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2022/12 | Unternehmen | Juli 2022 |

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unternehmen [!]<br />

RESSORT<br />

1<br />

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 83 | <strong>Juli</strong> <strong>2022</strong> | 3,00 €<br />

+ Standortporträt<br />

Donzdorf<br />

Mister<br />

Handball<br />

Gerd Hofele managt den Bundesligisten Frisch Auf<br />

Göppingen erfolgreich: Einblicke in den Profisport<br />

und die Gefühlswelten eines Geschäftsführers.<br />

LIQUIDE BLEIBEN IN DER KRISE<br />

Lieferengpässe und steigende<br />

Kosten: So sehen Strategien zum<br />

Gegensteuern aus.<br />

Seite 6<br />

BOOM BEI DIENSTRÄDERN<br />

Warum Arbeitgeber sie anbieten<br />

sollten und was sie dabei<br />

beachten müssen.<br />

Seite 24<br />

AUF IN DEN URLAUB<br />

Umfrage unter Führungskräften:<br />

Wo verbringen sie ihre Ferien am<br />

liebsten?<br />

Seite 56


2<br />

RESSORT unternehmen [!]<br />

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unternehmen [!] INHALT/EDITORIAL 3<br />

Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

die Situation ist seltsam: Viele <strong>Unternehmen</strong> haben<br />

prall gefüllte Auftragsbücher, aber leiden unter<br />

Rohstoffmangel und hohen Preisen. Ihre Erwartungen<br />

für die kommenden Monate sind gering.<br />

Die Schockwellen, die der Ukraine-Krieg<br />

ausgelöst hat, drücken auf die Stimmung. In dieser<br />

Phase großer Unsicherheit gedeiht Pessimismus.<br />

Und ja, die Kosten für <strong>Unternehmen</strong> sind<br />

massiv gestiegen, von Energie über Metall bis hin<br />

zum Transport. Der lange Höhenflug der deutschen<br />

Wirtschaft, angetrieben durch die EZB-Droge<br />

des billigen Geldes neigt sich dem Ende.<br />

Doch vielleicht sollte man die Widerstandskraft<br />

und Anpassungsfähigkeit deutscher <strong>Unternehmen</strong><br />

nicht unterschätzen. Im Titelinterview (Seite<br />

10) berichtet Gerd Hofele, Geschäftsführer des<br />

Handball-Bundesligisten Frisch auf Göppingen,<br />

von der Solidarität der gesamten Liga in der Corona-Krise.<br />

In unserer Finanzgeschichte zeigen<br />

Experten auf, wie Betriebe in der Krise ihre Liquidität<br />

sichern (Seite 6). Und wir stellen einmal<br />

mehr Mutmacher vor, sei es Esta aus Senden (Seite<br />

20) oder den Gastronom Max Haller (Seite 46).<br />

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!<br />

Ihr Alexander Bögelein,<br />

Redaktionsleiter unternehmen [!]<br />

FINANZIEREN<br />

6 In der Krise aktiv werden<br />

Engpässe und hohe Kosten: Wie<br />

Verantwortliche gegensteuern können<br />

TITELTHEMA<br />

10 „Wir machen unsere Wurzeln<br />

sichtbar“ Frisch-Auf-Chef<br />

Gerd Hofele im Gespräch<br />

VERANTWORTEN<br />

20 Energiesicherheit<br />

weiterstricken<br />

Der Strickmaschinen-Hersteller Mayer<br />

& Cie setzt auf Blockheizkraftwerke<br />

24 Sparen auf zwei Reifen<br />

Bei Diensträdern können Firmen auf<br />

unterschiedliche Modelle setzen<br />

42 Gesucht: Ideen für noch mehr<br />

Glück Die Lebenshilfe gründet eine<br />

Denkfabrik, um Barrieren abzubauen<br />

MACHEN<br />

28 Entstaubt zu neuem Erfolg<br />

Der Spezialist für Absauganlagen Esta<br />

feiert 50-jähriges Bestehen.<br />

46 Neues Leben in alten Mauern<br />

Gastronom Max Haller ist auf der<br />

Waldburg ein Abenteur eingegangen<br />

52 Vision von grünem Kupfer<br />

Der Kabelhersteller Lapp will die<br />

CO 2<br />

-Bilanz von Kupfer senken<br />

SPEZIAL<br />

34 Die richtige Schule fürs Kind<br />

Experten sagen, auf welche Kriterien<br />

es ankommt<br />

36 Standort im Porträt: Donzdorf<br />

Eine Stadt versöhnt sich mit<br />

ihrem Gewerbepark<br />

48 Top-Arbeitgeber<br />

Mit Strategie attraktiv sein<br />

LEBEN<br />

56 Bloß keinen Stress<br />

Umfrage unter Führungskräften<br />

58 Impressum<br />

24<br />

28<br />

52 46<br />

06


4<br />

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]<br />

Bis zu 600 Stellen fallen weg<br />

Daimler Truck Am Evobus-Standort Neu-Ulm soll in den kommenden Jahren kräftig<br />

gespart werden. Dieser Schritt sei notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.<br />

Evobus Daimler Truck plant an<br />

den Evobus-Standorten in Neu-<br />

Ulm und Mannheim ein Sparprogramm,<br />

das es in sich hat. Bis<br />

zum Jahr 2030 sollen die Kosten<br />

um insgesamt 100 Millionen<br />

Euro verringert werden. Zur<br />

Aufteilung der Sparmaßnahmen<br />

zwischen den Standorten Neu-<br />

Ulm und Mannheim ist bislang<br />

nicht viel bekannt. Ein deutlicher<br />

Stellenabbau über die kommenden<br />

acht Jahre zeichnet sich<br />

laut Betriebsrat und IG Metall<br />

zufolge jedoch bereits ab: Allein<br />

am Standort Neu-Ulm sollen bis<br />

zu 600 Stellen gestrichen werden.<br />

Momentan arbeiten 3600<br />

Beschäftigte im Werk, das überwiegend<br />

Reisebusse produziert.<br />

Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s<br />

langfristig zu stärken, erklärte<br />

Bus-Chef Till Oberwörder die<br />

Pläne. Die Kunden hätten infolge<br />

der Corona-Pandemie eine<br />

größere Preissensibilität entwickelt.<br />

Damit und auch infolge<br />

des andauernden Transformationsprozesses<br />

habe sich der Kostendruck<br />

verschärft. Dieser Entwicklung<br />

müsse man Rechnung<br />

tragen. Künftig sollten die Baureihen<br />

über das gesamte europäische<br />

Netzwerk hinweg inklusive<br />

des Standorts in der Türkei<br />

verteilt werden. Oberwörder<br />

betonte jedoch, dass beide deutschen<br />

Produktionsstandorte erhalten<br />

bleiben sollen: „Die<br />

Standorte in Deutschland stehen<br />

hier nicht zur Diskussion.“<br />

Gewerkschaftsvertreter Michael<br />

Braun gab sich kämpferisch.<br />

Zwar habe er Verständnis<br />

für den Handlungsdruck, allerdings<br />

müsse jedem klar sein,<br />

dass es um eine Weichenstellung<br />

gehe. „Wir werden die vorgestellte<br />

Strategie analysieren<br />

und auf ihre Belastbarkeit überprüfen.“<br />

Der Anspruch sei es,<br />

Konzepte mit dem <strong>Unternehmen</strong><br />

zu besprechen, die eine Zukunftsfähigkeit<br />

beider Standorte<br />

und deren Arbeitsplätze beinhaltet.<br />

Wenn nötig, werden<br />

die IG Metall „Seite an Seite mit<br />

den Kolleginnen und Kollegen<br />

dafür kämpfen“. [!] jkl<br />

Auch künftig sollen im Evobus-Werk in Neu-Ulm Reisebusse<br />

gefertigt werden. <br />

Foto: Lars Schwerdtfeger<br />

Chinesen halten nun 88,9 Prozent an Allgaier<br />

Autozulieferer Bei der Uhinger<br />

Allgaier-Gruppe hat eine<br />

neue Ära begonnen. Der in die<br />

Krise gerutschte Autozulieferer<br />

ist nicht mehr das Familienunternehmen<br />

des langjährigen Arbeitgeberpräsidenten<br />

Dieter<br />

Hundt, sondern gehört nun der<br />

chinesischen Westron-Gruppe.<br />

Der bereits im vergangenen November<br />

aufgesetzte Kaufvertrag<br />

ist nun zum 1. <strong>Juli</strong> in Kraft getreten.<br />

Westron übernimmt damit<br />

mit zusätzlichem Eigenkapital<br />

88,9 Prozent der Anteile.<br />

Kurz nach der Übernahme<br />

wurde bekannt, dass Achim<br />

Agostini mit sofortiger Wirkung<br />

sein Amt als Geschäftsführer<br />

Allgaier ist kein Familienbetrieb<br />

mehr. Foto: Giacinto Carlucci<br />

niederlegt. Wer seine Nachfolge<br />

antritt, war zunächst unklar.<br />

Derweil geht es bei den Uhingern<br />

nach schwierigen Jahren<br />

wieder aufwärts. Die Restrukturierung<br />

und Neuausrichtung<br />

war durch Pandemie, Lieferengpässe<br />

und andauernden Ukraine-Krieg<br />

erschwert worden. In<br />

der Folge ging der Umsatz zurück,<br />

wie Allgaier mitteilte.<br />

Trotz dieser schwierigen<br />

Bedingungen sei die Restrukturierung<br />

erfolgreich umgesetzt<br />

worden. Den Angaben zufolge<br />

war das operative Ergebnis bereits<br />

in den Jahren 2020 und 2021<br />

positiv und konnte um 50 Millionen<br />

Euro verbessert werden.<br />

Die Verschuldung wurde um 30<br />

Millionen Euro abgebaut. Das<br />

Vertrauen der Kunden habe 2021<br />

zu einem Auftragseingang von<br />

650 Millionen Euro geführt.<br />

Allgaier soll mit beiden Geschäftsbereichen<br />

Automotive<br />

und Prozesstechnologie fortgeführt<br />

und weiterentwickelt werden,<br />

insbesondere sollen auch<br />

alle Verträge mit den Mitarbeitern,<br />

den Finanzierern und den<br />

Kunden aufrechterhalten werden,<br />

lautet das Versprechen des<br />

neuen Mehrheitsgesellschafters<br />

Westron. In beiden Geschäftsfeldern<br />

soll künftig auch der<br />

Markt in China und Asien eine<br />

zentrale Rolle spielen.[!] su


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5<br />

„Motel one“ startet bald am Münsterplatz<br />

Neueröffnung Im Spätsommer<br />

soll in Ulms bester Lage das<br />

neue Hotel der „Motel One“-Kette<br />

eröffnen. Damit bleibt das<br />

Großprojekt am ehemaligen<br />

Standort des Abt-Kaufhauses direkt<br />

am Münsterplatz wohl im<br />

Zeitplan. Das Design soll sich an<br />

Albert Einstein orientieren, wie<br />

Motel One-Geschäftsführer Stefan<br />

Lenze zuletzt berichtete.<br />

„Das Thema zieht sich durch<br />

das gesamte Hotel und bietet einige<br />

Überraschungen.“ Insgesamt<br />

sollen künftig 150 Zimmer<br />

zur Verfügung stehen. Zum Hotel<br />

gehört auch eine Bar im<br />

Obergeschoss, die auch für die<br />

Öffentlichkeit zugänglich sein<br />

soll.<br />

In dem dreigiebligen Haus<br />

sollen neben dem Hotel auch ein<br />

Ulmer Franchisenehmer von<br />

„Ciao Bella“ und die „Extrablatt-Café“-Kette<br />

aus Emsdetten<br />

(Westfalen) sowie ein Blumenladen<br />

unterkommen. Bewirten<br />

wollen beide Restaurants in Innenräumen<br />

im Erdgeschoss,<br />

aber auch im Freien. Die Betreiber<br />

des „Ciao Bella“, Luigi Macchia<br />

und Stefano Treccosti, die<br />

auch schon die beiden gleichnamigen<br />

Restaurants im Sendener<br />

Iller-Center und im Ulmer Blautal-Center<br />

betreiben, wollen damit<br />

auch bereits in den kommenden<br />

Wochen und nicht erst<br />

mit dem Start des Hotels beginnen.<br />

Wie viel Gäste vor dem Gebäude,<br />

das seit 2017 dem Drogerie-Milliardär<br />

Erwin Müller gehört,<br />

Platz finden werden, ist<br />

derweil noch unklar. Die Stadt<br />

prüft derzeit, wie die Bestuhlung<br />

mit dem Ulmer Wochenmarkt<br />

vereinbar ist. [!] jkl<br />

Der Münsterplatz diente viele Monate als Parkplatz für die Betriebe,<br />

die an der Baustelle tätig waren. <br />

Foto: Lars Schwerdtfeger<br />

Abschied von<br />

Kässbohrer<br />

Jens<br />

Rottmair<br />

zieht sich als<br />

Vorstandschef<br />

zurück.<br />

Vorstand Jens Rottmair verlängert<br />

seinen Vorstandsvertrag bei<br />

der Kässbohrer Geländefahrzeug<br />

AG nicht. Der Vertrag endet<br />

am 30. April 2023. Der<br />

55-Jährige möchte sich aus dem<br />

Berufsleben zurückziehen und<br />

sich mehr um Frau, Kinder und<br />

seine Eltern kümmern. Er war<br />

17 Jahre beim Pistenbully-<br />

Hersteller. „Der Rückzug kam<br />

für uns unerwartet“,<br />

sagt<br />

Pressesprecherin<br />

Maria Schackert.<br />

Sie betonte,<br />

dass es keinerlei<br />

Zerwürfnis<br />

gegeben<br />

habe. Rottmair<br />

verantwortet<br />

die Bereiche<br />

Entwicklung,<br />

Beschaffung,<br />

Produktion und Logistik, Service<br />

und Vertrieb. Der Aufsichtsrat<br />

beschloss, die von ihm<br />

geführten Bereiche künftig in<br />

zwei Vorstandsressorts aufzuteilen.[!]<br />

ref<br />

Skeptischer<br />

Blick in Zukunft<br />

Konjunktur Es seien vor allem<br />

die seit Jahresbeginn rasant gestiegenen<br />

Energie- und Rohstoffpreise,<br />

die die <strong>Unternehmen</strong><br />

im Kreis Göppingen belasten.<br />

Zudem wirkten sich die erheblichen<br />

Störungen in den<br />

Lieferketten, insbesondere bei<br />

Elektronikbauteilen, ebenfalls<br />

negativ aus und ließen die Preise<br />

rasant stiegen, berichtet die<br />

IHK-Bezirkskammer Göppingen<br />

von ihrer Frühsommer-Konjunkturumfrage.<br />

Viele <strong>Unternehmen</strong><br />

seien nicht in der Lage<br />

diese Kostensteigerungen vollständig<br />

an ihre Kundinnen und<br />

Kunden weiterzugeben und gerieten<br />

so zunehmend unter<br />

Druck. Der andauernde Ukraine-Krieg<br />

mit den damit einhergehenden<br />

Sanktionen im Russlandgeschäft<br />

treffe die Göppinger<br />

Exportwirtschaft zusätzlich,<br />

die mit eigentlich sehr guten Erwartungen<br />

und Aufträgen ins<br />

Jahr gestartet war. Ein drohendes<br />

Öl- und Gasembargo verunsichere<br />

die <strong>Unternehmen</strong> erheblich.<br />

[!]<br />

rai<br />

Hoffnung für Gläubiger<br />

Schlecker Vor dem Landgericht<br />

und dem Berufungsgericht ist<br />

der Insolvenzverwalter von<br />

Schlecker vor zwei Jahren gescheitert,<br />

nun hat der Bundesgerichtshof<br />

(BGH) Gläubigern<br />

Hoffnung gemacht. Die Frage<br />

ist, ob der ehemaligen Drogeriekette<br />

durch ein Kartell aus Drogerieartikel-Herstellern<br />

ein Millionenschaden<br />

entstanden ist.<br />

Mindestens 2<strong>12</strong>,2 Millionen<br />

Investition Bosch Rexroth<br />

steckt in den kommenden Jahren<br />

80 Millionen Euro in den<br />

Standort Elchingen. Jede zweite<br />

Anlage in der Zerspanung soll<br />

im Zuge dessen ersetzt werden.<br />

Alles in allem erhält der Standort<br />

100 neue Anlagen. Bosch<br />

Rexroth modernisiert bis 2027<br />

nicht nur den Bestand, es geht<br />

bei dem Hydraulik-Hersteller<br />

auch um den Ausbau der Kapazität:<br />

Schon im laufenden Jahr<br />

Euro Schadenersatz fordert Insolvenzverwalter<br />

Arndt Geiwitz<br />

von den Herstellern. Am BGH<br />

zeichnete sich nun ab, dass das<br />

Oberlandesgericht über den Fall<br />

womöglich noch einmal verhandeln<br />

muss. Der Vorsitzende<br />

Richter Wolfgang Kirchhoff formulierte<br />

Zweifel an dem damaligen<br />

Urteil. Ein Urteil wird jedoch<br />

erst im Oktober erwartet.<br />

[!]<br />

cast<br />

Rexroth investiert<br />

werden daher acht neue Anlagen<br />

die Komponentenfertigung<br />

verstärken und zwar in den Bereichen<br />

Drehen, Wärmebehandlung,<br />

Schleifen, Fügen und Montieren.<br />

Aktuell beschäftigt das<br />

<strong>Unternehmen</strong> am Standort Elchingen<br />

rund 2300 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter. Im laufenden<br />

Jahr sollen insgesamt 50<br />

neue Stellen hinzukommen, 36<br />

davon sind mittlerweile bereits<br />

besetzt. [!]<br />

jkl


6<br />

FINANZIEREN unternehmen [!]<br />

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI<br />

Um nicht die Produktion zu gefährden, sollten Betriebe längere Lieferzeiten einplanen und ihre Kunden aktiv zur Bezahlung auffordern.<br />

In der Krise aktiv werden<br />

Finanzen Lieferengpässe und rasant steigende Rohstoff- und hohe Energiepreise machen<br />

vielen Firmen zu schaffen. Wie die Verantwortlichen strategisch gegensteuern können.<br />

An diesem Morgen läuft<br />

die Produktion bei der<br />

Joobst Metallbeschichtung<br />

GmbH in<br />

Lagenau auf Hochtouren. Während<br />

vorne in der Halle Stanzund<br />

Pressmaschinen dröhnen,<br />

lodern im hinteren Teil Flammen<br />

aus den Öfen, in denen Metall<br />

eingeschmolzen wird. Joobst<br />

produziert etwa Beschläge, die<br />

dann pulverbeschichtet und lackiert<br />

werden. Zu den Abnehmern<br />

gehören Baumärkte und<br />

Fachhändler. Obwohl die Auftragsbücher<br />

des Familienbetriebs<br />

gut gefüllt sind, herrscht<br />

in der Chefetage schlechte Stimmung.<br />

„Wir haben Probleme,<br />

Rohstahl und andere Metalle,<br />

die wir verarbeiten, zu bekommen.<br />

Die Märkte sind zeitweise<br />

wie leergefegt“, berichtet Geschäftsführer<br />

und Mitinhaber<br />

Heiner Joobst. „Wenn wir doch<br />

mal was bekommen, müssen wir<br />

Mondpreise zahlen.“ Gleichzeitig<br />

seien die Kosten für Energie<br />

und Logistik durch die Decke<br />

gegangen. „Und wenn die Gasversorgung<br />

aus Russland wirklich<br />

gekappt wird, werden wir<br />

wohl fünf unserer sieben Öfen<br />

runterfahren müssen.“<br />

Die Sicherung<br />

der Liquidität<br />

hat im Moment<br />

weiterhin absolute<br />

Priorität.<br />

Matthias von Daacke<br />

Internationaler Controller Verein<br />

Der Krieg in der Ukraine hat<br />

die Situation für viele Mittelständler<br />

in Deutschland verschärft.<br />

Dabei hat fast die gesamte<br />

deutsche Industrie bereits<br />

seit Spätsommer vergangenen<br />

Jahres mit Lieferengpässen<br />

und steigenden Strompreisen zu<br />

kämpfen. Allein der Gaspreis<br />

hat sich in den letzten Monaten<br />

vervielfacht. „Wir versuchen,<br />

die höheren Produktionskosten<br />

da, wo wir können, an unsere<br />

Kunden weiterzugeben“, sagt<br />

Geschäftsführer Joobst. „Aber<br />

das wird nicht endlos lange weiter<br />

so funktionieren – auch,


unternehmen [!] FINANZIEREN 7<br />

wenn wir am Markt sehr gut positioniert<br />

sind.“ Einige Großkunden<br />

hätten ihnen mit Verweis<br />

auf bestehende Verträge<br />

auch klipp und klar mitgeteilt,<br />

dass es für Preisnachverhandlungen<br />

keinen Spielraum sehen.<br />

Joobst will, wie viele andere<br />

Unternehmer derzeit, seinen<br />

wahren Namen und den seines<br />

<strong>Unternehmen</strong>s an dieser Stelle<br />

nicht lesen. Verhandlungen mit<br />

Kunden über die Einhaltung von<br />

Zahlungszielen und einer Nachjustierung<br />

von Preisen sind<br />

trotz der angespannten Lage immer<br />

noch ein Tabuthema. Zu<br />

groß ist die Sorge, dass langjährige<br />

Geschäftsbeziehungen eskalieren<br />

könnten und Kunden<br />

als auch Mitbewerber den<br />

Schluss ziehen, dass die Liquidität<br />

im <strong>Unternehmen</strong> knapp ist<br />

und die Pleite droht.<br />

Bekannt ist aber das Ergebnis<br />

einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes<br />

Südwestmetall aus<br />

dem Mai: Demnach plagen ein<br />

Viertel der baden-württembergischen<br />

<strong>Unternehmen</strong> in der<br />

Metall- und Elektroindustrie<br />

laut Verbandschef Joachim<br />

Schulz existenzielle Sorgen. Die<br />

Kostenlawine sei mittlerweile<br />

auf breiter Front ausgebrochen,<br />

während sich die Möglichkeiten<br />

zur Umwälzung auf die Endkunden<br />

zunehmend einengten.<br />

Die Frage ist, was Mittelständler<br />

in dieser Situation tun<br />

können. „Die Sicherung der Liquidität<br />

hat im Moment weiterhin<br />

absolute Priorität“, unterstreicht<br />

Matthias von Daacke,<br />

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender<br />

des Internationalen<br />

Controller Vereins (ICV). Und<br />

auch Tillmann Peeters, Gründungspartner<br />

und Geschäftsführer<br />

des Beratungsunternehmens<br />

Falkensteg empfiehlt: „Angesichts<br />

der explodierenden Kosten<br />

für Energie und Rohstoffe<br />

sowie der Lieferengpässe ist<br />

professionelles Liquiditätsmanagement<br />

für Mittelständler gefragter<br />

denn je.“<br />

Dabei helfen ein paar einfache<br />

Maßnahmen <strong>Unternehmen</strong>sverantwortlichen,<br />

die betrieblichen<br />

Finanzen im Griff zu<br />

behalten:<br />

Nach vorn schauen<br />

Das A und O für eine funktionierende<br />

Liquiditätssicherung<br />

ist eine vorausschauende Finanzplanung.<br />

„Damit sollte man<br />

nicht erst anfangen, wenn das<br />

Geld anfängt knapp zu werden“,<br />

sagt Peeters. Wer nur in den<br />

Rückspiegel schaue und sein<br />

<strong>Unternehmen</strong> nach den laufenden<br />

Zahlen steuere, werde es angesichts<br />

der schwierigen Rahmenbedingungen<br />

schwer haben.<br />

Zu diesem Patentrezept rät der<br />

Berater: „Eine Liquiditätsplanung<br />

für die kommenden drei<br />

Monate machen.“ Dabei sollen<br />

die Unternehmer von konservativen<br />

Annahmen ausgehen: „Die<br />

eigenen Kunden zahlen später<br />

als vereinbart, gleichzeitig werden<br />

eigene Verbindlichkeiten<br />

pünktlich beglichen.“ Optimal<br />

sei eine <strong>12</strong>- bis 18-Monatsplanung,<br />

die dann immer wieder<br />

laufend an die aktuelle Situation<br />

angepasst wird.<br />

Viele <strong>Unternehmen</strong> haben im vergangenen Jahr ihre Lager befüllt,<br />

damit ist aber auch viel Kapital gebunden.<br />

Working Capital optimieren<br />

Viele Firmen haben auf steigende<br />

Frachtraten, unterbrochene<br />

Lieferketten und Versorgungsengpässe<br />

im vergangenen Jahr<br />

strategisch reagiert und ihr Materiallager<br />

aufgestockt, um lieferfähig<br />

zu bleiben. Problem dabei:<br />

Mit dem höheren Lagerbestand<br />

wird immer mehr teures<br />

Kapital im <strong>Unternehmen</strong> gebunden.<br />

Wichtig ist nun, die Balance<br />

zu finden, um einerseits nicht<br />

in Liquiditätsengpässe zu laufen,<br />

andererseits aber auch nicht<br />

die Produktion zu gefährden.<br />

Das gelingt zum Beispiel, indem<br />

längere Lieferzeiten einkalkuliert<br />

werden und einzelne Aufträge<br />

gestreckt werden. „Auf der


8<br />

FINANZIEREN unternehmen [!]<br />

Mittel gegen den finanziellen Engpass<br />

zum zweiten oder dritten Mal in diesem<br />

Jahr über höhere Preise sprechen<br />

zu müssen“, weiß Peeters.<br />

Doch jeden Tag, den die Verantwortlichen<br />

damit warten, kostet Geld<br />

und lässt unter Umständen die Verluste<br />

anschwellen. Eine faire Möglichkeit<br />

für beide Seiten sind Peeters<br />

zufolge Kontrakte mit variablen<br />

Preisen. So müsse nicht immer wieder<br />

nachverhandelt werden. Gerade<br />

große Konzerne setzten nach den<br />

Erfahrungen des Beraters jedoch<br />

häufig auf die schlechtere Verhandlungsposition<br />

von Mittelständlern,<br />

die Angst haben, Kunden zu verlieren.<br />

„Die meisten Betriebe sollten<br />

selbstbewusst auftreten, weil die<br />

Berater können<br />

schwierige<br />

Verhandlungen<br />

übernehmen, die sind<br />

hinterher wieder weg.<br />

Tillmann Peeters<br />

Falkensteg<br />

Um ihre Liquidität zu erhalten, sollten <strong>Unternehmen</strong> frühzeitig auf Gläubiger zugehen.<br />

Viele Firmen haben seit der<br />

Pandemie mit Umsatzrückgängen<br />

und Liquiditätsengpässen<br />

zu kämpfen. Die Sonderprogramme<br />

staatlicher<br />

Förderbanken wie KfW und<br />

L-Bank sind weitgehend ausgelaufen.<br />

Fraglich ist, ob mit<br />

Kundenseite müssen die Firmen dagegen<br />

aktives Forderungsmanagement<br />

betreiben“, so Peeters.<br />

Finanzierungsquellen abklopfen<br />

<strong>Unternehmen</strong> mit gesunder Bilanz<br />

dürften kaum Schwierigkeiten haben,<br />

eine Erhöhung ihrer Kontokorrentlinie<br />

bei ihrer Hausbank<br />

durchzubekommen. Doch angesichts<br />

sich mehrender Anzeichen einer<br />

Rezession dürften die Geldhäuser<br />

in den kommenden Monaten immer<br />

zurückhaltender werden mit<br />

neuen Krediten. „Daher sollten die<br />

Verantwortlichen in den Betrieben<br />

anfangen, sich mit alternativen, Asset-basierten<br />

Finanzierungsquellen<br />

einer Rezession neue Hilfen<br />

seitens der Politik aufgelegt<br />

werden. Sinnvoll ist es daher,<br />

wenn <strong>Unternehmen</strong>sverantwortliche<br />

frühzeitig auf Finanzierungspartner<br />

und Gläubiger<br />

zugehen und mit Verweis auf<br />

die aktuelle Situation darüber<br />

Zur Person<br />

Tillmann Peeters<br />

ist Geschäftsführer<br />

von Falkensteg und<br />

verantwortet dort<br />

die Bereiche Restrukturierung<br />

und<br />

Insolvenzberatung.<br />

Er ist Rechtsanwalt<br />

und Fachanwalt für<br />

Insolvenzrecht.<br />

verhandeln, ob Stundungen<br />

beziehungsweise eine Verlängerung<br />

von Zahlungszielen angeboten<br />

werden können. Experten<br />

empfehlen in diesem<br />

Fall, immer vorab einen stimmigen<br />

Liquiditätsplan auszuarbeiten.<br />

zu beschäftigen“, sagt Peeters. Dazu<br />

gehören etwa Leasing und Factoring<br />

ebenso wie die Möglichkeit, den Lagerbestand<br />

durch sogenanntes Finetrading<br />

vorzufinanzieren oder vorhandene<br />

Immobilien und Maschinen<br />

zu beleihen.<br />

In Preisverhandlungen einsteigen<br />

Das Naheliegendste für Firmen ist,<br />

die gestiegenen Kosten an Kunden<br />

weiterzureichen. Damit diese Gespräche<br />

jedoch zum Erfolg führen,<br />

sind Fingerspitzengefühl und gute<br />

Kommunikation gefragt. „Viele <strong>Unternehmen</strong><br />

tun sich schwer damit,<br />

nach Jahren mit einer guten Geschäftsbeziehung,<br />

vielleicht schon<br />

Abnehmer derzeit kaum Alternativen<br />

haben, um überhaupt an Ware<br />

zu kommen. Sie riskieren also, dass<br />

sie leere Regale haben, wenn der<br />

Mittelständler hart bleibt“, macht<br />

Peeters Mut. Wer die schwierigen<br />

Verhandlungen scheut, könne auch<br />

seinen Berater damit beauftragen.<br />

„Der ist hinterher wieder weg, sodass<br />

das Verhältnis zwischen den eigentlichen<br />

Vertragsparteien keinen<br />

großen Schaden nimmt.“<br />

Einstellung ändern<br />

Liquidität planen, Forderungen reinholen,<br />

Preise erhöhen – eigentlich<br />

sind die meisten Maßnahmen banal<br />

und lassen sich in jedem<br />

Managementhandbuch nachlesen.<br />

Aber bei der Umsetzung in die betriebliche<br />

Praxis hapert es dann oft<br />

in den <strong>Unternehmen</strong>. „Das ist ein<br />

bisschen wie mit den guten Vorsätzen<br />

zu Silvester“, weiß Peeters und<br />

resümiert: „Wichtig ist es daher, sich<br />

den Ernst der aktuellen Situation bewusst<br />

zu machen, sein Mindset zu<br />

ändern und dann tatsächlich aktiv<br />

zu werden, um Gespräche zu führen<br />

anstatt zuzuwarten.“ Dann werden<br />

sich recht schnell auch erste Erfolge<br />

einstellen, ist der Experte überzeugt.<br />

[!] Thomas Luther


unternehmen [!] RESSORTAnzeige<br />

9<br />

Mieterhöhung – was tun angesichts der<br />

aktuellen Inflation?<br />

Die Inflation in Deutschland hat leider an<br />

Fahrt gewonnen. Die Inflationsrate in<br />

Deutsch land befindet sich mit 7,4 % im<br />

Monat April <strong>2022</strong> und 7,9 % im Monat Mai<br />

<strong>2022</strong> auf dem höchsten Stand seit 1981. Vor<br />

allem in Mietverhältnissen führt dies zu einem<br />

fortschreitenden Auseinanderfallen der<br />

ursprünglichen Äquivalenz von Leistung und<br />

Gegenleistung.<br />

Im Wohnraummietrecht gibt es gesetzliche Regelungen<br />

zur Mieterhöhung, mit denen Vermieter<br />

u.a. auf die Entwicklung des Verbraucherpreisindex<br />

reagieren und die Miete angemessen<br />

anpassen können. Für den Fall der<br />

Index mieterhöhung muss dies allerdings mietvertraglich<br />

vereinbart worden sein.<br />

Demgegenüber gibt es für Vermieter gewerblicher<br />

Immobilien keine gesetzlichen Re gel ung en<br />

zur Mieterhöhung. Als gewerblicher Vermieter<br />

ist man allerdings nicht handlungsunfähig. Bei<br />

richtiger Vertragsgestaltung kann auch der gewerbliche<br />

Vermieter solchen inflationsbedingten<br />

Verschiebungen entgegenwirken. Dies kann<br />

durch die Vereinbarung notwendiger Wertsicherungsklauseln<br />

im Mietvertrag erfolgen.<br />

Äquivalenzverhältnis erhalten<br />

Eine Wertsicherungsklausel hat den Zweck,<br />

das ursprüngliche Äquivalenzverhältnis zu erhalten<br />

und inflations­ (wie ggf. auch deflationsbedingte)<br />

Veränderungen auszugleichen.<br />

Wertsicherungsklauseln können nach geltendem<br />

Recht jedoch nicht grenzenlos vereinbart<br />

werden, sondern unterliegen den Vorgaben<br />

des sog. Preisklauselgesetzes (PrKG). Für die<br />

Gewerberaummiete sind dabei die sog. Verbraucherpreisindexklauseln<br />

nach § 3 Abs. 1<br />

PrKG von Relevanz.<br />

Insbesondere in Zeiten hoher inflationärer<br />

Schwankungen bzw. Veränderungen sollten<br />

sowohl Vermieter als auch Mieter bestehende<br />

Vertragsunterlagen sichten, ob Verbraucherpreisindexklauseln<br />

oder sonstige Wertsicherungsvereinbarungen<br />

getroffen wurden.<br />

Mietverträge prüfen lassen<br />

Für Vermieter kann die Mieterhöhung aufgrund<br />

einer vereinbarten – jedoch nicht selten<br />

in Vergessenheit geratenen – Wertsicherungsklausel<br />

in Anbetracht der aktuell rasch ansteigenden<br />

Inflationsraten eine wirtschaftlich notwendige<br />

Maßnahme sein. Auch an die Anpassung<br />

der Mietdauerrechnung ist dabei zu<br />

denken.<br />

Aber auch Mieter sollten ihre Verträge sowohl<br />

auf das Vorhandensein als auch auf die Wirksamkeit<br />

einer vereinbarten Wertsicherungsklausel<br />

prüfen lassen. Denn Wertsicherungsklauseln,<br />

die gegen das Preisklauselgesetz verstoßen,<br />

sind nicht automatisch unwirksam. Sie<br />

werden vielmehr erst unwirksam, wenn dies<br />

das hierfür zuständige Gericht rechtskräftig<br />

festgestellt hat. Vorher bleibt die Klausel wirksam<br />

und der Vermieter kann Mieterhöhungen<br />

geltend machen. Verstößt also eine Wertsicherungsklausel<br />

gegen das Preisklauselgesetz,<br />

sollte der Mieter handeln.<br />

Wertsicherung der Miete<br />

Vermieter hingegen sind in Anbetracht steigender<br />

Preise insbesondere im Rahmen von<br />

Mietvertragsverhandlungen, aber auch Verhandlungen<br />

über Vertragsverlängerungen o.ä.<br />

gut beraten, eine Wertsicherung der Miete zu<br />

vereinbaren. Dies gilt insbesondere vor dem<br />

Hintergrund, dass ansonsten, vor allem bei<br />

langfristiger Festmietzeit, keine Möglichkeit<br />

Ihr Ansprechpartner:<br />

Dr. Benjamin Riedel,<br />

Partner | Rechtsanwalt, Fachanwalt für<br />

Miet­ und Wohnungseigentumsrecht<br />

Tel: +49 731 37958­0<br />

benjamin.riedel@sonntag­partner.de<br />

mehr besteht, die Miete an die Gegebenheiten<br />

und Veränderungen des Marktes anzupassen.<br />

Wenn (künftige) Mietvertragsparteien über eine<br />

Regelung zur Mieterhöhung verhandeln<br />

oder der Vermieter eine Mieterhöhung geltend<br />

machen bzw. der Mieter eine Mieterhöhung abwehren<br />

möchte, ist auf jeden Fall eine individuelle<br />

Analyse und Beratung zu empfehlen.<br />

SONNTAG | stark an Ihrer Seite.<br />

Auch bei Fragen zum Thema Mietrecht.<br />

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10<br />

TITELTHEMA unternehmen [!]<br />

Sein Job ist eine Mischung aus<br />

Emotion und Wirtschaftlichkeit:<br />

Gerd Hofele, Geschäftsführer<br />

von Frisch Auf Göppingen.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11<br />

„Wir machen unsere<br />

Wurzeln sichtbar“<br />

Frisch Auf Göppingen Kaum eine Mannschaft in der Handball-Bundesliga hält die Balance<br />

zwischen Tradition und Moderne so gut wie das Team aus Göppingen. Doch die Folgen der<br />

Pandemie sind für den Zuschauer- und Mannschaftssport enorm. Ein Gespräch mit<br />

Geschäftsführer Gerd Hofele über Adrenalinkicks, Solidarität und stabile Strukturen.<br />

Die Saison war spannend bis zuletzt: Wieviel Euphorie<br />

hat die Qualifzierung für den Europapokal bei Ihnen,<br />

im Verein und im Umfeld ausgelöst?<br />

Gerd Hofele: Das Team hat mit seinen gezeigten Leistungen<br />

unser Saisonziel „Erreichen des 1. Tabellendrittels<br />

der Handball-Bundesliga plus Qualifikation<br />

für einen internationalen Wettbewerb“ absolut erfüllt.<br />

Dies ist für alle Beteiligten ein toller Erfolg und zahlt<br />

auf die Markenbekanntheit von Frisch Auf Göppingen<br />

ein. Es führt zu einer hohen Akzeptanz bei Sponsoren,<br />

Freundeskreismitgliedern und Fans von Frisch<br />

Auf.<br />

Was unterscheidet Ihre Aufgabe als Geschäftsführer<br />

von Frisch Auf Göppingen von der Arbeit eines Geschäftsführers<br />

eines Mittelständlers?<br />

Beim Sport geht es immer um Emotionen.<br />

Wir erleben im Wochenrhythmus<br />

Siege oder Niederlagen.<br />

Das ist fast, wie wenn ein <strong>Unternehmen</strong><br />

wöchentlich eine kleine<br />

Bilanz veröffentlichen würde. Diese<br />

Emotionalität aber auch die Nähe<br />

zu den Fans, die mit ihrer Mannschaft<br />

mitfiebern, macht einen<br />

besonderen Reiz aus. Den wird man in einem normalen<br />

Wirtschaftsunternehmen so nicht finden.<br />

Wie gehen Sie mit dem wöchentlichen Adrenalinkick<br />

um?<br />

Für unsere Spieler ist es einfacher. Sie können ihre<br />

Gefühle auf dem Spielfeld ausleben. Das Management<br />

hingegen hat während des Spiels keine Einflussmöglichkeiten<br />

mehr. Dazu kommt, dass wir<br />

natürlich nicht nur Sieg oder Niederlage im Kopf<br />

haben, sondern auch die jeweiligen wirtschaftlichen<br />

Konsequenzen. Ganz ehrlich, manchmal würde ich<br />

gern auf dieses Wechselbad der Gefühle verzichten.<br />

Was ist das Schönste an Ihrem Job?<br />

Handball ist eine Mannschaftssportart. Das heißt:<br />

Wir feiern Erfolge gemeinsam und geben uns in herausfordernden<br />

Zeiten gegenseitig Halt. Im Vergleich<br />

zum Fußball besteht eine weitaus größere<br />

Manchmal<br />

würde ich<br />

gerne auf das<br />

Wechselbad der<br />

Gefühle verzichten.<br />

Nähe zu den Fans. Es gibt keine Berührungsängste.<br />

Stattdessen ist eine große Verbundenheit zwischen<br />

Spielern und Unterstützern spürbar.<br />

Was macht den Handball sportlich und wirtschaftlich<br />

besonders?<br />

Vor allem die Dynamik und Schnelligkeit. Die deutsche<br />

Bundesliga ist eine der stärksten Ligen überhaupt.<br />

Man weiß nie wie ein Spiel ausgeht. Anders<br />

als in Wirtschaftsunternehmen befinden wir uns in<br />

einer assoziativen Konkurrenz-Situation. Wir können<br />

das Produkt „Handball“ nur gemeinsam mit<br />

unseren Gegnern anbieten. Die wiederum haben oft<br />

sehr ähnliche sportliche Ziele. Das ist schon sehr<br />

spannend.<br />

Sie sind seit 2008 alleiniger Geschäftsführer<br />

von Frisch Auf und<br />

seit 20<strong>12</strong> Vizepräsident Finanzen<br />

der Handball-Bundesliga. Was waren<br />

seither die größten Veränderungen<br />

im Handballsport, bei Frisch Auf<br />

und in Ihrer Arbeit?<br />

Das größte Thema war und ist mit<br />

Sicherheit die Professionalisierung.<br />

Zu meinen Anfangszeiten waren wir in der<br />

zweiten Liga, über vier Jahre haben wir uns in die<br />

erste Bundesliga gekämpft und konnten uns dort<br />

etablieren. Heute haben wir eine ganz andere<br />

TV-Präsenz. Auch die Professionalisierung der<br />

Sportler und des wirtschaftlichen Umfelds ist kaum<br />

zu vergleichen.<br />

Welche Trends prägen die Handball-Bundesliga?<br />

Einer davon ist sicher, dass man in größere Hallen<br />

geht. Deshalb war auch unser Hallenausbau hier in<br />

Göppingen ein wichtiger Schritt. Inzwischen sind<br />

nicht mehr nur Traditionsvereine, sondern auch<br />

viele Landeshauptstädte in der Liga vertreten. Ich<br />

finde, Frisch Auf hat die Verbindung von Tradition<br />

und Moderne am besten gemeistert. Das sieht man<br />

auch schon in der Halle, wo es zum Beispiel noch<br />

dieselben Sitze wie vor dem Umbau gibt. Das war<br />

auch Teil unseres Umbau-Konzeptes: Die Wurzeln<br />

Zur Person<br />

Fast 30 Jahre ist es<br />

her, dass Gerd Hofele<br />

selbst auf dem Handballfeld<br />

stand – als<br />

Linksaußen in der<br />

Zweiten Bundesliga,<br />

zuletzt bei Frisch Auf<br />

Göppingen (1989 bis<br />

1993). Der heute<br />

57-Jährige studierte<br />

Wirtschaftswissenschaften<br />

in Hohenheim,<br />

parallel Sport im<br />

Magisterstudium (bis<br />

zur Zwischenprüfung)<br />

und arbeitete als wissenschaftlicher<br />

Mitarbeiter<br />

und freiberuflicher<br />

<strong>Unternehmen</strong>sberater.<br />

1997 stieg als<br />

Management-Mitglied<br />

bei Frisch Auf ein, seit<br />

2001 ist er Geschäftsführer<br />

der Frisch Auf<br />

Göppingen Management<br />

und Marketing<br />

GmbH, seit 2008 deren<br />

alleiniger Geschäftsführer.<br />

Zudem<br />

ist er seit 20<strong>12</strong> Vize-Präsident<br />

Finanzen<br />

der Handball-Bundesliga.


<strong>12</strong><br />

TITELTHEMA unternehmen [!]<br />

„Die aktuell wohl größte<br />

Herausforderung für alle<br />

Clubs ist es, nach der<br />

Pandemie die Zuschauer<br />

zurückzugewinnen“, sagt<br />

Gerd Hofele.<br />

sichtbar machen. Gleichzeitig konnten wir in den<br />

vergangenen Jahren viele Erfolge feiern.<br />

Das kostet viel Geld.<br />

Der Großteil unseres Etats sind Personalkosten.<br />

Das ist klar: Handball ist ein professioneller Sport –<br />

aber eben auch ein Zuschauersport. Vor Corona<br />

hatten wir sehr viele Dauerkarten im Umlauf. Rund<br />

3300 zu Höchstzeiten. Mehr wollten wir bei rund<br />

4000 Sitzplätzen gar nicht rausgeben. Vor dem Hallenumbau<br />

waren bei 2600 Plätzen fast alle Frisch<br />

Auf-Karten dauerhaft vergriffen. Mit dem Fernsehvertrag<br />

und den dadurch geänderten Anwurfzeiten<br />

hat sich das gewandelt.<br />

Der TV-<br />

Vertrag<br />

hat uns 500<br />

Dauerkarten<br />

gekostet.<br />

Warum?<br />

Anstatt Samstagabends wird seitdem Sonntagnachmittags<br />

gespielt. Anfangs sogar sonntags um <strong>12</strong>:30<br />

Uhr. Das war ein Paradigmenwechsel, der uns gut<br />

500 Dauerkarten gekostet hat. Durch Corona hat<br />

sich die Situation weiter verändert. Vergangenes<br />

Jahr hatten wir rund 1600 Dauerkarten verkauft. Unser<br />

Ziel im nächsten Jahr ist es, die 2000-Grenze zu<br />

knacken und langfristig wieder auf 3000 verkaufte<br />

Dauerkarten zu kommen.<br />

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?<br />

Die aktuell wohl größte Herausforderung für alle<br />

Clubs ist es, die Zuschauer zurückzugewinnen.<br />

Nicht nur im Handball, sondern in allen Zuschauer-Sportarten.<br />

Der pandemiebedingte Zeitraum ohne<br />

Besucher war sehr lang. Das Freizeitverhalten<br />

hat sich verändert.<br />

Wie wollen sie das erreichen?<br />

Aktuell arbeiten wir als Liga daran, Spielbesuche<br />

noch attraktiver zu machen. Ein Thema könnte verschiedene<br />

Preiskategorien und Dauerkartenmodelle<br />

beinhalten. Das schließt Ermäßigungen für Schüler<br />

und Studierende mit ein, genauso wie ein<br />

Vater-Sohn-Ticket oder ein Ticket, dessen Halter in<br />

bestimmten Abständen eine Zusatzperson mitbringen<br />

kann. Eine andere Maßnahme ist etwa, ob Musikeinspielungen<br />

nicht nur in der Pause, sondern<br />

auch während des Spiels möglich sind um den<br />

Event-Charakter zu unterstreichen. Abgesehen von<br />

solchen Überlegungen gilt auch: Je erfolgreicher<br />

unser Team unterwegs ist, umso interessanter sind<br />

die Spiele.<br />

Wie sehr hat die Corona-Krise der Handball-Bundesliga<br />

geschadet?<br />

Die Spiele vor leeren Rängen waren wirtschaftlich<br />

eine große Herausforderung. In diesem Zeitraum<br />

haben wir extrem vom TV-Vertrag profitiert. So<br />

konnten wir weiterhin stattfinden, waren weiterhin<br />

präsent. Nur 2020 wurde die Saison abgebrochen.<br />

Aber natürlich variieren die coronabedingten<br />

Verluste je nach Hallengröße stark. Topclubs<br />

wie der THW Kiel generieren näherungsweise<br />

vier Millionen Euro allein aus dem Ticketing in der<br />

Bundesliga ohne Champions League. Die hatten<br />

also größere Verluste als kleinere Vereine mit kleineren<br />

Hallen.


unternehmen [!] TITELTHEMA 13<br />

Aber in Summe waren alle betroffen.<br />

Ja, das Schöne war, dass sehr schnell eine sehr hohe<br />

Solidarität zu spüren war. Es gab WhatsApp-Gruppen<br />

wie die „ligaweite Handballwerkstatt“ oder<br />

auch eine Baden-Württemberger-Gruppe, in der Erfahrungen<br />

geteilt wurden. So musste nicht jeder<br />

Verein das Rad neu erfinden. Das habe ich in meiner<br />

Zeit im Sport in dieser Intensität noch nie erlebt.<br />

Von Liga-Seite gab es alle zwei Wochen Telefonkonferenzen<br />

mit allen Erst- und Zweitligisten. Es<br />

wurden ligaübergreifende Strukturen geschaffen,<br />

über Lobbyarbeit, Berufsgenossenschaftsbeiträge<br />

und die Sport-Coronahilfe gesprochen. Letztere hat<br />

schon einiges abgefedert. Insgesamt wurden von<br />

2020 bis <strong>2022</strong> bis zu 2,3 Millionen Euro pro Bundesligisten<br />

bereitgestellt.<br />

Hat Frisch Auf auch Kurzarbeitergeld erhalten?<br />

Ja, das war eine große Hilfe – ebenso wie der Gehaltsverzicht<br />

unserer Mitarbeiter und die große Solidarität<br />

unserer Sponsoren. Vor dem ersten Lockdown<br />

hatten wir noch fünf zu absolvierende<br />

Heimspiele. Fünf von 17. Die fehlenden Einnahmen<br />

sorgten zunächst für ein Minus von etwa 1,3 Millionen<br />

Euro. Das konnten wir glücklicherweise durch<br />

die verschiedenen Maßnahmen, Hilfen und Solida-<br />

Gerd Hofele freut sich über die Solidarität unter den Handball-Bundesligisten.<br />

making<br />

places<br />

motivating<br />

usm.com


14<br />

TITELTHEMA unternehmen [!]<br />

ritäten abfangen, so dass wir insgesamt gut durch<br />

die Krise gekommen sind. Ein anderes Problem war<br />

und ist aber die Nachwuchssituation. Gerade im<br />

Breitensport. Dort war die Zwangspause ja deutlich<br />

länger. Viele Vereine stehen vor der Herausforderung,<br />

ihre Sportarten oder den Sport generell wieder<br />

attraktiv zu machen. Vor allem auch für Jugendliche.<br />

Wie wichtig sind die TV-Einnahmen für die Handball-Bundesligisten?<br />

Rein monetär betrachtet, spielen sie keine herausragende<br />

Rolle. Wir haben als Liga einen<br />

TV-Vertrag über circa vier Millionen<br />

Euro im Jahr. Diese<br />

Einnahmen werden auf alle Bundesligisten<br />

aufgeteilt, ein Teil<br />

davon fließt auch in die zweite Liga.<br />

Aber die erhöhte Medienpräsenz<br />

bietet uns wertvolle Wachstumspotenziale.<br />

Inzwischen ist es<br />

so, dass alle 306 Bundesliga-Spiele live übertragen<br />

werden. Zu einem großen Teil im Pay-TV auf Sky,<br />

aber teilweise auch im Free-TV im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen.<br />

Das ist extrem wichtig für alle<br />

Sportarten. Wir befinden uns sogar in einem Premium-Umfeld,<br />

ähnlich wie die Fußball-Bundesliga.<br />

Handball gilt bereits im Vergleich zu weniger nachgefragten<br />

Sportarten als Zugpferd, das ist eine gute<br />

Ausgangssituation für einen neuen TV-Vertrag.<br />

Wie geht es weiter?<br />

Der Vertrag läuft nach der nächsten Saison aus. Ein<br />

Fortführungsangebot liegt bereits auf dem Tisch.<br />

Unsere<br />

Sponsoren<br />

steuern 60 Prozent<br />

unserer Einnahmen<br />

bei.<br />

Wir analysieren aktuell aber noch den Markt und<br />

haben weitere Marktangebote eingeholt. Noch<br />

bleibt es also spannend, auf welcher Plattform<br />

Handball künftig zu sehen sein wird.<br />

Wie verteilen sich die drei Ertragssäulen Medien,<br />

Fans und Sponsoring bei Frisch Auf?<br />

Ganz grob kann man sagen, wir nehmen 60 Prozent<br />

über Sponsoren, 20 Prozent durch Zuschauer und<br />

weitere 20 Prozent durch sonstige Verträge und<br />

Vermarktungen ein. Insgesamt ist also Sponsoring<br />

der Hauptbestandteil und deckt etwa unseren Personalkostenanteil<br />

von 60 Prozent.<br />

Mit dem Ausbau unserer Halle<br />

konnten wir den Einnahmenanteil<br />

durch Zuschauer steigern. Aber<br />

auch bei 4000 Sitzplätzen und einer<br />

Gesamtkapazität von 5600 Besuchern<br />

gibt es eine natürliche<br />

Grenze.<br />

An der Tabellenspitze stehen die Vereine mit den<br />

größten Hallen.<br />

Das ist nicht verwunderlich, weil sie mehr Budget<br />

zur Verfügung haben. Andererseits ist Göppingen<br />

auch keine Großstadt. Wir haben regionale Strukturen,<br />

von denen die Halle und das Spielerlebnis leben.<br />

Oft bekommen wir positive Rückmeldungen,<br />

dass die Halle so organisch gewachsen wirkt. Außerdem<br />

stellt die EWS Arena einen multifunktionalen<br />

Gebäudekomplex dar, in dem Schul-, Vereinsund<br />

Spitzensport aufeinander abgestimmt<br />

stattfinden. Dadurch haben wir einen Wettbewerbsvorteil<br />

in der Liga.


unternehmen [!] TITELTHEMA 15<br />

ausmacht, gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Trotzdem<br />

hat sich Teamviewer für das Engagement entschieden.<br />

Dafür sind wir sehr dankbar. Die Partnerschaft<br />

war ein weiterer entscheidender Faktor, dass<br />

wir gut aus der Pandemie gekommen sind.<br />

Die Einkommen im<br />

Profi-Handball sind stark<br />

gestiegen. „Fünfstellige<br />

Netto-Gehälter im Monat<br />

sind keine Seltenheit“, sagt<br />

der Frisch-Auf-Geschäftsführer.<br />

Wie viel Anerkennung und Neid haben Sie in der Liga<br />

erfahren, als der damalige Börsenüberflieger Teamviewer<br />

im Jahr 2020 bei Frisch Auf eingestiegen ist?<br />

Neid ist uns überhaupt nicht entgegengeschlagen,<br />

vielmehr Glückwünsche von allen Seiten. Teamviewer<br />

ist ein toller globaler Partner, der auch die<br />

Attraktivität der gesamten Liga deutlich macht.<br />

Welche Möglichkeiten eröffnet Frisch Auf diese<br />

Partnerschaft?<br />

Interessant waren ja nicht nur neue wirtschaftliche<br />

Möglichkeiten, sondern auch der Zeitpunkt, seitdem<br />

Teamviewer mit uns zusammenarbeitet. Mitten<br />

in der Corona-Pandemie. Das ist bemerkenswert,<br />

denn vieles was den Sport normalerweise<br />

Wären die Vertragsverlängerungen mit den Nationalspielern<br />

Sebastian Heymann und Marcel Schiller<br />

ohne Teamviewer möglich gewesen?<br />

Das muss man getrennt voneinander sehen. Marcel<br />

ist schon deutlich länger bei Frisch Auf und spielt<br />

links außen. Sebastian spielt auf der Königsposition<br />

Rückraum links, gleichzeitig kann er in der Abwehr<br />

den Mittelblock decken. Das ist ein sehr seltenes<br />

Gesamtpaket und ich bin mir sicher, dass er den<br />

Handballsport der nächsten Jahre mitprägen kann.<br />

Ich denke, mit Marcel wären wir uns auch unabhängig<br />

von Teamviewer einig geworden. Da haben wir<br />

mit WMF einen Partner, der uns hier geholfen hat.<br />

Bei Sebastian wäre eine Verlängerung ohne Teamviewer<br />

vermutlich nicht möglich gewesen.<br />

Hat jeder Spieler einen Firmenpaten, der die wirtschaftliche<br />

Perspektive absichert?<br />

Nicht jeder, aber wir haben die Möglichkeit, so etwas<br />

für jeden Spieler zu entwickeln. Das umfasst<br />

dann beispielsweise das Tragen des Firmenschriftzugs<br />

oder auch mal die persönliche Präsenz bei einer<br />

Firmenveranstaltung.<br />

Wie gut verdient man als Handball-Profi?<br />

Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt.<br />

Fünfstellige Netto-Gehälter im Monat sind für<br />

Spitzenspieler keine Seltenheit mehr. Es gibt auch<br />

bei absoluten Top-Spielern Ausreißer nach oben,<br />

die mehr als eine halbe Million im Jahr verdienen.<br />

Das Engagement von Teamviewer war langfristig<br />

angedacht, aber zunächst auf zwei Jahre befristet.<br />

Wie geht es weiter?<br />

Sicherlich wird das erfolgsabhängig sein, aber eine<br />

Perspektive gibt es auf jeden Fall. Die zwei Jahre<br />

sind jetzt schon um und Teamviewer wird uns auch<br />

nächstes Jahr unterstützen. Momentan sind alle<br />

sehr zufrieden mit der Partnerschaft. Da wir den<br />

Teamviewer<br />

wird uns<br />

über die zwei<br />

Jahre hinaus<br />

unterstützen.<br />

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16<br />

TITELTHEMA unternehmen [!]<br />

Elf nationale Titel, fünf Europapokalsiege und 6,3 Millionen Euro Budget<br />

Die Fans von Frisch Auf verwandeln die EWS-Arena in die „Hölle Süd“, eine der stimmungsvollsten Kulissen in der Handball-Bundesliga.<br />

Nicht nur die Kempa-Buben haben seit<br />

den 1950er und 1960er Jahren Frisch Auf<br />

Göppingen zur Legende gemacht. Der Verein<br />

hat elf nationale Meisterschaften und fünf<br />

Europapokal-Siege geholt. Mit Platz fünf in<br />

der Bundesliga hat sich das Team aus Göppingen<br />

in der kommenden Saison für den Europapokal<br />

qualifiziert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr<br />

2021/22 (30. Juni) betrug das<br />

Budget rund 6,3 Millionen Euro. Das dürfte<br />

sich mit Blick auf Neuverpflichtungen weiter<br />

erhöhen, wird aber erst zum Saisonauftakt<br />

bekannt gegeben.<br />

Der Profisport ist in die Frisch Auf Göppingen<br />

Management und Marketing GmbH ausgegliedert.<br />

Knapp die Hälfte der Anteile halten<br />

Sponsoren, die restlichen gehören dem<br />

Hauptverein. Das ist die 1896 gegründete<br />

Turn- und Polizeisportgemeinschaft Frisch<br />

Auf Göppingen e.V (aktuell 1552 Mitglieder).<br />

Die Handball-Abteilung gibt es seit 1920.<br />

Die Management und Marketing GmbH<br />

beschäftigt rund 40 Mitarbeiterinnen und<br />

Mitarbeiter, darunter etliche in Teilzeit und<br />

Minijobs. Bei den Heimspielen unterstützen<br />

hunderte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer<br />

Frisch Auf. Zu den Verantwortlichen gehören<br />

neben Geschäftsführer Gerd Hofele, sein<br />

Stellvertreter Peter Kühnle, der Sportliche<br />

Leiter Christian Schöne, Alexander Kolb, Leiter<br />

Spielbetrieb, und Trainer Hartmut Mayerhoffer.


Sprung in den Europapokal geschafft haben und<br />

nächste Saison international spielen, ist das noch<br />

interessanter fürs <strong>Unternehmen</strong>. Man muss ja aber<br />

auch sehen, dass Teamviewer mit uns sein Sportsponsoring<br />

entwickelt hat. Das war letztlich die<br />

Voraussetzung für die spektakulären Partnerschaften<br />

mit der Fußballmannschaft Manchester United<br />

aus der englischen Premier League und dem Mercedes-Formel-1<br />

Team. Das macht auch uns stolz.<br />

Was bedeutet die Europapokal-Teilnahme in Euro<br />

und Cent?<br />

Für uns ist der Imagegewinn wichtiger. Die European<br />

League mit den Auswärtsspielen bietet uns<br />

und auch den Fans besondere Highlights. Ich bekomme<br />

schon Gänsehaut wenn ich nur an den Gewinn<br />

der Liqui-Moly EHF-Cup-Finals 2017 in der<br />

heimischen EWS Arena in Göppingen denke. Das<br />

war schon beeindruckend. Für die Marke Frisch Auf<br />

Die Europapokal-Teilnahme<br />

in der kommenden<br />

Saison sei in erster Linie<br />

ein Imagegewinn und für<br />

die Marke Frisch Auf<br />

wertvoll, sagt Gerd Hofele.<br />

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18<br />

RESSORT unternehmen [!]<br />

Interview in einer der<br />

Sponsoren-Logen: „Im<br />

Europapokal haben wir<br />

vom ersten Zuschauer an<br />

einen positiven Deckungsbeitrag“,<br />

sagt Geschäftsführer<br />

Gerd Hofele.<br />

ist die Europapokal-Teilnahme besonders wertvoll.<br />

Ich bin mir sehr sicher, dass alle Mannschaften der<br />

Bundesliga bis mindestens Platz zwölf die Zielsetzung<br />

haben, im Europapokal zu spielen.<br />

Und wirtschaftlich?<br />

Früher gab es Clubs, die sagten, eine Europapokal-Teilnahme<br />

bringt ihnen keinen monetären Vorteil.<br />

Bei uns ist es aufgrund der Halleninvestitionen<br />

grundlegend anders, wir haben im Europapokal<br />

vom ersten Zuschauer an einen positiven Deckungsbeitrag.<br />

Warum?<br />

Vor 15 Jahren wurden in den Ausbau<br />

unserer Halle vier Millionen Euro<br />

investiert. Zwei Millionen Euro aus<br />

unserem Etat, 2 Millionen Euro an<br />

Landeszuschüssen. Wir haben der<br />

Stadt Göppingen 3 Millionen Euro<br />

garantiert und festgelegt, dass eventuelle<br />

Landeszuschüsse zu jeweils<br />

50 Prozent auf unseren Investitionskostenanteil<br />

angerechnet werden.<br />

In der Folge hatten wir beim Pachtvertrag, der<br />

übernächstes Jahr ausläuft, deutlich bessere Konditionen.<br />

Es gibt zudem in der neu geschaffenen<br />

European League als Nachfolgewettbewerb des<br />

EHF-Cups Reisekosten-Zuschüsse sowie Punktprämien<br />

oder Prämien fürs Erreichen der Gruppenphase.<br />

Pi mal Daumen könnten wir durch die<br />

Europapokal-Teilnahme einen zusätzlichen Spieler<br />

für den Kader finanzieren – den wir aber auch<br />

brauchen werden, da wir nach Überstehen der<br />

Qualifikationsrunde und Erreichen der Gruppenphase<br />

mindestens zehn zusätzliche Spiele hätten.<br />

Mit einem<br />

guten Mix im<br />

Kader behalten<br />

wir die Nähe zu<br />

den Fans.<br />

Wirtschaftlich interessanter an der Europapokal-Teilnahme<br />

ist die steigende Attraktivität für<br />

bestehende und zukünftige Sponsoren.<br />

Wie schwierig ist es, einen so traditionsreichen Club<br />

wie Frisch Auf wieder erfolgreich zu machen?<br />

Da gibt es viele Bausteine. Ein wichtiges Markenelement<br />

für uns ist und bleibt ein erfolgreicher Mix aus<br />

international, national und regional erfolgreichen<br />

Spielern. Dadurch behalten wir auch die Nähe zu<br />

unseren Fans. Diese Balance ist wichtig. Natürlich<br />

sind auch die „Hölle Süd“, der unverwechselbare<br />

Name Frisch Auf sowie die Vereinsfarben Grün und<br />

Weiß relevante Markenelemente.<br />

Als Frisch Auf für den Sponsor Teamviewer<br />

die Trikotfarbe auf Blau-Weiß<br />

geändert hat, gab es aber einen Aufschrei<br />

von Fans.<br />

Das war eine besondere Situation. Ich<br />

habe es damals immer wieder betont,<br />

dass wir nicht unsere Vereinsfarben<br />

aufgeben. Sondern „nur“ die Trikotfarbe<br />

wechselt. Ich sage das im Wissen,<br />

dass die Trikotfarbe selbstverständlich eine<br />

große Rolle spielt, auch für mich. Letztlich sind wir<br />

unserem Partner Teamviewer damit entgegengekommen.<br />

Das ändert aber nichts daran, dass alle<br />

zentralen Elemente wie Logo, Pokalsiege in Form<br />

von Sternen, unsere Namen und auch unsere Vereinsfarben<br />

Grün-Weiß selbst im Trikot sichtbar<br />

bleiben.<br />

Wie zukunftsfähig sind die wirtschaftlichen Strukturen<br />

von Frisch Auf?<br />

Ich würde sagen, extrem zukunftsfähig. Aus dem


unternehmen [!] TITELTHEMA 19<br />

früheren Beirat haben wir schon vor Jahren einen<br />

Aufsichtsrat und einen Wirtschaftskreis gebildet.<br />

Uli Weiss und Hubert Nägele sind damals schon<br />

Gesellschafter geworden, unsere höchste Partnerebene.<br />

Insgesamt sitzen sechs Wirtschaftsgrößen im<br />

Aufsichtsrat von Frisch Auf plus zwei Personen aus<br />

dem Finanzbereich sowie der Präsident des Frisch<br />

Auf Göppingen e.V.. Im Wirtschaftskreis werden<br />

diese neun Firmen um etwa 15 weitere ergänzt. Für<br />

uns bedeuten diese Strukturen Stabilität. Unsere<br />

Wirtschaftspartner haben auch beim Ausbau der<br />

EWS-Arena gebürgt. Dieser wäre ohne diese organische<br />

Verbindung nicht umsetzbar gewesen.<br />

Welche Rolle spielt das Nachwuchscenter für die<br />

Zukunft von Frisch Auf?<br />

Das Nachwuchscenter haben wir neu aufgebaut<br />

und legen langfristige Strukturen an. Seit der letzten<br />

Saison gibt es eine zweite hauptamtliche Stelle im<br />

Jugendbereich. Dazu gehört zum Teil auch, dass wir<br />

eine neue Stelle für digitale Medien und Social Media<br />

geschaffen haben. Denn es ist wichtig, dort unterwegs<br />

zu sein, wo der Nachwuchs auch unterwegs<br />

ist. Schritt für Schritt bauen wir die Nachwuchsförderung<br />

aus. Aktuell fließen rund fünf Prozent unseres<br />

Etats in dieses Segment.<br />

Was war Ihr emotionalster Moment in Ihrer Zeit bei<br />

Frisch Auf als Spieler und Manager?<br />

Emotionale Momente gab es viele. Etwas ganz Besonderes<br />

war der bereits erwähnte Gewinn der Liqui<br />

Moly-EHF-Cup-Finals 2017 in Göppingen. Wir<br />

waren der Außenseiter und es war bereits ein großer<br />

Kraftakt, das Event überhaupt hierher zu holen.<br />

Natürlich war es auch ein finanzielles Risiko, das<br />

wir mit Unterstützung unseres Wirtschaftskreises<br />

gestemmt haben. Als es dann soweit war und wir es<br />

tatsächlich in die Finalrunde geschafft hatten, kam<br />

Magdeburg seit 25 Spielen ungeschlagen hier an.<br />

Wir haben trotzdem gewonnen. Berlin hat den Sekt<br />

daraufhin sozusagen schon kaltgestellt, weil sie<br />

dachten der Sieg im Finale sei ihnen sicher. Aber<br />

wir haben sie mit den Fans im Rücken aus der Halle<br />

gefegt. Das war Wahnsinn. Darüber hinaus war<br />

auch der erste unserer vier EHF-Cup-Titel im Briefkopf<br />

bemerkenswert.<br />

Welchen Moment würden Sie gerne noch erleben?<br />

Ganz klar: Wir freuen uns darauf, wieder international<br />

zu spielen und wollen bestenfalls einen neuen<br />

Titel in der European League gewinnen. Das<br />

würde sicherlich auch unseren Briefkopfweiter<br />

aufwerten.<br />

Das Interview führten<br />

NZW-Redakteurin Susann<br />

Schönfelder-Kuhn<br />

und Alexander Bögelein,<br />

Redaktionsleiter<br />

unternehmen[!]<br />

Fotos: Giacinto Carlucci


Von der Alb in die Welt: Die<br />

Strickmaschinen werden in<br />

Albstadt gefertigt.<br />

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.<br />

Energiesicherheit<br />

weiterstricken<br />

Stromversorgung Wer produziert, braucht Energie – auch wenn Gas knapp<br />

und Strom immer teurer werden. Der Strickmaschinen-Hersteller Mayer &<br />

Cie setzt auf Blockheizkraftwerke. Es gibt aber auch Alternativen.<br />

Da muss eine alte Frau lange<br />

für stricken: Die Relanit 3.2<br />

HS schafft gut <strong>12</strong>,5 Millionen<br />

Maschen. Pro Minute.<br />

Die Rundstrickmaschine ist ein Erfolgsmodell,<br />

sie kommt vom Strickmaschinen-Spezialist<br />

Mayer & Cie<br />

in Albstadt. Das in vierter Generation<br />

familiengeführte <strong>Unternehmen</strong><br />

ist weltweit im Geschäft, die Relanit<br />

und ihre Kolleginnen stricken<br />

rund um den Globus Stoffe für alle<br />

Fälle, für T-Shirts und Badeanzüge,<br />

für Nachtwäsche, Matratzen- und<br />

Sitzbezüge.<br />

Hergestellt werden die Maschinen<br />

im Stammwerk der Firma in<br />

Albstadt-Tailfingen. Seit Mitte der<br />

1930 gibt es Mayer-Rundstrickmaschinen,<br />

das Firmenareal wurde immer<br />

wieder erweitert. Das ist einer<br />

der Gründe, warum sich die Geschäftsführung<br />

schon vor Jahren<br />

entschieden hat, die energetische<br />

Sanierung des gesamten <strong>Unternehmen</strong>s<br />

einzuleiten. „Wir haben auch<br />

Gebäude aus den 1960er Jahren.<br />

Energetisch sind die katastrophal,<br />

die Energiepreise haben damals<br />

kaum jemanden interessiert“, sagt<br />

Geschäftsführer Benjamin Mayer.<br />

Zunächst wurde in Albstadt ein<br />

Gesamtkonzept erstellt und dann<br />

Schritt für Schritt abgearbeitet. 2014<br />

das Kaltwassernetz auf dem 35 000<br />

Quadratmeter großen Firmengelände<br />

saniert, dann die Kältemaschinen<br />

ausgetauscht und die Drucklufterzeugung<br />

modernisiert. Die Vernetzung<br />

der Hallen und Gebäude wurde<br />

zudem vorangetrieben.<br />

In den 1960er<br />

Jahren haben<br />

Energiepreise kaum<br />

jemanden<br />

interessiert.<br />

Benjamin Mayer<br />

Mayer & Cie<br />

Denn alle sollen vom letzten Baustein<br />

der energetischen Sanierung<br />

profitieren: den beiden Blockheizkraftwerken<br />

(BHKW), die ab sofort<br />

per Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung<br />

für Strom, Wärme und Kälte in Tailfingen<br />

sorgen. Bis zu 90 Prozent der<br />

Heizenergie sollen sie liefern, dazu<br />

die Hälfte des Stroms und im Sommer<br />

auch 50 Prozent der für die Kühlung<br />

nötigen Energie. Die ist in der<br />

Produktion bei Mayer besonders<br />

wichtig. Die komplexen Metallteile<br />

für die Rundstrickmaschinen benötigen<br />

gleichbleibende Temperaturen<br />

in den Werkshallen, damit sie sich<br />

nicht verziehen. Insgesamt sollen<br />

die gasbefeuerten BHKW mehr als<br />

1000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr<br />

einsparen.<br />

Doch es soll nicht nur die Umwelt<br />

profitieren. Mayer hat auch die Kosten<br />

im Blick: „Unsere CNC-Fräsen<br />

laufen 24 Stunden am Tag und ziehen<br />

ordentlich was weg.“ In normalen<br />

Jahren gibt das <strong>Unternehmen</strong> bis<br />

zu 1,5 Millionen Euro für Energie<br />

aus. Aber normal war gestern. Jetzt<br />

ist Gaskrise, mit immer schneller<br />

steigenden Preisen. Immerhin sind<br />

die neuen BHKWs sehr effizient. Ihr<br />

Wirkungsgrad liegt bei rund 90 Prozent,<br />

die alten Heizölbrenner kamen<br />

auf 70 Prozent.<br />

Effizienz ist auch das Thema von<br />

Mustafa Süslü. Dem Leiter der Kompetenzstelle<br />

Energieeffizienz der<br />

IHK Ulm kommt diese in der Diskussion<br />

um Energiesicherheit, Öko-<br />

Strom und erneuerbare Energien zu<br />

Zur Person<br />

Benjamin Mayer ist<br />

Wirtschaftsingenieur.<br />

Nach dem Berufsstart<br />

bei BMW<br />

ging er zurück nach<br />

Albstadt. Seit 2014<br />

ist er einer von zwei<br />

geschäftsführenden<br />

Gesellschaftern bei<br />

MCT.<br />

Zur Person<br />

Mustafa Süslü ist<br />

Energie-Effizienzexperte<br />

bei der IHK<br />

Ulm. Nach dem Ingenieursstudium<br />

legte<br />

der 49-Jährige noch<br />

ein Wirtschaftswissenschafts-Studium<br />

samt Diplom und<br />

Promotion nach.


unternehmen [!] VERANTWORTEN 21<br />

selten vor. Denn: „Energie, die<br />

ich spare, muss ich gar nicht erst<br />

erzeugen.“ Das sei für alle besser<br />

– für die Firmen und die Umwelt.<br />

Effizienter werden könnten<br />

<strong>Unternehmen</strong> vielfach. „Bei<br />

der Lüftung, den Klimaanlagen,<br />

der Druckluft.“ Süslü hat die gesamte<br />

Gebäudeversorgungstechnik<br />

im Blick.<br />

Tausch spart Energie<br />

Aber auch in der Produktion<br />

schlummere viel Einsparpotential.<br />

Vor allem im Tausch alter<br />

Maschinen gegen neue, die weniger<br />

Energie verbrauchen. Dafür<br />

gebe es Zuschüsse über bis<br />

zu 30 Prozent der Investitionskosten,<br />

sagt Süslü, dessen Stelle<br />

aus Mitteln des Landes und<br />

der EU bezahlt wird und der Firmen<br />

kostenlos berät.<br />

Sich selbst sieht er als Strippenzieher,<br />

der <strong>Unternehmen</strong><br />

nicht nur berät und sensibilisiert,<br />

sondern sie auch mit geeigneten<br />

Beratern zusammenbringt.<br />

Denn nicht immer würden<br />

<strong>Unternehmen</strong> gut beraten.<br />

Bei einem <strong>Unternehmen</strong>, das<br />

sich keinen Rat bei der IHK geholt<br />

habe, seien die Blockheizkraftwerke<br />

letztlich zu groß dimensioniert<br />

worden „Sie produzieren<br />

viel mehr Energie als gebraucht<br />

wird.“ Die beiden<br />

BHKW bei Mayer dagegen seien<br />

maßgeschneidert.<br />

Dennoch, als Zukunftsmodell<br />

für viele andere nach sicherer<br />

Energieversorgung suchende<br />

Klein- und Mittelständler<br />

schätzt Norman Gerhardt Blockheizkraftwerke<br />

nicht ein. Diese<br />

seien zwar effizient, aber irgendwann<br />

stünden ihnen die immer<br />

strenger werdenden Emissionsvorschriften<br />

im Weg, sagt der<br />

Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut<br />

für Energiewirtschaft<br />

und Energiesystemtech-<br />

Für gleichbleibende Temperaturen in der Fertigung sollen Blockheizkraftwerke<br />

sorgen.<br />

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.<br />

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Ökologische Energie für Ulm ist unsere Mission. Und ein Ziel, für das wir uns mit 200 Mitarbeitern<br />

voller Kompetenz und Leidenschaft engagieren.<br />

Denn wir lieben was wir tun. Und arbeiten jeden Tag daran, Ulm ein wenig besser und nachhaltiger<br />

zu machen.<br />

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22<br />

VERANTWORTEN unternehmen [!]<br />

nik in Kassel. Außerdem solle in<br />

der Stromproduktion der Anteil<br />

der erneuerbaren Energien 2030<br />

schon bei 80 Prozent liegen.<br />

BHKW mit Kraft-Wärme-Kopplung<br />

arbeiteten aber fast immer<br />

mit Gas. Was er rät? Wie Süslü<br />

sieht er Effizienzmaßnahmen<br />

und Gebäudesanierungen ganz<br />

oben auf der Liste.<br />

Und was können die <strong>Unternehmen</strong><br />

noch tun? Die Sonne<br />

nutzen, Eigenstromerzeugung<br />

per Photovoltaik. Und Wärmepumpen<br />

nutzen für Heißwasser<br />

und Gebäudewärme. Auch<br />

Stromkaufvereinbarungen, sogenannte<br />

Power Purchase<br />

Agreements (PPA) könnten<br />

helfen. „PPA-Direktstrombezug<br />

kann eine Option sein,<br />

hängt aber von der Entwicklung<br />

der Strompreise und regulatorischen<br />

Rahmenbedingungen<br />

ab“, sagt Gerhardt.<br />

Dabei ordert ein <strong>Unternehmen</strong><br />

schon im Voraus Energiemengen,<br />

die es dann vom Vertragspartner<br />

über die gesamte<br />

Vertragslaufzeit zum fest vereinbarten<br />

Preis bekommt. Egal,<br />

wie sich der Markt entwickelt.<br />

Das kann besonders in Zeiten<br />

verrücktspielender Preissprünge<br />

Sicherheit in die Planung<br />

und Beruhigung in die Finanzabteilung<br />

bringen. Mit<br />

Blick auf die Strom-Eigenproduktion<br />

sagt Gerhardt klar:<br />

„Die Versorgungssicherheit<br />

kommt über das öffentliche<br />

Stromnetz. Die energieintensive<br />

Industrie muss ihre Energie<br />

hauptsächlich darüber beziehen.“<br />

Strickmaschinen für die ganze Welt<br />

Diese Pufferspeichern sind Teil des Energiekonzepts von<br />

Mayer & Cie.<br />

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.<br />

Gegründet wurde<br />

Mayer & Cie (MCT)<br />

in Albstadt-Tailfingen<br />

1905, seit 1935<br />

baut das <strong>Unternehmen</strong><br />

Rundstrickmaschinen<br />

und ist einer der<br />

führenden Hersteller<br />

weltweit. MCT<br />

hält mit Blick auf<br />

die verkauften Maschinen<br />

rund fünf<br />

Prozent des von<br />

vielen kleinen Herstellern<br />

geprägten<br />

Weltmarkts. Daneben<br />

produziert<br />

MCT Flechtmaschinen.<br />

450 Beschäftigte<br />

erwirtschafteten<br />

2021 einen<br />

Umsatz von 103<br />

Millionen Euro. In<br />

Tschechien und<br />

China gibt es Tochtergesellschaften.<br />

Für einige Branchen wie die<br />

energiehungrige Stahlherstellung<br />

könnte übergangsweise<br />

die Wasserstoff-vor-Ort-Erzeugung<br />

interessant werden. Jedenfalls<br />

so lange noch kein<br />

Wasserstoff-Netz in Deutschland<br />

verfügbar ist.<br />

Sicherheit in<br />

der Versorgung<br />

kommt über das<br />

öffentliche<br />

Stromnetz.<br />

Norman Gerhardt<br />

Fraunhofer-Institut<br />

Selbstgemachter Wasserstoff<br />

als Kraftstoff sei jedoch Zukunftsmusik,<br />

die neuen Blockheizkraftwerke<br />

bei Mayer in<br />

Albstadt dagegen sind schon Realität.<br />

Wenn sie laufen wie geplant,<br />

heißt das aber noch lange<br />

nicht, dass Mayer in Sachen<br />

Energie auf der sicheren Seite<br />

ist. Zu unsicher sind die Zeiten,<br />

besonders auf dem Energiemarkt.<br />

Ob und wie lange es noch<br />

genug Gas gibt, ist unklar.<br />

Um die Versorgung zu sichern,<br />

hat Geschäftsführer Benjamin<br />

Mayer aber einen Plan B<br />

in der Hinterhand: Die alten<br />

Heizanlagen stehen noch. Notfalls<br />

werden die wieder angefahren,<br />

sie verbrennen Öl. Dann<br />

bleibt es trotz Gaskrise wohltemperiert<br />

in den Werkshallen,<br />

damit die Relanits weiter stricken<br />

können. [!] <br />

Peter Buyer<br />

Kosten sparen durch Energieund<br />

Ressourceneffizienz<br />

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23<br />

Wintermayr ® Energiekonzepte expandiert<br />

– noch jede Menge Luft nach oben<br />

Das Familienunternehmen Wintermayr ® aus Ulm, mit seinen drei unterschiedlichen <strong>Unternehmen</strong>,<br />

stellt sich noch breiter auf und verstärkt weiter sein Mitarbeiterteam<br />

Kompetenz, Kontinuität und Kundenzufriedenheit<br />

sind nur ein Teil, welches die Wintermayr<br />

® Gruppe auszeichnet.<br />

Die Experten der Energieeffizienz, welche seit<br />

1994 zu den Pionieren der Beleuchtungseffizienz<br />

und -intelligenz gehören, beschäf tigen sich<br />

schon seit Jahren mit den Themen Beleuchtungsoptimierung,<br />

Spitzenlastoptimierung, Abwärmenutzung,<br />

Energiemanagement und Ressourceneffizienz.<br />

Getreu Ihrem Motto WIN ®<br />

„Wirtschaftlich. Intelligent. Nachhaltig.“ werden<br />

die Anlagen und Abläufe von unterschiedlichsten<br />

<strong>Unternehmen</strong> auf ein Maximum an Einsparung<br />

optimiert. Die Wintermayr ® Gruppe ist dabei<br />

deutschlandweit aktiv.<br />

Je nach Kundenbedarf kommt das richtige <strong>Unternehmen</strong><br />

zum Einsatz. Durch die schlanke<br />

und schlagkräftige Organisation, kann schnell<br />

und flexibel reagiert und somit optimale Ergebnisse<br />

erzielt werden. Individuelle Energiekonzepte<br />

mit nachweislicher Einspar-Kontrolle<br />

überzeugen die Kunden.<br />

In den letzten Jahren hat sich einiges getan und<br />

die Wintermayr ® Energiekonzepte Planung +<br />

Technik GmbH hat seine Leistungsbereiche<br />

2020, um die Elektromobilität und den Schaltschrankbau<br />

erweitert.<br />

Die Wintermayr ® Energiekonzepte Systemtechnik<br />

GmbH expandiert nun im Bereich Ressourceneffizienz.<br />

In diesem Zuge wurde auch<br />

das <strong>Unternehmen</strong> QUBE ® ING aus Berlin auf<br />

sie aufmerksam und erteilte Wintermayr ® den<br />

Entwicklungsauftrag im Bereich Materialeffizienz.<br />

Ein erfolgreiches Joint Venture wurde gebildet.<br />

Unser <strong>Unternehmen</strong> steht für Innovation und Kreativität: Andrea und Berndt Wintermayr, Alexander<br />

Wintermayr (v.l.n.r.).<br />

Foto: © Wintermayr<br />

Sie sind ein mittelständisches <strong>Unternehmen</strong><br />

aus dem Bereich Kunststoff / Metall und<br />

möchten herausfinden, welche Potentiale Ihnen<br />

zur Steigerung der Materialeffizienz vorliegen?<br />

Mit Ihren tiefgehenden Kenntnissen von Fertigungsprozessen<br />

sowie einer umfassenden Analyse<br />

der <strong>Unternehmen</strong>sstruktur kann die Wintermayr<br />

® Gruppe Ihnen genaue Verbesserungspotentiale<br />

aufzeigen.<br />

Wintermayr ® sucht weitere Pilotprojekte im<br />

Bereich Materialeffizienz und würde sich über<br />

eine Kontaktaufnahme freuen.<br />

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24<br />

VERANTWORTEN unternehmen [!]<br />

Zur Person<br />

Gerhard Girlich ist<br />

Professor für Rechnungswesen<br />

und<br />

Steuern an der<br />

Hochschule Biberach.<br />

Zuvor war er<br />

Prüfungsleiter in der<br />

Finanzverwaltung.<br />

Sparen auf<br />

zwei Reifen<br />

Dienstfahrrad Kein Sprit, kein Parkplatz und kein<br />

Stau. Immer mehr <strong>Unternehmen</strong> bieten ihren<br />

Beschäftigten Diensträder an. Dabei können sie<br />

auf unterschiedliche Modelle setzen.<br />

Das<br />

Fahrradleasing<br />

ist eine<br />

Win-win-Situation<br />

für alle Beteiligten.<br />

Petra Haberl<br />

ZF Friedrichshafen<br />

Dieses Modell kennen wohl<br />

die meisten: <strong>Unternehmen</strong><br />

leasen Autos und stellen sie<br />

ihren Mitarbeiterinnen und<br />

Mitarbeitern als Firmenfahrzeuge<br />

zur Verfügung, die sie dann für Arbeit<br />

und private Zwecke nutzen dürfen.<br />

Inzwischen rückt ein anderes<br />

Fortbewegungsmittel in den Mittelpunkt:<br />

das Fahrrad, vor allem, wenn<br />

es über Elektroantrieb verfügt.<br />

Seit September 2020 bietet zum<br />

Beispiel der weltweit drittgrößte<br />

Automobilzulieferer, die ZF Friedrichshafen<br />

AG, seiner Belegschaft<br />

Fahrradleasing an, und das mit enormer<br />

Resonanz: Aktuell nutzen 5000<br />

Beschäftigte der deutschen Standorte<br />

das Angebot. Abgewickelt wird<br />

das Ganze in Partnerschaft mit einem<br />

Fahrradhändler. „Es ist ausschließlich<br />

Leasing vorgesehen“, erklärt<br />

ein <strong>Unternehmen</strong>ssprecher,<br />

„zur Auswahl stehen Fahrräder und<br />

E-Bikes der gängigen Marken.“ Die<br />

monatliche Nutzungsrate für das<br />

Fahrrad werde per Bruttoentgeltumwandlung<br />

vom Entgelt des Mitarbeiters<br />

einbehalten. Die Versicherung<br />

für das Leasingfahrrad übernimmt<br />

ZF.<br />

Dass so viele ZFler das Angebot<br />

nutzen, liegt auch daran, dass sich<br />

Steuervorteile eher beim Leasing<br />

von diesen Zweirädern bemerkbar<br />

machen und sich alle Mitarbeiter –<br />

dank günstiger Monatsraten – ein<br />

solches Pedelec leisten können. Dieses<br />

Konzept fördere letztlich nicht<br />

nur die Gesundheit, sondern, so Petra<br />

Haberl, die beim <strong>Unternehmen</strong><br />

mit Hauptsitz in Friedrichshafen zu<br />

Anfang des Projekts zuständig war,<br />

„schont auch die Umwelt und bietet<br />

die Möglichkeit, neue Mobilitätskonzepte<br />

auszuprobieren. Eine<br />

Win-win-Situation für alle Beteiligten.“<br />

Ein Dienstrad kann sich<br />

für Arbeitgeber rechnen. <br />

Foto: © stockphoto-graf/adobe.<br />

stock.com<br />

Mitarbeiter motivieren<br />

Für die Projektverantwortlichen ist<br />

klar, dass Fahrradleasing den Geist<br />

der Zeit treffe. Für ZF sei das Thema<br />

Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit<br />

einer der wichtigsten<br />

Beweggründe gewesen: „Unser Ziel<br />

ist, diese Mitarbeitenden durch einen<br />

attraktiven Benefit zu halten<br />

und so auch leichter neue qualifizierte<br />

Mitarbeitende zu gewinnen“,<br />

erklärt Haberl.<br />

Der Chefredakteur der Zeitschrift<br />

Finanztest, Hermann-Josef<br />

Tenhagen, ist sich sicher, dass dieser<br />

Sektor angesichts steigender<br />

Spritpreise sowie Parkplatzkosten<br />

noch weiterwachsen wird. Der Ratgeber<br />

des Magazins zum Thema<br />

Dienstfahrrad wurde in den vergangenen<br />

zwei Jahren bereits 800 000<br />

Mal abgerufen. „Seit zehn Jahren besteht<br />

diese Möglichkeit“, erläutert<br />

Tenhagen.<br />

„Der Chef kann sich überlegen,<br />

das Fahrrad quasi als Gehaltserhöhung<br />

für seine Angestellten zur Verfügung<br />

zu stellen.“ Das hat dann den<br />

Vorteil, dass Kosten wie Steuern<br />

oder Sozialversicherungsbeiträge,<br />

die beim Leasing durch die steuer-


unternehmen [!] VERANTWORTEN 25<br />

liche Anrechnung des geldwerten<br />

Vorteils für die Nutzer und<br />

Nutzerinnen anfallen, entfallen.<br />

Die Arbeitgeber können ihre Investitionen<br />

als Betriebsausgaben<br />

absetzen. „Als Arbeitgeber<br />

kann ich natürlich<br />

überlegen,<br />

ob das Abschreibungs-<br />

modell für<br />

mich nicht<br />

komfortabler<br />

ist als das Leasing-Modell,<br />

weil es unkomplizierter<br />

ist“,<br />

Bereits seit<br />

zehn Jahren<br />

besteht die<br />

Möglichkeit zum<br />

Dienstfahrrad.<br />

Hermann-Josef Tenhagen<br />

Finanztest<br />

ergänzt der<br />

Wirtschaftsjournalist.<br />

Diese Variante, das Dienstfahrrad<br />

als zusätzlicher Arbeitslohn<br />

anzusetzen, hat auch bei<br />

der lohnsteuerlichen Behandlung<br />

für die Beschäftigten große<br />

Vorteile, wie der Professor<br />

für Rechnungswesen und Steuern<br />

an der Hochschule Biberach<br />

Gerhard Girlich definiert:<br />

„Wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer<br />

zusätzlich zum ohnehin<br />

geschuldeten Arbeitslohn<br />

ein betriebliches Fahrrad unentgeltlich<br />

überlässt,<br />

ist diese<br />

Überlassung<br />

zu 100 Prozent<br />

steuerfrei und<br />

damit auch beitragsfrei<br />

in der<br />

Sozialversicherung.“<br />

Anders<br />

ausgedrückt:<br />

Statt einer Gehaltserhöhung<br />

erhalte der Arbeitnehmer ein<br />

Dienstfahrrad zur freien Nutzung<br />

für die Fahrten zwischen<br />

Wohn- und Arbeitsort sowie für<br />

private Fahrten und muss für<br />

diese Gehaltserhöhung keine<br />

Steuern und Sozialversicherungsbeiträge<br />

bezahlen.<br />

Arbeitgeber gehen davon aus, dass diejenigen, die zur Arbeit radeln,<br />

etwas für ihre Gesundheit tun. Foto: © Halfpoint/Shutterstock.com<br />

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Wenn viele Angestellte vom Dienstrad Gebrauch machen, braucht es genügend Stellplätze.<br />

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Bruttogehalt 3.500 € 3.500 €<br />

abzüglich Leasingrate (Barlohnumwandlung) -0 € -79,37 €<br />

Arbeitgeberzuschuss bei Leasing per Barlohnumwandlung +0 € + 25 €<br />

Bruttogehalt nach Barlohnumwandlung 3.500 € 3.445,63 €<br />

zuzüglich geldwerter Vorteil +0 € +6 € (0,25%)<br />

Besteuerungsgrundlage 3.500 € 3.451,63 €<br />

abzüglich Lohnsteuer -534,75 € - 521,83 €<br />

abzüglich Solidaritätszuschlag -29,41 € -28,70 €<br />

abzüglich Rentenversicherung -325,50 € - 321,00 €<br />

abzüglich Krankenversicherung -274,75 € - 270,95 €<br />

abzüglich Pflegeversicherung - 62,<strong>12</strong> € - 61,27 €<br />

abzüglich Arbeitslosenversicherung - 42,00 € - 41,42 €<br />

Nettobetrag 2.231,47 € 2.206,46 €<br />

abzüglich versteuerter geldwerter Vorteil -0 € -6 €<br />

Auszahlungbetrag 2.231,47 € 2.200,46 €<br />

Nettobelastung 31,01 €<br />

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Gängig sei aber das Leasingmodell.<br />

„Der Arbeitgeber macht<br />

einen Deal mit einem Fahrradhändler<br />

und vereinbart Leasingverträge<br />

für zahlreiche Beschäftigte“,<br />

erklärt Tenhagen weiter.<br />

„Das ist inzwischen recht günstig,<br />

solange der Arbeitgeber etwas<br />

beisteuert – er überlässt mir<br />

das Fahrrad, beteiligt sich an<br />

den Leasingraten und ist dann<br />

auch der Leasingnehmer.“<br />

Im Rahmen einer Beispielrechnung,<br />

die Finanztip durchgeführt<br />

hat, ergeben sich bei einem<br />

Bruttomonatsgehalt von<br />

3500 Euro, Steuerklasse I und einer<br />

Zuzahlung durch das <strong>Unternehmen</strong><br />

von 25 Euro monatliche<br />

Kosten für die Nutzer von<br />

31 Euro für ein E-Bike mit einem<br />

Gesamtwert von 2500 Euro (siehe<br />

Kasten). Ganz wichtig dabei:<br />

Das <strong>Unternehmen</strong> sollte sich<br />

beim Dienstfahrradmodell immer<br />

finanziell beteiligen, sonst<br />

gelten die Beschäftigten als Leasingnehmer<br />

und müssten sämtliche<br />

Kosten allein tragen.<br />

„Die Chefs und Chefinnen<br />

Die Chefs<br />

glauben,<br />

dass Fahrradfahren<br />

die Leute<br />

gesund hält.<br />

Hermann-Josef Tenhagen<br />

Finanztest<br />

glauben, dass Fahrradfahren die<br />

Leute gesund hält, und da sucht<br />

man attraktive Lösungen“, erläutert<br />

der Chefredakteur den<br />

Reiz für die <strong>Unternehmen</strong>, „das<br />

ist so ähnlich wie bei der betrieblichen<br />

Altersvorsorge.“ Die<br />

Angestellten können dann zusätzlich<br />

noch die Pendlerpauschale<br />

pro gefahrenen Kilometer<br />

zwischen Wohnung und Arbeitsstätte<br />

absetzen.<br />

Im Raum Berlin gab es jedenfalls<br />

bereits die Situation, dass<br />

<strong>Unternehmen</strong> ihren Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeitern Fahrräder<br />

zur Verfügung stellten, damit<br />

sie nicht mehr mit ihren Autos<br />

im Stau stehen mussten.<br />

Davon profitieren die Firmen<br />

dann im besten Fall in mehrfacher<br />

Weise: Ihre Mitarbeiter tun<br />

etwas für ihre Gesundheit, kommen<br />

ohne Stau entspannter am<br />

Arbeitsplatz an und sind – sollte<br />

ihnen keine Reifenpanne dazwischen<br />

kommen – auch noch<br />

pünktlich am Schreibtisch, in<br />

der Werkshalle oder im Verkauf.<br />

[!] Wilfried Urbe


unternehmen [!] RESSORTAnzeige<br />

27<br />

Seit 1974 kommen aus Illertissen leistungsfähige Reinigungsgeräte für Profis und anspruchsvolle Verbraucher. Qualifiziertes Personal in Entwicklung und<br />

Fertigung sowie eine moderne Produktion sind Garant für hohe Qualität.<br />

Hier ist Gründlichkeit zu Hause<br />

Fotos: Josef Kränzle GmbH & Co. KG<br />

Hochdruckreiniger von Kränzle sind weltweit gefragt<br />

Seit 1974, als Josef Kränzle dort seine Firma<br />

gründete, kommen aus Illertissen leistungsfähige<br />

Reinigungsgeräte für Profis und anspruchsvolle<br />

Verbraucher. Aus dem Ein-<br />

Mann-Betrieb ist ein weltweit tätiges <strong>Unternehmen</strong><br />

mit ca. 250 Mitarbeitern entstanden,<br />

das sich nach wie vor in Familienhand befindet.<br />

Die vergangenen beiden Jahre waren<br />

zwar von Einschränkungen durch die Pandemie<br />

und Herausforderungen bei der Materialbeschaffung<br />

geprägt. Kränzle ist es jedoch<br />

nicht nur gelungen, diese Phase gut zu überstehen;<br />

sie gehört sogar zur erfolgreichsten in<br />

der <strong>Unternehmen</strong>sgeschichte.<br />

Den anhaltenden Erfolg verdankt das <strong>Unternehmen</strong><br />

vor allem seiner besonderen Leidenschaft<br />

für Gründlichkeit und der klaren Ausrichtung<br />

an höchster Qualität in jedem Detail.<br />

Die Geräte von Kränzle wie auch das umfangreiche,<br />

ausgeklügelte Zubehörprogramm werden<br />

immer unter der Maßgabe entwickelt,<br />

den Anwender bestmöglich bei seiner Arbeit<br />

zu unterstützen. Darüber hinaus setzt man in<br />

Illertissen auf hochwertige Materialien sowie<br />

eigene Entwicklung und Fertigung durch qualifizierte<br />

Mitarbeiter am Standort. Ein wichtiger<br />

Faktor ist außerdem die enge Zusammenarbeit<br />

mit erfahrenen Fachhandelspartnern.<br />

entwicklung hat damals in den Siebzigern alles<br />

begonnen. Denn Josef Kränzle wollte sich<br />

mit dem, was am Markt angeboten wurde,<br />

nicht zufriedengeben. So hat sein junges <strong>Unternehmen</strong>,<br />

zunächst noch als Auftragsfertiger<br />

für andere Hersteller, die Technik kontinuierlich<br />

weiterentwickelt. Daraus ist die Marke<br />

Kränzle erwachsen, die mit ihrem breiten Produktprogramm<br />

inzwischen Kunden in aller<br />

Welt beliefert. Die Pumpe, nach wie vor zentrale<br />

Komponente der Geräte, wird heute aus<br />

hochwertigem Sondermessing gefertigt und<br />

zeichnet sich durch Höchstleistung sowie lange<br />

Lebensdauer aus.<br />

Gründliche Sauberkeit und Hygiene<br />

Das spielt nicht erst seit Corona sowohl in Betrieben<br />

wie auch in Privathaushalten eine immer<br />

wichtigere Rolle. Das Sortiment von<br />

Kränzle bietet passende Geräte und umfangreiches<br />

Zubehör für die unterschiedlichsten<br />

Einsatzzwecke rund um Haus, Hof und Garten.<br />

Das Angebot reicht vom tragbaren Allrounder<br />

für den Einsteiger bis zur Heißwasser-Hochleistungsmaschine<br />

für den professionellen<br />

Anwender.<br />

Verkauft werden die Geräte ausschließlich<br />

über den qualifizierten Fachhandel. Hier wird<br />

der Kunde umfassend beraten und findet die<br />

richtige Gerätekonstellation für seine Anforderungen.<br />

Und damit der Fachhändler auch<br />

bei Reparatur und Wartung immer auf dem<br />

Als Ehrenbürger ist<br />

Seniorchef Josef<br />

Kränzle seinem<br />

Geburtsort durch<br />

zahlreiche Engagements<br />

in Sport und<br />

Ehrenamt stets eng<br />

verbunden.<br />

Für seine Verdienste wurde er mit dem<br />

Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.<br />

Darüber hinaus ist Josef Kränzle Träger des<br />

Bundesverdienstkreuzes.<br />

Das Herzstück eines Hochdruckreinigers ist<br />

seine Pumpe.<br />

Mit deren Entwicklung, oder besser: Weiterneuesten<br />

Stand ist, führt Kränzle für seine<br />

Partner regelmäßige Schulungen mit hauseigenen<br />

Experten durch.<br />

Josef Kränzle GmbH & Co. KG<br />

Rudolf-Diesel-Straße 20<br />

89257 Illertissen<br />

Tel. +49 7303 96 05 0<br />

www.kraenzle.com


FOTOS: MARC HÖRGER<br />

Am Hauptsitz in Senden findet die Endmontage und Forschung statt. Die Produktion ist ausgelagert.<br />

Entstaubt zu neuem Erfolg<br />

Esta Der Spezialist für Absauganlagen und Schwimmbadtechnik mit Sitz in Senden feiert<br />

sein 50jähriges Bestehen. Mit vorhandenen Strukturen und neuen Ideen will Inhaber Peter<br />

Kulitz das Familienunternehmen fit für die Zukunft machen.<br />

Das <strong>Unternehmen</strong> verkaufen,<br />

richtig Kasse<br />

machen und dann Golf<br />

spielen, wäre nicht<br />

mein Ding“, stellt Peter Kulitz<br />

klar. Der Unternehmer ist auch<br />

nach 25 Jahren immer noch begeistert,<br />

selbstständig gestalten<br />

zu können, Entwicklungspotentiale<br />

zu erkennen und Chancen<br />

zu nutzen. Umtriebig wie man<br />

ihn als Unternehmer, früheren<br />

Präsidenten der IHK Ulm und<br />

Anwalt kennt, plant er die Zukunft<br />

seines <strong>Unternehmen</strong>s mit<br />

der Flexibilität eines Mittelständlers,<br />

der umgehend auf<br />

Veränderungen reagieren kann.<br />

Der bereit ist, immer wieder „in<br />

neue Welten einzutauchen“ und<br />

alternativ zur Planung spontan<br />

und intuitiv zu handeln.<br />

Eine Möglichkeit, die er auch<br />

den drei Kindern einräumt, die<br />

inzwischen im <strong>Unternehmen</strong> tätig<br />

sind. Für sie gibt es keinen<br />

vorbestimmten Weg, die Nachfolgeregelung<br />

wird sich finden,<br />

da ist Kulitz ganz zuversichtlich<br />

und an Aufhören denkt er derzeit<br />

ohnehin nicht. Eher an eine<br />

Umstrukturierung des <strong>Unternehmen</strong>s<br />

in zwei unabhängige<br />

Firmen – Absaugtechnik und<br />

Schwimmbadtechnik – und den<br />

weiteren Ausbau des Onlinegeschäfts.<br />

„Das Internet bietet<br />

die Chance, die Akzeptanz<br />

und damit das Verkaufspotential<br />

von Produkten<br />

mit relativ wenig Aufwand<br />

zu testen.“<br />

Marketing vor eigener<br />

Produktion ist der Weg, den<br />

Das Internet<br />

bietet<br />

die Chance,<br />

Verkaufspotenzial<br />

zu testen.<br />

Peter Kulitz<br />

Esta-Chef<br />

schon sein Vater bei der Gründung<br />

von Esta gegangen ist. Esta<br />

steht für Elektro-Staub-Absauggeräte,<br />

und entstand, wie Peter<br />

Kulitz es ausdrückt, „aus Versehen“.<br />

Es war in den 60er Jahren,<br />

als ein befreundetes Unternehmerpaar<br />

verstarb, und Günter<br />

Kulitz das <strong>Unternehmen</strong> in Eigenregie<br />

abwickelte. Um die<br />

Restbestände an Winkelbohrköpfen<br />

zu verkaufen, versandte<br />

er noch vorhandene alte Prospekte.<br />

Die Nachfrage war da,<br />

vor allem für die auf der<br />

Rückseite des Prospekts<br />

angebotenen Kleinentstauber,<br />

die es aber nicht<br />

gab. Für Günter Kulitz kein<br />

Grund, den potenziellen<br />

Kunden abzusagen. Er nutzte<br />

die Chance, ließ die Geräte pro-


www.munk-ulm.de<br />

unternehmen [!] MACHEN 29<br />

duzieren und baute einen Direktvertrieb<br />

auf.<br />

Der Prototyp steht noch heute<br />

als erster Meilenstein der <strong>Unternehmen</strong>sgeschichte<br />

in dem<br />

Firmengebäude. 2007 waren der<br />

neu gebaute Firmensitz und das<br />

Energon Gebäude in der Ulmer<br />

Wissenschaftsstadt die ersten<br />

betrieblichen Passivhäuser, die<br />

mit Geothermie und thermische<br />

Bauteilaktivierung im Winter<br />

geheizt und im Sommer gekühlt<br />

werden. Die Entscheidung für<br />

diese Bauweise passt zur grundsätzlichen<br />

Einstellung, dass ein<br />

<strong>Unternehmen</strong> dann erfolgreich<br />

ist, wenn es frühzeitig erkennt,<br />

wohin die Entwicklung geht.<br />

Den Blick über<br />

den Tellerrand<br />

habe ich als Teil der<br />

DNA meines Vaters<br />

mitbekommen.<br />

Breiter Mix<br />

Die Absauganlagen aus<br />

Senden finden mittlerweile<br />

in zahlreichen Branchen Anwendung:<br />

etwa in der Holzbearbeitung,<br />

im Maschinenbau<br />

und in Schulen. In<br />

Senden arbeiten bei Esta<br />

180 Beschäftigte. Zum Umsatz<br />

macht das <strong>Unternehmen</strong><br />

keine Angaben.<br />

Peter Kulitz am Firmensitz<br />

in Senden.<br />

FOTO: MARC HÖRGER<br />

Sorge um die Zukunft<br />

„Das ist derzeit fast unmöglich“,<br />

räumt Peter Kulitz ein, und verweist<br />

auf die Pandemie und Ukrainekrieg<br />

bedingten Lieferengpässe,<br />

Ressourcenknappheit,<br />

den zunehmenden Fachkräftemangel,<br />

Inflation, steigende<br />

Staatsverschuldung und Klimawandel.<br />

Zudem mache er sich<br />

Sorgen um den Ausgang der<br />

nächsten Wahl in den USA –<br />

mehr noch als um eine wirtschaftliche<br />

Dominanz Chinas.<br />

„Wird ein republikanischer<br />

Kandidat aus dem Trump‘schen<br />

Umfeld der nächste Präsident,<br />

steht viel auf dem Spiel. Ausgeschlossen<br />

ist das nicht.“ Seine<br />

Einschätzung ist das Resultat<br />

zahlreicher Gespräche, die er als<br />

Vorsitzender des Außenhandelsausschusses<br />

im Deutschen<br />

Industrie- und Handelskammertag<br />

(DIHK) mit internationalen<br />

Wirtschaftsvertretern und Politikern<br />

führt.<br />

„Dieser Blick über den Tellerrand,<br />

das Agieren in verschiedenen<br />

Bereichen, habe ich als<br />

Teil der DNA meines Vaters,<br />

mitbekommen“, sagt Kulitz.<br />

„Beruflich auf zwei oder mehr<br />

Beinen zu stehen war für ihn die<br />

Grundlage des Erfolgs und die<br />

Gewähr, dass es immer irgendwie<br />

weitergeht.“ Mit einer kaufmännischen<br />

Ausbildung arbeitete<br />

sein Vater zunächst als<br />

Flüchtlingskommissar und leitete<br />

die Gewerbeabteilung des<br />

Landratsamtes Mindelheim. Als<br />

ihn ein Fotograf in seinem Meisterkurs<br />

von den Verdienstmöglichkeiten<br />

erzählte, sah Günter<br />

Kulitz, der sich als Verwaltungsangestellter<br />

nie recht wohl gefühlt<br />

hatte, die Chance, sich als<br />

Fotograf selbstständig zu machen.<br />

In den 50er Jahren zog die Familie<br />

nach Ulm und er fotografierte<br />

die amerikanischen Truppen,<br />

die in den Wiley Barracks<br />

untergebracht waren. Parallel<br />

dazu betrieb er auf dem Gelände<br />

einen kleinen Laden mit Geschenkartikeln,<br />

Uhren und<br />

Schmuck sowie Textilien.<br />

Als er wenige Jahre später in<br />

den Vertrieb mit Absauggeräten<br />

einstieg, war das die Geburtsstunde<br />

von Esta. Vorausgegangen<br />

war zu Beginn der 60 Jahre<br />

neben dem Einzelhandel für<br />

US-Soldaten der Verkauf von<br />

Schwimmbädern, den er nach<br />

Esta-Gründung als zweiten <strong>Unternehmen</strong>sbereich<br />

integrierte.<br />

„Ohne Marketing hat das beste<br />

Produkt im Katalog- oder<br />

Onlinevertrieb wenig Chancen“,<br />

an dieser Erkenntnis habe sich<br />

bis heute wenig geändert. Lediglich<br />

der Versandhandel wurde<br />

durch das Onlinegeschäft ersetzt.<br />

Das <strong>Unternehmen</strong> expandierte<br />

und hat neben weltweiten<br />

Handelspartnern seit 1986<br />

eine Tochtergesellschaft in den<br />

USA.<br />

Am Hauptsitz in Senden befindet<br />

sich die Forschungs- und<br />

Entwicklungsabteilung, der Vertrieb,<br />

ein Hochregallager, ein<br />

Schulungszentrum und die Endmontage.<br />

Die Produktion der<br />

Bauteile ist komplett ausgelagert.<br />

Seit 2016 bildet Philipp<br />

Raunitschke als Geschäftsführer<br />

mit Kulitz das Duo an der Spitze<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s.<br />

Nach wie vor liegt ein Fokus<br />

von Esta auf der beruflichen<br />

Ausbildung. Die Ausbildungsquote<br />

liegt momentan bei knapp<br />

20 Prozent. Und auch wenn die<br />

Zeiten längst vorbei sind, als<br />

sein Vater freitags um 16 Uhr die<br />

Lehrlinge antreten ließ, um sie<br />

für seine Lebensphilosophie<br />

und das Unternehmertum zu begeistern,<br />

hat das Duale Ausbildungsmodell<br />

einen hohen Stellenwert<br />

und passt zur Einstellung,<br />

beruflich immer auf zwei<br />

Beinen zu stehen. [!] <br />

<br />

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Im XR Lab können <strong>Unternehmen</strong> Extended Reality Showcases erleben und eigene Projekte starten.<br />

Fotos: Digitalisierungszentrum Ulm | Alb-Donau | Biberach (links, oben rechts), Einmaleins GmbH (unten rechts)<br />

Die Welt der neuen Technologien:<br />

Wie <strong>Unternehmen</strong> davon profitieren<br />

Virtuelle Showrooms, angeleitete Herz-Operationen,<br />

aus der Ferne nah zusammenarbeiten:<br />

Extended Reality bietet großes Potenzial<br />

für <strong>Unternehmen</strong> aus allen Branchen. Das<br />

Digitalisierungszentrum berät und unterstützt<br />

KMU dabei, die neuen Technologien<br />

gewinnbringend einzusetzen.<br />

Allein der Begriff „Digitalisierung“ ist noch für<br />

viele kleine und mittelständische <strong>Unternehmen</strong><br />

ein rotes Tuch. Wenn nicht das, dann zumindest<br />

ein Thema, mit dem man sich nicht<br />

gern beschäftigt: zu abstrakt, zu komplex, zu<br />

viel Arbeit. „Wenn es dann um Extended Reality<br />

(XR) Technologien geht, finden das zwar viele<br />

interessant, ordnen diese aber dem Unterhaltungssektor<br />

zu. Chancen für ihr eigenes <strong>Unternehmen</strong><br />

sehen sie nicht“, weiß Jan Schäfer,<br />

Kommunikationsdesigner und Fachberater für<br />

den Bereich Virtual und Augmented Reality<br />

beim Digitalisierungszentrum Ulm, Alb-Donau,<br />

Biberach (DZ).<br />

Diese Hemmschwelle zu überwinden und KMU<br />

die zahlreichen Möglichkeiten aufzuzeigen, die<br />

diese Technologien bieten, hat sich das DZ auf<br />

die Fahne geschrieben. Der Experte erlebt immer<br />

wieder, wie begeistert Selbstständige sind,<br />

wenn sie Extended Reality in den Räumen des<br />

Digitalisierungszentrums selbst erleben. Dafür<br />

stellt das DZ allen Interessierten stationäre und<br />

autarke Virtual-Reality-Setups, Mixed-Reality-Datenbrillen<br />

und Augmented-Reality-fähige<br />

Geräte kostenlos zur Verfügung. „Natürlich<br />

lassen wir unsere Besucher damit nicht allein.<br />

Wir zeigen ihnen, wie sie damit umgehen und<br />

beraten sie, wie sie diese Technologien in ihrem<br />

<strong>Unternehmen</strong> gewinnbringend einsetzen können“,<br />

gibt Schäfer Auskunft.<br />

Virtuelle Messestände bieten Vorteile<br />

So wie bei der Einmaleins GmbH aus Burgrieden.<br />

Vor drei Jahren hat sich das Büro für Gestaltung<br />

im DZ beraten lassen und ist immer<br />

wieder gern zu Gast, um sich inspirieren zu lassen.<br />

Aber nicht nur das. Das <strong>Unternehmen</strong><br />

setzt mittlerweile Virtual-Reality-Technologien<br />

für virtuelle Showrooms ein, zum Beispiel für<br />

Messestände. Hier kann der Nutzer Videos anschauen,<br />

Broschüren lesen und sich über Produkte<br />

informieren. „Dieses Format bietet viele<br />

Vorteile“, betont Jan Möller, Diplom-Designer<br />

bei Einmaleins. „So ein Messestand kann jederzeit<br />

besucht werden, die Daten der Besucher<br />

sind trackbar, man muss keine Hygiene-Vorschriften<br />

einhalten und man kann sogar<br />

ein Event daraus machen“, zählt Möller auf. Außerdem<br />

sei es möglich, sich ein neues Produkt<br />

sofort ins Büro oder in die Produktionshalle zu<br />

stellen. Und der Aufwand? Möller winkt ab:<br />

„Nur ein Bruchteil dessen, was wir sonst für eine<br />

reale Messe aufwenden, da wir alle Daten als<br />

digitalen Zwilling haben.“<br />

Darüber hinaus gibt es viele andere Anwendungsfelder,<br />

zum Beispiel in den Bereichen<br />

Fernwartung und Service, Kollaboration, Schulung.<br />

„Distanzen werden mit Extended Reality<br />

Das Digitalisierungszentrum ist Ansprechpartner<br />

für kleine und mittelständische<br />

<strong>Unternehmen</strong> in der Region. Es berät<br />

kostenlos zu den Themen Online-Marketing,<br />

3D-Druck, Künstliche Intelligenz, BIM, Internet<br />

of Things und Extended Reality. Darüber<br />

hinaus bietet das DZ Workshops für <strong>Unternehmen</strong><br />

an. Wer möchte, kann sich Hardware und<br />

Ausstattung leihen, um neue Technologien<br />

auszuprobieren.<br />

einfach überwunden und Nähe geschaffen“,<br />

erklärt Schäfer. Das gilt auch für den medizinischen<br />

und den therapeutischen Bereich. Von<br />

der Schmerzlinderung bis hin zur angeleiteten<br />

Herz-Operation via Hololens-Brille: Alles ist<br />

möglich. „Du kannst mit XR alles darstellen,<br />

was gefährlich, noch nicht vorhanden, zu sperrig,<br />

selten, teuer oder kontraproduktiv ist“<br />

zählt in Anlehnung an Jeremy Bailenson zu<br />

Schäfers Lieblingssätzen, da er zeigt, wie groß<br />

die Bandbreite der neuen Technologien ist und<br />

welche Chancen sie bieten.<br />

Digitalisierungszentrum<br />

Ulm | Alb-Donau | Biberach<br />

Standort Ulm<br />

Weinhof 7–10<br />

89073 Ulm<br />

0731/72557528<br />

j.schaefer@dz-uab.de<br />

https://digitalisierungszentrum-uab.de


32<br />

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]<br />

Seit 425 Jahren Ulmer Gold<br />

Gold Ochsen Im Jubiläumsjahr steigt die Nachfrage nach Fassbier. Doch die rasant<br />

gestiegenen Rohstoffkosten bereiten Brauerei-Chefin Ulrike Freund Sorgen.<br />

Brauerei Im Durchschnitt werden<br />

<strong>Unternehmen</strong> in Deutschland<br />

16 Jahre alt, die Hälfte sind<br />

nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei<br />

Creditreform<br />

nach zehn Jahren verschwunden.<br />

Die Brauerei Gold Ochsen<br />

gehört mit ihren 425 Jahren zu<br />

den absoluten Ausnahmen. Der<br />

Wirt Gabriel Mayer gründete im<br />

Jahr 1597 in der Ulmer Herdbruckerstraße<br />

die Brauerei Gold<br />

Ochsen. Seitdem ist der Werdegang<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s, das<br />

sich seit 1867 im Besitz der Familie<br />

Leibinger befindet, fest mit<br />

der Ulmer und Neu-Ulmer<br />

Stadtgeschichte verbunden.<br />

IHK-Hauptgeschäftsführerin<br />

Petra Engstler-Karrasch gratulierte<br />

im Namen der Industrieund<br />

Handelskammer Ulm bei einem<br />

Festakt. Sie überreichte Ulrike<br />

Freund (geborene Leibinger),<br />

die seit 1991 die<br />

Traditionsbrauerei leitet, die Jubiläumsurkunde.<br />

Freund zeigte sich erfreut<br />

über die aktuelle Lage: „Nach<br />

über zwei Jahren Pandemie, in<br />

Mit neuer Leuchtreklame am Firmensitz: Gold Ochsen ist eines der<br />

ältesten <strong>Unternehmen</strong> Ulms. <br />

Foto: Volkmar Könnecke<br />

denen die Bereiche Gastronomie<br />

und der Event so gut wie<br />

nicht mehr existent waren,<br />

steigt die Nachfrage und damit<br />

die allgemeine Geschäftslage<br />

auch unserer Brauerei wieder.<br />

Wobei wir noch weit vom Niveau<br />

2019 entfernt sind.“ Die<br />

wiederkehrende Normalität in<br />

der Gastronomie, speziell in der<br />

Außenbewirtschaftung und bei<br />

Petra Engster-Karrasch<br />

gratuliert Ulrike Freund<br />

Festen, lasse die Nachfrage steigen,<br />

im Besonderen nach Fassbier.<br />

Bei der drastischen Entwicklung<br />

der Rohstoffkosten sei<br />

jedoch noch lange kein Ende in<br />

Sicht. „Die immens hohen Kosten<br />

machen uns die Planung<br />

schier unmöglich und belasten<br />

unsere Brauerei auf das Äußerste“,<br />

sagte Freund auf Anfrage. So<br />

habe sich Braugerste um 72 Prozent<br />

verteuert. Zudem habe sich<br />

der Energiepreis mittlerweile<br />

verfünffacht. Aluminium für Dosen<br />

und Kronkorken seien nicht<br />

mehr in ausreichender Menge<br />

verfügbar. „Wenn diese Teuerungsraten<br />

weiter anhalten, sind<br />

wir vom Markt geradezu gezwungen,<br />

über eine Preisanpassung<br />

nachzudenken“, sagte die<br />

Brauerei-Chefin. [!] amb<br />

FOTO: BRAUEREI GOLD OCHSEN<br />

<strong>Unternehmen</strong> präsentieren sich 1000 Schülern<br />

Fachkräftemangel Gut 1000<br />

Schüler haben beim Aktionstag<br />

„School meets Donautal“, zu<br />

Deutsch „Schule trifft auf Donautal“,<br />

verschiedene Ausbildungsberufe<br />

kennengelernt.<br />

Ziel der Aktion in dem Ulmer<br />

Gewerbegebiet: Schülern Ausbildungsberufe<br />

nahe bringen<br />

und ihnen attraktive Arbeitgeber<br />

in der Region vorstellen,<br />

nachdem wegen der Corona-Beschränkungen<br />

zwei Jahre lang<br />

wenig persönlicher Kontakt<br />

zwischen Firmen und Schulen<br />

möglich war. Mitgemacht haben<br />

14 Firmen. Die Bandbreite reichte<br />

von Bau und Logistik über<br />

den kaufmännischen Bereich bis<br />

An Interesse mangelte es nicht.<br />

Foto: Lars Schwerdtfeger<br />

hin zu Ausbildungsberufen im<br />

Labor oder in der IT. Beteiligt<br />

waren neben Seeberger zum<br />

Beispiel der Jacob Bek Stahlgroßhandel,<br />

Geiger & Schüle<br />

Bau, Husqvarna, Noerpel, Seifert,<br />

Teva und Uzin Utz.<br />

Mit der Resonanz der Schüler<br />

auf die gemeinsame Veranstaltung<br />

der Agentur für Arbeit,<br />

der IHK Ulm sowie der Unternehmer-Initiative<br />

Donautal<br />

Connect waren die Initiatoren<br />

sehr zufrieden. Anfangs geplant<br />

war, dass etwa 250 bis 300 Schüler<br />

an dem Aktionstag teilnehmen,<br />

berichtet Karl-Heinz Raguse<br />

von der Initiative Donautal<br />

Connect. Für Petra Engstler-Karrasch,<br />

Hauptgeschäftsführerin der<br />

IHK Ulm, ist die große Resonanz<br />

auf das Angebot ein Beweis,<br />

dass es eine „große Notwendigkeit<br />

zur Orientierung“<br />

gibt, erklärt sie bei der Auftaktveranstaltung.<br />

Oberbürgermeister<br />

Gunther Czisch ermutigte<br />

die Jugendlichen, eine Entscheidung<br />

zu treffen: „Kaum ein Bildungssystem<br />

ist so durchlässig,<br />

wie das deutsche.“ Wer mit einer<br />

Ausbildung anfange, entscheide<br />

also nicht unbedingt,<br />

welchen Job er bis zur Rente<br />

macht; es stünden immer noch<br />

zahlreiche Wege offen. [!]<br />

<br />

mone


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 33<br />

Dana investiert<br />

Millionen<br />

Wasserstoff Dana investiert<br />

am Reinz-Standort Neu-Ulm in<br />

die Produktion von Bipolarplatten.<br />

Bis 2023 soll ein hoher zweistelliger<br />

Millionenbetrag in den<br />

Aufbau der größten Produktionslinie<br />

für metallische Bipolarplatten<br />

in Europa fließen, wie<br />

das <strong>Unternehmen</strong> mitteilt. Bis<br />

zu 16 Millionen dieser Platten<br />

sollen künftig im Werk in Neu-<br />

Ulm gefertigt werden. Zu hunderten<br />

gestapelt bilden diese<br />

das Kernstück von Brennstoffzellenstacks,<br />

die die Energie für<br />

brennstoffzellenelektrische Antriebe<br />

generieren. Die Reinz<br />

Dichtungs GmbH mit gut 1300<br />

Mitarbeitenden ist seit 1993 ein<br />

Teil der Dana Incorporated. Das<br />

<strong>Unternehmen</strong> mit Sitz im<br />

US-Bundesstaat Ohio beschäftigt<br />

40 000 Mitarbeiter in 31<br />

Ländern und erwirtschaftete<br />

2021 einen Umsatz von 8,9 Milliarden<br />

Dollar. Mit der Investition<br />

schafft Dana am Standort<br />

Neu-Ulm rund 40 Arbeitsplätze<br />

im Bereich E-Mobility.[!] abo<br />

LEA-Preis fürs<br />

Albwerk<br />

Auszeichnung Drei <strong>Unternehmen</strong><br />

sind mit dem LEA-Mittelstandspreis<br />

für soziale Verantwortung<br />

ausgezeichnet worden.<br />

Dies sind der Obst- und Gemüseladen<br />

„Andy’s Früchtekiste“<br />

aus Sigmaringen, die Holzmanufaktur<br />

Rottweil und das<br />

Alb-Elektrizitätswerk Geislingen-Steige.<br />

Wirtschaftsministerin<br />

Nicole Hoffmeister-Kraut<br />

lobte, dass auch in Krisenzeiten<br />

viele kleine und mittlere Firmen<br />

an ihrem freiwilligen Engagement<br />

festhielten. Um den 600<br />

Jahre alten Aussichtsturm<br />

Ödenturm bei Geislingen wieder<br />

an das Stromnetz anzubinden,<br />

hatte das Albwerk Material<br />

und Personalleistungen im<br />

Wert von 33 Cent für jeden gespendeten<br />

Euro beigesteuert,<br />

den ein Förderverein sammelte.<br />

In ihrer Freizeit installierten die<br />

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen<br />

eine insektenfreundliche<br />

LED-Beleuchtung, damit der<br />

Turm nachts wieder beleuchtet<br />

werden kann.[!] amb<br />

Nachhaltigkeit im Blick<br />

L-Bank Zwei Programme der<br />

L-Bank zur Förderung des Mittelstands<br />

haben jeweils eine<br />

Nachhaltigkeitskomponente erhalten,<br />

um klimaschonendes<br />

Wirtschaften in der Breite der<br />

Südwest-Wirtschaft zu verankern:<br />

die Gründungs- und<br />

Wachstumsfinanzierung Baden-<br />

Württemberg und die Investitionsfinanzierung.<br />

<strong>Unternehmen</strong>,<br />

die für sich eine Klimastrategie<br />

Tee und Kunst<br />

entwickeln oder schon entwickelt<br />

haben, erhalten so eine zusätzliche<br />

Zinsverbilligung. Dabei<br />

soll in einer ersten Stufe die<br />

Erstellung einer CO 2<br />

-Bilanz zu<br />

einer zusätzlichen Zinsverbilligung<br />

von fünf Prozentpunkten<br />

führen. In einem zweiten Schritt<br />

soll sich auch die Definition von<br />

CO 2<br />

-Minderungszielen positiv<br />

auf die Konditionen auswirken.<br />

[!]<br />

jkl<br />

Charity Der Rotary Club Ulm/<br />

Neu-Ulm treibt ein neues Projekt<br />

für den guten Zweck voran:<br />

Verschiedene Teesorten werden<br />

in künstlerischen Design zu einem<br />

fairen Preis angeboten. Die<br />

damit verbundene Kunst, die<br />

Gabriela Nasfeter und Michael<br />

Danner aus ihrem Portfolio für<br />

das Projekt gespendet haben,<br />

soll abschließend versteigert<br />

werden. Den Tee stellt die Henosa-Plantanas<br />

Group aus Bellenberg<br />

bereit. Die Erträge aus<br />

Verkauf und Versteigerung fließen<br />

in vier vom Rotary Club unterstützte<br />

Projekte zur Kinderund<br />

Jugendförderung. <strong>Unternehmen</strong><br />

können sich an der Aktion<br />

beteiligen und ab einer<br />

Abnahme von 50 Dosen, diese<br />

auch individualisieren. Weitere<br />

Informationen gibt es unter<br />

https://rotary-tee.de [!] amb<br />

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Die richtige Schule fürs Kind<br />

Bildung Wo fühlt sich mein Kind wohl? Muss es die Einzugsschule um die Ecke sein? Eltern<br />

stehen bei der Wahl der Bildungseinrichtung jedes Jahr vor einer schwierigen Entscheidung.<br />

Experten sagen, auf welche Kriterien es ankommt.<br />

FOTO: XXXX<br />

Die Wahl der passenden Schule fürs Kind ist für Eltern keine leichte Aufgabe. <br />

Foto: © Sahaidachnyi Roman/adobe.stock .com<br />

Die Schulsuche stellt für<br />

viele Eltern eine große<br />

Herausforderung dar.<br />

Hat das Kind besondere<br />

Fähigkeiten oder Unterstützungsbedarf,<br />

gilt es abzuwägen,<br />

welches Konzept besser passt.<br />

Folgende Kriterien können bei<br />

der Wahl der Schule helfen: Je<br />

größer die Familie, desto mehr<br />

muss die Schule in die täglichen<br />

Abläufe passen. Die Lage ist daher<br />

ein wichtiger Aspekt. „Je<br />

weiter die Schule entfernt ist,<br />

desto häufiger müssen die Eltern<br />

ihre Kinder zu Freunden<br />

fahren, die ebenfalls woanders<br />

wohnen“, sagt Eltern-Coach Viola<br />

Herrmann aus Berlin.<br />

Begleitet man Sechs- und Siebenjährige<br />

anfangs noch bis zum<br />

Schultor, ist dies später nicht<br />

mehr nötig. Wenn Kinder die<br />

Schule zu Fuß oder mit dem<br />

Fahrrad erreichen können, helfe<br />

man ihnen, in den kommenden<br />

Schuljahren ihre Selbstständigkeit<br />

auszubauen, sagt Herrmann.<br />

Als zweiten Aspekt nennen<br />

Eltern häufig die Freunde. „Kinder<br />

bekommen schon im Kindergarten<br />

mit, welche Schulen<br />

es gibt und wer wohin geht“,<br />

sagt Herrmann. Der Schulpsychologe<br />

Uwe Sonneborn befürwortet,<br />

dass Kindergartenfreunde<br />

auf eine Schule gehen. So sei<br />

das Kind nicht allein. „Zum alleinigen<br />

Maßstab sollte dies<br />

aber nicht gemacht werden“,<br />

sagt er. Ohnehin, so Herrmann,<br />

bräuchten Kinder in der ersten<br />

Klasse oft nur zehn Minuten auf<br />

dem Pausenhof, bis sie neue<br />

Freunde fänden.<br />

Die Schule<br />

muss zu den<br />

Fähigkeiten und<br />

Neigungen des<br />

Kindes passen.<br />

Klaus Vogt<br />

VDP-Präsident<br />

Konzepte für digitales Lernen<br />

Nach Einschätzung von Klaus<br />

Vogt, Präsident des Verbandes<br />

deutscher Privatschulen (VDP)<br />

sind neben dem passenden pädagogischen<br />

Konzept Kriterien<br />

wie ein engagiertes Lehrerkollegium,<br />

eine gute digitale Ausstattung,<br />

ausreichende Betreuungszeiten<br />

sowie eine angemessene<br />

Klassengröße bei der Auswahl<br />

entscheidend. „Freie<br />

Bildungseinrichtungen bieten<br />

hier ein vielfältiges Bildungsangebot“,<br />

sagt Vogt. Dazu gehören<br />

beispielsweise Schulkonzepte<br />

für digitales Lernen, bilinguale<br />

oder erweiterte Fremdsprachen-Angebote<br />

sowie Ganztagsbetreuungen.<br />

Auch die Persönlichkeitsentwicklung<br />

sowie die Förderung<br />

von Sozial- und Handlungskompetenzen<br />

stünden neben der<br />

Wissensvermittlung bei Privatschulen<br />

im Zentrum der pädagogischen<br />

Arbeit. „Entscheidend<br />

für den Lernerfolg ist es,<br />

eine Schule entsprechend den<br />

Fähigkeiten, Fertigkeiten und<br />

Neigungen des Kindes auszuwählen.“,<br />

betont Vogt.<br />

Die Dortmunder Grundschulleiterin<br />

Christiane Mika<br />

empfiehlt, sich vorab mit den<br />

pädagogischen Konzepten der<br />

Schulen zu beschäftigen. In diesen<br />

sollte zum Ausdruck kommen,<br />

ob „vom Kind aus gedacht“<br />

wird: Gibt es offene Lernkonzepte?<br />

Wie erreicht jedes Kind<br />

Lernerfolge? Und wie werden<br />

Leistungen wertgeschätzt und<br />

zurückgemeldet? Lernschwierigkeiten<br />

oder ein auffälliges Sozialverhalten<br />

sollten vorher mit<br />

der Schule besprochen werden.<br />

„Im Gespräch erkennt man in<br />

der Regel, wie die Schule damit<br />

umgeht“, sagt Psychologe Sonneborn.<br />

„Einen grundsätzlichen Qualitätsunterschied<br />

gibt es zwischen<br />

staatlichen und privaten<br />

Schulen nicht“, meint Andrea<br />

Preußker von der Robert Bosch<br />

Stiftung fest, die jedes Jahr gute<br />

Schulen mit dem Deutschen<br />

Schulpreis auszeichnet. Wer<br />

sich in einer Privatschule dennoch<br />

besser aufgehoben fühlt,


unternehmen [!] SPEZIAL 35<br />

Mehr als eine Million Privatschüler<br />

sollte prüfen, was sie verspricht.<br />

In der Regel sind es Dinge, die<br />

die Qualität des Unterrichts anheben:<br />

mehr Personal, bessere<br />

Technik und Ausstattung.<br />

Eine Modellschule kann zum<br />

Kind passen, wenn man seine<br />

Talente und Vorlieben stärker<br />

unterstützen will. „Eine Waldorfschule<br />

kommt den musischen,<br />

kreativen und spielerischen<br />

Elementen der Kinder<br />

entgegen“, sagt Uwe Sonneborn.<br />

Allerdings seien spätere Ausbildungs-<br />

und Studiensysteme<br />

nicht für Waldorfschüler angelegt.<br />

„Das erfordert dann eine<br />

hohe Anpassungsleistung“, sagt<br />

der Psychologe.<br />

Eltern sollten auch wissen,<br />

wer die Kinder beim Übergang<br />

in die Grundschule betreut. „Sozialpädagogische<br />

Fachkräfte<br />

sind unbedingt notwendig“, sagt<br />

Schulleiterin Mika. Sie unterstützen<br />

Kinder in ihrem neuen<br />

schulischen Alltag. Zu den Betreuungsfragen<br />

gehört auch, ob<br />

die Schule ein Mittagessen anbietet<br />

und die Kinder am Nachmittag<br />

bei den Hausaufgaben<br />

Hilfe bekommen. Für berufstätige<br />

Eltern kann ein Ganztagesangebot<br />

sinnvoll sein. Die Schule<br />

sollte ermöglichen, dieses inhaltlich<br />

und organisatorisch<br />

mitzugestalten, so Mika.<br />

Bevor die Entscheidung fällt,<br />

sollte die Schule mindestens<br />

einmal mit dem Kind besucht<br />

werden. Bei einem Tag der offenen<br />

Tür ist es leichter zu erkennen,<br />

ob Klassenräume kinderfreundlich<br />

gestaltet sind und die<br />

Ausstattung modern ist. An dem<br />

Tag stellen Lehrkräfte die Schule<br />

kurz vor. „Eltern sollten auf<br />

den ersten Eindruck achten: Ist<br />

das authentisch, was geschildert<br />

wird? Oder eine Show-Veranstaltung?“,<br />

rät Psychologe Sonneborn.<br />

[!] Evelyn Steinbach<br />

Die Zahl der Privatschüler ist zuletzt leicht gestiegen.<br />

Die Schülerzahl<br />

an den allgemeinund<br />

berufsbildenden<br />

Privatschulen<br />

in Deutschland ist<br />

im Schulahr<br />

2020/2021 um 0,8<br />

Prozent auf mehr<br />

als eine Million<br />

Schülerinnen und<br />

Schüler gestiegen.<br />

Damit besuchte<br />

von den gut 10,7<br />

Millionen Schülerinnen<br />

und Schüler<br />

rund jeder 11. eine<br />

Privatschule. Der<br />

größte Schüleranteil<br />

entfällt mit 35<br />

Prozent auf Gymnasien.<br />

Private Berufsschulen<br />

kommen<br />

auf rund<br />

26 Prozent.<br />

FOTO: © ROBERT KNESCHKE/ADOBE.STOCK.COM<br />

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spezial<br />

SPEZIAL unternehmen [!]<br />

Standort<br />

im Porträt:<br />

Donzdorf<br />

Aufholen<br />

mit Bedacht<br />

Entwicklung Die Ablehnung der Bürger<br />

gegen den Gewerbepark Lautertal war groß.<br />

Nun versucht Bürgermeister Stölzle im<br />

kleineren Maßstab, Flächen für Betriebe zu<br />

schaffen. Dabei hilft eine gute Infrastruktur.<br />

www.swp-unternehmen.de<br />

Vor einem Jahr rückte<br />

der Industriestandort<br />

Donzdorf im Kreis<br />

Göppingen in den Fokus.<br />

In einem Bürgerentscheid<br />

lehnten mehr als zwei Drittel<br />

der Wähler die Erschließung<br />

des Gewerbeparks Lautertal ab.<br />

Da sich mehr als 60 Prozent der<br />

Wahlberechtigten an der Abstimmung<br />

beteiligten, war das<br />

Ergebnis kein Zufall, den eine<br />

engagierte Minderheit erstritten<br />

hat, sondern eindeutig der Wille<br />

vieler Donzdorfer.<br />

Mit dem interkommunalen<br />

Gewerbegebiet wollte die Gemeinde<br />

neue Arbeitsplätze ermöglichen<br />

und auch die im Vergleich<br />

zu anderen Kommunen<br />

unterdurchschnittlichen Gewerbesteuereinnahmen<br />

aufbessern.<br />

Interesse an Grundstücken hatte<br />

unter anderem Daimler für<br />

die Errichtung der nun in Weilheim<br />

entstehenden Brennstoffzellenfabrik.<br />

Für die meisten Gewerbeflächen<br />

gab es bereits<br />

ernsthafte Interessenten. Und<br />

auch der örtliche Handel hatte<br />

sich von dem Zuwachs an <strong>Unternehmen</strong><br />

und Arbeitsplätzen<br />

Impulse versprochen.<br />

Doch vorerst bleibt alles<br />

beim Alten. „Donzdorf ist seit<br />

jeher eher Wohnort als Industriestandort“,<br />

sagt Martin Stölzle,<br />

Bürgermeister der 11 000-Einwohner-Stadt.<br />

Die Gemeinde im<br />

Lautertal ist bekannt für ihre<br />

idyllische Lage, sie liegt in einem<br />

Seitenstrang des Filstals am<br />

Albtrauf. Was als Wohnlage attraktiv<br />

ist, zumal mit einem umfassenden<br />

Handel und reichem<br />

Vereinsleben, klingt wirtschaftspolitisch<br />

eher nach „abgehängt“.<br />

Und tatsächlich liegt Donzdorf<br />

etwas abseits, erst recht seit die<br />

Bahnlinie bis Weißenstein in<br />

den 1990er Jahren stillgelegt<br />

wurde. Auf der Entwicklungsachse<br />

Filstal war Donzdorf wirtschaftlich<br />

gesehen eine Randerscheinung.<br />

Interesse von Investoren<br />

Doch das schien sich zu ändern.<br />

Mit der Ortsumfahrung Süßen<br />

und der Anbindung an eine leistungsfähige<br />

Infrastruktur seien<br />

Grundvoraussetzungen geschaffen<br />

worden, erklärt Bürgermeister<br />

Stölzle. Diese hätten sich in<br />

„interessanten Gesprächen“ mit<br />

Investoren widergespiegelt, sagt<br />

der Donzdorfer Rathauschef.<br />

Die Überlegungen, mehr Betriebe<br />

anzusiedeln, reichen in<br />

die 1980er Jahre zurück. Doch<br />

es gab jahrzehntelange kontroverse<br />

Debatten über den Flächennutzungsplan,<br />

der erst vor<br />

zwei Jahren verabschiedet worden<br />

ist. Das Planungsrecht war<br />

bereits geschaffen worden, die<br />

Lage am Westrand der Gemeinde,<br />

umgeben von einem bereits<br />

bestehenden – dem einzigen –<br />

Gewerbegebiet Donzdorfs wäre<br />

ideal gewesen. Auch was die Anbindung<br />

ins Fils- und Neckartal<br />

sowie den Raum angeht. Die<br />

entsprechende Infrastruktur<br />

war in den Jahren zuvor geschaffen<br />

worden. Doch die am Entscheid<br />

teilnehmenden Bürger<br />

wollten etwas anderes, obwohl<br />

es „für Donzdorf eine Riesennummer“<br />

(Stölzle) gewesen<br />

wäre. 30 Hektar für ein neues<br />

Gewerbegebiet seien der Bevöl-


unternehmen [!]<br />

SPEZIAL<br />

37<br />

kerung einfach zu viel gewesen,<br />

sagt Stölzle.<br />

Weitergehen soll die Gewerbeflächenentwicklung<br />

dennoch<br />

– allerdings in erheblich kleinerem<br />

Maßstab und nicht mehr in<br />

Zusammenarbeit mit anderen<br />

Kommunen. „Es gilt, zu überlegen,<br />

was möglich und akzeptabel<br />

ist.“ Der Bürgermeister<br />

denkt an sechs bis zehn Hektar.<br />

Genauere Pläne sollen nach einer<br />

Potentialanalyse erstellt<br />

werden. „Der Standort ist attraktiv,<br />

Leerstände von Gewerbegebäuden<br />

sind nur von kurzer<br />

Dauer und erfahren mit modernen<br />

<strong>Unternehmen</strong> eine Weiterentwicklung“,<br />

sagt Stölzle.<br />

Vor kurzem sei beispielsweise<br />

nahezu das komplette Gewerbegebiet<br />

mit Glasfaser versorgt<br />

worden. Allerdings werde diese<br />

moderne Anschlussmöglichkeit<br />

an den schnellen und leistungsfähigen<br />

Datenstrom erstaunlich<br />

Für Bürgermeister Martin Stölzle ist die Wirtschaftsförderung in<br />

Donzdorf Chefsache.<br />

Foto: © Stadt Donzdorf<br />

wenig in Anspruch genommen.<br />

Das könnte an der Gewerbestruktur<br />

liegen. Bisher dominiert<br />

in Donzdorf die Metallverarbeitung.<br />

Daneben gibt es zahlreiche<br />

Handwerksbetriebe.<br />

3 Millionen Euro pro Jahr<br />

Dass es weitergehen muss, steht<br />

für Stölzle außer Frage. Bei der<br />

Einkommensteuer steht Donzdorf<br />

gut da, bei der Gewerbesteuer<br />

kommt sie mit 2,5 bis 3<br />

Millionen pro Jahr lediglich auf<br />

80 bis 85 Prozent vergleichbarer<br />

Kommunen. „Es wäre höchst<br />

wünschenswert, in die gleiche<br />

Liga aufzusteigen“, sagt Stölzle,<br />

bei dem die Gewerbeförderung<br />

Chefsache ist: „Einen klassischen<br />

Wirtschaftsförderer haben<br />

wir nicht“. Zusammen mit<br />

der Liegenschaftsabteilung und<br />

Kämmerei kümmert er sich um<br />

die Weiterentwicklung des<br />

Standorts. [!] Axel Raisch<br />

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38<br />

SPEZIAL unternehmen [!]<br />

Ein starkes Netzwerk<br />

Handels- und Gewerbeverein Die 75 Mitgliedsfirmen sind gut durch die Corona-Krise<br />

gekommen. Ein Grund: Kluge Aktionen fördern den Zusammenhalt in Donzdorf.<br />

Sichtbares Zeichen für Zusammenhalt: Im Donzdorfer Fasnetsumzug<br />

steckt viel gemeinsame Arbeit.<br />

Foto: © Giacinto Carlucci<br />

Die vergangenen Monate<br />

waren nicht leicht<br />

für Handel und Gewerbe<br />

in der 11 000 Einwohner<br />

zählenden Stadt Donzdorf<br />

im Kreis Göppingen. Mit<br />

Initiativen, Aktionen, Kampagnen<br />

und einem eingespielten<br />

Team des Handels- und Gewerbevereins<br />

(HGV) konnten die 75<br />

Mitgliedsfirmen aus Handwerk,<br />

Handel und Dienstleistung auch<br />

der Corona-Krise trotzen. Armin<br />

Koch, der seit 2016 als Vorsitzender<br />

amtiert und jüngst<br />

einstimmig im Amt bestätigt<br />

wurde, verweist auf die Ergebnisse<br />

einer aktuellen Mitgliederbefragung:<br />

„Keiner musste zumachen,<br />

alle haben sich gehalten,<br />

einzelne Mitglieder des<br />

Handels- und Gewerbevereins<br />

konnten sogar mehr Zulauf verbuchen“,<br />

betont Koch.<br />

Erfolgreich sei auch die Kampagne<br />

gewesen, bei der dafür geworben<br />

wurde, lokal einzukaufen.<br />

Das Bewusstsein für den<br />

Kauf regionaler Produkte wachse<br />

erfreulicherweise, sagt Koch.<br />

Engagierte Einzelhändler hätten<br />

in Donzdorf die Kundenbindung<br />

auch in Zeiten des Lockdowns<br />

aufrecht erhalten. „Beispiels-<br />

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Wenns richtig schön grün sein soll<br />

Grün Concept steht für Innenraumbegrünung<br />

mit Großbäumen, grünen Wänden und Moosbildern.<br />

Ob freistehend oder an der Wand, Innenraumbegrünung<br />

sorgt für eine entspannte<br />

Atmosphäre, im gewerblichen, wie privaten<br />

Umfeld.<br />

Was mit einer Gemüseproduktion schon 1936<br />

begann, hat sich gewandelt. Vor 20 Jahren wurde<br />

die Produktion eingestellt und der Betrieb<br />

von Matthias Schmidt-Thierer damit völlig neu<br />

ausgerichtet. Der Gärtnermeister hat sich auf<br />

Innenraumbegrünung mit pfiffigen Ideen spezialisiert,<br />

den Weg vom Produzenten zum Dienstleister<br />

beschritten und hat sich längst etabliert.<br />

„Wir beraten Bauherren und Unternehmer bei<br />

der Gestaltung der Innenräume mit Grünpflanzen“,<br />

sagt der Gärtnermeister, der sich mit Gärtnerin<br />

Biljana Dokic eine Nachfolgerin ins Haus<br />

geholt hat.<br />

Innenraumbegrünung mal ganz anders- das gibt<br />

es bei Grün Concept. Foto: Schmidt-Thierer<br />

Blickfang fürs Wohlfühlklima<br />

Ob <strong>Unternehmen</strong> oder Privatbereich, die grünen<br />

Ideen der Donzdorfer Gärtner sorgen für<br />

Blickfänge und Wohlfühlklima in den Räumen.<br />

Beratung ist das A und O, Architektur und<br />

Standortbedingungen sind neben den Kundenwünschen<br />

wichtige Kriterien für die Pflanzenauswahl.<br />

Ob vertikal mit begrünten Wänden, die<br />

auch frei im Raum aufgestellt werden können,<br />

ein imposanter Großbaum mitten im Gebäude,<br />

der gerne auch mehr als zehn Meter hoch werden<br />

kann oder Moosbildern, kreiert aus speziell<br />

behandeltem Moos, der Kreativität sind keine<br />

Grenzen gesetzt. Die Innenraumbegrünung hat<br />

viele Vorteile. „Deutliche Verbesserung von<br />

Akustik und Raumklima“, sagt Matthias<br />

Schmidt-Thierer. Vertikalbegrünung ermöglicht<br />

die Bepflanzung von großen Flächen, ohne hohen<br />

Platzverbrauch. Ob Raumteiler, Pflanzen in<br />

Gefäßen oder Wandbegrünung: Pflanzen beleben<br />

jeden Raum und schaffen Atmosphäre.<br />

Zum Service gehört auch die Pflege der Raumbegrünung,<br />

angepasst an die Kundenwünsche<br />

als Vollservice inklusive gießen oder im individuell<br />

vereinbarten Rahmen. Das Einzugsgebiet der<br />

Kunden reicht von Göppingen über Aalen bis<br />

Ulm, auch in Bayern hat GrünConcept schon<br />

Großprojekte gemeistert. Das zweite Standbein<br />

von GrünConcept ist die Dauergrabpflege, und<br />

Urnengrabanlagen. „Vom Anlegen bis zur Pflege<br />

alles aus einer Hand“, betont Schmidt-Thierer.<br />

Grün Concept<br />

Matthias Schmidt-Thierer<br />

Reichenbacherstr.29<br />

D-73072 Donzdorf<br />

Telefon 0 71 62/94 11 93<br />

Telefax 0 71 62/94 11 97<br />

E-Mail: info@gruenconcept-gbr.de


unternehmen [!]<br />

SPEZIAL 39<br />

weise hat ein Schuhhaus individuelle<br />

Beratungstermine angeboten.“<br />

„Die Anstrengungen wurden<br />

honoriert, man hat gesehen,<br />

dass man sich gegenseitig<br />

braucht“, sagt der der HGV-Vorsitzende.<br />

Dabei profitieren die<br />

Geschäfte in Donzdorf von dem<br />

ausgeprägten Zusammenhalt.<br />

Die Stadt, die sich selbst als<br />

„Fasnetsdorf“ bezeichnet und<br />

als solches auch überregional<br />

bekannt ist, hat ein überdurchschnittlich<br />

lebendiges Vereinsleben,<br />

zahlreiche Stammtische<br />

und Jahrgangsvereinigungen.<br />

„Viele Gewerbetreibende sind<br />

auch beim Kulturring und in den<br />

Vereinen aktiv – man kennt sich<br />

und schätzt sich“, erzählt Armin<br />

Koch von einem weiteren wichtigen<br />

Baustein regionaler Kaufkraftbindung.<br />

Das starke Netzwerk und der<br />

große Zusammenhalt zeigt sich<br />

Vorsitzender des Handels- und<br />

Gewerbevereins: Armin Koch.<br />

FOTO: PRIVAT<br />

So alt wie der<br />

Gewerbeverein<br />

Armin Koch ist so alt wie<br />

der Handels- und Gewerbeverein<br />

(HGV) Donzdorf selbst:<br />

Der 47-Jährige ist verheiratet<br />

und Vater von drei Kindern.<br />

Seit 22 Jahren betreibt er ein<br />

<strong>Unternehmen</strong> zur Personenbeförderung,<br />

für Schülertransporte,<br />

Taxi- und Kurierdienste.<br />

Er ist FDP-Kreisvorsitzender<br />

und sitzt zudem für<br />

die Liberalen im Gemeinderat<br />

und Kreistag. Seit dem Jahr<br />

2006 war er im HGV Beisitzer<br />

und Schriftführer, bis er vor<br />

sechs Jahren zum Nachfolger<br />

von Robert Klein als Vorsitzender<br />

gewählt und kürzlich<br />

bis 2024 einstimmig im Amt<br />

bestätigt wurde.<br />

auch bei der Fasnet. Donzdorf<br />

schmückt sich mit dem Titel<br />

„Süddeutschlands außergewöhnlichster<br />

Motivzug“. Der<br />

Fasnetsumzug lockt jährliche<br />

mehrere zehntausend Zuschauerinnen<br />

und Zuschauer an. In<br />

den bis zu 20 Tonnen schweren,<br />

aufwendig gestalteten Motivwagen<br />

stecken tausende Stunden<br />

an Arbeit.<br />

CAD-geplante Motivwagen<br />

Die Aufbauten aus Stahl und<br />

Holz werden inzwischen fast<br />

ausschließlich über CAD-Konstruktionen<br />

geplant, für die Berechnungen<br />

der Lasten und<br />

Kräfte sind spezialisierte Ingenieure<br />

und Statiker am Werk.<br />

Das kostet viel Geld und Zeit.<br />

Dabei helfen sich die Donzdorferinnen<br />

und Donzdorfer gegenseitig.<br />

Zu den Aktionen des HGV gehören<br />

auch die „Donzdorfer<br />

Mehrfach ausgezeichnet!<br />

— Privatkunden — — Geschäftskunden —<br />

volksbank-goeppingen.de<br />

Unter fünf getesteten Banken in Göppingen wurden wir bereits das vierte Jahr in Folge von der<br />

Gesellschaft für Qualitätsprüfung als „Beste Bank vor Ort“ für unsere Beratungsqualität im<br />

Bereich „Privatkunden“ und unter sieben getesteten Banken in Göppingen das zweite Jahr in<br />

Folge im FOCUS MONEY CITY CONTEST für die beste Beratung und den besten Service im<br />

Bereich „Geschäftskunden“ ausgezeichnet.


Idyllische Lage: Donzdorf ist mehr Wohn- als Industriestandort, sagt Bürgermeister Stölzle. Doch die Infrastruktur ist gut: Für fast alle<br />

Firmen im Gewerbegebiet steht ein Glasfaser-Anschluss zur Verfügung.<br />

Foto: © Giacinto Carlucci<br />

Abendspaziergänge“. Idee und<br />

Konzept hatten sich HGV-Mitglieder<br />

und Bürgermeister vor<br />

Ort in Markgröningen angeschaut,<br />

für gut befunden und<br />

nach Donzdorf gebracht. Dabei<br />

treffen sich interessierte – vorher<br />

angemeldete – Bürger um 18<br />

Uhr, um dann in kleinen Gruppen<br />

jeweils vier <strong>Unternehmen</strong><br />

zu besuchen. In 20 Minuten stellen<br />

sich dann kleine <strong>Unternehmen</strong><br />

und Läden vor und erreichen<br />

eine Zielgruppe, die sonst<br />

womöglich nicht auf diese Geschäfte<br />

aufmerksam würde. So<br />

jedenfalls ist der Plan der<br />

Abendspaziergänge, die erstmals<br />

im September stattfinden<br />

werden und mit einem „Get-together“<br />

mit Getränken ihren<br />

Ausklang finden werden.<br />

Bühne für kleine Läden<br />

Um dem Handel und kleinen Läden<br />

eine Bühne zu bieten, gibt<br />

es zweimal im Jahr Verkaufsoffenen<br />

Sonntage. Nicht als Veranstalter,<br />

sondern als Kooperationspartner<br />

nutzen die Donzdorfer<br />

Selbständigen jeweils<br />

den „Schloßgartengenuß“ im<br />

Frühjahr mit Gewerbetreibenden<br />

aus anderen Kommunen,<br />

um die Attraktivität ihrer Stadt<br />

zu steigern.<br />

Neben vielen erfolgreichen<br />

Projekten gab es für den HGV<br />

im Jahr 2020 auch eine unerfreuliche<br />

Entscheidung. Die Donzdorfer<br />

hatten in einem Bürgerentscheid<br />

ein interkommunales<br />

Gewerbegebiet abgelehnt. Von<br />

der Ansiedlung vieler moderner<br />

<strong>Unternehmen</strong> hätte man sich für<br />

den Donzdorfer Handel auch einen<br />

erheblichen Kaufkraftzuwachs<br />

versprochen. Doch Koch<br />

blickt nach vorne: Nun gelte es<br />

unter den gegebenen Bedingungen<br />

das Beste zu erreichen, die<br />

Attraktivität des Standorts zu<br />

steigern, etwa mit Parkraumkonzepten<br />

– und mit der richtigen,<br />

höchste Aufmerksamkeit<br />

erzielenden Werbung. Dem<br />

Selbstbewusstsein jedenfalls<br />

scheint die jüngste Entwicklung<br />

nicht geschadet zu haben. Kürzlich<br />

jedenfalls warb der HGV<br />

Donzdorf in Schwäbisch Gmünd<br />

mit dem Slogan: „Was es in<br />

Donzdorf nicht gibt, brauchen<br />

Sie auch nicht.“[!] Axel Raisch<br />

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Von Experte zu Experte<br />

Coaching und Mediation sind die Spezialgebiete<br />

von Hartdegen Experts und Filstalmediation<br />

mit Standort in Donzdorf und Süßen.<br />

Ob <strong>Unternehmen</strong> oder Privatkunden, das<br />

Portfolio von Ralf und Katharina Hartdegen<br />

ist breit gefächert.<br />

Vor zehn Jahren hat Ralf Hartdegen seine<br />

Selbstständigkeit als Berater für <strong>Unternehmen</strong><br />

begonnen, dabei seine Erfahrungen aus der<br />

Automobilindustrie genutzt. „Längst haben wir<br />

Fachwissen, Mediation und Coaching gebündelt“,<br />

sagt er und das Knowhow fußt auf einer<br />

umfassenden Ausbildung am Institut für angewandte<br />

Psychologie in Köln. Der Erfahrungsschatz<br />

ist groß, namhafte <strong>Unternehmen</strong> gehören<br />

längst zu den Kunden, genauso auch Privatkunden.<br />

Die Coaching-Leistungen werden<br />

vorwiegend von Automobilindustrie, Maschinenbau<br />

und der Medizinprodukte- und Konsumgüterindustrie<br />

in Anspruch genommen.<br />

Selbst kleinste Start-ups sind bei den Hartdegens<br />

an der richtigen Adresse. „Von Experte zu<br />

Experte“, sagt Ralf Hartdegen. Die Kunden sind<br />

die Experten für ihr Leben, ihre Karriere, ihren<br />

Beruf oder ihr <strong>Unternehmen</strong>. Der Mensch und<br />

das Warum stehen im Mittelpunkt, mit Methodenkompetenz<br />

und Kommunikation wird der<br />

Ralf und Katharina Hartdegen bieten Coaching<br />

und Mediation.<br />

Foto: Hartdegen<br />

Weg zum individuellen Ziel gesucht, über eine<br />

schrittweise Annäherung und teilweise auch<br />

jahrelange Begleitung. „Unsere Unterstützung<br />

ist dauerhaft und langfristig angelegt“, sagt der<br />

Fachmann. Die Ziele sind vielfältig, etwa Verbesserung<br />

des Arbeitsklimas, Stressbewältigung,<br />

herbeiführen von Entscheidungen, Konfliktlösungen,<br />

Krisenbewältigung, Zusammenarbeitsoptimierung<br />

oder Begleitung von Führungskräften.<br />

Die Mediation richtet sich sowohl<br />

an die Wirtschaft als auch an Privatpersonen.<br />

Das oberste Ziel: Miteinander reden, Schuldzuweisung<br />

beenden und Lösungen finden. Im<br />

wirtschaftlichen Umfeld sind Auseinandersetzungen<br />

rund um die Themen Macht, Kompetenz<br />

und Geld keine Seltenheit. Die Business<br />

Mediation soll Konflikte zu einer nachhaltigen<br />

Lösung führen. Begleitung und Moderation<br />

sind dabei ergebnisoffen angelegt. Für Privatpersonen<br />

kann eine Mediation bei Familienund<br />

Paarkonflikten, Nachbarschafts- oder Erbstreitigkeiten<br />

weiter helfen. „Überall dort, wo es<br />

langwährende Konflikte zu lösen gilt“, sagt<br />

Hartdegen.<br />

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Uhlandstraße 27 · 73072 Donzdorf<br />

Telefon 07162/ 94 98 99-0<br />

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Im Inklusionsunternehmen ADIS der Lebenshilfe Donau-Iller arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam.<br />

FOTO: LEBENSHILFE DONAU-ILLER<br />

Eine Treppe, die eine Rollstuhlfahrerin<br />

nicht hinaufkommt.<br />

Busfahrpläne,<br />

die voraussetzen,<br />

dass jeder lesen kann. Ein Aufzug,<br />

der nur dann ins richtige<br />

Stockwerk fährt, wenn die korrekte<br />

Taste gedrückt wird. Für<br />

die Mehrheitsgesellschaft sind<br />

Treppen, Busfahrpläne und Aufzüge<br />

kein Hindernis – für Menschen<br />

mit körperlicher oder<br />

geistiger Behinderung hingegen<br />

schon. Über solche „trivialen“<br />

Barrieren ärgert sich Jürgen<br />

Heinz. Täglich erlebt der Vorstandsvorsitzende<br />

der Lebenshilfe<br />

Donau-Iller im Umgang<br />

mit Klientinnen und Klienten,<br />

welche Hindernisse deren Alltag<br />

bestimmen.<br />

Und er will nicht, dass das so<br />

bleibt. Heinz definiert Behinderung,<br />

wie es die Weltgesundheitsorganisation<br />

tut: „Behinderung<br />

liegt nicht im Menschen,<br />

sondern in der Umwelt.“ Diese<br />

Umwelt könne nicht immer,<br />

aber oft verändert werden. Es<br />

sei zwar nicht möglich, ins Ulmer<br />

Münster einen Aufzug für<br />

gehbehinderte Menschen einzubauen.<br />

Aber für andere Barrieren<br />

gebe es Lösungen: Desorientierte<br />

Menschen, die gern unterwegs<br />

sind, könnten informiert<br />

werden, wenn sie sich<br />

weit von einem bekannten<br />

Stadtteil wegbewegen. Ein Aufzug<br />

in einem Wohnhaus könne<br />

Gesucht: Ideen für<br />

noch mehr Glück<br />

Inklusion Die Lebenshilfe Donau-Iller gründet eine Denkfabrik, um<br />

Barrieren für Menschen mit Behinderung abzubauen, und lobt einen<br />

Innovationswettbewerb aus – das ist beispiellos in Deutschland.<br />

Arbeit, die glücklich macht: Die Lebenshilfe Donau-Iller ermöglicht<br />

inklusives Arbeiten, wie hier in einer Schulmensa.<br />

FOTO: © DAVID MAURER /LEBENSHILFE DONAU-ILLER E.V.<br />

so programmiert sein, dass er<br />

erkennt, wohin ein Mensch<br />

müsse.<br />

Jürgen Heinz ist seit fast zehn<br />

Jahren Geschäftsführer der Lebenshilfe.<br />

Er ist überzeugt: Barrieren<br />

lassen sich durch Innovationen<br />

reduzieren. Und, dass es<br />

„kluge Denkerinnen und Denker“<br />

in der Region gibt, die diese<br />

entwickeln können. Auf die<br />

Suche nach diesen Entwicklern<br />

will sich der Sozialunternehmer<br />

nun im Rahmen einer neu gegründeten<br />

Denkfabrik machen.<br />

Die trägt den Namen „Inklubator“,<br />

eine Wortkreuzung aus Inkubator<br />

und Inklusion. Das Ziel<br />

der Denkfabrik ist, dass sich Firmen,<br />

Start-Ups und Hochschulen<br />

an innovative Ideen wagen,<br />

um den Alltag von Menschen<br />

mit Behinderung zu unterstützen.<br />

Die Lebenshilfe schreibt<br />

dafür einen Innovationspreis


unternehmen [!] VERANTWORTEN 43<br />

aus. Preisgeld: 50 000 Euro. „Für<br />

die Lebenshilfe ist das nicht wenig“,<br />

sagt Heinz. Sponsoren seien<br />

willkommen.<br />

Seit diesem Frühjahr arbeitet<br />

die Denkfabrik an der Umsetzung<br />

des Innovationswettbewerbs<br />

für Inklusion. So etwas<br />

gebe es noch nicht in Deutschland,<br />

sagt Heinz. Die Jury, die<br />

über die eingesendeten Ideen<br />

entscheiden wird, ist besetzt –<br />

mit Menschen, die „Wirkung in<br />

die Bevölkerung“ haben oder<br />

aus der Industrie oder dem kreativen<br />

Bereich stammen, mit<br />

und ohne Behinderung. Das sind<br />

beispielsweise Walter Swoboda,<br />

Professor für Gesundheitsmanagement<br />

an der Hochschule<br />

Neu-Ulm und Jürgen Weber<br />

stellvertretender AOK-Geschäftsführer<br />

Ulm-Biberach.<br />

Aufgabe für Tüftler<br />

Bevor sich Tüftlerinnen und<br />

Tüftler ans Werk machen können,<br />

ist diese Jury gefragt. Sie<br />

will eine Richtung vorgeben, wo<br />

ein Abbau der Barrieren besonders<br />

wichtig ist. Beim Nahverkehr,<br />

der Sicherheit zu Hause,<br />

den Hobbys oder der Kommunikation<br />

– Möglichkeiten gibt es<br />

viele. Beispielsweise könne die<br />

Denkfabrik das Problem „Klient<br />

kann nicht Aufzugfahren“ vorgeben,<br />

überlegt Heinz. Für dieses<br />

Problem sind dann Lösungen<br />

gesucht. Die Fragestellung<br />

wird mit Klientinnen und Klienten<br />

der Lebenshilfe bei einem<br />

Workshop diskutiert, denn: „Sie<br />

können besser sagen, welche<br />

Fragestellung ihr Leben verändern<br />

kann.“<br />

Im September, wenn die Fragestellung<br />

für den Wettbewerb<br />

steht, wird die Jury Firmen,<br />

Start-Ups und Hochschulen ansprechen<br />

und auffordern, mitzumachen.<br />

„Es kann Hard- oder<br />

Software sein, es können Apps<br />

sein“, sinniert Heinz darüber,<br />

was an Innovation möglich ist.<br />

Schon jetzt arbeite die Denkfabrik<br />

am Aufbau eines Netzwerkes<br />

und versuche, das Thema Inklusion<br />

durch Innovation in die<br />

„Firmen- und Denkerlandschaft“<br />

hineinzubekommen. Leider,<br />

so hat es Heinz erlebt,<br />

schrecken viele aufgrund der<br />

Bürokratie zurück, inklusive<br />

<strong>12</strong>00 Beschäftigte, 2400 Klienten<br />

Jürgen Heinz ist Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe<br />

Donau-Iller. Für ihn ist Inklusion Herzenssache.<br />

Die Lebenshilfe<br />

Donau Iller firmiert<br />

als gemeinnütziger<br />

Verein und beschäftigt<br />

<strong>12</strong>00 Mitarbeiterinnen<br />

und<br />

Mitarbeiter. Diese<br />

unterstützen und<br />

begleiten rund<br />

2400 Menschen<br />

mit Behinderung,<br />

von der Frühförderung,<br />

über deren<br />

Arbeitsleben, bis<br />

hin zum Lebensende.<br />

Die Lebenshilfe<br />

betreibt 30 Standorte<br />

im Gebiet<br />

Günzburg, Ulm,<br />

Neu-Ulm und Illertissen.<br />

Sie macht<br />

im Jahr circa 80<br />

Millionen Euro Umsatz.<br />

Der Verein finanziert<br />

sich zu 60<br />

Prozent durch Kostenträger<br />

wie der<br />

Stadt Ulm oder<br />

dem Bezirk, zu 40<br />

Prozent durch Umsatzerlöse<br />

mit der<br />

Produktion in den<br />

Werkstätten. Die<br />

Vision der Lebenshilfe:<br />

„Unsere Motivation:<br />

Inklusion<br />

menschlich und innovativ<br />

gestalten“.<br />

Was durch den Innovationspreis<br />

entwickelt<br />

werde, sei<br />

auch für die Gesamtgesellschaft<br />

von Belang. Denn,<br />

so Heinz: „Irgendwann<br />

komme auch<br />

ich die Treppe nicht<br />

mehr hoch.“<br />

FOTO: LARS SCHWERDTFEGER<br />

Der Preis<br />

soll ermutigen,<br />

Ideen zur<br />

Inklusion<br />

umzusetzen.<br />

Jürgen Heinz<br />

Vorstandschef<br />

Produkte zu entwickeln. Denn<br />

diese werden oft jahrelang geprüft<br />

oder müssen besondere<br />

Standards erfüllen. Das ist aufwändig.<br />

Der Innovationspreis<br />

soll dazu ermutigen, trotzdem<br />

über Ideen zur Inklusion nachzudenken.<br />

Der Aufruf richtet sich auch<br />

an Privatpersonen. „Wir sprechen<br />

die IT-Nerds an, aber auch<br />

den Vater, der eine Idee hat, aber<br />

nie zur Umsetzung kommt“,<br />

sagt Heinz. Er habe viele Bastler<br />

erlebt, die in ihrer Garage etwas<br />

von hohem Nutzen entwickelt<br />

hätten, meist aus einem<br />

persönlichen Leidensdruck heraus.<br />

„Das bleibt dann in einer<br />

ersten Version und erreicht nie<br />

Marktreife“, bedauert Heinz.<br />

Wer seine Idee ausformuliere,<br />

könne diese einreichen, an einer<br />

Umsetzung scheitert es nicht.<br />

Die Lebenshilfe betreibt Werkstätten,<br />

in denen von der Kunststoff-<br />

bis zur Metallbearbeitung<br />

vieles angeboten wird. Außerdem<br />

sitzen in der Jury auch Vertreter<br />

von Liebherr, Beurer und<br />

Citysens, die technisches Knowhow<br />

mitbringen.<br />

Momentan ist geplant, dass<br />

im Herbst die Ideen eingereicht<br />

werden können. Bleibt es dabei,<br />

findet im Januar 2023 die Vorauswahl<br />

unter allen Einsendungen<br />

statt. „Ich hoffe, dass Hunderte<br />

mitmachen, und dass wir<br />

kluge Ideen bekommen“, sagt<br />

Heinz. Im Mai 2023 soll nach aktuellem<br />

Planungsstand das Finale<br />

stattfinden. Und: Das Projekt<br />

solle keine Eintagsfliege sein.<br />

„Wir wollen die Umsetzung in<br />

die Praxis.“ Es sei schade, wenn<br />

gute Ideen in der Schublade landen.<br />

Das Gesamtprojekt der<br />

Denkfabrik könne auch zu einer<br />

Marke werden. Wer Interesse<br />

habe, könne Idee und Logo frei<br />

nutzen.[!]<br />

Janina Hirsch


44<br />

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]<br />

Lissmac baut<br />

Standort um<br />

Neuausrichtung Bis zum Jahr<br />

2023 will Lissmac aus Bad Wurzach<br />

am Standort eine Kalthalle,<br />

einen Parkplatz, ein großes Vordach<br />

und einer Blechfertigungshalle<br />

mit Turm bauen. Die Maßnahmen<br />

sind Teil einer betrieblichen<br />

Neuausrichtung und dienen<br />

der Optimierung des<br />

Produktionsablaufs. Die Lissmac<br />

Maschinenbau GmbH ist ein international<br />

tätiger Maschinenund<br />

Anlagen-Hersteller mit Kunden<br />

aus der Bau-, Metall- und<br />

Automobilindustrie und beschäftigt<br />

rund 400 Mitarbeiter.<br />

Der Umsatz liegt im oberen<br />

zweistelligen Millionen-Bereich.<br />

Firmensitz<br />

gewechselt<br />

AVL SET Das Allgäuer <strong>Unternehmen</strong><br />

AVL SET plant weiteres<br />

Wachstum. Dafür verdreifachte<br />

der Betrieb nun seine<br />

Nettogeschossfläche am neuen<br />

Firmensitz auf dem Erba-Areal<br />

in Wangen im Allgäu. Auf 6600<br />

Quadratmeter befinden sich Büroräume,<br />

Labore, Lager, Montagefläche<br />

und Fertigung. Das <strong>Unternehmen</strong><br />

ist international führenden<br />

Anbieter von Leistungselektronik-Testsystemen<br />

in der<br />

E-Mobilität mit 140 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter und zuletzt<br />

einem Umsatz von 20 Millionen<br />

Euro.<br />

Brandt verlässt<br />

Hymer<br />

Zehn Prozent des Stahlbedarfs bezieht ZF von 2025 an von H2 Green Steel.<br />

ZF setzt auf Grünstahl<br />

Personalwechsel Martin<br />

Brandt, Geschäftsführer der Erwin<br />

Hymer Group (EHG) aus<br />

Bad Waldsee, verlässt den Vorstand,<br />

um sich künftig mehr auf<br />

sein Privatleben konzentrieren<br />

zu können. Alexander Leopold,<br />

bisher Vorsitzender der Geschäftsführung<br />

der Marke<br />

Dethleffs, übernimmt den Posten<br />

des 62-Jährigen. Unter der<br />

Führung von Brandt steigerte<br />

die EHG ihren Umsatz von 1,4<br />

Milliarden Euro im Jahr 2015 auf<br />

zuletzt 2,7 Milliarden Euro. Die<br />

Erwin Hymer Group ist eine<br />

Tochter von Thor Industries, einem<br />

der weltweit führenden<br />

Hersteller von Freizeitfahrzeugen<br />

mit mehr als 31 000 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeitern.<br />

Bauen nach<br />

Gold-Standard<br />

Energieversorger Am Ravensburger<br />

Bahnhof entsteht eine<br />

Erweiterung des Firmensitzes<br />

der Technischen Werke Schussental<br />

(TWS). Das neue Gebäude<br />

soll von der Deutschen Gesellschaft<br />

für Nachhaltiges Bauen<br />

zertifiziert werden und mindestens<br />

deren „Gold“-Standard<br />

entsprechen. Platz wird vor allem<br />

für ein Rechenzentrum und<br />

eine neue Leitstelle benötigt.<br />

Schon heute ist die TWS vom<br />

Bundesamt für Informationssicherheit<br />

zertifiziert. Der Energieversorger<br />

erwirtschaftete mit<br />

221 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern<br />

einen Umsatzerlös<br />

von rund 175 000 Euro.<br />

Nachhaltigkeit<br />

verpflichtet<br />

Umweltschutz Vetter Pharma<br />

aus Ravensburg hat seinen ersten<br />

Nachhaltigkeits-Bericht veröffentlicht.<br />

Die Ziele sind in drei<br />

Bereiche zusammengefasst:<br />

Ökologische Verantwortung,<br />

Nachhaltige Ökonomie und Gesellschaftliches<br />

Engagement.<br />

Die Vetter Pharma-Fertigung<br />

GmbH & Co. KG ist spezialisiert<br />

auf die Fertigung von aseptisch<br />

vorgefüllten Injektionssystemen<br />

mit weltweit 5700 Mitarbeiter.<br />

Der Umsatz lag 2021 bei 840<br />

Millionen Euro. Vetter verfügt<br />

Foto: ZF Friedrichshafen AG<br />

Der weltweit drittgrößte Automobilzulieferer ZF<br />

Friedrichshafen hat eine Liefervereinbarung mit „H2<br />

Green Steel“ abgeschlossen. Zwischen 2025 und<br />

2032 wird das schwedische Start-up jährlich<br />

250 000 Tonnen Stahl an den Technologiekonzern<br />

liefern. Das entspricht laut ZF etwa zehn Prozent des<br />

derzeitigen Stahlbedarfs des <strong>Unternehmen</strong>s. Durch<br />

die Kooperation will der Konzern bis zu 475 000 Tonnen<br />

CO 2<br />

pro Jahr einsparen. Der „grüne“ Stahl wird in<br />

einem integrierten Produktionsprozess hergestellt,<br />

bei dem Strom aus erneuerbaren Energiequellen und<br />

grüner Wasserstoff anstelle von Kohle zum Einsatz<br />

kommen. ZF Friedrichshafen beschäftigt weltweit<br />

über 150 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und<br />

erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 38,3 Milliarden<br />

Euro.<br />

neben dem Firmensitz über<br />

Standorte in Österreich und den<br />

USA sowie Büros in Südkorea,<br />

Japan, China und Singapur.<br />

OSK mit neuem<br />

Personalchef<br />

Medizin Die Oberschwabenklinik<br />

(OSK) aus Ravensburg hat<br />

einen neuen Personalchef: Raimund<br />

Alker. Der 47-Jährige<br />

wechselt von der Firma Trelleborg<br />

Sealing Solutions aus Stuttgart,<br />

für die er zehn Jahre tätig<br />

war. Die Oberschwabenklinik<br />

beschäftigt 2800 Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter. Zu dem<br />

kommunal getragenen Verbund<br />

gehören drei stationäre Häuser<br />

sowie eine Geriatrie im Heilig-Geist-Spital<br />

Ravensburg.[!]<br />

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FOTO: XXXX<br />

Mit Ritter-Spielen, Hochzeitssuite, Biergarten und Nachbildungen der Reichs-Insignien lockt die Familie Haller Menschen auf die Waldburg.<br />

Wie verrückt muss<br />

man sein, um eine<br />

Burg zu pachten?<br />

„Sehr“, sagt Max<br />

Haller und lacht. Der Ritter-Fan<br />

ist seit 2017 Pächter der Waldburg,<br />

etwa zehn Kilometer östlich<br />

von Ravensburg und betreibt<br />

dort ein privates Museum.<br />

Für ihn ist die Waldburg, die aus<br />

dem <strong>12</strong>. Jahrhundert stammt,<br />

eine der spannendsten des Landes.<br />

Sie ist zudem einer der wenigen<br />

verbrieften Orte, an denen<br />

die Insignien des Heiligen Römischen<br />

Reiches Deutscher Nation<br />

aufbewahrt wurden. Besitzer<br />

der Burg ist das Fürstenhaus<br />

Waldburg-Wolfegg-Waldsee.<br />

Haller ist gelernter Schreiner,<br />

Industriekaufmann und Restaurantfachmann.<br />

Bevor er Pächter<br />

wurde, organisierte er Catering-Veranstaltungen<br />

auf der<br />

Burg. In den 90er Jahren sei die<br />

Infrastruktur „schrecklich“ gewesen.<br />

Als die damalige Betreibergesellschaft<br />

aus Landkreis,<br />

Fürstenhaus und Gemeinde aufgab,<br />

übernahm er 2017 kurzerhand<br />

als alleiniger Pächter.<br />

„Früher haben sich alle als<br />

Cowboy oder Indianer verkleidet.<br />

Ich war lieber Ritter“, erzählt<br />

Max Haller. Heute ist er<br />

nicht nur Ritter, sondern auch<br />

Castellan, Hausmeister und<br />

Mädchen für alles. Er führt Reparaturen<br />

durch, designt Flyer<br />

und schreibt Ausstellungstexte,<br />

Neues Leben<br />

in alten Mauern<br />

Eventkultur Die Waldburg ist ein besonderer Ort. Ritter-Fan und<br />

Gastronom Max Haller ist dort ein Abenteuer eingegangen – samt<br />

Gruselnächten, Familientagen und Heiratsantrag-Arrangement.<br />

Ist aus Leidenschaft<br />

und mit hohem<br />

Engagement Burgpächter:<br />

Max Haller<br />

FOTOS: @MAX HALLER


unternehmen [!] MACHEN 47<br />

er macht Führungen und Weinverkostungen,<br />

er fotografiert bei<br />

Veranstaltungen und macht<br />

Pressearbeit. So kommt eine Arbeitswoche<br />

mit 70 oder mehr<br />

Stunden zusammen. „Du musst<br />

diese Burg fühlen“, sagt Max<br />

Haller. „Sonst kann es nicht<br />

funktionieren.“ Unterstützt<br />

wird er von seiner Frau Andrea,<br />

seiner Familie und einem Vollzeit-Mitarbeiter.<br />

Über einen<br />

Förderverein sind zudem rund<br />

zehn Museumsführer in mittelalterlichen<br />

Gewändern tätig.<br />

3300 Euro Burgpacht<br />

Die Burg-Pacht beträgt 3300<br />

Euro im Monat, hinzu kommt<br />

eine Umsatzpacht und monatliche<br />

Kosten wie zum Beispiel<br />

2000 Euro für Strom. Insgesamt<br />

ein fünfstelliger Betrag. Schwierigstes<br />

und teuerstes Thema der<br />

vergangenen 30 Jahre: Brandschutz<br />

und Fluchtwege.<br />

Seit April sind Gastronomie<br />

und Museum geteilt. Hallers<br />

Sohn Maximilian führt die Gastro<br />

und zahlt zwei Drittel der<br />

Pacht. Haller und seine Frau<br />

können sich nun voll und ganz<br />

auf das Museum konzentrieren.<br />

Das bedeutet: Das Museum<br />

muss sich über kurz oder lang<br />

alleine finanziell tragen. Bis es<br />

soweit ist, ist er zusätzlich als<br />

Minijobber beim Sohn angestellt.<br />

„Wir müssen wirtschaftlich<br />

denken“, sagt Haller. Aber:<br />

„Wenn ich ein eisenharter Rechner<br />

wäre, würde das hier keinen<br />

Sinn machen.“<br />

Corona hat auf der Burg einiges<br />

durcheinandergewirbelt.<br />

Von einem Moment auf den anderen<br />

brachen sämtliche Veranstaltungen<br />

und Führungen weg<br />

– und damit fast alle Einnahmen.<br />

Doch Max Haller ist einer, der<br />

Ideen hat und diese schnell umsetzt.<br />

Das habe ihm während der<br />

Coronazeit geholfen, sagt er. In<br />

kürzester Zeit wurde damals<br />

von Gruppenführungen auf Alleingänge<br />

mittels Tablet umgestellt<br />

oder vom Catering zum<br />

À-la-carte-Restaurant. Sein<br />

Glück war, dass sowohl das<br />

Fürstenhaus, wie auch Bau- und<br />

Denkmalamt schnell mitgezogen<br />

haben. „So etwas gelingt nur<br />

durch ein gutes Miteinander“,<br />

betont Haller.<br />

Geschichtsträchtige Stätte<br />

Die Waldburg thront auf einem in der Eiszeit geformten<br />

Drumlin und ist eines der Wahrzeichen Oberschwabens.<br />

Die Waldburg<br />

wurde im <strong>12</strong>. Jahrhundert<br />

auf einem<br />

Drumlin in 772 Meter<br />

Höhe erbaut.<br />

Unter Stauferkaiser<br />

Friedrich II. wurden<br />

die Insignien des<br />

Heiligen Römischen<br />

Reiches hier aufbewahrt<br />

(ca. <strong>12</strong>20-<br />

<strong>12</strong>40). Im 19. Jahrhundert<br />

war sie einer<br />

der Orte, von<br />

dem aus das Königreich<br />

Württemberg<br />

vermessen<br />

wurde. Lange Zeit<br />

war sie wegen Renovierung<br />

geschlossen.<br />

1996<br />

wurde sie durch<br />

eine Betreibergesellschaft<br />

aus<br />

Landkreis, Gemeinde<br />

und Fürstenhaus<br />

wiedereröffnet.<br />

Seit 2017 ist<br />

Maximilian Haller<br />

Pächter der Burg.<br />

Wichtigste Werbeplattform<br />

für<br />

Haller ist Social<br />

Media. Auf dem<br />

Youtube-Kanal<br />

„Burgmax“ gibt es<br />

einen Film, wie der<br />

Kronschatz auf die<br />

Waldburg kam. 200<br />

freiwillige Komparsen<br />

spielten mit.<br />

FOTO: @MAX HALLER<br />

Rund 300 000 Euro habe er<br />

insgesamt an Coronahilfen bekommen.<br />

Einen Großteil durch<br />

das Förderprogramm „Neustart<br />

Kultur“. Aber: Vieles musste er<br />

vorfinanzieren. Und: „Die kompletten<br />

Hilfsgelder werden über<br />

die Einkommensteuer versteuert.<br />

Das bedeutet, dass bis zu 50<br />

Prozent der Förderung wieder<br />

zurück an das Finanzamt fließen<br />

werden“, sagt Haller. Außerdem<br />

sei bis heute nicht sicher, ob er<br />

nicht zumindest einen Teil der<br />

Gelder irgendwann zurückzahlen<br />

müsse. Das Geld floss in verschiedene<br />

Projekte, unter anderem<br />

in die Digitalisierung des<br />

Museums.<br />

Die Besucher<br />

sollen<br />

sprachlos sein.<br />

Wer auf die Burg kommt,<br />

sieht beflaggte Mauern. Den<br />

steilen Weg hinauf begleiten unterhaltsame<br />

Themen stelen mit<br />

Quiz. Haller begrüßt nicht mit<br />

„Hallo“, sondern mit „Gott zum<br />

Gruße“. Außerdem nennt er<br />

sein Museum „Mittelalterliche<br />

Erlebniswelten Schloss Waldburg“.<br />

Es sind diese vielen Kleinigkeiten,<br />

die das große Ganze<br />

formen. Mit wechselnden Ausstellungen,<br />

Familientagen mit<br />

Mittelalter-Programm will Haller<br />

nach der Pandemie wieder<br />

mehr Menschen anlocken. Auch<br />

Ritteressen, Grusel-Führungen,<br />

sogar eine Suite zum Übernachten<br />

gibt es – inklusive Heiratsantrag-Arrangement.<br />

Haller rechnet auf lange Sicht<br />

mit bis zu 20 000 Besuchern und<br />

rund 200 000 Euro Umsatz im<br />

Jahr. So viel Liebe und Herzblut<br />

von ihm in der Waldburg stecken,<br />

am Ende des Tages<br />

wünscht auch er sich schwarze<br />

Zahlen. Sein Wunsch für die Zukunft:<br />

„Dass die Waldburg sich<br />

trägt“ – das bedeutet für ihn,<br />

dass alle Kosten gedeckt sind<br />

und er vom Restgeld leben kann.<br />

Und dass die Besucher von seiner<br />

Burg begeistert sind: „Ich<br />

will nicht, dass die Leute sagen:<br />

Die Waldburg ist cool. Ich will,<br />

dass sie sprachlos sind.“ [!] <br />

<br />

<strong>Juli</strong>a Rizzolo


spezial<br />

SPEZIAL unternehmen [!]<br />

Top-<br />

Arbeitgeber<br />

Mit Strategie<br />

attraktiv sein<br />

Personal Bei der Suche nach Fachkräften<br />

reichen finanzielle Anreize nicht aus, sagt<br />

HNU-Professor Kracklauer. Ein Leitfaden zur<br />

Entwicklung von Arbeitgebermarken.<br />

www.swp-unternehmen.de<br />

Fachkräftemangel – der<br />

Begriff erlebt derzeit<br />

Hochkonjunktur. Nicht<br />

nur Ingenieure fehlen,<br />

die Notrufe ertönen aus den unterschiedlichsten<br />

Bereichen und<br />

Branchen. Im Handwerk fehlen<br />

Fachkräfte genauso wie im Erziehungs-<br />

und Bildungsbereich.<br />

In der Touristik und in der Gastronomie<br />

ist ein Zusammenhang<br />

zwischen den Lücken im Personalbestand<br />

und der Pandemie<br />

besonders offensichtlich, so wie<br />

auch in der Luftfahrt. Dort haben<br />

sich ebenfalls viele Beschäftigte<br />

während der Lockdowns<br />

beruflich umorientiert und sind<br />

nicht an ihre früheren Stellen<br />

zurückgekehrt. Jetzt, da es wieder<br />

aufwärts geht, fehlen sie.<br />

Forscherteam aus Neu-Ulm<br />

Seit zehn Jahren beleuchtet das<br />

Forscherteam um die Professoren<br />

Alexander Kracklauer und<br />

Sascha Fabian die Anziehungskraft<br />

von <strong>Unternehmen</strong> auf Bewerber<br />

aus Marketing- und regionaler<br />

Perspektive. Die beiden<br />

Leiter des Kompetenzzentrums<br />

Wachstums- und Vertriebsstrategien<br />

(KWV) an der Hochschule<br />

Neu-Ulm sind federführend<br />

bei der Ermittlung und Vergabe<br />

des Employer Branding Award.<br />

Einbezogen in das Ranking sind<br />

die 40 umsatzstärksten Arbeitgeber<br />

der Region.<br />

Bewertet wird dabei im Grunde<br />

das Image, das <strong>Unternehmen</strong><br />

als Arbeitgeber ausstrahlen. Die<br />

Annahme lautet: <strong>Unternehmen</strong>,<br />

die kaum auf dem Radar etwa<br />

bei Studierenden sind, bekommen<br />

über kurz oder lang Probleme<br />

bei der Besetzung von Stellen<br />

mit Fach- und Führungskräften.<br />

Oder sie haben bereits<br />

Schwierigkeiten, offene Stellen<br />

zu besetzen – vor allem gegenüber<br />

Betrieben, die sich besser<br />

positioniert haben.<br />

Eine Arbeitgeber-Marke aufzubauen<br />

und zu pflegen, bedeutet<br />

weitaus mehr, als sich in<br />

Hochglanz zu präsentieren,<br />

warnt der Marketing-Fachmann<br />

Kracklauer vor unüberlegten<br />

Schnellschüssen bei Kampagnen.<br />

„Employer Branding“ erfordere<br />

eine Strategie und Klarheit<br />

im <strong>Unternehmen</strong> selbst:<br />

Wie werden wir von außen gesehen?<br />

Wie attraktiv ist unsere<br />

<strong>Unternehmen</strong>skultur? Wohin<br />

wollen wir uns entwickeln? Welche<br />

Maßnahmen sind nötig?<br />

Schließlich: Wo finden wir die<br />

Employer<br />

Branding<br />

erfordert<br />

Klarheit im<br />

<strong>Unternehmen</strong>.<br />

Alexander Kracklauer<br />

Professor an der HNU<br />

zu uns passenden Leute? Und<br />

wie sprechen wir diese denn an?<br />

„Nur zu sagen, wir sind toll, das<br />

reicht gewiss nicht“, verweist<br />

Kracklauer auf das ABC des<br />

Marketings.<br />

Der „War for Talent“ sei<br />

längst in vollem Gange. Dass<br />

sich dabei die Lage weiter zuspitzen<br />

könnte, dieser Schluss<br />

lässt sich aus einer aktuellen<br />

Gallup-Studie ziehen. Ihr zufolge<br />

fühlten sich in Deutschland<br />

Mitarbeiter so wenig an ihre Arbeitgeber<br />

gebunden wie nie zu-


unternehmen [!]<br />

SPEZIAL 49<br />

vor. Gleichzeitig stünden die<br />

Chancen für einen Jobwechsel<br />

relativ günstig.<br />

Viele sind offen für neuen Job<br />

42 Prozent der Beschäftigten,<br />

ermittelte das Meinungs- und<br />

Beratungsunternehmen, hegten<br />

Wechselabsichten. Rund ein<br />

Viertel sei bereits auf der Suche<br />

nach einer neuen Stelle, sagen<br />

die Gallup-Experten und verweisen<br />

auf ihren Engagement<br />

Index 2021. Das Homeoffice erweise<br />

sich aus <strong>Unternehmen</strong>ssicht<br />

als zweischneidiges<br />

Schwert. Es erleichtere zum einen<br />

den Wechsel, weil oft die<br />

Notwendigkeit zu einem Umzug<br />

entfällt. Auf der anderen Seite<br />

sei durch diese Möglichkeit<br />

während der Pandemie der innere<br />

Abstand zum bisherigen<br />

Arbeitsplatz eher gewachsen. In<br />

den Lockdowns seien vermehrt<br />

Lebensziele auf den Prüfstand<br />

Leitet an der<br />

HNU das<br />

Kompetenzzentrum<br />

Wachstums-<br />

und<br />

Vertriebsstrategien:<br />

Professor<br />

Alexander<br />

Kracklauer.<br />

Foto: HNU<br />

gestellt worden, was allmählich<br />

Folgen hätte. Laut Gallup ist<br />

eine Kündigungswelle am Anrollen,<br />

angetrieben von der<br />

„Great Resignation“.<br />

Auch Kracklauer warnt davor,<br />

in Homeoffice-Angeboten ein<br />

Allheilmittel bei der Mitarbeiter-Akquise<br />

zu sehen. Er verweist<br />

dabei auf den möglichen<br />

Effekt, dass dieses der gegenseitigen<br />

Entfremdung förderlich<br />

sein könnte. Schon jetzt fühlen<br />

sich laut der Gallup-Untersuchung<br />

gerade einmal 17 Prozent<br />

der Befragten emotional an<br />

ihren Arbeitgeber gebunden –<br />

was sie für Abwerbeversuche<br />

empfänglich mache. Generell<br />

sei eine „deutliche Abnahme der<br />

Lebenszufriedenheit“ zu verzeichnen,<br />

wie Studienleiter<br />

Marco Nink anführt. Die Burnout-Rate<br />

unter Arbeitnehmern<br />

sei von 26 Prozent (2019) auf<br />

jetzt 35 Prozent gestiegen.<br />

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Unsere Wurzeln gehen zurück auf die 1872 gegründete<br />

G. Müller Apotheke in Laupheim. Seitdem<br />

ist die Entwicklung unseres unabhängigen<br />

Familienunternehmens eine Geschichte des<br />

Wandels und der Wirkung.<br />

Immer im Fokus: Wirkstoffe, wirksame Medikamente<br />

und die Verbesserung der Lebensqualität.<br />

Die Wirkstoffe wurden komplexer, ihre Herstellung<br />

auch. Dafür haben wir stetig unsere Kompetenz<br />

und unser Netzwerk ausgebaut und so die<br />

Relevanz von Rentschler Biopharma international<br />

gesteigert. Heute entwickeln wir gemeinsam<br />

mit unseren Partnern beste Lösungen für die<br />

komplexen Herausforderungen der Biotechnologie<br />

von morgen.<br />

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(CDMO) führen wir weltweit<br />

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Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika<br />

samt exzellenter Beratung, Projektplanung<br />

und regulatorischer Unterstützung.<br />

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An drei Standorten beschäftigen wir derzeit ein<br />

Team von 1.100 Menschen: in Laupheim, im<br />

US-amerikanischen Milford und im englischen<br />

Stevenage. Auch künftig werden wir uns von der<br />

Leidenschaft leiten lassen, gemeinsam Medizin<br />

voranzutreiben, um Leben zu schützen.<br />

Werden Sie Teil des Teams. Schreiben wir gemeinsam<br />

unsere Geschichte weiter. Wir freuen<br />

uns auf Sie!<br />

Foto: Rentschler Biopharma SE<br />

Rentschler Biopharma SE<br />

Erwin-Rentschler-Str. 21<br />

88471 Laupheim<br />

www.rentschler-biopharma.com


50 SPEZIAL unternehmen [!]<br />

Der demografische Wandel<br />

dürfte die Situation weiter zuspitzen,<br />

schreibt die internationale<br />

Employer-Branding-Beratung<br />

Universum in ihrer aktuellen<br />

Studie. Besonders hervorgehoben<br />

wird darin der Aspekt der<br />

„Diversity“, der Vielfalt in der<br />

Belegschaft also. Auch diese<br />

habe Einfluss auf die Anziehungskraft<br />

von <strong>Unternehmen</strong>.<br />

In Deutschland werde das noch<br />

zu wenig berücksichtigt. Höher<br />

als im internationalen Vergleich<br />

würden hierzulande bei Einstellungen<br />

die Lern- und Kommunikationsfähigkeit<br />

gewichtet.<br />

Was eine attraktive Arbeitgebermarke<br />

ausmacht, dafür will<br />

das KWV in nächster Zeit im<br />

Rahmen einer Studie einen<br />

Messrahmen entwickeln. Zentrale<br />

Untersuchungsfelder seien<br />

vier „Dimensionen“, sagt<br />

Kracklauer: Wie erfährt der Arbeitnehmer<br />

Schutz und Halt?<br />

Wie vermitteln sich Nähe und<br />

Beziehung, etwa im Führungsstil?<br />

Wie äußert sich Wertschätzung<br />

und das Eingehen auf Individualität?<br />

Und schließlich:<br />

Inwiefern zeichnet sich das <strong>Unternehmen</strong><br />

durch zukunftsorientierte<br />

Strukturen aus?<br />

Mit an Bord wird Marc Lunkenheimer<br />

sein, der derzeit in<br />

Philosophie zum Thema „Sinnstiftende<br />

Markenführung als<br />

Teil integrativer <strong>Unternehmen</strong>sethik“<br />

promoviert. Entsprechend<br />

seiner Arbeit soll in der<br />

Studie sehr stark auf den Aspekt<br />

der Sinnhaftigkeit von Arbeit<br />

abgehoben werden. Die Beteiligten<br />

an der Studie, für die noch<br />

Die Top-Arbeitgeber in der Region Ulm<br />

Das Pharmaunternehmen<br />

Teva/Ratiopharm<br />

ist bei der aktuellen<br />

Bewertung als<br />

Arbeitgeber an der<br />

Spitze gelandet. Das<br />

Liebherr-Werk Ehingen<br />

und das Familienunternehmen<br />

Seeberger<br />

nehmen in der Employer<br />

Branding-Studie des<br />

Kompetenzzentrums<br />

Wachstums- und Vertriebsstrategien<br />

an der<br />

Hochschule Neu-Ulm<br />

die weiteren Spitzenplätze<br />

ein und erhielten<br />

ebenfalls den alljährlich<br />

vergebenen<br />

„Award“.<br />

Im Ranking der beliebtesten<br />

Arbeitgebermarken<br />

der Region<br />

Nur 17 Prozent<br />

fühlen sich<br />

emotional an<br />

ihren Arbeitgeber<br />

gebunden<br />

Marco Nink<br />

Studienleiter Gallup-Institut<br />

838 Studierende aus der Region nahmen an<br />

der jüngsten Befragung teil.<br />

regionale <strong>Unternehmen</strong> als<br />

Partner gesucht werden, gehen<br />

davon aus, dass dieser für den<br />

nachrückenden Nachwuchs<br />

eine immer größere Rolle spielen<br />

wird.<br />

Um für die Generation „Fridays<br />

for future“ anziehend zu<br />

sein, so die Prämisse, müssten<br />

<strong>Unternehmen</strong> ihre Legitimationsbasis<br />

erweitern. Wenn Arbeitnehmer<br />

sinnstiftende Tätigkeiten<br />

ausüben wollen, richten<br />

sich damit umfängliche Erwartungen<br />

an potenzielle Arbeitgeber.<br />

Arbeit müsse daher einen<br />

FOTO: HNU<br />

folgen Gardena, Aldi,<br />

Carl Zeiss, Peri, Wieland,<br />

Liqui Moly, SWU<br />

Stadtwerke Ulm/Neu-<br />

Ulm, Beurer und Iveco<br />

Magirus. Grundlage in<br />

der jüngsten Untersuchung<br />

ist eine Befragung<br />

von 838 Personen<br />

aus dem Kreis der Studierenden<br />

der Hochschulen<br />

und Universitäten<br />

zwischen Schwäbisch<br />

Gmünd und Neu-<br />

Ulm. Abgefragt wurden<br />

die Faktoren Bekanntheit,<br />

Attraktivität und<br />

Sympathie. Erstmals in<br />

den Bewertungsschlüssel<br />

eingeflossen<br />

ist der Faktor „Bewerbungsbereitschaft“<br />

der<br />

Befragten als den potenziellen<br />

Anwärtern.<br />

sozialen und ökologischen Nutzen<br />

erbringen. Was die <strong>Unternehmen</strong><br />

selbst betrifft, benötigten<br />

sie eine „gesellschaftliche<br />

und moralische Legitimation“,<br />

um Anziehungskraft zu entwickeln,<br />

sagt Kracklauer.<br />

Zwar spiele ihre Profitabilität<br />

auch eine Rolle beim Faktor Bewerbungsbereitschaft.<br />

Doch<br />

„reines Profitstreben allein“ erzeuge<br />

noch keine Legitimation.<br />

Marco Nink vom Gallup-Institut<br />

bringt es auf diesen Nenner:<br />

„Der Stellenwert der Arbeit ist<br />

gesunken.“ [!] Thomas Vogel<br />

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<strong>Unternehmen</strong>s und Ihre besten Werbeträger. Mit<br />

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Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Bill und Margit Pachner, Bereichsleiterin Personal, freuen sich über die renommierte Auszeichnung.<br />

Foto: Sparkasse Ulm<br />

Wertschätzende <strong>Unternehmen</strong>skultur:<br />

Sparkasse Ulm erneut ausgezeichnet<br />

Aus über 160.000 <strong>Unternehmen</strong> wurden die<br />

LEADING EMPLOYERS für ihre herausragende<br />

Qualität und Attraktivität ausgezeichnet.<br />

Die Sparkasse Ulm gehört auch <strong>2022</strong> wieder<br />

zu den Top 1 % der Arbeitgeber in Deutschland!<br />

Die Finanzbranche befindet sich in einer Zeit<br />

des tiefgreifenden Wandels, der sich wiederum<br />

auf vielfältige Weise auf die Arbeitswelt auswirkt.<br />

Die Sparkasse Ulm stärkt und begleitet<br />

ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den<br />

zahlreichen Herausforderungen – unter anderem<br />

mit neuen Formen der Zusammenarbeit,<br />

des Führens und des lebenslangen Lernens. Im<br />

selben Maße nimmt die Gesundheit der Belegschaft<br />

in der Sparkasse Ulm einen hohen Stellenwert<br />

ein. Deutlich spürbar war dies vor allem<br />

seit Beginn der Corona-Pandemie durch einen<br />

Maßnahmen-Mix inklusive Impfangebot für alle<br />

Angestellten über den Betriebsarzt. Zudem<br />

wurde das „Mobile Arbeiten“ flächendeckend,<br />

soweit es die jeweilige Tätigkeit ermöglicht,<br />

eingeführt. In diesem Zusammenhang wurden<br />

digitale Kommunikationsformate ins Leben<br />

gerufen, die einen virtuellen Austausch ermöglichen:<br />

Mitarbeiterveranstaltungen wurden bereits<br />

mehrfach live aus einem eigenen Streaming-Raum<br />

gesendet. Um alle Beschäftigten<br />

fachlich auf dem neuesten Stand zu halten,<br />

wurde das regelmäßig genutzte Streamingformat<br />

„S-Live“ sowie die digitale Mitarbeitermagazin-App<br />

„s.intern+“ eingeführt.<br />

Zukunftsorientierte Weiterbildungsangebote<br />

Auch auf die individuellen Bedürfnisse ihrer<br />

Angestellten geht die Sparkasse Ulm mit fachlichen,<br />

persönlichen und zukunftsorientierten<br />

Weiterbildungsangeboten ein. Dazu zählen<br />

beispielsweise flexible Arbeitszeiten, JobRad,<br />

JobTicket, Zuschüsse für den Kindergarten<br />

oder Unterstützung bei Aus- und Weiterbildungen.<br />

Und auch die Förderung von Kompetenzen<br />

wie Innovationsfähigkeit, Unternehmerisches<br />

Den- ken, Veränderungsbereit-<br />

schaft und<br />

Anpassungs- fähigkeit, um<br />

auf die Be- dürfnisse ihrer<br />

Kundinnen und Kunden<br />

bestmöglich reagieren zu<br />

können. Wich-<br />

tig sind dabei<br />

auch die „Soft<br />

Skills“, welche<br />

beispielsweise auch auf der neu eingeführten<br />

Lernplattform „GoodHabitz“ trainiert werden.<br />

Die Sparkasse Ulm verfolgt bei der Förderung<br />

ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den<br />

stärkenbasierten Ansatz. Sie begleitet junge<br />

Menschen schon von Beginn an sehr intensiv:<br />

Zu deren Ausbildung gehören neben innerbetrieblichem<br />

Unterricht auch Seminare an der<br />

Sparkassenakademie in Stuttgart sowie Projekte<br />

innerhalb der Sparkasse Ulm, die die persönlichen<br />

Stärken fördern.<br />

Auszeichnung für Arbeitgeberqualität<br />

LEADING EMPLOYERS ist in ihrer Art die umfassendste<br />

Beleuchtung von Arbeitgeberquali-<br />

Zitat Dr. Stefan Bill:<br />

„Wir sind uns bewusst, dass der Erfolg unserer<br />

Sparkasse auf der Leistung unserer Mitarbeiterinnen<br />

und Mitarbeiter beruht. Unsere strate<br />

gische Personalentwicklung umfasst daher<br />

sowohl deren fachliche als auch persönliche Weiterentwicklung.<br />

Das Lernen bei der Sparkasse<br />

Ulm endet folglich keinesfalls mit der Ausbildung:<br />

Während ihres gesamten Arbeitslebens<br />

werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter<br />

entsprechend ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und<br />

Interessen gefördert. Dabei ist es uns wichtig,<br />

auf deren individuelle Bedürfnisse einzugehen,<br />

indem wir ihnen unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle<br />

und eine Vielzahl an attraktiven und<br />

freiwilligen Zusatzleistungen bieten.“<br />

täten. Es handelt sich um eine unabhängig<br />

durchgeführte Untersuchung auf der Basis<br />

mehrerer Millionen Metadaten, unter anderem<br />

zu Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitsbedingungen,<br />

Werteverständnis, Arbeitsplatzsicherheit,<br />

Prosperität, HR-Expertise, Image, Umweltbewusstsein<br />

und vieles mehr. Alle genutzten<br />

Quellen der Erhebung können öffentlich und<br />

transparent eingesehen werden:<br />

https://www.leading-employers.org<br />

Sparkasse Ulm<br />

Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 2<br />

89073 Ulm<br />

www.spkulm.de


52<br />

MACHEN unternehmen [!]<br />

Vision von<br />

grünem Kupfer<br />

Lapp Mit einem Bündel an Maßnahmen senkt der<br />

Firmenchef den CO 2<br />

-Ausstoß. Nun hat der Stuttgarter<br />

Kabelhersteller begonnen, bei seinem wichtigsten Rohstoff<br />

die Einkaufsstrategie zu ändern.<br />

Schon bevor der Ukrainekrieg<br />

ausgebrochen<br />

war, hat sich Matthias<br />

Lapp Gedanken darüber<br />

gemacht, welche Konsequenzen<br />

ein <strong>Unternehmen</strong> aus<br />

den zunehmenden Lieferengpässen<br />

ziehen sollte. „Diese lassen<br />

uns nochmals ganz anders<br />

über Wiederverwendung nachdenken“,<br />

erklärte der Vorstand<br />

des Stuttgarter Kabelherstellers<br />

Lapp. Dass dies nur funktioniert,<br />

wenn eine gleichbleibende Produktqualität<br />

gewährleistet ist,<br />

sieht er als Herausforderung für<br />

das Produktmanagement. Vor<br />

diesem Hintergrund hat sich der<br />

junge Vorstand vorgenommen,<br />

zwei Themenbereiche zu forcieren:<br />

die Innovationsfähigkeit sowie<br />

die Nachhaltigkeit des Familienunternehmens.<br />

Am<br />

stärksten belastet die Ökobilanz<br />

das für Kabel nötige Kupfer.<br />

Unter dem Stichwort „Ölflex<br />

4.0“ knüpft der Juniorchef an die<br />

Familientradition an. Der Erfolg<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s gründet im<br />

Erfindergeister von Großvater<br />

Oskar Lapp. Dieser hatte nicht<br />

nur die Idee, den Adern im<br />

Stromkabel unterschiedliche<br />

Farben zu geben. Er schuf mit<br />

dem ersten industriell hergestellten<br />

Stromkabel, das besonders<br />

flexibel und gegen Öl unempfindlich<br />

ist, die Marke Ölflex,<br />

die immer noch den Kern<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s ausmacht.<br />

Aber längst produziert der international<br />

agierende Hersteller<br />

mit weltweit mehr als 5000 Mitarbeitenden<br />

alles, was zum<br />

Transport von Energie und Daten<br />

nötig ist. Dazu gehören Kabel<br />

genauso wie Netzwerkverbindungen,<br />

Verbindungsstecker<br />

oder Ladesysteme für Elektroautos.<br />

Heute findet man die widerstandsfähigen<br />

Kabel auf Ölplattformen<br />

genauso wie in Klimaanlagen<br />

ägyptischer Pyramiden.<br />

Um die bisherige<br />

Innovationskraft fortzuschreiben,<br />

wendet sich das <strong>Unternehmen</strong><br />

auch neuen Formen des<br />

Wandels zu, die neben linearen<br />

auch disruptive Veränderungen<br />

umfasst.<br />

Der Krieg<br />

lässt uns<br />

anders über<br />

Wiederverwendung<br />

nachdenken.<br />

Matthias Lapp<br />

Vorstand<br />

Beim Thema Nachhaltigkeit<br />

sieht der junge Familienvater,<br />

der das <strong>Unternehmen</strong> nun in der<br />

dritten Generation führt, „den<br />

Mittelstand in der Verantwortung,<br />

dass unsere Welt auch für<br />

unsere Nachfolgegenerationen<br />

erhalten bleibt“. Schon der<br />

Großvater hat Prozesswärme<br />

genutzt, um die Werkshallen zu<br />

heizen. Heute ist die Europazentrale<br />

in Stuttgart CO 2<br />

-neutral.<br />

Seit fünf Jahren bezieht Lapp<br />

Ökostrom, nutzt Geothermie<br />

und hat PV-Module auf dem<br />

Dach. Ziel ist es, an allen Standorten,<br />

an denen die <strong>Unternehmen</strong>sgruppe<br />

eigene Gebäude<br />

besitzt, CO 2<br />

-neutral zu werden.<br />

Im vergangenen Jahr wurden<br />

auf Initiative von Matthias Lapp<br />

auf einer Blumenwiese in der<br />

Nähe des <strong>Unternehmen</strong>ssitzes<br />

zwei Bienenvölker<br />

angesiedelt. Mit Hilfe der<br />

40 000 Bienen wurde in einem<br />

Pilotprojekt die biologische<br />

Diversität im Gewerbegebiet<br />

rund um den Firmensitz<br />

untersucht. Immer wieder überprüft<br />

wird auch, dass bei Lieferanten<br />

Kinderarbeit ausgeschlossen<br />

ist.<br />

Änderungen auch im Kleinen<br />

Neben vielen kleinen Verhaltensänderungen,<br />

wie täglich den<br />

Bildschirm im Büro auszuschalten<br />

oder in der Kantine weniger<br />

Fleischgerichte anzubieten, gibt<br />

es bei Lapp zwei zentrale Bereiche,<br />

die die Ökobilanz am meisten<br />

belasten: das für die Kabel<br />

nötige Kupfer sowie der Kunststoff<br />

für die Ummantelung.<br />

Längst arbeitet Lapp daran, den<br />

Recyclinganteil bei Kunststoff<br />

zu erhöhen und experimentiert<br />

mit biologischen Materialien.<br />

Weil sich dabei die physikalischen<br />

Eigenschaften ändern,<br />

wie die Biegsamkeit, erlauben<br />

viele Normen bislang nur eine<br />

Beimischung von recyceltem<br />

Kunststoff von zehn Prozent.<br />

Drei Viertel des CO 2<br />

-Verbrauchs<br />

geht jedoch auf das<br />

Konto von Kupfer, dessen Herstellung<br />

äußerst energieaufwändig<br />

ist. Um die Vision vom grünen<br />

Kupfer umzusetzen, hat<br />

Lapp ein umfangreiches Maßnahmenpaket<br />

ausgetüftelt. Bis<br />

2025 will Lapp bei seinen Produkten<br />

eine 20-prozentige<br />

CO 2<br />

-Reduzierung erreichen.<br />

Kupfer ist im Durchschnitt für<br />

88 Prozent des CO 2<br />

-Fussabdrucks<br />

verantwortlich. Der<br />

FOTO: © U.I. LAPP GMBH<br />

Die Farben für<br />

unterschiedliche<br />

Adern in Elektrokabeln<br />

gehen auf den<br />

Firmengründer Oskar<br />

Lapp zurück.


unternehmen [!] MACHEN 53<br />

Klarer Fokus auf Nachhaltigkeit<br />

Ob E-Mobiliät,<br />

C0 2<br />

-neutrale<br />

Firmenzentrale,<br />

Bienenvölker oder<br />

die Auszeichnung<br />

als fahrradfreundlicher<br />

Arbeitgeber:<br />

Matthias Lapp<br />

(Bild unten) sieht<br />

sich und den<br />

Mittelstand in der<br />

Verantwortung.<br />

FOTOS: © U.I. LAPP GMBH<br />

Der Kabelhersteller Lapp hat im Geschäftsjahr<br />

2020/21 (30. September) vom<br />

Trend der Digitalisierung und dem gestiegenen<br />

Kupferpreis profitiert. Der Umsatz kletterte<br />

um 26 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.<br />

Die Kabel- und Verbindungstechnologie<br />

kommt unter anderem bei der Vernetzung<br />

der Fabriken, der Elektromobilität oder im<br />

Bereich der Erneuerbaren Energien zum Einsatz.<br />

Das Ergebnis vor Steuern stieg um 177<br />

Prozent auf 82 Millionen Euro. Den meisten<br />

Umsatz machte Lapp im Bereich Europa,<br />

Naher und Mittlerer Osten und Afrika. Hier<br />

stiegen die Erlöse um 25 Prozent auf 1,04<br />

Milliarden Euro.<br />

Mit richtiger<br />

Auswahl der<br />

Lieferanten den<br />

CO 2<br />

-Ausstoß um<br />

45 Prozent senken.<br />

wichtigste Hebel zur Verringerung<br />

der Emissionen ist deshalb<br />

die Kupferindustrie. Hersteller<br />

investieren laut Lapp bereits in<br />

nachhaltige Prozesse bei der<br />

Gewinnung und bei der Raffinerie.<br />

Mit der richtigen Auswahl<br />

der Ursprungsquellen könnte<br />

Lapp den CO 2<br />

-Fußabdruck<br />

deutlich reduzieren, teilweise<br />

um bis zu 45 Prozent. Deshalb<br />

hat Lapp damit begonnen, seine<br />

Einkaufsstrategie danach auszurichten,<br />

was aber zu weiter steigenden<br />

Kosten führen könnte.<br />

Besonders aktiv ist Lapp auch<br />

in Sachen Mobilität: Das <strong>Unternehmen</strong><br />

wurde im vergangenen<br />

Jahr von der EU und dem Allgemeinen<br />

Deutschen Fahrradclub<br />

(ADFC) als „Fahrradfreundlicher<br />

Arbeitgeber“<br />

ausgezeichnet. Lapp verfügt am<br />

Firmenstammsitz über 55 Radabstellplätze.<br />

Außerdem gibt es<br />

das Angebot des vergünstigten<br />

Radkaufs sowie die Nutzung eines<br />

firmeneigenen E-Lastenrades.<br />

Seit kurzem steht auch eine<br />

Fahrrad-Reparaturstation zur<br />

Verfügung.<br />

Zum Mobilitätskonzept von<br />

Lapp gehören auch ein VVS-Firmenticket,<br />

die Haltestelle Lapp<br />

Kabel der Stadtbahnlinie U<strong>12</strong> sowie<br />

für Autofahrer ein Parkraummanagement,<br />

eine Parkplatztauschbörse<br />

sowie Carsharing-Modelle<br />

und alternative<br />

Mobilitätsangebote wie E-Tretroller<br />

und E-Scooter. [!]<br />

<br />

Rainer Lang


54<br />

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]<br />

Schuler setzt<br />

auf Homeoffice<br />

Arbeitsmodell Beim Göppinger<br />

Pressenbauer Schuler werden<br />

hybride Arbeitsmodelle fester<br />

Bestandteil der <strong>Unternehmen</strong>skultur.<br />

Unabhängig vom weiteren<br />

Verlauf der Corona-Pandemie<br />

können die rund 6500 Beschäftigten<br />

– sofern sie in den<br />

dafür geeigneten Aufgabenbereichen<br />

tätig sind – künftig Büropräsenz<br />

und mobiles Arbeiten<br />

grundsätzlich miteinander verbinden.<br />

Allerdings soll der Anteil<br />

des mobilen Arbeitens bei<br />

Schuler in der Regel zwei Tage<br />

in der Woche nicht überschreiten.<br />

Zuletzt erzielte Schuler einen<br />

Umsatz von 1,2 Milliarden<br />

Euro.<br />

Nachhaltigkeit<br />

im Vordergrund<br />

Teamviewer Das Göppinger<br />

Software-<strong>Unternehmen</strong> Teamviewer<br />

will mit einem umfassenden<br />

Programm alle nachhaltigen<br />

Aktivitäten des <strong>Unternehmen</strong>s<br />

bündeln. Das Programm „Care“<br />

definiere dabei klare Verpflichtungen,<br />

Ziele und Maßnahmen<br />

auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.<br />

Mit den koordinierten<br />

Maßnahmen will Teamviewer<br />

auch das selbst gesetzte Ziel Klimaneutralität<br />

früher erreichen<br />

– bis 2025 und damit fünf Jahre<br />

früher als geplant. Die Produkte<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s seien aus<br />

dem Bedürfnis heraus entwickelt,<br />

Reisen und physische Präsenz<br />

zu vermeiden. Das <strong>Unternehmen</strong><br />

beschäftigt rund 1500<br />

Mitarbeiter und erzielte im vergangenen<br />

Jahr einen Umsatz<br />

von rund 500 Millionen Euro.<br />

Kooperation<br />

mit Kunden<br />

In der Ulmer Münz wurden im 17. Jahrhundert Münzen für die<br />

Reichsstadt Ulm geprägt.<br />

Foto: Lars Schwerdtfeger<br />

Ulmer Stadtgeschichte<br />

steht zum Verkauf<br />

Es sind keine gewöhnliches Objekte die in Ulm gerade zum Verkauf stehen.<br />

Das Wohn- und Geschäftsgebäude Ulmer Münz im Fischerviertel<br />

soll verkauft werden. Für knapp 5 Millionen Euro können Interessenten<br />

das Haus mit einer Fläche von rund 650 Quadratmetern erwerben. Das<br />

Haus ist ein Stück Ulmer Stadtgeschichte. Erbaut wurde es im Jahr<br />

1550. Zwischen 1620 und 1624 war dort die Münzstätte der Reichsstadt<br />

untergebracht. Während der Dreißigjährige Krieg tobte, kam das Obergeschoss<br />

mit dem Renaissancefachwerk hinzu. Mit dem Schmalen Haus<br />

sucht Tentschert für ein weiteres historisches Gebäude im Fischerviertel<br />

neue Eigentümer. Das Hotel mit rotbraunem Fachwerk zwischen Forelle<br />

und Zunfthaus wird für 2,79 Millionen Euro angeboten.<br />

Zulieferer Mit Flexibilität und<br />

Kooperationen reagieren die Salacher<br />

Saxonia Umformtechnik<br />

und die Saxonia Textile Parts in<br />

Göppingen auf die Herausforderungen<br />

durch gestiegene Material-<br />

und Energiekosten, sowie<br />

Lieferkettenunterbrechungen.<br />

Mittlerweile müssten fast wöchentlich<br />

Störfaktoren kommuniziert<br />

werden, erklärt Geschäftsführer<br />

Uwe Habisch, der<br />

35 Millionen Euro Jahresumsatz<br />

verantwortet. Zwar mache der<br />

Bereich Energie nur vier Prozent<br />

der Gesamtkosten aus,<br />

doch die gestiegenen Preise für<br />

Metalle und Kunststoffe wirkten<br />

sich mit einem Plus von bis zu<br />

300 Prozent drastisch aus. Dabei<br />

kooperierten die wechselseitig<br />

voneinander abhängigen<br />

Partner bereits mehr, als der<br />

Laie erwarten würde, berichtet<br />

Habisch. So gingen die Saxonia-Kunden,<br />

die teils auf zehn<br />

Jahre dieselben Bauteile für Türschlösser<br />

oder Dämpfungssysteme<br />

der Federungen bestellen,<br />

im Einkauf mit in Vorleistung.<br />

Erfolgskurs<br />

fortgesetzt<br />

Finanzen Die Targo-Bank Göppingen<br />

blickt auf ein erfolgreiches<br />

Geschäftsjahr zurück. „War<br />

der Start ins Jahr 2021 noch stark<br />

von der Pandemie belastet, erholte<br />

sich die Geschäftstätigkeit<br />

ab der Jahresmitte in breitem<br />

Umfang“, so Gülcan Aydin, Filialleiterin<br />

in Göppingen. Als stabil<br />

habe sich insbesondere das<br />

Kreditgeschäft erwiesen. Zum<br />

Jahreswechsel belief sich das<br />

Kreditvolumen in Göppingen<br />

auf 75 Millionen Euro. Auch im<br />

Wertpapiergeschäft habe sich<br />

der Wachstumstrend des Vorjahres<br />

mit zwölf Prozent Steigerung<br />

des Depotvolumens fortgesetzt.<br />

In Göppingen betreute<br />

die Bank nach eigenen Angaben<br />

zum Jahreswechsel 11 200 Kunden.<br />

Das Bankhaus mit Hauptsitz<br />

in Düsseldorf unterhält<br />

deutschlandweit 335 Standorte<br />

in 250 Städten.<br />

Wechsel bei<br />

Moloko<br />

Getränke Bei der Göppinger<br />

Moloko Beverage GmbH hat<br />

Christof Mross als Geschäftsleiter<br />

die <strong>Unternehmen</strong>sführung<br />

übernommen. Mross war zuletzt<br />

als Geschäftsführer im Einkauf<br />

bei Lidl Deutschland tätig. Er<br />

bringt 20 Jahre Erfahrung im<br />

Handel mit und übernahm in<br />

dieser Zeit auch international<br />

Verantwortung, unter anderem<br />

bei Lidl Frankreich. Nun soll er<br />

die <strong>Unternehmen</strong>sstruktur der<br />

Moloko Beverage GmbH ausbauen,<br />

sowie das Produktportfolio<br />

und die Absatzkanäle erweitern.<br />

Bernd Gienger wird<br />

sich derweil sukzessive aus der<br />

Geschäftsleitung zurückziehen,<br />

teilt das <strong>Unternehmen</strong> mit. Der<br />

Getränkehersteller beschäftigt<br />

rund ein Dutzend Mitarbeiter.<br />

2020 wies das <strong>Unternehmen</strong>,<br />

das seit 20<strong>12</strong> am Markt ist, eine<br />

Bilanzsumme von 4,5 Millionen<br />

Euro aus.<br />

EVB Bau<br />

stockt auf<br />

Personal Tobias Pfeifer wurde<br />

zum Geschäftsführer der im Gewerbepark<br />

Göppingen/Voralb<br />

angesiedelten EVB Baupunkt<br />

berufen. Der gelernte Bankkaufmann<br />

und Betriebswirt gehört<br />

seit 2017 der Führungsebene des<br />

Einkaufs- und Marketingverbunds<br />

für den Baumaschinenund<br />

Werkzeugfachhandel an. In<br />

seiner neuen Funktion vertritt<br />

er die Firma gemeinsam mit<br />

Prokuristin Nicole Kümmel und<br />

entlastet den bisherigen Alleingeschäftsführer<br />

Steffen Eberle.<br />

EVB Baupunkt zählt in Deutschland,<br />

Österreich und der<br />

Schweiz 64 selbstständige Handelsunternehmen<br />

mit 95 Standorten<br />

und einem Umsatz von<br />

108 Millionen Euro zu seinem<br />

Verbund.


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unternehmen [!] RESSORT 55<br />

FÜR DEN SPARKASSEN BUSINESSCLUB I SAISON <strong>2022</strong>/23<br />

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56<br />

LEBEN unternehmen [!]<br />

Bloß keinen Stress<br />

Umfrage Mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte oder mit dem Faltboot über einen See.<br />

Urlaub ist nicht gleich Urlaub – doch immer eine feine Sache. Wohin geht es <strong>2022</strong>?<br />

Unser Mitarbeiter Stefan Loeffler hat sich umgehört.<br />

Wo verbringen Sie am liebsten Ihre<br />

Ferien und warum?<br />

FOTO: © MDOROTTYA/ADOBE.STOCK.COM<br />

Urlaub gerne auch mal zu<br />

Hause, am Rande der<br />

Schwäbischen Alb. Kultur und<br />

Geschichte in den Ferien gibt es<br />

in Form von Städtetrips zu unseren<br />

Nachbarn in Europa. Bei<br />

Rom, London, Brüssel, Budapest,<br />

Wien und Paris<br />

haben wir<br />

schon ein Häkchen<br />

– hier ist aber noch<br />

Luft nach oben.<br />

Katja Feicht vom Digitalisierungszentrum<br />

Ulm|Alb-Donau|-<br />

Biberach hat ihren Platz an der<br />

Nordsee schon einmal gesichtet.<br />

Italien mit Sonne, Strand und<br />

mehr geht immer. Bürohund<br />

Henry ist natürlich dabei. Diesen<br />

Sommer zieht es uns allerdings<br />

zum ersten Mal in die andere<br />

Richtung: an die Nordsee<br />

auf die Insel Sylt. Die schönsten<br />

Plätze und interessantesten<br />

Hotspots habe ich vorab mit der<br />

VR-Brille ausgespäht und freue<br />

mich schon riesig auf den<br />

Leuchtturm Hörnum.<br />

Steffen Sato, Geschäftsführer<br />

und Inhaber der Ulmer Out-<br />

Trade GmbH, zieht es in seinem<br />

Urlaub immer aufs Wasser.<br />

Urlaub ist meist ein knappes<br />

Gut und deswegen verbringe<br />

ich diesen in erster Linie gemeinsam<br />

mit meiner Familie.<br />

Einfach mal richtig Zeit haben<br />

für alle! Da wir gerne unabhängig<br />

sind und eher einen Drang<br />

nach draußen haben, ist ein Hotelurlaub<br />

nichts für uns. Und<br />

ganz klar muss immer Wasser<br />

in der Nähe sein – schließlich<br />

fehlt in keinem unserer Urlaube<br />

ein Falt- oder Reiseboot! Wir<br />

wechseln gerne von Jahr zu Jahr<br />

zwischen Urlaub im Süden und<br />

dann wieder eher im Norden.<br />

Als nächstes stehen allerdings<br />

ein paar Tage Camping über ein<br />

verlängertes Wochenende an einem<br />

See in Österreich an. Und<br />

danach wird man sicherlich sagen:<br />

„Das sollte man viel öfter<br />

machen!“<br />

FOTO: © ABRAMSDESIGN/ADOBE.STOCK.COM


unternehmen [!] LEBEN 57<br />

FOTO: © GILANG PRIHARDONO/ADOBE.STOCK.COM<br />

Unsere Ferien verbringen<br />

wir auf verschiedene<br />

Weise. Wir wandern oder<br />

radeln im Urlaub gerne in<br />

Deutschland, um Städte und<br />

Landschaften mit deren Besonderheiten<br />

kennenzulernen und<br />

Christine Kumpf von der<br />

Stabsstelle Wirtschaftsförderung<br />

in Göppingen möchte<br />

Deutschland entdecken – zu<br />

Fuß und auf dem Rad.<br />

uns gleichzeitig fit zu halten. Die<br />

Anreise machen wir gerne und<br />

oft mit der Bahn. Ein Kurzurlaub<br />

mit Kindern und Enkeln gehört<br />

ebenfalls dazu. Das ist ein schöner<br />

Ausgleich und macht richtig<br />

viel Freude.<br />

FOTO:© LIDDY HANSDOTTIR/ADOBE.STOCK.COM<br />

Ralf Lehnemann, Geschäftsführer<br />

der Salacher Kitchen<br />

Company, braucht beim<br />

Abschalten Abwechslung.<br />

Andreas Scheiter, Moderator<br />

bei Donau3fm, lebt im Urlaub<br />

mit der Familie in den Tag hinein.<br />

FOTO: © LANTAPIX/ADOBE.STOCK.COM<br />

Auch wenn mir die Arbeit<br />

Spaß macht, brauche ich<br />

doch einen Ausgleich, um meine<br />

„Batterien“ wieder aufzuladen.<br />

Abschalten gelingt mir am<br />

besten im sonnigen Süden, in<br />

Italien oder in Florida. Es gibt<br />

dort immer viele Dinge, die man<br />

anschauen kann und es wird nie<br />

langweilig. Von der Kultur bis<br />

zu den regionalen kulinarischen<br />

Tipps, die auch nicht zu kurz<br />

kommen dürfen. Hier kommt<br />

das berufliche Interesse zur<br />

fremdländischen Küche durch:<br />

Wie geht die Zubereitung und<br />

wie schmeckt es? Hier zeigt sich<br />

einmal mehr, ob die Arbeit Spaß<br />

macht. Es gibt auch Tage, an denen<br />

ich faul bin und die Sonne<br />

genieße. Abwechslung ist wichtig.<br />

Doch ausschließlich 14 Tage<br />

lang am Strand liegen - das geht<br />

bei mir nicht.<br />

Hüttenwanderung in den Bergen.<br />

In Schweden oder Kroatien.<br />

Ich kann mich beim besten<br />

Willen nicht festlegen. In<br />

diesem Jahr ist es Schweden.<br />

Das Wichtigste ist, dass es auch<br />

wirklich Urlaub ist. Also Zeit<br />

zum Erholen. Viele haben ihren<br />

Urlaub so unglaublich vollgepackt,<br />

dass sie nach den Ferien<br />

eigentlich erst einmal Erholung<br />

brauchen. Ich genieße es, mal<br />

nicht zu wissen, was der Tag<br />

bringt. Alles kann, nichts muss.<br />

Aber egal, wo es für mich in den<br />

Urlaub hingeht, ich habe das unglaubliche<br />

Glück, dass meine Familie<br />

dabei ist. Frau, Tochter mit<br />

Freund, Sohn mit Freundin und<br />

meine Schwester kommen auch<br />

mit. Und das schon seit Jahren.<br />

Da spielt das Urlaubsziel fast<br />

keine Rolle.


58<br />

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]<br />

Müller baut in<br />

der Innenstadt<br />

Immobilie Mit Verspätung tut<br />

sich nun etwas in der Ulmer Innenstadt<br />

am Eck Neutorstraße/<br />

Karlstraße. Der neue Eigentümer<br />

des Grundstücks, Erwin<br />

Müller, hat mit der Stadt einen<br />

Kompromiss erzielt. Die JV<br />

Grundstücks OHG, die zur Müller-<strong>Unternehmen</strong>sgruppe<br />

gehört,<br />

plant ein großes Projekt.<br />

Es sollen rund 142 Wohnungen,<br />

ein Supermarkt, eine viergeschossige<br />

Tiefgarage und ein begrünter<br />

Innenhof entstehen.<br />

Entlang der Karl- und Neutorstraße<br />

sind sechs Geschosse<br />

vorgesehen, an der Ecke ein siebengeschossiges<br />

Gebäude. Im<br />

hinteren Teil werden die Häuser<br />

vier bis fünf Geschosse hoch.<br />

Harder stapelt<br />

hoch<br />

Logistik Das Neu-Ulmer <strong>Unternehmen</strong><br />

Harder Logistic hat direkt<br />

an der A7 im Gewerbegebiet<br />

Riffelbank eine vollautomatisierte<br />

Container-Lagerhalle in<br />

Betrieb genommen. Auf 950<br />

Quadratmetern steht eine 19<br />

Meter hohe Halle, in die bis zu<br />

250 Container passen. Rund sieben<br />

Millionen hat der geschäftsführende<br />

Gesellschafter Marcello<br />

Danieli investiert. Auf ihren<br />

Containerinhalt haben Kunden<br />

zu jeder Zeit Zugriff. Vor Ort<br />

stapelt ein Kran selbstständig<br />

die Container ab, bis er zur gefragten<br />

Kiste kommt und stellt<br />

diese auf einen Ausgabeplatz.<br />

Das von Strassacker gestaltete Mahnmal mit Blick auf die Insel Utøya, auf der 69 überwiegend junge<br />

Menschen getötet wurden.<br />

Foto: Strassacker<br />

Mahnmal für Mordopfer<br />

Ob die weltgrößte Bronze-Pferdeskulptur (33 Meter<br />

hoch) oder die Bronze-Fenster und Tore für die<br />

Al-Haram-Moschee in Mekka: Die Kunstgießerei<br />

Strassacker mit ihren 320 Beschäftigten ist Spezialist<br />

für das Besondere: Mit der Gedenkstätte für die<br />

Utøya-Opfer in Norwegen hat sie ein höchst emotionales<br />

Mahnmal geschaffen. Die Vorarbeiten für die 77<br />

Gute<br />

Auftragslage<br />

Voith Trotz des Ukraine-Kriegs<br />

und gestörter Lieferketten hat<br />

der Technologiekonzern Voith<br />

im ersten Halbjahr des laufenden<br />

Geschäftsjahres gute Geschäfte<br />

zu verzeichnen. Der<br />

Umsatz lag in den ersten sechs<br />

Monaten mit 2,34 Milliarden<br />

Euro 14 Prozent über dem Wert<br />

des Vorjahres. Das <strong>Unternehmen</strong><br />

profitierte von einem weiter<br />

guten Auftragseingang.<br />

Obstbauer muss<br />

zahlen<br />

miteinander verbundenen Bronzestelen dauerten<br />

zwei Jahre. Jede Stele ist ein Unikat und trägt den<br />

Namen eines der Opfer. Bei zwei Attentaten am 22.<br />

<strong>Juli</strong> 2011 waren in Oslo acht Menschen und auf der<br />

Insel Utøya 69 Menschen, meist Kinder und Jugendliche,<br />

von einem rechtsradikalen Attentäter getötet<br />

worden. Ende Juni wurde das Mahnmal eingeweiht.<br />

Mindestlohn Ein Obstbauer<br />

vom Bodensee muss nach einem<br />

Urteil des Arbeitsgerichts Ravensburg<br />

18 georgischen Erntehelfern<br />

Lohn nachzahlen. Der<br />

Landwirt habe den Arbeitern<br />

von Mitte Mai bis Mitte Juni<br />

2021 nicht den Mindestlohn gezahlt,<br />

obwohl diese rechtzeitig<br />

an der Sammelstelle waren.<br />

Auch wenn der Bauer die Helfer<br />

etwa wegen schlechten Wetters<br />

nicht über die ganze Zeit<br />

eingesetzt habe, schulde er ihnen<br />

für die Zeit ohne tatsächliche<br />

Arbeit Lohn. Denn sie hätten<br />

ihm wie vereinbart ihre Arbeit<br />

angeboten.<br />

Impressum<br />

Verlag & Herausgeber<br />

Neue Pressegesellschaft<br />

mbH & Co. KG<br />

Frauenstraße 77<br />

89073 Ulm<br />

Redaktion<br />

Alexander Bögelein (verantwortlich)<br />

<strong>Juli</strong>a Kling<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Gestaltung<br />

Alen Pahic (Art Director)<br />

Max Meschkowski (Junior Art Director)<br />

Astrid Müllerleile (Bild)<br />

Fotos Giacinto Carlucci (Titel + Titelinterview),<br />

Volkmar Könneke Werkfotos, PR, Archiv<br />

Anzeigen<br />

Stefan Schaumburg (verantwortlich)<br />

Anschrift wie Verlag<br />

Druck<br />

Druckerei R. le Roux GmbH<br />

Daimlerstraße 4<br />

89155 Erbach<br />

Objektleitung<br />

Tobias Lehmann<br />

Telefon 0731 156-515<br />

t.lehmann@swp.de<br />

Mediaberatung<br />

Christine Blum<br />

Telefon 0731 156-500<br />

E-Mail c.blum@swp.de<br />

Vertriebsservice<br />

unternehmen.vertrieb@swp.de<br />

Den Datenschutzbeauftragten<br />

erreichen Sie unter:<br />

datenschutz@swp.de<br />

Nächste Ausgabe:08.10.<strong>2022</strong><br />

Anzeigenschluss: 09.09.<strong>2022</strong><br />

www.swp-unternehmen.de


NATÜRLICHE<br />

unternehmen [!] KÄLTEMITTEL AUF DEM VORMARSCH<br />

RESSORT 59<br />

Prestle kälte+klima ist auch Spezialist für FCKW-freie Kältetechnik<br />

Laut F-Gase Verordnung EU-VO 517/2014 werden in Teilbereichen<br />

der Kältetechnik die Treibhausgas ausstoßenden Kältemittel bis 2030 schrittweise abgeschafft.<br />

Einer, der sich im Dschungel der Verordnung,<br />

der FCKW- und HFKW-Emissionen sowie der<br />

Aufzeichnungs-, Zertifizierungs- und Prüfpflichten<br />

bestens auskennt, ist Florian Einöder. Erste<br />

Anwendungsverbote fluorierter Kältemittel sind<br />

bereits in Kraft, ihre Verfügbarkeit reduziert sich<br />

zunehmend und die Branche erwartet Lieferengpässe<br />

sowie Preissteigerungen.<br />

Florian Einöder, Kälteanlagenbau-Meister,<br />

Abteilungsleiter Prestle kälte+klima<br />

„Stellen Sie schon jetzt auf CO 2-<br />

neutrale Kälteanlagen um. Teilweise<br />

dürfen wir veraltete Anlagen nicht<br />

einmal mehr reparieren.“<br />

Natürliche Kältemittel als Alternative<br />

Bereits seit Bestehen der Abteilung kälte+klima<br />

setzt Prestle vor allem auf natürliche Kältemittel.<br />

Jetzt profitiert das Familienunternehmen<br />

vom vorausschauenden Ansatz. „In privaten<br />

Kühlschränken wird beispielsweise das – bei jedem<br />

Camper bekannte – Propangas schon seit<br />

15 Jahren als natürliches Kältemittel eingesetzt.<br />

Wir arbeiten damit bereits viele Jahre auch im<br />

gewerblichen Bereich“, erklärt Geschäftsführer<br />

Benjamin Prestle. Darüber hinaus erledigt der<br />

Fachbetrieb Reparaturen und Wartungsarbeiten<br />

an Anlagen jeder Art absolut termintreu und<br />

zuverlässig.<br />

Benjamin Prestle, Geschäftsführer<br />

„Wir sind spezialisiert auf den Einsatz<br />

natürlicher Kältemittel.“<br />

Bestimmte Kälteanlagen dürfen nicht einmal<br />

mehr repariert werden. Florian Einöder rät dazu,<br />

das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.<br />

„Eine Umrüstung oder Neuanschaffung von<br />

Kälte- und Klimasystemen mit CO 2-neutralen<br />

Kältemitteln macht nicht nur für unsere Umwelt<br />

Sinn. Geringere Energiekosten aufgrund effizienterer<br />

Anlagentechnik und BAFA-Fördermaßnahmen<br />

mit bis zu 50 Prozent Zuschuss bzw.<br />

maximal 250.000 Euro wirkt sich auch positiv<br />

auf den Geldbeutel von Betreibern aus“, sagt<br />

Kältetechnikspezialist Florian Einöder.<br />

Ausbildung in der Kältetechnik<br />

Bei Prestle ist die Kälte- und Klimatechnik eng<br />

mit handwerklichem Können und Ingenieursleistungen<br />

in der Projektierung verbunden.<br />

Deshalb legt Geschäftsführer Benjamin Prestle<br />

Wert darauf, qualifizierten Nachwuchs in den<br />

eigenen Reihen auszubilden. Beim Mechatroniker<br />

für Kältetechnik, früher auch Kälteanlagenbauer<br />

genannt, gelingt ihm das seit Jahren<br />

lückenlos.<br />

„Sicherheit, zuverlässige, fachgerechte Montage<br />

und laufende Weiterbildung sehe ich als<br />

wichtige Säulen unserer qualitativ anspruchsvollen<br />

Arbeit.“<br />

BAFA-Förderung für stationäre<br />

Kälte- und Klimaanlagen<br />

Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative<br />

vom 27. August 2020 fördert<br />

die BAFA zum Beispiel:<br />

• Flüssigkeitskühlsätze & Direktverdampfungsanlagen<br />

• Kälteerzeuger mit indirekter<br />

Verdunstungskühlung<br />

• Kälteerzeuger mit adiabatischer Kühlung<br />

in Rückkühlern<br />

• TK-Stufen, Luftkühler, Rückkühler,<br />

thermische Speicher<br />

• Ausführungsplanung bei Flüssigkeitskühlsätzen<br />

und Sorptionskältemaschinen<br />

Prestle kälte+klima unterstützt gerne bei<br />

der Antragsstellung.<br />

Karl Prestle Sanitär-Heizung-Flaschnerei GmbH & Co. KG | kälte+klima<br />

Freiburger Straße 40 | 88400 Biberach | Telefon 07351 5000-0 | info@prestle.de | www.prestle.de


60<br />

RESSORT unternehmen [!]<br />

E-Mobilität<br />

by Burger<br />

Der neue ID.5<br />

Mit Reichweite<br />

für Ihr <strong>Unternehmen</strong><br />

ID.5 Pro Performance 150 kW (204 PS) 77 kWh 1-Gang-Automatik<br />

Stromverbrauch, kWh/100 km: kombiniert 14,6; CO₂-Emissionen, g/km: kombiniert 0; Effizienzklasse A+++<br />

Lackierung: Mondsteingrau/Schwarz, Ausstattung: Multifunktionslenkrad mit Touch-Bedienung, Einparkhilfe, Spurhalteassistent „Lane Assist“, Notbremsassistent,<br />

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„Discover Pro“ u. v. m.<br />

GeschäftsfahrzeugLeasingrate monatlich: 372,00 €1<br />

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Leasingsonderzahlung (BAFA-Prämie)3: 3.000,00 €<br />

Laufzeit:<br />

48 Monate<br />

Jährliche Fahrleistung:<br />

10.000 km<br />

Fahrzeugabbildung zeigt Sonderausstattungen. Bildliche Darstellungen können vom Auslieferungsstand abweichen. Gültig bis zum 31.08.<strong>2022</strong>. Stand 06/<strong>2022</strong>. Änderungen<br />

und Irrtümer vorbehalten. 1 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Str. 57, 381<strong>12</strong> Braunschweig. Für gewerbliche Einzelabnehmer mit Ausnahme<br />

von Sonderkunden. Inkl. Erlebnisabholung in der Autostadt Wolfsburg i. H. v. 705,88 €. Zzgl. MwSt. Bonität vorausgesetzt. 2 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH,<br />

Gifhorner Straße 57, 381<strong>12</strong> Braunschweig, für gewerbliche Einzelabnehmer (ohne Sonderkunden), nur in Verbindung mit GeschäftsfahrzeugLeasing der Volkswagen<br />

Leasing GmbH. 3 Über die Auszahlung des Bundesanteils entscheidet ausschließlich das BAFA nach Ihrem Antrag anhand der Förderbedingungen. Anträge auf Förderung<br />

mit einem verdoppelten Bundesanteil („Innovationsprämie“) können beim BAFA bis zum 31.<strong>12</strong>.<strong>2022</strong> gestellt werden. Die Gewährung des Umweltbonus mit gleichen<br />

Bundes- und Herstelleranteilen endet spätestens am 31.<strong>12</strong>.2025.<br />

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