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moneyeditorial

EDITORIAL

Welches war Ihre

erste Aktie?

GEORG MECK

Chefredakteur

FOCUS-MONEY

wer an der wachsenden Weltwirtschaft teilhaben will, muss sich am Produktivvermögen,

also an Unternehmen, beteiligen, also Aktien kaufen. Ohne Börse

kein erquicklicher Vermögensaufbau. Diese Erkenntnis gilt es in Erinnerung

zu rufen, gerade in diesen Tagen, wenn es an den Börsen kräftig ruckelt,

wenn selbst krisengestählte Haudegen wie der J.P.-Morgan-Bank-Chef Jamie

Dimon vor einem Hurrikan der Weltwirtschaft warnen. Krieg, Gasnotstand,

Inflation, Rezession – an Horrorvokabeln herrscht derzeit kein Mangel. Die

Kurven der Aktienkurse sehen entsprechend aus.

Sicher ist es klug, in solchen Phasen das Pulver trocken zu halten. Andererseits:

Niemand kennt im Voraus den tiefsten Punkt. Stürmische Zeiten, Umbrüche

sind immer auch Zeiten für gewaltige Chancen. In solchen Momenten,

das lehrt die Geschichte, werden oft die Grundsteine für große Vermögen

gelegt. In diesem Heft halten wir deshalb Ausschau danach, wo jetzt der Einstieg

lohnt: Wo locken Top-Renditen zu Tiefstkursen? Wir haben globale

Champions aufgespürt und robuste deutsche Werte analysiert.

Zur Inspiration (und manchem zum Trost) haben wir uns zudem umgehört

bei Profis wie Promis, wie sie einst an der Börse gestartet sind. Das versöhnliche

Ergebnis: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, von grandiosen

Flops wie großartigen Gewinnen künden die Erzählungen der Wirtschaftselite.

Nun wollen wir von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wissen: Erinnern

Sie sich an Ihre ersten Schritte an der Börse? Welches war Ihre erste Aktie?

Wann und warum haben Sie sie gekauft? Und vor allem: Hat es sich gelohnt?

Schicken Sie uns Ihre persönlichen Berichte zur Veröffentlichung in unserer

neuen Serie, gern mit einem Porträtfoto. Zuschriften bitte per E-Mail an:

Leserservice@focus-money.de

oder mit der Post:

FOCUS-MONEY, Stichwort „Erste Aktie“, Postfach 88 88, 81903 München.

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

Vielen Dank schon jetzt und weiterhin eine glückliche Hand bei der

Mehrung des Vermögens!

die Inflation steigt auf rekordverdächtige Werte, in Amerika

wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die Notenbanken:

Kommt die Zinswende schneller als erwartet? Wie geht

Herzlich

es weiter mit den Aktienkursen, wenn die expansive Geldpolitik im

Kampf gegen die Rezession an ihre Grenzen stößt? Mein Tipp: Sie

erfahren alles Wichtige in FOCUS-MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug

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ab 8.00 Uhr. Wenn Sie FOCUS-MONEY nach Bezug wieder im Handel kaufen

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FOCUS-MONEY 30/2022

Foto: F. Röth

Composing: FOCUS-MONEY

*inkl. MwSt. und Versand. Sie haben ein gesetzliches Widerrufsrecht

3


moneyinhalt

20. JULI 2022

8

Jetzt erst recht!

Die Anleger haben Panik – warum

eigentlich? Nun locken ganz besondere

Top-Chancen nach dem Absturz

moneykompakt

6 Brennpunkt: Jackpot-Jäger,

aufgepasst: Die Online-Casinos

drängen auf den legalisierten

deutschen Markt. Diese Gewinnchancen

haben Sie als Anleger

98 Andis Börsenbarometer: So

können Sie unkompliziert mehr

Order-Typen nutzen

moneytitel

8 Kaufen, wenn die Kanonen

donnern? Diese Kontraindikatoren

versprechen bald bessere Zeiten

– bei sechs Werten lohnt sich der

Einstieg schon jetzt

14 Schnäppchen-Aktien: Bei diesen

Investitionen gibt’s jetzt Rabatt

18 Meine erste Aktie: Promis und

Wirtschaftsgrößen geben ihr

erstes Wertpapier preis

24 China-Chance für Mutige:

Zwei Prozent Inflation und eine

Absicherung durch die Politik:

Kurz- und mittelfristig bieten

China-Aktien gute Chancen

28 Interview: Der Sohn von Börsenoma

Beate Sander lernte von der

Besten – Uwe Sander über das

Hoch-Tief-Mut-Konzept, das

Nachlassdepot seiner Mutter und

sein Buch

moneymarkets

30 Volkswagen: Der Autohersteller

geht in die Elektro-Offensive und

die Aktie ist auch noch spottbillig

zu haben

33 Porsche: Vor dem Börsengang

holt den Autokonzern seine

Nazi-Vergangenheit ein

36 Interview: Die Amundi-Institute-

Experten Monica Defend und

Pascal Blanqué erklären, warum

wir künftig den Gürtel enger

schnallen müssen

40 Immobilienfonds: So erzielt

WohnSelect für seine Anleger

Renditen über dem Branchenschnitt

41 Hit & Shit: Airbus liefert mehr

Jets aus als je zuvor und der Euro

ist seit 20 Jahren erstmals pari

mit dem Dollar

42 Marketing-Software: Diese vier

US-Spezialisten sorgen für geniale

Vermarktungen

46 Musterdepots: Geopolitische

Risiken und Stagflationsangst

hemmen die Börsen – wie die

Experten reagieren

47 Kolumne: Ken Fisher denkt,

dass die aktuelle Schwermut die

Erholung ankurbeln kann

48 Atom goes green: Atomstrom

und Gas gelten offiziell als

nachhaltige Investments. So

können Sie profitieren

4 Titelfotos: M. Andreya/Deutsche Bank, finanz-heldinnen, H. Hlavacek/Adidas, n-tv, privat, N. Martensen/TK, DAI, Bloomberg, EFIC1, G. Gerster/Bundesbank, FOCUS-MONEY 30/2022

A. Pohlmann/BASF, Daimler Truck, H. Scherhaufer/Ullstein Verlag, StepStone, L. Preiss/Siemens, Ch. Kaufmann


www.money.de

33

Porsche, die

Nazis und die Börse

Vor dem Start an der Börse

muss der Autohersteller historische

Altlasten bereinigen

51 Interview: Einige Unternehmen

stehen im derzeitigen Abschwung

besser da als in vorherigen Krisen

– Ilga Haubelt weiß, wo man sie

findet

54 Luftfahrt: Die Branche erholt sich

nach Corona endlich wieder – diese

Hersteller erwarten Auftrieb

60 Die besten Wertpapiersparpläne:

Unser Ranking zeigt Ihnen,

welche Online-Broker jetzt die

besten und günstigsten Sparpläne

bieten

moneydigital

35 Chartsignal: Die Parität bei Euro/

Dollar ist erreicht, doch es geht

noch weiter abwärts

35 Börsenwissen: Das steckt

hinter der Discounted-Cashflow-

Methode

64 Social Trends: Elon Musk sagt

Twitter-Deal endgültig ab, Neffen

von Olaf Scholz insolvent mit

Krypto-Start-up . . .

dswanlegerschutz

65 DSW: Biontech-Sonderdividende

bringt steuerliche Herausforderung

65 Kommentar: One share – one

vote

moneyservice

66 Fliegerisch profitieren: Bei

diesen Vielflieger-Programmen

können Sie besonders viel

rausholen

71 Starke Versicherer: Diese

europäischen Versicherer sind für

die aktuelle Marktlage am besten

gerüstet

74 Digital Services: So schlagen sie

sich rund ums Geld im täglichen

Dauereinsatz wirklich

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

18

„Meine

erste Aktie“

Promis und Wirtschaftsprofis

berichten von

ihren ersten Erfahrungen

an der Börse, von Flops

und fantastischen

Gewinnen

51

28

Der Sohn

der Börsenoma

Wie die Mutter, so der Sohn! Uwe

Sander im Interview über das Hoch-

Tief-Mut-Konzept, das Nachlassdepot

seiner Mutter Beate Sander und sein

neues Buch

„Es gibt Unternehmen, die

meistern jede Krise“

ILGA HAUBELT, HEAD OF EQUITY INCOME

NEWTON INVESTMENT MANAGEMENT

FOCUS-MONEY 30/2022

Fotos: BNY Mellon, Can Stock Photo, finanz-heldinnen,

Porsche, L. Preiss/Siemens, VectorStock

5


moneytitel

Einsteigen

auf 2020er-

Corona-Niveau

TITEL

KAUFE

WENN

Beste

Aussichten

AND

KR

Top-

Dividendenrendite

8

Fotos: Can Stock Photo, VectorStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 30/2022


N D ie

ERE

Stimmung im Keller,

die Lage frustrierend,

die Nerven angespannt.

Die Börsen stellen die

Anleger derzeit mal wieder auf

eine harte Probe. Schuld daran

sind die landauf, landab überall gelesenen und

deshalb nicht weniger wahren geopolitischen

und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Sie sorgen

dafür, dass die Laune der Marktteilnehmer

mal so richtig schlecht ist.

Das bestätigt, wenig überraschend, auch die

Juli-Umfrage des vom Leibniz-Zentrum für

Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene

Finanzmarkttest unter 350 Finanzanalysten.

Mit einem Minuswert von

45,8 Punkten (minus 18,2 Punkte zum Vormonat)

schätzen die Experten die konjunkturelle

Lage in Deutschland extrem pessimistisch ein.

Übertroffen wird der Negativwert aber sogar

noch von den Zukunftserwartungen. Mit einem

Minuswert von 53,8 Punkten (minus 25,8

Punkte) ist die Rezessionsangst der Profis

ISE

KURS-

CHANCE

134,0

%

Nein! Nein! Nein! So einschüchternd

das alles sein mag und so stark

die derzeitige Gemütslage an den Corona-Schock

von vor zwei Jahren erinnert, die

Antwort heißt Nein! Denn wie allseits bekannt

setzte im Frühjahr 2020, trotz der damaligen

miesen wirtschaftlichen Stimmung,

eine beispiellose Rally an den Märkten ein.

Das aktuelle ZEW-Barometer kann deshalb getrost

auch als Kontraindikator verstanden

werden, zumal viele der teilnehmenden Finanzexperten

die wirtschaftlichen Umstände

in die Bepreisung der Aktien schon miteingerechnet

haben dürften. In diese Kategorie

fällt auch der Sentiment-Indikator des Verbands

American Association of Individual Investors.

Nach deren Erhebung liegt das Stimmungsbarometer

unter US-Privatanlegern

mit einem Minus von 27,4 Punkten sogar noch

unter dem Level zu Zeiten des Börsenabsturz-

Dramas vor zwei Jahren – und mehr Pessimismus

geht fast nicht. Profianleger verstehen genau

das als ein klassisches Kaufsignal. Denn:

Wer verkaufen wollte, ist bereits raus, während

die Hartgesottenen und Langfrist-Anleger

weiter drin sind, die dem bisherigen Börsenschwund

getrotzt haben und das wohl

auch weiter tun.

Hohe Cash-Bestände. Was ebenfalls für eine

Trendwende an den Märkten spricht, ist die seit

Monaten immens hohe Kapitalquote bei Fondsmanagern.

Wie die Bank of America (BoA)

jüngst in einer von ihr im Mai initiierten Umfrage

bekannt gab, erhöhten die institutionellen

Investoren ihre Cash-Positionen im Mai

von 5,5 auf 6,1 Prozent. Zur Einordnung: Das

Viele Anleger sind

mies gelaunt und

hypernervös. Warum

eigentlich? Schließlich

locken Top-Chancen

wie nach dem Corona-

Absturz 2020

FOCUS-MONEY 30/2022

SCHIEBEN!

von MARC BÄCHLE UND ANDREAS KÖRNER

buchstäblich fast mit Händen zu greifen. Das

Erstaunliche an beiden Indikatoren: Sowohl

was die gegenwärtige Lageeinschätzung als

auch was die Erwartungshaltung für die Zukunft

betrifft, liegen beide Werte erstmals unter

denen des März 2020. Jene Zeit, in der die

Corona-Krise so richtig an Fahrt aufnahm und

die Börsen und Finanzmärkte komplett crashten.

Kann die Schlussfolgerung demnach nur

lauten: jetzt ja nicht in Aktien investieren?

war der höchste Stand seit fast 22 Jahren. Die

Kursverluste an den Börsen in den USA,

Deutschland und zumeist anderswo seit Mai

deuten angesichts einer in etwa gleich gebliebenen

bis leicht gestiegenen Geldmenge darauf

hin, dass die Cash-Quote von 6,1 Prozent seither

nicht zurückging. Entsprechend halten die

Vollprofis derzeit das Pulver trocken, was umgekehrt

heißt, dass genügend Geld für Aktieninvestitionen

allemal vorhanden ist.

9


moneymarkets

Vita

Ilga Haubelt

Geb. 1976 in Stuttgart, Studium der Immobilienwirtschaft in

Freiburg und an der University of Wisconsin-Madison

INTERVIEW

Es gibt

Unternehmen,

die meistern

jede Krise“

Berufseintritt 2005 im Immobilien-Research der MEAG,

München, Wechsel nach Frankfurt als Portfoliomanagerin

zu Union Investment und als Senior-Portfoliomanagerin

und Leiterin Globale Aktien zu Deka Investment

2019 wechselt sie zu Newton Investment Management

nach London, zunächst als Head of Equity Opportunities,

ab 2020 als Head of Equity Income

Viele Unternehmen sind in diesem Abschwung

deutlich besser aufgestellt als in manch einer

Krise davor, sagt Ilga Haubelt. Sie zu finden,

hat sich die Dividendenexpertin von Newton

Investment zur Aufgabe gemacht

von HEIKE BANGERT

In schwierigen Anlagezeiten achten Anleger vermehrt auf die

Dividende. Eine gute Idee?

Ilga Haubelt: Absolut. Wenn die Gesamterträge am

Aktienmarkt geringer ausfallen, steigt die Bedeutung

der Dividende. Das gilt umso mehr, wenn Kurse wie

derzeit sinken. Wir achten jedoch auch in guten Anlagezeiten

auf Aktien mit konservativen Eigenschaften.

Wie gehen Sie als Portfolio-Managerin mit den aktuellen Herausforderungen

um?

Haubelt: Wir lassen uns nicht beirren, sondern halten

strikt an unserer Strategie fest. Wir Portfolio-Manager

starten jeden Morgen um 8.45 Uhr mit unserem Morning-Meeting.

Da kommen alle Themen auf den Tisch

– vom Problem der Lieferketten, das pandemiebedingt

entstanden ist, durch den Krieg in der Ukraine durch

Russland aber verstärkt wurde, bis hin zur Energie-

FOCUS-MONEY 30/2022

Foto: BNY Mellon 51


moneytitel

moneymarkets

Quelle: Morningstar Direct Quelle: BNY Mellon Investment Management

Champions im Fonds

Mit PepsiCo, British American Tobacco, Cisco Systems

und RELX PLc setzt der Fonds auf die globalen

Champions und nachhaltige Dividendenzahler.

Top-Aktienpositionen

Anteile in Prozent

PepsiCo 3,7

British American

Tobacco 3,6

Cisco Systems 3,5

RELX Group 3,2

Medtronic 2,8

Exelon Corp. 2,8

Finanzen, Gesundheit & Konsum

In der Krise sind solide Geschäftsmodelle gefragt:

Konsum- und Gesundheitswerte zählen dazu. Finanztitel

profitieren zudem von steigenden Zinsen.

Gewichtung nach Branchen

Anteile in Prozent

Finanzen 19,0

Gesundheit 16,8

Luxusgüter 13,2

Konsumgüter 11,6

Technologie 10,9

Industrie 9,3

Versorger 7,0

BNY Mellon Global Equity Income Fund

Entwicklung seit 30.9.2010 in Prozent, auf Euro-Basis

+200

+150

+100

+50

0

globale Aktien, dividendenorientiert

–50

2010 12 14 16 18 20 2022

52

Quelle: BNY Mellon IM

Der Konkurrenz voraus

Der globale Dividendenfonds BNY Mellon Global

Equity Income Fund erweist sich vor allem in

schwierigen Zeiten als vergleichsweise stabil.

WKN/ISIN (thesaurierend) A1C9L2/IE00B3V93F27

Fondsvolumen 430,0 Mio. €

laufende Kosten 2,11 %

Fondswährung

EUR

Wertentwicklung 1/3/5/10 Jahre p. a. 10,6/7,3/7,8/8,8 %

Auflagedatum 3.9.2010

Wertentwicklung auf Euro-Basis

und Klimakrise. Wichtig ist, dass man vor lauter Bäumen den Wald

noch sieht, sich also den Blick für das große Ganze bewahrt.

Und welches Problem ist das derzeit vorherrschende?

Haubelt: Eindeutig die Inflation. Durch die lockere Geldpolitik

der Notenbanken und die Fiskalpakete vieler Industriestaaten in

der Größenordnung von bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts

eines Landes wurde viel Geld in den Markt gepumpt. Dabei

wurden enorme Schuldenberge aufgehäuft. So sind die Unternehmen

und Konsumenten zwar besser durch die Pandemie gekommen.

Doch das hat zu Verwerfungen geführt. Jetzt haben sich

die Notenbanken erstmals wieder die Inflationsbekämpfung auf

die Fahnen geschrieben, und zwar ohne Rücksicht darauf, welche

Auswirkungen das auf das Wirtschaftswachstum hat.

Der Fed-Put der vergangenen Dekade ist weg . . .

Haubelt: Absolut, das hat die Aktienmärkte in die Korrektur getrieben,

und zwar über alle Branchen hinweg.

Wird diese weitergehen?

Haubelt: Der Abverkauf kann weitergehen. Das Jahr 2022 wird

volatil bleiben. Jetzt gilt es, die Werte schrittweise wieder einzusammeln.

In fünf Jahren wird man das Jahr rückblickend dann

womöglich als einen guten Einstiegszeitpunkt wahrnehmen.

Warum gelten nachhaltige Dividendenzahler als besonders krisenresistent?

Haubelt: Sie wirtschaften anders. Das Letzte, was sie wollen, ist,

die Dividende zu kürzen. In den USA gibt es Wasserversorger, die

seit 1870 Dividenden zahlen. Unternehmen wie Procter & Gamble

haben eine jahrhundertlange Dividendenhistorie. Diese Unternehmen

wirtschaften vorausschauend und legen eine große

Disziplin bei ihren Investitionen an den Tag, um ihr Dividendenversprechen

auch in schwierigen Zeiten einlösen zu können. Einige

haben Kriege erlebt, sind durch Inflation und Rezessionen

gegangen. Sie haben es geschafft, sich im Zeitverlauf an die sich

verändernde Welt anzupassen.

Nicht umsonst spricht man von den Dividendenaristokraten . . .

Haubelt: Wir haben einige im Portfolio, ergänzen sie aber z. B.

mit zyklischen Unternehmen, die gleichfalls Dividenden zahlen.

Wie setzen Sie Ihre Vorstellungen in den Portfolios um?

Haubelt: Wir folgen einem strikten Prozess und haben uns deshalb

ein wenig wie Odysseus an den Mast gebunden, um nicht in

Versuchung zu geraten, davon abzuweichen. Wir kaufen Aktien,

die eine um mindestens 25 Prozent höhere Dividendenrendite als

der Marktdurchschnitt haben, und verkaufen diese strikt, wenn

deren Dividendenrendite unter den Schnitt fällt. Das zwingt uns

einerseits, strikt auf die Bewertung zu achten, zum anderen zu

verkaufen, wenn wir uns doch einmal getäuscht haben sollten

und ein Unternehmen wider Erwarten seine Dividende kürzt.

Dazu sehen wir uns auch die strukturellen Treiber an. Wir fragen

uns: Welchen Gegen- und Rückenwind hat das Unternehmen?

Wir suchen nach Aktien mit einem möglichst asymmetrischen

Profil.

Das sollten Sie uns genauer erklären.

Haubelt: Wir denken in verschiedenen Szenarien: Wenn es nor-

FOCUS-MONEY 30/2022


moneyservice

AM ZIEL: Nicht alle europäischen

Versicherer liegen gleich

gut im Rennen

VERSICHERUNGEN

Check mit starkem Ergebnis

Allgemeine Krisen und Unsicherheiten am

Kapitalmarkt belasten auch die europäischen

Versicherer. Dank guter Finanzkraft sind sie

aber für die Herausforderungen gerüstet –

zum Wohle ihrer Kunden

von WERNER MÜLLER

Fragt man die Verbraucher in Deutschland, erwarten sie

von ihren Versicherungsanbietern vor allem eins: Seriosität.

Mit 95 Prozent Zustimmung ist dies das mit Abstand

wichtigste Kriterium bei der Auswahl ihrer finanziellen

Altersvorsorge. Erst dann folgen in einer Forsa-Umfrage vom

Januar 2022 Flexibilität, sichere Produkte, Policenbewertungen

und Renditechancen. Das zeigt einmal mehr, dass Kunden

inzwischen ganz genau hinschauen, bevor sie sich für sehr

lange Zeit an den Vertragspartner der Assekuranz binden.

Das ist auch richtig so, schließlich laufen die Vorsorgepolicen

mit Anspar- und Auszahlungsphase nicht nur regelmäßig

über mehrere Jahrzehnte, sondern die Anbieter sollen dabei

auch mit den Kundengeldern seriös und möglichst

FOCUS-MONEY 30/2022

Fotos: Depositphotos Composing: FOCUS-MONEY

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