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40plus Sommer 2022

40plus ist das Magazin für jeden, der aus dem immerwährenden Kreis ausbrechen möchte und mit einem lauten „JA!“ seiner Zukunft entgegenläuft. Don’t wish it, do it!

40plus ist das Magazin für jeden, der aus dem immerwährenden Kreis ausbrechen möchte und mit einem lauten „JA!“ seiner Zukunft entgegenläuft. Don’t wish it, do it!

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Immer eine Story voraus.<br />

AUSGABE SOMMER <strong>2022</strong><br />

<strong>40plus</strong> ist das Magazin für<br />

jeden, der aus dem immerwährenden<br />

Kreis ausbrechen möchte und mit<br />

einem lauten »JA!« seiner Zukunft<br />

entgegenläuft. Don’t wish it, do it!<br />

06 Der andere Wein. 08 Wermut mit Heiterkeit. 10 Genussgut Krispel: Biotop der<br />

Qualität. 12 News aus der Stadthalle. 15 Der <strong>40plus</strong> Talk: Brauchen wir Alternativen?<br />

21 Der LH, seine Herausforderungen und die Zukunft. 25 Anita Frauwallner als<br />

Visionärin. 28 Der kleine Markt in Graz. 30 Der USA-Nachhaltigkeitsreport. 34 Bauen<br />

ohne Sünde. 36 Mit System Kinderwunsch erfüllen. 39 Rückkehr der großen Thriller.<br />

<strong>Sommer</strong> <strong>2022</strong><br />

S.14 : James Rizzi<br />

bis 4.9. in der Messe Graz!


Entgeltliche Einschaltung<br />

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40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Gewinn<br />

den<br />

Wermut!<br />

08Wermut ohne<br />

Schwermut.<br />

© JULIA STREMPFL<br />

30Living in<br />

America.<br />

© LUNGHAMMER – TU GRAZ<br />

34 Nachhaltiges<br />

Bauen.<br />

04 Editorial.<br />

05 Vom Ottitsch!<br />

06 Wein in Triest!<br />

08 Wermut tut gut.<br />

10 Verweilen in Straden<br />

am Weingut Krispel.<br />

12 Stadthalle: Kunst und Rock!<br />

15 <strong>40plus</strong>-Talk: Brauchen<br />

wir Alternativen?<br />

21 Nachhaltigkeit mit dem LH.<br />

22 Der LH als Visionär!<br />

25 Anita Frauwallner ist 65!<br />

28 Der Markt vom<br />

Herz-Jesu-Viertel.<br />

30 Sind die Amis nachhaltig?<br />

32 Wohnen im Traum-Grätzl.<br />

34 Bauen mit Verantwortung.<br />

36 Mit Plan Kinder bekommen.<br />

38 Steuerfreie Teuerungsprämie.<br />

39 Hitzef limmern im Buchformat.<br />

03


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Über die<br />

Zustände<br />

© FLORIAN LIERZER<br />

Von zwei Zuständen werden wir mittlerweile schon<br />

ewig begleitet: Zum einen der Krieg in der Ukraine,<br />

zum anderen die COVID-19-Erkrankung. Der Krieg<br />

hält leider ohne Unterbrechung an, bei der Covid-<br />

Welle tun wir zumindest einige Monate im Jahr, als ob<br />

sie nicht existent wäre. Wenn das beim Krieg auch so<br />

einfach gehen könnte, wäre das fast schon genial, zumindest<br />

für alle die davon betroffen sind. Kurz einmal<br />

in den Off-Modus gehen. Vielleicht findet man dann<br />

die Fernbedienung nicht mehr und der Krieg bleibt<br />

ausgeschaltet. Bei »Hitchhiker's Guide to the Galaxy« wäre<br />

das wahrscheinlich gegangen, bei den »Monty Pythons«<br />

auch noch, aber in der aberwitzigen Realität nicht.<br />

Panzer gegen Joghurtbecher<br />

Träumen wird man wohl noch dürfen. Aber von<br />

wegen träumen? Ich gehe jetzt bewusst vom ganzen<br />

Leid weg, welches wie ein dichtmaschiges Netz über<br />

die Menschen in der Ukraine geworfen wurde. Ich<br />

würde gerne wissen, wie viel Metall alleine durch<br />

zerschossene Panzer, Raketen, Munition jetzt brach<br />

herumliegt. Alles Ressourcen, die wir sehr dringend<br />

anderswo brauchen würden, oder einfach einmal im<br />

Berg hätten lassen sollen. Alleine wie viel Energie hier<br />

vergeudet wurde. Dazu rüsten sich noch alle Nachbarländer<br />

bis auf die Zähne auf. Ich nehme das jetzt<br />

keiner angrenzenden Nation persönlich übel, aber<br />

während dem so ist, sammeln wir brav die Deckel<br />

von Joghurtbechern und entsorgen sie im Altmetall,<br />

fahren klapprige Vintage-Räder, damit nicht noch das<br />

letzte Erzgebirge abgetragen wird, überlegen uns, ob<br />

wir nicht gleich auf die Milch verzichten sollen, da<br />

wir kein Rindfleisch mehr essen, und atmen dabei<br />

tief durch, wenn wir bedenken, dass der Ukraine-<br />

Krieg und die aktuellen Auswirkungen die nächsten<br />

Klimaziele, Agenda 2030 bzw. die Klimaziele 2050,<br />

ins Wanken bringt. Macht es dann noch Sinn, einen<br />

Joghurtbecher in drei Sorten Müll zu entsorgen?<br />

Lamm und Bio-Wein – ist das falsch?<br />

Am Abend, nachdem wir laufen, golfen, kicken oder<br />

zumindest spazieren waren – Bewegung hält uns<br />

bekanntlich fit, überlegen wir uns bei einem oder zwei<br />

Glas biodynamischen & biologischen Demeter Wein<br />

und einem Stück Slow-Food-Lammkrone, ob wir hier<br />

oder dort noch unser Leben nachhaltiger optimieren<br />

können und wir fragen uns schlussendlich, ob das alles<br />

nicht arrogant ist, wenn man rund 1000 km Luftlinie<br />

entfernt nicht weiß, ob man am nächsten Tag<br />

nochmals die Augen öffnen wird. Aber da stelle ich<br />

jetzt einmal die Gegenfrage: Geht’s den Menschen in<br />

der Ukraine besser, wenn ich hier schlecht lebe? Nein.<br />

Ich glaube, dass ein gewisser Wohlstand durchaus an<br />

höhere Ziele, wie Umweltschutz und Energiereduktion,<br />

denken zulässt und zugleich die Welt als Gesamtes jetzt<br />

nicht aus den Augen verliert. Bertolt Brecht hat schon<br />

gesagt, zuerst komme das Fressen, dann die Moral.<br />

Mit dem Denken verhält es sich nicht anders. Dieser<br />

verdammte Krieg und auch COVID-19 ändern nichts<br />

daran, dass wir unsere Hausaufgaben machen sollten.<br />

Vom Einkaufen bis zum Häusl bauen sollte unser<br />

Handeln reflektiert sein, inklusive ein paar bewusste<br />

Sünden. Und natürlich ja, wir brauchen Alternativen.<br />

Andere Denkmodelle, andere Lebensformen. Ich glaube,<br />

es gibt keine Alternative dafür, dass es Alternativen<br />

geben muss. Mehr darüber in unserem <strong>40plus</strong> Talk<br />

im Inneren des Magazins, dazu noch einen schönen<br />

<strong>Sommer</strong> und kommen Sie gut in den Herbst.<br />

Martin G. Wanko, Chefredakteur<br />

Medieninhaber und Herausgeber: Madison Werbeagentur Marketing- und Werbeberatungs-GmbH, Stiftingtalstraße 60, 8010 Graz, www.madison.at Herausgeber: Martin G. Wanko<br />

und Gerhard Kroell. Herstellungsort: Walstead NP Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten, walstead-npdruck.com. Entwicklung und Konzept: Madison Werbeagentur<br />

GmbH und Martin G. Wanko. Cover: »My New York City« – James Rizzi (© Art Licensing Int. GmbH, www.artlicensint.com). Editorial Design: Ewald Domitner. Chefredaktion: Martin<br />

G. Wanko. Redaktion: Julia Strempfl, Martin G. Wanko. Gastbeiträge: Georges Desrues, Ewald Domitner, Petra Schachner-Kröll, Claudia Piller-Kornherr. Fotos: Die Bildhinweise<br />

befinden sich direkt beim jeweilig verwendeten Foto. Entgeltliche Beiträge sind gem. § 26 MedienG als »entgeltliche Einschaltung« gekennzeichnet. Ein Hinweis vorab: Aus Gründen<br />

der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachform verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei<br />

Geschlechter.<br />

04


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Vom Ottitsch!<br />

Mehr zu Oliver Ottitsch unter:<br />

www.oliverottitsch.com<br />

05


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Georges<br />

Desrues über<br />

den Wein im<br />

Karst, oder wie<br />

man sogar mit<br />

dem Terrano<br />

Freundschaf t<br />

schließen<br />

kann.<br />

06


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Der Terrano zählt<br />

zu diesen Weinen,<br />

deren Qualität man<br />

als »ortsbezogen« bezeichnen<br />

könnte. Was<br />

das bedeutet, ist schnell<br />

erklärt: Man stelle sich vor,<br />

man sitzt bei einem Winzer im<br />

Karst, in einem Weingarten,<br />

hoch oben über Triest, mit<br />

atemberaubendem Ausblick<br />

über die Hafenstadt,<br />

ihren Golf und<br />

die glitzernde Weite<br />

der Adria bis hin<br />

nach Istrien. Dabei<br />

nippt man an einem<br />

Glas lokalen Rotweins,<br />

eben diesem<br />

Terrano. Der ist ein<br />

dunkelroter Tropfen,<br />

der obendrein<br />

womöglich aus genau<br />

diesem Weingarten<br />

mit seinem spektakulären<br />

Ausblick stammt und<br />

mit seinem etwas hantigen<br />

Geschmack und seiner, nun ja,<br />

ausgeprägten Säure die Kargheit<br />

des Karstbodens widerspiegelt, in<br />

dem er heranwächst.<br />

Unter solchen Bedingungen ist es fast<br />

unmöglich, dass einem der Wein nicht<br />

schmeckt. Von der Gesamtsituation<br />

mehr euphorisiert als vom Geschmack<br />

selbst, kauft man sechs Flaschen,<br />

nimmt sie mit nach Hause und öffnet<br />

sie Wochen später, etwa anlässlich<br />

eines Abendessens mit Freunden.<br />

Ihnen gegenüber schwärmt man von<br />

diesem außergewöhnlichen und tiefroten<br />

Wein, den man am Triester<br />

Karst entdeckt hat, und der seinen<br />

Ursprung, das sogenannte Terroir, so<br />

fabulös widerspiegelt. Nur siehe da:<br />

Aus seinem natürlichen Umfeld gerissen,<br />

spiegelt der Wein rein gar nichts<br />

wider, sondern schmeckt einfach nur<br />

hantig, dünn, nahezu körperlos, dafür<br />

mit furchterregender Säure. Spätestens<br />

jetzt wird einem klar, dass man<br />

sich hat täuschen lassen – von der<br />

Situation, dem Blick auf den Golf, dem<br />

Wein in jenem Weingarten, in dem er<br />

wächst.<br />

Nur der Prosecco kommt nicht<br />

aus Prosecco<br />

Aber in Wahrheit ist der Triester Karst<br />

auch nicht für seine Rotweine bekannt,<br />

sondern viel mehr für seine Weißen.<br />

Drei weiße Traubensorten gelten hier<br />

als autochthon: die Glera, die Vitovska<br />

und die Malvasia Istriana. Von der Glera<br />

heißt es, dass sie ursprünglich aus der<br />

Gegend um den Ort Prosecco, Slowenisch<br />

Prosek, stammt, der hier am Karst<br />

liegt. Die Sache mit dem klingenden<br />

Namen ist freilich kein Zufall. Tatsächlich<br />

muss der beliebte Massenschaumwein,<br />

der unter dieser Bezeichnung<br />

bekannt ist, zumindestens 70 Prozent<br />

aus Glera Trauben erzeugt sein, die<br />

ausschließlich im offiziellen Prosecco-<br />

Anbaugebiet kultiviert werden dürfen.<br />

Problem ist nur, dass der Ort Prosecco<br />

nicht im offiziellen Prosecco-Anbaugebiet<br />

liegt. So darf der Wein aus Prosecco<br />

folglich nicht Prosecco heißen. Und<br />

zwar selbst dann nicht, wenn er aus zumindest<br />

70 Prozent Glera besteht. Was<br />

freilich ziemlich abstrus klingt.<br />

Die Bora macht den Wein<br />

Die zweite Traubensorte, die Malvasia<br />

Istriana, stammt, wie ihr Name leicht<br />

erkennen lässt, von der nahen Halbinsel<br />

Istrien, in Wahrheit aber vermutlich<br />

ganz ursprünglich aus Griechenland.<br />

Unter den zahlreichen Mitgliedern<br />

der Malvasia-Familie, auf die man in<br />

Südeuropa trifft, gilt diese Variante<br />

vielen als die beste, beziehungsweise<br />

potenzialreichste. Sie ist mit schöner<br />

Mineralität und frischer, zurückhaltender<br />

Frucht ausgestattet. Während die<br />

Malvasia auch in ihrer namensgebenden<br />

Heimat Istrien stark vertreten ist, findet<br />

sich die dritte autochthone Traube, die<br />

Vitovska, fast ausschließlich am Karst.<br />

Bei ihr handelt es sich vermutlich um<br />

eine Kreuzung aus der beiden bereits<br />

genannten Glera und einer Malvasia, die<br />

allerdings nicht dieselbe ist wie die Malvasia<br />

Istriana. Von der Vitovska heißt<br />

es, dass sie dank ihres dichten Beerenwuchs<br />

besonders angepasst ist an<br />

das Karst-Plateau und an die heftigen<br />

Winde, die dort bisweilen wehen.<br />

Was Malvasia und Vitovska gemein<br />

haben ist, dass sie in der Umgebung<br />

von Triest häufig auf der Maische vergoren<br />

werden. Dabei handelt es sich<br />

um eine Technik, die im gesamten<br />

ehemaligen Österreichischen Küstenland,<br />

also auch im Friaul, in Slowenien<br />

und Istrien, bis heute sehr verbreitet<br />

ist. Dass diese sogenannten orangenen<br />

Weine ausgerechnet in dieser Region so<br />

präsent sind, liege nicht zuletzt an den<br />

lokalen Traubensorten. Sie eignen sich,<br />

wie es heißt, ganz wunderbar für die<br />

Spontanvergärung. So sei die Malvasia<br />

beispielsweise eine Sorte, die sich nur<br />

ziemlich schwer pressen lasse. Belässt<br />

man sie allerdings für einige Zeit auf<br />

den Häuten, entsteht eine enzymatische<br />

Reaktion, die ihre Säfte freisetzt.<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Zudem gelangen dieser Art Inhaltsstoffe<br />

aus den Häuten in den Wein,<br />

welche diesen länger haltbar machen.<br />

Dienlich war das zumal in früheren<br />

Zeiten, als man noch ohne künstliche<br />

Kühlung und ohne Zusatzstoffe, wie<br />

etwa Schwefel, auskommen musste.<br />

Dass diese eigenwilligen Weine nicht<br />

jedem schmecken, liegt in der Natur<br />

der Sache. Aber vielleicht verhält es sich<br />

mit ihnen nicht viel anders als mit allen<br />

anderen Weinen. Denn in Wahrheit<br />

macht der Geschmack nur einen Teil<br />

des Genusses aus. Mindestens genauso<br />

entscheidend ist auch die Gesellschaft,<br />

in der man ist. Sowie der Ort, an dem<br />

man den Wein trinkt. Und das versöhnt<br />

einen dann doch mit dem Terrano.<br />

Text: Georges Desrues<br />

07


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Die Welt dreht sich und lechzt<br />

nach Neuigkeiten und so wie<br />

der Bart der Hipster langsam<br />

ab ist, ist auch die Lust auf<br />

einen neuen <strong>Sommer</strong>drink<br />

neben Gin Tonic spürbar.<br />

Momentan klopf t hier<br />

der Wermut an.<br />

Text: Martin G. Wanko<br />

Zugegeben, in den letzten Jahren<br />

brauchte man Wermut vor allem<br />

in der gehobenen Küche, und der<br />

wohl berühmteste Cocktail, der<br />

sogar den Wermut indirekt im<br />

Namen führt, der »Martini, gerührt<br />

und nicht geschüttelt«, hat mit seinem<br />

Werbeträger 007 auch schon<br />

deutlich jünger ausgesehen. Und<br />

tatsächlich hat der Wermut, oder<br />

Vermouth, jetzt keine so spannende<br />

Historie mit Genießern aus allen<br />

Winkeln der Erde auszumachen,<br />

wie eben mit Whisky oder Cognac,<br />

auch fehlt ihm die verwegene<br />

Nuance, die Rum oder Tequila<br />

innehaben. Dass für einen original<br />

Negroni jedoch der kultige Cinzano<br />

1757 die wesentliche Zutat ist,<br />

erzählte mir Barchef Gernot, aus<br />

der Cohibar. Nun denn, nach dem<br />

Gin als regionales Erfolgsmodell,<br />

mausert sich der Wermut, fest in<br />

den Händen der jungen Winzergeneration,<br />

zu einer attraktiven<br />

Bereicherung.<br />

Das Gin-Kräuter Experiment<br />

setzt sich fort<br />

Der große Vorteil: Der Wermut<br />

sorgt für eine kleine Geschmacksexplosion<br />

und bietet von herb über<br />

sauer bis zu bittersüß eine echte<br />

Geschmacksbandbreite. Dazu<br />

hat er zwischen 14,5 % und 22 %<br />

Alkohol und ist dadurch leichter<br />

verträglich als beispielsweise Gin,<br />

bei dem der Spaß ab 40 % beginnt.<br />

Der Wermut besteht zum Groß-<br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

teil aus gespritetem Wein, weiß<br />

oder rot und kann gesüßt sein. Zur<br />

Geschmacksexplosion kommt es<br />

durch mächtig viele Kräuter, die<br />

beigesetzt werden. Margret Reinprecht,<br />

Teil der Schneeberger-Winzer-Dynastie<br />

im Sausal, kreierte<br />

mit der »Bittersüßen Margret« einen<br />

Wermut mit 13 Kräutern: »Ganz<br />

wichtig ist das Wermutkraut aus<br />

unserem eigenen Garten, dazu kommen<br />

Zitrone, Zimt und Nelken, aber ein paar<br />

Kräuter müssen auch mein Geheimnis<br />

bleiben.« Ähnlich reagiert auch die<br />

zweite Dame im Bunde, Katrin<br />

Strohmaier, aus der gleichnamigen<br />

Winzerfamilie aus Pölfing-Brunn<br />

in der Weststeiermark. Auch ihr<br />

Wermut, Miss Rósy, beinhaltet 12<br />

verschiedene Botanicals. Auch sie<br />

bleibt, ähnlich wie die Gin-Blender,<br />

zurückhaltend: »Unsere Kräuter<br />

im Wermut? Das ist natürlich ein gut<br />

gehütetes Familiengeheimnis!«, meint<br />

sie in einem Gespräch mit <strong>40plus</strong>.<br />

Wie viele Kräuter der oststeirische<br />

Winzersohn Maximilian Glatz in<br />

seinen »Herba Sanctum« zaubert,<br />

hält auch er im Verborgenen, es<br />

sind sicher viele, und sein Wermut<br />

hat System: »Für unseren Herba<br />

Sanctum nehmen wir nur ausgesuchte<br />

Weißweine aus der Burgunder-Familie,<br />

aus einem Jahrgang, sodass unser Wermut<br />

immer ein ›Vintage‹ ist. Ich arbeite<br />

viel mit wildwachsenden Kräutern, die<br />

wir selber sammeln, so haben wir auch<br />

eine feine, limitierte Stückanzahl.«<br />

Stefan Krispel, der Winzer aus<br />

Wermut<br />

ohne Schwermut<br />

Der luftige <strong>Sommer</strong>drink ist da.<br />

08


Entgeltliche Einschaltung<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

dem Vulkanland in der Südoststeiermark,<br />

ist hier gesprächiger:<br />

»Natürlich kommt das Wermutkraut<br />

aus unserem Garten, beim Wermut<br />

Rosé verstärken wir dieses Aroma noch<br />

mit Enzian. In beiden Produkten sorgen<br />

Orangen für einen Frischeakzent.<br />

Wachholder bringt mir die Pikanz.«<br />

Am Ende stehen dann im Idealfall<br />

die Auszeichnungen: <strong>2022</strong> wurden<br />

Miss Rósy und die weiße Edition<br />

bereits mit dem begehrten World<br />

Vermouth Award in Großbritannien<br />

mit Silber und Gold ausgezeichnet.<br />

Auch konnte sich die »Bittersüße<br />

Margret« vom Weingut Schneeberger<br />

bei der steirischen WeinChallenge<br />

2021 in der Weinbauschule<br />

Silberberg durchsetzen und steht<br />

heuer auch schon wieder im Finale.<br />

Qualität steht über Quantität<br />

Aber bekanntlich, »Gut Drink<br />

braucht Weile«, könnte man abgeleitet<br />

sagen, denn der Wermut mit<br />

dem richtigen Geschmack entsteht<br />

auch nicht von heute auf morgen.<br />

»Das braucht schon seine Zeit, er muss<br />

ja nicht nur gut schmecken, er muss<br />

ja auch meine Seele widerspiegeln,<br />

vom ersten Versuch bis zum fertigen<br />

Produkt in der bildschönen Flasche«,<br />

bringt es Margret Reinprecht auf<br />

den Punkt. Maximilian Glatz<br />

kommt bei seinem Herba Sanctum<br />

gleich ins Schwärmen: »Auf die Idee<br />

gekommen bin ich in der Karibik, zur<br />

Feldstudie gings dann nach Turin.<br />

Zu Hause haben wir 9 Monate lang<br />

akribisch an der genauen Kombination<br />

aus Kräutern, Wurzeln und Gewürzen<br />

getüf telt.«<br />

Dazu ist es eben eine eigene<br />

Geschichte, wie man zum Wermut<br />

kommt, oder wie der Wermut zu<br />

einem kommt, weiß zum Beispiel<br />

Stefan Krispel zu berichten: »In Bars<br />

und Restaurants habe ich einiges an<br />

Wermut probiert und mich dem Thema<br />

angenähert. Und dann ist es einfach<br />

passiert: Es hat sich eine Geschmacksidee<br />

in meinem Kopf festgesetzt, die<br />

ich dann in mehreren Versuchen<br />

umsetzen konnte.« Und die Rechnung<br />

scheint aufzugehen, denn ab<br />

diesem <strong>Sommer</strong> bietet der Winzer<br />

auch einen Wermut Róse an. Als<br />

Jungwinzerin muss man sich quasi<br />

selber erfinden und da das Weingut<br />

Strohmaier hochwertigen Schilcher<br />

produziert, war die Basis geschaffen:<br />

»Miss Rósy, weltweit der erste<br />

Schilcherwermut. Dementsprechend ist<br />

er auch sehr fruchtig und spritzig. Es ist<br />

auf unserem Weingut nicht mehr wegzudenken<br />

und ist über die steirischen<br />

Grenzen hinaus bekannt. Dazu haben<br />

wir jetzt auch eine White Edition: Rund,<br />

vollmundig und süß am Gaumen.«<br />

Der <strong>Sommer</strong> kann also beginnen.<br />

Elegant verspielt, luftig und doch<br />

hintergründig, wie es einem gefällt.<br />

Ein <strong>Sommer</strong>nachtstraum, made in<br />

Styria und hier noch einige <strong>Sommer</strong>drinks,<br />

von den Produzenten<br />

persönlich empfohlen.<br />

Jetzt mitmachen<br />

und einen der vorgestellten<br />

Wermuts gewinnen!<br />

Margret Reinprecht<br />

Als Negroni, mit'm Hansi Gin<br />

vom Bruder Hans und einem<br />

Schuss Campari. Im <strong>Sommer</strong>:<br />

mit Soda. Mischverhältnis 1 : 1<br />

© WEINGUT KRISPEL GMBH<br />

Katrin Strohmaier<br />

Rósyberry<br />

4 cl Miss Rósy<br />

Schilcherwermut<br />

2 cl Vodka<br />

0,1 lt. Rosenlimo<br />

1 Schuss Soda<br />

Tiefgefrorener Beerenmix<br />

Rósylicious:<br />

6 cl Miss Rósy<br />

White Edition<br />

2 cl Old Tom Gin<br />

2 cl Traubensaf t<br />

Eiswürfel<br />

Stefan Krispel<br />

Wermut pur mit Eis,<br />

oder Wermut-Tonic.<br />

© MISS RÓSY GENUSS KG<br />

© WEINGUT SCHNEEBERGER<br />

Maximilian Glatz<br />

www.<strong>40plus</strong>-magazin.com/wermut-gewinn<br />

© WEINGUT GLATZ<br />

Am besten schmeckt unser<br />

Wermut Herba Sanctum mit 3<br />

Eiswürfel und einer Zitronenzeste,<br />

aber auch gerne mit Ginger Ale<br />

und Gurke oder Prosecco secco/<br />

dry aufgießen. Für Puristen mit<br />

Soda und Ingwerscheibe.<br />

09


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

Augenblick<br />

verweile doch!<br />

Straden ist einer der beschaulichsten Flecken in der Steiermark,<br />

kein Wunder, dass dort das Genussgut Krispel zu Hause ist und<br />

einem gelegentlich Goethes Aphorismen in den Sinn kommen.<br />

Ein Lokalaugenschein.<br />

Genussgut Krispel<br />

Neusetz 29<br />

A-8345 Hof bei Straden<br />

+43 3473 7862<br />

of fice@krispel.at<br />

© CHRIS ROGL<br />

Mehr Infos unter:<br />

www.krispel.at<br />

Öffnungszeiten »KostBar«<br />

Dienstag bis Samstag<br />

10:00 - 12:00 Uhr & 14:00 - 18:00 Uhr<br />

Öffnungszeiten »Genusstheater«<br />

(nur mit Reservierung)<br />

Dienstag bis Samstag ab 17:30 Uhr<br />

Küche: 18:00 - 20:30 Uhr<br />

10


Entgeltliche Einschaltung<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Text: Martin G. Wanko<br />

Den Sonnenuntergang in Straden, den<br />

sollte man gesehen haben. Wenn sich<br />

die Sonne hinter die Skyline des Dorfes,<br />

die drei Kirchen, schiebt, dann hat man<br />

als Besucher schon eine kleine Radtour<br />

hinter sich, vielleicht zu einem der erloschenen<br />

Vulkane, denn nicht schwer zu<br />

erraten, Straden befindet sich im Herzen<br />

des Vulkanlands. Eine Ausfahrt zu den<br />

südoststeirischen Burgen und Schlössern<br />

ist überhaupt reizvoll, vor allem,<br />

wenn man links und rechts von sanften<br />

Weinbergen f lankiert wird und auch das<br />

bäuerliche Leben hautnah mitbekommt.<br />

»Augenblick verweile, du bist so schön!«,<br />

denkt man sich frei nach Johann Wolfgang<br />

von Goethe, und mit ein bisschen<br />

Glück kommt man dem Gedanken auch<br />

sehr nahe,<br />

»Kein Genuß ist<br />

vorübergehend; denn<br />

der Eindruck, den er zurückläßt,<br />

ist bleibend.«<br />

© MARTIN G. WANKO<br />

wenn man<br />

am Genussgut<br />

Krispel<br />

verweilt.<br />

Im<br />

wahrsten<br />

Sinne des<br />

Wortes, denn das Genussgut Krispel<br />

bietet alles was das Herz begehrt: Senkt<br />

sich die Sonne hinter dem Genussgut,<br />

trinkt man noch einen hauseigenen<br />

Wermut-Cocktail neben dem Pool an<br />

Johann Wolfgang von Goethe<br />

der KostBar, die vom »Falstaf f Heurigen<br />

& Buschenschankführer« zum feinsten<br />

Heurigen der Steiermark gekürt wurde<br />

und während einem die Grillen den<br />

Abend einbegleiten, sitzt man bereits<br />

sehr gerne bei einem steirischen Stör<br />

oder einer Wollschwein-Fledermaus.<br />

Dann hat man bereits, einige Schritte<br />

weiter, in Stefan Krispels Genusstheater<br />

Platz genommen, ein exklusiver Ort für<br />

exklusive Speisen: Gerade im Wein- und<br />

Gourmetmagazin Falstaff stellte es<br />

Alexander Bachl als Restaurant der Woche<br />

vor und berichtet euphorisch: »Hier<br />

gibt’s das volle Programm,<br />

einen wunderbar mürben Dry<br />

Aged Wollschweinrücken mit<br />

Erdäpfeln, Karottencreme<br />

und Morcheln. Zuvor feine<br />

Miniaturen mit Innereien-Fokus:<br />

Gar köstliche Milzschnitte<br />

mit Radieschen und gebackener<br />

Schweinskopf krapfen<br />

mit Trüf felmayo.« Was will<br />

das Schlemmerherz mehr,<br />

denkt man sich, genießt<br />

die vom Küchenchef Daniel<br />

Weißer und seinem Team<br />

kreierten Speisen und hat<br />

noch die Worte des Hausherrn<br />

und Winzers Stefan<br />

Krispel im Ohr: »Mittlerweile arbeiten wir<br />

am Genussgut mit Hochdruck an der Bio-<br />

Zertifizierung für Wein und Schwein. Unsere<br />

Wollschweine werden ab 2023 bio-zertifiziert<br />

sein. Beim Wein sind wir mitten in der Umstellungsphase,<br />

auch hier wird die Ernte 2023<br />

bereits zu 100 % bio-zertifiziert sein.« Und<br />

schon scheint Dichterfürst Goethe mit<br />

seinem Genuss-Zitat einmal mehr Recht<br />

zu haben.<br />

Sowohl in der KostBar, als auch im<br />

Genusstheater, werden alle Weine des<br />

Weinguts glasweise angeboten, der nach<br />

Gras duftende Sauvignon Blanc, der<br />

zart rauchige Chardonnay oder der nach<br />

gerösteten Haselnüssen riechende Grauburgunder<br />

- die Auswahl ist üppig, aber<br />

gut Ding braucht eben auch Weile: Das<br />

Genussgut entwickelte sich zu dem was<br />

es heute ist in liebevoller Kleinarbeit,<br />

so wie der Wein ausreichend Zeit zur<br />

Reifung in den Fässern benötigt: »Mit 18<br />

Jahren hatte ich daheim die erste Ernte zu<br />

verantworten. Dazu hatte ich immer viele<br />

Ideen, verbunden mit der leidenschaf tlichen<br />

Motivation, mein Bestes zu geben!«, so<br />

Stefan Krispel.<br />

So kommt einem<br />

Meister Goethes<br />

Weinhügel-Zitat<br />

über die Lippen,<br />

man sinniert und<br />

© CHRIS ROGL<br />

»Nur von besten<br />

Rebenhügel, wächst der<br />

Wein zu Lebensf lügeln.«<br />

Johann Wolfgang von Goethe<br />

denkt sich da hat der Dichterfürst recht,<br />

denn nun kommt es auch zugleich zur<br />

großen Genussmoment, da am Weingut<br />

zum Beispiel vier unterschiedliche Riedenweine<br />

der Rebsorte Weißburgunder<br />

angeboten werden. Kosten und genießen<br />

und so die Unterschiede am Gaumen und<br />

in der Nase herauskitzeln, sind durchaus<br />

leidenschaftliche Angelegenheiten.<br />

Um die Qualität seines Weines nochmals<br />

eine Nuance zu steigern, wird am<br />

Weingut gerade der Weinkeller vergrößert.<br />

Nächstes Jahr soll er bereits in<br />

Betrieb gehen: »Es ist eine große Baustelle,<br />

die uns große Freude bereiten wird, wenn<br />

wir alle unsere Ideen baulich umgesetzt<br />

haben«, bleibt der Winzer hier sportlich<br />

ehrgeizig.<br />

Wer nun denkt das Glück sei bereits<br />

vollkommen, der irrt. Im Vorfeld<br />

rechtzeitig an der Goethes »verweilende<br />

Momente« gedacht, zieht man sich nun<br />

gerne in eines der kürzlich renovierten<br />

Gästezimmer am Genussgut zurück und<br />

lässt den Herrgott einen guten Mann<br />

oder eine gute Frau sein. Wenn gerade<br />

alle Zimmer vergeben sind, bleibt noch<br />

die Möglichkeit im DeMerin, im Boutique<br />

Hotel in Straden, zu nächtigen.<br />

Das Genussgut organisiert für Hin- und<br />

Rückfahrt gerne einen Taxidienst. Und<br />

ansonsten bleibt<br />

noch immer der<br />

Herbst, aber auch<br />

hier empfiehlt es<br />

sich schnell zu<br />

buchen.<br />

11


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

12<br />

IN DER MCG<br />

SPIELT DAS<br />

LEBEN<br />

LIVE<br />

© MCG/WIESNER


Entgeltliche Einschaltung<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Mitreißende Musik, ausgelassene Stimmung, gutes Wetter & pures<br />

Live-Feeling – so stellen wir uns den <strong>Sommer</strong> vor. Und dies verspricht<br />

auch der diesjährige Open-Air-Veranstaltungskalender der MCG.<br />

Viele Konzert-Highlights werden dem Messegelände in Graz so<br />

richtig einheizen – ganz unter dem Motto: »The sky is our limit!«<br />

Zu Beginn gleich ein Kracher, im<br />

wahrsten Sinne des Wortes: Als<br />

wahres Highlight beehren uns<br />

Ende Juli, nämlich am 27.07.,<br />

Slipknot, die das gesamte Messegelände<br />

mit ihrer »We are not your<br />

kind«-Tour in Form eines großen<br />

Open Airs zum Beben bringen<br />

werden. Dicht gefolgt von Toto, die<br />

am 29. Juli die Open-Air-Area von<br />

Graz für sich einnehmen. Steve<br />

Lukather, alias Luke, und Joseph<br />

Williams sind schon seit ihrer<br />

Kindheit befreundet und teilen als<br />

Bandkollegen eine tiefe und lebhafte<br />

Vergangenheit, die im Laufe<br />

der letzten Jahrzehnte auf der<br />

ganzen Welt beruf liche Erfolge<br />

mit sich brachte. Jetzt entschlossen<br />

sie sich mit neuer Bandbesetzung<br />

die erfolgreichen Hits neu<br />

auf leben zu lassen.<br />

Wenn die <strong>Sommer</strong>ferien in den<br />

Endanf lug gehen, nehmen zwei<br />

wahre Superlativen Kurs auf Graz:<br />

David Garrett wird samt Band<br />

am 27. August für ein einmaliges<br />

Open-Air-Erlebnis sorgen. Mit<br />

seiner »ALIVE«-Tour schlägt der<br />

Geigenvirtuose ein neues Kapitel<br />

auf und geht zurück zum Wesentlichen:<br />

packende Songs, die das<br />

Leben feiern, ultimative Crossover-Musik,<br />

die virtuose Klassik<br />

mit feinstem Pop verschmilzt, und<br />

Melodien mit Gänsehauteffekt.<br />

Auch Die Ärzte lassen es sich nicht<br />

nehmen, Graz am 08.09. einen Besuch<br />

abzustatten. Endlich wieder<br />

fragwürdigen Ansagen lauschen,<br />

vergessene Lieblingslieder vehement<br />

einfordern, atemberaubende<br />

Lichtspiele genießen bzw. aktiv<br />

mitgestalten und prasselnde<br />

Regengüsse stoisch ertragen! Das<br />

klingt nach Live-Erlebnis, das<br />

klingt nach Open Air!<br />

Happy Birthday Stadthalle<br />

Ein besonderes Jahr für ein besonderes<br />

Gebäude. Im Jahr <strong>2022</strong> feiert<br />

die Stadthalle Graz ihr 20-jähriges<br />

Jubiläum. Unglaublich, wie die<br />

Zeit vergeht – unglaublich, dass in<br />

einer Halle so viele Möglichkeiten<br />

und Potenziale stecken. Egal ob<br />

Konzert, Festival, Messe, Kongress,<br />

TV-Show oder Ball – die Stadthalle<br />

Graz stellt nach wie vor ihre Multifunktionalität<br />

unter Beweis. Und<br />

das mit Bravour. Blickt man auf die<br />

20 Jahre zurück, so durfte die MCG<br />

bei rund 5.500 Veranstaltungen<br />

über 13 Millionen Besucher*innen<br />

begrüßen. Doch wie es immer so<br />

schön heißt: THE BEST IS YET TO<br />

COME. Viele weitere tolle Konzerte,<br />

Messen und Veranstaltungen<br />

liegen noch vor uns.<br />

Ein Geschenk zum Jubiläum<br />

Die MCG feiert am liebsten »LIVE«,<br />

somit dreht sie einfach den Spieß<br />

um, und beschenkt lieber das<br />

Publikum selbst. Im Rahmen des<br />

»MOMENTS OF LIVE«-Gewinnspiels<br />

werden besondere Stadthallen-Momente<br />

gesucht. Für die Teilnahme<br />

am Gewinnspiel muss man demnach<br />

einfach ein Foto – einen Stadthallen-Moment<br />

– hochladen. Dem<br />

Gewinner/der Gewinnerin winkt<br />

ein besonderer Preis: nämlich ein<br />

ultimatives Konzert- & Backstage-<br />

Package. Darin enthalten? Jeweils<br />

2 Konzerttickets inklusive Backstage-<br />

Führung vor dem Konzert inklusive<br />

Food & Drinks. Ein Abend der Superlative<br />

– versprochen!<br />

Alle Details zum Gewinnspiel:<br />

www.mcg.at/momentsof live<br />

© MCG/KRUG<br />

© MCG/WIESNER<br />

13


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

© MICHAEL KLESS<br />

© MICHAEL KLESS<br />

© MICHAEL KLESS<br />

Die aufregende Welt des<br />

Big Apple zu Gast in Graz<br />

Auch große Kunstausstellungen<br />

haben das Profil der MCG in den<br />

vergangenen Jahren mitgeprägt und<br />

vor allem eines: fasziniert. Im heurigen<br />

Jahr wird von 26. Mai bis 04.<br />

September der 2011 verstorbene New<br />

Yorker Pop-Art-Star James Rizzi mit<br />

der bisher weltgrößten Retrospektive<br />

auf über 2.000 m² in der Halle<br />

A der Messe Graz gewürdigt. Doch<br />

diese Ausstellung ist weit mehr als<br />

eine Leistungsschau seines Gesamtwerks.<br />

Sie ist auch Schauplatz seines<br />

Lebens in seinem bunten Atelier im<br />

New Yorker SoHo. Original-Möbelstücke,<br />

unveröffentlichte Exponate,<br />

unvollendete Werke und LED-Fenster<br />

entführen die Besucher*innen<br />

in den Kosmos des Ausnahme-<br />

Künstlers. Rizzis Kunst war immer<br />

auch Lebenskunst. Eine Kunst für<br />

Erwachsene, aber gleichzeitig auch<br />

für Kinder – deshalb wird mit der<br />

»Kids-Artline« auch ein eigens auf<br />

Kinder ausgerichteter Bereich innerhalb<br />

der Ausstellung zu erleben sein.<br />

Zudem spart man im Juli & August<br />

im Rahmen der Aktionstage auch<br />

bei den Eintrittstickets.<br />

Weitere Infos dazu auf:<br />

rizzi-graz.at<br />

THE BEST IS YET TO COME – so<br />

auch der <strong>Sommer</strong> <strong>2022</strong> in Graz!<br />

Veranstaltungs-<br />

Highlights<br />

<strong>2022</strong><br />

Ausstellung James Rizzi<br />

26.05. - 04.09.<strong>2022</strong> | Messe Graz<br />

Slipknot<br />

27.07.<strong>2022</strong> | Messe Graz Open Air<br />

TOTO<br />

29.07.<strong>2022</strong> | Messe Graz Open Air<br />

HOLI Festival<br />

20.08.<strong>2022</strong> | Freiluf tarena B<br />

David Garrett<br />

27.08.<strong>2022</strong> | Messe Graz Open Air<br />

Die Ärzte<br />

08.09.<strong>2022</strong> | Messe Graz Open Air<br />

Ralf Schmitz<br />

21.10.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Michael Mittermeier<br />

22.10.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Martina Schwarzmann<br />

31.10.<strong>2022</strong> | Congress Graz<br />

Lord of the dance<br />

04.11.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Thomas Gansch &<br />

Blasmusik Supergroup<br />

09.11.<strong>2022</strong> | Congress Graz<br />

Der Watzmann ruf t<br />

13.11.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Simply Red<br />

04.12.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Gert Steinbäcker<br />

08.12.<strong>2022</strong> | Stadthalle Graz<br />

Mehr Events & Infos: www.mcg.at<br />

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<strong>40plus</strong><br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

TALK<br />

Brauchen wir Alternativen?<br />

Moderation: Martin G. Wanko<br />

Wenn ich das Wort<br />

»Alternative« google, komme<br />

ich auf 5.610.000.000 Ergebnissen.<br />

Das Wort Krieg hat<br />

übrigens nicht einmal die<br />

Hälf te davon. In dem Moment<br />

denke ich mir, noch ist nicht<br />

alles verloren, oder?<br />

Cordula Simon:<br />

Die Begriffe zu vergleichen ist aufgrund<br />

ihrer Semantik wenig produktiv,<br />

alles Mögliche kann Alternativen<br />

aller Art haben. Krieg hat<br />

nur eine. Krieg ist immer negativ,<br />

doch Alternativen kann es positive<br />

wie negative geben und das hängt<br />

von der persönlichen Einstellung<br />

ab. Ist die AfD eine positive oder<br />

eine negative Alternative?<br />

Hermann Maurer:<br />

Glaub nicht an solchen Zahlenspielchen.<br />

Die Ukrainer mögen schon<br />

jetzt das Schlimmste erleben, das<br />

es gibt. Wir in Österreich nicht,<br />

da kommt es erst: Potentieller Zusammenbruch<br />

der Währung, der<br />

Wirtschaft, riesige Arbeitslosigkeit,<br />

nicht endende Demonstrationen.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Wofür ist Google die Referenz?<br />

Interessant wäre hier Alternative<br />

im Kontext zum Krieg. Jedem sollte<br />

klar sein, dass Krieg keine Alternative<br />

ist und es immer bessere<br />

Alternativen als Krieg gibt. Das<br />

gilt im Großen wie im Kleinen, von<br />

Staaten über Unternehmen bis zu<br />

persönlichen Beziehungen.<br />

Günter Riegler:<br />

Alles ist ohnehin nie verloren, das<br />

wäre ja genau diese Haltung, über<br />

deren Folgen wir heute reden. Nur<br />

weil unsere Zukunft gefährdet ist,<br />

heißt das ja noch lange nicht, dass<br />

alles verloren sein muss.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Nein, keinesfalls, wobei das Ziel<br />

weniger sein muss, als nur scheinbar<br />

»alternativ« zu sein. Es müssen,<br />

glaube ich, vielmehr wirkliche und<br />

echte Werte hinter denen man auch<br />

stehen muss präsent sein, auch zu<br />

einem Zeitpunkt, wenn sie gerade<br />

nicht im Trend liegen. Mit unserer<br />

JUFA Hotels-Idee versuchen wir<br />

unsere Werte, rund um Regionalität<br />

und Miteinander, immer zu<br />

leben, aber auch weiter zu entwickeln.<br />

»Wir brauchen Forschung,<br />

nicht anderes Essen.<br />

Forschung wird Fleisch<br />

ohne Tiere erzeugen[.]«<br />

© HERMANN MAURER<br />

Em.Univ.-Prof. Dr. phil<br />

Hermann Maurer<br />

Leitung Austria-Forum<br />

Das Wort »Alternative«<br />

kommt aus dem Latein, 15. Jh.,<br />

und wurde im 17. Jh. im Französischen<br />

erweitert: »Wahlweise,<br />

zwischen zwei oder mehreren<br />

Möglichkeiten die Wahl lassend«,<br />

klingt im Grunde positiv.<br />

Was verstehen Sie heute unter<br />

dem Wort »Alternative«?<br />

Cordula Simon:<br />

Eine Alternative zu haben ist<br />

gewiss positiv, ob die Alternative<br />

selbst jedoch ein positives Ergebnis<br />

bringt, führt uns zur Ambivalenz<br />

des Begriffes: Kann gut gehen,<br />

muss aber nicht.<br />

Hermann Maurer:<br />

Das Wort ist mir egal. Aber wir<br />

brauchen tatsächlich große Änderungen.<br />

Z.B. Radikalen Abbau<br />

von Pseudoarbeit, siehe Seite 10 in<br />

»Xperten 0.« (austria-forum.org/webbooks/xperten00de2004iicm/000007)<br />

Wer dieses Buch durchblättert, bekommt<br />

auf die meisten der Fragen<br />

eine Antwort.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Heute haben wir so viele Alternativen<br />

wie noch nie. Die Informationsf<br />

lut, die Vernetzung und<br />

die finanziellen Möglichkeiten eröffnen<br />

Alternativen zu fast allem.<br />

Das macht es nicht leichter, denn es<br />

verpf lichtet uns die jeweils richtige<br />

Alternative zu wählen. Diese Verpf<br />

lichtung gilt auch für Unternehmen,<br />

nicht nur die ökonomisch<br />

beste Alternative, sondern auch<br />

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40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

<strong>40plus</strong> Talk: Brauchen wir Alternativen?<br />

Gerhard Wendl:<br />

Müssen oder Dürfen? Wir, in der<br />

JUFA Hotels-Welt, sehen auch<br />

mit unserer regionalen, familiendie<br />

ökologisch und moralisch beste<br />

Entscheidung zu treffen.<br />

Günter Riegler:<br />

Entscheidend ist – und dieses<br />

Wort allein weist den Weg, denn es<br />

fordert uns auf, das Richtige vom<br />

Falschen zu unterscheiden – dass<br />

wir die Chancen von Veränderungen<br />

erkennen, denn es steckt in<br />

uns Menschen sichtlich, dass jedes<br />

Abbiegen vom gewohnten Weg uns<br />

ängstigt.<br />

Gerhard Wendl:<br />

In unserer Urlaubsidee steht das<br />

Wort »sicher« für Respekt vor den<br />

Regionen, um echte Urlaubserlebnisse<br />

zu schaffen, nicht bearbeitet<br />

und künstlich aufgehübscht durch<br />

irgendwelche Marketing-Agenturen.<br />

Was wird in Zukunf t die<br />

wichtigste Weiche sein, die<br />

wir uns stellen müssen?<br />

Cordula Simon:<br />

»Müssen« wir? Wir sehen schon hier<br />

ein Dilemma: Viele glauben, sie<br />

müssten nicht, denn sie hoffen vom<br />

Endergebnis unberührt zu bleiben,<br />

während sie Zeit ihres Lebens<br />

wenig Gedanken an den Planeten<br />

verschwendet haben. Nach dem<br />

Motto »YOLO«, das wohl eher eines<br />

der Generationen unserer Vorväter<br />

war, denn das der heutigen Jugend.<br />

Wir müssen in Wahrheit gar nichts,<br />

aber wir sollten, wenn auch die<br />

kommenden Generationen eine<br />

Chance haben sollen.<br />

Hermann Maurer:<br />

Mehr Forschung. Mehr Arbeit sehe<br />

ich als wichtig zu unterstützen.<br />

Rom ist durch Unterhaltung und<br />

Spiele untergegangen – wollen wir<br />

das nachmachen?<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

So etwas wie die wichtigste Weiche<br />

gibt es genauso wenig wie das beste<br />

Auto, die schönste Frau oder einfache<br />

Lösungen. Wichtig ist, dass<br />

wir langfristige Verantwortung für<br />

unsere Weichenstellungen übernehmen<br />

und deren Auswirkung<br />

auf Umwelt und die Menschen<br />

»Das billigste Gas ist nicht<br />

die beste Alternative, wenn<br />

man sich dafür in eine starke<br />

Abhängigkeit begibt.«<br />

© JOLLY SCHWARZ<br />

Dr. Gerhard Glinzerer<br />

Geschäftsführer<br />

Herz Armaturen<br />

berücksichtigen. Das gilt für Wirtschaft<br />

und Politik gleichermaßen.<br />

Das billigste Gas ist nicht die beste<br />

Alternative, wenn man sich dafür<br />

in eine starke Abhängigkeit begibt.<br />

Günter Riegler:<br />

Man darf hier ruhig das neudeutsche<br />

Wort »Mindset« bemühen. Es<br />

reicht ja nicht nur zu verstehen,<br />

warum Entwicklungen – wie<br />

beispielsweise beim Klima – eine<br />

riesige Hypothek für die Gegenwart<br />

und Zukunft sind. Von ein<br />

paar Unverbesserlichen abgesehen,<br />

wissen das ohnehin schon fast<br />

alle. Aber viele transformieren<br />

dieses Wissen nicht ins persönliche<br />

Handeln.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Touristisch gesehen, wird es die<br />

Mobilität sein. Das Thema rund um<br />

die berühmte »letzte Meile« findet<br />

speziell abseits der Ballungszentren<br />

viel zu wenig statt. Hier sind<br />

wir sicher gefordert nachzuschärfen<br />

und eine öffentliche Anreise bis<br />

zum Ziel zu vereinfachen.<br />

Wo müssen wir ansetzen?<br />

Cordula Simon:<br />

Jeder muss bei sich selbst beginnen<br />

– leider ist es oft schwierig,<br />

die Konsequenzen des eigenen<br />

Handelns einzuschätzen. Warum<br />

z.B. ein zersetzbarer Biomüllbeutel<br />

nicht in den Biomüll darf. Die<br />

schnellen Lösungen, die von den<br />

Industrien propagiert werden, sind<br />

oft nur Feigenblätter.<br />

Hermann Maurer:<br />

Indem wir auf hören lauter Tabus<br />

zu haben. Wir benötigen Atomenergie/Fusion<br />

in 40 Jahren, weil<br />

wir viel mehr Energie brauchen,<br />

um z.B. das Meerwasser zu entsalzen,<br />

um die Sahara fruchtbar<br />

zu machen. Genforschung gehört<br />

gefördert, nicht verboten.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Da gibt es leider viel Arbeit. Die<br />

Pandemie, der Krieg und die<br />

Klimakrise zeigen unsere Probleme<br />

schonungslos auf. Hinzu kommt,<br />

dass ein Teil der Gesellschaft das<br />

Vertrauen in Wissenschaft und<br />

Demokratie verliert und nach dem<br />

starken Mann ruft. Wir brauchen<br />

aber das Vertrauen der Gesellschaft,<br />

um die großen Probleme<br />

nachhaltig lösen zu können, denn<br />

ganz ohne Einschnitte wird das<br />

nicht gehen. Wir müssen beim Vertrauen<br />

der Menschen ansetzen und<br />

das müssen die Verantwortlichen<br />

in Wirtschaft und vor allem Politik<br />

verstehen und vorleben.<br />

Günter Riegler:<br />

Wir müssen auf hören, den<br />

Menschen für alles und jedes die<br />

Verantwortung abzunehmen. Der<br />

»Papa Staat« oder gar eine »Weltgesellschaf<br />

t« – was immer damit auch<br />

gemeint sein mag – wird es nicht<br />

auf Dauer richten können.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Wir brauchen eine neue Art der<br />

Globalisierung. Globalisierung<br />

muss sich zukünftig die Frage stellen,<br />

wie können wir unseren Globus<br />

ökologischer gestalten und nicht wo<br />

können wir billiger produzieren.<br />

Müssen wir die Menschen auf<br />

ein »anderes« lebenswertes<br />

Leben vorbereiten? Und wenn<br />

ja, dann wie?<br />

Cordula Simon:<br />

Eine der besten Ideen ist Menschen<br />

an die Frage, was sie zum Genuss<br />

brauchen, heranzuführen: Frische<br />

Paradeiser, warm von der Sonne,<br />

der Duft von Holunder – ja, wieso<br />

nicht einen eigenen Garten? Wir<br />

Menschen wollen aber gerne glauben,<br />

dass wir einen Vorteil haben<br />

und nicht nur Arbeit, wenn wir eine<br />

Gewohnheit ändern. Genuss und<br />

die verklärte Freude, die eigenen<br />

Hände in die Erde zu stecken.<br />

Hermann Maurer:<br />

Warum gibt es keine olympischen<br />

Spiele für echtes Wissen, nicht<br />

Merkwissen sondern Verständniswissen?<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Ja und nein, lebenswert ist Leben<br />

allemal und der globale Lebensstandard<br />

hat sich in den letzten<br />

hundert Jahren dramatisch verbessert,<br />

wir können durchaus davon<br />

ausgehen, dass es in Zukunft<br />

besser wird. Dennoch werden wir<br />

einiges anders machen müssen<br />

und mit den uns zur Verfügung<br />

stehenden Ressourcen vernünftiger<br />

umgehen. Vielleicht müssen<br />

wir uns kurzzeitig einschränken,<br />

um aktuelle Probleme zu lösen<br />

(Pandemie, Krieg, Klima), aber hier<br />

vertraue ich auf den steigenden<br />

Reifegrad der Menschheit. Dies<br />

können wir durch qualitativ hochwertige<br />

Bildung der Gesellschaft<br />

unterstützen.<br />

Günter Riegler:<br />

Natürlich braucht es hier auch<br />

den politischen Willen, zum einen<br />

Klartext zu sprechen, zum anderen<br />

aber – und das ist noch viel wichtiger<br />

– nachvollziehbar zu kommunizieren,<br />

wie dieses »bessere Leben«<br />

aussehen könnte. Wir haben im<br />

Kulturjahr 2020 eben ganz bewusst<br />

die Frage gestellt, wie wir morgen<br />

leben wollen. Wir müssen überzeugen,<br />

wenn wir überleben wollen!<br />

Bertrand Russell hat dafür die<br />

treffende Formulierung gefunden,<br />

dass man die Menschheit überreden<br />

muss, in ihr eigenes Überleben<br />

einzuwilligen.<br />

16


<strong>40plus</strong> Talk: Brauchen wir Alternativen?<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

freundlichen Idee von Tourismus<br />

auf Augenhöhe, dass immer mehr<br />

Menschen zumindest in ihrem<br />

Urlaubsverhalten diese bewusste<br />

Art von Urlaub suchen und auch<br />

bewusst bewusster mit dem eigenen<br />

»Fußabdruck« umgehen.<br />

Ich glaube, dass immer mehr Menschen<br />

erkennen, wie wichtig Wertegemeinschaften<br />

sind. Und die<br />

Wertschätzung der eigenen Region<br />

und der vorhandenen Ressourcen<br />

kann entscheidend dazu beitragen.<br />

Inwieweit ist »die Alternative«<br />

in Ihrem Beruf ein Thema?<br />

Cordula Simon:<br />

Etwas, das bereit stehen sollte,<br />

wenn es mit dem Verdienst durch<br />

Kunst nicht mehr so recht klappt.<br />

Günter Riegler:<br />

In der Politik sind Pragmatisierungen<br />

aus gutem Grund kein Thema!<br />

Jeder und jede von uns weiß, dass<br />

er oder sie nur auf Zeit bestellt<br />

ist. Ich habe ja das Glück, vor der<br />

Politik bereits in unterschiedlichsten<br />

Berufen Erfahrungen sammeln<br />

zu dürfen.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Auch hier muss ich das Wort »Alternative«<br />

durch »Wertvorstellungen«<br />

ersetzen. Die haben in meinem<br />

privaten und beruf lichen Leben<br />

immer eine zentrale Rolle gespielt<br />

und oft als stiller Leitfaden geholfen<br />

bewusste Entscheidungen<br />

zu treffen.<br />

Kann hier die Kultur ein<br />

Vorreiter sein?<br />

es geht schlussendlich auch um<br />

Respekt im Urlaub, vor der Region<br />

die man besucht. Gerade hier sind,<br />

und wollen wir weiterhin Vorreiter<br />

in der Branche sein.<br />

»Wir müssen aufhören,<br />

den Menschen für alles und<br />

jedes die Verantwortung<br />

abzunehmen.«<br />

© STADT GRAZ/FISCHER<br />

erzeugen können und essbares<br />

Gemüse herstellen.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Direkte Antwort: Nein! Vorschriften<br />

in diesen Bereichen bringen<br />

nichts, im Gegenteil, siehe die<br />

Prohibition in den USA. Der Staat<br />

hat aber die Pf licht steuernd einzugreifen<br />

und so z.B. ungesunde<br />

Produkte durch Steuern, Werbeverbote<br />

etc. weniger attraktiv zu<br />

machen oder gefährdete Gruppen<br />

(z.B. Jugendliche) zu schützen.<br />

Letztlich muss der Mensch selber<br />

entscheiden können, was gut oder<br />

schlecht ist. Ich möchte nicht, dass<br />

mir der Staat vorschreibt, was ich<br />

essen darf und was nicht. Hier<br />

müssen wir auf den gesunden<br />

Menschenverstand setzen und<br />

diesen durch Bildung fördern.<br />

Hermann Maurer:<br />

Die wichtigste Weiche ist weniger<br />

Menschen, weltweit, aber auch bei<br />

uns. Als ich Kind war, hatte Österreich<br />

6 Mio., heute 9 Mio. Um 1900<br />

hatte die Welt etwa 1,2 Milliarden<br />

Menschen, heute sind wir 8 Milliarden.<br />

Nach IIASA Studien hält<br />

der Planet Erde langfristig nicht<br />

ganz eine Milliarde Menschen mit<br />

vernünftigen Lebensstandard aus.<br />

Also mehr als zwei Kinder überall<br />

ist unmöglich zu machen. Wir<br />

brauchen nicht mehr junge Menschen<br />

in Österreich, auch wenn wir<br />

immer älter werden. Die notwendige<br />

Arbeit ist leicht von den verbleibenden<br />

Menschen zu erledigen,<br />

wenn man erstens vieles automatisiert,<br />

und Pseudo-Arbeit radikal<br />

abschafft. Warum haben wir 9<br />

Bundesländer mit 9 Verwaltungen,<br />

Bayern ist größer und kommt mit<br />

einer Verwaltung durch.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

In welchem Beruf nicht? Bei uns<br />

ganz besonders, wir beschäftigen<br />

uns mit alternativen Energieträgern<br />

und leben diese Nachhaltigkeit<br />

auch in allen Unternehmenssparten.<br />

Heute gibt es für alles eine<br />

Alternative, aber nicht jede Alternative<br />

ist die bessere Lösung, daher ist<br />

die gesamtheitliche und nachhaltige<br />

Betrachtung entscheidend.<br />

Cordula Simon:<br />

Wenn sie Menschen erreicht. Jahrzehntelang<br />

hatte die Wissenschaft<br />

die Vorreiterrolle inne, doch ohne<br />

mediale Aufmerksamkeit hielt sich<br />

das Handeln in Grenzen.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Die Kultur als Spiegelbild unserer<br />

Gesellschaft wird niemals<br />

ein Vorreiter sein, sondern dient<br />

der Erkenntnis. Erkenntnis ist<br />

der erste Weg zur Besserung und<br />

hier spielt sicher die Kunst eine<br />

entscheidende Rolle, denn mit der<br />

künstlerischen Darstellung können<br />

Schwächen erkannt und Alternativen<br />

aufgezeigt werden, ohne direkt<br />

zu kritisieren und/oder Vorschriften<br />

zu machen. Auch hilft uns die<br />

Kunst zu entspannen und unsere<br />

Blickwinkel zu erweitern, was wir<br />

durchaus benötigen.<br />

Günter Riegler:<br />

Was heißt hier »kann«? Es ist doch<br />

eine der wichtigsten Aufgaben der<br />

Kultur, ständig an einer besseren<br />

Welt mitzuwirken.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Ja, gerade die jungen Menschen<br />

halten uns hier den Spiegel vor<br />

und sagen »Ihr wart die Konsumgesellschaf<br />

t« und jetzt geht es um<br />

Respekt, Respekt vor Umwelt und<br />

Dr. Günter Riegler<br />

Wirtschafts- & Kulturstadtrat Graz<br />

Ich gehe jetzt ganz direkt rein:<br />

Den Menschen die Wahl zu<br />

lassen, ist nicht immer klug.<br />

Sollte man zum Beispiel<br />

Essgewohnheiten durch<br />

Gesetze ändern?<br />

Cordula Simon:<br />

Essgewohnheiten ändern sich<br />

durch Bewusstsein, was in welchem<br />

Produkt enthalten oder mit<br />

ihm verbunden ist, oder durch<br />

eine Veränderung des Angebotes<br />

an Nahrungsmitteln. In Zweiteres<br />

wäre es möglich einzugreifen.<br />

Ersterem wird man mit Gesetzen<br />

nicht beikommen können. Ob es<br />

eine gute Idee ist Informiertheit<br />

durch Gesetzgebung zu ersetzen<br />

steht auf einem anderen Blatt. Der<br />

aufgeklärte Mensch sollte selbst<br />

entscheiden dürfen.<br />

Hermann Maurer:<br />

Reine, unnötige Spinnerei! Wir<br />

brauchen Forschung, nicht anderes<br />

Essen. Forschung wird Fleisch ohne<br />

Tiere erzeugen, wird mit künstlicher<br />

Photosynthese aus CO2, von<br />

dem wir »Gott Sei Dank« einiges in<br />

der Luft haben, und mit Kohleverbrennung<br />

Nachschub und Energie<br />

Günter Riegler:<br />

Nein! Mit Gesetzen, die die Menschen<br />

zu sehr bevormunden, sollten<br />

wir äußerst sparsam umgehen.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Das Reglementieren, das haben<br />

wir die letzten 2 Jahre gelernt,<br />

funktioniert auch nicht immer.<br />

Zielführender wäre es den Güter-<br />

Transport in einer Kostenwahrheit<br />

darzustellen, was dazu führen<br />

würde, dass bestimmte Produkte<br />

nicht mehr so oft auf dem Teller<br />

landen, und regionale Produkte<br />

eine große Chance finden. Hier ist<br />

es in den letzten Jahren zu einer<br />

falschen Förderpolitik gekommen.<br />

Die Menschen wirken heute<br />

teilweise erschöpf t und resigniert.<br />

Woran mag das liegen?<br />

Cordula Simon:<br />

Ständige Erreichbarkeit, Social<br />

Media, Verpf lichtungen, Lärm,<br />

Funktionieren müssen, Unruhe,<br />

Zivilisationskrankheiten, Nervenkrankheiten,<br />

die Liste ist lang. Die<br />

Hände in die Erde stecken, hilft bei<br />

den meisten.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Viele Menschen sind frustriert und<br />

das ist teilweise nachvollziehbar.<br />

17


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

<strong>40plus</strong> Talk: Brauchen wir Alternativen?<br />

Es gibt einen großen Vertrauensverlust<br />

in der Gesellschaft. Sehen<br />

wir uns die Skandale in unserer<br />

Republik an, als junger Mensch, der<br />

vielleicht die letzten 10 Jahre aktiv<br />

die Politik verfolgt, der muss frustriert<br />

sein. Zum Glück haben einige<br />

junge Leute aber auch klare Vorstellung<br />

von vernünftigen Alternativen<br />

und das müssen wir fördern.<br />

Günter Riegler:<br />

Hier braucht es zwei Antworten.<br />

Erstens stimmt die so gestellte<br />

Frage überhaupt? Von Lord Byron<br />

bis Oblomow – und da sind wir im<br />

vorletzten Jahrhundert – ist der<br />

erschöpfte Mensch ein nicht nur<br />

literarisches Thema. Aber zweitens<br />

kann diese generelle Grundstimmung<br />

natürlich auch nicht übersehen<br />

werden: Zeiten der Krise sind<br />

bekanntlich Zeiten, in denen das<br />

Alte nicht mehr gilt und das Neue<br />

noch nicht gefunden ist. Insofern<br />

stimmt diese Beobachtung schon<br />

auch ein Stück weit.<br />

Gerhard Wendl:<br />

An einer Medienkultur und der<br />

steigende Informationsf luss.<br />

Mit »Bad news are good news« ist es<br />

schwierig. Ich glaube dafür sind<br />

wir Menschen auch nicht gemacht.<br />

Wir brauchen wieder das Positive,<br />

das Nach-vorne-blicken. Wir haben<br />

so zum Beispiel mitten in der Corona-Zeit<br />

mit über 300 Mitarbeitern<br />

unseren »Zukunf tsprozess« gestartet<br />

und fragen uns dabei nicht, warum<br />

etwas nicht geht, sondern: »Wie<br />

geht's?«<br />

Wie bringen wir die Menschen<br />

wieder auf Vordermann?<br />

Cordula Simon:<br />

Das wird wohl individuell verschieden<br />

sein. Hatte ich die Hände in<br />

der Erde schon erwähnt?<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Die führenden Menschen in Wirtschaft,<br />

Politik und Wissenschaft<br />

müssen wieder Vorbilder werden. Ja,<br />

korrupte Politiker, geldgeile Finanzhaie<br />

und gekaufte wissenschaftliche<br />

Gutachten zerstören das wertvolle<br />

Gut des Vertrauens. Vertrauen zu<br />

gewinnen braucht lange, verloren ist<br />

es innerhalb von Sekunden. Wenn<br />

unsere Leistungsträger das verstehen<br />

und leben, dann kommen wir<br />

wieder nach vorne.<br />

Günter Riegler:<br />

Es mag ein banales Wortspiel sein,<br />

aber es stimmt; die beiden wichtigsten<br />

Wörter sind hier »fördern«<br />

und »fordern«. Wer immer nur »niederschwellige«<br />

Zugänge sucht, wird<br />

nur schwer in die Höhe kommen.<br />

Wer immer nur davon spricht, die<br />

Menschen dort abzuholen, wo sie<br />

stehen, wird meist eher zurück als<br />

nach vorne gehen.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Wir haben uns entkoppelt von<br />

unseren Regionen, von der Natur.<br />

Wir müssen uns einfach wieder<br />

verbinden und Synergien nutzen<br />

und dafür einstehen, wo wir leben<br />

und versuchen möglichst viele Menschen<br />

hier positiv mitzunehmen.<br />

Die Menschen im letzten<br />

Jahrhundert kommen mir<br />

unerschrockener vor. Man sagt<br />

ihnen zugleich nach, sie hatten<br />

mit zu wenig Problemen zu<br />

kämpfen, stimmt das?<br />

Cordula Simon:<br />

Die meisten Menschen heute haben<br />

nicht mit einem großen Problem,<br />

sondern mit einer Unsumme<br />

kleiner Probleme zu kämpfen. Vielleicht<br />

würde auch jemand aus dem<br />

letzten Jahrhundert vor der Masse<br />

an Petitessen kapitulieren und sich<br />

entscheiden morgens nicht einmal<br />

die Socken anzuziehen.<br />

Hermann Maurer:<br />

Die letzten 80 Jahre hatten zu wenig<br />

Herausforderungen, an denen<br />

Menschen gewachsen wären.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Ja, in den letzten 50 Jahren waren<br />

die Probleme in der westlichen<br />

Welt definitiv geringer als in den<br />

Zeiten davor. Das wurde aber auch<br />

zu einer unglaublichen Entwicklung<br />

in der Wirtschaft und Technologie<br />

genutzt. Trotzdem hat jede<br />

Generation ihre eigenen Probleme,<br />

die alle schwer vergleichbar sind.<br />

Günter Riegler:<br />

Natürlich war es in Zeiten des<br />

Wirtschaftswachstums, unter<br />

völlig anderen demografischen<br />

Rahmenbedingungen, einfacher<br />

als jetzt, wo die Babyboomer sich<br />

in die Pension verabschieden. Das<br />

ist gar keine ideologisch-politischer<br />

Erkenntnis, sondern reine Mathematik.<br />

Ob die Menschen deshalb<br />

wirklich unerschrockener waren,<br />

will ich bezweifeln. Unbestritten<br />

sind die Lebensentwürfe heute<br />

aber um vieles volatiler als vor 50<br />

Jahren. Ob das gut oder schlecht<br />

ist, liegt im Auge des Betrachters.<br />

»Alternativlosigkeit<br />

gibt es nicht.«<br />

© WOLFGANG SCHNUDERL<br />

Cordula Simon<br />

Autorin<br />

Gerhard Wendl:<br />

Ich glaube nicht, aus der Distanz<br />

fühlt sich vieles vielleicht leichter<br />

an. Die Herausforderungen sind<br />

da, und vielleicht mehr als je zuvor<br />

müssen wir lernen, auf das eine<br />

oder andere zu verzichten, was sich<br />

ja auch positiv auswirken kann.<br />

Nicht die Entfernung des Urlaubs<br />

ist entscheidend, sondern das Erlebnis<br />

und die Erholung.<br />

Gegenfrage: Früher war alles<br />

besser?<br />

Cordula Simon:<br />

Vor allem Nostalgie. Sonst aber<br />

auch nicht viel.<br />

Hermann Maurer:<br />

Früher war fast alles schlechter.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Früher war alles anders und in der<br />

Zukunft wird auch alles anders<br />

sein. Wer glaubt, dass früher alles<br />

besser war, der soll sich mit den<br />

Tatsachen beschäftigen. Die kriegerischen<br />

Auseinandersetzungen<br />

nehmen stark ab (trotz Ukraine-<br />

Krieg) die Lebenserwartung und<br />

der Lebensstandard steigt in der<br />

ganzen Welt. Niemand will in die<br />

Vergangenheit zurück.<br />

Günter Riegler:<br />

Nicht besser, nicht schlechter,<br />

definitiv aber anders.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Sie meinen in der Steinzeit? Die<br />

Frage ist: »Wo ist es besser?« Wir sind<br />

sicher in einem Teil der Welt, wo<br />

es vielen besser geht, aber es gibt<br />

ganz viele Menschen, die leben in<br />

einem Teil der Welt, wo es ihnen<br />

nicht besser geht und dieses Thema<br />

müssen wir lösen.<br />

»There is no Alternative« hat<br />

es einmal unter der Premierminister<br />

Margaret Thatcher<br />

geheißen. Was wäre heute<br />

»alternativlos«, also was ist die<br />

höchste Devise in der Not?<br />

2010 wurde »alternativlos«<br />

zum Unwort der deutschen<br />

Sprache erklärt.<br />

Cordula Simon:<br />

Alternativlosigkeit gibt es nicht.<br />

Natürlich ist es unumgänglich, also<br />

alternativlos sich der Rettung der<br />

Umwelt anzunehmen und doch<br />

mäandern wir den gemächlich<br />

alternativen Weg der Entscheidungsträger<br />

entlang, die nur nichts<br />

Unbeliebtes umsetzen wollen.<br />

Einschränkungen sind also alternativlos,<br />

außer das Ziel ist nur die<br />

Legislaturperiode zu überstehen.<br />

Hermann Maurer:<br />

Welche Not?<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Alternativlos suggeriert, dass man<br />

18


<strong>40plus</strong> Talk: Brauchen wir Alternativen?<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

über Alternativen gar nicht nachdenken<br />

muss, also Vorsicht vor<br />

jedem der dieses Wort verwendet.<br />

In der Not glaubt man oft, keine<br />

Alternative zu haben, aber das ist<br />

meistens nicht so. In der Not ist es<br />

ganz besonders wichtig, sich aller<br />

Alternativen bewusst zu sein und<br />

die richtige zu wählen.<br />

Günter Riegler:<br />

»Alternativlos« klingt immer nach<br />

Denkverbot, daher sollten wir<br />

dieses Denkmuster nicht weiterverfolgen.<br />

Es kann immer noch<br />

bessere Ideen geben, und wir<br />

sollten »unerschrocken« genug sein,<br />

diesen dann auch zu folgen.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Unser Planet braucht einen Zukunftsprozess,<br />

der findet bisher<br />

nicht statt. Wir müssen allgemein<br />

gültige Strategien und ein Zukunftsbild<br />

mit neuen Wertvorstellungen<br />

schaffen. Nur Konferenzen<br />

abzuhalten, wird zu wenig sein,<br />

hier muss man auch die Egozentriker<br />

dieser Welt zusammenführen<br />

und gemeinsam ein Kommittent<br />

schaffen.<br />

Die letzten zwei Jahre sind<br />

an keinem spurlos vorüber<br />

gegangen. Was haben wir<br />

unterm Strich gelernt?<br />

Cordula Simon:<br />

Dass wir mit weniger Menschen<br />

auskommen oder dass wir Menschen<br />

dringend brauchen? Dass<br />

jeder ein anderes individuelles<br />

Sicherheitsbedürfnis verspürt?<br />

Dass wir gerne Kinder unserer Zeit<br />

waren und eines besseren belehrt<br />

wurden, als der Krieg dann doch<br />

kam? Die Geschichte wird zeigen,<br />

was und ob wir gelernt haben.<br />

Hermann Maurer:<br />

Dass in manchen Situationen eine<br />

autoritäre Regierung mehr als eine<br />

lasche Demokratie notwendig ist.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Wir haben schmerzhaft erlebt,<br />

dass wir nicht so sicher sind wie<br />

wir glauben, ein Virus hat unser<br />

ganzes Leben durcheinandergebracht<br />

und vor unserer Haustüre<br />

steht der Krieg. Gelernt haben wir,<br />

dass Sicherheit trügerisch ist und<br />

Resilienz nicht nur ein Schlagwort<br />

ist. Bewusster und nachhaltiger<br />

Leben und vor allem ein Miteinander<br />

rückt mehr in den Vordergrund.<br />

Günter Riegler:<br />

Schwer zu sagen, leichter ist hier<br />

schon die Antwort zu geben, was<br />

wir verlernt haben: das unmittelbare<br />

Zugehen aufeinander!<br />

Gerhard Wendl:<br />

Wir haben gesehen wie schnell wir<br />

von einer solidarischen Gemeinschaft<br />

innerhalb weniger Tage zu<br />

einer »es geht jetzt zuerst um mich«<br />

Gesellschaft geworden sind, das<br />

ist leider auch Ausdruck einer<br />

verfehlten Bildungspolitik. Aber es<br />

gibt auch Positives, viele Menschen<br />

haben ihre Region in der sie leben,<br />

ganz neu und wertschätzend kennen<br />

gelernt.<br />

»Angst lähmt den freien Gedanken«<br />

oder wie verbreiten wir<br />

ein positives Klima?<br />

Cordula Simon:<br />

Humor hilft, sogar am Galgen.<br />

Nicht, dass die Welt am Galgen<br />

hinge, die Welt geht nirgendwo hin,<br />

wie George Carlin so schön sagte –<br />

wir gehen.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

Angst lähmt den freien Gedanken<br />

– ausschlaggebend für positives<br />

Klima ist vernünftige und sachliche<br />

Auf klärung und ein Miteinander<br />

auf allen Ebenen. Offene<br />

Runden und Gespräche fördern<br />

ein positives Klima – zwischenmenschliche<br />

Interaktionen sind<br />

das Um und Auf. Die Frage ist aber<br />

absolut berechtigt, wir müssen ein<br />

positives Klima durch Vertrauen<br />

und Respekt füreinander auf bauen.<br />

Da sind alle Bereiche von Politik<br />

über Wirtschaft, Wissenschaft und<br />

Kunst gefordert.<br />

Günter Riegler:<br />

Optimismus wäre ansteckend,<br />

doch es ist viel anstrengender diesen<br />

Weg zu gehen. Mit 280 Zeichen<br />

ist es immer leichter dagegen als<br />

dafür zu sein!<br />

Gerhard Wendl:<br />

Mut zum Tun ist angesagt, das<br />

schafft kleine Erfolgserlebnisse<br />

und kleine Erfolgserlebnisse schaffen<br />

positives Klima.<br />

»Unser Planet braucht<br />

einen Zukunftsprozess,<br />

der findet bisher<br />

nicht statt.«<br />

© JUFA HOTELS<br />

Gerhard Wendl<br />

Vorstandsvorsitzender JUFA Hotels<br />

Was ist das Wichtigste, das wir<br />

»sofort richten« sollen?<br />

Cordula Simon:<br />

Den Mangel an Wohlwollen in<br />

unseren Gesprächen. Manchmal<br />

vergessen wir, dass der Großteil<br />

aller Interaktionen zwischen<br />

Menschen von Vertrauen geprägt<br />

ist; sie positiver Natur sind. Auch<br />

Gegner der eigenen Standpunkte<br />

sind Menschen und Schlagworte,<br />

die benutzt werden, sagen oft nicht<br />

genug über eine Einstellung aus.<br />

Wir sollten daher weniger urteilen,<br />

erst recht nicht vorschnell. Das kann<br />

man jeden Tag üben, mit jedem<br />

Menschen, mit dem man interagiert.<br />

Ohne Gemeinsamkeit keine<br />

gemeinsamen Anstrengungen und<br />

unsere Welt wird diese brauchen.<br />

Hermann Maurer:<br />

Mehr Forschung, Ausbildungsstellen<br />

müssen Gehirne fordern! Das<br />

Gerede, alles spielerisch zu lernen,<br />

ist so, als würde ein Mensch Topsportler<br />

werden können, ohne zu<br />

schwitzen.<br />

Gerhard Glinzerer:<br />

»Sofort richten« sollte man das<br />

Miteinander und die Förderung<br />

der Wissensvermittlung – nur wer<br />

gemeinsam an einem Strang zieht,<br />

kommt dem Gefühl etwas bewegen<br />

zu können, Schritt für Schritt<br />

näher. Die Vielfältigkeit an Können<br />

und Wissen jedes Einzelnen ergibt<br />

ein Ganzes und bahnt den Weg<br />

zum Erfolg.<br />

Günter Riegler:<br />

Auch das Wichtigste ist nicht<br />

alternativlos. Es reicht schon, wenn<br />

wir alle versuchen, unser Bestes zu<br />

geben.<br />

Gerhard Wendl:<br />

Nicht zu warten bis das politische<br />

Leadership Maßnahmen setzt.<br />

Jeder einzelne muss sich seinen<br />

kleinen persönlichen Beitrag<br />

überlegen. Das geht am Ende<br />

bis zur Urlaubsentscheidung. In<br />

Dänemark und Schweden gibt<br />

es diese Strömungen schon, die<br />

sagen, ich f liege nur noch jedes 2.<br />

Jahr. Wir dürfen nicht nur auf die<br />

große Lösung warten, sondern<br />

jeder einzelne kann an kleinen<br />

Lösungen mitwirken. Und auch<br />

unsere JUFA Hotels-Idee soll so ein<br />

kleiner Beitrag zu einer gesunden<br />

Zukunft sein.<br />

19


40PLUS Madison | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Werbeagentur<br />

madison.at<br />

@madisonwerbeagentur<br />

Die älteste<br />

Werbeagentur<br />

der Welt in Graz<br />

Seit 1985 machen wir Werbung. Damals praktizierten wir Dialog-, aber noch kein<br />

Onlinemarketing, selbstredend: Es gab in Österreich kein Internet, kein Social Media und<br />

keine Newsletter. Wir können somit auf eine gute Portion Erfahrung aus der Offline- als<br />

auch der Onlinewelt zurückgreifen, denn wir lernen täglich, sind immer am neuesten Stand<br />

und wissen wo, wie und wann man Zielgruppen punktgenau erreicht. Frei nach dem Motto:<br />

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.<br />

Hier stellen wir Ihnen einige unserer aktuellen Arbeiten vor.<br />

Bereit für Dialog?<br />

20


Christopher Drexler<br />

ist wohl der erste LH<br />

in der Geschichte des<br />

Landes, der bereits im<br />

Zuge der Angelobung<br />

mit der »nachhaltigen<br />

Themenwelt« konfrontiert<br />

wurde. Er strotzt<br />

nur so vor Elan und<br />

ist voller Tatendrang.<br />

<strong>40plus</strong> hat nachgefragt.<br />

LH Drexler:<br />

»Einfach von unseren<br />

Großeltern und<br />

Urgroßeltern<br />

lernen!«<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Interview: Martin G. Wanko<br />

Herr Landeshauptmann, die erste<br />

Frage ist immer ein bisserl ein<br />

Deutsch-Aufsatz: Wie machen wir<br />

die Welt besser?<br />

Indem wir wachsam, neugierig<br />

und auf Forschung, Entwicklung<br />

und Fortschritt konzentriert<br />

bleiben. Ich denke, dass wir bei<br />

allen Krisen die Zuversicht nicht<br />

verlieren dürfen und stets versuchen<br />

müssen, das Beste für<br />

unsere Kinder und damit für die<br />

Welt zu erreichen. Das gelingt uns<br />

nur, wenn wir uns weiter und nicht<br />

zurück entwickeln.<br />

Gleich einmal ganz direkt: Ein gewichtiges<br />

Thema im <strong>40plus</strong> ist die<br />

Nachhaltigkeit. Haben Sie hierfür<br />

für die nächsten Jahre eine Steiermark-Vision?<br />

Wir haben für die Steiermark eine<br />

Agenda. Und ich habe klare Ziele:<br />

Die Steiermark in möglichst vielen<br />

Bereichen an die Spitze der europäischen<br />

Regionen zu führen. Ich<br />

denke, dass wir in der Nachhaltigkeit<br />

die besten Voraussetzungen<br />

dafür haben, dieses Ziel zu erreichen.<br />

Außerdem will ich, dass die<br />

Steiermark ein Musterland wird,<br />

wenn es darum geht, Klimaschutz<br />

mit wirtschaftlicher Dynamik zu<br />

verbinden.<br />

Wie<br />

bringen<br />

wir »die<br />

Nachhaltigkeit«<br />

emotional<br />

und auch positiv<br />

unter die Leute?<br />

Über viele Generationen war nachhaltiges<br />

Wirtschaften selbstverständlich.<br />

Wir müssen einfach von<br />

unseren Großeltern und Urgroßeltern<br />

lernen. Das finde ich total<br />

emotional!<br />

Die »Friday for Future Bewegung«<br />

hatte eine ihrer letzten Veranstaltungen<br />

in Wien unter dem Motto<br />

»Lasst die leeren Worte und hört<br />

den Betroffenen zu« veranstaltet.<br />

Die Kritik an der Generation 40+<br />

nimmt nicht ab, oder?<br />

Ich denke, dass wir uns bewusst<br />

sein müssen, dass wir nur gemeinsam<br />

etwas erreichen können.<br />

Schon jetzt sind wir alle von<br />

Klimaveränderungen und dadurch<br />

bedingte Unwetterereignisse betroffen.<br />

Das stärkste Argument<br />

für mich ist aber, dass ich meinen<br />

vier Kindern eine lebenswerte<br />

Steiermark, eine intakte Umwelt<br />

hinterlassen möchte.<br />

Immer<br />

wieder hört man<br />

Forderungen bezüglich Agenda<br />

2030 bzw. die Klimaziele 2050,<br />

nickt, und bekommt zugleich das<br />

Gefühl nicht los, dass sich das nicht<br />

ausgeht. Wären realistischere<br />

Ziele erfolgversprechender?<br />

Ich bin immer dafür, ambitionierte<br />

Ziele zu setzen und alles dafür<br />

zu tun, sie auch zu erreichen.<br />

Noch können wir es schaffen.<br />

Dazu müssen wir aber offen für<br />

Entwicklungen bleiben!<br />

Bleiben wir im Land Steiermark:<br />

Was können wir besser machen?<br />

Wir werden immer etwas noch<br />

besser machen können. Aber gerade<br />

die aktuell drohende Energiekrise<br />

zeigt uns, dass das Maß an<br />

erneuerbarer Energie, das in der<br />

Steiermark gewonnen wird, bei<br />

weitem nicht ausreicht und, dass<br />

wir noch viel mehr tun müssen.<br />

Selbst schon ein E-Auto?<br />

Nein, meine Frau hat lediglich<br />

einen Hybrid.<br />

Sie kommen aus dem ehemaligen<br />

Arbeiterviertel Lend. Heute ist es<br />

ja eher das Bobo-Viertel von Graz.<br />

Was war hier – abseits des Elternhauses<br />

- für Sie prägend?<br />

Der Lendplatz – als Treffpunkt<br />

unterschiedlichster Generationen,<br />

Hintergründe und Interessen. Eine<br />

Art steirischer Schmelztiegel. Und<br />

das Kepler-Gymnasium.<br />

Herr Landeshauptmann, <strong>40plus</strong><br />

dankt für das Gespräch.<br />

21


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

© MARIJA KANIZAJ<br />

Moderation: Martin G. Wanko<br />

Zwei,<br />

die die<br />

Zukunft<br />

gestalten.<br />

Keiner verschickt so flink und umweltgerecht wie Roland<br />

Fink in seinen niceshops. Er geht ebenso mit Spirit an die<br />

Sache heran wie LH Drexler. Die Zwei im Talkformat.<br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

22


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Roland Fink<br />

Herr Landeshauptmann, wie<br />

steht es um die Versorgungssicherheit<br />

unseres Landes?<br />

LH Christopher Drexler<br />

Die Krisen der letzten Monate<br />

haben den hohen Wert der Versorgungssicherheit<br />

noch stärker ins<br />

Bewusstsein gerückt. Unsere steirischen<br />

Bäuerinnen und Bauern<br />

stellen nicht nur Lebensmittel mit<br />

höchster Qualität her, sondern<br />

sorgen auch für regionale Wertschöpfung<br />

mit kurzen Transportwegen.<br />

Aufgrund der gestiegenen<br />

Betriebsmittel- und Futtermittelkosten<br />

hat die Bundesregierung<br />

ein Versorgungssicherungspaket<br />

geschnürt. Davon werden rund<br />

17 Millionen Euro an steirische<br />

bäuerliche Betriebe gehen. Damit<br />

werden auch die landwirtschaftlichen<br />

Betriebe gut durch die Krise<br />

gebracht und die Ernährungssouveränität<br />

gesichert.<br />

LH Christopher Drexler<br />

Sehr geehrter Herr Fink, Sie führen<br />

ein erfolgreiches Unternehmen<br />

mit mittlerweile mehr als<br />

550 Mitarbeiter*innen. Was hat<br />

Sie dazu bewogen, den Weg in die<br />

Selbstständigkeit zu wagen?<br />

Roland Fink<br />

Eine für mich sehr einfache Frage.<br />

Ich war mir sicher, keinen Job zu<br />

finden, der mich glücklich macht.<br />

Also hab ich ihn mir selbst geschaf<br />

fen.<br />

gungen noch deutlicher erhöhen<br />

müssen. Wann wird das Land<br />

Steiermark alle notwendigen<br />

Maßnahmen dafür ergrif fen<br />

haben, die Pariser Klimaziele erreichen<br />

zu können? Was sind die<br />

wichtigsten Schritte dazu?<br />

LH Christopher Drexler<br />

Wenn wir über den Klimaschutz<br />

sprechen, geht es um nicht weniger<br />

als unsere Zukunft. Wir müssen<br />

um ein Vielfaches entschlossener<br />

handeln. Das Land Steiermark hat<br />

mit der Einrichtung eines Klimakabinettes<br />

– als erste Bundesland<br />

überhaupt – und dem Beschluss,<br />

die Landesverwaltung bis 2030<br />

klimaneutral zu gestalten, wichtige<br />

Schritte gesetzt. In der Steiermark<br />

werden wir als Forschungsland<br />

auch sehr stark auf Innovationen<br />

und Entwicklungen hin zur CO2-<br />

Neutralität setzen. Wir wollen<br />

eine Musterregion in ganz Europa<br />

werden, die Klimaschutz mit wirtschaftlicher<br />

Dynamik verbindet.<br />

Wir müssen so lange notwendige<br />

Maßnahmen setzen, bis wir dort<br />

sind, wo wir hin müssen. Damit<br />

unsere Steiermark unbestritten das<br />

»Grüne Herz Österreichs« bleibt.<br />

LH Christopher Drexler<br />

Viele Unternehmen – aus nahezu<br />

allen Branchen – leiden unter<br />

dem Arbeitskräf temangel und<br />

finden keine Mitarbeiter*innen.<br />

Haben Sie dieses Problem<br />

auch? Wenn nicht, was<br />

machen Sie anders<br />

als andere Unternehmer*innen?<br />

unserer Mitarbeiter*innen. Neben<br />

umfangreichen sozialen Leistungen<br />

setzen wir auf ein Miteinander auf<br />

Augenhöhe, ein außergewöhnlich<br />

attraktives Arbeitsumfeld und<br />

f lexible Arbeitszeit-Varianten. Wir<br />

sind mehr denn je der Meinung,<br />

dass wir nicht nur Einkaufserlebnisse<br />

für unsere Kundinnen und<br />

Kunden, sondern auch Arbeitserlebnisse<br />

für unsere Mitarbeiter*innen<br />

brauchen. Nicht zuletzt deshalb<br />

wurden wir von »Great Place to Work«<br />

als bester Arbeitgeber Österreichs<br />

ausgezeichnet. Darauf sind wir sehr<br />

stolz.<br />

Roland Fink<br />

Wie sehr ist das Land Steiermark<br />

von Gaslieferungen aus Russland<br />

abhängig?<br />

LH Christopher Drexler<br />

Durch den russischen Angriffskrieg<br />

auf die Ukraine wurde uns<br />

in ganz Österreich und in vielen<br />

Teilen Europas noch stärker vor<br />

Augen geführt, wie sehr wir bisher<br />

vom russischen Gas abhängig sind.<br />

Wir müssen dringend bei der Erneuerbaren<br />

Energie, beim grünen<br />

Strom, weiter vorankommen. Von<br />

der Wasserkraft, über die Windkraft,<br />

bis zur Sonnenenergie: Die<br />

Abhängigkeit vom Gas muss jedenfalls<br />

Anlass sein,<br />

um diese<br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

Roland Fink<br />

Wir wirtschaf ten seit 2018<br />

klimaneutral, und sind davon<br />

überzeugt, dass selbst das zuwenig<br />

ist und wir unsere Anstren-<br />

Roland Fink<br />

Dieses Problem<br />

haben wir<br />

nicht. Denn<br />

wir investieren<br />

sehr viel in die<br />

Zufriedenheit<br />

© NICESHOPS<br />

23


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Anstrengungen zu intensivieren.<br />

Mit solider Expertise begründet,<br />

müssen wir uns allen Konf likten<br />

zum Trotz, konsequent der Umsetzung<br />

widmen und alternative<br />

Energiequellen erschließen.<br />

LH Christopher Drexler<br />

Der Onlinehandel und der stationäre<br />

Handel stehen of t in harter<br />

Konkurrenz zueinander. Wird der<br />

Onlinehandel in Zukunf t die normalen<br />

»Kauf häuser« verdrängen?<br />

Roland Fink<br />

Nein, stationären Handel wird es<br />

immer geben. Der Onlinehandel<br />

wird jedoch weiter Marktanteile<br />

gewinnen. Umso wichtiger ist<br />

es, innovative Konzepte auf die<br />

Verkaufsf läche zu bringen. Das<br />

scheinen immer mehr stationäre<br />

Händler zu verstehen. Sie bieten<br />

ihren Kundinnen und Kunden Einkaufserlebnisse<br />

– mit Erfolg.<br />

Zudem steht der gesamte Handel<br />

– auch der Onlinehandel – vor der<br />

Herausforderung, dass die Industrie<br />

immer stärker den direkten<br />

Weg zu den Konsument:innen<br />

sucht. Wenn wir nicht zum unverzichtbaren<br />

Partner für die Industrie<br />

werden, wird der Handel zumindest<br />

in der heutigen Form keine Zukunft<br />

haben. Ein nachhaltiger Zugang<br />

zu den Kundinnen und Kunden,<br />

komplexe Servicedienstleistungen<br />

und eine glaubhafte Wertehaltung<br />

werden in diesem Zusammenhang<br />

ein wichtige Rolle spielen.<br />

Roland Fink:<br />

Warum ich gerne<br />

in die Arbeit gehe.<br />

Ich bin Roland Fink, Geschäftsführer<br />

von niceshops, ich gehe gerne in die Firma<br />

arbeiten und ein Großteil unserer Mitarbeiter*innen<br />

tut das auch. Darum wurden wir<br />

in einer anonymen Umfrage des weltweit<br />

agierenden Instituts »Great Place to Work«,<br />

in der Kategorie »Unternehmen über 500 Mitarbeiter*innen«,<br />

als Österreichs bester Arbeitgeber<br />

ausgezeichnet.<br />

Also, es sind nicht nur außergewöhnliche<br />

Goodies, die den »Nice Spirit« ausmachen.<br />

Ein Pool und ein Beachvolleyballplatz vor<br />

unserem Firmeneingang in Saaz, kostenloses<br />

Frühstück und Mittagessen, Massagen<br />

im Büro, f lexible Arbeitszeiten, die auch<br />

Führungspositionen in Teilzeit ermöglichen,<br />

<strong>Sommer</strong>kindergarten und vieles mehr hören<br />

sich großartig an – das ist alles ein wesentlicher<br />

Teil und gehört dazu. Kern der Unternehmenskultur<br />

von niceshops ist jedoch ein<br />

wertschätzender Umgang miteinander.<br />

Wir sind seit jeher per »Du« …<br />

Nicepeople sind per »Du« und begegnen sich<br />

unabhängig von ihrer Rolle im Unternehmen<br />

auf Augenhöhe. Für manche womöglich eine<br />

unglaubliche Aussage, die sich am besten<br />

an Hand einer Anekdote veranschaulichen<br />

lässt: Eine Kollegin, die erst vor kurzem bei<br />

niceshops begonnen hatte, unterhielt sich<br />

im Rahmen unseres alljährlichen <strong>Sommer</strong>festes<br />

mit mir. Sie erzählte mir dies und das<br />

und wie cool es bei niceshops zu arbeiten<br />

sei. Schließlich fragte sie mich: »Und was<br />

machst du eigentlich hier?« Ich gab ihr zur<br />

Antwort, dass ich<br />

vor einigen Jahren das<br />

Unternehmen gegründet habe<br />

und einer der drei Geschäftsführer*innen<br />

bin. So bin ich, so sind wir und das ist untereinander<br />

spürbar.<br />

Das beste Potenzial am besten Platz<br />

In der Struktur setzen wir auf ein agiles Rollenmodell,<br />

das in sogenannten »Bubbles« die<br />

Arbeit und nicht die Mitarbeiter*innen organisiert.<br />

Es definiert, wer welche Rolle in den<br />

Arbeitsprozessen einnimmt. Damit werden<br />

Eigeninitiative, Selbstorganisation und Zusammenarbeit<br />

gefördert. Das Modell sorgt<br />

zudem für ein hohes Maß an Transparenz<br />

und erleichtert es den Mitarbeiter*innen,<br />

den Platz im Unternehmen zu finden, wo sie<br />

ihr Potenzial am besten zur Geltung bringen<br />

können. Neue Rollen und Teams entstehen<br />

dezentral, sodass wir äußerst rasch auf Veränderungen<br />

reagieren und unsere ambitionierte<br />

Wachstumsstrategie erfolgreich<br />

umsetzen können. Läuft es manchmal nicht<br />

so rund, gibt es Vertrauenspersonen, die in<br />

beruf lichen und privaten Angelegenheiten<br />

als Ansprechpartner*innen zur Verfügung<br />

stehen. Dazu bringen sich viele unserer Mitarbeiter*innen<br />

ein, um Verantwortung für<br />

die Umwelt zu tragen. Fahrgemeinschaften,<br />

autofreie Tage u.v.m. zeugen vom nachhaltigen<br />

Engagement der nicepeople. Und<br />

deshalb bin ich auch einer der nicepeople<br />

und arbeite unheimlich gerne hier.<br />

Roland Fink, Geschäftsführer, niceshops<br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

© NICESHOPS<br />

24


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Anita Frauwallner:<br />

»Ich habe meine<br />

Mission auf dieser<br />

Welt gefunden«<br />

© FOTO FISCHER GRAZ<br />

25


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

© FLORIAN LIERZER<br />

Anita Frauwallners Lebensthema sind die Billionen von Bewohner in unserem Darm, denn diese<br />

probiotischen Bakterien ermöglichen uns ein gesundes Leben und ein Altern in Kraft und Würde. Um<br />

mit dieser Botschaft möglichst viele Menschen zu erreichen, hat die gebürtige Fürstenfelderin vor<br />

30 Jahren das Institut AllergoSan gegründet, das in Kooperation mit zahlreichen europäischen Universitäten<br />

wissenschaftliche Forschungsarbeit im Bereich der probiotischen Medizin leistet. In einem<br />

Alter, in dem andere die Freuden des Ruhestands genießen, hat die international erfolgreiche Unternehmerin,<br />

Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin, Beraterin und<br />

Vortragende den Kopf voll mit neuen Ideen. Ein Gespräch über die Definition von Erfolg, psychische<br />

Nachhaltigkeit und darüber, warum ein Lächeln im Gesicht ihr wichtigstes Accessoire ist.<br />

Text & Interview: Claudia Piller-Kornherr<br />

Liebe Frau Mag. Frauwallner, ein Vogerl<br />

hat uns gezwitschert, dass Sie gerade<br />

erst einen runden Geburtstag gefeiert<br />

haben. Herzlichen Glückwunsch!<br />

Dankeschön! Ich gebe es ehrlich zu,<br />

für mich ist der 65er kein Problem.<br />

Ich spüre ihn Gott sei Dank nicht<br />

körperlich. Nach dem großartigen<br />

Omni-Biotic-Apfelland-Triathlon am<br />

Stubenbergsee und einer Außendiensttagung<br />

durfte ich als Krönung mit<br />

lieben Menschen meinen Geburtstag<br />

feiern. Obwohl es ein langer Tag war,<br />

haben wir bis in den frühen Morgen<br />

hinein getanzt. Meine viel jüngeren<br />

Mitarbeiter fragen mich immer ganz<br />

erstaunt: Wo haben Sie diese Energie<br />

her? Wie schaffen Sie das? (lacht)<br />

Sie sind mit Ihrem Unternehmen eine<br />

Pionierin im Bereich probiotischer<br />

Darmbakterien – was macht sie so<br />

wertvoll für unseren Körper?<br />

Ich arbeite jetzt schon sehr lange mit<br />

probiotischen Bakterien und mittlerweile<br />

weiß ich: alles in unserem Körper<br />

hängt damit zusammen. Mäuse, die<br />

man steril aufzieht, denen man also<br />

diese Bakterien entzieht, sterben<br />

innerhalb kürzester Zeit, weil sie kein<br />

Immunsystem auf bauen. Bakterien<br />

sind so wesentlich, weil sie aus der<br />

Nahrung alle Stoffe extrahieren, die<br />

der Mensch benötigt. Jene Stoffe, die<br />

für uns schlecht sind, ummanteln sie<br />

und wir scheiden sie wieder aus. Die<br />

Bakterien unterscheiden nämlich ganz<br />

genau, was braucht der Mensch und<br />

was nicht. Man sollte sich auch einmal<br />

fragen: wie oft in meinem Leben hab ich<br />

schon Antibiotika bekommen? Wenn<br />

das öfter als einmal im Jahr war, ist<br />

vermutlich schon einiges an Bakterien-<br />

Diversität verlorengegangen. Bei jeder<br />

Antibiotika-Gabe können Sie nämlich<br />

damit rechnen, dass 5 bis 10 % der<br />

Bakterien nicht wiederkommen. Gebe<br />

ich jedoch während der Antibiotika-<br />

Gabe ein hochwirksames Probiotikum,<br />

wirkt das wie Schutztruppen für unsere<br />

Darmbakterien. Ein weiterer Vorteil von<br />

probiotischen Bakterien: Sie können die<br />

Nebenwirkungen von Medikamenten<br />

reduzieren. Das ist etwas, woran auch<br />

Big Pharma sehr interessiert ist.<br />

26


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Mit Ihrem Unternehmen sind Sie heute<br />

einer der Big Player Ihrer Branche und<br />

das weit über den rot-weiß-roten<br />

Horizont hinaus. Was bedeutet Erfolg<br />

für Sie?<br />

Eine Vision zu haben, die einen antreibt.<br />

Meine ganz große Vision ist es,<br />

unsere Forschung im Bereich Krebs und<br />

Probiotika voranzubringen. Erfolg heißt<br />

auch, abends im Bett den Tag Revue<br />

passieren zu lassen und sich zu denken:<br />

Wow, so viele positive Momente! Erfolg<br />

sind für mich all die Anrufe von Menschen,<br />

die uns ihre Geschichte erzählen,<br />

und was sich in ihrem Leben verändert<br />

hat, seit sie Omni-Biotic nehmen. Ich<br />

weiß von anderen Unternehmen, dass<br />

niemand mehr in der Telefonzentrale<br />

arbeiten will, weil nur Beschwerden<br />

kommen. Bei uns ist das Gegenteil der<br />

Fall. Dass wir Menschen etwas geben<br />

können, das sie ohne uns nicht bekommen<br />

hätten, das ist für mich Erfolg. Und<br />

dann natürlich all die schönen Begegnungen<br />

mit meinen Mitarbeitern, bei<br />

denen ich spüre: es macht ihnen Freude,<br />

hier zu arbeiten. Und die es wahnsinnig<br />

schätzen, wenn man selbst gut drauf<br />

ist. In den Anfängen des Unternehmens<br />

gab es Zeiten, da habe ich am 25. des<br />

Monats nicht gewusst: hast du noch das<br />

Geld, um deine Angestellten zu bezahlen?<br />

Auch wenn ich mir natürlich Sorgen<br />

gemacht habe, dachte ich: Deine Mitarbeiter<br />

können nichts dafür. Also bin<br />

ich jeden Morgen mit einem fröhlichen<br />

Gesicht aus dem Auto ausgestiegen und<br />

mit einem Lächeln ins Büro gegangen.<br />

Diese positive Grundhaltung habe ich<br />

bis heute beibehalten.<br />

Als Unternehmerin und Visionärin sind<br />

Sie zweifellos ein weibliches Role Model.<br />

Welchen Ratschlag würden Sie jungen<br />

Frauen am Beginn Ihrer Karriere<br />

heute geben?<br />

denen der nächste Teamleader. Ich denke,<br />

ich gebe Frauen, die es selber probieren<br />

wollen, Mut. Ich mache das auch<br />

gerne bei der FH Joanneum, dass ich als<br />

Captain im Innovationsmanagement<br />

tätig bin. Meine Botschaft an diese<br />

jungen Leute: Glaubt an Euch, versucht<br />

es einfach! Aber ich sage auch ganz klar:<br />

Dieser Job kann auch manchmal hart<br />

werden. Wenn ich wirklich eine Führungsrolle<br />

haben will, dann geht es mit<br />

8 Stunden nicht. Ich hatte diesbezüglich<br />

ein gutes Timing, ich habe meinen Sohn<br />

bekommen, da war ich gerade einmal<br />

23, als ich dann das Unternehmen<br />

gegründet habe, war er schon aus dem<br />

Gröbsten raus.<br />

Nachhaltigkeit ist heute ein großes<br />

Thema, das vielfach sehr großzügig ausgelegt<br />

wird. Stichwort Green Washing.<br />

Daher die Gretchenfrage: Wie halten Sie<br />

es mit der Nachhaltigkeit?<br />

All unsere Produkte kommen aus der<br />

Natur. Wir verwenden keine chemisch<br />

hergestellten Bakterien. Sämtliche<br />

Rohstoffe stammen aus Europa, um<br />

Lieferketten möglichst kurz zu halten.<br />

Das Gebäude, in dem wir uns gerade<br />

befinden, ist vorausschauend geplant:<br />

Wir haben im Haus eine Wärmepumpe<br />

und am Dach eine Photovoltaikanlage.<br />

Was wir recyceln können, das wird<br />

recycelt. Und dann gibt es bei uns auch<br />

– und bitte lachen Sie mich jetzt nicht<br />

aus – so etwas wie eine psychische<br />

Nachhaltigkeit. Was ich damit meine:<br />

Jeder, der/die hier arbeitet, weiß, dass<br />

wir immer ein offenes Ohr für ihre<br />

Anliegen haben, zum Beispiel, wenn jemand<br />

eine Auszeit braucht, weil gerade<br />

etwas anderes in seinem Leben wichtig<br />

ist. Außerdem möchte ich Menschen<br />

die Chance geben, gesund ins Alter<br />

zu gehen. Dazu muss ich auch darauf<br />

achten, dass sie mit 30 gesund sind.<br />

Wenn ich nicht jetzt die Grundlage lege,<br />

werden meine körperlichen Ressourcen<br />

irgendwann komplett aufgebraucht<br />

sein. Ich hab meine Mutter letztes Jahr<br />

im Alter von 98 Jahren verloren, aber sie<br />

war nur die letzten 5 Tage krank, bevor<br />

sie gestorben ist. So etwas wünscht<br />

man sich.<br />

In der äußeren Wahrnehmung stellen<br />

Sie das Gesicht ihres Unternehmens dar.<br />

Ist AllergoSan ohne Anita Fraunwallner<br />

denkbar?<br />

Für mich selbst ist das Loslassen kein<br />

Problem, weil ich so viele Interessen<br />

habe. Ich habe im Unternehmen so<br />

vieles angeregt, dass meine Mitarbeiter<br />

für die nächsten Jahrzehnte genug zu<br />

tun haben. Und ich habe einen Sohn,<br />

der seit gut 10 Jahren im Unternehmen<br />

ist – es ist ein Riesenglück, dass wir uns<br />

so gut ergänzen. Und ich weiß, dass<br />

meine Mission auf dieser Erde von ihm<br />

fortgesetzt wird.<br />

<strong>40plus</strong> bedankt sich für das Gespräch!<br />

Als ich das Unternehmen gegründet<br />

habe, habe ich 15 Jahre lang ausschließlich<br />

Frauen eingestellt. Mein oberster<br />

Grundsatz war immer: Ich werde meine<br />

Mitarbeiterinnen anständig bezahlen<br />

und mit Respekt behandeln. Schließlich<br />

sind das die Menschen, mit denen<br />

ich den ganzen Tag verbringe. Und ich<br />

werde mich dafür einsetzen, dass sie<br />

aufsteigen. Und wenn du nur Frauen<br />

beschäftigst, wird natürlich eine von<br />

© FLORIAN LIERZER<br />

27


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

© MARTIN G. WANKO<br />

Mein<br />

Einkauf<br />

im Herz-Jesu<br />

Viertel<br />

28


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Auf dem Kirchplatz der imposanten neugotischen<br />

Herz-Jesu-Kirche in St. Leonhard, zwischen Sparbersbach-<br />

und Nibelungengasse, findet wöchentlich<br />

der Bio-Bauernmarkt Herz-Jesu statt, immer<br />

dienstags, von 14:00 bis 18:00 Uhr. Dort kauf t unser<br />

<strong>40plus</strong>-Grafiker Ewald, mit seiner Freundin, möglichst<br />

viel für unter der Woche ein, und macht sich<br />

nun auf unserer Serie über unsere Einkaufsgewohnheiten<br />

einige Gedanken.<br />

Text: Ewald Domitner<br />

Der Bio-Bauernmarkt Herz-Jesu<br />

liegt im Zentrum des Herz-Jesu-<br />

Viertels. Die pittoresken Fassaden<br />

des Kaiser-Josef-Markts oder die<br />

Hipness des Lendplatzes fehlen<br />

zwar, dafür ist er chilliger. Die<br />

Vielfalt ist hier, trotz der geringen<br />

Anzahl von Ständen, groß:<br />

Blumen, Gemüse, Honig, selbstgebackene<br />

Mehlspeisen, Eier oder<br />

auch Ziegen/Schafskäse werden<br />

angeboten. Gerade der Salat<br />

vom Markt zahlt sich aus, da er<br />

im Kühlschrank fast die ganze<br />

Woche hindurch frisch bleibt. Wir<br />

schauen nach Möglichkeit auf Bioqualität,<br />

auf glückliche Eier vom<br />

Wanderhuhn, auch das Fleisch<br />

kommt aus der Freilandhaltung.<br />

Der Grazer Grätzl-Markt<br />

schlechthin<br />

Das besondere an diesem Bauernmarkt<br />

ist wohl, dass es ausschließlich<br />

Bio-Landwirtschaften sind,<br />

die hier ihre Waren feilbieten.<br />

Bewaffnet mit Jutebeuteln und<br />

Flechtkörben kommen Kunden aus<br />

allen Altersschichten. So treffen<br />

sich hier Angestellte, Student*innen<br />

und Pensionist*innen beim<br />

Radieschen-shoppen. Das gemeinsame<br />

Einkaufen hat etwas,<br />

dabei spürt man sehr stark den<br />

saisonalen Gedanken, welcher im<br />

Supermarkt erst langsam durchsickert:<br />

Gurken aus Spanien oder<br />

Erdbeeren aus Südafrika sind hier<br />

am Markt vermutlich die Todfeinde.<br />

Der Markt ist eine Art Statement<br />

gegen ein Leben, wo man<br />

mit dem Auto zum Arbeitsplatz<br />

muss und nach 17 Uhr schnell in<br />

den Supermarkt springt, um noch<br />

abgepacktes Convenience-Food zu<br />

ergattern.<br />

Der Honigmann bleibt<br />

Auch unzählige Jungfamilien aus<br />

dem Grätzl frequentieren den<br />

Markt. Aber alles sehr diszipliniert.<br />

Auch bei Maskenpf licht<br />

stehen die Besucher brav in einer<br />

Schlange an, um ihre begehrten<br />

Erdäpfel oder Krauthäuptel zu<br />

ergattern. Ein liebenswürdiges Kuriosum<br />

des Marktes ist »die Kleine<br />

Farm«, ein Zusammenschluss von<br />

Gemüsebauern, die in der Südsteiermark<br />

gemeinsame Sache<br />

machen – »gemeinschaf tsgetragene<br />

Landwirtschaf t«, wie sie es auf ihrer<br />

Website nennen. Kurios deshalb,<br />

da man Mitglied sein muss, um<br />

am Stand einkaufen zu dürfen,<br />

erst kurz vor »Ladenschluss« (17:00)<br />

können sich die Nicht-Mitglieder<br />

um die übriggebliebenen Zucchinis<br />

& Lauchstangen prügeln.<br />

Bis in den Herbst hinein ist der<br />

Markt besonders beliebt, im Winter<br />

ist der Andrang eher geringer,<br />

da dann fast nur noch diverses<br />

Knollengemüse und haltbar gemachtes<br />

aus Eigenproduktion<br />

feilgeboten wird. Aber der Honigmann,<br />

der ist immer da. Im Winter<br />

erweitert er sogar sein Repertoire<br />

und verkauft neben dem üblichen<br />

Honig sogar Kerzen und Weihnachtsschmuck<br />

aus Bienenwachs.<br />

© PEXELS<br />

29


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

© PEXELS<br />

Julia's diary der Nachhaltigkeit:<br />

LIVING IN<br />

AMERICA.<br />

© JULIA STREMPFL<br />

© JULIA STREMPFL<br />

© JULIA STREMPFL<br />

"Grab&Go"-Frühstück<br />

30<br />

"Obstkorb"<br />

© JULIA STREMPFL<br />

Unsere Autorin Julia Strempfl konnte in der<br />

Pandemie schwer ihrer Reiselust nachgehen.<br />

Jetzt war sie drei Monate in den USA. »Schau<br />

einmal, wie’s dort drüben mit der Nachhaltigkeit<br />

so ausschaut!«, stand auf ihrer To-Do-Liste.<br />

In New Mexico treffe ich einen<br />

Freund aus der Studienzeit. Als ich<br />

nach dem Iced Latte im Plastikbecher<br />

greife, erzähle ich ihm von<br />

meinem Artikel über Nachhaltigkeit<br />

in den USA, den ich jetzt bald einmal<br />

angehen sollte. »Wohl eher über dessen<br />

Nichtexistenz. Wir Amerikaner kennen<br />

die Bedeutung von Nachhaltigkeit<br />

kaum,« ergänzt er. Und Recht hat er!<br />

Der United States Sustainable Development<br />

Report 2021 fasst zusammen,<br />

dass die 50 US-Staaten bei weitem<br />

nicht genug in Sachen Umweltbewusstsein<br />

unternehmen, um die<br />

17 Ziele der Nachhaltigkeit bis zum<br />

Jahr 2030 zu erreichen. Im Gegensatz<br />

zu vielen anderen Ländern, die<br />

schon f leißig Erfolge verzeichnen,<br />

sind die Erfolge in den Staaten eher<br />

bescheiden: Im Durchschnitt verbessern<br />

sich amerikanische Staaten<br />

um einen halben Punkt. Um die Ziele<br />

rechtzeitig zu erreichen, müssten<br />

sie sich um 5,5 Punkte<br />

verbessern. Nur 3 Staaten, Delaware,<br />

Maine und Massachusetts, liegen<br />

zumindest in einem der 17 Punkte<br />

im Plan – fragt man US-Bürger nach<br />

den Gründen dafür, wird’s Corona<br />

geschuldet.<br />

Die Müll-Pandemie<br />

In den Hotels gibt’s Covid-bedingt<br />

keine Frühstücksbuffets, stattdessen<br />

hat sich der Trend zum »Grab &<br />

Go«-Frühstück etabliert. Man klopft<br />

an eine Zimmertür und bekommt<br />

vom Hotelpersonal das Essen im<br />

Pappkarton mit Plastikbesteck und<br />

Kaffeebecher gereicht. An der Rezeption<br />

darf man sich auf dem Weg<br />

nach draußen noch einen Apfel aus<br />

dem Obstkorb schnappen. Der ist<br />

sorgfältig in Frischhaltefolie gewickelt,<br />

um ihn vor Viren zu schützen.<br />

Hat man aufgegessen, bleibt pro<br />

Kopf ein kleiner Müllberg zurück.<br />

Dafür sind die schwarzen Restmülltonnen<br />

vorgesehen. In privaten


Haushalten findet man daneben immerhin<br />

noch eine blaue Recyclingtonne:<br />

Wobei »Recycling« nur im weitesten<br />

Sinne verstanden wird. »Plastik kann<br />

darin mit Papier gemischt werden. Solange<br />

keine Essensreste daran kleben, passt das<br />

schon so,« wird mir von meiner Vermieterin<br />

des Airbnb’s erklärt.<br />

Plastik soweit das Auge reicht<br />

Nach zwei Wochen in Hotels, finde ich<br />

mich also im ersten Apartment ein,<br />

in dem ich etwas länger verweile. Am<br />

meisten freue ich mich über die eigene<br />

Küche, denn meine tägliche Portion<br />

Gemüse und Salat zum Mittagessen,<br />

habe ich schon sehr vermisst. Sucht<br />

man beim dicht-geplanten Sightseeing-Programm<br />

nach einer schnellen,<br />

günstigen Mahlzeit, fiel die Wahl bis<br />

dato doch meist auf den Burgerladen<br />

ums Eck. Also geht’s nun ab in den<br />

Supermarkt, um den Kühlschrank mit<br />

halbwegs gesunden Lebensmitteln zu<br />

füllen. Die Auswahl an frischem Gemüse<br />

ist endlos. Jedoch ist Vieles schon<br />

vorgeschnitten und in Plastiktassen<br />

verpackt. Eines steht fest, die Amerikaner<br />

machen es sich gerne einfach. An<br />

der Kassa wird mir von der Verkäuferin<br />

der Einkauf eingepackt. »Wir hatten<br />

gerade angefangen auf Papiertüten umzustellen,<br />

doch mit der Pandemie kamen die<br />

Plastiktüten zurück. Ist wohl hygienischer.<br />

Eigene Stof f taschen mitzunehmen wurden<br />

verboten, denn darauf sammeln sich zu viele<br />

Keime,« meint sie.<br />

Ohne Auto geht’s nicht<br />

Die vier kleinen Plastiksackerl schleppe<br />

ich zu Fuß ins Apartment zurück und<br />

frage mich, ob ich während meines Aufenthalts<br />

ein Auto mieten sollte. Wie in<br />

jeder anderen amerikanischen Stadt, in<br />

der ich bisher war, wird mir davon abgeraten<br />

die öffentlichen Verkehrsmittel<br />

zu nutzen. Das liegt vor allem daran,<br />

dass die Obdachlosen darin hausen<br />

und sie daher als gefährlich gelten. Hin<br />

und wieder wird mir mit ironischem<br />

Grundton gesagt: »Als Europäerin kannst<br />

du die Strecke womöglich auch laufen.«<br />

Amerikaner denken daran nicht und<br />

so fahren alle, die selbst kein Auto besitzen<br />

– was eh kaum der Fall ist – mit<br />

dem privaten Fahrtendienst Uber. In<br />

Städten mit hoher Verkehrsdichte, wie<br />

Los Angeles oder Miami, verbringt<br />

man im Schnitt gut eine Stunde mit<br />

dem Uber-Fahrer, um von A nach B zu<br />

kommen. An den CO2-Ausstoß denkt<br />

man dabei lieber nicht.<br />

Kleine Lichtblicke<br />

Im Vergleich dazu schlagen wir Österreicher<br />

uns schon sehr gut, was den<br />

nachhaltigen Lebensstil betrifft. Das<br />

ein oder andere können wir uns doch<br />

sogar von den Amerikanern abschauen.<br />

Geraucht wird hier sehr wenig, da<br />

es strenger gehandhabt wird. In den<br />

meisten Städten ist das Rauchen nur<br />

an explizit dafür vorgesehenen Orten<br />

erlaubt. Gastgärten zählen nicht dazu.<br />

Ein weiterer Lichtblick ist der langjährige<br />

Trend zu Thrift Stores. Diese sind<br />

unseren Secondhand-Läden ähnlich,<br />

erfreuen sich aber weitaus größerer<br />

Beliebtheit, denn wer im Thrift Shop<br />

einkauft, gilt als kreativ und modebewusst.<br />

Hier findet sich Kleidung aus<br />

den unterschiedlichsten Jahrzehnten.<br />

Damit lässt sich ein ganz neuer Stil kreieren,<br />

durch den man seine einzigartige<br />

Persönlichkeit widerspiegelt – und das<br />

wird groß gefeiert.<br />

© JULIA STREMPFL<br />

© JULIA STREMPFL<br />

© JULIA STREMPFL<br />

Gemüse-Portionen<br />

Thrift Store<br />

© JULIA STREMPFL<br />

Text: Julia Strempfl<br />

© JULIA STREMPFL<br />

© JULIA STREMPFL<br />

31


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

Wohnen im<br />

Grätzl der<br />

Träume!<br />

© VIZIBLE<br />

© PEXELS<br />

Text: Martin G. Wanko<br />

IMMOLA Liegenschaftsverwertung<br />

und Projektentwicklungs GmbH<br />

Gleispachgasse 1 | 8045 Graz<br />

+43 (0) 316 26 92 60<br />

office@immola.at<br />

www.immola.at<br />

home-lend.at<br />

Es war wirklich ein ergreifender<br />

Moment:<br />

Letzte Woche hat<br />

die IMMOLA die<br />

ersten Wohnungen des<br />

Wohnprojekts HOME<br />

LEND an die stolzen Mieter<br />

übergeben. Das coole<br />

daran: Es sind noch einige<br />

Wohneinheiten frei!<br />

Es ist genau so, wie man sich das<br />

in den Träumen vorstellt: Man<br />

erwacht in einer neuen Wohnung<br />

im HOME LEND, sieht die Sonne<br />

aufgehen, wirft einen Blick auf<br />

den Schlossberg und in den begrünten<br />

Innenhof, holt sich am<br />

Lendplatz frische Semmeln beim<br />

Bäcker und bei Macello einen<br />

wunderbaren Cappuccino. Frisch<br />

gestärkt geht es, vorbei an den<br />

kleinen Shops und Startups, eine<br />

Runde an die Murpromenade<br />

joggen. Danach schnell auf die<br />

Uni, TU oder die FH, sind alle in<br />

Griffweite, mit den Öffis gut zu<br />

erreichen, aber vor allem mit dem<br />

Rad, keine 10 Minuten und schon<br />

ist man dort. Der Bauernmarkt<br />

schließt zu Mittag, es riecht nach<br />

herzhaften Mittagstischen, nach<br />

frischem Koriander, Rosmarin<br />

und Oregano. Wer nun eine Pizza<br />

im kultigen Contra Punto beim<br />

Kunsthaus essen will, nur zu!<br />

Zwischen Kunsthaus, Brot &<br />

Spiele und Macello wird es nun<br />

ganz chillig, wenn das Publikum<br />

sich auf einen After-Work-Drink<br />

trifft und schon langsam den<br />

Abend einläutet. Hinter dem<br />

Lendplatz geht die Sonne unter<br />

und entweder trinkt man noch<br />

einen Muskateller bei einem der<br />

unzähligen Standln oder man lässt<br />

sich kommod am Lendplatz an<br />

den Tischen und Bänken nieder,<br />

wo bis zu Mittag noch der Bauernmarkt<br />

war und genießt das urbane<br />

Leben am Platz. Das Feine daran,<br />

wenn andere nun langsam an den<br />

Nachhauseweg denken müssen,<br />

kann man entspannt bleiben:<br />

Man wohnt im HOME LEND am<br />

Lendplatz und kann es sich noch<br />

gut gehen lassen.<br />

HOME LEND liegt an den Ausläufern<br />

des Lendplatzes in Ruhelage<br />

und doch so nah an der flirrenden<br />

Stadt. In Summe sind es 256 neue<br />

Neubau-Wohneinheiten und einige<br />

Geschäftslokale, ein begrünter<br />

2.500 m2 großer Innenhof mit<br />

kleinen Gärten und hofseitig errichteten<br />

Balkonen und Terrassen.<br />

Selbstverständlich sind Tiefgaragenplätze<br />

vorhanden. E-Ladestationen<br />

und nicht zu vergessen,<br />

die 425 überdachten Fahrrad-Abstellplätze.<br />

32


Optimal geschützt:<br />

Auffrischungs-<br />

Impfung!<br />

BEZAHLTE ANZEIGE DES LANDES STEIERMARK; BILD: GETTYIMAGES.AT / RIDOFRANZ<br />

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Sie telefonisch über die Hotline der AGES<br />

unter 0800 555 621.


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Nachhaltiges<br />

Bauen als<br />

universitärer<br />

Auftrag<br />

© LUNGHAMMER – TU GRAZ<br />

Text: Martin G. Wanko<br />

34


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Etwa 40 % des Energieverbrauchs und rund 36 % der<br />

CO2-Emissionen entfallen auf den Bausektor. Das ist<br />

ein Vielfaches von dem, was beispielsweise der Verkehr<br />

verursacht. Klimaziele, 2030 und 2050, kommen auf uns<br />

zu und wir alle müssen umdenken. Passend dazu hat<br />

Prof. Alexander Passer auf der TU Graz eine Professur für<br />

Nachhaltiges Bauen bekommen.<br />

Angewandte<br />

Nachhaltigkeit<br />

© FLORIAN LIERZER<br />

»Wollen wir das Klimaziel 2050 also erreichen,<br />

müssen wir den Hebel auch beim Bauen ansetzen<br />

und vor allem in die Sanierung, d. h. in die<br />

Steigerung der Energieef fizienz von Gebäuden und<br />

deren Dekarbonisierung investieren«, analysiert<br />

Alexander Passer treffend. Dabei spielt auch<br />

der erhöhte Einsatz von innovativen und<br />

klimaschonenden Baustoffen und Bauweisen<br />

eine Rolle, »aber in der Umsetzung beides<br />

in einem höheren Tempo, als das bislang der Fall<br />

war«, so Alexander Passer.<br />

Um der Nachhaltigkeit eine Chance zu geben,<br />

muss man mit ihr seriös umgehen, das geht<br />

am ehesten an unseren Hochschulen: »Es<br />

geht darum, die Nachhaltigkeit von Gebäuden<br />

wissenschaf tlich in der Lehre zu etablieren, wo wir<br />

den Studierenden – den Architekten, Planern und<br />

Bauingenieuren der Zukunf t – das nötige Rüstzeug<br />

für Nachhaltiges Bauen mitgeben wollen.«<br />

Laut Alexander Passer braucht es eine ganzheitliche<br />

Betrachtung der Gebäude, der<br />

Ökologie, der Ökonomie und sozio-kulturelle<br />

Aspekte, von der energieeffizienten Hülle, bis<br />

zur Gebäudetechnik und das für die gesamte<br />

Lebensdauer. Aber es können für einen bestimmten<br />

Zeitraum auch höhere Ressourcen<br />

verbraucht werden, die sich dafür im Nachhinein<br />

rechnen: »Gerade bei der Gebäudetechnik<br />

kann es so sein, dass anfangs mehr Ressourcen<br />

benötigt werden und die Herstellung einen höheren<br />

CO2-Fußabdruck verursacht. Allerdings können<br />

solche Maßnahmen im Lebenszyklus ökologisch<br />

sinnvoll sein und sich das Treibhausgas-Budget<br />

nach einigen Jahren amortisieren. Auch allfällige<br />

höhere Planungs- und Errichtungskosten rechnen<br />

sich, über den Lebenszyklus betrachtet, in den<br />

meisten Fällen innerhalb kurzer Zeit.«<br />

Nachhaltiges Bauen lässt sich jedoch nicht<br />

allein am fertigen Baustoff festmachen. Es<br />

muss auch die »graue Energie« miteinberechnet<br />

werden, also jene Energie, die während<br />

der Herstellung und Entsorgung der Baumaterialien<br />

benötigt wird: »Eine sorgfältige<br />

Planung berücksichtigt außerdem auch den bereits<br />

stattfindenden und künf tigen Klimawandel und<br />

den damit verbundenen Temperaturanstieg sowie<br />

Wetterextreme.«<br />

Ein wesentlicher Punkt ist hier vorausschauendes<br />

Planen: Der nachträgliche Einbau von<br />

Kühlsystemen beispielsweise oder andere<br />

Anpassungsmaßnahmen an die klimatischen<br />

Veränderungen können sehr teuer werden.<br />

Natürlich bleibt die Klimaneutralität<br />

bezüglich innovativer Baustoffe ein ganz<br />

elementares Thema, um mit den CO2-Werten<br />

runterzukommen, auch hier gilt wie in jedem<br />

Baumarkt: Regional ist besser als global und<br />

nachhaltige Materialien sind vorrangig zu<br />

verwenden: »Beispielsweise Holz- und Lehmbaustof<br />

fe sowie Schafwolle, Hanf fasern und andere<br />

nachwachsende Rohstof fe, die zur Wärmedämmung<br />

eingesetzt werden, haben natürlich einen<br />

›Startvorteil‹. Im Lebenszyklus können aber auch<br />

Massivbaustof fe ihre Vorteile aufgrund der Dauerhaf<br />

tigkeit, der hohen Speichermasse und der Kreislauf<br />

fähigkeit ausspielen.«<br />

Ein ganz elementares Thema ist natürlich der<br />

Demontageprozess in die Jahre gekommener<br />

Objekte, wie zum Beispiel Hochhäuser aus<br />

den Wirtschaftswunderjahren: »Ja. In kaum einem<br />

Sektor ist der Energie- und Rohstof fverbrauch<br />

so hoch wie in der Bauindustrie. Insofern ist es<br />

nur gut und logisch, auch hier eine Kreislaufwirtschaf<br />

t zu implementieren und verbaute Ressourcen<br />

laufend neu einzusetzen. Viele Faktoren sind zu<br />

berücksichtigen, wie etwa die Demontageprozesse<br />

und deren sortenreine Auf bereitung.« Natürlich<br />

sollte man hier nicht vergessen, dass eine<br />

funktionierende Wertschöpfungskette nur<br />

dann gegeben ist, wenn alle Player ihren Teil<br />

dazu beitragen: »An der TU Graz läuf t gerade<br />

das Projekt, City Remixed, zur Etablierung der<br />

Kreislaufwirtschaf t im Grazer Bauwesen. Ich bin<br />

schon gespannt auf die Erkenntnisse.«<br />

DI Markus Lampesberger<br />

Geschäftsführender Gesellschafter IMMOLA<br />

Herr DI Markus Lampesberger, im Bereich<br />

»Nachhaltiges Bauen« fallen immer wieder<br />

die Schlagworte »Vorausschauendes Planen«<br />

sowie »Auswahl der Materialien« bezüglich<br />

der klimatischen Veränderungen – wie<br />

schaut es damit in der gelebten Realität als<br />

Projektplaner und Bauherr aus?<br />

»Vorausschauendes Planen« bedeutet für<br />

uns in der IMMOLA, dass wir schon heute<br />

berücksichtigen, was morgen Realität<br />

sein wird. Ganz klar reagieren wir hier auf<br />

klimatische Veränderungen, indem wir die<br />

Flachdächer begrünen, einen vertikalen<br />

Garten aufziehen oder die Innenhöfe so<br />

grün wie möglich gestalten.<br />

Ein wesentlicher Faktor, um die Erderwärmung<br />

zu reduzieren, ist die fortschreitende<br />

Versiegelung von Grünflächen einzudämmen,<br />

trotzdem werden wir weiterhin<br />

moderne Wohnobjekte benötigen. Eine<br />

Möglichkeit ist es, ausgediente Gebäude<br />

durch hochwertige Wohnobjekte zu ersetzen.<br />

Die Fachwelt spricht hier vom »Territorial<br />

Turn«, die IMMOLA beschreitet diesen<br />

Weg schon seit geraumer Zeit. Wir realisieren<br />

gerade ein Wohnprojekt, das dieses<br />

Versprechen einlöst: Bei »Keplers Spaces« an<br />

der Keplerstraße, Ecke Babenbergerstraße,<br />

entsteht auf einem ehemaligen Parkplatz<br />

und einer Lagerhalle ein Wohnobjekt, in<br />

dem sowohl der Innenhof als auch die<br />

Dachlandschaft begrünt werden.<br />

Bei der »Auswahl der Materialien« stehen –<br />

sofern verfügbar – regionale im Vordergrund,<br />

keine Frage. Bei aller Sorgfalt<br />

sollte man jedoch nicht vergessen, dass<br />

IMMOLA für leistbare Wohnungen steht,<br />

die sich wunderbar in den urbanen Raum<br />

integrieren, aber auch für neue architektonische<br />

Akzente sorgen.<br />

Entgeltliche Einschaltung<br />

35


Entgeltliche Einschaltung<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Frauen<br />

& Fruchtbarkeit<br />

im Fokus<br />

36<br />

© FLORIAN LIERZER


Entgeltliche Einschaltung<br />

40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Es gibt eine Vielzahl an Gründen warum eine Schwangerschaf t nicht<br />

eintritt. Reproduktionsspezialist Priv. Doz. Dr. Michael Schenk, vom<br />

Kinderwunsch Institut in Dobl, kennt zum Glück auch eine Vielzahl<br />

an Methoden, damit es mit dem Schwangerwerden doch noch klappt.<br />

Text: Julia Strempfl<br />

Das Kinderwunsch Institut Schenk GmbH | Am Sendergrund 11, 8143 Dobl | +43 (0) 3136 55 111 | of fice@kinderwunsch-institut.at | www.kinderwunsch-institut.at<br />

Die Fruchtbarkeit der Frau kann<br />

durch einen ungesunden Lebensstil,<br />

wie Übergewicht, rauchen oder<br />

einem übermäßigen Alkoholkonsum,<br />

ebenso negativ beeinflusst<br />

werden, wie durch zu viel Druck<br />

und Stress, die zur seelischen Belastung<br />

werden. »Und dann gibt es<br />

natürlich körperliche Gründe«, weiß<br />

Dr. Schenk. Eine häufige Ursache,<br />

der sich seiner Erfahrung nach nur<br />

wenige Frauen bewusst sind, sind<br />

vorher ergangene Krankheiten und<br />

Infektionen. »Diese können nämlich<br />

auch ohne Symptome auftreten und<br />

unerkannt bleiben. Häufig sind es<br />

chronische, versteckte Entzündungen<br />

der Eileiter oder der Gebärmutterschleimhaut,<br />

die das Einnisten des<br />

Embryos verhindern können«, fährt<br />

der Kinderwunsch-Experte fort.<br />

Gesünder wird man leichter<br />

schwanger<br />

Probleme im Unterleib sind generell<br />

nicht zu unterschätzen, denn die<br />

vaginale Gesundheit hat nicht nur<br />

Einfluss auf das Wohlbefinden der<br />

Frau, sondern hängt eng mit der<br />

Fruchtbarkeit zusammen. »Eine<br />

Dysbalance im Scheidenmilieu kann<br />

das Eintreten und den Fortbestand<br />

einer Schwangerschaft durchaus beeinf<br />

lussen. Wir konnten sogar beobachten,<br />

dass die Vaginalf lora einen Einf luss<br />

auf die IVF-Erfolgsrate hat«, erzählt<br />

Dr. Schenk. Daher rät der Reproduktionsspezialist<br />

zu regelmäßigen<br />

Untersuchungen, um keine wertvolle<br />

Zeit zu verlieren. Ein gängiges<br />

Beispiel dafür ist die Endometriose<br />

– eine gynäkologische Erkrankung,<br />

die vor allem Frauen im<br />

gebärfähigen Alter betrifft. Dabei<br />

wuchert Gebärmutterschleimhaut,<br />

das sogenannte Endometrium, an<br />

unterschiedlichen Stellen außerhalb<br />

der Gebärmutter und kann zu<br />

Unfruchtbarkeit führen. »Diese wird<br />

in den meisten Fällen erst nach Jahren<br />

diagnostiziert, weil Schmerzen in der<br />

Menstruation wenig ernst genommen<br />

werden. In unserer Gesellschaft ist es<br />

leider eine weit verbreitete Ansicht, dass<br />

starke Regelschmerzen völlig normal<br />

seien«, so Dr. Schenk.<br />

Der richtige Zeitpunkt im<br />

Zyklus<br />

Im Kinderwunsch Institut wird<br />

man genauestens auf unterschiedliche<br />

Funktionen im Körper untersucht,<br />

um den Grund für den unerfüllten<br />

Kinderwunsch zu finden.<br />

Zudem wird ein Zyklusmonitoring<br />

zum Nachweis des Eibläschenwachstums,<br />

beziehungsweise des<br />

Eisprungs, durchgeführt. »Dafür<br />

ist es wichtig zwischen dem Zyklus und<br />

dem, was am Eierstock passiert, zu<br />

unterscheiden, denn eine regelmäßige<br />

Regelblutung heißt nicht automatisch<br />

Eisprung – also Fruchtbarkeit – und<br />

umgekehrt«, erklärt Dr. Schenk.<br />

Zeigt die Diagnose keine körperlichen<br />

Gründe, kann es auch einfach<br />

am falschen Zeitpunkt liegen, dass<br />

eine Schwangerschaft noch nicht<br />

eingetreten ist.<br />

Endlich schwanger dank<br />

FemSense<br />

Die fruchtbare Zeit im weiblichen<br />

Zyklus – der typischerweise 28 Tage<br />

dauert – beschränkt sich auf wenige<br />

Tage rund um den Eisprung.<br />

Dieses Zeitfenster gilt es ebenfalls<br />

anhand des Zyklusmonitorings<br />

herauszufinden. Hormonabhängig<br />

steigt die Temperatur dann im<br />

Laufe des Zyklus an und gibt das<br />

Kommando zum Eisprung. Daher<br />

sind Temperaturmessmethoden ein<br />

beliebtes Mittel, um den richtigen<br />

Zeitpunkt zum Schwangerwerden<br />

© FEMSENSE<br />

zu bestimmen. »Die klassische Basaltemperaturmethode<br />

misst grundsätzlich<br />

nur einmal pro Tag. Im Gegensatz<br />

dazu misst unser Steadysense Patch von<br />

FemSense kontinuierlich und erreicht<br />

bis zu 1000 Messungen in 7 Tagen. Das<br />

Pf laster ist mit einer App verbunden,<br />

die dank eines ausgeklügelten Algorithmus<br />

frühere Zyklen und auch Abweichungen<br />

im Alltag, wie zum Beispiel<br />

wenig Schlaf, erkennt«, erzählt der<br />

Kinderwunsch-Experte und Mitentwickler<br />

von FemSense stolz. So<br />

hat FemSense bis dato schon 14.000<br />

Frauen zum Wunschkind verholfen<br />

– zuverlässig, hormonfrei, einfach<br />

und natürlich.<br />

In einem persönlichen Kennenlerngespräch<br />

berät Dr. Schenk<br />

Patient*innen genau zu den unterschiedlichen<br />

Therapiemethoden im<br />

Kinderwunsch Institut.<br />

37


40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Das am 23. Juni <strong>2022</strong> im Parlament<br />

beschlossene Teuerungs-<br />

Entlastungspaket enthält neben<br />

anderen Entlastungsmaßnahmen<br />

auch die Möglichkeit an<br />

Arbeitnehmer eine steuerfreie<br />

»Teuerungsprämie« im Ausmaß<br />

von insgesamt bis zu 3.000 Euro<br />

pro Jahr und Mitarbeiter auszuzahlen.<br />

Diese Möglichkeit besteht<br />

vorerst nur für <strong>2022</strong> und 2023.<br />

© FLORIAN LIERZER<br />

Steuerfreie<br />

Teuerungsprämie<br />

für<br />

Mitarbeiter*innen<br />

Text: Petra Schachner-Kröll<br />

Die Teuerungsprämie ist in diesem<br />

Ausmaß auch von Sozialversicherungsbeiträgen<br />

und sonstigen<br />

Lohnnebenkosten befreit.<br />

Die Zahlungen dürfen üblicherweise<br />

bisher nicht gewährt<br />

worden sein (dies wird der<br />

Normalfall sein). Ansonsten sieht<br />

der Gesetzestext bis zum Betrag<br />

von 2.000 Euro keine weiteren<br />

Voraussetzungen für die Steuerbefreiung<br />

vor. Die vollen 3.000<br />

Euro können nur dann ausgeschöpft<br />

werden, wenn die 2.000<br />

Euro übersteigende Zahlung aufgrund<br />

einer »lohngestaltendenden<br />

Vorschrift gemäß § 68 Abs. 5 Z 1 bis<br />

7 EStG« geleistet wird. Darunter<br />

fällt nicht nur ein Kollektivvertrag,<br />

sondern auch jener Fall, bei<br />

dem die Teuerungsprämie innerbetrieblich<br />

allen Arbeitnehmern<br />

oder bestimmten Gruppen von<br />

Arbeitnehmern gewährt wird.<br />

Bei richtiger Gestaltung können<br />

also die 3.000 Euro ausgeschöpft<br />

werden.<br />

Zu beachten ist, dass die Teuerungsprämie<br />

nicht zusätzlich<br />

zur steuerfreien Mitarbeitergewinnbeteiligung<br />

gewährt werden<br />

darf.<br />

Teuerungsprämie und Mitarbeitergewinnbeteiligung<br />

(§ 3 Abs. 1<br />

Z 35 EStG) sind zusammen maximal<br />

in der Höhe von 3.000 Euro<br />

pro Kalenderjahr steuerfrei.<br />

Je nach dem, welche der beiden<br />

Zahlungen früher im Kalenderjahr<br />

erfolgt, wird die Steuerbefreiung<br />

ausgeschöpft.<br />

Für <strong>2022</strong> gilt, dass eine bereits<br />

gewährte Mitarbeitergewinnbeteiligung<br />

nachträglich als<br />

Teuerungsprämie umqualifiziert<br />

und entsprechend in der Lohnverrechnung<br />

noch nachträglich<br />

geändert werden kann. Die Mitarbeiterbeteiligung<br />

ist nämlich<br />

nicht lohnnebenkostenfrei.<br />

www.schachner-partner.at<br />

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40PLUS | SOMMER <strong>2022</strong><br />

Die Rückkehr der<br />

großen Thriller-Autoren<br />

Literatur am Siedepunkt: Die Haudegen Don Winslow und James Ellroy<br />

geben sich die Ehre. Feiner Lesestoff für schlaflose, überhitzte <strong>Sommer</strong>nächte,<br />

meint Martin G. Wanko.<br />

James Ellroy wurde durch die<br />

»Underworld USA«-Trilogie zu einem<br />

gerne gesehenen Gast im Feuilleton<br />

und den Bestsellerlisten. Das sind<br />

epische Thriller, in denen er unter<br />

anderem die Morde an Martin Luther<br />

King und John F. Kennedy neu<br />

aufbereitete: »Blut will fließen«, »Ein<br />

amerikanischer Alptraum« oder »Ein<br />

amerikanischer Thriller« sind Ikonen<br />

der US-Literatur und man kann sie<br />

auch als Renaissance des Film Noir<br />

zwischen zwei Buchdeckeln sehen.<br />

Das war vor gut 10 Jahren, danach<br />

setzte eine Art Ladehemmung ein.<br />

Mit »Allgemeine Panik« will Ellroy es<br />

nochmals wissen.<br />

Hollywood von unten<br />

Als Hauptcharakter wird Freddy<br />

Otash reanimiert. Tatsächlich handelt<br />

es sich hier um eine halbseidene<br />

Figur im Dunstkreis des Hollywoods<br />

der 1950er-Jahre. Er verdiehnte sein<br />

Geld als Polizist, Privatdetektiv und<br />

Redakteur im berühmt-berüchtigten<br />

Confidential, in dem die dunklen<br />

Seiten der Stars offengelegt wurden.<br />

Otash ist ein alter Bekannter aus<br />

Ellroys Werken, aber nicht nur dort,<br />

auch in Roman Polanskis Kult-Film<br />

»China Town« diente er als Grundlage<br />

für den von Jack Nicholson gespielten<br />

Privatdetektiv. In »Allgemeiner<br />

Panik« sitzt Freddy Otash seine<br />

Sünden im Knast ab und bekommt<br />

das dubiose Angebot, wenn er genug<br />

aus dem Nähkästchen plaudert, darf<br />

er wieder zurück in die Freiheit. Also<br />

klappert die Kunstfigur Otash die<br />

wichtigsten Stationen seines Lebens<br />

ab und gibt überall seinen Senf dazu.<br />

Das alles im Stil der seinerzeitigen<br />

Hollywood-Boulevardmedien, doch<br />

Ellroy verleiht durch die Aufarbeitung<br />

der dahinterliegenden Konflikte<br />

und einer literarischen Verdichtung<br />

der Vorfälle den Geschehnissen<br />

ihre eigene Form. Ordnungshalber<br />

muss gesagt werden, dass der Autor<br />

sein Buch auf Interviews aufbaute,<br />

die der mittlerweile verstorbene<br />

Otash ihm gegeben haben soll. Das<br />

sind jetzt viele Seiten zum Lesen,<br />

aber der große Bogen fehlt.<br />

Für Ellroy-Einsteiger ist noch immer<br />

»Tanz der Teufel« zu empfehlen,<br />

besser bekannt als Hollywood-Drama<br />

»L.A. Confidential«. Für Fortgeschrittene<br />

erscheint zeitgleich zum<br />

Roman das äußerst aufschlussreiche<br />

Buch »LAPD’53«. LAPD steht für das<br />

berühmte L.A. Police Department<br />

und dieses hat ein dementsprechendes<br />

Museum, in dem auch ein<br />

Haufen Archivmaterial des Departments<br />

landete. Eine Auswahl aus<br />

dem Jahr 1953 ist das Wesen dieses<br />

Buches. Die Fotos bestechen durch<br />

den nüchternen Blick der Polizisten,<br />

die hier ihren Dienst machten und<br />

diverse Tatorte fotografierten. Nicht<br />

so genial wie die Fotos der Fotografenlegende<br />

Weegee, aber dennoch<br />

bekommt man ein Gefühl für die<br />

damalige Zeit. James Ellroy verfasste<br />

die Begleittexte zu den Fotos zwischen<br />

Suizid, Raubmord und einer<br />

illegalen Abtreibungsklinik. Ein<br />

unersetzliches Zeitdokument.<br />

Bandenkrieg im Fischerstädtchen<br />

Die Fotos der illegalen Abtreibungsklinik<br />

bringen einen zur US-Politik<br />

der heutigen Zeit, die Abtreibung<br />

soll ja in Nordamerika so gut wie<br />

verboten werden. Ein Autor, der<br />

strikt gegen die Trump-Politik auftritt,<br />

ist Don Winslow und Winslow<br />

ist im Grunde James Ellroys Erbe.<br />

Er perfektioniert quasi Ellroys stakkatoartige<br />

Sprachmelodie, bringt<br />

die Inhalte äußerst schnell auf den<br />

Siedepunkt und siedelt seine Thriller<br />

sehr gerne in der Gegenwart an.<br />

Die Kartell-Saga, ein Drogenepos<br />

im Grenzgebiet zwischen Mexiko<br />

und Texas, gehört zum Besten, was<br />

in der Thriller-Literatur jemals geschrieben<br />

wurde, wie gesagt, wenn<br />

man ein Fan von harten und flotten<br />

Thrillern ist.<br />

Mit seinem neuen epischen<br />

Thriller, »City on Fire«, gesellt sich<br />

der Autor an die Küste Rhode Islands<br />

seiner Kindheit zurück, in<br />

die dreckige Metall- und Fischindustrie<br />

Orte, wo sich italienische<br />

und irische Banden ein Duell um<br />

die Ehre liefern: Der Thriller lebt<br />

von einer gut nachzuverfolgenden<br />

Blutspur, einmal mehr haben die<br />

Protagonisten Narrenfreiheit und<br />

ein gewisser Unterhaltungswert<br />

ist gegeben. Aber zwischen seiner<br />

letzten Veröffentlichung und »City<br />

on Fire« liegen Jahre. Winslow<br />

nützte die Zeit, um die großen<br />

literarischen Werke zu studieren.<br />

Grundsätzlich kann es nie schaden<br />

sich den Shakespeare reinzuziehen,<br />

aber dem Autor scheint dabei<br />

seine peitschenden Sprachrhythmen<br />

abhanden gekommen zu sein.<br />

Bleibt abzuwarten, ob die Leser<br />

diesen Weg mitgehen.<br />

James Ellroy<br />

»Allgemeine Panik«<br />

430 Seiten<br />

Ullstein<br />

James Ellroy<br />

»LAPD‘53«<br />

217 Seiten<br />

Ullstein<br />

Don Winslow<br />

»City on Fire«<br />

397 Seiten<br />

Harper Collins<br />

© ULLSTEIN BUCHVERLAGE<br />

© VERLAGSGRUPPE HARPERCOLLINS<br />

© ULLSTEIN BUCHVERLAGE<br />

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