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moneyeditorial

EDITORIAL

Asterix in Rom und

Miraculix in Frankfurt

Was will man einem Land als Hilfe zur Selbsthilfe eigentlich noch bieten?

190 Milliarden Euro erhält Italien bis 2026 von der EU aus dem sogenannten

Corona-Hilfspaket. Das Gesamtpaket ist EU-weit 750 Milliarden Euro

schwer. 390 Milliarden Euro fließen als Zuschüsse, die die Empfängerländer nicht

zurückzahlen müssen. Der Rest, also 360 Milliarden Euro, sind günstige Darlehen.

Die ersten Tranchen an Italien wurden auch schon überwiesen, weil die Regierung

Draghi zumindest einige Reformen umsetzen konnte. Ob die nächste Tranche folgen

wird, 22 Milliarden Euro schwer, wird sich zeigen. Weitere Reformen, die Draghi

noch angestoßen hat, können jetzt jedenfalls nicht mehr beschlossen werden.

Denn im italienischen Sommer-Chaos („Die spinnen, die Römer“, schreibt die SZ)

haben drei Parteien dem international anerkannten Ministerpräsidenten und früheren

EZB-Chef Mario Draghi das Vertrauen entzogen. Jetzt droht bei Ende September

stattfindenden Neuwahlen eine rechte Mehrheit mit den Postfaschisten, der Partei

des Bunga-Bunga-Milliardärs Silvio Berlusconi und der irrlichternden Lega,

allesamt mit Putin-Freunden durchsetzt. Schlimmer könnte es für EU, Euro (und die

Nato) kaum kommen. Ein irrer Zustand, den man offenkundig nur noch mit Zitaten

aus Asterix-Comics beschreiben kann.

Warum steht der Dax dann nicht mindestens 1000 Punkte tiefer? Weil der vergangene

Donnerstag, 21. Juli, der Tag war, für den das Fremdwort Koinzidenz erfunden

worden ist, das Zusammentreffen zweier Ereignisse. Bekanntlich hat die Europäische

Zentralbank (EZB) an diesem historischen Tag zeitgleich mit dem Draghi-Rücktritt

zum einen den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte erhöht (S. 8). Noch wichtiger mit

Blick auf Italien war aber die Vorstellung des nächsten Euro-Rettungsinstruments,

diesmal „Transmission Protection Instrument“ (TPI) genannt. Mit ihm kann die EZB

Staatsanleihen eines Landes kaufen im Fall „unbegründeter und ungeordneter“ Anstiege

von Anleihenrenditen. Ein Limit für die Anleihenaufkäufe (Laufzeiten von einem

bis zehn Jahre erlaubt, auch der Erwerb von Bonds privater Schuldner) ist nicht

vorgesehen. Besonders interessant natürlich für Italien, das mit 157 Prozent seiner

Wirtschaftsleistung verschuldet ist, in den kommenden 18 Monaten Staatsanleihen

im Volumen von einer halben Billion Euro refinanzieren muss und schon wieder im

politischen Chaos steckt. Dass dem alle Entscheider im EZB-Rat zugestimmt haben,

zeigt nur, wie groß die Angst vor der nächsten Euro-Krise ist. Die vier Bedingungen,

um die Staatsbonds eines Landes aufkaufen zu können, sind verräterisch lax: Tragfähigkeit

der öffentlichen Finanzen, solide und nachhaltige makroökonomische

Politik, zudem Einhaltung des haushaltspolitischen Rahmens der EU.

Alles dehnbar. Die EZB-Chefin erklärt offen, sie hoffe, TPI nicht anwenden

zu müssen. Franklin Templeton erwartet aber schon, dass der Anleihenmarkt

die EZB testen wird. Dann muss sie im schlimmsten Fall ausgerechnet

eine rechte Radikalen-Regierung in Rom stützen. Um im

Asterix-Sprech zu bleiben: Die EZB braucht dann schon einen Druiden

Miraculix mit neuen Zaubertränken, um da rauszukommen.

Ihr

FRANK MERTGEN

stellv. Chefredakteur

FOCUS-MONEY

Aus aktuellem Anlass!

Lesen Sie FOCUS-MONEY bequem zu Hause

Liebe Leserinnen und Leser,

die Inflation steigt auf lange nicht mehr erreichte Werte, in

Amerika wie in Europa. Bange blicken die Börsianer auf die

Notenbanken: Wird die verschärfte Geldpolitik eine Rezession

auslösen und die Gewinnschätzungen für die Unternehmen unter

Druck bringen? Mein Tipp: Sie erfahren alles Wichtige in FOCUS-

MONEY. Den portofreien Kombi-Bezug (Print und Digital) für 1 Jahr erhalten

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ab 8.00 Uhr. Wenn Sie FOCUS-MONEY nach Bezug wieder im Handel kaufen

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FOCUS-MONEY 31/2022

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3


moneyinhalt

27. JULI 2022 www.money.de

8

Kaputter Euro?

Die Kunstwährung leidet. Und

die Inflationsraten sowie die

Konjunktur gleich mit. Wie

Anleger jetzt ihr Geld in Sicherheit

bringen können: Die große

Analyse auf 16 Seiten

48

Schluss mit Verlust

Im 6. Teil der FOCUS-MONEY-

Serie „Clever investieren“ stehen

Kapitalschutzzertifikate im

Mittelpunkt. Sie bieten auch in

Krisenzeiten die Chance auf Rendite.

Und das gepaart mit einer

guten Portion Sicherheit

12

„Der Wohlstand wird nicht mehr

in dem Maß nach oben gehen,

wie wir es gewohnt sind“

KLAUS KALDEMORGEN, FONDSMANAGER DWS

moneykompakt

6 Brennpunkt: Konzerne freuen

sich über den Konsumanstieg

98 Andis Börsenbarometer:

Mitglieder der genossenschaftlich

organisierten Banken erhalten

ordentliche Ausschüttungen

moneytitel

8 Euro-Absturz: Wie Sie jetzt Ihr

Geld schützen und aus der

Währung das Beste machen

12 Interview: Zwei DWS-Manager

geben Auskunft über die wirtschaftliche

Situation und verraten,

wie Anleger ihr begegnen sollten

16 US-Bonds: Warum Investoren

vermehrt zu amerikanischen

Staatsanleihen greifen

19 Gold: Der beste Schutz gegen

Krisen und Inflation

20 US-Aktien: Zwei Top-Werte aus

Übersee, die vom starken Dollar

profitieren dürften

moneymarkets

24 Energie-Aktien: Die Krise öffnet

neue Türen für Energiewerte. Wie

Anleger partizipieren können

28 Brockhaus Technologies:

Risikofreudige Anleger, aufgepasst!

30 Fintechs: Zwei Finanzdienstleister

stechen Kryptowährungen aus

31 Hit & Shit: Sartorius brilliert,

Uniper im Zentrum der deutschen

Gaskrise

32 Es geht wieder rund: Aktien von

Sportartikelherstellern sind vor

Großereignissen attraktiv

36 Musterdepots: Hartmut Jaensch

sichert sich Öl-Gewinne

37 Abo Wind: Aktie erhält neue

Energie durch zahlreiche Projekte

38 Rational: Experte für thermische

Essenszubereitung im Fokus

40 Meine erste Aktie: Erste Börsenschritte

von Promis und Profis

41 Kolumne: Sarna Röser fordert

eine Gründer-Aufbruchsstimmung,

42 Adesso: Warum Anleger den

IT-Spezialisten beobachten sollten

4 Titelfoto: Shutterstock, DWS

FOCUS-MONEY 31/2022


24

Knoten lösen

Not macht erfinderisch: Der Energiesektor

bleibt langfristig aussichtsreich. Drei

interessante Einzelwerte sowie zwei aktiv

gemanagte Fonds und ein ETF im Überblick

Dieser Text

zeigt evtl. Probleme

beim

Victoria Lergenmüller,

Text an

vr.de/mitglied

Weinhaus Lergenmüller GmbH,

Mitglied seit 2020

48 Zertifikate mit Kapitalschutz:

Solide Rendite ohne Risiko – eine

gute Option in jeder Krise

54 Thor Industries: Warum Wohnwagen

& Co. im Trend bleiben

56 Kolumne: Tilmann Galler erklärt,

was unsere Konjunktur mit der

Tour de France zu tun hat

moneydigital

44 Social Trends: Tesla verkauft

75 Prozent seiner Bitcoin-Anteile

45 Analyse: Reichen erste Licht blicke

bei SAP für einen Kauf?

53 Chartsignal: Der italienische

Leitindex MIB bietet Chancen

53 Börsenwissen: Was ist die

„Fragmentierung der Geldpolitik“?

dswanlegerschutz

57 Interview: Was hält der DSW-Geschäftsführer

Tüngler vom Gesetz

zur Online-Hauptversammlung?

moneysteuern&recht

58 Sich gegen hohe Nebenkosten

wehren: Das gilt es bei hohen

Nachzahlungen bei den Betriebskosten

zu beachten

moneyservice

62 Finanzlage der GKV: Die

solidesten Kassen im Land

68 Pflege-Kombi-Tarife: Die besten

Optionen bei Pflegebedürftigkeit

74 Massivhaushersteller: Welche

Firma überzeugt durch Fairness?

moneyanalyse

81 Fonds

82 Deutsche Aktien

90 Internationale Aktien

96 ETFs

97 Zertifikate

moneyrubriken

3 Editorial

80 Leserbriefe – Impressum

98 Termine

Jetzt

Mitglied

werden

„Meine Bank

gehört mir,

weil mir Werte

nicht nur in Euro

wichtig sind.“

Wir sind Genossenschaftsbanken.

Die Banken, die ihren Mitgliedern

gehören.

32

Drei Streifen für Katar

Adidas, Nike & Co. mussten wegen

Corona 2020 einen Durchhänger

überstehen. Jetzt sorgt auch die

bevorstehende WM für Auftrieb

Jetzt

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und mehr

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FOCUS-MONEY 31/2022

Fotos: 123RF (2), iStock, DWS, Adidas

Composing: FOCUS-MONEY


moneytitel

TITEL

WIRD DER

EURO

DIE NEUE

ITALIENISCHE

LIRA?

Der Euro stürzt ab. Eine verfehlte Geldpolitik der

Europäischen Zentralbank, der russische Angriff

auf die Ukraine mit Inflationsschock sowie neue

Ängste um Italien machen der Gemeinschaftswährung

zu schaffen. So schützen Sie Ihr Geld!

von MIKA HOFFMANN

Die Urteile sind eindeutig: „Euro unter Parität

gegenüber dem Dollar – zögerlicher Kampf

der EZB gegen Inflation mit ein Grund.“ Oder:

„Droht dem Euro-Raum erneut eine Schuldenkrise?“

Bis zu: „Der Euro ist auf dem Weg zur

italienischen Lira.“ Das sind nur einige Überschriften

von Research-Berichten großer Investmentbanken

und Fondsgesellschaften der vergangenen Tage.

Der Euro fiel vorvergangene Woche unter die Parität, kostete

also zwischenzeitlich weniger als einen Dollar. Das hat

Folgen für die Inflationsraten, die Konjunktur und den

Wohlstand in Deutschland. Die Folgen des schwachen Euro

sind schwerwiegend – und alles andere als positiv. Wie Sie

Ihr Vermögen retten und aus der Euro-Schwäche das Beste

machen, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Was für eine Woche haben wir hinter uns. Parität bei

Euro–Dollar. Russland pumpt wieder Gas durch Nordstream

1 – wenn auch nur 30 Prozent der möglichen Menge.

In Italien zerbricht die Regierung von Mario Draghi.

Und die EZB handelt – endlich. Die Leitzinsen wurden

8 Foto: iStock Illustration: iStock

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 31/2022


LEERE TASCHEN:

Wohlstandsverlust statt

Produktivitätspeitsche

Parität – nach 20 Jahren wieder 1 : 1

Ein Euro ist nur noch einen Dollar wert. Die sogenannte Parität gab es zuletzt

vor 20 Jahren. In der Spitze stieg der Euro im Jahr 2008 auf 1,60 Dollar

je Euro. Ein Urlaub in Amerika zeigt schnell, dass der Kursverlauf sich

drastisch auswirkt: Der schwache Euro macht uns arm.

1,12

1,08

1,04

1,60

Preis für 1 Euro in US-Dollar

2022

JAN

F M A M J JUL

1,00

1,40

1,20

1,00

0,80

99

Parität

2000 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 2022

Quelle: Bloomberg

FOCUS-MONEY 31/2022

9


US-AKTIEN

Euro und Yen schwächeln gegenüber

dem US-Dollar. Dadurch kaufen Top-US-

Importeure günstiger ein. FOCUS-

MONEY nennt zwei Aktien, deren Margen

und Kurse erheblich vom Kraftpaket

Greenback profitieren können

von MARC BÄCHLE

Ein Song für Millionen und eine Hymne der Freiheit für

die ganze westlich orientierte Hemisphäre –„Born in

the USA“ von Bruce Springsteen. Selbst heute, knapp

40 Jahre nach seinem Erscheinen, sorgt der Hit immer noch

für Gänsehaut, und das umso mehr in einer anbrechenden

Zeit, in der sich offenbar wieder politische Blöcke bilden.

Der Westen zieht dabei zwar politisch an einem Strang,

wie der G7-Gipfel Ende Juni zeigte, allerdings driftet er auf

wirtschaftlicher Ebene zunehmend auseinander. Festzumachen

ist das am Schritttempo der Zinserhöhungen. Kündigt

die US-Notenbank eine rigorose Bekämpfung der Inflation

20 Fotos: Adobe Stock, Can Stock Photo

Composing: FOCUS-MONEY

FOCUS-MONEY 31/2022


moneytitel

Greenback trumpft auf

Mitte März begann die

Zinswende der US-Notenbank

mit einer Erhöhung

um 0,25 Punkte. Seither

hebt sie den Zins kontinuierlich

an, weshalb neben

dem Euro auch die Währungen

anderer Exportnationen

zum Dollar abwerten.

Währungskurse gegenüber dem US-Dollar

Entwicklung seit 1.1.2022 in Prozent

Rand,

Südafrika

Rupie, Indien

Yen, Japan

Real, Brasilien

JAN F M A M J JUL

Quelle: Bloomberg; US-Dollar auf null indexiert

+20

+10

0

–10

–20

ROCK ’N’ ROLL: Bei US-Aktien, die

vom starken Dollar profitieren, ist für

die nächste Zeit ordentlich Musik drin

an und wagt kontinuierliche Zinserhöhungen, reagiert die

Europäische Zentralbank (EZB) – trotz ihres Schwenks, die

Leitzinsen nun doch stärker zu erhöhen – weiter eher zögerlich

und halbherzig. Aufgrund dieses Zauderns verlor der

Euro im Verhältnis zum US-Dollar bereits stark an Wert.

Aber: Die Gemeinschaftswährung hat derzeit nicht als einzige

das Nachsehen gegenüber dem Greenback. Auch der

japanische Yen machte in diesem Jahr schon die leidige Erfahrung.

Lag das Umtauschverhältnis jahrelang – mal etwas

mehr, mal etwas weniger – auf demselben Niveau, schlug das

Pendel des in Traderkreisen als „Ninja“ bekannten Währungs-

paars seit März eindeutig zugunsten der Ami-Währung aus.

Der Grund: Die japanische Notenbank hält entgegen dem

weltweiten Zinserhöhungstrend an ihrer ultralockeren Geldpolitik

fest. In ihrer Sitzung vom 21. Juli beschlossen die

dortigen Währungshüter, die langfristigen Zinssätze bei

0,0 Prozent, die kurzfristigen Zinsen sogar bei minus

0,1 Prozent zu belassen. Daran änderten die zwar steigenden,

aber mit 2,5 Prozent im April und Mai immer noch moderaten

Preiszuwachsraten nichts. Ergo: Das Zinsgefälle zwischen

Japan und den USA dürfte weiter dazu führen, dass der

Yen, genau wie der Euro und andere Währungen, zum Dollar

abwertet. Ablesen lässt sich das auch am Dollar-Index (ISIN:

XD0009982303), der die Entwicklung des Dollar zu sechs

anderen Währungen abbildet. Das Barometer erreichte Mitte

Juli mit einem Wert von 108 Punkten einen neuen Rekordstand.

Zum Vergleich: Am Jahresanfang lag er noch bei 96

Punkten, vor fünf Jahren im Juli 2017 bei 94 Punkten. Wie

man es auch drehen und wenden mag, es spricht derzeit vieles

für einen immer stärker werdenden Greenback. Davon

profitieren US-Konzerne, die Waren ins Land importieren.

Das banale Margenmotto: Günstiger im Ausland einkaufen,

teu(r)er in der Heimat – den USA als das Konsumentenland

schlechthin – verkaufen. Die Schlussfolgerung: Der vor Kraft

strotzende Greenback könnte in nächster Zukunft deren Gewinne

durch Währungsprofite merklich anheben, wovon die

Börsenkurse wiederum profitieren.

Starker Dollar, steigende Gewinne

Deshalb recherchierte FOCUS-MONEY nach US-Unternehmen,

bei denen sich ein starker und weiter steigender Dollar

als lohnend herausstellen könnte. Eben „Invest in the

USA“ statt „Born in the USA“. Einer unter ihnen ist der größte

private Arbeitergeber der Welt: Walmart. Rund 2,3 Millionen

Angestellte arbeiten weltweit für den US-Einzelhandelskonzern

– entweder in der Verwaltung oder in einem

der rund 10 500 Supermärkte. Sie zeigen sich hauptverantwortlich

dafür, dass die Umsätze seit 2016 steigen. Lagen

die Erlöse damals bei rund 482 Milliarden Dollar, wuchsen

sie 2022 (gebrochenes Geschäftsjahr, endete zum 31. Januar)

auf ein neues Rekordhoch von 573 Milliarden Dollar

(plus 2,4 Prozent zum Vorjahr). Zur Einordnung: Wäre

FOCUS-MONEY 31/2022

21


moneymarkets

RATIONAL-GERÄT:

Software sichert

Kochergebnis

RATIONAL

Neue Chancen in der Krise

Rational produziert High-End-Geräte für die thermische Essenszubereitung in Profi- und

Großküchen. Das Unternehmen arbeitet hochprofitabel und wächst stark

von THOMAS SCHUMM

Es sind beeindruckende Zahlen: 150 000 000 Essen werden

weltweit täglich mit Rational-Küchengeräten zubereitet.

Seit 1976 hat das Unternehmen gut 1 100 000

Combi-Dampfgarer und seit 2005 mehr als 50 000 multifunktionale

Kochsysteme produziert. Rational ist in 120 Ländern

mit 31 Tochtergesellschaften präsent und verfügt über

global 4000 Partner. In den vergangenen zwölf Jahren ist

Rational im Schnitt um acht Prozent pro Jahr gewachsen. Die

Betriebsgewinn-Marge (Ebit) lag im Geschäftsjahr 2021 bei

erstaunlichen 20 Prozent.

Marktanteil 50 Prozent. So konnte der Hersteller für High-

End-Geräte für die thermische Speisenzubereitung 2021 einen

Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit von 172

Millionen Euro erzielen und einen Kassenbestand von 254

Millionen Euro anhäufen, ein gutes Polster für zukünftige

Krisen oder Investitionen. Das Potenzial dafür wäre da, auch

wenn Rational schon jetzt einen Marktanteil von 50 Prozent

einnimmt: Rund 75 Prozent der adressierbaren Kunden sollen

noch auf traditionellen Geräten arbeiten. Das entspricht

4 800 000 potenziellen Profiküchen, in denen 20 oder auch

20 000 Essen zubereitet werden und die noch mit Rational-

Geräten ausgerüstet werden könnten.

Die Küchen-Cloud. Eines der Hauptprodukte von Rational

ist der im Mai 2020 eingeführte Combi-Dämpfer iCombi Pro.

Die Wärme wird hier durch Dampf und Heißluft übertragen.

Eine Software steuert den sogenannten Garpfad selbstständig,

bis das Wunschergebnis erreicht ist. Er ersetzt herkömmliche

Gargeräte wie Grill, Herd oder Backofen. Ergänzt werden könnte

dieser Combi-Dampfgarer durch den Rational iVario, der mit

Kontakthitze oder in Flüssigkeit kocht und weitere traditionelle

Gargeräte wie Fritteusen, Kessel oder Kippbratpfannen ersetzen

kann. In der Großküche der Zukunft und auch schon der

Gegenwart kann der Koch die einzelnen Rational-Geräte vernetzen

und auch mit räumlichen Abstand – cloudbasiert –

überwachen, steuern und Garprogramme übertragen.

Effizienz dürfte in den kommenden Jahren ein großes Thema

in der Großküchenbranche werden und Rational könnte

mit seinen Geräten davon überproportional profitieren.

Durch Corona und die angeordneten Lockdowns haben sich

zahlreiche Gastro-Beschäftigte andere Betätigungsfelder gesucht.

Einige werden wohl dauerhaft der Branche den Rücken

zugekehrt haben. Fachkundiges Personal wird nicht nur im

Gastraum als Bedienung fehlen, sondern auch in der Küche

bei der Speisenzubereitung, hinzu kommen höhere Energie-

38 Foto: Rational

FOCUS-MONEY 31/2022

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