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2022/12 | Unternehmen | Juli 2022 |

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RESSORT

1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 83 | Juli 2022 | 3,00 €

+ Standortporträt

Donzdorf

Mister

Handball

Gerd Hofele managt den Bundesligisten Frisch Auf

Göppingen erfolgreich: Einblicke in den Profisport

und die Gefühlswelten eines Geschäftsführers.

LIQUIDE BLEIBEN IN DER KRISE

Lieferengpässe und steigende

Kosten: So sehen Strategien zum

Gegensteuern aus.

Seite 6

BOOM BEI DIENSTRÄDERN

Warum Arbeitgeber sie anbieten

sollten und was sie dabei

beachten müssen.

Seite 24

AUF IN DEN URLAUB

Umfrage unter Führungskräften:

Wo verbringen sie ihre Ferien am

liebsten?

Seite 56


2

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unternehmen [!] INHALT/EDITORIAL 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Situation ist seltsam: Viele Unternehmen haben

prall gefüllte Auftragsbücher, aber leiden unter

Rohstoffmangel und hohen Preisen. Ihre Erwartungen

für die kommenden Monate sind gering.

Die Schockwellen, die der Ukraine-Krieg

ausgelöst hat, drücken auf die Stimmung. In dieser

Phase großer Unsicherheit gedeiht Pessimismus.

Und ja, die Kosten für Unternehmen sind

massiv gestiegen, von Energie über Metall bis hin

zum Transport. Der lange Höhenflug der deutschen

Wirtschaft, angetrieben durch die EZB-Droge

des billigen Geldes neigt sich dem Ende.

Doch vielleicht sollte man die Widerstandskraft

und Anpassungsfähigkeit deutscher Unternehmen

nicht unterschätzen. Im Titelinterview (Seite

10) berichtet Gerd Hofele, Geschäftsführer des

Handball-Bundesligisten Frisch auf Göppingen,

von der Solidarität der gesamten Liga in der Corona-Krise.

In unserer Finanzgeschichte zeigen

Experten auf, wie Betriebe in der Krise ihre Liquidität

sichern (Seite 6). Und wir stellen einmal

mehr Mutmacher vor, sei es Esta aus Senden (Seite

20) oder den Gastronom Max Haller (Seite 46).

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

FINANZIEREN

6 In der Krise aktiv werden

Engpässe und hohe Kosten: Wie

Verantwortliche gegensteuern können

TITELTHEMA

10 „Wir machen unsere Wurzeln

sichtbar“ Frisch-Auf-Chef

Gerd Hofele im Gespräch

VERANTWORTEN

20 Energiesicherheit

weiterstricken

Der Strickmaschinen-Hersteller Mayer

& Cie setzt auf Blockheizkraftwerke

24 Sparen auf zwei Reifen

Bei Diensträdern können Firmen auf

unterschiedliche Modelle setzen

42 Gesucht: Ideen für noch mehr

Glück Die Lebenshilfe gründet eine

Denkfabrik, um Barrieren abzubauen

MACHEN

28 Entstaubt zu neuem Erfolg

Der Spezialist für Absauganlagen Esta

feiert 50-jähriges Bestehen.

46 Neues Leben in alten Mauern

Gastronom Max Haller ist auf der

Waldburg ein Abenteur eingegangen

52 Vision von grünem Kupfer

Der Kabelhersteller Lapp will die

CO 2

-Bilanz von Kupfer senken

SPEZIAL

34 Die richtige Schule fürs Kind

Experten sagen, auf welche Kriterien

es ankommt

36 Standort im Porträt: Donzdorf

Eine Stadt versöhnt sich mit

ihrem Gewerbepark

48 Top-Arbeitgeber

Mit Strategie attraktiv sein

LEBEN

56 Bloß keinen Stress

Umfrage unter Führungskräften

58 Impressum

24

28

52 46

06


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Bis zu 600 Stellen fallen weg

Daimler Truck Am Evobus-Standort Neu-Ulm soll in den kommenden Jahren kräftig

gespart werden. Dieser Schritt sei notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Evobus Daimler Truck plant an

den Evobus-Standorten in Neu-

Ulm und Mannheim ein Sparprogramm,

das es in sich hat. Bis

zum Jahr 2030 sollen die Kosten

um insgesamt 100 Millionen

Euro verringert werden. Zur

Aufteilung der Sparmaßnahmen

zwischen den Standorten Neu-

Ulm und Mannheim ist bislang

nicht viel bekannt. Ein deutlicher

Stellenabbau über die kommenden

acht Jahre zeichnet sich

laut Betriebsrat und IG Metall

zufolge jedoch bereits ab: Allein

am Standort Neu-Ulm sollen bis

zu 600 Stellen gestrichen werden.

Momentan arbeiten 3600

Beschäftigte im Werk, das überwiegend

Reisebusse produziert.

Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit

des Unternehmens

langfristig zu stärken, erklärte

Bus-Chef Till Oberwörder die

Pläne. Die Kunden hätten infolge

der Corona-Pandemie eine

größere Preissensibilität entwickelt.

Damit und auch infolge

des andauernden Transformationsprozesses

habe sich der Kostendruck

verschärft. Dieser Entwicklung

müsse man Rechnung

tragen. Künftig sollten die Baureihen

über das gesamte europäische

Netzwerk hinweg inklusive

des Standorts in der Türkei

verteilt werden. Oberwörder

betonte jedoch, dass beide deutschen

Produktionsstandorte erhalten

bleiben sollen: „Die

Standorte in Deutschland stehen

hier nicht zur Diskussion.“

Gewerkschaftsvertreter Michael

Braun gab sich kämpferisch.

Zwar habe er Verständnis

für den Handlungsdruck, allerdings

müsse jedem klar sein,

dass es um eine Weichenstellung

gehe. „Wir werden die vorgestellte

Strategie analysieren

und auf ihre Belastbarkeit überprüfen.“

Der Anspruch sei es,

Konzepte mit dem Unternehmen

zu besprechen, die eine Zukunftsfähigkeit

beider Standorte

und deren Arbeitsplätze beinhaltet.

Wenn nötig, werden

die IG Metall „Seite an Seite mit

den Kolleginnen und Kollegen

dafür kämpfen“. [!] jkl

Auch künftig sollen im Evobus-Werk in Neu-Ulm Reisebusse

gefertigt werden.

Foto: Lars Schwerdtfeger

Chinesen halten nun 88,9 Prozent an Allgaier

Autozulieferer Bei der Uhinger

Allgaier-Gruppe hat eine

neue Ära begonnen. Der in die

Krise gerutschte Autozulieferer

ist nicht mehr das Familienunternehmen

des langjährigen Arbeitgeberpräsidenten

Dieter

Hundt, sondern gehört nun der

chinesischen Westron-Gruppe.

Der bereits im vergangenen November

aufgesetzte Kaufvertrag

ist nun zum 1. Juli in Kraft getreten.

Westron übernimmt damit

mit zusätzlichem Eigenkapital

88,9 Prozent der Anteile.

Kurz nach der Übernahme

wurde bekannt, dass Achim

Agostini mit sofortiger Wirkung

sein Amt als Geschäftsführer

Allgaier ist kein Familienbetrieb

mehr. Foto: Giacinto Carlucci

niederlegt. Wer seine Nachfolge

antritt, war zunächst unklar.

Derweil geht es bei den Uhingern

nach schwierigen Jahren

wieder aufwärts. Die Restrukturierung

und Neuausrichtung

war durch Pandemie, Lieferengpässe

und andauernden Ukraine-Krieg

erschwert worden. In

der Folge ging der Umsatz zurück,

wie Allgaier mitteilte.

Trotz dieser schwierigen

Bedingungen sei die Restrukturierung

erfolgreich umgesetzt

worden. Den Angaben zufolge

war das operative Ergebnis bereits

in den Jahren 2020 und 2021

positiv und konnte um 50 Millionen

Euro verbessert werden.

Die Verschuldung wurde um 30

Millionen Euro abgebaut. Das

Vertrauen der Kunden habe 2021

zu einem Auftragseingang von

650 Millionen Euro geführt.

Allgaier soll mit beiden Geschäftsbereichen

Automotive

und Prozesstechnologie fortgeführt

und weiterentwickelt werden,

insbesondere sollen auch

alle Verträge mit den Mitarbeitern,

den Finanzierern und den

Kunden aufrechterhalten werden,

lautet das Versprechen des

neuen Mehrheitsgesellschafters

Westron. In beiden Geschäftsfeldern

soll künftig auch der

Markt in China und Asien eine

zentrale Rolle spielen.[!] su


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

„Motel one“ startet bald am Münsterplatz

Neueröffnung Im Spätsommer

soll in Ulms bester Lage das

neue Hotel der „Motel One“-Kette

eröffnen. Damit bleibt das

Großprojekt am ehemaligen

Standort des Abt-Kaufhauses direkt

am Münsterplatz wohl im

Zeitplan. Das Design soll sich an

Albert Einstein orientieren, wie

Motel One-Geschäftsführer Stefan

Lenze zuletzt berichtete.

„Das Thema zieht sich durch

das gesamte Hotel und bietet einige

Überraschungen.“ Insgesamt

sollen künftig 150 Zimmer

zur Verfügung stehen. Zum Hotel

gehört auch eine Bar im

Obergeschoss, die auch für die

Öffentlichkeit zugänglich sein

soll.

In dem dreigiebligen Haus

sollen neben dem Hotel auch ein

Ulmer Franchisenehmer von

„Ciao Bella“ und die „Extrablatt-Café“-Kette

aus Emsdetten

(Westfalen) sowie ein Blumenladen

unterkommen. Bewirten

wollen beide Restaurants in Innenräumen

im Erdgeschoss,

aber auch im Freien. Die Betreiber

des „Ciao Bella“, Luigi Macchia

und Stefano Treccosti, die

auch schon die beiden gleichnamigen

Restaurants im Sendener

Iller-Center und im Ulmer Blautal-Center

betreiben, wollen damit

auch bereits in den kommenden

Wochen und nicht erst

mit dem Start des Hotels beginnen.

Wie viel Gäste vor dem Gebäude,

das seit 2017 dem Drogerie-Milliardär

Erwin Müller gehört,

Platz finden werden, ist

derweil noch unklar. Die Stadt

prüft derzeit, wie die Bestuhlung

mit dem Ulmer Wochenmarkt

vereinbar ist. [!] jkl

Der Münsterplatz diente viele Monate als Parkplatz für die Betriebe,

die an der Baustelle tätig waren.

Foto: Lars Schwerdtfeger

Abschied von

Kässbohrer

Jens

Rottmair

zieht sich als

Vorstandschef

zurück.

Vorstand Jens Rottmair verlängert

seinen Vorstandsvertrag bei

der Kässbohrer Geländefahrzeug

AG nicht. Der Vertrag endet

am 30. April 2023. Der

55-Jährige möchte sich aus dem

Berufsleben zurückziehen und

sich mehr um Frau, Kinder und

seine Eltern kümmern. Er war

17 Jahre beim Pistenbully-

Hersteller. „Der Rückzug kam

für uns unerwartet“,

sagt

Pressesprecherin

Maria Schackert.

Sie betonte,

dass es keinerlei

Zerwürfnis

gegeben

habe. Rottmair

verantwortet

die Bereiche

Entwicklung,

Beschaffung,

Produktion und Logistik, Service

und Vertrieb. Der Aufsichtsrat

beschloss, die von ihm

geführten Bereiche künftig in

zwei Vorstandsressorts aufzuteilen.[!]

ref

Skeptischer

Blick in Zukunft

Konjunktur Es seien vor allem

die seit Jahresbeginn rasant gestiegenen

Energie- und Rohstoffpreise,

die die Unternehmen

im Kreis Göppingen belasten.

Zudem wirkten sich die erheblichen

Störungen in den

Lieferketten, insbesondere bei

Elektronikbauteilen, ebenfalls

negativ aus und ließen die Preise

rasant stiegen, berichtet die

IHK-Bezirkskammer Göppingen

von ihrer Frühsommer-Konjunkturumfrage.

Viele Unternehmen

seien nicht in der Lage

diese Kostensteigerungen vollständig

an ihre Kundinnen und

Kunden weiterzugeben und gerieten

so zunehmend unter

Druck. Der andauernde Ukraine-Krieg

mit den damit einhergehenden

Sanktionen im Russlandgeschäft

treffe die Göppinger

Exportwirtschaft zusätzlich,

die mit eigentlich sehr guten Erwartungen

und Aufträgen ins

Jahr gestartet war. Ein drohendes

Öl- und Gasembargo verunsichere

die Unternehmen erheblich.

[!]

rai

Hoffnung für Gläubiger

Schlecker Vor dem Landgericht

und dem Berufungsgericht ist

der Insolvenzverwalter von

Schlecker vor zwei Jahren gescheitert,

nun hat der Bundesgerichtshof

(BGH) Gläubigern

Hoffnung gemacht. Die Frage

ist, ob der ehemaligen Drogeriekette

durch ein Kartell aus Drogerieartikel-Herstellern

ein Millionenschaden

entstanden ist.

Mindestens 212,2 Millionen

Investition Bosch Rexroth

steckt in den kommenden Jahren

80 Millionen Euro in den

Standort Elchingen. Jede zweite

Anlage in der Zerspanung soll

im Zuge dessen ersetzt werden.

Alles in allem erhält der Standort

100 neue Anlagen. Bosch

Rexroth modernisiert bis 2027

nicht nur den Bestand, es geht

bei dem Hydraulik-Hersteller

auch um den Ausbau der Kapazität:

Schon im laufenden Jahr

Euro Schadenersatz fordert Insolvenzverwalter

Arndt Geiwitz

von den Herstellern. Am BGH

zeichnete sich nun ab, dass das

Oberlandesgericht über den Fall

womöglich noch einmal verhandeln

muss. Der Vorsitzende

Richter Wolfgang Kirchhoff formulierte

Zweifel an dem damaligen

Urteil. Ein Urteil wird jedoch

erst im Oktober erwartet.

[!]

cast

Rexroth investiert

werden daher acht neue Anlagen

die Komponentenfertigung

verstärken und zwar in den Bereichen

Drehen, Wärmebehandlung,

Schleifen, Fügen und Montieren.

Aktuell beschäftigt das

Unternehmen am Standort Elchingen

rund 2300 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Im laufenden

Jahr sollen insgesamt 50

neue Stellen hinzukommen, 36

davon sind mittlerweile bereits

besetzt. [!]

jkl


6

FINANZIEREN unternehmen [!]

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI

Um nicht die Produktion zu gefährden, sollten Betriebe längere Lieferzeiten einplanen und ihre Kunden aktiv zur Bezahlung auffordern.

In der Krise aktiv werden

Finanzen Lieferengpässe und rasant steigende Rohstoff- und hohe Energiepreise machen

vielen Firmen zu schaffen. Wie die Verantwortlichen strategisch gegensteuern können.

An diesem Morgen läuft

die Produktion bei der

Joobst Metallbeschichtung

GmbH in

Lagenau auf Hochtouren. Während

vorne in der Halle Stanzund

Pressmaschinen dröhnen,

lodern im hinteren Teil Flammen

aus den Öfen, in denen Metall

eingeschmolzen wird. Joobst

produziert etwa Beschläge, die

dann pulverbeschichtet und lackiert

werden. Zu den Abnehmern

gehören Baumärkte und

Fachhändler. Obwohl die Auftragsbücher

des Familienbetriebs

gut gefüllt sind, herrscht

in der Chefetage schlechte Stimmung.

„Wir haben Probleme,

Rohstahl und andere Metalle,

die wir verarbeiten, zu bekommen.

Die Märkte sind zeitweise

wie leergefegt“, berichtet Geschäftsführer

und Mitinhaber

Heiner Joobst. „Wenn wir doch

mal was bekommen, müssen wir

Mondpreise zahlen.“ Gleichzeitig

seien die Kosten für Energie

und Logistik durch die Decke

gegangen. „Und wenn die Gasversorgung

aus Russland wirklich

gekappt wird, werden wir

wohl fünf unserer sieben Öfen

runterfahren müssen.“

Die Sicherung

der Liquidität

hat im Moment

weiterhin absolute

Priorität.

Matthias von Daacke

Internationaler Controller Verein

Der Krieg in der Ukraine hat

die Situation für viele Mittelständler

in Deutschland verschärft.

Dabei hat fast die gesamte

deutsche Industrie bereits

seit Spätsommer vergangenen

Jahres mit Lieferengpässen

und steigenden Strompreisen zu

kämpfen. Allein der Gaspreis

hat sich in den letzten Monaten

vervielfacht. „Wir versuchen,

die höheren Produktionskosten

da, wo wir können, an unsere

Kunden weiterzugeben“, sagt

Geschäftsführer Joobst. „Aber

das wird nicht endlos lange weiter

so funktionieren – auch,


unternehmen [!] FINANZIEREN 7

wenn wir am Markt sehr gut positioniert

sind.“ Einige Großkunden

hätten ihnen mit Verweis

auf bestehende Verträge

auch klipp und klar mitgeteilt,

dass es für Preisnachverhandlungen

keinen Spielraum sehen.

Joobst will, wie viele andere

Unternehmer derzeit, seinen

wahren Namen und den seines

Unternehmens an dieser Stelle

nicht lesen. Verhandlungen mit

Kunden über die Einhaltung von

Zahlungszielen und einer Nachjustierung

von Preisen sind

trotz der angespannten Lage immer

noch ein Tabuthema. Zu

groß ist die Sorge, dass langjährige

Geschäftsbeziehungen eskalieren

könnten und Kunden

als auch Mitbewerber den

Schluss ziehen, dass die Liquidität

im Unternehmen knapp ist

und die Pleite droht.

Bekannt ist aber das Ergebnis

einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes

Südwestmetall aus

dem Mai: Demnach plagen ein

Viertel der baden-württembergischen

Unternehmen in der

Metall- und Elektroindustrie

laut Verbandschef Joachim

Schulz existenzielle Sorgen. Die

Kostenlawine sei mittlerweile

auf breiter Front ausgebrochen,

während sich die Möglichkeiten

zur Umwälzung auf die Endkunden

zunehmend einengten.

Die Frage ist, was Mittelständler

in dieser Situation tun

können. „Die Sicherung der Liquidität

hat im Moment weiterhin

absolute Priorität“, unterstreicht

Matthias von Daacke,

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender

des Internationalen

Controller Vereins (ICV). Und

auch Tillmann Peeters, Gründungspartner

und Geschäftsführer

des Beratungsunternehmens

Falkensteg empfiehlt: „Angesichts

der explodierenden Kosten

für Energie und Rohstoffe

sowie der Lieferengpässe ist

professionelles Liquiditätsmanagement

für Mittelständler gefragter

denn je.“

Dabei helfen ein paar einfache

Maßnahmen Unternehmensverantwortlichen,

die betrieblichen

Finanzen im Griff zu

behalten:

Nach vorn schauen

Das A und O für eine funktionierende

Liquiditätssicherung

ist eine vorausschauende Finanzplanung.

„Damit sollte man

nicht erst anfangen, wenn das

Geld anfängt knapp zu werden“,

sagt Peeters. Wer nur in den

Rückspiegel schaue und sein

Unternehmen nach den laufenden

Zahlen steuere, werde es angesichts

der schwierigen Rahmenbedingungen

schwer haben.

Zu diesem Patentrezept rät der

Berater: „Eine Liquiditätsplanung

für die kommenden drei

Monate machen.“ Dabei sollen

die Unternehmer von konservativen

Annahmen ausgehen: „Die

eigenen Kunden zahlen später

als vereinbart, gleichzeitig werden

eigene Verbindlichkeiten

pünktlich beglichen.“ Optimal

sei eine 12- bis 18-Monatsplanung,

die dann immer wieder

laufend an die aktuelle Situation

angepasst wird.

Viele Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Lager befüllt,

damit ist aber auch viel Kapital gebunden.

Working Capital optimieren

Viele Firmen haben auf steigende

Frachtraten, unterbrochene

Lieferketten und Versorgungsengpässe

im vergangenen Jahr

strategisch reagiert und ihr Materiallager

aufgestockt, um lieferfähig

zu bleiben. Problem dabei:

Mit dem höheren Lagerbestand

wird immer mehr teures

Kapital im Unternehmen gebunden.

Wichtig ist nun, die Balance

zu finden, um einerseits nicht

in Liquiditätsengpässe zu laufen,

andererseits aber auch nicht

die Produktion zu gefährden.

Das gelingt zum Beispiel, indem

längere Lieferzeiten einkalkuliert

werden und einzelne Aufträge

gestreckt werden. „Auf der


8

FINANZIEREN unternehmen [!]

Mittel gegen den finanziellen Engpass

zum zweiten oder dritten Mal in diesem

Jahr über höhere Preise sprechen

zu müssen“, weiß Peeters.

Doch jeden Tag, den die Verantwortlichen

damit warten, kostet Geld

und lässt unter Umständen die Verluste

anschwellen. Eine faire Möglichkeit

für beide Seiten sind Peeters

zufolge Kontrakte mit variablen

Preisen. So müsse nicht immer wieder

nachverhandelt werden. Gerade

große Konzerne setzten nach den

Erfahrungen des Beraters jedoch

häufig auf die schlechtere Verhandlungsposition

von Mittelständlern,

die Angst haben, Kunden zu verlieren.

„Die meisten Betriebe sollten

selbstbewusst auftreten, weil die

Berater können

schwierige

Verhandlungen

übernehmen, die sind

hinterher wieder weg.

Tillmann Peeters

Falkensteg

Um ihre Liquidität zu erhalten, sollten Unternehmen frühzeitig auf Gläubiger zugehen.

Viele Firmen haben seit der

Pandemie mit Umsatzrückgängen

und Liquiditätsengpässen

zu kämpfen. Die Sonderprogramme

staatlicher

Förderbanken wie KfW und

L-Bank sind weitgehend ausgelaufen.

Fraglich ist, ob mit

Kundenseite müssen die Firmen dagegen

aktives Forderungsmanagement

betreiben“, so Peeters.

Finanzierungsquellen abklopfen

Unternehmen mit gesunder Bilanz

dürften kaum Schwierigkeiten haben,

eine Erhöhung ihrer Kontokorrentlinie

bei ihrer Hausbank

durchzubekommen. Doch angesichts

sich mehrender Anzeichen einer

Rezession dürften die Geldhäuser

in den kommenden Monaten immer

zurückhaltender werden mit

neuen Krediten. „Daher sollten die

Verantwortlichen in den Betrieben

anfangen, sich mit alternativen, Asset-basierten

Finanzierungsquellen

einer Rezession neue Hilfen

seitens der Politik aufgelegt

werden. Sinnvoll ist es daher,

wenn Unternehmensverantwortliche

frühzeitig auf Finanzierungspartner

und Gläubiger

zugehen und mit Verweis auf

die aktuelle Situation darüber

Zur Person

Tillmann Peeters

ist Geschäftsführer

von Falkensteg und

verantwortet dort

die Bereiche Restrukturierung

und

Insolvenzberatung.

Er ist Rechtsanwalt

und Fachanwalt für

Insolvenzrecht.

verhandeln, ob Stundungen

beziehungsweise eine Verlängerung

von Zahlungszielen angeboten

werden können. Experten

empfehlen in diesem

Fall, immer vorab einen stimmigen

Liquiditätsplan auszuarbeiten.

zu beschäftigen“, sagt Peeters. Dazu

gehören etwa Leasing und Factoring

ebenso wie die Möglichkeit, den Lagerbestand

durch sogenanntes Finetrading

vorzufinanzieren oder vorhandene

Immobilien und Maschinen

zu beleihen.

In Preisverhandlungen einsteigen

Das Naheliegendste für Firmen ist,

die gestiegenen Kosten an Kunden

weiterzureichen. Damit diese Gespräche

jedoch zum Erfolg führen,

sind Fingerspitzengefühl und gute

Kommunikation gefragt. „Viele Unternehmen

tun sich schwer damit,

nach Jahren mit einer guten Geschäftsbeziehung,

vielleicht schon

Abnehmer derzeit kaum Alternativen

haben, um überhaupt an Ware

zu kommen. Sie riskieren also, dass

sie leere Regale haben, wenn der

Mittelständler hart bleibt“, macht

Peeters Mut. Wer die schwierigen

Verhandlungen scheut, könne auch

seinen Berater damit beauftragen.

„Der ist hinterher wieder weg, sodass

das Verhältnis zwischen den eigentlichen

Vertragsparteien keinen

großen Schaden nimmt.“

Einstellung ändern

Liquidität planen, Forderungen reinholen,

Preise erhöhen – eigentlich

sind die meisten Maßnahmen banal

und lassen sich in jedem

Managementhandbuch nachlesen.

Aber bei der Umsetzung in die betriebliche

Praxis hapert es dann oft

in den Unternehmen. „Das ist ein

bisschen wie mit den guten Vorsätzen

zu Silvester“, weiß Peeters und

resümiert: „Wichtig ist es daher, sich

den Ernst der aktuellen Situation bewusst

zu machen, sein Mindset zu

ändern und dann tatsächlich aktiv

zu werden, um Gespräche zu führen

anstatt zuzuwarten.“ Dann werden

sich recht schnell auch erste Erfolge

einstellen, ist der Experte überzeugt.

[!] Thomas Luther


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9

Mieterhöhung – was tun angesichts der

aktuellen Inflation?

Die Inflation in Deutschland hat leider an

Fahrt gewonnen. Die Inflationsrate in

Deutsch land befindet sich mit 7,4 % im

Monat April 2022 und 7,9 % im Monat Mai

2022 auf dem höchsten Stand seit 1981. Vor

allem in Mietverhältnissen führt dies zu einem

fortschreitenden Auseinanderfallen der

ursprünglichen Äquivalenz von Leistung und

Gegenleistung.

Im Wohnraummietrecht gibt es gesetzliche Regelungen

zur Mieterhöhung, mit denen Vermieter

u.a. auf die Entwicklung des Verbraucherpreisindex

reagieren und die Miete angemessen

anpassen können. Für den Fall der

Index mieterhöhung muss dies allerdings mietvertraglich

vereinbart worden sein.

Demgegenüber gibt es für Vermieter gewerblicher

Immobilien keine gesetzlichen Re gel ung en

zur Mieterhöhung. Als gewerblicher Vermieter

ist man allerdings nicht handlungsunfähig. Bei

richtiger Vertragsgestaltung kann auch der gewerbliche

Vermieter solchen inflationsbedingten

Verschiebungen entgegenwirken. Dies kann

durch die Vereinbarung notwendiger Wertsicherungsklauseln

im Mietvertrag erfolgen.

Äquivalenzverhältnis erhalten

Eine Wertsicherungsklausel hat den Zweck,

das ursprüngliche Äquivalenzverhältnis zu erhalten

und inflations­ (wie ggf. auch deflationsbedingte)

Veränderungen auszugleichen.

Wertsicherungsklauseln können nach geltendem

Recht jedoch nicht grenzenlos vereinbart

werden, sondern unterliegen den Vorgaben

des sog. Preisklauselgesetzes (PrKG). Für die

Gewerberaummiete sind dabei die sog. Verbraucherpreisindexklauseln

nach § 3 Abs. 1

PrKG von Relevanz.

Insbesondere in Zeiten hoher inflationärer

Schwankungen bzw. Veränderungen sollten

sowohl Vermieter als auch Mieter bestehende

Vertragsunterlagen sichten, ob Verbraucherpreisindexklauseln

oder sonstige Wertsicherungsvereinbarungen

getroffen wurden.

Mietverträge prüfen lassen

Für Vermieter kann die Mieterhöhung aufgrund

einer vereinbarten – jedoch nicht selten

in Vergessenheit geratenen – Wertsicherungsklausel

in Anbetracht der aktuell rasch ansteigenden

Inflationsraten eine wirtschaftlich notwendige

Maßnahme sein. Auch an die Anpassung

der Mietdauerrechnung ist dabei zu

denken.

Aber auch Mieter sollten ihre Verträge sowohl

auf das Vorhandensein als auch auf die Wirksamkeit

einer vereinbarten Wertsicherungsklausel

prüfen lassen. Denn Wertsicherungsklauseln,

die gegen das Preisklauselgesetz verstoßen,

sind nicht automatisch unwirksam. Sie

werden vielmehr erst unwirksam, wenn dies

das hierfür zuständige Gericht rechtskräftig

festgestellt hat. Vorher bleibt die Klausel wirksam

und der Vermieter kann Mieterhöhungen

geltend machen. Verstößt also eine Wertsicherungsklausel

gegen das Preisklauselgesetz,

sollte der Mieter handeln.

Wertsicherung der Miete

Vermieter hingegen sind in Anbetracht steigender

Preise insbesondere im Rahmen von

Mietvertragsverhandlungen, aber auch Verhandlungen

über Vertragsverlängerungen o.ä.

gut beraten, eine Wertsicherung der Miete zu

vereinbaren. Dies gilt insbesondere vor dem

Hintergrund, dass ansonsten, vor allem bei

langfristiger Festmietzeit, keine Möglichkeit

Ihr Ansprechpartner:

Dr. Benjamin Riedel,

Partner | Rechtsanwalt, Fachanwalt für

Miet­ und Wohnungseigentumsrecht

Tel: +49 731 37958­0

benjamin.riedel@sonntag­partner.de

mehr besteht, die Miete an die Gegebenheiten

und Veränderungen des Marktes anzupassen.

Wenn (künftige) Mietvertragsparteien über eine

Regelung zur Mieterhöhung verhandeln

oder der Vermieter eine Mieterhöhung geltend

machen bzw. der Mieter eine Mieterhöhung abwehren

möchte, ist auf jeden Fall eine individuelle

Analyse und Beratung zu empfehlen.

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Auch bei Fragen zum Thema Mietrecht.

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10

TITELTHEMA unternehmen [!]

Sein Job ist eine Mischung aus

Emotion und Wirtschaftlichkeit:

Gerd Hofele, Geschäftsführer

von Frisch Auf Göppingen.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11

„Wir machen unsere

Wurzeln sichtbar“

Frisch Auf Göppingen Kaum eine Mannschaft in der Handball-Bundesliga hält die Balance

zwischen Tradition und Moderne so gut wie das Team aus Göppingen. Doch die Folgen der

Pandemie sind für den Zuschauer- und Mannschaftssport enorm. Ein Gespräch mit

Geschäftsführer Gerd Hofele über Adrenalinkicks, Solidarität und stabile Strukturen.

Die Saison war spannend bis zuletzt: Wieviel Euphorie

hat die Qualifzierung für den Europapokal bei Ihnen,

im Verein und im Umfeld ausgelöst?

Gerd Hofele: Das Team hat mit seinen gezeigten Leistungen

unser Saisonziel „Erreichen des 1. Tabellendrittels

der Handball-Bundesliga plus Qualifikation

für einen internationalen Wettbewerb“ absolut erfüllt.

Dies ist für alle Beteiligten ein toller Erfolg und zahlt

auf die Markenbekanntheit von Frisch Auf Göppingen

ein. Es führt zu einer hohen Akzeptanz bei Sponsoren,

Freundeskreismitgliedern und Fans von Frisch

Auf.

Was unterscheidet Ihre Aufgabe als Geschäftsführer

von Frisch Auf Göppingen von der Arbeit eines Geschäftsführers

eines Mittelständlers?

Beim Sport geht es immer um Emotionen.

Wir erleben im Wochenrhythmus

Siege oder Niederlagen.

Das ist fast, wie wenn ein Unternehmen

wöchentlich eine kleine

Bilanz veröffentlichen würde. Diese

Emotionalität aber auch die Nähe

zu den Fans, die mit ihrer Mannschaft

mitfiebern, macht einen

besonderen Reiz aus. Den wird man in einem normalen

Wirtschaftsunternehmen so nicht finden.

Wie gehen Sie mit dem wöchentlichen Adrenalinkick

um?

Für unsere Spieler ist es einfacher. Sie können ihre

Gefühle auf dem Spielfeld ausleben. Das Management

hingegen hat während des Spiels keine Einflussmöglichkeiten

mehr. Dazu kommt, dass wir

natürlich nicht nur Sieg oder Niederlage im Kopf

haben, sondern auch die jeweiligen wirtschaftlichen

Konsequenzen. Ganz ehrlich, manchmal würde ich

gern auf dieses Wechselbad der Gefühle verzichten.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Handball ist eine Mannschaftssportart. Das heißt:

Wir feiern Erfolge gemeinsam und geben uns in herausfordernden

Zeiten gegenseitig Halt. Im Vergleich

zum Fußball besteht eine weitaus größere

Manchmal

würde ich

gerne auf das

Wechselbad der

Gefühle verzichten.

Nähe zu den Fans. Es gibt keine Berührungsängste.

Stattdessen ist eine große Verbundenheit zwischen

Spielern und Unterstützern spürbar.

Was macht den Handball sportlich und wirtschaftlich

besonders?

Vor allem die Dynamik und Schnelligkeit. Die deutsche

Bundesliga ist eine der stärksten Ligen überhaupt.

Man weiß nie wie ein Spiel ausgeht. Anders

als in Wirtschaftsunternehmen befinden wir uns in

einer assoziativen Konkurrenz-Situation. Wir können

das Produkt „Handball“ nur gemeinsam mit

unseren Gegnern anbieten. Die wiederum haben oft

sehr ähnliche sportliche Ziele. Das ist schon sehr

spannend.

Sie sind seit 2008 alleiniger Geschäftsführer

von Frisch Auf und

seit 2012 Vizepräsident Finanzen

der Handball-Bundesliga. Was waren

seither die größten Veränderungen

im Handballsport, bei Frisch Auf

und in Ihrer Arbeit?

Das größte Thema war und ist mit

Sicherheit die Professionalisierung.

Zu meinen Anfangszeiten waren wir in der

zweiten Liga, über vier Jahre haben wir uns in die

erste Bundesliga gekämpft und konnten uns dort

etablieren. Heute haben wir eine ganz andere

TV-Präsenz. Auch die Professionalisierung der

Sportler und des wirtschaftlichen Umfelds ist kaum

zu vergleichen.

Welche Trends prägen die Handball-Bundesliga?

Einer davon ist sicher, dass man in größere Hallen

geht. Deshalb war auch unser Hallenausbau hier in

Göppingen ein wichtiger Schritt. Inzwischen sind

nicht mehr nur Traditionsvereine, sondern auch

viele Landeshauptstädte in der Liga vertreten. Ich

finde, Frisch Auf hat die Verbindung von Tradition

und Moderne am besten gemeistert. Das sieht man

auch schon in der Halle, wo es zum Beispiel noch

dieselben Sitze wie vor dem Umbau gibt. Das war

auch Teil unseres Umbau-Konzeptes: Die Wurzeln

Zur Person

Fast 30 Jahre ist es

her, dass Gerd Hofele

selbst auf dem Handballfeld

stand – als

Linksaußen in der

Zweiten Bundesliga,

zuletzt bei Frisch Auf

Göppingen (1989 bis

1993). Der heute

57-Jährige studierte

Wirtschaftswissenschaften

in Hohenheim,

parallel Sport im

Magisterstudium (bis

zur Zwischenprüfung)

und arbeitete als wissenschaftlicher

Mitarbeiter

und freiberuflicher

Unternehmensberater.

1997 stieg als

Management-Mitglied

bei Frisch Auf ein, seit

2001 ist er Geschäftsführer

der Frisch Auf

Göppingen Management

und Marketing

GmbH, seit 2008 deren

alleiniger Geschäftsführer.

Zudem

ist er seit 2012 Vize-Präsident

Finanzen

der Handball-Bundesliga.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

„Die aktuell wohl größte

Herausforderung für alle

Clubs ist es, nach der

Pandemie die Zuschauer

zurückzugewinnen“, sagt

Gerd Hofele.

sichtbar machen. Gleichzeitig konnten wir in den

vergangenen Jahren viele Erfolge feiern.

Das kostet viel Geld.

Der Großteil unseres Etats sind Personalkosten.

Das ist klar: Handball ist ein professioneller Sport –

aber eben auch ein Zuschauersport. Vor Corona

hatten wir sehr viele Dauerkarten im Umlauf. Rund

3300 zu Höchstzeiten. Mehr wollten wir bei rund

4000 Sitzplätzen gar nicht rausgeben. Vor dem Hallenumbau

waren bei 2600 Plätzen fast alle Frisch

Auf-Karten dauerhaft vergriffen. Mit dem Fernsehvertrag

und den dadurch geänderten Anwurfzeiten

hat sich das gewandelt.

Der TV-

Vertrag

hat uns 500

Dauerkarten

gekostet.

Warum?

Anstatt Samstagabends wird seitdem Sonntagnachmittags

gespielt. Anfangs sogar sonntags um 12:30

Uhr. Das war ein Paradigmenwechsel, der uns gut

500 Dauerkarten gekostet hat. Durch Corona hat

sich die Situation weiter verändert. Vergangenes

Jahr hatten wir rund 1600 Dauerkarten verkauft. Unser

Ziel im nächsten Jahr ist es, die 2000-Grenze zu

knacken und langfristig wieder auf 3000 verkaufte

Dauerkarten zu kommen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Die aktuell wohl größte Herausforderung für alle

Clubs ist es, die Zuschauer zurückzugewinnen.

Nicht nur im Handball, sondern in allen Zuschauer-Sportarten.

Der pandemiebedingte Zeitraum ohne

Besucher war sehr lang. Das Freizeitverhalten

hat sich verändert.

Wie wollen sie das erreichen?

Aktuell arbeiten wir als Liga daran, Spielbesuche

noch attraktiver zu machen. Ein Thema könnte verschiedene

Preiskategorien und Dauerkartenmodelle

beinhalten. Das schließt Ermäßigungen für Schüler

und Studierende mit ein, genauso wie ein

Vater-Sohn-Ticket oder ein Ticket, dessen Halter in

bestimmten Abständen eine Zusatzperson mitbringen

kann. Eine andere Maßnahme ist etwa, ob Musikeinspielungen

nicht nur in der Pause, sondern

auch während des Spiels möglich sind um den

Event-Charakter zu unterstreichen. Abgesehen von

solchen Überlegungen gilt auch: Je erfolgreicher

unser Team unterwegs ist, umso interessanter sind

die Spiele.

Wie sehr hat die Corona-Krise der Handball-Bundesliga

geschadet?

Die Spiele vor leeren Rängen waren wirtschaftlich

eine große Herausforderung. In diesem Zeitraum

haben wir extrem vom TV-Vertrag profitiert. So

konnten wir weiterhin stattfinden, waren weiterhin

präsent. Nur 2020 wurde die Saison abgebrochen.

Aber natürlich variieren die coronabedingten

Verluste je nach Hallengröße stark. Topclubs

wie der THW Kiel generieren näherungsweise

vier Millionen Euro allein aus dem Ticketing in der

Bundesliga ohne Champions League. Die hatten

also größere Verluste als kleinere Vereine mit kleineren

Hallen.


unternehmen [!] TITELTHEMA 13

Aber in Summe waren alle betroffen.

Ja, das Schöne war, dass sehr schnell eine sehr hohe

Solidarität zu spüren war. Es gab WhatsApp-Gruppen

wie die „ligaweite Handballwerkstatt“ oder

auch eine Baden-Württemberger-Gruppe, in der Erfahrungen

geteilt wurden. So musste nicht jeder

Verein das Rad neu erfinden. Das habe ich in meiner

Zeit im Sport in dieser Intensität noch nie erlebt.

Von Liga-Seite gab es alle zwei Wochen Telefonkonferenzen

mit allen Erst- und Zweitligisten. Es

wurden ligaübergreifende Strukturen geschaffen,

über Lobbyarbeit, Berufsgenossenschaftsbeiträge

und die Sport-Coronahilfe gesprochen. Letztere hat

schon einiges abgefedert. Insgesamt wurden von

2020 bis 2022 bis zu 2,3 Millionen Euro pro Bundesligisten

bereitgestellt.

Hat Frisch Auf auch Kurzarbeitergeld erhalten?

Ja, das war eine große Hilfe – ebenso wie der Gehaltsverzicht

unserer Mitarbeiter und die große Solidarität

unserer Sponsoren. Vor dem ersten Lockdown

hatten wir noch fünf zu absolvierende

Heimspiele. Fünf von 17. Die fehlenden Einnahmen

sorgten zunächst für ein Minus von etwa 1,3 Millionen

Euro. Das konnten wir glücklicherweise durch

die verschiedenen Maßnahmen, Hilfen und Solida-

Gerd Hofele freut sich über die Solidarität unter den Handball-Bundesligisten.

making

places

motivating

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14

TITELTHEMA unternehmen [!]

ritäten abfangen, so dass wir insgesamt gut durch

die Krise gekommen sind. Ein anderes Problem war

und ist aber die Nachwuchssituation. Gerade im

Breitensport. Dort war die Zwangspause ja deutlich

länger. Viele Vereine stehen vor der Herausforderung,

ihre Sportarten oder den Sport generell wieder

attraktiv zu machen. Vor allem auch für Jugendliche.

Wie wichtig sind die TV-Einnahmen für die Handball-Bundesligisten?

Rein monetär betrachtet, spielen sie keine herausragende

Rolle. Wir haben als Liga einen

TV-Vertrag über circa vier Millionen

Euro im Jahr. Diese

Einnahmen werden auf alle Bundesligisten

aufgeteilt, ein Teil

davon fließt auch in die zweite Liga.

Aber die erhöhte Medienpräsenz

bietet uns wertvolle Wachstumspotenziale.

Inzwischen ist es

so, dass alle 306 Bundesliga-Spiele live übertragen

werden. Zu einem großen Teil im Pay-TV auf Sky,

aber teilweise auch im Free-TV im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen.

Das ist extrem wichtig für alle

Sportarten. Wir befinden uns sogar in einem Premium-Umfeld,

ähnlich wie die Fußball-Bundesliga.

Handball gilt bereits im Vergleich zu weniger nachgefragten

Sportarten als Zugpferd, das ist eine gute

Ausgangssituation für einen neuen TV-Vertrag.

Wie geht es weiter?

Der Vertrag läuft nach der nächsten Saison aus. Ein

Fortführungsangebot liegt bereits auf dem Tisch.

Unsere

Sponsoren

steuern 60 Prozent

unserer Einnahmen

bei.

Wir analysieren aktuell aber noch den Markt und

haben weitere Marktangebote eingeholt. Noch

bleibt es also spannend, auf welcher Plattform

Handball künftig zu sehen sein wird.

Wie verteilen sich die drei Ertragssäulen Medien,

Fans und Sponsoring bei Frisch Auf?

Ganz grob kann man sagen, wir nehmen 60 Prozent

über Sponsoren, 20 Prozent durch Zuschauer und

weitere 20 Prozent durch sonstige Verträge und

Vermarktungen ein. Insgesamt ist also Sponsoring

der Hauptbestandteil und deckt etwa unseren Personalkostenanteil

von 60 Prozent.

Mit dem Ausbau unserer Halle

konnten wir den Einnahmenanteil

durch Zuschauer steigern. Aber

auch bei 4000 Sitzplätzen und einer

Gesamtkapazität von 5600 Besuchern

gibt es eine natürliche

Grenze.

An der Tabellenspitze stehen die Vereine mit den

größten Hallen.

Das ist nicht verwunderlich, weil sie mehr Budget

zur Verfügung haben. Andererseits ist Göppingen

auch keine Großstadt. Wir haben regionale Strukturen,

von denen die Halle und das Spielerlebnis leben.

Oft bekommen wir positive Rückmeldungen,

dass die Halle so organisch gewachsen wirkt. Außerdem

stellt die EWS Arena einen multifunktionalen

Gebäudekomplex dar, in dem Schul-, Vereinsund

Spitzensport aufeinander abgestimmt

stattfinden. Dadurch haben wir einen Wettbewerbsvorteil

in der Liga.


unternehmen [!] TITELTHEMA 15

ausmacht, gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Trotzdem

hat sich Teamviewer für das Engagement entschieden.

Dafür sind wir sehr dankbar. Die Partnerschaft

war ein weiterer entscheidender Faktor, dass

wir gut aus der Pandemie gekommen sind.

Die Einkommen im

Profi-Handball sind stark

gestiegen. „Fünfstellige

Netto-Gehälter im Monat

sind keine Seltenheit“, sagt

der Frisch-Auf-Geschäftsführer.

Wie viel Anerkennung und Neid haben Sie in der Liga

erfahren, als der damalige Börsenüberflieger Teamviewer

im Jahr 2020 bei Frisch Auf eingestiegen ist?

Neid ist uns überhaupt nicht entgegengeschlagen,

vielmehr Glückwünsche von allen Seiten. Teamviewer

ist ein toller globaler Partner, der auch die

Attraktivität der gesamten Liga deutlich macht.

Welche Möglichkeiten eröffnet Frisch Auf diese

Partnerschaft?

Interessant waren ja nicht nur neue wirtschaftliche

Möglichkeiten, sondern auch der Zeitpunkt, seitdem

Teamviewer mit uns zusammenarbeitet. Mitten

in der Corona-Pandemie. Das ist bemerkenswert,

denn vieles was den Sport normalerweise

Wären die Vertragsverlängerungen mit den Nationalspielern

Sebastian Heymann und Marcel Schiller

ohne Teamviewer möglich gewesen?

Das muss man getrennt voneinander sehen. Marcel

ist schon deutlich länger bei Frisch Auf und spielt

links außen. Sebastian spielt auf der Königsposition

Rückraum links, gleichzeitig kann er in der Abwehr

den Mittelblock decken. Das ist ein sehr seltenes

Gesamtpaket und ich bin mir sicher, dass er den

Handballsport der nächsten Jahre mitprägen kann.

Ich denke, mit Marcel wären wir uns auch unabhängig

von Teamviewer einig geworden. Da haben wir

mit WMF einen Partner, der uns hier geholfen hat.

Bei Sebastian wäre eine Verlängerung ohne Teamviewer

vermutlich nicht möglich gewesen.

Hat jeder Spieler einen Firmenpaten, der die wirtschaftliche

Perspektive absichert?

Nicht jeder, aber wir haben die Möglichkeit, so etwas

für jeden Spieler zu entwickeln. Das umfasst

dann beispielsweise das Tragen des Firmenschriftzugs

oder auch mal die persönliche Präsenz bei einer

Firmenveranstaltung.

Wie gut verdient man als Handball-Profi?

Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr entwickelt.

Fünfstellige Netto-Gehälter im Monat sind für

Spitzenspieler keine Seltenheit mehr. Es gibt auch

bei absoluten Top-Spielern Ausreißer nach oben,

die mehr als eine halbe Million im Jahr verdienen.

Das Engagement von Teamviewer war langfristig

angedacht, aber zunächst auf zwei Jahre befristet.

Wie geht es weiter?

Sicherlich wird das erfolgsabhängig sein, aber eine

Perspektive gibt es auf jeden Fall. Die zwei Jahre

sind jetzt schon um und Teamviewer wird uns auch

nächstes Jahr unterstützen. Momentan sind alle

sehr zufrieden mit der Partnerschaft. Da wir den

Teamviewer

wird uns

über die zwei

Jahre hinaus

unterstützen.

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16

TITELTHEMA unternehmen [!]

Elf nationale Titel, fünf Europapokalsiege und 6,3 Millionen Euro Budget

Die Fans von Frisch Auf verwandeln die EWS-Arena in die „Hölle Süd“, eine der stimmungsvollsten Kulissen in der Handball-Bundesliga.

Nicht nur die Kempa-Buben haben seit

den 1950er und 1960er Jahren Frisch Auf

Göppingen zur Legende gemacht. Der Verein

hat elf nationale Meisterschaften und fünf

Europapokal-Siege geholt. Mit Platz fünf in

der Bundesliga hat sich das Team aus Göppingen

in der kommenden Saison für den Europapokal

qualifiziert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr

2021/22 (30. Juni) betrug das

Budget rund 6,3 Millionen Euro. Das dürfte

sich mit Blick auf Neuverpflichtungen weiter

erhöhen, wird aber erst zum Saisonauftakt

bekannt gegeben.

Der Profisport ist in die Frisch Auf Göppingen

Management und Marketing GmbH ausgegliedert.

Knapp die Hälfte der Anteile halten

Sponsoren, die restlichen gehören dem

Hauptverein. Das ist die 1896 gegründete

Turn- und Polizeisportgemeinschaft Frisch

Auf Göppingen e.V (aktuell 1552 Mitglieder).

Die Handball-Abteilung gibt es seit 1920.

Die Management und Marketing GmbH

beschäftigt rund 40 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter, darunter etliche in Teilzeit und

Minijobs. Bei den Heimspielen unterstützen

hunderte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer

Frisch Auf. Zu den Verantwortlichen gehören

neben Geschäftsführer Gerd Hofele, sein

Stellvertreter Peter Kühnle, der Sportliche

Leiter Christian Schöne, Alexander Kolb, Leiter

Spielbetrieb, und Trainer Hartmut Mayerhoffer.


Sprung in den Europapokal geschafft haben und

nächste Saison international spielen, ist das noch

interessanter fürs Unternehmen. Man muss ja aber

auch sehen, dass Teamviewer mit uns sein Sportsponsoring

entwickelt hat. Das war letztlich die

Voraussetzung für die spektakulären Partnerschaften

mit der Fußballmannschaft Manchester United

aus der englischen Premier League und dem Mercedes-Formel-1

Team. Das macht auch uns stolz.

Was bedeutet die Europapokal-Teilnahme in Euro

und Cent?

Für uns ist der Imagegewinn wichtiger. Die European

League mit den Auswärtsspielen bietet uns

und auch den Fans besondere Highlights. Ich bekomme

schon Gänsehaut wenn ich nur an den Gewinn

der Liqui-Moly EHF-Cup-Finals 2017 in der

heimischen EWS Arena in Göppingen denke. Das

war schon beeindruckend. Für die Marke Frisch Auf

Die Europapokal-Teilnahme

in der kommenden

Saison sei in erster Linie

ein Imagegewinn und für

die Marke Frisch Auf

wertvoll, sagt Gerd Hofele.

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18

RESSORT unternehmen [!]

Interview in einer der

Sponsoren-Logen: „Im

Europapokal haben wir

vom ersten Zuschauer an

einen positiven Deckungsbeitrag“,

sagt Geschäftsführer

Gerd Hofele.

ist die Europapokal-Teilnahme besonders wertvoll.

Ich bin mir sehr sicher, dass alle Mannschaften der

Bundesliga bis mindestens Platz zwölf die Zielsetzung

haben, im Europapokal zu spielen.

Und wirtschaftlich?

Früher gab es Clubs, die sagten, eine Europapokal-Teilnahme

bringt ihnen keinen monetären Vorteil.

Bei uns ist es aufgrund der Halleninvestitionen

grundlegend anders, wir haben im Europapokal

vom ersten Zuschauer an einen positiven Deckungsbeitrag.

Warum?

Vor 15 Jahren wurden in den Ausbau

unserer Halle vier Millionen Euro

investiert. Zwei Millionen Euro aus

unserem Etat, 2 Millionen Euro an

Landeszuschüssen. Wir haben der

Stadt Göppingen 3 Millionen Euro

garantiert und festgelegt, dass eventuelle

Landeszuschüsse zu jeweils

50 Prozent auf unseren Investitionskostenanteil

angerechnet werden.

In der Folge hatten wir beim Pachtvertrag, der

übernächstes Jahr ausläuft, deutlich bessere Konditionen.

Es gibt zudem in der neu geschaffenen

European League als Nachfolgewettbewerb des

EHF-Cups Reisekosten-Zuschüsse sowie Punktprämien

oder Prämien fürs Erreichen der Gruppenphase.

Pi mal Daumen könnten wir durch die

Europapokal-Teilnahme einen zusätzlichen Spieler

für den Kader finanzieren – den wir aber auch

brauchen werden, da wir nach Überstehen der

Qualifikationsrunde und Erreichen der Gruppenphase

mindestens zehn zusätzliche Spiele hätten.

Mit einem

guten Mix im

Kader behalten

wir die Nähe zu

den Fans.

Wirtschaftlich interessanter an der Europapokal-Teilnahme

ist die steigende Attraktivität für

bestehende und zukünftige Sponsoren.

Wie schwierig ist es, einen so traditionsreichen Club

wie Frisch Auf wieder erfolgreich zu machen?

Da gibt es viele Bausteine. Ein wichtiges Markenelement

für uns ist und bleibt ein erfolgreicher Mix aus

international, national und regional erfolgreichen

Spielern. Dadurch behalten wir auch die Nähe zu

unseren Fans. Diese Balance ist wichtig. Natürlich

sind auch die „Hölle Süd“, der unverwechselbare

Name Frisch Auf sowie die Vereinsfarben Grün und

Weiß relevante Markenelemente.

Als Frisch Auf für den Sponsor Teamviewer

die Trikotfarbe auf Blau-Weiß

geändert hat, gab es aber einen Aufschrei

von Fans.

Das war eine besondere Situation. Ich

habe es damals immer wieder betont,

dass wir nicht unsere Vereinsfarben

aufgeben. Sondern „nur“ die Trikotfarbe

wechselt. Ich sage das im Wissen,

dass die Trikotfarbe selbstverständlich eine

große Rolle spielt, auch für mich. Letztlich sind wir

unserem Partner Teamviewer damit entgegengekommen.

Das ändert aber nichts daran, dass alle

zentralen Elemente wie Logo, Pokalsiege in Form

von Sternen, unsere Namen und auch unsere Vereinsfarben

Grün-Weiß selbst im Trikot sichtbar

bleiben.

Wie zukunftsfähig sind die wirtschaftlichen Strukturen

von Frisch Auf?

Ich würde sagen, extrem zukunftsfähig. Aus dem


unternehmen [!] TITELTHEMA 19

früheren Beirat haben wir schon vor Jahren einen

Aufsichtsrat und einen Wirtschaftskreis gebildet.

Uli Weiss und Hubert Nägele sind damals schon

Gesellschafter geworden, unsere höchste Partnerebene.

Insgesamt sitzen sechs Wirtschaftsgrößen im

Aufsichtsrat von Frisch Auf plus zwei Personen aus

dem Finanzbereich sowie der Präsident des Frisch

Auf Göppingen e.V.. Im Wirtschaftskreis werden

diese neun Firmen um etwa 15 weitere ergänzt. Für

uns bedeuten diese Strukturen Stabilität. Unsere

Wirtschaftspartner haben auch beim Ausbau der

EWS-Arena gebürgt. Dieser wäre ohne diese organische

Verbindung nicht umsetzbar gewesen.

Welche Rolle spielt das Nachwuchscenter für die

Zukunft von Frisch Auf?

Das Nachwuchscenter haben wir neu aufgebaut

und legen langfristige Strukturen an. Seit der letzten

Saison gibt es eine zweite hauptamtliche Stelle im

Jugendbereich. Dazu gehört zum Teil auch, dass wir

eine neue Stelle für digitale Medien und Social Media

geschaffen haben. Denn es ist wichtig, dort unterwegs

zu sein, wo der Nachwuchs auch unterwegs

ist. Schritt für Schritt bauen wir die Nachwuchsförderung

aus. Aktuell fließen rund fünf Prozent unseres

Etats in dieses Segment.

Was war Ihr emotionalster Moment in Ihrer Zeit bei

Frisch Auf als Spieler und Manager?

Emotionale Momente gab es viele. Etwas ganz Besonderes

war der bereits erwähnte Gewinn der Liqui

Moly-EHF-Cup-Finals 2017 in Göppingen. Wir

waren der Außenseiter und es war bereits ein großer

Kraftakt, das Event überhaupt hierher zu holen.

Natürlich war es auch ein finanzielles Risiko, das

wir mit Unterstützung unseres Wirtschaftskreises

gestemmt haben. Als es dann soweit war und wir es

tatsächlich in die Finalrunde geschafft hatten, kam

Magdeburg seit 25 Spielen ungeschlagen hier an.

Wir haben trotzdem gewonnen. Berlin hat den Sekt

daraufhin sozusagen schon kaltgestellt, weil sie

dachten der Sieg im Finale sei ihnen sicher. Aber

wir haben sie mit den Fans im Rücken aus der Halle

gefegt. Das war Wahnsinn. Darüber hinaus war

auch der erste unserer vier EHF-Cup-Titel im Briefkopf

bemerkenswert.

Welchen Moment würden Sie gerne noch erleben?

Ganz klar: Wir freuen uns darauf, wieder international

zu spielen und wollen bestenfalls einen neuen

Titel in der European League gewinnen. Das

würde sicherlich auch unseren Briefkopfweiter

aufwerten.

Das Interview führten

NZW-Redakteurin Susann

Schönfelder-Kuhn

und Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen[!]

Fotos: Giacinto Carlucci


Von der Alb in die Welt: Die

Strickmaschinen werden in

Albstadt gefertigt.

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.

Energiesicherheit

weiterstricken

Stromversorgung Wer produziert, braucht Energie – auch wenn Gas knapp

und Strom immer teurer werden. Der Strickmaschinen-Hersteller Mayer &

Cie setzt auf Blockheizkraftwerke. Es gibt aber auch Alternativen.

Da muss eine alte Frau lange

für stricken: Die Relanit 3.2

HS schafft gut 12,5 Millionen

Maschen. Pro Minute.

Die Rundstrickmaschine ist ein Erfolgsmodell,

sie kommt vom Strickmaschinen-Spezialist

Mayer & Cie

in Albstadt. Das in vierter Generation

familiengeführte Unternehmen

ist weltweit im Geschäft, die Relanit

und ihre Kolleginnen stricken

rund um den Globus Stoffe für alle

Fälle, für T-Shirts und Badeanzüge,

für Nachtwäsche, Matratzen- und

Sitzbezüge.

Hergestellt werden die Maschinen

im Stammwerk der Firma in

Albstadt-Tailfingen. Seit Mitte der

1930 gibt es Mayer-Rundstrickmaschinen,

das Firmenareal wurde immer

wieder erweitert. Das ist einer

der Gründe, warum sich die Geschäftsführung

schon vor Jahren

entschieden hat, die energetische

Sanierung des gesamten Unternehmens

einzuleiten. „Wir haben auch

Gebäude aus den 1960er Jahren.

Energetisch sind die katastrophal,

die Energiepreise haben damals

kaum jemanden interessiert“, sagt

Geschäftsführer Benjamin Mayer.

Zunächst wurde in Albstadt ein

Gesamtkonzept erstellt und dann

Schritt für Schritt abgearbeitet. 2014

das Kaltwassernetz auf dem 35 000

Quadratmeter großen Firmengelände

saniert, dann die Kältemaschinen

ausgetauscht und die Drucklufterzeugung

modernisiert. Die Vernetzung

der Hallen und Gebäude wurde

zudem vorangetrieben.

In den 1960er

Jahren haben

Energiepreise kaum

jemanden

interessiert.

Benjamin Mayer

Mayer & Cie

Denn alle sollen vom letzten Baustein

der energetischen Sanierung

profitieren: den beiden Blockheizkraftwerken

(BHKW), die ab sofort

per Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung

für Strom, Wärme und Kälte in Tailfingen

sorgen. Bis zu 90 Prozent der

Heizenergie sollen sie liefern, dazu

die Hälfte des Stroms und im Sommer

auch 50 Prozent der für die Kühlung

nötigen Energie. Die ist in der

Produktion bei Mayer besonders

wichtig. Die komplexen Metallteile

für die Rundstrickmaschinen benötigen

gleichbleibende Temperaturen

in den Werkshallen, damit sie sich

nicht verziehen. Insgesamt sollen

die gasbefeuerten BHKW mehr als

1000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr

einsparen.

Doch es soll nicht nur die Umwelt

profitieren. Mayer hat auch die Kosten

im Blick: „Unsere CNC-Fräsen

laufen 24 Stunden am Tag und ziehen

ordentlich was weg.“ In normalen

Jahren gibt das Unternehmen bis

zu 1,5 Millionen Euro für Energie

aus. Aber normal war gestern. Jetzt

ist Gaskrise, mit immer schneller

steigenden Preisen. Immerhin sind

die neuen BHKWs sehr effizient. Ihr

Wirkungsgrad liegt bei rund 90 Prozent,

die alten Heizölbrenner kamen

auf 70 Prozent.

Effizienz ist auch das Thema von

Mustafa Süslü. Dem Leiter der Kompetenzstelle

Energieeffizienz der

IHK Ulm kommt diese in der Diskussion

um Energiesicherheit, Öko-

Strom und erneuerbare Energien zu

Zur Person

Benjamin Mayer ist

Wirtschaftsingenieur.

Nach dem Berufsstart

bei BMW

ging er zurück nach

Albstadt. Seit 2014

ist er einer von zwei

geschäftsführenden

Gesellschaftern bei

MCT.

Zur Person

Mustafa Süslü ist

Energie-Effizienzexperte

bei der IHK

Ulm. Nach dem Ingenieursstudium

legte

der 49-Jährige noch

ein Wirtschaftswissenschafts-Studium

samt Diplom und

Promotion nach.


unternehmen [!] VERANTWORTEN 21

selten vor. Denn: „Energie, die

ich spare, muss ich gar nicht erst

erzeugen.“ Das sei für alle besser

– für die Firmen und die Umwelt.

Effizienter werden könnten

Unternehmen vielfach. „Bei

der Lüftung, den Klimaanlagen,

der Druckluft.“ Süslü hat die gesamte

Gebäudeversorgungstechnik

im Blick.

Tausch spart Energie

Aber auch in der Produktion

schlummere viel Einsparpotential.

Vor allem im Tausch alter

Maschinen gegen neue, die weniger

Energie verbrauchen. Dafür

gebe es Zuschüsse über bis

zu 30 Prozent der Investitionskosten,

sagt Süslü, dessen Stelle

aus Mitteln des Landes und

der EU bezahlt wird und der Firmen

kostenlos berät.

Sich selbst sieht er als Strippenzieher,

der Unternehmen

nicht nur berät und sensibilisiert,

sondern sie auch mit geeigneten

Beratern zusammenbringt.

Denn nicht immer würden

Unternehmen gut beraten.

Bei einem Unternehmen, das

sich keinen Rat bei der IHK geholt

habe, seien die Blockheizkraftwerke

letztlich zu groß dimensioniert

worden „Sie produzieren

viel mehr Energie als gebraucht

wird.“ Die beiden

BHKW bei Mayer dagegen seien

maßgeschneidert.

Dennoch, als Zukunftsmodell

für viele andere nach sicherer

Energieversorgung suchende

Klein- und Mittelständler

schätzt Norman Gerhardt Blockheizkraftwerke

nicht ein. Diese

seien zwar effizient, aber irgendwann

stünden ihnen die immer

strenger werdenden Emissionsvorschriften

im Weg, sagt der

Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut

für Energiewirtschaft

und Energiesystemtech-

Für gleichbleibende Temperaturen in der Fertigung sollen Blockheizkraftwerke

sorgen.

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.

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22

VERANTWORTEN unternehmen [!]

nik in Kassel. Außerdem solle in

der Stromproduktion der Anteil

der erneuerbaren Energien 2030

schon bei 80 Prozent liegen.

BHKW mit Kraft-Wärme-Kopplung

arbeiteten aber fast immer

mit Gas. Was er rät? Wie Süslü

sieht er Effizienzmaßnahmen

und Gebäudesanierungen ganz

oben auf der Liste.

Und was können die Unternehmen

noch tun? Die Sonne

nutzen, Eigenstromerzeugung

per Photovoltaik. Und Wärmepumpen

nutzen für Heißwasser

und Gebäudewärme. Auch

Stromkaufvereinbarungen, sogenannte

Power Purchase

Agreements (PPA) könnten

helfen. „PPA-Direktstrombezug

kann eine Option sein,

hängt aber von der Entwicklung

der Strompreise und regulatorischen

Rahmenbedingungen

ab“, sagt Gerhardt.

Dabei ordert ein Unternehmen

schon im Voraus Energiemengen,

die es dann vom Vertragspartner

über die gesamte

Vertragslaufzeit zum fest vereinbarten

Preis bekommt. Egal,

wie sich der Markt entwickelt.

Das kann besonders in Zeiten

verrücktspielender Preissprünge

Sicherheit in die Planung

und Beruhigung in die Finanzabteilung

bringen. Mit

Blick auf die Strom-Eigenproduktion

sagt Gerhardt klar:

„Die Versorgungssicherheit

kommt über das öffentliche

Stromnetz. Die energieintensive

Industrie muss ihre Energie

hauptsächlich darüber beziehen.“

Strickmaschinen für die ganze Welt

Diese Pufferspeichern sind Teil des Energiekonzepts von

Mayer & Cie.

Foto: © Ralph Koch/Mayer & Cie.

Gegründet wurde

Mayer & Cie (MCT)

in Albstadt-Tailfingen

1905, seit 1935

baut das Unternehmen

Rundstrickmaschinen

und ist einer der

führenden Hersteller

weltweit. MCT

hält mit Blick auf

die verkauften Maschinen

rund fünf

Prozent des von

vielen kleinen Herstellern

geprägten

Weltmarkts. Daneben

produziert

MCT Flechtmaschinen.

450 Beschäftigte

erwirtschafteten

2021 einen

Umsatz von 103

Millionen Euro. In

Tschechien und

China gibt es Tochtergesellschaften.

Für einige Branchen wie die

energiehungrige Stahlherstellung

könnte übergangsweise

die Wasserstoff-vor-Ort-Erzeugung

interessant werden. Jedenfalls

so lange noch kein

Wasserstoff-Netz in Deutschland

verfügbar ist.

Sicherheit in

der Versorgung

kommt über das

öffentliche

Stromnetz.

Norman Gerhardt

Fraunhofer-Institut

Selbstgemachter Wasserstoff

als Kraftstoff sei jedoch Zukunftsmusik,

die neuen Blockheizkraftwerke

bei Mayer in

Albstadt dagegen sind schon Realität.

Wenn sie laufen wie geplant,

heißt das aber noch lange

nicht, dass Mayer in Sachen

Energie auf der sicheren Seite

ist. Zu unsicher sind die Zeiten,

besonders auf dem Energiemarkt.

Ob und wie lange es noch

genug Gas gibt, ist unklar.

Um die Versorgung zu sichern,

hat Geschäftsführer Benjamin

Mayer aber einen Plan B

in der Hinterhand: Die alten

Heizanlagen stehen noch. Notfalls

werden die wieder angefahren,

sie verbrennen Öl. Dann

bleibt es trotz Gaskrise wohltemperiert

in den Werkshallen,

damit die Relanits weiter stricken

können. [!]

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23

Wintermayr ® Energiekonzepte expandiert

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stellt sich noch breiter auf und verstärkt weiter sein Mitarbeiterteam

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Spitzenlastoptimierung, Abwärmenutzung,

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24

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Zur Person

Gerhard Girlich ist

Professor für Rechnungswesen

und

Steuern an der

Hochschule Biberach.

Zuvor war er

Prüfungsleiter in der

Finanzverwaltung.

Sparen auf

zwei Reifen

Dienstfahrrad Kein Sprit, kein Parkplatz und kein

Stau. Immer mehr Unternehmen bieten ihren

Beschäftigten Diensträder an. Dabei können sie

auf unterschiedliche Modelle setzen.

Das

Fahrradleasing

ist eine

Win-win-Situation

für alle Beteiligten.

Petra Haberl

ZF Friedrichshafen

Dieses Modell kennen wohl

die meisten: Unternehmen

leasen Autos und stellen sie

ihren Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern als Firmenfahrzeuge

zur Verfügung, die sie dann für Arbeit

und private Zwecke nutzen dürfen.

Inzwischen rückt ein anderes

Fortbewegungsmittel in den Mittelpunkt:

das Fahrrad, vor allem, wenn

es über Elektroantrieb verfügt.

Seit September 2020 bietet zum

Beispiel der weltweit drittgrößte

Automobilzulieferer, die ZF Friedrichshafen

AG, seiner Belegschaft

Fahrradleasing an, und das mit enormer

Resonanz: Aktuell nutzen 5000

Beschäftigte der deutschen Standorte

das Angebot. Abgewickelt wird

das Ganze in Partnerschaft mit einem

Fahrradhändler. „Es ist ausschließlich

Leasing vorgesehen“, erklärt

ein Unternehmenssprecher,

„zur Auswahl stehen Fahrräder und

E-Bikes der gängigen Marken.“ Die

monatliche Nutzungsrate für das

Fahrrad werde per Bruttoentgeltumwandlung

vom Entgelt des Mitarbeiters

einbehalten. Die Versicherung

für das Leasingfahrrad übernimmt

ZF.

Dass so viele ZFler das Angebot

nutzen, liegt auch daran, dass sich

Steuervorteile eher beim Leasing

von diesen Zweirädern bemerkbar

machen und sich alle Mitarbeiter –

dank günstiger Monatsraten – ein

solches Pedelec leisten können. Dieses

Konzept fördere letztlich nicht

nur die Gesundheit, sondern, so Petra

Haberl, die beim Unternehmen

mit Hauptsitz in Friedrichshafen zu

Anfang des Projekts zuständig war,

„schont auch die Umwelt und bietet

die Möglichkeit, neue Mobilitätskonzepte

auszuprobieren. Eine

Win-win-Situation für alle Beteiligten.“

Ein Dienstrad kann sich

für Arbeitgeber rechnen.

Foto: © stockphoto-graf/adobe.

stock.com

Mitarbeiter motivieren

Für die Projektverantwortlichen ist

klar, dass Fahrradleasing den Geist

der Zeit treffe. Für ZF sei das Thema

Mitarbeitermotivation und -zufriedenheit

einer der wichtigsten

Beweggründe gewesen: „Unser Ziel

ist, diese Mitarbeitenden durch einen

attraktiven Benefit zu halten

und so auch leichter neue qualifizierte

Mitarbeitende zu gewinnen“,

erklärt Haberl.

Der Chefredakteur der Zeitschrift

Finanztest, Hermann-Josef

Tenhagen, ist sich sicher, dass dieser

Sektor angesichts steigender

Spritpreise sowie Parkplatzkosten

noch weiterwachsen wird. Der Ratgeber

des Magazins zum Thema

Dienstfahrrad wurde in den vergangenen

zwei Jahren bereits 800 000

Mal abgerufen. „Seit zehn Jahren besteht

diese Möglichkeit“, erläutert

Tenhagen.

„Der Chef kann sich überlegen,

das Fahrrad quasi als Gehaltserhöhung

für seine Angestellten zur Verfügung

zu stellen.“ Das hat dann den

Vorteil, dass Kosten wie Steuern

oder Sozialversicherungsbeiträge,

die beim Leasing durch die steuer-


unternehmen [!] VERANTWORTEN 25

liche Anrechnung des geldwerten

Vorteils für die Nutzer und

Nutzerinnen anfallen, entfallen.

Die Arbeitgeber können ihre Investitionen

als Betriebsausgaben

absetzen. „Als Arbeitgeber

kann ich natürlich

überlegen,

ob das Abschreibungs-

modell für

mich nicht

komfortabler

ist als das Leasing-Modell,

weil es unkomplizierter

ist“,

Bereits seit

zehn Jahren

besteht die

Möglichkeit zum

Dienstfahrrad.

Hermann-Josef Tenhagen

Finanztest

ergänzt der

Wirtschaftsjournalist.

Diese Variante, das Dienstfahrrad

als zusätzlicher Arbeitslohn

anzusetzen, hat auch bei

der lohnsteuerlichen Behandlung

für die Beschäftigten große

Vorteile, wie der Professor

für Rechnungswesen und Steuern

an der Hochschule Biberach

Gerhard Girlich definiert:

„Wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer

zusätzlich zum ohnehin

geschuldeten Arbeitslohn

ein betriebliches Fahrrad unentgeltlich

überlässt,

ist diese

Überlassung

zu 100 Prozent

steuerfrei und

damit auch beitragsfrei

in der

Sozialversicherung.“

Anders

ausgedrückt:

Statt einer Gehaltserhöhung

erhalte der Arbeitnehmer ein

Dienstfahrrad zur freien Nutzung

für die Fahrten zwischen

Wohn- und Arbeitsort sowie für

private Fahrten und muss für

diese Gehaltserhöhung keine

Steuern und Sozialversicherungsbeiträge

bezahlen.

Arbeitgeber gehen davon aus, dass diejenigen, die zur Arbeit radeln,

etwas für ihre Gesundheit tun. Foto: © Halfpoint/Shutterstock.com

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Besteuerungsgrundlage 3.500 € 3.451,63 €

abzüglich Lohnsteuer -534,75 € - 521,83 €

abzüglich Solidaritätszuschlag -29,41 € -28,70 €

abzüglich Rentenversicherung -325,50 € - 321,00 €

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abzüglich Pflegeversicherung - 62,12 € - 61,27 €

abzüglich Arbeitslosenversicherung - 42,00 € - 41,42 €

Nettobetrag 2.231,47 € 2.206,46 €

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Gängig sei aber das Leasingmodell.

„Der Arbeitgeber macht

einen Deal mit einem Fahrradhändler

und vereinbart Leasingverträge

für zahlreiche Beschäftigte“,

erklärt Tenhagen weiter.

„Das ist inzwischen recht günstig,

solange der Arbeitgeber etwas

beisteuert – er überlässt mir

das Fahrrad, beteiligt sich an

den Leasingraten und ist dann

auch der Leasingnehmer.“

Im Rahmen einer Beispielrechnung,

die Finanztip durchgeführt

hat, ergeben sich bei einem

Bruttomonatsgehalt von

3500 Euro, Steuerklasse I und einer

Zuzahlung durch das Unternehmen

von 25 Euro monatliche

Kosten für die Nutzer von

31 Euro für ein E-Bike mit einem

Gesamtwert von 2500 Euro (siehe

Kasten). Ganz wichtig dabei:

Das Unternehmen sollte sich

beim Dienstfahrradmodell immer

finanziell beteiligen, sonst

gelten die Beschäftigten als Leasingnehmer

und müssten sämtliche

Kosten allein tragen.

„Die Chefs und Chefinnen

Die Chefs

glauben,

dass Fahrradfahren

die Leute

gesund hält.

Hermann-Josef Tenhagen

Finanztest

glauben, dass Fahrradfahren die

Leute gesund hält, und da sucht

man attraktive Lösungen“, erläutert

der Chefredakteur den

Reiz für die Unternehmen, „das

ist so ähnlich wie bei der betrieblichen

Altersvorsorge.“ Die

Angestellten können dann zusätzlich

noch die Pendlerpauschale

pro gefahrenen Kilometer

zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

absetzen.

Im Raum Berlin gab es jedenfalls

bereits die Situation, dass

Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern Fahrräder

zur Verfügung stellten, damit

sie nicht mehr mit ihren Autos

im Stau stehen mussten.

Davon profitieren die Firmen

dann im besten Fall in mehrfacher

Weise: Ihre Mitarbeiter tun

etwas für ihre Gesundheit, kommen

ohne Stau entspannter am

Arbeitsplatz an und sind – sollte

ihnen keine Reifenpanne dazwischen

kommen – auch noch

pünktlich am Schreibtisch, in

der Werkshalle oder im Verkauf.

[!] Wilfried Urbe


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27

Seit 1974 kommen aus Illertissen leistungsfähige Reinigungsgeräte für Profis und anspruchsvolle Verbraucher. Qualifiziertes Personal in Entwicklung und

Fertigung sowie eine moderne Produktion sind Garant für hohe Qualität.

Hier ist Gründlichkeit zu Hause

Fotos: Josef Kränzle GmbH & Co. KG

Hochdruckreiniger von Kränzle sind weltweit gefragt

Seit 1974, als Josef Kränzle dort seine Firma

gründete, kommen aus Illertissen leistungsfähige

Reinigungsgeräte für Profis und anspruchsvolle

Verbraucher. Aus dem Ein-

Mann-Betrieb ist ein weltweit tätiges Unternehmen

mit ca. 250 Mitarbeitern entstanden,

das sich nach wie vor in Familienhand befindet.

Die vergangenen beiden Jahre waren

zwar von Einschränkungen durch die Pandemie

und Herausforderungen bei der Materialbeschaffung

geprägt. Kränzle ist es jedoch

nicht nur gelungen, diese Phase gut zu überstehen;

sie gehört sogar zur erfolgreichsten in

der Unternehmensgeschichte.

Den anhaltenden Erfolg verdankt das Unternehmen

vor allem seiner besonderen Leidenschaft

für Gründlichkeit und der klaren Ausrichtung

an höchster Qualität in jedem Detail.

Die Geräte von Kränzle wie auch das umfangreiche,

ausgeklügelte Zubehörprogramm werden

immer unter der Maßgabe entwickelt,

den Anwender bestmöglich bei seiner Arbeit

zu unterstützen. Darüber hinaus setzt man in

Illertissen auf hochwertige Materialien sowie

eigene Entwicklung und Fertigung durch qualifizierte

Mitarbeiter am Standort. Ein wichtiger

Faktor ist außerdem die enge Zusammenarbeit

mit erfahrenen Fachhandelspartnern.

entwicklung hat damals in den Siebzigern alles

begonnen. Denn Josef Kränzle wollte sich

mit dem, was am Markt angeboten wurde,

nicht zufriedengeben. So hat sein junges Unternehmen,

zunächst noch als Auftragsfertiger

für andere Hersteller, die Technik kontinuierlich

weiterentwickelt. Daraus ist die Marke

Kränzle erwachsen, die mit ihrem breiten Produktprogramm

inzwischen Kunden in aller

Welt beliefert. Die Pumpe, nach wie vor zentrale

Komponente der Geräte, wird heute aus

hochwertigem Sondermessing gefertigt und

zeichnet sich durch Höchstleistung sowie lange

Lebensdauer aus.

Gründliche Sauberkeit und Hygiene

Das spielt nicht erst seit Corona sowohl in Betrieben

wie auch in Privathaushalten eine immer

wichtigere Rolle. Das Sortiment von

Kränzle bietet passende Geräte und umfangreiches

Zubehör für die unterschiedlichsten

Einsatzzwecke rund um Haus, Hof und Garten.

Das Angebot reicht vom tragbaren Allrounder

für den Einsteiger bis zur Heißwasser-Hochleistungsmaschine

für den professionellen

Anwender.

Verkauft werden die Geräte ausschließlich

über den qualifizierten Fachhandel. Hier wird

der Kunde umfassend beraten und findet die

richtige Gerätekonstellation für seine Anforderungen.

Und damit der Fachhändler auch

bei Reparatur und Wartung immer auf dem

Als Ehrenbürger ist

Seniorchef Josef

Kränzle seinem

Geburtsort durch

zahlreiche Engagements

in Sport und

Ehrenamt stets eng

verbunden.

Für seine Verdienste wurde er mit dem

Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Darüber hinaus ist Josef Kränzle Träger des

Bundesverdienstkreuzes.

Das Herzstück eines Hochdruckreinigers ist

seine Pumpe.

Mit deren Entwicklung, oder besser: Weiterneuesten

Stand ist, führt Kränzle für seine

Partner regelmäßige Schulungen mit hauseigenen

Experten durch.

Josef Kränzle GmbH & Co. KG

Rudolf-Diesel-Straße 20

89257 Illertissen

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FOTOS: MARC HÖRGER

Am Hauptsitz in Senden findet die Endmontage und Forschung statt. Die Produktion ist ausgelagert.

Entstaubt zu neuem Erfolg

Esta Der Spezialist für Absauganlagen und Schwimmbadtechnik mit Sitz in Senden feiert

sein 50jähriges Bestehen. Mit vorhandenen Strukturen und neuen Ideen will Inhaber Peter

Kulitz das Familienunternehmen fit für die Zukunft machen.

Das Unternehmen verkaufen,

richtig Kasse

machen und dann Golf

spielen, wäre nicht

mein Ding“, stellt Peter Kulitz

klar. Der Unternehmer ist auch

nach 25 Jahren immer noch begeistert,

selbstständig gestalten

zu können, Entwicklungspotentiale

zu erkennen und Chancen

zu nutzen. Umtriebig wie man

ihn als Unternehmer, früheren

Präsidenten der IHK Ulm und

Anwalt kennt, plant er die Zukunft

seines Unternehmens mit

der Flexibilität eines Mittelständlers,

der umgehend auf

Veränderungen reagieren kann.

Der bereit ist, immer wieder „in

neue Welten einzutauchen“ und

alternativ zur Planung spontan

und intuitiv zu handeln.

Eine Möglichkeit, die er auch

den drei Kindern einräumt, die

inzwischen im Unternehmen tätig

sind. Für sie gibt es keinen

vorbestimmten Weg, die Nachfolgeregelung

wird sich finden,

da ist Kulitz ganz zuversichtlich

und an Aufhören denkt er derzeit

ohnehin nicht. Eher an eine

Umstrukturierung des Unternehmens

in zwei unabhängige

Firmen – Absaugtechnik und

Schwimmbadtechnik – und den

weiteren Ausbau des Onlinegeschäfts.

„Das Internet bietet

die Chance, die Akzeptanz

und damit das Verkaufspotential

von Produkten

mit relativ wenig Aufwand

zu testen.“

Marketing vor eigener

Produktion ist der Weg, den

Das Internet

bietet

die Chance,

Verkaufspotenzial

zu testen.

Peter Kulitz

Esta-Chef

schon sein Vater bei der Gründung

von Esta gegangen ist. Esta

steht für Elektro-Staub-Absauggeräte,

und entstand, wie Peter

Kulitz es ausdrückt, „aus Versehen“.

Es war in den 60er Jahren,

als ein befreundetes Unternehmerpaar

verstarb, und Günter

Kulitz das Unternehmen in Eigenregie

abwickelte. Um die

Restbestände an Winkelbohrköpfen

zu verkaufen, versandte

er noch vorhandene alte Prospekte.

Die Nachfrage war da,

vor allem für die auf der

Rückseite des Prospekts

angebotenen Kleinentstauber,

die es aber nicht

gab. Für Günter Kulitz kein

Grund, den potenziellen

Kunden abzusagen. Er nutzte

die Chance, ließ die Geräte pro-


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unternehmen [!] MACHEN 29

duzieren und baute einen Direktvertrieb

auf.

Der Prototyp steht noch heute

als erster Meilenstein der Unternehmensgeschichte

in dem

Firmengebäude. 2007 waren der

neu gebaute Firmensitz und das

Energon Gebäude in der Ulmer

Wissenschaftsstadt die ersten

betrieblichen Passivhäuser, die

mit Geothermie und thermische

Bauteilaktivierung im Winter

geheizt und im Sommer gekühlt

werden. Die Entscheidung für

diese Bauweise passt zur grundsätzlichen

Einstellung, dass ein

Unternehmen dann erfolgreich

ist, wenn es frühzeitig erkennt,

wohin die Entwicklung geht.

Den Blick über

den Tellerrand

habe ich als Teil der

DNA meines Vaters

mitbekommen.

Breiter Mix

Die Absauganlagen aus

Senden finden mittlerweile

in zahlreichen Branchen Anwendung:

etwa in der Holzbearbeitung,

im Maschinenbau

und in Schulen. In

Senden arbeiten bei Esta

180 Beschäftigte. Zum Umsatz

macht das Unternehmen

keine Angaben.

Peter Kulitz am Firmensitz

in Senden.

FOTO: MARC HÖRGER

Sorge um die Zukunft

„Das ist derzeit fast unmöglich“,

räumt Peter Kulitz ein, und verweist

auf die Pandemie und Ukrainekrieg

bedingten Lieferengpässe,

Ressourcenknappheit,

den zunehmenden Fachkräftemangel,

Inflation, steigende

Staatsverschuldung und Klimawandel.

Zudem mache er sich

Sorgen um den Ausgang der

nächsten Wahl in den USA –

mehr noch als um eine wirtschaftliche

Dominanz Chinas.

„Wird ein republikanischer

Kandidat aus dem Trump‘schen

Umfeld der nächste Präsident,

steht viel auf dem Spiel. Ausgeschlossen

ist das nicht.“ Seine

Einschätzung ist das Resultat

zahlreicher Gespräche, die er als

Vorsitzender des Außenhandelsausschusses

im Deutschen

Industrie- und Handelskammertag

(DIHK) mit internationalen

Wirtschaftsvertretern und Politikern

führt.

„Dieser Blick über den Tellerrand,

das Agieren in verschiedenen

Bereichen, habe ich als

Teil der DNA meines Vaters,

mitbekommen“, sagt Kulitz.

„Beruflich auf zwei oder mehr

Beinen zu stehen war für ihn die

Grundlage des Erfolgs und die

Gewähr, dass es immer irgendwie

weitergeht.“ Mit einer kaufmännischen

Ausbildung arbeitete

sein Vater zunächst als

Flüchtlingskommissar und leitete

die Gewerbeabteilung des

Landratsamtes Mindelheim. Als

ihn ein Fotograf in seinem Meisterkurs

von den Verdienstmöglichkeiten

erzählte, sah Günter

Kulitz, der sich als Verwaltungsangestellter

nie recht wohl gefühlt

hatte, die Chance, sich als

Fotograf selbstständig zu machen.

In den 50er Jahren zog die Familie

nach Ulm und er fotografierte

die amerikanischen Truppen,

die in den Wiley Barracks

untergebracht waren. Parallel

dazu betrieb er auf dem Gelände

einen kleinen Laden mit Geschenkartikeln,

Uhren und

Schmuck sowie Textilien.

Als er wenige Jahre später in

den Vertrieb mit Absauggeräten

einstieg, war das die Geburtsstunde

von Esta. Vorausgegangen

war zu Beginn der 60 Jahre

neben dem Einzelhandel für

US-Soldaten der Verkauf von

Schwimmbädern, den er nach

Esta-Gründung als zweiten Unternehmensbereich

integrierte.

„Ohne Marketing hat das beste

Produkt im Katalog- oder

Onlinevertrieb wenig Chancen“,

an dieser Erkenntnis habe sich

bis heute wenig geändert. Lediglich

der Versandhandel wurde

durch das Onlinegeschäft ersetzt.

Das Unternehmen expandierte

und hat neben weltweiten

Handelspartnern seit 1986

eine Tochtergesellschaft in den

USA.

Am Hauptsitz in Senden befindet

sich die Forschungs- und

Entwicklungsabteilung, der Vertrieb,

ein Hochregallager, ein

Schulungszentrum und die Endmontage.

Die Produktion der

Bauteile ist komplett ausgelagert.

Seit 2016 bildet Philipp

Raunitschke als Geschäftsführer

mit Kulitz das Duo an der Spitze

des Unternehmens.

Nach wie vor liegt ein Fokus

von Esta auf der beruflichen

Ausbildung. Die Ausbildungsquote

liegt momentan bei knapp

20 Prozent. Und auch wenn die

Zeiten längst vorbei sind, als

sein Vater freitags um 16 Uhr die

Lehrlinge antreten ließ, um sie

für seine Lebensphilosophie

und das Unternehmertum zu begeistern,

hat das Duale Ausbildungsmodell

einen hohen Stellenwert

und passt zur Einstellung,

beruflich immer auf zwei

Beinen zu stehen. [!]


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Im XR Lab können Unternehmen Extended Reality Showcases erleben und eigene Projekte starten.

Fotos: Digitalisierungszentrum Ulm | Alb-Donau | Biberach (links, oben rechts), Einmaleins GmbH (unten rechts)

Die Welt der neuen Technologien:

Wie Unternehmen davon profitieren

Virtuelle Showrooms, angeleitete Herz-Operationen,

aus der Ferne nah zusammenarbeiten:

Extended Reality bietet großes Potenzial

für Unternehmen aus allen Branchen. Das

Digitalisierungszentrum berät und unterstützt

KMU dabei, die neuen Technologien

gewinnbringend einzusetzen.

Allein der Begriff „Digitalisierung“ ist noch für

viele kleine und mittelständische Unternehmen

ein rotes Tuch. Wenn nicht das, dann zumindest

ein Thema, mit dem man sich nicht

gern beschäftigt: zu abstrakt, zu komplex, zu

viel Arbeit. „Wenn es dann um Extended Reality

(XR) Technologien geht, finden das zwar viele

interessant, ordnen diese aber dem Unterhaltungssektor

zu. Chancen für ihr eigenes Unternehmen

sehen sie nicht“, weiß Jan Schäfer,

Kommunikationsdesigner und Fachberater für

den Bereich Virtual und Augmented Reality

beim Digitalisierungszentrum Ulm, Alb-Donau,

Biberach (DZ).

Diese Hemmschwelle zu überwinden und KMU

die zahlreichen Möglichkeiten aufzuzeigen, die

diese Technologien bieten, hat sich das DZ auf

die Fahne geschrieben. Der Experte erlebt immer

wieder, wie begeistert Selbstständige sind,

wenn sie Extended Reality in den Räumen des

Digitalisierungszentrums selbst erleben. Dafür

stellt das DZ allen Interessierten stationäre und

autarke Virtual-Reality-Setups, Mixed-Reality-Datenbrillen

und Augmented-Reality-fähige

Geräte kostenlos zur Verfügung. „Natürlich

lassen wir unsere Besucher damit nicht allein.

Wir zeigen ihnen, wie sie damit umgehen und

beraten sie, wie sie diese Technologien in ihrem

Unternehmen gewinnbringend einsetzen können“,

gibt Schäfer Auskunft.

Virtuelle Messestände bieten Vorteile

So wie bei der Einmaleins GmbH aus Burgrieden.

Vor drei Jahren hat sich das Büro für Gestaltung

im DZ beraten lassen und ist immer

wieder gern zu Gast, um sich inspirieren zu lassen.

Aber nicht nur das. Das Unternehmen

setzt mittlerweile Virtual-Reality-Technologien

für virtuelle Showrooms ein, zum Beispiel für

Messestände. Hier kann der Nutzer Videos anschauen,

Broschüren lesen und sich über Produkte

informieren. „Dieses Format bietet viele

Vorteile“, betont Jan Möller, Diplom-Designer

bei Einmaleins. „So ein Messestand kann jederzeit

besucht werden, die Daten der Besucher

sind trackbar, man muss keine Hygiene-Vorschriften

einhalten und man kann sogar

ein Event daraus machen“, zählt Möller auf. Außerdem

sei es möglich, sich ein neues Produkt

sofort ins Büro oder in die Produktionshalle zu

stellen. Und der Aufwand? Möller winkt ab:

„Nur ein Bruchteil dessen, was wir sonst für eine

reale Messe aufwenden, da wir alle Daten als

digitalen Zwilling haben.“

Darüber hinaus gibt es viele andere Anwendungsfelder,

zum Beispiel in den Bereichen

Fernwartung und Service, Kollaboration, Schulung.

„Distanzen werden mit Extended Reality

Das Digitalisierungszentrum ist Ansprechpartner

für kleine und mittelständische

Unternehmen in der Region. Es berät

kostenlos zu den Themen Online-Marketing,

3D-Druck, Künstliche Intelligenz, BIM, Internet

of Things und Extended Reality. Darüber

hinaus bietet das DZ Workshops für Unternehmen

an. Wer möchte, kann sich Hardware und

Ausstattung leihen, um neue Technologien

auszuprobieren.

einfach überwunden und Nähe geschaffen“,

erklärt Schäfer. Das gilt auch für den medizinischen

und den therapeutischen Bereich. Von

der Schmerzlinderung bis hin zur angeleiteten

Herz-Operation via Hololens-Brille: Alles ist

möglich. „Du kannst mit XR alles darstellen,

was gefährlich, noch nicht vorhanden, zu sperrig,

selten, teuer oder kontraproduktiv ist“

zählt in Anlehnung an Jeremy Bailenson zu

Schäfers Lieblingssätzen, da er zeigt, wie groß

die Bandbreite der neuen Technologien ist und

welche Chancen sie bieten.

Digitalisierungszentrum

Ulm | Alb-Donau | Biberach

Standort Ulm

Weinhof 7–10

89073 Ulm

0731/72557528

j.schaefer@dz-uab.de

https://digitalisierungszentrum-uab.de


32

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Seit 425 Jahren Ulmer Gold

Gold Ochsen Im Jubiläumsjahr steigt die Nachfrage nach Fassbier. Doch die rasant

gestiegenen Rohstoffkosten bereiten Brauerei-Chefin Ulrike Freund Sorgen.

Brauerei Im Durchschnitt werden

Unternehmen in Deutschland

16 Jahre alt, die Hälfte sind

nach einer Studie der Wirtschaftsauskunftei

Creditreform

nach zehn Jahren verschwunden.

Die Brauerei Gold Ochsen

gehört mit ihren 425 Jahren zu

den absoluten Ausnahmen. Der

Wirt Gabriel Mayer gründete im

Jahr 1597 in der Ulmer Herdbruckerstraße

die Brauerei Gold

Ochsen. Seitdem ist der Werdegang

des Unternehmens, das

sich seit 1867 im Besitz der Familie

Leibinger befindet, fest mit

der Ulmer und Neu-Ulmer

Stadtgeschichte verbunden.

IHK-Hauptgeschäftsführerin

Petra Engstler-Karrasch gratulierte

im Namen der Industrieund

Handelskammer Ulm bei einem

Festakt. Sie überreichte Ulrike

Freund (geborene Leibinger),

die seit 1991 die

Traditionsbrauerei leitet, die Jubiläumsurkunde.

Freund zeigte sich erfreut

über die aktuelle Lage: „Nach

über zwei Jahren Pandemie, in

Mit neuer Leuchtreklame am Firmensitz: Gold Ochsen ist eines der

ältesten Unternehmen Ulms.

Foto: Volkmar Könnecke

denen die Bereiche Gastronomie

und der Event so gut wie

nicht mehr existent waren,

steigt die Nachfrage und damit

die allgemeine Geschäftslage

auch unserer Brauerei wieder.

Wobei wir noch weit vom Niveau

2019 entfernt sind.“ Die

wiederkehrende Normalität in

der Gastronomie, speziell in der

Außenbewirtschaftung und bei

Petra Engster-Karrasch

gratuliert Ulrike Freund

Festen, lasse die Nachfrage steigen,

im Besonderen nach Fassbier.

Bei der drastischen Entwicklung

der Rohstoffkosten sei

jedoch noch lange kein Ende in

Sicht. „Die immens hohen Kosten

machen uns die Planung

schier unmöglich und belasten

unsere Brauerei auf das Äußerste“,

sagte Freund auf Anfrage. So

habe sich Braugerste um 72 Prozent

verteuert. Zudem habe sich

der Energiepreis mittlerweile

verfünffacht. Aluminium für Dosen

und Kronkorken seien nicht

mehr in ausreichender Menge

verfügbar. „Wenn diese Teuerungsraten

weiter anhalten, sind

wir vom Markt geradezu gezwungen,

über eine Preisanpassung

nachzudenken“, sagte die

Brauerei-Chefin. [!] amb

FOTO: BRAUEREI GOLD OCHSEN

Unternehmen präsentieren sich 1000 Schülern

Fachkräftemangel Gut 1000

Schüler haben beim Aktionstag

„School meets Donautal“, zu

Deutsch „Schule trifft auf Donautal“,

verschiedene Ausbildungsberufe

kennengelernt.

Ziel der Aktion in dem Ulmer

Gewerbegebiet: Schülern Ausbildungsberufe

nahe bringen

und ihnen attraktive Arbeitgeber

in der Region vorstellen,

nachdem wegen der Corona-Beschränkungen

zwei Jahre lang

wenig persönlicher Kontakt

zwischen Firmen und Schulen

möglich war. Mitgemacht haben

14 Firmen. Die Bandbreite reichte

von Bau und Logistik über

den kaufmännischen Bereich bis

An Interesse mangelte es nicht.

Foto: Lars Schwerdtfeger

hin zu Ausbildungsberufen im

Labor oder in der IT. Beteiligt

waren neben Seeberger zum

Beispiel der Jacob Bek Stahlgroßhandel,

Geiger & Schüle

Bau, Husqvarna, Noerpel, Seifert,

Teva und Uzin Utz.

Mit der Resonanz der Schüler

auf die gemeinsame Veranstaltung

der Agentur für Arbeit,

der IHK Ulm sowie der Unternehmer-Initiative

Donautal

Connect waren die Initiatoren

sehr zufrieden. Anfangs geplant

war, dass etwa 250 bis 300 Schüler

an dem Aktionstag teilnehmen,

berichtet Karl-Heinz Raguse

von der Initiative Donautal

Connect. Für Petra Engstler-Karrasch,

Hauptgeschäftsführerin der

IHK Ulm, ist die große Resonanz

auf das Angebot ein Beweis,

dass es eine „große Notwendigkeit

zur Orientierung“

gibt, erklärt sie bei der Auftaktveranstaltung.

Oberbürgermeister

Gunther Czisch ermutigte

die Jugendlichen, eine Entscheidung

zu treffen: „Kaum ein Bildungssystem

ist so durchlässig,

wie das deutsche.“ Wer mit einer

Ausbildung anfange, entscheide

also nicht unbedingt,

welchen Job er bis zur Rente

macht; es stünden immer noch

zahlreiche Wege offen. [!]


mone


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 33

Dana investiert

Millionen

Wasserstoff Dana investiert

am Reinz-Standort Neu-Ulm in

die Produktion von Bipolarplatten.

Bis 2023 soll ein hoher zweistelliger

Millionenbetrag in den

Aufbau der größten Produktionslinie

für metallische Bipolarplatten

in Europa fließen, wie

das Unternehmen mitteilt. Bis

zu 16 Millionen dieser Platten

sollen künftig im Werk in Neu-

Ulm gefertigt werden. Zu hunderten

gestapelt bilden diese

das Kernstück von Brennstoffzellenstacks,

die die Energie für

brennstoffzellenelektrische Antriebe

generieren. Die Reinz

Dichtungs GmbH mit gut 1300

Mitarbeitenden ist seit 1993 ein

Teil der Dana Incorporated. Das

Unternehmen mit Sitz im

US-Bundesstaat Ohio beschäftigt

40 000 Mitarbeiter in 31

Ländern und erwirtschaftete

2021 einen Umsatz von 8,9 Milliarden

Dollar. Mit der Investition

schafft Dana am Standort

Neu-Ulm rund 40 Arbeitsplätze

im Bereich E-Mobility.[!] abo

LEA-Preis fürs

Albwerk

Auszeichnung Drei Unternehmen

sind mit dem LEA-Mittelstandspreis

für soziale Verantwortung

ausgezeichnet worden.

Dies sind der Obst- und Gemüseladen

„Andy’s Früchtekiste“

aus Sigmaringen, die Holzmanufaktur

Rottweil und das

Alb-Elektrizitätswerk Geislingen-Steige.

Wirtschaftsministerin

Nicole Hoffmeister-Kraut

lobte, dass auch in Krisenzeiten

viele kleine und mittlere Firmen

an ihrem freiwilligen Engagement

festhielten. Um den 600

Jahre alten Aussichtsturm

Ödenturm bei Geislingen wieder

an das Stromnetz anzubinden,

hatte das Albwerk Material

und Personalleistungen im

Wert von 33 Cent für jeden gespendeten

Euro beigesteuert,

den ein Förderverein sammelte.

In ihrer Freizeit installierten die

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

eine insektenfreundliche

LED-Beleuchtung, damit der

Turm nachts wieder beleuchtet

werden kann.[!] amb

Nachhaltigkeit im Blick

L-Bank Zwei Programme der

L-Bank zur Förderung des Mittelstands

haben jeweils eine

Nachhaltigkeitskomponente erhalten,

um klimaschonendes

Wirtschaften in der Breite der

Südwest-Wirtschaft zu verankern:

die Gründungs- und

Wachstumsfinanzierung Baden-

Württemberg und die Investitionsfinanzierung.

Unternehmen,

die für sich eine Klimastrategie

Tee und Kunst

entwickeln oder schon entwickelt

haben, erhalten so eine zusätzliche

Zinsverbilligung. Dabei

soll in einer ersten Stufe die

Erstellung einer CO 2

-Bilanz zu

einer zusätzlichen Zinsverbilligung

von fünf Prozentpunkten

führen. In einem zweiten Schritt

soll sich auch die Definition von

CO 2

-Minderungszielen positiv

auf die Konditionen auswirken.

[!]

jkl

Charity Der Rotary Club Ulm/

Neu-Ulm treibt ein neues Projekt

für den guten Zweck voran:

Verschiedene Teesorten werden

in künstlerischen Design zu einem

fairen Preis angeboten. Die

damit verbundene Kunst, die

Gabriela Nasfeter und Michael

Danner aus ihrem Portfolio für

das Projekt gespendet haben,

soll abschließend versteigert

werden. Den Tee stellt die Henosa-Plantanas

Group aus Bellenberg

bereit. Die Erträge aus

Verkauf und Versteigerung fließen

in vier vom Rotary Club unterstützte

Projekte zur Kinderund

Jugendförderung. Unternehmen

können sich an der Aktion

beteiligen und ab einer

Abnahme von 50 Dosen, diese

auch individualisieren. Weitere

Informationen gibt es unter

https://rotary-tee.de [!] amb

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Die richtige Schule fürs Kind

Bildung Wo fühlt sich mein Kind wohl? Muss es die Einzugsschule um die Ecke sein? Eltern

stehen bei der Wahl der Bildungseinrichtung jedes Jahr vor einer schwierigen Entscheidung.

Experten sagen, auf welche Kriterien es ankommt.

FOTO: XXXX

Die Wahl der passenden Schule fürs Kind ist für Eltern keine leichte Aufgabe.

Foto: © Sahaidachnyi Roman/adobe.stock .com

Die Schulsuche stellt für

viele Eltern eine große

Herausforderung dar.

Hat das Kind besondere

Fähigkeiten oder Unterstützungsbedarf,

gilt es abzuwägen,

welches Konzept besser passt.

Folgende Kriterien können bei

der Wahl der Schule helfen: Je

größer die Familie, desto mehr

muss die Schule in die täglichen

Abläufe passen. Die Lage ist daher

ein wichtiger Aspekt. „Je

weiter die Schule entfernt ist,

desto häufiger müssen die Eltern

ihre Kinder zu Freunden

fahren, die ebenfalls woanders

wohnen“, sagt Eltern-Coach Viola

Herrmann aus Berlin.

Begleitet man Sechs- und Siebenjährige

anfangs noch bis zum

Schultor, ist dies später nicht

mehr nötig. Wenn Kinder die

Schule zu Fuß oder mit dem

Fahrrad erreichen können, helfe

man ihnen, in den kommenden

Schuljahren ihre Selbstständigkeit

auszubauen, sagt Herrmann.

Als zweiten Aspekt nennen

Eltern häufig die Freunde. „Kinder

bekommen schon im Kindergarten

mit, welche Schulen

es gibt und wer wohin geht“,

sagt Herrmann. Der Schulpsychologe

Uwe Sonneborn befürwortet,

dass Kindergartenfreunde

auf eine Schule gehen. So sei

das Kind nicht allein. „Zum alleinigen

Maßstab sollte dies

aber nicht gemacht werden“,

sagt er. Ohnehin, so Herrmann,

bräuchten Kinder in der ersten

Klasse oft nur zehn Minuten auf

dem Pausenhof, bis sie neue

Freunde fänden.

Die Schule

muss zu den

Fähigkeiten und

Neigungen des

Kindes passen.

Klaus Vogt

VDP-Präsident

Konzepte für digitales Lernen

Nach Einschätzung von Klaus

Vogt, Präsident des Verbandes

deutscher Privatschulen (VDP)

sind neben dem passenden pädagogischen

Konzept Kriterien

wie ein engagiertes Lehrerkollegium,

eine gute digitale Ausstattung,

ausreichende Betreuungszeiten

sowie eine angemessene

Klassengröße bei der Auswahl

entscheidend. „Freie

Bildungseinrichtungen bieten

hier ein vielfältiges Bildungsangebot“,

sagt Vogt. Dazu gehören

beispielsweise Schulkonzepte

für digitales Lernen, bilinguale

oder erweiterte Fremdsprachen-Angebote

sowie Ganztagsbetreuungen.

Auch die Persönlichkeitsentwicklung

sowie die Förderung

von Sozial- und Handlungskompetenzen

stünden neben der

Wissensvermittlung bei Privatschulen

im Zentrum der pädagogischen

Arbeit. „Entscheidend

für den Lernerfolg ist es,

eine Schule entsprechend den

Fähigkeiten, Fertigkeiten und

Neigungen des Kindes auszuwählen.“,

betont Vogt.

Die Dortmunder Grundschulleiterin

Christiane Mika

empfiehlt, sich vorab mit den

pädagogischen Konzepten der

Schulen zu beschäftigen. In diesen

sollte zum Ausdruck kommen,

ob „vom Kind aus gedacht“

wird: Gibt es offene Lernkonzepte?

Wie erreicht jedes Kind

Lernerfolge? Und wie werden

Leistungen wertgeschätzt und

zurückgemeldet? Lernschwierigkeiten

oder ein auffälliges Sozialverhalten

sollten vorher mit

der Schule besprochen werden.

„Im Gespräch erkennt man in

der Regel, wie die Schule damit

umgeht“, sagt Psychologe Sonneborn.

„Einen grundsätzlichen Qualitätsunterschied

gibt es zwischen

staatlichen und privaten

Schulen nicht“, meint Andrea

Preußker von der Robert Bosch

Stiftung fest, die jedes Jahr gute

Schulen mit dem Deutschen

Schulpreis auszeichnet. Wer

sich in einer Privatschule dennoch

besser aufgehoben fühlt,


unternehmen [!] SPEZIAL 35

Mehr als eine Million Privatschüler

sollte prüfen, was sie verspricht.

In der Regel sind es Dinge, die

die Qualität des Unterrichts anheben:

mehr Personal, bessere

Technik und Ausstattung.

Eine Modellschule kann zum

Kind passen, wenn man seine

Talente und Vorlieben stärker

unterstützen will. „Eine Waldorfschule

kommt den musischen,

kreativen und spielerischen

Elementen der Kinder

entgegen“, sagt Uwe Sonneborn.

Allerdings seien spätere Ausbildungs-

und Studiensysteme

nicht für Waldorfschüler angelegt.

„Das erfordert dann eine

hohe Anpassungsleistung“, sagt

der Psychologe.

Eltern sollten auch wissen,

wer die Kinder beim Übergang

in die Grundschule betreut. „Sozialpädagogische

Fachkräfte

sind unbedingt notwendig“, sagt

Schulleiterin Mika. Sie unterstützen

Kinder in ihrem neuen

schulischen Alltag. Zu den Betreuungsfragen

gehört auch, ob

die Schule ein Mittagessen anbietet

und die Kinder am Nachmittag

bei den Hausaufgaben

Hilfe bekommen. Für berufstätige

Eltern kann ein Ganztagesangebot

sinnvoll sein. Die Schule

sollte ermöglichen, dieses inhaltlich

und organisatorisch

mitzugestalten, so Mika.

Bevor die Entscheidung fällt,

sollte die Schule mindestens

einmal mit dem Kind besucht

werden. Bei einem Tag der offenen

Tür ist es leichter zu erkennen,

ob Klassenräume kinderfreundlich

gestaltet sind und die

Ausstattung modern ist. An dem

Tag stellen Lehrkräfte die Schule

kurz vor. „Eltern sollten auf

den ersten Eindruck achten: Ist

das authentisch, was geschildert

wird? Oder eine Show-Veranstaltung?“,

rät Psychologe Sonneborn.

[!] Evelyn Steinbach

Die Zahl der Privatschüler ist zuletzt leicht gestiegen.

Die Schülerzahl

an den allgemeinund

berufsbildenden

Privatschulen

in Deutschland ist

im Schulahr

2020/2021 um 0,8

Prozent auf mehr

als eine Million

Schülerinnen und

Schüler gestiegen.

Damit besuchte

von den gut 10,7

Millionen Schülerinnen

und Schüler

rund jeder 11. eine

Privatschule. Der

größte Schüleranteil

entfällt mit 35

Prozent auf Gymnasien.

Private Berufsschulen

kommen

auf rund

26 Prozent.

FOTO: © ROBERT KNESCHKE/ADOBE.STOCK.COM

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SPEZIAL unternehmen [!]

Standort

im Porträt:

Donzdorf

Aufholen

mit Bedacht

Entwicklung Die Ablehnung der Bürger

gegen den Gewerbepark Lautertal war groß.

Nun versucht Bürgermeister Stölzle im

kleineren Maßstab, Flächen für Betriebe zu

schaffen. Dabei hilft eine gute Infrastruktur.

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Vor einem Jahr rückte

der Industriestandort

Donzdorf im Kreis

Göppingen in den Fokus.

In einem Bürgerentscheid

lehnten mehr als zwei Drittel

der Wähler die Erschließung

des Gewerbeparks Lautertal ab.

Da sich mehr als 60 Prozent der

Wahlberechtigten an der Abstimmung

beteiligten, war das

Ergebnis kein Zufall, den eine

engagierte Minderheit erstritten

hat, sondern eindeutig der Wille

vieler Donzdorfer.

Mit dem interkommunalen

Gewerbegebiet wollte die Gemeinde

neue Arbeitsplätze ermöglichen

und auch die im Vergleich

zu anderen Kommunen

unterdurchschnittlichen Gewerbesteuereinnahmen

aufbessern.

Interesse an Grundstücken hatte

unter anderem Daimler für

die Errichtung der nun in Weilheim

entstehenden Brennstoffzellenfabrik.

Für die meisten Gewerbeflächen

gab es bereits

ernsthafte Interessenten. Und

auch der örtliche Handel hatte

sich von dem Zuwachs an Unternehmen

und Arbeitsplätzen

Impulse versprochen.

Doch vorerst bleibt alles

beim Alten. „Donzdorf ist seit

jeher eher Wohnort als Industriestandort“,

sagt Martin Stölzle,

Bürgermeister der 11 000-Einwohner-Stadt.

Die Gemeinde im

Lautertal ist bekannt für ihre

idyllische Lage, sie liegt in einem

Seitenstrang des Filstals am

Albtrauf. Was als Wohnlage attraktiv

ist, zumal mit einem umfassenden

Handel und reichem

Vereinsleben, klingt wirtschaftspolitisch

eher nach „abgehängt“.

Und tatsächlich liegt Donzdorf

etwas abseits, erst recht seit die

Bahnlinie bis Weißenstein in

den 1990er Jahren stillgelegt

wurde. Auf der Entwicklungsachse

Filstal war Donzdorf wirtschaftlich

gesehen eine Randerscheinung.

Interesse von Investoren

Doch das schien sich zu ändern.

Mit der Ortsumfahrung Süßen

und der Anbindung an eine leistungsfähige

Infrastruktur seien

Grundvoraussetzungen geschaffen

worden, erklärt Bürgermeister

Stölzle. Diese hätten sich in

„interessanten Gesprächen“ mit

Investoren widergespiegelt, sagt

der Donzdorfer Rathauschef.

Die Überlegungen, mehr Betriebe

anzusiedeln, reichen in

die 1980er Jahre zurück. Doch

es gab jahrzehntelange kontroverse

Debatten über den Flächennutzungsplan,

der erst vor

zwei Jahren verabschiedet worden

ist. Das Planungsrecht war

bereits geschaffen worden, die

Lage am Westrand der Gemeinde,

umgeben von einem bereits

bestehenden – dem einzigen –

Gewerbegebiet Donzdorfs wäre

ideal gewesen. Auch was die Anbindung

ins Fils- und Neckartal

sowie den Raum angeht. Die

entsprechende Infrastruktur

war in den Jahren zuvor geschaffen

worden. Doch die am Entscheid

teilnehmenden Bürger

wollten etwas anderes, obwohl

es „für Donzdorf eine Riesennummer“

(Stölzle) gewesen

wäre. 30 Hektar für ein neues

Gewerbegebiet seien der Bevöl-


unternehmen [!]

SPEZIAL

37

kerung einfach zu viel gewesen,

sagt Stölzle.

Weitergehen soll die Gewerbeflächenentwicklung

dennoch

– allerdings in erheblich kleinerem

Maßstab und nicht mehr in

Zusammenarbeit mit anderen

Kommunen. „Es gilt, zu überlegen,

was möglich und akzeptabel

ist.“ Der Bürgermeister

denkt an sechs bis zehn Hektar.

Genauere Pläne sollen nach einer

Potentialanalyse erstellt

werden. „Der Standort ist attraktiv,

Leerstände von Gewerbegebäuden

sind nur von kurzer

Dauer und erfahren mit modernen

Unternehmen eine Weiterentwicklung“,

sagt Stölzle.

Vor kurzem sei beispielsweise

nahezu das komplette Gewerbegebiet

mit Glasfaser versorgt

worden. Allerdings werde diese

moderne Anschlussmöglichkeit

an den schnellen und leistungsfähigen

Datenstrom erstaunlich

Für Bürgermeister Martin Stölzle ist die Wirtschaftsförderung in

Donzdorf Chefsache.

Foto: © Stadt Donzdorf

wenig in Anspruch genommen.

Das könnte an der Gewerbestruktur

liegen. Bisher dominiert

in Donzdorf die Metallverarbeitung.

Daneben gibt es zahlreiche

Handwerksbetriebe.

3 Millionen Euro pro Jahr

Dass es weitergehen muss, steht

für Stölzle außer Frage. Bei der

Einkommensteuer steht Donzdorf

gut da, bei der Gewerbesteuer

kommt sie mit 2,5 bis 3

Millionen pro Jahr lediglich auf

80 bis 85 Prozent vergleichbarer

Kommunen. „Es wäre höchst

wünschenswert, in die gleiche

Liga aufzusteigen“, sagt Stölzle,

bei dem die Gewerbeförderung

Chefsache ist: „Einen klassischen

Wirtschaftsförderer haben

wir nicht“. Zusammen mit

der Liegenschaftsabteilung und

Kämmerei kümmert er sich um

die Weiterentwicklung des

Standorts. [!] Axel Raisch

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38

SPEZIAL unternehmen [!]

Ein starkes Netzwerk

Handels- und Gewerbeverein Die 75 Mitgliedsfirmen sind gut durch die Corona-Krise

gekommen. Ein Grund: Kluge Aktionen fördern den Zusammenhalt in Donzdorf.

Sichtbares Zeichen für Zusammenhalt: Im Donzdorfer Fasnetsumzug

steckt viel gemeinsame Arbeit.

Foto: © Giacinto Carlucci

Die vergangenen Monate

waren nicht leicht

für Handel und Gewerbe

in der 11 000 Einwohner

zählenden Stadt Donzdorf

im Kreis Göppingen. Mit

Initiativen, Aktionen, Kampagnen

und einem eingespielten

Team des Handels- und Gewerbevereins

(HGV) konnten die 75

Mitgliedsfirmen aus Handwerk,

Handel und Dienstleistung auch

der Corona-Krise trotzen. Armin

Koch, der seit 2016 als Vorsitzender

amtiert und jüngst

einstimmig im Amt bestätigt

wurde, verweist auf die Ergebnisse

einer aktuellen Mitgliederbefragung:

„Keiner musste zumachen,

alle haben sich gehalten,

einzelne Mitglieder des

Handels- und Gewerbevereins

konnten sogar mehr Zulauf verbuchen“,

betont Koch.

Erfolgreich sei auch die Kampagne

gewesen, bei der dafür geworben

wurde, lokal einzukaufen.

Das Bewusstsein für den

Kauf regionaler Produkte wachse

erfreulicherweise, sagt Koch.

Engagierte Einzelhändler hätten

in Donzdorf die Kundenbindung

auch in Zeiten des Lockdowns

aufrecht erhalten. „Beispiels-

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Wenns richtig schön grün sein soll

Grün Concept steht für Innenraumbegrünung

mit Großbäumen, grünen Wänden und Moosbildern.

Ob freistehend oder an der Wand, Innenraumbegrünung

sorgt für eine entspannte

Atmosphäre, im gewerblichen, wie privaten

Umfeld.

Was mit einer Gemüseproduktion schon 1936

begann, hat sich gewandelt. Vor 20 Jahren wurde

die Produktion eingestellt und der Betrieb

von Matthias Schmidt-Thierer damit völlig neu

ausgerichtet. Der Gärtnermeister hat sich auf

Innenraumbegrünung mit pfiffigen Ideen spezialisiert,

den Weg vom Produzenten zum Dienstleister

beschritten und hat sich längst etabliert.

„Wir beraten Bauherren und Unternehmer bei

der Gestaltung der Innenräume mit Grünpflanzen“,

sagt der Gärtnermeister, der sich mit Gärtnerin

Biljana Dokic eine Nachfolgerin ins Haus

geholt hat.

Innenraumbegrünung mal ganz anders- das gibt

es bei Grün Concept. Foto: Schmidt-Thierer

Blickfang fürs Wohlfühlklima

Ob Unternehmen oder Privatbereich, die grünen

Ideen der Donzdorfer Gärtner sorgen für

Blickfänge und Wohlfühlklima in den Räumen.

Beratung ist das A und O, Architektur und

Standortbedingungen sind neben den Kundenwünschen

wichtige Kriterien für die Pflanzenauswahl.

Ob vertikal mit begrünten Wänden, die

auch frei im Raum aufgestellt werden können,

ein imposanter Großbaum mitten im Gebäude,

der gerne auch mehr als zehn Meter hoch werden

kann oder Moosbildern, kreiert aus speziell

behandeltem Moos, der Kreativität sind keine

Grenzen gesetzt. Die Innenraumbegrünung hat

viele Vorteile. „Deutliche Verbesserung von

Akustik und Raumklima“, sagt Matthias

Schmidt-Thierer. Vertikalbegrünung ermöglicht

die Bepflanzung von großen Flächen, ohne hohen

Platzverbrauch. Ob Raumteiler, Pflanzen in

Gefäßen oder Wandbegrünung: Pflanzen beleben

jeden Raum und schaffen Atmosphäre.

Zum Service gehört auch die Pflege der Raumbegrünung,

angepasst an die Kundenwünsche

als Vollservice inklusive gießen oder im individuell

vereinbarten Rahmen. Das Einzugsgebiet der

Kunden reicht von Göppingen über Aalen bis

Ulm, auch in Bayern hat GrünConcept schon

Großprojekte gemeistert. Das zweite Standbein

von GrünConcept ist die Dauergrabpflege, und

Urnengrabanlagen. „Vom Anlegen bis zur Pflege

alles aus einer Hand“, betont Schmidt-Thierer.

Grün Concept

Matthias Schmidt-Thierer

Reichenbacherstr.29

D-73072 Donzdorf

Telefon 0 71 62/94 11 93

Telefax 0 71 62/94 11 97

E-Mail: info@gruenconcept-gbr.de


unternehmen [!]

SPEZIAL 39

weise hat ein Schuhhaus individuelle

Beratungstermine angeboten.“

„Die Anstrengungen wurden

honoriert, man hat gesehen,

dass man sich gegenseitig

braucht“, sagt der der HGV-Vorsitzende.

Dabei profitieren die

Geschäfte in Donzdorf von dem

ausgeprägten Zusammenhalt.

Die Stadt, die sich selbst als

„Fasnetsdorf“ bezeichnet und

als solches auch überregional

bekannt ist, hat ein überdurchschnittlich

lebendiges Vereinsleben,

zahlreiche Stammtische

und Jahrgangsvereinigungen.

„Viele Gewerbetreibende sind

auch beim Kulturring und in den

Vereinen aktiv – man kennt sich

und schätzt sich“, erzählt Armin

Koch von einem weiteren wichtigen

Baustein regionaler Kaufkraftbindung.

Das starke Netzwerk und der

große Zusammenhalt zeigt sich

Vorsitzender des Handels- und

Gewerbevereins: Armin Koch.

FOTO: PRIVAT

So alt wie der

Gewerbeverein

Armin Koch ist so alt wie

der Handels- und Gewerbeverein

(HGV) Donzdorf selbst:

Der 47-Jährige ist verheiratet

und Vater von drei Kindern.

Seit 22 Jahren betreibt er ein

Unternehmen zur Personenbeförderung,

für Schülertransporte,

Taxi- und Kurierdienste.

Er ist FDP-Kreisvorsitzender

und sitzt zudem für

die Liberalen im Gemeinderat

und Kreistag. Seit dem Jahr

2006 war er im HGV Beisitzer

und Schriftführer, bis er vor

sechs Jahren zum Nachfolger

von Robert Klein als Vorsitzender

gewählt und kürzlich

bis 2024 einstimmig im Amt

bestätigt wurde.

auch bei der Fasnet. Donzdorf

schmückt sich mit dem Titel

„Süddeutschlands außergewöhnlichster

Motivzug“. Der

Fasnetsumzug lockt jährliche

mehrere zehntausend Zuschauerinnen

und Zuschauer an. In

den bis zu 20 Tonnen schweren,

aufwendig gestalteten Motivwagen

stecken tausende Stunden

an Arbeit.

CAD-geplante Motivwagen

Die Aufbauten aus Stahl und

Holz werden inzwischen fast

ausschließlich über CAD-Konstruktionen

geplant, für die Berechnungen

der Lasten und

Kräfte sind spezialisierte Ingenieure

und Statiker am Werk.

Das kostet viel Geld und Zeit.

Dabei helfen sich die Donzdorferinnen

und Donzdorfer gegenseitig.

Zu den Aktionen des HGV gehören

auch die „Donzdorfer

Mehrfach ausgezeichnet!

— Privatkunden — — Geschäftskunden —

volksbank-goeppingen.de

Unter fünf getesteten Banken in Göppingen wurden wir bereits das vierte Jahr in Folge von der

Gesellschaft für Qualitätsprüfung als „Beste Bank vor Ort“ für unsere Beratungsqualität im

Bereich „Privatkunden“ und unter sieben getesteten Banken in Göppingen das zweite Jahr in

Folge im FOCUS MONEY CITY CONTEST für die beste Beratung und den besten Service im

Bereich „Geschäftskunden“ ausgezeichnet.


Idyllische Lage: Donzdorf ist mehr Wohn- als Industriestandort, sagt Bürgermeister Stölzle. Doch die Infrastruktur ist gut: Für fast alle

Firmen im Gewerbegebiet steht ein Glasfaser-Anschluss zur Verfügung.

Foto: © Giacinto Carlucci

Abendspaziergänge“. Idee und

Konzept hatten sich HGV-Mitglieder

und Bürgermeister vor

Ort in Markgröningen angeschaut,

für gut befunden und

nach Donzdorf gebracht. Dabei

treffen sich interessierte – vorher

angemeldete – Bürger um 18

Uhr, um dann in kleinen Gruppen

jeweils vier Unternehmen

zu besuchen. In 20 Minuten stellen

sich dann kleine Unternehmen

und Läden vor und erreichen

eine Zielgruppe, die sonst

womöglich nicht auf diese Geschäfte

aufmerksam würde. So

jedenfalls ist der Plan der

Abendspaziergänge, die erstmals

im September stattfinden

werden und mit einem „Get-together“

mit Getränken ihren

Ausklang finden werden.

Bühne für kleine Läden

Um dem Handel und kleinen Läden

eine Bühne zu bieten, gibt

es zweimal im Jahr Verkaufsoffenen

Sonntage. Nicht als Veranstalter,

sondern als Kooperationspartner

nutzen die Donzdorfer

Selbständigen jeweils

den „Schloßgartengenuß“ im

Frühjahr mit Gewerbetreibenden

aus anderen Kommunen,

um die Attraktivität ihrer Stadt

zu steigern.

Neben vielen erfolgreichen

Projekten gab es für den HGV

im Jahr 2020 auch eine unerfreuliche

Entscheidung. Die Donzdorfer

hatten in einem Bürgerentscheid

ein interkommunales

Gewerbegebiet abgelehnt. Von

der Ansiedlung vieler moderner

Unternehmen hätte man sich für

den Donzdorfer Handel auch einen

erheblichen Kaufkraftzuwachs

versprochen. Doch Koch

blickt nach vorne: Nun gelte es

unter den gegebenen Bedingungen

das Beste zu erreichen, die

Attraktivität des Standorts zu

steigern, etwa mit Parkraumkonzepten

– und mit der richtigen,

höchste Aufmerksamkeit

erzielenden Werbung. Dem

Selbstbewusstsein jedenfalls

scheint die jüngste Entwicklung

nicht geschadet zu haben. Kürzlich

jedenfalls warb der HGV

Donzdorf in Schwäbisch Gmünd

mit dem Slogan: „Was es in

Donzdorf nicht gibt, brauchen

Sie auch nicht.“[!] Axel Raisch

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Von Experte zu Experte

Coaching und Mediation sind die Spezialgebiete

von Hartdegen Experts und Filstalmediation

mit Standort in Donzdorf und Süßen.

Ob Unternehmen oder Privatkunden, das

Portfolio von Ralf und Katharina Hartdegen

ist breit gefächert.

Vor zehn Jahren hat Ralf Hartdegen seine

Selbstständigkeit als Berater für Unternehmen

begonnen, dabei seine Erfahrungen aus der

Automobilindustrie genutzt. „Längst haben wir

Fachwissen, Mediation und Coaching gebündelt“,

sagt er und das Knowhow fußt auf einer

umfassenden Ausbildung am Institut für angewandte

Psychologie in Köln. Der Erfahrungsschatz

ist groß, namhafte Unternehmen gehören

längst zu den Kunden, genauso auch Privatkunden.

Die Coaching-Leistungen werden

vorwiegend von Automobilindustrie, Maschinenbau

und der Medizinprodukte- und Konsumgüterindustrie

in Anspruch genommen.

Selbst kleinste Start-ups sind bei den Hartdegens

an der richtigen Adresse. „Von Experte zu

Experte“, sagt Ralf Hartdegen. Die Kunden sind

die Experten für ihr Leben, ihre Karriere, ihren

Beruf oder ihr Unternehmen. Der Mensch und

das Warum stehen im Mittelpunkt, mit Methodenkompetenz

und Kommunikation wird der

Ralf und Katharina Hartdegen bieten Coaching

und Mediation.

Foto: Hartdegen

Weg zum individuellen Ziel gesucht, über eine

schrittweise Annäherung und teilweise auch

jahrelange Begleitung. „Unsere Unterstützung

ist dauerhaft und langfristig angelegt“, sagt der

Fachmann. Die Ziele sind vielfältig, etwa Verbesserung

des Arbeitsklimas, Stressbewältigung,

herbeiführen von Entscheidungen, Konfliktlösungen,

Krisenbewältigung, Zusammenarbeitsoptimierung

oder Begleitung von Führungskräften.

Die Mediation richtet sich sowohl

an die Wirtschaft als auch an Privatpersonen.

Das oberste Ziel: Miteinander reden, Schuldzuweisung

beenden und Lösungen finden. Im

wirtschaftlichen Umfeld sind Auseinandersetzungen

rund um die Themen Macht, Kompetenz

und Geld keine Seltenheit. Die Business

Mediation soll Konflikte zu einer nachhaltigen

Lösung führen. Begleitung und Moderation

sind dabei ergebnisoffen angelegt. Für Privatpersonen

kann eine Mediation bei Familienund

Paarkonflikten, Nachbarschafts- oder Erbstreitigkeiten

weiter helfen. „Überall dort, wo es

langwährende Konflikte zu lösen gilt“, sagt

Hartdegen.

Filstal Mediation

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Im Inklusionsunternehmen ADIS der Lebenshilfe Donau-Iller arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam.

FOTO: LEBENSHILFE DONAU-ILLER

Eine Treppe, die eine Rollstuhlfahrerin

nicht hinaufkommt.

Busfahrpläne,

die voraussetzen,

dass jeder lesen kann. Ein Aufzug,

der nur dann ins richtige

Stockwerk fährt, wenn die korrekte

Taste gedrückt wird. Für

die Mehrheitsgesellschaft sind

Treppen, Busfahrpläne und Aufzüge

kein Hindernis – für Menschen

mit körperlicher oder

geistiger Behinderung hingegen

schon. Über solche „trivialen“

Barrieren ärgert sich Jürgen

Heinz. Täglich erlebt der Vorstandsvorsitzende

der Lebenshilfe

Donau-Iller im Umgang

mit Klientinnen und Klienten,

welche Hindernisse deren Alltag

bestimmen.

Und er will nicht, dass das so

bleibt. Heinz definiert Behinderung,

wie es die Weltgesundheitsorganisation

tut: „Behinderung

liegt nicht im Menschen,

sondern in der Umwelt.“ Diese

Umwelt könne nicht immer,

aber oft verändert werden. Es

sei zwar nicht möglich, ins Ulmer

Münster einen Aufzug für

gehbehinderte Menschen einzubauen.

Aber für andere Barrieren

gebe es Lösungen: Desorientierte

Menschen, die gern unterwegs

sind, könnten informiert

werden, wenn sie sich

weit von einem bekannten

Stadtteil wegbewegen. Ein Aufzug

in einem Wohnhaus könne

Gesucht: Ideen für

noch mehr Glück

Inklusion Die Lebenshilfe Donau-Iller gründet eine Denkfabrik, um

Barrieren für Menschen mit Behinderung abzubauen, und lobt einen

Innovationswettbewerb aus – das ist beispiellos in Deutschland.

Arbeit, die glücklich macht: Die Lebenshilfe Donau-Iller ermöglicht

inklusives Arbeiten, wie hier in einer Schulmensa.

FOTO: © DAVID MAURER /LEBENSHILFE DONAU-ILLER E.V.

so programmiert sein, dass er

erkennt, wohin ein Mensch

müsse.

Jürgen Heinz ist seit fast zehn

Jahren Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Er ist überzeugt: Barrieren

lassen sich durch Innovationen

reduzieren. Und, dass es

„kluge Denkerinnen und Denker“

in der Region gibt, die diese

entwickeln können. Auf die

Suche nach diesen Entwicklern

will sich der Sozialunternehmer

nun im Rahmen einer neu gegründeten

Denkfabrik machen.

Die trägt den Namen „Inklubator“,

eine Wortkreuzung aus Inkubator

und Inklusion. Das Ziel

der Denkfabrik ist, dass sich Firmen,

Start-Ups und Hochschulen

an innovative Ideen wagen,

um den Alltag von Menschen

mit Behinderung zu unterstützen.

Die Lebenshilfe schreibt

dafür einen Innovationspreis


unternehmen [!] VERANTWORTEN 43

aus. Preisgeld: 50 000 Euro. „Für

die Lebenshilfe ist das nicht wenig“,

sagt Heinz. Sponsoren seien

willkommen.

Seit diesem Frühjahr arbeitet

die Denkfabrik an der Umsetzung

des Innovationswettbewerbs

für Inklusion. So etwas

gebe es noch nicht in Deutschland,

sagt Heinz. Die Jury, die

über die eingesendeten Ideen

entscheiden wird, ist besetzt –

mit Menschen, die „Wirkung in

die Bevölkerung“ haben oder

aus der Industrie oder dem kreativen

Bereich stammen, mit

und ohne Behinderung. Das sind

beispielsweise Walter Swoboda,

Professor für Gesundheitsmanagement

an der Hochschule

Neu-Ulm und Jürgen Weber

stellvertretender AOK-Geschäftsführer

Ulm-Biberach.

Aufgabe für Tüftler

Bevor sich Tüftlerinnen und

Tüftler ans Werk machen können,

ist diese Jury gefragt. Sie

will eine Richtung vorgeben, wo

ein Abbau der Barrieren besonders

wichtig ist. Beim Nahverkehr,

der Sicherheit zu Hause,

den Hobbys oder der Kommunikation

– Möglichkeiten gibt es

viele. Beispielsweise könne die

Denkfabrik das Problem „Klient

kann nicht Aufzugfahren“ vorgeben,

überlegt Heinz. Für dieses

Problem sind dann Lösungen

gesucht. Die Fragestellung

wird mit Klientinnen und Klienten

der Lebenshilfe bei einem

Workshop diskutiert, denn: „Sie

können besser sagen, welche

Fragestellung ihr Leben verändern

kann.“

Im September, wenn die Fragestellung

für den Wettbewerb

steht, wird die Jury Firmen,

Start-Ups und Hochschulen ansprechen

und auffordern, mitzumachen.

„Es kann Hard- oder

Software sein, es können Apps

sein“, sinniert Heinz darüber,

was an Innovation möglich ist.

Schon jetzt arbeite die Denkfabrik

am Aufbau eines Netzwerkes

und versuche, das Thema Inklusion

durch Innovation in die

„Firmen- und Denkerlandschaft“

hineinzubekommen. Leider,

so hat es Heinz erlebt,

schrecken viele aufgrund der

Bürokratie zurück, inklusive

1200 Beschäftigte, 2400 Klienten

Jürgen Heinz ist Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe

Donau-Iller. Für ihn ist Inklusion Herzenssache.

Die Lebenshilfe

Donau Iller firmiert

als gemeinnütziger

Verein und beschäftigt

1200 Mitarbeiterinnen

und

Mitarbeiter. Diese

unterstützen und

begleiten rund

2400 Menschen

mit Behinderung,

von der Frühförderung,

über deren

Arbeitsleben, bis

hin zum Lebensende.

Die Lebenshilfe

betreibt 30 Standorte

im Gebiet

Günzburg, Ulm,

Neu-Ulm und Illertissen.

Sie macht

im Jahr circa 80

Millionen Euro Umsatz.

Der Verein finanziert

sich zu 60

Prozent durch Kostenträger

wie der

Stadt Ulm oder

dem Bezirk, zu 40

Prozent durch Umsatzerlöse

mit der

Produktion in den

Werkstätten. Die

Vision der Lebenshilfe:

„Unsere Motivation:

Inklusion

menschlich und innovativ

gestalten“.

Was durch den Innovationspreis

entwickelt

werde, sei

auch für die Gesamtgesellschaft

von Belang. Denn,

so Heinz: „Irgendwann

komme auch

ich die Treppe nicht

mehr hoch.“

FOTO: LARS SCHWERDTFEGER

Der Preis

soll ermutigen,

Ideen zur

Inklusion

umzusetzen.

Jürgen Heinz

Vorstandschef

Produkte zu entwickeln. Denn

diese werden oft jahrelang geprüft

oder müssen besondere

Standards erfüllen. Das ist aufwändig.

Der Innovationspreis

soll dazu ermutigen, trotzdem

über Ideen zur Inklusion nachzudenken.

Der Aufruf richtet sich auch

an Privatpersonen. „Wir sprechen

die IT-Nerds an, aber auch

den Vater, der eine Idee hat, aber

nie zur Umsetzung kommt“,

sagt Heinz. Er habe viele Bastler

erlebt, die in ihrer Garage etwas

von hohem Nutzen entwickelt

hätten, meist aus einem

persönlichen Leidensdruck heraus.

„Das bleibt dann in einer

ersten Version und erreicht nie

Marktreife“, bedauert Heinz.

Wer seine Idee ausformuliere,

könne diese einreichen, an einer

Umsetzung scheitert es nicht.

Die Lebenshilfe betreibt Werkstätten,

in denen von der Kunststoff-

bis zur Metallbearbeitung

vieles angeboten wird. Außerdem

sitzen in der Jury auch Vertreter

von Liebherr, Beurer und

Citysens, die technisches Knowhow

mitbringen.

Momentan ist geplant, dass

im Herbst die Ideen eingereicht

werden können. Bleibt es dabei,

findet im Januar 2023 die Vorauswahl

unter allen Einsendungen

statt. „Ich hoffe, dass Hunderte

mitmachen, und dass wir

kluge Ideen bekommen“, sagt

Heinz. Im Mai 2023 soll nach aktuellem

Planungsstand das Finale

stattfinden. Und: Das Projekt

solle keine Eintagsfliege sein.

„Wir wollen die Umsetzung in

die Praxis.“ Es sei schade, wenn

gute Ideen in der Schublade landen.

Das Gesamtprojekt der

Denkfabrik könne auch zu einer

Marke werden. Wer Interesse

habe, könne Idee und Logo frei

nutzen.[!]

Janina Hirsch


44

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Lissmac baut

Standort um

Neuausrichtung Bis zum Jahr

2023 will Lissmac aus Bad Wurzach

am Standort eine Kalthalle,

einen Parkplatz, ein großes Vordach

und einer Blechfertigungshalle

mit Turm bauen. Die Maßnahmen

sind Teil einer betrieblichen

Neuausrichtung und dienen

der Optimierung des

Produktionsablaufs. Die Lissmac

Maschinenbau GmbH ist ein international

tätiger Maschinenund

Anlagen-Hersteller mit Kunden

aus der Bau-, Metall- und

Automobilindustrie und beschäftigt

rund 400 Mitarbeiter.

Der Umsatz liegt im oberen

zweistelligen Millionen-Bereich.

Firmensitz

gewechselt

AVL SET Das Allgäuer Unternehmen

AVL SET plant weiteres

Wachstum. Dafür verdreifachte

der Betrieb nun seine

Nettogeschossfläche am neuen

Firmensitz auf dem Erba-Areal

in Wangen im Allgäu. Auf 6600

Quadratmeter befinden sich Büroräume,

Labore, Lager, Montagefläche

und Fertigung. Das Unternehmen

ist international führenden

Anbieter von Leistungselektronik-Testsystemen

in der

E-Mobilität mit 140 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter und zuletzt

einem Umsatz von 20 Millionen

Euro.

Brandt verlässt

Hymer

Zehn Prozent des Stahlbedarfs bezieht ZF von 2025 an von H2 Green Steel.

ZF setzt auf Grünstahl

Personalwechsel Martin

Brandt, Geschäftsführer der Erwin

Hymer Group (EHG) aus

Bad Waldsee, verlässt den Vorstand,

um sich künftig mehr auf

sein Privatleben konzentrieren

zu können. Alexander Leopold,

bisher Vorsitzender der Geschäftsführung

der Marke

Dethleffs, übernimmt den Posten

des 62-Jährigen. Unter der

Führung von Brandt steigerte

die EHG ihren Umsatz von 1,4

Milliarden Euro im Jahr 2015 auf

zuletzt 2,7 Milliarden Euro. Die

Erwin Hymer Group ist eine

Tochter von Thor Industries, einem

der weltweit führenden

Hersteller von Freizeitfahrzeugen

mit mehr als 31 000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern.

Bauen nach

Gold-Standard

Energieversorger Am Ravensburger

Bahnhof entsteht eine

Erweiterung des Firmensitzes

der Technischen Werke Schussental

(TWS). Das neue Gebäude

soll von der Deutschen Gesellschaft

für Nachhaltiges Bauen

zertifiziert werden und mindestens

deren „Gold“-Standard

entsprechen. Platz wird vor allem

für ein Rechenzentrum und

eine neue Leitstelle benötigt.

Schon heute ist die TWS vom

Bundesamt für Informationssicherheit

zertifiziert. Der Energieversorger

erwirtschaftete mit

221 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

einen Umsatzerlös

von rund 175 000 Euro.

Nachhaltigkeit

verpflichtet

Umweltschutz Vetter Pharma

aus Ravensburg hat seinen ersten

Nachhaltigkeits-Bericht veröffentlicht.

Die Ziele sind in drei

Bereiche zusammengefasst:

Ökologische Verantwortung,

Nachhaltige Ökonomie und Gesellschaftliches

Engagement.

Die Vetter Pharma-Fertigung

GmbH & Co. KG ist spezialisiert

auf die Fertigung von aseptisch

vorgefüllten Injektionssystemen

mit weltweit 5700 Mitarbeiter.

Der Umsatz lag 2021 bei 840

Millionen Euro. Vetter verfügt

Foto: ZF Friedrichshafen AG

Der weltweit drittgrößte Automobilzulieferer ZF

Friedrichshafen hat eine Liefervereinbarung mit „H2

Green Steel“ abgeschlossen. Zwischen 2025 und

2032 wird das schwedische Start-up jährlich

250 000 Tonnen Stahl an den Technologiekonzern

liefern. Das entspricht laut ZF etwa zehn Prozent des

derzeitigen Stahlbedarfs des Unternehmens. Durch

die Kooperation will der Konzern bis zu 475 000 Tonnen

CO 2

pro Jahr einsparen. Der „grüne“ Stahl wird in

einem integrierten Produktionsprozess hergestellt,

bei dem Strom aus erneuerbaren Energiequellen und

grüner Wasserstoff anstelle von Kohle zum Einsatz

kommen. ZF Friedrichshafen beschäftigt weltweit

über 150 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und

erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 38,3 Milliarden

Euro.

neben dem Firmensitz über

Standorte in Österreich und den

USA sowie Büros in Südkorea,

Japan, China und Singapur.

OSK mit neuem

Personalchef

Medizin Die Oberschwabenklinik

(OSK) aus Ravensburg hat

einen neuen Personalchef: Raimund

Alker. Der 47-Jährige

wechselt von der Firma Trelleborg

Sealing Solutions aus Stuttgart,

für die er zehn Jahre tätig

war. Die Oberschwabenklinik

beschäftigt 2800 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Zu dem

kommunal getragenen Verbund

gehören drei stationäre Häuser

sowie eine Geriatrie im Heilig-Geist-Spital

Ravensburg.[!]


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unternehmen [!] RESSORT 45

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FOTO: XXXX

Mit Ritter-Spielen, Hochzeitssuite, Biergarten und Nachbildungen der Reichs-Insignien lockt die Familie Haller Menschen auf die Waldburg.

Wie verrückt muss

man sein, um eine

Burg zu pachten?

„Sehr“, sagt Max

Haller und lacht. Der Ritter-Fan

ist seit 2017 Pächter der Waldburg,

etwa zehn Kilometer östlich

von Ravensburg und betreibt

dort ein privates Museum.

Für ihn ist die Waldburg, die aus

dem 12. Jahrhundert stammt,

eine der spannendsten des Landes.

Sie ist zudem einer der wenigen

verbrieften Orte, an denen

die Insignien des Heiligen Römischen

Reiches Deutscher Nation

aufbewahrt wurden. Besitzer

der Burg ist das Fürstenhaus

Waldburg-Wolfegg-Waldsee.

Haller ist gelernter Schreiner,

Industriekaufmann und Restaurantfachmann.

Bevor er Pächter

wurde, organisierte er Catering-Veranstaltungen

auf der

Burg. In den 90er Jahren sei die

Infrastruktur „schrecklich“ gewesen.

Als die damalige Betreibergesellschaft

aus Landkreis,

Fürstenhaus und Gemeinde aufgab,

übernahm er 2017 kurzerhand

als alleiniger Pächter.

„Früher haben sich alle als

Cowboy oder Indianer verkleidet.

Ich war lieber Ritter“, erzählt

Max Haller. Heute ist er

nicht nur Ritter, sondern auch

Castellan, Hausmeister und

Mädchen für alles. Er führt Reparaturen

durch, designt Flyer

und schreibt Ausstellungstexte,

Neues Leben

in alten Mauern

Eventkultur Die Waldburg ist ein besonderer Ort. Ritter-Fan und

Gastronom Max Haller ist dort ein Abenteuer eingegangen – samt

Gruselnächten, Familientagen und Heiratsantrag-Arrangement.

Ist aus Leidenschaft

und mit hohem

Engagement Burgpächter:

Max Haller

FOTOS: @MAX HALLER


unternehmen [!] MACHEN 47

er macht Führungen und Weinverkostungen,

er fotografiert bei

Veranstaltungen und macht

Pressearbeit. So kommt eine Arbeitswoche

mit 70 oder mehr

Stunden zusammen. „Du musst

diese Burg fühlen“, sagt Max

Haller. „Sonst kann es nicht

funktionieren.“ Unterstützt

wird er von seiner Frau Andrea,

seiner Familie und einem Vollzeit-Mitarbeiter.

Über einen

Förderverein sind zudem rund

zehn Museumsführer in mittelalterlichen

Gewändern tätig.

3300 Euro Burgpacht

Die Burg-Pacht beträgt 3300

Euro im Monat, hinzu kommt

eine Umsatzpacht und monatliche

Kosten wie zum Beispiel

2000 Euro für Strom. Insgesamt

ein fünfstelliger Betrag. Schwierigstes

und teuerstes Thema der

vergangenen 30 Jahre: Brandschutz

und Fluchtwege.

Seit April sind Gastronomie

und Museum geteilt. Hallers

Sohn Maximilian führt die Gastro

und zahlt zwei Drittel der

Pacht. Haller und seine Frau

können sich nun voll und ganz

auf das Museum konzentrieren.

Das bedeutet: Das Museum

muss sich über kurz oder lang

alleine finanziell tragen. Bis es

soweit ist, ist er zusätzlich als

Minijobber beim Sohn angestellt.

„Wir müssen wirtschaftlich

denken“, sagt Haller. Aber:

„Wenn ich ein eisenharter Rechner

wäre, würde das hier keinen

Sinn machen.“

Corona hat auf der Burg einiges

durcheinandergewirbelt.

Von einem Moment auf den anderen

brachen sämtliche Veranstaltungen

und Führungen weg

– und damit fast alle Einnahmen.

Doch Max Haller ist einer, der

Ideen hat und diese schnell umsetzt.

Das habe ihm während der

Coronazeit geholfen, sagt er. In

kürzester Zeit wurde damals

von Gruppenführungen auf Alleingänge

mittels Tablet umgestellt

oder vom Catering zum

À-la-carte-Restaurant. Sein

Glück war, dass sowohl das

Fürstenhaus, wie auch Bau- und

Denkmalamt schnell mitgezogen

haben. „So etwas gelingt nur

durch ein gutes Miteinander“,

betont Haller.

Geschichtsträchtige Stätte

Die Waldburg thront auf einem in der Eiszeit geformten

Drumlin und ist eines der Wahrzeichen Oberschwabens.

Die Waldburg

wurde im 12. Jahrhundert

auf einem

Drumlin in 772 Meter

Höhe erbaut.

Unter Stauferkaiser

Friedrich II. wurden

die Insignien des

Heiligen Römischen

Reiches hier aufbewahrt

(ca. 1220-

1240). Im 19. Jahrhundert

war sie einer

der Orte, von

dem aus das Königreich

Württemberg

vermessen

wurde. Lange Zeit

war sie wegen Renovierung

geschlossen.

1996

wurde sie durch

eine Betreibergesellschaft

aus

Landkreis, Gemeinde

und Fürstenhaus

wiedereröffnet.

Seit 2017 ist

Maximilian Haller

Pächter der Burg.

Wichtigste Werbeplattform

für

Haller ist Social

Media. Auf dem

Youtube-Kanal

„Burgmax“ gibt es

einen Film, wie der

Kronschatz auf die

Waldburg kam. 200

freiwillige Komparsen

spielten mit.

FOTO: @MAX HALLER

Rund 300 000 Euro habe er

insgesamt an Coronahilfen bekommen.

Einen Großteil durch

das Förderprogramm „Neustart

Kultur“. Aber: Vieles musste er

vorfinanzieren. Und: „Die kompletten

Hilfsgelder werden über

die Einkommensteuer versteuert.

Das bedeutet, dass bis zu 50

Prozent der Förderung wieder

zurück an das Finanzamt fließen

werden“, sagt Haller. Außerdem

sei bis heute nicht sicher, ob er

nicht zumindest einen Teil der

Gelder irgendwann zurückzahlen

müsse. Das Geld floss in verschiedene

Projekte, unter anderem

in die Digitalisierung des

Museums.

Die Besucher

sollen

sprachlos sein.

Wer auf die Burg kommt,

sieht beflaggte Mauern. Den

steilen Weg hinauf begleiten unterhaltsame

Themen stelen mit

Quiz. Haller begrüßt nicht mit

„Hallo“, sondern mit „Gott zum

Gruße“. Außerdem nennt er

sein Museum „Mittelalterliche

Erlebniswelten Schloss Waldburg“.

Es sind diese vielen Kleinigkeiten,

die das große Ganze

formen. Mit wechselnden Ausstellungen,

Familientagen mit

Mittelalter-Programm will Haller

nach der Pandemie wieder

mehr Menschen anlocken. Auch

Ritteressen, Grusel-Führungen,

sogar eine Suite zum Übernachten

gibt es – inklusive Heiratsantrag-Arrangement.

Haller rechnet auf lange Sicht

mit bis zu 20 000 Besuchern und

rund 200 000 Euro Umsatz im

Jahr. So viel Liebe und Herzblut

von ihm in der Waldburg stecken,

am Ende des Tages

wünscht auch er sich schwarze

Zahlen. Sein Wunsch für die Zukunft:

„Dass die Waldburg sich

trägt“ – das bedeutet für ihn,

dass alle Kosten gedeckt sind

und er vom Restgeld leben kann.

Und dass die Besucher von seiner

Burg begeistert sind: „Ich

will nicht, dass die Leute sagen:

Die Waldburg ist cool. Ich will,

dass sie sprachlos sind.“ [!]


Julia Rizzolo


spezial

SPEZIAL unternehmen [!]

Top-

Arbeitgeber

Mit Strategie

attraktiv sein

Personal Bei der Suche nach Fachkräften

reichen finanzielle Anreize nicht aus, sagt

HNU-Professor Kracklauer. Ein Leitfaden zur

Entwicklung von Arbeitgebermarken.

www.swp-unternehmen.de

Fachkräftemangel – der

Begriff erlebt derzeit

Hochkonjunktur. Nicht

nur Ingenieure fehlen,

die Notrufe ertönen aus den unterschiedlichsten

Bereichen und

Branchen. Im Handwerk fehlen

Fachkräfte genauso wie im Erziehungs-

und Bildungsbereich.

In der Touristik und in der Gastronomie

ist ein Zusammenhang

zwischen den Lücken im Personalbestand

und der Pandemie

besonders offensichtlich, so wie

auch in der Luftfahrt. Dort haben

sich ebenfalls viele Beschäftigte

während der Lockdowns

beruflich umorientiert und sind

nicht an ihre früheren Stellen

zurückgekehrt. Jetzt, da es wieder

aufwärts geht, fehlen sie.

Forscherteam aus Neu-Ulm

Seit zehn Jahren beleuchtet das

Forscherteam um die Professoren

Alexander Kracklauer und

Sascha Fabian die Anziehungskraft

von Unternehmen auf Bewerber

aus Marketing- und regionaler

Perspektive. Die beiden

Leiter des Kompetenzzentrums

Wachstums- und Vertriebsstrategien

(KWV) an der Hochschule

Neu-Ulm sind federführend

bei der Ermittlung und Vergabe

des Employer Branding Award.

Einbezogen in das Ranking sind

die 40 umsatzstärksten Arbeitgeber

der Region.

Bewertet wird dabei im Grunde

das Image, das Unternehmen

als Arbeitgeber ausstrahlen. Die

Annahme lautet: Unternehmen,

die kaum auf dem Radar etwa

bei Studierenden sind, bekommen

über kurz oder lang Probleme

bei der Besetzung von Stellen

mit Fach- und Führungskräften.

Oder sie haben bereits

Schwierigkeiten, offene Stellen

zu besetzen – vor allem gegenüber

Betrieben, die sich besser

positioniert haben.

Eine Arbeitgeber-Marke aufzubauen

und zu pflegen, bedeutet

weitaus mehr, als sich in

Hochglanz zu präsentieren,

warnt der Marketing-Fachmann

Kracklauer vor unüberlegten

Schnellschüssen bei Kampagnen.

„Employer Branding“ erfordere

eine Strategie und Klarheit

im Unternehmen selbst:

Wie werden wir von außen gesehen?

Wie attraktiv ist unsere

Unternehmenskultur? Wohin

wollen wir uns entwickeln? Welche

Maßnahmen sind nötig?

Schließlich: Wo finden wir die

Employer

Branding

erfordert

Klarheit im

Unternehmen.

Alexander Kracklauer

Professor an der HNU

zu uns passenden Leute? Und

wie sprechen wir diese denn an?

„Nur zu sagen, wir sind toll, das

reicht gewiss nicht“, verweist

Kracklauer auf das ABC des

Marketings.

Der „War for Talent“ sei

längst in vollem Gange. Dass

sich dabei die Lage weiter zuspitzen

könnte, dieser Schluss

lässt sich aus einer aktuellen

Gallup-Studie ziehen. Ihr zufolge

fühlten sich in Deutschland

Mitarbeiter so wenig an ihre Arbeitgeber

gebunden wie nie zu-


unternehmen [!]

SPEZIAL 49

vor. Gleichzeitig stünden die

Chancen für einen Jobwechsel

relativ günstig.

Viele sind offen für neuen Job

42 Prozent der Beschäftigten,

ermittelte das Meinungs- und

Beratungsunternehmen, hegten

Wechselabsichten. Rund ein

Viertel sei bereits auf der Suche

nach einer neuen Stelle, sagen

die Gallup-Experten und verweisen

auf ihren Engagement

Index 2021. Das Homeoffice erweise

sich aus Unternehmenssicht

als zweischneidiges

Schwert. Es erleichtere zum einen

den Wechsel, weil oft die

Notwendigkeit zu einem Umzug

entfällt. Auf der anderen Seite

sei durch diese Möglichkeit

während der Pandemie der innere

Abstand zum bisherigen

Arbeitsplatz eher gewachsen. In

den Lockdowns seien vermehrt

Lebensziele auf den Prüfstand

Leitet an der

HNU das

Kompetenzzentrum

Wachstums-

und

Vertriebsstrategien:

Professor

Alexander

Kracklauer.

Foto: HNU

gestellt worden, was allmählich

Folgen hätte. Laut Gallup ist

eine Kündigungswelle am Anrollen,

angetrieben von der

„Great Resignation“.

Auch Kracklauer warnt davor,

in Homeoffice-Angeboten ein

Allheilmittel bei der Mitarbeiter-Akquise

zu sehen. Er verweist

dabei auf den möglichen

Effekt, dass dieses der gegenseitigen

Entfremdung förderlich

sein könnte. Schon jetzt fühlen

sich laut der Gallup-Untersuchung

gerade einmal 17 Prozent

der Befragten emotional an

ihren Arbeitgeber gebunden –

was sie für Abwerbeversuche

empfänglich mache. Generell

sei eine „deutliche Abnahme der

Lebenszufriedenheit“ zu verzeichnen,

wie Studienleiter

Marco Nink anführt. Die Burnout-Rate

unter Arbeitnehmern

sei von 26 Prozent (2019) auf

jetzt 35 Prozent gestiegen.

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50 SPEZIAL unternehmen [!]

Der demografische Wandel

dürfte die Situation weiter zuspitzen,

schreibt die internationale

Employer-Branding-Beratung

Universum in ihrer aktuellen

Studie. Besonders hervorgehoben

wird darin der Aspekt der

„Diversity“, der Vielfalt in der

Belegschaft also. Auch diese

habe Einfluss auf die Anziehungskraft

von Unternehmen.

In Deutschland werde das noch

zu wenig berücksichtigt. Höher

als im internationalen Vergleich

würden hierzulande bei Einstellungen

die Lern- und Kommunikationsfähigkeit

gewichtet.

Was eine attraktive Arbeitgebermarke

ausmacht, dafür will

das KWV in nächster Zeit im

Rahmen einer Studie einen

Messrahmen entwickeln. Zentrale

Untersuchungsfelder seien

vier „Dimensionen“, sagt

Kracklauer: Wie erfährt der Arbeitnehmer

Schutz und Halt?

Wie vermitteln sich Nähe und

Beziehung, etwa im Führungsstil?

Wie äußert sich Wertschätzung

und das Eingehen auf Individualität?

Und schließlich:

Inwiefern zeichnet sich das Unternehmen

durch zukunftsorientierte

Strukturen aus?

Mit an Bord wird Marc Lunkenheimer

sein, der derzeit in

Philosophie zum Thema „Sinnstiftende

Markenführung als

Teil integrativer Unternehmensethik“

promoviert. Entsprechend

seiner Arbeit soll in der

Studie sehr stark auf den Aspekt

der Sinnhaftigkeit von Arbeit

abgehoben werden. Die Beteiligten

an der Studie, für die noch

Die Top-Arbeitgeber in der Region Ulm

Das Pharmaunternehmen

Teva/Ratiopharm

ist bei der aktuellen

Bewertung als

Arbeitgeber an der

Spitze gelandet. Das

Liebherr-Werk Ehingen

und das Familienunternehmen

Seeberger

nehmen in der Employer

Branding-Studie des

Kompetenzzentrums

Wachstums- und Vertriebsstrategien

an der

Hochschule Neu-Ulm

die weiteren Spitzenplätze

ein und erhielten

ebenfalls den alljährlich

vergebenen

„Award“.

Im Ranking der beliebtesten

Arbeitgebermarken

der Region

Nur 17 Prozent

fühlen sich

emotional an

ihren Arbeitgeber

gebunden

Marco Nink

Studienleiter Gallup-Institut

838 Studierende aus der Region nahmen an

der jüngsten Befragung teil.

regionale Unternehmen als

Partner gesucht werden, gehen

davon aus, dass dieser für den

nachrückenden Nachwuchs

eine immer größere Rolle spielen

wird.

Um für die Generation „Fridays

for future“ anziehend zu

sein, so die Prämisse, müssten

Unternehmen ihre Legitimationsbasis

erweitern. Wenn Arbeitnehmer

sinnstiftende Tätigkeiten

ausüben wollen, richten

sich damit umfängliche Erwartungen

an potenzielle Arbeitgeber.

Arbeit müsse daher einen

FOTO: HNU

folgen Gardena, Aldi,

Carl Zeiss, Peri, Wieland,

Liqui Moly, SWU

Stadtwerke Ulm/Neu-

Ulm, Beurer und Iveco

Magirus. Grundlage in

der jüngsten Untersuchung

ist eine Befragung

von 838 Personen

aus dem Kreis der Studierenden

der Hochschulen

und Universitäten

zwischen Schwäbisch

Gmünd und Neu-

Ulm. Abgefragt wurden

die Faktoren Bekanntheit,

Attraktivität und

Sympathie. Erstmals in

den Bewertungsschlüssel

eingeflossen

ist der Faktor „Bewerbungsbereitschaft“

der

Befragten als den potenziellen

Anwärtern.

sozialen und ökologischen Nutzen

erbringen. Was die Unternehmen

selbst betrifft, benötigten

sie eine „gesellschaftliche

und moralische Legitimation“,

um Anziehungskraft zu entwickeln,

sagt Kracklauer.

Zwar spiele ihre Profitabilität

auch eine Rolle beim Faktor Bewerbungsbereitschaft.

Doch

„reines Profitstreben allein“ erzeuge

noch keine Legitimation.

Marco Nink vom Gallup-Institut

bringt es auf diesen Nenner:

„Der Stellenwert der Arbeit ist

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seit Beginn der Corona-Pandemie durch einen

Maßnahmen-Mix inklusive Impfangebot für alle

Angestellten über den Betriebsarzt. Zudem

wurde das „Mobile Arbeiten“ flächendeckend,

soweit es die jeweilige Tätigkeit ermöglicht,

eingeführt. In diesem Zusammenhang wurden

digitale Kommunikationsformate ins Leben

gerufen, die einen virtuellen Austausch ermöglichen:

Mitarbeiterveranstaltungen wurden bereits

mehrfach live aus einem eigenen Streaming-Raum

gesendet. Um alle Beschäftigten

fachlich auf dem neuesten Stand zu halten,

wurde das regelmäßig genutzte Streamingformat

„S-Live“ sowie die digitale Mitarbeitermagazin-App

„s.intern+“ eingeführt.

Zukunftsorientierte Weiterbildungsangebote

Auch auf die individuellen Bedürfnisse ihrer

Angestellten geht die Sparkasse Ulm mit fachlichen,

persönlichen und zukunftsorientierten

Weiterbildungsangeboten ein. Dazu zählen

beispielsweise flexible Arbeitszeiten, JobRad,

JobTicket, Zuschüsse für den Kindergarten

oder Unterstützung bei Aus- und Weiterbildungen.

Und auch die Förderung von Kompetenzen

wie Innovationsfähigkeit, Unternehmerisches

Den- ken, Veränderungsbereit-

schaft und

Anpassungs- fähigkeit, um

auf die Be- dürfnisse ihrer

Kundinnen und Kunden

bestmöglich reagieren zu

können. Wich-

tig sind dabei

auch die „Soft

Skills“, welche

beispielsweise auch auf der neu eingeführten

Lernplattform „GoodHabitz“ trainiert werden.

Die Sparkasse Ulm verfolgt bei der Förderung

ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den

stärkenbasierten Ansatz. Sie begleitet junge

Menschen schon von Beginn an sehr intensiv:

Zu deren Ausbildung gehören neben innerbetrieblichem

Unterricht auch Seminare an der

Sparkassenakademie in Stuttgart sowie Projekte

innerhalb der Sparkasse Ulm, die die persönlichen

Stärken fördern.

Auszeichnung für Arbeitgeberqualität

LEADING EMPLOYERS ist in ihrer Art die umfassendste

Beleuchtung von Arbeitgeberquali-

Zitat Dr. Stefan Bill:

„Wir sind uns bewusst, dass der Erfolg unserer

Sparkasse auf der Leistung unserer Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter beruht. Unsere strate

gische Personalentwicklung umfasst daher

sowohl deren fachliche als auch persönliche Weiterentwicklung.

Das Lernen bei der Sparkasse

Ulm endet folglich keinesfalls mit der Ausbildung:

Während ihres gesamten Arbeitslebens

werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

entsprechend ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und

Interessen gefördert. Dabei ist es uns wichtig,

auf deren individuelle Bedürfnisse einzugehen,

indem wir ihnen unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle

und eine Vielzahl an attraktiven und

freiwilligen Zusatzleistungen bieten.“

täten. Es handelt sich um eine unabhängig

durchgeführte Untersuchung auf der Basis

mehrerer Millionen Metadaten, unter anderem

zu Mitarbeiterzufriedenheit, Arbeitsbedingungen,

Werteverständnis, Arbeitsplatzsicherheit,

Prosperität, HR-Expertise, Image, Umweltbewusstsein

und vieles mehr. Alle genutzten

Quellen der Erhebung können öffentlich und

transparent eingesehen werden:

https://www.leading-employers.org

Sparkasse Ulm

Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 2

89073 Ulm

www.spkulm.de


52

MACHEN unternehmen [!]

Vision von

grünem Kupfer

Lapp Mit einem Bündel an Maßnahmen senkt der

Firmenchef den CO 2

-Ausstoß. Nun hat der Stuttgarter

Kabelhersteller begonnen, bei seinem wichtigsten Rohstoff

die Einkaufsstrategie zu ändern.

Schon bevor der Ukrainekrieg

ausgebrochen

war, hat sich Matthias

Lapp Gedanken darüber

gemacht, welche Konsequenzen

ein Unternehmen aus

den zunehmenden Lieferengpässen

ziehen sollte. „Diese lassen

uns nochmals ganz anders

über Wiederverwendung nachdenken“,

erklärte der Vorstand

des Stuttgarter Kabelherstellers

Lapp. Dass dies nur funktioniert,

wenn eine gleichbleibende Produktqualität

gewährleistet ist,

sieht er als Herausforderung für

das Produktmanagement. Vor

diesem Hintergrund hat sich der

junge Vorstand vorgenommen,

zwei Themenbereiche zu forcieren:

die Innovationsfähigkeit sowie

die Nachhaltigkeit des Familienunternehmens.

Am

stärksten belastet die Ökobilanz

das für Kabel nötige Kupfer.

Unter dem Stichwort „Ölflex

4.0“ knüpft der Juniorchef an die

Familientradition an. Der Erfolg

des Unternehmens gründet im

Erfindergeister von Großvater

Oskar Lapp. Dieser hatte nicht

nur die Idee, den Adern im

Stromkabel unterschiedliche

Farben zu geben. Er schuf mit

dem ersten industriell hergestellten

Stromkabel, das besonders

flexibel und gegen Öl unempfindlich

ist, die Marke Ölflex,

die immer noch den Kern

des Unternehmens ausmacht.

Aber längst produziert der international

agierende Hersteller

mit weltweit mehr als 5000 Mitarbeitenden

alles, was zum

Transport von Energie und Daten

nötig ist. Dazu gehören Kabel

genauso wie Netzwerkverbindungen,

Verbindungsstecker

oder Ladesysteme für Elektroautos.

Heute findet man die widerstandsfähigen

Kabel auf Ölplattformen

genauso wie in Klimaanlagen

ägyptischer Pyramiden.

Um die bisherige

Innovationskraft fortzuschreiben,

wendet sich das Unternehmen

auch neuen Formen des

Wandels zu, die neben linearen

auch disruptive Veränderungen

umfasst.

Der Krieg

lässt uns

anders über

Wiederverwendung

nachdenken.

Matthias Lapp

Vorstand

Beim Thema Nachhaltigkeit

sieht der junge Familienvater,

der das Unternehmen nun in der

dritten Generation führt, „den

Mittelstand in der Verantwortung,

dass unsere Welt auch für

unsere Nachfolgegenerationen

erhalten bleibt“. Schon der

Großvater hat Prozesswärme

genutzt, um die Werkshallen zu

heizen. Heute ist die Europazentrale

in Stuttgart CO 2

-neutral.

Seit fünf Jahren bezieht Lapp

Ökostrom, nutzt Geothermie

und hat PV-Module auf dem

Dach. Ziel ist es, an allen Standorten,

an denen die Unternehmensgruppe

eigene Gebäude

besitzt, CO 2

-neutral zu werden.

Im vergangenen Jahr wurden

auf Initiative von Matthias Lapp

auf einer Blumenwiese in der

Nähe des Unternehmenssitzes

zwei Bienenvölker

angesiedelt. Mit Hilfe der

40 000 Bienen wurde in einem

Pilotprojekt die biologische

Diversität im Gewerbegebiet

rund um den Firmensitz

untersucht. Immer wieder überprüft

wird auch, dass bei Lieferanten

Kinderarbeit ausgeschlossen

ist.

Änderungen auch im Kleinen

Neben vielen kleinen Verhaltensänderungen,

wie täglich den

Bildschirm im Büro auszuschalten

oder in der Kantine weniger

Fleischgerichte anzubieten, gibt

es bei Lapp zwei zentrale Bereiche,

die die Ökobilanz am meisten

belasten: das für die Kabel

nötige Kupfer sowie der Kunststoff

für die Ummantelung.

Längst arbeitet Lapp daran, den

Recyclinganteil bei Kunststoff

zu erhöhen und experimentiert

mit biologischen Materialien.

Weil sich dabei die physikalischen

Eigenschaften ändern,

wie die Biegsamkeit, erlauben

viele Normen bislang nur eine

Beimischung von recyceltem

Kunststoff von zehn Prozent.

Drei Viertel des CO 2

-Verbrauchs

geht jedoch auf das

Konto von Kupfer, dessen Herstellung

äußerst energieaufwändig

ist. Um die Vision vom grünen

Kupfer umzusetzen, hat

Lapp ein umfangreiches Maßnahmenpaket

ausgetüftelt. Bis

2025 will Lapp bei seinen Produkten

eine 20-prozentige

CO 2

-Reduzierung erreichen.

Kupfer ist im Durchschnitt für

88 Prozent des CO 2

-Fussabdrucks

verantwortlich. Der

FOTO: © U.I. LAPP GMBH

Die Farben für

unterschiedliche

Adern in Elektrokabeln

gehen auf den

Firmengründer Oskar

Lapp zurück.


unternehmen [!] MACHEN 53

Klarer Fokus auf Nachhaltigkeit

Ob E-Mobiliät,

C0 2

-neutrale

Firmenzentrale,

Bienenvölker oder

die Auszeichnung

als fahrradfreundlicher

Arbeitgeber:

Matthias Lapp

(Bild unten) sieht

sich und den

Mittelstand in der

Verantwortung.

FOTOS: © U.I. LAPP GMBH

Der Kabelhersteller Lapp hat im Geschäftsjahr

2020/21 (30. September) vom

Trend der Digitalisierung und dem gestiegenen

Kupferpreis profitiert. Der Umsatz kletterte

um 26 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Die Kabel- und Verbindungstechnologie

kommt unter anderem bei der Vernetzung

der Fabriken, der Elektromobilität oder im

Bereich der Erneuerbaren Energien zum Einsatz.

Das Ergebnis vor Steuern stieg um 177

Prozent auf 82 Millionen Euro. Den meisten

Umsatz machte Lapp im Bereich Europa,

Naher und Mittlerer Osten und Afrika. Hier

stiegen die Erlöse um 25 Prozent auf 1,04

Milliarden Euro.

Mit richtiger

Auswahl der

Lieferanten den

CO 2

-Ausstoß um

45 Prozent senken.

wichtigste Hebel zur Verringerung

der Emissionen ist deshalb

die Kupferindustrie. Hersteller

investieren laut Lapp bereits in

nachhaltige Prozesse bei der

Gewinnung und bei der Raffinerie.

Mit der richtigen Auswahl

der Ursprungsquellen könnte

Lapp den CO 2

-Fußabdruck

deutlich reduzieren, teilweise

um bis zu 45 Prozent. Deshalb

hat Lapp damit begonnen, seine

Einkaufsstrategie danach auszurichten,

was aber zu weiter steigenden

Kosten führen könnte.

Besonders aktiv ist Lapp auch

in Sachen Mobilität: Das Unternehmen

wurde im vergangenen

Jahr von der EU und dem Allgemeinen

Deutschen Fahrradclub

(ADFC) als „Fahrradfreundlicher

Arbeitgeber“

ausgezeichnet. Lapp verfügt am

Firmenstammsitz über 55 Radabstellplätze.

Außerdem gibt es

das Angebot des vergünstigten

Radkaufs sowie die Nutzung eines

firmeneigenen E-Lastenrades.

Seit kurzem steht auch eine

Fahrrad-Reparaturstation zur

Verfügung.

Zum Mobilitätskonzept von

Lapp gehören auch ein VVS-Firmenticket,

die Haltestelle Lapp

Kabel der Stadtbahnlinie U12 sowie

für Autofahrer ein Parkraummanagement,

eine Parkplatztauschbörse

sowie Carsharing-Modelle

und alternative

Mobilitätsangebote wie E-Tretroller

und E-Scooter. [!]


Rainer Lang


54

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Schuler setzt

auf Homeoffice

Arbeitsmodell Beim Göppinger

Pressenbauer Schuler werden

hybride Arbeitsmodelle fester

Bestandteil der Unternehmenskultur.

Unabhängig vom weiteren

Verlauf der Corona-Pandemie

können die rund 6500 Beschäftigten

– sofern sie in den

dafür geeigneten Aufgabenbereichen

tätig sind – künftig Büropräsenz

und mobiles Arbeiten

grundsätzlich miteinander verbinden.

Allerdings soll der Anteil

des mobilen Arbeitens bei

Schuler in der Regel zwei Tage

in der Woche nicht überschreiten.

Zuletzt erzielte Schuler einen

Umsatz von 1,2 Milliarden

Euro.

Nachhaltigkeit

im Vordergrund

Teamviewer Das Göppinger

Software-Unternehmen Teamviewer

will mit einem umfassenden

Programm alle nachhaltigen

Aktivitäten des Unternehmens

bündeln. Das Programm „Care“

definiere dabei klare Verpflichtungen,

Ziele und Maßnahmen

auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Mit den koordinierten

Maßnahmen will Teamviewer

auch das selbst gesetzte Ziel Klimaneutralität

früher erreichen

– bis 2025 und damit fünf Jahre

früher als geplant. Die Produkte

des Unternehmens seien aus

dem Bedürfnis heraus entwickelt,

Reisen und physische Präsenz

zu vermeiden. Das Unternehmen

beschäftigt rund 1500

Mitarbeiter und erzielte im vergangenen

Jahr einen Umsatz

von rund 500 Millionen Euro.

Kooperation

mit Kunden

In der Ulmer Münz wurden im 17. Jahrhundert Münzen für die

Reichsstadt Ulm geprägt.

Foto: Lars Schwerdtfeger

Ulmer Stadtgeschichte

steht zum Verkauf

Es sind keine gewöhnliches Objekte die in Ulm gerade zum Verkauf stehen.

Das Wohn- und Geschäftsgebäude Ulmer Münz im Fischerviertel

soll verkauft werden. Für knapp 5 Millionen Euro können Interessenten

das Haus mit einer Fläche von rund 650 Quadratmetern erwerben. Das

Haus ist ein Stück Ulmer Stadtgeschichte. Erbaut wurde es im Jahr

1550. Zwischen 1620 und 1624 war dort die Münzstätte der Reichsstadt

untergebracht. Während der Dreißigjährige Krieg tobte, kam das Obergeschoss

mit dem Renaissancefachwerk hinzu. Mit dem Schmalen Haus

sucht Tentschert für ein weiteres historisches Gebäude im Fischerviertel

neue Eigentümer. Das Hotel mit rotbraunem Fachwerk zwischen Forelle

und Zunfthaus wird für 2,79 Millionen Euro angeboten.

Zulieferer Mit Flexibilität und

Kooperationen reagieren die Salacher

Saxonia Umformtechnik

und die Saxonia Textile Parts in

Göppingen auf die Herausforderungen

durch gestiegene Material-

und Energiekosten, sowie

Lieferkettenunterbrechungen.

Mittlerweile müssten fast wöchentlich

Störfaktoren kommuniziert

werden, erklärt Geschäftsführer

Uwe Habisch, der

35 Millionen Euro Jahresumsatz

verantwortet. Zwar mache der

Bereich Energie nur vier Prozent

der Gesamtkosten aus,

doch die gestiegenen Preise für

Metalle und Kunststoffe wirkten

sich mit einem Plus von bis zu

300 Prozent drastisch aus. Dabei

kooperierten die wechselseitig

voneinander abhängigen

Partner bereits mehr, als der

Laie erwarten würde, berichtet

Habisch. So gingen die Saxonia-Kunden,

die teils auf zehn

Jahre dieselben Bauteile für Türschlösser

oder Dämpfungssysteme

der Federungen bestellen,

im Einkauf mit in Vorleistung.

Erfolgskurs

fortgesetzt

Finanzen Die Targo-Bank Göppingen

blickt auf ein erfolgreiches

Geschäftsjahr zurück. „War

der Start ins Jahr 2021 noch stark

von der Pandemie belastet, erholte

sich die Geschäftstätigkeit

ab der Jahresmitte in breitem

Umfang“, so Gülcan Aydin, Filialleiterin

in Göppingen. Als stabil

habe sich insbesondere das

Kreditgeschäft erwiesen. Zum

Jahreswechsel belief sich das

Kreditvolumen in Göppingen

auf 75 Millionen Euro. Auch im

Wertpapiergeschäft habe sich

der Wachstumstrend des Vorjahres

mit zwölf Prozent Steigerung

des Depotvolumens fortgesetzt.

In Göppingen betreute

die Bank nach eigenen Angaben

zum Jahreswechsel 11 200 Kunden.

Das Bankhaus mit Hauptsitz

in Düsseldorf unterhält

deutschlandweit 335 Standorte

in 250 Städten.

Wechsel bei

Moloko

Getränke Bei der Göppinger

Moloko Beverage GmbH hat

Christof Mross als Geschäftsleiter

die Unternehmensführung

übernommen. Mross war zuletzt

als Geschäftsführer im Einkauf

bei Lidl Deutschland tätig. Er

bringt 20 Jahre Erfahrung im

Handel mit und übernahm in

dieser Zeit auch international

Verantwortung, unter anderem

bei Lidl Frankreich. Nun soll er

die Unternehmensstruktur der

Moloko Beverage GmbH ausbauen,

sowie das Produktportfolio

und die Absatzkanäle erweitern.

Bernd Gienger wird

sich derweil sukzessive aus der

Geschäftsleitung zurückziehen,

teilt das Unternehmen mit. Der

Getränkehersteller beschäftigt

rund ein Dutzend Mitarbeiter.

2020 wies das Unternehmen,

das seit 2012 am Markt ist, eine

Bilanzsumme von 4,5 Millionen

Euro aus.

EVB Bau

stockt auf

Personal Tobias Pfeifer wurde

zum Geschäftsführer der im Gewerbepark

Göppingen/Voralb

angesiedelten EVB Baupunkt

berufen. Der gelernte Bankkaufmann

und Betriebswirt gehört

seit 2017 der Führungsebene des

Einkaufs- und Marketingverbunds

für den Baumaschinenund

Werkzeugfachhandel an. In

seiner neuen Funktion vertritt

er die Firma gemeinsam mit

Prokuristin Nicole Kümmel und

entlastet den bisherigen Alleingeschäftsführer

Steffen Eberle.

EVB Baupunkt zählt in Deutschland,

Österreich und der

Schweiz 64 selbstständige Handelsunternehmen

mit 95 Standorten

und einem Umsatz von

108 Millionen Euro zu seinem

Verbund.


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unternehmen [!] RESSORT 55

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56

LEBEN unternehmen [!]

Bloß keinen Stress

Umfrage Mit dem Rucksack von Hütte zu Hütte oder mit dem Faltboot über einen See.

Urlaub ist nicht gleich Urlaub – doch immer eine feine Sache. Wohin geht es 2022?

Unser Mitarbeiter Stefan Loeffler hat sich umgehört.

Wo verbringen Sie am liebsten Ihre

Ferien und warum?

FOTO: © MDOROTTYA/ADOBE.STOCK.COM

Urlaub gerne auch mal zu

Hause, am Rande der

Schwäbischen Alb. Kultur und

Geschichte in den Ferien gibt es

in Form von Städtetrips zu unseren

Nachbarn in Europa. Bei

Rom, London, Brüssel, Budapest,

Wien und Paris

haben wir

schon ein Häkchen

– hier ist aber noch

Luft nach oben.

Katja Feicht vom Digitalisierungszentrum

Ulm|Alb-Donau|-

Biberach hat ihren Platz an der

Nordsee schon einmal gesichtet.

Italien mit Sonne, Strand und

mehr geht immer. Bürohund

Henry ist natürlich dabei. Diesen

Sommer zieht es uns allerdings

zum ersten Mal in die andere

Richtung: an die Nordsee

auf die Insel Sylt. Die schönsten

Plätze und interessantesten

Hotspots habe ich vorab mit der

VR-Brille ausgespäht und freue

mich schon riesig auf den

Leuchtturm Hörnum.

Steffen Sato, Geschäftsführer

und Inhaber der Ulmer Out-

Trade GmbH, zieht es in seinem

Urlaub immer aufs Wasser.

Urlaub ist meist ein knappes

Gut und deswegen verbringe

ich diesen in erster Linie gemeinsam

mit meiner Familie.

Einfach mal richtig Zeit haben

für alle! Da wir gerne unabhängig

sind und eher einen Drang

nach draußen haben, ist ein Hotelurlaub

nichts für uns. Und

ganz klar muss immer Wasser

in der Nähe sein – schließlich

fehlt in keinem unserer Urlaube

ein Falt- oder Reiseboot! Wir

wechseln gerne von Jahr zu Jahr

zwischen Urlaub im Süden und

dann wieder eher im Norden.

Als nächstes stehen allerdings

ein paar Tage Camping über ein

verlängertes Wochenende an einem

See in Österreich an. Und

danach wird man sicherlich sagen:

„Das sollte man viel öfter

machen!“

FOTO: © ABRAMSDESIGN/ADOBE.STOCK.COM


unternehmen [!] LEBEN 57

FOTO: © GILANG PRIHARDONO/ADOBE.STOCK.COM

Unsere Ferien verbringen

wir auf verschiedene

Weise. Wir wandern oder

radeln im Urlaub gerne in

Deutschland, um Städte und

Landschaften mit deren Besonderheiten

kennenzulernen und

Christine Kumpf von der

Stabsstelle Wirtschaftsförderung

in Göppingen möchte

Deutschland entdecken – zu

Fuß und auf dem Rad.

uns gleichzeitig fit zu halten. Die

Anreise machen wir gerne und

oft mit der Bahn. Ein Kurzurlaub

mit Kindern und Enkeln gehört

ebenfalls dazu. Das ist ein schöner

Ausgleich und macht richtig

viel Freude.

FOTO:© LIDDY HANSDOTTIR/ADOBE.STOCK.COM

Ralf Lehnemann, Geschäftsführer

der Salacher Kitchen

Company, braucht beim

Abschalten Abwechslung.

Andreas Scheiter, Moderator

bei Donau3fm, lebt im Urlaub

mit der Familie in den Tag hinein.

FOTO: © LANTAPIX/ADOBE.STOCK.COM

Auch wenn mir die Arbeit

Spaß macht, brauche ich

doch einen Ausgleich, um meine

„Batterien“ wieder aufzuladen.

Abschalten gelingt mir am

besten im sonnigen Süden, in

Italien oder in Florida. Es gibt

dort immer viele Dinge, die man

anschauen kann und es wird nie

langweilig. Von der Kultur bis

zu den regionalen kulinarischen

Tipps, die auch nicht zu kurz

kommen dürfen. Hier kommt

das berufliche Interesse zur

fremdländischen Küche durch:

Wie geht die Zubereitung und

wie schmeckt es? Hier zeigt sich

einmal mehr, ob die Arbeit Spaß

macht. Es gibt auch Tage, an denen

ich faul bin und die Sonne

genieße. Abwechslung ist wichtig.

Doch ausschließlich 14 Tage

lang am Strand liegen - das geht

bei mir nicht.

Hüttenwanderung in den Bergen.

In Schweden oder Kroatien.

Ich kann mich beim besten

Willen nicht festlegen. In

diesem Jahr ist es Schweden.

Das Wichtigste ist, dass es auch

wirklich Urlaub ist. Also Zeit

zum Erholen. Viele haben ihren

Urlaub so unglaublich vollgepackt,

dass sie nach den Ferien

eigentlich erst einmal Erholung

brauchen. Ich genieße es, mal

nicht zu wissen, was der Tag

bringt. Alles kann, nichts muss.

Aber egal, wo es für mich in den

Urlaub hingeht, ich habe das unglaubliche

Glück, dass meine Familie

dabei ist. Frau, Tochter mit

Freund, Sohn mit Freundin und

meine Schwester kommen auch

mit. Und das schon seit Jahren.

Da spielt das Urlaubsziel fast

keine Rolle.


58

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Müller baut in

der Innenstadt

Immobilie Mit Verspätung tut

sich nun etwas in der Ulmer Innenstadt

am Eck Neutorstraße/

Karlstraße. Der neue Eigentümer

des Grundstücks, Erwin

Müller, hat mit der Stadt einen

Kompromiss erzielt. Die JV

Grundstücks OHG, die zur Müller-Unternehmensgruppe

gehört,

plant ein großes Projekt.

Es sollen rund 142 Wohnungen,

ein Supermarkt, eine viergeschossige

Tiefgarage und ein begrünter

Innenhof entstehen.

Entlang der Karl- und Neutorstraße

sind sechs Geschosse

vorgesehen, an der Ecke ein siebengeschossiges

Gebäude. Im

hinteren Teil werden die Häuser

vier bis fünf Geschosse hoch.

Harder stapelt

hoch

Logistik Das Neu-Ulmer Unternehmen

Harder Logistic hat direkt

an der A7 im Gewerbegebiet

Riffelbank eine vollautomatisierte

Container-Lagerhalle in

Betrieb genommen. Auf 950

Quadratmetern steht eine 19

Meter hohe Halle, in die bis zu

250 Container passen. Rund sieben

Millionen hat der geschäftsführende

Gesellschafter Marcello

Danieli investiert. Auf ihren

Containerinhalt haben Kunden

zu jeder Zeit Zugriff. Vor Ort

stapelt ein Kran selbstständig

die Container ab, bis er zur gefragten

Kiste kommt und stellt

diese auf einen Ausgabeplatz.

Das von Strassacker gestaltete Mahnmal mit Blick auf die Insel Utøya, auf der 69 überwiegend junge

Menschen getötet wurden.

Foto: Strassacker

Mahnmal für Mordopfer

Ob die weltgrößte Bronze-Pferdeskulptur (33 Meter

hoch) oder die Bronze-Fenster und Tore für die

Al-Haram-Moschee in Mekka: Die Kunstgießerei

Strassacker mit ihren 320 Beschäftigten ist Spezialist

für das Besondere: Mit der Gedenkstätte für die

Utøya-Opfer in Norwegen hat sie ein höchst emotionales

Mahnmal geschaffen. Die Vorarbeiten für die 77

Gute

Auftragslage

Voith Trotz des Ukraine-Kriegs

und gestörter Lieferketten hat

der Technologiekonzern Voith

im ersten Halbjahr des laufenden

Geschäftsjahres gute Geschäfte

zu verzeichnen. Der

Umsatz lag in den ersten sechs

Monaten mit 2,34 Milliarden

Euro 14 Prozent über dem Wert

des Vorjahres. Das Unternehmen

profitierte von einem weiter

guten Auftragseingang.

Obstbauer muss

zahlen

miteinander verbundenen Bronzestelen dauerten

zwei Jahre. Jede Stele ist ein Unikat und trägt den

Namen eines der Opfer. Bei zwei Attentaten am 22.

Juli 2011 waren in Oslo acht Menschen und auf der

Insel Utøya 69 Menschen, meist Kinder und Jugendliche,

von einem rechtsradikalen Attentäter getötet

worden. Ende Juni wurde das Mahnmal eingeweiht.

Mindestlohn Ein Obstbauer

vom Bodensee muss nach einem

Urteil des Arbeitsgerichts Ravensburg

18 georgischen Erntehelfern

Lohn nachzahlen. Der

Landwirt habe den Arbeitern

von Mitte Mai bis Mitte Juni

2021 nicht den Mindestlohn gezahlt,

obwohl diese rechtzeitig

an der Sammelstelle waren.

Auch wenn der Bauer die Helfer

etwa wegen schlechten Wetters

nicht über die ganze Zeit

eingesetzt habe, schulde er ihnen

für die Zeit ohne tatsächliche

Arbeit Lohn. Denn sie hätten

ihm wie vereinbart ihre Arbeit

angeboten.

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77

89073 Ulm

Redaktion

Alexander Bögelein (verantwortlich)

Julia Kling

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Max Meschkowski (Junior Art Director)

Astrid Müllerleile (Bild)

Fotos Giacinto Carlucci (Titel + Titelinterview),

Volkmar Könneke Werkfotos, PR, Archiv

Anzeigen

Stefan Schaumburg (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Druck

Druckerei R. le Roux GmbH

Daimlerstraße 4

89155 Erbach

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-500

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

datenschutz@swp.de

Nächste Ausgabe:08.10.2022

Anzeigenschluss: 09.09.2022

www.swp-unternehmen.de


NATÜRLICHE

unternehmen [!] KÄLTEMITTEL AUF DEM VORMARSCH

RESSORT 59

Prestle kälte+klima ist auch Spezialist für FCKW-freie Kältetechnik

Laut F-Gase Verordnung EU-VO 517/2014 werden in Teilbereichen

der Kältetechnik die Treibhausgas ausstoßenden Kältemittel bis 2030 schrittweise abgeschafft.

Einer, der sich im Dschungel der Verordnung,

der FCKW- und HFKW-Emissionen sowie der

Aufzeichnungs-, Zertifizierungs- und Prüfpflichten

bestens auskennt, ist Florian Einöder. Erste

Anwendungsverbote fluorierter Kältemittel sind

bereits in Kraft, ihre Verfügbarkeit reduziert sich

zunehmend und die Branche erwartet Lieferengpässe

sowie Preissteigerungen.

Florian Einöder, Kälteanlagenbau-Meister,

Abteilungsleiter Prestle kälte+klima

„Stellen Sie schon jetzt auf CO 2-

neutrale Kälteanlagen um. Teilweise

dürfen wir veraltete Anlagen nicht

einmal mehr reparieren.“

Natürliche Kältemittel als Alternative

Bereits seit Bestehen der Abteilung kälte+klima

setzt Prestle vor allem auf natürliche Kältemittel.

Jetzt profitiert das Familienunternehmen

vom vorausschauenden Ansatz. „In privaten

Kühlschränken wird beispielsweise das – bei jedem

Camper bekannte – Propangas schon seit

15 Jahren als natürliches Kältemittel eingesetzt.

Wir arbeiten damit bereits viele Jahre auch im

gewerblichen Bereich“, erklärt Geschäftsführer

Benjamin Prestle. Darüber hinaus erledigt der

Fachbetrieb Reparaturen und Wartungsarbeiten

an Anlagen jeder Art absolut termintreu und

zuverlässig.

Benjamin Prestle, Geschäftsführer

„Wir sind spezialisiert auf den Einsatz

natürlicher Kältemittel.“

Bestimmte Kälteanlagen dürfen nicht einmal

mehr repariert werden. Florian Einöder rät dazu,

das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben.

„Eine Umrüstung oder Neuanschaffung von

Kälte- und Klimasystemen mit CO 2-neutralen

Kältemitteln macht nicht nur für unsere Umwelt

Sinn. Geringere Energiekosten aufgrund effizienterer

Anlagentechnik und BAFA-Fördermaßnahmen

mit bis zu 50 Prozent Zuschuss bzw.

maximal 250.000 Euro wirkt sich auch positiv

auf den Geldbeutel von Betreibern aus“, sagt

Kältetechnikspezialist Florian Einöder.

Ausbildung in der Kältetechnik

Bei Prestle ist die Kälte- und Klimatechnik eng

mit handwerklichem Können und Ingenieursleistungen

in der Projektierung verbunden.

Deshalb legt Geschäftsführer Benjamin Prestle

Wert darauf, qualifizierten Nachwuchs in den

eigenen Reihen auszubilden. Beim Mechatroniker

für Kältetechnik, früher auch Kälteanlagenbauer

genannt, gelingt ihm das seit Jahren

lückenlos.

„Sicherheit, zuverlässige, fachgerechte Montage

und laufende Weiterbildung sehe ich als

wichtige Säulen unserer qualitativ anspruchsvollen

Arbeit.“

BAFA-Förderung für stationäre

Kälte- und Klimaanlagen

Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative

vom 27. August 2020 fördert

die BAFA zum Beispiel:

• Flüssigkeitskühlsätze & Direktverdampfungsanlagen

• Kälteerzeuger mit indirekter

Verdunstungskühlung

• Kälteerzeuger mit adiabatischer Kühlung

in Rückkühlern

• TK-Stufen, Luftkühler, Rückkühler,

thermische Speicher

• Ausführungsplanung bei Flüssigkeitskühlsätzen

und Sorptionskältemaschinen

Prestle kälte+klima unterstützt gerne bei

der Antragsstellung.

Karl Prestle Sanitär-Heizung-Flaschnerei GmbH & Co. KG | kälte+klima

Freiburger Straße 40 | 88400 Biberach | Telefon 07351 5000-0 | info@prestle.de | www.prestle.de


60

RESSORT unternehmen [!]

E-Mobilität

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Fahrzeugabbildung zeigt Sonderausstattungen. Bildliche Darstellungen können vom Auslieferungsstand abweichen. Gültig bis zum 31.08.2022. Stand 06/2022. Änderungen

und Irrtümer vorbehalten. 1 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Str. 57, 38112 Braunschweig. Für gewerbliche Einzelabnehmer mit Ausnahme

von Sonderkunden. Inkl. Erlebnisabholung in der Autostadt Wolfsburg i. H. v. 705,88 €. Zzgl. MwSt. Bonität vorausgesetzt. 2 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH,

Gifhorner Straße 57, 38112 Braunschweig, für gewerbliche Einzelabnehmer (ohne Sonderkunden), nur in Verbindung mit GeschäftsfahrzeugLeasing der Volkswagen

Leasing GmbH. 3 Über die Auszahlung des Bundesanteils entscheidet ausschließlich das BAFA nach Ihrem Antrag anhand der Förderbedingungen. Anträge auf Förderung

mit einem verdoppelten Bundesanteil („Innovationsprämie“) können beim BAFA bis zum 31.12.2022 gestellt werden. Die Gewährung des Umweltbonus mit gleichen

Bundes- und Herstelleranteilen endet spätestens am 31.12.2025.

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