichen Zeit wie Liesel nach Palästina und wanderte

dem später Englischen nach New von Rolf York Schmitt.) aus. Ich bin in engem Kontakt zu Walters Kindern und

(Aus

Enkelkindern.

(Aus dem Englischen von Rolf Schmitt.)

Walter Schmalz (1915-2004)

von Florian Jung

Bereits mit 18 Monaten war der am 4. Juni 1915 in Offenburg geborene Richard Walter

Julius Schmalz Halbwaise. Der „Walter“ gerufene Junge zog als Zweijähriger zusammen

mit seiner Mutter Anna Schmalz geb. Ellenbogen und seiner drei Jahre älteren Schwester

Liesel von Offenburg nach Bruchsal, wo er unter der Obhut seiner Mutter und seiner

Großeltern Sophie und Jakob Ellenbogen aufwuchs. Von 1921 bis 1925 besuchte er die

Volksschule und wechselte dann an die Oberrealschule Bruchsal. In alten Jahresberichten

der Schule wird Walter Schmalz im Schuljahr 1927/28 als Quintaner genannt. Während

des folgenden Schuljahres verließ er die Schule. Danach war er bei der Getreide- und

Futtermittelhandlung Gustav Herzog in Bruchsal in der kaufmännischen Lehre und bis

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Ende 1935 als Angestellter tätig. Als die Firma infolge judenfeindlicher Maßnahmen immer

mehr zu leiden hatte, wurde er entlassen.

Im Januar 1936 reiste Walter Schmalz als Besucher nach Palästina und wollte sich vor

Ort ein Einreisevisum verschaffen. Infolge der politischen Unruhen konnte er jedoch

keine Aufenthaltserlaubnis bekommen und kehrte nach Deutschland zurück. Von August

1936 bis Februar 1937 war er bei der Firma Joseph und Co. in Mannheim, Börsengebäude,

als kaufmännischer

Angestellter tätig und

von März 1937 bis September

1938 beim Wellpappenwerk in

Bruchsal. Im März 1937 starb

Walters Großvater Jakob Ellenbogen

in der gemeinsamen

Wohnung Wilderichstraße 9.

Bis die Großmutter Sophie Ellenbogen

im September 1937

ins Altersheim nach Gailingen

zog, wohnte Walter bei ihr.

Da Walter bereits den Plan

gefasst hatte, in die USA auszuwandern,

zog er übergangsweise

in die Bismarckstraße 3

zur Untermiete. Als nach der

Reichspogromnacht alle jüdischen

Männer verhaftet wurden,

tauchte Walter Schmalz

unter.

Am 6. Dezember 1938 bestieg

er in Bremen die „SS Bremen“

Robert, Edith und Walter Schmalz um 1980. Foto: facebook.

und kam am 13. Dezember 1938 in New York an, wo ihn seine Verlobte Edith Reich

erwartete. Diese wurde 1920 in Ludwigshafen geboren und war bereits im April 1938

zusammen mit ihren Eltern zu ihrer Schwester Marianne in die USA gekommen. Walter

und Edith heirateten kurz darauf, am 28. Januar 1939, in Brooklyn. Im Jahr 1940 wohnten

sie alle zusammen in einer kleinen Wohnung in Brooklyn: Walter und Edith Schmalz,

Ediths Eltern Oscar und Johanna Reich, sowie Ediths Schwester Marianne mit ihrem

Ehemann Julius Grad. Außerdem beherbergten sie noch einen 41-jährigen Ungarn als

Untermieter. In diesen Jahren konnte Walter nur Gelegenheitsarbeit als Laufbursche und

ungelernter Arbeiter finden. Später, bis in die 1960er Jahre hinein, hat er Staubsauger an

Privatkundschaft verkauft. Er wohnte in den ganzen Jahren zusammen mit seiner Frau

Edith in Laurelton im Staat New York, wo sie auch ihren Sohn und ihre Tochter großzogen.

Später zogen sie nach Kalifornien. Edith starb am 27. Oktober 1990, Walter am

2. Januar 2004, im Alter von 89 Jahren.

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Familie Jakob Ellenbogen

Jakob Ellenbogen

* 07.06.1855 Ettenheim-Altdorf † 17.03.1937 Bruchsal

(Sohn von Moses Ellenbogen (~1808-1882) und Fanny Braunschweig (1814-1885), Altdorf)

1888 Kaufmann in Bruchsal; Inhaber Kolonialwarenhandlung Friedrichstr. 28; seit ca. 1915/20 Privatier

verh. 02.08.1887 Mannheim

Sophie Würzweiler

* 30.08.1862 Hoffenheim † 30.11.1940 Gurs/F

(To. v. Gumbel/Gustav Würzweiler (1816-1892), Kaufm. in Mannheim, u. Amalie Würzburger (1828-1883))

1873-1887 in Mannheim; 16.09.1937 ins Altersheim Gailingen, 22.10.1940 Deportation nach Gurs

2 Kinder:

1. Flora Ellenbogen * 11.05.1888 Bruchsal † 15.05.1888 Bruchsal

2. Anna Ellenbogen * 05.09.1889 Bruchsal † 23.04.1956 Laurelton/NY/USA

1917 nach Bruchsal; Inhaberin Herrenmodengeschäft Bruchsal; 04.1935 Palästina; 06.1946 in USA

verh. 22.06.1911 Bruchsal

Jonas Rudolf Schmalz *09.11.1878 Grötzingen † 10.12.1916 Offenburg

(Sohn von Isaak Schmalz (1815-1903), Handelsmann in Grötzingen, und Theresia Maier (1837-1910))

1911 Zigarrenfabrikant in Offenburg

2 Kinder:

a) Liesel Therese Schmalz * 19.07.1912 Karlsruhe † 01.07.1985 Israel

Sekretärin; 04.1934 nach Palästina; Landwirtin, Textilarbeiterin, seit 1944 Hausfrau; in Kfar Ata, Israel

verh. 1934 Israel , geschieden 1939

Paul Sigmund Bär * 08.09.1907 Bruchsal † 31.12.2006 Israel

(Sohn von Max Bär (1870-1931), Textilkaufmann in Bruchsal, und Hermine Wolf (1875-1975))

01.1934 nach Palästina, zuerst Landwirt, dann Bankangestellter in Haifa; 2. Ehe Hanna Levi, 2 Ki: Judith, Uri

verh. 1940 Walter Stein * 20.07.1911 Wien † 19.08.2007 Haifa/Israel

(Sohn von Richard und Elga Stein)

22.08.1938 nach Palästina; seit 1938 beschäftigt bei Baumwollspinnerei ATA in Haifa, Textilvertreter

1 Kind (aus 1. Ehe): Miriam Bär (*1935 Haifa), Arizona/USA, verh. Amitzia Guibbory (1933-2006)

b) Richard Walter Julius Schmalz * 04.06.1915 Offenburg † 02.01.2004 Riverside/CA/USA

1936 nach Palästina; 12.1938 in USA; Staubsaugervertreter; wohnhaft in Laurelton/NY

verh. 28.01.1939 Brooklyn/USA

Edith Reich * 20. oder 21.04.1920 Ludwigshafen † 27.10.1990 Riverside/CA/USA

(Tochter v. Oscar Reich (1878-1945) u. Johanna Marx (*~1886-nach 1963), Ludwigshafen u. New York)

08.1938 in USA

2 Kinder: Tochter (*~1942) verh. Stanton/Lash; Robert Schmalz (*1947), Los Angeles/USA

links: Grabstein von Liesel Stein.

Neuer Friedhof Kiryat Ata/Israel.

Foto: www.billiongraves.com.

rechts: Grabstein Walter Schmalz.

Friedhof Cathedral City/CA/USA.

Foto: www.findagrave.com.

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Rückblick auf die siebente Bruchsaler

Stolpersteinverlegung am 8. Juni 2021

von Florian Jung

Im Vorfeld der Stolpersteinverlegung 2021 war aufgrund der Corona-Pandemie lange

unklar, in welchem Rahmen und mit welcher Personenzahl die Veranstaltung stattfinden

darf. Glücklicherweise lockerten sich die Beschränkungen vier Tage zuvor, und

es war erstmals in Bruchsal wieder möglich, 100 Personen im Freien zu versammeln.

Somit trafen sich nur direkt Involvierte: Organisatoren, Angehörige, Schülerinnen und

Schüler, Spender der Stolpersteine. Zum besonderen Höhepunkt wurde die Enthüllung

der Gedenktafel für den Kakteensammler Lazarus Straus (siehe Rückseite der Gedenkschrift)

am Haus Schlossstraße 3.

Bahnhofstraße 7 – Stolpersteine

für Hilde und Max Schloßberger.

Aus verschiedenen Regionen

Deutschlands waren die Nachkommen

von Hilde Schloßbergers

Schwester Dr. Elisabeth Herrmann

angereist. Foto: Florian Jung.

Franz-Bläsi-Straße 14 –

Stolperstein für Hugo

Katz. Der Künstler

Gunter Demnig verlegte

den Gedenkstein in den

Gehweg.

Foto: Walter Jung.

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Schlossstraße 5 –

Stolpersteine für Frieda

und Ernst Katz, Anny,

Leo und Eric Hahn, Ida

Tuteur. Eric Hahn lebt

heute 88-jährig in New

Jersey, konnte aber leider

pandemiebedingt nicht

nach Deutschland reisen.

Foto: Walter Jung.

Friedrichstraße 29 –

Stolpersteine für Rosa und

Alfred Baer. Die Bruchsaler

Klezmer-Formation Shtetl

Tov mit Christoph Lübbe

(Viola), Tobias Scheuer

(Akkordeon) und Heike

Scheuer (Klarinette und

Gesang) begleitete die

Zeremonie.

Foto: Walter Jung.

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Kaiserstraße 76 – Stolpersteine

für Elisabeth und Siegbert

Kann mit Werner, Eleonore und

Gisela. Rolf Schmitt trägt einen

Brief an Giselas Tochter Margo

(USA) vor, die erst vier Tage

vor der Verlegung kontaktiert

werden konnte.

Foto: Florian Jung.

Holzmarkt 30 – Stolperstein

für Mathilde Schloßberger.

Eine Schülerin las, unterstützt

von Thomas Adam,

die Inschrift des Stolpersteins

vor.

Foto: Florian Jung.

Gedenkfeier mit der Ansprache

der Oberbürgermeisterin,

Frau Cornelia Petzold-Schick,

im Atrium vor dem Bruchsaler

Bergfried. Florian Jung stellte

die Biografien der Opfer vor

und Angehörige ergriffen

das Wort.

Foto: Florian Jung.

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Unterstützung, Quellen und Literatur

Allgemein:

Rolf Schmitt (Bruchsal) – Recherche, Angehörigenkontakte, Organisation, Beratung.

Marlene Schlitz (Bruchsal) – Ortsfamilienbuch Bruchsal, Recherche.

Thomas Adam (Abteilung Kultur Bruchsal), Thomas Moos (Stadtarchiv Bruchsal).

Adressbücher der Stadt Bruchsal, 1865 bis heute; weitere lokalhistorische Literatur.

www.geni.com, www.familysearch.com, www.findagrave.com, www.alemannia-judaica.de und andere.

zu Familie Wolf:

Auskünfte von Hélène Yaïche (Paris), Werner Rasche (Winnweiler), Heidemarie Leins (Bretten),

Inge Naumann-Götting (Wiesbaden), Anne Prior (Dinslaken), Janine Wolfsdorff (Dinslaken),

Manfred Hennhöfer (GLA Karlsruhe).

Schweizerisches Bundesarchiv: E 4264-1985/196, Dossier Nr. 06728.

GLA Karlsruhe: 237 Zugang 1967-19_2024 und 2038; 243 Zugang 1993-75_270; 243 Zugang 2004-

125_1078, 1293, 1515, 4811, 4862 und 11164; 276-1_8810, 12631, 13381, 13400, 13769, 14039, 21515,

28161, 28585, 28897, 30552 und 31032; 344_4188; 417 Zugang 1999-71_912; 480_1105, 1522, 8055,

8321, 8462, 9282, 14294, 14752, 14903, 21212 und 34180; 456 C_859 und 920.

Yaïche, Hélène. Richard und Helene. Unveröffentlichtes Manuskript, 2020.

Roseman, Mark. In einem unbewachten Augenblick. Biografie zu Marianne Ellenbogen, 2002.

Brändle, Brigitte und Gerhard. Jüdische Kinder im Lager Gurs. Gerettete und ihre Retter*innen, 2020.

zu Herbert Beck:

Auskünfte von Gottfried und Marianne Kluge (Karlsruhe), Dr. Hans-Werner Scheuing (Neckargemünd),

Richard Lallathin (Mosbach), Marita Spitz (Herten).

GLA Karlsruhe: 344 I_32; 344 I_33; 539_52.

Scheuing, Hans Werner. „… als Menschenleben gegen Sachwerte gewogen wurden“, 2004.

zu Familie Wertheimer:

Auskünfte von Dr. Menachem Mayer (Jerusalem), Michael Heitz (Sinsheim), Werner Diefenbacher

(Neidenstein), Brigitte Streib (Neidenstein).

GLA Karlsruhe: 377_19033; 377_19037; 480_7470; 480_24740; 480_24741; 480_24743; 480_26604.

Raymes, Frederick/Mayer, Menachem. Aus Hoffenheim deportiert. Der Weg zweier jüd. Brüder, 2005.

www.familienforschung.bodersweier.de.

zu Siegfried Ritter:

Auskünfte von Miloš Bĕlohlávek (Chodov/Tschechien), Heidemarie Leins (Bretten).

GLA Karlsruhe: 480_4805/A.

zu Gustav Michael:

Auskünfte von Claudia Stul und Esther Abel (Gedenkstätte Hadamar).

Gedenkstätte Hadamar: Best. 12_K1149.

GLA Karlsruhe: 463 Wiesloch 1_17968.

Greder, Werner. D‘ Brusler Dorscht. Die Geschichte der Bruchsaler Gaststätten, 1997. S. 130ff.

zu Familie Ellenbogen/Schmalz:

Auskünfte von Miriam Guibbory (USA), Limor Sharian (USA), Alex Calzareth (USA), Aviad Ben

Izhak (Israel), Joachim Klose (Gailingen).

Israel State Archives (www.archives.gov.il): 6258/10 (Bär); 6704/35 (Schmalz); 6758/39 (Stein).

Staatsarchiv Freiburg: F 196-1_12023.

GLA Karlsruhe: 243 Zugang 2004-125_3651; 243 Zugang 2004-125_7784; 243 Zugang 2004-

125_10314; 276-1_7927; 480_20717; 480_23845; 480_24173.

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Die am 22.6.2022 verlegten Stolpersteine wurden gespendet

von: für: Ort:

Kim Brunner, Bruchsal Sophie Wolf Huttenstr. 4

Verena Süss, Bremen Melanie Wolf Huttenstr. 4

Ursula Mildenberger, Ulrike Schüler, u.a. Berta Wolf Huttenstr. 4

Spenden für Broschüren in Buchhandlungen Ludwig Wolf Bergstr. 51

Spenden zur Stolpersteinverlegung 2019 Irma Wolf Bergstr. 51

Beate Schneider, Bruchsal Liselotte Wolf Bergstr. 51

Petra und Jutta Schüttler, Bruchsal Ferdinand Wolf Wilderichstr. 23

Helga und Jürgen Groh, Bruchsal Berta „Bertel“ Wolf Wilderichstr. 23

Marianne Eisinger und Bernhard Watzl, Br. Richard „René“ Wolf Wilderichstr. 23

Ella und Ludwig Müller, Bruchsal Herbert Beck Auweg 5

Florian Link, Bruchsal Hanna Wertheimer Huttenstr. 2

Birgitta und Wolfgang Hege, Bruchsal, u. a. Emanuel Wertheimer Huttenstr. 2

BürgerStiftung Bruchsal Siegfried Ritter Friedrichstr. 12

Evang. Gesamtkirchengemeinde Bruchsal Gustav Michael Schlossstr. 12

Evang. Gesamtkirchengemeinde Bruchsal Sophie Ellenbogen Wilderichstr. 9

Evang. Gesamtkirchengemeinde Bruchsal Anna Schmalz Wilderichstr. 9

Evang. Gesamtkirchengemeinde Bruchsal Liesel Bär/Stein Wilderichstr. 9

Dr. Rolf Uebe, Bruchsal, u.a. Walter Schmalz Wilderichstr. 9

Die BürgerStiftung Bruchsal hat die wichtige Aufgabe übernommen,

auch künftig Mittel für weitere Stolpersteine einzuwerben.

Jeder Stein kostet 120 Euro – dieser Betrag kann

jederzeit zweckgebunden an die BürgerStiftung Bruchsal gespendet

werden und wird in vollem Umfang für dieses Projekt

eingesetzt. Jeder Spender erhält eine Einladung zur nächsten

Stolpersteinverlegung, daher bitte auch die postalische Adresse

beim Verwendungszweck vermerken.

Sparkasse Kraichgau, IBAN DE 7566 3500 3600 0777 7777

Volksbank Bruchsal-Bretten, IBAN DE 5666 3912 0000 0080 0600

Impressum

Herausgeber: Stadtverwaltung Bruchsal

Auflage: 500 Stück, 1. Auflage Juni 2022

Redaktion: Florian Jung, Rolf Schmitt, Bruchsal

Layout & Druck: KAROLUS Media, Bruchsal

Die Rechte für die Beiträge liegen bei den jeweiligen Autoren.

www.stolpersteine-bruchsal.de; www.bruchsal-gurs.de; www.geschichtshaus-badischer-juden.de


Für Johanna Straus wurde am 8.6.2021 ein Stolperstein vor ihrem früheren Haus Schlossstraße 3 verlegt.

Aus diesem Anlass wurde für ihren Ehemann, den Kaufmann und Kakteensammler Lazarus Straus,

im Beisein von Angehörigen aus Deutschland, der Schweiz und Australien eine Gedenktafel enthüllt.

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