Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen

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Sttcratttrciu

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•Wobevt >>iccfc uub A> c i it t* i ci) HUcfjoff

I) c r n u $ a, c a, c b e u

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* Neunter Safyrgang.

^iinfjcfontcv 3$an&.

33raunfcfyn>etg,

Tnicf nur SB er lag von ®eotfle 33 c fror mann.

185 4.


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Sl&ftaiibliittßcn.

geitt

Tic brainatifdjen SDic&tungen von Ubjanb. SSton Dr. SBntfct i

©er&ältnig gifdjart'S m SRabelai«. 3$«m %x. Streife 17

(gngftfcbe SPoeten rcr ©egenroart. 23on Dr. .v>. Aifdjer 24

StuDten }u jStjafefpeare'S 2Jiaebctb. 33on 5ßrof. Dr. Soigtmann ... 41

33um SDattoobjcft. Sfcon Dr. 3anbcrS 53

©enicn ber bcutfdjen Sßoefl«. fBon Dr. ßimmmermann. 2. 3. 4. 121 u. 391

lieber bic auS 33artijip. Ijersorgeg. Stbject. ber beutfc&en Spr. ö. Dr. 21 n b r c fe 153

lieber bat 23atb poctifeber llcbungcn. Son SuUltS S-cbanj 167

lieber bie cigcntbüiulicbc Stnwenbung beS Snfinitio ber SBergangenljett in ber

engl. Sprache. 33on (i. a. S. $aupt 176

lieber bu frang. Sejjrfftft. reo 16. 3a&rr). III. Blaise de Montluc. 33. © ün tber 190

Setfucfc einer neuen Secjriinbung Ter 3"tcipunftionolebrc. 33on ©erjjifcrt. 217

Seiträge jur provaieutf(fce8 Sefebud}.

3ufauiminengefreflt rou Dr. 5, Oiaticb. — 3. SefefeucJj für preujj.

Schulen. Dritter 2:(;eil. £erau3geg. von ben Sebrcrn ber böb. Sürger*

hbnle in SpotSbam. — 4. 9lnleitung, baS Sefcbucfi, als ©rmtblage unb

SRittelpunft eine? biibcnbcn Unterrichts in ber 2)tutterfprad;e ju bebau;

rein. 33on %. Otto. (Dr. Kleiber.) 97

Sud) ber SinnfprüdK. ©efcmtmelt von 23. j?. (20t. 91.) 99

V'cbrbucb ber 9tbctorif, von Sßrof. 'peinr. Dtidjtcr. (Dr. itlcibcr.) . . —

j?ranj. l'cfebuel; für bie oberen Klaffen. 23on $. 2 an fing. (Sarbieui;.) 100

Corso pratico e teoretico della lingua tedesca. De P. A. Filippi .

u

101

DeutfdK Glafftfcr in ibren üKeifierwerfen bargejreQt oon Dr. Jy. ©. ©untrer. 266

öer aSorbenfer alä Ouubtenfer. Son 23. Sdjiijj. (Dr. .^ölfeber.) . . 283

©öt&e'Su. S(feifler'S SaQabtn u. SRonianjeti. 33on (9. 3- Saupe. (^ölfcfter.) 287

tau. Deut(d) o. 21. 8d)iuibt. (.vcr(jberg.) 288

©ebinjte Bon Zt). S. ll>i a ca

©Ijafefpeare'S SuliuS (Säfar, itbcrfe|t von (v. Sotlbc()r. (Dr. 21. fttfdjcr.) 293

2lltfvanj. lieber, bcrifbtia,t unb erläutert von (9.

BÜstoire litteraire de France. Tom. XXII.

Sftäfcner. (Sarbö.) .

(9t.) ....'.

.

.

296

298

©ramraati! ber fpanifebeu ©prac^e. Son Dr. 33.

1. .i\inbbueb ber cnglifcben 2iationalliteratur.

$rccbt. (9tobol^fv.)

Son Dr. .^errig. —

300

2. A>anbbuet) ber norbaiucrtfanifcb.cn 2fationalliteratur. Son Dr. A>evrig.

The British Lyre. By AVilliain Odell Elwell

303

304

ATan$öftfd)C unb englifcb,e ©raiiimatifcu jc. (Dr. Kredit.)

21). S. 3)}acaulauö ausgewählte ©Triften. Dcutfdi o. Dr. ?s r. Steg er. C))l. 9t.) 306

Senberö Stufgabett jum Ueberfefeen aus bem Dcutfebcn in'S

ausgegeben von Dr. .(?. SBagener unb $r. ^aaS

Idiotismes Dialogues. Par J. Louis

g-raiijöfifci)c, bcr=

. . —

Nouveau Dictionnaire franc. -allomand et allem. -rranc. Par Thibaut. 307

Corinne ou l'Italie. Par Mine, de Stael 308


L. Grangier, histoire abregee de la litterature franc. (91 ob olef») .

Seite

. 308

Cours theorique et pralique delalangue italienne. P. Fornasari-Verce

Handbuch der englischen Sprache und Liter. Von Ideler und Nolte.

The three Cutters. By Capt. Marryat. Deutsch von R. Müller.

Pablo y Virginia. Por Bernardin de Sa int-Pierre. Traducido

al Castellano por D. J. M. Alea

Keuct l'ebrgang rcr rufftfehen Sprache. 33on Dr. 21. 33oljj. I. 2hl. . .

309


310


Daniel SBefcfier, b. amerifan. Staatsmann. SSortr. v. %. 91. 5Dtärcf er. (2J!. 31.)

©cfd;icbte rer reutfeben SRationalliteratur im 19. 3af)rt). von %


Wu ftramattfdjtn JPtdjtiiiigtn von tüljlanfc.

SBenig Sluffefjen ()abcn Ul)lanbö 5)rämen gemacht, als fle er*

fcr)icnen, unb nun ftnb feit (Srnft von (Schwaben 3(>, fett fiubwig

bem SSaier 35 Sfaljre »erhoffen , t )ne baß btc ©leicbgültigfeit beö

^ublifumö gegen biefe 3)icr)tungcn gefföütötfiben wäre. 3)ie Urfacben

bavon werben aud) bem, ber bie aUg .ie (Stimmung nicfyt tfyeilt,

leicht nadjguwetfen fein. £>ie SBütjne l)at Weber bem einen nod) bem

anbern ©rfirfe eine bauernbc Stelle in il)rcm Repertoire gegönnt.

2)afür fann fte nur ber verantmortlid) matten , ber wirflid) meint,

bajj fte in if)rem jefcigen 3uflanbc einen Ginflufj auf üßcreblung beö

©cfdnnacfö ausübe unb bafj fic ftd) im £)icnfte reiner unb ebler

Äunfi über bie Steigungen unb über bie 93ermöl)nung cineö burd) @f>

fectljafdjerei aller Slrt verbotenen ^ublifumö hinwegfegen fönne.

Unfer flafftfdjcö 2)rama wirb auf bem £r)catcr überhaupt ftiefmütter*

lieb bel)anbelt unb wenn ftd) ein (Sdmufpict rttci;t burd) irgenb wel*

eben befenbern Rei$, fei eö ber feenifeben Sluöftattung, fei eö über*

ftromenber Cnnpftnbfamfeit ober pr)rafent)aftcr Rfyetorif empfiehlt, fo

gebort viel ba^u, bafj eö ftd) auf ben Brettern r)aüe. — Äoramt ja

einmal bie 3luffür)rung eincö SDieifterwerfö gu ©taube, fo mujj man

meift wünfd)cn, fte Ware unterblieben. 3)enn immer me^r gel)t un*

fem Sdjaufpiclcrn bie gär)igfeit verloren, bem Slbcl ber einfad)cn,

reinen, ungefünftclten Sd)önbeit ben entfpred)cnbcn Sluöbrurf jju ver-

leiben. (Sin fad) aber ftnb Ublanbö SJramen in r)o!r)etn ©rabe;

o()nc;iebe Spur von Ueberreijung ber Gmpftnbung ober von über«

labenen, betäubeuben Effecten f (innen fte nur wirffam fein, wenn fte

in burcfyauö ebler, würbiger SBcife bargeftettt werben.

Sfabrerfeitö bat ber ©toff beiber Störungen für baö beutfebe

^ublihtm vieüeicbt gcrabe be$t)al6 einen geringen Dicij gel)abt, weil

er ber vaterlanbifd)en ©efd)td)te entnommen ift. Sfiir wollen bie alten

Etagen über ben SÄangel unfereö SBolfcö an nationalem (Sclbftgefübl

l)ier nid)t wiebcrl)olen. Slber e3 wirb Riemanb leugnen, baß bie

'.HvcHi? f. u. SyMiiu-ii. XV. *


2 £ic bram.

©cftatten unfcrcr älteren ©efd)id)te bem Volfe uncnblicr; fern ftel)en

«nb baß ifnn (eine eigne Vergangenheit faft aud bcr Erinnerung t>er*

fdjwunben ift. 9Rii bem junernncnben 3)rang nac{) nationaler Gin*

I)cit muß ftd) it)m aber aucf; baö 3ntereffe für feine frühere ©röße

unb (Sinfycit beleben. $olitifd)c fragen, wie fte einft bie ßeiten

Äonrabd II. ober Subwigd bcö Baiern erfüllten unb aufregten, rücfcn

und näl)er, fobalb ber 3)rang nacf) lebcnbiger (Sntwitflung wieber bie

gan$e Nation ergreift unb fragen, wie bie nacf) bem Berl)ältniß ber

Bolfd* unb (Sinjclnfrcirjcit jur ccntraliftrenben Jperrfcr/ergewalt ober

nad) ber Berechtigung bcö bürgerlid) ftäbtifdjen Scbcnd gegenüber ben

Privilegien bcr 9citterfd)aft, bieten fd)on bcdfyalb mcfjr alö ein bloß

abftract tfyeorctifcbed Sntereffe, weil fte noef) immer bcr Söfung ent=

gegenbrüngen.

2)aö Mittelalter freilief), welcfycd und bie eigentlichen Vornan*

tifer fyeraufbefdjworcn fyabcn, finben wir bei Ul)lanb nietjt. 3)a ift

nicl)t jene unbeftimmte (Schwärmerei ber Gmpftntung, jenes fct)roan*

fenbe Xraumcdlcbcn, bad ftcb nur in nebliger gormloftgfeit gefällt

unb ftd) aucf) in unfern Sagen nod) all$ulcid)t Beifall erringt (man

benfe an Mißgeburten wie bie Slmarantl)). 2lud) mad)t ed ftd) ber

2)icr;ter nid)t etwa ^ur Aufgabe , in falfdjer JJbealiftif ben mittelalter*

lidjen 3wf*aud) bed ebeln, mann*

lidjen 2>id)terd, ben bie Nation in feinen Siebern langft liebgewonnen

fyat*). Sßenn er aber in beiben ©lüden bie Sötacijt bcr greunbed*

treue gugleid) ald eincd 3 c id)wd jener j$tit uno cmer @igentl)üm*

Ucfyf'eit unferd 5Bolfdtr)umd gu feinem Vorwurf fyat, fo bebarf er

bafür ferner lief) einer D?ccf)tfertigung.

2ßenn nun in näherem (5inget)en auf bie beiben 5)ramcn ber

9?acf)wcid ttcrfud)t werben foll, baß biefclben eined ert)öf)tcn Sntercffcd

Wof)l würbig ftnb unb baß t>orjugdwcife ber ©ct)ule baran gelegen

fein muß, fte aud it)rem 3)unfcl ju siefyen, fo fann ed unb fott cd

*) 2ion einer SBcrficrrlicijunij öet mittelalterlichen ilircpcljfeit ift er f» weit

entfernt, t»a§ er He gelten [einer beit-cn Sti'icfe \>m rcr ilivd>e verflucht werten

(&§t.


£ic M'amatifcfycn SD i d; t u

n

e q n von UManfc. 3

nicbt bie Slbftdjt fein, bfc ©renjen ju »erwifeben, in meieren ftcf)

Ufylanbö bramatifebe SDtufc mm einmal vermöge feiner @igentl)ümlicfj'

feit bewegt, gelinge £eibcnfd)aftlid)fcit liegt if)r fein ; eine fo plafti*

fcfje, fcblagenbe Slutfprägung ber 3nbiiMbua(ität, wie teil fie im §itt*

blief auf (Sfyafcfpcare im mobemen 2)rama wünfcfyen, ift Ul)lanb6

(5arf)c nicfyt. Slbcr bafüt ift Sllleö »on wof)ltl)ätigfter 2Bärme ber

Gmpftnbung burd)baud)t, auö jebem 23erfe Hingt un6 ber »olle Xon

bieberer ^reutjer^igfeit entgegen unb feinen ©cftaltcn feljlt bod) aud)

fefte 33eftimmtl)eit fcineöwegö, 9Jeinc Slbftractionen fuerjt man »erge*

benö bei il)m. 2>afj aber aueb ba$ eigcntlidK bramatifcfye Seben

ben ramen nadjnmfen fyelfen. 3)ie 2lu£fül)rltd)fcit ber 3n*

fyaltöangabe wirb ftd) taburet) red)tfertigen, baß ftet) 23efanntfd)aft

bamit bei ben SBenigftcn »orauSfeijen laßt.

Gruft »im Scbwaben bel)anbelt ben fjifforifc^en Äerrt ber be*

fannten Sage, welche in fo mannigfacher ©eftaltung burd) baö 2JHfc»

telalter gcf)t, Urlaub I>at bie 9?ebclfpl)äre ber (Sagenwelt ganj »er*

laffen unb feinem (Stoffe burcbauS fefte l)iftorifd)e Umriffe »erliefen,

obmofyl er micbcr()olt auf bie 2)id)ümgen ber Sage fyinweift. 2)a3

Streben bcö aufblüfycnben falifeben ivaiferl)aufe§ nad) erblicher, umtm*

fct)ranfter ©ewalt, bem ftd) in ben ^erjögen bie Siebe jur eignen

Unabl)ängigfcit entgegenftemmt, geftütjt auf ben Urfprung beö Äaifcr*

tt)umö au6 ber freien 2ßal)l bcS ^olfeS: — bilben ben vom Sicrj*

ter mit »olliger iilavljeit entworfenen Jpintergrunb beö Stürfe^. Äö*

nig Äunrab repräfentirt bie eine Seite; ^er^og Grrnft, nod) mefyr

fein $reunb SBerner von ^iburg bie anbre. 2)ie foniglictje 'äftadjt

ftegt; bie üftieberlage il)rcr ©egner wirb baburcl) ju einer tragifeben,

bafj fte bureb @onflict ber greunbeötreue mit ber Untertt)anenpfiid)t

ben Untergang (Smftö unb 3ßerner6 l)crbeifül)rt.

2)er erfte 2lct »erfetjt unö unmittelbar in einen Slugenblicf l)ol)cr

gefdn'cbtlidjer 33ebeutung unb feierlicher @rl)cbung, 3n 5lad)cn ift

*) Hilmar, tcr übrigens tiefe SDranten 51t ren heften ter romantffdjen 6d)ule

jäbtt, fa^t, Co fefyfe an Snbiin&ualtfining namentlich tev untergeordneten Gfyavaftcre,

an gehöriger 9)Jotioirung t>cr ^egcl'enbeiteii unt> fctbft an cr

•'paiithing.


4 JDit Mamatifdjen Z) i d> t u n ^ e u von 1 1 f? I ci it t>

Kunrab im begriff, feinem jungen (£ol)ne ^einrieb bie Kaiferfrone

auffegen 51t laffen

„tamit In fal'fdje ftranfcnftiinim

»BegrünM fei als STctftfcfyLmtS .$>crr|'cl;erf)aue."

unb ber Knabe l)at ficf> feined Sefyrerd 23runo 2Öorte wol)l eingeprägt,

bafj er berufen fei, „neu anzurichten tfarfö bed ©roßen OiciaV' @o

ftct)t bed Königs umfaffenbed ,!pcrrfd)cr|trcben beutlid) »or und, unb

inbem nun ©ifela, Kunrabd ©emafyltn, einft Ußittme Grnftd twn

(Schwaben, Ijinjutritt unb ben feierlichen Moment benufct, um für

ir)ren £olm erfter @l)e (Srnft um ©nabe ju bitten, ber wegen wieber*

fjottcr (Empörung brei 3at)re auf bem ©iebid)enftcin gefangen gefef*

fen, fül)rt und ber Siebter fofort in ben ©ang ber eigentlichen

^anblung r)inein. äßir erfahren (Srnftd frühere ®efd)id)te; er Ijat

feine n)ot)lbegrünbctcn 2lnfprücr)e auf 33urgunb benen bed aterd

nicfyt opfern wollen unb bcdljalb wicberfyolt ju ben SBaffen gegriffen,

Kunrab jcigt ftd) erbötig, il)n 3U begnabigen; boct) läßt er ©ifcla

fcfywören: wenn (Srnft nun fidr) wieberutn ben notl)U)enbigcn 23e*

bingungen wiberfcfce, bte bad Dicicr; ir)m oorfcfyreibcn werbe, bann

wolle fte if)m md)t ju Hülfe fein unb nicr)t rädjen, n>ad an tr)in gc*

fcbel)en muffe. or t;inbcfcr)icten r)ar. Slber

ed lagert fiel) boct) mit ber (Srfc&einung bed frü()gealtcrten , bleiben,

fcf)Wermütt)igen (Srnft ein unheimlicher ©chatten über biefe Perfol)*

mmg; an eine wirtliche unb bauembe Söfang bed alten Swifted

glauben wir nod) nid)t.

3)ie jweite ©cenc fül)rt und in ben ©aal ber 9teid}överfamm>

lung. 3)er feierlichen 35elel)nung (Smftd mit feinem alten Herzog*

tf)umc gebt ein ©efpräer) bed ©rafen Üttangolb unb feined Df)eimd,

33ifd)ofd 2öarmann, soraud, bem ber Kaifer einftwcilen bte dermal*

tung


£ie fcrainaHf$en Didjtuuo.en »on 1 1 1? 1 a it t>

baß bie plötjlicjje öerföljnung bcn flaffcnbeu ©cgenfalj ber 5ßrinjipieti

ntitt vcnvifd)en fannj

„SDeS Äaiferä §errf$fu$t unb ber Staute §£ro$

Sfinb ein uralter, nie v>cr[öf;nter Swift.

hierauf baute er. 3)ic über (Srnft fdjroebenbe ©efafyr geftaltet ftd)

fo für ben 3ufd)auer immer bcftiminter. 2)a crfdjeint ber ftatfer mit

ben otanben; in feierlicher 93crfammlung verfünbet er vom £r)ron,

bafj er ©ruft neu mit @d)tt>aben beleihten wolle. @r mad)t bieö

aber von Söebingungen abhängig; eine bavon ift, baß er bcn gcad)>

teten ©rafen SBerncr von Äi&urg, ber il)n jum 2Iufrut)r geregt,

nid)t in (einem £er$ogtljum bulbe unb if)n, wenn er ftd) bort jeige,

greifen laffe. 2)ieö weift (Srnft jurürf. (Srgreifenb ftnb feine Sitten,

ü)in nur baS ju erlaffen. 9iül)renb fd)ilbert er, rote Söerner, als 2llle

von ü)in abgefallen, treu gu ii)m geftanben. 210er Äunrab bcftel)t auf

feinem Söillen ; für ir)n ift SBcrner ber bitterfte geinb, benn er ift ber

Präger ber Sbecn, melcfye ber Äönigömadjt im SÖege ftcfyen unb von

ü)in ift alter SBiberftanb gegen biefe ausgegangen. 2)a ©ruft feft

bleibt, fünbigt ber Äaifcr il)m unvermeiblidbc 2ld)t an 5 Sßarmann

fügt 3lnbrol)img beö Jlircfyenbannö r)injiu (Srnft erflärt, wot)l fei er

burd) bic lange ^>aft mürbe geworben, bod) nod) nid)t fo fyerabge*

rommen, „baß er ben verrietf)e, ber il)m einzig breite fyielt"; unb nun

fpricfjt Äunrab tk furchtbare formet ber 9ieid)3ad)t au$, in wcld)c

bie vcrfammelten dürften einftimmen, SBarmann mit ben Sifctjöfert

fdjleubert gegen bcn ©cäd)tetcn bie nodj entfc(jlicr)eren glüdje be$

Äircfycnbannd. (Smft fcfylicfjt mit ben SBorten

4?in fafjr' icf), ein jroiefact) ©edctjtetcr,

9tn meine gerfen fycftet ftd; ber 2ot>

Unb unter glüdjen fraget mein ©enief,

SSom Serner laff Idfj nicfyt

3m ^weiten 2lct ftnben wir Gruft bercitö at6 uml)crirrcnbcn 23ettler;

tief beugt il)n baö Unrjeit. 3unäd)|i f«cf)t er Jpülfe bei ©raf Dbo

von ber Champagne; benn (SrnflS 2lnfprüd)e auf 93urgunb ftnb §u*

girier) bie feinigen. 2lber Dbo, fo bereit er 311m Slufjtanb gegen Äun*

rab märe, ftöjjt ben Unglüdlid)en fdjnöbe von ftd). Denn er l)at

ihn an £eere8fpifcc in SSurgunb erwartet, ber l)ü(flofe ©eäd)tcte ift

it)m gleichgültig. 2htfö Xiefftc verlebt, wenbet ftet) Grnjt nod) an

©raf £>ugo, Dbo'8 Begleiter. 2>effcn Softer mar ir)m einft verlobt

!

"

:

.

ü


6 Die bramatifdjen Dichtungen r-on llfylanr.

unb nun r)at er feit Safyren nicr)t8 »on ifjr vernommen. Slufkror*

bentlid) innig ftnb feine Sßorte:

9iicf>t roill ii) Hc S3crceroung jcl^t erneu'n,

Jd) roör' ein unglücfferger Bräutigam.

9htr KincS Mtf idj, fag' eö mir $um Droft:

$at Deine Stodjter, wenn einmal von mir,

SBon meinem 9t)ciügc|"d)icf, bie 9tet>c war,

£at fte, id; meine ntdjt, um midj geweint,

9lein! oO baö ?lug' ibr flüchtig überlief,

91 ur wie ein leichter -fraudj t>en Spiegel trübt V

Ob fte, gefeufjet ntdjt, nein! tiefer nur

©eatbmct, tvie man oft im Traume pflegt?

3?un Ijört er, bafj fte treu ik Erinnerung an ir)n bewahrt fyabc, aber

in ein Äloficr gegangen fei, als er in bie 3lcr)t tterfatten. ©o tft

beim bem Ungfücf liefen aud) biefer ©tern fyinabgefunfcn. „Imrct)

fte," fagt er, „fyätt' tcr) genefen fonnen, —

— 9cun mujj tdj »nnbern meinen rauben Cpfat>

(Sinfam, umnad^tet, ewig fyerberglo'3. —

93?äcr)tig ergreifenb iß eö, bafj in tiefem Slugcnblicfe tieffter Gmtmus

ttn'gung SSerncr ben greunb ftnbet, ben er lange gefugt. 2)aö 2Bte=

berfel)en belebt ben sbm nod) SScrjröcifelnben neu. ü)tit bem @r*

fdjeinen Sßcrnerö, bcö marfigften, (ebenbigften (£t)arafterö beö ©tiitfö,

n>et)t über (Srnft ein neuer ©eift rüftiger $raft. 2)iefer Dualiömuö

bleibt nun in ber Sragöbie, bafj ©ruft, ber eigentliche -ipclb beö

3)rama'6, mel)r eine leibenbe unb t>on 2ßerner abhängige Stolle fpiclt,

tt)äl)rcnb biefer als ber eigentlid) -üSJcacfytige, von ber 3>bcc SBcfcclte

erferjeint. (Srnft ift „ber UnaJUufiidje, ber ftcb na er) ^rieben gefeint

l)at unb nun fo unenblid) fricbloö fein mufj," eine mcfyr h;rifcr)e, alö

t>ramatifd)e ©cftalt, Sßcrner bagegen für)lt ftcr) nid)t clenb, benn it)n

treibt bie ©lutt), bie er an jenem Sage eingefogen, roo ftcb) bei ber

legten 5vaifcrroar)l bcö 33olfeö errttct> geigte. (So folgt bie

fd)öne @rjcir)lung, vvelcrje burd) ©ebicfytfammlungcn längft befannt

geworben ift, in bem Sufammenfyange bcö ©türfeö aber bod) ben

gortfd)ritt ber ^anblung cttvaö ücrjögert. 60 rietet Sßcrner ben

©ebeugten neu auf. @r tveijj roofyl, bafj fencö fdjönc 23ilb ber

93olföfrcii)cit ber 9Sergangenr)cit angehört; bafj 5?unrab fettbem a(3

©croaltr)crijd)cr aufgetreten ift. Slbcr er »ergweifeß nicr)t. ?l(Jfe


£>ie bramatifdjen SDit&tnnflen von U$(anto. 7

tfraft, ben (elften £aud) will er Daran fefcen, um bem greunbe ju

btenen, ber it)m fo t)errlid) bie £reuc gehalten j er hofft, baf? auch m

beS Sdnuarswalby tieften Schatten, in bie fic nun fiteren, treue ©e*

mittler nod) für ihren §erjog ein ©cbad)tni|j haben.

£ie bort unmittelbar folgenben (Stetgmffe führt unö ber dichter

nicht öor, ber britte 2lct fpiclt wieber am £wfe beö tfaifere. ©ifc*

la'ö eble ©eftalt feffelt fyier vorjugSweife unferc Slufmerffamfcit. 3l)t

Jpetj fchlagt warm für ihren unglürflichen Solnt unb boch hat ftc

gefchworen, ihn nicht ju unterftüljen. 2)a()er giebt fte bem ©rafen

£ugo, ben £unrab in jene ©egenben fenbet, ben Sluftrag, überall

bic gahrenben SBafaHen 311 befänftigen unb 31t »ersten, bafj if)t

(Sohn neuen Slntjang wirbt; fo meint fte nacr) echt weiblicher 2lrt

fem $itl am heften ju förbern, wenn fte erft bie 9iul)c hcrftcllen

helfe: bann werbe auch ber Äaifet geneigter fein, bie Sicht von feinem

Raupte 31t nehmen. Slber nun fommt neue 33otfd)aft auö (Schwaben.

VsDiangolb

berichtet bem König, wie Ghnft unb Süerncr mit flcincm

hinhange im Schwarjwalb häufen, wie fcfyon bie Sage bie ©eftalt

beö unftet umherftreifenben ^perjogö umranft, t>a$ 2iolf bie bret

3al)rc feiner ©efangenfehaft mit allerlei wunberbaren Slbenteucm er*

füllt unb ©tjeUuweijj bie Sagen finnig 31t beuten:

"Sohl fubv mein Sobn ruref) einen finftevn 23era,,

Gin furchtbar ©djicffal rafft' ilm burd) ttc Suft,

SDic SMget (eines 2ci;iffc3 löfren ftcfj,

Sie ungetreuen, t\iy es fdjeüerte,

Unb auf ben ©Reitern treibt er noefy timtjev.

s 3Jiangolb erhalt von Äunrab fofort ben Sluftrag, ben Slufftanb

in Sdjwaben mit Kriegsmacht 3U untcrbrücfen, unb jwar fo fchncll

alö möglich, ba im Oiücfcn bie Ungarn brangen unb tk (Empörer

ihren Singriff 31t nü^cn hoffen. So jieht fid) baö 2$erbcrben über

(Srnft jufammen. ©ifela aber betrachtet fid) SKangolbd Sdjwert,

baö nun gegen ihren Sohn getieft werben foll unb erfleht im tief*

ften Sce(enfd)mer3 von ber ©otteömutter Rettung für it)n. 3)urcr)

tt)rc ^etrübnip 51t milbem Erbarmen geftimmt, ruft fte einen ftd) gei*

genben Pilger herbei unb fo nat)t ihr ©raf 2lbalbcrt von $alfenftein.

Seine (Sifdieinung ift im 93otr)erger)enben nid)t recht motivirt, wirb

aber für ben weiteren Verlauf unb ben inneren 3ufan*mettl)ang beö

3)rama'ö bcbeutungevoll. (St ift namlid) ber SÄörbet von ©ifcla'S

erftem anatme, ©rufte 93ater. 2luf ber 3agb l)at er ilm auö Sfcetb

-


£ic rraniatifdjcn £id>tun(jcii von llfylant.

erhoffen, unb von beut Sterbenben nod) ben Sluftrag erhalten, ber

©attin (einen legten 2Bi(lcn ju überbringen, baß fte it>r Sßittroen*

rlntm bewahren follc, 2)a6 Ijat 2lbaibcrt jwar ausgerichtet, aber er

f)at feinen ^rieben gefunben; nun meint er, ber ©emorbetc laffe ifynx

fo lange feine 9M)c, als »ergeffen bleibe, roaö er fterbenb befaf)U

2)a3 l)at il)n an ben £of geführt. (Somit fcl)en roir, baß ©ifela

eine Scfyulb auf fiel) gelabcn ()at. 2)er Verstorbene l)at ju (einem

SBunfcr) triftige ©rünbe gehabt; bie unfcligcn grücfjte i()rcr jtoeiten

(S()c ftnb ia tn^vifcfjen herangereift. 2)icS f)ä(t i()r nun 2lbatbcrt x»or,

ja er »erlangt »on il)r, fte (olle noer) jetjt biefem (Srjebunbc entfagen.

Slber baS ift ju ütel. Sie ift ftcr> benutßt, il)re Sdmlb burcr) milbe

£f)at aller 2lrt tau(enbfä(tig gebüßt 511 l)aben, unb mit ebelfter 35e*

rebtfamfeit weift fte barauf ()in, mte fte als Vermittlerin, gürbitterin

an ber (Seite bcS ÄaiferS Segen ju fcfyaffcn nnffe. So enthaftet

fte feine Vormürfc unb bann reichen wenige Sßorte »on itjt auS,

il)m anjubeuten, mic er ben Slucf), ber iijn »erfolge, fübnen tonne.

ÄflUm r)at fte tfjn «erlaffen, ba ift fein (Sntfcfjluß reif, burd) 2Bofyl*

traten an bem unglücfliefen So()it ben 9J?orb beö Vatcrö ju tterföf)*

nen unb fo ift benn bem ©cäct)tcten ein neuer SSunbeSgcnoß gevoor*

ben. SlUeö brängt nun bem entfebeibenben Kampfe ju.

2)er »ierte 2lct fpiclt im ©crjwarjwalbe. Slm guße ber 33urg

galfenftein fd)(äft (Srnfi in bcö grcunbcS 2trm. 3)a tritt SIbalbert

fyin^u unb eröffnet bem Dbbad)lofcn feine 23urg. Dbroot)! roiberftre*

benb, nimmt (Srnft feine ßufludjt S uni 9Jcörber beS eignen VaterS.

Sllöbalb fommt *oon anbrer Seite neue £üTfe. 2)ie 5?rieger, welche

(SrnftS 23ruber ^ermann, ftatt feiner «£>eqog »on Schwaben, in £un*

rabö Auftrag nad; Stauen geführt, fudjeit ben rechtmäßigen ^er^og

auf, 2)enn £ ermann ift nad; glanjenber Äriegötfyat an einer Scud)e

geftorben unb l)at fte nun gefanbt, bem unglücflidum S3rubcr baö

Sßanner 31t überbringen, baS er nur für tr)n genommen, bcmafyrt unb

mit 9tui)m befranst fyabc. Sic bitten um fdinellcn jtampf, ba aud)

in i()nen »iclleidjt nod) ber £eim ber ipeft fct)läft. ©ruft ,crl)alt ba*

burcr; nicht nur Vcrftärfung ; auetj fein gutes 9tcd)t befommt eine

neue Stü&e. Slber büftcr unb ung(ürfi>crl)cißcnb ift biefe .ipülfc, er

fprid)t:

£> tjcvvlid; tret' id; in mein #erjogt§um

£c? aScitcrö SDiörtcr öffnet mir feaö Zfyet,

£c3 53rnrcr§ i'cid;cnjii^ ift mein ©cfotfl.

!


J)te rramatifdjcn Didjtnngen »on Ublanb. 9

Stemm, Jlbalbevt, mid) febretfet nicfyt tcr SHort»,

3cf) fdjeue nid)t cic SPeji!

3)ie ^iveite 6ccnc fül^rt un8 in "lOiangolbö Säger. (5r t)at Gruft

bereit« eingefaMoffen unb ber fing »orfctyauenbe SBarmann berechnet

fa>n, baß nun na et) Jpermannö £obc (einem Steffen tte §erjog0*

würbe zufallen muffe. 2)a wirb ein frember ÄriegSmann gemetbet

unb mitten im feintlicr)cn Säger erfctyeint ferner. "DJitt l)bd)ftcr

Jh'U)n()cit l)at er ftd) l)ier()cr gewagt, um in bem abtrünnigen üDtan«

gelb, feinem SBetwanbten, baö fd)(ummernbe ©ewijfen ju werfen,

feurig unb fd)lagenb f)ä(t er i()iu vor, wie er bte ^ß^tc^t ber Xreuc

gegen feinen £>eqog »erraten unb bic ftolje Unafyangigfeit feines

früheren ScbcnS je&t mit bem ^errenbienfte »ertaufct)t l)abc. 3>tefe


10 £ic bramatifdjen X> i d; t it n g c n von Urlaub.

bcrt füfyrt bem $erjog feinen einten id)ter überhaupt befonberd

geglütft. 2lud) in gubroig bem Safer seiermet ftd) tcr britte 2lct

(bie Sd)(ad)t von Slmpfmg) burd) Sebenbigfcit aud. SJcangolb ver*

mag niebtd audjuridjten, fo lange bie geinbe ftd) in bem engen

3c(fentf)a(e baltcn. Unb bod) ift fd)on ber Äatfet angefommen, um

bie (Sntfcbcibung ju beferdeunigen, weil il)n im JDflen bie Ungarn

brängen unb im Sßeften Dbo nacb ber italifcrjen ^rone greift. 3)a

fommt bie erroünfd)te 9?ad)rid)t von bem Sluöfalt ber (Singcfd)(offcnen.

Söütbcnb bringen Grnftd Krieger vor. SKangoIb giet>t ftd) jurücf,

um fte an geeigneter Stelle ftd)er ju vernichten. ($d erfcfyeint (Srnft

mit ben Seinen. 3n fübner 33egeiftrung rveif)t ftd) jeber ju Sieg

ober Sob. ©ruft gebenft feiner Sbelgarb:

SBerncr ruft:

O dbetgarb, geliebte ©ötteSbraut,

2lu3 deinen «Schleiern blief auf mid) f>crab,

£ein entjteS $3üb begetjrre mid; jttm Job!

Sülmädjt'gcr, ©ott tcä griebeng unb beg 3rn8

2>cr SDu Ten Söcidj ftnfdjroeflen fannfi ,511m SHecr,

£ie flifle 8uft erregen 311m Ovfait:

Saß jejjt aud) unfre, tiefet SDtanner, Ätaft

eilcu,

üDajj unö tag Ungebeure möglidj —

fei!

hinein! — gut #er5og (£tnji!

2)ann ftürmen fte fort, bem geinbe entgegen. Slbalbert bleibt auf

ber SSarte jurücf nnt erfcfyaut von ba aud ben untreren Verlauf bed

ftampfed. SDcit ungeheurer ©e»aft burd)brid)t (Srnft mit feinen

freuen bad erfte ©lieb. 2)aö jroeite tritt vor. 2Bic ein £obed*

enge! ragt SBcrner voraus 21 Ken, „fein bliljenb ©dauert fär)rt aud

ben SSolfen ; nid)t ben cinjeln Statin fd)(ägt er, er feMagt bie ganje

Sdntar." 9J?ango(b wirb vemntnbet. @r rafft ftd) nrieber auf unb

fül)rt bad britte ©lieb l)eran. Äurje 9ta\t ftärft (Srnftd ftarf gc?

fdjmoljcnc


SDie r-ramatifdjcn «Dichtungen »on Uf)lanr\ 11

SSic mit gefpreijten ^yittiijcn tcv ?lar

SDie i^rnt innfcbirmt, »enn über feinem $aupt

Cs-iix froutcv Siegel fampfanbroljenD fcfyrocbt.

3)a werben fte umgingelt, auf einen Änäul gerollt; SBerncr ftenunt ftcfy

„wie ein SM cum

S^en eine SJtiefenfdjlcuig' umflorten fiält. "

9toer) einmal brechen fte burd), aber SBerncr ift getroffen. 2U6balb

crfdieint er, »Ott (Srnft geführt, unb ftirbt mit ben SBorten:

©etobt fei ©ott, ich fierbe frei,

grnfi, rette £icl>. —

SQcit ilnn ift ein £l)cil von (SrnjiS eignem 3$ geftorben unb ben

3urürfbleibenbcn feffelt nun fein 23anb mehr an ba3 Scben; bei ber

Seicfte feincö greunbeß bleibt er, wie feftgewurjelt unb erwartet ben

Zoh. 9hm jtcl)t fiel) ber jtampf auf bie 23üf)nc. SOiangolfc ruft ben

Uebriggebliebenen ju, ftd) 51t ergeben ; je&t fönne ber ftaifer aud) (Srnft

öerjeil)en, ba SBeraet tobt fei. Slber nun ift e$ 51t fpät. (Srnft er*

wiebert:

9}cin! wenn tev Scjjtc fällt, icli fechte fort.

SBar ich, fonjt treibe, jclst bin id; ein £eli).

$ier mnf) idj fterben, bei fcem lobten bier.

.£>ier tjaff ict>, bier ift meines SetenS 3**1,

-frier ift ter SRarf|tein meiner Sage, bicr

3ft meine #einiatf>, bicr mein #cm8 mit £of,

SDJeiit Ghrfignt, meine ä&iiitäoertoanbrfcljaft, bjer

S)tein SBcippcnfdulo im? t)ier mein


12 £ie bramatifcfien «Dichtungen von Ut) leint».

£raucrfptcl3 bte öcrfr3fynenbc ©eredjtigfeit nidjt. Diefe fprtd?t ftcr)

aud) in ©ifefa'G SBorten au«:

SDaS alfo, biefer SReff unb tiefer Stab,

(Tie el'en üherbradjtcn flieicbefleinobien)

«Da8 ftut» bie hohen «Dinge, berenthalu

So eblefl Beben bjngeblutet ift!

£) Jlaifer! (raunen wirb ttc gfolgejeif,

SSenn fic öernimmt vom Sluffdjwung «Deiner SMacIjt,

SJon «Deine? ^errfdjerarmeS gfejtigfeit;

SDocIj rühren »irt es fpät ncet) mano)efl $erj,

SBenn man bie flunbe finget ober fagt

Bon &er$og Kraft unb QBerncr, (einem ^reunr,

SJon ihrer Streue, bie ter £ob bewährt.

SWan wirb mo()t juge&cn muffen, bafj ber @ang ber £anblung

an ergreifenben Momenten überaus retcf) ift unb be6 confequenten,

vorwärts brängenben 3ufauuncnl)angcS nid)t entbehrt, ber bcin Drama

baö nidjt ermattenbe Sntereffe bcö 3ufd)iuterd ftclicrt. 2)er ®runb*

gebanfe beS üraucrfpieiS iüenbet ftrfj an btc ebelften Rumänen 9?e*

gungen bcö 3ufd)aucr6. $rci(id) ift baS $atl)oS ber grcunbcStreue

ein einfaches 9Rotü> unb giebt feine ©cicgenl)eit, bie munberfam »er*

fajfangcnen 3trgdnge bcS menfcbiidien ©cinütfyö unb ber menfd)lid)en

Setbenfdjaft bis in tt)rc verborgneren liefen jju verfolgen. 3nfofem

ergebt ftd) baS Drama von vornherein nid)t auf bie -Jpöfje ber gro*

fjen


Die bramatifcfyen SDi$tungen »on ltblaur. 13

ober wenn bann poctifd) oerflart in ir)m bie Erinnerung an fdwncre

SSergangentyeit unb begrabene Hoffnungen mit milber 2Ber)mutl) er*

wad)t, wäfyrenb er auö ben 33urgfenftcrn auf bie lacfyenbe Umgegenb

(jerabfdjaut — unb wenn er enblid) ben £ob alö Rettung auö ber

SBeft begrüßt:

£er «Fimmel nimmt uns auf.

£ie SBeti fiat und Beworfen,

93on großer 3artr)eit ift ber (Sfyarafter ber ©ifela. 3n il)r ocr>

formt eble SBciblicbfcit ben fdjlimmen ©egenfafc, ber in ber SBirflicr)*

feit jitni blutigen (Snbe füt)rt ; bie ÜRajeftät ber Königin »erbinbet ftet?

mit tuniger, fd)merjenöreid)er ÜÄutterliebe, unb baö tk\t ©eelenleib,

Womit fic iljre iefcö

2>rama, ein ©cfyaufpiel, fußt nod) fefter auf t)iftorifcr)em ©oben, a(6

^ergog (Smft. 2)ie fd)on gellere j$tit bcö 14. 3>at)rr)unbcrt3 bot

bem 2)ict)ter ben folgenfdimeren ^ampf jtt)ifcr)en bem in ben ©labten

aufftrebenbeu 53ürgert()iun , aU beffen SBorfämpfer Submig ber 33aicr

erfd)ctnt, unb bem flogen bereite abfterbenben 9iittcrtl)um, baö ficr)

in bem fdjönen $riebrid) von Deftreicb einen ©egenfönig mal)lt, 0I6

Subwig von ber -ä)M)r$ar)l ber ilurfürften jum Xijxont berufen wirb.

2)ieö $3erl)altniß l)at ber Siebter in Den erften Slcten flar unb le*

benbig borgelegt, 33eibe Scanner, cin^t Sugenbfrcunbc, fdjreiten nun

gum jlampf, griebrim fcr)ön<

ften Xriumpr), inbem tt)n feine SSürger auö ben geinben fjerauS*

fyaucn unb im 3ubel auf il)ren ©cr)ulteru einl)ertragen. 33tit grieb*

rid;ö ©efangennel)mung fcr)licjjt ber brüte 2lct. fem

ift nun eine


14 ©ic r-ramatifcfyen ©ie& hingen von llbtaitt\

leicfjt mcrfbare 9?al)t in bem Stürfe. 2)cr urfprünglicbe 9Jo'ttetpunft

ber ^an'clung, ber Äampf jwifdjcn 33ürger* unb 9iittcrtf)um , tritt

juröcf unb roeicrjt ber 2)arftcllung jeneö pcrfßntidjcn

s i>erl)ältniffeS

$riebrid)S unb SubmigS, baS aus Schillers beutfcfjer Srcue befannt

ift. SBar Sitbnug ber eigentliche -£>clb ber erften brei 3lctc, (o wirb

eS nun griebrid). 2ln ftcf) l)aben übrigens bie legten jwei Stete eine

9tat)e fel)r ergreifenber Situationen unb über bie trennenbc itluft

baut fiel) in (ofern eine 23rücfe, als griebrid)S (Sljrgeij juerft auf er*

lief) auf bem Sd)lad)tfclbe unb nun aud) in (einer Söruft beftegt

n)irb. (Srft verliert er bie Ärone; jefct lernt er fte »erachten, grieb?

ricfjö breite füfyrt cnfcttdb bie Söfung gerbet, von ber Subroig (agt:

fte iica,t unS niebt

3m ©dnvcvtfamvf, nicht in Sifl nodj Qcmhtvti,

Sic tieijt unö einjia, in fcv iivaft reo #erjen8.

3tjre Umarmung, mit ber auf evvig auSgeföfynt fein fotl

„©er SBrnfcerjwijl

©er unS cntjtveit bat unt> caö oeutfcfjc SJotf"

bilben einen nuirbigcn ©djluf.

&on ben (Sfyarafteren biefeS SdjaufpiclS ift ^erjog Seopolb ber

bebeutcnbfte; gang unb gar befeelt vom Streben naef) feines JpaufcS

9)iad)t unb {Qtxtlifytät ift er allen freunblicrjcren Diegungen erftorben;

er U)itl nicfjt genießen — baS überlädt er bem 33ruber — , er ift an

SDcann, ber feinen Sonntag Ijat, tragt ftetS feinen grauen Diciter*

mantcl, fdjläft auf bem ipferbe, trinft aus bem £elm unb fcfycut

fein ÜNittel, baS feinen 3 werfen bient, felbft bie fetyroarje Äunft nid)t.

3n tiefer raftlofen £l)ätigfeit verjcrjrt er ftet) ; aber aud) als er fd)on

ben ftetm beS £obeS in fiel) füf)lt, flnc^t er noel) bem 23ruber, ba

biefer fiel) mit Subvoig verföljnt. Sluf tk übrigen @l)avaftere beS

StücfeS etnjugefjen, untcrlaffe ich, um nicfjt ju ermüben*), fo tntcr*

effant aucl) mancher angelegt ift. 2) od) werbe nod) erwärmt, bajj

Uljlanb i)icr mit großem ©lücf verfucfyt l)at, in bem üJcüncfyener

SBäcfer mit feinem Sofyne fomiferje Figuren cin$ufled)ten , bie unS in

anfpreebenber SBeife ben 23olfSl)umor iener 3tit repräfentiren.

3d) breche ab, fo viel fiel) aucl) nod) fagen liepe. U()lanbS

*) (sine auöfiit)viic[;c, mit a,ro§er Siehe uno eingeöenoev Sorgfalt gefd^rfe^ene

(vntivicfiuna, ßubtoigä tcö 33aiern fintct man in „SSienbara,, bie ©vamatifer cer

Sejjtjcit. i $tft, 1839."


äDie brainatifcfjen ^tcbtiui^cn Don Uhlanb. 15

33ebeutung in unferer Literatur ift eine fo entfd)iebene unb fjervorra*

genbe, baß alle feine 2Bcrfe fcfjon burd) baö literar4)iftorifd)c 3nter<

effe vor ber SBergeffen^ett gcfctjufct (ein muffen. äöaö nnö aber ben

2)id)tcr in feinen h;rifd)en unb trgäfylenbefi ©ebid)ten lieb inad)t,

biefe Snntgfcit unb 2aefe tcö ©cmütl)ö, ber eble, nninnlidjc Sinn,

bie mal)re unb liebevolle Sluffaffung beutfd)cr SBolföifnunlidifcit, bie

meifterl)afte 33cf)anblung ber ©praefoe: — alleö baö finbet fiel) auef)

in feinen Dramen «lieber, mögen biefc auef) in il)rer 2lrt weniger

l)od) 311 ftellcn fein, alö bie 33allabcn unb Steber.

Slbcr nur l)abcn nod) einen befonbem ©runb, biefen 2)icf)tungcn

erl)öl)tc Slufmerffamfeit ju nnmfd)cn. Sie finb eine treffliche Seetüre

für bie €>d)itle unb für eine gennffe Sllteröftufe gerabeju unerfefj*

lidj. 2)er Verlauf ber i^anblung unb bie bemegenben ©ebanfen biefer

©türfe ftnb einfacher, alö in irgenb einem anbem elaffifd)cn 2)rama

unferer Literatur. £)aö *)3atf)oö ber greunbeötreue, baö in beiben

(Etüden ben eigentlichen SJiittelpunß bildet, finbet in ber 3ugenb

fd)nell ben tebenbigften Slnflang, unb (Smpftnbungen, bie il)r ferner

liegen, namentltd) baö crotifdie Glcmcnt, treten ganj gurücf. 2lußer*

bem bewahren beibe etücfe ben l)iftorifd)cn Jgtntergrunb mit größerer

"Xreue, alö bie meiften anbem l)iftorifd)en 3)ramen unfrer Siteratur *),

unb l)aben baö unbeftreitbarc ÜJerbienft, baö SSerjiänbnip ber in ttjnen

befyanbelten üDiomente unferer vatcrlänbifcljcn @efcf)icf)te lebenbig ju

förberru (Snblid) ift iit Sprache von l)ol)em 3lbel unb reinfter

(£d;önl)eit. SBir l)abcn alfo l)icr eine treffliche Seetüre, bie man

©djülern in bie Spant geben ober nod) bejfer mit if)nen gemeinfcfyaft*

lief) bel)anbe(n fann, bevor man jte ju ©cfyitterö Dramen fül)rt, unb

eö fann geroiß nur angemeffen erfd)eincn, baß man einer Sllteröftufe,

bie in fremben Sprachen mit jufammenfyangenben 3)id)tern>crfen be*

fd)äftigt wirb, fold)e aud) in ber vaterlänbifcpcn Siteratur bietet

aBer ben 93crfucl) inacljt, wirb finben, baß (£d)ü(cr auf bem berief)*

neten ©tanbpunftc Ufylanbö bramatifdje Sichtungen mit bem regften

Sntereffe aufnehmen unb ol)nc @cf;ivierigfeit verfielen lernen **).

*) 33cm bent-föen SDr«men tonnte nur ©otye'g ©ßjj in btefer £inficbt eine 23er;

flteidjuna, anchatten, worin (iflerbinaä bie ©c&übewng beö ganjen Qtitaltett rmrcl»--

auä meijierljaft, bie $anbtung aber curef; »iel mehr 3ut§at teö 2)iel)terö auSge*

(d)imuft ift.

**) 6el)cu in beut 23ucl;e über ben beutfc$en Unterricht fjat £iecfe auf Den

Gruft oon ©djwa&en alö eine für ©ecnnbanev üefonberä angtntejfcnc Sectüre bin*

ejeroiefeu.


Hl SD i c Mamatifdjen SDid^tun^en von Uf>lanb.

2lber freilief) ftel)t ber (Sinrcirjtmg tiefer 2>icr)hmgen in ben

Jlreiö ber SdjuUcctüre noef) ein anbrc3 .ftinbcrnifj im Sßege, baö

unfern bcutfdjcn Unterricht in obem klaffen überhaupt nod) unge*

bül)r(id) fyemmt. 2)a6 ift ber Mangel an leid)t befefjaffbaren 2lu3gaben.

2>ie beiben Ui)lanb'fd)en 3)ramen ftnb bi$ jefjt nur in einer fo tfyeurcn

2lu3gabc t>or()anben, baß an eine Qlnfcfjaffung feitenö ber 6ci)ü(cr

nid)t gcbad)t werben fann. üftun ftnb ncuerbing6 wcnigftenö von

ben @öt()efd)cn unb (£ct)iüci(cr)en £)ramen wohlfeilere Sluögaben crfcf>ie-

nen. So wäre eö aud) im f)öd)ften ©rabe banfenSwertfy, wenn bie

Ü8erlagöl)anb(ung ein ®(eid)c$ für biefe Stücfe tteranftaltcte. 3)ie

23enui3iing berfelben an einer gangen Dteifye tton 9?ealfd)ulen unb

©mnnaften tonnte gar nicfjt ausbleiben.

s ))2it biefem SBunfdje feien biefe feilen gefefyloffen. @rreicr)en

fte aud) nur, bafj biefer ober jener in bie befprodjenen 2)ict)tungen

einen aufmerffameren Söticf wirft, fo ift if)r 3wd erreicht; bann

werben jene felbft beffer für fief) fprecfyen, al$ eS jebe Slbrjanblung

vermag.

(Stettin. Dr. Söeit&t, @i;mnaftallet)rer.


fkrijältniß £ifd)art$ 31t Habtlofc.

2)aS 2BerF, tvclcfjcö im i. #eft beS XIV. Banbeö biefer Seit*

fcfyrtft bcfprocfyen würbe, tft befanntlid) nad)geal)mt worben von unfcrm

beutfcrjen Slutor 3 ob), grtebridt? ftifcbart, ber einige 30 3al)te

nad) bem (Srfcfycinen bcö 9tabclaiS'fd)cn Sßcrfeö feine 2lffcntl)eurlid)e,

9?aupcm3ct)eurltd;c ©cfc&icrjtflitterung veröffentlichte. $ifd)art gilt bei

»feien Sitteratoren als ber erftc beutfdje ©atirifer unb im Sltlgemeinen

foü il)m btefer 9iul)m raemerfritS nicbt angefochten iverben, nainent»

lief) anci) bcSfyalb nid)t, n>ctt für bic vorlicgenbe grage Feine 33cran*

laffung geboten wirb, auf feine übrigen Sßcrfe genauer einjugeljen

in S?ejicl)ung auf feinen ©argantua unb $

4kntagruel aber, ber feber*

jrtt alö fein Jpauötwerf gilt, fann icf) nicht umfyin, rtati) unbefan*

gener Seetüre fomofyl beS franjöftfc^en Originals als ber beutfdjcn

ftaduifymung ein in wcfentlicfycn fünften von ben allgemein Verbret*

teten verfdncbcncS Urtbcil abzugeben, baS nur mit bem von ©ervtnuS

in manchen fünften übcreinftiinmt. Sßic in ben meiften Sßiffen*

febaften, fo ift man nämlid) auch in ber beutfebeu 2ittcraiurgcfd)id)te

fefyr geneigt, Urteile früherer ©dm'ftftetler, ofyne bt'efelben burd) eigene

Seetüre ju begrünben ober ju mobifteiren, in baS neu 51t fertigenbe

Sßerf aufzunehmen, unb fo gcfd)icl)t cS benn, bajj aucr) 3t'rt()ümer

eine lange 2)aucr 31t fyaben pflegen. «So finb in unferer bcutfd)cn

Sitcraturgcfducfyte eine Slnjaljl Urtljeile, namentlich über s 3?ad)bilbungen

franjöfifcfyer SSerfe, verbreitet, bie {ebenfalls jum minbeften noer)

einer genaueren 93cgrünbung bebürfen. 2>cr Sßarcival SÖolframS von

@fd)cnbacf) cbenfo wie Sriftan unb 3fo(be ftcfycn bem allgemeinen

Urtfycilc nach; unenbltd) böl)cr atö bie gleichnamigen SQBerfe beS

(Sfyretien bc SroveS, ol)ne baß irgcnbwo ber 33erfud) gemacht wäre,

naef^uweifen, worin benn biefe Sßorjügc beftel)en. Sebod) ift eS

ebenfowenig meine 2lbfid)t, für ben ?lugenblicf eine 9]ergtcid}img ber

genannten SBerfc anjuftcllcn, als ich; in 95egier)ung auf bie unS vor*

liegenbe grage vräfubicircn will: vielmehr fann baS Urtljeil felbft

nur als baß 9icfultat ber vorangegangenen Betrachtungen erfechten.

Brdji» f. it. ©pradjeu. xv. 2

:


18 a.M'vl)ältnifi ftifcKut« 311 fllabclfli«.

3)ie äußere gorm ber 9iachal)tnung juuächft, bte $ifcbart ange*

ftcllt hat, ift leicht 311 crfcnncn. 5$on ben fünf Suchern, bic ba6

BtabelaiS'fö* SBcrf entbätt, ift nur baS erftc Sud) benuljt. Obgleich

aber ber s D?e()rja[)( nach bic einzelnen (Sapttef beiber Sßcrfe in 3nf)a(t

unb Uebcrfd)rift übercinftimmen, fo finben ficr) bod) einige 9lu3nah*

inen, bic wir, um genau 51t 2i>crfe gu gehen, nicfjt unberücfftcrjtigt

laffen tonnen. Slbgcferjen von ber Einleitung, bie gtfe^art, ol)ne ftd)

an ba6 fran^ofifcfjc Original anzulehnen, gefdjricben hat, finbet ftch

bei Rabelais nfd}t$, waö ben (Kapiteln 3, 4 unb 5 von ^ifcrrntt fttt*

fpräcfjc. SÄan fönntc allerbingö vermuten, ba Diabclaiö in fel)r »er*

fcrjiebcnen 9icbactioncn crfchicncn ift, bafj in einer von biefen aud)

bic bezeichneten at nun aber $ifd)art Scabelafö

nad)geat)mt? 2)icö im Slllgcmcinen ju befummelt, ift ntdrt eljer

möglid), alö nad)bcm eine 2ln$af)l von Sterfmalen aufgeführt ftnb,

bie ftd) in verhältnifjmäjjig vielen Stellen wictcrl)olcn. 3m ©rofjen

unb ©anjen ift übrigens ber 9iabelai3'fcbe £crt genau bemifct unb

nicht lcid)t ein guter ©cbanfe, ben Diabclate gehabt, übergangen wor*

ben: baher ift bic Ueberfefcung an vielen (Stellen, wo ee gifermrt

gepaßt r>at r Wörtlid). ©lcid)Wof)l hat biefer fein SBcrf auf ben bret*

biö vierfachen Umfang bc3 entfprechenben £r)etle8 von Dtabelaiö ge*

bracht: bie Mittel inbep, bie (>teju angeroenbet worben ftnb, ftnb §war

von verfd)iebcner Statur, aber bod) wcnigftenS theilweife, wenn auch

bei humoriftifd)cn Söerfen nid)t ber gewöhnliche 9Raaf»jiab anzulegen

fein mag, vom äftl)etifd)en (Stanbpunfte auö nid)t ju billigen. 3)ae

(Srfte, welches bei ber Sectürc fehr balb in bic Slugen fällt, ift eine

rürfftd)tölofe Häufung v>on Shtfbrürfen feber 3lrt für bcnfclbcn Segriff,

um einen fomifdjen Effect hervorzubringen. 2£ag man ftd) ben


aSerBdltnfjj gtf^ar 8 ju 9ta6et


•20 9 t x [) ti 1 1 n i fi g i fei) ortö $n SH vi b tlai«.

fccö Jpumorö gelten laffen unb feine weiteren fritifd)cn 2lu8ftcUungcn

bannt machen; fo aber ift biefelbe bei 3ifd)art jur vollftanbigcn

Lanier geworben, unb 311 einer üBianier, bie ben Scfcr in l)ot)em

©rabc ernutbet, mafyrcnb bei Rabelais überhaupt unb aucr; in 53e*

äiefyung auf bicfcS Verl)ältnifj iebe^cit ein gewiffeö s JÜ(aafj ber 3)ar;

ftcllung beobad)tct wirb. 9Rag 93ilnmr immerhin meinen, man habe

faum nod; 2uft, wenn man öon ftifcfyiirt ju 9tabelaiS jurücffcljre, ben

Sedieren alö Satwifer gelten 31t (äffen; ber unbefangene Sefer unb

33curtl)eiler n>irb wenigstens jugeben muffen, bafj in biefer rein quan-

titativen Vermehrung beö (Stoffeö fein Vorzug liegen fann.

Xcr jmeitc s

4>unft, ber bei einer Vergfeietntng von gifdmrt unb

Ütabelaiö unmittelbar in bie Singen fpringt, ift ba6 ^rävalircn be6

SBortfpielö ober SßortwiiKS, ber qualitativ niebrigften ftorm, in mU

cljer ber 2Bi|j jtcfo offenbaren fann. @ö fotl bamit niebt gefagt wer*

ben, bafj DJabeiaiö fiel; berfclbcn gar nid;t ober auef) nur feiten be*

biene, aber bei $ifd)art ftnbet ftcf) wieber biefelbe ÜHäjjIoftgfeit, wie

in bem früher erwähnten SBerfyältntffe. Um von bem %ittl beö 2Berfeö

a&guferjen, ber freilicl) Hefe vorl)crrfcf)enbc Neigung beö Verfaffer$

fcfyon in l)o()cm ©rabc befunbet, feien sunacfjft bie gcmaltfamcn Vcr*

breinmgen ermahnt, bie er mit (Sigcnnamen vorzunehmen pflegt.

23ei Slleranber wirb ein rö fyintcr a cingefdwben, Sllcmcne wirb 3U

einer 5legmannin, Sßeimar 31t 2Beinmar, 53caucc 311 23öffauffe, rabu*

liftifd) ju rabeliftig, ber (Sopl)ift bc SSragmarbo 31t einem £>errn von

Srudnnatt, ber Äönig


SB'er&ältnifi ftifotyavtö 511 Oiabclaiü. 21

Iafd)flafcb, ttngeftaltc Verwirrung, fpicgclmeiSlichcS Vcifpicl baneben

ju ftntcn.

(Snblicr; hat auch ber SJcint, ber außcrorbcntlid) häufig auge*

töchbet wirb, feine anberc 33cbcutung, als baß er eben ein «Spiel mit

SBortcn ift: cS tft tnbcp nicht 311 leugnen, baß hierbei ftct> oft viel

©efehirf nnb grojje ©ewali über bie Sprache geigt. 3u"ätöft fmb

Die 9iabelaiS'fd)eu Ucberfdwiften ber (Kapitel alle in [Reime gebracht,

ein Verfahren, bei bem ftd) freilich biefe8 grofe ©efehirf nod) nid)t

geigt. ©0 fyeijjt eS : 25e6 s >)ieiftcrS Sanofi von Sßmgamaba s JJeb an

©argantua umb erlangung ber großen ©lorfen nnb ein im; 4 $aar

©otfen — 2öie lllrtct) ©eilet jum Äöntg Vittcrgroll ward gefanbt

nnb unberwegen erwog ber Regiment «Stanb — Von ber orbentlid;en

Soften ober 3)iat, welche @ranbgofd)icr mit (Sffen nnb Srinfcn galten

tl)ät. Slber ber Keim tritt l)äufig auch mitten in ber ISrjüfylung fyer*

vor unb verfehlt bann gemeiniglid) nicht feine fomifd)e SBirhmg: j[e

ftarfer äßein, je (djwaitcr Vein. — 9?ad) gifeben 9hi£ cß, nad) gleifd)

ben (tinfenben $äS frefj — Dum convivaris, hüte bid), ne multa

loquaris — SEer über Xifd) will fjd)roa&en viel, ber wirb gewiß nid)t

treffen viel — 3m dUti) fety ein ©cnma&er, über bem £ifd) ein

Äe£et — 3ux Slrbeit fei frefeig, gum Steffen auffefcig — 3m (Scfowefccn

fei ein ,£>e$, im ^reffen SSei ber @ö£ — 9?id)t jeber ift ein venator,

ber ein per cornua flator — 2ßcr greinen ober murren will. Ut

canes decet rabido* — ber mag Wohl bleiben auS bem ©piel. Ad

porcos eat sordidos. Unb in al)nlid)er SBeife wieberholt cS ftd) an

unzähligen ©teilen.

s JD?it SSegrtp^dufungen, keimen unb Söortfpielen ift nun freilid)

bie ül)atigfcit gifdmrtS feineSwcgS erfchöpft gewefen: cS fommen

aud) gasreiche anbere SUtetljoben unb Mittel vor, vermöge bereit er

feinen fatirifd)cn Junior fptelen läßt, bod) tf)un wir il)m gewiß nid)t

mit ber Vcbjauptung Unred)t, baß fcncS bie Jpaupthebel beffclbcn ge*

wefen feien. ($S fd)cint, als wenn baS Original, welches ber 2)id)ter

benutzte, bcnfelbcn wefentlid) gehemmt t)at unb ber freien Entfaltung

feines ©cniuS t)tnbcrlid) gewefen ift; unb in wiefern bicS wcnigftcnö

in hohem ©rabc möglich gewefen ift, liegt auf ber $.ahb, Rabelais

fd)ricb für bie grangofen unb gwar gunachft für bie ftranjofen feines $äU

alters, bie bie 2Di ijjbraudje, (Sitten unb Unfitten fannten, bie er befämpfte,

freilid) aber auch mitmad)ten 5

er griff gang beftimmte Snftitute unb ftaat-

Ud)c Verl)ättniffe an, bie in 2)cutfd)lanb entweber gar nidjt ober in


22 StrMltnijj ftifcfyavtä jii 9*at>cUiÖ.

ganj anberer ©eftaft vorljanbcn (ein mochten, (gclbft bie f)alb nn;tt)ifc^cn

fyalb erbauten $erfonen, bic et als äußere Präger feiner 3been braucht,

cnvccftcn offenbar in feinen Sanbßleuten beftimmte (Erinnerungen nnb

mürben wn vorne fyerein mit beftimmten Stterfmalen befleibet. %&t %i\ty

art lag bagegen eine rocii fdnvicri^crc unb »ercjälrnifmäfig weniger lob)*

nenbe Aufgabe vor. 3 UIU^)ft war er genötigt, 21 ließ, fo viel eß anging,

auf beutfdjen 33oben 311 öerpflangen : ben Sefer tonnte eine Satire,

bie Spcciftfd>gran$oftfcr)cß angriff, im ©anjen nur wenig intereffiren

unb er mußte n)ünfd)in, biefclbc auf fr)n nal)cr 23crül)renbcß ange*

menbet 3U fcfyen. 2)iefen natürlichen SBunfct) l)at beim gifc^an aud)

voraußgefcl)cn unb mög(id)ft befriebigt, obgleich nueberum nicr)t 3U

leugnen i\i, baß manche Partien nocl) met)t unter biefer Diütfficbt gc*

fd;itcbcn fein müßten. 2)aß aber gifebjart voirflid) unter bem 3)rucfe

beß Stoffcß, wie ferjon oben bemerft mürbe, gelitten r)ar, läft fut am

beutlicbftcn barauß erfennen, bcrcn giebt eß allcrbingß fcf>r viele unb erft auß

itjnen cjer)t t)ervor, baß mir eß in ber i£t)at mit einem bebeutenben

Xtcfjter ju tr)un t)aben, 9kmentticr) jlnb in biefer 33ejiel)ung hervor*

jul)eben fcaß 5, (Sapitcl : Sfött maß miebtigem Sebcnfen unfer £>clb

©ranbgaucbjier gur @l)' l)ab' gegriffen unb ftet) nitfjt l)ab' vergriffen,

ferner baß 8, 0>apitcl: beß drunten ©efpräet) ober bie ©efprädjid)

ürunfjed), enblid; baß 42. Kapitel: SBie ber obgcmelt ritterlid) jÜRomr)

Ijerrlid) von ©urgcllantua marb getractirtunb von ben fdjonen Sifcr)*

reben, bie er fül)it.

3nbem idj fo jum ©cr)(uffe meiner 5)arjteu*ung gefommen bin,

gebe id) mict) burebauß nicr)t bem ©lauben l)in, eine eingefyenbe Rxitit

von gifdjartß 2i>erf geliefert ju r)abcn; eß ftnb nur einzelne fünfte

hervorgehoben unb fel)r viele übergangen morben, namentlid) beteilige,

>velct)er viellcid)t ber fcfjmicrigfte ift, nämlich nacbjinvcifen, in welcher

?Jrt gifcfyart bie allgemeinen £krt)ältniffe 2)cutfd)lanbß 31t feiner Seit

d)arafteriftrt ; eß ift inbeß flar, baß biefer 9?adnveiß unmöglid; fein

mürbe, ofync genau auf bie Sulrur* unb

l)uubertß einzugeben. Slbcv aud) fd)on nad) bem ©c'fagten ift in

Setreff beß unß vorliegcnben SBerfeß ein Urtivit entftanben, mcld)cß

von bem, baß in ben meiften 2itcraturgefd)id;tcn ber ©egenmart gc*

geben mirb, mefentlid) verfcbjcbcn ift; eß ift bedtjalb nötfyig, nocl) (5i*

nigeß über bie bißl)er von Slnbcm gefällten Urteile ju bemerfen.


9Serjjdltn(j) gtfdjiirtä 511 Oftabtlaii. 23

Serben bicfelben erft iefct erwähnt, obmc baß bei tcr eigentlichen 33e*

fpredjung gifdjartö auf fte eingegangen wäre, fo ließt ber ©runb ba*

von einfad) barin, bajj tcf> bie Sectürc fclbft unabhängig unb ol)nc*

burd) mir befannte tirtbeile beftinunt ju werben, treiben ttpflte; aud)

ieijt »tO icb nichts tf)im, alö 5WCI in tbren Dicfultatcn wefentlid) con*

trajiirenbe Sluffajfungen i()ren ^auptpunften nad) gegenüberjlellen.

Wit Ucbergefyung SSoutenvcfö namlid), bei allerbingö ben Sßorfc^lag

macfjt, nur in gifetyart ju blättern, mit Uebergefjung ferner von tyU

fetjon, ber fid) auf eine felbfifianbige unb eingefjenbe ihitif feiten ein*

laßt, von tfoberftein, beffen rufn'get unb fad)lid)cr (5nhvitfclung bie

aftl)ctifd)e 23eurtl)cilung ju miberftreben fdjcint, bcfdjränfe id) mid)

auf Hilmar unb ©ervinuö, ba eine @efd)id)tc ber fomifdjen Literatur

von glögel unb eine flcine auf gifefjart bejüglicbe ©ebrift von i?. ^al*

lina, niebt ju meinen Rauben gefommen ftnb. 9Kan vcrgleiebe, waö

Hilmar in feinen SSorlefungen über beutfcfye 9cational*8iteratur 2. 2luf*

läge 6 369 u. f. fagt mit bem Urtl)ctle von ©crvimiä ©efd)id)te ber

voetifdnm 9cational^iteratur 23. III.


(tfttfllifdje p0*t?n tor 3fcgttttpart

1. Stlfrcb Senntjfon.

5US f (einer Änabe verfpielte ober verträumte tcf> mand)e Stunbe

in einem jener gewaltigen Sßälber, btc nur noch r)ier unb ba bie Ufer

ber Ober fcrnnücfcn. Uralte rieftge (Sid)en, Suchen, Sinben [tauben

beifammen — nicht bicfyt, benn bie ungeheuren Säume brauchten fiel

Kaum, — blüfyenbe Strauber, r)or)c& buftigcS ©raö, bunte 2öalb*

blumen gebieten unter bem grünen £)aci), in bem ftcfc bie Sonnen*

ftra()len fo luftig je ftreuten. Ääfer umfdnvärmten bie SBtunun; in

ben Sträucfycrn niftete bie -IRacrjtigall unb fyunberte von Vögeln in

jcber ivrone. 2ßunbervoU war'6, wenn bie fyöcfcften Sßipfel ben erften

Sonncnftrafyl auffingen, wie Xroffel unb *ßirol unb bie anbem (San*

ger von allen (Snben ifyr (Soncert begannen, \x>it unten bie «fpirfcfye

weibeten, \x>k von fern beS föanid)8 Stimme ertönte, wie ber $)tor*

genwinb burd) bie 2£ipfel raufcfyte, unb l)od) in ber £uft ber 5lbter

über bem flehten 2ßalbfee feine Greife 30g.

93or nietjt langer 3^* befudjte idj bie Statte wieber» Sßcldje

SSeränberung ! 3d) fanb ein junget ©e|d)lcd)t: junge liefern, 33ir*

!en, (Srlen bicfyt gebrängt, wol)l fünfzig auf bem SRauui, ben eine

(Sicrjc eingenommen fyatte. kleine ^ögel jmitfdjerten in ben Steigen;

e0 faf) ganj luftig auö — id) aber bad)te beö gefallenen SÖalbeö.

Seitbem l)abe icrj feiner oft gebad)t, unb alö icr; bie Ueberfd)rift biefer

3cilen gefdjricben fjatte, trieb micb/3, bie ®efct)id)tc ju erjagen von

ben vcrfdjmunbcncn liefen unb bem luftigen 9?acr;wucl)3.

3)urcf) bie gefammte (£ulturgeftf)id)tc gcl)t du ©efefj, wcld)c3

ftd) etwa fo au6fpred)en ließe: 2luf bie ©pocfye ber ©enien folgt

bie ^3eriobc ber Talente. 2)ic ©enien ftnb wenige, tt)r Sßirfen

unenblid) in SSrcitc unb üiefe; bie Talente ftnb viele, if>r (Sin*

flufj befdjränft auf Heine Greife ober niebt tief einbringend 2)ie

©enien ftnb von einanber völlig verfdneben, bie latente teilen ftcr)

in vcrfcfyicbcne ©nippen, beren s 3)Jittelpunft je ein vorangegangener


tfnflltfcfye Spoeten frei- ©egcnwart. 23

©cniuö; aber innerhalb ber ©ruppen gleiten fte cinanber, tragen

gemeinfämen £i;pu3. Sic ©cnien ergänzen unb fyebcn, bie Talente

hemmen, brütfen cinanber. Ser Sljarafter ber ©enien ift Grljnben*

fycit, Siefe, ©ewalt, baö SBefcn ber Talente ift ©efalligfcit, Scidjttg*

feir, ©tätte, ober Sunfclfycit unb *|Sonip.

3d) serfage mir eine weitere 2hu3fül)rung bcö ©cfagten, obgleich

fte ma8 in biefer tfürje fdjtef ober cinfeitig erfechten mag,

tn'ö reelle 2id?t fteüen bürftc; bod) würbe fte ju weit führen. Sie

33e$teljung auf bie ^oefte ber ©egenwart macfyt ftet» »on felbft, unb

Wtö nod; jujufügen ift, ergiebt ftd) leicfyt au3 bem Dbigen.

Sie (Epigonen ftnb bnrrf) üjrc Vorgänger gehemmt unb geför*

bert. Sicfe l)abcn Ujnen eine fel)r gebilbetc unb btegfame Sprache

l)intcr(affcn unb iwrtrefflidjc s -Borbilt>cr; aber baö ^emmenbe überwiegt

Senn inbem baö nad)gebome Talent feine Vorläufer 311 überragen

ftrebt, ftnbet e6 bie beften (Stoffe von jenen bearbeitet, bie ber ßtit

angemeffenen formen ber SarftcUung erfd)öpft unb in il)ren Üßcrfcn

bie unübertrcpd)fte Sarftetlung, bie ttollcnbctfte Suvd)bringung von

Stoff unb gönn.

3wet 28ege fann nun ber Junge Sinter gcfyen, beibe, fofern er

nict)t fflawfdjer 9iad)al)incr bleibt — unb bann wäre er fein Sichrer

— fuhren ju äljnlidmn ßiele. (Entwebcr fuebt er neue Stoffe; aber

bie bejien, faljen wir, ftnb verbrämet, bieienigen namlid), wcld;e in

ber (Erinnerung ober im SBewujjtfein bcö gefammten 93olfcö lebenbig

ftnb: bie beö ©poö unb Srama. (Sr mujj minber lebenbige, minber

bcbcittenbc ljerporfuct)en', er mufj ftd) an bie in ber furzen 3wifrf)cn*

geit eingetretene üßcränberung beö ©cfammtbewufjtfeinö galten; fo

wirb auö bem (Spoö bie poetifd)e (Srjäfylung, bie 33aÜabe, baö Set)r*

gcbid)t, au3 bem Srama baö (Soiwcrfationeftücf, aitö bem Suftfpiel

bie s

43offe. Sie reine Syrif r)at nur einen ewigen uncrfctjbaren Stoff.

Dber er fud)t neue gönnen, gür (Spoö unb Srama ftnbet er

feine: fo gewiß ftd) bie ttorfyanbcncn mit ibrem Stoffe unb an bem*

felben entwirfelt l)abm, fo gewiß bebürfte eö für neue gönnen ber

gleichen (Sntwirfclung an neuen Stoffen unb biefe fehlen, (St wirb

alfo in bie 2»rtf gcbrängt,_unb l)icr wirb c6 if)m tcid)ter, jwar nid)t

neue gönnen §u fd)affen, aber »erKungene 31t erweefen, frcmblanbifdje

r)erv>or3u()cbcn unb baburd) wenigftcnö ben Sd;ein ber Originalität

ju erringen. 3e gefd)meibiger, fc biegfamer nun bie Spradje, befto

reicher unb blüfyenber wirb ftd; bie fyrif entfalten; am reidjften war


26 lv n o, I i ]d) c *p o c t c u t 1

c c (9 e a, c n w a v t.

cö ihr in 3)cutfd)lanb möglich. Ucbcrall abet tritt ftc in ben Vor*

bcrgrunb, cpifdicr, bibaftifd)cr, felbft bramatifd)cr 3nf)att nal)ert ftd)

tf)vcn gönnen, voaö bancbcn von (ipoö nnb 2>rama ftd) über bie

bloße 9tad)al)inung ergebt, ift mehr vereinzelt. So ift'ö überall, fo

auet) in (Jnglanb. 3n einer ©etraebtung cnglifd)cr £»iditcr ber ©c*

gemvart wirb bafycr ben Styrifern ber Vorrang einzuräumen (ein, unb

\vk wir aI6 roefentlidj für bie Gpigoncn iEjre 2lcl)nl ich feit fyervor*

fyobcn, (o mag e6 l)ier genügen, auö ben vielen einen 9icpräfentantcn

ju nehmen: 2llfreb $ennt)fon. 9iid)t alö ob er ber —

befte

narf) beutfdjcm ©efcrjmarf — wäre, aber er ift in ßnglanb ber be*

rül)mtcftc, ift a(6 poeta laureatus gewiffermaßen offteiellcr SRcpräfen*

tant ber cnglifdjcn ^oefte, unb vor allen 2)ingen ift er am meiften

(Snglänber. 3Borböwortf) ift tiefer, inniger, in ben gönnen flarer,

geticia §eman8 greift Xonc heißerer Scibcnfcfjaft, ^poob belegt ftd)

in moberneren, allgemeineren Stnfdjauungenj aber ben (ibarafter beS

in ftd) fertigen unb bcl)agltd)cn, gegen grembeö fiel) abfd;licßcnben,

bcö in ber ©egenwart feft unb maßvoll fcfyaffenben unb boci) feiner

Vergangenheit getreuen, bc3 fd)arf verftänbigen unb gugleict) mv ftifd)

rcligiofen, beö unmuftfalifdjen unb bod) poetifeben SBolfeS, tiefen

«Sbaraftcr fpiegclt fein anberer fo wieber, wie £enm)fon. 2)cm beut*

fd)en ©eifte jumal ftel)t fein anberer fo fem.

3n 2)eutfd)lanb würbe Xennyfon*) eine l)arte, fa vemidjtenbe

ilritif erfahren muffen um ber unferm ©efd)mad gar fern liegenben

«Stoffe willen, fa man würbe ihm in 9türfftd)t auf Versbau unb

2)arftel(ung ben ^tarnen beS 2)id)terö gäu$licf) aberkennen; in @ng*

lanb gilt er nid)t nur für einen 3)id)ter, fonbern ift e$ in ber

5X£)at ; feine gef)(cr ftnb größtenteils gcl)lcr ber englifetjen 3lnfcr)au*

ung, bcö cnglifd)cn ©cfd)inatf3.

2)ic gönnen, in welche üenntyfon feine ^oeften gießt, ftnb ^wei*

erlei: altenglifd)c unb freigebilbetc. 2)ie bcutfd)cn iDicrjtcr ber 9ceiu

jeit l)aben 9Jcaße unb $Qd)en entlehnt unb in 2>cutfd)lanb eingebür-

gert von nal) unb fern, auä ieber Seit unb febem Drt. (Snglanb

unb granfreid), Stallen unb Spanien, bau alte £>ella$, ber Sorben

*) ZcmüjfiMiö SSefen fpriefyt fiel) in (einen „Poems" fo uöflig anö, bajj feine

übrigen SSerfc (In memoriam; the Princess) nur mefyr Q3eifpie(e liefern, nicljt

neue Seiten offenbaren tonnen; paljet befdjränft fiel) riefer 3luffaij nur auf rie

i^etradjtuna, t>er ©efidjte, ofync cafj, wenn er fein etfcppfen&eS Sil? von Xennufon

liefert, ctroa tiefer Sefdjränfuiia, bie Sdjutr aufjjelutrret »erben tonnte.


Ohiglifcfye ^cetcn fcct ©cßctiivait. 27

(Suropa'ö unb bcr Orient nutzten bie S3cttcn ^ergeben, in benen bic

SBaffer bcr beuteten HMcbtung fluten. 33ct SUfreb flcnnvfon ftnbet

ftcr; niduö bcvgtcidjcn. Sin ©onnet wäre ba$ einige, tt>a6 man

baln'n rechnen fönntc, aber bieö Sonnet ift nur bem -Kamen nadj ein

foktcS, nach btnfel&en Siegeln gebaut, wie bic meiften cnglifd)cn

(Sonnetfe feit brcil)unbcrt 3rtf>ren. @3 reimt abba, c d de; auö

bem Seelüfte beö jrociten Duatrainö greift bcr @a$ in baö erfte

Serjin, von biefem in bad jtveite über, fßon einem


28 (£nglif$« Spotten n-v ©«geutoart

hierin tcr bcfte Üicpräfentant Bei unmuftfalifd)cn Nation. 28ir 35cut*

[eben Ijabm tic ©efefce bcö Steintet in foleber Sdjärfe auSgcbÜbct,

tap heutzutage Steinte wie „«frnget— Spiegel, ^fab—Stabt, (Sang—

Sranf" ftc^ nicht tt>ot)I btirfen laffat bihfen of)nc ftrcngeö ©erierjt

ju erleiben *)j bajj Steine auf tonlofcn ©tylben, namentlid) auf 2lb-

feitungöfnlbcn, cntfdncben unniöcjlicb geworben ftnb; burd) bie englü

fcr)c ^soefte i]d)t baö «Streben, bem Keim ben aUermcitcften Spielraum

ju t>crfcf)affen : ftc erlaubt alle möglichen Sitten t»on unreinen unb

fet)(eef)ten Steinten. Solcher greibeit bebient ftcf> benn $cnn»fon int

alferweiteften Sttajje. (Sr reimt nic^t nur, roaö bei g(eid)er «Schreib*

art t>erfcr)teben (wind— kind), bei serfebiebener gleich gefproeben wirb

(arise— eyes— lies); er reimt aud), tvaß öerfebieben abtrieben unb

auSgefprocrjen wirb, wie past— haste; shoots— fruits; mist— breast;

early—barley— cheerly— clcarly ; gallery—high; come—womb

feet— coverlet; heard— stirrd; moon—one; river— lnirror; er reimt

SlbleitungSftlben (ehastity— by— charity; head—lowlihead) unb

tonlofe (inbftlbcn wie Lilian—can; glorious— us; dwell— in-

corruptible.

Unmufifalifd) unb bod) poctifd) nannte id) ben (Eharaftcr, ber

ftd) in £cnm;fon mibcrfpiegelc. Unb mit Siecht. (Sin muftfalifd) feineres

Db;r für Steint unb s 3)celobie t>at £cnm;fon eben nicht, alö eö feine

Nation [)at; aber wenn ihm biefer ÜÄangel 3)inge geftattet, bie und

unpoctifd; erfd)rincn, fo hat boeb grabe bie Dlcgelloftgfeit feiner 9il)i;tb/

men einen poctifetjen örunb. Sein ©efübl brängt ttjn bei feinen.

Imifdjcn (Stoffen nicht in eine fefte uiwcrrücfbare gönn, fonbern im

@cgcntl)cil auö biefer hinauö: aufö Gmgfte fd)iniegt fiet) baS metrifebe

©ewanb an feine ©cbanlen an, unb bie golge ift, bafj mit febem

SBcchfel, wir mochten fagen mit jeber Schmenfung beö ©ebanfenö

ober ber ©mpfinbung aud) ba$ 93er6ntafj wechselt, ähnlich, \m im

äfd)»leifd)cn (Sbore, nur bafj l)ier bie Slnttftroplje mit bem gleichen

Sßedjfel baö (Sbenmajj bringt, welches wir bei bem eng(ifd)cn dichter

vermiffen. SDicfcn rt)i;tl)mifd)en SBettöUngen vermag tk Uebcrfcftung

faunt nach^ufommen, wenn ftc nicht barauf tterjid;tcn wiü, ben Sßort*

laut beö Driginalö unb namentlich ben ©ang feiner (Smpftnbung

wieberjugeben; bal)er id), im Segriff ein SBcifpicl jur Erläuterung

") (£8 ift fdjt unflitg von mir, t^tco nuSjufpredjeh, ra id) In ben int Agenten

angeführten Öcifpicltn fclbfl mtd; fold)ci Dicime fdntltig mad;c.

;


(*itij(ifd)C ^oetcn ber ©egenunirt. 29

be$ ©efagtcn anjufüljren, bod) sweifle, ob bie fofgenbe


30 (fnflU[dE>c ^cctcn frcr («cgcntrart.

Uns hiftgcn Xraubcn, bf&tgcbriitgten, reiben —

Sduittcn entfliff): — nietjt lebt ncd) Detntfgtetdjjtn

Oft aflcj Sdjönftc in ttx äßett ©efito

2>cin Sltoflb gfeiä), tu fclbcr ©ott«8 Silr)

So «jan, roUentct vein unfi feufd) uns miß». *

£ie Ucberfclning maß mannen Slu6fcrucf gcfd)mäd)t r)a6cn, aber

tcr Straftet bee Drigmalö ift, wie i$ glaube, uwocränbcrt geMie*

ben; cö ftnb bort bicfclbcn SSerfe, bie ftcfy trübe unb langfam mie

ein ©rabgclcit l)infd)leppcn.

fDicfe Mangel treten übrigenö faft nur an benjenigen ©ebicfyten

fycripor, in benen er feiner Gnnpftnbung freien Sluöbrucf giebt; fobalb

er objeetto barftcllt, nimmt mit ben feften einfacheren 93erömafkn aucr)

feine (Sprache einen einfacheren (Snarafter an. dagegen begleitet ihn

namentlich l>tcr eine gemiffe Vorliebe für alte unb feltcne SBorte unb

formen.

2Benn bei tiefer Betrachtung ber formalen @igentl)ümlid;feiten

beö 2)id)tcr3 mancr)ed für unfer ©cfül)l fcl)(erl)aft unb wenig anjtcftenb

erfd)icncn ift, fo mirb ber 53(tcf auf ben Snljalt bec ©ebicfytc ifjn

fcr)merlicr) unö mil)cr bringen, vielmehr geeignet fein, bic große Äluft

gu geigen, nxldje annfcfjen bem liegt, wa$ bem fpecififd) englifcfycn

©cfcimiarf cntfprccfycnb ift unb bem, n>aS bic beutfct)e 53ilbung »on

poctifdjen Grjeugniffen forbert. £aum ein ©cbictjt bürfte in bem

ganzen 53anbe fein, tton mclcbem ein beutferjer Sefer ben Sßunfcr) \)t--

gen modjte, cd fclbfr gemacht 311 l)abcn.

93on fyrifd)cn @cbid)ten erwarten mir, bafj jtc unö be3 3)id)tcrö

Snnereö, feine ©efüfylc unb 2cibenfd)aftcn, fein 2)icr)ten unb £ract)ten

in (Scrnnerj unb gmtbe, in Siebe unb Seib, in (scfjcrg unb (Srnft

offenbaren. (Solcrjc (Srroartung mürbe fieb l)icr getäufcjjt fetjen. 2111c

bic ©ebiete, meldte in unferer 2i)rif eine 9?ollc fpielen, berührt aucr)

er: beö SEßenfcfyen Seele, Sittlicbfcit, $rcil)cit, üßatcrlanb, Staat,

Religion, — aber er giebt ftatt ©efüt)le unb Scibcnfdmften, ftatt

3orn nn\) 93egciftentng nur 2lnftcr)tcn, Harc, maßvolle §lnfid)tcn, mie

fte bem (Snglä'nber angemeffen ftnb. £)öd;ftenö wirft er einen mel)=

mütl)igcn 53lirf auf ba3 öffentliche Scben, we(d)c6 fiel) an bic (Stelle

ftillcr gemütfylicber £au6lid)fcit gefetjt l)at, ober er befingt in ÜBcrfcn,

meiere — fd)roierig gu überfein — nnS nod; ein 33cifpicl j[encö

2öed)felö ber gorm mit ber SBcnbung bcö ©ebanfenö geben fönnen,

ein „ttcrlaffencö £>auö."


(fitgUfdje fß orten teer ©egemvart. 31

K „©eift ttnb Sefien ^tit^en bin,

; 3

ftiir nute für,

8ie§en ftenfter auf unte Slfyür;

5)iietber leieljt »on Sinn

?lfle$ hinnen febroarj nnc 9iacbt;

^urgentes ßtdjt am ftenfter roaebt,

Uni fein Värntcn an teent 2bor,

»Da8 fo &ett>egltdj voar jinun -

©c&ttefji tea« Stfier, teie Sateen fefr,

Oteer turef; teie ftenfter blieft

9tacftc SDürftigfeit, bie teuieft

SDaö »eröbet finfrvc Ütejr.

gafjt im? gebn : fein ^reufcenfant

fr hier, unte nieljtö von ©djnterj mite ©liief.

9tu§ (Erbe war t-aet #au$ gebaut

Unte jut (Srtee fmft'3 jurücf.

©eift mite Seben — laßt un8 gebn! —

©inte ^inaeggeeilt;

SDodj an&re SBo&nung nahmen fie

3n einer fernen #au»tjrat>t grojj mite fctjön,

Sin «£au8, teaö bricht ßerftiu-nng nie.

SBären fie bei uns miveüt!"

!

2Iu ber (Steife, ivo anbere 2>id)ter überquellen in I)öd;fter Stift

unb tiefftem (scfymcrj, wo fie ben Sefer fortreiten, mitzulaufen ober

mitjinocinen bei bein „alten %icti?", baö bie (Singet Jpiminelöfrenb' unb

bie Teufel ^göffenleib nennen: ba füt)rt un6 aud) Xcnnyfon in weib*

lid)c ©cfctlfd)aft; aber auf eigentümliche 2lrt. 3n jiemlicö langen

fciifiyrambifdjen ©efcidjten, bie von oft g(ürflid)en, mand)inat fdjröüf*

ftigen Silbern ootl ftnb, befebreibt er uxiblicbe (Sfyaraftere, aud) wofyl

fein ÜBerfyaltnijj ju benfelben. ©eltfame Schönheiten ftnb e$, unferm

©efüb/I erregen fie met)r SBewninberung alö Siebe, ftatt Seibenfdjaft

tjaben fte Saunen, ftatt auf ba$ §er$ nnrfen fte auf bie *pb,antafte.

2)a ift eine, baö ©eljeimnjjj ber ©efyeimniffe, bie fd)toact)(äd)c(nbe

Slbeline, faum irbifd) bod) hidjt gang göttlieb, nid;t- ttnglürflid) nodj

rut)ig, aber über allen SluSbrurf fd)ön. 2Bol)er it)r bcfd)atteter SBItrf?

2Bot)er ifyrc luftige 33lütl)e? 2öot)er it)r fd>n>ad>cd Säckeln, g(eid) bem

ber 9cajabc, voenn fte bie ©onne ftnfcit ftel)t, ober beS *$f)antomS

eines SOiäbcijenä, baö ftarb, jtoci Stunben att? Sßet^e Hoffnung,

.


32 Gnglifdjc ^oetcn t>cr ©cgcnwart.

gurd)t, ftrcube l)at fte? 2Bcr fpricfjt mit it)r? £ ort fte baS Dieben

ber (Schmetterlinge ober ba6 33ul)(cn bcö Q3ci(d)cn3 um ben £f)au?

§ört fic baS Sauten ber ©lotfenblumen, fcfjaut ftc ber Sitte SItr)cm

beim Sonnenaufgang? Der leifefprccrjcnbe Oft febüttet üngling6. Unb je&t traten fte vor meine

(Seele, bie eine mit il)rer bejaubernben Slnmutlj, itjrcr auctfftlbcrnen

Soqucttcrie, ibrem launifd)en Ucbermutb, bie anbere in il)rcr ruhigen

Sd)önl)cit mit milbem, für)lem Säckeln, mit bem s 3)tonbfd)einbuft, ber

ftc unnahbar umflofj. Scfct verfiele id) SennöfonS Sicbeögcbicrjt.

3cnc Snfel umfcrjlicfjt folcfje ©eftalten, bie fo geliebt unb fo befangen


(xnglifcfye ißocten ber ©egcn wart. 33

fein wollen. Die bcutfcfye Siebe tft eine anbre, unb beutferje Siebet

lieber r)aben einen antern £lang.

9?äl)er tritt unö ber 2)id)ler, wenn er ben £on ber 5vlagc an*

ftinunt, wenn er und ju (Slaribelö ©rabe füfert, wo bie Softe ftitt

werben unb fterbenb Diofenblätter herabfallen Kiffen; wenn er ein an*

bercö ©rab befingt über einem ^erjen, baö ausgelitten fyat; wenn

er am 9)tccrc ftfjt unb bie SBogen an ben falten grauen flippen

brechen ftel)t, ba6 Spiel ber gifdjerfinber fcfyaut unb bem luftigen @e*

fang beö iungen ©egletö sul)ort, aber 28et)e ruft „um ben 2)rucf einer

üerfcfcivunbcncn Jpanb unb ben %on einer (Stimme, bie ftitl geworben".

Dbcr wenn er ber Ungetreuen guruft

„Ruinm' nid;t, »«in tobt icfy bin,

2luntd)tc Sbrancu meinem ©rab gu gellen,

3u treten über meinem Raupte bin

3ur Cnal tem Staub, ben tu nfdjt retten »rollen,

£cn ©int» fajj tönen mit» be3 Äibijs Scbjei;

»Dil, geb lun-bet

!

£b 3rrtbum, üinp, ob e§ bein %xevd tbat,

ftrag' id) nid)t mebr, unfelig rote id) bin

Stimm, »en tu willft; feodj id) bin lebenöfatt

Unb 9iub begefjrt mein Sinn,

©eli, fdjwadjcä £erj; fo§ liegen mid), wo'S fei;

©et), gel) vorbei!"

®an$ befonberö anmutl)ig fann £enm;fon fein, wo er ftcf) gänjlid)

bem %lüQt feiner reichen *J?r)antafte überlädt, wk in bem „ÜÄeermann"

unb ber „ s Ifteermaib." S)cr Slnfang bcö erften mag genügen.

„23er will fein

Sin Sfteermann gut,

Siljenb allein,

Singenb allein

Unter ber ftlutb

SERit gültener J?ron'

2tuf tem 2()ron?

3dj möd)tc fein ein SJiccrmann gut,

SSofIte fiijen unt fingen ten lag im £au3;

£ie Scefyaücn füllte tic Stimme Mar;

Qvify bei Stacht ta fd) weift' id) jirm Spiel binauö

93?it ten 9cir.cn tic flippen binab unb hinauf,

9)tit weisen Seeblumen fctjmüdf id; itir &aar,

Slräjto f. n. ©ptadjen. xv. 3

:

:


34 Gnglifd;e ^oeten ter ©egennnut.

Sei ten »ogenten Torfen t>iclt' id; flc nur,

llnt> unter ter 2ec ta fiifite id;

Hut füüte fte, bis flc füfjttn mid)

Suftigliet), luftiglid;;

3>ann vc eilten t)inircg, l;iun?eg rcir giel;n,

3u tcr beben OJleenrätter blaffcm ©rün,

Eigene einantcr mit Sd;crg, mit über uns tönte tie Söoge fern —

Sdnt\id;er Kenner unt> l'id;t turd; tie 3au£»cvnacbt bricht —

Bieter Sftonfc noef) ©lern."

lt.

f. f.

2lud) S33i& unb £unwr finben bei tfym ifyre ©tätte, obgleich

fparfamj wie er ftet) baju ftctlt, \x>k r>erfcr;iefccn er audj fyier »on bem

9Dieiftcn ift, ivaö bie beutfdje 2t;rif Junior iftifcfyeö aufbewahrt r)at,

mag ber Slnfang beö „Simpson" geigen«

„SDfein Sätet tie« mir einen *ßarf,

SDed; ter ift tritt unt bracfje,

'9Zen ©arten and), an Säumen favg

Unt teüfi wie eine Sndje.

£od; fagen mir tie 9iad;barn, ta£

GS gutes unt nid;t taub 8anb,

ltnl> triu ter iteim 51t ädern, vraS

£a »ädjft in fipp'gem Saubtant.

O lebt' id) in tcS ©angeS ßett,

3n tcS 9lmpr;ien Sagen,

•£>ättc tie $itel nur bereit,

Ot/n' atleS SäenS plagen!

O lebt' id; in tes ätte tie g-ftel nur bereit

Unt» geigt' im £0(30 füjj id;!

GS l;eijjr, (ein 9ftunb mar licterreid;,

Gr fang mit vielem ©lüde;

SBo er nur niefcerfafj, lietj gteid;

Gin ©ärtd;cu er gurürfc;

25e immer er im öten £ain

9Jabm tie verlerne ©eigen,

SDie gid;t'gc Gidje tjob tie Sein'

Unt ffamrfte luft'gen Dleigcn.

üDer Scvgwalt trurtc tritt gumal,

Unt «Sagen uns berichten

Junge Gfd;en tändelten gu £f;al,

Verliebt in junge Richten.

Unt Söein unt Gvbeu fint> im Sauf

3u feinem 2iet gefemmen,

Unt aus ton tiefen 2t)al berauf

©ang fleine Süfd;c flommen.

£cr Strand; warf c[b tie Seereu fünf,

GS flog taS £aar ter Sirfen,

Unt im 9A>ad;botterftraud;e fing

£er Sranntwein an 311 Wirten.

9)h't teu Gvtpreffen lange 9kir>n

Son Sßapßetn fteif (parierten,

.ftrauSföpf'ge SBeiten je gu gtrein

5lm SBaffet gatloppirtcn."

©0 würbe bie gange SRatur Iebcnbig 5 t)eutgutage aber vermag ber

£>tcfyter nietjt eine 2>iftcl gu bewegen; faum bafj if)n ein Dcrjfe an*

gafft. 3m 9t aef) bargarten Ijörtc er, wie »erweif tc 2>amcn gwifcfycn

:


(hiijltfdje Sßoeten frer ©egenwatt. 3«

faftlofcn erotifctjcn Sßflanjen ftyenb, botanifcfjc 2lbr)anblnngcn Icfcn

er aber fofl jahrelang fein 8anb müfyfam bebauen, So legt er'ö

benn in beö ^iinmclö Qavfo, jufrteben, wenn if)m am (Snbc ein

Heiner ©arten blühen voirb.

2>ie Sctracbtung r)at hiermit bie ©ränje ber eigentlid) Iprifdjcn

©cbicfyte febon übcrfct)rittcn unb lvcnbet ftdj ben er^äfylenben 31t. 25a

wirb e6 erlaubt fein, einige uncntlid;au6gcfponnenc nn;ftifd)*pl)antaftifd)c

Traume unb Sßijtonen 3U übergeben, »ort ben 2lllcgoricn aber, bie

eben fo erjarafteriftifd) für 2enm;fon unb ben ©efcr)maä" feiner Nation

ftnb (bie noeb bleute ÜMron über Sfyaffpeare unb „Pilgrims Pro-

gress" glcidj fjtnter bie 33ibcl 31t ft eilen geneigt ift), al6 jte unferer

2lnfcr)auung fern ftcfjen, foll lvcnigftcn6 eint „the pakee of art"

bem Sefer vorgeführt werben.

(Sin üOtcnfd) baut feiner (Seele tin I)errlicfje6 Suftfditoß auf ftcü

lern Reifen, von bem vier ©tröme fyerabfcfjäumen ; c6 ift au6gcftattet

mit icglidjer $kx von Saufunft unb Sculptur, unb glänzt wie ©olb

ober geitcr in ber «Sonne; gejiert ift c6 mit bem icf)ter fdjmücfen bie ©cmädjer: unb

ba tl)ront bie Seele in ftoljcr $veube, fingt Sieber von ifjrcr ©röfje,

il)rem uncrfcr;üttcrlid)cn ©lücf, tfyrer erhabnen Unabfyangigfeit von

SBclt unb Scbjrffal. Slbcr nad) bret 3ar)rcn wirb ibjr bang, fte füf>It

fiel) einfam, ©efpenfter umgeben, ängftigen fte, ifyre (Sünbe tritt pei*

nigenb vor fte. 8116 ba6 vierte %ü)x um ift, ivirft fte ba6 Äöntaö*

fleib ab unb null ba6 Schloß verlaffcn um 23uße 31t tr)u» — im

©ebränge ber Sßelt, in tfyätiger Eingebung für anbere 9)?enfcr)cn?

— vielleicht, bod) fagt jte ba6 nid)t; fte will nur eine -Ipütte im

$l)ale, um ba ju flagen unb 31t beten. (2ßie eine Sudlerin, bie

S3ctfct)n>cftcr urirb.) 1)a$ Sd)lofj aber foll freien bleiben.

„$8iclktcf)t mit Sintern fcfyr' idj eiuft jurücf,

SBenn id) J>ie ©djutt gebüßt."

Qtö ift ber 3nr)alt von vierunbftcl^ig vierjetligen (Stropfyen. SBäre er

auch, geeigneter un6 anjufprecr)en ; biefe pomphafte Srcitc, namentlich

ber Scrjilbcrungen, würbe il)n froftig unb ermübenb macfjen. Slber

gerate biefe Srcite finben wir bti fo vielen 3)icrjtern @ng(anb6, bei

feinen beften 9iomanfd)reibcrn, feinen berühmten Äfbnemj ift bod;

aucr) ber vortreffliche 93(acaulai; nidjt frei bavon.

;


36 ßnfllifcfie Beeten tcv ©egtnwart.

2lud) bei ben mciftcn 33a((abcn unb (yrgärjlungen Xennpfond

ftort fte, wie im* nod) [eben werben. — Wad) Spanien, Italien, $?Ua$,

nad) bem s })cittelmccr unb ben Sllpcngipfeln füljrt und 33p ron unb

überalt füllen wir und in bie Statut feined Socald »erfefct. 5)ic

Natur, welche Scnnpfon und geigt, i\t burd) unb burd) englifd) (aud)

wo Ufyfftf ob« bic 9inmpr)c bed 3ba (ein Stoff ift), aber er frf)il*

bert fte mit l>öct>fter 2fteifierfd)nfr.

(Sr für)rt und burd) bie lacfjcnben $lurcn unter bem rauben

3nfelt)immel, in licblidje früfylingdgrüne £l)äler, gu ben §ügeln t>on

Sd)lüffclb(umcn unb .ipaljnenfufj bebeeft, wo bic SKaitonigin unter

rem ^ageborn gefranst wirb unb bie Sugenb im ©rünen taugt, er

fül)rt und in reiche ©arten, unb gu bem Strom, ber ftet) trag gwifeben

golbnen .fpügcln unb üppigen SBicfcn winbet, er geigt und bie falbe

Srift, über bie ber 9tegenPogel pfeifenb fliegt, geigt und and) manet)

einfamed Scblop aud alter 3ät\ aber am licbfteu weift er am Stranbe

bed "DJfecred, an ben weißen flippen, bie t>on Sßogen brüüenb um*

fetjäumt werben, ober bei ben 9Jioorftrccfcn mit il)rcn fdjimmernben,

traurig fd)reienben 2Bctten>ögeln. Unb bie ©cftalten, bic er auf fol*

d)em SBobcn auftreten laßt, gehören bcmfclbcn unzertrennlich an.

9JM)r ober minber lange ©cbid)te in fünffüßigen reimlofen Jamben

»erfefcen und an jene Drtc, balb ein freined Sbptt ergärjtcnb iwn

2)ora'd aufopfernber Sreue für SSiüiam, ober &on ber Zieht bed

s )J?alerd gu ber ferjonen ©ärtncrdtocr)tcr, balb eine alte- Sage von

2lrtl)urd Zob ober ©obwa, balb aud) nur ein ©efpräcf), ein Sieb,

eine 33ctrad)tung. gretlid) fommt aud) Ufyffed einmal öor ober Si*

mcon, ber Saulcnl)eilige — ol)ne b


ÖRglifcfK Rotten bc v (Segen wart. 37

9)cüöer$toct)ter., gefreit, unb wie ftc i()m jene Sieber fingt, bie er

ir)r bamalö gebietet.

hierbei* gehört aud) eittS ber befannten 3>nnyfon'fd)en ©ebnete:

bw SDtoifömgin. SBfr hören ben Subel beS jungen übcrmüt()igen

3Ji äbcbenfl, btc ftcjj freut auf ben fommenben Sag, „benn td) werbe

2Raironigin, üftutter, tdj werbe SDcaifömgin fein!" 3ljrer $ügenb*

fd}önl)cit bewußt, laßt fie ungerührt ben liebenben Diobin fcbmacfytcn.

äöir fel)en ftc wieber auf beut Äranfenlager., wie ftc nur nod) bie

Wcujal)röfonnc erleben roitt, flagenb, bafj fie feinen grüfyling mct)r

(eben foll unb bie ÜÄutttr trbftct. Unb ftc erlebt ben grübling npc fy

unb getröftet burd) beö 3ßrfefte*6 3Borte unb buret) bie ©ngelftimme,

wcld)c Hjr bü 9?acr)t jugerufen fyat, ftirbt ftc im §lrm ber fOhttter

unb ber fletncu Scbmcftor. (53 jtnb gar fd}önc rüfyrcnbc $krfc, aber

unferm ©cfübl will c£ ntdjt jufagtnj benn nur macben ben Slnfprucr),

ta$ ber 2)td)ter, wenn er ein blü()cnbe3 Söc&bdjen fterben läßt, biefe

girrte bcö Sdjicffalö motioire, il)re ^Berechtigung aufzeige. 2)a3 tf)ut

er nierjt; ftc war blühenb gefunb unb ift nun franf geworben; $a&

mag natürlid) fein, aber uiebt poctifd),

9cod) ift t>on ben SSaÜaben §u fprect)en , bie gartj in ber Sßetfe

ber attenglifdjen SBaUaben »erfaßt ftnb unb aud) bergleidjert Stop

befjanfceln, Slud) l)ier ftoßen wir auf bie erwähnten ftttyn: ju grofe

breite unb Mängel an genügenber SDcotioirung. 3m Sdjloffc auf

ber 3nfei ft($t fröf)licr) webenb unb ftngenb bie SJa'me von @r)afottj

vor il)r fyangt ein Spiegel, ber i()r 2lße6 geigt, wau braüfen in ber

Sanbfcfmft über bem gluffe, ber nacr) (Jamelot fließt, »orgcljr. 3)iefc

SBiiber webt fte Sag unb 9?ad)t; eine Stimme l)at ü)r gefagt, fte fei

»crflud)t, wenn fte inne t)filt um nad) (Samelot fyinabgufc&aucn; fünft

lebt ftc ofyne Sorge, JDa reitet Dritter Sancclot luftig jtngenb vorbei;

ftc ftel)t il)n im Spiegel unb tritt an'ö genftcr. 3)a gerreift baS

©eroebe, ber Spiegel gerfpringt: ber %lud) ift über fte gefominen.

3n ber ftürmifdjcn, regnigen ^erbftnacbj gel)t fte l)inab, (oft btc Äettc

bcö Äal)itc6 unb treibt jtngenb ben Strom l'n'nab nach. (Samelot. Singenb

ftirbt fte. iDie (Sinwofyner ber Stabt fommen an ben Stranb, fefjen

fte mit Staunen unb leferi ben 9?amen, ben fte auf beö ttabjteö

SRanb gefdjricben. Unb Sancclot fpricl)t:

Sic ()at ein lie&lidj 3tngejtcf;t,

So gnab' u)r ©Ott in feinem Vicljt,

2>cr ©ante uou Styatott."


38 Cniijlifdjc ^octcn ber ©egenroar t.

2lucr) im beutfdjcn s 3)?ä()rcf)cn fpielt Verzauberung eine grofe üiotte;

aber bie ilataftropfyc bcftcf>t barin, ba§ ber glud), ber übrigens faft

immer irgenbwie verbient war, glücf(icr) gclöft wirb. £>ier erfc^etnt bie

^clbin von vorn herein verzaubert unb wo ber ^)6rer bie Sofung bcö

glucfyö erwartet, ba tritt (eine ©rfüUung ein; fte ftirbt, wer n>ctf

warum ?

s Diinbeften6 mnüat)rfd)ctnlirf) ift e$ aucr), wenn in „Driana" ber

bitter ben ^feit anlegt auf einen fyocfygcwacrifcncn geinb, ber jwifdjcn

it)n unb bie fcavf ntcfjt fterben unb bei bir fein,

Driana.

Scf; fjörc ber 2Sege SDJclcbein,

Driana!"

£cr etwaö längere Day-drecam ift fcr)on barum eines näheren

2lnfct)cn6 werft), mil er einen unö befannten (Stoff bel)anbcft : 2)aö

'DornröSctjcn. 2)er 2)icr)ter l)at Sab» $(ora im (Schlummer ge*

fet)cn, ba ift it)m jenes 33ilb bcö £)ornroScbcnö (ber 9?ame fommt

übrigens nidjt vor) aufgegangen, unb er crjäl)(t it)r nun baö liebliche

s )Jlärct)en, woran er nur noer) einige Betrachtungen fnüpft, bie unö

minber intcreffant finb unb fd)lie{Hid) eineSlrt Siebeöcrflärung an Sab»

giora enthalten.

„€>tet§ fleibet neu mit £atm unb ©cfjaft

2)cr 3a$re 2auf ben freien $(an,

-£>ier fcljtummcrt in fem Saub ber @aft,

$kx fteett baö 2Mut in feiner 23af)n.

9^nr fd;n?ad)er ©Ratten fommt Dom %dt>

Unb (eifer Sefyafl unb lcid;ter £uft,

2Sic @ru§ unb Crclio aus ber SBelt

SJn ©eifter in ber ßrbe ©ruft.

(So beginnt er bie au6fül)rlid)e


(snglifcfjc Poeten fr er ©egetitoo'rt. 39

liebe 'malt er bic fdjlafcnte Jungfrau, bereu „wanbellofe Sdiönfycit

leit)t Siebe ber 9iur)', bem Sag 2id)t."

2)a ftnb bie fyunbert Safyre vorbei:

„(sr Fontmt, aus fernem Sani) entflammt, —

©ein SERantel flimmert am ©eftein, —

(Sin ^auberprinj — fein ?lua,e flammt —

Befc^tfüfl'ger als baS SBilD im £ain."

(Et ficf>t im 2)orncnl)ag bie verwitterten ©ebeinc ber Jünglinge,

bie vor ir)m beim SBagcftücf um famen; aber

„SDurelj feine Sinne blitzt t-aS Üüort:

Siele fehlen : einer f;at MS ©liiit"

G?r tritt r)inem, ber Stimme folgertb, bie il)tu feiu Sebelang von

biefem *]3fabe (prncr) uub ünt fyicrfyerfüfyrte; er tritt in'ö ©($lof, ftel)t

fte uub ftnft auf'ß 5frtie:

„Sieb'! ifi fein £aar fo r im fei fcfjiMi,

23ie frunfel mufj tieö Singe fein?"

(Sr fußt fte, baö (Schloß wirb lebcnbig, SlUeS erwadjt, bie §ecfe

ftnft : bic Siebenben aber, unbefümmert um allcö Slnbere, $iei)en fort

in bie weite 2ße(t, füffcnb unb fofcnb ju be$ Sünglingö ^geimatr)

„lieber ber «frcfjen legten 9lant>

Um fren fces ?lbent>8 Sßurput rinnt,

SSobl SEag unc 9tad>t c-urd) atleS Sanb

gol^t ibm bea,tiicft t\iS iWnigSKnb.

äßaS aber wirb au$ ben 3ntücfb(cibenbcn? 3ft ber alte Äönig nur

emmcf)t, um ftcr) 31t gramen, baß tt)m bie £od)tcr verfdnvttnbcn ift?

Unfern 2)ict)ter flimmert baö nietjt; ba§ beutfdje 9J?ärd)cn ift freunb*

lieber geftnnt, tnbem eö ben ©Item bie greube am ©lürf ber Softer

vergönnt.

Snbem ict) aucr) l)icr wieber ju tabcht futbe, ergreift mief) bie

93eforgniß, baß mein 2luffafc, in bem mir vielleicht bie 35clcud)tung

ber -üOiängcl beS 2)id)terö beffer gelungen ift, als bie feiner $or$üge,

bem Sefer eine ungünftigere 2lnftcr)t über £enm;fon einflößen fönnte,

als id) eS beabfiebtigte unb als td) fclbft fie I)ege. 3d) fdjlicße beß*

fjatb mit einer 23allabc, bie frei von alten jenen gefylem, burd) bie

pfyd)ologiftt> £iefc ber 5luffaffung beS furchtbar büftern Stoffes, burd)

bie einfache ©cwalt ber Sprache, burd) bie fur^e flare S)arftellung

am geeignetften erfetjetnt ju jeigen, 31t weldjer poetifdjen ^>öt)e ftd)

ber 3)id)ter flu ergeben vermag.


40 (niglifcfye $octea t cv ©egenwurt.

2öir ttttrm jwct 2öd)ter wn (Einem $au8,

Sie aber fa& am fclnniften au8.

(£3 bläjt ber Sturm bind) Saum unb

2burm.

Sic waten gufammen unb fk fiel:

SDafur tic 9tad;e mir wo&tgeftel.

C fdjön war tcr ®raf ju febn

Sie frart: jic fajjte wifoer Sranb;

©ie mifdjf i()r atreS Shit mit ©cjjänb'.

(i-3 f;eult bei ©türm burch Sanm itnb

ütfjurm.

23ol)l üöionbc lang unb früh unb fpai

Seine Siebe ju erwerben £>aO' icl) gefpäfyt;

C febön war bei ©raf jit febn

3d) gab ein gejt, idj lub ibn ein;

3dj gewann feine Sieb'; idj führt' il;n hinein.

ßfl brüllt ter Sturm burejj Saum unb

ütfyurm.

Unb auf beut Sctt nad) bem ©elag

Sein £>aupt in meinem Sdjofje lag

O fdjön ivar ber ©raf ju febn

„Tic Sd; iveftern.

3cf) fiifft' ihm in Schlaf bic Singen ein

£ie Dcofenrcang' am Sufen mein.

(£ä tobt ber Sturm Mint) Saum unb

2l)iirm.

Jd; bafft' ihn mit ber £ö(Ie ©ewalt:

"£od) liebt' id; bie »unberfdjmte ©efralt:

O fcbiui war ber ©raf 51t febn!

2luf franb id) in ber füllen 9tadjr,

$ab' fdjarf unb blaut ben Toldi gemalt,

(U rafl ber Sturm bind) Saum unb

Stuurm.

Sie er 2ltbem holte, balb noch, xocidj,

«Dreimal icl; burelj unb burd; ibit frad).

£> fdjön war ber ©raf ju febn

Z febön war ber ©raf 511 febn !"

Sevlin. Dr. £eitmd) ^ifefter.


gtvtiitn $i\ g\)akf\>ei\ve 1

* ilhubtüy

3>tc Scfet tcö 2lrd)ivö werten ftd) »ieHeicfji ivuntern, tajj id)

fdjon wietcr mit tiefem Slrtifcl hervortrete. Slber id) fann ba nid)t

fänveigen, wo id) bag gute 9icd)t fo augenfd)einlid) »erlebt unb tiefe

Sßttlefctmg mit fo viel ßuserftcfji alö bte 3Bn () r l) c i t ausgeben felje;

td) retc junäebft von ter ^eufft'fd)cn Interpretation tcr befannten

£crenfcenc im Macbeth (I, 3). 3$ l)abe fd)on früher aitSgcfpro*

eben, baß td) cö nimmer für möglirf) gebalten l)ütte, taß jemanb

bte fraglid)e Stelle fo verfielen, refp. mißoerfteben fbnne, als eS eben

.Jpr. Jpeufii gctl)an mit Ijabe tal)cr meine SBerterjtigung vielleicht ju

„cavalieremeut" gemalt, wie ftd)


42 StuMcit ju 6&affj>tate'fl Macbeth.

richtig ju BerfWjen. 93on biefem @cmcingcfül)l festen mir aber bie

^cuffl'fdje (frflärung, als id; ftc juerft laö, fo weit abuigcfyen, baß

icf) niebt umfytn fonnte, ftc l)aarfträubenb ju nennen; ein wenig

unjart vielleicht , aber wcnigftcnö toafyt, Qx. !q. »erfuclje bodEj ein*

mal btefe (eine Grflärung, bie wirflid) bic feine ift, einem irejenb

gebilbeten (Sngläntcr cinjureben, unb er wirb nur taube Dfyrcn ftn*

ben, benn jcber ßtngeborne öetjleljt biefe Stelle, u)ic id) fte »erfter)c

unb rote fte 3eber t>erftef)en wirb, ber überhaupt 1) englifd); unb

2) Sf)affpeare t>erftel)t. ©eljen wir gleicf) einmal auf £>rn. £.'3

©ebanfengang ein unb wir werben fcb)cn, baß er gictd) üon t>om*

l)erein ein irriger, b. i. nid)t ber beö 2)id)ter6 ift. ^r. ^>. meint,

bic ^pere wolle bem nad) Sllcppo ©efafyrencn (in einem Siebe) naefj*

fetjen unb nel)mc baljer bie ib)r von ü)ren 9)citfd)wcftcm gebotenen

Sßinbe banfbar an; bann rül)me fte bie Sßortrefflicfyfeit biefer SBtnbe

unb fage ju biefem 33et)ufe : „unb ftc wct)cn grabe auf bie Striche

ober fünfte, auf alle ^immelögegcnben bjin, bie man auf bem (Som*

paß fennt". — 2)aß aber ber 2ßinb, wenn er überhaupt wel)t, auf

trgcnb einen tyunU, irgenb eine .ipimmclögegenb l)inwer)t, ift fo flar,

baß man nid;t begreift, wie ber 2)id)tcr etwaö fo Ürwialcö fagen

ober ein SluSlcger e6 it)n fagen laffen fann. (E'ö muß alfo wob,l

baö „grabe" urgirt ober in einem prägnanten Sinne genommen wer*

ben, alö etwa grabe auf bie rechten fünfte r)in, wie, benfe tet),

^>r. .£). anberwärtö erflärt, ober „auf ein JQaax" auf bie fünfte,

wie .£>r. SBreicr übcrfe&t, b. I). fte wcfycn grabe nad; Slleppo gu,

wol)in bie ^)crc will. 3>ft aber biefcS bie Sluffaffung ber Ferren

-£>cufft unb 33rcicr, fo i]t junacfyft bagegen cinjumenben, baß fa bann

bcrfclbe günftige 2Binb aud) bem gu SBcrfolgcnbcn, fd)on 2lbgcfal)re*

nen, gu gut fommen würbe, \va$ boef) gewiß nid)t in ber 2lbftd)t

ber ipere liegen tonnte; unb bann, wenn bie rechten fünfte ober

Stridje, nact) benen bie äßinbe weljen, bie uon Slleppo ftnb, wie

fommen benn bicfelben SBinbc bagu, nad) allen ^)immclegcgenbcn

r)in ju weben? 6ö bleibt alfo, foll nad) ber £)cufji*33rcier'fd)en 2luf*

faffung überhaupt ein Sinn in ben SBortcn bleiben, nicrjtö übrig,

alö anjunel)incn, baß bie Sßinbe überhaupt günftig feien, ben nad)

Slleppo ©efal)renen 31t verberben. 2Bare aber biefeS gunädjft ber

©cbanfe Sl)affpcare'ö gewefen, fo fyatte er it)n gutterläfftg ganj an*

ber6 auögcbrütft, man müßte benn annehmen, baß er einmal mel)r

benn fdjülcrfyaft t)abe fd)reibcn wollen; benn an fiel) liegt biefer ©c*


«Stuften jtt Sfyaffveare'S SWacbctb. 43

banfe in ben SGBortcn gatt| unb gar nicht, ©cgen bicfe Sluffoffung

tft aber ferner nod) einjumenben, bafj iie aud) tton (ogtfcfyet ©citc

unrichtig tft; benn wie fann man Sljaffpeare jutraucn, baf er bie

Söinbe juerft nad) ben 9iid)tungcn wcfycn (Aßt, „meldte nod; jwi*

feben bie ©inbftricbe bcö (SompajfcS fallen" — fo crflärt S^w ,£>.

points — ; unb bann erft nach ben quarters, b* r). „ben 16 ober

32 3Binbftrid)cn , bte auf betn Sompajj vermerft ftcfycn"? 5)a6 tft

bod) gcrabe \o, alö wenn Gitter fagte, ber unb ber l)at alle Drtc

(fünfte) jwifdjen ben 4 ober 5 SBelttljeilen befuebt unb bann t)at

er bie Sßclttljcüe fclbft bcfmtt. ©anj ebenfo fcfjwad) ift bicfe 2luf*

faffttng auef) t>on ber grammatifdjen Seite, benn ein accus, directio-

nis fommt in biefer äßeife nirgenbö »or, unb angune^men, wie

§r. jq. tl)ut, baß ein folcr)cr „bod; wol)l in früherer ßtit öfter gc*

brauebt würbe", ift, gclinbe gefagt, wcnigftcnö fcfyr gewagt. S$x. Sg.

wirb bemnad; jugeben muffen, bap feine 3luffaffttng ber ©teile ein*

mal im t)öd)ftcn ©rabe sag, unflar unb untogifd; unb bann

äuglcicb ungrammatifd) tft

9Bte gauj anberö flar unb burd)ftd;tig bagegen ftcltt fidt) 2llleö

bar, wirb bie Stelle »erftanben, wie fte, meineö SßiffenS, alle 2Bclt

verfteb/t, fo namlid), bafj wir ein SBefcn auftreten fet)en, nid)t jarjui

unb cotvocntionell l)öflicb, wie ^r. Sq. bie Jpcre — pofftcrlid; genug

— barftcllt, fonbem im tiotlftcn ©efül)l ifyrcr SÜlafyt unb fo fiel)

felbft (nid;t bie 2Btnbe) t»or 2111cm in ben Sorbcrgrunb ftellenb.

3n biefem ferfen, trotjigen @elbftgefiil)t lel)ttt fte, nacf)bem fte ttorfyer

nod) leittieb artig gemefen, baö von einer jweiten -Spere gemachte

Slnerbietcn cineö „anbem Sßinbcö" cntfd)iebcn ab, inbem fte nad;

ben Porten:

fortfahrt

Uni» ich, 'n antern —

3$ felfcfl &a&' all' bie anfern; —

Unf fte -§> ä f c n fei fr ff, He fte frefrretcfyen, *)

2t IV fte Viertel, webin fte reichen,**)

SSie eä fc§ ©eeraannS Statte jeivjt.

3d; will u.

*) sc. fyabc, beberrfebc id).

f.

».

**) f. b. id) fann nadj SSiQfür He SSinfc wefyen laffett, nach welcher £{m*

melSgegenb id) immer will. SDaS eine tcr betreu fic barf nicfyt für „man" ge*

nommen werfen, fenu fte finb beife nacb rbwtfmtifrfjcr ©lieberung netbwenfig

ficfelben.


'«'» rm

Tu ii |ü 2 b n f fcc n ve'e SM iicbett).

So oufgefafit, crfcbeint SIßrö Kar unb natürlich; bie ,§erc bleibt

immer in bem SBorbergrunbe, iljre 9Ra$t über tic äBtnfce nid)t nur,

fonbern aud) über bie (in fo naber 3tccnverbinbung mit ibjncn fte*

ftenten) ^äfen unb SÖinbri errungen barfegenb, 233a3, in ber

£l)at, fönnre cö aud) ber Jpere helfen, wenn fte jtt)ai $)cacrjt über

bie Sßinbe l)ättc, aber ntcr)t jugleid) über bie Reifen? könnte ber ju

SSerfolgenb« Scr;u{5 im erften beften .frafen finben, waö f)ülfe eö

aud), wenn alle äötnbe gegen il)n loögetaffcn würben? örft wenn

bie Jpere !®tnb, Jpäfcn unb ^imtneldgegenb (2ßinbrid)tung) be?

bcrrfdit, fann fte ben geinb ftcfjer aufreiben, b. I). ibn burd) Sturm

unb ÜHJettcr, burd) SJerfcfytogen nach £>ft unb $Qtft, nach ©üb unb

9iorb ic. ju bem 0)crippc machen, wie fte eö mit fo viel 2Bot)lgefal*

len befd)ieibt (I will drain him etc.). 3)aö ift, wa$ fte cmftlid)

will unb waö fte aud) fann, eben weil fte mer)r alö mcnfd)licr)e

äRacfri hat. 2>iefe ihre Wlafyt ließt aber ber 2>id)tcr in ber Stelle

fo bar, baß fte ftd) über bie gang? äußere Statut erftrerft, nur

über ben ©eift, über baö Seben bcS ju SSerfolgenben fleht il)r biefe

ab, beim fte fagt: though his bark cannot bc lost, yet he

shall be tempe st-toss' d. 2)aö tempest-tossed eben bilbet

ben JQaupt* unb Sd)lußpuuft von 2111cm; bamit fte aber il)rcn

geint a\^ offenem s Dieere nad) Söiflfür herumwerfen tonne, muß fte

notljwenbig lie $)(ad)tvo(lfomtnenl)cit fyabcn, beren fte ftd) im (Sin*

gang ber Stelle (von I myself biö shipman's card) fo tro*

£ig rür)mt. Somit »tberlegen ]id") f fyoffe td), gnnj von fclbft bie

oft rcd)t fonberbaren (Sinroenbungen unb Vorwürfe beö -Jprn.

-Jpeuffi, auf bie nod) fpecteßer einjugefjen, td) weber Stift nod)

3eit habe. 9tur (Sincö will id) nod) bemerfen, baß, wie J£>r, £.

bie Stelle auffaßt, allerbingö mit „ports" gar nid)t3 511 maerjen ift

unb nott)wenbig „points" gelefen werben muß, wenn nur wcnigftcnö

ein Sd)ein gefunben Sinneö in ben SBorten gefunben werben foll.

Slbcr felbft tiefer Sdicin, wie bewiefen, m fo tunfei, »ag unb ver*

fcfywimmcnb, baß cö mir unbegreiflich i\t, wie Semcmb baö feftbc--

grünbete, Überali gefunbene ports gegen ein foldicS Srugbilb oer*

werfen unb feinen ftunb, ber, vereinzelt wie er ift, unmöglid) etwaß

Slnbcreö alö ein 1)rurffel)ler fein fann, bem ^ublifuin mit fold)cr

3uvcrftd)t vorlegen unb wieberf)olt vertf)cibtgen fann.

2ßie Ä^r. §. bie eben befpredjene Stelle vor^ugSwcife barum

fo mißverftcl)t, weil er nid)t ben ganzen 3ufanmicnr)an9 , bie ganjc


SfitHcn *,u ©tjaffpeare'ö SKnc&ctlj. in

innere ©liebcrung berfelben auffaßt, fonbern auf (Sincö ober @in$el*

n*8 öetfeffen, alleö Slnbcre fetner öoxgefaften 3bec anutpaffen, in

feinen ©ebanfen l)ineinw$n>angen fud)t — war er boeb in fein points

fe »erliefet, baß er nnö juterft nid)t einmal bic Duelle bat nennen

mögen, ber er e£ entnommen, in bei* Hoffnung w'cllcid)t, bic feltcnc

Sßaarc als auS feiner Sabril eiufcbmuggcln nnb ben 9tul)m ber (Sr*

fmbung bawmtragen §u fönnen — fo begegnet t()tn gicmlid* an

©leiebeö mit Stelle I, 7, 31t ber tef) fogteid* üfcergefje, ba wir über

I, 5, in ber Jpauptfadje einig ftnb. 3d) will l)ier möglidjft furj

fem, muß aber oorerji, ba £r. £. bd feiner Entgegnung auf ba$>

worum e3 ftd) I)ier eigentlich) banbelt, gar nicht eingebt, noctnnalö

bewerfen, baß fiel) in biefer (Stelle If it were done bi$ to our own

lips, — Sbaffpcare barin gefallt, baö mit bem brcifad)en done luv

gonnene SBortfpiel fortjufetum, fo ba$ er bureb, bic gange (Stelle %m

fcureb tl)ci(ö finn*, tljcild lautücrmanbte Söörter wal)lt, als to

trammel up nnb to catch; surcease unb success; be-all unb end

-all; but — but; here — here ; bank and shoal of time; teach unb

instruet (teach Instructions)» 2luf btcfeö 3$erbältniß nun l)at, mcü

neö SBiffcnö, nocl) niemanb bei (frflärimg ber ©teile aufmerffam

gemacht, wcßbalb wofyl angenommen werben fann, baß überhaupt

nur wenige Sefer bic Stelle ganj richtig, b. b,. ganjj im ©eifte (Sl).'ö

aufgefaßt unb »erjianben fjaben« 25 aß 3. 33. v

Xiecf ftd) liier groblid)

geirrt I)at, namentlich, mit bem shoal (school) of tirae, tft wol)t

allgemein anerfannt. 3»n biefen 3rrtf)um wäre aber £iecf gewiß

nid)t verfallen, wäre er auf biefe gortfe&ung ber bemerkten SÖort*

fpicle unb Sinn* ober Sautanflange eingegangen unb l)ättc üon

ifjnen l) er au 6 bic Stelle crflart. 9?un l)abe td) ^prrt* §» *>or*

geworfen, baß auch er bic Stelle nicfjt öerfic^c, wenn er to trammel

up mit „bcl'crrfcrien" überfeine, unb l)abe hinzugefügt, baß bic (Stelle

überhaupt nicljt verftanben werben fönne, wenn man fte, wie

er c$ getl)an, nur ftücfmcifc nehme, ftatt fte im (Sanken unb nach,

il)rcm innern 3ufammcnf)ang aufjufaffen. 2>aö fcfertnt nun aber

eben, wie fd)on oben bemerft, ipra. £>'d ftärffte Seite nid)t 31t fein.

Statt auf ben Äern ber (Sache cinjugeb-en, mad)t er nur »iefe SBorte

unb meint, jeber Sefcr werbe moh-l „feinen (Sljaf. jur §anb nehmen

unb fowol)l twr \m nad) ber erflärten ©teile fein Sluge fdjweifcn

laffen, um ben 3ufammenl)ang fennen ju lernen". 35 aö

aber tft c6 eben! Der el)rwürbige Stecf 3. 53. mag mancfjcö s 3)ial


46 ©tuMen ju ©baffycarc'ö SJtacbctfy.

„fein 5lugc vor unb nad) fyaben fchmeifen laffen", vielleicht mefyr

alö baö; aber factum ift, er verftanb bie Steile nicht. Unb ein

©Icicfjcö erlaube id) mir auef) von fem. Q. gu behaupten, (o lange

er eben to trammel up mit „ bcl)errfd)en " überfein ju muffen glaubt

unb auf baö Sintere nidjt weiter einjugerjen für nöttyig finbet. Soll

aber ber ©cbanfe bcö Xicbtcrö unb bie 2lrt, \vk er il)ii einjuflcibcn

beliebt, in ber Ucbcrfctjung irgenb turchferjimmern, fo fann to tram-

mel up I)ier eben nur in feiner eigentlichen 93ebcutung genommen

unb fo burd) auffangen (= abfperren, fyemmen), fo wie to catch

burd) ein fangen (= ftdjcrn) wiebergegeben werben. 2>afj St)aff.

dergleichen äßortfpicle fet)r liebt unb fel)r oft anwenbet, braucht nid)t

erft bewiefen 311 werben. 993 enn aber Jpr. !q. meint, id) b>abt bie

Stelle nur barum ganj aufgenommen, um meine (Smenbation von

this in thus „fd)icf(icr) anzubringen", fo jcigt er dm\ baburef) wie*

ber, voaö er von ber Stelle verfielt; bajj er fte aber wirflid) nicht

verfielt, beweift er aud) nod) burd) eine fet)r feltfame (Sorrcc*

tur, bie er jumad)ft an fid) felbft macht, faft nur, möchte eö

feheinen, um baö Vergnügen ju l)abcn, einmal ben angeblichen

gel)ler mir mitaufbürben, unb bann auö bem angeblichen genfer

beweifen 31t fönnen, bafj „hiermit bie 2ßid)tigfeit ber üBoigtmann'*

fd)en 93ejiebung ber beiben but auf einanber in nichts jitfam*

mcnfällt". 2)cr Scfer errätt) , bajj cö ftd) l)ier um bie 9Ü>orte that

but this blow — but here etc. hantelt, fern. ö. beliebt cö nftm*

lid), bie mit that but anbebenben 9Borte nid)t mel)r, u>ie er früher

tt)at, unb wie eö jcbermann tbut, als $olgcfa|3 bcö vorauögcl)enben,

mit if beginnenben, fonbem alö tiefem beigeorbnet unb fo felbft alö

(Sonbitionalfafc gu nehmen. @ö foll bemnad) that but für if but

ftehen unb that baö ben (Sonbttionalfafc einlcitenbe if vertreten, ivie

im granjoftfeben que ein si vertritt. 91 ber Worauf grünbet §r. S$.

biefe 2lnnal)ine? ^Bon einem ©runb ift in Sßaf>rf)eit nirgenbö bie

Siebe; er fagt cö unb fo fotten mir eö glauben. 9ßir aber fragen:

1) nötl)igt etwa Mangel an Sinn $u biefer fogenannten SScrbcffcrung?

— ganj unb gar nicht, beim but alö bafj, auf bajj genommen,

giebt ben vortrefflich ften Sinn, inbem eö ben $olgcfa£ einleitet; 2)

rechtfertigt bie ©rammatif biefe Slnnal)mc? — gar nicht, benn nir*

genbö lef)rt bie engliferje ©rammatif, bajj ber (Snglanber j. 93. fagen

fann: if I was in Russia and that I had the permission to etc.,,

wie bieö bcfanntlid) ber granjofe fagt, wäl)rcnb ber ©nglanbcr bem


48 Stubttn ju 2 fmf fvearc'ö 9J?acbetf>.

ftaU, unb travail, pl. travaux, Slrbcit, notbwenbig einerlei, b. r).

von gleicher Abdämmung ftnb? — 2)aö bezweifelte icr) unb barum

fliehte icr) na et) einer antern Ableitung beß lederen SBorteö. Wein

3wcifcl ftür^tc ftd) auf folgenbe Xl)atfad)en: 1) i\t c» auffaltenb, ba|j

baö engliji&e Subft. travail unb franz. travail, in tcr 23ebcutung

von SRetljftall, ftet) niebt cntfprcdKii, wäl)rcnb bod) to travail ur*

fprünglid) ganz fccm fwn 3- travailler cntfprid)t. Ten 9(Ott)ftalt ober

baö ©ebälfe jum Sefd)(agen unruhiger uferte nennt aber ber (Sng*

länber trave über and) travi3 (= tat. trabs, trabis); 2) unter to

balk verficht ber (Snglänber eben nicf)t£, ald a) einen halfen u'ct)en;

fig. einen Ducrftrid) mad)en: täufd)cn, äffen; b) (in alten Scfyrift*

ftel(crn) txne vor einem 33alfcn ober ^inbernip vorbeigehen; überge*

fyen, auelaffen; unter entraver verftebt ber granzofe nid)t3, a(6 einen

halfen vor=, einen Spannftritf anlegen : l)emmen, Wintern. Slcbnlicr)

ber 2>cutfd)e. Saßt ftd) nun aber biefer Segriff trabs, entrave,

halfen, balk = ^emmnifj, .Jpinbernif, auf ben von travailler an*

wenben? ^peipt etwa travailler un cheval einem Ererbe Spannftricfe

anlegen? 9icin, e$ l)cifjt vielmehr, ein Sßferb rccfjt fpringen ober

traben [äffen, cö abtreiben, fycrumtummeln. 2öer benft an einen

halfen ferner bei Sludbrütfen wie travailler un liquide, eö buret)

frembartige 3u)ä§z verfemen, beffem ober fälfcr)en: trüben,

fd)miercn; faire travailler son argent, fein ©elb um treiben,

eö wud)ern laffeiif travailler la päte, um treiben, buret) einanber

rubren; travailler qch., eine Sacrje übertreiben (verfünftcln);

ober im neutralen Sinn: la biere, le vin travaille, treibt, gel)t,

gafebt, gäl)rt; (im (§nglifd)cn the liquor works;) la mer travaille,

tft in SBallung, gef)t rjoeb, fdniumt; les couleurs travaillent,

getjen au 6, febiefen au 3, verfeineren ic. — wer benft l)ier roofyl

an einen halfen? — 3) cbenfo benft bei to travel, reifen, ftet) er*

t)eben, ben *J3(a$~veränbern, ftd) um treiben, l)crum treiben, vulg.

berum traben, trappen, trab allen — I)ier benft wobt niemanb

Ictcfjt an einen halfen. Unb wenn to travel von trabs ftammt,

warum nennt bod) ber ßnglanber eine (Seereife niebt, ober wenig*

ftenö nicb)t mebr, a travel? 2)a wäre, follte man benfen, ber trabs

unb aud) ber 9totf)ftal( ganz in ber Drbnung. Unb bennoer) (agt

ber (Snglänber von ber (Seereife nid)t travel, fonbem voyage, jeben*

falls in bem ©efüt)le, top man auf bem 9)ccere niebt trabt, fonbem

fät)rt (vehere, via, voyage). @in ©runb mel)r, warum to travel,


1 3 tut ich 3 u ©IjaFfpearc's SDtacbct b. 49

unb fomit travail, junäebft öon treiben unb traben, &eaq. mit

trollen, ftanimt, fann and; uod) barin gefiin&en werben, baß noef)

jefct, wenn auch, nur fct)tt£tt)eife, to trot, treten, traben, laufen, für

to travel on foot gefngt wirb; unb ba$ unfer trotteln, 2)iminutiv

von trotten, fo viel ift, afö eö tangfam gefyen laffen, lang*

fam arbeiten, worauö wicterum (in innerer 3üf


50 2 tu Mcn ui Zbaffoeare's SMeubctb.

a trip, eine furje Keife, Slueflug (511m 3 C ^*> ertreib), Suftreife.

3)iefeö 93erl)ältnifj tcö Xrcibenö unt) Xrübenö (ter 2lnftrengung

unb Grmattung) liegt in ter Statur ber (£ad)c; läfjt e$ ftrt> ebenfo

tton trabe nad)wcifen ? 2Benn id) bafyer bei travailler auf veillcr,

vigilare — vexare cjcrictb, (0 irrte id) tfielleicfyt nid)t mer)r, als

bie, wcldie travail, SIrbeit, von trabs ableiten, olme jenes 2)oppeU

bccjriffcö unb einer möglichen beutfcfyen 2lbftammung bcö UßortcS

aud) nur mit einer (£i(be 311 gebenfen. Soll bei bem ©egtiff 51 r*

beit (travail) tiefer ber menfd)lid)en 9?atur fo tief eingepflanzte

ürieb jur £l)ätigfcit wirflid) nid)tö alö ber 9cott)ftall (trabs)

in'3 Slugc gefaxt werten? 3ft baö nicfyt faft ein 3d)impf für bie

mcnfdilidie s Jc*atur unb ben menfctjlidjen ®ti\t? — 2)afj aber travail,

travel mit traben, treiben, trüben gufainmcnfyängi unb juuädift

bat>on l)erftammt, beweift aud) to drudge*), worunter man befannt*

lid) bie niebrigfte, fctmuttu'gftc, gemeinfte Arbeit t>erftet)t. 3mn 53c-

weiö für tiefe Slbftainmung beö 2ßortc6 fann aud) to tramp (train*

pen, trampeln) bienen, baö noet) immer im gemeinen Seben für to

travel on foot gebraucht wirb. &on to trot unb trotteln war febon

oben bie Diebe. .Spieler gehört aud) nod) to ramble, von trampeln,

mit abgeworfenem t; trampeln ift aber fcbncll unb unregelmäßig

auftreten, unb fo ift a ramble = a roving; a wandering; a

eutftebt tie gfrflge, ob treiben, traben uut trappen (la trappe, ^aOe) murjel*

venvantt mit trabs jiftD. Slucb, in rem 2(rjeetip Mit dj triebe* fpiegelt ficb, oter

fteeft, (0 jii feigen, tcv $ alten, äkraj. to balk unt) attraper.

*) SJon treten, trotten, SBergleidje Z rät fei;, Strape; fp wie trotte,

Jrebcr ober Sträber iinc 2rcftcr. Stamnroerwanbt mit to drudge ift to drug,

ivelcbeo Sott roiecerum auf travailler jurüeffübrt, inrem es um treiben, rühren,

mifeljen, verfeuert bereutet; alä I drugged tbeir possets (SWetcb.) Drug, franj.

drogue, ift raber niebt, roie tie (vtumologen aavöbuliol) anheben, eine troefenc

SBaare, fourern urfpr. eine turcl) treten, trotten, Um treibe 11, ÜUibren, $Ri?

fdjen »etfefcte Sßaarc, Slrjneiwaare. £aljer tann getrübte, ejefcbniierte, oerfalfebte,

febteebte, roertblofc SÖaare. 93ei drug an trotten 51t teufen, erfebeint raber uöflig

nnftattbaft ; drug ift inelntebr uabc »erwanot mit £reef, urfpr. worein man

tritt, worin man trottet; engl, (mit perfektem r) dirt; bell, dryt, torde;

rann waö man abtreibt, mit ooer, wegwirft, bfl&Srfi&e, €>d)mu$ige. 2Me (S'ttys

motogen irren fiel) tafjcr; wobl aber bat Shaffpeare t-en tiefem, inneren ßiifcinM

ntengang tiefer SSörtet berauegefüblt, intern er drug für drudge gebrauebt, 0. i.

einer rer trottet, fiel) abtrabt, abplaeft, pacfefel (Timen of Athens, Stet 4,

©c. 3). 3wifd)cn drug als jperfon nur drug aii Zaebe ift alfo fein Weiteret

llnterfd;iee, als rer ter aetiven uut oaffiren iHuroeneuna, reffelben SSurjelWoite§.


©tttbien 5 ii


52 ctuMcn ju ©baffpeore'ö SWacbett».

alö 6 cc reife ber (Snglänber ben trabs, Waffen, Sdjifföbalfen ganj

abgeworfen unb baö 2ßort auf bie SBejeicbnung einer 2 an b reife be*

fc^ranft fyat, reo allein freie ^Bewegung, 2ln trieb, Xxab ober £rott

möglicrj ift; bafj aber 2) baö Kraben unb trotten, als SluSbrucf

für gufj* ober San b reife unb Arbeit, ftcf) auet) in to trot, to trip,

to tramp, to ramble, to druclge unb drug [


Uom Wativobjekt.

3)ic 3 a^ ter flafud ift befanntltc^ in ten üerfcfyi ebenen @pra*

eben tterfctjiebcn. f. u.) unb

im (Snglifd)en wie im granjöftfc^en finbet iidj nocl) eine £)efltnation

bei ben Pronomen: je, me; il, lui,

U. f.

tt). — I, my, me; he, him;

whom u. f. f.

le; ils, leur,

they, them;

les; qui, que

who, whose,

Sßenn wir nun im $olgenben baS buref) ben IDatto auögebrütfte

ÜBerr)ältni# nät)er befpreeben, fo bcfcrjränfen wir unö babei mit guter

2lbftcbt auf ben uiebt tum ^räpojtttoncn abhängigen £)atit>, ba bü

ber Slbljängigfeit beö Äafuö »on ^räpofitionen baö 93crr)ältmfj nid)t

fowobl burch ben ilafuö als burcr; ein eigeneö 93erl)ä(tnifjwort au$*

gebrücft ift.

*) SMe. 2frttt>entemg biefed JtafuS ift niebt btoö in einzelnen fällen „ertaubt",

wie ti in einigen 65ramnmtifen fjeifjt, j. 23. g-ölfina,, 2eb,vb. Ter engl. er befannten ©teile: Whose is this

image and superscription? And tbey said unto him, Cesar's. And Jesus answei-ing,

said unto them, Render to Cesar the things that are Cesar's

and to God the things that are God's. (S. Mark XII, 17. S. Luke XX,

24. S. Matthew XXII, 15.). The earth is the Lord's and the fulness

thereof (Psalms XXIV,). For the Kingdom is the Lord's (XXII, 24), »g&

For thine is the Kingdom, the power and the glory for ever and ever,

Amen. — So the feebler [cattle] were Laban's and the stronger were

Jacob' s (Genesis XXX, 42.). And those [the party-colour'd lambsj were

Jacob's (Shaksp. Merch. of Ven. I, 3.). Give those boys a lump oi'

sugax each, and let Dick's be the largest (Goldsm. Vicar Ch. VI.).


54 üBüiu ©atiwob jeft.

2ßaö nun aber ben reinen 3)atit> betrifft, fo fönnen wir ü)n

füglich) alö &afu6 ber per fön liefen SBejiefjung bcjeicfjnen. 3nbein

wir bieö auöfpreaVn , entgeht uns? nid)t, baß ber reine (nid)t t>on

$räpofttioncn abhängige) £atir> and) von Sadjcn gebraucht wirb

aber biefe crlciben bann immer eine pcrfönlidje Sluffaffung. So fann

id) j. 33. nid)t blofj fagen: 3d) gebe bem Atinbc einen Slpfcl,

fonbem aud): ^pelle üapeten geben bem 3immcr ein freunb*

lid)eö 2luöfef)cn, aber aud) in tiefem legten gatte bc$cid)nct ber

£atw (in p e r f n l i d) e 6 93err)aftntf ; benn b a 6 3 m c l * tt>ivb

fyier nicfjt wie etwa in bem Sa$: -Ipelle Tapeten mad)cn baS

3ünmcr freun blieb, a(3 ein leibenteß, untljatigcö Dbfcft aufge-

faßt, baö ftd) bem ßinflufj bc3 ©ubjeftS (ber Tapeten) gan$ Witten«

Io3 barbietet, fonbem btefmefyt wirb cö bargcftcUt als t>on ben fetten

Tapeten ein freunblicheö 2luöfcl)cn empfangenb, alfo a(3 etwaö

*|3crfönlid)e3; benn baö (Smpfängen feijt im cigentlidjcn Sinne ein

wollenbeö 2öefen, eine $erfon »orauö. — 2>af aud) in Sä$en,

wie: 3cf) vertraue meinem (Slücf; id) »ertraue meine 6cl)d^e

ben Letten; ber $r oft fd)abet ber Baat u. f. w. — bie Sluffaj*

fung bcö Xatwö eine uvfprünglid) pcrfönlidje ift, bebarf wol)l feiner

2lu0fü()rung ; aber aud) in fallen, wo bicö minber flar hervortritt,

3. 33. für ben 2>atw bei fid) nähern, naljen, wirb man nad)

ler Slnalogic biefe Sluffaffung annehmen muffen. 93gl. unten von

near im leicht an 33ei*

fpielcn nadjwcifcn. 3n ben Sätzen: 3er) fd) reibe an bie 2ßanb;

id) fd) reibe an meine Scfywcftcr, ift bette s )J?al ein ©egenflanb

genannt, wol)in ftd) mein Schreiben richtet; aber nur ber jweite »er?

tragt bie perfönlicfye 2luffaffung. ÜWän fann bcel)a(b wol)l fagen:

3d) f cf? reibe meiner Scfyweftcr, aber nicht: id) f et) r e t be ber

2ßanb, ba biefe 2lu6brurföweifc bie 2Bahb als *ßerfon erfd)einen

fd)icft ben 33r tef bem

raffen würbe. Wan »gl. 3. 33. noch, : @r

(an ben) ^oftmeifier; auf bie (nad) ber) *)3o(i. — (Sr labet bie

Saft auf ben Sagen auf; er labet mir, meinen Schultern, bie

Saft auf. — 2)ic Sonne bringt cö an ben £ag; bie Sonne

bringt nnö ben Sag u. f. w. — Wad) bem ©efagten wirb eö

flar fein, weöfyalb wir bie Sluffaffung beö Slffufatfoobjeftö — auch

wenn ^erfonen bamit bezeichnet finb — facfylid), bie beö 'Datwobjeftö

bagegen aud) für Sachen perfönlid) nennen.


iWuu Tattv D&jefjt. 55

SSBcnn eö aud) nad; ber getvö^nltc^en Slnnaljmc tili (*nc](ifd)en

feinen eigentlichen SDaiiö giebt, fonbern baö im 3>utfd)cn baburd)

auSgebrücfte 93crbaünt9 burd) Die Sjk&pöfttion tu beteiligtet mirb, fo

wirb man bod) bot fog. »erfüllten Dativ (olmc'to) alö reinen Da*

tiv anerfennen muffen, j, 33. Give us this day our daily bread.

And forgive 11 s our trespasses, as we forgive them that

trespass against us. I paid the bookseller five dollarsiuf.it).

Dicfcr reine ober verfinge Dativ i\t im ©egenfage 51t beut lofalcn,

bie SRuJjftung curöDritcfenbcn mit to nur auf ^er fönen bcfd)ranft, ober

wo er ftd) für Sadjcn finbet, ftnb biefe perföulid) aufgefaßt, 3. 33.

My house cousisted of but one story, and was covered with

thatch, which gave it an air of great snugness. (Goldsra. Vicar

Ch. IV.) ÜBcjl. ^clle Tapeten aeben bem 3i 11111lc t* etn freunbltd)cö

§luöfel)cn. — The man who gave the first blow the golden

statne of Anaitis, was instantly deprived of his eyes (Gib-

bon, Decline and Fall of the Rom. Emp. Ch. XXVIII, Not. 50)

u. f. U>. ^ierfjcr gehören auch bie -Dative bd like (unlike) : She

was unlike her sister; he dwells opposite me, we lived

near the road, obgleict) in biefem legten ©a£ bie perfönlicfye 2luf*

fnffung fd)tver 51t erfennen ift, f. 0.

9lud) im granjo'ftfcfien tritt bie pcrfönlicfte £raft beö DativS

bervor, inbem namentlich bei einem Söerbum mit einem pcrfb'nlicl)cn

unb einem fad>tid)cn Dbjcft baß elftere in ben Dativ übergebt,

3. 33. Je lui apprendrai bien son devoir tu f. it). Je Tai fait

chanter unb je lui ai fait chanter une hymne. lieber baö De?

tail unb bie Sluönafymcn venveifen wir auf


5(> 8'om Dati»o&jeft.

unb Snnigfcit bic pcrfbnlid;c ©fjfrfyung, baö ©efuljl ber Sljcünafymc

u. (. iv. l)ervorl)cbt.

33cifpicle: Quid mihi Celsus agit? 9Baö mad)t mir beim

mein 'Jicunb ? —""Hie mihi quisquam misericurdiam nominat!

5)a reb' mir nod) Scmanb »on 9Kiu«fo! 3)a8 waren mir fdige

Sage! 2)a fturjt er btr (cud)) mit einem (gafc auf mid) loö!

SBcnig DanfcS erwartet' er fid) (®öti)e, Sluög. in 40 SBbn. V. 207).

3br liebt eurf) bie ©Reifen (V, 263). Äafjt mir ben ©Uten nid)t

weitergeben, la§t ihn herein! (VI, 331). Sajjt mir herein ben 2U=

ten (I, 138). Sieber ffllann, gebe mir von bau vcrwünfcfyten Scp*

pid) hinunter! (VI, 337) u. f. r». — (Snglifd): Why, he (the

tiger) Avill eat you twenty pounds of meat a-day — aye and

growlthen, ber £iger frijjt Sfynen täg(id) feine 20 ^fitnb glcifcl)

— unb bann brüllt er nod). He could construe you three lines

together sometimes without looking into a dictionary, er tonnte

otynen (Sin cm) jmveilcn jo brei 3 c il en m einem weg überfein,

ohne in'ö 2Borteibud) JU fefycn. — The skilful shepherd peel'd

me certain wands, ber finge ©cfyäfcr Qafob) feb eilte mir gewiffe

«Stabe u. f. W. ^ranjöjtfet) ; Prends-raoi le bon parti, laisse lä

tous les trönes. — On lui lia les pieds, on vous le suspendit.

— Et d'Indon qu'il etait, on vous le fait Lapon. — II tordit

le cou au petit chantre de Bengale et vous l'alla cacher sous

le lit. — Crac! il plia la chemise en tampon et vous la mit

dans la poche. — Donnez-leur-moi sur les oreilles, gieb bll

mir ib)nen eine D()rfcigc n. f. w.

$)lit bem l)icr 23cfprod)cnen fyängt auf baö Snnigftc ber fog.

3)atwu6 commodi ober incommodi jufammen, 3. 33. Non scholae,

sed vitae diseimus, im ^ntereffe ber «Schule, beö Sebcnö, meld)c

33cibc bjier a\t> tl)eilnel)inenbe Söffen, folglich) perfonifoirt bargeftellt

werben. §ierr)er gebort aud) : Que

lui voulez-vous? 2ßa$ wiüft

bn von i()m? eigentlid) mit 9täcfft$t> in SSejug auf il)n.

Je ne comprends rien ä sa conduite, 3>d) begreife nid)tß in

23ejug auf fein betragen. 9ütr erwähnen ferner noeb, ba unö bic

33cfpred)ung alleö (Singeinen weit über bic ©renken btcfcS Sluffafccö

führen würbe*), ben 3)atir> ber perfonlicfyen Pronomen jur Sejeic&nung

*) £od) fönncii wir nidjt umhin , l)icv wenijjflenS uocl; einige äBemerfungen

übet reu IDatto res frageiftett Spron ernten8 roaß beizufügen, Deffen gorm roefyl


SJöin 2>«ti»objeft. 57

ber Sßerfon, an welcher eine (Sigcnfrfjaft , ein 33efi$ wahrgenommen

ober getackt wirb. On ne lui connait que deux ennemis, man

fcnnt mit ©CjUg auf il)n nnr jWei $einbe. On leur decouvre

tous les jours de nouvelles vertus, man entbeeft täg(id) neue Xu*

genben in 33c$ug auf fie. II se sent la force de soutenir ce

combat u. f. n>. Unb fo fagt beim md) ©ötfye XVI, 256: 3d)

nntnfd)te nur, baß baö Sweater fo fdnnal märe, als ber 3)ra()t eineö

©eiltänjerö, bamit fid) fein Ungcfdn'cftcr Ijinaufwagtc, anftatt baß

jc£o ein 3eber fid) gäl)igfcit genug fül)lt, barauf ju parabiren.

2)afj jumeilcn für ein unb baffelbe $krl)a(tniß eine fcerfdjiebenc

Sluffaffung möglief) ift, erhellt fd)on au8 bem biöl)er (Snnmrfclten.

Ginc foleijc mad)t ftd; fogar oft biebt neben einanber geltenb, 5. 23.

wenn ber $ranjofc baö Pron. possessif burd) ben 2)atit> ber perfönl.

^ron. tterftärft. C'est mon opinion ä moi. C'est mon

caractere a moi que de parier naturellement. ^)ier r)at man

neben bem ^offeffto (@enüfo»erl)ältmf jur S3e§ct^>nung fceö SßeftkeS)

fälfdjlid) wem anfgefu&rt wirb. — £>a ttnö im ©egenfajj gu bem »erfönlicfyen »er

fiel) burdjauö mir auf Sachen laicht, fo verficht fid?, taft ba»on ber reine —

nicht von jpraöofitionen afc&angige — Stativ, als entfdjiebeu bie »erfbnlicbe

Segiefyung auSbrncfenD, nicht »orfommen fann. Unb fo fragt Denn auä) wem ent*

fetteten nad) Sßerfonen, iji alfo nidit SDattö von »aS, fonbern »on wer. jTein

Unbefangener tarnt auf fragen, wie: Sem feieret bae? wem nnjjt taö? wem

ift ev nahe? etwas 9tnbere8 gur 2(ntivort »erlangen, als ein eine Sßtcfon begeid);

uenbeS ©ort, uns jere^ Jliub fiii)lt baS Un^affenbe von antworten, wie bie fofe

genben: ©ein fdmrct baS? 2)en Sßjfongen. — SSem ftebt er nafie? £em

gdiffe it.

f.

w. ©enn aber ted) in grammatifdjer 9lnatofe eines @a$e8 wie:

ber ^yroji fd) ab et ben Räumen, gut .ftlarmaduuig beS SkrhältuiffcS gefragt

Wirb: wem fd.jabet ber Jyroft? fo geugt baS »crfönlicfye Fragewort nur von ber

entfcbieteit »erfönlidjen Slnffaffung beS reinen SD.ati»8. — Sfi aber was von einer

^kävofition abhängig, fo weubet mau im 2lHgenieinen eine Äontraftion an, SSo*

für fiebft bu rie gremben i\n'^ SBotnit cniäbrft bu biet)? ©oburd), womit

beweifen Sie baö? ©ogegeit ftreitet er? ©oritm wetten wir? ©orauS, voo*

von ift Mi gemacht? ©031t nü|}t Vhfö u. f. w. SDodj toinmen auch wobj bie

aufgeladen formen vor, g. 23. $ür waS fiebft tu bie gfremben an? G^ötbe XI,

88. — 21 u wag teufft Mi? 11.

f.

w. mit tarauS erhellt oeutlid), baf; aud) ber

£ativ was lautet: 3» *va$ ricut ber Streit? — ü)cit was ernabrft bu fo ge*

pflegte SKagerfett? (©ötbe XII, 175). — 3} 011 \vat plaubert^hr ^^ u. f. f.

''Mein vgl. für bics inbeflinable ums auch, bie nach einer ©attung fragenbe Serbin-

bung waS für, g. 23. Siou was für einem 9)(cnfcl)cn ift bie fllefc renn? 2üiö

»a8 für einem ©riinbe tjaft tu raS gethan? 211Kb, ol)itc für: ©aS 2(rbeit

unfer i&etb gemacht (llhlanb, Schwab. iUince). 3" »aS ünie?


58 Sfcffl r>itivobjfft.

ben 2)atfo jur ©e#tc&ntmg bcr pcrfönlidjcn SSejteljung. @o ent*

fpridjt bein ®«rtttwcr^ä(tnf| im ©rtttfdjen unb (Snglif^en: ©cbt

bem Jiaifer mag bcö Äaiferö ift u. f. m.; im grang, bcr 2)atw

Kendcz donc ä Cesar les clioses qui sont ä Ccsar, et ä Dicu

Celles qui sont k Dicu. — 3m 2lÜgcmcincu eignet bcr franko*

ftfdjcn unb bcr englfföen Sprache mefyr bic Süffaffwig beä SBeftyeS,

wo bcr 3)cutfd)e bloß bic perfönlidje Scgfe&wig burd) ben 2)atfo

auöbrücft, bodj fo, bn$ feine Sprache nuöfctjliejjlicf) auf bie eine 2lu&

brurfdweife oitgewiefen wäre. —


ä*om ©flti»ö6jeft. 59

werbe eö b i r unter bie 9?afe reiben, Is it good manners to laugh

in a person's face? ift cö in'ö .£>crj treffen; —

SSer nie ein Siet-dien in ^aö 2(pfelfinn gt&ifjen. —

wie baö g. 53. Uhlanb fagt:

SWan fycit mir nidjt ten 91ocf jcrriffen,

(So toäY aud; fd>atc um taö illeit,

9tod) in tic SSangc midj gtbiffen

SJfli ü&ergvojjfin -yevseleit.


ferner

Xcd) fRolant) in tat Sink ttyn fiad;,

»Dajj er 311 Soften ftürjtc.

Dbcr Sutfycr »ort ber ©erlange (1. s JKofe8 3, 15) bu wirft ir)n in

feie $erfc fteeben, unb gan^ gewoljnlicrj ba$ ftalt in bie Slugen

fdjfagcn, ten fteinb a.ufs £>aupt (plagen, ben 9?agcl auf

beri Äopf treffen u. f. W,

SBir türfen aber nid)t »erljerjlenj baß in biefer Irrten 2lu8brucfS*

weife, nad) unferer foglcid) auöfüfyrlid) barjulegcnbcn 2lnftd)t wenig*

ftend, etwaö 2lnafotutt)ifd)e3 fteeft, inbem jwei ücrfd)iebene ©egen*

ftänbc angegeben werben, auf welche, al6 bie Dbjefte, fid) bie %%fc

tigfeit bcö einen 93erbumö richtet. 3n einer ©rammatif glaube id)

einmal bie fptyfmbige llnterfcfjeibung gefunben ju fyaben, e6 müffc

Reifen: id) trete biefj auf ben $ujj, aber bir auf ba$ illeib,

weil tili erften gatle wirflid) bie ^erfon felbft, im anbem nur baö

ftteib getreten würbe. 3n beiben fällen ift aber wirflid) niebt bie

5ßerfon felbft, fonbem eben ba6 Äleib ober ber $ufj baö ©etretene;

id) trete auf bcincn gitfj, auf bein Äleib, ober bir auf ben

gufj, auf baö ftleib. beginnt man: id) trete bid), l)at man

alfo fd)on bie ^erfon als Dbjcft genannt, auf weld)eö ftd) bie Xfjä*

tigfeit bc6 Srctcnö rid)tet, fo fann man eigentlich nid)t fügtid) uod)

einmal bie 9?id)tung bejcidnrcn, fagen: id) trete auf ben $u$.

2)ie ftxaQt lautet — um baö Einfache aud) möglidift elementar au3*

pbrücfen — nid)t mcfyr wol)in? fonbem wo? 811 fo entweber: wo*

I) i n trete id) ? 2luf beinen gujj = bir auf ben gujj . Ober id) trete

feiet). 2ßo? Sluf Dem gufje. — SDian »gl.: 3 et) trete bid),

9Burm, — wofyin? — in ben (Staub, wof)in bu ge()örft.

£>bcr: 3 d) trete mir einen 2)orn in ben gufj = in meinen

gufj. ^rei(id) ift in bem ©atj: 3 et) trete auf ben %\i$, fein

2lffufath)objcft genannt, aber cö liegt offenbar barin: id) trete

einen üritt, meinen $u(j bir auf ben $uf, auf baS ftfeib.

(Sbenfo: id) beijk in beinc SBange [einen 23i(j, meine 3 ar ) nc l

u. f. w. 2ßenn 3. 33. ferner 6d)iilcr

m . • .

.

im ivampf mit bem 'Dradjen fagt

Grfpabc mir t>cö ^cini'cö 53to^c

llnf ftofje tief ifym in'8 ©efrofe,

9la


»-Bern SDattvobjcft. fii

[einen (Stoß, btc Sänge] in fein ©cfröfe = tf>in in'ö ©cfröfe. Wtcm

»g(. nod) : 3d) ftojK [einen (Stofj, meinen (SHbogcn) in [eine

(Seite, if)m in bie Seite unb id) ftoßc ihn — wofyin? — in

bie Gcfe; ebenfo: Gr wirft if)r [einen 2Burf, ben .£mnbfcf;ui) u\]

in'ö ©cfid)t unb: (Sr wirft fie — woI)in? — tn'd ©cfang*

nifj, ju 53 oben u, f. w.

Weitere ÜBeifpicIe fdjeincn unnötig 5 fo erwähnen wir benn alfo

mir nod) alö befonberö inftruftio für baö hier befproebene SBetljäftmf

£äfce wie bic folgenben: (Sr paefte mid) — nid)t wof)in? fontern

wo? — beim fragen, beim gufj; vgl. 6r paefte bie flippe

beim $opf, unb er paefte bie flippe in bie u nafymft mid) (wo?) bei ber Jpanb

[b. i. bei meiner] unb bu nal)inft mid) (wofyin?) an bie £anb

[b. i. an beute].

9Bic nun a6er bic SBenbung: id) treffe ben $einb in'

-Jpcrj unb äl)nlid)c ju erflaren feien, ift bereite angebeutet; biefe

Äonftruftion ift anafolutfyifd) unb ju erflaren auö ber SBerfdjmeljung

jweier (Säfcc:

3d) treffe ben geinb unb jwar treffe id) in baö ^erj.

— (vbenfo: 3d) beifje bid) in bic SBange = id) bei f e bid)

unb id) bei$e in bic Söange u. f. f.


62 3Jcm S>atir-objeft.

fyinter bic Dfyren, ich fcfyneibe bir rad ftlctfd) u. f. tt>, 3n

einzelnen fällen freiließ ift tiefe SBenbung ntdjt geläufig, j.

iß. ben

SR a (5 e l auf ben .Hopf treffen; aber umgefebrt l>at ber «Sprach-

gebrauch, in anbern fällen aud) au6fd)licjjlid) roieber ben Datto \ci\\V

tionirt, 3. 53.

(mii gfräufein, reijent», »wenn es fdjwfeg nnt> fptfläj,

2>aB unfcrni ißrinjen in bie Slugen ftadj. SpCafxh III, Mi.

9S9L ferner ttc fd)manfenbcn SBcifen: 2) er Pfeffer beifjt mir

(111 i d)) auf ber 3 u n g e. 3 cf) habe mir (m i cb) a u f bic 3 u n g

gebiffen. Der Otaud; beifit mir (nüct)) in bie Singen, in

ben Slugen.

93ergl.

unb

Sein 9tüirjen$ gtänjt unt> g(cr|]t,

25 cifj mir' 8 n?ic 2BettcrIeud;tcn nod; in ben Singen beijjt. (llblanb.)

Stufcampfen fclTS unb qualmen, bajj cuef)'^ ric Slugen beijt. (©erfeüj

SBir nuvfcn aud) ein Safj, bas in bic Sinken beißet, (©untrer.)

3um Sdjlup biefee} 2luffa£e3 fomtnen nn'r nod)' auf einen fd)on

oben berührten tyunU jurürf. 2>aö QSerbältnifj ber 9?ähe wirb im

(Snglifdjcn burd) ben 2)attt> (ofme to) auSgebrücfr. Near the town;

the army approached the town (n)eld)cr reine ober tterfur$te 3)atiü

ftd) *>on tem 9lccufatir>objcft formell nid)t untcrfcfjcibct), nat)e ber

Statt; baö .Speer nabele, näherte f i ch ber Stabt. 3m

gran$öfifd)en aber mirb bicS SBerfyältmjj burd) ben Slblatfo, b. b).

burd) bie *ßräp. de auögebrütft, pres de la ville; l'armee s'approcha

de la ville*). gür ben ©egenfafc — bie Entfernung —

wirb je nach ber »erfdn'cbenen Shtffaffung balb ber £ath> ber per*

fernliegen 33c^iel)ung, balb eine baö Slblatitwrljältnijj auSfcrücfcnbe

*) 35^1. aud) im Stalienifd^en : vieino di l'avia, appresso dclla cittau. f. n\,

namentlid) abtx aud) toi nad) beutfdjer Sttnfcfyauung tuHbfr auffaflenben JIMatto in

grollen W>te: Abita, alloggia da (== presso, in casa di) suo zio, ei wohnt bei

feinem Gnfel. Sonostato da lui, dal fratello, idj bht bei ihm, bei bem33rus

bei getrefen. Venite da me, dal mercante, fonnnt §U mir, 511111 jt.uifiimun.

Andate dal medico, dal calzolajo, geljen Sie jitm Slrjt, 311m Sdiufter 11. fi f.

Tic ausführliche (*rfldrung biefet Jtonfrruftion muffen »ir einer unbetn Gelegenheit

vorbehalten; bicr mufj es genügen, bajj mit als tic ®runbbebeutung res* ?lblativc<

ttc Berührung nennen, wetdjc auch fem 3tn8g oben von cfnvs, nffe auch ber

(Entfernung jn ©runbe lica,t.


«om SDatirjobjcft. - 63

s 43rapofttion gewählt: fern ber ©tabt, fem von ber ©tabt,

loin de la ville, far from the city; baö £eer entfernte fiel)

Von ber ©tabt, the army retired from the city; l'armee se

retira, s'eluigna de la ville u. f. n>. — 2ßir begnügen unö l)ier,

für baS Satcinifcfce auf bte »erfcfjiebcnc Äonftruftton einzelner folget

Sßetba r)tnjUWetfen : arcere aliquem aditu, hostes Gallia etc.

Tu, Jupiter, hunc a tuis aris, a tectis urbis, a moenibus, a vita

fortunisque civium arcebis. — Hunc quoque, nam raediis fer-

voribus acrior instat |

arcebis

gravido pecori. bu un'rft il)\\

fern l)a(ten in 23 c 3 n 9 auf ba$ trächtige SBtel). — Bonos a se

alieuavit. — Eadem evaritia Gentium regem sibi alienavit, er

entfrembete ben Mxti$ fid), in S3egug auf fid). DifFerre ab

aliquo. Nisi quod pede certo Differt sermoni sermo

merus, bte Äomötie untertreibet ftctj von ber ^rofa (in SBegug auf

bic tyu) nur burd) bell 9i()i;tf)inu3. Nee sie enitar tragico dif-

Ut nihil intersit. — Nihil tarn Lysiae est di-

fere colori j

versum quam Isocrates. — Eripere e (d e) manibus hostium

eripere vagina ensem; Eripuit coelo fulmen seeptrumque tyrannis

u. [. n>. 3m (Snglifcfyen jtribet ftd), tvaö SBeadjtttng ver*

btent, für btefe 95ert)ättntffe nur bte poffefftvc 3luffaffung (ber ©ent*

tiv) ober ber Ablativ. 60 Ijeijjt eö 5. 33. bein legten lateinifd)cn

©a| entfpred)cnb : Franklin snatched thunder from the heavens,

and the seeptre from the hands of tyrants, gfranfltn entriß bem

Rummel ben 33u'(j unb ^rannen bau ©cepter. gerner: During

the time Ins master was bathing, some robbers had stolen his

clothes, entfprccfyenb int gran§, Dans le temps que son maitre

se baignait, il etait venu des voleurs qui avaient empörte ses

habits, einige Xiebc I)atten feine (i()tn bte) Kleiber gefroren. They

took away his money and coat, jte nahmen i()in ©eib unb Diocf

ab. 11s lui prirent son argent et son habit. — You have

taken a kingdom from his master, and I have only taken a

turkey from this fellow. (gie fyaben feinem Gerrit ein Königs

reid) unb tet) l)abe biefent tf-erl nnr einen Xrutbafm fortgenommen'.

Vous lui avez öte un royaume, je n'ai pris ä ce manant qu'un

dindon. — Your Worship would take his guns from him. —

When the governor of Cuba Velasquez would have taken my

command from me (mir ben £>berbcfef)l abnehmen).... I drew

from him (td) entzog ü)in) all his forces. The church had


Url)eber8 ber 'Dativ ber perfön*

lid)en Sßejicfrung gebraucht wirb. Barbaras hie ego sum quia non

intelligor ulli. Quidquid in hac caussa mihi suseeptum est etc.

Sic dissimillimis bestiolis communiter eibus quaeritur u. f. W., fo

Wirb bie 9Zal)rung auf biefclbc SBeife gcfud)t in 33e,utg auf bie

verfd)iebenften £l)icrd)cn. 9?amcntlid) aber (£ä£e tibi vitium fugiendum

est, ber @a$: ba8 Safter ift ju flicken, gilt bir, in

^ejug auf bid).

'©treltfc. Dr. £ anbei**.


Beurteilungen unfc kurje Jlnidflen.

©ötbc'6 Siebe unb 2fcbeSgebi^te, 9Son Dr. 3. 31. D. 2. Seemann.

Berlin, SWgememe Deutle 93erlagö*2lnftaU. 1852. @. 454

unb XII. 8.

@6tr)e'a Sprache unb if>r ©eifr. 93on Dr. 3. 21. D. 2. Seemann.

«Berlin, Slttgemeine Xcutfdje g3cring8*2lnftalt. 1852. (5. 404

unb XIV. 8.

Stroff Der grofjen 2tn$abl tcr an ©ötbe unb feine 2öcrfe fiel) anheftenden

Schriften, fehlt e§ bödj noch immer an tüchtigen, lebenbige @inftn)t mit umfaffenber

mit burchbringenber gforfdning »ereinigenben Gräften, unb nnr ju häufig feben

»vir mitttfmäfjtge, oller Selbftjtänbigreit unb afleS roiffenfcrjaftlidjen SBcrtt>eS ent*

bebrenbe 33ücbcr grünblicfen Slrbeifen binbernb in reit SBcg treten, wie, um nur

ein ©eifpiel anzuführen, eine mit unenMiefjer Sorgfalt gearbeitete Sdjrfft beö

trefflichen 91. Jung über t^te „Söanbcrjabre" feit langer Qtit vergeben'? cincö mu*

tiigen Verlegers harrt. Je »idjtiger aber bic gforberung ber Ginficbt in ba§ ganje

SBefen, Surfen unb ©Raffen unfereS größten S5icr>terS in jeber Q?cjiebnna, bem

beutfeben SJolfe fein muö, unb je großer He -£>inbernijfe erfdjeinen, welche teibigeä

SUortirtheil , fehl äffe ©feiaSgültigfeit unb bic vielfache 3*rftreuung auberer 8e&en8=

bejäge einer gtüdElicb, fieb cntroicfelnbcn ©ötbclitcratur cntgegenftellcn (man »er*

gleiche nur bic großartigen Semü^nngen ber Snglänber für Sbaffpeare mit ber

unter ben #änben unferer auf einen Meinen .Rreiä »on Ääufern angeroiefenen 55ud}*

bautler mübfam fieb beroorarbeitenben ©ötfjeliterarur), um fo entfebiebener ntufi bie

.ftritif fieb gegen jebe befferen arbeiten Den 2Beg fperrenbe ÜJcittefmäfjigfeit erflären, un*

befiimiuevt uin ben ^cotbfebrei ber ©etroffenen, bie über 9icib unb anmafjenbe Siecht;

haberei Hagen, »enn man ihnen ben bemantenen Sdrilb ber SSiffenfchaft entgegen*

hält. SBir finb meit entfernt, jenem perfiben Sliquenroefen ba8 SBort ju rebert,

baS mit boshafter äSeninjtaftung über alle litcrarifdmi Srfd)einungen, bie nicht auf

eigenem ©oben geroadjfen finb, Ijerjufaflen fiel) v-erfebmoren hat, fcaä ohne ober naef)

falfcben, bie SBalnbcit r>erböbncnbcn (SrwägungSgrünben fein im voraus fcftftcbcii;

bes SSerfeammungSiirtfjeil fällt; aber man »enoecfäle eine folebe efgenfüct>tvge Stobt*

fc&lägerei nicht mit ber Strenge ber SBiffenfcbaft, vor bereu Oticbtcrfhibl nur baö

uMbvhait ©ebiegene, ben Stanb ber ttnterfucfcung vccfentlicb görbernbe SJnerfennung

finben fann, wogegen riefe alle mit rafeber gingerfertigfeit fich breit machenben,

oberflächlich binftrei'fenben, baS leicht 3ugänglidje prunfba'ft benufcenben, jeber inner«

liehen SDur($bringung fremben SSefirebungen unerbittlich »erfolgen mujj. Kur M,

tt»o es gilt, eine begaste Statur bei ihrem elften Serfuclje tro|j mancher Unguläng*

liebfeiten millfommen ju beiden unb auf bent betretenen $Pfabe ju ermutbigeu, ober

reo ein entfebieben praftifchcr 3roecf *u ©runbe liegt, barf bie Jlritif »on ihrer

roiffenfd)aftlicben Strenge etwaS ablaffen, weil jic Verbind; bie Badjc fclbft jU

förbern ^uocrfichtlid) hotten tann.

SSon ben beiben oben angeführten Schriften beö bind) mehrere 5Jrogramnw6*

haiibluncicn ben greuncen ©ötbe'8 rühmlich berannten SßerfafferS feljeint unö bie

elftere mehr aud einem vraftifdjen SBeoürfniffe hervorgegangen, unb oon biefem

Stanbpitntte au§ ju roürbigen, mogegen bic anbere alö ein erftcr wiffenfdjaft*

Olv^i« f. n. g^vadje. XV. 8


66 S3curtbcilungen unb furje 9t n 5 e i 9 c n

lieber SJerfudj auf einem biflt)er gang unangebauten ftclbe freubig begrübt werten

muß. 93etra$ten mir junädift bie 2?ehanblung von ©ötjje'Ö Siebe unb SiebeS*

gctid'ten , fo bewerft £err SDirector Sebmann, bei (Erläuterung tcv ©cbidjte unb

bei ber (frjähhtng res gcfcbiditlichcn Stoffes habe er einen ^ilbungsftanbvunft

ber 8efer möglidjft fefrjuoalten gefudt)t, wobei es auffallen tnu§, baij? er gerate

biefen öübungöjujtant nicht näber bejeid&nei bat. 2lber roir glauben nici>t ju irren,

wenn mir riefen in tcr SilbungSftufe ber oberen klaffen unferer böberen tUrtcrrichtcanüaltcn,

fo wie ber fsjcbilrctcn überhaupt fudjen, rocld)eS frcilidi im ©runte

§a>ei vcifchicteue Stantpunfte fint, wotuvd) beim auch, ein gcwiffeS Sdjwanfcn in

bie Bchantiung gcfoiumen, fo t>a§ bem einen tiefes, bem andern jenes als unnüjj

erfdjeinen Dürfte. Slber motten mir gerecht fein, fo möchte fiel) faum eine fd>mierigcrc

Siufgabe ftnbcn, als eine in jeber Beziehung genügenbe, Bon SSeitfdiweiftgfeit unb

Srocfeubcit fiel) gleich fern haltenbe, in fieb, vollcnbct abgefd; (offene ($rflärung Iuris

rt'fdjer ©ebfcfcre. 'Vier genügt eS feinesmega ben 3nt)att ju umfebreiben, einige

fpracblicbc mit fonftige Erörterungen , itad) jufäfliger SluSmabl ober roie fte fieb

eben barbieten, bjngujufügen, auf biefe ober jene Schönheit binjubenten, fonbcni bafl

©cbid)t muß lebhaft wictergeboren, bis in feinen ©runtfeim »erfolgt, beffen (Eni*

midlung aufgezeigt werten, »0 fieb beim bie nötigen Einjeterflärungen an baf*

fenber stelle einfügen, fo baj? bie (Srffdrung felbft ein in fieb abgefdjloffcncS

©anjefi bitbet. SSie wenige unferer bisherigen Srflärungen lurifcber ©etiditc

biefen Sffnforberungen entfpredjen, bebarf reiner Semerfung, unb fo mürbe cö auch,

eine unbillige ^orbetung fein, wollten mir biefen 3Ra§jrab an bie vorliegcnte Öhr*

flärung einer \c gro&en SliijabJ oou SicbeSgcbicfytcn legen, toefc) bürfen mir beru

felben nadjrübmen, tafj es an guten, treffenbeu unb neuen Semerfungen feincSmegS

fehlt, wie mir fie 0011 bem gei'ft; unb gemüttwodeii, in alter unb neuer Siteratur

wohl bewantcitcn, mit ber' ©cfcbidjtc unferer S-pracbe fcfw vertrauten SBerfaffer

wobl erwarten bürfen. (sine wieberbolte Durcharbeitung würbe freilich, biefem

£bci(c beS SurljeS fel^r 51t @iirc gefommen fein. 2SaS bie ?lufnabmc ber einzelnen

Siebe8gebiä)te betrifft, fo glaubt ber Sßerfaffer eher ju viel als ju wenig gegeben

gu baben, wie man ibm fcbenfalls beiftimmen mu§, ba manche auS tramatifeben

©tücten genommene lieber fcineSwcgS in ©ötbc'S SiebeSlcbcn begrünbet finb, unb

anbere jur ?lufnabntc gelangt finb, in meieren fiel) nur eine febr ncbcnfäcblid;c

•tMiibeiitung auf bie Siebe ftnbet. freilich feblt eS auch nidjt an folehen ©cbidjtcu,

bie man ungern vermint ober bie mcnigjrcnS mehr als anbere wirtlich aufgenommene

an cer Stelle fein mürben.

£ie (vrflärung ber ©ebid;te, meiere ohne 3weifel in biefer 3 l'ianimenfteflung

manchem ermüufcbt fein wirb, halten mir für ben bebeutenbften 2l)cil beS Buches.

Bei bei SDarjJettung ber SiebcSvcrbältniffc ift 2cl;mann meift ber (sr^äblung ÖUHl)c'S

felbft ohne burch. greif enbe ^erürfiichtigung fonftiger Unterfudmugen gefolgt.

^es Unterzeichneten „Js-vauenbilbcr" tonnte er noch nidjt beiluden. 2)aS SJcrbältni|l

31t grau oon Stein ift turj nad) Sdiöll ffijjirt, mit wörtlicher Anführung

bebeutenber SriefPeflen, boeh war ber britte 2beil beS 3?riefwcd)fclS jur ßfit ber

Bearbeitung beS i'ebinaiin'fcben SSucJjeS noch nid;t erfchienen, wober in Be^ug auf

bie ?öfung beS SJerbeiltniffeS, worüber «Scholl unb ©tab,r 311 ganj verfebietenen

(yrgebniffen gelaugt finb, nur bie vorläufigen, febr allgemeinen Sleufierungen beS

elftem beuuljt weiten tonnten, lieber fonftige Steigungen beS £>id)terS in ber erften

SBeimarer Speriobe giebt Seemann uns febr llngenügenbcS, wie eS faum anbers ter

Jsall fein fonntc, ba hier noch, }^ vieles im SDunfcl ruht. 5Mc Bejiebung ju (Corona

Sdnbter felieiut nicht nach ©cbübr gemürbigt ju fein. SJon noch größerer

SBebeutung war, wenn wir nidit irren, ein bioher noch, nirgeubwo bervorgebobiney SBer*

hältnifi ju tem .^offräulein von SBalbnern, weldieö Jyrau X'cn Stein begünftigt 311

haben feheint, l'lud; anbere Steigungen beS ^idtters, wie bie )U ber rounberoofl

reijenben Sranconi, hätten hier nicht unerwähnt bleiben follen. ^reilid) harrt hier

noch ;'llleS jufünftiger 2liiffläning, worurch erft baS gan^e ^erjeneleben beS STicb;

terfi 311 SIBeintar in fein volle* 8id)t gefegt wevren »iri>. Hudj über frühere äkr;

fudje res JTiehtcio, eine ebenbürtige äkrbinbung cinjugebn, wirb erft fpäter ©enaues

res ju ermitteln fein, wo benn aud; bie in ben „Jeitgcnoffcu" mitgett)eilte Dlad);


SBeurtbeiluugcn unb furjc SÄJigeigejn. 67

riebt, ©ötbc habe fiel; um Mc #«nb von Sd)ucfiuann's jWett« ©attin öor ^crc^

äSermö^lung beworben, nahem- Prüfung unterworfen weiten muö. 9lus fpäteren

Sauren tvirs auch aoejj manches nachzutragen fein. ÜJBir gereuten hier einer bisher

nodj ungerrurften, gewi§ auf einem eigenen Sebcnäereignifie berubenben crotifeben

Plegie, worüber SRiemer'8 Bericht II, (123 f. auf einer SBerweebSluna ju berubeu fefeeint.

SDer Jfruijter w\ SDhifler pflegte biefeä ©efefebteS immer mit böcbftcr 39ew«nDerung ju

gefeenfen. Sä ift raffclbc, weldjeä ^aebarias Sßerner meint, wenn er am 4. ^sunt

1809 in feinem lagcbucbc febreibt (Scbü(j „S3iogra»bie unb ßbarafterijttl SBerner'S I,

153: 8efur& bei ©ötbc (in ~seua). — ©ötbc febenft mir fein Vier auf Da« Sauer*

mareben." $n 23cjug auf ö^ötfje'd fpätcres Skrbältni« ju Jyräulcin o. fcewegow ju

SRarienbab, Daö SBieboff noch immer ^u bezweifeln febeiut , giebt tie ©ebrift über

©niner's SBerbinbung mit ©ötb« Ken fieberften 9lu8wei8. IMe „appetitliebe Hartheu",

beren gelter gefcenft, unb in welcher SßieljofF t"ie (Beliebte beS Richters eerntutbet

(III, 307), ifi bie fpätcre ©attin beS befannten Äomooniften SSernljarb ftlcin.

3luf riefe begießen fiel;, wie ict> aus fieberfter Cuclle erfahre, mir bie SBerfe aus

SRarienbab:

2)u batteft fängfi mir's angettjan,

SToei) jci.u gewahr' icb neue! Seben;

(Ein füfer SNunD blirft uns gar frcuuMid) an,

2ßenit er uns einen Äu§ gegeben,

Die aud) 3tttcx im SSrjefe vom 7. Shtguji 1823 im eilige bat; ein weitere'8 inniges

SBerbältnig ju ©ötbe faiife reineSwegS ftatt. SDaS ©efeiebt „2leolsbarfcn" teiltet

iMeboff ohne ^Berechtigung auf Die ©eliebte ;u OJiarienbab. Vebmaun übergebt es

mit ö(cct)t , ba es fieb nid;t auf eine befHinmte Sßerfon jU beliehen fdjeint, Doch

hätten mit tciufclbcn Ötecbte auch niandie aubere ©ebiebte wegbleiben foüen.

SWüjTen mir nadj rem eben Semeriten rte Scbaublung ber Sicbcsoerbältniffe

©ötbe'fl bei gebmann als lücfenhaft unb junt 2beil ungenau bezeichnen, \o zeigt

(icb boeb üi biefen JNirftcllungcu überall eine fdjone föenntnifj ber reinen SDienfcbcn*

feele unb ein tiefer (vinblicf in bas Sßefen unfereS SDidjterS, wenn berfelbe auch

iuweilen über einfeitig ungerechte, ben ©rang einer foldjen 511 lebenbigem (Sinnann.

ftiebenren Kultur nidjt faffenbe Steuerungen fieb ju besagen haben foflte. 3» ben

gelungensten ibeilcn tes Sudjes gehört bie jufammenfaffenbc (Einleitung ©. 1 — 13,

wogegen bie SDarfteflung res ^crbältniffes ju Gbriftianc i>ulpius an wenigjten zutrifft

unb ben wabren Stanbpunft ganj oerrücfr.

SBjr haben bie i?ehniann'febe


68 53eurtbetlungen mit» furge VIngeigen.

fra8 9D(äTcben, roelcbcö früher ^yiitdit vor Ten Sicbfofungcn TcS ©eliebten ausfpracb,

gulcljt untvillfürlidi rerräth , roie febr fte ihn liebe, wonach Tenn aud) t ic 33eree$«

tigung, taffelbc unter Tic erigrammatiicbc Slbtbcilung aufguncbiucn, nicht grocifclhaft

fein Durfte. — Dafl ©ebidjt „Ter Schmetterling", fvätcr „©c&abeufreube 41

aber*

fehrieben (2. 37 f.), bätte roobl eine (vrflärung t»erbient, Tic wir »eber bei Seb*

mann noch bei hieben finTcn. Ter Siebter Teuft fidj eben geftorben („nacb Ten

lejjten jjflgeu"); hl Scbmcttcrlingsgcftalt fliegt er an Tic ©rette feiner 8nft unb

greube, unT er fann eö niebt unterlagen, rie Slufmcrffamfeit eine« liebenTm SWäbs

cbend auf lieb, gu giebn, bafl mit rem (beliebten ihm nadmlt, um ir>n gu erbafdjen.

STie lleberfcbrift „ Schar cnfreuTc" trägt etwafi gang gremreS hinein. — (Sine SB«*

rcdjtigung, rie beiren ©ebid>te „Ter Slbfcbicb" unb „Rettung" (@. 44 ff.) in rie

&eipjiger 3'i* j» fefeen, ift gar ittcf>t gegeben. SDafl erfrere, juerft 1789, nidjt roie

Schmann nacb rer C-uartausgabe angiebt, 1806 geTrucft, fällt nacb Ter „ßbrono;

logic" 1770—1771, unb »vir febeu feinen ©runb, c§ vor Tic ©efenfceimer $eriobe

gu fc^en, Da Ter 9came „$ränjcben" bier gang roiflfurücb, rete anrersroo „Sifettc,

„Jbcrcfc" Tcö Oieimes rocgen gewählt fdjcint. ©ang fo r-crhält cS ftd) mit rem

©ebiefcte „(Rettung", roo „.Rätbeben" als [Retmroort auf „ÜRäbdjcn" fieb eingefteüt

bat. — £ie SBejiebung Ter beiren S3riefc ©. 48 ff. auf g-riererifc Oefer glauben

roir in Ten „grauen bilDern" ©. 4 f. aus triftigen ©rünTcu abgeiriefen gu baben.

23ei Ten Tuvcb ?yi'ieTcrife oeranlafjten ©eriebten vermint man ungern manebe

für Tas gange äkrbältnin febr begeidinenTc. 3n Tem elften Ter b' cl' mitgt*

tbcilteu feheint Lehmann Tie Sorte: „3ft Tir mein SBort niebt beilig unT meine

Otub," nicht richtig gu fafjen, Tic auf ein am vorigen SHbenb gegebenes SBerf»red)en

eines fvubcn Spazierganges belogen werben muffen. 2Uid> fönnen mit Tie fonber«

bare (jrtlärung „©ejd^mifter als (Sottectib für Scbroefter (Olibie)," unmöglich,

billigen. 3tn Ter bumoriftifeben Sdhinftrorbe »irb ebne ©runb Stnftöjj genommen,

Ta TaS Sßaraboje bier gerabe an Ter Stelle ijt; aud; roirT überfeben, bafj ©ötbe

grieberifen nicht gerabeju alö „3Rufe," fenbern als „Tic fdjßnfte feiner SRufen* be*

gciduict. £ic 2jegiehung Ter Trei ö3eTid)te „Sin Tic (Jrroäblte, " „Sin bie (fntfernte,"

unb „Sägers' Slbenblieb" auf gfrieberifeu , worin Schmann gang 23iebofT folgt, ijt

mehr als grocifclhaft. jDic (vrflärung Ter beiTcn le^tern ift befonrerS gelungen,

Tod) ftebt ein genauerer ßufammenfyang beiTer feinesroegö gu bebaupten, ja ihre

Slbfaffuug Türfte gu febr rerfcbieTcncn ^f'te» fallen, Da erftereö Ten neunziger

3abren angehört, letitcreö 1774 ober 1775 gcTicbtet fein mödite.

3n Ten Trei bei Ter Siebe gu Sotten bcbanTelten ©cTidjtcn folgt Sebmann

gang unferer drtiärung. SBenn SJicbofT bei Ten beiren erften Tic Lesarten t>on

Wötbc's SBerfen mit Tem StbTrucf im ^öriefroecbfel S)krcf'ö oergleie&t, fo entgebt

ihm, tciy, bei Ter Verausgabe in Ten SBerfen feine anTevc Cueflc als jener ©rief*

ivecbfcl 511 (s^runTc lag, unT Tic 3tbroeid)ungen in Ten SBerfen nur auf rrucffeblern

ober ivitlfürlid)en 9lenberungen beruhen. 3Mc Seife brachten beiTc ©ebidjte guerft

im feebSgebnten Sanbe bes 3cad)laffeS, roo richtig Oerfiegefte unT bein lic;

benben geTrurft ftebt. (Sine Don SBieb^off überfehene Variante ift im grociten 25erfe

Icii' (ebenfalls beigubebaltenre „hüllen Temen Ibiirm um" ftatt „ein," roas Tic

SBerfe bieten. 9lud) barin, ?w ras ©ebin)t an „Sotteben" fieb niebt auf Tie 2Be£s

larcr Sötte begieben fann, ftimmt Lehmann mit aiiTcren mir unbcTenflicb gu. 3iie;

hoff b'ii g'H'J neueiTings feine 2>eutung auf jene vertbeirigt, allein feine Stuf*

ftellung, Tas ©cTicbt fei ivährcnT Tes 2^iebterö 5lmvei"enbeit im #auft Tcs ©cbeiiue;

ratbs oon la Ofoche gefchrieben, enthält eine reine llninöglidifctt. Sic fonnte ©ötbe

Tamals vom „©ctümmel mandev AieuTeii, inandjcr Sorgen, mancher «'pergensnotb"

fpreeben, motin er fieb eben beftnbe, ivie fonnte er Sotten Turd) Tie (Srinuerung an

eine folebe unrubige ©eelenlage gu beruhigen glauben? UnT roar eine fo(d)C Setu*

bigung nid)t im vollfomiucnftcn ©inne in Tem Sötte übevfanTten ®eTid)te „9Wor*

genlieb an Sila" gegeben, Tas fieb roirflich im Sriefroecbfel Wöthe's mit Borten

finret, wogegen Tort oon Tem ©ebidjte „an Vottcben" feine ©pur ift. 25erS5er8:

„Z)enf id) fein, Sotteben, Teufen Teiu Tic beiren," Teiltet beftimmt auf eine

Sßerfon bin, Tie guglcich mit Wötbe fidi Tcsi Umganges mit Sotteben erfreute, aber

gur 3*it bet Slbfaffuug Tcs ©eTicl;tes in feiner ?iäbc ilcfj bcfanT. (JnTlid; toiber«


93 e it r t f? c 1 u n ^ o ii unb fufjje Jlnjcigcu. 69

fpricbt ber ©cbluftpcrS: „Den er 2Mr nun in reiner gfreunbin giebt," gcinj unb

gar ber iMcboffifrben ©eutungj beim wie tonnte ber IMdjtcr fagen, jcjjt erji, nach

fein« Entfernung, gebe ihm r-cr Fimmel ben reinften Segen in ber ftreunbin, bie

jebon fange bie SBettrnute ihres £erjen8 war. steine , in tcr SÖotrebe ju ben

„ 3 turicu " ©. VII. aufgejfrfltt SSermutbung, bat SBiefjcff gang überfebeu.

SBon ten auf Sili bezüglichen ©ebiebten bat Scbmann bas Sieb „auf beut See"

mit gang &efonberet SSorliebe nid)t ohne ©lücf bcbanbclt, borb febeint uns bie (Sr*

geinjung bes ©e«len§ujtanl>e8 tcö SDicbterfl niebt gelungen, SDcr 2Md)tcr fühlt fiel)

auf rem See fo frifcb unb munter, n>ie noeb nie, wie cS ibm aurl) auf ber gangen

weiten Steife noeb nicht gewefen; biefeS feine SSrufi fcbmcflcnbe ©efubl madjt i'icb

gewaftfam in Cen abgebrochen eintretenden SBorten Suft: „llnb fvifebe 9iabrung,

neueä QMut" u. f. w. JMe Erinnerung an feine unglürflirbe Siebe bemächtigt fieb

feiner erft fpäter, im Boflften Suflgefübte ber unenMicb febönen Statur. 3teu§erji

gewagt ift bie SSejiebung rcr erft im Sa&re 1815 gebrurften SJerfe „53htmenftrau§"

auf eilt. 5Me Vierer au8 „ (Erwin unb Elurirc" unb „(Sfaubine" geboren nur in

febr bedingter SBeife hierbei-, wogegen man anbere auf 8fli bezügliche SBerfe »er*

mifjt. Sehr gelungen febeint uns bie Erflarung bes „#eibenr.ö8lein8." 3n Scjug

auf ben [Refrain war wohl auf Ublanb'8 SSolfSliebet I, 36 ju »ertöeifen, wie jur

Erflarung Bon morgenfrbon unc bilbfcbou.

lieber bie auf grau Bon 'er

äRonb, ber eben 2?ufd) unb Sbal mit feinem SRebelglang ftifl erfüllt, breitet aueb

über bie rem Siebter befannten unb lieben gluren feinen (inbernben, baS unbeints

liebe SDunfel freunblicb erbeflenben SBlicf, ber aueb feine Seele mit ftiöer, greuoe

erfüllt, wie e8 bcS greunbeS zutraulich tbeilncbmenbes Stuge ju tbun pflegt. Sei

ben SBerfen ,,^-ür ewig" (©. 213) ift ^u bemevten, oa\^ fie urfprünglifb, ju ben

„(^cbeimniffen" geborten, voober ba^ „beim" Rdj niebt auf bie 35erfe „ßu'ifcben

iweien Üöelten" bejiefaen fann. SSergl. £d)ötl ju ben Sriefen an grau »on ©tein

III, 97 unb meinen 3luffa|j über bie „©ebeimniffe" im „5)corgenblatt" 1852

9tro. 10. ©. 223.

Sei ben „Otöuiifchen (ylegien" bat Seemann ben SerfucI) gemacht, eine fort;

febreitenbe, bureb einen cbronologifctjen gaben jufanimcngefuüpfte Srjät)lung naeb«

juweifen, beren funftreiebe ßompofition ^u einem ©anjen barin beftebc, oa\s jebeä

eii^elne ©lieb biefer .ftette, jebe Elegie, fowo^l ein für fiel) gefdjloffeneS, an fieb

Dfrftänblid)e9 ©anjeö bilbc, al§ aueb einen notbtvenbigen ober boel) roenigftenä

paffenreu 8ejlanbtb,eil jener ilette ber ßnftänbe unb Segebcubeiten auf-maclic, worin

aber manche ©liebet balb bier balb ba nu8gelaffen feien, „flögen bem Siebter

immerbin »erfebiebene greunbinnen unb fomit aueb verfd)iebene yiebeeoerbaltniffe

bei (üntftebung ber Slegien »orgefebwebt baben, in ber 51uefübrung unb I\irftellung

fann unb fotl nur eine greunbin, nur ein StebeäDerhältnig beroortreten, unb fomit

bie SBerbinbung aller Plegien alö ein einheitliches, in fieb abgerunbetcä Wanjed

erfebeineu." l'lflcin biefer 3lnficbt fteben nicht allein bie »on Lehmann felbft hervor;

gehobenen, unb, wie c§ unö febeint, nid)t ju befeitigenberi ©cbwierigfeiren entgegen,

fonberu aueb manche anbere. 2)ie bebeutenbfte febeint unö in ber breijcbnten

(5!e^ie 51t liegen, wo ber SMdjter fcbilbcit, wie 2tmor ihm nach [Rom gefolgt unb

ihn mit täufebenben SBorten jur Siebe geleitet habe, was wenigjtenS mit ber erften

Elegie in SBiberfprueb ftebt, wo er gleich am Anfang bie Hoffnung auofpvicbt, l'afi

ihn Slmor'ö Jenipel balb empfangen werbe. 2>ie Elegien febeinen uns nur einzelne

Scenen Diömifchen 8iebe8leben8 eines norbifeben JtünftlerS jit febilbern, wobei bem

Siebter manche iBerbältniffe feiner Sefannten, unter anbern oon .Hniep oorfebweben

moebten; ihn felbft beglüefte, als er biefe ©ebiebte fdjrieb, raö finnlich heitere 93er?

b&(tni§ ju Ebriftianc "SulpiuS, wober er bie frifeben Stöne ju feiner SDarftcllung

nabm. "Ray; ihn felbft eine berartige Siebe ,$" 9tom erfreut habe, baoon liegen

feine Spuren oor, unb oodj würben und foldje nicht entgangen fein, ba neugierige

jllatfdjfucbt ben Siebter allerwdrts umgab unb eS an Scobacbtern feines [R6mifcf;en


70

SBcurtöctlungcn uot fntje 9lnjeigen.

8eb«nfl nicht fehlte. DI« Beidjtfertigfeit beB Diömifcben DreibenS bot ihm bcn reiche

ftcn Stoff Mr. SBir bcmcrfen bei rid'cr (Gelegenheit, ba§ rie urnmutglicbe #anbs

febrift ber „Plegien," obgleich rer dichter fclbft fic einmal feinem Secretair träntet

;iim SBerbrennen übergeben hatte, fieb noch im ©Stbe'fcfcen Archiv befindet. Sic ift

lauber uon be« Dfc&tert eigener ^anl in Bateimfc&en öuebftaben gefdnieben. 9(uf

rem foaenannten Sdjmufctitel finbet fich ba8 9Bort „(vielen" mit rem aiicr) rem

erfteu 9lbrrutf oorgefVfeten ©orte befl D»ib:

Nos Venerem tutam concessaque furta canemus,

Inque meo nulluni carmino crimen erit.

Ruf rem {Weiten Blatte (lebt Krotica Romana, aber mit Sleiftift rurdiftn'dicn, nur

ftatt reffen, ebenfalls mit Bleijrift getrieben: „Plegien. Dtom 1788." Die £anN

febviü jefgt mehrfache Serbefferungen, rie gräfjtentbeifä in ren erften 9lbrrucf ober*

gegangen flnb. rie erfte Serbefferung finbet ftd) gleich im erften Pentameter, wo

j'ta'tt „regft" urfprünglicb „rübtft" ftanr. Die jireite (ffegie, welche als vierte be*

Zeichnet ift, begann früher: *

fraget, »reit ihr aneb wollt! 9??icf> |ollt ibr lange ntct>t [eben.

Die betten befanntlich aus iHnftanrsrücffidjten beim 9lbrrucf in SdjiflerB „.ftoren"

untcrrrücftcn Plegien SJiro. 2 tino 3 ftnb in einer befonbern Jcapfcl erhalten ; in

rer erften berfelben ift oon rer franjöfifcben Jtranfbcit, in Ter anrern oon ^riapus

rie jjtebe, ber verfängliche Stoff aber mit gro§er Acinheit, Weift unb Wefcbiuacf

bcbanrelt. ftür rie (nflärung Ter Plegien war bisher gar nichts gefebeben, woher

Sebntann'fl Skrfucb, wenn er auch mehrfacher SBeridjtiguug unb Srgänjung bewarf,

tanfbare l'lnerfcnnuug oerrient. SBir fügen bfofj einzelne 23emerfungcn bitiju,

dtegie VI. 23. 11. ift He oetn Dichter befolgte Jnterpunction rer oon 2e&mann

eingeführten entfdjieben oov^ujiebn; rie SBerbintung ift anafolutbifdi frei, aber fräftig

bejeiebnenb. Die Semerfung ju 23. 14: „galconieri, gfalfenjäger, Aalfner,

Aalfeuicv," ift irre fübrenb. galconieri ift jcrcnfall-5 Sigenname; bit reutung »on

Öiusculus auf einen llnterbänrlet res jlarrinals 9llbani wirr rureb, ren 3"f>nru

menhang wirerlegt. — Cime 3weifcl ift an einen hohem Wciftlicben, einen Sifdjof

orcr 3lbt ja teufen, rie weiter unten ruref) „Diotbftrumpf" bezeichnet werten, wo«

gegen „23iolctftrumpf" ciitf rie Jtatrinäle reutet, ort ber fiebenten Siegte febeint

uns Sebmann reu Sinn »on 33. 15 — 20 verfehlt jit haben, wenn er erflärt:

„teilte jugenHiche SBegeifterung für ras 3lltertbum unt> namentlid) für rie alte

Ülunft bat "mich hierher geführt, meine gliicflicbcn 23erbältuiffe unr jjufäflige Unu

frönte haben es möglich gemacht, meine' begcifterungsvoflen SStinfdie ju erfüllen."

Ter Dichter weif? nicht $u feigen, wie er in reu Diunrp gefoinmen — renn bort

glaubt er ju fein — ; er vermutbet aber, ta% £ebe unr auch ftortuna ihn berein;

geführt, ra er ftcb fo gan$ oerjüngt mir glürflieb fühlt, wie er es niemals gewefen.

i}lm Scbluffe hätte ras Denfmal res h'cftius , rie befannte üpgramibe eineö Gajtts

SeftiuS, an rereu ?;u\i fich rer 65ottesacfer ber ^roteftanten ju d\cm befinret, eher

als vieles anbete eine Semerfung erforbert. -^ier follte tuver) eine wunrerlicbe Fügung

reo Sehicffals &bti)t'i Sohn feine tßuheftätte ftnben. ?luch, ren Sinn rer

eilften ßiegie wüufd)teu wir beftimmter angegeben. £er Dichter weihet feine (?(e;

gien ren ©rajien, mit innigfrer ?Vreiirc, ra fte ra§ ©lud feiner Siebe ihm ]'o rein

wircrfpi'cgeln, unr er vergleicht riefe gfreube mit rer reo 23ilrbauer^, rer rie Sbeaie

feines («elftes in hohen ©eftalten verförpert um ftd) febaut. 23ei rem Sdjutffe rer

rrci^ebnten (Plegie fdiwebt wohl rer l'lnfang rer britten reo erften 23ud)eö res Vßxo>

pefj vor. .vöchft unglürfltd) war Sehmaun beim Anfang ber fünfzehnten (S'legic,

ba ihm rie Stelle res Spartian Hadrian. 16 entging, auf welche ©ött>e offenbat

binreutet : Floro poetae scribente ad se:

Ego nolo Caesar esse,

Ambulare per ßritannos,

Scythicas pati pruinas,

rescripsit: E


95 < u r 1 1) c I n n tj c it U»b f n r 5 c "Jingcigen. 71

5Dic febr befannte Stelle bat bereits ftufj in feinet Uebttfefcmtg Der Ötöthe'fcfien

(£(egien nadigemiefcn, melcbejutcb fonft manche treffende ^oajweifnngen bietet. 3rt

oerfelben (Siegte iji in Setreff Der ße&trt fhroperj ober $>orag jefct ©ßttlrng'8 Cfr«

flärung über' Den gang unfdjulöfgen 9tntt)eil gu öergletajen, reu er an ber SeSart

„(ßroperg" gehabt, m ber Jenaer ^r0grammabr)nnbhrng über jwef Trcn befl #orag

(1851). SJergl. 3at)tt'8 3"brbnd)cr für ip&ifologie unD ipäbagogif, Supplement;

banr XVII, 61 1 f. '-Bei Der „vierten ©tunbe" (Lehmann (agt irrig „SHorgen*

ftirnbe") war an Die »on ©fitbe felbfl im ©riefe au» Serona 00m 17. September

auöführlid) erörterte 3tflfienifd)e StuuDcnredjnuug gu erinnern. SBont 15. 5B?ai

bi§ (>'nfe 3u!i ift Die vierte ©tunbe ein Uhr nach SWifternncfyt, vom 1. Stugujt an

balb ein, 00m 15. ?liuuift an 3Ritterna$t, vom 1. September an ll'/o llbr u. f. W.

3n ber acbtgebnten Siegte mar „Schlangen nnb ©ift" al* .^enbiaDt)? gu bezeichnen,

Httb an baä befauntc latet angtiia in herba, auch, mobt an peius angui (togf. Die

(vrflärung gu Hör. epist. I, 17, 30) gu erinnern. ?lm Sehtuffe Der neunzehnten

(ftegie febroebte ebne allen ^lx^ctfel Der £oragifcbe 33er8 vor: Quidquid delirant

reges, plectuntur Achivi. Sei Der letzten Plegie hatte gebmann nieht überleben

feilen , Daü bau ©ort „Quinten" im vorlebten SSerfe nur afS öejeidjnung be8

23olfc3 überhaupt genommen werben Darf, Da Der dichter fieb, gu 9t om teuft. 2Jlan

vergleiche r-agu Den Schluü ber achtzehnten (Plegie

©önnet, mir, Quinten, ba§ ©lücf, unb jebem gewähre

SlQer ©uter Der SBelt erfles unb lerjte-3 ber ©ott,

mo unter bem erfteu nnb legten ©ute ber Seit niel)t foroo&t treue Siebe, als ber

fiebere SicbeSgenuf; gu verftebn ijt.

Slrbtgehn SieDer giebt ßebmann unter ber Itcbcrfcbrift: „Siebeägebtcljte von

1790 — 1806. (Sbriftianc aBuföinS." 2Btt muffen gefrebu, bafj unä biefe 3"*

fammenfafiung wenig paffenb febeint, mie mir nttet) bie 3(u3wahl nicht Durchaus

billigen fönnen. ©aS glücflicbe ßicbeSverbältnij} gu Chriftiane SSulöiuä begann

1788 unb bunte feinen (inufluf? auf ©otfje'S giebeSbidjtung fich nid>t über bie Drei

erfteu Jahre hinaus erftreeft haben ; bie 35erbintun g mit Schiller rief auch in feiner

Iprifcheu Sichtung frifebeö ftrübliuge-lebcn hervor, wo Denn auch manche ßiebefc

lieber erblühten. Unter Den auf Gbriftiane SBufoiuä bejügtidjen Ober Doch unmfttel«

bar au» Dem "iVrbältniffe gu Diefer bernorgegaugenen ©eDichten vermißt man gerabe

DaS beDeuteiiDfte, Die „ÖHorgenffagen," worüber man auch unfere „^rennbeöbiloer"

S. 2i0 vergleiche. Sei Den feit Der Serbinoung mit Schiller entftanDenen SiebeSs

lieDern Darf mau nicht überall Segicbttttgen auf beftimmte ViebeSverbältniffc oer*

mutheit, mie aud) fcJjon unter Den früheren fiel; manche finDeii, welche rein biet)*

tcrifebc ©cbilDe Rnb. £>it$ bemerfen mir gunächft gegen Scbmann'S (jrfiäntng Der

©eDtehte „9Jad)iiefuhl," „?lbfchieD" unD „am g'luffe." Sefönbere Sorgfalt fiuDeu

mir auf Die Saöafce ven Der fchimen iliüüerin vermanbt. !Tie ?(nficl)t, Datl alle

vier SSaflaben gu einem fortlaufeuDen ©amen fich Bereinigen follen, wirb Durch Den

23riefwed»fel mit Sd)ifler vodfornmen betätigt, Dod) ift nicht gu leugnen, ba\s bie

fpäte 93oQenDuin3 Der Dritten SBatlaDe, melchc naclj ©öthc'S la^ebuch, wie mir auö

guvcrlauia/tcr Gueöe mittheilcn fönnen, auf Den 16. 3mii t7'.>8 fällt, einige 3(b;

Weisungen von Der SÖarfteflrmg Der vierten veranlagt bat. SBenn 33ieb>ff meint,

i>d Den beiDen erfteu unb Der vierten *-8allaDe hatten Dem dichter ein Stltenglifcb^eS,

ein l'lltDeutfchcS unD ein Spanifd)e§ 23olf*lieD borgeiegen, fo miDerfpricbt Diefer Sin*

fid)t Die hierbei vorfchmebenDe SriefjieDe ©ötbc'S geraDegn. Schon am 31. Stugufi

1797 febreibt ©öthe au Sdu'tler, er fei uutermegö auf ein poetifche» öknre gefaOen,

in melchem fte füuftia, mehr madjeu- müfiten. „(v* finD ©efprädje in Vierern. Söir

haben in einer gewtffen altem £eutfcben Qdt red)t artige Sachen von Diefer Slrt,

unD cd lallt fich in Diefer ftorm gar manche^ fagen ; man nwjj nur erft hineinfommen,

unD Diefer 5(rt ihr (5'igenthümlicbeS abgewinnen. ?ch habe fo ein ©efpräd;

gmifeben einem Knaben, Der in eine 3Jlüöcrin verliebt ift, unD Dem Wiiblbach an«

gefangen." SDemnad) warb „Der Sunggefefl unD Der ftliühlbach" juerft fonu'pirt,

aber man ficht Deutlich, Ta$ an ein benimmt öorfdjmebenDeä 9lftbeutfebe8 SSoiFä*

Heb nid)t gu Denfen ift; ©öthe Dichtete blojj im 5tone iUltDeutfeber 33olf«ticDcr, W'aä

if)m fo vortrefflich, gelang. SBenn er balD Darauf, am 14. September, Da-3 ©e=


72 93eurtbeilungen u "fr f n r § c ?lnjeigen.

rieht „JDtr Ubelfnabe unb t>ic SDlüflerin. 2Ute,ngHfd)" ritit bem 23cmerfen an Sd>itlcr

itbcrfcntct, auf tiefen f leinen Scheiß ali „uitrobuftion warben noci> brei Sieber in

Xcutfcbcr, JranjÄfifdjer unt Sjjanifdjer 2lrt folgen, Die gufammen einen fleincn

Dloinan ausmachen foflcn, je fcinii hiev offenbar an beftintmte SBolfStieber nieht ap*

fiici)t werben, fontern efl tfl nur r»om Jone, von ber 9Irt ber Darjreßung bie Siebe.

3a auch hei ber Mitten Saflabe fdjetnt ihm am anfange tie fvätcr benutzte ftran-

jöfifdje SaDabe nie^t »orgefdjwebt ju hahen, ta rie SBruetyfrüefe einer früheven 55c=

arbeitung, bic SMcboff mit Stecht Im ©riefe vom 5. November 1797 cvfanntc, we«

[entlieh bavon abgeben, lieber bic fp&tere llmbilbung »ergjeidje mau reu iövief an

Knebel Dom 27. "villi, ein Schiller vom 24. 3nü 1798. 2Die Scblutfftrovbe, weldje

nad) beut Jrangflftfdjen Original frei überfejjt ijr, vafjt wenig ju ber fonfryjen

SDarfteflung Defl Sfanggefeflen, aber i£>r ei^enttid^er Sinn, womit Lehmann niebt

fertig werben tonn, Hegt offen bor, befonberfl wenn man baS Original »ergleidjt,

welches bic grisette ber maitresse honnete entgcgcnfteflt. — Sind) ber „Nacht;

gefang" ift oon Lehmann ©. 353 ff. mit cntfcbiebcncr Vorliebe unb fd)öncm ©es

fühl bcbanbclt Worten, aber wir rannen ber vevfuditcn Deutung be8 StefrainS:

„Schlafe! wag willfi SDu meb,r?" unmöglich beiftimmen: „Sd)lafc, wag wiüft SDu

mehr, als bei tiefem ©ewufjtfefn (beffen, was bie früheren SJerfc fagen), bei biefer

©ewifjbeit fanft unb ruhig fdjtummern?" ©er Siebente betrachtet ben ftiflen, ruhigen

(Schlummer ber ©eliebten als it>r bödjfteS, fcligcS ©lücf, baS er nicht ftören bürfe.

3n ihrer Nabe, unter bem näcbtlidjcn 'Sternhimmel, fühlt er fieb erhoben, aber

es" befd)leid)t ihn boeb halb ber Scbmcrj, la^ er t>ter einfam in ber .fiüble ftehen

utiiM, unb fte böcbftenS im £ räume tr)n hört; allein tai ©lücf ber ©eliebten liegt

ihm gu fchr am bergen, als Da§ er it>r bie|e Stube nid)t gönnen foQte. SDaS g\t

©runbe fiegenbe ^talienifdic SSotfSlieb ift längfr nadigcwicfen; über bie «OueOe

beffelhen berglefdje man bie allgemeine SMonatSfdjrift 1S.'53 S. 272.

3n ben Dritten Sl&fd&nttt vom Sab" 1806 — 1832 ift mit Unrecbt ba8 @e*

biebt „(Sbriftel" aufgenommen, bau bereits im Seigre 1776 im 3l»ru*&eft bcS „üfter«

für" erfdjien. 2?ci anbern ©ebid)ten vermißt man bie Angabe ber feftftebeubctt

SlbfaffungSgeit. „NJärg" ift am 5. 5)cärg 1817 gebiebtet, baS „Scbmeijcrlict,"

baS faunt bierber gebort, 1811, „g-rübling über'S 3abr" am 15. 9Rai 1816 gu

3cna, ohne 3»eifel ohne irgenb eine 23ejiet>itng auf feine brei SBocben fväter fter*

benbe ©attin. 25a§ baS ©ebiebt „3m Sommer" nicht von ©ötbe, foubern von

3. ©. 3«obi ift. bähe tcr> längft nadjgewiefen ; feine SlbfaffungSgcit fällt um 1776.

9Jiit befonberer SJorliebe ift ber (SufluS ber Sonette bchanbelt, tit wir neuerlich,

mit 93cnu$ung Sebmann'S, aueb von SMeboff erläutert finben. 2lucb biet" verflicht

unfer Sßerfaffer einen burdj alle ©cbid)te burdigicbenbcn (jijrorife&in ft-aben nadjgu«

weifen, einen beftimmten .ßufammenbang, beffen ©runbton bie Saune beS ©dichten

genannt werben fönne unb bcgiebungSreicb auf ©ötbc'S eigenes Sehen hinzielen

bürfte, wobei aber reineSWeafi borauSgefeful werben fofl, ©ötbe b,abe nur an eine

©eliebte gebadjt unb ein ^rucfiftücf feines" SiebeSverhciltniffeS ju tf>r in d&ronolo*

gifd)er Oieibcnfolge liefern wollen, allein wir glauben, ba$ bei einem foleben Söcr;

fuche einzelnen Sonetten cntfcbiebcnc ©ewalt angetban werben muffe, unb and) fo

wollen einige fiel) nicht fügen, ©eäljwlb greift benn Scbmann fclbft ju ber SSermuthnng,

bie in baS^anje weniger binciuvaffcnben Sonette, als welche er 9?ro. 5. 6. 11.

13 — 15 hcjcid)iict, feien fvätcr entftanben, unb unter bie frühem einaefdjaltet, woj

bei eS aber auffallenb febeinen mufi, bafi ©ötbe bie in ber frühem 3ufammenftcllung

wirflieb beabfiebtigte (Sinheit fo ungcfdjicft geftört b.aben folltc.

2)afj bie Gbarabe, Sonett 17, auf Fräulein SDlina ^erglieb ju 3ena ftet) bc*

jiche, ift bereits von Sdjäfer auS guter CUteflc berichtet worbeu. Schmann, ber

bie SÜuflöfuna ,,«&erj Siebe, $>erjlieb|re, ^crjliebchen" giebt, war biefe vcrfönlid^c

Deutung unbefannt. SSiehoff erhielt bic richtige SDeutung burch 33arnbagcn von

(Snfe, febeint bcrfelbcn aber nicht recht ju trauen, lim jeten 3n v cifcl au ber Süich^

tigfeit biefer 3lngahc ju heben, thcilen wir nach ©öthc's unb SRiemer'S TagehüdKm,

aus benen SluSjuge vor uns liegen, ^olgenbeS mit. 2lm 29. November (adveutus

domine) 1807 fam ©ötbe nad) 3cna / wo er in größerer ©efeflft^aft bei Js-ronu

mann fpeifte, unb gerabe bamalS bürfte SOlina -^erjlieb einen befonbern diubruef auf


93curtbei(ungen unb fnrge 2t n 5 c t ij c n 73

ibn geübt haben. 9(m 2. ©egember traf ßadiafiaa Sßerner in Jena ein , wo er

am folgenden Sag« feine Sonette öorla8. Sieben Soge fväter laS ©ötbe mit

SWina £ergtieb Sonette öon 91. 2B. ©Riegel bei Jyrommann. 91 nt folgenden

borgen, »0 er fang im 93ette blieb, war er mit eigenen Sonetten befcfcdftigt.

91 m Slbenb würben wieber Sonette von 9(. 23. Spiegel gelefen, am 11., »0

©öt&e ebenfalls mit

klinget gur Sefung.

eigenen Sonetten befdjäftigt

91 m 16. trug Söerner fein

war, famen folnje 0011 ©rfeä unb

Gbaratenfonctt aufSRtaa £erglieb

vor, 'rem ©ötbe am 17. mit bent fernigen folgte, .vneriiacb fann e8 {einem 3weifel

unterworfen fein, baf? bie Sonette „Ifyocbe" nur „fibarabe" auf bie genannte

STamc fid> belieben, unb baffelbe ftebt &on rem Sonett „ßbriftgefebenf" gu »et*

nuitben. gine 9lngahl von Sonetten bat Bettina befanntlid) ali ihr ßigentbum

in 9tnfvrucb genommen, \c ^at? biefelben blofje metrife&e Ueberfefjungen (ttötbe'ä

feien, nämlidi 9Jro. 7 — 10; aber bei ber großen SSißfür, mit welcher SBcttine in bem

SSriefroecbfel ©ötbe'8 mit einem .fiinre mit Crt, ßeit unb 5?erbaltniffcn umforingt,

oerbient riefe Angabe an fich wenig ©lau&en. 9lnd) bie SSeranlaffung gu 9iro. 1

unb 4— (i foflen Settinenä ©riefe fem £iditcr geboten fjaoen, waS ^tciclifallö wenig

glaublich, roenn man and) annehmen und, gu 9cro. 4, welche? Sonett nach rer

Q.uartau3gabe am 6. SDe$ember 1807 gerichtet ift, babe eine tolle Grjyentrijität 93et*

tinenä SBeranlaffung gegeben. 9(nf rie }i> febwierige (Srflärung reo (Einzelnen rönnen

roir bier nicht eingeben, fonbern muffen uns m\ wenige SBemerfungen befebränfen.

3m erften Sonett" ift rer burdj einen gfelsfturg gu einem See eingebämmte Strom

ein SHbbüb beä muti>ig borbringenbetj männlichen ©eifleS, ber fich burdj ben un-

Wfberjrebjidjen Steig eine«? weiblichen SSefenS »unbefooD gefefjelt fufjlt. Tic DreaS

ift bier nicht ein „walbiger %(%" Wie Sebmann erflärt,' fonbern rie Sergntim»b.e,

bie au8 Siebe gum %h\)}t berabforingt, ber aber S3erg nur SBalb im wilben Sturme

folgen; ile rient nur gttr fdjönen riebterifeben 9luefübrung be# 33itbc$. (Sine he*

ftimmte Sßejiebung auf ren dichter, unb befonberä auf fein 9Uter, im ©egenfaij

ju SettinenS Sugenb, woran 2Meboff renft, liegt ganj fern. 23ei Sonett 5 ift

nicht an böbern/fürftlichen Staub gu benfen , fonbern an rie wunrervolle £obeit,

in welcher ba8 in rotier SBürbe erblühte SBeib rem SWann entgegentritt; fie fcheint

ihm fo erhaben, rafj er nur eines futdjtigen ©liefet »on ihr gewürbigt gu werben

glaubt. 3u Sonett 11 lefen wir bie and) von SBieboff unbefenflicb benutzte 33e;

mertung: „Tie Sacrimaffen begeben fich auf bie bamafö in ber Literatur herr*

febenbe manirirte unb affectirte Sonettenmanier." Offenbar beutet ber dichter auf

bie bramatifebe SluSgeburt rer SRomnntif, ren „Sacrimae" von ©ilbclm von Schiig,

ben 91. ö. ürb[ea,e[ 1802 berauägegeben hatte. 9?ei ber (linfeitung ju ben So<

netten vermiffen wir bie nötbigen SBemerfungen über 63ötbe'S 9lnivenrung riefer

ffunjlform, wie fie bei 33iehoff in au^reichenrer SSeife fich pnben.

©ober bie SBerfe ,,9tug' um Chr" (S. 429) genommen feien, hatte wohl

einer Dtad&wetfung bebnrft. hinter ber Ueberfchrift „^rübttng übcr'S Jahr" fu db

Bebmann ohne ©runb einen tiefem Sinn; fie ftebt in 23ejieiiunfl gu ben vorher;

gebenben „9lpril," „9)?ai," „3nni" überfebriebenen Gerichten, unb beutet auf ben

näebftfola,enben ^rühlincj hin. lieber bie wunberfidje erfte Raffung beö @erid)te§

„©efunben," rie unter ber Iteherfdirift „Jm 23orübercjebn" ebenfalls in bie ©orte

fibergegangen, ift Sebmann nicht gur .filarheit gefommen. Obne Zweifel ift bie

legte Strovhe, in welcher bei Sehmann ein 33crö ausgefallen, ber Anfang einer

neuen Searbeftung res noch unooflenbeten ©ebtd^teg, bie aber bamal§ nicht weiter

gerieb.

SSir fd)iie|len hiermit unfere -flüchtigen Sinjelbemerfungen , hei welchenwir

aröfUcutbcilS bem verehrten SBerfaffer entgegentreten ober ihn vervoflftänrigen mußten.

%>ci\l e$ aber an vielen treffenben, ihm" eigentümlichen ober vaffenb henutjten 93e;

merfungen nicht fehle, glauben wir hier iin 9(tlgcincinen wieberholt auöfvrechen gu

muffen. SDißge .*öerr Sebmann l'ä einer gweiten 9(uflage auch ber Raffung rer (fr?

Körungen mehr 9(ufmerffamfcit guwenben, unb würben wir cö febr gern fehu, wenn

er in biefem gatle auch ber oft ftörenben wörtlichen 91nführung frember Deutungen

fid) enthielte, unb überall in felbftänbiger, völlig abgerindeter STarftetlung feine

(irflärung rarböte. 9(ucb, für berartige Srfiärungen wünfeben wir eine möglichst


74 33eurtbcilungcn unt f n r j e Anzeigen.

cinbeitlicf) gehaltene, von einem ©eifte belebte, numuthig anfvreebente, »renn audj

feince-wcgS in '-JMümelcien fich, jer|f reneure , fontern fnapp an ten ©egenftant fiel;

anfrblieHcnte Tarftcllung.

«'inen »fei beteutcutern miffcnfcbaftticbcn 23crtb muffen »vir rem Reiten 2Berfe

Sehmann'S, ter Schrift über ©ötbe's Spradje unt ihren (Seift jtierfcnncn, einer

treuflciüigcn, auf ten dmfnffenbflen Stiiticn itnt» ter grüntlid)ften ßcnntniw unferer

9Wuttcrfvracbe beruhenten Arbeit, in welcher tie (vrgebniffc fünfzehnjähriger %et*

fdning in anfvredu-nter aoiiu nictergclcgt fint, wenn (entere auefj turef) übermäßigen

©ebraud) ftetd wictcrfchrcntcr, in "s» ^aul'fchcr Skife ausgeführter, bei

feu nüchternen grammatifeben Serljältniflen oft etivaS wuntcrlicbcr 03 i 1 f er einen ttn«

gehörigen, rem (irnfte Ter SBifJenfdjaft Eintrag tbucutcu Slnftricb crf)äft. 3? er

Serfnffer, turd) feine Schrift über ten allgemeinen Mechanismus teö üperiotenbauc§

längft als fd;arffinnigcr, eins unt umfiebtiger ©rammatifer Mannt, nennt fein

ffierf einen erften SBerfudj, n>eld)cr bei rem Mangel eitler Vorarbeiten unt fremten

8tü(3en um fo anfvrucbSlofer auftrete. 33er je im ft-alle geroefen, größere ©ötbe'fchc

Salt n II feitig zu erflarcn, wirt taS SBetiirfniö einer grüntlicben Arbeit über ric

Spraye trö TicbterS im böebftcn SRafje cmvfuutcu baben, ta er fich geuöthigt

gefebeu, tie unentbehrlichen ßufammenftcllungen felbjr ju marken (roie ter Unter;

Zeichnete manches riefet Art in feiner vom Sßerfafjfet nicht berütffiebtigten Onflänmg

teS „ftauft" geben muffe), unt um i^ mebr wirt er fich .'öerm Sebmann ju

Dan! verpflichtet fühlen, ter He Höfling tiefer börbft febwicrigen Aufgabe }i> grünt;

lief) angebahnt l)at. „Ter einzig ridttige \\utvtweg , auf welchem ter grüntlicbe

Spracbforfcbcr jur umfaffenten Anfdjauung unt Turcbtringung teS fteltcS ter

Suntar, unferer lieben Mutterfpracbe gelangen fann," bemerft ter SBerfafjct in ter

SBorrcte, „zieht fidi mit allen feinen Seitenwegen unt Ke&enpfaben, tureb taS

Scbriftftellcrgebict aller Heroen unferer Literatur. Taber liegt tie 3t« nidjt fern,

biftcrifcb empirifeb jeteS tiefer Scbriftftcflcrgcbicte in fvutaftifcbcr $infiff)t 511 tureb;

forfebeu. Tiefe 3^fc bat neuertingS ter ft-ranffurtifebe ©clebrtenverein für Tcutfcbe

Sprache in'S Sehen gerufen, intern er, überzeugt, tan eines ManncS .firaft unt

Uhätigfcit tiefe fjerfulifcfje Arbeit niebt bewältigen fönne, tie ^rennte ter Tcutfcbcn

Sprache auffortert, tbcilroeife mit beizutragen gur (.frreiebung jeneö 3ideS tureb

fpejieHe Unterfucbungen über tie Sprache einzelner Heroen, tamit tie auf folebe

Seife gewonnenen einzelnen Materialien eine äiifammcnftelliuig unt Anortuung ju

einem barm onifeben ©anzen begrünten fönnen. (Sine tt fleinen Beitrag jll terglcicben

Materialien unt fomit ju einer bjftorifefjen öirammatif ivünfebe ieb in meinem 35er*

fud)e tarjubieten." daneben aber fdnvebte ihm ein auterer, in tie Siltung unferer

gegenwärtigen ©praefje eingreifenter praftifdjer 3>^ecf vor: ta nämlieb ©öthe bei

feiner ausgezeichneten Originalität nief)t feiten auö tem freien in'c> Sillfürlicbe, au3

tem Regelrechten in'd StegeQofe binübcrgefprimgen fei, unt fein latent oft ohne

ftoteö Sewußtfein von orgnnifdjen ©vracfpgefe|en ju frei fdjalten unt walten c\c

[offen, tie gebier ter ©ötbc'feben Spracbe aber mebr 9cacf)ahmer a\9 ibre untrreief)*

baren Sprjöge gefunteu, ja mandje terfelbcn in übermä§igfter 23eife (fingaug ge;

funten, fo bielt er e>5 für eine befontere 33flief)t^ vor foleben Verirrungen tti

2vtadHzebraud)S nadjtrücflicb, gu warnen. 5J5ro6en feiner Q3ebantlung hatte ter

SBetfaffet bereit» in jwei Sebulvrogrammen gegeben, unt tie vertiente ^Inerfenming,

welche tiefen 'Arbeiten ju 2b,eil geworten, ermutljigtc ibn jur Sluöfübrung teö voll;

ftäiitigcn 2i3erfeS.

Serradjten wir junäcfifi tie ©lieterung te§ ©angen, fo zerfällt tie Sdjrift in

fünf ?lbtbeiluugen. Tie erfte behäufelt unter ter llcherfcbrift „Jllarbeit, (vinfacb;

beit unt ©ewänttbeit" in trei Slbfcbnitteu tie fPatfigipiaf* unt Öielativfonftruf;

tionen, nebft tem 4^eriotenbau, befonters in i^ezug auf 5lbftufung ter ^ebenfät^e.

m,ncn '

Unter ter zweiten 2lbthci(ung „J^ürze im ?lu?trucf" werten ganz furz 3»H

fetjiingeu mit Ableitungen, tie Atverbia vor l'ltjeftiveu unt ?ltverbien, $artijipifll;

unt iiielativfonftruftionen, ter Sajj; unt ißeriotenbau aufgeführt, tarauf aber tie

AiK'laffungen unt Abfürzungen einzelner Wörter ausführlicher abgehantelt. Tic

SSiltung cinfacber unt zufammengefet^ter €ubftantiva, Atjeftiva, Scrba unt 3lt;

verbia befprici)t tie tritte „Söortreic^tbum" übcrfctjricbene 3lbthei(ung. 3n einer


23eurtfjeilungen unb fur$e 2ln$eigen. 75

befonbern 2lbthciiung werben bann ©öthe'S SieblfngäWentranften unb SiebHngSauS*

briicfe bcfvrochen. 35a aber ber SBerfoffet bei (einem grammatifeben Stubium bc§

SDicbterS fich fiele mehr ober weniger bebeutenbe (Sinjelnheiten angemerft hatte, bie

fief) nicht unter allgemeinere ©efiditspunfte bringen liefen (?)

1 unt ben porange*

gangenen 2lbtbeilungcn nicht einverleibt werten fonnten , „foflä nidjt bie febon an

fich gro§e 2lnjabl ber 2(nmerfungen unb Ssntrfionen noch iöftiger werten fofltc,"

er aber and) riefe gewifj manchen nicht unmillfommcuen ^ it famnt e n fte fl n j^ e n u nicht

gerne wieber fallen ober unhemerft liegen (offen mochte, fo bietet er biefe als „Ofitts

Reinheiten" in lofer unb (öderer, ja ganj wiflfür(icl)cr 2}crbinbung in einer fünften

?lbtbcilung rar.

9Won hemerft auf ben elften 231icf, baf? biefe 2(norbnung auf ben tarnen einer

wiffcnfcbaftlidmi nicht ben geringften Sfafprudj hat. SJiog eS immer geftattet fein,

©ötbe'S ©pradjj« unter ben "©cficbtSvunften ber Klarheit, ber Einfachheit, ber ©e*

wanbfljeit, ber Äfirje u. f. w. ju behalten, fo barf boeb eine oofljtanbfge Srör*

terung berfetben Mne$weg8 »on fofeben 23etradj>tungeii ausgebn, mu§ vielmehr ber

Spracbbilbung von ihren erften Elementen bis ru ihrer bödjften Entmicflung im

^criobenbau 'mit ftetcr 2lufmcrffamfeit auf baS einjelnfte folgen. 2(ucb treten bie

ÜRängel tiefer 2luorbnung nicht allein borin 311 Sage, bafj er am @nfce einen rtir*

genbroo unterRubringenren Ueberfdjitfj in ben $driben behält, manches wirb in

infolge berfeloen völlig übergangen, vieles mehrfach, unter »erfebiebenen Ohibrifen

bebanbelt, onbereS ganj miflfurlicb unterfchoben. Sßäre ber SBerfaffer von ber SSort*

bitbung unb SBortbiegung ausgegangen, hätte fich borouf jur 23ebeutung unb 2ln*

wenbung ber formen geroanbt, ber fogenannten SebeutungSlebre, märe bann jur

Sfuöbitoung be8 ©o^eS bt8 Rur entmicfeltften Sßeriobe fortgefd&ritten, fo murren nicht

6foS ric einzelnen Erörterungen an ihrer natürlichen Stelle hervorgetreten, fonbern

afle SBieberholuugen unb rie manchen je^t fehr empfinblichcn Surfen vermieben mors

ben fein. 3n einer übcrfichtlichcn (Erörterung hätten raun fcblicüticb rie $cm\)U

tiorjitge ber ©ötbc'fcben Sprache, geftiijjt auf rie vorangegangene Ausführung, leicht

nur f'lar bchanrelt werben tonnen. 4>ier ober im 2tbfchnitt von ber 23ortbilbung

war auch ber [Reinheit ber Sprache unb beS (Gebrauch. eS ber ft-vembwörter 311 ge*

benfen, worüber wir bei Sehmann gar nichts finben. £öcbft auRicbenb würbe eS

gewefen fein, hier ben Nachweis 311 liefern, wie rer SDiebter ric Jfrembmortcr fpäter

möglichi! ru verbannen geflieht. So hat er r. 33. aus feinem „Sßilbefm SReifrer"

fchon in ber jmeitett SfuSgabe eine ganje tylaüc von Jyrembwörtcrn getilgt, rväbrenb

anbere rurch reinen ßufafl ftehn geblieben firtb. 9h'cbt ohne 23cbeutnug wäre eS

gemefen, hiermit baS Verfahren anberer Scbriftfrcflcr ju vergleichen, r.

23. von

21. SB. von Schlegel, beffen 2lenberungcn in ber 2tuSgabc von 23orfing 51t beleb;

renber Sergteiebung vollftänbig vorliegen, £err Bebmann febeint urfvriingfieb nur

einzelne 9lbbanr(unaen über ©ötbe'S Sprache fich oorgefejjt unb auf riefe befonrerS

fein Sturium rer SBerfe reS Richters bingemanrt 511 haben, ohne bie 2(ufjeichnung

anberer Sigentbnmlicbfeften 31t veruachläffigen; von riefen 2lbhauriuugen arbeitete

er einzelne vollftänbig aus, unb er tonnte, als er ben ©ebanfen an eine Poflfian=

bige 33ehanblung beS ©egenftanbeS faßte, fich nicht entfcbliefKn , biefe, wie eS fein

3werf erforderte, wieber aufgulofen unb baS Setreffenbe au feiner Stelle einjuorbs

nen. SDa er hauptfächlich bie fuutaftifcben 23evhä!tniffe im 2(uge hatte, fo ift bie

23etrad)tung ber formen nur unjureichenb ausgefallen, wobei auch ber llmftanb

in mancher Sejiebung hemmenb entgegentrat, ba§ ber 23erfaffer fich nur auf bie

SfuSgabe lel^ter ^anb be^og, währenb baS Stubiuiu ber frühem 2(uSgaben fein

Urtheil mannigfach berid)tigt unb 31t an^iehenben Ergebniffen geführt haben würbe,

wie weiter unten an ein paar 23cifpie(en gezeigt werben foü.

Begleiten wir nun nach tiefen allgemeinen 23emerfimgen unfern SSerfaffer burdj

fein reichhaltiges wie hochft belchrenbcS SSerf, fo fßnnen wir hier unniöglidj auf

alle Einjelnheiten eingehn , muffen unS vielmehr auf bie Hervorhebung weniger

Stellen befchränfen, in weldjen wir abweidjenber 2(ufidit finb; auf alles ©elungene

hinjumeifen geftattet unS ber Kaum eben fo wenig, als überall mit unferen 23ebem

fen hervorzutreten. 3n ber (Einleitung, in welcher wir weniger 2(nführungen frember

Urtheile gewünfdjt Ratten, wirb ber (Sf^arafter von ©ötfje'S Sprache in ben Per*


76 33 c ii r t f) c if n n ^ c n unb furje 9ln$cigen.

fdnebenen SBerfen nicift rreffenb charaftcrifirt; mir fdicint es uns verfehlt, wenn bes

crftcn Ibcils frc$ „$auft, " Ter gröHtcntbeils ber frifcb genialen ßeit ©ötbc's angehört,

erft in Herbinbung mit „SBiibclm SWeifler" gebadit", unb festerer bem „(vgmont"

vorangestellt wirb, ba toeb erft tie im „tfgmont" errungene SWeifterfcbaft bes

Stiles in ber '-Bearbeitung bes „SSilbcfm SRciftcr" gut frifebeften 9lnwcntung getieb,

nie ric wuntervofle .Ularbcit, JRuhc unt 9tnmutb, welche ibm guerft in „3vbigenia"

gelang, im „SEnffo" gnv freiefren (Entfaltung gelangte. Sehr ungern vermint man

tie Jlnfübrung ter „ÜJietamorvbefc ter Cßfiau^cn ,

" worin ©ötbc's miffenfcbaftlicbe

Svrachc am reinften unt frifebeften fich ausprägt. 91ud) tie mnfterbafte Sprache

ter h „Farbenlehre" hätte bcftimiiirer hervorgehoben, a\i\ He and) in ftiliftifdier .fein*

ficht meifterhaften 2\trftcHuiigcn an eitlen Stellen ter „ Cs5cfcbid>tc ter ftarbenlcbre"

wie ouefa auf ^tc lebentige ftrifebe unt feine Beichtigfeit ter Literatur unt) Jtunft

betreffenben 9Iuffäf>e bingewiefen werben feilen, bei tenen nur böchft feiten einjelue

SBcntiingcn an bie (Eigenheiten beä 9lltcrs erinnern.

23ei ber febr lehrreichen 93cbaiib!ung ber ^ßartigipiaftonjtruftionen febeint uns

Bebmann bie grammatifebe Strenge ju weit getrieben, unt ter freiem anafo«

luthifcbcn ifteteweife, rote ber in ben alten Sprachen fo weit gehenben, auch bei

uns nicht gu verlcugncntcn üße-rbinburig v.aih. aiveaiv nicht genug [Rechnung ge=

tragen gu haben. 3u ben SB orten bes ^weiten Jbciles bes „?yauft:" „(Frft fuient

lajj bic treue SMtmung bir gefallen/' ift bie Otcte anafolutbifch, ba bem Siebter

eigentlich ber ©etanfe verfebwebte „roifl ich bir meine SBibmung bringen," wofür

er aber eine anbere SRebcwcnbung wählte; feineswegs begebt fidj fnienb, wie Beb*

mann (€>. 35) will, auf einen ouSgelaffenen ©ati» ober ©enitiP mir, meiner.

Siel auffaßenber ift, wie Bebmann @. 39 Oiote in ben ©orten „ben wir fo warm

erfleht" bas offenbare 9ltvcrbium warm als 9Itjcftiv fnffen mit auf ras vorher;

gebente ftrüblingeregcn begiehen fenntc. 9(ucb vermögen mir nicht beiguftimmen,

wenn er S. 43 im „SCaffo" in ben Söerten : „(ES feilen uiifrc grauen Sßom elften

Eichenlaub am febönften äRorgen ©cflechtcu bir fie 'um bie Stirne legen," bie

Stellung tes ^krtigiviums „geflochten" für {ebenfalls unrichtig erflärt, ba man

beim eilten Bcfen wirflieb verflicht fei, baS $artigipium ge flechten fomifcher Söeife

auf Jyraucn gu belieben: biefeS würbe frcilidi fiattfinben , wenn nicht aus tent

Skuhcrgcbcnben baS SBort „93ürgerfrene" als ©cbanfcnfubjeft lebhaft vorfdjwcbtc,

wogegen jetjt oon einer ßweiteutigfeit nicht entfernt bie 9tcbe fein fann. 25 ie

Stelle ber „Jphigenie:" ,,9ieibifd) feben fie bes SJaterS Biebe ju bem erften Sehn

91ns einem antern 23ette wachfent an" wirb oon Bebmann ©. 48 irrig belegen, ba

aus einem anbern 9?ette roaebfenb niebt gu Biebe, fentern juSobn gehört,

alfo als 25atie aufjufafjen ift. ©. 52 werten irrig anvertraut unb »er«

fammelt als ©enitioe gefaft; erftercs bezieht ficb auf ben 9(ffufatie tas ®e*

bcininifi, leljteres auf ben 25atiü ten [Reiben. 9luch tie antereii für ten ©eni^

tie angeführten Stellen muffen anters erflärt werten; '-8. 31, 271 ift offenbar eine

ftarfe 9lnafeluthie ainunebinen. 3» ber ©. 54 beforechenen Stelle „leferlicb aiu

genebm, ebfdieu flüchtig gefchrieben" leitet obfebon feineswegs tas and) ju an*

genehm gehörentc Sßartigipium ein.

9iech"ftärfer als bei ten Sßartijipten tritt bic grammatifd)e Strenge Sehmann'8

bei ten Olelativfonftruftienen gu läge. So glaubt er fogar bei ©öth,e bie 9Jer=

binbungen:

25ic uns bas Beben gaben, bmlidK ©efüb.Ie

Srftarren in bem irtifchen ©cwüble. —

25ic id) rief, tie G^eifter

Seit' id) nun nicht los,

nicht billigen gu Dürfen. Offenbar tritt hier ber (Relatiofa$ voran, um ben ©egens

falj jnm .^auptfatje fchärfer bereertreten gu laffen. SDie geteilten, wie tiefe Stellen

i(u faffen feien, fcljeinen uns völlig uiibegrüntet; tie Stelatiufä^e fint eorgcfdieben,

wie in tem befaunten Ipfaten'fcben : „So nimm von uns, bie tu vertienft, tie

.ftronc," unt glauben wir eiue folebe freie Bewegung imfcrer Sprache uid)t ber«

fagen 311 bürfen. 3n gleicher iöeifc fdieint eS Ulis unbetenflich, wenn ber dichter

einen fubftantiin|'cl;cn [Relatiefa^ ebne Weiteres als Subjeft ober Objcft fagt. SDJit


23eurtbeilungen unt finge SKnjefgeh. 77

Stecht tagegen wirb t'ie vielfache 23erwccbSlung tcr relativifdicn Fügewörter bei

®ön)e getabelt, in tcrcn ©ebraud) er fiel) nicht gleich geblieben fft. Sei tem ®e*

brauche reo SRelatnninri »e IcbcS ftatt was binter gongen Sägen febeint it)n bei

SBohlflang gunäcbft beftimmt gu haben, bo in tiefer Stellung was ibm gu leidit

mit tonlos fd)icn. Sefonbetfi avff&fiig ift tiefer ©cbiaud; von welches im trittcu

33udj von „Wahrheit mit SMcbtung," wo »iv ihn fcdiSmal in finden ^iriKlicuräumen

finten. 3Jlit Unrecht aber febeint uns Lehmann fte üiclativfägc gu bean*

flauten, wcldic tie Sltvcrfativpartifcl aber enthalten; renn wir feben nid)t, weS«

balb atverfative Sage nidit tie innige SBerbinbung mit bem «£auptfagc eingeben

folkn, tie toai Dtclativvcrbältnif? begrüntet. SB. von inunboltt bat treffenb au8*

geführt, wie taS SBefen be8 JJtclativuine tarin beficht, tau cS guglcich an ten

jpauptfag gleicbfam nirfgreifcnt aufnüpft, unt als regierenter ober regierter ftafuä

teS ScebenfagcS tient, mit er frat tarauf bingemiefen, roie tie Sprache nur auf

ihrer böd)ftcu Stufe ter ft-ormcntmicflmig ginn Jlcelativpronomen gelangte, >£öcbft

begeidbnenb ift nun tie beteutente SlitStcbnung mit Slusbilrung ter Slclativgefügc,

tiefer gciftrcicbften ©pra$formung bei unfenn vom riebtigfren Sinne geleiteten SDicb,*

ter. SikSbalb tie innig anfebtiefenbe Skrbintmig teS Mclativfagcs bie nähere S3es

geiefcnung teS 33crbältniffc$ gmifeben Haupts nnb Sfcebenfafj auSfcbliencn folle, ift

fdnvcr cingufcbcii. üben fo wenig ift tagegen einguwenben, wenn ein gweitheiliger,

antitbetifeber Sag rclativifd) verbunten wirb, wie in ter bon Seemann angeführten

Sßetiobe: „3dj ging niemals bin, ohne ter Schönen eine SBluine ober eine $xüä)t

oter fonft etwas gu überreichen, welches fic gwar jeter j^cit mit guter Slrt annahm

— ,

allein id> fah u. f. w." Jpicr ift ter gange gweitbeilige Sag „fte nahm ticS

jeterjeit — an, allein ich fah u. f. w." turch welches rclativifcb mit tem Haupts

jag verhüllten, wenn auch taS in welches fteefente fßronomen ohne Segiebung gu

rem atverfativen Sage fteht; beim taS Otelativum enthalt neben ter pronomincllen

93ebeutung aud) eine fonjunftive. SDie weitere Behauptung Üchmann'S, taS Dvclatipum

verfnüpfe im SDeutfeben gar gu eng mit 511 fpejiefl, als tan cS eine gange

geriete an tie vorbergebente an fd) ließen fönnc, feheint uns im Stilgemeinen nidjt

haltbar, roenn wir auch tiefen ©ebraud) nicht gang unbefehränft gulaffcn möchten,

-lead) tem eben über taS SBefen ter Diclattvfägc Semerften fönnen wir auch feines«

Weg« mit unfenn SSerfaffer (S. 109 ff.) tie JUMiftrufticn veitammcn, wo in einem

gweitheiligen SRelattbfage taS Slclativ, wie er fiel; auStrücft, turch ein pcrfönlicbcS

Pronomen ober teffen 93offefft»um erfegt wirt. S^afc ter gweite SRelattofajj feine

relative (Einleitung für fich hat, fdjatet rurcbauS nichts, ta tie im [Relativ fteefente

fonjunftive straft fieB auch auf bell gweiten, an ter pronoinincllen 33ctcutung teS*

feiten feinen Slntbcil habenten Sag erftreeft. £)ie SSerwerfung aller terartigen

SSerbinbungen würte ter $reibeit unt ©ewanttheit unfercr Sprache ten »efent«

lid)jten Sintrag thun, ja audi tie 23eteutfainfeit würbe hierunter leiten. SBenn

©öthe an Sabatet fehreibt: „SDaf uuS ein Siilt übrig blieb, in taS tu teiu SllleS

übertragen unt in ibm tieb bcfpiegcln faunft," \o hätte er freilich ftatt in ihm

leicht worin fegen fönnen, aber tamit wäre tie Slnteutung ter enge« 3ufammens

gebörigfeit ter beiten mit in taS eingeleiteten Säge Pcrfchwunten. Sietenflicber

tvürbe ter #afl fein, wo aus tem SRetatib gum gweiten Sag taffclbe in einem

antern JlafuS gu ergangen ift, aber felbft gehmann wagt tiefe SBcrbinbung nidjt

für unteutfd) gu erflären, wenn er fte glcidi nicht für empfehlenswert!) hält.

UebvigenS rechnet tcrfclbc febr viele SBeifpiefe hierher, tie gu tem frühem ftafle

gehören, wie g. 23. in ter Stelle: _„(?S gehörten tie £öfe unter tie ©cgeuftäntc,

worüber er gern gu fdiergen pflegte, auch u^ohl gerne fal), wenn man iinn etwaS

entgegenfegte," bor auch wobl fcincSmcgS ein ivobei gu ergangen, oter in ter

S3cfchreibung: „2)anu gingen wir in tie Sir.tinifd)e .Kapelle, tie wir auch t)cQ unt

heiter, tie ©emSlbe wohl erleuchtet fanten," nicht^teren ® cm alte gu berfteben

ift, vielmehr biltet b;ier tie gweite Hälfte teS SageS tie auSfümente (i'rgänguug

gur erften. Slber cS giebt and) g'äüe, wo ter gweite 2hei( teS relativifch


78 33curtbciluugcu unb für je 21 u zeigen.

JKelativfajj anfügen, woDurch, aber Die DleDc fcbwcrfäfligcr, unb Die üBcbcutfamfeit DeS

SaijcS noch weniger Dur4 Die geadelte Aorm t)er»ortreten würbe. 2lber Der

Zweite Streit tcS ötelatiofafcefl Kante aud) als fclbftäuDig neben Dem $au$tfa$e

auftreten, wobei aber Die 2lnDcutung Der innigen Söerbinfeung jwifeben bciDcn £heilcn

reo SRelatiofajpS »erioren get)en würbe. Hm reit bezeichneten s

Jiacbtbcilcn auSju«

weiften, treten beiDe Iheilc reo [JteiatiüfafceS als glcicbftuftg neben einander, Doch

fo Dan Der $auptton auf Den jweiten Ibcil fällt, lväbrenD Der erfte greiften tiefen

UHD Den jpauptfag als uebenfächlid) eingefroren wirb. 9)1 an mag Dies eine 2lrt

8Utraftion nennen, tuiD Die Serbinbung für nidjt ftreng logifcb erflären, aber Die

©ranuuatif fann eine fo leicbt gewanbte tuiD Dnref) Den SKebeton treffenb bejeid);

nenre 2luSbrucfSweife unmöglicl) , wie l'cbmann will, als ein „finn* unb forntent*

l'tellenDeo Uns itnD ©ifttraut" ausrotten (äffen, fonbern mujj fieb. berfelben um fo

mebr annehmen, je leichter unfere ©nvadje in Den entgcgcnfcjjten gebier ftarrer

tvintönigfeit itnD regelrechter ©tetft)eit verfällt, ©otöe fonnte wohl febreiben:

,,©ie war immer um Die (Gräfin, Die fie mit iljren 21 ffcnp offen unterhielt, wofür

fie täglich etwa? gefebenft befant", ober „unD fie befant Dafür täglich cUvaa gefdjenft".

2Sie »iei bcDentfämer itnD leichter tritt aber Der letztere ©a$ hervor, in Der an Den

Üiclativfaii lofe anfnüpfcnDcn gorm, „unD Dafür tätlich etwas gef&enft befam".

UcbrigenS gehört ein g_ro§er Sfcbeii Der von Lehmann S. 132 ff. biet'ber bejogenen

gäfle aar iiicbt in riefe .Kategorie, wie 3. 2?.: „2)ie ©efeflfdjaft beftanD ans jutu

gen, ziemlich tärmenben greunben, Die ein alter Herr noeb. ju überbieten tradjtetc

unb nod) munberlidjereS 3*ug angab, als fie ausführten." 35ie Sßerbinbung.:

„Hier ift nun Der JyreunD, Der Die bübfehen SSerfe gemacht bat, uitb Die itjr ibm

nidjt jutrauen wollt", bat Seemann ©. 144 mit SRedji für unjutäffig erflärt, aber

baS unb nutf? bier auf einem blofien, vermutblich Durch eine Äorreftur veranlagten

äkrfebcn Der 2lbfcbrift beruben, unD ift einfach jtt ftreicr)en. C?in Der rclativifcbcu

.UoorDtnatioit eines HauptgcbanfcnS ganj entgegengefegter jjfafl wirb ©. 148 ff.

bebanDelt. 3u»eilen ift nämlich Der jweitc Jbeil Des SRelatiofageS Dem ©ebrift*

ftefler fo bebeutenb, tafe er, jitr fdnufern Hervorhebung Deffelben, Die angefangene

Diclativftruftur »erläfit unD in Die ftorm eine» HauptfageS überfpringi, eine %xcu

heit, Die an ftd; eben fo wenig verworfen »erben Darf, als Der Ucbergang aus Der

inbiretten DieDe in Die birefte.

2Sir übergehen Den Dritten 21bfclmitt über Den ^erioDenbau, Der Doch tro^ aller

ajerfud)c fein redjteS 23tlD von ©ötbe'S tfigcntbüinlicbfcit giebt, um einige 23cmer;

langen über Die zweite, Die .ftür^c bcbanDeliiDe 2lbtbcilung hinzuzufügen. 23ct Der

21 u c>la ffim g Der perfönlichen Pronomina nimmt Lehmann an Der 2lucdaffung De?

id; 2lnfto^ in Den ©orten: „£a ict> viel allein verbleibe, Pflege wenigeö ju

fageu". SBenn er aber eine fold;e 3(uSiaffung am anfange beS vortretenDen ^aunt«

faJjeS billigt, fo Dürfte Diefelbe hier, roo int 91ebenfal^e baS ,,td)" auSgebrürft i|r,

noch eher gemattet fein, ^sn Der 2leuf)erung Deö 9)lephiftopheleö gegen Den Jlaifcr:

„JDen SBeg allein wüfjt' allenfalls 511 finDcn", möchte Daö ausgelaufene id) Die un;

terthänige ^Devotion bejeidjnen. Unit Ofccl^t Dagegen wirb Die StuSlaffung an Den

bciDcn anbern Stellen für hart erflärt. 23et Der 2luölaffung De§ 2lrtifelS hätte

bemerft werben füllen, Dan Diefc in Den frühefteu Schriften, vor allem in Den elftem

ausgaben De? „®ciy unD „iüertbcr", befonberS häufig, unD aus provinzieller ök^

Wohnung hervorgegangen ift; im hvhern 211ter fehlte Die jugenDlidjc 2lngewöhnung

jurücf. 3n Den fpäteren SluSgaben ift meift Der 2lrtifel beigefügt worDen. Sehr

anuehenD würbe eine Darlegung De? (Sinfluffe? fein, Den Der heimifche STialeft auf

©öthe'S Sprache geübt. S. 213 werben unter Den falfchen ober wentgftenS

Zweifelhaften 2lus(affungen Der SDeflinationSenbung mit Unrecht aufgeführt fein

gelb unb rotb,eS ÄleiD, ein fchwarz unD golbttcS 23anD, von Denen Da?

erftere S. 320 gebilligt wirb. IMe SDellinationSenbung wäre hier ganz falfö» ba

gelb unb roth", febwarj uifV golDen als ßufamnieufe^ungeu ju betrachten finb,

bei Denen matt freilich ^ai unb gern entbehren würbe.

^u Der 21btheilung „©ortveichthum" S. 218 ff. wäre to^ eine größere Sich«

tung De? ©.ßtt)e wirflid) (vigenthümlichen, wozu j. 35. Hungerleiber, leb er weit»,

bufj'clig, gewaltigen u. a. nid;t gehören, unb eine genauere Jtlaffifizirung, eine


23eurtbeifungen mit* für je 2t n 3 c i 9 c n. 79

Sdieibung ber gelungenen 9icitbi(Dungcn Pon reu weniger nadiabnutngSmcrthcu ober

gang verfehlten , ju wünfeben gewefeu, wobureb berrtttige Sammlungen erft ihren

nahten SBcvtb gewinnen. So wäre bei teil SBortm ^öefeutenttett (»gl. 8.

46, 10), Hnb/bcu tenbeit Me falfcbe 2lnalogic Der äBilbraig ber»orjubeb«n c\e\rc=

fen, ba man cigentlid) 23eDeutenDbci t fagen müßte. DaS Scbwanfcn bei ton

jufammengcfejjten SBörtern gttiföeu ben gönnen mit unb ohne § »per n jetgi fiel)

aud; in Den PcrfcbicDcnen 2luSgabcn, mc g. 23. ^ iebebebürfniß jiatt Stehet

b c b ü r f 11 i

jj , 8 a u e v n b a 11 B , Bauer n 111 ä b eh e n jiatt 8 aner bau 8, 23 ouet m ä b-d>en

lier^eftcDt ift, wogegen Dlomanfigur cn ftatt SRomanenfiguren. SHuf«

fallcnb ift es, wie Lehmann S. 232 f. »on einem SSegfaflen bes n ober en bes

SnfinitirS fpredien fann, als cb bei Der Jtompofition DeS jnjtniti» nidit Ter Stamm

Des Seehund eintrete, wie bie ficiflcincncn ©önncr ted 9t echnenunterrid; ts, ber

3cidiuenftunDc utiD ähnlicher SERißbflbungen fid; in Den Jtopf gefegt baben.

eebwimmluft ift ein gang riditig gcbilDetes SBort: in SBerbeluft, SBagefuiel

bat fiel) fftneöwegö DaS c befl 5njtniti»ä erhalten, fouDern eS ift ter Sofal DeS SSohU

lautS wegen eingefohoben. DaS SBort ©cgenftän Mi d; feit wirb irrig unter Den

gufammengefefiten SBörtern angeführt; cS '

Ableitungen.

gehört feiner 23ilbung nad; unter Me

Die inerte 2lbtbcilung, über ©ötbe'S SieblingSwenbungen unb SieblingSauSDrürfe,

enthält manche trcffenDe 8eiuerfungen, nur bat i?er SSerfaffer, gleicbfain angefteeft

»on ©ötbe'S 23et)ciglid)feit, fiel) hier oft gu behaglieb breit ergangen, unb wir

finDcn ihn gegen unfern großen 3Mcl)ter nid)t immer gang gerecht. So trifft ba5,

was »on ßietbc'ä Diplomatie gefagt wirb, gar nicht gu. iDaß ©öthe fid), um nid)t

gn »erlegen, höflicher [Rebengarten bebiente, Daß ft auf bie Ditulaturen oft über

©ebübr fah, baS ift fein 2luSfliiß her Diplomatie, fonbern ber gewöhnlichen .fröflichs

feit unb einer mit bem 2llter gunebmenben tförmlicbfcit. Den 23emerfungen über ©ös

tbe'S 23ebaglicbfcit »ermögen wir ebenfalls uid)t bciguftiinmeu. ^reilid) liebt baS

Älter eine gemijfe 3tuhe unb ift am tpcnigften gum Kampfe mit äußern miberwärtigen

äkrhältniffcn gerüftet, aber ein eigentliches Sebagen, baS fieb am ruhigen ©emiffe

DeS ©ewennenen erfreut, war ©öthe ftetS fremb; er blieb immer ein Strebenbcf,

ein SBorieärtSbringenber, wenn er auch nur Demjenigen naebtraebtete, beffen Srreiebung

er auf rem ©cge ruhigen Syorfd;enS, »»ecfmäjjig geleiteter Shätigfcit fid)er erwarten

Durfte, ©öthe Durfte wohl pon fieb fagen, Daß er, wie fchr ihn aud; än§ere 8er*

bältniffe begünftigten, fiets ein „Kämpfer" gewefen, Dem nichts ferner lag als behage

lieber, felbffgufrieDcuer ©enuA. 2lucl) fönuen wir Den ©ebraueb ber Wörter 23 et) m

gen, bebaglid), 23ehaglid)f eit bei Ö5ötbe faum für cbaraftcriftifd) unb über;

mäöig ftnben , ba er biefe nur bort anwenbet, wo fie Die (?rjäl)lung ober Der auS*

§uf»wobenoe ©ebanfe wirflid? forDert. 8iid)tiger fiuD Die 23emerfungeu über ben

von. befouberer 23orliebe jeugenben ©ebraud) Der OcnDung lieb unb Die 23erbinDung

abjeftivifdier 2lbrerbien mit 2lDjeftiPcn ober 2lDpcrbien. 23ei Den letzteren ift mandieS,

was jum ftärfften gehört, übergangen, wie X h e b a i f (fi * jun g eö 23 1 f, % r a n 5 5 f i f cb

l ei u b 1 i d) c r 3 u ft a n b, f ö r p e r 1 i d)--r i 1 1 e r l i d) e U e b u n g e n, ein 23 e i m a r i f d)4 i t b o<

grapbifcbcS inft, 1 e be San fän glich, 3 ungern. 23gl. meinen ftauftfoininentar

II, 408. 3n §. 110 febeint uuS Apr. ßebmann Doch etwas 511 pebantifcb ftreng ju fein, ba

Der ©eniuS Der Sprache ju enge Jeffein nid)t DulDet. (jinlaD ungSfdirift jur

ft-cicr bürfte aud) bann nicht Perwerflid) fein, wenn man auch feinen fonftigeu

ftrengen ©niiibfäl^en folgen will; beim fo gut man fagen fann Schrift, ©ebiebt,

23erfe jur geicr, wirb man aud] fieb beS 2luSbrurfS (>' i n l ab ungsfebr ift jur

fteier bebienen fönnen, ohne jur g-cier »on (iinlabung abhängig ju Denfen.

9!ocb weniger anftöpig bürfte DaS weitere 23eifpiel 23ejUgnahme auf mein

Sebreiben fein, Da 23ejug nehmen (gleicl) fid; belieben) febon außer Der 3n«

fammen|e^ung als ein 23egnff gcfaüt wirD. SÖenn eine g-ran j öfifebe ©tunbe

nicht geftattet fein foll, fo werben wir aud; nicht »on Jyran^öilfcber ©efehiebte, noeb,

weniger »on g-rangö fifeber üitcraturgefebiebte fpreeben Dürfen. S. 322 hätte

gu golDengolDcn fleiiuf lei ner Änabe »ergfichen »erben follen. 2lud; war

an Die ähnlicl;en 23erDoppelungen ju erinnern, Deren wir bei Lehmann nirgenbS

gebadjt fiuben: „^iebf id; bieb als kleine, kleine" (2, 237) „3u brei fchonen,


80 SBeurtbcüungen unb furje 3(n$cigcn.

fcböncn ftraucnjimiuercben " (24, 79), „Unto iitad)c nur, trenn'« ju teil wirr-, groftc,

große Singen" (28, 18), „£urd) lange, lange cinfamc Ibälcr" (28, 182). ©anj äbn*

lieh finten fiel) tie SSboerbia oerbow>elt, \\> langfam, langfam, ei (ig eilt g, ftüle

[ttlte (22, 196. 2:5, 187. 27, 20. 28, 219. 34, 18. 35, 62.). 3$on befontcrer

i'lrt in bei Viuc-trud, „ein einfach, Mab, in rem gangen llmfrcife fiel) gleich unb

gleid)" (28, 58). 3" tcu au $ UIctir aIä rrci Stammwörtern jufaniinengcfcljten

iDcfomvcfita »gl. man meinen gauflfommentar II, 24», Siote 3. 411. 3Ne Semer«

hingen S. -VJH ff. über einige Vicblingsauetrütfe ©ötbc's möchten tcd> etwa« ju

weit gebji, tvic mit es 5. 4^. gar nicht jugeben tonnen, ra§ er t> ü b e n unb criU

reit befonbert geliebt, ba er tiefe« rielmebr nur ta brauchte, n>o c« an feiner

©teile bejeidjnenb ift. ?lm tingereditcftcn ftnteti trir bic @. 340 bei ©clcgcnbcit

ber wrgeblidjen yicblingoauetrütfe unfereö SDicbterö : gebn [äffen mir gewähren

la ffen geäußerte Senterfunj: „(Ewig Seilte, bafj foleb ein ©cuius lvie (tfbtbe

bei heiligen Sntereffen ter 9Jccnfcbbeit rrettn auch nur reu Sei) ei 11 eineJ Snbifferen*

riflranä in feinem geben nicljt oermieben bat! Sih'irtc er aueb ben Schein eerniieteu

haben, wie hatte fiel; auf's fegenäreiajfre fein bebeutenber üinßttfj auf rie ^anje

SHcnfcbbeit »otettjiren fönnen. ©clten bat wohl ein lOienfch alle feine .Kräfte gu

fem feiner ^latar beftimmten ©efainintmirfeu, jtt fräftig tb/ätigem (vrftreben tc«

für ihn (Erreichbaren fo niädjtig angerannt, }o au« feinem tnncrftcii SBefen berau«*

gewirrt, als ©öthe, uub wenn er reu manchen Sefrrebungcn, 511 beren Wtrflidjer

ftörberung er nicht« beitragen tonnte, jidj fem bielt, fo muffen trir bierin eine

ber glütfiidifrcn ßigenfdjaften feiner 9catur freubig anerfennen, Tic ras ihr nidjt

©entäfte mit fielierftcm ©etüblc auSfdjieb, um }v ttngcbintcrtcr fid> enttriefcln, fieb, in ihrer

äöeifc gang audieben unb in rem ibr angewiefenen Greife ta« •vöchfte erreichen ju

fönnen. @ött)e burfte unb mußte oielefl »on fid) ablebnen, fonft würbe er feine fo

eiuftimmig in fieb, jufantmengefdjloffene Statur gemefen fein.

SBir wenben un« enblidj gu ben in ter fünften ülbthciliutg bebanreiten gfngefbeiten.

•Jpier jeigt gleich, ber elfte Paragraph, wie Wtc&tig, ja uncntbebrlid) tie SBergleidjung bei

altem ausgaben für bic '-ücurtbeilung »on ©ötbc« g>»radje ift. Unter Ter llcberfcbrift

91 e i 11 e « Sj e r$ e n«, reinen &erge n, wirb hier ber ©ebraudjj ber fcbiraeben unb ftatt en

formen beim ©enitir te« 8lbjefti»3 bebanbelt, unb babei bemerft, ©ötbc febwanfe hier

auticrortcatlicb, nur ror üftutl) träble er immer bic ftarfe grornt, wofür beim eine

Dteib,c bon Öeifpielen seitejcit feil; aber faft in allen biefen Öeifpiclen baten bie altem

Sudgaben bie febwadje ?vorm, uub nur in Ter Suögabe leider •'panb ift t-ie ftarfe eilt;

geführt, jebcd) fpdtet mit 9ied)t mierer a,etüa,t trotten. (iKinj fo tuubalt t§ fieb mit

ten barauf unter 9h\ 1 angeführten SBeifpielen ber ftarfen gorm. 2iu8 beut neunten

Sßanbc, ter „3pl)igenie", ,/Iaffo" unr tie „natürliche 2oel)ter" enthält, jäblt Veb=

mann ftebcn^ebit ©teilen auf, wo bie ftarfe ^ernt fid) finre, ohne jtt ahnen, bat}

an allen tiefen Stellen erft tie 21u8gabe leüter -VMiit tie ftarfe ^ornt bineingebraclit

bat, in allen früheren SluSgaben, mic aueb, rcieter in ber oierjigbänbigen tie febtra;

el)«n formen fteben. £ic Sludgabe le^ter ^»anb fuebte, trahrtcbetnlieb auf SRiemert

SJorfd^lag, in tiefen ftallen überall tie ftarfe Jyornt bcrjuftellen , ohne aber tiefen

©ruutfajj in ter SBirflid}feit gleichmäßig turd)mführen. S5afi ©ötbe felbft fpätcr

nod) immer tie fdjwadje Jyotnt träblte, türfte man auö bent jtreiten Jbeile bei

„gauji" unbctcnflid) fa)lie§en bürfen. 21ebnliehcö ift beim frlgenben ^ßaragraot)

ju benieifen. 3n tett „Lehrjahren" Icfen wir jel^t ntcbrfad) ron alle bent, in

alle feinem £bun 11. ct., wo bic ältefte Stndgabe allem bat, nur einmal ftebt

ju all biefem ftatt allem. Uebrigend hätte Lebmann bemerfen feilen, tty tie

görm alle nidjt bloJ5 im SDatie, fonbern and) im 9h>minatio fieb, fintet, wie alle

ber Süufwanb (37, 20), alle biefee Unwefen (53, 103). 3n ben frübercu

SlnSgaben ftntet fiel) allem biefen, wie allein jenen, allem 111 einen ©in*

neu ftatt tiefem, jenem, meinem, wie hier auch; ein ^weites Sltjeftir im STatir

in ber fcbiraeben gorm erfebeint, wie auf altem abgetroefneten ÜDlecreegrunt,

mit rötblid)cm, weifigebrannten Stein, ja fegar Weber nad) 93abrent

nod) ftalfcbcn. Lehmaün, ber €>. 340 OJote ein jufäßig ftehen gebliebenes Sek

fpid tiefer Wct ermähnt, bat feine iMbnung von ter tuiebgäugigcn Slnnabiuc biefeä

©pracl)gcbraud;eö in ben frübercu 3luc-gabcn. (iben fo wenig ij't ihm befannt, ta$


©ettrtfjeflttngen it'nD für je 5ln,jeigen. 81

tU Bon ihm ©. 350 Scote erwähnte $orm f ci f> c ftatt f a f; in ben früheren 3(us;

gaben fieb aflerodrtS findet, unb »ot 93ofafen fab', unb legeres bat fid> junt

Sbeil noch cvbaltcn. Ülcbnlicl) »erhält es fiel; mit ber ©ift, bas ®ötbe in ben

fpäteren ausgaben in bas ©ift »eränbert bat, unb meift miber (einen SBtflen ijl

eö an einzelnen Stellen fteben geblieben, wie in „Gellini", »o fräßet burdnvcg Ter

®ift ftanb, bas nuv an ein paar ©teQen ftd) t>et beffemben £anb entjogen bat.

Hn »feien Stellen, »0 jetjt 1 1 c

s #cri ob c ftebt, beten bie frübeven ausgaben ttx

SPerfob'e. Slebnlidj »erhält es fieb mit rie #au8ftur, ber Steffen ffor, baS

(freignif, roofür früher ttx .v.iusflur, bie Stelfenffot, rie (Sreianifj frans

ben. 55gl. 53. 24, 12. 55. 19, 226. ßuweifen bat fid) in bemfelben 2öerfe baS*

felbe SSort in »erfcfjiebenen ©efdjfedjt'ern erhalten, wie in „SSafjrfjeit unb SDicbtung"

lex unb bie ©efdjwulft (28, 183. 198), in ben „SBanberjahren" b er unb baS

33ünbef (53. 18, 13. 177). 3" ben ,,$5ab[»erwanbtfd)aften" ftebt noch berieft

(17, 238), wäbvcnb in ben „SBanberjahren" baS jeljt gebräuchliche baS #eft fieb

finbet (23, 41). — 3« ©• 336 bewerfen mir, bajj ta$ »arafmitbctifchc gröfjtuifigs

(ich un8 feineSwegS ftreng »erwerflieb fd)eint, Wogegen freilich gröfjt möglich fi nicht

ju billigen fein büvftc, noeb weniger b a Ibtnögiicbft. — ©. 361 lefen mir, ©ötlje

gebore }u Denjenigen, bie febon früher baS t in weitläuft ig lieber auswarfen.

SMeS ift irrig; in ben falberen ausgaben berrfd)t meitläuftig burdnvcg, taS

mir *. 35. ni>el) in ber erften 2tu8gabe oon „SBabrbeit unb SDidjtung" fhiben, unb

ber SDießtet liebte auch noch fpätcr biefe in ber 9luSgabe letzter £anb mciftcntbeilS

getilgte ftonu. — ©. 363 mirb mit Unrecht bie ©truftur getabett in ber ©teile

ber „2-ebrjabre": 2>er Obeim babc fieb bureb ben SJrjt überzeugen laffen, tay

wenn man an ber (Srjiebung be8 SRenfefjen etwas tbun wolle, muffe man feben,

wohin feine Steigungen unb SMnfchc geben." tfebmann überfiebt, tau ®ötbe bie

übellauteube (vintönigfeit, wenn man etwa 8 tbun wolle, man feben muffe,

»ermeiben wollte. Sind) fcheint uns bie Slnafolutbie babureb gerechtfertigt, bafjj

obne ba8 einleitenbe ta\$ bie QJcrbiubung ber Säljc niebt flar bervortreten würbe,

©leieb barauf treffen wir auf ein offenbares SDlifjoerftänbnijj ; beim in ber ©. 363

angeführten 2 teile: „2>er bimmlifebe triebe tbeilt fieb noeb jef}t einem jeben mit,

ber bie erften »etjn ©efänge (bcS „SKefflaS") lieft, obne bie ft-orberung bei fiel) laut

werben ju laffen", luup ber ©ajj mit obne notbmenbig auf ben 91clatiofat} belogen

werben, wäbrcnb Lehmann ihn mit beut £au»tfajje »erbinbet. 3n bem furj »orber

angefübrten 33eifpiele 35, 131 wirb man ßehroann'S Slnjrojj leid)t baburel) befeitis

c\(\\ tonnen, ta\$ man ben Sa|j mit um auf baS »orbergebenbe ta\i id) cin-fpauS

not big t> ä 1 1 c bejiebt. 2lber unfer Skrfaffcr febeint uns hier überhaupt ju fefi

an bem graminatifeb ftrengen ©efe|e 511 halten, unb bem freier oerbinbenben ©e*

banfen 511 wenig Diaunt \u geben. SBei beu falfeben ©tellungen ©. 366 ff.

hatte noch manches jtir ©praefje gebracht werben füllen, j. 53. bie in ben früheren

Seifen ©ötbe's, wie auch bei anberen ©djriftftetlern ganj geläufige Stillung fo

ein grofies Vergnügen, fo ein bummmer ©treieh, gar ein angenehmer

ginbruef, ganj in einem anbern J-aehe, biebamals ganje belehrte 23elt.

(»gl. meinen ^auftfommentar II, 407), bie llmfteflung eines nicht, wie: 3d) ge*

traute mir ben 9Dcunb nicht weiter aufjutbiin", „SBir wagen es nicht näher ju

bezeichnen", auch (,,?lucl) burd) ihn famen wir biesmal 00m ftlccfe", ftatt „burd)

ihn famen mir auch"), nur („3$ hatte es aber nur eigentlich unternommen"),

febon („©djon alfo ergebe," ftatt „ äffö ergötzte febon"). Sind) bie Trennung

bes ©cnitio »en beut regicrenben Subftantioum hätte eine eingebenbe Erörterung

»erbient. ©0 lefen wir in ber „Kampagne in ^ranfreich" : „93on bem Strome mit

fortgeriffeu ber unaufbaltfam eilenben giücbtlingc", in ben „Vorträgen über Cfteologie":

'£k Entfebiebenheit ift es feiner Sbeile", ja in ben ®ebid)tcn ju 2ifcbbein's 3b»tlen:

„So beä Gebens jU geniefien, Sinfantfett ift bödiftes ©ut". — 53ei ben Snfonfe*

quengen beim Umlaut war ju bemerfen, *a\$ bie altem 3lusgaben an vielen Stetleu,

wo wir jeljt fd)lürfen, fcblüpfen, rüefen, brüefen lefen, bie g-ornt ohne ben

Umlaut hatten. Ergeben fchrieb ®ötbe in ber erften Ausgabe ber SSerfe, fpätcr

ergoßen, boeh in ber Ausgabe le^ter ^anb warb wieber ergeben eingeführt;

®ötbcs frühefte 53riefe bieten ergoßen. — 3 U ben niet)t gehörig gefichtetcu uub

5lrd)iu f. n. ©»ra^e. XV. 6


82 Beurteilungen unb furjc 9( n ,5 c g c n

t

georoneten 9coti,$en über bie oittcrviinftion von ©Stbe'« -

SSevfen tragen wit t>ie

i'lcuficrung reo ricbtcrS felbft in teu Briefen an 3cbul0 nacl) (S. 310), wo er in

'-betreff Der SluSgabe iefeter^anb fagt: „üben fo wäre rie ^ntervunftion mit Glitte

^11 bebautcln, unb auenfoüfl nur bie überflüffagen nntcrfcbcituiig^cidien, t>te ju

jenen Jcitcn im ©d&wange waten, au^ulöfcben." §lm rcinften türfte fiel) ©ötbe'ä

Schreibung mit Snterpunftion wobt aus rcr erften Ausgabe feiner SBerfe ergeben,

an ter er felbft viel tbätigern mit feibftänbfgern Slntbcil genommen, aW an ten nach,;

folgcutcn. lieber feine Selten tun' fem Selbftfcbrciben, teffen ÜJcechanioniuS ibu

ftörte, »gl. meine „ftrciintcebilter" S. 215 Note 3. — 3u §. 144 benierfen »vir,

ta£ jc(}t au mandjen 3 teilen Iroj) fiel» ftnbet, wo früher Strujj flanb, wie aud) ftatt

obngefdbr, c f j n cj e a el) t c t , in Der SluSgabe fejjter anb ungefähr, ungeadjtet

eingerührt ift, ja einmal fogat u n m a cr> t i g irrig ftatt i) n m d el) t t g. £ic formen reit;

afofl, m i 110 3 je. Hauten früher nicht allein aie ?ltverbia, fontern aud) in abjefttof*

über Bebeuhtng. 2>ie Bentcrfungen über tie barte SÄuSftofjnng »on Bofalen fiut> febr

ungenägenb. £ier bätte aucl) beß StuSfaflS »on "e ingclMic, eigne, ©efangne,

antrer, unfre u. ä. getaebt werben follen, ]'c wie ter in ben 9lu3gabcn hierbei

benfebenben Berfchiebenbeit. SDaS c am (Snbe ter Söörter, WfeSt&ür, (S'ntvfang

(SDati») u. a., ift in teu neueren 9ut8gaben meift weggefallen. ©. 390 wäre auch

ter abweidjenben formen ftunt nnb ftanb, bub unb hob, fdjwur unb fcl)wor

u. a. in teu verfcbictcncn ausgaben gu erwähnen gewefen. 3" §• 148 fug*" ®K

binju : „.fteine Kation bat noch 311 feiner Qtit taö Borrecht erbalten" (46, 302).

Bgl. meinen ftaiiftfontmcntar I, 295 Note 1. 324 Note 2. 2>ie Bcrbintung tc«

Wegen mit bem ©ati» fiutet fiel) an manel)en Stellen in fpäteren Sluegaben geäm

tert, wie in ten „i'cbrjabreu", 19, 103, mo früher w egen ungünftigeni SBinte

ftanb. — S. 393 hatte auch an bie SJlebeweifen „eö follen Sdjläge regnen", ftaufb

fommentar I, 200. II, 405), „iä foüteit unb mußten Spfdntcr gezielt werten"

(19, 279) erinnert werten follen. B. 33, 93 ftanb urfprünglid) : „üRüffen e8

bier äRenfdjen geben". $011 bem bei ©ötbe weit verbreiteten ©cbraudjc, nacl;

einem .ftolleftivum ta$ Berbum im Plural 311 fct)en, wie in ter Stelle auö ter

„Champagne in Jyratifreid;": „(?ine llnjabl tureb, einantcr bin unt wieber bunten*

ber Bajonette bezeichneten bie lebbaftefte Bewegung", erinnern wir iing bei l*eb;

mann nid)t ber gcrtngfien (nwäbnung. Untgcfebvt ftebt oft nach mehreren Bot«

hergegangenen Subjeftcn baö tiefe alö 8inb>it jufammenfaffenbe Berbum im Siiu

gular, wie 24, 30: „(litte turd) ßrbauung fo vieler Buben innerhalb ter Statt

in weniger 3 f it entftebentc

mit 3luäpatfen ter SBaarcu,

neue Statt,

erregte" u.

taö Sogen

f. w., wo

unt Streiften,

man ein vor

taö

baS

9lblaben

SSerbum

treteube« alleö bicfe'3 ober etwaö äbulid;eä erwartete. 24, 129 f.: „Sie Störten,

BiSfuitfuefcen, SWarjipane, ber füfie SBein übte bie grö§te iöirfung auf bie Jlinter

auö." Unter ten Slnafoluthicn waren g'äile, wie folgenter anzuführen (25, 51):

„9cid;t gto§ von ©eftalt, jicrlich aber nidjt bager, fanfte, eher traurige Jlugcn,

eine fehr fd)öne Stirn, eine nid)t übertriebene 4pabid}t§nafe, ein feiner (urfprüng*

lid; ftanb hier ter 3lttufatio einen feinen) SOiuut, alles niadjte feine ©egenwart

angenehm mit wünfdjenSwertb ". 3lebnlichc abfohlte Nominative, aud) 3lffufative,

bat ©ötbc fieb mcbrfad) erlaubt. Die freilieb uid)t jii vertbeitigente Stniftur 22,

155 hat Lehmann tuieh #erau8reifjen au$ tem 3ufammenbange irrig aufge*

faßt. SDic Stelle lautet vollftäntig: „%[% nun ter 2luffeher nadj ter Ur*

faebc einer gewiffen Verlegenheit mit 3«rfireuung fragte, unb bagegen vernabiii,

bafj efl beut Sohne gelte: [äffen Sie eS nur, fagte er jur Beruhigung teö BaterS,

er ift unvertoren; tamit ftc aber fehen, wie wir tie Unfrigen jufammenb,atten,

ftieü er in einem fPfeifdb,en, ta>3 an feinem Bufen hing, in tem 2lugenbliefe ant«

wertete cö tutjentiveifc von allen Seiten." >icr fotlte eigentlich nadi jufam*

11t en halten ein tie abgebrochene JRebe als folchc bezeiebnenter ©ebanfenftrieh ftehn;

beim offenbar ift $u verbinten „fagte er — ftiefi er", fo bafj wir hier jivei SRadjs

fäl^e haben, an tie ftdi, wuutcrlieb genug, noch ein »rittet anfd)licfH. 3lber tie

Stelle gehört aud) einer ber fvdtcftcn mib iingcfügcften (5:infd)iebiingcn in bie „Statu

berjahre" an.

SBir haben fd;on biö^er bei ©clegenheit biefer höd;ft ungeorbnet jufammen«


SBeurtbeilungen unb f u v 3 e Slnjeigen. 83

oeftelUen b'imelnhciten manche fünfte hervorgehoben, ^crcl^ (Erwä&nung mau iu

Siebmann'ä rduir't Bergebenfl fiicbt. Unter Den Bieten fonftigen SJtangeln riefet- 9Crt

beben mir nur ein paar bebcurenfce hervor. Sefonbert vcriuifn baben wir eine

ausführliche (vrörteruiig über ben ©ebraudj ber fravfcn unb fdnvachcu formen, He

freilief} ci fr bei -Hei-gleichung ber frufjeren 2lu8gaben wahrhaft fruäjtlmngenb fein

tonnten. SBir baben febon in unferm gfaujttommtniar II, 40i barauf aufmerffam

gemacht, ban in ber elften 3lu>jgabe »on ©ötbe'8 SBerfen (irr) noch regetm«§ig riefe

lange Stunben, bie näbere Umftänbe, bie febänb liebe Verbindungen,

bie •vimiulifebc (ald Eßlural) u. ä. jtnbet; erft fpäter finbjiier bie fdnvacheu

gönnen eingetreten, bodj baben fid) auch jej^t noch an manchen Stellen jufäflig He

ftarfen erhalten, ©an] in revfelben Seife febrieb ©ötlje früher, noch in ber elften

-Jlnsgabc ber „2er)rjaf)re, * wie aueb »on „SSabrbeit unb SDidjruntf": uufre neue

Gelaunten, jene verlorne 3*iten, alle unangenehme (impfinbungen,

feine günftige ©efiuuungeu. 3m ©enitiv feheiut ber Dichter früher bie fd)»aet)e

gform vorgewogen ju baben. So lefcn »ir in r,SBat)rf»eit unb SDief/tung" in ber

elften Ausgabe mehrerer Keinen gürjren, freier bimmelbo heu Xbürnte,

i\> Bieter »ürbige-n ©egenftänbc, »0 jefct bie ftarfen formen fret>n, mähreno

freilich umgefebrt in ben „Lehrjahren" bie frühere 2e3art fo vieler ebler .ft'rieger

in eblen oeränbert ifr. StfleS was unfere ©rammatifer über Wöthe'ö 2vracb>

gebrauet) in biefer JBcjicbung bewerfen, beruht auf ber in biefer £inficbt ganj beben;

tungslofen Sluögabc letzter $anb; bie unumgängliche SBergletcfniiig ber altern 9tu&

gaben führt erft $ur Jtenntni« be§ unferm ^Dichter eigcntbümlicbcn ©pradjgebrauctjeS,

ber fpäter meift nach, frember SSillfür abgeänbert tvurbe. Stebnlich verhalt cö ftcb,

mit bem Singular, vor bie fpdtern 2luägaben meift baS fvraebriduige r getilgt ha;

ben, ivie ein jeber frembe 3nljörer jtatt frember, unfer gute SSater ftatt

guter. 31 u d> bie ^cbanblung ber Eigennamen verbient bie genauefte auf SSerglei«

ajung, ber oerfdjiefcenen Sluägaben berubenbc Unterfudnuig, biej. ö. bei ben „Sehr«

jähren" 511 ben au^iehenbften (Srgebniffen füt)rt. SDie bisherigen 3lnfirt)ten über

c-ie ^Biegung ber Eigennamen bei ©ötbc werten hierburch eine »efentliefie UiugcftaU

tung erleiben.

Tint genug ber 2lu8jreQungen, »eiche ben SSertb ber auf \o tüdjtfgen Stubien

unb febarfer grammatifeber Einfidtt beruhenben Schrift beö aller Ehre roertben i*er;

f^Üex feiuestvegs fcbmälcru, fonbern unfererfeitä einen Heilten '-Beitrag jur Söfung

einer fo böebfit fehivierigen Stufgabe liefern unb auf bie Seiten hinbeuten füllten,

nach welchen £err Lehmann bei ber »eitern Verfolgung biefeS elften 25erfucbe8 feine

befonbere Ülufmeiffamfeit hin^uivenben baben bürftc. 2>urdj }o manche treffliche

9lu*fiibrung unb ^ufainntcnftclluug fiuben mir ltnä beut vielbegabten Söerfaffer ju

ivärinftem SDanfe verpflichtet, unb hoffen roir ihm 110 et) häufig auf biefent ^-elbe 31t

begegnen, tvo }o mancher Äranj ber (£hre nod; ju geirinncn ift, aber auet) hier gilt

baö ©ort bes guten alten £efiob:

Tijg aosrijs ISqcöra &eoi TtgoTtagoiSev ed^jxav.

£>eut[cr)e Älafftfcr. Stuttgart unb Sct^fg, 1853.

£ie beutfrhen illafufer, ju befen wohlfeiler 3(u^gabe bie Gotta'fcbe 33ud>f)anl>s

hing in Stuttgart mit ber ®5fer)en'feb,eu in ßeipjig ftcr) vereinigt hat, jerfallen —

nach 2llnecbnuii;] 5pprfer'8, ber überhaupt barunter gehört, ivie Saut unter bie

Jßropbeten, — in jroei Kategorien: in bie ald flaffifci) befannten unb in bie al$

flaffifcb genannten. Scbilfcr, ©ötbe, ^ßlatcn, Leu au unb noch 2 effing

fmb nicht hlofi flaffifehe Kamen, ihre SBerfe »erben auch von beut grö§ern 0ubtt*

fum oft unb viel jur vanb genommen; Älovftorf, SBielanb unb übümniel

bagegen fmb nadi einem »i^igen ^uSfprua) bie bodjgeft eilten unter unfern Ataf*

fifern, ftc nehmen bei iljren 8efi|ern ba« oherftc gaä) beS QJüdjerfcbranfä ein. Unb

6"


84 Senrthcilungen unb finge 9(njeigen.

gttHK trifft iUopftotf bies Soos nicht etma crft in ter neueften ^tit; fdjon »or

buntcrt Jahren ließ Sef fin-a feine Sinngebichtc on reu i'efer fprec^cn

2Ber mirb nicht einen JUop ftoef (oben?

Ted) mirb ihn Jcrcr lefcn? — Stein. —

äLMr wollen weniger erhoben

Unr fleißiger griffen fein. —

9?acb rer im buchbänrlcrii'dicn Jntcrcffe getroffenen Slnorrnung, baß aus riefer

Sammlung „einzelne Tutoren nid)t abgegeben merren," mirr freilieb aud) rie .fta-tegoric

rer als flaffifcb faft nui nod) genannten Sd)riftfteller ihre Jtäufcr

ftnben; ob ober raburd) rie Befer g. '-8. rer SWefftare nachhaltig merren gemehrt

weiten, bezweifeln wir. Jerenfafls wäre nicht bloß Sßttrfer, fontern audi Älops

ftoef, SSielanb unb Jbünunel von rem ^ublifum in biefer Sammlung weniger

»ermißt »erben, als es jetjt mit ;){cdt unfer llblanb wirr.

Soviel über ben .ftreis rer aufgenommenen Tutoren: nun über bie ?lusgabe

felber. Sie äußere 9lu§jhttung »erbient namentlich, bei bem billigen tyxtiz von

4 ©gr. für bie Steferuna von burajfcfrnittttdj 10 Sogen 2ob; gegen rie innere

&norbnung bagegeu läßt ftch mit 9ied)t ÜJcancbes erinnern.


53eurtr)eilungcn n nt furjc 2ttijcigcn. 85

Str. 4, 3- 3. tiiö Jtomma ju (futc gelßfinblicf auf tie Scbreibwcifc bct't' (Str. 2. 3- 3.) nicht für überflüffig, einige

Sorte über ten ©ebraud; teS SlpoftropbS beizufügen. 3n ber Stelle: fieben Sag

iint fieben 9tad>t t fr ter 2lpoftropb offenbar falfcb. 3» ten SRajjbeftitttntungen,

welche, mit 2lu$nabme ter auf e ausgeheilten Jyciu., auch im Stfural unoeräntert

bleiben, gehören uäinlicb eigentlich aueb bie Ueitbejitramungen, ,, e>ci ö eS ganj cor^

reet beiüen fann : 8 Ja br alt, in 3 Sftonat, in 14 Sag; 3 Sag unt 6 9iacbt

unterwegs 11.

f. »., obgleich in 23crfennung teö SadjPerhältniffeS SRan$et durch*

aus 8 3abre, in 3 SR Raten., in 14 Sagen u. m. f. »erlangen mag. Socb.

rem fei, wie ihm wolle; in bem vorliegenden Jyalle jeigt baS neben fieben Sag ftehcnbe

fieben 9cad)t, tau ter 9lpoftropb fortfallen niitü. — 23aS nun aber ferner die" 3. ^Jerf.

Sing. Sfräf. ter 33erba auf ten unb ben betrifft, fo ftnb jedenfalls oic getebnteu

formen mit e (binbet, rettet) bie »orjüglic^etenj aber xxo ter Sichtet; die nicht gc;

dehnte gorm anweutet, würben wir wenigflenö für tie ^ebreibweife ohne Stpofiropb.

fprccbcn. SDenn int ungemeinen fann nach, heutigem Sprachgebrauch wohl tie

fternt obne e, nidjt aber tie geteilte (für tie 2. unt 3. ^erf. Sing. ^3räf.

Csnt.) angewanbt werten. S)iefc leitete ift näntlid) nicfjt anjuwenfcen: 1) bei ben

23erbiS auf ern unb ein, j. 23. eö blijjt mit tonnert (nicl;t tonneret), tu

wantc Ift u. f. w. ; 2) überall wo bev Umlaut eintritt, 3. 23. uiminft, nimmt;

grabft, gräbt; ftö§t; flettgfi, fleugt u. f. w. (vrlaubcn fid; Siebter bin

unb wieber bod) tie Schilling, fo ift ta§ eben eine Jluenabme, welche nur jur l&v

jidtigung ter Siegel tient. Siac^ tiefer richten fieb auch tie Sßerba auf ten mit

tem Umlaut, bei tenen man nod) tie Häufung gleidicr (?onfonanteii in ter

Schrift ganj wie anbete ^ätle vermeitet (»ergt. Roheit, 9iobcit ohne b,b; ber

gröfjte nidit — fte; tu ftöüt u. f. w.) ; tu brätft, er brät; räthft, rätb;

beut ft, beut. Saö Soppe^t bei tritttt, tritt tient nur gut 23eicid)iiung teS

gefchärften (furjen) Üßocals. 9{acb tiefer Analogie wirt man aueb neben er reitet

fdneiben muffen er reit (nicht reift), fernerer biutt, er grauft (nid)t b inb' t,

grauf't), wie man ja and; ohne 2tpoftrop(; fcl;rcibt: bueft, tappt, fühlt u. f. w.


86 23eurtbcilungen unb furjc ?(n$eigen.

tl'iitj? tanad) bas fßräf. bti§en fle t»c t (= betet), fo mürben wir aud) in bem aller*

bingS etwa* (»arten Wötbc'fcben 23cr3 fdneibcn:

Sic lacbt' mtl> weint' unr bot' unt» fcbwur.

Tod) mocbte tie Sicbactiou bei ®ötbc'fd)cn SZBerfe fi cb immerbin für eine Dtn)o«

grapbic cut feheiren , rccldie fie wollte: (ebenfalls müjjte e8 biefelbe in 23t. L,

S3t>. VIII. unb 33b. XXXIV. fein. SHber fie verfällt mir ui bäufig in ein vatb-

lofefl Sdjroanfra: §. 23. beijjt es 23b. XXVI. p. 127: ber jUummftab, mcld)cn

bei verflachte (Efcbenjweig beruorbringt j bagegen p. 210: Nehmen wir einen

21 cfcbeujweia, unb entlieh p. 19S gar: bie geplatteten, gemunbenen 21 f cb c n

jroeige. — ©o pnben »vir j. 23. VI. p. 100 ein ©etegenbeißgebidjt an $ertn

Äanjjer von Wüflcr mit in tcr Slnmerfung baju p. 444 beint cS: #errn (Sanjlei

von SRüQft hatte id) n. f. ro. — 9Jian fage niebt, bieS finb Sleu&erlichfeiten ; bat

boeb bie SRebaction eben nur für 21eu§crlicbfeiten 511 forgen, lic beim aber boeb

aud) oft genug baö 3&ri8< mm 23eijiänbni§ beitragen. So 3. 23. bin ieb überzeugt,

bafj in rem inebrcrwäbutcn ©ebid}t vom untreuen ilnaben bie jweite Strophe burd)

einen 2tpoftropl) viel Morel wirb. SDei Stnfang roirb nämlich wobt beiden muffen:

25a 'S arme (braune) SJtabel baS erfuhr,

Vergingen ibr bie Sinnen.

baö arme n.

ft.

2Sir enväbnen nun noch, anbere SRebaction8nad)lÄfftgfeiten. So j. 23. ijr

g(cid) bae trittc ©ebidjt ter erfreu Sieferung (ber neue 2tmabi8) unb j»ar in allen

imS ju ©ejtcbt gefommenen SluSgaben @ßtr)e^3 in fünfteilige Strophen getbeilt,

wäbrcnb baffelbe boeb offenbar aus 3 zehnteiligen beftef)t, in weldjen bie 5, ßfile

mit ber 6., tic anbern aber abmccbfclnb reimen. — p. 103 lautete bie Ueberfct)rift

fratt (£ opbttfcBeS ^icb wohl aflgcmeln verftäubtieber: Sieb aus ber Oper ber

©rofifopbta.

SBir verweifen, ba »vir un8 hier niebt auf ein gar nt fef;r ins 2Öcite fübrcnbeS

detail einlaffen fönnen, auf baS bereits erwähnte Serf von £. Imnjjcr, G5ötbc'S

ftauft, mo 311m Sd)[uffe II. 412 unb 413 bie Drucffehlcr im ftauft aufaefubrt

finb (obgleiä) mir nicht ohne SSeitereS alles bort 2lufgejäblte als 2)rueffehler bejeid;;

nen möchten). 25er SSerf. fcbliejjt mit ben Söorten:

„9luf eine folebe magna charta von 25rucffeblern (viele anbere würben bei

ber Srflarung erwähnt) in beut größten 2Serfe unfers SMdjterfürften braudjt SDeutfcb^

lanb wahrlich niebt ftolj ;u fein, ebenfo wenig bie (Snfcl bcS großen 3Ranne8, für

bie es längß bätte eine (?hrcnfad)e fein follen, für eine niebt blojj äußerlich, fonbern

aueb innerlich würbig auSgcftattcte 2luSgabe feiner 23erfe ju forgen. 25ocj) wirb

eine folebe allen billigen 2lnfprücbcn geuügente 9lu8gabe wobl noeb lange ju ben

beutf eben ober fogenannten frommen SBünfcfcen geboren.

SBir fügen hier junädjfl noeb einen nierfmürbigcrweifc von ©ünfeet aueb in

feinem Kommentar ganj überfebenen „#oi*, Scbrctb; unb ^ruefffblcr " (vergl.

XXXII. p. 233) an. — 3m ftauft beißt eS nämlicb XII. p. 69:

23crftnfe beim ! 3d) fönnt' aud; fagen: fteige

'S ift einerlei. (Sntfliebe bem (?ntftanbnen,

3n ber ©ebifbe loSgebunbne Üiäumc

(frgcije bid) am längft niebt mel)r SJorbaubnen u ; f. w.

So viele Si^enjen fiel) nun aud) ©ötbc im 9ieim erlaubt bat, fo wirb man bodj

fd)Wcrlid) einen ^enbant ju bem Dieim: fieige unb SJtdume bei ibm pnben.

SieSt man nun aber, wie es in bem erwäbnten Jluffatj (a$ rechte SBort

SJieiebe treffen. %iix ben ditim vergl. man j. 23. bie befannte Stelle:

91 d) neige,

25 u Sd)merjenrcid)e (XI. 157) unb 0.

2Bir erwähnen hier gleid) nod) baS von 25ün|ei ebenfalls niebt bemerfte fehlen

einer ßeile XII. 131. £>afj eine 3eile fehlt, jeigt ber Steint unwiberleglieh , bie

(Ürgänjung fclbft ift aber immer ein Söageftücf; — wenn wir alfo i)ier in Älams

mein eine Beile beifügen, fo )vü lai eben nur bie Stelle anzeigen, wo bie 2ücfe


SBeurtbeifungen unt furjc Sfnjetgcn. 87

lir unb roaä oicl leidet bort ausgefallen fein fann. SBaö ©ötbe rpivfftdj ge--

fdniebcu (ober biftirt), tonnte fid; nur ans bem Söcanufcripte bc3 ftaujt fetbjl

ergeben

Samien (annutthigü).

Greifen wir um tiefen $e(ben

[Hub umgaufeln ihn mit Scberjen].

Siebe wirb in feinem «£>erjen

Sid) gewifj für (sine melbeu.

3?ei tiefer ©clegenbeit

Oteim auf bie richtige ol>et

wollen toir ncd) einige Stcflen

fcodj auf bie urfprünglidje Seöart

ermähnen, wo ber

leiten fann. — 3"

bem ©ebid;t r\ T

. 93 bat e$ offenbar urfprün glich, gebeifen:

STu befebämft mie äRorgenrötbe

Jener ©ipfcl ernfre SBano

Unb nod> einmal fühlet ©ötbe

£3frübling8baucipt : ©efinbe, fo mirb baturdb ber SCcppelrcim vott*

fränbig jcrfröri u. f. ».

Sintere gebier wrjfbjjen gegen ben 9ibptbinu3, j. 23. X., 299:

SDaS ©nte, ba8 Siebe, baS mag pe ermietern,

23aö hilft bof)e§ 3lnfebn? Sie wirb ee erniebern.

Slnfcben ifr eine Silbe 511 viel. Sbenfo in bem Jrimcter VI. 417: llnb beren

Leitung, beren Sehnt} mir uns ertrau n (bie SluSgabe bat »er tränen). 2)a*

gegen fehlt eine Silbe ib. 234, bie roir burd; taS in klammern hinzugefügte 23ort

ergänjt haben:

£Me SWenfeben finb trofe allen ihren Mängeln

£aS SiebenSwürbigfte [boeb] »n$ eS giebt.

unb fo 9(ebnlidieS an Dielen Stellen. — 2>ie anbern Äfaffiter beS ßotta'fcben 3?er;

lagcS finb mit eben ber 9taebläffigfeit ebirt, mie mir fie für ben ©ötbe im Obigen

an einigen uns ^unaebft liegenden Seifpieten naetjgeroiefen. SBir führen *. 2>. für

klaren (SluSgabe in 5 SBänben 1843) allein au? fem 2. Sanbe folgenbe im ^ruef*

fehlcrverjeiebniü nid)t aufgeführte (mata an: p. 152 3- IS l. fleinre ft. fleinere.

p. 198: £u jeibft beö 2lbfatte un8, bes SerraH mit Oieebt;

) Cer 91eim führt un§ aueb auf bie Sßermutbung, t


88 S3eurtf)eiliingen unt f u r § e Slnjcigen.

23ir je i hen £id;, ta§ über bie HIpen ftcts

£cin 9tug gefehlt war, taf? £u SÄUci ic.

ftatt jeihn, K'nae. — p. 201 3. 14 (. furd&tlofet ji. fvud; tlofer. p. 220

ftebt ^cv fünffüßige #esametet:

Wieb mir ten Seblüffel, SJerrat in fei Siebe nejiemt nicht.

p. 257 3. 18 (. vcrleibu ft. verleibe, — p. 271 3. 5 (. -öebt ft. £egt.

p. 298 >v>iei an rein fcbönen Drangcngcft at(c) tianf feiige 9Dcu|le, (fad ein;

gcflainincrte c jerjtSrt ten Hexameter.) — p. 314 3- 2 I. Sann? — p. 337

3. 7 Ue8 Oft ft. Hfl u. f. f. —

(vrfcbeint renn ras Verlangen, taf? freu Hudgaben bc utfdicr .ftlaffifer, wie

tics von Saebmann für ten Sefjing gcfd)ebcu, ticfclbc Sorgfalt gewitmet werte,

roie ten grieebifdjen uno römffdjen, — wirflieb als ein fo unbilliges?!

©trelijj. T>an. Sanbcrö.

Outcfborn, SSolfSleben in plattbcutfcfym @cbid)ten 2)itmarfci)er

SDiunbart, t>on flau d ©rotfy, % Auflage. Hamburg, %t\*

tye6*33effer unb SWaufe, 1853.

SDa§ febon tic jrocite Hupage »on ten am ßnfce borigen Jabrcs erfdjic;

neuen @ctid)tcn SDitmarfebet SKunfcart, weldjje ten beteutfamen Warnen Duicfborn

führen, fiel) nötbig ntadjte, jeugt, bei tcin llcbcrfluü an liuifdun ©etiebten, von

einem guten »ftlange, ten fie geben muffen, mit rechtfertigt ihren jtoljen Tanten:

lebcntigcr SBrunnen, tcr nidns anters ift, als per 90hl 11 1 be8 ^olfö, teffen Jonen

fic abgelaufen fint, eines iWfsftammes von Sanbleuten, tic in einem entlegenen

aSinfct £cntfd)lants ihre (Sigcntbümlicbfcit uut ftreibeit lange behaupteten. £icfe

Bieter gehen tann anrf> nid)t über oie öegriffe tes tfantmanns hinaus; um )Q mehr

aber tritt tas, was uns taran erqxiicft, tas rein 3Wenfc&tirbe hervor. ftwax tbeilcn

fie tas mit «frcbcls 2lllcmannifcben ©etiebten, jetod) Hingen tiefe bisweilen p falb

berliä), unt tie natürlich unt läntlid) taffente Sdjwäbifdje SDhmtart ift nur tas

Jlleit, »eldjeS feinere, tem einfachen Santniann fremte, ©etanfen umfdjliejjt; tenn

es ift befannt, ta§ ter Sauer fein 231att vor ten SJhmt nimmt, tafi er feine ©c;

fühle fräftig unt rücfficbtsfos austrücft unt jähe an feiner Meinung bangt, Siegt

nun im Sanbleben an ficf> fd)on vocttfd)cr Stoff, ter and) vielfältig benufet ivorten,

um wie viel mehr 111 ujj ftd) tavon in einem i'äntd;en, ivie SDitmafldjen, finten, »0

feine völfcrvcrbintente -£>eerflrafje tie alten Sitten verroifcfyt, wo glcijj unt grudjts

barfeit tes Motens einen Söoblftant erzeugten, ter ten ©eift ju etlem ©efüblen

hebt, wo ter 23Iicf, auf ten braufenten 23eUcn ter 9Jortfcc ruhent, fid; erweitert,

nur wo rühmlidte gefd)id)tliche (niuucrungcn eine wobltbätige Selbftacbtung einflößen.

(?s beturfte taber' nur ter grornt, um tiefe 2Sirflid)feit jur ^oefie ju erbeben, unt

tiefe ftorm hat ter Skrfaffer gefüllten: mit eben foftdjcr er als gewantter £ant febuf

er ©cftalten, tie tas eiaentb,ümlifl>e Scben feiner SanbSleute wabr, teutlid) unt fetbft

Sehen athment , tarftelien, tergefialt, ta§ in i^nen 2öirflid)fcit unt $oefie ficb

turebtringen, unt fic mit SRecbt ter Serfaffer „Sßolfslcben," — rtict)t aus tem

Siolfslebcn, — genannt bat. (Sin 5)iätd;en j. S. getenft ibrer Sugeitoliebej ta

gebt fie auf ten $(a^ ibres erfren ©tcntid;etn, vcrfcjjt fid) in jene 3cit unt träumt

tavon fo lange, bis ihr, aufgewad)t aus tem bolten Sraum, tie bellen 2bräiicn

von ten SSangen laufen; eine 2)iagt, tie ten


33curtbeüungen unb furje ?tn jciijcn. 89

g. SB.: „©egifdjtflfl mafticl," ber bie ftabrt äc&tcr Sonntagäfifcber bcfdncibt, bie,

nadjbem fie g-röfcbc unb einen tobten £unfc gefifdjt. Sd>anbe halber gfiföe faufen

muffen, unb von einem ©emitterregen Durchnäßt, gtürflieb nach #e 33ur hett of fin egen lütge Seit."

£cr Siebter hat bie wibcrftrcbenbc Sprache fid) bermaßen untermorfen, ta^

ber 23crö, fclbft ber -fcejameter. mit überrafebenber Scid)tigfcit gebaut fdjcint, unb

bie barauf gemanbte Wühe, befonberS in ber Sebanblung tcö SReimS, vergeffeu läßt.

ßr hat jugleid) gegeigt, mie fehr tie nieberbeutfdie Spradie, bie ältefte vom ©lücf

vcrnacbläffigtc Sdnveftcr ber (?nglifd)en, verbient hätte ausgebildet gu werben, weit

mehr afä bie •vollänbifcbc.

£cr *Preiä (20 Sgr.) ift mäßig unb bie SluSfrattung gut, wünfcbcnömcrtb

roäre aber bie (Erweiterung be8 ©loffarS; renn cS fehlt fomobl manchen jprownjials

Wörtern tie llcbcrfcjjung, als aud) mancltcn bunflen Stellen — nur Ninfcl rocgen

ber Sifalfarlunig — tie (vrläuterung, ein Mangel, rcr rem fonft vortrefflidjcn

SSerf unftreitig Abbruch thut.

^er ©liufd), raß mir aui allen 2beilen ^eutfd)lanbS ähnlidje ©aben erhalten

möditen, bärfte fchließtich um fo eher gerechtfertigt fein, aii abgefehen von rem

voetifchen SSertbc fie unfere Sdtriftfprache mit einer beenge fehlender ©orte bereis

ehern würben. So hat ta3 ^Titmarfche für bad 5lnfammcln unb 3(uffteigen ber

SBolfen ein 3eitrt>i>rt tühnen, melcheä an bie ^ünen (Sanbbcrge) 'erinnert, bie

bureb. baö SlnfcbroeUcn bcö Sanbeä am SKecr entftanben finb.

Xl)eorctif(f) ^ praf tifd)c^ Sel)rhtri) jutn forteilen unb grünbltcfyen (Srler*

nen ber franjöfifcfjcn «Sprache, k. »on ©. Q. g. be Saft reo,

Seip^ig 1853.

SSon tem gelehrten Sßerfafjfet biefeö 2Berfd)cn§ barf man eine von ttn £ageä*

fliegen fid) vortbeilbaft unterfd)eibenbe Einleitung erwarten. SSir haben baber X>a$

»orliegenbe SBerfcpen mit angemeffenen Erwartungen burdjgcuomiueii, beuen es in

ben miditigften Sejiebungen auch cntfvricbt, fo baß mir, wenn mir auch einige

SluefteQungen baran machen moflen, e§ teit mid)tig eradjten, um bie Elufmerffanu

feit ber Sprad)lebrcr auf baffelbe hinjulenfen. £er SSeg, weldjen ber rübmlichft

befannte be ßaftreä einfeblägt, ift ber vielfad) verfuchte, ben man, wie er richtig

bemerft, mit Unrecht nad) ^ocotot, Hamilton, Oiobertfou u. 51. benennt, mährenb


90 Scu rtheilungen unb furje 31 nj ei gen.

er nach längft gebrueften Hoilagen frfion in altem Reiten betreten rochen, ja, ivir

tonnten hinzufügen, In weit früherer ßeit als gebrurfte


Senrtbeilungen unb fuuc ?ln$eigcn. 91

SBafl nun aber ben gehrftoff fclbft betrifft, fo erlauben wir unS, rillig« abweis

denbe s

?(niuitcn barjutegen, welche einige Serütffn-btigung $u oertienen febeinen.

Sir glauben babureb, eben fo febr unfre Sichtung für ben Scrfaffcr, rcie für unfern

Beruf, auSjubrfielen.

Heber Heinere (vigcnthümlichfeiten tiefet SudtcS, inSbcfonberc über bie llnftcs

ttgfrit Ter Sc jciebnungen, wollen wir nidjt gerabe redten, wenn glridj aueb

riefer $unft jut Sache gebärt. Senn j. S. bie altern Scflcicbiumgcn : ^räfenS,

Snftniti», aftio, oaffio,' Störift, futurum u. bergf. angemeffen befunben werben,

\v feben wir nirbt Ten entferuteften ©runb, *p a r t i c i p i it m bureb Secbfelwort

^\ »erbrängen. S&en fo ttenfg tonnen wir efl billigen , bau gleich nach einanber,

j. S. S. 42 vorfonuuen :

— bann wieber : bilre ren

ben Jmoeratio, res Sonjunetioö, ©egenwart, 3 u ^ u|1 ft,

Plural träfen 8 ^nbicatioi, unb nachher wieber

Stnfcerfectum, bei welcher StuSbrncfös unb Jyorm^lbwedifcfung rcr Sdnilcr offen«

bar irre werben mufr, benn ift Snbicattoi richtig, fo imif! ^Mitralis träfen tid

fteben, unb ift Gegenwart riditig, rooxu träfen«? unb fo öfter. Sollen aber bic

gramrnatifdjen .ftunftauSbrücfe mit geübt Werten, fo ift eine ftetige ftorm ber Sörs

tcr feft 511 balten, wie e§ bei Scrfcr, beffen i'cbrweife fyier jum ©rnnbc liegt,

gefebchen ift.

Ülflein wir baben einige wichtigere 91 11 m errungen ju macben. Je ntebr alle

Siegeln gelegentlich beigebracht werben foOen; befto ftrenger muü ber 2tu§brucf fein,

baiiüt ber Sdntler genau wiffc, wo bie Oicgel wiebennu ihre 21nwenbung filmet,

unb befto ftrenger bie Ortnung ber einzelnen babei angeführten Syäfle. — 3" bei;

ben Schiebungen laut ba8 unä corliegenbe Such noeb SSerbefferungen 50. Schon

gleich in ber erften Scftion lintcrfcbcirct rie flieget über SBortfolge, jwtfcben „2lbs

jeftiveu, wdebe eine Scfchaffenbeit im ungemeinen nnr auf unbeftimmte Seife be;

zeichnen, une vaste plaine, unb foleben , bie eine Sefdmffcnbcit auf beftimmte

Seife bezeichnen, une table ronde." Sir gefteben, tc\\; wir in biefer Sc$eidj*

nun o.* weife burrbauS feinen tlnterfc&ieb ju entbeefen »ermfigen, folglich wäre bicS

für unS eine vergebliche fJiegcl. Uns fcbeint, Tci\t bie SRegel fagen wollte, es fei

ein Unterfcbieb jrotfeben (Sigenfcbaftroörtern, bie eine nicht fcharf begränjte, unb fof-

cben, rie eine fdjctrf begränjte Scfchaffenbeit auebriiden. — Sben fo ftnben wir cd

fduvicjig ein 2lbjeftiv ju benfen, bflS „mir bem Bon ibm bezeichneten 3lr)ättgfcttSs

begriffe einen Segriff oon Sirffamfcit »erbinbet", j. S. un homme soigneux.

ferner: „ber attributive Ökuiriv ftebt im JvranuMlfcben, bei aeraber Sortfolge,

fietfl nacb oem ©ubft. rer Sejiebung. " £ier iß ber befdjränfenbe 3ufa|| irreleitcnb,

inbem iilcid) barauf gefagf wii^, bie frang. 5ßrofa meibe len oorgefe|ten ©enirio

gänjftd). „3n ber böbern Stoliftif fann cS im SJeutfcben oowngeben/' fofl wob!

beificn im böbern Stbl; beim ©tBtißif ift mir ber 9came ber Siffenfrbaft.

r/5m Aian^öfifdien »erben im allgemeinen Sinn gebrauebte Subft. bureb ben

attributioen Wen. bargeßefft, im STcutfcben fteben Re fretS obne 3lrtifc(, de l'ouvrage,

Arbeit." 9tncf> bier ift ber 91tisbrurf febr unbeftimmt, bic 9icjel aber bödift unjii;

oerläfRg; benn wir feljen ben ?lrtifel febr oft vor Subft. im allgemeinen Sinn,

unb bie gfranjofen fefeen ibn aiub nidit ftct§ in *]}artitioform.

Sa? bic Ortnung anbelangt, fo will uns oorfommcn, tn$, bei ben Kegeln

über ben Crt_bcö 2lbjefti»8 biejenia,en, welche nur bic Sänge ober Äürge beS

Sorten betreffen, nidit .^wifdien anbere, welche ben 23c griff beffelben bebanbeln,

eingefeboben werben bürfen, wie hier gcfcbchcn.

llcbruienS finb ber ben Stücfen beigefugten Dicadn nicht febr viele , unb fo*

mit möa.c böä @efagte audi für bic "übrigen ^enü^en, nur bafi wir mande Hicgetn

für bie Stufe beö Unterrichts , bie baö Such im Sluge bat, ,511 fchwierig finren,

j. S. bic Siegel über ben Genbitionalfatj S. 37 in ber 15. Vefticn.

9hir noch ein Sort über ben $ weiten Jbeit, in welchem ber Serf. »ie

Gigentbümlidieö unb namentlich für 5? e b r c r febr 2lnregenbeö bavbictct. Sir ftnbcn

in biefer ^inlicht recht jroeeftnäfjige Slnbeutungen jur Soradniefcbichtc, namentlicb

^ur beffern C^rfcnntniü ber ^erfunft fowobl ber Sortform fclbft als ber Siegungen.

Sir hätten biefdben noch zahlreicher gewünfeht, unb ber Serf. b^t augcnfdicinlidj

fich nur bcS SRaumeS wegen gemäßigt. Sollte baS Such eine neue 9luflage erleben,


92 Seurtheilitngen unP fitrgc 5i n ,5 e i cj c n

fo möchten wir Pen SBunfdj ausgcPrücft haben, Paü gerate bicfe Seite tcv Sprach^

wiffenfebaft auefübrlidjcr, unP wo tnögli^ in einer' fleinen Uebcrfidjt gang a&ge*

l'onrert bcbanPelt Werbe, ftür Pen Ölnfängcr fint> ja Pod) Pcrgleicben liöinfe uns

fruchtbar unb eher frören*. £ie l'cbrcr unP gut oorgebüDete (ihnuiiaftafrcn werPcn

Pafür befto tanfbarcr fein. '

3ubejj tonnen mir uue nicht cinPcrftanPcn fiiiben mit Per Einreibung ber9lbs

pcrbicn unter ric Aorm Wörter, (felbft Sccfcr perfekt Pabin nur Pie aPPerbialifcbcn

SJejicbungflwörter;) fo audj nicht mit manchen 33e$cid)nuinicn, welche nach

unfrei Meinung unbcgrünPct erfebeinen, atd unipersonnel einperfönlid), ftatt Pefl

üblichen impersonel, (weil Pie C^erfon hier nur eine ftornt ift nnb in Per SSors

ffetlung nidjt lebt,) oPer Päd porgefcblagcne solitif für imperatif, u. a. 9iocb

weniger rechtfertigt fich Pie Orintbciiung in fubjeftioe unb objeftioc 3citwörtcr,

»venu fogleicb Pie tranfiticcu nur einen £bcil Per ofrjefrinen, bagegen bei in*

tranfitipen einen- anPem Ibeil Perfelben nebft ben fubjeftipen umraffen, \o bau

Pie erfre Eintbeilung wiePcr geftört ift. 2Bie fo aber Pie jJteflerjpen ju Pen 3»*

tranfitipen gerechnet werben foflen, erfdjeint uns unbegreiflich; ihre gange ftorm

ift tranfitio, wenn audj Piele Perfelben in Per gegenwärtigen 9(nwenPmig intranfitip

aufgefaßt werben. — SBir haben ferner vergeblich Parnäcb gefudit, ob Per 23crf.

etre, wie 23ccfcr, (nach unfrei anficht, ohne ©runb) ju Pen 'ftormwörtern rech*

net, Penn bei Per (£intbcilung flnPet ficb'ö nicht; Pcnnocb ftebt ©. 99 Sem. 1:

Etre nimmt Pie 23cPcutung eines 23egr iffSWÖr tcö an u. f. w. So tpie hier

bat Per 35erf. Pen Siccferfcbcn ©runPrin PorauSgefcjjt. — SDtcfc fleinen 2tu3s

ftellungen [äffen ftcb fpäterbin leicht berichtigen.

£ie ©ablehre ift oiel gu furg abgefertigt.

itcbrigcns bat Per SBcrf. überall gwecfmäftige llebnngen eingeftreut, nur, wie

wir glauben, für Anfänger Pon gewöhnlichen Einlagen, bei SBcitem gu fparfam.

5Ta$ Streben nach ©ePrängtbeit unP nad) Erleichterung be8 ?lnfcbaffcne bat offen«

bar Pen 23erf. veranlagt, fich aflgufcbr gu befebränfen. löir fönneu Purcbweg nur

Pen SBunfcb hegen, Pan Per balPige 9lbfatj Per ganzen Sluflagc ihn gur Serfrärhing

Peö JubaltcS ermuntere; e3 leiPct feinen 3W£iff^ ba§ feine 3luffaffiing$wcife 2lm

erfennung ftnben roerPe, fo Paü ein fleineö Opfer für einen reichern Stoff Per 9lns

fchaffung feinen (f intrag tbun werPe. £ie 3'ibl ber Spradilcbrcn, Pie auf gebte*

gener Jtcnntniü beruhen, ift fo übergroß PurchauS nicht, unP c$ wäre recht wobls

tbätig, Pen Sduilen eben nur folchc SSerfe gu übergeben, welche Pen ©eift Per

Sprache recht lebenPig Porfübrcu. #err Pe (Saftreö bewährt fich als ein Sfteifter,

welcher Pie Mittel beflißt, Pie Sugenb tiefer in Pie Sprache cingufübren, als Ptirch

furge (flcmentarbücbcr gefcheben fann. fit möge Paber eine umfänglichere Sprachlehre

liefern, weldje oueveieije, bie Scbüler mehrere Jahre bi"burd) fortfebreitenb gu

befebäftigen.

SBir Pcrbinbcn mit obiger ?lngeige noeb bie eineö anbern 33üd)lein8 beffclben

33erf., welches eben bie treffe verlaffcn t>at.

Chefs -d' Oeuvre Lyrique de la France aecompagnes de notes

historiques, biographiques et philologiques , et precedes

d'un abregt de Poetique, 1854.

SSenn irgenb ein 2Berf geeignet erfcheint, Pie ftubirenPe ougcnb gu ernfterer

SebanPlung franjöfiKber 25id}terwerfe anzuregen, fo ift tä biefe gePiegene, jugleid)

mit 53eobad)tung aller Ergiehungc-nirffichten auc-gcwählte Sammlung lurifdier SDich«

hingen , unP |War porgugsweife Pureb bie (Zuleitungen unP Pie beigegebenen (5x;

läuterungen unP Slnnurfungen. Sdniler pou daffifeber SilPung werben nui Piefem

23iute lernen, roie man fraugöfifche Diebtungen lefen muffe, um BUS ihnen, abgefchen

Pon Pem Äunftgenufi, wie auö Pen Sdirirten Per SClten , noch anPerwcitigcn 33il=

Pungc-ftoff 311 gewinnen. Eine größere Sammlung aus Pen PcrfdnePenen Did^tungö;

arten, auf gleiche SBeifc behanPelt, Pürfte auf grofe 2heilnahme redinen, unb

würbe Per flücbtigcn £cfcrei ein ßtcl fc^eu. Dr. 3» ©* 3"ft»


3?cnrtb cilun^en unb turge 9htjeigen. 93

^Beitrage unb 93erbcf|erungen }U ©fyafefpearc'ö 2) tarnen ic. ic.

üon fr 21. 2 co. Berlin, Slfc&er 1853.

SDie iMuffxnDung »on „Thomas Perkius bis booke,"_bem corrigirten (üc:n-

»for Ter gfofio Don 1632, t>at ben alten Streit unter reu Sbatefpeareaßetmeneuten

}u lichten flammen angefacht, l'luf ber einen Seite mit Jubel begnügt unb blinbs

gläubig aufgenommen ivie eine Uniocrfalinebicin gegen Die munben Stellen im Sejt

Des iDidjter«, würben bie SSerbefjferungen »on anderen .ftritifern eifrig, ja fanatifth

bcfämpff nur jurücfgrftojjen. ©cfunDcren Sinnes erfauntc eine Dritte gartet, ba§

Sßanne (Jofliers gunö eben weber taubes ©eftein }ä, nodj WolDbarren, fonoern ein

$aufe guten drgeSj and oiefem aber reu reiben Äern eoeln '^letalis »on Der Scblacfe

gu fonoern, fei eine ernfte langwierige 3lrbeft. Snbem Referent biefer 3lnjlcbt fiel)

anfdbjiejjr, »erjictjtet er auf Die Sache näher einjugeben; es ifi hier nicht ber [Raum

für eine Uiitcrfucbung, bic nur mit Äujjerfter ©rünMidjfeit geführt werben barf,

ober gar nicht.

Oben genanntes '-Buch hat ben ^roeef, baS ^ublifum mit ber neuen (?ntDccfuug

befannt ju machen. 3n ber Einleitung giebt ber SJerfaffet eine SDarjieflung Der

bisherigen 3t\irYfpeare;.$?ritif, ber @cfcbici)te DcS neuen SRanufcripts »or unb nach,

feiner §luffinDung, unb [»riefet ftdi im SUIgcnieincn über ben 2öertb beffelbcn ans.

2\iiui folgen (in ber ^Reihenfolge, in welcher bie Stucfe in ber 1632er golio fteben)

alle Diejenigen Stellen, hei welchen bie Sd)legcU$iecffd)e Uebcrfctjung nach i'lnficbt

Des SBerfafferä burd) bie Gorrectur bcS £er.teS eine Slenbcrung erleiret. SDa taä

Such für beutfdic Sefer befiimmt ift, fo giebt es »on beut Urtejt nur bie corrigir*

teil ©orte, wäbrcnD cS Die Stellen ber Ueberfeäung in ihrem ßufammenbange an;

führt unb bie enifpredieiibeii 2lcnberuiigcn Damit »ornimmt. ßugleicb werben bie

Gonjccturcn früherer G'Ditoren unb bic l'cSarten ber älteren Slusgabcn herbeigezogen,

unter einander verglichen, bas ft-ür unD baS äöiber bei jeber einzelnen abgewogen,

ohne Dan in Dielen fällen bie neue SeSart entuhieben angenommen ober »erroorfeu

roirb. 9tnbangsweife folgen bei jebem Stücf Diejenigen Gorrccturen DcS SRanus

feriptö, von weldicn bie Sdjlegch Jiccffdic Ueberfefeung nid)t berührt wirb. 2>ie

gange Strbeit ift mit großem ftleiü gemacht, bic jfritif geiebnet fid) burdi SBefon«

nenheit unb äRäfjigung, bie Ueberfefcung burd) porfiebtige Sorgfalt unb ©efdjmacf

aus unb baS 23ud) fann 2lnfprud) Darauf machen, fiele ber angeregten fragen ber

GntfcbciDung näher gebracht $u haben. SDein wiffenfcbaftlid) üitereffirten Sefer wirD

es namentlich barum wiflrommen fein, weil es wenigftens bei ben wic&tigften Spunfc

ten ben in ben Kommentatoren jerftreuten Stoff giifamntcnfafit.

Snoem es alfo reichJicbeS Xvb »erbient, muH boeb noch eine ftragc in 23ctrad)t

gejogen roerben: bie ber $\vc mäüigfeit.

S^eni ©elebrten gejiemt ei, am rohen ungefichteten ©toffe ;u arbeiten, an

fold)er Arbeit feine SKühe unb g-reube ju haben; bem üpublifum feilte mau

nur [Reifeö, g-ertige$, in fid) 3lbgefd)loffeneä geben, fofern man e^ belehren unb

nidjt verwirren will. 2)a8 ©olb bem Sßublifum, bie Sd)lacfen in ben Sßapierforb.

oft baö ©olb auä ben $• S.'fch,en dmenbationen fchon nicbeigefd)lagcn , fo gebe

man e§, aber weiter 9Jid)tS; ift baö nod) nicht ber g-afl, ]i> fann Da 8 Sßublifum

warten; eö wirr fid) fo lange mit Dem befannten unb liebgewonnenen SdilegeU

Itcrf'fchcn Ier.te behelfcn, aud) auf bie ©efabr hin, COicincbeö im Sbafefpearc falsch,

fflianchee gar nid)t ju »erfteben : £vü es aber burdiaue an ber neuen Untbecfung

2bcil nehmen, fo empfange e8 tc\$ gange ÜRaterial unb wieberum weiter 5Rid)t8,

man laffe eö felbft urtbeilen, fid) nad) eigenem ©efdjmael Das '-öefte herauefudien

läfit man ee aber in bie SBerfftatt ber jlritif hlicfen, madit man es aufincrffant auf

XHilco waö ju erwägen ift, auf alles ßweifelhafte, llnentfchiebne, llnentfdicibbare, }o

wirD es Doppelt perwirrt; Der unbefangene ©enujj an bem bisher ©ewobntcn ift

ihm geraubt, unb bas 9icue bietet um t'einer Unfidierheit willen feinen drfa^.

Unb Dien ift cS, was gegen baS Poriicgenbc Sud) ju fagen ift. (5"S giebt

Äritif, ohne fie jur Gntfcheibung gu führen. '»Dem ^efer wirb baS Se(bft=(Jnt|diei;

Den feineswegS erfpart ; foiiDern eS wirb ib,m nur unmöglich aemadjt, unbefangen

ju fagen: „baS gefällt mir, Das nid)t"; beim er pcrnimmt brei, Pier, fünf t>erfd)ic-


94 SBcurtbcilu ngen mit turgt Slujcigen.

tenc SeSartcn, beren jebe rief} für, tieft mitcr fieb bat. £em „gebiltctcn Sßublü

Fiim" für mclcbcs #err Beo feine Slrbcit befrimmi bat, bürfte fic taber nur einen

gweifefrjaften Stuften gewähren mir ee Dürfte baffelbc taS in riefen blättern bereits

besprochene grefe'fer)e Sud? für feine '-Hclcbrung geeigneter fiutcn; Derjenige aber,

welcher, ebne eigentlich ©clebrter ju fein, tod) tiefer in taS SBefen tcr 3acl)c eüu

jiitiiugcu wünfct)t, finbet l;ier reicfycö unb wotjlgeorbnctcS SWaterial.

£. ff.

2)aö ^ibedincienlicb naef) 2>arfMung unb (Sprache ein Urbüb beut*

fd)cr 5ßoefle von Dr. Siinme. ^>aüc 1852.

(sin ncucS Such, über einen ©egenftanb Ter älteren beurfcfjcn Sitcratur ift jus

nächft immer, cS fei wie es fei, aß ein ©ewinn 31t betrachten. ©0 tief freien wir

noch im VlUgcmcinen in unferer nationalen s

-8iltung, fo febr entfremdet fmb rr>ir

mich immer von einem Jbcilc unferes Sßefenö, unfercS eigenften ©elbft. 5)ut 23cs

bauern unb SBermunberung fragt wct)I SDiandur, wie baS jugebe. Im'c Antwort

liegt aber febr nabe. 2Ba8 auf unfern Schulen uiebt fo weit, wie ein moberner,

nicht fdjöner 9luSbrucf fagt, obligatorifcb gelehrt wirb, taft cS audi nur in ten

Tauften Söeflenfdjlägen , in fdjroacbcm 9cacbflangc tn'S Scbcn übergebt mit tafelbft

für ba8 nacbmacbfcntc ©efcbjedjt Jlctiue unb äöur^eln treibt, taS gebt ficberlidj faft

jourloS vorüber; ti waren nur „noiuina et voces" bie gelebrt unb gelernt wur;

ben, nid&tt 3i>irflicbcs unb SBIeibenbeS. 2Mc ©djule aber jteflt in gerechter lUbwcbr

jeglichen Vorwurfs bie gforberung bin, ibr Seiner ju geben, bie Sinn haben unb

ftraft, hier baö ©ebörige ju leiften. Unb bie Seiner freilief) bie feblcn unb werben

mutbmafjlid) noch, lange feblen. Unb fo lauge ticS ber gafl ift, faun begreiflicher

äßetfe von einem eigentlichen Stubium reo ©euffeben, »on (Einführung in tie ältere

unb ciltefte beutfdje Literatur auf ber ©djulc aueb, im (Entfernfretett niebt bie SJlctc

fein. SDabci mag c§ bie unb ba gefebeben, bat} wenn Jträftc, Siuft ober 3 ( it bajU

»orfyanben, (S'in^clbeitcn aus Siebtjaberci ober als 9Jebenftubiunt mebr ober weniger

grünblid) unb uiufaffent bebanbelt Werben. Unb gefcfyätye baS nur überall jiir SH6*

jn'ilfc bcS äufjcrften SRottjjranbeS

(StwaS beffer ftet)t eS allertingS mit tem ©tutiuui ber neueften Literatur, aber

auch nur, feitbeni bie Schule felbft ficl> energifd) ber üöeftefluug bicfcS ^elbcS uiu

terjOgen bat. 90t an &ergleicr)e 3. 23. bie ©duller; unb ©ötbcllttcratur, bie beften

irnb miebtigften ©cjriften tcrfelbcn finb »on Scannern ber ©cbule ausgegangen.

2öa8 bier aber bie Semübungen ber Sclutle mefentlicb, erleichtert unb förbert, ift,

bafj fk babei an bie unmittelbare ©egeuroart anfnüvft, mit berfilben banuouirt

unb im Scbcn felbft überall Sßiberfe^ein unb Jlnbalt finbet. ©erabe baö feblt aber

ben Sturien ber älteren rJcit. Ü'S ift ~cod) immer ein frember 23obcn, ben mir

betreten, wenn Wir uns gotbifdicn unb altbeutfeben Stuticn juwenben; unb um

bort erft beiiuifd) }ü werben, unb jroar in beut ©rabc, um mit ©efdjicf unb Srfolg

Slnberen tiefe neue -frciniatb red)t motjulicb, ju machen, bebarf eS r-ieler 21rbcit,

groficr Siebe mit freutiger Eingebung. Sa d) mann, ber unfterblidjc SOicifter, bat

bieS fd)ön mit mabr in feiner iUurcbe ^itr jweiten Ausgabe beS Swein entmictelt,

wo er juerft baS pbilofoplnfcbe SBerftänbnifj als baS 9{cfultat ber ©tubien 23enccfe'S

unb feiner ^reunbe bqeidmct mit in febonftcr, etclfter, ja itealcr Weftaltung turj

mit prächtig Darlegt, fotann aber bebeutungäoofl binjufügt, ju einem SSerflänb;

liitj biefer

5

}(rt fei freifid) Stiemanb jit fübren, ber nid)t befontere Einlage unb

mancbcrlci Jlcnntniffe mitbringe, ror Willem aber Unbcfangenbeit mit ten guten

Söillen, fiel) ;Vit ju nebmen mit tie ^oefie auf fid) nad) teS JMcbterS 2lbfid)t un«

tevbaltent oter bewegent einwirren $11 (äffen; tenn aueb tie gewalrigfte fcffclc nur

ten Empfänglichen unb fein Urtbeil befreie nur, wer fieb. böUig ergeben babc. —

SDieS 3Jerftäutnip ju erzielen, tiefe Siebe ju beiu eigenften mit uationalftcn 2tutium

gu erweefen, mu§ bcninacb als bie nädMte unb widjtigftc SSufgabe betrachtet werten.

Um fo mel;r als wir ben franftjaften 9ici^, immer nach 5 lcIllr


Seurtbeilungen unt finge Singeigen. 95

und (o wohl Fennen. ffiMc früh bat nicl)t tcr SDeutfdjt gelernt, ja lernen muffen,

nael; SBelfdjlnnfc unb Äerlingcn gu febauen utife [Religion unt Öte$t, Sitte hup

Jracbt, Sprache unb Slnfdiauungeu aller 3(rt oon Port mebr alS anrerswober gu

entlehnen! Sehr fdiön unt bebergianiswertb fagt ertt ueucrPiiias ertienft von ©ervinus, — fmt nnr

nid)t mehr fo ängftlid) unt befdmPen, ober aud) umviffent, für unfere ältere s iitc;

ratur auf alle 3lnfprüel)e von ßlafficität gu vergid)ten. Unt je grüutlidier unt

liebevoller tie heften ©eiftedpunfte ter alten $cit werben unterfuebt, uberfefet unt

erläutert werben, je eifriger unt bingebeuter tie SBififenoen ftd; in SBort unP Scbrift

ben 5!icbt»viffenPen unP Per 3i'gfii^ lebrent ginvenPen werben, tefto größer Wirt in

aller 23eife ter ©eivinn für tie Literatur, wie für tie Kation felbft fein.

SDer Stantpunft, auf ten ^err SCimni fieb gefreut bat, ift aud) gang ter

nationale unt, wie mir fa)eint, auel) ter allein riebtige. Sdjon 3*^1 warbt in

feinen nodj jept fetjv lebrreiebeu SBorlcfungen über tas OiibelungenlieP (1843) bei

ter Gtjarafteriftif Per cingcluen ^erfoneu teiifelbeu geltent, unt es bat ten 9lnffl)ein,


96 33eurtbeilungcn unb f ur j c 9lujeigen.

iKid) tem, maS #ett Stimm tatüber beibringt, ald wenn audjj bie 2leftbetifer,

frübcr Den Nibelungen fo abbolD, gegenwärtig ficb mein- mit Den nurtigen unD erbabe;

neu ©eftattrn tcr Ni bei im gen bei Den uno Der ganjen Art ihres ©ein« ju befreunden

fieb cnti'd)licüen tonnten. i\iS Q5ud> DcS £errn Stimm trägt jeben gfaöfl mehr als

manches anbete ba.511 bei, Das Sntetefjfe an Der nationalen Literatur, vorjugSweife Der

epifeben, anjuregen unD bureb feine mit Siebe unD ertrünPlidjfcit geführten llntcr=

fuebungen, Deren Dtcfultate er in feinem Sud) Der gelebrten unD gehüteten SBtli

vorlegt, Der älteren Literatur Die red? t e ©eltung unb SöürDigung ge;

um nnen ju helfen.

aSorjiiglid) ift Die (Einleitung unD Der erfte 5H^ei( DeS 23ucbcS, itM§ wir

jcDcm ©ebilDctcn auf baS SDringcnfte empfcblcn muffen. 3n jener, — fie war febon

frübcr tbeilivcifc ober ganj gcDrucft in fem Archiv für taS Stubium Der neueren

©pradjen , — giebt #ert Stimm einen Ucberblicf über Die bisherigen Seinübungen

Der 2>etttfdjcn für DaS NtbelungcnlicD unD über Die Stellung, »etdje |»ie #etoen

Der Literatur beS Dortgen Sa^tbunberte nadj ®unjt ober Ungunfi ju Den 3l\bclungeu

eingenommen haben. Stuf SBofljränbigfeit macht eine folcbe lleberficbt niebt

Anfprucb, Dod) vermiffen wir ungern Die Erwähnung DcS ju früh Dahingegangenen

Gilbert ©ebett unD namentlich feiner AbbanDlung über rie ©efebiebte Der ylibu

langen in Der neueften Sät. (Abgebrucft in Der SDeutfdjen 8ierteljat)r8fcf>rtft.) Auch

bie SSortefung $offntann9 int Album Des liter. Vereine §u Nürnberg 1830 r-er*

Dient ermähnt ju werten, febon beSwcgcn , lveil eine &inweifung auf Die DanfcnS*

wertben SSejtrebungen Deä bortigen liter. Vereins auch für Die ältere 2>cutfd;e Sites

ratur überhaupt ganj am Orte gewefen wäre.

3n Der Setampfitng Tegels unb Der Abfertigung Derer, Die blinD naebabmenb

beffen Anficbteu gefolgt finb, muf? man Dein SJcrf. überall beiftimmen. 9Jid;t fo

unbetingt in Der Art mit Söeife, wie er ftd> einige SDlal über Saebmamt auSforinjt.

©ehr intereffant unD lebrreid) ift foDann Der allgemeine St heil, Der taS

Cfbarafteriftifcbe Des Deutfcben epileben StulS aus Den Duellen unD Sebingungen

eines Deutfcben ÄunftftrtlS nadjrocift, wobei er ftcb an SStfdjjer'Ö Acftbctif anlehnt,

ohne auf Selbftänbigfeit DcS eigenen UvtheilS $u Per*id)ten — unb Die einzelnen 5Dco;

bificationen DeS ©tu IS unD Abänbcrungen Deffclhen im Saufe Der 3ttlDcbranDS; unD SubmigSlicDe, unb

Dem ^elianD verfolgt.

SCer jweitc Stbeil ift ber poetifd)en S£arflellung im 23efonDern gcwiDmct unb

enthält eine reidie ftunDgrube von feinen unb oft überrafdjenben Semerfnngen über

SDarftellungen unb ßbaraftete Der gefcbilDerten Sßerfonen. SSorjugSwcife aus Dicfcm

Stbeile ift erftcbtlid) , mit welcber Siebe unb Eingebung ber SBerfaffer feinen ©egen?

ftanb Ditrrfjforfcbt bat.

lieber (fiitjelneS in ber Auffaffung, über Die Sprache beS SkrfafferS, feine Cr*

tbograpbie, feine Art ju citiren unD AnbereS mehr mit Dem SJerfaffer rechten ju

wollen, würbe ju weit führen. Nur eine 23cmerfung tonnen wir unS niebt Per«

fagen.

©eine An|fa|tung Jagens, beS gewaltigen unb gröfjten, ja wabrbaft bamonu

feben GbaraftcrS fdjcint uns nid)t ganj bie riebtige ju fein. S?5tc SSorte wcnigftcnS

©. 192: „Oiebmet fem £agcn tie^icrlicbfeit unD §einbeit im betragen unb Diebe,

unb ihr habt einen ftnftereu Steufei, Der auf bie SDaucr nicht jU ertragen ift" wirb

feiner unterfdjreiben tonnen, Dem Die fefte Streue gegen feinen Üimig, Die herzinnige

^reunDfcluitt, Die riefige Stapferfeit, Jllugbeit u. bgl. aueb (StwaS gelten. UnD

wenn er S. 241 auf Soli als ein Urbilb Jagens binweift, maS wir wcDcr bettreis

ten noeb obne äöeitereS als richtig anertennen mögen, — Denn für gar oiele SDingc

bebarf eS bod) eines fogcnannteu UtbilDcS, einet (vntlehnung nidit — fo hätte er

für manche Sigenfdjaft Jagens, für Das ganje SontraftirenDe in feinem 23efen in

bem übclberücbtigt „^urbtlofen itein" beS englifcb,en SagentreifcS mehrfach, treffeuDe

33ergleid)iiugSpunfte finben tonnen.

''-öcrli'n. Dr. Sadjfc.


^Beurteilungen nub fnrje Slngcigen. 97

1. 2)eutfcbe3 Sprach* unb Sefebud). (Sine «Sammlung fpracf>imter*

rid)t(id) geordneter 2ftufterfa$e, profaifcber unb poctifcber Sefe*

ftücfe mit (ablieben, fprad)lid)en unb ftiliftifcbjen Aufgaben, ju-

gleich als ©runbfage jur beutfeben ©afc* unb Sluffafclefyrc für

bic unteren unb mittleren (Stoffen r)or)erer Seljranjtatten von

©eorg §etfmantf, 8er)rer an ber böfyeren 3Sürgerfdnt(e ju

5)?anni)cim. lte Slbtf). 154 6., 2te Slbtl). 396 ©. Sftannljeun

1853. ©erlag von SobiaS Softer,

2. 5)eut|'d)eö öefebud) für bie brei unteren (Stoffen ber ©tyinnafkn

unb l)6t)eren §8ürgerfdi)ulen. 3 u t a ni m c »i ^ c ft c LI t von Dr. 3. 9taud),

$h;ceunuMcl)rer in 9iaftatt. ^etbelberg, Slfat>emtfd>e 33ud)l)anb*

lung von (Srnft s ^ol)r. 1852.

3. Sefebucr) für preujjifdje crcn 33ürgerfd)ule in 9ßot8bam. dritte gang

umgearbeitete unb verbefferte Sluflage. $ßot3bam 1853 , ©erlag

von" gerbinanb Siegel. 8. 514 S. — 27% ©gr.

4. Einleitung , ba3 Sefebud) als ©runblage unb SRfttetpunft eineö

bilbenben Unterrichte in ber SKutterfpracbe gu bcbanbeln, von

g» Dtto, 9icctor ber 9?eben * 23ürgcr[d)ule , 311 9Rül)Hjaufen.

©ierte, 51t einem völlig neuen 33ucr)e umgeftaftete Sluflage.

(Srfurt unb Seidig, ©erlag von ©ottl)ilf 2ßill)elm Körner. 1853.

8. 336 6. eubfcriptionSpreiö 1 Xl)lr.

2>a8 unter 9lo. l. angeführte 2Skrf f?at grojje 9lebnliehfeit mit ^c^ befannteti

©Triften von Utttfert G/ttebungSaufga&en jur teutfe^en ©vradjlcbre" nnb „l»ic Sefore

uon beutfdjen ©töte"). SD« SBerf. bat He Sefeftücfe un6 Itebungen tbeiis mit

faeblicben, tbeils mit fpracfylidjen unb ftiliftifdjen Stufgaben oerfe^en, unt berennt

fid) baburdj 311 &et Stnfic^t, tau ber Dcutfdjc Unter ridjt fidEj an baö Vcfebueb

an fd? liefen muffe. 2Sa8 He 3fu8n>abl ^eö ©toffeS anbetrifft, fo ift Darauf

3hirf|'id)t genommen morben, ttc ©dniler biuet; He (yrflämng nnb 3 cl'g'< ctevnng

cor ßefejiürfe unb He baran gefnüpften

gramma tifeben Gurfitö burcJjmaä)en jit

Aufgaben einen möglidjjl ooüftdnpigen

U\}\tn, nnb ihnen einige Anleitung ju

ftf liftifeben arbeiten ju geben. 3h tiefem 8c$ufe enthält He lte Stbttjeilung

te$ SBerfä in einer (Einleitung auf 42 ©eiten eine fnrje ©rammatif, bann 8efe*

Übungen nur Siefejiuefe mit grammatifdjen Stufgaben, bann fabeln, ©ebidjte unb

enMid) einen geograpbifd)en Slubang. £ie jioeite Slbtbeilung enthalt auf 37 ©eiten

eine furjgefajjte ©ajjlebrc, bann ÜDenffprüebe unb Dtatbfel jum ^erglictcrn uni>

(ürflären, Dann SBefdjreibungen als SHujter 511m 9tad)bi[ren, Srflnrungen von ©»rüdb>

mortem, fabeln, Skrgteidjungen , (xr^äblungeu, ©efpraebe, ein ©c^aufpiel (8er

Kbetfnabe »on tilget), Parabeln mir SDUtten, ©d)itberungen , Briefe, SlbbanMuiu

gen unb enbttcb and) Setfpiele ter miebtigften SDicbtungSarten. 5Taö i^nd) jengt

vom pvaftifebem ©efdjtcf, wenn gleieb mir He Stuöroabl tev aufgenommenen ©tiicfc

ttvaai ju bunt finren. J>ie Scbrift unter 9ho. 2 baben mir mit Vergnügen geles

fen. 3>er SSerf. ift \id) über Den ßivcef, ten er fieb uorgefe^t bat »oQfommrn tlar,

uh8 tiefer Umftauö t^vit a\i] t-ie 3lb[\iffnng teg 2?nd)c>3 fo giinftig eingemirft, ta\t

baffetbe viele äbnlidje ©cbi'iften bei weitem übertrifft. £er Serf. bat nämlicb mi\

He g-öroenmg realer Äenntniffe r-incb fein l'efebueb verjiditet, bagegen ben ^meef,

bie äftbetifebe, etbtfebe unb nationale öttbung 511 foltern, tefto fdjärfer in'ö

2luge gefafit, unb von tiefem ©efiditeviinftc auö ift He SBabl Ter aufgenommenen

Sefeftöae eine Mirebaus gltirflicbe jn nennen. SDle Stüete finb fo geortnet, ta§

von ben leid;teru jn ben febmereren übergegangen mirb, maö mir jmecfmäfjig finben,

Mr^i» f. n. ©pradjcn. XV. 7


98 33cuvtf)eilungcn unb für je 9t n 3 e i 3 e n

weil eine fpftemafifche (Einteilung Tor ßefefiüc!« nacb ©attitngen unb 9trten für

ben jtnaben noa) feine SBebeuruhg hat. lim bie Mcidibaltigfcit reo Jnljaltfl anjus

beuten, erwähnen wir einige Schriftftcller, aus bereu Serien Stellen aufgenom=

men worben finb: 3- u. 3ß. ©rimm oJMäbrcbcn), (kellert (fabeln), Seffing (gas

beln), Oh'icfert (fabeln mir (üjählungen), Scbiücr (iHätbfel), llblanb, «Schwab,

Berber, £ebcl, aerober, ^offmeifter 1 i'flanjcrlebcn unb (Slcpbantcnjagb aufßcolon)

Mopp, SWafiuS (bie Stdje, aus beffen OJatuvftubtcn), Karting (bie iUiacbt bes .ftlcU

neu, aus bem £ollänbifd)cn) k.

Das unter 3lto. 3 erwähnte Scfebiicb ift für bie oberen Klaffen einer höhe-

ren ©ürgcrfchtile berechnet 1111D fdilicüt fiel) an jwei anberc ßefecurfe an. (?S ent=

bält auf©. 1 — 33 l J eine profaifebe unb auf S. 343 bis 511 eine poetifebe 'IIb:

theilung, bereu jebe wieber in Unterabteilungen verfällt. Jn ber profaifeben 91 b;

theilung werben 1) Seifpielt für bie biftorifebe, 2) für bie rtjetevifd^c, 3) für bie H=

baftifebe -|Uofa, 1111b 4) poetifebe 93cifpicle in ungebunbencr Diebe; in ber poctifeben

2lbtbciluiig 1 ) Srudjfhicfe

aus größeren Kpopöen, 2) poetifdie Crrjäblungen, SaDa«

ben unb IHoman$eii, 3) Iprifcbc unb UirifaVbibaftifcbe ©ebid)te unb cnclicb 4) einige

Scenen aus Dramen mitgeteilt. Die Sabl ift im ©aiu.cn eine jwccfmäBigc. Das

9llthocbbcutfd)c ift mit 3ted)t ganj übergangen, unb wir würben aud) bie einzelnen

groben aus bem s Diittclbod)bcutfcben weggclaffcn haben , beim bie mitgeteilte

©teile auS bem Ofibcliingenlicbe fonnte in neu bocbbcntfcbcr Ueberfefcung abgcCrucft

werben. SDodj wollen wir barüber mit ben Herausgebern ntd>t gerabe rechten.

Sollten aber einmal einige Originalproben auS ber beutfeben Sßoefte beS SJhttclal;

tcrS gegeben werben, fo hatten wir aud) eine Stelle aus bem Sßarcioaf, einige i'icber

»on äöaltbcr von ber SBogelwcibc h. gewünfebt. Sie Sefefhictc iinb fo gewählt, la\$

fie für ben Unterricht in ber beutfeben £iteraturgcfd)id)te als 23cifpiclc benutzt wer?

ben fönnen. Dabei ift mit Blüdficljt auf ben «Staubpunft ber ^otSbamcr Rotieren

©ürgcrfcbiilc auf eine genauere .Rcnntniü rcr älteren J 4>criobc unferer Literatur ver=

Richtet worben. DaS I6te unb 17te 3«brb- fiub faß nur bureb gciftlicbe ©ebiebte

vertreten, namentlicb folebe, tic in ben nteiften jcjjt gebräuchlichen ©efangbücbem

nicht 311 finben finb. Die neuere Qtit ift om ftärfften Pertreten, unb befonbcrS

auf ©ötbe, Schiller unb bie iRomantifer Olücf fict>t genommen worben.

DaS unter 9lro. 4 erwähnte SBerf ift für beu Sebrer beftimmt, fann atö eine

Srgctajuna ber befannten Schrift oon Oi. $. $iedfc: ,,ber bcutfdtc Unterriebt auf

beutfeben ©rtmnaficn" betrachtet werben, unb wirb iiamentlid) Schrein, bie ben beut*

feben Unterriebt in ben unteren unb mittleren Stoffen oon ©umnajien unb fSttaU

fchulen ober in fogenaiuiten SOüttelfdiulen ertheilen, willfomineit fein. 63 enthält

auf S. 1 — 37 einleitende 93emerfitngcu über bie Aufgabe, welche ber beutfehe Uns

terriebt in t'er Schule ju löfen bat, unt über bie Sölittel, welche ihm nir l'öfung

ber geftcllten Aufgabe 511 ©ebote ftehen. Der Inhalt bcS 9iud)eS jcrfällt in jwei

Jheile, nämlich i) in eine 9lnwcifung, wie aus ben in ber Scbule burdjgenonu

menen Sefcftücfen ein 3«balt ju fcl)öpfeu fei, zweitens in eine Anleitung, wie Ter

Sdiüler eine J^orm ftuben fönne, um in ihr einen Inhalt bar$uftclleu. 3» ber

elften Slbtbcilung, bie eS alfo mit ber riebtigen 21 u ffa ff uug ber gelcfenen Stücfe

}U tbun bat, wirb junfiebfi bie s

4>rofa unb bann bie Sßoefte behanbelt. £ni Eapis

tel über bie SProfa verfällt in jwei 3lbfcl)!iittc, a) über bie unmittelbare 9tuffaffuug

unb gebuubene 3ieorobuction, b) über bie vermittelte 9luffaffung unb bie freie 3te;

probuctioii. *£*$ Kapitel über Daä ßefeil poctifeber Stücfe jerfällt in brei \?lbfcbnittc,

a) über bie unmittelbare, b) bie vermittelte l'liiffaffung, c) über ben @enu§ ciueö

©eriebte-?. 3n ber ^weiten l'lbtheilung reo S3ud)eö, bie cö alfo mit ber nvccfinäfugcn

Darftellung beS gewonnenen ontjalt^ 511 thun bat, wirb umäcbft über bie Not-*

trageform (niünblicbe unb fdniftlidie Darftellung) unb bann über bie 2tbfaffung&

form (ßrjäblung, 53efd)reibuiig, l'lbbanMiing, ^ergleid)iing, 23rief) baS 9Jötbigc

beigebracht. Die »IRethobe, weiche £r. Otto von beii Vchrern beS Deutfchen ange;

roenbet ^u fehlt wünfebt, wirb bureb zahlreiche SSeiffliele bis in bie Details hinein

vcianicbauliebt. DaS iMid) ift barum befonbcrS angel)enbeu i'ebrem ju empfehlen.

©erlin. Dr. ÄUcibcr.


S3eurtbeilungen unr fur,je 9tnjeigen. 99

33ucf) bcr (Sinnfprücbe. (Sine @onrorban$ poetifcfyer 6innfprücf)e be6

Worten * unb 2lbenbianbeö, gefammelt von 5B. 5?. mit einem

Sßormort von 3QB. Söacfemagcl. Seip^ig, ©uftav 3Rcu;er.

1853. VIII. 344 6.

IMc Jree, fi'lc Sammlung moratifdjer Sprüht als einen poetifchen GurfuS

ber Sittenlehre ju aeben, iü febr lobenSwerrb. mit» wir »üjjten nidit anberö ju

fagen, als ran SBacfernngel mit rollftem Otecbte bie t>orliegent>c Krbeit, meldte 17(53

gprudje aufführt, empfohlen Kit. (sin folebes 2Mub ift ein angenehmer S3efl|j für

baä Vau*. (s>3 pni nicht allein beutfdje Siebter rabei benu|t (ii. jmar in löblicher

SBeife auch folebe, bie nicht überall betannt (inb), [entern auch einzelne orientalifdje

unb fiaffifebe Sprüche eingereiht Karben, toai wir nicht ganj billigen möchten.

SBotJte man fdjon einmal nicht reutfebe dichter ausbeuten, fo jlanb uns j. '£.

8hafefpcarc naher, bei in rer fdilegelfd;en Ueberfcijiing halb als SDeutfdjer etnge^

bürgert ift. Orer aber man »rollte nur mirflieb cpigvamniatifcb abgefaßte Sprüche

liefern nur rann war and) rer Orient auöjufdjliejjen , ra teffen Jtccn un8, rie

mir roch an eine cbriftlidie (vtbif in Sprüchen teufen, immer ferner fteben. ^iu

gwifdjen mirr eine, gewijj halt ;u erwartende, jweite Sluflage beä febr fanber atlä*

gematteten ^uebs foldjem SRangel abhelfen fönnen. SBir benterfen, raü rer 1053

aufgeführte Spruch Scr)ifler'S fdjon" unter 211 als Spruch, ©öttje'ä geftanren t^cit.

Eben fo iü und nur ein SDrucffeljler oorgefommen 1453. „UngcmadjabmecbSlung''

muü „Ungemadiabmebrung" bei9«n.

9)1. 9t.

£er)rbucr) ber Dibetorif für bie oberen Glaffen ber ©elefyrtenfcfyulen

von £>einrici) 9iid)ter, ^rofeffor ber €J3f)tIofcpbte in Setpgtg,

93iertc Slnflage. Seipjig. Verlag von (Srnft glcifcbjer'a 23ucr;*

fyanblung.

Oft ift von vielen Sßäbagogwt mit Siecht bejweifeli »erben, cb rie OJhetorif

als eine befonbere STiScipliu in Ten Scb/ulunterridjt mit aufzunehmen fei. dhix

fürUid) hat rieb #r. SDein&arbt auö Sonberäbaufen in rer „$P«Dagogifdjen Oieuue"

(14ter Jahrg. Sanr XXXIII. Septenibcrbcft 1853 S. 196 je.) ragegen auSge*

fproeben. "sm @egenfa|$ 511 riefer anficht müufcht A>r. peinlich dichter, bafj an

rie Stelle pbil ofopbifdier ii> iffenfehaft (nämlid) 8ogi! unr ^fiKbologie)

in ©deuten grünrlidu töbetorif (sie) treten möge." Senn mir nun auch

nidit gerabe in riefen äBunf(f) reS SBerf. mit einftimmen mögen, \c tonnen mir roch

nicht umbin, ihm Darin Dt echt ju gehen, raü ein theoretifeber Unterricht über rie

regelredite Darftellung rer ©ebanfeu, über rie formen reo StplS ic. auf Sdmlcn

nicht gang entbehrt »erben fönne, mag man ihn nun aU befonbe« SDiSriplin unter

rem Tanten Othetorif betreiben, ober ihn, mie $1. J'einbarrt mill, rer höheren rsiranü

matif juroeifen unr an rie SJectüre unr rie 2iteraturgefd)trbte gelegentlich anfnüpfen.

Oh aber rae vorliegenrc Sebrbueh ren gegenwärtigen ^erürfniffen Ter 2d)iile ent=

fpreche, muffen mir febr begweifeln. SDenn felhft auf foldmi ^Inftalten, auf benen

rem Unterricht in ter Sihetorif möchentlich eine befonbere ©tunbe eingeräumt tt>ot*

ren iü, möchte eS für ren t'ebrer fchmer fein, baS oon rem SSerf. gebotene 3Rate«

rial rurchjuarbeiten.

SBa« ben Inhalt res SucheS anbetrifft, fo jerfäflt rerfelbe nad) hergebvaditer

SBeife in rie l'ebve a. oon rer (vrfinrung (lopif), b. von rer '-Bearbeitung un_r

Jliuurnung, c. vom Sluorruet rer ©ebanfen (©töl) unr ftimmt mit rem l'ebrftoff,

mie er gewöhnlich in rbetorifcheu 8ebrbnö>ern überliefert wirb, im ©anjen Aberein,

jeid>net fich aber in mancher 'Beziehung rurd» eine gemiffe SBoOflänbigfeit unr flieich-

baltigfeit aus. Cvs finr namentlich faft überall rie h'emcihrteften Duellen rer Jbeorie

in ren eilten nad^gemiefen, mas für ren l'ehver angenehm ift, tem Sd;üler aber


100 33eurtf>eUungen unt F xi v 3 e 2(n jet g en.

in ten mciften pfäQcii gleichgültig fein turnte. 3« beHagen ifl o&er, bafj ^er 9J«rf.

blöd bie Ibeorie vorgetragen, unb biefelbe an feinem praftifc^cn söeifpiele oeran«

fd.uulidjt bat, fontern ftd> Damit begnügt, tie Stellen in altflafftfd)cn unteren ans

jugeben, in melden fieb, Seifpiele jit ben aufgehellten Beeren finben (äffen. ftür

ein Schulbuch »Are eine auenilnlidie (Erläuterung von Sffufrerbeifuiefen w»ct>l nütbia,

weil cd ja nid)t bfoS bie Aufgabe res rbctorifd)cn Unterrichte fein fann, tem Sd)ü;

ler jinn befferen 9Serßänbnt§ einiger Stellen in flaffifdjen ©Triften ju verhelfen,

fontern ihn auch $n eigener SProbuction anzuleiten. Söenn t-er SJcrf. ©. 8 fagt,

er babe mit gedrängterer .ftürje eine möglidjfle SBoQftänbigteit tee" Snbalts ju ver*

Innren gefudjt, welche nichts ter Schule SWtbigeö verfäumte, ebne tie ©renjen ter

Schule ju überfd;rcitcn : fo erfennen »ir gern an, tan im allgemeinen rem SSerf.

tiefe Bemübung nidjt miülungcn fei, muffen aber hinzufügen, tan wir in ten beiten

erften 2 heilen tee öudjeS SWandjefl für^cr, in tem legten Slbfcbnitte tagegen Solan*

che* ausführlicher ge»ünfd)t hätten. So ift ter 3lbfd;nitt über tie Sropeu unt»

Figuren (©. 94 k.), ter fonterbarer Seife „von ten Mitteln te§ Slustrucfä"

üb'crfcbricbcn ift, $u aphoriftifd). 25 ic befannten Sintbeilungen ter Oktcfiguren in

SBortfiguren unt ©adjftguren, ober in Figuren für tie 5Uimurffamfeit tc. fiut auf*

gegeben, aber e§ ift feine anterc an ihre Stelle gefegt, fo bafj ter ganje 5lbfcbnitt

als ein willfürlid) jufammenge»ürfelteS Konglomerat erfdjeint. Siel beffer ift

tiefer 2lbfcbnitt »on ©ünt&er (»on ten Stropeu unt giguren, Cffen bei &. £>.

Säbefer 18'i1) unt »on 2llci;. Jtapp (Anleitung jur teutfd)en Dletcfunft in ten

oberen Klaffen ter ©ömnapen. ÜBerlin 1848. SBcrlag oon StefmaruS. S. 96 :c.)

bebantclt »orben.

ßöbenSmertf) ift e§, tafj ter Sßerf. gu tiefem 9lbfd)nitt gablrcichc 23cifpiefe auö

flaffifcbcn Sdjriftfteflero tbeilS uachgcwicfcn, tbeilS wörtlich angeführt bat, aber roir

finten cö einfeitig, bafj er fid) letiglicb auf grledjtfdje unt römifebe Tutoren befebreinft,

unt unfere »aterlänbtfdje Literatur gan» aufjer 2ld)t gelaffen bat. — 3m ©angen

ift baä S?ud> wegen einer gewiffen SBofljränbigreft in ter Slngabe ter alten termini

teebnici unt wegen ter fortmäbrcnten 5Ber»eifnng auf tie fiaffifdjen Duellen »ob,!

ju empfehlen.

Dr. Kleiber.

granjöftfcfted Sefebucf) für bie obern (Stoffen ber ©mnnaften, dltaU

faulen unb äfynlicfycr Slnftalten. t8 : „ten Sdn'ilcr in tie Äenntniffe *»e8 San«

te8 unt ä5olfeö, teß Kb^araftert unt ter bitten, ter (Sefd)id)te unt Literatur ein*

jufübren," mit ter fpecietlen Soradierleriiinig auf eine angemeffene SBeife oerbintet.

Wag auel) bie unt ta ein fdioneä unt jwetfmäfjigeG Stücf oermifit werten, welrbeö

tem Herausgeber oielleidjt ju befannt fdjien, fo lallt fieb, bagegen nid)t fageu, ee

fei ein Stürf aufgenommen, wekbes bem £ßäbagogen ein 9lafenrümpfen abnötbigte:

bödjftenö bürfte ter nidjt mufterbafte Slufljua auä o- 3- Mouffeau: la conscience

turd) ein antered erfeljt werten, intern ter jweite, tem grämlid)en Sinne tee SJerf.

entfvnungenc Sbeil in feiner Raffung et»afl uufieuntlid) fliugt unt leicht mi§oer«

ftanten werten föimte. — 5Tie gewäblte Iviutbeilung nad) Wattungen geftattet tem

üebrer nad) feinem ©etürfniffen unt bem oorwiegenben Jireefe eine beliebige ©enu^ung,

unb fo erfebeint ba$ ßefebudj als nid)t nur für tie 3ugenb anjiebenb unt lebrreid),

fonbern audj alä oorjUgSweife baju geeignet, neben ben' SRemorirübungen , narb

.cbörißcr Sßräparatiou in tie fremte Spraye jiirücfjuüberfefoen, eine Hebung,


SBcurtbeifungen unb furjc ?(n$eigen. 101

welche fein 2ehrer, bem bie ge^rgeit bo|tt geboten tjr, verfäumen foHte, mbem b


Programmen fd)au.

#. 903. Dftcrtt>atb, Sroetn, ein fclttfcfyer griiljlmgegott. Sin

33ntrag jur comparatfoen s )3h;t£)ologie. Programm tcö ®r;m*

nafiumS ju üflßerfeburg, Dftcrn 1853.

£Mc SBfetjanblung , eingeführt burd) eine poetifdie ©irmung an San -Karte,

unternimmt, oon tcr Anficht auflgefcenb, ta§ alle 4?eft>enfage urfprünglidj ©ötter*

fage fei, in fem 3 "? c t u &artraann8 von Ter Aue ric Abfdiwädung eines uralten

9caturnivthus nacbjuwcifcn. golgenbeS finr ric Otcfultatc.

Saubine ift rie fdjöne Srbgßttin, t>ic »är)renb res ©intern in tcr Unterwelt

weilt mir im ftrübjabr &om ütönen f^rüblingSgott buret) Ueberwinbung feinblidjer

SBinterbämonen erworben wirr. 2J« 2Bafo Srejttian ift ric Unterwelt; rie

Stnbe am Srunnen ift rer feltifdie SSclt; unr SebenSbaum, raö ©attertber ift

rem ©attertbore Ter #el cntfprcdicnb. Affalon ift r-er fmftrc SBinterbämon,

urfpriinfllidb, irentifcb mit 3 wein rem ©ontmergott; beirco eerfd)iebene SRanifefra*

tionen rer (finen SRatur. 2-unetc ift eine frcunrlidie Bict)tgötttn (Sroetn Der*

mutblid) nur rer 3Rai.) ©amein ift eine rem löcfcn 3wetn3 nahe oerwanfct«

freunrlicbe SRaturgottljeft. SaubinenS Sting ift ^eiä)tn unD Snbegriff reo reichen

Scgcuä, womit ric febine (Irbgöttin ihren ©cmabl ben fJfrütjlingSgott befdjenft.

3wein wirr wahnfinnig nur junt wilben fdjwarjen Söalrmeufcben : rie im ftntbling

freunrlicbe SRarur legt im SBfnter ein finftercS abfdjrecfenbeS ©eroanb an. Sroein

fällt in tiefen ©rJjiaf: rer SSinterfrblaf reS ^rnblingögctteö, au8 fccin eine befreurü

rete ©ottbeit, rie ihm pgleicb rie Mittel jur SSMercrberftcllung gieht, ihn erweeft.

JMeiJ ift rie gfran von 9carifou, von Saubine niebt mcfentlid) verfd)icren. ©er

2>racb,e ift ein feinblicber 9taturbänton, ber Söwe ift urfprünglicb ibentifdj mit

3»ein. ©er 9tiefe #ar»in ift wierer rie wilre unbänbige SBinternotur, rie Familie

bc§ Burgherrn beftebt auö frcunblidjen ?icbtgottbciten. ©er Strudjfefj ift wierer

rer febwarje [Ritter. 2)ie löcbter bcö ©rafen vom frbwarjen SDortt ftnr nicht

recht ju beftimmen. £ie beiren [Riefen finb winterliche SDämonen, rie rreibunrert

Arbeiterinnen ftnr rie währenr bee Sintert unter rer 6rbe ftill fchaffenren Gräfte

rer Aatur (guafetdr) rie läge reä JabrefO- ©ie locbter reo alten DJitterö ift eine

uhöne Srbgöttm. ©ctjiiejjlidj ift auch, Artuä ein grübjingegott, ©inover itU

lurifche ©ottbeit.

(sine eigentliche SBeurtt)eiiung ber Arbeit erforrert ohjte Skrgteicb mehr [Raum,

als ihn ric Spalten einer ßeitfebrift barbieten, ©enn jene müßte, wie cS ric 2tr=

beit thut, fämmtlid)e bisher errungene ötefultate rer comparativen Sh'thologie in

ihren itreie jiet)n. Soviel aber fann gefügt werben: SBenn auö rer Aebnlichfeit

eine? ftactumS mit einem anbern in rer SBeife gefcbloffen wirr, ra§ man rie Se;

reutung, weld;e ra^ (vine vielleicht hat, rem Änbern mit iöeftimmtbeit unterlegt;

wenn man, um einem factum einen Sinn beilegen ju fönnen, ju rem ein 9)?o=

ment rer (Frjdt)lung pa§t, ficb mit rer (srflärung begnügt, rie übrigen Momente

müßten „alfo" urfprünglid^ fo unb fo gelautet haben ; wenn ba^, Waö auf ber erften

Seite SSermutbung war, auf ber jweiten als allein ausreichenber SeroeiSgrunb tcv

ftct)t: bann läfU ficb, 3lllcö, aber fdjlccfjterringö 2lllc3 beweifen.


*P r o a i' a in m c n cf>

f a u 103

Dr. Sittler, 33emerfunq,cn unb 3»f^t^c ju ben Schriften von

©rimm nnt) (Steintbal über ben Urfpruna, ber (Sprache. *ßro*«

granun bcö föntgl. ©tyinnafuunS jn 93rieg. Dftern 1853.

*Wafbrcm bcr SScrfaffer bie ?(nficbtcn bet beiben genannten ft-orfdier in furjcr,

bis auf Sinjefneö flarer Seife bargefteflt bat, übernimmt er bie SBiberlegung fo«

ivobl ber Steintbal'feben Jbeoric einc$ überiuenfd)licbcn llrfpnmgS ber Sprache,

a(0 aueb Ter ©rimm'fcben, bafj bie Spraye ein ißrobuef Per mciifdilicben Freiheit fei.

Steiutbal, benterft er, getje au$ oon einer urfpriinglieben SSerfcbiebenbeit Ter

Sprachen , riefe ober fei niebt oorbanben ; fonbern urfprü nglicb fei bnS Sautbilb

ein rein meebonifeber, notbmenbiger SReflej Ter Sfofcbanung; bie Stnfdbauungen feien

Sßrobucte ber SBabrucbmuugen, bei allen ÜJicnfebcn nad) gleiten ©efefeen gewonnen;

fo feien renn bie Sifant&über für gleidj« Slnfcijauungen urfprünglidj bei allen SDlen«

(eben glcicb; niebt Sßrobucte Ter menfcbjidjen /yreibeit, »vic ©rimm meine, fonbern

einer iRaturnot&roenbigfeit. 5t 11 c Santbüber ßnb Silber einer angefebauten S£b,dtig*

feit. SDaber fanu es niebt oon Anfang an §wei i'lrtcu bcrfelbcu geben, fonbern

ber gcivölmlicb angenommene Untertrieb von Eßronominats unb 23erbalwurjetn mu{t

fallen, inbem jene auf riefe jurücfgcfübit »erben. 'Den SSerfudj baju maebt ber

SSerfaffer mit ber SBurgef ber erftcu fßerfon. Die üBcrfcbicbcnbcit Ter ©praeben

entftebt erft, wenn bie Sautbifber unter bie .frerrfdjaft reo ©eifteä getreten finb,

bie fßeriobe ber ©pr ad) feböpfung in bie beö ©pradjbaueä übergegangen finb.

Slgglutinirenbe iunb flectirenbe Sonnten finb niebt fpeeiftfd) oerfcbjeben, fonbern

nur »erfdjiebehe (SntwicffangSfhifen beö SßrojeffeS.

yäfjt fiel) nun gegen bie ganje ?lbbanblung einwenben, baf? ©teint^al in ber

2bat nid)t ben Urfprung ber Spradie auö bem äJcenfdjen f)crau3 in ben

„geoffenbarten" ©ott, fottbern in bie 3 ben ti tat be# mcnfeblicben unb göttlieben

©etjteS gefegt, bafj ©rimm M$ organifebe, in ber SRatur begrünbete (fntftcben

bej ßautbilbeä niebt geiäugnet bat : bafj ferner bie Untcrfudnmg fefneäwegS burcfjweg

mit tabeflofer ©niublicbfcit geführt, nod) bie .'Kefuttate immer 511 fc^Iagenber Ivribenj

gcbnntt finb, fo mu§ bod) anerfannt werben, baf) ber Sßerfaj|er mit glciü unb

(vinfidit gearbeitet, mancbeS SReue unb ber 23end)tung Sertbc aufgefteflt, nament*

lieb mehrere bk-ber 511 wenig bcrucffid)tigte fragen hervorgehoben bat. 2Bir fteben

bober nid)t an, bie Arbeit, als einen fd;äj}cn*wertbcn Seitrag §ur l'öfung ber

febwierigften fragen ber Sprad)wiffenfc()aft, mit greuben 511 begrüben.

lieber (Sdjiflcr'ö X>on @arlo6, vom Dbcrlcftrer 21 ug. Otto. ^3ro*

granun beö föntgl. fatljol. ©mnnaftiunö ju 9ieifje. 1853.

»Der SSerf. bemübt fid), bie Wrgebniffe böbercr biftorifeber ftorfdmngcn aueb für

größere Äreife nujjbar ju maeben. Sr bat beöbalb alle 9iadirid)ten über SDon

EarloS' ?eben unb ßbarafter )nfammengefleQt, um nae^juweifen, in wieweit Sebifler

fid) in feinem ©rama pou ber ©efebiebte entfernt babe. (vr bat ^u bem 3wecfe

bie SSerfe von Cabrera de Cordova, Lorenzo van der Hamen, Estrada unb

Llorente ereerpirt, befprid)t bann bie Sebrift be>3 Abbe St. Real „Don Carlos

nouvelle historique," tabclt bie falfcbe SDarjteDung ber ©efdjidjte bei* J)on EarloS

in maueben V'ebrbüdiern, unb erörtert julej(t mit fteter S3ejie^ung auf bie Sßoetif

bcö SSrifroteleS unb ÜJefüngö Dramaturgie bie ??rage, in mie weit unb ju welcbem

3wecfe es bem Siebter erlaubt fei, von ber bifton'Kbcn 'Babrbeit abjttW'eic&en.

Die Scbrift ift lefeuewertl), unb wirb vielen ßefyrern ber beutfetjen Siteratur«

gefd;id)te willfommen fein.

Dr. Kleiber.


104 $p r ogra turnen fcb au.

De Druidibus commentatio, quam ad cxamcn publicum scholae

Dorotheopolitanae scripsit Dr. Lud. Herrig, professor.

Berolini 1853.

2öic bei ben ©afliern tvaren gur ;{cit bet römifchen (Eroberung auch in Bris

tanuien poetifche Solföaefänge febr beliebt, nnb wir bcfiijcu in bemjenigen , wad

tute ric SDtuiben fainterlaffen haben, eine 2lrt von poetifebet ©efebiebte bei .Kriege

nur .vcltcuthatcn ibvev Bölfer, ivelclie »on nicht geringem Snterefjpc iji. Der SBetf,

oorlfegenbtr iHbbanfluug febilbett in in (Einleitung (Quaedam praefatiouis loco

praemittuntur), naebtem et Ten Segriff tc« SDruibiftmuS erläutert bat, Ten iSertb

Derjenigen Cuctlcu, weiche an* tem claffifeben Sllteftbume jieb über tae Druitens

tluim DorpnDen, Weift ferner auf tat bctcutcntcn Untcrfcbiet bin, welcher jwifeben

Pen gallifebat mit britifeben ©ruiben ftattfanb, nnb leitet bann bie ?liifnicrffamfeit

feiner ßefer auf bie Nachrichten, welche in rem ftürftentbume SBaleö erft in leijter

3eit über bie britifeben D nuten aufgefunden unb bcnujjt morben finb. Die vers

febictenartige Benujjung tafelben wirb hierauf fnrj cbaraftcrifirt, hup c* fnüpft

fiel) baran bie Behauptung, roclebe bie 9lbbanblung 511 begrünten fiubt, tan fiel)

bei ben britifebeu Druitcn, int Wegenfalje 51t ben gallifcbcn, bie alte Sehr« jiemiid)

rein erhalten habe, unb bafj bie Bcrfüntigcr berfelhen fortmäbvatb an bie Patriarchen

im 3tlten Stejtamente erinnere, bafj eä ein Unrecht fei, wenn man ihnen alle Tic

böfen Sitten unb abergläubifdjen (Gebräuche gur Saft legen »oBe, weldie int alten

Britannien gang unb gäbe tvaren, bie aber niebt etroa burd) ben (vinfluü ber

Druitcn erft hervorgerufen tvaren, fonbern vielmehr unbeachtet ihre* vielfachen Söts

berfprucbeä leiber nur 51t (ange fortgetauert hätten.

Ter folgenbe SHbfcfinitt ber 9lbbautlung ftellt bafi SSefen tes Druibcntbum*

unb SBarbentbumS bar unb liefert juglcicb eine fürje ©cfdiid)tc tes ganjtii 3nftitut6,

in welcher bie altflaffifdictt unb feltifcben üftachtiebten neben cinantcrgcftcfit werben,

unb über bie üntjlebung, tfutwirflung unb innere Einrichtung tc* Drbenö Sluffcbjtiü

gegeben tvirb.

Der rritte £f)eif (De Draidam religionibus) verbreitete fich bann ausführlich

über bie religiöfen ©runtfätje ber Druitcn unb enthalt eine Slngabl oon groben

tiefer fumrifeben Rheologie im Originale mit gegenüberftebenber llcbcrfcjjting, bie

vielleid)t nicht ohne alle* Sntereffe fein türften. ^um Sdjfuffe enblid) fcbilbcrt

bie 2lblmntlung tas Berbältniü, in welchem tiefe attbritifdje Druitenlcbrc jit bau

(sbriftentbume ftanb, wie ftc eigentlich nid>t* enthalte, roaä bem (Seangefio entfdjies

ben cntgegcngcfcjjt fei, unb wie fiel) teebalb bie britifeben •ftciligtb / ümer Per Druitcn

febr balb in' Orte chriftücher Berehjung umgcftalten mußten.

Notes and queries on the Ormulum, by Dr. Mo nicke. *ßrogr,

ber ^anrjel6*2ef)ranftait ju Seipjig, 1853.

Bei ber Sichtigfeit, lveldte bie Äenntnijj tee Slngclfächfifchcn für eine tiefere

Sluffaffung ber englifcben Sprache unb befonter* ber ©rammatif bat, ift es erfreu;

lieh, wenn ftch Banner, tvie ber Berf. obiger Slbbanblung, baju herbeiiaffeu, eins

gclnc fruchte bifrotifeb«gfammatifä)et ©tubien tbcilö jur Belehrung, tbcils jitr_?lits

regung ihren etrebegenoffen mitjtitheilen. Bcfanutlicb heften tvir eine treffliebe

2luegabe beS Ormulum von Dr. 5!)Jcaboivg Sohlte , welche nur rücffid)tlid) bc$

©lof|ariuni8 nid;t gatij beliebigen fonnte, inbem fidj in bemfelben ein gewiffed

©cbwanfen in ber (Etymologie bemerfbar ntaefat -löerr SHonicte hat nun unter bem

höchft bcfchciPenen litel feiner 2lbhanbluug eine Oleihc ber beacbtenöwerthe|ten Be;

merfungen über bie Sprache beö Ormulum jufamntengeftellt, auf weld;e wir bie

?;-reiiiip"e eine* hiftorifch-grammatifdien Stubiumfl ber englifdjen Sprache bringenb

aufnterffam machen; wir erhalten hier natürlich feine vollftänbigc ©rammatif, aber

tennodi eine (vinfidit in bie wichtigften (vigcnthümlichfeiten tiefe* Dialectce unb es

wirb baturd) jttgleid; ein heüeö yid)t auf viele eiitjclnc Xbeile ter englifchen Stnts


^n feinen unb böcbft beachtend

wertheu Bcntcrfungen, auf weld)c Otef. bei einer anberen ©elegcntjcit mit Vergnügen

gurücffommen wirb.

lieber bie 93eftrcbuncien um SBeqrünbung einer UnitterfaUitcratur, tion

Dr. Dtto. $rogr. beö ©yinnajiumö in 33raun3bcrg, 1852.

£er Sßetf. bat feinen ©egenftanb als Stoff gu einer fteftrebe auf beS Jlönigä

©eburtStag gewählt unb nadj einer futjen Einleitung weift er barauf bin, wie fidj

au ben Warnen Atiebrich Wilbelm'S IV r

. univerfaUgeiftige, univcrfal=menfd)licbe Bc;

giebungen anfnüpfen, unb wenbet fich bann gur Beantwortung ber ftragc : SBaS ift

vca ben Beftrebungeit ber neueren Literatur in ihrer univerfalen Wicbtuug gu halten?

unb welche 9ln8ficbt ift vorbauben auf Bcnvirflidntng einer wahrhaften Unioerfal«

Literatur? £"cr Begriff einer foldjcn Weltliteratur, welche auS ber gegenfeitigen

9lnnäberung unb geiftigen SDurdirbringung ber Söffet hervorgeht unb biefe wieberttm

förbert, iit nicht neu. 2US btirch unb nach l'llcr.anbcr b. ©rofjen ber Orient bem

Cccibcnt |ub näherte, ba entfranb btirch bcllcnifcbe Svradjc unb Wiffcnfcbafr eine

Weltliteratur, boeb jte ftarh febr halb bahin, unb ber ©runb bafür war ttidit etwa

allein in beut äuüern SBerlauf ber Begebenheiten, nid)t in beut uotbwenbigeu SOabtni

fterben einer Blütbe nach Waturgcfcljcti, fonbetn vor allem in ber Wichtbefriebigung

beS gangen antifen Stanbpunfteö gefunben, welcher auf bie kalter ber ^enfehheit

nicht genügen tonnte, „weil er bem erwarteten Bewuütfein ben ^rieben mit (Sott gu

bringen nicht im Stanbc war."

£ie fpätet tjirt^utretenren Slnficbten ber Orientalen, welchen alle Sbätigfeit unb

alles ©erben als gufäflig erfdiien unb betten bie (Srfenntnifj ber abfo litten Wich;

tigfeit unfereS Bebend bie böcbfte war, tonnte nidjt eben geeignet fein, bie Literatur

ju bem (s'haratter ber llniverfalität heranreifen ^u (äffen. 2^cr SBerf. fchilbert in

einigen SHnbeutungen bie alte 5BeIt*8ttetatut in ihrer Wichtigfeit unb ihrem verberb;

lieben (vinflnffe unb wenbet fieh fobann $u ber neueren Wationalliteratttr, nament;

lid) infofetn fic univerfale Sefirebüngen jeigt, um ihren 2Bertb ober Unmcrtb, in

böcbfter Bebeutitng, nebenbei aber auch ihr Berbältnif; ^ur alten ju erfennen. (vr

gefteht §U, tn$ bie neuere, befonberS bie beutfehe Literatur, einen mehr nationalen,

einen burdiattS umfaffenben (sharafter habe, unb motivirt biefeS febr ausführlich burd)

eine Betrachtung ber Bcrbienfte Herber's, Sd)ifler'S unb 65oetbc'S. Um inbeffen

ewige Gatter unb ©elrung gu haben, müüte bie Literatur nidbt bei ber Bereinigung

äufurer BolfStbümlid)feif fteben bleiben unb nicht auf bem Scheine von 3Renfd>en<

Weisheit beruhen, fonbetn auf ben tiefften unb ewig wahren ©tunblagen, aus

beneu allein bie Wahrheit unb baS £eil gu fchaffen ift, auf bem göttlid)cii SPtintip,


106 Sßrogrammcnfchau.

auf tcm (shriftenthutuc. 2Me Dietc ttntcrfudit tcSbalb näher, ob unfcrc Literatur

in il)rcn uniocrfalcn Bcftrcbungcn ^itrcf? tyoefie, ^bilofopbic mit 1

Jlritif ficf> auf

jenem ewigen Wuuitc alles SBtffenl mit ftorfebene entfaltet habe mit tarauf flehen

geblieben fei, mit ter 25erf. jcigt, ivte fte )\d) Dagegen wiffcntlicb nur uuwiffcntlicb

taten mehr oter weniger abgewentet t>nbc. 9)üt einer ilicibe oon »raftifeben SBrn*

fen verfnüpft fiel) Dann ter Muefprucb, tat) auf tic eigentliche $&f)t bei l'cbenc-an.-

fchauung nur eine llniverfallitcratur rubren fönnc, Tic anf tcm dniftlichcn .fcmna;

nieinus ruhe mit es wirt tic Hoffnung auBgefprodjen, tafi ter beutfdje Weift ta$u

berufen fei, rie 2öfung tiefer bödbftcn Aufgabe tev ^icnfcbbeit 511 vermitteln, wenn

tic 3 C " taju gcfoiumcn fein werte.

Die Erlernung ber franjöfifc^en Sprache; tton 2)irector 33rennecfc.

sproejr. bei 9icalfd)ule in (Solberg, 1853.

£cr SSerf. tiefer Schrift, welcher erft vor ganj furjer fyit tic JMrection ter

neugegrünoeten 9tcalfcbulc in Sßofen übernommen bat, liefert hier eine Dtcibc von

Betrachtungen unt (Erfahrungen, welche um fo beaebtunge-wertber erfebeinen, Da jtc

einem bewährten Schulmanne angehören nur einen Wegcnfiant bchanteln, über wel*

eben noch immer viel pro et contra gefäntpft »»tri». 'UMc 9lbbantlung tcS -£errn

Brennecfe jerfättt in '.i Ibeile uno fliegt juerfi tue Brrage 511 löfeu : 3)1 tic frans

äöfifebe Sprache ein 11 otbwentigcr ©egenfranb für höhere Rillen? 91 n tic

Beantwortung tiefer ftragc, wcldte ten eigentlichen «£aupttbcil ter gangen Schrift

ausmacht, fcbltcficii fieb taun fpätcr nur noch einige 9lntcutungcn über tic fem

lliitcrricbtc im ftran,$öfifchcn ju roitniente Stuntcujabl mit entlieh eine (Reibe von

apboriftifcbcu Bewertungen über tic beim Unterricht in ter franj. Sprache ju bc*

folgeilte ÜDictbotc.

Sachtem ter Bcrf. tic fttttiebe (Erhebung als tic wcfcntlicbe 9tufga6e unferer

Schulen biugcftcflt mit ten fo oft gentaditen (leiter aber noch immer nidjt genug

beachteten!) Borwurf auSgcfpiocbcu bat, tau auf unfern Schulen 311 viel gelehrt,

tic fehwaebe geiftige ilvaft ter Schüler überlatcn, laß ihre itrfprünglicbfcit unter

einem Sffiufi vvn gelehrtem ilram ertrücft mit überhaupt oiet ju früh angefangen

werte, — weift er auf tic 9iotbwenNgfcit bin, tie Stnjabl ter llnterricbtSgcgcn--

frönte auf ein richtiges SDiaaft utrücfjufiibrcn. SDiefe Betrachtung führt ihn tavauf

511 ter ftrage, i^b tie franj. ©»racbe eine innere Berechtigung habe, oter ob es

eine unabweisbare SRotbwentigfcit fei, fie all UntctTicbtSgcgeiiftant in unferen mitt*

leren mit hohem ficbratifraltcn beizubehalten, (*S Wertteil juerft tie Wrünte tafür

gcltcut gemacht. SDer Betfaffcr weift nach, tau bei ten ^ranjofen ter gute ©c;

fcbnmcf 311 .(\111fe fei mit taf} terfelbc BorjUgSwetfc in ihrer ©»räche ©eftalt ge>

Wonnen habe turd) eine gewählte 9tuötrucF6weife, jierlicbc ©entungen, turd) eine

funftgereebte mit fnnftoofle ^arftellung; taturd) fei tenu aitcb tie franj. Sptadic

tae '.HiK'bängcfdiilt ter Biltung mit ter fogenannten guten Srjiebung geworben

ihre llnircrfalität fei übrigenfi ein übcmninteiier ©tantpunft. (^3 licfjc fiel) nun

jwerr hiergegen äRan$eS einwenten; wir wollen un8 inteffeu gleich ju ten Wiüutcn

teo öerf. gegen tic (Erlernung ter franj. ©prad)e wenten, tic um fo erflärlicher

erfebeinen, wenn man betenft, Dafj |>r. B. über feinen früheren langjährigen SBobiu

ort Golberg berichten fonutc (S. 13.) „Ücicmant lieft (hier) franjöftfcb, SRtentano

fpviebt franjöftfch; cö gebort gcwifi ju ten grofjen Seltenheiten, irgentwo antcrö

alö bei einem &ebrer ein einjigefi fraujöfifcheö Buch aufzutreiben!"

S)ic Sdjwierigfcitcn ter franjöfifdjen Sprache, fo behauptet -bx. B. , feien

nur phrafeologifeber 9catnv ; intcni tiefelbeu nun aber erft ta anfingen, wo ter

Schulunterricht längft aufgebort habe, fo fönttc man in ter Sdjwicrigfeit, weiche

tie Sprache teilt Scrucntcn mache, feinen ©rmit für tie Hufwenoung von straft

unt 3"t finten, welche tcrfelben in ten Schulen gewinnet werte. Mief, bat fieb

gewuntert, folchen Borwurf von einem SKanne ju vernehnicn, ter, wie man ta8

tenn toch annebmen iuufj, tüchtig fraujöftfch verftel;t. ©enn folebe 9ln|lchten von


$p r og ra muten fcb au. 107

?cutcn anögefprodjCT werben, beren Jtenntnifj ber franj. ©prat&e uiebt eben gar

gu tief gebt, inrem fie bei ber frü&tt faft auf allen ©Umnafien bödift evbcivmlicben

Sebartbfung biefefl UntcrriditsgmeigeS auf ber Sdutle faft nicbtä lernten unb fpdtetc

höcbftens gü ihrem Vergnügen Singelneö lafen, ober viefleiebt gar gu irgenfc welchem

vraftifeben ^lvetfc von einem granjofen fieb cinbctjcn liefKii, ber vielleicht aud) nid)t

im c t mehr als baS Ißarliren verfraub : bann, ja bann ift es" nu|foS, irgenfc etwas gegen

ric fouveräne Seradjrung einjuwenben, mit welcher fie von ber £öbe ihrer Stiftung

auf eine ic armfelige Sprache bernnterbliefen.

s

?iadi ihnen fann eigentlich ^eb er

int Aranjöiil'chcn unterrichten , beim fie haben ja Bon ben wirflieb, ungeheuren

Säjwtertgfeiten ber Sprache audj nicht Tic Irifcfte Ahnung unb fie fprcdien bemnadj

wie He Slinben »on rer gfarbe. Sä wäre tbövict>t , foleber Albernheit, unb gumal

wenn fie, wie biefeS meifrenfl Ter gfafl ift, mit Jöocbiuutb auftritt, etwaä gu entgegnen.

SBk aber ein SWann wie .*>r. 35. behaupten fann, bafj bie frang. ©pradje feine eigentlichen

grammatifchen Schmierigfeiten biete, bas" begreife »er es wolle. JMc Sache

bebarf — wenigjrenö an biefem Orte — feiner SBibertegung ; fo(lte_ fie inbeffen

ocinanb für tut vielleicht münfebeu, i^ venveifen wir ihn auf bie treffliche Schrift

K. $aufdjilb ,

8 in Seidig : „Tic

SilbungSelemente in ben neueren sprachen."

SlnbererfeitS fdu'iiit eS auch unerflärlicb, wie £r. 33. ben 3ufafe madien fann, tt$

bie pbrafcologifeben Schwierigfeiten erft nach ber Schulzeit in Betracht feinten, —

SRef. fann, fich menigftens feinen nur einigermaßen befriebigenben Scbuluntcrricbt in

ber franj. Sprache vorfteflett, bei welchem jene gang ausgcfdiloffen waren.

(Vitien anberen ®runb gegen bie (Erlernung ber franj. Spracbe in unfern

Schulen finbet ber SBerf. in bem (s'barafter ber jfrangofen, in welchem er nur bie

SaterfanbSliebe gu loben finbet. SRit größerer SRilbe befpriebt er ben cigcntbünilu

eben iBertb ber frottj. Literatur unb heweif't burch eine fchr ins Singeine gebenbe

SDttrfteflung, baß fte NirdnutS ttidit arm fei an ©ciftcStvcrfen, „bie ewig als" 3Ru«

fter eines guten ©cfcbiuatfs itnangctaftet fich behaupten werten," unb er erfennt

es rübmenf an, bajj fein 2k» If eineri großem ?lntbeil au Ter SBiebergelmrt ber

SBiffenfäjafien gehabt habe, als bas frangöjifcbe. JRtemanb wirb bagegen ber Anficht

beS SSerf. Wtberfpredjen, baß viele franj. Büd)er aud) unfäglidjeö Unheil in ber

Seit geftiftet haben, golgt nun aber barauS, bap man bie gange franj. Literatur

als mcrtbloS verwerfen muffe, barf man baraus Ten Sdiluj} gieben, fie biete fein

Jlequiüalent für Die mi bie Erlernung ber Spracbe verwenbete 9?t übe V Solche

Behauptung, rie .-lief- auch nur aud bem SRunbe von Beuten gehört hat, bie g. 23.

uber ba§ frang. Trama nichts weiter wiffen, als was Scfjing barüber gefagt bat,

fdieut fich ber 4>err üBerf. aflerbingö birect auSgufpredjen , aber fte liegt boeb eigent;

lieb niebr oter weniger feiner gangen SDarffcflung gu 65runbe.

Schließlich liefert bie Abhanrlung noeb als 9Jacblcfc gu ben vorhergeheuben

Betrachtungen eine ^Beantwortung ber Jvrage, welche Nationalität man neben ober

mit Ter reutfehen unferer CM'gciir als äRujierbifb vorjuhalten habe, bie englifebe

ober franjöfifche. ITie wirf lieh fchr intereffante AitSeinanberfefeung, in wclcber

fich eine woblbcghinbetc Vorliebe beS 3krf. für bas cnglifdic S8oIf unb englifdje

üitte atisfvricht, liefert ein glänjenbes ßeuguift für bie Biveefmäf'igfcit jener SDtaa§*

regel, ber cnglifcheu Spracbe mehr nur mehr (viugang in unfern Schulen gu Der*

fdjaffen ; baß inbeffen hieraus, wie aueb au8 ben übrigen aufgeteilten ©rünreit eine

Aöthigung folge, bas Js'ranjönfebc aus unfern höheren Sdnilcn völlig gu entfernen,

muß [Ref. mit aller (fntfd)iebcuhcit verneinen uut< er gweifelt nicht baran, ^^ ibm

bie wirf liehen .Renner ber frang. -Spradje barin beipflichten werben.

Uebcr Urfprung unb $ort6i(t>ung ber franjöftfc^cn S^racljc von Dr.

^euefer. ^rogr. ber 9{ea(fd)u(e in S3rcölau, 1853.

2Me vorliegcnbe Schrift, welche ben Urfrmtng unb bie fortfdjreitenbe Sntwf*

efelttng lex frang. Svraebe hehanbelt, macht hei bem ihr vergönnten engen Staunte

natürlich feinen Anfprucb barauf, in erfd;övfenbcr SBcife bie verfdnebenartigen (Sie;


108 Sprojjrammeufc&rtU.

nicntc flu prüfen, welche bei tcr BUbung ber franj. Sprache ibren (Sinflufi

1

^ettent

gemacht haben. Tic Nbbancluna, ift iMclincbr ein turggefafjteä (Refultat gtünblichet

itiiricn, in populär«! SBeife targcftcllt, mir tcr 93rrf. bat tu Schrift fei*

uen Schülern auf ber pberften Vrbvfrufc gewinnet, um ihnen in anfprccbcnbcr unb

paffenber ftorm ein wirflieb anfd;aulicbcc- '-ttilt bes »tätigen Wegcnftantcs rcr.uu

fübten. St unterfnjeibet 5 (Elemente, welche entfebicten auf ric Bilbung tcr fron}.

Sprache eingenritft haben: 1) baä feltifcbc pber gälifchc, 2) bae baSfifdje, 3) bod

griccbifcbc, i) bafl latciniühc nnb 5) bafl beutfebe. £ic 9lbbam-hiHj\ verfällt femit

in 5 Slbfcbuittc nnb in jerem tcrfclbcn wirb juerfl ric betreffende SBölferfdjaft in

finden ober fdiarfen Umriffcn eborafterifirt nnb bann gegeigt, wie fiel) in tiefer

fibaraftetfcbilbttung mehr ober weniger auch rer heutige ftranjefe roiebererfennen

[äffe ; fobann folgt an einzelnen Söttern eine etwmologifdje SDarlegung tcr ?lrt nnb

SBeife, in welcher fxe in tag ^raiijöfifdje aufgenommen unb umgestaltet »orten,

uiib an riefe SPtufung fiutpft fich eine nicht uiiintereffante fürje Aufführung von

SluSbrücfen ber betreffenten Sprache, wcld)e auf tcmfclben SSege in ras ftran*

jöftfdje Eingang fanten. 3uiu Scbluffc wirb uodj betraut aufmerffam gemacht,

?ü\l taä §ran$. wie fehen früher, fo befonberä in ber neueften 3eit eine gto§e

9)icnge bon Wörtern auö ben 9iacbbarfpracbcn entlehnt bat, nnb ber SSetf. begleitet

tiefe Angabe mit einer 3ufammenjjtefluug beadjtungSwert&et Belege, ^ie febr genaue

Slngabe ber vielen Itterarifdjen Hilfsmittel, welche bei einem anintlicbcn

Stutuim* tiefes ®egenftanbeä ju benutzen ftnb, bütft« manchem S^cfcr ber abkante

hing eine ganj befouterS willfcmmenc ^ugabe fein.


JKtftCfllm.

I. Veffttta unb üutrjer.

@$Iofjer bat ßefftng, l'ntber tuit* 3. $. SBofj in 3?cjiebung auf ©ciftcdfrcibeit

unb proteftantifdic Ucbcr$ciigungdtrcuc jufamniengeftcllt. „SSo teffing unr l'utbcr,

ta mirb an* fein Staue genannt werten." Jn 33ejiebung auf SSofj iji Med über;

trieben. 9cicht mit Unrecht fagt 31. 2$. Schlegel (fntif'cbc gdjritten II, 112):

„95oH pricö Mc ÜRitoe mit Sitterfeit, rie SDulbung mit SBerfofaungSeifer, ben SBefts

bürgerfinn wie ein itfeinftäbter , tic SDenffreifjeit, wie ein ©efängnifjwärter, bie

fünftlerifcbe unb gcfelligc SBilDung ber ©rieben, wie ein norbifchcr Barbar." 3bm

fehlte burrbaud ber großartige, nniverfefle Stanbounft Seffingö, ber f. j. f. in alle

-Sattel geredit mar, jerer ©eiftcdricbtnng ihr Siecht wiberfabren licjj unb »on feiner

SBarte berab bie geiftigen .Kämpfe feiner ^cit ortnete unb leitete. SDajU mar SBojj

von aüer religiöfcn unb poctifdjen Stiefe weit entfernt. IStwad JöanDmcrfdiuänigcd

baftet an ollen feineu SEkrfen. (5r fennte nid)t, wie ©ötbe, eine ibeale 2Belt and

rem Oiichtd hervorzaubern , es- rennte fie nicht, mie Schiller unt Befjtng, erobern,

er tonnte nur banbwerfdmäfjig feine enge Söelt zimmern unb audbeffern. (Vr

malte nur „Me gemeine SDcutu'd;r"cit ter »Dinge", obne „ben golbenen SDuft ber

9)iorgenrötbe". — „(Sine erregbare SPbantafie, großartige ^been, ein beider ^uld=

fcblag ber (ymoftnbungcn , Scbarfblicf in Söclt unb Sehen, alle tiefe Singe futbet

man nid)t bei &ofj". (Siterar. ßbaraftcriftifen unb jtritifen von .ft. Scbivcncf

S. 155.) (vr hält ald Sßoet unb $bilofopb ben febmacbeu Stab bed 9lationaK8*

mild, rb oy.rjnroov , to fiev ovtcots (pvXla y.al ö£«s yvoei. (II. 1, 234.)

Scfyon fein äufjered Sieben bietet burebnuö liiert bie intcreffante Slbwcdjdlung bar,

wie Butberö unb Seffingö Sehen.

* *

*

Sutljer unb Seffing bagegen fortern »on felbft jur 2krglcicbting auf. Sine folche

bat ©cl^er in feiner ©efebiebte ber bentfdjen Siationallitcratur vom fittlidVrcligiöfen

Stanbvunfte I, 2f>0. revfuebt. ©cljcr fagt: „Seffing ift mit Stitbcr nur in £in*

ficht auf ben 9)iutb, nid)t in £inficbt auf bie Üeberjeuguna zu vergleichen, ßutber

,»roteftirte gegen eine leichtfertige 93ufjbanb(ung bec* ©civiffcnd, Seffing gegen bie

Itntcrbrücfung ber freien Prüfung.

Sutfjet hanbelte im Sntereff« ber Religion, bie ihm ein rein ^nnerlidjcd mar,

eine 2lngelegcnbeit ber Seele.

Stamm verwarf er jcbe jwifdjen ©ott unb ben 93k nfdien tretenbe irbifebe

2lutorität. £cr Inhalt bed ©laubcud mar ihm unantaftbar. Öeffiuae SBegeifrerung

galt ber freien SSiffenfdjaftj riefe wollte er ebenfo febr ald unvcrlcjjlicbcd Sigen*

tbum bed ©eifted gefebiitjt miffen, mie bie Religion als Sache bed ©ewiffenS;

ebenfo gut tonnte man ihm zufolge 8uft unb Sonncnlidjt Dem SRenfehen verbieten,

ald freien äkruunftgcbraucb. (sin äußerlich erjwnngener triebe jwifeben SSernunft

unb OJcligion, (vrfennen unb ©lauben, ©efebichte unb- Offenbarung mar ibjn ein

©rcuel."

liefe 3tuffaffung bat ihre SSabrbeit, ift aber burdiaud nicht erfdiövffitb. 931an

fann bie parallele ^wifeben l'utbcr unb 1'effing viel weitet audbebiien, unb Da niebtd

geeigneter ift, einen 93Jann in feinen (Jigentbiinitidifeitcii hervortreten ju (äffen,

ald bie ^arallclifirung mit einem aubern febon befaunteii Sölann von venvaiibtem


110 9W id cell cn.

©cift unb Gbaraftcr, fo bürfte eine fotdjc parallele gwifdjen unfern gwei gelben

befonters in Schulen fruebtbringent fein, ajcrfudjcn mir nun, einige 3üge gu*

fammengufteflen.

Seite finb SRdnner tes Solfs, aus bem Solf beroorgcgana.cn. haben für tae

gange Soll «wirft. üluch Seffingfl üMrffamfcit femmt fem SRittelfranb unt ber

unteren SolWflafie wenigftens mittelbar gu ©utc. 2lntcrcrfeits gilt Schillers

„fein Slugufrifcr) Kiter blökte" u. f. ». and) von ber t>cutfd)cn [Reformation,

namentlich wenn mir tiefe mit ter englifeben vergleichen, i'utbcr nabnt gu ben

fäd;fifd)cn dürften eine ähnliche Stellung ein, rrie ©ötbe gu ilarl 9(uguit.

SSeibe b>iben fiel) ihre geifrige Freiheit, ibre beteutente Stellung erobert. —

Damit bangt gufammen tie i'lbmccbslung in ibrer dufteren Sage, ter SBccbfel tes

!h>ohnfi|$cS. SDocb, tritt tiefe äufjere Unruhe bei Ücffing meit florier tjeroor, nlö

bei l'utber.

Seite fint nidjt troefene Stubengelehrte, fenbern bem friferjen Sehen guge«

manbt. Butler oerftebt SDluftf, bietet, ift heiterer ©cfcflfcfaaftcv, §ävtlid;er ftanuliciu

oater; Befftng lernt reiten, festen, fangen, gebt gu £auengicn.

Sefflng jofl Shcologie fttitinn uns fhtbirt bafur $Pr>i(ofopr)ie unb Literatur;

X'utl)er füll [Rcdjtsgelcbrj'amfcit ffutiren unb mirt 2beolog.

Seite fint Sacbfcn, 9corttcutfd)e. Dies ift nicht obne Seteuttmg. _23ir

'

baben bier nicht im Sinn, uns auf tie oielhcfprocf;ene 3' l iia c über ten llnterfdiicb

,

gwifeben 9lorts unb Süttcutfcblan? etngulafjen. „(vbrenroertbc Stamme fint fie

alle." Snbeffen febeint Seurmann in feiner Schrift: Dcittfdiiaut mit rie 3>entfd>en,

I. Sant, Einleitung, mag er auch, als ftranffurter tie Süttcutfchen im (Sangen

gu boeb fleflen, bodj tarin Ölccbt gu haben, bajj er tem Sorben oor allen Dingen

Die fritifd)*reformirenbe ütbätfgfeit gufdjreibt. Scfonters anfebaulieb wirt tiefes

Scrbältniü turd) tie Sinwiriung Reiters auf ©ötljc in Strasburg, reo Prophet

unt äReffiaS gufammentrafen.

Seite fint [Reformatoren, freilich ift Sutber [Reformator »orgugöroeife auf

bem ©cbiet ter [Religion, Sefitng auf tem ter fchbnen Literatur; aber Luther auch

auf bem ter Sprache unt SJJoejte unb tarum mangebent für tie (Sntmicfliuig ter

Spraye unb Literatur überhaupt, fo roie üeffmg auch, in ter Ideologie fritifd;

reformirent auftritt.

Seite fint in religiöfer nnb poettfdjcr Jpinficht reich begabte Staturen. Crren*

bar mar fieffing gu befeuerten, wenn er fagte, er fei fein Dichter. Scrgl. Schäfer,

£anbbudj ter ©efebiebte ter teutfehen ßiteratur II, 212. l'utber war," wenn auch

nicht eigentlicher Dichter, fo toeb, in feinem gangen 53efen von terber, unmtttel*

barer Statur* unb SSolfSpoefre turebtrungen.

lieber SeffingS Dtcligiofität ocrgl. Sdtäfcr a. a. O. Sei aller ßerftreutheit

unb Unruhe feines £buns blieb er ficr> ftets in ber Jiefc feines Snnern tes (Sen=

truins bewußt, hielt fieb in allen ©treitialeiten gemiffenbaft uiiparteiifd) , verachtete

tie tamalige Slufflärcrci unt fReligion8|pörter«i, erhielt fub tas dbrifteuthum , je

mutwilliger es wintere gani gu Sotcn treten wollten, wenigftens in feinem bergen

aufrecht unt ftefltc in ter Schrift über tie ßrgie&UBg tes OJlcnfcbctigefcblcditeS eine

ebenfo troftreidje, als anfpornente l'lnficht über tas ßiel ter »JRcitfcbbeit auf.

Seite fchlagen bei ihrer [Reformation als ächte SDeutfche benfelbeu 2Beg ein.

Luther als religiöfer Reformator miQ niä)t umftürgen, ohne gugleich anfgubauen.

ifefttng in feinem ©ebiet hantelt äbulicb. Seite nehmen oielmebr poii ter Ser;

gangenheit fo oiel Saufteinc als möglich jum Sau ter ßufunft herüber. „Ser^

gangenheit mu§ uns tie ^iifunft grünten" war ihr Söablfprud;, freilid; nid;t im

Silin ter [Roinantif, ter wir tiefen 3lusfprucb oertanfen.

Seite haben taffclbe objeetioe fßrineip:

fiuther gebt oon tem trüben, rerfd)ütteten Srunncn teö Scholafticisinus aur

ben reinen, läutern Duell ter Religion in ter ©djrift uiriicf. ßeffing meift auf

Monier, ä;ophoflec>, ebaffpeare, alfo ebenfalls aufs llriprünglicbe, Ungetrübte

im ©egenfa| gu ter frangö|lfchen Serfüiiftelung unt Serfchnörfelung. — Sefftng,

tiefer fiibnc unt freie ©eift, legte tem Ülriftotclcs faft eine ebenfo grof-e Autorität

bei, wie Luther auf religiöfciu (gebiete ter Sibcl.


SRtßceUen. in

Seite baten taffelbc fubjeetioe Snncio:

ßuther bringt auf baö innere, tie ©cfinmtug, ten ©tauben, Seffing auf

natürliche Anlage, „Sceleuivärnic, 3RitteIpunft.


112 fDt ideellen.

gleich, fint>, wäbrcnb fic in Üiabrbeit entweber gan$ WH ''incn abfteben, ober nur

auf einen gewiffen (Brat tev Scrwanbtfdiaft i'lnfprucb machen Dürfen. SDie folgenbe

SL'iittheilung wirb fieb mit einer befonbem 2lrt von foleben ber Verführung aue--

gcfcjjten Serben befe&äftigen, nämlich mit Denjenigen aus >}3artifelconipofition ohne

^Nominal; Vermittlung (»ergi. verleiben ». 8eib, umringen o. Düng; f. ©öfcing-er

©ram. 1, 459) beroorgegangenen Serben, beren cigcntiid'cr Stamm gröÄtcntbcitd

Mird) (vntftellung, jum iljeil wegen Veraltung tem 9ccub»d;ib. unfcnntlitf) ge=

roorben ift.

(vm »fehlen unb befehlen, fdjon tureb, tie Konjugation unterfebieben »on

fehlen *>JJ t>D. vaelen, välen (f. ©rimm 9Wutt)ol. ©• 555); rt»cld>ee mit bem frong.

faillir, OU0 fem c$ geratest in'ö Deutfcfye übergegangen fein mag, auf tat. fallere

gurücfgufübjen ift, flammen urfprüiigtid) auä rem gotb. filhan = commendare,

f. ©rimm ©r. II, 33 nr. 337. »ergi. I 2 , 1009. Tcm (£om»of. anafilhan eiltfpricht

erft, imb »mar unter rem SBedjfel ber Sartifel, rag mittelb. enpbelhen;

f. ©rimm ©r. II, 809. 901 »ergi. Werfer ®r. 1, 161. ©ie für ttc Srajifl

e(nigerma§en auercicbcntc Bcmcrhmg, empfehlen ftebc ft. c u t fehlen , bedarf reo

biftorifdjjen 9laa)meife§, ra9 in beu mittelb. formen riefer Slrt t feiueewegs in p

afjtmilirt (wie im 9lbb. w i» nt), fonbern auegefallen ift; — »oburäj bie Ber;

ftärfung be* f in pf , bie inbeffeu nicht immer angetroffen wirb , untcrftüljt }u

fein fdjeint; f. ©raff \>lbb. Spracbfcb. III, 373. ©rimm ©r. I, 382. Ter unoor«

fiebtigen Vermutbung @ö|jingcrö (I, 738), empfehlen fei une ent befehlen ober

anbefehlen gufammrngegogen, wirb baburd) binreiebenb mibcrfprocben. 3u befehlen

93ibb. befe'lben 2lhb. bivelhan, urfprüngiid) »on empfelhen Wenig untcrfcbictcn,

bat Der fpäterc ©ebraueb Den Begriff »on jubere hineingelegt, weicher faß SEBort

jeljt fogar faft auöfdjüefjlidj bcbcnfdjt; »ergi. $rang. Commander Engt, command

= befehlen, aber recommander, rccominend = empfehlen. [Dagegen hatte fid)

im ©otb. unb 2tt^. aus ber allgemeinen Bebeutung bie befonbere reo Begraben«

cntwicfelt, welche inbeffen febon rem SJtljb. nid)t mehr geläufig ift; f. ©rimm ©r.

II. 805—800. 3" ©etreff rer Stellung bes t) in empfehlen unb befehlen ift $u

beachten, nidd, la\i eine Bcrfcjjung Statt gefüllten babe, wie in '-Begebung c\ui

bie Subft. 9catr), £ratr), Blütfce 'Bccfer (III, 37) lehrt, als ob in tiefen Wör-

tern (ülltt. nitt, errät, bluot) Jj jum Stamme gehöre (f. ©einholt in b. 3eitfdjr.

f. öftr. ©ttmnaf. 1852. Jp. 2) — , fonbern, tan, naefatem im Serlaufe tcr mittelb.

Sßeriobe baö wurjelbafte li au3aefh>§en worben (»ergi. bie formen enpfelen unb

bevelen in SB. sSadternagtl« 8e|e&. 804, 13. 989, 21), im 9cbb. bae conveutioncUc

^ebnungejeidien hinzugetreten ift, wie in ber)len, fterjlen »DJhr. biiln, stein. J?ie

Unmerfung ©rimmä (I, 1»84): befehlen ft. bcfelchen, fdjcint baö 9ted)t fpatcrer

(viitivicflungephafen ^u bceintiad)tigen.

Ueberroinben, fid) unterroinben unb

winben 5lbb. wintan 9JJbr. boll. winden Engl,

»erwinben flehen nicht mit

wind, fontern mit gewinnen

Slbb. winnan s

I)iht\ ->ö o U . winnen

Engl, win in Serbinbung. Schon taö 5lbb.

bietet ubarwintan (ubarwant) neben ubarwinnan (ubarwan), unb wie eö feheint,

nur unterwintan ; f. ©raff I, 751. 880 »ergi. ©rimm II, 8S6 : farwintan aber

beifu unplicare. %üx lc\z 4

3J(hb. gelten überwinden, underwinden, verwinden.

Tic Sebeutung ftimmt jebeömal genau $u winnan, worunter laborare im aüge»

meiuften Sinne )U pcrfteheu ift. (©rimm II, 857) j. $5. Tat. c. 195. wunnin

= decertarent, Dagegen c. 81. gisehenti sie winnete = laborantes (»ergi.

fämpfen in boppelter SeDeutung). Cer ©ed)fcl jwifdjen im unb nd offenbart

fid» cbenfo in minder (minber) aufi minner 2lbb. minniro, umgefebrt in pbenninc

(Pfennig) aus 5lbb. pbending (». phant); »ergi. Ecin. spinde, kjende (fpinneu,

Fennen) mit Sd;web. finna, swinna (ftnben, febwinben).

Befahren = befürchten, ein febr feltened, aber auö ScbJQerä ©ang n. D.

(vifciibammcr befauntec- SBort, ift fein ßompof. Don fahren = 9J?l)b. varn 5lbb.

©otb. faran, fonbern »on vären ($rät. värete) 3(bb. füren (»ergi. ©rimm II,

50 nr. 573) herzuleiten. 3"?'^ beineu tiefe Serben nid)t fürchten, »ielmebr

nad)ftcllcn (»ergi. ©efahr, ungefähr ft. obngefäbr 5)(bb. aQ gever, ane war

b. i. eig. ohne Jrug): aber bas engl, fear jeigt bie Begrineentwicflung, welche


9fliöcellcn. 113

butdj SIgf. fearan 9ftbb. ervearen = erfebrecfen, womit frj. eftarer unb 9iieberb.

sik vervaercn (f. Senecfe j. Sroein v. 3350) ju vergleichen ift, rcutltci) »ermittelt

wirr. 3n ©djwencffl etumol. SBflttetb. fowobl als 9Jrcr)i» VIII, 2, 208. erfcfceinen

thran nur färön, auf Deren Sonbmmg es anfam, in ju naber 33erfi&rung, juni

2 heil vermengt; eine mfvrüngliebe lU-nvanrtfebaft ift nur ,511 vermutben (»etgl.

peritus mit» periculuin). 2Da vären aueb allgemein ff r eben, traebten bedeutet,

]\> bat SB. SBodPernagePS ?lnfiobt, tciy ebenfaUS willfahren bemfelben angehöre,

große SBa^rfd}emltdjreit ; ©öfcinger (l, 459) benft an eine ©ntfleuung aus w\\U

fagen = nraotvagen; etnefi Subft. »»illivagungö erwähnt ©raff 1, 420: willivagön

fönnte = muotvagön (animo satisfacere: ©Timm II, 584) fein unb

etwa mit willikösön, ^u ©efaflen reben (©raff IV, 504), vergliehen werben.

SJer» eifen (exprobrare) mufj (dum fnib, wohl fehon oor bem anfange ber

nen!uv cbr. 53eriobe, 11 ad) ber unhtftorifdien Sebreibmeife res? SBorteS, foroie 11 ad)

einer auf beiben Seiten bemerfbaren 2tccommobatfon ber (Sunjugatiori8vert)ättniffe

ju uvtbeileii, niS Coinyof. »on kb eifen mi§»erfranben »orben fein. 5Da8 mitteib.

verwizen (fßrät. venveiz) ftammt von wizen '.Voll, witen (Sngt. wite Slfjb. wizan,

511 reffen 33egriff3»erroanbtf4iaft mit wizan, wiffen, »gl. ©raff, I, 1H4) = tafeln,

(trafen; f. ©rimm II, 14 nr. 142:— wisen bagegen (Q3rät. wisete) £oll. wisen

3lbD. wissan (\t. wisjan vergl. ©rimm 1, 870; $11 untcrfdjciccn von wisan =

vrtare) beittt weifen, leiten; ein SBetb, welches im 9il)o. 11110 &ofl. bie ftarfe

gform angenommen bat (wies, wes), wäfjrenb firf> umgefebrt im [»äteren SJtfyb. tat

fdnvacbe jßart. verwiljet (fr. verwizzen) neben underwiljt (unterwiefen) jtnbet;

f. Söacfern. l'efeb. 994 mir 1061. SDaS mitteib. verwisen bebeutet »ermetfen

b. i. wegweifen, namentlich, berauben 5. 33. da mit er iueh der himelischen

krönen verwisen wil (*Br. 33ertt)olb) »ergt. Trist, v. 18341 ; »on verweisen

(Nib.) aber ftammt caS Sßart. »eroaiji,

SJbfpa-nnen, ein ©ort, »elcfceä fer iiitbcr. ÄatccbtSmuS (10 ©eb.) bietet, ift

ein (Eompof. niebt »on fpannen 2lhr. spannan, spien (@r. II, 34 nr. 375),

fonbern von spanän 9}(br\ spanen, spuon (®r. II, 9 nr. 71) == lorfen, beifit

datier ab lorfen, abfvenftig maeben; »ergt. 21 hb. kaspanst = äkrlocfung, 9ibP.

©efpenfi (f. ©rimm äRutfyot. 512); 9)(bb. gespenstic = verlorfeno, »erfüljrerifcjj;

widerspenec, micerfvenftig. 2lber beibc Serben »ereinigen fiel) mit bem grieeb.

anato.

Sretgnen (f. Strdjio V, 2, 469), ganj un»ett»anbt mit eignen, eigen,

ift verreibt aus eräugneu ft. eräugen 3K»b. erougen, fpätcr ereugen, »21b b.

araugian, vom ©otf). augjan (augo, 2luge), geigen.

Söerfiegen fommt von 5J!br. sigen 2lt)b. sikan (seio fallen, finfen (©r. II,

17 nr. 189). reffen ftactitiu seigen, fenfen, ift; »ergl. sihan, feiben; sihte, feiebt;

bisifaan, siccari. £ie SJennutbung einer SBert»anbtfd?aft mit fiegen SRbb. sigen

liegt mibe; »ergt. ©raff VI, 133: sigen mürbe ebenfalls als gfactiti» »on sigen

»äffen, t)at fid» aber evft, roie cö ben 3lnfd)ein bat, auS bem altb. ©ubfl. sigu

gebilfet.

©en»äl)reit_ barf nid)t »on tväbren (durare) 5D?bb. wem 2tl)b. weren (511

wesan? f. ©raff I, 938) abgeleitet werben; eä ift ba$ mitteib. gewern (2lbb.

gaweren: ©raff I, 942; »on wer = vir?) .-= in Sßeft^ feigen, roeldjeS mit b.

l'lec. b. Sßerf. unb b. ©en. b. ©acbe eonftruirt wirb j. 93. swes noch ein reine

herze gert, des wirt ez äne wort gewert (Vridank. Bescheid. @. 5 SB.

©Timm); wer des begert, des sm natur in nicht gewert (Boner. 64 Ben.);

des sit ir ungewert (Nib.). Stnbere S3eif»iete in ©rimmS !)iecbtcaltertb. 002—003

oergl. ©ramm. II, 56 nr. 572, roo übrigen^ jroei »erfd)iebene Serben wem nidjt

angenommen (inb; bad unredjtc ä befpriebt 6h -

. 1, 522.

Begleiten ftebt ft. begeleiten s

.Dibr. beleiten (oergl. benüegen, begnügen),

ift baber von gleiten Wrt. gliten gu trennen; begliten beifit ausgleiten. (Se

fann niebt leicb't erratben »erben, roobiueb ©ß^inger (1, 616) veranlagt »orben

ift, gleiten auf ein älteres geleiten gurücfjufübren; »ergt. beffelben (II, 21) 2ib-

leitung von b liefen nu9 einem früheren liefen.

©eruben ft. geruebeu 9)U)l>. geruochen entfernt fiel; \mi rubeu -öebb.

Slr^i» f. u. gpvadjcn. XV. 8


114 SERiScellen.

ruowen. Ruochen = Siücfficbt nebinen, forgeu, entfpringt au£ 9lbb. racha (res),

lvic suoclicn ouS sacha (Sadje); btttton rucbloä t>. ruahhalüs = forglcö

ßtlflt. reckk'ss) unb oorrudit (ilJbb. verruochet = bei fid) aller Sorge ent;

fälligen bat, lücffidjtöloö ; vergl. versorgen, fict> nidjt fünimern; verschämt,

fdjamlo* f. ©rimm II, 853).

Begrubt igen um!) »on süchtigen getrennt werben; e$ ift bo8 unrein gc;

fprodjene bejfdjtigen (2lbb. gainzihtigön, von inziht, 3n$icbt: ©raff V, 588),

ivelcbco fuli ju Reiben verhalt, wie befcbmidjtigen $u fdimcigeu, befidnigen JU

fehon; rergl. 3Mb,b, biziht Parc. 173. 3 c 'l' cn 9Rbb.

fprüigt auS ©oth. gateihan = nuntiare ((Stimm II,

zihen

17 nr.

5lbb. zihan,

195) j. 33.

eilt;

S».

3ob. 16, 13. 14. 15. gateihith izvis, er roirb eueb, verfünbigen. Sehon im ?lbb.

berrfd>t ric befonbere Bedeutung befdmlbigcn vor.

(vrroäbuen flammt mabrfebeinlieb nidjt ven irä^nen ?JUir. waenen, wänen,

fpnbern bfirfte rem altbodjb. gawänjaa, melebcö aus gawahanan jufamntengejogen

ift, entfpredjen ; f. ©raff 1, 699. 864. Giwahan 50ir;r;. gewahen (Pr. gewuoc)

beifit foroobl memorem esse al8 mentionem facere. äöenn fid; eine uerfüjrjte

gorm gewan, roie slän auö slahen, vermutben läjjt, |'o liegt eine Bermifd;ung

mit wänen befonberd nabc.

Söies baren. Dr. Andresen.

A christmas - carol von SBoj, in beutfeftev tteberfe^ung.

»Die SJerfertiger beutfebet tteberfejjungen aus ben neuem £prad)en baben bie

unoerjeiblidu- ©emobnbeit, eingeftreute lörifrbe ©ebiebte eutmeber gar niebt ju über;

fct>cn ober ries [o leiebtfinnig $u tbun, ran man baä Original faum barin erfen*

neu mag. SDaS ©eibnaditelieb in ben ^iefmiefiern von Soj tjoben tte Ferren

Fabrikarbeiter unb Snbufrrieritter auf riefe 2Beife bebanbelt. SBir geben naebfrebeub

eine wortgetreue llcbertragung beffelben, tie aflerbingö it)re Sdnvierigfciten bat.

©in 2öcif)nacbtölie&,

Senj v erad?t id) mit $ug ; in eilenbem $(ug

Seifst er Blütbcn unb ßnoSpen entftebn

Red) biefelben bie beut fein Dtegcn erfreut,

, y äfit morgen er mierer vergebn.

(sin treulofer ©id)t fennt felbft er ftd) niebt

llnf fein unbeftänbig ©emütb

(vr lacbt jeljt bid) an unb lä§t bir fobann

SSerroelfen bie tieblicbjte ©lütt;.

£a§ bie Sommer; Sonn bell glänzen in SSonn,

9iie fudj id) ibr ftrablenbes" Sieht.

SBeun eine Sßolf fie umgraut, fann lad)en ict) laut,

3br Stufife^n befiimmert mieb nid)t.

3br Sicblingsfinb ift ber SBabnßnn blinb,

2Der in ftieberglutb fieb ftellt ein;

Silber Siebe abrang roabrt niemals lang,

23te SRaucfyer fanb ju feiner Sjieiu.

Sine (Frntenaeht bei ber füllen >}kad)t

SDe8 SWonbeS befdu-iben unb bell,

9Joeb immerbar meit füper mir mar,

9lls ber Jag niebt errötbenb unb grell.

Tv


SRiScellcn. 115

3>ocf> in juBelnbem Äfang prcift ©cibnachtcn mein Sang,

SDie SRac^i fo lieblieb unfc Hnr;

SDcr Sedier mit lacht unt> ich bringe mit stacht

£rci #t)d)8 bem filjrijjfin&e rar.

23ir fuhren e8 ein bei 23 edier unt Sßeln,

S)a§ fieb freue fein fröhliche* #erj,

SBit feiern e8 fvifch beim reiflichen Sifcb,

llnb trennen un8 wierer im ecberj.

3)tit ©totj boch fchlicht öertirgt e>3 nicht

Seine Starben bom SturmgetoS;

3118 Reichen Ter üljr trägt fic offen einher

Stuf Ter Stange bei brave 9)tatro8.

äJtein Sobliefc tön, ba§ ba8 £auS crrrölin,

Unb »on SBanl) ju SSanb wicr-erhofl,

SBiOfommen idi fag rem SBcibnachte-tag

3U8 rem JWnig tcr ^eibr^eiteu all. @.

@tn rtltcö fccutfcrjcS SSoIföltcb «iib eine


llß

L'aunour, ramitie, lc vin

Vont £gayer ce festin;

Nargue de tonte etiquette!

Turlurette,

Turlurette,

Bon vin et fillette

L'amour nous fait la lecon:

Partout ce Dien sans i'acon

Prend la nappe pour serviette.

Turlurette, etc.

Que dans l'or mangent les grands,

II ne fait a deux amants

Qu'un seul verre, qu'une assiette.

Turlurette, etc. -

SWiStellen.

Bon vin et fillette.

Air: Ma tante Urlurette!

Sur un frone est-on heureux?

()n ne peut s'y placer deux

Mais vivent table et couchette

Turlurette, etc.

Si pauvrete qui nous suit

A des trous ä son habit,

Des fleurs ornent sa toilette.

Turlurette, etc.

Mais, que dis -je ? Ah !

Mettons plutöt habit bas;

Lise en paraitra mieux faite.

Turlurette,

Turlurette,

Bon vin et fillette!

dans ce cas,

SBenn tic ?lcbnlicbfeit ber 3. unb 4. Stropbc ^cS frungöftfcf^cn ?iebeö mit ber

2. unb 3. bcß beut 'eben ein bleuer 3ufflfl ift, fo ift bie* einer ber mctfmüvbigften

litcrarifdjcn 3ufäße, bie e$ geben fann. 3.

äel?tc$ Sieb von ebenerer @Uiot.

(H ift befannt, bajj i>a$ 9iotbfcbld)en in ber englifd)en $oefie, namentlich, aitcfj

bei ©ljaff»eare # eine mttt&ifcbe ftigur ift, unt» ta§ l-cr SBolfsglaube in (Snglanb ibm

Me ©nmaritettofle beilegt, ee bebeefe unbegtabene Sorte mit (frbe. £clt|'amer=

weife finb He lejjtcn SBcffc bed betübrnten Äorngefe|t>idjter8 Ebenerer (flliot, ber

Bot *wei Jahren ftarb, auch an bas Dtotbfcbldjen gerietet, bie wir juglcicb mit

beutuber Ucbcvlejjung nacbjtcbenb mitteilen.

Thy notes, sweet Robin, soft as dew,

Heard soon or late are dear to me,

To music I could bid adieu, —

But not to thee.

3totbfehld)cn, ad)\ rein fü§eS Sieb

SBat immerbar fo tbeuer mir,

yicfj ich and) bie SMuftf, tod) fdjicb

3d) nie Pon bir.

Gine 9Juqc.

SScrfpätct, aber nicht 51t fpät.)

When from my heart Earth's liieful

throng

Shall pass away, no more to be,

O Autumn's primrose Robin's song,

Return to nie!

Unb febeib ich, r-on beö Sebcnä Drang,

£er mit ba3 .§terj erfüllte bier,

«£>erbfr»rimet unb iJletbfebldjcnfang,

O bleibt bei mir!

3m Sommer 1848 bradjte ba8 Stuttgarter SDiorgenblatt eine bleibe pon

(Söfgrammen auf ^erfonen unb gteigniffe ber'bamaligcn ^cit, für beren äkrfaffer

man bamalö $. Baube biclt, obroobl biefer pvoMtctioc ©ebriftfteßet efi gerabe in

ber beutfeben SSerSfunfl nie befonberö rocit gebraebt bat. Unter tiefen Epigrammen

gefiel in weitem Areifen befouberd baö anSSirtb, gerichtete, furj nacb, beffen £obe

befannt geroorbene Epitaphium:

„SBclcb fd)öner Job ben ibm ein ©ott perlieb,!

?tn feinem ©rabe fann bic Jnfcbrift flehen:

(ix ftarb roie 9J?ofeö auf bem €>inai,

9?adjbem er .Kanaan pou fern gefeiten."


9JU8eeffen. 117

5IMr borten baraolä nirgenbS, ba§ 3?manb &n biefcv Strovbe Mnfiofi genommen,

bie ber SRefcacteut tti SDtorgenblnttä unbebenfiidj jum 2>rucf befSrbert hatte. iDie*

felbe erfdiien unoeränbert unb un&ebenllidj »ieberabgebruclt in „Js'ranj Dinget*

ftebt'8 teilen 3ettgebi


1*8 9tti§cfllcn.

.ftettn^eicnen chictf r^Iücf fclt^cu Vebentf.

9K-h, iimc gdirffeiig üt bat geben*,

IVni feine« wintern Sffiifl gebeut,

Ter obn £D f

ti9flunfl, ?icir öfter Streit

Siebt untrer Wlücf verüberfdiroeben.

Ttx fein SSc^icrt felbfl reebt regieret,

Hur beffen fromm« mit rci[tfd>cr 5>hitb

3P fein bewehrter Sdntjj unt $nt$

©«unter fein #erj triumphieret.

£er fein 6^efct>rci, nod) &>b bekehret,

£ent ric SBabrhcit ric gröfitc ftunft,

£en dürften = oter SßobeCögunft,

Txn Hoffnung unt gurebt nid>t betböret.

©er tie ftucbäfdjroänjer fort läfjt geben,

Sie fpeifent nidjt oon feinem ©ut,

Unt beffen ftebl, %aü unt 9lrmutb,

Äann feine -öaffer nicht erhöben.

©er felbft niebt meid), mie übet fd)mür$et

©e8 ©ßfen Bob, ^cö frommen ftlucr;,

©em ein ^reunt ober gute« '-Surb

£ic lange $tit febabloä berfürjet.

Unt teffen SButb vor nidd3 fxet) fdjeuet

9113 aQjeit fertig für ten Stob,

©er emftlid) früb mit fpot ju ©ott

Ulfebr um ®nab' # renn um ©üter febreiet.

©er SDienfch beforgt ftd? feine3 gfafleS,

©ieroeil er frei, reich, gut unt grojj,

©ein felbft Jperr, ob er mobl fanbloS,

Unt b,abenb SRidjte, bat er tod) 9lile3.

JetcnfaflS mürte e3 fidj ter ÜJiübe lohnen, genauer ni unterfueben, mcldjcS

von ten Innren G5ctid)ren ta3 Original, mit roeldjes tie Gopic ijt. @,

Byron, Childe Hnrold II. 18, 3.

Unter the well-reeved guns sind die mit ihren verschiedenen tauen

regelrecht festgehaltenen kanonen zu verstehen, wie Eöding sie in seinem

Wörterbuch der marine genau beschrieben (s. v. kanone) und auf tab.

XLIX fig. 296 abgebildet hat. Vermittelst dieser taue werden sie sowol

beim feuern gehandhabt als auch am rollen und rücken verhindert, wenn

das schiß' im segeln schräg steht oder schwankt. Meine erklärung z. d.

st. wird damit hinfällig.

August Moimnsen.

^Betreffen*» bic Ät-itir* meiner (?itrjlifdr)en &crm(


SWiScellen. 119

©rammatifet ju erfennen arte," — fo habe id) bod) gerate tiefe Staorbnmtg bet

Aormenlebre, aQerbingS uiebt ohne vorheriges Oiacbtenfen, erft bei ber gweiten

Auflage meiner ©rammatif aus rem belobten unb erprobten (>rftcn CurfuS von

EciUtn entlehnt, *ietbotifd)Ci\ teufe iib , Darf man entlehnen. Ober ift mein

SRubm, ein 9cidi>t«3ta6fcbreibet gu fein, nun Dabin?

SlnbererfeitS aber ift riefe oön Saflfn (unb in ä l> n lieber Ülrt oon vielen

Stabern) befolgte 9lnorbnung ber Formenlehre gerabe im ffinglifeben von großem,

längft bewährtem Dßugcn. Per Anfänger, im Seginn fo febr burd) bie SluSs

fpradj>e bmbftabiid) „im i'lthem" erbalten, empfängt m reu erften ÜRonaten, ftücfc

meife unb ©ebritt für ©cbjritt, nur bafl l'eidjte unb SRegelmfiftge ber Formenlehre;

in Ten fpäteren SKonaten (3meite l'lbtbcilung beö UebungSbudjeS) baS Jufainmciu

gefefctere nur Unregelmäßige. SDaS ift aflerbingS nidjt miffcnfcbaftlid), aber e8 ift

natürlich unb fd)iilmaf;ia. : meine ©rammatif »iß ja eben eine ©dbulgrammatif

fein. — Gallin bat nur feine, ebenfo georbnete uhb gerlegte ?voinicnlct)tc unter bie

einzelnen l'efe- unb UebungSjtncfe feines lüften Eurfui a,emifcbt, fo bajj SingetneS

(ich fpäter nicht leicht pnben lafu: id) Dagegen habe fie in meiner © cb u l grammatif,

in Paragraphen unb Sectionen, binter einanber gefteQt; tas ift ber llntcrfchiet,

unb jugleidj, lvie mieb bünft, eine praftifebe SBerbefferung.

SSBenn nun Dabei, bureb, Diefe abfid)tlid)e Sttjetlung von deicht unb Sdiroer,

Oif^cliuäHti^ unb Unregelmäßig, inancbeS tviffentlid) dufammengeborige im Sud)e

getrennt erfebeint, fo wirb bieö bod), gerab'e bei ber einfachen (inglifeben Aormenlelnc,

j'ebr leiebt vor beut Sdjluffe bes Griten GurfuS vom Lehrer bei ber SBieDerbolung

toieber oerbunben unb \o, Damit SDeutfeblanb gerettet werbe, „tviffcnfcbaftlid)"

gemacht, G


©rammatif.

Die Deutschenchronik von Nicolaus von Jeroschin. Beiträge zur Geschichte

der mitteldeutschen Sprache und Literatur von Prof. Dr.

Pfeiffer. (Köhler, Stuttgart.) 3 Thlr. 10 Ngr.

öraubacb. (Srammatif reo StBlö mit» Organismus ter ©prad;e. (gerber,

J.

©iefjen.)

G. Zeuss.

/

Grammatica celtica. E monumentis vetustis tarn

1«/, 2blr.

hibernicae

quam britannicae dialecti cambricae etc. construxit. 2 voll. 8 Thlr.

G. F. B u r g u y. Graminaire de la langue d'Oil ou grammaire des dialectes

franc. aux 12. etl 3. siecles suivie d'un glossaire. T. II. (Schneider,

Berlin.) 2 Thlr.

Literatur.

SCrgo. SetlctnjnfcbeS %at)xb. von Z\). Fontane unt %x. Äuafer. (Sitfy,

©efjau.) 2 Jblr. 15 Hgr.

6. äScinbolo. 23eibnadjt= ©viele unt Steter auö ©ütteutfddant unt ©c&leRen.

(Damian unt ©orge, Giraj.) 2 £blr. 20 9ia,r.

31. ©djulte. SRarttn Sutfyet, ein tyrifd)*epif($er dttctoS. (23 r o cf b, a u ?, 8eip$ig.)

18 9igr.

E. Aroux. Dante, heretique, revolutionnaire et socialiste. (Renouard,

Paris.) 7 fr. 50 c.

©etidjte von 31. Jennufon, iibevf. von £> erjjbero,. Cftatj, SDeffau.) 1 Jblr. 6 9ca,r.

SRofe unt £>ifte(. QJocficn aus Cyn^IanC* unt ©d)ottlaut, übertrafen von ©18*

bert ftveiberrn von SS in et e. (£aj3, ©effan.) 24 9tgr.

S. J. Moore. Pictorial Book of ancient ballad poetry of Great Britain,

historical and romantic. (Washbourne, London.) 15 s.

ficjifogtoHic

31. © ebntitt. SBorterb. t»er beutföcn ©praebe. (SSirtb, SWainj.) 1 Jblr. 12 *»gr.

^ t l f H ü * e r.

3- .Jtebretn. (Snttvüvfe jit reutfeben Stuffäjjen mit föeten für ©umnaften. (©cbö*

ningb, qSaterborn.) 2 /3 2blr.

($. £au|d)ilt. (Slementarbucb ter teutfeben ©pracfye nad; ter ftalful reuten

SNetbote. 1. Äurf. (91 eng er, Seipjig.) 1 SL&fr.

Album poetique des jeunes personnes, ou Choix de poe'sies , extrait des

meilleurs auteurs franc., anciens et modernes par M. Tartu. (Didier,

Paris.) 3 fr.

SMebtuna, unt Siebter, (£inc Stntboloojc von $. 3freüigratf>. (Äa^, ©effau.)

2 2blr. IS 5Rgr.

(Staute unt ßemotne. £beoretifd; t praftifche ©rammatif t»er frattj. ©pradje.

(©annbeimer, .Kempten.) 27 9ca,r.

(L ©d)ü|j. 5ran,öiifd)e3 ßefe&udj für "Die böfyern .Klaffen oer ©timnaften unt

Otealfebulen. (2Selbaa,en mit «JUafuifl, SMelefeft.) 1 Iblr.

3. 9t. ©cbmitt. ^ur ©arireflung ter Safuö anterer ©prachen Im ^ran jöftfdjen

nebft £efc4lebuna,en. (Hennings, 9("eijje.) 3 9ea,r.

2. 55Ud)a cltö. £f>eoretifd)er mit» praftifeber «fturfuö ter franj. ©pradje für ©örn«

nafien unt böbere 23ürgerfd)ulen (31 me lang, 33erltn.) 5 /6 ^') lr -

3- 3B. ©ehirm. qjraft. ©ramm, ter engl. Spraye. (Seöerle, ©armftabt ) l'/ 3 Iblr.

©. ©. Iborvüle. BMfienfdjaftüdj vollftäno. tljeorettfdjsprafttfdje ©rammatit

ter franjö|l|"d)en ©pracbe. ("^aliu, 9)iünrben.) 1 2blr 18 9tgr.

©. ©. Ibvrville. Weites -£>antbiid) ter fvanj. unt teutfeben ßouvcifation*|'prad)e.

(«Palm, SMündjen.) 24 9igr.


(ßtnun tor fcutfdjfit fWßt.

2. SBürger.

SBürgcr , ber Sor)n eineö Sanbprcbigerö, nutrbe in feiner erften

(Srgietyung öerwarjrlofct, Sein 93ater war ein ehrlicher, troefener

ÜWann, ber ftcb ntdjt gern aus feiner 53cl)agtid)fcit auffdjrccfen (iefj

feine Butter von großen Anlagen, aber or)nc SBilbung nnb Slbcl

ber Seele. 3)et 5?nabe vcmnlbertc, mochte mcr)t8 lernen nnb folgte

mir bem frü^citig enoacfytcn triebe gitr 5Mcr)tftmfr.

©cfjon bamalö heimelte ibm baö ©raufen ber Dämmerung, bcö

ÜJ?onbenfcr)eme8 ober bcö bunfefa SEBatbeS an nnb btlbcte ben roraart*

rifetjen ©rünbgug feines 2)icr)tergeijte8 aü8.


122 Ociiicn t cv bentf^tn Spocfic.

befummle um, cS ebcnfo leicht mit feinem Scben, als fdjwcr mit fei*

neu Werfen gu nehmen. 2>ic Siebe gum Ürunfe unb ber fanget

an guter ©efcllfd)aft warfen ben 3fingu'ng in feine vorigen 2luS*

fei) weifungen jurfttf. 3m 3m bavübcr gog ber ©rofwatcr, ber il)n

jetjt für verloren fyiclt, feine Jpanb von ifym ab, 33ürgcr würbe

fyierburd) mir nod) tiefer gefunfen fein, wenn tt)n feine greunce nierjt

gehalten Ratten. S^rer günftigen Gnnwirfung, ber^raft feines empor*

ftrebenben iDidjtergciftcS unb ber fyarten 3ud)t feines ©cfcbirfcS l)atte

er cS gu banfen, baß er auS bem Schlummer ber Sünbe crwacfjtc

unb baS ißcmujjtfcm ber 9)?cnfd;enwürbe wieberfanb, Sein SebenS*

wanbcl beffertc fid); aber feine Scfyulbcn begannen eine fdnvere üfte*

mcftS an ir)m gu üben. 2>cr 3kter ©leim, beffeu cbcl unb weid)

gefdjaffeneö Jjperj ber s JRenfd)l)cit (Sljre machte, unb ber bagu geboren

fernen, emporftrebenbe Talente als (in neib(ofcr ©ewunberet gu unter*

ftüfjcn, erfunbigte fid), ol)nc aufjcrlid)e SBcranfaffung, nad) ber Sage

beS CDidjtcvS , befudjte il)n unb gofj il)m, als ein barmherziger Sa*

mariter, baS linbernbe Del in bie SBunbcn. 2lbcr bic Gräfte beS treuen

unb grofjmütfyigcn SftanneS reichten nidjt l)in, baS (Slenb mit ber SBur*

gel auszurotten. Unter fortwafyrcnbcm 2)rucfe ber Sorgen entfaltete

©ürger bie Schwingen feines ©eniuS, bie ifyn gu einem unvergang*

liefen 9iur)mc ergeben foflten. @r betrat bie raufye 33al)n eines Se*

benS, in welchem baS „wol)lcrfung'nc SorbcerreiS feine „ganje (Sljre

unb einzige S^abt" fein follte*).

2Öal)rcnb ifyn febon im Senge ber 3al)i'c baS @cwid;t „beS

©ramS, ber verworrenen Seibenfefyaften unb ber Sorgen" nieberbeugte,

entgünbete fid) feine Äraft an Sfyaffpcare, an tm ©rieben, Staliä*

nem unb Spaniern, unb eine Sd)aar von rcicfybcgabtcn, gleidjftre*

benten Jünglingen, bic il)rcn ÜKittelpunft in ©ottingen fanben, fjörte

nieijt auf feinen Wetteifer gu erregen, (Sr füllte fid) unter iljnen

als ben Slblcr beS ©efangeS, ber bic Slnberen nur als Heinere Sing*

vögel gelten Heß. 2)er jüngere Stolberg erflärte ifyn nod) in fpä*

teren Seiten für einen ber (Steiften im 33olfc unb empfahl il)n ber

Seitung ©ottcS, ber ten Sltlcm il)rcn 2Bcg über Söolfen geige.

Seinen erften 2)id)tungcn eignete eine l;ol)e ÜBoUcnbung ber gorm

unb eine jinnlid)c Srifcb.e, bic bis bal)in feinem unferer neueren San»

ger geglürft war. 3n feiner ,,9cad)tfeicr ber üßcnuö" begann er ein

*) „%&x «Sie mein (SinS mit M


©enicn bei bentfdjcn «pocfic. 123

SÄufterbifb »on muftfatifc&et gfitte unb Dicinfycit fcer Sprache 51t

gehalten.

Tuvcb feine 2lnftcllung alö Suftigbeamtet in Slltcn «©leiefoen

f]77'2| würbe er jwat nicht gang »on fccin Xrucfe fcer au§crlid)cn

SBerfyälrniffe befreit; aber er fonntc fcod) wenigftcnö einen ©runfc 3iir

SSerbefferung fccrfelbcn legen. 2)agegen fühlte ftd) feine 2>id)tcrrraft

burd) fcic peinliche ©efdjäftätljätigreit, fcie fein 2lmt t()m aufnötigte,

immer me()r gurücfgebrängt unb gebrod)cn. (£r war nahe baran,

feine Seter in Stütfc 51t fcfylagen, aCS ihn ber ©cniud ber SBalfabc

auö ben 3)td)tungen ber Cniglanbcr unb Schotten, bereit SBerftänbrnfj

ihm burd) gerbet vermittelt würbe, fo mächtig anwehte, baß er mit

füfyncrcr Jpanb invbie Saiten fiel, um fcic anfprudiOlofcn Älänge

cineö 93olfelicfcc6 31t bem pracfytoou'en Songcbäube feiner „Scnore"

fortjubicfyten. SRitten unter ber SBudjt feiner Slftcnftbjjc empfanb er

ben unwiberftchjidicn 3)rang bcö inneren ©ottcö; nod) raffelte fein

Äoc^er von golbenen Pfeilen; cö würbe ihm groß unb weit 3U

$ftutf)c, ba er jtdj jetU in feinem eigentlichen (Slemente bewegte; er

füllte ftd) burd) ben ©ebanfen, ein Siebter bcö 3Solfeö ju werben,

alle t§effcln ber Sfcadjafnnung ab^uftreifen unb bloß ber Diatur 31t ge*

l)ord)cn, in feinem ©elbjtbewufjtfein uncnfclid) gefteigert. Unter vielen

Störungen unb bei fcer großen Irene, womit er fcen leifeften Slnfor*

fceruugcn feines Scrjönfjcitögcfühleö ju genügen fuebte, gebiel) fcaö

Üöcrf fcfyr (angfam ; aber feine SBcgciftcrung crfaltetc nicfjt. ?l(ö bie

foftlidic 5)icr)tung »oHenbet war, l)örte er nicht auf, ftd) voll Grit*

jücfenS barin 311 befpiegetn. „3111c Bungen au\ (Srbcn unb unter ber

(Srfcc", rief er auö, „follcn befennen, baß ich, fei ein 53allafccn*2lblcr

unb fein Slnfccrcr neben mir!" 2)er 23cifall, ben biefe 2)id)tung

allenthalben unb namentlich in ben größeren Waffen fceö Q3olf3 fanb,

war aujkrorbcntlich unb riß ihn fchncU auf bie 33ar)ii beö 9iu()me3.

2>iefer ©unft beö ©cniuö gefeilte fiel) um biefclbe ßdt fcic (5r*

Werbung eineö Scbcnögutcc}, fcem unfer Siebter ben 23or3ug vor allen

übrigen einräumte. Sem Sänger ber %kbc, ber nod) an feinem

2cbcn8abenbc fcic ©unft fcer grauen für fcaö „SKarf aller Sßonncn"

crflartc*), würbe ber SBeftfc eineö anmutl)igcn SBeibeä ju Sl;eil

(September 1774). @r festen jetjt an bem Siele feiner l)eißcften

SBünfcfyc angelangt 311 fein, unb eine Suhmf* i>ott roftger SBonne

*) „Sefliti" 1791.


124 Wcnicu tcr teilt fcfjeu ^'ccfie.

tfyat ficf> r>or feinen ©liefen auf. 2llTc gcfycimnifwoltcn Saubn ber

Sftatur, bie er bisher mit ad)tfam* liebevollem Sinne belaufest Ijattc,

faßten ftd) jeljt in einer lieblichen ©cftalt gufammen, unb er fog

auö il)rcn bcfeligcnbcn Püffen ben 2ltl)cm ber unenb lieben Sebcnöfüllc,

»on bcin allein baö SMdjterljerg gefunben fann. (Sr burfte au3 ber

£Utcllc ber ewigen Smgenb trinfen unb in ibre füt)lenben liefen

allen Kummer bcö irbifcfyen 2)afetn$ »erfenfen. Gin unauSlöfcblidjeö

gcitcr burd)gfül)te feine 2lbern unb fyauduc it)in nie empfunbene Gräfte

ein. Sr fd)mclgte, »om 2Bem ber %kbz rrunfen, nne ein (Srbcngott

in Seligfett *). 93on ben »eichen Sinnen, bie il)n umfcfylangcn, gum

ewigen ©cfangenen gemacht, tfätte er ftd) auö ifmen nid)t bjinweg*

lorfen laffen, unb wenn er an ben £r)ron bcö -icaiferö ober in ein

^arabicö gerufen werben wäre. Sein unenbfid) retgbarcS unb gang

gur Siebe geferjaffencö ©cmütl), bem ber äufjcrlicbe ©lang beö Scbcnd

ttoltfommcn gleichgültig war, fonntc fiel) in ber bcfebcibcncn Stille

feiner bürftigen Umgebung gu SÖöllnteröljaufen unb Sippenrobe gu*

friebener, alß ein Äönig fü£)len, ba eö ir)m vergönnt war, in tiefen

engen Jfreiä ein SBeltall Ijinemgugaubern.

2) od) gura utwertummerten ©enuffe ber SebenSfreuben war im*

fer 3)id)ter nid)t geboren, iMclmeljr Ijattc il)in ba3 ©cfdjicf einen

Jleld) ber bittelften Seiben jugebaebt, ben er biß gut £cfc auefeblür*

feit follte. 33or Slltem wanfte ber ©runb, auf ben feine äußeren

SBerljältniffc gebaut waren, unb bie clenbe Sorge um baö tägliche

33rob begann ftd) wie eine giftige Schlange in ben ©arten feincö

Sßatabtefeä eingufc§leid)ett« 2luf eine nicbtöwürbige 2Irt um bie

Summe betrogen, bie bei feinem 2Imt3antrittc erlegt werben follte,

lange 3^ vergebend auf feinen bürftigen @et)alt wartenb unb über*

biejj gur Untcrjh'i&ung einer »erwaifeten gamilie oerpflid)tet, braebte

er ftd) burd) bie unbefonnene ^aditung eines ©utcö an ben Dianb

be$ Unterganges, unb Weber baS Vermögen, baö il)m burcJ) @rb*

fcfyaft anfiel, noeb) bie Ginfünftc feiner fcbriftftellcrifd)cn $l)ätigfeit

wollten, bä bem ^eranwactjfcn feiner Familie, gur SBcftrcituitg ber

notl)wenbigen 33ebürfniffe ausreichen. 2)agu gefeilte ftd) benn fein

SBibcrwilk gegen bie nierjtöwürbigcn *J3larfeveien, bie mit feinem 2lmte

verbunben waren, unb bie Störungen, bie er fyierburd) in ber (Sr*

füllung feineö eigentlichen ScbcnSbcrufcö erfuhr. Ucbcrbicfj l)attc er

•) „£aä neue Setzen", 1774.


(Bentea fr er bcutfd)cn QJocfif. 123

6e(iÄnbtg mit ben elcnbcftcn Sntrigucn 31t fämpfen unb allen mogl>

dien SBerbrujj, namentlich von feinem oberen $errn, 31t erleiben.

2)a man entlief), unter 33cil)ilfe beffelben ©djutfen , bei il)n um bic

Einlage beim Eintritte feincö Slmtcö betrogen hatte, fo roeit ging,

(eine ©erufdtreue ju öerbadjtigen, unb ba bie elenbc ^ungerfiefle il)n

an Scib unb ©eete 31t ©runbe ju richten brol)te, fo nat)m er (178i)

feine (gntlaffung unb bcfdjlop, auf ber ©öttinger .Jöocbfdntlc fein

©lud a(6 2cl)rer 31t oetfucfyen. «£m;nc, Ääftncr unb Stoltenberg muri*

teilen ilnt bä btefem gewagten (Schritte auf; bic at)nungSt)oUe £reue

bcö alten ©leim rietl) ir)m baöon ab. (5r ging nad) ©ottingen,

um bort nad) cinanber bic tljeuerften ©ütcr feineö ^cr^cnö, um fei-

nen Scbcn^mutl), fein £clbftr>crtraucn unb beinahe feinen müljfcltg

errungenen 9tur)in 31t begraben.

3)ie tiefere Urfadie feinet (Slcnbeö lag ieboer) in feinen fyauSli*

d)en s -lkrl)ä(tniffcn unb in bem furchtbaren Unftcrn, ber über bem

Sdiidfal fetneö liebcglül)cnben JpergenS roacr)te, Seine ©attin war

ein guted, ebleö unb fanfteö 2Bcib; aber er hatte fte olme bie maljre

Steigung, in allgemeiner unb unbeftimmter (Ser)nfucr)t nad) bem 23e*

ftt3e eineö weiblichen SQBefenö, geroäljlk Site er mit il)r öor ben

SUtar trat, empfanb er fdjon bie glüfycnbftc Seibcnfdmft für iljxt

©djmcfter 2lugufte, bie bamalö erft jut Sungfrau crblül)tc. 3luö

ityren himmelblauen Slugen, au$ ber Slnmutt) it)re8 feelen&ollen Sä*

cbelnö voinftc il)m ber (Sdutfcgcift feincö ScbenS 31t; er »erbot ü)m,

baö »er^ängntpöoCfe Samort au8j$uf&recr)en unb 311m 9Serratr)er an

feinem £eiu'gtr)ume 31t werben. Slber in unmännlid)er gcigfycit folgte

er ben ßinflüfterungen eineö tütfiferjen 5)ämon unb vermählte fid)

mit bem Höbe feines irbifcr)en ©liirfcS. 33om Saumelfeldj ber neuen

@t)e beraufcfjt, »ergajj er auf fur^e 3eit feincö SirrtlnunS, um bann

gu befto größerer SBerjroeifumg 31t erwachen.

2)aö SJtäbdjen, roelct)e$ mcl)r alö geljn 3a()rc lang gugleict) baö

©lürf unb baö @lenb unfercö S)icr)tet8 War, l)attc bic Statur fo »er*

fcr)roenberifct) mit tt)ren bejaubernbften ©aben auögeftattct, bafj 23ür*

ger in ber Diücfcrinnerung an bic SBcrgeljungcn feiner verbotenen Siebe

ftcr) mit bem ©cbanfen tröften 31t tonnen glaubte, bic ©ottr)eit werbe

tl)in bicfelbcn um ir)reö SieblingSmerfeS nullen oerjeiljen, „SRoftg

rote bic ^orgenftunbe, freunblid) roie ein 5Jkrabie$ , " trat it)m bic

jugenblict)*rei$enbe ©cftalt entgegen unb burd)bcbtc ii)n mit allen

SBonncn ber 2lnmutr). Der fanftc 23licf ir)rcö blauen 9lugcö tun


126 ©enien t>cr beutfdjen (ßoefie.

bigtc ein ©cmütl) von (jimmlifcrjer £rcuc, Siebe unb 9icinl)cit an.

Oljnc ben ©lang ber Sd)bnt)cit, feffelte il)n bie liebliche SSübung

be8 blonbgclodten «ipauptcö burcr) bie frifdic Sugenbrotlje ifyrcr 2Ban*

gen, burd) bic füfe gülic U>rcv Sippen, burd; bic ^polbfeu'gfeit be$

Säcbetnö nnb ben ^Ibcl ber dienen. 3in ber flcincn, fdjlanfcn, von

allen ^ulbgöttirmen umroobenen ©cftalt, fdjn'en ftd) wie eine SBlume

von unnennbarer 3^)"* unfc munberbarer S)urd^ftd^ttgfett (in Sbeat

ber Sngcl aufjufefjltefjen. S^kv [ab er bic SßerHänmg beö ^iminelö

in irbifduT gönn geoffenbart unb bie jtnnlid)e Suft wie burd) ben

gottlid>f« ßauber ber dlt\$t geheiligt. Sluö bem 33ufen voll Qsxbafr

min, voll Sreue unb §ulb quollen bie ent^üefenben Saute ber Spradjc

unb beö ©efangeö, bic ben Jporet beö SltrjemS beraubten. 3n bem

C?h;futin tl)rer (Seele wohnten alle mcib(id)cn Sugenbcn. fromme

Unfctjulb, 2ßaf)rl)cit unb ©ütc verbanben ftd) l)icr mit ber lieblicbften

33cfd)cibcnl)cit unb bem anfprucfyelofcftcn Sinne für baö Ijäuölidje

Scbcn. 3m Umgange nu'rfte fte, vollfommcn unbewußt, burd) alle

ßaubereien ber Sie6e, burd) Säd)cln, (Sdjmeicrjeln, Äofcn unb bureb

ben 2Bi$, ben tl)r bie ©üte eingab. 3n (einen fpütcren ttlagclicbcm

bezeichnete fic ber 2)id)tcr als einen 33crf?cv , ber fcll-ft ben ©Ottern

genügen mürbe, als einen üfteftarfclcb, ber ben Strom etneö SBetten*

alters verfügen tonnte*), 2)aS glül)cnbe geuer ber Scibenfdmft, baS

fte in ber 33ruft bcS 2)id)tcrS entjünbete, ergriff aud) il)r eigenes

^>er3 unb burd)(obcrte eS mit einer fo furchtbaren Jfraft, ta$ fte

obmc it)n nid)t meljr atl)inen unb leben fonnte, tc\$ alle il)re ©c*

banfen unb (vmpfmbungen in i()m aufgingen, bafj fte mit il)ren 2lr=

inen, mic bie 9iebc beS 2BctnftocfS, ir)n umf


©enteil f er ccutfdjeu £ß o e f< c. 127

3n ifyrer gränjjenfofen State fannte fcfc Unghtrflidje feinen ©c>

banfen auf tcr 2Be(t meljr, alö bie Siebe nnb ben 33eft|> ibred ?lb*

gottcö *). 9iael) feinem eigenen ©efiänbntffe Ijatte bie ftnnlidje Snft

jrüar ben geringften Slntbeil an feiner Scibcnfcbaft; boer) „e3 bnftete

t()in »on tiefer l)immlifd)cn, feelenttotten ©eftalt ber Qaud) ber Sinn*

liitfcit ju lieblid) entgegen", um nie()t and) ba8 glüljenbe £erg öetfo«

efenb 311 burdnv>c()cn. Vergebens rang er mit ftd) feibft, ben cninv

d)enben furchtbaren Sturm ber frevelhaften Sel)nfud)t 31t befd)un'cr)ti-

gen; vielmehr fcrjien er, auf fnrje 3tit bewältigt, nur um fo maebt-

»oller fiel) j$u entfeffehu S)urcr) ben ungeheueren .Stampf an Ztib

unb (Seele erfranft nnb biö jum Sterben ermattet, befdjlofj ber

2)id)ter, ber (Stimme feincö ©enuffeno unb bem Urtfyeile ber ganzen

2Belt Srofc 311 Meten**).

Slber ÜÄoDys $römmigfcit mibcrftanb ü)m 3al)re lang mit fteg*

rcicr)cm Jgelbenmutlje, obgleid) feine Ser)nfucr)t jur 2Butt) eines 2ö*

»en ausartete unb tk ©renken beö 2öal)nfinncö berührte. (Snbltd)

fafjte fte ben SRutr), ftd) auf immer öon tr)m lo8|uretfen. Sie trat

ir)m rur)n unb entfd)loffen, röte eine ^elbin, entgegen. „Sterben",

rief fte, „ober ftegen, t)eif$en Sugenb mid) unb CpfXict)t !

" 2)a serrifj

ein furchtbarer Sebyinerj bie Seele beö Xtcbtcrö, unb unfähig, ftd)

feibft 311 ber)errfcr)en, liejj er ben Sctjret ber ^ei^iHuflnng buref) feine

Saiten brennen. 2>er il)n bebrofycubc üBertujl fteigerte nod) ben ra*

fenben 2)ämon feiner 2eibenfd)aft. 2öic ein ÜBulfan entlub er baS

geuermeer feiner SBltfce* 33et bem ©cbanfen, ba(j fte einem ©lud-

lieferen 3ur 33eute werben, bafj ein anberer ©ema()l „in feinem

greubemweine fiel) 311m entjürften ©otte fertigen" fönnte, erftarrte

il)m ba$ 3Harf in ben ©ebeinen. SBenn baö gefcr)är)c, rief er aus,

bann würbe midj bie 9Butr) 311m 93erbrect)er machen!

„ ' mit .pininiel ! eine feiere

©oflf id) nicl}t mein ei^en feb/n!

lieber Stattern weg unfc 2)iold;e

fißimt 1

idj fiid)cnt» lud) ihr geb/n !

9)iit tcv Stimme Ut (Empörung

ilonnt' id) furchtbar : Sie iji mein!

©egeu alle SKädjte fdjrein,

Stempel lieber ter ^erjiöriing,

ff0' id; ibrer mijjfe, lreibn !

•) Sägt. „Untreue übet SUto," 1779.

**) »fll. *a3 (1784 en tftant ene) ©eftc$t: „ÜRaturreebt".


128 ©cnien fcer tcut(d;cn SP t> cfic.

Gr bcfdnvor ftc, um fte toemgflettS feinem Ruberen 31t über*

liefern, in fo riil)rcnben unb crfd)ütternben Sßorten um bie (Spaltung

i()vcr Siebe, bajj fte i()m nid)t 511 nubcr(tcf)cn vermochte. 2)a er in

ter Stimme (einer Seibcnfcrjaft bie allgewaltige unb unwiberleglid)e

(Sprache ber Statur felbft ju »ernennen glaubte, (0 betrachtete er ftc

nid)t als eine (Sünbe, fonbem atö eine (etymere, unheilbare Äranffyeir.

Sieber »oflte er bejjljalb biefe iTranft>eit fortwirfen lajfen, als burd)

vergebliche üßcfampfung bcrfelben ftd) unb (einer ©cliebten einen

frül^eitigeh Zot bereitem (Sr gab iijx gtvar ba6 feier(id)e Skrfpre*

d)en, bie um (eine Siebe gezogenen ©ebranfen ber ^pfXtcl^t niemals

gu übcr(d)rcitcn. Siber ber SEcg jum gattc unb jur (Sünbe war

iefct nod) ebener gebahnt, alö vorder. „2Bie gegen ben Ralfen bie

Saube", (träubte ftd) bie fromme lln(d)ulb umfonft gegen (eine flc*

I)cnbcn Surfe unb (d)meid)etnbcn SBorte. 3n vcrbrccfycrifcbcr ©rof*

mutl) öerjknb ftd) 53ürgcr'S ©attin baju, (ein SGBeib vor ber 5£e(t

gu fyeifkn unb il)re 9ted)te insgeheim ber (5d)wefter abzutreten, 3)er

febnöbe Vertrag fonnte nid)t lange »erborgen bleiben; bie umfyer*

fdjtcicbenbc gamq regte alle ftnftcrcn S0iäct)te ber ©cfymalnmg unb

beö ^ol)neö gegen ben 3)id)ter auf, ber ftd) »ergebend burd) ik

Unmibcr(tel)(id)feit ber Naturgewalten ju rechtfertigen (udjte *), (Snb*

lid) (d)(ug ben beiben Siebenben — fcfyrctflid) genug! — bie (Srlö*

fungöftunbe. 2)ora (tarb nad) langwierigen, jammervollen Setben

einer $ranfr)ett, unb Bürger fonnte nun (1784) (eine

s Dcolli) an

ben Slltar ber 33ermäl)lung (üfjren. @r jubelte wie ber SDulber

DbvffcuS, ba er ben £afen bcS langer(el)nten §cimatr)lanbcd erreicht

Ijattc. (Sin tiefer triebe burd)brang il)n bei beut ©cbanfen, ba{j er

nun or)ne bie Dualen beS ©emiffenö in il)ven Sinnen rul)en bürfe.

Sind) fein äußeres ©lürf blühte neu auf, unb er burfte cd ju befe*

fügen Ijoffen, ba (eine ©attin mit Ijauölictjer ttmficr)t barüber wachte.

Gr würbe ganj ftd) (elbft unb (einem ©eniuS wiebergegeben, unb

ein freubiger SJiutl) befdjwingte il)n auf ber ehrenvollen Saufba^n,

bie er im bürgerlichen Seben betreten l)attc. Slber bie ewige ©cred)*

tigfeit U)ad)te mit furchtbarem Öluge über il)m unb verlangte uner*

bittlid) il)rc Sül)ne. Der ilob entriß ir)m nad) furjem, red)tmäfji*

gern 23eft§c baS einjige ©ut fetneö trbifcfjen 2>afeinS. 33on unauS*

(pred)lid)cm ©c&mcrae »erjefyrt, würbe er ber (Sinnigen ra(ct) in bie

*) „9ln fctc falten Seraüaftbr*, 1778.


©einen Ter t-eutfdjeii Sßocfft. 1^'.'

©ruft nachgefolgt fein; wenn fr)ri baö treue SBatcrbcrj nidjt ermahnt

fyatte, ftd> für feine hinter 311 erhalten. "Die einige Duelle tcß

Xroftcß unb Der 3Bergeffenr)eii fanb er im ©efange, beut ber S^axm

unb bic SÖerjnwtt) eine wunterbare (Sflftgfcft tcß äöofyllautcß ein*

baud)tc. @r raffte ben legten Ueberrcft feineß ©eifteß jitfamnicn,

um bic 2>al)ingcfd)icbene ju vcrbcrrlicfyen unb in i()r t>crf(ärtcö 33ilb

fein blutenteß 4? cr ä binabuifcnfcn. SÖaS nur irgent bie Sprache

an 9tei3 unb 3


130 (Benim ber beutfdjen '4u1c fi f -

Seite wirf) bis 31ml bürftigm, verlaffcnen Sterbelager! bafy er tlni

mit beut Semufrfctrt ber $)icnfd)enwürbc burd)brang, baß er feinen

58 i Hon beiligte mit) fraftigte, baß er il)n lehrte, bie Neigungen unter

taö eherne, ewige 3t>d) beö inneren ©cbietcrö 31t beugen!

Snbcjfcn tont feine forpcrlitfje ©efunbfyeit fcuret) bie Seelenleben

ber fdwnftcn unb fräftigften Scbcnßjabrc wollig untergraben worben.

©ine tnibfelige Stimmung wanbclte irm leicht in einfamen Stunben

an unb raubte il)m alle Äraft ju geiftigen Späten. @r mar nal)e

baran, ftd? aufzugeben. £aju fain beim bie Siebloftgfcit, mit wel*

cfjer man in ©otttngen ben franfen 2)id)ter bcl)anbclte unb feinen

9tuf bind; bie elenbcftcn Safterungen entweihte. 9)iit ber tiefften

(Entlüftung eineö beutfcl)en 53iebennaunc6 bemerfte eö griebriet) 2co*

polö von Stolberg, bajj Bürger mit Sdjurfen 31t tlutn habe, unb

forberte ilm auf, alö ein gmeiter Simfon baß Sß&üiflergtfmbel ber

Hannoveraner 311 paaren 311 treiben. §118 Bürger entlid) im 23c*

griffe ftanb, von bannen 311 gel)en unb ben Staub von feinen $ü=

tien 31t fctjütteln, mürbe er burd) bie (Srncnnung 311m aupcrorbentlictjen

^rofeffor (1789) gurütfgeljaUeiu ©lürflid)er Sßcife fing fein förper*

lid)er 3ufi»nb ftd; 31t beffern an, unb er Ijoffrc, ben grünen 3n>eig

ber ©efunbf)eit mieber erfaffen 31t fonnen. (Sr raffte ftd) auf, um

ben fd)nöben Uebcrmutl) 31t befdmmen, ber il)n 311 verl)öl)nen magte,

alö tk Sdjmermutl) alle feine Gräfte gefeffelt l)iclt.

s D?it geftäl)ltem

5Irme wollte er jefot bie ©öttermaffen führen unb ftd) fein gelben?

red)t erfämpfen. Gin verjiingenbcr Strom ber 2eben8frifd)e fcrjien

feine Nerven 31t burdjflicjjcn, unb im neuermaebten Selbftgefül)lc rief

er begeiftert au6: „Selbft fein ©Ott ift ein gefunber Wann!*)"

2>ic traurige (Sinfamfeit, worin ftd) ber 2>id)ter befanb, bie

Scl)nfiui)t nad) feinen mutterlofcn Äinbcrn, bie er fremter Pflege

anvertrauen mußte, unb bie unenblrdje 2lbl)ängigfeit feineö gan3en

S33efenö von bem weiblichen Umgänge erwerften atlniäl)lig ben 2Bunfd)

in tl)m, eine neue ©efafyrttn feincö ScbcnS 31t finben**). Sein

2lugc fal) ftd) einft an bem rofigen Sriil)ling3angcftd)tc eincö blonben

Wäbcbenö faft blinb, unb lange bürftetc er im Stillen nad; einem

Äuffc von feinen Sippen***). 3n fold;en ©eftaltcn fud)te er feine

53tolh) wieber auf, unb jebc 2lcl)nlid)feit mit tyx erwerfte, wie 2Up*

•) „SJorgefftyl ber ©efunt^eit, " 1789?

**) Bijf; baö ©ctid)t: J\n ft. SR.-, als fie mä) Bcnbon ging."

***) „?ieb" 1787?


©cn icn Ter t entfetten ^oefic. 131

fyorntönc, baö Jprimwer) in feinem ^erjert. 3>a fügte cö bie wun*

berbare Sducfmig, tau ber ©eniuS be$ 9)tatftiM ;

# ben nur bie Siebe

feiig unb clenb matten fonnte, auf eine s

|*robe ber feltfamftcn 3tvt

gefieüt würbe. (Sin (ung*$ 3Jtäbct)en in (Stuttgart, ba$ rt)n nur

burefe fein Söiftmifj unb feine Siebet fannte, brfieft« feine Steigung ju

bem lieblichen ©änget fdjergweife hl anmutl)igcn Werfen au8, worin

cd if)in ^>erj unb £anb anffttg. Ö>al)rfd)cinlid) *) ofyne i()r §Bor*

Wiffen würbe baö ©ebitr/t in einem öffcntlidieu Statte aogebrueft.

SBfirger, in bem bie füffcn einer SBrfinette crblicftc. @8 war it)m, alö fitwebe bie fanfte,

bleute ÜJtotty, in aller t)oltfc(igcn üftiltfe, vor feiner (Seele. §116 er

baö Sluge wieber auf baö Q3ilb 311 richten wagte, würbe er burd)

ben feurigen 93 lief beffclbcn nod) mefjt jurücfgcfcbrerft. ©r warf baö

$>ilb unb ben nod) ungelefcnen ©rief auf ben Zi\d) unb eilte tn'8

greie. (Sin SBaijenfelb erinnerte it)n an bie 3^*/ wo er bä$ Sieb

gebidjtet r)atte:

„£> maS in taufeat 8ft&'e9prcH$t

2>ie #ott>e, He id) niciiic, leicht!"

Gr fal) äftoßjj wieber, baö engelgute ivtnb mit ben blonben

fein gemartertes ^erj ergop ftcb

Sodfen unb bem fünften ©liefe ! Unb

in Xfyrancn! 3ebc Äornafyre winfte il)m, feinen (fljebunb mit bem

fcbwäbtfd^en £id)tcrmabd)en 31t fd)licf?en. 3n fein 3i0imer gurücf*

gefer)rt, (ad er (SlifenS SBrief unb fanb it)n fo innig, fo jart, fo lie-

bevoll gefeftrieben, baß ber erfte (Sinbrucf wie eine näd)tlid)c Sirug*

geftalt ju cntfdnoinbcn fct)ien. (Sr betrad)tete nun t>a& 93ilb nod)

einmal unb crblicftc ein nicblid)cö, brauncö SDtäbeben, baß er fdjon

längft ju fennen, ja 311 lieben glaubte. (Sr träumte unb fcr)wärmtc

ftd) fortan in tiefe neue Siebe l)inein, er fcrjwclgtc wieber in feiigen

Hoffnungen, wie in ben 3ar)ren ber luftigen Üttanneöfraft, ber feuri*

gen 23egeiftcrung, obglcid) fein Sieben wie ein fyalbKrrottcter Stamm,

von taufenb SBettern burcr)wutr)et, baftanb. Sßon einer ungemeinen

*) aSßl. Sfirgert 3. »Brief an SJt. Ctyrrnann, 1790. — (?in anderer »rief

SSürflefl ven bemfet&en 3af;rc.

y*


132 (iWnini ter tcutfd;cn $o,ef(*.

Siebe Ijoffte er auet) jefct nod) feine »ollfommcne 2Biebcrgeburt. (Sr)c

er jcbod) mit (Slifcn ftd) »erlobte, befd)mor er fie feierlich unt> f>cilig,

il)r ^>erj gu prüfen. 2)en göttlichen 9tict)ter unb ©efefcgeber in fei*

nein 93ufcn gcl)ord)enb, legte er im 9iamen ber ^eiligen 93Sar)rr)ctt

ein treul)crgig*rül)rcnbe0 33cfenntnijj aller feiner eud)lerin umftrieft. Silber mit bem füjjen, wofylbefannten %tmi

gab s 3)(olh; bem £:id)ter bie Slntmort: „2Biffe, lieber, blinber

SKann, bafj id) ntrgcnbö, als im -Jpimmel mofyne!**) 2)cr ©änger

ber Siebe f)attc für biefe äßelt aufgefangen; bie jum £obe oermun*

bete 9cad)tigall fenfte baS £aupt unb r>erfiummtc allmäblig, mafyrenb

if)r bie 33ruft ausblutete. 9?ur feiten crmacfyte fte auf furge Slugcn*

bliefe, um nod) einmal il)re entgürfenben ^lagetone erfdjaüen gu taffen,

roie in ben l)immlifd)cn Werfen:

*) aSßt. ,,5Jüi\3Cv'« Icjjtc? SDtanyfortyt.

**) „2Mc (£rfd;cmunfl. " (1792).


(fienicn ter aSo^et Urftt&fr," t/92. „lle&et eine 2Md)terregel t>ffl$oraj," 1792.

aSflf. „UnterfdjieV 1792.

***) 35^1. taä ©eridjt „greiöcit," 1793.


134 'Ocuicn rcr Hutfcljcn Sßeefie.

Sluge fanb fcfjon ©leim, alö er ben 93erirrtcn unb .ipallwcrlorcncn

in ©öttingen befucfytc, ben Spiegel einer offenen, treuen Seele. (Sein

fraftiger unb biegfamet Körper trug, wie ein wol)(geftiinmtc6 (Saiten*

fpic(, bie ungetrübten Sönc cincö frö()(id)cn ©cmütl)c6, btö bic £ianb

be£ cn förperlidmi Bewegungen fcl)(te, fo geigte er fiel)

in ber Unterhaltung ineiftenö fd)üd)tcrn unb ofyne ©cwanbtfjcit ber

8prad)c. Um fo mächtiger bewegte er bie -Jper^en, wenn er ttorlaö.

2)ie ©unft ber grauen gewann er, felbft in fpäteren Sauren, be*

fonbcrS burd) bie (Süfjigfeit, womit er „fein Sieberwefen trieb"*),

nur allju (eicht.

g'riebricr) Scopolb


(Weinen t c v reut f cl) c H SßtftfU. 135

hatten, fo wäre et mtitfjig genug gewefen, ftd) auö ber 2Be(t t)ihau0

311 jungem *). löon biefer ©efinnung abzuweichen, fonnte fein freies

©emütt) ebenfo wenig buret) bic 9iotl) beß Scbcnö, tri« burch bic

bitten unb Ziagen feine« böfen Sßeibe« **) bewogen werben. £aö

politifdje ©ebiet berührten feine Dichtungen mir feiten; fo oft cd

aber gefctyat), mit tcr ganzen ^och^erjißfcit eine« SXanne«, ber,

bem treiben ber Parteien fremb, feine ritterlichen Sluefprücrje nur

au$ bem ßober ber reinften s ;0ienfd)l ichfeit fdwpfte. $on feiner gro*

fjen 2lufrid;tigfeit, wie von feiner fttt(id)en (gelbftcrfcnntnip legen bic

an (Slifen gerichteten 93erict)te baö glänjcnbfte unb rü()renbfte 3 cua , lu fJ

ab. @r cntl)ülltc l)ier feine Sdjwätfcen bte jur Ungcred)tigfcit gegen

ftd) felbft. Sind) Sinteren tonnte er ihre gefjler mit fdwnungölofcr

Offenheit vorhalten. SBo i()in aber eigentliche


13f> W eni eu t*ev reut j"cl> c 11 QJüffjej

in cjtitcflid^ercr Stimmung mit ben feiigen SOticncn eines fyimmlifcbcn

(Seifted an.

äßer ftd) mit jener Siebe, bie allein ben 6d)lüffcl ber wahren

(Srfenntnijj barbietet, in 33ürger'ö Scbcn nnb (Schriften verfenft l)at,

ber wirb ihm, Ui allen (einen (Schwächen unb Derbheiten, ein garteS

©cfütyl für baS


©cnicn t*er freutfchen fftaefir. 137

„]\\\\x — irf) iiätt' in SüngfingStogen,

SWU beajücfter Siebe Äraft

Senfenb meinen i?ämpfern>agen,

Muntert mit ©«fang gefölageri,

2 au feilte mit 8Siffenfd>


138 (Genien r-cr beutfe^en Sßoefte.

(Strogen tc^ „r)or)en Sieb«** auöncl)inen, tic aud) baö feinftc unb

verwöbnteftc Dl)r burd) ben weichen unb jugleid) majeftatifdjen üEBcücn*

gang ber Wclobicn entlüden fönnen, fo f)at er bie muftfalifcf)c güllc

unferet Spradie am meiften in feinen Sonetten crfdwpft. 3)urd) ben

fdwnftcn SBedjfel ber volltöncnbcn Söecalc eignet er ftd) l)ier bie ge*

fangretcr)e Sprache ber ^taliancr unb (Spanier an, bic er ftd) febon

in (einer „ s )?ad;tfcicr ber 93enu8" gum ^\d gefegt I)atte. 3ebcr Saut

ift fjicr voie auö ber tteffien 33ruft gebogen, ieber Saut jubelt vaä

SBcltall cineö aud) im ©rame feiigen ^er^enö au6. 2>er letzte

SRadjHgattgefang „an ta& £er$" burcbfcbmcttcrt mit ber SRiefengewaft

ber Jone nod) einmal bie bunfcln ©cbüfdje feineö l)intrauernbcn Da*

fetnd. 2>ie ©rajie vollcnbct ftd) bicr, tnbem fte mit ber (Srljabcn*

Ijcit ftd) juin £nminel emporf^wingt.

©in bunfelet Xricb, btefe 2lnmutl), bie burd) fo inanebe frcinb*

artige (Sinwirfung feineS (£r)araftcr8 cntftclft würbe, ju befreien unb

ju ooßenben, gab Üjtn bie unerinüb(id)ftc $ei(c in bic £anb. @r

wollte burd) ad)tfamc$ 33e(aufd)cn aud) ber fleinften Sßerjiöfie gegen

(Sprache unb 93er£bau bic raupen Stellen abglätten, bie tod) baö

©epräge feiner pcrfi3nlid)cn Gsigenljeit waren. ($r l)ättc bic geile

weniger an feine $crfc unb mer)r an feinen inneren s JÖtcnfd)cn legen

follcn. Qod) wirfte bie Strenge feiner äußerlichen 2luöbcffernngcn

nid)t immer crfaltcnb auf bie 23cgciftcrung ein; t^tehnet)r wufjte er

baö $cucr für feine @ebid)te oft fcl)r lange in ftd) ju bitten un-b bn

Umgcftaltungcn von 9icucm ju erweefen. 2>afj er freilief) mancrjeS

garte unb licblid)c 53i(D burd) feine 2lengftlid)fcit, befonberö in ten

fpatcren 3nr)ren, verbarb, l)at 21» 9B. v. Sd)lcgcl in feiner berühm-

ten 53eurtf)eilung treffenb nad)gcwicfcn.

(Sine oft wibcrlicbc Störung erfährt bie 2lnmutl) feiner ^3oefte

burd) ben von il)in befolgten ©runbfaft ber 33olfuma0igfcit ober tyo*

pularität. 3>nbcm er bic l)albc unb gefä()rlid)e 2lnftd)t


hunim btt t c u 1 1" cl> c n $oe|'ic. 130

fteren 9)iäcbte beö SBetberbenä l)eraufbcfcf)mor, tote il)tn l)icr bei lid)tc

$olar{xern beö Grmigen nur bämmernb aufging, fo blieb auch (eine

2)id)tung ein (Spiel bei natürlichen Saune, «Stimmung unb Seiten*

ütaft unb ermangelte jener ehernen ibeeflen gejiigfeit, bie einem Did)*

tcr allein ben Stempel ber @röf« aufträgt. 9Kit ienem einfeittgen

gehalten ber 9tatürlicbfcit l)ing nun bei Bürger ber ©runbfa|j ber

Popularität auf'3 3nnigfie jufammen. @r glaubte, um bie mafyre,

burd; Ueberbilcung verloren gegangene fftatm miebequentterfen, muffe

man auf ben Urgrunb te3 allgemeinen SBolfdbetmiftfetnd jurürfgefyen,

unb verfiel bureb tiefe 2lnftdu in biefelben unb in noer) größere 3rr*

tln'muT, mie ^erber in feiner erften Sßeriobe, 9iad) ben verworrenen

Slnbeutungcn, bie er hierüber in feinen röeirfdjmeiftgen 2lbl)anblungcn

gibt, \oÜ bie $ßo.efte mol)( vvn @etef>tten, aber für ba£ 53olf fyervor*

ge&racfyi werben. S)ie Popularität iji il)in ba3 Siegel ber runftlcrü

fci)cn SBoflenbung, SSolfiäüpefte bie einige mar)re Sßoefte. 9iur fd^maev)

unb nicltf ol)ne üffiibcrfprüdje erläuterte er tiefen S3egriff, inbem er

3. 33. ben Söunfd) ausbrücfte, mit feinen Siebern ben Reiften ober

bod} ben (Stein auß allen Greifen beß ^Bolfcö 31t gefallen.

S -Mfß*

bid)tcr ftnb nad) feiner 2lnjtdjt alle großen 3)id)tcr, namentlich Monier,

JDfftan unb


140 Wenieu rcv beittfcfyen fßotfft.

unb urfprung(id)cn SöolffllietieT, bic uncnbfid^c 3nucrlid)fnt il)rer

(fmpftnbungcn bei ber gröjjtcn 2lnfprud;Slofigfeit ber $orm, baS rafebe,

bramatifdic Vcbcn ihrer (5rgäl)lung unb vor 2lUcm ihre finblicfye Äcufdj*

beit entging il)in gan; unb gar. gaft ofyne allen gcfdjicbjlidicn 3»*

fammenbang mit liefen 9?orbilbern, erfct)uf er ftcf) eine fünftlicfoc

^olfStl)ümlid)feit, bie fjauptfäcblicb in ber 2lbftumpfung ober 93er*

nid)tung bcS 3bealen, in bem ^ervorbrangen berber Sinnlichkeit unb

felbft in einer plumpen ^offenrei^eret il)re SluSgcidjnung fuettfe.

Gr bilbete ftcb eine 9lrt ftubcntifcfycr @ommcntfpract)e, ein 33icrpatotS

auS, von beffen raufyein 33affc natürlid) bie garten ©ragten nur gu

oft l)inn)ecjf]cfd)euct)t nutiben. fföit ben l)ei(em ilneiptönen eincS bc*

mofeten .JpaupteS befingt er ben 2ßein in feinem „3ed)liebe". (Sr

giefjt bie ©aben bcS 33accbuS als äd?tcS Del auf bie ikrftaubcSlampe;

aber in anberen 3 llu 9

fn fpriel)t er nidjt efycr, als tt>enn er feinen

lieben Scib weiblid) voÜgefct)(ungcn b)at. SD?an iveifj eS redit ivof)I,

bafj unmäßiges Schlingen unb «Saufen ntdjt gu 33ürgcr'S Untugcn*

ben gehörten; aber in ber *J?oeftc meinte er, barin ber Popularität

gu Siebe, ein UcbrigcS tl)un gu muffen. SlnbcnvärtS, Wie in ber

„grau ScbnippS", glaubt man ir)n auf bem Süformärft, vor bem

grünen, rotbbnnaltcn 2ÖadiStud)c ficben gu fefycn unb, voätyrenb er

unter l)öd:ft populärem ©djttafen mit bem Stotfe binaufbeutet, bie

befannte Drgelmclobie gef)en gu boren. gür ben gemeinften Sanfya* .

gel ift aber bic ^ringeffin (Suropa gebiebtet, in mcld)et ber 9J?ptl)uS

lüirflid) ben •Jpöfcrmcibern unb @cfenftel)crn verftänblicf; unb l)anb-

greiflid) gemacht rtu'rb. Sfcur bie gröfjte tl)eoretifcf)e 93emn'rrung mad)t

eS begreiflich, bafj 23ürger folcfye ©cincinbeiten in bic «Sammlung

feiner Söerfc aufnehmen fonnte. Sßir wollen auf biefe glecfcn in

feinem 2>id)terbilbc bic eigenen 2Bortc 23ürgcr'S anwarben:

„SSaS Jylfcfcn n\ir, vermerert;

9Juv lex .frimnielöfitnfc ioUxt

(fiiift, geläutert, jur äkrbcrvltclnmij!"

£>at man SBtclanb'S SBerirrungcn bamit cntfcrjulbigt, baß man

fte nidU feinem (Jtjarafter unb Sehen, fonbem einem verfehlten ©es

fdimaefe gur Saft legte, fo gilt bieß, wenn aud) in geringerem ©rabe,

Von 33ürger. Seine gang inbivibuctlen SicbcSgebicbte liefern ben

SBcweiS, baß er gu tief unb cbcl empfinben fonnte, um einer eigene

lid)en ©emeinbeit im Sehen fäl)ig gu fein. 2)amit foll tf)m jeboeb

ber 33eftfe ber waljrfyaft ftttlid)cn ©ragic feineSwcgS gugeftanben


s

(Genien ttx eintüten Sßocfie. 141

werben, obglcid) eö ibm an einzelnen, trefflid)en (Elementen berfelben

nt'dn fehlte, äßet mochte bie Spuren berfeldcn in ber beutfetjen

23ieberfeit verfemten, womit er feinem ef)rlid)cn ©robotet bie testen

(Äbten erweifet, ober in bem „brauen Wanne", wo ihm baä reine

enfd)cnf)cr$ fo l)oeb nnb l)immlifeb, wie bem 33aucr unter tem Sliu

tel fd^lagt, ober in ber /l\\rnnerfeufd)beit'', wo er mit Diiefengcwalt

ftd) feiner ^illenofd)wadK %

entrafft, unb in ber ftal)l()arten Sprache

ber Sitgcnb, wie in einer Stiftung gegen alle ©eifter beö SlbgrunbcS,

s

einl)erfd)ieitet? Dber in feiner „


142 ©enien ^ c v fceutfdjen $ocffe.

baS männlicue SBurjdn in ftd; fclbft, baß guverftd)tlid)e gehalten

an bat unvcraujkrltcben Seoenögütern , ber unfceugfatne 9Jhttl) eines

bitrd) Sclbftbcl)errfcrntng gcftablten ©eifteö. Sftir fetten betrachtete

er ba6 3Becf)felfi>iel beö gebend von ter ^6t)c bc3 nn-ltübcnvinbenocn

©ebanfen«. So trögt aud) uuu Dieligioftt&t, bei aller ivinbliobfeit

unb 3utraulid)fcit, bei aller 2ßarme unb Snnigfeit beS ©eraütfyeG)

faft nirgenbS ein l)öl)crcö ©epräge an ftd). ®cti ©ebbten, bie i()m

von ber grönuntgfeit eingegeben mürben, fcl)lt bie letebte, atl)crifd)e

©Zwinge t

bie ben Staub teS Srbifdjen von ftd) abfdnittclt unb

gum reinen 2id)tquell r)inangerragen wirb. 9iod) weniger gelang eS

ber ^>l)ilofopt)ie, feinen 2)id)tcrgeift mit bem 33cwu§tfein ber Unenb*

lidifeit 51t burd)bringcn unb mit 3been be6 ewigen geben« 511 befrud)*

tcn. 3r)re ftürfcnbe unb erfycbcnbe ©tnmirfung befebranfte ftd) auf

bie cvftcn Anregungen, auf ben SSorgefdjmacf ber WBatyfttlt 3 un i

verjüngenben unb reinigenben Elemente feine« ffmftlerifcrjen Sd)affen«

mürbe fic nid)t. Sie äujjcrte ftd) nur in faxten Sinngcbid)tcn, ol)ne

tjicr bie f)crfömmlid)en ©ebanfen unb 5lu£brücfe ber £antifd)cn

Sdjulc 511 überfliegen.

2)ie Seite beö @rl)abencn, ju ber mir noer) bie bebcutenbftcn

Slnlagen bei il)m finben, ift ba« Sragifcbc, wie eö namentlirf) in fei*

nen clcgtfd)cn 2>id)tungcn hervortritt. 2)ie mächtige, \a furchtbare

©lutl) feiner £etbenfd)aftcn riß ir)n f?tev oft über ric gcmütt)lid)e

9?aivetat feiner 2>id)tcrnatur weit bjnauö unb öffnete tiefere 5lbgnmbe

ber 2lnfd)auung unb (Smpftnbung. 3n ber „Plegie, al« ÜÄoßt) ftd)

Io«reijjen wollte", vermag er eö nid)t langer, fein l)od)cmpörtc« ^cr,^

im 3 nnmc 511 galten; er gönnt ir)m vielmehr ben leisten üroft, feine

Dualen auSjufdjreien. 3Öie ber dunlm be« bölliidmi $eucr«, fiei*

gen bie furebtbarften ©ebanfen in il)in auf unb preffen il)m alle @iu*

geweibe jufammen. 3n ber entfetjlidjften SBcrgWctflung wirb er fogar

an ber ©üte feine« Srfwpfcr« irre unb ruft ein verwegene« SBort

au?, ba« unwillfürlid) an @üntl)cr erinnert:

„£icnt teilt (flott ein SDJenfdj jttm Spiele

SBie tee- Sufcen $anl tit iBurm?"

^od) nimmt er fiel) rafet) wieber jufammen unb vernichtet tie

voreilige D^ebe burd) bie barauf foigenben ßtikn :

„9iinnncvnieln'! ©itfj nur ju lräfoncn,

Söärc ^ocfymratt; au itjm."

3)ie 35etrad)tungcn, bie er fobann über bie unmibcrftcl)lid)e 9}a-


©euicn r cv routfcbcn SPoe ff e. H.'t

turgcwalt feiner Siebe unb über ben feintfeCigen ©egettfafc berfelben

ju Iren fjeiligflen Verpflichtungen aufteilt, finb burebauö »on tragt*

febem ©ehalte; SEBemi and) bei SDidfjter l)tcr, »ie in bera ganzen

©ebidjte, fafl nur auf bem bereit bet natürlichen (Jnrpjtnbung fte*

ben bleibt, unb bie wahrhaft iteale SSerflätung berfelben nid)t er*

reidjt, )o ftnbeti nur toeb bureb bie uncnblid)c (irfd)üttcrung fetneö

©emütljeö, wie bunt) ein fiudubarcö Gewitter, alle 5ftto6pen ber

Sßoefte in ihm geöffnet unb feine Spradn4 von einein t) oberen 9ln*

baud;e burchwebt. 3 U * freieren Sdwnbeit aber 3eigt ftd) baö %m*

gifdje feiner Stimmung unb 21>eltanftcbt (jetaüögebilbet in bem „l)o*

l>cn Siebe", baö er in webmütbiger 9Wtefetinnerung an bie (Sihgige

unb gugleixrj mit ber benutzten 2lbftd)t, ihr ein 2>cnfuial ber 98er*

fjerrüdnmg 511 fefcen, hervorbrachte. Xabcr gibt er feiner ©dichten

l)icr eine weit geiftigew ©cftalt, alö vorher; fic wirb tl)in 31W „?lbo*

ntb-Urania", bie mit ber s 3)cilbc beö £immef$, nad) bem (Sbenbilbc

©ottcö waltet; ihr ttareö, himmelblaue^ Slugc fprid)t fo „heilig"

fein: „Vertraue meinem ^immel^finne!"; fic verflärt ftd) jum „2Bc-

fen auö bem ©btterfaalc", fie webt ihn a(ö von ©ott gebaud)tcr

Sebenägeifl an. (Sr glaubt, (in @otte6fer)*r fönnc, wenn fein ent*

gürfteö Scclcnaugc in bie befferen SBetten febaue, ba$ i^erj nid)t

bober unb unau£fprcd 4

lid 4

cr bcglürft fül)lcn, alö er burd) il)rcn cnb=

lid) errungenen 23cft0. (Sr bebt in it)tem vcrflarten 33ilbc bie Sitten-

anmutl), bie 3Bar)rt)eit unb ©üte, bie fromme Unfd)ulb hervor.

„Sönc wie vom ^immel" fpreaben il)m Sabfal unb Segen aus ifyren

Sippen su. 3nbem er ftd) noä) einmal il)rc ganje ^errlid)feit ver*

gegenwärtigt, erwaebt in il)m bie Erinnerung an bie furd)tbaren

Kampfe, bie er um ihretwillen $it beftel)en batte. @r prefit bie wilbc

Verzweiflung, bie it)n bamalö oft erfaßte, in ftarfe unb fü()ne 9ßorte

jufammen, aber mit ber Freiheit eineö 5)utt>er6, beffen ScibcnSgc*

fd)id)te, wenn aud) fdjinerjlicrj; geenbet ift. ?lllmäblig ftreift er fo*

gar bie ftcffcln bcö ©rameö völlig von ftd) ab unb taud)t fein $er$,

\w in ben rcinften 2lctbcr, in ben ©ebanfen jencö unftcrblid)cn 81«*

gcnblicfcS, wo er baö bimmlifdn 4

SBefen 311m Elitäre führte, ©eine

Sprad)c raufdit nun immer prad)tigcr, ftol^cr unb männlicher babin,

wie „im SBaffenHattge beffen, ber ben 5)3r/tr)on fei) lug". 3n ben

„Sonetten" venranbclt ftd) bie tragtfd)c Stimmung betf :I)id)tcr3

in bie füficftc SBcl)mutl). 2)ie franfe 93ruft, bie nur ber ©efang

jn h"il)lcn vermag, ergiept ftd) bier in einen golbenen, gläitjenben


144 (Genien fcer t-eutfcfycn fpoefie.

«Strom ber ßlagelaute. SBeniger mäcbtig unb rein fprid)t ftd) ber

tragiferje ©eift in ben cr$al)lenbcn 2>icr)tungen aud. 3n ber „Senore"

burcbmefyt er vorjügltcr) bie erften Strophen, mo bic Setbenfd)aft ber

Siebe mit ifyrem ©egenftanbc bad 2id)t be6 SBeltaüd erlöfcben ftcfyt

unb ol)ne ihn fclbft bie Scligfeit bed Jpünmelö t>crfd)inal)t, mo fie

bid jur Safterung ©otted fortfd)reitet unb baburet) bie Strafe ber

ewigen ©ereduigfeit auf ftd) I)crabruft. 2)ie tieffte £ragif bed s J)?it=

Icitö aber finbet ü)ren Sludbrutf in ber w *ßfatrer8 Socbter von Sau*

benl)ain", mo und ber gange Jammer ber SDtenfcöfyeii überfallt.

Sßaö nun bie 2Belt ber mirflid)en ©egenftanbe betrifft, burd)

U)eld)c ftd) bic Sd)öpferfraft unferd £>ict)terd angezogen unb begei*

ftert füllte, fo fyaben mir vorjugdmeife bie Urfprüng(id)feit, bie £reue

unb üjnnigfeit feined 9?aturftnne6 r)en)orjUtr)eben. (Sine reijenb*

frifd)e unb golbige .«pelle ift über viele feiner Silber andgegoffen;

auö anberen mcfyen und bie gefyeimften Schauer bed ©raufend unb

(Sntfetjend an, Slucr) ber Sludbrucf feiner (Smpftnbungen unb @e*

banfen ift mit 2lnfd)auungcn bed 9?aturlcbcnd gefcfymängert ; bad

©eiftigftc nimmt bti ir)m unmillfürlid) bie ®e\talt ber Sinnlid)feit

an, unb feine Sprache ift reid) an marfigen, fd)öpferifd)en Stymbo*

len, in mclcben bie (Sinmirfung St)affpcare'd unverfennbar fyervor*

tritt. 2)afj aber ber geiftige ©efyalt bei if)m nid)t fomol)l jut bc

I)enfd)cnben unb umfd)affenbcn Seele ber 9?aturbilbcr mürbe, ald

vielmehr in benfelbcn ftd) verlor unb von ifynen bemieberge^ogen

mürbe, finbet feine vollfommcne Scgrünbung in ber ganzen (Sigcn*

tt)ümlid)fcit bed 3)id)terd, bie beftänbig ber Gntfcffclung ber 9?atur*

gemalten ^uftrebte, unb in feinen verfebrten, vorgüglid) aud ben 3u-

genbfd)riftcn


(Genien rcv beutf$en fpoefie. 145

neu 33altaten. £er JDatjteHung teö Sd)aucrlid)cn wurte bei und

turd) bie „Senore" erft eigentlich bie 58ar)n gcbrod)en, obglei^ cS

nicr)t geleugnet werten fann, ba£ bem Diester in bufei (Stählung

»veniger bie leifen, feinen unb gcifterfyaften Striche, als bie terbeu

unb fügten ©runbfatben ber ^bantafte ju ©ebote ftel)en. 33ctciu

tenber nod), als hier, treten bie SRaturbüber, bei größerer JRau&eit

bcS (SoloriiS, im „»Üben Säger" fjeroor. 3n ber ff *ßfarrer6 £oa>

ter von £aubcnt)ain" ()at fdjon 21. 2B. v.


11k in ber „(Sturer*

<

tänbelei", im „ Dörfd;cn //

, in ben „beiben Siebenben", in ber „@u*

ropa", u. f. w., ba malt er ftd) mit jutraulicrjcr, oft mit berber

^>crjlid)feit bie anmutfyigcn 5)uibd)engcftaltcn au6, wie e6 ir)m (bm

ber Diaturfinn eingibt. 3n ber „Jpolben, Die icb meine", mifebt er

alle garben beö SZaturlebenS, um ein 2lbbilb für bie fyolfcfcligftc ©e*

ftalt 311 treffen, bie fortan alö ein unübcrwinblidjcö ©eftirn über

feinem Ztbm Ijerrfcfycn follte. Seine 23ilt>cr ftnb l)icr überaus (in-

fad), t>olfötl)ümlid) unb lüntlid). £cr ©cniuö legt alle Sli$c ber

ßrfyabcnfyeit nieber, um ftd) mit finblidjer gieubc in bad blumige,

reijenbc $)iäbd)cnbitb 31t »erfenfen, baS il)m eine »erfd)Wcnberifd)c

Sülle ber 3ugcnb cntgcgenatlnnct. 3)ie 9taturbilber werben ber


1

©cnicu t^cr t c ii f cf> c n t hoffte. 147

fyolbfeligen ©eftalt ntdjt alö ein Sd)mutftverf von 2Jergleici)ungcn

unb Embolen beigegeben, fonbern jie crfcbcincn mirftieb, alö 2>uft

unb 33hit()c ber ©eftolt fclbft. Sic, unb nur fic fpannt ben lichten

Fimmel vor ben tnmfcncn Slugen bcö Didnerö auö; nur auö iljrem

-2lntlifjc minft i()in bie fanftc Sicblid;feit bei s JQianbclblütt)e, baö (eife

bewegte -igalmcngclb entgegen, nur von ifyrcn Sippen vernimmt er

bie glötcnmclobie ber SRacfctigafl unb Serctyc. 9? od) in (einer tragt*

fdjen Siebeöperiobe bewahrte er fid) ben munteren unb nccfifctjcn

©inn, ber it)m baö anuutfljige Siebten: „ber Siebcö^auber" eingab.

583 ic ein rotI)tt>angifle$, gefunbed 23aucrmnabd)cn lad)t unö biefeö

©ebid)t mit allem föeij ber naiven Sd)clmcrci auö blauen, treuher«

jigen 2Uigcn an. Der 2)id;ter jeigt fiel) l)icr alö ^Jiciftcr in ber von

Sefftng im Saofoon empfohlenen Äunft, feine ©eflalten nid)t fomofyl

burd) unmittelbare £arftcllung, atö bind) SBirfungen unb SBejieljun*

gen 511 malen.

3n ben ©ebneten an s D(om;, bie einen vorl)errfd)enb tragifd)cn

©runbjug erhalten l)abcn, fel)en wir bie etgentlicf) plaftifcbe 2)ar*

ftcllung ber ©eftalt vcrfdjwinben unb in bem SReere ber Sonmelt

untergeben, bie burd) ben Sturm ber Seibcnfd)aft ju mad)tig wogen*

ben 23ranbungen aufgeregt wirb. 2)tep gilt befenberS von ber

„(Siegte, alö ^colh) fidt> loörctßcu wollte", bie wir alö einen voll*

fommen unfreien Dcaturlaut begetcfynen muffen. 3m „l)ol)en Siebe

von ber (Sinnigen" bagegen, meldjcö nad) bem 93crluftc 3Roflr/8 ent*

ftanb unb i^on bem 2>id)tcr lange unb forgfa'ltig ausgefeilt würbe,

freute ftd) bie tiefe 5Hkt)mutt) ben ©egenftanb tr)rer untergegangenen

Seligfett jur ruhigen ^Betrachtung gegenüber. @ö war il)in SBebürfc

nijj unb einziger Xroft , baö uncnolid) tl)eure 93ilb ftcf> in möglich

fter Slnfcfyaulicbfcit auSjumaten unb feinen (Erinnerungen baburch

einen feften Umrijj ju geben. So marfig er aber aud) bie Sorben

auftragen mod;te, fo würben jte bod) nid)t feiten burd; feine £{jr&*

nen wieber vermifcht. Sind) verfd)Wanbcn bie einzelnen 3&g* unter

ber (Sinwirfung bcö erhabenen ©runbtoncö, ber ftd) btefer 2>id)tung

bemächtigte. SDagu fam bie Sd)Wicrigfcit bcö von il)m gewallten

5Berömajjcö, baö mit fpanifcfyer ßierlic&feii unb bracht cinhcri'cbrei*

tet, unb t)a


148 ©cnicn t-cv tcu tfd;cn SPoefte.

tfyüinliefyfcit gegeben b)at, unb mel)r noer; ald bie einzelnen garben

ifyred 33tLtcö , bie und l)iev entgegen jtrarjlen, offenbart und ber leü

ferc $; ift ber weib*

lid)e Span, ber in allen blättern unb Blumen, Strafen unb $län*

gen biefer 5)id)tung webt unb waltet. s )Jcan fübjlt ed, bafj oft ber

leifefte 5lnl)aucl) ber Spradje, ber feinfte Duft, ber über einer 21>ort*

blume liegt, nur von if)r eingegeben fein fann. ipier ftnb 93erfe,

bie bem Siebter nur von ben dienen einer SKoOi; jugclädjclt, nur

von if)ren Siebfofungen abgefd)mctd)elt werben fonnten. 2>ie fpätc*

reu Sonette, bie bad wunberbare 23ilb in immer reinere Sletfyerlüftc

ber SBerflarung ergeben, fönnen ald ^ortfctiitnijcn unb (Ergänzungen

bed l)ol)en Siebed betrad)tet werben. Sind) „bad S3lümd)en SBunber*

bolb" vergegenwärtigt und bie magblidje 33cfrf;cit)cnt)ctt unb wciblid)*

reijenbe Stille ber ©cliebten.

2Bad nun bie Stellung betrifft, weldje Bürger ju ben t>cvrfc^en*

ben ©enien unb ftttiidjen Sttäcrjten bed 5D?enfd)enlebend einnimmt,

fo l)aben wir feiner Siebedpoeftc ferjon f)inläng(id)e (Srwabnung ge-

trau unb it)n ganj cigentlid) ald einen Dichter ber %kbt bejcidjnet.

(£r barf in biefer 5Bejtel)ung an bie Pforte unferer neueren Literatur

geftetlt werben, infofem er biefe ©attung ber Sßoefte auf bie 28al)r=

fyaftigfeit unb 9?otbwenbigfeit ber innerlicbftcn ©emütbdmelt jurücf-

führte. Tief? ift aueb ein ganj wefcntlicfyer ©runb, warum feine Sdjö*

pfungen mit einem freieren unb reicheren Sd)önr;eitdglan$e umgeben

finb, ald bie eined ^lopftocf, Scfftng unb SBielanb. (St fyat ben

Steigen ber Siebe erft ben wahren, unwibcrftel)lid)en >$cmbix ber .Ühtnft

entlehnt unb ift in biefer £inftcr)t ald ©ötl)c'd Vorgänger 511 betrad)*

ten. — (Seine Siebedbid)tungen bewegen firf) balb in einer vollfom»

men abftraften Sinnlid)feit, balb in einer geiftigen (ynt^ufung, bie

iljn, wenn aucrj r)öd)ft feiten, über t>a^> enblicbe Dafcin emporbebt,

balb enblid) entfprtngen fic ber cint)citlid)en Xicfe unb SebenßfüUc

bed ^er^end unb feiern bie magifdje SBermäljIung ber Seele mit ber

Sinnlicrjfcit. Unter ben ©ebid;ten biefer letzteren ©attung (äffen

ftcr) wieber brei Slbftufungen unterfel;eiben. Ginmal nämlid) verweilt

ber Sanger in feiner gemütfylicfeen, unentjweiten 9("aivetät unb fingt

fein muntered Sieb mit bem leichten grorjftnnc eined 33ogeld, ber in

ben 3^eigen wobnt. Sobann aber nimmt er, vorjüglid) in feinen

©ebid;ten an ÜRotty, bie gan^e Jragif bed Siebedfdjmer^ed mit il)ren


®cnitn bei tcutfcljcn Sßotfie. 149

rührcnbftcn unt rrfd^Otternbflcit Jonen in ben Ärciö tcr 5)id)tung

auf unb entfeffelt alle Dämonen bc£ letbcnfd)aft(id) aufgewühlten

©emütfyeä. SBenn fcierburcl}, wie ©dn'Her fagi, feine ©timmung auet)

wohl jut flirte gefteigevt warben fann, fo ift eö bod) bei 3lu-3brucb

ted namenlofen ©djmerjeö, bec mit ber straft bc$ 93ltye8 ben Sd)oop

bei tieferen s

|>oefte in ibm aufreift unb befruchtet. Unter dual unb

Sienb errang er ftef) jene machtvollere unb fül)nerc Sprad)c, worin

er alle feine Vorgänger weit übertraf, unb nur auö ben gcfcfjf offenen

SBunben einer jerriffenen SSrftji fonnten nacr)r)er bie 9iacr)tigallcntönc

feiner „Sonette" unb feineö „l)ol)cn Siebed* f)cnwrque(lcn. 9tur ber

Saoarinbc, womit ber rafenbe QSulfan bie 2lucn überjrrömte , fonnten

jene 33lumen von wunberbarej 3«rt^ett cntfpricfnm, bie feine fp.&te*

ren Siebergaben fdjmücftcn. 3Hd QSorboten tiefer tragifc^en (Snt*

jroetung fönnen bie fanft unb innig - gelungenen 9comanjenlieber:

„Schon «Sudeten" unb „bcö armen ©uöc§en8 Sraum" betrachtet

werben. 3m „Sicbcefranfcn" ergieft ftcr) weljmuti)$&ofl unb weicr)

bie fyoffmtngStofe %i(bc, bie feine Kettung mcl)r fennt, als ben Zot

an ben fußen Sippen ber (beliebten. Sinei) in ber „Umarmung"

WÜnfdjt ftcr) ber 3)icr)ter nur nod) in bem S\u\}c moliuftiwller Xrun*

fenheit 51t fterben, unb löfet feinen unauöfprcd)lid)cn Sd)mcr$ in bem

©ebanfen auf, in vereintem £aud)e mit il)rer Seele ju ben ©cftl=

ben ber unjerftörbaren Sßonne ju entfct)weben. dagegen brauji ber

Sturm feiner Seibcnfdmftcn, oom wilbejren Xamon ber Verzweiflung

aufgejagt, buret) bie jerriffenen Saiten feiner Seicr in ber „Plegie,

als SOcoü« ftd; todreifen wollte", bal)in. SDcilber unb rut)iger flie*

fien feine Xöne in „Wtotitfi SBertl)", unb baö @cbid)t „an bie Fal-

ten SBernünftlcr" »erftdjert in fdune 1-3 Inten, aber nac§brucf3ootten

Sauten bie unmibcrftel)lid)c 9caturgcwalt ber %id\\ Slucj) in einjel-

'neu (Stählungen, 5. 23. in ber „Scnore" unb im „©raf 2ßa(tl)er",

un'rb ber tragifchc Slbgrunb ber Ziehe tief aufgeregt. Sluf ber britten

Stufe ber concreten Jperjcnßliebc unb auf bem (Gipfel ber Bürger*

fcfycn ^cefte überhaupt ftnben wir bie fpatcren 2)id)tungen, in Wet*

cr)en bie ibeale Sßerftarung feiner „.©abrieft" wieberfeljrt unb ber be*

fdjwidjiigte XrennungSfdjmerj in ben fitfejren Sauten flagenbcr, aber

cbekgefaftet Erinnerung jjmfdjnnüjt. £icr wirb ihm bie ©cliebte

jur (Sgcria ber wat)ren Xidnung, bie il)m in ertrau liefen 3wiege-

fprad)cn bac3 ©el)cimni|j ber ewigen Sd)bn()eit offenbart unb gletd)

ber bämmernten (Joö bie föofenpfortcn einer unjerjtörbaren ^errlict;


150 Genien tcr r-cuti'djcn Sß-eeftt.

feit vor feinen begeifterten Soliden miffcMt'efjt. So ftnben »vir baö

„f)ol)e Stet" unb mefyr nod) bie fdwnftcn feiner Sonette in baö

glorrcid)fte £id)t bcö 2Iuferfte!)iniqömorgcnö eingetaucht. 2Bir fcfycn

fdwn ben Siegenbogen bcö grtcbenö auö bein büfteren ©cmölfe beö

(§rbcnfd)irffalcö Ijerwrtreten , unb ber geflügelte ©ötterbote fdjcint $u

nafycn, um bem Xicfyter feine ^Befreiung anjitfünbigen.

2Beniger, alö ber ©cniuö ber Siebe, läd)c(tcn unferen Dichter

bie ©enien ber ©efeUigfcit an, ©eine unflaren Segriffe von ber

bicrjtcrifd)en Popularität verleiteten ifjn, bie Saiten ber focialcn ^oefte

aUjutief herunter ju fpannen unb ftd) in einen £on beö unebeln

,!pumorö hinein 31t fingen. (Sr opferte bem SBeingotte nidit, roie

SInafrcon unb ^oraj, im feftlid)en Sd)mutfe bcö Siofcn* unb 9Jci;r*

tt)cnfran^eö unb bradite il)in nod) weniger, wit ^nffy, auö ber golb*

gellen Sd)aale eineö s

}?ropf)etengcifteö, ber bie 2öc(t überwunben

fyat, feine Spenbcn bar, fonbem fttebte beinahe baö ©ebrüll ber vom

23acd)uö betörten Sapitben unb Gentauren nad)$ual)mcn. 2>n bem

blinfenben ©olbc ber Sieben perlte ü)in nid)t bie Segcifterung ju

göttlichen ©ebanfen, bie baö ^erj, frei unb feiig, über baö nichtige

unb treulofe Söcltgemiminel ergeben. 23ielmcl)r 30g il)n ber finn>

ltct>e Siaufd) erft recbjt auf bie (Srbfdjotfcn herunter unb l)ieft il)n

baran feft.

Dagegen fcfymott unferem CDict)ter eine mächtige unb fftfyne 2lber

für ben ,!god)gcfang ber $rci()cit. Seine g-rcil)eirögcbicbte waren uiv

mittelbare (Srgüffe ber reinften 9JJcnfd)ltd)fcit, bk feine Untcrbrücfung,

feine £r/rannei neben ftd) ertragen fonnte. 60 eiferte er namentlid)

in gerechter Empörung gegen bie

s

^arforceiagbcn ber dürften unb

Sunfcr, bie, „um verruchter Suft 51t froljncn, nid)t Sd)öpfcr, noeb

©efcfyö'pf verfcfyonen"! (St gab bem Sauer bie fräftigen SBorte an

feinen burd)laud)tigen Grannen in ben 9Jhtnb: „2ßcr bift Du, Surft,

ba{j o()nc Sd)cu 3erroÜcn mid) Dein SBagcnrab, jerfd)lagen barf Dein

9?o£? 2Ber bift Du, gürft, ba£ in mein glcifd) Dein gicunb, Dein

3agbl)itnb, ungebläut barf Äläu 1 unb 9cad)cn t)aun? äBcr" bift Du,

bafj burdj Saat unb $orft baö ^urrar) Seiner 3ngb mid; treibt, ent*

atl)tnct, wie baö 2Bilb? — bie Saat, fo Deine 3agb jertritt, \va^

Diofj, unb ^unb, unb Du vcrfd)lingft, baö 23rob, Du prft, i{t

mein. Du, Surft, Ijaft nierjt, bei (Sgg' unb ^flug, bjaft nid)t ben

(Smbtctag burdjfcrjWifct. 9J?ein, mein ift gleiß unb 23rob! — ^>a!

Du warft Dbrigfcit von ©Ott? ©Ott fpenbet Segen auö; Du


©cnien bet r-cutfcficu Sßoefie, 151

raubft! Tu ntctit von ©ott, Sprann"! $h ben „bebten" ergriff

ber Dichter ben von ttlopftorf fo baufi^ unb mit fo mächtiger 33c*

geiftenmg, ja mit wahrer (5(afftcitat bcfyanbcltcn ©egenftanb; er 30g

bie ftttu'dje 93crcdnigung be« Krieges unb tie Slnfprüdic ber im

Kampfe Gebliebenen auf Sorbccr unb Sftadjrnljm vor feinen poetifdien

9tidHerftub(. «Spicr nimmt (eine Sprache bie maditigften nnb fiiljn*

ften Xönt jufammen nnb braufet, SUIcd vor ftd) niebenverfenb, wie

ein Drfan bal)cr.

SBürgcr'S reKgiöfe ©ebidjte tragen im Qlllgemeincn ben (Sjjaraf*

ter eine« fcbliducn, treuherzigen ©otröertrauenö an ftd;, baS über

ben ÄrciS ber volf^tbümlidjen, verftänrigen £lart)eit nidjt hinauf

ftrebt, nnb baö ©ebict ber nn;ftifd'cn Sluffaffung unberührt läfjt.

3n biefem ©eiftc i\t namentlich baö „2)anflicb" unb tk (Sr$äf)lung:

„©anet Stcpt)an" gebietet. 3» jenem banft ber dichter feinem

©otte für bie ©aben ber %kbt unb bcö SßeineS, für tk ßrjeugniffe

beö ©arten?, bcö gorftco unb ber Srift, für SnbienS ©cttntrje unb

felbft für „Saba'ä lohnen", für ©efunbtjett, Se&ertSfraft unb froren

s Diutt), für ben fd)opfcrifcbcn 25id)tcrgeift unb für bie $at)igfcit, ben

3rrtl)um von ber 2Barjrf)cit 31t fonbew, enblid) für ben freien Sie*

berftnn, ber fein ^erj »or nietrigen Saaten bewahrt, „kernet aß unfer 2)id)tcr (in IcbcnbigcS ©efüt)l für ba6 9tecr)te, @itt*

licfjc unb ©ute in fid) trug, r)aben mir bereits an mehreren Stellen

nadjgcmicfcn. 3n manchen feiner ©ebtcbjte f)at er nun bie beftimmte

3lbftd)t, einem ftttlid)cn 3u>cefc ju bienen unb für bie 93crnrirflidHtng

beffelben 511 begeiftern. So pfeift er in ben feurigften unb ergaben*

s

ften 2ßortcn bie ,, )Jcanncrfcufd)l)cit'', fo ftcllt er in ber „ffur}* unb

namentlid) im „braven SKanne" feinen Scfcrn ermunternbe Horbilber

beS uneigennützigen unb aufopfernben ©inncS auf. 35er „herzliche

33icbcrton", womit er biep tl)ut, bemeifet uns untrüglich, baß er

nidn abjfract moraliftrte, fonbem baß er in \cimn Sbealcn bie eigene


182 ©eaien ber beutfclicn üßöefie*

SremVrjigfcit unb ©tite abfpicgclte, unb bafj itjn aud) für folcbje

Sugcnccn, bie er bei bem Verwalten feiner ftnnlicrjen 9?atur nid)t

erreichen tonnte, bie tjciligfte ($l)rfurd)t bnrd)g(üi)tc. 2)a ir)m SBafyr*

I)aftigfcit a(3 erftcö ©efefc bcö 2eben8 galt, fo t»crmod)tc er nid)t,

ftcf) and) nur baburd) in ten Sittgen ber 2ße(t ju erbeben, bafj er

ftd) für ftttlicbc Aufgaben begeiftert jcigte, bie er nid)t felbft feinem

SBillcn gefefct fyatte. @8 mar ü)m gemifj ber i)ei(igftc (Smft um bie

^Bewältigung feiner 33cgicrben, alö er bie „ s V)?änncrfeufd)()eit" biet)*

tetc. 2118 bie eigentliche ftronc ber @ebid)te, in welchen er ba8 -Spei*

Ugtfjurn ber r)ö'r)crcn üKenfdjennatur vcrl)crrlid)t, l)abcn wir „bie (Sie*

mente" jn betrachten. (§r bejeict)net fyier ben SJfenfcfyen a(8 ben

t fann.

Du 23aihrb Mi! r»a§ Dift Mi Mmn? —

Unb warft tu mächtig, fcfcön unb reiefj,

Dem Salomo ein 23ei*beit glcicfy,

Unb luittift gor mit Sngefjungen

3ut Seit gerebet unb gelungen

Du Baftarb, ber nicht lieben fann?

ä^aö bift Mt ebne Siebe bann? —

(£in tobter JUumpen ifi bein crj;

Du bijt ein citettönenb (frj;

53ift leerer ÄUngflang einer ©cfjelle,

Unb STofen einer SBafferweOe."

SBorin«. Dr. ^tiiinuuimtnn.


tUbir fcw rtttö fJitrtuifiictt I)mj0r0?0fttt0tittn JlDJectiuett

aer ortitfcljeit ^nrndje.

*J3arttcipien werben ju 2lbjcctiven, wenn ftc bem 93f griffe

ber 2/ljattgfeit, ben fte als fofcije in abiecttoifdjer gorm barftcllen,

entfagen, um $unad)ft einen 3"ft«nb / barnad) grabejU eine (Si*

genfer) aft 51t bejetcrjnen. (£0 lange an ^artieip biejenigen SBejte*

fjungen auf ein Dbjcct, welche baö Q3crb, von bem eö gebilbet ift,

erforbert unb vertragt, nierjt aufgegeben fyat, fann cö bem Slbjectiv

nid)t glcid)ftcl)cn. Slm bcutlid)ftcn offenbart fiel) tiefet Untcrfdn'cb in

ber lateinifdjcn Sprad)c an mehreren *ßarticipien , welche alö 2lbiec#

tive gebraucht werben, inbent ftc baö Dbject im ©enitiv ju fiel) nef)*

men, wäfyrcnb bem ÜBerb fclbft ein anberer (Safuö jufommt ©0

fycifjt fugiens laboris arbcitöfd)cu, sitiens sanguinis blutbürftig:

in ber SSerbinbung mit bem Slccufariv Dagegen behält baö 5ßart. feine

verbale Function, roeldje bic ^aitpt()anblnng je na er) bem 3 ciivcrs!

I)ä(tntffc berfelben begleitet, 3war fann baö 5)eutfcf)c bieö nid)t

nacf)al)mcn; boeb mögen l)ier bie bekannten Lebensarten ,,fid) eincö

2)ingeö vermutfyenb, ermartenb fein" 1

) verglichen werben, in

benen bod) nur baö 5ßart. ben ©enit. ftatt bcö ebenfalls gebrauch*

lidjcn SlcatfativS 2 ) gu rcd)tfertigen fd)cint, obfcl)on ein abiedivifeber

(Sljarafter bcffclbcn atlerbingö nid)t beutlid) hervortritt, 3. 23. (Solcher

(Ergebenheit war id) mir von (Domingo unb £>erjog VUba wirflid)

nid)t vcrmutfycnb. ie 6on-

M ^(atft. sik vermoden, verwachen sin.

a ) JBijt. Scfftfifl, Statban II, i. — 3 ) #artm«nn'3 Sroein 4308.

4 ) ©. ©limm, ©ramm. IV, 6(50. £cr afcmeidjenbe ©ebraudj bei @rimm

fclbft: Sikihmi, t c« ftctnbcS erwartenb (@ef$.

t>. beutfd).


154 lieber bie aus 93arttcip. Ijertcrgegangcnen 9ltject. :c

ftruetion beg participialcn 5lbjcctivö bemüht 1

) vergleicht ftdj mit

ber bc3 griedjtfdjen iParttctpg ixiora/nsvog 2 ) unb bet tateintfetjen

2lbj. conscius, gnarus.

5luö bem 3uf* l1 "* e 9 e^ ^ @i genfer) aft ^eröorj beider bic

üftenge von ^articiptalformcn, welche tljcifö in vcrfdM'ebcncr Sebeu*

hing Da(b jenen, balb tiefe be$cicfmcn, fljeffö auö tljrcin verbaten

93erl)ä(tni(fe »öflig f)erauögctrcten ftnb. Mortuus unb friinjöf. mort

beißen geftorben, aber and) tobt; tobt, aht. tut, (eitet ftcb von

towan 3 ), Vüie mortuus von mori, mort von mourir; — alt ift

niefct weniger urfprüngfid;c3 ^artieip alö altus 4 ); (elbft funb unb

gcrvijj 5 ) ftnb auf biefc QBcife ju beurteilen unb mit notus unb

certus c )

jut vcrglcid)cn. Doctus, eruditus, laudatus, exercitatus

vergalten ftcb vtu'e bie cntfprccbcnbcn beutfeben SBörtcr gelehrt, ge =

bilbet, gepriefen, geübt, balb verbal, balb abjeetivifd).

$cin reincS ^art. Vertragt bic (Somparationöformen ; n>o tiefe

vorl)anbcn finb, gilt ba3 *ßatt. a(6 Slbjccttv. CDarnad) beurteile

man, abgcfel)cn von gcrvö'bnltcben 33ci(pie(cn, folgenbe vereinzelt

ftebenbe: 3d) mar immer unbefriebigter unb gequälter gurutfge*

fommen (®ötl)e, 33b. 25 cn

Sonftruction „ ltut ift fiel) rein lenw&t" ficht Lehmann, ©ötr)e'8 €>»r. S. 394 eine

ßflipfe beö 3nftnit. „511 fein". Seilte niefct »telmefrr bem 2lu3bruc?e „fiel) beroujjt"

hiev berfetbe SafuS jügefallen fein, weldjer ben jinm>etttanPren „weiß fid), fühlt

ftcr)" gebürjrt?

2 ) 3nt ®egenfn&e baju ift Me gfäOtgfett »erbater ötection hei fem 9irjcctiu

iTttoTTjucop bemerfehöroertt), j. 93. tTZiOTijuoves rjaav t« 7toos7]y.ovra. Xenoph.

f. 9t. .Jludjner in Secber-e'S .ftrit. Stbt. 1830. S. 161.

3 ) 93^1. im (iiialtfdien dead unb die.

4

) 2tltucrb. ala = tat. alcre; Dgf. got!j>. aljan.

6 ) ©. ©rimm, ©ramm. IV, 28o unb 167.

8 ) SSörtlid;: entfd)teben; »gl. xqIvuv, cernere, decernere, certare.


Heber bte aus Jßartieip. lervotgegangenen 2tbject. u. 155

ben Tropen ftnb bie ©cnsäc^fe faftfirofocnber (21. v. .^umbolbt)

fte tonnte in bem Sdwftc tcr ©eligfeit nicfjt aufgehobener (ein

(©mit. ©alottt) '). 2>af im 2l()b. unb s M)b. ^artieipien im ©an*

jen feiten tie Komparation »ertragen, lel)rt ©Timm, ©r. III, 584.

"Den audgebclmten (ateimfdjen ©ebrattd) l)at mit großer ©eleljrfam*

feit oerjeic&net Seipel in b. 9i. 3al)rb. Sttppl. XV. ©. 208 — 224

ber ©ricd)c iit cu\i wenige g&fle befctjränft, j. 93. e§Q(Dfit!vog.

2)te bcntfdie 3prad)c bellet vor anbeten Sprachen ein Üfttttel,

bei tranfttioen Serben bte pafftve Jpanbluncj in ber Vergangenheit

von bem pafffoen 3 u ftanbe, a(8 ber ftolgc jener ipanblung, be*

ftimmt ju unterfdjeiben, nämlich in bem ^art. bcö äd)teftcn SBeftanbtljcilj ein aubevec in See-

bofc's JWt. ©ibl. V, 2, 730 hält etroaS für regeterfparenber.

"-) Jur ©cfcf)ict)te beffelben »ergt. Jlenrein in aSiefcofP« 3lr#i» II, 2, 89—90.

a ) 3n einer lleberfejjuna, folgender Stelle aus Saflujt: bis rebus permota

civitas, atque immutata urbis facies erat tvärc bei 3i'l v1 !? bcö JpiilfeverbS ein

fchjimmer genfer.

*) Eine eiiientlicljc SluSlaffung ftutet ridttij niemals Statt, ivcil fiel; taö

prätoieatfoe 4 $art. unmittelbar mit tev Go^ula berbinbet.


156 Uct'cv Mc au 3 avticiv. frertoorgegangenen 9tt>ject. :c.

i ft a u f g c b r o d) e n , lauft burcfy'd gan^e Säger. Sungfr. v. Drl. IV,

1. S0h'i ift baö §ejj öerwanbelt unb gewettbet M IV, 1.

2>a{j td) gerettet (ei unb rooljl geborgen. V, 1. 5)aS Söerf ift

angefangen, nid)t vollenbct. — 2>ic $einbc finb »erjagt

2>ic Surgen finb erobert. — 33on einer großen $urcr)t finb Wir

befreit. — 2>er Äatfer ift ermorbet. ©ang n. b. (Stfenr). 1>er

ift beforgt unb aufgehoben. SiegcSfcfi: 5lu3geftritten,

auögcrungcn ift ber lange fd)rocre (Streit, aufgefüllt ber Krciö

ber 3 elt und bie große Stabt bezwungen.

3n gfeidjcm Sinne werben verftanben gcfod)te6, geoarfteö,

gefallenes, geräuchertes ^(etfet? ; gebrannter unb gemat)*

lener Kaffee; gefebmoljene (gcfcfymelstc), jcrlaffene 23uttcr

gebampfte Rubeln unb gebratene Kartoffeln; gefangene, ge*

feffelte unb freigelaffenc SDJenfdjenj angeftclltc unb befol*

bete, entlaffenc unb abgefegte 33camtc; aufgewogene unb

l)cruntcrgelaffene ißorfyängc; ein gefd)nürtcr Seib unb ein

gcfcrjininfteS 9lngcftcr)t; verhaltene, unterbrürfte Üfyränen

unb Seufzer; eine abgefd) äffte, abgestellte ©ittej nieberge*

tretene Sd)ut)e;* gepreß teS Scber; eine gefegnete ^Jtabljeit;

ein gebcfynter unb ein gezierter Vortrag; verfrühte unb ver*

fpätete, abgemachte unb abgcfdjl offene Sadicn; eine be*

bungene Slrbeit; gebrutfte, gebunbene, burd)fcr)offenc

33üd)cr; eine geheiligte, gemeinte Statte; untergeorbnete

^erfonen unb Sä£e; ein gesurftes Sdjmcrt unb eine gelabene

glinte; ein befcrjwcrteS unb bclabeneS ©croiffen unb ein über*

laben er SÖagcn unb ÜRagenj ein gefpanntcr Sogen unb eine

gefpanntc 9lufmcrffamfcit; ber verlorene Sofyn; verfd) loffenc

unb geöffnete 2l)üren; eine vcrftcgelte unb eine angebro*

e^enc ^lafc^e j erbid)tete, erlogene, aufgewärmte unb ver*

bürgte @efd)id)ten; angefcrjmemm tcS Sanb; (in gebedter

Xifcl); zubereitete Dclfarben; ein gewcißtcS unb ein gcfyci^

teS 3i'NNier; ein b^ft eilt er 2(dcr unb ein beftallter Pfarrer;

geteilter Schmers; behaltene Steine; befrtebigte, gefüllte

Scrjnfudjt; bie angevoanbte ©eometric; ein geftüfcter 23aum;

ein georbneter Kampf; verftoßene Kinbcr; verfpr engte «Speeres*

fyaufen; verwunbete Solbatcn; eine gereifte Stimmung; ber

verbrochene Krug; gefammteS, geflochtenes, gefdjettel*

teS ^>aar; gebrochenes 'Deutfcb; ein bewaffneter Leiter mit


lieber c-ic 000 $«rticip. hervorgegangenen 'Jlrject. je. 157

»erhängtem 3"9el; eine erprobte Sugenb; gebrauste, ab*

getragene, abgcfcfyab tc, abgerufene, gcflicfte, gcftücfte

unb geftirftc Kleiber 5 verbiffene SButlj unfc ein angebiffener

Slpfel; jufammengcfc&tc unb jufammengejogene @&fce; ein

gefluchteter ©ebicter; eine übertragene 33cbeutung; bejogene*

2uft; eine erlcbigtc 33cbicnung; ber ennübetc Sßanbrer; er*

laubte unb verbotene ©cnüffe; eine a bgebrofd) ene Siebe unb

»erbrofdjene SÄä"b,r(t)en ; bafl gelobte Santo unb bie »er Übte

Jungfrau; gegoltene ©etrftnfe; eine angegriffene ©efunbtycit

unb ein »ergriffenes 33ucr); eine vorgefaßte üWetnwngj gc*

fd)liffcnc ©t&fer unb 9Renfd)en$ aufgenommene Swejterj ber

geja()intc unb abgerichtete 93är; ver fcrjränftc Sinne unb

unterfdjl agene Seine; ber gefenfte 33(irf; gctrocfnctc unb

eingem ad) te $rüd)te 31t t)crabgcfe£ten greifen.

3Ser)rere Spart., ivcld)e metjtenS nur prabicativ gebraucht werben

unb einer (Srgänjung il)reö 93egriffe$ bebitrfen, vvie: verbun*

ben unb verpflichtet, gcnötr)igt, überhoben, auögefe&t

unb übcrlaffen, »err)tnbert, überzeugt u. f. vo., cnhvirfeln

mit £mlfe ber (Sopula fein einen neuen Q3crbalbcgriff, 3. 53. 3d)

bin genötigt ju verreifen — von ber 2Bar)rt)ett überzeugt — ver>

Innbcrt 51t crfdicincn l ).

SBetl in allen bisfycr aufgeführten pafftven 5J3art. vorjüglid) nur

erft ein 3u f tan *) auSgebrütft liegt, ber a(3 bie §o(ge einer vorauf*

gebenben ^anblung 2 ) 31t betrachten ift, fo gebührt il)nen ntcr)t ber

') 5lu8 rem Arait,. Meilen 511111 Vergleiche: etre chavme Ulli ravi, af'flige

UtU> fache, etonne uuC surpris, tente, dispose, convaineu, aoeouturue, obligt',

tenu; — oitä rem (yngl. to be astonished, surprised unt1 amazed, obliged,

convinced, aecustomed, mistaken, vexed.

-) ?lnf t-cit llnterfchieo, ob eine £anblwng nti ooflenfret unb abgefebtoffen ober

atö ranerne 511 betrachten fei, wirr insgemein eine rovvelte 9lrt arjcctioifcbcr SjJart.

SPrät. gegründet. ©ö£mger, ©ramm. I, 71 i, lehrt , oajj im ©egenfa^e 511 t^cm

l'luöcriicfc „oic eroberte gfefhmgV in »eifern ÖaS spart, bie SBoflenbung bezeichne,

„ber geliebte Sohn" nicljt blojj heif;e „einer Der geliebt worfen fei", f 011 Ter 11

„geliebt weite". £er


138 llcl' er tue aus $J3articiv. bervorgegangenen Sltject. :c.

volle äßertf) cincö 5tbjecttr>ö ; erft bann maerjt biefer fid) geltcnb,

wenn ber ©ebanfe an eine frühere £ an blung »erfcrjroinbct, bage*

gen eine crjaraftertftifcfye, felbftänbige, abfolute (Sigenfcfyaft ftcf)

fyerauöftcllt ') 2)at)in gehören folgenbe SBörter, beren (Synonymen

unter ben Slbjecttven ju fuerjen ftnb: auöerlefcn (lectus, electus)

unb ailögcfltcfyt (exquisitus, conquisitus; t>g(. franj. recherche),

begabt unb aufgeflärt (eclaire), bebrüelt unb nieberge*

fd) lagen (rujl. abjeetus unb franj. abattu), aufgebracht unb

erzürnt (iratus), cingefcfyränft, befcrjranft (borne), Der*

n> i r r t unb verworren (confusus), geregelt (regle), t» erb erbt

unb » er bor ben (»gl. perditus unb corruptus), ergaben, t>er#

wöfynt unb »erlogen, » er r tieft unb »crfefjrt (perversus; t>gl»

engl- distracted, jerftreut), gerieben (vgl. acutus), erfd)öpft

(epuise), entfernt (remotus, frarijj. eloigne), auögebefynt (ex-

tensus), bcöölfert (peuple), gefammt (sammen, samnen mf)b.

ijt; aber es ift natürlich , ta§ derjenige, weldjer geliebt ift, aud) ferner geliebt

Wirt, weil tue Stgenf^afi mit ihm fortgebt. Uno Gigenfdjaftsmörter pnt) tiefe

jParüciBfatformrn; tie anteren, wie erobert it.

f.

w., triitfen nur einen voflenteten

3u|laut AUS. Cbglcicb jene an einer befontcren ßeit nid)t baften, fo

liegt toch

iijr Urfprnng in ter SBergangcnbeit. Sclbft in ?ev frattjöf. Svracbe, wo tas $Präf.

tßaff. ter gornt naeb, rem lateinifeben Sßerf- Sßaff. cntfvrid)t, wirt man nid;t ge;

neigt fein, rem $art. »räfenrifdje Geltung juuifdjreiben, vielmehr baffef&e als ein

2(tjeetiv ebne temporale 23eteutung betrachten. — £ic 3u fanimenjteflung Ter 9(us;

tiücfe „eine belagerte Statt" unt „ein gefragter Schüler" bei Werfer ift übrigens

infofern unvaffent, als tas juleljt genannte Jßart. fciucsivcgs in tie ©egenwart

reicht, alfo nicht «Dauer bezeichnet, „(i'in gefragter Sduiler" ift niemals ein Scbiu

ler, welcher „gefragt wirt", fontern „gefragt Worten ift". 3n ter befannten Srefle

tes ßwiuSs melior est certa pax quam sperata victoria reutet Jiniger, lat.

©ramm. §. 494 3. 030 tas ipart. gleid) quae speratur, intern er ten ©ebraud)

tcffclbcu ans tem Mangel eines paffiven *4?art. Sßräf. crflärt. äöeter jene Deutung

nod) tiefe Grflärung befrietigen. Sperata ftebt vielmehr atjectivifcb, in tcutltd;cm

©egcnfalj ju certa; sperata victoria ift ein Sieg, ter nur auf Hoffnung beruht,

t. i. unfidicr ift. £er Urfvrung ter Sebeutung ift unverfennbar.

>) 3war laut fiel) tic ISrenje liier nicht genau abfterten, fo tafj immerhin

einige ter oben angeführten Sßart. als 9ltjective gelten Surfen; allein ter Unter;

fd)iet> jmifeben 3 w ft a n l> unt (sigenfebaft tarf nieht venvifel;t werten. Sin febr

gutes .ftennjciebcn bietet in ten meifteu Ratten tic Komparation, melde fretffdj, wie

fdjon angeteutet Worten, von einigen Sehriftfteflcrn jiemlieb ungebunten allgemein

tet wirt. 2lber Diicmant fagt toeb: £ic venvuntetften Soltatcn muffen in

einem geteilteren ßimmer fdjlafen, wohl aber: Gin Skrläumter ift oft i'crfyafj«

ter als ter gefürdjtetfte rieb.


lieber rie eine i'etrticip. (per vorgegangenen ?lrjeet. tz. irs»j

= fammeln) '), berühmt (renomme) unb feerfic^iigt (diffamd),

verbrämt-), überlegt (coneideratus r)at active 33ebeutung), bc*

Horninen 3 ), bewahrt (ml)b. gewaert von wftr, wahr), au fge*

bunfen ''), verborgen imb verfterft (abditus, oecultus, recon-

ditus), verwirfclt, erwünfdit (exoptatus) unb verwünf ct> t

verbammt unb »et flucht (maudit), v c r l) a ^ t (invisus), ver*

obet nnb »er {äffen (desertus), beliebt unb geliebt (dilectus,

niebt amatu.s; »gl. engl, beloved, franj. cheri unb aime) , nnge*

betet (adore), angefeben (speetatus), gcadUet, gefcl;ätjt,

geehrt (honoratus) unb verehrt, abgekehrt unb entnervt

(enervatus), gezwungen (force), gewagt, b et!) ort unb be=»

feffen 5 ) (vgl. possedej, gefebraubt unb verfebroben, ge*

g r ü n b c t unb a u c> g e m a d) t , c n t f d) i c b c n (deeide), v e r f d) i e b e

unb im terfd)ieben, bewanbert (versatus), gelehrt, gebiU

bet, gefcb, icf t °), geübt, abgefpannt nnb ü berfpannt, un*

terrid) tet (instruit), aufgewetft unb aufgeräumt, untertl)an

unb jugetban, beftimmt, gemeffen, abgemeffen unb an*

gemeffen (vgl. aecommodatus), geflutt unb gewählt, befau>

gen, vernagelt, venvanbt (vgl. engl, related) unb befannt;

bebingt, bebrängt unb gebrungen, burd)trieben unb über*

trieben, verrufen unb verworfen, gemäßigt (moderatus,

temperatus), jurütf gebogen nnb eingebogen, red) tf diaffen,

vollf ommen ~), wohlbehalten (mbb. behalten).

60 wie bie lateinifcl)e (Spraebe von tranftt. unb intranftt. 83er*

ben eine 3ieibe von ^artieipien mit vorherrfchenb abjectivifd)em (£l)a*

raffet bilbet, bte bei paffiver gorm active SSebeutung fyabcn 8 ), ebenfo

bieten im Teutfd)cn mehrere Serben, welche mit l)abcn conjugirt

werben, unb eine größere 2lnjar)( von 3ntranfitivcn, bie-fid) beö

2

) ?(ucl) eunetus ift tirfpritnglicbe ^-irtiriphiffotni.

-) üDcl?&. verbraemen, mit X einen befcljcn, von bräme (vgl. SBrontüeere).

3 ) Spfattt», benaut,

4 ) 9}ibe. dinsen, vermeinet mit tcl)iien.

5 ) 3» einer verminten englifdjen ©raminatil beijit eS: Sßor einen irgenttriie

b efeff enc 11 ©egenfteml) fe£t Ter (Snglcm&er getn eine SBejtjj&ejeidjnnng.

u ) 39c t?c. gesebicket, eingerichtet, georfcnet; »gl. jieli l'cbiefen.

7

) SJtbr. vollenkomen = perf'ectus; eibr. follediomon = perfiei, per-

veniro; ogi. ©rimm, ©ramm. II, 070 a. SBtUf 0111 nie 11 ift Vlrjeetiv.

8 ) ©. {ßaltmmnS' ßeitfdjr. f.

b. 9Uterthnm«»if|. X, 0, 495.


160 lieber bie aus $Parttcip. bert-orcjeflancjeneii Slbjcct. k.

ipülfSverbö fein bebiencn, folc^e abicctivtfrf>e *J3articipien. 3n ber

beutfcfycn Sprache erflart ftct) bicö um fo Icicfjtcr, als fyicr, wie eben*

falls in bcn romatufctjcn Sprachen, baS pafftve *}krt. juir 33ilbung

beö activen *)3rät. venvanbt roirb. 3« fc« erfien Slrt gehören er*

fahren 1

) (vgl. consultus, jure unb juris consultus = red)tSer*

fahren, rccf?tögclcl>rt ; mf)b. gewizzen, rvörtl. scitus; vgl. franj. en-

tendu unb engl, experienced), trunfen (engl, drunk, betrunfen;

»gl. potus), v er fd) wiegen (vgl. tacitus), berebt (disertus ftatt

dissertus), vergeffen, gcfcfyrvorcn (juratus, franj. jure; vgl.

conjuratus, ein äkrfdnvorner), gereift' 2 ), verbient (meritus) unb

auSgebient (emeritus), verrucht (= unbefümmert; mf)b. ver-

ruochen, aufhören gu forgen), beritten (inl)b. geriten, vgl. franj.

bien rnonte) , b e l e f e n 3 ) , bebaut (consideratus) , verlogen

(ml)b. verliegen, verläumben), ftubirt 4 ), gelernt (engl, learned

= gelehrt) unb ausgelernt 5 ). — ßn biefen SBörtern toffcii fid>

ebenfalls bie in activer 23ebeutung iefjt veralteten *]3art. gegeffen

unb gc trunfen ftellcn, lat. coenatus unb potus, 1V03U aucl) pran-

sus gcl)6rt; neben gezzen fotnmt im 93il)b. genozzen vor; Qiq,

©ramm. III, 2il bemcift baS fpanifdje bien cenado, cornido.

freilief) ift in biefen formen ber Segriff ber Vergangenheit niebt auf*

gegeben; fte ndf)em fid) nid)tSbeftonxniger, namentlich in ber 3u*

fammenfe^ung mit ber Negation, ben Slbjectivcn: ml)b. ungezzen 6 )

unde untrunken, enbizzen unb ungenozzen (vgl. incoenatus unb

impransus) ; ferner ungepeicht (non confessus) , ungestriten unb

ungefohten 7 ), ungebeten, ungesehen, Trist. 17765. 2116 völlige

') £\ijj rem beittfctjen 2(tj. er fällten tci§ fateinifdje peritus (fahren, ire)

genau ciiffpred;niD fei, fiidit DlawSfy, SProgr. Stffa 1852. @. 21 anfäauliä) $u

machen.

2 ) ©er gereifte irrtet (Seffing), ber »eitgeveijte SSanbro (©d&ißer).

3 ) SDiej, ©ramm. III, 240 fiifyit im ©pan. leido an.

«) ©ött)c, g-auft II. Stet 4: 3n Watut mit gelfenfd&rift ftnbiert.

5 ) Sntluinilid) wirr oft 9 e f cf; c i t olä 5ßart. bcjcidnict, 5. 53. mm #egfe, @r.

I, 238. 793. ^alranuio a. a. O. ; e$ ift 9lrjcctii\ mbr-. geschide, f. ©rinurt, ©r.

II, 986. I 2 , 748. ©ßfcfofler, ®r. I, 281. aicviiatefcu in #errig'8 9lre$fo V, 469.

©efdjeit (über bie Schreibung läj}t fiel; (treuen) verhält fid; 311 fdi eifert roie

engl, clever jit cleave.

c) gutber: ungegeffen, 50iattt>. 15, 32.

7 ) 3ircin 6357; e ir ungefohten blibet, Oiofcugart 1735. b. i. ebe ii;r eild;

nid;t ju fämpfen entfd;liejjt.


lieber hit aus fyaxtitlp. hervorgegangenen Olrject. lt. i»'>i

5lbjecti»e bürfen aber unbehüget unb ungedabt (immemor), anbe-

trogen (non falsus) , unversuochet (non expcrtus , impcritus),

ongevröuwet (neutlot\ 9iib. 1730) gelten; wäbrent in ungevluo-

chet, ungevraget, nngelonet, ungesmeiebet bie »erbale 3?cu'elumg

fogar auf bie ©egrattari »ocljmfdjt l ). 3n SBaiftn fotl ©erjeniae,

welcher toauö unb £of übergeben Ijat, ein üb er gebe neu Wann;

tt>et nidit auöfdnufen barf, ungcfd)enft Reißen. 2>aS altere 5ßfott*

beutfd) (f. 33rem. SBörterb.) nannte Ten, ber feinen eigenen 33eft$

bat, unbeseten (»gl. befeffen, Sf»ad) 37, 14).

Sluä Sntranfttiöen ergeben ftd) bie »öflig 31t 2lbjccti»en gewor*

benen 5j3art gelegen (erft situs, bann opportuntis), entlegen,

abgelegen unb überlegen; er w ad) fen (adultus, engl, grown

up) unb »erw ad) fen -), aiui) gewadifen in ber 23ebentitng be$

lat. pur; gebiegen (mr)b. gedigan öott gediben, gebeten; ge«

rönnen unb geftanben (vgl. lac concretuni) 3

) ; eingefallen

unb verfallen; angelaufen (genfter) unb aufgelaufen (®e*

fidu), »er fault unb 11 er rottet (engl, rotten); angefeffen unb

etngefeffen (inl)b. gesezzen), »crfcfyoffen (Sarbe) unb auf*

gefd)offen (Jüngling), »erweil unb »erftorben, »crfd)ol*

len 4 ), gefef) wollen, »crläl)int (mbb. verlamen, lal)in werben)

unb »erfrüppclt, gelungen unb mißlungen, »erblüf)t unb

»erweift, veraltet (obsoletus) unb eingewurzelt (invetera-

tus); — nicfjt 31t rennen bie Üftenge »on *J>articipien, in benen

mel)r ober weniger nur erft ber ßtiftnnfe, nod) nicht bie abfolutc QU

genfdjaft, l)er»orgetretcn 31t fein febeint, wie entlaufen, cntflo*

r)en, entwifcfjt, entwichen; »ergangen, »erfloffen (prae-

teritus, franj. passe), »er f ebwunben, entartet (degenere) unb

miprathen; erfroren, erftarrt, ertrttnfen unb erftieft;

aufgeblüht unb abgefallen; entfchlafcn unb auferfian*

ben; fcfylgcfd) lagen; »erreift, abgereift unb angcfominen;

gclanbct, geftranbet unb gefet) eitert; geseilt unb »ernarbt;

crlofcf)cn unb erftorben, abgeftorben unb auSgc«

ftorben; auögewanbcrt (emigre) ift ntcl)r Slbiecti».

!) Cpi^: 6r KMfit iuia,efdjclet an = ofjnc 511 fcinilcn.

2 ) SSgL concretus, cijjcntl. jitfanrmengewttojffn.

3 ) SSon gerinnen unl gefielen, mt)b. gestSn = consistere.

*) Skrfdnideu =>iuf^iucn ju fd;aflcn; »gl. »erflingetf.

Mrd>i» f. n. Suradjen. XV. I I


1(52 Heber fric aus üJJarticip. hervorgegangenen 91

1

j c c t. k. ? <

93on 9?efleriven ftammen ab bic ^articiüialabjectiven attöge*

jeidjnet (distingue), befyolfen (bei ©rimm), geivanbt 1

), auf*

gebläßt unb aufgeblafcn, verfcf)lagen 2 ), gclaffen 3 ) unb

auögelaffen (dissolutus), vermeffen unb verwegen*), be*

trunfen unb befoffen, »erjagt (mf)b. verzagen mit sin com

htgirt), verfchamt 3 ), Verfehlungen unb gervunben (^fab),

gefaßt, befonnen (reflechi) unb entfcfyto ffen (resolu), be*

trübt unb befümmert (afflige), abgehärmt, erflärt (getnb;

un ennemi declare), ergeben (deditus), er faltet unb erl)it3t

(echaufte), werft eilt (dissimulatus al6 *ßaff. unb 2lct.), »er*

fcfylafen, verftofyten 6 ), eingebilbet, verliebt, gefegt (po-

se) unb bef Reiben (discret von bem in biefer S3ebcutung unla*

teintfcr)cn discretus), geneigt (propensus), gewölbt, vertieft,

verfeffen 7 ), verlegen (mr)b. sich verligen = pigrescere),

verweint (sich verweinen, ju lange weinen), verfoffen. 2>er

^Begriff beö 3"^^^ liegt nod) in vcrl)eiratl)et, vermählt,

veredeltest; gebeugt, gebüeft, gefrümmtj entfe^t, ent*

ruftet, entvort; befliffen, vermummt u. a. — ©ewofynt

bfirfte man geneigt fein alö baö tyaxt. von gewonnen ju bctraaV

ten, welcfyeö als Sntranfttiv neben bem tranf. gewönnen in ber

33ebeutung von gewohnt werben im ©ebraudje gewefen ift 8 );

aber ein näheres 2lmect)t alö bem mt)b. wonen (wollten), weldjeö

5War aud) assuefieri bebeutete, gebührt wal)rfd)einlicf) bem 2lbj. gewon,

at)b. kiwon, wie benn ©raff, . sich versteln, fid) ivegfiebfen.

7 ) 9)lt)b. sich versitzen, naebtbctlig lauge filmen.

8 ) 3. 23. ©iracl) 23, 19. 2>afi Mi uid)t geroobneft t-er Narrheit. GMert

SDa§ f $ fen 3n\iug gewöhnen feil. — SDie taö teufen nie gewinnen.

9 ) Gewohn wirb nuS gr. V. 8pec angeführt »on Seioel in t 1

. 91. Jahrb. f.

$bi(. u. q?äo. XXXIV, 3, 280.


lieber Me aus tyaxtisip. hervorgegangenen Hfeject. tc. n>:i

cntroicfcln ften ebenfalls viele Slbjectifce, bie ftd) »ieberum tyeifö auf

intranfttiK unb rcflexfoe Sejiefntng grünben, rtjeilä tranftttöen llr>

ftjrungS llnb. 1>er einen ob« anbern 2lrt gehören an: »ermogenb

(»gl. potens unD valens in abwcid)cnbcr 53cbeutung) uub tt>ör)U

l)abenb; berabUffenb, an&ieljenb unb abftofjenb; genü*

q c n t , gebüfyrenb, audreidjenb unb l)inrcid)cnb (»gl. suf-

fioiens unb satisfaisant); cn tfprccl)enb unb gcjicnunb (de-

cens); fd)lagcnb unb treffenb (frappant); paffenb, über*

cinftimmenb, (consentiens, conveniens, congruens) unb Hub er*

fp r cd) cnfc , uuberftrcitcnb (repugnans) ; anfteefenb; anfpre*

cl)enb unb a b (d) reden b; bebeutenb, entf d) eibenb; auö*

fcrjvoeifenb (extravagant); auffallcnb, auöbauernb (persä-

verant); anljaltcnb, gurücf fyaltcnb unb unt erfyaltcnb; sei*

genb unb fyinrcifknb (entrainant); abu)cid)cnb, auffal)renb,

l)od)fal)renb unb l)od) traben b; folgenb (seqüens) 1 ); im*

inervoäfyrenb; empörenb; ergreifenb unb Durchgreifen t;

anvoefenb (praesens) unb abvoefenb (absens); rül)renb; bringen

b (pressant), g längen b (franj. brillant, engl, shining), fp an*

nenb; ei nnclnncnb, auöncfymenb unb tl)eilnel)inenb; t) er*

uorragcnb (eminens )

; a n m a fj c n b (arrogans) ; u in f a f f e n b

bingebenb; entjürfenb (ravissant) ; etnleud)tenb unb über*

jeugenb (convaincant) ; flicfjenb (coulant); roo r) In) ollen b;

oorl)errfcf)enb (prevailing) ; erquiefenb.

2)iefe 3Börter laffen ftd) um eine beträchtliche 8htjdjl »ermet)ren,

^unial öon fokten, bie erft in gennffen 2luöbriirfcn ben abjecttoifdjen

(Sbjaraftcr behaupten, alö: ein gebietenbeö, gevoinnenbeö, bc*

fted)enbe6, cmpfcfylenbcö 2lcufkre; gufammcnfyangenbe unb

be^eic^nenbc, auffafyrenbe unb l)erauöforbernbe SBortc;

ein teibenber, bred)enbcr, ein liebenber, fd)mact)tcnbcr

23lirf; rettenbe Saaten; roütl)enbe, rafenbc, reifjenbc

©d)inerjen; ein erfyebenber, belofyncnbcr, übervoältigenbcr

Slnblicf; fcfyncibcnbcr Spott; ein beifjenber (mordant) Stil;

tbbtcnbe Sangerocile; ein fprcd)enbcö (parlant) S3ilb; eine vor*

ftedjenbe, f)cn>orfpringenbc 9lcl)nlid)feit; fricd)cnbc Sclunci*

cl)elci; ein fcfyleirfjenbcö lieber; blcibcnbc (Sinbrütfej ein bin*

benbeS 33er|'prechen ; fcrjäumcnbe SButr); ein bellenber Wa*

l

) Uli« %\nt. raetflend secutus.

II


k>4 lieber lit au« $atticip. frervergegaugenen Sltject. k.

gen; ein entgegen? ommenbeö, guflorf ommenteS, wegruer*

fenteö betragen; eine blenbenbe (eblouissante) garbe; fcbmcl*

jenbe äugen; ein fdjaüenbcS ©cladUer; bonnernber SBeifall;

ber nagente junger; fahrente bitter (chevaliers errans); ein

cinlabenbeö SKaljI; eine au£n>eichente Slntmort; ein bren*

nenbeö (ardens) bedangen; eine eingebe übe Diecenfton unb ein

angeben ber äünftler; ein anftofjenbcö ©emaeb; ft e b) e n b e

£)cere nnb Siebcnöarten; fühfenbe ^er^en; lad)enbe Sßicfen; tin

einreijjenbeS 93ertcrben; ein unternehjnenber 9Jtann mit über?

U)iegcnbem Talent; eine angreifenbe unb erfdjöpfenbe 2(r*

beit; ein a bfpred) enbcö Urtl)ei(; henoorftefyenbc l ) (Sigcnfcbaf*

ten; ein betrübe übe 8 (Sreignif; eine be^aubernbe (charmante

ift 2lbj.) ©djönljcit; eine blühenbe (florens) (Statt; eine fchrei*

enbe (criante) Ungcrecbtigfcit; eine brofyenbe (irnminens) ©ef


lieber Mc ftul Sßarticip. hervorgegangenen i'lojcct. tc, 168

amans, vigilane, patens it. a. gelten, öocjüglt^ in befonberen 53er*

binbungen, für weit abiectittifcfyet, alö bie il)itcn gegem"tberfrer)enben

bentfdjen SSerbalfotmen, 5)tT$ baffelbe in bei beuifdjen Spradje, ber

hiteinifd)cn ober einer antern gegenüber, ber gafl ift, läßt ftd) auö

vielen bei oben öerjeidjneten

s

4>artieipialabiectivc erfe()en. 2lucr) in

ber frans. uno cn flf« ©pwer)« t)ö&en \id) mehrere tyatt ju Slbjectiven

erhoben, benen webee im Satetnifdjetl nod) im 2)eutfcr)en gleid)e gor*

men mit gleichet SBebeurung entfpred)cn : pkisant nnb complaisant,

intrigant, interessant (interesting) , mechant '), genant, consis-

tant, reconnaissant, obligeant (obliging), medisant, piqnant,

changeant, amüsant (amusing), nioquant, eelatant, important,

imposant, etonnant (astonishing) ~), degoütant ; gäte, raffine (re-

fincd) , altere, passionn^, anime ; —

willing, trifling, loving,

sparing unb saving, shocking (choquant); satisfied, learned, dis-

tressed, reserved.

2ßenn von einem 95evb eine boppcltc $orm beö s

4krticip$ vor*

t)anben ift, (o jeißt ftd; bic £prad)c btöroeilen geneigt, einen Unter*

fdneb ber SBebeutuno,, vor^ügltdr) sum ßiveefe ber Trennung beö ver*

baten nnb beä abjeetivifdum (Sfyarafterö, 511 gewinnen, 2)ar)tn gc*

frören im ßateinifdjen tuitus nnb tutus, sancitus nnb sanetus; ber

nen()od)bent(d)en ©praerje gelten bie alteren 5ßart. ergaben 3

),

ferjetben, verworren t'nSgeinetn mir abjcch'vifd), wal)renb bie

fpater gcbilbcten erhoben, b c fei) i e b e n , verwirrt ''

) bem SBerbnm

ana,cl)ören 3 ) — nnb wenn x^on falten, f palten, fallen neben

ber neuen $orm bcö *ßart. 5ßrät and) bie alte a,ebraud;lid) ift, fo

fcr)eint biefe für bie abjectivifelK, Jene für bie verbale 33ebeutung vor=

jugöweife venvanbt ^u werben 6 ), ©clbft bei baden ift and) ber

') 5tttfraiij. mescheoir, ini|lratben; >. SMc^, ©ramm. II, 316.

") ErjtaunenD ftatt e r ft au 11 1 i cb ift vielleicht nadjge&itoet j »gl. ©rimm,

63v. IV, 68. Seemann, ©ötfoe'« Spr. S. 18 9lnmerf. 2. ©. 38i. 25te&ofF8

Strcbiv 1843 #. 4 6. 77. £>aö Simples gebraucht ©öu)e c-V-criu. it. £>or.)

tranjvtfo: au$ fem fiaunenben Straum.

3 ) ^utbev gebrauchte eS ftatt erhoben, 3. 8. 9iont. 8, 17.

SBerroirrt ift auch Srtjecti», unb bejiebt [ich als foldjeö auf fßerfonen,

»ä&renb »erroorren »on Sachen gilt.

"0 ©Ringer, ©r. I, 431 macht nnef) auf ben tlnterfc&ieb gelahrt, beftallt

unt" gelehrt, beftellt aiifnierrfam.

bc*

ü ) SDa$ei pf'cgt mau ju fagen: (sr Ijatte bie Ränfte gefaltet. £ie Äöcfyin


IOC lieber Die aue Sßarticip. tycri'orgegaugeneu Slr-ject. :c.

Der ^ocbbcutfdje einen im 9?ieberbeutfcben nid)t ungcläufigcn Unter*

fd)ieb gnnfcfycn backt unb backen *) gelten ju (äffen biömeilen nid)t

abgeneigt. 2)ie als Slbfecttoe unb Slbvcrbicn befannten SBörter un*

t»crr)ol)lcn unb ungerochen 2 ) untertreiben ftd) beftimmt t>on

nid)t flcrl)cl)lt, ntcr)t gerädit. 33 er b erb t unb »erborben 3 )

gelten jmar beibe alö 2lbjectit>e, bod) mit einem Untcrfd)tcbc: jeneö

bcjicln ftd) nur auf einen moralifdjen, biefeö ttorjugömeife auf einen

pl)i;ftfd)cn 3ujlanb: 1 s 3)Jof. 6, 11. £>ie (Srbe mar »erb erbt; »er*

berbte (Sitten; aber öerborbene SBaaren.

3>m @ngttfd)en mirb auf bie Sonberung ber *part. worked unb

wrought, beheld unb beholden, Struck unb stricken aufmerffam

gemacht; im granjoftfdjen trennen ftd) namentlich dissolu unb resolu

von dissout unb resous. £)en 21bjectir>en savant, puissant, vail-

lant liegen biefelben lateinifdjen formen gum ©runbe, wie ben ^art.

sachant, pouvant, valant.

bat rie Suppe verfallt. £er jlned>t t>at olj gefpaftet; rebet aber von gefab

tenen .ftänben, gefallenen giften, gcfpaltencn flauen.

>) de Becker het nich backt, t\igegen afbacken, küsbacken Brod; ferner

dat hebt se allen ünner sick dörbackt (abgemacht), t>agegen en dörbacken

(rurdjtriebener) Schelm; f. Srein. SBörterb.

"-) ©erodjen fuibet fiel) je^t fafi nur uorb, in ©ebici?ten, j. 23. ©djifler,

ilranicl;e teö JbiifuS, £iro 100, £on Gart. V, 10.

3 ) 2öillfiirlid) febeint l>ie ©efyeirmig nacl; 9lb|id)t(icf)feit (verderbt) unb Uns

abfidjtlidjfcit (perborben) ju fein; f. ©eebobe'ö Ärit. 23ibf. I, 21.

SBieöbaben. Dr. 3lnbtcfen.


lieber iu-n HU4 rtI) pattiftytt Hebungen.

Sfycorien unb 93eifpiele.

Unfcr feiiger SRector*) t)iclt unenblicr) viel auf bad SBerSmactjen.

Dk 2) t et) t fünft alö rein formelles 33ilbungöelement betrachtet, rangirte

bei ihm in einer Sinie mit ber üD?atr)emarif, in materieller 33c£iel)itng,

fo auffattenb cö auf ben erften 2lnfct)ein Hingen mag, noef) u>cit

()6()cr. Unb bod) war uhfer SRector ein ganj praftifcfjer ©crjulmann,

ja, er war, — ©ott l>abe il)\\ feiig! — metjt einmal ganj frei von

einer gereiften ^ebanterie. üDicfer fein Sßebanttämuö gab fta) inbefj in

Scjug auf'ö 93er8macl}en mir barin funb, bafj er feine .Sparte bulbetc.

cö mujjtc SlHeö glatt unb poltrt fein, cö burfte fein unreiner Dictm

bie Harmonie unb ben SBobllaut ber SBerfe froren. @r backte von

ber 5ßoefte fo großartig roie irgenb (5incr, unb icr) glaube, 9iic*

manb brürftc feine ©ebanfen unb Qjmpftnbungen flarer unb fdjöncr

auö, als clt für bie greuben ber voirflictjcnjufterben.

r öüi 11 ß in flauen.


1G8 lieber reu SBertfo poetifc^er Ucbungea.

2luö noch (o btoergirenben Bahnen würbe fiel) bev @eift bei ber 2>icr)t#

fünft lieber jurecfyt ftnbcn uub in i()rcm öerjimgenben Sicht ber (Srftar*

nun] eines früt)jettigen SICierd entgegen, Sic märe bie jucjcntltcl;

blütjenbe Jpepe. mcld;e in pernio Saal bie unfterblicfjen (Dotter be*

bient."

3n ber £()at mar unfer 9icctor nie liebenömürbigcr unb mol)l*

mollcubcr, (jerjltcjjer unb vertrauter, alö wenn er mit unö SSerfe

madjte ober Verträge über 4

.J3i>efte hielt. 3)afür ftanb er aber auef)

bd feinen Sottegen, feinen Mitbürgern unb und Schülern alö

Sßcröfünftlcr in l)ol)em Slnfeljen, (St fonnte faft wie Dino von fict)

fagen

„Quidquid conabar dicere, versus erat."

23et jeber ©elcgcnhcit, bie ein poctifebeö SWo'ment barbot , mürben

SSerfe gemacht Sluf Sutr)er'S breir)unberti


Uobcr bt« SDcrtb poetlfdjei Uelwnni.ciu 169

ein SBotanifei von bem tvilbcn Raufen auf eine ftüfere, abgelegene

galjrte, Unb bod) bachtc bei guie&ectoi baran, Die piädnigc ©egenfc

poctifcb 511 üerfjerrlidjen, (Sä tt>ar, id) möd)tc fagen, fataliftifd), baf

ich ibm in'0 ©efjege tarn) er rief nridj 51t ftd) mit) wir matten $u*

fammen lateinifdic SBerfe, aud) ohne ben Gradus ad Parnaesum.

8eit>cr! haftet von bei malcrifcbcn Wbapfotic, bie wir nur bem ®e

bäc&tnifj anvertrauten, in meinem Jtopfc nid)tö weiter alö ber an

2ftaf)Imann'8 SBaterunfet erinnernbe Anfang

,,Hic Natura sibi posuit monumenta "

Unb fcltfam, tcrfclbc s l>iann, von tem ict) gelernt, auf 5U(eö einen

93cr^ ju madicn, berfelbe rietb mir nad) bem ÜftaturitäWeiamen

brtngenb ab, bie ^oefte jum SebenSbcruf ju erwählen unb meine 3u*

fünft auf fte grünben 31t wollen, (*r erzählte mir ein 33eifpicl na et)

bem anbem, wk junge Scanner auf Schulen unb Univcrfttäten ganje

S3änbe von ©cbicbytcn jufammengefebrieben unb fpäter elcnbiglid) alö

obfeure .ipauSlcbrcr verfommen wären. 3)od) glaube id), bc\$ il)m

nid)t meine %i(b? jur 3)id)tfunft überhaupt gefäl)rlid) crfd)ten / fonbem

vielmehr bie Siidmtng, wcld)c meine Sßerfe an ftd) trugen, bie ®e*

ftnnungcn, bie fteb frühzeitig in meinen 9il)i)tt)mcn ausprägten. @r

fyatte DicdU, ber unvcrgcfm*d)c 2Jcann, unb id) banfe e£ il)in nod)

im ©rabe, fefct, wo id) baö ganjc ©eivid)t feiner väterlichen 3Bar*

nungen beffer ju bcurtbcilcu weifj als bamalS.

Durd) mein trauriges @d)irffal barauf l)ingeivicfen, in ber

^oefte bie Duelle unerfdwpflidjcn rcinften Xroftcö unb ber cbelftcn

geiftigen $rcuben ju fud)cn, überzeugt von bem formell bilbenben unb

lautemben (Sinflup bcrfelbcn namentlich auf bie Sugenb, l)abe id) bie

grage vielfad) jum ©egenftanb meines 9cad)tenfcnS gemacht, wk

auch an^ anbern als lateinifchen unb ©clcfyrtcnfdntlcn bie 2>id)tfunft

ju einem würbigen Stoff bcS Unterrichts erhoben tverben tonne, fo

bafj bie Sugenb nidu allein reeeptiv* poctifcb), fonbem probttetiv *ge*

ftaltenb gebildet werbe, natürlich) immer mit ber ©runblagc eines

tüd)tigcn pofttiven 91>iffenS, ohne wcld)eS baS ätbcrifcfic ©cbäube ber

^oeüe feinen rechten ^alt gewinnt 33ci bem Sefen eines von 2Baf*

tcr $r. 2lbolf 23chrnauer überfeinen a(tiiiorgcnlänbifd)cn SittcnromanS

fam mir, ber, wk e$ mir fd)eint, praftifaV ©cbanfe, eine 8foigat)l

ber bafelbft in 5ßrofa mitgetl)cilten €prüd)c beS *ßropt)eten in ein

poetifd)eS ©eivanb 31t fleibcn unb nad) ^ollentung tiefer 2lrbeit war

cS mir, als l)abc id) einen £ßeg gefunben, wie man eines SfyetlS


170 lieber teil 23 c r t f> p o c 1 1 f rf> c r Hebungen.

ben ©d)ü(em volled £krftanbnifj fccö 3nl)a(td ermitteln / anbern

£l)cild fct)öpfcrifd>cn poetifct)en Sinn in ir)nen werfen unb fte letjren

fönne, bie einfachen ©&$e unb ©cbanfen ju bid)terifd)cr Stürbe

unb ($rr)abenl)cit 31t jleigern. 3)er Sammlungen von perlen, ©olb*

fernem, ©prüdjwörtem, ©entengen, s )J?arimcn unb ükbendregeln giebt

ed eine Ungaf)!. 3 ubem begegnen jebem Setter, namcntlid) bem, ber

ben beut(d)en Unterricht l)at, tagtäglid) eine 9Renge Stellen, n>elcf;e

ftd) 31t Aufgaben für poctifcfje Hebungen eignen, bereu 9htfcen fofort

in bie 2lugen fpringt. 3n ber ©cgenwart namcntlid) fann terfclbc

nid)t t)od) genug angcfdjlagcn werben. SKan möge mid) nur reetjt

verftet)en: icf) will unb »erlange nid)t etwa, bafj unfere ©acuten

'Dichter bitten follen. 3)iefelben bilben flct) meiftend felbft, im öcben

wie in ber Stille. 2)ie £auptfad)c ift, bafj ber ©d)ü(er

burd) biefe poctifd)cn Hebungen (wie id) fte weiter unten

burd) 23eifpiele erläutern werbe) in ben 33c[if} einer ©pracfyge*

wanbtt)cit, einer ©icbcrljeit im Sludbrucf fommt, mit

fie mel)r ober minber von jebem ©cbilbeten fyeut 31t

Sage geforbert wirb.

(Sin junger Italiener fdjricb vor einigen 3at)ren an bie Dicbaction

ber „Civitä cattolica" unb »erlangte für ftd) unb antere „l)od)f)cr*

jige unb fatf)oltfd)c Jünglinge" 33erut)igung über politifdje ©emiffend-

ferupet, indbefonbere aber Slntwort auf bie ftrage: wclcl) ein würbi?

ged gelb ber 'Xtjätigfcit benn ber italicnifcbcn Sugcnb bleiben fotlc,

wenn bad Streben, bie Unabfyangigfcit ber Jpalbtnfel 3U erfampfen,

it)r ald ein revolutionäres unterfagt werbe. „21 ber um bed .iQtm*

meld willen," fcfyliefjt bad ©^reiben, „fyeijkn ©ie und nicfyt

9ß c r f c fd)micbcn unb fd)önc s 4?t)rafen bred)fcln!"

Jporen wir, wie bie „Civitä cattolica" barauf antwortet, äßir

übergeben bie £öfung ber politifdmt ©crupcl ald nidjt fyierfycrgefyörig

unb tf)eilen nur bie ©teile mit, bie ftd) auf bie miffenfd)aftlid)cn

SBcftrcbungen bejiet)t. ©ic fycipt:

,,©inb, \m wir öoraudfefcen, bie cinteitenben ©tubien beenbet,

fo fommt ed barauf an, ftd) in ben l)öl)ern hervor 31t tt)un. (Siner

grünblidjcn (Srforfdjung bed einl)eimifd)en 9icd)td möge eine nid)t

Weniger tiefeinbringenbe bed öffentlid;en unb Qjölferrcdjtd, ber ©taatd;

tt>irtt)fcr)aft unb berjenigeu befonbem Steige bed SBiffend nad)folgen,

31t benen Neigung ober Sßerr)ältniffe ben (Singeinen Einleiten, unb

auf icbem biefer ©cbiete rufte unfer ftrebenber greunb


lieber teil äBertfc poctifdjcv Ueiungen. 171

ficr) mit jenei m ad) ti gen SBaffc, bem gcfprococncn ober gc=

fcfmcbcncn SBott ©etbjr im greunbedfreife übe er ftd), baö

SGBort mit jener marfigen Äütge, mit jener gebügelten Sßärme, mit

jenem mürbigen Slnftanbe 31t l)anbr)abcn, bereu 33efi£ bic i^err*

fct)aft über öffentliche SBerfammlungen fidjert. (Sr mäfyne

nid)t, baß mir ihn mieber fy.inf d)id en wollten, 93er fc

ju fdnniebcn unb feböne trafen 311 brcdjfcln unb mcü

ter 9tid;tö. 2>a6 (£inc aber unb ba$ Rubere ijt unentbehrlich),

um bic ?0lad)t bcö SöortcS 31t gewinnen. Unfer r)oct)r)eräiger 3üng*

limj muß ed fo gut alö mir wiffen unb beffer, bafj töenigflenö jwei

^Drittel beö Ungföäd unb ber (Sdjmact), bie und in neueftcr 3eit be*

troffen haben, burd) poetifelje Ucberfd)wenglid)feit unb eine (Sünbflutl)

»on trafen über Stalten herbeigerufen ftnb. (&bm bcfjfyalb iji nun

aber and) baö Heilmittel weniger im ©ctjwerte ju ftnben a(ö im

SSorte, aber in bem äßorte, bviö fdimeibenber ift, alö baö Schwert.

^)ätte er unb l)ätten mir, als cö an ber Seit war, beu rechten

SBcrö unb baö rechte 2Bort gcfyabt, bann märe bie on ^(aten brürft in ber

Einleitung ju ben Slbafftbcn in einem einzigen SSerfe an3, maö bie

„Civitä cattolica" will, wenn er begeiftert aufruft:

,,2ikld) eine Saujent» iji tie Äunfi ter SSortc!"

unb mer baö ©ewierjt btcfeö SSerfeS emlpftnbet, mein in Sginblid auf

bie Kampfe unferer Sage unb bie fommenben ber 3nfunft baö pat*

lamentarifcrjc iebm ber SSoJfer in feiner »ollen SBebeutung erfetjetnt, ber

wirb jebe ©elcgenl)eit mit greuben ergreifen, mo er lernen fann, für

jeben begriff ba£ richtige SBort git ftnben, jebeö 2)ing mit bem rechten

Flamen jit benennen, unb iebem Sßorte, icbem SRamen beu gehörigen

2lu8brucf 511 »erleiden *). 3d) bebaure, baß mir baö fd)6nc ©cbicfyt

t>on Diürfcrt entfallen ift, in bem er bie SSebeutung ber fpradjlidjcn

unb poetifdjen $orm fctjtlbert unb u. 21. fagt:

*) Uiit ter 3»tfcnr> feilen Me poerifdjen Hc&mtgen in »erfd^ictenftet %oxm ju

tiefem unfaßbaren ÜUortljcü verhelfen.


172 11 c bei ben 23er tt> pocti[d;ei Hebungen.

„ÜWftjj mit» 3)?aH mir nuid)t freu £idjtei."

„(Sfrbft ru'v ich, fo »erb

— ober

icb/8 achten,

nlö C53 e r i I; t

Äann ich ba8 nur gelten (äffen,

SSaö fiel; tteifj in gorm ju faffen."

„ßwat fer ©runbftehl tcv (Mehalt,

STocf; fei gdjliijifteiii ttc ©eftalt." —

2)enn id) bin alleö (Srnftcö ber Uet>etjtugung, bap aud) bie gönn

ifyren ©eift fyabc, nnb bajj bie „eblere gönn tiefet ©cbanfen bebarf;"

bafj ftd) in ber poettfe^cn gönn ber ©inn für muftfatifdje wie für

plaftifcfyc ©d)önl)cit ebertfo funb gebe wie in ber Sonfunjt nnb 2lrcf)i*

teftur, inbem namentlich bie $ßlaftif fpecicll in ber $Jer6form ben il)r

entfpred)enbcn Factor in ber Quantität fyat. Die perlen febwimmen

befanntltd) nid)t auf ber £>bcrfläd;c nnb aud) bie ©d)bnt)citcn ber

beutfd)cn Sprache m()cn in ifyrer Xiefe, sollen gcfud)t nnb gefunben

fein. @ö rufyen in i()r bie r)errltd)ftcn 33aufteine, bie ftefe einem

l)armonifd) gebübeten ©eift gu bem reijenbften ©ebäube \m »on fctbft

in einanber fügen,

9?ocb fnmmt mir eine ©teile aud bem \£>\vm\ bed Äafiüifrö

Slbu'l ^affan 3uba ^>an Seioi in benDfyren, jeneö jübifd)en 1)id)terd

mit ber „gottgelüft'ten (Seele", t>on

gcro fagt, er war —

bem ^einvid) Jpeinc im 9ioman*

„ein großer ZMdjter,

Sfbfoluter Siaunnveltsbcirfdiei

5DJit tcr ©eifrerfönigSfrone,

Gin $oet von ©otteö ©naben."

liefern 2)id)ter ftanb in einer ^criobe feiner (Sntwitftung, \v>o er mit

feinen eigenen Seiftungen l)öd)ft ungufrieben war, bie t)of)e 2Bürbe

ttor Slugcn, welche ben Siebern unb s 4?ropt)ctcn beö alten 93unbc3 gu

3,l)eit würbe, in benen 2Meö götllicbc Offenbarung war unb göttliche

Sßeiöfyeit, 2)ie Sßeidfyeit war für 3uba Qan Sein bad Grfte in ber

Spocfte. @r fagt:

„£>tc SBeisbeit ift ein breites 3Weer,

jDianf fd) iv im int baä Sieb alö ©äjaum umbei."

3)ic ^rofa, fagt 93? ar SBalbau, jeidmet in grofen Umriffen ben

*}3(an unb bie SBerfjtätre gu bem Sau beö Sxmpeld, ftc füt)rt bie

^ammerfcblagc, tie fdnuingt baö ©treitbeil im Kampfe, bie Styrif

aber forgt für bie Dmamentc, welche bie SBetet heranreifen, fie webt

bie Tapeten unb malt bie greifen, unb in ber ©d)lad)t fd;ie£t fie

Pfeile, 2lm meiften wirft fie inbefj ftitl für fid) allein burd) 9)ier*


lieber ben SBerrf) V 1 *> c t i f c^ c r Hebungen. 173

lin'fcrjc SBunber. Sic tft c3 einmal, bic ftcf> warm auef) um baö er*

faltete £>erj fdnnicgt unb baö (SiS fycrauö fc&müjt, .Heime pflanjt

unb fo bic Selntfucbt nad) einem lobcnönnirbtgen Dafcin jum Xiti*

ben bringt. Sic bemonfrriri nie bringlid)cr, fte fampft nie Reiben*

fyaftcr, afö WO fte ftatt aller Pfeile nur reidje, gefunbc, üppige, bor*

nenlofe ©lumen auö bem hinter fd)üttet.

3d) tl)cile nunmehr $uinkbft bic SBetfpiele mit, tton benen icr)

oben gefprotfyen. (50 ftnb eben bie öon mir in poctifd)cö ©croanb

gefleibeten Sprinte auö bem morgenlänbtfcf)en Vornan „bic tnerjig

SBejiere ober weifen ÜReijier," Qsintge wenige werben genügen, um

bie Sad)c anfdjaulid) §u madxn.

Der ^ropl)et fagt, nad) 33cl)rnauer'ö Uebcrfefjung

Stehen ctma diejenigen, welche wifien unb nicr)t wiffen, mit

cinanber auf gleicher Stufe?

^octifdje Umbilbung:

£\it benn, roer tiinun ift unD gemein,

Uni »er gelüftet im? ^clcf>rt,

-Oat reim ein rober döeljrein

Uni ein gefdjliffner gleidjen SScrtb?

Der Prophet fagt: Die (Stic ift bie Sacrje beö ScufclS, aber

33cfonnenr)cit bic bc£ SlUbarmbcr^igcn.

U>octtfd;e Umbilbung:

SDie (Eile ift beä SCenfefä SacfK,

23efonnenbeit nud)t fie ju Spott;

Soor Slflcm nuifjt fDu in &e* öiadje

SJangmütbig fein — taS lern' r-ou (Sott.

Der tropftet fagt : (Sin verftanbiger junger 9J?ann ift einem

unwiffenben ©reife tHH^ujicfyen.

^oetifcfyc Umbilbung:

SDen Jüngling, roelcber Zieles roeif?

Uno mebr ju lernen jlctö befliffen,

;^iet) »or fem ungeteilten ©reis,

SDer, roctiu er wollte, mebr fönnt' nüffen.

Der *J3ropf)et fagt: fraget bie SBeiber um Natl), aber wiber*

ftrebet ifmen.

^octifd;c Umbilbung:

SDic .ftlugbeit ift mir ftetö crfdjienen

31(6 roie ein 23eib: fragt grau'n um Ütath,

£>od) roieerftrebt beftänbig ibnen

So viel tfjr fönnt, mit ÜBort unb Stjat.


174 liebet ben SSertb voctifd;er Hebungen.

Der ^ropfyet fagt : Die irbifcfjcn ©itter ber 2ßelt vergeben: ein

21 tont 93erbienft ift bef fer alö bjunbert Saften @olb.

^octtfcfje Umbilbung

2Mc ©ütet tiefer Seit vergeben,

ltut> weiten tev Sknvefnng Dtaub,

(Sin Sottj SJetDtenfi tvirc- nod) befielen,

SBenn bunbert Sofien ©olb längft ©tnuB.

Der *}3ropl)ct fagt: em ©laubigen unb feinem SSeibe

5ji eö ba§ fdjßnfre Slngebinb,

£)a§ ©cberj unb ©viel er mit tbm treibe,

9l(S tvic ein Jtinb mit einem Ätafc.

Der $ropl)et fagt: galtet cuef) feft an bem ©eile ©otteö alte*

^oetifcfje Umbilbung:

£>cr ©laute ijl ein uufidjtbareö ©eil,

S5aö biefe SBcft mit ©otteStteft verbinbet;

£alt feft baran! e8 ift jit beinern .'peil,

2)enn cö bäit


lieber t>cn Söertf» pectifdjer llelutiiijen. 175

9Migion£pt)ilofopt)ie von 3fd;cffe'3 Sllomontabc poetifd) bearbeitet;

obg(cid) ber Severe nxnigftcnö bie Duelle »erfd)tt>etgt unb nid)t wenig

erfdjrocfen fein wirb, nid ifym in ben blättern für (i terar ifd)c

Unterhaltung feine Serfe mit beigebnuftem Drigtnaltert begegne*

tcn. SBarum e3 ü erfc^roeigen? ©eftanb bed) felbft unfer größter

£id)ter ju wieberfyolten 9Men ein, bafj, wenn man abzöge, \x>a$ er

wintern verbanfe, wenig »on feinen SBcrfen werbe übrig bleiben,

ba6 fein eigen fei.


XUbtv W *t0*ntl)um(tdjt J3lnfP?ntomt0 to Jnfhutto

t>tv t)frgaii0tnl)fit in fcer tn$[ifd)tn £tyradje.

3Me $orm beS 3nftnüfo ber 93 e r g a n q e n t) c 1 1 wirb im 2)eut*

fcfyen nur bann angcmanbt, wenn in bem SJRoment, in rüderem man

jtcf) hinein werfest, bie burcr) ben 3nftnitio auöjubrücfcnbc §nnbUmg

fcfyon bem ©ebiete ber 9ScrgangenI)cit angehörte (3. 33. „er glaubte

SlUeß getfyan ju fyaben"), ober wenn — fafltö biefe ^anblung noch

bem ©ebiete ber ©egenmart ober 3 "fünf* angehörte — auf einen

guftinftigen 3 e itPun ft fyingeroicfen wirb, an iveldjcm fte bereite ber

Vergangenheit angeboren folt (5. 33. „er beabjtcfytete ben 35rief um

8 Ufyr gefcfyrieben ju^aben", b. i. „fertig ju tjaben"). hingegen

(agen bie 2>eutfdjen: „©eftem Slbenb, alö icr) einen Vrief f d) re i*

ben (nierjt „ gefcfyricben bjaben") wollte, k." „3$ ging naefy 21.,

wo ief) meinen Vruber ju f in ben (nicfyt „gefunben §u r)aben") er*

wartete, " 2)enn, wenngleich; bie Jpanblungen be6 Scbreibenö unb

be6 $inbenö in bem Slugenblitfe, in welchem icf) rebe, fcfyon bem ©e?

biete ber Vergangenheit angehören, (0 lagen fte boct) bainalS, als icf)

ben SBillcn unb bie (Srwartung Ijegte, nodj im ©ebiete ber ßvftvmft*

3m Cht glif eben iefcoct) wirb in manchen gftflen bie gorm

be6 3nfinitfo ber Vergangenheit angemanbt, wo bte Ü-eutfdjen

ben 3nftnitio ber ©egenwart anwenben. üftämlid):

1) üffienn ein in ber gönn tcö ^iuöquamperfectumö fte*

r)enbeö beutfcr)eö 3eitwort, wcldjeö im (5ng(tfct)cn bureb; ein befeett*

t>eö 3 e i twort h ü 9 CDfn W/ ben 3nftnitio eineö anberen 3 e i^oorteö

regiert, (0 mujj baö ^luöquamperfcctnm be6 regierenben 3^itn?orteö

buret) bie $orm bc6 3mperfectumö überfe^t werben, ba bie befec?

tioen 3^itrüörter fein Sßlttöquamperfectum fyabcn. 3n tiefem ^atle

mufj ba6 regierte ßeitwort im Gntglifdjcn in ber gorm be6 3njtni>

tio ber Vergangenheit fielen. 3« 33.

,,3ct) bjätte ihn tobten fonnen fo ergrimmt bar icf)", I

could have killed him.


Heber bie cigciitl;üiulicbe Slnrocnbung t cö Snflnitf» «'• t? 7

,,3d) hätte il)n tobten fbnnen (fo gänjh'dj war er in meine

s )Jiad)t gegeben"), I might have killed him.

„3br Ijättet if)m ßcjjorcbcn (ollen (muffen)", Yon

ought to have obeyed bim.

„3br I) a 1 1 c t feinen Watt) befolgen füllen (muffen)",

You should have taken his schriee.

,,3d) hätte e8 ablehnen w ollen, wenn ic", I would

Aaue declined it, if etc.

,,3d) Ijätte fallen muffen, \\m\\\ je.", I mu st have fallen

(ober beffer: I could not but Kave fallen), if etc.

„G?r hätte nicht fo ju mir fptcc&cn bürfen", He durst*)

not Äave spoken so to me.

„Gr Ijätte feine üDcemung nur begritnben bürfen (brau*

d)en)", He need*"*) but have made good his opinion.

„^Bewaffnet, als ob fte c£ mit allen Bcänbem jjroifcjjen ^oiutc-

Ion) nnb ben Slpenninen hatten aufnehmen follen", Armed as

if they were***) to have encoymtered all the robbers be-

tween Hounslow and the Apennines. (33ulwer.)

„2Benn \d) ju (Simple» gehört Ijätte, bajj td) ^einrieb ju

Sranbon Ijätte ftnben follen, fo würbe id) mid) wafyrfdjcinltd)

gefreuet haben", If I had heard at Elmsley that I -vvas to

have met Henry at Brandon, I should have probably been

glad. (Fullerton.)

2) 2)cr Snftnittö mnjj im (Snglifdjen immer in bic gönn ber

Vergangenheit aufteilt werben, wenn berfelbe tton bem 3mperfec*

*) SBenn darc nid)t „berausforbern" unb aitcfc. nicht etgentlidj „wagen", fon*

bem „bürfen" §eijjt, fo ijl c$ gennffermafen ate befectioeS ßeitnun-t aujufcbcu.

Ühicb Ijeijjt e$ bann im Smperfectum durst (ffatt dared) unb in ber tvinj.ibl bev

britten Sßerfon beä Spsfifenä geroötmlidj he dare fhitt he dares.

**) SBenn „bürfen" fönonom mit „braueben" rjl, fo ift eä burd; need jii

überfein, »el$eS in biefent gaUe geroöbnlidj als bcfeetioeS nnb jugleid) uures

gelmäfjigeS Zeitwort genommen unb in folgenber SSeife eonjugirt ivirb: SJJräfenfi:

I need, thou needest, he need (itatt needs), we need etc. Smpcrfcctnin :

I need, thou need, (ober neededst), he need, we need etc. ftittt I needed,

he ueeded, we needed etc.

***) £ier ju fagen: as if they had been to encounter, würbe ein umif;

ivötMiücfjev SJuäbrucf fein. 2Ran barf alfo als Siegel annehmen, bajj baä ßcitircrt

to be im Sinne oon „follen" nur in bat einfachen Zeitformen gebräuchlich fei.

Wrdji» f. 11. sprayen, xv. 12


178 lieber He eigenthüinliche üluwcnbuno. be>? Infinitiv k.

tum beS 3 n b i c a t i t> *) beS fccfc ctfoen unb unregelmäßigen **) 3f it*

wortcS will (wollen) regiert wirb, ober t>on I was, we were etc.,

in ber 33ebcutung »on „follcn" — falls baS ©ewotltc ober baS ©e=

follte nid)t jur 2luSfül)rung tarn, ober aber falls etwas nicht

©ewollteS ober nicht ©cfollteS bennoer) geferjaf). 3n ben 93ei*

fptclcn werbe ich ©fifce, weldje für ben 3nftnitfo bie gorm ber ©egen*

wart, unb folcbc, welche biegorm ber Vergangenheit erheifchen,

gegeneinanter [teilen. 3n manchen gälten fann man would nach belieben

mit wanted öertaufdjen. Xhut man biefcö, fo barf man aud) unter

ähnlichen Umftänben ben Snftnitto in bie $orm ber Vergangenheit ftcllen,

laut ber weiterhin aufgcftellten Dtegel ; bodj i\t eS bann nicht n o 1 1) w e n b i g.

„(Sr follte bie 93rtcfe jum 33at)nt)ofe bringen; alfo fonnte

er nicfjt bei 2)tr bleiben", He was to take the letters to the

Station; so he could not stay with you.

„(Sr follte b. 23r. 3. 23. bringen; aber er war nirgenbS ju

ftnben." (Sr brad)te bie Briefe alfo nicht fort. He was to have

taken the 1. t. t. s. ; but he was no where to be found.

„(§r follte nid)t bie SSriefe 311111 S3ar)nt)ofe bringen, fonbern

meinen Diocf bürften", He was not to take the letters to the

terminus, but to brush out my coat. £>iefeS läßt Dermuthen,

bajj er bie 23riefe aud) nicht 3U111 23. gebracht habe.

„@r follte nicht b. 23r. 3. 33. bringen", He was not to

have taken t. 1. t. t. t. "DiefeS iiwofoirt, baß er bie 23r.

311111 33. gebracht habe, obgleich er eS nicht gefollt t)atte.

«3d) fitste il)n jutudgufjaftenj aber er wollte mit ©cwalt 311

23ette gefyen", I endeavoured to detain him; but he would

go to bed per force, läßt vermuten, baß er feinen 2ßi(fen

burchfe^te.

„(Sr wollte 3. 23. geben; aber ich hielt il)n 3iirücf", He

*) 3dj bitte wollt ju voificdcn: „3uiperfcctnm bcö Jnbicativ." 2)ie Ötegel

bat i(;re ©cltung alfo nur, wenn would fiel) 311 will verhält wie „er fant" ja „er

fomint"; nid)t aber, wenn cö fiel) tag« nur verbeut wie „ er feinte" ju „et foinmt."

**) ofb fafjc

cibfichtlicb „beS befectivea unb nn regelmäßigen 3eirworteä

will", weil eö a ti cl> ein eolljtänfeigeä unb regelmäßige^ Zeitwort to will

giebt. I will, thou willest (uid)t wilt), hc wills ober he willeth (nicht he Avill), I will-

ed (nicht I would), thou willedst, he willed, I have willed, I had willed. ©ogarl

shall will it („ich werbe c3 wollen") u. f. w. bürfte vorfommen. To be willing

(„SBiDrnä fein"). Stuf biefeö voflftäubigc »kitwort erftreeft fiel) obige Siegel nicht.


lieber Nc efgentgn m litte Statten billig fe* Snfiniti» »e. 179

would ha vc gone to beil; but I detained him. (Sr feftte

feinen SBillen olfo uid)t burd). Sluet) l)ier fann man wanted an*

wenben mit fagt bann nnd) 58 lieben: He wanted to go

(obei to ha ve gone) to bed; but I detained him.

He would have withdrawn („wollte ftd) Wcgbegc*

ben"); but Jenkinson, who pereeived his design, stopped him

(Vicar of "\Y.). @fc fonnte auch l)ier fyeipen: He wanted to

withdraw (ober to have withdrawn); but etc.

"NVlien you would have danced („tanjen wolltet" —

ober wanted to da nee ober wanted to have danced), you

were not able to stand (Percy Anecdotes), folglicf) fam cd

nid)t 311m Sangen.

I would have asked who wanted me, I would have

demanded if Mrs. Eeed Mas there („3d) wollte fragen,

wer und) 311 fprcrfjcn begehrte, icl) wollte fragen, ob grau 9t. bort

wäre"); but Bessie was already gone (Currer Bell).

„ Gr wollte ein ©enie fein" (seil, „folglid) Itc0 icr) ir)n ald

(Denie gelten", wcnngleid) id) bied ironifd) meinen mag), He

would be a genius.

„Gr wollte (in ©enie fein" (seil, „irrte ftd) aber"), He

would have been a genius.

,,3d) wollte ntdjt vor 8 U()r »om ^aufe gefyen; bedbalb

fomnw id) fo fpat", I would not leave home before 8 o'clock;

therefore I am so late in Coming.

,,3d) wollte nidjt uor 8 U. ». §. geljenj bod) meine Un*

gebulb @ttd) 31t feigen, ftegte", I would not have left h. b. 8;

but my impatience to see you prevailed.

My aunt would have aecompanied (oter wanted to accompany

ober wanted to h a v e a c companie d) him ; but he

would not suffer me to go by water, if she went by land; and

therefore she favored us with her Company, „teilte Xante wollte

il)n (meinen Dnfcl) begleiten; bod) biefer wollte mid) nidu 311

Sßaffer geben laffen, wenn jte 31t Sanbe ginge; unb bcdfyalb erfreuetc

fte und mit üjrer ©efellfdmft" (Smollet). 3)ad would, welcbed

ben nid)t burdjgefe&ten SBillen ber JXantc auöbrüd't, regiert alfo

ben Snftmtfo in 3orm ber Vergangenheit, bad would aber,

weUtcd ben burd) gefegten SBiUen bed Dnfeld auöbri'uft, ben

3nftnitft) in gönn ter ©egenwart.

12*


18o lieber tic eiäenUnmilicfye ?lnivenMtna, freö Jnfiniti ü je.

NB. a) 2)a bciö befectit>e 3citwort avüI in ber 9tegel nur einen

Snfiniti'o regieren fann, nie aber ein dornen unb l)6d)ft feiten ein

Pronomen, fo barf es auef) nicht bie ouö bem Slccufatio mit bem

Snftnitw gebübete Slttractionö-gorm regieren. 2BiU man biefe an*

wenben, (o muß man baö 3citwort will junäcbft mit bem Infinitiv

beö 3 c,trt)orteö to have verbinben unb biefcö have wieberum ben Slc-

cufatio mit bem Snftnitio regieren (äffen, 3. 55.

„@r wollte, bap icfj an Äarl fd;ricbe," fyeift, falls idj bem

23efel)lc gcl;or|'am mar: He Avould have me write (ober: to

write*) to Charles, ober: He Avanted me to write to Ch.,

faflö ich bem 23efer)(e aber ntdjt gefjorfam mar, fo finbet man

biefeö guroeilen auögebrücft buref) He Avould have me to have

Avritten to Ch., ober: He Avould have had me to Avrite

to Ch. Ü)a Sebmebcö aber nicht befonberS gut flingt, fagt man

lieber : He

Avanted me to write (ober : to have Avritten) to Ch.

„($:r wollte, id) follte bie Sichte putjen, " r)etft: wenn id) bem

^Befehle gehorfam war, IJe Avould have me (He Avanted me)

to snuff the candles, ober: He Avould have (He Avanted to

have) the candles snuffed by me. 3m gallc bee Ungefjor*

famö fagt man am SBeften: He would have had the candles

snuffed by me.

NB. b) 9jc an mochte fragen: wie man ftch auSjubrütfen I)abc,

wenn wirflid) von einem Sollen betfein ber ^anblung bie

s Jicbe

ift, wenn man folglirf) audj im 2)eutfcr)en ben Snfinitfo in ber

gönn ber Vergangenheit fyat. Um 3n>eibcutigfeit ju oermeiben, giebt

man bann oft bem


*

lieber bie eigen thu miuhc 9t n wen billig ^ c Sufinitie ie. 181

JBcifpidc mit ifjrcn (Scgcnfa^ett.

„(£t mill l)ici tanken; alfo macfy 5ßfafc für iljn/ He will*)

dance here; so inake way for liim, ober and): He wants to

dance etc.

„@r null tanken, fann aber ntd;t auf" ben Seinen ftel)en,

He would (ober: wants to) dance, but cannot support liim-

self on bis le£s.

„(5t will ein ©entc fein/' (seil, „folglid) laffe id) i()n

al8 ©eilte gelten ," wenngleid) ironifd; gemeint,) He will be a

genius, (gewöhnlicher: He sets up for a genius, ober: He

pretends to genius).

„G>r will ein ©cnie fein/' (seil, „er täufctjt ftcr), ") He

would be a genius.

Would -be \jat in tiefem «Sinne and) eine abjectwifdje 53e*

beutnng erlangt, 5. 33.: a would-be genius „m\ feinwollen

t> cd ®enie." Mr. B., the would-be minister, „ber

nad) einem Portefeuille ftrebenbe Apcrr 33."

„3er; foll i c t5 1 an 23ill)clm fet) reiben; folglich mufj id) noef)

eine üßeile aufbleiben/' I am to write to William; so I must

stay.up a whilc.

»3c() foll ielit an 30. fefyreiben; aber id) bin 31t fd)lafrig unb

werbe ju 23ctte gel)en/' 1 were to write (My father Avould

liave me to write) to W. now; but I am too sleepy now, and

shall £0 to bed.

3) Sßenn ber cnglifd)e ör^iblcr eine ^xmblung, beren bfootfkt*

r)enbeö (Stattftnbcn in bem Moment, in welchen feine Srjäljlung und

()inein verfemt, in Diebe ftanb, burd) ben Snftnititt auöbrürft nnb ju*

gleid) anbeuten will, baß biefe Jpanblung bod) nid)t Statt gefnnben

habe, fo ftellt er ben Snfinitw gern in bie gorm ber Vergangenheit;

beSgleicfcjen wenn ber 3Mtnitfo eine ^anblnng bejetdjnet, beren 9?ict)t*

ftattfinben in jenem Moment in Diebe ftanb, unb er anbeuten will,

*) (s$ ift feinefiwegfl a(8 3tea,el anjune&men, man bürfe ba8 Zeitwort will in

ber {weiten unb Mitten Sßerfon nur burd) ba8 futurum (b. b. burd) „wer*

ten") unc nidjt burd) „wollen" überfein. SDiefefl erlaube fd) mit frier nur furj

onjubeuten. Siegeln über ba-5 englifd)e ^futurum habe icfy in einer anberen ?lb*

baiiblung aufgehellt.


i82 Heber bic eiijeiitliiiniltdje StitUJenbung reo "snfiiiitiu 3c.

baß biefe £>anblung beim od) Statt gefunbcn r)a6e. 23cifpie(e kty

ter 21rt foflcn burd) j\t>ct ftreuje be3etd)net werben. 3)ic unter 2)

gegebene Siegel ift eigentlid) unter biefer mit einbegriffen. 2)cr Unter*

fcfyicb liegt nur barin, baß im allgemeinen ftcr) nur fagen läßt:

baß bie (Snglänbcr in folgen Ratten gern bie $orm ber Vergangen*

r)eit anmenben, wäljrenb in bem unter 2) angegebenen gatten bie

gorm bcö 3nftnitit> ber ©egenwart fogar ein gel)ler fein würbe.

23cifyielc mit ir)ren ©cgenfä^en.

„3er) erwartete ü)n bort gu finben," fann Reifen: I expected

to find him there, welcf)eö aber nod) Dtaum läßt ju ber ^ragc:

And did you find him? (Sage irf) aber: I expected to have

found him there, fo ift fo(d)c Srage febon »emeinenb bevor*

wortet.

tt »3tf) erwartete nict)t ifyn bort ju finben," I did not

expect to find him there, laßt ungefagt, ob id) il)n gefunben.

I did not expect to have found him there, üwolüirt, baß

ich i()n bort gefunben, obgleid) id) eö nid)t erwartet. 2Bic So«

renjo im „Kaufmann von Q3enebig", feiner früheren 21 b*

fierjt entgegen, ben 33affanio in 4 4?ortia'8 3ünmer auffud)t, fagt

er alfo : My

purpose was not to have seen you here, „(So

lag niebt in meinem ^lane, (Sud) t>ter ju fefyen," ba er tt)n tro£

beffen faf).

,,3d) fanb i()n fo gefunb, wie id) ifyn 31t finben erwartete,"

muß tjcipcn: I found him as well as I expected to find him.

„3er) fanb il)n niebt fo gefunb, \x>k id) ihn 51t finben er*

wartete, " ftnbet man oft auSgebrütft burci) : I did not find him

so well as I expected to have found him, weil bie (Srwar*

tung getäufd)t würbe.

„3^ fanb iimnidjt wor)ler, alö icf) if)n gu finben erwartete,"

muß Reißen: I found him 110 better (ober: I did not find

him better) than I expected to find him.

it„!3d) fanb ilm beffer, alö id) tljn ju finben erwartete,"

finbet man oft gegeben burd) : I found him better than I ex-

pected to have found him, weit icf) trofj meiner (Erwartung

tr)n t>crl)ä(tnißmäßig wol)l fanb.

It was our intention to have place d (ftatt: to place,

weil bic 2lbftd)t, bem Scfer bie Öinjclfyciten vorzulegen, triebt


lltbtt ric cijciitl)iiiulid;c Slnwenbung befl Snfinittt) :


184 lieber tte c i ß e n t f> ü m 1 i rl; c Siiivenfeung t c e 3ufiniti» :c.

2)och ift in tiefem Satte, fo roie auch in ben beiben nädjjl*

vorfycrgchcnbcn Scifpiclcn bic 3lmvcnbung bcö Infinitiv ber 93er*

gangcnl)cit rooht fdjivcrlicf? ju rechtfertigen, ba ein Soppclftun ba*

turd) cntftct)t, unb man — bevor man aus bem Verfolge ben

Sinn erfannt l)at biefe Stellen leicht folgcnbcrmafjen verfielen

fönntc: „3ch glaubte, 2)ir bavon gefagt ju Ijaben"; „£>ter

glaubten fic bem *ßaare einen mutfymitligcn 3aubcr angetfyan

511 fyabcn"; „3cb fürchtete, ich möchte eö verloren haben".

2)ic 2lnmentung bcö meiftenö auf bic 3u&wft beutenben should

{\ter3wcrg märe btinaty getöbtet morben", — mürbe

aber nicht voirflid) getobtet.

His own feelings would have induced him to leave

(„JU Verlaffcn") the Castle directly; there "was no occasion

for your persuasions („2)ctn 3 urf bcn mar unnött)ig"). @r ver*

ließ baö Schloß alfo fogleid).

His own feelings would have induced him to have left

(jlt „verlaffen") the Castle directly; but he was loth to for-

feit , without at least one effort , the advantages which he

had proposed from his visit to the Lord Keeper. (Sr verließ

baö Sd)loß alfo nicht foglcid).

„Gr fühlte große Unluft, tiefe fragen 31t beantworten"/ fyeißt:

He was loth to ans wer (ober: to have answered) these

questions. feisterer 2luöbrucf invotvirt, baß er fic trofc feiner

Unluft bod; beantmortet tjabc.

„@r hatte 9]id;t6 ju tt)un aU feinen Skter um @rfaubniß ju

bitten". He had nothing to do but ask (ober: but have

asked) his father's leave. Se&tereS involvirt, taß er eö ben*

noch unterlaffcn, um (Srlaubniß 311 bitten. 2lcf)nlid) verhält c6

ftd) mit folgenber Stelle in Sterne: He had nothing to do but

have taken hold of the two pieces.

She spoke loud enough for even my deaf brother to

hear it. Sie fprach fo laut, baß felbft mein (anmefenber)

rauber trüber eö hören fonnte",

She spoke loud enough for even my deaf brother to


lieber Me eigentümliche ?I n n> c n t u n ^ t e c- Infinitiv it. 185

have heard it. „Äetter geljen", He warited

me to go (ober: to have gone) to the Adelphi Shades.

£c£tereö imwfoirt, bafj ich feinem 2Bunfcr)e nicht nachgefommen fei.

There were two circumstances which made it necessary

for her to lose (ober: to have lost) no time („feine 3?'* h u

verlieren"). Sc&terer SluSbruef iroobfoirt, bajj fte fiel) ber SRotlj*

wenbigfeit ntdjit gefügt habe.

„yRify ju begaty-Ien (bafj er mich bejahte), würbe ihn halb

3u ©runbe gerietet fyaben, r)ütte fein 9Sater ihm nicht auögct)o(*

fcn". To pay me would have half ruined him, had he not

becn supplied by his father.

,,9J?tcr) ju b c § a f> I c n würbe ben Qmd (Sourttanb Ijcdb jut

©runte gerietet Ijabcn". ((53 würbe ben Jpanö ßourtlanb r)al&

ju ©runbc gerichtet haben, wenn er mich befahlt fyätte), To

have paid me would have half ruined Johanny Courtland,

ober: It would have half ruined Johanny Courtland to have

paid me. (Bulwer.)

It was certainly their interest to interpose (ober: to

have interposed) their good ofßces (,,\id) gefällig ju er?

Weifen"). Seigerer 2lusbiucf iiwolturt, baß fte eö unterließen,

ftch gefällig jju erweifen.

„3l)n um SSergeir)ung ju bitten, war bnö einige Mittel

gegen lc.ü gallo biefeg SDlittel angewanbt würbe, muß cd beißen:

To ask his pardon was the only remedy for etc. gallo eö

aber nid)t angewanbt würbe, fann man fagen: To have

asked his pardon was the only etc.


186 lieber tue ciiientbiim tiefte 21 mv e u t> u n ^ t>e$ Snfiniiiö k.

It -was liis duty to inform (ober: to have informed)

me of the aeeident. 2e(3tercö iiwofoirt, tap man tiefe ^flidjt

verfaumt habe.

SWurraij fabelt in allen folgen fällen btc Slnmcnbung ber gorm

beö Snftnüfo bei SSergangenfye it. Gr fagt nümlicl) m Vejug auf

(Safte wie: 1 intendcd to have written etwa golgenbee»: „2113 bie

2lbftct)t ju fd)rciben gefaßt würbe, lag bie £>anblung bcö ©cfyreibenö

nort) in ber 3ufun f*3 folßlid) barf intended nid)t ben 3nfmiti» ber

Vergangenheit regieren." Slcljnlicr) serljält cö ftd) in ben übrigen

gällen. 2)icfcr ©runb, an ftd) betrachtet, ift gwar ttotlfommcn ein*

Ieuct)tenb. @# fcfjetnt biefem berühmten ©rammatifer aber völlig ju

entgegen, baß man in ber Slnwenbung beö Snfmitfo in bev gönn

refp, ber ©cgenwart ober ber Vergangenheit fyftcmatifd) »erfaßte,

um gemiffe feine Untcrfd)icbc bemerfbar ju mad)en, (§r fdjcint ju

glauben, baß bei 2)enen, welche in al)nlid)en gällen ben 3iifiititit> in

ber gorm ber Vergangenheit anwenben, eine Verwirrung ber Vcgriffe

«Statt ftnbe, baf? fie meinen, ben Snftnitfo ber Vergangenheit an*

wenben gu muffen, weil bie burd) ben 3nftnitto auSgebrücftc

^anblung im Sftoment beö (Srjäfylenö bem ©ebiete ber Vergangen*

l)eit angehörte. 5)enn er fagt: „(Sä giebt jcbod) rcfpectable ort im

Infinitiv immer in ber Vergangenheit ftefyen muffe, wenn baö baö*

felbe regierenbe ßcitwort in ber Vergangenheit ftct)t." 3)a6 fyftc*

mattfdje Verfahren ber Gntglänber in bei* Slnmenbung bcö Snftni*

tio in ber gönn ber Vergangenheit tjabc id) burd) bie angeführten

Veifpicle geigen wollen. 2)a felbft bie beften cnglifd)en Sd)riftftct(er je*

neu Untcrfd)icb beobachten, fo meine id), muß man bie Slumcnbung

ber gorm ber Vergangenheit in äl)nlid)en fallen ale burd) ben @c*

braucl) gercd)tfertigt anfeljen, unb l)abc id) beöljalb feinen Slnftanb

genommen, unter ben Vcifpiclcn aud) fo(d)c an^ufüfyren, meldje 9)htr*

rat; als fel)lerl)aft aufführt. Wan wirb gewiß in allen galten, wo

gebilbete (Snglänbcr ben 3>nfinitit> ber Vergangenheit anwenben (wo

ber 2)eutf(f)c ben Snfinitfo ber ©cgenwart anwenben würbe), finbeu,

baß einer ber oben erwärmten Umftänbc (£äufcl)ung ber (Erwartung

u. f. w.) Statt finbet. £abclne»wcrtl) bürftc biefe Slnwenbung ber

gorm ber Vergangenheit freilid) fein in {eglid)cm gälte, wo burd) bie*

felbe ein guin s JÜn'ßöcrftanb fül)rcnber 2>oppclftnn entfielt.

2>cm Urfprunge ber Neigung ber (Suglänber, unter ben erwäljn*


ltcfrcv fie eiijeiitl)ümlid>c 9tn»en&ung t>c3 Snfinitftt :c 187

tcn Umftanbcn ben Infinitiv in bie $orm ber $krgangcnt)cit ju fiel**

len, fomnten nur auf bie Spur, n>enn nu'r ermagen, baß nur aud)

im 3)cutfd)cn, (i»o nur auö bet 2>cr^ant}cnt)cit berichten, unö aber

nid)t beö 3nftnttt»8 bebienen,) und einer jufammengcfcjjtcn

ßeitform bebienen muffen, fatlö ba8 in Siebe Steljenbe nierjt gcfdjcfyen

ift. 3« ©:

Snbicatfo: „ Slld fte tljm taö ©clb überreichte, war er 311»

frieben."

(Sonjunctfa: „9118 fie il)m baö ©clb überreichte, glaubte fte, er

m ar c jufh'eben."

Gonbitionale: „9118 fte il)in ba«3 ©clb überreizte, märe er ju*

frieben gemefen, menn fte bei Ucberrcidmng befiel*

ben etmaö mcfyr IDtScretton gezeigt l)atte."

9cun wolle man folgenbe Säl^c vergleichen im (Snglifdjen wie

auef) im 2>cutfd)cn.

„2Bie mürben bie Sdjöngeiftcr aus „Sßie mürben bie Sdwngciftcr au$

tfömg ftarl'8 ßdt gelacht haben, Äönig Äarl'8 3cit geladjt fyabcn,

al$ fte jenen üDcmfc&en eintreten menn fte 9?icolini im §ermeltn*

far)cn, menn fie ftd) nidjt öor bleibe einem Ungcmitter auSgc*

ber foniglidmi ©egenwart genirt fefct gefct)en Ratten! How

l)ätten!" IIow would the wits would the wits ofKing Charles's

of Kino; Charles's time have time have lansrhed to have scen

laughecl to sec (nicf)t: to have Nicolini exposed to a tempest

seen) that person enter the in robes of Ermine!

hall, had they not been re-

strained by the royal presence!

„(St mar in jeber Jpinftdjt fo fon* „@r mar in feber §tnftcf)i fo fon*

berbar gegen mid), bafj icr) blinb berbar gegen mid), bafj id) blinb

gemefen fein mufj, c8 niebt 31t be* gemefen fein müßte, menn icbj c8

merfen (bafj id) eö nid)t b einer U niebt bemerft blatte." He was in

te)," He was in all things so all things so particular towards

particular towards me , that I me, that I must have been blind,

must have been blind not to not to have discovered it.

discover(nid)t: to have discovered)

it.

9lud) bei bem ^artieip, menn c8 fubftantim'fck SBebeutung

bat, mad)t man einen ähnlichen Unterfd)icb jmifeben ber $orm ber

©egenwart unb ber ber SBergangenljett. 3» 33-:


188 lieber Me tigentbnmlt($c Statten bong fcc$ Sitfiniti» «.

„34) erwartete meine Sctnveftcr tort ju finben," I expected

f in ding (ober: having found) my sister there.

4) 2Bcnn ßtitmötttt, \vtl gern in bie §orm ber SBergangenljeit, wenn bie Diebe

»on (Stwaö ift, welebcö ber (Srroartung, -Spoffnung u. f. w. jum

Ztofyt gefdjal), wäfjrenb in ben unter 3) angeführten gäflen nicot to

expect etc. fclbft, fonbern baS von to expect etc. regierte $tii*

wort unter ätynlicfyen Umftänbcn im ^nftnitro ber Vergangenheit

ftel)t.

„Ö6 war ju erwarten," Ijeifjt: It was to be expected

ober: It was to have been expected. Seljtereö iiwolvirt,

bafj baö ju (Ürwartenbe bennoer) nid)t gefcfyefyen fei.

„(So war nietjt 31t erwarten," It was not to be expected

ober: It was not to have been expected. Setjtercö ttwolüirt,

bafj baö nict)t ju Grwartenbc bennorf) gefcrjefycn fei.

Philip, to do him justice, evinced a consideration not to

have been expected froni bis early and arrogant reckless-

ness. (Bulwer.)

You blamed him for his want of a consideration which

was not to be expected from such a child. 2>a3 which be*

jter)t ftcb nämlicr) auf consideration, nicr)t auf Avant of a

consideration. (Sonft würbe eö auef) Her fjcijjcn fönnen: to

have been expected.

5) ßuweiten t>at cö mit bem Snftnitiö in ber gorm ber 23er*

gangcnl)eit im Gsnglifcrjen folgenbe 23cwanbtnijj : SQSenn baö re-

gicrenbe 3cito>ort im $lu8quamperfectum jier)en foüte ober im (Son*

bitionale ber Vergangenheit unb ber Infinitiv in ber (Gegenwart,

ftellcn bie (Snglanbcr ftatt beffen oft baö regieren.be ßeüwort in

bie $orm beö Smperfectumö, ober beö Sonbitionate ber ©egenmart

unb bagegen ben Snfinitiö in bie gönn ber Vergangenheit, in

gleiebcr SBeife wie wenn baö regierenbe 3citwort ein befeetweö ift —

wie unter 1). 3- ©•

This was reeeived with great approbation by all, except

Mrs. P., who, I could pereeive, was not perfectly satisfied,

as she expected to have had (ftatt: as she had ex-


II et» er t i c ci^cntl)ftmlidK "?( inv e n Imi n $ t^cä Jnffnftito ic. 189

pected to have) the pleasure of sitting at thc head of the

table. (Viear of W.)

Doctor Slop eame slowly along upon the vertebre of a

little diminutive pony (seil, „which was") seareely able to

have made an amble of it (ftatt: which Avould have

been seareely able to inake an amble of it), had the roads

been in an ambling condition. (Sterne.)

„Te3 tföntgö Slnfunft in 21., fcfjon am ÜRontage, »Are ju

erwarten gewefen, toenn bem (Senat bte ßunbe geworben wäre,

bafj er früher, als er vorhin beabjtc&ttgt hatte, nacr) 5ß« abgereifet

Wäre. " The king's arrival at A. on Monday already Avere

to have been expected (ftatt be6 übel flingenben: would have

been to be expected), if the Senate had reeeived notice of

bis having antieipated his purpose to go to P. ^n biefem

§aile fyetßt eö: to have been expected, mag fcic 9lnfunft wirf*

lieh erfolgt fein ober nierjt, alfo ofyne Dü'ictftcijt auf bie unter 4)

gemachte Unterfcr)eibung,

3n manchen ber unter 3) angeführten 23eifpieten, jumal in ben

legten, läjjt fieb tic Slnmcnbung bc3 Infinitiv in ber gönn ber 93er*

gangenbett auch bnreh baö hjer unter 5) Öefagte erflarcn.

Stettin.


jS'tuWn über tfit frciti3t»flfd)en ^djriftßeUer fces

|>4)3*ljnt*n Jal)r!)untiertd,

III.

Blaisp de IHontluc.

3)aö fecrjjefynte 3ar)rr)unbert r)at, waö bt'e r)tftorifcr)e Literatur

betrifft, nicfjt eben mefyr ald SJiemoiren hervorgebracht» 3war tft

von einigen ©crjriftfteUern ber ßdt bie 53cr)anblung ber Univerfalge*

fcfn'djte verfud)t morben, aber biefc einlaufe ftnb fo bürfttg nnb un*

genügenb, baß jte faum in ber Siteraturgefcf)icr)te Grmäbnung ftnben

fönnen. 3e befcfjränfter biefe erften Slnfänge ber rviffcnfdiaftlicrjen

r)iftortfcf)en £>arftcUung ftnb, befto reichhaltiger ftnb bie ©djafce, welche

unö bie 9J»cmotren(itcratut beö fedjäcr^nten 3ar)rr)unbert6 bietet, unb

gtvar nicr)t nur beßmegen, rveil bariit eine reiche Duette ber ßfitge*

fcfyicrjte fließt, fonbent au er) wegen ifyrcr litcrar4)iftorifd)en unb fpradj*

liefen SSebcutung. 293e.cr;e8 frifcf>e geben fprubelt ntcf>t in ben t)terr)er

getjörenben Tutoren, weldje gülle ber (Srcigniffc, melcfje 2lnfcfjaulid)=

feit unb juglcict) ivelcfie jfraft unb 9caivetät bcö 2luöbrucfe6! SBälj*

renb bie auf iviffenfcrjaftiidien Sßertl) beregneten Söerfc beö fecr^cfyn*

ten 3af)rl)unbert8, bie noef) baju, weil fie mciftcnS in lateinifdjcr

(gpracfjc gcfd)ricben ftnb, größtenttjeite auf bie Sntwicfelung ber fran*

jöftfcfjen Literatur gar feinen ober nur einen inbirecten Ginfluß auö*

geübt Ijaben, an einer abfcfyrcrfenbcn ^ebantcric, cm 2>ürftigfcit ber

teitenben 3becn ober an ©dfjwerfätJtgfeti unb ©rette ber 2lus?fübrung

(eiben, ftnben nur r)ter, in ben 3citbilbcrn ber 9Jtcinotrcnfcr>riftftcUcr,

ein warntet, rctcfjcö Scbcn, baö unö auö einer 3cit ber Stampft unb

ber ©ätjrung mit eigentr)ümlicfjer @(ut() amvef)t.

2)en erften tyity unter ben Slutoren biefeö ©enreö muffen tvir

33 la if e bc s 3)tont(uc amveifen, ber fein tfyatcnreicfjcö Seben mit er*

greifenber 9?aivctät unb mit einer vmmberbaren Äraft in feinen

„Commentaires" gefdjitbert ijat.


©tttbim &bn rio franjöf. Schiftftcflcr reo fortsehnten 3U

(et}cn 5tori V. unb granj I. entjünbete, gab er feinen 2)icnft auf,

nm naefc) Italien JU eilen, -frier nabin er bä Scöcun, bem fvatem

3Rarfcr)afl von goir, Xienfte unb gei


192 (Stittten über tic froflj&f, Ecfyriftjkflcr tc§ fcd)jc(;nren 3iitjvt)untcrt8.

non seulcment de rigueur, mais de cruaute (225). ©ine fdjrccf*

Itrfje 33erftümmelung, bie er im 3al)re 1570 erhielt, nötigte ifyn,

ftd) cmö bem tätigen unb bewegten Seben, baö er biö baßin geführt

fyatte, jurücfjujicben. (5r nnbmcte biefe 3?it ber unfreiwilligen SJhtße

ber Slbfaffung (einer 3)enfnuirbigfeiten, beren erfte 2lbtl)ei(ung biö

auf baö 3af)r 1571 gel)t, unb bie er bann fpatcr in einer gortfe^ung

bis jum 3al)re 1576 fortgeführt l)at. 9?act) bem Sobc tfarl'S IX.,

1574, würbe er alö ©reiö nod) einmal mit 23erleil)ung ber 9J?arfd)aÜ'*

würbe juni aettoen £)icnfte jurücfberufen, aber balb barauf burd) bic

^mlfloftgfeit feincö Äörperö genötigt, bemfelben gänjlid) ju entfagen.

Ör wibmete bie legten 3al)re fcine6 Sebenö ber 23ollcnbung feiner

Memoiren. 2>iefelben würben fünfsefyn %atyz nadj feinem £obe,

ber wat)rfd)cinlid) im 3uli 1577 ftattfanb, gum erften 9Me 31t S3or<

beaur von einem gewiffen SRÜange IjcrauSgcgeben.

äftontluc t)at für feine 2)cnfwürbigfeiren ben Xitel Commentaires

gewählt, inbem il)in babei bie 2£crfe Safar'8 »orfd)wcbten, »gl. 93or-

rebe

: nul ne pouvoit mieux representer les desseins, entreprises

et executions que moi-meme. Le plus grand capitaine qui ait

jamais ete, qui est Cesar m'en a montre le cherain, ayant luimeme

^crit ses commentaires, ecrivant la nuit ce qu'il executoit

le jour. J'ai donc voulu dresser les miens, mal polis, comme

sortant de la main d'un soldat, et encore d"un Gascon, qui

s'est toujours plus soucie de bien faire que de bien dire. 2lud)

an anberen ©teilen »crwafyrt er ftd) bagegen, alö rjabc er bn 2lb*

faffung feine-3 s Jßcrfe0 einen eigentlid) (ttcrartfcfjcn ßmd gehabt. (Sr

null nur befdjreiben, um 3 er gctfyan ober gefel)en l)at (car je ne

veux rien escrire par ouyr dire, 6); er macfyt feinen Slnfprucb

auf ben tarnen cincö ^iftorifer^ (mais je retom-ne h moy; car,

comme j'ay toujours proteste, je ne veux faire Fhistorien: j'y

serois bien empesche, et ne scaurois par qucl bout m'y pren-

dre, 21) unb fommt wicberfyolt barauf jurütf, bafj er fein ©cfjrift*

ftellcr »on ^rofeffton fei: je ne me suis jamais gueres mesle de

ces escritures, 211; je n'avois jamais rien escrit ny pense" ä

faire des livres : j'estois incapable de cela ; mais pendant ma

derniere blessure et mes maladies j'ay dicte ce que je vous en

laisse, afin que mon nom ne se perde ny de tant de vaillans

hommes que j'ay veu bien faire ; car les historiens n'escrivent

qua l'honneur des rois et des princes unb je prie ceux qui me


©tubien über tic fwmjftf. Sdföt treten un$ aber aud) in feinem SEBerfc alle 3Mnge tuet

kbtnhiQtt, naiver nnb origineller entgegen, als bieö bei ben anfpntcbS*

vollen tfunftbiftcrifern feiner j$tit ber gall ift, nnb fein erfter £et*

auägeber fann mit SRecfft in feiner bem ga8cögnifcr)en 2lbel geftu'bme*

ten Q3orrcbe fogen: ce sont ici les coneeptions d'un fort, sain et

pur estomac, qui ressentent leur origine et leur terroir, con-

eeptions hardies et vigoureuses, retenant encore l'haleine, la

vigueur et la fierte de l'auteur. ^nbeffen glaube man nid)t, baf

feine Sprache ungefd)icft nnb rol) fei, ftc fragt frcilict) In'er unb ba

in einzelnen 9htöbrmfen ein gaäeognifdjeS (Gepräge; aber ftc ift fo

gebilbet nnb abgernnbet, ttjte man eö nur von einem s Dianne, n)efcr)et

mel)r fcaS (Scbwert, als bie geber geführt l)at, erwarten fann. 3?i3*

weilen erbebt fiel) bie T-arftctlung, bie meift einfaeb, febjlagenb unb

berb ift, ju wirf lieber 35erebffainfeit, nnb im allgemeinen fann man

fagen, baf? atter), waS (5orrectt)ett anbetrifft, Wontluc l)intcr ben s

}Jro*

faifem feiner $tit) bie er an Äraft unb (Snergte übertrifft, nid)t 3U*

rüdftefyt. — 5)ie betaillirtcn


194 StaMen Mcr bit franjöf. SAviftfrcdci teö fcd^cfyntcn 3a$r$U8bettS.

trouppe, 7; aber bann aucf; nod) öfter Femininum: la trouppe, 8;

comte unt> prieure naef) alter 2Irt alö Feminina: la comte" de

Roussillon, 29; la comte" de Guare, 169; une prieure\ 169;

guide alö Femininum: Le Pelou, print son chemin avec sa

guide, 31; affaire unb erreur alö 3Ra0culina : en un tel affaire,

56; un tel erreur, 64; crie al$ Femininum für cri: il firent faire

tout incontinent la crie, 125; les cries furent faites, 243. $er*

ner fällt bie fa>n bn Sabin bemerfte Steigerung ber SubftantiM

homme unb gens auf: et que ce n'estoit lieu qui nieritast qu'un

si homme de bien que luy mourust, 25; le plus homme de

bien d'eux, 317; et faictes que l'eslection soit des plus gens

de bien et des plus fidelles, 125; un si homme de bien, 392.

3. 2)aö inflexible Sibjectto grand: une grand lieue, 253;

en grand bien; grand joie, 50; grand' estime, 4; qu'ils n'au-

roient pas grands finances de moi, 13. 2lu3laffung ber fuperla*

tififcfjen Sejeicrjnung : ce fut un des grands ayses que j'eus ja-

mais, 94; un des vistes chevaux que je montay jamais, 180;

c'estoit un des braves gentils-hommes de ce royaume, 79; un

des vaillans gentils-hommes qui sortit il y a cinquante ans de

Gascogne, 264; c'estoit un des vaillans hommes et des meilleurs

esprits qui sortit jamais de Piedmont, 38; lateinifcfye Superlatitta:

un grandissime plaisir (t>g(. illustrissime), 167; avec grandissime

douleur, 329; grandissime proffit, 342; beau ttor einem 93ocat

vous pouvez prendre ici un beau exemple, 156. (Stellung t>on

double : que la trahison double estoit tournee contre nous , 48.

4. 93ei ben -Numeralien ift ju 6 erneuen mil: il amena avec

lui dix mil Allemans, 12; qu'il y aye trente mil, 194; 2lmt>en*

bung ber Drbnungöjar)!: de Gregoire troisieine, d'Estienne qua-

trieme, de Gregoir neufieme (f auetj in Charles neufieme, 393),

36; prime für premier: de prime arriv^e, 52; afptrirteö onze:

de onze ou bien de treize par file, 52; bie alten tiers u. quart:

pour le tiers . . . pour la quarte raison, 85 ; mais tout cela ne

venoit pas ä la quarte part, 149; la quarte part, 301; 33ehanb*

lung tton midi atö 3al)ln)crt: il fut plus de midy, 319; Sltwen*

bung ber (Sonjunction et, n>o e3 nid)t mel)r jtttöfftg! vingt et trois

enseignes, 384; vingt et neuf jours apres, 385.

5. Sluölaffung beS perfön liefen *)3ronomen6 fel)r fyaufig:

et croy fermement, 7; alnveicrjcnbc Stellung ber Dbjcctöpronomina:

:


Stubien übcx Mc franjöf. Sdnifti'tctlcr t*c$ f«$je$nten 3fl&f&unbeirtt. 198

je le vous vcux escrirc, 18; ains la mc tlonna a moy, 30; et

le m'amena, 348; le m'envoyeroit , 290; je priay monsieur de

Termea la me laisser conduire, 47; je le vous conseille, 213;

SBcrbinbung be8 abfoluten moy mit bem UScrbum: et moy m'en

allav au palais, 148; fcfymanfenbc f$olgc von y unb en: je m'y

en allav, 248 unb pour ce qu'il en y a aujourd'hui qui m'aiment,

90; et Teste n'en y avoit point, 80; mais il en y avoit, 398;

Stellung beö se: pour s'aller jeter dans Fossan, 51; car per-

sonne scavoit que les Allemaus s'en dussent aller, 148; autres

se venoient rafraischir pour incoutinent apres s'en retourner,

316; plconaftifcljeS Pronomen: ä ces hommes il leur faut une

quenouille et non une espee, 5

; le marquis qui vist que la ca-

valerie et les Grisons se montraient il voulut retirer les six

enseignes du grand chemin, 121.

6. 9c\id)fteÜung beö ungebundenen ^ offefftüS: or, la fortune

mienne fut' si heureuse, 98; qu'en recompense ä jamais il se

rendoit serviteur mien, 104; qu'il n'en pouvoit esperer que la

perte mienne et la ruine de la cite, 166; qui entendoient les

raisons miennes , 278 ; IjäuftgeS mondit u. f.

in. : et mondit

seigneur, 20; oü estoient mesdits seigneurs les cardinaux, 281.

7. SluSlaffung bcö abfoluten 2)einonftratitt3: messieurs je

vous öftre ma vie et de tous mes compagnons, 315.

8. SBcim dl eint tu um bemerfen um bte Sluölaffung beö ce

* »or qui: il s'en alla en poste ä la court; qui enhardit nos enne-

mis ä redresser le camp, 11; je ne sais que devint le comte,.

78; passa le pont et la fit teste, qui fut cause que beaueoup

de nos gens se sauverent encores, 45; et si l'on regarde bien

que j'avais fait estant sous luy, 117; (Stellung beö JNflattofnfceö

tous ces exemples ay-je mis par escrit, qui peuvent servir a

l'advenir, 127, il unb on plconaftifd) na er) einem 9ie(ath)[a(je : mais

qui regardera de bien pres,- on trouvera, 317; qui lira ceste

faction, il trouvera la verite, 22; qui ttor SSocal apoftropt)irt : il

fut poursuivi du bastard de Bazordan, nomine Janot qu'est

encore en vie, 50; je descouvre sur la plaine du Babe, qu'est

un chasteau nppartenant au ehastelier de Savoye, les trois com-

pagnies, 51; tous gentilshommes gascons qu'estoient en ceste

trouppe, 53; il avoit aeeepte de Commander aux quatre pro-

vinces qu'estoient Dauphine, Provence et Guyenne, aussi bien

13*


19ß Stufrictt über Mc fronjßf. ©d?riftfteflet teö fedjjcbntcn 3fl^tf)itnbcrt§.

qu'au Langucdoc, 344. 2)aö befannte qui . . . qui : mais pensant

ä se sauver qui son argent qui ses armes, 113; dont, de lä

oü, d'oü unb oü: ce qu'il fit: donc bien nous en prit, 270; quel

honneur gaio-ncnt les hommes, de se faire non seulement hon-

norer, mais encores honnorer la nation de lä oü ils sorienr, 129;

ä un lieu d'oü il ne me souvient, 320; je receus une lettre de

monsieur lä oü il disoit, 331.

9. aueun für quelque: durant aueune fois demye heure,

58; tant et tant: apres tant et tant de peines par moi souf-

fertes, 1.

10. 23et ben Serben ift bemcrfenSroertf) bte eigentümliche

SBilbung ber erften Konjugation: que nous donnissions, 207; il

falloit que nous passissions par le detroit, 177; donnissions, 154;

que nous allissions, 108; que nous allissions mettre le siege, 28;

nous allissions la voie, 42; que nous la laississions, 292; re-

contrissions, 54; que nous nous sauvissions, 79; et voulois que

nous marchissions, 343 ; faire trouver bon que nous passissions

la riviere, 347; (sergleicbc über btefe^ nttcrtt)ümticr)e isse: Dreüi,

2lltfran$. ©ramm. 2. 2lu3g. p. 162); envoyer roirb im futurum

unb (Sonbitionale noch regelmäßig gebildet: que le roy nous en-

voyera, 125; envoyera, 391; que Dieu leur envoyeroit, 125;

altertf)üm(tct)e Konjugation von laisser (r>gl. 3)ie$ unb DrcUt):

je lairray donc cela en arriere, 16; que nous lairions apres

nous, 292; pardoint: Dieu me le pardoint, 31; que Dieu

pardoint, 397. Sluölaffung bc3 ^u'tlföjeittüorteö : d'autres ont perdu

la vie sur un eschaßaut, d'autres deshonnores (ju ergänzen se

sont) et retires en leur maisons, 2; que je n'ay jamais este"

deffaict ny surpris, en quelque faict de guerre oü j'ai commande

ains toujours rapporte victoire et honneur, 1; üßcrvocctjölung tion

etre unb avoir: si nous fussions este" tous enfiles dans le che-

min, 96; il eust mieux vallu cent fois que tous fussent este

aupres de monsieur le prince, 317 ; qui leur fust este" necessaire,

317; qu'il n'en avoit pas un qui fust voulu demeurer, 353;

s'ils se fussent este* rompus ou separes, 370. ShtSfaffung beö

eupt)ontfcr)en t in ber gragcftcüung Ogl. ^aSquicr): si en demeura-

il, 83; aussi n'en eschappe-il guere, 264.

QSon alten 91 b» er bien bemerfen nur: ores: je ne cessay

de courir et sauter ores 9a, ores lä, 135; je ne faisois autre


StuMcn übcx bie fton^öf, EdniftjWIcv tc? (ccl^ctmtcn 3«1jr$tt!U>eTti. 107

chose quo de courir par tout a cheval ores aux fortifieations,

puis a ceux qui sioient lcs tables au moulin, 98; prou (»gl.

aud) im ©loffarimn) : il y en a eu prou qui cstoicnt si tres-

extenue de ma maladie, 137; im second coup für de nou-

veau: ce qui occasionna monsieur le marquis de faire sa re-

traite, fut par la crainte qu'il avoit de tenter im seeond coup

fortune, 20; mais (magis): qui n'en pouvoit mais, 264; sans

plus: d'aller choisir six vingts hommes sans plus, 24; on ne

demeuroit qu'une heure au manger sans plus, 362; q\' abordne:

d'abordee nous emportasmes le fauxbourg et les barricades,

411; mesmement: les raisins qu'ils mangeoient mirent leur

camp en un si grand desordre de maladie et mortalite mesmement

parmy les Allemans, 27; ne pouvant passer ceste plaine

sans courir un grand peril et mesmement la nuit, 55; outre

für en outre: et outre, trois ou quatre marchans de Barges, 48;

clair für clairement: nous oyons les tambourins des enneniis

aussi clair presque comme les nostres, 66; icy für baö ange*

bannte ci: ceste nuit icy, 207; pie


198 ©tobten libc.r fie franjof. Scfjriftjicücr tc-3 fccfi$cbntcn 3


©tuMcit über ric fi\injöf- Scfjriftftefler tcö üd^cbutcn o^vlutufcrtc'. 10«.»

(£a£e): encore que j'aye eu beaucoup d'heur aux combat s . . .

si ne veux-je pas que l'on pense, 1 ; encores que je sois gentilhomme,

si suis -je neantmoins parvenu degre par degre, 2;

capitaines, encores que ce ne soit pas ici de grandes conquestes

et batailles , si pouvez vous apprendre , 342 ; et encores que je

cogneusse bien que monsieur le mareschal ne prenoit plaisir a

voir mes lettres, si luy escrivis-je, 385 ; et encore que monsieur

de Laugnai tust malade de la maladie qui l'a si longtemps tcnu,

neantmoins si tenoit-il les soldats nuict et jour dehors, 363;

aux fins que: et que les portes de la ville seroient fermees,

aux fins que personne ne peust sortir, 107; que: or par le

moyen des escarmouches qui furent faictes aussi belies en ces

lieux qu'en toute autre place que (oü) je me trouvay jamais,

108; si QoqL SßaSqUter) : mais si suis -je contraint dire la ve-

rite, 117; quoy que j'eusse resolu de n'aller plus en ce pays-

lä, si est-ce que je ne peus m'empescher, 75; tandis: l'alarme

estoit grancle dans la dicte ville, 25; ainsi que: ainsi que je

foa arrive au bourg, 55; et ainsi que nous voulions sortir de

la ville, arriva monsieur de Cental, 51; cependant que:

nous qui les desestimons cependant qu'ils nous craignent, 64;

tirant cependant que les autres rechargeront, 39; de tant que:

de tant qu'il estoit desjä presque nuit, 89; despuis que: de

iiia pari je ne prens nulle excuse en payement despuis qu'il y

va de la perte d'une ville, 102; ains: ne prenez pas toujours

le plus aise, ains trompez le, 342.

15. @onft auffällige (So nftruet tonen: vous ne devez re-

jeter en arriere les remonstrances que je fais, pour avoir veu

tant de choses en mon temps , 5 ; ceux qui desirent avec les

armes acquerir de l'honneur, 6; il seroit deffait sur les chemins

car bien tost l'empcreur seroit adverty, pour n'y avoir que

quatre Heues dudit Auriole jusques ä Aix, 22; nous estions au

val de l'autre coste, prfes d'en monter une autre, y ayant en

ces quartiers lä plusieurs colincs, 2G; lui et son maistre

cogneurent que c'est d' attaquer un roy de France, 27; ä la

verite dire, 41; s'enfuyant droiet a Fossan, pour estre mieux

monte que les autres, 43; lui dict qu'est-ce que luy en sem-

bloit, 65; les uns en tuoyent, et les autres en sauvoyent, y

en ayant tel qui en avoit plus que quinze ou vingt autour de


200 gtubUn über bie franjöf. gcfiriftfrcdci- tcc> (cd^ebnten JafirfiMiterW.

luy, 73; pour ä quoy les contraindre, 98; je dis au capitaine

Charry, presens mes soldats, 102} pour luy apprendre qu'est-

ce que la guerre, 103; les pompes, les plaisirs, les delices, la

curiosite de ceste ville, ne me peust arrester un jour, 1G4;

comnie dit est, 206 ; et par trois jours ceste dcsolation et pleurs

dura, 149; en tant de inaladies et blesseures qui j'ay eue, 307;

voy-lä que c'est de faire recognition, 308; une chose scay-je

bien, 309; or, a la verite dire, 338; je veux mettre par escrit

icy qu'cst-ce que je faisois u. Ayre, 338.

B.

@ I o f f a r t u m.

A.

aboyer, cigentfuiinltcr/ für etre aux abois: le vin arriva sur le

point que j'aboyois ä la mort, 131.

abreuver: il n'est pas possible que sa majeste ne fust, comme

j'ay dict, pippee et abreuvee de quelques gens, 285.

accaser (vgl. aeazer, ju 2cl;en geben), fu'er für nieterfaffen : o que

ces pauvres Anglais qui s'estoient accases depuis trois cens ans dans

la ville de Calais, 161.

aecort (t>gf. : aecort signifie conciliant. II vient d'aecortor;

c'est un mot qui n'est plus en usage dans le style noble, et on doit

regretter qu'il n'y soit plus. Voltaire): un des aecors bommes, 49.

aecourager für encourager, im fedijefynten 3 a ^1uuitert feljr gefo\iud;üd)

: pour rn'accourager ä faire mieux, G2; ce qui nous devoit

plus aecourager ä bien faire au combat, 66; s'aecouragerent les uns

les autres, 378; affin de les aecourager, 82; aecouragea tout le

monde, 166.

aecoutumance, veraltet, ßt-gfeid) aud) jefct allenfalls nod): je

croy que ce n'est que quelque aecoutumance, 163; Vgl. l'accoutumance

est une seconde nature. Montaigne.

acquest, noer) je&t (acquet) in rer ©eridjtefvradic un& in ftrid)=

rvcrtttd)en 91ccen«arten : et combat tent plus pour la gloire et l'honneur

que pour acquest, 160.

affermer für affirmer (vgl. ßafinn) : j'oserois affermer, 377.

aiguäde, baß ßinnelnnen t»en Sßaffer

: ayant este empörte d'une

mousquetade en isle de Maderes, oii il fist descendre pour faire aiguäde,

280.

ainsi, cic fprtd)UHU't(ict , c Sß^tafe ainsi comme ainsi: et si l'on ne

leureust rien appreste-lä, ainsi comme ainsi, ils fussent passes outre, 121.

aix für ais (33rett): et passasmes la riviere par dessus iceluy

(pont) eueor que les aix ne fussent pas encore cloues, 203.


Stufeitn über Wc franjöf. SdjrifrfUfl« tc§ fecftjeluitcn Jalu-fnuiccrtff. 201

alienne (alienüs t»gf. aliener): de tant de nations aliennes de

nostre religion, 49.

alte (für halte): ils firent alte, 7.

am ender für 6effct ÖJerbcil, berftetten : il me sembla que j'estois

un peu aniende et en renvoiay la litiere, 197.

annuit: ce qne tu peux hure, annuit n'attens au lendement,

85 ; il aura reponse anuit pour retourner le matin, Froissart ; Ögt. bei

Sarpentier: anuit s. f. ancieq mot. Dans plusieurs de nos provinces

on dit encore anuit (cette nuit) pour dire aujourd'hui, ce qui parait

veuir de l'habitude ou etoient les Germains, de qui nous descendons,

de compter par nuit au lieu de eompter par jour.

an tiporte: il y a une grande antiporte fort large, 143.

apoltronir, jlatt apoltronner, baä aber fel&jl [eben r-craftet ijt:

et cependant, encore qu'ils ayent naturellement bon coeur, avec le

temps s'apoltronissent, 299 = feige werten; r^l. un jeune homme doit

truubler ses reigles, pour esveiller sa vigueur, la garder de moisir et

s'apoltronir , Montaigne, III.; le mariage apoltronit et aecroupit les

bons et grands esprits, Charron, I., 42.

aposter: et avois des gens apostes pour observer ce qui se fai-

soit en Bearn, 306.

apprentif (Bgl. *)5a$quicr) : il faut que les jeunes demeurent

apprentifs et obeissent aux vieux, 393; quelques apprentifs en nostre

mestier y apprenderont quelque chose, 338.

argolet für argoulet (Gariibiiicr) : et commencerent ä tirer ä nos

argolets, 347.

arraisonner (»gf, Gaftfin) : j'arraisonnois ä part moy, 152.

assiegeur, ungebr(tu$ii$eä ©Ubfiantiü: un bon assiegeur de

places en doit faire ainsi, 374.

a vant -cou rrier (bjer für avant-coureur) : qui sont avant-cour-

riers de la bataille, 124.

avitaillement, r-amals feltener a(8 je&t: pour leur provision et

avitaillement de l'armee, 33.

II.

b a i 1 1 e r für donner : mais que tout leur fust baille promptement.

211.

barquerot, ÜDinutlutiö Pen barque (v»gl. barquerolle, barquette)

je leur fis orier par quelques petits. barquerots qui alloient et venoient, 18.

barrique, neeb jo£t: secondement fut trouve plus de trente bar-

riques pleines de corcelets, 77.

bastant (fpcintfdj) , nur noeb familiär : une

armee composee de

douze ä quinze mil hommes est bastante d'en affronter une de trente

tnille, 64 ; cela seul estoit bastant pour me faire passer toutes impossi-

bilites, 167; sans avoir des forces bastantes, 337.

bat-sain (t)g(. toesin, signum) ; et commenday qu'avec le batsin

ils fissent lever toutes communes des vallees et villages, 376.

:


L

202 Stabitn über tk franjöf. Schrift jrefler freö fecfycfwtcn 3a$r$tntt>erft.

bayart: et portions le sieur Pierre-Gentil et raoy le bayart pour

donner exemple ä tous les autres, 200.

baye (vgl. baie noef; in fpuicfjivörtttcr/ert (Sä^en): n'estoient que

bayes et tromperies, 150.

bienveigner (t»g(. *J5a§quier) : par lequel il a este bien-veigne, 35.

blot: craignant que l'on leur fit mettre au blot, 44.

boeufle (r*gf. boeuf unb büffle): il ne sceut si bien faire qu'il

n'y entrast des vaches et des boeufles, 128.

bonneter = donner des coups de bonnets, saluer (rgt. %ai\) :

et quand nous arrivons, il leur faut bonneter et leur faire la cour, 330.

botte, fpriicr/ir-örtüdie 9ietcnSart : mon raedecin cuida perdre lä sa

lecon, et moy les bottes, 313.

boucler, etwa lüie bioquer: il ramenast ses galeres a Genes avec

lesquelles il tenoit la ville de Naple bouclee par la mer, 1 ; 6 vous qui

avez la cbarge d'attaquer et boucler les places, 109.

bouger: je ne voulus bouger les cinq enseignes que mon nepveu

de Leberon commandoit, 343.

boule-veue, fprüd)n?ertltcr> : ainsi vous jouerez ä boule veue,

comme on dict, 127.

brancher, nodj jejjt familiär für pendre ä une branche: or Verden-

n'y vint pas, dont bien luy en prit, car je l'eusse fait brancher, 231.

bravache, populär, je ne suis point un bravache, 64; ils sont

bravaches, 271.

braver: et tel en brave et parle plus haut, qui fuit peut-estre

le premier, 60.

brider: le marquis, ne perdant point de temps, nous brida de

toutes parts, 129.

brouee, noer) jf&t : il faisoit une brouee, 40.

brülement, veraltet (aber audj bei Gc-nbitfac): et fisrent l'execution

du brülement entre-prins, 371.

busquer, familiär: il faut que vous alliez busquer fortune ailleurs,

40

C.

cadene (catena), "Pcrattct : d'estre reduits k ce malheur, de se

voir attaches ä la cadene, 165.

cane, fcaö je£t netfj fprüdjrccrtlicr) gebrauefite faire lacane: il voyoit

que nos argollets (argoulet = carabinier) qui estoient descendus ä pied,

faisoient la cane derriere les maisons, 347.

cap (caput, chef) : je luy dressay toute sa compagnie, et luy fit

ses centeniers, cap d'escordes et enseignes, 22.

capitaineau: afin que tantdecapitaineauxretournent soldats, 395.

cap tau: monsieur le marquis, monsieur le captau, le comte

Hugue, 17.

care (chere, fcgf. $aöqitter = visage, itafien.): il est aise de le

voir ä la care si un homme est espouvante, 101; je cogneus des lors,


Stubien üOcv fcic fronjöf. ©chviftftcflcr t>c$ fcdjjcfmtcii 3fo^r^unl>ert8. 203

ä leur care et ä leur langage que ces gens estoient bien resolus de

ganler leur liberte, 125; et marohez ainsi bravement parmy la ville

et parmy les soldats, la care levce, 141.

carnal, 9J t a r t n c a 1 1 ö l> v n cf : les faisant mettre a la largue pour tirer

aux carnaux, 347.

carroux (»gf. carrous frei Sffttf) ! parmy les Allemans et Suisses

il faut faire carroux, 137.

caterre für catarrhe: un caterre me surprit, 306; n'estant en-

cores bien guery de mon caterre, 307.

cercher für chereber (ga8C0gntf($) : s'en retourna cercher les

autres deux, 112; and) frei gfrefjfatt.

cerne = j^reiö, veraltet (Bgt. cerner): sans qu'il f'allust que nostre

cavallerie fist un grand cerne pour passer les fosses, 56.

chappe in fvrücfnvörtlicfycr SGBeife: cependant qu'ils disputoient de

la chappe a l'evesque, 99.

charroy (vgl. charroi, tcä) llicfjt ganj fo): le bruit du charroy

de l'artillerie, 88.

ch astier (»gf. chatier, aber jugleidj auef) chaste) = ftdj jügeln

j'apprins ä me chastier du jeu, du vin et de l'avarice, 2.

chaude, fnfrftantivifcfy : et ä point nomme, fussent arrives sur la

chaude du combat, 121.

chevance, veraltet: aux depens et perte de leur chevance et

effusion de leur sang, 35; Vgl. Garpentier: chevance s. f. du latin ca-

bentia dans Du Gange. II parait venir de caput, le bien qu'on a de

son chef. Cet ancien mot, qui se trouve dans le Dict. de Ph. Monet

y est define par ce qu'on a de vaillant, nommement en fonds. Lui

promettant qu'il lui servit vray et loyal subjeet et le serviroit de Corps

et de chevance. Chartier.

II se gai'dera bien de commettre une offen se

Craignant de perdre honneur, dignite et chevance. Eonsard.

circonvoisin (Vgl. Sßaöqiltcr) : en deux ou trois autres places

circonvoisines, 54 ; des villages circonvoisins, 84.

citadin s= citoyen: moi qui ne veut avoir plus de privilege que

le moindre citadin, 131.

coigne-festu: et ne peux tenir de lui dire qu'il sembloit au

coigne-festu, 24.

colleter: ä la fin je m'assuray, me sentant assez fort pour le

colleter, s'il avoit entrepris de faire quelque mauvais coup, 184.

compasser le temps, 194.

condigne: si vous ne pouvez recevoir la recompense condigne,

402.

confort (im Sngl. erhalten: me remerciant bien fort du bon con-

fort et conseil que je leur donnais, 149.

conniller (vgl. ^asquicr) : si vostre heure est venue, vous avez

beau conniller, 213.

:


204 StuMcn über tit franjöf. SdjrtfrftttUr tti fecbjebntcn Jafnluint'ertS.

conseiller: c'est chose que nous attendons et desirons il y a

long-temps, sans tant conseiller, 62.

contestation: de Sorte qu'il y eut de la contestation, 57.

contrebas: qui alloient droit au Tybre contrebas, 177.

convoiteux, pcraltet : une masse de gens tous convoiteux de

gaigner honneur au lieu qu'ils entreprennent, 98.

cor de, fprüdni?örtlid) : qu'il y avoit quelque chose sous corde, 289.

cotter (coter jc^t befdjränft) : et que peut-estre je pourrai cotter

oy apres, 11; une autre raison rae contraint ä cotter ces particularites,

325.

cou'ionnade (coi'on): apres qu'on eust entendu la cou'ionnade,

autrement ne se peut eile appeler, 56; ceste cou'ionnade fut fort grande

et de grand dommage pour le Service du roy, 85; audi coyonnade: je

leur monstray la coyonnade que nous avions faicte, 261.

couleur (vgl. ßolüin): vous autres faites tout cecy sous couleur

de l'Evangile, 228.

coulpe: d'en donner la coulpe au roy, 32.

courcie für coursie: il mit un voyle sur la sourcie pres la

pouppe, 165.

courvee für corvee: monsieur de Fontenilles fit une grande cour-

vee, 231 ; je n'estois plus capable de porter les grandes courvees, 411.

coyement, 5(M>erb von coi, füll, rubig (bei ^reiffart immer quoiement)

: de faire aller de nuit par la ville quelques hommes le plus

coyement qu'on pouvoit, 152.

croisette, jefjt nur befd)ränfter ©ebrciud) = petite croix: la croi-

sette 151; fca8 Söort femmt cutd; [dien öfter bei giroiffatt »or.

cuider (vgl. ^aSquier ltnt> ^dif) ; tellement que nous cuidames

tous mourir de soif, 26; et en cuida mourir, 277; qui cuida couster

si eher ä monsieur, 295.

c u i s s e n : pour ce qu'on me livit le bras avec le Corps , un

cuissen entre deux, 21.

cuissinet: ayant un cuissinet au bras, 16.

curee: car c'est leur oster le coeur si on ne leur donne quelque

curee, 212.

».

deconforter, fdjon r)ättft'g bei SOtontfuc: qui estoit sur le grand

boulevart qui me deconi'orta fort, 264.

defluxion, rtod) jcj?t meticin. Slnöfcrud*: une defluxion m'estoit

tombee sur un tetin, 329.

delayement (vgl. delai unb dilayer, flatt beö Septem femmt aud?

delayer für differer, auftrieben, bor): et ainsi sur ce delayement, je fus

contraint de donner le premier, 189.

demurer, nod; : jefct et pour ce qu'il falloit demurer deux

portes, 55.


i tiiHen ü&e« Hc fran^öf- Sdiviftfteflcv t*e$ fcdijcfmtcn 3imt>e«t«. 203

dependre — depenser (vgl. $aif, Galvin): puisque je dependois

si honnnrablement, 217.

desceu: eile fut imprimee ä raon desceu, 388.

descon forter vgl. deconforter: pour crainte que les Sienois ne

se desconfortassent du tont, 196.

de Script ion für 5lnftetdjiuing, i'crjcidjntf?: vous aviez fait, moy

estant ä l'extremite, la description des vivres, 130 j pour faire descrip-

tion de tous les bleds que vous avez dans la cite, avec la description

des bouches, 130.

desem barquer, nodj fefct: comme nous fusmes retournes de la

coste d'Angleterre et desembarques au Havre de Grace, 81.

desengager = degager, jejjt (cltener: mais le capitaine Baretnau

le jeune et deux autres, me desengagerent, 273; je desirois fort trouver

les moyens de le desengager, 167.

desesperade, nod> fe&t in iibferbialer ft'orm : pour crainte que

nous sortissions ä la desesperade sur luy et luy donnissions la bataille,

154; nous sortissions sur luy ä la desesperade, 155.

desestimer, and) jc^t nod): nous qui les desestimons, 64; vgl.

Ciceron mesme, qui devoit au seavoir tout son vaillant, Valerius dit

que sur sa vieillesse, il commenca ä desestimer les lettres, Mon-

taigne, II., 12.

deslouer, etjva im ©tnne von venenfett, ganj iingcoraudifid) : de

tolle force que je me deslouay la hanebe, 90.

despartie (departie) = depart (Irenming), veraltet: j'avois veu

une grande pitie aux bouebes inutilcs, mais j'en vis bien autant ä la

despartie de ceux qui s'en venoient avec nous et ceux qui demeuroient,

158; oneques en ma vie je n'ay veu despartie si desolee, Gbb.

despartir: ainsi me despartis d'eux, 125.

despe scher (als v. n., rot* and) je£t depecher nodj vorfommf) : je

despeschay vers leurs majestes, leur faisant seavoir leurs responces, 301.

desplan eher: les ennemis d'autre part desplancherent et

osterent les tables du dessus d'une salle, 14.

d e s p o u i 1 1 e r für deshabiller : je ne me despouillay de ceste nuit-

lä, 235.

detroit, Chigpafj : le detroit des rochers, 177.

devotieux, mel)r Veraltet für devot: et faire plus le religieux et

devotieux qu'on n'est 137.

dextre, im Sinne von gefd)icft: car rAllemand est plus dextre

que nous en ceste maniere, 70.

dilayement vgl. delayement: ce dilayement qu'il faisoit, 265;

e&enfo dilayer: et ä peine peus-je obtenir ceste grace que pour cinq

jours on dilayast, 151.

diligenter, aettv : pour diligonter ma fortification , 97; forift

and): et que cependant ils diligentassent de faire les proparatifs, 277.

dispost, alte 5'orm für dispos: le comte qui estoit un des plus


206 ©tuMcn über Hc franjöf. Scfyriftftcücr tcö fcd)jetjntcn 3«f)vt)untert§.

disposts hommes de l'Italie, 49 ; La Monnoye fagt üt>cr dispos (dispo-

situs): il est sur que si dispos avoit un feminin, ce seroit disposte

qu'il faudrait dire. Ü)iefeS gemtntltum ftntet ftd; aud; bei Otonfarfc

Afin de te faire estre

Toujours saine et disposte.

divertir == abjiclien : cela vous divertit du tout de votre charge,

2; pour me divertir de ceste intention , 96; ttg(. pour divertir leur

jiere de sa promesse. Desperiers.

divulguer, ganj roie je^t: pour ne divulguer mon voyage, 23.

dommageable: plus utile que dommageable, 33; que le mau-

vais conseil de ce Thomas ne luy soit honteux et dommageable, 124.

£>aä StDüerb dommeagablement (»gl. Montaigne, I., 25) ift je£t ganj

»eraüet.

douloir (dolere) : j'ay este contrainet de me plaindre et me dou-

loir a vous et non ä autre, 387; et moi aussi lä oü je me deuil, qui

est ä la perte de mon bon roi, 246.

E.

ef fute : et alors je l'allay embrasser, etle voyant bien effute, 146.

embeguiner, noer) familiär: ayant donc aecoustume auparavant

d'estre ainsi embeguine, 137.

embrouiller: les affaires de ces princes etoient si embrouillees

et confuses, 183.

eneoigner, in tic (£nge treiben, auf einen SBinfet (coin) fcefdjräns

fen, jc&t in tiefem Sinne gar nidit mef>r : je m'estonne comme il y a des

gens si mal habilles qui donnent entendre au roy qu'il faut eneoigner

les huguenots dans la Guyenne, 367.

eneoignure: qu'il y ait des eneoignures pour pouvoir loger des

gens, 206.

enflamber (vgl. (Eahnn): s'enflambant de colere, 286.

enfourner, rote nod) jefct, atS föcflfrjiutm : monsieur l'amiral, qui

estoit guerrier, s'alloit enfourner parmy les landes, 323; je croy qu'il

ne fust pas este si mal-advise que de s'enfourner en la Guyenne, 338.

enj amber, ftgürlid) getrauet: et comme celle qui de tout temps

a fait tout effort d'enjamber et usurper les biens et pays d'autrui, 37;

»gl. j'ay plustost fuy, qu'autrement d'enjamber par dessus le degre de

fortune, Montaigne, III., 7.

entremanger (se): s'ils ne se fussent entremanges en ces

guerres civiles, 221.

entrepartir (se) = se partager: pour s'entrepartir ce royaume

chrestien, 35.

entreprinse, immer für entreprise: entreprinse et executions, 1.

entresecourir: que ceux de Grenade et du Mas de Verdun

avoient commandement de s'entresecourir les uns les autres, 331.

entretuer: mais ce sont des artifices du diable pour nous faire

entretuer, 8.

:


©tuticn über tic franjöf. Sdjrffrfteflet tc$ fccbjclintcn 3a$r$itnbttt§. 207

es call ade, gaiij fd;cn \vii je^t escalade: l'escallade fut furieuscment

donnee, 87.

esclarcir: puisqu'elle est entierement et en toutes sortes esclar-

cie et tres asseuree, 36.

escopeterie, veraltet: cor s'amuser ä ces escopeteries (escopette-

rie) c'est temps perdu, 144.

escorne = affront, perte: vous recevez ici une escorne pour

jamais, 20. ÜKcnagc leitet taö 9ßcrt escorne oter ecorne vom italien.

scorno ati ; vietlcidU von corne, S}oxn, ©tcjj mit tem vrne.

escortement, ein 5ltverb vom veralteten escort = prudent: et

que, si je voulois, il naeneroit l'entreprinse si escortement qu'il me les

ameneroit tons entre nies mains, 185.

esjouir, veraltet für rejouir (»ßjf, Gatvin) : j'cn ay veu de si bons

amis qui s'esjouissoyent de la perte de leurs compagnons, 1G5.

espie = espion, überall bei altern Sdmft|Mcrn : et avois de si

bonnes espies, 329.

espoinconner: quelle religion l'espoinconna, 34.

espousseter (epousseter) , ftgürlid): je lui assurois sur mon

honneur luy en amener autres mille pour espousseter Mongommery, 357.

es seile: qui avoit eaue jusques aux esselles, 349.

estonner, in ftdrfcrer Sefceutung (voj. ^uiöquicr) : et cogneusmes

bien qu'ils etoient estonnes, 211; mais il estoit trop horame de bien

pour s'estonner si legerement comme ils pensoient, 195.

estoupper = ftovfen ; estouppez les oreilles aux cris, 150.

estrecte: je craignois qu'on me donnait une estrecte, 352; voir

si nous leur pouvions donner une estrecte, 344.

estropiat, fjödjftenö nodi familiär (vgl. aud; stropiat): dont il

est depuis demeure estropiat, 31 unb 53 ; pour les pauvres soldats

estropiats et bleces, 213.

esvente: Pedro Antonio, un jeune fol esvente, 102.

e x e r c i t e : que ce victorieux exercite de Gaulois passa d'Europe

en Asie, 36.

ex im er: les mesmes ministres de l'Empereur estimoient aussi

s'eximer de tout blasme, 32.

F.

faciende, nod) familiär == cabale, intrigue: car c'estoient gens

de peu de faciende, gens de ville, 317.

faction, in bem flänjlid; nngebrändilid)en Sinne für action (tic

Sebeutung von parti befam übrigens baß äöort fcfjon im 16. Sajjr&unfcert):

parcequ'il se fit lä une petite faction oü j'eus ma part, 17; or voyla la

derniere faction oü je me trouvay, 21.

fame, veraltet: pour la fame et bonne renommee du pere desdicts

Des-Rois, 304 ; Vgl. mais la fame qui vole et parle librement. Ronsard.

fassine für fascine (aber andi tiefe ftoxm, 47): derriere les fas-

sines, 48.


208 Stufrien über ric frnnjöf. 2d)riftfteflcr freä fed^nten 3asquier): lesquels incontinent passerent

la riviere tous de flotte, en eaue jusques ä la ceinture, 31.

fogon: et que ces armes fussent mises audessus du fogon, 93.

folenchere: car il faut toujours qu'un petit compagnon comrae

moy paye la folenchere, 354.

fouasse: que hyer ils avoient envoye de leurs femmes audit

chasteau avec des fruicts, fouasses et chastaignes, 49.

foul, im $lur. fouls: plusieurs jeunes fouls ont mis pour leur

indiscretion des princes en guerre, 187.

frute (faute?): le roy a remis et pardonne une teile frute ä un

tel et pourquoy ne me pardonnera-il aussi ä moy, 403.

fusee, nod) in fvrüdnvortlidjet SSJeife: mais ce n'est pas ä moi ä

desmeler de si grandes fusees, 37.

O.

gab er = railler (gab = raillerie: par maniere de gabois, Mon-

strelet, I., 239, Vgl. Sraif): et monsieur le mareschal qnand il vouloit

gaber, parloit toujours en italien, 181.

gabionnade: tous les hauts gabions gabionnes ä double gabionnade,

99.

garbouil (vom itdf. garbuglio, garbouille) : ce soldat entendit

qu'ils etoient en garbouil lä dedans, 215; vgl. on disoit autrefois etre

en garbouille avec quelqu'un, pour etre brouille avec lui. Sat. Menip.

gar der = durer: la tourmente garda un jour et une nuict, 302.

gastadour (aud) vastadour, von vatastor, vgl. Rändlet) : les

autres soldats appeloient les nostres pionniers gastadours, 82.

gayable (gue) für gueable (vgl. aud) gueyable): car l'eau estoit

gayable en deux endroits, 266; car toutes les ri vieres estoient gaya-

bles, 309.

gehenne: je leur requis que tout incontinent il fust mis sur la

gehenne (Wolter), 153.

gen oni 1 = genou: tous etoient le genouil ä terre, 19.

gentil: c'estoit un des plus gentils capitaines, 355.

grener: et qu'on m'eust laisse faire sans apporter les empeschemens

que les edits ont faicts, j'eusse bien garde les huguenots de gre-

ner ä Gueynne, 328.

gueyable (vgl. gayable): car la riviere y estoit gueyable, 339.


©tuHcn ü(u*r bie fviinjöf. Sclniftfteflcr frcS fcd^clmtcn Sadrlnmh'vt-?. 209

guyer (gue): pour-ce qu'elle estoit fort basse et se gueyoit en

plusieurs lieux, 344.

guerroyer: que si vous voulez guerroyer vos voisins, 322.

II.

hasarder, nic^t «Spirirt: si je m'hasardois, 118; je leur accorde

qu'il ne doit pas s'hasarder, 136.

hastivement (vgl. Sßttfquitr) : parce que la trouppe des enne- ,

mis de main droite alloit plus hastivement droit au pont que celle de

main gauche, 9 ; qui r'entrerent hastivement dedans, 25.

hastivete: car ceste place se gaigna pour la hastivite dont

j'usay, 212; la hastivete de les combattres sur leur peur, 213.

haussir für hausser: je haussis la voix, 42.

heur: et comme Dieu veut donner l'heur aux hommes, 218.

host (togt ost, $a£qn. iinD ßcifiMn) : aussi avec ces armes peut on

mieux combattre en host qu'avec les lances, 397.

I.

illu s trissim e: cette illustrissime seigneurie, 37.

immondicite, jefct itn^cbrälld^tid) für immondiee: qui estoit par-

la oü sortoient les immondicites de la ville, 187.

im paf ronner, etwa für s'impatroniser ober and) geraten für fidi

fremadUigen : et en peu de temps, avec l'armee des Jiarbares impatron-

nerent de la plus grande partie de la Sicile, 33.

improperer, veraltet : et apres on nie improperoit le tout, 261.

improvident, jejjt gan$ »craltet (t>aÖ ©iifrftanttü improvidence

fiat ftd? nod) erhalten) : il fatit conclure que vous estes bien improvident

de vous engager ä attaquer une place sans avoir le moyen, 109; mal

sage et improvident, l -

96.

incoulpable (incoupable, allenfalls nedi, im t> c-aneben in rer ®t>

rtcitfifpradie inculpable): si suis-je aussi innocent et aussi incoulpable

de la faute, 354.

incongruite: je cuiday enrager, voyant une teile incongruite, 19.

ingambe (aitö t>em ^tal.) nod) j|e|t: estans tous bien ingambes

et le pied leger, 23 ; il est prompt, ingambe et la chaleur luy ende le

coeur, 101.

insidiateur, ntdjt rfjetl fefir gd>rälH$fl dj : mais aussi le recoignoistre

comme insidiateur de la liberte de ceste illustrissime seigneu-

rie, 37; Ug[. voilä comment ce pauvre prescheur, d'un zelateur de la

foy, devint en im instant insidiateur de la foy. H. Estienne.

investir, aiut jefet nodt in bei Arifg8rpra$e für benimm, angret*

feil : et courusmes pour les investir, 86; quand il nous cuiderent in-

vestir, 166.

'.'ivduD f. ii. Sprayen. XV. •

14


210 ©ttifieii öfter Me franjöf. Sdjrfftjtefl« befl fedjjjef>trtea 3ftfcrf;un3»erf8.

J.

johannot: j'oyois dire que les surveillans avoient des nerfs de

boeuf qu'ila appelloient johanots desquels ils maltraistoient et battoient

rudement les pauvres paysans, s'ils n'alloient ä la presche, 226.

judicature: et aussi qu'il n'y avoit judicature grande ny petite

qu'il n'y eust de leur religion, 233.

j u r a d e : le procureur general se fit fort avec le dit sieur de

Gourgues de convertir toute la jurade, 305.

jurat, Scfcüppe in 23orceaur,: et me prioit la cour, les jurats et

le dict sieur de Noailles, 277.

Ii.

lardouaire für lardoire: feignant scavoir mieux manier une

lardouaire qu'une espee, 29.

largue: car nos picquiers ne pouvoyent faire largue, 19: qui se

tenoient toujours ä la largue des arquebusades, 52; et qu'il nous vit

arrives au coing de la ville, il faict largue, 95.

lice: car il tua mon bon maistre le roy Henry ä la fleur de son

age, courant en lice contre luy, 330.

livree, fprücfyiuottltd): mais je n'y eusse sceu que faire, car qui

va ä telles nopces en rapporte bien souvent des livrees rouges, 111.

M.

maieul: il n'y avoit eaue que jusques au maieul des roues, 110.

m a i 1 1 e : pour coupper les bi'as maillez et destraucher les morions,

43.

main, fprücfwörtlid) : monsieur le marquis fit orier de main en

main, 20; et de main en main fis dire aux soldats, 25.

majeur (majores): ce ne seront pas les merites que nos majeurs

par la grace de Dieu ont acquis, 36 ; une nation que vos majeurs ont

tant ayme et honnoree, 37.

malcontenter für mecontenter (malcontent) : pour ne malcon-

tenter le dit sieur mareschal, 97.

mal, flfcjcctiiufdi : et me vint dire le capitaine Faustin la male

fortune de tous nos gens. 190.

mallegrace, Unpnate: ce qui m'en est advenu, qui est d'en

a\ oir pour tout jamais la mallegrace de la maison de Montmorency,

221; je n'en ay eu que reproches et mallegraces, 279.

malotrurje f'us aussi du nombre, tout malotru que j'estois, 17.

maltalent (üg(. talent 6ei $a8qutcr): pleust ä Dieu que mon-

sieur le mareschal eust voulu le maltalent qu'il avoit contre moy, 361;

or, seigneurs et capitaines, qui me ferez cest honneur de lire ma vie,

n'y apportez nul maltalent, 406.

maner, ncfrert mener: ils ne desirent que maner les mains, 63,

Utlb quand ils nous verront mener les mains, Sfct\


Stubfen übet tic ftanjöf. Sdniüircfler res ffdjjffynten 3«&f&mtbtrt8. 211

mantelet, nvd) jc^t als frica,erifd>ev 2Iu8bTU(f: il avoit fait faire

des mantelets pour niettre depuis le tour jusques ä la riviere, 208.

ma ras sau: bien equipes de leurs armes, et sur tout d'un marassau

bien tranchant, 232.

marchandise, ftgürfidj : ne vous fiez pas tant a celuy qui con-

duit la marchandise, 50; celuy qui menoit la marchandise ne s'arreste-

roit pas la, 152.

mares für marais : il y avoit un petit mares aupres de Serizolles, 69.

marrv: de quoi Le Peloux fut marry, 31.

mauvaisetie = mechancete (nod) bei jRegnier mauvaistie) : et

seavoit bien desguiser la mauvaisetie de son coeur, 304.

memoratif == eingebenf, veraltet : ils seront memoratifs de ce

qu'ils auront veu, 398.

mesconter: qui peut estre me mesconte, 299.

meshuy (vgl. ^aSquier) : et que je voulois meshuy cercher ce

quo j'avois toujours fuy, qui estoit le repos, 382.

raonstre = Steinte: qui faisoient la monstre de sa compagnie, 301.

montagnolle ober montaignolle (vgl. btö gtetcbfallö veraltet;

üDtmilt. montagnette): vers laquelle l'artillerie d'une des montaignolles

tiroit, 123 ; il estoit sur une petite montagnolle tout aupres de la, 380.

mousquetade, mtljx veraltet: une mousquetade le tua, 207.

HT.

necessite: chercher ma fortune aux grands perils de ma vie,

endurant beaueoup de necessites, 21.

nombrer (vgl. Gafvtn) : et nombray les gens de pied de trois ä

quatre cens hommes, 42; pour nombrer ces gens, 52; et furent nom-

brea ä plus de huict ces hommes, 158, et je le nombrois ä cinquante

hommes, 213.

nouvelle, fprüditr ertlicf; : il pensoit que c'estoit une baye et

nouveller de banquiers, 182.

O.

occasionner: ce qui m'a occasionne sur mes vieux et derniers

jours escrire ce livre, 5; si ce n'est en vous persuadant qu'il y a des

traistres parmy vous et dans vos murailles, scachant bien que cela vous

occasionnera, non seulement de les emprisonner, mais encore de les

faire mourir, 152.

offenser — -§anb anlegen: il sc donna de la pointe de l'espee

dans son gorgerin, se voulant offenser soy-meme, 71.

ost (vgl. host), Svriidnvort : si Tost seavoit de l'ost mal iroit de

Tost, 121 ; que si l'ost seavoit que fait l'ost, souvent l'ost defferoit

l'ost, 76.

P.

pal, jefct mit Sluönafrme ber SHapvenfunbe nur im Plural gebräud)=

14*


212 Stufcien litcr rie fvanjöf. Scfuiftudhu- be8 fecfocluitcu 3af>rfnuibcvt8.

(id) : qui tomba du petit batteau ainsi que le pal oü estoit attachee la

chaisne se defit, 365.

paracbevement: du paracbevcment du pont, 366.

paiacbever (rob Galmn): qui paracheverent de faire leurs

compagnies, 342.

partement, veraltet für depart: monsieur de Strossi ne seeut

faire son partement si secret, 128.

parter = partager: ces deux grands princes avoient party, ä

ce qu'on dit, le royaume, 76.

partialite, $artetlliig (vgl. 5>a$quier): pour les partialites qui

sont dans nostre cite, 139; pour aider ä pacifier une partialite qui

s'estoit esmue dans la dite ville, 276.

paty -nostre: presque autant comme on demanderait ä dire

un Paty-nostre, 167.

pensement (vgl. Gabun): n'y avoir autre pensement, 2; que

nous estions tous en un pensement, 308.

perdriau: ils se separerent comme perdriaux, 325.

piece: je contestay une grande piece pour n'y aller point, 174.

pied, fvrüdnvcrtftcf) : tenez vous de pied coy dans vostre fort, 127.

pietre, nur familiär: en fort pietre et miserable etat, 338.

pigeonnier: tout ainsi que l'ou monte ä un pigeonnier, 132.

piper (vgl. 5J3a8qutcr): au lieu de songer ä piper vostre ennemy,

2

; les simples soldats sont aises a pipper, 42.

picque-boeuf: a present le moindre picque-boeuf se fait ap-

peler ainsi (capitaine) s'il a eu quelque commendement, 395.

pistolade (r-iif. arquebusade, mousquetade): et lui donnerent

deux pistollades de sang froid, 272 ; bei 9Jicot jüntet ftd) iiud) pistoledade;

avoir donne ä notre ennemi d'une pistolade en la teste,

»gl, : pour

Mont. II. 27.; avec si grand fiot de pistoledades et coups d'epee, Nie.

Pasqu. VI., lett. 16.

planier = piain, eben : de laquelle on tomboit en un chemin

juanier jusques au pied de la montaigne, 93; mais ä la teste qui alloit

droit au fort, n'y avoit rien, ains tout estoit planier, 132.

playder = ükrlegen?: et la demeura trois jours, playdant s'il

me viendroit attaquer ou non, 187.

plorer (l»gf. pleurer, deplorer): la France a long temps plore

ceste perte, 13; les parens des prisonniers, suyvant, ploraient 152.

plu spart, für plus grande partie: allasmes reposer la pluspart

de la nuit, 82.

poignardade (vgl. pistolade): vous meritez qu'on vous donne

des poignardades, 174.

point (Smton. i\ pointe): au point du jour, 320.

poinete: ä la poinete du jour, 208.

poiser = peser: sans avoir bien poise ce que je scais faire, 139.

p o 1 1 r onn e in e n t , inigebrdudil. $ltl\ qui luv fut si poltronnement, 35.


Stubicn Otter Hc franjöf. €dmftiMlcv b«S t'edscbiiten o^ifutuintcvt'?. 213

pomade: car nous n'en pouvions plus, ayant pris im pcu d'eau

et de pomade (vfll. pommc), 10.

pomme, fpriidmuMtlid) : il faut que les gens de ce mcstier sc

souvient des arquebusades com nie des pommes cuites, 111.

potage, fi^iirlid?: car je n'en scaurois faire im bon potage, 262.

poureux: mais un capitaine poureux, mal sage et Lmprovident

pert tout et gaste tout, 196; et deviendra 1c plus poureux aussi hardy

que le plus courageux de la tronppe, 141.

pourmener (fo,!. (Edlvin): oü je me pourmenois, 156; cibtx anct)

promener : je m'allay promener, 179.

pourris: or, apres qu'il se fust fait un petit de pourris aubras,

on commenea ä me lever, 16.

pourtraire: je ne vis jamais forteresse mieux pourtraicte que

celle-lä, 203.

pourvoyance: me louant de grande vigilance et de pourvoyance,

136.

prou (ttg(. $a£quter) : prou d'autres.


214 StnbUn über bU ftaiqdf. Sdjrfftjtefltr tti fecfcjetjntcn 3a£>rt?untcrt€i.

rescrire (r-a,!. recrire, rescrit) : mais seulement rescrivit ä monsieur

de Termes, 40; il luy rescrivit, 97.

respondre: j'allay descouvrir le derriere du chasteau qui respondait

sur une grande place, 110; il n'y avoit autre clarte que par

la porte ou Ton entroit ijui respondoit vers la ville, 113.

ressembler, mit STccufativ (vgl. %iic\um): il ne ressemble pas

son pere, 323; une armee ressemble im orloge, 371.

revasser: la nuit j'y avois revasse, 270.

reyot: quel roy ? nous sommes les roys; celuy-la que vous dites

est am petit reyot de merde, 232.

robon (». robe): ils avoient de petits

roigneux (rogneux), fprüdnvörtltd) :

robons de Caffetas, 217.

et qui sera roigneux, si se

gratte bardiment, 224.

rondelle, nod) :

rondoyer, aanj

une espee au poing, une rondelle au bras, 14.

veraltet = in t>er SRunte umljergeljen : je le fis

rondoyer autour de la ville, 190.

routte (vgl. ^aöquier): qui avoit vu toute notre cavallerie des-

£aite et en routte, 45 ; tellement que tout alla en desordre et en routte, 45.

S.

sac (»gl. Sßagquter): ä peine que Ton les bruslera ou qu'on les

donnera au sac, 125; le Souvenir du sac de vostre ville, 176; rag

fprüdjtvertlidK taschent se couvrir envers le roy d'un sac mouille, 297.

sallade: estants quatorze sallades (Ölleitungen), 39.

salvation (»gt. äRonjlretet), nod) im $tur. in oer @eridjt8fyra


Btiirien übcx tic froityöf. Sdjjrifrftfflet reo foolsebiiten oiihrhimrcrtS. 215

sousrire (se) = sourire: dont le roy sc sousrioit, 63; je rae

sousriois vers Tun et vers l'autre, 138.

sotivonance: je n'ay pas bonne souvenance si monsieur de

Strossy iv-tuit encore arrive, 57.

stropiat (r-o,f. estropiat): me voyant stropiat presque de tous

mes membres, 1.

substanter nefrcu su Stent er: car, si vous voulez faire faire

grandes courvees aux aoldats et n'apportez rien pour les substanter,

les corps humains ne sont point de f'er, 195; im t* et avec raauves et

orties faisoient cuire ceste chair et huille, et ainsi substanterent jusques

au dimanche nmtin, 159.

succeder: car si eile (l'entreprise) succedoit mal, 57.

süperbe, alö Subfr. : voyla la routte qu'eust monsieur d'Aussun

plus pour une süperbe de vouloir faire quelque chose grande, 45.

supplir für suffire: nous estions si peu que nous ne pouvions

supplir ä tuer tout, 249.

surcoyer für surseoir: et comme il entendit ma venue, il surcoya

quelques jours, 184.

suscitation, etiraS Veraltet: ä sa suscitation, 33.

T.

tabourin: ains marchoient toujours tabourin sonnant, 42.

tapinois (en), ncä) familiär: comme faisoient aussi les geus de

pied qui marchoient en tapinois derriere les murailles qui sont deyrriere

l'eglise, 18.

taxer: ne s'advisant pas qu'en blasmant le roy monseigneur, ils

taxent David, roy valoureux et sainet prophete, 32.

tirer: dorn Arbre marchoit avec les torches au long de la vallee,

que j'ay dit, tirant ä Rocque, 186; im petit boulevart qui estoit tout

au coin de la ville qui tire vers Metz au long de la riviere, 207.

tirer, fut-itantuufdK luy se sauva tout Messe plus de cent pas

hors du tirer des arquebusades , 347; quelque tirer que les ennemis

fissent, 348.

tourrion: ha oü il y avoit un tourrion au bout qui couvrit le

pont levis, 374.

transgresser: pour deux soldats catholiques que je fis pendre

ayant transgresse l'edict, 279.

tuition: non pour la tuition et deffense de leur pays, 33; pour

nostre tuition et deffense, 36.

tumber für tomber: pour tumber aux malheurs, 2.

turquesque: l'armee turquesque, 31.

tard, 20.

V.

vantard, ncd) familiär: sans pourtant estre glorieux ny van


216 ©tur-icn über Mc fronjöf. ScfyriftjMfcr bcö fecfjjefintcn 3ert$.

varieave: et avois une guide qui me vouloit conduire par des

varieaves et par une ri viere, 38.

vau-de-routte: retourner ä vau-de-routte, 353.

vergoigne (vergogne): pour laisser la honte et vergoigne ä ceux

qui n'en vouloient manger, 261.

victuailles, veraltet: de ne laisser passer chose aueune que

victuailles, 199.

villate: £)tmtrt. : une petite villate fermee, 196.

virilement: mais il fut si virilement repousse, 299.

vi tu per e (flßt. Oüifiün): avec un grand vitupere et mespris de

la religion chrestienne, 33.

vivandier: j'avois un des bons vivandiers de l'armee, 216.

volement, gmij r>eraltet für vol: une infinite de rapts et volements,

237.

©ernburg. ®. % ©ütttfcer.


U rr lud) einer neuen Ißtgnirrimng i»er Jnteryunktiimsleljre.

2)ic 3ntefyunftton$j}eicr)en, an ftcr^ ebenfo überflüfftg, mic bie

?lccentc, bienen e&enfo wie Hefe, nur in weit fjöfjerm ©rabc ber

23cqucin{id)fctt , intern fic bie 9lici)tigfeit ber 8luf#

faffung beö fdmftlid) bargejießien ©ebanfenS förbem. 2B&t)renb

bantin Slccente in ben meiften ©prägen gar nict)t ober nur au&

nafymörocife gebraucht werben unb nur im ©riecfjifcljen, fo öiel icl)

tt>eif, öoflftänbig burd)gefitr)rt ftnb; fyaben ftd) jur Slnnabmie ber

^nterpunftion alle Sprinten, fobalb fte aufhörten, nur betn unmittel*

baren näd)ften S3ctürfniffe ju bienen, unb fo ju fagen Literatur*

fpradien mürben, aümablid) bequemt. Unb baö mit 9icd)t. 2>cnn

mäbrenb man e3 jetem jumutljen fann, ba§ er bie einzelnen Söörter

in feiner Sprache aucr) o()ne Slcecntc auffaffe; mafyrenb in ben aller*

meiften füllen bie richtige 21 uffaffung gletct) fcrjnell mit Skcenten unb

oljne Slccente iwr \i


218 SBcrfudj cintr neuen Segrönbitng ttt 3ntcrt>unftion8tctyie.

Schrift biirrjcftcfftcn ©a^garijCtt bie Snrerpunftion^eidjen. UebcrbteS

ftnb fte nictjtö in baffclbc millfurlicf) (lingeföljrteG, fein frembartiger

SßcfianbrtjeW, ben ber gcfprocfycne


SUcvfucl) einer neuen Segrünbung bec 3n tevpitnftionölefivc. 219

fo (werben mir und gcftefycn muffen, baß in Segug auf baffelbe eine

grofje Unftd)crl)cit r)errfct)t, ja baß bid jci rU fauni von einem 3nter*

punftiondfvftcm He ?Kete fein fann. 3>ebe ©rammatif marf)t cd

ftd) mit ÜRect)t jur Aufgabe, in einem befonbem Kapitel bte 3fritcr*

punftiondlcbre abjiü)anbcln: man mirb aber faum jmei unabhängig

von einanber gearbeitete ©rammatifen finben, in benen vollftanbig

übereinfttmmenbe Siegeln gegeben mürben. 9htr ju t)äuftg mad)t

ferner bie 3ntcrpunftiondleln*c teil (Sinbrucf fccö 2ßillfürlidnm: bte

Kegeln erfdietnen ohne innere 9iott)mcnbigfcit IjtngejteHt, nidit aud

beut 2Befen ber Sache abgeleitet. 2)abei nehmen fte unbebingte

©iltigfeit in Slnfprucb, and) mo fte bem gcivblmlidjcn ©ebraudj ge*

rabegu juiviberlaufcn , unb umgefebrt binbet ftd) ber ©ebraud) an

feine nod) fo pofttiv bingcftcllte ^Kcgel ber ©rammatif. @6 ift bad

überhaupt eine fdnvad)e ©eite ber neuem ©rammatif, menigfteud

ber beutfd)en, baß fte bte (Sprache gemiffermaßen ald einen unfertigen

Stoff befyanbelt unb fte nad) richtigen ober eingebtlbeten logifcbjcn

©efefcen jufiufcen unb regeln miß, mäfyrenb biefclbe boeb ein l)ijto<

rifcb entmitfelter Drganiömuö ift, an meUtcm felbft fehlerhafte 5lud*

mücbfe eine getviffe Berechtigung (jaben. 1)al)cr fo üiele gramma*

tifefce Siegeln, bie bem ©ebraud) febnurftraefd juwiber taufen, bie in

ber ©rammatif l)ingcftellt ftnb unb bort fyingeftelft bleiben, ohne

baß ber ©ebraud) ftd) im ininbejten an fte fel)rt.

Söenn td) nun nact) fo vielen verfehlten 93crfucf)cn einer geffc*

ftellung ber 3utcrpunftiondlel)re mit einem neuen SSerfuct) einer SBe*

grünbung berfelben hervortrete, fo wirb man, follte bcrfelbe aud),

lvie fo viele anbre, ebenfalls ein verfehlter werben, nact) ben legten 33c*

merfungen menigftend nid)t befürchten bürfen, baß ia) neue, fünftlidje

Regeln audgcbad)t l)abe, bie u\) bem ©ebraud) aufzwingen möd)te. 3ct)

gel)e von vorn t)erein von ber 2lnftcr)t aud, baß ber ©ebraud) mit

feiner fd)cinbaren ober mirflieben SÄegellojtgfcit l)icr, wie geivb'bnlid),

im Duutt ift gegen bie gemachte 9icgelrcd)tigfcit ber ©rammatifer.

3(t) fteüe meine Aufgabe batjin, ben fdieinbar ober ivirflid) rcgellofcn

©ebraud) 311111 Berouftfetn ber aud ber 9tatur ber


220 SBcrfuel; einer neuen 8cflrüllt>ang

t> er 3ntenuinftionMe(ne.

ber (Sacr)e fließt, unb bie grainmatifdjcn Regeln werben aufhören,

Siegeln ju fein, nnb gut SBtUfür »erben, wenn fte nid)t au$ ber

Siatur ber 6acr)e fliegen.

2)cr ©runbunterfebieb zwifdjen ben Siegeln ber ©rammatif unb

bem ©ebrauer) liegt barin, baß jene ben 3Htcrpunftion^eid)en eine

abfolutc ©eltung geben, biefer nur eine relative. 3)ie ©rammatif

gcl)t Darauf auö, für beftimmte (5acrl)ättniffe beftimmte 3 e^ c»

als Siegel ()injuftcllen ; ber ©cbraucl) wedifelt oft fer; einbar ober

wiifticr; witlfürlid). S3tö ju einer gewiffen ©ren^e r)in l)at ftet) bie

©rammatif freilief) bewegen laffen, bem ©ebrauef) nachzugeben, wenn

fte 3. 53. bie Siegel aufftellt, baß in gewiffen fällen ftatt be6 Äomnia

dn Scmifolon ober 5lo(on gefegt werbe, ober baß vor benn unb

aber ein ©emifolon ober Äolon ftefye. (Solche Siegeln crfcr)einen

aber wieberum wilJfürlid) t)ingeftc((t unb nicfjt auf ein allgemeines,

baö ganje ©ebiet be()crrfd)cnbcö ©runbgefcij jurürfgcfüfyrt. 3er) muß

freilid) gcftcl)en, baß idj nid)t wetp, in wie weit biefer Vorwurf alle

unfere ©rammatifen, unb ob er fte alle trifft. Denn nacf)bem iü)

bie l)iftorifd)e beutfd)c ©rammatif fennen gelernt, f)abe td) wenig

Suft vcrfpürt, anbre ©rammatifen fennen 311 lernen, unb öon jcfyer

r)at mir in biefen bie 3ntcrpunftion3lcf)re am wenigften jufagen

wollen. 33et biefer 23eljanblung ber (Sacfye mußte bie ©rammatifer

namentlich baö ©emifolon in feinem ikrfyältniß 311m £omma einer*

feitS unb jutm iiolon anberfeitö in Verlegenheit bringen. JDenn

faßt man bie Snterpunftionö^cicrjen als ^aufenjeidben mit abfolutcr

©eltung auf, fo laffen fiel; jur Siotl) Romma, tfolon unb *ßunft als

3ctd)en für Heinere unb größere Raufen innerhalb beö


Söetfudj e inet neuen Stgtünbung tev "sutevvunftionsledve. 221

genö gang gleichen logifefyen SBerljältniffen tcr ©äfce

unter Umftänten

alle j$titytn vom Äomtna bii jum *ßunff ftet)en fönnen. ©ie be»

jeid)nen fämmtlid) feie ©afcpaufen in il)rer verfdnebenen Stellet, fo

ieunb, bafj ftcfp feineöwegö einem jeben 3eid)en ein beftimmteö SDtafj

von ßeitbauet beilegen läßt, fonbem nur behauptet werten famt,

baf; bad ©emifolon eine längere 5ßaufe, alö baö Nomina, baö Stolon

eine längere, alö baö ©emifolon, baö Sßunftjeidjjen eine längere, ale

biii5 ffoton, bezeichne. 9Son Smge* uub öuSrufungägeidjen fann

hier nidn bie Nebe fein: fte ftnb nid)t bloße 8atjpaufen$ciet)cn, fon*

bmt ©a$toityeid)en, wie fte nuef) im @egenfa§ ju ben eigentlidjen

Snterpunftionöjeidum ober ©a&fljeiljjeid&en gewbbnliel) genannt werben,

unb geboren nur in fofern \u ben eigentlichen 3nterpunftionö$eid)en,

alö fie, wo fte ftel)cn, jebeö anbre Snterpunftionö^eidjcn jjugleicl) mit

vertreten unb überflüftlg mad)en. (Sine fo ju fagen tl)eilweifc abfo-

lute Sebeutung l)abm nur baö ^unft^eidKn uub baö Nomina, info*

fern jencö nur gefegt werben fann nad) einem öoflji&nbig abgefd)lof-

fenen ©afce, biefeä auöfdiitefjltd) gebraucht wirb juufdjen @ä£en,

bie in engjlet SBerbtnbung mit einanter ftet)n. Slber ganj abfolut

i\t bie ©eltung aud) biefer beiben $tiü)tn in fofern nid)t, alö cö oft

von ber SMlfür bcö ©precfyenben abfängt, ob er nad) öoflftönbig

abgcfd/loffcnem ©afce eine ^auptpaufc eintreten (äffen will ober niebt,

fo baß im ledern gälte felbft gemattet ift, für baö ^unftjeidjen ein

bloßeö Nomina gu fe|en.

2>a bie 2Bat)l oer 3nterpunftionö$eid)en von ber langem ober

fördern 2)auer ber ©afcpaufen abhängen wirb, fo wirb eö barauf

anfommen, 31t bertimmen, wo längere, wo filtere ©afcpaufen ein*

treten. 2>er %aü felbft wirb wieber ein boppetter fein, inbem bie

©auflaufen entweber an ftd) b. r). verglichen mit ben cinfadiften (für*

jejfcn) Raufen in anbem t&äfym ober im SSergleid) mit anbern 5jJött*

fen beffelben ©afteö länger ober rurjer fein werben.

2)ie Sänge ober Stützt ber ©afjpaufe l)ängt im erften gälte von

ber geringem ober großem Snnigfeü bcö 3nfammenl)ange0 ber ©ä$e

ab. 3)cr innigfte ßnfammen^ang finbet jwifd)en fgaupU unb 9ftc*

benfäfcen ftatt, infofern bie letztem ftd) burd) iljre äußere gorm alö

unfelbftänbig, alö bloße Üljcilc eineö großem ©anjen barftetlen. 3* ©

I. 1. 3d) will bid) nid)t hänfen, weil id) bid) liebe.

SBeniget innig wirb ber 3nfamment)ang, wenn ber 9Jebcnfan

ftd' in bie gönn eineö ^auptfatjeö venvantelr, iabä aber bod) nod)


222 Scrfucfy einer neuen SBcflrünc-ung tcr SnterpunftionSlefire.

burd) eine greifet feine 93e$iet)ung auf ben anbem £auptfa£ jur

(2d)au trägt. 3- 23-

I. 2. 3d) will biet) nicfjt fränfen; benn ich) liebe biet).

3n beiben fällen ift ber 3 lifa mmenf)ang ber 'Säfc* tweh) immer

ein grammatifcher. Gr wirb cnbtid) ju einem rein logifd)en, wenn

aud) bie 93c$ict)ung auf ben .^auptfafj nid)t burd) eine ^artifcl auS--

gcbrütft wirb. 3« 53»

1. 3. 3dj will biet) nich)t fränfen: id) liebe bid).

Unb felbft bann ift er ein meb,r Iogifct)er, als grammatifchjer,

wenn jene 93e$ief)ung burd) irgenb ein 2öort bargcftellt wirb, wc(d)cS

nict)t ju ben fafcvcrbinbcnben j^onjunftionen gerechnet ju werben

pflegt 3- 33.

I. 4. 3d) will biet) nich)t franfen; (:) ict) liebe biet) ja.

3m 9Befentlid)cn freilid) ftet>t biefer gatl mit beut jweiten auf

gan$ gleicher Stufe; er unterfd)eibet ftch) iebod) von ifym unb när)ert

ftet) bem britten baburet), bajj ber zweite ©afc ftd) nicht von vom

fyerein, fonbern erft fpäter als auf ben erften belogen äußerlich) barftettt.

Sßad nun bie Snterpunftion betrifft, fo wirb im erften SBcifpiel,

in wcldjem wir eS mit ber einfachen


SJerfud; einer neuen SSegtünbung bei 3nterpunrtion0(e$re. 223

(£a^e äuferlid) alö grammatifd) a b cj

c fd; 1 o ffc n e £>auptf&$e erfcl)cincn.

3m vierten gall cnblid) röirb man tic freie Sffiat)! haben jwifd)en

©emtfolon ober .Holen, jcnadjbcm bie fubjeftive Sluffaffung beö S -Ber*

hältniffeö better Sälje fiel) mcl)r bem ^weiten ober mer)t bem brifc»

ten galle nähert.

Stellen nur bie eben befprod;enen ©äfce um, fo werben fte fot*

genbe ©eftalt annehmen:

II. 1. 2Bcil id) tief) liebe, will id) bid) ntcfjt franfen.

II. 2. 3d) liebe biet); barum roifl id) bid) nid)t franfen.

IL 3. 3er) liebe bid): id) will fcief; nid)t franfen.

IL 4. 3er) liebe bid);(:) id) will bid) alfo (barum) nid)t franfen.

35a bureb biefe ttmfteflung bie innern unb äußern 2? ejief) unweit

ber


22 i 3$ er fud[) einer neuen 23 e 3 r ü n

t

1

it ;;

n Ter 3nterpunfticn*lefire.

von (einem 9eact)fa$ ju trennen. 3)cm entfpred)enb wirb in bipr

biet) wegen beö 2Bol)lwotlen3, welches bu mir

ftetS bewiefen t)aft, liebe; will i


SB er fit d> ein« neuen Stgrünbuag Wr Snte.rpunftionBle^re, 225

ftetö bewiefen baft; (:) td) will bid) alfo nid)t franfen. - - 3d) weife

baß bu gegen mich woljlwoUenb gefilmt bift; (:) id) will bid) alfo nid)t

iranfeit.

Sinfc beibe cäfce mfammengefc^t, fo änbert baö für tiefen gall

nkfytd. 91uj wirb Ijiei mieber unb jtt>at mel)t alö »orljer, je jufam*

mengefefctet bie ©afce ftnb, befto racljt bie Neigung hervortreten, fie

burd) ein fßunftjeidjen 31t trennen.

(53 bleibt nun iunt übrig, bie gatte von I. bei gufammengefefe«

ten Safcen su betrachten. 3)aß bie gälte I. 2. 3. 4. ftd) wie LI.

2. 3. 4. beredten, bebarf feineö weitem Scweifeö. 2Ran Wirb

alfo interpungiren

:

V. 2. 3d) fann cS nid;t überS £erj bringen, biet) 51t fe&nfen

(3d) Witt bid) nid)t burd) ein ^Betragen, welche^ bir mißfallt, ftän*

fen) ; benn id) liebe bief).

V. 3. 3 er) fann — franfen): id) liebe bief).

V. 4. 3d) fann — franfen); (:) ich liebe biet) \a,

VI. 2. 3d) mit! bid) nid)t franfen; benn id) liebe bid) wegen

be6 5ßo()tmollcn3, weldjeS bu mit fletö beriefen l)aft. 3tt) will

bid) nid)t franfen, beim id) weif, baß bu gegen mid) wobltvollenb

gefilmt bift

VI. 3. 3d) will bid) nidu franfen : id) liebe bid) wegen u. f. W.

lid) weiß, baß u. f. w.)

VI. 4. 3d) Witt bid) nid)t franfen; (:) id) liebe bid) ja wegen

u. f. w. (icf) weiß ja, baß u. f. w.)

(Sbcnfo ift in bem galt !• 1. fein ©runb vorbanben, bie 3n*

terpunftion 31t änbern, wenn ber jweite @a$ mfammcngcfetjt ift. 9llfo

VI. 1. 3d) wifl bief) nicf)t franfen, weil id) bief) wegen be$

3Bot)lwollenö, weldjeä bu mir ftetö bewiefen l)aft, liebe. — 3* will

bief) nicht franfen, weil icf) mi^, baß bu gegen mid) wol)lmollcnb

gefilmt bift.

dagegen febeint cö, baß ebenfo, xx>k bti III. 1., ein ftärfeteö

Beieben, alä baS ftomma, nbtfyig wirb, wenn ber erfte @a$ jufam*

mcngefeljt ift. 2)erfelbe ©runb, ber bort galt, wirb aud) l)ier maß;

gebenb febeinen, baß man nämlid) ben elften ^a}} burd) baö ftarfere

3fid)en alö ein fleinereö (Saf$gan$eö 'mfammcntmUc unb von bem

jWeiten abgrenze. 3m Qkbraud) aber ift aud) in biefem gälte nur

baö icomma:

V. 1. 3d) fann cd nicht ubcrö £erj bringen, bi\t m häufen,

«rdjto f. 11. Svvadicu. XV. IS

:


226 äkvfucf; einet neuen 58 e cj

r

iin Mi n g tcr Snterpunf tionälcfyre.

weil trf) biet) liebe. — 3d) »iß bid) lüctit burci) ein ^Betragen, welches

bir mißfällt, hänfen, weil id) tieft liebe.

2lud) (einreibt, fooiel ieft weiß, feine ©rammatif »or, in biefem

gälte ein ftärfeieö Stilen ju fetten. 2>cr ©runb baoon fann nur

folgenber fein. fa$ fein follc. (Darum läjjt man bie minber

wefentliefje Se^cicftung beö erften ©afjcö cü3 eines befonberu flcincm

©abgaben bei «Seite unb laßt eä im wefentlicfyem Sntereffc ber

2)eutlicf)fett beim Nomina bewenben,

£aupt* unb ^ebenfät^e fönnen nid)t nur auf einanber folgen,

fonbem e6 fann ber SRcbenfafc auef) alö 3»iftf}cnfa£ in ben $aupt*

fa& eingegeben »erben. 3n biefem $alle wirb er, gleidwiel, wel*

d)er Slrt er ift, nur buret) Kommata oom ^Qauptfa^c ober, wenn er

in einen SRebenfafc eingefdwben ift, oon bem iljm übergeorbneten

Dfebenfa^e getrennt werben. 2)cnn innerhalb ber ©renken eine* unb

bcffelben ©afceS ift eine längere $aufe nid)t ftattl)aft: fte würbe ba

wivfcn, bajj ber


SB er fu$ einer neuen SBegtünbunfl ber JnterpunfticnSlcbre. 227

Sinb fctc bcigcorbnctcn Stäfce unb jivar inöbefonbre bec erfte

jufammengefe&t, fo wirb al8 $aufenftet$en jwtf^en bcnfclben ba3

Äomma nict)t mer)r auörcicben, fonbem ein ©emifolon gefetu »erben

muffen, unb berartige 9cebenfä$e werten bann tion bem nat^folgenben

§autttfa$ mietenun turet) ein ftärfcreö Qtifytn, alö turet) ein Äolon

getrennt werben muffen. 3« 53«

VII. 2. 3 et) will biet) nidu turet) ein 33etraq.cn, wcld)cö bir

mif fallt, fränfen; ict) null bir nidu burd) eine S5et)anblung > roefdje

bid) (anliefen müfte, webtbun. 3 et) fann eö nicht überö ^>erg brirt*

gen, biet) ju fränfen; eö ift mir nicht mogltct), bir wer) ju tt)un.

VIII. 2. Sßeil ict) bir wegen ber Sanftmütig meiere bu jeigfr,

Wof)lwitl; weil ict) bid) wegen bcö 2I>oblwollcnö, baö bu mir ftctö

benriefen t)aft, liebe: will ict) biet) nidu fränfen. — Sßeil td) weif,

bafj bu mir wobtmillft; weit ict) überzeugt bin, bafj bu mict) liebft:

will id) bid) nicht fränfen.

(Sbenfo wirb, wenn ber 9?ebcnfa£ in ber grammatifeben ftotm

beö §auptfafceö fidj einer 9?cit)c turebweg ober jum £t)eil jufammen*

gefetuer, alfo burd) ©emifola getrennter Säfce anfcblicfjt, unter aU

len Umjtänben wenigjtenä ein Äolon, unb ift er felbft umfangreietjer,

ein $ßunftretet) en gefefct werben muffen.

VII. 3. 3d) will bid) nicht turd) ein betragen, wcld)eö bir

mißfällt, fränfen; ict) will bir nict)t bureb eine 93et)anblung, weldje

biet) fc^merjen miitjtc, n>et)tt)un: benn id) liebe bid) (ict) liebe bid)

fa — icf) liebe bid) — bu weißt Ja, bafj id) bid) liebe).

VII. 4. 3et) fann eö nicf)t überö £jerj bringen, bid) 311 fränfen

eö ift mir nidu möglief), bir wcf) 31t tt)un. 2>enn id) will bir we*

gen ber ©anftmutt) wohl, welche bu jeigft; icf) liebe tief) wegen bcö

9Bol)lwülfenö, welcf)cö bu mir ftctö bewiefen l)aft.

Sßerbcn bie beigeortneten (Säfce nid)t einfad) neben einanber

gcftellt, fonbem burd) eine ftonfunftion mit einanber lurbunben; \o

tiertritt biefe fdwn bie ©teile beö ftärfern 3nterpunftiott$jeict)en8,

unb ber


228 Sßerfurf) einer neuen BtgrünbHng lex 3 n t c v p u n f t i o n S f c t) r c.

Sanftmut!) wof)l, tvcldje bu geigft, unb icf) liebe biet) wegen be$

SBoblwollenS, wcld)eö bu mir ftctö bemiefen r)afr.

gaffen ttrit entlief) bic »ernteten Säfte inö 2luge, fo werten

wir »on ber 9(nftd)t au£gct)cn muffen, bafj ein »erfürjter Saft tbm

ein Saft bleibt, wcnngleid) er feine gewöl)nlief)e »olle Saftform »eränbert

fjat. (56 wirb barum, wo ein verfügter Saft ftd) mit einem anbem

ebenfalls »erfüllten ober sollftänbigen Safte berührt, ein 3ntcrpunf*

tion^eicfjcn 511 fe&en fein. 2)ieö wirb aber nur ein Äomma fein

fönnen. 3)emt ift ber »erfür^te Saft beut anbeut untergeorbnet, fo

ftef)t er ju il)nt in ber engften SSc^te^ung, inbent nur fotcfjc Säfte

»erfürjt werben. Gö gehören bal)in bie Säfte mit ju, um ^u,

ot)ne ju, bie barum nur buret) ein Äomma »on bent Safte, an ben

fte ftd) fd)lie|kn, getrennt werben bürfen. 3ft ber »erfürjte Saft

einem anbeut nebengeorbnet, fo wirb tie$ wieber nur ein »crfürjter

fein fönnen, gleidwiel ob foauptfaft ober 9(cbenfaft. (§6 wirb ba6

ganje Saftgebilbe ber fogenannte jufammengejogene Saft fein. 2lud)

in biefent werben bie an einanber gereiften 33cftanbtl)e:le ber r>erfd)ie*

benen Säfte nur buret) Äommata getrennt werben fönnen, weil fte

»on beut ifynen aßen ©emeinfd)aftlicf)en nid)t burd) längere Raufen

gcfcrjicben werben bürfen. 33ei ben Säften biefer 2lrt begegnet unö

ber ^auptauönafnnefall, ber bei ber Snterpunftion »orfommt. 2Ber*

ben mimlicr) bcrgleicfjcn Säfte burd) bie Äonjunftion unb ober baS

faft»erbinbcnbe ober mit einanber »erbunben, fo »ertreten biefe Äon*

junftionen bie Stelle beö 3itterpunftion6$cicben3, unb e6 wirb ntdjl

einmal ein Äomma gefeftt. Unb weil man ftcr; an baö 2ßeglaffcn

beö Jtomma »or ober gewöhnt fyat, läfjt man e6 I)üuftg aud) bann

»or biefer Ä'onjunftion weg, wenn fte nierjt bie Säfte etnfaer) »er*

binbet, fonbem ftreng bi£junfti»e ^artifcl ift.

Sßenn eben behauptet werben ift, bafj »erfürjte Säfte nur burd)

Kommata von anbeut »erfürjten Säften ober »on tfyren ^»auptfäften

getrennt werben bürfen; fo gilt ba$ eben nur »on ben Säften, welche

bie ©rantmatif gemölmlid) »erfüllte ober ^ufanunengejogene nennt b. I).

»on beseitigen, weld)e nad) einem bcftiminten ©efeft eine gewiffc

gönn ber 53erfürjung annehm