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möbel kultur 7/8/22

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ZKZ 4937

7/8 I 2022

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Zukunft in

8 Schritten

Home & Living ohne

Grenzen? Exklusiver

Round Table zu den

drängendsten Themen

Restart geglückt

Salone del Mobile & Eurocucina:

Die wichtigsten Erkenntnisse aus Mailand

Foto: Zuiver

EHI-MÖBELREPORT

HANDEL MIT

36 MRD. EURO

Loddenkemper: Wieder zurück

ABK Open: Gebündelte Kräfte

Outdoor: Grillduft & „Grünes“

Umfrage: Potenziale für den Handel

Reddy Achern: Der Daten-Champion

Sudbrock: Gestaltung mit Haltung


TOP-THEMA/5. SCHNITTSTELLENGIPFEL

Home & Living

ohne Grenzen?

Ein Round Table für eine dringend notwendige Standortbestimmung. Denn in den

vergangenen zweieinhalb Jahren fiel das Innehalten schwer. Zu stark lastete der

Druck von Pandemie und Kriegsfolgen auf den Geschäftsprozessen. Doch wie hat

sich die Branche verändert? Wie tiefgreifend ist die beschleunigte digitale Transformation?

Und was werden die wichtigsten Themen auf dem Weg bis 2030 sein?

Elf Themenexperten nahmen sich im Rahmen des vom Hermes Einrichtungs

Service veranstalteten 5. Schnittstellengipfels die großen Fragen unserer Branche

vor – und diskutierten leidenschaftlich drei Stunden lang. Ein Best-of mit den wichtigsten

Aussagen gibt es hier – als Annäherung an die Zukunft in acht Schritten.

Wolfgang Gruschwitz,

Gruschwitz, Store-Designer

Oliver Föst, Opti-Wohnwelt,

Möbelhändler

Florian Berger, &Mylk,

Kreativ-Berater

Hagen Meischner, Shopify,

Shopsoftware-Experte

Martin Wieland,

Hermes Einrichtungs

Service, Logistiker

24 möbel kultur 7/8/2022


1. Gegenwart

möbel kultur: Wir wollen heute über die

Zukunft reden. Aber lassen Sie uns in der

Gegenwart beginnen, um uns dem Jahr

2030 anzunähern. Wie ist die Lage aktuell

im Handel?

Oliver Föst: Die Kunden verhalten

sich sehr zurückhaltend. Wir verkaufen

an die konsumige Mitte und

die Inflation zeigt hier besondere

Wirkung, denn die Frequenzen sind

deutlich zurückgegangen.

Gleichzeitig brechen uns ganze

Preislagen weg. Das ist vor allen

Dingen im Discount ein entscheidendes

Thema, denn die Preise

nähern sich der früheren Mitte an.

Vielleicht sehen wir bald neue Konzepte

und Geschäftsideen wie einen

Gebrauchtmöbelmarkt, um entsprechende

Eckpreislagen zu halten.

Aber kein Zweifel: Das sind schon

dramatische Verschiebungen am

Markt, die wir aktuell beobachten.

Eva Brotz: Das deckt sich auch mit

unserer Wahrnehmung. Wir sehen

auch keine Warengruppe, die gerade

überdurchschnittlich performt.

möbel kultur: Glauben Sie aber, dass die

Bedeutung des Einrichtens generell in den

letzten zwei Jahren zugenommen hat?

Oliver Föst: Doch, das glaube ich und

das macht auch Hoffnung, die Deutschen

haben das Einrichten für sich

entdeckt. Und das Reisen macht ja

in diesem Jahr auch nicht überall

sonderlich Spaß.

Sebastian Deppe: Der Mittelstand darf

sich jetzt nicht blenden lassen, denn

die Situation ist eine andere als noch

während des zweiten Lockdowns. Zu

der Zeit gab es einen enormen Auftragsbestand

und die Händler waren

teilweise froh, dass sie die Bestellungen

erst einmal abarbeiten konnten.

Die Auftragsbestände bröckeln gerade

schnell dahin.

2. Werbung

möbel kultur: Und dennoch gibt es weiterhin

konkreten Einrichtungsbedarf wie

beispielsweise im Homeoffice-Bereich.

Nur wie gelingt es heute, entsprechende

Impulse zu schüren? Funktioniert Prospektwerbung

noch?

Oliver Föst: Weglassen geht für uns

nicht, erst recht, wenn man ein

starkes Wettbewerbsumfeld hat.

Aber das sorgt aktuell nur für ein

Grundrauschen. Generell beobachte

ich auch, dass die Prospektmengen

rückläufig sind, nicht zuletzt

wegen der gestiegenen Papierpreise.

Es gibt einen großen Shift in den

Online-Bereich.

Carsten Meinders: Wir haben überlegt,

wie wir den Händlern Bausteine

an die Hand geben können,

um weniger Rotstift benutzen zu

Location mit großer

Tradition und weitem

Ausblick: Der Hafen-

Klub an den Hamburger

Landungs brücken bot

einen passenden Rahmen

zur Diskussion.

müssen. Daraufhin konzipierten wir

einen Werbe-Prospekt, in dem wir

logistische Services wie kostenlose

Lieferung, kostenlose Montage oder

„zwei statt 12 Wochen Lieferzeit“

hervorgehoben haben. Das Feedback,

aus dem Handel darauf war,

dass die Kunden das nicht honorieren

würden, sondern Prozente

sehen wollen.

möbel kultur: Rewe stellt die Handzettel

demnächst komplett auf digital um – aus

Kosten- und Nachhaltigkeitsgründen.

Wolfgang Gruschwitz: Es ist doch auch

eine Frage der Zeit, denn reagieren

die Jüngeren wirklich noch auf

Prospektwerbung in der Zeitung?

Die Impulse spielen sich doch

zunehmend in der digitalen Welt ab.

Eva Brotz: Ich denke, wir werden

in den kommenden zehn Jahren

eine gewaltige Veränderung in der

Kundenansprache erleben.

André Roitzsch, Shopmacher,

Digitalisierungsberater

Sascha Tapken,

Home.Made.Storys. und

möbel kultur“ (FM)

Daniel Krantz, Otto

Group, App-Entwickler

Sebastian Deppe,

Ariadne Maps,

Smart-Analytics-Experte

Eva Brotz, Mega Möbel

SB, Möbelhändlerin

Josephine Seidel-Leuteritz,

Wohnklamotte, Influencerin

Carsten Meinders, Hermes

Einrichtungs Service, Logistiker

Fotos: Christoph Niemann

7/8/2022 möbel kultur 25


TOP-THEMA/MILANO

Benvenuto –

Willkommen zurück

Internationale Messen funktionieren

wieder. Das hat die diesjährige Mailänder

Möbelmesse, die ausnahmsweise im

Juni stattfand, eindrucksvoll gezeigt.

Auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch

nicht wieder erreicht werden konnte,

fühlte sich der Salone del Mobile zum

Teil schon wieder ganz „normal“ an.

FACTS

❯ Salone des Mobile, Eurocucina &

FTK 2022

❯ Messepräsidentin: Maria Porro

❯ Anzahl der Aussteller: 2.175 Marken

(davon 27 Prozent aus dem Ausland)

❯ Anzahl der Besucher:innen: > 262.000

(davon 61 Prozent aus dem Ausland,

aus 173 Ländern)

❯ Termin 2023: 18. bis 23. April

www.salonemilano.it

Emotional, nahbar und mit viel Leidenschaft

zeigte sich Messe präsidentin

Maria Porro bei der Pressekonferenz zum

diesjährigen Salone del Mobile.

Oben: Der Stand von Kartell.

30 möbel kultur 7/8/2022


Ganz so voll, wie noch 2018,

inklusive der letzten Eurocucina,

war es nicht. Aber das

war auch sehr angenehm. Vielleicht

tut es der Messe auch künftig ganz

gut, wenn sie nicht so überfüllt sein

wird wie zu Vor-Pandemie-Zeiten, in

denen es zum Teil lange Schlangen

und Zugangsbeschränkungen vor

den Ständen gab. In diesem Jahr kam

noch dazu, dass der Salone und die

Küchenmesse Eurocucina (siehe

S. 54), ausnahmsweise im Juni stattfanden

– bei Temperaturen von bis

zu über 30 Grad Celcius, die nicht

ganz so messekompatibel sind, wie

die angenehmen Frühjahrstage im

April. Diese Meinung vertreten auch

die Messemacher, die 2023 u.a. auch

aus diesem Grund wieder zum angestammten

Termin im April zurückkehren

wollen.

Auf jeden Fall haben es die Mailänder

geschafft, die Pandemie-Durststrecke

durchzuhalten und 2022

erneut mit einem guten Auftritt zu

überzeugen. Das italienische Lebensgefühl

war wieder zu spüren. Im

vergangenen Herbst hatte es ja bereits

den viel kleineren „Supersalone“ –

mit nur vier bespielten Hallen und

gut 400 Ausstellern – gegeben, um

die Zeit von der letzten regulären

Veranstaltung 2019 bis zu diesem

Jahr nicht zu lang werden zu lassen.

Laut Messepräsidentin Maria Porro

ging der Salone del Mobile 2022

dank „hoher Qualität, Engagement,

dem Zusammenhalt und der großen

Freude wieder live zusammenzukommen“,

den Erwartungen entsprechend

erfolgreich über die Bühne. Zur

Jubiläums-Ausgabe (60 Jahre!) kamen

immerhin mehr als 2.000 Aussteller

(2.175 Marken), zudem wurden über

262.000 Besucher:innen aus 173

Ländern gezählt. Das waren zwar zum

vergleichbaren Designspektakel 2018

– einschließlich der Küchenmesse –

rund ein Drittel weniger, aber u.a.

durch die fast komplette Abwesenheit

von Chinesen und Russen, die aus

den bekannten Gründen nicht angereist

waren, konnte auch nicht mit

einer Rekordveranstaltung gerechnet

werden.

Dass die Stimmung gut war, kann

auch die „möbel kultur“ durch die

vielen Gespräche auf der Messe bestätigen.

„Es war unsere erfolgreichste

Mailand-Messe überhaupt“, zog Kare

CEO Peter Schönhofen Bilanz. Was

ein Umsatz-Plus im Vergleich zu

2019 bestätigte. Der Salone sei die

beste Kontaktbörse für den Ausbau

2 3 4

5

1. Die aktuellen Farbwelten am Stand von Zanotta.

2. Inszenierungen par excellence: Der Showroom

von Moooi ist immer einen Besuch wert 3. Starker

Auftritt von Calia Italia, dieses Mal inklusive

Wand- und Bodengestaltungen sowie Kissen,

Couchtischen und Leuchten. 4. Bei Kare standen

Shopkonzepte für die Franchisepartner im Vordergrund

5. Erstmals nicht auf der Messe sondern im

Brera-Viertel: Walter Knoll. 6. Happy to see you

again! Fermob fasste in klare Worte, was viele auf

der Messe fühlten. 7. True Pink! USM widmete den

gesamten Showroom im Fahrradgeschäft Rossignoli

der Trendfarbe. 8. Die Brera Design Week als

stimmungsvolle Ergänzung zum Salone del Mobile.

6

7 8

1


TOP-THEMA/EHI-MÖBELREPORT

Der Fachhandel

bleibt an der Spitze

Bei der hiesigen Möbeldistribution hat der kooperierende

Möbelfachhandel weiterhin die Nase vorn – auch wenn er

wieder leicht Marktanteile einbüßt. Parallel dazu gewinnt

der Onlinehandel erneut hinzu, wobei mittlerweile auch

die stationären Händler in Sachen E-Commerce ihre

Hausaufgaben gemacht haben und ihre Produkte nun

zusätzlich im Netz vertreiben. Das ist auch gut so, denn

das Marktvolumen für Möbel beträgt 35,93 Mrd. Euro

(+1,6 %) und bietet damit gute Umsatzchancen. Diesen

Wert weist der EHI-Möbelreport für 2021 aus, den der

Mittelstandsverbund ZGV in Auftrag gegeben hat und

dessen Ergebnisse der „möbel kultur“ exklusiv vorliegen.

Dr. Marc Zgaga, Geschäftsführer des

Mittelstandsverbundes ZGV, geht davon

aus, dass der Online-Anteil der Möbel-

Umsätze 2022 weiter zunimmt.

Wenn es um den Kauf neuer

Möbel geht, zieht es die

Verbraucher:innen auch

in Zeiten des E-Commerce-Booms

schwerpunktmäßig in den Möbelhandel.

Laut dem aktuellen „EHI

Möbelreport“, den der Mittelstandsverbund

ZGV jährlich in Auftrag

gibt, konnte der Fachhandel im

vergangenen Jahr einen Marktanteil

von 72 Prozent behaupten. Damit

halten die branchenfremden Möbelanbieter

wie Bau- oder Heimwerkermärkte

einen Marktanteil von

28 Prozent des Möbelmarktes. Wie

schon in den Jahren zuvor punktet

bei den branchenfremden Anbietern

der Versandhandel inklusive

der Online Pure Player. Dieser hält

nun einen Marktanteil von 13,1

Prozent. 2020 betrug dieser Wert

noch 11,5 Prozent.

Laut Hochrechnungen des EHI

wurden über den interaktiven Handel

im vergangenen Jahr Möbel,

Lampen und Dekorationsartikel im

Wert von 6,56 Mrd. Euro veräußert.

„Deutlich mehr als 80 Prozent

der Möbel im interaktiven Handel

werden online verkauft“, erläutert

Dr. Marc Zgaga, Geschäftsführer des

Mittelstandsverbundes ZGV. Kataloge

treten durch die technischen

Möglichkeiten zunehmend in den

Hintergrund. Sie bieten allerdings –

neben Internetauftritten – weiterhin

die Möglichkeit, in kleineren innerstädtischen

Filialen das gesamte Sortiment

abzubilden.

Bei der sehr guten Entwicklung

des Versandhandels gilt es natürlich

zu berücksichtigen, dass die stationären

Möbelgeschäfte von Mitte

Dezember 2020 bis Anfang März

2021 wegen eines erneuten Lockdowns

geschlossen waren. Vor dem

Hintergrund des Cocooning-Trends

wollten Konsument:innen ihre eigenen

vier Wände aber trotzdem verschönern

und kauften die Produkte

im Internet. „Der Onlineanteil der

Möbelumsätze stieg von 11,5 Prozent

auf 16 Prozent“, erklärt Dr.

Marc Zgaga, Geschäftsführer des

Mittelstandsverbundes ZGV. „Es ist

davon auszugehen, dass dieser Anteil

auch 2022 zu Lasten des stationären

Möbelhandels weiter steigen wird.“

Ebenfalls Marktanteile hinzugewinnen

konnte die Büromöbelbranche

(+7,5 %) und der kooperierende

Möbelfachhandel (+0,6 %).

Anteile zu verteidigen ist im

Möbelhandel unabdingbar, schließlich

ist das Marktvolumen in den

vergangenen vier Jahren kontinuierlich

gestiegen. 2021 betrug es

35,93 Mrd. Euro (einschließlich

MwSt.) zu Endverbraucherpreisen.

2,96 Mrd. Euro davon entfielen auf

den gewerblichen und 32,97 Mrd.

Euro auf den privaten Verbrauch.

Insgesamt konnte der Möbelhandel

seinen Umsatz damit im Vergleich

zu 2020 um 1,6 Prozent steigern.

Damit bewegt er sich in etwa auf

dem Niveau des gesamten Einzelhandels,

der laut dem Handelsverband

Deutschland (HDE) um 1,5

Prozent zugelegt hatte.

Etwas mehr als die Hälfte des

Marktvolumens (56,5 %) ging mit

20,3 Mrd. Euro auf das Konto des

kooperierenden Möbelhandels. Die

verbandsunabhängigen Retailer setzten

Waren im Wert von 5,57 Mrd.

Euro um (15,5 %). Branchenfremde

Vertriebswege, Direktabsatz (einschl.

Handwerk) und Großhandel kommen

auf 10,06 Mrd. Euro.

36 möbel kultur 7/8/2022


Die Distribution von Möbeln 2021

Darstellung der Warenbewegungen

Quelle: EHI Möbelreport 2021, Grafik: möbel kultur

Die kumulierten Umsätze der

weiteren Vertriebskanäle wurden von

SB-Warenhäusern, Supermärkten,

Discountern, Kauf- und Warenhäusern

sowie dem technischen Fachhandel

generiert. Mit 1,02 Mrd. Euro

belegen sie wie schon 2020 einen

Gesamtmarktanteil von 2,9 Prozent.

„Auch 2021 konnten die lebensmittelnahen

Vertriebstypen von der zeitweisen

Schließung der Möbelhäuser

profitieren“, resümiert Dr. Zgaga.

Um den Weg der Ware vom

Hersteller zu den Verbraucher:innen

noch transparenter zu machen,

hat das EHI die Analyse des Absatzmarktes

um eine Untersuchung

des Beschaffungsmarktes für Möbel

ergänzt. „Reduziert man das inländische

Möbelmarktangebot um den

Bezugswert des Großhandels, der

unmittelbar in das Objektgeschäft

geht – hier 229 Mio. Euro – und

denjenigen Teil der Möbelproduktion,

die direkt an den Endverbraucher

abgesetzt wird, also 570 Mio.

Euro, erhält man ein Nachfragevolumen

des gesamten Einzelhandels

inklusive branchenfremder Anbieter

von 20,7 Mrd. Euro“, erläutert

Dr. Zgaga. „Der Einzelhandel fragte

2021 Möbel in Höhe dieses Bezugswertes

nach. Diese Nachfrage wurde

zu 58,2 Prozent bei den Einkaufskooperationen

des Möbelhandels, zu

41,6 Prozent direkt beim Hersteller

und zu 0,2 Prozent beim Großhandel

gedeckt.“

Neben den Vertriebskanälen

untersucht der EHI-Möbelreport

traditionell auch die Märkte für einzelne

Produktgruppen. Dabei fällt

auf, dass Küchen- und Büromöbel

besonders gute Zuwächse zu verzeichnen

hatten. Das Marktangebot

an Küchenmöbeln lag bei 5,1 Mrd.

Euro zu Herstellerabgabepreisen. Verglichen

mit 2020 (4,74 Mrd. Euro)

ist das ein Zuwachs von 7,5 Prozent.

Die Exportquote der Küchenmöbelproduzenten

liegt bei mehr als 40

Prozent. „Dank des zunehmenden

Verbraucherinteresses an energieeffizienten,

umweltbewussten neuen

Küchen und Geräten sowie aufgrund

eines wachsenden Ersatzbedarfs

konnte auch 2021 der Umsatz

gegenüber 2020 im Inland um rund

acht Prozent gesteigert werden“, sagt

Dr. Zgaga. Im Neugeschäft wurden

60 Prozent Möbel verkauft und 40

Prozent E-Geräte. Erworben wird die

Kücheneinrichtung zum Großteil in

den Möbel- und Einrichtungshäusern

(46 %) sowie in den Küchenspezialhäusern

(32 %). Aber auch der

Direktverkauf nimmt stark zu.

Gute Zuwächse konnte auch bei

den Büromöbeln verzeichnet werden.

Hier trug der Umsatz mit 7,5

Prozent überdurchschnittlich zum

Anstieg des gesamten Möbelumsatzes

bei. „Der Büromöbelmarkt hat laut

IFH Retail Consultants ein Volumen

von rund 2,5 Mrd. Euro zu Endverbraucherpreisen.

Da Büromöbel

zu den flexiblen Investitionsgütern

gehören, werden Anschaffungen oftmals

abhängig von der Konjunkturlage

getätigt. Aufgrund der Corona

Pandemie wurde 2020 rund elf Prozent

weniger in Büromöbel investiert.

Dieser Trend setzte sich 2021 nicht

fort. Es gab ein ordentliches Plus,

wobei das Niveau von 2019 noch

nicht erreicht wurde“, führt Dr. Zgaga

aus. Der Möbelfachhandel generiert

knapp drei Viertel des Umsatzes,

wobei der Fachhandel für Papier-,

Büro- und Schreibwaren (PBO) sowie

für Büromaschinen, Büromöbel und

Organisationsmöbel (BBO) mit gut

70 Prozent Marktanteil nach wie vor

eine starke Stellung hat.

Ebenfalls zulegen konnte der

Markt für Badmöbel. Wird der durch-

Illustration: www.freepik.com/ macrovector, Foto: Mittelstandsverbund ZGV

Mit 72 Prozent bleibt der Möbelhandel

der stärkste Distributionskanal für

Möbel. Der Versandhandel holt jedoch

weiter auf und hält mittlerweile einen

Marktanteil von 13,1 Prozent.

7/8/2022 möbel kultur 37


HANDEL

Exklusive Bonial-Umfrage: Wo liegen welche Potenziale für den Handel?

Möbelflaute bei

den Verbrauchern

Wie wirken sich der Ukraine- Krieg

und seine Folgen auf die Lust der

Deutschen aus, Möbel zu kaufen?

Wie wurden Einrichtungsgegenstände

in den vergangenen zwei

Jahren während der Corona-

Pandemie erworben? Das und noch

mehr wollte die „möbel kultur

wissen und hat gemeinsam mit

Bonial nachgefragt. Dabei kam u.

a. heraus, dass fast die Hälfte der

Deutschen ihre geplanten Möbelkäufe

derzeit verschieben will.

Bonial, der Marktführer im

Bereich der digitalen Angebotskommunikation

erreicht

mit seinen Portalen „kaufDA“

und „MeinProspekt“ über

10,26 Mio. Nutzer:innen.

Wie sehr spüren Sie bereits im eigenen Geldbeutel die

Auswirkungen des Krieges? (Inflation und Preissteigerungen)

Welche Anschaffungen werden Sie voraussichtlich

aufgrund dessen verschieben?

5

2

Möbel 48 %

Elektronische Geräte

44 %

33

%

60

Stark

Etwas

Kaum

Gar nicht

Haushaltsgeräte

Auto

Mode

Schmuck

21 %

34 %

32 %

42 %

Sonstiges

40 %

Quelle: Bonial, Grafiken: möbel kultur

40 möbel kultur 7/8/2022


Wie haben die Deutschen in

den vergangenen zwei Jahren

Möbel gekauft, welche

Vertriebsformen, wurden bevorzugt

und wie wirkt sich die geopolitische

Lage auf das Kaufverhalten der

Verbraucher:innen aus? Zusammen

mit Bonial hat die „möbel kultur

die Nutzer:innen der „KaufDA“-

und „MeinProspekt“-App im April

und Juni zu diesen Themen befragt.

Die Ergebnisse sind überraschend.

Während der Möbel-Commerce in

den vergangenen Pandemie-Jahren

einen regelrechten Boom erfahren

hat, gaben lediglich 18 Prozent der

Befragten an, einmal in dieser Zeit

Möbel im Internet gekauft zu haben.

17 Prozent haben mehrmals ein

den Handel, die richtigen Zielgruppen

im richtigen Umfeld zu erreichen“,

so Sebastian Kerkhoff, Senior

Vice President „Home & Living“

bei Bonial.

Der Ukraine-Krieg hat zu einer

steigenden Inflation und einer damit

sinkenden Konsumneigung der Verbraucher:innen

geführt. Wie sieht

künftig das Kaufverhalten der Nutzer:innen

der „kaufDA“- und „Mein-

Prospekt“-App aus? 60 Prozent der

Befragten spüren Inflation und Preissteigerungen

bereits stark im eigenen

Geldbeutel, 33 Prozent spüren

sie etwas. Aufgrund dessen gaben 50

Prozent an, größere Anschaffungen

zu verschieben. Lediglich 17 Prozent

halten an ihren Kaufplänen fest.

Haben Sie in den letzten 2 Jahren Möbel online gekauft?

%

65

17

Nein

Ja, einmal

Ja, mehrmals

18

Bevorzugen Sie große Möbelhäuser oder kleinere?

Das stationäre

Einkaufserlebnis spielt

beim Möbelkauf immer

noch eine entscheidende

Rolle.

Sebastian Kerkhoff, Bonial

Große Möbelhäuser 34 %

Klein(er)e Möbelhäuser 9 %

Teils teils

48 %

Weiß nicht 9 %

Kaufen Sie Möbel lieber vor Ort in einem Geschäft oder online?

Produkt erworben und ganze 65

Prozent gaben an, keine Einrichtungsgegenstände

in den letzten

zwei Jahren online bestellt zu haben.

Auf die Nachfrage, wo die allgemeine

Möbelkaufpräferenz liege,

gaben 62 Prozent an, lieber im stationären

Handel zu shoppen. 25

Prozent bevorzugen beides und nur

vier Prozent kaufen lieber im Netz.

Beim Vor-Ort-Kauf bevorzugen

34 Prozent große Möbelhäuser,

neun Prozent kleine Stores und 48

Prozent gaben an, beide Geschäftsvarianten

zu nutzen. An dieser Meinung

hat auch die Corona-Pandemie

nicht viel geändert. Bei nur 19 Prozent

hat sich die Vorliebe für große,

bzw. kleine Möbelhäuser geändert.

Davon gehen jetzt 63 Prozent lieber

in große Einrichtungshäuser und 37

Prozent in kleinere.

„Die Befragung zeigt deutlich,

dass das stationäre Einkaufserlebnis

beim Möbelkauf immer noch

eine entscheidende Rolle spielt. Da

Kaufvorbereitung, Informationsbeschaffung

und Mediennutzung vorwiegend

digital stattfinden, braucht

es digitale Touchpoints: Mit ,kaufDA‘

und ,MeinProspekt‘ unterstützen wir

Auf die Frage, welche Anschaffungen

derzeit verschoben werden,

antworteten die meisten Teilnehmer:innen:

Möbel (48 %), gefolgt

von elektronischen Geräten (44

%) und Haushaltsgeräten (42 %).

Lediglich 22 Prozent planen, in der

nächsten Zeit Möbel oder Einrichtungsgegenstände

zu kaufen, 20 Prozent

überlegen es und für 58 Prozent

kommt es aktuell nicht in Frage.

Bei denjenigen, die einen Kauf fest

im Blick haben, stehen Möbel für

das Wohnzimmer (46 %) ganz oben

auf der Einkaufsliste, gefolgt vom

Schlafzimmer (35 %) sowie Küche

und Outdoor (jeweils 28 %). Mit

64 Prozent setzen dabei die meisten

auf das mittlere Preissegment, 27

Prozent auf den Discount-Bereich.

„Die Ergebnisse zeigen deutlich,

dass eine große Mehrheit unserer

Nutzer die zunehmende Inflation

spürt. Der Bedarf an guten Deals,

lokalen Angeboten und aktivierenden

Kampagnen ist nochmals wichtiger

geworden“, betont Sebastian

Kerkhoff weiter.

SILJA BERNARD, KRISTINA TAPKEN

www.bonial.de

25

4

In welchem Preissegment wird der Möbelkauf liegen?

6

9

%

62

%

64

3

27

Lieber in einem

Geschäft

Lieber Online

Teils teils

Weiß nicht

Mittleres Preissegment

Discount

Gehobenes Preissegment

Design

7/8/2022 möbel kultur 41


KÜCHE

Eurocucina: Das war Mailand 2022

Aufbruch in

die dritte Dimension

Vertikale Strukturen,

die die Fronten optisch

aufbrechen, gehörten zu

den Top-Trends – auch

am Stand von Cesar.

Viva Eurocucina! Die Küche als globales

Live-Event ist zurück. Trotz aller aktuellen

Herausforderungen und etwas weniger

Andrang herrschte beste Stimmung in den

Mailänder Hallen und den Showrooms der

Stadt – endlich wieder News mit eigenen

Augen und Händen erleben. Im Fokus

standen vertikale Strukturen, Flächen wie

aus einem Guss und frische Farben für

einen gemütlichen Look.

54 möbel kultur 7/8/2022


Warme Rottöne schaffen Gemütlichkeit.

Dazu zeigte Stosa Cucine, dass

die Küche inzwischen sogar Teil des

Wohnzimmers werden kann.

Fronten mit spannenden 3D-Effekten zogen die Blicke auf sich.

So auch bei „Elementi“ von Snaidero. Die „Groove“-Front wartet

mit einem außergewöhnlichen Türeingriff auf.

Wie aus einem Guss wirken die Arbeitsflächen. Um eine komplett

flächige Optik zu realisieren, werden nun die Induktoren fürs

Kochen direkt in die Platte integriert – so auch bei Ernestomeda.

Der strahlende Sonnenschein,

die wenig gesichteten Masken

und die Freude über das

persönliche Erleben ließen auf der

Mailänder Eurocucina die großen

Sorgenthemen Krieg, Corona, Inflation

und Preisexplosion fast vergessen.

Überall herrschte Optimismus

und große Zufriedenheit über die

Internationalität der Veranstaltung,

auch wenn Russen und Chinesen

– wie erwartet – fast völlig fehlten.

Insgesamt zählte die Messe

mehr als 262.000 Besucher:innen.

Und so feierte die 60. Ausgabe des

Salone del Mobile einen gelungenen

Restart. „Wir haben die Ziele, die

wir uns gesteckt haben, erreicht und

übertroffen“, betonte Messe-Chefin

Maria Porro. Und dass die Stände

nicht ganz so überfüllt waren wie in

manchen Jahren vor der Pandemie,

empfanden viele als positiv.

Insgesamt umfasste die Eurocucina

vier Hallen. Die 9 und die

11 standen ganz im Zeichen der

Möbel. Zu den Anziehungspunkten

dort gehörten die Designmarken

wie Cesar, Ernestomeda, Scavolini,

Snaidero, Stosa, TM Italia und Veneta

Cucine. Mit Häcker, next125/Schüller,

Nobilia und Nolte zeigten auch

vier deutsche Hersteller Flagge. Die

Anspannung im Vorfeld, ob sich die

Investition in einen solchen Messeauftritt

lohnen würde, hatte sich

bei ihnen schnell in Wohlgefallen

aufgelöst. Mehr als zufrieden waren

alle mit Frequenz, Qualität und

Internationalität der Besucher:innen.

„Mailand steht für uns fest“,

unterstrich Markus Schüller die

Entscheidung für entsprechende

Exportambitionen.

Unter dem Namen „FTK – Future

Kitchen Technology“ präsentierten

sich in den Hallen 13 und 15 die

Geräte- und Zubehörmarken. Mit

kreativen Stand-Gestaltungen (u.a.

bei Bora, Elica, Neff, Siemens und

Smeg) überstrahlte das FTK-Segment

schon fast den Küchenbereich

und bewies, wie gut diese Hersteller

die Plattform inzwischen nutzen,

um ihre Stärken als Global Player

zu unterstreichen. Zu den Stand-

Highlights zählte hierbei zweifellos

Schock bei seiner Mailand-Premiere.

Aber nicht nur auf der Messe,

auch im Rahmen der Milan Design

Week gab es Küche zu entdecken.

Die Showrooms von Boffi, Valcucine

und Co. waren Besuchermagnete.

SieMatic stellte in diesem Rahmen

seine neue „Mondial“-Welt vor. Ein

besonderes Designerlebnis war der

Gaggenau-Auftritt im bekannten

Glaspavillon der Villa Necchi Campiglio.

Haier wiederum glänzte

inmitten der Zona Tortona auf

1.000 qm mit einer futuristischen

Connectivity-Show.

Top-Trend in Mailand: aufgebrochene

Optiken. Zeigten

sich die Küchen früher flächig

und horizontal, standen jetzt

3D-Fronten und vertikale Strukturen

im Fokus, vor allem Leisten,

Streben und Rillen in verschiedensten

Design varianten. Dies sorgte für

einen semi-transparenten Look,

spannende haptische Erfahrungen

– und manchen Überraschungseffekt.

Aha-Erlebnisse gab es auch bei

den Küchen, die sich fast komplett

„versteckten“. Denn unter massiven

Monoblöcken, oftmals mit

voluminösen Arbeitsplatten, und

Moving Tables verbargen sich Hightech-Funktionen

wie Stationen für

Ladekabel, herausfahrbare Tablare

und Stauraum sogar in Tischbeinen.

Die Arbeitsfläche zeigte sich wie

aus einem Guss, wenn die Induktoren

zum Kochen direkt ins Plattenmaterial

integriert waren. Und

die abklappbare Spüle verschwand

unter einer Platte. Lediglich die

Weinschränke waren überall sichtbare

Stars.

Im Zuge der Verschmelzung

wurde die Küche sogar nicht mehr

als Übergang zum Wohnen, sondern

als Teil des Wohnzimmers

inszeniert – mit offenen Regalen,

in denen neben Büchern die Geräte

hingen, eleganten Panel-Wänden

und Brücken. Ebenfalls angesagt:

das Spiel mit Geometrien, das den

Kontrast zwischen Ecken und Rundungen

spannungsreich arrangierte.

Bei den Materialien standen vielfach

dunkle, auch schwarze Hölzer

und Stein im Fokus. Ebenfalls gesehen:

Edelstahl. Für einen „cosy“

Look, der Gemütlichkeit in diesen

schwierigen Zeiten transportiert,

sorgten filigrane Rahmen und

warme, gedeckte Töne wie dunkles

Rot und Blau. Daneben erweitern

die Hersteller ihr Leistungsspektrum

immer mehr – neben Wohnen,

Home Office und Bad entdecken

sie das Outdoor- Potenzial. Frische

Impulse für sonnige Umsätze.


SILJA BERNARD

Panel-Wände mit modular einsetzbaren

Elementen schaffen – wie

hier bei Veneta Cucine – einen

individuellen, sehr wohnlichen Look.

Das Spiel mit Geometrien setzt

aufmerksamkeitsstarke Akzente.

Umgesetzt u.a. in der neuen

„Mondial“-Welt von SieMatic.

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KÜCHE

„Ich bin ein Prozessdenker,

mein Motto

ist ,Keep it simple‘“,

begründet Jungunternehmer

Joshua

Testa seinen Hang

zum papierlosen Büro.

Seit rund einem Jahr

managt er so sein

Geschäft im „Reddy

Cube“ Achern (o.r.),

das auch im Außenauftritt

ganz eigene

Akzente setzt.

Reddy Achern: Wie sich mehr Durchblick im papierlosen Büro realisieren lässt

Der Daten-Champion

Alle reden von den Vorteilen der Digitalisierung – bei Reddy Achern werden sie täglich

gelebt. Von der internen und externen Kommunikation bis zu straff organisierten

Abläufen gilt Inhaber Joshua Testa sogar in den eigenen Reihen des MHK-Franchisesystems

als Vorreiter. Wobei das neue Controlling-Tool „Iris“ für den Jungunternehmer

nun die konsequente Abrundung für sein „papierloses Büro“ darstellt.

Für Joshua Testa, 26 Jahre jung

und schon seit acht Jahren

engagierter Küchenfachberater,

ist alles Neue spannend und

eine Herausforderung, die er gern

annimmt. Diese Dynamik ist im

Gespräch über seine bisherige Karriere

deutlich spürbar. Mit 18 Jahren

begann der gebürtige Schwabe seine

Ausbildung zum Küchenfachberater

und wechselte dann zum MHK-Mitglied

Küchen Baum in Achern, nahe

Offenburg und französischer Grenze

– seit 16. September 2021 ist er

selbst Unternehmer. Und zugleich

Pionier unter den Reddyisten, weil er

als erster den „Cube“ umsetzte, der

aufmerksamkeitsstark aus Frachtcontainern

ein mobiles, „tiny“ Küchenstudio

ermöglicht. Schon weil dies

optisch aus der Reihe fällt, konnte

sich Joshua Testa schnell für das Konzept

begeistern.

Mit sechs Containern – inklusive

zwei „freischwebenden“ als Obergeschoss

– sei die 160 qm-Ausstellung

mit zehn Küchen genau richtig in

puncto Flächenproduktivität. „Und

sollte ich einmal einen neuen Standort

planen, bin ich flexibel,“ erkennt

der Jungunternehmer eine weitere

Chance. Aktuell ist die Lage am

Ortseingang von Achern mit täglich

16.000 vorbeifahrenden Pkw allerdings

kaum zu toppen. Dass der ehemalige

Arbeitgeber gleich nebenan

sitzt, sorge für zusätzliche Synergien,

zumal der „Reddy Cube“ gegenüber

dem MHK-Hochwert studio eine

eigene Klientel anspricht, die für

Küchen durchschnittlich 8.000 bis

10.000 Euro ausgibt.

Unterschiede zum früheren

Arbeitsplatz bei Küchen Baum gibt

es einige. Nicht nur weil Reddy als

Franchisesystem auf mehr Gemeinsamkeiten

beim Marktauftritt zählt –

von den Lieferanten (Nobilia, Impuls

sowie Bosch, Samsung, Zanussi) bis

zum Marketing. Neben den Funk­

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Statt lange nach der

richtigen Kundenmappe

zu suchen, ist bei

Reddy Achern alles auf

Knopfdruck im Blick.

Die digitale Infrastruktur

liefert dafür die

Microsoft-Anwendung

„SharePoint“, wo Aufträge

in Kundenordnern

– wie in elektronischen

Regalen – tabellarisch

einsortiert werden und

auf Abruf bereit liegen.

Prozesse und Metadaten

hat Joshua Testa

nach seinen Bedürfnissen

selbst strukturiert.

Sein Profit: Alle Daten

hat er oder ein anderer

Mitarbeiter jederzeit

und überall parat – am

Tablet oder Handy.

für ihn der Vergangenheit an. Aber

ja, vor dem Profit kommt die Disziplin,

gibt er zu, sowohl die eigene

als auch die der Mitarbeiter, damit

alle Daten auch immer am richtigen

Ort stehen. Wird die Datenpflege

vernachlässig, bricht „das

System“ zusammen. Wobei dieser

Gewöhnungseffekt bei einem Existenzgründer,

der von Null anfängt,

naturgemäß leichter ist. Überdies

stellt es gerade für ihn eine Riesenchance

dar, weil sich aus dem verfügbaren

Datenmaterial auch schneller

wichtige Erkenntnisse darüber

ziehen lassen, ob alles in geordneten

Bahnen verläuft.

Für Reddy Achern hieß es deshalb,

den gesamten Workflow vom ersten

Kundenkontakt bis zur Auslieferung

zu durchdenken und so effizient

wie möglich zu organisieren. Die

digitale Infrastruktur liefert dafür

die SharePoint-Anwendung, wobei

Tabellen (wie elektronische Regale),

Ordner-Symbole und Begrifflichkeiten

auf Vertrautes zurückgreifen

und damit kein digitales „Hexenspots,

die für eine große Bekanntheit

in der Region sorgen, setzt Testa

zudem in der Kundenkommunikation

eigene Akzente. Dazu gehören

Social-Media-Aktivitäten ebenso wie

die interaktive Küchenberatung. „Wir

haben alles digital, was digital sein

kann“, behauptet Joshua Testa. Wobei

er auch die Organisation seines

Geschäftsalltags meint. In die digitale

Welt ist der 26-Jährige sprichwörtlich

hineingewachsen, so ist für ihn

das Ausreizen der vielfältigen Web-

Anwendungen von „Office 365“

(wie Outlook, Word, Excel, Planner,

OneDrive bis zu Power-Automate)

eine Selbstverständlichkeit.

„Ich bin ein Prozessdenker, mein

Motto ist ,Keep it simple‘“, be -

schreibt sich Testa selbst und darum

nutzt er vor allem das Dokumentenmanagement

über Microsoft Share -

Point. Weil alles bequem zu verwalten

und von überall vom zentralen

Server abzurufen ist. Regale, die

mit Aktenordnern überfüllt sind,

und die ständige Suche nach einer

bestimmten Kundenmappe, gehören

werk“ sind. Grundsätzlich heißt

dies: Alles, was auf Papier vorliegt,

wird ggf. zum PDF umgewandelt

und zusammen mit anderen Daten

in nach Kunden benannten Ordnern

in die vorgegebene Tabellenstruktur

einsortiert, jeweils unter den zentralen

Stichworten „Vertrieb“, „Verwaltung“

oder „Logistik“. Je nach Status

der Auftragsbearbeitung werden die

Daten dann, vom Bearbeiter mit entsprechenden

Informationen ergänzt

und von einem Tabellenreiter zum

nächsten verschoben. Lediglich

Rechnungen und unterschriebene

Kaufverträge werden zusätzlich zum

Digitalarchiv in Papierform im Regal

aufbewahrt.

Der Nutzen erweist sich dann

recht schnell beim Abruf der Daten

unter den gewünschten Keywords.

Unter dem Stichwort „Aufträge“

zeigt sich beispielsweise sofort

eine Übersicht aller bestehenden

Kunden mit Auftrags- bzw. Bearbeitungsstatus,

nach Kalenderwochen

(Liefer-KW) sortiert. Die Tabelle gibt

zudem Auskunft über das geplante

Datum des Aufmaßes, den Stand der

Bearbeitung und Bestellung sowie

zur Lieferung und Montage, beziehungsweise

Änderungen mit Namen

des Bearbeiters. Unter dem Stichwort

„Logistik“ sind die nächsten

Steps ablesbar, vom Lieferdatum bis

zum zuständigen Monteur, Informationsstatus

an den Kunden und ob

alles bezahlt wurde.

Jeder Mitarbeitende (inklusive

der Monteure) hat ein Tablet oder

Smartphone zur Hand, sodass die

Daten an jedem Ort, zum Beispiel

auch beim Kunden zu Hause, einsehbar

sind. In den offenen PDFs

können auch mit dem digitalen

Pencil Änderungen vorgenommen

und abgespeichert werden. Für den

Datenschutz ist ebenso gesorgt und

zur Sicherung wird ein Backup auf

einem externen Server hinterlegt.

„Oft werden die Kundenmappen

zwischen den Mitarbeitern hin- und

hergereicht und man weiß zum Teil

nicht, auf welchem Schreibtisch die

eine, die man sucht, gerade liegt,“

berichtet Joshua Testa. Das koste viel

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HAUSMESSE SÜD

Hausmesse Süd 2022: Strahlende Möbelideen

... die 5 Stars aus dem Süden

„Die Sterne des Südens – gehen Sie auf Empfang“: So lautet das aktuelle Motto der Hausmesse Süd.

Es unterstreicht die Bedeutung der Möbelmarken aus Süddeutschland und zeigt eindrucksvoll auf, welche

Chancen und Vorteile ein Besuch der Showrooms für Händler und Verbände bietet. Die „möbel kultur“ hat bei

den fünf Protagonisten nachgefragt, was sie in diesem Herbst – vom 26. bis 30. September – alles vorhaben.

Himolla

Tierisch gut relaxen

Wir führen unsere Arbeit als Innovations- und Markenführer fort. Himolla positioniert

sich heute als starke vertrauensvolle Marke und darüber hinaus als ,State of the Art‘,

sagt Tamara Härty, Head of Product and Marketing. „Das Produkt ist weiterhin absolute

Herzensangelegenheit. Es steht im Zentrum und darauf baut alles auf. Sowohl Design,

Form und Funktion, Bezugsmaterialien und Farben, als auch die Performance und das

Styling auf Messen und die Ausrichtung in der Vermarktung mit dem neuartigen Auftritt

im Bereich Visual Marketing. Ziel ist es weiterhin, ein durchgängiges Markenerlebnis im

360° Radius zu schaffen. Ganzheitlich heißt dabei, auf allen Ebenen der Kommunikation zu

überzeugen. Besonders viel Freude schenkt dabei die kürzlich verliehene Auszeichnung des

,German Brand Award‘ in gleich zwei Kategorien. Die Neuausrichtung gelingt auch deshalb,

weil Himolla sich immer wieder neu erfindet. Wir sind stolz, dass unsere Mitarbeitenden

mitziehen und so den Erfolg ihres eigenen Handelns erleben können.“ www.himolla.com

3S Frankenmöbel

Optimierte Logistik

Das Thema Lieferzeiten treibt 3S Frankenmöbel derzeit besonders um. Ein neues Lager

für Kommissionsware soll die Logistik optimieren und für akzeptable Lieferzeiten

sorgen. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an seinem digitalen Auftritt, in dem

die visuellen Medien um Produktvideos erweitert werden, um ein möglichst realistisches

Einkaufserlebnis zu gestalten. Als Dauerthema bleibt Nachhaltigkeit im Fokus. So soll

der CO2-Fußabdruck des Betriebes weiter reduziert werden. Wie für alle Unternehmen der

Branche sind die Materialknappheit am Rohstoffmarkt und die damit verbundenen Preiserhöhungen

sowie die gestiegenen Energiekosten für 3S Frankenmöbel die größten Herausforderung,

die es derzeit zu bewältigen gilt. Nichtsdestotrotz war die Produktentwicklung

kreativ: Neue Wohn- und Speisezimmerprogramme, die Erweiterung des Tischsortiments

sowie eine Auffrischung des Bestsellers „WZ-0315“ standen auf der Agenda. Die Serie gibt

es ab sofort auch in Kernbuche (u.). www.3s-frankenmoebel.de

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Gwinner

Konzepte für den PoS

Für uns sind aktuelle Highlights am Markt geprägt durch die Materialität.

Entsprechend präsentieren wir zur Hausmesse eine moderne Produktneuheit

in diesem Bereich und entwickeln unsere Planungsthemen „Atena“

und „Fiera“ dahingehend weiter und setzen weitere Akzente im Bereich

Hirnholz, gibt Brand Managerin Tamara Gwinner bereits erste Einblicke

in die neue Kollektion. Aufgrund der sehr guten Entwicklung im Bereich

Speisen präsentiert das Unternehmen aus Pfalzgrafenweiler zudem diverse

Tisch- und Stuhlneuheiten. Darüber hinaus zeigt Gwinner eine umfangreiche

Produkterweiterung des Top-Modells „Bellano“ sowie des Programms

„Felino“, das ab sofort auch in der Trendlackfarbe Anthrazit erhältlich ist.

Ein weiterer Fokus wird auf dem Thema Garderoben liegen, das zur letzten

Hausmesse präsentiert wurde. www.gwinner.de

Paidi

Wandelbare Produkte

Oberste Priorität ist für Paidi, jede neue Elterngeneration mit trendigen Möbelideen optimal

anzusprechen. „Als Kindermöbelhersteller wenden wir uns jeden Tag aufs Neue an

werdende Eltern, die wir als Kund:innen für unsere Produkte dazugewinnen wollen“, sagt

die Paidi-Geschäftsführerin Anne-Laure Bigot. „Gerade arbeiten wir daran, für 2022 wandelbare

und langlebige Produkte zu entwickeln, die von der Geburt bis ins Teenageralter

Freude bereiten. Unsere Neuheiten werden den Alltag von Eltern und Kindern verschönern

und einfacher machen. Das runden wir ab durch stylische Farben und textile Highlights für

den gewissen Wohlfühl- und Kuschelfaktor.“ Eine echte Paidi-Innovation gab es zuletzt bei

dem sehr beliebten „Tiny House“ (u.). Die flexiblen und umbaubaren Hausbetten setzen seit

2021 Maßstäbe auf dem Markt. Das Modell ist wie alle Paidi-Programme veränderbar und

damit lange nutzbar: ein zentraler Aspekt für Nachhaltigkeit, denn das Bett kann mit dem

älter werdenden Kind durch neue Funktionen mitwachsen. www.paidi.de

Ruf Betten

Kund:innen begeistern

Nach dem erfolgreich umgesetzten Markenrelaunch im letzten Jahr, sieht sich Ruf

Betten jetzt großen Herausforderungen durch die bestehenden geopolitischen und

gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber. Herausforderungen, die das

Unternehmen gemeinsam mit den Handelspartnern durch ein gefestigtes Markenbild,

fokussierte Zielgruppenansprache und innovative Neuheiten erfolgreich meistern

will. „Denn so schaffen wir den Anreiz um auch weiterhin die Kund:innen von unseren

Produkten begeistern zu können. Daher dürfen sich unsere Besucher der Hausmesse

Süd 2022 auf neue, faszinierende Schlaflösungen von international bekannten

Designern wie Kommerkors, Panreck & Klein und Pascal Bosetti freuen. Neuartige

Funktionsbeschläge, sowie die Modernisierung unserer Systemprogramme runden

die Neuheiten bei Ruf Betten ab. So garantieren wir weiterhin erholsame Nächte

für Vitalität und Wohlgefühl“, heißt es aus Rastatt. „Lassen Sie sich überraschen!“

www.ruf-betten.de

Foto: Shestakov Dmytro / shutterstock.com

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SCHLAFEN

Sind dabei, Loddenkemper

zu alter Stärke

zurückzuführen: Inhaber

Markus Wiemann (M.)

und die Geschäftsführer

Waldemar Bauer (r.) und

Steffen Urbschat (l.).

Auf den XXL- Plakaten

halten Mitarbeiter

ihren Kopf für ihren

Arbeitgeber hin.

Loddenkemper: Beim Traditionsunternehmen hat sich viel getan

Jetzt keine „verstaubte

Perle“ mehr

Auf Sonderlösungen versteht sich Loddenkemper. Daher wird Maßfertigung bei der

Herbst-Hausmesse ein Fokusthema. Dass das Unternehmen knapp vier Jahre nach der

Übernahme durch Wiemann zurück ist, wurde bei einem „möbel kultur“-Besuch deutlich.

Loddenkemper ist auf gutem

Weg an ruhmreiche Zeiten

anzuknüpfen. Knapp vier

Jahre nach der Übernahme durch

die Familie Wiemann, Inhaber der

Oeseder Möbel-Industrie Mathias

Wiemann in Georgsmarienhütte,

hat sich beim Traditionsunternehmen

viel getan. Davon konnte

sich die „möbel kultur“ bei einem

Besuch in Oelde im Rahmen einer

VDM-Pressereise überzeugen.

Als „verstaubte Perle“ beschreibt

Markus Wiemann die vorgefundene

Fertigung und erinnert sich, früher

während der Kölner Möbelmesse

stets ehrfurchtsvoll zum Stand von

Loddenkemper gepilgert zu sein.

Auch in Sachen industrieller Fertigung

sei die Firma damals ein

Vorzeigeunternehmen gewesen

und das soll es wieder werden.

So guter Dinge Markus Wiemann

ist, im Markt einiges bewegen zu

können, so sicher weiß er, dass es

dafür einen langen Atem. Denn mit

Geld für neue Maschinen allein ist

es nicht getan. Der Handel müsse

als Geldgeber mitspielen, die neuen,

auf Messen vorgestellten Modelle

kaufen, in seinen Ausstellungen platzieren

und am besten in Prospekten

bewerben, erst dann wisse man, ob

Endverbraucher auch aufspringen.

Im Herbst wird Maßfertigung

ein Schwerpunktthema sein, verrät

Steffen Urbschat, der hier und

in Georgsmarienhütte Geschäftsführer

ist. Auf um die 7 Prozent

schätzt er den aktuellen Anteil der

Sonderlösungen im Schlafbereich.

Ob Dachschrägen oder Stauraumlösungen

bis 265 cm, die „aufgeräumten

Baukästen“ mit zurzeit ca.

6.900 Bauteilen bieten viel Spielraum

für individuelle Lösungen in

Schlaf- und Wohnräumen. Und die

enorme Möbel-Vielfalt wird lackiert,

furniert oder vollmassiv angeboten.

Premiere bei Femira, das damals

im Verbund mit Loddenkemper von

der Hüls-Gruppe übernommen

worden war, feiern zur Hausmesse

Modelle, die nach unten abgesenkt

werden können und so der Gefahr

vorbeugen, aus dem Bett zu stürzen

und sich dabei zu verletzen.

Und ganz neu stellt Loddenkemper

im 2.500 qm großen Ausstellungszentrum

komplett eingerichtete

Hotelzimmer vor. Eine

Zufallsbekanntschaft führte zum

Einstieg ins Projekt- und Objektgeschäft,

für das jetzt ein Netzwerk

gesponnen wird. Hotels sind für

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Die Kompetenz für raumhohe Stauraumlösungen im Schlafbereich

ist im 2.500 qm großen Ausstellungszentrum in Oelde

ebenso zu sehen wie eine große Auswahl an Femira-Betten.

Im Herbst kommen absenkbare hinzu.

gebrandete Femira-Matratzen, auf

denen Gäste gut geschlafen haben,

beste Werbung. Im extrem volatilen,

aber lukrativen Markt werden langfristig

10 bis 15 Prozent Umsatzanteil

angestrebt. Hier zahle es sich

aus, dass der Handel uns leistungsfähig

gemacht habe, so Markus

Wiemann. Er sieht die zunehmende

Macht der Einkaufsverbände und die

damit verbundenen Schwierigkeiten,

als Lieferant für die Einstiegspreislagen

notwendige Preiserhöhungen

durchzusetzen, mit Sorge und das

Projektgeschäft als ein Ventil. Schon

weil die Gespräche mit Partnern in

diesem Bereich eine ganz andere

Qualität haben und eben nicht mit

dem Satz „Was kostet das?“ beginnen,

ist „jedes Brett, das wir durch

den Kanal Projektgeschäft schieben,

vermeintlich ein gesünderes Brett.“

Erfolgreich bemüht sich Loddenkemper

den Exportanteil hochzuziehen

und ist schon heute als White

Label-Produzent unterwegs, ob für

Joop, Musterring, die Schöner Wohnen-Kollektion

oder auch Leonardo

Living.

Möglich machten all das erst

hohe Investitionen in die Fertigung.

Aufgabe von Geschäftsführer Waldemar

Bauer war es, hier Grund einzuziehen,

denn unter der Hüls-Flagge

sei jahrelang wenig in Hinblick auf

Verbesserung der Strukturen und

Prozesse passiert, was auf die Mitarbeiter-Mentalität

abgefärbt hatte.

Loddenkemper ist ins Projektgeschäft eingestiegen und zeigt

im Herbst erstmals komplett eingerichtete Hotelzimmer.

Der Spirit der zurzeit 190 Mitarbeiter

ist jetzt ein anderer. Auch

ausgebildet wird seit drei Jahren

wieder und bereits viel produktiver

produziert. „Nach dem Erwerb

einer Plattenzuschnittssäge 2020

konnten wir innerhalb von drei

Monaten von Zukauf auf Eigenfertigung

umstellen“ nennt Waldemar

Bauer ein Beispiel und versichert,

dass die schon ordentliche Oberfläche

durch Investitionen in die 80 m

lange Lackstraße deutlich verbessert

werden konnte.

SUSANNE KRAFT

www.loddenkemper.de

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OUTDOOR

1

Fotos: Koelnmesse, „spoga+gafa“ (4)

2

„spoga+gafa“: Erfolgreich zurück

Grillduft und

viel „Grünes“

„Let‘s make 2023 greener than ever!“ Das Motto von Ehlo

stand für viele der ca. 1.000 „spoga+gafa“-Aussteller, die

ebenso aufs Thema Nachhaltigkeit setzten. Tägliches Showgrillen

und Geräte- sowie Zubehör-Finessen unterstrichen,

welch hohen Stellenwert auch das Genießen draußen hat.

Mit 25.000 Besucher:innen, davon 67 Prozent aus dem Ausland,

war die Messe der Treffpunkt für die Grüne Branche.

Ein leichter Grillgeruch wehte

durch die BBQ-Hallen der

„spoga+gafa, die erstmals im

Juni bei schönstem Sommerwetter

stattfand. Dort gab ebenso viel

Neues zu entdecken wie in den

anderen durchweg „grünen“ Hallen.

Gesprächsstoff lieferten auch die

trendigen Inszenierungen. Und für

echtes Messefeeling sorgten nicht

zuletzt die lange vermissten persönlichen

Begegnungen.

„Die Qualität der Besucher hat

die Masse deutlich überragt. Wir

hatten sehr substanzielle Gespräche

mit den richtigen Personen“,

so Andreas Fonken, DACH-Verkaufsleiter

bei Fiskars, der von einer „sehr

guten Messe“ sprach. Auch Anna

Hackstein, Geschäftsführerin des

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4

3

1. Endlich wieder Messe: Zeitweise brauchten

die Besucher:innen am Eingang etwas Geduld.

2. Sehenswert, die großzügig dimensionierten

„Outdoor Living“-Sonderflächen. 3. Deko-Idee:

Grünpflanzen lieben Luftfeuchtigkeit und sorgen

für Dschungelfeeling in der Wanne. 4. Ins Grüne

lud Sunbrella ein und führte viele gute Gespräche

über technische Stoffeigenschaften. 5. Flower-

Power – die „Taavi Flower“-Sonderedition zum

75-jährigen Stern-Jubiläum zog durch den Bezug

auf dem Aluminiumgestell Blicke auf sich.

6: Schlug Wellen, die „Ocean Collection“ von

Elho aus 97 Prozent recyceltem Kunststoff.

7. Der Clou des Schaukelstuhls von „Schöner

Wohnen“: Die Kufen lassen sich ganz einfach

entfernen, wenn Bewegung nicht gewünscht ist.

5

6

7

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OUTDDOR

Exklusive und hoch individuelle

Planungen sind die Spezialität der

Wesco-Outdoorküche, wie hier

bei einem Projekt hoch über den

Dächern von Palma.

In der Villa Wesco auf Mallorca

entstand die Idee für die

Outdoorküche der Marke.

Fabian Quandt, Produktmanager

Outdoorküchen, zeigt in der

Fertigung die Aluminiumverbundplatten

mit Wabenkern.

Daneben: Per Touchsensor

funktioniert das Hubsystem im

Eckmodul.

Wesco: Von Mallorca nach Arnsberg in die ganze Welt

Exklusivität ist Trumpf

Outdoorküchen boomen. Bereits vor vier Jahren stieg Wesco in dieses lukrative Geschäft

ein. Das modular aufgebaute System lässt sich für Terrasse und Garten individuell und

objektbezogen gestalten. Die Küchenmodule werden in Arnsberg produziert. Die „möbel

kultur“ machte sich vor Ort in der Fertigung und im Showroom ein Bild davon.

Auf Mallorca erdacht, in

Deutschland gemacht“ titelt

Wesco auf seinem aktuellen

Katalog. Denn die Idee für die

Outdoorküche des Unternehmens

entstand auf Deutschlands beliebtester

Urlaubsinsel. Dort betreibt

das Unternehmen seit 2016 die

Villa Wesco, ein exklusives Lifestyle-

Einrichtungshaus in Santa Maria

del Camí, das Urlaubsdomizilen

auf den Balearen mit einem Komplett-Service

zu einem wohnlichen

Interieur mit persönlichem Charme

verhilft. Im landestypischen Hauptgebäude

der Villa Wesco und dem

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angrenzenden Herrenhaus werden

in einem ansprechenden

Ambiente Indoormöbel wie Esstische

und Stühle, Sofa-Garnituren,

Beistellmöbel, Wanddekorationen

und Keramik sowie Kissen und

Teppiche namhafter Marken wie

Eichholtz, Hilker, Lambert, Dôme

Deco, Pad, Kaheku und Scapa

Home präsentiert. Außerdem dürfen

natürlich die Abfallsammler

und Küchenaccessoires von Wesco

nicht fehlen, die im Hauptgebäude

untergebracht sind. Im Außenbereich

finden Kund:innen alles, was

das Leben unter freiem Himmel

schöner macht: Lounge-Garnituren,

Sonnenschirme, Sonnenliegen,

Daybeds, Sitzgruppen, Esstische

und Stühle sowie ausgesuchte

Keramiken, Essgeschirre und Glas.

Marken wie Glatz, Stern, Gloster,

Tuuci, Limited Edition, Stern und

BMB Italy sorgen auch hier für eine

hochwertige Produktauswahl.

Eben dieser hübsche Garten mit

zahlreichen Bäumen und Palmen

und großzügiger Terrasse diente als

Inspirationsquelle für die Outdoorküche.

Da Mallorca in der Regel

aber mit deutlich mehr Sonnentagen

gesegnet ist, als der größte Teil

Deutschlands, war von Anfang an

klar, dass das neue Produkt besonders

robust und widerstandsfähig

sein muss. So besteht das Gestell

aus Aluminiumprofilen, die alle mit

eigenen Werkzeugen von Wesco in

Arnsberg hergestellt werden – in

unmittelbarer Nachbarschaft zur

deutschen Villa Wesco, in der die

Unternehmenszentrale beherbergt

ist. „Der patentierte Schrankkorpus

ist eine Symbiose aus eben diesen

Aluminiumprofilen und Aluminiumverbundplatten,

die als Basis

für 3 mm starke Dekorplatten dienen“,

erklärt Fabian Quandt, Projektmanagement

Outdoorküchen.

Der Vorteil liegt in der schnellen

Austauschbarkeit der Dekorplatten,

die wahlweise aus Kompaktmaterial,

Keramik oder Glas bestehen.

Die Arbeitsplatten sind ebenso wie

die Spülen aus Keramik gefertigt

und können alternativ mit einem

Aufbau-, Unterbau- oder flächenbündigen

Becken versehen werden.

Während die Armaturen aus Edelstahl

– ebenfalls in Deutschland

– konfektioniert werden. Auch in

Sachen Elektro-Geräte bleiben bei

der Wesco-Küche kaum Wünsche

offen. Außer einem Wokbrenner

lassen sich alle Techniken von Teppanyaki,

Gas- oder Keramikgrill

über Induktionskochfeld bis hin

zum Geschirrspüler integrieren.

Beim Material wird an nichts

gespart, genauso wenig wie bei

den elektrischen Gimmicks, wie

z. B. einem eigens entwickelten

Hub-Lift-System oder spezieller

Beleuchtung, die individuell nach

Bedarf integriert wird. Aktuell

arbeitet die Produktentwicklung

an einem speziellen Keder, der so

an den Küchenmodulen befestigt

werden kann, dass die Abdeckung

einfach eingezogen und von den

Nutzern nur noch per Reißverschluss

geöffnet und verschlossen

werden kann.

Die Klientel ist schließlich

anspruchsvoll. Dabei ist die Bandbreite

groß. Von dem stylishen City-

Loft in Berlin mit gleich zwei Outdoorküchen

– eine private, eine für

Gäste – über großzügige Modelle

für den weitläufigen Garten bis hin

zu kompakten Einheiten auf der

Luxus-Yacht reicht das Repertoire,

das immer eins gemeinsam hat:

„Unsere Kund:innen wollen nichts

von der Stange, sondern Individualität

ist entscheidend“, sagt Fabian

Quandt.

Und entsprechend gestaltet sich

auch der Vertrieb keinesfalls geradlinig

und simpel. Derzeit vermarkten

etwa 30 Küchenhändler die

Wesco-Outdoorküche. Doch ebenso

mit Landschaftsbauern, Unternehmen,

die Beschattungssysteme vermarkten,

sowie Firmen, die Swimming-Pools

anbieten, ist Wesco im

Gespräch, um neue Vertriebswege

zu gehen und an die finanzkräftige

Klientel zu kommen. Voraussetzung

für eine Zusammenarbeit ist, dass

die jeweiligen Partner:innen mit

dem Planungsprogramm von Wesco

arbeiten. „Unser Vorteil ist, dass

wir über eine eingeführte und

bekannte Marke verfügen, während

alle anderen Anbieter sich diese erst

einmal erarbeiten müssen“, freut

sich Fabian Quandt.

Auf die Frage, wie das Geschäftsjahr

für Wesco insgesamt bisher

läuft, antwortet er: „Wir sind guter

Dinge. Da wir breit und sehr international

aufgestellt sind, rechnen

wir mit einer positiven Entwicklung.“

Das Erlebnis rund um die

Outdoorküche von Wesco kann die

Möbelbranche während der Area30

erleben.

RITA BREER

www.wesco.de

Auch Luxusyachten wie die in Palma

auf Mallorca stattet Wesco aus. Das

Projekt wurde gerade finalisiert.

Bei den Kühlschränken arbeitet das

Unternehmen mit Caso zusammen.

7/8/2022 möbel kultur 101

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